BERLIN Freitag 10. Mai 1929 10 Pf. Nr. 215 B107 46. Jahrgang. erscheint tigltch auier Sonataz«. Zugleich Abendausgabe de«»VonvSrt«'. Dezugeprei« beide Ausgaben»SPf.»ro Woche, S,«»M. pro Monat. Redaktion und Tmdition; Berlin SWes, Lindenßr. 3 Sfiaiaiih�aße Jßh i a t e l g e n p r e i«: Die einspaltige Nonpareillezeile So Pf.. Reklameteil« b M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkont«: DorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»75Z6. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis SS? Der Kampf der Gläubiger. Einigung über den Verzicht noch nicht erzielt. Die steuerfreie Michsanleihe. Oer Kapitalist:„Hm- sieben Prozent, kein Steuerabzug vom Kapitals- ertrag, keine Vermögenssteuer,- hm, ganz gut. Nu geben Sie mir noch die Stücke zehn Prozent unter pari und Sie sollen sehen: ich bin ein Patriot!� Klugzeugkatastrophe bei Kastel. Die drei Znsassen schwer verstümmelt und getötet. Paris, 10. Mai.(Eigenbericht.) Der Reichsbansprüsident Dr. Schacht hat dem Kon- ferenzvorsihenden Lwen?1oung am Tonnerstag abend mitgeteilt, dast das angekündigte deutsche Schrift- stück mit den Vorbehalten zum Doungschen Plan noch nicht fertiggestellt sei. In Konferenzkreisen er- wartet man auch nicht, daß es vor Beilegung des Streites unter den Alliierten über die Verteilung der deutschen Zahlungen vorgelegt werden wird. Tie Ver» zögerung erklärt sich daraus, daß man die Schwierigkeit» der Verhandlungen nicht unnütz zu erhöhen wünscht. England wird nicht verzichten. London, 10. Mai. Auf die Frage, ob sich die Zuständigkeit des Repa- rationssachverständigenausschusses auch auf Abände- rungen im Berteilungsschema von Spa erstreckt, und ob die Negierung ihre Vertreter im Ausschuß über ihre An- sichten in dieser Frage unterrichtet habe, erklärte in der heutigen Unterhaussitzung CThurchill: Der Sachverständigenausschuß, der gegenwärtig in Paris tagt, setzt sich aus unabhängigen Vertretern der verschiedenen beteiligten Länder zusammen. Ich habe mich natürlich während der ausgedehnten Verhandlungen in Fühlung mit den britischen Delegationsmltgliedern gehalten, und ich habe einen großen Eindruck von ihrer Auffassungsgabe und ihrem Verständnis für die ganze Lage erhalten. Wir haben jedoch niemals bestimmte Instruktionen an diese Herren geschickt, und wir wollen das auch bei dieser Gelegenheit nicht tun. Dem Sachverständigcnansschuß muß es überlassen bleiben. seine Beschlüsse selbst zu fassen. Diese Beschlüsse— gleichgültig, ob man ihnen zustimmt oder nicht— binden in keiner Weise die Regierung, die vollständig frei bleibt und ihre eigenen Entschließ»»- gen über die Arbeiten und die Empfehlungen des Sach- verständigenausschusses fassen wird. Es ist daher auch klar, daß keine Notwendigkeit besteht, und daß es in gleicher Weise verfrüht und untunlich für die' Negierung sein würde, über Einzelheiten sich auszusprechen, wie groß auch immer ihre Bedeutung sein mag. Um jedoch Mißverständnisse im Ausland und Beunruhigungen im Inland zu vermeiden, ist es vielleicht wünschenswert, daß ich erkläre, daß jene Art von Vorschlägen, die gestern in der Presse angedeutet wurden, nach unserer Meinung unannehmbar sind, und daß die Regierung sie sich unter keinen Umständen zu eigen machen wird.(Beifall.) Als weitere Anfragen über die Vorschläge Owen Houngs gestellt werden, weigerte sich Churchill, über die in einer Kabinettssitzung formulierte Regierungserklärung etwas zu sagen. Der Sprecher unterband dann jede weitere Anfrage mit dem Bemerken, der Schatzkanzler werde nicht antworten. Das Parlament wird heute, Freitag, mit einer Thron- rede aufgelöst. Das neue Parlament tritt voraussichtlich am 25. Juni zusammen. * In den ersten Wochen ihrer Beratungen hatten die Sach- oerständigen sich gemeinschaftlich darum bemüht, die technischen Voraussetzungen der endgültigen Reparations- lösung zu finden. Dann kam die Debatte zur Fortsetzung der .Dauer und der Höhe der deutschen Zahlungen auf Grund der Leistungsfähigkeit oder Entbehrungsfähigkeit. An dem Konflikt der Deutschen auf der einen und der anderen Sachoer- ständigen aus der anderen Seite drohte die Konferenz auf- zufliegen. Jetzt ist das dritte Stadium erreicht. Dr. Schacht und der amerikanische Vorsitzende haben sich auf eine Reparationszahlung von etwa zweiMllliarden geeinigt. Das bedeutet eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen um rund eine halbe Milliarde jährlich gegenüber der deutschen im sogenannten Dawes-Plan festgesetzten Normaljahresleistung. Die deutsch-amerikanische Einigung in Paris mußte nun zwangsläufig zu einem Kampf der Alliierten untereinander darüber führen, wie der Verlust von 500 Millionen jährlich auf die Alliierten verteilt werden soll. Amerika hält mit unbeugsamer Zähigkeit daran fest, daß !(Fortsetzung auf der 2. Seite.) Del tllkenhogen in der Nähe von Kassel stürzte am himmelsahrtstage ein Flug, eugder tschechoslowakischen Luswerkehrsgesellschast. das aus der Linie Rotterdam— Prag verkehrt, ab. Die drei Znsassen, der Pilot, der Lord- monleur und ein deutscher Passagier, der Kaufmann Franz p e l e r S aus Münster i. w., wurden getötet. Das furchtbare Unglück ist mit größter Wahrscheinlichkeit auf dos regnerische und neblige Wetter zurückzuführen. Der Führer, der in eine Regenwolke gekommen ist, hat sich anscheinend nicht mehr orientieren können und das Gleichgewichtsgefühl verloren. Er ist dann in den unter ihm befindlichen Wald hinein- geflogen. Der Schauplatz des Unglücks bietet einen grauen- haften Anblick. In einer Breite von 20 und in einer Länge von über 60 Metern hat sich das Flugzeug«in« künstliche Schneise durch den starken Buchenwold gebahnt. Bei den ersten Bäumen sind die Kronen wie abrasiert, und die wie Streichhölzer geknickten Baum- stamm« bezeichnen den weiteren Weg, d«r schräg abwärts führt in eine Gruppe von vier Buchen, von denen jede etcvas mehr als<0 Zentimeter im Durchmesser hat. Sogar diese letzten vier Bäume sind noch wie mit einer Säge abge- schnitten und umgelegt worden, ehe sich an ihncw die Gewalt des Flugzeuges brach. Das Flugzeug lag, inmitten der Baumtrümmcr zerborsten, mit zersplitterten Tragflächen, zertrümmertem Motor und völlig eingedrücktem Führersitz eingeklemmt. In diesem schau- rigen Trümmerhaufen lagen die Besatzung und der Passagier, alle drei entsetzlich verstümmelt, der Bordmonteur Holik fast bis zur Unkenntlichkeit. »er Mordprozeß Dulardin Mmanns Geständnis Berichte 2. Seite. Ein Kind aus dem Zuge gestürzt. Vorwürfe gegen die Reichsbahn. Belm Rückkranspork einiger kindet vom Echolungs- oufenihalt in keppschloß(Sächsische Schweiz) ist wieder ein Unglück passiert, das Folgerungen für derartige Fahrten überhaupt noch sich ziehen muß. Der kleine siebenjährige Heinz Schröder aus der Fruchtstraße S7 kam einer Tür- klinke zu nahe und siel kurz vor Großenhain aus dem sahrenden Zuge. Das Kind wurde mit schweren Kops- Verletzungen und einer Gehirnerschütterung Ins Großenhainer Kronkenhaus gebracht und ist seinen schweren Berlehungen erlegen. Aus Anfrage wird uns vom Jugendamt Friedrichs» Hain zu diesem außerordentlich bedauerlichen Unglücksfall mit- geteilt: Es besteht immer noch die Gepflogenheit bei der Kinder- Verschickung, auf 2 5 Kinder nur einen Begleiter für größere Transporte mitzugeben. Nur dem Drängen der Jugend- ämter ist es zu danken, daß heute oft schon mit diesem Grundsatz gebrochen wird. Ein entsprechender Antrag der Jugendämter ist noch nicht entschieden. Auch in diesem Falle waren von dem zu- ständigen Jugendamt aus 27 Kinder 2 Begleiter mitgegeben. Leider war die Einteilung so, daß die Helfer nicht ohne weiteres alle Kinder dieses Bezirks selbst beaufsichtigen konnten. Zudem kam«» immer noch auf fünf Abteile nur zwei Begleiter. Sie konnten trotz der kleinen Verbindungstüren nicht zugleich die Uebersicht über alle Abtelle gewinnen. Hinsichtlich der Auswahl der Begleiter wird sehr sorgsam verfahren. Hier war es ein älterer Beamter des Jugendamts Mitte, der bereits mehrere Kindertrans« parte hinter sich hat und als sehr zuverlässig bekannt war. Und dann ist ein anderer wichtiger Punkt zu beachte». Immer wieder verlangten die Jugendämter von der Reichsbahn, daß für größere Transport«— in diesem Falle Handelt« es sich um insgesamt 140 Kinder— O-Zug-Wagen zur Verfügung gestellt werden möchten. Das stößt dort auf hartnäckigen und mit wichtigen Argu- menten nicht belegbarm Widerstand Auch hier wurdm die R». lichen JJ.-Klasse-Wcigeii genommen. Sie haben eine Unmenge Türen, und in 1<>dem Abteil sind nur höchstens acht Kinder unterzubringen. Das erschv-'ert dem Helfer völlig die Ueberstcht. Man half sich mit dem Bestredm, alle Türen zu verschließen, sofern kein Helfer an- wesmd war. Äach den bahnamjlichen Bestimmungen darf das aber nur auf der einen Seite geschehen, so daß immer noch— wie im vorliegenden Falle— fünf Türen geöffnet sind Bei weiten Fahrten— da in letzter Zeit V-Zug-Benutzung imnier verweigert wird, dauern sie manchmal 12 und 13 Stunden— erstehen dann für den Begleiter die stärksten Besorgnisse. Bei Rächt- fahrten können schlaftrunkene Kinder beim Austreten leicht an die falsche Tür geraten. Der Helfer selbst darf die ganze Zeit nicht in seiner Aufmerksamkeit gehindert werden. Er darf eventuell 10, 12 und mehr Stunden keinerlei eigene Bedürf- niss« haben, will er sicher gehen, daß alles gut verläuft. Das stellt Anforderungen, die jene Fahrten wahrhast zu einem schweren Dienst machen.(Auch bei der Rückreise wird trotz der langen Fahrten von der Reichsbahn den Begleitern nicht einmal die Berechtigung zur V-Zug-Benutzung erteilt.) Darum sollte man den Helfern von allen Stellen aus auch alle nur erdenklichen Erleichterungen bieten. dann ist der Sicherheitsgrad um ein Bedeutendes gesteigert. Und die dringendste Forderung geht dahin, für größere und länger dauernde Transporte: mehr Begleiter und nur V Zug. Wagen für Kinder._ Streit um die Reparation. (Fortsetzung von der I.Seite.) die europäischen Alliierten ihm ihre Kriegsschulden nach dem Schuldenabkommen von 1924/25 62 Jahre lang zurückzahlen; die Vereinigten Staaten haben eine innere Kriegsschuld von 80 Milliarden Mark, so daß es keine amerikanische Regierung wagt, dem amerikanischen Steuerzahler höhere Steuern wegen! eines Verzichts auf Zahlungen aus Europa zuzumuten. An- dererseits beruhen diese Abkommen auf der Annahme, daß Deutschland jährlich 2� Milliarden aufbringt, also den euro- päischen Siegern ihre gesamten Kriegsschulden an Amerika und dazu noch Frankreich und Belgien die Wiederaufbaukosten erstattet. Deshalb sind die deutschen Reparationen zuerst 1921 in S p a und dann später(192S) so unter den Alliierten verteilt worden, daß Frankreich 5416, England 23�, Italien 10, Belgien 4% Proz. erhalten. Frankreich hat nun bisher grundsätzlich darauf verzichtet, daß ihm der Wiederaufbau völlig wiedererstattet werde. Aber es ist nicht damit einverstanden, daß es auf 54 Proz. von den 500 Millionen verzichten soll, die Deutschland nach dem Vorschlage Schacht-Boung weniger zu leisten haben wird. Es erstrebt daher eine Aenderung des Verteilungs- fchlüssels. Poung kam angesichts des französischen Wider- standes daher aus den Gedanken, Englands Reparations- anteil zu kürzen. Churchills Unterhauserklärung ist die Gegenantwort darauf. England will an dem Grundsatz der Balfour-Rote, daß es soviel von Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien zu bekommen hat, wie es an Amerika zahlen muß, unverändert festhalten. So geht, ohne daß im Augenblick Deutschland hinein- gezogen ist, der Kamps um den Anteil an der Reparation scharf weiter. Der Zwang zu einer schließlichen Einigung be- steht darin, daß eine Transferein st ellung wegen allzu hoher Reparationsleistung die Gläubigernationen schwerer treffen muß als der Verzicht auf einen Teil, der ihnen den dauernden Bezug der Reparationen sichert. Ob diese Erwägung der wirtschaftlichen Vernunft sich bereits in den nächsten Tagen durchsetzt, wird sich zeigen. Rachtsihung im Mordhause. Ltnwahrscheinlichkeiien in der Aussage der Krau Laquei. Insterburg, 10. Mai. Das Wiederaufnahmeverfahren des hilfsgendarm» Paul vuj ardin hak am Mittwoch in später Nachtstunde nach einer mehr als zehnstündigen Zeugenvernehmung im wichtigsten Abschnitt der Beweisaufnahme seinen vorläufigen Abschluß gefunden, der die Basis für die weitere Verhandlung in Insterburg gebracht hat. Der zweitägige Lokaltermin in Klein-Solischken hat zu Ergebnisien geführt, die für den jetzt beginnenden Endkamps zwischen dem Angeklagten D« j a r d i n und der Hauptbelastungszeugin Frau Zaquet-Hoelzner von größter Bedeutung sein wird. Die Gerichtsverhandlung in den Abendstunden bot ein unge- möhnlich phantastisches Bild. In dem großen Bauernzimmer, das zum„Gerichtssaall' umgewandell war, marschierte die Reihe der Zeugen auf, die für oder gegen den Angeklagten oder Frau Iaquet- Hoelzner aussagten, und die zum großen Teil sich nach zehn Iahren der Einzelheiten nicht mehr zu erinnern vermochten. Auf dem Bauern- Schlafzimmer. Der Helligkeitsgrad in dem kahlen ungemütlichen Raum entsprach gestern abend fast genau den Bedingungen der Mordnacht. Es war so finster, daß man den Umriß emes Menschen, selbst wenn er nur drei Schritt entfernt war, nicht mehr sah, daß man die Umrisse selbst nicht mehr erkannte, wenn der andere sich gegen ein Fenster zu bewegte; durch das doch immer ein« gewisse Helligkeit der sternenklaren Nacht hereinbrach Rechter und Geschworene nahmen nacheinander in einem der Betten die Stellung ein, die Frau Iaquet in der Mordnacht gehabt haben will, als der Todesschrei des Mannes sie aus dem Tiefschlaf aufweckte. Be- kanntlich will Frau Iaquet aufgefahren sein und neben sich, zwischen den Betten,„den schwarzen Schatten" über ihren Mann gebeugt gesehen haben. Aber bei den gestrigen Versuchen oermochte keiner der Richter oder Geschworenen in diesem undurchdringlichen Dunkel zu erkennen ob zwischen den beiden Bett«« ein anderer Mensch stand oder Nicht Diese sehr wichtig« Feststellung führte zu dem zweiten Experiment, ob der Mörder die Frau hätte entkommen lassen, wenn sein« Absicht dahingegangen wäre, eine Flucht der Frau Iaquet zu verhindern, deren Geschrei ihm doch zum Verhängnis werden mußte. QericM am Taiot'i Angektagler Shtjardin gibt dem Qerichl Erklärungen ab. Vom„Massenstreit". .Auf dem Vau in der Auenstraße von der Firma Günther wurde am Freitagabend von der Belegschaft beschlossen(mit 22 gegen 4 Stimmen), am Sonnabend an dem 24skündigen Proteststreik gegen den Arbeitermord in Verlin teilzunehmen. Als am Sonnabend früh die Belegschaft zur Demonstratton gehen sollte, fanden sich allerdings nur drei Kollegen, die den Be- schluß des vorigen Tages durchführten." Diesen schlichten Bericht hat nicht etwa ein„sozialfaschiftifcher" Gewerkschaftsmann abgefaßt. Er stammt von einem„revolutionä- ren" Arbeiterkorrespondenten und ist am 9. Mai im„Klassen- kämpf" erschienen(„Kommunistisches Organ für den Bezirk Halle- Merseburg"), der an Stelle der verbotenen„Roten Fahne" in Berlin verbreitet wird. Oer Schüler Artmann hat gestanden. Er hat se-.nen Vater umqebracht. Wien, 10. Mai.(Eigenbericht.) Im Elternmordprozeß gegen den Schüler Fer- dinand A r t m a n n hat der Angeklagte gestanden» seinen Bater getötet zu haben. Mittwoch abend fand der Lokaltermin in der Villa Art- mann statt. Dabei spielte sich eine erschütternde Szene ab. Der junge Artmann bat,«ine Weile im Sterbezimmer allein zu sein, das Gericht gab dem Wunsche statt. Dann gestand er, daß er dem Vater, der mit gezücktem Messer gegen die Mutler losgegangen sei, da» Messer entrissen und Ihn damit erstochen habe. Er schilderte dann die Art, wie er zustach, und sagte, er habe rasch einige Stich« geführt. Was dann geschehen sei, weiß er nicht mehr. Die Schöffen hatten ihm vorher eindringlich zugeredet, die Wahrheit zu sagen, um damit die furchtbare Last abzuschütteln, die er sonst sein Leben lang mit sich schleppen müßte. Einer der Schöffen beschwor ihn bei Gott und den toten Eltern, ein rückhaltloses Geständnis ab- zulegen. Die Verhandlung im Prozeß Artmann stand dann ganz unter dem Eindruck des Geständnisses. Der Verteidiger bittet für seinen Klienten um Schonung für den heutigen Verhandlungstag. Er ersucht, ihn abtreten zu lassen. Dem Wunsche wir» stattgegeben. aber erst nach Einvernehmung der Erzieherin Bende. Sie hat den Angeklagten von seinem S. bis zum 10. Lebensjahre betreut und bei dem Kinde Gegenlieb« gefunden. Der Knabe sei immer sehr nervös gewesen. Bon feinen Eltern sei er sehr verwöhnt worden. Während des Gutachtens der Gerichtsärzte wird der Angeklagt« au, dem Saal geführt. Auf Wunsch der Psychiater erzählt der Vorsitzende, wie es zu dem Geständnis des Artmann gekommen ist. Das gerichtsärztliche Gutachten stellt fest, daß Be- gierungsrat Artmann drei Schuß- und 12 Stichwunden hatte. Von den Schüssen war einer in die Brusthöhle gedrungen, der tödlich war. Frau Artmann wies ebenfalls Schuß- und Stichwunden auf. j Hof stand die Bevölkerung der umliegenden Dörfer und suchte über die Zäune hinweg durch die kleinen Fenster wenigstens einen Blick in diesen Verhandlungssaal zu werfen. Als dann die Dunkelheit herabsank, wurde es in der Gerichtsstube einigermaßen fchwer, eine geordnete Verhandlung aufrechtzuerhalten Das Haus hat kein elektrisches Licht, und so blitzten dann am Richtertisch, an den Presie- tischen und beim Protokollführer bald elektrische Taschenlampen auf, bei deren Schein man vorläufig arbeitete. Dann endlich kamen fünf Petroleumlampen, die ein spärliches Licht verbreiteten, so daß das ganze Zimmer im Halbdunkel lag. Draußen wuchs die Zahl der Neugierigen immer weiter an. Aus erklärlichen Gründen standen die Fenster des Raumes weit offen, und so war auch die Oeffentlichkeit auf diesem Wege hergestellt, denn von außen lehnten die Zuhörer in das Zimmer hinein. Um 10 Uhr abends, als dann die Vernehmungen zum großen Test abgeschlossen waren, begannen die Experiment� die für das Schicksal der beiden Menschen, die in diesem Prozeß so erbittert kämpfen, von größter Wichtigkeit waren. Auf Anord- nung des Vorsitzenden herrschte im ganzen Haus bis auf den Ge- richtsfaal„tiefste Finsternis". Alle Lampen waren verlöscht, nicht einmal eine elektrische Taschenlampe durfte aufblitzen, denn Richter, Ankläger, Verteidiger und der Angeklagte wollten sich ganz auf die Verhältnisse der Mordnacht einstellen, um zu ermitteln, ob Frau Iaquet, deren Aussage vor 10 Iahren hauptsächlich zur-Der- urteilung Dujardins führte, mit ihrer Erzählung von der Er- mordung ihres Ehemannes durch den„Schatten" und ihre eigen« Verwundung durch den„Schwarzen" Glauben verdiene oder nicht. So begaben sich alle Prozeßbeteiligten zunächst in das winzigkleine Auch hier zeigte es sich, daß die Darstellung der Frau Iaquet außerordentlich angreifbar ist, und daß der Mörder mit Leich- ligkeil die aus dem Bett nach ihrer Darstellung herausspringende Frau hätte packen und in die Kissen zurückdrückea können. Wenn ferner Frau Iaquet so, wie sie es schilderte, in dem Augen- blick an der linken Hand verwundet worden wäre, in dem sie die Klinke berührte oder in dem sie die Schlofzimmertür aus- reißen wollte, dann hätte der Mörder nach Ansicht der Sachver- ständigen ein Meisterschütze sein müssen, wenn er gerade die Hand getroffen hätte, denn es erschein« fast als ein Wunder, daß Frau Iaquet bei der Geschwindigkeit, mit der sie geflüchtet sein will, nicht die Kugel in den Nacken oder in den Kopf erhalten hat. Das Gericht aber prüfte alle sich in dics«m Prozeß ergebenden Even- tualitäten, und so stellt« man auch den Versuch an, ob es denkbar sei, daß«ine Kugel, die aus dem Bette der Frau Iaquet von ein-.n Menschen in liegender Stellung abgefeuert wurde, einen im gegen- überstehenden Bett liegenden Menschen mit Sicherheit in die Schlei': hätte treffen können. Die obduzierenden Aerzte haben vor zehn Iahren ihr Urteil dahin abgegeben, daß die Kugel aus größerer Entfernung abgefeuert fein müsse, da Wirkungen des Mündungs- feuers auf der Haut des Toten nicht zu erkennen waren. Krimi- nalrat G e n n a t erklärt« dazu gestern nacht, daß über Wesen und Wirkung von Nahschüssen heute ganz besondere Ansichten und Er- fahrungen vorliegen als früher. Weiter stellte das Gericht Vcr. suche an, ob ein Mensch in der angegebenen Stellung einen anderen zu erschießen oermag, wenn er bei dieser Tat für«ine Sekunde die Taschenlampe aufblitzen ließ. Dabei zeigte sich, daß in der Tat in diesem Fall ein genaues Zielen möglich war. Ein Kopfschuß, hatte ihr das Gehirn zerstört und war, wenn auch nicht unmittelbar, tödlich. Die Frau hatte süns schwere Stich- wunden. Ihr Tod ist durch Verbluten eingetreten. Großfeuer bei der AGG. Oeltränkeret und Spulerei Oderschöneweide ausgebrannt In der Transformalorenfabrlk der AEG. in der wilhelminenhosstraße in Oberfchöneweide entstand gestern abend ein G r o ß s e u e r, das zahlreiche Löschzüge der Feuerwehr an der Brandstelle beschäftigte. Gegen 2lH Uhr bemerkte om Wächter in der sogenannten O el- t r ä n k e r e i und S p u l e r e i starken Feuerschein. Die a'ormierte Feuerwehr, die zunächst mit drei Löschzügen anrückte, fand jedoch einen so ausgedehnten Brandherd vor, daß Großfeueralarm gegeben werden mußt«. Daraufhin rückten drei weitere Löschzüge zur Hilfeleistung heran.■ Die Flammen, die an Oelen und anderen leicht brennbaren Gegenständen reiche Nahrung fanden, hatten bald das ganze Gebäude ergriffen. Die Löscharbeiten wurden durch Hitze und Qualm sehr erschwert. Nach dreistündiger angestrengter Arbeit war es endlich gelungen, das Feuer einzudämmen. Die Auf- räumungsarbeiten dauerten di« ganze Nacht hindurch an. Der Schaden ist sehr hoch. Die Entstehungsursache ist zurzeit noch der Gegenstand der kriminalpolizeilichen Untersuchung. Ein größerer Brand brach ferner in der Nacht zum Donners- tag auf einem Holzlagerplatz in der Scharnweber- st r a ß e 2 in Weißens«« aus. Groß« Holzvorräte und mehrere Schuppen wurden vernichtet. Die Feuerwehr, die mit fünf Löfchzügen zur Stelle war, mußt,, au- neun Schlauch. leitungen Wasser geben, um des Brandes Herr zu werden. Auch hier ist der Schaden sehr hoch. Oachstuhlbrand im Norden. Im Dachstuhl des Hauses Lychener Straße 113 entstand heute mittag Feuer, das in kurzer Zeit große Ausdehnung annahm Bei Schluß des Blattes ist die Feuerwehr mit vier Zügen mit d«n Löfcharbeiten an der Brandstätte beschäftigt. Oie Explosion in der Landsberger Allee Jreisprechunq in der Berufungsinstanz. Die Groß? Strafkammer des Landgerichts I sprach nach mehrtägiger Verhandlung den Gasvorarbeiter G e s k e von der Anklage, durch Fahrlässigkeit das Explosionsunglück in der Lands- bcrger Allee oerschuldet zu haben, frei. Nachdem ln der«rsten Instanz die beiden anderen mitange- klagten Gasanstaltearb«it«r bereits freigesprochen worden waren, und Geske zu 9 Monaten Gefängnis oerurtestt worden ist, hielt di« Strafkammer den Beweis nicht für erbracht, daß Geske vergessen hat, das Verschlußstück anzubringen, wie die erste Instanz ange- nommen hat. Millionen verließen die Giadi. Oer Verkehr am Himmelfahrtstage. Selten hat ein mit großen Hoffnungen und Erwartungen be- gonnener Festtag so kläglich geendet wie der gestrige Festtag, der nach dem Willen der Kirche Himmelfahrtstag heißt. Eine leise Bewölkung' am frühen Morgen wurde von der steigen- den Sonne siegreich verjagt. Dann behauptete das Tagesge�irn das Feld und der azurne Himmel und das goldene Leuchten verführte alle Menschen. Millionen verließen di« Stadt. Werder, Glin- dow und Kaputh hatten einen Massenansturm auszuhalten. Potsdam und Wildpark hatten reichen Besuch, di« Gebiet« de, Tegeler, des Müggel- und des Wannsees waren übervölkert, am Strand der Dahme pilgerten Tausend«. Und, alles, was vom frühen Morgen bis in den frühen Nachmittag hin- ausgefahren war. wollt« plötzlich zurück, weil dicke grau« Wolken heraufkamen. Ein Am'turm auf di« Verkehrsmittel setzte ein, der ohnegleichen ist. Dann brachen ungeheure Wassermassen vom Himmel und schwemmten weg, was wegzuschwemmen war: Den Staub, die schwere Schwüle, die Blütenzweige, die Bügelfalten der Kavaliere, die Dauerwellen der Dmnen und die gute Laune des festfrohen Menschen. Aber schließlich und endlich war jeder froh, wieder daheim zu sein. Tatkraft ist not! Kundgebung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. ZNagdeburg, 10. JllaL(Eigenbericht.) Der Bundesausschuh de» Reichsbanners, der sich am Mittwoch und Donnerstag mit der politischen Lage befahte, nahm folgende Entschllehung an: „Die im Reichrbanner vereinten aktiven Republikaner be- grüßen die Tatkraft, mit der Reichsregierung und preuhische Slaatsregierung die Autorität der Republik durchzusehen beginnen. Die Rechte der Verfassung kann nur in Anspruch nehmen, wer bereit ist, die Pflichten der ver-' s a s su n g zu erfüllen. Jahrelang hat eine falsch ver- standene Toleranz zugesehen, wie die Heinde der Verfassung von link» und rechts die Mittel der Demokratie zum Kamps gegen die Demokratie mißbrauchten. Diesem unwürdigen Zustand muh unbedingt ein Ende bereitet werden. Das Reichsbanner erwartet, daß die Reichsregierung und die Behörden der Republik unerbittlich und nach allen Seiten hin ihre Machtmittel gegen die sorlgcsehten verbrechen wider die Zreiheil des Volkes einsetzen, wo dieser Einsatz Opfer erfordert, fällt die volle Verantwortung aus die Attentäter und Anstijter." Seltsamer Ltntersuchungsausschuß. Kommunisten stellen die„Wahrheit" über die Mmvorgänge fest. Auf den Plakatsäulen Berlins preist sich eine Gesellschaft an, d.. sich selber den stolzen Titel„Ausschuß zur öffentlichen Untersuchung der Maivorgänge" beigelegt hat. Unterzeichner sind mehrere bekannte Konimunisten, wie Geschke, Gohlke, Hein, Schminck«, und solche Personen, die sich stets zur Verfügung stellen, wenn die KPD. einmal aus taktischen Gründen„Unpartei- lichkeit" markieren will. Das Bureau der Gesellschaft, die Zeugen- aussagen über die Maivorgänge sammelt, befindet sich. in den Räumen des Rechtsanwalts Dr. Apfel, des bekannten Verteidi- gers in Kommunistenprozessen. Man kann sich danach vorstellen, mit welcher„Unparteilichkeit" dieser famose Ausschuß das ihm zugehende Material verwerten wird. Würde er offen auftreten als das, was er ist, wäre dagegen nichts einzuwenden. Seine vorgeschützte„Unparteilichkeit" aber ist eine Irreführung der'öffentlichen Meinung zu Zwecken der kommunistischen Bürgerkrieg-Strategen. Mit Erstaunen findet man nun unter denen, die den Aufruf des Ausschusses„An die Berliner Bevölkerung!" unterschrieben haben oder haben sollen, den demokratischen Landtagsabgc- ordneten und Chefredakteur der„Volkszeitung", Otto Nuschle. Will sich Herr Nuschke wirklich mit den Matadoren der kommunisti- schen Bllrgerkricgspalitik an einen Tisch setzen, um mit ihnen„die Wahrheit festzustellen"? Dies würde von einer H a r m l o s i g- k e i t zeugen, die wahrhastig durch nichts mehr zu überbieten ist. Die„Geisteswaffen" der Thalmänner. Sin kommunistischer lleberfall vor Gencht. Hamborn, 10. Mai. Das Hamborner Schöffengericht verhandelte am Mit'woch gegen mehrere wegen Landfriedensbruch angeklagte Mitglieder der KPD. Der Anklage lag der am 20. Januar d. I. im Hamborn erfolgte Ueberfall von Kommunisten auf Werwolf- l e u t e während einer Fahnenweihe der letzteren zugrunde. Es kam st-Ms Freitag, den 0. mal 20 Uhr im großen Saal des LehrervereinShauses, Alexanderplatz. Vortrag des Genossen Dr. med. Karl Kautsky, Leiter der städti» schen Ehebratungsstelle in Wien, über „frobieme der modernen Ehe" Karten zum Preise von. 30 Pst. sind noch an der Abendkasse zu haben. Das �rauensekretariat. damals zu sehr ernsten Zusammenstößen, bei denen eine Reihe von Personen mehr oder minder schwer verletzt wurde. Einer der Der- letzten Hätz. B. sechs Messer st iche in denKopf und in die Hände erhalten. Das Urteil lautete gegen drei Angeklagte wegen schweren Landfriedensbruch auf je zehn Monate Gefängnis, zwei Angeklagte wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß es sich um einen frechen und niederträchtigen lllebersall einer mehrhundertköpfigen Menge auf einen, kleinen Zug gehandelt habe. Der wegen Austragung politischer Gegensätze er- folgte Ueberfall sei mit ungewöhnlicher Roheit ersolgt und das Ge- richt habe die Pflicht, gegen derartige politische Schlägereien un- nachsichtig vorzugehen._ Oh Tragödie eines Liebespaares. Gemeinsam in den Tod. vor etwa drei Wochen erregte das plötzliche ver- schwinden eines jungen Paares Aussehen. Gestern wurden die vermißten al» Leichen aus der Dahme bei Grünau gelandet. Der 20jährige Schlosier Arthur K. aus der Eldenaer Straß« und seine 19jährige Braut Margarete P. aus der Steinmetzstraße waren damals spät abends in einem Gasthof in Grünau abgestiegen. Am anderen Morgen waren die jungen Leute plötzlich verschwunden.' Alle Nachforschungen der Polizei blieben«r- solglos. Gestern nachmittag sahen Wassersportler in der Mitte der Fahrtrinne die Leichen eines Mannes und eine, Frau treiben. Di« Toten waren mit den Gürteln ihrer Windjacken zusammengebunden. Da» Motiv zu dem gemeinsamen Verzweiflungsschritt ist noch unbekannt._ Die Cholera in Kalkutta. Sn der vergangenen Woche waren durchschnittlich jeden Tag 90 Fälle zu verzeichnen. An einem Tag« betrug die Zahl der Neuerkrankungen sogar 144. Ein japanischer Dampfer, der am Montag Kalkutta verließ ist wieder zurückge- kehrt, da sich an Bord 10 Choleraerkrankungen ereigneten. Wetter für Berlin- Wieder Aufheiterung und Erwärmung. jedoch nur vorübergehend.— Aür Deutschland: Im Süden und Osten Wetterbesierung und Erwärmung, im Westen bereit» neue Verschlechterung des Wetter». Hundert Jahre l. Aelterc Der Verein Berliner Künstler hat wieder Mittel und Gelegen- heit, in großem Maßstäbe das Kunstleben Berlins zu bereichern. Er hat sich in der Person Karl Nierendorfs einen Geschäftsleiter von Format und von Willen zur Gegenwart bestellt. Die jetzt im Moabiter Landesausstellungsgebäude veranstaltete Repräsentativ- schau der Berliner Kunst seit hundert Iahren— soweit sie i» ihm selber verwurzelt war und ist— legt bereits Zeugnis davon ab. Diese Einschränkung durfte er riskieren im Bewußtsein der Bedeutung, die er für Berlin im 19. Jahrhundert gehabt Hot. Max Osborn, der mit humorvoller Eindringlichkeit die Geschichte des Vereins aus den sechs Bänden seiner Protokolle herausdestilliert hat, kann mit besten Namen aus der Kunstgeschichte aufwarten, und Prof Kern, der ihm sekundiert und das Verdienst besitzt, den historischen Teil der Ausstellung zusammengebracht zu haben, spricht es geradezu aus, daß„die Geschichte de- Vereins Berliner Künstler bis zur Gründung der Sezession im Jahre 1899 die Geschichte der Berliner Kunst" schlechthin sei. Dieser Derein, dessen größtes Verdienst in unserem Gedächtnis ein negatives war(der Skandal um Eduard Münch Anno 1892 und die in dessen Verlaus schließlich erfolgte„Sezession" und Selbständig- machung der fortschrittlichen Künstler Berlins)— auch er ist einmal aus Protest der Jugend gegen den alten, 1814 gegründeten„Berti- nischen Künstler-Derein" entstanden. Osborn erzählt es uns, wie bei Gelegenheit der Uebersiedlung von Peter Cornelius nach Berlin 1841 die Künstlerjugend dem Altmeister Ovationen darbrachte und sich dann beim Kommerse verschwor, den schon einmal vorhanden gewesenen„Verein jüngerer Berliner Künstler" neu zu beleben. Bei genauer Rechnung dürfte der Verein Berliner Künstler, geboren am 19. Mai 1341, die hundert Kunstjahre Berlins erst in 12 Jahren aufmarschieren lasten und hätte nicht das Recht, Künstler wie Schinkel und Blechen in seinem Gefolge zu führen, weil sie schon durch ihre Todesdaten jede Beziehung zu ihm desavouieren. Aber man soll nicht kleinlich sein.und die Hundertjahrsfeste nehmen, wie sie gefeiert werden. Hauptsache ist, daß eine wunderbare und oft überraschende Kollektion von Altberliner Kunst von den bieder- meierlichen bis zu den Gründerzeiten erstanden ist und die besten Säle des Glaspalastes am Lehrter Bahnhof füllt.' Ihr Wert besteht einmal in der Vollzähligkeit und gediegenen Vertretung der Maler zwischen 1830 und 1880 und zum zweiten In der Qualität ihrer unbekannten Bilder, die man vielfach aus privater Verborgenheit gezogen hat. In einem Resümee wie dem vorliegenden können nicht einmal alle wichtigeren Namen genannt, geschweige denn eine Charakterisierung ihrer Kunstart und Ent- Wicklung versucht tPrdcn. Aber selbst in Büchern, die sich um Voll- ständigkeit nicht bloß der Zeitcharaktere, sondern auch der Namen bemühen, wie in meiner„Biedermeierma'erei" von 1922, fehlt eine ganze Reihe der hier austretenden Künstler Die Träger der Entwicklung, soweit sie sich In Berlin— mit steigender Wichtigkeit für die gesamtdeutsche Kunst— vollzog, sind fast ausnahmslos mit wenig bekannten, aber höchst charakteristischen und wertvollen Werken vertreten. Hauptbeispiele dafür sind gerade Schinkel und Blechen, die beiden großen Romantiker in Berlin. Schinkel mit kleinen Frühbildern und Aquarellen aus dem Besitz der Nationalgalerie, wo man sie niemals recht beachten konnte: Blechen mit vielen köstlichen Studien, teilweise aus der Sammlung Freund. Dann vor allem unschätzbare Stadtbilder von Cd. Gärtner(Berlin und Paris) aus Privatbesitz, Schloß Man- bijou, wo allerdings die schönsten Dinge anonym bleiben, als In einer wahren Rumpelkammer hohenzollernscher Nippesanhäufung, und von allen sonstigen Schlöstern und Bureaus. Mit Befremden wird man fragen, warum so auserlesene Kunstwerke� die an Ouali- tät sich mit Berckheide und Vermeer vergleichen lasten, und die Staatsbesitz sind, in dem vollkommenen Dunkel von Amts- „Mädel von heuie." Aber ein Stück von gesteriu Das neu« Lustspiel des«Theaters in der Behren. straße"„Mädel von heute" von Gustav Davis stimmt jeden wahren Freund der Bühne wehmütig. Aue längst vergilbten Jahrgängen der„Gartenlaube" feiert der neckisch« Backfisch Auferstehung, der sich rettungslos in den Baron verliebt hat und ihn um jeden Preis unterzukriegen willens ist. Herzig und frech setzt sie stets ihr Trotzköpfchen durch, bringt ihn in tausend Verlegen- heilen, bis er ihr bezwungen in die geöffneten, aber vorläufig widerstrebenden Arme fällt. Sie hat auch Moral, die Kleine. Vor der Hochzeit wird nichts gestattet. So sind nun mal die Mädels von heute. Das anmittige Erlebnis aus„Herzblättchens Zeitver- treib" gestalten die Hauptdarsteller in«inem Sttl, der an schlechten Provinzbühnen für überholt gilt. Ralph Artur Roberts spielt den Baron so, wie er seine Oberlehrer- und sonstigen Spießertypen stets gespielt hat. All die Mätzchen, die damals erfreut haben, bringt er wieder an. das nervöse Zucken des Halses, den gespreizten Gang, das breite Lachen der VerlegenheU usw. Den munteren Back- fisch legt Lucie Englisch auf allerliebst an. Sieghaft hüpft sie aus die Bühne und bringt sich im Augenblick um jede Sympathie. Das ist ein Niedfichgetuez ein Blickewerfen, eine gewollte Komik, mit einem Wort: ein Lustigkeitskrampf, der bereits in der ersten Viertelstunde auf die Nerven fällt. Hoffentlich hat sich zu Beginn der Berliner Festspiele diese Vor- stellung totgelaufen._ Dxr. Preisausschreiben für ein Freidenker-Liederbuch Der Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung plant die Herausgabe eines Liederbuches für Freidenker und hat zur Erlangung neuer Texte von Kampfliedern und Trauergesängen Geldpreise von insgesamt 1100 Mark ausgesetzt. Geeignete Manuskript« von bisher unver» öfsentlichten Liedern sind bis spätestens zum 1. Juni anonym mit einem Kennwort oder Motto dem Kultursekretariat des Verbandes, Berlin SW. 29, Gneifenaustraße 41 einzusenden. Die Verösfent- lichung der Entscheidung des Preisrichterkollegiums soll spätestens in der Augustnummer des„Freidenker" erfolgen. Die lokale Sonnenfinsternis. Nach Londoner Berichten konnte die Sonnenfinsternis in Alor Star Patani und Singapor« nur stellenweise mit Erfolg beobachtet werden. Dielfach verfinsterten Wolken die Sicht, so daß nur mäßige Resultate erMt wurden. Vereinzelt tonnten jedoch gute Aufnahmen gemacht»erden. Der Eingeborenen bemächtigte sich eine groß« Erregung, da sie glaubten, daß das End« der Welt p«kommen sei. Außerordentlich gut war die Beobachtung auf den Philippinen, wohin auch die Hamburger Sternwarte eine Expedition entsandt hatte, da der fast wolkenlose Himmel die Aufnahmen sehr begünstigt«. Ausstellungen. Am It.d. MtS. 12 Uhr wirb die Ausstellung.Religion und Mgtdologie Hinte: indienS' aus Maaaisinbeltänben der Asialiichen Abteilung im Lichthoje de» Museum» sür vöilertunbe I eröffnet werden. Berliner Kunst. Malerei. zimmern und Schloßwinkeln sich verkrümeln: die Oesfenttichkeit hat ein Recht darauf, ihren schönsten Besitz am rechton Ort zu finden, nämlich in der Nationalgalerie. Es folgt der Gärtner geistesverwandte Karl Graeb. Franz K rü g e r, der Hauptrepräsentant der Perkiner Bieder- meiertunst, mit ausgezeichneten Stücken. Erdmann Hummel, der mathematisch exakte Biedermeier, ist allzu sparsam vertreten, und dann die wunderbaren Bildnismaler des Vormärz: Karl Begas, Henning, der auch köstliche Landschaften malte, W. Schadow, Ed. Magnus, und vor allem der nie nach seinem Wert gewürdigte Karl Wach, der Meister intensivster Plastik der lebendigen Form, den in seiner Totalität hervortreten zu lassen leider auch hier wieder versäumt worden ist. Dagegen ist der Hauptmeister des Berliner Genre, T h. Hose- die beiden älteren Meyerheims, Eduard und Wilhelm, Volkstümliche und seine engen Grenzen in malerischer Darstellung. Mtt Menzel tritt die Berliner Malerei aus dem Stadium des Biedermeierlichen völlig heraus, schon seine frühen Bilder aus den 30er Jahren haben europäisches Format und nehmen den Im- pressionismus voraus. Hier ist er außer mit einem Dutzend Herr- licher kleiner Oelbilder seiner Frühzest aus Privatbesitz vor allem mit einer außerordenüichen Kollektton von Zeichnungen und Aqua- rellen vertreten. Bei Karl Steffeck, dem Bindeglied zwischen Krüger und Liebermann, ist stärkerer Nachdruck auf Landschaft und Genre gelegt worden, als auf seine bekannte Pferdemalerei. Er und mann, ausgiebig vertreten: man erkennt feine Begabung für da- bilden den würdigen Abschluß der Biedermeierepoche und den Uebergang zur breit angelegten Kunst der zweiten Jahrhundert- Hälfte. Diese zweite Stufe, die sich innerhalb der retrospektiven Ab- teilung bei näherem Betrachten deutlich von jener Frllhzeit abhebt (Inder nicht ganz so klar in der Anordnung der Ausstellung), kann man als malerische Reifezeit bezeichnen: die Form wird voller und üppiger, der breitere Lebenszuschnitt der Zeit spiegelt sich in einer prächtigeren Tonart der Malerei. Charakteristisch dafür ist schon die zweite Generation der Meyerheims,' die Söhne Edmunds, Franz und vor allem Paul Meyerheim, dessen Realismus fälliger ist— sein beliebtes aber nicht eben glückliches Genre tritt hier nicht in Erscheinung. Vor allem aber wirkt der Geist der Epoche in der großen Bildnismalerei: L. Knaus, Gustav Richter. Karl Gussow, deren echte Qualitäten, unbeschadet ihrer pompösen und oft großspurigen Aufmachung für die Neureichen, kaum je so klar hervorgetreten sind wie in dieser Auswahl. In anderer Form zeigt sich der Sinn für das Großartige bei den Landschaftern. Bennewitz von Loefen, Hoguet, Schirmer sind Ver- treter einer auch inhaltlich„pittoresk" eingestellten Kunst: in wahrer Verfeinerung und höchster Qualität erleben wir sie, neben dem vortrefflichen Kobitz, bei Albert Hertel, einem der besten (und am wenigsten gekannten) Maler der Epoche, dessen Rehabili- tation zu den schönsten Verdiensten der Ausstellung gehört. Bei ihm ist, ebenso wie bei den g'änzenden Tiermalern Brendel und Oskar Frenze!, die falsche Pathetik in der Spätromantik eines Rottmann und Hildebrandt gänzlich überwunden und hat einem groß empfundenen Realismus im Sinne der modernen Luftmalerei Platz gemacht. Den Uebergang zum Impressionismus stellt in schönster Form August Amberg her, dessen Kunst farbiger Tupfen eine Weiter- bildung von Diaz und Corot bedeutet und mit ihrer Grazie jeden- falls in Berlin einzigartig dasteht. Mit der organischen Aufnahme des von Frankreich kommenden Impressionismus am Ende des 19. Jahrhunderts beginnt dann die Kunst der Gegenwart, die für sich betrachtet werden soll. Dr. Raul F. Schmidt. Oas Land des weißen Elefanten. Mozartsaal. Seit kurzem ist uns Siam, der immer noch selbständig« Puffer- staat zwischen Englisch- und Französisch-Indien durch das Radio- Telephon Berlin— Bangkok nähergerückt. Ein Kultursilm, der uns von den Wundern dieses Landes berichtet, ist uns daher besonders willkommen. Die Zusammenstellung des Dr. E. Beyfuß bevorzugt das glänzende Hofleben, sein« Feste, Paraden, seine Krönungs- und Bestattungsfeicrlichkeiten. So seltsam diese zum Teil anmuten in ihrer Mischung von Siamesischem und Europäischem, und so sehr sie den Reiz der Neuheit haben mögen, lieber sind uns doch die Bilder, die uns Einblicke in die alte Kultur des Landes, seine Tempelbauten und sein wundervolles Kunstgewerbe vermitteln. Hier hätte der Film ruhig mehr geben können. Glücklicherweise wird auch das Volk bei seiner Arbeit und seinen Spielen gezeigt. Bangkok selbst, die Millionenstadt, ist ein Groß-Venedig, mit seinen vielen Wasserläufen und Kanälen, aus denen sich ein großer Teu des Lebens abspielt. Die Elefanten sind in Siam zum Teil heilige Tier«: ihre helle Abart, die auf Albinismus beruht, soll die Seele d«s jeweils verstorbenen Königs beherbergen. Sie dienen auch prak- tischen Zwecken: sie sind regelrecht« Lastarbeiter, besonders bei der Gewinnung des wertvollen Teakholzes, und haben früher auch kriegerischen Zwecken gedient. Sie rücken In den Paraden usw. in ganzen Kolonnen an! Valentinas Paraderolle in dem Pufchkin-Film„D e r Adler", der zur Zeit der russischen Katharina spielt, scheint auch heute noch in seiner Wiederausnahm« zu interessieren. Die Ro- mantik des Helden, der die Li«b« der Kaiserin ausschlägt und die stärksten Abenteuer besteht, liegt dem Valentina außerordentlich, r. „Rund um die Liebe." Ufa«Pavillon. Oskar Kalb us hat Freude am Experiment. Solche Menschen können wir gebrauchen: denn jedem, der neue Ideen hat, gebührt gerade heute in der Filmbranch« ein herzliches Willkommen. Und mit Oskar Kalbus, dem Schöpfer des ersten Querschnittfilms, können wir schon deshalb zufrieden sein, weil er bei seiner Arbeit grünblich vorgeht. Auf 200 Fragen nach dem, was im Film am meisten gefällt, kam die Antwort„die Liebesszenen". Nun konnte die Industrie ein Geschäft ausrechnen und Lil Dagooer, Asta Niesen, Henny Porten, Lilian Harvey, Mia May, Margarete Schön und wie sie alle heißen, dursten als wegweisende Auwritäten den Kreis- lauf rund um die Lieb antreten. Doch wird hierdurch sonderbarer. weise weniger das Interesse an der Liebe als an der Schauspielkunst geweckt. Dabei geht durch die geschickte Aneinanderreihung aller Szenen eine geschlossene Eigenwirkung von diesem Querschnitt aus. �(I5iifchäft$ iJtnjßiffßr föezirß Jtorden- Cften. Wochenende- Auf!- Hinaus! vorher: I m m a bm a■ m*1 a I*■■ e Berlin-Mitte, Neue Schönhauser Str. 8 Lanasgemeindenaus p„tJdamcr s,r, 38-39 Lanzenberger& Co. Berlin-Treptow. Karpfenieidutra�e 10-12 Größte, älteste und leistungsfähigste Fabrik für Leitern aller Art, Plättbretter, Aermelbretter usw. Georg Müller Holzhandlong. 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Mai 1929 Brr Abend ShnJaidfaJße*i** Ärbeiteriage in Südaustratten Im€ifentia()n(rfeamp/ Von Heinrich Hemmer An einem Sonntag langten wir im letzten Kamp der projet» tierten Linie nach Westen an. Etwa 50 Zelt« waren wahllos und planlos aufgestellt. Ein Paddock, ein« hölzern« Umfriedung hielt die Pferde der Erdarbeiter zusammen, die Kamele, 16 Stück, liefen frei herum, und trugen Glocken am Hals wie die Alpentühe. Die Arbeiter, meist Australier, einige Deutsche, einige Skandinavier saßen in großen Kreisen h«rum und spielten two and two up. Man wirst drei Geldstücke in die Luft. Erscheint auf zweien«in Kopf, so hat man gewonnen, erscheint aus zweien da» Wappen, so hat man verloren. Oft bleibt der Einsatz stehen und wächst, manch- mal fliegen hunderte in die Lust. Manchmal gibt es auch Falsch- spieler, mit Münzen versehen, die zwei Köpfe ausweisen? bei Ertapp«» werden si« sofort gelyncht. Jeder der will, kocht sein Essen. Ein unternehmender Schifsskoch aber hatte eine Speisezelt eröffnet, b«i ihm gab es Hofenbrei und Speck und Eier zum Frühstück, Sand- wiches zum mitnehmen als Lunch und ein großes Dm«r des Abends, alles für 2Z Schilling die Woche und der Mann verdiente ein kleines Vermögen dabei— wenn nicht ein großes Montag ging es mit Schaufel und Picke an die Arbeit. Der Morgen war so kalt, daß Reis auf dem Eisen log. Eine Stund« später sengte glühend die Sonne herab? der Sand wurde so heiß, daß man ihn barfuß nicht berühren konnte. Um so besser konnte man drin Kuchen backen: aus Mehl, Jucker, Back- pulver und Kondensmilch, unsere geliebten broxnies, die Daum- k u ch e n. wurd«n auf Blech unter die Erde gesteckt und obendrauf kam Kohle vom Lagerfeuer. Vierzehn Tag« war ich an einem Damm beschäftigt, dann mußte ich mit einem scoop, einem schräg gestellten, von einem Pferd gezogenen Blech Erd« ausheben. Diese Erde war bereits mit Riesenpflügen(zwei bis dr«i, gezogen von zehn Pferden) gelockert worden,«ine schwere— und gefährlich« Arbeit. Ein'Arbeiter wurde, als er über«inen Stein fuhr, vom Holm so unglücklich getroffen, daß er tot zusammenbrach. Schlangen krochen aus der Erde, einmal sah ich eine Todesnatter, das einzige g«fährlich« Tier Australiens. Eine etwa meterlange Eidechsenart die Guanos, die zwar ebenfalls giftig sind, war im Lager gern gesehen, denn die Guanos stellen den Schlangen nach. Dabei kommen sie oft mit den Lagerhunden in Konflikt. Eine Guanoeidechse schoß im Lause solch einer Auseinandersetzung mir einmal den Rücken hinaus, fauchte von meinem Kops herab den Hund an und ich weiß nicht, wer am meisten erschrocken war, der Hund, dos Guano oder ich. Einige Arbeiter hatten ihre eigenen Pferde laufen und bezogen dafür Zusrhagszahlung. Ein Deutscher taufte alle Pferde der heimkehrenden Arbeiter auf und wurde ein so reicher »JDZamt wie der Koch.— Natürlich war ich wieder Uivicm-man ge- worden, und gehörte mmm ersten Tage ab der Eisenbahnergewerk- schaft an. Nach weiteren 11 Tagen hieß es, di« Sachen packen: ich kam an die Spitze der Kolonne, zwei Tagereisen weiter in die Wüste. Don Indien importiert« Kamele dienten als Trans- portti«re. Der Zug bewegte sich langsam vorwärts, nichts schien die Ruh« der Kamele zu stören: dabei ist ihnen bekanntermaßen nicht zu trauen, ein Kameltreiber war kurz vor meiner Ankunft von einem brünstigen Bullen überfallen und zu Tode getrampelt worden. Am Ende des ersten Tages schlugen wir unser Lager unweit von einem dürren grauen Wüstengehölz auf, in dem Austral- neger zu Hausen schien«». Hunde kläfften, schwarze Gestalten huschten hin und her und Rauch eines Lagerfeuers stieg auf. Mit Knütteln und Revolvern bewaffnet entschlossen wir uns, dem Neger lager einen Besuch abzustatten. Große Känguruhunde sielen uns beim Eintritt in das Gehölz an, wurden aber von den Schwarzen zurückgerufen. Das Lager bestand aus notdürftigen kleinen Reisighlltten, die eine jede über zwei Ausgänge verfügte/ Die Schwarzen nahmen, nachdem sie uns einigen Tabak abgefordert hatten, von uns keinerlei Notiz. Sie taten, als sähen sie uns nicht, als seien wir Luft für sie. Die meisten waren splitternackt, einige trugen zerfetzte Kl«idungs- stücke. Ein junges Mädchen hatte nichts als eine rote Bluse an. Der Häuptling aber trug einen Cutaway, einen alten steifen Hut und ein Gewehr, das er überall mitnahm, obwohl es offensichtlich seit Jahrzehnten außer Gebrauch war. In einer Hütte entdeckten wir einen Weißen, der auf das Niveau der Schwarzen herabgesunken war: ein alter Mann, der mit andern alten Männern Karten spielte. Auch der Weiße ignoriert« uns vollkommen! nachdem er seinen Tabak hatte, fingen sich Holzwürmer ein, den Engerlingen nicht un- ähnlich, warfen sie ins Feuer, wo sie aufquollen, kosteten sie in die Hände pustend mit der Zunge und verzehrten sie als eine Delika- teste. Ein Mädchen hielt eine Schlange mit dem Stock übers F«uer, ließ sie anbraten und verzehrte sie mit Haut und Haaren. Am nächsten Tag trafen wir, mitsamt dem Häuptling, der zum Kamele einleiten engagiert worden war, am Bestimmungsort ein und schlugen unser Loger auf. Die Aufnahm« der Arbeit wurde jedoch durch Ausbruch eines Streiks oerhindert. Unsere Arbeitgeber wünschten, daß wir vom Lager zu uns«rer Arbeits- stell«(Zweimal drei englische Meilen) außerhalb unserer Arbeits- zeit gehen sollten, wir wollten, daß die Hälfte der Zeit bezahll werd«. Da dieserhalb schon Unstimmigkeiten in anderen Lagern gewesen waren, kam es diesmal zum osf«nen Zwist. Der Streik brach aus. Schon zwei Tage später hatte sich der Streik über die ganze Bahnlinie ausgebreitet, 2000 Arbeiter legten die Arbeit nieder. Die in Port Augusta anlangenden, von Adelaide geschickten Streikbrecher(meist neu angekommen« Emigranten) wurden wieder in den Zug gesteckt und nach Adelaide zurückgefahren. Be» rittene Vertrauensmänner hielten den Nachrichtendienst zwischen den einzelnen Lagern aufrecht, so daß wir stets über den Stand der Dinge Bescheid wußten. Nach acht Tagen waren unser« Forderungen bewilligt und die Arbeit wurde wieder aufgenommen. Ich blieb noch einige Monate im Kamp, bis ich einen Scheck von 100 Pfund beisammen hatte, dann zog ich in die Universitätsstadt Adelaide. Newton Ser Umriß eines Lebens spielte er weiter, ein Spiel, das niemand von uns verstand, und das«r wohl den Schwarzen gelehrt, mit d«nen er in ihrer Sprache sprach— dieser namenlose Mann, der vielleicht selbst nicht mehr wußte, wer er war, der. wie es häufig in Australien passiert, sein« Identität, sein Gedächtnis verloren hatte. � Den Kinder» hatte ich beim Nahrungsuchen zugesehen: sie Wenige Monate bevor Isaak Newton zur Welt kam, war es klar, daß die Tag« seines Vaters gezählt seien. Er litt an der Schwindsucht, und ein kürzlich hinzugetretenes Leberleiden, dem die damalige ärztlich« Kunst hilflos gegenüberstand, sorgte dafür, daß der Körper des Mann«s fast mumienhaft oertrocknete, bevor er starb. Frau Newton brachte ihren Isaak zur Welt, als sie vier Tage verwitwet war. Es war ein äußer st schwaches Kind, das am 1. Januar 1612 in einem Dörfchen der Grafschaft Lincolnshire zur Welt kam. Der Arzt machte Frau Newton keine großen Hoff- nungen und sie selbst glaubte auch nicht, daß ihr Sohn den Vater lange überlben werde.„INil dem Tode in der Wiege gezeichnet," sagten die Dorfbewohner, wenn sie von diesem Kinde sprachen. Wider Erwarten hielt es die für seine körperlich« Versastung bedenklichste Zeit, die ersten vier Lebensjahre, durch. Mit neun Jahren kam er auf die L a t e i n s ch u l e. Er war ein schlechter Schüler. Die Grammatik interessierte ihn gar nicht. Geschichtliche Angelegen- heiten waren ihm höchst gleichgültig und im Rechnen wie in der Raumkunde machte er es immer anders, als der Herr Magister es haben wollte. Mit solchen Burschen verfuhr die damalige Präzep- torenzunft sonst sehr unsanft. Ein Bube, der faul war oder sonst schwer erziehbar, dem gerbte man das Fell und sperrte ihn obendrein noch stundenlang in den Karzer. Bei Isaak Newton verbot sich diese Behandlung mit Rücksicht auf seine übermäßig schmächtige Gestalt und leicht angreifbare Gesundheit. Aber einmal trieb er es dem Lateinlehrer zu bunt. Der las mit den Schülern Cornelius Nepos Lebensbeschreibungen und darin seine Lieblingsbiographie über den thebonischen Feldherrn Epaminondas. Hin und wieder fragte er die Jungen, nach welcher Regel dieser oder jener Satz konstruiert sei und was so ein Pauker der allen Schule eben sonst noch für Schmerzen hatte. Epaminondas mit seiner schrägen Schlachtlinie kümmerte den kleinen Isaak sehr wenig. Die grammatischen Spitzfindigkeiten waren ihm sogar zuwider. Als er nun über beides Auskunft geben sollte, streikte er einfach mit dem Nachdenken und mit der Antwort „Woran denkst du bloß? Du bist gar nicht beim Pensum." Newton schwieg. „Woran denkst du, in Dpeiteufelsnamen?" Fast träumend stotterte der Knabe: „AnGiordanoBruno. Er wurde heute, am 17.' Februar, vor S5 Jahren in Rom verbrannt." „Was weißt du Bengel von Giordano Bnino?" „Ich weiß, daß er recht hatte. Jawohl, es gibt unendlich viele Welten, wie er sagte, und die römisch« Kongregation hat einen Weisen verbrannt!" Den Magister interessierten nun wieder die geistigen Deklem- mungen des zwölfjährigen Isaak über den Weltbau und Weltumsang sehr wenig. Jedenfalls fand er es unerhört, daß jemand in der Nepos-Stund« Dinge für wichtiger hielt als die schräge Schlachtlinie und die in dem Buch enthallenen Satzkonftruktionen mit dem Ablatious absolutus und Akkusativ cum Infinitiv. Er hol'e sich den Reb«llen heraus und gerbte ihm die Kehrseite der Lciblichkeit an der traditionellen Abstrafungsstelle mit der Wut seiner geknickten Auwrität durch. Für Newton war das zu viel. Er erkrankte. Der Arzt nahm sich den Magister vor und eröffnete ihm: „Der Gezüchtigte ist van einem Vater in vorgeschrillenen Stadien der Schwindsucht gezeugt worden. Wie viel der Sohn abbekommen habe, wisse man noch nicht. Jedenfalls rechne er n i ch t mit einer Lebensdauer über 26 Jahre. Ein« Ab- strafung, wie sie Isaak erhallen habe, sei bei dessen Konstitution eine Gefährdung seines Lebens." Run, der spätere Entdecker des Gravitationsgesetzes starb an dieser Tracht Prügel nicht, ober jede Ausregung, jede härtere Mit- nähme seines Körpers brachten ihn tatsächlich in das Krisenstadium. Der Magister überließ ihn nun seinen Studien und Träumen in der Mechanik und Technik und Newton nutzte das nach Kräften aus. In kurzer Zeit/ erfand er als dreizehnjähriger Knabe eine Windmühle, eine Wasseruhr und einen wagen, der von feinen Znsassen durch Ein- Wirkung eine» Hebel» auf die Achse angetrieben werden konnte. Den Mitschülern machte es heidnisch vielen Spaß, mit diesem Fahrzeug im Dorf und außerhalb herumzukulschieren. Einmal suhren die Jungen zu ihrem Schulmeister und fanden ihn bei der Lektüre Homers. Er war guter Laune und so getraute sich Newton, ihn zur Mitfahrt auf seinem„selbstbeweglichen" Wagen einzuladen. Die Buben arbeiteten, was Zeug und Leder hielten. Sie vergaßen aber über die Geschwindigkeit die Vorsicht, steuerten falsch und der Wagen lag mit allen Insassen im Schmutz der Landstraße. Newton erschrak und siel hart aus. Er wurde krank. Der Arzt fürchtete, daß seine so leicht erschütterte Gesundheit auf eine ererbte Schwind- sucht zurückzuführen sei, und daß diese nun ausbrechen werde. Newtons Krankheit war aber immer mehr ner» o ö s e r A r t. Er bekam leicht einen Nervenschock und davon erholt« er sich allemal sehr schwer. Als er mik 18 Jahren die llnlversitäk Cambridge bezog, war er bereils eine bedeutende und berühmte Persönlichkeit. Newton hatte noch nicht das 26. Lebensjahr vollendet, als er, zum Professor der Universität Cambridge ernannt, auf Ferien nach dem Heimatdörschen in Lincolnschire fuhr. Da über- raschte nun eines Morgens feine Muller und ihr Hausarzt den Gelehrten in einer weltgeschichtlich großen Situation, Er lag auf einem Rasen und beobachtete den Fall reif- gewordener Garte näpfel. Und legte sich die anscheinend müßige Frage vor, wie es"komme, daß hier Gegenständ« unter Be- schleunigungszuwachs niederfielen. Das Genie Newton» brauchte zwanzig Jahre, um dieses Problem zu lösen. Seine Antwort war die Ennittlung des allbekannten Gravitationsgesetzes: „Jedes Atom des Stosfes im Weltall wird durch andere Atome des Stoffes mit einer Kraft angezogen, die im umgekehrten Verhältnis zu dem Quadrat ihrer Entfernung steht." Inzwischen war seine Mutter und der treue Hausarzt gestorben. Newton jedoch war sozusagen immer jünger geworden. Alle „kritischen" Jahre hatte er gut überstanden. Die Schwindsucht war nicht aufgetreten, seine Nervosität kam nur noch in Ausnahmefällen zur Erscheinung. Da tat ihm sein Hund dos„größte Unglück seines Lebens" an. Der Professor arbeitete an seiner Abhandlung über die„Natur des Lichtes" und entwickelte die bekannte„Emissionstheorie". Als er das Werk beinahe vollendet hatte, beging er die Unvorsichtig- keit, sich eines Abends bei brennendem Licht zu entfernen. Der Hund sprang auf den. Tisch, warf die Kerze um und dos Tisch- tuch fing Feuer. Das Manuskript verbrannte. Newton war in den ersten Tagen so fassungslos, daß er an seiner Fähigkeit, das Werk abermals anzufertigen, verzweifelte. Allmählich fand sich sein Geist in die entscheidenden Etappen des Jdeenzuges wieder hinein und bald hatte er sich auch an die Resultate herangearbeitet. Mit 65 Jahren war Newton so lebenssrisch. daß er sich erstmalig aus dem Gebiet der Politik aktiv heimisch machte. Er wurde Parlamentsmitglied, Münzmeister, Ritter, Präsident der „Ägl. Gesellschaft". Und lebte, ein einsamer Wanderer auf den hoch- sten Spitzen des menschlichen Geistes, alle seine Gaben aus. In der Mitte des März 1727 begann er zu kränkeln. Am 31. des gleichen Monats gestand er seinem Freund Billingstone, daß seine Lebenskraft auiaebraucht sei: „Nun bin ich Jahr alt geworden. Wenn die Besorgnis meiner Mutter und ihres Arztes zutreffend gewesen wäre, so hätte ich nicht soviele Tage lebe» können." B i l l i n g st o n e begann zu reden, wie inhaltsreich, wie well- umgestaltend dieses Leben gewesen sei. Newton wehrte ab. Mit verdämmerndem Bewußtsein sprach er sein« letzten Worte: „Ich weiß nichk, wie ich der well vorkomme: mir selbst aber komme ich vor wie ein Junge, der am Meeresufer spielt und der sich„nlerhälk, hin und wieder einen besser abgerundeten Kieselstein oder eine hübsche Muschelschale zu finden, während der groß« Ozean der wahrheil unerforscht vor ihm liegt." Or. Willy Gierlic!" yiJyckW-3� UHUfdSL (8. Fortsetzung.) Der Ortsvorsteher gab mir den Potz zurück und eine blanke Mark dazu und sagte dabei, immer noch lochend: ,Lch habe es auf Ihrem Zwangspatz nicht vermerkt, Sie können sehen, dah Sie im nächsten Dorf auch toas bekommen." Als ich mich darauf, versöhnlicher gestimmt, recht schön bedankte, erschien die Frau Ortsoorsteher mit einem Paar Stiefel und fragte mich, ob die mir wohl passen. „Gewiß passen sie!" rief ich fröhlich, setzte mich auf eine ge- frorene Stufe, und im Nu hott« ich die Stiefel an den Füßen. Den Hut schwenkend und nochmals rückwärts dankend kehrte ich zu meinem Kameraden zurück und wir setzten die Reife fort. Am Spätnochmittag stießen wir wieder auf ein größeres Aauerndorf, fochten es bis zum Wirtshaus ob und beschlossen, hier zur Nacht zu bleiben. Das Gastzimmer war voller Bauern und Handwerker, auch einige Frauen und Mädchen waren darunter. Dick« Rauchschwaden hingen unter der niedrigen Decke, da jeder Mann seine Pfeife oder Zigarre qualmte. Der Wirt hatte alle Hände voll zu tun, und wir mußten eine ganze Weile warten. Mein Kollege stieß mich an und sagte:„Du, da sitzt der Teckel." „Was.für«in Teckel?" fragt« ich. „Mit dem du heute früh das Intermezzo gehabt hast." „Da sind wir sein heraus, der kennt mich ja schon. Ist sonst «in ganz gemütliches Haus." Der Wirt trat an uns heran. Wir fragten, ob wir übernachten könnten.„Setzt euch dort an den Tisch, da sitzen schon zwei," ant- wartete er. Richtig, da saßen zwei Hamburger Zimmerleute. Einige Burschen und Mädchen sangen fröhliche Lieder, und alles war in der onimiertesten Stimmung. Als die Mägde und Burschen nach Hause mußten, um das Bich zu beschicken, sagte ich zu meinem Bäcker:„Jetzt fangen wir an", und wir sangen, sobald sich der Lärm etwas gelegt hatte„lieber allen Wipfeln sst Ruh",„Du bist wie «ine Blume, so hold, so schön, so rein" und„Ich frage kein« Blume, ich frage keinen Stern". So etwas hatten die Bauern anscheinend noch nicht gehört. Es war immer ruhiger geworden. Der Gendarm und einig« Bauern bildeten einen Kreis um unseren Tisch und lauschten gespannt. Die beiden Hamburger Zimmerleute saßen wie die Stockfische da. Als wir aufhörten, ließ uns der Gendarm ein Glas Bayrisch und einen Schnaps geben. Natürlich ließen sich nun auch die anderen nicht lumpen, denn was der Gendarm konnte, das konnten sie schon lange. Wir erhielten von allen Seiten nicht nur zu trinken, sondern auch zu essen, so daß wir es kaum bewältigen konnten. Di« Lieder, di« wir sangen, gefielen so sehr, daß sich bald eine Schar Neugieriger vor den Fenstern ansammelte, und bald erhielten wir Zuwachs von einigen Mitgliedern des dörflichen Gesangvereins, die uns als Kameraden und Sqngesbrüder willkommen hießen. Als einig« Mädchen ihre Lieder zur Gitarre erklingen ließen, veranlaßte mich dies, den„Roten Sarafan" zu singen, wozu mich eine der Dorsschönen auf ihrer Gitarre begleitete. Es war eine so feucht- fröhliche Stimmung, daß keiner der Beteiligten ahnte, wie spät es schon sei, bis der Brigadier endlich in der zwölften Stunde aufbrach und selig nach Hause schwankt«. Er war im Dorfe stationiert. Die anderen blieben noch ein Stündchen sitzen. Das beste Geschäft hatte natürlich der Wirt gemacht, und er war uns dafür auch dankbar. Wir erhielten freies Nachtquartier, frühmorgens unser unentgeltliches Frühstück, und unsere Flaschen füllt« er uns auch noch. Dann wanderten wir unter fröhlichem Gesang weiter. Ueberall, wo wir vorüberzogen, klopften die Sangesbrüder an die Fenster, öffneten sie oder kamen vor die Türen und riefen uns„Glückliche Reise" zu. Der Landstreicher kehrt den Marktplatz. An einem winterlichen Vormittag kamen wir bei ziemlich strenger Kälte in ein kleines thüringisches Städtchen, gingen auf das Rathaus und holten uns das Stadtgeschenk. Dies erhielten wir in Gestalt einer Mittagsmvrke. Es wurde uns aber bedeutet, daß wir den Marktplatz kehren müßten, hierfür bekämen wir jeder fünfzig Pfennig extra und dazu eine Mark« für Abendbrot, Nacht- quartier und Frühstück. Wir zogen mit unserer Mittagsmarke in di« Herberge. Man gab uns ein« elend« Wassersuppe, in der einige Brotbrocken herum- schwammen. Nach dem Essen meldeten wir uns wieder bei der Polizei. Jeder erhielt einen Besen. Damit bewaffnet fingen wir an, den Marktplatz zu kehren. Es war eine grimmige Kälte, Hände und Füße froren uns fürchterlich. Als wir, den Besen unter den Arm geklemmt, in die Hände pusteten und von einem Fuß auf den anderen traten, öffneten sich einige Fenster und mitleidige Frauen warfen uns Handschuh« zu. Da ging die Arbeit gleich besser. Sie dauert« aber doch länger, als wir es uns vorgestellt hatten. Wir waren deshalb froh, als drüben, wo ein großes Schild„Hotel zum goldenen Löwen" in der Sonne prangte, in der Einfahrt der Ober- kellner im schwarzen Frack erschien, die Serviette unter den Arm geklemmt, in der einen Hand eine große Flasche,«in Weinglas in der anderen, und uns herüberwinkt«. Im Auftrage feines Chefs goß er jedem ein Weinglas voll feurigen Nordhäuser ein, der im Glänze der Wintersonn« perlte wie lauter Gold. „Ach," sagte der Bücker,„das ist gerade so, als wenn einem ein Engel aufs Herz p...." Der Ober lacht«:, Nehmt man gleich noch einen, denn auf einem Bein könnt ihr nichr stehen." Wir führten die Arbeit zur Zufriedenheit des Wachtmeisters ads, erhielten den versprochenen Lohn und zogen in die Herberge, um es uns dort gemütlich zu machen. Mit uns blieben noch einige Kunden zur Nacht dort. Bald waren wir all« in der seligsten Stimmung. Fritz mein Reisekollege, der ja Bäcker war, ging nach dem Abendessen zu seinem Meister und traf hierbei den Polizeiwacht» meister, der augenscheinlich auch nicht mehr nüchtern war. „Sagen Sie mal," sagte er zu ihm,„wie war denn das Mittag- essen in der.Herberge?" „Schlecht," antwortete Fritz,„wie es überall ist." „Wenn Sie und Ihr Kollege, der Buchbinder," der Wachtmeister legte die Hand an den Mund,„noch einmal jeder fünfzig Pfennig oerdienen wollen, dann kommt morgen früh zur Polizei und be» fchwert euch darüber." Freudestrahlend kam Fritze zurück, winkte mich und einige andere Kunden geheimnisvoll zu sich heran und erzählte das Er- lebnis mit dem Wachtmeister. Als ich nun merkte, um was es sich handelte, stieß ich ihn an, damit er das Maul halt«, aber«r hatte so viel getrunken, daß«r sich seiner Dummheit gar nicht bewußt war. Alle waren bald so fett, daß«s Zeit wurde, zur Ruhe zu gehen. Der Bäcker legte sich auf den Tisch, ich mich auf die Bank, die hinter dem Tisch an der Wand stand, und so suchte sich ein jeder seine Schlafftelle aus. Ein Strohlager gab es nicht. Am anderen Morgen zogen wir rechtzeitig los, um dem Er- suchen des Wachtmeisters nachzukommen. Aber wir mußten auf den Herrn warten, er hatte wohl auch noch nicht richtig aus- geschlafen. Plötzlich kam— einer der zurückgebliebenen Kunden mochte unser Vorhaben wohl verraten haben— der Herbergsvater in Hemdsärmeln angerannt und brüllte:„Wo ist er, wo ist er?" Im selben Augenblick betrat auch der Wachtmeister das Rathaus. Der Pennebooft stürzte auf ihn zu und rief:„Sie haben den Bäcker aufgewiegelt, daß er sich über mich beschweren soll, haben ihm Geld dafür geboten, ich werde euch das besorgen, ihr Hunde, ihr schlechten Kerle!" Der Wachtmeister wurde kreidebleich und wußte nicht, was er sagen sollt«. Ich beschwichtigte den Pennebooft und erklärte energisch, daß wir lediglich um unserer Papiere willen hier seien und nicht daran gedacht hätten, uns zu beschweren. Es sei auch nicht wahr, daß uns der Wachtmeister Geld angeboten Hab«. Dann packt« mich aber doch der Zorn und ich sagt« ihm gründlich meine Meinung wegen des schlechten Quartiers und des erbärmlichen Essens. Da verduftete«r sich kleinlaut, brummte etwas vor sich hin und zog wie«in begossener Pudel seiner Penne zu. Der Wachtmeister bekani seine Farbe wieder und drückt« mir etwas in die Hand. Ich saßt« den Bäcker unter den Ann und auch wir verdufteten. Abwärts.. Es war an einem wunderschönen Soinmertag, als ich in Lübeck, der alten Hanfastadt, einwanderte. Durch das Holstentor betrat ich die Stadt. Di« alten Patrizierhäuser erinnerten mich an Danzig und meine Heimatstadt Königsberg. Da es nun gerade Mittagszeit war, warf ich vor dem Tor meinen Naturstenz fort und beschloß, in diesem mich so anheimelnden Städtchen mir gleich etwas Msttag- essen zu holen. In einem vornehmen Patrizierhaus erhielt ich«in vorzügliches Mahl- Karbonade, junge Karotten, junge grüne Erbsen. Spargel und Kartoffeln. Ja, nun hielt man es wieder bis Abend aus, aber einige Häuser wollte ich doch noch besuchen, vielleicht glückte es mir, noch einmal so ein Prachtessen zu ergattern. Noch als ich auf die Straße trat, schnalzte ich mit der Zunge und strich mir voll Behagen den Mund. Da klopft« mir jemand auf die Schulter. Als ich aufblickte, war es ein recht jovial aussehender Herr, der mich fragte, was ich in dem Haufe gemacht hätte?„Das geht Sie gar nichts an," erwiderte ich und wollte weitergehen, ab-r er hielt mir mit freundlichem Lächeln eine messingne Blechmarke unter di« Nase und flüsterte geheimnisvoll:„Ich bin Kriminalbeamter. Sie haben gebettelt, ich beobachte Sie schon ein« ganz« Weile." Do hatte ich die Bescherung! Zu stolz, dem Mann, der so überaus freundlich aussah, ein gutes Wort zu geben, ging ich lachend an feiner Seit« mit. Im stillen bedauerte ich aber doch mein« so Plötz- lich unterbrochene Bettelfahrt. Bald standen wir vor einem großen Tor und der Kriminal- beamte setzte einen Klingelzug in Bewegung. Gleich darauf öffnete sich mit grellem Schlüsselgerassel die schwere Tür und ein Ge- fangenenaufseher hieß uns mit freundlichem Lächeln willkommen, indem er dem mich begleitenden Beamten die Hand reichte und mich schmunzelnd betrachtete.„Ein nettes Bürschchen," meint« er,„wird nicht lange bei uns bleiben." Mein« Personalien wurden aufgenommen und ich mußte alle-, was ich in meinen Taschen hatte, vorzeigen. Das ging alles so freundlich und gemütlich zu, daß ich gar nicht glaubte, mich in einem Gefängnis zu befinden. Der Kriminalbeamte entfernte sich grüßend, indem er auch mir freundlich zunickte und der Aufseher nahm mir nur mein« Papiere ab, alles ander« durfte ich wieder zu mir stecken. Geld haben Sie ja noch, sagte er, da können Sie sich auch was kaufen, schlimm wird's nicht werden. Nun schritten wir beide einen langen Korridor entlang, an dem sich rechts und links die Zellen für die Gefangenen befanden. Zwei Türen standen offen, die Sonn«, die aus den Zellen drang, überflutete mit Ihren Schein den Korridor. In den.Zellen saßen die Insassen beim Spiel. Die einen kloppten Skat, die anderen Schafskopf und wieder andere oertrieben sich die Zeit beim Dame- und Mühlespiel. Hier geht's ja recht gemütlich zu, dachte ich und war auf den Beamten, der mich arretiert hatte, gar nicht böse, könnt« ich mich doch auf diese Weis« von den Strapazen der Reise erholen.„Ist hier noch Platz?" fragte der Aufseher in eine Zelle hinein.„Immer rin in die gut« Stube!" klang es lachend zurück. Es waren alles Fechtbrüder, di« ich vorfand. Einige nahmen di« Anwesenheit des Aufiehers gleich wahr und machten bei ihm ihre Bestellung. Der eine verlangte eine Rolle Priemtabak, der ander« Wurst, der dritte Rauchtabak. Der Aufseher ließ sich das Geld in die Hand drücken. „Macht's euch gemütlich, hier ist neuer Zuwachs!" sagte er und ließ mich eintreten,„Moment, bin gleich wieder da." „Wärst du ein bißchen früher gekommen," rief mir einer zu, „hättest du«inen feinen Pickus gekriegt, heut« gab's nämlich Erbsen mit Sauerkraut und Pökelfleisch!" „Na, na," antwortet« ich zweifelnd,„es scheint ja hier ein ganz gemütlicher Käfig zu sein, aber das glaube ich denn doch nicht." (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Japan für Prohibition? Die Prohibition„made in Japan" unterscheidet sich von den auf die Trockenlegung abzielenden Bestrebungen in anderen Ländern grundsätzlich dadurch, dah sich die gesetzgeberischen Maßnahmen, mit denen sich die japanischen Parlamente zu beschäftigen haben werden, ausschließlich auf junge Leute unter 25 Iahren beziehen. Der in Tokio erscheinende„Dorodzu", der die Prohibitionspläne energisch unterstützt, schreibt unter Hinweis darauf, daß die absolut« Pro- hibition Amerikas vielfach als ein„Gesetz zur Züchtung von Der- brechern" bezeichnet wird:„Angesichts des von Amerika gegebenen Beispiels wollen wir die absolute Prohibition vermeiden und uns auf das Verbot beschränken, Alkohol an junge Leute des bezeichneten Allers zu verkaufen. Die Statistiken aller Länder beweisen, dah der Alkohol eine Quelle des Verbrechens ist. Wir haben zu viel« Bei- spiele vor Augen, die beweisen, daß die Trunksucht junge Leute in unserem Lande moralisch entarten läßt, daß sie vor allem das geistige Interesse und den Lerneifer der Jugend lähmt. Das ist der Grund für die bei uns immer stärker werdende Prohibitionsbewegung. Was das Rauchen betrifft, so wollen wir die Allersgrenze auf 20 Jahre beschränken, was durch Rücksichten auf die gesundheitlich« Entwicklung der jungen Leute dringend geboten ist. Das Trinken ist schädlicher als das Rauchen. Aus dieser Erwägung macht sich auch die Heraufsetzung des Alters auf 25 Jahre in bezug auf den Alkohol- verbrauch nöttg. Die Prohibition erweckt zwar Hohn und Gelächter, wenn sie von verstiegenen moralischen Grundsätzen diktiert wird, aber freltaz, 10. Mai. Berlin. 16.00 Dr. A. Caspary: Die Wertbeständigkeit der Währung als Reparationsproblem. 16.30 BruchstHcke von Sling(gelesen von P. Bildt). I. Lieder.— 2. J. Brahms: Romanze op. 118, Scherzo Es-Moll op. 4.— 3. Chopin: Etüden E-Moll op. 25, E-Dur op. 10. A-Moll op. 25(Marga Menatsch, Plügel). Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.10 Dr. K. Iiiig: Ein neues Metall. 18.35 Dr. W. Mahrholz: Die Entwicklung der Literatur: In Skaninavieu. 19.00 Dr. E. Hurwicz: Die wirtschaftliche Entwicklung Osteuropas. 19.30 Dr. M. Sommer: Pfingsten im Sprcewald. 30.00 Eclix Stößinger: Der Intellektuelle und der Arbeiter. 30.30 Edmund Eysler: Von. Bruder STraubiager" Ws zur„Ooldeae« Mthterfi*. Dirigent: Der Komponist. Während der Pause: Bildfunk. Nach des Abondmeldungen: Bildfunk. Königswusterhauae«. 16.00 Dr. von Drigalskl: Die hygienische Pordcmng aa das Schalhaus. 16.30 Prot Dr. H. Mersmann: Einführung in Sonate und Änfonle. 18.00 Dr. A. Kuhn: Kunst und Wirtschaft. 18.30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. W. Hoffmann: Der Balkan nach dem Weltkriege. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 22.45— 23.15 Bildfunkvcrsuchc. es darf dabei nicht außer acht bleiben, daß die schädigenden Wir- kungen des Trinkens eher materieller als moralischer Natur sind. Die körperliche und gesstige Gesundheit sind in gleichem Grade vott dieser Seite aus bedroht. Die Bewahrung der japanischen Jugend vor moralischer und körperlicher Degeneration ist der ausschlaggebende Beweggrund für die Prohibition: wir haben also allen Anlaß, für sie einzutreten." Leichenschmuck vor 4500 Jahren. Die so überaus ertragreichen Ausgrabungen des Britischen Museums und der Unwersttät von Pennfylvcmien zu U r haben noch zum Schluß einen außerordentlichen Fund gezeitigt. Bei der Be- endigung der Ausgrabung des alten Friedhofs, in dem sich auch die Königsgräber fanden, stieß man auf ein Grab aus der Sargoniden- zeit um 2650 v. Ehr., das dos Skelett eines Mannes barg, wie man aus der großen Zahl von Kupfermoffen schließen kann. Ueberaus reichhaltig ist. der Leichenschmuck dieses Toten. Der Kopf war mit sechs goldenen Stirnbinden geziert: um den Hals lagen drei Ketten, in denen Goldkugeln mit solchen aus Achat, Karneol. Jaspis, Chol- esdon abwechfellen. Um die Armgelenke waren vier schwere goldene Bänder gelegt, und an den Fingern hatte er vier silberne und goldene Ringe. Außerdem lagen in dem Holzsarg zwei Siegel- Zylinder und Lapislazuli, mit Gold verziert und mit Inschriften bedeckt, und an einer der Halsketten hing ein golden«? Amulett in Form eines wundervoll gearbeiteten stehenden Ziegenbocks. Vergasung eines Schifies wegen einer Ratte. Di« Pest ist eine schwer«, meist zum Tode führende fieberhaste Infektionskrankheit, die in früheren Jahrhunderten in Europa öfter verheerend austrat. Der schwarze Tod, wi« man die Pest de- zeichnete, war allgemein gefürchtet. Die moderne wissenschaftlich« Forschung mit chren Schutzmaßnahmen hat dahin geführt, daß Pest- erkrankungen heute sehr selten vorkommen. Um so mehr ist man bemüht, auch di« geringsten Anzeichen der furchtbaren Krankheit auf ihren Herd zu beschränken. Als vor kurzem der Dampfer„Palos" von der Oldenburgisch. Portugiesischen Schiffahrtsgesellschast vom Auslände nach Bremen zurückkehrte, entdeckte man nach der Löschung auf dem Schifi eine pe st verdächtige tote Ratte. Bei seiner Ankunft im Hnm- burger Hafen wurde der Dampfer sofort vergast, um ein« weiter« Ausdehnung der schnell um sich greifenden Seuche zu verhüten. Diese umfangreich« Mahnahme einer einzigen Ratte wegen wird verständlich, wenn man bedenkt, daß gerade Ratten als di« gesähr» lichsten Verbreiter der Pestkrankheit zu betrachten sind Unbeachtetes Liegenlassen der toten, von Pestbozillen befallene« Rott« hätte di« unheilvollsten Folgen haben können. Bernard Shaw. In einer Gesellschaft, in der sich auch Bernard Eha« befand, trieb ein Gedankenleser sein Unwesen. „Auch Ihre Gedanken, Meister, kann ich lesen," wandte sich der Wichtigtuer an Shaw. Shaw gab zurück: „Wenn so— weshalb sind Sie noch hier?" rJflOrtzjriolienm&b*l-Haus LASERSTEIN Ludcnuer stranc 1 W» oraidantiraag. nme MotuiRiuz OBEL Monats- 54 Raiten ANTCL OrikRaftfurjerSteft jtroinberaer Platz' Schlafzimmer Küchen 1. Rate Juni. Zum Pflngstfest bringe Uh ata angnrgewWhaMk wietower to« Angebod tn fertiger Herren-, Knaben- und Sport- BEKLEIDUNG in nur anerkannten Qoalititswaren und eleganter P a 8 f o r m. Gant besonder» empfehle meine M a B a b t e 1 1 u ii 9|jT die da» geschmaetarollste unter Leitung IdiMi bewihrtor Zuschneider hervorbringt 8»»»»»»» Neu auf genom men tlmtllche Hcrrcn-Arlikel. J. BflER. Berlin, Bg5!*4S5Si6 forfgelefjf Im Köpenick« Nadion stehen sich Eiche und Zühlsdorf gegenüber, während Lichtenberg I am Bahnhof Stralau-Rummels- bürg, Kynaftstraße, die Tempelhofer zu Gast hat. In beiden Spielen sollten die Gastgeber die Sieger stellen. Germania muß sich in Pankow, Andreas-choser-Platz, sehr anstrengen, um gegen Obcrspree zu gewinnen. Saxonia und Vorwärts-Wedding stehen sich auf dein Exerzierplatz, Schönhauser Allee, gegenüber. Karow erwartet auf eigenem Platz den Besuch der Neuköllner Freien Fußballer. Weitere Spiele: choppegarten gegen Woltersdorf bei Luckenwalde: cheriha ll gegen Eifenspalterei: cherzfelde tzegen Butab: Treuenbrietzen gegen Cladow: Ketzin gegen Borussia: Trebbin gegen Spandau 25; Werder 77 gegen'Neinickendorf: Sokohl-Eharlotten- burg gegen Wacker-Britz.— 2. Mannschaften: Werder 77 gegen Knoblauch I? Germania gegen Lichtenberg II: Oderberg I gegen cherzfelde II: Karow gegen Weißensee.— Iugendmann- schaften: Werder 77 gegen Brandenburg II; Brandenburg I gegen Ketzin: Spandau gegen Weißensee, Eiche-Köpenick gegen Neu- kölln: Cladow gegen Lichtenberg II. Beginn der Spiele: 17 Uhr: vorher untere Mannschaften. Eröffnung der Grunewald bahn. Als letzte der Berliner Bahnen öffnete nun auch Grunewald die Tore. Es war sozusagen eine zweite Premiere, denn die Er- ösfnungsrennen am 28. April mußten bekanntlich wegen Bau- arbeiten nach Hoppegarten verlegt werden. Die immar wieder im- panierenden prachtvollen Anlagen auf der Vollblut-Kampfstätte im Westen Berlins waren trotz des regendrohenden Wetters dicht be- völkert, obgleich die sportliche Seite nicht allzuviel versprach. Prei»«o» italj»!«! 1. ffTnintn«ie.-____ S.V.«Moabit" turnt an. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Sport-Berein Moabit, der einzig« Arbeiter-Sportverein in Moabit, der dem Arbeiter-Turn- und Sportbuird angeschlossen ist, auf dem Sport- platz Tiergarten einen internen Bereinewettkampf. Die in jedem Frühjahr stattfindende Leranstaltung, das Anturnen, hat auch diesmal einen Dreikampf sowie Einzelkonkurrenzen und Stafetten aller Abteilungen in ihrem Programm. Den Abschluß der Beranstastung bildet ein Hockeyspiel zwischen FTGB.-Nord- ring I und SV. Moabit l.— Die Kinder-Abteilungen bringen ihr Anturnen bereits vormittags um 10 Uhr zur Abwickelung, während der Wettkampf der Jugend, Frauen und Männer um 13 Uhr be- ginnt. Die organisierte Arbeiterschaft ist herzlich eingeladen. Gleichzeitig gibt der Sport-Berein Moabit bekannt, daß er nach wie vor dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angeschlossen, also b u» d e s t r e u i st. Sllle anderen Parolen sind falsch und sollen nur Verwirrung unter der Arbeiterschaft hervorrufen. Die so- genannte„Opposition" ist ausgetreten und bei Fichte gelandet. Der SV. Moabit unterhält Schüler-, Schülerinnen-, Jugend- und Jung- mädchen-, Frauen- und Männerabteilungen, in denen fast alle Zweige der Leibesübungen, wie Turnen, Leichtathletik, Handball, Hockey und neuerdings auch der Wassersport(Faltbootfahren) be- trieben wird. Die Uebungsstätten sind der Sportplatz Tiergarten sowie die Turnhallen der einzelnen Abteilungen, worüber durch die Geschäftsstelle des SV. Moabit, Bruno Broske, Berlin NW. 87, Waldstr. 42, jederzeit gern jedem Interessenten weitere Auskünste erteilt werden. Freier Spartverein weitzenfer. Sannabend, 11. Mai. bei Minze. Sachringer Strast« 32. um TV4 Uhr, Persammlung. Partrag des Genaffen Frenz«!. FTSB., Bez. Renlälln. Sonnabend, 11. Mai, 19 Uhr. Bezirksvarstunde für alle Abteilungen Neukölln und Britz in der Turnhalle Rütlistratze. Anschließend richtige Sitzung. Tauristenverein»Die Naturirrnnbc", Zentrale Wien, vetsaenppe Berlin: Mittrvach. 15. Mai, 20 Uhr. Aula Weinmeisterstr. 16— li. ÄiiVbildervartraO: „3 Wachen in Oberitalicn". Neferent: Gearg Krämer. Unkastenbeitrag 20 Pf. Gäste millkammen.— Abt. ckharlattenbnrg: Freitag. 10. Mai, 20 Uhr Spree» strahe 30. Distulfian über Tagesfragcn.— Abt. Sübast: Freitag. 10. Mai. 20 Ubr. Britzer Str. 27. Partrag.— Abt. Treptaw: Freitag, 10. Mai, 20 Uhr. Glfenftr. 3. Natnrwissrnlckiaftlicher Bartrag.— Abt. Neukölln! Fre'tag. 10. Mai, 20 Uhr, Flughafenstr. 68. Heiterer Abend.— Zugendgrnpp« Ofteni Freitag, 10. Mai, 20 Uhr, Scharnweberstr. 20, Löns-Abrnd.— Phatagemeinfchaft! Man- taz, 13. Mai. 20 Uhr. Graste Frankfurter Str. 16(graster Saal). Partraa:.Die panckraniatifche Platte". Neferent: M. Hietzmann.— Abt. Britz: Mantag, 13. Mai, 20 Uhr. Chausteestr. 48. Partrag:.Warum bin ich Naturfreund?"— Mallnnstgemeinfckast: Mantag, 13. Mai, 20 Uhr. Waffertarftr. 9, Bartrag: .Frühlingsblumen".— Natnrmilfenlckattlich« Abteilung: Sanntag, 12. Mal. Zur Anemanenblitte nach Büdrredarf. Bestchtignng des Bergwerks>i. a. Industrie- werke. Unkastenbeitrag 75 Pf. Treffvunkt bis 8 Uhr Bahnhof Grkner. Arbetterfchwimmverein.Hellas" Berlin. Freitag, 10. Mai, 21 Uhr, Be- fprechung der Rilrnbcrgfahrer im Wcddinger Bcrcinshaus, Gericht- Ecke Knnkelstraste. Sanntag. 12. Mai. 15 Uhr. Anbaden in Plötzenlcc, gemililiches Beifammenfein in der Waldhiiltc. Letzte llebungsstunde im Sladibad Wedding, Freitag, 17. Mai. Spartverein Moabit. Alle Jugend-. Iungmädchen-, Frauen- und Männer- Mitglieder treffen sich Sanntag, 12. Mai, 121) Uhr. üum Anturnen auf dem Sportplatz Tiergarten. Die Funktianärc und Mitglieder der Kinderadteilungen beginnen mit dem Anturnen um 10 Uhr. Turn- und Spartverein.Sich«" Köpenick 1896 E. B. Heute. Freitag. 20 Uhr. Mitaiiedervrr'ammiung im Stadtthcater. Sonnlag, 12. Mai. 14 Uhr, Anturnen auf dem Bcreinsviatz. Als Gäste beteiligen sich.Alhletik-Sparlklnb",„Adlers- haf" und..Frirdrichshagen". Traininasstunden: Mittwochs und Freitags van 171h— 19>h Uhr für Schüler, von 10—21 Uhr für Männer und Jugend. Diens- tags und Donnerstags von 171h— 101h Uhr für Schülerinnen und von 10 bis A Uhr für Frauen und Iunamädchen.»Abteilung Bahnsdarf trifft sich Sann. tag /mm gemeinsamen Abmarsch tun IS'.i Ubr am Bahnhof Grünau. «rbciter. Radfahrer- und K-aitfahr«rbu»d.Svlibarität", Gau 9, Be». 1. 2 nnd 21. Vrtsgrupve Grast. Berlin. Geschäftsstelle Dabert Pvthbarth. W. 11, Schöneberger Str. 17». Wir fahren am Sannlag, 12. Mai, folgende Touren: 1. Be,irk: Alle Abteilungen fahren die Beiirkssternfahrt. Sammeistart: Teltow 10 Uhr. Endziel: Tprow, Gericke.— 1. Abt.: Start 6 Uhr Büiowstr. 55.— ?. m.i&cti 5 Uhr Diefs«nbachstr. 98.-«.«bt.: Gicri 1 Uhr erge» Uhr II Trp. Alle Eroß.Berliner Abteilungen und die Ortsgruppen des Bezirk» fahren die Vezirkssternfahrt nach Teltow. Sammelstart 1ö Uhr.— Abt. Chat» lotteuburg: Star? p.anal» Ecke Wilmersdorfer Straße.— Abt. Schöneberg: Start 8 Uhr Migge, Stubenrauchstr. 5.— Abt. Neukölln: Start 8 Uhr Hohen» zollernpiatz.— Abt. Treptow- Baumschulenweg: Start 7 Uhr Bahnhol Baum» fchuieuweg.— Abt. Köpenick: Start 7 Uhr Köllnischer Platz.— 21. Bezirk: Bezirksie-ter»Paul Schuppau. O. 112. Nicderbarnimftr. 10. Ortsarupptn bez. Abteilungen Grast-Veriins des 21. Bezirks. Die Sternfahrt am 12. Mai geht nach Fangschieufe iWerifee). Ncstaurant Gattesbrück, Bismarckftr 3. Saminel. ftart in ikrkner. Lokal zur Locknitz. Wilheimstrastc.»Alle anderen Touren iolleu aus.- Abt. Lichtenberg: I. Abt. Start 7 Uhr Ait-Fnedrichskeide 08.— AM. Weistenice-Heinersdatf: Start 6>h Uhr Langhansstr. 112— Abt. N«>nickendarl. Start 61h Uhr Provinzstrastc Ecke Pankower Allee. Mttgltedsbücher stnd mtt» zunehmen.— Bur.d-str-n- Matarfahrer: Abt.»rcnzberg 112 Abt.)! Busch- mühie. Start 0 Uhr Frankfurter»Allee Ecke Gürtelstraste.—.Abt. Friedrichshai», Dubrow. Start 811. Uhr Landsberger Platz.— Abt. Neukölln: iSezirkssternfahrt. Start 814 Uhr kahcnzallernpiatz....—,..... Ruderverein Borwärts. Am Sonnabend, 11. Mai. 20 Uhr, nndet im Boots» Haufe die 37. Gründungsfeier statt. Nächst- Mitgliederversammlung Danner«. tag, 16. Mai. 26 Uhr, im Bootshaus. Einige Bootsstande sind noch zu vergeben. Dreißig Jahre. Auf ein dreißigjähriges Bestehen konnte das Herrengarbs. robeng eschcift 6. Joseph, in Echöncberg, Hauptstraße 1. Ecke Grunewald itraße, zurückblicken. Am 6. April 18?Ä begründete der jetzige Inhaber.«. Joseph, m demselben Gebäude, in dem sich das Eefchäft heute noch befinbet, dle isirma. Ein kleiner Laden mit zwei Schaufenstern war das ganze Gcschäftsloral. �osepy verstand es aber, sich durch beste Ware und niedrige Preisberechnung einen Kundenstamm zu erwerben und diesen Kundenkreis zu erweitern. Mit dem Wachsen von Schonebcrg wuchs auch das Geschäft, und so war man gezwungen» die Räume zu erweitern. Heute weist das Geschäft bereits eme Front von zwölf Sa'-aufenstcrn auf. Als neueste Errungenschaft der Mnna ist ,n der Hauptstraße ein großer Ausstellungsraum eröffnet worden. Er ist U Meter breit und 8 Meter tief und besitzt zwei Schaufenster von 4% und 5H Meter Brette. Die Wände und der Hintergrund sind in lindfarbenem Rips, der mit Kornblumenblau abgesetzt ist. gehalten und fünfzig Scheinwerfer sorgen Mr die notwendige Beleuchtung. In diesem Ausstellungsraum sieht man die modernsten Anzüge und Mäntel. Die Firma legt nach wie vor Wert darauf, stets da» Reueste für jeden Geschmack zu zeigen. Eine große Auswahl in H�renanzügen, Gabardine». Gummi- und Lodenmänteln, sowie Windiacken, Hosen und Be» kietdung für Knaben bieten Gewähr für billigsten Einkauf. Berantwartiicki für bi. N-dakiivn: Franz«iüh». B-riin:.��gkn: TH.»iocke. Berlin. Beriag: Barwärts Perlag K. m b S.. Berlin. Druck: Bor-art-«»r». druckcrei und Periagsanstalt Paul Singer z- Ga. Berlin SW 68. Ltndenstraste 3. Hierzu I Beilage. Cafe Schöneberg Bierhaas— CafS— Conditorti— Festsäla Mauptstrafie 23-2% Inh- Woltgang Orange Telephon: Stephan 8618 4 Ve.haadlknelbahntn* Verband,keZelb,hnea Taglieh erstklass. KCastlerkonjert. Treffpunkt der Schtmeberger BOrgtr p«-» MWi-AMIMi Pia» lodsKi Pulbusser Straße 6 Qualitätsware/ Billigste Preise Lesdau's Korbtnßbel Vb'Imöü« kimsi Aparte Muster MäBige Preise W ikttitiei t. Tfitsil Neukölln titntnbmti. IC m Hermannstr. 10 Fffwr FI 9 lt. IIS) ROGRAMM für die Zeit eom 10. dls 13. Mal K I N O-T A F 1 L PROGRAM für die Zeit vom 10. bü 13. Mal OIOIQ Potsdamer Strafe 38 Port Die neue Heimat jugendliche haben Zutritt Rheinstratjc 14 welche) Der Patriot mit Emil lanning* Regie: Ernst Lubitsch Odeon, Potsdamer Sir. 75 Die Ehe Hin Film von van de Velde Dr. Doliülc and feine Tiere Turmstrahe 12 Die wunderbare Lage der Nina Peirowna mit Brigitte Helm Beiprogramm Alcxandersfr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnet! Port Die neue Heimat Jugendliche haben Zutritt W__ EcttänaBeirS-*-� Alhambra Be4s�&hV5U Schöneberg, Hauptstr. 30 Das Riesenprogramm Meineid Hflhne: Paqnet» Kinderballett Titania(v«. sSa�b.rg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6,30 Uhr Die wunderbare LOgc der Nina Peirowna Das große Beiprogramm Nordwesten Welt-Kino \lt-Moabit W Meineid Das Tagebuch einer Kokotte Schlüter-Theater Schlüferstr. 17 W. 7 u. 9.15 O, S. ab 4 U. Gr o fisiadisefa metterl ing mit May-Wong Schönsie Frau von Paris mit E. Drink » stegnt«» Titania-Palasf Sieglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Der rote Kreis mit Lya Mara W iiclitRrfRl€3e«We«t'"fc Hi f* Wochentags 6.30. 9 Uhr ni~La Stg.5, 7.9U. Stg. 3U.J.-V. Hindenburgdamm 58a Die Frau, die jeder liebt, bist du mit Henny Porten Eva Im Paradies Dfihnenschaa Fiim-Paiasi Kammersäle Teltower Str. 1-4 Beginn 6 U. Asphalt mit Albert Sielnrackf Rln-Tin-Tlns schwerster Sieg Harlendorf""fc fVf a T s Marlendorfer � �1�1 Lichtspiele Chausseestraße'305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Die weihen Rosen von Ravensberg Auf der Reeperbahn nachts am 1 2 1 mit Eddie Polo DQhnenschaa Süden Th. am Morifzplafz Beginn: W. ab 6.15 9 U� Stg. ab 4JO U. Es war einmal ein treuer Husar Die Gehelmnisse des Pirkas Barry mit Plel W SOdogtaw fc Filmcck Beginn w' s'i Skalitzer StraBe. am Görlitzer Bahnhol Du gOttltdte Weib mit Grete Garbo Die Wunder des Films m. Vortrag Gate DQhnenschaa Urania-Theafer Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6 45. 8.45 Uhr. Stg. 2 45. 5, 7. 9 Uhr Der lebende Leichnam(Ehebruch) Zwei Lastspiele Internationale Varietdschaa » wcukBim j Primus-Palast Hermannplatz Der Held aller MldchentrXnme mit Harry Uedtkc Aasgezeichnetes Beiprogramm Bühne: Clever Enricas, am Trapez. Zwei Atheners« klassische Gymnastik Elysium Hasselwerderstraße 17 Cagllostro mit Hans StQwe Ausst-Revu?: Zieh' dich aas Gate BGhnenschao Schloßpark FOm.BGhne Berliner AHee 205—210 Der Zarewitsch mit Iwan Petrowich Ausst.-Rev.: Moabiter Bilderbogen Osten Germania-Palast Frankfurter Alice 31« Leo Tolstois großes Ehedrama: Der lebende Leichnam mit Pndewldn Aasgezeichneies Beiprogramm Greste VarieMsdiaa Beginn der ersten Vorstellungen: Wochcnt ab 6, Sonntags ab 3 Uhr. Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Die weihen Rosen von Ravensberg Diana Karenne Revue: Immer lastig Grohe B&hnenschaa Concordia-Palast Andreasstrafic 64 Die Ehe(nach van de Velde"* Dr. Dolittle and seine Tiere DObnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstralle 70 Die MitlrmacbUl.xe Revue: Trelbbans der Liehe „Elysium" Prenclauer Allee 58— Film und Bühne Die Frau, die Jeder lieht, bist da I mit Henny Porten Bühne: Wilhelm Bendow B&hnen>Cbaa Skala-Lichfspiclc Schönhauser Allee 80 Panzerkrenxer Poiemkin Der Boxerboy Bflbnentchan Alhambra Müllerstraße, Ecke SeeslraBe Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna Beiprogramm Bfihnensdiaa Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nar Spitzenfilme der Welt- Produktion Mcfro-Palasf Chausseestraße 30 Die welsten Rosen yon Rayensberg Maacottdien Noack's Liditspiele Brunnenstraße 16 Täglich S. 7, 9 Uhr Stg. 3 U- Jugendv Die welsten Rosen yon Rayensberg Anschluh um Mitternacht Pharus-Liditspielc Müllerstraße 142 2 Großfiime: Die Siegerin m. Olga Tscfacdbowa Das Findelkind von Singapore „Rialto" Film u.Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Geld! Geld) Geld! mit Brigitte Helm u. Alfred Abel Beiprogramm BHhnensdiaa ��0«»unUbrunn«n_ «Alhambra" Badstraße 58 Die Ehe nach van de Velde Die Wunder de» Films BOhnensebaa Ballsdimicdcr- Lichtsp. Badstraße 16 Gro�stadtscfametterllng mit A. May- Won g Der wei�c Schelk Blkbncnsdiaa Humboldt-Theater Bad Straße 19# Auf der Reeperbahn nachts mit Eddie Polo Die gcheimnUyallc Macht m t Harry Plel BOhnensdiaa 'AI Kristall-Palast Prlnzcnallec 1—6 Die wanderbare Lftge der Nina Peirowna mit Brigitte Hein» Beiprogramm ßüi.ne: Fr. Rolls her. Jazzkapell« » Pankow» Palast-Theater Breite Straße 21 a Die Ehe nach van de Velde Mit dem Anlo ins Morgenland Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Meineid Bühne: Tbcbaishlo; Japan. Balance Film-Palast Blankenburger Straße 4 Somnambul(Die Hellseherin) Pal und Palacfaon als Detektive » Bürgergartcn-Liditsp. Hauptstraße 51 Die Ehe". Ein F. Im von van de Velde Dr. Dolittle und seine Tiere BQhncns cbao Preiswerte Anzüge für Straße und Sport— v SaCCO- Anzüge haltbare Stoffe, solide Farben............. 39,-, 34 SaCeO- AnZÜgC moderne Formen, pabardineanige und Cheviotstoffe.... 4».- Sacco- Anzüge ein- und zweireihig, Cheviot-Qualitäten In aparten Farben«2.-, 50.- SaCCO— AnZUgC neueste Machart, Gabardine- und Phantasies offe.... 75,-, 73.- Sacco-Anzüge blauer Xammgarn, mo- derne Form�ein- u. zweireihig»5.-,#9.-, 83.-,«8.- 42.00 Sacco-Anzüge„Ersatz illr Maß-, eieg. 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