Morgenausgabe Tit. 222 4S.Iahrg. Juni in die Ferien gehen. Die ursprüngliche Absicht, vom 10. bis 15 Juni das Plenum gleichfalls tagen zu lassen, ist mit Rück- ficht auf den Parteitag der Kommunistischen Partei, der vom 9. bis 15. Juni stattfindet, fallen gelassen worden. Ferner machte man sich dahin schlüssig, in Abänderung der bisherigen Dispositionen den S s. meindeaueschuß vom 11. bis 22. Juni zur Norberatung des Gesetzes über die kommunal» Neugestaltung im Westen tagen zu lassen. Pom 25. Juni an wird der Landtag voraussichtlich noch drei Wochen zusammenbleiben, um dann in die Sommerserien zu gehen. * Der preußisch« Landtag hat am Dienstag einen sozialdemokra- tischen Antrag abgelehnt, der ein- Ermäßigung der Gebüh- ren der Feuerbestattung forderte. Gegen den Antrag stimmten auch die Kommunisten, Das Schicksal der Anleihe. Wettere Beratung im Haushaltsausschuß. In bei fortgeführten Beratung de» Ausschusses für den Reichs- Haushalt über die steuerfreie Anleihe kamen außer den Abgg. Gras Westarp(Dnat.) und Dr. Cremer lD. vp.), über deren Au». führungen wir bereit» berichtet haben, noch ein« größere Anzahl von Römern zu Wort. Von den Deutschnalionalen noch die Abgg. Dr. Quaatz, Hergt, Laverrenz und zum erstenmal seit seinem Eintritt in den Reichstag Herr Bang. Die Deutsch« Volks- Partei schickt« außer Dr. Crem« noch die Abgg. Dr. Schneider und Kulenkamp vor. Für die Demokraten sprach d« Abg. Bernhard. Sie olle stellten an den Retchsfinanzmimst« Dr. Hilferding ein« groß« Zahl von FoagA» technisch« und fachlich« Art, von der«» Beantwortung die Redn« die Stellung ihr« Fraktion zur vorlag« abhängig machen wollten, vi« Fragen wurden vom Minist««ms da» eingehendste und zum Teil unt« Anführung eines großen Zahlenmaterials beantwortet. Während der Debatte gingen«in tommuniftsscher«nh zwei deutschnational« Anträge«in. Bon den deutschnationolen Anträgen wünschte d« ein« die Einfügung eine» neuen 8 3 in da» Gesetz, der bestimmen sollte, daß die im 8 1 aufgeführten steuerlichen Der- günstigungen auch auf die in das Reichsschuldbuch eingetragenen Forderungen aus dem Knegsschäd�sschlußgesetz Anwendung finden sollten. D« ander« verlangt« einen Zusatz, durch den das Der- bleiben des Stimmrechts der zu veräußernden Reichsbahnattien beim Reich sichergestellt werden sollte. Der kommunistisch« Antrag verlangte an Stelle des Gesetzentwurfs ein neues Gefetz, durch das all« Vermögen über 500 000 Mark einer erhöhten außerordentlichen Besteuerung unterworfen werden sollten. Für da» Zentrum betont« der Ab�. Dr. Brüning, es trete jetzt die Folge in der Wende der Finanzpolitik zutage, die durch die Verfemung der Schliebenschen Thefaurierungspolitik 1926/27 eingetreten fei- Seine Fraktion habe zwar auch schwere Bedenken gegen die Vorlage, es sti indessen psychologisch un«träalich, wenn da» Reich an jedem Monatsersten mit ungeheurem Kassendefizit aufwarte. Auch unsere Verhandlungen im Sonnner würden außer- ordentlich erschwert, wenn man immer neue solch« Defizits mit sich herumzuschleppen habe. Der Reichsfinanzminister Dr. hilf«ding habe jehl die- Last für das m tragen, was et am wenigsten ver- schuldet habe. Die Zentrumsfraktion werde der Vorlage zustimmen. Es handle sich höchstens um einen Betrag von 200 Millionen Kapital, der hier dem Reich zufließe. Die 200 Millionen gingen an die Banken und an die Wirtschast wieder zurück. Al» letz!« Redner in der Vormittagssstzuna kam d« Genosse Dr. Hertz zum Wort, der«mssührt«, seine Fraktion hätte sich bisher zurückgehalten, weil sie warten wollte, ob irgendwelche anderen gangbaren Wege, aus der Kalamität herauszukommen, ge- zeigt werden könnten. Er konstatiere, daß da» nicht der Fall ge- wesen sei. Auch seine Fraktion habe grundsätzlich« schwere Bedenken gegen die Vorlage. Diese Bedenken seien gerade für oie Sozialdemokratie schwerer zu tragen als für andere, da die Vorlage Vergünstigungen vorsehe, die an den Besitz an- knüpfen. Das fei nicht der Weg, den die deutsche Steuerpolitik bisher gegangen sei. Die Vorlage sei gewissermaßen ein Akt der Lsrzwipflung, die Schuld trag« ab« nicht die jetzige Regierung. Er persönlich habe stet»«inen starken Trennungsstrich zwischen sich und denen gezogen, die vor Iahren die Thesaurierungspolitit so scharf kritisiert hätten. Erleichtert würde seinen Freunden die Zu- sümmung zur Vorlage durch die Tatsach«, daß ihr« D e r g ü n st i< g u n g e n nur einmalig und für eine bestimmt« Frist bemessen seien und nur für das Reich, nicht auch für die Länder gelte. Dem Reichsratszusatz, die Vergünstigungen auch auf die Länderanleihen auszudehnen, würden fein« Freund» nicht zu- stönmen können. Nach der Rede des Genossen Dr. Hertz wurde die Sitzung abgebrochen, um d« deutschnationalen Fraktion und der Deutschen Volkspartei die Möglichkeit zu geben, ihr« Stellung zur Vorlage auf Grund der Ausführungen de» Reichsfinanznnmft«« Hilferding noch einmal nachzuprüfen. In der Abendsitzung gab Dr. CreMer für die Deutsch« Volk»- Partei die Erklärung ab. daß sie trotz schwerster Bedenken für die Vorlage eintreten werde. Für die Deutschnütionalen erklärten Graf Westarp und d« Abg. Hergt, daß die Darlegungen des Ministers nicht ausreichten, ihr« schweren Bedenken gegen die Bor- lag« zu beseitigen. Sie müßten daher gegen die Vorlage votieren. Für den Reichsrat setzt« stch Generalreferent Ministerialdirektor Dr. Brecht lebhast für die Reicherotsvorlage ein, di« bekanntlich die steuerlichen Vergünstigungen auch für die von den L2nd«n au«- zugebenden Anleihen verlangte. D« Ausschuß macht« sich dies« Ausführungen nicht zu eigen und lehnte den Reichsrat»« znsatz ab. Von den oben mitgeteilten Anträgen wurde nur der deutsch- nationale Antrag angenommen, der in di« Vorlag« noch den Zusatz einfügte, daß das Verbleiben de» Stimmrecht» d« zu veräußernden Reichsbahnaktien beim Reich gesichert bleiben müßte. Mit diesem Zusatz wurde unter Ablehnung der anderen Anträge die Borlage mit großer Mehrheit angenommen. Gowjeianleihen mii Kapiialsprämien. Kommunistische Llnkenntnis. Im Reichstag wird feit Tagen heiß um di« steuerfreie 5 00- Millionen-Anleih« gestritten. Sie hat eigentlich überhaupt kein« Verteidiger, und dennoch erscheint der Plan so Widerstands- fähig, daß ihn niemand zu zerstören oermag. Dieser sicher uncr- sreulich« Tatbestand Hot feine Ursache darin, daß die beste Witik in vier Wochen kein Geld zu erzeugen vermag Aon d« Anleihe aber wird dies angenommen: darin liegt die Stärke des Anleihe- planes, ganz abgesehen von d« dringenden Notwendigkeit, das Kassendefizit des Reiches zu beseitigen. Wie nicht anders zu erwarten, benutzten auch diesmal die K o m m u n i st« n di« Beratungen zu einer Fülle von Angriffen gegen di« Sozialdemokratie. Dabei versuchten sie be- fonders die Steuerfreiheit der Anleih« zum Angelpunkt ihrer An- griffe zu machen, obwohl steuerfrei« Anleihen auch in anderen Län- dern fein« Seltenheit sind. Diesmal ab« wurde den Kommunisten im Haushaltsausschuß so gedient, wie st« es nicht erwartet hatten. Es wurde festgestellt, daß di« Sowjetunion nicht nur mit dem Zinssatz ihrer Anleihen immer weit« nach oben gegangen Ist, so in den jungst vergangenen zwei Jahren di» auf 11 und 12 Prozent. Darüber hinaus wurde festgestellt, daß die russischen Staatsanleihen sämtlich völlig steu«- und abgabenfrei sind. D« Grund dazu ist nicht irgendwie verheimlicht worden. Jmm« wieder Ist offiziell betont worden, daß damit der Anreiz zur Zeichnung der Anlech« vergrößert werden soll. Die Sowjetunion hat trotz der höchsten Zinssätze mit ihren An- leihen in den jüngst vergangenen Jahren imm« nur relativen Er» folg gehabt. Deswegen ist ste im Frühjahr 1929 zu ein« Weiter- «ntwicklung eine» Anleihetyps gegangen, den ste in den jüngst ver- gangenen Jahren schon verschiedentlich ausprobiert hat. Die erste Tat de» neuen russischen Staatsbankpräsidenten, der an die Stelle des abgesetztm Scheinmann getreten ist, war die Auflegung ein« staatlichen inn«en Prämienanleihe vom Jahre 1929 in Höhe von 50 Millionen Rubel. Bei dies« Anleihe wurde wied« ausdrücklich hervorgehoben, daß sie völlig st euer- und abgaben» frei sei. Darüber hinaus ist die Anleihe ab« als Lott«ieanleihe ausgebildet. Das heißt mit anderen Worten, daß die Anleihezeichner innerhalb der nächsten zehn Jahre an 40 Gewinnziehungen beteiligt werden, d. h. jährlich an vi« Ziehungen. Um einen entsprechenden bosonderen Anreiz zu geben, ist die neu« Anleihe mit Gewinnen ganz außerordentlich reich ausgestattet worden. Die Gewinne be- tragen 50 000 und 100 000 Rubel. Auch dies« Gewinne gelten als völligst«»«- und abgabenfrei.-..n Bei früheren Anleihen ist man bei der Stückelung bis auf fünf Rubel hinuntergegangen, um auch die breiten Massen ber Arbeiter an dieser modernen kapttcllisttschen Sparmethode zu int«essi«en. Diesmal hat man von dies« ganz kleinen Stückelung abgesehen. Wie d« Leiter der Dalutaverwaltung de« Finanztommissariat» der Sowjetunion, Spunde, in ein« Presseunterredung«klärte, wolle man diesmal durch die größere Stückelung auch das Privatkapital a» d« Anleih« befand«? int«essi«en. Diese» Int««sie ist darüber h-maus auch dadurch gegeben, daß, wie schon erwähnt, die Anleihe- zeichn« nicht nur für ihre Geldanlage, sondern auch für die dabei erzielten Prämiengewinne völlig steuer- und abgabenfrei bleiben. Im Hauptausschuh des Reichstages erregten dies« Feststellung«» allergrößte Aufm«tsamkeit. Die offiziellen Sowjetkommunists» saßen tödlich verlegen auf ihren Plätzen. Das hatten sie nicht«- wartet, zumal es ja bei ihnen üblich ist, zwar in Deutschland für alle» die Soziatdemokratle verantwortlich zu machen, im übrigen ab« üb« die D«hältmsse w Rußland völlig unorientiert zu sein. Kurt Hetnig. Die Gelder des Faschisten pabst. Ihre Herkunst und Verwendung. München, 14. Mai.(Eigenbtticht.) Im Zusainmenhang mit der Tatsache, daß der Kapp-Putfchist Hauptmann Pabst in Innsbruck bis w die jüngst« Vergangenheit mit Geldern von Reichsbehörden unterstützt worden ist, veröffentlicht di«„Münchener Post* folgende interessanten Angaben, die der Nachprüfung dringend bedürfen: „Putschisten aus dem Rechtslager, gegen die der Oberreich»- airwalt ein Verfahren eingeleitet hat wegen Hochverrat od« Vorbereitung zum bewaffneten Umsturz und Derbrechen gegen das Sprengstoffgesetz, werden mit Hilf« des Auswärtigen Amtes dem Arme der Gerechtigkeit«nlzcgcn und ins Ausland abgeschoben.'Der Macher im Auswärtigen Antt ist ein Oder- regierungsrat jturt v. Selchow, der Ehef der Nachrichten- abtellung. Der Mittelsmann zwischen Rechtsverbänden und Aus- wärtigem Amt ist ein Major von Eourbiere. Das Aus- «artig« Amt greift den Leuten, die sich in Deutschland als Feind der Republik unmöglich gemacht hoben, nicht nur mit reichlichen Geldmitteln unter die Arme, Herr Selchow stellt ihnen auch wohl- gemerkt noch in jüngster Zeit, Paff« auf falschen Namen aus. Das Begleit, und Empfehlungsschreiben de» Beamten vom Auswärtigen Amt geht an«inen Major Peters in Inns- brück. Die genau vorgeschrieben« Reiseroute führt üb« Nürnberg, wo sich di« Schützlinge des Auswärtigen Amtes bei einem Haupt- mann Heiß, und über München, wo sie sich bei einem Haupt- mann Röder zu melden haben, von München aus werden die Leute, die es abzuschieben gilt, von zwei Begleitern auf Schleich- wegen über die österreichische Grenz« gebracht. In d« Zahl stell« derHeimotwehr in Innsbruck ent- puppt sich dann der„Major Peter«*, für den das Auswärtig« Amt „im Interesse des Deutschtum«*, wie feine Beamten es verstehen, so gute Beziehungen unterhält, als der Kapp-Putschist und Heimat- wehr-Generalstäbl« Hauptmann Pabst. Der Zufluchtsort, in dem di« deutschen Republikfeinde in Innsbruck untergebracht werden, ist das Kloster Wilten am Berge Ilse, dessen Prior Dietrich ein« der Stützen b« Rechtsradikalen in Tirol ist. Ein Teil der Waffen, vor ayem d« Maschinengewehre, über die die Heimatwehren verfügen, lagern in dem Kloster Wilten, ein anderer Teil im ehemaligen Offizierskasino der Kaiserjäger. Sind die Leute glücklich in Innsbruck untergebracht, so werden ste, soweit es sich um ehemalige Offiziere handelt, zur Instruktion bei Sturmabteilungen der Nationalsozialisten verwandt. Für diese Tätigkeit beziehen sie«in ansehnliches Gehalt. Interessant ist vor allem im Zusammenhang mit dem in der ver- gangenen Woche verhandelten Hitler-Prozeß in München-Au, y,o- her dies« Gelder kommen. Ganz offen brüsten sich di« Führer der Sturmabteilung in Innsbruck damit, daß sie soviel Geld be- kommen können, wie sie wollen, und zwar— von den italienischen Faschisten. Tatsächlich sind bei jedem SA-Abend Faschisten in ihr« Uniform anwesend, und das große Wort dabei führt der Innsbruck« Faschistenführer Mario,«in Beamter des Italienischen Konsulate». Er schmiß zum Beispiel im August 1927 rund 2000 Schilling, damit der SA-Führer Abel feine Leute, die zur Nürnberger Tagung der Nationalsozialisten wallten, ein- gekleidet werden tonnten. Für diesen Betrag hat Abel dem Mario «ine Quittung ausgestellt. Auch sonst hat Mario mehrfach dem Abel größer« Geldsummen ausgehändigt und txagt die Kosten für die Abend«.*__ Dem verbot de» Roten Arontkämpferbunde» in Preußen haben sich am Dienstag Württemberg, Bremen und Lübeck am geschlossen. Der Anregung des Reichsinnenminister» haben bicher nach nicht entsprochen: Braunschlpeig, Mecklenburg» Schwerin und Oldenburg. Soweit hier da« Aerbot in den nächsten Tagen nicht durchgeführt wird, dürste die Reichsregierung von sich aus ein Verbot aussprechen. Das zweite Opf« des Sowjetbeamten Apanasewitsch gestorben. In Wilna ist jetzt auch das zweite Opfer des Sowjetbeointen Apanasewitsch, der Reterendor oer Sicherheitsabteilung der Bezirks- hauptmannschaft Baronowice Kucharkowski, ar. den Folgen de» schweren Kopfschusses gestorben. Vor Landtagswahsen in Mecklenburg. Oes Landtags letzte Sitzung.- Einheitsliste der Rechts. Parteien. Zchwerio. 14. Mai. Heute nachmittag fand die letzt« Sitzung des Mecklen- kmrgischen Landtag» vor der Zluflösung statt. Der Nachtrag». etat fiir 1928 wurde mit den Stimmen der Regierungspartei«, gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Zu sehr erregten Aueeinanderfetzungen zwischen der Regierung und den Oppositionsparteien kam es nach einer Anfrage des völkischen Abg. Maerten» über das Gefchäftsgebahren der in Konkurs geratenen Firma Iosephy in Rostock und über die Beamtenpolitit der Regierung. Danach wurde eine Reih« kleinerer Gesetzentwürfe er» ledigt und angenommen. Die Völkischen, die Deutschnationalen, die Volkspartei und die W-.rtschaftspartei haben sich zu Verhandlungen über eine C i n» h e I t s l i st e für die bevorstehenden Landtagswahlen berreit erklärt. Die Nationalsozialisten verhalten sich gegenüber einer solchen Liste ablehnend, während die Demokraten schon eine«igeneListe aufgestellt hoben. Der Mecklenburgische Bauernverein. der die Linksregierung bisher unterstützt hat, dürft« ebenfalls mit einer eigenen Liste hervortreten._ Geichs- und Verwallungsreform. Forderungen des Allgemeinen Oevtfchen Deamlenbuades. In einer öffentlichen Versammlung des ADD. sprach am Montag Bürgermeister Genosse Dr. Karl Herz über Reichs- und Verwal. tungsreform. Gr führte unter anderem aus: Reichs, und Verwaltungsreform sind voneinmcher untrennbar. Das Reich hat die Finanzverwaltung. Arbeit», und Derkehrsvenval- tung. Den Ländern bleibt nur noch ein Ausschnitt. Darum muß die Reichsreform der Verwaltungsreform voran« gehen. Grundsätzlich gebührt dem Reich allein die Gesetz« gebungshlcheit. Die von Preußen umschlossenen K leinstaaten sind in Preußen einzugliedern. Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen müssen das parlamentarische System durch eine kommunale Provinzialoerwaltung und Einrichtung einer Auf« tragsverwaltung nach Weisung der Reichsorgan« ersetzen. Der Zu« sammenhang zwischen Reich und Preußen ist herzustellen durch Be- seitigung der preußischen Ministerien und des Landesparlaments und Unterstellung der preußischen Verwaltung unter das Reich. Darauf läuft auch die„differenzierte Endlösung* der Referenten des Verfassungsausschusses hinaus. Im Gegensatz zu ihnen muß aber Fortfall des Reichsrats gefordert werden. Die DerwaUung ist zu demokratisieren und zu rational!« sieren auf dem Wege der kommunalen Dezentralisation. Die parla- mentarische Demokratie hat die Verwaltung nicht in die Hand be- kommen, die Bureairfrati« ist, stärker geblieben. Die Einheit der inneren Verwaltung ist verloren gegangen. Wir haben nur noch ein« Reihe selbständig nebeneinander stehender Fachverwaltungen, wie Finanzamt, Arbeitsamt. Polizeiamt, kommunal» Dienststellen usw. Das große politisch« Problem besteht darin, die starr« Behördenver- waltung mit den wechselnden Bedürfnissen des gesellschaftlichen' Lebens in Einklang zu bringen, das Berufsbeamtentum durch Der« bindung mit aussteigenden Kräften»er breltsn Mass« vor Erstarrung und kastenmäßiger Absonderung zu schützen. Genosse Dr. Hans Völler vom Vorstand de» ADV. besprach die beawtenpolitische Seite des Reformproblems und fordert« die Schaffung eines einheitlichen Beomtenrecht«. Ein« Entschließung im Sinne der Referats wurde angenommen. Insbesondere wird darin zur Reichsreform gefordert: Uebertragung de« gesamten Justiz« mesens einschließlich der Verwaltungsgerichtsbarteit auf das Reich. Aenderung des Zuständigkeitskatalogs der Artikel 6 bis 12 RV. im Sinn« der Zusammenfassung der Gesetzgebung»« kompetenz im Reich. Länderautonomi« nur in der Ausführung der von der Reichsgesetzgebung aufgestellton Grundsätze. Inventarisierung des geltenden Rechts, c) Demokratische Organisation der allgemeinen Verwaltung, insbesondere reichsgesetzlich« Regelung des Der- hältnisses von reichseigener, landeigener und kommunaler Verwaltung. Reichsgesetzliche Regelung des Aufbaus und der Glied«. ntng der Länderverwaltung. Erlaß einer Reichsgemeinde» und Reichekreisordnung. Erlaß eines Reichspolizei- gefetzes. Reichs gesetzliche Regelung des allgemeinen V« r w a l- tungsrechts, de» Verwaltungsverfahrens einschl. des Verwal- tungszwangsverfohrens und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Ein- heitliche Reichsgesetzgebung für all« Fachgebiet« des materiellen Verwaltungsvechts, z. B. des Wirffchaftsrechts. ä) Schaffung eines einheitlichen Beamtenrechts.. Nach den französischen Gemeindewahten Großer Erfolg der Sozialisten pari». 14. Mai.(Eigenbericht.)- Die Erfolge der französischen Sozialisten stell«» sich bei völligem Ueberbssck über das Gesamtergebnis der Kommunal« wählen noch weit größer heraus als ursprünglich ange- nommen wurde. Es kann am Dienstag, worauf der„Populaire* mit Stolz hin- weist, festgestellt werden, daß keine ander« Partei ähnliches zur Seit« zu stellen hat. Fast in allen Städten, in denen die Sozialisten bisher am Ruder waren, haben sie sich voll behvupten können, so in Lille, Roubaix. Limoges, Tours, Bordeaux, Lens, Doual. Chorlsvill«, Ehtlons-sur-Saöne, Boulpgne. Toulouse und zahlreichen anderen. Auch in Lyon bilden sie die stärkste Gruppe. Reu hiyzugewonnen wurden u. a. Avignon, Arra», Armenttöres. Dünkirchen, Hazebrout. Besonders imposante Ergebnisse wurden in den Departements des Rorhens erzielt. Hier ist der Sozialismus aus den Wahlen als unbestrittener und olleiniger Sieger hervor. gegangen. In LÄö durchzog noch der Bekanntgabe der endgültigen Ergebnisse ein gewaltiger, von den Parteimitgliedern und der sozia- I stischen Jugend gebildeter Zug mit roten Fahnen und unter dem Absingen der, Internationale* die Stadt. Di« Liller Sozialisten bereiteten dabei gleichzeiitg dem bisherigen Bürgermeister Sa- l e n g r o ein« Huldigung. Dieser mar al» einziger nicht ge« wählt worden. Die Verleumdungen«Ines bisherigen sozialistischen Stadtrats, der von der Liste gestrichen worden war und sein« eigen« Kandidatur aui gestellt hatte, trugen so ihr« schlimmen Früchte. Wenn in Pari« die Partei drei Stimmen im Stadtrat oer« l o r e n hat. so ist das nicht zum mindesten opf die Tatjlt der Kommunisten zurückzuführen, die auch diesmal wieder im zweiten Wahlgang gänzlich aussichtslos« Kandidaturen aufrecht er« hielten und durch die so erzielte Slimmenzersplitterung zum Erfolg« der Reaktion beitrugen. Im ganzen Lande befolgten die Kommu- nisten die gleiche Methode. Daß trotzdem und trotz de, an vielen Orten beobachteten offenen Ausammengehen» der Radikalen die So- zialisten zu solchen Erfolgen gelangen konnten, beweist am besten ihre stets zunehmende Kraft,,'»vr.v* ifii: t � A.- Thätmann muß sich verantworten... Stalin:»Was lese ich in der Münzenbergpresse? Keine Schlacht— nur Opfer! Welch' unerhörte Schlappheit.� Thälmann:»Großer Stalin, das ist nur für die pazifistisch verseuchten Berliner geschrieben. Hier bringe ich die authentische Mostauer Lesart!� Unmögliche Strafbestimmung. �Verleitung zum Selbstmord" sott bestrast werden. Der Strafgesetzausschuß des Reichstag» beriet gestern die Be- stimiwmigen über die Verleitung zum Selbstmord. Nach Z 248 soll derjenige mit Gefängnis bestraft werden, der einen anderen oerleitet, sich selbst zu töten. Abg. Dr. R o s e n f e l d(Soz.) wandt« sich gegen den§ 248, da nach geltendem Gesetz Verleitung zum Selbstmord straflos fei und ein Bedürfnis, Bestrafung eintreten zu lassen, nicht hervorgetreten fei. Vor allem fei es notwendig, die jetzt bestehend« Strafbar» keit der Sterbehilf« zu beseitigen oder wenigstens einzu« schränken. Wenn jemand im Sterben liege und wegen qualvoller Schmerzen den Wunsch habe, daß seinem Leben ein Ende gemacht werde, dürfe Bestrafung nicht eintreten. Dem leidenden Tiere werde niemand den Gnadenstoß versagen. Dem Menschen aber dürfe nach dem Strafgesetz die Erlösung von seinen Schmerzen nicht zuteil werden. Wenn ein Arzt den Sterbenden dem quala ollen Todes- kämpf überlassen müsse, so könne solche gssstzlich« Regelung nicht befriedigen Gewiß würden vernünstiae Aerz:« dem Sterbenden ohne Rücksicht aus das Strafgesetz helfen. Dann liege ab«r ein unerträglicher Widerspruch zwischen Rechtsempfinden und Mensch vor, und solch« Widerspruch« dürfe das kommende Strafrecht nicht übernehmen. Gewiß sei anzuerkennen, daß bei Freigabe der Sterbe- Hilfe ein« große Macht in die Hand des Arztes oelegt werde: es gäbe aber, zum Beispiel, bei Kreb, und Tuberkulose, Fälle völliger Aussichtslosigkeit, und irt solchen Fällen müsse dem Kranken Hilfe werden. Ein Liebesakt. wie ihn in manchen Fällen die Darreichung von Gift darstelle, dürfe niemals slro'.or sein. Abg. Kahl wendet sich gegen die Anregung, Sterbehilfe stras» los zu lassen. Eine solche Straslosigkeit lief« geradezu auf«ine Her- aussorderung zur Tötung hinaus und das müsse man ablehnen. Abg. Dr. Moses(Soz.) gab zwar zu, daß es sür die Aerzte nicht immer möglich sei, mit Sicherheit vorauszusagen, wann der Tod eines Kranken«intreten würde. Es gäbe aber Fälle, wo man den Tod mit einer an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit vor- aussagen könne und in solchen Fällen sei es wünschenswert, daß Sterbehilfe straflos geleistet werden könne. Wer. wie er,»6 Jahre als praktischer Arzt gewirkt habe, der hat in vielen Fällen am Sterbebett gestanden und sich gefragt, ob er nicht dem Leben eines schwer Leidenden und unrettbar Verlorenen ein Ende machen und Ihn von seinen Qualen erlösen solle. Auch er Hab« in vielen Fällen St-rvchilse geleistet und«« habe ihn nicht beschwert, ob er sich damit strafbar gemacht habe. Er Hab« dann zur Linderung der Schmerzen Morphium gegeben, obwohl er wußte, daß durch die großen Dosen Morphium die Lebensdauer abgekürzt würde. Oft drängten die Angehörigen von Menschen, die im Todes- kämpf leben, auf Verabreichung von Morphium. E? fei gewiß wünschenswert, eine den Arzt vor Bestrafung Ichützeud« Bestimmung in das Strafgesetz hineinzunehmen. Oft sei es menschlicher, Sterbe- Hilfe zu leisten, als den Menschen seinen Qualen zu überlassen. In der weiteren Aussprache wendeten sich die Vertreter des Zentrum«, der Bayerischen Volkspartci und der Deutschen Volks- parte! gegen die Anregung, Stexbehilfe straflos zu lassen. Ministerialdirektorie Nachricht von dem Tode Adolf Brauns hat uns mit tiefer Betrübnis erfüllt. Der Verlust, den die Arbeiterbewegung durch das Dahinscheiden dieses Mannes erlitten hat, ist groß. Er trifft die Sozialdemokratische Partei, in deren Diensten sich seine unschätzbare Kraft verzehrte, er trifft aber nicht minder auch die Gewerkschaftsbewegung. Denn Adolf Braun verkörperte in der Leistung seines ganzen Lebens wie kaum em anderer die Einheit der Arbeiterbewegung. Sein Herz und feine Tatkraft gehörten der Partei wie d-n Ke. werkschaften. Er besaß in unübertrefflichem Maße die Fähigkeit und den Willen, die besondere Bedeutung und Lage der Gewerk- schaften aus der Eigenart ihrer Aufgaben und Lebensbedingungen zu begreifen und dieser Eigenart gerecht zu werden: er hat durch seine Studien über die Gewerkschaftsbewegung in Schrift und Rede unendlich viel zur Verbreitung von Kenntnissen über die Wesens- cigenart der Gewerkschaften geleistet. Mit Dankbarkeit zählen wir seine Schriften zum unentbehrlichen Grundstock der Lite- ratur unserer Bewegung. Im Namen der gesamten deutschen Gewerkschaftsbewegung, in der die Erinnerung an den verstorbenen Führer durch Generationen hindurch lebendig bleiben wird, sprechen wir dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu dem Tode Adolf Brauns unsere aufrichtige Teilnahme aus und knüpfen daran die Bitte, den Ausdruck unseres Beileids auch den Hinterbliebenen des Toten zu übermitteln. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunde». L e i p a r t." Männerchor»Fichte-Georginia". Der Parteivorstand hat uns den Auftrag erteilt, bei der Beerdigung des Genossen Adolf Braun zu singen. Die Mitglieder werden hiermit gebeten, sich am Donnerstag. dem 16. Mai. nachmittags 3>4 Uhr, zahlreich und pünktlich am Portal der Leichenhalle einzufinden. Max Lehmann. Berliner Buchdrucker! . Llnterstüht nvr Amsterdamer Verbandtagskandidaten! In der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker morgen Donnerstag im Gewerkschaftshaus werden die Kandidaten zur Wahl von Delegierten zum Verbandstag in Frankfurt am Main aufgestellt. Die Kommunisten bieten alles auf, um für ihre Kandi- baten in der Generalversammlung die notwendige Unterstützung zu finden. Sie machen gegen den Verbandsvorstand scharf, der bei der letzten Lohnbewegung eine„brutal verräterische H ckl t u n g"(!) eingenommen habe. Bei der Derbandstagskampagne müsse das schädliche Verhalten der Verbandsinstanzen gebührend gebrandmarkt werden, ebenso die Nichtkündigung des Manteltarifs und der—„Verrat" bei der Frühjahrslohnbewegung 1928. Den Kommunisten wird es zur Pflicht gemacht, die Wahl sogenannter oppositioneller Buchdrucker zu sichern. Es ist notwendig, den Kommunisten einmal ihren eigenen Spiegel vorzuhalten. Gerade si« waren es, die die Berliner Buch- drucker bei der letzten Maifeier im Bunde mit den Gelben schmählich verraten haben. Obwohl auf einstimmigen Be- schluß der Berliner Generalversammlung vom 29. März in allen Betrieben in der Zeil vom 1. Mai 6 vhr morgens bis 2. Mal 6 Uhr morgens die Arbeit zu ruhen hatte, sind die fertigen Exem- plare der„Roten Fahne" am 2. Mai bereits vor 6 Uhr morgens im Straßenhandel verkauft worden. Daraus geht ein- wandfrei hervor, daß man sich in der kommunistischen Druckerei an die Arbeitsruhe nicht gekehrt, sondern gearbeitet Hai. Di« Bezirksversammlungen Anfang Mai haben diese Handlungs- weise der Kommunisten scharf verurteilt und vom Verband cner- gisches Einschreiten gefordert. In allen Bezirken wurde auch die aus der Moskauer Filiale stammende Entschließung mit Entrüstung abgelehnt, in der die f r e i« n G e w e r k s ch a s t e n und die Sozial- demokratische Partei aus Anlaß der blutigen Maioorgänge in Berlin in der unflätigsten Weise beschimpft wurden. Wer wie die Kommunisten durch Verrat und Besudelung der Gewerkschaften die Spaltung herbeizuführen sucht, ist nicht würdig, die Interessen der Buchdrucker zu vertreten. Deshalb müssen die Delegierten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung in der morgigen Generalversammlung vollzählig anwesend sein. Alle K a n- didatenoorschläge der sogenannten„Oppositio n", hinter der sich immer nur die Kommunistische Partei verbirgt, sind abzulehnen. Kein verantwortungsbewußter Delegiertsr darf aus irgendwelcher Rücksichtnahme oder Sympathie das ver- bandsschädigende Treiben der Opposition fördern. Die in den Bezirksversammlungen vorgeschlagenen Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung bieten die Gewähr für eine erfolgreiche und der Einheit der Organisation dienende Arbeit auf dem Derbandstag. Darum, Berliner Buchdruckerdelegierte: Unterstützt nur die Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschastsrichtungi Vertrauen zur Führung. Vorstand der Berliner Bauarbeiter wiederqewäblt. Die zu Montag abend nach den„Residenz- Festsälen" ein- berufene Generalversammlung der Baugewerkschaft Berlin des Deutschen Baugewerksbundes hatte den Vereinsvorstand neu zu wählen. Aus der übergroßen Zahl der Bezirke lagen Anträge vor, dem bisherigen Vorstand sür sein« Arbeit im verflossenen Geschäfts- jähr das Vertrauen auszusprechen und ihn in seiner alten Zu- sammensetzung wiederzuwählen. Nur wenige Bezirke hatten sür die Besetzung des Vorstandes andere Dorschläge gemacht. In ge- heimer Abstimmung wurden für den alten Vereinsoorstand. an dessen Spitze der Genosse D r ü g e m ü l l e r als 1. Vorsitzender und der Genosse Bruno Krause als 2. Vorsitzender standen, 297 Stimmen abgegeben. Gegen die Wiederwahl stimmten 34 Delegierte. Gegen die Wiederwahl der Revisoren erhob sich kein Widerspruch, so daß diese als einstimmig wiedergewählt gelten. Arbeitseinstellung an der Beltbrücke. Kopenhagen, 14. Mal. Nachdem durch den Lohnkonflikt die Erdarbeiten am Brücken- bau über den Kleinen Belt eingestellt sind, haben auch die Arbeiter am eigentlichen Brückenbau mit dem Streik gedrohk. so daß damit gerechnet wird, daß im Laufe von vierzehn Tagen die gesamte Arbeit am Brückenbau ruhen wird. In Unternehmer- kreisen ist man über den augenblicklichen Stand der Ding« sehr beunruhigt, da der Brückenbau, der zu einer unumgänglichen Not- wendigkeit geworden ist, nicht nur um ein weiteres Jahr hinaus- geschoben wird, sondern weil man den jetzt angekündigten Streik als Signal für«ine allgemeine Lohnbewegung aus diesem Gebiet ansieht.... f Arbeitsamt Ost! Heule, Uhr, in Schmidts Deselltchaftshaus, H Fllichtstr. 98, Versammlung aller SPD..Genossen. Tagesordnung: f f fcl ,.So»iaIdemoIratic und Staat." Aeserent: Kenoffc M. Heydemann. i g Zahlreiche» Desuch erwartet Der Frattionsvorstand. i 1 Ä�Freie Gewertscbasts-Jugend Groß-Verlin — vsuocn» cuorofficn: cioor. �ugcnoncim �OEcrfrc. Ii(iyauru» Bortrag: �Das Berufsuusbildunasgesetz".— Bavmschulenweg: eim Baumschulenweg, Ernststr. Ist. Neihenvortrag:„Führer der Ar- vegung. August Bebel und Wilhelm Liebknecht".— Weißensee: #• Heute, 19',i Uhr, tagen die Gruppen: Renlälla: Jugendheim Berg- ftrahe 2» lHof). Lichtbildervortrag:.Entwieklung de» Flugzeugwesens". — Süden. Südwesten: Etädt. Jugendheim Porckstr. Il lirabrit. gebelude). T"■.....~" Jugendheim deiterbewegung. Augu......... Gruppenheiin Weihensec, Partstr. 98. Bunter Abend. Humor und Frohsinn. Zentrum: Gruppenheim, Jugendheim, Zehdenicker Etr. 24—29. Vortrag:„Wie lese ich eine Zrihinz?"— Rordeing: Gruppcnhcim Sonnenburger Str. 20. Heiterer Abend. 0Iu<>endqruppe des?entralverbande6 der Anaestettten Heute, Mittwoch. 15. Mai, beginnen die Cpielabcnd« auf den städt. Sportplätzen und Spielflächen. Di« Spieltage der einzelnen Jugend» bezirke werden auf den Heimabenden belanntgegeden.— Heute, Mittwoch, finden folgende Verauftoltungen statt:«efnnddrunaen: Jugendheim Schön- ftedtstr. 1(Ledigenheim). Lichtbildervortrag:„Das rote Wien". Refcrenl: Georg Heildrunn.— Osten: Jugendheim Litauer Str. 18. Dortrag:„Wahl- shstrme der Länder". Refrent: Arthur Rachow.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerftr. 81. Dortrag:„Warum sind wir im ZdA.?" Referent: Otto Lamm.— Reulölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— 4. Bunter Abend.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 129. Dortrag:„Dud und Mädel". Referent: Fritz Weigelt.— Spandau: Jugendheim Lindenufer I. Dichterabend.— Pot». da«: Jugendherberge Rowawes, Priesterftrabe. Dortrag:„Einführung in die Rechtsgebiete". Referent: Werner Decker. verantwortlich N!r Politik: Dr. Snrt Setzer: Wirtfchatt: S. Klingclhöker; Sewerkfchaflsbeweguntz: I. Steiner; Feuilleton:«. K. DSlcher; Lokales and Sonlliaes: Fei»«arftidt: Anzeigen: lh»l»cke. sämtlich in»erlin Verlag: Vorwärts-Vcrlag GmbH.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buckidruckeret und Lerl-gsonNol« Paul Einger u So.. Berlin Sffi 69 Lindcnftratze 3. Hierzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". t vVv/; ' V£' 4 * 1 �is'PfingsisonnabencT auf jede9 halbe Pfund ßeiehel+ Quall-i-ä+sik'afFee - in FestpacUung= iu Mfö.• QP® oder» >cnr Ä fc* 5 über 150 eigene Laden 7lr. 222* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwarls Mittwoch, 46. Mai 4S29 Zeuge Hoelzner vor dem Eid. Dramatisches aus dem Oujardin-Prozeß. Insterburg, 14. Mai.(Eigenbericht.) Im weiteren Verlauf der Zeugenvernehmung betonte Rechtsanwalt Krause, der von seiner Schweigepflicht entbunden worden war, als Zeuge, daß Hoelzner, der sehr erregbar sei, ihm den nächt- lichen Zwischenfall und die Prügelei erzählt habe. Er habe dem Mann gesagt, daß er sich mit der Mißhandlung bei einer Eheschei- dung ins Unrecht gesetzt habe. Außerdem Hab« er die Ve- fürchtung gehabt, daß bei der Scheidung die Mordaffäre wieder ausgerollt worden wäre. Er riet deshalb zu einer Verständigung. Später habe Hoelzner ihm erzählt, daß er Freunden gegenüber seine Erzählungen übertrieben habe, um eventuell Material, gegen seine Frau in der Hand zu haben. Der Zeuge war von der Unschuld der Frau Iaquet überzeugt, aber auch Dujardin, der sehr klar war, beteuerte stets seine Unschuld. Das Gericht hörte dann den jetzigen Landgerichtsrat D i e t» r i ch, der zur Zeit der ersten Instanz Anklagevertreter war. Der Zeuge erklärte, Dujardin habe nur einen Moment den Kopf ver- loren. als der damalige Vorsitzende ihm eröffnete, daß das Gericht auf Mord erkennen könne. Regierungsrat Kopp: Ich verstehe nicht, Herr Zeuge, daß das Erschrecken eines Angeklagten Sie in Erstaunen gesetzt hat, als diesem Verurteilung wegen Mordes und damit verbunden„Hinrichtung" vor Augen gehalten wurde. Zeuge: Dujardin fing an zu überlegen. Regierungsrat Kopp: Natürlich, er muhte überlegen, denn der Vorsitzend« erwartete doch eine Antwort. Vors.: Jedenfalls, Herr Zeuge, ist das nur Ihre Ansicht. Sie kann ja richtig oder falsch sein. Nach der Mittagspause wurde der ehemalige Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Schandau, vernommen. Staatsanwalt: Hat Dujardin Ihnen jemals ein Geständnis ab- gelegt? Zeuge: Niemals. Er hat stets energisch seine Unschuld beteuert. Dann wurde unter allgemeiner Spannung der Ehemann der Arau hoelzner, Paul hoelzner, als Zeug« ausgerufen, der vom Vorsitzenden besonders ernst aus seine Pflicht, die Wahrheit zusagen, hingewiesen wurde. Der Vorsitzende kam alsbald auf die ernsten Zerwürfnisse Hoelzners mit seiner Frau zu sprechen. Der Zeug« schilderte, daß er spät abends nach Hause gekommen und mit seiner Frau in Streit geraten sei. Beide hätten sich geschlagen. Vors.: Zeugen sagen, daß Ihre Frau Sie so gewürgt habe, daß die Merkmale deutlich zu sehen waren. Zeuge: Las ist nicht richtig, meine Frau hat mir nur die Arme gedrückt. Ich l>abe die Sache schlimmer dargestellt, um im Falle einer Scheidung nicht alimentieren zu müssen. Meine Frau hat ja bei der Prügelei auch etwa? abbekommen. Vors.: Hören Sie mal, die Zeugen bekunden, daß'Ihre Frau tagelang liegen mußte, daß ihr die Haut am Kopf herunter hing und der ganze Körper braun und blau war. Das ist doch wohl mehr als „etwas". Di- unmenschlichen Mißhandlungen der Frau müssen doch«inen Grund gehabt haben? Z« u g«: Ich war eben betrunken. Vors.: Anderen haben Sie erzählt, daß Ihre Frau Ihnen eine Schnur um den Hals gelegt habe? Zeuge: Das ist ausgeschlossen! Vors.: Dann haben also die Zeugen hier«inen Meineid geleistet? Zeuge(nach langer Pause): Ja. Ich habe auch nicht gesagt, daß meme Frau mir«m Geständnis abgelegt hat. A or j.: So weit sind wir ja noch gar nickst. Sie haben doch ober nach der Prügelei die Polizei benachrichtigen wollen. Warum denn? Z e u g e(stotternd): Ich dachte, meine Frau würde die Oberhand bekommen wegen der Prügelei, deshalb ging ich ja auch auf lange Wochen weg. Ich fürchtete, meine Frau würde sich scheiden lassen. Vors.: Dann hatten Sie doch erst recht zu Hause zu bleiben, um Ihre Frau zu versöhnen. Zeuge: Ich war eben zu aufgeregt damals. Der Zeuge, der sich fortwährend in Widersprüche oerwickelte, schilderte weiter, daß sein Freund Klemens, dessen Aussagen am Vormittag Sensation erregten, aus egoistischen Motiven falsche Ge- rächte ausgesprengt habe. Vors.: Zeuge, Sie stehen unter Eid! Sie können auf solgende Frage die Antwort verweigern: haben Sie gesagt, daß Sie mit einer Mörderin nicht zum Abendmahl gehen? Zeuge: Davon weiß ich nichts.(Große Bewegung.) Vors.: Herr Zeuge, Sie sind in einer sehr prekären Lage, wie ich zugebe. Sie müssen aber an die Verantwortung Ihrer Aussage denken. Können Sie das gesagt haben? Zeuge: Ich kann es nicht gesagt haben. Vors.: Es ist doch aber klar, daß der andere so etwas sich gemerkt hat. Das ich doch eine furchtbare Bekundung eines Ehe- mannes über seine Frau. Aus welchem Grunde soll der Zeuge etwas Falsches bekundet haben. Zeuge: Ich würde doch dann mit meiner Frau nicht einen Tag länger zusammengeblieben sein. Vors.:„Ihre Frau soll oft nachts fromm« Lieder gesungen haben und sie haben Clemens gesagt, daß Ihnen bei dem nächtlichen Singen immer unheimlich wurde." Zeuge(sich das Gesicht trocknend): „Ich____ vielleicht____ möglich." S t a a t sa n w.:„Wahrscheinlich hat der Zeuge es so gemeint..." Vors.:(scharf): ,�«rr Staats- anwalt, ich bitte, Ihre Fragen für später aufzubewahren. Sie durchkreuzen stets meine besten Absichten. Herr Zeuge, haben Sie ihrem besten Freunde Clemens nicht gesagt, daß er die Staatsanwaltschaft alarmieren solle, wenn Ihnen etwas passiere?" Zeuge:„Ich kann mir so etwas gar nicht denken... Vors.: ,�at Ihre Frau Ihnen über eine Beteiligung an der' Mordsache Iaquet Andeutungen gemacht? Sie können die Antwort verweigern." Zeuge:„Niemals, ich bin irberzeugt, daß meine Frau nichts damit zu tun hat." Vors.:„Also warum machten Sie Ihrem besten Freunde solche gräßlichen Andeutungen?" Zeuge:„Ich halte das für ausgeschlossen." Vors.:„Haben Sie nicht einmal von ihrer Frau„Lebensöl" bekommen, nach dem Sie erkrankten. Haben Sie Ihrem Freunde Clemens nicht gesagt, nur ihre Pferdenotur habe Sie gerettet?" Zeuge:„Möglich' Vors.: „Also muß ich zusammenfassend feststellen, daß von all den furchtbaren Beschuldigungen, die Sie dem Elemens und anderen Leuten über Ihre Frau gemacht haben, nichts in Ihrem Gedächtnis hasten geblieben ist." Der Zeuge schweigt. Die im Anschluß hieran vernommene Ehefrau des Kaufmanns Clemens schilderte die Zerwürfnisse des Ehepaares Hoelzner ähnlich so, wie ihr am Vormittag vernommener Mann. Sie fügte noch hinzu, daß Hoelzner bei dem ersten Versöhnungsversuch große Angst vor seiner Frau gehabt habe und vor dieser in die Ecke geflüchtet sei, wobei er schützend einen Arm vor das Gesicht hielt. Der Vor- sitzende stellte der Zeugin den Ehemann Hoelzner gegenüber, der sich jedoch wieder an nichts erinnert und behauptete, daß die Zeugin aus Gehässigkeit gegen ihn aussage. Der Vorsitzende ver- warnt« daruf den Zeugen Hoelzner auf das eindringlichste vor der Vereidigung, da ein leichtfertiger Eid sein Leben zerstören würde und es hier um das Schicksal von mehreren Menschen gehe. Der Zeuge Hoelzner, der nun erklären sollte, ob er seine Aussage noch in einzelnen Punkten zu korrigieren habe oder ob er über die Fäll«, die seine Frau in so furchtbarer Weise belasten, die Aussage verweigern wolle, überlegte minutenlang, wobei er in furchtbarster Erregung immer wieder von Kopf und Gesicht den Schweiß abwischte. Der Zeuge, der genau wußte, daß von seiner Entscheidung das Schicksal seiner Gattin abhängt, konnte mit sich nicht ms Reine kommen. Aus diesem Grunde ge- währte das Gericht— eine große Seltenheit— ihm eine Ueber- leguzrgszrjst.his zum Donn.erztag moxgxn. Dann soll' Hoelzner erklären, was er unter seinem Eide bekunden will und was nicht."........"•' Am Dienstag, dem 21. Mai, 3. Pfingstfeiertag nachmittags 2 Uhr Pfingstausflug aller Parteigenossinnen nach Sadowa In„Pferdebucht*' und„Sanssouci" Kaffeekochen Fahrvorbinduno mit der Stadtbahn bis Sadowa oder mit der Straßenbahn bis CÖDeniok und von da mit der Linie 83 bis Mahl8dorf-SCid. Das Frauensekretariat Professor Einstein verzichtet. Seutfchnationale wollen Berlin in der Welt blamieren. Wie wir bereits berichteten, hat die deulschnalionole Fraktion der Stadtverordnetenversammlung in der letzten geheime» Sitzung die Schenkung der Stadl Berlin an Professor E i n st e i n durch Obstruktion und durch die Drohung mit der Beschlußunfähigkeit der Versammlung zu sabotieren versucht. Pros. Einstein hat daraufhin in einein Schreiben an den Berliner Magistrat gebeten, die weiteren Bemühungen um die Schaffung eines Ruhesitzes für ihn einzustellen. Nach all den Irrungen und Wirrung«», die das Einstein- Geschenk der Stadt Berlin bisher erfahren mußte, Ist dadurch die Gefahr heraufbeschworen worden, daß der Antisemitismus und die Berlinfeindlichkeit einer kleinen oppositionellen Gruppe von Stadtverordneten die beabsichtigte Einstein-Ehrung völlig unmöglich macht. Es besteht aber die begründete Hoffnung, daß trotz der deutschnationalen Obstruktionsvcrsuche die Angelegen- heit in freundschaftlichem Einvernehmen mit der Familie Einstein geregelt werden wird. Denn es wäre geradezu verhängnisvoll, wenn es dem blöden Antisemitismus der Deutschnationalen gelingen sollte, einen Mann von Weltruf und Weltrnhm den Ausenthalt in Berlin zu verekeln. sZeppelin-Fahrt verschoben. Start voraussichtlich erst. Donnerstag früh. Friedrichshafen, 14. Mai. Der für die Morgenstunden des heutigen Mittwoch geplante Aufstieg des„Graf Zeppelin" zu seiner abermaligen Amerikareise mußte im Laufe des gestrigen Rachmittags wieder abgesagt werden, da die Wettermeldungen vom Allantik äußerst u n g ü n st i g lauteten, lieber dem Ozean tobt zur Zeit ein O r k a n, dessen Abslauen zunächst abgewartet werde» muß. Die Entscheidung darüber, wann der Start erfolgen soll, wird im Laufe des heutigen Mittwoch an Hand der zu erwartenden Wettermeldungen gefällt wer- den, doch rechnet man vorläufig mit der Abfahrt kaum vor Donnerstag früh. 2m übrigen sind die Vorbereitungen für die Amerika- sahrl des Zeppelin bis ins Letzte getroffen, die Passagiere sind zur Stelle, Post und Fracht im Innern des Schiffes verstaut, welche Route das Luftschiff über den Allantik nehmen wird, wird sich je nach der Wetterlage erst im letzten Augenblick, vielleicht auch erst während der Fahrt über dos europäische Festland entscheiden. Für die für den Sommer geplante große Weltreise des „Graf Zeppelin" sind bereits die ersten Luchungen zum preise von 7 0 0 0 Dollar für den Platz bei der hapag erfolgt. Aus Frankreich ist, wie TU. in letzter Stunde meldet, beim Luftschissbau die Bewilligung zur Ueberfliegung französi- scheu Gebietes in der Zeil von 7 bis 9 Uhr früh cinge- getroffen. Durch diese unverständliche Zeitbeschränkung ist der Start des„Zeppelln" am Mikkwochmittag aussichtslos geworden. Wahrscheinlich wird das Luftschifs erst am Donnerslog in aller Frühe zn seinem Flug« aufsteigen können. Hastbefehl gegen Roiar Cohn. Oer Llnterschlagung und llrkundenvernichiung bezichtigt. Aus Antrag der Staalsanwaltschast ist gegen den Rechtsanwalt Dr. Karl Cohn die Voruntersuchung eröffnet worden. Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, in seinem Amte als Rolar Mandantengelder unterschlagen und aus Gewinnsucht ihm amtlich anvertraute Urkunden vernichtet zu haben. Da der Rechtsanwalt mit seiner Ehefrau seit dem 2S. April d. Z. offenbar flüchtig ist. hat der Untersuchungsrichter Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die Rechtsanwälte, die mit Dr. Karl Cohn nur die Bureaus gemeinsam hallen, stehen der Angelegenheit völlig fern. 9ack Xondon; 30) (Berediügle Uebeneizung oon Erwin Magnus). In diesem Winter des Jahres 1896 wuchs Dawson mit reißender Schnelligkeit. Daylight vertaufte Grundstücke, und das Geld strömte ihm zu. Er legte es stets wieder an, so daß es noch mehr brachte. In der Tat spielte er das gefähr- liche Spiel, Unternehmen auf Unternehmen zu häufen, und das ist nirgends gefährlicher als in einem Goldsucherlager. Aber er spielte mit offenen Augen. „Wartet nur. Iungens, bis der Goldfund draußen be- tannt geworden ist," sagte er zu seinen alten Freunden in der Wirtschaft„Zum Elchgeweih".„Wartet nur bis zum Frühjahr, dann werdet ihr sehen, wie sie kommen. Erst eine Ahteilung zum Sommer, wie sie standen und gingen, dann eine zuni Herbst, schon besser ausgerüstet, und im nächsten Frühsahr wieder eine Abteilung oon fünfzisitausend Mann, Nor lauter Chechaquos könnt ihr die Erde nicht mehr sehen. Und das ist erst der Anfang. Was wollt ihr machen?" „Was willst du machen?" fragte einer seiner Freunde, „Nichts," antwortete er.„Ich habe selbstverständlich schon meine Vorbereitungen getroffen. Ein Dutzend Leute habe ich den Jukon hinaufgeschickt, um für Bauholz zu sorgen. Wenn der Fluß aufbricht, sollt ihr Flöße zu sehen kriegen. Die Häuser? Die werden gerade so viel wert sein, wie die Leute im nächsten Herbst dafür zahlen können. Die Holzpreise werden bis in die Wolken steigen. Ich erwarte zwei Sägemühlen, die über die Pässe kommen, sobald die Seen eisfrei sind. Und wenn ihr glaubt, daß ihr Holz braucht, so will ich jetzt schon mit euch abschließen— drei- hundert Dollar für taufend Stämme, roh." Gut belegene Eckgründe wurden in diesem Winter für zehn- bis dreißigtaufetzd Dollar verkauft. Daylight sandte den Neuankömmlingen über die Pässe Nachricht entgegen, daß sie Holz mitbringen sollten: infolgedessen arbeiteten seine Sägcmühlcn im Sommer Tag und Nacht in drei Schichten, und er behielt noch Holz genug übrig, um Blockhütten zu bauen. Diese Hütten wurden mst dazugehörigem Grundstück für ein bis mehrere tausend Dollar das Stück verkauft. Die eingehenden Gelder wurden sofort wieder in anderen Unter- nehmungen angelegt. Er wandte und drehte das Gold, bis alles, was er anfaßte, sich in Gold zu verwandeln schien. Aber dieser erste wilde Winter nach Earmacks Fund lehrte Daylight vielerlei. Trotz seiner verschwenderischen Veranlagung verlor er nicht das Gleichgewicht. Er sah die wilde Vergeudung der neuen Millionäre und konnte sie durchaus nicht verstehen. Zwar widersprach es nicht seiner Natur und seinen Anschauungen, einmal alles auf eine Karte zu setzen und in einer Nacht durchzubringen. Das hatte er selbst in jener Poternacht in Circle City getan, als er fünfzig- tausend— alles, was er besaß— verlor. Aber die fünfzig- taufend hatte er nur als den Beginn von etwas Größerem betrachtet. Wenn es um Millionen ging, dann war es etwas anderes. Ein solches Vermögen durfte man nicht auf den Boden der Wirtshäuser ausstreuen, wie die neuen Millio- näre, die allen Sinn für die Wirklichkeit verloren hatten, es buchstäblich mit dem Inhalt ihrer Elchlederbeutel taten. MacMann zum Beispiel machte in einem Wirtshaus eine Zeche von dreißigtausend Dollar: und der grobe Iimmie brauchte hunderttausend monatlich, um vier Monate in Saus und Braus zu leben, bis er schließlich in einer Märznacht betrunken in den Schnee fiel und erfror: und Wasserfall-Bill, der drei wertvolle Claims mit seinen wahnsinnigen Aus- fchweifungen durchgebracht und sich dreitausend leihen mußte, um fortzukommen, hatte er hundertundzehn Dutzend Eier, die der Markt von Dawfon aufwies, für vierundzwanzig Dollar das Dutzend aufgekauft und dann seinen Wolfshunden vorgeworfen, nur weil eine junge Dame, die ihn genasführt, gerne Eier aß. Champagner wurde zu vierzig und fünfzig Dollar die Flasche verkauft, Dosenaustern zu fünfzehn Dollar. Daylight machte diesen Wahnsinn nicht mit. Er hatte nichts dagegen, die ganze Wirtsstube mit Whisky zu fünfzig Cent das Glas zu traktieren, aber irgendwo in seiner ausschweifenden Natur lehnte sich ein Sinn für Schicklichkeit und Rechenkunst dagegen auf, fünfzehn Dollar für den Inhalt einer Austerndose zu bezahlen. Andererseits gebrauchte er vielleicht mehr Geld, um Leuten zu helfen, die sich wirklich in Not befanden, als die neugebackenen Millionäre für ihre sinnlosen Ausschweifungen, Vater Iudge am Hospital hätte oon weit wertvolleren Ge- schenken als den ersten zehn Sack Mehl erzählen können. Aber fünfzig Dollar für eine Flasche Champagner! Das war un- finnig, Und doch konnte er gelegentlich noch eines seiner asten, lärmenden Feste geben. Aber er tat es aus anderen Gründen. Man erwartete es von ihm, weil es so seine Art seit alters her gewesen. Und dann konnte er es'sich leisten. Aber er machte sich nicht mehr soviel aus dieser Art Zerstreuung. Sein Machtgefühl hatte sich in einer anderen Richtung entwickelt. Es war zur Begierde geworden. Obgleich er bei weitem der reichste Minenbesitzer in Alaska war, wollte er doch noch reicher werden. Cs war ein hohes Spiel, das er spielte, und er liebte es mehr als sonst irgend etwas. Auf gewisse Weise wirkte er schöpferisch. Er tat etwas. Eine andere Seite in seiner Natur wurde angeschlagen, aber er konnte über eine gelungene Millionenspekulation in Eldorado Claims nie die gleiche Freude fühlen wie beim Anblick seiner arbeitenden Sägemühlen oder der großen Flöße, wenn sie den Fluß hin- abfahren sollten und sich in dem großen Wirbel oberhalb der Moofehide Mountain gegen das Ufer schwangen. Gold war selbst in der Wagschale nur ein abstrakter Begriff. Es re- präsentierte andere Dinge, verlieh die Macht, etwas zu schaffen. Aber die Sägemühlen waren die Dinge selbst, sie waren konkret und greifbar, und man konnte weitere Dinge mit ihnen schaffen. Sie waren Wahrheit gewordene Träume, die unzweifelhafte Verwirklichung eines Märchens. Mit dem Sommerzustrom von draußen kamen die Be- richterstatter der großen Blätter und Zeitschriften, und alle schrieben sie in erster Linie über Daylight. Er wurde für die Welt die mächtigste Gestalt Alaskas. Als einige Monate später der spanische Krieg ausbrach, vergaß man ihn natür- lich darüber, aber in Klondike selbst blieb Daylight ständig die hervorragendste Persönlichkeit. Wenn er die Straßen von Dawson durchschritt, wandte sich jeder Kopf, üm ihm nach- zusehen, und in den Wirtschaften betrachteten ihn die Che- chaquos ehrfurchtsvoll und ließen ihn kaum aus den Augen, solange er in Sicht war. Er war nicht nur der reichste Mann im Lande, nein, er war Burning Daylight, der in der ersten Frühzeit dieses jungen Landes über den Chilkoot den Pukon hinabgekommen war, um die älteren Giganten, Al Mayo und Jack MacQuestion, zu treffen. Er war der Burning Day- light von Hunderten wilder Abenteuer, der Mann, der der eingefrorenen Walfängerflotte Botschaft über die öden Tundren gebracht, der im Laufe von sechzig Tagen die Post von Circle City nach Salt Water und zurück gefahren, der im Jahre 1891 den ganzen Tanana-Stamm vor dem Hunger- tode gerettet hatte, kurz, der Mann, der die Phantasie der Chechaquos stärker in Anspruch nahm als ein Dutzend anderer Männer auf einmal.(Fortsetzung folgt.) Auf gemeinsamer Schulbank. Ein Vorstoß gegen die weltlichen(Schulen. Der ZZorsäilag, in den Schulen die Jungen und die Mädel gemeinsam zu erziehen, ist keine Erfindung der neuen Zeit. Wenn in Dörfern oder Kleinstädten die Zahl der Schulkinder nicht aus- reichte, getrennte Klassen für Knaben und für Mädchen ein- zurichten, beHals man schon immer sich mit„gemischten" Klassen für Knaben und Mädchen zusammen. Auch in Berlin hat man bei .zunächst schwacher Besetzung neu entstehender Schulen und besonders bei katholischen Schulen mit geringer Kinderzahl die„gemischten" Klassen stets für zulässig gehalten. Das Geschrei über die a n g e b- liche„Gefährlichkeit" solcher Klassen ist erst laut geworden, seit die Freunde der weltlichen Schule die gemeinsame Er- Ziehung von Jungen und Mädeln aus pädagogischen Grün- den fordern und die weltlichen Schulen sich bemühen, diese Forderung zu ersüllen. Jetzt kommt die Nachricht, daß im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Gemeinschaftserziehung als nicht unbedenklich angesehen wird, und den weltlichen Schulen von der Mittelstufe ab die Rückkehr zu dem Grundsatz der Ge'chlechtertrennung auferlegt werden soll. Gestützt auf eine Ministerialverfügung hat in Berlin das Provinzial- schulkollegium angeordnet, daß in den weltlichen Schulen die Geschlechtertrennung von der Mittelstufe ab durchgeführt werden soll. Die Schulverwaltung der Stadt hat Einspruch hiergegen erhoben und gebeten, nochmals zu prüfen, ob dieser Schritt nötig ist. Einstweilen ist daher die Durchführung unter- blieben. Nur in den beiden weltlichen Schulen des Bezirkes Friedrichshain, die in der Diestelmeyerstraße untergebracht sind, war unter Hinweis auf die Anordnung des Prooinzialschul- kollegiums bereits eine entsprechende Anweisung an die Schulleiter ergangen. Man darf wohl erwarten, daß auch hier Zurücknahme erfolgt. Lehrerschaft und Elternschaft der betroffenen Schule fordern die Zurücknahme und haben das dein Provinzialschulkollegium mitgetellt, aber bisher ist keine Antwort gekommen. Warum hat nicht das Provinzialschulkollegium, bevor es zur Durchführung der Ministerialverfügung schritt, die Berliner Schulverwaltung in Kenntnis gesetzt? Jahre hindurch hat die G e- meinschaftserziehung der weltlichen Schulen sich bewährt, und die Erfahrung spricht dafür, sie beizubehalten. Das eilige Vorgehen des Provinzialschulkollegiums hat der Berliner Schulverwaltung die Möglichkeit genommen, rechtzeitig ihre Bc- denken zu äußern. Wir halten für selbstverständlich, daß die An- ordnung wieder ausgehoben wird. Oer Schnellverkehr auf der Ringbahn. Keine Dampflokomotive mehr im Stadt- und Ztingbetrieb. Mit Beginn des Sommalte in Westend, die dort durch den Lokomotivwcchsel verursacht wurden. Die gegenwärtig bestehenden Zngläüfe haben sich bewährt, danim soll an ihnen vorläusig nichts geändert werden. Während des Berufsverkehrs ist ab 13. Mai die Zugfolge er- deblich dichter. Der hauptsächlichste Vorteil-jedoch wird die Verkürzung der Fahrzeiten sein, die rund 25 Prozent beträgt, teilweise sogar mehr. Man kann z. B. fahren: Von Pots- damer Bahnhof über den Ring bis Potsdamer Bahnhof in 78 Mi- nuten(bisher in 106 Minuten), von Wilmersdors bis Jungfernheide in 14 Minuten(bisher in 26), von Jungfernheide bis Weißcnsce in 18 Minuten(bisher in 23), von Gesundbrunnen bis Hermann- straße in 27 Minuten(bisher in 35), von Frankfurter Alle« bis Potsdamer Bahnhof in 28 Minuten(bisher in 37). Zu beachten ist, daß beim Umsteigen in Westend vom 15. Mai ab die Bahn- steige nicht mehr gewechselt zu werden brauchen. In der Geschichte des Berliner Verkehrs bedeutet demnach der heutige 15. Mai zugleich Ende eines wichtigen und bedeutsamen und Anfang eines ebenso wichtigen neuen Abschnittes. Moiorradunglück auf der Heerstraße. Zwei Tote und ein Verlehter. « zi&jir-tC— c �.. y. yrr. a.ööwfrv-; Auf der Heerflraß e in der Röhe von Vif Helm'»- höhe stieß gestern ein Privatauto mit einem TNolorrad- fahrer, der auf seinem Soziussitz einen Begleiter mit sich führte, in vollem Tempo zusammen. Der Anprall war so heftig, daß das Motorrad völlig zertrümmert wurde und der Führer sowie sein Begleiter in hohem Vogen auf das Straßenpflaster geschleudert wurden. Beide erlitten so schwere Schädelverlehungen und Knochenbrüche, daß der Tod aus der Stelle eintrat. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt und in die Spandauer Halle übergeführt. Die amtliche Untersuchung wird nun festzustellen haben, ob die beiden tödlich Verunglückten— es handelt sich um den 30jährigen Alfred Heidelmann aus der Rostocker Straße 9 und den fünf- zehnjährigen Herbert Valentin aus der Gotzkowskystraß« 29— die Opfer des Privatwagenführers geworden, der, wie man an- nimmt, in unvorschriftsmäßiger Weise einen anderen Wagen über- holte und dabei in sehr scharfem Tempo zu weit aus die liick« Straßenseite geriet. Wie uns ein Augenzeuge mitteilt, kam in diesem Augenblick aus'entgegengesetzter Seite das mir zwei Per- jonen besetzte Motorrad heran, doch war es für den Führer des Rades nicht mehr möglich, rechtzeitig abzustoppen. Beide Fahr- zeuge stießen unter großem Krach zusammen. Der Führer des Privatautos, der 31 Jahr«, alte Ernst Wachhold aus der Riehlstraße 2 zu Eharlottenburg erlitt leichrer« Verletzungen und konnte nach Anlegung von Notverbänden im Spandauer Kran- kenhaus in sein« Wohnung gebracht werden. Die Leichen der Ver- unglückten wurden polizeilich beschlagnahmt. * Ein weiteres schweres Derkehrsunglück trug sich gestern abend .tn der Grenzstraße, die durch den Humbol'dthain führt, zu. Dort wurde ein älteres Ehepaar, dessen Name noch un- bekannt ist, von einem Motorrad sghrer überfahren und lebensgefährlich vorletzt. Die alten Leute wurden zur Rettungsstelle 10 und später in das Virchow-Krankenhaus geschafft, wo sie bewußtlos daniederliegen. Der Motorradfahrer und ein jugendlicher Begleiter, der auf dem Soziussitz mit- fuhr, erlitten bei dem Sturz vom Rade gleichfalls schwere Ver- l e tz u n g e n: sie fanden im Jüdischen Krankenhaus in der Exerzier- straße Ausnahme._ Die Sirafanträge im Kußmann-Caspary-prozeß. In der Berufungsoerhandlung gegen die sogenannten Barmat- Staatsanwälte Kuhmann, Caspary und P e l tz c r vor dem Großen Disziplinarsenat des Kammergerichts de- gönnen gestern die Plädoyers, und zwar sprachen zunächst die An- klagevertrcter Generalstaatsanwalt Rohde und Erster Staatsanwalt Weycrmann. Sie beantragten gegen Dr. Kußmann Verwerfung der Berufung, also Bestätigung der in erster Instanz ausgesprochenen Dienstentlassung, und gegen Landgerichtsrat Peltzer Verhängung einer Geldstrafe von 500 M. neben dem. im ersten Verfahren aus- gesprochenen Verweis. Hinsichtlich Dr. Casparys, dessen Verteidigung im Laufe der gestrigen Verhandlung die gegen den Verweis ein- gelegte Berufung zurückgezogen hatte, beantragten die Anklagever- treter selbst Verwerfung der noch schwebenden Berufung der Staats- anwallschaft. Am heutigen Mittwoch kommen die Verteidiger zu Wort und im Anschluß daran wird das Urteil gesällt werden. Kotsim lOr lalenrichfer, Schönen... Heute. Jlittwoch, den 15. Mal, abend« 71/, Thr, im Vortragssaal Lindenstr. 3. 2. Hof II, Vortrag des Oen Rechtsanwalt Rudolf Abraham Ober Jugendrecht und Jugend- Strafrecht. irMtnrtmaDngMchaia Der Zpreewald ist und bleibt eines der schönsten und eigen- artigsten Ausflugsziele. Er bietet den großen Vorteil, daß ihn mit Aufwendung nur weniger Mark auch alle die besuchen können, die aus irgendwelchen Gründen kerne Fußwanderungen unternehmen wolle» oder können. Nun hat sich im Jahre 1927 in Alt-Zauche ein Proletarischer Fährmannsverein gebildet, der sich zum Ziel gesetzt hat, Spreewald-Gesellschafts- und Einzelsahrten, die aus den Kreisen der Arbeiterschast vorgenommen werden, zu leiten und zu betreuem Zu Pfingsten werden Zwei- und Ein- tagsfahrten veranstaltet und zwar zu einem festen m ä- ßigen Satz, in dem Eisenbahnfahrt, Kahnfahrt und bei der Zweitagsfahrt auch die Bettübernachtung und Frühstück einbegriffen sind. Auskunft erteilt: H. Arlt, Berlin R. 58, Kremmener Str. 1 bei Biermann._ Familie seit 12 Tagen im Hausflur. Wieder ein erschütterndes Wohnungs-Elendsbild. Im Haufe Ruppiner Straße 29 in Berlin R. muß der Bantbeamte S. mit Frau und einem ganz kleinen Kinde— in kurzer Zeit erwartet die Frau wieder eins— im Hausflur kamkampieren. Die Leute bewohnten, gemeinsam mit der Vermieterin, im Hause eine Kochstube. Nachdem die Wirtin den Leuten noch kurz vorlzer die Kochstube überlassen hatte, um ganz zu ihren Kiribent zu übersiedeln, kehrte sie nach drei Tagen spät abends ganz unvermittelt zurück. Die Leute, denen doch die Kochstube gehörte, hatten Mitleid mit der alten Siebzigjährigen und nahmen sie wieder auf. Am 1. Mai, als der Mann die Miete zahlen wollt«, erklärte dix. Alte plötzlich' sie nehme die Miete nicht mehr an � die Kündigung war bereits erfolg)— und die Leute.müßten heraus. Alles gütliche Zureden- wor-vergeSetzs. und als die Leute keine Anstalten machten, die Wöhnung zu verlaisen, holte sich die Alte fünf Mann und ließ die Möbel ganz einfach aus der Wohnung schaffen. Run Hausen die armen Menschen seit dem 3. Mai samt ihrem Mobiliar im zugigen Hausflur. Alle Bittgänge und Gesuche beim Wohnungs- amt, Wohlfahrtsamt, Gesundheitsamt waren bisher erfolg- l o s. Das Wohnungsamt hat keine Wohnung, die anderen Behörden erklären sich nicht' für zuständig und geben den guten Rat, ins A s y l zu wandern. Dies geht schon aus dem Grunde nicht, weil die Möbel dann auf den Speicher müßten und der Möbelhändler, dessen Anspruch noch nicht voll gedeckt ist, dies nicht zuläßt. Der Mann ist feit l'A Jahren arbeitslos, außerdem leidet er an Nervenanfällen und ist fortgesetzt in ärztlicher Behandlung. Die Frau sieht in kurzer Zeit ihrer Niederkunft entgegen und im Kinderwagen sitzt ein kleines, kaum einjähriges Kind. Zimmer gibt es nicht, denn niemand will Leute mit einem kleinen Kinde nehmen, und dann kostet die Miete 40 bis 50 Mark. Was soll hier geschehen? Oder sollen die hilflosen Menschen etwa dauernd im Hausflur bleiben? Und bereitet sich hier nicht «ine Tragödie der Verzweiflung vor, die, wenn sie da ist, Entsetzen erregt und ein Mitleid, das dann zwecklos ist? Ziäuberleben eines Taugenichts. Ein Tleunzehnjähriger als Schrecken der Laubenbesiher. Vor dem Erweiterten Schöffengericht Neukölln hott« sich der 19jährige Arbeiter Herbert Kloß wegen Diebstahls in dreizehn Fällen, Sachbeschädigung und Beamtennötigung zu verantworten. Trotz seiner Jugend ist Kloß bereits erheblich vorbestrast und auch schon einmal aus Plötzensee entflohen, ebenso auch aus der Fürsorgeerziehung. Nach der letzten Entwcichung entwickelte er sich zu einem regelrechten Schwerverbrecher. Mit einer jugendlichen Freundin, die inzwischen verschwunden ist, hauste er nachts in Scheunen und trieb sich am Tage in den Wäldern herum. Den Lebensunterhalt erwarb sich das Pärchen durch Laubeneinbrüche in der Nähe von Neu-Schulzendorf. Sie plünderten die Lauben vollkommen aus, begnügten sich aber damit nicht allein, sondern hausten aus reiner Zerstörungslust in den Lauben wie Vandalen. 25 Zeugen bekundeten, daß die ausgeplünderten Lauben von den Einbrechern in unglaublicher Weise ver- w ü st c t worden waren. Die Wände waren beschmiert, Tische und Stühle zerschlagen und angebrannt, und das Geschirr zertrümmert. Als Kloß einmal von einem Laubenbesitzer überrascht wurde, und man bei der Verfolgung Schüsse hinter ihm abgegeben hAte, besaß er die Dreistigkeit, an die Gendarmerie einen Drohbrief zu schicken, in dem er mitteilte, daß er jeden niederschießen werde, der ihn ergreifen wolle,- er werde seine Freiheit bis zum Aeußersten verteidigen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren 3 Monaten, dos Gericht verurteilte ihn nur zu 1 Jahr und 3 Monaten Gejängnis, unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft. Kampf gegen die Vivisektion! Der Weltbund zum Schutze der Tiere und gegen die Vivisektion, der seinen Kampf meistens sehr bedacht und energisch führt, hatte in das Lehrervereinshaus zu einem Vor» tragsabend eingeladen. Die Vivisektion ist die Zerstückelung lebender Tiere, um des Experimentes willen. Es kommt vor, daß dem unbetäubten Tiere, damit es bei feiner Zerschneidung nicht schreien kann, einfach die Stimmbänder zerschnitten werden. Gegen derartige Grausamkeiten Pch zu wenden, ist das Recht und die Pflicht aller Tierfreunde. Ebenso wie sich ganz Heroorragende Wissenschaftler aus ihrer innersten Ueberzeugung heraus gegen den Tierversuch wenden, well sein Ergebnis, wenn es auf den Menschen übertragen wird, nach ihren ärztlichen Er» fahrungen zu Trugschlüssen führt, genau wie zahlreiche Menschen sich dagegen sträuben, daß Tiere den furchtbarsten Qualen unterworfen werden, nur damit ollgemein bekannte Tatsachen, immer und immer wieder, rein handwerklich, gezeigt werdgtz. Die Gegner der Vivisektion werden also in den breitesten Masten ihre wahren Freund« haben. Verfehlt für ihre Sache war aber der Vortrag des Dr. med. Z ie ge l r o t h aus Potsdam, der über falsche Volksernährung sprach und zum Vegetarismus auf- forderte, zumal man sehr gut Tierfreund und Fleischesser sein kann. Wir müssen dafür eintreten, daß der Auftrieb und die Tötung der Schlachttiere schmerzlos ist, aber die Rohkost lasten wir uns nicht als Weltanschauung vorschreiben. Tötung aus Fahrlässigkeit. Eine verworfene Revision. Am 21. Februar 1921 stürzte in FrankfurtamMain etn Lagerschuppen«in, der in ein Kino umgebaut werden sollte. Vier Arbeiter wurden getötet, zwölf wurden schwer verletzt. Die Strafkammer beim Landgericht in Frankfurt a. M erklärte den A r ch i de k t e n, der den Umbau geplant hatte und der ihn auch leitete, und den Konstrukteur, der die eisernen Dach» bindungen lieferte, aus ß 222 StGB, für das Unglück verant» w o r t l i ch und verurteilte am 2. November 1928 nach achttägiger Verhandlung den Architekten Richard Kaufmann und den In» genieur Heinrich F l a ch in Frankfurt a. M. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu je einem Jahr Gefängnis. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hat die von beiden Angeklagten eingelegte Revision kostenpflichtig verworfen. Die Fahrlässigkeit beider sei von der Strafkammer einwandfrei bejaht worden. Oie schönen neuen Kleider. Elli konnte der Versuchung nicht widerstehen. Statt den Kunden der Konfektionsfirma, bei der die Verkäuferin Elli S. tätig war, die neuen Modelle vorzulegen, suchte sie sich die hübschesten Sachen aus, versteckte sie und ging damit nach Feierabend um 4 Uhr aus ein stilles Oertchen. Hier zog sie das neue Kleid unter ihr altes und nahm auch Einwickelpapier mit. Dann suchte sie ein Warenhaus in der Nachbarschaft auf und kleidete sich hier in einer Toilette wieder um. Ihren ahnungslosen EUern erzählte das Mädchen, daß sie die vielen neuen Sachen billig bekommen habe, weil sie zurückgesetzt seien. Als man jetzt hinter chre Streiche kam. stellte es sich heraus, daß Elli nicht weniger als 20 neue Kleider gestohlen hat. Zum Teil hatte sie sie selbst getragen, zum Teil auch verkauft. Am Lebe» verzweifelt. In der Zorvdorfer Str. 47 spielt« sich gestern nachmittag eine Liebestragödie ab. In der Wohnung ihrer Mutter wurden dort die 18 jährige Arbeiterin Margarethe H. und ihr 21 jähriger Freund, der Arbeiter Bruno S. aus der Eckertstraße, im Schlafzimmer durch Gas vergiftet.tot aufgefunden. Der geplanten Eheschließung des jungen Paares stellten sich unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg, so daß sie beschlossen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Gestern nachmittag, als die Mutter sich für einige Zeit aus der Woh. iiung■entfernte, schritten sie zur Ausführung der unseligen Tat. In «irrt tu Hinterlassemst Schrelbegr' bittest sie ihr« Angehörigen, ihren schritt zu oerzeihen./ Einbrecherverfolgung im Hemd. In der vergangenen Nacht erwachte der Inhaber eines Wäsche» geschästes in der De t m o l d e r Straße von dem Klirren setner Schaufensterscheibe. Kurz entschlossen nahm er— im Hemd— die Verfolgung der Einbrecher auf, die bei seinem. Herannahen flüchteten. Er kqznte sie zwar nicht einholen, die Einbrecher warfen aber fast alles, was sie erbeutet hatten, unterwegs wieder weg, so daß der Geschäftsmann nur geringen Schaden erlitten hat. 3n die Filiale der Konsum-Genossenschaft in der Lindenalle« 53 zu W c i ß e n s e e drangen in der vergangenen Nacht Einbrecher ein und stalilen große Mengen Lebensmittel aller Art. Außerdem bohrten sie einen Wandtresor an und erbeuteten daraus für etwa 2000 Mark Spar marken. Mit diesen werden sie nicht viel anfangen können, denn die Marken, deren Nummern bekannt sind. wurden sofort gesperrt. Beginn des Sommerfahrplans am 15. Mai. In der Nacht vom 14. zum 15. Mai. um 0.00 Uhr. ist der Sommerfahrplan der Deutschen Reichsbahn in Kraft getreten. Neben dem großen Reichs- kurslnich. das wieder 6,50 M. kostet, hat die Reichsbahn fünf amtliche Kursbücher in handlichem Format herausgegeben und zwar je eins für Ost-, Mittel-, West-, Südwestdeutschland und Bayern zu je 1,50 M._ Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem H. Mal. 1. Rennen. 1. stalter IM. L erleil. 2. Automedon(Michaels). 9. Eigensinn(v. Borckes. Toto: 100 MO. Plate: 25, 23, 15: 10. sterner liefen: Graphit(4.), Begonie. Der Zutünflige, Frintrop, Heiliger Narr, Guilel. 2. Rennen. 1. Allenaulv. Horn). 2. Energie(Lt. Wimmer). 3. Kind der Liebe(Hr. Citasy. Toto: 19: 10. 3 liefen. 3. Rennen. I. Tarquiniud EuperbuS(Grabfch). S.TarquInia(Bleuler). 3. Augapfel iO. Schmidt). Toto: 81:10. Platz: 35, 25. 18:10. Ferner liefen: Mynheer(4.), Bunte Welt, RadameS. Persianer, Laute. 4. Rennen. 1. Marcellus iPintcr). 2. Prellflein(Hauser). 3. Markolf (Mlifchen). Toto: 40:10. Platz: 12, 12, 14: 10. Ferner liefen: Mariza(4), ManncZtreuc. Biumberg, Lall. 5. Rennen. 1. Namen(Lt. Wimmer). 2. Tornado(Hr. Onast). 3. Mac ZIdam(v. Hont). Toto: 20:10. Platz: 12, 15:10. Ferner liefen: Monholt(4.1, Rosenprinz. Girant. v. Rennen. 1. Hans Thoma(Hauseri. 2. Werden IH. Zachmann). 3. Sea Lord(Aiteimamn. Toto: 41:10. Platz: 17. 32, 25:10. Ferner Uesen: Füns Uhr>4.), Polillet. Truteig. Ecrtosina(gcs>. 7. R e n n c n. 1. Ping Pong(Pförlkc). 2. Genius(Rojik). 3. Beluga (Grabich). Tolo: 89:10. Plate: l9, 20, 13:10. Ferner Uesen: Leichte Jsabell(4.), Minna, Rinaldo,- Spala, Lclava, Felfenspitzc. iXrut iQ£MA, I cvtVvuieo- mit al&m, dtciwyyv jebxt yyteAAnjS�ryi, �Rat.'. /, daA-VuJlJft, l 65 hlt proöaZ. I f I gLo&W'. Ctafcmbingni für Wef« Stabril find Berlin SB 88, Einbeaftroge 3, parieinachrichien�� fürGroß-Vertin stet»«k de» Bceirltfctretariat 2. Hof, 2 Treppen recht». ,u richten. t. strri» Breu»la»er Werg. Vi« ssrnktionssttzang der ffreibenler am Witt. »och, Pappelallee 15, findet nicht statt. Die Fraktionsleitung. 5. strei» Frirdrich»hai». ltrelselternversanwilung der Ainderfreund», Be. ,irk Friedrichshain, am Donnerstag, 1«. Mai. 20 Uhr. in Schmidts De. fellschaitshavs, Fruchistr. ZSs. Tagesordnung: Sollen»ir strafen? Refe- rent: Genosse Maier. Diskufston. Verschiedenes. 13.«rei» Tempelhof. Mittwoch. 15. Mai. 1«!4 Uhr, Bezirk-verfammlung in Tempeldof. Lntenm Germaniostraste. 17. Krei» LiGtenberg. An der Beerdiaunz nnfere» verstorbenen Genossen Dr. Adolf Vraun nehmen alle Abteilungen mit ihren Bannern teil. Vecrd-gung ist am Donnerstaq. 15. Mal, 15� Uhr, auf dem Zentral- friedliof in Friedrichsfelde. Die 115. AM. stellt das ssreisbanner. Di« Abteilungen treffen sich eine Viertelstunde vorher, als» um 15 ih Uhr. heule. Mllwoch. 15. Mai: U., 15. und 18. Abt. Sanaesfreud'ge Genossinnen und Genosse, treffen sich heute um 20 Uhr bei Dahm, Binetaplatz 7, zwecks Gründung eine» Ge- fangpereines. 78 Abt. Wilgersdorf. Di« Vorstandssistnng fällt heut! aus. 82. Abt Stegllst. 5. und 8. Bejirt. 20 Uhr siahlabend hei Selir. Bismarck. ftrnste Mo. Vortrag:»Die weltliche Schule in Steglitz�. Ziefcrent: Hans Dauer. 135. Abt. staro». 20 Uhr Zahlabcnd hei Rlix, Vankarafenstr. 8. Vortrag: .Kommunale Fragen". Referent: Stadtverordneter Hermann Amberg. Margen. Donnerstag. 16. Mai: 38. Abt. Die Mitteilungsblätter müssen am Donnerstag von Bartusch, Fr-edenstr. 88, von den Besirfsfübrern abgeholt werden. <2. Abt. Besichtigung des Montessori.R'nderhrimes. Treffpunkt um 18 Uhr vor dem Verirksamtsgebäude. Porckstr. 11. SchSnebetg. 78. Abt. 20 Uhr wichtige Tunktionärsitzung bei Rath», Feurig- Gcke Vr!ns.Georq.Strost«.— 7». Abt. 20 Uhr im Epo-tkasino, Mon». menten- Gcke Hochkirchstraste, Lichtbildervortrag:„Die Bekehrung" und e'N.Genoisenfchaft-.Linderheim". Wir bitten um reae-o 81. Abt. Friedevav. Bilbungskeei» ISnaerer Bartelgenosse». 20 Uhr de! Baainfki, Stubenravch- Ecke Taunusstroste. Thema:„Das Gärlister und Heidelberger Broaramm". Referent: Ludwig Diederich. 128. Abt. Frledrich,felb«. Zur Beteiligung am lestten Geleit für Adolf Braun versammeln sich die Genossinnen und Genossen der Abteilung 15� Uhr am Eingang de» Zentralfriedhofcs. 5 rauenveranstaltungea. <2. Abt. Donnerstag. 18. Mai, Besichtigung de» Mottiessori. Rind erHeim«». Treffpunkt 18 Uhr vor dem Berirksoint Rreuzberg, Dorckstr. 11. 81. Abt. Friede»««. Heute, Mittwoch. 15. Mai, 19H Uhr, bei Klabe, Hand- jernstr. SO— Kl. Literarischer Abend." Vortragender: Gen. Heinz Barthel. Bezirksausschuh für Arbeikerwahlfahri. 5. Kreis Bedding. Sistung de» erweiterten Kreisausschusse» am Donner» fgg. 16. Mai, 191h Uhr, im Ledigenheim Schänstedtstr. 1. 5. Stock, 17 Be- svrechung de» Arbeitsgebiete» und Berichte der Fachgruppen. 2. Verschiedenes. Vollzählige, Erscheinen der Mitglieder, der Abteilung«, und Fachgruppenleiter mied erwartet. Die Vertreter der befreundeten Organisationen werden hier- durch besonder, eingeladen. Die Hefte der„Arbeiterwohlfahrt" sind um- gehend bei dem Genossen Serm. Restlaff, Vankstr. 78, abzurechnen. 4. Rtei» Prenzlauer Berg. Donnerstag. JB. Mai, 19 Uhr. findet eine Sistung sämtlicher Helfer im Bezirksamt Danzigcr Str. K4, Iii, gimmer 314, statt. Jungsozialisten. Gruppe Reukölln. Heule, Mittwoch, 19 Uhr snicht 30 Uhr), im Jugendheim Treptower Str. 95:96, Musikabend, Anschließend Pfingstfahrtbesprechung. Gruppe Banmfchuleuweg. Heut«, Mittwoch. WA Uhr, im Jugendheim Ernststr. 16, lesen wir:„Im Westen nichts Neues". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. «roß. Berlin. Probezcltlager: Fahrscheine für Virtenwcrder beforgt sich ied« Gruppe selbst. Folgende Fragen sind am Donnerstag auf der Helfer. sistung in Neukölln unbedingt zu beantworten: 1. Welch« Spielgeräte /gehen ins Lager? 27 Wieviel Spielleiter habt ihr? 3, Wieviel eingespielte Mann- ichaften gehen mit? Meldungen für Wettspiele< Darlauf, Völkerball) zum Vrobelager sind dort auch zu erledigen. Zeltlagervorbereitung: Donner». tag, 16. Mai, Zelrlagerhelfer, Rathaus Neukölln, 20 Uhr. Gruppe Landsberger Plast. Heute, Mittwoch, 15. Mai, Spielen für alle 18— 19)h Uhr auf dem Sportplast. Treffpunkt 17HH Uhr im Jugendheim.— Tonnerstag. 16. Mai, Elternversammlung, 20 Uhr, Schmidt» Gesellschaftshau», Fruchtstr. 36». Thema:„Wie sollen wir strafen".— Freitag, 17, Mai, Falken- ghenst im stugentchrl«. 18—20 Uhr Besprechung der Pfingstkahrt.— Sonn- abend, 18. Mai, Wngstsahrt nach Vriesclana. Treffen nur für Falken 7,40 Uhr Vhhnhaf Landsberger Allee. Losten für Fahrgeld'und Schlafen ILO M, End« der Fahrt Dienstag, 20>h Uhr.— Montag, 20. Mai, Gruppenfahrt nach 'Brieselang. Treffen 7 Uhr Landsberger Plast. Losten für Fahrgeld und Schlafen unter 10 Fahren 50 Pf., über 10 Jahre 75 Pf. Ende der Fahrt Dienstag, 2L Mai, 20i-i Uhr. | Sterbetafel der Groß» Berliner Partei« Organisation 19. Abt. Unser« langjährige Genossin und Mitkämpferin Anna Beiße!, Teinzenallee 46a, ist am 12. Mai verstprben. Immer war ste Im Inier. esse der Partei und des Lonsums tätig. Ehr» ihrem Andenken. Einäfche- rang am Donnerstag. 16. Mai. 20 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 21. Abt. Unsere Genossin Emma Page. Reinickendorfer Str. 24, ist ver. storden. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Donnerstag, 16. Mai, I9>4 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße, 32. Abt, Am 13. Mai verstarb plöstlich unser Genosse Richard Knopf. Marku-Nr, 3l, Seit 40 Iahren Parteimitglied, war er uns«in unermlld- l-cher Mitarbeilcr, der uns stets eist Vorbild fein wird, Ehre feinem An- denken. Einäscherung am Donnerstag, 16. Mai, 10)b Uhr, im Krematorium Vaumschufenwea. 117. Abt. Lickteniera. Unser Iugendgenosse Sonrad Wottke ist Infolge e-ne» Boolsunsalles verstorben. Ehre seinem Andenken. Veerdiguna heute, Mittwoch, 15. Mai. IZ'H Uhr. auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde. Zur Gesundhaltung! FuhlngerTerstndslelle, Berlin SV II ScbBnebergerStr. Iba. Tel. Llluow 8260-bl Kjfs SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin Einsendungen f8r dies« Ttabrtt nur an da» Ivgendletreieeiat klerlln SD 68. QndensiraH« 3 Wandcrleiter-Konferenz beute, pünktlich WA Uhr, Im Vortrag»! aal Linbenstr. 3, TL Kai. 3 Tep. Bor. trag be» Genosseu Kurt Bi,' vertreten sei». be, Genosseu Kurt Bigiug über„Alpen wauberu". Ale Gruppen misseu .�etea seiu. Die«arte»»am Mai-Iugeubtag müssen umgehend abgerechnet werben. ferner find bie Iuni-Programme sofort einzureiche». Sefundea auf de« Mai-Iugeubtag i» Brieielaug: ffilmpackkassette. Turu» schuhe unb 2 Geldbörsen. Die Sachen sind vom Sekretariat abzuholen. Beeweguugschor: Ueben morgen. Donnerstag, 19)4 Uhr, für Magdeburg, in der Aula der Schule Danziger Elr. 23. heute. Mittwoch. 15. Mai. i9K Uhr: Arkonaplast: Schule Elifabethkirchstr. 19. Varirag:„Geschichte der Ar- beiterbewegung".— Eesuudbrunneu llt Schule Ehristianiastr. 38. Vortrag: „Proletarisch« Jugendarbeit".— Wedding, Heim Turiner Ecke Seestraße. Vor. trag:„Soziale Gesetzgebung".— Petersbueger Viertel: Heim Tilsiter Straße 4—5. Elaßbrenncr-Abend.— Halleschee Tor: Heim Porckstr. 11. Helm- abend.— Reichenberger Viertel: Heim Reichenberger Sir. 30. Elternabend: „Unsere Eltern und wir". Eharlottenburg-Rord: Heim Olbersstraßc. Vor. trag:„Erlebnisse im Zuchthaus".— Spandau: Heim Lindenuser 1. Vor- trag:„Aufgaben und Ziele der SAI."— Temvilhof: Seim Gcrmaniastr. 4/6. Vortrag:„Rechte und Pflichten de» Lehrlings.— Waanfee: Schule Ehar- lottenstraße. Heimabend.— Falkeuberg: Gutshof. Heimabend.— Lichteuberg- Mitte: Leim Scharnwebsrstr. 29. Vortrag:»Sozialistische Strömungen".— Neu-Lichteuberg: Heim Hauffstraße. Vortrag:„Die Arbeiterbewegung".— Tegel: Besuch des Zahlabends der Partei. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Arbeitsgemeinschaft der Aelterengruppe, Heim Sonnenburger Str. 20. Werbebezirk Schöneberg: Funktionärkonferenz. Vortrag: fugend und Partei". Intcressserte Parteigenossen werden um ihr Erscheinen gebeten. SSG. Wcbdiug: Schule Eotenburger Str. 2. 18 Uhr Lcfeabenb. SDG. Ncuiölu: Heim Bcrgstr. 29. 19 Uhr Vorirag:„Praktische Arbeit der SPD."_ Vorirage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr. 37/38. Hof 2 Zr D luna, bei Zeuge, Milostr. 55. Friedeichshai». Kam.„Warschau". Versammlung bei Echctke, Warschauer Str. 24. Referent: Kamerad Seifert über„Kiankenkassenwesen". Beginn 19Vi Uhr. Weddiug. Achtung, Jung- bannerl WA Uhr Sitzung bei Kameraden Hillmann, Razareihkirchstr. 41.— Donnerstag. 18. Mai. Peeuzlouee Peeg. Kam.„Balkan". B«l Bogel, Ja- blonfkistr. 9. Kam. Königstor. Bei Rösner, Immanuelkirchstr. 2S. Kam. Arn». walder Plast. Bei Baronski, Pasteurstr. 8. Kam. Robert Blam. Bei Klug, Danziger Str. 71. Kam. Wörther Plast. Im Sportrestaurant Opalski.«antian- straße 10. Anfang aller Versammlangen um 20 Uhr. Wilmeesbors. Kam. „Nord". 20 Uhr Versammlung bei Schramm, Hahenzollerndamm 2.— Kreuz- berq. Mittwoch, 15. Mai. WA Uhr, bei Krepp, Rückgabe der Fal' nach Kremmen durch"'" Jugendheim wichtige 19. Mai. 5 Uhr unb... (neben der Abtei). Eintritt 50 Pf., Kinder 16 Pf. Bund«utschiedeuer Schuireso emee. Seffentliche Monaisversarmnlung Dienstag. 14. Mai. 19tb Uhr. Aula des Werncr-Siemens-Realgymnassums, Hohenftaufenftr. 47— 48(nahe Untergrundhahnhof Piktoria-Luife-Plast). 1. Dr. Dr Kurt Singer, stellvertretender Intendant der Städtl- schen Oper, sprach über„Oper und die Gegenwart". Wich- lig war das Bekenntnis des heute mitten im aktiven Opernleben stehenden Vortragenden zur Oper schlechthin— d. h.: zur Musik. Er sieht die Krise der heutigen Oper nicht als eine musikalische Krise an, sondern als eine Krise des Publikums. Er stellte ihr eine günstige Prognose: die Krankheit des Sensationsbedürfnisses wird vorübergehen. Star, Dirigent, Regisseur werden wieder bescheiden an die zweite Stelle treten. Di« Musik, getragen von dem En- semble, wird auserstehen. Jossen wir«s!— Walter Eschbach vorn Zentrclloerband der Angestelllen behandelte das Thema„Der l a u f m a n n i f ch e Angestellte und htg Berufsschule". Die Rot der kaufmännischen Angestellten, verursacht durch Arbeits- losigkeit und schlechte Bezahlung, ist riesengroß. Nur derjenige, der sich durch Begabung und gute Ausbildung in dem Beruf aus- zeichnet, kann hoffen, darin lein Auslammen zu siitben. Deshalb vertritt der ZdA. den Standpunkt: Nur der darf einen kaufmänni» schen Berus ergreisen, dessen Eignung dafür durch«ine Prüfung vor Beginn der Lehrzeit festgestellt wurde. In den heutigen kauf- männischen Großbetrieben ist sür eine wirklich vielseitige Ausbildung kaum noch Gelegenheit. Deshalb müssen die von den Angestellten einst gegen den Willen der Arbeitgeber durchgesetzten Beruf», schulen helfend eingreifen. Leider wird auch jetzt noch oft genug von den kaufmännischen Unternehmern die Berufsschule angefeindet, weil sie die Arbeitskraft des Lehrlings für Stunden dem Betrieb entzieht. Doch auch die Lehrling« selber und ihre Eltern stehen der Berufsschule leider bisweilen noch verständnislos, ja ablehnend gegenüber. Aber nicht nur die Pflichtschulen, sondern auch die kaufmännischen Hochschulen sollten jedem Kaufmann—. sofern er die erforderliche Begabung dafür besitzt— ohne Rück» ficht auf Berechtigungsscheine offen stehen Der ZdA.. der für eine oernünftige Berufsausbildung des Kaufmanns ge» kämpft hat. fetzt sich auch energisch für die Möglichkeit unbegrenzter kaufmännischer Fortbildung«in.— Eine Abendunterhaltung über Chefragen wurde zwischen zwei Medizinerinnen und Geh. Justizrot Dr. Ed. Heilsron geführt. Wer tiefschürfende Betrach. tungen erwartet«, wurde enttäuscht, es war«ine ziemlich flache Plauderei.— Eine hervorragend gute, vielseitige und deshalb wirk» lich charakteristische Hörreportage unter dem Titel„Die Stadt ohne Schlaf" war die Uebertragung aus dem Berliner Nacht- leben, das mindestens ebensoviel Arbeit wie vergnügen birgt. Te«. Rodert Echwellendach:„konfessionelle Ehrlichkeit Im Kaiholizismus und Pro- teftantismus. 2. Paul Oestreich:„Soll Deutschland ein Kirchenstaat werden?" Frei« Aussprache. Jedermann willkommen. Retch»bu»d der Kricasbefchädigteu, keiegsteiluehmer und Keiegeehiater- bliebenen, Gau Berlin, Ortsgruppe Norden- 14. Di« Mitgliederversammlung findet wegen vorübergehender Schließung der Easino-Festsäle ausnaämsweiie im Lokal Paul Glicfche, KopenHagener Etr. 74, am Donnerstag, 16. Mai statt. Referent: Kam. Willi Lorenz, Berwaliungsamtmann. Thema:„Praktisch Tätigkeit in der Fürsorge". Arbelter-Abstinenteu.Vuud, Vezirksgruppe Lreuzderg. Mittwoch, 15. Mai WA Uhr. Vortragsabend: Genosse Dr. Frankel:„Proletarische Dichtung". Kurzsideistveeei» Eharlottcnburg e. P.(Einheitsinrzschrift). Freitag, 19', Ms 21)5 Uhr, Anfänger-, Fortgeschrittenen-, Rcdcschrift-Lehrgängc. Siemen» Oberreolschule. Schloßstr, 27. Lkeaiuische, wissenschaftlich«, Institut in Berlin. Freitag. 17. Mo 20 Uhr, Im Hörsaal Nr. 4? der Universität spt. rechts), ein Vortrag>' deutscher Sprache.„150 Jahre ukrainische Ethnographie." Referent: Dr. Zeno' Kuziela. Verliuee Vere!» sür Einheitskurzscheist E. V. Uebungen leben Mittwock Lichtenberger Veeeiu für Eiuheitsknrzswriit. Uebungen leben Donnerst« von 20—22 Uhr in der Knoben-Mitielschule zu Lichtenberg, Marilstr. 10-' Nähere Auskunft erteilt Mar Weisheit, Lichtenberg, Wilhelmstr. 55. Vnefkasten der?tedakiion. G. M. 4. Schreiben Sie an das Reichsarbeiisministerium /Vcrlin, Schar, Horststraße) und an das Preußische Wohlfahrtsministerium /Berlin, Leipziger Straße). Näheres ist uns ebenfalls nicht bekannt.— E. T. 25. 1. Wenn es sich um einen Angestellten höherer Art handelt, kann nur für den Schluß eine, Kalendervierteljahres und nur unter Einhaltung einer Kündigung»- frist von secks Wochen gekündigt werden. Im anderen Falle beträgt die »ündignngssrist«inen Monat. Di« Kündigung ist nur für den Schluß eine» Kalendermonat» zulässig und hat spätestens am 15. d. M. zu erfolgen. 2. Die Angestellte soll ihre Ansprüche bis zum nächsten gesetzlich zulässigen Kündi- gungstermin geltend machen. Die Perpffegungskosten können aber auf die für die Zeit der Erkrankung geschuldete Vergütung angerechnet werden. 3. Da die Versicherte schon länger als 26 Wochen kränk ist, so kann sie Antrag aus Gewährung von Ruhegeld stellen. 4. Die Ilnterhaltzpfl'chtigen oObr das Wohlfahrtsamt. 5. Maßgebend sind die Satzungen der in Frage kommenden Kran- kenkasse.— H. F. Stubbeukammer. 1. Fordern Sie die Vergütung Mr den ganzen Monat. Sollte die Zahlung abgelehnt werden, so können Sie Klage beim Arbeitsgerickt erheben. 2. In der Woche vor den großen Festen ist dg» Klopfen von Polstermöbeln. Teppichen usw. an den drei, dem l. Feiertag vorausgehenden Wolfen.(Arbeits-) tagen von 8 bis 17 Uhr erlaubt. 3. Der Hausangestellten muß in allen drei Fällen Lohn- und Kostgeld gewährt werden. Einen Anspruch auf Reisegeld bat sie dagegen nickt. Wird Ve» köstigung nicht gewährt, so sind 1,75 M. für leben Tag zu zahlen.— H.». 113. Nach unserer Ansicht darf nickt das Religionsbekenntnis auf das Schul- abgongszeugni» gesestt werden. Wenden Sie sich beschwerdeführend an die Bezirksschuldeputation 1—6(Magistrat). Bekterdertchk der ästen kiichen kvelkerdienststelle Berlin und Umnegend. (Rachdr. verst.) Wechselnd bewiilit, zeitweise heiter, eiwaO ksihier mit einzelnen leichten Schauern: indweftliche Winde.— ZÜr Deutschland: Von Oft nach Weit fortschreitende Abkühlung mit leichten Regeniällen. im Süden und äußersten Osten noch warm. Triukt Feckingee. Anschwellungen an den Fingergelenkcn, wie ste oft bei mäßigen Gichtbeschwerden vorkommen, haben sich bei anbauendem Gebrauch des natürlichen Fachinger Heilwassers und unter Beobachtung der ärztlichen Diätvorsckrifien nachgewiesener Maßen wesentlich gebessert., Die«einignug stark»ersettetee Sachen. Gerade diese Arbeit bereitet der Sausfrau oft ganz besondere Last. Spülbecken, Badewannen, Pusteimer. Wisch, und Vohnertllcher. Mops, kurz alle Sachen, die durch den Gebrauch älioe und fettige Bestandteile in ssch aufgenommen haben, lassen sich nur mit großer Mühe säubern. Jetzt ist in Kolonialwarenhandlungen, Drogerien und Seifengeschästen unter dem Namen iMi ein Mittel zu haben, das als Ge- schirrspül- und Reinigungs-Mittel verkauft wird und eine ganz frappant« Wirkung hat Schmust und settig« Bestandteile werden spielend gelöst. Auch für Holz- und Steinböden, Fenster, Fensterrahmen, kurz für jede» erdenklichen Reinigungszweck eignet stck das neue Erzeugnis ganz hervorragend. iMi wird unserer Hausfrau besonders beim kommenden Früh.'ahrshaüspust groß« Dienste leisten. Der höchste vunfch der Hausfrau ist und bleibt: Zum Kochen ein schöner, praktischer Herd, ein Braiofen, ein Gaskocher, zum Heizen ein eiserner ober ein transportabler Kachelofen, fürs Babc, immer«in« Badewanne, ein Bade- ofen, zmn Waschen«ine Waschmaschine, eine Wäscherolle, ein Kesselofen, für den Sommer ein Eisschrank. Wo findet die kluge Hausfrau alles preisweri? Bei der alten Spezlalfabrik Temmler». Bleabeeg, Dresdener Str. 98—180. Aufgepaßt, LebensILnftlei! Jetzt, da der Frühling wirklich ernst zu machen scheint, da bleibe wer Lust hat mit Sorgen zu Haus. Wer frohe, lustige Musik, vielleicht auch ein Tänzchen im Freien liebt, der nimmt den. Gramola".Kolfer Nr. 205 mit hinaus. Es gibt keine bessere Kavelle im Koffer als d'efe, die lautstark und lebensecht jede künstlerische Darstellung zu einem wirklichen Ge- nuß formt. Der„Gramola"-Koffer Nr. 205 ist»in wirklicher Kamerad, der niemals langweilig wird. Wenn also— dann bitte merken:„Gramola"- Kofier Nr, 205! � Zu Pfingsten essen wie nicht mehr so massig wie im Winter- sondern wir passen un» der Leichtigkeit de, Frühling, an und»'eben leichtere Fleisth- speisen. Als Süßspeisen bleiben aber immer die sckmackhaiten und leicht- verdaulichen Puddings und Cremelveisen beliebt, die man sehr einfach und schnell au» den Puddingpnlver-Päckchen der bekannten Firma Dr. Qetker her. stellt. Di« Wahl des Festkuchens muß diesmal der Hausfrau überlassen werdln, da von Besonderheiten zu Pfingsten nicht gesvrocken werden kann. Bielfach wählt man Ouarkkuchen und-Gebäck«, über die recht gute Rezepte in Dr. Letter, Rezeptbüchern- Ausgaben E und C, zu finden sind. ZIGARETTEN Gesfürel und Ludwig Loewe. Hauptpfeiler der deutschen Elektrofinanz. Die Ausdehnung der Geschäftstätigkeit der Gesfürel(Gesell- schuft für elektrisch« Unternehmungen) und der Ludw. Loewe u. Co. A.-G. ist ein Spiegelbild der ununterbrochenen Ausschwungsentwicklung, in der sich das Elettrizitäts. wesen innerhalb und außerhalb der deutschen Grenzen befindet. Die elektrotechnische Industrie ist ja keine gewöhnlich« Industrie, die nur einen laufenden Bedarf deckt wie etwa die Textil- oder die Lebens- mittelindustri«, sondern sie liefert das gesamte Material für jenen tiefgreifenden Umgestaltungsprozeß der Gesamtwirtschaft, die wir Elektrifizierung nennen. Für diese Industrie gilt auch heute noch, ja auf Jahre und Jahrzehnte hinaus, ein Ausspruch, den man vor etwa anderthalb Iahren in einer Generalversammlung der AEG. hörte:„Die AEG.- Verwaltung glaubt, daß die fortschreirende Elektrifizierung eine günstige Entwicklung unserer Industrie auf lange Sicht erwarten läßt. Ich bin nicht etwa der Meinung, daß die augenblickliche Konjunktur eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung verbürgt. Aber wir glauben, daß der schnell wachsende Elektrizitätsbedarf der Welt und Deutschlands Arbeitsam- keit und Forschungstätigkeit unserer Industrie eine aussichts- reiche Zukunft erwarten lassen." Diese Worte stammen von Generaldirektor Felix Deutsch, der lange Jahre hindurch bis zu seinem Tode auch Aufsichtsratsmitglied von Ludw. Loewe war. Was ffjr die elektrotechnische Industrie gilt, bezieht sich auch auf die Elektrizitätserzeugung und auf diejenigen Unternehmungen, die den Elektrifizierungsprozeß finanzieren. Die Gesfürel ist die älteste und größte Finanzie- rungsgesellschaft dieser Art. Gegründet wurd« sie im Jahre 1834 durch die Union-Elektrizitäts-Gesellschast, eine Firma, die ein Jahr vorher von Ludw. Loewe gegründet worden war. 1302 schloß die„Union" eine Interessengemeinschaft mit der AEG., mit der sie zwei Jahre später schließlich vollständig verschmolzen wurde. Auf diese Weise vollzog sich eine Jnteressenvertnüpfung zwischen AEG. einerseits, Gesfürel und Ludw. Loewe andererseits, die heute noch fortbesteht. So wurde denn auch an Stelle des ver- storbenen Generaldirektors Felix Deutsch als Vertreter der AEG. auf der Generalversammlung der Ludw. Loewe u. Co.(13. d. M.) Direktor Elses von der AEG. in den Aufsichtsrat gewählt. Da die Gesfürel schon vor dem Kriege stark im Ausland tätig war, brachte ihr der Krieg wie ähnlichen Gesellschaften er- heblich« Verluste. Bei der Umstellung auf Goldmark schrumpfte das Aktienkapital, das in der Vorkriegszeit bereits auf 60 Millionen Mark gestiegen war, auf 30 Millionen zusammen. Jedoch wurde recht bald wieder aufgeholt. Schon im folgenden Jahre begann die Wiedererhöhung des Aktienkapitals, die stch dann in den folgenden Iahren fortsetzte. Das Kapital stieg von 30 auf 40, SO, 60 und schließlich im vergangenen Jahr auf 75 Millionen Mark. Außerdem wurde 1328 noch eine Amerika-Anleihc von S Millionen Dollar(21 Millionen Mark) aufgenommen. Durch die Kontroll« über eine Reihe großer Elektrizitätsunter. nehmungen in Schlesien und in einigen Gebieten Süd- und West- deutschlande ist die Gesfürel einer der größten deutschen Elektrizitälskonzerne. An sämtlichen schlesischen Stromgesellschasten von Bedeutung ist die Gesfürel führend oder stark beteiligt, so an der Elektrizitätswerk Schlesien A.-G in Breslau, an der Schlefj, schen Elektrizitäts- und G o s< A.- G. in Gleiwitz, an der im vergangenen Jahr zusammen mit der Viag(Industriekonzern des Reichs) gegründeten Ostkraftwert A.-G. in Cosel und an der Niederschlesischen Elektrizitäts- und Kleinbahn A.-G. in Waldenburg. In Süd- und Westdeutschland kontrolliert sie die R e ck a r w e r k e A.-G., die Oherbayerisch« Ueber- landzentrole in München, die Amper-Kraftwerk« A.-G. in München, die Elektrizitätswerk Westerwald A.-G. in Marienberg usw. Für die internationale Betätigung der Gessürel ist ZKr allem die enge Zusammenarbeit mit der Chade(Spanisch- Amerikanische Elettrizitätsgesellschaft in Madrid) und der S o f i n a (Finanzierungsgesellschaft für Elektrizitätsunternehmungcn in Brüssel) zu nennen. Die Chade ist die größte südamerikanische Elek- trizitätsgesellschaft, und die Sofina hat sich in den letzten Jahren zu einer der kapitalkräftigsten Finanzierungsgesellschoften des ganzen europäischen Kontinents entwickelt. Lehker Gefchäflsberichl.— Neue Ausdehnung. Ganz offenbar begnügt sich die Gesfürel-Verwaltung und be- sonders der sehr rührige und mit allen kapitatlstischen Wassern ge- waschene Generaldirektor Oskar Oliven mit dem bis jetzt von der Gesellschaft erreichten Machtkreis noch keineswegs. Der letzte Geschäftsbericht weist darauf hin, daß in Deutschland, wenn man Amerika als Beispiel ansehe, noch gewaltige Aufgaben auf dem Gebiet der Elektrizitätswirtschaft bevorstehen, die aber nur gelöst werden können, wenn die Entwicklung zur Zusammenfassung und Vereinheitlichung in Deutschland sich fortsetzt. Da man von Herrn Oliven nicht erwarten kann, daß er etwa einen Anschluß der Gesfürel an die reichseigenen Elektroworke oder an die Preußen-Elektra befürwortet, so wird man wohl mit einer weiteren Expansion des Konzerns zu rechnen haben. Schon bisher ist die Ausdehnung der Interessen in erheblichem llmfang erfolgt, was sich z. B. darin ausdrückt, daß sich die Be- t e i l i g u n g e n von 43,7 Millionen Mark 1326 auf S7,3 Millionen Mark 1327 und 81,1 Millionen Mark 1328 vergrößert haben, uy- geachtet der stillen Reserven, die gerade dieser Posten enthält. Be- merkenswert ist auch die Erhöhung der Bankguthaben von 7,5 Millionen Mark im Jahre 1327 auf 15,8 Millionen Mark 1928. Außerdem zeigt die Bilanz für 1328 noch 7,5 Millionen Mark Forderungen an eine Tochtergesellschaft, einen Posten, der in den Vorjahren noch nicht existierte. Bon dem Aktienkapital(75 Millio- nen) sind 13,7 Miionen Mark noch nicht ausgegeben, was nur teil- weise durch eine etwaige Umwandlung der amerikanischen Anleihe in Aktien begründet werden kann. Aus alledem gewinnt man den Eindruck, daß die Gesellschaft sehr flüssig ist und über genügend« Reserven für weitere Projekt« verfügt. Uebrigens zeigt auch die offene Reserve eine erhebliche Steigerung auf 8,83 Millionen Mark gegenüber 5 Millionen Mark Ende 1327. Das Gesicht von Ludwig Loewe. Ein ähnlich günstiges Bild bietet der Abschluß der Ludw. Loewe und Co. A.-G. Ludw Loewe gilt heute noch vielfach als vorwiegend maschinenindustrielles Unternehmen. Nachdem die Firma 1863 ge- gründet worden war, wurden Nähmaschinen, später Werkzeug- Maschinen, Waffen, elektrotechnische Erzeugnisse usw. hergestellt. Die elektrotechnische Abteilung wurde dann in der Union-Clektrizitäts- Gesellschaft zusammengefaßt und später eine andere Abteilung, die Herstellung von Setz- und Zeilengießmaschinen der Firma Typo- graph G. m. b. H. überlassen, einer Gesellschaft, die auch jetzt noch zum Ludw.-Loewe-Konzern gehört. Di« erhebliche Jnteresienausdehnung in der Kriegs- und Nach- kriegszeit kam schon darin zum Ausdruck, daß in der Goldmark- bilanz das Aktienkapital auf 15 Millionen Mark festgelegt wurde, während es 1313 nur 7,5 Millionen Mark betragen halt». Im ver- gangenen Jahr« wurde es auf 20 Millionen erhöht. Gleichzeitig stieg die gesetzliche Reserve von 1,5 Millionen Mark 1327 auf 4,5 Millionen Mark 1328. Eine geradezu enorme Steige- rung zzigen Kasse und Bankguthaben, die von 450 000 Mark Ende 1327 auf 9,6 Millionen Mark Ende 1328 an- geschwollen sind. Ludw. Loewe verfügt also über sehr ausgiebige Kapitalien, um Expansionspolitik für sich und' die Gesfürel in größtem Stil durchführen zu können. Ein Aktionär, der auf der Generalversammlung der Ludw. Loewe A.-G. auf diese„ganz er- freuliche Liquidität" hinwies und der Verwaltung die Frage vor- legte, ob über die künftigen Pläne den Aktionären nicht etwas mit- geteilt werden könne, bekam hierauf keineswegs eine ausführliche Antwort. Vielmehr beschränkte sich Dr. Salomonsohn, einer der Geschäftsinhaber der Disconto-Gefellschaft und Vorsitzender des Auf- fichtsrats von Ludw. Loewe, auf die Erwiderung, daß hierüber nichts zu sagen wäre. Das Hauptinteresse bei Ludw. Loewe liegt heute schon längst nicht mehr in der Fabrikation— es werden gegenwärtig nur.noch etwa AOO Arbeiter beschäftigt—, sondern in der Finanzierung und Kontrollierung anderer Gesellschaften, zum Teil Elektrizitätswerken, zum Teil auch fabritatorischen Unternehmun- gen. Wie eng Ludw. Loewe und Gesfürel zusammengehören, zeigt sich wiederum in der letzten Generalversammlung der Gessürel. Hier vertraten nicht mehr als 18 Aktionäre ein� Kapital von 56,3 Millionen. Allein auf Ludw. Loewe entfielen fast 24 Millionen und auf die geschäftlich sehr nahestehende Disconto-Gesellschaft 14,3 Mil- lionen. Im übrigen ist Herr Oskar Oliven nicht nur Chef der Gesfürel, sondern gleichzeitig von Ludw. Loewe u. Co. Abgesehen von dieser Doppelsunktion sitzt er in Aufsichtsräten von rund zwei Dutzend Gesellschaften, durchweg Firmen(Industriesirmen, wie zum Beispiel Norddeutsch« Kabelwerke, Banken, Elektrizitätswerken usw.), mit denen die Gesfürel und Ludw. Loewe auch sonst eng ver- bunden sind— h. Große Aufträge bei Orenstein& Koppel. Weitere Freigabeqelder aus Amerika eingetroffen. Di« Orenstein u. Koppel A.-G. in Berlin, die mit einer. Gesamtbelegschait von 8500 zu den-bedeutendsten Groß-Berliner Maschinenwerken gehört, hatte,' wie' wir bereits mitgeteilt hoben. ihr« Dividende für das Betriebsjahr'1328 von 5 auf 6 Proz. heraufgesetzt. Di« gegenwärtige Beschäftigungslagc in den Betrieben ist gleichfalls weitaus günstiger als im Durchschnitt der übrigen Waggon- und Lokomotivwerke in Deutschland. Wie die Verwaltung auf der Generalversammlung mitteilte, stieg der Umsatz auf insgesamt 81 Millionen Mark, was einem mehr als zweifachen Umschlag des Aktienkapitals von 36 Millionen Mark entspricht. Nach dem Kälterückschlag in den.ersten Monaten dieses Jahres hat sich der Beschäftigungsgrad wieder gehoben und der gegenwärtige Auftragsbestand liegt über den Ziff«rn der ent- sprechenden Zeit des Vorjahres. Da auf der vorjährigen General- Versammlung im Mai 1328 der unerledigt« Auftrags- bestand mit 61 Millionen Mark angegeben wurde, so dürfte der Orenstein-u.-Koppel-Konzern auf Monats hinaus voll beschäftigt sein. Die Gesellschaft, die im vergangenen Herbst als«rst« Freigabe- fendung ihrer im Kriege beschlagnahmten Werte in den Vereinigten Staaten 3 Millionen Mark überwiesen bekam, hat jetzt eine zweite Sendung von 1,2 Millionen Mark erhalt«». Da das Unternehmen diese Millionen nicht zu Ausschütungen an die Aktionäre verwandte, sondern im Betriebe weiwrarbeiten läßt und für die erste Sendung Sonderabschreibungen auf ihren Maschinenpark vornahm, haben di« Betriebe einen ganz beträchtlichen iimeren Rückhalt bekomm«». Zellstoffdividenden und GoZialreakiion. Waldhofkonzcrn erhöht von 12 auf 13� Prozent.- Gehn« sucht nach privater Lohndiktatur. Von einem Wechsel zwischen mageren und fetten I a h r e n ist die deutsche Zellstoffindustrie seit der Stabilisierung der Mark so gut wie u n b e r ü h r t geblieben. So läßt sich bei den führenden Zellstoff, und Papierunternehmungen in Deutschland seit fünf Jahren ein ununterbrochener Slufschwung feststellen, der in erster Linie auf den ständig wachsenden Druckpapierbedarf und die starke Nachfrage der Kunstseidenindustrie zurückzuführen ist. Der mächtigst« deutsche Zellstoffkonzern, die Zellstoffabrik Wald- Hof A.-G. in Mannheim, die zugleich aus dem e u r o p ä i s ch« n Kontin'ent das größte Unternehmen seiner Art dar- stellt, hatte bereits 1327 etwa 200 000 Tonnen Zellstoff absetze» können, was einer Umsatz st cigerung von rund 80 Proz. in den letzten drei Jahren entspricht. In der gleichen Zeit könnt« die Papierproduktion mit etwa 23 400 Tonnen fast oerdoppelt werden. In dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht für 1028 teilt die Verwaltung mit, daß die Produktion sämtlicher Werte voll- ständig abgesetzt werden konnte, obwohl sich die Fabrikation sowohl in Z«llstoff wie- auch in Papier weiterhin erhöht hat. Genauere Ziffern für das letzte Detriebsjahr wird erst der in kurzem erscheinende Börsenprospekt des Konzerns geben. Hinter dieser guten Betriebsenlwicklung find auch die Gewinne des Konzerns keineswegs zurückgeblieben. So betrugen Rohgewinn.... Abschreibungen..., Reingewinn.... Dividende in Prozent 1926 20,9 Mill 2.6. 3,6, 12 Proz 1927 21,5 Mill. 3,1. 3,7. 12 Proz. 1928 23,4 Mill. 3,5. 4,7. 13Va Proz. Die Bilanz von Ende 1928 entspricht nicht mehr dem äugen- blicklichen Stand des Unternehmens, da Waldhof inzwischen das große Finnlandprojekt in Angriff genommen hat. Wie wir seinerzeit mitgeteilt hatten, ist von dem Waldhoskonzern zu- sammen mit englischem Kapital in Kexholm in Finnland inmitten der großen sinnischen Wälder ein neues Zellstoffunter- nehmen gegründet worden, das eine jährliche Leistungs- jäh ig keit von 60 000 Tonnen erhalten soll. Zur Finanzierung dieser Neugründung hat der Waldhofkonzern sein Kapital um 10,7 auf 42 Millionen Mark erhöht. Rechnet man die Leistungen des neuen Werkes K e h l h e i m mit einer jährlichen Leistungs- fähigkeit von 30 000 Tonnen Zellstoff hinzu, so wird der Waldhof- konzern nach der Inbetriebnahme des finnischen Werkes über eine Produktionsftärte von mehr als 300 000 Tonnen Zellftofs oerfügen. Bezeichnend ist die Begründung, welche die Direktion des Waldhofkonzerns zu dem Finnlandprojekt gab. So erklärte der Vorsitzende auf der letzten Generaloersammlung, daß in Deutschland parteipolitische Erwägungen an die Stelle wirtschaftspolitischer getreten seien. Die politischen Machtkämpfe würden aus dem Rücken der deutschen Wirtschaft ausgefochten, während man andererseits noch erhöhten Belastungen, vor allem durch Reparationen, ausgesetzt sei. In dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht spricht die Verwaltung unter Hinweis auf die p o l i t i s ch e n L o h n- dittate in Deutschland den frommen Wunsch aus, daß ihr neues finnisches Unternehmen von Einflüssen einer wirtschaftspoli- tischen Entwicklung, wie sie besonders im abgelaufenen Jahr in Deutschland in Erscheinung getreten sei, o e r s ch o n t bleibe. Aus der diplomatischen Direktorensprache ins Deutsche übersetzt heißt das also, daß die Waldhof-Direktion hofft, den finnischen Arbeitern ihrerseits die Löhne diktieren zu können, damit sich die Kapitalflucht aus Deutschland auch lohnt. Im übrigen beweist die aggressive Sozialreaktion der Waldhof-Direktion aufs neue, daß die größten Scharfmacher in den Unternehmungen zu finden sind, denen es am besten geht. Ferngasdiskussion in Württemberg. Das Katastrophenprojett der Ruhrzechen. Vor einigen Tagen fand im Rathaus in Stuttgart die dies- jährige Jahresversammlung des Landesverbandes württembergischer Gaswerke statt. Der Vorsitzende, Direktor Dr. N ü b l i n g, er- öffnete die aus dem ganzen Lande sehr stark besüchte Versammlung mit dem Referat über den Stand der Gasfernversorgungssrage ini Reich. Für die Beurteilung des Plans der R u h r g a s- A.- G.. der bekanntlich auf eine zentrale Gasversorgung ganz Deutschlands hinausging, haben sich nach Nübling während der diesjährigen Kälteperiode neue Gesichtspunkte ergeben. Die über ganz Deutschland ver st reuten großen Gaswerk« waren nicht nur für die Gaserzeugung, sondern auch für die Versorgung der Bevölkerung mit Kohle und Koks von großer Bedeutung. Wären diese Werke alle stillgelegt gewesen, so hätte dieser Zustand eine gar nicht abzusehende Katastroph« herbeigeführt. Auch die ver- jchiedenen Rohrbrü.che im Ruhrgebiet haben den Beweis er- bracht, daß für die Vcrl«gung von Leitungen'nstt fV großen Durch- mefsern und Dxücken noch nicht die genügenden Sicherheiten bestehen, die man früher vorausgesetzt hat. Ueber den Stand der Gasversorgung in Württemberg berichtete der Geschäftsführer Dr. S t r ö l i n. Im Landesverband sind nunmehr 50 Städte mit 93,2 Proz. der gesamten Gaserzeugung Württembergs zusammengeschlpsien. Die G a s f e rn v e r s o r- gung hat in diesem J«£jre u m 36,5 Proz. zuge- n o m m e n. Um die Gaswirtschast Württembergs möglichst rationell zu gestalten, haben sich die württembergischen Städte verpflichtet, ein Gutachten des Landesverbands jeweils einzuholen, bevor sie über die Erweiterung ihrer Werke und über die Anlage von Fernleitungen Entscheidungen treffen. Die Einzelprojekte sollen in einen bereits aufgestellten Landesplan eingegliedert werden. Zweck dieser Maßnahme ist die Verhinderung von unnötigen Kapitalinvestierungen. Die unerfreulichen Erfahrung«», die auf dem Ge- biete der Elektrizität in Württemberg gemacht worden sind, sollen beim Ausbau der Gaswirtschaft unbedingt vermieden werden. In der Lösung dieser Aufgabe hat der Landesverband mit dem Verband der württembergischen Gasbezugsgem«inden bereits in bester Weife zusammengearbeitet. In der anschließenden lebhaften Erörterung kam einmütig der Wille der württembergischen Städte zum Ausdruck, die Gaswirtschasi in Württemberg auf e i n h e i t l i elf e r, kommunaler Grundlage fest in der Hand zu behalten und unbeirrt durchzuführen, da hierdurch die Interessen der Verbraucher am sichersten gewahr? werden. Diskonterhöhungen überall. Auch die rumänische Nationolbank beschloß, den Wechseldiskont von 8 auf 914 und den Lombardzinsfuß von 9 auf 10)4 Proz. zu erhöhen. Skeltiner Chamottefabrik wieder 5 Prozent Dividende. Der auf den 15. Juni nach Berlin einzuberufenden Generalversammlung der Stettiner Chamoltefabrik A.-G. vorm. Didier in Stettin soll die Verteilung einer Dividend« von 5 Proz.(wie im Vorjahre) auf darerhöhte Aktienkapital vorgefchiagen werden. Von einer Erhöhung der Dividende wird abgesehen. Es wurde also mehr verdient. Der Beschäftigungsgrad der Werke und der Ofenbauabteilung wird zur- zeit als durchaus zufriedenstellend bezeichnet. Prospekt des Gummitrusts. Der kürzlich gegründete Gumini- truft. der aus der Verschmelzung der Continental C a o u t- chouc und der E�zelsiorgummiwerke in Hannover mit der Peters Ilmon und den Titanwerken. hervorgegangen ist, hat jetzt einen Pro- svekt zur Einführung seiner Aktien an der Börse herauegegc5»n Dem Prospekt zufolge wird jetzt von dem Gummitrust, eine Gesamtbelegschaft von rund 4000 Angestellten und 13 200 Ar- beitern beschäftigt. Die Umsätze bei Continental betrugen 1326 rund 98 und 1927 109,8 Millionen. In sämtAchen Betrieben dc- n«uen Unternehmens beliefen sich die Umsätze im Geschäftsjahr 1328 vor der Fusion auf insgesamt 184,3 Millionen. 7tr. 222* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 45. Möl 1929 Reform der Branntweinsteuer. Beratung im Reichstag. Im Reichstag teilte am Dienstagnachmittag Präsident L ö b e mit, daß in sieben Strafsachen die Genehmigung zur Vor- führung des Abg. Straffer(Rat-Soz.) von den Gerichten verlangt worden ist.(Hört! hört!) Die Sache geht an den Geschäfts- ordnungsausfchuß. Es folgt die zweite Beratung einer Novelle zum B r a n n t- weinmonopol, durch die das Reichsdefizit mit gedeckt werden soll. Die Vorlage will die Monopolabgabe an das Reich erhöhen. Branntwein soll unter den Monopolpreisen nicht verkaust werden dürfen, die Preisbegünstigung für Altohol zur Herstellung von Heilmitteln und Essenzen aufgehoben, die amtliche Aufsicht weiter ausgedehnt und«ine besondere Straf- drohung für Zuwiderhandlungen geschaffen werden. Der Ausschuß schlägt dazu noch Erleichterungen für die Kleinbrenner in Süd- deutschland vor. Abg. Freiherr v. Richthosen(Dnat.): Die Landwirte und Winzer sind durch die Vorlage stark beunruhigt, denn die schon wenig lohnenden Brennereien würden dadurch noch weiter ge- schädigt. Dazu plant die preußische � Regierung, die Gemeinde- Getränkesteuern wieder einzuführen. Für Gesetze, die die Interessen der Landwirtschast so in Mitleidenschaft ziehen, müßte das Land- wirtschosts- aber nicht das Finanzministerium zuständig sein. Abg. Serschbaum(DBP.) erklärt sich gegen die Vorlage, der seine Partei im Interesse der kleinen Brenner und der Gerechtigkeit nicht zustimmen werde. Abg. Dr. Föhr-Baden(Z.): Wenn durch die Vorlage wirklich der Branntweinoerbrauch.zurückgehen würde, so wäre das für die Volksgesundheit nicht schädlich. Der Ausschuß hat an dem Gesetz wesentliche Verbesserungen vorgenommen uAd im Interesse der Rcichsfinanzen stimmen wir ihm zu. Ministerialdirektor Ernst gibt die vom Vorredner angeregt« Erklärung ab, daß die Monopolverwaltung bereit sei, den in Ab- sindungsbrennereien hergestellten Kornbronntwein abzunehmen. Abg. Zulier(Ehr.-nat. Bauernp.) spricht gegen die Borlag«. Man sollte lieber die übergroße Einsuhr ausländischer Liköre hindern. Abg. Dr. horlacher(Bayer. Vp.) hebt die Berücksichtigung der Klcinbrcnner durch die Vorlage hervor, um die Zustimmung seiner Partei zu begründen. Nach diesem Gesetz müsi« aber Schluß sein mit der Belastung der Kleinbrem? er. Abg. HSllein(Komm.) hält eine Rede gegen � Dr. Hilferding, der vom Berfasser des„Finanzkapitals" zum Schützer der Groß- bourgeoisi« geworden sei. Abg. puchta(Goz.): Den Vorredner erinnere ich daran, daß auch andere Staaten den Alkohol besteuern. In Deutschland beträgt die Branntwein- steuer etwa 9 Proz. der gesamten Verbrauchssteuern oder 3 Proz. der gesamten Steuereingänge; in einem anderen Staat aber 37 Proz. der Verbrauchsbesteuerung oder 22 Proz. der Gesamt- besteuerung, und zwar ist das in dem Lande der Hoffnung und Liebe des Abg. Höllein, in Sowjetrußland.(Abg. Höllein: Aber nicht für das Großkapital, sondern für den sozialen Aufbau! Gegenrufe der Soz.: Und für die Armee.) Die Entrüstung Hölleins über die Branntweinbesteuerung in Deutschland kann also nicht ganz echt sein. Der Staatshaushalt muß in Ordnung gebracht werden, und weil solche Steuern, die uns angenehmer wären, aus allgemein. wirtschaftlichen Gründen oder wegen der Konstellation im Reichstag nicht geschaffen werden können, so müssen wir auch einmal zur Steuer greisen, die. ohne da» Lebensinleresse der Massen schwer zu gefährden, dem Reiche Geld bringen. (Sehr richtig bei den Soz.) Vor uns stehen bedeutende außen- politische Verpflichtungen und im Innern wachsende Ansprüche sozialer Natur. Dafür müssen die Mittel geschaffen werden. Aus dem Branntwein, der zur Schnapsbereitung verwendet wird, sollen SS bis 60 Millionen herausgeholt werden, zwei Drittel der Summe, die überhaupt durch diese Vorlag« erbracht werden soll. Bei der Verteuerung des Schnapses handelt es sich nicht um eine Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Massen. Gegen das Gesetz lausen die Vertreter der Kleinbrenncr, aber auch der Großagrarier Stunn. Sie behaupten, daß die Verteuerung des Schnapskonsums höher« Steuereingänge nicht bringen werde. Ändere führen aus, daß die Aufhebung der Lerbilligung des �Spiritus zur Herstellung gewisser Heilmittel die Lage der Krankenkassen ver- schlechtern werde. Diese Bedenken sind aber im Ausschuh zum größten Teil beseitigt worden. Es bleibt nach wie vor der Spiritus zur Herstellung äußerlich anzuwendender Heilmittel o e r b i I l i g t. Man behauptet weiter, daß eine Verteuerung der alkoholfreien Getränke eintreten werde. Nach der Begründung der Vorlage wird eine solche Verteuerung höchstens um Bruchteile von Pfennigen eintreten. Der Verein deutscher Essenzensabrikanten errechnet sie W OH N U N O WE R KHAUMS AUSSTELLUN Breslau isaals 1B.UUNI-IS-SE P T.; auf 1 bis Pfennig, aber auch das kann nicht stimmen, denn der Zentralverband der chemisch-technischen Industrie erklärt, daß eine Abwälzung auf die Konsumenten nicht möglich sein werde. Für die Fruchtsaftindustrie wird sich die Preiserhöhung kaum oder nur minimal auswirken, also ist eine Verteuerung der Fruchtsäfte gar nichtzubefürchten., Die Neuregelung des Verhältnisses der Kleinbrenner zur Monopolverwallung soll die Schlupfwinkel ausbrennen, aus denen douernd Hinterziehung von Branntweinsteuern erfolgt. Wir haben kein Interesse, diesem Bestreben in den Arm zu fallen, sondern im Gegenteil das Interesse, solche unlautere Machenschaften zu ver- hindern. Wir erwarten, daß die Monopoloerwaltimg weitherzig und loyal mit den Kleinbrennern verfahren wird. Den Optimismus Dr. Horlachers, daß nun mit Aenderungen im Branntweinmonopol auf Jahre hinaus Schluß gemacht werde, kann ich nicht teilen. Der ständige Rückgang des Schnapsverbrauchs stellt die Monopoleinnahmen in Gefahr, denn nur beim Trinkbrannlwein wird ein llcberschuß erzielt, während beim technischen und Antriebsspiritus ein Verlust von 30, ja sogar 50 M. pro Hektoliter eintritt. Dabei handelt es sich schon um 250 000 Hektoliter im Jahr. Eines Tages wird die Krise da sein, wo jede Möglichkeit verschwindet, aus dem Trinkbranntwein Nutzen zu ziehen. Man wird eine Relation zwischen diesen beiden Spiritusarten herstellen müssen, und nur so die Mittel erlangen können, die das Reich aus dem Spiritus- verbrauch ziehen muß. Wenn wir unsere Zustimmung zu der Vor- läge geben, wollen wir das nicht tun, ohne auf die Notwendigkeit dieser Reform hinzuweisen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Damit ist die Aussprache beendet. Die Vorlage wird in der Ausschußsastung angenommen, die dritte Lesung erfolgt heute, Mittwoch, 3 Uhr; außerdem Etats- bcratung und Anleihegesetz, falls der Ausschußbericht bis dahin vorliegt. Schluß 6 Uhr. Gestäupte Demagogen. Kommunisten und Oeutschnationale am Pranger. In der Dienstagsitzung des Preußischen Landtages wurde die Debatte über die Vorgänge des 1. Mai in Berlin fortgesetzt. Abg. Drügemüller(Soz.): Die geordneten und planmäßig durchgeführten Kundgebungen der Arbeiterschaft in der VoHkriegszest dulden keinen Ver- g l e ich mit den jetzigen Demonstrationen der Kommunisten, die dauernd zu Ruhestörungen und Uebersällen führen. 3)'« wahllosen und ziellosen Straßenkund gedungen der Kommunisten ohne jeden Plan und jeden Anlaß sind nachgerade zu einer Land- plage geworden. Wir haben es hier nicht mehr imt politischen Aktionen, sondern mit Marschübungen und musikalischen Exerzitien zu tun, die übrigens meist das Gegenteil von schön sind. Nach der dreisten Provokation folgt jedesmal das Winseln nm Gnade. Der sozialdemokrollsche parteilag von 1890 hat entsprechend dem Rate August Bebels einstimmig abgelehnt, auch nur eine Amnestie für die noch in Haft befindlichen Opfer des Sozialistengesetzes zu fordern.(Hört, hört! bei den Soz. Zuruf bei den Kommunisten: „Lakai Grzesinskis!') Herrn Scherlinski haben wir jeden- falls zur Durchführung unserer Kämpfe niemals vorgeschickt.(Heiter- keit und Sehr gut! bei den Soz.) Die kommunistischen Demon- strationen enden mangels positiver Ziele meist mit U e b e r- fällen auf die Polizeibeamten. Genau so wie bei den anderen reaktionären Organisationen, den Völkischen und den Nationalsozialisten. Nur wegen dieser dauernden Gewalttätigkeit ist das Verbot der Straßendemonstrationen erlassen worden. Danach hat die KPD. zu einer Kraftprobe herausgefordert: die offizielle Parole hat gelautet, es solle entschieden werden, wem die Straße gehöre, dem Zörgiebel oder der KPD. Ja. wenn Sie in dieser Welse zum Kampfe herausfordern, was winseln Sie denn nachher über die von Ihnen verschuldeten Opfer?(Sehr gilt! bei den Soz.) Widerstandslos wird weder der"'Stäät noch die SöMldemokratie Ihnen die Macht überlassen. Sie haben ja längst'für den Fall Ihres Sieges die Galgen für uns bereitgestellt: also werden Sie uns er- lauben müssen, uns zu wehren. Auch die kommunistisch geleiteten Gewerkschaften haben sich am I. Mai, um mit der„Roten Fahne" zu reden,„iik» die Säle verkrochen". Auch die Rohrleger, die Zimmerer und Schuhmacher haben nicht demonstriert und keinen Generalstreik gemacht. Aber Sie wollten ja auch nur die Gewerk- schaften und Sozialdemokraten vor die Gummiknüppel und Karabiner treiben!(Sehr wahr! bei den Soz.) Uebrigens nicht vor eine „viehische Soldateska", wie Schulz-Neukölln meinte, sondern vor Beamte, die ihrer Pflicht gemäß die Freiheit der großen Mehrheit des Volkes gegen verbrecherische Terroristen verteidigen. (Sehr gut! bei den Soz.), Feige wie sie sind, haben die Kommunisten am l. Mai sich nicht entblödet, Kinder und Frauen vorauszuschicken. Hier ist eine Betriebszeitung, die ausdrücklich ausfordert, die Kinder am 1. Mai in den Zügen vorangehen zu lassen, verantwortlich gezeichnet vom Abgeordneten Gohlte. Hier ist das Flugblatt mit der Aufforderung zum General st reik am 2. Mai, verantwortlich gezeichnet vom Abgeordneten Kasper. Und hier ist die „Rote Fahne" vom 3V. April mit dem Aufruf:„Morgen gehen die Kinder nicht in die Schule, sondern aus die Straße!"(Bc- wegung.) Vergleichen Sie einmal mit diesen Verbrecherpraktiken den Aufruf der ersten Opfer des Sozialistengefehes, der Berliner Ausgewiesenen vom November 1878: ..Keine Gewalttätigkeit! Achtet die Gesetze! Laßt euch nicht zu geheimen Verbindungen oder Putschen verleiten! An unserer Gesetzlichkeit muß der Feind zugrunde gehen! Denkt an unsere Frauen und Kinder! Es lebe die Sozialdemokratie!" Da haben Sie greifbar den Unterschied vor sich zwischen Männern, die Menschheitsidcale vertreten und gemeinen Verbrechern. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) wer zwischen den alten Sozialdemokraten und den Kommunisten eine parallele zieht, ist ein Verleumder.(Sehr wahr!) Können Sie sich vorstellen, alte Sozial- demokraten hätten das gemacht, was Sie am 1c Mai getrieben haben, z. B. den vollkommen idiotischen Sturm junger Burschen auf das Frauengefängnis in der Barnimstrahe, während die Führer in etib fernten Haustoren hübsch ruhig zusahen?(Hört, hört!) Herr Deter hotte ja für den 1. Mai absolute Arbeits ruhe bei der Ver- kehrs A.-G. beschließen lassen: wozu dann der Versuch, Hundert- tausende auf den Potsdamer oder Alexanderplatz zu bringen. Das ist doch der Beweis, daß Sie Zusammenstöße mit unabseh- baren Folgen gewollt haben. Das nächste Blutbad wollen Sie am 1. August veranstalten. wie es in Ihrem Aufruf heißt,„mit vergrößerter Manövrierfähig- keit". Aufgabe von Rotfront sei es, die gigantischen Kämpfe zum bewaffneten Ausstand zu steigern. Hört, hört!) Was nutzt angesichts solcher Dokumente ein Bestreiten der Tatsache, daß die Kommunistische Partei zur Gewaltaktion entschlossen ist. Viel- leicht verspricht sie sich mit Max Höh, daß vom Gummiknüppel ihr Gehirn etwas flüssiger wird.(Große Heiterkeit. Schulz- Neukölln: Sie sind nur noch ein anständiger Bürgerl) Ich habe auch nicht den Ehrgeiz, mich mit Salonkommunisten zu messen. Die alte Sozialdemokratie hat den größten Wert darauf gelegt, blutige Zu- sammenstöße zu vermeiden. Lesen Sie die Geschichte der Wahl- rechtskämpfe oder den Bericht über die imposanten Kundgebungen am 18, März 1898. Selbst unter dem Sozialistengesetz auf dem Parteitag in St. Gallen hat Wilhelm Liebknecht die Äewalttaktik ausdrücklich als gegen das Gefühl der Masse verstoßend abgelehnt: nur Narren gingen mit dem Kopf durch die Wand.(Zuruf bei der KPD.: Sie Revolutionär!) Wir sind heute wie stets revolutionär, weil wir die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich ändern wollen. Aber ivit haben nicht Lust, durch brutale Gewalttätigkeiten den Klassengegnern des Proletariat» in die Hände zu arbeilen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) die Kommunistische Partei ist weit davon entfernt, durch diese Methoden den Besreiungskampf des Proletariats irgendwie zu fördern. Ihr Kinderfeldzug— Sie hatten ja schon am vorigen 1. Mai die Kinder dressiert, in den Um- zügen der Gewerkschaften auf die Sozialdemokratie zu schimpfen!— erweckt in uns nur ein Gefühl tiefer Verachtung. � Niemals wieder werden wir Kundgebungen der Gewerkschaften in an- gebliche Riesendemonstrationen der Kommunistischen Partei um- fälschen lassen. Sie haben es sertig gebracht, auch die Lammes- geduld der sozialdemokratischen Funktionäre zu erschöpfen.(Unruhe bei den Komm.) Seien Sie doch hübsch still, Sie mögen sich durch Ihre Feigheit dem deutschen Richter entzogen haben, aber Moskau wird urteilen. Vielleicht sind Sie nach vier Wochen schon so tot, wie andere kommunistische Führer vor Ihnen, die ebenfalls das Proletariat in die Irre ge- leitet haben.(Stürmischer Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Meyer(Komm.): Die Sozialdemokratie hat in der Tat schon vor dem Krieg wenig revolutionären Elan gezeigt. Aber was heute der sozialdemokratische Redner behauptet hat, ist eine glatte Fälschung der Parteigeschichte. Wir lassen uns nicht die Straße verbieten, so wenig wie die Sozialdemokratie durch Putt- kamer oder Jagow. Getroffen werden ja doch nicht Kommunisten, sondern Unbeteiligte.(Hört, hörtt bei den Soz.) Das Urteil der demokratischen Presse ist die beste Erledigung der zynischen Angriffe und demagogischen Exkurse der Sozialdemokraten. Damit schließt die Debatte. Das Schlußwort hat Abg. Kasper(Komm.). Er behauptet, die Sozialdemokratie habe einen Kampf provozieren wollen, um die KPD, wie 1923 zu voreiligem Losschlägen zu zwingen. Darauf sei die KPD. nicht hereingefallen. Trotzdem billige sie den Barrikadenbau als Abwehr- maßnahm« gegen die Polizei und politisches Opfer der Arbeiterklasse. Die KPD. werde in der planmäßigen Durchbrechung der bürgcr- llchen Gesetzlichkeit fortfahren. Die Abstimmungen über das Mißtrauensvotum finden am Donnerstag statt. Es folgt die dritte Beratung des Etats. Sie neck, vebefodc tMuuöfaau, wie öchcn Okhe, Q�cßynAiüe� wnd ZMifre HiulCeh, mit Dr. Oetkers Badipulver„Badiin" und nadi Oetker-Rezepten gebacken haben? Denken Sie noch an die Freude, die Sie als Kind hatten, wenn so ein prächtiger Kuchen aus dem Ofen kam, und wie fein und rein er dann sdimedite? Sdion damals wußten Sie, daß Sie stets mit Di'.Oetker*s Backpulver und den andern Oetker sehen Backzutaten(Vanillinzucker, „Gustin", Backöle usw.) backen würden. Ein, Ktl* von praktisJtn EäA.Rntptn Hein-Dr. Oetier-Jirzepti', Aussähe E(Freie 15 Ffc.)»-t mm .Dr. Orlker'e SihuHndihudi'(Freie ZO Pfr)- Zu heben in den Lebenemiilelfeedtejten oder, wenn ver- etifen, gegen Eiaeendung in Merken von Dt, August Oetker, Bielefeld. Im lerHmer fjeasfrenen- Verein kommt nur Dr. Oeiler't BeJc- JmJxmr.Irin* nur benweadung. Wg. Steuer(Dnat.): Das parlamentarische System macht tSg- lich neu bankerott. Nur eine vermehrte Macht des Reichspräsidenten kann die schlimmsten Schäden des Parlamentarismus eindämmen. Soll in Paris wieder einmal nachgegeben werden? Die Lebens- Haltung des deutschen Volkes würde dadurch nur weiter herabgedrückt. Herr Hilferding, der Heros der Notenpressc, will jetzt eine durchaus antisoziale und dilettantenhafte Anleihe machen. Das ist der offizielle schwarzrotgoldene Konkurs. Wie lange will das Zentrum noch in einer Front mit der Sozialdemokratie, George Grosz und Magnus Hirschfeld stehen? Wir verehren die Kricgshelden und oerachten die Landesverräter! Wir werden den heutigen Staat mit allen denkbaren Mitteln in schärfster Form bekämpfen. Abg. heilmanu(Soz.): Der Vorschlag, den Reichspräsidenten zugleich zum Staatspräsi» denten für Preußen zu machen und ihm die Auswahl der Minister zu überlassen, hat uns überrascht. Nachdem kürzlich der deutsch- nationale Reichstagsabgeordnete Frcytagh-Loringhoven erklärt hat, Cbert sei ein außergewöhnlich kluger und zielbewußter Man n gewesen. Hindcnburg aber habe seine Linie verlassen, wolle keine Machterweiterung, habe kein Pro- gramm, und so sei das politische Gewicht der Stellung des Reichs- Präsidenten fest der Zeit Eberls enorm zurückgegangen und der Parlamentarismus gerade unter Hindenburg zur höchsten Blüte er- wachsen, waren wir eigentlich nicht darauf gefaßt, heute wieder das Schlagwort zu hören: Mehr Macht dem Reichspräsidenten! Im übrigen glaube ich nicht, daß man den Parlamentarismus verbessern kann, wenn man den Parlamenten die Verantwortung für Regierungsbildung und Regierungstätigkeit abnimmt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Das parlamentarische System hat nicht bankerott gemacht, sondern die enorm schwierige Ausgab« der Wiederaufrichtung Deutschlands nach dem verlorenen Weltkrieg sehr anständig gelöst. Freilich hat der deutsche Parlamentarismus noch Kinderkrankheiten. Dazu gehören im Landtag die schamlos beleidigenden kleinen Anfragen, die viel jm vielen Reden zur Geschäfts- ordnung und die hemmungslos« O b st r u k t i o n s s u ch t, die die .LSöknisch« Zeitung* einen MißdrauchdesParlamentsvnd seiner Befugnisse nennt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Zu den Pariser Verhandlungen hat Abg. Steuer«inen falschen Ausgangspunkt gewählt.> Richtig hätte er von der Tatsache aus- gehen müssen, daß wir nach dem von den Deutschnationalea angenommenen Dawcs- plan jährlich 25 Milliarden zu zahlen haben. Alles, was diese Last wesentlich erleichtert, ist ein Fortschritt für die Lebensgestaltung des deutschen Volkes. Ein lächerliches Märchen der Unwissenheit ist die Behauptung, daß H ilfe rd> n g'im Jahre 1323 die Inflation verschuldet oder die Stabilisierung schuldhaft verzögert hätte. Als Hilferding Reichs- finanzminister wurde, stand der Dollar auf 370 Millionen: als er nach knapp acht Wochen ausschied, auf 550 Mlllioncn. Die entscheidenden Verschlechterungen lagen vorher und nachher. Mit der Stabilisierung der Mark tonnte man erst beginnen, nachdem die Ruhrzahlungen eingestellt waren.(Sehr wahr! bei den Soz.) Höchst naiv hat Herr Steuer auf das Zentrum einzuwirken gesucht, indem er behauptet hat, zwischen mir und Dr. Magnus Hirschfeld bestünde ein innerer Zusammenhang. Glücklicherweise ist mir dieser innere Zusammenhang bisher nicht fühlbar geworden.(Heiterkeit.) Das Zentrum wird die liebevolle Sorge für seine Sittlichkeit richtig ein- zuschätzen wissen. Ich habe vor mir einen Ausschnitt aus dem ..Berliner Lokal-Anzeiger" vom Jahre 1307 mit der Meldung, die österreichischen Sozialdemokraten hätten beschlossen, in der Stichwahl unter allen Umständen gegendieKlerikalen zu stimmen. An den Rand hat W i l h e l m II. geschrieben:„Bravo! wären doch unsere Sozialdemokralen erst so weit!"(Große Heiter- keit.) Und eine Fußnote von Wilhelms II. Hand lautet: „Na. Ihr schwarzen Oesterreicher, jetzt werdet Ihr was erleben: wenn die Sozialdemokraten mit den Klerikalen anbinden, geht das nicht so glimpflich, wie bei un» das handelt wird!*(Erneute große Heiterkeit.) e n t ru m b e- ir lehnen allerdings mit der Verfassung jede Präoentivzensur ab, wie�überhaupt jedes präventive Eingreifen der Polizei. Aber t wo eine Partei oder Gruppe gewalttätig wird, muß sie sich natürlich aus«nts sprechende Gegenwahr gefaßt machen. Die alle Sozialdemokratie hat gewiß nicht jedes Polizeiverbot heilig genommen, aber sie hat mit äußerster Gewisienhasligkeil jedes Blutvergießen vermieden und das Leben der Arbeiter wie der Polizeibeamten niemals frivol aufs Spiel gesetzt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Bezeichnung „Sozialfaschisten, mit der uns die Kommunisten beehren, ist ohne jeden Sinn und Verstand.(Zuruf bei den Komm.: Von Ihrer sächsischen Parteipressc auf Mar Heidt geprägt!) Vielleicht! Aber zwischen Mar Heidt und Ollo Braun besteht eben der Unterschied, daß Otto Braun der gehaßteste Feind der Deutsch» nationalen ist und Max Heldt ihr geliebter Freund. schon deswegen, well er wie ein Kommunist die Arbeiter zersplittert. (Hellerkeit und Sehr gut!) Dem Faschismus leistet Vorschub, wer nicht mit aller Kraft Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen unter- drückt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der preußisch« Etat ist auch in diesem Jahre im Gleichgewicht geblieben. Leider haben wir in- folge der Finanzschwierigkeiten im Reich den Grenzsonds noch nicht einsetzen können, aber wir hoffen bestimmt, das nachzuholen. Ebenso enthüll der Etat noch keine Summe für die Erhöhung der Staats- arbeiterlöhne, aber wir wissen, daß das Ministerium sie gleichwohl wird durchführen müssen. Jm ganzen erfüllt uns die Arbeit in Preußen mit stolzer Genugtuung, und wir werden sie unbeirrt fort- setzen.(Lebhafer Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen(Komm.): Wenn die Sozialdem»- kratie die Arbeiter heute noch irreführt— der verschärfte politische und ökonomische Druck wird sie uns schon zutreiben. Abg. von Vellen(Wirtsch.-P.): Die übertriebene Sozialpolitik hat zur Verarmung und Ueberallerung des deutschen Volkes geführt. Wir gehen an den marxistischen Prinzipien zugrunde. Abg. Keller(Christl.-nat.Bauernp.): Die Christlich-nationals Bauernschaft muß notwendig zum Faschismus kommen, weil sie am Staat zugrunde geht. Mussolini hat enorm viel sür die luern getan. Die Wellerberatung wird auf Mittwoch mittag 2 Uhr oertagt. denn dieser Koffer-Apparat M unerrefchi' an Laufsfärke und Tonsch'önheH' « Bequeme Teilzahlungen Dazu die herrlichen .POL YFAR' kaumfoiTPlalkn Vorspiel berelfwUligst GRAMMOPHON-SPEZIALHAUm 169 Friedrichsfr, BERLIN Tauenf$iensh:% und in allen offiziellen Verkaufsslellen der VerwaltungHtelle Berlin Todesanxsigen D»n ÜRttgltehim zur Nachricht, dah iCliz Ztayigi, der Schlosser kickarcl Knopf geb. 21. Mär, 18B5, am IS. Mal an Herzschlag gestorben ist. Die Einäscherung stndet am Donner«. tag. dem IS. Mai. oorm. l0V, Uhr, im grematoriu« Vaumschulenweg statt 2m IS uns« an Lungenleiden 'ontenr Artur ZoiKe geb. ST. Staptachn IjKO. dem np 0«rlcMlfliiH9 Sie Einäscherung de« ftoStgettchoMex Gustav HaB findet am Freitag, dem 17. Mai. nach- mittag« Ii Uhr. tat Krematorium Eertchtstraße itolt Rege Beteiligung«rmartet Sie vrt»n»rM>altung. Oeutsdie Lederwarenfabr. 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Die Brüder gingen einander an Bord des Schiffes vorbei und brüteten Rache. Und eines Tages versuchte cheiti, den Joski, der sich über eine Taurolle beugte, mit dem Messer aufzuschlitzen. Der Schiffer warf sich dazwischen, und cheiki wurde in den Lastrapm gesperrt. Der Schiffer wollte keinen Mord an Bord seines Schiffes haben, solange dies im Hafen lag. Als Joski das lctztcmal bei dem KvSnenmädchen war. schwur es ihm hoch und heilig, ihm treu zu bleiben, solange er dort oben im Eise war. Und sie wurden einig, sich im Herbst zu heiraten, falls er soviel auf seiner Reis« verdiente, daß st» es konnten. e- Meilenweit dehnte sich das Eis vor dem SeehundfSnger aus. Wenn die Sonne in«inigen seltenen Augenblicken dt« schweren, grauen Wolkenmassen durchbrach, strahlt« das Eis wie prachtvolles Kristall in den herrlichsten Farben. Doch ohne den goldenen Sonnen- strahl waren die Eismassen nichts weiter als eine schmutziggrau«. ausgestorbene Wüste. Die Fangmanns chast hatte Tag für Tag da« Eis mit Seehunds» Mut gefärbt, und die verfolgten Tiere hatten stch nun weiter in das Eis zurückgezogen, um ihren Verfolgern zu entgehen. Schwer und klotzig wälzt sich der Seehund über das Eis, bis er ein Loch darin findet, in dem er oerschwinden kann. Doch die Fangmannschaft verfolgt ihn, und breite Blutstreifen bezeichnen den Todesweg des Seehundes auf dem Eise. Die täglich« Schlachterei bringt die Fänger in derartige Cxtas«, daß ihnen dies blutige Schauspiel geradezu zur Wollust wird. Sie mähen den Seehund in einer Art krankhaften Dämmerzustand nieder und vermögen es kaum, ihn richtig zu töten. Und so liegen die verwundeten Tiere auf dem Eis« und verbluten, zitternd« Todesangst in ihren Blicken. Sie übcrschwammen das ganz« Fahrzeug mst Blut, und der süßliche Blutgeruch stumpfte der Fänger Gefühle vollends ab. Sie wurden roh und brutal im Umgang miteinander. Die beiden Fischerjungen stürzten sich mit derselben Leiden- schaft in die Seehundsmorderei wie oll« and«ren, doch kamen sie nie zu derselben Abteilung. Nur ein Fehlschuß, und es wäre ein Mann weniger an Bord gewesen. Heiki wartete nur auf die Gelegenheit, um Joski«ins versetzen zu können, und er versucht« oft. ihm während der Mörderei auf dem Eise nah« zu kommen, doch stet» war der eine oder andere zur Stelle, um aufzupassen, daß die beiden Gegner einander nicht zu nahe kamen. Als der Seehundefang spärlicher zu werden begann, verteilten sich die Fänger mehr und mehr über das Eis, und die Jagd artete sich zu einem reinen Wettlaus zwischen den Eismeerfahrern au». Jetzt achtete niemand mehr auf die beiden Jungen«, und so geschah «S eines Tages, daß sich«in Kampf um«ine» Seehund zwischen den beiden entspann. Joski tötete das Tier, und Heiki kam in wildem Lauf dohergestürmt, um ihn mit dem Seehundshaksn nieder. zuschlagen. Er stolpert, jedoch über eine Unebenheit im Eise, und das Ssehundseisen flog in weitem Bogen fort von ihm. Bevor er einen neuen Ueberfall ine Werk setzen konnte, war Joski auf seinem Posten. .Wolltest du mich wirklich niederschlagen, Heiki?' fragte Joski. Sein Bruder wurde dunkelrot und schlich sich davon. Eines Tages wurden Walrosss am Rande des Eises gesichtet. snd die Fänger zogen auf Jagd nach ihnen aus. Sie waren in zwei Boote verteilt und ruderten vorsichtig nach dem Eise, auf dem 3>aul Xandau: Müh tt Auf den Straßen klingen jetzt wieder in der warmen Luft die hellen Kinderstimmen, die die uralten Lieder singen. Sie ahnen nicht, daß Erbgut einer fernen Vergangenheit in diesen Reimen aufklingt und daß dies« Kinderlieder ein Schatz deutscher Poesie sind, den die Wissenschaft seit den Tagen Herders und des jungen Goethe gehoben hat...Mein Gott! wie trocken und dürre stellen sich doch manch« Leute die Seele eines Kindes oorl" ruft Herder. die Schönheit des alten Kinderliedes bewundernd, in„Von deutscher Art und Kunst' 177Z aus.„Und was für ein große, treffliches Jdeal wäre mir dasselbe, wenn ich mich je in Liedern dieser Art versucht«. Ein« ganz«, jugendlich kindlich« Seele zu füllen. Gesänge in sie zu legen, die, meistens die einzigen, lebenslang in ihnen bleiben— welch ein Zweck, welch ein Werk!' Der große Vor- ahner der Romantik umfaßte auch diese zarten„Stimmen der Bplker. die aus unmündigen stetsten kommen, mit seiner Liebe und hat auch hier die Pfleg« und Bewahrung der volkstümlichen Tradition eingeleitet. Jn den Sammlungen der Arnim» Brentano und der Brüder Grimm in„Des Knaben Wunder. Horn' und den„Kinder- und Hau-märchen'. trat dann zuerst das KinderliÄ) als da» kleinere, zierlicher gebaute, aber nicht minder schön« und frische Geschwister neben Volkslied und Märchen. Als frühester systematischer Erforscher hat Karl S im rock in seinem „Deutschen Kinderbuch"(1848) die Blümlein aus dem Kindergarten unserer Poesie zum mächtigen Strauß« gewunden-,(573 Liedchen. Scherz«. Spielrcime. Rätsel usw. bracht« er zusammen, und 50 Jahre später war die Anzahl in der großen Sammlung von Franz Magnus Böhme auf gegen 3000 angewachsen. Unermüdlich ist seitdem weiter gesammelt worden ür allen deutschen Gauen, und die Ernte ist woÄ so ziemlich in den Schonern. Unbekannt und ungenannt sind die Schopfer der Lieder. Eltern und Kinder. Onkel und Tanten. Muhmen und Bosen haben daran mitgedichtet, und daß dem Kindesgeist sein gut Teil, ja wohl da» beste, am Entstehen dieser Vers« gebührt, das zeigt die bunt« Lebendigkeit der Phantasie, die Stern und Blum«. Sott und Tier, da« Fernst» und das Nächste mit unbefangener Freud« verbindet und in naivem Tiefsinn di« Geheimnisse des Lebens ausdeutet, das beweist die sprunghafte Unordnung des Denkens, die das Zufälligst« in überraschender und ergreifender Weise aneinandergliedert. und die natürlich« Nachlässigkeit der Form. Ueberall schimmern Spuren einer uralten Vergangenheit durch, deren stch die Dichten- den nicht bewußt sind, die sie nicht verstehen und io verdrehen und die doch chre ehrwürdige Bedeutung bewahren. Uralt sind manche Sismeerfahrer zwei Walrosse lagen und sich sonnten. Es war Paarungszeit und di« Tiere voller Brunst und Leidenschaft. Sie lagen und drückten sich liebkosend aufeinander. Dann und wann stießen sie tiefe Kehl- laut« aus,«in lautes, unartikuliertes Brüllen, das weit über dos Eis tönte. Jn ihrer Geilheit stießen sie ihre mächtigen Hauer in das Eis, daß es, in klein« Stückchen zerfetzt, um sie herumspritzte. Und da der Wind aus ihrer Richtung kam, witterten sie die Menschen nicht. Das Boot näherte sich vorsichtig dem Tisrande, unbemerkt von den Tieren, die, in ihrem Paarungsspiel fortfahrend, lauter und lauter brüllten. Und schließlich war das Boot auf Schußweite herangekommen. Joski, der der Schütze des«inen Bootes war, legte an, ein dumpfer Knall, und das ein« Walroß hob sich beinahe senkrecht in die Luft und fiel dann aus das Eis zurück. Das andere Tier, das nicht verstand, was seinem Gefährten geschehen war, schnupperte an dessen Brust, aus der es rot hernjeder- rann und leckte dos Blut, das sich im Schnee vergrub. Es wußte nicht, daß sein Männchen tot war. Doch da ging plötzlich ein Ruck durch das Tier, und es blieb bewegungslos liegen. Heiki hatte es geschossen. Als die beiden Boote am Eisrande lagen, sprangen die beiden Schützen zuerst auf da« EI« und liefen zu den Tieren hin. Joski hatte schon sein Messer bereit, um dem einen der beiden Tiere da« Fell abzuziehen. Doch da geschah etwas. Wie ein Stoß ging es plötzlich durch das Tier und es erhebt sich unter rasendem Brüllen. Und es macht einen Satz auf dem Eise und wirft sich über Joski,«he er auch nur Zeit bekommt, mit einem neuen Schuß dem Leben des Tieres ein End« zu machen. Weißer Atem schlägt ihm aus des Tieres rotem Rachen entgegen, es schlägt mit den Hauern nach ihm. verfehlt ihn jedoch und haut in das Eis hinein, daß ein weißer Regen den schwarzen Menschenleib umgibt. „Hilf mir, Heiki.' stöhnte Joski,„hilf mir.' Heiki kämpft einen harten Kampf mit sich selbst. Run war sein Bruder, dem er so lange nach dem Leben getrachtet hatte, verkauft. Das Walroß würde ihm mit seinen Riesenzähncn den Leib auf- reißen. Und wenn Joski nicht mehr war, würde er ihn schon bei der Lyllimeti ausstechen. Doch Joskis wundes Hilfestöhnen klang ihm wieder in den � Ohren, und mit einem Male war er wieder in feine Kindheitssahre zurückversetzt, als er und Joski unzertrennlich in Spiel und Arbeit waren. Das Gute in ihm siegte. Er hob das Gewehr und drückte los. Als sich der Pulverdampf oerzogen hatte, lag das Walroß in Todeswindungen neben Joski auf dem Eise. „Jch danke dir,' Heiki.' Joski drückte seinem Bruder die Hand. Tränen liefen ihm über die Wangen. Das Walroß hatte mit feinen Hauern nur feine Schuller ge- streift, und er war nicht so geschwächt, daß er nicht beim Fell- abziehen helfen konnte. Von diesem Tage an hiellen die beiden Jungen» wieder zusammen wie früher. Doch als das Schiff im Herbst wieder nach Hammerfest kam, waren'die Eismeerfohrer ge» spannt, ob die Freundschaft wieder in die Brüche gehen würde. wenn das Kvänenmädchen dazwischenkam. Doch gerade ihretwegen hielt sie doppell gut. Zlls Joski spät am Abend m das Hinterzimmer der Kasseestube trat, fand er«inen Russen bei dem Kvänemnädel. Er schlich sich, ohne Aufheben zu machen, wieder davon. Als er an Deck kam. flüsterte er Heiki zu: „Lylli geht mst jedem, der es will.' „Gut, daß ich das Walroß da geschossen habe,' antwortete Heiki und wälzte sich in seiner Koje auf die andere Seite. lDnechtlgU Utbertrasung von Huri ReeSorst.) •___ M___-»• Reime und Formeln, die alle Kennzeichen des germanischen volks- tümlichen Verses haben, uralt die Blumenorakel, die Wundsegen, mit denen man noch heute die Schmerzen der Kinder bespricht wie zur Zeit der Merseburger Zaubersprüche(„Heile, heile� Kätzchen...' ist zum Beispiel die Anrufung des heiligen Tieres der Göttin Hotda): uralt sind di« Ringelreihen. Rest« der frühesten hymnischen rntd chorischen Poesie(die Kinver, die im„Hollerbusch" sitzen, sind in Holhas unterirdischem Reich). Aus dier Tiefe einer alles belebenden Naturreligion, wie es die germanische war, ist das Kinderlied geboren. Tiere und Pflanzen sind ihm di- besten Spielgefährten: es grüßt die Käfer und Vögel wie Wind und Wolken: beim Pfoifenschneiden und Beerenpflücken sprechen die Kinder mit Rohr und Früchten. Mond und Schnee sind gute Gesellen: Sonne und Regen werden in Liedchen gepriesen. die an di» allen Sonnen- und Regenkulle gemahnen. Der deutlichste Beweis für das Fortleben germanischer Sonnenverehrung ist die große Rolle, die Frau Holle, die Holda der Mythologie, die Göttin der Sonne und der Liebe, spielt. Sie spendet Regen und Sonnen- schein und schüttelt die Schneeflocken aus ihrem Bett. Jhr Baum, die Linde, ihr heiliges Kraut, der Rosmarin, kchren tn den Dersen häufig wieder, noch öfter ihr Bote, der Storch. Adebar, der Glücks- bringer, der aus Haidas goldenem Born die Kindlein zu den Menschen trägt. Auch die Rufe an den Sonncnkäser, der dann vom Ehristemum als Marienkäfer der Jungfrau geweiht wurde. gellen eigentlich der Göttin Holda, und im allbekannten Maikäfer- lied ist das abgebrannte„Pommerland" ein« Verballhornung au» Hollerland, Holdaland, dem Reich des Lichte», das der Weltenbrand der Götterdämmerung vernichtet. Sanft lesten die Wiegenlieder die Sinfonie des Kinderlieb«» ein:„Tio popeio. was raschelt im Stroh?" und„Schlaf. Kindloin, schlaf!' Jst erst da«„dumme Vierteljahr' vorbei, dann wirb der klein« Erdenbürger schon zum Mstspieler in diesem idyllischen Drama. indem er auf all die lustigen..Ammenscherze'«ingeht, als„Schwein- chen" geschlachtet(Quick, quick, quick!) oder vom„Mäuschen" ge- krabbell oder mit dem Taler, mst dem er Kuh und Kälbchsn kaufen soll, in dem Handteller gekitzell wird. Dazu kommen die lieblicheren Schmeichelreime und Koseliedchen, die Händeklatsch- und Finger- spielverschen. die Trost- und Beruhigungssprüchlei n. kurz, das be- leligends Geplauder, durch das ein« glückliche jung« Murtsr mst ihrem Kindchen Zwieiprach hält und das seinen höchsten dichterischen Ausdruck in der schlichten, geheimnisvoll tiefsinnigen.Ammenuhr' findet. Zu lufttgem Reim tanzt das Würmchen auf dem Arm, und bald sitzt es sogar auf Schoß ober Knie und beginnt seine ersten Rostkunststücke, die eine Unzahl von Schaukel- und Kniereiterliedchen verschönen. Bold beginnen die Kleinen schon im Spiel zu lernen. Die Zählroime(„Eins, zwei, drei, Dicke, backe, bei") und die Buch- stabierscherz«(A B C. das Kätzchen l'ef im Schnee") sind die ersten Uebungen, deren heitere Lustbarkeit noch nicht? verrät von den bitteren Aufgabon der Schule. Diese Exerzitien werden dann bei den größeren Kindern komplizierter: man erzähll sich schwierige Gedächtnisübungen, wie die langatmig« Geschichte von Jockel, den der Herr ausschickt, gibt tolle Sprachscherze und Zungenspiele auf („Die Katze tritt die Treppe krumm") und entfallet einen Reichtum in anmutigen Rätseln. Kinderpredigten werden gehalten mit langen Kettenreimen und putzigen lateinischen Brocken(Quibus, quabus, die Enten gehen barfuß"). Die Ansinge- oder Jahreslieber begleiten die festlichen Umzüge des Kirchenjahres vom Bettlerspruch der Stern- singer bi» zum Weihnachtslied. Zahllos sind die Verse beim Spiel, die Auszählroim«(„Jch und du, Bäckers Kuh...*), die Texte zu den Ketten- und Reigenspielen, diesen pantomimischen Urformen eines kindlichen Dramas(„Adam hatte sieben Söhne... Sie aßen nicht, sie tranken nicht, sie machten alle so"), die Neck- und Spottsprüchlein, die lusttgen Lügengeschichten und die phantastischen Märchen, in denen es zumeist so zugeht wie im berühmten„Schnützelputzhäusei'. „Da singen und tanzen die Mäusel, da bellen die Schnecken im Häufet." „Jm Schnützelputzhäusei da geht es sehr toll, 7 da saufen die Tisch« und Bänke sich voll, Pantoffeln gar unter dem Bette...' Ja, es ist ein« seltsam krause, wurtderlich eigenwillige Welt, die Welt des Kinderliedes, die dem Großen manchmal wohl etwas ver- kehrt und verquert zu sein dünkt... Und doch gehorcht sie ihrem stillen, harmonischen Gesetz, dem leise sprechenden Gebot der Natur, das die feinen Ohren dieser der Erde so nahen Geschöpfe am besten hören. Verschttundenes Weerungetüm Das naturwissenschaftliche Museum der sibirischen Stadt Cha- barowsk besitzt ein wertvolles Unikum: das einzig« Exemplar d-s Skeletts einer Seekuh, eines Tieres, das seit 160 Jahren aus- gestorben ist, und das einst die nördlichen Küsten des Stillen Ozeans bevölkerte. Zoologen aus Moskau werden auf Staatskosten nach Chaborowsk entsandt, um dort das vollständig erhaltene Skelett des Tieres zu studieren, das 1741 auf einer Insel der Beringstraße von dem russischen Gelehrten Steller entdeckt wurde. Damals hotte ein« Expedition Schiffbruch in der Beringstraße erlitten, und der Gelehrte, der an der Forschungsreise teilnahm, hatte durch diese Katastrophe Gelegenheit gesunden, die seltsamen Tiere, die sich in Scharen auf der Jnsel der Schiffbrüchigen aufhielten, aus nächster Nähe zu beobachten.„Diese Seetiere', berichtete Steller an die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg,„leben im Meere, weiden aber in großen Herden auf dem Lande. Die Eingeborenen sagen di« Tiere. , um für Vorräte an Fleisch und Fett zu sorgen. Die Seekuh, wie ich si« getaust habe, ist ein großes Tier; es hat ein« Länge von acht bis zehn Metern und wiegt ungefähr 400 Zentner. Die Haut der Seekuh hat zwei Schichten, die erst« ist schwarz oder dunkeMraun: sie Hot die Brest« eines Fingers und. ist fest w>e Baumrinde, während die zwette, untere Schicht' weiß ist und die Haut eines Ochsen an Festigkeit übertrifft. Das Fett der Seekuh schmeckt süß und viel angenehmer als das beste Ochsenfett.' Es gibt nur ein« einzige Wbildung der Seekuh, und zwar eine Zeichnung, die von einem Leutnant Wachs«!, der als Seeoffizier diese Gewässer besuchte, angefertigt wurde. Der Kopf des Tieres erinnert an den Kopf eines Pferdes mit eigentümlichen Kauplatten statt Zähnen, während der Oberkörper dem um ein Vielfaches vor- größerten Körper eines Seehundes gleicht. Der Unkerkörper erinnert dagegen an einen riesigen Fisch. Als sich im 18. Jahrhundert die Kunde von den fellsamen und wertvollen Tieren im Norden Sibiriens verbreitet hatte, zogen> Walfifchfänger in Scharen nach der Beringstraße. Eine rücksichtslose Jagd aus die vollständig wehr- losen Tiere begann. Zwanzig Jahre genügten, um die Seekühe voll- ständig auszurotten. Die letzte Seekuh wurde 1768 von dem Walfischjäger Popow erlegt. Gab es Sozialismus im AUerlum 7 Unter den geschichtlichen Problemen, die das 19. Jahrhundert entdeckt und in den Arbeitsbereich der Wissenschaft gezogen hat, befand sich auch die Frage nach Umfang und Bedeutung der sozialen Bewegung im Altertum. Der Historiker Robert Poehl- mann, der sich jahrzehntelang der Erforschung dieser Frag« widmet-, behandelt« si« in seinem Wert„Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der onttken Welt'. Aber in unserem Jahr- hundert ist dos Vorhandensein eines Sozialismus in der Antike völlig geleugnet worden, und Max Weber gab dem in dem Say Ausdruck:„Einen Sozialismus kann es deswegen im Altertum nicht gegeben haben, weil die Grundlagen für eine sozialistische Bewegung sehllen.' Eine vermittelnde Stellung ninunt der Historiker Friedrich Oertel in der drillen, von ihm herausgegebenen Auflog« des Poehl- mannschen Werkes«in. Er faßt die sozialistischen Bewegungen nicht mehr als Einheit auf, sondern unterscheidet zwei große Gruppen: einen idealistischen und einen realistischen Sozialismus: der realisti- sehe zerfällt welter in zwei Erscheinungsformen, je nachdem er polittsch orientiert ist oder nur eine Reform der Wirtschoftsweije anstrebt. Daran, daß die Alten den idealistischen Sozialismus kannten, ist nach den Werken ihres politischen� Schrifttums, de- sonders nach Platons„Staat', nicht zu zweifeln. Beim realistischen Sozialismus macht aber Oertel gewisse Einschränkungen. Di« Ideen, die im Athen des ö. und 4. Jahrhunderts ein« so große Rolle spielten, sind stoaissozialislischer Natur: dabei handelt es sich nicht um Aufhebung de» Privateigentums, fondern nur um eine Ausgleichung der Gegensätze zwischen Arm und Reich durch Eingreifen des Staates. Eine Massenbewegung, die«n« Revolutionierung der Wirtschaft mit dem Ziel de» Kollekttoismus erstrebte, gab c« nach Oertel im Allertum nicht: der Gelehrt« fft mit Max Weber der ?lnsicht. daß die Voraussetzungen für das Aufkommen streng soziall- stischer Forderungen in der antiken Wirtschaft nicht gegeben waren. Jn einer Besprechung der„Deutschen Literaturzeitung" weist jedoch Wallher Kolbe darauf hin. daß dies« Anschauung wohl für die griechische Entwicklung des 5. und 4. Jahrhunderts, nicht ober für die' Verhältnisse der römischen Well zutreffe. Hier muß das Sklaven- Problem, da» Oertel beiseite schiebt, berücksichtigt werden, und die Ausstände, di« s«t 149 v. Chr. das Mittelmeergebiet immer wieder in Atem gehalten haben, deuten auf«ine proletarische Bewegung hin, die schon Bücher als sozialistisch im strengen Sinne des Wort-s charakterisiert hatten. �_ i t werte fdNi he HinodM G ©1 DAS WAHR. iLItHEN Vv1 »—'i— � i FÜR Billig Gut Mideftrblgir Otmar tpangeniehgb(Abi. 1) mit braun Hoxcall- I.ederpamltnr, Kähmen arbeit......................... Ralorftrblgt Saadalettea(Abb.?), elegant« Blattveraiernng. solide Ausführung....... auch in Blau und Rot Balga-road Oaman- Spaagaoaehuh(Abb. 5' geschweifter Absatz, m. braunem Paapcl auch mit Bloekabaatz — — 1 1■' Leipziger Strasse/ Alexanderplatz/ Frankfurter Allee/ velle Alllance Strasse Wilmersdorf er Strasse/ Brunnenstrasse/ Kottbuscr Damm/ Andreasstrasse Helltraaa leiaalf-Rerr«« lahalriahuh (Abb. 1). moderne amerikudach« Form. Original Goodyeeu-- Welt............... Retbrua Beietlt-Rema-SahRlraeM (Abb. 2), moderne breit« Form......... Braaa BsKtlt-RarrM-StboRraekuk(Abb. 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Stecke) Samswskj-fiBbnei nieater in der KBnlggrBtzer StnBe Täglich SV« Uhi Aival en Komödianhaus Täglich 8>A Uhr CharleysTante mit Curt Bois. Theiier im Itllendirfplatz Täglich 8V« ohr Dl« manner d«r fflanon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze TbMLan Kotib.ior JP KottD Str. 6 a] TäpI.SUhr Eitte- HD Sänger IW DU atu gHual-Progr. flwfiMli. Pdntltltlm I Die Komödie ) 1 Bismck. 2414/7516 S'i'i, Ende geg. 10'� U. Der MaDB. der seines Haaes änderte 3 Akte von Edgar Waltacc Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele 0.1. Norden 12310 8� Ende nach 10 Autgang nurtdr Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Otech. KOnttl«r-Th. 8»/« Uhr Prosit eipsy Operette v.Oübert Emmy Sturm Früz Sdaalz Theal. d. Westens SOiuiugsB.u BaläM PllassttaltrtaBta i'n und 8V« Uhr Heute sowie täglich 8>/. Uhi Friederike Musik von lehar Carsla Totti« Beriiaer Tbeatn Di rektHeinz Herald Cltirletieosiraile 90 A. 7. Dönhoff 170 3>k, Ende 101/« Uhr Täglich Die llaf Frankf artar von Carl Rössler Regie: Euoeü Dobtll Kurhaus OstseeDad HiiligsfllialeQ 150 Betten. Besnier H, Deancnbrrg. Erstklassige Pension zu 4.50— 5, Oü M, luli— August 5.50-6,00 M._ ■BTBOPOLTHEATRB g: Nur noch 17 Tagal Lustige Witwe■ Heatarbere BelderaasB, Juktho, Bileot, Junker- mann, Behuetfen. GR. MCHAUAPIEI.HACM 8 Nur noch 17 Tage! Der liebe Augustin CbrUlluna KurlweU, Lleske, Arno, Morgen, Weetenneler. Kflimtleriieb« Lei taug: Krtfc Charell. Lessing-Tiieater Täglich 8'/. Uhr .Die Frau des Andern" CASINO-THEATEH Lothringer Strafe 57. mi4AMM«r venn lacrugoe" TTianon-Th. Täglich S'lt Uhr Das sosse Qehetmnis Operette von Zoriig Rundfunkhörer Itnlbe Preise LBStspieihias 8'/« Uhr Gaido Thielseher Weekend in Paradies Ttialia-Theater Ditiiootr Str. T2-7S, 8»/« Uhr Planetarinm — am Moo— Ttrihi MlmBisla Stnh . 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