BERLIN Soimabend ii-JItfli 1929 10 Pf. Nr. 217 Bios / 46. Jahrgang. Crfch etnt tSjltch«»t«rS»»nt«s«. Zugleich Abendausgabt de«.vorwSrtt'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW SS, kindenftr.S jMffiOayÜ Aazekgenprets: Sie einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Die Gewerkschaften rechnen ab. Stellungnahme der Ortsausschüsse zum Maikrawall. Schacht und die Nationalen. Die Plenarversamnstung der Delegierten der Berliner Arbeiter- lind Angestelltengewerkschaften ehrte zunächst das Airdenken der bei den Maiunruhen gefallenen Opfer. Es ist das erste Mal in der Ge- schichte der Maiseier— sagte Genosse Siegle als Vorsitzender der Versammlung—, daß sie einen derart blutigen Ausgong genommen habe. WerträgtdieSchuld an den Vorkommnissen des 1. Mai? Dieses Thema bildete den einzigen Gegenstand der Verhandlungen. Der Referent Genosse Bredow betonte, daß, nachdem soviel ge» redet und geschrieben wurde über die Maifeier und dabei soviel Un- richtiges, eine Klarstellung der Dinge notwendig sei. Die würdigste Maifeierdemonstration ist die Arbeits ruhe. Darüber herrscht in der Berliner organisierten Arbeiterschaft volle Einmütigkeit. Rur darüber nicht, ob eine besondere Demonstration erfolgen soll. Da» Verhalten der KPD. im vorigen Jahre gegen die Mai» demonstration der Gewerkschaften führte dazu, daß maßgebend« Or- ganisationen erklärten, sie machen das Trauerspiel nicht mehr mit, die Zersplitterung der Berliner Arbeiterschaft auf den Straßen zu dokumentieren. Bevor an ein Demonstrationsverbot zu denken war. waren sich alle Organisationen bis auf einige kleinere darin einig, die diesjährigen Maikundgebungen der Gewerkschaften in Aer. sammlungssälen abzuhallen. Bis zur Aufstellung kommu- nistischer Konntees wurde kein Widerstand gegen die Saaloersämm- lungen laut. Auch darüber war man sich einig, daß es nicht zweck- mäßig sei, den gesainten Verkehr und die lebenswichtigen Betriebe stillzulegen. � Nach dem Aufruf der Gewerkschaften setzte sofort ein künstlicher Catrüstungssturm ein. Die KPD. dekretierte die Stillegung der Verkehr«. betriebe und suchte die Veranstaltungen der Gewerkschaften zu boykottieren. Alle Gewerkschaften hatten Versammlungen onbe- räumt, selbst die„revolutionär" geleiteten Verbände der Schuh- macher und Zimmerer, Darin zeigte sich die Disziplin der Gewerkschaften. Abgesehen von einigen Betrieben, wie die Druckerei der„Roten Fahne", wurde auch die Parole der Arbeitsruhe befolgt. Nachdem das bi? heute noch unbekannte„M aikomitee" die Parole ausgegeben hatte:„Keine reformistisch« Saalversammlung, Straßendemonstration", haben die Ortsausschüsse der Gewerkschaften in einem besonderen Aufruf vor Straßendemonstrationen gewarnt.(Großer Lärm der„Opposition"! Ihr V e r b r e ch e r," rief Müller, Beiratsmitglied des Zentraloerbandes der Schuhmacher. Siegle forderte diesen Zwischenruscr auf, den Saal zu verlassen, woraus Müller sich entfernte.) Bredow schildert« dann den Verlauf der Versammlungen, denen die Polizei keinerlei Schwierigkeiten gemacht hat. Wenn dies von der Sonderveranstallung der Rohrleger nicht gesagt werden kann, so deshalb, weil hier die Parole zur Demonstration in der Jahn st ratze ausgegeben wurde. Im übrigen sind alle Versammlungen mustergültig verlausen. Schon jetzt sind Wünsche laut geworden, auch in Zukunft in Saal- Veranstaltungen zu feiern. Abgesehen davon, daß Straßenbahner von ihren Wagen her- untergeholt wurden, waren bis in die späten Abendstunden nur wenige Zusammenstöße zu verzeichnen. Die f r e i g e w e r k s ch a f t- liche Arbeitnehmerschaft hat die Maifeier ordnungsmäßig beherrscht. Doch das paßte nicht in das Programm der KPD. Sie hatte es auf Zusammenstöße mit der Polizei angelegt. In ihrem Aufruf am 2. Mai bedauerten die Gewerkschaften, daß es zu derart blutigen Verwicklungen gekommen ist und schrieben die Verantwortung dafür den Unternehmern dieser Zwischenfälle zu. Am 2. Mai erschien das Flugblatt von Pieck mit der Aufforderung zum Massenstreik. Darin wurde behauptet, die Gewerkschaften seien es, die das Blutbad planmäßig vorbereitet hätten. Aufsallenb ist, daß den Führern der KPD., die doch bei den Slraßendemonftrationen ihren Genossen vorangehen sollten, nichts passiert ist. Aber nicht der Ruf einem anonymen Maikomitees, nicht der Ruf eines Pieck, sondern der Ruf der Gewerkschaften war und ist maßgebend für die organisierte Arbeiterschaft Unter Vor- spiegelung falscher Tcktsachen wurden einige Betriebe, vorab solche mit vielen Arbeiterinnen, stillgelegt. Von den 2000 bis 3000 Massenstreitern liegt heute noch ein Teil auf der Straße. Die revolutionären Schuhmacher haben bei Leiser den Arbeitsausfall am H i m m e l- s a h r t s t a g wieder nachgeholt. Nach der Entlassung von Deter und Krüger bei der Verkehrs-A.-G. mit ihren gelben, nur rot an- gestrichenen Betriebsräten, hat sich niemand gesunden, der » r ,Kür uns Nationale ist die pariser Situation sonnenklar: Bei Scheitern der Verhandlungen kriegt Schacht'n Lorbeerkranz, bei Einigung mit den Segnern— Maschinengewehr fertig zum Schuß!' gegen dies« Entlassung protestiert hätte. Die jüngste Parole der halbstündigen Arbeitsruhe blieb gänzlich unbeachtet. Die Hetze gegen die„reformistischen",„sozialfaschistischen" Ge- werkschaften und ihre Führer wird jetzt ingesteigerte mMaße betrieben. Doch die Gewerkschaften denken nicht daran, sich von Leuten, wie dem aus der Versammlung verwiesenen Müller, ins Bockshorn jagen zu lassen. Sie haben schon manchen kommen und gehen sehen, der«in Beispiel für den Unterschied zwischen Theorie und Praxis verkörperte. Mit den Barrikadenerbauern und den sonstigen „Kämpfern", mit denen Thälmann sich bei der Beerdigung der ersten Opfer solidarisch erklärte, haben wir nichts zu tun. Die KPD. bezeichnet die Barrikadenkämpfe als einen guten Auftakt zur Friedensdemonstration am l. August. Die politischen und technischen Ersahrungen bei den Berliner Mai- kämpfen, will man sich zu einer größeren Manövrierfähigkett zu eigen machen. Durch all die Dortomnmisse ist festgestellt, daß die Berliner Ar- beiterschasl einheitlich und geschlossen hinter ihren tvewerkschasten steht. Um die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung ist uns nicht bange.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion suchte der Kommunist Zoller nachzu- weisen, daß der Gedanke der Mqiseier den Generalstreik auf der ganzen Linie bedinge und die Sozialdemokratie früher dasselbe ge- tan Hobe wie heute die KPD. Seine Behauptung, die KPD. habe die Parole ausgegeben, friedlich zu demonstrieren, löste das spontane Gelächter der ganzen Versammlung aus. Die Arbeit bei Leiser am Himmelfahrtstag suchte Zoller damit zu rechtfertigen, daß ein Lohn- Zuschlag von SO Proz. gezahlt worden sei. Schließlich verlas er eine Resolution, in der u. a. die Einberufung eines außerordentlichen Gewerkschaftskongresses gefordert wird. Die Genossen R ü ck e r t vom Fabrikarbeiterverband und Klose vom Verkehrsbund unterstrichen in sachlich wirksamer Weife die Ausführungen des Referenten. Uebereinstimmeiü) stellten sie den eindrucksvollen Verlauf der Maioersammlungen fest. „Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren..." kämpfen die Gewerkschaften. Das Verbrechen der KPD. an den ersten Maitagen schreie zum Himmel, aber es trage endgültig zur Gesundung bei. K n ö f e l vom Verband der Maschinisten erinnerte an die Depeschen aus Moskau und die Reklame der KPD. mit ihren Berliner„Kämpfen" im Auslände. Vollmerhaus stellte fest, die KPD. habe über die Zuge- Hörigkeit der Arbeiter zu ihren Gewerkschaften volle Klarheit ge- schaffen. Er schilderte die KPD.-Maifeiern in der Provinz, wo 60, 80 bis 100 Kommunisten den ganzen Tag hin und her durch die Straßen der Stadt liefen und ihre Ohnmacht demonstrierten. Di« große Masse der Gewerkschaften läßt sich nicht länger von einer kleinen Minderheit vergewaltigen..Liehen wir die Linie durch, die die KPD. gezogen hat." Nebenbei wies Vollmerhous darauf hin, daß Mitglieder der Ortsverwaltung des Schuhmocheroerbandes den T a r i s b r u ch der Schuhmacher bei Leiser verteidigten. Nürnberg vom„Butab" zeigte, daß erst die teilweise Verwirklichung unserer früheren Ideale der KPD. den Mut zu ihrem Auftreten gibt. In seinm Schlußwort erwähnte Bredow noch die„Demon- stration" am 2. Mai im Gewerkschaftshaus durch das Umwerfen von Tischen und Stühlen und das Fenstereinschlagen in der Stehbierhalle. Trotz alledem:„Es wird in der Gewerkschaftsbewegung weiter vorwärts gehen!" Die folgende Entschließung wurde gegen 10 Stimmen der„Opposition" angenommen: vi« am 10. Mal 1929 im Gewerkschaftshaus lagende gemein- same Plenaroersammlung des Allgemeinen Veulfchen Gewerkschaft»- bundes, Ortsausschuß Berlin, und des Allgemeinen freien Ange- stelltenbundes, Orlskarlell Berlin, spricht der organisierten Arbcit- nehmerschasl für ihre mustergültige hallung, die sie am l. Mai bekundet hat. ihren Dank au». Der glänzende verlaus der gewerkschaftlichen Maiversammlungen und der gänzliche Mißerfolg der angekündigten kommunistischen Demonstrationen hat gewissen verantwortungslosen Stellen nicht gefallen. Ihre Hoffnungen hatten sich nicht erfüllt. Am Abend des 1. Mai sowie an einigen darauffolgenden Tage« wurden daher an einigen Stellen Berlins Zusammenstöße mit der Polizei provoziert, die«inen blutigen Ausgong nahmen und eine Anzahl Tote und Verwundete als Opfer forderten. Dafür Ist die kommunistische Partei Deutschlands verantwortlich zu machen, die durch ihre wochenlange Hetze in der„Roten Fahne" den Boden dafür vorbereitete. Die plenarverfammlung bedauert außerordentlich, daß der 1. Mai nicht ohne Blutvergießen verlausen ist und beklagt die un- schuldigen Opfer. Siegle schloß die Versammlung mit einem Hoch auf den Jmer- nationalen Gewerkfchaftsbund, den ADGB. und den AfA-Bund, worin nur zwei Unentwegte nicht mit einstimmten. Man sucht zwei Mörder. Reue Aufsehenerregende Zeugenaussagen im Oujardin-Prozeß. Inskerburg, 11. Mai. Zu Beginn der heuNgen Sihung überreichte Rechksan- ivalt Schönfeld dem Gericht die verlorengegangene Leschwerdefchrif« Dujardins. die er im Zuchthaus versaht und dem Oberlandesgericht überfandt hatte. Dieses Aktenstück wurde von dem Detektiv hoedtke herbeigeschafft. der über das Schicksal dieses Dokuments noch gehört werden soll. Dann meldete sich der Zeuge Oberlandjägermeister A r n tz, der schon in Klein-Kohlischken vernommen war und wünschte, seine Aussage zu erweitern. Der Zeuge bekundete, daß er am>15. Mai den Auftrag erhalten habe, Frau Jaquet und Dujardin zu verhaften. Frau Jaquet habe, noch bevor er ihr den Haftbefehl mitteilen tonnte, gesagt: »Herr Wachtmeister, gestern ist auf dem Bahnhof Metenlngken ein unheimlicher Kerl beobachtet worden, das ist sicher der Mörder meines Mannes." Frau Jaquet war über die Verhaftung sehr erregt, während Dujardin ruhig blieb und zu mir sagte:„Das habe ich mir gedacht." Als ich erstaunt fragte, warum er sich das gedacht habe, antwortete er:„Ich habe einen Fehler gemacht, ich hätte den Täter verfolgen müssen." Ferner machte der Zeuge eine wichtige Mit- teilung. Er behauptete in bezug auf den blutbefleckten grauen Militärmantel, daß er den Bruder der Frau Jaquet, Sauerbaum, in einem solchen Mantel vor dem Mord wiederHoll gesehen habe. Weiter bestritt der Zeuge sehr energisch, daß vor dem Schlafzimmer der Eheleute Jaquet irgendeine Spur zu sehen gewesen wäre. Er habe durch Versuche festgestellt, daß der Boden sehr hart gewesen sei, so daß man überhaupt keine Spur habe sehen können. Der Zeuge blieb bei der Darstellung, obwohl der Vorsitzende ihm wiederholt vorhielt, daß der Lokaltermin ein andere» Ergebnis gezeitigt habe. R.-A. S ch ö n f e l d: Sie haben doch damals in der Sache amtlich gearbeitet. Wie ist heute Ihre Meinung über den Fall? Zeuge: Zch meine noch heule, daß die Tat von zwei Leuten ausgeführt worden ist. Regierungsrat Kopp: Sie haben doch schon viele Festnahmen durchgeführt, bei d nen jeder Mensch sich anders verhält. Sind Sie der Ansicht, daß aus dem Verhalten eines Menschen bei der Verhaftung ein Schluß auf die Schuldfrage zu ziehen ist? Zeuge: Nein. Re- gierungsrat Kopp: Wenn Dujardin und Frau Jaquet die Tat zusammen begangen hätten, müßte doch«in enges Band zwischen ihnen bestanden haben? Zeuge: Ja, ich habe dafür aber keine Beweise, aber jeder Mensch, den ich fragte, traute der Frau Jaquet die Tat zu. Dujardin: cherr Zeuge, Sie haben gesagt, daß ich auf die Verhaftung wartete, und das erschein: Ihnen wichtig. Mußte ich das nicht, nachdem ich bereits von einem anderen erfahren hatte, daß ich in Verdacht geraten war, nämlich von Ko- waldt? Zeuge: Das hat Kowaldt Ihnen nicht gesagt. Vors.: Herr Zeuge, das ist falsch, was Sie da sagen. Der Zeug« Kowaldt hat als Zeuge selbst hier bekundet, daß er Dujardin gewarnt habe. Wir nehmen also Ihre Aussage nur als Ihre Anschauuno R.-A. S ch ö n f« l d: Meinen Sie nicht, daß der Sauerbaum, der, wie ich offen bekenn«, nach meiner Zlnsicht an dem Mord beteiligt war, nach der Tat durch die Kellerluke entflohen ist? Z e u g e: Ich weiß zwar, daß Sauerbaum bei den Vernehmungen einen Meineid geleistet hat. aber ich glaube nicht, daß er am Mord beteiligt war. Regierungsrat Kopp: Frau choelzner, den ersten Schuß in der Mordnacht haben Sie, wie Sie behaupteten, nicht gehört, sondern glaubten, daß Ihr Mann Sie gerufen habe. Weshalb glaubten Sie denn nicht, als Sie die schwarze Gestalt sahen, daß es vielleicht Ihr Mann sei? Zeugin(nach langer Pause): Daran habe ich nicht gedacht. Regierungsrat Kopp: Wir haben gehört, daß Sie«ine sehr mutige und kräftige Frau sind, lag es dann nichr nahe, daß Sie die schwarze Gestalt anpackten, anstatt zu fliehen? Zeugin: Ich sah den Feuerschein. Regierungsrat Kopp: Das kam viel später. Sie konnten doch nicht wissen, daß der Schuh fiel. Zeugin: Ich bin geflohen, aus Schrecken, aus Angst. Regierunqsrat Kopp: chatte es nicht am allernächsten ge- legen, daß Sie zunächst, als Ihnen etwas verdächtig vorkam, Ihren Mann als Schutz anriefen? Zeugin(nach sehr langer Pause leise): Ja, ja, heute sage ich das auch. Regierungsrat Kopp: Dachten Sie denn nicht instinktiv daran. daß Sie Ihren Mann durch Ihre Flucht schutzlos zurückließen? Zeugin: Was hätten Sie denn getan? Regierungsrat Kopp:.Ich weiß genau, wie ich gehandelt hätte. Sie sind also geflohen und erst nach einer V.ertelstunde er- fahren Sie durch Fremd«, daß Ihr Mann tot sei Ist es nicht merk- würdig, daß Sie sich nicht selbst von dieser für ein» Frau so furcht- baren Wahrheit überzeugten, sondern ruhig im Nebenzimmer sitzen blieben? Zeugin: Ich hatte solche Schmerzen in meiner tiand. Regierungsrat Kopp: Ja, ich verstehe nicht worum haben Sie sich nicht selbst überzeugt, daß Ihr Mann tot war? Zeugin schweigt. Mckzieher Woroschilows. .Authentischer Wortlaut" enthält keine Beleidigungen mehr- Auf die Anfrage des deutschen Botschafter» In Moskau wegen der Aeuherungen in der Maifeierrede des Sowjettommissar» für das Heerwesen W o r o s ch i l o w, die als Einmischung in inner» deutsch« Verhältnisse aufgefaßt worden ist, hat die Sowjetregierung erklärt, daß dem Kriegsminister jede Einmischung in innerdeutsch« Verhältnisse vollkommen ferngelegen habe. Der authenti- s ch e Wortlaut, wie er. in der Presse veröffentlicht worden ist, enthalte keine Wendung, die als solche Einmischung gedeutet werden könnte. Weiter hat die Sowjetregierung erklärt, daß sie ein« Ve r- letzung deutscher Hoheitszeichen auch bei Massen- demonstrationen nicht zulassen, sondern dagegen vorgehen werde. Die Demonstration vor dem deutschen Generalkonsulat in Lenin- grab sei wahrscheinlich spontan entstanden. Die Sowjetregie- rung hat eine Untersuchung zugesagt. Die deutsch« Reichs- regierung ist durch diese russische Erklärung befriedigt und betrachtet damit die Angelegenheit als erledigt. Gläubigerkampf veriagi. Am Schlußgutachten wird weitergearbeitet. Paris, 11. Mai.(Eigenbericht.) Die Sachverständigen der Alliierten haben sich am Freitag dahin geeinigt, ihren Streit um die Verteilung der deutschen Zahlungeu vorläufig zu vertage«. In der Zwischenzeit soll der englische Delegierte Stamp, der zum Redakteur des Tchlußgutachtens eingesetzt worden ist, stch mit Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die sofortige Eingliederung der deutschen Borbehalte in dieses Gut» achten einigen. In der Pariser Presse zeigt man einige Besorgnis wegen dieses Vorganges, denn man laufe Ge- fahr, daß, wie sich Pertiuax im„Echo de Paris" aus- drückt, Dr. Schacht unter Mithilfe Owen Koungs und Stamps neue Vorbehalte machen kann, die für Frank» reich unannehmbar seien und die Frankreich dann doch unter dem Druck der Mehrheit werde hinnehmen müssen. Prügelei in prenzlau. Wenn Kommunisten„demonstrieren". prenzlau, 11. Mai. Gestern abend kam es anläßlich einer kommunistischen Demon- stration gegen das Verbot des Roten Frontkämpfcr-Bundes zu Zusammenstößen zwischen Demon st ranten und Polizei. In dem Demonstrationszuge befanden stch auch ver- einzelt Leute in Rot-Front-Uniform mit dem Abzeichen der ver- botenen Organisation. Zwei von ihnen wurden von der Polizei festgenommen. Nach einer Versammlung auf dem Marktplatz, bei der ein auswärtiger Redner in scharfen Aeuherungen gegen das Verbot sprach, kam es auf dem Weg« zu dem Lokal»Voltsgorten" in einer schwach beleuchteten Straße zu Ausschreitungen gegen einen Polizeiossizier, der einen Teilnehmer festnehmen wollte. Die Demonstranten stürzten sich auf den Offizier und die ihn begleitenden Beamten und schlugen aus sie«in. Es gelang den Polizisten, sich mit Hilfe des Gummiknüppel» zu befreien. Als der Aufforderung des Offiziers auseinanderzu» gehen, nicht Folg« geleistet wurde, mußte die Menge von den Be- amten auseinandergetrieben werden. Gegen 11 Uhr abends war die Ruhe auf den Straßen wiederhergestellt. Großagrarisches Arbeiterquariier. So sieht die„Sittlichkeit" in W rkuchkeit aus. Rostock, 11. Mai.(Eigenbericht.) Der Guteverwalwng in Allersdorf wurden durch Vermitt- lung des Arbelteamtes Rostock zwei Frauen und vier Männer als Schnitter zugewiesen. Auf Anordnung der Gutsverwaltung sollten die zwei unverheirateten Frauen zusammen mit den vier Männern m einem Raum wohnen und schlafen. Nach der ersten Nacht forderten die Arbeiterinnen und Arbeiter wegen der haarsträubenden Verhältnisse ihre Papier« zurück. Die Guts» Verwaltung lehnte das jedoch ob und behauptete, vorher mit der Gendarmerie Rücksprache nehmen zu müssen. Erst eine Woche später wurden die Papiere zurückgegeben. Daraufhin verklagten die Arbeiterinnen und Arbeiter die Gutsverwaltung beim Arbeits- gericht. Sie verlangten für den ihnen entgangenen Verdienst und für Kost und Logis eine Entschädigung. Das Gericht verurteilte die Gutsverwaltung zur Zahlung von je 11,50 M. an die Männer und je 10,50 M. an die Frauen. Es wurde festgestellt, daß die Kläger berechtigt waren, sofort ihr« Papiere zu verlangen, da die gesetzlichen Anforderungen in der Unterkunstsfrage nicht erfüllt waren. Zwetie Amerikareise des Zeppelin. Abfahrt am 15 Mai. Am 15. ZNai. morgens um 7 Uhr. tritt das Luftschiff „Gras Zeppelin" von Friedrichshafen aus sein« zweite Amerikareise an. Di« Rückfahrt soll am??. Mai, nach einem dreitägigen Auf- enthalt ln Lakchurst, erfolgen. Das Schiff führ« IS Passagiere und zahlreiche Frachtstücke mit sich. Außerordentlich um- fangreich sind die Postsendungen. Es dürsten seht schon mehr als 100 000 Briefe und Po st karten zur Beförderung nilt dem Zeppelin in Friedrichshofen ang lang» sein. Ein Ieppelin-Vrlef kostet 4 M.. eine Postkarte 2 M. Die Sendungen müssen bis zum tZ. Mai in Frtedcichshafen elngetrofsen sein. » New York, 11. Mai. Der Präsident der Goodyear Zeppelin Company m Akron (Ohio), Litchfield, der dem Präsidenten Hoover die Pläne für die Einrichtung eine» regelmäßigen Zeppelin-Lust» fahrtdien st es über den Stlll«n Oz«on vorlegt«, teilte der Presse weitere Einzelheiten des geplanten großzügigen Unter- nehmen» mit. Danach sind 10 Millionen Dollar f,ür den Bau einer Luftlchiffhalle in Kalifornien und für den Bau von zunächst zwei Luftschiffen vorgesehen. Diese Bauten werden sofort in Angriff genommen werden, fall» der Bundeskongreß in seiner nächsten Session die vorgeschlagenen Kon- trakte sür die Beförderung von Luftpost nach Hawai genehmigt. Die geplanten beiden Luftschiff» sollen doppelt so groß sein wie die Los Angeles. Jede» wird eine Besatzung von 50 Mann führen und Kabinenräume für 100 Passagiere«nt- halten. Die Motoren werden stark g«nug sein, um d«n Luftschiffen «ine Geschwindigkeit von mehr als 150 Stundenkilometern zu ver- leihen. Die Motorkabin«n werden in die Luftschiffe eingebaut wer- den. so daß der Schiffsrumpf völlig glatte Linien aufw«ist, die nur durch die vorstehende Kontrollkabine an der Vorderseite unter. brachen werden._ 40 Kinder verbrannt. Ein Waldbrand vernichtet einen ganzen Stadtteil. Mexiko-Cith, 11. Mai.(Eigenbericht.) In der Stadt Zkochilata verbrannten annähernd 40 Schulkinder bei lebendigem Leibe. Die Ursache dieser Katastrophe war ein Waldbrand, der sich ohne Gegen» wehr der Bevölkerung mehr und mehr ausbreiten konnte und schießlich auch einen Stadtteil, in dem sich die Schule befand, umzingelte. Als man endlich zur Hilfe schreiten wollte, war es bereits zu spät. Gefährliches Chloraas. Ein Wesenbehälter exp'odiert im Staate New Uort. In den Ehemlschen Farbwerken der Solvay pro- ceß Company lm Staate Rem park explodierte heute ein Riesen- behälter. der 0000 Gallonen Chlorgas enthielt. Das holz. gebäude, ln dem sich der Behälter befand, wurde durch die Explosion völlig zerstört. Das Gas verbreitete sich in der wetteren Umgebung und rief bel Z0 Personen Gasvergiftungen hervor. Zwei der Dergifteten dürsten kaum mit dem Leben davonkommen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik, die noch durch den Umstand erhöht wurde, daß das Lustschlfs Los Angele» zur Zeit der Explosion gerade über der Stadt kreuzte und vtele Leute glaubten, e» ersolge ein Luttangrlss. Andererseits wurden Menichen- leben dadurch gerettet daß die Arbeiter, die � in dem zerstörten Gebäude der Fabrik befanden, kurz vor der Explosion ins Freie geeilt waren, um dos Luftschifs zu beobachten. Metallkonflikt in der Schweiz. Bern. 11. Mai.(Eigenbericht.) In der schweizerischen Maschinenbau-Industrie droht ein schwerer Konflikt. Di« Metollarbeiter-Gewerkschast, die heute rund 5 0 000 Mitglieder zählt, hat von den Industriellen vie Einhaltung der 48»Stunden-Woche und den Abschluß von T a r i f v e r- trägen gefordert. Die Industriellen beharren sedoch auf der 52-StundeN'Woche Falls sie von diesem Standpunkt nicht schon in nächster Zeit ab- lassen, ist der Streit unvermeidlich. Cine betrügerische Nankfirma. Mehr als e ne Million Schu den vor dem Schössengericht Charloltenburg fand heule früh ein Belrugsprozeß gegen den Bankler v. Blfchosfshausen und den Kaufmann Max Weife an. Der Angeklagt« v. Lischosfshausen ist einer der Mitinhaber der lS28 mi: einer Schuldenlast von über einer Million verkrachten Privatbank v. Bischoffshausenu Co.. Unter den Linden. In dem Prozeß, der sich an diesen Bankkroch anschloß, war der Bankier Bernhard Künzel zu schwerer Gefängnis st rase verurteilt worden, da er der Hauptleiter des Schwindelunternehmens gewesen war, während v. Vischossshausen, der kein gelernter Bankier war. nur mit einer geringen Strafe von wenigen Wochen davon kain. weil er sich nicht darum gekümmert hatte, daß die Buchführung der Bank in geordneten Verhältnissen war. D«r g«g«nirärtige Be- trugsprozeß hängt mit der 1925 erfolgien Bankgründung zusammen. V. Bischofsehausen hatte sein« Anteil« an einer angeblichen Filiale der In Stockholm bestehenden Akttebolazet Svenske einge- bracht Nach der Anklage soll aber dieses Unternehmen, an dem auch Weif« beteiligt wol. damals schon die Zahlungen eingestellt ge- habt haben. Es wird den beiden Angeklagten zur Last gelegt daß sie unter dieser Firma Baumwolle und Garne aus Kredit ge- kaust und weiterverkauft haben, ohne ihren Zahlungsver- pflichtungen nachzukommen Als die Sache heute früh aufgerufen wurde, war der Angeklagte o. Bischoffshaufen nicht erschienen, und es lag auch keine Mc!- dung über seinen Aufenthalt vor. Das Gericht mußte daher die Verhandlungen vertagen u nd erließ gegen v. Bischassshaulen Haftbesehl._____ Eine vergeßliche Mutier. O>er hat sie ihr Kinv aussehen wollen. Bewohnern des Haufe» Friedrich fl rohe 15 siel gestern abend gegen 7 Uhr im Flur ein klndecfpo'twagen auf, in dem ein elwa 2 Jahre alles Mädchen lag. Zunächst kümmerte sich niemand darum, da man annahm, daß die Muller in einem benachbarten Geschäft Einkäufe mache und die kleine Kutsche solange dort untergestellt habe. Eine halbe Stunde später war es mit der Geduld des kleinen Mädels vorbei, und es sing an. jämmerlich zu schreien. All- mählich sammelte sich eine Menschenmenge um das Wägelchen. Keiner wußte recht, was er ansangen sollte. Das Kind, durch die vielen fremden Gesichter erschreckt, brüllte wie am Spieß. Eine mitleidige Cofehausbesitzerin. die dort wohnt, nahm es schließl ch zu sich herein und stärkte es mit Milch. Als da» Kleine um S Uhr noch nicht abgeholt worden war. benachrichtigt« man das 113. Revier De Beamten forschten überoll nach, konnten aber die Muiter nirgends finden. Das Kind-konnte außer„Papa" unl ..Mama" auch nur„Friede!" sagen, wahrscheinlich ist das sein eigener Name. Da alles Suchen vergeblich war, bracht« man das Kleine noch am Abend noch dem Waisenhaus. Das Kind war sauber und ordentlich angezogen. Das weiße Kissen ist M. gezeichnet, die graue Decke ist grün abgefüttert. Cine nat'onale Mmschlacht. Erge'-n s: 35 Verletzte. München. 11. Mal.(Eigenb«-r't) Die M ü n ch e n e r Hofer. Filmgesellschaft, die der Hauptsache verstaubte Historien mit reaktionärer Tendeir belt. läßt gegenwärtig in Tirol einen Film übe- de Fre- hei's kämpfe der Tiroler im Jabre 1309 aufnehmen.? i Rahmen dieser Ausnahmen waren auch M'ssens-enen der S ch i a cb: um I s e l zu drehen. Dabei wirkten über 3000 Personen mit. Aus dem ganzen Land nahmen Schützenkomvagn en in historischen Trachten und mit Waffen teil: die französischen und banerischcn Truppen stellte da« Tiroler Alpenjägerregiment. Die Inns- brucker Garnison marschierte mit den Ofsizieren hoch zu R�ß an der Spitze aus. Sie war mit den ollen Vorderladern ausgerüstet Die Tiroler führten den Filmtampf zum Teil so echt, daß«» zu tatjächl'chen Kämpfen zwischen einzelnen Darstellern kam. 35 Personen wurden verletzt. Einem Ti-oler Freiheit?- kämpfer fizl cine Rauchrokete zwischen Hemd und Hose und«xplo- dierte. Ein Komparse auf der bayerischen Seite wurde durch einen starken SchlagmiteinemDreschslegeiander Stirn schwer verletzt Ein Maifeier-Nachspiel. Zusammenbruch der KPO. in piesterih-WMenbera. Halle. 1l. Mai. lElgenbericht.) Bei der Maifeier des bisher fast restlos kommunistisch befehlen Gewcrkschastskartells Pie st erih- Wilkenberg kam es dadurch zu Zwifchenfällen, dah die parleikommuniflen sich nichl an die Beschlüsse des Gewerkschaslskarlells hielten. Lei der Demonsiralion verliehen darum(500 Teilnehmer protestierend den Zug, weil sie die gewerkschaftliche Einheit durch die KPD. nicht brechen lassen wollten. Gestern gab es ein Nachspiel zu dieser Maiseier, das den Kommunisten im Wittenberger Znduslriebezirk den völligen Zusammenbruch brachte. Zn einer Sihung des Gewerksch«sts- kartells, dem so gut wie gar keine Sozialdemokraten angehören. wurde in schärfster Weise mit der KPD. abgerechnet. Der Witlenberger Sekretär, der Metallarbeiter Scheuster, erklärte seinen Austritt aus der KPD. und bezeichnete die Anhängerschaft der Stalin-Partei als B e r b r e ch e r. Ein a'ter Führer der witlenberger Arbeiterschaft, p r o s ch w i h, vollzog demonstrativ seinen Austritt aus der KPD. Der Kartelldelegierte Hildebrandl erklärte, obwohl er b i s seht Mitglied der KPD. war. dah die Schreibweise der KPD.-Presse ein unehrliches Mittel im Kamps um die Arbeiterschaft sei. Er bezeichnete die kommunistische presse als völlig verlogen. Llnfallchronik. E neu schweren Unfall erlitt ein Moskaujünger bei dem Ber- such einen ha dnündigen Bertehrsstreik zi delr tieren Er wurde von drei Seiten zugleich überfahren. Ein Vertrauensvotum für den Kartellvorstand, der die KPD.' In einem Flugblatt als Arbeiterverräterln und Verbecherpartei hingestellt halte, wurde mit 26 gegen 6 Stimmen angenommen. Nachdem in Wittenberg und piesterih die maßgebenden kommunistischen Führer schon vor Wochen aus der KPD. ausgetreten waren, haben nach den Maioorksmmnissen nun auch d I e lehlen führenden Funktionäre der KPD. den Rücken gekehrt, weder Führer noch Massen stehen hinter ihr und eine der bedeutsamsten kommunistischen Hochburgen im Bezirk Halle ist damit zusammengebrochen. Ooppelvorlaae über ReicheotTethe. Beschluh der N-ichsregierung. Die Reichsregierung hat am Freitag beschlossen, dem Reichetag den Gesetzentwurf über die neueReichsanleihe als Doppel- vorläge zugehen zu lassen Im Gegensatz zu der Mch'.heit des Reichsrates vertritt die Reichsregierung die Auffassung, dah die sür die Anleihe vorge- scheuen Steuervergünstigungen nur einmalig sein dürfen. Sie hat deshalb stärkste Bedenken gegen den Reichsrat: beschluß, wonach de, Reichsfinanzminister ermächiigt sein soll, ähn.iche Steuer« erleichterungen auch sür den Anldhebedarf der Länder in den Iahren 1929/30 festzulegen. Aus diesen Gründen wird die Regierung neben der Reichsratsvorlage auch, ihre eigene vor den Reichstag bringen. Arbeiierkuliur im Rundfunk. Am Sonntag, dem 12. Mai. von 11.15 bis 12 Uhr, findet im �'rliner Runds unk eine Morgenfeier statt, veianstaltei vom e i t e r- K u l t u r k a r t e I l Berlin, hiermit soll der An- gemacht werden, denen, welchen die bisherigen Runds mk- .>< Vrn nicht zusagen, ei"c Feier zu bieten, die ihrer Ge» cnlsprich!. Diese weltlichen Runds nkmorgensciern sollen ,e-.lmühigen Abständen sortgesef t werden. Es gelangen zum Vortrag: heilige Arbeit: Festlied (h.irnich Schlitz 1661[1585—1672)), Madrigalvereinigung de: Jun- gen Chors, Leitung Walter Rohde, Tert von Karl Lütge(geb. 1875). Vorspruch(Aus: Der geschlossene Handels staat). Albert Florath (Loh. Gottl. Fichte 11762—18141). Lenzeetrost(Erwin Lendow [1882]) Madrigalvercinigung des Jungen Chors, Text von Dietijiar von Äist U171). Leben hciht Schaffen, und heilig ist die Arbeit, die freudig geschehen kann. Redakteur Gerhart Seger. Chor der Arbeit(Aus dem Frühlingsmysterium. Heinz Tießen), Madrigal« Vereinigung des Jungen Chors. Text von Bruno Schönlank. Rez!« tationen: Die neue Maschine(Erich Grisar[1898)). Meine M schine tKurt Kloeber 11897)), Lied der Arbeit(Karl Bröger 11866», Das Trohe(Alfons Petzow[1882)): gesprochen von Albert Florath). Wann wir schreiten(Satz von Heinz Tiehen 11920), Madrigal- Vereinigung des Jungen Chor», Text von herm. Claudius(1920). Gebrauchsmusik Llmfchau/ Von Werbend und repräsentativ steht der Name Paul h i n d e m i t h im Programm einer Nachtvorstellung„K o m m e r m u> i k und Filmmusik". Kammermusik ist Aufputz und Dreingabe: Film- musik, Musikfilm allein Gegenstand des betonten Interesses, das um Mitternacht ein Publikum der besten Musiker im„Alhambra"- Theater oersammelt. Das ist so kennzeichnend für die gegen- wärtige Situation wie für das Verständnis, das ihr, selbst mitten darinstchend, der führendste unser heutigen Komponisten entgegen- bringt. In der Tat ist es ja im Augenblick so, dah die Bedingungen de- musikalischen Fortschrittes mehr im Praktischen als im Aestheli- sehen, weniger in der Musik selbst als in den Formen ihrer An- wendung zu suchen sind. Um Zweckmusik, Gebrauchsmusik also, handelt es sich, um Musik gewissermaßen als Bedarfsartikel. Das Programm beginnt mit hindemiths Spielmusik für Lieb- Haberorchester„Ein Jäger aus Kurpfalz". Ein Werk— für Musikliebhaber, nicht für Berufsmusiker, geschrieben, um gespielt, nicht nur, um gehört zu werden: das ist neu und begrüßenswert. Näm- lich, daß ein Musiker von diesem Rang sich zu solch einer Aufgabe herabläßt, hmdemith macht es ganz ohne Herablassung, und auch nachher steht er mit seiner Bratsche auf der Bühne des Filmtheaters — in den Kammermusikeinlagen zwischen den Filmen, von denen Paul Dessau, Kapellmeister und guter Geist des Hauses, zwei, Hans E r d m a n n einen mit passender, in ihrem Niveau gesicherter Musik ausgestattet, richtiger durch hinzutun von Musik vollendet hat. Jeder Vorstoß dieser Zlrt wert, begrüßt zu werden, doppelt, wenn er wie hier von filmkundigen Musikern unternommen wird. In der Geschichte des Films bleibt die Musik bislang ja eines der dunkelsten Kapitel. Mit dem heraufkommen des Tonfilms beginnt nun auch in den Kreisen der Industrie das Interesse— wenigstens für die akustischen Probleme des Filmtheaters— sich zu beleben. Noch nicht eigentlich für die musikalischen, so weit ist es noch nicht. Aber aus den Zukunftsmöglichkeiten, die der Tonfilm birgt, schöpft der heutige Komponist begründete Hoffnung, im Prozeß der Film- Produktion als Schaffender doch noch seinen Platz zu finden. Noch auf einem anderen Gebiet gewinnt die Musik heut« prak- tisch neue Bedeutung: in der Kleinkunst des Kabaretts. Von der Musik her, die sich unauffällig durch das ganze Programm zieht, von ihrem Rhythmus werden Ton und Geste auch der musiklosen Nummer gelenkt, wer Kabarettist ist, ist, freiwillig oder nicht, auch zum Sänger und Tänzer geworden. So im„Larifari", mit Rosa Valetti, Roma Bahn, Hubert o. Meyerinck, Ändert Wäscher als Trägern des allabendlichen Erfolges, hier ist es, als Komponist am Flügel sitzend, von dem aus er sein Iazzkapellchen leitet, der begabte Erich E i n e g g, der auch die eindeutigsten Zweideutig- leiten mit modischer Musik betreut. Oed und Gesang. Nachfrage und Aufmerksamkeit wenden sich der Gebrauchsmusik zu: die absolute, nur„künstlerische" Musik des Konzertsaales macht krisenhaft schwere Zeiten durch.' Das Konzerllied, das romantische Kunstlied, ist. nach dem heutigen Stand der Produktion, eine ab- parodisten und Tänzer. Kabarett per Komiker. Willy Hagen sagt an. Um diesen Mann mit dem Aussehen eines wohlhabenden Kaufmanns ist kühle Würde. Roellinghoff und Robitschek schreiben' eine Parodie auf die Fcstspielwoche, das heißt, es ist ein lang geratenes parodiftisches Gcdicht, dem die Spitzen, die WiderHäkchen abhandengekommen sind. Man streichelt mit Samtpfötchen und möchte so gern auch ein« Kralle zeigen. Nette, liebenswürdige Schmonzetten. denen Ilse B o i s Rückgrat gibt. Sie zeigt mit ihrem glanzvoll parodistischen Talent, ihrem kühn herausbrechenden Witz, wie diese Parodie hätte konzentrierter, gespitzter und geschlissener sein können. Ueberhaupt scheint die parodistische Kraft im Kabarett der Ko- miker, ehemals ein Institut, in dem man den Spießer am Ohr nahm, etwas erlahmt zu sein,„yuo vadis* ist in letzter Zeit kaum wieder erreicht worden.„Moderne Backfische" heißt der Titel der neuen Parodie auf den Osfiziersenthusiasmus. deren Wirkung Haupt. sächlich W a l l b u rg und B r e s s a r t zu danken ist, weniger den Einfällen des Bearbeiters. Man ist zahmer, versöhnlicher gewor- den, man schickt seinen Geist in Pension. Aber dann tanzt Genia N i k o l a j e w a von der Staatsoper in dem alten dekorativen Ballettstil einer Karsavina oder Pawlowa mit virtuoser Beherrschung der Spitzentechnik, mit jungem, ge- schmeidig gelockertem Körper, dann tritt Henry mit seiner Part- nerin Asta Rowalska in einem Walzer auf. Es ist eine spie- lerische Kunst ohne Schwere, ohne Idee, doch eine Kunst, die durch ihre Problemlosigkeit, durch die Großaufnahme schöner, in Bewe- gung gelöster Körper fasziniert. F. S. Oer Streit um Stozel erledigt. Der Streit um die angeblichen prähistorischen Funde in Glozel, der weit über ein Jahr die wissenschaftlichen Kreise der ganzen Welt und die gesamte Oefsentlichkeit in Atem hielt, ist nun endlich aus Grund eines Berichts des Gerichtslaboratoriums der Pariser Polizei unzweideutig entschieden worden. � Das Urteil einer internationalen prähistorischen Kommission, die im vorigen Jahre zusammenberusen worden war, hatte die ..Glozelianer" nicht wankend machen können Die Polizei bereitete schließlich der Angelegenheit ein End«, indem sie einfach gegen die Besitzer des sogenannien„prähistorischen Feldes" Klag« wegen Schwindels erhob. Das Gcrichtslaboratorium rechtfertigte nun ti-ses erst vielfach belächelte Vorgehen der Polizei in vollem Maße. Es stellt« sich bei einer chemischen Untersuchung der angeblichen Fun.e heraus, daß sie nicht länger als höchstens fünf Jahre in der Erde geruht haben können. Selbst der eifrigste Glozelianer wird aber wohl kaum behaupten wollen, daß die angeblichen prähiftori- lchen Vorfahren der Franzosen, die die Schrift erfunden haben sollen. bereits Baumwollspinnereien und Anilinfabriken besaßen. Baum- wollfäden und Anilinfarben ledoch lasten sich an einzelnen Fund- llücken einwandfrei feststellen, ebenso frische Pslanzenreste. Erfolg de« dsvlschen Sonnensinsternis-Expeditlon. Am 9. Mai um 1 Uhr mittags wurde auf Sumatra durch die deutsche Sonnen- sinkternis-Expedition die füns Minuten dauernd« totale Sonnen- finsternis beobachtet Von Prosestor Freundlich tras folgendes Tele- niamm ein:„Bei guter Sicht Finsternis beobachtet." Nach dieser Meldung ist zu hoffen, daß die der Abteilung vor allem obliegende lange erstrebte Prüfung des Einstein-Effektes(Ablenkung der Licht- strahlen im Schwerefeld der Sonne) in experimenteller Weife gelöst werden kann. / Musikgebrauch. Klaus pringsheim. sterbende Gattung Ihr Leben wird sich durch ein paar hwvjch ge schriebene, fein empfundene Lieder von Richard Trunk und von Leo Mittler— wir hörten sie freilich in unerlaubt unzu- länglicher Wiedergabe— kaum verlängern lasten. Und S t r a- w i n s k i s. von drei Klarinetten begleitet«„Katzenlieder" weisen nicht eben in die Zukunft einer neuen Gesangslyrik: Paula Lind- berg, die grundmusikalische Sängerin, hat sie in einem von Kurt Singer geleiteten Kammerorchesterabend in anregende Erinnerung gebracht. Erich Kleiber, nach schwerer Krankheit zum ersten Male wieder am Pult, vom Publikum herzlich begrüßt, präsentiert im 9. Sinfoniekonzert der Lindenoper sieben Lieder mit Orchester von Alban Berg.„Sieben frühe Lieder" nennt sie der Wozzeck- Komponist nach zwanzig Iahren, durch den Namen andeutend, daß der unbedeutenden Arbeit nur noch biographisches Interesse zu- kommt. Verspätete Lieder— sie vermögen nicht nachhaltig zu interessieren. Nur der beliebte, gefeierte Sänger vermag heute auch für das, was er singt, mit Erfolg zu werben. Kaum nötig, festzustellen, dah Heinrich S ch l u s n u s in der Philharmonie sein begeistertes Publikum findet. Zur selben Stunde aber erscheint im Beethoven- Saal Margarete Matzenauer. Mezzosopranistin von der New- Porter, früher der Münchener Oper, international auch in ihrem viersprachigen Programm, Gesangskllnstlerin von großen Mitteln und großem Stil. Und Tenia B e l m a s, international unter Be- tonung des Russischen, Konzertsängerin mit starken Opernqualitäten, bestätigt auf dem Podium den außerordentlichen Ruf, den sie von der Schallplatt« her auch bei uns besitzt. LnstrnmentaNsten. Von der Not der Pianisten ist neulich hier die Red« gewesen. Ein weiterer Grund dieser Not: die Unzeitgemäßheit der Programme, zu der sie wesentlich verurteilt sind. Diese Programme sehen im allgemeinen heute kaum anders aus, als etwa vor dreißig Jahren. Chopin herrscht vor. So bei Jan S m e t e r l i n, der in kurzem Zeitraum drei Klavierabende absolviert: ein kultivierter,, feinfühliger Musiker, und, selbstverständlich, technisch'aus der höhe. Das läßt sich summarisch auch von Nicolai Orloff sagen. Bei Leonora Cor- t e z überwiegt das Technisch«, bei Else Freund der Wille zur Musik. Als starke Pianistenpersönlichkeit fällt der junge Iso Clin- s o n aus Leningrad auf, und zu den Besten ist nun, auch technisch vollendet, Dorel handman zu zählen. Doch alle Eindrücke der letzten Wochen überragt die glänzende, virtuosisch hinreißende, schlechthin grandiose Wiedergabe des O-Moll-Klavierkonzerts von Rachmaninoff durch Wladimir h o r o w i tz— freilich mit dem Conzertgebouw-Orchester als Begleitinstrument. Endlich zwei Cellisten: Emanuel Feuermann, vor kurzem als Lehrer an die Staatliche Hochschule berufen, gehört zu denen, die als Künstler einen ersten Platz in der Welt haben: auch Benito B r a n d i a darf in ihre Reihe treten. Und die Orgel, als Konzert- instrument ein wenig fremd in unserer Zeit, wird durch Traute Wagner in einem Programm von Bach bis Reger zu Ehren gebracht. „Quartier, latin." Ufa-palast am Zoo. Murgers Boheme in modernisierter Fassung. Mimi ist jetzt Studentin und verdient nebenher ihr Brot als Klavierspielerin: Rodolphe, Sohn eines schwerreichen Mannes, gehl auf Abenteuer aus, verliebt sich auf einem Studentenfest in Mimi. gibt sich als Maler aus und zieht Tür an Tür mit ihr. Eine Schlange—«ine russische Fürstin natürlich— bedroht ihr Glück. Sie will ihn nach Venedig locken, erst im letzten Augenblick kehrt Rodolphe reumütig zurück. Aber Mimi, die ihn auf dem Bahnhof suchte— und auf die Schienen hinauslief, wäre beinah« um» Leben gekommen. Ver- söhnung an ihrem Krankenbett. Der Romanschreiber und sein Filmbearbeiter haben den Stoff nicht neu beloben können, indem sie ihn ins übliche Filmschema preßten. Aber Augusto G e n i n a gießt prickelndes modernes Leben in ihn hinein. Das Ballfest der Studenten hat ein Tempo Furioso und gibt neue Schauseiten. Das herumirren der armen, in ihrer Liebe getäuschten Mimi auf dem vollgedrängten Bahnhof, wie sie gerade noch den abfahrenden Zug erreicht und ihm folgt, in der Hoffnung, noch einmal den Geliebten zu sehen, ist ein filmisches Meisterstück. Carmen B o n i, die Mimi, wächst hier über ihre Rolle des hübschen Mädchens hinaus und gestaltet die Qual der hilflosen. Iwan P e t r o v i ch sucht dem jungen, reichen Manne sympathische Seiten abzugewinnen. Gina M a n e s. als»er- führerische Frau von Welt, interessiert nicht übermäßig. r. „Kameradschastsehe." primus-palast Auf der Suche nach Neuem ist es berechtigt, Probleme als Film- vorwand zu wählen. Aber man ist bislang dabei auf gänzlich falschem Wege. Benutzt man doch nur das Problem aus Geschäfts- Interesse. Man nimmt Rücksicht auf die Großstadt, man nimmt Rücksicht ans die dunkelste Provinz, man möchte es weder mit dem Gewaltreformer noch mit dem Sittlichkeitsschnüffler verderben, und dem Problem selbst weicht man ängstlich aus. Die Gegensätze kon- struiert man falsch, denn man läßt sie nicht aus verschiedenen Lebens- bedingungen heraus, sondern einfach Infolge größter Intoleranz enfftehen. Dramatik aber bringt man einzig durch Verwertung moralischer Defekte hinein. So geht auch dieser Film, der einen Längeschnitt durch viele Ehen»nd Verhältnisse zeigt, einen falschen Weg. Er ist weder ein Anwalt für die Kameradschaftsehe, noch ein Kämpfer gegen sie. Er schildert sie überhaupt nicht, weil dieses alberne Getue zwischen einer Näherin und einem Studenten nichts mit einer Kamerad- lchaftsehe zu tun hat. Irgendwelche Unterschiede zwischen Fami- lien- und Kameradschaftsehe werden nicht aufgezeigt. Da der Film einen anderen Registeurnamen angibt als das P: ogramm, sei er nicht genannt, zumal der Spielleiter«In un> schöpferiscber Mensch ist. Sein einziger be'achter Einfall ist ein kopierter Van-tötrick. Von den Darstellern konnten einem Olaf Fjord und Ernst Verebes leid wn. denn sie können mehr, als sie zeigen durften._ e. d. 2S0C0 l'blhirierftn im Jahr Im Istn« 1009 eiHeltkN in eichen .'iOOO(Snmnaflnll-n die Zlbilurienlemeiie, im Jahre 1327 wäre«« es 18009 und in den nächsten Jabren wird diele ZaW aus 25000 anwachien.— Im Iadrc 1900 awaen mit wenigen Äu nahmen alle ilbi urienten»um Hochichmiiiidium über. I3.>7 beirug dieler Änleil nur noch 56 Proz. Eiw 12000 Miiurienten gehon heute schon w andere Berufe über. Thesen nach dem Blutbad. Das Llrteil der Zeniralekommunisten. „Die Berliner Ereignisse bilden in ihrer Gesamtheit einen rohen Erfolg des Proletariats und der Kommu- nistischen Partei." Der vorstehende Satz ist ein Kernstück der offiziellen „Thesen für Agitatoren und Propagan- d i st e n", die die KPD. in der illegalen„Roten Sturmfahne" veröffentlicht. Man hat sich darin endgültig zur Lesart des „heldenmütigen Barrikadenkampfes" bekannt: „Das Proletariat hat im Kampfe mit der Staatsgewalt, im Sozialdemokratie die Berliner erkämpst, am 2. und 3. M a i mit der 1. Mai offenen Kampf Straßen am behauptet- Die Massen schritten Kampfformen, zum nisierten Selbstschutz gegen dabei zu den bisher h ö ch st« n Barrikadenbau. zum orga- die Polizei, wobei sie spontan zu den Waffen griffen, die sie fanden. Die Arbeiterschaft kämpfte mit größter Zähigkeit, Ausdauer, Kaltblütigkeit und Kühn- heit Die Aktivität der gesamten deutschen Arbeiterschaft wurde außerordenlich gesteigert. Der Maikampf wurde unmittelbar zu einer politisch-revolutionären Bewegung des Proletariats gegen die bürgerlich-sozialdemokratifche Regierung und gegen den Staat der herrschenden Klasse." .'.Die Taktik der Partei bestand darin, den Masten im Kampf um die Straße jene Erfahrungen zfl vermitteln, die Voraussetzungen für die Bewaffnung des Proletariats, die Bildung von Sowjets, den siegreichen Kampf um die Macht sind. Die Taktik der Partei war vollkommen richtig. entsprach den kontreten Bedürfnissen des Mastenkampfes und führte zu bedeutsamen Erfolgen. Dieser Erfolg besteht darin. daß: die Massen drei Tage lang die Straßen erkämpft und be- hauptet haben: im Widerstand und Gegenangriff gegen die Polizei«ine neu« höhere Stufe des Klassenkampfes für die gesamte künftige Ent- wicklung erreicht wurde." Diese trauriq-grcßsprecherische Kundgebung kennzeichnet notwendig das Geschrei der Münzenberg-Presse über die Polizeibrutalität, die ohne Gegner geschossen habe, als Lüge. Im Geiste der„höheren Stufe des Klassenkampfes", die die KPD. jetzt erklommen hat, wird das folgende Programm aufgestellt: „Der Berliner Maikampf ist der Auftakt für ein« mächtige Steigerung und Beschleunigung der Massenbewegung im Reich, der Ausgangspunkt für einen neuen Aufstieg der revolutionären Welle. Die Berliner Barrikaden- kämpfe demonstrieren, daß wir einer unmittelbar revolutionären Situation entgegengehen, mit deren Entwick"'vg die Frage des bewaffneten Auf- st an des unvermeidlich auf die Tagesordnung treten wird. Unter diesem Gesichtspunkt sind di« Perspektiven des weiteren Kampfes zu stellen. Aus den Berliner Maikämpfen ergeben sich folgend« Aufgaben für die Partei: Organisierung des proletarischen Selbstschutzes gegen PoliM- terror, Faschismus und Streikbrecher in den Betrieben(Zusammen- fassung der aktivsten, klassenbewußtesten Arbeiter in proletarischen Selbstschutzorganen, Demonstrationsschutz, Streikschutz usw.). Sofortige und radikale Umstellung des RFB auf Betrtebsgruppen. allseitige Propaganda für die Wehrhaftmachung des revolutionären Proletariats. Entfesselung einer neuen Welle von Lohn- und Wirtschafts- kämpfen. Steigerung dieser Kämpfe zu politisch-revolutionären Massenaktionen. Stärkst« Vorbereitung der Partei und der Massen für den Anlikriegstag am 1. August. Umfassende Kampagne in der gesamten Arbeiterschaft, um In- halt und Bedeutung der Maiergebnisse klar zu machen und die Massen auf die kommenden Kämpf« vorzubereiten Herausarbeitung der revolutionären militärpolitischen Lehren des Berliner Kampfes unter dem Gesichtspunkt der Taktik, Organisation und Technik des Bürgerkrieges. Unbedingte sofortige Vorbereitung der gesamten Partei auf die Illegalität, Anwendung illegaler Ar- beitsmethoden." Die verbrecherische Taktik der KPD. soll demnach fort- gesetzt werden. Die politischen Abenteurer, die jeden politischen Verständnisses bar sind, brüsten sich mit ihrem„großen Er- folg" und rüsten zu neuen Erfolgen. >» Am Freitag abend wurde von Berliner Kriminalbeamten die kommunistische„Rote S t u r m f a h n e", ein Ersatzblatt für die „Rote Fahne", während des Druckes beschlagnahmt. Das Blait wurde in Berlin in Flachdruck hergestellt, während als Drucker ein« Druckerei in Amsterdam angegeben wurde. Der I n- Haber der Berliner Druckerei wurde vorläufig f« st- genommen und der Abteilung I A. im Berliner Polizeipräsidium zugeführt. * Der Polizeipräsident hat die kommunistische Wochenschrift „M. Z."(MontaUeitung der Werktätigen) auf Grund des Ge- setzes zum Schutze der Republik bis einschließlich ll> Juni lSZg verboten, weil sie in ihrer Nummer 18 vom 6. d. M Artikel ge- bracht hat, welche die Kommunistische Partei Deutschlands in ihrer Bestrebung, die verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staats- form des Reiches zu untergraben, mit Rat und Tat unterstützt. Verprügelt euch selbst! Ma? Holz für Gehirnverflüssigunq durch Gummiknüppel. Max Hölz, der im Auftrag der kommunistischen Bezirksleitung Erzgebirge-Vogtland in Sachsen Wahloersammlungen abhält, hat nach dem Bericht der kommunistischen„Arbeüerpolitik" seinen staunenden Zuhörern folgende Weisheiten zugerufen: .Euer Gehirn ist ranzig geworden, es stinkt schon. Ich Hab« Hiebe bekommen mit dem Gummiknüppel --- flü in Karlsruh« iebe bekommen mit dem Gummiknüppel von der Polizei. Das hat gut getan. Mein�Gehirn ist flüssiger te geworden. Ich denke ieht schneller. Wenn ihr euch von der Poliz»y«cht prügeln lassen wollt, kamt euch einen Gummiknüppel, flellk euch vor den Spiegel hin und Hanl euch sink, und rechk, in die Fresse, dann wird euer Gehirn flüssiger und ihr werdet revolutionärer!" Es ist eigentlich nicht klar, warum die von solchen Fanatikern der Prügelei angeführte KPD. sich über die Schutzpolizei beschwert.„Dem Zustimmenden geschieht kein Un- recht," jagten schon vor Jahren die altrömischen Rechtskundigen. „Volt und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Wetter für Verlin: Weiterhin warm und meist heiter, schwache Luftbewegung aus westlicher Richtung.— Für Deutschland: Größtenteiis heiter und trocken, warm, nur lm Nordwesten etwas Gewitter« neigung. Theater der Woche. Dom 12. bis 20. Mai. Volksbühne. Xfeal» am«Slamplatz: 12., 14., 15., 17., 18., 19., 20. Jcdian«. 13. Ioimu. mont. 16, Einmaliger BorfiUirungsabend des Sprech, und Bewegungschors der Polksbilhn«. Theater am Schilsbaneedamm: Z»,»reigraschenvper. Thalia-Theater: Di« Pfarrhauskamödie. Staatstheater. «taataaper Unter den Linden: 12. Traubadar. 18. Zrnula. 14. Fra Diana'». 15. Eanalleria rusticana.«aja.,,,. 16. Tasea. 17. Götterdämmerung. 18. Barbier van Sevilla IS. Meistersinger. 20. Macht des Schicksals. Staatsaper am Platz der Repnblil: 12., l5.. 20. Hosfmanns Erzähwnaen. 13. und 17. Der flicgcndc Halländcr. 14. Luisa Miller. 16. und 19. ca.amc. 18. Mrdermaus. Städtisch« Oper. Eharlottenbnrg: 12. Zauberflöte. 13. Geschlostene Bar. stellung. 14 Sachzeit des ftigara. 15. und 18. Sin. 16. Margarete. 17. Othello. 19. Tristan und Ifalde. 20. Turandot. Schautpielhan» am Grndarmrnmarkt: 12., 13., 15., 17., 19.. 20. stöing Iahann. 14. Der Condoner verlorene Sahn. 16. Wallensteins Lager, Picea, lomini. 18. Wallensteins Jod. Schilertheatee: 12., 13., 15., 16., 17., 19., 20. Zaungäste. 14. Jlalfutia, 4. Mai. 18. Gespenster. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Pattltis unter den Juden.— stammerspiele: Ausgang nur für Hcrrsäxisten.— Die stamedi«: Der Mann, der seinen Namen änderte. — Theater am Nallevdarlplatz: Di« Männer der Maua».— Theater in der stänigqrätzer Steatze: Rivalen.- stamiidienhans: Ehariens Tante.— Gratzes Schanspieltzaus: Der lirbe Auguftin.— Theater de» Westens: lZriederile.— Metrapal. Theater: Di« lustig? Witwe— Deutsches stjirstlertheotee: Bis 17. Prosit Gipsn. 17. Nachtvarstrllnng. 2814 Uhr. Sa oder so. iZwei Arten, ein Stück zu schreiben.)— Lustspielhan«: Weclcnd im Paradies.— Lesfing-Theatrr: Die sirau des Andern.— Trianan Theater: Da« süsie Geheimnis.— Die Tetbüne: Bis 16. Duell der Liebe. Ab lt. Die Sache Makro pules.— Berliner Theater: Die Mnf frankfurter.— Kleines Theater: Naß oder trocken?— Renaiffanec-Thenter: Die heilige flamme.— Schlaßpark-Theate« Steglitz: Zar und Zimmermann.— Plaza, Wintergarten, Skala: Internationales Variete. — Reichshallen-Thenter: Stettincr Sänger.— Theater am ststtbufler Tor: Elite-Sanger. Nachmittagsvorstellungen. Bakkabühne. Theater am Biilornplatzt 12. Trojaner.— Theater am Schiff- Hauerdamm: 12. Helden.— Thalia-Theater: 12. Die Pfarrhauskoinäd'e.— Renaistanee- Theater: 12. vorm. 12 Uhr. Wahitiltigkeitsvarstellung Paria laureatus.— Tcklasiparl. Theater Steglitz: 12. Martha.— Plaza: Internat o» nales Bariete.— Wintergarten, Skala: 12., 18., 19. Internatianalea Barietf. — Reichshallen. Theater: 12., 19. Stettincr Sänger.— Theater am stattbnffcr Tor: 12., 19. Elite-Sänger. Erstausführungen der Woche. Freitag. Staatsoper Unter den Linden:„Götterdämmerung". — Tribüne:„Die Sache Makrapolos". Berantwartiich für die Redaktion: Franz stliiha, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin, Berlag: Vorwärts Bering®. m b£., Berlin Druck: Borwärts Buch. druckrrci und Lerlagsanltalt Paul Singer&• Co., Berlin SW 68. Liudenftraße 3. '»terin 1 Beilage. 8t»»tI.8cIii!Iek-Ikeatek.cM. 10 Uhr Zaungäste VoiKsmitue ruatar ainSlllowgiali 8 Uhr Troianer Thalia-Theater 8Vj Uhr Pfarrhaus- KomOdie Staatl. Sdiiller-Tli. " Uhr Zaungäste äamowsk)- Söhnen Theater in der tSniggrätzer Straße räalich SV* ühi Riva i en Komödienhaue räalich ti1/* Uhi CharieysTanle mit Curt Boie. Oüfltsoies ineaier 0.1. Norden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dratnat. Legende von FraniWerfel Regie: Kart-Heini Hutla. Die Komödie i IBismck. 2414/7516 3/. Uhr ..Die Frau das Andern" IHeabif1 Turtmtr.45 ErSFFnunq demnäehsf Warten Sie auf«die Ereffnunqfanqebete Sic sparen Ccid iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 1 Paar Turnschuhe gratis für jcdan Kauf von SM» an am Erettnunasf aae ■iiiEiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilieiiii scata 8 Uhr 65 Barbarossa 9256 The Jevers ■nie«eitere Tarlete-Nenn eilen Sonnabends n. Sonnfods le 2 Torstellnnden l" und I Uhr— J" ermäßigte Pr. PLAZA Am IC**1 Alei. ' ftmt, Tiglich S, 8" Sonntag?.S 8>8 iNTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl Sonntag Hose-Her, BioBe Franklarttr SlnAt 132 Tai.; Alexander 3422. Tiglich 8>/« Uhr (Saunu 1 Tantal la no ta 32 310 3Vi U, Ende geg. 10 Aufgang nur lur Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Theater am lolieodorlplait Täglich 8V« r Die manner cer manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goc ze Trlanon-rh. Täglich 8« Uhr Das süsse Gedetmnls Operette von Zorijg Rundfunkhört r aawe«-reis- Otsah, XDfistler-TA. 8V« Uhr Prosit fiipsy Operette v. Gilben Emmy Sturm Fritz Schulz tfieines rneaKr Täglich 8V« Uhr NaBo« Art die Reichseinheit auf tönerne Füße stellte, ritt er auf dem Steckenpferd herum, daß das Reich von 1S71 ein Bund von Fürsten, nicht von Staaten fei und daß deshalb„nötigenfalls die Fürsten und die Senate der freien Reichsstädte den Beschluß fassen könnten, von dem gemein. schaftlichen Vertrage allseitig zurückzutreten", um dann einen neuen Bund ohne den Reichstag des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu begründen! In der Sitzung des preußischen Staatsministeriums vom 2. März 1690 verfocht Bismarck diesen Gedanken aufs eitrigste, aber Wilhelm II., bearbeitet von Ränke spinnenden Gegnern des Kanzlers, wie dem General Grasen Walderse« und dem konservativen Parteiführer v ch e l l d o r f, wollte damals wenigstens von einem Kampfprogramm gegen den Reichstag nichts wissen. Befremdet vernahm er Bismarcks Ausspruch, es müsse im Lande ein« solch« völlige Verwirrung und ein solches Tohuwabohu herrschen, daß kein Mensch niehr wisse, w» der� Kaiser mit seiner Politik hinaus wolle! Drei Tag« darauf warf, begierig, seinen eigenen Absolutismus auszurichten und auszukosten. Wilhelm den Begründer und Ausnutzer des bismärckifchen Absolutismus zur Türe hinaus. Daß für diesen Schritt von allen Beweggründen einer ganz sicher nicht mitsprach, Achtung vor der Reichsverfassung, erwiesen sehr bald die Wünsche, ouf die der von Bismarck befreite Wilhelm verfiel: auf nichts Geringeres gingen sie aus, als den„halbverrücklen Reichstag zum Teufel zu jagen". Bereits im Sommer 1890. als das Parlament«in« unbedeutende Armeeforderung ablehnte, spukte der Staatsftreichgedank« wieder. Was neue Urkunden enthüllen Auch als 1893 der Reichstag wegen einer Militärvorlage aufgelöst würde, beriet man in Berlin sehr ernstlich, ob man nicht einfach, unter Ausschaltung des Parlaments, also durch«inen Staatsstreich. die Hcekbsvermohrung oktroyieren solle. Gelang es dem Reichs- tanzler Caprioi, noch einmal einer Katastrophenpolilik vorzu- beugen, so wurde im folgenden Jahr die Gefahr brennend, als Wilhelm mit dem Plan spielte, die anarchistischen Attentat« in Frankreich zur Durchpeitschung eines neuen Sozialistengesetzes aus- zuschlachten: namentlich der preußische Ministerpräsidem Graf Botho Eulenburg und der preußische Finanzminister Miguel drängten den Monarchen in diese Richtung. Aber da der Reichstag schwerlich geneigt war, eine Umsturzvorlage ohne weiteres zu schlucken, stand hinter dem Plan,«in solches Gesetz einzubringen, abermals der Slaalsstreich. Anfang September sprach sich der Kaiser mit den Königen von Sachsen und Württemberg aus dem ostpreußischen Manöverfeld« aus. Namentlich der Sachse, in dessen Land die rote Flut am bedrohlichsten stieg, bestärkte den chohenzollern darin,„daß, wenn der Reichstag sich wiederholt gegen Maßnahmen zum Schutz der bürgerlichen Gesellschaft ablehnend verhalte, er seine Existenz- berechtigung verwirkt habe. Es sei dann der Moment gekommen, wo die Bombe platzen müsse und der Bundesrat(d. h. die deutschen Fürsten)«in neues Wahl- gesetz einbringen, bzw. oktroyieren müßten. Mit anderen Worten die ultima ratio ein coup cl'etat. Die ordnungsliebenden Teile des Volkes, deren Angst vor der Revolution täglich zunehme, würden «ine» solchen als Erlösung begrüßen. Harmlosen Gemüts erklärte sich Wilhelm mit allein einverstanden und vernahm noch mit besonderem Wohlgefallen die jesuitische Ansicht des Wüttembergers, ..niemand von Uns habe die Relchsversassung beschworen, also könne sie geändert werden". Der Widerstand kam von Caprioi. Dieser Kanzler, dem die näher« Bekanntschaft mit dem herrschenden Hohenzollern„trübe Gedanken über die Zukunft des Reiches" einflößte, hatte es nicht leicht. Da nach seinem Wort„Seine Majestät kein Verständnis für die Gefühle eines verantwortlichen Ministers" habe, die Verant- wortung seiller'Handlungen selbst tragen wolle und die Minister nur als sein« Organe betrachte, verschwendete Caprioi seine best« Kraft darauf, den Kaiser von all zu wilden politischen Seiten« sprängen zurückzuhalten. So fiel er auch jetzt dem Konfliktsucher in die Arme, da nach seiner Meinung der mögliche Nutzen eines Staats- streichs in keinem Verhältnis zur Größe des Risikos stand. Aber in jeder solchen zugespitzten Situation hing die Entscheidung nie von klaren politische» Erwägungen ab, sondern aus dem Sumpf des persönlichen Regimes stiegen die Blasen der Intrige auf, Geschichtenträger, Gebärdensfiäher und Ohrenbläser waren am Werk, Fürst Philipp Eulenburg. Wilhelms„Phili". ließ Minen springen, der Geheimrat H o l st e i n zog hinter den Kulissen die Drähte und schließlich stürzten die beiden Widersacher. der Gegner und der Befürworter des Staatsstreichgedankens, Caprioi und Botho Eulenburg. Wilhelm II. aber vertagte seinen Plan. Am 26. Oktober 1894 erNärte er in be» sonderer Audienz den Gesandten Sachsens, Württembergs und Badens, wenn Gefahr drohen sollte, werde E r und sicherlich die verbündeten Fürsten mit ihm der Ansicht sein, daß man die Revolution von oben machen müsse und nicht warten dürfe, bis sie wie im Jahre 1789 in Frankreich von unten komme, doch soweit sei es glücklicherweise noch nicht. Aber, sagt Zechlin,„die Äaatsstreichpläiie tauchten auch-in den folgenden Jahren wieder auf... Seit Anfang 1896 erwartete Holstein zur Durchführung der Flottenpläne eine„Reichsstreich- kampagne". Und Philipp Eulenburg mußte ihm zugeben, daß in der Unigebung des Kaisers die„Reichsstreichstimmung" täglich an Intensität zunehme". So ergänzt Z e ch l i n s Buch das Bild, das auf Grund anderer Urkunden die Geschichte vom wilhelminischen Kaiserreich entworfen hat. nicht nach der heiteren Seite. Statt„Führerpersönlichkeiten" sehen wir kleine, kleinliche Gesellen an der Spitze, bei«den«n nichts groß ist als ihre aufgeblasene Eitelkeit und die bei jeder auftauchen- den Schwierigkeit an plumpe Gewaltmittel denken. Die Reichsver- sassung hängt ständig an einem- dünnen Faden, und wenn der Faden nicht reißt und das Werk der Reichseinheit nicht auf dem Boden zerschmettert, so liegt das nicht an der politischen Einsicht der Leitenden, sondern an persönlichen Ränken ihrer Umgebung, die das Schlechte verhindert, um damit ein anderes Schlechtes zu bewirken. Hermann Wenckel. Erfinderschicksale ''• iMCMXtmK.frOK■>-■-j K-.-�Ktareftaae�iurt-�Tr*.. Es sschieppen sich aus älterer Literatur eine Reihe von Dar- stellungcn fort, die«in falsches Bild von jenen Kämpfen geben, die beim Aufkommen neuer Maschinen seit Jahrhunderten rGelmäßig «insetzten. Ein frühes Beispiel haben wir aus der römischen Kaisergefchichte. Dem Kaiser T i b e r i u s, der immer in Angst vor Unbekanntem lebte, wurde ein Erfinder zugeführt der ein unzerbrechliches, oder sagen wir richtiger, schwer zerbrechliches Glas erfunden hatte. Kurzerhand ließ der Kaiser den Mann enthaupten, damit dies Glas nkcht so kostbar wie Gold werde. Der römische Kaiser Vcspafianus gab einem Mechaniker, der die Erfindung gemacht hatte, riesige Stcinsäulen leicht, schnell und billig zu transportieren, eine hohe Belohnung, aber er ver- bot ihm, die Erfindung bekannt zu machen,„weil das arme Volk doch verdienen müsse". Wir sü'd über die Organisation des Handwerks und der Technik in der Antike nicht genügend unterrichtet, um uns ein klares Bild machen zu können, wie man damals einer umwälzenden technischen Neuerung begegnet ist. Wir wissen ganz zuverlässig, daß es zur Zeit des Kaiserreiches in Rom technische Großbetriebe gab. Wir wissen, daß man an den Zentralheizungen und an den riefen« großen Wasserleitungen, daß man im Hafenbau und im Schiffbau ständig Verbesserungen anwandte. Jene Zeit der Blüte Roms hatte als Kraftmaschinen Treträder, Tiergöpel und Wasser- rüder. Man baute große Weinpressen und Oelmühlen, benutzte Wäschepressen, Drehbänke und Bohrmaschinen. In den großen Bäckereien Roms waren Knetmaschinen für den Teig in Be- trieb. Marmorblöckc wurden mit Wasserkraft zu Platten für Wand- bekleidung oder Bodenbelag zersägt. Bei den Bauten benutzt« man gewaltig« Krane. Alles dieses beruht auf zeit- und kimstfparenden Erfindungen, auf Erfindungen die eine' sozial« Not d*j«nigen mit sich brachten, die bis dahin mit einfacheren Hilfsmitteln langsamer arbeiteten. Nahm das organisierte Handwerk des Römerreichs zu solchen Neuerungen Stellung? Spielen Maschinenstürmer' in den Kämpfen bereits eine Rolle, die in der niedergehenden Zeit der römischen Saldatenkaiscr schwere innere Unruhen brachten? Diese Frage kann wohl erst dann beantwortet werden, wenn die Philo- logen sich darüber klar sind, wie stark Technik und Maschinenbau damals in Rom- tatsächlich waren. Wir wissen aber sichcr> daß das Handwerk der christlichen Staaten zu seiner Blütezeit das Maschinenproblem sorgfältig und argwöhnisch beobachtete. Das Handwerk war sich damals darüber klar, daß es feine Machtstellung in den Städten nur dann dem Adel und dem Rat gegenüber ausrechterhalten konnte, wenn es innerlich vollkommen gefestigt sei. Deshalb durfte kein Meister mehr gelten als der andere. Jeder arbeitete nach einem von der Gesamtheit festgelegten technischen Verfahren. Technische Neuerungen, insbesondere Verbesse- rungcn an Maschinen, wurden kaum geduldet. Schon 1397 wird den Radelmachern in Köln verboten,„geflagen noch gestampl werk" zu benutzen. Es mutz also einer unter den Nadlern damals schon Maschinen erfunden haben mit denen man die Stecknadelköpfe schlug oder die Löcher zu den Nähnadeln stanzre. Auch aus dem Ausland haben wir ähnliche Nachrichten. So wurde 1554 in England verboten, hüte oder Kappen mit Maschinen- kraft zu walken,„aus daß die Leute nicht mühig gehen". Derartig« Regelungen durch das Handwerk oder durch die Regierungen ver- hinderten den Ausbruch sozialer Kämpf« Aber sie hinderten auch den Fortschritt. Besonders lehrreich für uns sind die Attenauszüge des Nürn- berger Hand wer kamt es. Eine ganze Reihe von Kämpfen um dib Maschinen lassen sich daraus nachweisen. Besonders zäh kämpfte seit 1561 ein Messingdreher Hanns Spaichel. der ersichtlich ein erfinderischer Kopf war. Deshalb wurde er von seinen Kollegen beim Handwerkamt angezeigt. Er mußte sich wiederholt rechtfertigen. Im Jahre 1578 mußte er sich eidlich verpflichten, seine ver- besserten Drehbänke nicht mehr zu bauen. Eine noch vorhandene Drehbank der verbesserten Art wurde amtlich zerschlagen. Wir lächeln heute über solche Maßnahmen. Wir können uns aber vorstellen, daß Nürnberg sicherlich von schweren Kämpfen über- zogen worden wäre, wenn man in jener Zeit, die den sozialen Gedanken noch nicht erfaßt hatte, einem einzelnen ein unabsehbar große» Privilegium auf eine zeitsparende Maschin« tatenlos über- lassen hätte. Das klassische Beispiel für das Maschinenftürmen in alter Zeit ist die Erzählung vom Schicksal des Erfinders des Band- w e b ft u h l s. Es gibt mehrere Lesarten des Märchens. Diese ist die am meisten verbreitete:„Moller, der Erfinder des Bandweb» stuhls, mit dem er 16 und mehr Stück gleichzeitig herstellen konnte, wurde, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Danzig von einer wütenden Volksmenge auf das entsetzlichst« gemißhandelt und schließlich getötet. Seine Bandmühl« wurde als Teufelsband ver- brannt. ihre Benutzung im Heiligen Römischen Reich verboten." So, um zu beweisen, wie die Fortschritte des Maschinenbaues von der Arbeiterschast in Haß und Feindschaft verfolgt wurden. - Die ganze Geschichte ist n i ch t wahr. Einen Erfinder namens Moller hat es nie gegeben, und es hat in früherer Zeit auch niemand behauptet, daß einer dieses Namens etwas erfunden habe. Wohl aber lebte in Danzig ein A n t o n M o l l e r, der von 1578 bis 1585 die K u n st m a l e r e i erlernt«, von 1587 ab einige Zeit in Venedig und von 1595 an in seiner Heimatstadt als Maler tätig war. Der Italiener Lancellotti berichtet im Jahre 1636, daß Anton Möller aus Danzig ihm erzählt habe, ums Jahr 1579 habe in Danzig«ine Maschine gestanden, auf der man vier bis sechs Bänder zugleich weben konnte. Weil aber der Rat gefürchtet habe, diese Erfindung könne«ine Meng« Arbeiter zu Bettlern machen. habe er die Verbreitung unterdrückt und den Erfinder heimlich er« sticken oder ersäufen lassen. Also: Moller ist nur der laienhaft- redselige Berichterstatter. Dann aber erzählt der Italiener nur, was «in anderer ihm erzählt hat. und was sich über ein halbes Jahr- hundert vorher heimlich zugetragen habe. Es wird auch nur von einem Verbot innerhalb der Mauern Danzigs geredet. Ich habe mir die Mühe gemacht, dieser grausigen Geschichte auf die Spur zu kommen. Es ließ sich aber nichts ermitteln, was für die Hinrichtung eines Danziger Erfinders oder für ei» Reichsverbot gegen die Erfindung hätte sprechen können. Es sind zahlreiche Akten und Bittschriften der Danziger Wollweber, Tuchscherer und Tuch- bereiter vorhanden, doch einer solchen gewaltigen Erfindung wird nirgendwo gedacht. Ueber alles mögliche'beschwerten sich die Leute damals beim Magistrat; mit keinem Wort jedoch über eine solche Erfindung. Wäre nun gar für den Bandwebstuhl ein Reichsverbot ergangen, dann müßt« es in der Sammlung dieser Verbote, den sogenanmen Reichsabschieden, stehen. Dort ist aber nichts zu finden Diese Darstellung ist in die gesamt« volkswirtschaftlich« und politische Literatur übergegangen. Noch kürzlich wurde sie in Berlin -n einem in Berlin erschienenen Jahrbuch so allgemein gefaßt, daß gesagt wurde, Moller sei einer der Erfinder gewesen, die ihre Arbeiten und Ideen mit dem Tod bezahlt hätten. Diese Verallge- meinerung ist ganz und gar von der Hand zu weisen. Eine Feind- schaft der Arbeiter gegen«ine neue Maschine ist mir auch in der älteren Zeit nirgendwo bekanntgeworden. Hr.-Ing. b. c. F. M. Feldhaus. wurdJL (9. Fortsetzung.) Die anderen bestätigten jedoch die Worte ihres Kamerad«» und lobten einstimmig hie gute Kost. „Brauchst dich nicht zu genieren, kannst rauchen und trinken, tvenn du nur Geld hast." Ich bekam drei Tage aufgebrummt und mutz sagen, ich hätte ' mir auch nichts daraus gemacht, wenn es noch drei Tag« länger gewesen wäre. Die Kost war ausgezeichnet. Trocken Brot gab es nicht, nur Butterbrot, jedoch gut« Butter, denn damals kannte man noch keine Margarine, außerdem konnte jeder, der Geld besaß, kaufen, auf was er gerade Appetit hatte. Unsere Zellentüren wurden nur Nachts geschlossen und blieben am Tage offen. In diesem fidelen Gefängnis traf ich einen alten Reifekame- raden, Schlosser seines Zeichens, wieder, mit dem ich einmal einig« Wochen zusammen getippelt war. Er sollte dem Arbeitshaus über» wiesen werden, da«r schon verschiedene Vorstrafen wegen Betteln- verbüßt hatte. Es tat mir leid um ihn, denn er war«in netter und gemütlicher Kerl. Am Tag der Entlassung war ich nicht der einzige, der diese gastliche Stätte verlieh. Fünfundzwanzig Fechtbrüder teilten mein Glück. „Kinder," sagte der Aufseher, ap«r frühmorgens die Zellen- türen öffnete,„wenn ihr eure Strohsncke herausgebracht, die Zellen gekehrt, euch schön gemacht und gefrühstückt habt, dann tretet all« heraus, wir gehen auf die Polente!" Einige wußten bereits, was uns bevorstand, denn es war nicht das erstenial, daß sie dieser gastlichen Stätte ihren Besuch abgestattet hatten:„Jetzt geht's auf die Polente, dort bekommen wir unsere Flepperei wieder und dann gibt's Stadtverweis." Mein ehemaliger Reisekamerad, der Schlosser, wunderte sich, daß auch er zu den zur Entlassung kommenden gerechnet wurde. Da er zur kleberweisung an die Landespolizei verurteilt worden war, gehörte er gar nicht zu uns. Man wollt« ihn auf ein halbes Jahr ins Arbeitshaus stecken.„Was meinst du, soll ich mitgehen?" fragte er mich. „Mensch," antwortete ich und freute mich beinahe mehr wie er selber über das Versehen, das den Gefangenenwärtern unterlaufen war,„natürlich gehst du mit, halte dich nur an meiner Seite und sei nicht dumin! Wirst sehen, es merkt keiner." Die Tore öffneten sich, ich faßte meinen Schlosser unter den Arm und unter Bewachung zweier Konstabler gings zum Raihaus. Hier wurden wir eine Treppe hinaufgeführt und mußten in einem großen Flur auf Bänken Platz nehmen. „Ob ich auch meine Papiere bekommen werde?" fragt« mich der Schlosser. Er saß wie auf Kohlen. „Frag doch nichts nach deinen Papieren!" sagt« Ich.„Wenn du die auch nicht wiederbekommst, pseif was drauf. Sei froh,, wenn du die Freiheit wieder hast." Ein Konstabler erschien mit einer Liste und rief uns der Reihe nach auf. Die Aufgerufenen meldeten sich und empfingen ihre Papier«, dann ging es wieder auf die Straße unter Begleitung zweier Konstabler. Natürlich hatte mein Schlosser seine Papiere nicht erhalten. Die Konstabler brachten uns bis an eine Brücke und blieben zurück, es jedem überlassend, zu gehen, wohin es ihm beliebt. „Das haben wir wieder mal gut gemacht. Wo wollen wir hin- tippeln?" fragte ich den Schlosser. „Ohne Flebberei komme ich nicht weit. Ich habe in der Nähe bei einem Meister geschiniegell. Zu dem werde ich hingehen. So bekomme ich«inen neuen Fremdzettel," antwortete er. Wir verabschiedeten uns und ich tippelte nach Hamburg. Hier bemerkte ich zu meinem Schrecken, daß ich keine Papiere befaß. Ent- weder hatte ich sie verloren oder sie waren mir gestohlen worden. Was nun? Mein Plan war bald gefaßt. Bei Hamburg wurde ein Kanal gebaut. Wenn ich"da acht Tag« arbeitete, bekam ich«in« Arbeitsbescheinigung und war fein heraus. Ich meldete mich also.' Der Schachtmeister mustert« mich. «Sie werden die Arbeit nicht aushalten. Sie sind nicht kräftig genug." Ich bat solange, bis er nachgab. Als ich bis Mittag gearbeitet hatte, waren meine Handflächen durch und es kam das blofte Fleisch zum Vorschein. Ich nahm alle Kraft zusammen und war froh, als es Feierabend war. Am anderen Morgen, es war an einem Sonn- abend, als es hieß, wieder an die Arbeit zu gehen, konnte ich meine Hände kaum bewegen. Die Handflächen waren vollständig wund und eiterten. Der Vorarbeiter ging mit mir zum Schachtmeister und erklärte ihm, daß ich zu der schweren Arbeit untauglich wäre. „Das habe ich ja gleich gesagt," brummt« der, zahlt« mir meinen Tagelohn aus und ich konnte wieder gehen. Ich beschloß, den ham» burgischen Boden möglichst bald hinter mir zu lasten. Denn es war bekannt, daß hier mit der Polizei nicht gut Kirschen essen war. Ein einfacher Landweg führte mich— es war inzwischen Sonntag ge» worden— in di« Heide. Als Ich ungefähr«in« halbe Stunde ge- wandert war, traf ich viele Männer und Frauen, die die Woche über Fabrikarbeit leisteten, heute am Sonntag aber hinaus aufs Feld zogen, um ihr bißchen Ackerland zu bearbeiten. Ihre Kinderchen nahmen sie in kleinen Wagen mit. An keinem ging ich vorüber, der mich nicht fragte, ob ich den Gendarm gesehen hätte. „Dot Is«en ganz slimmer, wenn der uns Sündag nahmiddag bi de Arbeet drift, schrift he uns up un wie möten Strof talen," hieß es immer wieder. Auf mein« Entgegnung, daß doch am Sonntag nachmittag nicht auf den Gendarm zu rechnen fei, wurde ich ausgelacht„Der Kirl läßt uns arme Lüd och Sündags keine Ruh, bat is een Düvel." Da ich das nicht glauben wollte, legte ich mich,-als die Mittags- sonne gar zu schlimm brannt«, am Feldrain nieder und packte meine Brötchen und Wurstenden au«, um Mittagsrast abzuhalten. Meine Flasche steckte ich in» kühle Gras. Ms ich so beim besten Futtern war. glaubt« ich in der Ferne Pferdegetrappel zu hören. Nanu, dachte Ich, er wird doch nicht? Mir war plötzlich zu Mut. als wenn ich Gift geschluckt hätte. Da? war kein Bw'er, das wetzte ich, das war der von allen Gefünf-tete. Denn den Pferdetritt eines berittenen Gendarmen kannte ein Kenner wie ich aus alle» anderen Geräufchen heraus Der weiche Hcideboden batte den Pferdetritt dermaßen gedämpft, daß ich den Oberwachtmeister nicht früher gewahr wurde, als bis er sich auf ungefähr zehn Schritte genähert harte. Noch schnell«inen tüchtigen Schluck und der Gefürchtete stand mir hoch zu Roß gegenüber. „Was machen Sie da?" Ich erhob mich langsam, aß aber ruhig wester. Die roten Biesen an meinen Hosen, die ich in Hamburg von einem Eisenbahner erfochten hatte, erregten seine Aufmerksamkeit. „Sie sind wohl vom Militär ausgerückt?" fragte er und musterte mich scharf. Ich lachte:.„Sehen Sie denn nicht, daß das ein« Be- amtenhofe.und keine Soldatenhose ist?" und zeigte ihm mein« Hand- flächen.„Da sehen Sie mal, ich habe in Hamburg beim Durchstich gearbeitet und mir von meinem Verdienst di« Hose vom Trödler gekauft. Aber länger konnte ich nicht arbeiten, denn die Hände sind durch, ich bin als Buchbinder die schwere Arbeit nicht gewöhnt." Der Gendarm griff mst der rechten Hand an den Helm und ritt weiter. Ich zog tief meinen Hut:„Adieu, Herr Wachtmeister!" und legte mich wieder ins kühle Gras. »Die Liebe von Zigeunern stammt.. Ja, ich verstand es jetzt auch schon, den betörenden Zauber des süßen Nichtstuns zu würdigen, steckte mir doch das Wandern so im Blute, daß ich es nicht»ichr misten mochte. Selten erhiell ich auf mein Fach im Sommer Arbeit und wenn ich wirtlich beim Meister welche fand, hielt ich es doch nie lange aus. Die liebe Sonne zog mich immer wieder aus der Werkstatt. Das einzige Gute, was ich aus jeder Arbeitsstelle mitnahm, waren frische Papiere, ein neuer Fremdzettel und kein Gendarm und keine Polizei konnte mir die nächsten sechs bis acht Wochen etwas anhaben. Das aber gerade fehlte mir jetzt. Der Mensch wird durch die jahrelange Gewöhnung cben schließlich doch zum Vagabunden. Und wer es noch nicht weiß, dem sagt es die hoch- wohllöbliche Polizei, die den betreffenden Wanderer absolut nicht als solchen anerkennen will und ihn einfach wegen Vagabundierens ins Kittchen steckt. Ich befand mich deshalb in einer miserablen seelischen Versastung. Jeder Gendarni, der mir begegnet�, konnte mich festnehmen Ich war vogelfrei. Etwas abseits von der Heerstraße, die ich, in solche Gedanken oertieft, emhertrottete, entdeckt« ich plötzlich«in Gasthaus und vor diesem drei Zigeunerwagen. Ein Zigeuner hockte auf einem weiß, getünchten Chausseestein und schmauchte seine Pfeif«. Ich ließ mich mit ihm in ein Gespräch ein. Es war ein netter, mir sympathischer Mann, der gar nicht so glutäugig und wild aussah, wie man sich sonst«inen Zigeuner vorstellt. Ich gab ihm von meinem Tabak und er bot mir seine Flasche zum Trunk. Wir unterhielten uns von allem möglichen. Als wir die Flasche geleert, stand er auf. um sie im Gasthof frisch füllen zu lassen, rief aber vorher einem Zi- geunermädchen, das uns aus einem Wagen heraus beobachtete, etwas zu. Die Zigeunerin gesellte sich zu uns und lauschte unserem Ge» spräch. Nach einer Weile wandte sie sich an mich:„Gib mir deine Hand, schöner Junge, werde ich dir sagen deine Zukunft." „Der glaubt ja doch nicht daran," lachte Hannes, der Zigeuner, „trink lieber, Sascha" und reichte ihr die Flasche. Sascha nahm die Flasche, winkte mir«in Prosit zu, indem sie mich mit ihren schwarzen Kirschougen schalkhast anblitzte, nahm einen kräftigen Schluck und reicht« mir di« Flasche. Ick) tat beiden Bescheid. Als ich die Flasche zum Munde führen wollte, bedeutet« mir Sascha. daß ich das Mundstück erst abwischen solle. Ich hätte dies ia tun können, war aber neugierig, was sie wohl sagen würde, wenn ich recht liebenswürdig und ga'ant zu ihr wäre, und sagte deshalb: „Schöne Sascha die Stelle, di« dein hübscher Mund berührt hat, wische ich nicht ab." Ein freudiges Aufleuchten ihrer schwarzen Augen dankte mir. Sie nahm mir die Flasche aus der Hand und trank mir noch einmal zu. Ich tat ihr wieder Bescheid und di« Flasche machte schnell noch einmal die Runde. Hannes, der herzlich darüber lachte, übergab die leere Flasche Sascha, um sie im Gasthaus wieder frisch füllen zu lasten. Sie unterhielten sich dabei in ihrer Zigeunersprache, von der ich natürlich kein Wort verstand. Da mich aber das Mädel immer verschmitzt von der Seite anblickte, durfte ich wohl annehmen, daß ihr Ge- spräch nnr galt. Sascha winkte mir mit der leeren Pulle zu und ging in den Gasthof. Die Sonne brannte glühend heiß vom Himmel. Mir finq der Branntwein schon an zu Kopf zu steigen. Meine gedrückte Stimmung war in das Gegentell umgeschlagen. '„Du," Hannes stieß mich in die Seite,„hast du nicht Lust, mit uns zu ziehen? Bist ein guter Kerl, gefällst mir." Da ich keine Legitimationspapiere besaß, konnte ich bei diesen Zigeunern am besten unterschlüpfen, da auch sie Interesse daran hatten, der Polizei aus dem Wege zu gehen. Ick) erklärte mich also einverstanden. Hannes drückte mir die Hand:„Bin ich bloß allein bei drei Pferde, drei Wagen, drei Weiber und vier Kinder, ist zuviel Arbeit." Sascha kam mit der gefüllten Flasche zurück. Sie war begeistert, als Hannes sie von meiner Einwilligung unterrichtete Es dauert« nicht lange, da hatten wir drei bereits die vierte Seltersslasche voll Branntwein geleert, und auch bei den beiden Zigeunern begann der Branntwein zu wirken. Dos kann ja gut werden, dachte ich, ist das denn ein« so große Freude für euch, daß ich mit euch ziehen will? Immer wieder wurde die Flasche gefüllt und geleert.. „Hol Fiedel!" schrie Sascha,„ich tanzen!"(Forts, folgt.) f�ätsel=Ecke des„Abend". Silbenrätsel. Aus den Silben a as ba be ch«l cu da da d« di dor e ei«i ein en eu fel funk ga ge ge gu hä her i in ja ka ko kob le na nar nar nau mich on on ra ruch s« stein su ta tau ti ti türm uf zie sind 18 Wörwr zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen für die Jetztzeit passenden Sinnspruch ergeben(j— i, ch—«in Buchstabe).— Die Wörter bedeuten: 1. Abordnung: 2. männlicher Vorname; 3. Vogel: 4. Staat in Nord- amerika: ö. Insel im Züricher See: ö. Haremswächter: 7. Betäubung: 8. Wirkungskreis: 9. Gewicht der Verpackung: 19. Fluß in Süd- amerika: 11. menschlicher Sinn; 12. europäische Großfunkstation: 13. Fluß in Vorderindien: 14. Haustier; IS. deutscher Physiker: 16. Land in Asien: 17. Vogel: 18. Staat in Südamerika. kr. Sonnabend, 11. Mai. Berlin. IS.00 Dr. A. Uümann:„Mutterschaft, der natürliche Beruf der Pras". 16.30 linterhalluntsmusik. Orchester Schmidt-Qentner. 18.10 Dr. W. Metemann:„Ein Besuch in Oartenstadt Ncnenhacen-Bollentdorf". 18.35 Alfred Beyer: Das Olücksproblem. AnschlieBcnd: Denksport-Aufeaben. 19.00..Kirschblütenfest". Eine Sendung aus Werder. Als Einlage;„Der Kaiserjüger", eine Komüdle von Hans Brenner! und Hans Ostwald. Regle: Alfred Braun. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. Anschließend bis 0.30 Tanz-Musik(Kapelle Gerhard Hoffmann). Gesang-Ein. lagen; s�illl Weiß, Tenor. Plügel: H. Scfaelbenhofct. KOnigswusterhansen. 16.00 Dr. Maier-Leonhardt; Die baulichen Bedürfnisse der höheren Schule. 16.30 Min.-Rat Dr. Kaisenberg: Rationalisierung des Qeschiltsbetriebea der ReiehsbehOrden. 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 H. Bachmann: Der katholische Industriearbeiter, 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. W. Hcffmann: Der Balkan nach dem Weltkriege. 30.00 Die Stunde des Landes. 313)0 Sinfonischer Jazz.(Hans Schindler mit seinem Orchester.) Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Von Berlin: Tanzmusik. Sonntas, 12. Mai. Berlin, 8.55 Stundenglockcnspiel der Potsdamer Garnisonkirche. Morgenfeier. Glocken. gelünt des Berliner Doms. 11.15 Morgenfeier, veranstaltet vom Arbeiter-Kultur-Karlell Berlin. Hellige Arbelt. A. Florath. Madiigalvereinigung des Jungen Chors, Heinz Thießen. 13.00 Platzmusik, Berliner Philharmonisches Blas Orchester E.V. 13.15 E. Hüning:„Die Entwicklung des Bridge Spiels". H.OO Helene Braun: Zum deutschen Muttertag. M.30 Für den Landwirt 15.30 Milchen.(Frzihlt von Eva Holberg.) 16.00 Dr. L. Hirschberg:„Sebastian Bachs Kantaten". 16.30 Frtihllngsrauschen(Schallplatten). 17.00 Tee Musik aus dem Hotel Kaiserhof(Kapelle Odra Kontor). 19 30 Welsl: Als Hindumönch verkleidet zu» Grenze Tibets. 30.00 Sende- Spiele.„Martha". Oper In d Teilen von F. v. Flotow. R.glt Cornelis Bronsgeest Dir.: Bruno Scidler Winkler.— Wahrend dt.'su-.c Bildfunk. ' nscbließend: Zeil Weiter, Tagesnachrichten, Sport, Bildfunk. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 18.00 Prof. A. Vierkandt: Unser Verhältnis zum Staat gestern und heute. IS.dS C. Vetler: Zu den Berliner Festspielen 1929. 19.10 Prof. Dr. R. Saltschick: Von der wahren Liebe und der Regeneration. üitmimiiiiiinin Rösselsprung. — Ilm. — Elbe — Oder. — Saale. — Angerapp. — Oder — Leine. — Elbe — Havel — Pegnitz. Geographisches. An Stell« der Striche vor den Flüssen sind die Namen von Städten zu setzen, die an den betreffenden Flüssen liegen. Die Anfangsbuchstaben der Städte, von oben nach unten gelesen, nennen ein politisches Zentrum In Amerika. od. Silben'Oefiziträtsel. Aus den Silben bu eh krieg nar oh reich schmaus feil wort za sind 5 dreisilbige Wörter mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe zu bilden.— Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter nennen, richtig geordnet, eine Stadt in Südtirol. bi. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung:< Handele raschen entschlossenen Mutes, Das ist was Tüchtiges, Echtes und Gutes: Doch das Bedenken, das zaudernd« Grübeln, Wist' das gehört zu den fchmählichsten liebeln. , Sanders. Geographisches Kastenräilel: l. vurlach: 2. Ukraine: 3 Engadin: 4 Schweiz, 5. Stettin: 6. England: 7 tocarno: 8. Dresden: 9 Orleans: 10. Ratibor: 11. Florida.—(Duesteldorf.) Die fehlende erste Silbe: Silbe prä.— Präsident, Präfekten, Prädikat, Präparat, Prägung?». Prämie, Prälaten, Prämist«, Präzcptor, Präzedenz, Präsente. Präambel. Silbenrätsel: 1. Werner: 2.?gnoran<: 3. Ravenna: 4. Wiesel: 5. Cn'el; 6. oangenberg: 7. Lilie: 8. Edam: 9 Tkitral«: 10. Douat: 11. Argonnen: 12. Saalburg: 13. Sarau: 14. Daut.l: IS. Ew.: 15 Rad«: 17. Sommer: 18. pellonrod: 19. Ode.—..Wir wollen, daß der Sport Allgemeingut werde." Di a m a n t r ä t f e l: 1. W: 2. Lid: 3. Sonne: 4. Gertrud: S. Merseburg: S. Wintersport; 7. Weinstein: 8. Treppen: 9. Krone; 10. Uri: 11 A. Ergänzungsaufgabe: 1. Ellen. 2 Prob«: 3. Achse: 4. Beere: S. Ernt«: 6. Engel: 7. Moral: 8. Seine; 9. Ornat.— (Lohengrin.) wir träumen von unerschöpflicher Pracht, über Tag. Wir Helsen ein Werk tun, ist keines ihm gleich, Glückaus! Wir machen das Erdreich zum Himmelreich. Glückauf? Einst fiel alles Leben vom Himmel herab, über Tag. Wir Bergleute schürfen'? aus dem Grab, unter Tag. wir fördern'? heraus, das tole Gestein. Glückauf! wir machen's wieder zu Sonnenschein. Glückaus! Auf Erden ist immerfort jüngstes Gericht, unter Tag. Aus Schult wird Aeuer, wird Wärme und Licht, über Tag. Wir schlagen aus jeglicher Schlacke noch Glut, Glückauf! Wir ruhn erst, wenn Gottes Tagewerk ruht. Glückauf! Richard Dehmel. Das iapanisdiS Nauen Größte Funkstation der Welt Mit großer Feierlichkeit wurde vor kurzer Zeit die größte Funkstation der Welt bei Nagoya in Japan ein- geweiht. Man könnte sagen, daß dort ein beträchtlich vergrößertes Nauen, allerdings unter vielfach anderen Bedingungen, entstanden ist. In üblicher Weife ist natürlich auch in Japan die Sendestation l Das Stationsgebäude Mastisolation mit Erdbebensicherung 650-Kv-MochJrequenzmaschine, die größte Hochfrequenz' ' maschine der Welt Abstimm- und yopplungsiraricr, teter von der Empfangsstation räumlich getrennt, und so finden sich diese Anlagen in D o k k a i ch l. Was die technische Seite von Nagoya betrifft, so handelt es sich um einen Mafchinenfender mit 180 000 Milliampere in der Antenne. Dies« Leistung wird einer hoch- srequenzmaschine von 680 Kilowatt entnommen, und es dürft« be- sonders interessieren, daß diese Maschine die größte ihrer Art in der Welt ist. Bei voller Leistung kann eine Telegraph! egeschwindigkeit von 120 Worten pro Minute erzielt werden. Nagoya und Tjokkaichi halten den tele- graphifchen Verkehr mit der ganzen Welt ausrecht. Die Ein unfreundlicher Vor- srühlingstag. In grauer Re- gelmäßigkeit stiebt ein feiner Regen hernieder— kaum sind durch die beschlagenen Abtell- fenster die Stationsnamen zu erkennen. Das war eben Elster- werda, nun noch eine halte- stelle, und wir sind in Plesia, unserem Ziel, angelangt. Der Weg führt die Bahn- strecke enllang dem haupwer- waltungsgebäude zu, und dann sitzen wir dem geistigen Schöp- s«r der berühmten Abraum- brücke, von Delius, gegenüber, der den Gedanken, eine Brücke von derart gigantischen Aus- maßen zu bauen und aufzu- stellen, durchgeführt hat. Wir hören seine humorvollen Schil- derungen über die Entstehung dieses technischen Wunderwer- kes, erfahren, daß die praktische Durchführbarkeit, eine derartige Abraumbrücke zu konstruieren und in Betrieb zu halten, von maßgeblichen Fachleuten ange- zweifelt wurde, bis dann end- lich die Abraumbrücke vollen- dete Tatsache wurde. Die Brücke, die den Zwecken der Braunkohlengewin- nung dient, ist in der ganzen Welt ohne ihresgleichen. RundZOProz. Menfchenkraft und etwa SOProz.mecha- n i fch e r Kraft gegenüber der früheren Abroumförderung wird durch ihr« Tätigkeit gespart. Und dann machen wir uns unter sachkundiger Führung auf den Weg, indes der Regen herabrieselt. Wir passieren«ine niedrige Waldfchonung. Endlich steht die Brücke vor uns, geschäftig, aber fast geräuschlos. Wir erkennen ihr« Tätig- keit, gilt es hoch, die Sandmasien, die in etwa 10 Meter Dicke die darunter liegenden Kohlenschichten belagern, zu entfernen. Das ge« schieht mit großen, an schweren Ketten hängenden Baggereimern, die ihre geschöpft? Sandlast auf ein breites Gummiband befördern, das mit 1,5 Setundemneter Geschwindigkeit über die Brücke die Sandmassen hinter der geförderten Kohle ablegt. Die freigelegte Braunkohle wird nun mit einem Eimerbagger geborgen und direkt in bereitgestellt« Spezialeisenbahnwagen geleitet. Unser Führer gibt unermüdlich Auskunft auf die vielen an ihn gerichteten Fragen. Wir erfahren, daß die ganze Länge der Brücke von Stützpunkt zu Stützpunkt rund 160 Meter beträgt.(Man bedenke, daß diese gewaltige Länge freitragend ist!) Die höhe vom Gleis bis Untertante ist 17.8 Meter und die Breite 9,5 Meter. Das ganze Ge- wicht beläuft sich aus 580 000 Kilogramm. Das schon er- wähnte Transportgummiband mit einer Länge von 122,5 Metern und einem Meter Breite fördert pro Tag(10 Stunden) die gewaltige Menge von 4500 Kubikmetern Sandmassen. Dieser Sand kann in zwei Lagen abgeschüttet werden. Ein 30 Meter longer Wellenlängen liegen zwischen 15 bis 20 Kilometer. Die Antenne ist langgestreckt und zwischen 8 Masten von je 250 Meter höhe verspannt.' Diese Masten weisen in ihrer Bauart eine hoch- interessante Besonderheit auf, sie sind nämlich m i t einer Erdbebensicherung versehen Bei den häufigen Erdbeben in Japan war dieser konstruktive Zusatz durchaus not- wendig. Man hat jeden Mast gegen den Seitendruck, der bei Bodenschwankungen stärtestens aufzutreten pflegt, durch eine wage- rechte Ifolatorenreihe gestützt. Auf diese Weise ist die Umsturz- gesahr eines Mastes auf ein Minimum zurückgeführt, da schließlich auch die üblichen Abspannungen und das Mastgewicht selbst«ine Gewähr für Äandesfeftigkeit bieten. Die Eigentümerin der Groß- ftatton Nagoya, die von der Telefunkengesellschaft erbaut worden ist. ist die.�Japanese Wireleß Tel. Co." in Tokio. Mit der Fertig- stellung des japanischen Nauens hat die konstruktive Durchbildung des Maschinensender» wohl die höchste Stuf« erreicht. Zchdacks als Werkstoff Unsere früheren„Landesväter" haben es von jeher trefflich verstanden, ihre Einkünfte zu verbessern und ihre Reichtümer zu vergrößern. So fand Herzog Julius von Braunschweig im Jahre 1572 eine neue Geldgrube: Er machte aus Schlacke Geschütz- kugeln, die er in seinen eigenen Hüttenwerken goß. Allein im ersten Jahr der Erfindung wunden aus der Sophienhütte bei Goslar 54000 Schlackenkugeln gegossen und als Tauschware in vieler Herren Länder abgegeben. Im Jahre 1882 entdeckte man ein Lager des Herzogs, das noch über 1000 Kugeln enthielt. Solche Geschützkugeln aus Schlacke kann man heute noch in vielen Museen sehen. In Schweden goß man 1761 aus den Schlacken der Eisenwerke feuerfeste Steine. In Italien prägte man aus der Schlacke de» Vesuvausbruchs im Jahr» 1820 Medaillen, die die Auf- schnst trugen:„Bund zwischen Thron und Freiheit, verkittet mit des Vesuvs glühender Schlacke, am 10. März 1820" In Frank. reich machte man aus der Hochofenschlacke unter Zusetzung von Sand Mauersteine, und seit 1859 hatte die Georgs- Marienhütte in Osnabrück aus Hochofenschlacke und Kalk Steine hergestellt, die aber zu teuer wurden. Ernst Lürmann erfand 1865 ein Versahren zum Pressen von Schlackensteinen aus Schlacke und Kalt Aus dem Jahre 18 6 4 stammt die Erfindung des Einblasens von Dampf in flüssig« Schlacken, um Schlackenwolle zu erhalten. Schlackenwolle benutzt man seit 1870 als Jsoliermaterial für Dampfleitungen. Ausleger, gleichfalls mit einem Gummitransportband ausgerüstet, bringt ihn der angegebenen Länge entsprechend weiter, wodurch der abgebaut« Teil der Grube wieder zugeschüttet wird. Die ganze Brücke bewegt sich auf Gleisen hin und her und gleichzeitig auch nach vorn, neuen Kohlenlagen zu. Es geschieht dies mit Hilfe zweier vor der Brücke lausenden sogenannten Gleisrückmaschinen, die durch gewaltig« Rollen die Gleise in horizontaler Richtung durchdrücken oder durchbiegen, womit die Brücke entsprechend der Durchbiegung. die etwa 20 Zentimeter beträgt, oorwärtsbewegt wird, damit der Bagger eine neue Schicht graben kann. Dieser Transport der Gesamt- brücke geschieht vollkommen automatisch; lediglich zwei Männer'sind mit Gleiestopfen befchäftigt. Uebrigens wird, die ganz« Anlag«, nur von acht Mann bedient, davon betätigen sich drei Mann an dem schon erwähnten Kohlenbagger, zwei sind der eben beschriebenen Gleisrückmaschine zugeteilt, und die übrigen drei Mann wachen über die Abraumbrück« selbst, bedienen die Elektromotoren zum Transport der Brücke und der Förderbänder und dirigieren die Sandmassen auf die Halden. Der Baggermotor hat eine Stärke von 122 der obere Fahrmotor 54 der untere Fahrmotor 45?£>, der Bandmotor 68 PS. Der gesamte motorische Kraftaufwand be- trägt rund 290 PS. Die Motoren arbeiten mit einer Spannung von 2000 Volt und verbrauchen Drehstrom. Die Abraumbrücke von Plessa wurde in der Zeit vom 5. Mai 1924 bis 15. Oktober 1924 von der Allgemeinen Transportgesellschaft, Leipzig, mit einem Kostenaufwand von rund 500 000 M erbaut. Sie darf mit vollem Recht als technischer deutscher Weltrekord angesprochen werden. Alfred Nauck. Lange Zeit glaubte man, daß schon vor Beginn unserer Zeit- rechnung ein Schlack�enprodukt bekannt gewesen sei, denn es fanden sich in Ostdeutschland, Böhmen und Schottland rätselhafte Schlackenberge oder— wie sie auch genannt wurden— Glasberge. Sorgsame Forschungsarbeiten ergaben, daß diese Berge tatsächlich aus der Steinzeit und den daraus solgenden Jahrtausenden stammen, aber diese Berge sind Reste großer Wallanlagen, die zum Schutz von Wohnstätten an- gelegt waren. Man nimmt an, daß die jetzige V e r- schlackung durch Brände des ehemals großen Holzwerkes solcher Befestigungsanlagen entstanden ist. Ene alte»Erschütterungsmaschme« Man nahm bisher an, daß die älteste Heilgymnastik, bei der der Patient in Erschütterungen oersetzt wurde, die Methode des Schweden Peter Heinrich Ling aus dem Jahre 1813 sei. Dies ist aber ein Irrtum. In dem größten deutschen Nachschlagewerk, der „Oekonomisch-technologischen Encyklopädie", das von dem Berliner Mediziner Johann Georg Krünitz im Jahre 1773 begonnen wurde, wird im 71. Band, der 1796 erschien, gesagt, daß sich in der Spandauer Gewehrfabrik ein« Erschütterungsmaschine befindet. Die einstige Spandauer Gewehrfabrit war damals eine der wichtigsten Fabriken des wachsenden preußischen Staates. Die Stelle lautet wörtlich:„In der Bey Spandau, 2 Meilen von Berlin, befindlichen Gewehr-Fabrik ist in der Schleif- und Polier-Mühle die Erschütterungsmaschine besonders merk- würdig, welche von Paul Engel, einem scharfsinnigen meclza- Nischen Künstler, erfunden worden ist. Sie ist in einem oberen Zimmer derselben, und mit einem zu dieser Mühle gehörigen Wcsser-Rade dergestalt verbunden, daß man, entweder stehend oder sitzend, an dem ganzen Körper, gelinder oder stärker, so wie die Maschin» gestellt ist, erschüttert wird. Die Bewegung ist dabei so regelmäßig, daß man sie mit Vergnügen verträgt. Bey ge- lähmten oder vom Schlage gerührten, auch hypo. chondrischen Personen ist sie schon öfters nützlich befunden worden, und noch niemals hat man gehört, daß sie widrig« Folgen auf die Gesundheit des Menschen zurück gewirkt hätte, soviel ihrer auch gewesen sind, die sich dieser Motion bedient haben. Eben derselbe Künstter hat nachher auch eine andere Ma- schilt« erfunden, die von eben der Wirkung, als die erste, ist, und von einer einzigen Person gemächlich regiert werden kann." Gilbert Feldhaus. Nr. 217 46. Jahrgang Sonnabend 1J. Mai 1929 Bergarbeiterlied r tragen alle ein Licht durch die Räch!, unter Tag. Die �braumbrudee in Plessa Ein technischer Weifrekord ä dfvsrflincloJjzüel Im Lichtenberger Stadion: Frühjahrssportfest der FTQB. Äm Lichlenberger Stadion hat die Freie T u r n e r s ch a f t Lroß-Berlin am morgigen Sonntag ihr Fruhiahrs- sportfcst. Es gilt, eine Leistungsprobe über das Wintertraining abzulegen. Da sich alle Sportbezirke und ein großer Teil der Turn- bezirke an den Wettkämpsen beteiligen, ist guter Sport zu erwarten, elwa KOO Mehrkänipfer sind gemeldet. Das Hauptinteresse verdienen die Stafseln, da die in der Leichtathletik führenden Sport- bezirke der FTGB. mit ihren besten Kräften an de» Start gehen. Vorführungen anderer Sportarten werden für Abwechslung sorgen. Den Abschluß der Veranstaltung bildet das H o ck e y s p i e l Nord- ring I gegen Ostring I. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Gleichzeitig mit diesem Frühjahrssportfest findet auf dem Karls- horster Sportplatz ein Anturnen derKinderabteilungen statt. Die Kinder und ihre Angehörigen, ihre Frerchde und recht viele erwartet« Gäste treffen sich um 13 Uhr am Bahnhof Karls- Horst, von wo der gemeinsame Marsch nach dem Sportplatz beginnt. Für Nachzügler sei bemerkt, daß sich der Platz in der Tre-kow- Allee befindet. &CuYidUocdV Spiele am Wochenende. In Serienspielen stehen sich am Sonntag im 1. Bezirk Eiche- Köpenick und Friesen-Fürstenwalde un> 13 Uhr in Köpenick, Marien- slraße, gegenüber. Im 3. Bezirk spirlen FTGB.-Wedding 3. Männer gegen Potsdam 1. um 10 Uhr und Wedding 2. Männer gegen Bornstedt 1. um 11 Uhr im Lichtenberger Stadion. Rathenow hat Drewitz als Ge{y>er.— Gesellschaftsspiele sinden statt: 5>eule, Sonnabend, spielt FTGB.-Nordring gegen FTGB.-Pankow um 18 Uhr auf dem Exerzierplatz. FTGB.-Nordost fährt nach Reinickendorf, Scharnwcberstrahe. Dort spielen die 1. Männer gegen Wedding 3. u>n 17 Uhr und die Frauen gegen Wedding 2 um 181h Uhr. FTGB.-Süden 2. Männer spielt gegen FTGB.- Neukölln 1. uin 18yi Uhr und die 1. Frauen um ISK- Uhr auf dem Urbanplag. Zum Anturnen der FTGB. am Sonntag im Lichten- berger Stadion spielen Norden 1-Männer gegen Südosten um 9 Uhr, Norden 1-Frauen gegen Nordring um 19 Uhr und Karlshorst- Männer gegen Pankow um 11 Uhr. Sokol spielt gegen FTGB- Norden 3 un> 10'A Uhr in Charlottenburg, Windschcidsrr., während Fricdrichstha' und Eharlottenburg-Schwimmer zun, Werbespiel nach Zehdenick fahren. Sport für morgen. Die ersten großen Entscheidungen im Pferderennsport stehen bevor. In H o p p e g a r t'e n wird das Henkellrennen, das mit 89 999 Mark dotiert ist, gelaufen. Im Berliner Radsport findet endlich die Premiere aus der Rütt-Arena statt, während das einzige internationale Ereignis im Fußball das Städtespiel Berlin- Pari» aus dem Preußenplatz am Teinpelhvfcr Feld ist. Arn den Plätzen am Roseneck im Grunewald geht das Berliner Blau-Weih- T e n n i s- T u r n i e r weiter. K-ettungsdiemt auf dem Langen u.Seddinsce Der ständig wachsende Verkehr auf dem Langen und Seddinsec hat das Bezirksamt Köpenick veranlaßt, auch hier einen Rettungsdienst einzurichten, wie er in ähnlicher Weif« bereits auf dem Müggelsee und anderen Groß-Berliner Gewässern besteht. Das Bezirksamt hat mit verschiedenen Wassersportvcreinen und Lokalbesitzern ein Uebereinkommen für hie erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen auf den beiden Seen gelrossen. Für den Rettungs- dienst und die erste Hilfeleistung haben sich bereit erklärt: Bootshaus an der Dahme, Grünau, Köpenicker Straße 31, Fern- sprechcr F 3 Grünau 8339; Segelklub„Fraterniias". Köpenick, Wcndcnschloßstraße 118, Fernsprecher ¥ 9 Köpenick 1958; Segelklub„Ahoi", Wendenschloh, Fernsprecher F 9 Köpenick 151; Restaurant Sportdcnkmal, Grünau, Fernsprecher F 3 Grünau 6989; Restaurant Schmetterlingshorst, Fernsprecher Itöpenick 91; Restaurant> der zuletzt gut aufkani, konnte sich noch vor dem Favorichn Lucken Marienlust, Fernsprecher F 9 Köpenick 36; Seglerklub„Oberspree", Große Rohrwallinscl, Sportshaus„Faun", Karolinenhoi, Fern- sprecher F 3 Grünau 6452; Restaurant Krampe nburg, Fernsprecher Köpenick 227; Motorjachtklub Schmöckwitz, Fernsprecher F3 Schmöckwitz 9984, Rettungsstation am Seddinsee, Fernsprecher F 3 Schmöckwitz 9895. Diese Stellen stehe» jederzeit auf Anruf zur Verfügung. Die Verwendung von Motorbooten sichert eine beschleunigte Hilfe- lcislung. Dreimol Strich durch staltung nun Wird Rült eröffnen? Die Radrennen am Sonntag. hat da- Wetter der Premiere der Rütt-Arena«inen die Rechnung gemacht, so daß die Eröffnungsveran- tatsächlich erst am kommenden Sonntag, also bereits Mitte Mai, vor sich gehen kann. Mit großer Spannring sieht man dem Mannschafts- omni u m entgegen, das eine Hauptnummer der Eröffnungsrennen bildet. Di« teilnehmenden Mannschaften sind'nzwischen auf vier angewachsen, denn zu der neuen Paarung Hürtgen-Gocbel, den Rütt- Arena-Matadoren Kroll-Mieth« und den neuen Berliner..Himmels- stürmern" Lehmann-Wissel ist noch die überaus starke Sechstage- Mannschaft Tietz-Kroschel hinzugekommen. Schon hier wird es ganz ausgezeichneten Sport geben, denn alle acht Fahrer sind Spezialisten in Omniums, und der Wettbewerb, der zwei Fliegerrennen, ein Rundenzeitfahren und ein Mannschafts-Verfolgungsrennen vorsieht, erscheint völlig offen. Neben dem„Amerikanischen Haupt- fahren", das aus der Taufe gehoben weiden soll, dem ersten Herausforderungskampf um die Zlrm binde im Verfolgungs- rennen zwischen Dohms und Bassi, sowie einem Vorgabe- fahren und der„D e u t s ch e n M e i l e" für Amateure findet als weitere Hauptnummer der Groß« Eröffnungspreis. ein Z9-Kil0meter-Mannschaftsr«nnen nach Sechstageart statt, an dem 13 Paare teilnehmen sollen, außer den Omnium-Teams noch die be- kannten Straßenfahrerbrüder Wolke und die neue Berlin— Breslauer Verbindung Lorenz-Frach. Die Kämpfe im Spichemring. Am Freitag Kehraus. Dei„Ständige Boxring" in den„Spichernsälen" brachte gestern ein Programm von großem Publikumserfolg zur Durchführung. Auf der ganzen Linie wurde hart und erbittert gekämpft. Dem Leipziger Poenisch unterlief im Hauptkampf des Abends in der sechsten Runde gegen Geeraerts(Belgien) in einem mit pausen- losen Schlagwechsel durchgeführten Kampf ein Tiefschlag, der seine Disqualifikation zur Folge hotte. K o s k a(Gieiwitz) und Schumacher(Berlin) gewannen durch Abbruch in der dritten bzw. zweiten Runde gegen Linde(Berlin) refp. Lenz II(Frankfurt a.M.). Der Breslauer Halbschwergewichtler Scholz schlug Simon(Berlin) nach Punkten; durch die gleiche Entscheidung behielt der Ungar Varnasevic über Pravit(Köln) die Oberhand. Die beiden Berliner Bolz und N i t s ch k e trennten sich unentschieden. Am Freitag, dem 17. Mai, schließt der Ständige Boxring seine erfolgreiche Saison mit einem ausgezeichneten Programm ab. Folgende Paare find verpflichtet: 1. Qualstikationskampf im Welter- gewicht zwischen Rudolf Boguhn und Walter Pürchel, 2. Antal Kreuts gegen Kurt Metzung, 3. Paul Richter gegen Eugen Kündig, 4. Walter Cunow gegen Franz Boso und 3. Hans Schemann gegen Hans Bischofs. Im Serienringhampf wurde„Alt-Wcdding 83" Krcismeistcr. Trotz der durch die kommunistischen Spaltungsversuche gegen- wärtig etwas verworrenen Lage im Berlin-Brandenburger Kreise des Arbeiter-Athleten-Bundes haben die Serien- kämpfe im Ringen doch noch ein gedeihliches Ende erreicht. Von 13 Vereinen, die im 4. Kreis treu zum Bunde halten, hatten fast alle für die Serie gemeldet, jedoch mußten einige Mannschaften zurückgestellt werden, da sie den Satzungen des Bundes wider- sprachen. Mit 7 vollständigen Mannschaften konnte der Sport wieder aufgenomcmn werden und für die zurückgestellten Mannschaften wird bald eine Lösung gefunden werden, wo auch sie bei den Serien- kämpfen zur Geltung kommen werden. Zweiundoicrzig Gänge waren notwendig, um den Kreismeister zu ermitteln und nach schwerstem Kampf konnte sich„A l t- W e d d i n g 83" mit der Mannschaft Wuttig, Elster, Schlichtenberg, Weihe, Eckert, Michael und Rosenkranz als Sieger herausschälen. Brandenburg Saron, Vorn Autosport. Die Schönheitskonkurrenz des 9. Internationalen A u t o in o b i l t o u r n i c r s in Wiesbaden wurde zu einem großen Erfolg für die Adler-Wagen, da von 24 zur Schau gestellten Wogen aller Typen und Formen 13 mit � ersten Preisen, 6 mit zweiten und 3 mit dritten Preisen ausgezeichnet wurden. Die wundervollen, in Harmonie der Gestaltung und Lackierung sowie komfortablen Innenausstattung unübertroffenen Adler-Knrosserien fanden ungeteilte Bewunderung bei Preisrichtern und Interessenten. Der Deutsch« Auro-Club veranstaltet vom 17.— 29. Mai eine P s i n g st f a h r t in die Thüringer Lande nnt Standquartier in Weimar und beteiligt sich an dem Wartburgfest d4r Deutschen Republik'in Eisenach. Aus Berlin und den Orts- gruppen des DAC. liegen schon zahlreich« Meldungen vor. Die Ausschreibung ist erhältlich durch die Reichsgeschäiisftelle des DAC., Berlin, Neue Winterfeldtstraße 29(Barbarossa 8837). Freier Sportverein Iveißensce: Die neuerosfnete Mädchen- obteilung turnt Montag und Donnerstag in der' Turnhalle des Lyzeums Pistoriusstraße von 18— 29 Uhr. Die Knabenabteilun-g turnt Dienstag und Freitag in der Turnhalle Rölckestraße. 1. Stock, van 18— 29 Uhr. Männer, Frauen und Iugeirdliche turnen Dienstaz und Freüag von 29—22 Uhr Rölckestraße Für alle Abieilungcn sinden Mittwoch und Sonntag nachmittags Spiele und votkstüm- liche Uebungen statt aus dem Sportplatz am Faulen See(Stadion). Alle Parteigenossen. Gewerkschaftler und Freunde unserer Be- wcgung werden ersucht, besonders, die Kinder und Jugendlichen dem Verein zuzvführen. walde an die zweite Stelle setzen. Vierter wurde die 2. Mannschaft von„Alt-Wedding 83", fünfter Sportl. Ver. Lichtenberg-Friedrichs- felde, sechster Tegel und siebenter Einigkeit 26. Fußball im Akkordlohn! Die führenden spanischen Fußball- oereine haben ein gemeinsames Abkommen getroffen, wonach den Spielern für jedes in einem Meisterfchasts- oder internationalen Spiel geschossen« und vom Unparteiischen natürlich auch anerkannte Tor ein Betrag von 199 Pesetas, etwa 63 Mark, zu vergüten ist. 12 279 Meter hoch im Flugzeug. Nach einer Meldung aus Philadelphia ist es deni anierikankschen Fliegerleutnant. S o u c e k gelungen, einen neuen Weltrekord im Höhenflug aufzustellen. Leunant Soucek erreichte eine Höhe von 12 279 Meter und verbesserte damit die 1926 von seinem Landsmann Leutnant Champion mit 11 727 Meter aufgestellte Höchstleistung. WcrfäJIrw� wU\ Ins Wochenende. Die Wochenendfahrten des Touristenvereins„Die Naturfreunde" haben von jeher guten Zuspruch durch die Berliner Arbeiterschaft gehabt, so möchten wir in Kürze die Termin« der diesjährigen Ge- jellichastsfahrten bekanntgeben. Alles Näher« ist aus dem in nächster Zeit erscheinenden Prospekt ersichtlich. In den Oberspreewald 1. und 13. Juni, 7. und 27. Juli, 17. August, 7. September.— Durch die Ruppiner Schweiz 4. August.— Nach Fürstenberg und Lychen 14. Juli.— Durch den Wörlitzer Park 17. August.— Durch den Fläming 31. August und 1. September.— Durch das Plagefenn und zum Kloster Chorin. nach Dresden zum Besuch der Jahres- schau, für Reisen und Wanderungen werden die Termine noch be- kanntgegeben.— Besuch der Städte Frankfurt a. d. O. 22. September, Brandenburg a. d. H 29. Oktober, Freienwalde— Falkenberg 15. September, Tangermünde 6. Oktober. Alles Nähere durch den Sonderprospekt, der auf Wunsch durch das Reisebureau des Tourist«»- verein?„Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Iohannisstraße 14/15, zugesandt wird.(Rückporto.) Wie bereits mitgeteilt, veranstaltet das Reisebureau an den Pfingsttagen eine Gesellschaftsfahrt noch der Insel Rügen. Alljährlich ist die Insel Rügen das Ziel vieler Naturfreunde, und so ist zu hoffen, daß die Zahl der Gäste, die in diesem Jahre mit den Naturfreunden nach Rügen fährt, rech, groß sein wird Nähere» über diese Reise ersähst man durch den illustrierten Prospekt(23 Pf. inkl. Porto), der durch das Reisebureau der Naturfreunde zugesandt wird, oder periönlich Montags bis Freitags von 17 bis 29 Uhr im Reisebeureau. Berlin N 24, Johannisstraße 14/15(Telephon: Norden 4177), abgeholt werden kann. Die Frovinzz ruft! Von einem Arbeitersport-Funktionär gehen uns folgende Zeilen mit der Bitte um Veröffentlichung zu: In Berlin uich in der Provinz ist es den Arbeckersportlern nach dem kommunistischen Zwischenspiel wieder möglich, praktische Arbeit zu leisten. Treu steht die überwiegende Mehrheit der Provinzvereine zum Arbeiter-Turn- und Sportbund Mögen auch „Oppositionelle" einen eigenen Laden ausgeniachl haben, die Macht der Tatsachen wird sie in nicht all zu ferner Zukunft zwingen, sich zum Arbeiter-Turn- und Sportbund zu bekennen, oder Anschluß an die bürgerliche Sportbewegung zu suchen. Die kommende Sportsaison bringt eine Anzahl Sportfeste in Berlin und der Provinz, alle Veranstalter rechnen auf die Unter- stützung der Brudervereine. Ganz besonders die Provinz wartet auf die Unterstützung durch die Berliner Vereine. Bei der Festsetzung von Terminen in den Vereinen sollte darauf gesehen werden, daß auch die Landvereine genügend unterstützt werden. Wenn es nicht anders qeht, dann teile man den Verein, und besuche an einem Tage zwei Sportfeste. Jedenfalls die Provinzler warten auf die Unterstützung der Städter, und Sportlergasdfreundschaft garantiert für genußreiche Stunden im Kreise Gleichgesinnter. Sporkvorträge im Berliner Rundfunk. Donnerstag. 16. Mai. Otto Buchmann: Der Sport in Beruf und Schule. Sonnabend. 18. Mai, 18.19 Uhr, Dr. Hans Bollmann: Die Sportschau des Monats. Sonnlag, 19. Mai. 16 Uhr Walther Scholz: Lchrerschast und Leibesübungen.(Zum Deutschen Lehrer-Sportsest in Dresden.) Sonnabend, 23. Mai, 18.33 Uhr, Rittmeister a. D. Krause. Generäk- sekretär des Union-Elub und des Berliner Rennvereins: Der Renn- spart als Wirtschaftcfaktor. Fuhballer Weißenfees, auch Genossen, die Interesse am Arbeiter- Fußballspiel haben, sind jederzeit willkommen im Freien Ballspiel- oerein. Sitzungen finden statt: Für Männer jeden Freitag von 29 bis 22 Uhr bei Minge, Lothringenstr. 32. Für die Jugend jeden Donnerstag von 29 bis 22 Uhr im Jugendheim, Parkstr. 36. Freier Fußballverein Reukölln I 1928. Sitzung der Männer jeden Freitag 29 Uhr, der Jugend um 7,39 Uhr bei Otto Balewski, Neukölln, Boddinftraße 57. Zur Verstärkung der 3-Männer-Mann- schnst sowie der Jugendmannsthasten werden jeder.zeit Sporlsreudiqe aufgenomnien. Anschriften an Willy Zier, Neukölln, Weserstraße 53. Fallbookfahrer von Moabik! 2llle Partei- und Gewerkschafts- genossen und-genossinncn, die als Faltbootsahrer Interesse am oraa- nisatorischen Zusaminenschluß haben, werden gebeten, zu der Abteilungsversammlung der Fallbootfahrer des SV.. Moabit am Dienstag, dem 14 Mai, 29 Uhr. Lokal Krüger, Putlitzstr. 19, zu erscheinen._ ffteier flEtpettuItnrticis fltcinScrfl.(ronnlag, 12. Mai, Arbeitstonnlag In Mali-N. Mitbriinic» voa Wrrk.rculi lHammcr. Zange ufw.) erwiinschl. Trcst- punt!«Seliger Pahnhoi lli>r. Montag. 13. Mai, letzter Badcabend in der ?acrwa'dslrage.?onnerstag. Ni. Mai. Ictzlcr Heimabend in der Wasscrtor» stratzc. Vortrag:..Psyckoanalnie". Äb Tonnerstag, A. Mai, regelmäßiger Spiel- betrieb auf der Spielwiese in Treptow. ?Z«B. Der G.-A., der Technische Ausschuß und die �cstlommNIion(tv.?ohr. iZcierl baden Dienstag. 14. Mai, eine gemeinsame Sitzung im Poststad.on. Dor» her Besichtigung der Anlagen um Itz'/e Uhr. Die Nampsrichter zum Anturnen im Lichtenberger Stadlo.i miissen un: 12 Uhr anwesend sein. Meldung im tlampsrichterzinimer, Mitteleingang rechts. Die zur Versiigung gestellten Geräte und Etoppnbren dort abgeben. Die Ausgabe er'olgt nach Schluß der Ver» anstallnng im Kampfrichterzimmer. M ttwoch. Ib. Mai, beginnt der Schw'mm. bezirl der freien Turnerschast Sroß-Berlin seinen Sommcrbetrieb im Post- slad on. Uebungsstunden. jeden Mittwoch von 18—22 Uhr. Schwimmunterr cht an Mitglieder kastenlos. flartell für Arbeitersport und Ztörperpsleae, Bezirk«enkSI». Montag, 12. Mai. Nartell-Delegierten-Sitzung, um 20 Uhr. bei Krank. Gangho'crstr. 1. »arten für Arbeitersport und»iirperpslege. 12. Bezirk. Montag, 18. Mol. KI Uhr, Kartellsitzung bei Löggow, Tempelhos, Kaiser-WilheNn- Ecke Friedrich- granz-Straße.• Vom Maicnfcst der Naturfreunde. Fröhlicher Aufmarsch. Tanz auf der Wiese.