Morgenausgabe Sonnabenb •."##> W 11- Mai 1929 »««.«. I aMMMM■*;%> JL®£-�.1®nfpf- Im oorou» jo�Ibai. Postbezug W s �/ obonncment 6,- M. pro Monat. HHH rp�H M DW W> M Hj V) H I u'�fe nnlg" Re!lome,-?°?°"R?cho' J Tr�H 1 1 1 �D■! HLl �Dl H �D �D �D �D l-nge. »„ �I».,», W> I I WW ßW DM IU druckte»ort 2S Pscnnig izulössig zw« ,ich zm-lmot� k°n�-?n?Monlo� M Mt M IgTennt"Än�uckT'"« � -'"-na-- bU�au�b« fOr B.Z � V �' W/ MV■ ffio�tfrnÄÄtm fflJS SmISSfer/0" � V�ÄÄ cV'-ai��i.VtT � äS-ÄSintSrClS ss.ä...äjs�-%ld!lind! S�Plv9>Plflll s;u-..%'.%.a.<% Jentvaloesm» der Sozialdemokrattfchen Partei DeutfGlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße Z Donvaris-Aerlna m b P-M-beckromo: B-rKnS? öS«.- Bankion, o: Bank der Arbeit«!,«ngeftellie» Fernsprechern Tönbofl LS2—L97 Telesramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin dv»" V-/» II», v« und Beamten Wallstr. KS. Tiilonto-Gesellschaft. Depositenkasse Lindenstr� S Keine Aenderung in Paris. Amerikanische Zugeständnisse höchst unwahrscheinlich. Paris. 10. Mai.(Eigenbericht.1 Die Verhandlungslage in der Zachverständigen» konferenz hat am Freitag keine Wesen tliche Aenderung erfahren. Der Ztreit im Lager der Alliier- ten um die Verteilung der von Lwen Boung vorge» schlagenen deutschen Zahlungen dauert fort, ohne daß einstweilen ein Ende abzusehen wäre. Wenn man sich in den Konferenzkreisen vielleicht wirklich einen Augenblick lang der Hoffnung hingegeben halle, nun auch Amerika zu Zugeständnissen bewegen zu können, um die letzten Differenzen auszugleichen, so lassen die Erklärungen der Washingtoner Regie- rung keinen Zweifel darüber, daß eine Konzession Amerikas ohne besonderes Gesetz nicht möglich und ein derartiges Gesetz mehr alz u n w a h r s ch e i n li ch ist. Es besteht daher wiederum, namentlich angesichts der Tendenzen im französischen und belgischen Lager, erhöhte Gefahr, daß die Alliierten versuchen könnten, ihren Streit auf Kosten Deutsch- la.nds auszutragen. In der französischen Oesfentlichkeit.spricht man ohne Scheu davon, daß Deutschland, das nun schon 10 neue Milliarden auf sich genomemn hat, auch noch die letzten 3 Milliarden bis zur vollen Erfüllung aller alliierten Forderungen auf sich nehmen müsse. In der Zwischenzeit dauern die Bemühungen mn die Fertig- stellung des Schlußgutachtens. an. Dies war in der von S t a m p ausgearbeiteten Fasiung zunächst als ein Bericht der Kon- ferenzmehrhqit gedacht. Es soll, nachdem der amerikanische Kam- promißoorschlag dke Hoffnung auf ein positives Ergebnis der Verhandlungen, ungeachtet alfer.'noch bestehenden Schwierigkeiten, begründet erscheinen läßt, sö ü m tz e a r b c i t e t werden, daß im Falle einer endgültigen Einigung mit der Zustimmung sämtlicher Delega- tionen gerechnet werden könnte. Des Vorsitzende Owen Doung hat deshalb an olle Delegationen das Ersuchen gerichtet, ihre Sonder- wünsche für diesen Bericht schriftlich bekanntzugeben, damit sie darin verarbeitet werden könnten. Die gleiche Prozedur dürfte auch für die d e u t s ch e n V o r b e h a l t e eingeschlagen werden. Aus diesem Grunde hat Owen Poung auch mit der Weiterleitung der ihm am Montag von Dr. Schacht in schriftlicher Fassung übergebenen deutschen Bedingungen an die Alliierten gezögert. Allerdings liegt für die Zurückhaltung noch ein weiterer Grund vor: Solange sich die Alliierten nicht über die Zahlung des Poung-Planes einig ge- worden sind, hat es keinen Zweck, die deutschen Vorbehalte vorzeitig in die Debatte zu werfen. Es könne sonst leicht geschehen, daß gerade die Franzosen und Belgier, die bisher die Joungfchea Zahlenvorschlöge noch nicht einmal im Prinzip angenommen haben, die deutschen Vorbehalte zum Borwand nehmen, um damit ihre Weigerung zu rechtfertigen. Macdonalds Standpunkt. London. 10. Mai. Der Führer der Arbeiterpartei Mocdonald erwähnt« in einer Rede in Doncaster auch die letzten Vorfälle bei den S a ch- verständigenberatungen in Paris und erklärte u. a.: Wir werden unseren Schultern keine weiteren Lasten mehr aufbürden lassen, es sei denn, wir erhalten entsprechende Garantien dafür, daß diejenigen Nationen, die behauptet haben, sie könnten sich mit ge- ringcren Reparationsbeiträgen von den früheren Feinden nicht ein- verstanden erklären, den Beweis für ihre Armut liefern, indem sie weniger für Rüstungen ausgeben. Das englische Volk gedenkt nicht, die lässige Politik über- tri eben er Großzügigkeit fortzusetzen, die bis jetzt seine Handlüngsweise charakterisiert hat. Auch wäre es bereit, in Vek- Handlungen über eine vollständige und endgültige Bereini- gung der Kriegsschulde„frage für sämtliche Be- teiligten einzutreten, aber die Arbeiterpartei wird niemals weiteren Schuldenregulierungen zustimmen, die darauf hinauslaufen, daß den Schullern der arbeitenden Klassen geradezu unerträgliche Lasten auf- gebürdet werden, während andere unbehelligt bleiben. Die falsche Rechnung. Grundfragen des Arbeitsmarttes und ArbeitSlosenfchuhes. Es gibt Methoden der Sparsamkeit, die in ihrem Gesamt- ergebnis das Gegenteil bedeuten. Was man an einer Stelle gespart hat, muß an anderer Stelle zehn- und hundertfach ausgegeben werden. Auch die Reichsanstalt für Ar- beitsvermittlung und Arbeitslosenver- s i ch e r u n g ist von solcher falschen Sparsamkeit nicht frei- zusprechen. Ihre kurzsichtige Personalpolitik ist ein leuchten- des Beispiel dafür. Fragt man nach den Verfechtern dieser höchst unwirtschaftlichen Grundsätze, dann entpuppen sie sich als jene Schreier, die mit voller Lungenkraft eine Reform der Arbeitslosenversicherung fordern. Die Mitschuldigen an den Mißständen, soweit solche überhaupt vorhanden sind, suchen ihre eigene Verantwortung nicht nur auf andere abzuwälzen, sie verallgemeinern diese mitverschuldeten Zustände, um andere für die eigenen Sünden büßen zu lassen. Es mag als ein erfreuliches Symptom der Besserung vcr- bucht werden, daß jetzt die Reichsanstalt in einem ausführ- lichen Schreiben an die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter zu Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Inanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung Stellung nimmt. Jede gründliche Diskussion über die sogenannten Mißstände hat immer wieder gezeigt, daß wirksame Abhilfe durch Ausbau zweckent- sprechender Verwaltungs maß nahmen geschaf- fen werden kann. Das aber ist in erster Linie eine Personal- frage. Alle angebliche Ersparnis an dieser Stelle für den notwendigen Aufwand der Rcichsanstalt erweist sich in der praktischen Auswirkung als große Verschwendung. Man muß die ganze Fülle der Slufgaben, die der Reichsanftalt obliegen, kennen, um die überragende Bedeutung richtiger Personal- Politik voll würdigen zu können. Die öffentlichen Angriffe gegen die Reichsanstalt, die ihr zu hohe Verwaltungskosten vorwerfen, sind von keinerlei Sachkenntnis getrübt. Man darf bei der Reichsanstalt die Veitragseinnahme nicht in Beziehung setzen zum gesamten Verwaltungsaufwand, das muß ein ganz falsches Bild geben. Die Reichsanstalt hat nicht nur Versicherte, also Beitragszahler und Unterstützungs- empfänger aus der Versicherung zu betreuen, sondern alle Arbeitsuchenden und auch die Empfänger von Krisenunterstützung. Würde man aber selbst den Aufwand für die Krisenfürsorge den Beitragseinnahmen hin- zuzählen, bliebe die Inbeziehungsetzung zum gesamten Ver- waltungsaufwand immer noch unzulässig. Nach den amtlichen Ausweisen beträgt die Zahl der Arbeitsuchenden, die weder Arbeitslosen- noch Krisenunterstützung erhalten, über eine halbe Million. Obwohl sie aber keine Unterstützungsempfänger sind, nehmen sie in hohem Maße die Arbeitsvermitt- l u n g in Anspruch, verursachen also erheblichen Vermal- tungsaufwand. Es ist überhaupt grundsätzlich falsch, die Aus- gaben für Arbeitsvermittlung als Verwaltungskosten in dem üblichen Sinne anzusehen, ganz abgesehen davon, daß die Arbeitsvermittlung sich auch auf die nichtVersicherten Per- sonenkreise zu erstrecken hat. Das«indringliche Beispiel dafür ist die Landwirtschaft. Ein Riesenheer ist von der Beitrags- leistung befreit, so daß die erheblichen Kosten für die landwirt- schaftliche Arbeitsvermittlung von den Beitragszahlern an- derer Wirtschaftszweige mit aufzubringen sind. Das gleiche gilt für die B e r u f s b e r a t u n g. Hundert- taufende von Schulkindern nehmen alljährlich die öffentliche Berufsberatung in Anspruch. Es entstehen aber auch hier er- hebliche Ausgaben für Nichtbeitragszahler. All diese finanzi- ellen Aufwendungen sind ihrer sozialen Wirkung nach pro- d u k t i v e Ausgaben im volkswirtschaftlichen Sinne. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man, wenn man den Verwal- tungsaufwand für die Arbeitsmarktstatistik und für die pro- duktive Arbeitslosenfürsorge untersucht. Ergibt sich so, daß insbesondere eine gute Organisation der Arbeitsvermittlung kein eigentlicher Verwaltungsauf»i wand ist, daß sie vielmehr die entscheidende Voraussetzung für eine wirksame Durchführung des Arbeitslosenschutzes ist, so folgt weiter daraus, daß wirkliche Mißstände nur auf diesem Wege bekämpft werden können. Während bisher durch eine kurzsichtige Personalpoliti? in Zeiten krisenhafter Zuspitzung des Arbeitsmarktes die Arbeitsvermittlung häufig in höchst bedauerlichem Umfange vernachlässigt werden mußte, weil alle Kräfte in der Versicherung gebraucht wurden, wird man nach den neueren Anweisungen des Präsidenten der Reichs- anstalt, die im Einvernehmen mit dem Vorstand erfolgten, die Hauptkraft auf den Ausbau der Arbeitsver- mittlung zu richten haben. Wenn es den Unternehmern wirklich um die Beieitigung von Mißständen zu tun wäre, könnten sie diese Bemühungen der Reichsanstalt wirksam unterstützen durch die Meldung aller offenen Stellen. Das Angebot von angemessener Arbeit ist die einzige Möglichkeit, den Arbeitswillen ernsthast prüfen zu können. Die Unter- nehmer lehnen diese Meldepflicht ab und beweisen damit, daß es ihnen gar nicht um die Prüfung des Arbeitswillens zu tun ist. Will man wirklich alle Möglichkeiten zur Befeiti- gung von Mißständen ausnutzen, dann ist der Zeitpunkt ge- kommen, auf Grund des Z 63 des Gesetzes über Arbeitsver- Zum sistotfrontverbot. Konferenz der Innenminister des Reichs und der Länder. Am 10. Mai fand im Reichsministerium des Innern unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers eine allgemeine Aussprache der Innenminister der deutschen Länder über die politische Lage, nament- lich über das Rotfrontvcrbot statt. Es wurde Einmütigkeit über die zu ergreifenden Maßnahmen erzielt. Die Gründe der Auflösung. Der preußische Minister des Innern hat soeben der Bundes- führung des Roten Frontkämpferbundes die Tatsache der Auflösung sowie die Gründe mitgeteilt, die zu der Auflösung geführt haben. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt nachstehend aus der Be- gründung einen Auszug, der sich insbesondere mit einer Darstellung der gesetzlichen Voraussetzungen, die zum Verbot geführt haben, befaßt. Um führend, nach außen jedoch möglichst unmerklich, in den Ver- lauf der Ereignisse eingreisen und diese der politischen Einstellung des Bundes entsprechend oorwärtstreiben zu können, hatte der RFB. bereits vor dem I. Mai 1929 an seine Mitglieder den Befehl aus- gegeben, sich bei den trotz des bestehenden Verbotes abzuhaltenden Umzügen ohne Bundcskleidung zu beteiligen. Dieser Befehl ist befolgt worden. Denn tatsächlich ist bei den Unruhen am 1. Mai und den folgenden Tagen in Berlin zwar kein uniformierter Roter Front- tämpfer beobachtet worden, dagegen sind unter den Demonstranten und Ausrührern eine große Anzahl von Mitgliedern des RFv. und der RT in bürgerlicher Kleidung festgestellt und verhaftet worden. Hieraus ergibt sich, daß der RFB. bewußt und planmäßig das von der zuständigen Behörde, dem Polizeipräsidenten in Berlin, erlassene Demonstrationsoerbot mit allen Mitteln zu durchbrechen versucht hat. Damit ist der Beweis erbracht, daß es zu den Zwecken oder Beschäf- tigungen des Bundes gehört. MaßregelnderBerwaltung durchungesetzlicheMittelzuverhindern oder zu ent- trösten(§ 129 RStGB). � Seit Jahren wird der RFB. von kommunistischen Abgeordneten und Bundessührern als Elitetruppe für die kommende Revolution bezeichnet und angesehen. Nach der Broschüre.Roter Frontkämpfer. tu einen Schritt weiter zur KPD-!", herausgegeben von Hugp E b e r I e i n. M. d. L.. leistet der RFB. eine wichtige, unentbehrliche Vorarbeit„sür den Machtkampf der Arbeiterklasse', indem er in das Bewußtsein der Massen den Gedanken einhämmert, daß der Sieg der Arbeiterklasse keine Frage des f r ie blichen Hineinwachsens in den Sozialismus fei, vielmehr letzten Ende..nur die b e- w a f f n e t e Macht' der Arbeiterklasse, die„Entscheidung' bringen könne. Daher ist der RFB. in strasser Disziplin sür den Kamps zumSturzderRegierungundAufrichtungderDik- tatur des Proletariats geschult worden. Danach ist der RFB. eine staalsfeindliche Verbindung, die die Bestrebung verfolgt, die verfassungsmäßig festgestellte Staats- form des Reiches zu untergraben, ja. darüber hinaus, mit Gewalt zu stürzen. Wie sich gelegentlich der Berliner Mai-Unruhen weiterhin er- geben hat, haben sich die an den Ereignissen beteiligten Roten Front- kämpfer auch im unbefugten Besitz von Waffen befun- den. Der RFB. ist somit auch als eine staatsfeindliche Ver- b i n d u n g anzusehen, deren Mitglieder unbefugt Waffen be- sitzen. Der RFB. ist nach militärischem Muster theoretisch und praktisch ausgebildet worden. Nach Auffassung der Führung des Bundes ist das Ziel des Umsturzes derbe st ehendenVer- f a s s u n g und die Aufrichtung der proletarischen Diktatur nur von einer militärisch ausgebildeten und diszipli- vierten Kampstruppe zu erreichen. Deshalb hat jede Abteilung des RFB. neben dem politischen Führer einen sogenannten technischen Führer, dessen Aufgabe es ist, die Mitglieder des Bundes nach dem von der Dundesführung herausgegebenen Kommandoreglement aus- zubilden. Es ist danach festzustellen, daß der RFB. sich mit militäri- schen Dingen befaßt, daß also sein Verhalten im Widerspruch zu den Bestimmungen der Artikel 177— 178 des Friedensoertroges stellt(§ 1 des Gesetzes zur Durchführung der Artikel 177—178 des Friedensvertrages vom 22. März 1921). Die Häufigkeit und Planmäßigkeit der Angrijfe und Ueberfälle auf politisch Andersgesinnte und Polizeibeamte rechtfertigen den Schluß, daß es sich hierbei um ein gewolltes, von der Führung zum mindesten gebilligtes Verhalten handelt. Es ist daher festzustellen� daß der RFB. sich auch damit beschäftigt, ja den Zweck verfolgt. Körperverletzungen, Landfricdensbruch und ähnliche Straf- taten zu oerüben. Es liegen also auch die Loraussetzungen des 8 2 Abs. IdesReichsoereinsgesetzes vom 19. April 1908 vor. Hinter»en Kulissen»es Maiputsches Vorbereitung und Wetterputschen Von einem dmwmnistisch« Funktionär, der bisher ju den leitenden Kreisen der Kommunistischen Partei Deutschland« gehört hat. werden dem Sozialdemokratischen Pressedienst die folgenden Mitteilung«, über die Hintergründe de» Berliner Maiputschez zur Verfügung gestellt. Der Gewährsmann hat stet» Disziplin gehalten und die Beschlüsse der leitenden Instanzen befolgt. Sein« Person bürgt für die Zuverlässigkeit seiner Mitteilungen: sie sind nur«aso. fern unzureichend, als sie noch nicht alle« enthalten, was hinter den Kulissen des kommunistischen Maiputsches vorgegangen ist. Die Vorbereitung der Aktion. Schon einige Wochen vor dem 1. Mai waren als Vertreter der Kommunistischen International« der in Deutsch- land schon bekannt« Manuilski und mehrer« Mitglieder des Moskauer Swerdlow-Institut» in Berlin eingetroffen. Di« Le- schlüsse der kommunstlschen Parteizentrale sind stets unter dem Einfluß der Moskauer Emissär« gefaßt worden. Die ideologische Voraussetzung zu dem Beschluß, gegen das Demonstra- tionsverbot in Bedin aktiven Widerstand zu leisten, ist in der außer- ordentlich ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Lag« Eowsetrußland» zu suchen. Eine Parallele zu den jetzi- gen Vorgängen findet man, wenn man auf die Zustände in den ersten Monat«, des Jahres 1921 zurückgeht. Damals folgten ein« ander der Ausstand von Kronstadt, die Nep-Politik und der Putsch in Mitteldeutschland. Damals wie heute ging man in Ruß» land von der Vorstellung aus, daß die Entfesselung revolutionärer Kämpfe, vor allem in Deutschland, die Stimmung in Rußland wie» der heben würde. Schon auf dem 8. Kongreß der Kommunistischen Internationale ist viel von der Radikalisierung der Arbeitermassen und von dem Beginn einer neuen revolutionären Welle in Deutsch- land gesprochen worden. Eine der Auswirkungen dieses Kongresses war die Anwendung der.neuen Taktik', wonach unter Führung der kommunistischen.Vorhut' die unorganisierten Arbei- ter oegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratische Part« geführt werden sollten. Als mit dieser.neuen Taktik' bei den Betriebsrätewahlen in den Berliner Verkehrsbetrieben schein- bare Erfolge erzielt worden waren, faßte man den Beschluß,.die Bewegung weiterzutreiben'.. Den Anlaß dazu bot der 1. Mai. Es sei vorweg bemerkt, daß die vereinzelten Angriffe gegen das Berliner Polizeipräsidium wegen des Dcmonstrationsverbots ihr« Begründung in den tot- sächlichen Verhältnissen nicht finden. Die kommunistische Parteileitung war fest entschlossen, es in jedem Falle zu Zusammenstößen zu treiben. Cs ist wiederholt in den verantwortlichen Kreisen der Kommunistischen Partei davon geredet worden, daß es a m 1. Mai Tote geben würde. Hätte der Berliner Polizeipräsident das Demonstrationsverbot aufgehoben, dann wären höchstwahr- scheinlich nicht 22. sondern 220 Tote zu beklagen gowesen. Die Demonstrationen hätten sich in diesem Fall« allerding» nicht gegen die Polizei, sondern gegen die Sozialdemokratie und gegen die Gewerkschaften gerichtet. Oer strategische Aufmarsch. Für den 1. Mai war folgender Plan aufgestellt worden: Di« Demonstranten sollten nach dem Potsdamer Platz und nach dem AlexanderplaH dirigiert werden. Beide Plätze biet«, zwar keinen Aufmarschplan für große Menschenmassen, aber auch schon einige tausend Mann, die etwa der kommunistischen Parole ge- folgt wären, hätten ausgereicht, um das strategische Ziel der kommunistischen Parteileitung zu erreichen. Es bestand die Absicht, den i■ in diese Plätze«inmündenden Berkehr stillz»« legen, die Untergrundbahnen, die Straßenbahnen und die Aäitl� buss« zum Halten zu zwingen und auf diese Weis« die Verkchrsotb- nung in ganz Berlin zu verwirren. Dies« beiden Plätze sind die Haupttnotenpunkte für die wichtigsten Linien aller drei Verkehrsarten, es hätte also nur kurzer Zeit und einer entschlossene» .Vorhut' bedurft, um den strategischen Plan reifen zu lassen. Wer etwa glauben sollt«, daß das alles nicht in einer Parteileitung, fern- den, vielleicht in einem Irrenhause ausgeheckt worden sei. der möge die zuletzt erschienene Nummer der.Imprekorr', dos Nachrichten- organ der Kommunistischen International«, zur Hand nehmen. Da wild off«, zugegeben, daß es nicht gelungen war, nach dem Pots- damer und Alexanderplatz durchzudringen und dort die vorgesehene große Aktion zu unternehmen. Um die Bewegungen der Polizei zu beobachten, war ein ausge- dehnte? Meldedien st eingerichtet worden. In allen Stadtteilen gab es Meldestellen, bei denen die Nachrichten der' Stafetten hinter- legt ivuifcen. Es gab da ganz merkwürdige Meldungen; beispiels- weise wurde berichtet, daß zwei Schupo vorgingen, zwei andere ssch zurückgezogen hätten. Das ist nämlich tatsächlich bei der Ablösung eine» Polizeipostens passiertl Die Aktion wird weitergetrieben. Gegen 7 Uhr abends beschäftigte man sich im Beisein der Abgesandten von Moskau mit der Lage. Wenn noch ein Fünkchen Verantwortungsgefühl in der kommunistischen Parteilei- tung vorhanden gewesen wäre, so hätte man die Aktion jetzt ob- brechen müssen. Man beschloß aber das Gegenteil, nämlich die Aktion.weiterzutreiben'. Bereits waren Richtlinien über die „Bewaffnung des Proletariats' und über die.Zermürbungstaktik' gegen die Polizei an die zuverlässigsten Funktionäre heraus- g e g eben worden. Durch Stafetten wurde an die einzelnen Be- zirke die Parole herausgegeben, den Wider st and gegen die Polizei zu verschärfen. Diese Parole ist aber nur in zwei Bezirken, nämlich in der Gegend der Kösliner Straße und in einem Teil von Neukölln befolgt worden. In ollen anderen Bezirken herrschte so starke Erbitterung über das Verhalten der Führung während der Tagesstunden, daß man dort die neue Parole unbe- achtet ließ. Man hat dann die.Zermürbungstaktik' in der Weise angewandt, daß man die Polizeibeamten mit harten Gegenständen bewarf und einzelne Schüsse abfeuerte. Daß die Polizei nicht über- wältigt werden könnte, wußte man wohl: aber sie sollte unruhig gemacht und dazu gezwungen werden, ihre Kräfte an bestimm- ten Stellen zu konzentrieren, wodurch die anderen Stadt« teilevon polizeilichem Schutz entblößt worden wären. Dadurch wäre die Erregung unter den Massen so weit gesteigert woiften, daß der Aufruf zum politischen Generalstreik nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Reiche den weitesten Widerhall gefunden hätte. Es sei hier eingeschaltet, daß die Einzelheiten aller dieser Pläne nicht in deutschen, sondern in russischen Köpfe» ausge, heckt worden sind. Nach russischer Schablone sind auch die Bor- r i k a d e n gebaut worden. Man glaubte eben, daß für Berlin im Jahre 1929 das gleiche zweckmäßig sei. was in Petersburg im Jahre 1917 erfolgreich gewesen ist. Nachträglich sst zwar behauptet wov- den, daß es sich bei den Barrikaden entweder um Spielereien kwd- licher Elemente oder um dos Werk von Polizeispitzeln gehandelt habe. Inzwischen hat man aber aus der kommunistischen Provinz- presse und wiederum aus der.Imprekorr' entnehmen können, wer die Barrikaden in Wirkllchkelt errichtet hat. mittlung und Srkiettskosenverficherung die ikumetb«« Pflicht offener Arbeitsplätze einzuführen. Die gleiche Möglichkeit besteht durch den Ausbau der produktiven Arbeitslosenfürsorge. Aber auch hier beweist das praktische Verhalten der Unternehmer, wie wenig es ihnen um wirksam« Abhilfe zu tun ist. Durch die jetzt getroffenen Maßnahmen der Reichsanstalt, die ergänzt werden könnten durch die Einführung der Melde- Pflicht, sind alle Voraussetzungen für eine Bekämpfung von tatsächlichen Mißständen geschaffen. Es wäre unter diesen Umständen sozialpolitisch unverantwortlich, an eine grund- legende Reform der Arbeitslosenversicherung heranzugehen, bevor in gründlichen Beratungen wirklicher Sachkenner die Notwendigkeit einer solchen Reform erwiesen ist. Die Reformoorschläae der Vereinigung der deutschen Ar- beitgcberverbände beweffen nur, mit welchem unverantwort» lichen Dilettantismus man an die Erörterung so tiefgehender sozialer Probleme herangehen kann. So wird mit einer .Handbewegung die Frage der berufsüblichen Arbeitslosig- kcit gelöst: es gibt einfach keine Unterstützung. Aber selbst wenn sich eine Mehrheit im Reichstag« finden sollte, die den gewissenlosen Vorschlag der Vereinigung deutscher Arbeit» geberoerbände annimmt, müßte sich diese Rechnung als falsch erweisen, weil sie in der praktischen Auswirkung kein« Beseitigung von Lasten, sondern nur eine Lastenoerschiebung darstellt. Gäbe es nämlich für diese Arbeitslosen weder eine Versicherung noch eine Sonderfürsorge, dann wäre immer noch auf Grund der allgemeinen Fürsorgepflicht- Verordnung die Wohlfahrtspflege für diese Arbeitslosen zuständig. Daß diese sich nicht der Unterstützung entziehen könnte, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Vedürf- tigkeit auch in der Sonderfürsorge vorliegen muß und damit in der Regel auch Hilfsbedürftiakeit im Sinn« der allgemeinen Fürsorge vorliegen würde. Das Endergebnis ist also gar keine wirkliche Einsparung der Lasten, sondern im wesent- lichen nur eine Abwälzung auf andere Träger. Aber nicht nur in finanzieller Beziehung«rweist sich die Rechnung der Unternehmer als falsch, auch von der hier zu- gründe liegenden sozialpolitischen Kernfrage haben sie keinen Schimmer. Das zeigt mit aller Deutlichkeit die gründliche Untersuchung des Deutschen Baugewerksbundes. So wenig bestritten wird, daß jahreszeitliche Einflüsse die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe bestimmen, so übereugend wird der Nachweis geführt, welchen häufig überragenden Einfluß daneben die Konjunktur hat. Mit Recht stellt die Denkschrift fest, daß die Konjunktureinflüsse so stark sein können, daß sie in günstigen Fällen die Saisoneinflüsse voll- ständig unwirksam machen. Selbst wenn es also richtig wäre, die Arbeitslosenversicherung zu beschränken auf die Fälle kon- funktureller Arbeitslosigkeit, könnte dieses Versicherungs- nsiko gar nicht fest abgegrenzt werden. Aber diese Begrenzung ist nicht nur sozialpolitisch grundfalsch, sie ist direkt verjassungs- inidrig. Die Reichsverfassunq bestimmt in ihrem Artikel 163. daß jedem Deutschen die Möglichkeit gegeben werden soll, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Arbeitsgelegenheit nicht nachge- wiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt. Wenn die gegenwärtige Finanzlage des Reiches die weitere Hergäbe von Darlehen an die Reichsanstalt erschwert, dann folgt daraus noch lange nicht, daß die Leistungen ab- gebaut werden müssen. Diese Rechnung würde sich rn allen Fällen als falsch erweisen. Schon heute muß in Fällen der Rot. wo sich die Versicherungsleistung als unzureichend er- weist, ergänzend die allgemeine Fürsorge eingreifen. Das Endergebnis ist also auch hier nur eine Lastenverschiebung. Deshalb gibt es nur einen einzigen wirklichen Ausweg: eine Beitragserhöhung um 1 Prozent. Ihre baldige Einfuhrung würde auch die Ansammlung der notwendigen Reserve für künftige Belastungen ermöglichen. Inzwischen kann dann«in Sachverständigenausschuß alle Streitfragen mit der notwen- digen Gründlichkeit beraten. Di« vor einigen Wochen von der Reichsanstalt durchgeführte Erhebung wird dafür wichtige Aufschlüsse geben. Zurzeit arbeiten rund 1000 Personen an der Aufbereitung dieser Erhebung, die sich auf über 2 Mil- lionen Unterstützungsempfänger erstreckt. Es wäre in höchstem Maße unverantwortlich, Entschlüsse zu fassen, bevor das Er- gebnis dieser Erhebung vorliegt. * Die„Gewerkschastszeitung', das Organ d«s ADGB. schreibt am Schluß eingehender Betrachtungen über das Problem der Arbeits- losenversicherung: „Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihren Beschlüssen vom 25. und 26. April mit aller Deutlich- keit erklärt, wie sie über die Finanzresorm der Arbeitslosenoersiche- rung denkt: Es besteht kein Zweifel, daß die gesaßten Beschlüsse der Sozialdemokratischen Partei im engsten Einvernehmen mit freien Gewerkschaften zustandegekommen sind. Damit ist für die sozialpolitische Notwendigkeit der Finanzresorm das politische Rückgrat gegeben, dessen Stärke zu ver- kennen staotspolitische Blindheit bedeuten würde. Nicht Fehler in der Organisation und im Finanzsystem der Arbeitslosenversicherung haben zu dem Defizit des vergangenen Winters geführt, im Gegenteil: die Arbeitslosenversicherung hat sich als Reservoir zur Aufnahme der im wesentlichen aus konjunkturellen Gründen arbeitslos Gewordenen durchaus bewährt. Die Schuld liegt außerhalb de» Systems in den abnormen Verhältnissen des Winters und in der durch den schweren Druck der Reparations- last sich verschärft auswirkenden Planlosigkeit des kapitalistischen Wirtschastssystems.' Oer Vraunschweiger Etat. Ablehnung mit Stimmengleichheit? Braunschweig, 10. Mai.(Eigenbericht.) Im Braunschweigischen Landtag wird am IS. Mai die Entscheidung über den inzwischen abgeänderten Haushaltsvor. schlag fallen. Bon dem Ergebnis hängt letzten Endes die Existenz der sozialistischen Regierung ab. Die Kommunisten werden natürlich in trauter Gemeinschaft m i t den Nationalsoziali st«n und den Deutschnationalen gegen den Etat stimmen. Die Entscheidung liegt bei der Fraktion der Mitte(Bauernbund. Wirtschastler und Demokraten), die jedoch auch den unter ihrer Mitwirkung zustandegekommenen abgeänderten Etat nicht bedingungslos annehmen will Die sozialdem»- kratifche Fraktion hat die Hälfte der Landtagssitze. Gedenkstein für Arno Paris. In Glauchau wurde am Doners- tag zu Ehren des am 19. Mai 1928 von einem K o m m u n i- lten erstochenen sozialistischen Stadtrat» Arno Paris ein Gedenkstein errichtet. Die Enthüllung ging unter großer Teilnahme der Bevölkerung vor sich. Die Mainiederlage der KpO. Stimme ans dem Lager der kommunistischen Opposition. .�)eute ist der trügerische Schleier zerrissen. Der Phrasen- nebel ist verraucht. Jeder, der sehen will, sieht, was die Scheinerfolge wert waren, sieht die nur allzu traurige Wirklichkeit, die unerhörte Schwäch«, die Direktionslosigkeit der Partei.' So urteilt„Gegen den Strom", das Organ der Brandl«- risten. Es deckt unbarmherzig die Mainiederlage der Kommunisten auf. Möglich, daß die Leute um Brandler glauben, wieder an die Reihe zu kommen, wenn Moskau Sündenböcke für die Mainiederlage schlachtet. Sie schreiben: „Die Demonstration des 1. Mai zeigte die Isolierung der Partei von den breiten Massen der Arbeiterschaft. Der Versuch, einen Proteststreik gegen den blutigen Terror der Po- lizei zu organisieren, endete mit einem kläglichenZusammen- b ru ch. Die Partei rechnete mit einem Verbot. Aber statt den Versuch zu machen.«in«n Massenprotest gegen diese Pläne Grzesinskys zu organisieren, spielte sie direkt mitdem Gedanken, ver- boten zu werden. Die Parteiführung macht« keine Anstalten. die legal« Existenz der Partei zu verteidigen, weil sie in der Illegalität das Mittel erblickt«, um sich drücken zu k ö n n, falls die Mitglieder Rechenschakt für ihr« falsche Po- litik fordern sollten. Es wäre falsch, die Legalität um jeden Preis zu erstreben, aber eine Preisgab« der Legalität, ohne daß der Ver- such gemacht wird, sie zu verteidigen, sst frivole und bewußte Zer- störung der Partei. Die Moiniederlag« sst nur«in« Konsequenz de« falschen ultralinken Kurses der Partei, ebenso wie die Fehler der Partei. führung in den Maitagen nur die konsequente Anwendung jenes falschen, ultralinken Kurses waren. wer nach den Erfahrungen der TNaiiage. zu einer Wiederholung dieser isolierten kämpfe auffordert, der beweist damit weder Wut noch Kühnheit, sondern nur verankwortungslosigkell und Aben- tenrertum.' Diese Kritik ist vernichtend, aber wahr. Die offizielle KPD. ober macht unentwegt weiter m Abenteurertum, Ver- antwortungslosigkeit und revolutionärer Gymnastik. Moskau läßt demonstriere«. Vor dem deutschen Generalkonsulat in Leningrad. Dar dem deutschen Generalkonsulat in Leningrad fand eine Demonstratien gegen die deutsche Regierung statt. Es nahmen Zioilisten, Soldaten in Uniform, Matrosen und Polizeimannschaften daran teil. Im Zuge wurden Schilder getragen, die Sympathie- äußerungen für die Dochschützen von Wedding und Neukölln und Beschimpfungen des Berliner Polizeipräsidenten enthielten. Die Polizei hat diese Kundgebung ojfensichtlich begünstigt. Das deutsche Generalkonsulat in Leningrad hat bei dem Chef der Polizei Bejchwerd« erhoben. KpO.-Vlatt vor dem Arbeitsgericht. <50 wollte Angestellte prellen. Ein sauberes A r b« i terb la tt ist da» toulm»« nistische Thüringer Dolksblatt. Nicht weniger als vier Redakteure und Angestellte müssen ihre Forderungen vor dem Ar» beitsgericht herausklagen. Der frühere Redakteur Geithner er» hielt 1000 M.; eine Klag« um 800 M. schwebt noch. Der Redakteur Fenske bekam 800 M. zugesprochen, der Akquisiteur Witter erhielt 1600 M. Der entlassen« Geschäftsführer Dahme« klagt auf 4000 M., die der Verlag ihm schuldet. Also nicht weniger als 8000 M., um die«in kommunistischer Betrieb seine Arbeitnehmer prellen wollt«, nachdem er sie frist. los entlassen und auf die Straße geworfen halt«! (Stahlhelmliste in Mecklenburg. Einheitsfront gegen Sozialdemokratie versucht. Schwerin. 10. Mai.(Eigenbericht.)' Einige bürgerliche Parteien Mecklenburg. Schwerins versuchen für di« bevorstehenden Lundtagswahlen eine Einheitslist« zustandezubringen. Der Landesverband Mecklenburg-Schwerin des Stahlhelms hat sich an di« Spitze dieser Bewegung gestellt. Sie sst damit genügend charakterisiert! Herr Franz Seldle schickt uns zu unserem Bericht über seine Ausfuhrungen im vertrauten Kreis« in Königsberg folgende R i ch- t i g st e l l u n g:„Ich muß Wert darauf legen, zu betonen, daß insbesondere die Sätze:„Der Stahlhelm ist in erster Linie eine Wehrorganisation. Ersatz für die 1918 geschlagen« Wehrmacht des Reiches. Der frühere Zustand, daß die gehobenen Schichten die Geschicke des Lölkes wieder bestimmen können, muh wieder her- gestellt werden. Gelingt es dem Stahlhelm nicht, diejenigen Massen zu erfassen, um die er wirbt, so darf man sich nicht wundern, wenn er daraus Konsequenzen ziehen wird und zu gegebenem Zeitpunkt anwenden muß. die von ganz links propagiert und angewandt werden,' weder dem Wortlaut noch dem Sinn nach übereinstimmen mit irgendeiner Aeußerung, die ich in Königsberg getan habe'. Sonderbares Diplomatengepäck. Das Gepäck des aus Moskau abberufenen lettischen Gesandten O s o l ist in Riga zollton-- trolliert wurden. Nicht freigegeben wurden vier Kisten mit Wert» gegen st änden, darunter Brillanten, silberne und goldene Kirchengeräte. Heiligenbilder; ihr Ankauf ist i» Rußland verboten. Aus Afghanistan wird gemeldet, daß zwischen Banden und russische,, Truppen an der Grenze blutige Komps« entbrannt sind: sie sollen von russischen Flüchtlingen organisiert worden sein, di« seinerzeit vor dem bolschewistischen Regime geflüchtet sind. Zu drei Jahren Kerker verurteilt und sofort verhaftet wurde in Budapest der sozialdemokratische Stadtverordnete Dr. Eugen K i h wegen eines Zeitungsartikels. Das Urteil sst an- gefochten, also noch nicht rechtskräftig. Für USA.-Cxportprämien Hot sich der Senat gegen den Wunsch des Präsidenten Hoooer und trotz Ablehnung der Borlag« durch das Repräsentantenhaus ausgesprochen Owen �oung, der kühne Ritter. 5r«i nach Schiller« �Hanösch«�. Wagt er, den(Schlüssel anzutasten? Die neue Zieichsanleihe. Die Vorlage vom Reichsrat angenommen. Der Reichsrat hielt am Freitag ein« öffentliche Vollsitzung ab, in der der Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Besserung der Kassenloge des Reiches auf der Tagesordnung stand, über den die Ausschüsse des Reichsrats am Freitag vormittag beraten hatten. Namens der Ausschüsse erstattete den Bericht über den Z 1 der Vorlage(5-Millionen-Anleihe) Ministerialdirektor Dr. V recht, der folgendes ausführte: Reichsrat und Reichstag haben der Reichs- regierung seit Jahren Anleiheermächtigungen gegeben, die nicht ausgenutzt werden tonnten. Zurzeit beträgt die offene Ermächtigung 917 Millionen RM. Da das Geld vor- schußwsise größtenteils in den letzten Jahren längst ausgegeben ist. wird es kasienmäßig hohe Zeit, die Anleihen zu erhalten, um aus der kurzfristigen Verschuldung herauszukommen. Eine freiwillige Anleihe ohne besonderen Anreiz verspricht zurzeit keinen Erfolg. Die Reichsregierung ist nach den Erfahrungen der letzten Monat« der Meinung, daß sie zur Vermeidung einer verhängnisvollen Lage nicht mehr länger warten kann. Als besonderen Anreiz hat die Reichsregierung die Ermächtigung zu Steuerbefreiungen .erbeten. ,$ie Bedenken dagegen werden von der Reichsregierung zugegeben�'sowohl auf dem Gebiet« der steuerlichen Gerechtigkeit wie aus dem Gebiete des Einflusses auf den Wertpapiermarkt, insbe- sondere auf olle öffentlichen Anleihen und schließlich hinsichtlich der Beschneidung der Steuerei�gänge für die Länder, die ja von der Einkommensteuer 75 Proz. erhalten. Ein vollständig über- zeugender Gegenvorschlag, der ohne Steuerbefreiung arbeitet, liegt nach Auffassung der Reichsregierung und auch nach Ansicht der Reichsratsmehrheit nicht vor. Jedoch war in den Ausschüsien viel Neigung für einen Vorschlag Bremens vorhanden, die Befreiung auf die Einkommensteuer zu be> schränken, also nicht auszudehnen auf Vermögens- und Erb- schaftssteuer. Die Ausschüsse halten es aber bei dem fortgeschrittenen Stande der Verhandlungen nicht für möglich, die Bedingungen im einzelnen festzulegen. Der Reichsrat gibt der Rcichsregierung nur eine Ermächtigung. Die Befreiung kann sich danach auf«ine oder die andere der drei Steuern beschränken. Dies hängt natürlich mit dem Zinssatz zusammen. Die Ausschüsse haben die Reichsregie- rung ersucht, diese Gesichtspunkte bei ihren Verhandlungen zu be- rücksichtigen. Sie haben ferner folgenden Zusatz beschlossen: „Macht der Reichsfinanzminister von der Ermächtigung des Abs. 1 Gebrauch, so kann er mit Zustimmung des Reichsrats in der gleichen Weife die Schuldverschreibungen und S ch a tz a n w e i s u n g e n, die die Länder in den Rechnungs- jähren 1929 und 1939 ausgeben, bis zum Gesamtbetrage von 49 Proz. der für das Reich gezeichneten Anleihe von den in Abi. 1 genannten Steuern bis zur Höhe des Betrages befreien, der auf ein Land nach Maßgabe der Bevölkerungszahl entfallen würde." Ein solcher Zusatz war notwendig, weil eine Reichsanleihe unter solchen Bedingungen auf die Anleihen der Länder, die in Vorberei-, tung sind, aufs schärfste drücken würde. Der Freistaat Sachsen beantragte, statt„kann" in dem von den Ausschüssen beschlossenen Zusatz zu sagen„der Finanz» m i n i st e r i st verpflichtet". Dieser Antrag Sachsens wurde in namentlicher Abstimmung mit 36 gegen 29 Stimmen a b g e- lehnt. Dasür stimmten der Vertreter der Provinz Pommern, ferner die Länder Bayern, Sachsen, Thüringen, Jessen, Oldenburg. Lippe. § 1 wurde unverändert angenommen, nachdem vor der Abstimmung noch der Vertreter der Provinz Pommern erklärt hatte, er befürchte zwar von der Vorloge einen schlechten Einfluß auf den Realkredit und unter Umständen ein« schwere Schädigung der Landwirtschast, er. werde aber doch dafür stimmen, weil--der schlechte Kassenbestand des Reiches das größere Uebel fei, das de- kämpft werden müsse.». § 2 ermächtigt den Finanzmtnister, die im Eigentum des Reiches stehenden Vorzugsaktien der Reichsbahn an öffentliche Sparkassen, Girozentralen, Oondesbanken und Kommunal- banken sowie an die Träger der Sozialversicherung unter lieber- nähme der Garantie für die Zahlung einer Dorzugsdividcnd« von 7 Proz. zu veräußern. Soweit die genannten Stellen verpflichtet sind, ihr Vermögen in Anleihen des Reiches anzulegen, können sie diese Verpflichtung auch durch Uebernahme von Vorzugsaktien er- füllen. Der Berichterstatter Ministerialdirektor Dr. hog äußert« Br- denken dagegen, daß auch die Sparkassen unter dies« Deklaration sielen. Die Reichsratsausschüsse haben deshalb den zweiten Satz mit einer Einschränkung angenommen, die die Sparkossen aus dieser Interpretation herausläßt. Der zweite Satz besogt danach, daß, so- weit die genannten Stellen durch reichsrechtliche Vorschrift ver- pflichtet sind, ihr Vermögen in Anleihen des Reiches anzulegen, sie diese Verpflichtung auch durch Uebernahme von Vorzugsaktien er- füllen können. Dem Antrag der Reichsratsausschüsse wurde vom Plenum m i t Mehrheit zugestimmt. Damit war die Vorlage im Reichsrat angenommen. Das Ltnierhaus hat ausgelittea. AvflSsungSdekret unterschrieben. Land an. 10. Mai. sEigenberlch>.1 Da» Unlerhaus ist am Freilag mit einer nichlsfagendeo Thronrede zu Grabe getragen worden. Der Thronrede folgte eine unter dem Vorfitz des Königs in Bognor abgehaltene Sitzung de» Geheimen Rate», in der mit der Unterschrift de» König» die Auflösung de» Parlaments formell vollzogen wurde. Der Stand der im Felde stehenden Kandidaten ist nach de» letzten Statistiken folgender: Konservative SS7 Kandidaten oupt erst geprüft werden, wer Eigentümer der Fahne sei. Nach dreioiertelstyndiger Beratung vertagte das Ge- richt die Verhandlung, well inzwischen vom Amtsgericht Magdeburg ein Auszug au» dem Dereinsregister über die Eintrag ungder Bestimmung angefordert werden foll, daß di« Farben de» Reichsbanners die verfassungsmäßigen Farben des Reiches sind. Man darf nach dieser seltsamen Aktion de» Braun- schweige? großen Schöffengerichts auf dessen Urteil gespannt sein._ Amnestie in Rumänien. Aber unzulänglich. Bukarest, 19. Mai.(Eigenbericht.) Die Regierung hat all« bisher nicht abgeurteilten politischen Delikt« amnestiert, die Strafen für die wegen politischer Verbrechen und vergehen Verurteilter aber nur herabgesetzt. Am Montag dürfte das Parlament eine Amnestie für Mllitärperfonen beschließen. In der Sozialdemokratie herrscht wegen der Unzulänglich- keit der Amnestie große Unzufriedenheit. Reichswehroffiziere in USA. Zwei deutsche Reichswehrossiziere, die Hauptleut« Warlimont vom 6. Preußischen Artillerieregiment und Speidel vom 13. Württembergischen Infanterieregiment, wur- den in Washington dem Kriegsanit vorgestellt. Sie werden der amerikanischen Armee zugeteilt, um die amerikanische Ausbildung zu studieren._ Boxkampf mit tödlichem Ausgang. Ein Schlag aufs Herz Wien. 10. RlaL Heute abend fanden nach fünfjährig« Pause zu» ersten Mole in Men kämpfe zwischen veryf»box«rn stath Be- dauerlichcrmeise ereignete sich dabei ein tödlicher Unglücksfall, und zwar lraf der österreichisch« Meister Anderschitz.«in Diener Polizei. beamter. den Ungarn kudra, der zweimal Schwergewichtsmeister feine, Landes war. durch«inen Schlag auf da» Herz fo unglücklich. daß dieser lol zu Bode» stürzte. Arbeitszeit und Arbeitsbereitschast Wie stehts damit im Einzelhandel? In den Verhandlungen über den Manteltarif im Groß-Berliner Einzelhandel spielte dos Verlangen der zehnstündigen Arbeitszeit als Regel«ine ausschlaggebende Rolle. Die Unter- nehmer behaupten, was von uns nie bestritten worden ist, daß di« Inanspruchnahme der Verkäufer durch Verkaufsarbeit im Laufe des Tages schwanke. Nur die Schlußfolgerungen, die daraus gezogen werden, trotz aller wissenschaftlichen Begründungen, die man in dicken Denkschriften und in Dissertationen zu geben versucht, können nicht angenommen werden. Für den Unternehmer geht es darum, das Risiko der stünd- lichen Umsatzschwankungen auf den wirtschaftlich schwächeren Teil abzuwälzen. Der Arbeilgeber weiß bei der Einstellung des Ange- stellten, daß es Stunden am Tag« und Tage in der Woche und Wochen oder Monate im Jahre gibt, wo der Ausnutzungsgrad der Arbeitskraft unter dem Durchschnitt liegt— und er hat das bei der Bemessung des Gehaltes durchaus berücksichtigt. In manche» Situationen kann er übrigens auch anders denken, dann nämlich, wenn es sich darum handelt, für Aus- n a h m e gel e g en h e i t e n sich die Hilfskräfte zu sichern. So wurden im Winter 1928 schon vier Wochen vor der Zeit die Aus- Hilfskräfte eingestellt, obwohl noch keine Arbeit für sie da war, aber die Bezahlung ohne ausreichende Gegenleistung war eine ge- ringere Unkostenbelastung als es der Mangel an guten Aushilfen gewesen sein würde. Alle größeren Häuser engagieren die Hilfen für die Arbeitsbereitschast und zahlten also nicht die wirkliche Leistung, sondern die„Bereitschaft!"' Zwei Fehler in der Rechnung des Einzelhandels werden nicht immer hinreichend angestrichen: Man sagt, der Einzelhandel arbeite wegen der Umsatzschwankungen, die sich weder regulieren noch voraussehen lassen, unrationell und nutze die Arbeitskräfte nur zu etwas 30 Proz. aus— und man fordert Verlängerung der Arbeitszeit. Das zu bewältigende Arbeits- q u a n t u m wird doch durch die Verlängerung der Arbeitszeit nicht vergrößert, man streckt es lediglich um 23 Proz. und man schafft einen noch größeren Anreiz, die Verkäufer zu Arbeiten zu verwenden, die auch niedriger entlohnte Kräfte verrichten könnten. Man verschlechtert außerdem durch diese Verschlechterung der Ar- beitsbedingungen die Nachwuchsverhältnisie. Nun zur Bewertung der Arbeitsbereitschaft. Nachdem man mit eifrigem Bemühen das Borliegen der Arbeitsbereitschast „nachgewiesen" hat, verlangt man die Arbeitszeitoerlängerung, also die Herabsetzung des Stundenlohnes. Damit wird zum Ausdruck gebracht, da die„Arbeitsbereitschaft" als Minder- leistung auch mindere Bezahlung verdien«. Und in dieser Be- hauptung liegt der Grundfehler. Auf den Kunden warten heißt keine andere Arbeit in Ruhe vornehmen können, heißt ständig auf die Unterbrechung der Beschäftigung rechnen müssen, heißt warten und nie die Geduld, d. h. die gute Haltung verlieren. Eben hat man z. B. mit dem Addieren einer Zahlenreihe begonnen, da kommt ein Kunde. Man darf mit keiner Bewegung, keinem Blick zum Ausdrck bringen, daß man es lieber gesehen hätte, wenn er noch ein« Minute gewartet hätte, bis die Reihe fertig war. Arbeitsbereitschaft im Einzelhandel bedeutet, jede Ersatz- beschäftigung gewissermaßen mit schlechtem Gewissen beginnen und nicht auf diese Ersatztätigkeit, sondern auf den Kunden, der noch gar nicht da ist, sich konzentrieren. Arbeitsbereitschaft im Einzel- Handel begründet nicht den Anspruch an eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch Verringerung der Entlohnung oder durch Verlängerung der Arbeitszeit, denn diese Arbeitsbereitschast ist vollwertige Leistung, die mit zur Verkaufs- Handlung gehört und sie stellt höhere Ansprüche als das „HintereiNdnderwegarbeiten". Es geht also nicht um die Frage, ob Arbeitsbereitschaft und während welcher Dauer sie vorliegt, sondern es geht um die Forderung, durch ausreichende Entlohnung und durch Gewährung der hinreichenden Freizeit den Verkaufs- angestellten die Möglichkeit zu lassen, ihre Arbeitskraft zu erhalten. Die Erfüllung dieser Forderung liegt zudem durchaus im Interesse der Unternehmer, denn die Nachwuchsfrage ist so gut wie ausschließlich davon abhängig. Die Angestellten wandern nicht aus besonderer Neigung in die Bureaustellungcn ab, sondern um der Arbeitsbedingungen willen. Man kann nicht gleichzeitig von der Notwendigkeit der Standeshebung reden und die Lebensbedingungen des Verkaufsberufes unter das allgemeine Niveau herabdrücken. Die Eisenbahner beraten. Anrufung deS Schlichters wahrscheinlich. Tie Eisenbahnerorgauisationen haben am Freitag nach Fühlungnahme mit de» Organisationen der Arbeiter der Post-, sowie der Reichs» und preußischen Staatsbetriebe von neuem zur Lohnfrage Stellung genommen. Die Entscheidung über die Frage: Streik oder Schlichtungsverfahren konnte am Freitag noch nicht fallen, da die Beratungen erst am Sonnabend zu Ende gehen. Wahrscheinlich werden die Eisenbahner z u n L ch st noch de« Weg zum Schlichter einschlagen, bevor sie zum letzten Mittel, zum Streik, greifen. » Immer tollere Herrenmanieren kommen bei der Reichsbahn- gesellschaft in Uebung. Die Gruppenverwaltung Bayern hat es fertig gebracht, sogar über eine rechts st ehende Organisation, über den Bayerischen Eisenbahnbeamtenoerein, den Boykott zu verhängen. Sie weigert sich, im Zusammenhang mit Streitigkeiten infolge des Eisenbahnunglücks im Münchener Hauptbahnhof die Vor- standschaft des Eisenbahnbeamtenvereins zu Verhandlungen über Vereinsangclegenheiten zu empfangen. Diese Weigerung ist ver- fassungswidrig, denn der Vereinszweck liegt ja gerade in der Ver- tretung, Förderung und Pflege der beruflichen Bestrebungen der Mitglieder. Alle Vermittlungsversuche, an denen sich auch das Verwaltungs- Mitglied Hermann- Nürnberg beteiligte, sind bis jetzt an dem Herrcnstandpunkt der Gruppenverwaltung Bayern gescheitert. Es wird� allmählich Zeit, daß die Reichsbahnverwaltung vom Reichstag wieder auf den Weg von Gesetz und Verfassung zurückgerufen wird. Abrechnung mit der KPO. Die Gemeindearbeiter wollen Schluß machen. Die Berliner Gemoindearbeiter hielten gestern abend im Ge- werkschaftshaus ihre Generalversammlung ab, die zu einer gründ- lichen Abrechnung mit den kommunistischen Despe- radopolitikern wurde. Der erste Bevollmächtigte Genosse Schaum warf zunächst einen kurzen Rückblick auf die im ersten Quartal geführten Lohn- und Tarifbewegungen. Diese Bewegungen konnten zwar nicht mit der restlosen Ersül- lung der aufgestellten Forderungen beendet werden, sind aber ganz ansehnlich. So ist es z. B. der Organisation gelungen, für die Rieselwärter dadurch, daß sie dein Tarifvertrag der Gemeinde- arbeiter unterstellt wurden, ein« Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden durchzusetzen, und zwar ohne Lohnkürzung. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der agitatorische Erfolg der Ortsverwaltung. Während sie am Schluß des 4. Quar- tols 1928 38 053 Mitglieder zählte, schloß sie das 1. Quartal 1929 mit 40 0S1 Mitgliedern ab. Es sind also in den ersten drei Monaten dieses Geschäftsjahres 2026 neue Mitglieder gewonnen worden. Genosse Schaum konnte nicht umhin, in seinem Geschäftsbericht auch auf die Vorgänge am und nach dem 1. Mai hinzuweifc». Er betonte mit Recht, daß die Gewerkschaften die Verantwortung dafür ablehnen müssen. Die Verantwortung fällt restlos der kommunistischen Partei und ihren Znstanzen zu, die diese Vorgänge provoziert haben. Genosse Schaum gab zum Schluß noch bekannt, daß der zurzeit in Berlin versammelte Verbandsbcirat einstimmig beschlossen habe, angesichts der bevorstehenden Verschmelzung der Organisation mit dem Verkehrsbund von der Einführung der Involidenunterstützung abzusehen, damit nicht nachträglich wieder Aenderungen vor- genommen werden müssen. Aus dem vom Genossen Z i e t e l- mann erläuterten Kassenbericht geht hervor, daß sich auch die Finanzen ganz günstig entwickelt haben. Der Lokalkassenbestand erhöhte sich im Laufe des ersten Quartaks von 362 963 auf 399 667 Mark. In der Diskussion schickte die sogenannte Opposition zuerst ihre „Kanone" vor, den kommunistischen Landtagsabgeordneten M ö l- de r s, der sich über die lohnpolitischen Erfolge der Organisation nur in wenigen abfälligen Redensarten ausließ, dafür aber gegen die Sozialdemokratie, den Polizeipräfchenten Zörgiebel und die Ge- wcrkschaftsführer zu Felde zog. Er brachte unter dem Geläch- ter der Versammlung die übliche Protestentschließung ein. Seine Anhänger, die in der Diskussion noch sprachen, gaben eine noch viel kläglichere Figur ab als er. Unsere Genossen waren um Material gegen die blutbefleckte KPD. nicht verlegen. Das Bäcker- dutzend„Opposition" konnte den vernichtenden Worten der sozial- demokratischen Redner mit nicht- anderem als Krakeel begegnen. Mit erdrückender Mehrheit nahm die Generalversamm- lung eine Entschließung an, in der es heißt: „Den Opfern und ihren Angehörigen spricht die Generalver- sammlung ihr tiefstes Mitgefühl und die herzlichste Sympathie aus. Gleichzeitig gibt die Generaloersammlung der Versicherung Aus- druck, daß die Gewerkschaften nichts unterlassen werden, um die uachieiligen Folgen, die sich aus den Maßnahmen der KPD. für die Aubeiterschaft ganz allgemein ergeben müssen, nach Möglichkeit zu schmälern. Die Generalversammlung betont, daß nichts unversucht bleiben darf, die Arbeiterschaft über die falsche, nicht im Interesse der Arbeitenden liegende Politik der KPD. in gewissenhafter Weise aufzuklären." Nein'ebsrätewahl bei der Reichsbahn. Die Arbeiter der Reichsbahn stehen seit Wochen im Kampf mit der Reichsbahngesellschaft um Erhöhung der unzureichenden Löhne. Während die Eisenbahner zum Entscheidungskampf über die Ver- befferung ihrer Arbeitsbedingungen rüsten, treffen sie auch gleich- .zeitig die letzten Vorbereitungen zur Betriebsrätewahl am 12. und 13. Mai. Der sreigewerkschaftliche Einheitsverbond der Eisen- b a h n e r hat die Führung im Lohnkamps. Bei der Betriebsräte- wohl hat er den Kampf nach zwei Fronten zu führen: Gegen die christliche und Hirsch-Dunckersche Eisenbohnerorganisation als bekannte gewerkschaftliche Gegner und gegen die„Revolutionäre Opposition" von Moskaus Gnaden als Sammelbecken der unbelehr- baren Querulanten und egoistischen Eigenbrötler aus allen Lagern. Die„revolutionären" Unorganisierten sollen auch hier vornehmlich dazu dienen, der staunenden Mitwelt und Moskau da» kommunistische Hexeneinmaleins vorzuführen. Die offenkundige Schwäche der Kommunisten soll durch große Stimmenzahlen verdeckt werden. Sie haben deshalb auf Befehl und unter Kontrolle der Zentrale zahlreiche Vorschlags- listen mit dein Kennwort„Revolutionäre Opposition" bei der Reichsbahn eingereicht. Die KPD.-Zentrale hat Anweisung erteilt, den ganzen Parteiapparat in den Dienst dieser Wahlen zu stellen, um die Zersplitterungsarbeit nach Kräften zu fördern. Wie aus einem Rundschreiben der KPD.-Zentrale zu ersehen ist, ha» jedoch die „neue Taktik" starken Widerstand im eigenen Lager ausgelöst. Ein Teil der„roten" Betriebsratslisten ist nur unter starkem Druck der kommunistischen Instanzen zustande gekommen, wobei auch„Schwankungen und Kapitulationen" kommunistischer Eisenbahner vorgekommen sind. Die Kapitulanten wurden selbstver- ständlich sofort aus der KPD. ausgeschlossen und als „Deserteure aus der roten Klassenfront" und„neue Verbündete der Verbandsbonzen" gebrandmarkt. Wenn auch die KPD.-Zentrale mit der kommunistischen Presse- kampagne noch nicht zufrieden ist und Aufforderungen zur Verstärkung der Agitation zu den Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn ergehen ließ, so kann doch festgestellt werden, daß die Zerstörungsarbeit durch Flugblätter und Betriebs- Zeitungen in verschiedenen Bezirken sehr lebhast betrieben wird. Wo die kommunistische Stimmungsmache und ihre Berleum- düngen und Verwirrungsparolen nicht ausreichen, um die kommu- nistischen Interessen zu fördern, wird durch Irreführung und arglistige Täuschung der Wähler nachgeholfen. So schreckt man z. B. nicht vor Aälschungcn von Stimmzetteln zurück. Einen besonders interessanten Einblick in die kommunistische Denkweise gestattet die Tatsache, daß die Kommunisten versuchen, durch Mißbrauch des gewerkschaftlichen Kennwortes kommunistische Wahlgeschäste-zu machen. Es ist selbstverständlich, daß sich der Emheitsverband und seine Funktionäre gegen die kommunistischen Methoden energisch zur Wehr setzen. Es ist auch zu erwarten, daß die große Mehrheit der Eisenbahner den Kommu- nisten die Gefolgschaft verweigert und dem Einheitsverband seine Stimme gibt. Die gewerkschaftlich organisierten Eisenbahner wissen, daß nur durch die Zusammenfassung aller Kräfte Erfolge im gewerkschaftlichen Kampfe erzielt werden können. Sic wissen yuch, daß der Einheitsocrband der Eisenbahner die beste Interessenver- tretung ist. Dem Einheitsoerband ist es in den letzten drei Iahren gelungen, über55000neueMitkämpferzu gewinnen. Der dauernde Mitgliederzuwachs zeigt, daß das Vertrauen zum Einheitsverband und seiner Führung trotz oller Berleum- düngen unaufhaltsam steigt. Diese Tatsache wird auch durch die mu st ergültige Disziplin der Eisenbahner im gegen- wältigen Lohnkampf bestätigt. Die große Mehrheit der Eisenbahner hat erkannt, daß der hart- nackige Wider st and der Reichsbahn gesellschaft nur durch Einigkeit, Solidarität und Disziplin überwunden werden kann. Diese Erkenntnis verdanken sie in erster Linie der mustergültigen Gewerkschaftsarbeit des Einheits- verbände-, der auch jetzt wieder energisch und entschlossen kämpft für die Verbesserung der Lebensbedingungen zun, Wohl der Eisenbahner und ihrer Familien. Die Bctriebsrätewahl am 12. und 13. Mai gibt den Eisenbahnern eine willkominen« Gelegenheit, der Reichsbahngesellschait und den kommu- nistischen Schädlingen eine klare und kräftige Antwort zu erteilen. Sie lautet: Alle Stimmen dem(?inhcitsvcrbandk Es lebe der gewerkschaftliche Kampf! Gtreik in chemigraphischen Veirieben. Die Hilfsarbeiter streiken weiter. Seit acht Tagen streiken die Hilfsarbeiter in den chemi- graphischen Betrieben um Einführung eines Tarifver- träges. Die chemigraphischen Hilfsarbeiter sind die einzige Gruppe, die innerhalb der gesamten graphischen Industrie nicht tari ficrt ist. Die Organisation der graphischen Hilfsarbeiter be- müht sich seit langer Zeit, auch sür diese Gruppe einen Tarifvertrog abzuschließen. An der Hartnäckigkeit der Unternehmer scheiterten alle Verständigungsversuche. Die Organisation rief den Schlichtungsausschuh an. Dieser fällte einen Schiedsspruch, der für Einundzwanzig- jährige einen Lohn von 40 Mark vorsah. Auch diesen Schiedsspruch lehnten die Unternehmer ab. Von der Organisation ist olles geschehen, uni einen Konflikt zu vermeiden. Die Organisation ist fest entschlossen, diesen Kampf zu einem siegreichen Ende zu führen. An die Arbeiterschaft ergeht der Ruf, die Streikenden mit allen Mitteln zu unterstützen und alle Arbeitsangebote der bestreikten Firmen und jede Streikarbeit abzulehnen. Um Beachtung des Inserats in gleicher Nummer wird gebeten. Tarifabschluß im Däckergewerbe. In unserem Bericht über den Tarifabschluh ini Berliner Böckcrgewerbe sind durch ein technisches Versehen einige Zeilen ausgefallen, wodurch wesentliche Tatsachen nicht veröfieiülicht sind. Es muß hinsichtlich der Arbeitszeit- regelung heißen: Der Tarifvertrag gilt für alle gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen, während bisher ein Teil der Bäckerei- arbeiter nicht unter den Vertrag fiel. Infolge des«ondertarif- abschlusses des Hirsch-Dunckerschen Gewerkoereins im vorigen Jahre war die Arbeitszeit auf 54 Stunden festgesetzt. Sie ist nunmehr wieder grundsätzlich aus 48 stunden begrenzt. Für die Großbetriebe mit über dreißig Beschästigten beträgt di« Arbeitszeit insofern, als die Pausen innerhalb der achtstündigen Arbeitszeit liegen müssen, nur noch 43 Stunden pro Woche. »�reie GewerksckaKs-Jugend Groß-Verlin jSlchtil-gl Seute, Connabend. um M,r. des Sprech, und Bemeoungscher» im Iugsnicheim des Tcutfchen Verlehrsbundes, Engel» ujcr 24— Hufging S, parterre. Lerinlwortlich wr Politit: Dr. Eurt Seuer: Wirtschaft:<8. itliugelhSser! Eemerlschaflsbewcgung: I. Steiner: geuilleton:#. 6. Diilcher; Lokales and Sonstiges: gri»»arftädt:?.n, eigen: Id. sloeke: lämtlich in Berlin. Lerlag: Borwärls-Berlag G m d. H., Berlin Druck: Borwäris-Dudidriickerel und Berlaasnnstalt Bau! Singer u Eo.. Berlin SW öd. Lindenslraße Z. Hierzu 2 Beilagen.„Uuterhaltung und Wissen" und.Stadtbrilage". fütmen"Sie sehen alle Herten von MAOGPSmmen\ Oblumenhohl Gier-Cßnchstaben 6ier-JVudeln dien Sternchen drbs drbs"ySchinken drbs"ySpeck. Qrünkem Königin TEockturtle Gdisensduvanx (Pilz, Reis Steis-Julimne (Reis"y Tomaten (Rumford (Spargel (Tapioka. echt Tomaten OOindsor usnv. Alle MAGGt-tuppen schmecken gut-Sie werden lufrieden sein- tfr. 216• 46. Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 11. Mai 1929 Der Mann in Krauenkleidung. Wer war der nächiliche Besucher in Klein-Kohlischken? Znsterburg, 10. Mai. Sestirn wurde di« Beweisaufnahme im Dujardin-Prozeß wieder im Jnfterburger Landgericht fortgesetzt. Der Andrang de» Publikums ist heute so groß, wie noch an keinem Tag zuvor, denn man erwartet für heute oder morgen die große Sensation dieses Prozesses. Es sollen jetzt Zeugen gehört werden. die behaupten, der zweite Ehemann der Iran Zaquet-Hölzner habe ihnen erzählt, das, seine Frau ihm eine» Tages gestanden habe, fie hätte ihren ersten Ehemann selbst ermordet. Um dieses angebliche Geständnis der Frau Jaquet hat man im Wiederaufnahmeverfahren schon erbittert gekämpft. Allem Anschein nach wird man in der jetzigen Hauptverhandiung die für die Entwicklung des Prozesses so wichtige Frag« noch breit ausrollen. 3« einer überraschenden Wendung kam es, als der Verteidiger erklärte, daß er erfahren habe, daß in der Mordnocht ein Mann in Frauenkleidung bei Zaquets gewesen sei. R.'A. S ch ö n f« l d: Der Bruder der Frau Jaquet soll in dieser Mordnacht in Frauenkleidern in Kohlischten gewesen sein. Ich habe jetzt, wie ich dem Gericht nicht oerheimlichen darf, von einer jetzt in Berlin lebenden Person einen Brief erhalten, der sehr starte Verdachtsmomente gegen den Druder der Frau Jaquet, Herrn Souerbaum. ausspricht. Vors.: Dann werden wir Herrn Sauerbaum sofort als Zeugen hier vorladen. Frau Lisbeth Mosel, die Frau eines Försters, die über den Leumund de» Angeklagten vernommen wurde, erklärt«, daß der Angeklagt« stch ihr in einer formlosen Weise vorgestellt habe und daß«» ihr nicht gefallen habe, wie Dujardin hinter einer jungen Frau hergewesen sei. Bor s.: haben Sie Dujardin den Mord zu- getraut. Zeugin: Nein. Vors.: Da» haben Sie vor zehn Jahren aber doch gesagt, und zwar mit der Begründung, daß er doch wissen mußte, daß in der Forstkasse so viel Geld gewesen sei. Zeugin: Da» wurde bei den Vernehmungen damals an» mlr Hera»»- gefragt. Man legte mir solche Fragen direkt vor. Ich wußte von dem vielen Geld au» ein«? Unterredung mit grau Jaquet, die mir nach dem ersten Einbruch erzählt«, fie Hab« Zu 000 Mark daliegen, mit denen sie ihrem Bruder Sauerbaum eine Gast» Wirtschaft kaufen wollte. Staatsanwalt: Sie, Frau Zeugin, haben doch als erste den Berdacht ausgesprochen, daß Dujardin den Einbruch vor dem Mord ausgeführt habe. Wie kamen Sie denn auf dem Verdacht. Zeugin: Erstens war er doch der Mann aus dem Westen und at» Fremder hier im Osten und dann konnte er einem nicht in die Augen sehen. R..A. Schön feld: Wie oft haben Sie denn den Angeklagten gesehen? Zeugin: Einmal. (Große Bewegung.) Ein Beisitzer: Warum haben Ei« denn die Bekundung daß Frau Jaquet die 80 000 M. für ihren Bruder haben wollt«, nicht vor zehn Jahren dem Gericht mitgeteilt, das war doch höchst wichtig. Zeugin: Ich war danach nicht gefragt worden. Beisitzer: Aber e» ging doch um da» Leben eine» Menschen, oder begünstigten Sie etwa die Frau Jaquet? Zeugin: Um Gotteswillen! Nach der Mittagspause wurde dann der Hegemeister Ernst h o ch f e l d vernommen, der den Ermordeten genau kannte und ihn als ruhigen, geachteten Menschen, di« Frau als sehr lebenslustig schilderte, über die allerlei Gerüchte über Ihren außerehelichen Berkehr im Umlause gewesen seien. Seine Tochter habe ihm erzählt, daß Dujardin einen gewissen Reumann gebeten S)er Weiterbau des Suropahaufes. Infolg« Einspruch» des Wohlfahrtsministerium» mußte der Weiterbau de» Curopahause» am Anhalter Bahnhof vor mehr als Jahresfrist eingestellt werden; das Gerippe der Eisenkonstruttionen ragte während dieser Zeit als anschauliches Dokument langwieriger Instanzenschwierigieiten in den Himmel, bis man endlich auf beiden Seiten Einsehen hatte und der bescheiden«„Wolkenkratzer" unter der Leitung de» Architekten Heinrich Mendelssohn nunmehr seine zehn Etagen hochsteigen wird. Mit seinen etwa 1000 Betten wird das Europahaus-hotel, da» nach amerikanischem Vor- bitd auf das Modernste ausgestattet werden soll, da» größte Hotel Deutschlands sein und infolge seiner günstigen Lage zwischen zwei Bahnhöfen und bei dem steigenden Fremden- zustrom einem empfindlichen Mangel in der Unterkunfts- frage abhelfen. Hab«, ihm sechs Revolverpatronen zu besorgen. Vors.: Dujardin hat doch Ihre Tochter am Mordabend nach Hause gebracht. Dabei soll e» Ihrer Tochter unheimlich geworden sein. Mssen Sie viel- leicht warum. Zeuge: Weil er ste«in« ganze Streck« begleitet und dabei kein Wort gesprochen hat.(Heiterkeit.) Der folgende Zeug«, Rriminofassiftent Reumann, ein Stiefbruder Iaquets, schilderte eingehend die Famistenverhällnifl« in Kteln-KohNschken. Frau Jaquet habe in der Eh« und in der Wirtschaft die Zügel energisch geführt. Den üblen Gerüchten über seine Schwägerin habe er keinen Glauben geschenkt. Vors.: Welchen Eindruck hat Dujardin auf Sie gemacht? Zeuge: Keinen guten. Vors.: Wie lange waren Sie mit ihm zusammen? Zeuge: Einmal einen ganzen Tag, aber er sprach mir zu frei über Liebschaften und so. Mein Bruder hielt ihn für einen ordentlichen Menschen, der aber viel Heiratsgedanken im Kopf habe. Vors.: Können Sie uns etwas über die zweite Che Ihrer Schwägerin mit hölzner erzählen? Zeuge: Hölzner hat ein Haus und Auto- fuhrgeschäft. Anfangs war die Eh» übertrieben zärtlich für inuner- hin reifere Leute, die sogar in einem offenen Kaffee Zärtlichkeiten austauschten. Eines Tages kam hölzner aufgeregt zu m i r, mn mir sein herz auszuschütten. Tr schilderte, daß es ihm in der Ehe schlecht gehe, daß seine Frau ihm tagelang kein Essen koche, daß sie die Lebensmittel, di« aus dem Gut von Klein- Kokstischken kamen, tagelang liegen lasse, bis ste verderben und st« dann erst koche, so daß er über Magenbeschwerden klagte. Er habe da» Empfinden, daß er nicht mehr sicher sel, und daß sein« Frau seiner offen- bar überdrüssig fti. So habe ihn seine Frau eines Tages eine Medizin gegeben, nach der er so heslige Schmerzen bekam, daß er kaputi gegangen wäre, wenn er nichi, wie er sich ausdrückte. eine solche pserdenalur gehabt Hölle.(Große Bewegung.) Daraufhin drang hölzner darauf, daß man aus Kohlischken fortzog, wo er anfangs mit seiner Frau lebte. Di« Fmu ließ in der Wirt- schaft keine seiner Anordnungen gelten. Vors.: Ist hölzner nun nochmals zu Ihnen gekommen? Zeuge: Jawohl, hölzner fühlte sich schließlich so unsicher, daß er sich einen Revolver unter sein Kopfkissen legte. Als die Frau die Waffe fand und ihn fragte, warum er das w«, hat HAzner geantwortet:.Du wirst ja wissen, wozu man dos braucht." Ich selbst habe chn auch gefragt, was denn los sei und da sagte hölzner:»Ich kann es wohl noch nicht sogen, aber eines Tages werde ich es sagen müssen."— Nach un- gefähr drei Wochen kam hölzner wieder zu mir sagte:.Jetzt ist der Bruch fertig." Er erzählte mir, daß die Frau, als er abends vom Wirtshaus nach Hause gekommen sei, ihm an die Kehle gefahren sei mit den Worten:.Du Hurenbock, du Säufer", so daß sie beide zu Boden stürzten. Er habe dann aber die Oberhand bekommen und die Frau mit einem Stock fürchterlich verhauen und geschrien:„Das ist gleich mit für den Jaquet!" Vors.: Sind denn solche Fälle mit Jaquet auch vorgekommen? Zeuge: Unstimmigkeiten kamen oft vor. aber dann nahm mein Bruder ruhig seinen Hut und ging auf das Feld. Vorst: Waren Sie von den Erzählungen hölzners überzeugt? Zeug«: Gewiß, denn ein Mann wie hölzner weint nicht so leicht, er ober schluchzte fassungslos. Vorst: Ra. Frau Hölzner, wie ist denn da»? Zeugin hölzner: Wir haben un» öfter erzürnt, ober nur wegen der Wohnungsverhältnisse im hause meines Mannes, wo ich nichts kochen konnte. Der Zeuge sagt das so, well er mir feind- lich gesonnen ist. Zeuge: Die Feindschaft rührt von Frau hölzner her, weil sie und ihr Mann meinem krankm Vater kurz vor seinem Tode eine schriftliche Erklärung abgenommen haben, daß er auf die Auf- Wertung seiner Hypothek auf Klein-Kokstischken von 30 000 M. ver- zichte. Staatsanwalt: Herr Zeuge, durch wen sind Sie in (Berediiigie Üebersttzung von Erwin Magnus). Daylight nickt« zustimmend und bedachte sich dann einen Augenblick. „Äast du oersucht, zu waschen?" fragte er schließlich. „Den Deubel habe ich gewaschen!" war di« entrüstete Antwort...Meinst du. ich bin von gestern? Nur«in ver- rückt«? Chechaquo bringt es fertig, so lange hier herum- zulaufen, bis er«ine Pfanne mit Dreck gefüllt hat. Für solche Narrenpossen bin ich nicht zu haben. Ein Blick hat mir genügt. Morgen früh fahren wir nach Circle City Ich Hab übrigens nie viel Vertrauen zum Oberland gehabt. Die Tananaquelle genügt mir, und merk dir, was ich sage: Wenn der große Fund gemacht wird, dann geschieht es ganz unten am Flusse. Johnny hat ein paar Meilen weiter abwärts Land abgesteckt, aber er ist nun auch nicht gerade ein großes Licht." Johnny machte«in verlegenes Gesicht. „Ich hob's nur aus Spaß getan." erklärte er.„Aber ich will meine Chance für ein Pfund Sterntabak verkaufen." .Das geb ich dir," sagte Daylight rasch.„Aber beklag dich nicht hinterher, wenn ich zwanzig, und dreißigtausend heraushole." Johnny grinst« vergnügt. „Gib mir den Tabak," sagte er. � „Ich wollte, ich hätte mir ein Stück daneben abgesteckt, murmelte der lange Jim bedauernd. „Cs ist noch nicht zu spat." erwcherte Daylight. „Aber es sind zwanzig Meilen hin und zurück." „Wenn ich morgen hinaufkomm«, werde ich es für dich abstecken." erbot sich Daylight..T)u kannst es ja dann ebenso machen wie Johnny. D,e Bezahlung kannst du dir von Tim Logan geben lassen. Er ist der Wirt vom Sour- dough Saloon und leiht es mir gern. Stellt die Papiere auf euren Namen aus. übertragt sie auf mich und gebt sie Tim in Verwahrung." �.... „Ich bin auch dabei," fiel der dritte ein. Und für drei Pfund Sterntabat kaufte Daylight drei- Mal fünfhundert Fuß Boden am Bonaza. Dazu konnte er noch einen Claim auf seinen eigenen Namen abstecken, da die andern nur übertragen waren. „Ich muß schon sagen, du bist mächtig flott mit deinem Kautabak." grinste der lange Jim.„Du hast wohl irgend wo eine Fabrik?" „Nee. aber eine Chance," lautet die Antwort..Und das sag ich euch, Iungens, drei Pfund Täbak dafür ist billiger als Dreck." Als er jedoch eine halbe Stunde später in seinem eigenen Lager war. kam Joe Ladu«. frisch vom Bonanza Creek, her- «in. Zuerst wollte er sich nicht über Carmacks Fund äußern, dann stellte«r sich zweifelnd, und schließlich bot er Daylight hundert Dollar für seinen Anteil. � „Bar?" fragte Daylight. „Selbstverständlich, da sind sie." Mit diesen Worten zog Ladu« seinen Goldbeutel heraus. Daylight hob ihn in Gedanken auf, öffnete ihn, immer noch in Gedanken, und ließ etwas Goldstaub über seine Hand rinnen. Er war dunkler als irgendwelcher Goldstaub, den er je gesehen, bis auf Carmacks. Er schüttete das Gold zurück, schloß den Beutel und gab ihn Ladue zurück. „Ich vermute, du hast es nötiger als ich," bemerkte Daylight. „Nee, ich kann mehr kriegen," meint« der ander«. „Wo kommt's denn her? Daylight war die Unschuld selbst, als er die Frage stellt«, und Ladue hörte sie unerschütterlich wie«in Indianer an. Doch einen kurzen Augenblick sahen sie sich in die Augen, und in diesem Augenblick schien etwas Ungreifbares von Joe Ladues Korper und Geist auszugehen. Und es schien Daylight, als hätte er diesen Schimmer gefangen und ein geheimnis- volles Etwas in dem Wissen und den Plänen hinter den Augen des andern gespürt. „Du weißt natürlich besser Bescheid als ich," fuhr Day- light fort.„Und wenn mein Anteil für dich hundert Dollar wert ist, so ist er für mich ebensoviel wert, ob ich nun Bescheid weiß oder nicht."' „Ich geb dir dreihundert!" bot Ladue, der jetzt die Ve- sinnung verlor. „Das ändert nichts für mich. Was du bietest, ist es für mich auch immer wert." Da kapitulierte Joe Ladue ganz ohne Scham. Er führte Daylight beiseite und gab ihm vertraulich verschiedene Auf- klärungen. „Die Sache ist sicher," sagte er schließlich.„Ich habe es weder geschleust, noch gewiegt. Alles, was in diesem Beutel ist, Hab ich gestern auf den Randfelfea ausgewaschen. Ich sag' dir, man kann's aus den Graswurzeln herausschütteln. Und was auf der Felsenunterlage unten im Flußbett liegt, ist gar nicht zu sagen. Halt den Mund und verschaff dir soviel Claims, wie du kannst. Es liegt in Flecken verstreut da, aber ich würde überrascht sein, wenn einige von den Claims fünfzigtausend brächten. Das einzige Unangenehme ist, daß es so verstreut liegt." Ein Monat verging, und immer noch war Bonanza Creek ruhig. Ganz vereinzelt hatten Leute sich Claims abgesteckt. waren dann aber meist nach Forty Mlle und Circle City weitergereist. Die wenigen, die Vertrauen genug besaßen, um zu bleiben, waren damit beschäftigt, sich Blockhütten für den kommenden Winter zu errichten. Carmack und seine indianischen Verwandten waren dabei, einen Schleusenkasten zu bauen und einen Kanal hinzuleiten. Die Arbeit ging nur langsam vonstatten, denn sie mußten selbst mit der Hand die Bretter im Walde sägen. Aber weiter abwärts am Bo- nanza waren vier Männer, die vom oberen Lauf des Flusses gekommen waren, Dan McGilvary, Dave McKay, Dave Ed- wards und Harry Waguh, ruhige Leute, die weder fragten, noch sprachen und sich ganz für sich hielten. Aber Daylight, der den Kies am Rande von Carmacks Claim ausgewaschen und Goldkörner von den Graswurzeln geschüttelt und darauf an vielen anderen Stellen den Kies mit der Wiege ausge- waschen und nichts gefunden hatte, war neugierig, was auf der Felsunterlage zu finden war. Er hatte bemerkt, daß die vier ruhigen Leute dicht am Flusse einen Schacht gruben, und er hatte gehört, wie sie Bretter für ihre Schleusenkästen ge- sägt hatten. Er wartete keine Einladung ab, sondern stellte sich daneben, als sie am ersten Tage schleusten. Und als ein Mann fünf Stunden geschaufelt hatte, sah er, wie sie dreizehn und eine halbe Unze Gold herausholten. Es war grobes Gold, von Stecknadelkopfgröße bis zu Klumpen im Werte von zwölf Dollar, direkt von der Felsunterlage. Das war der große Fund. Carmacks Sache war gesichert. Daylight steckte einen Claim in seinem eigenen Namen neben den dreien ab, die er für seinen Kautabak gekauft hatte. Dadurch erhielt er ein Stück Boden, das zweitausend Fuß lang war und sich in der Breite von einem Randfelsen zum anderen er- streckte. Der erste Schnee war an diesem Tage gefallen, und der arktische Winter senkte sich über das Land, aber Daylight hatte keine Augen für die trübe Stimmung, die über den letzten Stunden des kurzen Sommers ruhte. Er sah seinen Traum in Erfüllung gehen und seine goldene Schneestadt aul der weiten Fläche erstehen. Auf der Felsunterlage war Gold gefunden worden. Es war der große Fund. (Fortsetzung folg!.) bas Wiederaufnahmeverfahren hineingekommen? Zeugs: Vurch den Detektiv Höttke-Tilfit, der mir auseinandersetzte, daß es gelte. ein Unrecht gutzumachen.— Auf Amt rag des Staatsanwalts wurde denn der 21jährige Kaufmann Heinz Iaquek, der Sohn des Ermordeken, darüber vernommen, wie das Zusammenleben seiner Eltern in seiner Erinnerung fortlebe. Der Zeug« schildert«, daß die Eltern sich g u t vertragen, und ihn, wenn er in den Ferien nach Hause kam. gut behandelt hätten. Vors.: Sie sollen in bezug aus ein Zerwürfnis zwischen Ihrer Mutter und Herrn hölzncr gesagt haben: „So hat sie es mit meinem Vater auch gemacht. Zeug«: Das weiß ich nicht mehr. Staatsanwalt: Was haben Sie sich denn über den Mord gedacht? Zeuge: Ich war immer der An- ficht, daß es sich um einen Raubmord handelte, da immer viel Geld im Hause war. Staatsanwalt: Glauben Sie, daß Ihre Mutter an dem Mord beteiligt war?(Große Bewegung im ganzen Saal.) Der Zeuge, der in große Erregung gerät und über und über rot wird, ringt sichtlich nach Fassung und erklärt dann: „N i« m a l e." Sehr intcreffant gestaltete sich die Vernehmung des Fräuleins Emma P r i tz k o l e i t, die bei der Modistin Frau Gloms in Inster- bürg tätig war. Sie bekundete: Einige Tage vor dem Mord kam Frau Iaquet in Infterburg zu mir und übergab mir ein Paket in braunem Packpapier. Sie bat mich, ihr das einige Stunden aufzu- b-wohren, da sie noch andere Besorgungen machen wolle. Das kleine Paket war sehr fest und schwer. Kurz vor dem Abgang des Zuges noch Mateningken kam Frau Iaquet ganz aufgeregt her. eingestürzt und sagte:„Da Hölle ich ja beinahe meine Zange ver- gessen."(Große Bewegung.) Es war acht bis zehn Tage vor dem Mord. Staatsanwalt: Wie ist denn das bekannt geworden? Zeugin: Frau Gloms kam von der Hauptverhandlung nach Hause und sprach davon, daß es sich u. a. um ein« Zange, Taschen- m«sser und Taschenlampe gehandelt habe. Da fiel mir die Sache mit dem Paket ein. Ich erzählte Frau Gloms davon. Frau Gloms sagte:„Aber warum haben Sie das nicht früher gesagt." Ich erwiderte, daß ich davon doch gar nichts wissen konnte. Vors.: Frau Hölzner, kann es sein, daß Sie das Paket bei der Zeugin liegen ließen und dann sagten:„Beinahe hätte ich meine Zange vergessen?" Zeugin h ö l z n e r: Das weiß ich nicht. Sie hätte ja im Paket nachsehen können.(Bewegung.) Vors.: Das ist wohl nicht üblich, in fremden Paketen hemmzuschnökern. Die Aussage der folgenden Zeugin, der Modistin Makuleit, die mit Frau Pritzkoleit bei der Frau Gloms tätig war, b e- st ä t i g t e diese Aussage. Nach dem Morde sei Frau Iaquet wieder zu der Modistin gekommen, die geäußert habe:„Man redet so viel, daß Dujardin der Täter sei." Darauf habe Frau hölzner gemeint:„Ausgeschlossen, ich habe Dujardin doch erst aus dem Schlaf geholt"— Die 28jährige Frau Lisbeth Eggert, eine Nichte der Frcni Iaquet, wurde darüber vernommen, daß Frau Iaquet unmittelbar noch dem Morde Dujardin der J«ugin gegen- über beschimpft und gesagt Hobe:„Das war der Lump, der Dujardin." hieraus wurde die Verhandlung geschlossen und mif Sonn- abendfrüh, 9 Uhr, vertagt. Ein Berliner Notar flüchtig? Man beschuldigt ihn der Llnterschlagung von 100000 M. Ein bekannter Berliner Rolar, Rechtsanwalt Dr. Earl E o h n. dessen Klienten züm großen Teil Kreisen des d e u l- schen Hochadels entstammen, ist vor einigen Tagen unter Hinterlassung von einer auf rund eine halbe Million Mark bezifferten Schuldenlast in» Ausland geflüchtet. Gleichzeitig ist gegen ihn bei der Slaalsanwalljchast Straf. anzeige wegen llnterschlagung von 100 000 M. erstattet worden. Rechtsanwalt Dr. Carl Cohn wurde vor einiger Zeit Rechts- beratcr eines Herrn v. C a r st e n. Dieser erwarb eines Tages das große Rittergut Blankenfelde bei Berlin an der Eisenbahn- strecke nach Zossen, konnte dieses Besitztum aber nicht halten, so daß vor kurzem die Zwai�svcrsteigerung eingeleitet wurde. Dr. Cohn mochte nun den Versuch, die Versteigerung zu verhindern, da ihm Herr v. Carsten einredet«, daß sie beide durch«ine Parzellie- r u n g des umfangreichen Terrains im Süden der Reichshauptstadt große Summen verdienen könnten. So ließ sich der Notar ver- leiten, für ein von Carsten aufgenommenes sehr hohes Hypotheken- darlehcn die Garantie zu übernehmen, was ihm dann zum Verhängnis wurde, denn die Zwangsversteigerung erfolgte doch. Um diese Transaktion durchzuführen, hatte der Anwalt bei Verwandten und Bekannten und schließlich auch bei einer ganzen Reihe seiner adligen Mandanten Darlehen aufgenommen. Vor acht Tagen ist Dr. Cohn in Begleitung seiner Gattin, die ihn in seiner Bureautätigkeit unterstützt«, unter Mitnahme der Akten in Sachen von Carsten nach Wien abgereist. Von dort ist er aber bisher nicht zurückgekehrt. Die Kestung Delphi. Schneidet schneidige Frühlingsoffensive mit Boxern. Der Kamps um den Delphi- Palast ist seil Himmelfahrt abend von neuem in erbitterter Form entbrannt. Man hat den Eindruck, als ob der Bergnügungs- 'palast wie eine Festung umlauert, belagert und berannt wird. Selbst Boxer werden als Stürmer eingesetzt. Man darf gespannt sein, wie der Kampf ausgehen wird. Der Pächter Joses Schneid, der bekanntlich auch zu d e n Angeklagten des Srinnes- Prozesses gehört, hat sich zum zweiten Male mit Lift und Gewalt, diesmal unter Zu- hilfenahme von Boxern und ähnlichen handfesten Getreuen, in den Besitz des Delphi- Palastes gebracht, den der Eigentümer, Baumeister Sehring, inzwischen an die„Westgaststäiten-A.-G." oerpachtet hatte, um das Etablissement wieder in Betrieb zu � nehmen. Schneid und seine Anwälte vertreten den Standpunkt, daß der aus 15 Jahre abgeschlossene Pachtvertrag noch in Gültigkeit sei und daß er also Herr von„Delphi" sei. Baumeister Sehring dagegen erklärt, daß der Pachtvertrag mit Rücksicht auf den über Schneid verhängten Konkurs zu Recht gekündigt sei» so daß dieser keinerlei Ansprüche mehr geltend machen könne. Er will gegen Schneid, der heute vormittag über den Delphi-Palast durch seine Mannen nerfüßt, im Weg« einer einstweiligen Verfügung vorgehen, in« chn wieder pi»ertreib«,. Schneid dagegen erklärt, daß er blle Prszess« gegen Sehrlng gewonnen habe und daß auch das Konkurs- verfahren auf seine Beschwerde hm vom Gericht eingestellt sei. Eehring hat versucht, auf andere Weise Schneid zur Aufgab« der„Festung" zu zwingen, und zwar hat ,r dabei zu„strategischen Llnsere Lugend Das große Tre� Zugendtag in Brieselang! llnsere Sozialistische Arbeiterjugend hak ihren Festtag: heraus aus den engen Häusern in die freie Rotur, zu Licht und Sonnet Am Donnerstag traf sich die große Familie der Zungen, Werdenden, zur großen, gemeinsamen Feierstunde des Mai! Die Kleinen und Kleinsten, die noch die Schulbank drücken, die Großen, die, kaum erwachsen, schon tagaus tagein an der Maschin« stehen, gebeugten Rückens Stich an Stich reihen, am Schreibpult hocken oder hinter dem Ladentisch stehen, alle waren sie da, aus allen Ecken und Enden von Groß-Berlin hatten sie sich zusammengefunden. hunderte und aber hunderte, nein, es waren Tausend« l Ganz genau ließ sich das nicht feststellen. Das turnte und tanzte, inusi- zierte oder spielt« Fußball, lag im Gras und guckte vergnügt in die Lust und ließ den„lieben Gvtt einen guten Mann sein". Der hatte sich am gestrigen lag als Wettergewaltiger sogar allseits recht beliebt gemacht, denn die Sonne strahlte prächtig und heiß, und der allgemeine Anmarsch am frühen Nachmittag hatte allerhand Schweiß gekostet. So wurde auch die Badegelegenheit stark aus- genutzt. Umer dem Maienkranz tanzten trotz der Mittagshitze die Mädels liebliche, altväterliche Reigentänze, daneben mnjubelte die Fußballmannschaft gerade mit Iubelgeschrei ihren besten Stürmer, der in feierlichem huckepack die begeisterte Zuschauer- menge entlang getragen wurde. Die Musiker aber hatten beinahe den stärksten Zulauf mit ihren schmissigen Märschen und Liedern. Sehr schön und stimmungsvoll wirkte der Bewegungschor von Gleißner. Heber all dem fröhlichen Spiel tollte das große, das heilig« Ziel aber nicht vergesien werden:„Wir wollen Menschen sein und nicht bloß Last- und Arbeitstiere. Wir brauchen Sonne und Licht, Frohsinn und Lebensfreude!" Das sprach nicht nur aus Maßnahmen" gegrisfen, wie sie bei der Belagerung« einer wirklichen Festung Anwendung finden. Er hat nämlich dem Delphi-Palast die Wasserzufuhr abgeschnitten und außerdem die Bewag ver- anlaßt, den elektrischen Strom abzusperren. Schneid Hot sofort durch sein« Rechtsanwälte gegen dieses Vorgehen Einspruch erhoben und sich bereit erklärt, etwaige Rückstände sofort zu be- gleichen._ Hereingefallene Kommunisten. Die Frankfurter Beschlüsse der Freidenker sind güllig. Bor einigen Monaten halt« das Landgericht Berlin die Beschlüsse der Verbandsgeneralversammlung des Verbandes für Freldenkertum und Feuerbestattung in Frankfurt am Main für ungültig erklärt. Gegen da» Urteil hatte der Berbandsvorstand beim Kammergericht Berufung eingelegt. Das Gericht hob das Urteil der ersten Znstanz aus und ver- urteilte den Kläger(kommunistische Oppositioa) zur Trozung der kosten. Damit sind samtliche Beschlüsse und Wahlen der Verbands- generaloersammlung girlti-K. Da»-gilt auch besonders für die Satzungen und für die Beitragserhöhung. Ein Heim für Geiflesarbeiier. Felix-Oeulfch-Haus für Berlin. Frau Lil! Deutsch, die Witwe des verstorbenen General- direktors der AEG., Geh. Kommerzienrat Dr. Felix Deutsch, beabsichtigt ihr Besitztum in Mittel-Schreiberhau im Riesengebirge der Stadt Berlin als Stiftung am 16. Mai, dem Geburtstag ihres verstorbenen Gatten, zu übergeben. Die Stiftung-soll künftig, wie Frau Deutsch dem Berliner Magi- strat schreibt, geistig und künstlerisch in schöpferischem Sinne tätigen Persönlichkeiten, über deren Wahl ein Kuratorium entscheidet, zur Erholung und Arbeitsruhe zur Verfügung gestellt werden. Die Unter- Haltung der gesamten Besitzung sowie der darauf ruhenden Lasten .werden von Frau Gcheimrat Deutsch bis zu einer eventuellen späteren Umgestaltung der Stiftung übernommen. Wieder einmal Handelshochschule Berlin. Man schreibt uns: Jetzt endlich haben es die nationalistischen Studenten erreicht, daß ihr unter stark völkischem Einfluß stehender Privotver- ein mit der ministeriell incht zugelassenen Bezeichnung„A l l g«- meine Studentenschast" vom Rektor der� Handelshochschule offiziell anerkapnt wird. Seit einigen Tagen hängt im Vorraum der Handelshochschule ihr Anschlagbrett, was starke Beunruhigung unter den anderen Studierenden ausgelöst hat. Wie bekannt, lehnen es die Hochschulen, auch die Berliner Universität, ab, der reaktio- nären Siudentenschaft unter einem irrefichrenden Namen, der eine allgemeine Studentenoertretung vortäuschen soll, die offizielle- An- erkennung zu geben. Die studentische Selbstverwaltung Ist aus- gelost, es gibt keine„Allgemeine Studentenschaft" mehr.— Warum glaubt der Rektor der Handelshochschule hier seine eigenen Wege gehen zu müssen? Tiere werden eingewöhnt. Der schon so reich besetzte Zoologische Garten wird über kurz oder lang seine Besucher abermals durch Neuerwerbungen er- freuen. Es sind nämlich wieder drei Transporte aus B u s ch'i r (Persischer Golf), aus �Zire-Daua(Abessinien) und aus Südamerika eingetroffen. Die Neuankömmlinge sind einstweilen zu ihrer Eingewöhnung in den für das Publikum geschloflenen Häusern untergebracht. Es sind dies das erste Raudtterhaus des Zoo und das alle Affenhaus, Gebäude, die bald ein Aller von hundert Jahren haben. Aus Persien kam nun endlich der so sehnsüchtig erwartete Onager, ein Wildesel, nach Europa. Es ist fast unglaublich schwer gewesen, gerade dies Tier zu bekommen, um das sich ein in Pexsien ansässiger Freund unseres Zoos tatsächlich jahrelang bemühen mußte. In Persien ist es überhaupt nicht allzuleicht, Tiere zu erhandeln, mußte'doch ein junger Reifender sein« ganze, auch für ihn unter den gegebenen Verhältnissen sehr wertvolle Zelteinrichtung hingeben, nur um den Wunsch des hiesigen Zoos erfüllen zu können. Aus Abessinien kamen acht Dschelado, dies« prächtigen Asten, die, wenn sie in Wut geraten, ihre Zähne derart zeigen, daß dem Menschen zu Recht unheimlich zumute wird. Und die Aneinander- gewöhnung mit den schon vorhandenen Dschelada wird nicht leicht sein, setzt doch inrmer'beirn Kamps mn die Weibchen ein« so morde- risch« Veißerei ein, daß leicht Tote auf dem ftampsseld bleiben. Au, dem tierreichen Abessinien kamen u. a. Amethyst-Star, und Ka r u n k e l-Ib i ss e, äußerst selten« und fast nie in Gefangen- schaft gezeigt« Vögel. Sie haben fast täglich Besuch von Bogel- feiert den Mai! m in Brieselang. den schönen Worten des Dichters, das stand vor allem in den strahlenden Augen all der Jungens und Mädels. Einen Mißton erfuhr die Feier leider gleich zu Ansang durch den höchst unerwünschten Besuch von der kommuuistlscheu Zugend. Ein paar Hundert streit- und rauflustiger Gesellen besetzten die Herberge und hätten gern Händel angefangen. Man drängelt« sie jedoch energisch zurück, man beachtete sie gar nicht weiter, und so mußten sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ebenso wenig gelang es ihnen, sich über den Zaun hinweg auf den Fest- platz einzuschleichen. Es ist bezeichnend für den Geist, der in der KPD. regiert, daß selbst ein Iugendfest zu Unflättgkciten und zum Versuch, zu raufen und Skandal zu machen, ausgenutzt wird. Die feiernd«, fröhliche Jugend ließ sich In ihrer Feststimmung indessen gar nicht weiter stören. Bis in die späten Nachmittagsstunden blieb man bei Sport und Spiel fröhlich beisammen, dann ging es im Fackelzug unter Wstngung froher Weber heimwärts. Genosse Ernst HoffmanN- Neukölln sprach vor dem Abmarsch zündende Worte, die ausklangen in einem jubelnden Hoch aus die Partei der Jugend und der Zukunft, die Sozialdemokrat!«. Wir können stolz sein auf unsere sozialistische Arbettersugendt Wer als„Zeitungsiuensch" gezwungen ist, auch Veranstaltungen anderer Organisationen, der Bismarck-Iugend oder der KI. zum Beispiel, beizuwohnen, merkt den Unterschied. Dort herrschen Verhetzung, unjugendlicher, enger Fanatismus und die Berehrunq der Faust. Bei unserer SAJ. ober verbinden sich mtt jugendlich harmloser Ausgelassenheit ernster Wille und reife Pflicht- a u f f a s s u n g im Dienst« einer neuen Zeit. Das hat man gestern wieder mit Freude gefühlt! sachverständigen, die hocherfreut sind, daß es ihnen vergönnt ist, solche Tiere lebend zu sehen. Wenn die Tiere eingewöhnt sind und die Witterung günstig ist, werden sie den einzelnen Gehegen im Garten oder den in Betracht kommenden Häusern zugeteilt. Bald wird dann mich wohl Khalifa, das kleine Elefantenmädchen, einen Schritt ins Freie wagen. Gelegenhett hat es dazu feit geraumer Zeit. Doch da dieser kleine Elefant im schummerigen Haus geboren ist, fürchtet er sich vor der Helle und der Sonn«. Mama ging bereits ein paarmal ins Frei«, doch Baby getraut sich nicht. Im Gegenteil, wenn es die Mutter ins Licht schreiten sieht, schreit es derart, daß auch die Alte schleunigst ins Haus zurückkehrt. Trauerfeler für ein Maiopfer. Im stillen Urnenhain des Krematoriums in der G e» r i ch t st r a ß e erklang gestern abend noch spät Harmoniumspiel. In die weitgeöfsnete Trauerhalle schritten die Bertretcr der Sozial- demokrati«, des Reichsbanners und des Freidenker-Drrbandes, um dem unschuldig bei den Maiunruhen ums Leben gekommenen Freunde,. dem sozialdemokratischen Bezirkssührer Genossen Max Gemeinharbt das letzte Ehrengeleit zu geben. Bis hoch in die Empören stillt sich der Raum. Der Sarg, oerschwand unter Blumen und Kränzen, alle mtt der roten Schleife geschmückt. Die Inschriften bekundeten, daß«in wertvoller, wackerer, immer tätiger Mitarbeiter von seinen Freunden betrauert wird. Am Sorge stellte das Reichsbanner eine Ehrenwache. Als erster Sprecher für den Verband für Freidenkerium trat Genosse Roth an den Sarg. Cr zeichnete das Lebensbild des aus so tragische Weis« Dahinge- schieden««, der rastlos seine ganze Kraft der Sozialdemokratie widmete. Genosse Ha der st roh sprach in bewegten Worten als Freund und Mitkämpfer des Toten im Austrage des� Bezirks- verbandes der Parte! und Genosse R o w a ck dankte im Auftrage der 18. Abteilung dem Verstorbenen für die wertvolle Mitarbeit des Unermüdlichen. Max Gcmeinhardt war Dezirksführer der Orga- nisation und hat auch in den Wohlfahrtskommisssonen rührig mit- gearbeitet. Er war ein überzeugter Sozialist, der stets einig war mit der Partei in Ziel und Weg. Erschütternd waren gerade in diesem Augenblick die Wort« des letzten Sprechers, die er am Sarge des Toten zitierte: Proletarier aller Länder vereinigt Euch. Draußen ober wurden die Genossen und Reichsbannerkame- raden, die die Trauerizalle verließen, von dem wüsten Gejohle halbwüchsiger kommunistischer Burschen empfangen. Deutsche Kriegergräber in Polen. Das Polnische Generalkonsulat in Berlin leitt mit: Die polnische Regierung hat sich in Würdigung der Empfindungen der Angehörigen deutscher, aus polnischein Boden während des Welt- krieges beerdigten Soldaten bereit erklärt, bei der Instandhal- hing der Soldatenfriodhöfe die besonderen Wünsch« der An- gehörigen für eine Verschönerung der Grabstätten zu berücksichtig«, und diese auf Wunsch und Kosten der Hinterbliebenen vornehmen.zu lassen. Alle hieran interessierten Personen, die beabsichtigen,«ii, Grabdenkmal, ein Kreuz oder eine Tafel errichten, eine Umfriedung anbringen zu lassen oder andere besondere Wünsche haben, werden gebeten, dem Generalkonsulat die genaue Lage der Grobstätt« sowie unter möglichster Beifügung von Plänen die Art der ge> wünschten besonderen Restaiirierungsarbeiten mitteilen zu wollen. Das Generalkonsulat ist auf Wunsch gern bereit, nttt jeglichen weite. ren Informationen zu dienen. Dieser erfreuliche Beschluß der polnischen Regierung geht über die Bestimmungen von Art. 225 des Bersailler Vertrags hinaus. Ein bestätigtes Todesurteil. Der Kupferschmied Georg Simon aus E h r e n f e l d be! Köln am Rhein tötete am 4. Dezember 1928 seinen Stubengrnossen Seifert durch mehrere Beilhiebe auf den Kopf. Au» dem Ge- ständnis des Simon ging hervor, daß er die Tat schon seit langer Zeit vorbereitet hatte. Zunächst wollte er den Seifert, den er aus verschiedenen Gründen, die er oerschwieg, haßte, erschießen. Da ihm jedoch der Ankauf eines Revolvers nicht glückt«, oerschaffte er sich ein Beil und überfiel am Mordabend seinen ahnungs- die«madervolle goldklare Haarwaachaeife für jedes Haar, auch als Sfaampooo losen Stubengenosscn, als dieser sich das Abendbrot bereitete. Simon wurde am k. Februar 1829 vom Schwurgericht wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die von Simon gegen dieses Urteil eingelegte Revision, die geltend macht, es handele sich nicht um Mord. sondern nur um Totschlag, wurde vom ersten Strafsenat des Reichsgerichts verworfen, da Simon die Tat mit voller Ueber- l e g u n g begangen habe. Ohne Zweifel wird die zuständige preu« fische Staatsregierung das Urteil auf dem Begnadigungswege in Zuchthaus st rafe umwandeln. Oer Paragraph Z-lS... Eine interessante Untersuchung in Vraunfchweig. Auf Grund«nes Beschlusses der„Kammer der Aerzte und Apotheker" im Freistaat Brannschweig vom 20. Juni 1922 ist für Stadt und Land Braunschweig eine Auzahl von Vertrauensärzten neuer Art bestimmt worden. Diese sollen bei der Beurteilung der Dornahin« von Schwangerschasts- Unterbrechungen sich als entscheidende Obergutachter darüber äußern, ob die von den praktischen Aerzten vorgeschlageneii Schwangerschaftsunterbrechungen vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gerechtfertigt erscheinen. Das„Aerztliche Vereinsblatt für Deutschland". das Organ des Deutschen Aerzievereinsbundes. teilt nun über die Ergebnisse des In Braunschweig eingeschlagenen Bersahrens sehr Bemerkenswertes mit. In den Iahren 1926/27 gingen bei der Aerztekammer im ganzen 307 Meldungen ein. Von diesen wurden 232 Unterbrechungen bewilligt s— 75 Proz.), 7Smal(= 25 Proz.) erfolgte Ablehnung. Im Jahre 1928 gingen 140 Meldungen«in: 90 Bewilligungen(— 69 Proz.) standen 44 Ablchmmgen 31 Proz.) gegenüber. Nach Ablehnung ist nur in einem Falle versucht worden, bei einem, anderen Vertrauensarzt 4>!« Ge- nehmigung einzuholen, aber ohne Erfolg. Warum geschah die Bestellung der Vertrauensärzte? Weil man die Zahl der Schwangerschaftsunterbrechungen herabsetzen wollte. Wurde das erreicht? Rein. Warum nicht? Der Be- richterstatter der Braunschweiger Aerztekammer nennt den Grund: Weil jeder«rsahrene Frauenarzt und allgemeine Praktiker aus Be- fragen erklärt, daß bei den abgelehnten Fällen, mit seltenen Aus- »ahmen, das Ziel der Abtreibung trotzdem auf. illegalem Wege erreicht wurde. Wo bleibt da also der Nutzen?! Geradezu erschüttert ist man aber, wenn man hört, welch« Schwangerschaftsunterbrechungen„vom wissenschaftlichen Stand- punkte aus" seitens der Braunschweiger Vertrauensärzte ver» weigert wurden. Es heißt darüber in dem Bericht:» „Gewisse chärten und Schwierigkeiten ergaben sich freilich in zahlreichen Fällen. 1. 32jähriges Mädchen, schwer schwachsinnig, als Kind Lupus. 1922 wegen Syphilis im Landeskrankenhaus behandelt. 1926 brachte sie ein Kind zur Welt, dos zwei Jahre lebte, ohne sprechen zu lernen. Jetzt wieder schwanger.— Eingriff abgelehnt. 2. Schwaässinniges Mädchen, geistig auf der Stufe eines neunjährigen Kindes. 22 Jahr« alt. Zwergin, hochgradige Beckenenge. Entbindung ohne Kaiserschnitt ausgeschlassen. Die Genehmigung wurde vom Vertrauensarzt erteilt: von der Prü- sungskommission wurde daraus hingewiesen, daß Schwachünn an sich keine Indikation bedeute und der Kaiserschnitt keine Lebens- gefahr. 3. 25jährige Frau-, hat 1922 und 1926 Kaiserschnitt wegen engen Beckens durchgemacht, jetzt schwanger iin zweiten Monat.— Eingriff abgelehnt. Kaiserschnitt empfohlen. 4. 15jährig«s Mädchen aus gicter Familie wird voo seinem 18jährig«n Bruder geschwängert. Die Kammer besaßt« sich ein- gehend mit diesem Falle, kam aber zu dem Ergebnis, daß sie den Kollegen, der etwa aus Mitleid den Eingriff machen wunde, nicht decken könne." Kommentar überflüssig! Nur eine Frage: Wer will angesichts dieser Schreckensberichte behaupten, daß bei der Beurteilung von Schwangerschaftsunterbrechungen auf die Einbeziehung sozialer und eugenischer Indikationen, wie sie jüngst auch von der Berliner Aerztekammer als erforderlich bezeichnet worden ist, länger verzichtet werden kann? Dr. med. Alfred K o r a ch. Zur Funktionärversammlung. Der kommunistische Reichstogsabgeordnete Ende schickt uns 'algende Berichtigung: In dem Bericht des„Vorwärts", Morgenausgabe vom ? Mai d. I. über die sozialdemokratische Funktionärversammwng werden über mich unwahre Behauptungen aufgestellt. Es ist nicht vabr. daß ich am Mittwochabend in der Excelsior-Diele. König- zrätzer Straße, gewesen bin. Wahr ist vielmehr, daß ich Mittwochmittaq am Potsdamer Platz polizellich sestgenommen wurde und mich noch meiner Ent- lassung nach dem Wedding begeben Hab«, wo ich mich nachweislich bis in die späten Nachtstunden aufhielt." Betrug und Konkursvergehen. Urteil gegen die Leiter der Teutonia. Seil mehr als vier Wochen verhandelte das Schöffengericht harburg-wllhelmsburg wegen Konkursverbrechens. Betruges und Unterschlagung gegen die ehe- maligen Leiter der Oelwerke Teutonia, Genraldlrektor Tych- sen, Direktor Hansen. Prokurist P e d e r| e n und Ingenieur Schmidt. Gestern wurde das Urteil verkündet: Generaldirektor T y ch f e n wird wegen einfachen Bankrotts unter Freisprechung im übrigen zu zehn Monaten Gefängnis. Direk- tor Hansen wegen einfachen Bankrotts in Taleinheit mit Betrug und wegen fortgesetzten Betruges und Unterschlagung zu IS Monaten Gefängnis und Ingenieur Schmidt wegen Beihilfe zum Konkursvergehen und zum Betrüge zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte P e d e r f e n wird frei- gesprochen. Den Angeklagten Tychsea und Hansen wird die Untersuchungshaft in Anrechnng gebracht und dem Ingenieur Schmidt eine Bewährungsfrist zugebilligt. Eine Diebesbande von 58 Personen festgenommen. Dortmund, 8, Mai. Durch die Festnahme eines Einbrechers, der in der Nacht zum 11. April bei einem Einbruch in ein Gehöft mit zwei Komplicen von einem Ueberfallkonnnando überrascht und dingfest gemacht wurde, während seine Helfer entkamen, ist die Polizei auf die Spur einer großen Diebesband« gekommen. Bisher sind 58 Personen wegen Einbruchs festgenommen worden, denen 117 Einbrüche nachgewiesen werden tonnten. Eine volkstümliche Abendunterhaltung mit gutem Programm brachte der Donnerstag. Im wesentlichen wurden an diesem„Bunten Chorabend" Bruchstücke aus bekannten Opern aufgeführt. Ehor und Orchester der Funkstund« Berlin, und in An- bctracht ihrer glänzenden Leistungen konnte man über die, schwächeren der Solisten hinweghören. Joseph Schmidt in dem ..Peitschenlied" aus dem„Pojtillon von Lonjumeau" und hete Mex im Kirchen chor aus„Cavalleria Rusticana" waren übrigens ausgezeichnet. Sehr fesielnd war der Vortrag von Dr. Wolfgang von Weist„Als Hindumönch oerkleidet zur Grenze Tibets". Dr med. Julian Marcuses Ausführungen über„Moden und Methoden in der Heilkunde" waren dagegen viel zu fachwissenschast- lich gehalten und besonders für den hörerkreis an einem arbeits- freien Tag wenig geeignet. Einen Vortrag von Gehalt— der trotzdem in allgemeinver- ständlicher Form gegeben wurhe— hielt Felix Stößinger am Freitagabend. Das Thema„Der Intellektuelle und der Arbeiter" ist in einer knappen halben Stunde natürlich nicht.zu erschöpfen. Doch Stößinger verstand es, das wesentlichste Problem klar herauszustellen: die organisatonsche Zusammenarbeit von Arbeitern und Intellektuellen in der Arbeiterbewegung. Er zeigte, daß die Begründer der modernen Arbeiterbewegung Intellektuelle waren, hervorgegangen aus der Gesellschastsschicht der Vergangen- heit, dem Bürgertum und dem Adel. Gerade sie kannten die Mängel der allen Gesellschaftsordnung genau, da sie in ihr gelebt hcrtten und durch die Tradition mit ihr verbunden waren. Dieses Wissen machte sie zu leistungssähigen Kämpfern gegen das Alte, für eine neue Zeit. Trotzdem bestand und besteht wemgstens teilweise auch heute noch ein Gesühl des Mißtrauens gegen die Intellektuellen. Stößinger deutele a�, wie sich die Reste dieses Mißtrauens be- seitigen lasien. Durch den betonten Willen zum gegenseitigen Ver- ständnis—- und durch die daraus erwachsende Erkenntnis, daß be- geisterte Hingabe für die Ideen einer neuen Gesellschastsordnui Arbeiter und Intellektuelle zum gemeinsamen Werk eint.— hü! war durch die anregenden landschaftlichen Schilderungen der Vortrag von Dr. Matthias Sommer„Pfingsten im Spree» wald". Leider wird durch die Kahnfahrten der Spreewald zu einem Ausflugsziel, dos nur den wirtschaftlich günstig Gestellten vollen Genuß bieten kann.— Ein vom Komponisten selber dirigier- ter„Edmund-Eysler-Abend" rief die Reche der erfolgreichen Operetten dieses Komponisten wieder in freundliche Erinnerung. Tes. Reform im Geebadewefen. Nachdem außer Wyk-Föhr schon kleinere Nordscebädec>. früheren Iahren dos kalte Seebad durch die Kurtare bezahlen ließen, nachdem im vergangenen Jahr eine Reihe Osticsbäder die Sonderbezahlung der Seebäder aufgehoben hat, folgen nun auch unsere großen Nordseebäder. Im vorigen Jahre entschloß sich Langeoog dazu. In diesem Jahre sind Cuxhaven, Norderney und Westerland gefolgt. Auch Westerland und Norderney haben diesen bedeutsamen Schritt getan. Die Erhöhung der Kur- taxe ist in Westerland sehr günstig gestaffelt: sie nimmt im Gegensatz zu Norderney Rücksicht aus die Stärke der Familien und baut dem- entsprechend die Preise mit der Zahl der Familienmitglieder ab. Während z. B. drei erwachsene Personen in Norderney 75 Mark zu.zahlen haben, so in Westerland nur 67 Mark, vier erwachsene Personen in Norderney 97,50 Mark, in Westerland 82 Mark. In Westerland sind serner, wie überhaupt immer schon, Kinder bis zu 10 Iahren und Hausangestellte, die Familien begleiten, kurtax- frei. In Norderney hatten Hausangestellte bisher 10 Mark, fortan 15 Mark zu zahlen: Kinder vom vollendeten fünften Lebensjahre ab 12 Mark. Es ist selbstverständlich, daß in die Neuordnung der Kurtaxe nicht nur die Seebäder, sondern euch die Kabinenbenutzung mit einbezogen sind. Da maftchekn Kurgast das Baden in der See nicht gestattet ist, rechnet Westerland, als bisher einziges Seebad einen angemessenen Teil der Kurtax« auf die Abgab« wanner See- bäder an. Auf der nächsten Generalversammlung des Nordseebäder- Verbandes wird die sehr wichtige Frage der Einbeziehung der See- bäder in die.Kurtaxe behandelt und weiterhin auch die Freigabe des ganzen Strandes zum Baden besprochen werden. Es ist anzunehmen, daß einheitliche Richtlinien ausgestellt und olle Nordsecbäder zu dieser Neuordnung übergehen werden. Erholung im Harz. Das ist ein Iubelwort für alle, die aus Alltag und Eng« Be- freiung in Erholungswochen suchen. Durch sein« günstige Lage und die ausgezeichneten Bahnverbindungen übt das norddeutsche Gebirge allein rein äußerlich große Anziehungskraft aus. Aber wer je zu Naturwundern des Harzgebirges strebte, wer die höhen erklomm oder idyllische Täler durchstreifte, wer in alten Städten den Zeugen großer kultureller Vergangenheit nachspürte oder wer in den höhen- turorten und Bädern Heilung fand, der wird den harz immer wieder aufsuchenl Er mag zu der vertrauten Stätte zurückkehren oder das Ziel seiner harzreise Jahr um Jahr wechseln: Immer wird er neu« Reize und Schönheiten dieses im Wcsenszng vollkommen deutschen Gebirges entdecken. Bad Salzuflen um Psiugsteu. Mit Macht bricht daS junge Leben über den Teutoburger Wald und das lippische Bergland herein. Im Schutze dieses prächtigen Waldes liegt das altöerühmte Bad Salzuflen im anmutigen Salzetale. ES hat sich Weltgeltung verschafst durch die groß- artigen Heilerfolge bei Herz- und Nervenerkrankungen, Rheumatismus, Erkrankungen der Atcmwege, bei Stoffwechsel-� und Untcrlccbslciden. Eine Fülle von Grün und Blüten ist im.Frühling über Bad Salzuflen ans- gestreut, aber«s ist nicht nur eine überaus reizvolle Bade- und Kurstodt, sondern zugleich eine der ältesten deutschen Heilstätten. Der Neubau des Inhalatoriums wurde in Angriff genommen, das neue, modern«in- gerichtete BadehauS geht seiner Bollendung entgegen, und es darf nicht ver« gehen werden, daß auS 1000 Meter Tiefe nach achtjähriger ausopferungS- voller Arbeit«in zweiter hochtempertcrter Thermal sprudcl mit starkem Kohlensäure- und Solegehalt den Weg zum Licht gefunden hat. Nordseebad Euzhatxn. Bor zwei Jahren gab die Badevcrwoltung Euxhaven Ehrenkarten mit besonderen BergÄnstiminaen an solch« Gäste o.uS, die mindesten? 25 Jahre regelmäßig das Bad besuchten. Seitdem wurden, wie man erfährt, bereit? 48 Ehrengäste ermittelt, die seit 25, 30, ja seit 4V Jahren nach Cuxhaven kommen, um sich dort durch einen mehrwöchigen Aufenthalt vom Alllag zu erholen. Da? SchonungSklima de? Küstenstrichs zwischen Ell'«- und Wesermündung hat sich bei ihnen, wie in tausend anderen Fällen, als„natürliches Inhalatorium" bewährt. Die weile, farbenfroh«, seesahribelebt« Umwelt umfing sie, die a»S den Industrie- nebeln und der lichtarmen Region der Großstädte kamen, immer wieder mit merkwürdigem Zauber. In Cuxhaven wird mit Sommerbeginn Freibad«» betrieb eingeführt. Rordseebab Borkum Hot s«in« bisherige Kursteuer nicht erhöht, im Gegenteil z.T.«rniedriot und an der geringen Bezahlung des Einzel- bade? festgehalten. Somit bezahlt das kalt« Seebad nur derienige, der es zu gesundheitlichen Zwecken ninimt, aber auch er nicht teurer, als wenn er wo anders die um 50 bis 100 Proz. erhöhte Kursteuer bezahlt. Borkum hat durch Fahrtvcrbindung sein sogenanntes Musch«Iseld— den größten Strand an der Nordse«— seinen Gästen in einigen Minuten begucm zu- zängig gemacht. Zugleich hat man«inen Teil der Badegelegenheiten dort- rleat.. �JJacum vergniigi in dieaer jcrgenjdi?" JUeii Icfi jefat wem, nie man /sicfi mit wenig ijeM modern xind degnni rmzieRt! 7cfi fuymme aämCicfi von isikn�yekhetf Gertraudkn sfrasse S- 9'An dar Petrikifc he K Empfehlenswerter Ferienaufenthalt. Bob Grund lObrrharz). Von der Kur« und Badederwaltung ist da» die»- jährige ö-Faliblatt herautgcgcben, da» stichwortartig über all« Ernzelhciten unterrichtet: Bahnverbindungen, Wohnderhällnisse, Preise, Kurmittel, Ge- sellige» usw. E» enthält genauer« Angaben über da» neu« Kurbod II (Moor- und flichtennab«lbäder) sowie üb«r di« Pauschalkur«n, die in Abschnitt« von Z Wochen 13ö Ml. und i Wochen � 198 Ml.«iil- «etcilt sind. Das ArmiuiuSbad in Bad Lippspringe. Nach dem langen, harten Winter und dem späten Einsetzen d«S Frühlings ist bei der Industrie- bevölkerung di« Sehnsucht nach Ausspannung, nach Erholung, noch Stör- kung der in den rauch- und dunsterfüllten Fabriken und den engen Groß- stadtwohnungen angegriffenen Gesundheit erklärlicherweise besonder» groß. Ihnen allen bietet da» Lrminiusbad in Bad Lippspring« volle Aussicht auf Erholung und Wiederherstellung. AI» Kurmittel de« Arminiusbade» kommt vor allem das Wasser der ArminiuSquelle in Frag«, da» zu Trink- und Badekuren Verwendung findet. Ganz vortreffliche Erfolge hat da» Ouellwasser auch bei Inhalationen aufzuweisen. Daher hat die Verwal- tung de» ArmimuSbades seit einigen Jahren ein großes, mit den mo- dernsten Einrichtungen versehene» Inhalatorium eingerichtet. Ll» einzige» Bad in ganz Nordvestdeutschland verfügt da» Arminiu»bod außerdem üb«r zwei pneumatisch« Kainmern, in denen mit besten Heilerfolgen bei Asthma, Lungener Weiterung und chronischem Luftröhrenkatarrh komprimierte Luft eingeatmet wird. Ihr Herz braucht Erhofting nach den Krenkhelten de« Winter«, besonder« nach liberstandener«stripp«, durch»In« vvai Sifjt verordnete Kur im Herzbad Altheide Kurhan« Mi« Spru»«l.u.Moorbädern, flieh. Waffer> Au-gtzeichnei« Küche, viäikuren. Prospekt« frei durch di« iLa»«v»no«Iiung. Ostsesaad Heiiigenhafen In Holstein. Pension bis 6.— RM. FQhrer durch Badevei waltun«. Bad oppeisdorf b. Zittau I. Sa. bevortugt vorn Mittelstände, verbQrat, selbst in veralteten Fällen, bei Qlcht, Rheuma, Ischias, Nerven-u.Frauenkrank hellen usw. durch PnnnkimorlilBt»«UKrtMeeervaltaag uma, iscnia»,i\erven-u-rrauenKrBnK- r glänzende Heilerfolge Ch SchwefelelteB- und Moorbäder. Sommerfrisdie Neoensorg Im FrankenwaM Waldreiche Gegend, ruhige Lage auf dem Lande, schöne Zimmer, erste Federbetten. 600 m über dem Meere, bei«»Der Pension Mam 3.80. Eröffnet ab ij. April. Landbans Friedridi Wanner Nsamorg- Markilengast(Fnuikeiivald) ßahnsution(WUnchberg, Oberfranken Cuft fueoet liaftenbevg (Thüringen) Kreit Weimtr. Herrlich* weitgedehnte VTjldungen. Sins der schönsten Wild Schwimmbäder Mittel» deuttchltnds(5000 gm), Gate Unter» kunft preiswerte Verpflegung, Prospekt durch elf Städtische Kurverweltung. Serditesdaden- .««. 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Obwohl manche Bausparkassen ein« recht rege Propaganda und Reklame veranstalten, bestehen im allgemeinen noch ganz oer- schwömmen« Vorstellungen von dem, was eigentlich ein« Bauspar- lasse ist. Sogenannte„individuelle"' Bausparkassen gibt es nur wenige, z. B- die Bausparabteilung der Industriebeamtcn-Sparbank, die städtischen Sparkassen in Merseburg und Karlsruhe. Beim indi- viduellen Bausparen spart man auch für einen bestimmten Zweck, für das Bauen, aber so, daß man die erwünschte Kapitalsumm« erst voll einspart und sich vom Sparinstitut lediglich die restlichen chypo- theken beschossen läßt. Also für ein Haus mit 15 000 M. Baukosten muß man solange sparen, bis sich z. B. 4000 M. Eigenkapital an- gesammelt haben, so daß noch die Restsumme als erste Hypothek von 6000 M. und«in« Hauszinssteuerhypothek von 5000 M. zu be- schassen sind. Beim„kollektiven" Bausparen verpflichtet man sich, eine be- stimmte Summe—. etwa 4000 M.— in einer bestimmten Zeit (0. 12. 15 Jahre) in-- monatlichen oder vierteljährlichen Raten zu sparen(noch dem System die der Sparkasse in Stuttgart Monat- lich 17,80 M. 15 Jahre lang). Bei Berechnung von Zins und Zinses- zins ist es eben möglich, z. B. 3000 M. bei 5 Proz. in 15 Jahren durch jährliche Raten von 141 M. zu ersparen, was aber einem tatsächlich gezahlten Betrag« von nur 2115 M. gleichkommt. Das kollektive Sparen ist ein Sparen auf Gegenseitig- k e i t. Wenn beispielsweise 1000 Bausparcr gleichzeitig zusammen- treten und alljährlich auf Jahresschluß 7 Proz. einer bestimmten Bausumme sparen, so ist— wenn man von einer Zinsberechnung absieht— schon am Ende des ersten Jahres das Geld für 70 Bausummen vorhanden, nach zwei Jahren für 140 und nach drei Jahren für 210 Bausummen usw. Der Gedanke des kollektiven Systems ist also der, daß die eingehenden Gelder sofort für den bestimmten Zweck verwendet werden. Dadurch allein ist es möglich, daß jährlich soundsoviel Darlehen an Bausparer verteilt werden können— viel früher, als es beim Einzelsparcn möglich wäre. Welchem Sparer man von den vielen dieses oder das andere Jahr ein Darlehen zuteilt, nach dem Los oder nach sonst einer Bestimmung, das ist das Problem der Zuteilung, die bei den einzelnen Bausparkassen ganz verschieden geregelt ist. Gewähnlich muß ein Minde st betrag bereits eingespart sein, z. B. 10 Proz. der Bausumme. Hat man das Darlehen früh- zeitig erhalten, dann ist es zu verzinsen und zu tilgen bis zum Ablauf der vertragsmäßigen Sparzeit. Beim System der Stuttgarter Sparkasse beträgt für je 1000 M. Vertragssumme bei Tarif...... 6 9 12 15 Jahre die monatliche Einzahlung 13,10 8,30 5,90 4,45 M. nach Erhalt des Darlehens die Abzahlung... 16,40 11,60 9,20 7,75, Die kürzeste Wartezeit bis zur Zuteilung eines Dar- lehens beträgt 3 Monate für alle Tarife, die durchschnittliche beträgt bei den Tarifen 6, 9, 12, 15 Jahr«: 3 Jahre 6 Monate, 4 Jahre 11 Monate, 6 Jahre 7 Monate, 8 Jahre 4 Monate. Bei dieser Bau- jparkasse, deren System auch weitgehend als Grundlage für die neuen Richtlinien des Sparkassen- und Giroverbandes diente, ist alles mathematisch genau errechnet, was sür andere Bausparkassen nicht zutrifft. Das wichtigste am kollettweu Bausparen ist der besonders heute wesentliche Borteil, daß die meisten aller Bausparer sehr viel früher ein Darlehen bekommen und damit bauen können, als wenn sie einzeln sparen würden. Ein Nachteil träfe allerding» die.Letzten", auch im mathematisch genau errechneten System, weil diese, wenn sie einzeln gespart hätten, doch früher die erstrebte Summe zusammengesämmelt hätten, da nämlich die Verzinsung bei den Bausparkassen stets eine niedrigere ist als sonstwo. Aber auch diesem.Letzten" kann früher ein Darlehen zu- kommen, wenn es die Bausparkasse versteht, ohne die nötig« Vorsicht zu verlieren, Anleihen aufzunehmen und daraus diese.Letzten" zu befriedigen. Das kollektive Sparsystem Hot aber nicht nur den Vorzug, daß man rascher sein Ziel erreicht als beim Einzelsparen, sondern es ist auch sicherer, weil man zum Sporen angehalten und gezwungen ist durch die Verpflichtung, regelmäßig feste Zahlungen zu leisten, und es ist vorteilhafter, weil auf Grund der Gegen- seittgkeit die Bausparkasi« das zugeteilt« Geld zu viel günfti- geren Bedingungen geben kann als der allgemein« Kapital- markt. Der Gesetzentwurf trifft nun Bestimmungen, deren Durch- führung ein Mindestmaß an Sicherheil und Solidität der Bausparkassen verbürgen soll. Sie sollen einer Aussichtsbehörde unterstellt werden, die als besondere Abteilung dem Reichsaufsichts- amt für Prioatversicherung anzugliedern ist. Z 2 Satz 1:.Kollektive Bausparkasien bedürfen zum Geschäftsbetrieb der Erlaubnis der Aufsichtsbehörde." Bei ihr sind Gesellschoftsvertrag, die Spar, und Darlehnsbedingungen einzureichen. Es werden die Erfordernisse des Geschäjtsplanes und des Gesellschaftsvertrages bestimmt, vor allem, daß die Spargelder der Bausparer vom übrigen Gesellschaftsoer- mögen getrennt verwaltet werden müssen(Sparyruppcn- vennögen), daß die Verteilung der Baufpardarlehen genau geregelt sein muß, wie die Verwaltungskosten gedeckt werden, über die Auf- nähme von Anleihen usw. § 14. Die allgemeinen Spar- und Darlchnsbedingungen müssen Vorschrfften enthalten: 1. über die Höhe und Fälligkeit der den Bousparern ob- liegenden Leistungen, insbesondere die Entrichtung der Spar- betrüg«: 2. über die Rechtssolgen der Nichterfüllung der den Bausparern obliegenden Leistungen: 3. über die Kündigung der Sparverträge: 4. über die Grundsätze, nach denen die Gewährung der Baudarlehen vorgenommen werden soll: 5. über die längsten, kürzesten und die mittleren Warte- Zeiten bis zur Zuteilung eines Bauspardarlehens: 6. über die Voraussetzungen für die Auszahlung der zu- geteilten Bauspardorlehen: 7. über die Höhe der Rllckzahlungsraten. Dann folgen Vorschriften über die Geschäftsführung der kollek- tiven Bausparkassen, über Beaufsichtigung, über Verfassung und Ber- fahren der Auffichtsbehörde und besonders die Liquidation einer Bausparkasse. Ein Gesetz, das auf diesem Entwürfe fußt, dürft« ein guter Schuh für viele kleine Sparer sein, die den verlockenden Versprechungen fchwindelhafter Unternehmungen erliegen. Und hier kommen wir aus den Ken, der Frage. Die Bausparkassen sind«in werwolles Mittel für die Schichten der Bevölkerung, die über eine gewisse Spar- traft verfügen, sich ein Eigenheim überhaupt ersparen zu können! Den großen Massen des Volkes, dem Arbeiter, Angestellten und Beamten ist es unmöglich, einen noch so günstigen Bau spar- vertrag abzuschließen. Dies ist von einem der besten Sach- verständigen auf diesem Gebiete, Baurat Weiß in Stuttgart, in seinem letzten Gutachten ausdrücklich betont. Schließt der Arbeiter doch einen Vausparvertrag ab und kann er eines Tages uichl mehr zahlen, so bekommt er kaum mehr etwas zurück oder die Pflichtzahlung ist so gering, daß er unabsehbare Zeit warten muß, bis er zum Zuge kommt. Eine Summe von 5000 M. in 6 Jahren zu sparen erfordert monatlich 65,50 M.. mit 15 Jahren Sparzeit 22,25. M., oder 8000 M. in 6 Jahren— monatlich 104,80 M., in 15 Jahren 35,60 M. Der O-Jahres-Tarif ist zu hoch, der 15-Jahr«s-Tarif vielleicht tragbar, aber ohne«inen Anreiz zu bieten, da die Sparzeit zu lang ist. Die Praxis der kollektiven Bausparkassen wird nun zu beweisen haben, ob sie in der Lag« sind, auch dem Proletarier mit seiner geringen Kauf- und Sparkrost bald und billig ein Eigenheim zu finanzieren. Der Erfolg wird zeigen, ob durch diese Einrichtung die genossenschaftliche und gemeinwirtschastliche Wohn- und Bausorm ein« neue kräftige Anregung echalten hat. W. W. Glanzabschluß des Hutkonzerns. Berlin Gubener Huifabrik wieder 16 Prozent. Wie in den letzten Jahren kann der führende deutsche Hut- konzern, die Berlin-Gubener Hutfabrik A.-G., aus einem Reingewinn von 1,39 gegen 1,36 Millionen wieder 16 Proz. Dividende verteilen. Die Gesellschaft ist trotz dieser enonnen Gewinnausschüttungen wieder in der Lage, ihren Reserven und Sonderrücklagen mehr als 650 000 M. zuzuführen. Auch die Maschinenanschaffungen und Ersatzbauten im letzten Jahre konnten nach Mitteilung der Verwaltung aus lausenden Gewinnen bezahlt werden. Wenn die Direktion trotzdem gegen die„dauernd steigenden Lasten und Sozialabgaben" Front macht und darüber klagt, daß infolge dieser Belastungen der Export nur mit größten Opfern durchgeführt werden könne, so wird sie nicht erwarten, daß die Oesfentlichkeit dieses Gejammer ernst nimmt. Keine Entlastung der Reichsbank. Noch starte Golv- und Oevisenabflüsse in den ersten Maitagen Der Ausweis der deutschen Reichsbank vom 7. Mai bringt eine große Enttäuschung. Di« gesamte Kapitalsanlage der Bank gegen- über dem Ullimoausweis im April ist nicht nur nicht zurück- gegangen, sondern sogar noch um 5,5 auf 3287 Millionen ge- stiegen. Ist diese Tatsache auch in erster Linie auf die Zunahme der Reichsschatzwechselbestände zurückzuführen, so ist doch auch in dem Posten„sonstige Wechsel und Schecks"— also dem wichtigsten Posten für Wirffchastskredit«— mit einer Abnahme von 6,7 Mil- Konen so gut wie gar keine Entlastung gegenüber dem Ultimo April«ingetreten. Demgegenüber betrug die Enttastung der. Reichs- dank in der ersten Woche des Februar 66,8, in der ersten März- wache 127 und in der ersten Aprilwoch« 147,3 Millionen des Wechsel- bestandes. Diese Enttastung des Wechfelbestandes der Reichsbank muß in der ersten Woche eines jeden Monat» in einem mehr oder minder starken Umfang entsprechend der Zunahme der Ultimobelastung«in- setzen, weil die umfangreichsten Wechselziehungen stets zum Monatsende erfolgen. Da es sich hierbei in der Regel um kurzfristig« Wechsel handelt, erfolgt in den nächsten drei Wochen de» folgenden Monats«ine entsprechende Entlastung des Notenbankinstittits., Nachdem diese Entlastung in der Berichtswoche nicht ein- getreten ist, auf der anderen Seit« aber 171,1 Millionen Gold und Devisen von der Reichsbank abgezogen wurden, so bedeutet dies, daß die Flucht aus der Mark von gewissen Wirtfchaftskreisen auch im Lauf« dieser Woche weitergetrieben wurde. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich ins- gesamt um 171,7 Millionen, und zwar die G o l d b e st ö n d e allein um 126 auf 1765.6 Millionen und die an deckungsfähigen Devisen um 45,8 auf 53,6 Millionen verringert. Die Deckung der um- laufenden Noten durch Gold allein stellt« sich auf 39,7 gegen 40,8 Proz., diejenige durch Gold und deckungsfähig« Devisen auf 41 gegen 43 Proz. Am überraschendsten an dieser Entwicklung ist, daß trotz der Drosselungsmoßnahmen der Reichsbank so gut wie gar keine Entlastung der Kapilalsonlage«ingetreten ist. Es wäre aber verfehlt, hieraus übertriebene Folgerungen zu ziehen, da dieser Ausweis noch vier Tage enthält, an denen die Kreditdrosselungen sich noch nicht auswirken konnten. Das schärfere Anziehen der Kreditjchraube durch die Reichsixmkleitung seit dem Sonnabend voriger Woche hat, wie die Bankleitung ergänzend mitteilt, auch bereits einen gewissen Erfolg gezeitigt, indem kleinere Devisenrückflüss« eingetreten sind. Mit Hilse dieser Drosselungs- maßnahmen, die in einer scharfen Nachprüfung der ein- gereichten Wechsel auf ihre Verwendbarkeit hin bestehen und bereits zur Zurückweisung einer großen Anzahl von Kreditgesuchen geführt haben, will die Reichsbank die Devisenhamsterer zu Zwangsverkäufen zwingen. Die Möglichkeit einer nochmaligen Diskonter- höhung, auf die in der vorigen Woche schon hingewiesen wurde, besteht auch heute noch weiter. Jedoch scheint die Reichsbank erst noch die Entwicklung im Laufe dieser Woche zu beobachten, ehe sie in dieser Frage Entschlüsse faßt. Es ist in der Tat zu wünschen, daß die Reichsbankleitung an die Frag« einer nochmaligen Diskont- erhöhung mit der größten Vorsicht herangeht, da eine weitere Kreditverteuerung ffür die Wirtschaft zweifellos erlzebliche Konjunkturhemmungen auslösen würde. Wie steht die Konjunktur? Starker Güterverkehr der Reichsbahn.— Steigende Eisenproduktion. Wir haben uns bereits in den letzten Wochen mehrfach mtt der Entwicklung des Güterverkehrs auf der Reichsbahn beschäftigt, der seit Mitte März die Verkehrsstärke in der entsprechen- den Zeit des Vorjahres recht erheblich übertraf. Nach den schweren Einflüssen der Kältewelle im Januar und Februar lag es auf der Hand, daß ein großer Teil des vermehrten Güterverkehrs zunächst nur als Reaktion für die Drosselung in der Frostperiodc zu bewerten war. Diese günstige Entwicklung hat jedoch in den Aprilwochen an- gehalten, so daß die Entwicklung im letzten Monat schon nicht mehr allein als Rückwirkung auf den abnormen Winter, sondern als ein konjunkturpolitisches Moment angesehen werden muß. Nimmt man die Güterverkehrszifsern des letzten Vierteljahres, also vom 27..Januar bis zur letzten Bcrichtswoche zum 27. April, so wurden in diesen drei Monaten des laufenden Jahres insgesamt 10,93 Millionen Wagen gestellt gegenüber 1l,23 Millionen Wagen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Während Ende März noch eine Differenz von rund 600 000 Wagen gegenüber der Ver- gleichszeit 1928 bestand, eine Zahl, die etwa einer Wochen- leistung des Reichsbahngllterverkehrs entspricht, so ist die Differenz Ende April auf 295 400 Wagen zusammen- geschrumpft, die jetzt nur noch einer Verkehrsleistung der Reichsbahn von etwa eindreioiertcl Tagen gleichkommt. Der Rückschlag der Källeperiode konnte also im Lause von zwei Monaten fast gänz- lich aufgeholt werden, was immerhin günstige Schlüsse auf den gegenwärtigen Konjunkturstand ermöglicht. Auch die Eisenerzeugung wächst. Wie die Zeitschrift»Stahl und Eisen" mitteill, stieg die Roheisenerzeugung der deutschen Hochöfen im April auf 1,10 Millionen Tonnen gegenüber 1,06 Millionen Tonnen im März. Da jedoch der Berichtsmonat nur 30 Arbeitstage gegenüber 31 im März hatte, hat sich die arbeits tägliche Erzeugung von 34 235 auf 36 837 Tonnen ganz bedeutend erhöht. Diese Leistung im April 1929 liegt auch ganz bedeutend über den Ziffern des April 1928, in dem arbeitstäglich nur 34 918 Tonnen erzeugt wurden. Bei einem Vergleich mit den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres muß man berücksichtigen, daß zu dieser Zeit die Eisenkonjunktur in Deutschland noch sehr stark war. Wenn also die arbeitstägliche Erzeugung im Monatsdurchschnitt Januar— April 1929 mit 35 388 Tonnen nur5Proz. unter dem Monats- durchschnitt Januar— April 1928 liegt, so sind diese Ziffern ein Beweis dafür, daß wir gegenwärtig in Deutschland noch eine zu- mindest recht befriedigende Beschäftigung in der Schwerindustrie haben. Noch günstiger fällt der Vergleich für die ersten vier Monate des laufenden Jahres aus, wenn wir den arbeitstäglichen Produk- tionsdurchschnitt vom Januar bis Oktober 1928 gegenüberstellen. Dann liegt die arbeitstägliche Leistung der letzten vier Monate nur uin 517 Tonnen arbeitstäglich unter den entsprechenden Ziffern des Vorjahres, also um noch nicht 1,5 Proz. Günstiger Veiriebsstand bei Rheinmetall. Der Börsenprospekt, den die Rheinische Metallwaren- und Maschinen- f ab r i k A.- G. in Düsseldorf jetzt zur Wiedereinführung ihrer Aktien an der Berlin«? Börse veröffentlicht, bringt außer der letzten Bilanz vom Sommer vorigen Jahres auch einen Zwischenabschluß vom 31. Dezember 1928. Dieser Zwischenabschluß zeigt, daß die lang- f r i st i g e u Schulden mit Hilse der Kapitalcrhhhung von 12 auf 20 Millionen um mehr als 8 auf rund 5 Miviouen zurück- gezahlt werden konnten. Allerdings haben sich Vi« kurzfristigen sowie die Wechselschulden auf fast 13 MillionM. �gegenüber den 12,1 Millionen erhöht. Davon sind fast 4 Millionen Bankschulden. Da auf der anderen Seite nur etwa 6.1 Millionen Forderungen oorl)anden sind, erscheint die Bilanz noch reichlich angespannt. In dem Prospekt wird daraus hingewiesn, daß auch für das lausende Jahr voraussichtlich eine angemessene Dividende ausgezahlt werd«n kann. Wir hatten schon bei der Verteilung der Dividende von 6 Proz. im letzten Jahr bemerkt, daß die Verwaltung angesichts ihrer gespannten Finanzlage besser täte, ihre Gewinne zur Betriebsstärkung zu verwenden. Die Umsätze st i e g c u im letzten Betriebsjahr 1927/28 von 44 auf 50 Millionen, während sie in dem vorhergehenden Jahre sich auf 37 Millionen beliesen. Die Beleg- schaff besteht zurzeit aus 5660 Arbeitern und 1300 Angestellten. 10 Proz. Saroltl-Divldende. In der Aufsichtsratssitzung der S a r o t t i A.- G. wurde beschlossen, der Generaloersammlung eine Dividende von 10 gegen 12 Proz. im letzten Jahr vorzuschlagen. Die Dividendenennäßigung deutet aber nicht darauf hin, daß das letzte Betriebsjahr schlechter gewesen ist als das vorhergehende, denn Sarottt hat diesmal auch das im letzten Jahr erhöhte Aktien- kapital mitzuverzinsen. Deutschland Im russischen Außenhandel. In den«rsten fünf Monaten des laufenden Wirtschaftsjahres 1928/29, von Oktober bis Februar, stellte sich der Gesamtumsang des sowfetrufsischen Außenhandels über die europäischen Grenzen aus 536,9 gegen 532,1 Millionen Rubel in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Ausfuhr steigerte sich in dieser Zeit von 250,4 auf 280,2 Millionen Rubel, während die Einfuhr um etwa 25 aus 256,7 Rubel zurückging. Deutschland steht in der Ausfuhr wie in der Einfuhr nach Rußland zwar wieder an er st er Stelle, doch ist seine Wareneinfuhr ganz erheblich von 100,3 auf 71,4 Millionen zurückgegangen. Die Ausfuhr Rußlands nach Deutschland stieg dagegen von rund 72 auf 77 Millionen Rubel. Don dem Einfuhrrückgong nach Rußland sind auch die beiden anderen Haupt- lieferanten der Sowjetunion, Amerika und England, betroffen worden, während Rußlands Einfuhr nach diesen Ländern gleich- falls gesteigert werden konnte. Wir haben es also hier offenbar mit russischen Zwangsexporten zu tun, die infolge der wirt- jchaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion notwendig wurden. Parteinachnchien fürGroß-Vertin f lntfnbnngen fBr diese StntrU stad t) c t U B SB 68, Elnbcnftrajje 3, i. Sitfi» Prenzlauer Berg. Die Äbteilungekass bie Vorstellung.Die Nacht vor dem stet,«s da» Vetiriesrkretariat -.Hos/! Treppe» recht»/ zu richten. du Vorstellung.Die Nacht vor dem Vetl' sofort de IM«euosse» Krüger. Prenzlauer Allee 114, abrechnen. 7. Krei» üharlottenburg und Spaudau. Juristische Sprechstunde heut», S abend, II. Mai. von 17—18«Ihr, im Jugendheim Ztoftnen�r. 4.— rer müssen alle«arte» für sofort beim Senosse» Fritz Sonn. leoevheit zu» Sirchcno»tritt!— abend, 18. Mai sPfingstsonnabend). >8.«rrt» Beiszensee. Sonniag. 10 Uhr, Sprechstunde am Sonn. tionositzung. Rathau», Zw»»« 21. Heute, Sonnabend. 11. Mai. Genossen, die zur ErSsfnung de« Magdeburger Parteitag«« fahre» n. mogeu ihre Adressen di» Sonntag. 12. Mai, bei» Abteilung». g findet am Sonnabend oilsnacker Str. 84, statt. 17 Uhr und k» Genossen 6. Abt. wollen, leiter abgeben. 9. Abt. Dl« Flugblattverbreitul Sonntag 9 Uhr bei Hübner,! 84. Abt. Di« Denosse» werben ersucht, di« Flugblätter Lirrsch, tiantstr. 82, zur Verteilung abzuholen. 88. Abt. gharlottendurg. Genossen, die gewillt sind, sich«» et»« Partei» arbeit zu beteiligen, treffen fich um 17 Uhr bei Hinwchsen. 78. Abt. va»»Iee.»ih Uhr Mitglied« roersamwlung i» LolaI tzleichaadl«, «önigstrahe. Vortrag:»Di« Arbeiterwohlsahrt.' Referenti» Dr. Tiara Henri«nie». 718. Abt. Schmlckwitz.«ar»N»rnh,f und Ranchfang Werder. 28 Uhr i» Tai« Landhau,. Schmöckwitz, an der Brück«. Z-dl-bend. 781. Abt. Bezirk Alringärtver i» Blaokeafeld«. 1»>4 Uhr i» Lokal Bratveael. Nordend, Zahlabeäd. Bortrag: �tulturpolMsch« Frag«».' Nrfereat Willi W-lss. 74«. Abt. Borsigwalde. 18 Uhr Besichtigung de» VorwSrtshause«. Abfahrt von Borsigwalde pünktlich 17 Uhr. Morgen, Sonntag. 12. Mai. 88. Abt. Tempelhof. Gemeinsam« Spaziergang zur Baumblüte»ach Lichten. rabe. Treffpunkt IS Uhr in Lichtenrade, Strastenbahnhaltestell» Rabe- straiie. Um 18 Uhr im Lokal Rohrmann in Lichtenrade, Hilbertstrahe. Lichtenrade. Spaziergavg durch Lichtenrade mit der 88.»nd 8». Ab- Treffpunkt 18 Uhr a» der Haltestelle Rabestuoße i» Lichtenrade. ler im Lokal Rohrnm»» i» Lichtenrade. Abt. Pritz. Buckow,»esichtigung de« Srohkraftwerke» TUiugeuderg. Treff- Punkt pünktlich 9% Uhr am Riagbahnhof Reukiilln. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr treffen stch di« G« nasse» tat Parteiarbeit bei Echillerstr. 15. teil 777. . teeffe». � Klose. Rupprechtstr. 37, und Eiever», Jungsozialisten. Gruppe Reulbllu: Morgen, Sonntag, Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Ringbahn. Hof N-ukblln. Gruppe Tharlotienburg: Sonntag. 12. Mai, 814 Uhr,«ortrag:.Die Folge» de» Friedensvertrag«».'' Refereut Han» Baldmanu. Anschließend gemein. sameo Mittagessen und Autflug nach Potsdam. Montag, 18. Mai. beteilige» wir uns geschlossen an der Gesamtveranstaltuna. Anzeig« beachtrnl Berbebezirk Westen: Wir beteiligen un» alle an der Gesamtveranstaltung Montag 20 Uhr. Thema:.Rußland» Lage." Referent Dan. Arbeilsgemeiaschaft der Sinderfreunde. Zkrei, Kreuzberg: Eonnabend. IT. Mai, 19 Uhr, Kreishelfersttznng Im Jugendheim Wassertorstr. 9. Wichtige Besprechung unserer Eomnierplilli. Basteln auf geriensahrten. IungsozlaNsteu. Geuofle»«Ilhel» » ch blickte» auf ein« Sji J»". p«, Pills»« Str. LwU lauge als Ehefrau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Weißens«. Unserem altbewährte» Genosse! 128. Abt. ler zu seinem 79. Geburtstage die herzlichste»(81 G 24.«OL Uuse» S«», Reicheubach.... Sir gratulier«» ihnen herzlichst und Holsen, daß sie UNS Mittömuler erhalte» bleibe». 74. Abt. gehleudors. Unserem Funktionär v a l o r Herkuer»üb seiner Ehefrau dir herzlichsten SwckwLnsch« zur Silberhochzeit. 117. Abt. Lichteuberg. llnsereui Seuojse» Hugo Kielga»»üb sei»« e r» a»» Kitt- j Sterbetafel der Groß> Berliner Partei« Organisation\ 8. Abt. Unser Senassc Max Niebusch, Beteranenstr. 8, Ist verstorben. Ehr« seine» Andenken! Beerdigung am Sonnabend. 11. Mai, 13% Uhr, in Nordend, Zionskirchhos._ Vorkrage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". »eschiftastelle,»erlin S. 14. Eebastianstr. 37/38. Hos 2 Tr. Wedding: Sonnabend, 17. Mai. 4. Gründungsfest de» Tambouv- korp» i» den Räumen der Hochlchulbrauerei, Amrumer Straße. Ab 8 Uhr Gartenkonzert, ausgeführt von der neuen Kapelle de» Ortsvereins Wedding. Karten an der Kasse.— Blauleuseld«, Krei, Teltow. Sonntag, 12. Mai, Antreten zur Werbekundqedung 12'4 Uhr vor dem Lokal Schröder.— WiutersportabteUuug: Sanntag. 12. Mai, Wanderun« nach der Löckniß. Treff- §unkt Bahnsteig Warschauer Brücke 9 Uhr mit Fahrkarte nach Wilhelmshagen. gchzllgler 1Z Uhr Grünheite. bei Vater Fieliß.— Friebrichshain: Iungbanner- Versammlung Montag. 13. Mai, 19>4 Uhr, Comenius-SSl», Memeler Straße. — Reulöllu-Britz: Sonntag, 12. Mai, Landagitation. Treffpunkt 714 Uhr fi:r 1. Kam. und Musik Fuglokal Reuterstr. 47: für 2. Kam. Fuglokal Böbinifche Straße 43; für 3. Kam. und Tombourkorps Fuglokal Steinmeßstr. 82; für Iungbanner Fuglokal Boddinstr. 8? und für 4. Kam. 8 Uhr Buschkruz.— Köpenick: Unser Kamerad Friß Gündel ist am 9. Mai tödlich verunglückt. Die Beerdigung findet am Montag. 13. Mai, auf dem Friedhof in der Rudower Straße statt. Die Kanicraden treffen sich um 15% Uhr auf dem Friedhof. Di« Freund« der Internationalen Kleinarbeit. Mittwoch, 18. Mai, um 29 Uhr, in der Aula des Köllnischen Gvmnasium», Insel- Ecke Wallstraße, Bor- traasabend. Thema:.Di« politisch« Lage vor den«»glische» Parlament»- wählen." Vortragender Genosse E. S. Elston, M. A.-London. Bereinigung der Freunde»on Religion und Vilkersrieden. Genosse Pfarrer Vl-i-r spricht Montag, 13. Mai, 29 Uhr. in der Anla der 18. GemeiTcbefchoU, Charlottcnburg, Pestalozzistr. 40, anläßlich einer Gustav-Landauer-Feier.— Genosse Pfarrer Bleier spricht Sonntag, 12. Mai, 18 Uhr, in der Trinitatis- kirchc, Eharlottcnbura, Karl-Auguft-PIaß. Tiperanto-Gesellschaft Charlottcnburg. Montag. 18. Mai, 29 Uhr, Kondi- torei Wolter. Charlottenburg, Bismarckstr. 174, Uhr Die Flelmiis 5onn3b.,d. 11.8. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus I I»>a Uhr Sly Staatl. Sdiaospti. am Geodarmenmarkt A.-V. III 20 Uhr König Johann Staat). Sehiller-Tbeater.Ctiarltb. 20 Uhr Zaungäste r* Zentr. 2819» Baadun erlaibi I ein lustiges Programm mit |•usarwehlteia Kunstkrtzftan. Sonnabend und Senntag Ja a Vorstellungen 3» und 8 Uhr. 3»° kleine Preise. Rose-Her, OtoBe FraDkinntr SiraS# 132 Tel.: Alexander 3472. Täglich 8Vr Uhr (SuDiUias 2 Vorsieilnnpen sv<«. 9 Dir) Snnnnband, dan 11. Mal, 11V« Uhr Einmalige Nachtvorstellung Derine und der Zufall! föilÄ Ein Walzertraum! auf der Gartenbühne- Im Ixkncaiheaier ab 18. Mal täglich SV« Uhr: Spiel Im Sfhlofi. 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Steckei Laslspleibans 8V« Uhr Guido Tbielseher Weekend Im Paradies TheaL d. Westens 8-/4 Uhr KSte Dorsch. Joergen Senfibi in Friederike Musik von Lahor Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73. t�h Uhr Deattdin Theater 0.1. Norden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramjt Legende von Franiwerlel Regie: Kin-Beliu Marlin. Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7816 8'/» U.. Ende geg. 10 Oer Mann, der seinen Kamen änderte 3 Akte von Edgar Wallar.e Dusch. v.Hans Rothe Regie: Hein« Hilpert Bühnenbilder: Eriib E.sitrn. Hammerspiele 0.]. Norden 12310 ä''»U� Ende geg. 10 Autgang nur für Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Barnnvsky- Bohnen IhHter in dar KSnlggrätzer Straß« Täglich 81/< Uhr Riva 9 en Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Charieys Taste mit Curt Bot s. Reichshallen.Theater Abt. QO ffbr. sonniao Nadun.[Tj Ub; Sdefliner SänDer llen!„Eine Hariii Im Staümelnkeller" Nachm. halbe Preise. IMETROPOI-THEATEB|T|| GR. SCHAUiPIELHAU j Künstlerische Leitung: Erik Charell Nur aoeh Monat Mal Der groBe Erfolg! Lustige Witwe 9er liebe jlugustin Trude Hesterberg Paul Heidemann, Jankuhn, Elleot Junkermann, Med! Christians. Oskar Karlweif, Lieske, Arno, Morgan. Wes;erm«ier, Matzner 9««» exuS EBecdrolo. tfleiDes Theater Täglich r/» Uhr NaB«)ortrodtsB? nick In Inerikigiidui von Frank Green. Musikalische Hiust Fr. Holländer. Pegie: Pr.FrlcßmrjiE Fred«rl m. Lessing-Theater Täglich SV. Uhr „Die Frau des Andern" Theiter am Hollendorrplatz Täglich 8V« Uhr Die manner der Manen Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze 91,-6. Künstlar-Th. 8»/, Uhr Prosit Qlpsy Operette v.QUbcrt Emmy Sturm Frilz Schulz Berliner Theater DirektHeinzHerald Charlotrenstraöe<6/ A. 7.. Dönhoff 170 8 Vi, Ende 10V« Uhr Täglich Dit fanf Frackfurter von Carl Rössler Regie: EogeaBobsn.! mal. am Kot m. ror Kottb Str.6 TäPl.SUhr Eine- Sanger Das diu« Uni- Progr. sinetiWh. Hidwilritima 1 Planelarinm — am Zoo Vtrlli] Joadiimiinaler Strab Noll. 1578 16V« Uhr Starnblltfer des FrOHJahrs 18b« Uhr Wunder de, tödlichen Himmelt 20V< Uhr Sternhimmel und Weltbau Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs I Mk., Kinder 50 Pt. Mittw.: Erwachsene 50 Pf.. Kinder 23 Pf. Deutscher meteiiarbelter-verband Am T.Mai 1929 verstarb nach langdin I-dichsn nnoer- Mitarbeiter, Kollege Paul Schulize In den langen Jahren seiner Mitgliedschaft und in seiner Tätigkeit als Angestellter des Verbände« hat er das Beste für die Organisation hergegeben, so daß wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Die Einäschernng findet am Montag, dem 18. Mai, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37 statt. Kege Beteiligung erwartet Die OrtsverwalhmR. 200 qm Räume im Parterre od. I. S'ock gelegen, für neu- einzurichiendc Krüppel- und Alkohol- kranken-Fflrsorgestelle im Verwaltungsbezirk wedding sucht Bcziiksamt Wedding Haiuverwalinng, Schönslcdtstra�e 1. Inlerieren bringt ERPOLG! 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Ehr« seine« Andenke»! Die Einäscherung findet am Dienstag, dem itz Mai, nachm. 8V, Uhr, im Krematorium Baumlchulenipeg statt Rege Beteiligung»rwariet Di« vrtsoerwaltung. HlSSEiEistiSEe» K Unserem bewährten Genossen>jl Paul Handelmann«, | und Frau � 1 tunlidie ßllltilliiuti« icn Bodntitslige. v Die Genossinnen u. Genossen fr. ) der IL Gnappe 115. Abiig. ,�5 istdüch sIBein. „Nun bin ich Dein, wo Du hingehst, da will mch Ich hingehn und sei es bis ans Ende der Welt." „Na Schatze], tür solch' einen weiten Weg vergiS aber nicht„Lebewosr'* für Deine Hübneraugen." *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vie en Aerrten empfohlene Hjnneraujea• Lebewohl und Lebewohl. Ballenschelben. Blechdose(8 Pflasten 75 P:g., Lebewohl- Fulibad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß. Schachtel(2 Bäder) SO Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das eebte Lebewohl In Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute" Mittel zurück. Sonnabend 4�. Mai 1929 Unterhaltung unö ÄIissen Beilage des Vorwörls Mane SEeUerHröm: SchSUfpieletT ..Ich Hab« Schauspieler nicht gern.' sagt« Theodor...sie sind so tinjUDcrlasfig. Ich mar mal mit einem Elmmt vom Airkn» Sa» lamonski bekannt, der hat sich 20 Zdronen von mir geborgt, nnd die habe ich nie wiedergekriegt.' „Na ja.— ein Clown.. „Das ist egal. Schauspieler und Clowns sind gleich. Beide spielen sürs Publikum. Im übrigen habe ich Clowns gesehen, die echter« Schauspieler waren als die richtigen. Nur die Form der Arena ist verschieden. Uebrigens war der Clown damals ein schlechter Mensch. Er hott« einen Rivalen im Zirkus, einen Aujust, der ein seiner Mensch war,— er sammelt« sogar Briefmarken,— und dieser Aujust hatte schließlich ein Bcnesiz, das er ehrlich verdient hatte. B«i dieser Benesizoorstellung trat er mit einem dressierten Hahn auf, der auf Kommando krähte. Es war ein« amüsante Nununer, und die hatte gewöhnlich Erfolg. Aber an diesem Abend kräht« der Hohn nicht. Er reckte den Schnabel mehreremal in die Höh« und versuchte sein Bestes. Er schien zu ahnen, daß es eine Benefiz- Vorstellung war. Aber es wollte nicht gehen. Der Aujust rast« und weirue, und die Zuschauer brüllten vor Entzücken, so sind ja die Menschen, und schließlich wurde der Hahn hinausgetragen. Weißt du, worum er nicht gekräht hott«? Ein Gummiband war ihm straff um den Hol» gewickelt. Er hatte nur eine so groß« Oeffnung in der Kehle, daß«r gerade zum Hausbedarf atmen konnte, aber zum Gesang war«r an diesem Abend nicht geeignet. Ich bin fest üb«r> zeugt, daß ihm der Clown, der Nebenbuhler, da» Gummiband um« gebunden hott«. Er konnte nicht vertragen, daß sein Kollege Erfolg hatte. So sind die Schauspieler. Und empfindlich, wenn es sie selber betrifft, und wichtig. Ich werde dir«ine kleine Geschichte er- zählen, die vor mehreren Iahren passiert ist, und die Veranlassung gegeben hat. daß ich stets vorsichtig mit Schauspielern bin. Ich war aus der Reise nach Paris, war noch nie dort gewesen und hatte Gesellschaft von zwei Schauspielern, Londsleuten, die in Köln«in- gestiegen waren. Es waren nette und gemütlich« Leute, alle beide. Der eine war Komiker und der andere erster Liebhaber. Damals. Später wurde er zu alt. Französisch konnte er auch nicht, und so sah er meist da und verschlang ein französisches Wörterbuch, das er angefangen hatte, als er von zu Haus« fortfuhr. Er startete mit A, und als wir uns kennen lernten, war er bei P. angelangt. Er nahm es sehr genau, ober ich habe nie gemerkt, daß er irgendeinen Nutzen von dem Gelesenen hatte. Kein Mensch verstand, was er sagte. Der Komiker b«hauptet«, es ständen nur Hauptwörter in dem Buch. so daß«r nie Eigenschaitswörter und Fürwörter auftreiben könnte: und sich durch lauter Hauptwörter zu verständigen, da» g«ht auf dt« Dauer nicht, wenigstens nicht Leuten gegenüber, die Anspruch auf Unterhalwng machen. Also, da saß er und büffelt«, und oll- mählich näherten wir uns Paris. Morgens hielten wir an einein kleinen Bahnhof, um zu frühstücken. Wir hatten nur ein paar Minuten Zeit, und ich und de? Komiker aßen ei» paar Butterbrote. Ader der erst« Liebhaber nmßta natürlich Tier haben. Er steckt« sie in die Tasche und sprang in den Zug und legt« fi« auf» Polster im Kupee,— wahrscheinlich. um auf gelstreich« Art seinen Platz zu belegen. Gleich darauf kam ich und setzte mich natürlich gerade auf die Eier, die weich gekocht waren, Minute. Es entstand eine wüst« Aufregung. Der Mann, dem die Eier gehörten, fluchte und schrie und spielt« Theater für den ganzen Wagen und sprach in vollem Ernst die Ansicht aus, ich hätte mich absichtlich auf die Eier gesetzt, um ihm sein Früh- stück zu ruinieren. Schauspieler sind eben so. Er ganz besonders! Sein« Eier und sein Frichstück! Und kein Wort von meinen Hosenl Na. allmählich beruhigte er sich und bekam ein halbes Butterbrot von mir und«in ganzes von dem Komiker und vertieft« sich wieder in das Wörterbuch, um bis zu dem Buchstaben 1. zu kommen, ehe wir nach Paris kämen. Das gelang ihm auch. In Paris wohnten wir in demselben Hotel, und es war wirNich gemütlich, man war damals jung. Eines Tages, als wir Mittag gegesien hatten, sagte d«r Komiker: .Fleute Abend, denk« ich, gehen wir Ins Theater. Siehst du,' sagte er zu mir,„wenn wir Schauspieler auf Reisen sind, nehmen wir die Gelegenheit wahr und studieren, aber so macht ihr Geschäfts- leitt« es wohl auch?' „Selbstverständlich.' sagte ich,„ich kann ja mit ins Theater gehen, obgleich ich kein Wort verstehe. Vielleicht gibt es ein Ballett.' Also wir gingen in» Theater und bekamen ein paar Parkett- platze. Ein Ballett war«s allerdings nicht, aber in Irgendeiner Tracht waren die Spielenden doch. Ich verstand kein Wort von dem, was sie auf der Bühne sprachen. Mir ging es genau wie jenem Schweden, der mal«in« ausländische Schauspielergesellschaft sah. Er blieb drei Akte ruhig sitzen, mitten im vierten aber sprang er aus, schlug mit der Faust auf die Parkettsitzlehne und rief: „Nu habt ihr aber g«nug geschwefelt, ihr Schlemihle!" Und dann ging«r. Aber ich sah, daß mein« Begleiter viel Vergnügen am Spiel hatten. Sie lachten an denselben Stellen wie die übrigen Zuschauer. Der Komiker versuchte es sogar mit«inigen Privatlachsalven, sie klangen aber«twas ängstlich. In der Paus« sagten sie mir, daß die Schauspieler nichts Besonderes seien, sie hätten schon besser« ge- sehen, das Stück sei aber nicht so übel. Dann stieg der zweite Akt und«in Stück vom dritten: da ging mir plötzlich ein Licht auf: das Stück hatte Ich ja zu Hause gesehen! Ich stieß den Komiker in di« Seit« und sagte: „Hör mal. das ist ja„Die West, in der man sich langweilt', in der du mindestens fünfzigmal im Schwedischen Theater in Stock« Holm mitgemimt hast." Da sah er mick) groß an. und dann sagte er: „Weiß der Teufel, mir war doch gleich so, als ob ich es auch kenne!'. Do stand ich auf und ging nach Haus« und zog in«in anderes Hotel. Ein Stück, in dem man mehr als fünfzigmal mitgespiett hat, nicht wiederzuerkennen, da» ist, als wenn ich jahrein, jahraus in einem Kaufmonnslaben Kaffee verkau>s« und dann pst�lich eines Tages hineinkomme und frage, wie die Firma heißt. Und sich auch noch einzureden, daß man sich absichtlich auf fremder Leute Eier setzt! Nein. Schauspieler haben kein« Intelligenz,— die können bloß Komödie spielen!' i tVeutstb von Vtft Avenflruv urtfc fflifflbeff) Stemhard dirüger: 3)CV QTMIC SldChlß Ich bin sicher, Typen dieser Art gibt es in allen Ländern. Man denke nur an den Stummelsammler von Mailand, der gleich- zeitig Besitzer einer Taboksabrik war, und viele andere. Aber Boter Braut, von dem ich hier erzählen will, ist ein„armer Reicher' be- sonderer Art. Er ist einer der letzten Vertreter der aussterbenden Zunst der Straßensänger, wie man sie in Paris noch antrifft. Sie sind in der ganzen Stadt vertreten, ziehen zu jeder Tageszeit durch die Straßen, singend und deklamierend. Mittags und abends, wäh- rend der Mahlzeiten, ist die Hauptgeschäftszeit dieser Troubadours des zwanzigsten Jahrhunderts. Vater B r o u t ist allen Parisern wohlbekannt. Sein und«. striitenes Reich ist das Viertel Montmartre. Nicht unten am Berg die hellen geräuschvollen Boulevards, sondern oben„die freie Kam- mune de» Montmartre'. Dort oben wohnen neben kleinen Bürgers- lsuten, Kunsthändlern, geschäftstüchtigen Restaurantiers noch einige Künstler, die letzten Reste der einstmals so großen Künstlerkoloni«. Sie tragen ojt noch den fliegenden Radmantel/ die wehend« Kra- vatt« und— je nach Beranlogung— den melancholischen Spitzbart oder den wilden Bollbart. Kümmerlich hauen sie sich meist alle durchs Leben, und oft spüren sie den Biß des Hungers, den sie durch Alkohol oder schwarzen Kasse«(auf Pump natürlich!) zu bekämpfen versuchen. Zwischen diesen Menschen also haust Bater Brout. Wie alt er ist, wer mag es wissen? So zwischen sechzig und achtzig. Seine Wohnung ist eine kleine elende Kammer in einem altersschwachen Haus, wie es deren so viele im Quartier gibt. Bater Broitts Mantel ist schäbig und löcherig, die Schuhe chaplinös. Ein« zahnlose Mundhöhle gähnt tief im verstruppten Bart. Wenn Doter Brout singt, sabbert ibm ber Speichel über die Lippen und er verdirtzt den Leu- ten dos Essen.(Dos ist zugleich sein bestes Zugmittel!) Denn wer jagt v>obl einen weißhaarigen Mann fort? Meist drückt man ihm einiges Geld in di« Hand, um ihn schnell loszuwerden. Vater Brout schlürft zum nächsten Tisch. Und so geht die Rund« durch allaRestau- rants des Bezirks.(Wie schrecklich, denkt der Leser!) Denken Sie. bitte, anders herum! Vater Brout hat nämlich noch einen anderen Beruf. Einen, der ihm mehr einbringt als dos Singen. Der alte Brout verleiht Geld zu horrend hohen Zinsen. Ist ein Winkelbankier. Ein Wucherer schlimmster Sorte, ein Hals- obschneid«, ein Vsmpir! Durch die Sabbersingerei und sein«rbarmenswürdiges Aussehen verdient Brout«in« Menge Geld. Cr hat ein niedliches Ber- mögen erspart: das ist das Kapital, mit dem er arbeitet. Sein Kontokorrent ist«in speckiges Notizbuch, fein Safe«ine dito Brief- tosch«, sein Bureau ein Winkel im Cofä. Gcschösteftunben von Mitrernockt bis zum Schlafengehen. Vater Brout kommt, wenn er am Abend seine Rund« abgesungen hat. in fein gewohntes Cafe, setzt sich in die üblich« Ecke und sortiert Zigarettenstummel.(Das ist auch ein« Leidenschaft von ihm!) Damit füllt er sich die Pfeife und beginnt zu rauchen. Da kommt schon der erste Kund«, Ein junger Malersmann ist eingetreten und steuert gleich aus den Alten zu. „Ich möchte gern mit Ihnen etwas Unangenehme» besprechen, Dater Brout. Sie wissen doch, daß meine Großmutter.. „Wieviel?" fällt ihm der Alte ins Wort. Der Junge seufzt erleichtert aus,.spart sich die ganze lange Einleitung zu seinem Pumpanliegen und spricht das bedeutsame Wort: Hundert! Woraus ihm Vater Brout das speckig« Notizbuch überreicht und nach Diktat muß der Junge nun schreiben: Don Monsieur Brout die Summe von zweihundert Franken erhalten. Rück- Zahlung erfolgt dann und dann. Name, Adresse und Datum. Der Junge bekommt di« hundert Franken. Mit dem frischge- pumpten Geld bezahlt er den Wein, sagt»och„merci' zu dem Alten und oerschwindet, während Vater Braut weiter seine Pfeif« raucht, Stummel sortiert und auf Kundschaft wartet. Die Kunden kommen und gehen: das Geschäft blüht. Ja, aber das ist ja Wucher, richtiggehender Wucher! Natürlich ist es das, aber wer kann es ändern? Dom alten Brout geht kein Schuldner durch die Lappen. Ist der Zahltag gekommen, macht sich der Alte auf den Weg. um die Außenstände einzukassieren. Sie schimpfen und fluchen oll«, die jungen Pumpgenie». Aber was ge- schrieben ist, das ist geschrieben: sie müssen blechen. Wer nicht be- zahlt, den belagert Brout in seiner Wohnung. Er macht den Schuld- ner im ganzen Bezirk schlecht, verdirbt feinen Kredit, macht den Hauswirt scharf. Und olle zahlen. Nur einer hat dem Alten einmal die Zähne gezeigt und ihm sogar das Geschäft empfindlich gestört. Das war ein Maler, der auf«inen Hieb fünf Bilder verkauft« und so eine Menge Geld in die Hand bekam. Um dem alten Wucherer sein Geschäft zu ver- derben, fing der Maler an. selbst Geld auszuleihen, u,ck> zwar ohne Zinsen. Er hatte viel Zulauf, das läßt sich denken: und Bront saß geknickt hinter seinen Stummeln. Alles lief zur Konkurrenz. Aber alles geht einmal zu Ende und auch der Erlös für Bilder. Di« konkurrierende Molergeldoerleihfirma ging pleite. Dater Brout bekam wieder Oberwosier. Er sabbert und singt, verleiht Gekd und soinmeU Stummel wie zuvor. llö Millionen Fahre alte Pflanzen gesunden. Fossil« Pflanzen, di« auf das ehrwürdige Alter von lös Millionen Iahren zurück- blicken und die auf der Erde wuchsen, als diese noch von Dinosauriern bevölkert war, wurden kürzlich im Bergwerksöezirk von Sutschanst bei Wladiwostok von dem russischen Paläontologen Prof. Kristo- witsch gefunden. Sie gehören zu den ältesten oller uns bekannten aus Samen gezogenen Pflanzen, von denen bisher nur drei Fund- plötz« bekannt geworden sind: Grönland, die Schiefertette von Potomoc in den Vereinigten Staaten und Portugal. Die jetzt im sibirischen Felsgebiet entdeckten Pflanzen sind freilich nur in Blätter- abdrücken erhalten, doch genügen diese, um die Pflanzen zu be- stimmen. Sie gchören der Galtung Aralia an, die den wiffenschast- lichen Neunen„Ar»Ii» ludfera* tragt. Waller Jnrobi:£f|H kPui&fälOii Sommorhüte sind jetzt die begehrtesten Arükel. Ihre Verkäufe- rinnen die geplagtesten Geschöpfe. Neulich hielt ich mich zehn Minuten in einem Modesalon auf. Allerdings nur gezwungener. weise: denn ich habe eine heilige Scheu vor diesen Orten, wo sich d:« Frauen so merkwürdig verändern Selbst die besten und sanftesten. Es war in einem Geschäft im Zentrum der Stadt, am Sonnabend- nachmittag, wenn Hochbetrieb herrscht. Der Laden gedrängt voll. die Hüte türmen sich zu wahren Bergen. Und je mehr Modelle sich vor der Kundin aufschichten, desto hastiger und nervöser wird diese. Neben mir«ine Ueberschlanke in reiferen Semestern. Der Rock ist zur Schärve zusammengeschrumpst. „Fräulein/ flötet sie,„zeigen Sie mir die ollerletzten, ober wirklich allerletzten Modelle.' Das Fräulein schleppt herbei: letzten Pariser Chic. Wird mit höchster Ungnade empfangen: in den Mienen der Ueberschlanken spiegelt sich Verachtung. „Das ist das iieueste, was Sie haben? Lächerlich!' Sie wendet sich ab. Das Fräulein wagt einen Einwand: „Aber, gnädige Frau, das ist wirklich das letzte, was wir von Pari» hereinbekommen...' „Seien Sie still," wird ihr das Wort abgeschnitten,„Sie können mich doch nicht lehren, was modern ist' Da» Fräulein zuckt resigniert die Achseln, schleppt ab. Einig« Sekunden steht sie völlig ratlos, dann faßt sie einen wirklich heldenhaften Entschluß: sie kehrt zurück mit Hüten von der vorigen Saison. Und sieh«, es geschieht ein Wunder: Die Mienen der Hypermodernen klären sich auf. Sie probiert ein Exemplar und ihrem lackierten Mund entfließen die Worte: „Sehen Sie. Fräulein, das ist ein Hut, der mir gefällt und wirklich modern ist.' Wunderglaube macht selig. Einige Schritte weiter«ine Dame von zwei Zentnern. Mit aufgeblasenem Wasserkopf, der durch einen falschen Dutt riesige Dimensionen erhält. Kein Hut patzt. Ein Dutzend ist schon probiert. Zwei davon eingerisien. Die Dicke ist hochrot, der Dutt droht jede Sekunde abzustürzen. „Da» sind ja fürchterliche Modelle, die Sie da haben," zetert sie, „die passen für Säuglinge, aber nicht für«inen ausgewachsenen Frouenkops." „Gnädige Frau haben auch einen zu starken Haarwuchs." „Na denken Sie etwa, ich lasse mir ihrer verpaßten Hüte wegen meinen prachtvollen Zops abschneiden?!" Di« Verkäuferin schweigt. Aber in ihren Augen sieht man die ?lntwori: „Du brauchst nur«ine Nadel zu lösen, der Dutt fiele herab, und alle» wäre gut." Am nächsten Tisch eine Siebzigjährige. Angestrichen wie eine neu« Fasiad«. Ich schätze Kokott« a. D. „Fräulein," wispert die dünne, abgeleierte Stimm«,„ich wünsche ein ganz jugendliches Modell." Da» Fräulein macht es besonder» gut. bringt Bocksischhüt«. Aber da kommt sie schön an. „Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich was ganz Jugendliches will. Greifenhüte brauche ich Gott fei dank nach nicht zu trogen." Das Fräulein macht den Versuch, Ihre Hüte zu verteidigen, wogt einen ganz schüchternen Hinweis auf jene» Alter, in dem man Kindsrhüte nicht mehr trägt. Dos schlägt dem Faß den Boden au». „Für mich ist nicht» zu jugendlich!" wird kothegorisch erklärt. Gegen Ueberzeugungen soll man nicht ankämpfen. Dar einem Spiegel eine ungefähr Fünfzehnjährige, llneni- schlössen steht sie herum. Die Mutter redet ihr zu, aber es scheint ihr nichts zu gefallen. In einem unbewachten Augenblick schleicht sie zur Verkäuferin. „Fräulein," flüstert sie verlegen,.lzeigen Sie mir doch mal ma» Mondänes, etwa» was mich reifer macht." Di«"Angesprochene lächelt verständnisinnig, bringt das Ge- wünschte. Die Sensation de» Nachmittag» aber war die Dam«, die ürit entschiedener Stimme einen Hut vom vorigen Jahr verlangt«. Alle» blickte sie entsetzt an. Einig« glaubten an einen schlechten Witz, ander« fürchteten Wahnsinn. „Die sind nämlich billiger," flüstert sie der Siebzigjährigen zu und kosst Verständnis zu finden. All diese Typen gehen aber noch. Kommen sie dach wenigst«»» mit bestimmten Wünschen, wenn diese auch manchmal verrückt sind. Wehe aber dem Laden, in den sich die Kundin verirrt, die überhaupt nicht weiß, was sie will. Wenn sie eintritt, stockt alles. All« Hüte werden von ihren Händen errafft, alle» probiert sie aus. Vom Säuglings, bis zum Kapotthut. Und wenn das letzte Modell geprobt ist, verläßt sie den Laden mit dem süßen Trost: „Morgen komme ich wieder." Hehmen die Tögcl bei uns ab? Noch mehr als in früheren Iahren will man dieses Frühjahr eine Abnahme der Singvögel bei uns bemerken. Das ist natürlich je nach den Gegenden verschieden, aber im allgemeinen ist ja anzu- nehmen, daß in dem vergangenen langen Winter mit seiner wachen- lang ununterbrochen dauernden starken Kälte viel mehr Vögel er. froren und verhungert sind als in früheren Jahren. Man glaubt aber, daß die Abnahme der Vögel bei uns zum Teil auch der Tqt- fach« zuzuschreiben ist, daß jetzt viel mehr Vögel in ihren Winter- guartieren, namentlich in Nordafrika, zurückbleiben. Als Algerien feit 18Z0 von den Franzosen besetzt wurde, war es größtenteils Wüste: die Bevölkerung führte ein unstetes Nomaden-»nd Räuber. leben Das schlecht bewässerte und sehr wenig angebaute Land dorrte im Sommer so vollständig ab, daß da» Insektcnleben fast völlig aushärte, so daß die Vögel dort in de» Sommermonaten Mangel an Nahrung litten. Heute ist das ganz ander». Von de» südlichen Höhenzügen de» Atlas bis zum Meere breitet sich«in aus- gedehntes Kulturland, Getreidefelder wechseln ab mit Weinbergen und grünem Weideland. In den Tälern der Auresberge, deren Höhen jetzt mit dichten Wäldern bestanden sind, wimmeln Myriaden von Insekten. Mitunter scheint die ganze Flur zu flimmern yom Umherschwirren zghlloser Zikaden, Bienchen und Motten, der Heu- schrecken und Käser gor nicht zu gedenken. Es müßte nun tatsächlich Wunder nehmen, wenn diese Verwandlung Nordasrika» au» einer trostlosen Wüstenei in ein Kulturland ohne Wirkung auf seine Bogel- weit geblieben wäre. Bekanntlich pflegt ein Teil der Zugvögel im Winteraufenthalt zurückzubleiben, und daß dieser zurückbleibende Teil wächst, je günstiger di« Lebensverhältnisse dort sind, ist leicht verständlich. Man sindet denn auch zahllose Singvögel aller Arten in den algerischen Flnren de» ganzen Sommer hindurch, und zwar hat man beobachtet, daß dort di« Zahl der Vögel von Sonnner zu Soöbwt Mrntumtt, Achtung! Achtung! Der Streik der chemlgraphischen Hilfsarbeiter in den Firmen: Dr. Selle-Eysler Meisenbach, Riffarth& Co., A.-G. Rotochrom Thederan& Kraushaar und Ueltzon auf Anerkennung tariflicher Arbeitsverhältnisse dauert unverändert fort Die bestreikten Firmen versuchen, den Streik in einen„wilden" umzulügen, um leichter Streikbrecher heranzuziehen. Wir erklären daher nochmals, daß der Streik vom Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Gauverwaltung Berlin, offiziell anerkannt ist und die Führung in den Händen der Organisationsleitung liegt Uebt Solidarität! Lehnt Arbeitsangebote der bestreikten Firmen ab! Der Gauvorstand. I. A.; Otto Gloth. Verkäufe glMlram, Tzillat. K.rimUfftalc».* eankil.tjrlt., schSn«legen. MO,— «n, kleine Anzahlung. Meyer, Sranien- turq. Zlerllner Alle« 134._ »«legr.heit.I.ns! Wir Lderaahmen große Mengen Änzllg«, Herrenpoletots, Herrenmänlel. MgKstoffe mit kleinen Staub, und Schbnheiizfehlern, welch« zu «elegenhetisrreisen r erkauft werben. Wir vergüten Nlr �ahrfpesen».Prozent. �u' � 3"* it»ch herbe, eilern«, Ga», liodl«. jeher Art und Größe, Siedlung. Haushalt, � «»Iwnratio»«Gelegenheiten», billige.„x. ijarixlioiiä€111 «adeeinrichruna. Adwaschtilche, Witsche.'-- rollen. Waschkessel, Ofentitren. Teil- »ahlung.> vrfen. eiserne, jeder Art und Größe buch sUr Säle bis 5000 ahm. Die alte Epczialiabrik Semmler u. Bleqberp. Dr-sb-nerstroße»8—>00.__________ »»ttev«rkausl Wegen Geldmangel spottbillig! 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Als der Genosse Paul Singer im Jahre 1S83 Stadtver- v,dn«t«r wurde, hatte er sich als langjähriger Vorsitzender des Asyl' Vereins ured Kurator des Männerasnls in der Wiesenstrotze bereits grohe Verdienste um die Obdachlosenfürsorg« erworben. Er be- mühte sich, sein« reichen Erfahrungen im Dienste der Stadt nutzbar zu machen. Der kommunal« Freisinn, der Berlin damals beherrschte, war nicht fähig und nicht willen», die V«r- Hältnisse richtig zu sehen und entsprechend zu handeln. Man be- , zeichnete in den Debatten über das Obdach im Rathaus die der Großstadt zusträmenden Proletarier als arbeitsscheue Subjekte. Der Zusammenhang zwischen der Industrialisierung Deutschlands und den neuen Verelendungssormen, die In der Massen» hasten Obdachlosigkeit ihr« Zuspitzung bis zur völligen Entwurzelung aus dem Bosen der bürgerlichen Gesellschaft erreichten, wurde nicht beachtet. Di« bürgertiche Gesellschaft sieht darin nicht Symptom« einer Entartung der Gesellschast, sondern die Entartung des«in- zelnen Individuums, mit der die Gesellschaft sich abfinden muß. wenn si« es nicht durch straff« Zucht in Ordnung bringen kann. Dieser Aussastung entsprach das nach vielen Kämpfen in der Fröbel- itraße errichtet« und im Jahr« 1887 eräWnete A s yt für 0 60 ach- lose, dem auch heute noch nach Abschluß einer grundlegenden Reform die Spuren der fozialen B«rständnislosigkeit jener Zelt aithasUt� Es wird ni« gelingen, dem Bau seine harte Wirkung zu nehmen. Die sehr hohen Räume werden von Fenstern belichtet, die außer Reichweite fast unter den Decken liegen. Das erweckt den Eindruck, als ging« man durch hohe, der Erde aufgestockte Schächte. Di« Unterbringung der Obdacklosen war äußerst primitiv, die Aermsten mußten«es«isernen Pritschen liegen und wenn bi«f« nicht ausreichten, mutzt« mit dem zvißboden voriieb genommen werden. Die Bchandlunq b«r Obdachlosen war sehr schlecht. Als im Jahr« 1904 die Genoflen Adolph chossmann und A u g u st i n aus eigen«? Anschauung Mißstände aufd«ckten, versagt« der damalige Dezernent d«» Obdachs cherr Stadtrat Fischbeck den sozialdemo- kratilchen Mitgliedern der Deputation den Zutritt zum Obdach. Es ist aber recht bezeichuend, daß di« Reform des Berliner Obdachs an»iner Stell«, an der«in Antrag des Genossen Adolph chossmann schon un Jahre 1904 einsetzen wollte, im Jahr« 1934 begann. vi« Reform des Berliner Obdachwesens. Seit dem Jahne 1924 istdi«R«sormi«runyd«rObdo blieben sind. Di« seit Kriegsende beobachtete Inanspruchnahme des Obdachs auch von Angehörigen sogenannter gehobener Berufe wurde bei der Bearbeitung der Frage im Laus« der letzten vier Jahre oft erwähnt. Der Krieg hat wirtschaftlich und sozial, die Revolution politisch di« Situation dafür geschaffen daß nunmehr unter sozialdemokratischer Führung in vier Jahren trotz der Finanznot das Reformwerk, für das die Sozialdemokratie in mehr als drei Jahrzehnten vor dem Kriege in dem reichen Bertin vergeblich kämpfte, ,n die Wege geleitet werden konnte. Im Obdach Inder Fröbelstratz« wurden von jeher nicht nur obdachlos« Wanderer, sondern auch wohnungslose FamUi«n untergebracht, letztere im Vorderhaus. Besonder» Heitel für die Familien und für obdachlose Jugendlich« war di« Verbindung des Obdachs mit einer Statton und einem Ambulakorium für ge- i ch l c ch t s k r a n k e Frauen. Die Entfernung dieser Einrich- langen hatte der Genosse Adolph choffmanu schon im Jahre 1904 in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, jedock ohne Erfolg. Sie wurde 1934 als erster Punkt der Reform durchgeführt. Die Geschlechtskranten st ation wurde nach dem Frauen, krankenhaus in Reinickendorf, da» Ambulatorium für ge- ichlechtskranke Mädchen nach dem Polizeipräsidium ver- i-�t. Die Entfernung der 2SS Betten umfassenden Krantenabteilung mutz im Rahmen der Neuorganisation des Berliner Krankenhaus- «escn» möglich werden. Für das Obdach selbst genügt«in« kleine "rntioii für vorübergehende Lagerung Kranker bis zur Heber- i"'»una ins Arankci.haus. Die Befreiung des Obdachs von allen nicht unbedingt dorthin gehörigen Stationen ist mit Voraussetzung uir Beibesserüng der Lagerung und Vermehrung der Plätze. Es llnd heute noch im Familienheim enthalten: die Männerkrantenabteilung mit..... 200 Betten die Frauenkrankenabteilung mit..... 55 t'e«chwangerenabteilung mit...... 28 "e Wöchnerin:, enabteilung mit..... 16 ■5 Männerheim mit......... 168„ ■aj Frauenheim mit.......... 143„ das Kinderheim mit.......... 100„ das Säuglingsheim mit........ 46„ insgesamt 746 Betten Die Unterbringung der Familien in Einzelwohnungen ist leider aus Raumniangel nicht möglich. Ein kommunistischer Antrag verlangte den Bau eines besonderen chalises für obdachlose Familien. Damit wäre der Not nicht abzuhelfen. In dem Augenblick, in dem dieles Haus fertig wäre, würden neue Unterbringungsbedürfmiie auf- lauch-n. Sicherlich würden dieselben durch einen Zuzug obdachloser Familien von außerhalb ungeheuerlich steigen. Soweit obdachlose Berliner Familien in Betracht kommen, mutz dos Problem ,m Rahmen de» Berlin«? Dauprogramms mit gelöst werden. Die Kinder der Obdachlosen. Aus Veranlassung der Genossin Weyl werden di« Kinder der Obdachlosen tagsüber durch Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen betreut. Besonders out ausgestattet ist die S ä u g l> n g s st a t i 0 n. Für erholungsbedürftige Kinder Obdachloser stehen im Kinder- erholungsheim in Zossen ständig freie Plätze zur Verfügung Ein« besonder« Sorge ist alljährlich die Unterbringung der im Herbst nach Berlin kommenden Schnitterfamilien, die mit der Arbeit auch di« Wohnung verlieren. Für sie Ist ein« Uttterbringung«- Möglichkeit«es dem Gutshos in Buch in einer Baracke geschaffen worden. Am schlimmsten lagen die Verhältnisse im nächtlichen Obdach. da» von Alleinstehenden in Anspruch genommen wird. Für sie mutzten Lagerung, hygienische Einrichtungen und die Baulichketten veibessert werden. Es wurde die Bettengaht in den einzelnen Schlafsälen von 96 aus 72 vermindert. Zur Vermehrung der Plätze wurde«in« n«v« Baracke mitS40 Plätzen gegenüber dem alten Obdach gebaut. Mit dem Berlin«? Asylverein für Obdachlos« wurde»in Vertrag über die Benutzung des Asyls in der Wi«s«n- straße KS abgeschlossen. Hier nächtigen die obdachlosen Frauen und älteren Man«?. Eine Verbesserung der Lagerstätten ist dadurch erzielt worden, datz die eisernen Pritschen mit Filzauflagen versehen worden sind. Es entspricht der allgemeinen Hygenie, daß diese mtt Leinenbezügen versehen werden und ebenso datz die Wolldeck«» leinen« Vezüg« haben. Jeder Obdachlose erhält seit Einführung dies«? Neuerung für die Nacht«in Nachthemd und«in Paar Pantoffel. Seine eigene Kleidung wird während der Nacht unter Verschluß ausbewahrt, Für den Bestand dieser hygienischen Mahnahmen ist»ine strenge Durchführung der Reinigung der Ob- dachlosen selbst und ihrer Kleider Voraussetzung. Jeder Obdachlose wird daher von der Kontrollstelle, die das Nächtigen aus den Karten vermerkt, zum Bad und, wenn nötig, zur Desinfektion ge- wiesen. Für die Desinfektion der Sachen sind moderne Des- Infektionsapparat« angeschasst worden. Die früher so oft mit Recht beklagte Vernichtung der Bekleidungsstück« durch die Desinfektion>)ot seitdem aufgehört. Besonders wichtig ist auch die abgesonderte Unterbringung Jugendlicher. Jugendliche bis zu 18 Ighren werden überhaupt nicht iw Obdach ausgenommen, sondern den Uebernachtungsheimen der Stadt Berlin zugewiesen. Ueber 18 Jahre alt« Jugendlich« werden in besonder» freundlich ausgestatteten Sälen untergebracht. Lm Bau befinden sich augenblicklich neue Obdacheinrichtungen in den Bezirken Charlottenburg und Neukölln, die je 400 bis 500 Obdachlosen Raum bieten werden, Mtt der Unterbringung der Obdachlosen für einige Rächt« ist jedoch die Obdachlosenfürsorg« nicht getan. Ein großer Teil der Obdachlosen ist dem Arbeitsleben völlig entfremdet. Diesen ein« geregelten Lebensführung wieder zuzuführen, ist die wichtigste Auf- gäbe. In früheren Jahrzehnten hat sich die Stadt Berlin damit begnügt, solch« Menschen in dem.Vvdelschwjngscheii Anstatten oder aus den sieben Kolonien, die in der Provinz Brandenburg zur N«r- fügung standen, unterzubringen. Auf Grund des Gesetzes Üb»? di« Bildung einer neuen Stadtgemeind« Berlin vom April 1920 und den damit«n Zusammenhang stehenden Auseinandersetzungen zwischen Berlin und dem Provinzialoerband Brandenbürg find auch heute noch 44 Proz. de? in diesen Anstalten zur Verfügung stehenden Plätze mit Obdachlosen der Stadt Berlin zu belegen. Zu? Be- schassung von weit«r«n Arbettsgelegenheiten hat Berlin nunm«he auch«igen« Arb«it«rkalonien gegründet. Siedlung und Arbeiterkolonien. Im Mai 1S2S wurde zunächst da» im Havelländifchen Luch ge- legen« Gut von rund 1000 Morgen Grötze. da» zum größten T«il schon in Acker» und Grünlandtultur stand, gekauft. Dazu wurden noch 800 Morgen Oedlond und Tors löcher erworben. Inzwischen ist durch Hinzukaus von Arrondierung»- flächen die Gesamtflächengrötze auf 1600 Morgen erweitert worden. Di« gortführuna der Landwirtschaft, di« lausende Unterhalwng de» vieloerzweigten Grabenn«tz«», die dringend notwendig» Herstellung von Zugangs- und Wirtschaftswegen, die Ergänzung der Entwässe- rungsanlagen, vor ollem die Meliorationen bieten 150 bis 160 Mann dauernde Beschäftigungsmöglichkeit. Im Juli 192? erwarb die Stadt f«?n«r da» Doppelgut Joochimshos-Boigtsbrück«>n o»r Ostpriegnitz nahe Havel- berg, um es für den gleichen Zweck zu verwenden. Dieses Gut ist 5000 Morgen groß. Da auf diesen Gütern neben den Arbeiten für die laufende Fortführung der Landwirtschaft auch große Entwässe» rungsmatznahmen getroffen werden müssen und außerdem aroh« OedlaiKüflächen der Kultivierung harren, bietet sich hier Beschäs- Hunden Mann. Gewährt wird gebühr in Anrechnung gebracht. Außerdem erhasten die Kolonisten mmm*. a._______ wm...»W..■ entsprechend ihrer Leistung eine Arbeitsprämie vonSOHis 70 Pf. für den Tag. Frühaufsteher, das sind die als Pferde- knechte und Fütterer tätigen Kolonisten, erhalten«ine Zulage von 30 Pf, pro Tag und«ine Pferdeputzzulage von 1 91. wöchentlich, Da die Kolonisten meistenteils als Berusssreittd« an die Land- arbest herangehen, steht ihre Arbeitsleistung in keinem Aerhälttus zu den entstehenden Kosten. Di« Betrieb« sind daher Zuschußbetrieb«. Die Bezuschußung beläust sich aus 90 Pf. hi, 1 M. pro Tag und Kopf. DI« Einrichtung Hot da? Ziel,«ine große Zahl Obdachlos«? für das Erwerbsleben zurückzugewinnen und ist daher»in« Wohl- fahrtseinrichtung. Nach den vorliegenden Berichten ist das Ziel in 54 Proz. aller Fäll« erreicht worden. Die. Reform der Obdachlosensürso�s hat inst her Schassung der Arbetterkolonien einen gewissen Abschluß «Wcht. pon dem auf die Zukunft«in« Fortführung und©»r" rung vorg«schrich«n wecben muh. Mini in« Todenhag«». Geschrei über„Gchulbauluxus". Es geht gegen einen östlichen Bezirk. Lichtenberg soll«ine groß« Schulbauanlage«rhasten, die«ine Berussschul«, ein« Mittelschule und«in Oberlyzeum auf- nehmen wird. West geplant ist, die gemeinsame Aula so groß aus> zuführen, daß sie auch für öffentlich« Bersommlungen dienen kann, wollten gestern in der Berliner Stadtverordnetenver- sammlung di« bürgerlichen Fraktionen diesen Teil des Bau- Projekte» zu Fall bringen. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Genossin Hübn«r-Riedg«r. Sie stellte s«st, datz be» fonders die Deutschnotionalen in Schul- und Kulturfragen immer wieder„Sparsamkeit" pr«- d i g e n. Von demokratischer Seite wurde allen Ernstes beantragt. auf die Aula zu verzichten. Für die bürgerlichen Parteien hat allerdings in Lichtenberg eine Schulaulo, hie auch zu großen Ver- sammlungen dienen soll, keinen Wert. Sie selber haben dort nicht darauf zu rechnen,«ine Versammlung mit vollem Saal zustande zu bringen. Die Linksmehrheit nahm das Projekt der ganzen Echulbau- anlag« nach dem Vorschlag des Ausschusses unverändert an. « Das V«rbotder„RotenFahne" gab der kommunistischen Fraktion Gelegenheit, einen Dringlichkeitsantrag einzu. bringen, der von der Stadtverordnetenversammlung verlangt, sie soll« gegen dieses Verbot protestieren. Der sozialdemokratisch« Polizeipräsident— so sogt der Antrag— beabsichtige durch sein« Williürmatznahme, das Sprachrohr der werttätigen Bevölkerung Berlins mundtot zu machen. Auch gegen das Verbot des Roten Fronttämp�erbundcs und seiner Nebenorgani- sattonen sollte die Versammlung protestieren. Gegen diesen Antrag erhob die sozialdemokratische Fraktion Widerspruch, weil, wie Ge- noss« Flalau sagte, der Antrag der Fraktion nicht vorgelegen hat. im übrigen aber werden die Sozialdemokratea in Zukunft jedem kommunistischen Antrag widersprechen, der Beschimpfungen und verun- qlimpinngen der Sozialdemokratischen Partei, ihrer Mitglieder oder der Fraktion enthalten. (Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten. Lärm bei den Komm.) Wie gegen diesen Antrag erhob unsere Fraktton auch Einspruch gegen Dringltchkettsanträge der Wirtschaftspartej. die sich mit der Eni- schädigung der Anwohner in den Ausruhrgebieten befassen. Auch diese Anträge haben der sozialdemokratischen Fraktion nicht oorge- legen. Ueber die Beratungen des Ausschusses zur Abänderung de» Gesellschaftsverkrage, mit der Vere? lBerliner Reklame- und Anschlagwesen) und dem Abschluß eines neuen Pachtvertrages berichtete Genosse haß. Die Berel fall wieder Betriebegesellschaft werden, da sie 18 von den 30 Berliner Ver- waltungsbezirken im Anschlagwesen versorgt: nach dem neuen Ver- trage soll sie 2,4 Millionen Mark der Stadtkasse abliefern. Die Ver- treter der Deutschnotionalen erklärten sich gegen den Antrag, weil, wie Stadtverordneter Merkel betont«, seine Parteifreunde die B e- trieb« der össentlichen Hand aus Grundlatz be- kämpfen, ein Eingeständnis, das man sich für die kommende Gememoewahleit merken muh. Stadtverordnet«? Michaeli,(Dem.) meinte, feine Fraktion könnte dem Pachtvertrag in der vorliegenden Form nicht zustimmen. Di» Uebernahme von Betrieben durch die öffentlichen Hand dürfe nicht so weit gehen, wie bei der Berel, pi« ... MWWWWIW..W..... Bezlr fach durch Beschlüsse der Versammlung festgelegt sei, mithin fetzt für di« Ablehnung nicht in Frag« käme. Die Preis« für Anschläge und deren Herstellung seien aber selbst von der Wirtschaft als niedrig anerkannt! der Redner datz die Preise de» nur noch einmal so„„_____. Annoncen in den Zeltungen zehnmal so teuer wurden. In na>n«nt- licher Abstimmung wurde der neue Pachtvertrog mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten gutge. heitzen, die gesomten anderen Parteien lehnten ab.— Daß in Lichtenberg, der Arbeitervorstadt, eine Verussschulc. eine MItteljchple und ein Oberiyzeum gebaut werden sollen, konnten und wollten die Deutschnationalen nicht begreifen. Ihr Sprecher, Dethlefssen. sprach davon, daß diese Schulbauten in einem Mißverhältnis zur Finanz, tage der Stadt ständen und datz man es txim Projett an der nöttgen Sparsamkeit schien lasse. Stadtverordneter haak« von der Wirtschaftspartei schlug in die gleiche Kerbe. Aber wie gesagt: die Irftr Trinken Li» einen Monat lang Kaffee Hag. Versuchen Sie dann wieder gewöhnlichen Bohnenkaffee und beobachten Sie Ihr Befinden. Si© haben dann die Erklärung für die Beliebtheit des ooffeinfreien Kaffee Hag. Aroma und Oesohmaok sind unübertroffen. über 7000 deutsche Ärate haben allein im Jahre 1028 lobend über Hag geurteilt. Das große Paket kostet RM 1.00. das kleine 05 Pfg. Schulen sind in Lichtenberg nötig? Stadtschulrat Genosie Zsydahl verteidigte die beabsichtigten Bauten: die Schulen seien dringend nötig, sie müßten unbedingt in einem Bauvorhaben erledigt werden. Die Redner der Deutschnationalen und der Demokraten beantragten die Rückverweisung der Vorlage an den Ausschuß, der Etadtschulrat bat um die Verabschiedung. Die Rückoerweisung wurde gegen die Stimmen der Linken de, chauses abgelehnt, Abänderungs- antrage der Demokraten fanden auch kein« Mehrheit. Die Vor- läge wurde dann nach den Beschlüssen des Haushaltausschusses angenommen, nur Sozialdemokraten und Kommunisten waren dafür.— Der Festsetzung der Kosten für den Neubau des K l e i st- O b e r l y z c u m s mit Filmschule im Bezirk Tiergarten wurde ohne Debatte zugestimmt. Ueber die Beratungen des chaushaltsausschusses wegen des Ankaufes des Rittergutes Marienfelde berichtete Genosse Dr. Loewy. Im Ausschuß fei eine große Mehr- heit für den Ankauf gewesen, im Gebiet Marienfelde werde bereits „wild" gesiedelt, was dort entstehe, liege nicht im Interesse der Stadt. Das Terrain könne beim Ankauf des Rittergutes der privaten Spekulation entzogen werden. Der Preis von 2 Mark für den Quadratmeter sei zwar hoch, aber annehmbar. Stadtver- ordneter Merten fragte den Dezernenten Stadtrat Busch, ob es möglich lei, den Preis noch zu drücken. Die Stadtverordneten Siciniger(Dnatl.) und Schwarz(D. Vp.) warfen dem Magistrat Grunkstückshamsterei und Bodenwucher vor. Seitdem die Stadt Grundstück« in dem gegenwärtigen Umfange kaust, seien die Preise immer mehr gestiegen. Stadtrat Busch betonte auf die Anfragen der Vorredner, der Ankauf sei im Interesse der Siedlungs- und Woh- nungspolitik nötig. Es wäre nicht richtig, das einzige bei Berlin noch gelegene Gut nicht zu erstehen. Die Grundstücksonkäufe der Stadl Berlin seien kein Risiko, die Möglichkest des Verkaufs sei das Sicherheitsventil. Als Beweis führte Stadtrat Busch an, daß Verlin in diesem Jahre bereits für 6V2 Millionen Mark Grundstücke wieder verkauft habe. Die Preise von Marienfelde ständen im Rahmen der üblichen Grundstückspreise. Der landwirtschaftliche Grund und Boden um Berlin werde längst nickt mehr landwirtschaftlich verwertet, sondern fast nur noch als Industrie- und Siedlungsgelände, so daß man ihn auch danach be- werten müsse. Schließlich gelte es auch, für die Laubentolonisten in nächster Nähe der Stadt Ersatzgelände zu schaffen. G r u n d s ä tz- liche Ausführungen zur Grundstückspolitik der Stadt machte dann Genosse Dr. Loewy: Wenn wir 192S Britz nicht gekauft, sondern dem Besitzer die Parzellierung überlassen hätten, wäre doch der Grund und Boden für die Siedlungen und den Wohnungsbau sicher teurer geworden, als es der Fall war, wie die Stadt die Preise machen konnte. Bei den Preisen, die die Stadt als Verkäufer verlangt, ist zu berück- sichtigen, daß die Stadt Bruttoland kauft, während sie Nettoland abgeben muß, d. h. in die Verkaufspreise müssen die Abgänge wie Straßenland, Plätze und ähnliches einkalkuliert werden. Es ist merkwürdig, daß das von den Rednern der Gegenparteien nicht gesagt wird. wenn die Preise für den Vau von Wohnungen seht so hoch liegen, so wahrlich nicht wegen der Bodenpreise, die die Stadl fordert. Der Grundstückspreis habe bei einem Bauvorhaben nur noch den vierten Teil der finanziellen Bedeutung, den er vor dem Kriege hatte, das wäre aber anders, wenn Berlin nicht die Bodenoorrats- volitik triebe, die nicht zuletzt von der Sozialdemokratie gedeckt wird. (Sehr richtig! bei den Soz.) Der Stadt wird ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie bereits ein Drittel vom Weichbilde besäße: nun, Frankfurt a. M. besitzt 57 Proz. seiner Gebietssläche, und diese Stadt ist sehr gut dabei gefahren. Was Berlin bisher verkauft * hat. ist nicht in spekulativer Absicht zu spekula. tivem Zwecke abgegeben worden, die Grundstücke der Stadt sind vielmehr ihrem zugedachten Zweck zugeführt worden. Gc- nosse Dr. Loewy betonte schließlich noch: Was ich m tneiber Studien?est über Bodenpolitik gelernt habe, habe ich von dem konfer- oativcn Professor Dr. Wagner gehört, und der stand auf dem Stand- punkt, den ich heute hier oertrete.(Bravo! bei den Soz.)— Der Ankauf des Rittergutes wurde beschlossen.— Ohne Debatte zugestimmt wurde der Vorlage des Magistrats, wonach die Frei- kohlenlieferungen an die Unter st ützungsemp- f ä n g e r bis zum 15. Mai verlängert werden. Berlins Bevölkerung-1926. Zunahme: 80900 Personen. Berlins Einwohnerzahl ist auch 1928 wieder gestiegen, und zwar um 80 900, aber die Zunahme beruht nicht auf dem natürlichen Vorgang, lleberfchuß der Geburten über die Sterbefälle, sondern ist nur der Z u Wanderung zu danken. Einige Hunderttausende— im Vorjahre waren es 259 164— verlassen alljährlich die Hauptstadt. Der Zugang betrug aber 86 330 mehr oder um rund 5000 mehr als die Bevölkerungszunahme aus- macht. Eine Besserung der G e b u r t e n v e r h ä l t n i s s e ist auch in diesem Jahre nicht eingetreten. Zwar hat die Zahl der Lebend- geborenen gegenüber 1927 um 336 zugenommen, diese geringe Zu» nähme ist aber bedingt durch das gleichzeitige Anwachsen der Be- völkerung. Auf tausend Einwohner kamen nur 10.2 Lebenüge- borene gegen 10,3 im Vorjahre, während 1913 immerhin noch 19,3 auf tausend Einwohner entfielen. Dagegen ist die Säuglings- st e r b> i ch k e i t wesentlich zurückgegangen. Kamen aus 100 Lebend- geborene im Jahre 1913 noch 14,3 Todesfälle im ersten Lebensjahr, 1920 und 1922 je 14, so ist ihre Zahl fest 1924 ständig, und zwar im Jahre 1928 bis auf 7,8 gesunken. Auch die Zahl der Totge- borenen ist etwas geringer geworden, und zwar kamen 0,4 gegen 0,7 auf je 1000 Einwohner im Jahre 1913. Der vermehrt« Wvchnerinnenfchutz und die verbessere Säuglingspflege, wie sie die Stadt Berlin unter eifriger Mitwirkung der Sozialdemokratie betrieben hat, beginnen ihre Früchte zu tragen. An welchen Krankheiten stirbt der Berliner? Die Gesamtzahl der Sterbeiälle betrug(ohne die Totgeborenen) 49 567 oder 11,7 auf 1000 Einwohner, damit um 797 Häher als die ven 1927, was zum Teil auf die Grippeepidemie zurückzuführen ist Was die Todesursachen anlangen, so ist zunächst festzustellen, daß auch 1928 der Krebs an erster Stelle steht. Nicht weniger als 6896 Personen fielen dieser bösartigen Krankheit zum Opfer. Ein Rück- blick bis zum Jahre 1921 zeigt, daß der Krebs seitdem in erschrecken- dem Maße zugenommen hat. Es find diesem Leiden erlegen: 1921 1922 1923 1924 4463 Personen 5326 5771 5752'. 1925 1926 1927 1928 5955 Personen 6195 6443 6896 Die Gründe für diese Entwicklung dürften nicht zuletzt in dem veränderten Altersaufbau der Berliner Bevölkerung zu suchen sein. Mit anderen Worten, die Berliner Bevölkerung wie die im Reiche überhaupt wird älter und ist damit der Krebskraikheit mehr aus- gesetzt. Einen der Krebssterblichkost entgegengesetzten Verlauf hat die T u b e r k u l o s e n st e r b l i ck k e i t genommen: es starben an dieser Krankheit in den Iahren 1921 bis 1928: 5819 6523, 7252, 5860. 5004. 4488. 4367 bzw 5570. Außer Krebs haben'm Berichtsjahre noch e-'w'ge andere Krank- Helten gegenüber 1927 eine Zunahme erfahren. So die He r z- k r a n k b e i t e n mit 6181(1927 5656). Gehirnschlag mit 5410 '5140). Gefäßkrankheiten mit 4766(4318). Ferner Lungen- entzündung und sonstige Erkrankungen der Atmungsorgane Kenn- '.eichnend für die Weltstad» Berlin sind die unter Giiippe Unfälle und gewaltsamer Tod ohne nähere Angaben" ge- Brei-IWjähnge Gemeindeschulen. Drei Berliner Gemeindeschulen könne« in diesen Wochen ihr hnndertjähriges Bestehen seiern. Sie entstanden in einer Zeit, in der die Entwicklung des Volksschulwesens in Berlin einen kräfiigen Anstoß erhielt. Für das Lolksschulwesen Berlins wurde im Jahre 1826, als es noch Armenschulwesen hieß und war. ein Plan zur Umgestaltung aufgestellt. Die Gemeinde wollte auf dem schon bei Uebernahme des- gesamten Armenwesens im Jahre 1819 von ihr eingeschlagenen Weg fortschresten und für den Unterricht der Armen- linder in eigenen und gut eingerichteten Kommunal-Armen- schulen sorgen. Man teille das ganze damalige Stadtgebiet in 14 Armenschulbezirke ein, von denen jeder eine Kommunal-Armen- schule erhalten sollte Zunächst wurde als„ausreichend" angesehen, daß jede Schule vier Klassen hätte, zwei Knabenklassen und zwei Mädchenklassen, die Klasse zu 75(!) Kindern, so daß die ganze Schule 300 Kinder aufnehmen könnte. Zu Michaelis 1827 wurde eine erste Kommunal-Armenschule dieser Art für den 11. Schulbezirk in dem Rückerschen Stiftshaus, Landsberger Str. 27, eröffnet. Sie besteht noch heute als 11. Gemeindeschule im Schulhaus« Georgen- kirchplatz 18. Zu Ostern 1828 folgte eine Kommunal-Armenschule für den 13. Schulbezirk im Hause Inoalidenstr. 5, die jetzt als 13. Ge- meindeschule ihr Heim auf dem Schulgrundstück Elisabethkirchstr. 20 hat. Zu Beginn des Sommerhalbjahres 1829 wurden dann Kommunal-Armertschulen eröffnet für den 14. Schulbezirk in der Kesselstraße, für den 9. Schulbezirk im Hause Grenadierstr. 42, für den 5. Schulbezirk im Hause Lindenstr. 7. Heute sind unter- gebracht die 14. G em e i n d e s ch u l e im Schulhaus« Plan- t a g e n st r. 15, die 9. G e m e i n d e s ch u l e im Schulhause H i r t e n st r. 4, die 5. G e m e i n d e s ch u l e im Schulhause Alte I a k o b st r. 12 7. Die 9. Schule zog im Jahre 1843 aus den Mieträumen der Grenadierstraste nach dem von der Stadt gebauten eigenen Schulhaus der Hirtenstraße, das noch heute steht. Es war für die damalige Zeit sehr stattlich, entspricht aber längst nicht mehr den Forderungen, die heute an ein Schulhaus gestellt werden. Die 5. Schule hat eine gewisse Berühmtheit erlangt durch eine alte Ber- liner Redensart, die sich aus den Schulzuständcn jener Zeit erklärt. Für diejenigen Armentinder, die schon im schulpflichtigen Alter in Fabriken um ihr Brot arbeiten mußten, gab es einen den Kom- mual-Armenfchulen angegliederten notdürftigen Abendunterricht. Es scheint, daß der Abendunterricht der von einem Hauptlehrer Pfeifer geleiteten 5. Schule besonders wenig leistete. Damals und aus diesem Grunde soll es in Berlin üblich gewesen sein, einen Unwissenden anzüglich zu fragen:„Du bist wohl bei Pfeifern in die Schule gegangen?" Heute leisten die aus den ehemaligen Armenfchulen hervorgegangenen Gemeinde- schulen Berlins so Tüchtiges, daß jedes Berliner Kind stolz darauf sein kann, einer solchen Schule anzugehören. Kindergärten und-horte in Treptow. Bielen Eltern dürste nicht bekannt sein, daß in allen Ortsteilen des Bezirks Treptow städtische Kindergärten und-horte vorhanden sind. Die Betreuung der Kinder erfolgt von beruflich ausgebildeten Kindergärtnerinnen und Horlnerinncn. Für die Unterhaltung und geistige Anregung der Kleinsten vom 3. bis 6. Jahre sorgen sinnvolle Spiele. Den Kindergär en stehen auch Freispielplätze zur Verfügung, wo den Kindern, fern vom Strahenlärm, die wohltuende Wirkung von Licht und Luit zuteil wird. Die schulpflichtigen Kinder fertigen unter Aufsicht der Her!- nerinnen ihre Schularbeiten an und verbringen die freie Z.t mit Spielen und Handarbeiten. In den Kindergär en wird Früh stück und Mittagessen und in den Horten außerdon noch Kakao zur Vesper verabreicht. Anmeldungen nehmen die Leiterinnen der nachstehenden Anstalten entgegen: Kinder gärten: Oberschöneweide, Siemensstr. 22: Nieder- schöneweide. Britzer Str. 26: Johannisthal, Kaiser- Wilhelm-Str. 4/5; Baumschulenweg. Hinter dem Lyzeum. Daumschulenstr. 8l: Treptow-Nord, Wildenbruchstr. 53 51 Oeffnungszeiten: Werktäglich von 7 bis 17 Uhr. Sonnabends bis 16 Uhr.— Kinderhorte: Treptow-Nord, Wildenbruch- Straße 53/54: Treptow-Süd, Ernststr. 14/16: Johannis- t h a l, Kaifer-Wilhelm-Str. 4/5: Oberschöneweide, Ostend- straste 6/9; Adlershof, Sismarckstr. 1. Oeffnungszeiten: Werk- täglich von 11 bis 19 Uhr, Sonnabends bis 16 Uhr. Während der Schulferien von 8 bis 16 Uhr. meldeten Todesfälle. Diese stiegen von 1699 im Jahre 1927 auf 1942 in diesem Jahre. Selbstmorde dagegen haben«inen Rück- gang von 1687 auf 1473 erfahren. Sonst sind noch minientlich die Kinderkrankheiten, wie Scharlach, Kenchhusten, Diphtherie usw. etwas zurückgegangen. Im ganzen ist ein Sterbeüberfchuß von 6358 zu verzeichnen. Die Sterblichkeitsziffern nach den einzelnen Verwaltungsbe- zirken betrachtet, bestätigt wieder die alte Erfahrung, nämlich daß der Tod in den Proletarierviorteln mehr Opfer foiidert als in den Kreisen der bemittelten Bevölkerung. Es kamen auf je 1000 Einwohner in Pankow 16,2, Milte 14,1. Prenzlauer Berg 13,2, dagegen in Wilmersdorf 10, Zehlendorf 10,1. in Steglitz 10,6 Todesfälle. Noch ein anderes ist bemerkenswert: die geringere Sterblichkeit in den meisten Außenbezirken. Hier sind am günstig- sten gestellt: Treptow mit 9.3 und Tcmpelhof mit 9,8 gegenüber den Jnnenbezirken mit einem Durchschnitt von 12,5. Die Eheschließungen haben fest 1924 eine ständige Zu- nähme zu verzeichnen gehabt. Nach der Hockflut von 1919 und 1920, in welchen Jahren sich 52 000 bzw. 33 000 Paare verheirateten, erfolgte im Jahre 1924 ein Rückgang bis auf 30 650, ura in den näckflsn Jahren bis 1928 folgende Steigerung zu erfahren: 35 092, 36 593, 40 937 bzw. 46 030. Die Steigerung würde.sicherlich noch größer fein, wem« nickst der Wohnungsmongcl ein fv großes Hemm- nis für die Vcrehelichung bildete. Wo verbringt ber Proletarier seinen Urlaub? Zwar ist es leicht, eine Anzahl lockender Reife-, Wander- und Urlaubsziel« aufzustellen und zu schildern. Viel schwerer jedoch ist es, den vielen Hunderttaufenden, die als Verheiratete ein M o n a t s- ein kommen von 150 bis 200 Mark haben, zu sagen, wie sie es anfangen können, um 8 bis 14 Tage Urlaub fern der Wohniftätte zu verbringen. lOiefe recht schwierige Frage, um die nun immer noch herumgeht, will nunmehr die Ferienheim- genossenschaft Naturfreunde, Ortsgruppe Berlin, einmal in einer großen öffentlichen Versammlung am Dienstag, 14. Mai, abends 7 Uhr, im Gewerkfchaftshaus, Saal 4, durchsprechen. Gegen die neuen Mieiszufchläge. Die Vereinigung der Mieterbeifitzer bei den Mieteinigungs- ämtcrn und Amtsgerichten Groß-Berlins hat folgendes Schreiben an den preußischen Minister für Volkswohlfahrt. Dr. h. c. Hirt- siefer gerichtet: ,/Oi« freie Vereinigung der Mieterbeisitzer Groß- Berlins hat zu ihrem allergrößten Befremden davon Kenntnis ge- nommen, daß der Wohnungsausschuß des Preußischen Landtaäes dem Antrag Hove-Kiel:„Bestimmungen zu treffen, daß für Ge- schäftsräume, die der Zwangswirtschaft noch unterliegen, zum Aus- gleich der größeren Slusmitzung und des erhöhten Rifitos sowie zur Angleichung an die Mieten für die aus der Zwangswirtschaft herausgenommenen Geschäftsräume ohne Wohnung M i e t- zuschlüge fe st gesetzt werden, wie es in Bayern und anderen Ländern bereits geschieht", die Zustimmung nicht versagt hat. Das groß« Elend, die Vernichtung vieler Existenzen, welche die Verordnung vom 11. November 1926 angerichtet, haben wir als Beisitzer der Berliner Mieteinigungsämter und Aufhebungskammern der Amtsgerichte in seiner ganzen vorhandenen Wirkung feststellen müssen. Gerode die von dem Antrag Hove Betroffenen zählen zu denjenigen, die am schwersten um ihre Existenz zu ringen haben. Nach den von uns gemachten Erfahrungen halten wir es für untrag. bar. wenn diesem Antrag stattgegeben wird." Di« Mieterbeisitzer Groß-Berlins fetzen sich aus allen politischen Parteien von der äußersten Rechten bis zur äusterften Linken zu- fammen._ Warnung vor Grundstückskaufen. Wiederholt ist in der Oeffentlichkeit darauf hingewiesen worden, daß beim Erwerb neuparzellierten Gelände» zum Zwecke der Bebauung äußerste Vorsicht am Platze ist. Nicht festen liegt' für das von Siedlern zu bebauende Gelände ein amtlicher Bebauungsplan, der die örtlichen Gcfamtinteressen für Ine künftige Bebauung festlegt, noch gar nicht vor. Ohne diese Gewiß- heit kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, einen Geländelauf vorzunehmest, bevor nicht beim zu- ständigen Bezirksamt eine definitive Auskunft über die Bebauungs- Verhältnisse eingeholt worden ist. Nur dann kann der Siedler vor der unliebsamen Ueberraschung, keine Bauerlaubnis für das von ihm erworbene Gelände zu erhallen, sowie vor Schäden bewahrt werden. Vergrößerte Abfertigungsräume im Wohnungsamt Infolge des unaufhaltsamen Zuzuges noch Berlin ist die Zahl der erteilten Wohnberechtigungsscheine von 8967 im Jahre 1924 auf 31 194 im Jahre 1928 gestiegen und wird im Ja h r« 1 9 2 9 rund 36 000 betragen. Zurzeit sprechen monatlich 8000 bis 10 000 Personen im Zentralwohnungsamt vor, um entweder Wohnungsberechtigung oder Rat und Rechtsbelehrung in Mietange- legenheitei, zu erbitten. Im Zimmer Nr. 378 des Stadthauses er- teilen sechs Beamte von 8 bis 3 Uhr ununterbrochen Auskunft und erläutern die gesetzlichen Bestimmungen. Die Räumlichkellen sowie die äußer« Aufmachung dieser Aus» kunftsstelle genügen ledoch keineswegs mehr der sich immer mehr steigernden Besucherzahl. Um hier Abhilfe zu schaffen, wird die Deputation für das Siedlung-, und Wohnungswesen die Z a h l der Abiertiguugsschalter von 6 o u i 6 erhöhen und die Schasterwand selbst zeitgemäßer gestalten lassen. Da nach Beendigung des Umbaus die Wartezeit für die vorsprechenden Personen erheblich verkürzt wird, w�cden Puhl'" diese Maßnahme sicher- lich freudig begrüßen. Die WIlinersborfer Tagezerholungsställe im Grunewald nimmt vom 21. Mai wieder gesundheitlich gefährdet« Kinder auf. Die Kinder besuchen vormittags die Schülc, werden gegen Mittag in Gruppen hinausbefördert und kehren gegen 7 Uhr abends wieder zurück. Sie werden gut und reichlich verpflegt, ärztlich beaufsichtigt und von Hortnerinnen beschäftigt. Ihr« Schularbeiten machen sie in der Tageserholungsställe unter Aufsicht und Leimng von Hort- nerinnen Meldungen nehmen die Schulen, die Fürsorgerinnen und auch unmittelbar das Bezirksjugendamt Wilmersdorf, Wilhelms- aus 116/117, entgegen.- Reue Wege der Fürsorgeerziehung. Bei dem Bericht über die Versammlung des Jugendamts Treptow ist uns ein Irrtum unterlaufen: Wir schrieben, daß die Stadt zur Tragung der Kosten frei- williger Fürsorgeerziehung herangezogen werden soll. Die Stadt bringt jedoch dies« Kosten bereits auf, und inn sich finanziell zu entlasten, beantragt sie oft Zwangserziehung. Die Ärbeiterwohlfahrt hat nun einen Gesetzesvorschlag eingebrocht, wonach der Staat in demselben Maße zur Deckung der Auslagen herangezogen werden soll wie die Stadt._ Sport. Rennen zu Ruhleben am Freilag. dem 10. Mal. 1. Rennen. 1. Hexenmeister(W. Lemzer). 2. Leuchte(Krohmann). Z. Pompadour(G. Kaupperl. 4. Hallig(R. Roll). Toto: 45:K>. Pia 5: 15, 21, 13, 227:10. Ferner liefen Guy de Val. Zierde. Nushaga Bon, Meittei länger, Agitator, Nörgler, Biedermann, Galeere, Medardus, Linne. 2. R e n n e n. 1. Faltensleins. bürg, Rolensrau o. W., Goudster, Aibrechl, Terraria, Malteser. Einsiedier, ohne Detlen. S. Rennen. 1. BarrabaZ(Eh. MillS). 2. Long Alberl(F. Schmidtl. 3. Sir Driston(Hm. Schlcu'ner). 4. Baron Tusty«Faul! jr.). Toto:.7:10. Platz:!4, 18, 18, 24: 10. Ferner liefen: Dornbusch. PrachtmädelS Tochlcr, Belletrist, Ntxchen, Pechkohle, Oberonitmann, Wenesti. Heurela, Arizona o. 28., Fehrdellin o. W. Drama, varonetz E., HelioS, Eomthur, Helioirop, Nanu, Lisiidk». Hutschachtel. Thcokrat. «.Rennen. 4.«.6ood Boy(I. FrömmingV 2. Friedrich Rex>E. Schön). 3. Lord Wolo(® Klatl). 4. Edarnpion«Äouv(Iaüg jr.). Tolo: 56:10 Platz: 15, 53, Sa, 24: 10. Ferner Uesen: Tamerla», Quitte B, Srifa, He- e- mann, Weiiibrandt, Abvutah SUver, Heived.ume, Tmandot, Niederländer, Ida PatoS. Meister B.. Dante. BanmblStensahrt»»ch Serder. Die Reederei lkieck veranstaltet mit dem neuer da uten Luru-dompfer„lolumbus- setzt täglich 0Vj Uhr ab Charlotte nburg. Tegeler Weg, dl, Miedten Fahrten zur LoumblUte in Werber. Der Damgie: ist auf da» eleganteste al»»«nzcrckafse» ausgestattet und bietet Eewähr für eine genußreich« Fahrt. Bei schönem Welter iatzren außer geschlosiei-.« aua »sfcn« Dampfer. Alle Welt Iftz gute, Laune! Denn Pfingsten steht vor der Tllrl— Jeder hat Lust, sich neue CammerNeiduna anzuschaffen. Dazu dielet der„Sroße Psingswerkanf" de» drkanntcn ZSarenhaulc» H. Zofe pH u. Co., Rrutälln. Ber» Uner Str. 51— 55, die allerbeste Gelcg-nheitl Welch' preiswerte Angedoiel Welch'«norme Auswahl ist dort zu finden. Befonters die bedeutend vcr. ardßcrten Abteilungen Damen, und Hemt-tieidung, Putz und Schuhwaren de» Haufe, H. Joseph u. Co.. Neukölln, wetteifern, dl« schönsten und billigsten Sachen zum Verkauf zu stellen. Da»»«»chemo ch« ad« elektrisch«„P-lqf->f.»»snahmeoerfahrea der Deutschen «r-mmophon-Aktiengetellschaft—„Di« Stimme seine» Sertn*— ist gerade in größten Künstler. b?rllhmi»ster Orchester und weltbekannter Dan-kapcllen wider. spiegeln. Di« DeutscheLkli?ngesellschaft hat damit den Bewei» erbracht, daß ihr« elektrischen„Polyfar�-Ncuaufnahutcu allen anderen über- leg« find.