BERLIN Soimettiag 16. Mi 1929 10 Pf. Nr. 225 B112 46. Jahrgang. SrscheinttSslich aaßerSonntag«. Zugleich Abendauegabe de«.DorirZrt«'. Bciugtprei« beide Auegaben 85 Pf. pro Woche. 3,60M. pro Monat. Vledaklion und Erpedition; Berlin SW 68. Lindenstr.S nieigen, reit: Die einspaltige Noiiparcilleteile «o Pf., gieklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. vstscheckkont«: Dorwärtt-Verlag T. m. b.H.. Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dknhvff 292 die sv7 Friede in der Metallindustrie. Der Schiedsspruch verbindlich.- Der Michsbahnschlichier ernannt. Gchimpffreiheit für Abgeordnete? Der Ichlichter für den Bezirk Brandenburg hat heute den Schiedsspruch des Schltchtungsauöschusses Groß» Berlin vom 22. April 1039 für die Berliner Metall- industrie für verbindlich erklärt. Damit ist der Arbeitsfriede für die Berliner Metallindustrie mit rund 30V OVO Arbeitnehmern bis 30. September 1030 gesichert. Der Schiedsspruch erstreckt sich aus die Betriebe des Verbandes Berliner Metallindustrieller, dem all« Grast- betriebe der Berliner Metallindustrie angeschlossen sind. Wie wir bereits mitgeteilt haben, bringt der Schieds- spruch in der Spitze, d. h. für die qualifizierten ffach- arbeiter, eine Erhöhung des Einstcllungslohnes für Zeit- arbeiter von K Pf. die Stunde, was für die Akkord- arbeiter bei entsprechender Umrechnung der Akkordsätze 7 Pf. der Spitzenarbeiter ausmacht. Die Unternehmer habe« sich aus den bekannten„grundsätzlichen" Erwägungen gqzen den Schiedsspruch und seine VerbindNchkeits- erklärung ausgesprochen. Der �eichsbahnschlichter ernannt. Morgen erste Besprechungen. Im Konflikt bei der Reichsbahn hat der Reichsarbeits- minister den Schlichter für Riedersachsen. Dr. D o e l k e r. mit der Schlichtung beauftragt. Der Schlichter Hot die Parteien für morgen zu einer ersten informatorischen Vorbesprechung eingeladen. Schacht— Stamp. Freundliche Aufnahme in der pariser presse. Parts, lö. Mai.(Eigenbericht.) Der Eiuhcltsbericht Dr. Schacht- Slamp. ein voku. mens von etwa 66 Schrelbmaschlnenielten, ist am Mittwoch der Pariser Sachverständigentonseren; vorgelegt worden. Sein Inhalt sindet in der gesamten Pariser Presse eine durchaus freundliche Ausnahme. Man betont vor allem, daß es Stamp unter Mitwirkung von Owen Poung gelungen sei, die ansäng- lich unannehmbaren Vorbehalte Schachts soweit abzumildern, daß sich ihre reibungslose Eingliederung in den Schtuhbericht ermöglichen lieh. Sauerwein stellt im„M a k i n" ausdrürflich fest. dah durch die deutschen vorbehalte der Sinn des ursprünglichen verichtes, den Stamp allein abzesaht hatte, nicht geändert worden sei. Der„Pellt Parisien" seinerseits betont, daß man wieder optimistisch sein könne, denn mit diesem Einhcitsberichl sei ein groher, wenn nicht sogar der entscheidende Schritt zur Einigung gemacht worden. Allerdings macht der„Petit Parisien" noch gewisse vorbehalte gegenüber der Revisionkklausel. die. wenn sie vielleicht auch nicht den endgültigen Eharakter der Sachverständigenlösung kompromittiere, doch gefährliche Illusionen in Deutschland wachhalten könne. Bei allem aber ist der Streit um die Verteilung der deutschen Zahlungen im Lager der Alliierten uochnichtzuEnde gekommen. Perttnar Im„Echo de Paris" glaubt mitteilen zu können. dah man in den lehten lagen den Anteil Italiens vermindert habe, um den Englands entsprechend zu erhöhen. Damit fei England ,vs iedengestellt. aber nun protestiere Italien und mit ihm Belgien. Wie man die beiden beruhigen wolle, sei noch nicht klar, zumal man es nicht wage, von Deutschland eine Erhöhung seiner Zahlungen zu fordern._____ Ergebnis der Estland-Wahlen. �inksregierung behauptet. Reval, 16. Blai. Obgleich �>ie Zählung der bei den Wahlen abgegebenen Stimmen «och nicht völlig abgeschlosien ist, läsil sich bereits jetzt folgende« Bild der Maudalsverteilung im neuen estiändifchen Parlament geben: Estnische bürgerlich« Parteien: Partei der Landwirte 24 Abgeordnete (bisher 23), Arbeiterpartei 10(13), Volkspartei 9(8), Ehristliche Volksparlei 4(3), Partei der Hauswirte 3(2). Estnische Links- Parteien: Sozialdemokraten 25 Abgeordnete(bisher 24), Lintssozialisten 6(6). Diese Zahlen können«och einige unwesent- liche Aenderungeu erfahren. Im allgemeinen kann festgestellt werden. daß die Wahlen nur eine sehr geringe Verschiebung der Partei- verhällniste gebracht haben. Das Ergebnis der Wahlen bedeutet jedenfalls kein Mitztrauensootum gegen die bisherige Lirzksregierung Ret. Oer Reichstag liefert Verleumder aus. Der Reichstag erledigte heut« vormittag zunächst einige klein« Vorlagen und kam dann zu den Anträgen des Geschäfts- ordnungsausschusies auf Aufhebung der Immunität verschiedener Abgeordneter zur Strafverfolgung. Nach Ablehnung der Anträge Frick(Rotsoz.) und Stöcker(Kamm.) auf einstündig« Redezeit, wird eine Ill-Minuten-Redezeit beschlossen. Der Ausschuh beantragt u. o. den Abg. B e r tz(Komm.) aus- zuliefern, well er seinerzeit bei der Räumung der Zuhörer- tribüne von laut demonstrierenden Arbeitslosen Kriminal- b e o mi« beleidigt habe. Abg. Pieck(Kvmni): Diese Individuen haben damals, als Bertz sie fragte, wer sie seien, geschwiegen. Sie haben sich nicht als Beamte legisim'ert, sich auch nicht als Beoiistxagte des Präfidenten oorgestelft, u>ch«ine von ihnen verlangt die Strafverfolgung gar nicht. Abg. Dr..7r>ck(Natsoz.) fordert, daß sein Parteigenosse Strasier nicht den„racheschnoubenden CB.-Iudan geopfert" werde. Re- gierungsrat Wunbisch vom Berliner Polizeipräsidium schriebe aus einen Akt, dah der Reichstag setzt in Sachen Strasier will- fähriger sei. Also der Reichstag als Schlappen Schammes der Justiz! Wenn Stvasser von der Geldsackrcpublik spricht, so tut das Reichsbanner dasselbe, wird aber nicht versolgt. Die zehn Wochenblätter, die Strasier bis vor einigen Wochen verantwortlich zeichnet«, find vollkommen Inhaltgleich, nur der lokal« Teil ist verschieden und dafür bestehen auch eigene Verantwortlich«. Der folgende Redner-, Abg. heilmonn(Soz.) wird einig« Zeit durch lärmende Zuruf« der hokenkreuzler und der Kommunisten am Reden gehindert. Präsident Löbe, der bereits während der Rede Fricks diesen zweimal hatte zur Ordnung rusen müssen, tut dies ein drittesmal. und da Zrick wciterschimpst, wird er aus der Sitzung ausgeschlossen. Er verläßt den Saal erst noch Androhung weiterer Folgen. Dieselbe Ankündigung veranlaßt schließlich auch die Kommunisten, sich zu beruhigen. Abg. Heilmann(Soz.): Eine Anweisung des preußischen oder des Reichsjustizmlnl- steriums,-die nationalsozialistischen Abgeordneten besonders scharf zu verfolgen, wie Frick behauptet hat, besteht nicht. Der Reichstag hat gerode cherrn Strasier mit besovdercr Großzügigkeit behandelt.' Der Oberstaatsanwalt in Flensburg verlangt die Auslieferung Strosiers, weil er in einer Rede den Reichstag als einen faulen Karpfenreich bezeichnet hatte: der Geschöftsordnungsausschuß hat die Auslieferung abgelehnt, da Strasier sich selbst von dieser Charakterisierung des Reichstags nicht ausgenommen hat.(Ijeiterkeit.) In anderen Fällen Nach den Flitterwochen. Zwischen Mussolini und dem Papst ist wegen der Kindererziehung ein« hestige Auseinandersetzung entbrannt. ,t)i< Erziehung unserer Kinder, lieber Mussolini, da hast du gar nicht dreinzureden!" wird die Aushebung der Immunität Strassers empsohlen, weil er sie offenbar mißbraucht. Er hat verantwortlich ei« Zeitung und ihre acht Kopfblätter gezeichnet, ober nicht nur den einheitlichen politischen Teil, sondern auch die lokalen Teile mit ihren schwer brlcidigenden Artikeln. Frick hat heute erklärt, das sei setzt geändert Damit geben die Nationalsozialisten selbst zu, daß der Mißbrauch bestanden bat. Die Immunität der Abgeordneten war im Obrigkeitsstoat ein Kampfmittel des Parlaments gegen diesen Staat. Heute die Immunität unter allen Umständen aufrecht er- hallen, würde bedeuten, daß 2000 Menschen in Deutschland jeder strafrechtlichen Verantwortung entzogen wären. Ei» Abgeordneter der«ine Zeitung verantwortlich zeichnet. dürste die Immunität gar nicht beanspruchen, denn wer ver- antwortlich zeichnet, der erklärt, daß er die strafrechtliche Verant- wortung trägt.(Abg. Stöhr(Natsoz.) wird wegen wiederholter Be- Zeichnung Heitmanns als eines�Mcineidigen dreimal zur Ordnung gerufen und darauf aus der Sitzung ausgeschlossen.) Die Nationalsozialisten sind doch Gegner des Parlamentarismus, be- nnfprucheu ober die parlamentarischen Rächte bis zur unerträglichen Ueberspitzung für sich. Die Nationalsozialisten, die Helden vom dritten Reich, sind doch, wenn sie so aus ihr« Immunität pochen, nur Leute, die das Vorrecht strafloser Derleumdung haben wollen.(Lebhaste Zustimmung der Mehrheit, Ordnungsruf für den Redner.— Abg. Goebbels(Natsoz.) wird wegen fortgesetzter Schimpferei nach dxei Ordnungsrufen ausgeschlossen.) Abg. Dingeldey(D. Vp.) äußert sich im gleichen Sinne. Abg. Pieck(Komm.) spricht gegen die beantragte Auslieserung des Abg. Florin. Dieser habe als Abgeordneter von Esten und kom- munistischer Bezirksleiter ein Flugblatt gegen den Vorstand des Bergarbciterverbandes geschrieben, weswegen Abg. Hnsemann eine Privatklag« erhoben habe. Der Gsschäflsordnungsausschliß beschul- diat Florin des Mißbrauchs der Immunität, weil er ein von ihm geschriebenes Flugblatt wahrheitsgemäß auch als Bersasser zeichnete. Ganz anders verhalte man sich zu dein sozialdemokratischen Abg. Schiller, da habe Heilmann sich gegen die Auslieferung ausgesprochen. Abg. heilmann(Soz.) wird von den Kommunisten wiederum mit andauernden Barmat-Rufen empfangen: Wenn mir an einer Klärung meiner Beziehungen zu Barmot etwas läge, hätte ich die Aufhebung meiner Immunität beantragen können. Diese Klärung ist aber in 50 Sitzungen des Untersuchungsausschusses im Preußischen Landtag erfolgt. Nationalsozialisten. Kommunisten und politische Be- austragt« des Stablhelms habe» gegen mich Strafanzeigen erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat sie aber als unbegr ii n Set abgelehnt, ohne mich auch nur zu vernehmen. Ich bin also gar nicht in die Lage gekommen, in bezug auf meine Immunität etwas zu tun. Im Preußischen Landtag haben die Kommunisten ihre Anariffe auf mich wegen Barmat usw. längst eingestellt, hier werden sie jetzt auf Befehl des Herrn Heckcrt wieder aufgenommen. Abg. Florin ist Metallarbeiter und hat ein Flugblatt der Opposition des Bergarbeiterverband-s gegen Huse- mann verantwortlich gezeichnet. Der Ausschuß hol geglaubt, daß Florin mit dem Bergarbeiterocrband beruflich gar nichts zu tun kwi(Schollendes Gelächter der Kommunisten.), die Zeichnung des Flugblattes vielmehr erfolgt fei, um es der Verantwortung zu ent- ziehen. Die Kommunisten behaupten, daß jedes Wort dieses Flug- blattes wahr fei. Da wollen wir Herrn Florin nicht die Möalichkeit abschneiden, den Wahrheitsbeweis zu führen. Mein Parteigenosse Schill«? redigiert seit viele» Jahren unser Götlinger Parteiblatt. Darin hat ein« Notiz gestanden, dfx auch in zahllose» änderen deut- schen Zeitungen enthalten war. Das Göttinger Blatt hat eine Be-• richtigung des nationalsozialistischen Abg. Ley veröffentlicht. Er hätte die Möglichkeit, sich an zahllosen anderen Stellen Genugtuung zu verschossen. Schiller zeichnet das Blatt seit Jahrzehnten ver- antwortlich, wir sehen hier keinen Mißbrauch der Immunität, sind aber zu einem allgemeinen Verbot der verantwortlichen Zeichmmg durch Abgeordnete bereit. Di« Auslieferung der Abgeordneten vertz(Komm.), Flori» (Komm.) und Straffer(Natsoz.) wird beschlossen. Es folgt die zweite Lesung des wirtschaftlichen Hilfsgeietzes für Ostpreußen. Nach kurzer Debatte wird das Gesetz angenommen. Die Kommu- nisten stimmen dagegen, weil nicht Sicherheit geschossen sei, daß das Gesetz nicht nur Landbündlern zugute komme. Während der Ab- ftimmung— also zu spät— gezweifelt ein Hakenkreuzlcr die De- schlußfähigkeit des Hauses. Präsident Löbe gibt unter lebhafter Zustimmung seiner Verwunderung Ausdruck, daß bei einem solchen Gesetz diese Anzweiflung erfolgt. Es folgt die zweite und dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Sanierung der Schichauwerjt. 99 Tote in Cleveland. Ott Explosionskataflrophe im Krankenhaus. Clevelaut» OOO Stimmen seil dem gleichen Termin gewinnen kann. Wahlen können für Kommunisten nur die Bedeutung haben, daß sie al? Gradmesser für die in der Zlrbeiterschast vorhandenen Stimmungen gelten. Sie sind auf keinen Fall mehr. Die sächsischen Wahlen haben das ganze Gebäude der„Analyse" zerstört, das die KPD. zur Begründung ihrer„Politik" errichtet hat. Die Mai- ereignisfc in Berlin erteilten den Thälmann— Neumann— Remmele die erst« bittere Lehre. Sie haben sie offenbar nicht verstanden. Die sächsischen Wahlen geben ihnen zum zweiten Male in kurzer Frist die gleiche Lehre. Es erscheint uns außerordentlich fraglich, daß sie diese Lehre verstehen werden. Tie reden schon wieder von Sieg der KPD. und Niederlage der SPD." Die preußischen Landkreise tagen. Hauptversammlung in Aerlin. In Berlin tagte noch voraufgegangenem Begrüßungsabend die Hauptversammlung der preußischen Landkreise unter dem Vorsitz des Landrats Dr. von Achenbach. Vertreter aller Fraktionen, der kommunalpolitischen Beremigungen und der Ministerien waren erschienen. In seinen Ausführungen berührte der Präsident des Preußischen Landtreistages Dr. von Stempel sämtliche Fragen der Gesetz- gebung, die die Kommunen und Kommunalverbände im letzten Jahre maßgebend berührt haben. Er legte in seinen Ausführungen großen Nachdruck auf die Verhältnisse der Gemeindefinanzen. Bei dieser Gelegenheit kam er auch auf die Anleihemöglichkeit und auf die Anleihenotwendigkeit zu sprechen und wies auf die Zusammen- hänge hin, die zwischen einer glücklichen Lösung der Repara» tionsfrage und einer zu hoffenden Erleichterung in den an- gespannten Verhältnissen der Gemeindefinanzen bestehen. Ministerialdirektor Dr. H o g sprach über den Landesfinanz- ausgleich. Er betonte, daß man mit einer Hinausschiebung des Zuschlagrechtes der Einkommensteuer für Länder und Gemeinden auf weitere zwei Jahre rechnen müsse. Der einzige bewegliche Faktor in der Finanzgebarung von Ländern und Gemeinden seien diese Realsteuern. Eine Neuregelung des kommunalen Lasten- o u s g l e i ch s vor dem sogenannten endgültigen Reichssinanzaus- gleich fei möglich und nötig. Die im preußischen Ministerium des Innern aufgestellte Denkschrift zeige in dankenswerter Weife den gegenwärtigen Zustand sowie gewiss« Wege zur günstigen Neurege- lung. Im Vordergrunde stehe der prinzipielle Lastenausgleich auf dem Gebiete der Schulen und der Polizei. Der interkommunale Lastenausgleich bestehe darin, daß die leistungsstärkeren Gemeinden und Gemeindeverbänd« zugunsten der leistungsschwachen abgeben müßten. Es ginge nicht an, daß leistungsstarke Gemeinden mit hren vermeindlichen Ansprüchen an Reichs- und Landessteuern sich er Notgemeinschaft entzögen. Landrat Bohne-Belzig behandelle als Korreferent einige ein- Zum Amerikaflug gestartet. Das Lustschlff„Graf Zeppelin" über Krankreich. Kriedrichshafen, 16. Mai.(Eigenbericht.) Das Luftschiff»,G r a f Zeppelin" ist heute vor- mittag um 5,58 Uhr unter Führung Dr. Eckeners zu seinem zweiten Amerikafluge gestartet. Tausende von Menschen wohnten trotz der frühen Morgenstunde dem Start bei. Das Luftschiff, das sich leicht erhob, nahm nach einer kurzen Runde über Friedrichshafen in schnel- lem Tempo Kurs auf Konstanz. Das Schiff führt 41 Mann Besatzung und 17 P a s s a- giere mit sich. Außerdem sind mehrere Tonnen Nutzlast und fünf Zentner Post an Bord. Dr Eckener hofft das amerikanische Fest- land im Laufe des Sonntags zu erreichen. Um)Ä6 Uhr früh waren die letzten Fahrtvorbereitungen, das Nachfüllen der Zellen usw., beendet, die Besatzung nahm ihre Plätze ein, die Passagiere bestiegen die Kabine und das Auswiegen des Schiffes begann. Kurz nach%6 Uhr gab Dr. Eckener den Befehl, das Schiff aus der Halle zu ziehen. Es fiel ein leichter Regen bei fast völliger Windstille. Um 5.58 Uhr ertönte das Kommando„Hoch". Der Zeppelin beschrieb noch eine Schleife über Friedrichshofen und nahm dann Kurs über den B o d e n s e e nach Konstanz— Basel. Nach etwa 10 Minuten war das Luftschiff am Horizont verschwunden. Um 7,25 Uhr überflog der„Gras Zeppelin" bei wolkigem Wetter die Stadt Lasel in etwa 400 Met:r Höhe mit westlichem Kurs. Fünf Schweizer Flugzeuge gaben ihm das Ehrengeleit bis zur nahen französischen Grenze. Die nächste Standortmeldung besagte, daß das Luftschiff sich um 10.10 Uhr kurz vor Lyon befand. Infolgedessen neigt man in Friedrichshafen zu der Annahme, daß Dr. Eckener. wie schon bei der ersten Amerika- fahrt mit dem„Graf Zeppelin", auf Grund der Wetterlage von vornherein den südlichen Kurs über das Mittelmecr und Gibraltar wählen wird, doch wird sich die endgültige Fahrt- xichtung wohl erst aus der nächsten Standortmeldung erkennen lassen. Mit dem amerikanischen Marinemini st erium ist vereinbart worden, daß der Zeppelin, wenn er den Ozean erreicht hat, alle zwei Stunden Standortmeldungen geben wird, die dann an die Schiffe auf dem Atlantik weitergeleitet werden. Die amerikani- schen Kllstenstationen und Kriegssch'sfe sind aufgefordert worden, die Fahrt des Luftschiffes durch Uebermsttlung von Wetter- berichten zu unterstützen. Aehnliche Anweisungen haben Hapag und Norddeutscher Lloyd ihren auf dem Atlantik befindlichen Schiffen gegeben. Amerika meldet gutes Klugwetter. New Jork. 16. Mai. Der Abflug des Luftschiffes„Graf Zeppelin" von Friedrichs. Hafen wurde hier um 12.13 Uhr östlicher amerikanischer Zeit be- kannt. Die Blätter beschäftigen sich schon jetzt lebhaft mit der zweiten transatlantischen Passagiersahrt des Luftschiffes. Wie der L iter des Wetterbureaus Dr. K i m b a l l bekannt gab. ist das Wetter im nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans namentlich auf dem mehr südlichen über die Bermudas führenden Kurs als ideal zu bezeichnen. Frau Hoelzner nichi vereidigt! Morgen Plädoyers im Prozeß Onjardin. Znsterburg, 16. Mai.(Eigenbericht.) heute Ist im Dujardin-Prozeß Lerhandlungs- pause, morgen werden die Vertreter der Staats- a n w a l I s ch a s t und der Verteidigung das Wort haben. In der gestrigen Abendverhandlung sprachen die Sachverständigen, die große Sensation war die Vicht- Vereidigung der Frau Hoelzner-Iaquet. Als Sachverständiger sagte Kriminalrat G e n n a i: Ich habe für den Mord keine durchschlagenden Motiv« finden können. Mit der klugen Persönlichkeit Dujardins ist die Tat und der vorhergehende Einbruch nicht in Einklang zu bringen. Bei der Bearbeitung planvoller Morde führen die Täter gewöhnlich das Derbrechen so aus, daß der Verdacht nicht aus die Beteiligten fällt. Sehr selten sührt der Weg vom Tatort zum Täter. Im Detektivroman ist das immer der Fall durch blendende Kom- binationen, aber sie haben den Fehler, daß der mU divinatorischen Gaben ausgestattete Detektiv„immer sofort den richtigen Weg findet, während der Kriminalist auf eine Unmenge von Möglich- k e i t e n stößt. R.-A. S ch ö n s e l d: Ist nicht bekannt, daß, wie im Fall Angerstein, der. Täter sich selbst verstümmelt, um den Verdacht abzuwehren? Kriminalrat Gennat: Ich kenne einen Fall einer Schlächtersfrau, deren Persönlichkeit der Frau Iaquets ähnelt, wo die Frau ähnlich handelte. Staats» anwalt: Kamm man danach annehmen, daß Dujardin eher in seinem Zimmer gewesen Ist, als Frau Jaquet? Sachverstän- d i g e r: Unter den obwaltenden Umständen wäre es ihm wohl außerordentlich schwer geworden, aber ein Urteil ist hier sehr schwer. Es wäre eine Fülle von Risikomomenten für Dujardin ge- wesen, so zu handeln, wie der Herr Staatsanwalt annimmt. Wenn ein Mord geplant war. wäre es auch für Frau Jaquet sehr gefährlich gewesen, sich gerade den Wachbeomten als Gehilfen auszusuchen. Das Ganze ist ein Tatbestand voller Widersprüche und Möglichkeiten. Ich habe kein klares Bild gewinnen können. Zuletzt erhielt Regierungsrat Kopp das Wort: In einem Teil der Presse ist eine Darstellung über die Entstehung meines ersten Gutachtens erschienen, die dem Angeklagien abträglich ist. Der Verteidiger hat sich an die Berliner Kriminal- polizei gewandt, und ich hatte die Sache zu bearbeiten. Ich habe das Gutachten dem Innenminister Severins überreicht, der es dem Iustizminister weiterleitete Wenn Herr Gennat kein« Motive finden konnte, so möchte ich darauf hinweisen, daß ein Testament zugunsten der Frau bestand und daß sie wohl eine sexuell unbefriedigte Frau war, eine Tatsache, die oft schlimm werden kann. Was den Eindruck des AngeNagten be- trifft, so verweis« ich auf die Aussagen der Gefängnis- b e a m t e n, die eine gute Kenntnis der menschlichen Psyche haben. Die große Sensation. Di« Verhandlung endete mit einem sensationellen Schluß. Der Vorsitzende hatte noch die Zeugin, Frau Jaquet- Hoelzner zu vereidigen und richtete an den Staatsanwalt und an den Verteidiger die Frage, ob hierzu Anträge zu stellen seien. Statsanwalt Priese. Ich bitte, die Vereidigung der Zeugin bis zum Beginn der Plädoyers zurückzustellen. Verteidiger: Ich besteh« daraus, daß Frau Hoelzner noch heut« Abend vereidigt wird. Vors.: Auch ich bin der Ansicht, daß wir heute abend die Beweisaufnahme schließen müssen. Zn� diesem Augenblick erhob sich zur allgemeinen Asberraschung Staalsanwalt priese und erklärte: 3ch bitte, die Zeugin Frau hoelzner nicht ,u vereidigen.(Ungeheure Bewegung tm gatuen Saal.) R.-A. Schönfeld: Auch ich schließe mich dem Antrage des Herrn Staatsanwalts an. Nach einer kurzen Beratung erklärte Landgerichtsrat S a r y unter atemloser Spannung der Zuhörer: Die Zeugin Frau hoelzner wird nicht vereidigt, da sie der Teilnahme oder der Begünstigung an der. Tat verdächtig ist. Diese kurze Mitteilung des Vorsitzenden löste em« unerhörte Bewegung im ganzen Saal aus. Frau Iaquet-Hoelzner, die schon bei dem Antrag des Staatsanwalts auffallend blaß geworden war, sprang halb von ihrem Sitz aus und sank dann an der Seite ihres Mannes zusammen und wurde von diesem, während auch die anderen Zuhörer sich entfernten, aus dem Saal geführt. Die Plädoyers werden am Freitag morgen um 10 Uhr beginnen, da der Donnerstag zur Vorbereitung der Reden des Staatsanwalts und des Verteidigers freijbleiben soll. schlägige Spezialfragen auf dem Gebiete der Kraftfahrzeugsteuer, der Schul- und Polizeilasten. Bei der Frage nach dem Ersatz der relativen Garantie setzte sich der Redner mit der neuen Denkschrift des preußischen Innenministeriums auseinander. Eine Bildung von ..Gemeindegrößengruppen" bezeichnete er als untragbar. Dem sächsischen Verfahren, das auch bei der Einkommensteuerverteilung die Bevölkerungszahl wesentlich berücksichtigt, sei der Vorzug zu geben. Zum Schluß wies der Redner aus die innere Verbundenheit zwischen Stadt und Land hin, die auch darin bestehe, daß manche Großstadt nur dem Wanderzuwachs vom Lande ihre Zunahm« zu verdanken habe. Zum Tode Adolf Brauns. Weitere Aeileidstundgebung. Relchsaußenminister Dr. Stresemann schrieb an die Ange- hörigen Adolf Brauns: „Zu dem schweren Verluste, den Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters erlitten haben, versichere ich Sie meiner ausrichtigen Anteilnahm«. Der Verstorben«, mit dem mich langzährige kolle- giale Beziehungen im Reichstag verbanden, hat mir vor längerer Zeit in freundlicher Fürsorg« diejenige kollegiale Gesinnung ge- zeigt, die alle, die»hn kannten, so sehr an ihm geschätzt haben." Beim Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei gingen Beileidskundgebungen vom Pros. Gustav Mayer, der be- sonders das große Interesse hervorhebt, das der Verstorbene der Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung entgegen- brachte, von der Reichszentral« für Heimatdienst, deren Beirat Braun angehört hatte, und von dem Direktor des Internationalen Arbeits- amtes. Albert Thomas. Die Sozialdemokratische Partei Ungarns tele- graphiert:„Genosse Brauns Tod hat uns besonders tief erschüttert, da auch wir in ihm einen alten.mit der ungarischen Arbeiter- bewegung eng verbundenen Freund und Kampsgenossen verloren haben."_ Auf der Flucht erschossen wurde, nach polnischer Meldung, der in Wilna verhaftete kommunistische Agitator F l o r y k, als er ins Gefängnis gebracht werden sollte. Bluitat eines Hausierers. Gi hat seine Krau erschlagen. Gestern wurde der 49jShrIge Hausierer Reinhard Bor- z y s k a r s k i. Stralauer Platz 16. o e r h a s l e t, der seine gleichaltrige Frau durch Stockschläge über den Kopf so schwer verletzt halte, daß sie an den Folgen im Bethanien-Kranken- hau» g e st o r b e n ist. Die hiebe waren mit großer Wucht geführt und hallen den Schädel mehrfach zertrümmert. B., der f a st erblindet ist, betreibt In Lokalen und auf der Straße einen Handel mit Streichhölzern, Knöpfen usw. Wenn er angetrunken ist, was sehr häusig der Fall war, gerät er in Wut und schlägt dann mit seinem schweren Eichenknüppel, den er ständig bei sich trägt, pnüberlegt zu. Am Abend der Tat kehrt« er auch wieder betrunken heim. Weil das Essen noch nicht fertig war. fing er mit seiner Frau Streit an und wurde gleich wieder tätlich. Frau B. verließ darauf die Wohnung und der Mann eilt« hinterher. Auf der Straß« holte er seine Frau ein und hieb ihr mit dem Stock mehrmals über den Kopf, so daß sie o h n- mächtig zusammenbrach. Der Rohling war bei seiner Verhaftung— er wurde in einem Lokal in der Gegend aufgestöbert— wieder s o be t r u n k e n, daß er noch nicht vernommen werden konnte B. sollte vor einiger Zeit, da man an seinem Geisteszustand Zweifel hegte, in eine Heilanstalt untergebracht werden. Auf Bitten der Frau, die den Antrag auf die Internierung selbst gestellt hatte, sah man aber von einer Unterbringung in der Heilanstalt ab, da sich nach ihrer Behauptung der Zustand des Mannes wieder gebessert habe. Vom Spiel in ten Tod. Auf dem Dämeritzse« bei Hessenwinkel kam gestern«In Zögling des Volkshochschulheime iki Wilhelmshagen der 10jährige Rudi K a s ch e. auf tragische Weise ums Leben Der Junge spielte mit mehreren gleichaltrigen Kameraben auf Flößhölzern. Plötzlich glitt er aus, verlor den Halt und stürzt« ins W a f I e r Obgleich Hilfe schnell zur Stelle war, gelang es nicht, den Jungen zu retten. Erst In den späten Abendstunden konnte die klein« Leiche geborgen werden. Opposition gegen Hugenberg. A tarische Rea!politit gegen Hugenbergs Oiktaturlräume Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion nehmen fortgesetzt zu. Der Kampf geht zwischen den Anhängern und Gegnern Hugmbergs. Am Mittwoch kam es im Verlauf einer Diskussion über landwirtschaftliche Fragen wiederum zu scharfen Ausein- andersetzungen zwischen dem früheren Ernährungsininister Schiele und Vertretern der Hugenbergschen Richtung. Schiele forderte ein Landwirtschaftsprogramm, dessen An- nähme man den anderen Parteien nicht völlig unmöglich niache. Auch die„Deutsche Tageszeitung" beschäftigte sich kürzlich mit dem landwirtschaftlichen Notprogramm und knüpfte daran Befrachtungen über die Taktik der deutschnatio- nalen Reichstagsfraktion, von der sie eine ein- deutige Einstellung zugunsten derlandwirt- schaftlichen Interessen erwartet Sie schreibt: „Dazu ist freilich ein ausreichendes Maß von taktischer Bewegungsfreiheit und Beweglichkeit erforderlich, das nicht eingeschnürt sein darf durch mißverstandene Oppositionsgrundsätze. Die Parlamentsfraktionen der Parteien haben die Aufgabe, Mittler zu sein zwischen den ideellen Zielen der Parteiprogramme und der realen Praxis, die Synthese zu schassen zwischen idealem Wollen und den Möglich- Kubin, Münch, Emst Huber. Auf dem fDadi des Itolheiikraltevs. Drei Mitglieder des berühmten Roxy-Balletts tanzen in New Dork auf dem Dache eines Wolkenkratzers. Ein« angenehme Umgebung, diese Turmbauten! keiten und Erfordernisien des Tages. Das wird als im Wesen des gegenwärtigen Systems liegend auf der Linken sehr viel besser begriffen als auf der Rechten, mit dem Erfolg. daß sich die Linke meist sehr viel regierungsfähiger vorkommt ohne es in Wirklichkeit zu sein, als die Rechte, die vielfach immer noch nicht sieht, daß alle noch so schönen Programme so lange D e k l a- mati�onen bleiben, als nicht hinter ihnen der Wille steht, an ihrer Verwirklichung zu arbeiten, indem man das Maß von Machtanteil für sich in Anspruch nimmt und ausnutzt, das irgend erreichbar ist. In diesem besonderen Fall des Viererprogramms scheint uns die weitgehende und unabhängige Aktivität der deutschnationolen Reichstagesraktion um so notwendiger, als man ja kein Geheimnis ausspricht mit der Feststellung, daß man in gewissen T reisen der Partei selbst den Alltagssorgen, auch Ides« wichtigsten deutschen Berufs st andes, zu ab- wartend gegenübersteht, weil sie meinen, man müsse erst alle Trümpfe in der Hand haben, ehe man auszuspielen versuche und daraus warten wollen, bis ihnen im politischen Skat vier Jungen und vier Asse in die Hand kommen. Die Zumutung, freundlichst zu warten, bis ihnen e i n Generalstreik beschert werden kann, werden die Bauern ver- mutlich ablehnen, weil sie sich sagen müsien, daß ihnen der schönste Systemwechsel nicht mehr viel Freude bereitet, wenn sie vorher den weißen Stab zur Hand nehmen mußten." Das ist ein sehr deutlicher Vorstoß des realpolitischen Flügels der Deutschnationalen g'gen di� Hugenbergschen D.ktaturträume! \ proz ß Klotz Nicht vor dem Schwurgericht. Pari», Ig Mai.(Eigenbericht.) Der wegen Ausgabe ungedeckter Schecks und gefälschter Wechsel vor einem halben Jahre verhaftete ehemalig« Finanzminister Klotz wird demnächst vor seinen Richtern erscheinen. Man hat beschlossen, das Berfahren gegen ihn vor der Strafkammer und nicht vor dem Schwurgericht zu führen, da, wie es heißt, immerhin zu bc- rücksichtigen sei, daß er eine historische Roll« gespielt Hab«. Auch hat seine Fpmili« mittlerweile alle Gläubiger bis auf zwei befriedigt. Herr Klotz wird also kaum schwer bestraft werden und sich nachträglich wahrscheinlich freuen, daß die ärztlichen Sachverständigen ihn trotz seiner ständigen Bitten nicht für oerrückt erklärt habxn.__ Wetter für Verlin: Wieber langsame Bewölkur.gsabnahme mit wenig geänderten Temperaturen.— Für Deutschland: Im Nordosten Regenfälle, Im übrigen Deutschland wolkig bis heiter. In der Modernen Galerie Wertheim sind 7l) Blätter von Alfred Kubin ausgestellt. Der Künstler, der feit langem in Berlin nicht mehr zu sehen gewesen war, hat eine ausgezeichnete Auswahl geschickt: darunter die aquarellierten Originale der 2g„Blätter zur Bibel" und die eben entstandene Folge„Ali der Schimmelhengst". Auch die übrigen Federzeichnungen und Aquarelle gehören dem Gebiet völlig freier Erfindung an, auf dem Kubin sein Höchstes gibt. Zwar find feine Buchillustrationen, von denen die zu Dostojewskis„Doppelgänger" und zu Kublns eigenem Roman „Die andere Seite" besonders hervorstechen, vollwertige Kunstwerke etwa von dem Rang der Slevogtschen Zeichnungen. Aber sie stehen in höherem Sinne den selbständigen Werken nach, weil ihre An- regung von außen herangetragen ist. Kubin aber gehört in die erste Reihe der wahrhast visionären Künstler. Seine eigen« Vorstellung, sein Wachtraum, sein tiefstes Erleben der Welt als«ine Station des Grausens und des Leidens bedingen sein Schaffen: nicht Anlässe der sichtbaren Natur oder des literarischen Borbildes. Dem jähen Ein- bruch seiner Gesichte vermochte seit jeher nur der Zeichenstist zu folgen: Kubin ist so begnadet oder wenn man will(und das ist zweisellos richtiger), so verdammt zum unentrinnbaren Schauen seiner Schrecknisse, daß der langwierige technische Prozeß des Bilder- malens niemals für ihn in Betracht gekommen ist. Er hat einfach keine Zett gehabt. Leinwände vorzubereiten und mit Oelfarbe zu bedecken: was ihn bedrängte, mußte rasch niedergeschrieben werden, um der nächstfolgenden Vision Raum zu geben, die drohend schon dahinter stand. Das alles ist aber nur möglich auf dem Wege der Zeichnung. Das Gemälde verlangt eine ganz andere Beruhigung und Bereitschaft des Gemüts: nie stand sie Kubln zur Verfügung. Denn ein Mensch, den der Dämon verfolgt, und dem„ein Gott zu sagen gab, was er leide", hat kein« Wahl, zu schaffen oder sich auszuruhen in schöner Naturversenkung, wenn er ein bildender Künstter ist. Er muß sich von den seelischen Bedrängern befreien, indem er seine Erscheinungen sichtbar gestaltet. Kubin hat sich sein, Welt nicht ausgesucht. Es ist fein Schicksal» in allen Dingen Angst- zustände und düstere Geheimnisse zu erleben, das Leid aller Kreatur aufzuspüren, auch auf den absonderlichsten und verschrobensten Wegen. Es gibt kein wahrhaft frohes Blatt von ihm, auch bei Gegenständen, die zur optimistischen Deutung herauszufordern scheinen, wirkt das Unheimliche, Unberechenbare des Daseins in phantastischer Form. Daß uns aber diese endlose Folge von Blättern des Grauens in all ihren Abstufungen vom Lächerlichen bis zur Höllenfratze immer Bewunderung abnötigt, zu restloser Zustimmung zwingt: darin liegt das Geheimnis des großen Künstlers, dem die Kraft gegeben Ist, sein Leiden zum Nacherleben für alle in sichtbare Form zu bringen. Gleichzeitig sieht man in der Galerie Ferdinand Möller ein« Kollektion des Malers, der zuerst an die dunkeln Tiefen moderner Dämonie gerührt hat: E d w a r d M u n ch. Es sind nur graphische Blätter von ihm ausgestellt, In ausgezeichneten frühen und seltenen Abdrücken. Aber eben in dieser Form hat der Norweger am stärksten auf unsere ganze Generation gewirkt. Immer wieder können wir vor diesen gewaltigen Lithographien und Radierungen die Erschülle- rung empfinden, die uns vor einem Menschenalter ergriff, als wir sie zum ersten Male erlebten. Diese gebrechlichen Werke werden ewig leben, weil sie tiefste Empfindungen des Menschlichen in end- gültiger, reiner, kondensierter Form übermitteln. Ziemlich weit entfernt stehen hiervon die Bilder und Aquarelle des Wieners Ernst H u b e r. die Hartberg zeigt. Oefterreichischc Schmissigkeit des Handwerklichen mischt sich mst einem Drehorgelton von Volkstümlichkeit, Erinnerungen an Altdorfer und den frühen Kokoschka werden wach, giftige Farbendekoration neben ensthafter Sorgfalt realistischer Beobachtung geben den Eindruck eines begabten aber etwas regellosen Talents. Dr. Paul F. Schmidt. Oie Breslauer pädagogische Akademie. Nach einem Festgottesdienst fand Her Festakt zu der Eröffnung der Breslauer Pädagogischen Akademie in der Aula der Universität statt. Hierbei hielt der Kultusminister Becker die Festrede. Er grüßte die Stadt Breslau, die es nicht gescheut habe, zu- sammen mit dem preußischen Staat unter großen Opfern in ihren Mauern ein« vierte Hochschule zu errichten. Die Pädagogische Aka- demie solle sowohl theoretisch als auch praktisch bilden. Das praktisch« Ziel bestehe in der Ausbildung der Bolksschullehrer, das theoretische Ziel dagegen in der allgemeinen M« n f ch b i l du n g. In diesem durchaus neuen und auch vollkommen alten Prinzip offenbare sich der große Unterschied zwischen der neuen Hochschule, die die Pädagogisch« Akademie ja sein soll, und den bisherigen drei Hoch- schulen, bei denen die Menschbildung letzten Endes nur Nebenzweck war. Die Akademie soll Menschen, aber nicht Fachmenschen erziehen. Es sei tatsächlich so, daß der Deutsche über sein ausgedehntes Schul- meisterwesen hinweg das Menschsein vollkommen vergessen habe, trotzdem ein alles Sprichwort sagt: Deutsch sein, heißt Mensch sein! Wir bemühen uns, so fuhr der Minister fort, nationale Kultur zu treiben, Übersehen aber dabei die Wirkung in der Well. Im Gegensatz zu Amerika war unser? Kultur ohne diese besondere ethische Note Daher müssen wir uns weiter dem Amerikanismus anpassen, obgleich wir feststellen können, daß Deutschland In Europa wohl das am meisten amerikanisierte Land ist. Es kommt daraus an, das Bereitsein wie es der Ameri- kaner in allen Lebenslagen kennt, auch in die deutsche Kultur hinein- zutragen. Im Zeitalter des Amerikanismus und der Technik kommt es für uns sehr darauf an, eine Ueberleitung- und ein ethisches Gegengewicht zu haben. Auch das ist ein Vorzug des Amerikanismus, wo sich neben der Technik seelische und ethische Empfindungen voll entfaltet haben. Es sei, so führt« der Redner weiter aus, vielleicht ein Mangel unseres Idealismus, daß bei uns das Nationale stärker als das Humane ausgeprägt fei. Es müsse gerade bei den pädagogischen Akademien darauf ankommen, den Geist der Humanität und der Nächstenliebe zu fördern. Selbstredend müßte man nötigenfalls wiederum nach dem Beispiel des Amerika- nismus verstehen, mit zwei Ellenbogen zu stoßen, dabei aber stets ein freundliches Lächeln bewahren Neben der Ausbildung des Akademikers und der Förderung der Ethik bedürfe die pädagogische Akademieeiner besonderen sozialen Einstellung. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, Ist die Pädagogik die modernste Wissenschaft. Das größte Ziel der pädogo- gischen Wissenschaft ist, einen neuen Wert der Volksbildung zu lchaffen.__ Kinderiheaier. Auf diese Nee ist eigentlich noch keiner unserer sonst so sindigen Theaterdirektoren gekommen: nämlich«in ständiges Theater für die Jugend einzurichten. Wir haben zwar ein Theater der höheren Schulen, das jedoch meist Klassiker spielt und für die Reiferen gedacht ist, wir haben auch Bühnen, die um die Weihnachtszeit Märchen geben, aber eine ständige Kinderbühne, die außer Märchen auch ander« für die Jugend geeignete Werke zur Aufführung bringt, besitzen wir nicht. Diesen Mangel will nun das Theater in der Klostterstraße beheben: es hat jetzt ein Kindertheater mit dem Spiel„Robinson" von Oscar Lange-Lüderitz er- öffnet. Das Stück läßt das vermissen, was die Kinder sich eigentlich unter einer Robinsonade vorstellen, das. was ihr« Phantasie seit jeher am stärksten beschäftigte: den Aufbau einer eigenen Welt, die sie allein beherrschen, aus den primitiven Mitteln der Natur. Dafür besitzt es aber in konzentriertem Maße dl« Vorzüge aller Lüderitz. scheu Kinderkomödien. Es fällt die Schranke zwischen Bühne und Parkett. Die Kleinen werden sofort ins Spiel einbezogen, dürfen mitreden, Ratschläge erteilen, Warnunzen aussprechen usw. Es ist «in« Lust zu sehen, mit welcher Leidenschast die jugendlichen Zu- schauer bei der Sache sind. Bei allem Ernst kommt auch der Humor nicht zu kurz, so daß die Kinder oft in wahre Lachstüvm« ausbrechen. Unter Sondingers Regie wurde ausgezeichnet gespielt. R u t h P u l s gab den Robinson als frischen, tapferen Jungen, Marga Cckardt seinen Freund Michel behäbig und tapsig mit einem leisen Stich ins Grotesk«. Ruth Klinger war als Freitag wild und natur- Haft. Besonderes Lob gebührt dem Affen Walters v. Varn- dal: grotesk im Menschennachahmungstrieb, rührend in seiner tierischen Anhänglichkeit. Wenn die nächsten Inszenierungen auf demselben Niveau bleiben, wird sich das Theater in der Klosterstraße bald einen ge« festigten Ruf als Kinderbühne erwerben. Walter Jacobi. Oie Analphabeten in Frankreich. Es ist eine seltsame Erscheinung, daß in Frankreich neben einer hochgebildeten Schicht sich zugleich Bevölkerungstreise von der er- staunlichsten Unbildung finden. Diese merkwürdige Tatsache wird durch die neueste amtliche Mitteilung beleuchtet, daß unter den jungen Leuten, die in einem einzigen Jahre zum Militärdienst aus- gehoben wurden, sich 4001)0 Analphabeten befanden. Die Regierung sinnt daher auf Maßregeln, um dieser Unbildung, die seit dem Kriege in beunruhigender Weise zugenommen hat, zu steuern. Die Erscheinung ist dadurch hervorgerufen, daß es in Frank- reich kein einheitliches Gesetz gibt, das die Schulpflicht wie bei uns regelt, sondern daß die Anwendung der Schulgesetze in die Hand der Lokalbehördev gelegt ist. In den Dörfern aber wagt der Schulze einen Wähler nicht zu zwingen, daß er seine Kinder in die Schule schickt, sondern um ihn günstig zu stimmen, drückt er beide Augen zu und gestattet, daß die Kinder bei den Arbeiten im Hof und auf dem Felde verwendet werden. Mit dieser Unkenntnis des Lesens und Schreibens geht in manchen ländlichen Bezirken Frankreich» eine erstaunliche Blüte des Aberglaubens Hand in Hand. Fälle von ..Hexerei" und„Zauberei" werden immer wieder berichret, und erst kürzlich wurde eine Bauernfamilie angeklagt, einen ganz unschul- digen Nachbarn schwer mißhandelt zu haben, weil der Dorfzauberer behauptete, der Nachbar habe ein Mitglied der Familie„behext" und seine schwere Erkrankung hervorgerufen. Mehr Garge als Wiegen! Im ersten Viertel des laufenden Jahres ist der bemerkenswerte Fall eingetreten, daß in den deutschen Grohstädien die Zahl der Sterbefälle die der Geburten überstiegen hat. Der Februar war der schlimmst« Monat in dieser Beziehung. Daß der Geburtenüber- schuh in Deutsch'and seit langem abnimmt, ist bekannt. Er hat sein Gegengewicht in der günstigeren Sterblickkeit gefunden, und das hat den Prozeß verlangsamt. In den Großstädten aber eitt er der Bevölkerungsentwicklung im ganzen Reich« voraus und man muß annehmen, daß uns die Großstädte die zukünftige Entwicklung der deutschen Bevölkerung nhnenlassen. Die starke Spitze, mit der hie Todecfälle überwogen, ist z. T. zweifellos durch die Ungunst der Witterung des Winters zu«rklären. Denn einmal herrschte die Grippe recht stark, die im ersten Viertel d. I. sehr vie: mehr P«r- sonen dahinraffte als im vorigen Jahr«, sodann war die Gefahr der Erkältungen sehr viel größer, die besonders zahlreiche Fälle durch Krankheiten der Atmungsorgane im Gefolge hatte. Allerdings sind in erster Linie ältere Personen die Opfer geworden, besonders die über 60 Jahre alten Bsvölkerungsschichten Aber auch die Säuglingssterblichkeit ist infolge der Erkältungsgefahren erheblich größer gewesen. Herzkrankheiten und A'tersschwäche forderten mehr Opfer als in dergleichen Zeit des Vorjahres. . Der Vergleich mit dem Jahre 1S28 ist übrigens etwas ungünstig insofern, als dieses Jahr gegenüber 1927 w vielen Ländern- im Vor- teil gewesen ist. Ueberblickt man lue Entwicklung der Sterblichkeit, so wies in den Hauptländern Europas das Jahr 1928 günst gere Sterblichkeitsverhältnisse auf als 1927. Und da mit Ausnahme Italiens überall die Geburtenzahlen 1928 höher waren, verzeich- neten die meisten Länder nicht unerhebliche Geburtenüberschüsse. Vergleicht man übrigens die Länder unter sich, so findet man, daß in den Niederlanden der Geburtenüberschuß am größten und die Sterblichkeit am geringsten war. Das ist nicht allein auf die geringe Sterblichkeit zurückzuführen, sondern auch auf die tatsächlich hohe Geburtenzahl, die nur noch von Ungarn und Italien über- troffen war. Selbst in Frankreich ist noch ein geringer Geburten- Überschuß vorhanden. Deutschtand steht etwa in der Mitte: ge- ringer sind die Geburtenüberschüsse In Großbritannien, der Schweiz und Frankreich. Es ist übrigens bemerkenswert, daß die Zahl der EHeschließun- gen 1928 unter den verglichenen Ländern in Deutschland am höch- sten und daß hier auch die Steigerung gegenüber 1927 am stärksten war. während in Großbritannien eine schwache, in Italien eine starte Abnahme der Heiraten zu verzeichnen xoar. F. L. Der Londoner Bebel verflüchtig« sich. Englisch« Statistiker haben festgestellt, daß in den letzten elf Jahren da» Londoner Zentrum, das namentlich während der gerbst- und Wintermonat» vom dichten Nebel heimgesucht wird, täglich 22 Minuten mehr Sonnenschein als in den vorhergehenden vier Jahrzehnten erhallen hat Man führt die für den Londoner erfreulich« Tatsach» zum größten Teil auf die zunehmende Verwendung von Elektrizität in der Industrie und Haushaltung zurück, di« die störende Rauchentwicklung wirksam bekämpft. Aufstieg der Angestellten. 14,4 proz. Zunahme»m ZdA. Dir organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten stehen in geschlossener Front, führen gemeinsame Kämpfe und verteidigen gemeinsame Errungenschaften. Wenn heute das Arbeitsschutz- ge s e tz behandelt wird, sind daran nicht nur die Arbeiter inter- essiert, sondern auch die A n g e st e l l t e n treten in stärkerem Matze als in früheren Jahrzehnten auf den Plan, um ihre Interessen wahr- zunehmen. Tritt die soziale Reaktion auf den Plan, so gibt es für die freigewertschofUichen Angestellten kein Zaudern, um die gefähr- lichen Folgen einer solchen Erscheinung unmöglich zu machen. Zum Millionenheer des organisierten Proletariats zählen viele Hundert- tausende von Angestellten. Damit vollzieht sich die allmähliche Ueberwindung von Span- nungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, an deren Ausrecht- erhaltung nur der Unternehmer ein Interesse haben kann. Durch Solidarität im gewerkschaftlichen Kampf wird in Betrieben die Kollegialität und enge Verbundenheit unter den Betriebsangehöri- gen gefördert. Neben dem Angestellten, der als Beretreter des Unternehmers wichtige Funktionen auszuführen hat, erscheint der andere Typus des Angestellten, der sich in seinen Lebensverhältnissen in nichts von denen der Arbeiter im Betriebe unterscheidet, der gleichermaßen Maschinenarbeit verrichtet und der im Zeichen der Rationali- sierung nur noch ein Teilchen im Produktionsprozetz ist. Höchstens künstlich genährter Standesdünkel richtet zwischen ihm und dem Arbeitnehmer aus den handarbeitenden Be- rufen eine Schranke auf. Das verschwindet, je stärker die ge- werkschaflliche Organisation unter den Angestellten wird und je mehr der Einfluß nationalistischer und bürgerlicher Verbände zurück- gedrängt wird. Di« wirtschaftliche Entwicklung befreit den Angestellten aus einer gefährlichen Isolierung als Berufsstand. In beinahe zwei Jahrzehnten vervielfälligt sich die Zahl der überhaupt vorhandenen Angestellten von IL auf 3L Millionen. Datz solch ein Vorgang nicht ohne tiefgreisende Folgen für das Denken derselben Schicht bleiben kann, die sich vor dieser Zeit in gewissen Fällen scharf gegen ein Bündnis mit dem Handarbeiter ausgesprochen hat, ist durchaus ver- ständlich. Gleichzeitig mit diesem Wachstum als g e s e l l s ch a s t- l i ch e Schicht häufen sich auch dieselben Röte, die vorher aus- schließlich den Arbeiter getroffen haben und dadurch bedingt, setz! auch in verstärktem Matze der Abwehrwille unter den An- gestellten ein. Fast 75 Proz. der überhaupt noch den Ermittlungen der Berufszählung vorhandenen Angestellten sind Handlung s- g e h i l f e n und Bureauongestellte. In diesen Massen fehlt noch das gesellschaftliche Bewutztsein in starkem Motze. Rationa- listische und berufsständische Gedankengäng« hindern das freigewerk« schaftliche Wirken heute noch sehr am Erfolg. Trotzdem geht es Schritt um Schritt vorwärts. Werbeerfolge der jüngsten Zeit sind dafür der Beweis. So kann der freigewerkschaflliche Zentralverband der Angestellten für sich einen Zuwachs von Proz. für das Berichtsjahr 1928 verbuchen, während die noch immer starken nationalistischen und bürgerlichen Verbände, DHV. und GdA., hinter dieser Ziffer weit zurückbleiben. Mehr und mehr erkennen die Angestellten in Handel und Industrie, bei den Behörden und aus dem Versicherungsgewerbe, datz sie mit den Angestellten aus den gemeinnützigen Unternehmungen in eine große Organisation gehören, die ihr Ziel im Bündnis mit den übrigen freien Gewerk- schasten durchzusetzen den Willen hat. Es ist berechtigt, von einer großen Interessen, und Arbeits- gsmeinschaft aller Arbeiter und Angestellten zu sprechen, die nicht nur theoretische Bedeutung gegen den Unternehmer besitzt, sondern die auch praktisch in die Erscheinung tritt, indem Arbeiter und Angestellte gemeinsame Kämpfe führen, um die Reugestal- tung sozialer Verhältnisse zu fördern und damit den Weg zu kultu- rellem Ausstieg aller Schichten des arbeitenden Volkes endgültig zu ebnen. GeorgUck o. Deutsche Äurroughs Rechenmaschine bleibt gesperrt- Wie wir bereits berichteten, hat die Deutsch« Burroughs R« ch e n m a s ch i n e n- A.- G., vorm. Glogowski, Friedrichstraß« 653, 28 Mechaniker ausgesperrt, weil sie den 1. Mai durch Arbeitsruhe begingen.« Der Deutsche Metallarbeiterverband hat sich der Ausgesperrten angenommen, vor dem Betrieb in der Mllllerstratze stehen Sireikposten mit einem Schild, das auf die Aussperrung hinweist. Die Wellfirma Hot es nunmehr fertiggebracht, die Streikposten zu photographieren, um sie wahr- scheinlich in ihrem Archiv zu verewigen. Allerdings ist der Firma dies« Filmaufnahme sehr schlecht gelungen. Als plötzlich ein Auto mit einem Filmapparat auf der Bildfläche erschien, gaben die Streik- Posten dem Operateur nur die Möglichkeit, ihre Hinterfront zu kurbeln. Die Streitenden sind daraufhin von der Firma mit einem Schreiben folgenden Inhalts beglückt worden: Herrn..... im Haufe Müllerstrotz«. Hiermit entlasten wir Sie unter gleichzeitiger Aushändigung Ihrer Entlastungspckpiere und des Ihnen zustehenden Lohnes fristtos wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung. Hochachtungsvoll Burroughs(Unterschristen). Bemerkenswert an dieser Entlassungsbescheinigung'.st zunächst, datz dem einzelnen Arbeiter«cht einma> der Berus, seine Beschäf- tigungsdauer oder die Art Inner Arbeitsleistung bescheinigt wird. Die Firma wagt es, von„beharrlicher Arbeitsverweigerung" zu sprechen, obwohl sich die Belegschaft am 2. Mai bei Arbeitsbezinn ordnungsmäßig zur Verfügung gestellt hat und auf Grund des Haus- friedensbruchs-Paragraphen aufgefordert wurde, die Fabrik- räume sofort zu'v e r l o s s« n. Die Firma oersucht jetzt, durch Inserate in Zeitungen neue Arbeitskräste zu erhalten. Die Ausgesperrten erwarten, daß sich kein Arbeiter, besonders ober kein Mechaniker bereit erklärt, bei dieser Firma Arbell anzunehmen. Der Betrieb ist von der Organisation gesperrt. Oer Küster im Alkoholrausch. Er schlägt den Kaplan vor dem Altar. Der Küster der katholischen Herz-Iefu-Gemeinde in Tegel, ein siebzigjähriger Mann, der seit 12 Jahren im Dienste der Kirche steht, hat sich in letzter Zeit dem Alkohol ergeben und dadurch öfter Anstoß erregt. Wäre der Mann mit seinem gelegent- lichen Räuschchen im stillen Kämmerlein geblieben, dann würde es für ihn wohl keine unangenehmen Folgen gehabt haben. Es soll ja auch in Klöstern und Pfarrhäusern vorkommen, datz man einen guten Tropfen zu schätzen weiß. Aber der Küster der Herz-Ieju« Gemeinde kam angetrunken in die Kirche, und das wurde ihm zum Verhängnis. Am Ostersonnabend hielt der Pfarrer in der Kirche einen Gottes. dienst ab. Auch der Kaplan war zur Stelle. Er sah den Küster mit hochrotem Kops zur Kirchcntür hereinkommen und schloß daraus, datz er der Flasche wieder reichlich zugesprochen hatte. Mit Rücksicht darauf erbot sich der Kaplan, dem Pfarrer vor dem Altar die Handreichungen zu tun. die eigentlich der Küster zu verrichten hatte. Die gottesdicnstliche Handlung begann. An Stelle des Küsters hielt der Kaplan dem Pfarrer den Betschemel. Der K ü st e r fühlte sich hierdurch zurückgesetzt. Da ihn der Kaplan vorher vor versammelter Gemeinde öffentlich getadelt hatte, packt« den Küster die Wut Er schlug dem Kaplan auf den Arm und stieß ihn vor die Brust. Später sagt« er zu den Ministranten, der Kaplan habe einen Vogel. Dem Küster kostete dieser Austritt seine Stellung. Der Kirchen- vorstand kündigte ihm den Dienst. Dagegen war nichts zu machen. Aber seine Dienstwohnung zu räumen weigerte sich der Küster, falls ihm nicht eine Ersatzwohnung nachgewiesen werde. Dazu war der Kirchenvorstand nicht in der Lage. Die Dienst- wohnung wird ober für den Nachfolger des gekündigten Küsters ge- braucht. Also reichte der KirKenvorstand beim ArbSitsgericht eine Klage gegen den Küster ein, wodurch festgestellt werden sollte, daß �in Grund zur fristlosen Entlassung vorlag. Das ist nämlich die Voraussetzung für eine erfolgreiche Räumungs- klag« beim Amtsgericht. Nachdem der Kaplan als Zeuge den vorstehend wiedergcgebencn Vorfall in der Kirche bekundet hatte, erkannte das Gericht dahin, datz das Verhalten des Küsters, der schon vorher wegen Trun- kenheit verwarnt worden war, eii� hinreichender Grund zur fristlosen Entlassunf ist. m vaudelegierle zum Reichslarisverlrog. In unserem Bericht.. der heutigen Morgenausgabe muh es heißen, daß von 18 00 Dele gierten zu den Bezirkstagen 1 600 fsir den Rcichsiorif ge- stimmt haben. Die Annahme erfolgte aber nicht durch Bau-, sondern durch Bezirksdelsgierte. Verantwortlich für die Redaktion: Zsr»i>» fttSH,. Berlin: Anzeigen: r».«loSe Berlin Verlag: BorwSrt« Verla» OV m d 6., Berlin. Druck: Bgrwart» Buch. druierei und Verloqeanltalt Paul Singer z- Sa. Berlin S3B 68. Lindenstra�e 3 Kierzu I Beilage. XUeAler, Lidttspiele usw. �Donnst., 1. 16. 5 Slaats-Oper Unter et. Linden A-V. 123 20 Uhr Tosea Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. R.-S. 105 20 Uhr Donnst., d. 15.5. Stüdt. Oper BismarcKstr. Turnus II 19 Uhr Staat). SduBsph. am Bendarmenmarkt A.-V. IIS 20 Uhr Vatlensteins Lager Piccolomlni Staat). Sehiller-Ttieater. Mb. 20 Uhr Zaungäste 8 Dar o S Barbarossa 9256 The Jevers und weitere Varleie-Nen-eilen Am KO»*'1»«» 2-1,,. Ales. 8088-68 Täglich 8 und 8" An b e i d e n Feiertagen Je3Vorstellg.2,5a.8u Heut« vollstindig neues Programm i Vorverkau; stets tür die laufende Woche inkl Sonntag RcUHshalleifTheater (ss. QT] an tialdes felerlasen•.aflun.(71 ~ dietüner sango m« dem trunäervollen ttlal-SProgramm! Nachm. na be Preise. ö n h OM- Breti-: (Saal und Garten) Varletd/ Tau Adoli-Bcckcr-Konzerl. Rose ar. Franmmr -DatHÄiS, Täglich SV. Uhr (Sonnuos 2 TonisMsnan SV. a. 9 DSD Derlne und der Zufallt Eilt Walzertfaum! auf der Gartenbohne. 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Die Komödie IlBismck. 2414/7516 8Vi,Ende geg. 10 V- U Der Kang, der seines Haien änderte 3 Akte von Edgar Wallsce Regie; heinz Hilpert Kammersplele J. 1. Norden 12 310 3Vi U, Ende nach 10 Autgang nurldr Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Barnovsky- Bohnen rhetter in der XSniggrtftzer StrtSe Tätlich SVa Uhr Riva I en Komödienhaue Täglich SVi Uhr CharieysTaBte mit Cui�t Bois. tfieioes TDeater Täglich«V.'Jh. NaB<"i"trod{en? nadi den Amerikaosdiea von Ftank Green. Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie. Fr.PrlßömanR- FralcrlitL Theater un aoiteodorfpiatz Täglicn 8V. hr Die manner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Ooetze HETRUPOLTHEATEB 8> Nur noch 16 Tagol Lustige Witwe Hesterberg Heidemann, Jankahn, Elleot, Janker- mann, ßchsefferf. GR. SCHAGSPIEIzHACS 8 Nur noch 16 Tag«! Der liebe Augustin Christians Karlweis, Lieske, Arno, Morgan, Westermeier./ Künstlerische Leitung: Erik Cliarell. Loslspielhaus «V, Uhr Gaido Thielseber Weekend im Paradies Lessing-Theater Täglich «V. Uhr „Die Frau des] Andern" Theat. fl. Westens laglich 8V. Ohl tu bildco Pllnflst- lilerUDen 3Vj und 8V. Uhr Friederike Frau Lollars willer- loigl■ Carola Toelle ■anns Wllbelm OUoh. K0n»tl«f-Th. 8V. Uhr Prosit Bipsy Opeiettev.Gilbert Emmy Sturm Fritz Sdmlz BerliDer Theater DirektHeinzHerald Charlottensirade v>, A. 7. Dönhoff 170 SV«. Ende tOV. Uhr Täglich Die iDnf Frankfurter von Carl Rössler Regie: eagoa Ration. ihoat. amKntm.ior Kottb.Str.6 Tiel.SUhr EUte- San'.'er Das aooa Hoi-Progr. iee'.Wt' Wdiifl-HtM ■pveiswevl nabrhatl Klischees aalvanoplastische Werkstätten K..G.Baum&Co. SW.68, Alle JaKobstraSe 144 Telephon: Dönhoff 890— 891 Pfingsten auf Fahrt! liiiimiiimiiiuiiiiiiuiiiiiMiiiimiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiimnii alle anderkarten asserkarten W K u rsbücher Reiseführer eiselektüre durch\ Buchhandlung J. H. W Dletz Nachf., vorm. Vorwärts-Buchhandlung, SW68, LindenstraBe 2:: Tel.: Dönhoff 7653 Planeiarliim — am Zoo m— ririli] Jnchionthilii Stnfc Noll. 1578 16''. Uhr StarnSildet des FrUhlahrs 18' i Uhr Wunder dei tödlichen Hlnmels 20V. Uh- Sternhimme' und Weltiiau TIgl. außer Montags u Mittw. Erwachs. I Mk� Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf.- Kinder 25 Pf. C. Xaeske s.m.d.se. Berlin O, Petersburger Platz 7 empfehlen täglich: Schinkenhinlerbeine J Schireinerippen Schnseineschtvänse und Jlnochenfleisch, Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73. v» Un. PlarrhsatkomöiliD Tempeis Bierhaus Berlin-Lie'itenberg, Gudrunstraßa am 1. Pflngstfeiertag Frühkonzert mit Gesangseinlage Möbel-Kameiiing Kastanienallee SS ©cd.»peile,., clcg. Schlut,.. ooen. occrcnj., opatl.»ücheu Oaliter-, Stut-, ftotd- und Ttufjbanmmöbel. Olicfcnaudm Spottpr., auiu».»erleichter. Restaurant'GFiso felis Zeuge MiiastraSe S, am Sportplatz Verkehrslokal des Reich. bann er- Arbcitersportlcr x Gewerkich aft Irr und Genossen der Z7. Abteilung. 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Um so mehr sollten wir Ver- ständist« haben für das kritische Stadium, das jedes unserer Kinder durchmacht, wenn es die Zeit der Pubertät erlebt, wenn ihm die eigentliche Kindheit in die Vergangenheit versinkt und«in Neues in ihm im Entstehen ist, das ihm zunächst nichts als Verwirrung bringt. Schon die körperlichen Merkmale, die mit dem Eintritt der Mannbarkeit verbunden sind, lösen bei manchem Jugendlichen ein Erschrecken aus. Reichlich so bedeutungsvoll sind ihm jedoch die Umwälzungen, die sich in seinem gesamten Wesen abspielen und die ihn zwingen, sein« Umwelt nun mit ganz anderen Augen zu betrachten. Es war eine Klasse zwölf- bis dreizehnjähriger Mädchen. Die Lektüre von Storms„Schimmelreiter" hott« schon ein paar Tag« lang den Mittelpunkt unserer Arbeit gebildet. Auch an diesem Morgen saßen wir wie gewöhnlich unter den grünen Bäumen des Schulgartens zur Arbeit bereit. Aber ein Fremdes lag heute in der Luft, und ohne jede Ankündigung stand es im Gespräch Plötz- lich mitten unter uns. Ein Arzt in der Nachbarschaft sollte sich erschossen haben, weil Fr an dem Tod einer Frau infolge eines Abtreibungsversuches schuldig war. Brockenweis, erregt wurden die Mitteilungen herausgestoßen. Aus der Grenze zwischen Wesenheit und Unwissenheit segelten die Gedanken der Mädchen hin und her. Die einen verlangten nach Klarstellung, die anderen wandten sich vor Scham oder vor Grauen ab: aber all« erfüllte ein tiefes Mitgefühl mit jener unglücklichen Frau Ich hotte zum erstenmal das erwachende Weib aus den Mädchen sprechen hören, Weibesnot sich in Kinderaugen spiegeln sehen. Und ich habe ihnen lange gesprochen über Mutterglück und Mutterleiden, so lang«, bis ich hassen durste, daß die Erregung einer ruhigen Betrachtung Platz gemacht habe. Alles was man mit der sogenannten Aufklärung zu bezeichnen pflegt, fand im An- schluß an dieses Erlebnis sein« selb st verständliche Er- l e d i g u n g. Dankbar wurde mir versichert, wie gm es sei, daß wir diese Dinge miteinander besprechen könnten, es mit der Mutter zu tun, getrauten sie sich nicht. Mich überrascht« das damals so sehr nicht, war ich es doch gewohnt, daß die Mädchen mit all ihren Freuden und Leiden zu mir kamen, mich unbekümmert um Rat angingen und Hilfe for- derten. Ich hatte es mir allerdings auch zur Pslicht gemacht, keiner Frage auszuweichen und so ehrlich und sachlich zu antworten, wie gefragt worden war.„ Trotzdem mußte ich bald einen Wandel feststellen: weniger Ossenheit, mehr Scheu, mehr Zurückhaltung in persönlichen Ange- legenheiten wurde immer deutlicher. Selbst sorgsamste Beobachtung vermag die Gründe im einzelnen nicht aufzudecken Man hat sich damit abzufinden, daß vor unseren Augen sich eine Umwälzung »us die wir kaum einea. Einstufe..habe».. Wenn der Sexualtrieb auch noch nicht deutlich in die Erschei- nung tritt, so bestimmt er doch schon stark das Phantasieleben des Kiildes, und die Aufklärung, die sich ja vornehmlich an den Intellekt wenden wird, ist sicherlich nicht i m st a n d e, jenes Phantasiespiel zu unterbinden. Manchmal findet dieses Tun auch einen unschönen Ausdruck in obszönen Bildern auf Zetteln oder an Wänden. Wenn Eltern und Lehrer solchen Auswirkungen der Pubertät mit der Prügelstrafe zu Leibe gehen, so hat das wohl nie die erhofft« Wirkung, man treibt die jungen Menschen nur noch zu größerer Heimlichkeit. Hier gibt's am allerwenigsten ein Uni- Versalerziehungsmittel. Oder doch«ins. Man richte von früh an seine Erziehungs- und Unterrichtsmäßnahmen so ein, daß im kritischen Zeitpui�t der Pubertät da» Kind gewohnt geworden ist, seiner e i g e- nen Kraft zu vertrauen, und es den Willen und das Selbst- vertrauen hat, sich durch Anfechtungen und Wirrnisse hiistrnrchzu. kämpfen. Es mag für den Erzieher notwendig sein, Fähigkeiten und Neigungen des Kindes zu erkennen: noch notwendiger ist ein solches Wissen d e m K i n d e s e l b st. Es muß sich im klaren sein über sein« Anlagen, seine Neigungen und feine Leistungssähigkeit. Wer von Kind an gelernt hat, Entschlüsse zu fassen und auszuführen, wem der Erzieher Gelegenheit gegeben hat, sich zu e n t- scheiden, ja und nein zu sagen, der wird von den Entwicklungs- Wirrnissen der Pubertätsjahre auch hin und her geschüttelt werden: aber er wird sich mit eigener Kraft darin zurecht finden. Eine Klasse zwölfjähiger Knaben sollte sür Kurse Aufgeteilt werden, und zwar in der Hauptsache nach den vorhandenen Fähig- leiten. Die gdnz« Aufteilung ist durch die Klasse selbst erfolgt, ohne daß ich ein Werturteil dabei hatte abzugeben brauchen. Jedes Kind stellte seine Meinung über sich selbst heraus, erfuhr die Korrektur durch die Kameraden und hatte nach kurzer Debatte seinen Platz in der Arbeitsorganisation gesunden. Wie richtig Selbstbeurteilung und Kameradenurteil gewesen war, ergab das Maß der späteren Bewährung in den Kursen. Nur zwei Fehlurteil« brauchte« ge- bucht zu werden, während in allen anderen Klassen bei einer Aus- wähl durch die Lehrer die Zahl der Fehlurteile erheblich größer war. Doch was wichtiger ist, den Kindern war Gelegen- heit gegeben worden, wichtige Entscheidungen zu fällen, Entscheidungen von einer Tragweite, wie sie im Schullcben, aber auch im Rahmen des Familienlebens, nur selten vorkommen. Je weniger das Kind gegängelt wird, desto besser ist es für sein« Selbsterziehung. Kürzlich sragt« ich die gleichen Jungen, die damals so sicher über Anlage und Neigung geurieilt hatten, nach ihren Beruss- rnünschen. Einige sahen klar ihren Weg, aber viele waren voller Unsicherheit. Echte Pubertätszeichen. Heute so und morgen das krasse Gegenteil. Manches Kind ist am Ende dieser Periode kaum wiederzuerkennen. Aus quecksilberigen Mädels werden verträumte Geschöpie und aus schlasmützigen Jungen aufgeweckte Kerle. Wie dieser Umwandlungsprozeß die jungen Menschen formt, ist e n t- scheidend für das ganz� Leben, und es ist nur gut, daß die Berusswahl, sowelt man heute überhaupt noch von einer Wahl dabei reden kann, in der Regel dahinter liegt Um so unverständlicher ist es, daß so wichtige Entscheidungen, wie z. B. die Umschulung in die höheren Schulen, vor der Puber- tät vorgenommen werden. Das amerikanische Volk hat mit seinen sechs- und qchrjährigen Grundschulen«inen viel klareren pädagogi- schen Blick bewiesen als wir gelehrten Deutschen mit unserer vier- jährigen. Trotz alledem, die Pubertät ist zwar ein« Krisis der Entwick- lung. aber dabei l« ia u nna türli che r Zu sta nd. Das Kind, Sie Aufklärung der lugend Uebereinstimmend wird zugegeben, daß der geeignete Ort für die Aufklärung das Elternhaus ist. Wenn man sich auch grundsätzlich auf diese Stelle geeinigt hat. so ist man döch andererseits davon überzeugt, daß die Voraussetzungen nicht überall vorhanden sind. Wer ausklären will, muß selbstverständlich über ein gewisses Maß von-Kenntnissen verfügen. Es geht nicht an, daß Vater oder Mutter im Rahmen der Auf- tlärung gutgläubig Unzutreffendes übermitteln. Es geht auch nicht an, daß die Eltern gegen anerkannte pädagogische Grundsätze bei der Aufklärung verstoßen. Deshalb sind die verschiedensten Versuche gemacht worden, zunächst einmal die Elternschaft in den ganzen Fragenkomplex einzuweihen Einig« Berliner Schulen haben Mütterabende veranstaltet, bei denen ein« Aerztin die Dinge an der Hand von Bildern und Präparaten erläuterte. Es erhebt sich nun die Frage, wie denn wohl Vater und Mutter die sexuelle Aufklärung anpacken sollen. Das wird von Fall zu Fall verschieden sein, je nachdem, wie die Familie zusammengesetzt ist, bzw. zu welchem Elternteil das aufzuklärende Kind das größere Vertrauen hat. In der Regel wird bis zur be- ginnenden Pubertät(d. h. also bis zum 12., 13. oder 14. Lebens- jähr) die Mutter für Knaben und Mädchen die geeignete Stelle sein. Der Jüngling wird sich dagegen im Regelfalle«her an den Vater wenden. Wir wisskn heut«, daß die Ausklärung nicht er st dann in Angriff genommen werden darf, wenn der Reisungsprozeß über den jungen Menschen gekommen ist. Wir wissen aber auch andererseits, daß ein« systematische, d. h. möglichst vollständig sein wollende Aufklärung mehr Schoden anrichtet als Nutzen. Die Hauptsache ist, daß die Eltern den natürlichen Fragedrang des Kindes nicht durch ungeschicktes Verhalten unterbinden, sondern durch sinngemäße, vernünftig« Antworten befriedigen. Im allge- meinen genügt es, wenn die Eltern bezüglich der sexuellen Auf- klärung nur aus das eingehen, was durch die Frage des Kindes unmittelbar angeschnitten- ist Es fragt z. B. ein Mädchen im vor- schulpflichtigen Alter seine Mutter ob denn'wirklich die Kinder durch den Storch aus dem Teich gehott werden. Hier ist es nicht nötig, etwa schon den ganzen Entwicklungsgang vom Keim bis zur Geburt in die Antwort mit aufzunehmen, sondern es genügt eine Richtig- stellung in dem Umfange, wie der Zustand der geistigen Entwicklung der Fragestellerin es verlangt. Die ausklärende Antwort wird z. B. aus dem Dorse innerhalb der anschaulichen Eindrücke der Tier- zucht ganz anders lauten können und müssen als etwa im Stcinmeer einer Millionen st ad t. Bald wird das Kind mit anderen Fragen kommen. Besonders häufig sind allerlei Fragen aus dem Gebiete der sexuellen Ausklärung dann, wenn die Kinder infolge der entsetzlichen Wohnungsnot gewisse Beobachtungen gemacht haben. Hat das Kind einmal die an sich natürliche sexuelle Neugier befriedigt, so dürfen Vater und Mutter der durch das Kind geforderten Erörterung und Belehrung nicht ausweichen, sondern müssen auf die Frage des Kindes in taktvoller Weis« eingehen. Wer ein fragendes Kind durch C heit oder Verächtlichmachung zurückstößt, erstickt nicht etwa- Wißbegierde, sondern facht sie an durch den Reiz des Verbotene Die AufNärung besorgen dann Spielgenossen, wobei nach sachve ständigem Urteil nicht selten der Zlbort Treffpunkt ist. Ein« umfassende Ausklärung, insbesondere auch bezüglich de Geschlechtskrankheiten, ist unerläßlich, sobald die Reisezeit ge kommen ist. Es ist nicht richtig, wenn von gewissen Stellen imme wieder behauptet wird, daß das Triebleben alle Warnungen ver nünftiger Aufklärung über den Haufen zu werfen vermag: richtn ist dagegen, daß unendliches Unheil vermieden werden kann, wenn vornehmlich unsere Mädchen über die ihnen drohenden Gefahren aus vertrauensvollem Munde belehrt werden. Wie die Dinge heute liegen, wird das Elternhaus in viele-. Fällen die Frag« der sexuellen Aufklärung nicht in vollem Um fange lösen können. Em gut Teil muh daher durch die Schul, geleistet werden. In den offiziellen Lehrplänen finden sich keinerlc Anweisungen, sexuelle Ausklärung in dem dargelegten Sinne zu be treiben. Wenn es hier und da eine Lehrperson gleichwohl wagt so kann das nur in Form des Gelegenheitsunterrichtes geschehen. Hier freilich gehen die Ansichten über die Art der Belehrung noch weit auseinander. Das Dresdener Hygienemuseum hat zwölf Tafeln zur Säuglingspflege herausgebracht, die ursprünglich als Anschauungsmaterial beim Schulunterricht gedacht sind. Aber kein Lehrer und keine Lehrerin würde es bei der heutigen Einstellung der Schulaufsichtsbehörde wohl wagen, diese gut gemeinte» Tafeln tatsächlich zu benutzen, ein bis zwei Tafeln, vielleicht ausgenommen. Aehnlich liegt es mit den vielen Versuchen, die volksschulpslichtige Jugend über die Geschlechtskrankheiten durch Anschauungstafeln zu belehren. Vom pädagogischen Standpunkte aus wie auch voin ästhetischen Gesichtspunkte kann man sich mit den meisten Erzeug- nisten dieser Art unmöglich befreunden. Selbst wenn keinerlei Bedenken bezüglich der sexuellen Auf- klärung durch die Schule bestünden, so muß doch zugegeben werden, daß nicht jede Lehrperson die rechte Eignung besitzt. Daraus hat schon Genosse Alfred Bogen, zurzeit Schulrat in Magdeburg, im Jahre 1920 sehr deutlich hingewiesen. Er schrieb damals:..Wer nicht imstande ist, die Sphäre des Geschlechtlichen auf«ine höhere Stuf« zu erheben, der ist nicht imstande, bei der Behandlung sexueller Probleme höheren Zielen zuzustreben." Die angedeutete Schwierigkeit zeigt sich besonders in solchen Schulen, in denen ein F r a g e k a st e n sür anonym gestellte Schülerfrogen Verwendung findet. Man Hot geglaubt, die Schwierigkeiten herabzumindern, wenn man verlangt, daß jede Frage mit dem Namen des Frage- stellers oder der Fragestellerin unterschrieben wird. Dadurch erziell man allerdings, daß frivole Fragen unterbleiben, während man sich andererseits des Vorteils begibt, die seelische Not des heranwachsenden Jugendlichen in ungeschminkter Farm kennenzulernen. vr. pbii. Otto Leelinx. dem sich alle Kräfte frei entfalten dursten, dem die Augen geöffnet wurden vor der Natürlichkeit aller Vorgänge, das in einer Men- schengcmeinfchast ohne falsche Scham und Prüderie aufwuchs, wird auch hier seinen Weg finden, seinen Weg zu sich selbst und zur Welt.-Xevcrmann. Surfen wir noch erziehen? Erzogen haben die Menschen ihren Nachwuchs zu allen Zeiten und unter allen Himmelsstrichen. Di« Möglichkeit und das Recht dazu erschien nicht zweiselhast. Erst mit der Entwicklung der neu- zeitlichen Psychologie wandelte sich der pädagogische Optimismus in den zur Zeit herrschenden Skeptizismus. Seit Schopenhauer ist vielfach die Ansicht aufgetreten, daß der C h a- r a k t e r des Individuums wie eines Volkes im Grunde u n v e r- ä n d e r l i ch sei. Neuerdings lehrt Freud, daß die Formung der kindlichen Seele im wesentlichen mit dem fünften Lebens- jähr ihren Abschluß erreicht habe, und der Jndividualpsycholog« Alfred Adler spricht in demselben Sinne schon vom dritten Jahre. Mag man nun diesen extremen Theorien auch die not- wendigen Vorbehalt« entgegenstellen, das eine hat die moderne Iugendkunde jedenfalls erwiesen, daß die körpcrlich-seelische � Entwicklung des Kindes und Jugendlichen in solchem Grade eigen- gesetzlich bedingt ist. daß für den pädagogischen Optimismus jener Zeit kein Raum bleibt. Der bekannte Leipziger Philosoph und Pädagoge Theodor Litt hat diese Krisis in dem Gegensatz„Führen oder Wachsen- lassen?" dargestellt. Jede Führung ist auf ein vorgefaßtes Ideal gerichtet. Litt glaubt aber nicht an die Möglichkeit, ein solches Ideal zu verwirklichen: die Ideale der Vergangenheit sind tot wie diese selbst, und die der Zukunft, auch wenn sie dem Zukunsts- willen der Jugend enttiommen sind, bedeuten vielleicht auch nicht mehr als fromme Wünsche.' Rur insoweit hat das Führen einen guten Sinn, als es die Jugend zum Reiche der Kulturgüter und Kulturwertc hinleite:.— Anderseits kann sich auch im„Wachsenlassen" das Erziehen nicht erschöpfen: es kann höchstens für die körperliche Entwicklung wie für die Eingewöhnung in Brauch, Sitte und Moral der Umgebung Geltung haben.— Also dies nicht und das nicht! Das Problem bleibt offen. Wir brauchen aber einen Ausweg aus der Wirrnis. Wir müssen wissen, was wir in der Erziehung bestenfalls erreichen können und damit auch leisten müssen. Am einfachsten stellt sich das Erziehungsproblem an dem Menschenkind« dar, das, um mit Nietzsche zu reden, rechtwinklig gebaut ist an Leib und Seele. Hier wäre doch wohl das Wachsen- lassen wirklich der gegebene Weg. Gewiß! Aber was braucht solch ein glückliches M-nschlcin zum Wachsen? Wie jedes Naturwesen den geeigneten Boden und die zusagend« Atmosphäre. Beides schassen heißt doch wohl auch erziehen! Wieviel Aufmerksamkeit, Klugheit und Instinkt erfordert vorerst einmal das„Auswittern" der kindlichen Individualität, bis die eigentliche Arbeit einsetzt: die Bereitstellung der zum Wachsen notwendigen Hilf« und Mittel! Da haben wir schon Erziehungsmöglichkeii und Erziehungsnotwendigkeit in unbegrenzter Fülle, selbst sür den gottbegnadeten Erziehungskünstler, auch ohne gewaltsame Eingriffe und ohne Auf- drängung wesensfremder Ziel« und Ideal«— allein schon durch die Schaffung der dem Kinde angepaßten Umwelt. So erweist sich selbst das Wachsen der kindlichen Individualität zum weseuseignen Ziele hin als Geführtwerden. Di» Frage ist nun, ob wir das Recht und die Möglichkeit einer Führung auch zu solchen Erziehungszielen haben, denen sich die Individualität des Zöglings nicht ohne weiteres fügt. Die Erziehungs ziele fetzt die Gemelnschafl, wie sie alles All- gemeingültige schafft. Man kann an diesen Begriffen und Normen aussetzen soviel man will: aber kein Geschlecht kann über sich hin- aus, so wenig wie ein Mensch über seinen Schatten springen kann. Die Normen und Ideal«, also auch die Erziehungsziele haben darum Geltung, bis die Geineinschaft selbst sie durch andere ersetzt. Der normale Mensch ist ein Gemein schastewesen, wie er ein Eigen wesen ist. Diese Doppelgesichtigkett seines Wesens.be- gründet de» ewigen Konflikt zwischen Sollen und Wollen in der Menschenbrust. Dem Kind« und Jugendlichen mm diesen Konflikt ersparen wollen, würde uns gewiß seinen Dank in der Gegenwart eintragen, sicherlich aber nicht in der Zukunft. Denn sein Hinein- wachsen in die Gemeinschaft würde ihm durch die systematische Nachgiebigkeit im Kindesalter nur erschwert, wenn nicht gar un- möglich gemacht werden. Und dieses Hineinwachsen des einzelnen in die Gemeinschaft, die Vergemeinschaftung, ist doch letzten Endes Wesen, Sinn und Aufgabe aller Erziehung. Daß der Jugendliche einem von außen her an ihn herangebrachtem Erziehungsziel widerstrebt, beweist übrigens noch nicht, daß es ihm wesensfremd ist. Kind und Jugendlicher leben eben nur in ihrer unmittelbaren Gegenwart: nicht einmal, was ihrer nächsten Zu- kunft gemessen ist, erkennen sie. Darum ist es nicht nur ein pädagogischer, sondern auch ein psychologischer Irrtum, wenn man glaubt, aus ihrem Wollen ein Erziehungsziel entnehmen zu können. Sie können uns darum immer nur sagen, was ihrem augenblicklichen Zustand entspricht: was sie brauchen und gar erst, was sie sollen, müssen sie sich von denen sagen lassen, die zum Schauen aus der Gegenwart in die Zukunft des Kindes gereist sind. Damit kommen wir zur letzten Frage, der Frage nach den psychologischen Grundlagen aller Erziehung. Aller körperlich- seelischen Entwicklung liegen die, Anlagen zugrunde. Im normalen Falle ist ihnen eine gewisse Veränderlichkeit eigen, die Entwicklung überhaupt erst möglich macht. Starre Dispositionen, die jeder Ein- Wirkung unzugänglich sind, bedeuten ebenso ein« Ausnahme, wie die Weichheit, die jeder Beeinslussung nachgibt. Innerhalb dieses Spielraumes ist nui� Erziehung der Gesamtpsrjönlichkeit oder doch einzelner Fähigkeiten möglich, Erziehung, aber auch Ve r ziehung. So kann jode Anlage durch die geeigneten Maßnahmen zu ihrem Maximum entwickelt, durch ungeeignete auf ihrem Minimum.fest- gehalten werden. Daß auch C h a r a k te r erziehung möglich ist, wird durch die Tatsache erwiesen, daß selbst ausgereiste Persönlich- keiten durch Lebenserfahrungen und Lcbcnsschicksalc tiefgehende Wesensänderungen ersahren. So sehen wir, wie auch unter veränderten sozialen und ethischen Anschauungen«ine zielgerichtete Erziehung durchaus berechtigt und auch bei Anerkennung neuzeillicher psychologischer Erkenntnisse durchaus möglich ist. Aber immer innerhalb gewisier, von de? Natur gezogener Grenzen! Für'den Erziehungsabsolutiemu? einer vergangenen Epoche, die sich anmaßte, die Jugend in die Zwangs- jacke pädagogischer Schablonen zu preisen, sehen wir heute weder eine Berechtigung noch eine Erfolgsmöglichkeit. Und diese Tatsache bedeutet für den Erzieher weniger«ine Behinderung als eine Befreiung: denn an demselben Punkt«, an dem unsere erziehliche Wirkensmöglichkeit ihre Grenze findet, hört auch unsere Verantwortlichkeit auf. Liers. c4u� dt/Y&A (13. Forlsetzung.) Selten, daß ich von einer ohne Geschenk sortgeschickt wurde. Die lieben Mädel wetteiferten ordentlich und rissen sich danach, mir einige Reisegroschen zu geben. Es kain auch vor, daß eine kein Geld hatte. Dann mußte die Wirtin oder der Boost auslegen. Kurz, das Geld regnet« mir nur so in die Taschen. Dabei bekam ich so viel zu essen, daß ich schließlich aushören mutzte zu fechten: ich konnte kaum noch laufeu. Also flink zum Bahnhof und dort mal erst eine Weile verschnaufen und dann wird die andere Seite der Straße abgeklopft, dos stand mal fest. Ein« so gute Gelegenheit bot sich selten, die durfte man sich nicht ent- gehen lassenl Nachdem ich mich ein Stündchen erholt hatte, sagte ich mir, so, nun kann s wieder los gehen, jetzt wirst du die andere Seite der berühmten Straß« abklopfen, chier ging es ebenso gut und ich war froh, daß die Zeit des Mittagessens vorüber war, denn für heut« war ich vollständig gesättigt. Ich betrat das letzte Haus, das vornehmste der ganzen Straße. Hier konnte man an jeder Zimmertür den Namen der Bewohnerin lesen. Da gab es eine Else, ein Gretchen, ein Mariechen, eine Louise, Klara und«ine Charlotte, jung« und alte, dicke und dünne, hübsche und häßliche, zum Aussuchen. Als ich bei einem Mariechen anklopfte, zog sie mich schnell ins ' Zimmer herein, drückte mir ein Geldstück in die Hand und flüsterte mir zu:„Geh' nicht rüber auf die andere Seite, dort revidiert die Sittenpolizei!" Ich bedankt« mich und ging weiter. Da kam ich an ein« Tür, auf der zu lesen war:„Anneliese". Blitzschnell ging es mir durch den Kopf, das ist dein« Annelies. Ein Schreck fuhr mir durch die Glieder. Ich hatte aber schon angeklopft und schon rief eine Stimme:„Herein!" Gott sei Dank, ich hatte mich getäuscht! Das war nicht ihre Stimme. Beruhigt trat ich«in und bracht« mein Anliegen vor. Das weibliche Wesen, dem ich gegenüberstand— eine Person von ungefähr dreißig Iahren— sragte mich, ob ich eine Tassee Kaffee mächte. Selbstverständlich nahm ich dankend an. Das Mädchen schenkt« mir immer wieder meine Tasse voll, trug Kuchen auf und bat mich, tüchtig zuzulangen. Als ich dankte, da ich noch satt vom Mittagessen war. bracht« sie mir Zigarren und «inen Likör, den ich auf ihr Wohl hinter die Bind« goß. Indem sie das Glas frisch füllte, sagt« sie:„Bei uns bekommt jeder Hand- wertsbursch« was, mein Fräulein wünscht es so." Cs fiel mir auf, daß sie von ihrem Fräulein sprach. Um zu wissen, woran ich war. fragt« ich:„Sind Sie Fräulein Anneliese?" In diesem Augenblick wurde die Tür, die ins Nebenzimmer führt«, geöfsnet, ich bemerkt«, daß jemand durchsah, und plötzlich stürzt« eine nur halb bekleidete Frauensperson laut aufschreiend herein und warf sich mir um den Hals. Es war ineine Annelies! „Richard, mein Richard!" rief sie und die hellen Tränen stürzten ihr aus den Augen. Ich war im ersten Augenblick so perplex, daß ich kein Wort hervorbringen konnte. Dann strich ich ihr langsam über das seiden- weiche Haar und erklärte ihr. daß ich sie nicht etwa aufgesucht habe, sondern daß der Zufall mich nach einem vollen Jahr hierher ver- schlagen habe. Ihr enttäuschtes Gesicht belehrte mich, daß sie davon überzeugt gewesen war, ich wäre ihretwegen hergekommen und froh, sie wieder gesunden zu haben Etwas Fremdes drängt« sich zwischen uns. Sie wurde ruhiger und ernster. Die erste Freude des Wiedersehens wich einem bongen Erschrecke� „Ich habe geglaubt." stammelte sie,„du wolltest mich hier fort- holen!" und dabei sah sie mich ganz verzweiflungsvoll an. „Konnte ich wissen, daß du hier bist? Du bist doch aus eigenem Willen von mir gegangen, ohne mir auch nur«in Wort zu sagen! Hatte ich das verdient?" Annelies vergrub ihr Gesicht in die Hände und weint« bitterlich. Ich ließ sie ruhig ausweinen, steckte mir die Zigarre an. die ausgegangen war, und trank noch einige Liköre hintereinander, um meiner Erregung Herr zu werden. Als sie ausgeweint und die Tränen getrocknet hatte, sagte sie: ,Lu schlecht darfst du von mir nicht denken. Du weißt, daß ich dich sehr geliebt habe und noch liebe. Glaubst du, daß man einen Menschen, an den man mit seiner ganzen Seele hängt, so leicht verläßt? Daß ich das Angebot von den Leuten dort in dem Harz- itädtchen angenommen habe, daran bist du selber schuld." „Ich schuld?!" „Erinnere dich daran, was du mir damals In der Kammer bei den Tagelöhnerleuten sagtest. Ich entsinne.mich der Worte, als wenn es heute gewesen wäre. Ich habe sie nie vergessen. Damals sagtest du wörttich: Wir beide beispielsweise glauben aneinander, weil wir uns beide jetzt haben und uns mit unserer gegenseitigen Liebe beglücken. Glaubst du aber, daß dieses«w>g so dauern wird? Augenblicklich glauben wir es, wir wissen aber und suhlen es auch, daß«Ines schönen Tages doch die Freud« ein Ende haben wird!" „Was hat das aber damit zu tun?" „Als ich damals im Gasthof von dir ging, glaubte ich bestimmt, daß ich zurückkehren würde. Man ließ mich aber nicht mehr fort. Ich war einem Kupplerehepaar in die Hände gefallen. Sie machten mir die verlockendsten Vorstellungen und dabei ging es mir durch den Kopf, daß du gesagt hast, einmal mutz es ia doch mit uns ein Ende haben. Als sie sahen, daß ich immer wieder fort verlangte, um erst mit dir alles zu besprechen, gaben sie mir Betäubungsmittel ein. Wie oft habe ich mir Vorwürfe darüber gemacht, daß ich dich nicht mitgenommen habe!" .Kannst du von hier nicht lederzest fortgehen?" „Heraus kann ich hier nur, wenn mich jemand auskauft. Um mich lchön zu kleiden, um zu gefallen und zu verdienen, brauch« ich Geld und das wird mir mit einem furchtbaren Aufschlag vor- gestreckt, so daß ich niemals tn die Lage kommen werde, meine Schuld abzutragen außer es kauft�tnich jemand ans." Die Beicht« hatte mich versöhnlich gestimmt. Großes Mitleid mit dem armen Mädel erfaßte mich, doch helfen kennt« ich Ihr leider nicht. Ich nahm sie wie einst in mein« Arme und wir herzten und küßten uns „Auf diese Stunde mit dir zusaminen habe ich gewartet," sagte Annelies leise...und habe es gefühlt, daß sie kommen wird, nicht -rahr, Therese'" Ihr« ältere Freundin erzählte, daß Annelies ihr aufgetragen hatte, keinen Handwerksburschen von der Tür zu weisen, sondern ihn auszufragen. Wir gaben uns einer uneingeschränkten Fröhlichkeit hin. Alles, was ich nur wünschte, mußt« Theres« auf den Tisch bringen, denn Annelies hielt mich fest umschlungen und wich nicht von meiner Seite. .Kinder, ich muß ja steigen," sagte ich endlich, als schon ein« ganze Batterie leerer Bier- und Likörflaschen auf dem Tisch standen, „ich bekomme ja kein Nachtquartier mehrl" Die Zeit war wie im Fluge vergangen. Es war abends in der elften Stunde. „Daraus wird nichts, mein Lieber." antwortete Annelies, ,chu bleibst die Nacht bei mir und kannst auch noch morgen Hitrbleiben." Ich ließ mich sür die Nacht zwar überreden, fuhr anderntags aber weiter. Der Abschied fiel mir nicht schwer. Auch Annelies schickte sich besser drein, � als ich befürchtet hotte. Beim Abschied schob sie mir etwas in die Brusttafch« des Jacketts. Es war ein blankes Zwanzigmarkstück Donnerwetter Mädel, dachte ich, du scheinst ja Geld wie Heu zu verdienen und dir scheint dieses Milieu ganz gut zu behagen. Und wie ich so die Straße entlang schritt, fiel mir ein' daß Therese mir ins Ohr geflüstert hatte, sie ist dre Schönste hier in der ganzen Straße und verdient am meisten.— Na also! Und dennoch?? In deine Seele senk ich mich hinein, Ich teil das Glück und auch den Schmerz mit dir Und wär' es auch die allergrößte Peiii, Ich leide mit dir, denn du lebst in mir. Ich weile bei dir jeden Tag. Ich denke an dich, jede Stund«, An l-dem Morgen ruft dein Geist mich wach, Ein Kuß weckt mich, von deinem schönen Mund«. Es ist dein Geist, der stündlich mich umschwebt Und mich in höh're Bahnen leitet. Der mich hinauf, in jene Sphäre hebt, In die nur Göttliches die Seele leitet. Es ist dein Geist, der mir In dunkler Nacht, Als Heller Stern in meine Kommer leuchtet Der klar, in überird'scher Pracht, Mir das Geheimnis deiner Seele beichtet. Oer Aetielbaron tritt auf. Wohl nirgends hatte sich das Zusammenwandern beider Ge- schlechter so eingewurzelt wie in der Provinz Ostpreußen. In jeder Herberg« logierten immer verschieden« Pärchen, die manchmal wochenlang ihr DomizU in einem Städtchen aufschlugen, um von hier aus die Dörfer und Bauerngehöfte abzuklappern. Das nannte man Kommando schieben. Der Ort selbst, in dem man das Stand» quartier aufgeschlagen hatte, wurde verschont, um es nicht mit der Polizei zu verderben. Schon oft hatte ich von einem Albert Wollers und seiner Marie gehört. Beide waren unzertrennlich. Dieser Baron der oft- preußischen' Vagabunden, wie er genannt wurde, wandert« schon jahrzehntelang in der Prooiyz umher. Er besah immer Geld, war immer nobel in Kluft und verstand es ausgezeichnet, nicht nur die Bauern gründlich zu rupfen, sondern auch die Polizei an der Nase herumzuführen. Wenn wir Wanderburschen auch sagten, mit Geld zu reisen ist keine Kunst, und es uns als ein besonderes Berdienst anrechneten, die Welt ohne Geld zu bereisen, so war dennoch jeder bestrebt, sich alle denkbaren Schlichte zunutze zu mckchen. um aus die leichteste und bequemste Art zu Geld zu kommen. Daß solche Aagabunden, die ans Arbeiten gar nicht mehr dachten, allerhand Dingerchen aus- tüftelten, um sich durchzuschlagen, von deren Tragweite sie sich selbst gar keine Borstellung machten, ist leicht erklärlich. Man mußte immer wieder auf etwas Neues verfallen, und die Bauen: so«in bißchen an der Nase herumzuführen, machte Spaß und hatte noch dazu den Vorteil, daß es etwas einbrachte Ich hatte in Pr.-Eylau einige Wochen als Buchbinder gearbeitet. früh morgens fremd gemacht und war einige Stunden gewandert, als ich in der Mittagszeit in einem alleinstehenden Gasthof an der Landstrahe Einkehr hielt. Da ii� einige Mark in der Tasche trug, sah ich nicht ein, weshalb ich nicht auch einmal den Herrn spielen und mich einen halben Tag ruhen sollte. Es war ein heißer Sommertag in der Erntezeit. Der Gastwirt war ein gemütlicher Kerl. Zum Gasthof schienen viel Ländereien zu gehören. Die Scheunen und Stallungen zeugten von Wohl- habenheit. Ich dachte über meine letzte Arbeitsstelle nach. Aerger und Schadenfreud« beseelten mich. Ich war gewöhnt, immer früh aufzustehen, auch wenn ich in Arbeit stand. Wenn in der Werkstatt früh um sieben Uhr angefangen wurde, hatte ich immer schon meinen Morgenspaziergang hinter mir. Es» war dies für mich der höchste Genuß. In Pr.-Eylau aber war ich dazu nicht gekonimen, da mein Meister mich immer bis zehn Uhr abends angestrengt arbeiten ließ. Um sechs Uhr früh trommelte mich der Krauter schon wieder aus dem Bett. Dabei gab es wenig zu essen und einen Wochenlohn von vier Mark. Als der Meister mich eines Tages— dos war bereits vor Morgengrauen— schon um halb sechs wecken kam, war meine Wut auf« höchst« gestiegen. Ich zog mich schnell an, ging herunter, sagte dem Krauter ordentlich Bescheid und ver- langte meine Papiere. Da verlegte sich der Meister plötzlich auss Bitten, denn ein solch' dummes Luder wie mich bekam er wohl nicht gleich wieder. Das half aber nichts. Ich war zu empört und be- stand auf dem Fremdzettel. Während ich so grübelt«, trat noch ein Gast in's Zimmer, dem Aussehen nach ein Gutsbesitzer oder Gutsinspektor. Er trug lange Reitstiefel, die ihm bis an die Knie re/chten, ein« Iagdjopp« und hielt ein« Reitgerts in der Hand, mit der er öfters über die Reit- ftiefel schlug. Der Wirt kam ehrerbietig heran und sragte nach seinem Begehr. Der Gast ließ sich eine Flasche Bayrisch und einen Schnaps geben, griff in sein« Brusttasche, und verlangte, als er bemerkte, daß er seine Zigarrentasche nicht bei sich hatte, noch einige gute Zigarren. Der Wirt betrachtete ihn wohlgefällig. Ich bemerkte aber, daß der Gast ihm sremd war. Er war ein hübscher Mann, hoch gewachsen, mit blondem Bollbart und hübschen intelligenten Gesichtszügen. Der Umstand, daß er öst:rs das Fenster ösfnete. hinaus sah, indem er dt« Hand schützend über die Augen hielt, den Kopf schüttelte und vor sich hinmurmelt«:„Wo st« nur bleiben, müßten doch längst hier sein." veranlaßte den Wirt zu der Frage:„Sie sind wohl der neue Herr Inspektor vom Rittergut?"(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. ............................................................................................................................................................................. Frachtdampfer mit Entladekran. Aus den großen Seen der Dereinigten Staaten wurde kürzlich ein Frachtdampfer von 8000 Tonnen Ladefähigkeit in Betrieb gesetzt, der seine eigenen Entladeoorrichtungen mit sich führt. Im Innern des Schiffes sind Silos nebeneinander angeordnet, deren Inhalt sich nach unten durch einen Schieber auf ein Transportband entleert und von dort mit Hilse anderer Transportoorrichtungen auf einen langen Auslegearm gebracht wird, dessen Ende über dem festen Land schwebt. So können stündlich 1800 Tonnen unmittelbar vom Schiff aufs Land entladen werden. Spezlalärzte Im. Altertum. Wer glaubt, daß die einzelnen Spezialgebiete der medizinischen Wissenschaft erst in den letzten Jahrhunderten entstanden sind, irrt sich fehr: denn Spezialärzte hat es bereits bei den alten Aegyptern gegeben. Besonders die Augenärzte standen dort schon lange vor Christi Geburt in hohem Ansehen. Bon Aegypten gingen die Aerzte dann nach Persien, um hier die verschiedenen Hautleiden zu studieren: denn, so sagt Herodot:„Persien ist das Vaterland solcher Uebel." Kamen sie dann nach langer Abwesenheit wieder nach Aegypten zurück, so waren sie in der Regel gemachte Leute: denn nun wurden sie überall hmgerusen. Durch Nero kamen sie nach Rom, is.oo 16.30 Einleitende Worte; Di 6.- 2. H Donnerstag, 16. Mai. Berlin, Otto Buchmann;..Der Sport in Beruf und Schule" Die Liebesszene In der deutschen U.chtuna. Franz Lcppmann. Leseproben: Ida Orlofl. 17.00 Kammermusik. L Jos. Haydn; Qua'tett Cs-Dur op. 64 Nr. Pützner; Streichquartett D Dur op. 13.(Bruinier Quartett.) AnschlieOend; Mittelungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 1810 Dr. Karl Würzburger:„Vom neuen Sinn der Kameradschalt". 18.35 Dr. C. Samson:„Farbiges Rbhrcnlleht". 19 00 Allred Beyer;. Lebenskunst". Anschlieüend: Denksport Aufgaben. I9J0 Dcuttchlanda Hnndelsbcziehungen Ober Reg. Rat Dr. Mililer. 20.00 Aua der SladthaMe Magdeburg. Salome" Oratorium von Hindel Musik. Ltg.: Oeneralmusikdirektor Walter Beck. Chor' Magdeburger Lehrer» Gesangverein. Stldtisches Orchester Magdeburg.— Wihrend einer Pause: Bildfunk. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. AnschllcBend bis 0.30: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hcffmana). KOnigsvnsterhansen. 16.00 Dr. Elisabeth Bioehmann: Spiel und Arbelt im Leben des Kleinkindes. 16.30 C. Guido K. Brand(Erna Feld: Rezitation): Die FrQhvollendeten, 18.00 Dr. Ernst Leibi: Deutsche Kulturleistung in Prag. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Ma)or a. D. Mayer Schalburg: Die Wanderausstellung der DLQ. 19.20 Postrat Dr. Wagnet: Oer Kaufmann und die Gebühren der RelchspeeL wo gerade im ersten Jahrhundert nach Christus die Hautkrankheiten überhand zu nehmen drohten. Sie behandelten die Kranken auch hier mit so großem Erfolg, daß man sie bat, immer in Rom zu bleiben und die römischen Aerzte mit ihrem neuartigen Wissen bekannt zu machen. Dies geschah auch. DI« Aegypter gründeten Schulen, in denen man über die Bekämpfung der Haut- und Augen- leiden unterrichtet wurde, und sorgten so dafür, daß die Spezkdli- sierung immer mehr um sich griff. Bald darauf finden wir in Rom auch schon einheimisch« Spezialärzte und Galen kennt schon folgende Aerztekategorien: Ohrenärzte, Trommelsellschneider, Frauenärzte, Bauchschneider, Zahnärzte, Diätiker, Arzneiärzte, Nieswurz» spezialisten und Weinärzt«. Lerne oder bezahle! ■ Viele Türken und Türkinnen können sich mit der ihnen zudiktierten Rolle, in die Schule zu gehen und das lateinische Alphabet zu lernen, nicht befreunden. Sie versuchen mit allen Kniffen am Schulbesuch vorbeizukommen. Die Regierung hat nunmehr ange- ordnet, daß diejenigen, die nach Abschluß der Kurse die Prüfung nicht bestehen, 15 türkische Pfund bezahlen müssen und außerdem an einem neuen Kursus teilzunehmen haben. Bestehen sie auch dann noch nicht die Prüfung, so erhöht sich die Strafe auf 100 türk. Pfund. Megaphone für Sportbegeisterte. Eine Papierfabrik im Osten der Vereinigten Staaten macht neuerdings Reklame für ihre Schalltrichter aus Pap er, die in ollen mögltchen Farben und Ausführungen hergestellt werden. Ihre Werbedrucksache hat selbst die Gestalt eines solchen Schalltrichters. Ale Hauptzweck dieses Instruments wird das Anfeuern der Mann« schaften bei sportlichen Wektkämpsen angeführt.„Schreien gewinnt die Spiele. Es steht fest, daß das anfeuernde Geschrei von den Tribünen jeden Mann zur vollen Leistung anspornt. D'e Schrei- abteilungen werden in dieser Saison«ine Menge Spiele gewinnen. Wie aber kann man schreien, wenn man nickt? hat. und wc:'? Niemand wrrh wispern, wenn er ein M'oopbon bekommen! i. Es kostet nur wenige Cent«, kann m t Reklome bedruckt im a Eingang an Stelle des Billetts verkauft werden, es ist auö' t hübsches Erinnerungsgeschcnk." So preist die Papiersabrik ih.e Waren an. Tom Mix. Ei.ie Dam« sagte einmal zu Tom Mix: „Ich habe mich entschlossen, nicht zu heiraten." „So?" entgegnete Tom Mix. „Sie sagen n chts?" wunierte sich die Dom«. „Was soll ich sagen?" anwoitet« Tom M'x,„Sie sin».| hr me..Ich«nsreundlich." Sehr richtig. Der Lehrer erzählt den Schülern den verlauf d«. Revolution von 1848. ,Karl! Was, glaubst du wohl, würde der General Wrangel tun, wenn er jetzt lebte?" „Er würde sich Pension holen!"(Aus dem„Wahren Jacob".) / ~c Originalo Rivals, Rrck-Darren-Äkt, Lportklub Sandow-Leipzig, 4«: 3. 3 Achilles, Rolmaijmnattltatt, Sportklub Viktoria-Magdeburg, 47 4. 2 Rouvels, k>andakroi»ten. Artiftenverein Sinigkeit-Berlin, 4i! 3. 3 sserettis, Sladlaloren. Sportklub Sichenkranz-Leipzig, 44$£>: 3. Vogini, Balljongleur, Artistenverein Einigkrit-Berlin, 44: 7. 2 ssrettis, Hanbakrobaten, Sportklub Eichenkranz-Leipzig, 43: 3. Grotgan-Trio, Equilibristen, Sportklub Braun- schweig, 42?.�: 9. 4 Drehardos. Leiter- und gaynalt, Sportklub Dessau, 41'/,: IN. Osterni. Schlangenmensch, Sportklub Dessau, 41: 11. Stalini, Gelenvantast, Artistenverein ssinsterwaldc, 4N: 12. The Orginal Harris, Teufelsakt, Artisten- verein Leipzig, Zg>4: 13. 2 Sabarrllos, Squilibristrn, Artistenverein Finster- waide. 39>4: 14. 2 Albertis, Doppelluftreik, Sportklub Halderstadt, 29: 13. Thar- les Fitari, Matrosenspiele am Anker, Sportklub Aalberstadt, 88?�: IN. Gebr. Andersen, ckquilibristen. Sportklub Dessau. 3814: 17. Sakl-Takl, komisch-seriiiser Akt, Sportklub Braunschweig, SSNil: 18. 2 Alfons, Luft- unt Pcrchakt, Sport- klub Dessau, 33�: 19.?, Kandis, Sguilibristen, Artistenverein Findcrwalde, 34>4- 20. 4 Hermonos, Gladiatoren, Sportklub Magdeburg, 30 Punkte. Ant Sdimelings Spuren. Haymann, Domiorgcn, Müller nach Amerika. Die wenigen Eiimahmemöglichkeiten, die sich den deutschen Be- rufsboxern hier bieten, haben bewirkt, daß gleich drei Titelhalter der Heimat den Rücken kehren wollen. Ludwig Hoymann- München und Hein Domgörgen- Köln haben auf dem am 17. Mai von Hamburg abfahrenden Hapagdampier„Deutschland" bereit» Plätze belegt und auch Halbschwergewickitsmeister Hein Müller- Köln wird in Kürze folgen. Er wartet nur noch auf seinen Europameisterfchaftskampf mit dem Italiener Bonaglia, der aber wegen zu hoher Forderungen kaum zustande kommen dürfte. Die Bundesregatta in Berlin. Der Auftakt zum Bundesfest des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes In Nürnberg ist die R e g a t t a der Ruderer und Kanufahrer am 29. un-d 30. Juni in Grünau. Diese Bundesregatta wird alle bisherigen Regatten wett übertreffen, Hunderte von Ruderern und Kanufahrern aus dem Reiche kommen nach Berlin, um gegen die Berliner Ruderer in die Schranken zu treten. Die Arbeiterschaft Berlins wird Zeuge großer rudersportlicher Kämpfe sein. Es ist das erstemal, daß«in» Regatta in diesem Ausmaß« In Bertin stattfindet. Die Regattaleitung richtet daher an all« Genossen, Freund« und Gönner der Arbeiter-Ruderbewegung, sowie an alle Arbeitersportler die dringende Bitte für die auswärtigen Teilnehmer Privatquartiere zur Verfügung zu stellen, Unkosten werden ver- gütet. Quartieranmeldungen sowie alle Anfragen in Quartier- angelegenheiten sind zu richten an: Albert Schreck, Berlin SO 36, Kiesholzstr. 12. Baldige Anmeldung erbeten. Arbetter-Radfahrer-vereln. Graß-Berlin. Pfingsttour aus zwei Tage. Sonnabend, 18. Mai, 17 Uhr, nach Fr-inkendorf, AU-Ruppin Sonntag, 19. Mai, 4 Uhr, Fronkendorf. 19. Mai, 13 Uhr, Adlcrshos, Restaurant Ziege. 20. Mai, 13 Uhr, Mahlsdorf-Süd. Restaurant Dräger. Start Waldemarstr., Ecke Mariannenplatz. Gäste will- kommen. Was so passiert! Eine rechte Pleite hat sich bei den bürgerlichen R u d c- r e r n entwickelt. Die Zahl der Aktiven geht merklich und stetig zurück. Während der Verband für 1923 noch 23 561 Ruderer meldete, sank diese Zahl 1926 auf 28 042, 1927"aus 27 378 und purzelte im letzten Jahr gar aus 25 420 Ruderer. Mehr als 3000 Mitglieder oder 12 Prozent in wenigen Jahren zu verlieren, ist bitter. Es ist um so bedeutungsvoller, als dieser Rückgang in eine Zeit der steten Ausdehnung des Wassersports' sällc Es ist Krieg im bürgerlichen Fußball! Krieg im Inland, Krieg mit dem Ausland. Noch sind die inneren Streitigkeiten mit den Meistervereinen um die Spieleinnahmen nicht beendet und schon erheben sich in allen Landesteilen Stimmen gegen die sage- nannte„L«hrsplel"-Methode des DFB., die in Wirklichkeit eine verschleierte und kontingentiert« Konzession an das Berufsspieler- tum ist. Silber dies« Konzession genügt den ausländischen Freunden des bürgerlichen Sportverbandes noch nicht. In Prag haben die dortigen Ligaklubs beschlossen, mit Deutschland solange nicht zu spielen, bis der verhängte allgemeine Boykott aufgehoben ist. Krieg also auf allen Fronten: wie wird dir. DFB.?„ Wenn in den Kreisen der Deutschnational«»»» Volkspartei für die Einführung eines zivilen Dienstpslichtjahres Stimmung gemacht wird, dann ist das ihre Porteisache, die von vorn- herein als mehr oder minder verkappter Militarismus abgestempelt ist. Gefährlicher und vergiftender wirkt das Schlagwort vom«Sport- dienftpflichtjahr" jedoch, wenn sich angeblich neutral« Stellen dazu hergeben, diese militaristische Ausbildung der Jugend zu propa- gieren. So hat kürzlich der Universitätssportarzt Dr. Arnold-Leipzig im Rahmen der Ausstellung„Der Mensch und der Sport" einen Vortrag gehalten, in dem er für ein„ziviles Dienftpflichtjahr, in dem Kolonisationsarbett geleistet und täglich Leibesübungen betrieben werden", eintrat. Gegen diese Wühlarbeit für ein« ver- schleierte Wiedereinführung der Militärdienstpflicht muh energisch gekämpft werden. Die Rechtskreise arbeiten zieibewußt daraufhin — sie finden Unterstützung im bürgerlichen Sport! Der Verbands- sportlehrer Hofmann vom bürgerlichen Fußballbund identifizierte sich mit den oben wiedergegebenen Ansichten und die rechtsradikalen „Leipziger Neuesten Nachrichten" brachten die Schlußfolgerungen Dr. Arnolds als die Forderungen der Sportbewegung. Ist es tatsächlich die Absicht der bürgerlichen Sportoerbände, sich diese Forderung zu eigen zu machen, dann kann uns dies nur noch mehr Berechtigung zum Kampf gegen den bürgerlichen Sport geben. fh. 1 OO'Kilomcter-Segelflug. Eine fabelhafte Leistung hat der bekannte Wiener Segelflieger K r o n f e l d vollbracht, dem es gelang, einen Streckenflug von rund 100 Kilometer auszuführen. Kronseld startete in der Näh« von Rheine(Westfalen) und landete bei Detmold. Der bisherige Rekord im Streckenfliegen ohne Unterbrechung gehörte dem Darmstädter Nehring, der i m August v. I. beim Rhön-Segelflugwettbewerb 72 Kilometer weit flog. Kehraus im„Ständigen Ring". Am Freilag, dem 17. Mai, schließt der Ständige Boxring seine erfolgreiche Saison mit einem ausgezeichneten Programm ab. Folgende Paar« sind verpflichtet: 1. Qualifikationskamps im Weltergewicht zwischen Rudolf Boguhn und Walter Pllrchel, 2. Antal Kreuts gegen Kurt Metzung, 3. Paul Richter gegen Eugen Kündig, 4. Walter Cunow gegen Franz Boja und S. Hans Schemann gegen Hans Bischofs. Zautiflcnaetein.Di« Slalntfttunb«", Z-ntral««itit. Abt. Giiarlottcntiuc«: ssrcilaa, 17. Mai, 20 Utr, Epr«str. 30, Han»iakob.— Abt. Südost! Frcitaa. 17. Mai, 20 1ll>r, Britzer Str. 27:.Unsere Pfinastsahrt". Abt. Trc»t««: greitaa, 17. Mai, 20 Uhr, Elsenstr. 3:„Wirtschaftspolitik, Finanatvirtf»«!*.'- — Adr. Neukölln: greita«, 17. Mai, 20 Uhr, sstunhafenstr. 88: lO-MiiiitirN. Referate.— Jnaendgrupp« Osten: ssreitag. 17. Mai, 20 Uhr, Scharnweber- straße 29:.Kulturelle Probleme".— Faltbootabt. Freitag, 17. Mai, 20 Uhr, Zohanniostr. 13:.Aus der Praxis" Ardeiter-Rab- und Keafttahrce-Bunb.Solidarität", Gau 9, Bez. 1, 2 u. 21. Ortsgruppe Groß-Berlin: Geschäftsstelle Robert Rothbarth, W. II, Schöne. berger Str. 17». Pfingstfahrten: 1. Abt.! 13. Mai Falirr in die Sächsisch« Schweiz. Start 14 Uhr Anhalter Bahnhof. 13, Mai, 3 Uhr, Kloster Chorin: 13 Uhr: Alpenbergc. 20. Mai: Strciszllge durch den Grunewald, Endziel ss-HIendor«, 13 Uhr, Start Btilowstr..33.— 2. Abt.: 18. Mai: Dreieinhalb. taaesfahrt nach Wörlitz. Start 18 Uhr Bhf. Charldg. Fahrkarte bis Michendorf lösen.— I. Abt., 18. Mai, 17 Uhr: Wörlitz. 2 Tage. 19. und 20. Mai. 3'; Uhr: Dudrow, Start Landsberger Platz.— 6. Abt.: 18. Mai: Fahrt in die Mecklen. burger SÄvciz. Ziel Himmeipfort. Start I! Uhr Stolpische Sir. 38. Bahn- sahrer: 19. Mai, b Uhr, Stett. Bhf. Rilckfahrkarte bis Fürstenberg lösen. 9. Abt., 18. Mai, I« Uhr:«Heinsberg. 19. Mai, 4 Uhr: Rhcinsbcrg, Mcckl. Schweiz. 20. Mai: Tempiln, Ioachimsthal, Liepe, Echorfhcide. 21. Mai: Freienwalde, Werneuchen. Berlin. Start Lriftstr. 83.— Abt. Sharlottenburg! 19. Mai, ö Uhr: Carlshof— Falkenfee. 20. Mai: Wublitz. Start 8 Uhr Kanal- Eck« Wilmersdorfcr Siraße.— Abt. Scklöneberg: 19, Mai, 13 Uhr: Caatwinkel. 20. Mai, 8 Uhr: Kloster Lehnin. Giart Migge, Stubenrauchstr. 3. Abt. Reakölla: 13. bis 20. Mai: Piingstfahrt noch dem Wcrbellinsee. Start 13. Mai. 17 Uhr, Hohenzollernplatz,— Abt. Köpenick: 2V. Mai, 7 Uhr: Dubrow, Hölzer- ner See. Start Köllnischer Platz.— Abt. Ltckitenbeeg sRadfahrer: 18. bis 20. Mai: Dolziaer, Grotz-Sclchowcr u»d Scharmlltzelfee. Start 18. Mal, 18 Uhr, Alt-Friedrlchsfelt« 98.— Abt. Weihenfee-Helnersdorf: 18. bis 20. Mai: Tiefen- fee. Start 3 und 7l4 Uhr Langhansstr. 112.— Abt. Reinickendorf: zwei Pfingstfahrten. I. Fahrt: Zechllner Hlltte. Start 19. Mai, 4', 8 Uhr, Bereins. lokal. 2. Fahrt: 19. Mai nach dem Werbellinfcc. Eiart 3 Uhr Bcreinsloiai — Abt. Kaulsbsrf: 20. Mai. 7 Uhr: Fahrt nach Königswnsterhaufen. Start Esckirich.— Motorsahrer. Abt.»reuzberg! 19. Mai, 8 Uhr: Lubrriusstock. 20. Mai. 8 Uhr: Lanlc. Start Baitcnplatz.— Abt. Neukölln: 18, Mai, 13 Uhr: Guben, zur Baumblüte. 19. Mai, 3 Uhr: stur Baumblüte nach Guben. Teil- nehmcr bekomm-n nur Massenguartier. Gäste bei allen Fahrten wilUommeu. Ortsgrupp« Mohlsdorf: 1. Feiertag nach Buckow lMSrkifch« Schweiz). Start tV? Uhr„Nordstern". 2. Feiertag nach Werllee. Start 7 Uhr Bereinsiokol. » �»-4 öerufs-�Iei�unif• // Monteur-Anzug, blau Q MWMa ty a. indigo m. 11.50 10.. y, jnnA • SÄiM-ii.50 • S/ K5pcf Mark>'.50 l'.So' 6»— ÄÄSÄ;» r"\ /* Maler-Hosen, Haltbare � 50\V V/ Ronditor-und Bäcker- JiMk Nova Köper„ Mark O. M ff � /* a\ Qualität„Mark 3.75 Zr.\( Jacke, gute Qualität S 25... Jf/\ 1 V 0 0/—- W m Mark 7.75.„. v. Beruk'kombmat.on \V V/ Damen• Staubmantel M\----- M m u"d 1 0- •)\ in weift und farbig 1 25 M Koch-. Konditor- und~ m Mark 19.50 11.50 1W. r* /'.\ M.7.90 b.50 5.25 3-90>?» Kj Bäcker Hosen, lehr 50. 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