Morgenausgabe Nr. 226 A 114 46.Iahrgallg WSchentllch APf. monatlich»�0«. tm oorou, zahldor, voftdrzugLorwärt»" w- Berliner VoltSvlatt Freiiag 12. Mai 1929 Groß.Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Sic 1 1 n f p a 1 1 i o c Ronporeillez-ile 80 Pfennig. Rctlame'elle 5— Reichs- wart.„Kleine Anzeigen' dos tettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmai kt Zeile VO Pfennig. Familienanzeigen Ze.le �0 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- geschüft Lindenstraße 8, wochentäglich von 8Vj bis 17 Uhr. ÄentvKwvgan der SozialdemoKratischen Vavtei DeutfOtands Postschrckkouto: Berlin 81S3S.». Bankkonto! Bank der«rbeller.«ngestellien «nd Beamten Wallstr. Kb. Diikonto-Velellschaft, Depofitenkasse Lindenstr. S Nedaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönbofs SS2— LS? Telegramm-Sdr.: Sozialdemokrat verlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Abschied von Adolf Braun. Grabreden Otto Wels' und Friedrich Adlers. Auf dem Friedhof in Friedrichsfelde hatten sich die Freunde und Mitkämpfer Adolf Brauns um fein« Familie geschart, den Toten zu Grabe zu geleiten. Bor der kleinen Halle des Friedhofs inmitten eines stillen Haines, stand der gesamt« Parteioorstand, Vertreter der Reichs- tagssraktion, unter Führung Breitscheids, und der Landtagsfraktion, Vertreter der Redaktion des.Vorwärts", der Adolf Braun noch zu Wilhelm Diebknechts Zeiten angehört hat, Vertreter des Berliner Bezirksvorstandes, der Nürnberger Parteiorganisation, in deren Mitte er jahrelang noch seiner Ausweisung aus Preußen gewirkt hat. Eduard B e r n st e i n, Robert W e n g e l s. Karl Renner- Wien und Friedrich Adler- Zürich, auch die Reichsminifter W i s s e l l und H i l f e r d i n g waren anwesend, ebenso Reichstags- Präsident L ö b e. Hermann Müller und Sevcring waren durch eine Dienstreise verhindert. Biele Kränze mit roten Schleifen türmten sich um den Sarg. Der Kranz des Parteivorstandes trägt die Inschrift:„Dein Borbi'.d selbstloser Pflichterfüllung in treuem Gedenken seine Kollegen vom Parteivorstand." Weitere Kränze sind von der deutsch-österreichi- scheu Sozialdemokratie, den Redaktionen des„Kamps" und der „Arbeiter-Zeiwng" in Wien, der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei, von Redaktion und Vertag der „Fränkischen Tagespost" in Nürnberg, der Parteiorganisation sür den Bezirk Franken. Die Konzentration, die Dachgesellschaft der Parteiunternehmungen, widmete ihren Kranz dem großen Vor- kämpfer der Arbeiterpresse. Redaktion und Verlag des„Vorwärts" und der Sozialdemokratische Pressedienst ehrten ihren Frcünd und Mitarbeiter, die Vezirksorganisationen der Partei von Berlin und Brandenburg, der Ortsausschuß der Gewerkschaften, die Sozialistische Arbeiterjugend und zahlreiche Parteiorganisationen hatten es sich nicht nehmen lasten, durch Kranzspenden ihre Verehrung sür den verstorbenen Führer zum Ausdruck zu bringen. Unter Orgelklang wurde der Sarg aus der Halle«ms die Treppenstufen getragen, vor denen sich die kleme Trauergemeinde versammelt hatte. Nach den feierlichen Klängen des von einem Kammerörchester gespielten Bcethooenschen Trauermarsches und dem von dem Arbeiter-Gesangverein„Fichte-Georginia" gesungenen „Schottischen Ballade" sprach der Parteivorsitzende Otto Wels: Adolf Braun ist nicht mehr, der Doktor ist tat— so riefen sich Tausend« und aber Tausende in gan.z Deutschland zu. Es gibt keinen, der lange Jahre in der Arbeiterbewegung steht und der ricbt mit Dankbarkeit an ihn denke» müßte. Nun findet der Ruhelose seine Ruhe. Sein Feld war die Welt und seine Familie die Menschheit. Wir werden sein von geistigem Schaffen zerwühl- tes Antlitz nicht mehr sehen, sein prüfender Blick wird nicht mehr auf uns ruhen, der jedem auf den Grund der Seele zu schauen ver- suchte. Es rostet die Feder, der unerbitt'ich die Wahrheit kündende Mund ist verstummt. Die letzten qualvollen Monate seines Lebens waren ein taufendsaches Sterben, das die Millionen Fäden zer- schnitt, die ihn mit uns allen verbanden. Ost wünschten wir im stillen, d--!, ihm ein leichter Tod beschieden Hn möge, daß ein gütiges Geschick den immer Gütigen, den ewig Scbasfeiiden vor körperlichem Berfall. besonders vor geistigem Siechtum be- wahren möne. Unsere Gedanken waren in diesen letzten Monaten immer bei ibm und wir fühlen jetzt mit den nächsten Leidtragenden, mit seiner Lieblinaztocbter, die den Heldentampf gegen das un- erbittliche Geschick kämpfte, still und selbstlos, wahrlich heldenhaft als das Kind dieses Vaters. Sldols Brauns Lebensweg war der Lebensweg des kämpfenden Brolclariaks. Seine Geschichte ist die Geschichte der kämpfenden Arbelierschaft. Seine Anfänge fallen in die Zeit der großen Vorkämpfer, der Künder einer neuen, besteren Zeit. Als Schüler Viktor Adlers nahm Adolf Braun schon an dem Hainfelder Einigungsparteitag der beute so mächtigen und festgeschlostenen Sozialdemokratie Deutlchösterreichs teil. In seiner Doktorarbeit suchte er das Wesen der Heimarbeit zu ergründen. Und als er als Redakteur des„Vor- wärts" in Berlin den großen Heimarbeiterstreik erlebte, als er für diese Ausgebeuteten und Unterdrückten eintrat, bewegte er sich schon auf vertrautem Gebiet. Der Dank des Staates für vieles Eintreten war seine Ausweisung aus Preußen. In Süddeutschland wirkte er als Arbeitersetretär weiter. Seine Schriften würden ae- sammelt ein Standardwerk der politischen und der gewerkschaft- lich-n Arbeiterbewegung sein. Er ist einer der Schöpfer des sozio- listischen Journalismus. Als im Krieg die BarteispMtung drohte, fetzte er seine ganze Kraft ein. um den Zerfall der Partei zu� ver- hüten Und als es dock geschehen war. tat er alles, um die E i n i- g u n g wieder berbei.zuführen. Die Partei und die Bewegung füllte fein ganzes Leben aus. Selbst feinen 65. Geburtstag verbrachte er auf der Eisenbahn, um sür einen erkrankten Lehrer bei einem Kursus in West- devtschland einzuspringen. Den einzigen Streit mit ibm hatte der Parteioorstand, als er im letzten Reichstagswahlkampf die Zahl der Versammlungen �was verringert« die der schwerkranke Adolf Braun übernommen hatte. Nürnberger Genossen, unruhig über seinen Gesundheitszustand, be- gleiteten ihn in das schneebedeckte Fichtelgebirge. Aus der Redner- tribüne ereilte ihn der Schlaganfall, mitten in der Arbeit für die Partei sank er hin. Nun werden wir ihn zur letzten Stätte geleiten in die Nachbar- schast von Zgnaz Auer, Wilhelm Liebknecht. Paul Singer. Hugo Hoase. Luise Zletz. Karl Legten und Hermann Molkenbuhr. Die sozialistische Internattonale verliert in ihm einen ihrer Besten, die sozialistische Wissenschaft einen ihrer Künder. Die Sozialdemo- kratische Partei Deutschlands senkt ihre Fahnen in Trauer am Sarge eines Menschen, der ihr ganz zu eigen war— selbstlos, furchtlos und treu. S o wird Adolf Braun in unserem Gedenken leben als das Borbild treuer Pflichterfüllung, als der prächtige Mensch, als der gute Kamerad, der du warft, Adolf Braun. Habe Dank, habe Dank! Run senkten sich die roten Banner über den Sarg. Die klagende Melodie„Ases Tod" von Grieg gab das Zeichen .zur Formierung eines Zuges, an dessen Spitze der Sarg zur letzten Ruhestätte gebracht wurde. Am Grabe, neben dem des alten Freundes Adolf Brauns, Richard Fischer, sprach Friedrich Adler: Als Adolf Braun im Alter von 17 Jahren auszog, um in Wien sozialistische Blätter.zu entdecken, es war Ende der siebziger Jahre, da fand er zwei Zeitungen, und auf einer das Motto:„Wir weihen unser Leben jenen höheren Zwecken, sür die Generationen nur die Op�er, nur die Hingegebenen sind." Es gibt kein« bessere Charakteristik seines Lebens als dieses Motto. Er war einer von jenen— wie der schöne Nachruf im„Vorwärts" sagt—> denen die Person nichts, die Sache olle» war. Er hat niemals gefragt, wie sehe ich aus, sondern sein ganzes Leben stand die Frage vor ihm: Wie sieht die Partei aus? Was muß ich ttin, um der Partei zu nützen und ihr zu dienen. Er verachtete die Herousarbeitung des kleinen persönlichen Lebens, und er hat alles getan, um die größere Gemeinschaft, der er gedient hat, zu kräftigen und zu Ansehen in der Welt zu bringen. Er hat in der Partei nicht eine kleine begrenzte Ausgabe gesehen, sondern von Anfang an hat er die Partei als Ausdruck der organisierten vorwärtsstrebenden Arbeiterklasse betrachtet. Lebte er noch, so würde ihn mehr als alles der Dank der Gewerkschaften freuen, die von chm sagen, daß er ge° wirkt hat für die Gesamtbewegung des Proletariats. Immer stellte er sich an jenen Platz, wo«ine Lücke war und der vielleicht von anderen nicht so beachtet wurde. Auf dem Hainfelder Parteitag hat der 27jährige ein Referat erstattet über soziale Reform und Arbeiterschutzbewegung. Er verkörperte das vereinigte Großdeutfchland, für ihn bestand keine Trennung zwischen Deutsch- land und Deutschösterreich. Im Auftrage des Parteivorstandes in Wien und der Redaktionen der Wiener„Arbeiter-Zeitung" und des „Kampf", zu dessen Mitbegründern er gehörte, und die Karl Renner hier vertritt, habe ich das auszusprechen und ihm den Dank dieser Körperschaften nachzurufen. weit über Deutschland hinaus lraoert die Arbeiterbewegung aller Länder um ihn und die Sozialistische Arbeiterinternationale gibt dieser Trauer durch mich Ausdruck. Wir können von ihm jagen, was zu erreichen sein Stolz gewesen wäre: er ist ein Arbeiter gewesen für die Arbeiterbewegung. In seinem Sinne laßt uns diese Slrbeit fort- setzen und dann'wird seine Arbeit weiterwirken. Das Kampflied„Tord Foleson", dessen Schluß:„Das Banner kann steh'», wenn der Mann auch fällt", das Symbol des arbeits- unid kampfreichen Lebens des Genossen Braun war, beschloß die Feier. Dann sieim die Schollen auf den Sarg dieses Treueften. „Zeppelin"- Fahrt abgebrochen. Wegen Maschinensiörungen. Friedrichshafen, 16. Mai. Ein im Laufe des heutigen Abends von Bord des „Graf Zeppelin" an die Werftleitung gelangter Funkspruch besagt, daß die Amerikafahrt vor- läufig abgebrochen wurde, nachdem in der Ma- schinenanlage größereStörnngen aufgetreten sind. die die Ueberfahrt nach Amerika gegenwärtig nicht rat» sam erscheinen lassen. Tr. E ck e n e r hat sich daher heute abend um 6.35 Uhr nach einer Besprechungmitden Passagieren entschlossen, die Fahrt abzubrechen und nach Friedrichshafen zurückzukehren. Das Luftschiff wird am Freitag früh in Friedrichshafen erwartet. Nach dem Funktelegramm will„Graf Zeppelin" den gleichen Weg nachj Friedrichshasen zurückfliegen. Wie man weiter hört, sind durch den gemeldeten Maschinendefekt zwei Motore aus- g e f a l l e n und Dr. Eckener glaubte, die Verantwortung dafür nicht übernehmen zu können, mit diesem Motorausfall über See zu fliegen. Im Zeitpunkt der Umkehr befand sich das Luftschiff etwa 20 Seemeilen südöstlich vom Kap della Raa zwischen Valencia und Allegrante, Abesfinien als Kampfobjekt Oer Streit um neue Ausbeutungsgebiete Von Dr. A. Abeghian Frankreich hat Abessinien eine Freizone im Hasen von Dschibuti und welkere Verhandlungen vorgeschlagen. durch die Frankreich den Vorsprnng einholen will, den Italien In Abessinien hat. Darüber mehr im folgenden. Abessinien ist neben Liberia der einzige unabhängige Staat Afrikas, seit 1923 auch Mitglied des Völkerbundes. Ende 1927 erregte das zwischen der abessinischen Regierung und einer amerikanischen Gesellschaft getroffene Abkommen zum Bau eines Staudammes im Tsanasee, dem Quellgebiet des oberen Nils, in der Welt und namentlich in England Auf- sehen. � Im August dieses Jahres schloffen Italien und Abesst- nien einen Freundschafts- und Sicherheitspakt, was besonders für Frankreich eine unangenehme Ueberraschung war. An- fang Oktober ist in der Landeshauptstadt Addis-Abeba eine Palastrevolution erfolgt, die nicht ohne Bedeutung sein kann für die innere und äußere Entwicklung Abessiniens. Abessinien oder Aethiopien ist zweimal so groß wie Deutschland, zählt aber nur 19— 12 Millionen Einwohner: es ist ein Vinnenstaat, da England, Frankreich und Ita- lien die Meeresküste in Besitz genommen haben. Wenn auch Abessinien ein zentralafrikanisches Gebiet ist, so hat es doch ein gemäßigtes Klima, da es durchschnittlich 2900 Meter über dem Meer liegt. Abessinien kennt nur zwei Jahreszeiten, den Frühling und den Sommer. Seine Haupterzeugniffe sind: Weizen, Gerste. Bananen, Häute, Elfenbein und namentlich Kaffee. Die Wirtschaft des Landes ist noch in primitiver Lage. Die einzige Eisenbahnlinie, die Abessinien mit der Außenwelt verbindet, haben vor 12 Iahren die Franzosen gebaut. Sie ist 800 Kilometer lang und verbindet den fran- zösischen Hafett Dschibuti am Golf von Aden mit Addis- Abeba. Ihrer Abstammung nach find die Aethiopier d e n a l t e n Aegyptern verwandt und gehören der sogenannten hamitischen Raffe an. Abessinien ist einer der ältesten Staaten der Welt. Die heutigen Bewohner sind stark mit Semiten gemischt und haben lange unter arabischem Einfluß gestanden. Sie sind zumeist Christen besonderen Bekenntnisses. Die Abeffinier verteilen sich in verschiedene Stämme, von denen der sogenannte A m h a r a der zahlreichste, einflußreichste und kulturell entwickeltste ist, ihm entstammt auch die Kaiserfamilie. Die Stämme leben in vielem voneinander gesondert und i n mittelalterlich-feudalen Verhältnissen. Die Stammeshäuptlinge, die sogenannten Regus, waren früher ganz unabhängig und erkannten eine Zentralmacht nicht an. Heute sind sie halbselbständig. Erst in neuerer Zeit haben sich die einzelne Regus dem Regus-Regesti(König der Könige) unterworfen. Berühmt war der vorletzte Regus- Regesti, Menelik II., der lange herrschte. Unter ihm behaup- tete Abessinien seine Einheit auch nach außen, so 1896, als Abessinien den jungen italienischen Imperialismus blutig besiegte. Menelik II. hat das Wort geprägt:..Ihr Europäer zieht es vor, in ein zwar freies, aber schwaches Land zuerst mit euren Missionaren einzudringen, dann mit euren Kaufleutcn und erst darauf folgen eure Soldaten. Ich aber für mein Teil ziehe es vor, von Anfang an mit euren Soldaten zu tun zu haben. Für die Unabhängigkeit meines Landes ist dies ein bei weitem zuverlässigeres Mittel als die anderen." Da Menelik keinen männlichen Thronfolger hatte, so ernannte er noch vor seinem Tode(1913) seinen Neffen L i d s ch I e a s s u dazu. Dieser wurde 1917 gestürzt, angeb- lich wegen seiner Zuneigung zum Islam und seiner Sym- vathie für die Zentralmächte. Die zweite Tochter Meneliks, Judith, bestieg den Thron; ihr Reffe und der damalige Herr- scher des Landesgebiets Harar aber, RasTafariMafon- n e n, der eigentliche Urheber des Umsturzes, wurde zum Regenten und Thronfolger ernannt. Die„Kaiserin" hat sich mit dem Titel begnügen müssen, das Regieren hat sich Ras Tafari angeeignet. Er hat sich als fortschrittlich und klug er- wiesen. Nach außen hat er sein Mögliches getan, um die internationale Stellung seines Landes zu festigen und dessen Unabhängigkeit zu sichern. Bei seinem Streben, das rllckstän- dige Land wirtschaftlich zu erschließen, das Volk kulturell zu heben und das Gesamtleben zu modernisieren, hat er sich Feinde geschaffen, nämlich die Anhänger der feudalen Ord- nung und konservativ-reaktionärer Gesinnung: Kirchenfürsten, verschiedene Regus u. a. Die Kaiserin ist mit dieser Fronde solidarisch gewesen. Eine Verschwörung gegen Tasari ist vor ganz kurzem vereitelt worden. Er hat diese Angelegenheit benutzt, um seine Stellung noch mehr zu festigen, indem er sich am 7. Oktober zum..Regus" krönen ließ. Es ist anzunehmen, daß sich künftighin Abessinien rascher der modernen Wirtschaft und Kultur erschließen wird. Tafari Matonnen ist ein ge- bildeter Mensch und kennt die abendländischen Verhältnisse aus eigener Anschauung. Frankreich. England und Italien haben von jeher ein reges Interesse für Abessinien gehabt. Schon vor Iahrzebnten hat Italien Ernträa, das Landgebiet am Roten Meer, an sich gerissen. Das übrige abessinische Küsten- anbiet, S o m a l i l a n d, haöen die erwähnten Mächte nnter hch geteilt. Noch 1902 hatte England oersucht, durch eine Abmachung das Tfanaseegebiet in Nordwestabessinien in britische Einflußsphäre zu verwandeln und somit andere Mächte von dem oberen Lauf des Blauen Nil fernzuhalten. Italiens Eroberungskrieg von 1896 war zwar gescheitert, es hatte jedoch 1906 durch eine Abmachung mit England fertig- gebracht, West abessinien als fein wirtschaftliches Einfluß- gebiet anerkennen zu lassen. Frankreich hat durch den Bau der Eisenbahn vier Fünftel des abessinischen Außenhandels an den französischen Hafen Dschibutti herangezogen. In den letzten zwei Jahren hatten diese Kolonialmächte den Kampf um Abessinien wieder aufgenommen. Ungeachtet dessen, daß Abessinien innerhalb des Völkerbundes ein„gleich- berechtigter Mitgliedsstaat" ist, hat man doch versucht, es zum Objekt der Kolonialbeute zu machen. Im Sommer 1926 unterzeichneten Chamberlain und Mussolini ein Abkommen in diesem Sinne über Westabessinien. Wäre nicht - seinerzeit der energische Protest Tafaris vor dem Völkerbund und darauf der Einspruch des Genfer Sekretariates erfolgt, so hätten vielleicht Mussolini und Chamberlain ihr Ziel er- reicht. Wenn nun nicht auf Hintertreppen, so hat Italien doch vor einigen Monaten durch unmittelbare Verhandlungen nüt der abessinischen Regierung als Gleicher mit Gleichem beachtliche Erfolge erzielen können. Es ist nämlich den Italienern auf Grund eines Freundschafts- und Sicherheits- paktes zugestanden worden, durch Abessinien eine Auto- st r a ß e anzulegen, die Eryträa mit Italienisch- Somaliland verbindet: dann wird sich der italie- nische Handel bald in Westabessinien Eingang schaffen und die französische Monopol st elluna im abessinischen Außenhandel stark gefährdet sein. Als Gegenleistung Italiens erhält Abessinien eine Freizone in Assab, der imlienischen Hafenstadt von Eryträa, was nicht zuletzt auch Italien zugute kommen wird. Natürlich hat diese Abmachung in Frankreich Mißstimmung hervorgerufen. Nun hofft man auch in England, nicht hinter Italien zu bleiben. also auf diesem oder anderem Wege am Tsanasee Wurzel zu schlagen. Ihnen tritt aber Amerika entgegen. Denn auch amerikanische Kapitalistengruppen planen dort Staudämme und weite Plantagen anzulegen. Auch auf abessinischem Boden treten die rivalisierenden Kolonialmächte einander entgegen.,_ Von allem Kriegsgeist enigistet... Müller und Severins bei der Jahrhundertfeier in Stuttgart. Skullgart. 16. Mai.(Eigenbericht.) Im Rahmen der Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule Stuttgart hielt Reichskanzler Hermann Müller eine Rede, in der er sich auch mit den politischen Tagesfragen be- schäftigte. Der Reichskanzler wies u. a. auf die riesigen Fort- schritte der Technik in den letzten Jahrzehnten hin und be- tonte, daß die deutschen Wirtschaftsführer und die hochqualifizierte deutsche Ange st eilten- und Arbeiterschaft an diesen technischen Errungenschaften stets lebhaften Anteil genommen hätten. Im Vordergrund der deutschen Politik der Gegenwart stehe das Reparationsproblem. Zehn Jahre nach dem Abschluß des Krieges sei es wirklich an der Zeit, für die Re- paratianssroge ein« Lösung zu finden, die von allem Kriegs- cieist entgiftet und die der tatsächlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands angepaßt fei. In der inneren Politik seien im Inter- eise des Reiches, der Länder und der Gemeinden beschleunigte finanzielle Maßnahmen zur Besserung der Kassenlage des Reiches r-otwendig. Auch die Frage der Reichsreform reife allmählich zur Entscheidung heran. Es sei zu wünschen, daß die Vorarbeiten der Ausschüsse der Länderkonferenz möglichst bald zu einem das Reich wie die Länder befriedigenden Abschluß gelangen. Endziel der deutschen Politik müsse es fein, zu erreichen, daß das deutsche Volk in der großen Völterfamilie als wirklich gleichbe- rechtigtes Glied wieder leben könne.. Bei dem Festakt der Technischen Hochschul« hatte auch Reichsinnenminister Severing das Wort ergriffen. Er sprach ron der Notwendigkeit, zu einer richtigen Einordnung des technischen Schaffens in das Ganze der menschlichen Kultur vor allem dadurch beizutragen, daß die Technische Hochschule der Allgemeinheit und der studentischen Generation noch mehr als bisher da» Bewußtsein vermittelt, daß über allem technischen Gesetz, über aller technischen Erfindung und industriellen Auswertung, über aller Rationalisierung des technischen Arbeitsprozesses der Adel der Menschenwürde aller derjenigen steht, die in den t e ch- u i s ch« n Arbeitsgang eingegliedert sind. Technischer Fortschritt ist, so betonte der Minister, kultureller Rückschritt, wenn er mit Verlusten an menschlichem Seelengut erkauft wird. Mensch- liches Empfinden wehrt s i ch schaudernd gegen den Gedanken, daß die gewaltige Macht der Technik noch einmal zu so grausigen Dingen wie im Krieg berufen werden könnte. Die deutsche Technik ist dem Frledenswerk wiedergegeben und kann alle ihre Kraft darauf verwenden, die menschliche Wohlfahrt zu fördern. Braunschweiger Eiaissorgen. Antrag auf Auflösung d«S Landtags. Braunschwelg, 16. Mai.(Eigenbericht.) Der Braünschweigisch« Landtag nahm am Donnerstag den Haushaltsvorschlag für 1929 mit den 24 Stimmen der Sozialdemokratie gegen 16 bürgerlich« und kommunistisch« Stimmen an. Die beiden Demokraten und die drei Wirtschastsparteiler(Ar- beitsgemeinschast der Mitte) enthielten sich der Stimm«. Ein bürger- iicher Abgeordneter fehlt«. Die Arbeitsgemeinschaft der Mitte(Demokraten und Wirt- schaftler), die an dem Etat mitgearbeitet und nicht gegen ihn gestimmt hat, stellte im Verlaus der Sitzung den Antrag auf Auslösung des Landtag» bis spätestens End« Juli. Der Antrag gelangt am Freitag zur Abstimmung. Ein« Mehrheit dürfte er nicht finden. Heimwehrexzeffe und Kremdenverkehr. Aufmarschverbot in Niederösterreich. Wien. 16. Mai.(Eigenbericht.) Di« Bundesregierung hat dem Landeshauptmann von Nieder. österreich Weisung erteilt, alle Aufmärsche bis zum IS. September z u verbieten. Das Verbot wird mit dem Fremdenverkehr und den bevorstehenden Wiener Festwochen begründet. „Die Drahtzieher sitzen in Moskau" Sagt der rechtskommunistische Reichstagsabgeordnete Paul Frölich. Am Mittwoch veranstaltete die kommunistische Opposition Groß- Berlins(Brandler-Thalheimer) in Haoerlands Festsälen ein« Versammlung, in der Paul Böttcher über die„Wahlen in Sachsen" und Paul Frölich über„Die Lehren des 1. Mai" sprachen. Di« Versammlung wir von etwa 490 bis 500 Personen besucht. Unter den Versammlungsbesuchern konnte man die verschiedensten Typen beobachten: Hausfrauen und Stenotypistinnen, denen man eine po- litifche Betätigung nicht ansehen konnte; Handarbeiter aus den Be- trieben neben ausgesprochen kommunistischen Intellektuellen. Böttcher erklärte:„Die Partei hat mit ihrer blöden Taktik und maßlosen Hetze erreicht, daß die sozialdemokratischen Arbeiter weiter der Zörgiebel-Partei die Treue halten. Mit der Phrase „S o z i a l f a s ch i st e n", die jetzt abgelöst wurde durch die Kenn- Zeichnung der Sozialdemokratie als„offen faschistisch", können wir keine Lorbeeren ernten." Als zweiter Redner sprach FröNch über die Lehren des 1. Mai: „Betrachten wir die Berichte unserer Provinzpresie, so bekommen wir den Eindruck, daß ganz Berlin In heller Empörung sich gegen das Vorgehen der Polizei auflehnt. In der russischen Press« erschienen Bericht«, daß das revolutionäre Proletariat Berlin sich im Straßen- kämpf gegen die Polizei behauptete. Genossen, diesen Schwindel setzt man uns vor! Vor wenigen Wochen triumphierte die„Rote Fahne", daß die Hälfte der Betriebsräte aus unseren Reihen ge- stellt wird. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben revoluttonäre Be- triebsräte. Aber wie war es? Die Verkehrsbetriebe arbeiteten, wo sie nicht durch Demonstranten an einigen Stellen daran gehindert wurden. Bei der Leipziger Straßenbahn erreichte der kommunistische Betriebsrat, daß statt der halbstündigen Arbeitsruhe am 5. Mai den Arbeitern ein Privaturlaub gegeben wurde. Nur wenige machten davon Gebrauch. Die Arbeiter find nicht dem Ruf der KPD. gefolgt, sondern haben den Führern den Marsch g«° blasen."„Wo waren diese Führer?" ruft Frölich aus. Eine Stimme ruft:„Im Kaffee Vaterland!" Stürmisches Gelächter. „Nach dieser verpufften Aktion," fährt Frölich fort,„die die Partei in ihrer ganzen Schwäche und Zermürbt- h e i t gezeigt hat, bringt es die„Rote Sturmfahne" fertig, die Ar- beiterschaft nochmals auf die S ch l a ch ich a n k zu führen. Der Aufruf zum 1. August geht von dem westeuropäischen Bureau in Moskau aus, einer Einrichtung, von der«in gewöhnlicher Prolsta- rier keine Ahnung hat. Dort sitzen die wahren Drahlzieher der blutigen Alalkage." Zum Verbot der Roffrontkämpser führte Frölich aus: Trotz großen Geschreis Hab« man nichts gegen das Verbot getan. Die leitenden Stellen hätten das Verbot nicht nur gewünscht, sondern durch ihre gewissenlose Haltung direkt gefördert, um den inneren Verfall dieser Organisation nicht in Erscheinung treten zu lassen. Die Vorbereitungen zur Illegalität seien von der Bundesleitung so „geschickt" getroffen worden, daß der Polizei 40 000 RM., wichtig« Akten und Listen in die Hände gefallen seien.— Unter lebhafter Zustimmung rief Frölich:„Ich s«he den Tag kommen, wo ein großer Teil des RFB. nicht bei uns bl«tbt, sondern bei den Fa- schiften landen wirdl" Kommunistische Journalistik. „Da er lediglich Journalist war, ist kein Verlust für die Partei zu verzeichnen," schrieb der.Klassenkampf" in Halle üb«r den Aus- tritt des Redakteurs der„Roten Fahne", Köhler, aus der KPD. Dadurch fühlt sich die rechtskommunistische Zeitschrift„Geg«n den Strom" zu solgender Bemerkung herausgefordert: So leichtfertig können nur wirkliche kleinbürgerliche Spießer, wie ein Werner Hirsch, urteilen, der noch vor wenigen Iahren sich von Ullstein ernährte und an der kapitalistischeu „Vossischen Zeitung" war und der heute„revolutionärer" Thälmann-Anhänger ist, weil er auf diesem Weg sein« bekannt unersättlichen Geldbedürfniss« befriedigen kann. Für diese Burschen— und Werner Hirsch ist nur einer ,d er vielen— i st die Partei nur ein Geschäft. Hält man die Urteile, die aus so verschiedenen Richtungen kmnmen, zusammen, so erhält man den Eindruck, daß es eine recht nette Sorte sein muß, die sich da in den kommunistischen Redakttonen angesammelt hat. Die neue Reichsanleihe. Einzelheiten der Auflegung. Nachdem der Reichsrat die Genehmigung zur Ausgabe der in den letzten Wochen so heiß umstrittenen Anleche von 500 Millionen gegeben hat, erfolgt nunmehr ihre Auflegung. In einer Presiebesprechung teilt der Reichsfinanz- minister Hilferding mit. daß die neue Anleihe zum Kurs von 99 Prozent aufgelegt wird und wie bereits bekannt, mit 7 Prozent verzinslich sowie steuerfrei ist. Zunächst wird nur ein Teilbe- trag von 800 Millionen ausgelegt, und zwar vom 24. bis 31. Mai. Die Einzahlung soll am 1. Juni mit 40 Prozent, zum 5. Juli mit 30 Prozent und zum 5. August nochmals mit 30 Prozent er- folgen. Die Anleihe ist in Stücke von 100, 500. 1000. 5000. 10 000 und 20 000 Mark eingeteilt. Dr. Hilferding äußert« sich nochmals eingehend über die Grund«. die zur Aufnahm« dieser Anleih« geführt haben, wobei er darauf hinwies, daß am 1. Juli 1928 das K a s s e n d e f i z i t sich bereits auf 1075 Millionen belaufen habe. Hierzu kamen infolge des strengen Winters die erheblichen Ansprüche der Arb>«!tslosenoer- s i ch e r u n g, die sich bis Ends März auf 260 Millionen gestellt hätten. Die Ansprüche der Reichsanstalt im Mai könnten auf 25 und im Juni auf etwa 12 Millionen geschätzt werden. Der Minister betont« nochmals, daß die Regierung den Schwierigkeiten, die sich der Anleih« aus der Beanspruchung des deutschen Kapitalmarktes entgegenstellten, voll und ganz in Rechnung gestellt habe, doch müsse prinzipiell dem Staat« die Priorität vor der Wirtschaft gegeben werden. Der Minister selbst vertritt die Ansicht, daß die wirtschaftlichen Rückwirkungen am Kapitalmarkt durch die Auflegung der Anleihe keineswegs so groß sein würden, wie sie in der öffentlichen Diskussion von verschiedenen Sellen dar- gestellt worden wären. Bereits die in den letzten Monaten durch das Reich beanspruchten Kredite seien wohl formal kurzfristig ge- wesen, in ihrer ökonomischen Auswirkung dagegen tatsächlich langfristig« Kredit«. Man solle daher die D'.nge nicht unnötig aufbauschen und sie so hinstellen, als ob dies« SOO-Millionen- Anleihe auf dem deutschen Kapitalmarkt eine Revolution her» vorrufen würde. Man solle sich doch vergegenwärtigen, daß der Umlauf an Pfandbriefen und Kommunalobligationen von 1924 bi» 1928 aus 7*S Milliarden gestlegen sei und unter dllsen Umständen sei es wohl klar, daß man mit einem gewissen Druck auf den Kapital» markt rechnen müsse, von verheerenden Folgen aber nicht die Red« fein könne. Das Reichsfinanzministerium hofft, daß diese Anleih«, die keines- wegs einen Derzweiflungsschrllt darstellt, von Erfolg gekrönt sein werde. Ein Mißerfolg würde— darüber» müsse man sich voll- kommen klar sein— eine schwere Schädigung des Reichs« i r e d i t s bedeuten. Abgeführie Demagogen. Antwort auf eine dreiste Anfrage. Eine Große Anfrage der Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen über die Agitationen der Sozialdemo- k ratischen und Kommunistischen Partei wurde gestern im Auftrage des Innenministers im Landtag wie folgt beantwortet: Die Sozialdemokrallsche Partei Deuffchland» hat durch Ihre schriftliche oder mündliche Propaganda die öfsenlliche Ruhe, Sicher- heil und Ordnung niemals gefährdet. In den langen Jahren ihres Kampfes gegen den Obrig- keitsftaat hat sie in ihren Programmen und Kundgebungen es stets nachdrücklich abgelehnt, sich ans auhergesehlichcn Boden zn stellen oder drängen zn lassen. Selbst während der Dauer des Sozioliftengefetzes hat sie es stets von sich gewiesen, ihre poli- tischen Ziele mit Mitteln des Terrors oder der Gewalt zu fördern. Sie hat damals auch jede Geheimbündelei verurteilt und durch ihre Führer immer wieder betonen lassen, daß sie das Sozialistengesetz selbst beachten wolle, da st« jeder Gewalt- und Geheim Politik abhold sei. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat bei ihrem politischen Kampf gemäß dem 2. Teil ihres Erfurter Programms nur die Erringung der den breiten Volksmassen damals vorenthaltenen politischen Recht« zum Ziet gehabt. An dieser gesetzmäßigen Einstellung hat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands festgehalten. Räch der Slaalsumwälzung von ISIS hat es gerade dlc Sozial- demokratisch« Partei als eine ihrer ersten Aufgaben betrachtet. sich als starke Stühe des neugeschaffenen demokratischen Volk»- staates zu erweisen. Sie hat sich stets für den uneingeschränkten Genuß der in der Ver- sassung gewährleisteten Rechte der politischen Meinungs- und Be- tätigungsfreiheit aller Staatsbürger eingesetzt und jede Anwen- dung von Gewalt im polllischen Kampf nachdrücklich verurteilt. Es ist der preußischen Staalsregierung kein ein- zlger Fall bekannt, in dem die Sozialdemokrallsche parket oder eins ihrer Mitglieder gegen Andersdenkende gehetzt und zn Gewalllalen gegen sie aufgerufen hätte. Die preußische Staatsregierung sieht daher keinen Anlaß, irgend etwas gegen die Sozialdemokratischc Partei Deutschlands zu unternehmen. Gegen ungesetzlich« Handlungen und Betätigungen der Kom- munistischen Partei witd die Staatsregierung nach wie vor die er- forderlichen Maßnahmen treffen. So hat die Staatsregierung sich erst vor einigen Tagen dazu entschlossen, den der Kommunistischen Partei nahestehenden Roten Fronttämpferbund für das Gebiet des Freistaates Preußen aufzulösen und zu verbieten, weil seine Be- tätigung gegen die Gesetz« verstößt. Die„Fragesteller" haben ziemlich verdutzte Gesichter ge- macht, als sie die sehr deutliche Antwort auf ihre „Frage" über„Ausschreitungen sozialdemokratischer Agi- tation" erhielten._ Reichstagspause über Pfingsten. Schichau-Sanierung beschlossen. Der Reichstag beriet am Donnerstag nach Annahme des Gesetz- entwurss über wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen in zweiter Lesung den Entwurf über die Sanierung des Schichau- Unternehmens. Es soll als Aktiengesellschaft fortgeführt werden und dazu steuert das Reich 14 Millionen Mark und er- forderlichensalls«inen laufenden Zuschuß bei, der für das erste Ge- schäftsjahr 2,34 Millionen nicht übersteigen darf. Nachdem Abg. kollwih(Komm.) gegen die Vorlage gesprochen und entichädigungslose Enteignung der Schichauwerke verlangt hatte, trat Abg. Schulz-Königsberg im Interesse der beteiligten Arbeiter und Angestellten für die Vorlage ein. Abg. Tanhen(Dem.): Ein Teil meiner Fraktion tonn nicht zu- stimmen. Der Wirtschaftsminister hat erklärt, daß die Sanierung sich wirffchaftlich nicht rechtfertigen lasse. Nach weiterer Debatte wird die Vorlage angenommen. In der nun fortgesetzten Beratung des Etats für das Ernäh- rungs- und Londwirischaftsministerium Hütt zunächst Abg. Willikens(Ratsoz.) eine Rede für die Landwirtschaft und erklärt, seine Partei Hetze nicht zu Bouernunruhen, oerstehe sie aber. Helfen könne nur die Einigung des deutschen Voltes unter dem Hakenkreuz.(Lebhafte Heiterkeit.) Abg. Dörsch-Hssscn(Ehristl.-nat. Bp.): Der Reichstag hilft der Landwirtschaft nicht. Erfreulicherweisz scheint der Minister aus dem Saulus ein Paulus werden zu wollen. Jetzt gehört es zum seinen Ton, möglichst wenig Kartofseln zu essen, wie soll da der Landwirt- schaft geholfen werden? Um 3)� Uhr wird die Weiterberatung auf Montag. 3. Iunj, 3 Uhr, oertagt. Zn Leningrad als dsuischer Spion oerhaflci wurde ein Deutscher namens Weber, der auch antisowjetistischer Umtriebe perdöchtigt und noch Moskau in die Tjchekazentral« übergeführt wird. Ob er deutscher Reichsbürger ist, steht noch nicht fest. Zitternde Angektagie. Oeutschnationale Angst vor dem Untersuchungsausschuß. Preußischen Landtag hat sich bei der dritten Lesung des Haushalls am Donnerstag ein sehr merkwürdiger Vorfall abgespiell: die Sozialdemokratie hatte den Antrag gestellt, über den Bankerott der Raiffeisengenossenschaften, durch den die Preußenkasse in Mitleidenschaft gezogen ist, einen Unter» suchungsausschuß einzusetzen. Da nach der Derfasiung ein solcher Ausschuß eingesetzt werden muß. wenn ein Fünftel der Mitglieder des Landtags es verlangen, und da ferner die Sozial' demokratie über mehr als ein Fünftel der Sitze verfügt, so bedurfte der von ihr unterschriebene Antrag einer besonderen Abstimmung nicht. Der Präsident Bartels ließ also nur über die Mitgliederzahl des einzusetzenden Ausschusses abstimiden. Von der Sozialdemo- kratic war vorgeschlagen«in Aköpfiger Ausschuß. Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der Rechten, der sich merkwürdigerweise auch das Zentrum anschloß, abgelehnt. Andere Vorschläge lagen nicht vor. Der Präsident mußte konstatieren, daß der Ausschuß zwar eingesetzt sei, seine Mitgliederzahl aber noch nicht feststehe, was praktisch zunächst Arbeitsunmöglichkeit für den Ausschuß bedeutet. Das Verhalten der Deutschnationalen erscheint hier in dem ollerseltsamsten Lichte. In diesem Untersuchungsausschuß hätten sie die Rolle der Angeklagten gespiett. Deutschnationale Direktoren der Raiffeisengenossenschaft, der ehemalige deutschnationale Reichslagsoizepräsidcnt Dietrich-Prenzlau sowie der ehemalige Land- tigsabgeordnete S e e l m a n n sind es gewesen, die durch wahnsinnige Verlustgeschäfte einen Totalverlust von mehr als Kü Mil- l i o n e n Mark herbeiführten, an dem die Preußisch« Staatskasse zu mindestens zwei Dritteln beteiligt ist. Diese deutschnatio- nalen Führer und Direktoren waren es, die dem russischen Zl benteurer Uralzcw Kredite in Höhe von mehr als 20 Millionen Mark einräumten, die restlos verloren sind. Ob Uralzew ein russischer Offizier und Emigrant war oder, wie die„Deutsche Zeitung"— wohl um seine besondere Vertrauenswürdigkeit für Deutschnationale zu beweisen— behauptet, ein Ostjude, steht dahin. Ledenfalls haben die deutschnationalen Raiffeisen-Direktoren ihm gegenüber mit einer Leichtfertigkeit und Vertrauens- s e l i g t e i t gehandelt, die alle Barmat- und Kutisker-Geschäfte der Seehandlung in den Schatten stellt. Was hätten wohl die Deutschnationalen seinerzeit für ein®e- schrei erhoben, wenn die Sozialdemokratte die Arbeilen des See- handlungs-Unterfuchungsausschusses nur um einen Tag, nur um eine Stunde sabotiert hättet Dabei war hier die Position der Sozial- demokratie eine wesentlich andere, denn die Direktoren der See» Handlung, die Kredite an Barmat und ftutisker gegeben hatten, lvaren ja schließlich weder Sozialdemokraten noch überhaupt links- gerichtet. Es stellte sich auch in der Untersuchung heraus, daß auf diese Kreditgeber persönliche Beziehungen ohne Einfluß gewesen waren. Im Falle Uralzew dagegen waren die Kreditgewährer deutschnationale Führer und Politiker in höchst eigener Person. Bei dieser Sachlage wagen es die Deutschnatio- nalen, eine parlamentarische Untersuchung der Vorgänge zu sabo- tieren! Eine feine Gesellschaft, ein feines Benehmen, das die Be< griffe dieser Herrschaften von politischer Moral ins hellste Licht rückt. Ihre Flucht vor dem Untersuchungsausschuß in eigener Sache wird diesen„Reinigern Deutschlands" noch oft vorge» hallen werden: und ihr Verhalten wird ihnen weder zupr Nutzen noch zur Ehre gereichen!_ Der Konflikt in der„Welt am Abend". Ein Nedak eur gegen die kommunistische GewoHpolitik. Wie wir seinerzeit mitteillen, hatten sich zwei Redakteure der „Well am Abend" geweigert, die Umstellung der Haltung ihres jalonkommunistischen Blattes auf die Radau, und Gewallpolitik der verbotenen„Roten Fahne" mitzumachen, wie es die Zentrale der Kommunistischen Partei verlangt hatte. Einer der beiden, Redak- teur R o b o l d. hat sehr bald Frieden mit den machthabenden KPD.» Leuten geschlossen und arbeitet weiter. Der andere, Redakteur Caro, ist sestgeblieben und aus der Redaktion ausgetreten. Er klagtaufZahlungseinesGehaltsbis zum Ablauf seines Anstellungsvertrages. Am Donneretag fand der erste Termin vor dem Arbeitsgericht statt. Caro führte zur Begründung seiner Forderung aus, er habe Grund zur frift losen Aufgabe der Stellung gehabt. weil infolge des Eingreifens der Zentrale der KPD. die redokiionelle hallung des Dlalles dahin geändert worden sei. daß es die verbrecherische, selbst vor Blulopfera nicht zurückschreckende Politik der KPD. vertrat. Diese Politik habe er vor seinem Gewissen nicht verantworten können, deshalb sei er ausgetreten. Der Vertreter des beklagten„Kosmos-Verlages"(des Heraus- gebers der„W. a. A.") entgegnete, Caro habe doch 2)� Jahre lang als Redakteur der„W. a. A." die kommunistenfreundliche Haltung dieses Blattes vertreten, ja. er Hab« sogar manchem Arttkel eine schärfere Fassung gegeben, als er ursprünglich hatte. Da sich die Haltung des Blattes nicht geändert habe, so hätte der 5iläger keinen Grund gehabt, seine Stellung fristlos aufzugeben. Caro erwiderte, g«wiß habe er die Politik der„W. a. 2L* mitgemacht. Aber in dem Augenblick, wo die Zentrale der K P D. eingriff, die eine verbrecherische Politik treibt, die ihre Anhänger zu Gewalttaten treibt, Blutvergießen ver- ursacht und 27 Todesopfer verschuldet hat, habe er nicht mehr mit- machen können, sowohl aus Gewissensbedenken, wie aus strafrecht- lichen Gründen. Man habe ihn über das Eingreifen der KPD,- Zentrale und über die Aenderung der Hallung des Blattes zu täuschen gesucht. Er sei von den Trabanten Münzenbergs belogen worden, Münzen berg sei der politische Hintermann des ganzen Unternehmens. Die Geschäftsführer und die Redakteure seinen nur Strohpuppen in Münzenbergs Händen. Es gebe ja Leute, die sich aus Angst um ihr Brot dem Willen dessen fügen. der der Beherrscher der KPD.-Unternehmungen ist. Der Vertreter des D-klogt-n bestritt, daß die KPD.-Zentrale in die redaktionelle Haltung der„W. a. A." eingegrissen und eine Aenderung derselben herbeigeführt habe.— Der Kläger erbot sich dagegen, den Beweis für feine Behauptung zu führen. Das soll im nächsten Termin geschehen. Der Kläaer benannte mehrere Zeugen, durch die er das Ein- areifen der Zentrale in die Redaktion beweisen will, und der Vellggte gab mehrere Gegenzeugen an. Auch über das Anstel- lungsverhältnis des Klägers, namenttich über die ihm zu- stehende Kündigung besteht Streit, worüber ebenfalls Beweis er- hoben werden soll. Man darf sich also im nächsten Termin, der auf den 5. Juni angesetzt ist. auf lebhaft- Auseinandersetzungen zwischen Caro und d'en„Trabanten und Strohpuppen Münzenbergs" gefaßt machen. � ver candlagsabgeordnei« Nufchke(Dem.) ist aus dem Gohlke. Geschke-Ausschuß zur.Untersuchung" der Maworgänge wieder aus- getreten. Reichsanleihe und Kapital im Ausland. Halb zog sie ihn- halb sank er hin! Siipen-Mlmedy will ehrlich abstimmen. Alles hält zu einer Partei, die das verlangt. Brüssel, 16. Mai.(Eigenbericht.) Die zur bevorstehenden Parlameniswahl in E u p e n und Mal- m e d y ausgestellten Kandidaten Senator Esser und Provinzialral K r i e s ch n e r haben plötzlich aus Ihre Kandidatur v e r z l ch i e l. Sie erklären, sich aus dem politischen Leben zvrnckziehen zu wollen. Der Rücktritt ist darans zurückzuführen, daß die von dem katholischen Heimalbund in Eupen-Malmedy gegründete Christliche Volksparlei der alten belglsch-kalholischea Partei völlig das Wasser abgegraben hol. ver einzige Programmpunkl der Christ. lichen Volksparlei ist wiederholnng der Abstimmvag über die ZugehSrlgkeii Eupen-Malmedys zu velgiea oder Deutschland. Wahlarbeit der Arbeiterpartei. Gute Aussichten für die Entscheidung. London, IS. Mal.(Eigenbericht.) Der Wahltampf wird am Pfingstmontag mit d«r Nennung der annähernd 1800 Kandidaten in sein letztes Stadium treten. In den letzten Tagen hat der Kampf berelts größer« Intensität erreicht. Das ist besonders auf die opferwillige Arbeit von Tausenden und Abertausenden Wahlhelfern der Arbeiterpartei zurück- zuführen. Während die liberale und die konservativ« Wahlmaschine im wesenllichen mit bezahlten Hilfskräften in Bewegung g«, halten werden, stützt sich die Wahlkampagne der Arbetterpartei auf freiwillige Mitarbeit. Wie die Bericht« besagen, ist in Schollland und Wales mit einer glatten Mehrheil der Arbeikerparlei zu rechnen. Auch in England ist nach allen Stimmungsbildern aus den Wahlkreisen die Lage für die Arbeiterpartei günstiger als jemals zuvor. Es dürfte der Arbeiterpartei diesmal wahrscheinlich auch gelingen, die konservativen Hochburgen Birmingham und Liverpool, wo die Arbeiterpartei in den letzten vier Jahren außerordentliche Fortschrite gemacht hat, einzunehmen. In L o n- d o n, das in der Vergangenheit den größten Widerstand gegen die Arbeiterpartei geleistet hat. ist bestimmt mit der Eroberung einiger neuer Wahlkreise im äußersten Osten und Süden der Stadt zu rechnen. Im ländlichen Süden Englands mit seiner Agrar- und Rentner- bevölkerung sowie in den Badeorten an der Kanalküst« hat die Labour Party 1S24 keinen einzigen Wahlkreis zu erobern vermocht. Die Lage ist hier nach wie vor verhältnismäßig am ungünstigsten; jedoch hoffen die Organisatoren des Wohlkampfes, daß die Neuwahl hier die ersten Breschen schlagen wird. Di« Zeit arbeitet sehr stark für die Arbeiterpartei, da die Abwanderung eines wachsen- den Teiles der britischen Industrie nach dem Süden und die Schaffung eines Industrieproletariats auch dort die Zahl der Wähler der Arbeiterpartei in diesen Gebieten um viel« Zehn- tausende vermehrt hat. Bessere Aussichten in Paris. Aber noch Klippen genug. Paris. 16. Mai.(Eigenbericht.)' Der von Dr. Schacht und Iostah S t a m p ausgearbettete Dorentwurf des Schlußberichts der Sachverständigenkonferenz wurde von den Delegierten der Gläubigerländer unter dem Vorsitz Owen Aoungs besprochen. Es geht aus einzelnen Aeußerungen hervor, daß der Gesamteindruck keineswegs ungünstig ist. Es wird be> tont, daß der Entwurf mit den deutschen Borbehallen in ihrer jetzigen Gestalt eine durchaus e r n st h a ff,« Diskuffians- b a fi s bilde. Auch die Pariser Presse schlägt einen wesenllich freund- licheren Ton an. Trotzdem werden pie Sachverständigen nicht vor Pfingsten die Heftnreis« antreten können. Es sind immerhin noch «in« ganze Reihe Einzelfragen, wenn auch sekundärer Natur, zu regeln. Wahrscheinlich wird die Konserenz in den e r st e n Juni- tagen ihren Bericht— und zwar dann als einmütiges Gut- achten— fertiggestellt haben, so daß er gerade den in Madrid zur Dölkerbundsratstagung Versammelten vorliegen wüfde. Die Hauptschwierigkeit bildet immer noch der neu« Vir- teilungsschlüssel. Nunmehr protestiert auch Italien gegen die an seinem Anteil vorgenommenen Abstriche. Der ftalie- nische Delegiert« Pirelli soll aus Rom den Auftrag mitbringen, dies« Opfer abzulehnen. Solcher Protest wäre um so unverständlicher, als der erste Verteilungsoorschlag Noungs Italien einen um 7 S Mil- lionen über die in Spa festgesetzte Quote hinausgehenden Anteil zusicherte. Dieser Anteil wird jetzt zwar um S9 Millionen ver- ringert, sichert aber Italien immernochlöMillionenmehr zu als es sonst bekäme. Außer den Italienern weigern sich die Belgier nach wie vor entschieden, ihre Ansprüche herabzumindern. Sie sollten 114 Millionen empfangen, nach dem neuen Schlüssel nur 64. Francqui erklärt, daß Belgien unbedingt 102 Millionen erhallen müsse. Trotz aller dieser Schwierigkeiten herrscht auf der Konferenz jedoch kein allzu großer Pessimismus mehr: man steht die Schwierig- ketten nicht für unüberwindlich an. Verabredung zur Töiung. Etraffcheu der Oeutschnattonalen. Der Strafgesetzausschuh des Reichstags beriet gestern die§Z 249 bis 251, durch welche Ausforderung zui Tötung. Berlei- ttmg zur Tötung und Verabredung einer Tötung mtt Zuchthausstrafe bis zu 5 Jahren bedroht ist. Di« Deutsch- natwnalen Dr. H a n e m a n n und Dr. S t r a t h m a n n liefen gegen diese Bestimmung Sturm. Sie behaupteten, daß die angedroht« Strafe zu schwer sei und beantragten die Streichung der drei Para- graphen. Abg. Dr. Rosen selb(Soz.) wies demgegenüber darauf hm. baß doch gerade die Deutschnationalen bei der Verteidigung der Todesstrafe die besondere Strafwürdigkett der Tötungs. v-rbrechen hervorgehoben hätten. Es sei sehr auffallend, wenn st« jetzt die Streichung der zur Beratung stehenden Paragraphen be- antragten. Ossenbar sei es der U rsp r u n g dieser Bestimmungen im Republikschutz gesetz, der sie den Deutschnationalen unsympathisch mach«. Di« sozialdemokratisch« Fraktton wünsche zum Schutze der Gesellschaft Aufforderung, Verleitung und Verabredung zu einer Tötung unter schwere Strafe gestellt zu sehen. Schließlich wurden du deutschnationalen Anträge abgelehnt und die drei Paragraphen nach der Regierungsvorlage angenommen. Hamburg und der Kommunistenspuk. Alle Kundgebungen verboten. Hamburg. 16. Mai.(Eigenbericht.) Äie Haml'urger Polizeibehörde hat nach Hein Verbot des Raten Frontkämpferbundes nunmehr auch die für den zweiten Pfingsttag geplanten Saalkundgebungen der Hamburger KPD. »erboten. Es ist damit zu rechnen, daß auch die in dem Ham- bürg umgrenzenden preußischen Gemeinden geplanten kommunisti- schen Kundgebungen verboten werden. Außerdem ist die„Ham- burger Dolkszeiwng" und die„Norddeutsche Volkszeiwng" für die Zell vom 17. bis 21. Mai verboten worden. Dieses Verbot ist auf die systematische Hetze und Propaganda der„Volks- zettung" für Pfingstaufmärsche zurückzuführen. Im Hamburg befinden sich bereits zahlreiche Kommunisten, die aus Anlaß des verbotenen Rotfrontkämpfertages von auswärts nach dort gekommen sind. Die Hamburger Polizei Hot alle Vorkehningcn getroffen, um KPD.-Aufmärfche und Verbrechen zu verhindern. Noch immer Oppelnhetze. Unterdrückung de« deutschen Schauspiels in Kattowih. Warschau. 1(5. Mai Der Direktor der Kattowitzer Oper, Milan Zuno, sowie der Regisseur und erst« Tenor Joseph S t e m p u i o w s k i. die in Oppeln angegriffen wurden, haben von der polnischen Regierung das gel. den« Verdien st kreuz erhalten. Der Hauptvarstand polnischer Artisten in Warschau Hot unter Teilnahme von Mitgliedern des Kattowitzer Theaters beschlossen, der Leitung der deutschen Theatergsm einde auch weiter- hin das Betreten ihres Bureauraumes im Katto- witzer Theater nicht zu gestatten.(In Kattoipitz sind gut die Hälfte der Bürger Deutsche!) Gegen den Lunapark in Warschau demonstrierten polnische Studenten, weil ee sich um«in deutsches Unternehmen handle. Das Regierungskommissariat hat diesen Vergnügungspark geschlossen, um Ausichreitungcn vorzubeugen. Tatsächlich sind, wie die Direkiion mitteilt, von 33 dort vorhandenen Unternehmen nur vier deutsch. Jedenfalls hat der Park Infolge der Schließung am ver- gangenen Sonntag allein einen Verlust von 12909 Zloty erlitten. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Wurstwaren Rot- u. Dampfwurst 1 ,00 Landleberwurst Pfd. 1.20 Fleischwurst Ptund 1.20 Jagdwurst.. Pfund 1.45 Mettwurst(Braunschw. 1 45 l icuwursi Ari, pfund Schlnkcnpoinlsche 1.60 Filetwurst. Pfund 1.60 Zervelat u. Salami, 0A holsteinische, Pfund t.ou Feine Leberwurst Pfd. 1.80 Teewurst Pfund 1.80 Speck felt.Pld. 1.15 majer 1,35 Schinkenspeck Pfund 1.95 Nußschinken 2.10 KSalgstruse, Rosenthaler Str.,■orlbpletz: Knoblauchwurst Pfd. 1.20 Bierwurst Pfund 1.60 Landmettwurst pomm. 1.60 Käse 11. Fette Holländer haibleu....... Pfund 0.65 Edamer halbielt......... Pfund 0.65 Steinbuscher haibf«»..... Pfund 0.55 Limburger Allgauer, halbfett. Piund 0.56 Blockkäse, ohne Rinde, halbfett: Tilsiter Art Pfund 0.80 Schweizer Art Pfund 1.00 Emmentholcr Ohne Binde, vollteu. Schachlei 0.85 Schweizer 0.85 Tilsiter vo"�d 1.12 1.20 vollictl, Pfund 0.90 vollfett, Pfund 0.90 vollfett, Pfund 0.95 volltett, Plund 0.95 Rifritnep AllgSuer. voll- 1 QO uicfkusc fe|t___ p�nd Cremekäse Allgäuer Schweizerkäse Margarine P'und 0.52 0.58 Kokosfett t-Pfund-Tafel 0.62 vollieft» Pfund vollfett. Pfand 1.20 1.45 Tafelbutter Pfund 1.90 Dänische Butter Pfd. 2.00 Konserven Vi Dose Gemöse-Erbsen 0.50 Jg.Erbsen"™0.78«*1.50 Kaiserschoten-• 1.65 Gemischtes Gemüse Doppel-Dose n 7R 1 1 S Spargel extra» J/t Dose v./ O 1.10 Gemlscht.GemüseV 0.68 Karotten geschnitten. 0.42 Karotten ,u?f � 0.48 0.75 Sellerie In Scheiben, Pfd. 1.05 Stangenspargel, o in sehr slark, vi Dose l.DO O.IU Pflaumen mit stein 'i Dose 0.73 Pflaumen tßuoser 0.55 0.90 Apfelmus eaha Quainai 0.90 Saure Kirschen s'cin 1.05 Hawaii-Ananas 1.15 Kaliforn. Pfirsiche 1.35 Kaliforn. Fruchtsalat 1.85 Senfgurken...... 0.87 Corned-Beef Vi Dose 0.90 Grab meat'eDose2.15 4.25 Gelsardinen?0Kiubdot 085 Tomatenmark» Dose D.�.�O Konfitüre v, Ei wer Pflaumen 0.98 Aprikosen 1.10 Orange, Johannisbeer 1.15 Erdb. 1.30 Kirsch, Himb. 1.35 Ananas 1.40 Obst u. Gemüse Rhabarber... Pfund 0.05 Zwiebeln neueA.gyp.er g gz Junger Spinat Pumd 0.10 Neue Kartoffeln Pfd. 0.25 Salat hiesiger 3 Kopf 0.40 Grüne Gurken 0.45 an Bananen Pfund 0.48 Frischer Spargel pk-nd 20, 45, 55, 85 pt. Eß- u. Kochäpfel Pfd. 0.25 Sm>trnafeigen Pfuud 0.30 Kalif. Aepfel Pfd. 0.42 Kalif. Peppings Pfd. 0.45 Zitronen Dupend 0.48 �Äd" 0.80 1.10 1.40 Kalifornisches Backobst Pflaumen 0.44 0.54 0.60 1 Pfirsiche 0.68 0.80 0.98 Birnen 0.75 0.90 1.10| Aprikosen 0.92 1.25 1.55 Ringäpfel Pfund 0.90 1.15 Gemischtes Backobst Pfund 0.48 0.68 0.8,0 Bosnische Pflaumen Pfd. 0.32 0.46 ohne steine, Pid. 0.55 Puddingpulver Puddingpulver Vanille- u. Mandelgeschmack..... Pfund 0.48 Rote Grütze Pfund 0 60 Puddingpulver n 70 Schokoladen-Geschmack Z Saucen-Pulver n Vanille- Geschmack, Pfund w.'Z Knclmaiiilel-Puddliig ptund 1.10 Sehokoladeg-Spil», mit gehackten Mandeln, Pfd. 1.10 Maidei-Rosion-Poddiig Pfd. 1.20 Räucherwaren Kiefer Bücklinge Pfd. 0.32 I Spi otten Originatkistchen 0.40 0.35| Spickaale Pfund von 2.85 an Spickaale Buna 0.40». 0.90 Flundern fommersche� Konfitüren Bonbon-Misch. Pfd. 0.55 Eisbonbons Pfund 0.70 Messlna-Drops Pfund 0.70 Gelee-Hlmbeer. Pfd. 0.90 Gold-Bonbons"»P'd. 0.20 Erfrischungs- Waffeln Pfund 0.28 Schmelz-Borke'»Pid. 0.33 Apfelsinen- u. Zitronen- Schnitte Kaffee frlsdi gebrannt, eigene Bdstcrd Pfund 0.90 Konsum-Mlsch. P'und 2.40 Haushalt-Mlsch. Pfd. 2.60 Sonder-Mlsch. Pfund 3.00 Olympla-Misch. Pfd. 3.40 Globus-Mlsch. Pfund 3.80 Resldenz-Mlsch. Pfd. 4J20 Frisches Fleisch Kalliskainni t. Brost pf»ik, lVä5rsie 05» Wenig getragene Herrengarderabe, teils aus Seide, verlause spattbillig. 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Bali« bei. betreff».POlle-Bltdee»«l 1S2R-, woraus wir«User« Lese« btfflOCHJT# htTTPfiffft* t Ar. 226- 46. Jahrgang Freitag- it7. Mai 1929 Sowjetrussische Streichhölzer. Durch Lohndtückerei sind sie bittig. Man klagt viel über sie. die russischen Streichhölzer, und sie sind wirklich nicht von guter Qualität und machen dem rus- jischen Staat ebensowenig Freude wie den deutschen Verbrauchern. Wenn sie in deutschen Läden angeboten werden, hauptsächlich von unseren so national empfindenden Mittelstöndlern, dann nur des- halb, weil die Rusien sie außergewöhnlich billig verkaufen i nicht uin den deutschen Konsumenten eine Freude zu machen, jon- der« um Devisen hereinzubringen! Mir den russischen Streichhölzern verbindet sich nämlich eine kleine Tragödie. Machen wir sie uns einmal klar: Die deutsche Zünd- Holzindustrie ist gegen die ausländische Konkurrenz durch Schutzzoll in Höhe von SV M. pro 100 Kilogramm geschützt. Eine Normaltiste Zündhölzer mit 1000 Paketen zu je 10 Schachteln hat nun ein Durchschnittsgewicht von 160 Kilogramm. Davon gehen �0 Proz. für die Verpackung ab. Demnach beträgt der Zoll für eine Kiste rund 65 M. oder für ein Paket zu 10 Schachteln 6,5 Pf. Es i't ein unerhört hoher Zoll. Er macht glatt 50 Proz. des Herstcllungswertes aus. Man hat aber mit diesem Schutzzoll die Einfuhr ausländischer Streichhölzer nach Deutschland so gut wie abgedrosselt. Was noch vom Ausland in bescheidenem Ausmaß eingefürht wird, sind Luxuswachszündkerzchen. Der Zoll von 50 Proz. macht den Import anderer Artikel von vornherein unrentabel. Auch der S ch w e d e n t r u st konnte trotz seiner fort- geschrittenen günstigen Kapitalsverhältnisse gegen diesen Zoll nicht Sturm laufen. Er hat Frieden mit der deutschen Zündholzindustrie geschlossen und fabriziert in Deutschland, also innerhalb der Zollmauer. Nun führen die Rusien Streichhölzer nach Deutschland ein, und die kommunistische Presse frohlockt und schreibt von erstaun- I-chen Leistungen der Sowjetindustrie. Mit dieser Leistung ist es mcht weit her. Zu den oben dargelegten Zollsätzen von 65 M. tritt in Deutschland die Zündwarensteuer. Sie macht 60M. pro Kiste aus. Dieser Betrag erhöht sich noch durch Fracht und Spesen um 10 M. Jede Kiste Streichhölzer aus Rußland, die über die deutsche Grenze geht, ist also mit rund 135 M. Zoll, Zündwaren- steuer, Fracht und Spesen vorbelastet. In Deutschland werden sür dies« Kiste ISO M. erzielt. Dem russischen Zündholz. syndikat, da» die sowjetrussischen Zündhölzer nach Deutschland im- parliert, oerbleibt demnach ein« Nettoeinnahme von 55 M. pro Kiste. Man braucht kein Fachmann zu sein, um einzusehen. daß es unmöglich ist, zu diesem Preis diese Menge Zündhölzer zu fabrizieren. Er deckt noch nicht einmal dt« Selbstkosten, auch nicht in Rußland, obwohl dieses Land über einen riesigen Holzreichtum verfügt und die Gestehungskosten durch niedrige Löhn« drücken kann. Der beste Beweis dafür ist, daß in Ruhland die sowjetrussischen Zündhölzer wesentlich teurer sind als in Deutschland. Während nämlich in Deutschland der größte Teil der Produktion zum Preise oon 25 Pf. dos Paket .zu 10 Schachteln verkauft wird, kostet in Rußland ein solches Paket 3? Pf. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß das russische Zündholzsyndikat an jeder exportierten Kiste Zündhölzer«ine ganz erkleckliche Summe Geld«» verliert. Was die sowjct- russische Industrie betreibt, ist kein Zeichen für die.erstaunlichen Leistungen der Sowsetinudstrie", sondern ausgemachtes Dum- p i n g. Sie verkauft ihr« Streichhölzer unter Gestehungs- und Weltmarktpreis. Nun entsteht die Frage, weshalb Rußland sich aus dieses verlustbringende Dumping wirst. Sie ist leicht zu beantworten. Früher exportierte Rußland in der Hauptsache Getreide. Der Getreideexport erbrachte rund 70 Proz. aller benötigten Devisen. Nun ist die Getreidewirtschaft auch in Rußland zusammengebrochen und damit auch der Getreidexport. Rußland gehört heute zu den Getreidezujchuhländern. Es niuß Getreide am Welt- markt kaufen, um seine Bevölkerung zu ernähren. Also muß es sich die benötigten Devisen anderswoher beschaffe»: es muß Waren aus dem Weltmarkt verkaufen, die dort nicht konkurrenzfähig sind. nur um Güterdevisen zu beschaffen. Deshalb die Senkung der Ex- portpreifs unter die Weltmarktpreise und unter die Gestehungskosten, deshalb das russische Zündholzdumping. Diese Tatsache wird auch von den russischen Fachleuten gar nicht bestritten. Nur die k o m- munistische Presse in Deutschland sieht darin einen Erfolg der Sowjetindustrie. Aus der bitteren Not macht man eine sowjetrussischo Tugend. Nun die Kehrjeit der Medaille! Auch die Sowjetindustrie und Sowjetrußland können, wie jedes andere Unternehmen und wie jedes Land, kein Geld verschenken. Wer bezahlt nun die Preis- disferenz? Wer trägt die Kosten des russischen Streichholzdumpings? Die Antwort: der russische Arbeiter! Sein Lohn wird ge- drückt, damit man nach dem Ausland billig Streichhölzer expor- tiert. Für den Lohn, den man dem russischen Arbeiter vorenthält, kauft Rußland im Auslande Devisen! Bestraste Wegelagerer. Sühne für einen Ueberfall auf Aeichsbannerleute. vor dem Amtsgericht Lichleaberg wurden gestern sechs Angeklagte, die in der Nacht vom 2. zum 3. September 1928 einen Trupp Relchsbannerleute überfallen und mit Stöcken niedergeschlagen hatten, abgeurteilt. Nach sechsstündiger Verhandlung wurden vier der An- geklagten zu je 2 Nl o n a< e n Gesängui» verurteilt und zwei freigesprochen, weil ihnen nicht nachgewiesen werden konnte, daß sie geschlagen hatten. Am 2. September veranstaltete das Reichsbanner aus seinem Sportplatz in Friedrichsfelde ein K l e i n k a l i b e r w« t t° schießen. Am gleichen Tage spielte der Sportverein Freie Sportler Johannisthal auf einem in der Nähe liegenden Sportplatze. Als die Reichsbannerkameraden gegen 23 Uhr von ihrem Platz zur Haltestelle der Straßenbahn gingen, begegneten sie einem Trupp Sportler, die sofort anfingen zu schimpfen, als sie die Reichsbannerleute an ihrer Uniform erkannten. Man stellte die Gruppe in ruhiger Form zur Rede, doch schon schlug einer der Sportler einem Kameraden ins Gesicht. Das war das Zeichen für eine allgemeine Schlägerei. Die Sportler drehten ihre Spazierstöcke um und schlugen mit den Krücken auf die Kameraden ein. Da die Sportler in starker Ueberzahl waren und sich immer acht bis zehn Mann auf einen Reichsbannerkameraden stürzten, waren diese bald zu Boden geschlagen. Zeht hieben die Burschen sogar aus die Frauen und Kinder der Reichsbanner- kameraden ein. Das Ueberfallkommando wurde alarmiert, den Polizeibeamten gelang es, einig« der schlagwütigen Sportler aus einer Elektrischen heraus zu verhaften. Anklag« wurde gegen sechs von ihnen. Perlcwitz. Franz. Kliem, Dommich, Dolch und Schulze, erhoben. In der Gerichtsoerhandlung wurden etwa 30 Zeugen ver- nommen. Selbstverständlich bestritten die Helden d«r Schlacht. auf die Reichsbannerleute eingeschlagen zu haben. Auch ihr« Freunde, die als Entlastungszeugen austraten, wollten nichts g e- sehen haben. Die Reichsbannerkameraden und ihre Frauen gaben bei ihren Aussagen eine Darstellung, aus der klar ersichtlich war, daß vier der Angeklagten sehr rührig zugeschlagen hatten. Drei Reichsbonnerkameraden waren oon je 5 bis 10 Mann nieder- Jach Xondon: (Berechtigte Uebersetmng von Ermin Magnus). Als er lhr das nächste Mol begegnete, wandte sie sich zornig und verächtlich von ihm ab. Aber später bat sie ihn um Verzeihung und ließ ein Wort fallen, daß irgendein Mann irgendwo und irgendwie— sie sprach sich nicht näher aus— ihr den Willen zum Leben geraubt hätte. Sie sprach offen, aber unzusammenhängend, und alles, was er aus ihr heraus- bekommen konnte, war, daß das Ereignis, was es auch nun sein mochte, schon weit zurücklag. Und er bekam auch heraus, daß sie den Mann geliebt hatte. Das war es also— die Liebe. Sie war schuld daran. Sie war schlimmer als Kälte und Hunger. Die Frauen moch- ten gut, schön und liebenswürdig sein: aber mit ihnen kam etwas, das man Liebe nannte und das sie alle bis auf die Knochen zeichnete. So unvernünftig machte es sie, daß man nie wissen tonnte, was ihnen einfiel. Die Freds zum Beispiel war ein prachtvolles Gsschövf. üppig, schön und durchaus nicht dumm: aber da war me Liebe gekommen, hatte sie bitter gegen die ganze Welt gemacht und sie nach Klondike und in den Tod getrieben, so unwiderstehlich, daß sie den Mann haßte, der ihr das Leben rettete. Na, bisher war er der Liebe entronnen, wie den Pocken, aber für den, den sie packte, war sie ebenso ansteckend wie Pocken und bedeutend gefährlicher. Sie ließ Männer und Frauen die schrecklichsten, unvernünftigsten Dinge tun. Sie glich dem Delirium tremens, war aber noch schlimmer. Und wenn sie ihn, Daylight kriegt«, dann konnte es ihm ebenso schlimm ergehen wie den anderen. Sie war Wahnsinn, starker Wahnsinn, und ansteckend obendrein. Ein halbes Dutzend junger Burschen war in Freda verschossen. Alle wollten sie heiraten. Aber sie war nun einmal in diesen einen Burschen auf der anderen Seite der Welt verschossen und wollte mit keinem anderen zu tun haben. Aber noch einen größeren Schrecken sollte er erleben: Eines Morgens wurde die Jungfrau tot in ihrer Hütte ge- funden. Ein Schuß durch de« Kopf halt« sie abgetan, und sie hatte keine Botschaft, keine Erklärung hinterlasien. Dann kam das Gerede. Man sagte, sie hätte sich aus Liebe zu Day- light das Leben genommen. Alle wollten es wissen. Wieder einmal war Burning Daylight, der König von Klondike, die Sensation in den Sonntagsbeilagen der Bereinigten Staaten. Die Jungfrau hätte einen besseren Lebenswandel angefangen, so hieß es in den Berichten, und das stimmte wohl. Nie hatte sie ihren Fuß in einen Tanzsaal in Dawson City gesetzt. Nach- dem sie Circle City verlassen, hatte sie zuerst für ander« Leute gewaschen, dann sich eine Nähmaschine gekauft und Pelz- mutzen und Elchlederhandschuhe genäht. Dann war sie Konto- ristin bei der ersten Vukonbank geworden. Alles das und noch mehr war bekannt, alle sprachen darüber und waren sich einig, daß Daylight die Ursache von alledem und dazu auch von ihrem Tod gewesen. Und das schlimmste war: Daylight selbst wußte, daß es stimmte. Immer mußte er an den letzten Abend denken, und wenn er zurückdachte, quälte ihn jede Kleinigkeit, die ge- schehen war. Das traurige Ereignis hatte manches erklärt. Was er erst jetzt verstand— ihre Ruhe und die fast mütter- liche Süße über allem, was sie sagte und tat. Cr erinnerte sich, wie sie ihn angesehen und gelacht hatte, als er sich über Micky Dolano lustig gemacht, der beim Abstecken seines Claims bei Skookum Gluch ins Wasier gefallen war. Ihr Lachen war sorglos und heiter, dabei aber weniger körperhaft als in früheren. Tagen gewesen. Nicht daß sie ernst oder be- drückt gewesen. Im Gegenteil, sie war so von Frieden er- üllt, hatte ihn genarrt— Tor. der er war.. Cr hatte an enem Abend sogar gedacht, daß ihr Gefühl für ihn vorüber ei, hatte sich gefreut bei dem Gedanken und sich dje gute Freundschaft ausgemalt, die zwischen ihnen bestehen würde, wenn diese unangenehme Liebe aus dem Wege geschafft war. Und dann hatte er mit der Mütze in der Hand in der Tür gestanden und Gute Nacht gesagt. Und plötzlich hatte sie sich über seine Hand gebeugt und sie geküßt. Cr war sich wie ein Narr vorgekommen, aber wenn er jetzt daran zurückdacht« und wieder die Berührung von ihren Lippen auf seiner Hand fühlte, erschauerte er. Sie hatte Abschied nehmen wollen, ewigen Abschied, und er hatte nichts geahnt. In jenem Augen- blick war sie entschlossen gewesen zu sterben. Wenn er es nur gewußt hätte! War er auch nicht selbst von der ansteckenden Krankheit ergriffen, so würde er sie doch geheiratet haben, wenn er nur die geringste Ahnung von ihrer Absicht gehabt hätte. Aber andererseits wußte er, daß sie einen gewissen aufrechten Stolz besessen, der ihr nicht erlaubt hätte, eine(che geschlagen und schwer oerlegt worden. Ein Kamerad hat über sechs Wochen krank gelegen und leidet heut« noch unter den Folgen des Ueberfalles. Der Staatsanwalt beantragte asge» aüc Angeklagten mit Ausnahm« von Dolch und Schulz 2 resp. 3 Monate Gefängnis. Der Verteidiger der Angeklagten redete zwar immer davon, daß keine politisch« Hetze diesem Borsall zugrunde lag, er selbst aber glaubte, sein Plädoyer mit b l ö d e n A n g r i ff«» gegen die Sozialdemokratie spicken zu müssen. Das Gericht oerkündete gegen die vier Angeklagten zwei Monate Gefängnis, Anrechnung der Untersuchungshaft und B e w ä h- r u n g s f r i st bis 1931, die AngeNagten Dolch und Schulze wurden freigesprochen. Der Vorsitzende betont« in der Urteilsbegründung, daß hoffentlich dieses Urteil dazu beitragen möge, endlich einmal gewisse Parteigruppen davon abzuhalten, aus den Gegner mit Stöcken und anderen Instrumenten«inzuschlagen. Eine polnische Stadt in Klammen. 250 Häuser niedergebrannt.— 500 Familien obdachlos. Darschau, 16. Mai. In dem polnischen Städtchen 5 w j e ist am Mittwochabend ein verheerender Brand ausgebrochen, gegen den sich alle Löschv ersuche machtlos erwiesen. Der ganze Ort Ist abgebrannt. 250 Häuser wurden ein Raub der Flammen. Ueber 5 0 0 Familien find obdachlos. Der Schaden beträgt über drei Millionen Zloty. Ein unachtsam fortgeworfenes, brennendes Zündholz hat den Brand verursacht. Zm westlichen Kongreßpolen ist in dem Städtchen S l o c z e w ein Schadenfeuer ausgebrochen, dem a ch I zweistöckige Häuser zun, Opfer sielen. 3n der Stadl herrschte während des Brandes eine furchtbare Panik. Die Löscharbeilen wurden durch die in den Straßen umherirrenden Menschen wesentlich erschwert. Zahlreiche Personen erlillen Brandwunden. 11$ Tote in Cleveland. Vierzig Verletzte liegen hoffnungslos danieder. Cleveland lOHW), 1«. Mai. Die Zahl der bei dem Gxplosionö- und Brandunglück ums Leben gekommenen Personen hat sich inzwischen auf 118 erhöht. 40 Personen sind außerdem so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. Da im Augenblick die Ausräumungsarbeiten noch nicht abge- schlössen sind, wird selbst die Zahl 118 noch nicht als end- gültig angesehen. Die Untersuchung der Katastrophe wird drei- facher Art sein. Der Gouverneur von Ohio kündigt an, daß alle Körperschaften angewiesen sind, eine Untersuchung einzuleiten. Die Explosion ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch die bei der Ver brennung von Röntgenfilmen fteigcwordenen Gase hervor- gerufen worden. Bei Ausbruch des Brandes wurden sofort alle feuerfesten Tore geschlossen, so daß die Explosion im Anschluß an die Verbrennung der Filme auch außerordentlich starke Durch- Wirkung hatte. Das entwichene Gas ist eine Mischung von Jod- und Brom- dämpfen, in der Wirkung dem Phosgen sehr ähnlich. Auffälligerweise sterben viele der Betroffenen erst n a ch t r ä g- l i ch, nachdem es zunächst aussah, als ob bei Ihnen keine Gas- Vergiftung zu befürchten wäre. Dar Eintritt des Rückschlages fühlen sie sich sehr wohl, ganz plötzlich kommt dann der Tod. Man befürchtet daher weitere Todesfälle bei Menschen, die vor- läufig scheinbar bei voller Gesundheit sind. Zahlreiche Personen, die dem Brand zusahen, starben auf dem Nachhausewege. Unter den Toten befinden sich neben sechs Aerzten auch Matrosen, Feuer- | einzugehen, die Ihr nur aus Mitleid angeboten wurde. Nein, 1 hier wäre keine Rettung möglich gewesen. Die Liebe hatte sie gepackt, und ihr sollte sie erliegen. Ihr einzige Chance war gewesen, daß auch er die Krank- heit bekommen hätte. Aber er war ihr entgangen. Hätte sie ihn ergriffen, so wäre er wahrscheinlich in Freda oder irgend- eine andere verliebt gewesen. Man brauchte nur an Dort- worthy, den Universitätsmann zu denken, der einen Claim am Bonanza befaß. Jedermann wußte, daß Berta, die Tochter des alten Doolittl«, in ihn verliebt war. Als ihn aber die Krankheit packte, mußte es von allen Weibern ausgerechnet die Frau von Oberst Walthstone, dem Sachverständigen des großen Guggenhammers, sein. Resultat drei Wahnsinns- anfalle: Dartworthy verkaufte seine Mine für ein Zehntel ihres Wertes: die arme Frau opferte ihren guten Namen, ihren Ruf und ihr warmes Plätzchen in der Gesellschaft, um mit ihm in einem offenen Boot den Puton hinabzuflüchten, und Oberst Walthstone rief Tod und Verderben auf sie her- ab und fuhr in einem anderen offenen Boote hinter ihnen her. Die ganze drohende Tragödie war den schlammigen Fukon hinab, an Forty Mile und Circle City vorbeigezogen und hatte sich schließlich in der Wildnis verloren. Aber das war sie, die Liebe, die das Leben von Männern und Frauen aus den Fugen brachte, sie zu Tod und Verzweiflung trieb, alle Vernunft und Rücksicht über den Haufen warf, tuqend- hafte Frauen zu Dirnen und Selbstmörderinnen, Männer aber, die bisher einen redlichen Wandel geführt, zu Schuften und Mördern machte. Zum erstenmal in feinem Leben verlor Daylight seine Selbstbeherrschung. Er gestand sich offen, daß er bange war. Frauen waren entsetzliche Geschöpfe, und der Keim der Liebe gedieh am besten in ihrer Nähe. Und so rücksichtslos waren sie, so ganz ohne Furcht. Sie schreckte nicht der Tod der Jungfrau. Sie streckten die Arme nach ihm aus und waren verführerischer als je. Ganz abgesehen von seinem Geld« war er allein durch seine Persönlichkeit, als«in junger Mann von gut dreißig Iahren, strotzend von Kraft, hübsch und liebens- würdig, eine Anziehung für die meisten Frauen. Andere Männer hätten die Huldigungen nicht ertragen, sie hätten ihnen den Kopf verdreht, ihn machten sie nur noch angst- licher. Die Folge war, daß er fast alle Einladungen in Häuser, wo er Frauen treffen konnte, ablehnte und nur bei Jung- gesellen und im„Elchgeweih" verkehrte, wo es keinen Tan-, boden gab. (Sorffttzung ftrfgt} wehrleut« unü Pfleger. Dos Gas scheint allmShklch die VkuttSrperchen zu zersetzen. Die Sachverständigen erinnern an ähnliche Erschei- «mngen an der W e st f r o n t im Weltkriege. Die einen glauben an Stickstoffgase, die anderen an Bromgas, das aus den brennenden Röntgenfilmen frei wurde. Alle Blutübertragungen, die man bis- her vorgenommen hat, sind fehlgeschlagen. Als Ursache des Explosionsunglücks gilt Kurzschluß. Moiorradunglück in Lichierselde. Ein Toter, ein Schwerverletzter. 3n den letzten Tagen ist die Oeffenllichkeik durch ver- schiedene äußerst schwer verlaufene Unglücksfälle beunruhigt morden, die durch Motorradfahrer hervorgerufen wurden. Am Donnerstag ereignete sich abermals, und zwar an der Ecke Drake- und Dürerstraße in Licht erseide, ein schweres, durch einen Motorradfahrer verschuldetes Unglück. Mitten auf der Straßenkreuzung stieß der Lljährig« Motor- radfahrer Alfons W o l f ch a n mis der Zlltensteiner Straße 42 zu Lichterfelde, der auf dem Soziussitz den Mjährigen Rudi 5) a a s e aus der Göbener Straße in Dahlem hatte, mit einem L a st a u t o zusammen. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert und die beiden Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt. Die Der- unglückten wurden durch die Feuerwehr in das Kreiskrankenhaus Lichterfelde gebracht, wo Wolschan bald nach seiner Einlieferung g e st o r b e n ist. Auch das Befinden des anderen Schwerverletzten gibt zu Besorgnissen Anlaß. Nach den polizeilichen Feststellungen trifft die Schuld den tödlich Verunglückten selbst, da er unvorschriftsmäßig schnell gefahren ist. Ein anderer aufregenderBerkehrsunfall trug sich in den gestrigen Nachmittagsstunden in der Kaiser-Friedrich-Strahe in Eharlottenburg zu. Dort geriet vor dem Hause Nr. 104 ein Fahr- zeug der städtischen Straßenreinigung auf den Bürgersteig und fuhr in das Schaufenster einer Drogenhandlung hinein. Die Schau- senstcrscheibe und die Auslagen wurden zertrümmert. Zwei Passanten, ein 68jähriger Mann und«in achtjähriges Kind, die im Augenblick die Unfallstelle passierten, wurden erheblich ver- letzt. Das Kind mußte ins Weftend-Krankenhaus gebracht werden. Aeue Erdstöße im Vogtland. Ein Beben tief im Erdinnern. Plauen. 16. Mai. Die Erdstöße, die gestern vormllkag, wie gemeldet, an ver- schiedenen Stellen des Voytlaude» ausgetreten find. haben sich in der Folgezeit wiederholt. So verzeichnete Markneuklrchen zwischen.�11 und 2 Uhr mehrere Erschütterungen, darunter«ine recht heftige gegen rJil lltir, schließlich einen vereinzelten Erdstoß heute morgen um •47 Uhr. Klingenthal meldete mehrere Erdstöße während der Nacht und drei kurz aufeinander folgende Erschütterungen heute fnih gegen 6 Uhr. In Asch wurden gestern zwischen �10 und 11 Uhr nachts kurz hintereinander mehrere recht heftige Stöße be- vbachtct, durch die sogar ein Teil der Einwohner veranlaßt wurde. die Häuser zu verlassen. Auch in F a l k e n st e i n wurde zu gleicher Zeit ein Beben wahrgenommen. Beim Eintreten der Erschütterungen hatte man das Gefühl, als erfolge tief im Erdinnern«ine Explosion. Oer Ferienaufenthalt des Proletariers. Zerienheimgenossenfchast„Tlaiurfreonde�. Die F e r i enh e i m g en o ssen fchaft.Naturfreunde" c.®. m. b. H. hat es sich zur Aufgab« gemacht, dem Arbeiter, dem Angestellten und Beamten mit geringem Gehalt die Möglichkeit zu geben, in ihren Urlaubstagen mit wenig Mitteln den Aufenthalt in landschaftlich schönen Gegenden, die Wanderung und Ausfpan- nung durch die Schönheiten der Natur zu ermöglichen, lieber die Zwecke und Ziele der 1913 in Jena entstandenen Genossenschaft, die dort auch noch ihren Sitz hat, sprach am Dienstag der zweite Porfitzende des freigewerlschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Theodor Kotzur. Er wies darauf hin. daß die Vorbedingung zum Ausbau der F r e i z e i t kul t u r, an der die Ferienheimgenossenschaft mitarbeiten will, der Kamps der politischen und wirtschaftlichen Arbeiterbewegung um bessere Lebensbedingun- gen. höhere Löhn«, kürzere Arbeitszeit und gesetzlich oder tariflich festgesetzten Urlaub ist. Millionen denen diese Errungenschaft noch nicht zugänglich sind, bleiben auch bis heute noch von der Freizeit- kultur ausgeschlossen, die eine Hebung der Bolksgefundheit und der Arbeitsfreudigkcit bedeutet. Die bisher außerhalb der Arbeiter- Bewegung bestehenden Freizeitkulturorganisationen sind durch ihre Sonderbestimmungen und ihre hohen Preise noch viel zu exklusiv. Mit den geringen Beitragsmitteln und der finanziellen Hilfe von Arbeiterorganisationen hat die Ferienheimgenossenschaft be- reits 13 Heime in landschaftlich schöner Gegend mit billigen Aufenthaltspreisen geschaffen: 8 im herrlichen Bergland Thüringens. 2 im Wintelfportgebiet des Erzgebirges, zwei in der Heide und eins im märkischen Seengebiet. Auch die MitgliedÄiei- trüge sind niedrig. Genosse Kotzur hielt es für.zweckmäßig, daß die gesamte Frel- zeittulturbewegung der Arbeiterschaft auf eine Zentralisation und gleichzeitige Erweiterung des Aufgabenkreifes hinarbeite. Er regte an. daß die(8 c w e r k s ch a f t z o e r b ä n d e. die Eigenheime besitzen, sich der Ferienheimgenossenschaft an- schließen, daß die übrigen G-werkschaftsverbände sich finanziell an ihr beteiligen und ihren Mitgliedern die Möglichkeit verschaffen, nach Wahl die Heime der Genossenschaft zu besuchen. Auch wies er ans die vielen schönen Wanderheime der internationalen Or- gcinisation der Arbeiterwanberer, des T o u ri st e n- B e r e in s „Naturfreunde" hin. Als weitere Forderungen zur Förde- ning der Freizeilkultur müßten die Gewerkschaften in den Tarif- Verträgen Zuschüsje für die Urlaubszeit der Arbeit- nehmer erkämpfen und die politische Bewegung müßte auf die Cr- Mäßigung der ungeheuer gestiegenen Eisenbahnfahrpreise für die Urlaubsreifen der Minderbemittelten bei der Reichsbahn hinzu- arbeiten suchen. Die Berliner Geschäftsstelle der Ferienheimgenossenschaft, die alle Auskünfte erteilt, befindet sich bei dem Vorsitzenden der Ge- nassenschaft, Genossen Wilhelm Grothe, Berlin O. 112, Weichselstr. IE._ paulsen nach Vraunfchweig berufen. Stadtschulrat Wilhelm Paulsen ist als ordentlicher Honorarprofessor für praktische Pädagogik, besonders für Fragen der Schulreform und Schulorganisation, an die T e ch n i s ch e H o ch. schule in Braunschweig berufen worden. Er erhielt den Auftrag, Grundsätze und Richtlinien für den Aufbau des braun- fchwelgische» Landesschulwesens auf zeitgemäßer Grundlage zu ent- werfen. Die DurchfMung seiner Ausgabe gestattet ihm. seinen Wohnsitz in Berlin zu behalten. Die Zaristische Sprechstunde fäll, Sonnabend. lS.Illat.-nd Stnatag, 21» SM, mt, Meineid aus Willensschwäche. Ein menschlich suhlendes Gericht gibt Bewährungsfrist. Ein Seilenstück zu dem austehcnerregenden Beschluß eines Moabiler Schöffenrichters, der einem verurteilten Bewährungsfrist mit der verpslichkung gab. die von ihm durch Salzsäure verstümmelte frühere Braut zu heiraten, bildete gewissermaßen der Ausgang eines Meineidsprozesses vor dem Schwurgericht II. Angeklagt war eine junge Frau K., Mutter von zwei Kindern, einen Offenbarungseid falsch geleistet zu haben. Sie sollte damals Auskunft geben, wo mehrer« Möbelstück« geblieben waren, die einem Darlehnsgläubiger zur Sicherheit übereignet worden waren, und sie hatte geschworen, daß sie es nicht wisse. Ihr Mann befand sich zur Berbüßung einer Strafhaft im Gefängnis. Als er bei einem Strafurlaub von dem Eid erfuhr, schleppte er seine Frau sofort zum Amtsgericht Neukölln, und die Angeklagte ergänzte ihren Offenbarungscid dahin, daß sie die fehlenden Möbel aus Rot kurz nach ihrer Niederkunft und nach der Inhaftierung ihres Mannes verkauft habe. Während der Mann im Gefängnis war, hatte die funge Frau ein Liebesverhältnis mit einem Kriegsinvaliden an- geknüpft und war von dies«m.zu dem Meineid über- redet worden. Eine Fürsorgedame bezeichnete die Angeklagte als «ine völlig widerstandlose, willensschwache Per- s o n, die zweifellos unter sexueller Hörigkeit gestanden habe. Iustizrat Max Wronker machte geltend, daß für die An- geklagte die Strafmilderungen des Meineidsparagraphen in An- wendung kommen müßten. Das Schwurgericht verurteilt« die An- gellagte dementsprechend an Stelle der an sich verwirkten Zucht- hcmsstrafe von einem Jahre zu 4 Monaten und 15 Tagen Gefängnis. Im Anschluß an dieses Urteil verkündete Landgerichts- dircktor Dr. H a r t m a n n den Beschluß des Schwurgerichts, daß die Angeklagte dreijährige Bewährungsfrist erhalten solle, da sie aus Rot und B erfuhr u\ng gehandelt habe. „Bedingung ist aber," fuhr Landgerichtsdirektor Hartmann in strengem Tone fort,„daß Sie die Beziehungen zu dem Kriegsinoaliden abbrechen und sich auch, während Ihr Mamr im Gefängnis ist, eines moralischen Lebenswandels be- fleißigen und Ihr« Pflichten als Mutter und Ehefrau gettculich erfüllen. Das Gericht wird Sie sorgfältig überwachen lassen, und im anderen Fall« unnachstchtlich Ihnen den Gnadenerweis entziehen." Unter Tränen versicherte die Angeklagte dankerfüllt, daß sie von jenem Manne nichts mehr wissen wolle und das Urteil an- nehme. Da auch der Staatsanwalt auf ein« Revision verzichtet«, wurde damit das Urteil rechtskräftig. Dieses Urteil, das sich verständnisvoll bemüht hat, sich in die Psychose der jungen Frau einzufühlen, wird von der Bevölkerung mit freudiger Genugtuung aufgenommen werden, weil es«inen Weg eröffnet, auf dem der Gerechtigkeit und dem Recht Genüge getan wird und der doch anderseits der modernen Anschauung von Schuld und Sühne entgegenkommt. Wer andern eine Grube gräbt... Sin mißlungener Racheakt der früheren Geliebten. Das Schwurgericht II hatte sich mit einem Meineidsprozeß zu beschäftigen, der aus einer Ehescheidungsaffäre hervorgegangen war. Angeklagt waren der Landschaftsgärtner Franz K. wegen Mein» eides in zwei Fällen und die geschiedene Ehefrau Luise Kg. wegen Anstiftung zum Meineid. Der jetzt 36 Jahre alte K. war in der Gärtnerei des früheren Ehemellnes der Mitangeklagten beschäftigt gewesen und war mit Frau Kg., die sechs Jahre älter als er ist, in Beziehungen getreten. In einem späteren Ehescheidungsprozeß, der zuerst in Berlin und dann in Prag schwebte, hatte er beschworen, daß er zu einem be- stimmten Zeitpunkt der in der Ehescheidung eine besondere Rolle spielte, keine Beziehungen zu Frau Kg. unterhalten habe. K. hatte sich, nachdem die Kg.sche Ehe längst geschieden war, mit einem hingen Mädchen verlobt. Aus Rache hotte Frau Kg. gegen ihn nun Meineid-anzeige erstattet. K gestand das auch ein, behauptete aber, daß er von seiner früheren Freundin zu den Meineiden gedrängt worden sei: die Folge war daher, daß Frau Kg. wegen Zlnstiftnng zum Meineide ebenfalls angeklagt wurde. Sie bestritt vor dem Schwurgericht jede Anstiftung. Die Beweisaufnahme ge- staitete sich aber für sie so ungünstig, daß der Staatsanwalt gegen sie 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust beantragte. Für K. lag die Sache insofern günstiger, als er den Milde- rungsparagraphen 157 zur Seite hatte, da er sich bei Au- gab« der Wahrheit selbst der strafbaren Handlung des Ehebruchs bezichtigt haben würde. Gegen ihn beantragte der Staatsanwalt daher nur 19 Monate Gefängnis. Das Schwurgericht verurteilte Frnil Kg. zu 1 Jahr Zuchthaus imd 3 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte K. erhielt wegen Meineides 9 Monate Gefängnis, die Untersuchungshaft wurde ihm angerechnet. Vergnügungsgewerbe leidet keine Not! Oeshalb keine Ermäßigung der Vergnügungssteuer. Die Finanz- und Steuerdepulaklaa hat sich in ihrer Sitzung am 16. Mai mit den Anträgen der Organisationen des Vergnügungsgewerbes auf Ermäßigung der Ver- gnügnngssteoer beschäftigt, nachdem diese Anträge von einem Ausschuß der Deputation eingehend geprüft worden waren. Zn Uebereinstimmung mit der Ansicht des Ausschusses lehnte die veputlon sämtliche Anträge ab. da zurzeit eine all- gemeine Railage de» Vergnügungsgewerbe» nicht anznerkennen sei._ Wie wird das pfingstwetter? Bei der gestern abend einsetzenden starken Bewölkung dürfte es sich nur um eine vorübergehende Trübung hon- dein. Bereits heute wird sich der Himmel wieder auf- heitern, doch werden die Temperaturen, die gestern 19 Grad Wärme-Maximum betrugen, etwas tiefer liegen. Wie der Wetterdienst mitteilt, wäre es verfrüht, schon jetzt über Schön- oder Schiechtwetter in den P f i n g st f e i e r t a g e n zu orakeln. Die allgemeine Wetterlage ist etwas unsicher, und wenn das be- rüchtigte.Ties" nicht von irgendwo heraufziehen sollte, ist wohl mtt annehmbovem Wetter zu rechnen. Aus dem S. Stock in den Kahrstuhlschacht gestürzt. Auf entsetzliche Weis« kam gestern der 47jährige Rohrleger Otto Felch aus der Wrangelstraßc ums Leben. F. fuhr auf seiner Arbeitsstelle bei den Deutschen Kabelwerken in der Weserstraße 37 mit dem Fahrstuhl zum 4. Stock hinauf. Oben angelangt, verlieh zuerst der Fahrstuhlführer den Aufzug, als aber Felsch nachfolgen wollt«, setzte sich der Fahrstuhl plötzlich wieder in Bewegung. Der Mann versuchte abzuspringen, geriet aber dabei zwischen Fahrstuhl- wand und Schacht und stürzte aus der Höhe des fünften Stockwerks in dt« Tiefe. Der Tod trat auf der Stelle«in. Luxnstierchen«nd Bliudenhond. Der Deutsche Tierschutzverein möchte gern das ihm fehlend« Geld für ein Blindenhund-Denkmal zusammen haben, und da er sich nicht nur auf Tiere, sondern auch auf Menschen versteht, schmeichelte er der lieben Eitelkeit und übernahm in diesem Jahre die Veranstaltung„Die Dame und ihr Hund", die im Kaisersaal dss Zoo stattfand. Es waren nur kleine Hunde zugelassen, solche Luxusgeschöpschen, die Damen gerne bei sich tragen, damit sie aufsallen. In sehr vornehmen Automobilen kamen die Schönheitswettbewerber oorgefahren, und die Damen Auch der zweite Vortrag in dem Zyklus„Die Liebesszene in der deutschen Dichtung" von Dr. Franz Leppmann und Ida Orloff bedeutet keine Erfüllung. Er bleibt im Konventionellen verankert. Es fehlt hier die originelle Einstellung, die persönliche Perspektive. Man nimmt doch im Grunde Rücksicht aus die Welt- anschauung geliebter Tanten und Großmütter. Es folgt dann am Nachmittag Kammermusik mit Haydenschen und Pfitznerschen Quartetten. Ein« ausgezeichnete Veranstaltung. Wundervoll das Brut nier- Quartett, das eine Reinheit des Tons, eine Ele- ganz und Leichttgkeit der Bogenführung aufweist, die selbst die ver- wöhntesten Gemüter befriedigen muß. Wiederum ober zeigt sich ein Mangel an Disposition, denn auf ein Kammerkonzert am Nach- mittag dürfte abends keine schwere musikalische Veranstaltung folgen. Damit ist nichts gegen die Uebertragung aus der Stadt- Halle in Magdeburg des Händelschen Oratorium»„V a l o m o" gesagt, vi« Uebertragung geriet ausgezeichnet, und gerade Ora- torien, die niemals da» Buhnenbild verlangen, sind vielleicht die besten Objekte für eine musikalisch« Uebertragung. wenn nicht der Stoff so weltfern wS«. F. 6. hatten allesamt die Toiletten zur Farbe soder vielleicht sagt man bei solch vornehmen Geschöpfen„zum Teint") de» Hundes ausgewählt. Es wurden endlose Vorbereitungen getroffen, die Hundchen wurden auf die gedeckten Tische gesetzt und photographiert, Filmoperateure tauchten den Saal in grelles Licht, und alles vollzog sich im Tempo der Menschen, die absolut nichts zu oersäumen hoben. Inzwischen hörte man gesprächsweise, was der„neue Engländer" für eine Nase Hot, was man in Paris momentan liebt und daß«in Hund für dreitausend Mark verkauft wurde. Wer sehr viel für das Denkmal spendet, wird dann in der ehrenvollen Gesellschaft des Kysfhäuser-Bundes am Sockel eingetragen werden... Oer Weg des Zeppelin. Während der Luftschiffbau Zeppelin bis zum Nachmittag sett dem Ueberfliegen Lyons keine direkte Standvrtmridung vom Luftschiff" erhalten hatte, wurden sranzösisch« Meldungen über Sichtung des„Graf Zeppelin" bekannt. Danach ist das Luftschiff kurz hinter M o n t ä l i m a r aus dem Rhonetal nach Südwesten abgebogen und hatte gegen 12 Uhr, an den Eevennen entlang sliogend, die südfranzösische Stadt Niwes mit Kurs auf Montpellier überflogen. Bald nach 12 Uhr mittags erreichte der Zeppelin dann südlich von Montpellier die französische Mittelmeerküst« bei der kleinen Stadt P a l a v a s und setzte nun seine Fahrt über den Golf von Lion mit Kurs auf das spanische Cap Regro fort. An der franzö- fischen Küste herrschte zu dieser Zeit fast völlig« Windstille und schwacher Nebel. Gegen 2 Uhr wurde das Lufffchiff an der s P a- nischen Nordostküste gesichtet, und. um 3�3 Uhr nachmittags überflog der„Graf Zeppelin" Barcelona. Sein weiterer Kurs führte an der spanischen Ostküst« entlang aus Valencia zu. Hopps Revision vom Reichsgericht verworfen. Der dritte Strafsenat des. Reichsgerichts lehnte die Revision des Raubmörders Hopp' ab. der wegen Ermordung des Direktors Rorthmann im Eisenbahnzug von Hamburg nach Bremen vom Schwurgericht in Werden an der Aller zum Tod« und zum dauernden Verlust der Ehrenrechte verurteilt worden war. Ohne Zweifel wird auch in diesem Falle die preußische Staatsregierung von ihrem Begnadigungsrecht Gebrauch machen. Russische Dokumentenfälschnngsaffare. In der russischen Dokumentensälschungsaffäre ist jetzt von der Staatsanwaltschaft II eine zweite Anklage gegen den Sekretär und Uebersetzer Alexander v. Roßmann, den Sohn des in den Revolu» tionswirren erschossenen Polizeipräsidenten von Riga, erhoben worden. Roßmann wird beschuldigt, aus dem Nachrichten. bureau Dobra Geheimberichte, vorübergehend entwendet zu haben. Würdiger Wandschmuck in Potsdam. Die Sitzungssäle des Potsdamer Landgerichts tragen seit einigen Tagen Wandschmuck, der viel beachtet wird: Es sind die Bilder der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg. den unschädlichen 00 f feinfreien Kaffee Hag.£r ist reiner Bohnen« kaffee bester Qualität. Millionen Kaffeeliebhaber in allen Kultur« Staaten trinken ihn. Kaffee Hag gewährt alle Kaffeefreuden, das herrliche Aroma, das Sie lieben und die anragende, wohltuende Wirkung, die Sie beim KaffeegenuA suchen. Das große Paket kostet RH 1.90, das kleine 95 Pf«. Berlins Schul- und Bildungswesen Auch hier geht es vorwärts— troh aller Erschwerungen. Die kommunalpolitische Vortragsreihe der Arbeiter- bildungsschule und des kommunalen Sekretariats endete mit einem Vortrag des Stadtschulrats Genossen Nydahl über das Schulwesen Berlins. Nydahl zeigt« die Bemühunzen der seit 1321 zusammen- gefaßten Einheitsgemeinde Berlin, das Schul- und Bildungsruejen tatkräftig zu fördern. Er konnte dabei scststellen, daß dies« Arbeit der Stadt nicht erfolglos geblieben ist. Erfolge sind zu buchen trotz der Hindernisse, die sich überall entgegenstellen. Im Schul- wesen ist die Stadt an Entscheidungen der staatlichen In- st a n z e n gebunden. Erschwerend wirkt ober auch das Parteien- osrhältnis im Stadiparlament. Wir haben da, genau ge- noinnien, keine Links niehrheit. Bei der Ausstellung des Stadthaushalts schatten die Kommunisten durch unerfüllbare For- derungen sich aus. Eine Mehrheit für den Stodthaushalt wird nur möglich, wenn die Sozialdemokraten mit den Mittelparteien arbeiten. Aber selbst wenn wir in der Stadtverordnetenversamm- lung und im Magistrat eine wirkliche Linksmehrheit hätten, würden wir gehemmt durch das Provinzialschulkollegium und durch das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Berlin kann nicht, wie die Stadt Wien, deren Schulreform mit Recht so großes Aufsehen erregt Hot, über das Schulwesen selbständig ent- scheiden. Auch kann Berlin nicht, wie Wien, sich die zu einer durchgreifenden Umgestaltung des Schulwesens erforderlichen Geldmittel verschaffen. Demnach hat die Stadt Berlin seit Entstehung der Einheits- gemeinde unter den größten Erschwerungen schon vieles geleistet, womit sie sich sehen lassen kann. Zlnstreben mußte sie zunächst einen Ausgleich zwischen den sehr verschiedenen Gemeinden, die hier zusammengefaßt worden waren, zwischen den bevorzugten Bezirken des Westens und den b e- nachteiligten Bezirken des Ostens, des Südens, d e s N o r d e» s. In den Bolksfchulen Groß-Berlius ist die Schulklassenbesetzung von durchschnittlich 41 auf burchfchmrtlich 34 herab- gedrückt worden, was natürlich nicht ohne Steigerung der Kosten des Volksschulwesons möglich ist. Gebessert werden auch die Schul- Häuser, deren Zustand in den ärmeren Vororkgemeinden sehr dürftig war. Für mehrere Außenbezirke sind neue Schulbauten in der Ausführung oder schon fertig. In diesem Jahr sollen 30 M i l- Ionen Mark f ü r neue Schulhouser ausgegeben werden. Di« Forderungen der Bezirke waren ein Vielfaches davon, aber man kann nicht alle Wünsch« zugleich erfüllen. Es wird jetzt in der Aus- stattung kein Unterschied mehr zwischen höheren Schulen und Volks- schulen gemacht. In der Regel werden mehrer« Schulhäuser zu großen Schulbauanlagen zusammengefaßt, die man Schaulbau- kolonien nennen könnte. Früher ging in Berlin der Flächeninhalt eines Schulgrundstückes bei einer Doppelschule mir bis-MX! Qua- dratmeter, jetzt aber geht er schon bei einer einfachen Schule bis 10 Ml Quadratmeter, bei einer Doppelschule bis 20 000 Quadrat- meter, bei ganz großen Schulbauanlagen für mehrere Schulen bis zu 100 000 Quadratmeter. Zlehnlich sind die Anforderungen an die innere Ausstattung gestiegen. Berlin Hot auch die soziale Fürsorge für die Schul- j u g e n d weitcr ausgebaut. 2Z Prozent oller Schüler und Schüle- rinnen erhalten freie Lernmittel. Auf mittleren und höheren Schulen wirkt die Schulgcldftoifelung nach dem Einkommen so, daß viele Kinder überhaupt kein Schulgeld mehr zu zahlen brauchen. Von der Summe aller Schulgelder bleibt die Hälfte uu- erhoben. Für Kinder unbemittelter Familien werden zur Er- leichterung de? Besuches höherer Schulen auch W i r t s ch a f t s- bei Hilfen gezahlt, 300—000 Mark im Jahr. In diesem Jahr soll eine Million Mark hier'ür aufgewendet werde». Dazu kämen Studienbeihitfen während des Universitätsbesuches. Für 1923 find zu diesem Zweck 90 000 Mark in den Haushalt eingestellt. Sehr wichtig ist aber, daß die breite Masse der Jugend eine über das bisherige Ziel der Volksschule hinausgehende Schulbildung erhält, die besser aus das praktische Leben vorbereitet. Das soll erreicht werden durch die Erweiterung der Volksschule. durch Hinzufügung von noch zwei Schuljahren, so daß die Schuljahre 8, 3 und ly zu einem dreijährigen Aufbau zu- sammcnzcfaßt werden können. So kann man den aus der Volks- schul« kommenden Jungen und Mädeln mehr Beruf« er- schließen, als bisher möglich gewesen ist. Auch der Neuaufbml des gesamten Fach- und Berussschulwesens ist«ine Sorge der Stadt. Lei der rein sachlichen Gliederung nach Berufen sind Klassen sür nicht weniger als 119 verschiedene Berufe eingerichtet worden Mit dem Staatszuschuß für das Berufsschulwesen komm: Berlin wieder viel schlechter weg als kleinere Gemeinden. Die Gesundheitssürsnrge für die Schuljugend ist durch starte Mehrung der Schulärzte ausgebaut worden. Noch fehlt der Schritt zur Behandlung der Schulkinder durch Schul- ärzte. Auch die Schaffung von Woldschulen und van Land- s ch u l h e i m e n gehört hierher. Für Bezirk Fricdrichshain ist«in« Waldschule bei Sadowa zu erwarten. Die Landschulheime sind auch aus pädagogischen Gründen nötig. In ihnen lernt der Lehrer, sich ganz anders zu seinen Schülern einzustellen. Stadtschulrnt Nydahl erörtert« dann die über das Schulwesen hinausreichenden Bildungseinrichtungen und Kultur- bestreb u ngen der Stadt, die Förderung der Oper, die An- käufe van Kunstwerken, den Ausbau des Bibliothekwesens, die Der- anstaltung von Volksbildungsabenden. Er kam zu dem Schluß, daß Berlins Arbeit auf dem Gebiet des Schulwesens, des Bildungs- wefens und der Kunstpflege reich an Erfolgen und p o s i- i i oe n Leistungen ist. Sie sind Leistungen und Erfolge der Sozialdemokratie, die in der Berliner Koinmunaloerw.il- tung die Führung hat.(Lebhafter Beifall.) So» der Schweinsblafe zum Gasometer. Kulturgeschichiliches vom Gas. In ejnem Aufsatz, der in den achtziger Iahren des vorigen Jahr- Hunderts in einer deutschen illustrierten Zeitschrift über das Bs- l e u ch t u n g s w e s e» erlchien, heißt es mit großer Geste:„Aber alle Fortschritte in der Beleuchtung überragt an Großartigkeit und Bedeutung die Erfindung der Gasbeleuchtung. Jahrtausendelang war sie dem Menschen nahegelegt, und doch sind es noch nicht hundert Jahre, fett er sie entdeckte." Inzwischen ist die Entwicklung in ihrem Siegeszug, so nahm man an, bereits über das Gas hinweg- gegangen und alle Welt sieht in der Elektrizität die Licht-, Wärme- und Kraftquelle der Zukunst. Man kann sogar, wenn man an die modernen elektrischen Heilapparate wie Höhensonne, Hochfrequenz und so weiter denkt, davon sprechen, daß in der Elektrizität auch die große Heilquelle der Zukunft liegt, weil sie dem in seiner Wirkung großartigen und imcrseglichen Sonnenlicht am nächsten kommt. Das Gas aber kann nur zu leicht lebenoernichtenden Zwecken nutzbor ge- macht werden, wie.die erschreckend hohen Selbstmordziffcrn unserer Zeit zeigen. Ülnch aus diesem Grunde dürste man annehmen, daß Wert und Bedeutung des Leuchtgases weiter sinken würde. Und nun kommt da draußen in W i tz l c b e n in den Ausstellungs- und Messehallen der Stadt Berlin und dem umliegenden Gelände eine Ausstellung von Ausmaßen, wie man sie sich' kaum vorstellen kann und sie dient ganz dem Gas und mit ihm ver- schwistert dem Wasser. Die erste Gasbeleuchtung in London. Das Gas hat, wie selten eine andere Einrichtung oder Erfin- dung, der menschlichen Zivilisation gedient. Alles das, was wir heute Großstadt nennen, hätte wahrscheinlich ohne das Gas nicht entstehen können. Denn dadurch, daß es möglich war, mit den Gaslaternen den alten Unschlitt- und Ortlampen den Garaus zu machen, war es weiter auch möglich, die Sicherheit auf den ab.cndlichen und nächtlichen Straßen zu fördern und damit den B e r? e h r und das g e s am t e gesellschait- l i ch c Leben zu fördern. Erst im Jahre 1814, also vor wenig mehr denn 100 Iahren,, wurde in London und im Jahre 1817 in Paris die Gasbeleuchtung eingeführt, in Paris bedeutete das eine fo große Umwälzung, daß die Bcvöikeruna es mit der Angst zu tun bekam und besürchtete, die Stadt werde>n d'e Lust ge- sprengt werden und das Gas werde außerdem Krankheiten er- zeugen. In London ereignete sich ähnliches. Ein Deutscher war Erfinder des L e u ch t g a se s und ein anderer Deutscher der größte Förderer der städtischen Gasbeleuch- tung, aber in Deutschland war schon damals kein gunstiges Feld für die Nutzbarmachung ihrer Erkenntnis und Kentnisse. In England wurde das Leuchtgas entdeckt, von England ging seine Per- breitung aus. 2lls erster kam bereits im 17. Jahrhundert der heute noch in der Wissenschaft hoch angesehene, 1035 in S p e q e r geborene spätere Chemiker und Nationalökonom Job. Joachim Becher auf den Gedanken, aus Steinkohle Gas zu ge- Winnen. Er war, nachdem er über den Kanal gegangen war, bei einem englischen Bergwerksunternehmen angestellt, beobachtete die natürliche Gasentwicklung in den Bergwerken, fing das Gas auf und konnte es nach Belieben und Wunsch entzünden. Das. was wir heute Coke oder Keks nennen, ist den Erperimenten dieses Deut- scheu Becher zu verdanken. Das Glück ist ihm in England aber nicht hold gewesen. Im Jahre 1682 endete er durch Selbstmord und seine Erfindung geriet wieder in Vergessenheit. Hundert Jahre gingen hin, ehe man sich erneut mit der Ent» d eckung besaßt e. Dann aber waren es gleich zwei Männer, ein Franzose namens L e Bon in Paris, und ein englischer Ingenieur Murdoch. Le Bon nersuchle es mit Holzdestillation, aber die Ver- suche verschlangen sein Kapital und er endete 1804 wie Becher durch Selbstmord. Gelungen war es ihm, wie er damals Murdoch nach England mitteilte, sein Haus und seinen Garten mit Holz- und Kohlengas zu beleuchten. Die große Gassonne. Murdoch war Mitarbeiter von James Watt, dem Erfinder der Dampsmoschine, in dessen Fabrik in Soho bei Birmrng- ham, und er erperimentierte mit einem anderen Engländer namens Clegg. Das, was heute unsere Gasometer der großen städtischen Gaswerke sind, mußte damals eine Schweinsblase vertreten. In dieser Schweinsblase fing man das Gas auf, nnd es wird de- richtet, daß, wenn Murdach nnd Clegg oft gemeinsam abends nach Hause gingen Murdoch eine derartige mit Gas gefüllre Blase unter dem Arm trug und nach und nach das Gas herausdrückte» das dann durch ein altes an der Blase befestigtes Pseisenrohr austrat und hier entzündel wurde, so daß die beiden beglü'-n Ec- sinder im scheine ihre? bescheidenen Gasflänimchens heivss ieren kannten. Ais beim Frieden von Amiens im Jahrs 1802 an her Front der Soho-Fabrik zum ersten Male eine große Sonne von Gasflammen erglänzte, da war des Stauirena kein Ende. Dann aber erschien Clegg mit dem Plan, London'durch Gas zu beleuchten, und er wurde ausgelacht. Kein geringerer als der große englische Dichter Walter Scott verhähtne ihn: „Die Welt steht aui dem Kops," so rief er aus,.»London soll in Winternächten mit dem Kohlcnrauch erhellt werden, der unsere Wintertage zu Nächten macht." Ein Jahr später aber kannte Clegg die Windsor-Brücke mil Gas beleuchten. Da aber streikte» die Laternenanzünder, und Clegg mußte Abend für Abend sein Gas selber anzünden. Weiter kam er auch nicht. Ein englischer Chemiker erklärte in.seinem Lehrbuch die Gasbeleuchtung für leere Spielerei. Dann tauchte in London ein Mann auf, der sich W> n f o r nannte, aber von guter deutscher Herkunft war. Er hieß Wintzer und war ein Oesterreicher � Wintzer gründcle im Jahre 1803 die e r st e e n g I> s che G a e- A k t i e n g e s« l l s ch a f t. owr die Ge- sellschast ging pleite. Der deutsche Gründer ließ nicht locker, grün- dete wieder und wieder, bis er endlich am 1. April 1814 die Beleuchtung der Straßen Londons mit Gas er- reicht hatte. Dann ging er nach Paris. In England wurde die Imperial E online ntol Gas Association gegründet, die 182Z zuerst in Berlin, dann 1826 in Hannover, 1828 in Frankfurt a. M. und Dresden, 1840 in Leipzig und 1841 in Köln die Gasbeleuchtung einsührte. Der weitere Anstieg ist bekannt. Möge nun draußen in der Ausstellung in Witzleben jeder selber schauen und beobachten nnd prüfen, was aus dem Gas im Laufe von III Jahrhunderten geworden ist. Daß es keineswegs, wie die Freunde der Elektrizität wissen wollen, vor seinem Ende steht, geht aus den Bemühungen hervor, die jesst in Berlin eingesetzt haben, um es zu entgiften. Aber selbst, wenn das nicht gelingen sollte, wird es gegenüber der Elektrizität den einen großen Borteil haben. daß es immer und jeden Augenblick da ist und bei weitem nicht so oft und so leicht versag« wie die Elektrizität. Schon dieser Um- stand wird dem Gas eine Zukunft sichern. M�NOU ZIGARETTEN 5M * V'äÄ Berliner Verkehr in Zahlen. 260 Millionen Wagenkilometer in einem Zahre. Dil! Millionenstadt Berlin bedarf eines immer ausgedehnteren und komplizierteren Verkehrsnetzes, um die Mensche mnasfen, die innerhalb seiner Mauern wohnen, oder die täglich ihre Arbeits- statten in der Großstadt aufsuchen müssen, befördern zu können. Wie groß und weitverzweigt dieser Verkehr ist, davon macht sich der Laie kaum eine rechte Vorstellung. Es ist deshalb interessant, an der Hand von Zahlen dieses gewaltige Verkehrsleben Berlins mcichaulich zu machen. Jeder Besucher wird wohl die Anzahl der beförderten Menschen- massen aus Millionen schätzen. Trotz annähernder Schätzung aber wird man sich eines Erstaunens nicht erwehren können, wenn man erfährt, daß im Berliner Nahverkehr im Jahre 1928 ebenjoviele Menschen befördert wurden. wiedieBevölkerung der ganzen Erde zählt, nämlich nidst weniger als 18 0 0 Millionen Menschen. Jeder Bewohner der Erde könnte also jährlich einmal mit einem Berliner Verkehrsmittel fahren. Allein die Straßenbahn beförderte etwa 9stv Millionen Menschen. Jeder Europäer könnte demnach zweimal jährlich dl« Berliner Straßenbahn benutzen. Eine geringere, aber immerhin noch statt- liche Anzahl von Fahrgästen beförderte der Autobus, nämlich gegen SÄ Millionen. Diese Zahl entspricht etwa der Einwohner- zahl von ganz Amerika. Sehr interessant und ausschlußreich ist es auch, wenn man die Wege berechnet, die Unsere Berliner Verkehrsmittel zurücklegen müssen. So wurden von Straßenbahn, Omnibus und Untergrund- bahn im letzten Jahr rund 269 Millionen Wagenkilo- in e t e r zurückgelegt. Wie groß diese Strecke ist, zeigt ein Ver- gleich mit der Entfernung zwischen Sonne und Erde, die rund'149 Millionen Kilometer beträgt. Die täglich Betriebsleistung der Ver- kehrsmittel betrug durchschnittlich Über 799 999 Kilometer, das ist sast das Doppelte der Entfernung der Erde vom Mond, die 384 999 Kilometer beträgt. Alle diese Leistungen wurde» vollbracht mit einem Wagen- park, der 3399 Wagen umfaßte. Diese Wagen hatten ins- gesamt etwa 369 999 Plätze. Die Einwohner tsiner Großstadt wie etwa Stuttgart, das über 399 909 Einwohner zählt, können es sich also auf diesen Plätzen bequem machen. Wenn man aber die von Straßenbahn. Omnibus und Untergrund befahrenen Linien an- einanderreihte, so ergäbe sich die rxlpettable Länge von rund 2999 Kilometern. Das entlpricht einer Entfernung von Berlin nach Bukarest oder nach Madrid. Dieser gewaltige Verkehr Verlins erfordert natürlich einen entsprechend großen Personalstand von Arbeitern und Angestellten. Straßenbahn, Omnibus und Untergrund beschäftigen zusammen rund 26 999 Menschen. Dies« gewaltige Menschenmasse wird heute von der Bertiner Berkehrs-Aktiengesellschast umfaßt und beschäftigt, die damit das größte Verkehrsunternehmen ans dem europäischen Kontinent(nur Londons Derkehrsunternehmungen beschäftigen mehr Personal) genannt werden darf. 50 neue Straßentankftellen in Verlin. Die R e i ch s k r a s t s p r i t g« s e l t s ch a f t hat an den Magistrat den Antrag gestellt, die Zahl ihrer Strahentank- st« l l e n in Bertin um 39 zu erhöhen. Der Magistrat stimmt« unter der Bedingung zu, daß diese Zahl als Höchst zahl sür Berlin zu gelten habe. Zugleich wurde aber«in« Er- höhung der Bruttoabgobe für jeden Liter Brennstoff, die heule 1 Pf. pro Liter beträgt, gefordert. Di« Reichskrastspritgesellschast hat diese Erhöhung vom 1. April 1932 ab für jede Tankstelle mit einem monatlichen Absatz von 29 999 Liter zugesagt. Die Erhöhung staffelt sich von 23 bis 199 Proz. Im Augenblick betrögt der Durchschnitts- absatz der Tankstellen monatlich 12 999 Liter. Nachdem der Magistrat diesem Abkommen zugestimmt hat, empfiehlt nun auch der Ausschuß der Stadtverordneten die Annahme der Magistrats- vorlag«. Aus dem Omnibusbetrieb. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktien- Gesellschaft legt jetzt ihren Geschäftsbericht für 1928 vor. Er ist der letzte, den sie als selbständig« Gesellschaft erstattet. In- zwischen ist die Eingliederung in die Berliner Verkehrs-Aktien- Gesellschaft vom 1. Januar 1929 ab erfolgt. Am Schluß des Jahres 1923 wurden betrieben: 2 9 Stadt- l i n i e n mit 3 Einfatzlinien, die Eillinie Unter den Linden— Grunewald(die seit Mitte Februar an den Sonntagen nicht mehr ver- kehrt), 8 A u ß e n l i n i e n mit Einheitsfohrscheinen und 6 Außen- linien ohne l5inheitssahrschein«. Die gesamte Betriebs- l e i st u n g erhöhte sich von 29 179 174 Kilometer im Jahr« 1927 um 28,6 Proz. auf 37 397 247 Kilonieter im Berichtsjahre. Davon wurden auf de» Stadt- und Außenlinien gefahren: im Jahre 1927 28 332 269 Kilometer, im Jahre 1928 36 671 319 Kilometer. Die Zahl der beförderten Personen im Stadt- und Außen- linienverkehr stieg von 136 739 145 im Jahr« 1927 um 41 Proz. auf 229 367 696 im Jahre 1928: 40 933111 Fahrschein« waren sogenannte Uebersteiger von anderen Verkehrsmitteln zum Omnibus. Die Zahl der Oninibusse betrug Ende 1928 6 2 9 Wagen gegen 561 Wagen Ende 1927. Die alten Omnibusse mit hochliegen- dem Rahmen und Hinterem Einstieg wurden zum größten Teil durch neue Wagen mit Niederrahmen, seitlichem Einstieg und überdachtem Oberdeck ersetzt. Die Durchführung dieser Arbeit wird in den nächsten Wochen beendet sein. Diese Reuanschassungen brachten zugleich nach jahrelangen Versuchen den endgültigen Uebergang zum Lustrelsen. Nach Lieferung der laufenden Austräae wird die Gesellschaft 127 doppelstöckige Dreiachs wagen für 73 Personen und 41 einstöckige Dreiachswagen für 52 Personen in Betrieb haben. Der Personalbestand betrug 4346 Personen Ende 1928 gegen 3645 Personen Ende 1927. Die Arbeitszeit des Werkstätten- Personals ist seit dem 1. April verkürzt. Für das gesamte Personal traten Erhöhungen der Bezüge ein. Man ist auch dazu über- gegange», Siedlungsbauten, zunächst mir 495 Wohnungen in Treptow und in Chartottenburg, zu errichten. Die Entlastung des Halleschen Tores. Der im„Vorwärts" erwähnte Plan einer Durchbruch- straßeoon Linden- und Hollmann st raße über die Neuenburger Straße hinweg bis Alte Jakobstraß« und Gitschiner Straße geht der Verwirklichung entgegen. Zu den Grundstücken, deren Antauf erforderlich ist, gehört Neuenburger Straße 4. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine den Erwerb beantragende Borlage zugchen lasse». Kommunistenkrach. i. Bezirk- Mitte. - Der letzten Bezirksversammlung lagen einige kommunistische Anträge über die Dorgänge am 1. Mai und über das Verbot der „Roten Fahne" vor. Der kommunistische Stadtverordnet« W i S- n e wf k i erging sich in heftigen Ausfällen gegen die Sozialdemo- kratie, wobei er von den Bezirksoerordnetsn der anderen Parteien und van den gut besetzten Tribünen oft stürmisch unterbrochen wurde. Als er die Sozioldemokratte jedoch als Hunde beschimpfte, entstand zwischen unseren Genossen und der KPD. eine heftige Aus- einandersetzung, in deren Verlauf es zu Handgreiflichkeiten kam. Der Vorsteher hob die Sitzung auf und seinem persönlichen� Eingreifen gelang es. die Ruhe wieder so herzustellen, daß der recht kleinlaut fewordeue Wisnewski sein« Rede zu Ende bringen konnte. Genosse homos stellte unter dem stürmischen Beifall der Tribüne die Entgleisungen des kommunistischen Redners richtig und beantragt« dann Uebergang zur Tagesordnung, der gegen die Stimmen der Kommunisten beschlossen wurde.— Zwei andere An- träge der KPD., die sich gegen die Entlassung der kommunistischen Betriebsratsmitgkieder Deter und Krüger b«, der Verkehrs-A.-G. und gegen das Verbot des Roten Frontkämpferbundes richteten. waren vom Vorsteher nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden, weil diese Angelegenheiten nicht zu den Bezirksobliegenheiten ge- hörten. Die Kommunisten hatten dagegen Einspruch erhoben. Der Borsteher, Genosse Riese, erklärte, daß er die Entlassung der koin- munistischen Betriebsratsmitglieder für eine arbeitsrechtliche und eine Belegschaftssache holte, die jedoch auf keinen Fall vor eine Bezirks- Versammlung gehöre, und daß das Verbot des Roten Frontkämpfer- bundes wohl im Reichstag und im Landtag, vielleicht auch in der Stadtverordnetenversammlung behandelt werden könne, aber nicht in der Bezirksoersammlung. Es komme ihm vor allem auf eine prinzipielle Entscheidung darüber an, ob die KPD. ihre Agitations- ongelegenheiten auch fernerhin in der Bezirksoersammlung austragen solle. Die Bezirksversammlung billigt« gegen die Stimmen der Kommunisten da« Verhalten des Dorstehers. Die Wohnungsnot im Wedding. Sozialdemokratischer Wohnungsdezernent leistet Hilfe. In der Mitgliederoersainmlung des Kreises Wedding der Sozial- demokratischen Partei sand am Dienstagabend die Fortsetzung der Vortragsabende statt, die den Mitgliedern ausreichende» Material für die Kommunalwahlen vermitteln sollen. Im dichtbesetzten Saal der Pharus-Festsäle sprach Stadtrat Fabiunke über die Wohnungsnot auf dem Wedding und die Arbeit der Sozialdemokratie für Wohnungsneubau und Behebung der Not. Der Redner führte aus, daß im Bezirk Wedding allein 1 6 8 35 Wohnungsuchend« eingetragen sind. Die Wohnung»- not ist nicht zuletzt dadurch entstanden, daß vor dem Krieg« der privaten Bauindustrie die Erstellung von Wohnraum überlassen war. Während des Krieges konnten di« Kapitalisten ihr Geld bei den Kriegsgeschäften schneller vermehren und vernachlässigten den Wohnungsbau vollkommen. Im Jahr« 1917 wurde in ganz Berlin nur ein«inzigesHaus gebaut mit 34 Wohnungen. Nach dem Kriege oersuchte die Kommunaloerwaltung zwar sofort, den Wohnungsbau anzukurbeln. Das gelang aber erst in etwas größerem Maß«, als von der Stadt Hauszinssteuerhypotheten gegeben werden konnten. Leider ist Berlin bei der Vergebung von Darlehen be- nachteilgt worden, so daß bei weitem nicht einmal soviel Wohnungen gebaut wevden konnten wie Familien nach Berlin zuzogen. Die Berwallungsstellen mußten sich darum darauf beschränken, den vor- ndenen Wohnraum so rationell wie möglich auszunutzen. Den ohnungsämtern der Bezirke sind di« Aufgaben übertragen worden. di« Instandhaltung der Wohnungen zu Überwachen. Auf diesem Gebiete hat der Bezirk Wedding vorbildliche Arbeit geleistet. Ueberall, wo Beschwerden über den schlechten Zustand der Häuser bekannt wurden, hat das Wohnungsamt«ingegriffen und energisch di« Wiederinstandsetzung der Häuser verlangt. Die Hau»- besitzer haben zwar gern di« Mieten und die Kosten sür Instand- setzung eingezogen, aber sich genau so gern vor Renovierungen gedrückt. In über 899 Fällen mußte erst di« zwang»-! weise Einziehung der Reparaturkosten angedroht werdne, ehe die Hausbesitzer Renovierungen vornahmen. Dos Wohnungsamt hat in über 9999 Fällen erreicht, daß die Häuser menschenwürdig renoviert wurden. Wo der Hausbesitzer selbst verarmt war' und die Kosten nicht ausbringen konnte, wurde ihm ein Darlehen gewährt. Die Neubautätigkeii konnte im Bezirk Wedding deshalb nicht sonderlich gefördert werden. weil in dem rein proletarischen Bezirk nur wenige wohnen, di« die Neubaumieten bezahlen können. Das Wohnungsamt hat darum versucht, die Neubauwohnungen mit kapitalkräftigen Leuten zu be- setzen, di««ine Altwohnung freimachten. Die Altwohnungen wurden dann an die auf der Vordringlichkcitsliste Eingetragenen abgegeben. So war«s dann doch möglich, auch dem Aermeren eine Wohnung zu vermitteln, die für ihn nicht zu teuer wurde._ In der Diskussion wurden an den Referenten ein« Reihe Fragen gestellt. Von einigen Diskussionsrednern wurde mit Genugtuung festgestellt, daß gerade ini Bezirk Wedding«in Sozial- demokrat das Wohnungsamt verwaltet. Nur dadurch war es möglich, trotz der großen Wohnungsnot vorbildliche Arbeil zu lessttn. Wenn es auch nicht gelang, entscheidend die Wohnungs- not zu bekämpfen— dazu fehlen leider immer wieder die Mittel—. so konnte doch wenigstens für die menschenwürdige Erhaltung des bestehenden Wohnramnes gesorgt werden. Die OVL. muß in Berlin bleiben. Im Reichstage wird zurzeit erneut erwogen, den Neubau der Deutschen Lersuchsanstall für Luftfahrt außerhalb Berlins zu er- richten. Schon früher wurde durch das Reichsoerkehrsministerium immer wieder mit größtem Nachdruck betont, daß die DLV. in Berlin oerbleiben müsse. Heute sind die Gründe gegen eine der- artige Verlegung noch schwerwiegender. Es ist geplant: di« rein wissenschastlickze Forfchunastäugleii. die Bearbeitung und Herausgabe der Bauvorschriften und Prüsungs- ortmungen, sowie die Durchsiihrung der Prüfungen und Kontrollc aus drei verschiedene juristische Personen zu verteilen. Wird dir DBL. von Verlin sortverlegt. so würde damit die zu allseitiger Zu- friedenheit in den letzten Monaten gefundene Lösung der außer- ordentlich schwierigen Probleme, die in der Durchführung der Prüfung und Zulassung der Lustsahrzeuge liege», erneut in Frage gestellt werden. Ersparnisse im volkswirtschaftlichen Sinne iverden auch nicht erzielt, denn letzten Endes müssen die Gelder sür den Neubau aus Mitteln der Steuerzahler ausgebracht werden,»nd es ist belanglos, ob die» über einen Reichs-, Landes- oder Kommu- ualetat geschieht. Schwer« Folgen würde die Verlegung der DDL. auch für die Technische Hochschule Berlin haben, der sie zurzeit als Hochschul-Instttut dient. Die Technische Hochschule würde ge- zwungen sein, wenn sie ihre Lehrtätigkeit aus dem Gebiet der Lust- fahrt im gleichen Umfange fortsetzen will wie bisher, sich ein eigenes Institut zu errichten. Es würde dann unvermeidlich sein, daß auch die Reichsinstnnzen sich dieses Instituts, da es ihnen räumlich näher liegt, bedienen und die DBL. mußt« außerhalb Berlins im Laufe der nächsten Jahre zwangsläufig immer mehr an Bedeutung und Wirtungsmöglichkeit vertiere». Das künsttge Mieirecht. Vor kurzem wurde berichtet, daß der Reichsverband Deutscher Einigungsämtcr— die freie Vereinigung von Kommune«; zum Zwecke der Pflege des Mietrechts- eine Kommission eingesetzt hat, die einen Gesetzentwurf sü dos künstig« Mietrecht ausarbeiten soll. Bei dieser Arbeit wird von der Voraussetzung ausgegangen, daß beim Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Regelung eine normale Mietraum läge wieder hergestellt sein wird..Der Entwurf soll also der Vorbereitung einer endgültigen gesetzlichen Regelung dienen. Die erste Sitzung der Kommission, an der auch Vertreter der beteiligten Reichsministerien a>? Zuhörer teilgenommen haben, hat bereits stattgefunden. Die Kommissionsmitglieder sind jetzi mit der Aus arbeitung des Ergebnisse» dieser ersten Beratung beschäftigt. Wenn es irgend möglich ist, soll di« nächst« Sitzung nach etwa einem Monat einberufen werden. Die städtischen Bangesellschasten. Ein Stadwerordnetenausschuß beschäftigte sich mit dem kam- munistischen Antrag über Kündigung von Mietverträgen durch die städtischen Wohnungsba'ugcsellschasten. Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, den Magistrat zu ersuchen: a) aus die städtischen Wohnungsgesellschosten dahin einzuwirken, daß sie in den Neu- bauten Mieterausschüsse oder Vertraucnspersonen wählen lassen, denen Befugnisse zugebilligt werden, ähnlich, wie sie den Mieterräten nach dem Reichsmietengesetz zustehen: b) eine Borlage über«ine anderweitige Organisation der städtischen Baugesellschaften vorzulegen, noch der in den Aufsichts- röten auch die Stadtverordneten angemessen oertreten sind. An all« Granewaldbesucher richtet das Polizei« mt W i l r Wersdorf di« dringende und sehr beachtenswerte Bitte, zur Er- Haltung des Waldbestandes das Verbot des Rauchens im Walde zu beachten, sich dem Walde nicht mit unoerwohrtem Feuer zu nähern oder ihn mit brennender Zigarre oder Zigarette zu betrete,». Infolge der in der wärmeren Jahreszeit zunehmenden Trockenheit ist die BrandgefahrimWaldegonzbedeutenderhöht. Nie Pelitlk! vr. Cuei 9t tut: WirifchaN: 6.»lint-elhsier: s._«««>»"!«fUiDclow: K. 6.»ilcheri s-kale- .«md Sonstiee»!«rltz«etttiM: JlnMtaen: ti.«[»dt; l-mtlich in Beilin. Betlae*® in. b. Berlin Prud; Borwiiri,.Zlnr>idere! «nl Bau! Sinaer u So.»erlin SW 68 Lnil- iiiii-nke t firm»•rtUft««,„eUHWtefle* und..Unterh-linn» und Slsse»'. /? ifama huttßi� Pfd. sopfg. 3lr. 226* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 47. Mai 1929 Die Amerikaner in Polen. Harrimans große Clettrokotizesfion. Wie wir gestern kurz berichteten, hat die amerikanische Harriman-Gruppe eine Svjährige Konzession für die Elektri- sizierung des hauptsächlichsten polnischen Industriegebietes erhalten. Nachdem im Oktober 1327 nach langen Verhandlungen eine amerikanische Anleihe von mnd 300 Millionen Mark an Polen zu- stände gekommen ist, hat sich der Z u st r o m amerikanischen Kapitals nach Polen rasch verstärkt. Gerade jetzt, wo der aussichtsreichste Teil des polnischen Elektrizitätswesens in ameri- konische Hände übergeht, ist es gut, sich jener Anleihe zu erinnern, die mit einer großen wirtschastspolitischen Einflußnahme der Geld- geber verknüpft war. Die Bant Polski, die etwa der Reichsbank in Deutschland entspricht, konnte allerdings eine Kapitalerhöhung von 100 auf ISO Millionen Zloty durchführen, und die Währung Polens konnte stabilisiert werden, ober andererseits wurden die polnischen Zölle als Sicherheit für die Zinszahlungen verpfändet, ein amerikanischer„Berater" wurde Aufsichtsratsmitglied der Bank Polski und erhält laufend Einsicht in die gesamte polnische Finanz- Politik, die staatlichen Eisenbahnen mußten in eine besondere Gesell- schaft eingebracht, das Steuersystem insbesondere zuungunsten der Bauern verändert werden usw. Im übrigen kamen Polen von den 72 Millionen Dollar nur KS Millionen zugute, während die rest- lichen fast 30 Millionen Mark als Provisionen. Emissionsgebühren usw. von vornherein in Amerika blieben. War auch diese Anleihe für Polen eine sehr schwere Belastung, so wurde sie dennoch in Polen als ein Erfolg angesehen— weil eben doch das amerikanische Finanzkapital den polnischen Staat als kreditfähig angesehen hatte. Charakteristisch für alle amerikanisch-polnischen Anleiheverhand- lungen ist die regelmäßig sehr lange Dauer der Vorbesprechungen. Auch die Ansänge der Verhandlungen über die jetzt erteilte Elektri- zitätskonzession liegen bereits Jahr und Tag zurück. Die Amerikaner sehen in dem von rund 30 Millionen Menschen bewohnten und an Rohstoffen, wie Kohle, Eisenerz, Zink, Blei, Salz, Petroleum Holz usw. reichen Land rentable Kapitalanlagemöglichkeiten: andererseits erscheinen ihnen aber die politischen und roirtschasilichen Grundlagen noch so unsicher, daß die Geldhergabe hier mit besonders weitgehen- den Kontrollrechten verbunden ist. Der Anteil ausländischen Kapitals an der polnischen Industrie ist überhaupt sehr groß. Mitte vorigen Jahres waren z. B. in der Petroleumindustrie 60 Proz. des gesamten arbeitenden Kapitals ausländisch, in der Elektrizitätswirtschaft 43 Proz., in Bergwerken 32 Proz. Die wichtigste Ueberfremdungserscheinung der letzten Jahre war 132S der Uebergang der polnischen Giesche-Werke (heute„Silesion American Co.", d. h. Schlesisch-Amerikanische Ge- sellschaft) unter die Kontrolle der Harriman-Gruppe und der 2lnaconda Kupfer-Gesellschaft, der größten und kapitalkräftigsten amerikanischen Erz- und Metallfirma. Nach dem Zustandekommen der Staatsanleihe kamen auch verschiedene Kommunalanleihen zu- stände, so erhielt z. B. Warschau 10 Millionen Dollar. Verhand- lungen über eine große Eisenbahnanleihe haben sich zwar vor kurzem zerschlagen, werden aber wohl in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden. Für die größten ostoberschlesischen Bergwerke und Hütten, insbesondere die Königs-, Laura- und Bis- m a r ck- H ü t t e, zeigt amerikanisches Kapital— wiederum Harri- man— seit längerer Zeit stärkstes Interesse. Lebhafte polnische Kraftbilanz— aber grojje Enkwicklungs- Möglichkeiten. Nunmehr folgt die Elektrifizierung. Polen— so rechnen offen- bar die Amerikaner— zeigt bisher zwar eine noch recht wenig ent- wickelte Elektrizitätswirtschaft, aber in Anbetracht der großen Energie- und Rohstoffvorräte, der reichhaltigen Möglichkeiten zum Ausbau der Industrie und der verhättnismäßig großen Beoölke- rungsziffer wird auch in Polen der Bedarf an elektrischem Strom rasch ansteigen. Vor vier Jahren(192S) betrug die gesamte polnische Stromerzeugung rund 1,7 Milliarden und heute schätzungsweise 2 Milliarden Kilowattstunden— gegenüber rund 30 Milliarden in Deutschland. Von dieser Elektrizitätserzeugung entfallen jedoch fast zwei Drittel(192S waren es 62 Proz.) allein auf das ehemals deutsche, hochindustrielle ostoberschlesische Reo! er. Während in Ostoberschlesien infolge des großen industriellen Strom- Verbrauchs und der weiten Verzweigung der Versorgungsnetze schon 1925 auf den Kopf der Bevölkerung über 900 Kilowattstunden kamen, waren es in den anderen ehemals deutschen Gebieten Posen und Pomerellen(Westpreuhen) nur noch rund 30 und in den östlichen, nach der russischen Grenze zu gelegenen Gebieten noch nicht einmal eine Kilowattstunde. Abgesehen davon, daß der Bedarf an Elektrizität wahrscheinlich rasch steigen wird, sind auch sonst alle Voraussetzungen für rentable Elektrizitätserzeugung vorhanden. Wasserkräfte werden aller- dings vorläufig nur in Pomerellen ausgenutzt, während die reichen Wasierkraftvorräte in den Korpathen noch immer brach liegen. Eine andere wichtige Energiequelle bilden das galizische Oel und ins- besondere die galizischen E r d g a se, aus denen allein jährlich eine Milliarde Kilowattstunden gewonnen werden könnte. Hauptenergie- quelle ist jedoch die Steinkohle. Hier ist vor allem die Mög- lichkeit vorhanden, die in Ostoberschlesien bei der Förderung an- fallende Staubkohle, deren Transport sonst nicht lohnt, nutz- bringend zu verwerten, wodurch schon allein die gesamte polnische Elektrizitätserzeugung verdreifacht werden könnte. Die Elektnziläkskonzefsion Harrimans bezieht sich selbstverständlich auf das wichtigste polnische Industrie- gebiet, wo die Hauptverbrauchszentren liegen, rechts und link» von der oberen Weichsel, einschließlich wohl auch des ostoberschlesischen Gebiets. Die Konzession läuft 60 Jahre, und Harriman hat ver- sprachen, in dieser Zeit mindestens 100 Millionen Dollar(420 Mil- lionen Mark) in Elektrizitätswerken und Versorgungsnetzen anzu- legen. Zwar soll, soweit bisher bekannt ist, Harriman an bestimmt« Höchsttarife gebunden sein, die er nicht überschreiten dars, anderer- seits verfügt er aber über ein sehr weitgehendes Mo. n o p o l. Ihm ist die Stromlieferung an sämtliche Kommunalver- bände eines bestimmten Gebiets vorbehalten und die hier befind- lichen Gemeinden dürfen in den nächsten fünf Iahren kein« eigenen Kraftwerke und Stromnetze anlegen, sind vielmehr oerpflichtet, von der von Harriman gegründeten Gesellschast zu beziehen. Anderer- seits behalten sich jedoch die Amerikaner vor, nur diejenigen Ge- meinden und Gegenden mit Strom zu beliefern, wo der Verbrauch groß genug ist, um für den Stromlieferanten rentabel durchgeführt zu werden. Weniger rentable Gebiet« werden also weder von Harriman beliefert noch haben sie in den nächsten fünf Jahren das Recht, von sich aus Kraftanlagen zu bauen. Die Kehrseite dieser schweren Monopolbelastung ist, daß der polnische Staat von Harriman regelmäßig« Einnahmen erhält und hofft, daß insbesondere der Einfluß des deutschen Kapitals sich vermindert. Hier handell es sich in erster Linie um die Schlesische Elet» trizitäts- und G a s- A.- G., die zum AEG.- und Ges» fürel-Konzern gehört und mit 32 Millionen Mark Aktten- kapital arbeitet. Diese schlesische Großkrastgesellschaft versorgte schon vor der Teilung Oberschlesiens den ganzen Industriebezirk und be- herrscht auch heute noch das Oberschlesische Kraftwerk S p. A. in K a t t o w i tz, dessen Aktienkapital 30 Millionen Zloty beträgt. Die Stromversorgung des gesamten Konzerns der Schlesi- schen Elektrizitäts- und Gas-A.-G. beträgt heute über 600 Millionen Kilowattstunden, wovon etwa 250 Millionen auf den deutschen und der größere Rest auf den polnischen Teil Ob-rschlesiens entfallen. Schon seit Monaten lausen die Gerüchte, daß sich Harriman an der Schlesischen Elektrizitäts- und Gas-A.-G. beteiligt habe, doch war eine Bestätigung noch nicht zu erhalten. Wichtig ist übrigens auch eine Einflußnahme Harriman» auf den großen Konzern D e s s a u e r Gas, teils wegen der gemeinsamen Jttdustviepläne mit Giesche in Magdeburg(Zink, Elektrizität, Gas), teils wohl auch wegen der Kapitalbeteiligung von Desiauer Gas an der in Polnisch-Ober- schlesien arbeitenden Oberschlefischen Gaswerke A.-G. inKattowitz. In dem Vordringen Harrimans nach Polen liegt ein System: Sicherung der Elektrizitätserzeugung und-Verteilung, Sicherung der Zechen als Energiebasis, Sicherung wichttger Verbraucher wie z. B. der Zinkelekttolyse der Silestan American Company. Wer ist Harriman? William Aoerell Harriman, der mtt seinem Bruder die verschiedenen Harriman-Banken und-Finanzierungsgesellschaften beherrscht, ist einer der reichsten und rührigsten Ge- schäftsmänner der Vereinigten Staaten. Er steht mit großen Eisenbahn-, Telegraphen- und Kabelgesellschaften in engster Verbindung. In Deutschland ist er nicht nur durch die Finanzierung des G i e f che- Ausbaues und des deutsch-amerikani- schen Kabel ausbaue? bekannt, sondern auch durch einige große Anleihen, so z. B. an Haniel und an die Oberschwäbische Elektrizitäts- werke. Er hat ferner starken Einfluß auf die Niederöster- reich ische Escompte-Bank in Wien genommen, ein« der größten österreichischen Banken. In enger Geschäftsverbindung steht er mit der D i s c o n t o- G e s e l l s ch a f t, derselben Großbank, die bekanntlich dem Gesfürel-Konzern besonders nahesteht. Wenn Harriman nunmehr den wichtigsten Teil des polnischen Elektrizitätswesens in seine Hände bekommt und sich hierzu Einfluß auf die größten schon bisher töttgen Produzenten sichern will, so hat man den Eindruck, als ob die hiervon betroffenen deutschen Kapitalgruppen dieser Entwicklung nicht feindlich gegenüberstehen. Für den polnischen Staat bedeuten allerdings die Monopolbedin- gungen eine schwer zu tragende, auch politische Last.— h. Verstärkier Güterverkehr im April. Erhöhte Neichsbahneinnahmen im März. Wie die Deutsche Reichsbahn mitteilt, hat sich der Güter- verkehr im April durch den schnellen Saisonausschwung sehr lebhast gestaltet. Auch der Personenverkehr war infolge des Osterverkehrs zu Beginn des Monats noch stark Nach dem Finanzousweis der Deutschen Reichsbahn für den Monat März betrugen die Einnahmen insgesamt 457,7 Mil- lionen, wovon 313,4 Millionen auf den Güterverkehr entfallen. Die Ausgaben betrugen»n März insgesamt 435 Millionen, so daß ein Ueberschuß von 22,7 Millionen verbleibt, der zur Wieder- auffüllung des Ueberschußvortroges Verwendung findet. In der letzten Bcrichtswoche vom 28. April bis 4. Mai 1929 sind bei der Deutschen Reichsbahn(Angaben in 1000 Stück) 920,1 Güter- wogen gestellt worden gegen 953,0 in der Vorwoche und gegenüber nur 853.1 in der entsprechenden Woche des Vorjahres. Da di« Be- richtswoche nur 55b Arbeitstage aufweist gegenüber 6 Arbeitstagen in der Vorwoche, so hat sich die durchschnittliche arbeits- tägliche Wagengestellung mit 158.6 gegen 158.» in der Vorwoche nur ganz unwesentlich gesenkt. Dagegen liegt sie erheblich über den Wag'cngestellungsziffern in der entsprechenden Vorjahrs- zvoche, die arbeitstäglich nur 148,1 betrugen. Belebte Gtahlkonjunktur. Starkes Anwachsen der Rohstahlproduktion. Wir hatten erst kürzlich auf den günstigen Betriebsstand bei den deutschen Hochofenwerken, der in den Produktionsziffern für Roheisen im April zum Ausdruck kam. hingewiesen. Auch in dem gestern veröfjcntlichtcn Mannesmann-Bericht wurde erwähnt, daß der Auftragsbestand bei diesem führenden Walzwerkunternehmen sich auf der Höhe der entsprechenden Monate des Vorjahres halte. Die Produktionsstatistik der deutschen Stahlwerke, die jetzt in der Zeitschrist„Stahl und Eisen" bekanntgegeben wird, be- kräftigt die Annahme einer gegenwärtig günstigen Lag« der dcut- schen Schwerindustrie. Nach dieser Statistik stieg die deutsche Rohstahlgewinnung im April auf 1,41 gegen 1,31 Mil- lionen Tonnen im März, während die Produktion im April 1928 sich auf nur 1.16 Millionen Tonnen belief. Noch deutlicher wird der Aufschwung bei einem Vergleich der durchschnittlichen arbeits- täglichen Leistungen, die sich im April mit 56 597 Tonnen um 7,5 Proz. gegenüber dem Vormonat erhöht haben. Im Vergleich mit dem April 1928 sind die arbeitstäglichen Durchschnittsleistungen im Bcrichtsmonat sogar um 12 Prozent gestiegen. Troh der ver- hängnisvollen Sälleeinslüsse in den ersten Monaten dieses Jahres hat die Rohstahlproduktion vom Januar bis April 1929 mit ins- aesamt 5,45 Millionen Tonnen die Ergebnisse der entsprechenden Zeit des Vorjahres bereits um rund S0 000 Tonnen überlrossen. �SVMillionen Umsah beiOaimler-Benz Dividende wird nicht gezahlt. Der Daimler-Benz-Konzern in Berlin-Stuttgart, das kopitalstärkste Autounternehmen in Deutschland, veröffentlicht jetzt seinen Abschluß für 1928. Wie die Berwattung mitteilt, konnte die Gesellschast trog des schweren Konkurrenzkampfes im letzten Jahr ihre Umsätze weiterhin erhöhen. Nachdem der Ab- sag 1927 von 68 auf 120 Millionen, also um etwa 80 Proz, gestiegen war, erhöhte er sich im letzten Betriebsjahre weiterhin auf 130 Mil- lionen. Die Ausfälle auf diese Umsatzziffern liegen mit weniger als 2 pro Tausend erheblich unter dem Durchschnitt der übrigen Auto- sabriken. An der Umsatzsteigening hat auch der Export wescnt- lichen Zlnteil genommen, der im Durchschnitt 15 Proz. des Ge- samtabsatzes ausmachte. Angesichts der Krrse in der deutschen Automobilindustrie, die durch die schweren Verluste bei den Neckarsulmer Fahrzeugwerken. dem NSlG-Konzern und den Adler-Werken gekennzeichnet ist, stick» auch die finanziellen Ergebnisse des Geschäftsjahres bei Daimler- Benz verhältnismäßig günstig. So kann die Gesellschaft nach Ab- zug sämtlicher Handlungsunkosten, Sozialausgaben und Steuern so- wie der ziemlich hohen Zinslasten einen von 4,7 auf öL Millionen erhöhten Rohgewinn ausweisen. Bis auf einen kleinen Rest wird dieser gesamte Gewinn zu Abschreibungen aus die Werksanlagen verwendet, die damit fast das Doppelte gegen- über 1326 betragen. Di« hohen Abschreibungen begründet die Ver- wallung damit, daß bei weiterer Durchführung der Mcchani- sterung der Betrieb« im letzten Jahre allein 9 Millionen für neue Maschinen und anderweitige Betriebsumstellungen aufgewendet wurden. Das Hauptaugenmerk wurde im Laufe des Betriebsjahres auf eine Vereinfachung und Vervollkommnung des Typenprogramm» ge- richtet, welches im Personenwagenbau nunmehr vier Grund- typen umfaßt. Der Nutzwagenbau erzeugt Lieferungs-Lastwagen und Fahrzeuge für die Personenbeförderung von einer Tonne Trag- gewicht an bis zu dem schweren Sechs-Rad-Wagen. Die Frage einer weiteren Konzentration in der deutschen Automobilindustrt« wird in dem Derwallungsbericht nur flüchtig gestreift und eine bestimmte Stellungnahme zu diesem wichtigen Problem vermieden. In den bisherigen Monaten des lausenden Geschäftsjahres hat sich der Absatz günstig entwickelt, so daß mit einer weiteren Kräftigung des Kon- zerns zu rechnen ist.__ Zwangsversteigerungen in der Landwirtschast. Zunahme der Fläche, aber Rückgang der Betriebe. Di« Zeitschrift„Ernährungswirtschaft' bringt in Heft Nr. 7 Angaben über die landwirtschastlichen Zwangsversteigerungen. Danach machte im Vierteljahresdurchschnitt 1327/1328 die zwangsver» steigert« Fläche 9004 Hektar oder über 36 000 Hektar im ganzen Jahre aus. Zu diesen Angaben schreibt die„Ernährungswirtschaft": „Die K r i s i s der Landwirtschaft kann nicht schärfer und deutlicher zum Ausdruck gebracht werden als in dem starken An- schwellen der zwangsversteigerten Fläche in den letzten beiden Rechnungsjahren gegenüber den beiden vorausgegangenen." Es läßt sich nicht bestreiten, daß die zwangsversteigerte Fläche im Laufe der letzten Jahr« beträchtlich zugenommen hat. Gleichsalls läßt sich nicht bestreiten, daß die zwangsversteigerte Fläche heute einen größeren Umfang als in der Vorkriegszeit ausweist. Das ist aber kein Grund, den heutigen Zustand als etwas Beängstigen- des und noch nie Dagewesenes hinzustellen. Wenn von landwirtschaftlichen Zwangsversteigerungen ge- sprachen wird, darf nicht nur die zwangsversteigerte Fläche, sondern es muß auch die Zahl der zwangsversteigerten Betrieb« in Betracht gezogen werden. Wird so verfahren, ergibt sich die Tatsache, daß wir in der Vorkriegszeit ein« ungünstigere Situation als heute hatten. Wir stellen an Hand der „Statistischen Korrespondenz" Nr. 36, Jahrgang 1928, folgen- des fest: 1. Zwangsversteigerungen von hauptsächlich land- oder forst- wirtschaftlich genutzten Grundstücken von Besitzern mit Land- oder Forstwirtschaft im Hauptberuf: Zahl der Betriebe 1913 504, 1927 471. 2. Zwangsversteigerungen von hauptsächlich land- oder forst- wirtschaftlich genutzten Grundstücken von Besitzern mit Land- und Forstwirtschaft im Nebenberuf: Zahl der Betriebe 1913 1041, 1927 588. Besonders bei der letztgenannten Art der Zwangsversteige- rungen ist der Unterschied gegenüber der Vorkriegszeit sehr be» trächtlich. Das Weniger gegenüber der Vorkriegs. zeit beträgt 453. Man darf gespannt sein, ob die„Ernährungswirtschaft", die als wissenschaftliche Zeitschrift angesprochen werden will, ihren Lesern die vorstehend mitgeteilten bedeutsamen Tatsachen ebenfalls zur Kennwis bringt._ Schwartzkopff-Lokomoilvbau gut beschäftigt. Bon der allgemeinen Arbeitskris« im deutschen Lokomotivbau waren auch die Schwartztopff-Werke in Berlin- Wildau längere Zeit schwer betroffen. Letzthin hat sich aber der Beschäfti- gungsgrad in den Lokomoiiobetriebcn dieses Unternehmens wesentlich gebessert. Di« vorliegenden fast durchweg au» dem Ausland stammenden Aufträge umfasien rund 100 Lokomotiven. Hiervon entfallen Austräge von 40, 18 und 12 Maschinen auf Serienbau. Auf Grund des gegenwärtigen Auftragsbestandes ist die Lokomotioabteilung auf ein Jahr hinaus mit Aufträgen versehen. Guter Abschluß bei Sarotti. Di« S a r o tti Schokoladenfabrik A.- G. in Berlin-Tempelhos, die kürzlich von dem Schweizer Schokoladenkonzeru 91 e st I ä aufgekauft wurde, hat wieder ein sehr gutes Geschäftsjahr hinter sich Der Rohertrag wird mtt 9,8 Millionen, um rund 1 Million höher, ausgewiesen als im letzten Jahr, und auch der Reingewinn von rund 1,2 Millionen übertrifft den des Vorjahres. Wenn Sarotti trotz- dem seine Dividende von 11 auf 10 Proz. senkt, so hängt dies mit der Kapitalerhöhung von 8 auf 11 Millionen zusammen, da von dem neuen Kapital bereits zwei Millionen voll verzinst werden. Daher übertrifft auch die zur Auszahlung gelangende Divi- densumme mit einer Million die des Vorjahres um 40 000 M. Die schon in den letzten Jahren durchgeführte Rationalisie- rung der Betriebe wurde 1928 fortgesetzt, was in den neuen Maschinenkäusen im Werte von rund 870 000 M. zum Ausdruck kommt. Wie im ganzen letzten Jahre war auch die Beschäftigung in den bisherigen Monaten des laufenden Betriebsjahres gut. Der Arbeitsmarkt Ende April. Weitere Besserung in den nächsten Wochen zu erwarten.' Bis(Eni* Februar stieg die Arbeitslosigkeit in den meisten Industriezweigen an. Nach dem Urteil sämtlicher Konjunkturbeobachter ist jedoch dieses unheimliche Wachstum des Arbeitslosen- Heeres«her auf die durch die u n g'e w ö h n l i ch e n F r ö st e ver- ursachte Störung unseres wirtschaftlichen Lebens, als auf die üblichen winterlichen Saisoneinflüsse oder auf die abgleitende Kon- junttur zurückzuführen. Schon im März machte sich der Einfluß des Frühlings auf dem Arbeitsmortt bemerkbar, im April traten seine Auswirkungen noch stärker in Erscheinung. Um diese Auswirkungen richtig be- urteilen zu können, muß man ihren doppelten Charakter beachten: es handelt sich hier nicht nur um die übliche, nur verspätete jahres- zeitliche Belebung, sondern auch, und das vielleicht in noch größerem Maße, um die Aufhebung der irregulären Störung, die in diesem Winter den Arbeitsmarkt unter stärkstem Druck hielt. Aber nicht nur in den Saisonberufen, deren Belebung infolge der unge- wohnlichen Verspätung nunmehr besonders kräftig einsetzte, auch in den sonst saisonunempfindlichen Berufsgruppen ist ein Rückgang der Arbeilsloflgteil festzustellen, der weder saison- noch konjunkturmäßig ist und nur als eine Folge der Aufhebung der irregulären Störung, also der Frostwirkungen zu erklären ist. Von lOV Gewerkschaftsmitgliedern waren a r- b e i t s l os: Monatsende Januar. Februar. März.. April.. w> Monatsdurchschnitt 1927/1SA . 14,2 Proz. . 13,2. . 10,6. 8,0„ 1929 19,4 Proz. 22,3. 16,8. 11,1. Im April 1SZ9 ist die Arbeitslosigkeit unter den Gewertschafts- Mitgliedern von 16,8 auf 11,1 Proz., also um 5,7 Proz. zurückgegangen. Trotzdem blieb die Zahl der Arbeitslosen noch immer um 3,1 Proz. höher, als sie im Durchschnitt zur gleichen Zeit während der beiden vergangenen Jahre war. Es ist bemerkenswert, daß der Monat April In der Kon- junkturgruppe der gewerkschaftlichen Verbände eine größere Eni- lastung brachte als der Vormonat. Die Arbeitslosigkeit unter den Gewerkschaftsmitgliedern betrug nämlich Monatsende November.», Dezember... Januar.... Februar... März.... April.... in b-r Ztonjunkwraruvpe >927,28>928,29 In der Salfonarnpve 1927/28 1928,29 ,. 4,7 Proz. 7,3 Pro.z. 20,6 Proz. 18,5 Proz. .. 6.2. 9,5„ 44,0„ 46,8, .6,4. 10,3. 34,1. 58,4. ,. 6,2. 11.4, 30,1. 68,1. ,. 5,9. 10,6. 24,6. 43,3, .. 5.8, 9,2. 12,0. 19,2. Die beiden Zahlenreihen des Winters und Frühjahrs 1928/29 nähern sich allmählich den Zahlenreihen des Vorjahres. Die Ar. beitslofigkeit unter den Gewerkschaftsmitgliedern war im Jahre 1929 höher al» im Vorjahre in der Aonsunkturgruppe w der Saifongropp» Ende Januar.. um 3.9 Proz. um 24,3 Proz. , Februar... 5,2.. 38,0, n März...» 4,7„. 18,7„ . April.... 3.4.. 7.2, Es ist hier zu betonen, daß in der Saisongruppe die üb» l'che Frühlingsbelebung längst nicht in vollem Maße eingetreten ist: End» April waren immer noch im Baugewerksbund 19,5 Proz., bei den Zimmerern 27,9 Proz., bei den Dachdeckern 23,5 Proz. und bei den Malern 15,0 Proz. der Mitglieder arbeitslos. Es ist deshalb kaum daran zu zweifeln, daß i n d e n n ä ch st e n W o ch e n die Ve. schäftigung bei diesen Berufsgruppen sich bessern wird. Auf diesem Abschnitt des Arbeitsmarktes hat man mit einer weiteren Entlastung zu rechnen. Nicht so klar sind die Vorgänge ln der Konfunkturgruppe der Verbände. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe der Verbände von 11,4 Proz. Ende Februar auf 10.6 Proz. Ende März und auf 9,2 Proz. Ende April ist an sich höchst erfreulich. Die» ist aber noch keine entscheidende tonjunkturell» Per- besserung der Lage: nach dem Pückgang der beiden letzten Monate bleibt hier die Arbeitslosigkeit etwa auf dem Stand vom End« De- zsmber 1928 stehen, also auf einer Höhe, die damals als Merkmal einer recht ernsten Lage beurteilt wurde! Dies gilt für einzelne Verbände ebensogut wie für die Konjunktiirgruppe im ganzen. So ist z. B. die Arbeitslosigkeit im Metallarbeiteroerband von 10,7 Proz. Ende Februar und 10.0 Proz. End« März auf 8.7 Proz. gefallen. Ein Rückgang um 2 Proz. in zwei Monaten könnte als Merkmal einer günstigen Wendung betrachtet werden. dennoch aber bleibt die Arbeitslosigkeit unter den Metallarbeitern auf einer gefährlichen Höh«. Einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. ein« Belebung der Tätigtest kann man bei den chutarbeitern, Schuh- mochcrn, Lederarbeitern, Sattlern, Holzarbeitern und Fabrikarbeitern feststellen, bei denen die?lrbe>tslosigkeit sich in den letzten Monaten wie folgt entwickelt«« Monata»i-8- Hui' echllh- Ltder- Solz- Tab«?- ° n a t»« n d i„tVitu wache- utbeUet SotlIcc art-it««btU-c t n Prozenten Dezember 1928 44.5 23.7 10,5 17.5 17.6 16.5 Januar 1929, 26.6 24.0 12,0 22,0 19,7 15 7 Februar 1929. 25,0 23.0 14.2 22.7 23,6 21,1 März 1929.. 24,1 21,4 15.1 21,5 21,7 22.4 April 1929.. 21,2 17,9 18,2 19,5 18,2 19,0 Einen ähnlichen wellenartigen Auf- und Abstieg weist auch di« Kurzarbeit dieser Berufsgruppen auf: hier tritt die Aufhebung der störenden Wirkung hgr Frostkotastrophe des vergangenen Winters besonders deutlich in Erscheinung, � Eine Belebung kann man auch In einer Reihe von Berufen fest- stellen, di« im Winter nicht schlecht beschäftigt waren und von der Frostkatastrophe unmittelbar nicht betroffen wurden, z. B bei den Bergarbeitern, im Vertehrsbund, bei den Staats- und Gemsind«Arbeiter n. B«kga»b«iter B«iohr»b»t>d Monaio-nd» Dezember 1928, Januar 19.g, Februar 1929 Mär, 1920. April J929. 1.8 Proz 3.2 3.4. 2.2. 5,2 Proz. 7.0. 7,3. 6.6. 6,4. Staat», und ch«m»!ndkord, 8,1 Proz. 3.4. 8,6. 3.8. 1,8. m ttft-rqtbi man nur ein Radin.«» v-, Deuttch-N Muntircicbanbr», Pnltn, Jtorn- rnonbantenftt 81,51 Sönboff 327;-7S PilchSit,,«» 8—5, Sonntag, JO-J Uhr Vu| Wunsch:«ert-ete-bisuch, Saisonmäßig ist dieser Aprilrückgang der Arüeitslosigkest nicht. Ob er auf die Ueberwindung des harten Winters ollein zurückzu- führen ist oder eine günstige Wendung in der Konjunktur erkennnen läßt, kann man noch nicht klar ersehen. Die Lage im Vervielfältigungsgewerbe, das in der Regel recht genau die Schwankungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage widerspiegelt, scheint zur großen Zurückhaltung und Vorsicht bei der Beurteilung der Entwicklungstendenz der Kon- junktur zu veranlassen: die Arbeitslosigkeit in sämtlichen Verbänden der polygraphischen Industrie ist nämlich im Aufstieg begriffen. In diesen Verbänden waren arbeitslos: Monatsende Buchdruck«- Lithographen Graph. Hilfsarh. Buchbinder Dezember 1928 6,7 Proz 7,1 Proz 7,1 Proz. 8,0 Proz. Januar 1929. 6,5. 7,9, 7,0„ 9,5, Februar„. 6.2. 8,0. 6,7. 10,5. März... 6,9, 8,2. 7,5. 11,8„ April.. 7.1. 8.7. 7.4. 12,3. Eine ungünstige Entwicklung weist auch die T e x t i l i n d u st r i e auf: im Textilarbeiterverband waren an der Jahreswende 8,4 Proz. Mitglieder arbeitslos, Ende März erreichte diese Zahl 9,2 Proz., im April ist sie auf 10,0 Proz. gestiegen. Die Kurzarbeit nahm im April von 7,5 Proz. auf 6,6 Pro;. ab. Ihr Rückgang war besonders stark bei den Schuhmachern(von 39,4 Lkoz. auf 28,8 Proz.) und bei den Lederarbeitern von 24,2 Proz. auf 16,2 Proz.). Von einer allgemeinen, gleichmäßigen Abnahm« der Kurzarbeit kann aber einstweilen keine Rede sein: In einigen Berufsgruppen und Industriezweigen, z. B. bei den Metallarbeitern und in der Textilindustrie, oerharrt die Kurzarbeit auf der alten Höhe. Zusammenfassend kann man auf Grund der gewerkschaftlichen Statistik feststellen, daß die Entwicklung des Arbeitsmarktes sich der Grenze nähert, wo die Folgeerscheinungen des harten Winters über- wunden und wieder di« Konjunkturtendenzen deutlicher in Erfchel- nung treten werden. Es ist anzunehmen, daß die Befreiung der im Laufe der Wintermonate gefesselt gebliebenen wirtschaftlichen Kräfte als ein mächklger konjunkturfördernder Faktor wirken wird. Es gibt ober auch andere Kräfte, die In einer ent- gegengesetzten Richtung die deutsche Wirtschaft bceinflusien: die schwebende Reparationsfrage, die Vertrauenskrise aus dem Wclt- sinanzmarkt, die Kapitalknappheit usw. Ein übermäßiger Optimismus in bezug auf die nächste Entwicklung der Arbettsmarktlage wäre also nicht angeb/ocht. Wich! aber kann man hoffen, daß in den kommenden Sommer- monaten dos feit Herbst 1928 zu beobachtende Abgleiten der Kon- juntwr sich verlangsamen wird und vielleicht zum Stillstand kommt. Wladimir Woytlnsky. iSSjo• o 177.» Die,'* Art e i t Vlo i t m Deutschland S tar-�'» 15. Jedes"Monats In 1000 Personen i i i SOH., ' i I> l 3 FMAKJ 0 AS ONDJ FM-P 1 9 1 a 19�9 Ausgestaliung der Gewerkfchastspresse. Erste Tagung des Fachausschusses. Der vom Ausschuß des ADGB eingesetzt« Fachausschuß der Eewertschasttpresse.der in regelmäßigen Zusammen- künften der Redakteure Wittel und Wege zur pressetechnijchen Aus- stattung der Gewerkfchaftsblätter und zur Belebung ihre, Inhalts oueflndlg machen soll, stat diesex Tag« In Berlin zum ersten M�e zusammen. Bei der Besprochung des Ausbaues der Eewerkschafts- presie gab es ein« Fülle von Anregungen. Uebereinstimmend wurde es als unhalldarer Zustand bezeichnet, daß die Gewerkschastspress« trotz ihrer gewaltige» Auflag« in der Oeffentljchkeit und bei den Be- Hörden noch immer nicht die ihr von Rechts wegen und im Hinblick auf die Machtstellung der Gewerkschaften zukommend« Anerkennung erzielen konnte. Uel-er Reichshaushalt und Sozialoersicheriing sprach S p l i« d t vom ADGB. Er schildert« die große» Gefahren. von denen zurzeit das Arbeitslofenverstcherungsgefetz bedroht ist. Reichstagsabgeordneter Landsberg hielt einen Vortrag über Presse und Urheberrecht. Die erst« Tagung de, Fachausschusses war. wie der Vorsitzende S ch ä f f I« r in seinem Schlußwort betont«,«in gute» Erfolg ver- heißender Anfang. Der Ausschuß hat den festen Willen, d>e>hm überwiesenen Ausgaben im Ausbau der Gewerkschaftszeitung und in der Weiterbildung der Gewerkschaftsredokteure energisch durch- zuführen. Abrechnung mit den Kommunisten. Bei Ssn Berliner Buchdruckern. Dem ernsten Bestreben der Berliner Buchdrucker, die Ein- h e i t des Verbandes zu erhalten, ist es feit langem gelungen, den kommunistischen Einfluß auf ein Mindestmaß zurück- zudränge n. Die von 600 Delegierten bsfuchte Generalversammlung oin Donnerstag im Gewerkfchastshaus ehrte zunächst di« Opfer der blutigen Maitage in Berlin. Der Gauvorsttzend« Braun sühne unter lebhafter Zustimmung der Versammlung aus, daß die Berliner Buchdrucker den Angehörigen dieser bedauerlichen Opfer das tiefste Mitgefühl, den Urhebern der Unruhen aber ihre schärf sie Verachtung aussprechen. Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich eine weiter andauernde ungünstige Konjunktur. Am 10. Mai wurden insgesamt 1276 Arbeitslos« gezählt. Schars verurteilte Braun den durch das Erscheinen der„Rolen Fahne" am Morgen des 2. Mai von de» Kommunisten begangenen Disziplinbruch. Der Gauvor- stand wird sich mit dieser Angelegenheit noch beschästigen. Die Buch- drucker insbesondere haben stets die Pressefreiheit gefordert. Sie müssen jedoch feststellen, daß diese Freiheit bei den Kommunisten zu einer Schimpf- und Verleumdungsfreiheit aus- geortet ist. Mit der Zerstörungsarbeit der Kommu- nisten müsse ein Ende gemocht werden. In der Aussprache suchten sich die Kommunisten vergeblich zu verteidigen. Sie stießen auf stürmischen Widerspruch der große» Mehrheit der Versammlung. Vollends wurde di« Niederlage der sogenannten„Ovpo- sition" bei der Aufstellung von Kandidaten zur Wahl von De- legierten zum Verbandstog in Franksurt a. M. Bei der Abstimmung über die Vorschläge der Kommunisten wurde die statutcmnäßig erforderliche Unterstützung von einem Drittel der Anwesenden bei weitem nicht erreicht. Die Zahl der für die Unterstützung stimmenden Delegierten schrumpft« bei den letzten Vorschlägen auf das übliche Bäckerdutzend zusammen. Somit kommen nur Kandidaten der Amsterdamer Gewirk- schaflsrichtung zur Urwahl für den Verbandstog. Auf diesen E r- folg können die Berliner Buchdrucker stolz sein! Streik der Asphalteure. Wie uns berichtet wird, haben die Berliner Asphallarbeiter im Deutschen Baugewerksbund, Baugewerkschcft Berlin, in ihrer gestrigen Versammlung beschlossen, den Schiedsspruch vom 10. Mai abzulehnen und heute in den Streik einzutreten. Betriebsrätewahlen der Metallarbeiter. Und der„Erfolg" der kommunistischen Sonderlisten. Aus 285 Betrieben sind der Berliner Ortsverwallung de» Deut- schen Metallarbeiteroerbandes die Wahlergebnisie bis jetzt übermittelt worden. Vielmehr nur aus 12 Betrieben. Denn in 273 Betrieben war nur je ein« Liste, eine freigewerkschaftlich« Lifte aufgestellt worden, die dann ohne weiteres als gewählt galt. In diesen 273 Betrieben sind 50 295 Arbeiter beschäftigt. Di- Zahl der also durchweg freigewerkschaftlichen Betriebsräte beträgt 2119. Darunter sind selbstverständlich auch verschiedene kommu- nistische Betriebsräte, die, wie in den Vorjahren, mit in die gewerk- schaftlichen Kandidatenlisten aufgenommen wurden. In den übrigen 12 Betrieben machte sich«ine regelrechte Wahr notwendig, weil hier die Kommunisten Eonderlisten aufgestellt haben. In zehn von diesen Betrieben mit 51 734 Arbeitern und Arbeiterinnen sind 147 Betriebsräte gewählt worden, und zwar 78Mo, lauer und 69Amst«rdamer. Da bereits im porigen Jahr« in diesen Betrieben 49 Kommunisten auf der srelgewerkschast- lichen Liste gewählt worden waren, beträgt der ganze Mandats- gewinn derKommunl st«n 2 9. Ob das den ganzen Tamtam lohnt, den die KPD. mit der Parole zur Aufstellung kommunistischer Sonderlisten gemacht hat, ist«Ine Frage, die sich die Weisen von Moskau selber beantworten mögen. Aus zwei Betrieben ist das Wahleresultat noch nicht vollständig bekannt. Das ist also bisher da» ganz«, dem DMD. bekannte Material von ungefähr 350000 Berliner Metallarbeitern, also rund einem Drittel der Metallarbeiterfchaft. Nun sind aber unter den Berliner Metallbetrieben viele Kleinbetriebe unter ?0 Arbeitern Belegschaft, die nur einen Obmann wählen, und auch größer« Beiriebe, die entweder überhaupt keinen Betriebsrat wählen oder das Ergebnis nicht melden. Trotzdem es sich hier nux um ein Teilergebnis handelt, zeigt es doch, daß die„neue Taktik" der KPD. nicht die er- warteten„riesigen" Erfolge gebracht hat. Jnteresiant ist noch, daß in den Betrieben, wie z. B. S i e- mens-Elmowerk,-Kabelwerk,»Metallwerk. wo bisher im Betriebsrat die Kommunisten dominierten und auch wieder dominieren, nur«in ganz geringer Prozentsatz der Beleg- schaft den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert hat. So sehen die „Revolutionäre" aus, auf die sich di« KPD.-Betriebsräte„stützen". Die kämpfenden Vaumwollenarbeitcr ln Bombay sahren fort mit gleicher Hartnäckigkeit passiven Widerstand zu leisten. Ke»n Zwischenfall hat sich ereignet. 32 Spinnereien arbeiten mit redr- ziertem Personal._ »�reie GewerkfchaffS'Iuaend Groß'Derlin I H-ut», ffriitaq, lOU Uhk. t«g«n ii« S-Iipp-N! ehallntt«ni>i-g! liugcnbheim Snrcistr. SO. eicbfr«b(r.i. ft-eoelinyUÄ: Iug-ndh-im dc» Bezirksamt, Widbinq. Surin-r Eck- T-rst-aßi. Bei un, gchrs lustig— St-mnnuxla«! Zug-ndi-im Sanierst-. 11. Eck- Soir-chtstraKe. fturstefetttte— C-bensicforrn.—«üben,«übuxft-n» s-uxp-niiim Walser. tarstr. S, uorn pt. Eine Stunde mit Büchern.— Rorbringi Zugenbheim. Schul« Sanncniuracr Str. 10. Hut« un».— Sil basten: Spielen auf dem Sportpla« Am Urban. �uaenflanivv« despentrolvertandes der Anaesteltten I M!»!, I I■ I II T|i| I■■ II II■■■ WjfJ svreitag. finden Peranftaltunaen statt: Vaskov.N!ed«r. � fchonhausen: Jugendheim Gorschstr. fßcofcc* Limmer). Lichtbilder' vertrag:„Die Aheinfahrt der Berliner Iugendgruppe lS2L". Bsfuent: opa Heirvrvn». Anschließend Aussprach» Uber unser Gauiugendtressen.— Oderspre«: Jugendheim Laufener Ltr. � Lrimabend.— Sopemck: Jugend. hclrn Grünauer Str. S Lefcte Besprechung betreffs Gaujugendtreffen.?rhtz Teilv�hmer am Saujugendtrcffen muß zu dieser Besprechung bestimmt er. salinen,-r Südwest: Jugendheim Beve.Älliance.Str. 7�10. Vortrag:„Waich'« Gefängnis erlebte". Refercntk Winjvlm£ck»insli. NcuMn und Urban: Jugendheim B�mifche Str. 1~-«. Beruf-rundliche Ärbeitsgemewschaft. r-Was ist Togal?- Togal> Tabletten sind ein hervorragend bewährte» Mittel bei Rkeum«, Gicht, Uchiaa, Gripp«, Nerven und Kopf. 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Lebensjahr erreichenden Menschen an Krebs— überall hat er die Sterblichkeitsziffern der Tuberkulose erreicht ja an manchen Orten sogar weit überschritten. Er ist zu der Krankheit geworden, der heute das hauptsächliche Interesse der medizinischen Wissenschaft gelten muß. In der praktischen Anwendung der Naturwissenschaften auf die Anforderung des täglichen Lebens leistet nun aber unser Zeitalter mehr als irgendein anderes. Di« Zunahme der Krebskrankheiten forkkrte energische Gegenmaßnahmen und täglich sind daraufhin in den letzten Jahren größere Fortschritte gemacht worden als irgend- wann. Viele Krebsgeschwülste, die noch vor 20 Jahren unaushaltsam gewesen waren, können heute geheilt oder stark gebessert werden. Ueberall organisiert man die Bekämpfung. In Deutschland besaßt sich damit das.Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krcbskrankheiten", dessen Generalsekretär Geheimrat Ferdinand Blumemhal, zugleich Direktor des Berliner„Instituts für Krebs- forschung" ist. Hier ist eine der Hauptwirkungsstätten gegen den Krebs, hier hin wenden sich jährlich fast 2000 Krebskxanke und Krcbsvcrdächtige und hier werden großangelegte Forschungen durch- geführt, die auf einen Sieg menschlichen Geistes über körperliches Unheil hoffen lasten. In einer Unterredung mit unserem Mit- arbeiter gab Geheimrat Blumenthal das folgende umfastendc Bild aller dieser Pläne und Arbeiten: Allmonatlich kommen im Durchschnitt etwa 180 neue Patienten in unser Institut: sie werden meist von ihren Aerzten hergeschickt, damit wir die gestellte Diagnose bestätigen und Vorschläge wegen der Behandlung machen. Es ist erschreckend, in fast jeder Sprech« stunde auch Jugendliche zu finden, die früher überhaupt nicht zu uns kamen. Ein« Erklärung dafür zu geben, ist noch nicht mög- lich. Aber es hat sich herausgestellt daß der Krebs immer mehr den Charakter einer ausgesprochenen Alterskrankheit verliert und Naß die tugendlichen Formen auffällt� zunehmen. Don den ge- nannten 180 Patienten konnten wir im letzten Monat bei 80 tat- sächlich Krebs feststellen, also bei einer verhältnismäßig großen Zahl und von diesen Fällen wiederum nur 10 bis 15 Proz. operal. Es ist bezeichnend, daß nur der kleinst« Teil dieser Hilfesuchenden aus eigene Initiative kommt, also— da sie nickt in ärztlicher Bühcmd- lung waren— erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit. Die Operablen beraten wir dann bei der Wahl eines geeigneten Chirurgen, wir selbst operieren nicht, behandeln vielmehr nur die Fälle, in denen nicht operiert wird, da wir mit den ver- schied«nen chirurgischen Kliniken der Charit« zusammenarbeiten. Tin Teil unserer eigenen Patienten wird in den un» zur Verfügung stehenden Baracken stationär behandelt, die anderen, etwa 100, kommen täglich zur Bestrahlung. Zu.diesew Zweck sind wir mit den modernsten Apparaturen der Tiefenstrahlentheropi« ausgerüstet. Zu unserer Verfügung haben wir über ein Gramm Radium und Meso- thorium, also bei der heutigen Situation schon ein recht beträchtliches Quantum. Man hat neuerding» in Deutschland die Kombination von Ra- dium« und Röntgenbestrahlung und Elektrokoagulation sowie dos sogenannt« Spicken der Geschwülste mit feinsten Nadeln, die Tho, rium X enthalten, recht befriedigend angewandt. Die größten Cr- folge erzielte man damit bei Haut- und Gebärmutterkreb», neuer- dings auch bei Zungen-, Hals- und Lippentrebs, leidlich gute bei Brustkrebs, kurz: bei allen jenen Geschwülsten, die anatomisch so gelagert sind, daß wir sie mit der strahlenden Materie genügend erreichen können. In solchen Fällen wurden zahlreich« Heilungen erzielt, während beim Krebs anderer, namentlich innerer Organe, mit dieser Methode noch keine so günsttgen Aussichten bestehen. De- währt hat sich ferner die Bestrahlung nach der Operation, um da- Auftreten von Rückfällen zu verhüten. Bei alledem ist es heute eine feststehend« Tatsache, daß die Diagnose Krebs keineswegs ein Todesurteil zu bedeuten braucht, wie all« Laien es glauben. Die» kann nicht oft gemig wiederholt werden. Und es muß immer wieder betont werden, daß Operation, Elektrokoagulation und Strahlenbehandlung, wenn sie frühzeitig und richtig angewandt werden, einen großen Teil der damit behan- delten Patienten retten. Auf das Frühzeitig« kommt es dabei b«- sonders an. Es muß die Hauptaufgabe einer foztalhygienischen Fürsorge werden, die Mafien über die ersten Anzeichen des Krebses aufzuklären und nachlässig« Kranke zu veranlassen, den Arzt auf- zusuchen. Diese Aufgabe hat ihre Schwierigkeiten, mühte aber bei einiger organisatorischer Geschicklichkeit zu erreichen sein. Wir haben selbst damit den Anfang gemacht und zwei Fürsorgerinnen eingestellt, die sich erstens während de» Krankenhausaufenthalts der Patienten um deren häusliche Angelegenheiten kümmern und ihnen in persönlichen Schwierigkeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen, zweitens aber die wichtige Aufgab« haben, dafür zu sorgen, baß dt« Patienten sich immer wieder regelmäßig zur DeHandlung einstellen. Viele glauben nämlich, daß si« schon ganz gelund sind, wenn nach der Strahlenbehandlung die Geschwülste verschwunden oder stark zurückgegangen sind. Di« Folg« davon ist dann, haß sie nach einiger Zeit einen Rückfall erleiden und sich nun erst in elendem Zustande wieder einstellen. Es muß also jemand dasein, der d'« nachlässigen Patienten in ihren Wohnungen aufsucht, ihnen die Wichtigkeit der Behandlung vor Augen führt und sie veranlaßt, wieder zur regek. rechten Behandlung zu kommen.' Man spricht soviel davon, daß wix Radium in so großen Yuan. titäten besitzen müßten, wie sie Länder wie Schweden. Frontraich und Belgien besitzen. Das wäre sicherlich wünschenswert, obwohl noch gar nicht einmal festgestellt ist. ob es tatsächlich allein an der großen Meng» de« Radiums liegt, wenn gut« Ergebnisse er, I alt werten. Sicher spielt die Kunst der Anwendung und der Kombi- nation mit anderen Hilfsmitteln ein« ebenso große Rolle wie das Quantitative. E'n« genügende Menge Radium könnte heute an mehreren Orten vorhanden fem, wenn wir eine bester« Organiia- t'on des Radiumoorrat« hätten. In der gutgemeinten Absicht, allen etwas zu geben, wurde der Bestand zu sehr verzettelt, find so kommt ti daß diele Anstalten wenig haben, wo es bester wäre. wenn wenige viel hätten. Ein« Konzentration täte hier dringend not. In verschiedenen Sonderabteilungen unseres Institut» wird experimentell geforscht. Es ist, wie bekannt, bereits möglich. Krebs- zellen genau so zu züchten wie man Bakterien züchtet, und diese experimentelle Krebserzeugung hat die Forschung um einen großen Schritt weiter gebracht. Die Gewebezüchtung ermöglichte es, die Krebszelle und ihren Stoffwechsel, ihre Wachstumsbedingungen usw. zu beobachten und ganz neue Kenntnisse ihrer Biologie zu gewinnen'. Worauf nun beruht das krebserregende Prinzip in der Krebs- zelle, das ist die Frage, die uns alle zurzeit am stärksten beschäftigt, die Frage, dt« in den Kern des gesamten Krebsproblems trifft. Ist die Krebszelle einfach ein« ganz normale, aber srsigewordene Zelle, eine Zelle also, die keine Hemmungen kennt und gesetzlos zu wuchern beginnt, aus dem Gefüge des Zellenstoates rebellisch ausbrechend, oder ist fie eine veränderte Zelle? Das letztgenannte scheint sich heute immer mehr zu bestätigen und es ist auch zum Teil schon«r- könnt worden, wodurch diese Berändeningen hervorgerufen werden: durch chemische Substanzen(wie Teer, Paraffin. Analin), durch Der- brennungen, chronische Entzündungen: in anderen wieder sind e» Parafiten(Trichinen, Echinokokken) oder Battenen, die den ersten Anstoß geben zur krankhaften Veränderung der Zelle. Deshalb dürfen wir aber noch lange nicht jene chemische Substanzen, Reize, Fermente oder gar Parasiten und Bakterien als„Krebserreger" bezeichnen. Denn dies steht nach den genannten Beispielen fest: einen Kre-erreger als einzig« direkte Ursache des Krebses, wie ihn sich die alte parasttäre Krebstheorie vorstellte, gibt es nicht. Die ver» schiedensten Reize— belebte oder unbelebte— können Krebs erzeugen, aber es gibt nicht ein ultramikroskopisches oder sonstwie geartetes Lebewesen, das im menschlichen Körper sitzt und dort aus- schließlich die Ausgabe hat, Krebs zu erzeugen. Von solchen Bor» stellungen hoben wir uns längst frei gemacht. Krebs ist nicht in- fektiös Im Sinne einer Infektionskrankheit und Krebs ist nicht ver- erblich, höchstens kann eiye krebsartige Anlage vererbt werden. Und die sicherste Methode, Krebs zu diagnostizieren, Ist noch immer die Beobachtung de» Verhaltens der Krebszelle zu dem umgebenden Gewebe, die histologische Methode. In bezug auf alle diese wifienschaftlichen Forschungen marschiert Deutschland mit an der Spitze In das von den Gelehrten aller Länder gezimmerte Gebäude der Crkenntnifie und Ersahrungen haben wir die Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Röntgen- therapie mitgebracht, in Deutschland ist zuerst von Karl Neuberg und mir der Krebs als Stoffweckselstörung erkannt worden, hat Paul Ebrlich sein« bahnbrechenden Arbeiten über Krebsimmunität durch- geführt und hat insbesondere Warburg entdeckt, daß Krebszellen wie Hefezellen gären und daß ein Sauerstoffmangel die erste Vor- bedingung für die lokale Krebsbildung ist: wir haben in menschlichen Krebsgeschwülsten und im Mäusekreb» bestimmte Lakterien gesun- den, die bösartig« Geschwülste hervorrufen:- Halberstädter ist es ge- lungen, das in Deutschland erhältliche Thorium X in eine so ion- zentrierte Form zu bringen, daß es in ähnlicher Weise wie die Radiumemanation in die Krebsgeschwülste versenkt werden kann: Albert Fischer hat die Krebszelle in der Kultur jahrelang leben». sähig und krebsbildend gehalten— und diese Kette von Erfolgen ließ« sich noch um zahlreiche Beispiele verlängern. Was nun aber die Organisation betrifft, so gerät Deutschland immer mehr in den Hintergrund. Geldmangel ist daran in erster Linie schuld. Wir können nicht jene Millionen aufbringen, wie sie England und Amerika(auch durch private Sammlungen) zur Der- fügung stellen. Aber wir könnten wenigstens versuchen, unsere Krebsbekämpfung und-behandtung mehr zu zentralisieren, um sie an einzelnen gut ausgerüsteten Instituten zur höchstmöglichen Voll- endung zu bringen. Die meisten Länder haben das meist durch- geführt— in Deutschland dagegen ist die Krebsbehandlung arg zer- splittert. Einzelne Krankenhäuser können sich zwar Radium und moderne Röntgenapparate anschaffen, haben aber nicht das ärztliche Personal, das mst solchen Mitteln geeignete Krebstherapie zu trei- den versteht, weil es an ausgebildeten Aerzten und Pflegepersonal hierfür fehlt. Auch müßten die vorhandenen Krebsinstitute so aus- gebaut werden, daß ihre Räumtichkeiten nicht nur für den wichtigen Zweck genügen, sondern auch würdig ausgestattet sind— was bisher leider nicht der Fall ist. Der Andrang der auswärtigen Kranken z. B. nach dem Berliner Institut ist so enorm, weil es in den meisten Städten— vom Lande ganz zu schweigen— an Einrichtungen für die Behandlung nicht operabler Kranker fehlt. Daß diese zahlreiche,, Kranken nicht in den 20 Betten untergebracht werden können, die jetzt dafür zur Verfügung stehen, leuchtet ohne weiteres ein. In diesem Jahr wird unser Institut, nachdem es nur unter Mitwirkung von privaten Mitteln das geworden Ist. was es jetzt ist. vom Staat übernommen. Da» Heidelberger Institut wstd im wesentlichen mit privaten Mitteln erhalten, Hamburg besitzt ein kleines wiisenschait- liches Institut am Eppendorfer Krankenhaus, und die Abteilung für Krebsforschung am Institut für experimentell« Therapie In Frank- furt a. M. erhält vom Staat verhältnismäßig geringe Mittel nur für wissenschaftliche Zweck«. Eine gerechtere Bsrtdlung von Mitteln, eine besser« Organisation können erst würdig« Vorbedingungen schassen für ein« umfafiende Anwendung der setzt schon vorhandenen j wifienschaftlichen Ergebnisse aus die Heilung der Kranken. Sin Sttefuch in der �ierfilmfchule Da» Natürlichst«, Erlebnisreichste, Ursprünglichst« und Kostbarste. was der Film bringt, sind doch wohl seine Aufnahmen au» dem Tierreich, diese mit. unerhörter Geduld erzeugten Leistungen. Die Ufa besitzt in Neubabelsbcrg eigen« biologische Institut«, die natürlich von einem Fachmanne, Herrn Iunghans, geleitet werden, der der trsusorgende Vater aller dieser Tier« der Abteilungen ist. Wenn cs die Pflicht gebietet, muß er freilich auch... Rabenvater sein und Opfer für die Experiment« des Films und für„Achtung, Ausnahme" wählen. In der„warmen" biologischen Abteilung in Neubabelsberg leben viele eigenartig«, seltene Tiere, deren Namen nur dem Fachmann geläufig sind. In einem warmen, für die hier lebenden Geschöpfe zweckmäßigen und temperaturrichtigen Raum« treffen wir Schlangen und Schlangentöler, also Tiere, die einander zu Leibe gehen. Würde man alle Käfige östnen, so wären die Räume mit der Zeit leer, denn die Tier« würden«inander den Garaus machen. Cs sind mehr oder weniger alles gefräßige Tier«, die hier zur Filmschul« gehen, und, !e nach ihrer Art, Filmstar oder Komparse werden. Da ist ein« Haselmaus. Ein entzückend graziöses Tierchen: rotbraun, mit spitzen, kecken Augen und einem Samtfellche». Ihr« Heimat ist Oesterreich. Wir haben die kleinste Auflage vom Eichhörnchen vor uns. Do» Tierchen, das auf der Hand seines Filmlehrers ängstlich in der Weltgeschichte herumschnuppert, wird hier erzogen und soll nach geraumer Zeit für die Kamera abgerichtet werden.— Wild und verärgert, unausgeschlafen und wutentbrannt, hopst hinter seinem Güter dex Q u a st c n st a chl« r. Ein bifiiges Vieh ist dieses Tier, katzengroß, mit spitzen Borsten besetzt, die sich ausbreiten und strecken, sobald«s angegriffen wird. Das Tier stammt au» Afrika, wo es sich keiner allzu großen Beliebtheit erfreut. Für den Film ist diese» Tier,«in Weibchen, wi« geschaffen, soll es sich doch im Kampfe mit dxn Ratten bewähren und zeigen, daß es Zähne hat. Man öffnet die Haustür zu der Wohnung des Quaftenstachlsrs. Das Weibchen ist nicht zu sprechen. Erst auf ein« Semmel beißt e» an: aber schon ist e« aus mit der Herrlichkeit des Fangen», denn die Stacheln des in Wut und Angreifftellung oersetzten Tier«» sträuben sich. Nun will man dem lzaarsträubenden, jungen Fräulein eine Freude machen und ihm einen Kavalier besorgen. Beide sollen sich heiraten. Am gespanntesten ist man natürlich auf den Zweck dieser Eh«: den Nachwuchs. „Hektar" wird herausgenommen und auf Händen getragen. „Hektar" Ist ein zierliches oftafrikanifchss Krokodil im Taschen» formal und heißt darum ausgerechnet„Hektar", well fein Kopf dem eines Hundes ähnelt. Abgesehen von seinen Augen felbstoer- stqndlich, penn die sehen genau so au», al» ob ii« KrokodUstränen weinen könnten. Dop Interessanteste an diesem jugendlichen Lieb- haber der Tierfilmschule ist sein Maulwerk, worunter nicht sein Rede» fluß zu verstehen fit. sondern nur pie akustisch tot« Einrichtung an sich. Cs Ist nämlich ein Schleusenwerk, wie ich e» nannte, in diesem Mapl. C» schnappt, beispielsweise, nach einem Insekt. Dann wird «s«ingefongen, aher nicht heruntergeschluckt. Das Tier fängt es auf, schließt sein Maul, verarbeitet das Insekt und laßt es dann in" die tieferen Bezirke fahren... Dieses K.'nntrokodil ist ein Star ersten Ranges. Man wird ihn als Solist herausstellen. Cs kostet natürlich viel Zeit, die Tier«, die hier in ihr«« Käfigen und Aquarien hausen, erst an da» Licht, an die Blenden der Iupsterlampen, zu gewöhnen. Es hängt auch von vielen leib- lichen Umständen der Tiere ab, ob si« für die Aufnahm«, genauer gesagt, für den anberaumten Termin einer Aufnahme, geeignet find. Will man, um«in Beispiel zu nennen,«ine Aufnahm« einer Mäusefamili« machen, so baut man auf die natürlichst« Weise «in Stück Land, ein Stück Feld oder Acker, mit Steinen, Gesträuch. auch Rasen und Moos hin, macht Wege und Höhlen, auf di« man am geeignefiten den Apparat einstellen kann. Dann kommen die Proben mit den Tieren. Warum soll die Maus gerade d«n ihr von ihrem Filmschulmeifter vorgeschriebenen Weg gehen? Aber wie bringt man si« dazu, um sie in das gewollt« Feld zu bekommen? Man nimmt ein Junges und schleift es aus der Höhle über den Weg zu der gewollten Stelle. Die Mama geht nun, ihrer Mutter- pflicht gemäß, auf die Suche, um das Kleine wiederzufinden, und tritt so ahnungslos unter die Augen des Kameramannes. Biel muß In dieser Schule gelehrt und gelernt werden. Es kostet auch manche Opfer, um nur«in« einzige Aufnahme für«inen Naturfilm zu machen. Aber man zeigt dafür ein Stück vom Herzen der Natur. Gerhard Krause. Sine Stärkefabrik in unferem Ulßrper Sporsamkeitspolitik und weife Rationierung der verfügbaren Mittel sind nicht erst Errungenschaften menschlichen Geistes. Weit- verbreitet finden wir dieses Prinzip in der ganzen Natur. Di« Bienen speichern Vorräte für den Winter. Die Lebensgewahnheil des Hamsters, für die Winterzeit große Setreidevorräte als Reserve einzusammeln, hat ja den populären Namen„hamstern" für da« Anhäufen von Lebensmittelvorräten geschaffen. Aber auch der ge- sunde menschliche Körper arbeitet rationell und speichert die in Zeiten des Ueberflusse» nicht verwendbaren Nahrungsstoss«. be- sondere in Form von Fett und Stärke, um in Zeiten der Not von diesen Lorräten zu zehren. All« diese Vorgänge sind vom physto- logischen Standpunkt aus sehr interessant, wenngleich sie auch nur «in Beispiel der hochstehenden chemischen Technik de» Organismus sind. Mit Leichtigkeit bringt es zum Beispiel der Körper fertig. aus Zucker Start« zu machen und dies« im Bedarfsfall« wieder in Zucker zurückzuverwandeln.«ine Leistung, di« dcn chemischen Lobo- ratorien noch nicht möglich war. Der Speicher für di« Reserve. stärke ist pie Leber, weshalb diese Stärk« neben ihrem Wissenschaft- lichin Namen Glykogen, d. h. Zuckerbildner, auch den Namen Leher- stärk« führt. Bei Zuckertranken ist oder die Glykygsnbildung unterbunden. nwll die Hauptmeng« der von diesen aufgenommenen Kohlehydrate(Zucker. Stärke usw.) unavsgenützt wieder ausgeschieden wird. Den bedauernswerten Kranken wird zudem der Genuß der Kohlehydrat« noch verboten, so daß ihnen sede Möglichkeit genommen wird. Reservezucker aufzuspeichern. Erst ein neuerlich im Handel erscheinende» Ersatzkohlehydrat, da, Sionon, schafft hier Abhilfe. Sionon schmeckt süß wie Kondiszucker, wird in hohem Maße von der Leber gespeichert und zu 08 Proz. dem Körper nutzbar gemacht. In dem Harn tritt also.kein Zucker aui, selbst wenn man recht Hobe Mengen Sionon. verabreicht. Wenngleich auch im Sionon kein Hellmittel gegen Zuckerkrankheit vorliegt— bekanntlich dient zur Behandlung das Insulin so fit da» wichtig« Problem, den Kohlehydrathunger der Diabetiker zu stillen, damit gelöst. Aus der Partei. Sozialdemokratische Juristen. In den Tagen vom 23. bis 2S. Mai tagt in Breslau die Inter- nationale Kriminalistische Vereinigung, die sich vorzugsweise mit der sozialen Gerichtshilfe und mit den Folgerungen beschäf- tigen wird, die sich aus der Strafrechtsreform für den Strafprozeß ergeben werden. Parteigenössische Juristen, die an der Tagung teil- nehmen, treffen sich auf Einladung der Breslauer Ortsgruppe der Vereinigung sozialdemokratischer Juristen am Donnerstag, 23. Mai, abends im Gewerkschaftshause, Margaretenstraße 17. Der nächste Parteitag der französischen Sozialisten wird am S. Juni in Nancy beginnen und vor allem die Berichte der Kammcrfraktion sowie des Generalsekretärs behandeln. Außerdem soll die Haltung einzelner Lokalverbände bei den Gemeindewahlen besprochen werden. Sins«»dllnge» für dick« Rubrik sind » e r l i» SW«8, Sinbcnftrasi« 3, Partemachrichten für Groß-Nerlin stet» an da« B«,irl»s«rretartat 2. Hof, 3 Trepp«»«cht», zu richte». Dienstag, de« 21. Mai, bleibt das Bezirkssekretariat geschlossen. Parteinachrichte«, die vorher erscheinen sollen, müssen bis Sonnabend, dem 18. Mai, morgens, dem Sekretariat eingesandt sei«. * Parteigenossen, die Privatquartiere für die Teilnehmer der am 29. und 30. Juni d. I. stattfindenden Bundesregatta in Grünau, als Auftakt für das Vundesfefl in Nürnberg, zur Verfügung stellen können, wollen ihre Adresse dem Genosten Alberl Schreck. Berlin SO. 36. Siefholzstraße 12. einreichen. Unkosten werden mit 1 Mark vergütet. «- H. Neri» ReuIAl». Der uns nahcstehcnde ffreie gichdallwein ZieuiSII» I J908 veranstaltet am 1. Pfingstfeirrtag 16H Uhr auf dem Sportplatz s, Verlängerte Stcinmetzstraßc,«inen Wettkampf.und um 20 Uhr in den Passogefälrn, Vergstr. 151, ein gest. Unsere Genossen sind hierzu ein. j geladen. Tintritt 1 M. f Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. strei» Tharlottenburg. greitag, 17. Mai, UH Uhr,«tenhefprechim« im Rathaue Tharlottenburg, Berliner Straße, Zimmer TU. Jungsozialisten. Truppe Wedbing-Sesaadbrunnen. Heute, grcitasi, 17. Mai, Mitglieder- Truppe Süden. Heut«, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim Borckstr. 11, Vortrog:„Grundlagen der Berliner Kommunalpolitik". Referent: Stadtver- »rdneter Richard Krille.— Ferner: Pfingstfahrt noch Rheinsberg. Sonntag, 7 Uhr, ab Stettiner Ferndahnhof. Treffpunkt«>4 Uhr vor dem Hauptbahnh Sonntagsrstcktahrlarten läsen. Gäste stnd millkommen. tSrupp« Charloitenburg. Achtungl Wer noch an der Bfingstlahrt teil- nehmen will, muß steh umgehend beim Genossen Willi Garom, Taurvggener Straße 47, melden. Di« Pfingstteilnehiner treffen sich am Pfingstsonnabend, 1«. Mai, Igst« Uhr, am Bahnhof Charlottenburg. Arbeitsgemeinschaft der KInderfreaade. Krei» Prenzlauer Berg. Treffpunkt für da» Probezeltlager am Sonnabend, JB. Mai, 16-?i Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen, Millionenbrstcke. Kreis sharlottcaburg. Wir treffen UN» zur Pfingstsahrt am Sonnabend ,m Uhr vor dem Bahnhof tlharlottenburg. ProbezeMagee. Fahrt nach«rkenwerder am Sonnabend, l». Aal. Bon l«ä bis 17 Uhr fahren alle 10 Minuten Züge. Bon 17 La Uhr an all« 20 Minuten. Am Platz Anmeltung bei der Roten Falkcnwache gleich nach �"�«rupve Biltor Adler. Freitag, 17. Mai, 18 Uhr, im Jugendheim Dan. ziger Str. 82, Fortsetzung drr Diskusston über die sexuell- Frage. «Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation »9. Abt. Neukölln. Am Dienstag, 1«. Mai, verstarb nach schwerem Leiden unser Genosse Ott» Glaß, Eanderstr. 13. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Sonnabend, 18. Mai, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.'Verlm Einsendungen für diese Rudrtl nur an da« Zogen dsekreteeiat Devin 6® 68, Htndenstraß« J Am dritten pfingstfeierlag bleibt das Sekretariat geschlossen. * Magdebuegsahver! Am Mittwoch, 22. Mai, VäVt Uhr, findet in der Aula Kochstr. 13 eine Besprechung statt. An diesem Tage werden auch die Fahr- karten ausgegeben! darum müssen alle Teilnehmer erscheinen. heute. Freitag. 17. Alai. 19� Uhr: Werbe bezirk Lichtenberg! Keim Gunterstr. tt. Werbebczirksmltgliederver. sammlung. Bortrag des Genossen Meißner über»Alpines Wandern". Alle Ldteilungsveraustaltungen falle:: aus. Köllnisch«- Park: Heim Waisenstr. 18. Portrag:»Unser Wandern".— Zentrum: Heim Landsberger Str. 50. Bortrag:»Sexuelle Fragen".— Ar»». walder Platz: Heim Rastenburger Straß«. Bortrag:»Vom Handwerker zum Industriearbeiter".— Falkplatz II: Schule Sannenburger Str. 20. Bortrag: »Di« bürgerlichen Iugeiiioerbände".— Humannplatz: Schule Scherenbergstr. 7. Vortrag:»Jugend und Partei".— Rordost: Heim Danziger Str. 82. Vor- trag: Erste Hilfe bei Unglvrksfällen".— Weißensce: Heim Parkstr, 38. Dar. trag:»Machtfrag« des Proletariats".— Wörther Plötz: Heim Kastanien- alle« 82l Dortrag:»Gemeinschaftsfragen".— Aadrrasplatz: Heim Brommq. straße 1. Vortrag:»Die Kammunalwahleu".— Franisurtcr Viertel: Heim Diestelmenerstr. 5—8. Vortrag:»Wir und die Sewerifchaftsjugend".— Stra- lauer Viertel: Heim Goßlerstr. 81. Vortrag:„Upton-Sinelair-Abend".— berg I: Heim Hauptstr. 15 Vortrag:»Unfälle auf Wanderungen und im Heim".— Schäneberg IV R.>F.: Heim Hauptstr, 15. Uebungsabend.— tlhar- lottendnrg: Seim Rostnenstr. 4. Vortrag:»Internationales Genossenschafts. wesen".— Westead: Heim Rostnenstr. 4. Bortrag:»Di« Reparationen".— Britz I: Achtung, Pfingstfahrer! Fohrtbesprechung Stich Uhr im Heim. Er. scheinen aller Teilnehmer unbedingt erforderlich.— Köpenick: Heim Dahl- witzer Str. 15. Bortrag:»Das neue Rußland".— Vaumschnleaweg: He.m Ernstftr. 18. Vortrag:»Erste Hilfe bei Unglücksfällen".— Johannisthal: Ratskeller, Fahrtenbesprechung.— Riederschöneweid«: Heim Berliner Str. 31. Ratskeller, Fahmnbesprechung.— Nwderschoneweld«: Große Fahrtcnstimmung. Instrumente mitbringen.- straße 3. Vortrag:»Da» Betriebsrätegesetz".— V»rl aße 5. Vortrag:»Hrrmann Löns". Treptow: Heim Elsen. Vorsigwaldc: Schule Konrad- Voriräge, Vereine undVersammtungen. Reichsbanner �Schwarz Rok-Gold". Geschäktsstelle: Berlin S l4. Sebastianstr. 37/88. Hol 2 Tr. Freitag, 17. Mai. Friebrichohaia. Kam.„Mcmel". Bcstchtigung de» Osramhause». Angehörige länncn mitkommen. Treffpunkt 18zh Uhr bei Engel, Memeler Etr, 18. Sharlottenburg. Nachrichten, ug. 20 Uhr im Jugendheim Eprestr. 30. Lichtenberg. Kam.„Boxhagen". Bei Fritz Jung, Oderstraße. Kam. Traveplatz. Bei Seip»ke. Scharnwcberstraße. 20 Uhr im Jugendheim Sprcestr. 30. Lichtenberg. Kam.„Boxhagen". Bei Pflug, Leopoldstraße. Kam. Friedrichsseide. Bei Schwarz, Eapriviallee 104. Kam. Kaulsdorf. Bei Hübncr, Bahnhofstr. 18. Kam. Karlshorst. Bei Rommel, Treskowallee. Kam. Biesdorf. Bei Porath, Marzahner Str. 81. Kam, Mahls» darf. Bei Anders, Bahnhofstr. 35—37. Anfang 20 Uhr.— Sonnabend. 18. Mai. R«ulSll»»Britz. Der Kamerad Otto Glaß. von der 1. Kam,, ist verstorben. Die Bestattung findet am Sonnabend, 18 Uhr. im Krematorium Baumschulenwcg statt. Ptlichtteilnahme. Tempelhof. Jungbanner. Antreten zur Pfingstfahrt nach Rheinsberg um 18 Uhr an der griedrich-Karl-Etraß« Ecke Berliner Straße in Tempelhof. Pankow. Sportler und Iungkameraden. Training auf dem Andreasplatz ab 18 Uhr. Um 20 Uhr Bollversammlung im Jugendheim.> Friedeich, hat». Km»..Petersburg",»efichtigun« de« Osramhause», Tvoksit Punkt 1894 Uhr vor dem Osramhau», Bekonnte können mitkommen,—i Wilmersdorf. Jungbanner. Iugendabcnd im Jugendheim Wilhelmsauc 123, Zimmer 7, um 20 Uhr.— Mariue-Abtrilung. Freitag, 17. Mai, Rudern und Schwimmen 20 Uhr im Bootshaus. Orchester. Wellerbericht der öffenllicheu Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. sNachdr. Verb.) Wieder Uebergang zu wolligem bis Heilerin Wetter. Temperaturen allgemein etwas niedriger. Nördliche Winde.— Aste Deutschland: Im Nordosten noch Regen, sonst wolliges bis heiteres, aber ziemlich kühles Wetter. Peter, Ullion-Erfolge. Die diesjährigen Rennen und Zuverläfstgieitsfahrten haben wiederum den Peter, Union-Reifen ein ausgezeichnetes Zeugnis über Qualität und Höchstleistung im Gebrauch erbracht. Di« beiden größten Prü- fungsfahrten de» Jahres, die Winterfahrt nach Garmisch-Partenkirchen und di» Zielfahrt nach Wiesbaden hatten beide als Sieger den Prinzen zu Leiningen, der wie immer Peters Union-Reifen fuhr und durch Schnee und Ei», über die Pässe der Pyrenäen ohne Schneeketten und ohne jede Panne Tausend« von Kilometern in strapaziösester Fahrt bezwang. seit 75 Johren Zum Pfingstfeste ein Hefter-Braten 1 3n alten Stefler-SiUalen In bekannter SpHssen-QualHU Hefter* I» MaHkelb-Niereabralen Hefter* I» riastkalb-Bnutronlade Heften la LammtleUch feiiuier Stallmaat Heften la Ochacnflelicb feinster Stallmast alles nach Wunsch aufs sauberste gerollt, gespickt, küchenfertig hergerichtet £fd,eb»..|t.t.x«l,ilU»lest, Pfd. 98pf Pq. Schweinebanch obos Keiisg«, Pfand 1.04 Pa. Zcbmeittellbglts.'dlall....... pemd 1,06 Pa. Scbweiaesdtinbea........... p-.od 1.16 Pa. Eisbein mit Spitzbein g«p6k«it,pid. 5!pi. Pa. HiickBBle(tbr»tf»rt.,».sohwiri�pfd, 80pl Pa. SePPISflSilA.........Pfand von 74pt ev Pa. kSb'i iM.................... Plnnd 98pi. Paicbmoriieiich Kenia o-Knodben, Pfd. 1,20 Pa,8on!adB...................... pinnd 1,40 Pa. ScbabeOeiacb...........«...ptnnd 1,26 Pa. Packepeiersewtn«....»...... pmnd 1,20 Pa. GUiOlCh gsmlseht............. Ptnnd 98pf. Pa. KalbssGluitzel............. Pinna 2.10 Pa. EalbsrsBiaie........ Pfand 1,44 Pb. RiodentmOe wi« sahi-va.. piund 1,06 cSesvlevfleffch Pa. SckmeMald ohne Kv»ab«n. Pfund 1.14 Pa. klliaörb ohne Knoedev...... Pfand 88pk. Pa. Sappeafleistb........ Pfand von 66p(« Pb. HammelDelzcli....... ptud von 90pi.«n PätPJnderlraOeB.......... �...p.und 30pi, Pa. Rinderbenen............... piundSOpi. Pa. Güter......................... Pinna 16pf. Pa. ScbweiaekOpte»« B«ek».... ptnnd 46?, Pa. Rimterbaekei ohn« Knoehen, Plsud 48 PI Pa. SiDderiebar tri»ot>........... pinni 1,28 Geflügel Wolsahühner gefroren, Pfdrlm Puten gefroren........... Pfand vonlan EntClt gefroren........... Pfand vnnlnn Hunsc Gänse..... Pfand von 2 Maispuder...... Pfund ZOPI. Eierschniltnudelnpkd.40pi.-itteUeln............... 1,20 DejnpC|niJfien' i'jq Kokosraspel... Pinna 54pf. Eierfadennudeln Pia. 42Pk. Leipz. Allerlei........ 95pf. Erc|beeren...... 1*50 Sultaninen.. Pfnnd36,42pf. Badeobst........ Pinna 48?!. Sellerie in schoben..... 1,05 p|iautTien Rosinen.......... piund 42?». Pflaumen.Pfand 32, 38?!. A'',0— Korinthen....... Pfand 62pl Ringäpfel...... Pinna 90Pf. ApfelmUS.............. 78Pf. mltStein. Ananas Dom, 8 Scheiben, 1,15 1,0.. 60pt 75Pf. 60pf. 60pf. 60pt 65pf. SOpi. 40p(. Kaffee |35 Neuseeland- Monis (N«Uo Inhalt 480(j Olzs 1,10 Pfand Ton ErdnUSSÖl............... nasch,«0 g Inhalt 7 5: 'Pf. Vttttev und Ädfc tvuesiwaven Margarine..... piand52pi. Edamer o.HolI.k4iw,(rit65pf. Sülzwurst........ Pfund 95pl Speck mager...... Pfand 1,35 Kokosfett i-Pfnnd-T*fti 62pk. TilsilerKäse deidk» Pill. 68pf. Dampf wurst.... Pfand S8pk. hlildeshelmer... Pfand 1,40 Rohschmalz....Pfand 75pk. Edamer«.Holl. Pi�dSSpt Hausm.-Leberw. m 1,00 MetlwurslveiMeb..«rtPM.1.40 Tafelbutter...... piund 1,84 Sleinbusdiervoui�pid. 95pf. SpeckwurslscUcsuijnr.Ptd, 1 ,00 ff. Leberwurst... Pfand 1,60 Dän. Tafeibuller Pia. 1,96 TilsilerKäsevouirtt, Pfd. 1,15 Grob. Metlwurst Pia. 1,05 SchinKenwurst.Pfand 1,65 Allg. Romatour sTjf�Opi. Allg. Buüerkäse� 1,05 �ck....... Pfand 1 05 Teewurst..... Pf.nd1,80 Knoblauchwurstpfand 1,20 Schinkenspeck Pfand 1.85 Schinkenpoln...Pfund 1,30 Mausschinken.Pinna 2,00 ZwBlfrucht-Marmcladen l|)<«l-Erdht,r— Apfol-Kimbeer— Apfel-Kirsch— 1 Jobtaslsbesr— Aplel-Mlsnme,. .Kimer netto l 88» Portugiesische Oeisardinen Port.-Dosen Ä C'l* Clubds. Q C ll4 Deckeldose, ohne Q C 4 Dosen SF�Pf. 2 Dosen OOPf. Cfriten....... DoseO JPf. Porlusleslsche Oeisardinen In Tomaten, Do,« 3SPf. Srat-u.Blsmarckherinse,Rotlmopsl... CA Kronsardinen, Herins 0,1«........ J Do,e uOpi. 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Olmch'Komm.) beantragt« zur Seschaftsordnung, einen konrnrunistischen Antrag bei der dritten Lesung des Iustizhaushalts »nit aus die Tagesordnung zu setzen, der sich gegen die Anwendung des Schnellverfahrens in der Justiz bei Atmrteihmgen wegen der Maiunruhen richtet und Einwirkung aus das Reich in diesem Sinn« verlangt. Dem.hauptausschußanirag entsprechend, wird das Gesetz über d«? Staubecken von Ottmachau ohne Debatte in zweiter und dritter Lesung angenommen. .hierauf lehnt der Landtag den Einspruch der von der Montagsitzung ausgeschlossenen zwölf kommunistischen Ab- geordneten gegen die Stimmen der Kommunisten und National- sozialisten ab. Der Einspruch liegt dem Hause nicht gedruckt vor, weil er Aussichrungen enthält, die gegen die parlamentarische Ordnung verstoßen. Er war deshalb vom Präsidenten beanstandet. Die Vorlag« über Aenderung der kommunalen Grenzen der Stadt Görlitz geht an den Gemeindeausschuß. Der Eni- wurf zur Schaffung eines weiteren Disgiplinarsenats bei dem Ober- verwoltungsgericht' wird dem Recht sausschuß überwiesen. Nunmehr tritt das Haus in die drille Lesung de« Gesamthaushalts Nach der am Domnrsi flg abgeschlossenen Generaldebatte folgt Haushalt«.. Sie beginnt mit dein «in. die Einzelbesprechimg der Domänenetat, hierbei polemisiert Abg. Druhn(Komm.) sehr scharf gegen die Sozialdmeotraten. Als er in diesem Zusammeichong wiederholt von„Arbeitermördern' spricht, wird er vom Präsidenten zweimal zur Ordnung gerufen. Bei der Besprechung des Landwirtschnftsetats nimmt das Wort Landwirtfchostsminister Dr. Stelger, der betont, daß die landwirtschaftliche Verschuldung in den letzten Monaten wieder zw genommen Hot Es sei deshalb mit einer zusätzlichen Kreditbelastung Regierung si" _____ W.____________...... kalten köi ster geht aus die U ms chuldu ng sa k t Landesteilen«in. Die kommunistische 53 rundbesitz bevorzugt worden ist, fei uirrick rechnen. Die Umlschuldungsmaßnahmne der Regierung sollen Verschutdung der Betrieb« bereinigen, die sich hallen köi Der Mrmster<' die einzelnen könnten. i o n e n in den Z�ehauptung, daß �., ichtig. Insgesamt Jahres über 55 Million«» Es steh« fest, daß der Abg. ProduMcms streik in der Landwirtsiliasl aufgefordert hat, obwohl die Handelsbilanz zwingend erzeuaung fördert. M__«ine Mehrerzeugung fördert. Dos fei die Folg« davon, wenn man Wirtschaft- »che Fragen aus das politische Gleis schiebt. In Ostpreußen soll die Landwirtschost sogar den Käuferstreik beschließen und man drohe, „ortspreckiende Bchondlung" wollen,(hört! hört! links denjenigen an, die sich nicht und in der Mitte.) Dabei rt fugen sei alles (Beifall bei den Re- Erdenkliche für Ostpreußen getan worden. gierungsparteien.) Finanzminister Dr. Höpker-Aschoss setzt sich mit den kritischen Lusfichrnngen auseinander, die in der Generaldebatte über die Repräsentationsausgaben gemacht worden sind. Es sei richtig, daß die Aufwandsentschädigungen für Minister in Preußen Höher seien als im Reich, aber den Reichsministern ständen neben ihrer, ordent- M''' ouß*r- für den ____|___________________________________ 50 000 M., und für die übrigen Neichsininister zusammen SO 000 Mark. Es � sei ebnefalls als im für Preußen Ueber die Minifterge hälter in Preußen scheue er nicht die öffentliche Aussprach«. In der Borkriegszeit bekamen die Staats- � Auftvandsent- Minister- Der Gesamt- betrag der Ministerbezüge liege heut« erheblich unter diesen, Summen. Di« Minister seien in Preußen die einzigsten Beamten, deren Bezüge nicht nur unter dem Realwert, sondern auch unter dsm Nominal- wert der Friedensbezüge geblieben sind. Demgegenüber sei die Arbeits- und Aufwandslast der Minister gegen früher gewaltig ge- stiegen. In der Oeffentlichkeit werde weniger über die Minister- beziige, als vielmehr über die hohen Pensionen für frühere Minister geklagt. Solche Vorwürfe könnten sich niemals gegen Preußen richten. Diejenigen preußischen Minister.' die früher Beamte waren, bekommen noch einer gewissen Uebergangszeit«in Wärtegeld nach der Einzekgrupp« SS, wer nicht Beamter war, bekommt nach einer Uebergangszeit«in Warte geld nur dann, wenn er vier Jahre im Amt war und das SO. Lebensjahr hinter sich hat. Aber auch dann beträgt das wärtegeld nur ZS proz. de» Miatftergehalts. Im Reich« haben die ehemaligen Minister erheblich höhere Bezüge. Di« Regelung der preußischen Minsiterpensionen sei also nicbt angreifbar: es fei nur zu bedauern, daß die preußische Staats- regierung sich seit vier Jahren beim Reiche vergeblich um ein Ministerpensionsaesetz bemühe. Nach kurzen Ausführimgen der Abgg. Goldau(Dnat) und von D eilen(Wp.) wird die Aussprach« über den Londwi rtschaftSetat geschlossen. Der Etat des Ministeriums für Handel und Gewerbe passiert hierauf ohne Aussprache. Di« Haushalle der Staatlichen Lergverwaltung und des Justizministerium» werden nach kurzer Debatte ebnfalls erledigt. Die Beratung der Einzelhaushalte wird hier unterbrochen, um die auf 2 Uhr angesetzten Abstimmungen über die Alihtraueasanlräge vorzunehmen. Abgelehnt werden zunächst die kommunistischen Antrüge auf Aufhebung des Verbotes der„Roten Fahne' und de» Noten Frontkämpferbundes, die Anträge auf Aufhebung des Demon- strationsoerbotes und aus Amtsenthebung des Berliner Polizei» Präsidenten und Entlassung der bei den Maiunruhen«ingesetzten Polizieossiziere und Mannschaften. Dafür stimmten nur die Kom- munisten und Nationalsozialisten. Die von den Kommunisten eingebrachten ZNißtrouensankräg« gegen den Innenminister Grzesinoki und den Ministerpräsidenten Braun werden in namentlicher Abstimmung mit 210 Stimmen der Regierungsparteien gegen 46 Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt. Die Deutsche Volkspartei übte Stimm» «nthcltuny, während Deutschnationole und Wirtschoftspartei sich an der Abstimmung übel Haupt nicht beteiligten. Damit ist auch der Etat des Innenministeriums in Z. Lesung beendigt. C« folgt der Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, der ebenso wie die Etats de« Ministerium» für Volkswohlfahrt, der Lotterieverwaltung, der Staatsbank, der Münz» Verwaltung, des Finanzministeriums, der Oberrechnungskammer, der Staatsschuld und der Allgemeinen Finanzverwaltung ohne we» sentliche Debatte erledigt wird. Dann folgen die Abstimmungen. Die Koalitionsparteien haben etwa 210 Abgeordnete, die Oppositionsparteien etwa 170 Ab» geordnete anwesend. Die einzelnen Posttionen de» Etats werden daher durchweg nach den Anträgen der Reglerungsparteien de- schloffen. So werden beim Etat des Kultusministeriums die beiden in der zweiten Lesung gestrichenen neuen Ministerial- ratsstellen(für Kestenberg und Seelig) wieder hergestellt. Die beantragten Ost- und Westausschüsse werden abgelehnt, dafür noch dem Antrag der Regierungsparteien ein gemeinsamer Grenz- ausschuß eingesetzt. Diesem werden auch die Grenzsonderantröze überwiesen. Angenommen wird ein Antrag der Regierungsparteien, den Finanzminister zu ermächtigen, 10 Millionen für Grenzhilfe bereitzustellen, und ihn dazu zu verpflichten, für den Fall, daß das Reich entsprechend« Summen zur Verfügung stellt. In der C ch l u ß a b st i m m u n g wird der Eial mit 210 gegen 28 Stimmen bei 3 Skimmenthaltungen angenommen. Deutsch- nationale, Kommunisten und Wirtschastspartei haben wieder ein- mal Obstruktion getrieben und koine Karten abgegeben, ebenso der größere Teil der Volkspartei. Ein« Anzahl Volksparteiker und die christlich-nationalen Bauern(Deutsche Fraktion) stimmen gegen den Etat. Das Haus ist beschlußfähig gewesen und der Etat in dritter Lesung angenommen.(Lebhafter Beifall bei den Regierung»- Parteien.) Hierauf wird in zweiter und dritter Lesung das M e l i o- rationsgefetz und ebenfalls in zweiter und dritter Lesung der Staatsoertrag über die Hafengemeinschaft zwischen Hamburg und Preußen angenommen. Gegen 8 Uhr vortagt sich das Haus auf den 25. Juni. Reichsrai und Reichsanleihe. Der Reichs rat beschloß am Donnerstag, gegen den vom Reichstag angenommenen Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Besserung der Kassenlage des Reiches keinen Einspruch zu erheben. Genehmigt wurde serner der Vorschlag des Reichsarbeitsministers, außer den bisher bewilligten 110 000 ausländischen Landarbeitern noch weitere 40v0 Landarbeiter zuzulassen. Gleichfalls angenommen wurde der Gesetzentwurf zu dem Abkommen über die Gründung eines Welthilfsver. b a n d e s, der bei großen Katastrophen in Aktion treten soll. Auf Deutschland entfällt zunächst ein einmaliger Beitrog von 55 300 Reichsmark. 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Norden 1141 tu 281 Täglich H Uhr Drelgrosdien- Oper ___ wen, »Lnrar. such«) Oeotsdiü Hitatir D.I. Norden 12310 1 8 Uhr, Ende nach 10| inst« iDRaimnon 1 1 Paulus unter| den Juden Sonntag, d. 19. Mai! 8 Uhr Neaenstndlenuig Die eetangene Schauspiel von Edouard Boutdel Regie; Max Reinhardt Die KomSdie! IBismck. 2414/7516 H'k, Ende geg.lO',1» Ut Ser Kana, der seinea j Hases änderte 3 Akte von Edgar Wallace Regle: Heinx Hilpert| Kammersplele ü. t Norden 12310 S'/i U, Ende nach 10 fintgang nur rar Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Bm TUM Täglich SHi Uhr SsßMntrGifien? nadi Anrankanisdia von Frank Green. Musikalische liiust Fr. Holländer. Regie; Fr.Filsfintaon- Frsderio. GENOSSENSCHAFT BERIIN u UMGEGEND E.G M.B.H. ■Konsum�H Fielschwaren: Schweinefleisch II Frisches Rindfleisch aas eigener Schlachtung aus eigener Schlachtung Kotelett...... Kamm und Schuft. Schinken im Ganzen.. Schulterblatt im Ganz. Bauch....... m 1.05 RQckenfett..... pfd.0.95 Rouladen...... Schmorfleisch a x-. Roastbeef mit Knochen Schabefleisch... Behacktes..... Suppenfleisch Ctefrierfleisch Pfd. 1.70 ptd. 1.55 Pfd. 1.22 pfd.1.13 • t pid. 1.45 Pfd. 1.30 Pfd. 1.15 Pfd. 1.40 Pfd. 0.75 Pfd. 0.70 Rouladen...... Schmorfleisch<>. Kn. Pfd. 1.1 5 Roastbeef mit Knodien Pfd. 0.85 pfd.0.95 Suppenfleisch... pfd.0.55 ff. Wurstwaren und Aufschnitt Teewurst...... Pfd. 2.20 SchIac]i-.SalamivnrstI pfd.2.60 w„„II Pfd. 1.92 Schinkenspeck... Pfd. 2.00 Rollschinken.. Lachsschinken. Schweinebraten Romerbraten.. Pfd. 2.40 pfd. 3.60 Pfd. 2.60 Pfd. 2.00 Die Abgabe der Waren erfolgt in der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend nur an Mitglieder. Die Mitglicdschafl kann von jedermann erworben werden. Allen lieben Freunden und Bekannten die traurige Nachricht das mein lieber, guter Sohn Walter Jensch nach längerer Krankheit im AJver von 28 Jahren plötzlich verstorben ist War. Helene Jeiudi. Elte Le$, ab Braut. VaMemarstraBe 15. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 18. Mai, 2 Uhr nachmittags, auf dem Tbomaskirchhof, Hermannstraße, statt* •V"u. V-V- V" Todesanzeige Am 14. Mal verstarb nach langem schweren Leiden unser Kollege, der bisherige Angestellte der Bezirksverwaltung Otto Glass in dem Dahingeschiedenen amPW. legen, allzeit in treuer Pflichterfüllung der Arbeiter- Wir betrauern in dem Dahinge aufrichtigen und lieben Kolleg der klasse und seiner Organisation gedient hat Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert Die Angestellten des Deutschen Verkehrsbundes Btali luvet waltnn« Grofc-BerUa Einäscherung am Sonnabend, dem 18. Mai, 16 Uhr, Im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten.« AnfnahmcgcbGhr 50 Pfennig Mitglieder- Aufnahmen werden in sämtlichen 280 Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft vollzogen. sv. uhr CASIlifl-TflEATER v-v Lothringer Sirage S7. van l and ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. Sonstige Preise• Parkett a. 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Obwohl der Seritordene erst furze 1 Zeit in unserem Betriebe beschäslial wacerireute erstch allgemeinerAchtung und Werrschähunz, so daß wir seiner stete ehrend gedenfen werden Berlin, den 16. Mai 1929. easchlRsieliufu ettd Persona! nor wrwdrta- auciidruciiem Die(kinHichenina findet am Sonn- abend, dem 18. MaL 141, Uhr, im i Rtcmaiotium Serichtstrabe ftott mmm Verband der ßnchbinder und Papierverarbeitcr Orievervaltaag Der IIb. Todesanzeigen. Deu Mftgiiedrrn zur Nachricht, dasj unsere Kollegin Hildegard Knnzendorf verstorben ist. Sie Beerdigung findet am Freitag. dem 17. Mai, mittags V,>2 uht, our dem Friedhos in Baumschulenweg statt Unser Rollege, der Buchbinder Paul Elffenbein ist durch einen Unfall oerfiorden. Sie Beerdigung findet am Sonn» abend, I8.Zi!af. Mittage 1 Uhe, aus dem Friedhos in Bamnschufenweg ftaiL Ehre ihrem Au beul e»! Rege Beteiligung erwartet vi« Ortsoermulkuug. üzdi.lirkfluiill tif kundadaeflnlniiizi!� vrlsgruppe Berlin. Unseren Berbandemitgliederu zur Nachricht, dajj unser Kollege, der Penfioniir 4llgll8t ökttelldzvZkk IM Aller von 65 Jahren au Lungen» entziindung verstorben ist. Ehre seine««ndeukeal Sie Beerdigung findet am Freitag, dem 17. Mai, 15 Uhr. auf dem Friedhof in EiahnSdors ftott Rege Beteiligung wünscht _ Cie OclooecmalfBaa. Teiliabimig ~ 2 Nark. «öcnenaieo hei kleluer An«. Ele gante (ertigo Herren- Garderobe zu boukurrenzlos billigen Freisen srhalten Sie nur in der ' Mafirschneiderei f. Kanbsrg Qranienstraße 160,1. Ziut 'Baumbl&le nach WezFcZer iiwmminiiiiilUiainmimiinnminniiiraiinimntiinmiKiraiimiiiiiinimninimiuiiiiaiimiiliiiiininnniiimumrraiiiiinimiiiiriiiiiniiiiiiiiinimiiiiiiinimiimuli Extro-Züge von Berlin(Polsdnmer Bahnhof)-Exlra-Dampfer