BERLIN Zrettag 17. Mai 1929 10 Pf. Nr. 227 B113 46. Jahrgang. er fchetvt tätlich Zugleich Abendausgabe de« ,V»r«Srtt�. Bezugspreis beide Ausgabm SS Pf. pro Woche, S,«0M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW es.Lindenstr.S jfVyfu>a�6 AnzeigenprelCDie einfältige Nonparekllezeil« so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. STSZS. Fernsprecher: Dtnhoff 292 bis 297 Schwere Heim „Gras Zeppelin" kämpft gegen den Wind.- Erst nachts erwartet. Paris. 17. Mal. Wie„Havas" von dem Flugplatz Marigaaue bei Marseille erfährt, hatte das Zeppelin-Luftschiff um siebe« Uhr früh heute bis Le s Saintes Maries de l a M e r die französische ftüste erreicht, es hatte mit einem ftarleu Gegenwind zu kämpfen und flog das Nhouetal aufwärts. Um S,4S Uhr überflog das Luft» schiff mit einer geringen Geschwindigkeit«nd in niedriger Höhe die Stadt Nimes. Das Luftschiff ist in der Um» gebuug von Nimes um neun Uhr während 20 Minuten in seiner Fahrt durch einen starke« Gegenwind von acht Sekundenmeter« aufgehalten worden und zwar in der Gegend von Bellegarde, 20 Kilometer von Nimes entfernt Aus New York wird gedrahtet: In einem an die ..Associated Preß" gerichteten Funkspruch des Zeppelin- Passagiers von Kryha heißt es, daß infolge starken Gegenwinde» und Ausfallens dreier Motoren, das Luftschiff nur mit geringer Ge» schwlndigkeit fahr«. Man hofse, gegen Mittag in Marseille zu sein und Friedrichshajen nachts zu erreichen. An Bord fei alles inOrdnung. Nach Meldungen aus Friedrichshafen, hat das Luftschiff rim 8 U h r die französische Küste bei der Rhonemündung passiert. Es weht ein harter Mistral(Nordwind). Die Fahrt- geschwindigkeit beträgt etwa 30 Kilometer. Nach den letzten Meldungen befindet sich das Luftschiff„Graf Zeppelin" nach wie vor an der Küste des Golfs von Lyon und kommt anscheinend nicht vorwärts. Ob an Bord Re- paraturen ausgeführt werden, oder ob das Schiff vergebsich gegen den Wind ankämpft, läßt sich nicht feststellen. Widrige Winde behindern die Fahrt. Nach der augenblicklichen Wetterlage in Frankreich und Süd- dcutschlaird ist kaum anzunehmen, daß der„Graf Zeppelin" im Laufe des heutigen Tages wesentlich schnellere Fahrt machen wird. Noch Auskunst der Flugwetterwarte Berlin-Tempelhof ist an und für sich das Wetter auf der ganzen Rückstrecke Verhältnis- mäßig gut, aber es herrscht vom Mittelmeer bis zum Rhein aus Nordost kommender Gegenwind in der Stärke von 20 bis 30 Kilo- kneter in der Stund«. Infolgedessen dürfte das Luftschiff bis zum Bodenjee weiterhin mit den widrigen Wind verhält- n i j s e n zu kämpfen. haben. In Friedrichshafen selbst regnet es augenblicklich und die Wolken hängen über dem Boden- seegebiet bis auf 300 Meter herab. Danach dürfte es zweifelhaft fein, ob das Luftschiff den Heimathafen noch vor Anbruch der Dunkel- heit erreichen wird. Man muß sich schon jetzt darauf gefaßt machen. daß die Landung möglicherweise erst am morgigen Sonn- abend früh vonstatten geht. Zeppelin im Zickzackkurs über NimeS. „Havas" meldet aus Nimes 10,20 Uhr, daß sich das Luftschiff„Graf Zeppelin" nordöstlich von der Stadt befand. Es steuerte das Rhonetal aufwärts und fuhr mit geriuger Geschwindigkeit im Zickzack» kurs. Die Windstärke beträgt 40 Kilometer in der Stunde.�„Graf Zeppelin" ist s e i t IX S t u n d e n in der Gegend von Nimes fichtbar. Um 10.20 Uhr wird aus Nimes berichtet: Das Luft- schiff steuerte weiter das Rhonetal entlang, nimmt aber etwas mehr Kurs nach Norden. Gs verschwindet am Horizont. Gegen den Wind sucht es durch Zickzack- kurs anzukommen. Auslösung in Braunschweig abgelehnt. Oie Zahl der LandtagSmandate verringert. Braunschweig. 17. Mal. Im Sandtag wurde der Antrag der Gemeinschaft der Mitte auf Auflösung des Landtages und Anberaunzung von-Reu- wählen mit 2i gegen 24 Stimmen abgelehnt. Der Wißtrauensantrog der Rechten wurde mit 24 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Tci der letzteren Abstimmung hat sich die Gemeinschaft der Mitte(Demokraten und Wirtschastsparteiler) der Stimme entholten. Der Landtag beschloß ferner, die Zahl'der Abgeordneten für die nächst« Legislaturperiode von 48 aus 40 ju verringern, ftrauerfeier für Mol f Straun Auf dem Friedhof in Sriedriciisfelde nur de gestern Adolf äSraun an der Seite ton Auer, Xiebknecht, Stichard bischer und anderen sozialistischen Torkämpfern zur letzten Stühe gehettel. Unser Stild zeigt den Trauerahl vor der Friedhof shatle: Otto Wels am Sarge hält die Trauerrede; links(unter dem(Banner) der fast 80 fährige Eduard(Bern stein, rechts(sitzend an der Säule) Srilz Adler. Konkordat vor dem Abschluß. Verabschiedung durch den Landtag erst im Herbst. Da« preußische Kabinett wird nach einer Meldung des Sozialdemokratischen Pressedlenstes den zwischen Vertretern der preußischen Regierung und Vertretern de» Vatikans vereiabarlen Entwurf für da» Konkordat verabschieden. Der Entwurf hat inzwischen dem Papst zur Kenntnisnahme vorgelegen und Ist auf dessen Mansch in llebereinstimmung mit der preußischen Staals- regierung in einzelnen Punkten geändert worden. Die Schule ist in den Vertragsentwurf nicht einbezogen. Der Verabschiedung des Konkordats durch da» Kabinett dürfte unmittelbar daraus dessen Parophicrung durch den preußischen Ministerpräsidenten und den Nuntius pacelli erfolgen. Die Vorlage wird dann zunnächft dem Staatsrot und später dem tandlag zugehen, der sich voraussichtlich erst nach den Sommerferien damit beschäftigen wird. Unter Parophierung eines Vertrags versteht man in der Diplo- matensproch« die vortäusige Unterzeichnung eines Staatsoertrags durch die Unterhändler. Die Parophierung verleiht dem Vertrag noch keine Gültigkeit, sondern gibt nur die Einigung der Unterhänd- ler kund. In Kraft tritt ein Staatsoertrags erst durch feine Rott- f i z i e r u n g, der die Zustimmung der Träger der Staatsfouveräni- tät vorangegangen sein muß, in Preußen also die Zustimmung des Landtags. Das Konkordat muß also dem Landtag, nachdem es vorher noch den Staatsrot passiert Hot, als Vorlag« zugeleitet werden. Das unsinnig« Gerede der Kommunisten, als ob der Landtag aus- geschaltet oder gezwungen wäre, einem ihm im Wartlaut un- bekannten Vertrag seine Zustimmung zu erteilen, ist gänzlich un- begründet. Dem Landtag steht es frei, die Vorlage anzunehmen oder abzulehnen, er kann auch Aenderungen verlangen. Letzteres würde freilich bedeuten, daß mit der Gegenseite von neuem verhandelt werden muß. Die soziolldemokratisch« Landtagsfrattion hat bekannUich be- schlössen, jedem Konkordat die Zustimmung zu verweigern, da» in die S ch u l f r a g e irgendwie eingreift, im übrigen ihre Stellung» nähme von dem Inhalt des Konkordats abhängig zu machen. Wie aus der obenstehenden Meidung, die sich mit unserer eigenen Information deckt, hervorgeht, wird die Schulsrage durch den jetzt im Kabinett liegenden Vertragsentwurf nicht berührt, olle gegenteiligen Behauptungen halb- und ganzkommunistischer Sensationsblätter sind unwahr. Der tatsächlich« Inhalt des Vertrags, der so gut wie ausschließlich innere Organisationsangelegenheiten der katholischen Kirche enthält, dürfte keineswegs zu besonderen Sensationen Anlaß geben. Für die Arbeiterschaft von wirklicher Bedeutung ist allein die prinzipielle Frage des Vertrags- fchlusies, die unter Würdigung aller politischen Auswirkungen auf die preußisch« Politik behandelt werden muß. Arbeiterwahlsieg in llngarn. Trotz Schandwahlrecht Sozialdemokratie voran. Budapest, 17. Mai. Das Ergebnis der Wahlen in die autonome Berwal» tung der Landesversicherungsanstalt, die in mehrere« Kurien(Wählerklassen) vorgenommen wurden, ergab bei insgesamt 10» 427 Stimmen für de»„Nationalen Block" 118 Mandate, für die Sozialdemokraten 140 Mandate und für Dissidenten aus der Sozial- demokratischen Partei, die sogenannte Hakspacher- Gruppe, 5 Mandate. Massenflug aus der KPTsch. Der Parteigründer fliegt voran. Slatmo. 17. Mai. v«r Abg. Muna. Gründer der KPTsch., die Senatoren Kugera und Pruza, ferner das Mitglied der kommunistischen Landesparteileitung Jirava und ein früherer Redakteur der „Eooboda" sowie deren Administrator sind aus der Kommunistischen Partei wegen oppositioneller Haltung ausgeschlossen worden. Keine Autonomisten. Vom Seneralrat nicht einmal befürwortet. pari». 17. Mai. Der Seneralrat de» Departements vberelsah hat mit 17 gegen ti Stimmen bei einer Enthaltung einen Antrag der outonomistischen Senerolrotsmitglieder auf Amnestie der im Colmarer Prozeß ver- urteilten Autonomisten abgelehnt. Ver Präfekt hatte vorher vergeblich gegen dee Erörterung dieser Entschließung Einspruch er> hoben, da st« politischen Charakter Hab«. Das Gistgas in der Klinik. 127 Todesopfer in Cleveland. Eleveland. 17. Mai. Stündlich erhöht fich die Zahl der Toten des G x P l»> sionsungliicks in der Klinik von Cleveland. Bisher wurde» 127 Personen al» tot gemeldet. Zwei weitere Personen liege» hoffnungslos danieder. Geheimnisvoll ist noch, auf welche Weise der Rönt- genfilm in Brand geraten ist. Spezialisten er» klären, daß diese Filme im allgemeinen gar nicht brenn». bar seien. Crs gewinnt die Auffassung mehr und mehr an Boden, daß die Katastrophe in dem Krankensaal durch daS Oeffnen der feuersichere.. Tür entstanden ist. Sechs verschiedene Untersuchungen sind ein- geleitet worden. Insgesamt sind mindestens 325 Personen durch die Explosion zu Schaden gekomme«. Bei vielen der gaSvergiftete« Personen wurde noch der Versuch gemacht, sie durch Blutübertragung zu retten, jedoch meist vergeblich. Die Aerzte befürch- ten, daß die 24 Gaskranken, die sich noch in den Kranken- Häuser« befinden, ebenfalls sterben werden, so daß die endgültige Zahl der Todesopfer auf 1 S 0 steige« dürfte. Oeuische Arbeiiersänger in Paris. Sine politisch interessante Konzertreise. ««it Iahren fahren Schauspieler. Musiker, regierende Diplo- maten aus Deutschland nach Paris. Nun schicken sich auch unser« rheinischen Arbeitersänger an, die Beziehungen zu Frankreich wieder aufzunehmen. Es gibt in Frankreich keinen Arbeit«r-Sängerbund Das Konzert, das der Volkschor„Freiheit" Düsseldorf und die„Freie Sängeroereinigung" Krefeld am Pfingstmontag, dem Lv. Mai, unter Leitung ihres Dirigenten Dr. Hans Paultg veranstalten(Verdi: Requiem und Beethoven: IX. Sinfonie), wird für die wenigen Arbeitersänger, die es in Paris und Frankreich(in den Hafenstädten) gibt, das Signal sein, sich ebenfalls zu einer Organisation zusammenzuschließen. „Radio-Paris" hat dem Dirigenten des Chores und dem an dem Konzert beteiligten Solisten-Quartett ermöglicht, durch Dortrag einzelner Arien und Duette au, dem„Requiem" von Verdi für das Konzert am Montag zu werben. Diese Uebertragung findet am Sonnabend, dem 18. Mat. um AW Uhr statt(Wellenlänge 1744). Unsere deutschen Sendegesellschaften sollen sich an dem Entgegen- kommen, das„Radio-Paris" deutschen Arbeiter sängern zeigt, ein Beispiel nehmen! Am Nachmittag des 18. Mai werden die 41)0 Arbeltersänger vom deutschen Botschafter v. Ho es ch in der deutschen Bot- schaft und am Abend im Pariser„Deutschen Klub" empfangen. Diese älteste und einzige, olle Partelen.umfassend« deutsche Bereinigung in Paris, der auch zahlreiche Oesterreiche? angehören, wird am Sonnabend ein großes Fest Mi Ehren der Sängerchöre veranstalten. Zahlreiche französische Künstler und Schauspieler haben sich dem Deutschen Klub zur Verfügung gestellt, um den Sängern«ine» an- genehmen Empfang zu bereiten. Es ist dies da- erste größer« deutsch- französische Geselligkeitefest. das nach dem Kriege in der franzö- fischen Hauptstadt organisiert wird. All den zahllosen französischen Künstlern, die an der Ausgestaltung dieses Festes teilnehmen, sind die beiden Chöre zu großem Dank oerpflichtet, ebenso den franzö- fischen Behörden, die dm Vereinen in jeder Weise entgegenkommen. Ein Empfang im Pariser Rathaus ist gleichfalls vorgesehen. Für die Mitglieder der Chöre wird dieser dreitägige Paris- Aufenthalt ein Ereignis für ihr ganzes Leben bedeuten. Jenes Paris, das man noch vor elf Iahren mit Kanonen beschoß, empfängt deutsche Arbeitersänger als Künder einer neuen Zukunft, in der für Kunst und Geist mehr Platz übrig fein soll als in der allen zer» schossenen Welt. Herrenpartie ins Gefängnis. Himmelfahrtserlebnis dreier Sachsen. Rinnburg(Nordböhmen), 17. Mai. Drei Bautzen«? Bürger sind an der Grenze als Spion« ver» haftet und in da» Kreisgericht Böhmisch-Lupa eingesperrt worden. Di« Vorgeschichte ist dies«: Die drei Bautzener Himmelfahrtz. ausflügler hatten in Rumburg mehrer« Soldaten madjarischer Nationalität ausgiebig mit Getränken bewirtet, offenbar durch die billigeren Preise in Böhmen dazu angeregt. Da die Ber- ständigung mit ihnen schwierig war, wurd««in deutschsprechender Svkdat gesucht und auch ausgegabelt, der den Dolmetscher machte, aber auch an dem Saufgelage rechtschaffen teilnahm. Die schon stark angeheiterte Gesellschaft setzte dann ihr« Bierreise nach Georgswolde fort, jedoch kamen dem Dolmetscher Bedenken, und er verständigte die Gendarmerie in Georgswalde, die die Sachsen vevhaftet«. Di« militärische Untersuchung gestaltete sich schwierig, da die Sol- daten derart betrunken waren, daß sie keine klaren Aus- sagen mehr machen können, auch der Anzeiger. Der von den Bautzenern des D leb sta hl» beschuldigte Soldat sitzt in Haft beim Garnisontommando in Rumburg, doch konnte die Höh« de» g«. ftohlenen Betrage» noch nicht festgestellt werden. Die Plädoyers im Prozeß Oujarbi« Letzte Zeugen.— Oer Staatsanwalt spricht. Jnsterburg, 17. Mai. lEigenbericht.) Im Prozeß Dujardin wurde heute die B e» Weisaufnahme Geschlossen. Die Vertreter der Staatsanwaltschaft nahmen das Wort. Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende kurz eine Rechts- belehrung. Rechtsanwalt Schön feld stellte daraus den Antrag, 1 nochmals die Beweisaufnahm« zu eröffnen und einen Zeugen j namens Grün zu hören, der in der Wohnung über Hoelz- n e r s wohnte, in der Nacht, als die Prügelei stattfand, die Worte Hoelzners gehört habe, die dieser seiner Frau zuries:„Einen hast du unterdie Erde gebracht, den Paul Hoelzner nicht." Der Vorsitzende ließ darauf den Zeugen Grün, der sich im Gericht befand, aufrufen. Cr erklärte, daß er in der bewußlen Nacht durch großen Lärm aufgewacht und die Worte gehört habe:„Los lasten." Nach einigen Minuten habe er Hoelzners Stimm« gehört, welcher rief:„Einen hast du unter die Erde gebracht, den Paul Hoelzner nicht." Hoelzner rief dann nach seinem Stiefsohn Heinz mit den Worten:„ijeinz, sieh bloß, was passiert ist." Daraus verließ er die Wohnung, setzte sich auf die Treppenstufen und stöhnte furchtbar. Dann rannte er aus dem Hause mit den Worten:„Jetzt gehe ich zur Polizei." Der Vorsitzende ließ daraus den Zeugen Hoelzner nochmals vorrufen. Vors.: Zeuge Hoelzner was sagen Sie zu dieser Aussage? Hoelzner: Das ist mir nicht«rinner- l i ch. Ich soll gesagt haben, daß meine Frau mich unter die Erde bringen wolle?(Lachen im Zuhörerraum.) Zeug« Grün: Ich habe jedes Wort mit absoluter Deutlichkell gehört und kann mich nicht irren. Hoelzner: Ich kann mich dieser Unterredung mit meiner Frau nicht entsinnen. R.-A. Schönseld: Eine Unterredung war diese furchtbare Szene wohl nicht. Darauf nahm Oberstaaisanwalt Eichwald das Wort zu seinem Plädoyer: Acht dramatisch«, bewegte Tage liegen hinter uns, in deren Berlaus die Szene oft zum Tribunal würbe. Der Prozeß hatte ein« besonder« Note, da es sich um«in Wieder- aufnahmeverfahren handelt. Das Urteil, das die Geschworenen zu fällen haben, bedeutet entweder«in« Ausrechterhaltung des ersten| Urteils anzuerkennen, oder ein anderes Urteil zu fällen. Ein Ranken- wert von Klatschgeschichten hat sich um den Prozeßstofs und besonders um Frau Iaquet gelegt, aber bei genauer Prüfung bleibt von dem Klatsch nicht viel übrig. Weim man das abrechnet. wird man den Berlaus der Tat klar durchschauen können. Darauf erhob sich Staatsanwalt Pries«. Er schilderte darauf im einzelnen nochmals den Einbruch und die Mordnacht. Bemerkenswert war, daß das Iaqetsch« Haus geschützt war, wie selten ein Bauern- haus. Trotzdem kam der E i n b r u ch a m 9. M a i dessen unerklär- liche Nutzlosigkeit sehr verständlich sei im Zusammenhang mit der Mordnacht vom 14. Mai. Daß außer Frau Hoelzner oder Dujardin noch ein« dritte Person in Frage kommen könne, habe sich nicht ergeben. Es ist jetzt auf den Bruder der Frau Hoelzner ein Serdacht ausgesprochen worden der ober nicht zutreffen dürste. Der Täler sah im Haus. Waren nun Dujardin und Frau Hoelzner zusammen die Täter, oder hat s i e a l l« i n den Mord begangen? Ich will einmal unterstellen. Frau Hoelzner sei die M ö r d e r i n. Ist sie es, dann war die Tat von langer Hand vorbereitet, dann hat st- im Arbeits- zimmer die künstliche Unordnung geschosfeiv die Wertsachen im Garten niedergelegt, die Schränke im Schlafzimmer durchwühlt und die Tür im Arbeitszimmer abgeschlossen. Noch diesen Vorbereitungen muß sie chren Mann getötet und sich selbst einen Schuß in die Hand beigebracht haben. Das war ein ruhig und kaltblütig vorbereiteter Mord. Dafür würde als Lerdachtsgrund sprechen, daß Frau Hoelzner nicht auf dem direkten Wege durch den Flur, sondern durch die Küche zu Dujardin geflohen ist Frau Iaquet hat ferner auf der Flucht nicht sofort, sondern erst in der Küche geschrien, freilich kann man auch annehmen, daß sie erst nach Sekunden die Sprache wiedergefunden hat. Verdächtig ist ferner die Abhebung der 30000 M. am Tage vor dem Mord«. Der Anklagevertreter war ferner der Meinung, daß Frau Hoelzner sich selbst den Schuß in die Hand nicht beigebracht haben könne, da man bei einer Frau, die eben erst ihren Mann getötet hat. eine soschnelleseelischeUmstellung nicht annehmen könne. Am stärksten gegen die Verübung der Tot spreche die Be» Nutzung des Dujardinschen Revolvers zum Mord. Wäre die Frau die Täterin, so hätte sie die Waffe nie hinter dem Ofen oerborgen, sondern mit einer Handbewegung aus dem Fen� er geworfen, weil sie sich genau sagte, daß dos Verbergen des Revol- vers hinter dem Ofen die Tat auf einen Hausbewohner lenken müßte. Recht in Italien. Gin politischer Kriminalsall.— Kaschistisches Arbeitsrecht. Docarno. 16. Mai. Rechtsbegriffe und Rechtsverfahren sind in Italien anders als in anderen Ländern. Da, mag an zwei Fällen gezeigt werden, von denen einer, die politische Krlmwalsuftiz. der andere das Gebiet des Arbellsrecht« betrifft. Zunächst der Kriminalfall: Am 22. August des vorigen Jahres wurde in G o e r z der Polizeikonfident K o g e y in seinem Bett ermordet. Der Mörder B r e g a n t entkommt über die Dächer. wird dann von einem faschistischen Milizmann gestellt, schießt diesen nieder und findet dann den Tod durch die Kugel eines Carabinier«. Da Dregant Sprengmaterial bei sich trug, wird dieses durch die Kugel entzündet, so daß sein Körper in gräßlicher Weise, zerrisien wird. Bor dem Sterben gibt er noch das Mstw seiner Tat: er hat Sogey getötet, weil er ihn haßt«. Die Sache scheint erledigt: der Spitzel hat seinen Beruf, der Mörder seine Rache, mit dem Tode bezahlt. Aber min fängt die Polizei an, von den Leichen ihr« Ernte einzubringen. Nicht umsonst ist man in G o e r z, wo es eine.Lrredenta" zu verfolgen gibt. Es ist freilich nicht lange her, als noch die Italiener selbst hier die Ber- folgten waren, aber das scheint ihr« Grausamkeil als Verfolger nur erhöht zu haben. Also große Kommunistenrazzia, denn der Getötet« hatte in dieser„Branche" gearbeitet. Man findet wieder einen Spitzel, einen gewissen M a r ch i ch, der«Ine Liste von Namen liefert und ein Waffendepot anzeigt. Ob die Polizei die Waffen dort vorher hat hinbringen lasten, läßt sich natürlich nicht seststellen. Jedenfalls kommen sechs Studenten und Arbeiter vor das Spezial- gericht unter der Anklage, die Kommunistische Partei in Goerz und Umgebung wieder ins Leben gerufen zu haben: vier von Ihnen auch wegen Delhilfezum Morde. All« sollten außerdem Mitglied der slawischen Orjuna sein, wofür der Beweis darin bestand, daß st« slawischer Abstammung und Gesinnung waren und daß Dregant, der den Spitzel getötet hatte, sich mit der Absicht trug, in Jugoslawien Sicherheit zu suchen. Als ob nicht jeder politische Verbrecher im Ausland Sicherheit sucht und findet! Beweise gegen die Angeklagten kommen n I ch t zu Tage— nichts, gar nichts. Polizeirapporte. Hauptbelastungszeug« der Mltange- klagte Marchich. ein geistig und körperlich zurückgebliebenes ver- kümmert«» Kerlchen. Don einer Mitschuld im juristischen Sinne kann nicht dl« Rede sein: der Präsident sucht nur zu beweisen, daß die als Mitschuldige angeklagten vier von der Abficht der Tat gewußt hätten. Hvalic gibt das zu.„Und ihr habt ihn nicht angezeigt?" fragt der Präsident, offenbar verblüfft, daß man sich ein« solche Gold- grub« entgehen läßt„Rein," antwortet der Tor. Die Derhandlung ergibt nichts, denn Marchich erscheint so offenbar minderwertig, daß man nicht annehmen kann, irgendein« kommunistische Gruppe wäre so töricht gewesen, ihn in Geheimnisie einzuweihen, wie die des Waffendepots. Dabei weih der Präsident des Spezialgerichts die ganze Zeit über nicht, ob er die Angeklagten des Kommunismus oder des kroatischen Rationalismus überführen soll. Da ihm weder das«in« noch das andere gelingt, hält er sie im Zweiselsfalle als der beiden Perbrechen überführt, etwa, wie das Produkt von zwei nega- tiven Zahlen eine positiv« ergibt. Das Urteil lautet für den Studenten Hoalie, den Kellner Longo und den Angeber Marchich auf je 30 Zahre Zuchthau». für den Studenten Krefcat, weil minderjährig, auf 27 Jahre Zuchthaus, für zwei andere Angeklagte auf 5 und 2% Jahre. Daß der Hauptangeber Marchich zu 30 Jahren verurteilt wurde, läßt darauf schließen, daß er zu viel über die Aufmachung des Prozesies wußte, um freigelassen zu werden. Und nun ein Fall aus dem Gebiet des Arbeitsrechts: Bekanntlich ist der italienische Arbeiter heute in bezug aus den Schutz irgendeine» au» dem Arbeitsverhältnis enllpringenden Rechts auf das Syndikat angewiesen. Geschieht ihm Unrecht, so kann er als Individuum iveder ein Grwerbegericht noch ein gewöhnliches Gericht anrufen: er ist praktisch nicht rechtssähig. wie etwa ein Minderjähriger oder ein Idiot. Sich selbst kann er auch nicht Recht schassen: er kann wohl als einzelner von der Arbeit wegbleiben, sobald aber mehr als drei sich zum Wegbleiben ver- abreden, sind sie strafbar. Mso muß sein Synditat für ihn vorgehen, das gewissermaßen seine Rechtsfähigkeit absorbiert hat. Sehen wir uns nun einen solchen am 11. d. M. in B r« s c i a entschiedenen Fall an. Ein Grundbesitzer mll Namen Borgo stellt weniger Arbeiter an, als nach dem örtlichen Tarifvertrag auf sein Land entfallen, und zwar begeht er diesen Vertragsbruch im Sommer 192 6. Im Ottober desselben Jahres verurteill ihn die faschistisch« Kontroll- konrmission zur Zahlung von 714 Lire rückständigen Lohnes, der nicht angestellten Arbeiter. Der Grundbesitzer ruft die faschistische Be- rusungsinstanz an: die stellt fest, daß er 16 statt 26 Arbeiter be- schäftigt hat und verurteill ihn, die rückständigen Löhne zu zahlen und die fehlenden 10 Arbeiter vom Tag« des Urteils an einzustellen. Der» Grundbesitzer denkt nicht daran. weshalb dieselbe faschistische Kommission, die schon einmal vom Grundbesitzer angerufen wurde und entschieden hat, nun noch einmal in derselben Sache(ne bis in idew! sagt der Jurist) entscheiden soll. Inzwischen sind es 2938.50 Lire geworden. Der Grundbesitzer zahlt wieder nicht, nun wird also der Stadtrichter angerufen, und zwar vom Provinzialamt der nationalen Konföderation der faschistischen Syndikate. Gleichzeitig verklagt der Grundbesitzer Borgo den Präsiden!«» der ersten Kontrollkommission, de? ihm die Zahl von 16 Arbeitern angegeben hätte. Inzwischen sind wir im Oktober 1928. Der Stadtrichter verurteilt den Borgo zum Zahlen des Lohnes und der G-richtskosten. Dann hat der Verurteilte noch an das Landesgericht appelliert/ das ihn am 11. Mai 1929 in Brescia a b g e w i« s en hat. Die faschistische Presse führt den Fall zur Verherrlichung der italienischen Gesetzgebung zum Schutz der Arbeiter an. Es ist zu dem lehrreichen Fall mancherlei zu bemerken. Erstens, daß wir ja da in einem faschistischen Tarifvertrag die verpSnle Klausel wiederfinden, die die Landarbeitergewerkschast eingeführt hatte und nach der in gewissen Gegenden die Grundbesitzer, um die Abwand«- rung vom Land« zu verhindern, von der Gewerkschaft gezwun- gen wurden, einer gegebenen Zahl von Arbeitern Beschäftigung zu geben. Diese Klausel ist als anttötonomifch, als den Rechten des Eigentums widersprechend, verhöhnt worden. Wie mancher Grund- besitzer hat die Schwarzhemden mit Waffen und Sold versehen, damit sie ihm gerade diese Verpslich!ung vom Leibe schaffen! Zweitens bedenke man den ungeheuren Zeitverlust dieses Instanzenzuges. Im Sommer 1929 bekommen die Arbeiter das Geld, das ihnen durch Vertragsbruch im Sommer 1926 entzogen wurde. Dazu haben drei faschistische Kommissionen und zwei richtige Gericht« getagt, geschrieben, Urteil verkündet usw. In gewerkschaft- lichem Regime würde die Gewerkschaft der B-rtretung der Grund- besitze? den Fall vorgelegt und mit einer Einstellung der Arbeit gedroht haben. Alle Grundbesitzer hätten sich an den Widerspenstigen geweichet, um ihn zur Vernunft zu bringen, in der Mehrzahl der Fälle mit Erfolg. Beharrte der Grundbesitzer aus seiner Auffaflung, so wäre über sein Gehöft der Boykott verhängt worden. Die ganze Sache hätte im Höchstsall 14 Tage gedauert. Im flotten Faschistenschrttt dauert sie d r e i I a h r e und kostet Berge von Papier. So zeigen beide Fälle, die auf so verschiedenen Gebieten liegen. daß Rech sbegriffe und Rechtsversahren im faschistischen Italien anders sind als in anderen Ländern. Daß sie besser sind, kann nur eine Presse behaupten, die selber faschistisch ist, und gegen die es einen fühlbaren Widerspruch im Lande nicht gibt. 6s gab keinen Kampf... ... unv d«e Kommunistische Partei hat ihn geleitet. Di« Bezirksleitung d«r KPD. für Halle-Merfeburg erläßt einen ilufruf zu„Massenaufmärschen" an den Pfingstkeiertogen. Dieser Aufruf nimmt ausgiebig zu den Maikämpfen Stellung, aber ganz anders als jene Berliner Münzenberg-Presse, die dauernd behauptet: „Es gab keinen Kamps,—«s gab nur Opfer." Der kommunistische Aufruf für Mitteldeutschland dagegen sagt: „Die Arbeiterschaft vom Wedding und Neukölln setzte sich energisch zur Wehr, st« errichtete Barrikaden zur Abwehr des sinnlos blutigen Wütcns der Zörgiebel-Kosaken, sie verteidigte sich selbst gegen die mit bestialischer Wut hauende, stechende und schießende Soldateska. Die Berliner� Barrikadenkämpfer sind der Auftakt für den neuen revolutionären Ausstieg der deutschen Arbeiterklasse, für eine neue Periode des verschärften Klassenkampfes. Die Berliner Barrikadenkämpfe waren das erste Signal zur Sammlung und zum Kampfausmarsch der roten Klassenfront unter der Führung der Komm'wistischen Pa'tei." „Unter Führung der Kommunistischen Partei..." Man hat allerdings auf den Barrikaden von prominenten Führern der Kam- munistischen Partei nichts gesehen. Immerhin ist es recht interessant, daß die Kommunistische Partei für die Barrikadenkämpfe in Neu- kölln und am Wedding jetzt sogar die Führung für stch in An- spruch nimmt. Es ist eben ein verdammt schwierige« Geschäft, nach zwei Seiten zugleich lügen zu müsten. Wer gleichzeitig nach dem Sorvjetorden zum Roten Stern für bewiesenen Heldenmut im Barri- kadenkampf und nach Freispruch durch die Berliner Gerichte wegen erwiesener Nichtbeteiligung an den Kämpfen strebt, der wird stch notwendigerweise in Widersprüchen verheddern müssen. Fazit: Es gab keinen Kampf, aber die Kommunistisch« Partei hat ihn heldenhaft geleitet! Faste es, wer es fasten kann. Sächsische Wahlen. Seieilie Keile- doppelte Ke.le! Schwere Kampfe in Afghanistan. Dem Amanullah gehfti nicht gut. tondon, 17. Mai. Wie Reuter aus Simla berichtet, stnd die chauptstreitkräfle Amanullahs etwa 70 Meilen südlich von Ghaznt infolge des Plötz- lichen Abfalls der Ghil�iiz in schwieriger Lage. Es bändelt sich hierbei um die Truppen, die im vergangenen Monat Ghazni bedrohten und feither auf Muk«r zurückgehen mußten, wo ihr« rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten wurden. Der Anhang Amanullahs war in der ganzen Zeit ständig Angriffen durch die Ähilzais ausgesetzt, die, wie behauptet wird, nun die Reste der Ver- bände Amanullahs umzingelt haben sollen. Man glaubt, daß Amanullah selbst wahrscheinlich stch unter diefcm Teil seiner Truppen befinde. Die übrigen Streitkräfte Amanullahs sollten die Flanken thabibullahs umgehen und durch Einnahm« von Ghayni besten Ver- blndungen mit Kabul bedrohen. Di« Durchführung dieser Aufgab« soll mißlungen sein. In den östlichen Provinzen Afghanistans ist es zwischen den Schlnwari-, Khogianis- und Surkhrudiz.Stämmen zu schweren Kämpfen gekommen, die große Verwüstungen des Landes anrichteten. Selten vorher ist so hartnäckig gekämpft worden. Di« ganzen Ostprovinzen sind in vollständigem E h a o». Ein« Haupt- gefahr besteht darin, daß stch die Schwierigkelten aflf die Streitkräfte Nadir Khans im Süden auedehnen können. Es wird auch befürchtet, daß die Unruhen auf die Gebiete, die unter britischem Protektorat stehen, übergreifen. Oer indische Boykott. Allahabad, 17. Mai. Offizier« und Soldaten der republikanisch- Hindostonischen Arme« haben Drohbriefe an Zeitungen und Behörden. Kaufleut« und führend« Bürger gesandt. In einigen Briefen stt die Drohung«nt- halten, daß sämtliche Läden niedergebrannt und die Inhaber erschossen würden, die ausländisch« Stoffe oerkauften. Zum Tod« Adolf Braun» sind dem Parteivorstand weiter ein« große Zahl von Beileidskundgedungen zugegangen, dorrinter auch «in überaus herzliches Schreiben der tschechostowatifchen Sozialdemokratie 3« Griechenland wiederoerhafiet wurden der frühere Diktator General P a n g a l o s und zwei seiner Minister. Alle drei werden beschuldigt, in ausländischen Währungen spekuliert und für den Staat nachteilige Verträge abgeschlossen zu haben. vi« Vereinigung sozialdemokratischer Zuristen tagt am 2«. Mai vormittaas 11 Uhr im Rest�m-ant Bomnp näcksi der Stadtholle in Magdeburg. In der Zell vom 23. bis 23. Mai nehmen die Mitglieder an der Tagung der Internationalen kriminalistischen Bereinigung in Breslau t«l. Sprech- und 2 proletarischer Abend im Für diesen Abend wollen wir der Volksbühne Dank sagen: Dank dafür, daß sie den Mut hatte, eine Laienaufführung, die jenseits von allem stand, was man sonst an einem„richtigen" Theaterabend zeigt, als abendfüllend« Veranstaltung zu bringen. Der„Sprech- und Bewegungschor"— wie er offiziell heißt— kann schon etwas. In dieser Schar junger Arbeiter lebt proletarische Sehnsucht und proletarisches Wollen, und geschickte Leiter haben es vermocht, sie zu wecken und zum künstlerischen Aus- druck zu gestalten Technische Vollendung jedoch fehlt diesen tags an harte, kunstjremde Berus« gebannten Menschen, die nur in kurzen Abendstunden sich zu befreiender künstlerischer Betätigung zusammenfinden können. Wir haben sie schon in den Matinees der Volksbühne gesehen; an diesem Abend konnte man feststellen, daß sie in der Ausdrucksbeherrschung von Körper und Sprache viel hinzu- gelernt haben. Legte man natürlich den Maßstab berusstätiger Künstler an. so blieb ohne Frage noch manches zu wünschen übrig. Aber was bedeutet hier Technik? Sie ist bei diesem prole« tarischen Ehor gewiß«ine notwendige Grundlage: doch ebensowenig wie man von einer Gesangvereinigung Beherrschung der vollkomme- nen Kunstgesangtechnik fordert, darf man von diesem Bewegungs- und Sprechchor kunstgerecht« Beherrschung der Bewegungs- und Sprechtcchnit verlangen. Seine Kraft liegt im Ausdruck: seine Wucht packt den Zuschauer, reißt ihn empor zum Mitfühlen, Mit- erkennen. Was dunkel, dumpf auf dem gehetzten Arbeiter lastet. was ihn niederbeugt zu stumpfer Berzweiflung, oder ihn hineinhetzt in karge, gierig genostene, freudlose Zerstreuung— diese Masten, Proletarier wie die im Zuschauerraum, fühlen es mit, weil sie es täglich selber erleben. Und aus ihren befreiten Körpern wächst die Verheißung der Menschenbefreiung, wächst die sicher« Erkenntnis, daß die Gemeinsamkeit des Schicksals auch die Gemeinsamkeit der Erlösung bedeutet. Der Chor, mag er aufführen, was er wolle, wird sich immer in diesem Rahmen halten müssen. Das proletarische Bewe- gungswerk kann und muß der Stoff sein, den er gestaltet. Das haben die Leiter des Chors richtig erkannt, und ihn nicht durch artfremde Aufgaben irregeführt. Es wurden Werke für Sprech- „Im Schatten des �oshiwara". Llfa-pavillon. Zum erstenmal sehen wir bei uns«inen echt japanischen Film— nach japanischem Manuskript von japanischen Schauspielern her. gestellt. Unser« Erwartung, etwas Eigenartiges, Uneuropäisches, ja vielleicht auch Seltsames und Befremdendes zu erleben, wird nicht enttäuscht. Dann und wann haben wir auf europäischen Bühnen sopanische Dramen sowohl in Originalbesetzung wie in Ueber- setzungen sehen können. An das japanische Drama erinnert auch dieser Film, der stch noch nicht von seinem Vorbild auf der Bühne losgelöst hat(so wenig wie die meisten«uropäisch-amerikanischen Filme). Regie und Manuskript stammen aus einer Hand: T e i n o- suks Kinugasq, Tine Liebesgeschichte liegt zugrunde, die— so scheint es— auch in Europa möglich wäre. Ein junger Mann, der mit seiner Schwester zusammen lebt, verllebt sich in die schönst« Frau von Doshiwara(dem großen Bordellviertel von Tokio): aber er ist arm und findet kein« Gegenliebe. Er gerät mit einem be- günstigten Rivalen in Streit, wird von diesem durch Aschenwurf ge- blendet, glaubt ihn- in seiner Wut getötet zu haben und findet Zu- flucht wieder bei der Schwester. Das tiefere innere Verhältnis von Bruder und Schwester ist das Leitmotiv des Films, der übrigens 1850 und nicht heut« spielt. Di« Schwefte» opfert alles für den Bruder, sie will sich sogar einem ungeliebten Mann, der sich als Polizist ausgibt, hingeben, damit er den Bruder nicht verrate. Aber der Bruder wird wieder sehend und kommt gerade dazu, wie die Schwester den Zudringling erstochen hat. Beide fliehen, aber den Bruder lockt es wieder noch Poshiwara. Aber ehe er dort Rache nehmen kann an dem begünstigten Liebhaber der Geisha, versagt wieder sein Augenlicht. Er bricht zusammen, nachdem er noch einmal das Bild der treuen Schwester visionär erschaut hat. Die Schwester erwacht einsam und verlasfen und ruft vergeblich nach ihrem Bruder So endet der Film ohne Ksppz- end als«in Nachtstück aus dem viel besungenen Poshiwara. Da der Film im alten Japan spielt, gibt er wie die alten Sitten auch die alt« Tracht und das spärlich« Licht der Kienfackeln und der Lampions. Wir, die wir an das helle Licht der Jupiterlampen gewöhnt sind, finden vieles düster und verschwommen. Aber wie im japanischen Schauspiel die Ge- sichter der Schauspieler besonders beleuchtet werden, damit man ihr Mienenspiel bester sehen kann, sorgen hier Großaufnahmen dafür. daß uns der reiche, ja nach unserem Geschmack übertriebene und grelle Gesichteauedruck nicht verloren gehe. Der Film übernimmt also zunächst, wie die Tradition des japanischen Dramas, so auch die der japanischen Schauspielkunst. D!« Darsteller gehen oll« auf höchst charatleristisches Spiel aus. Sie scheuen vor keiner Verzerrung zurück, ja sie lieben direkt das Häßlich« und Uebersteigerte. Trotz- dem ergreift uns ihr Spiel. Wir finden hier viel mehr Menschliches, da» uns zum.Mitgehen zwingt, als in den amerikanischen Süßlich- ketten. Wenn es auch nicht unser« Kunst ist. so ist es doch eine Kunst, die unseren Respekt, sa unserr« Bewunderung heischt Rein filmisch bietet die Handlung nicht allzuviel Gelegenheiten: dos Leben und Treiben in Poshiwara Ist lange nicht so schimmernd und ver- führerisch, wie sich der Europäer es etwa vorstellt. Innnerhin werden doch schon allerlei moderne Trick» angewendet, In der Wieder- gäbe der Details oder Im Blick von oben. Der erste japanische Orlglnalfilm erweckt die Sehnsucht nach weiteren. Japan wird gewiß seinen wichtigen Beitrag zum inter- nationalen Film beisteuern, um so mehr, wenn es seiner eigenen Art treu bleibt. D. „Schneeschuhbanditen". Tena-Licht piele. Ein junger Mann will gern« der lebenslänglich angestellte Re- Namechef der Staatseisenbahn und zugleich der Schwiegersohn des Eisenbahngeneraldirektors werden. Da die Erfüllung beider Wünsch« von der Zugkraft seiner Ideen abhängt, kommt er auf den Gedanken, die Gebirgsbahn der Konkurrenz zu überfallen. Seine Freund« helfen, der Plan gelingt und die Erfolge stnd die erhofften. Das Thema Ist nach dem Rezept, möglichst allen zur Freude und keinem zu Leide, behandelt. Uwe Jens Krafft hat aber dabei eine erfreuliche Eigenart in seiner Regie. Recht nett und lustig schildert er Kleinigkeiten, ohne die Einzelheit derartig wichtig zu nehmen, daß er den Film durch sie beschwert. Nicht ohne Nutzen verwendet er serner wunderschöne Landschaftsausnahmen. Einer ganz s V V va w V �. Okkulte Phänomene. Daß es bestimmte„übernatürliche" Erscheinungen gibt, das heißt solche, die wir mit dem beschränkten Organismus unseres Sinnenapparates nicht aufzunehmen vermögen, ist wahrscheinlich. Denn unter der Unzahl der Medien haben doch einige strengerer wistenschaftlicher Prüfung standgehallen. Ueber derartige Medien, oder okkulte Phänomene, sprach Dr. Rolf Reißmann in der „Lupe"(Gesellschaft zur Förderung kultureller Interessen E. V.). Der Rodner teilte die okkulle Well in drei Abteilungen. Erstens die der materiellen Erscheinungen, wie z. B. Tischrücken. Bewegung von Gegenständ««, ohne daß ein Mensch oder ein« Maschine sie berühren usw. Er versucht das wissenschaftlich so zu erklären, daß sich jode Materie in Schwingungen auflösen läßt. Die zweit« Ab- teilung ist die der psychischen Erscheinungen(Telepathie, Hellsehen usw.). Der Vortragende sucht diesen wissenschaftlich nahe zu kom- men durch Einführung des Fluidalon. Das soll eine noch uner- forschte Kraft sein, die mehr oder minder stark von jedem Menschen ausgeht. Sie läßt sich unmittelbar von Individuum auf Individuum übertragen, kann aber auch auf Gegenstände übertragen wenden. Nimmt ein empfindlicher Mensch einen solchen flmdal geladenen Gegenstand ln die Hand, so soll er über denjenigen, von dem die Ladung ausging, bestimmte Aussagen machen können. Die dritte Abteilung endlich ist die der im engeren Sinne okkulten(geheimen) Vorgänge, die weder durch das Fluldale noch durch Umsetzung der Materie in Schwingungen erklärt werden können. Als Hauplbestpiel für Abteilung 2 nannte Dr. Reißmann den Fall der Frau Günther-Geffers, jener.Hellseherin, die den Mordfoll in Czernowitz aufklärte. Frau Günther-Geffers identifizierte sich mit den verschiedenen an der Affäre beteiligten Personen. Dies« Identifizierung läßt sich so erklären, daß die sluidalen Kräfte der Mörder und Ermordeten noch In der Atmosphäre schwebten und sich auf das Medium übertrugen. Weitere Beispiele klingen schon mittelalterlich phantastischer. So soll es möglich sein, einen Gegen- stand zu verfluchen, indem man ihn fluidal lädt. In das weite Gebiet gehören auch die Fäll« der Besestenhoit, wo sich ein stark fluidal veranlagtes Ich auf einen" anderen Menschen aufpfropfen kann. In die dritte, im engeren Sinne okkulte Abteilung, sind d!« Borgänge des„zweiten Gesichts" zu rechnen. Auch das prophetische Hellsehen gehört hierher, ein Gebiet, das übrigens am stärksten verdunkelt und umstritten ist. Dem Bortrag schloß stch eine Diskussion an, in der aber nichts wesentlich Neues vorgebracht wurde.\V. J Olli Lehmann gestorben. Mit Villi Lehmann ist eine der bedeutendsten, vielleicht die bedeutendste deutsch« Opern- und Konzertsängerin dahingegangen. Lilli Lehmann war am 24. November 1848 in Würzburg geboren. Seit 1870 gehörte sie als Koloratursängerin viel« Jahre dem Berliner Opernhaus an, wurde 1878 lönlglich« Kammer- sängerin, was sie aber nicht hinderte, 1888 kontraktbrüchig zu werden und nach Amerika zu gehen, wo sie sich mit dem Tenoristen Paul Kalisch verheiratete und dem hochdromattschen Fach zuwandt«. Als sie 1890 nach Deutschland zurückkehrte, gab sie zunächst nur Gast. spiele, hauptsächlich wiederum in Berlin, und interessierte sich, trotz- dem sie al» Wagner-Sängerin an erster Stell« stand, besonders für die Salzburger Mozart-Festspiele. Lilli Lehmann gehörte zu jenen ganz seltenen Künstlerinnen, die auf der Bühne wie im Konzertsaal gleich Vollendetes leisten und sich in jeden Stil einzufühlen oerstehen. Noch In hohem Alter, wenige Jahre vor dem Kriege, hat man ihre Kunst als Lieder- sängerin bewundern können. Lilli Lehmann hat sich auch schrist- stellerisch betätigt. Sie schrieb eine„Studie zu Fidelio",„Stud'- zu Tristan und Isolde", ferner„Meine Gesangskunst" und' Selbstbiographie„Mein Weg". Eisenbahner-Betriebsrätewahkn. Oie„Siege" der Opposition. ■jm Berliner Reichsbahndirektionsbezirk trat die k o m m u- u l st i s ch e Opposition in diesem Jahre wieder nach vier Iahren mit einer eigenen List« auf, die sich lediglich gegen den Ein- heitsoerband der Eisenbahner Deutschlands wandt«. In den Jahren 1924 und 192S hatte die„Opposition" die Mehrheit, die ihr erst 1926 entrissen werden konnte. Der Einheitsverband bekam im vorigen Jahre einschließlich der Stimmen seiner„Opposition" 18 481 Stimmen Bei der jüngsten Wahl hatte er 14 010 Stimmen zu verzeichnen, während der Stimmenverlust bis auf 17 der Sonderlist« der„Opposition" mit 4454 Stimmen zugefallen ist. Der Allgemeine Eisenbahnerverband erhielt 3598 Stimmen, 253 weniger als im Borjahre, der Industrieverband 496, 186 weniger als im Vorjahr«, während die ch r i st l i ch e G e- w e r k f ch a f t der Eisenbahner 958 Stimmen bekam, zwei mehr als im Borjahre. Kommunistische Mehrheit gebrochen. Im Direktionsbezirk Oppeln hatte die KPD. seit 1929 überragenden Einfluß in den Reihen des Einheitsverbandes. In diesem Jahre folgte die„Opposition" der Anweisung, eine Sonder- liste aufzustellen, mit dem Ergebnis, daß sie 963 Stimmen erhielt, während der Einheitsverband 2729 Stimmen bekam, so daß die kommunistische Mehrheit gebrochen ist. Der christliche Verband bekam 1483 Stimmen, der Hirsch- Dunckersche 166 Stimmen. Im Bezirk Königsberg i. pr. hat die bisher führende„Oppo- sition" 209 Stimmen eingebüßt, der Einheitsverband hat dagegen 109 Stimmen gewonnen. Die bisherige Mehrheit von Kommunisten und Hirsch-Dunckerschen wird wahrscheinlich eine Umstellung erfahren müssen. Oer Erfolg in Breslau. Breslau, 16. Mai.(Eigenbericht.) Das Endergebnis der Betriebsrätewahlen im Reichsbahn- direktionsbezirk Breslau bestätigt den bereits im vor- läufigen Ergebnis am 14. Mai gemeldeten glänzenden Sieg des Einheitsoerbandes der Eisenbahner Deutschlands. Das nunmehrige Ergebnis enthält sämtliche Wahlstellen mit Ausnahme einiger kleiner Dienststellen. Danach erhielten zum Bezirksbetriebsrat der Einheitsverband 15 175 Stimmen, die Christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner 2153 Stimmen, der Hirfch-Dunckersche Eisenbahner-Derband 1848 Stimmen, der Industrie-Verband 161 Stimmen, die kommunistische Opposition 0 Stimmen: zum Hauptbetriebsrat bei der Deutschen Reichs- bahn-Gesellschast der Einheitsverband 14 425 Stimmen, die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner 2153 Stimmen, der Allgemeine Eisen- bahner-Verband 1848, der Industrie-Verband 161 und die kommu- nistische Opposition 851 Stimmen. Mithin konnte der Einheitsverband bezirklich seinen Stimmen- anteil wesentlich steigern und seinen Besitzstand zum Hauptbetriebs- rat trotz der kommunistischen Spaltung behaupten. Die Hetze gegen die Arbeitslosen. Die Bäcker«Innungen sind mit dabei. Di«„Bäcker- und Konditor-Tageszeitung", dos Organ der Ger- mania-Bäckerinnungen brachte am 14. Mai(Nr. 114) einen Beitrag zur„Reform der Arbeitslosenversicherung", der dem kleinlichen Interessenstandpunkt ihrer Leser durchaus angepaßt ist. Wie würde es den Bäckermeistern ergehen, wenn sie alle Lehrlinge, die sie zu Gesellen„ausgebildet" haben, für die sie aber als Gesellen keine Arbeit haben, unterhalten müßten solange bis alle in ihrem erlernten Gewerbe Arbeit gefunden haben und be- halten können. Eine zwingende Verpflichtung hierzu entspräche nicht nur der Gerechtigkeit, sie bildete zugleich das einzige wirksame Mittel, der Lehrlingszüchterei gründlich zu begegnen Die Herrschaften sind profit-sitilich höchst entrüstet darüber, daß die große Arbeitslosenreseroe auch im Bäckergewcrbe nicht mehr völlig schutzlos ihrer Willkür preisgegeben ist. Das Blatt wirst sich gar zum Sprachröhr der älteren und der gelernten Arbeiter auf, bei denen der Unwille über den angeblichen Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung am stärksten sei. Es kann doch höchstens für die gelben Bäckergesellen sprechen, die genau so reden wie es ihre Meister haben wollen. Das. Organ der Lehrlingszllchter geht aber noch weiter und sagt, die Gewerkschaften seien daran schuld,„daß es heute am Arbeitsmarkte an jüngeren Facharbeitern fehlt, während auf der anderen Seite über eine Million ungelernter, meist jüngerer Kräfte dauernd auf der Straße liegen". Können die Bäckermeister nur„jüngere" billige Fach- arbeiter gebrauchen? Wo sollen dann die älteren Facharbeiter bleiben? Ohne der Behauptung von dem angeblichen Mangel an jüngeren Facharbeitern nachzugehen, möchten wir die Herren einmal fragen, ob sie wissen, wieviel« der von ihnen ausgebildeten Bäckereifacharbeiter durch ihre Lehrlingswirtfchast in das Heer der„ungelernten" Arbeiter gedrängt wurden und wie- viele davon in der Industrie als ungelernt« Arbeiter ihr Leben fristen müssen. Wer so viel Butter unter dem Hut hat wie die Bäckerlehr- lingsmeister, soll etwas mehr im Schotten bleiben. An Scharf- macherei�, gegen die Arbeitslosen, an Hetze gegen die Arbeitslosen- Versicherung fehlt es ohnehin nicht. Laldwins Sohn Kandidat der Arbeiterpartei. Die britische Ar- besterpartei hat den Sohn des Ministerpräsidenten Baldwin, Oliver Baldwin, für den Wahlkreis Dudley als Kandidaten auf- gestellt. Das„sozialistische Vaterlands Kein Paradies für Landarbeiter. Das Sowjet-Paradies ist nicht ein Paradies für die russische» Landarbeiter. Auf dem letzten Kongreß der Land- und Forst- arbeiter«st über ihr Elend lang und breit gesprochen worden. Di« Arbeitsverhältnisse wurden sowohl von den Vertretern der Landarbeiter als auch vom Geiverkfchaftsvorstand in düsteren Farben geschildert. Der Abschluß von Arbeitsverträgen hat zwar zu- genommen, ober ihre Durchführung läßt sehr zu wünschen übrig. Nur in etlva 29 Proz. der Fälle ist die festgesetzte Arbeitszeit eingehalten worden. 42 Proz. der Landarbeiter arbeiten mehr als zölf Stunden pro Tag, und Jugendliche unter achtzehn Jahren, die etlva die Hälfte der Landarbeiter ausmachen, arbeiten oft noch länger als die Erwachsenen. Di« Dorfsowjets haben oft'Verträgen zugestimmt, die ungesetzliche Bestimmungen cr.t- hallen, teils, weil sie das Gesetz nicht kennen, oder weil die Mit- glieder der Sowjets selbst Unternehmer sind und auf die Bcob- achtung des Gesetzes keinen Wert legen. Von den Bauern, die keine Arbestsverträge unterzeichnen wollen, werden im wachsenden Maße Tagelöhner beschäftigt. Diese Tagelöhner sind in Wirklichkeit ständige Arbeiter, aber aus Furcht, die Arbeitsstelle zu verlieren, teilen sie den Sowjets oder den Gewerkschaften die Uebertrewng des Gesetzes nicht mit. Die Löhne sind sehr niedrig: sie betragen im Durchschnitt 21 bis 25 Rubel pro Monat für Männer und 18 Rubel für Frauen— einschließlich der Kost. Di« Wcchnverhällnisse sind besonders auf den staatlichen Gütern schlecht, Die Arbeiter müssen in Hütten, Ställen, häufig sogar unter freiem Himmel kampieren. Die Behandlung der Landarbeiter durch die Be- triebsleitung der Sowjetgüter ist auf dem Kongreß scharf kritisiert worden. Entlassungen wegen eines harmlosen Irrtums oder wegen Beanstandung der Betriebssührung sind keineswegs sellen. Auch das Essen auf den Sowjet-Gütern ist schlecht: es fehlt an Speise- räumen und Arbeitskleidern. Die Sozialversicherung findet nur bei einer Gruppe von etwa 299 999 Landarbeitern Anivendung. Das Arbeits- komnüssariat, dem der Arbeitsschutz übertragen ist, hat nur 359 In- spektoren für die Landarbeiter zur' Verfügung. Diese Beamten werden miserabel bezahlt und erhalten selten die notwendigen Reisekosten. Ihre Kontrollarbeit ist also gleich null. Vor den Schlichtungsausschllssen bekommt der Arbeiter selten recht. Kein Wunder, daß Verhandlungen vor diesen Instanzen kaum noch statt- finden. Auf dem Kongreß herrschte allgenrein die Ueberzeugung, daß zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse der Landarbeiter s o g u t wie nichts getan worden fei. Das sind Mostaus Früchte für die Landarbeiter Hätte Moskau ein gutes Gelvissen. dann könnte es feine Erfolg« sprechen lassen und hätte es nicht nötig, die deutschen Kommunisten zu verbrecherischen Aktionen anzustacheln. wiskonsin alkoholfreundlich. Der Senat des Staates Wiskonsin hat eine Lorlage verabschiedet, durch die das Prohibitionsgesetz auf- gehoben wird. Die Vorlag« geht an den Staatsgouverneur zur Bestätigung. Lcranrwortlich�llr die Redaktion! Fra«,«liid,.»erlin: Än, eigen: kh.»locke. Berlin,»erlag: Vorwärts»erlag IS. m d.».. Berlin. Druck: Vorwärts Sucki- druckerel und Bcrlagsanstalt Paul Singer äe Co. Berlin SW SS. LinbcnftroKe Z. Sierzu l Beilage. ( (>. Theater, Lichtspiele usw. scaj-a « Uhr CS 3 ßarcarossa 9356 The Jevers und weitere Taiiete-HemeUea SonnaSend and an Halden ratenagen le 2 TortleUanden J10 und 3 Uhr— 3®° ermäßigte Pr. jLm----* lata Alex. 8066—68 TÄgllch 6 und 8" An bei den Feiertagen Je3Vorsteiig. 2,5u.813 Vorverkaut stets für die laufende Woche inkl Sonntag Reichshallen-Theaier 438.[7] an neiden Pelenaeen Nadun.[7| Beniner saiger mit dem vunder rollen tllal Programm! Nachm. haibe Preise. Tönhoff- Brettl: (Saal und Garten) varieie-- Tam Adolt-Bccker-Konaeri. afETKOFOLTHEATER 8s Nur noch 10 Tag«! Lastige Witwe Hesterberg Hcidcmsnn, Jankahn, Blleot, Janker wann, Schaeffers. Künstlerische GR. SCHAESPIEEHArS 8 Nur noch 10 Tag«! Der liehe Augustin Christians Karlweis, Lieste, Arno, Morgan, Westermeier. Leitung: Erik Charell.__ Rose er. PranUaner -Ttipator sira8ei,s lUtOIEl Tel: 41«. 3422. Täglich 8-/« Uhr (Sonntags 2 Torslellnagan S'U a. 9 imr) Oorlna und der Zufall I Iplingsten! kill Vlllleilrlllllll! auf der Gartenbohne. Im Innen theater ab 18. Mal tlglldi SV« Uhr: Spiel Im Schlott. a 1 Winrer * Gairem 8 Uhr» zentf. 2810• Bandien erianai Ein Abend daa Lachens NadUansgaac v. 4. 5, Volüsbliline rinitii Hüiiifpiiti 8 Uhr Trojaner Thalia- Theater 8V> Uhr Pfarrhaus Komodie Staatl. Sdiiller-Tti. 8 Uhr Zaungäste Staaisoptr an Pinn der RepaDlUi 8 Uhr Derflleptie i Deotsdiei Dieater 0.1. Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Latite Xannnrnoaen I Paulus unter den Juden Sonntag, d. 19. Mai 8 ehr Neueinstudieruns Dia Gefangene Schauspiel von Edouard Bouidet. Regie: Max Reinhardt. Theater am Sdüifhaoerdanun. Norden 1141 u. 281. Täglich 8 Uhr Dreigrosdien- Oper Naher. Valatti. Thlmln. Lnnkv. leiden. Siecfcel Die Homödle | I Bismck. 2414,7516 S'fe, Endegeg.IOVtU ir seilen 3 Akte von Edgar Wallace Regie: HeinzHIlpert Kammerspiele 1- Norden 12310 SV*(J.. Ende nach 10 Autgang nur für Herrschaften Kleine Komödie von Siegfried Geyer tt leiDK Tlieater täglich SV« Uhr NaB�eflromea? na* dem Anerikinidia von Frank Green Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie: Pr.PrlediDaaa- frederm. CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. magdcir von laaeade" and ein erstklassiger bnnter Teil. Fflr unsere Leser Gutschein für 1— 4 Personen Fauteuil nur 1.15 M. Sessel 1.53 M. Sonstige Preise Parkett u Rang 0310 Mk Renaissance-Theater Hardenbergstr. 6 Tl.; Steinpl. 901 u. 2583/84 SV« Uhr Tlalldl SV« Uhr Die heilige Flamme Regie: Gustav Härtung. Bamowsky-Elltiaen Theiter In dw Kdniggrätier Strafte Täglich 8V« Uhi Riva I en Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Charievs Tante mit Curt Bot,. OUeh. KOnttler-Th. 8V. Uhr Prosit aipsy Operette v Gilbert Emmy Sturm Fritz Scholz Rundfunkhörer haffie Preise Thalla-Tliealer Dresdener Str. 72-73. 8Vi Uhr PMMWW Theat. d. Westens Täglich 8V« Uhr An beiden Ptlngsi- lelenaoen 3Vj und 8V1 Uhr Friederike Frau Udars Veiler- lolgl Carola Toelle Hanns Vilhelm Planetarmm —— am Zoo■ firllnj. JadrinttKle Stnh Noll. 1578 16V* Uhr tteniblldsr du FrOhlatire 18V« Uhr Wund« du Bildlichen Himmelt 20V« Uh r Sternhimmel und Wntthau Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf- Kinder 25 Pf. Thealer am Rsllendorrplati Täglich 8V« Uhr Dia manner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goeue Lessing-Theater Täglich 8V« Uhr „Die Frau das andern" Birlioer Theater DirektHeinz Herald Charlottenstraße 9i A. 7. Dönhoff 170 SV«, Ende 10V« Uhr Täglich Dis flfof Frankfiikter von Carl Rössler Regie: Boßen Rohen. Waldrestaurant Uhlenhorst PfinnctcnnntüfV fröh 6 Uhr: Gto�cs Frühkonxcri, nmiJMMlÜflldU ausgefüh rt vom Mosikvcreii« MEdio« unter Beteiligung des Reichsbanners.— Nachmittags: Kaffeckonzert und SommeHesi des Sportklubs»Pdiftsi*. nachmittags: Kaffeekonzert mit Tanz im Freien,„Plng-Pong". Pfingstmontag Öbel-M Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, EinzePMöbel, Köchen, Sofas, Rnhebetlennd gegen 24 Monatsraten Sctiönhaoser Allee 141 a (Hoc<ahu DanzWer Straffe) Verlangen Sie Vertreterbesuch. rneat.ain Kotu.ior Kottb Str. 6 Täel.SUhr Elite- Sänger Das am Mal- Progr. v»ehl»lli.ll8dKtl«iitiiin Lustspielhaus 8V« Uhr Guido Tliielseiier Weekend im Paradies »»»»«»»»»« tManos znr Niete WSO, Ansbacberstr.l ßlameaspenden iebet Art liefert preiswe rt Paul Golletc oorm. Robert Meyer Martannentlrafe 3 Ecke Naungnstrake iAmt Morigpt 103 03 Zum PffingstfesC bringe ich ein aatzergewflhnllch preiswertes Angebot in fertiger Herren-, Knaben- und Sport- in nur anerkannten Paßform. 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UDontastlure Bellerloloe. Bestatlguod und Belerenzea. ärztlich empfohlen. invaluieBsiraBe 188. s—11,1—«. SooBtag 18— 12. lacaST. IfeOnfemofibno . Gesang der VSlker rOftd 09% Ocs/achcn ßemioc«rst das Verdienst des Direktors der Staatlichen Stelle für Naturdentmalpflege in Preußen(fein Büchlein») ist nicht so lang und langweilig wie sein Titel), Prof. Dr. Walter Schönichen. Man wäre versucht, seinen„Umgang mit Mutter Grün" einen Knigge der Natur zu nennen, wenn hier nicht eine ganz aridere Luft wehte als in dem Reich der Fracks, Chapeauclaques und steifen Grandezza. Das Werk ist um so verdienstlicher, als es sehr im Gegensatz zu der Unnahbar- keit manchen Fachwissenschastlers, der sich mit dem ganzen Rüstzeug seiner Gelchrtcnsprache gegen das Verständnis seiner größeren Mit- '. weit abschließt, trotz aller Sachkenntnis in einem Ton gehalten ist, der es zu einer unterhaltenden Lektüre macht. Dieses Buch will iys Volk dringen. Es ist ein Kampfbuch im besten Sinne des Wortes. Der Naturwissenschaftler kämpft um das Verständnis der breiten Masse für die Natur, ebenso wie für die Erhaltung der Natur. Die Mißstände, die angedeutet wurden, werden von ihm unbarmherzig gegeißelt, es werden Verbcsierungsvorschläge ge- macht. Die Kulturwidrigteit und Schädlichkeit bestehender Mißstände werden an Hand von Photographien so plastisch dargelegt, daß es selbst dem, der gedankenlos in den Tag lebt, zum Erschrecke klar ins Auge springt. Der Gelehrte wendet sich an das Volk. Aber damit ist es nicht getan. Es ist auch nicht damit getan, das Buch zu lesen und beiseite zu legen, wenngleich das schon ein Schritt auf dein Wege zu, einer Desicrung ist. Dos Kunststück bleibt, an jene h e r a n z>: k o m- m e n, aus die der Gelehrte mit warnendem Finger zeigt. Die lesen das Buch bestimmt nicht, mögen auch ein paar' bisher Unbedenkliche zum Buch greifen und bedenklich werden! Also was tun? Die Einwirkung ist leichter, als es auf den ersten Blick den den Anschein hat. Wenn jene, die die Natur lieben— und wir wissen, daß das sehr viele sind, und daß ihre Zahl gerade in den letzten Iahren stetig zugenommen hat— wenn jene sich als frei- willige Helfer anbieten wollten, sehr viel wäre getan. Helfen? Ach nein, keine Befürchtung, wir propagieren.keinen organisierten Zusammenschluß, zu den allzu vielen Vereinen einen neuen. Das nicht. Was not tut. ist die Propaganda der Tot. Wer von den Natursreunderk kennt nicht in seinem Bekanntenkreise solche, auf die das eine oder dos andere zutrifft, was.zu tadeln und zu verbessern ist? Ihnen das Buch in die Hand zu drücken, auf sie bessernd einzuwirken, darauf kommt es an. Und wie oft auf Ausflügen und Spaziergängen sieht der Natur- liebhaber oerzweislungsvoll dem Berserkerlum des Naturvandalen *) Walter Schönichen: Der Umgang mit Mutter Grün. Verlag Behrmüller, Berlin-Lichterseld«. in allen seinen Schattierungen zu! Er sollte sich nicht seiner Ver- zweiflung überlassen, er sollte sich mit dem Zusehen und dem heim- lichen Schimpfen nicht begnügen, er sollte sich dazu aufraffen, der Aktivität des Vandalen die Aktivität des Naturfreundes entgegenzusetzen. Keine Handgreiflichkeiten! Das würde nur den entgegengesetzten Erfolg haben. Auch kein grobklotziges Zurrede- stellen. Nein, was diesen von falschen Instinkten Mißleiteten gegen- über not tut, ist eine ruhige, aber bestinimte, eine in ihrer Energie fast bescheidene Haltung, die weiter nichts will als aufklären und Abhilfe schaffen, ohne im übrigen der Eigenwilligkeit und Selbstbestimmung seines Mitmenschen zunahe zu treten. Man wird manchen Hohn, manche Grobheit und manchen Aerger ein- stecken müssen auf diesem Wege eines Naturschützlers, aber inan wird auch manche Genugtuung erleben. Und das Gefühl, hier und da Abhilfe geschaffen zu haben, ist schon Lohn genug. Man unterschätze den Wert einer derartigen Mitarbeit am Naturschutz nicht. Der einzelne wird vielleicht nicht einmal so sehr viel erreichen, wenngleich, aus Jahre hinaus gesehen, wahrscheinlich ganz Erkleckliches zusammenkommt, das aktive Eingreifen der Zahl- reichen ist bestimmt imstande, eine allmählich« Besserung zu erzielen. Das ist es, woraus es ankommt! Naturschuygcviete Der Gedanke, Naturschutzgebiete einzurichten, hat sich in allen dichtbesiedelten Gegenden der Welt als notwendig und heilsam er- wiesen. In Preußen allein haben wir über 200 Gebiete, die dem Schutz und der Pslege des Staates unterstehen. Ihrer Art nach sind sie sehr oerschieden. Es werden Felsenbilder, Ueberreste der Eis- zeit, Dünenhäufungen und Denkmäler unserer Erdgeschichte geschützt. Damit sie erhalten bleiben, muß oftmals der Zutritt gesperrt wer- den. Sie sind für die Forschung reserviert. Gehört doch die gründ- liche Ausbildung eines Mitarbeiterstabes von Forschern und die Forschung selbst, die sehr viel Zeit und Arbeit kostet, mit zum staatlichen Naturschutz. Neben den wissenschaftlichen gibt es landschaftlich ästhetische Naturschutzgebiete, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Zu den meist bekannten dieser Gebiete gehören große Bezirke in der L ü n e- burger Heide, Teile in der E i f e l, im S i e b e n g e b i r g e, das Neandertal bei Düsseldorf und das B o d e t a l. Die hier getroffenen Maßnahmen haben die freudigste Unterstützung der Allgemeinheit gefunden. So haben sich Gleichgesinnte in Vereinen zusammengeschlossen, die namentlich in der Lüneburger Heide Grund- stück nach Grundstück kaufen, um die private Hand möglichst auszu- schalten. Ein Enteignungsrecht haben die Naturschutzstellen zwar nicht, aber genau so gut wie der Staat bei etlichen seiner Gebiets auf die Nutzung verzichtet, hat man auch Private dazu bewogen, gewisse Einschränkungen bei der Ausnutzung ihres Grundeigentums zu machen. Die Art»nd Weife des Naturschutzes muß von vornherein aufs sorgfältigste überlegt sein. Darum untersteht ein jedes in Frage kommende Gebiet der ständigen Aufsicht von Wissenschaftlern. Infolgedessen hat in Deutschland jede Provinz einen ehren- amtlich tätigen Kommissar, der wiederum auf die freundliche Mitarbeit seiner Unterkommissare rechnen kann. Nach Möglichkeit übt man keinen künstlichen Einfluß auf die Natur aus. Das Ein- führen und Anpflanzen fremder Bäume un�» Blumen überläßt wan den botanischen Gärten und den städtischen Parkanlagen. Ein künst- licher Eingriff wird nur vorgenommen, wenn er zur Erhaltung bestimmter Lebensgemeinschaften erforderlich ist. Trotz dieser Grundsätze können oft recht schwierig zu beant- wartende Fragen auftauchen. Stehen z. B. irgendwo prächtige Eichen, in deren Nähe Buchen und andere Bäume, die zuviel Schatten verbreiten, auskommen, muß man in diesem Fall di« Ent- scheidung treffen, ob es angebrachter ist, die Eichen zu schützen oder die Natur nach ihrem Willen schalten zu lasten. Aehnlich verhält es sich bei(an Wassern gelegenen) Dogelkolonien. In ihnen herrscht womöglich das bunteste Leb«n, bis die S i l b e r m ö w e komnU. Die jedoch benimmt sich derart rabiat, daß sie olle anderen Vögel vertreibt. Dann muß man entscheiden, ob dos Vogelleben in seiner Mannigfaltigkeit erhalten bleiben oder dem Leben in der Natur nach dem Recht des Stärkeren sein Lauf gelassen werden soll. Der schützende Mensch muh also entweder die Silbermöwe ver» treiben oder schweren Herzens zusehen, wie sie die Aufräumungs- arbeiten vornimmt. Für das gesunde Volksempfinden sind Natur- und Tierschutz eins. Und wie selbst das Kind aus seiner Eigenkultur heraus die belebte Natur oder das Tier in der Natur schätzt, zeigen deutlich die N a t u r s ch u tz p l a k a t e, die Berliner Schulkinder zeichneten. Prof. Dr. Walter Schönichen, der Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpslege in Preußen, bat die Kinder um solche Plakatentwürf«. Das ist ohne Zweifel ein gut gewählter Weg, die Allgemeinheit mit dem Naturschutzgedanken zu durchdringen. Freu» dig kamen die Kinder der Aufforderung nach und die Einsendungen sind in der Tat beachtenswert. Ein kleiner Knirps hält viel vom Wort und er schreibt daher in großen Buchstaben das Verbot: „Vögel mit Steinen zu bewerfen, ist nicht gestattet!" Ein anderer kleiner Volksschüler ist völlig auf die moderne Geschäftsplakatwirkung eingestellt. Er malt eine Gruppe von Wanderern, die im Wald«in Feuer anmachen, und schreibt darunter:»Da» tue nicht!" Ganz konzentriertes Gefühl ist hingegen ein anderer Knabe. Er zeichnete eine riesengroße, gierige Menschenhand, die rauh das glückliche Familienleben eines Vogelehepaare» zerstören will, und mahnt: „Nehmt keine Nester aus!" Die meisten Kinder fordern dazu auf, der hungernden Tiere im Winter zu gedenken. Diese Bittsteller stehen sichtbar unter den Nachwirkungen der überstandenen schweren Winterzeit. Sie hat unsere Natur enwölkert, denn das Wild verendete in Masten, und die Wasteroögel, die sich landeinwärts an Tümpeln usw. flüchteten, wurden ziemlich rücksichtslos abgeschossen. Hinzu kommt das ver- spätete Frühjahr, in dem, bei der üblichen Grasabbrennerei, die immer wieder trotz Verbot erfolgt, die Vogelbrut zerstört wird. Mithin sind dem Leben in der Natur Wunden geschlagen, die sich schwer wieder schließen. Und daher ist die Bitte berechtigter denn je: „Schützt Natur und Tier! Ihr bereitet dadurch euch selb st und der Allgemeinheit Freude und Nutzen!" Lrna Biisinx. Berliner Sonntag Vorpfingstbeirachiung/ von Willibald Seemann Der Sonntag ist schön. Am Himmel hängen leichte Wölkchen. Es ist ein Tag, an dem den Menschen das Sehnen ersaßt, aus dem Häuscrmcer herauszukommen. Ein Tag, an dem man Ruhe vom Getöse des Alltags sucht inmitten sonnendurchzitterten jungen Grüns, an dein die Natur an den Menschen herantritt und man sagt: Mensch, was bist du klein gegen das große Wachsen, das dich um- webt, bedenke, wo der Gott liegt, den du in fernen Welten suchst! Die Bahn führt zum Seddinsee. Man geht über die Wasser verbindende Brücke und am schönen Userweg entlang. Schlanke Boote schaukeln auf den Wellen. Ueberall Lachen und Fröhlichkeit. Ein armer Mann steht am Weg« und verkauft Süßigkeiten. Sein kleines Mädchen schaut ängstlich zu. Nicht weit davon hat ein Mann eine fliegende Bude ausgebaut. Vier Gartentische, Stühle. Man setzt sich, ißt und trinkt. Vor einem liegen etliche Zillen, jenseits der Wald, in dem jeder Berliner, der des Weges'kommt, sein Andenken hinterläßt. Papier in Fülle, Glasscherben. Konserven- dosen. Der Berliner ist nicht so reinlich, wie er es vortäuscht. Drei Burschen und drei Mädchen setzen sich an einen leeren Tisch. Di« Jungens tragen Badehosen, die kaum das Notwendigste bedecken. Aber ihre Waden schmücken die Stutzen ihrer Gilde.„Haste Geld mitgebracht?", fragt der Verwegenste sein Mädchen und zupft sie am Bubenkopf. Sie kreischt und zahlt die Selter, die beide ge- meinsam trinken.' Unweit der Bude ist eine Bank. Da kommen acht junge Burschen daher, belegen die Bant und klimpern auf ihren Gitarren, Mando- linen und Geigen ihre Gassenhauer. Man flieht. In Berlin gibt es genug Musik---- Aber die Musik sck)allt bis über di« Brück« des Wrnsdorfer Kanals, und die drei Burschen sogen johlend mit ihren Mädchen durch das Gelände. Ein Bursche erklettert das hohe Eisengerüst der Brücke und jongliert darauf herum. Die Spaziergänger bleiben stehen. Atemlos gucken Frauen zu. Der Bursche hebt wie segnend die Hände und brüllt:„An mein Volt... Mein Volk ist dämlich...!" Lachen. Beisallsgetöse. Es ist Mittag geworden. Man sucht dem Fauchen der Motor- boote und Autos zu entkommen. Eine Anhöhe hinauf. In die Herde hinein. Zwischen dürrem Heidekraut ein grünes Stückchen Erde. Man setzt sich und derweilen der Körper ruht, wachst das Aug« an der Erhabenheit des Maientagcs. Iungbirk«», Buchen und Neuwuchs der Fichten. Eine Wiese, ein Sumpf, Dotterblumen blitzen gelb und leuchtend. Ein versandender Wasserarm und drüben- am jenseitigen User die Sandberge der Berliner Schweiz, ein Aussichtsturm, der Schornstein einer Ziegelei. Ruhe. Kein Laut, keine Menschen, und Sonntagsgenuß. Hier ist die Gotteswest, hier ein Stückchen Erde, da» müden Menschen Labung bringt. Man lauscht dem Klingen der Baum- krönen, schaut von der Sattheit des Frühlingstags jn di« Wolken- gsbilde, guckt auch herab auf die Erde: ein Käser, junge Vögel... Die Sonn« steht schon schräg am Himmel. Also hinein in das Gewühl der Menschen. Im Dorfe Gosen sind viele Kneipen. Trun- kene Stimmen wetteifern mit O r ch e st r i o n s. Im Gartenlokal, in dem man Kaffee trinkt, nuddelt wehmütig der Leierkasten des Karussells. Das Lokal mündet in eine Straße. Staubwolken stehen darin wie Nebel. Die Bäume sind bis in die Wipfel hinauf ergraut. Autos rasen, Motorräder rattern. In der Schweiz ist das Autofahren an den Sonntagen verboten. Man denkt daran, und bittet den Berliner Polizeipräsidenten im stillen, auch für die Werk- tätigen Berlins diese Erlösung zu schaffen. Man spaziert wieder den See entlang. Die Abendsonne spiegelt sich in dem Wasser. An einem Baumstamm sitzt ein junger Mann mit Kopfhörern um die Ohren, auf den Knien ein dickes Buch und liest. Frauen. Männer, Mädchen reißfli und schneiden die jungen Reiser von den Birkenbllschen. Auch am Heck der Boote, di« d«m heimatlichen Haf«n zusteuern, prangen dicke Birkensträuße. Der Berliner ist... naturliebend nennt man das wohl. Die Kapelle der Gitarre-, Manbolinen- und Geigenspieler sitzt noch immer aus der- selben Stelle und musiziert. Und dann bringt uns di« Straßenbahn bis zum Stadtbahnhof. Der Perron ist voller Menschen. Scharen warten Extrazüg« kommen und fahren ab. Sobald ein Zug hält, stürzen die Menschen wie losgelassene Jagdhunde in die Türöffnungen. Endlich ist es einem gelungen, sich in den Mittelgang eines Wagens zu schieben. Man erkennt die vier jungen Herren wieder. Rücksichtslos gebrauchen sie ihre Ellbogen. Sehr höflich sogt man zu den Herren: „Sie oerzeihen, ich möchte um einen Platz für meine müde Frau bitten." Erstaunte Blicke. Lachen. „Sie spaßen woll...?" der erste. „Ne, Mann, ick bin selber müde!", der zweite. Und der dritte:„Wir waren zuerst in dem Dogen!" Der vierte weiß nicht was er sagen soll und hüllt sich in Schweigen. Man versucht noch einmal:„Früher..." „Früher ist nicht jetzt. Mann!" Man geht müde noch Hause. An einer Ecke steht«in blinder Mann und bietet Streichhölzer an. Achtlos flutet die Meng« vor- über. Dann ist man zu Hause. Aus einem oberen Stockwerk quakt ein Radio, dem man schon morgens entfloh: „Martha... Martha... du entschwandest..." Schnell«ntkleidet man sich und zieht—. o Maiennacht!— die Bettdeck« über die Ohre«..,« <4u�«5�vv (14. Fortsetzung.) .�awohl,' antwortete der Fremd«,„ich warte auf die Leute, sie müßten längst mit dem Raps fertig sein. Hätte ich mein Pferd hier, würde ich schnell hinreiten, um nach dem Rechten zu sehen." „Wenns weiter nichts ist," dienerte der Wirt,„und es Ihnen recht ist, kann Karl mein Reitpferd satteln." „Angenehm," bedankt« sich der Fremde lässig. Das Reitpferd wurde vorgeführt, der Fremde ließ sich von dem Knecht in den Sattel Helsen und oerschwand. Ein« halbe Stunde verging und der Fremde war noch nicht .zurückgekehrt. Eine halb« Stunde nach der anderen stolperte dahin, der Fremde blieb unsichtbar. Der Wirt wurde unruhig. Er ging von Zeit zu Zeit zur Tür und sah hinaus. Er rief seine Frau und wisperte aufgeregt mit ihr. Aber auch das hals nichts. Ich machte mir meine eigenen Gedanken und der Name Albert Wolters wollte mir nicht aus dem Kopf. Die Sonne neigt« sich ihrem Untergange Knechte und Mägde kamen von den Feldern heim, beschickten das Vieh und schafften die Ackergeräte fort. Ich ließ mir meine Flasche füllen und bat den Wirt um die Schlafstelle. Karl, der Knecht, brachte mich in den Hof und stellte«ine Leiter an die Heubodenluke. Als ich hinaufklettert«, hörte ich, wie der Gastwirt rief:„Da kommen unsere Juden mit meinem Gaul!" Nun, dachte ich, da hast du doch einen falschen Gedanken ge- habt, legte mich in's duftende Heu und schlief bald den Schlaf des Gerechten. Als ich am andern Morgen das Gastzimmer betrat, traf ich hier die beiden russischen Juden, die des Nachts auf Stroh genächtigt hatten, in eifrigem Gespräch. Sie fuchtelten mit Händen und Armen herum, als wenn sie sich prügeln wollten. Karl, der Knecht, band das Stroh, brachte es in den Stall, kehrte das Gastzimmer mit einem Rutenbesen aus und streut« weißen Sand. Der Gastwirt fragte mich, wie ich geschlafen hätte und ob ich Kaffee trinken wolle, und wandte sich den Juden zu. „Wie ich es Euch gesagt habe, das Pferd gebe ich nicht heraus. Es gehört mir. Meinetwegen fahrt zur Stadt und holt den Gendarm, oder verklagt mich, aber den Gaul bekommt ihr nicht." „Gott der Gerechte." lamentierte der eine Jude,„soll uns strafen, wenn wir dem Herrn nicht haben bezahlt blanke Zweihundert Mark für das Pferd unter Zeugengegenwart. „Werden wir verlieren unser ganzes Geld," lamentierte der andere,„wenn Sie nicht geben heraus unser Pferdchen, das wir haben getauft reell und unter Zeugengegenwart." „Ihr habt es mir selbst schriftlich gebracht, daß mir der Herr durch Euch mein Pferd zurückschickt, nebst Zaum und Sattelzeug," antwortete der Wirt heftig.„Hier kann also nur das Gericht ent- scheiden, denn der Gauner ist mit seinen zweihundert Mark längst über alle Berge." � „Werden wir dem Herrn sagen, wie sich hat zugetragen olles!" „Gut also, erzählt!" und der Wirt setzte sich zu mir an den Tisch, während ich meinen Kaffee trank. Der«ine Jude wandte sich an mich:„Hören Sie, wie ist ge- wesen die Sache." „Wie haißt Sache?" fuhr der andere dazwischen. Mußt du sagen das Geschäft!" „Wollt' ich auch sagen das Gefchäft," schrie der erste Jude, der der Jüngere war. „Wolltest du sagen, das Geschäft, hast du aber gesagt Sache!" „Ist doch ganz egal," brummte ich,„Sache oder Geschäft, es handelt sich um das Pferd." „Der Herr hat richtig gesprochen!" schrien beide durcheinander. „Ja, das Pferd, es handelt sich um das Pferd!" „Passen Sie auf, lieber Herr!" Der älter- Jude hob die Hände. „Sind wir gestern eingekehrt in einen Krug, was steht an der Straße. Ist gekommen herangesprengt«in feiner Herr auf einem slbönen Pferdchen, hat angebunden das Pferdchen draußen. Ist gekommen herein und hat verlangt eine Flasche Bier und ein Litörchen. Sind wir beide Handelsleute, haben Interess« an Pferd«. Habe ich gefragt den Herrn, ob er will verkaufen das Pferdchen, weil es uns hat gefallen Hat der Herr gesagt,.Lud«, bist du vec- ruckt? Werde ich verkaufen das Pferd und werde ich laufen zu Fuß?" Habe ich gesagt,„der gnädig« Herr braucht doch nicht laufen zu Fuß, der Wirt wird spannen an seinen Wagen und wird fahren den gnädigen Herrn, wo er will hin." Hat gelacht der Herr, weil er hat gedacht, ist alles Spaß und hat gesagt,. will lch doch hören, was ihr wollt geben für den Gaul." Hab' ich gesagt,„wir zahlen dem gnädigen Herrn sehr viel, wir werden geben fufzig blank« Gulden." Hat der Herr geschlagen mit der Reitpeitsche einen großen Schlag auf den Tisch, daß zersprungen ist bald die Fensterscheibe und bin ich gefallen um vor Schreck. Und als ich bin umgefallen, hat der Herr sich gehalten vor Lachen den Bauch und hat gesagt, „Du verfluchter Jude," hat er gesagt,„wie kannst du wagen mir zu bieten solch' Bettelgeld für mein bestes Pferd? Wo mir hat gekostet ollein der Gaul dreihundert blanke preußische Taler, ohne Zaum und Sattelzeug, und du bietest mir lumpige fufzig polnische «Zulden? Werde ich dir geben fufzig Hieb« dafür" und hat gehoben die Reitpeitsch«. Bin ich gefallen vor dem gnädigen Herrn aus die Knie und habe gebeten und mein Kollege, was ist mein Schwager, ist auch gefallen auf fein« Knie vor dem Herrn. Hat er ihn ge- zogen«ins über das Kreuz mit die Peitsch« und hat gesagt,„Das ist eine Kostprob«. Gib zweihundert preußische Mark, dann will ich geschehen lasten Gnade für Recht und ihr könnt den Gaul be- halten." Haben wir gesagt,„Gnädiger Herr ist ein guter Herr. Hat der gnädige Herr gezahlt für das Pferdchen dreihundert preußische Taler, ist das Pserdchen auch wert, zweihundert preußische Mark" und haben wir ihm aufgezählt das Geld in Zeugengegenwart. Hat der Herr eingestrichen das Geld und hat gesagt,„Habt Ihr gemacht ein gutes Geschäft, daß ich euch Hab' verkauft mein bestes Pferd aus dem Stall so billig. Habt ihr mir aber noch nicht bezahlt den Zaum und Sattelzeug, dafür werdet ihr mir noch tun einen Ge- fallen. Kennt ihr den Gasthof zum grünen Kranze?" Haben wir gesagt Gott der Gerechte soll uns strafen, wenn wir nicht kennen den Gasthof, von wa, uns hat gesprochen der gnädig« Herr." „Schon gut," hat er gesagt,„nehmt dem Gastwirt«inen Brief mit. er ist ein guter Freund von mir." Nun sagen Sie. haben wir nicht gekaust das Pferd reell und unter Zeugengegenwart." Ich mußte laüt herauslachen Die.Hache mit den beiden Juden war das tollst« Stück, das ich je gehört. Auch der Gastwirt mußte lachen, als er mir den Brief zu lesen gab, den ihm die Juden übergeben hatten. Da stand es ja schwarz aus weiß:„Durch lieber- bringer sende ich Ihnen das geborgte Pferd nebst Zaum und Sattel." Darunter«in unleserlicher Namenszug Die Juden sahen mich verwundert an und wollten nicht glauben, daß sie kein Recht an das unredlich erworbene Pferd hätten. Der Gastwirt dem es auch darum zu tun war, die Juden loszu- werden, gab ihnen den guten Rot, nach Pr.-Eylau zu fahren und Anzeig« von dem Handel zu erstatten. Das sahen die Pferdejuden denn auch nach langem Debattieren ein, schirrten ihre Pferde unter Jammern und Lamentieren vor die Wagen und fuhren unter großem Wehgeschrei ab. Auch ich brach bald auf. Melancholisches Intermezzo. Welch' himmlisch« Ruhe, welch' seliger Frieden breitet sich doch um ein Dörfchen, das abseits von der Heerstraße, abseits von allem Weltgetrieb« liegt! Das wird der Wanderer erst so recht gewahr. wenn der Tag sich seinem Ende zuneigt, und ihm am Abend, wenn er müde und matt seine Straße zieht, in weiter Ferne ein Dörfchen zur Ruhe winkt,— wenn im Abendsonnenschein die Klänge der Feierabendglocke silberhell über blühende, dustende Felder ziehn.— wenn die Döglein im nahen Gehölz ihre Nester aufsuchen und Ruhe und Frieden sich langsam über die ganze Natur breitet. Das erweckl selbst in manchem verhärteten Gemüt einen lange vergessenen heimatlichen Klang. Wehmut beschleicht das Herz. Sehnsucht nach Ruhe und Frieden Wie schön und natürlich hat das der Dichter erkannt, wenn er in seinem Liede singt:„Heber allen Wipfeln ist Ruh', in allen Zweigen hörest du, k«inen Laut. Die Vöglein schlafen im Walde. Warte nur, wart« nur, bald«, ja bald« schläfst auch du."! Das kann nur d«r so recht empfinden, der sich eins fühlt mit der Natur, der weiß, daß er zu ihr gehört, von thr abhängig und mit Ihr verwachsen ist. Ich ging nicht gleich ins Dorf Diese Ruhe, der göttliche Friede, der mich übermannte, sollt« durch Menschen nicht gestört werden. Auf jene Anhöhe dort drüben mit den hohen Fichten und Tannen, auf deren Stämme die untergehende Sonne rotgoldene Lichter zeichnet«, ging ich hinauf und lauscht« aus die Stimm« der Natur, die leise mahnend mir zum H«rzen sprach. Es war ein« Stund« der Läuterung und der Andacht, eine Stunde der inneren Einkehr und des inneren Friedens. So wie ich wird wohl schon mancher Wanderer gefühlt haben, wenn er rückblickt auf die Zeit, die er in besseren Derhältnisten sah Wenn auch nicht bei allen, so kam doch bei vielen die Reue dann vielleicht auch zu spät. Es waren ja nicht alles Handwerksburschen, die die Landstraß« bevölkerten, aber alle gaben sich dafür au». Neben Arbeitslosigkeit, Familienzerwürsnissen und anderen oft uner- warteten Ereignissen ist es hauptsächlich die Sehnsucht nach Freiheit, der Drang nach dem ungebundenen, zwanglosen Leben, der die Menschen auf die Landstraße wirft. Man sollte«s kaum glauben, was sich hier alles trifft. Gebildete Menschen, die bessere Tage gesehen haben, und durch irgendein Ver- schulden ausgestoßen wurden, treiben sich auf der Landstraße umher. Hätten sie die Mittel gehabt, nach Afrika oder sonst irgendwohin in die Wildnis zu gehen, jo wäre ihnen die Möglichkeit gegeben, ein romantisches Leben zu führen, und sie hätten ihr Ziel erreicht. Doch in unserem lieben deutschen Vaterlande ist das nun einmal nicht möglich. Hier ist dafür gesorgt, daß der Freiheit größtmögliche Schranken gesetzt sind. Wir sind mit einem Stachetdraht von Ge- setzen und Paragraphen umgeben, die Jeden, der etwa zu ausgiebig mit seinen Freiheitssittichen zu fliegen beginnt, über kurz oder lang hinter Schloß und Riegel bringt. Und doch, was trifft man nicht alles auf der Landstraße! Gewesene Offiziere, ehemalig« Geislliche, Lehrer, Fabrikanten, Kauf- leute. Ingenieure, Kapitäne, Handwerker, Arbeiter, Weiber, Kinder. junge Mädchen! Alle geben sich hier ein Stelldichein und keinem ist es jemals an der Wiege gesungen worden, daß er einst als Land- streicher und Vagabund lein Leben fristen oder als Tippel- schickse durch die Welt ziehen würde. Der Handwerker und Arbeiter, den die Not der Zeit, die Arbeitslosigkeit und sonstige Schicksalsschläge auf die Wanderschaft getrieben haben, wird immer noch sehen, sich durch Arbeit weiterzuhelfen, wenn es auch ganz natürlich ist, daß er bei langer Arbeitslosigkeit auch bald verkoinnit und verwildert. Diejenigen Herrschaften aber, die früher mal besiere Tage gesehen haben, denken an's Arbeiten überhaupt nicht. Haben wohl hierzu auch mal den Willen gehabt, haben aber einsehen müssen, daß sie zur ungelernten �Arbeit iricht tauglich sind. Den meisten fehlt aber auch die Lust zu solcher Arbeit und sie ziehen es daher vor. durch feine Bettelei und Hochstapelei chr Leben zu fristen. Wenn diese Leute sinken, so ist es auch aus mit ihnen. Die Scham vor sich selber, die Scham vor anderen, die Scham, betteln zu gehen, treibt sie zu ausgiebigem Alkoholgenuß. Es ist kaum glaublich, was für Unmengen Alkohol der Mensch zu sich nehmen kann. Denn auch hieran wird er mit der Zeit so gewöhnt, daß er immer größere Mengen braucht, um sich in den nötigen Rausch hineinzutrinken. Der erste Morgentrunk ist Branntwein, der letzte Abendtrunk ist wieder Branntwein Und unter den Kopf zur Nacht wird, wenn es die Mittel nur irgend erlanben, auch«ine Flasche Branntwein gelegt Daß dieser tägliche unausgesetzte Branntweingenuß Körper und Geist vernichtet, ist klar. Menschen, die noch in letzter Stunde die Kraft über sich selbst gewinnen, mit diesem Lodderleben Schluß zu machen, dürfte es nur wenige geben! Ich erinnere mich eines Grafen, der Gast einer Herberge war. Ein junger, großer, stattlicher Mann von ungefähr achtundzwanzig Jahren, an dessen zarten, weichen Händen schon jeder den Aristo- traten erkannte. Er hatte dem Herbergsvater Kenntnis von einem Bettelbrief gegeben, den er an seine Tante, eine Gräfin In Stralsund geschrieben hatte und worin er um Geld und Unterstützung gebeten hafte. Den Brief hatte der Herbergsvater eingeschrieben selbst der Post übergeben. Bis das erwartete Geld von der Gräfin eintraf, erhielt der Herr Grc�f Essen und Trinken und auch täglich sein Quantum Schnaps, ohne den er nicht leben konnte. Sowie der Herbergsvater mal den Rücken dreht«, oder gar das Zimmer rer- ließ, war dieser Herr Graf mit einem Sag hinterm Schanktisch, griff gierig mit beiden Händen die erst« beste Flasche mit Inhalt und tat sich mit einigen trästigen Zügen gllrlich, um die Flasche dann an Ort und Stelle zu setzen,«he der Herbergsvater wieder auf der Bildfläche erschien.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, «iiiimmiinmminmiiiiBiiniinnmiiimimiininnninimmmmmtnniimiimimroranHiiiiBnimnitiwmimmnnniiiieiiiiiiiiiiiiniiiiiuniiiiiiiiininniiiiiiuiiiimiiinniniiiiiinMiiiiiii Eine echt amerikanische Laufbahn hat Harry Stevens hinter sich, der seiner Tatkraft und einem glücklichen kulinarischen Einfall sein großes Vermögen verdankt. Stevens, der heute 67 Jahre alt ist, wurde als Sohn eines armen Rechtsanwalts in London geboren, erhielt eine gute Erziehung, heiratete mit 21 Iahren und wanderte nach den Staaten aus. Er ernährte sich und seine sechstöpfige Familie lange recht und schlecht als Arbeiter in einer Metallfabrik und später als Bücheroertriter. Als solcher bekam er eines Tages das Programm eines Fußball- Wettspieles in der Stadt Columbus In die Hand. Entsetzt über den schlechten Druck, ging er zum Manager des Weltkampfs und erbot sich, die Programme selbst herzustellen. Obwohl er keinen Eent besaß, wollte er hierfür die verlangten SOO Dollars bezahlen. Er lief gleich die ganze Stadt ab und hatte bis zum Abend für das Pro- gramm Inseratenaufträge für 700 Dollars abgeschlossen, so daß ihm nach Abzug der Druckkosten noch ein Gewinn blieb. Dieses Geschäft baute er allmählich aus, und heute gibt es kaum ein sportliches Er- eignis in USA., für das er nicht die Programme herstellt. Er besitzt eigene Druckereien, die zum Teil fahrbar sind, zum Teil in den Ge- bäuden der Veranstaltungen selbst liegen. Außerdem mietete er auf den Sportplätzen die Büfetts, an denen er bei großen sportlichen Freitag. 17. Mal Berlin, 16.00 Prof. Dr. K. Lndwirs: Bekimpfune der Carienschidlinie im Sommer, 16.30 Unterhaltungsmusik. Dr. Becces Terra Symphoniker. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin Mitte. 18,10 R. Hermsnn Pender: Chaucer. fln englischer Spreche.) 18.35 Dr. S. Nestriepke; Bühnenlorm und Bühnenbild In Vergangenheit nnd Gegenwart. 19.00 Studienrat Dr. Nßgler; Ptingstfahrten. 19.30 Walter Dahms, Mailand: Zum Gastspiel der Mailänder Scala. 20.00 Leon Jessel. Dirigent: Der Komponist(Berliner Fnnk-Orchestei.) 21.06 Bildfunk.— Anschließend: Orchester-Konzert. Dirigent; Brunn Seidler- Winkler 1. Beethoven; Ouvertüre Leonore Nr. 2.— 2. Joh, Brshms: Konzert fflr Violine und Violoncell A-Moil, op. 102.(Msarits van den Berg, Vieline nnd Grümmer, Violoncell. Berliner rnnk-Orchester.) Nach den Abendmeldungea: Bildfunk. KSalgtwnalerhanaei. 16.00 Sind.-Dir, Dr. Graben nnd Sind.-Rat Dr. Hartlg: Znr praktischen Durch fehrang der preußischen Richtlinien an höheren Schulen. 16.30 Mersmann: Einführung In Sonate nnd Sinfonie. 17.00 N'achmittagskenzert von Leipzig. 18.00 Ob.-Reg.-Rat Dr. Ziegler: Die Denan als internationale Wirtschaftsstrafle. 13.30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Curt Hetze!: Das römische Clement In der rhelnlsehe« Kultur. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.65 Dr. H. Heller: Student nnd Arbeiter.% Veranstaltungen manchmal bis zu einer Viertelmillion Menschen ver- pflegt. Dies führte ihn zur Errichtung einer Wurstfabrik und riesiger Kücheneinrichtungen. Sein letzter Einfall war 1900 die Einführung der „bot Aogs". Er ging dabei von der Erwägung aus, daß bei sport- lichen Veranstaltungen die Zuschauer gern rasch etwas Warmes ge- nießen. Es ist jedoch unmöglich, innerhalb der großen Zuschauer- Plätze Bratenstücke längere Zeit beim Herumtragen warm zu halten. Daher legte er heiße Würstchen zwischen zwei Schnitten gerösteten Brotes und etwas Mostrich dazu und ließ diese in kleinen Wärme- kesseln herumtragen. Der Gedanke schlug so sehr ein, daß heute Mil- lionen allmonatlich verkauft werden. Natürlich wurde diese Idee ebenso patenttert, wie früher das Eskimoeis, das seinen Erfinder zum reichen Mann machte. Ihren Namen bekamen die„heißen Hunde" durch den Karikaturisten Tad Dorgan, der behauptete, sie seien aus Hundefleisch gemacht. Diese Bezeichnung schadete ihrer Volkstümlichkeit aber nicht, im Gegenteil, sie steigerte sie nur noch, so daß Stevens dem Künstler alljährlich zu Weihnachten noch jetzt eine große Kiste Zigarren schenkt. Die Hauptstadt der Krim�oten. Bedeutungsvolle Funde haben die Ausgrabungen zutage ge« fördert, die seit kurzem in der Krim vorgenommen werden. Vor längerer Zeit hat sich in Sowjetrußland eine„Gesellschaft zum Studium d«r Allertümer in der Krim" gebildet, deren Ziel Haupt- sächlich darin besteht, die Geschichte der Krimgoten zu erforschen. Das germanische Volk der Goten breitete sich nämlich seit der Mitte des 8. Jahrhunderts südlich der Ostsee aus, und schon um das Jahr 200 hkrum sollen Ostgoten am Nordrande des Schwarzen Meeres gesessen haben. Von dort aus unterwarf ihr König Hermanarich zahlreiche flawische und finnische Stämme. Durch siegreiche Kriege wurden breite Landesteile erobert, und um die Miste des 4. Jahr- Hunderts bestand bereits ein großes Gotenreich, das den gröhlen Teil von Südrußland und die Halbinsel Krim umfaßte. Im Jahre 375 wurden dann die Krimgoten von den Hunnen unterworfen, Reste dieser Krimgoten sollen in den Gebirgen bis ins 16. Jahr- hundert unter einer eigenen Herrscherdynastie gelebt haben. Da schrifiliche Aufzeichnungen über die Geschichte und die Sitten der Krimgoten nicht vorhanden sind, ist es sehr schwierig, sich ein Bild von dem Leben dieses Volksstammes zu machen. Um so wichtiger sind die Funde, die eine von Moskau entsandte Kommission kürzlich gemacht hat. Es wurden die Reste einer Stadt und die Ruinen einer Feste ausgegraben, deren starke» Tor in Felsen gehauen ist. Hinter den Festungsmauern, die angeblich noch aus dem 5. Jahrhundert stammen, fand man sorgsältig angelegte Straßen mit ziemlich gut erhaltenen Häusern, Scheunen, und Biehställen. Da die Mauern mit Inschriften in gotischer Sprache bedeckt sind, glaubt man, werwolle Anhaltspunkte gefunden zu haben. Obwohl man nur mit vieler Mühe die Inschriften wird en'ziffern können, glaubt man heute schon annehmen zu können, daß es sich um die sagenhafte Hauptstadt der Krimgoten handelt, nach der man schon lange geforscht hat. Diese Annahme wird auch durch die Ausdehnung der aufgefundenen Stadt gerechtfertigt, denn die Gesamtoberfläche des Ortes beträgt etwa 80 000 Quadratmeter. U�j&r/ür�Q/hüßl Radsport zu Pfingsten. Rüii am Sonntag.- O ympia am Montag. Die Rutt-Arena wird aller Voraussicht nach am P f i n g st- s o n n t a g einen großen Tag haben, denn die Besetzung de- klassischen„Miller- Waller- Preises", der bereits zum vierten Male zum Austrag kommt, ist ganz ausgezeichnet. Rütt ist es gelungen, zu dem IlXI-Kilometer-Mannschaftsrennen nach Sechs- tageart neben der besten deutschen Mannschaft Franken st ein- Buschenhagen, die nach ihren vielen großen Auslandserfolgen seit langer Zeit zum ersten Mal« in Berlin an den Start geht, eine für uns neue belgische Mannschaft zu verpflichten, nämlich den hervorragenden Strahenfahrer D e c o r t e, der eben erst bei der 18. Rundfahrt durch Belgien den dritten Platz belegte, sowie den nicht minder bekannten Meeuwis. Das belgische Team wird aber einen sehr schweren Stand haben, denn es trifst auf die besten Spezialistenpaare Deutschlands mit Frankenstein-Buschenhagen, Kroll- Miethe, Tietz-Kr-'lchel Hürtgen-Goebel, Gebr. Wolke, Lehniann-Wissel und Carpus-schön an der Spitze. Di« 24 Fahrer bestreiten vorher den„Großen P f i n g st p r« i s", ein Fliegerrennen über 1000 Meter mit vier Vorläufen und drei End- laufen. Das zweite Verfolgungsrennen um die„Armbinde", die der Italiener Basst zu verteidigen hat, ergänzt das vielversprechende Programm, das um 3K Uhr seinen Anfang nimmt „Star" für die O l y m p i a- R a d r e n n b a h n ist Welt- meister Sa wall, die Attraktion aber bedingt das Zusammen- treffen mit Möller am Pfingstmontag. Der Hannoveraner.Wäsche- reibesitzer" hat am letzten Sonntag in Elberfeld, der einwand- freiesten Bahn der Welt, Sawall«ine regelrechte Niederlage bei- gebracht und sein Sieg spricht auch auf der Olympiabahn für ihn. Der klein« Pfingstpreis wird stehend und der große Pfingstpreis wird fliegend gestartet und zwar muß Sawall wieder von hinten fahren und sich an Möller vorbeikämpfen, um zu gewinnen Hat er erst wirklich Möller überwunden, was fraglich ist, dann liegt vor ihm nach B r ä a u, der sich von seinem Elberfelder Aturz erholt hat und im Vollbesitz der Kräfte an den Start geht. Bräau ist jetzt besser als G r a s s i n und mit Maronnier auf eine Stufe zu stellen, so daß er auch am Pfingstmontag durch seine eminent« Anfangs- geschwindigkeit vor einem großen Erfolg stehen kann. Der zweite Ausländer in dem Quintett ist V e n o i t. Er ist als alter Straßen- fahrer von dem Pfingstfeld der härteste und auch der draufgänge- rischste, so daß er mit diesen Tugenden seinen Gegnern eine Nuß zu knacken geben wird. E h m e r hat nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen, denn von seinem Start am Montag hängen bei der Direktion Krüger weitere Engagements ab und außerdem erhält Ehmer von seinen Gegnern zwei Runden Vorgabe, die aufgeholt sein wollen. Das pünktlich 3H Uhr beginnende Steherprogramm wird wie üblich von stark besetzten Amateurrennen umrahmt. Reisen und Wandern. 8. Jahresschau Deutscher Arbeit in Dresden. Am 15. Mai wurde die diesjährige Jahresschau Deutscher Arbeit in Dresden unter dem Titel„Reisen und Wandern" eröffnet. Vom Rhein bis zum Kurischen Hast, von den Alpen bis zur Nord- see sind hier sämtliche deutschen Landschaften zu sehen. Di« Natur- schönheiten, hervorragende, geschichtlich bedeutsam« Stätten und Kulturdenkmä'»'- in Deutschland werden ihrer Wesensart nach in einer Bild-, Plan- und Modellschau unter Benutzung der neuesten Ausstellungstechnik gezeigt. Besonderes Interesse hat für die wandernde Jugend die Gruppe„Die Wanderung". Sie beginnt mit einer Darstellung der Geschichte des Wanderns, erinnert in einer besonderen Ehrenhalle an geschichtlich Hervoragende Per- sönlichkeiten mit Einzelheiten aus Forschungsfahrten deustcher Geographen. In der Erkenntnis, daß der heimatenstremdete Großstadtmensch wieder zur Natur geführt werden muß, steht die Sonderabteilung, in der die Wirkung des Wanderns auf Geist, Seele und Körper behandelt wird. Schon Pestalozzi hatte die Erkenntnis, daß Wan- derung Anschauungsunterricht allergrößten Stils bedeute. Selbst- verständlich ist, daß dies alles nach der botanischen, zoologischen, mineralogischen, künstlerischen und sozialen Seite hin beleuchtet wird. Der Reichsoerband für Deutsche Jugendherbergen, der Verband deutscher Gebirgs- und Wanderoereine, der Reichs- ausschuß der deutschen Jugendverbände, der Touristenverein„D i e Naturfreunde" sowie die Wanbergiruppen der Turn- und Sportverbände haben sich an dieser Schau beteiligt. Internationales Arbeitersdiadi. Deutschland— Oesterreich— Schweiz in München. Die anläßlich des Kongresses der Arbeiter-Schach-Jnternationale in Wien gepflogenen Besprechungen wegen Veranstaltung eines Dreiländerkampfes Deutschland— Oesterreich— Schweiz haben sich nach anfänglichen Schwierigkeiten dahin ver- dichtet, daß der geplante Kampf nunmehr P f i n g st e n in München ausgetragen wird. Die Organisation haben die Münch«- ner Arbeiterschachspieler übernommen, während die Leitung des Kampfes und die Aufstellung der deutschen Mannschaft der Leitung des 5. Kreises im Deutschen Arbeiterschach-Bund übertragen wurde. Die Wettkämpse beginnen am 1. und enden am 2. Pfingst- feiertog. Die deutsche Mannschaft spielt in folgender Aufstellung: Fleischmann-Weiden, Bischoff-Nürnberg, Sprecher-Nürnberg, Fendt- München, Sengenberger-Nürnberg, Steinle-München, Pratzsch- Fürth, H. Zinser-Nürnberg, Bernlocher-München und Jttner-Fürth. Die aufgestellte Mannschaft dürste die Gewähr dafür bieten, daß sie den DAS. würdig vertritt, da sie durchweg aus alterprobten Kämpfern besteht. Ueber die weiteren internastonalen Landerkämpfe sind Verhandlungen noch im Gange. ADAC.-Frühjahrsreaatta am S. Juni. Nennungen zu der am S. Juni stattfindenden ADAC.-Frühjahrsregatta müssen bis zum 22. Mai an die Geschäftsstelle Berlin S. 61, Planuser 61, Fern- sprecher:? 6 Bärwald 8154, gelangen. Das Nenngeld beträgt für die gesamte Regatta 16 M. Bereits Anfang Mai lagen 45 Meldungen vor. Unter den gemeldeten Booten ist diesmal der Pro- zentfatz der Neubauten sehr groß. In der Klasse der 12-Liter- Rennboote sind die alten Rivalen„Markgraf"(Eigner: Pegel) und „Parolo V"(Zeidler) gemeldet. In der Schnellbootklasse wird das Boot„Bussard III"(Busse) den Clou bilden. Dieses Boot ist fix und fertig in Amerika gekauft worden. Warnung! Die aus dem Arbeiler-Turn. und Sportbund wegen kommunistischer Zerfehungsarbeit ausgeschlossenen Personen und Vereine versuchen immer wieder die Oefsentlichkeil durch unbeeech- ligte lveilersllhrung des Organisationsnamens irrezuführen bzw. mit dem Namen ZNihbrauch zu treiben. Alan veranstaltet z. B. am 29. und 30. Juni im Poststadion in Berlin ein sogenanntes„14. Kreis-Turn und Sportfest" und benutzt zu den ver- lraglichen und propagandistischen Abmachungen den Namen des Arbeiler-Turn- und Sportbundes. Wir stellen hierzu fest, daß die Führung dieses Namens von den Ausgeschlosse- neu zu unrecht erfolgt. Abmachungen haben daher weder sür den Arbeiler-Turn- und Sportbund noch für den 1. kreis (Berlin-Brandenburg) Verbindlichkeil. Die Behörden, Organisationen und Geschästsleute wollen von vorstehendem Kenntnis nehmen, da für etwa angerichteten Schaden der Arbeiter-Turn- und Sportbund keinerlei Haftung übernimmt. Arbeiter-Turn- und Sporlbund, 1. Kreis. E. V. I. A.: Max Reichert. Die Gruppe Mitte der Freien Schwimmer Groß-Berlin hat am Dienstag ihr Anbaden im Bad des Poftstadlons, Lehrterstr. 57», vollzogen. Unter Leitung bewährter Funktionäre wird an jedem Dienstag ab 18 Uhr an Mitglieder kostenlos Schwimmunterricht in allen Arten dieses Sportzweiges erteilt, so daß hier allen auf dem Boden des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Stehenden gute Ge- legenheit gegeben ist, sich dem Schwimmsport zu widmen. An allen Bodeabenden Aufnahme neuer Mitglieder oder Auskunst bei Willy Thiem, Berlin N. 66. Brüsseler Straße 21. Freier Znßballverein Neukölln 28. Aus Anlaß des Städtejviels gegen Vorwärts Groß-Räschen findet in den Passage- sälen, Neukölln, Bergstraße 151/152, am 1. Feiertag eine Be- grüßungsfeier statt. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: der freie Männerchor Berlin und der Bezirk Neukölln der FTGB. Beginn 20 Uhr. Psingsttreffen der„Naturfreunde". Zu dem„Naturfreunde"- Treffen in Halberstadt, das an den Pfingsttagen stattfindet, fahren die Züge am Sonnabend 15.50 Uhr und 18.50 Uhr ab Pots- damer Hauptbahnhof. Sämtliche Fahrtteilnehmer müssen mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt'des Zuges in der Vorhalle des Potsdamer Bahnhofes sein. Oer neue Schleusentarif. Gebührenherabsetzung für Jachtbesitzer, aber nicht für kleine Motorboote. hunderenaen am Psingstsonntag. Der„Berliner Hunderenn- klub" eröffnet seine diesjährige Rennsaison am Psingstsonntag auf der Rennbahn Berlin-Grunewald, Eingang 1. Platz. Für die Benutzung der Schleusen auf den mitteldeutschen (brondenburgischen), den mecklenburgischen Reichswasierstraßen und für die kanalisierte Saal« von Schleuse Böllberg bis zur Mündung ist am 15. Mai ein n e u e r T a r i f in Kraft getreten, der folgende Abgaben vorsieht: Für Mitschleuser innerhalb der Betriebszeit. Ruder- und Ruderboote 10 Pf., Segelboote 40 Pf., ungedeckte Motorboote und solche mit Schacht- oder Aichängemotor 75 Pf., sonstig« Motorboote: 1,50 M., sonstige Kleinfahrzeuge: 50 Pf. Für E i n z e l s ch l e u s« r innerhalb der Betriebszeit. Ruder- und Paddelboote: 50 Pf., Segel- boote: 80 Pf., ungedeckt« Motvrboote usw. 1,50 M., sonstige Motor- boote 3 M., sonstige Kleinsahrzeug« IM. Für Mitschleuser außerhalb der Betriebszeit. Ruder- und Paddelboote: 50 Pf., Segelboote: 1 M., ungedeckte Motorboote usw. 1,50 M.. sonstige Motorboot« 3 M., sonstige Kleinfahrzeuge: IM. Für Einzel- schleuser außerhalb der Betriebszeii. Ruder- und Paddel- boote 1 M., Segelboote: 2 M., ungedeckte Motorboote usw.: 3 M., sonstige Motorboote: 6 M., sonstige Kleinfahrzeuge: 2 M. Außerdem sind für Sportfahrzeuge Jahrespauschsätze vorgesehen, und zwar für Ruder- und Paddelboote 5 M., für Segelboote 10 M., für ungedeckte Motorboote mit Schacht- oder Anhängemvlor 20 M. und für sonstig« Motorboote 40 M. Für däs Oeffnen der beweglichen Brücken werden je Fahrzeug innerhalb der Betriebszeit 50 Pf. und außerhalb der Betriebszeit eine Mark erhoben: für die Benutzung der Bootsschleppen sind 10 bzw. 20 Pf. zu entrichten. Wce ersichtlich, werden die Wassersportler durch den neuen Tarif weitestgehend be- rücksichtigt. Befreit sind von den Abgaben Kleinfahrzeuge, die dem Reich oder den Ländern gehören, Rettungsboote des öffentlichen Rettungsdienstes, Boote der Feuerwehr, Fischerfahrzeuge, die die an den Schleusen der unteren Havel bestehenden Kahnschleusen benutzen und selbst bedienen, Ruder- und Paddelboote an allen Hebestellen, an denen keine Schleuse zu durchfahren-st. und Jugend- ruderboote mit Fahrtausweisen als Mitschleuser sowie bei Benutzung der Bootsschleppen. Was die Schleusengebühren für Motorboote anbetrifft, so erfahren wir von zuständiger Stelle, daß unter„ungedeckt« Motor- boote" Boote ohne Kajüte zu verstehen sind. Jedes Motorboot m i t Kajüte zahlt die vollen Preise, also 1,50 bis 6 M. Die bisher gewährte Ermäßigung der Gebühren bei Vorze-gvng eines von den Wasserbauämtern oder den anerkannten Sporwerbänden aus- gestellten Ausweises fällt fort, dafür sind die Gebühren an sich herabgesetzt. Bedauerlich bei dieser Neufestsetzung der Schleusengebühren ist nur, daß die Ermäßigung nur den großen, mit starken Mo- toren ausgerüsteten Privatbooten zugute kommt, deren Besitzer kaum zu denjenigen Wassersportlern gehören, bei denen das Motor- boot der einzig« Besitz ist. Bisher regelte sich das Schleusengeld so, daß Bootseigner, deren Ausweis einen Motor unier 30 Pferdestärken feststellt«, nur di« Hälfte der normalen Gebühren zu bezahlen hatten, also soviel wie jetzt die normalen Gebühren aus- machen. Boote mit über 30pferdig«n Maschinen mußten zum vollen Satz schleusen. Jetzt schert man alles über«inen Kamm, ja, man hat noch die Kategorie der„offenen Boote" geschajfen, die, das fei zugegeben, vielen kleinen Bootsbesitzern zugute kommt, di« aber auch die kostbarsten Autoboote ermäßigt schleusen läßt. Daß man sich Autoboote, also„offene" Boote, im Werte von 20 000 bis 30 000 M. anschaffen kann, beweist die zurzeit noch geöffnete Wassersportausstellung in Potsdam. Motorbootfahren ist heute nicht mehr ein Sonderrecht vermögender Leute: die Anschaffung eines solchen verschlingt nicht mehr Kapital, wie der Kauf eines guten Motorrades mit Beiwagen oder eines Grundstückes. Grundstücks- besitzet sind aber gerade viel« Arbeiter, Handwerker und Angestellt«. Wenn man diesen sogar noch allerlei Ermäßigungen z. B. auf der. Bahn, gewährt, so dürfen die gewiß nicht neidischen kleinen Motor- bootsbcsitzer aber verlangen, daß man ihre Abgabenkraft nicht stärker einschätzt, als sie ist. Ein ähnliches Monstrum wie dieser neue Schlcusentaris ist di« städtische Motorbootsteuer, die sich hierzulande nur Berlin leistet. Jedes Boot, das im Weichbilde Berlins ständig unter-' gebracht ist, kostet bei einen: Motor bis zu 8 Steuerpferdestärken 30 M. und mit stärkeren Maschinen 60 M. Jahressteuer. Diese Motorbootsteuer erfordert ihren Verwaltungsapparat, man verschickt Veranlagungen, Mahnzettel und gibt sogar Steuermarken aus Zink- blech, ähnlich wie Hundemarken, aus. Di« Steuer hat der Stadt im Jahre 1928 ganze 88000 M.(achtundachtzig- tausend) gbracht, wovon die Derwaltungskosten noch abzu- ziehen sind. Selbst der Kämmerer macht für 1929 nur einen Vor- anschlug mit 107 000 M. Noch ein« Steuer mit gleich geringem Er- träge gibt es unseres Wissens im Etat nicht mehr. Wie un- sozial diese Steuer ist, ergibt sich, wenn man bedenkt, daß die größten Segeljachten, die Werte bis 100 000 M. repräsentieren, steucr- firtb frei, daß aber etwa ein Schlosser, der sich in einen billig er- worbenen, alten Bootskörper einen ebenso erstandenen kleinen Motor einbaut und damit Sonntags herumgondelt, 30(dreißig) Mark Steuern zu entrichten hat. Für Schule md Sport Jacken- Anzug, modern gemusterter J gl.-Sdiul-Anzug, graumeliert. Cheviot Cheviot, Schillerkragen und � �_ mit Breeches oder Kniehose, 5 Kniehose für Sechsjährige M. jL Lt ganz. gefüttert Gr. 38„ M. J U« Trench-Coat aus hellmodefarbigem Jgl.- Schul- Anzug, apart gemusterter Baumwoll- Gabardine, für-n_ Cheviot, neue Schattierungen,\ S— sechsjährige Knaben„„ M. JLA» mit Knickerbocker Gr. 38 M. JÖ» Golfblusen-Anzug, moderne Farbtöne, Jgl.-Schul- Anzug, modebraunerCheviot sehr kleidsame Form, für q_ hervorr. Qual., mit Breeches ,<5_ sechsjährige Knaben_~ M. oder Knickerbocker Gr. 38 M. £fht»tt>»b*r Dos R a u§ d a s J e. d e n.i n/ i e h I BERLIN C KÖLLNISCHER FISCHMARKT Notwohnung auf dem Kohlenplatz. Ein Kapitel vom Wohnungselend. üa der Dolziger Strohe 4 5 befindet sich ein kohlen- i o g e r p l o tz, dahinter liegen Vierde- und Hühnerställe. Schutt. Dreck, verstreutes hühnerfutter, das sich das Aederoieh unter fröhlichem Gegacker zusammensucht, kurzum: Es ist > eine fast ländliche Szenerie, die ober leider nur die Schattenseiten einer solchen ausweist. Von Landlust ist»ichls zu verspüren, denn rundherum stehen dicht bei dicht Häuser, rauchen Fabrik ichlote, rattert und hämmert es von Geräuschen aller Art. Auf diesem Platz steht auch ein kleines, primitives Parterrehäuschcn, verwittert, oer- beult, ehemals ein Kontorraum des Lagermeisters. Ein einfaches holzdach, dessen Pelag dein Zahn der Zeit längst nicht mehr stand- hielt, brüchiges Gemäuer, das aus vielen klaffenden Wunden blutet, zum Teil sogar nur ans holz besteht, das mit Teerpappe notdürftig verkleistert ist. Kleine, einfache Schiebe- feusterchen, eine halztüre, die oben einen fingerbreiten Spalt frei- lätzt, mit einem Wort: alles, nur keine Wohnstätte, hier haust seit langer Zeit der Arbeiter G. mit seiner schwer lungen- kranken Frau— die eben wieder im Krankenhaus liegt— und einem kleinen Kinde. Der Mann, gebüttrger Berliner, lebte bis zum Jahre 1924 in seiner Heimatstadt, ging dann auf Arbeit nach Frank- f u r t a. d. O., wo er auch ein« Wohnung besaß. Als er wieder nach Berlin kam, war es ihm nicht möglich, eine Wohnung zu er- halten, und feine vielen Bittgänge zeitigten stets dasselbe Resultat, das all diesen bedauernswerten Menschen zuteil wird: der Rat, ins Obdachlosenasyl zu gehen. Der Mann, der soviel schwere Sorgen hat, Frau und Kind in dieser furchtbaren Umgebung elend und krank sieht, ist der Ver- zweislung nahe, hier ist wieder einmal dringend Ab- Hilfe nötig!___ Schadhaste Valkondecken. Die Städtisch« Baupolizei teilt mit: Ein EinzeUaU gibt Veranlassung die Hauseigentümer aus die Konstruktion der Ballone aufmerksam zu mache». In vie'en Häusern der 70er und 99er Jahre des vorigen Jahr- Hunderts sind Balkondecken mit Wellblech als tragendes Konstruktionsmaterial ausgesllhrt worden. Das Wellblech wird häusig sehr stark durchgerostet sein, so daß ohne äußere Ber- anlassung die Konstruktionen plötzlich nachgeben und herunterstürzen rönnen. Den Hauseigentümern wird empfohlen, die Balkon« aus ihre Tragfähigkeit zu untersuchen oder untersuchen zu lassen und bei Schadhaftigkeit die alte Konstruktion zu entfernen. Wie Mmkomparsen behandelt werden. Nette Zustände in Hugenbergck Llfa. Ein F i l in k o m p a r s e schreibt uns: Wenn vor uns auf der Leinwand eine Gesellschastsszene abrollt mit eleganter Ausmachung, mit Sektgläjern und strahlenden Ge- sichtern, ahnen die wenigsten Zuschauer, unter welchen Umständen mitunter diese glänzenden Ausnahmen Zustandekommen. Auf die Unbilden des Wetters kann beini Film keine Rücksicht genommen werden. Es kommt leicht vor. daß bei Termperaturen tief unter Rull die Damen in moderner Gesellschaftstoilettc. d. h, halbnackt. ins Freie hinausmüssen. Endlose Wiederholungen derselben kleinen Szene, dann wieder Stunden und Stunden herumstehen und warten, warten! Und umgekehrt kommt es vor, daß Szenen die in Sibirien in glühender Sonnenhitze gedreht werden, und daß die Darsteller unter dicken Fellen und Pelzmänteln Ströme von Schweiß vergießen. Das sind jedoch �lebelstönde. die man immerhin noch hin- nehmen kann, weil sie nicht zu vermeiden sind. Auch die Stars niüssen sich diesen Notwendigkeiten fügen. Doneben gibt es aber besondere Härten sür die Komparserie. Und die ließen sich leichi oermeiden, wenn man ein klein bißchen so- ziales Empfinden ausbrächte und es nicht sür selbstverständ- lich hielte, daß Arbeitskräfte, die sich in Ueberzach anbieten, und sich deswegen alle Demütigungen gefallen lassen schlechr behandelt werden müßten. Außerdem müssen die Herren Regisseure und hilssregisscure um jeden Preis und bei jeder Gelegenheit ihr Herren- tum betonen. Sie müssen„imponieren". Mau hat diese Zustände sehr treffend in dem amerikanischen Film„Sein letzter Befehl" beleuchtet gesehen. Bei uns in Deutschland wird so etwas nicht gejilint— aber es ist nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Wer den Betrieb! iiNeuchabels- borg kennt, wird das bestätigen können. Ich habe dort an zwei bitter kalten Tage» sür die„Ufa" gesilmt. Es war eine un- glaubliche Schinderei. Bon früh um acht bis abends um sieben wird durchgearbeitet. Gegen zwei Uhr mittags war eine Mittagspause eingelegt von einer halben Stunde Dauer. Die Kantine,>n der man Essen be- kommt, liegt aber am Eingang, das Atelier am Ende des aus- gedehnten Geländes, so daß allein für den Weg hin und zurück cickc gute Viertelstunde draufgeht. Diesen Weg legt man im Laufschritt zurück, die Domen verschwitzt und ganz dünn bekleidet. Dos Essen ist in der Kantine nicht etwa billig: ein bißchen Gulasch mit zwei Kartoffeln, aus einem Teller serviert, kostet 1,49 M. Dos sind keine Kantinenpreise. Kaum hat man sich zum Essen niedergesetzt, da kanimcn auch schon wieder die Regisseure herein und scheuchen einem mit einem Gebrüll, das eines Viehtrcibers würdig wäre, wieder ins Atelier zurück. Der Tan, in dem der Regisseur und seine drei Gehilfen auf die Komparserie losfahren, spottet überhaupt jeder Beschreibung. Er gleicht aufs haar dem auf dem wilhelminischen Kasernen- h o s üblichen. An den wilhelminischen Kommiß erinnert auch die schön« Einrichtung, daß die einzelnen Befehle sich gelegentlich wider- sprechen und jeder von den vier Antreibern etwas anderes daher- schnauzt. Uebrigens scheut man sich auch gar nicht, die Komparserie über den vorgeschriebenen Schluß der Arbeitszeit, also nach sieben Uhr, dazubehalten. Man sagt sich: Es wird sich bei dem kolossalen Andrang schon keiner beschweren.... Wie leichi ließe sich das ändern! Man brauchte nur an Stelle eines ganz ungenügenden Notbüsetts, an dem— bei 179 Komparsen— eine einzig« Person beschäftigt ist. und der aus der Kantine herübergeschaifte Kaffee kalt serviert wird, eine richtige, anständige Speiseausgabe im Atelier selber einzurichte» Aber wer kümmert sich bei hugenberg um das Wohl und Wehe von Arbeitskräften, die so massenhaft zu haben sind! Trübe Weiteraussichien. Wettere Zunahme der kalten Lustflrömvngen. Die Wetteraussichten für Pfingsten lauten nicht gerade hoff. iiinigerweckend. Die augenblickliche Druckoerteilung soll jedenfalls' den Witterungscharatter sehr schlecht beeinflussen. Ein gewaltiges Hochdruckgebiet lagert nordwestlich des Kontinents. Im Osten erstreckt sich ein w e i t v e r b l e i i e t e s Tief, das von Südpolen bis zum nördlichen Balkan reicht. Diese Druckoerteilung bedingt die kühlen Nordwinde, die zurzeit über Deutschland wehen. Das ganze deutsche Gebiet ist in den Be- reich dieser kalten Lustströmungen gelangt. Die Durchschnittstempe- raturen betrugen heute früh nur sechs bis acht Grad Wärme, was für die Jahreszeit als sehr niedrig zu bezeichnen ist. Die östliche Grenze der Kaltlustströmung geht durch Ostpreußen und Westpalen und hat sich bis jetzt kaum oerschoben. Westlich dieser Grenze herrscht regnerisches und unfreundliches Wetter. Da das Hochdruckgebiet, das nordwestlich des Festlaydes lagert, sich noch weiter verstärkt, ist noch mit einer weiteren Zunahme der kalten L» s t st r ö m u n g e n und mit Niederschlägen zu rechnen. Ob das Wetter zu den Pfingstfeiertagen wesentlich besser sein wird, ist danach zu bezwcijeln. Die Eisheiligen scheinen verspätet Einzug gehalten zu haben, allerdings zu einem wenig erwünschten Termin. Fernsprechamt„Fraunhoser". In Ehorlottenburg soll dem- nächst eine neue Fernspeechvermittlungsstelle mit dem Namen „Fraunhofer" eröffnet werden, der die Neuanschlüsse aus dem Bereich der Vermittlungsstelle„Wilhelm" zugewiesen werden sollen, die an diese wegen Erschöpfung der Aufnahmesähigkeit nicht mehr herangeführt werden können. Neue elekinsche Wagen. Verbesserungen auf ver Strecke Qchterfelve-Ofi. In der Deutschen Maschinentechnischen Gesell- schaft hielt Reichsbahnoberrat Dr. Gustav Wagner kürzlich einen Vortrag über den Abschluß der Elektrisizierung der Ber- liner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. Er betonte dabei, daß am 1. Juli d. I. nunmehr auch die alten elektrischen Züge auf der Strecke Potsdamer Vorortbahn- Hof-Lichterselde-Ost durch Zü� der neuen Bauart ab- gelöst werden und daß dann als Restarbeit nur noch die Jnbetrieb- »ahme der noch nicht ganz fertiggestellten neuen Strecke Jung- fernheide-Gartenfeld verbleibe, die voraussichtlich Ende des Jahres erfolgen werde. Der Vortragende äußert« sich dann ein- gehend über den neuesten W a g e n t y p der elektrischen Strecken. Trotz ihres niedrigen Gewichtes besitzen diese„leichten Stahlwagen" groß« Festigkeit und Widerstandsfähigkeit, so daß sie als sehr betriebssicher zu betrachten sind. Die elektrische Ausrüstung ist gegenüber der früheren Ausführung vereinfacht und verbessert worden. Die Steuerung ist vollautomatisch und sichert weitestgehende Ausnutzung der Motoren bei wirkungsvollstem Schutz gegen Ueber- lastung. Die Vorzüge der Inneneinrichtung mit ihren niedrigen Fußböden, der gleichmäßigen B e l e u ch t u n g und der automatischen Türschließeinrichtung sind in ihren Einzelheiten bekannt, doch wies der Vortragende im besonderen darauf hin, daß man nach eingehenden Versuchen den über den Fenstern angeordneten L ü f» tungstlappen den Vorzug vor den sogenannten Sauglüftern gegeben habe. Wer war der Mörder? Eine ganze Gemeinde muß ihre Fingerabdrücke abgeben. vrüx i. Böhmen, 17. Mai. In Meronitz bei Bilin wurde vor vier Iahren ein weiblicher Sonderling, eine reiche Kaufmannswitws, auf gräßliche Art er- mordet iind der Täter tonnte bisher nicht ermittelt werden. Die ganze Gemeinde leidet darunter, weil immer wieder Gerüchte aus- tauchen, daß der Raubmörder nur im Orte sein kann. Die Gemeinde- Vertretung hat daher einen gewiß einzigartigen Entschluß gefaßt: Sie läßt alle männlichen erwachsenen Bewohner, die 1925 in Meronitz wohnten, daktyloskopieren. Dadurch, so hofst man, wird sich entweder der Täter verraten oder der Verdacht wird von der Gemeinde sür immer genommen. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Braunschweig verurteilte den 24 Jahre alten Kuhmelker Ernst W i n k l e r aus Dettum bei Braun- schweig, der am 7. Juli vorigen Jahres die chofbesitzerin Schmidt durch vier Schüsse getötet und ihre Wirtschafterin Erna Bosse mit einem Stein und einem dicken Eichentnllxpel erschlagen hatte, wegen Mordes an der chofbcsitzerin zum Tode. Wegen Totschlages er- kannte das Gericht auf lebenslängliches Zuchthaus. Außerdem erhielt Winkler sechs Monate Gefängnis wegen Diebstahls. Sicherlich wird die braunschweigische Landesregierung auch dieses Todesurteil nicht vollstrecken lassen. Genosse Karl venlz, Neukölln, Lichtenrader Str. 49, beging am Freitag sein 25jähriges Arbeits jubiläum in der Ver-� lageslrma I. ch. W. D'.etz Nachf., Berlin, Lindenstr. tz. Möge den, Jubilar, der sorpohl in seiner Ardeitsstätte als auch in seinem Wohnort Gegenstand herzlicher Ehrungen war, noch manches Jahr erfolgreicher Arbeit iin Dienste unserer Bewegung beschicden sein. Der Bnchdrxck.ZR-lchinrnmrister Susta» Sck»»rz. NeukWn, Smtcr Etr. 21. voll?ndrtc am U. Mai srin 60. Leben.jahr. Langr Iahrc Parteimitglird unt> Irruer Leser des..Vorwärts", hat er stet» vorne liestantcn, wenn e» galt, die Vslicht ju tun im Dienste der Ärbeiterschast. Weiler sür Berlin: Weiterhin kühl bei nördlichen Winden. Nachlassen der Regenfälle.— Für Deutschland: Ueberall kühl, im Süden und Südosten weitere Regensälle. Im übrigen Reiche langsam« Besserung. »Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. VttOGUAMH für die Zeit vorn 17. bis 20. Mai I N O-T A F E L oa Potsdamer Strafe 38 Die wunderbare Lüde der Nina Petrowna mit Drldilte Helm Rheinstrafjc 14 Ka(iln-Elche) Die Ehe, ein Film von van de Velde Dr. Dolittle und«eine Tiere Odeon, Potsdamer Sir. 75 Port, ein Film aus dem afrikanischen Busch Die nene Heimat mit Rndolph Schildkrant Jugendliche haben Zutritt Turmstratzc 12 Das närrische Glück mit Maria Pandlcr Gutes Beiprogramm Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Die Ehe, ein Film von van de Velde Dr. Dolittle nnd seine Tiere g Keh&nefcorfl■ Alhambra Be�&hV5U- Schöneberg, Hauptstr. 30 OroSes Pfingstprogramm! Die Fran, nach der man sich sehnt Bühne: Kevne Im Kittdien Titania(ut, slhönebcm) Hauptstraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Port Die AHanttlcfehri d. •thiftea Meteor Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Der Instige Wltorer mit Harry Lledtke Der geieiseUc Eddie Polo g Charlettenfcurg _ dilütcr-Thcater Schlüterstr.'! 6 W. 7 u. 9.1 J U, S. ab 4 U. Hotelgekeimnisse mit Magda Sonja Küsse, die man nie vergibt mit Pandlcr g»tea.lt« g Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Peter der Hairose mit Reinhold Schänzel Bühne: Gastspiel: Nicola Lnpo > Uchf rfeldS'WQStnfc MI f z Wochentags 6.30, 9 Uhr 1 Stg. 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. J.-V. Hindenburgdamm 58a Hinter Klostermanern Straftenbekannlschaften mit W. Pittschon f Bühnenschaii g snowesten g FQm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1—4' Beginn 6 U. Grobstadtidimetterliiig mit Mey-Wong Wem gehört meine FranT mit Kemper« g Maricndorf (Via V i Marlendorfer 1 la- Lichtspiele Chausseestraüe 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Meineid Mascoltcfaen mit KUhe Ton Nagy Bflhnensdkaa Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4�0 Uhr Die Ehe(van de Velde) mit LH Datorer Slam, das Land iL weihen Elefanten � Südosten � � Filmeck BeÄinn:Wiilt Skaiiaer Straße, am Qörlitzer Bahnhof Der Petrlol mit Emil Jannlngs Gate BOhnenschaa Urania-Theater Wrangclstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr Getan«ene de« Meere« HcnP war Ich bei der Frida Gro�e BUhncnschan g NeuKSIIn B Primus-Palast Hermak>n platz Der lastige Witwer mit Harry Lledtke, Alice Roberts, La Jans Auf der Bühne: Paul O. Montis, Chanson Willy Margwills, Komponisten- und Dirigenten-Imitator g Hledersehönewnide1� Elysium Hasselwerdcrstraße 17 Der Leutnant Ihrer Mafesi&t mit Petrovich Die Jagd nach der Frau Ausstattungs-Revue Gute Bühnenschau g Weinnnsen g Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Die weihen Rosen von Rarcnsbcrg Trelhhans der Liehe, Revue Oatnn Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Der Patriol mit Emil Jannings Der größte Film der Gegenwart Ausgezeichnete« Beiprogramm Große Bfihnenschaa Beginn der ersten Vorstellungen: WochenL ab 7. I. u. 2. F. ab 5 Uhr. Kasseneröffnung V» Std. vorher Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Der Leutnant Ihrer Ma/estäl mit Iwan Pctrovldi Die rersebwundene Frau Gro£e Bühnenscfaau Concordia-Palast Andreasstraße 64 Nachtwelt mit Anna May-Wong Wem gehört meine Frau? mit Kampe Bühnemch: er» ao Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Die Kosaken mit John Gilbert Gastspiel; Deutsch-russische Revue „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Der Patriot mit Emil Jacnings „Thcatre Piccolo", Marion ettensp. Bühnenschau g werden g Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Die Ehe nach van de Velde Dr. Dolittle and seine Tiere DtUuscnscbaa Alhambra Müllerstraße. Ecke Seestraße Der Held aller Müdchentrünmc mit Harry Lledtke Beiprogramm. Bühnenschau Gr. Revue Lachgas über Berlin Fortuna-Tageskino Müllerstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Der Held aller Mldchentriume mit Harry Lledtke Franenraub in Marokko Noadf's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5, 7. 9 Uhr l.u. 2. Feiertag 3 U.Jugendv. Vererbte Triebe iDas neue Geschlecht) )cr lastige Witwer mit Harry Lledtke Pharus-Lichtspielc Müllerstraße 142 2 Großfilme: Die weihen Rosen von Ravensberg Atfcntheaier mit Sid Chaplin „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna mit Brigitte Hehn Das Findelkind von Singapore Bühnenschau Gesundbrunnen M Alhambra" Badstraße 58 Die Mebzehnfahrigea mit Grete Mosheim Beiprogramm Grote Varietösdiaa PROGRAMM für die Zeit vom 17. bis 20. Mal Ballsdunicder- Lidiisp. Badstraße 16 Der Patriot mit Emil Jannings Die Pantherkatze mit Dolores dcl Rio Bühne: Gr. Balalelka-Or ehester Humboldt-Theater Badstraße 19 Verirrte Jugend Der Unbekannle JDas Doppelgesicht) l&hncnschaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die weihe» Rosen von Ravensberg Singspiel: Unterm FUederbanm g Pankow g Palast-Theater Breite Straße 21 a Der Patriot mit EmU Jannings Regie Lubitseh Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Der König der Bern Inn Beiprogramm Grohe Bflhnenschaa Film-Palast ßlankenburger Straße 4 Die Ehe nach van de Velde Im Lande des silbernen Löwen RelnlckeiKlorr-Ost Bürgerg arten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Frlnleln Else m. Elisabeth Bergner Beiprogramm BOhnensdian