BERLIN Montag 13. Mai 1929 10 Pf. Nr. 219 B109 46. Jahrgang. erfchetst täglich«»Je» Zugleich Abendausgab« des.Vorwärt»'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S,605R. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWSS.Lindenftr.8 KntdgeitgralftOl« einspaltige Nonpareillezeile Reklameteile S M. Ermäßigungen nach Tarif. so Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87 636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Adolf Braun Genosse Dr. Adolf Braun ist heute nacht nach lauger schwerer Krankheit verschieden. Adolf Braun war am 20. März 1862 in L a a g in Steiermark geboren als einer von fünf Geschwistern, deren jedes einen anderen Geburtsort aufweist. Denn der Vater war ein reicher Eisenbahnunternehmer, der bald hier, bald dort seinen Familiensitz aufschlug, um den Bau der von ihm projektierten und auszuführenden Eisenbahnen zu über- wachen, chauptsitz der Familie war Wien. Dort besuchte der ältere Bruder Heinrich die Universität und hörte die Vorträge Lorenz von Steina, an denen sich sein Interesse für die Ideen des Sozialismus entzündete. Heinrich tele- graphierte eines Tages an einen deutschen Buchhändler, er möge ihm alle sozialistische Literatur schicken, die erreichbar wäre; ein paar Tage darauf traf eine Sendung ein, die einen stattlichen Bücherschrank füllte. Adolf, der Gymnasiast, stürzte sich auf seinen Inhalt— und damit war sein Lebensschicksal entschieden. Schulfreundschaft brachte die Geschwister Braun mit der Familie Adler, dem«Adlerhorst', zusammen. Aus der Schulfreundschaft wurde ein Bund für das Leben: die Schwester Emma wurde VittorAdlers Frau. Da waren nun vier junge Menschen, die den Reichtum, in dem sie auf- gezogen waren, verachteten, die ihre Leidenschaft nach unten zog zu den Brüdern und Schwestern, die Rot litten. Helfen wollten sie und befreien. Mit allem, was sie tonnten und be- saßen, mit all ihren materiellen Mitteln und ungewöhnlichen Geistesgaben stürzten sie sich in den Dienst der Allgemeinheit. Dieses wiedererstandene Nazarenertum, das in dem Kreise Braun-Adler lebendig war, fand vielleicht bei keinem eine so starke Ausprägung wie bei Adolf. Von ihm kann man nicht sagen, daß für ihn der Satz gegolten habe:„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"— denn Adolf Braun hat sich selber nicht geliebt. Es hat sicherlich selten einen Menschen gegeben, dem die eigene Person so gleichgültig war. Kleidung, Wohnung, Nahrung, das nahm er eben hin wie er es fand— gab es überhaupt etwas Begehrens- wertes, so waren es Bücher. Ehrgeiz, Eitelkeit waren Ge- fühle, die er nicht kannte; er hatte kein Verständnis für solche Schwächen und haßte sie, wo er sie bei anderen fand. Rest- lose Hingabe an die Sache bis zur Erschöpfung des Körpers, der oft genug unter solcher Mißachtung zu ammenbrach, war ihm innerstes Gebot. Die bis zum Extrem getriebene Verachtung der Form und des äußeren Erfolges hat die Folge, daß man in diesem Leben vergebens nach glanzvollen Höhepunkten suchen wird. Adolf Braun, der unermüdliche Journalist, Agitator und Gelehrte hat nie gesprochen oder geschrieben, um sich selber ins Licht zu setzen, er wünschte nichts anderes als Erkennt- nisse zu vermitteln, der Partei, den Gewerkschaften zu nützen— alle Leistung stand unter dem Gleichmaß eines unpersönlich gemeinten sachlichen, nie ermüdenden, stetig- unablenkbaren Strebens. Adolf Braun, der, wie gesagt, schon als Gymnasiast Sozialist geworden war, ging an die Universität, um die für Sozialisten wichtigste Wissenschaft, die Nationalökonomie, zu studieren. In Basel kam er zu Ka r l Bücher, dessen er stets mit Dank gedachte, in Freiburg im Breisgau machte er seinen Doktor. Dann ging er nach Wien, war 1888 Dele- gierter auf dem Gründungsparteitag von Hainfeld, redigierte die„Gleichheit", die Vorgängerin der„Arbeiterzeitung", kehrte wieder ins Reich zurück, arbeitete an der„Münchener Post", an der„Sächsischen Arbeiterzeitung" in Dresden, bis ihn die Partei an den„V o r w ä r t s" berief. Jahrelang leistete er unter Wilhelm Liebknechts Ehefredaktion als politischer Redakteur des Zentralorgans entscheidend wichtige Arbeit. Da traf ihn, den Oesterreicher, also Landfremden, 1898 die Ausweisung. Der Vertriebene fand in dem damals freieren Bayern seine Zuflucht; in�Nürnberg wurde er zunächst Arbeitersekretär, später für viele Jahre Chefredak- teur der„Fränkischen Tagespost". Bald war er im fränkischen Lande der unbestrittene geistige Führer der Arbeiter- bewegung, schon damals eine der historischen Gestalten der Partei, weit über seinen engeren Wirkungskreis hinausragend. Für eine Weile hatten ihn die Wiener an die„Arbeiter- zettung" zurückgeholt. Aber Adolf war schon zu sehr Bürger des großen Vaterlandes geworden, als daß er dort hätte bleiben können. Abermals ging sein Weg nach Nürnberg und zur„Fränkischen Tagespost" zurück. Die Revolution brachte ihm auch das formale Bürgerrecht und einen Sitz in der Nationalversammlung. Er blieb dann Reichstagsab- geordneter bis zu den Wahlen des letzten Mai. Im Jahre 1920 wurde er als Sekretär in den P a r t e i- v o r st a n d gewählt, dem er der willkommenste Helfer wurde. Als unermüdlicher Arbeiter hätte er am liebsten sein Nachtlager gleich neben dem Schreibtisch aufgeschlagen, wenn er es nicht vorgezogen hätte, die Nächte zu durchreisen, um die Partei auf wichtigen Tagungen zu vertreten und am nächsten Tage wieder daheim am Schreibtisch zu sein. Er genoß weder Alkohol noch Tabak, er kannte nur eine Art, sich zu betäuben: durch Arbeit. Damals sägte ein befreun- deter Arzt zu ihm; er selber erzählte es gerne lachend:„Sie sind nicht normal. Denn ein normaler Mensch wäre bei Ihrer Art, zu leben, längst wahnsinnig geworden." Adolf Braun wurde nicht wahnsinnig, aber er wurde krank. Krank blieb er mitunter auf seinen Reisen liegen, krank kehrte er oft nach Hause zurück. Mißmutig fragte er, was er noch nützen könnte. Was er noch nützen könnte, das glaubte er gefunden zu haben in dem Entschluß, mit Vollendung des 65. Lebens- jahres von seinem Amt im Parteivorstand zurückzutreten und auf seine Wiederwahl zum Reichstag zu verzichten. Das war gewiß ein großes Opfer, denn so wenig ihm an Aemtern und Titeln lag, soviel lag ihm an seiner Tätigkeit für die Partei. Doch weil er sich nicht mehr leistungsfähig fühlte, zog er, unerbittlich gegen sich selbst und unbeugsam im Beharren auf dem gefaßten Entschluß, die Konsequenzen. Der Parteitag in Kiel huldigte dem großen Charakter und wählte Braun als Beisitzer in den Parteivorstand. Als solcher setzte er nun mit dem letzten Rest seiner Kraft die gewohnte Arbeit fort als Berater in allen Angelegenheiten der Presse und des Buchoeplags; die unge- Heuren Schätze an Wissen und Erfahrung, die er in sich auf- gespeichert hatte, wirkten weiter zum Vorteil. Aber die Ver- kalkung der Blutgefäße und ein schweres Nierenleiden schritten fort, leichte Schlaganfälle setzten ein, die Kraft der Augen versagte plötzlich, kam später wieder zurück, aber die Zunge blieb schwer, der Gang schleppend. Als man ihn kurz nach Weihnachten vorigen Jahres ins Krankenhaus brachte, wünschten ihm alle, die ihn geliebt hatten, nur noch ein leichtes und rasches Ende. Aber noch trotzte die starke Lebenskraft des Körpers monatelang allen Angriffen, bis endlich eitle Bauchfellentzündung den Tod herbeiführte. Von Adolf Braun blieb nicht nur der entseelte Leib. es bleiben auch die Schriften, die er geschrieben hat: über den Arbeiterschutz, über die Hausindustrie, über die Ge- wertschäften. den Achtstundentag. Es bleibt noch mehr. Bücher haben viele geschrieben, aber ein Leben wie er haben wenige gelebt, und dieses Leben bleibt unver- gänglich in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Sehet, ein Mensch! Sehet, ein Sozialist! O In der Sitzung der Reichstagsfraktion vom 13. Mai widmete Genosse B r e i t s ch e i d dem in der Nacht zum Montag gestorbenen Genossen Dr. Adolf Braun einen warmen, tief empfundenen Nach- ruf. Er würdigte in ihm einen der treuesten, ausopferungsfähigsten Kämpfer für die sozialistische AR>eiterbewegung. Wenn er sich auch wegen Ueberschreitung der Altersgrenze, wie er selbst angab, bei der letzten Reichstagswahl nicht wieder als Kandidat ausstellen ließ, so bedeutete doch sein Ausscheiden aus dem Reichstag nicht, daß damit fein Wirken für die Partei aufhörte. Alle, die ihn kannten, wissen, daß er bis zuletzt für die Partei gelebt hat. Die Fraktionsmitglieder hatten sich zu� Ehren des Verstorbenen von den Plätzen erhoben und hörten, tief ergriffen von dem plötz- lichen Tode Adolf Brauns, die von Herzen kommenden Worte Breit- scheid? stehend an. Landtagswahl in Sachsen. Die Sozialdemokratie gewinnt zwei Mandate. Dresden. 1Z. Alai.(Eigenbericht.) Die sächsischen Landtagswahlen haben nach der vor. lövfigen amtlichen Aestslellung das folgende Ergebnis: Die 96 Mandate im Sächsischen Landtag verteilen sich wie folgt: Sozialdemokraten 33(bisher ZI). Kommunisten 12 (bisher 14). Deutschnationole S(bisher 14). Deutsche Volksparlei 1Z |(bisher 12), wirtschaslspartei 11(bisher 10). Demokraten 4(bisher 5), Volksrecht und Auswertung Z(bisher 4). Altsozialiften 2(bisher 4). Nationalsozialisten S(bisher 2. Sächsisches Landvolk 5(bisher 0). Die sächsische Landtagswahl hat die p o I i t i s ch- p a r l a m e n- tarische Loge in Sachsen nicht erleichtert. Die Sozial- demotraten hatten einen schweren Kamps nach zwei Fronten ge- führt. Sie haben trotzdem zwei Mandate gewonnen, die Kommunisten haben zwei verloren. Ein« Mehrheit aus Sozial- demokraten und Kommunisten besteht also so wenig wie im vorigen Landtag. Allerdings wäre noch den Borgängen der letzten Zeit«ine politische Ausnutzung einer solchen Mehrheit mit den Kommunisten auch nicht möglich gewesen. Im Lager der bürgerlichen Parteien hat sich«ine be- merkenswerte Veränderung vollzogen. Die bürgerlichen Wähler haben ihre Stimmen in verstärktem Maße den ausge- sprochenen Interessenparteien, der Wirtschaftspartei und der Deutschen Bolkspariet. aber auch den Nationalsozialisten gegeben. Die Nationalsozialisten sind von zwei auf fünf Mandate gestiegen. Der In t« r essen t e n kl ll n g el hat im bürgerlichen Lagereinen Sieg über die ernsthaften politischen Elemente davongetragen. Die Hoffmmg der D e m o k r a te n,' daß sich ein großer Teil des Bürgertums ihnen zuwenden würde, hat sich als irrig erwiesen. Die Altsozialisten haben nur noch zwei Mandate im Landtag. Eine merkwürdige Reststimmenberechnung gibt ihnen mit 39 601 Stimmen diese zwei Mandate, während das Zentrum mit 250)0 Stimmen kein Mandat erhält! Infolge dieser Veränderung ist die politisch-parlanieutarische Lage aber noch schwieriger geworden als zuvor. Den Ausschlag für die Bildung einer bürgerlichen Regierung geben nicht mehr die Altsozialisten, sondern die Demokraten und die National- so zio lösten. Sie müssen beide gemeinsani in eine Koalition ein- treten, wdnu eine bürgerliche Mehrheit zustande kommen soll. Dagegen bestehen bei den Demokraten die stärksten Hemmungen. Rein rechnerisch gesehen,� liegt in diesem Wahlergebnis der Zwang zu einer Koalition mit den Sozialdemokraten. Dagegen aber bestehen sehr starke psychologische Widerstände inner- halb der sächsischen Sozialdemokratie und bei den bürgerlichen Parteien. Namentlich nach diesem Wahlkampf, der von bürgerlicher Einheitsfront mit besonderer Gehässigkeit gegen die Sozialdemokratie geführt worden Ist. Indessen werden wohl die politisch-parlamentarischen Vorgänge nach der Wahl den rein rechnerischen Zwang unter» st ü tz e n. Die Wahl des neuen Ministerpräsidenten erfolgt im Land- tag mit absoluter Mehrheit. Wie angesichts des Wahlausfalls diese Mehrheit zustande kommen soll, ist zunächst unerklärlich. Scheitern solche Versuche mehrfach, so daß sich die Wahl des Ministerpräsidenten hinauszieht, so würde das prattisch-politische Ergebnis sein, daß die Regierung Held weiter im Amte bleibt, und Sachsen weiter von einem Ministerpräsidenten regiert werden würde, dessen Partei die Hälfte ihrer Mandate verloren und nur noch mit zwei Mandaten im Landtag vertreten ist. Es gibt keine andere Re- gierungsmöglichkeit als die Bildung einer Koalitionsregie- rung mit den Sozialdenwkraten oder Bildungeines Bürger» blocks von den Demokraten bis Hakenkreuzlern, einschließlich der ASP.-Leute. Würden sich die Demokraten breitschlagen lassen. einem solchen Block beizutreten, so würde Sachsen Zuständen«nt- gegengehen, wie sie Thüringen unter dem Ordnungsblock erlebt hat. Angesichts dieser schwierigen Lage tritt der Landesaus- schuh der sächsischen Sozialdemokratie am Montag nach- mittag zu Besprechungen zusammen. Statt Sowjet-Sachfen Hakenkreuz-Sachfen. Dresden, 13. Mai.(Eigenbericht.) Die„Dresdener Volkszeitung* stellt mit Befriedigung fest, daß die Sozialdemokratie zwei Mandate gewonnen habe und daß es der bürgerlichen Front nicht gelungen ist, sie zu schwächen. Die bürger- lichen Parteien sind ausgezogen, um ein« sozialdemokratisch-kommu- nistische Mehrheit zu verhindern und sie haben nun dafür ein« bürgerlich-nationalsozialistische Mehrheit.„Kein Sowjet-Sachsenl", so haben sie trompetet. Jetzt haben sie dafür ein Hakenkreuz-Sachsen. Sie haben»lso das Vergnügen, sich mit ihren Nationalsozialisten zu amüsieren. Der Gedanke daran verursacht allen bürgerlichen Beurteilern schwere Beklemmung, und es läßt sich voraussehen, daß die Regierungsbildung ziem- lich lange auf sich warten lassen wird. Nach der letzten Wahl hat sie drei Monate gedauert. Kommt«in« Koalition mit der Sozialdemokratie nicht zustande, so müssen die bürgerlichen Parteien eine Regierung zusammenkehren nach den Prinzipien: Jeder Partei ihren Ministerl Für diesen Fall wird die Deutsche Volkspartei voraussichtlich Herrn Bünger als Ministerpräsident vorschlagen. Wie weit die Festigkeit, die die Demokraten im Wahlkampf gegen die Bürgerblockfront gezeigt haben, dann vorhalten wird, muß man abwarten. Ihr« Fraktion besteht aus zwei Abgeordneten, Dr. Dehne, Bankdirektor in Dresden, und Profesior.K a st n e r, die sich von waschechten Volks- parteilern nicht unterscheiden, und zwei sächsischen Lehrern, die nicht viel zu sagen haben. Die aktiven Demokraten sind nicht vertreten. Einzelergebniffe. Wahlkreis Leipzig. Sozialdemokralen 258 02S. Deutschnationole 45 702, Deutsche Volkspartei 115 5SS, Wirtschaftspartei S9 473, Kommunisten 111 093, Demokraten 32 517, KPD.-Opposttion 8067, Volksrechtspartei 28 473, Alt-Sozialisten 7764, Nationalsozialisten 25 741, Zentrum 4395, Sächsisches Landvolk 38 504. Wahlkreis Oresden-Ostsachsen. Sozialdemokraten 368 636, Deutschqntionale 91 524, Deutsche Volkspartei 129 047, Wirtschaftspartei 109 594, Kommunisten 93 606, Demokraten 54 488, KPD.-Oppositlon 4625, Volksrechtspartci 11328, Alt-Sozialisten 20 601, Nationalsozialisten 36580, Zentrum 15 431, Sächsisches Landvolk 65 414. Wahlkreis Shemnih-Zwitkau. Sozialdemokralen 295 453, Deutschnationale 81 137, Deutsche Volkspartei 118 778, Wirtschaftspartei 125 336, Kommunisten 141 118, Demokraten 28 092, KPD.-Opposition 9902, Volksrcchtspartei 30 291, Alt-Sozialisten 11 260, Nationalsozialisten 71 471, Zentrum 5614, Sächsisches Landvolk 36 604._ Konko/dat. Ein kommunistischer Schwindel. Genosse Dr. Kurt Löwen st ein schreibt uns: Das kommunistische Organ, der„Klassenkampf*, das als Ersatz für die«Rote Fahne" in Berlin verbreitet wird, bringt in Nr. 108 unter der Ueberschrist„Der„linke" Löwenstein für das Preußen- konkordat" die Behauptung, daß ich bei der Beratung des Innenetats im Hauptausschuß meine Stellungnahme gegen das Preußen- konkordat auf dem Kieler Parteitag widerrufen hätte und offen erklärt habe, daß ich f ü r das preußische Konkordat sei, weil e» da» kleinere Uebel darstelle. Ich stelle fest, daß diese Darstellung absolut unwahr ist. Ich habe vielmehr im Haushaltsausschuß auf völlig sachunkundige Au»- sührungen des Kommunisten Maslowski folgendes erklärt: 1. Die Sozialdemokretische Partei steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß das bayerische Konkordat der Reichsversassung widerspricht. 2. Eine große Anzahl von Sozialdemokraten und ich bekämpfen grundsätzlich und tatsächlich den Abschluß eine» Preußenkonkordat». 3. Ein Konkordat wie das bayerisch« Ist in Preußen schlechthin unmöglich. Daß dem so ist, ist im wesentlichen das Verdienst der sozialdemokratischen Landtagsfraktton. Wahltag im Ausland. Auionomistensieg im Elsaß.— Sozialistische Erfolge in Alifrankreich. Rücktritt Herriois in Lyon. Paris. 13. Mai.(Eigenbericht.) Die französischen GeiNeindewahten haben wesentliche Ver- änderungen im Besitzstand der Parteien nicht gebracht. In Paris ist die reaktionäre Mehrheit um drei Sitze verstärkt, dasllr konnten die Linksparteien ihre im Jahre 1925 eroberten Positionen überall behaupten, sogar weiter ausbauen Die S o z i a l i st e n behalten die Mehrheit in Bordeaux. Marseille, Tou- louse, Nimes, Lille. R o u b a ix und A r m e n t i e r e�. Zusammen mit den Radikalen konnten sie vor allem Rouen und Aldi der Rechten abnehmen und sich in Reims, Tours, St. Quentin, Amiens, Dünkirchen, Clermont-Ferrand, Talais usw. behaupten. In Lyon sind zum ersten Male sieben Anhänger der Rechten in den Stadtrat eingezogen. Di« Sozialichen verlieren dort fünf von ihren 32 Sitzen, die Radikalen zwei von 25 Sitzen. Bürger- meister Herriot hat, well er nur mit Hilfe der sieben Rechts- stimmen wiedergewählt werden könnt«, darauf verzichtet. Im Elsaß wurde die sozialfftische Mehrheit in Straß- bürg unter dem Bürgermeister und Abgeordneten P e i r o t e s von einer Nerikalen-automomistisch-kommunistischen Koalition ge- schlagen. Peirotes, der zweimal gewählt ist, zieht nur mit sechs Mann seiner Liste in den Stadtrat ein. In K o 1 m a r ist die gesamte autonomistische Liste unter Führung des seinerzeit abgesetzten Abg. Rosse durchs Ziel gegangen. In Mülhausen dagegen blieb unter der Führung des bisherigen Bürgermeisters Vicky die sozialistisch« Mehrheit bestehen. Volksentscheid in der Schweiz. Bern. 13. Mai. In doppelter Volksabstimmung wurden die Volksbegehren be- treffend die Zentralisierung der bisher den Kantonen überlassenen Gesetzgebung über das Straßenwesen und betreffend die Verteilung der Einnahmen aus den Benzinzöllen unter die Kantone mit 220 000 gegen 440000 Stimmen abgelehnt. Das Volksbegehren betreffend die Ermächtigung der Kantone und Gs- meinden, auf ihrem Gebiet die Fabrikation und den Verkauf von Branntwein zu verbieten, wurde mit 23 000 gegen 45 000 Volksstimmen abgelehnt. Fast alle Kantone verwarfen beide Vorlagen. Aürgerblocksieg in Australien. London. 13. Mai.(Eigenbericht.) Di« Wahlen in Queensland(Australien) haben zu einer Niederlage der Arbeiterpartei geführ�, die 15 Jahre hindurch die Mehrheit im Parlament hatte. Während die Arbeiter- partei im alten Parlament 43 und die bürgerliche Koalition 29 Sitze hatte, wird diese Koalition im neuen Parlament mit 43 Sitzen, die Arbeiterpartei mit 27 Sitzen vertreten sein. Sozialdemokraiischez- Erfolg in Oeutsch-Vöhmen. Teplih- Schönau, 13. Mai. Bei der Gemeindewahl in Teplitz gewannen die Deutschnatio- nalen ein Mandat. Sie hat neun, die Arbeits- und Wirtschaftsgemein- fchaft drei, früher vier, die Christlich-Sozialen vier, früher fünf, die Sozialdemokraten zehn, früher acht, die Kommunisten zwei, früher drei, die Nationalsozialisten fünf, früher fünf, die Iüdisch-Nationalen drei, früher drei, die tschechischen Parteien fünf, früher fünf Mandate. Todesopfer des Krühlingssonntags Eine alte Kastanie stürzt auf einen Wandertrupp.— Ein Toter, fünf Verletzte. 2 Personen ertrunken. Der gestrige schöne Krühlingssonntag hatte wieder wie vor acht Tagen nach allen Himmelsrichtungen einen starken Ausflugsverkehr zur Folge. Ziemlich 5 Millionen Fahrgäste wurden aus den Berliner Verkehrsmitteln hinaus ins Freie befördert. Leider hat sich in der weiteren Umgebung Berlins, in der kleinen Ortschaft Prötzel, zwischen Strausberg und Wriezen. ein betrüblicher Unfall ereignet, von dem eine Berliner Ausflüglergrupp« schwer betroffen wurde. In dem Schloßpark von Prötzel, der dem Freiherrn von Eckardstein gehört, stürzte eine über 100 Jahre alle Kastanie plötzlich um und begrub sechs Personen eines Moabiter Lotterie- Vereins unter sich. Einer der-Unglücklichen, der Schuhmacher Paul K a d o m k i aus der Stephanstraß« 39 in Moabit, wurde auf der Stelle getötet. Die fünf anderen, der 69jährige Gutsoer- walter Reinhold Ramm, der Kaufmann Georg Rasch aus der Sommerstraß« in Reinickendorf, der Arbeiter Ernst Rappe aus der Kieler Straße 1, die 20jährige Johanna R e i n i ck e aus Schöneberg, und der 36jährige Schlosser Arnold M a k u t h aus der Kieler Strajze 2, erlitten schwere Knochenbrüche und innere Ver- letzungen und mußten in das Strausberger Krankenhaus gebracht werden. Zwei der Verletzten schweben in Lebensgefahr.— Folgend« Einzelheiten werden hierzu noch bekannt: Der Lotterieverein hatte auf einem Lastauto mit etwa 20 Mitgliedern eine Fahrt nach Prötzel unternommen. Nach der Ankunft in dem kleinen Ort be- sichtigte ein Teil der Ausflügler unter der Führung des Verwalters den Park, der als besondere Sehenswürdigkeit in einem Gehege weiße Hirsche enthAt. Nach dem Spaziergang strebten die Leute dem Ausgang de» Parkes zu. Plötzlich n«igts sich eine alte Kastanie, die am Wege stand und seit langem sehr morsch war, und stürzte um. Der Vorfall spielte sich so überraschend ab, daß es nur wenigen gelang, rechtzeitig zurückzuspringen. Sechs der Spaziergänger wurden getroffen und lagen bewußtlos am Erd- boden. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle und mit Hilfe der Vereinskameraden wurden di« Verletzten ins Krankenhaus geschafft. Auch das Baden hat gestern wieder zwei Todesopfer gefordert. Im Spandauer Schiffahrtskanal am Rohrdamm erlitt der 17jährige Autoschlosser Bernhard KIrst aus der Tamminer Straße 5 in CharloUenburg beim Schwimmen einen Herzschlag. Die Leiche konnte von der Feuerwehr geborgen werden. Der andere Badeunsall ereignete sich in der Havel, unweit des Restauranis Schildhorn. Dort hatt« sich der 24jährige Maurer Paul Krause aus der Eichendorffftraße 2 zu weit hinausgewagt und ging unter. Alle Rettungsversuche blieben erfolglos. Ein anderer«igenartiger Unfall trug sich am Sonntag nach- mittag in der Bornholmer Straße zu. Beim Ueberschreiten hes Fahrdammes wurde der 13jährige Schüler Rudi Seeger von einemLeichentransportauto überfahren und schwer verletzt. Der Junge wurde zur naheliegenden Rettungsstelle 6 geschafft, wo der Arzt jedoch nur noch den Tod feststellen konnte. Sechs Lebensmüde. Auffallend hoch ist auch wieder di« Zahl der Selbstmörder, die am gestrigen Sonntag aus dem Leben schieden.— Auf grausig« Weise ging am Sonntag der 36jährige Arbeiter Willi Schwanke in den Tod. Sch., der in der B e r l i n e r S t r a ß e 66 in Reinickcn- dorf-West wohnt, begab sich am Vormittag auf sein Laubengclände in der Koloni« Neuland. Als«inige Zeit später Familienangehörige nachkamen, fanden- sie den Mann mit durchschnittener Kehle auf dem Fußboden der Laube in einer großen Blutlache tot auf. Neben dem Selbstmörder lag ein Ra s i« rm« ff /r, mit dem er die Tat vollführt hatte. Nervenschwäche war das Motiv zu dem Ver-. zw�iflungsschritt.— Der 40jährige Schuhmacher Bruno M. v«r- giftete sich in seiner Wohnung Hermannstraße 19 in Neukölln durch Gas.— Auf dieselbe Weis« schied di« 24jährige Hildegard K. in der Wohnung ihrer Eltern, Reichenberger Straße 61, aus dem Leben.— In einem Anfall« von Schwermut erhängte sich in seiner Backstube in der Schloßstraß« in Charlottenburg der tzOjährige Bäckermeister Rudolf W.— Ebenfalls durch Erhängen suchte der ööjährige Arbeiter Gustav F. den Freitod. Man fand ihn an der Türklinke seiner Wohnung, Kremmener Straße 6, tot auf.— Schließlich vergiftete sich in der Küche ihrer Wohnung Kantstraße 158 die 30jährige Frau Helene H. durch Gas. Di« Gründe zur Tat sind unbekannt. Außerdem verzeichnet die traurig« Chronik noch eine Reihe von Selbstmordversuchen, in denen es gelang, die Lebens- müden rechtzeitig zu retten. Ltebeririti zur Gozialdemokraiie. Der bekannte republikanische Senatspräsident am Kammer- gericht Dr. G r o h m a n n, der bisher der Demokratischen Partei angehörte, hat seinen Austritt aus dieser angezeigt und seinen Uebertritt zur Sozialdemokratie angekündigt. Er begründet diesen Schritt in einem Schreiben an den Abg. Koch- Weser damit, daß er nicht mehr auf dem Boden der libe- ralen Wirtschaftsaiuffassung stehe: „Vielmehr Hab« ich mich nach langen inneren Kämpfen über- zeugen müssen, daß ich nicht mehr auf dem Boden des Mrtschafts- Programms der Partei stehe, sondern mich von der liberalen Wtrtschaftsauffassung, auch von der maßvollen Form, in der sie in der Demokratischen Partei vertreten wird, entfernt habe: ich bin Soziali st geworden. Unter diesen Umständen halt« ich es für ein Gebot politischer Ehrlichkeit, mich auch äußerlich zu derjenigen Partei zu bekennen, die den Kampf für Erhaltung und Ausbau der demokratischen Republik mit der Arbeit für ern« fortschreitende Der- gesellschaftung der Produktionsmittel verbindet. Die große Partei, in der Hand- und Kopfarbeiter in vorbildlicher Solidarität gemeinsam um die Verwirklichung des sozialistischen Wirtschaftsideals ringen, hat Anspruch darauf, daß sich ihr jeder anschließt, der wirtschaftlich auf ihrem Boden steht." s Das Nachspiel in Moabit. Schnellgericht urteilt über die Maiverhafteten. Als Schnellgericht tagt heule zum ersten Male anstatt de» Einzelrichters beim Polizeipräsidium das S ch ö f- f e n g e r l ch t Berlin-Mitte, um verschiedene Leute, die bei den Unruhen in den ersten Tagen des Mai festgenommen wurden, abzuurteilen. Die Staatsanwaltschaft hat mit Rücksicht auf das große Interesse des Publikums die Verhandlungen vor dem Schöffengericht eröffnen lassen, um auch Laienrichter bei diesen Urteilen heranzuziehen Im übrigen tagte das Schöffengericht, vor dem heute unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Steinhaus vier Verhandlungen an- stehen, wie das übliche Schnellgericht, bei dem der Staatsanwalt die Anklage mündlich erhebt. Als erster hatte sich heute der 21jährige Arbeiter Wilhelm� S t o n e r zu verantworten, der am 1. Mai an einem Demonstrationszug am Bülowplatz teilgenommen und aus einer Gruppe junger Leute heraus, die an der Volksbühne standen und mit Steinen nach Polizisten warfen, ver- haftet worden war. Als das Schnellauto der Polizei an dieser Gruppe von ungesähr 20 jungen Burschen vorbeikam, flüchteten die meisten: nur der Angeklagte, der an der Volksbühne stehengeblieben war, wurde verhaftet. Ein Stuhlbein wurde ihm ab- genommen. Daß er selbst geschlagen oder geworfen hatte, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Er gab zu, sich an der Zusammen- rotiung beteiligt zu haben, bestrstt aber ganz energisch. Gewalt- t ä t i g k e i t e n begangen zu haben. Ein Stuhlbein hätte er nicht bei sich gehabt, der Polizist hätte ihn sicherlich mit einem anderen verwechselt. Stoner ist bereits zweimal wegen Körperverletzung und wegen Widerstandes mit Gefängnis bestraft und in den Polizeiakten als politischer Rowdy gekennzeichnet. Der Staatsanwalt beantragte wegen Aufruhr in Tateinheit mit Landfriedensbruch ein Jahr und sechs Monate Gefänis. Das Gericht erkannte auf a ch t Monate Gefängnis und hob den Haftbefehl gegen den An- geklagten auf, da er im Gegensatz zu anderen Beteiligten an den ver- botenen Demonstrationen feste Wohnung und Arbeit hat. Der An- geklagte nahm die S t r a f e an. Als zweiter Angeklagter wurde dem Schäffenfchnellgericht der 24 Jahre alte Arbeiter Willi Behrendt vorgeführt. Der Staats- anwalt beantragte 1 Jahr Gefängnis, das Gericht sprach den Angeklagten aber mangels Beweises nach ganz kurzer Beratung frei. Der gleichen Schnellabteilung des Schöffengerichts wurden dann noch zwei weitere Angeklagte unter ähnlich lautenden Anklagen vorgeführt. Kesselexplosion aus einem Schlepper. Die Nesahung- 4 Personen— qeiötet. Aus einem k a n a l s ch l e p p e r, der auf der Schiffswerft Derben am plauener Kanal im Bezirk Magdeburg liegt, ereignete sich aus bisher unaufgeklärte weise eine schwere Kessel- e x p l o s i o n. Die Besatzung. dreiMännerundeineFrau wurde getötet. Die Leichen des Führers Kaul sowie des Schisssjungen Borgmann konnten geborgen werden. Elf Echulmädchen ertrunken. Oer Kahn l»pp e um... Warschau. 13. Mai. Gestern sind in Hömel in Wolhynien elf Schul- mädchen bei einer Kahnpartie tödlich verunglückt. Der Kahn kippte um, und da sich kein Mensch zur Rettung in der Nähe befand, ertranken die Mädchen.. Kasperle im Landtag. Kommunistisches Spettakelstück. Aus der Tagesordnung der heutigen Landkags- sitzung stehl die dritte Lesung des Haushallplanes. Der- Kunden mit der Besprechung sind die k o m m u n i st i s ch e n Blitztrauensanlräge gegen den Ministerpräsidenten Braun und den Innenminister G r z e s i n s k i wegen der bekannten Maivorgänge, sowie die kommunistischen Anträge, den Berliner Polizeipräsidenten Z ö r g i e b e l, polizeiossi- ziere und Beamte zu entlassen, das Vemonstrationsverbot und das verbot der„Roten Fahne" sowie das Verbot des Roten Frontkämpserbundes sofort auszuheben. Haus und Tribünen sind stark beseht. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Borck(Dnat.) zur Geschästsordnung, einen deutschnationalen Antrag, den in den Unruhegebieten«ingesetzten Polizeibeamt�n eine Sonder- zu l a g« zu gewähren, mit auf die Tagesordnung zu setzen. Die Kommunisten erheben Widerspruch, dem Verlangen der Deutsch- nationalen kann nicht entsprochen werden. Leim Erscheinen des Innenministers G r z e s i n s k i auf der Ministerbank entstcht großer Lärm bei den Kommunisten. Es ertönen Ruf«:„Arbeiter- mörder, Authund!" Abg. Paul h o f s m a n n- Berlin(Komm.) erhält wegen fortgesetzter Zwischenrufe einen Ordnungsrus. hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Zur Be- gründung der kommunistischen Uranträge erhält das Wort Äbg Kasper(Komm.): Auf die Hetze der Sozialdemokraten und Gewerkslhaftsführer ist am 1. Mai in den Berliner Straßen Blut geflossen. Die Polizei hat gehaust wie in Feindesland. Die Argu- mente für die Aufrechterhaltung des Demonstrationsverbotes sind an den Haaren herbeigezogen und haben zu der verlogenen Be- gründung des Verbotes geführt.(Ordnungsrus.) Prestigegründe imd Furcht vor dem Anwachsen der kommunistischen Bewegung haben die Sozialdemokratie zu diesem Kampf gegen die Kommu- nisten getrieben.(Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Siehe W a h l r e s u l t a t in S a ch s e n!), der auf der Linie des inter- nationalen Vorstoßes der Reaktion gegen den Kommunismus liegt. Die Sozialdemokraten können ihre Mitverantwortung an den blutigen Maivorgängen nicht leugnen. Herr Zörgiebel ist der rechte Mann, die Berliner Arbeiter niederzuhalten. Die Lügenmeldungen der sozialistischen Presse übertreffen die Greuelnachrichten der Kriegspropaganda. Die Berliner Polizei hat Blutschuld durch die Tötung Unbeteiligter auf sich geladen. Der- Redner führt eine Reihe von Beispielen über angebliche Uebergriffe der Berliner Polizei an. Er spricht bei Redaktionsschluß weiter. Abg. kassper schließt mit den Worten: Die Kommunisten konnten und dursten sich dem Demonstrationsverbol nicht fügen. Die wahren Schuldigen sitzen im Innenministerium, im Polizei- Präsidium und im sozialdemokratischen Parteivorstand. Die Kommunisten klatschen stürmisch Beifall. Als daraus Präsident Bartels dem Innenminister Grzesinski das Wort erteilt, beginnen die Kommunisten großen Lärm zu machen, rufen im Chor:..Arbeitermörder!".„Bluthund" usw. Dabei umringen sie das Rednerpunlt und verhindern Grzesinski am Sprechen. Präsident Bartels erteilt mehrfach Ordnungsrufe und weist schließlich den Abg. Iendrehki(Komm.) aus dem Saal. Da dieser sich weigert, der Anordnung Folge zu leisten, hob der Prä- sident die Sitzung aus. Räch wiedererössnung der Sitzung fehlt Abg. Iendrehki im Saal, so daß Minister Grzesinski seine Rede beginnen kann. Gute Führung Oujardins. Neue Anschult», gungen gegen Frau Laquet. Insterburg, 13. Mai. Zu Beginn der heutigen Sitzung stellte der Verteidiger Rechtsanwalt Schönseld den Antrag, durch Kriminalbeamte feststellen zu lassen, ob der Bruder der Frau Zaquct, Herr Sauerbaum, wirklich am 14. Mai abends erst seinen Truppenteil in Königsberg verlassen hat. oder ob er schon srüher nach Klein-Kohlischken gekommen ist. Der Vorsitzende teilte hierzu mit, daß das Gericht schon von sich aus Ermitt- lungen eingeleitet habe, um die Aussagen dieses Zeugen nach- zuprüsen. hierauf verlas der Vorsitzende eine Reihe von Attesten, die die Polizeibehörden in Saarbrücken, Gerolstein, Trier mid Luxemburg über die Führung Dujardins m den Jahren 1909 bis 1919 abgefaßt haben. Danach heißt es, daß sich der Angeklagte überall gut geführt und nichts Strasbares begangen habe. Die Behörden in Köln, Frankfurt a. M. und Düsseldorf konnten jedoch keine Mitteilungen machen, da Dujavdin dort an- scheinend nicht gemeldet war. Auch über seine Führung nach der Beurlaubung aus dem Zuchthaus stellte ihm die Trierer Polizei ein sehr gutes Zeugnis aus. Er sei erst bei einem Bäcker gewesen, dann habe er sechs Monate im Städtischen Tiefbauamt gearbeitet. Dort sei er entlassen worden, da er nach dieser Frist von der Stadt Hütte übernommen werden müssen. Zu'etzt ses er Arbeiter in einer Wenhandlung gewesen. Weiter wurde mitgeteilt, daß die Mutter Dujardins das ihr in Trier gehörige Haus 1919 für 199 909 M. o�rkauft, nach Abzug der Schulden also(54 99, M. gehabt habe. Durch die Inslation habe sie aber alles verloren und empfange jetzt Unterstützung.— Rechtsanwalt Schönfeld oerlas seinerseits eine A i-kunst des Kompagniefllhrers Dujardins, in der dem Angeklagten da- Zeugnis eines sehr tapferen Mannes ausgestellt wird, der sich während der Militärzeit tadellos geführt habe. Unter großer Spannung wurde der Zeuge Hausbesitzer Rudolf h? y e r aufgerufen, der Schubart die Mittei'ung über einen an- geblichen Mordversuch gemacht haben soll. Der Zeuge war mit Camiet befreundet und befreundete sich später mit hoelzner nach de"en Heirat mit Frau Jaquet. Vors.: Sie haben nach einem schweren Zerwürfnis die Eheleute hoelzner wieder versöhnt. Wie kam das? Zeuge: hoelzner war mit seiner Frau wieder aus- e'nander und wollt« sich von ihr scheiden lassen, wie ich von einem Herrn Clemens hörte. Darauf bot ich helzner meine Vermittlung an. Vors.: Was war in der Ehe los? Zeuge: Ich hatte ge- hört, daß die beiden sich schlugen, hoelzner war angetrunken nach Hause gekommen und dabei entstand eine Schlägerei, bei der er am Boden lag. Möbe'stücke zertrümmert wurden usw. Vors.: Was war denn der Grund des Streits? Zeuge: Danach habe ich nicht direkt gefragt. Ich glaube, seine Frau hat ihn beleidigt. Vors.: hat vielleicht der hoelzner doch erzähl:. daß ihn seine Frau erdrosseln wollte? Zeuge(nach langer Pause). Möglich ist dies schon. Vors.: Zeuge, haben Sie dem Schubart damals etwas davon er- zählt? Zeuge: Es ist doch möglich, daß der hoelzner mir das er- zählt hat und ich dem Schubart das weitererzählt habe.(Große Be- wegung.) Allerdings möchte ich einfcha'ten, daß hoelzner manch- mal mehr erzählt hat als er verantworten tonnt«. Oper und l „Gly" in der Gtadiischen Oper. Mittelmäßige Aufführung eine- widerwärtigen, obendrein un- bedeutenden Werks: es ist keine Freude, davon zu berichten. Sly, heruntergekommenes Genie, Schuldenmacher, Kneipen- sänger, Komödiant. Dichter mit zerrissener Seele und zerrissenen Kleidern— den Betrunkenen hat nachts, erster Akt, eine Horde adeliger Nichtstuer in einer finsteren Spelunke aufgelesen. Im dritten Akt nimmt er sich das Leben, nichts anderes bleibt thiit übrig. Denn wie hat man es im zweiten, um den herum die sogenannte Tragödie gebaut ist, mit ihm getrieben? Die fröhlichen Menschen hoben ihn in das gräfliche Schloß bringen lassen, er soll ihnen ein bißchen die Zeit vertreiben. Sly erwacht im Bett des Grafen, in den Kleidern des Grafen, umringt von den Dienern des Grasen, als Graf also, der er, so reden sie ihm ein, schon immer gewesen, ein großer Herr, mächtig, unermeßlich reich... Der Arme glaubt und glaubt doch nicht, er ist wie im Traum. Und er ist wie im Himmel, als ihm die Frau seiner Träume als gräfliche Ge- mahlin entgegenschreitet. Man ist so diskret, die Liebenden— auch der Körper der edlen Dame spielt mit in der Komödie— allein zn lassen, allein im geräumigen Prunksaal. Aber aus ihrer Um- armung schreckt ihn brüllendes Gelächter, von den Logen, die den Saal umrahmen, sind die Vorhänge zurückgerissen, die. feine Ge- sellschaft ist voll von Entzücken über den gelungenen Spaß dieses unbezahlbaren Schauspiels, Bravorufe und Geldmünzen, das ho- norar für den Komödianten, schwirren dem Fassungslosen um den Kopf, zum Schluß wird er schimpflich-schändlich hinausgejagt, hin- unter in den Keller des Schlosses, der Säufer und Tagedieb. Es wird uns zugemutet, dies alles köstlich zu finden. Ich finde es dumm, roh und gemein und lehne ab, den ekligen Unsinn als menschliche Tragödie ernst zu nehmen. Auch durch die herrlichste, hinreißendste Musik wäre diese elenide Opernhandlung nicht erträg- lich zu machen. Ermannv Wolf-Ferraris Musik ist weder hinreißend noch herrlich. Mit wenig Substanz, ohne persönliche Note, die sehr gekonnte, doch alles in allem schwache Arbeit eines außerordentlich geschickten, erfahrenen Theatermusikers, viel mehr ist darüber nicht zu sagen. Die musikalischen Werte der Partitur bringt Robert D e n z l e r mit den Kräften der Städtischen Oper sachgemäß zur Geltung. An den Vorgängen der Bühne ist nichts zu retten und nicht mel zu verderben: auch nicht durch die Regie Hanns Niedecken-Gebhards. An groben Theater- Wirkungen fehlt es nicht, dafür Hot das Handwerk des Librettisten gesorgt. Und unter den Darstellern ist Mafalda Salvatint, deren Beliebtheit und auch deren gesangliche Leistung dazu beiträgt, einen Teil des Publikums' für die schlechte Sache zu gewinnen. Xlauz Pringshcim. „Die schöne Lau". Uraufführung in Schwerin. Erster Grund, aufzuhorchen: eine Frau hat die Partitur dieser Oper geschrieben. Zweiter und dritter: die Frau, die ist Julia K e r w e y, es ist kein Geheimnis, daß sie die Gattin von Mfred Kerr ist, und dazu Tochter des Staatssekretärs Weismann. Also sie hat es dreifach leichter, als andere Interesse zu wecken und Aus- merkjamkeit zu finden; aber viel schwerer, ernst genommen zu wer- den und sich durchzusetzen. Es ist festzustellen, daß ihre erste Oper „Die schöne Lau" sehr ernst genommen werden muß: als Zeugnis einer.gesunden, echten Begabung, einer unbestreitbaren Musikerbegabung für die Bühne, und als Probe erarbeiteten, sicher fundierten Könnens. Ein anderes ist die Frage, ob schon diese erste Oper sich durchsetzen, Ihren Weg über die Bühnen machen wird. Die Uraufführung, vor einem vorurteilslosen Publikum in einer fremden Sladt, war ein Erfolg. Kein Zweifel, hier ist ein Anfang. Doch eben, erst ein Anfang. Man hat„Die schöne Lau" schon als Sendespiel der Berliner Funkstunde kennengelernt. Der Vorgang, man erinnert sich, oben- drein sagt es der Name, führt uns in die Elfen- und Nixenwelt des Märchens: aber bald, wir sind nicht unglücklich, führt er uns in die Menschenwelt, die uns, und wie fich's zeigt auch der Komponistin wesentlich näher ist. Bei den Menschen soll die schöne Lau lachen Kranz Mehner.. An der äußersten Grenze von Zehlendorf steht das Metzner- Museum, in den Räumen des ehemalige» Ateliers. Es fanden am Sonntagnachmittag dort und außerdem noch an Metzners Grabe Gedächtnisfeiern statt, mit musikalischen Genüssen verschie- denster Art und zahlreichen Ansprachen gutmeinender Enthusiasten, dereit Pfaden man nicht immer zu folgen vermochte. Anlaß dazu hatte der 19. Todestag des Bildhauers gegeben, der aber nebenbei auch schon am 24. März d. I. vorübergegangen war. Es ist ver- ständlich, daß die Sudetendeutschen Berlins ihrem Landsmann— Metzner war 1878 bei Pilsen geboren— eine besondere Ehrung zuteil werden ließen. Nach zehn Jahren wird man indessen sein in der Zehlendorfer Villa gesammeltes Oeuvre und alles übrige, was man von seiner Hand am Leipziger Völkerschlochtdentmal, im Weinhaus Rheingold und in zahllosen Städten Mitteleuropas an Grab- und Ruhmesmälern gemeißelt findet, ein wahrhaft unge- heures Bildwerk, und in wenig mehr als zwanzig Jahren entftan- den— mit«irriger Skepsis betrachten dürfen. Ehre seinem phäno- menalen Fleiß, seiner Erfindungsgabe und seinem nicht geringen plastischen Talent! Was er aber mit diesen hervorgebracht hat, geht uns und die Nachwelt wohl nur noch in Einzelfällen an: vor allem in den mit Ausdrucksenergi« geladenen Bildnisköpfen. Metz- ners plastisches Ideal gehörte ganz und gar der wilhelminischen Epoche an, sein Tod 1919 setzt da einen deutlich symbolischen Sckjluß- strich. Die theatralische Gewaltsamkeit und unmotivierte Pathetik seiner Gestalten stellt ihn/ es muß gesagt werden, an die Seite der Begas, Schmftz und Ihne. Or. Baal R. Schmidt. Tanze. Nachdem die Argentina uns ein umfassendes und eindrucks- volles Bild vom Wesen des spanischen Volks- und Kunsttanzes ge- geben hat. ist es für ihre Nachfolger schwer, dieses Bild zu ver- vollständigen oder zu veredeln. Wir kennen die Weise und wir kennen den Text. Sie sagen uns nicht viel, denn die tänzerische En'wicklung geht in Deutschland auf anderen Pfaden, oerfolgt Ziele, die denen der romanischen Völker sehr fern liegen. Auch was im B a ch- S a a l das spanische Hoftänzerpaar A n d a l u z a und Hidalgo bot, konnte unsere Seelen nicht in Wallung bringen. Unpersönliche Durchschnittsleistungen in einem nationalen Stil, der weniger in temperamentvollem Sich-Ausleben als in stolz auf- trumpfender Krastentfaltung seinen Reiz und seine Stärke sucht. Im B a ch- S a a l tanzte auch die P a l u c c a. Ein Festabend. Ausoerkaustes Haus. Endlose Beifallsstürme. Das Publikum V 9*�' Wer*9 9*| w 9W lernen: über die Menschen. Viermal, so ist ihr bestimmt, muh sie lachen, um von dem Fluch erlöst zu werden, der auf ihrer Ehe lastet. Viermal— einmal wäre mehr. Sie lacht, muh lachen, weil sie belustigt ist, dann wieder ist sie traurig, weil sie nicht lachen kann: sie lacht, weil sie gekitzelt wird, sie lacht, lacht... sehr drama» tisch, sehr spannend ist das eben nicht. Gerade herausgesagt: das Opernbuch, das Aenne v. Below nach einer Dichtung Eduard Mörikes geschrieben hat, ist herzlich schwach. Keine Steigerung, kein Aufbau, wenig Handlung, viel Detail, hübsche Wendungen dar- unter, auch viel billige Züge. Die Musik hat alle Vorzüge eines ersten Wurss. Als stärksten die Unbekümmertheit einer musikalischen Frische, die unbedingt sympathisch, überzeugend wirkt. Doch als Kehrseite dieser Unbe- kümmertheit noch eine gewisse Oberflächlichkeit, Unstraffhest hie und da, ein Nicht-wissen-wollen von guten und schlechten Erfahrungen, die sich machen lassen. Aber aus der Orchesterbehandlung spricht mehr als nur erworbene Kenntnis, spricht angeborener Sinn für Farbe, für den Instrumentalklang und das Geheimnis seiner viel- sättigen Ausdrucksmöglichkeiten. Vor allem freilich ist das eine Oper für Sänger: mehr noch für Sängerinnen. Und in den Ensemblesätzen, in den Volks- und Massenszenen spürt man den Griff einer musikalisch-dramatisch sicher gestaltenden Hand. Das Schweriner Staatstheater hat mit beschränkten Mitteln für das neue Werk, dessen Schicksal ihm anvertraut war, viel getan. Mit einer Jvogrün in der Titelrolle könnte„Die schöne Lau" vielleicht eine Publikumsoper werden. Klaus Pnngsheim. „Poeta laureahis." In seinem Schauspiel„Poeta laureatus", das in einer Matinee des Renaissance-Theaters zum Besten der Berliner Ferienkolonien seine Uraufführung erlebt hat, läßt Ferdinand B Z n n die Zeit auferstehen, in der Shakespeare gelebt hat. Im .Mittelpunkt stehen Shakespeare, Ben Johnson und König Jakob l. Ein historisches Drama also, zu dem Ferdinand Bonn eingehende Studien gemacht hat. Die Reden, die er Jakob I. in den Mund legt, sollen geschichtlich beglaubigt sein. Und drth ist es keine trockene historische Schilderung geworden. Bonn macht uns Shakespeares Zeit lebendig, die Gestalt Jakobs I. bekommt aktuelles Interesse durch Züge, die an einen Monarchen aus jüngstvergangenen Tagen «rinnern. Wichlich und unberechenbar in seiner Gunst und seinem haß, überzeugt von seinem Gottesgnadentum, von maßloser Eitel- keit, wirft er sich als sachverständigen Richter über alle Fragen der Kunst und Wissenschaft auf, übt unheilvollen Einfluß auf seine Umgebung aus und merkt nicht,«in wie willenloses Spielzeug er in den Händen seiner Günstlinge ist. Er fühlt sich befähigt, Dichtern vom Range eines Shakespeare oder Ben Johnson poetische Rat- schlüge zu geben. Er sorgt dafür, daß nicht einer von ihnen als Posta laureatus, als preisgekrönter Dichter, geehrt wird, sondern sein persönlicher Liebling. Ob sich die Vorgänge so abgespielt haben, wie sie Bonn sieht, darauf kommt es nicht an. Wir erleben sie jedenfalls, seine Ge- stalten haben Fleisch und Blut. Di« beiden ersten Akte fesseln. Das Publikum merkt: das hat einer mit seinem Herzblut geschrieben. hier und da läßt eine Stelle aushorchen,. unter der der Funken des Genies zu glimmen scheint. Was Bonn dichtet, ist nicht mehr ganz im Geschmack unserer Tag«. Eine Art von erhabenem, aber vergangenem Hoftheaterstil klingt durch. Am deutlichsten im dritten uns völlig fremden, aufs Sentimental« gestellten Akt. Auch Ferdi- nand Bonns Shakespeare, den er selbst darstellt, erinnert irgendwie an steifes Hoftheater. Bonn charakterisiert gut. Wir freuen uns an seiner Bühnenroutine, können uns aber nicht mit seinem hang fürs Getragene befreunden. Kein Regisseur hat die Inszenierung geleitet. Die Darsteller spielen frei und frisch, wie das herz es ihnen eingibt. Durch Fritz Kampers erfährt die Vorstellung die stärkste Stütze. Sein Ben Johnson strotzt von kräftigem Humor, von saftigstem Leben. Egon v. Lamas König Jakob hastet im Gedächtnis. Die hastig hervorgestoßenen Sätze, das sprunghafte und unstet« Wesen, der plötzlich ausschießende böse Blick geben der Figur etwas beängstigend Krankhaftes. Das Publikum spendet reichlichen Beifall. Dgr. widerstandslos hingegeben dem Zauber dieser einzigartigen Kunst. Worin liegt die beispiellose Wirkung der Palucca? Ihr vollkomme- nes technisches Können, die leuchtende Klarheit im Bau ihrer Tänze, die absolute Sicherheit der Vorführungen erklären die Wirkung nicht. Es ist etwas anderes, was das Publikum vom ersten Augen- blick in seinen Bann zieht und es festhält bis zum letzten Schwung und Sprung. Es ist die Persönlichkeit der Palucca. Dieser ver- körperte Geist des Tanzes. Deren Leben Tanz und deren natürliche Lebensäußerung rhythmische Bewegung ist. Man fühlt und ist im Innersten durchdrungen von der Gewißheit: dieses sellsam« Wesen steht unter einem Zwange. Wir. das Publikum, sind ihm schnuppe. Es tanzt, weil es tanzen muß. Eine Art Besessenheit nötigt es, alle Lebensregungen in Tanz ausströmen zu lassen. Sein ganzes Wesen als Tanz zu formen. Und dieses Wesen ist von so sonnen- klarer Natürlichkeit, daß in seiner tänzerischen Gestaltung selbst komplizierteste seelische Vorgänge als etwas Selbstverständliches erscheinen. Ist von so bezwingender Liebenswürdigkeit, daß wir seinen Aeußerungen still, freudig oder laut jubelnd uns hingeben müssen. J. S. (Sin Kesizug zu Grammophonmusik. Bei dem von Rudolf von Laban inszenierten Fesizug der Wiener Festwochen soll erstmalig der Versuch gemacht werden, mechanische Musik in den Dienst eines großen, festlichen Aufzuges zu stellen. Laban wird den gesamten etwa 4 Kilometer langen Zug von mehreren tausend Tänzern rhythmisch begleiten und um- tanzen lassen. Die Musik für diese Festtänze, die aus zum Teil eigens dafür komponierten Stücken von Julius Sittner, Max Brand(Marsch aus der Oper„Maschinist Hopkins"). Ernst Krenek und Egon Welleß besteht, wurde auf Grammophonplatten auf- genommen. Um diese Musik während des Festzuges auf der ganzen Fsstzugsstrecke gleichzeitig ertönen zu lassen, wird eine große Lautsprecheranlage installiert, die Musik von den Schallplatten im Studio dts Rundfunks gespielt und auf die Großlautsprecher im Festzug übertragen. In ähnlicher Weise wird Laban auch in Mannheim anläßlich der 1S9-Iohr-Feier des Nationaltheaters im dortigen Stadion ein Bewegungschorwerk ausschließlich von mecha- nischer Musik begleiten lassen._ Der Sprech- unb vewexungschor der Volkbühne E. V. unter Leiiung non Karl Vogt und Berte Trümph veranstaltet am IS., 20 Uhr, im Theater am Bülowplah eine Voisilhrung. Zur Darstellung gelangt u. a. ein neues Chorwerk von Lobo irrank„Kreuz, ug der Maschine'. Emlahkarten sür Mitglieder der Volksbühne 1,80 M., für Nichlmitglicde Kasjenpreije. Verlustquellen im täglichen Leven. i)ie Gesellschaft für Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, organisatorisch-wirtschaftliche Kenntnisse zu verbreiten und einem wirtschaftlichen Güteroerbrauch die Wege zu ebnen, hielt in der verflossenen Woche ihre übliche Jahrestagung ab. Der Kernpunkt der Tagung war eine Aussprache über die Verlustquellen im täglichen Leben. Ministerialdirektor Brecht und die Abgeordnete L Ü d e r s verstanden es, mir praltischen Beispielen aufzuwarten. So gibt es unter anderem noch 3M Sorten Kragenknöpfe. Wenn die Hausfrau hier den Einkauf tätigt, hat sie eine solche Auswahl, daß sie ohne Zweifel den Knopf kauft, der für die Kragen des Ehemannes nicht paßt. Unser Briefträger steigt täglich die Treppen auf und ab, um irgend eine mit der Drei- pfennigmark« beklebt« Reklamesache an Ort und Stelle zu bringen, die ungelesen in den Papierkorb wandert. Berechnet man die Jahresleistung des Briefträgers nur für einen Kunden, so kommt sie der Ersteigerung der Schneeknoppe gleich. Frau Lüders empfahl größere Aktivität des kaufenden Publikums, es solle nicht nach größter Auswahl, sondern nach der Gediegen- heit und Zweckmäßigkeit der gewünschten Ware fragen. Die Ausführungen von Ministerialdirektor Brecht gipfelten in dem Satz, daß es schließlich leichter sei, das deutsche Volt zu regieren, als die z u st ä n d i g e Behörde für irgend eine Angelegenheit aussindig zu machen. Ohne Zweifel gab der Abend zahl- reiche Fingerzeige, um Verlustquellen im täglichen Leben zu be- kämpfen, die einzeln genommen geringfügig erscheinen, in der Summe aber die Crsparung großer Energien ausmachen. verantwortlich lilr die Redaktion: Fran, tttüh», Berlin: Anzeigen: Td. Stocke, Berlin. Dcrlag: Borwiirts Berlag(5. m. b 6., Berlin. Druck: Borwärts Buch- druckerel und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraste A. Hierzu 1 Beilage. Xheaiet, Lidilspiele usw.| Montag, J. 13. 5 Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 125 20 Uhr Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 119 20 Uhr Der lliepile Montag, ct. 13. 5. Staat, oper BUmarcksir. I8V2 Uhr Gesdilonene Vorstellung Staatl. Sdiausph. am Gendarmenmarltl R.-S. 39 20 Uhr König Johann Staatl. Schiller-TheatBr.Charltli. 20 Uhr Zaungäste M ET ROPOL-THEATER|T|| GR. SCHAUSPIELHAUS[TJ Künstlerische Leitun?: Erik Charell Hur noch Monat Mal Der große Erfolg! Lustige Witwe WWW 8 Lur o5 Bart�rossa 9256 The Jevers und weitere Varie:e-Men eilen CAS1MEATEH Lothringer Strafe 37. ..PHldder von■■eude" und ein erstklassiger bunter Teil. Für ünseie Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonst!»e Preise Parken u. Rang 0.80 Hk Renaissance-Theater IJardenSergstr 6 Tl.; Steinpi. 901 u. 2583/84 SV« Uhr THflllfll 8 Vi Uhr Die heilige Flamme Regie: Gustav Härtung. Reichshallen-Theater Abs.(T| Übt. Sonmao litt dun.|7| Übt Sfelftner Sänger neu!„Sine nachl Im tfalsireinkeller" Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brettl; (Saal und Garten) Variete ✓ Tarn Adolf-Becker-Konzert. Rose Gt. iranklortei -Thpatpr siraoeiaa I1ICU1KI Tel.: Ale«. 3422. Täglich 8Vi Uhr |(Sonntags 2 Vorstellungen SV« i. 0 Dbr) Dorine und der Zufall I pfiigsten! Ein Walzertraum! auf der Gartenbühne. Im Innentheaier ab tS. Mai ISglidi 8' iUhri Spiel im Schloß. Trade Hesterberg Paul Heidemann, Jankuhn, Elleot Junkermann. Schaefters M Der liebe Jlugustic Volhsbithne lliuter amBilowolati 8 Uhr Donaamont Thalia-Thealer 8'/t Uhr Ptarrhaus- komadie Staatl. Sdiillei-Ih- 8 Uhr. Zaungäste Slaalsoper am Platx der Regnbllk 8 Uhr DerlMe HoIlDoder Theater am Sdilffhaoerdamm Norden 1141 u. 281. Täglich r Uhr Dreinrosdien- Oper* Neber, Valettl. Ttilmlo. ivovskv, Leiden. Steckel Trianon-Th. Täglich SV, Uhr Das süsse* Geheimnis Operette von Zorlig Rundfunkhörer bnlbe Preise Kleines Theater Täglich 8>/. Uhr Naßooertrodien? radi dem Iniritiaiuhn von Frank Green. Musikalische lllust. Fr. Holländer. Regie; Fr.Ftleoniann- Frederldi. Dentsthes Theater 0.1. Norden 12 310 8 Uhr. Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legende von Franz Werfel Regie; Ran-Hsüiz Martin. Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7516 8»/« U., Ende geg. 10 Der Vane, der seinen Hainen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Dtsch. v.Hans Rothe Regie: HeinzHilpert Bühnenbilder: Erlth B-Siarn. Kammerspiele l). 1. Norden 12310 SVa Ende geg. 10 Aufgang nur für Herrschaften Kleine Komödie von Siegfried Geyer Lostspleihins SR« Uhr Guido Thislseher im Paradies Dtsch. KUnstler-Th. 8' 4 Uhr Prosit Gipsy Operette v. Gilbert Emaay Starm Fritz SdbuU Theaier am Hollendorrplatz Täglich 8'/, ohr aie manner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Qoetze Theaf. d. Westens S' t Uhr Kbtd Dorsch, J oeraan BendM in Friederike Musik von Lehar Sommersprossen Zur Beseitigung dieser häßlichen Schönheitsfehler werden. die verschiedenartigsten Mittel verwendet, alle beruhen auf dem Prinzip, die Sommersprossen zu bleichen. Derartige Behandlung ist unsicher. Die Sommersprossen dürfen nicht .- nur ausgebleicht werden, weil sie bei Unterbrechung im Gebrauch des Mittels wieder erscheinen. Man muß sie daher vollständig ve-nichten.— Zur gänzlichen Vernichtung der Sommersprossen dierrt PBGN AT*'«"* Das Gesicht wird mit dieser Creme bestrichen und später mit Seife gewaschen. Durch dieses sensationelle Präparat erhalten Sie in kurzer Zeit einen iugendschönen und reinen Teint. Preis M 4 50. Versand gegen Naauiahme u.Portospesen durch alleinigen Reniellet Scbröder-SdienKe, Berlin WDfi, ÄÄ Madl Christians. Oskar Karlweis, Lieske, Arno, Morgan. 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Als nachts die Scheinwerfer ihre Lichtkegel durch die Luft spielen ließen, räumten die Einwohner fluchtartig ihre Häuser und kampierten auf freiem Felde, weil sie glaubten, ein riesiger Komet kündig« den Weltuntergang an.— Die Moral von der Gkschicht'?— Das für militärische Spielereien weggeworfen« Geld würde auf dem Gebiet« der Volksbildung sicher bessere Dienste leisten— und das nicht nur in Chile! Der amerikanische Filmexport. Das Handelsdepartement der Vereinigten Staaten veröffentlicht die Zahlen über die Ausfuhr amerikanischer Filme im Jahre 1927, die eine wesentliche Steigerung gegenüber dem Export des Jahres 1926 zeigt. Die Ausfuhr von Filmen nach Europa stieg z. B. von 63 Millionen Fuß auf fast 70 Millionen Fuß, die Ausfuhr nach den lateinamerikanischen Ländern Fdn 73,5 Millionen auf fast 83 Millionen Fuß. Der Gesamtwert der amerikanischen Filmausfuhr betrug 7 Millionen Dollar. Das Liszt-Aeffchen. In Südamerika ist ein zierliches Aeffchen einheimisch, von dessen Kopf lange weiße Haare herabhängen. Diese Aeffchen, bei den Brasilianern„Pinche" genannt, besitzen ganz eigen l ae Stimmen: wenn sie„singen", eriiyiern ihre langgezogenen flöten- den oder hell trillernden Töne, wie schon Brehm seinerzeit be- obachtet«, sehr an Vogelstimmen, um so mehr, ols auch die ab- wechslungreichen Gesänge eher Vogelstiminen ähnlich sind als den bekannten, wenig schönen„Affenkonzerten". Weil nun der kleine Pinche nicht nur eine richtige Künltlermähne besitzt, sondern auch, wenigstens im Vergleich mit seinen Artgenossen, ausgesprochen musi- kalisch ist, hat man ihm den Beinamen..Liszt-Aeffchen" gegeben. Der Polenführer Trompczynski, viele Jahre im Reichs- und Preußischen Sandtag, dann Senats- Marschall in Polen, ist«in sehr witziger Herr. Als er einmal als Rechtsanwalt vor einer preußischen Zivilkammer in Posen mit schwarzer(statt weißer) Krawatte erschien, rügt« ihn der archaistische Vorsitzende mit den Worten:„Aber Herr Rechtsanwalt..." Worauf Dr. v. Trompczynski erwarte:„Herr Direktor, glauben Sie, ich als Jurist könnte Ihnen nicht beweisen, daß mein« Krawatte weiß ist?" Die Frühjahrsregatten des FSV. Am 9. und 12. Mai— Glänzendes Material, aber wenig Windl Heber 130 blihblanke Booke häkle der Kreis Berlin des freien Segler-Verbandes in seinen Gruppen Ost und West zu den Irühjahrswellfahrlen aus dem Langen und Seddinsee sowie aus der Havel.aus die Beine" gebracht. Leider kamen nur die Leichlwelterdoote insolge des leichten Windes aus ihre Kosten. Von Jahr zu Jahr wird das Boötsmaterial im FSV. besser, und war diesmal ganz hervorragend in der ZO-Ouadratmeter- Rennklasse. Was Schnelligkeit anbelrifst, sind die Reubauten sogar allen Klassen überlegen: natürlich sind die.Rennschachteln" künstlich in die Länge gezogen— jedoch aus kosten der Breite. Es wäre aber nicht richtig, diesen Schissen bestechende Eleganz absprechen zu wollen. Mit ihrem hohen Zeug, mit einem sehr kurzen Grohbaum und der steilen Cassel erinnern sie an die schonen Schärenkreuzer. Es wäre ein Genuh gewesen, wenn die.Ribelung", die gute 2Z-Ouodrolmeter-Binnenjolle, gegen die 20er in Konkurrenz gestanden hätte. Leider lief sie als Gast in Gruppe West. Der Arbeitersegler wird jedoch der IS-Luadralmeter-Wanderjolle den Vorzug geben, die sich auch bei leichtem Wind hervorragend bewährt hat. Der Anschaffungspreis von etwa 1500 M. dürste immerhin noch erschwinglich sein. Wenn auch der Wind am Himmelfahrtslage und gestern ein wenig knapp war. so kann doch die erste MusterüNg der Arbeilersegelboole als gelungen angesehen werden. Ohne Rückhalt kann anerkannt werden, dah viel Liebe und Pslege für diese Kleinode aufgewandt wird, um Segel und Boot möglichst lange in einem untadelhasten Zustand zu erhallen. Gruppe Ost. 1. Tag, 9. Mai Start der ersten Klasse Punkt 11 Uhr am Wind, Richtung Seddinsee, dann in. Abständen von drei Minuten die nächsten sieb- zehn Klassen. Eine ausgiebige Kreuzstrecke sorgte dasür, daß die guten Amwinder auf ihre Richtung kamen: indessen kann von einer einwandfreien Wettfahrt wegen des streckenweise einschlafenden Windes nicht gesprochen werden. Das beste Feld mit zehn Booten stellten die 20.Ouadratmeter.Rennjollen. die sich heiße Kämpfe, hauptsächlich unter den Neubauten, lieferten. Leider mußte � 97 ,.Bum-Bum", der die Führung übernommen hatte, aufgeben, da ihm der Topbeschlag brach. D 79.Avanti", sieggewohnter Flauten- segler des Vorjahres, übernahm die Spitze, zuweilen hart bedrängt von der neuen„Rakete", die aber auf dem zweiten Platz bleiben mußte. Beachtlich ist die Leistung von Z 28„Trudi", die sich trotz ihrer nicht mehr ganz modernen Form ihren jüngeren Schwestern gegenüber den vierten Platz sichern konnte. Bei den Rennsüns- Zehnern belegte M 120„Jugendliebe" den ersten Platz, nach sieben Minuten erst folgte 51 132„Trotzkopf", der in diesem Jahre eine bessere Form zu haben scheint. Die wanderfünszehner sahen ihre „Lola", H 50, schnell enteilen; sie lief mit einem Vorsprung von fünfzehn Minuten als erste ein. Ihre ausgezeichnete Zeit ist zwanzig Sekunden weniger als die der schnellsten löer-Rennjolle. Bei den flinken Rennzehnern konnte diesmal C 53„Irma" den Sieg er- ringen, während bei den Wanderzehnern der vom Vorjahre be- kannte„Seebär", B 62, sein Feld nach Hause führte. Bei diesen beiden Klassen ist di« Rennjolle der Bjanderjolle gegenüber mit fünf Minuten im Vorsprung. Bei den Ausgleichsjollen waren keine besonderen Momente wegen der kleinen Klassen zu beobachten. III 374 „Ursus" lieferte einen schönen Kampf mit dem wesentnlich kleineren„Odin", II 300; letzterer mußte sich aber mit knapp vier Minuten längerer Zeit geschlagen bekennen. Der neue 30er„Leicht- sinn", Z 26, mußte sich wohl oder übel führen lassen; er konnte nicht auf Platz kommen— vielleicht entwickelt er sich noch bei fnscherem Wind. L 17„Traum II" konnte den Sieg für sich buchen. Bei den 35ern wurde zur Abwechslung auch wieder mal T 20 „Limmat II* Sieger mit 26 Sekunden vor„Iris II". Die beste Zeit der großen Bahn segelte die Sonderklasse A 3„Woglind«" mit 2:39:33(berechnete Zeit); beste Zeit der kleinen Bahn,„Irma" mit 2:25. Einen glänzenden Erfolg hatte der„Seglerverein Rahns- dors" mit drei ersten Preisen(20-, 15-, 10-Ouadratmeter-Rennklasse), was nicht alltäglich sein dürfte! Zeiten: Tonderllage: 1. Woql'iede 2:39:».?:.?5.i]m.Rtcinet; 1. Lümmel II 3:08:11; Nationale ZO-qm-Nennjackt-n: 1. Traum II 3:04:59: Nationale Binnen» jollen: 1. Domino 3:03:20; Lo-qm.Nenniollen: 1. Avanti 2:53:54; 20.-,rn. flössen: I. Hohiho 3:03:52; lO-am-Nenniollen: 1, �roh.frei 3:04:34: 15.qm.Ncnn- ioBcn; 1. Jugendliebe 3:02:55; lö-qm-Wanderiollen: 1. Lola: 3:02:35; IO-ito. Rennjollen: 1. Irma 2:26:00; 10»-im,Wanderiollen: 1. Seebär 2:30:53; Jollen. kreuzer(12.«1.1: 1. Müritz 3:23:04.(13. KI.): 1. Poseidon II 3:43:44. Au-. gleichsklasse(14): j. Rumtreiber 3:47:55. Ausaleichsjollen, 15. Klasse: 1. Urw- 3:19:20; 16. Klasse:«lt.Iochem II 2:35:14: 17. Klasse: 1. Kobold 2:33:05; 18. Klasse: 1. Sirius 3:10:24.(Bei den Ausgleichsbooten sind die berechneten Zeiten angegeben.) 2. Tag, 12. Mai. Der sehr leichte Wind aus Osten, der gegen Ende der Weit- fahrt nach Nordosten schralte, veranlaßt« den Wettfahrtausschuß, den Start um eine halbe Stunde zu verschieben, jedoch ohne Erfolg. Trotzdem wurde wieder die große Bahn gefahren, was für die Leichtwetterboote günstig war. Die Heberraschung des Tages war die neue 20er-Rennjolle Z 97„Bum-Bum", die, hervorragend und mit Umsicht gesegelt, die fabelhafte Zeit 2:19;02 herausholte und damit schnellstes Boot der Wettfahrt wurde. Leider fehlte ihr schärfster Konkurrent Z 79„Avanti", der bereits zu den Pfingst- Wettfahrten nach Brandenburg unterwegs war. Z 93„Rakete" schied infolge Ruderbruches aus, mußte sich aber schon vorher ge- fallen lassen, von Z 89„Schnautel" ausgesegelt zu werden, was um so bemerkenswerter ist, als letzierer ein älterer Bootstyp mit neuem Segel ist, allerdings einen der besten Steuerleute am Ruder hatte. Die 15er-Rennjollen sahen wieder die„Iugenliebe" in Front, die mit 11 Minuten Vorsprung, in der Zeit 2:40:20, ihr Feld nach Hause führte. Ihr scheint der leichte Wind besonders gut zu be- kommen. Gegenüber den 1I-Ouadratmeter-Wanderjollen ist die Zeit nicht besonders gut, da deren erste, FI 64„Pan III*, die ausgezeichnete Zeit 2:35:55 herausholte, somit also etwa fünf Minuten schneller war als die beste 15er-Rennjolle. Die„Lola" fand sich in den hier und da einsetzenden Brisen nicht zurecht und mußte sich hinter II 63„Pirat II" mit dem dritten Platz begnügen. Bei den 1 Oer-Rennjollen wechselte der erste Platz auf C 58„Edith" hinüber, die diesmal die„Irma" nicht zu fürchten hatte, da sie nicht gestartet war. Gegenüber der besten 10-Ouadratmeter-Wanderjolle B 74„Annekin", einem Neubau, war ihre Zeit um zwei Minuten schlechter. Schade, daß der sonst führende„Seebär" ihr wegen Nichtstartens nicht zu Leibe rücken konnte.„Annekin" war mit ihrer guten Zeit schnellstes Boot der kleinen Bahn. Den Jollenkreuzern schien der leichte Wind nicht zu behagen, die ganze Klasse glänzt« durch Abwesenheit. Die Ausgleichsjollen sahen in der 15er- Klaffe wieder„Ursus" mit Längen in Führung: erst neun Minuten später folgte„Odin". In der 16er-Klasse konnte„Purzel II" den Sieg für sich buchen;„Alt Jachem", der Sieger des Himmelfahrts- tages, war nicht erschienen Die 17er-Klass« sah„Kobold" dauernd in Führung: an beiden Wettfahrttagen war er etwa zehn Minuten seinem Felde voraus. Die letzte Klaffe batte eine Ueberraschung in der Meinen„Anerli", die die fabelhafte Zeit 2:11:05 segelte; sie lag ihrer Konkurrenz volle achtzehn Minuten voraus!— Run zu den Großen.„Woglinde" war leider Einzelgänger. Die 35er hatten in der T 13„Sommerliebe" ebenfalls zum Schluß der Wettfahrt ein Boot ohne„Anhang", was aber nichts daran ändert, daß sie ganz famos gesegelt wurde und nur von„Bum-Bum" geschlagen werden kennte Die schmucken 30er boten ein geschlossenes Rennen und kamen im Rudel durchs Ziel. Z 23„Frechdachs II" war Sieger; ihm auf den Fersen war der„Neue" Z 26„Leichtsinn", der sich soweit von seinem ersten Schreck erholt hatte, daß er fast die ganze erste Runde führte, dann aber in wcchselvoller Chance aus dem zweiten Platz landete. Die nationale Binnenjolle j 27„Domino" lief allein. Zeiten: Sonderklasse; 1. Woglinde 2:22:26: 35., M.Kreuzer: 1. Sommerliebe 2:35:31; Nationale 30-gn>.Renniachlen, A; 1. ffrechdachs II 2:29:32; B: 1. Bijou 2:33:18; Nationale Binuenjollen: 1. Domino 2:40:11; ZO-gm-Rennjollen: 1. Bum- »um 2:19:02; AI.cM.Kielboote: 1, Sohiho 2:30:51; Is�M.Rennjollen: 1. Jugend. liebe 2:40:20; 15-qm-Wanderjolleu: 1. Pan III 2:35:55; lO-gm-Rennjollen: 1. Edith 1:51:11; lO�im-Wanderjolleu: 1. Annekin 1:49:08. Ausgleichsboote, 14. Klasse: 1. Erika 3:03:38; 15. Klasse: 1. Ursus 2:44:01; 16. Klasse: 1. Purzel II: 1:57:17; 17. Klasse: 1. Kobold 2:25:52; 18. Klasse: 1. Anerli 2:11:05. Bei den Ausgleichsbooten ist die berechnete Zeit angegeben. Gruppe West, I. Tag, 9. Mai. Ebenfalls wie in Gruppe Ost das typische Bild einer Flaute«- r e g a t t a. Auch die halbe Stunde Startverschiebung brachte keinen besseren Wind; es blieb bei den 2— 2 Ib-Sekundenmetern aus O— kssO. Trotzdem wurde die große Bahn Große-Fenster-Boje bis Kälber» werderboje und zurück gesegelt. Die Zeiten sind immerhin gut. Bor allem bot die Wettfahrt ein ziemlich geschlossenes Bild, lag doch zwischen dem schnellsten Boot, das die 15-Ouadratmeter-Wanderjolle „Ronchi" wurde, und dem langsamsten nur ein Zeitunterschied von 20 Minuten. Wenn Ronchi auch ein neues Segel führte, so trägt dies wohl nicht allein an seinem hervorragenden Sieg bei, denn er ist bisher Beherrscher seiner Klaffe gewesen. Von den 43 gemeldeten Booten gingen folgende als Sieger hervor: 1. Klasse Kreuzer: 1. ssriedel N; 2. Klasse 22.om.Binnenjollen: 1. Riebe. lung; 3. Klasse: LO-qm-Rennjollen: 1. Kusch-Husch IV; 4. Klasse: 20»g>n-Iollen- Ireuzer: 1. Thul« III; 5. Klasse Ib-qm-Reunjollen: 1. Satan, 2. Heibi IN, 3. üavelschwalbe, 4. Rüpel; 0. Klasse 15»om.Wanderjollen: 1. Rouchi, 2. sZrei- heil III; 7. Klasse lO-gm-Rennjollen: 1. groh-ffahrt III:-8. Klasse sslossenkieler: 1. Windsbraut. Von den Ausgleichsklassen sind die Boote Helius, Vera und Sabine mit je einem ersten Preis und die Boote Wogt und Koralle mit je einen zweiten Preis aus dem Rennen hervorgegangen. 2. Tag, 12. Mai. Windrichtung O— NO schralend nach SO, Stärke 2— 4 Sekundenmeter. Das schnellste Book der Wellfahrk wULde diesmal der 60-Quadratmeter-Kreuzer„Liesel ll,.A.9". Vielleicht hätte ihm die nationale Binnenjolle J 29„Ribelung", die von Gruppe Ost hier zu Gaste weilte, den Sieg streitig gemacht, sie jedoch durch ihre viertel- stündige Startverspätung die versäumte Zeit nicht mehr ausholen konnte, brachte es aber immerhin fertig, die ihr gestellte Bedingung, die Ä-Ouadratmeter-Rennjollen auszusegeln. Eine beachtliche Leistung, wenn auch nicht zu verzeihen ist, daß der Steuermann auch für den zweiten Tag eine Verschiebung des Startes voraussetzt. Typisch ist der Kampf der drei vollkommen gleichen 20-Quadrat- meter-Jollenkreuzer 0 2, 0 4, 0 8. Trotz ihrer gleichen Maße war doch der Sieger 02, 13 Minuten dem Zweiten und sogar 21 Minuten dem Dritten voraus.— Spiel des Windes— oder Technik des Steuermannes? Besonderes Pech hatte die 15-Ouadratmeter-Renn» solle dl 67 1, Havelschwalbe", die durch Wantenbruch bei einer Böe den Mast über Bord segelte. Die 15-Ouadrakmeter-Wanderjollen, die bei der ersten Wettfahrt das schnellst« Boot stellten, sahen diesmal zur Ueberraschung II 83 als Sieger ihrer Klaffe; erst 12 Minuten später folgte II 84„Käpten II".— Schnellstes Boot der kleinen Bahn wurde„Sabine" mit 1:56:17. Der sogenannte Havel» schlau chkurs, der das Regattofeld bildete, bringt seiner hohen Ufer wegen, die dem Winde nur an bestimmten Stellen ungehinderten Durchlaß gewähren, große Schwierigkeiten. Es ist eben nicht nur immer die Güte des Materials, die für den Sieg ausschlaggebend ist— auch ein wenig Kombination(vielleicht auch Glück!) ist oft ausschlaggebend. Zeiten: Kreuzer: 1. Liefet II 2:21:39; Nationale Binnenjollen: 1. Ribelung 2:52:07; 20»eM.Rennjollen: 1. Susch»Hu(ch 2:58:36; 20-qm.Ipllenkreuzer: 1. Thüle III 3:05:36; 15.qm.Rennisven: 1. Satan 2:46:56; Ib-qm-Wanberjollen: 1. Käpten II 2:56:06; lO-qm-Rennjollen: 1. ssroh-ZZahrt III 2:09:32. Ausgleichs» boote: 9. Klasse: 1. Werner 2:51:02: 10. Klasse: 1. Windsbraut 2:51:47; 11. Klasse: Thea: 3:09:30: 12. Klasse: 1. Sabine 1:56:17. Bei den Ausgleichs- booten ist die berechnete Zeit angegeben. Fuhdatt Berlin-Paris. Berlin siegt mit 5; 0(4; 0). Vor ungefähr 30 000 Zuschauern lieferten sich die Städte- m'a nnschaften von Paris und Berlin einen Fußball- kämpf, der nur in der ersten Hälfte befriedigen konnte. Nach der Pause war man allerdings enttäuscht. Gerade Berlins Vertretung ließ mächtig nach. Eine Ausnahme machten die Verteidiger und der Torwart. Bei den Gästen war der Torwart unzweifelhaft der beste Spieler. Verteidigung und Angriff genügten nur selten. Ein« Unmöglichkeit die Läuferreihe, die auch di« Hauptschuld an der Niederlag« trägt. Trotz der sehr fairen Spielweise der Pariser muß ihnen«in Tadel ausgesprochen werden: zum Schluß des Spiels fft es üblich, daß dem Gegner der Sportruf gebracht wird. Oder gibt es so etwas in Paris nicht? � Endlich Rüii-Premiere! Kroll-Micthe Sieger im Groden Eroffnungspreis. Nach mehreren erfolglosen Versuchen konnte nun auch die Rütt-Arena ihr Erösfnungsprogramm abwickeln. Das vorgesetzte gemischte Programm befriedigte nicht restlos. Trotz des schönen Wetters wohnten nur etwa 3000 Zuschauer den Rennen bei. Sehr bewegt verlief der Große Cröfsstungspreis, ein öO-Kilometer-Mannschaftsrennen, in dessen Verlauf sich viele Stürze ereigneten, wodurch Lorenz und Steer ausschieden. Die Entscheidung fiel bereits nach der Wertung beim 20. Kilometer. Einen Massensturz benutzten Earpuß-Iensen und Kroschel-Tietz, dem Felde zu enteilen, ihnen schlössen sich bald Kroll-Miethe an, die das Rennen schließlich gewannen. E r g e b n i s e: öO-Kilometer-Mann- schaftsfahren: 1. Kroll-Miethe 24 Punkte 1:10:19,8: 2. Tietz» Kroschel 17 Punkt«; eine Runde zurück: 3. Goebel»HLrtgen 21 Punkte; 4. Rütt-Dewolf 18 Punkte; 5. Dahms-Kantorowicz 14 Punkte; 6. Gebr. Wolke 12 Punkte; 7. Frach-Schön 12 Punkte. Das Mannfchafts-Omnium, das interessant und äußerst abwechslungsreich verlief, sah die erfolgreichen Ex-Amateure Leh- mann-Wissel vor Goebel-Hürtgen wieder siegreich. Das Siegerpaar oerdankt seinen Erfolg dem ö00-Meter-Zeitfahren, in dem sie die beste Zeit herausfuhren, während Goebel-Hürtgen am schlechtesten abschnitten. Ergebnisse: a) Malfahren, 1. Lauf: 1. Lehmann. 2. Goebel, 3. Kroll, 4. Tietz; 2. Lauf: 1. Hürtgen. 2. Wissel. •3. Miethe, 4. Kroschel; b) Zeitfahren: 1. Lehmann-Wissel 32,2 Sek., 2. Kroll-Miethe und Tietz-Kroschel je 33 Sek., 4. Goebel-Hürtgen 33,1 Sek.; c) Verfolgungsrennen: 4000 Meter: 1. Goebel-Hürtgen, 2. Lehmann-Wissel, 3. Tietz-Kroschel, 4. Kroll-Miethe. Gesamt: 1. Lehmann-Wissel 12 Punkte, 2. Goebel-Hürtgen 10 Punkte, 3. Kroll-Miethe 3'A' Punkte, 4. Tietz-Kroschel 2% Punkte. Im Amerikanischen Hauptfahren mit Schritt- machern, über 7500 Meter, ging Dewolf in 9: 27 vor Dorn und Wette mit einer halben Länge als erster über das Zielband. Das 12-Runden-Vorgabefahren gewann Korpus(50 Meter) leicht vor Steger(80 Meter) und Kantorowirz(120 Meter). In dem Arm- binderennen holte Basst den Herausforderer Dohms nach 13 Minuten«in. Die Deutsche Meile für die Amateur« des BDR. sah 35 Starter am Band und führte über 30 Runden mit 6 Wertungen; überlegen gewann Dasch-Tvrnado mit 15 Punkten vor Golz(Argo), der nur 7 Punkte auf sein Konto brachte. MiruLbaMU Die Spiele vom Sonntag. Am Sonnabend hatte FTGB.-Nordnng FTGB.-Pankow als Gegner. Pankow führte bis zur Pause durch Ueberlegenheit und schnelleres Spiel mit 3: 1. Nordring paßte sich dann dem Gegner etwas mehr an und zeigt« ein besseres Zusammenspiel. Dadurch lautete das Endresultat 6: 3 für Nordring. FTGB.-Süden 2 führte ebenfalls bis zur Pause mit 3: 2, mußte dann aber doch den Sieg FTGB.-Neukölln mit 7:5 überlassen. Auch bei den 1. Frauen siegt« Neukölln mit 3:0(3:0), ferner siegten FTGB.-Wedding 3. Männer gegen FTGB.-Nordost 1 12: 2(8: 0), Wedding 2. Frauen gegen Nordost 1 4:0(2:0). Die Spiele beim Anturnen der FTGB. hatten folgende Ergebnisse: Wedding 2 und Bornstedt 1, die ein Serienspiel absol- vierten, trennten sich 6:3(3:1). Trotzdem Wedding vollständig überlegen war, gelang es den Bornstedtern durch schnelle Durch- brüche, denen die Weddinger Verteidigung nicht gewachsen war, di« Tore zu schießen. Auch Südost zeigte während des Spiels ein« Ueberlegenheit, aber das schlechte Schußvermögen des Sturmes brachte ein Resultat von 5: 4(3:1) für Norden 1. Pankow ge- wann gegen Karlshorst mit 5:0(1: 0). Die Karlshorfter Läuferreihe muß noch viel lernen. Wedding und Oftring-Jugend hatten bis zur Pause nur je ein Tor errungen. Wedding hatte viel Chancen verschossen. Nachdem die Weddinger mit 3:2 führten, konnten sie in den letzten 10 Minuten in kurzer Reihenfolge 4 Tore buchen. Sport an» Sonntag. Wie in jedem Jahre fuhr auch am gestrigen Sonntag der Spree-Havel-Ruderverband auf der Strecke Charlottenburger Schleuse— Bahnhof Friedrichstraße sein Viererverfolgung s- rennen„Quer durch Berlin" aus. Im ganzen beteiligten sich 29 Boote. Ergebnisse: Erste Abteilung: 1. R.°C. Verolina (2. Boot) 40:26; 2. Charlottenburger R.-C. 1893 40:29. Zweite Abteilung: 1. R.-V. Iahn-Neukölln 38:52; 2. Spindl. R.-V. Sturm- vogel(1. Boot) 39:28. Daß den Berliner Unionsradfahrern vorbehaltene 45-Kilometer-Straßenrennen auf der Strecke Glienicke— Fllrftenberg und zurück, war reich an Zwischenfällen. Kurz vor Gransee fuhr ein Auto in die 60 Mann starke Spitze der B-Fahrer hinein und brachte vier Mann zum Sturz. Der Neuköllner Kempener � mutzte ins Krankenhaus gebracht werden. Bei einem weiteren Sturz ver- letzte sich Matterne schwer. Ergebnis: 1. Steimcke(BRV. 1910) 4:10:25; 2. Lipkow; 3. Nickel; 4. Mattem; 5. H. Wolke, 6. R. Wagner; 7. Schliep(alle dichtauf). Jugendrennen, 50 Kilo- meter: 17 bis 18 Jahre: 1. H. Haas« 1:29:00; 2. Haprich; 3. Janicke. 16 bis 17 Jahre: 1. Glienke 1:30:05; 2. Merfan; 3. Ulrichs. 14 bis 16 Jahre: 1. Passenheim 1:38:15; 2. Peltzer; 3. Albrecht. Ueber 400 Bundesamateure nahmen an dem Heraus- forderungspreis des„R.-V. Tempo 08" auf der Spandauer Rund- strecke teil. Ergebnisse: Klasse A: 1. Sport 88 1:20:42,2; 2. Krampe 1:21:05,2; 3. Pfeil Chart. 1:21:37,3. Klasse B: 1. Defekt 02 1:22:47,3; 2. Sperber 1:23:45,2; 3. Eisenbahn-Sporto. 1:23:54,2. Klasse C: 1. Danatbank 1:23:58; 2. AEG. 1:25:08; 3. Sturmvogel II 1:25:57,3. Klasse D; 1. Defekt 02 1:33:15; 2. Sport 88 1:33:44,3; 3. Post 1:35:27. Der ausgezeichnete österreichische Motorradfahrer Cdy L i n s e r- Innsbruck hat seine Teilnahme an der Oesterreichischen Tourist Trophy mit dem Leben bezahlen müssen. Wie bereits gemeldet, kam Linser auf der nassen Straße schwer zu Fall und erlitt einen Bruch der Schädelbasis, dem er nicht lange danach im Krankenhaus erlag. Der Pariser Tennisweltmeister L a c o st e spielte am Sonntag in Köln wiederum gegen den deutschen Meister Froitzheim, der gegen Lacoste den ersten Satz 8: 6 gewann, im zweiten erst 3: 0, dann 4: 1 führte und, als der Franzose 4: 4 aufgeholt hatte, noch- mals 5: 4 in Führung ging. Schließlich aber siegte doch Lacoste 6: 8, 7: 5, 6: 1, 6: 1. Im Doppelspiel zeigten sich Lacoste-Cochet mit 6:2, 6:1 Froitzheim-Dr. Landmann überlegen. An der BezirkssternsaHrk Teltow— Rowawes des 2. Bezirks im Gau 9 des Arbeiter-Rad» imd Kraftfahrerbundes„Solidarität" beteiligten sich 150 Radfahrer"und 45 Motorradfahrer. Die Sternfahrt ist als gelungen anzusehen. Soll beim Sport der Sieg Dir winken, musst Du nurSinälcO trinken i V5 SlVIlilCG ist stärkend, 1 erfrischend, bekömmlich, da aus I bestem%ucker und naturreinen ffruchtaromen hergestellt. Ucbwsll n h«b*nl B—«tMilr.ltifIrtrtKeO— ra.ii».b.ll.l»iid«. bermr Ällee«-7. IU«under47M/ KMmLICM Das Butab-Jubiläum. Die Feier im Großen Schauspielhaus. Spricht man von Gewerkschaften, so versteht inan darunter gewöhnlich nur die freien Gewertschaften und zwar nur die im AD'GB. vereinigten Arb«itergewerkschaft«n. Und doch zählen auch die im AfA-Bund vereinigten Angestellten- und die im ZlDB. verbundenen Beamtenverbände zu den freien Gewerkschaften mit. Di« Organisation der Hand- und Kopfarbeiter muh nicht erst ge- schaffen werden, sie ist längst zur Tatfache geworden. Der Butab, d. h. der Bund der technischen Angestellten und Beamten. der jetzt auf sein 2Sjähriges Bestellen zurückblicken kann, ist zwar nicht die an Zahl größte Organisation im Allgemeinen freien Ange- stelltenbund(AfA), aber doch eine der bedeutsamsten. Und wohl noch selten hat eine Gewerkschaft ihr Jubiläum in so würdiger Feier begangen, wie es gestern der Butab im vollbesetzten Großen Schauspielhaus getan hat. Nach kurzer Begrüßung der Gäste, Vertreter einer Reihe von Ministerien, der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, der Abgesandten der Bruderverbände Oesterreichs und der Tschechoslowakei, der Vorsitzenden des ADGB. und des ADB., leitete der Berliner Lendoai-Chor die Feier ein. Ingenieur Schweitzer hielt hierauf die Festrede, worin er an die Verhältnisse der Techniker und Ingenieure um die Jahrhundertwende anknüpfend, die Wandlung der Wirtschaft- schaftlichen und sozialen Verhältnisse schilderte, unter denen die Mit- arbeite! zu Angestellten wurden, deren Arbeit durch Arbeitsteilung spezialisiert, entwertet wurde. Bis zur Schaffung der Organisation im Jahr« IS04 waren die Bcrufsgenosscn schutzlos, rechtlos und mochtlos. Aus der Erkenntnis des Interessengegensatzes auch zwischen geistigen Arbeitern und Unternehmern zog der Bund in seinem Programm die Konsequenzen. Wiederholt suchten einzelne Unternehniergruppcn durch Maßregelungen die Bewegung zu unter- binden, womit sie aber auch hier das Gegenteil erreichten. Schon vor dem Krieg« bekämpfte der Bund die sogenannte Standcspolitik. Die Erfolge nach dem Kriege bedeuteten die Ernte nach der Saat. Wenn das Unternehmertum ständig über Mangel an Kapital klagt, so ist ihm zu bedeuten, daß es auch in seinen Technikern und Ingenieuren ein wertvolles Kapital besitzt. Das große Verdienst des Bundes ist, daß er die Berufsgenossen aus der beruflichen Enge herausgeführt, ihre soziale Berbundenheit mit der Gesamtheit der Angestellten- und Arbeiterschaft ausgezeigt hat. Vieles bleibt noch zu tun. Die sozialpolitische Reaktion ist in den letzten Wochen erstarkt. Da darf es keine Unorganisierten mehr geben. Die Reihe der weiteren Ansprachen eröffnete ReichsarbeitS- minister Dr. Rudolf Wissel! unter lebhafter Begrüßung. Er oerwies auf die Umgruppierung der Berufsschichien und hob die Bedeutung der geistigen und technischen Kräfte bei der Umstellung durch die Rationalisierung bevor. Er hofft, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses auch in den Kreisen der Techniker weiter reifen wird. Oberpräsident Lüdemann gedachte der Ansänge der Be- wegung, in der er mit Pate gestanden hat. Seidel- Wien über- bracht« die Grüße der Bruderorganisationen Oesterreichs und der Tschechoslowakei, der Reichenberger sowie der Prager Organisation, und verwies auf das Ziel: die Ueberwindung der kapitalistischen Produktionsweise. Graßmann als Vertreter des ADGB. knüpfte an die Pläne in der Nachkriegszeit an, Hand- und Kopsarbeiter in gemein- samen Organisationen zusammenzufassen, die mit Recht abgewiesen wurden. Die Gewerkschaften sind über die Lohnbewegung?- Maschinerie hiaausgewachsen. Arbeiter und Angestellte wollen nicht dauernd Objekte auf dem Spekulationsmarkt der Wirtschaft sein. Wenn es schon unsere Haut kostet, dann wollen wir dabei sein, wenn Riemen daraus geschnitten werden sollen. Daher die Forderung des letzten Gewerkschaftskongresses irach Wirtschafts- demokratie. wir leiden zusammen, wir kämpfen zusammen und wollen zusammen siegen. Aushäuser feierte als die große historische Tat des Bundes. daß er die Intellektuellen aus dem Bannkreis der Bourgeoisie herausgerissen und sie zu Konstrukteuren der Brücke von den An- gestellten zu den Arbeitern herangezogen hati daß er sie von der Unüberbrückbarkeit des Gegensatzes zum Kapitalismus überzeugt hat. Falkenberg vom ADB. betonte das Bekenntnis zur Soli- darität. Mehr und inehr werde die Tätigkeit der Beamten von Angestellten verrichtet. Ein Prozeß der aus die Endbeamtunz abzielt. Das Beamtenrecht entwickele sich daher nach der Seite des Angestelltenrechls Das führt auf den Weg gemeinsamen Handelns. Wir sind eins und werden eins bleiben! Nach einem Schlußwort des stellvertretenden Vorsitzenden Meyer, der für den erkrankten Bundesvorsitzenden Waschow eintrat, und weiteren Darbietungen des Lendvai-Chors, schloß die eindrucksvolle Feier mit einem Hoch auf die Organisation. Va5 Henckel'Renncn eine Ucberrasdning. Bauernfänger- Rennen: I. Rohrpost läJ. Printen): 2. ffiefolei; 3. Falstaff. Toto: 286:10. Platz: 49, 18, 67; Iftr" Ferner liefe»: ftoWft(4), Leuchtturm, Eonlni», Fer a»t feri. Loratins, Caniptcndorf, Lednm, Errvatius II, Carmcnta, Cuina. Annchen, Machvoran. Argwohn.Rennen: l. Attika. Oran, Maraocdis, Allerwcltemädel, Latz' fei», Praxedis. Bltgnld-Rennen: I. Verena. Botschafter l6>. Lvengali, Graf Isosani, Ausnahme. E ha inant. Rennen: 1. Oleander(Pargo); 2. Melkart. Toto: 10:10. Zwei liefe». Rickel-Rennen: 1. Lichtblick(M. Schmidt): 2. Falcone; 3. Otis. Toto: 13: 10. Platz: 10, 11: 10. Ferner lief: Tarn II. Taufendlünftler-Rennen: 1. Ronchen(Böhlke): 2. Angulimala: 3. Alfter- bliimchen. Toto: 24Ü: 10. Platz: 43, 21. 34: 10. Ferner liefen: Windspiel(4), Morgenstern. Rotbarl, Lieserer, llatastrophal, Bulgarin, Nutria, Zier. Touristenoerei» ,.Sie Ratursreuude", Zentrale W en. Ortsgruppe Berliu: Mittwocki. 13. Mai. 20 Uhr. Aula Weinmeifterftr. 16—17. Lichtbildervortrag: „Orci Wollten in Oberiiallcn�(Reicrcnt Eeorg Krämer), llnkost.nibcitrag 26 Bt. Oiäste willkomme».— Abt. Frirdrichshaini Dienstag,>4. Mai. 20 Uhr. Litauer Etraßc 18, Lichtbildervortrag:..Montblanc''(Jahns).— Abt. Lichtenrade: Tienstag. 14. Mai. 20 Uhr, Kaifer-Pilhelm.Slr. 73. bei Lcntz:..Erlte Sitte bei Unfällen."— Abt. Rorden: Dienstag, 14. Mai, 20 Uhr, Csnnenbnrger Str. 20: ..Pfingflfahit".— Abt. Weddintz: Dienstag, 14. Mai. Turnier Ecke Eeeftraße: Mitgliederoerfamllinq. I u g e n d g r u p p e: Dienstag. 14. Mai, 19 Uhr. Ccestr. 84:„Der karz".— Abt. Pankow: Tienstag, 14. Mai, 20 Uhr.«örfch. ftrahe 14:..Aus Beng Bergs Tierlcbc»".— Abt. Prenzlauer Berg: Donners. tag, 10. Mai, 20 Uhr, Danzlger Str. 02, Barocke 2: Mitqliederverfammlnng.— Abt. Eefunbbrunne»: Donnerstag. 16: Mai. 20 Uhr. Pank, Eck- Wielenftratzc: Mitgliederversammlung. Iugendgruppc: Dienstag. 14. Mai, 20 Uhr. EchSnNcdtftr. l: Kruppetttrage».— Abt. Tiergarten: Donnerstag. 16. Mai. 20 Uhr. Lehrter Slr. 18—19:„Erste Hilfe bei Unfällen".— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 16. Mai. 20 Uhr. fiiunlerftr. 44: Borlcsmigeu.— Abt. Sndwcst: Donnerstag. 16. Mai, 2» Uhr. Porckftr. II: Natnrschutzfragen.— Ratiirwiffe». fchaftlicke Abt.: Donnerstag. 16. Rai, 20 Uhr, Iohannisftr. 13: Malcktabend. Freie Kanu. Union fSroh-Beeli». Vollversammlung aller Abteilungen Frei, tag, 17. Mai. 20 Uhr, Restaurant..Zrni Mohren", Ierufalemcr Str. 19.— Abt. Spandan: Sitzung Dienstag, 14. Mai, 19'z. Uhr. bei Reimer. Eharlottcnburq. Wilmerstorfer Ecke KanalftraKe.(Höste willkommen. Mitglieder werden au>» genommen. FTGB., Bezirk Oberspree, beute, 19::. Uhr, Mitgliederversammlung im Jugendheim Oberschönewt'de, Lansener Str. 2. Tagesordnung: Dcreinsange- Icgenheite». Bortrag:„Alt-RUrnderq"!W. Birnbonm). Dcr Turnabend fällt ans. Jeder mi'st die Verfammlnng besuchen. _ ASS., Hocke». Jeden Dienstag ob>8 Uhr Training im Llchtenbergcr »lad o». Iutcrrsscnlen dielet(ich jetzt Gelegenheit, das Hockenspiel zu erlerne». Arbrttee-Scklitzenbund, Orksarnppe Berlin. Die. vertagte Ortsgrupp.'nver- sammlunq findet Dienstag, 14. Mai, 20 Uhr. bei Loga», Brildcrstr. 10-18, nahe Gcrtrandtenstrahe, statt. »artellsttznng Mittwoch, 13. Mai, 20 Uhr. Cafö Zkonal, Kommandanten. slrahc 77. Oie Einheitsschule in Aeukötln. Vorbereitungen zu ihrem Aufbau. lieber das im„Borwärls" schon vor längerer Zeil ein- gehend besprochene Projekt einer großen Schulbauanlage am Dammweg In Reukölln hal seht die S l a d l v e r. ordnekenoersommlung zu cnkscheideu. Der INagislrak gibl in einer den Sladlverordnclen zugegangenen Vorlage eine ausführliche Darstellung der Enkstehung des Projektes. Der anfänglich« Plan, dort nebeneinander eine Volksschule und ein« höhere Schule zu errichten, wurde in den Jahren 1926 und 1927 vom Magistrat vorgelegt und von der Stadtverordneten- Versammlung genehmigt. Nachdem der Bauentwurf für die Volks- schule ausgearbeitet worden war, wünschte das Bezirksamt Neukölln, daß das schon bestehende Kaiser-Friedrich-Nealgym- gas iu- in aus der Kaiser-Friedrich-Siräße nach dun Schulgrund- stiirf am Dammweg h i n a Iis o e r l e g t würde. Das R e u l g y m- ii a s i u m und die plante Volksschule sollten zu einer Ein- h c i t s s ch u l e verbunden werden, die den Gedanken der Arbeits- und Gemeinschaftsschule verwirklichen könnte. Diesem Vorschlag, der auch den Beifall des Magistrats fand, mußte dann die ganze Bau- anlage angepaßt werden. Die Schulaufsichtsbehörde hat die Ver- bindung dcr Voltsschule mit der höheren Schul« genehmigt. Die aus beiden entstehende Einheitsschule wird sich in Unterstufe, Mittclstuse und Oberstufe ausbauen. In der Mittelstufe wird theoretischer und praktischer Arbeits Unterricht erteilt. Die Oberstufe soll nach den verschiedenen Begabungsrich- t u n g e n sich gipfeln und gleichzeitig bestimmten B e r u f s r i ch- t u n g e n entsprechen. Das Arbeitsverfahren der ganzen Schule, die in asten Stufen Arbeitsschule sein wird, fordert eine zweckmäßige und ausreichende Belichtung der Räume. Darum solle» die Ge- bände als Flachbauten ausgeführt werden, zum Teil mit Oberlicht- scnstern, doch sind auch noch Versuche mit Seitenlichi geplant. Um die Schule im Sinn der Gemeinschaftsschule führen zu können und sie zu einem Mittelpunkt für Eltern und Schüler werden zu lassen, sind auch entsprechende Gemeinschafts- räume nötig. An sofortige Ausführung der ganzen Schulbauanlage, deren Kosten aus 7 Millionen Mark geschätzt werden, denkt der Magistrat nicht. Zunächst sollen nurdieRäume fürdie Unterstufe