BERLIN Dienstag 14. Mi 1929 10 Pf. Nr. 221 BUO 46. Jahrgang. erschetst tiglich avterGanat«««. Augleich Abendauegabt dr«.VvrirZrt«'. T liefert hat. Der Maßstab für ihre Wichtigkeit muß ein anderer sein bei der Rückschau wie bei den Gegenwärtigen. Dieser Forderung kann man aber in Wirklichkeit nicht nachkommen: willkürlich und un- willkürlich wird jeder Betrachter einen einheitlichen Maßstab aus- stellen, und der kann sich nur von der einheitlich hohen Qualität der Altberliner Malerei herleiten. Unter diesem Gesichlspunll aber muß das Urteil über ,hi« Lebenden" beinah« vernichtend ausfallen. Der Vorstand' und die Ausstellungskommission des Vereins Ber- liner Künstler hätten besser getan, sich nicht in dies« Gefahr zu begeben. Vielleicht kannten sie nicht ihren Umfang, wahrscheinlich wußten die für den modernen Teil verantwortlichen Herren, bei geteilter Arbeitslast, gar nicht, was für ein unheimliches Kriterium in Gestalt der Retrospektiven am Horizont heraufzog. Sonst hätten sie sich wahrscheinlich damit begnügt, jene erwähnten Toten und die stärksten Werke einiger hervorragender Lebender als Gegengewicht zur Vergangenheit heranzuziehen. Jetzt steht eine uferlose Vereins» meiere!, in der wahrscheinlich jedes Mitglied mit beliebigen Werten vertreten ist, jener sorgfältig gesiebten, überaus herrschen Veranstal- tung gegenüber. Unglücklicher konnte nicht operiert werden— im Effekt: denn die Absicht war vermutlich, den Lebenden recht nach. drücklich ihr Recht aus Dasein und Geltung zu verschaffen. Der unvoreingenommene Betrachter mit Qualitätsgefühl wird also nichts weiter tun können, als einen erschreckenden Verfall der Berliner Malerei seit den Zeiten Menzels und Hertels festzustellen. Der kritisch« Historiker wird zu etwas anderen Resultaten kommen, die aber um nichts freundlicher ausschauen. Er wird den real- tionären Charakter des VBK. aus«ine unwiderlegbare Weis« fixiert finden. Seit den Zeiten Antons o. Werner ist der Verein aus gleicher Stufe stehen geblieben. Das beste, was man unter der Glaspalastsülle findet, sieht wie ein Abglanz schöner Zeiten aus, oder reicht selbst noch, infolge hohen Alters des Künstlers, in den Aus- klang jener Epoche hinein: so etwa Hagemeister, I. Jaco. Dammeier, Henseler, Agthe: auch O. H. Enge:. Bracht, L. o. Hofmann, Curt Herrmann(der sich freilich gewaltig geändert hat. ohne daß davon hier etwas ans Tageslicht kommt), S o u ch a y gehören in etwas anderem Sinne dazu, während D e t t m a n n sics) als einer der wenigen Wandlungssähigen darstellt, die mit der Zeit ein wenig mitgehen. Die Revolutionäre, die in den neunziger Jahren aus dem VBK. austraten, um die Sezssion zu begründen, sind unentwegt, aber nicht mit historischem Recht, mitgesührt und bringen dadurch einen salschen Ton ins Bild, zu- gunsten eines sortschrilllichen Gesamtcharaklers: vor allem Max Liebermann, Leistikow(der sich deswegen wohl im Grab« einige Male umdrehen wird), Martin Brandenburg. Auch O r l i k sieht man nicht gern in diesem Zusammenhang. Ueber den Rest ist nur zu sagen, daß eine geruhsam« Altmänner- hausstimmung darüber waltet: ein sattes Behagen an vielmals er- probten Rezepten, schlimmstensalls eine falsch verstanden« Geistig. teil und modische Geste um jeden Preis, die so erfreulich wirken wie das Quietschen der Elektrischen an zu scharfer Eck«. Als Ausnahmen im fortschrittlicheren Sinne, so die Regel bestätigen, mögen Ulrich Hllbner, Rößner und die frischen Sprößling« aus dem Nach- wuchs: Otto Heinrich und Haase-Iastrow gelten. Auf Julius Jacob, von dem einig« bezaubernde Land- schaften seine im Grunde noch vorimpressionistische Lösung male- rischer Probleme andeuten, mag besonders helles Licht fallen, nicht nur, weil er jetzt eben, gleich nach Beginn der Schau, aus dem Leben abberufen worden ist. Seine immer vornehme, immer maßvolle und beglückende Kunst wäre der geeignete Mittler, der von dem Wert einer gediegenen, aber überholten Tradition überzeugen könnt«: wenn sein Fall nicht so vereinzett dastände und ausschließlich auf seiner rein persönlichen Qualität beruhte, die für geringer« Talent« der Art keinerlei Rechtfertigung bildet In der Kunst ist schließlich, wie im Leben, Bewegung alles, Stillstand aber gleich- bedeutend mit Verlorensein. Ueber die recht anspruchsvoll auftretende Skulptur, die die zwei größten Mittelsäle einnimmt, wäre es am höflichsten, zu schweigen. Das Kunststück ist fertig gebracht worden, die wahrhaft großen Namen der Vergangenheit: Schadow, Rauch und ihr« glänzenden Schüler Kiß, Drake, Wolsf, Bläser so zu repräsentieren, daß sie rettungslos unter dem schreckenerrege.iden Wust der Neueren verschwinden. Und von diesen selber ist wieder so etwas wie eine Auferstehung des glorreichen Siegesallee- und Kriegerdenkmalgedankens(„Gedankens" cum grano salis!) veranstaltet worden. Es besteht bei mir gar kein Zweifel, daß man von Begas, Geiger, Schaper, Klimsch usw und selbst von Eberlein und Hundrieser(dem Bater der unglückseligen Berolina) einige pasiable Skizzen hätte beibringen können. Statt dessen ist die volle Glorie der wilhelminischen Aera im Walküren- tempo aufmarschiert: ein trübe Blamage, die trübst« wohl aus dieser Schau, kaum gemildert durch Anwesenheit einiger nicht sehr pro- minenter Stücke von Wenck, Metzner, Gruson und Rhades. Dr. Paul F. Schmidt. Demokratische Partei... ... un» demokrotl'ctie presse Im Preußischen Landtag hat der Führer der Demokraten, Abg. Falk, am Montag zu den Mai-Unruhen eine formulierte Er- klärung abgegeben, in der es heißt:„Den Beamten der Polizei spricht die Deutschdemokratische Fraktion für ihre ausopfernde Hingabe an ihren schweren Dienst ihre Anerkennung aus." Während dl«„Vossische � Zeitung" und andere demokratische Blätter— wie selbstverständlich— die Erklärung ihrer Fraktion im Worttaut bringen, sucht man sie im demokratischen „Berliner Tageblatt" vergebens. Man bemerkt, wenn man im Parlamentsbericht des„B. T." die A b s a tz a n f ä n g e durchgeht, nicht einmal, daß überhaupl ein Demokrat gesprochen hat Nur der genau Suchende entdeckt am Ende der Rede des Zenlrumsabgeordneten Baumhoff den verschämten Anhang:„Er (Baumhoff) sowie Abg. Falk(Dem.) spradjen der Polizei jür ihr Verhalten wärmsten Dank aus. Wer den Brauch der Presie kennt, den Redner der eigenen Partei im Parlamentsbericht ausführlicher als die Redner anderer Parteien zu geben, jedenfalls seine Rede auch in der äußeren Aufmachung hervorzuheben, der muß sich wun- dcrn, daß hier ein Redner von einem Blatt seiner eigenen Partei- richtung„totgehängt" wird, wie der fachtechnische Ausdruck auf Bilderauestellungen lautet. Das ist aber kein Zufall. Denn das gleiche„B. T." entfaltet im lokalen Teil bei der Bericht- erstatwng über die Tumultprozesse«ine ganz systematische, von den Kommunisten kaum zu übertreffende Hetz« gegen die Polizei. So wird z. B. der Angeklagte S t o n e r, der wegen Widerstandes und Körperverletzung mehrfach vorbestraft ist, und der bei seiner Verhaftung Steine und ein Stuhlbein bei sich hatte, vom„V. T." eifrig in Schutz genommen: „Verletzt hat er niemand."(Ein paar Zellen weiter gibt der Bericht des„B. T." selber zu, daß an der gleichen Stelle mehrer« Polizisten durch Steinwürfe verletzt worden sind.) Daß die Polizei gegen die Steinwerfer vom Gummiknüppel Gebrauch machte, wird im Bericht des„B. T." fortgesetzt ironisiert und getadelt. Dagegen findet es der gleiche Bericht durchaus in der Ordnung, daß ein Student, der die Polizei auf die bedrängte Lag« zweier Kollegen M der Seusschnalionalen Partei... ... geht es dauernd voran' aufmerksam machte, von der„Wut der Bevölkerung"(I) gelyncht wurde. Nur diesem Studenten, dagegen nicht den Stein- wersern macht der Bericht des„B. T." Vorwürfe, daß er sich trotz des Demonstrationsverbotes am Bülowplatz aufgehalten hatte. Ihm wird bedeutet, dlß er eigentlich ins Gefängnis gehöre! Wir sind überzeugt, daß die Hattung des„B. T." sich wesent- lich anders gestalten würde, wenn die Polizei die Tumulte durch müssiges Zusehen sich weiter hätte entfallen lassen, und wenn bei dieser Gelegenheit vielleicht ein paar Konfektionsgeschäfte von randalierendem Mob geplündert worden wären. Doch mag das Hypothese sein. Eins erkennen wir sicher: Woher es kommt, daß die über die stärkste Presse verfügend« Partei von Wahl zu Wahl, wo es auch sei, an Stimmen und Anhängerschaft abnimmt. Nicht trotz ihrer Presse, son- dern wegen ihrer Presse!_ Carols Nennung verboten. Eine Parlamentsdebatte in Bukarest. Bukarest, U. Mai. In der Kammer ersuchte D u c a im Namen d�r libera'en Partei die Regierung um Aufklärung über die Rede des Senators Eornescu (Regierungspartei) während des Tedeums am 10. Mai in Targoviste, in der er den früheren Kronprinzen Carol verherrlicht habe. Duca behauptete, der Präsekt von Targoviste Hab,: vorher von dem Wortlaut der Rede Kenntnis erhalten. Innenminister D a i d a erwiderte, die Presse habe den Wort- laut der Red« vollkommen entstellt und die Tragweite dieses Zwischen- falls übertrieben. Es sei Tatsache, daß das Land jedem Versuche, die Debatte über die endgültig erledigte dynastische Frage wieder zu eröffnen, gleichgültig gegenüberstehe. Die Rede Cornescus sei eine Verherrlichtung der Vereinigung Rumä- niens und der Männer gewesen, die dazu beigetragen hätten, sowie e'ne Verherrlichung der Dynastie. Der ehemalig« Kronprinz sei lediglich als So'dat und Vater des Königs erwähnt worden. Vaida oerlas den Wortlaut der Rede und erklärte dazu, daß Eornescu auf seine— des Ministers— Anfrage ihn seiner Ergebenheit gegen die Dynastie versichert habe. Nichtsdestoweniger werde Eornescu allein wegen der Erwähnung des früheren Kronprinzen die Folgen zu tragen haben. Die Regierung mißbillige formell diesen Fehler, und der Parteiausschuß werde das Verhalten Cor- nescus prüfen und sicherlich sein« Mißbilligung aussprechen. Darauf tei't« Justizinister I u n i a n mit, daß er der Staats- an waltschaft Anweisung erteilt habe, eine Untersuchung einzu- leiten und erforderlichenfalls die Aufhebu., g der Jmmuni- tät Cornescus zu fordern, denn das Gesetz müsse m gleicher We�se gegen politische Freunde wie Gegner angewandt werden. Da die Kammermehrheit Duca verhinderte, die Rede des Innen- Ministers zu unterbrechen, verließen die Liberalen als Zeichen des Protestes den Sitzungssaal.__ Amnestie in der Türkei. Durch Gesetz werden etwa 8000 Personen begnadigt. Ientraliheater. Rezept: Man nehme ungefähr«in Dutzend mehr oder minder populärer Schlager, vermische diese mit dem abgestandenen Wasser fauler Dialogwitze, rühr«— pardon probiere— ein paarmal durch, und der Operettenteig ist fertig. Der Kuchen, der dadurch entsteht, kann nicht besonders wohlschmeckend sein, was aber G a st o n Briese und George Burghardt auf diese Weise zu- sammengemanscht haben, war ungenießbar. Man nannte die Sache einfach nach dem Hauptschlager„Komm in den Park von Sanssouci", beschwor den allen Fritzen und ließ ihn sich in Ehestistungsoersuchen ergehen. Man quasselle etwas von Krieg und Garde, den Höhe- punkt bildet« aber Fritzens Rückkehr aus irgendeinem Kriege, unter- malt vom Fridricus-Rex-Marsch. Da rast« das Volk,— wollte sagen die Claque. Gespiell wurde ganz brav im herkömmlichen Stil blöder Operetten(Willy Cooper und Aldo v. Paul, Gustav Mahnte und L u Key als die beiden traditionellen Liebespaare). George Burghardt gab den alten Fritz getreu nach Mäxchens Bilderbuch. Nur eine Frage: Wozu macht man eigentlich derartiges „Theater"? Wir haben doch heute den Kopf so voller Sorgen, daß wir knapp Zeit für wirkliche Kunst haben. Für derartigen Blödsinn ist aber jede Minute zu schade._ Waller Jacobi. Nichtraucher. Szene: Ein Stadtbahnwagen dritter Klasse. Nichtraucher. Zeit: Wochentags, gegen drei Uhr nachmittags. Der Wagen war ziemlich voll, nur ein Fensterplatz mir gegen- über war frei. Neben mir saß eine weite Kotott«, schräg gegenüber ein höchst vornehm dreinblickender Herr, der«igenttich in die zweite Klasse zu gehören schien. Bahnhof Jannowitzbrück«: Die Tür schiebt sich auseinander, ein neuer Fahrgast steigt, vielmehr torkelt zu. Sein Mund durchströmt den ganzen Wagen mit Spiritusdüsten. Cr schliddert durch den Gang, entdeckt den freien Platz, stolpert über die Beine des Vornehmen, der merklich zusommenguckt, und läßt sich dann breit und behaglich am Fenster nieder. Nach einiger Zeit schien er Langeweile zu kriegen: Er mavZtt sich brabbelnd zu seinem distinguierten Nachbarn zweck Uill-�ltuug. Der Distinguierte wandte sich verächtlich ab: der also Zll-gewiesene quittiert« mit einem kurzen: „Na. denn nicht!" und sank tiefer in sich zusammen. Und dann geschah plötzlich das Ungeheuerlich«. Er faßte schwer- fällig in die Tasche, zog eine tadellose Zigarre heraus, schob sie zwischen die Zähne, biß ab. spuckte aus und steckte sie wieder in den Mund. Dann krabbelte er von neuem in seinen Taschen rum. Alle» seelenruhig. Der Wagen war aufmerksam geworden. Spannung ergriff jeden: „Würde er es wagen?... Würde er gegen alte heilige Gesetze oerstoßen und hier im Nichtraucherwagen...?' Es war nicht aus- zudenken. Der mit der Zigarre Bewaffnet« schien!n seinen Taschen da» Gesuchte nicht zu finden. Cr wandte sich nochmals an seinen Nachbarn: „Ham Se villeicht Streichhölzer?" - Der Vornehme erstarrte endgültig zu Eis. Der wieder Zurück- gewiesene fuhrwerkte nochmals in den Taschen rum, zog schließlich eine Schachtel zutage, betrachtete sie einen Moment, öffnete und entnahm ihr ein Streichholz. Die Spannung war aufs höchste gestiegen. Man beobachtete jede Bewegung des Mannes. Man starrte ihn an, wie wenn er jede Minute explodieren würde Keiner sagte einen Laut. Di« Eumeniden schienen zu rauschen. Es war fast feierlich. Ritsch, machte plötzlich das Streichholz, ein Flämmchen flackert« in der Luft, die Zigarre glühte auf und im nächsten Moment ent- wallte dem frevelhaften Munde eine dicke, blaue Wolke. Hinein in die klare, jungfräuliche Lust des Nlchtraucherwagens. Der Bann war gebrochen. Keiner protestierte. Die einen hatten Vergnügen an der Sache gefunden, die anderen waren nicht mutig genug. Nur mein elegantes Gegenüber hauchte ein kaum hörbares: „Empörend" in die Luft. Der kühne Raucher aber schien über- Haupt nicht zu merken, welche Sensation er entfacht hatte Gegen die Vernichtung der Gpittelkolonnaden. Der Senat der Preußischen Akademie der Künste hat gegen die Vernichtung der Spiltelkolonnaden in der Leipziger Straße in Berlin seine Stimme erhoben und sich gegen eine Vernichtung dieses wert- vollen Baudenkmals ausgesprochen. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst mitteill, hat Prof. Max Liebermann, der Präsident der Akademie der Künste, sich in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Böß nicht nur als Präsident der Akademie und Vorsitzender des Senats für die Erhallung der Kolonnaden eingesetzt, sondern auch als Ehrenbürger der Stadt Berlin, die leider immer Lrryer an historischen Resten ihrer einstigen Kultur aus der Barock- und klassizistischen Zeit wird. Um den Preis von 10 000 den eine Gruppe von Theater- freunden für das beste deutsche Gesellschaftsstück ausgesetzt hat, haben sich mehr als 450 Einsender beworben. Das Preisrichterkollegium hat sich für die Arbeit„Menschen wie du und ich" entschieden.— Manuskripte, denen kein Rückporto beigelegen hat, oder die nicht bei Rechtsanwalt Dr. Georg Hamburger, Berlin, Potsdamer Str. 126, abgeholt werden, werden nur bis zum 15. Juni 192g aufbewahrt. Der Meteor vom 14. April. Die Prager Sternwarte bringt aus Grund eingehender Beibachtung einen detaillierten Bericht über die Bahn des großen Meteors vom 14. April d. I. Der Meteor flammte 55 Kilometer östlich von München etwa in Höhe von 120 Kilo» meter auf und nahm sein« Bahn in nordnordöstlicher Richtung. Zehn Kilometer von Fürth(im Walde) überschritt er in der Höhe von etwa 90 Kilometer die Grenze Böhmens und setzte seine Bahn gegen Pilsen fort, um an Komotau vorbei, zum zweiten Mal die Grenze Böhmens zu überschreiten, und endlich 25 Kilom«ter nördlich von Chemnitz in der Höhe von 39 Kilometern zu erlöschen. Diese ganze Bahn von 300 Kilometern, so sagt der Bericht, zu der ein Flugzeug «ine Stunde benötigen würde, durchschoß der Meteor in sechs S«- künden, also mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern in der Sekunde. Amerikanische Zensur. In Amerika herrscht große Aufregung über ein Urteil, das der Richter Warren B. Burrows von Neu- England gegen die bekannte Schriftstellerin Mary Ware Denn«tt gefällt hat. Die in Fachliteraturkreisen sehr bekannte Autorin hatte ein Buch über die Entstehung des Menschen veröffentlicht und wurde dafür mit fünf Jahren Gesängnis bestraft. Der Richter fand es nicht für nötig, einen Sachverständigen zu hören. Zwei Milliarden Menschen auf der Erde. Nach dem neuesten Bericht des Internationalen statistischen Institut« im Haag" wird die Bewohnerzahl unseres Erdballs gegenwärtig auf üb«r zwei Mil- liarden Menschen geschätzt. Im Jahre 1910 betrug diese Zahl 1 Milliarde 500 Millionen. Die Einwohnerzahl hat sich also in weniger als 20 Iahren um 24 Proz. vermehrt. Die Verteilung auf die einzelnen Erdteile wird nach ungefähren Schätzungen solaeiider- maßen angegeben: Asien 950 Millionen. Europa 550 Millionen. Amerika 230 Millionen, Afrika 150 Millionen, Australien 7 Millionen. Unter den europäischen Staaten ist Rußland mit 115 Millionen der volkreichste: die kleinste Bevölkerung hat Island mit 95 000 Ein- wohnern Dasjenige Land, das die meisten Bewohner auf den Quadratkilometer hat, ist Java. Die Zigeuner von Moldawa. Kannibalenprozeß in der Tschechoslowakei. .m K a sch a u(Slowakei) beginnt .n diesen Tagen der Riesenprozeh gegen die menschenfressenden Zigeuner von ZNoldawa. Vor dem Schwurgericht werden lg Zigeuner. 17 ZNön- der und i Frauen, als Angeklagte erscheinen. Die Slaalsanwaltschast erhebt gegen die Bande die Anklage wegen des Verbrechens des sechsfachen Raubmords und eines Raubmord- vcrsuchs. Die Hauplangeklagten sind die beiden Führer der Zigeunerbandc, Alexander F i l k e und Alexander R y b a r. Die Anklageschrift umsaht 240 Maschinenschreibseiten. Sie schil- dert in gröhter Aussührlichkeii die einzelnen Mordtaten, die der Gesell- schaft zur Last fallen. Alle Mordtaten, die der Zigeunertrupp des„choupt- manns" Filke begangen hat, zeichnen sich durch eine geradezu best i'a- lisch« Roheit aus. Mehrere Mordtaten beging die Bands um einer lächerlich geringfügigen Beut« willen. Als die Zigeuner am 20. Januar 1927 einen jüdischen Kaufmann namens Peter R u s n i a k mit Hotenhieben erschlugen und seiner Barschaft und der Taschenuhr beraubten, wurde dies« Bluttat, im Gegensatz zu den vorangegangenen Morden, sofort entdeckt. Dieser Mord führt« zur Verhaftung der Zigeuner. Das Lager befand sich am Moldawabach, an dem die tschechisch-ungarische Grenze verläuft. Bei der Durchsuchung des Lagers fand man gekochte Menschenknochen. So kam der Verdacht auf, daß die Zigeuner ihre Opfer geg esf-en SliiHen in ITloldawa, ito 8 Personen ermordet wurden, und die Knochenreste vergraben hätten. Dieser furchtbar« Verdacht wurde von den verhaftet«» Zigeunern in zynischer Weise best ä t i g t. Der Kaschauer Untersuchungsricht«r oernahm die oer- hafteten Bandenmitglieder, und Alexander Filke gestand angeblich, die Weiber im Lager hätten von besonders gut genährten Leichen Gulasch gekocht. Weitere Nachforschungen führten zur Auffindung der Leiche ein«r im Jahr« 1926 verschollenen Bäuerin, der Arme und Beine fehlten. Nun hatten die Zigeuner erklärt, sie hätten am liebsten Frauenarm« und Frauenbeine gekocht und Ke» gessen. Sie erzählten auch, daß sie einer Frau, die sie erschlagen. hatten, kunstgerecht Arme und Beine ausgelöst hätten. Die Auf- sindung der arm- und beinlosen Frauenleiche auf dem ungarischen Ufer des Moldawabaches ergab die Richtigkeit der grauenvollen Geständnisse der Zigeuner. Die tschechoslowakischen Gerichtsbehörden hatten anscheinend vor der Bestialität dieser Häftlinge ein Grauen. Der Prozeßtermin wurde immer wieder verschoben, so daß inzwischen von den seinerzeit Verhafteten bereits drei an Lungentuberkulose i m Gefängnis gestorben sind. Schließlich wurde die Anklage wegen Raubmordes, nicht aber wegen Menichenfresfe- r e i erhoben. Der Prozeß, der in den nächsten Tagen vor dem Kaschauer Schwurgericht beginnt, wird drei Wochen dauern. Hundert Zeugen sind geladen, eine Unmenge von Sachverständigen wird zur Vernehmung gelangen. Den 19 Angeklagten stehen ebenso viele Verteidig«! zur Seite. Der«. Gibuhhef. Der Eckiuhhof eröffnet am Mittmoch, 15. Mai. na<5- mittags 4 Uhr, seine 4. Berkanfsstellc in Berlin-Moabit, Turmstr. 4-1, in einem Bezirk, der besonders stark von der werktätigen BenZikernn� bewohnt wird. Immer mehr �cigt Der Schuhhof, daß es unter seinem jetzigen Inhaber. Herrn Willi David, Cohn des im vorigen Jahre verstorbenen Gründers und bekannten Schuhfachmannes, ein rüstiges Vorwärtsschreiten gibt, auf dem Wege, den sich Der Schuhhof durch das Labvrinth immer neuer Verkaufs- Probleme selbst gebaut bat. Der Schuhhof hat feit vielen Iahren erkannt. daß es in Anpassung an die gesamte Wirtschaftslage und die geminderte Kauf» kraft des deutschen Volkes darauf ankommt, den Schuh von guter Beschaffen» heit immer wieder zu verbilligen. Dies konnte nur durch geeignete� Spar- maßnahmen in � Der Inhaber des. stelle durch das Wohlfahrtsamt an die Armen 306 Paar Schuhe gratis verteilen lassen. maßnahmen in Anlage und Führung der eigenen Betriebe erreicht werden. � Schuhhofs wird anläßlich der Eröffnung seiner 4. Verkaufs- An Kt- t>t3 Moctbttcr Stadtviertels Lcrantwortlich für die Redaktion: Franz Slüh», Berlin: Anzeigen: Th. Sloite, Berlin Verlag: Vorwärts Verlag 8. m d i>., Berlin Druck: Vorwärts Bück». druckrrei und Brrlagsanftalt Paul Tinger 6c To. Berlin TW 6S. Lindenftraße 3. Kierz» i Beilage. Hant-Bleichkrem Jetzt ist es Zeit, Sommersprossen, Leberflecke, gelbe Flecke im Gesicht und an den Händen zu beseiiigen durch Bleichen mit HioroUrcm, Tube 1 Ml. und Kloronelfe ä Stück 60 Pf. Unschädlich und seit Jahren bewährt. Mit genauer Anweisung in allen Chlorodont-Vertaussstellen zu haben. Am Sonnabend. nnchmiltag 5V» Uli', entschlief fanft nach mngem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater und Schwiegervater, der Lackierer Ludwig Kolasinski im Altrr von 70 Jahren Dies zeigen tie beirübt an Kolaslnskl, Margarete Pröl», geb. Kolajinskl, Georg Pröl«. Die Beerdigung finde! am Mittwoch. dem 15. Mai, nachmittags 2V, Uhr. von der Leichenhalle des Zentral- ircedhofes ssriedrichsielde ans statt OrdnersdiaiJ der VolHsMlme. Am Freitag, dem 10 d. M, verftard nach langen Leiden unser lang- jähriger Aollege Artdur Schikorsky Paul-Singer-Straße 3u von der 1 Grupve. Die EinSicherung erfolgt am Mitt- woch, dem 15. d. M, 15 Uhr, im Aremaiorium Baumichulenweg. Zahlreiche Beteiligung erwartet Oer Vorstand. Am 5 Mai 1020, vormittags lv Uhr, ist unser guter und einziger Sohn Konralli Wottke im 22. Lebensjahr, infolge eine» Unfalles au» dem Boot gestürzt und enrunlen. Er jcheule weder Muhe noch Arbeit. lameradschattiich vor- wärt, war jein Ziel. Die» zeigen tiesbetrllbt an Hermana Wottke o. Frau als Ellern Die Beerdigung findet am Mitt- woch. dem 15. Mai, nachm. V,2 Uhr. auf dem ZeniraUriedhof m Friedrichs- seid« statt. pigaier am Sthiflliauerdainni. Norden IUI u. 2SI Täglich K Uhr Dreigrosdien- Oper Nester, Valettl, Thlmlg, Lvovskv, Leldelt, üleckel Die Komödie 1 1 Bismck. 24U/7516 SVj.Endegeg.lO'.jU. 9er Nlann, der sei reu Namen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Regie:»leinr Hilpert [ XUealer, Lidtlspiele usw.| IM»*»ei!■. jxJL Dienstag, j.14.5. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 126 20 Uhr Staats-Opar Am Pl.d.Republ. R.-S. 120 20 Uhr lein illn Dienstag.d. U.5. Staut Oper Bismarcksir. Turnus II 19V, Uhr DieHodizeit des Figaro StaatLSdiaDspli am Geiidirmennarkl A.-V. 113 20 Uhr lorene Sohn Staatl.Schiller-Thealer.Charlth. 0 Uhr Kalkutta, 4. Nai SCXtA 8 Uhr 8 8, Barbaroosa 8256 The Jovers oad weitere Varteie-Icnnellen Margen S*5 nachmiitags Sonder-Vorstellung für Jung und AU m besonders ermäßigten Preisen von 0.30 bis 3 Merk das volle Abendprogramm in der Pause i Kaffee mit Kathen für SO Pf. Volks bttime lliZitit amSüloTilati S Uhr Trojaner Thalia-Theater i-.Vj Uhr Ptarrhaus- komödle Staatl. Sdiiller-Ih. e Uhr Kalkutta, 4. 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Uhr Wunder dee «Odlichen Himmele 20'/. Uh r Sternhimmel . und Wnltbeu Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs I Mk. Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. Theat. d. Westens SDnauos u. as sta Uta PllngsUeltrlaata i'h und 8'/« Uhr Heute sowie täglich SV. Uhr Friederike Musik von Lehne Carola Ttelle HiBines foeaiEi Täglich 8V. Uhr: Nafiooartrodieii? nad dne*meikjn;«l«n von Frank Green. Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie: Fr-FriamiiaBB- FrederUL Lessing-Theater Täglich 8'/. Uhr „Die Frau des Andern" .2P" L-)uergens AlexanderplnfS Neue Könlgslr. Mittwoch, den 15. Mai anduBiting* 5 Uhr. bleibe« Modernes Spott-Kleid 12.50 Xoll« de foU. Rock In apnrt. Ialtengruppen, Kragen und Taschen abweichende Iorbc m. Rlendengam. Apartes Kleid 28.50 an» gestreiftem Tolle de foie, Rlnfe«11 Weste und KnopfpuH Crepe de CHine-Kleid 20.50 aus modernen, neuzeitlichen vrnck'ZNnstern. 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April bis 7. Mai besichtigte sum ersten Male nach dem Kriege ein« deutsch« Studienkommission Ein- richtungen der Gesundheitsfürsorge in England. Die Fahrt, an der 36 Personen aus allen Teilen Deutschlands und aus allen Zweigen der Wohlfahrtsarbeit teilnahmen, war auf deutscher Seite von der Charlottenburger Gesundheitsfürsorgeschule vor- bereitet und in England von der Vereinigung der Womcn Sanitary Inspectors and Hcalter Visitors organisiert worden. Neun Tage sind auch bei intensivster Ausnutzung und bester Führung zu wenig, um ein allgemein gültiges und abschließendes Urteil über die Art und den Wert der Gesundheitsfürsorge einer Riesenstadt wie London, geschweige denn eines ganzen Landes zu gewinnen. Sie genügten aber, um zu zeigen, daß bei gleichen Zielen und gleichen Beweggründen eine so grundsätzlich ver- schieden« Art der Einstellung und des Vorgehens zu beobachten war, daß uns Deutschen tatsächlich manche Frage in einem völlig anderen Lichte erschienen ist. Darin kann wohl der größte Wert der Reise erblickt werden, denn diese andere Be- leuchtung Erhöht nicht nur die Plastik des Bildes, das jeder von seiner eigenen Arbeil Hot, sie erhöht auch die innere Beweglichkeit, die uns theoretischen und doktrinären Deutschen so not tut. In dieser Beziehung sind die Worte, die der Begründer der Siedlung für Osfen'Tuberkulöse in Popworth, Herr Dr. Varrier-Iones an die deutschen Gäste richtete, in gewissem Sinne symbolisch. Er be- tonte, daß sein Werk keiner Theorie, keinem großangelegten Plane entsprungen sei, sondern daß es aus irgendeiner augenblicklichen Rot eines einzelnen Menschen herausgewachsen sei Der Frühlingstag in Papworth gehört zu den Eindrücken, die fürs ganze Lebe» frisch bleiben, sah man doch dort nicht nur ein Werk, das vielen, die sonst mit dem Leben hätten abschließen müssen, Gesundheit, Selbständigkeit, da- Glück des Familienlebens zurückgegeben hat, sondern vor allem einen Menschen, der durch leinen selbstverständlichen Glauben an das Leben und an den guten Willen in jedem Menschen die Entwicklung der Menschheit ein Stück vorwärts getrieben hat. Denn warum sollt« man bei Lungenkranken halt machen? Das Prinzip, kranken Menschen möglichst in dem erlernten Beruf durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen und durch allmähliche Gewöhnung an die volle Arbeits» l e i st u n g ihre wirtschaftlich« Selbständigkeit wieder zu geben, ist fast überall durchführbar. Wenn man von einem gemeinsamen Grundzugs aller der be- sichtigten Wohlsahrtseinrichtungen sprechen kann, so ist es die Er» Ziehung zur Selbständigkeit, ja vielleicht noch mehr der Respekt vor dem Willen zur Selbständigkeit, der be! jedem Eng- länder vorausgesetzt wird. Dadurch erhalten alle Mohnahmen einen außerordentlich intensiven pädagogischen Charakter und einen Zug der Freiwilligkeit, der uns Deutsche, namentlich in den ersten Tagen auls höchste in Erstaunen oerfetzte. Es sei nur beispielsweise er- wähnt, daß in den Mütterberatungsstellen nicht nur Schnitte und Muster zur Herstellung von Kinderkleidung zu billigem Preise abgegeben werden, sondern daß vor allem überoll Unter.- r t ch t gegeben wird im Nähen, im Stricken, im Kochen, stets ver- Kunden mit allgemeinen Belehrungen und nicht nur für Mütter. auch die Väter werden für die sie angehenden Fragen inter- essiert. Eine ganz kleine, aber charakteristische Nebenbeobachtung sei hier eingeschaltet: die Mütter sitzen in diesen Stunden„natürlich" in bequemen Liege st ühlen. So gestalten sich diese Stunden des Lernens zu kleinen körperlichen Ruhepausen. Ob wir in Deutsch- land es wohl noch lernen, unter„Stuhl" etwas anderes als ein Marterwerkzeug zu verstehen? Mögen auch viele unserer Ein- richtungen großzügiger, imponierender sein, so ist uns doch allen von großem Eindruck gewesen, daß Arbeit, Pflicht, Für-sich-selbst- sorgen keinen bitteren Beigeschmack haben müssen. Di« Engländer erscheinen uns geradezu erfinderisch in der Weise, wie sie dem traurigen Leben eine fröhliche Seite abgewinnen: wir packen unsere Kinder in häßliche graue Wolldecken, englische Krüppellinder leuchten schon von weitem mit dem herrlichen warmen Rot ihrer Decken aus dem schönen Grün der Landschaft hervor. Auch die Kleinen arbeiten strahlend an einem Gebrauchsgegenstand. Besonders interessant war es uns, daß auch in der G e- schlechtskrantenfürsorge keinerlei Zwang zu finden ist. Allerdmgs weiß weder der Arzt noch die assistierende Schwester Namen, Beruf noch sonst irgendetwas über den Patienten. Sie bekommen nur«in« Nummer. Allein die Sekretärin des Gesund- heitsdiensteo kenm die Personalien. Solch« Kleinigkeiten, an sich ohne Belang, sind doch symbolisch für die Art der Arbeit in England. Ein Problem, wenn es auch fast das wichtigste Ist, muß hier außer acht gelassen werden: das Problem der Finanzierung, die in ganz anderem Maßstäbe als bei uns durch private frei- willige Spenden erfolgt. Hier genügt die Erklärung, daß England keinen Krieg verloren hat, nicht. Es sprechen so viel soziologische und kulturelle Faktoren mit, daß zur Erörterung dicsec Frage nicht nur der Rahmen dieses Berichtes zu klein ist, sondern daß dazu auch eine Kenntnis des englischen Volkes und seiner Eni- Wicklung gehört, die nur durch jahrelanges Studium im Lande selbst erworben werden kann. Eine grundsätzliche Bemerkung sei am Schluß« noch hinzu- gefügt. Wenn zureichende Wohnung, zureichend« Ernährung und so viel Licht und Sonne wie nur möglich die Grunderfordernisse menschlicher Gesundheit sind, so kann man behaupten, daß Gesund- heitefürsorge in England ein Kinderspiel ist im Verhältnis zur Arbe:t in Deutichland. Der Engländer ist völlig frei von dem Aber- glauben, daß frische Luft— wir nennen es gewöhnlich Zug— dem Menschen schadet. Lust und Sonne sind sein Lebenselement. Dazu kommt, daß— wenigstens in London— die Häuser über zwei Stockwerke und ohne ein Streifchen Garten tatsächlich zu zählen sind. Kinder, die nie ein Stück grünen Rosen, nie eine weiße Wolke am blauen Himmel gesehen hoben, die gibt es in London nicht, und damit auch nicht dos unerschöpfliche Maß von Elend an Leib und Seele.(Die Derfaflerin läßt in diesem Fall das Elendsviertel von Whitechapel außer Betracht, v. Red.) Wenn die größte Stadt der Welt es sich leisten kann, ihre Einwohner in ein- und zweistöckigen Häusern unterzubringen, warum soll das bei uns unmöglich sein? Wenn wir weiter nichts als diese«ine Einsicht in London genommen hätten, so wäre der Besuch nicht umsonst gewesen. Wir haben aber mehr gewonnen, nämlich das Gefühl, daß alle, die an der Gesundheit der Völker arbeiten, Waffenbrüder sind, und daß der Fortschritt Englands uns dient und unser Erfolg den Engländern. S. Schuir«, Leiterin des Wohlfahrtsamtes Bunzlau-Stadt. Mehr Verantwortungsgefühl! Konflikt um die Geschlechtskrankenbehandlung Im Oktober 1927 übernahmen die preußischen Gemeinden gemäß den preußischen Ausführungsbestimmungsn die Durchführung des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten als Selbst- verwaltungeaufgabe. Das Gesetz stellt die ganze Bekämpfung auf fürsorgerische Basis und hebt die Heilung der Geschlechts- krankheiten als wichtigste Maßnahm« heraus. Die Stadt Berlin hat die unentgeltliche Behandlung der Minderbemittelten in großzügiger Weise sicher gestellt. In zehn städtischen Ambulatorien findet die unentgeltliche Behandlung der Kranken durch Fachärzte statt. Es war von vornherein nichi abzusehen, wie die Bevölkerung sich zu dieser Einrichtung stellen wird. Der Geschlechtskranke ist nicht nur körperlich krank, sondern durch die Erkenntnis seines Zustandcs ist er meist auch psychisch sehr schwer beeindruckt. In der Zeit vor dem Gesetze waren amt- liche Stellen, die sich mit der Bekämpfung von Geschlechtskrank- heiten befaßten, nicht beliebt; es kamen ja als solche nur die Sitten- Polizei und die Polizeiärzte in Betracht, die die vorgeschriebene ärztliche Kontrolle durchführten. Wenn auch mit der llebernahme der Bekämpfungsmahnahmen durch die Stadt und der Betreuung durch Fürsorgeärzte ein völlig neues Regime einsetzte, so war doch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß das Publikum zu den neuen Einrichtungen nicht Vertrauen faßt und ein« Anzahl von Personen beim Besuche einer ösfentlichen Stelle zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten Hemmungen hat. Es wurde daher neben der Behandlung in öffentlichen Stellen die freie Arztwahl eingeführt. Die näheren Bedingungen wurden in einem Vertrag« zwischen der Stadt und der Berliner Aerzteschaft geregelt. Finanziell war dieser Vertrag für die Stadt ein großes Risiko. Die Honorierung wurde nach Einzelleistungen geregelt. Nach einem ungefähren Ucberschloge hat die Stadt für eine Normalkur an einen Arzt etwa 100 M. zu zahlen. Im Selbstbetriebe schwanken die Kosten einer Kur je nach der Ausnutzung der Stelle. Je besser eine Stelle besucht ist, um so geringer werden die Spesen für den Einzelfall. Die Standardkosten für Räum«, Licht, Heizung, Personal usw. bleiben bis zur völligen Ausnutzung der Stelle die gleichen und müssen auf die Zahl der Besucher verrechnet werden. Wenn ein großer Teil der zu betreuenden Patienten in die Prioatpraxis abwandert, ttgab sich also das doppelte Risiko, daß die Eigenbetriebe unrentabel und dementsprechend die Spesen für den Einzelsall zu hoch werden, und daß die an die praktizierenden Aerzte zu zahlenden Honorare zu einer starken Belastung des städtischen Etats werden. Die Verhältnisse haben sich anöers entwickelt. Die städtischen Einrichtungen haben sich bereits im ersten Jahre ihres Bestehens in weitgehendem Maße das Vertrauen des Publikums erworben. E» fanden sich in den städtischen Ambulatorien 21 000 Personen zur Behandlung ein, während Behandlungsscheine für praktizierende Aerzte nur in 670 Fällen verlangt wurden. Besonders erfreulich ist, daß sich eine stets steigende Zahl von Selbstmeldern an die städtischen Stellen wendet. Nach den Er- fahrungen des ersten Jahres kann es jedenfalls keinem Zweisel mehr unterliegen, daß der Gedanke der städtischen Behandlung?- stellen richtig ist, daß er einem Bedürfnis des Publikums entgegen- kommt und daß die Stadt verpflichtet ist, auf dem beschrittenen Wege weiter zu gehen. Die Gesundheitsdeputation hat daher be- schloßen, grundsätzlich an jede Beratungsstelle«ine Behandlung? stelle anzuschließen. In dem Vertrage zwischen Stadt und Aerzteschaft. der für das erste Jahr geschlossen war, war ein Passus enthalten, der den Aerzten bei neu zu eröffnenden Behandlungsstellen ein Einspruchsrecht gab. Die Stadt bot nun den Aerzten eine Verlängerung des Vortrages an mit der Maßgabe, daß die sreie Slrztwahl in vollem Umfange ausrecht- erhallen wird, jedoch auch die Stadt sich für den als notwendig erkannten Ausbau städtischer Stellen volle Freiheit vorbehält, d. h. da, Einspruchsrecht der Aerzte gegen neue Behandlungsstellen solle fortsallen. An sich ist es ja«in bemerkenswerter Fall, daß in einer Selbstverwaltung einer privaten Organisation Rechte eingeräumt wurden, die nicht einmal die Aufsichtsbehörde hat. Man entschloß sich seinerzeit zu diesem weitgehenden Entgegenkommen, weil die Aerzte von vorn- herein ihre Mitarbeit von dieser Bedingung abhängig machten. Der Kampf gegen die Behandlungen Fllrsorgcstellen wurde von jeher gerade auf dem Gebiete der Geschlechtsk�ankenfürsorge mit be- sonderer Schärfe geführt. Vor Inkrafttreten des Gesetzes befaß die Stadt nur drei Polikliniken, die an städtische Krankenhäuser angeschlossen waren. Als sich ein erfreulicher Rück- gang der Geschlechtskrankheiten bemerkbar machte, verlangte die fachärztliche Gesellschaft, daß im Interesse der frei praktizierenden Aerzte die Behandlung in diesen Polikliniken eingestellt wird. Jetzt wird in Fachpresse und Kongressen mit erneuter Energie Sturm gelaufen gegen die städtischen Einrichtungen. In der Be- gründung heißt es, diese Stellen seien ungeeignet und werden von dem Publikum abgelehnt. Das Berliner Publikum Hot unbeeinflußt einen Volksentscheid getroffen, der andere Schlüsse zuläßt. Die 21 000 Personen, die die städtische Behandlung in Anspruch genommen hoben, beweisen. daß man die städtischen Einrichtungen nicht mehr entbehren kann. Einen Beweis dafür, daß die städtischen Stellen ungeeignet für die Behandlung sind, ist man bisher schuldig geblieben und wird man auch nicht führen können. Wenn man die Aussührungen der Aerzte liest, könnte manchmal der Eindruck entstehen, als würde bei der Stadt Kurpfuscherei getrieben. Die Behandlung in den städtischen Behandlungsstellen liegt ober in der Hand von Aerzten, und zwar von Fachärzten, also der Elitetruppe derjenigen Berufsklosse, bei der ihrer eigenen Angabe nach ein« gewissenhost« Krankenbehandlung stets gewährleistet ist. Es wäre doch sehr merk- würdig, wenn diese Zuverlässigkeit plötzlich aushören sollte, wenn die Aerzte materiell von dem Kronken unabhängig werden und in städtische Dienste eintreten. In monatelangen, immer wieder neu aufgenommenen Ver» Handlungen, ist von den Aerzten eine Fortsetzung der freien Arztwahl in der bisherigen Weife, nur mit Fortfall des Ein» spruchsrechtes der Aerzte gegen neue städtische Behandlungsstellen, abgelehnt worden. Der vertrag mußte daher zum 12. vloi gekündigt werden. Von diesem Zeitpunkte an wird die Behandlung ausschließlich in städtischen Stellen erfolgen. Ein großer Teil der Aerzte hat bereits erkannt, daß der Stadt nichts ferner liegt, als der Aerzteschaft feindlich gegenüber zu treten. In den städtischen Stellen hat sich ein neues,, großzügiges Tätigkcitz- seid für ärztliche Arbeit erschlossen. Daß diese Arbeitsstätten nicht nur für das Publikum Gutes leisten, sondern auch dem Arzt volle Befriedigung gewähren, beweist die Fülle von Bewerbungen für jede ausgeschriebene Stelle. Eines aber muß deutlich ausgesprochen werden: Würde die Versorgung der Kranken gefährdet werden, so läge die Schuld nicht an der Stadt, sondern an der ablehnenden Haltung der Aerzteschaft. Diejenigen, die die Mitarbeit ablehnen, haben kein Recht, über mangelhafte Versorgung zu klagen. Die Stadt wird aber weüer für eine ausreichende und gut« Behandlung der kranken Bevölkerung Sorge tragen. Sie ist für diese Aufgaben gut gerüstet. Auf Zlntrag der SPD.-Fraktion hat die Stadtverordnetenversammlung aus- giebige Mittel für diese Zwecke in den Etat für 1929 eingesetzt. Nach wie vor ist jedem minderbemittelten Geschlechtskranken«ine sorg- sältig« ärztliche Behandlung durch die Stadt gewährleistet. Or. Kätbe Frankenthal. Neuwäsche muß gewaschen werden Die großen Fortschritt« der Hygiene in den letzten Jahren haben in fast sämtliche Industriezweige Eingang gefunden und Neuerungen erforderlich gemacht. Ausgabe der Wäsche- industri«, deren Erzeugnisse in unmittelbarste Berührung mit dem menschlichen Körper kommen, dürste es sein, den hygienischen Forderungen ganz besonders Rechnung zu tragen. Neuwäsche muh gewaschen werden. Der Käufer von Neu- wüsche weiß nicht, wo diese angefertigt und durch wessen Hände sie gegangen ist. Hierin gerade liegt eine große gesundheitliche Gefahr. Di« Wäsche wird zum größten Teil von 5) e i m a r b« i t c r n an- gefertigt. Diese leben meist in den denkbar ungünstigsten Hygie- Nischen Verhältnissen. Eng«, dunkle Räume bieten oft vielköpfigen Familien Wohnung und Arbeitsstätte zugleich Krankhcitskeime und mit ihnen die Erreger der uns allen bekannten Infektions- krankheiten. angefangen von den Erregern des harmlosen Schnupfens bis zu denen der verbreitctsten und gesürchtetsten Volksseuche, der Tuberkulose, gelangen hier in die Wäsche und finden nun den Weg ihrer Weiteroerbreitung bis zum Käufer. Ungewaschene Neuiväsche bietet noch eine ipeitere gesundheit- liche Gefahr, da das Tragen solcher die Ursache versdsiedener Hautkrankheiten ist Von diesen sei hier nur des Nesselfiebers und des Ekzems gedacht, welch letzteres ein- jahrelanges, unangenehmes Leiden bilden kann. Da die Erfahrung lehrt, daß der Einkous von Neuwäsch« meist im letzten Augenblick geschieht, die Zeit und Gelegenheit zum so- fortigen Waschen also fehlt, wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Wäscheindustrie ihre Neuwäsch« gewaschen in den Handel bringen würde und dies auf einem angehefteten Zettel vermerkt. Der Käufer von gewaschener Neuwäsche hat außerdem«ine viel besierc Möglichkeit, die Qualität der War« zu prüfen, da nach Beseisigung der Appretur die Güte des Gewebes und die Färb- echtheit besser erkennbar werden. Ein kleiner Teil unserer Wäscheindiistrie hat die Notwendigkeit dieses hygienischen Schutzes unserer Gesundheit bereits erkannt und bringt die Neuwäsche gewaschen in den Handel. Sehr zu begrüßen ist auch die schon teilweise eingeführte Verpackungsart der gewaschenen Neuwäsche in durchsichtiges Papier. Diese Handhabung bietet nun einen fast vollkommenen Schlitz vor der Eindringung von Krankheitskeimen auch bei den letzten Berührungen bis in die Hand des Käufers. Eine außen befestigte Stossprobe gestattet dem Käufer, sich von der Qualität der Ware zu überzeugen. Geschlechtskrankheiten in Deutschland Für das Jahr 1927 hat eine Zählung der Geschlechtskranken im ganzen Reich stattgefunden, welche eine beträchtlich« Abnahme gegenüber der Vorkriegs, und ersten Nachkriegszeit ergab, und zwar betraf die Abnahme hauptsächlich die Großstädte. Der Jahreszugang an Geschlechtskrankheilen betrug rund 370 000, die sich in der Weise aus die beiden Geschlechter oerteilten. daß 8 männliche und 3,5 weibliche Geschlechwkranke auf je tausend Lebende kamen. Die größere Zahl männlicher Kranken ist Haupt- sächlich durch zahlreichere Fälle von Trippererkrankungen bedingt, an dem von den männlichen Kranken vier Fünftel und von den weiblichen Kranken zwei Drittel litten. Die Erkrankungshäufigkeit des weiblichen Geschlechts an frischem Tripper war nur im Kindes» alter, die am chronischen Tripper dagegen bis ins dritte Lebensjahr- zehnt höher als beim männlichen Geschlecht. Der Rückgang der Geschlechtskrankheiten dürfte im wesent- lichen aus ihre systematische Bekämpfung und die wirk- samere Behandlung der Kranken zurückzuführen sein. Trotzdem zeigte das Ergebnis der Zählung, daß noch immer und besonders beim weiblichen Geschlecht die Behandlung zu spät ein- setzt. Es kamen z. B. von der erworbenen Syphilis nur ein Zehntel der weiblichen im ersten Stadium zur ärztlichen Behandlung, beim männlichen Geschlecht dagegen vier Zehntel. Häusig wurden beim weiblichen Geschlecht erst gelegentlich anderer Erkrankungen Zeichen vorhandener sekundärer Syphilis entdeckt. Besonders häusig waren die Fälle mit verschleppter Behandlung in den höheren Zlltersklasiev bei geschiedenen Personen und in den kleineren Gemeinden. Verkürzt athletische Bewegung das Leben? Das Carnegie-Institut hat diese Frage zu lösen versucht Zehn amerikanische Universitäten haben die Lebenstasel von 5000 Athleten gesammelt, ihre Todesjahre festgestellt und mit der Lebensdauer ves- sicherter Männer verglichen. Die vor 1900 graduierten Athleten zeigten eine Sterblichkeit von 94 Proz., die zwischen 1900 und 1905 nur eine solche von 72,6 Proz. Dieser Unterschied wird darav' zurückgefehrt, daß'früher d«s Athletenwesen mangels genügen' ärztlicher Ueberwachung gesundheitschädlicher war als jeH Todesursachen waren meistens Herzkrankheiten. (11. Fortsetzung.) ~i>ir kamen nach Winsen an der Luhe, einem kleinen Städtchen, angesähr fünf Wegstunden von Lüneburg entfernt. Wir zogen mit dem üblichen Hallo durch die Stadt, von der gesamten Schuljugend begleitet. Am Ende des Ortes machten wir vor einer Kneipe halt, aßen und tranken, ließen die Flaschen füllen und fuhren weiter. Nach einer halben Slunde ipähten Sascha und Hannes, die Falkenaugen hatten, plötzlich bitterernst in die Weite. Ein« große Staubwolke kam uns entgegen, in der sich Wagen und Menschen bewegten. Wir hielten unseren Wagen an und warteten der Dinge, die da kommen sollten. Es waren sechs Zigeunerwagen, von mindestens fünfzehn Per- sonen bevölkert. Da brach mitten auf der Landstraße ein solcher Jubel los, daß mir angst und bange wurde. Beide Parteien lagen sich in den Armen. Es gab ein Gekreische, Lachen, Herzen und Küssen, schlimmer wie auf einem polnischen Jahrmarkt. Die Männer, alles Kerle von großem stattlichen Wuchs und Körperbau, steckten in dunklen Samtanzügen, hatten lange bis über die Kniee reichende Stulpenstiefel an wie ich sie von Sascha erhalten hatte, und grüne Tirolerhüte mit langen, schwebenden Auerhahnfedern auf den Köpfen. Die Samtjoppen waren mit großen Talerstücken verziert. Es mußte eine reiche Zigeunerfamili« sein. Das Erzählen und Fragen wollte kein Ende nehmen. Auf offener Landstraße wurde das herzlichste Wiederschen gefeiert. Hannes beschloß, kehrtzumachen und mit der ganzen Korona zurück nach Winsen zu ziehen. Neun Wagen stark, kutschierten wir die Laizdstraße entlang und machten vor dem Wirtshaus halt, in dem wir vor einer halben Stunde unsere Mahlzeit eingenommen hatten. Ein ungeheures Trinkgelage wurde veranstaltet. Die Weiber und die Männer waren infolge der Wiedersehensfreude und des reichlichen Alkoholgenusses aus Rand und Band. Es war ein solcher Aufruhr, daß ich mir sagte, nicht lang« und die Polizei kommt uns auf den Hals. Und dann wäre es mir am schlechtesten ergangen. Ich beschloß deshalb, auszukneifen. Sascha konnte ich nicht verständigen, da sie bereits so selig war, daß sie kaum noch wußte, was sie tat. Auch wußte ich, daß sie mich nicht fortgelassen hätte. Der Sache wollt« ich nun doch vorbeugen. Es war ja sowieso unmöglich, ewig mit Sascha zusammen zu bleiben, wie sie es sich wohl dachte, einmal mußt« geschieden sein. Ich stieß daher Hannes, der auch schon stark benebelt war, in die Seite, und bedeutete ihm, daß ich oerschwinde. .Lunge," lallte er, indem er mich umarmte,„bleibe bei uns. Was wird Sascha sagen, wenn du gehst!" „Ist besser für mich, wenn Ich gehe." beruhigte ich ihn,„denn sieh' mal, ich Hab' keine Papiere. Die Gendarmerie wird bald hier sein, dann wandere ich ins Kittchen und wir sind sowieso getrennt. Grüß Sascha und sag ihr, sie soll mir nicht' böse sein, ich werd sie nie vergessen." Hannes sah das alles«in— er war doch ein ganz vernünftiger Kerl!— umarmte mich noch ein paarmal und steckte mir etwas in die Tasche. „Nimm." sagte er,„zum Andenken. Bist guter Jung«. Dielleicht treffen wir uns wieder" Ich macht«, daß ich zur Hintertür hinauskam, oerließ die Stadt und wanderte in der Richtung nach Lüneburg. Als ich ungefähr zwei Stunden gewandert war, kamen sechs bertttene Gendarmen herangesprengt, ohne mich zu beachten, und ritten in gestrecktem Galopp nach Winsen weiter. Das sagt« mir genug. So hatte denn doch die Winsener Stadtverwaltung die Gendarmerieposten der Umgegend zusammengetrommett, und ich war der Gefahr, eingelocht zu werde», noch einmal glücklich entronnen. Ich setzte mich an den Wegrand und sah nach, was mir Hannes in die Tasche gesteckt hatte. Es war ein nachgemachter, in Schiefer gravierter Polizeistempel, der mir jetzt bessere Dienste leisten konnte, als bares Geld. Mädchen auf der Straße. Ganz leise, wie ein scheues Dögelchen, das Furcht vor dem Er- greifen und Geschlagenwerden hat, hob sie' den Arm und winkte mir zu. Ich hatte sie zuerst gar nicht gesehen, denn der große schattige Baum, unter dem sie sich gelagert hatte, stand abseits der Landstraße auf freier grüner Wies«. Erst als ich vorbei schritt, war mir's, als bewege sich da drüben etwas und ich gewahrte zu meinem nicht gc- ringen Erstaunen, daß mir ein nackter Mädchenarm zuwinkte. Ich glaubte, einem Bauernmädchen wäre bei der Arbeit ein Unglück zugestoßen und ging hinüber. Und da sah Ich, daß es ein süßes, liebes Mädchen war, das sich, wie ich, auf der Wanderschaft befand. Man sah es ihr an, daß sie keine verlodderte Tippelschickse war. Sie erzählte mir, daß sie bereits drei Tag« nichts mehr gegessen und kein Geld mehr habe. Sie wisse nicht, was tun. Zum Glück hatte ich die Taschen voll Brot und Speck und auch noch einen tüchtigen Schluck in der Flasche. Ich freute mich, daß sie sich nicht nötigen ließ und tüchtig einhieb. Als wir mit dem Frühstück fertig waren, erzählt« sie mir ihre Geschichte. Ihr Vater war ein kleiner Beamter in einem Provinz- slädtchen gewesen und schon lange tot. Das Gesicht ins Knie ge- stützt, erzählte sie weiter- „Als nach einigen Iahren auch meine Mutter starb, nahm mich eine Tante zu sich. Sie ist Beamtenwitw« und hat selbst nichts übrig. Ich konnte das tägliche Gestöhne nicht mehr aushalten und beschloß, weg zu gehen. Jetzt bin ich vierzehn Tage fort. Hätte ich oich nicht getroffen, wäre ich gewiß wieder umgekehrt." Sie sah mir in die Augen, errötete und blickte wieder nieder: „Ich hob« Vertrauen zu dir Gleich als ich dich kommen sah, war es mir. als ob mir jemand sagte, ruf den der da kommt, der wird dir Helsen. Aber ich hatte doch große Angst und da dachte ich, heb' mal den Arm wenn er es sielst und dir hilft, dann soll's recht sein." „Siehst du, Annelies, wie uns das Schicksal zusammengeführt hat. Aber wir sitzen hier viel zu dicht an der Landstraß«. Der Gendarm könnte vorbeikommen. Wir wollen uns der Sicherheit halber etwas weiter ins Feld drücken." Wir folgten einem trockenen Graben, der sich in Windungen weit ins Feld hineinzog und setzten uns unter einem schattigen Baum. Goldenes Korn wogte zu beiden Seiten und verbarg uns und unsere Liebe.,. Und nun hatte sie den Arm um meinen Hals gelegt und weinte, daß ich die Tränen kaum stillen konnte. „Warum weinst du. Annelies?" Ganz kleinlaut kam es von ihren Lippen und ihre hübschen Augen schwammen noch in Tränen:„Weil ich denke, du wirst mich jetzt verlassen!" „Weshalb soll ich dich verlassen, wo du mir dein Herzchen und deine Liebe geschenkt host?" ,Lch dachte bloß. Man hat so viel gehört.... Sei mir nicht böse." „Ich bin dir nicht böse. Wir sind ja Leidensgenossen. Bin schon mit 12 Iahren von zu Hause ausgerückt. Auch meine EUern waren beide gestorben und ich wohnte bei meiner Großmutter. Da hiett ich's nicht aus und ging in die Welt. Ich als Junge konnte ja auch der alten Frau nichts nützen, war nur unnützer Esser. Aber du, ein Mädchen von 17 Iahren, hättest doch in der Wirtschaft und im Haushalt arbeiten können." Annelies seufzte.„Ich weiß nicht, was mit mir ist, ich sühtte mich immer so matt und elend und wenn mir die Arbett nicht von der Hand ging, schimpfte meine Tante. Das konnte ich nicht aus- hallen." „Dann weih ich, was dir fehlt, nur die Liebe kann dich kurieren. Aber jetzt wollen wir weiterwandern. Wie steht es denn mit deinen Papieren?" Sie zeigte mir ihren Abmeldeschein und chren Konsirmations- schein. Der Sicherheit halber wollte ich ihr auch noch«ine Arbeits- bescheinigung ausstellen. Ich besaß ja den falschen Polizeistempel vom Zigeuner-Hannes. Wenn uns dann ein Gendarm zusammen antraf, konnten wir ihm zeigen, daß wir zusammen gearbeitet hatten und deshalb auch wieder zusammen Arbeit suchten, so daß er an unserem Zusammenwandern keinen Anstoß nehmen konnte. Wir brachen auf. Ein Stück fuhren wir mit einem Fuhrwerk mit. Ich erkundigte mich, ob man in der Umgegend Arbeiter ge- brauche. Da hätten wir früher kommen müssen, erwiderte der Bauer. Wir unterließen es aber trotzdem nicht, im nächsten Dorf bei jedem Bauern um Arbeit anzufragen. Da wir bestimmt wußten, daß wir keine bekommen würden, war das Fechten leicht. Die Bauern er- kannten unseren Arbeitswillen und gaben uns Geld und Lebens» mittel. Nachdem wir unsere Ernte beendet, und im kühlen Gasthof ausgeruht hatten, liehen wir uns die Flasche füllen und wanderten wetter. Mit Brot, Speck. Käse, Schinken und Eiern waren wir reichlich versehen und auch das Geld langte gut für einen Tag. Ich hatte mir vorgenommen, das Mädel, wenn irgend möglich, unter- zubringen. Sie war mir doch zu schade für die Landstraße. Annettes sah ein, daß das der richtige Weg sei, sie vor noch Schlimmerem zu bewahren. Große Lust schien sie aber nicht zu haben, denn sie wurde sehr ernst. Auch ich dachte im stillen, wirst dich nicht so leicht von dem lieben Mädel trennen können. Es war eine furchtbare Hitze. Annelies, die das Marschieren nicht gewöhnt war, erklärte bald, sie könne nicht mehr weiter. Ein kleines Wäldchen nahm uns auf, hinter dem eine große Strohmicte hervorleuchtete. Hier ließen wir uns häuslich nieder. Als wir uns so recht hübsch oneinandergekuschelt hatten, bat mich Annettes, ihr meine Lebensgeschichte zu erzählen. Und ich fing an: Oer Landstreicher erzählt seine Geschichte. „Daß ich mit zwölf Iahren von Hause ausgerückt bin, habe ich dir ja wohl schon erzählt. Ich hatte auch niemanden mehr, der um mich hätte trauern können. Vater und Mutter lebten nicht mehr und meine Großmutter— ich hatte das Gefühl, die ist jroh, wenn ich aus dem Hause bin. Oft machte ich für Verwandte und Bekannte kleine Gänge, für die ich einige Groschen bekam. Ich sparte, bis mein Kapiral auf einige Mark angewachsen war. Ich schrieb meiner Großmutter«inen Abschiedsbrief, ging zur Bahn, löste mir eine Fahrkarte bis Bromberg und dampfte ab." „Hast du aber Kurage gehabt! Wo bist du zu Hause?" „Ich bin aus Königsberg in Ostpreußen. Das erste selige Ge- fühl der vollen Freihell war so entzückend, daß es von bleibendem Einfluß auf mein ganzes Leben gebtieben ist. Ueberall, wö ich eine bleibende Stätte fand und wenn ich es noch so gut hatte, hielt ich es nur kurze Zeit aus. Manchmal bin ich mitten im Winter auf- und davongegangen.. Müde und zerschlagen kam ich nachts in Bromberg an. Da ich nicht wußte, was ich anfangen sollte, trieb ich mich in den Anlagen herum. Als es Tag geworden war. kauft« ich mir von dem bißchen Geld, das niir noch übriggeblieben war, etwas Obst und marschierte aufs Geratewohl zur Stadt hinaus. Wo ich eigenttich hinwollte, wußte ich selbst nicht. Es war mir auch ganz egal. Da ich das Wandern nicht gewöhnt war, kam ich nur langsam vorwärts und wurde bald müde. Hunger und Durst stellten sich ein. An das erste Haus eines Dorfes, durch das ich mußte und vor dem ein« Frau stand, die mll den Gänsen herumhantierte, trat ich und bat um«inen Trunk Wasser. Die Frau plapperte polnisch, das ich nicht verstand, brachte mir aber in einem Blechbecher einen frischen Trunk, der meine ausgedörrt« Kehl« erfrischte. Dankend reichte ich ihr den leeren Becher zurück und wanderte hungrig weiter. Im ganzen Dorf roch es so angenehm nach Mittagessen, daß mein Hunger noch größer wurde und mein Magen ordentlich zu knurren anfing. Was sollte ich aber beginnen? Betteln? Ich wußte ja gar nicht, wie ichs anstellen sollte."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, miiiiiiiiiiiiiimiiiimiiimiimnimmiimnmiimiiiinnnmiimuuliimiminiiimiitnimiiimmumiiiiiiHiiiniiiiiimiiiiimiiiiiiiimiiinniiniiiimimiiniimiiiiinniiiiiiiiiniiuiiiiiiniiiiiiiii Trunksucht, die aber bisher nur 100 OVO Mitglieder zählt, eine für den ausgedehnten Sowjetstaat nicht hohe Ziffer. Die Resultate der Arbeit dieser Gesellschaft sind bisher recht unerheblich, in Moskau selbst aber hat sie einen Erfolg zu verzeichnen: im letzten Vierteljahr sind in Moskau für Alkohol 4 Millionen Rubel weniger misgegeben worden als im entsprechenden Vierteljahr 1928. Der höchste und der tiefste Punkt. Der höchste Punkt der Welt ist der Moni Eoerest, der über 9000 Meter hoch ist. Ihm folgt der Gaurisankar des Himalaya mit 8840 Meter. Der höchste Punkt Amerikas ist der Aconcagua in den Anden, er mißt 6970 Meter. Dann kommt der Kilimandscharo mll 6130 Metern. In Europa erreicht der Montblanc«ine Höhe von 4810 Metern und in Australien der Mouni Kosciusko 2240 Meter. Die größte Tief« unseres Weltteils fanden wir— bevor der deutsch« Kreuzer„Emden" die ttefste Stell« des Meeres(10 430 Meter) lotete— im Stillen Ozean, in unmittelbarer Nähe der Insel Guam, die zu den Inselgruppen der Mariannen gehört. Hier er» reicht das Meer eine Tief« von 9644 Meter. Bei Portorico liegt die tiefst« Stelle des Atlantischen Ozeans 8940 Meter unter der Meeresfläch«. Die Durchschnittstiefe des Stillen Ozeans beträgt sonst 3900 Meter, die des Indischen Ozeans 3600 Meter und die des Atlantik 3200 Meter. Es erscheint angesichts des ungeheuren Wasserdrucks für sehr unwahrscheinlich, daß es jemals gelingen wird, in diese Tiefen hinabzusteigen und sie näher zu ergründen. Trunksucht in den Sowjetländern. Der Verbrauch alkoholischer Getränk« hat in der Sowjetunion weiter sehr stark zugenommen. Nach den statistischen Angaben, die der Zentralbehörde für politische Aufklärung vorliegen, wurden 1924 insgesamt 800 000 Wedro(1 Wedro entspricht 12,3 Litern) ver- schiedener alkoholischer Getränt« verbraucht, im verflossenen Jahr 1928 sind aber in den Ländern der Sowjetunion 40 Millionen Wedro vertrunken worden. Das Sinken der Arbeitsdisziplin, worüber die Sowjetpresse so häufig klagt, steht mit der zunehmenden Trunksucht in engstem Zusammenhang. Gegen 200 000 Slraftaten verschiedener Art werden sährllch infolg« von Betrunkenheit verübt. Seit 11 Monaten besteht«ine Gesellschaft zur Bekämpfung der DIenstax, 14. Mai. Berlin, 16.00 Inrenienr I. Boehmet: Technische Wochenplauderei. 16.30 Mutter und Kind, Uichtun« von Alice Fllegel. 17.00 Konrert. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.10 Stunde mit Büchern. Die Kunst des Feuilletons.(Am Mikrophon: Hanns Heinrich Bormann.) 18.40 Osborn: Murillo. 19.06 Walter Eschbach; Der kaufmännische Lchrlinc und die Berntsscfanle, I9J0 Dr. K. Singer; Die Oper und die OegeOTtTt. 30.00 Bildfunk. 20.10 Abendunterhaltung. Mitw.: Dr. med. Ilse Sragunn, Dr. med. Sehlilter- Kempres, Geh. Justizrat Prof. Dr. Ed. Heilfron. Anschließend: Hotel Excelsior(Kapelle Efim Schachmeister). 21.30 Die Stadt ohne Schlaf. Eine Uebertratung ans den Berliner Lehen. Anschließend: Presse-Dmschan des Drahtlosen Dienstes. Nach dea Abendmeldungen: Bildfunk. KSnlfswusterhansen. 16.00 Min.-Rat Hane: Die bauliche Gestaltung der neuen Schulen 16.30 Stefan Frenke!: Neuzeitliche Violinmusik. 17.00 Nachmittagskonzert von Leipzig. 18.00 Prof. Dr. Hans Mersmann: Volkslicderanatysen. I8JO Französisch für Fortgeschrittene. 18.56 Dr. Ludwig Mathar: Das Rheinland und die Rheinländer. National kemalismus. Den türkischen Armee- und Marineangehörigen, sowie den Staatsbeamten und Studenten wurde vor einigen Tagen ein Erlaß des Kabinetts zugeleitet, nach dem ihnen, unter Androhung emp- findlicher Geldstrafen und sofortiger Dienstentlassung, die Heirat mit Ausländerinnen verboten wird. Eine Pflanze mit grünen Wurzeln. An einer in Südamerika heimischen Orchidee, der sogenannten Vielwurzel, kann man die eigenarttge Erscheinung beobachten, daß sie keine Blätter besitzt. Die Aufgabe, die Pflanze mit dem zu ihrer Ernährung notwendigen Kohlenstoff zu versorgen, fällt bei diesen Gewächsen den Wurzeln zu, die grün gefärbt sind und durch ihren Gehalt an Blattgrün der Luft Kohlenstoff entziehen können wie bei anderen Pflanzen die Blätter. Infolgedessen sind die Biel- wurzeln auch richtige Wurzelblüher, da bei ihnen die Blüten un- mlltelbar den Wurzeln entsprießen. Der Faschismus im Volkswitz. In despotischen Regimen hat sich immer das Volk für die Knebelung durch Witz und Satire wenn nicht schadlos gehalten, lo doch etwas getröstet. Solange es noch eine antifaschistische Presse im Lande gab, hat der„Becco giallo* eine Auflage von einer Million erreicht. Heut« flüstert man sich die Witz« leise und vorsichtig ins Ohr. Die Geschichte von dem verlorenen Taschentuch des Königs ist bekannt. Mussolini hebt es auf und bittet, es zum Andenken behalten zu dürfen.„Nein, bitte lassen Sie es mir"— antwortet der König ängstlich—,„es ist das einzige, wo ich meine Nase hineinstecken kann." Alt ist auch der Witz des Zwanziglirestücks. Auf diesem steht tatsächlich, als Umschrift um einen Löwenkops:..Besser ein« Minute Löwe als hundert Jahre Schaf." Auf der anderen Seite ist der Kopf des Königs.„Suchet das Schaf" sagt der Volkswitz. In einer Studenlenversammlung in Bologna spricht der General- sekretär Turati.„Ich nehme an. daß die Herren alle wackere Faschisten sind." Ein Student erklärt, er wäre liberal. Sein Vater wäre es gewesen, sein Großvater hätte als solcher unter dem Papst Verfolgung erduldet, der Liberalismus sei Tradition in der Familie. Turati sagt:„Was hat das zu sagen: Tradition? Wenn Ihr Vater und Ihr Großvater nun Diebe und Mörder gewesen wären?"— „Ja, dann wäre ich natürlich Faschist," antwortet der Student. Ein reicher Mann will m Mailand einen Brillantring kaufen. Di« Stein«, die der Juwelier ihm zeigt, genügen ihm nicht.„Ich beabsichtige, bis zu einer halben Million auszugeben." Da nimmr ihn der Juwelier unter den Arm und sühn ihn auf den Domplatz, wo die Pflasterstein« ttegen, aus der Regierung des Podestaten Belloni, der in einem Jahre die tzv-Millionen-Dollar-Anleihe ver» pulvert hat:„Dann rat« ich Ihnen, nehmen Sie einen Pflasterstein; jeder einzeln« tostet uns über ein« halbe Million." Ein Straßenjunge macht aus Ziegenmist Zeichimngen auf dem Boden.„Was machst du da?"—„Einen Balilla."—.Warum machst du nicht lieber Mussolini?" Sagt der Junge:„Soviel Mist habe ich nicht." � zJfvyrfiind 738, Sorgalla(Aha) 737, gahlmonn(Sechs Kalte) 733,(S. Pllrschel(6f(i» Kalt«) 729, Tiaucr(Aha) 729, Walter Bllrschcl(Sechs Kalte) 729. Kollath(I. f d.) 727, Schröder(Eorgcnsrci) 727,(S. Kirchner(Kalte mit) 724 Hol,.— Bezirk Sleukölln: SB. Schmidt(Schiefe Ebene) 743, Friese (Kalte Acht) 740, Brüning(Olympia) 738, Heilmann(Lorbas) 738,«rasemann (Watze.I. a. R.) 732, Ditlmer(Husch-Husch) 732, E. Kromm(Harmonie) 730. Svallrabe(Schiefe Ebene) 72«. Bruno Wielanb(Olympia) 723, Plagenz(Harmonie) 724 Holz. Zu den Endkämpfen am Sonntag, 26. Mai, im Keglerheim Bötzow treten 70 Proz. der besten Kegler aus den Zwischenkämpfen an. In diesen Endkämpfen werden die B e z i r k s m e i st e r und die Dezirksriegen, die je zehn Mitglieder stark sind, festgestellt. Bei der äußerst scharfen Siebung der Kampfteilnehmer ist es sicher, daß die Schlußkämpfe sehr interessant werden Arbeitcr-Hockc>. Die Bezirke Ostring I und Nordring I der Freien Turnerschast Groß-Berlin trafen sich am Sonntag beim Frühjahrssportfest des Vereins. Nordring konnte das Spiel knapp für sich, 1: 0, entscheiden. Auf beiden Seiten wurde mit Ersatz gespielt. Beim Sieger konnte am besten die Verteidigung gefallen, so daß der Torwächter Nord- rings sehr wenig zu halten bekam. Der Sturm spielte flüssig und ohne Künstelei. Ostrings Sturm, der sonst in der linken Seite seine stärkste Waffe hat, wurde durch die gut« Verteidigung Nordrings aufgehalten und kam gar nicht zur Entfaltung. Der beste Mann in der Mannschaft Nordrings war der Torwächter, der viele gute Schüsse sicher hielt. Das Spiel Sportverein Moabit I gegen Nord- ring(komb.) FTGB. mußte beim Stande 3: 1 für Nordring etwas frühzeitig beendet werden.— er. Im 1. Kreis hat sich eine neue Hockeymannschaft ge- bildet. FTGB.-Neukölln veranstaltete am 11. Mai das erste Propa- gandafpiel gegen FTGB.-Pankow. Eine stattliche Anzahl Zu- schauer verfolgte mit großem Interesse das Spiel. Wenn auch das Resultat 5:1 für Pankow lautete, so gibt trotzdem Neukölln zu den besten Hofsnungen Anlaß. Die kommende Serie dürfte noch vielen bundestreuen Sportlern Gelegenheit geben, den Wert des Hockey- spieles zu erkennen. Ostdeutsche Ringer-Meisterschaft Pfingsten in Stettin. Di« Kreismeister der Kreise 1, 2, 3, 3a und 4 des Arbeiter- Athleten-Bundes treffen sich zu Pfingsten in Stettin, um die G r u p p e n m e i st e r f ch a f t im Ringen für die ostdeutsche Gruppe auszutragen. Vom 4. Kreis, Berlin, geht der Sportklub „Alt-Wedding 83" in den Kampf, um die Farben d«r Reichshaupt- stadt zu vertreten. Die Mannschaft besteht voraussichtlich aus folgen- den Sportgenossen: Fliegengewicht: Wuttig, Vantam: Elster, Feder- gewicht: Schlichtcnberg, Leichtgewicht: Weihe, Mittelgewicht: Eckert. Halbschwergewicht: Michael, Schwergewicht: Rosenkranz. Am 1. Feiertag steht der Berliner Mannschaft Schlesien und Ostpreußen gegenüber, am 2. Feiertag Lausitz und Pommern. Nach der Form zu urteilen, kann man den Berlinern einig« Chancen ein- räumen, ob es aber zum Sieger reicht, muß bezweifelt werden, da in den anderen Kreisen Kräfte stecken, die mit zu den besten des Bundes zählen. Wegen der Gleichmäßigkeit der Gegner ist«ine Voraussag« sehr schwer, jedoch hoffen wir, daß die Berliner Mann- schaft sich nicht so leicht schlagen lassen wird und mit an der Spitze zu finden ist. Den 1. Kreis, Schlesien, vertritt„Eiche", Liegnitz, den 2. Kreis, Lausitz,„Vereinigte Kroftfportfreunde Forst", den 3. Kreis, Pommern,„Sportverein Stolzenhagen", Stettin, den Z».Kreis, Ostpreußen, der Sportverein„Ponarth", Königsberg i. Pr. Möge diese Veranstaltung den Stettiner und Berliner Oppo- sttionellen zeigen, daß die treu zum Bund« stehenden Sportgenossen den Willen in sich tragen, durch kameradschaftliche Zusammen- ' geHörigkeit einen Wall zu bilden gegen jede politische Einmischung in den gesunden Arbeitersport, daher wünschen wir der Veran- staltung vollen Erfolg. . Das Freibad im Poststadion. Das Freibad im Poststadion in der Lehrter Straße S?« und 63» ist für die Sommerbadezeit eröffnet. Ab Mon- tag, 13. Mai. 3 Uhr vormittags, steht das Bad der Oeffentlichkeit wieder zur Verfügung. Der Schwimmbezirk Kreuz berg' der FTGB. hält während der Sommermonate seine Uebungsstunden jeden Mittwochabend im Poststadion ab. Ab 18 Uhr stehen dort genügend geprüfte Lehr- träft« zur Verfügung, so daß vor allem auch Nichtschwimmer, die als Mitglieder kostenlosen Unterricht erhalten, gern gesehen sind. Erster Uebungsabend morgen, Mittwoch, 18 bis 22 Uhr. Auch jeden Freitagabend finden alle FTGB.-Schwimmerinnen und-Schwimmer Gelegenheit zum gemeinsamen Uebungsabend unter fachkundiger Leitung im Berliner Bad, Lohmühlenstraße, ob 18 Uhr. Erster Badeabend Freitag, 17 Mai. An beiden Tagen ist der Mitgliedsausweis vorzuzeigen. Jede weitere Auskunft erteilt jederzeit gern die Geschäftsstelle der FTGB., Lichtenberger Straße 3(am Landsberger Platz), und der technische Leiter Walter Freytag. Berlin SW. 29, Fidicinstraße 27. Wcrbeauftahrt der»Freien Faltbootfahrer Berlin" Auf die Passagiere der Motorboote, die den Dienst zwischen Erkner und Möllenihorst verschen, macht« der Aufzug von annähernd 100 Faltbooten, die in langer Linie über die Seen fuhren, einen gefälligen Eindruck. Es handelte sich um ein« Werbefahrt der „Freien Faltbootfahrer Berlin", die es unternahmen, im Osten Berlins unter den dortigen zahlreichen unorganisierten Faltbootfahrern für die Sache des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zu werben. Freie Arbeiterfchachvereinigung Groß-verlin. In der Abteilung Memel hält der bekannte Schachtheoretiker Koppenheim heute einen Vortrag über das Thema.Lehrreiche Fehler in Meisterpartien". FOX Kaufhaut Moabit Turmstr. 42 .7: Max Kiesen Stete Saltbootsaheet Beelin. Mittwoch, 15. Mai, S»nktionärsitz»ng,„Zur Kinde", Uierstr, 13, Donnerstag, 16, Mai, Vereinszusommonkunft im Zeichen» taal des Eophien-Lnzeums, Weinmeisterstr, 16— 17, um M Uhr. Gäste will- kommen, Psingstfohrten, Abfahrt Sonnabend, 18. Mai, Plauer See, ltien» werdet. Abfahrt 2.0S Uhr Potsd. Bhf. bis Kirchmöser, Ziückfahrkarte bis Brandenburg lösen, Süheer H. Gillner. 2, Rheinsberg— Rhin— Neurunpi», Abfahrt 15.15 Uhr Stett, Bln., Sichrer Grilnberg. 3. Do ssow— Bandekower Gewässer, Abfahrt 13.55 Uhr Etett, Bhf. bis Doffow, Fllhrer Iungbluth.: Alle Ruppin-Fahrer treffen sich Donnerstag, 16. Mai, bei Reimer, Mlmcrsdorfer Str. 21, 20 Uhr. Nochmeldungen werden noch entgegen. genommen. Decken und Zeltbahn nicht vergessen.— Ortogruppe Lichtenberg! Mittwoch, 15. Mai, 20 Uhr, Sitzung der Nadfahrerabteilung bei Sudbrink, Kommunalpoliflsclic Vorfragsreihe Honte, Dienstag, den 14. Hai, abends 7'/, Uhr, im Saale des Relchswirtschastsrats, Uellevuestr. 15. Vortrag des Gen. Stadtschulrat llydahi Qher Stadt. Schulwesen Eintritt frei— Parteimitgliedsbuch legitimiert. Alt.Friedrichsfelde 98.«rbeiter.Radfabrer und.fahrerinnen, dte gewillt find, fich unserer Ortsgruppe anzuschließen, willkommen. Sonnabend. 18. Mai- 16 Uhr, Radfahreradteilung, Start Alt-Friedridisfelde 98 zur Pfingstfahrt: Wolziger, Groß-Selchower und Seharmützelfee. Motorradfahrerabteilung: Start Iungstr. 20 zur Pfingstfahrt: Echlaubetal. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Mannerchor„Tolidaritiit". Ständchen an» Mittwoch, 13. Mai, Neutempelhof, findet besonderer Umstände wegen nicht statt. Wetter für Verlin: Wechselnd wolkiges, mäßig warmes Wetter, Südwestwinde.—.für Deutschland: Im Süden Schönwetter, im Norden veränderlich, im Nordwesten Abkühlung. lDO(? Potsdamer Strafe 38 Gesdiminkie Jagend Rinllntins sdbwersicr Sieg(5 Akte) RheinstraJ�e 14 K.?s.-Ekhe) Verlängert: Der Palriol mit Emil Janningt Beiprogramm Odcon, PotsdamerSir. 75 Verlängert: Die Ehe Ein Film von van de Velde Turmslra$c 12 Verlängert: Die wunderbare LGge der Ntna Petrowna mit Brigitte Helm Alexandersir. 39-40 (Passage:) Den ganzen Tag gedffnetl HoiclgehelmnUse Abenteuer in 8 Akten PaUls. de Dans«, 6 Akts V Schenatsara 1 Alhambra Beg swat1uuhV5V Schöneberg, Hauptstr. 30 Das Riesenprogramm Palat» de Danse Bühne: Paqaeis Kinderballett Tilania(, ,r0hcr trüber\ Seh Aneber. J Beginn ab 640 (Ufa Hauptstraße 40 Beginn ab 6,30 Uhi Die wunderb arc Lüge der Ntna Petrowna Da* große Beiprogramm Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Der Sohn der Teigar, Lon Chaney Daa gute Beiprogramm W Chartettenbura Sdilüler-Thealer Schlüicrstr. 17 W. 7 u. 9.13 5. ab 4 U Polnlsdie Wirlschall mit Braasc weiter Lady ohne Schleier m. LH Dagover W Stegllt« B Tilania-Palasl Steglitz, Schloßsir. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Peter der Hairose mit Reinhold Schänzel Bühne: Gastspiel: Nicola Lnpo Wochentags 640. 9 Uhr Stg.S, 7,911. Stg. 3U.J.-V. Hindenburgdamm 58a Die eiterne Maske mit Falrbanka Beiprogramm Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Hi-Li Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1-4 Beginn 6 U. Harra, ich lebe! Das Karussell der Liehe ... und abends ins Kaxim Ma T f Hariendorter Lia~Lrl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Diana mit Olga Tscfaecfaowa Sdi allen der Nacht Süden Th. am Morilzplalz Beginn: W. ab 6.15 Uhr. Stg. ab 430 Uhr. Pai und Palachon als Müller Drei Midel und Ihre Freier SüdottM Filmeck Beginn � um Sitalitzer Straße, am Görlltzcr Bahnhof Ihr dunkler Punkt mit Llllan Harvey, Willi Frllsch Gute Bühnenschau_ Ürania-Thcater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2 45. 5, 7. 9 Uhr Hinter KloUermancni, 7 Akte Die Aaiwanderer, 6 Akte Drei Bflhncnattraldioncn W MeuKBIIn j Primus-Palast Hermannplatz Rin-Tln-Tlnj uhwenter Sieg Da« gute Beiprogramm Auf der Bijhne: Fred Mltanl und Ernc#t dt Cotta Zauber ald Harle« und Robert, Tanzpaar Elysium(nim�Sart) Hasselwerderstraße 17 Sein«diwenter Sieg m. Harry Piel Die Sirene der Tropen m. J. Baker Gute— Schloßpark Film- Bühne Berliner'Arlce 205-210 Fat und Patadlon als Wettcn- bummler Die GcUtcrfarm mit Ken Maynard Varl et Eschau Jugendliche haben Zutritt Ostan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Nur 7 Tage: Der Patriot mit Emil Janning« Der größte Film der Gegenwart Aoigezelcbnete« Beiprogramm Groge Bühnenadiao Beginn der ersten Vorstellungen: Wochen I. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr. Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Verbrcdien(Der Mann mit dem Laubfrosch) mit Evelyn Holl und Heinr. George Kampf um Liebe Grobe BQhncnacfaan Concordia-Palast Andreasstraße 64 Mühllerte Zimmer m. Fritz Schulz Die geheimnisvolle Macht m H.PIcl BÜkncnschao Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Nur ein GassenmSdel(Nachtgestalt) Wer heiratet meine Frau? mit Kampers Grofte Bühnenschau g NordoiTän*- «.Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Der Patriot mit Emil Janning« Auf der Bühne: WUbelm Bendov Bühnen« cbau ■ Norddw» Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Die Ehe nach van de Velde Dr. DoUttle und seine Tiere Btthncnschan Alhambra Müllerstraße. Ecke Seestraße Die grobe Leldenacbati LH Dagover mit: Beiprogramm, Bfihnensdiaa F ortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ah 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weltproduktion Mctro-Palast Chausseestraße 30 Dte welgen Rosen von Ravensberg Maacottdien mit KÄthe von Nagy Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 U. Jugend v. Der rote Kreis mit Lyn Mara Zirkus Barr� mit Harry Piel Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 2 Qroßfilme: Die Stande der Enischeidong Postrauh in der Teateisschlacht „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Das Kind des Anderen mit Anna Sien Die Tochter der Steppe m Ruth Mix aesundbrunnen Ballsdunicder- Lichtsp. Badstraße 16 Der Patriot mit Emil Jannlngs Beiprogramm Bühnenschau «.Alhambra" Badstraße 58 Dte Ehe nach van de Velde Die Wander des Films Bflhncnscban Humboldt-Theater Badstraße 19 Der Maharadscha von Domelanlen mit Adolf Menjou Ehe in Gefahr Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna mit Brigitte ReLa Beiprogramm VaHet tschau ■ P«"*ow■ Palast-Theater Breite Straße 21 a Die Ehe nach van de Velde Mit dem Auto ins Morgenland Tivoli« Pankow Berliner Straße 27 Cagliostro mit Hans Stüwe Beiprogramm Bühnenschau g WladdrtchBittuiuidirh Film-Palast Blankenburger Straße 4 Francnranb in Marokko mit Rommer Louise von Coburg Bürgcrgarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Die Ehe Ein Film von van de Velde Dr. DoUttle nad seine Tiere Bühnen««bau PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. Mai KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 16. Mal Hoabif** THrnt tfr.4l Schwarze Kinder«Spangen aus krfifligem Oberleder, gute Pabform. hübsches Modell, billig.,. 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