Morgenausgabe Nr. 226 A 115 46. Jahrgang WöchenMch WPs. monaMch Z.SV M. Im voraus zahlbar, Postbezug«LZ M. einschließlich 60 Psg. Postzeitung». und 72 Pfg, Poftdestellgedührnl.»usland«- abonnement S.— vi. pro Monat. ♦ Der„Bonuärts* erscheint«ochentig. sich zweimal, konntag, und Montags einmal, die ildendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Per Hbend". Illustrierte Beilagen.Voll und Zeit» und.Aindersreund'. Ferner .Unterhaltung und Wissen'..Frauen- stimm«'..Technik',.Blick in die Bücherwelt' und.Jugend-BarwSrt»' W v P. Verttner VoltSdlatt Sonnabend IS, Mai 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeiie 80 Pfennig. Reklamezeile S.— Reichs» mark.„Meine Anzeigen' das fettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulassig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben wählen für zwei Worte. Arbeitsmaikt eile 00 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gefchäft Lindenstraße 8. wochentäglich von«>/, bis 17 Uhr. Zentratorgan de« sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: DönhofI 292—297 lelegramm-Sdr.: Soziale emoiral Berlin Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7KSS,— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte« und Beamten Dallstr. SS. Dikkonlo-Sesellschasl, Deposttenkafie Lindenstr, ii „Graf Zeppelin" bei Toulon gelandet. Nach gefährlicher Fahrt über Frankreich.- Kampf mit dem Sturm. Friedrichshafen, 17. Mai. Wie die Werftleitung mitteilt, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 8 Uhr abends in Cuers bei Toulon glatt gelandet. Wie das französische Luftfahrtmini- st e r i u m berichtet, ist das Luftschiff um 20 Uhr 15 Minuten auf dem Flugplatz Cuers-Pierrefel bei Toulon in der Flughallc untergebracht worden. Die Landung erfolgte ohne jeden Zwischenfall. Dr. Eckencr sandte nach der Landung ein Dank- telcgramm an den französischen Luftfahrtminister. Glückliche Landung/ Neue Motoren unterwegs Friedrichshafen, 17. Mai. Nach einer weiteren Meldung erfolgte die Landung des„Graf Zeppelin" auf dem Flughafen Cuers bei Toulon um 20,4» Uhr. Dr. Dürr vom Luftschiffbau Zeppelin begibt sich in Begleitung von Professor Milarch- Bonn zur Fahrt nach Toulon. Vom Lustschiffbau Zeppelin war die Lage des Luftschiffes während der ganzen Sturmfahrt am Freitag nachmittag zuversichtlich beurteilt worden. An Bord befanden sich außer Dr. Edener mehrere Luftschifführer, so Kapitän Lehmann, Flemming und von Schiller, die in der Handhabung eines beschädigten Luftschiffes große Erfahrung besitzen. Auf dem Flugplatz Cuers befinden sich mehrere Lust- fchiffhallen, von denen eine auch die„Dixmuiden" be- herbergte. Schon Sonnabend früh gehen vier Reserve- Motoren von den Maybach-Werken nach Toulon ab, wo sie sofort in das Luftschiff eingebaut werden sollen. Das Luftschiff ist inzwischen durch Militär und Hilfs- Mannschaften in eine der Hallen geschleppt worden. Die Passagiere verließen wohlbehalten das Schiff. Einer der Motoren scheint offenbar noch ganz intakt geblieben z» sein. Bei dem zuerst ausgefallenen Motor lag Kur- belwellenbruch vor. Drei weitere Motoren mußten hierauf wahrscheinlich so stark in Anspruch genommen werden, daß sie ebenfalls Schaden erlitten. Ob das Luft- schiff nach gründlicher Ueberholung mit den Motoren seine Amerika-Reise fortsetzen oder nach Friedrichöhafcn zurüdkehren wird, läßt sich noch nicht sagen, da von der Luftschiff-Führung noch keinerlei direkte Mitteilungen über die Landung sowie über die weiteren Absichten beim Luftschiffbau eingetroffen sinb. Ein Flugzeug der Deutschen Botschaft unterwegs. Paris, 17. Mai. Um 18 Uhr ist ein Flugzeug mit dem Mitglied der deutschen Bot- schaft, Gesandtschaftsrat Dr. Clodius, nach der Gegend, in der „Graf Zeppelin" kreuzt, abgeflogen. Die Landung in Toulon. Toulon, 17. Mai. Schon viele Stunden vor der Landung hotte sich in Toulon die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, daß das französische Luft- sahrtministerium dem Gras Zeppelin den Rat gegeben hatte, einen Abstieg bei Toulon zu versuchen. Alles, was sich irgendwie in Be- wegung setzen konnte, hatte die Stadt verlassen und sich nach dem Flughafen hinausbegeben. Bei dem klaren Abendhimmel konnte man den Zeppelin schon von weitem ssch dem Flugplatz in sehr lang- samer Fahrt nähern sehen. Nach glücklicher Landung drängten sich die Schaulustigen an das Luftschiff heran und konnten von den Absperrungsmann- fchaften nur mit Mühe zurückgehalten werden. Dr. Eckener zeigte sich beim Berlaffen der Führergondel sehr gerührt über den Empfang, der ihm aus französischem Boden bereitet wurde und über das Entgegenkommen, das ihm von allen franzöfsschen Stellen, vom Luftfahrtministerium angefangen, bewiesen wurde. Die Teilnehmer an der Swrmfohrt des„Graf Zeppelin" machten aus ihrer Befriedigung keinen chehl, wieder f e ft e n Boden unter den Füßen zu hoben. Viel« waren infolge der G«- mütsbewegung und durch die Strapazen der abenteuerlichen Fahrt stark mitgenommen, manche von der Seekrankheit befallen. Es wurde allen noch in später Abendstunde ein Nachtlager ' bereitet. Ein Teil der Passagiere des Luftschiffes dürfte bereits im Laufe des Sonnabends die Rückreise über Lyon und die Schweiz oder über Paris antreten. * � Wer gestern abend im Rundfunk die Nachrichten über das Schicksal des„Graf Zeppelin" verfolgte, erlebte Stunden schwerer Sorge. Eine Zeitlang schien es, als ob das Luft- schiff, jeder Manövrierfähigkeit beraubt, den Westalpen ent- gegentreibe. Daß die Rettung gelungen ist, daß es gelungen ist, das Luftschiff nach Toulon zurückzubringen, stellt der Um- ficht und Tatkraft seiner Führung das allerbeste Zeugnis aus. Auf der anderen Seite wird man sich aber auch nicht der ernsten Lehre verschließen können, die sich aus diesem noch glücklich verlaufenen gefährlichen Zwischenfall ergibt: Die Lösung des Problems, einen geregelten und sicheren trans- ozeanischen Verkehr mittels lenkbarer Luftschiffe durchzu- führen, befindet sich nach langer opferreicher Arbeit noch immer im Experimentier st adium. In Fragen der Technik darf es keine nationale Prestigepolitik geben. Nur mit Entsetzen kann man lesen, was ein so weit verbreitetes Blatt wie der„Berliner Lokal-Anzeiger" seinen Lesern vor- zusetzen wagt. Da wird von„blinoen Passagieren" und von einem„geheimnisvollen Holländer" gemunkelt, die sich auf dem Luftschiff vor seiner Abfahrt verdächtig zu schaffen ge- macht hätten, und schließlich wird sogar als„interessant" be- zeichnet, daß das Horoskop eines„bekannten Astro- logen" den Dr. Eckener dringend vor einem Aufstieg am 15. oder 16. Mai gewarnt habe. Ist es möglich, daß eine solche geistige Kost in der sogenannten„Stadt der Intelligenz" willig angenommen wird? Von der Errettung zahlreicher Deutscher aus ernster Ge- fahr kann man in diesem Falle micht sprechen, ohne dankbar jener Franzosen zu gedenken, durch deren tatkräftige Hilfe das schwere Rettungswerk erst möglich wurde. Gewiß kann man sagen, daß nur einer selbstverständlichen Pflicht der Menschlichkeit genügt worden ist. Ohne dieser Feststellung zu widersprechen, geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß es für die gegenseitige Ausübung dieser Menschenpflicht nie wieder ein Moratorium geben wird. Wir können uns ja kaum mehr die Zeit vorstellen, in der man auf beiden Seiten über abstürzende, abgeschossene Flugzeuge und Luftschiffe in ein wildes Jubelgeschrei ausbrach, und wir können uns erst recht nicht vorstellen, daß eine solche Zeit jemals wiederkehren könnte. Dep Fortschritt der Technik kann der Menschheit nur dann zum Segen gereichen, wenn der Fortschritt mensch- licher Gesinnung mit ihm gleichen Schritt hält. Oer schwere Kampf des Lustschiffes. Die Hilfeleistung der französischen Behörden. Ueber die Rotfahrt des Luftschiffes„Graf Zepsselin" liegen im einzelnen folgende Meldungen vor: Etwa um 13 Uhr überslog „Graf Zeppelin" M o n t e l i m a r. Es bewegt« sich nur schwer vorwärts und wurde durch den Wind außerordentlich behindert. Nach Havas gab es häufig Signal«: Dr. Ecke- ner bat um die sofortige Genehmigung, landen zu dürfen und ließ mitteilen, daß sehr ernste Beschädigungen auszuweisen seien, die das Schiff in Gefahr brächten. Der Direktor des französischen Lufthafens hat sofort die nötigen Schritte eingeleitet, um Dr. Eckener die Landung südlich von Balence zu ermöglichen. Man blieb aber ohne Antwort vom „Graf Zeppelin" und weiß nicht, ob die Nachricht Dr. Eckener erreichte. Um 14,50 Uhr flog das Luftschiff mühsam gegen st ar- ken Nordwind an, zeitweise schien es fast st i l l z u st e h e n. Nachdem das Luftschiff ungefähr 5 Kilometer zurückgetrieben war, wendete es und schlug Kurs nach Süden ein. Um 14,10 Uhr gab das französische Lustsahrlministerium an alle Behörden der Gegend von Lyon und Balence Anweisung, dem Lustschiss jede nur mögliche Hilfe zu leisten. Die G a r n i s o n von Balence wurde alarmiert, um bei einer Notlandung zu helfen. Der Versuch, zu landen, mißlang. Das Luftschiff wurde in südöstlicher Richtung aus Saillans abgetrieben. Diese Ortschaft liegt etwa vierzig Kilometer südöstlich von Balence. Das Luftschiff, so heißt es im Bericht havas, manövrierte sehr schwer. Es bäumte sich auf und drehte sich, ohne dem Winde widerstehen zu können, der das Luftschiff nach Süden und Südosten mit einer Durchfchnitts- gcjchindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde abtreibe. In- zwischen benachrichtigte das französische Luftschiftahrtministerium sämtliche Präfekten und alle anderen Stellen und gab die Anweisung, jede nur irgend mögliche Hilfe zu geben. Unweit Balence wurde an einem Sandsack eine Bot- schaft Eckeners in deutscher Sprache gefunden. Sie lautet: „Wollen Sie mir bitte durch die Garnison die Stelle angeben, die am besten für eine Landung des Zeppelin-Lustschisses geeignet ist." Das Luftschiff befand sich, als es die Botschaft ab- warf, in 400 Meter höhe. Die Radiostation von Balence bemühte sich vergeblich, Verbindung aufzunehmen. Um 17,30 Uhr veröffentlichte das französische Luftfahrtministerium amtlich:„Um 17,15 Uhr befindet sich das Luftschiff„Graf Zeppelin" im Tale des Flusses D r o m e und bewegt sich nach Osten. Es befindet sich zur- zeit in einer geschühlen Zone unweit von Saillans." Um 18,30 Uhr verlautete, daß der„Graf Zeppelin" in südöstlicher Richtung a b- getrieben sei und sich gebirgiger Gegend nähere. Es würde ein Funkspruch vom„Graf Zeppelin" aufgenommen, daß größte Gefahr drohe. Eine Stunde später hieß es, das Luftschiff, das gegen Osten nach den Alpen zu abgetrieben wurde, solle wieder die Richtung nach Westen gegen Monielimar gewonnen haben. Drei Kilometer von Monielimar befindet sich ein Terrain, das f ü r« i n e Landung geeignet ist. Gegen 19 Uhr folgte das Luftschiff dem R h o n e t a l. Jedoch liegt nach der Havas-Meldung der„Graf Zeppelin" In einem Winkel von 45 Grad schräg. Truppen folgten dem Luftschiff auf Transportautos. Stimmen der pariser presse. Paris, 17. Mai. Die Pariser Presse zeigt in ihrer Bevichterstattung über den Abbruch des Amerika-Flnges des„Graf Zeppelin" eins anerken- nenswerte Zurückhaltung. Der„Jntranfigeant" sieht in dem Unter- nehmen in der Hauptsache eine bewundernswerte spart- Ii(he L e i ft u n g und meint, ein Materialbruch, wie er auf der jetzigen Fahrt des deutschen Lnftschisfes eingetreten fei, kömie nicht immer die Zukunft des Lenkluflschiffcs gefährden. Die„Libertö" lobt Dr. Eckener, daß er nicht aus Ruhmsucht versucht habe, den Elementen zu trotzen und mit drei Motoren das gesteckte Ziel zu erreichen. Revision oder Nevanche? Die Nevisions- und Königsfrage in ltagarn. Von Hermann Wendel. Unlängst hat die ungarische Sozialdemokratie den poli- tischen und sittlichen Mut gehabt, etwas zu tun, was in einem freieren Lande als Selbstverständlichkeit kaum der Rede wert wäre. Mit viel honigsüßen Worten über die „äußerst wertvolle Schicht" der Arbeiter wurde die Partei von der„Ungarischen Re v i s i o n s l i g a" zum Bei- tritt aufgefordert, da man vor Europa einer Einheitsfront der Nation gegen den Frieden von Trianon bedarf. Nicht im Unklaren darüber, daß sie derart allen chauvinistischen Straßenkötern auf den Schwanz treten werde, hat die So- zialdemokratie die Einladung abgelehnt, nicht etwa, weil sie die Paragraphen jenes Vertrags für ein Werk der Weis- heit und Gerechtigkeit hielte, sondern weil ihr V o r b e d i n- g u n g seiner Revision die demokratische Umge- staltung Mittel- und Osteuropas, also vor allem Ungarns, und die friedliche Vereinbarung der durch Trianon gebundenen Staaten zu sein scheint. In der Tat ist die ungarische Revisions- k a m p a g n«. wie sie mit viel Pathos und Paukenschlägen unentwegt fortgeführt wird, nicht nur vom sozialistischen Standpunkt aus höchst bedenklich. Nach der Niederwerfung der Mittelmächte zog 1919 der Friede von Trianon etwas allzu schroff die Folgerung aus der Tatsache, daß in Ungarn die Madjaren, wenig mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachend, als Herrenrasse auf dem Rücken von Millionen Rumänen, Serben, Slowaken, Deutscher und Ruthenen ge- ritten waren und unter ihnen eine freche Entnationalisie- rungspolitik betrieben hatten. Da nunmehr die Gitterstäbe dieses Völkerkerkers zerbrochen und die Insassen, so gut es ging, in Freiheit gesetzt wurden, büßte das Land zwei Drittel seines Gebiets und weit über«in Drittel auch seiner madjarischen Einwohnerschaft ein. Von Ungarns Boden- fläche fielen 36,2 Proz. an Rumänien, 22,3 Proz. an die Tschechoslowakei, 7,4 Proz. an Südslawien, 1,4 Proz.(das Burgenland) an Oesterreich. Diese abgetretenen Ge- Zollattacke im Reichstag. Zollmauern für Fleisch und Getreide sollen aufgestockt werden. I« Reichstag fisü gest«« von der Deuts chuationaleu Dolkspartei. der Christlichnationale» Bauern- Partei und der Gruppe Fehr Antrage eingebracht worden. die ein« scharfe Erhöhung der bestehenden Zölle auf B i e h und Getreide zum Ziele haben. Diese Anträge ent- stammen dem sogenannten Einheitsprogramm, das die landwirtschaftlichen Führer Schiele, Brandes, Herme» und Fehr kürzlich der Reichsregierung eingereicht haben. Bereits vor Wochen haben wir uns mit der Sinnlosigkeit dieses Programms befaßt, in dem der Geist de» rückständigen Hochschuhzöllner» wahr« Orgien feiert. Die jetzt im Reichstag eingebrachten Anträge, die„zur Gesundung der deutschen Volkswirtschaft" dienen sollen, oerlangen die Erhöhung des Zollsatzes für einen Doppelzentner Lebendgewicht bei Rindvieh auf 38,50 M., bei Schafen auf SS M., und bei Schweinen auf 56 M. Daneben sollen entsprechende Zoll- erhöhungen für frisches bzw. zubereitetes Fleisch durchgeführt werden. Auch die Zollsätze bei vertragsmäßigen Abmachungen sollen auf 24,75 M. bei Rindvieh, 22,50 M. bei Schafen, 36 M. bei Schweinen und 45 M. je Doppelzentner bei Fleisch, heraufgeschraubt werden. Ein weiterer Antrag sieht die Aufhebung der gegenwärtig geltenden Zwischenzölle für Getreide vor, wo» n. Das Preußenkonkordat. Sachlich fertiggestellt— formal uoch nicht. Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die in den Blattern erschienenen Meldungen über den Abschluß des preußischen Konkordats geben Anlaß zu der Erklärung, daß olle Kombinationen über den formalen Abschluß oder Nichtabschluß oersrüht sind. Die Verhandlungen gehen weiter. * Wie das Nachrichtenbureau de» Vereins Deutscher Zeitungs- nerleger erfährt, hat der Konkordotsentwurf in der endgültigen Redaktion in mehr als dreistündigen Beratungen am Freitag das preußische Staatsministerium passiert. Die Vorlage ist darauf zunächst noch einmal an das Kultusministerium zurück« gegangen, wo sie noch einig« Aenderungen erfahren wird, ehe sie den üblichen diplomatischen Weg zum Vertragsgegner, der römischen Kurie, antritt. Wie wir weiter erfahren, sind der endgültigen Redaktion des Konkordatsentmuris Vorbesprechungen zwischen dem Berliner Nuntius und der preußischen Regierung vorangegangen, so daß aus der Tatsachs des Vorliegens der endgültigen Redak. t i o n eine gewisse Verständigung zwischen den Vertrags- partnern geschlossen werden kamt. Eine weiter« Frage wäre natu» gemäß, ob, selbst die Zustimmung der 5kurie vorausgesetzt, dos Konkordat bei den preußischen parlamentarischen Körperschaften die erforderliche Zweidrittelmehrheit finden wird. Sollt« Rom zu- stimmen, so würde es immerhin mindestens vier Wochen dauern. ehe die Vorlage an die Parlamente kommt, so daß der Landtag kaum noch vor der Sommerpause sich mit dem Konkordat beschäftigen könnte. Oer Inhalt des Konkordats. Der Demokratische Zeiwngsdienst teilt mit: Wie von jn- ständiger Seite bestätigt wild, Hot im Anschluß an die Mintsterial» sitzung der preußischen Staatsregierung am Freitag ein« Chef- besprechung stattgefunden, in der zwischen den beteiligten Reffort- ininistern über den Konkordotsentwurf in seiner jetzigen Form be- raten wurde. Wann dieser Entwurf im preußischen Kabinett zur Verabschiedung gelangt, steht noch nicht fest. Infolgedessen ist auch noch kein Zeitpunkt für die Behandlung des Konkordats in den gesetzgebenden Körperschaften bestimmt. Der Entwurf in seiner vorliegenden Form regelt n. o. die Frage der Bistümer und Erzbistümer. Die preußische Regierung hat sich damit einverstanden erklärt, daß neben Köln Breslau und Paderborn Erzbistümer werden. Da« bisherig« Kollegial st ift in Aachen wird in«in Bis- tum umgewandelt werden. Außerdem wird«in Bistum Berlin neu geschaffen werden. Die Neugründung eines Bistums Berlin ist von der Kurie mit dem Hinweis darauf, daß über 500 000 Katholiken in Berlin leben, gewünscht worden, und die preußische Staatsregierung wird sich diesen Wünschen nicht oer- schllehen können. Die Administratur Schneidemühl wird in eine Delegatur umgewandelt. Die früher ge- äußerten Wünsche auf Schaffung von neuen Bistümern in Essen, Cannnia(Pommern) und Altona sind fallengelassen worden. Der Konkordatsentwurf enthält weiter Bestimmungen über die Wa hl der Bischöfe und über die Zusammen- legung der Domkapitel. Außerdem ist in dem Entwurf die finanziell« Auseinandersetzung zwischen dem Staat und der katholischen Kirche geregest. Don besonderer Bedeutung für die parlamentarische Behandlung und für dos Schicksal des Konkordats im Preußischen Landtag ist die Tatsache, daß sich in dem vorliegenden Entwurf kein Wort über die Schule findet. Auch«in Hinweis auf die Schulbestimmungen der Weimaver Verfassung ist in dem vorliegenden Entwurf nicht enthalten. Große Berliner Kunstausstellung. Im Schloß Äellevue. Der unaussprechliche Verband zur Erhaltung des Genitios, das Kartell der Vereinigten Verbände bildender Künstler Berlins", mußte auch in diesem Jahre seine.Große Berliner" haben, ob- wohl die traditionelle und einzig mögliche Stätte dafür, der Moa- biter Glaspalast, an eines der Kartellmitglieder allein vergeben war, das aus der Reihe zu tanzen die Mittel besitzt, an den Verein Berliner Künstler. Mußte es eigentlich? Man soll dem Kind seine Bulette lassen, aber es ist hinzuzufügen, daß das Vollbringen nicht sehr glorios ausgefallen ist, teils weil alles wieder mal Hals über Kopf arrangiert werden mußte, und die Künstler, von zahllosen Ausstellungen ausgepreßt, nicht mehr das Beste herzugeben hatten, teils außerdem, weil die Räumlichkeiten nicht recht stimmten. Heber allzu große Fülle darf man sich wenigstens nicht beklagen. Die be- schränkten Räume im Schloß Bellevu« erlaubten, von jedem Künstler jeweils«in Bild aufzuhängen, es ssnd wirklich nur l8? da und«in paar Kabinett« mit Aquarellen und Graphik und dazwischengestreute Plastik dazu. Das wäre gegen das Hebermaß. das sonst am Lehrter Bahnhof herrschte,«in« wahr« Wohltat zu nennen, wenn nur das mindere Niveau nicht von dort mit ins Barockschloß hinübergc- nmnmen worden wäre. 200 mittelmäßig« Kunstwerke können kein erheblicheres Vergnügen erwecken, wie 2000 derselben Sorte. Warum dieses überflüssige Unternehmen?(Das Kartell betont mit warmer Herzlichkeit die finanzielle Beihilfe unseres Oberbürgermeisters.) Warum es sich ausdrücklich.in den Rahmen der Berliner Festspiel- wachen" begibt, bleibt unerfindlich. Gänzlich fehlen natürlich die passablen Bilder nicht: e« wären da zu nennen von den älteren Herren Lesser-Ury. Orlik. die niemals versagen. Otto H. Engel(mit einer bezaubernd stillen schleswiger Landschaft): von der Sezession Iotobi. Kohlhoff. Heckendorf und Wa sk«. diese beiden mit besonders glücklichen Stilleben, die auf der Höhe ihrer besten Möglichkeiten stchen: von Frauen A n n 0 t und B u b l e n z. Endlich einer der Jüngsten, Werner Scholz, ein starkes, fördernswertes Talent. Bei den Aquarellen findet man schöne und reif« Dinge von Elf« Michael- son, Feyerabend. Heinrich Otto,.Eva Stört. E. von K a m e k c Unter den Skulpturen, die vielleicht relativ dos beste Niveau besitzen, ragen neben W-nck. Willy Steger. Laurent F Keller die vorzüglich repräsentiert ssnd, vom jüngeren Nach- wuchs hervor. Ilse F e h l i n g> W i t t i n g. A. Aahdes mit einer naiven Kindergruppe von lebendigstem Reiz, die anmutig schlanken und eleganten Holzsiguren von Johannes Schiffner und die Plaketten und Denkmüruen von«atherina Scholl. meoer Di« Technik dieser Kleurwerke ist ebenso reizvoll wie schwierig: ihr« Form wird vertieft in harten Stein(Schiefer) ge- schnitten und daraus das positiv« Relief in Silber. Bronze. Lack gsqosssn; es entsteht«in stilistisch sehr reines und strenges Gebilde von vielfachem Zauber des Plastischen wie Zeichnerischen. Dosio, Römer. Taschner haben vor Jahrzehnten dergleichen�mlt L.eb. ge- arbeitet: sehr erfmllich. daß«w««wstlerw dtese«sckiche Techmk wieder******** hat. � � Revolte in Groß-Machlin. Vi« Sememdc Sroh-Machlin in Hinte» pommern hat beschlossen, das preußische Flaggen- gesetz vom 17. März 1929 nicht anzuerkennen. Oe nige Kahn häng wi nich ut, sonst brekt uns de ganze Schaut tausamen. Moskauer presse und Maiunwhen. Was man in Rußland dem Leser vorschwindelt. Das Mitteilungsblatt der Russischen Sozialdemokratie(Men- schewrstrschen Partei) schreibt: Di« tragischen Ereignisse der ersten Maitage in Berlin haben «inen stürmischen Widerhall in der Presse der Sowjet- union gefunden. Die Berliner Berichte der amtlichen russischen Telegraphenagentur waren typische„Berichte vom Kriegsschauplatz", inholtserfüllt von der charakteristischen Verlogenheit offizieller Sriegsberlchterstattung. „lieber 100 000 Menschen" hätten sich an den kommunistischen Straßendemonstrationen am 1. Mai beteiligt(einen Tag später wurde die Zahl auf 200 000 hinauskorrigiert!).„An vielen Orten wurden die Polizeibeamten von den Arbeitern entwaffnet." „Es wird berichtet, daß drei Polizeioffizier« getötet und 21 Polizeibeamte verwundet wurden."„Barrl- laden- und Straßenkämpf« haben-mehrere Stunden gedauert." Und so weiter. Die« alle» aus der„Prawda" vom 1. Mai. Der Be» liner Körvespöndettt des gewerkschaftlichen„Tru d" schildert die Geschlossenheit der Demonstranten und meint, die Bewegung sei so stark gewesen, daß selbst die Berliner Polizei unsicher ge- worden sei und durch Heranziehung verläßkicher Polizeimann- schaften aus der Provinz habe verstärkt werden müssen: „Die Berliner Kad«rpolizei wurde außer erfahrungsgemäß absolut zuverlässigen Beamten heute nicht auf die Straße ge- lassen... Die Polizei wurde aus der Provinz, aus den finstersten Winkeln zusammengeholt. Ihr wurde suggeriert, daß die Kommunisten Waffen bereit halten, daß sie beschlossen hätten, die Polizisten zu mißhandeln..." Zur Verstärkung der Polizei habe Reichswehr eingesetzt werden müssen. Natürlich haben sich nach der Darstellung der Sowjetpress« die kommunistischen Führer— in Wirklichkeit ein für die Kommunisten sehr schmerzliches Kapitel—. heldenmütig Schulter an Scholler mit den Massen geschlagen: „Die Parteiführer demonstrieren mit den Massen zusammen und t« i l e n i h r S ch i ck s a l(l I). Viele von ihnen sind an diesem Tage Opfer brutaler Mißhandlungen geworden." („Trud" vom 8. Mai.) Die Leitartikel der Moskauer Blätter vom 8. Mai(am 5., 6. imd 7. Mai sind die Blätter In Moskau wegen der russischen Oster- feiertage nicht erschienen) ziehen dos Fazit der Ereignisse und suchen sie den russischen Lesern verständlich zu machen. Dabei führt die„Prawda" die blutigen Ereignisse auf das Partei- interesse der— Sozialdemokratie zurück: .Zynisch verhöhnte Zärgiebel den Willen und die Wünsche der Berliner Arbeiter. Er drohte im vorhinein, der Berliner Ar- bciterklosse den Maulkorb aufzuzwingen, weil er vortreftlich wußte, wozu das in dieser glühend heißen Atmosphäre de« Klassenkampfes führen konnte. Sein Verhalten war natürlich keinesweq« seine private Angelegenhet. Es ergab sich vollauf aus der Politik der regierenden deutschen Sozialdemokratie, die be- griffen hatte, daß eine erlaubte Arbeiterdemonstration die mo> ralisch-politisch« Verurteilung der Sozialdemokratie bedeuten würde. Die Demonstration zulassen hätte geheißen, zu dulden, daß da» Berliner Proletariat offen, im Angesicht der ganzen Welt in einer millionenköpfiqen Lawine gegen d! e Sozialdemokratie demonstrierte."(„Prawda" v. 8. Mai.) Das ist das Leitmotiv der Sowjetpresse.„Trud" hatte schon am 4. Mai deklariert, daß „die Sozialdemokratie nach vorbedachtem ptane revotukionäre Arbeiter mordet. die ain 1. Mai die Parolen des Klassenkampfes proklamieren: sie mordet sie um der Erhaltung der RegteruugskoaliNsn mit der vourgeofie willen"(t). Die Sozialdemokroki« soll daher der A» beiterklass« offen den Krieg erklärt haben: „Die sozialdemokratischen Herrscher Deutschlands hoben be- reits die bürqerlicken Poincarä unh Baldwin überholt und wer- den— darüber ist kein Zweifel— als die. die in bezua auf Terror den Rekord schlagen, auch Mussolini. Primo de Rivera und Zankow einholen. Und dann werden sich die deutschen Ar- bester in ihrem„Vaterland" erst richtig gemütlich fühlen. Di« Sozialdemokratie hat dem deutschen Proletariat den offenen Krieg erklärt. Der Fehdehandschuh ist von den Arbeitern Deutsch- lands und seiner reooliitionären Vorhut oufgenommen worpen." (Leitartikel des„Trud" nom 8. Mai:„Der weih- Terror der sozialdemokratischen Regierung.") Die Konsequenz sei» daß die Arbeiter der Sozialdemokratie daher«ach«8 Stecht den Rücken gekehrt hätten: „Die nach den Maitagen von den Arbeitern Deutschlands in Mengen zerrissenen sozialdemokratischen Par- t e i b ü ch e r bedeuten das Todesurteil von feiten des deutschen Proletariats für das sozialdemokratische Gesindel der Bourgeoisie... In den Maitagen ist die deutsche Sozialdemokratisch« Partei als ofsener Feind der Arbeiterklasse hervor- getreten und hat die letzten Fäden zerrissen, die sie mit rück- ständigen Schichten des Proletariats verbanden. Die deutsch« Kom- munistssche Partei wird es verstehen, die ganze Masse des beut- schen Proletariats geschlossen zusammenzufassen und sie zum Sturmangriff gegen die Bourgeoisie zu führen. (Aus demselben Leitartikel dos„Trud".) In der geschilderten großsprecherischen Art-geht es endlos weiter. Demgegenüber sucht das ofsiz ielle Regierungsblatt„I s- w e st ija" die Frage von einer„höheren", hochpolitischen Warte zu betrachten. Danach sind die Maierelgniss« nur aus den Miß- erfolgen der deulschen— Außen Politik zu erklären! Dos Blatt schreibt: „Die Politik der Verständigung mit den Feinden von gestern, eine Politik, deren Houptträger und Hauptinspiratoren die beut- schen Sozialdemokraten stets waren und bleiben, hat Deutschland außer ungeheuren Verpflichtungen, die in erster Linie auf dem deutschen Proletariat schwer lasten, nichts gebrocht... Der Führer der Deutschnationalen, Hugenbera, wandt« sich mit einem Offenen Brief an die amerikanischen Kapitalisten, in dem er nachwies, daß das beharrliche Eintreiben der gejamten Deutsch- land in Versailles auferlegten Kriegskontributionen das deutsche Volk zur Verzweiflung treiben würde, und daß das Ergebnis dieser Verzweiflung die unmittelbare Gefahr einer Bolschewisierung Deutschlands sein könne. Die deutscheu Sozialdemokraten haben diesen Gedanken des reaktionärsten Teiles der deutschen Bourgeoisie ausgenommen, aber- sie haben sich nicht daraus beschränkt, die Möglichkeit einer solchen„Gefahr" lheoretisch zu prophezeien. Sl« beschlossen, diese Gefahr ossen zu demonstrieren. i Sie provozierten ein aktives hervortreten des deulschen Brote- tariats... Das Blutoergießen in den Straßen Berlins sollte der ganzen kapitaltstlschen Welt zeigen, daß die bolschewistische Gefahr in Deutschland eine reale Totsache ist. Die Deutschen Sozialdemokraten haben bis jetzt nur eins er- reicht. In Ausführung ihre Anordnungen sst der Kundgebung des Berliner Proletariats am 1. Mai in der Tat mit Flinten und Maschinengewehren der Berliner sozialdemokratischen Polizei be- gegnet worden. Dutzend« von Toten und Hunderte von Verwun- deten haben das taktisch« Manöver der Sozialdemo- traten mit ihrem Leben bezahlt."(Leitartikel der„I,westija" vom 8. Mai:„Wessen Hand im Spiel?") Durch diese geräuschvolle und verlogene Kampagne sucht die Sowjetpresse die russische Oeffentlichkeit und insbesondere die russische Arbeiterschaft daran zu verhindern, daß sie sich ein richtige« Urteil über die wirklichen Schuldigen an den blutigen Berliner Er- «tgnissen bildet. Wird der«.prawda''- Korrespondent ausgewiesen? Der pollzeipräsideuk von Berlin hat gegen den ver. liner Korrespondenten der Moskauer„prawda" einen An». welsungsbefehl erwirkt. Der Korrespondent hat während der Malvurvhen die verlogensten Berichte nach Moskau tele- graphiert und die Polizei ln der gemeinsten weise be. schimpft. Der Korrespondent hat gegen die Ausweisung bei dem preußi- schen Minister de» Innern Beschwerde eingelegt. Die endgültige Entscheidung darüber steht noch au». Der Roffronttämpferbund ist auch in Mecklenburg- Schwerin und in Hessen verboten worden. Seuatsprüsident Dr. Sahm vanzlg ist wegen des Verbots eines Stahlhetmrummels das Protektorai einiger Kriegerverein« losgeworden und atte dem„Deutschen Offiztersbund" ausgetreten. ( 3n England kandidieren zum Parlament-insgesamt 71 Frauen. Darunter sind 6 in Wahlkreisen ouiaesteyt. die zurzeit im Besitz konservativer Minister sind. In 8 Wahlkreisen liehen 2«eibliche Kandidaten einander- gegenüber. Faschistenfreundschaft. Die Stadt Rom Hot der Sticht Budapest ain« Säule vom forum romanum geschenkt. Eine Greuelmeldung aus Peking(Reuter) besagt: Zwei Missia, nare, vor einigen Wochen bei Sungtschau von Räubern geiangen, wurden in eiiier Hoble der Prppinz Szetschuan gefongengehalten und gefoltert. Einer wurde freigelassen, um da» Löse- geld von 2000 Pfund Sterling beizutreiben. Der andere wurde Montag ohne Lösegeld entlassen. Wie die Eisenbahner wählten. Feste Front des Einheitsverbandes, Mißerfolg der KPO. Das vorläufige Gesamtergebnis der Betriebsräte» .oahlen bei der Reichsbahn gibt klar zu erkennen, daß die Eisenbahner aus der ablehnenden Haltung der Reichsbahn-Gesell- schaft in der Lohnfrage die richtigen Korisequenzen gezogen haben. Die große Mehrheit der Eisenbahner steht treu und fest zum frei» gewerkschaftlichen Einheitsoerband. Im kommunistischen Lager hatte inan, da an Verleumdung und Stimmungsmache das Menschen- möglichste geleistet worden war, mit großen Erfolgen gerechnet. Der Sieg blieb aber aus. Fünf Gruppen haben sich um Mandate beworben: der Ein- heitsverband, die christliche Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner (GDE.), der Hirsch-Duntfersche Allgemeine Eisenbahnerverband (AEV.I, die kommunistische„Opposition' und der syndikalistische „Industrieverbanld':. daneben haben sich noch vereinzelt örtliche völkische und nationale Gruppen an den Wahlen beteiligt. Für 30 Direktionsbezirke lautet das vorläufige Ergebnis der Wahl zum Hauptbetriebsrat bei der Reichsbahn-Gesellschaft: Einheitsverbarid 218 600(im Borjahr 217113) Stimmen, GDE. 61000(49 972), AEV. 21 000(22 497), Kommunisten 18 000(0), Industrieoerband 1300>(2319). Die Kommunisten haben eine derbe Abfuhr erhalten. Sie hatten zum Hauptbetriebsrat, ferner für 10 Bezirksbetriebsrät« und an einzelnen Stellen auch örtliche eigene Vorschlagslisten eingereicht. Sie haben jedoch nur in vier Bezirken nennenswerte Stimmenzahlcn erreicht, nämlich in Berlin, Königsberg. Dresden und Köln. Aber auch hier bleiben die Ergebnisse der kommunistischen Stimmen weit hinter den Erwartungen der KPD.» Zentrale zurück. Im Bezirk Königsberg, dem einzigen Bezirk, wo die Kommunisten bisher die Mehrheit'mit Hilfe der Hirsch- Dunckerschen halten konnten, wurden sie diezmal vom Einheitsver- band überflügelt. Im Bezirk Oppeln, der seit 1920 stets stark unter kommunistischem Einfluß stand, hat die kommunistische Agitation ebenfalls schlecht abgeschnitten. Sie hat dort wie auch anderwärts sich durch Sonderlisten selbst ausgeschaltet. Der Ansturm der christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gegner wurde vom Einheitsverband ebenfalls glänzend abgewehrt. Christen und Hirsche haben den Wahlkampf ohne Rücksicht auf die gemeinsam geführten Lohnverhandlungen mit einer Schärfe und Verbissenheit geführt, die kaum mehr überboten werden kann. Diese üblen Kampfmethod-en haben dank liebevoller Unterstützung der Kommunisten an einigen Stellen zu Teilerfolgen geführt: im all- gemeinen aber haben sie wenig genützt. Di« GDE. wird lediglich ihre vier Mandate im Hauptbetriebsrat behaupten. Der Hirsch-Dunckersche Allgemsn« Eisenbahnerverband glaubte im trüben Fahrwasser der Kommunisten einige Fische fangen zu können. Der Verband, der vom Ministerialsekretär und demokra- tischen preußsschen Landtagsabgeordneten Riedel geführt wird, verliert drei Mandate in den Bezirksbetriebsräten Dresden, Frank» fürt a. Main und Königsberg, und von feines, zwei Mandanten im Hauptbetriebsrat muß er eines an die kommunistische Oppv- sitton abgeben. Der Einheitsoerband wird voraussichtlich seinen bisherigen Be- sitzstand im Hauptbetriebsrat— 19 Mandate von 25— behalten. Ohne die kommunistische Sonderaktion hätte der Einheitsverband sogar 20 Mandate erhalten. Das Wahlergebnis ist ein Vertrauens- votum für den Einheitsverband und ein letztes Warnungssignal an die Wress« der Reichsbahn-Gesellschaft. Die Reichsanstalt als Scharfmacher! Alle Berliner Arbeitsamtsangestellten gekündigt. Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: „Auf Weisung der Hauptstelle der Reichsanstalt für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung hat das Landesarbeits- amt Brandenburg die Vorsitzenden der Berliner Arbeitsämter an- gewiesen, sämtlichen Angestellten zu kündigen, um sie nach Ablauf der Kündigungsfrist zum Teil niedriger zu be- zahlen oder zur Entlassung zu bringen. Dabei ist unterschiedslos allen Angestellten gekündigt worden, gleichgültig, ob es sich um S ch we r k r i e g s b e s ch ä- d i g t e, zu deren Kündigung die Hauptfürsorgestelle ihre Z u- st i m m u n g geben muß, oder Mitglieder von Angestellten- Vertretungen, die nur mit Zustimmung des Arbeits- geeichtes gekündigt werden dürfen, handelte. Sind die gesetz- lichen Schutzbestimmungen für Angestellte weder der Rcichsanstalt noch dem Landesarbeitsomt bekannt? Dies« Maßnahm«, soll ossenbar bezwecken, den Angestellten die Rechte zu nehmen, die sie aus Grund des 8 228 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung besitzen. Alle gekündigten Angestellten werden jedoch gegen ihre Kündigung aus Grund der Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes E i ns p r u ch oinltAen und 1500 Klagen wenden fristgerecht beim Arbeits- gerichi,-Berlin eingereicht werden. Auch die Bestimmungen des§ 138 des Bürgerlichen Gesetz- buches scheinen der Reichsanstalt, unbekannt zu sein, nämlich, daß ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, nichtig ist. Die Reichsanstalt ist auf Grund des ß 228 AVABG. den A» gestellten gegenüber in die Recht« und Pflichten des bisherigen Arbeitgebers— der Stadtgemeinde Berlin— eingetreten. Sich dieser gejetzlichen Verpflichtung zu entziehen, wird der Reichsanstalt bei der gut organisierten Angestelltenfchast der Berliner Arbeits- ämter nicht gelingen. Der Zentraloerband der Angestellten beruft für den 27. Mai eine Versammlung der Angestelltenfchast aller Arbeitsämter ein, in der zu dieser neuen Maßnahme der Reichsanstall Stellung ge- nommen werden wird und auf die jetzt schon hingewiesen wird.' * Im Vorstand der Reichsanstalt scheint man nicht zu empsiichen, wie eine derartige Maßnahme auf die Oeffentlichkeit und ganz be- sonders auf die Arbeiter und Angestellten wirken muß. Di« Reichs- aisstalt, die gegenwärtig heftig angegriffen wird, hätte zum mindesten vermeiden müssen, die große Mass« der Versicherten vor den Kopf zu stoßen. Das hat ihr jetzt gerade noch gefehlt! Das Objekt des Streites ist an sich den ganzen Aufwand gor nicht wert. Di« Reichsanstalt als Scharfmacher und Lohndrücker im eigenen Hause— dafür danken wir bestens. Reichsbahnverhandlungen am 24, Mai. Vor einer Schlichterkammer. Der zur BeUegung des Lohnkonflikts bei der Reichs- bahn ernannte Schlichter Dr. V o e l k e r hat am Freitag in ge- trennten Besprechungen mit den Parteien die Vorbereitungen zur Durchführung des Schlichtungsverfahrens getroffen. Die Schlich- tungsverha'ndlungen beginnen am Freitag, dem 2 4. Mai, vormittags 11)4 Uhr. Jede Partei stellt vier Beisitzer, die zu Be- ginn der kommenden Woche ernannt werden. Gehaltsstreit im Versicherungsgewerbe. Wie uns vom Zentralverband der Angestellten mitgeteilt wird, hat der Schlichter in dem Gehallsstreik im Versicherungsgewerbe. Reichsgerichtsrat Dr. Königsberger, den Ministerialrat a. D. Aurin zum Sachverständigen bestellt und ihm das Material der Parteien über die wirtschaftliche Lage im Versicherungsgewerbe zur Nach- Prüfung übersandt. Eine stark besuchte Funktionärversammlung de« Berliner Konditoreipersonals, in der der Gruppenleiter Genosse Thieme über dieses negative Verhandlungsergebnis berichtete, beschloß nach einer lebhaften Diskussion, nunmehr betriebsweise vorzugehen und mit den einzelnen Firmen Lohntarise abzuschließen. Die Organisation wurde ferner beauftragt, die tariffeindlichen Betriebe der Oeffentlichkeit bekanntzugeben., Verbandstagswahl der Buchdrucker. Die Kandidaten der Amsterdamer Richtung. Am Donnerstag sind in der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker die Kandidaten für die Wahl von Delegierten zum Verbandstag aufgestellt worden. Don den vorgeschlagenen 39 Kandi- baten sind jetzt 26, entsprechend der Mitgliederzahl des Berliner Gaues, durch Urabstimmung in den Betrieben zu wählen. Di« Kandidaten müssen in alphabetischer Reihenfolg« auf dem Stimm- zettel aufgeführt sein. Die Erfahrung bei den Delegiertenwahlen zu früheren Verbands- tagen hat gelehrt, daß sich bei völliger Freistellung der Entscheidung der Mitglieder sehr oft kein klares Bild ergibt. Es hat sich be- sonders bei der Wahl zum Verbandstag in Berlin gezeigt, daß auf einem großen Teil der Stimmzettel besonders die im Alphabet an letzter Stell« stehenden Kandidaten wahllos durchstrichen waren. Zum Teil mag dies daran liegen, daß vielen Mitgliedern die vorgeschlagenen Kandidaten nicht bekannt sind. Notwendig ist jedoch ein« von jedem einzelnen sorgfältig vorgenommene Wahl unter allen vorgeschlagenen Kandidaten. Daher hat sich der Fraktionsvorstand der Amsterdamer Gewerk- schastsrichtung dafür entschieden, den Berliner Buchdruckern folgende 26 Kandidaten zur Wahl zu empfehlen: r. Albrech». Rudolf i�Borth. Richard: Bartsch. Srich: Drabsch. Oskar; EhliNg, Mar; Grönlng, Adolf; Hannemann, Richard; Hildebrandt. Georg; Stein. Wilhelm; Riemann. August; Oberüber. Friedrich: Pandura, Richard; pietsch, Adalbert; Poschmann, Fritz; Raah, Hermann; Schiebler, Alfred; Schleffler, Hermann; Schön- seider, Paul; Schulze. Alfred: Schumann. Georg; Tilgner, Fritz; Vierrath. Otto; wiegand, Brutu»; Wieland, Walter; wunderlich, Richard; Zopf, Gustav. Als gewählt gellen diejenigen Kandidaten, die die ab so- lute Stimmenmehrheit auf sich vereinigen. Tariffeindliche Kondiioreibefiher. Die reaktionären Innungsmeister. Svt Monaten schon ist der Berbond der Nahrungsmittel- und Getränksarbciter bemüht, mit der Bertiner Konditoreninnung einen. neuen Lohntarif abzuschließen. Nachdem mehrere direkte Verhandlungen mit den Unternehmern zu keinem Ergebnis geführt haben, ist es den reaktionären und rückständigen Elementen in der Innung nunmehr auch gelungen, die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß zum Scheitern zu bringen. Obwohl nun schon seit zehn Iahren«in Tarifvertrag mit der Innung besteht und während dieser Zeit mehr als einmal Tarifver- Handlungen geführt wurden, haben sich die Unternehmer diesmal bei den Verhandlungen vor dem Schlickstungsausfchuß wie eigensinnige Kinder betragen. Sie lehnt jeden Vergleichsoorschlag des Gewerbe- rats Körner ab, auch wenn er sie finanziell gar nicht belastete. Ihre Argumente wirkten geradezu lächerlich. So wurde z. B. vor- geschlagen, den Lohn anstatt am Sonnabend bereits am Freitag aus- zuzahlen, worauf die Unternehmer fast weinend erklärten, daß sie die Einnahmen des Sonnabend noch zur Lohnzahlung benötigten! Her M ö h r i n g, der in Charlotrenburg mehrere Filialen be- sitzt, wollte den Gewerkschaftsvertretern weismachen, daß die armen Konditoreibesitzer noch nicht einmal 10 Mark für die Landpartie er- übrigen könnten. Eine Lohnerhöhung von 50 Pfennig bis zu 1 M. pro Woche, die der Borsitzende des Schlichtungsausfchusses vorschlug, wurde von den Unternehmern gleichfalls als„untragbar" abgelehnt. Daß heut« schon Betrieb« wie die Konsumgenossenschaft, A s ch i n g e r usw. für die Gehilsen Wochenlöhne vereinbart haben, die teilweise bis zu 20 Mark höher sind, als sie in dem Tarif für die Innungstonditoreien festgelegt waren, berührte die Unternehmer nicht. All die fadenscheinigen Argumente wurden von ihnen förmlich an den Haaren herbeigezogen, um ihr« Absicht, überhaupt keinen Tarifvertrag mehr abzuschließen, zu ver- jchleiern. Streik der Sieinarbeiter. Am 31. März lief das Lohnabkommen zwischen dem Zentral- verband der Steinarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin, und der Tarifgemeinschaft für die Arbeitgeber des Steinmetzgewerbes ab. Die Arbeitgeber lehnten ein« Erhöhung des Stundenlohnes ab. Die tarifliche Schlichtungsinstanz fällt« dann unter dem Vorsitz eines Unparteiischen einen Schiedsspruch, der den Steinmetzen und Schleifern ein« Zulage von fünf Pfennigen ab 1. April und von weiteren zwei Pfennigen ab 1. Oktober brachte. Für die Frauen und Hilfsarbeiter sollten die Zuschläge prozentual errechnet werden. Die Volloersammlung der Steinarbeiter lehnten diesen Spruch, als nicht weitgehend genug, ab. Die Tariskommifsion wurde be- auftragt, nochmals über eine Zulage von sechs Pfennigen ab 1. April und weiteren fünf Pfennigen ab 1. Oktober für alle Gruppen zu verhandeln. Die Unternehmer antworteten mit einem Ullimatum zum 20. April; bis dahin würden sie den Schiedsspruch als für sich bin- dend betrachten. Seien die Arbeiter damit nicht einverstanden, dann solle der alte Lohnsatz«in Jahr lang weiter bestehen bleiben. Arbeitnehmer stellten nunmehr dem Schlichter auheim, von Amts wegen eine neue Verhandlung zu veranlassen. Der Schlichter wies die Angelegenheit an den Schlichtungsausschuß, der verlangte, daß sich die Parteien vor Fällung eines Schiedsspruches bereit er- klären sollten, den zu fällenden Spruch als bindend anzuerkennen. Die Vckllversammlung der Arbeiter lehnte dieses Ansinnen ab und beschloß, da keine andere Möglichkeit der Regelung mehr bestand, gegen wenige Stimmen den Streik. Der Angriff richtete sich anfangs erst gegen die maßgebendsten Firmen. Eine Reihe mittlerer Betrieb« erkannte unterschriftiich die letzte Forderung der Arbeitnehmer an. Daraufhin ordneten die Arbeitgeber für ihre nicht bestreikten Betriebe die Aussperrung an, die aber nur teilweise durchgeführt wurde. Die Versammlung faßte«ine entsprechende Entschließung, in der sie alle Bauhandwerker und Bauhilfsarbeiter er- suchen, sie in ihrem Kampfe zu unterstützen: vor allen Dingen darauf zu achten, daß keine Stcinmetzarbeit in Werkstein jeglicher Gesteinsart, sowie Marmorarbeit ausgeführt wird. Die Stein- metzen, die zu den neuen Bedingungen arbeiten, sind mit Arbeits- berechtigungskarten für 19 2 9 vom Zentralvcrband der Stein- arbeiter versehen. Die streikenden Steinarbeiter der Werkstein- und Marmorbranche erwarten, daß alle Baudelegierten und Obleute auf den Baustellen, wo Steinmetzarbeiten ausgeführt werden, scharfe Kontrolle ausüben. Kein Maurer oder sonstiger Handwerker, kein Bauhilfsarbeiter darf Steinmetzarbeiten ausführen. Der von uns geschickten Kontroll« bitten wir bereitwilligst Auskunft zu geben. Landarbeiterstreik in Hottand. Man sucht Streikbrecher. Ein scharfer Laiidarbeiterstreik ist zurzeit in der holländischen Provinz Groningen im Gonge. Es streiken rund 3000 Land- arbeiter. Die Landwirte erklären, daß sie die Streikenden in der Erntezeit durch Maschinen, Bauernsöhne und Streikbrecher ersetzen würden. Sie richten sich für einen langen Kampf ein. Sie glauben, wie bei dem großen Landarbeiterstreik im Jahre 1914, es mit Streikbrechern zu schaffen. Damals haben sie sogar 300 Ar- beitslose aus Berlin nach Ijolland zur Streikarbeit bringen lassen. Der Niederländische Gewerkschaftsbund hat eine umfassende Unterstützungsaktion für die streikenden Landarbeiter eingeleitet. An die Arbeiter in Friesland hat der holländische Landarbeiteroerband bereits eine dringende Warnung vor Zuzug gerichtet. Auch an die Arbeiter im deutschen Ostfriesland und in den Holland benachbarten rheinisch- westfälischen Bezirken niuß der Appell gerichtet werden, unter keinen Umständen sich von den holländischen Agrariern zu Streikbruch mißbrauchen zu lassen._. Aufgehobene Sperren. Wie uns der Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten mitteilt, sind die Differenzen mit dem Betrieb Tuskulum, Inh. Hochfeld, Tegel, beigelegt; ebenso mit dem Strandschloß, Inh. Wolfs, Oberschöneweid«, Spreestr. 3/5. Die Sperren werden hiermit aufgehoben. Mit gewerkschaftlicher Unterstützung ist in diesen Tagen eine Allgemeine Deutsche Gesellschaft für Ferien- und Erholungsheime m. b. H., mit dem Sitz in Jena gegründet worden. Die Gesellschaft ist, wie oerlautet, gemeinnützig. Sie be- zweckt vornehmlich die Ermöglichung von Ferienaufenthalt in Heimen für Minderbemittelt« und Arbeitnehmer. Zur Zeit kann die ADGFE 13 Ferien- und Wanderheime im Thüringer Wald, im Erzgebirge, in der Heide und bei Hamburg sowie in der märkischen Seenplatte belegen. Prospekte und Anmeldungen: ADGFE, Jena, Marienstraße 4._ 0Iuaendaruppe des?entralverbandes der Anaestellten Dt« Teilnehmer am Dauiugendtreffen versammeln sich am heute pünktlich rtsh Uhr am Stettiner Bahnhos. Von hier aus Abfahrt nach Reustrelitz. Die»eschäfUslelle des Ottskartell« Berlin de« AfA-B-nde, und de» Be. »irkskarttll» Brandenburg bleibt»om 18. Blai, 1! Uhr, bis clnschliehlich Dien». rag, 21. Mai, geschlossen. Verantwortlich für Politik: Dr. Dutt Seqer: Wirtschaft:<8. Klingelhiifer: Dewerkschastsbtweaung: z. Steiner: Feuilleton: it. s. Bischer: Lokale» und Sonstiges: grid«arftidt: Anleinen: lh.»l»ike: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlagltalt Vavt Einger u So.. Berlin SW«8 Ljndcnftrah» t Sictju 2 Beilagen und.Unterhaltung»nd Wissen". Nr. 22S» 46. Jahrgang Sonnabend/ �8. Mai �929 Wahl selten hat die Menschheit her Anserstchung des Lichts mit solcher Sehnsucht entgegemjeharrt wie in Hiesem Jahr. Und nun endlich fft Pftngsten da, und trotz der schlechten Wettervoraussagen hofft ein jeder auf ein paar schöne oder in alter Bescheidenheit aus ein paar erträgliche Tage, die er im Grünen verbringen kann. Die schönsten Laubwaldgebiete der Mark liegen nördlich der Reichshauptstadt i zu ihnen gehören die ausgedehnten Wälder zwischen Liesenthal und Eberswalde. Vom Stettiner Fernbahnhos bringt uns der Fernzug der Stettiner Bahn in 45 Minuten nach Melchaw (Sonntagskarte bis Cbersmalde lösen, 3. Klasse 2,30 Mk., 2. Klasse 3.50 Mk.). Vom Bahnhof gelangen wir sogleich in das Dorf Melchow, das wir in östlicher Richtung durchwandern und auf dem Wege nach Schönholz verlassen. Bold ist der Wald erreicht, ein schöner Mischwald mit vielen Buchen und Birken. Wir kommen nach Schönholz, einem prächtigen, inmitten des weiten Waldes ge- legenen Dörfchen. Am Dorfausgang wenden wir uns östlich, und bald nimmt uns der Wald wieder aus. An der Schönholzer Brücke, zu der wir bald kommen, haben wir'das Bonnenflietz erreicht. Ein verwittertes Brückengeländer faßt die Brücke ein, hochragende Fichten stchen am Eingang zum Nonnenfließtal. Ueber die Brücke und dann neben dem Fließ nach Norden geht die Wanderung. Neben uns zieht leis murmelnd und plätschernd das Nonnenfließ seinen Weg. Nicht wilidschäumend wie seine Brüder, die Gebirgsbächc, eill es dahin, sondern sanft fließend', daher der Name Fließ für die Bäche unseres Tieflandes. Das Nonnenfließ nimmt seinen Laus in einer schmalen Rinne, die die ganze Barnim- Hochfläche m uordsüdl icher Richtung durchzieht. Sie läßt sich von Dahlewitz über Alt-Äandsberg, Werneuchen, Beiersdorf, Schönholz und Spechthausen, also vom Berliner Tal bis zum Cberswaldcr Tal, verfolgen. Wie viele derartiger Rinnen entwässert auch diese sowohl nach Süden wie nach Norden. Die Wasserscheide liegt etwa bei Beiersdorf, von wo nach Süden das Stienitzfließ und das Neuenhagener Fließ zur Spree sichren, während das Nonnenfließ von den Teufelsgründen nach Norden zur Finow und damit zur Oder zieht. Der südliche Teil der Rinne gehört somit zum Quell- gebiet l>er Nordsee, der nördliche zu dem der Ostsee Meist ist der Lauf des Nonnenfließes reich gewunden. In zahl- reichen Bogen schlängelt sich das Fließ zu Tal. Wir sehen hier sehr gut den Unterschied zwischen dem prallhang uud dem Gleithaug eines Wasserlauss. Stößt das Wasser in seinem Laus auf ein Hirtdcr- nis, wie es meist durch die Unebenheit des Geländes bedingt wird, so prallt die Strömung mit voller Kraft dagegen und ist bestrebt. das Hindernis zu beseitigen. Wir haben hier den Prallhang des Wasserlaufs, an dem das Fließ seine größere Tiefe aufweist. Der gegenüberliegende Hang ist der Gleithang: hier gleitet die Strömung ab, die im Wasser schwebenden festen Teilchen sinken zu Boden und bilden allmählich neues Land. Liegen die Krümmungen des Fließes dicht beieinander, so kommt es vör, daß im Laus« der Zeit die schmale Landbrücke durchnagt wird und das Fließ alsdann den kürzeren geraden Wog nimmt. Der abgeschnürte Fließbogen bildet ein sogenanntes Altwasser, das allmählich zu einem Torsmoor und später zu festem Land wird. Was uns hier das Nonnenfließ im kleinen, gut übersehbaren Verhältnis bietet, zeigen auch die Flüsse und Ströme, meist jedoch weniger klar ausgeprägt. Nach dem reich gewundenen Fluß Mäandros in Kleinasien werden derartige Win- düngen eines Wassevlaufs Mäander genanm. Wie das Wasser arbeitet. Zwischen prächtig bewaldeten Talhängen zieht das Nonnenfließ dahin. Laub- und Nadelbäume verschiedener Art bilden den Wald, der reich an jungem Baumbestand und Unterholz ist. Manchen ausländischen Gast unter den Bäumen treffen wir hier an, gehört doch dieser Wald zum Lehrgebiet der Forstakademie Ebers- walde. Besonders häufig unter den Laubbäumen sind die Buchen. An Waldblumen finden wir Maiglöckchen, Waldmeister, Primel, Bienensaug, Schattenblume, Salomonssiegel. Sie alle bilden mit- einander den Verein der Laubwalidbodenflora. Wo eins von ihnen vorkommt, werden auch die anderen nicht fern sein. Sie müssen ihre Häuptlcbenszeit, Blüte und Bestäubung, in die ersten Frühlingstage legen, wenn die Sonne noch ungehindert zu ihnen hinabdringen kann. Sind die Waldbäumo späterhin vollbelaubt, dann herrscht aus dem Waldboden Dämmerung, in der die kleinen Kinder Floras nicht mehr blühen könnten. Li» SWck vom ttonnenfließ. dach Xondon: (Berechtigte Ueberseizimg von Erwin Magnus). Sechstausend Menschen verbrachten den Winter 1897 in Dawson. Die Arbeit an den Creeks schritt rasch vorwärts, und von der anderen Seite der Pässe wurde gemeldet, daß dort Hundertausend auf den Frühling warteten, um herüberzu- kommen. Als Daylight an einem der kurzen Nachmittage auf der Senkung zwischen dem French Hill und dem Skookum Hill stand, hatte er wieder eine Vision. Zu seinen Füßen lag der reichste Teil des Eldorado Creek, und er konnte meilen- weit den Bonanza hinauf und hinab sehen. Es war ein Bild gewaltiger Zerstörung. Die Hügel waren bis zum Gipfel abgeholzt, die nackten Flanken von den zahlreichen Gruben und Bohrstellen zerrissen, die selbst der Schneemantel nicht oer- decken konnte. Unter ihnen lagen überall die Blockhütten der Leute. Aber es waren nicht viel Menschen zu sehen. Eine dichte Rauchwolke erfüllte die Täler und verwandelte selbst das graue Tageslicht in eine trübe Dämmerung. Der Rauch stieg aus tausend Löchern im Schnee, tief unten auf der Felsunterlage krochen die Menschen in der gefrorenen Erde und dem Schnee herum und entzündeten immer mehr Feuer, um die Macht des Frostes zu brechen. Hie und da, wo neue Schächte im Bau waren, flammten diese Feuer mit rotem Schein Menschliche Gestalten krochen aus den Löchern her- vor oerschwanden in ihnen oder standen auf Plattformen aus roh zugehauenen Holzstämmen und wanden den aufge- tauten Kies an die Oberfläche, wo er sofort wieder gefror. Ucberall sah man die traurigen Ueberreste der Frühjahrs- auswaschung— Haufen von Schleusenkasten, Stücke von Wasserleitungen und mächtige Wasserräder—. alles Trüm- mer, wie sie ein Heer golddurstiger Männer hinterläßt. Welch ein Raubbau, murmelte Daylight halblaut. Er sah auf die nackten Hügel, und ihm wurde klar, welch riesige Veroeudung von Holz hier stattgefunden hatte. Aus der Vogelschau sah er die unglaubliche Verwirrung, die ihre rast- lose Arbeit hier geschaffen batte. Jeder arbeitete für sich, und das Ergebnis war ein Chaos. In dieser reichsten aller Minen kostete es einen Dollar, für zwei Dollar Gold heraus- zuholen, und für jeden Dollar, den sie auf dies« fieberhafte, gedankenlose Arbeitsweise herausholten, wurde ein anderer Dollar hoffnungslos verschüttet. Roch ein Jahr, und die Claims waren ausgesogen, und dabei blieb ebensoviel Gold im Boden stecken, wie herausgeholt worden war. Organisation war es, was sie brauchten, das sah er; und feine fruchtbare Phantasie entwarf ein Bild vom Eldorado Creek, von der Mündung bis zur Quelle, von Bergesgipfel zu Bergesgipfel, unter einer einheitlichen energischen Leitung. Sogar das Auftauen mit Dampf, das zwar noch nicht er- probt mar, aber sicher kommen mußte, war, wie er einsah, nur ein Notbehelf. Was hier fehlte, waren hydraulische An- lagen an den Hängen und Goldbagger, wie sie in Kalifornien verwandt wurden. Hier sah er die Chance für neue reiche Ausbeute. Er hatte sich den Kopf zerbrochen, warum wohl die Guggen- Hammers und die großen englischen Firmen ihre hoch be- soldeten Sachverständigen ins Land geschickt hatten. Das war also ihr Plan. Darum hatten sie sich also an ihn ge- wandt, um bereits ausgebeutete Claims und Schutthalden zu kaufen. Ihretwegen mochten die kleinen Minenbesitzer gern herausholen, soviel sie konnten, es blieben doch noch Millionen zurück. Und indem er auf die rauchende Hölle zu seinen Füßen hinabsah, entwarf Daylight ein neues Spiel, das er spielen wollte, ein Spiel, in dem die Guggenhammers und alle an- deren mit ihm zu rechnen haben sollten. Aber mit der Freude über diesen neuen Plan beschlich ihn ein Gefühl von Müdig- keit. Er war müde von den langen Iahren im hohen Norden, und er wollte wissen, wie die Welt draußen aussah — die große Welt, von der er andere hatte reden hören, und von der er selbst nicht mehr wußte als ein Kind. Auch dort gab es Spiele zu spielen. Der Tisch war größer, und warum sollte er sich nicht mit seinen Millionen daransetzen und mitspielen? Und so entschloß er sich an jenem Nach- mittags aus dem Skookum Hill, seine beste Klondike-Karte auszuspielen und dann in die Welt hinauszureisen. Aber das ging nicht so schnell. Durch zuverlässige Leute ließ er die Ingenieure der großen Firmen überall beobachten, und überall, wo die zu kaufen begannen, kaufte auch er. Ueberall, wo sie einen ausgebeuteten Claim in ihre Hand zu bekommen suchten, stießen sie auf ihn, weil er ganze Kom- plexe oder einzelne Claims besaß, die so geschickt verstreut waren, daß ihre Pläne gekreuzt wurden. „Ich spiele mit offenen Karten— stimmt das nicht?" sagte er einmal in einer heißen Verhandlung. Es folgten Kriege, Waffenstillstände, Vergleiche, Siege und Niederlagen. Im Jahr« 1898 waren sechzigtausend Die Geburtsstätte unserer Ranknoten. Dem Lauf des Nannenfließes folgend, simd wir, an der Stelle des ehemaligen Lifenkreuzes vorüben Schließlich zum„Geschirr" gewandert, einem einsamen Gehöft inmitten des Waldes, früher eine Hadermühle, die zur Papierfrabrik Spechthausen gehörte. Noch eine kurze Wanderung, und wir müssen dem Nonncusließ Lebewohl sagen. Der Weg führt uns nach links auf die Chaussee, der wir nach Spechihausen folgen. 1708 wurde hier durch den Hammermeiltcr Specht ein Eisenhüttenwerk angelegt. 1781 wurde die Papierfabrik gegründet, die heute noch in Betrieb ist und in der das Papier für unsere Banknoten— früher hier allein— hergestellt wird. Etwa zehn Minuten jenseits des Ortes verlassen wir die Chaussee nach links, nachdem wir eine Brücke über ein Keines Fließ überschritten haben. Wir bleiben am Fließ und kommen zur Schwärze, in die bei Spechlhausen das Nonnenfließ eingemündet fft und die hier in einem weiten, von Wald umgebenen Wiesental dahinfließt. Schließlich überschreiten wir die Schwärze ans einer hölzernen Brücke und wandern jenseits am Lauf eines Fließes zum herthafall, dem alten Wasserfall bei Eberswaide. Nicht weit cnt- ftrücke im Vannengrund. sernt kommen wir zum neuen Wassersall, wo viele Erinnerungstafeln auf die Sängerseste hinweisen, die hier abgehalten wurden. Auch ein Denkmal für den bekannten Liederkomponisten Franz. Mücke befindet sich hier. Bom Wasserfall wandern wir hier»ach Zainhammer, einem ehemaligen Eisenhüttenwerk, das an der Schwärze liegt. Borher bildet die Schwärze ein wildes Erlenmoor, durch das der Weg führt. Von Zainhammer bringt uns ein Promenadenweg zum Gesundbrunnen Eberswalde, dessen schwefel- und eisenhaltige Königsquelle bereits 1672 von dem Arzt Leonhard Thurneysser sestgestellt wurde. Wir haben nun die Stadt Eberswalde, die bis 1876„Neustadt- Eberswalde" hieß, erreicht. Sie weist fast gar keine alten Baulich- keite» auf, mir die Maria-Magdalenen-Kirche aus dem Kirchplatz i» der Altstadt ist fehenswert als ein Denkmal gotischer Baukunst aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Aber die Arbeit der neuen Zeit hat in Eberswaldc eine gute Stätie gefunden. Ausgededehnle Fabrik- und Werkanlagcn sind bei der Stadt und im Finowtal, westlich von Eberswalde, angelegt worden. Auch große Werk- stätten der Reichsbahn befinden sich in Eberswalde. Vom Alsenplatz führt uns die Eisenbahnstraße zum Bahnhof, von wo wir die Rückfahrt antreten. Weglänge etwa 21 Kilometer. Karten: Reichskarte 1:100 000 Blatt 244 Cberswalde: Meßtischblätter 1: 25 000 Blatt 1626 Ebers- ivalde, und Blatt l6!>6 Grünthal. I. Eh. Menschen am Klondike, und ihrer aller Wohlfahrt hing ab von dem Ausfall der Schlachten, die Daylight schlug. Und immer mehr feuerte der Geschmack an diesem großen Spiel Daylight an. Hier hatte er sich schon in einen Kampf auf Leben und Tod mit den großen Guggenhammers eingelassen, und er gewann. Der schwerste Kampf vielleicht wurde am Ophir geführt, der elendesten Elchweide, deren wenig gold- haltiger Boden nur durch seine ungeheure Ausdehnung Wert hatte. Der Besitz von sieben Claims im Herzen der Geländes gab Daylight einen festen Griff, und sie konnten nicht zu einer Einigung gelangen. Die Guggenhammerschen Sach- verständigen waren der Ansicht, daß die Sache seine Kräfte überstieg, als sie ihm aber ein Ultimatum stellten, kaufte er ' sie aus. Er schickte nach den Vereinigten Staaten und ließ tüchtige Ingenieure kommen. An der achtzig Meilen ent- fernten Wasserscheide erbaute er ein Reservoir und führte die mächtige hölzerne Wasserleitung quer durch das Land bis zum Ophir. Reservoir und Wasserleitung waren mit drei Millionen oeranschlagt, kosteten aber beinahe vier. Und hierbei blieb es nicht. Elektrische Kraftanlagen wurden er- richtet, seine Werkstätten durch Elektrizität erleuchtet und be- trieben. Andere, die auch mehr Gold gefunden hatten, als sie sich je hatten träumen lassen, schüttelten düster die Köpfe, prophezeiten ihm. daß er zu Fall kommen würde, und wei- gerten sich, Geld in seine verrückten Unternehmungen zu stecken. Aber Daylight lächelte und verkaufte den Rest seiner Grundstücke. Er tat es gerade im rechten Augenblick, als die Goldausbeute den höchsten Grad erreicht hatte. Wenn er seinen alten Freunden im„Elchgeweih" prophezeite, daß in fünf Iahren kein Mensch mehr ein Grundstück in Dawson ge- schenkt haben wollte, und daß die Hütten dann zu Brennholz verbraucht wären, so lachten sie ihn aus und versicherten ihm, daß die Mutterader dann längst gefunden wäre. Aber er blieb dabei. Weil er keinen Bedarf an Bauholz mehr hatte, verkaufte er auch seine Sägemühlen. Ebenso begann er, seine an den verschiedenen Flüssen verstreuten Claims ab- zustoßen, und beendete seine- Anlagen, baute seine Bagger, importierte seine Maschinen und machte das Gold von Öphir unmittelbar zugänglich, ohne jemand Dank zu schulden. Und er, der vor fünf Jahren vom Indian-River über die Wasser- scheide gekommen, mit seinen Hunden als Lasttieren die schweigende Wildnis betreten und wie ein Indianer aus- schließlich von Fleisch gelebt hatte, er hörte jetzt das heisere Pfeifen, das feine Hunderte von Arbeitern zur Arbeit rief, und sah sie in dem weißen Schein der Bogenlampen arbeiten. (Fortsetzung folgt.) Eine Kindertragödie. ©er Verteidiger beschuldigt Frau Zaquet. LtrieilsverkündAug im Prozeß Oujardin heuie vormittag. z a st c r b u r g, l?.'Mai.(Eigenbericht.) 3b der Areitagnachmittagssitzung b egründete Oberstaatsanwalt Eichwald seinen Antrag. Duja.edin..ausMangel an Vewelsen freizusprechen", was für Dujardin ewe Verurteilung bedeuten würde. Oujardin hätte dann auch leine Möglichleit, Schadenersatz für die Zohre, die er im Zuchthaus gesessen hat. zu verlangen. Nachden, Staotsaiiwaltschastsrat Priese seiner Ueberzengung dahin Uusdnick gegeben hatte, datz Dujnrdin de,> schweren Tot- schlages schuldig sei. erhob sich Oberstaatsnnwolt Eichwald zu folgendem Schlußwort: Das alte Schwurgericht ist zu einer Verurteilung des Täters gelangt. Zehn Jahre sind seitdem verflossen. Es ist nach meiner Ueberzeugung der Verdacht dicht ganz von der Hand zu weisen, daß Zrau Zaquet bei der Tat ihre Hand mit im Spiele halle, daß sie zu- sammcn mit einem anderen die Tat begangen hat. Der auf Du- jardin lastende Verdacht ist nicht mehr geeignet, gegen ihn auf Schuldig zu erkennen. Ich beantrage daher die Aushebung des Urteils der ersten Instanz sowie die Aushebung der damals er- kannten Strafe.(Laute Beifalls- und Ah-Rufe im Zu- h ö r e r r a u m, die der Vorsitzende energisch rügt, wobei er androht, daß er bei einer Wiederholung das Urteil unter Ausschluß der Oesfentlichkeit verkünden werde.) Oberstaatsanwalt Eich- wald(fortfahrend): Di« Unschuld des Angeklagten ist jedoch nicht erwiesen, ein begründeter Verdacht liegt noch immer vor. Eine Entschädigung des Angeklagten durch den Staat könne ihm daher nicht zugebilligt werden. Oie Rede des Verteidigers. Ncchtsanwall Schönfeld begann sein« Aussührungen mit den Worten: Um das Ergebnis meiner Ausführungen vorwegzunehmen. erkläre ich, daß ich von der Unschuld meines Klienten felsenfest überzeugt bin. Was im Schlafzimmer geschehen ist, ist kein Totschlag, keine Tat des Affekts, sondern glatter Mord. Wenn man nun die Frage prüfen will, wer der Täter ist. muß man Frau Iaquet und Dujardin auf die gleiche Basis stellen, um alle Indizien und Motive zu prüfen. In neunjähriger harter Arbeit bin ich zu dem Ergebnis gekommen: Frau Zaquet ist die Mörderin. Das jage ich in aller Oesfentlichkeit auf die Gefahr hin, daß gegen Frau Iaquet ein neues Verfahren wegen Mordes wieder aufgc- nommen wird. Sucht man nach Motiven, so konnte für Dujardin Geldgier, Liebe zur Frau oder Haß gegen den Mann in Frage kommen. Geldgier haben die Geschworenen vor zehn Jahren ange- nommen, und dieses llrteil war falsch- Dujardin war nicht un< vermögend, hatte ein auskömmliches Gehalt und feine Brüder hatten ihm Geld zur Geschäftsgründung zur Verfügung gestellt. Von einem Liebesverhältnis zwischen dem Angeklagten und Frau Iaquet kann noch nicht die Rede sein. Frau Iaquet ist durch- aus unglaubwürdig. Kein Fremder hat den Mord begangen, sie selbst hat die Tat ersonnen und ausgeführt. Planmäßig hat sie alle Vorbereitungen getroffen, um ja schon beim ersten Einbruch den Verdacht von sich auf Dujardin lenken zu können.� Nach allein, was die Verhandlung ergab, hat Frau Iaquet erst auf ihren Mann bei angeknipster Taschenlampe den Schuß in die Schläfe abgegeben und sich dann selbst die Kugel in die linke Hand gejagt. Wer den Kopf riskiert durch einen kaltblütigen Mord, riskiert auch gern einen Handschuß, um den Verdacht abzuwälzen. Solang« diese Frqu nur nicht die Frage beantworten kann, warum sie in der Mordnacht zweimal ganz allein im Wohnzimmer neben Dujardins Kammer war, werde ich ihr immer wieder die Anklage ins Gesicht schleudern: sie ist«ine Mörderin! Darum bitte ich um die völlige Freisprechung des Angeklagten und der Aufhebung des Urteils in der ersten Instanz. Der Angeklagte Dujardin verzichtete auf das letzt« Wort, und so konnte gegen M7 Uhr die Verhandlung geschlossen werden. Im Anschluß daran trat das Gericht sofort zur II r t e i l s b e r a t U n g zusammen. Die Urteilsverkündung wird am Sonnabend er- folgen, frühestens um ll Uhr. Es ist jedoch auch möglich, daß die Beratung der Geschworenen sich länger hinauszögert. Oachstuhlbrand in Gchöneberg. Verqualmung erschwerte die Löschattion. Ein sehr gesährliches Feuer brach gestern abend im D a ch st n h l des Oucrgebäudes Hauptstraße IIS in Schöneberg aus. Die Feuerwehr war mil vier Zügen an der Brandstelle stundenlang beschäfligl. Kurz vor l9 Uhr schlugen aus den Bodenluken plötzlich meter- lang« Flammen heraus. Als die Feuerwehr auf den Alarm mit vier Löschzügen anrückte, brannte der D a ch st u h l d e s Quer- gebäude« in seiner ganzen Ausdehnung lichterloh. Durch das regnerische Wetter wurde der Rauch und die stickigen Gase auf den Hof hinobgedrückt, so daß zeitweis« nicht- die Haud vor den Augen zu«rtennen war. Größte Gefahr bestand für die angrenzenden Dach- stühle und für ein benachbartes Gebäude. Der starke Wind entsachte die Flammen immer wieder"und trieb.«inen starken Funkenregen auseinander. Deshalb mußten die Nachbardächer mit zahl- reichen Mannschaften besetzt werden, um ein Ueb«rgreifen des Feuers zu verhindern. Aus sechs Schlauchleitungen wurden große Wassermengen in dos Flammenmeer geschleudert: nach zwei- stündiger angestrengter Tätigkeit war die Gewalt der Flammen end- lich gebrochen. Di« Wohnungen des vierten und dritten Stock- werkcs haben unter Wasserschaden sehr gelitten. Di« Entstehungsursache konnte noch nicht ermittelt werden. Der ermordete Viehhändler. Die Täter verhastet. Einem Randmord ist allem Anscheine nach der 24 Zahre alte Kaufmann Friedrich Lasch zum Opfer gefallen. L. war Geschäftsführer bei der Biehoerwertungsgenossenschaft der Chemnitzer Großschlächter. Am 2S. April rief«in Mann, der sich Weigelmann nannte, durch den Fernsprecher bei Lasch an und teilt« mit, daß für die Genossenschaft ein Transport Schlacht- fch weine in Schneidemühl abzuholen sei. Lasch machte sich sofort auf die Reise und führte auch die zum Abschluß er- sorderliche große Summe bei sich. Seit diesem Tage hat man ihn nirgends mehr gesehen. Ein mit seinem Namen u n t e r z e i ch- netes Telegramm, das bei der Genossenschaft aus Flatow einging, forderte noch 17 000 Mark, die auch abgesandt wurden. Die Ermittlungen haben aber ergeben, daß Lasch nicht der Ab- sender gewesen sein kann, daß'das Telegramm vielmehr ein Täuschungsmanöver feiner Mörder war. Auch ein Weigelmann ließ sich nirgends feststellen. Zwei Tage nach, der Abreise des Lasch, am 27. April, wurden in Schneidemühl ein Liehhändler Ludwig B a g i n s k i und ein Besitzer Paul L i b u d a, beide aus Ostpreußen— festgenommen, da sie in dringendem Vcr- dacht stehen, den Raubmord an Lasch gemeinsam verübt zu haben. Bei den Verhafteten fand man an den Kleidern zahlreiche Blut- spuren, für die sie keine glaubwürdige Erklärung geben können. Libuda hatte die Brieftasche und die Personalpapier« des Losch bei sich, und in der Reisetasche des Baginski entdeckte man ein Paar Schuhe, die Lasch zuletzt getragen hatte. Trotzdem leugnen beide, die Bluttot verübt zu haben. Die Leiche konnte trotz allen Suchens noch nicht gefunden werden. Entweder haben Baginski und Libuda den Erschlagenen im Walde oerscharrt oder ihn in einen Fluß geworfen. Zur vollen Klärung ist jetzt ein Kriminalbeamter aus Schneide- mühl in Berlin eingetroffen, um zusammen mit den Beamten der Mordinspektion A des Polizejsiräsidiums etwaigen Spuren in Berlin nachzugehen. Erleichterte Paßbesorgung. Die im Reichsmnenrmmftenum vorbereitete Neuordnung des Poßwesens wird voraussichtlich erst zum 1. Januar 1930 in Kraft gesetzt werden können. Um jedoch den Paßbewerbern bereits bei der bevorstehenden Reisezeit die Erlangung von Pässen zu erleichtern, werden schon jetzt die neiiaufgestellten Verzeichnisse der zur Ausstellung von Pässen und zur Erteilung von Sichtvermerken ermächtigten Behörden verössentlichi. Während hinsichtlich des Kreises der Sichwermerksbehörden gegen früher keine V e r- änderungen eingetreten sind, ist. dem Amilichen Preußischen Pressedienst zufolge, der Kreis der Paßbehörden wesentlich er- weitert worden, so daß nunmehr überall die Erlangung von Reisepäsien der Bevölkerung ohne große Schwierig- leiten, besonders ohne Zeitoerlust und umständliche Fahrten, möglich fein wird. Die neuerscheinenden Paßbehörde» haben ihre Tätigkeit am iL Juni auszunehmen. Für Preußen sind Paßbehörden: der Minister des Innern, die Regierungspräsidenten, die staatlichen Polizeiverwaltung«», di« Lyndräte und die landrötlichei, Hilfsbeamten in Neuenhaus, Norderney und Borkum, die Polizciver- woltungen der Städte(owi« ferner die Polizeidistriktskommisiare und zahlreiche ländliche Ortspolizeibehörden. Durch Zauchegase vergistei. $?***) Menschenst r limst u« d oh n m ä ch t i g liegen blieb. Außer schweren Deftetzupgefi hat S. silivs sämtliche.it Vorderzähne eingebüßt. Vorher hatte die W. am Schloß Glienicke bei Potsdam auf ähnliche Ast einem Kaufmann die ge- samt« Barschast gestohlen. unj> der Angeklagt« Schreiber mar auf einen Kellner losgegangen und hat ihn mit Schlagring nieder- geschlagen. Die Angeklagte wurde wegen«infachen Diebstahls im Rückfall zu 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus verurteilt, Schreiber er- hielt wegen Begünstigung und gefährlicher Körperverletzung durch hinterlistigen Ueberfall insgesamt 2 Jahre 3 Monate Gc- j ä n g n i s. Bei ihm kam Rückfall nicht in Frage. Behandlung minderbemittelter Geschlechtskranker. Der vom Magistrat mit dem Sroß-Berliner Aerztebund' im März 1928 geschlossene Vertrag über die freie ärztliche Behandlung für Minderbemittelte trat am 13. Mai 1929 außer Kraft. Die Kündigung des Vertrages durch den Magistrat erfolgte, weil eine Verständigung mit der Aerzteschaft über die Frage Ihres Mitbestimmungsrechtes bei der Errichtung städtischer Behandlungsstellen für Geschlechtskrankheiten nicht erzielt werden tonnte. Die Behandlung der minderbemittelten Geschlechtskranken wird in Zukunft durch di« städtischen Be- handlungs st eilen und durch die W a h l s a h r t s ö r z t e be- sorgt. Es ist in umfassender Weise Vorsorge getroffen worden, daß die städtischen Behandlungsstellen in der Lage sind, ihrer nunmehr erweiterten Aufgabe gerecht zu werden. Sollten trotzdem irgend- welche Schwierigkeiten austreten, so werden die Vehandlungsstellen vermehrt oder vergrößert werden. Eine schlaue Lerche. Aus Pilsen schreibt man uns: Ein hübsches Erlebnis hatte dieser Tage ein Landwirt in Wasseraugezd bei Pilsen. Als er Kunstdünger auf sei» Feld streute, huschte plötzlich ein Bogel unter seinen Rock und suchte«in Versteck am Körper. Das zitternde Tierchen verließ bald sein merkwürdiges Versteck und suchte in einer tiefen Radsurche Deckung. Da sah sich der Bauer in der Luft um und gewahrte einen niedrig kreisenden Raubvogel, vor dem die Lerche bis unter den Rock des Landmannes geflüchtet war. Nach dem Abzug des Raubvogels, eines Turmfalken, erhob sich die Lerche wieder, jlog in ein Kornfeld und stieg von da bald wieder jubilierend in die Luft., Sie demonstrieren weiler! Gestern abend mußte in der R i- goer Straße/ im Osten Berlins, wieder einmal ein k o m m u- n i st i s ch e r D e m o n st r a t i a n s z» g von etwa 200 Teilnehmern durch die Polizei ausgelöst werden. Da sich mehrere Personen den Anordnungen der Polizei widersetzten und sogar zu Tätlichkeiten übergingen, wurden sechs der Rädelssührer zwangsgestellt und der Abteilung IA im Polizeipräsidium zugeführt. Das neue Heft der„Arbeilerwohlsahrl" setzt den interessanten Artikel von Dr. Helen« Simon über„Arbeitslosigkeit" fort. Hieran schließt sich im Abschnitt Landesgesetze und Einrichtungen ein Aufsatz von Dr. Erna Magnus über„Die Durchführung der Fürsorge- er-iehung in Preußen". Stadtrot Walter Friedländer nimmt im Abschnitt„Tagungen" in seinen beiden lllussätzen„Jugendfürsorge und Prügelslrofe" und.„Vereinigung für Jugendgerichte" zu zwei außerordentlich akufen Problemen Stellung und zeigt die klare und eindeutige sozialistische Pädagogik gegenüber den schwächlichen Eni- schließungen bürgerlicher Organisationci'. Der Abschnitt„Aus der Arbeiterwöhlfahrt" bringt u. a. die Einladung zum diesjährigen Pfingsttrefsen der sozialistischen Fürsorgerinnen. Für die pfingstausflügler! Vorkehrungen bei Reichsbahn und Straßenbahn. Die Reichsbahndircktion Berlin hat eine Reihe weiterer Ausilugsorte in den Lonntagsrüiktahrkartcnnerkehr od Berlin einbezogen und durch Z u j n m m e n l e g u n g geeigneter Äüsslligs- Ziele in eine Karte neue Wanderkarten geschaffen. Neu aus- gelegt wurden Sonntagsriicksahrkarten nach Prcnzlau, Sten- dal, Küstrin und Wriezcn. Die Sonntagsrückfahrkarte naä) .Küftrin gilt auch wahlweise n a ch u n d von Frankfurt a. d. O. Die Karte noch Wriezen kann sowohl von der Stadtbahn aus über Werneuchen als auch vom Stettiner Bahnhos aus über Ebcrswaldc und umgekehrt benutzt werden. Die neuen Wanderkarten ermöglichen eine Reihe weiterer schöner Austlüge. To brauchen die Besucher des zwischen F ü r st c n- borg(Mectl.s und Rheinsberg liegenden Stechlinjees nicht mehr von der Ausgangsstation ihrer Wanderung.zurückzufahren, sondern können wahiinelsc nach oder van Aiirftenberg oder Rheinsberg fahren. Bon Wassersportlern, die die 5?auel zwischen Rothe- now und Brandenburg befahren, wird di« neue Karte noch R a t h c- n o m begrüßt werden, in die auch Brandenburg einbezogen worden ist. Die Tonntagsrücksahrkarte nach S ch o r m ji lz e I j e e aalt bisher nur auf der Rückfahrt von Fürstenwalde(Spree). Es wurde eine neue Karte aufgelegt, die hin und zurück wahlweise nach Scharmützelsce oder Fürstenwalde(Spree) gilt, so daß die B, suche«: des Scharmützels ecs ihre Wanderung entweder vom Norden oder Süden her antreten können. Die Ausslügler, die aus einem Teil ihrer Wanderung die Kreisbahn benutzen wollen, erhalten ermäßigte Zusatzkarten für einfache Fahrt. Solche ermäßigten Zusatzkarten werden aus dem gleichen Grunde auch zu den Sonntagsrückfahrkarten nach Beeskow ausgegeben für di« Fahrt von Beeskow nach Fürstenwalde oder umgekehrt. Die Zusatzkarten sind nur aus den Staktvneu der Kreisbahn erhältlich. In die Sonn- tagsrückfahrkarte nach La r u t h, die schon jetzt wahlweis« auch nach «chönefeld, Halbe und Storkow gilt, ist auch noch die Station Luckenwalde einbezogen worden. Die Fahrpreis« sind aus den auf den Bahnhöfen aus- hängenden Bekanntmachungen zu ersehen, die auch die näheren Be- stimmungcn über die Benutzung der Karten enthalten. Nachdem an, Dienstag und Mittwoch in den Reisebureaus der Hauptansturm zu bewältigen war, da an diesen beiden Tagen der Berkauf der Platzkarte» für die am Froitag und Sonnabend ver- kehrenden Züge begann, ist der Andrang nicht mehr ganz so stark. Jetzt läßt sich auch schon der Psingstreiscverkehr übersehen. Nach den Beobachtungen in den Reiiebureaus wird der Sonnabend der H a u p t r c ifs t a g sein. An diesem Tage werden alle vorgesehenen Bor- und Nachzüge eingelegt weichen müssen, um die Berliner in die Ausftugsgebl«ie zu bringen. Wie es scheint, dürfte in diesem Jahre der Pfingstreijcoerkehr den des Vorjahres noch über- treffen. Schon am Donnerstag hat der Pfingstver, kehr begonnen: die Züge waren zu 80 P r o z. besetzt, und es mußten auch schon Vorzüge gesahren werden. Wohin größten- teils von Berlin nus gereist wird, läßt sich noch nicht genau sagen. In den Reisebureaus werden die Fahr- und Platzkorten noch ent- legenercn Gebieten wie z. B. Süddeutfchland oder gar da» Aus- l a n d genau so lebhaft gesordert wie etwa nach T h ü- ringen, Harz»der O st s e e. Das Ostseebad Heringsdorf hat beschlossen, in diesem Jahr« di« Kurtaxe erst nom 1. Juni ab zu erheben. Dadurch weichen alle Pfingstbesucher Heringsdorss in diesen, Jahre n a n der Kurtaxe befreit sein. HeringSdors hat zur neuen Saison wesentliche Verbesserungen erfahren. Strafsenbahn-Arühverkehr an he« Pfingstfeiertage». In der Nacht nom Pjingst-Scmnabend zum l. Pfingstfeiertage wird die Straßenbahn ununterbrochenen Betrieb unterhalten. Linie l: Stodtring(15); Linie 15; zwischen Bahnhos Neukölln und Potsdamer Bahnhof(15): Linie 44: zwischen Kaiserplatz und Gör- litzer Bahnhai(15); Linie 55: zwischen Spandau, Pichelsdorser Ätraße und AnHolter Bahnhos(:V>): Linie 69: zwischen Leipziger Platz und Friedrichsfelde(.50), Lichtenberg, Gudrunstraße(15); Linie 74: Kniprodestraße— Lichterselde, Händelplatz(15): Linie 76; zwischen Lunapark und Königstraße, Rathaus(15); Linie 99; zwischen Uferstraße und Moriendon, Dorsstraß«(15). Äußerden, sind b e i günstigem Wetter an den beiden Psingstseintagen außer- sahrplanmäßigc Frühmhrten aus den folgenden Linie vorgesehen: Linie 1. iE, 5, 28, 128. 42, 45. 48. 51E, 56, 60, 66, 68, 54, 75. 177, 79E, 87 E, 187E, 93, 06, 97, 98. 09E und 199. Sport. Rennen zu Grunewald am Freitag, dem 17. Rlai. l. R e n n e n. 1.«urinärker lvohlgemutb). 9. Dia« dvliltle). 3. Sophist CHölIein). ioto: 40:10. tlila«: iO, 25, 21:10. Ftrncv Hefen: Rohrpost(4), Bonifaciu«. Fronlioldat, Mibgurd, Thea, 2. Rennen. 1. Heruiodcr lAliich). 3. Cabrivi(H. Blume). 3. Coro Bube tt». Honet). Toto: US: 10. Platz: 26, 34, 34: 10. Ferner liefen: Sltogebe(4.), Mohrenglück, Salaltrophal, Heibjer. Kasbek, Akorgenflern. g. Rennen, r. illoanli(Vaiga). 3. Metrodoru«» 5Zr°de«eUlagcr. *«ei»»enlhllp. ftruppc fBflttln und Slbeltratze. Treffpunkt oller Zeil- nehmer am Probejcltlager heute. Sannadend, 13. Mai, 18'.: Uhr, U-Bahnhof �' ti" finu 1 i"i|t Schill»pe lllnouft Bebet Trefipunlt der Socken iut Piingirfahrt heute, ß Uhr. 8 l-nier garten, Deickmol.— chruppc Tlergarte-'Sild. Treffpunkt 1» Uhr»eim B>»o«ftraße. Geburtstage. Jubiläen usw. 47.»St Unserem chenaffen Sein hold Lösche und leinet Chefeas die bei«. lichften©lütfnmiilch« j»t«Nberhochecit. j Sterbetafel der Groß- Berliner Partei. Organisation\ 47.»dt. Die Beerdigung de, Senassen Eentkch jr.. Woldemorsir. lä. findet am 18. Mai. 14 Uhr. auf dem Thomasfriedhof, Hcrmannstroße, statt. Um rege Beteiligung wird gedcteu, it I SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin Sinfendungen fir diese Rubrtf nur an das Zugendfekreiarlat Sertin«W»8, Tindenstraße Z Bez!rI«porstand»figung Donnersiaa. 33. Mai. pünktlich 19Vi Uhr. singtrei»! Die Uedungsadende fallen vorläufig aus. Magdeburgfahrer! Miiiwoch, ZZ. Mai. Besprechung aller Teilnehmer in der Schulaula gochstr. IZ. Da die Fahrkarten ausgegeben werden, müsse» alle Magdeburgfahrer erscheinen. Bewegungschar: Letzte Probe für Magdeburg Donnerstag. 28. Mai, lSti Uhr. Danüger Str. 23.»lli Teilnehmer müssen pünktlich erscheinen. Kosiilmausgabe. Achtung. Brandeuburgsahrer der TSS. Die Radfahrer treffen ssch am Mittwoch. 22. Mgl. lS Uhr, auf dem I. Hat des„Borwüris", Lindcnftr. Z, jut Abfahrt. Heute. Sonnabend. IS. Mai: »ällnifcher Bark: Treffpunkt»ur IZahri l8>. Uhr Stettiner Sauptbahnhof. »rnnnenptatz: Treifpunt, ,ur Fahrt I8>, Uhr Bahnhof ZSedding. Abfahrt Bahnhof Friedrichstraße ltz.M Uhr.- Stralancr Viertel: Treffpunkt zur Fahrt nach �reienwalde um>71; Ubr Bahnhof Stralau.Nnmmelsburg-Wasserturm. Stralauer Seite).— Südwest: Treffpunit zur Fahrt ZgU Uhr»iarliher Bahn Hof. stehlenborf: Treffpunit zum Zeltlager 18 Uhr U-Bahuhok Thielplatz. Treffpunkt zur Spreewaldfahrt 161t Uhr vor dem Keim.— Britz I nnb Ii: Trekkpunkt t8 Uhr Stettiner Bahnhof.- Renlöllu III! Treffpunit zur Fahrt It'4 Uhr Bahnhof Kermannstraße.— Neukölln II und>: Treffpunkt zur Fahrt ll'.ß Uhr U-Bahnhof Bergstraße Lichtenberg- Mitte: Wir treffen uns znm Zetllager 18 Uhr Bahnhof«trafgu RummelÄurg. Nachzügler Ztl Uhr ebendart. � Bnchholz, Friebrichshagen. Pankow II R..Z., Schöne- berg IV»..js., Aehlendorf und Wannfee: Da» Zeltlager am»rummefee findet destimmt statt. Treffpunkt 1» Uhr Görlitzer Bahnhof. Decken. Eßgeschirr sowie alle Aeltbahncn stnd mitzubringen. Werbebezirk Rcuköln: Unser Genasse Alfred Britschin wird heute, W 14 Uhr. auf dem Reulöllner Gemeinderrirdhoi begrabe». Wir treffen P4 uns 1361 Ubr Nor dem Eingang Eotllieb-Dunket-Srraße. Uni zahlreiche � Beteiligung«ird gebeten. Werbebezirk Prenzlauer Werg: Die Tambourkapclle übt heute nicht. Vofiräge,Vereine undVersammlungen. » Reichsbanner„Schwarz Rol Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastinnstr. 37/38, Hof i Zr. Sannabend. 13. Mai. Ritte. Zungbanner. FweitSaigtz B fingst, MK» Wanderung nach Fürftenberg-Rheinsberg. Unlasten tzgi0 M. San» derkleidung. Treffpunkt Sonnabend. l8'l Uhr, Stettiner siernbahnhof.— Wedding: Am 1. Pfingstscicrlag Frühkonzert des MustUorps in der Hochschul. Brauerei. Amrumerftr. II. Beginn 8 Uhr. starten zu ist Pf. find in der Gefchäftsstellc, Razarethkirchstr. 41, erhältlich.— ffriedrichshain. l. Pfingst. feiertag 15 Uhr bei Schoners, stynaststr. 20-24(am lllummelsburger See). großes Pfingstkonzert. Ausaeführt von der verstärkten Reichsbannerkapelle Zriedrichshain. Eintritt öll Pf, Familien können staflec kochen, starten sind in der Seichakisstelle beim stomcraden Löwcnberg. Blumenftr. 61, bei den Zunitionären und beim Gauvorftand erhältlich.— Neukölln-Britz. Sonntag. 13 Mai. b Uhr und 15 Uhr. stonzert des Musiktorps im Schloß Treptow (neben der Abte». Eintritt 50 Pf., stinder 15 Pf. Reichskartell Republik, Eharlottcnbntzg. 1. Pfinastfeiertag 10 Uhr pvll- .üihligc- Schießen in Zehlendorf. Freireligiöfe Gemeinde. Eonniag, 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag des Herrn Dr. A. Rotenberg: Religiöser Sozialismus". Harmonium: Aus„So IN- mernachtstraum" tMendelskohn-Bartholdi». Siiste willkommen. Eewifchter(Chet„Freie Schwimmer Eharlottenbnrg". Uebunasabende teden Dienstag um ZOi? Uhr Tegeler Weg 3?(bei Suber). Nächste Uebung am A. Rai.______ wellerbertchk der iffenMchen kvetterdienststeve Berlin und Umgegend. iRachdr. verb.) Wolkig, zeitwets« ausheilernd. etwas wärmer, nördliche Winde.— Aür Drutfchlaud: In Miltetdeulschtond und an der Rordlce- iüsle noch Regen.- ebenso im Alpcnnorland. In Westdeutschland keine klenderung, im Osten wolkig und etwa» wärmer. Für den zu erwartenden lebhaften«usflnasverkehr während dar Pfingst- feiertage hat die Stern, und»reisschiffahrf eine weitere größere Zohl von Fahrzeuge» in Dienst gestellt und fährt während dieser Zeit im ganzen mit 8) Schiff,». Hierdurch ist tveiiestgehrr.de Gewähr geboten, daß auch bei leb. haitem Stoßvertebr de. An, und Ädtranspart Ichnell und reibungslos von. statten geben wird. Auch da» Auskunft,- und stontrollperfonal ist ebenfalls erbeblich verstärkt worden. Dir Stern- und streisschifiahrt verkehrt bis 'ä-stündkich auf de» Strecken Spandau_ Wannsee- Pntzdam— Werder- Ferch, sowie zwischen Tegel— Tegelort— Spandau und Heiligeusee: ferner ist regelmäßiger Berkehr auf her Okerspree von der Ianngwitzbrücke aus über Grünau und Schmöckwitz, sowie nach der Woltersdarfer Schleuse. Um 1% Uhr fährt ein bequem ausgestatteten Deckiglgn-Damviee durch die herrliche Dubrow»ach Teupi«. Um» Uhr verkehrt von der Weidendomni-Brücke ein Dampier über Potsdam nach Paretz. Die Pfingftperabredung für da» Rheingold! Ob das Wetter nun beständig oder regnerisch ist. oder ob uns ein plötzliche» Hitzetinbruch bestimmt, aus die Pfingstreise zu verzichte» ganz gleich, die beste Gelegenheit, mit seine» Freunden in wahrhafte« Feststimmung und schöner Umgebung zusammen zu sein, ist zweifellos da» Weinhau» Rheingold, das auch in diesem Jahre dem Feftcharakter der Psingsttag« mit den mit ganz beianderer Sorgfalt zu- iämmengeftelllen Frstmenu» Rechnung trägt. Diese werden in einem der schönsten Speisesäle Draß-Berlins, nämlich dem Pfeiler-Goal und auf dev entzückenden Eartenterrasse de» Hause, serviert. Dies- Terrasse, nach her Bellevuestraß« hinaus aeleaeu. bedeutet tatfächlich etwa» gg», Eigenartige, hier im Herze» der Ttadi, unmittelbar Im Zentrum de» großen Berliner Perkehrs, am Potodamrr Platz. verkehrsregrlnng na, de» Mvabit er Schnhhof. Am Mittwochnachmittag kam es in der Turmstraße zu Rassenansammlungen vor der neueröffneten 4. Berkaufsstelle des Schuhhgfe». Die billigen«röffnungsangebote zu den bekannten Schubhofpreifen und nicht zuletzt die Ankündigung, daß jeder Käufer gm Eröftnunastaae ein Paar Hallcnturnsckuihe umsonst erhallen sollte, hatten ein« große Menfchcnmenge in die schöne Borhalle de» neuen Schuhhauses ge» lockt Wie immer regelte auch hier die Schupo de» Verkehr. Siappenweiii wußte» die»auilnstigen eingelassen werde» und geduldig harrten die übrigen vor gespersier Tür. bis auch an ste die Reitze kam. Tbu sende lockt immer wieder der Zauber der Wepdepschen ßäumNüte. Jnmff/en eines strahlenden Blüten' meeres und der neu erivachenden Matur entwickelt sich ein fpohes Treiben, das Genüsse mancherlei Art bietet, so dem Rauchers di&setUiJbano Berlins m e isigera u ch te Cigareite Sonnabend �S. Mai �929 -Unterhaltung unö ÄVissen Beilage des Vorwärts cttie Schnittblumen frifch bleiben Die Blumen, die wir am Wiesenrand pflücken oder die wir aus unseren Gärten beglückt noch Hause tragen, welken sehr bald, wenn man sie nicht rasch ins Wasser stellt. Dieser alltägliche Vorgang, den wir als ein« Naturnotwendigkeit hinnehmen, kann aber doch recht lange aufgehalten werden, wenn die Schnittblumen die rechte Pflege finden. Dazu ist es aber nötig, sich ein wenig in den Lebens- Haushalt der Blume zu vertiefen, wie dies E. Pringsheim in einem Aufsatz der„Gartenschönheit" tut. Pflanzen können ja auch welk werden, ohne daß sie abgeschnitten sind, nämlich dann, wenn es im Freien längere Zeit nicht geregnet hat. Die Wasserzufuhr ist ein Hauptfaktor für das Frischbleiben der Blumen, da die Obersläche der Pflanzen dauernd Wasser oerdunstet. Dieses Wasser wird von den einzelnen Zellen abgegeben, die dadurch schlaff werden: erhält die Blume neues Wasser, dann wird dieses mit großer Kraft aufgesaugt und bläht die Zellen auf wie die Lust einen Gummiballon: die schlaff herabhängenden Stengel und Blätter werden aus diese Weise wieder ausgerichtet. Da dauernd Wasser abgegeben wird, muß auch dauernd welches aufgenommen werden: diese Abgabe kann eine Zeitlang sogar die Aufnahm« überwiegen. Wnn dann nur reichlich Wasser wieder zugeführt wird, so gehen die bereits deutlich ficht- baren Zeichen des Weltens zurück. Die Wasserdurchströmung von der im Boden steckenden Wurzel bis zu den oerdunstenden Blättern ist verschieden lebhast, je nachdem die Oberfläche der Pflanze den Wasserdampf durchläßt. Wasserpflanzen, die sehr viel Wasser ab- geben, welken deshalb sehr rasch, während wieder andere Pflanzen, die sogar in der Wüste gedeihen, mit dem Wasserverbrauch überaus sparsam umgehen. Infolge der.Saugfähigkeit der Zellen nehmen die, die zuerst Wasser verlieren, es den Nachbarzellen fort, so daß die Saugung sich von Zelle zu Zelle fortpflanzt. Das Wasser könnte auf diese Weife durch die ganze Zelle strömen, wenn der Borgang nicht so langsam vor sich ginge, daß das eine Ende sich im Wasser befinden und das andere trotzdem vertrocknen kann. Bei großen Pflanzen findet die Wassersörderung durch besondere Röhren, die „Gesäße", statt: diese Gefäßröhren sind aus lange Strecken hin offen. In der lebenden Pflanze führen diese Gefäße nur Wasser, das sie durch die Zelle der Wurzel dem Boden entnehmen. Was geschieht nun, wenn eine Blume abgeschmtten wird? Die Blätter verdunsten weiter Wasser und entschädigen sich aus den zu- nächst noch gefüllten Hohlräumen der Gefäße. Da diese aber jetzt am. unteren Ende offen sind, so dringt nur Luft in sie«in, die sich immer tiefer in den Stengel hineinzieht, je länger die Wasserzufuhr unterbleibt. Wären die abgeschnittenen Enden sofort in Wasser gc- taucht worden, dann hätte sich gar keine Störung bemerkbar gemacht, denn die Gesäße wären mit Wasser gefüllt geblieben. Dann würde erst ganz allmählich der Mangel der Nährsalzzufuhr durch die Wurzel und die dem Aufenthalt im Freien gegenüber oerminderte Helligkeit sich bemerkbar machen und ein Welken der Schnittblume herbeiführen. Da aber meist die sofortige Versetzung ins Wasser unterbleibt, so füllen sich die Gefäßbahnen mit Luft, in denen sich das Wasser nicht so gut bewegen kann, und die Pflanze welkt, obwohl der abgeschnittene Stengel später ins Wasser kommt. Es ist also von größter Wichtigkeit, die Blumen möglichst rasch nach dem'Abschneiden ins Wasser zu stellen. Müssen sie eine längere Reise durchmachen, so sollen sie sofort nach dem Abschneiden ver- packt werden und keineswegs in der Wärme oder gar in der Sonne liegen bleiben. Man muß aber die Schnsttblume möglichst vor Ber- dunstung des Wassers schützen. Je mehr Pflanzen zusammengepackt werden, desto besser halten sie sich, weil aus diese Weise die Luft zwischen ihnen bald mit Wasserdampf gesättigt wird. Ein Drücken der Pflanzen schadet viel weniger. Pflückt man Blumen aus Wanderungen, so darf man sie nicht lange in der Hand halten, sondern soll sie gleich in Papier packen und in den Rucksack tun. Welke Blumen in Wasser zu legen, wie vielfach geschieht, ist falsch, denn sie werden dadurch wohl vorübergehend frisch, halten sich aber nachher nicht lange, da die Zellulosehüllen, d'e die Zellen um- schließen, sich zu stark mit Wasser vollsaugen und in diesem Zustand das Wasser schneller durchlassen. Günstig wirkt dagegen ein leichtes Besprengen: dadurch wird die die Pflanzen umgebende Luft an- gefeuchtet und abgekühlt, und so die Verdunstung verhindert, lieber- Haupt ist kühle und fechte Lust das Wichtigste, um Blumen vor dem Welken zu bewahren. Man stellt daher die Blumen, besonders im Winter im geheizten Zimmer, zwischen die Doppelfenster oder an einen anderen geeigneten Ort._ Galileis Zhermomeler und Vollas Säule Die Historische Ausstellung der italienischen Wissenschaft, die in Florenz eröffnet wurde, bietet einen überaus wertvollen und reich- haltigen Ueberblick über die gewaltigen Leistungen, die die italienische Wissenschast im Lauf- der Jahrhunderte hervorgebracht hat. In einer vorbereitenden Arbeit von fünf Jahren sind aus allen Teilen Italiens Reliquien berühmter Gelehrter und Erfinder sowie andere Schaugegenständ« zusammengebracht worden. Da sieht man z. B. in der Florentiner Abteilung das Thermometer, das Galilei 1602 erfunden hat, dann seinen Pendel und das berühmte kleine Fernrohr in verblichener roter Lederhülle, das er in Venedig 1603 baute und mit dem er die Jupitermonde entdeckte. Nicht minder interessant ist der Raum, der dem wissenschafttichen Werk Leonardo da Vincis gewidmet ist: da sind ollein 12 kleine Mobelle, an denen die Anschauungen dieses Genies über den Menschenflug veranschaulicht sind. In der Abteilung von Bologna werden G a l v a n i s Versuche über den tierischen Magnetismus dargestellt. An anderer Stelle sieht man Voltas berühmte „Säule", diese Keimzelle der elektrischen Forschung, und die sich daran anschließenden Arbeiten anderer italienischer Gelehrter auf diesem Gebiet. Hier ist auch der„Pantograph" ausgestellt, ein Appa- rat zur telegraphischen Uebertragung von Bildern, der 18S6 von dem Gelehrten Giovanni Caselli aus Siena erfunden wurde. künstlicher Reiswein. Ein schwieriges Wirtschaftsproblem glaubt Dr. Ilmetoro Suzuki für Japan gelöst zu haben, nachdem es ihm gelungen ist, das japanische Nationolgeiränk, den aus Reis hergestellten �Sake". auf künstlichen, Wege zu ersetzen. Wie aus Tokio berichtet wird, soll dieser synthetische Sake, dessen Herstellung zehnjärige Versuche erforderte, denselben Geschmack und dieselbe Wirkung haben, wie der bei den Untertanen des Mikado so überaus beliebte Reiswein, aber viel gesünder sein. Es werden jährlich 22 500 000 Bushel(1 Bushel— 25 Kilogramm) Reis zur Herstellung des Sake verwendet. Japan führt mehr als 23 Millionen Bushel Reis aus dem Ausland ein. Wenn dieser Reis nicht für die Sake- fabritation benutzt würde, dann könnte Japan von seiner eigenen Reisernte leben und damit würde durch die allgemeine Einführung des künstlichen Sake der japanischen Wirtschaft ei» großer Nutzen A.IH.&rey: Die fOlC£1*1111» Dem jungen Burschen, der seit einer Stunde ihren Stuhl umschlich, erschien unzweifelhaft, daß die blinde Bettlerin tot sei. Die blinde Bettlerin saß wohl untergebracht in einer Art Thron- sessel, m einem verwitterten Korbgeflecht, mitten aus der Festwiese und hatte mäßige Einnahmen. Frellich tat sie gar nichts, sie zu erhöhen. Sie thronte an der Kreuzung vieler Budenstraßen, in der Menschenflut. Di« Ström« gingen ihr im gekrümmten Rücken, vor ihrer gebeugten Brust, an ihren Seiten unablässig vorbei. Sie, die Alte, tat nichts, zu ihren Gunsten etwas die Flut zu hemmen. Auf den Sessellehnen ruhten ihre Arme: zu Schalen waren die Hände geöffnet, in der linken lagen Schächtelchen mit Streichhölzern, in der rechten häufte sich ein kleiner Berg aus Münzen. Sie sagte nichts, sie hob nicht die Hartd, sie bot ihre Hölzchen keinem Menschen deutlich an. Nein, kein Schlaf— sagte sich der junge Bursche. So steif schläft niemand, der müde im Hocken zusammensinkt, ich kenne das. Westen Hände lägen da, als hätte ein Blitz sie erschlagen und ver- steint? Der Schlag hat sie getroffen. Wenn sie noch lebte.— weshalb sollte sie den Berg Münzen nicht nachzählen, ihn nicht ver- ringern, da er schon abzurutschen droht in den Wiefengrund? Der Bursche sah, wie er vorsichtig vergrößert wurde von einigen halb verlegenen Spendern— und er mußte dem alten Problem des Bettels nachgrübeln: was nutzbringender sei: den Hut sich füllen zu lassen nut Gaben oder ihn immer wieder zu leeren bis auf zwei, drei Stücke. In einem Falle.war spekuliert aufs protzige Herz: wo alle geben, last« ich mich nicht lumpen— im anderen aufs weh- leidige: nur ein paar Pfennige Gewinn? Da muß ich beitragen! Welches Verfahren rentierte sich besser? Alte Bettlerstreitfrage. Hat noch niemand eine Dissertation darüber geschrieben? fragte sich der Bursche, denn er war selbst eimnal am Beginn des Weges gc- wesen, der in Dissertation hineinführt, dann aber abgerutscht in die Niederungen des plattesten Lebens. Hier lungerte er nun, hatte keine Arbeit und kein Esten. Er spaziert« herum um die, die er als Leiche ansprach. Hände in den Hosentaschen, meditierte er wester.„Wie dumm ihr seid— ihr all«! Seht nicht, daß ihr einer Toten Geld gebt! Ihr glaubt wohl, hier könnte niemand sterben, wo alles vergnügt ist und mit überschüssigen Kräften Radau macht. Aber ihr braucht mich nur ein bißchen länger hungern zu lassen, dann muß ich zu Füßen dieser unerkannten Toten hinschlagen und einen zweiten Leichnam bilden." Ihm fiel ein, daß die Menge bedeutend mehr geben würde, könnte man ausposaunen, hier sitze eine Verblichene. Auf daß sie würdig bestattet werde.— Für Begräbnisse sind sie ja immer zu haben, sagte er sich. Aber sollen sie eines Menschen Auferstehung finanzieven, da hapert es. Noch schmäler wurde sein kreidiges Gesicht in der betrübenden Erkenntnis, keinen Psad gebe es, um hier mit der Toten Geschäfte zu machen. Lebendig Zerhackte, Fettüberladen«, Doppelbäuchige, Starrkrampfige, Ornamcntenbesäte, Vertierte, Eingeschmolzene, Auf- geblähte— hundert Mißbildete und vom Schicksal Geschlagene, in Schaubunden ringsum oerteilt— sie wurden zu Geschäften ausge- nutzt: aber vor dem Tode ward Halt gemacht. Selbst die Geköpfte, die man zeigte, lebte noch, lag auch ihr Haupt blaugrün in Spiriws. Ein Einfall ließ ihn aufschreckend seine Gedanken beiseite schieben. Wenn jemand kam, nach der blinden Alten zu sehen! Das konnte jeden Augenblick eintreten. So jemand mußt« doch kommen. Irgend wer— der sich an ihr bereicherte— hatte sie hierher gesetzt, schaute nach— und wär's auch vorerst nur, um dies« Hand mit Geld in seine Tasche zu leeren. Er rechnete flüchtig zusammen, wieviel es sei. Drei Mark viel- leicht, auch vier. Zwei Liter Bier— von dem schweren, das hier außen in den Sauspalästen verschenkt wurde Brot und Wurst und Käse. Zu handeln gast es, eh' ein anderer käme, dem das Geld so wenig und soviel gehörte wie ihm. Wenn man sich neben die Leiche stellte, erst das Kopftuch der Asten sorgllch zurecht rückte, dann Harnstos die Runzelhand von der Last der gelben Metallstücke besrette— so glaubte jeder, man gehöre dazu und sei der Bettlerin nur behstflich. Die Hand wird sich doch gut kippen lasten? dacht« der Bursche beunruhigt. Ich habe was gehört von Totenstarre. Weiß der Teufel, wie lange sie schon hin ist..... Er stand neben ihr. Nun war es doch nicht so leicht. Er mußte sich Mut machen. Griff nach dem gelblichen, leblosen Ge- lenk, es zu drehen wie einen Löffel, der sich ausschütten soll, und sagte laut mit Nachdruck zu sich selbst:.Mein Geld--" .Mein©est)!" sagte auch die Bettlerin, hob den Kopf und schlug sogar, wie die Lage es erforderte, die Augen auf. Der junge Bursche ließ los. Es kann einer vor dem Tod« mcktf ärger erschrecken, als er vor dem Leben erschrak. Geld, aus der Schräge, glitt weg und fiel zu Boden. Die Aste balancierte geschickt das übrige.„Heb's auf!" befahl sie. Der Bursche bückte sich und gehorcht«.„Wohin damst?" brachte er zähneklappernd vor..Wenn Sie weiter so sitzen, nnt den vielen Münzen ganz offen, werden Sie bestohlen werden." .Von dir," sagte sie erstaunlich kräftig. .Ich habe gemeint, Sie sind tot," entfuhr es ihm.„Aber nun sind Sie nicht einmal blind." Er holte auf, kam in festere Gangart, empörte sich über den Schwindel. .So blind noch nicht," höhnte die Alte,.daß ich nicht gemerkt hätte, was du vorhast." „Und was haben�Sie da vor?" fuhr der Bursche wütend Ihr entgegen..Täuschen alle Welt und werden noch fvech, wenn man der Hereingefallene ist. Steht nicht.Blind" auf dem großen Schild vor Ihrer Brust? Aber das ist doch— ein« Unverschämtheit ist das!" .Steht nicht.Blind"— äffte die Alle ihm nach..Was geht's dich an! So heiß' ich vielleicht. Gibt es am Ende keine Leute. die so heißen? Meine Gangnachbarin schreibt sich Sauer und ein« andere Geduldig." Er erkannte den abgefeimten Spott, und das beruhigte ihn, .Ich Hab' Hunger gehabt," gestand er einfach. .Behalt, was du aufgehoben hast," ordnete sie an. .Er sah in seine Hohlhand..Zu wenig." sagte er. .Oho," macht« sie: aber sie gab gleich mehr. Aus alter Ge- wohnhest tat sie schon alles wieder mit geschlossenen Augen..Da ist gar ein Fünfzigpfennigstück," entdeckte sie tastend, sie hott« die Geschicklichkest— die sehende Haut der echten Bünden, sie lebte viel in ertragreicher Rocht..Das nimm— und schau, daß du jetzt weiterkommst." »Dank schön!" rang er sich ab—. und setzte hoffnungsvoll Hinz»; „Heute abend fd>' ich noch Ihnen. Wer bringt Sie denn heim?" „Ist schon einer da," wehrte sie sich— und bekam es plötzlich mit der Angst, er möchte vielleicht— er hätte Lust, einen Strich durch die Rechnung zu machen. Polizei und so. .Ist wahrhaftig wahr!" beteuerte sie..Blint heiß ich— und bin- freilich nicht ganz. Meinen Sie, ich wüßt' nicht, daß man blind mit d schreibt. Alles in Ordnung. Das hier wird mit t ge- schrieben. Firma Blint, Detailgeschäft in Streichhölzern. Haben die andern net auch ihre Schilder vor den Buden?" Sie kicherte. Ihr Kichern besagte: mir kann keiner! Ich bin gewappnet!— Sie hatte ihre ganze Sicherheit zurück. „Servus, Firma Blint!" entschloß sich seufzend der Bursche. Er trollte davon in die Richtung der Eßstände.— Wer doch auch einen handlichen Namen hätte! dachte er unterwegs. König nennt man mich, aber damit ist heutzutage gar nichts mehr anzufangen.... S)ie Sprache der Ameiien lieber dos Mitteilung svermögcn der Insekten sind in den letzten Jahren grundlegende Forschungen angeftelst worden. Ein besonders interessantes Kapitel darin stellt die„Sprache der Ameisen" dar, die natürlich nicht nüt der menschlichen Lautsprache oerglichen werden kann, da den Insekten die höheren geistigen Fähigkeiten abgehen, die für das Zustandekommen und die Ausbildung einer solchen Sprache notwendig sind. Vielmehr standest es sich um«ine instinktive Zeichensprache, die hauptfächlich auf den Trieb zurückgeht, die eigenen Gefühlszustände und Bewegungsimpulse auf andere Individuen der sozialen Gemeinschaft zu übertragen. Ein- gehende Beobachtungen und Versuche über die Ameifensprache hat Eidmann angestellt, über deren Ergebnisse hier kurz berichtet werden soll. In seinen Untersuchungen beschränkte er sich darauf, die Der- ständigung der Ameisen über eine neu entdeckte Nahrungsquelle zu ergründen. Wird«in Nahrungsstück, etwa ein totes Insekt, in der Nähe eines Ameisennestes ausgelegt, so wird ziemlich bald eine der umherstreifenden Ameisen das Beutestück finden. Zunächst be- tastet sie den Fund, und versucht, ihn fortzuschleppen. Gelingen ihr« diese Bemühungen, so kehrt sie nach kürzerer oder längerer Zeit ins Nest zurück mit der Beut«, wobei sie noch durch andere Ameisen, die sie unterwegs trifft, Unterstützung findet. Wird aber das Futterstück so schwer und groß gewählt, daß die Finde- a m« i s« allein nicht imstande ist, es vom Platz zu bewegen, so wird sie sich zunächst länger« Zeit vergebens bemühen, die Beut« fortzuschaffen. Hat sie endlich die Unmöglichkeit ihres Beginnens erkannt, so kehrt sie auf dem raschesten Wege zum Nest zurück, und unterrichtet die anderen Ameisen von chrer Entdeckung. Eidmann kennzeichnete die Findeameise durch einen Farbfleck, um ihr Benehmen im Gewühl der anderen Nestinsasten genau feststellen zu können. Sie läuft im Nest aufgeregt herum und kreuzt mst anderen Ameisen die Fühler. Di« Benachrichtigten streben sofort zum Nest- ausgäng und folgen der Finderin auf dem Fuße, oft sogar in direktem F ü h l e r k o n t a k t mit chr. Häufig kann man einen ganzen Zug von zwei bis drei Ameisen verfolgen, die der Finderin anhängen und alle Krümmungen des Weges genau mitmachen. Nicht selten genügt der erst« Alarm noch nicht, und die Finderin kehrt abermals ins Nest zurück und host neue Hilfe. Stets erfolgt der Alarm mit de« Fühler», und zwar immer nur in den obere» Nest- parken, wo sich«ine ganze Anzahl von Arbeitern aushallen und offenbar auf die Benachrichtigung durch«in« erfolgreiche Streif-, am eise warten, um sofort an di« Arbeit zu gehen. Erstaunlich ist der Erfolg eines solchen Alarms. Man kann oftmals die Ameisen' in dunklen Scharen geradezu aus der Nest- öffnung herausquellen festen. Von der Führerin gelettet, sind sie bald alle bei der Beut« und suchen sie zu bewältigen. Wenn dev Nahrungsfund so groß ist, daß er auch von vielen Hilfskräften nicht fortbewegt werden kann, so bildet sich allmählich, wahrscheinlich durch die zunehlnende Konzentratton der Geruchsfährten,«in« Ameisen- strahe zwischen Nest und Fundplatz. Jnteressant ist auch folgendes Verhalte». Trifft eine Ameise. die«inen Fund gemacht hat, mit einer anderen Ameffe unterwegs zufällig zusammen, so benachrichttgt sie diese sofort durch Fühler- schlagen von der wertvollen Entdeckung und veranlaßt sie, chr zu folgen. Falls die Beute so beschaffen ist, daß sie von der Finderin allein in wiederHollen Wegen ins Nest getragen werden kann, so benachrichttgt sie kein« anderen Kameraden, sondern kehrt so lang« immer wieder zurück, bis sie das gefundene Objekt weggeschafft hat. In der Regel werden die Futterstückchen gleich am nächsten Ein- gange an eine Ameffe abgegeben, und diese trägt sie dann ins Nest- inner«. Unermüdlich ist der Fleiß und die Geduld der Finderameise. Sobald sie nicht den Eindruck gewinnt, daß die Beute für sie allein zu groß ist, kehrt si« immer wieder zurück und holt ein neues Stückchen. Sie kehrt sogar noch dann zum Futterplatze zurück, wenn sie schon dos letzte Stückchen fortgetragen hat, denn sie kann nicht beurteilen, ob der Platz auch wirklich leer ist und sucht den Fundort so lange ab, bis sie sich endgülttg davon überzeugt hat, daß nichts mehr zu holen ist. In dieser gewissenhaften Sorgfast läßt sie sich nicht stören, sechst wenn ihr auf dem Weg von der Nahrungs� quelle zum Nest sicheres Futter hingelegt wird. Wenn man der Ameise auf dem Rückwege vom Nest zum Futterplatz« ihre besondere Lieblingsspeise, einen Tropfen Honig darbot, so betastete sie den, Honig, leckte auch ein wenig daran, wurde aber immer wieder unruhig, verließ mehrmals unschlüssig die verlockend« Versuchung und kehrte„pflichtbewußt" geradeswegs zum Fundplatz zurück. Sobald sie aber das letzte Stückchen der Beute eingebracht hatte, ging sie zum Honig und vergönnte sich«in« ausgiebige Sättigung. Xr. 225* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 45. Mai 4 929 Umstellung der Lustfahrt. Mch t�er Beschneidung der Subventionen.— Von der Krisis zur Gesundung. Die Kürzungen des vom Rsichsverkchrsministerium verwalteten Luftfahrthaushaltes haben die deutsche Luftfahrt— fast über Nacht — vor eine völlig veränderte Situation gestellt. Es soll nicht ver- kannt werden, daß unter der Plötzlichkeit der umfangreichen Streichungen neben sehr zweifelhaften und untergangsreifen Unter- nehmungen auch die wertvollen Betriebe der Luftfahrt in recht harter Weife mit zu leiden haben. Sie büßen— nicht ohne eigenes Verschulden— mit für die Fehler der bureaukratischen Luftfahrt- führung, die es verstanden hat, im Verlauf weniger Jahre sich nach allen Seiten hin das Vertrauen der Oeffentlichkeit weitgehend zu verscherzen Denn es kann nicht oft genug betont werden: die Streichungen am Lustfahrtetat sind zwar durch die Finanznot des Reiches hauptsächlich bedingt, sie sind aber der Form und dem Um- fang nach doch ein starkes Mißtrauensvotum aller politischen Fak- toren. Wir haben an dieser Stelle oft genug gewarnt. Der Denkschristenregen aus dem Luftreich, der anfangs fast nur negativen und offen oder versteckt polemischen Charakter hatte, hat auch in den letzten Wochen.programmatische" Dorschläge ge- zeitigt, die freilich— abgesehen von einigen nicht neuen Forde» rungen— bei näherer Betrachtung an unklaren Allgemeinheiten nichts zu wünschen übrig lasten und die sich fast ausnahmslos als reiner Inkerestenlenkampf um die Reichsgelder entpuppen. Insbesondere gilt dies von der Denkschrift der Flugzeug- wnd Flugmotorenindustrie, die im wesentlichen aus die Voranstellung der Jndustrieinteressen auf Kosten der Luftverkehrsinteresten hinaus- läuft. Der Kampfruf gegen die Lufthansa ist zwar mannig- fach gedämpft und verschleiert worden, tönt aber unverkennbar als Leitmotiv überall hindurch. Dadurch sind auch die wenigen ver- nünftigsn Vorschläge der Denkschrift entwertet und um die beabsichtigte Wirkung gebracht. Mit Recht hat der interfraktionelle Reichswgsausschuß entgegen den Jndustrievorfchlägen den Verkehrsinteressen den Vorrang zuerkannt, und dem Luftverkehr den Hauptteil der etatmäßigen Reichssubventionen sowohl für 1929 wie in noch er- höhtem Maße für ISZO und 1931 in Aussicht gestellt. Denn nur soweit eine gesunde Verkehrswirtschast den Bedarf für die In- dustrieprodukte schafft, ist die Luftfahrt! ndustri« existenzfähig und existenzberechtigt. Damit brauchen— neben der Lufthansa, aber nicht gegen sie— vernünftige Sonderzwecke außerhalb des Großluftverkehrs nicht vernachlässigt zu werden. Ein Produzieren von Luftfahrzeugen ins Blaue hinein—.zur Erhaltung der Industrie"—, ohne daß diese Produktion sich nach den Verkehrsbedürfmsten reguliert, ist ein Unsinn, der ja gerade in der Vergangenheit am meisten zur Verschleildevung von Reichs- mittel» und zu übertriebener und falscher Typenentwicklung geführt und der zugleich den Militärfpielereien Vorschub geleistet hat. Wenn die Industrie planmäßige Absatzförderung will, so muß sie vor allem erkennen, daß der ersehnte Mehrabsatz weit weniger durch behördliche oder finanzielle Maßnahmen, als durch ihre eigene Rationalisierung und Produktionsumstellung herbeigeführt werden wird. Am heutigen Absatzmarkt gemessen, ist die Zahl der in Deukschland vorhandenen Zlugzengfabrikea zweifellos zu groß, und man weiß bei einigen Fabriken nicht, wo — außer den Lieferungen an DeHörden— ihr ziviler Absatzmarkt eigen tNch liegt. Man kann aber annehmen, daß die deutsche Flug- zeugindustrie weitgehend erhalten bleiben könnte, wenn sich jede Fabrik nur auf die Entwicklung einer Haupttype festlegt, und nicht, wie bis jetzt, jedes Jahr ein halbes Dutzend oder noch mehr neu« Typen in ein oder zwei Exemplaren, natürlich mit riesigen Unkosten, herausbringt. Der Absatzmarkt für deutsche Flugzeuge liegt in Deutschland u n d im Ausland. Aber gerade für das Ausland kommen fast ausschließlich Handelsflugzeuge erster Qualität in Frage, die jedoch im Preis international konkurrenzfähig fein müssen, denn jeder wichtige Staat wird aus Gründen der Landes- Verteidigung feine militärische Luftfahrt aus nationaler, industrieller Grundlage aufzubauen suchen. Die Lehren der Vergangenheit. Di« bisherig« bequeme Methode, für teures Geld auf behördliche Bestellung einzelne Experimentierflugzeuge— vielfach außerhalb jeder zivilen Verwendungsmöglichkeit— zu bauen, hat naturgemäß die Konkurrenzfähigkeit auf dem internatio- nalen Markt mehr und mehr zurückgeschraubt und es wird nicht ganz leicht fein, das Versäumte rasch nachzuholen. Die Erfahrungen der Automobilindustrie können den Beteiligten in mehr als einer Hinsicht zur Lehre dienen. Vor allem gilt es vorausschauend den sich entwickelnden Bedarf des zivilen Flugzeugmarktes zu erkennen und die Produktion rationell auf ihn einzustellen.'Die bisherigen Erfahrungen weisen neben den beiden zwei- bis dreisitzigen Kleinflugzeugtypen von zirka 40 bzw. 80 bis 120 PS auf einen mittleren vier- bis sechs- sitzigen Maschinentyp hin, der bei 200—400 PS sowohl als Pasta- gier- wie auch als Spezialpost. und Frachtflugzeug ausgebildet und verwendet werden kami. Ferner kommt noch für den internatio- nalen Großstrecken-Passagierdienst das drei- bis viermotorige Groß- flugzeug mit 10 bis 16 Sitzen in Frage. Das— nur für den Transozeanverkehr notwendige— Riesenflugzeug, in dessen Eni- Wicklung wir bisher mit wenig glücklichen Erfolgen Millionen hin- eingesteckt haben, ist vorerst noch nicht konstruktionsreif, da die Voraussetzungen hierfür— langsam laufend«, in den Flügeln ein- gebaute Rohölmotore— noch nicht vorhanden sind. Konzentrierung der einzelnen Firmen auf je eine dieser Typen wird eine rasch fortschreitende Verbilligung und Verbesserung und damit eine gesteigerte Konkurrenzfähigkeit zur Folg« haben. Der' Beweis hierfür ist z. B. die planmäßige Entwicklung, die Junkers seiner Type P 13 in jahrelainger Arbeit hat angedeihen lassen,«ne Type, die deshalb noch heute ebenso modern ist wie vor acht Iahren. Die heutige Zwangslage wird die Luftfahrtindustrie in diese Rich- tung drängen, und bei der Nutzbarmachung der bewilligten Reichs- gslder sowie der vom Reich garantierten Darlehen sollte man nicht versäumen, diese Entwicklung, die nicht ohne schmerzhafte Einschnitte vor sich gehen kann, mit herbeiführen zu helfen. Reformen im einzelnen. Freilich wird man die gegenwärtigen Dan- und Prüf» Vorschriften für Flugzeuge— für welch« die Deutsche Der- suchsanstalt für Luftfahrt verantwortlich zeichnet— ohne Beeinträchtigung der erforderlichen Sicherheit einer sehr gründkchen Revision unterziehen müssen. Ganz zu schweigen von der bureaukratischen Schwerfälligkest, die sich hier breit gemocht hat— sind heute verschiedene Abnahmebedingungen ein direktes Hindernis für die internationale Konkurrenzfähigkeit. Hierzu gehört vor allem der übertrieben« Wert, der auf Kunstflugtauglichkest von Handelsflugzeugen gelegt wird. Hand in Hand damit muß ein« Lockerung bzw. eine Beseitigung jener Fesseln eintreten, welche heute die Entwicklung der deutschen Fliegerei beinahe mehr hemmen, als jene, vom Ausland diktierten, „Begriffsbestimmungen" noch vor einigen Iahren taten. Dazu ge- hört auch die Beseitigung der hohen Start- und Landegebühren, ferner eine entsprechende Einflußnahme auf das sehr im argen liegende Versicherungswesen, sowie eine weit- gehende Vereinfachung der behördlichen Ueberwachungspraxis und die B�eitigung aller jener Schikanen, die gerade den kleinen Flug- zeughaltern das Leben so sauer machen und jedem die Luftfahrt- betätigung verleiden, anstatt ihn dazu zu ermuntern. Wenn durch die Etatstreichungen des Reichstags auch noch er- reicht wird, den Organisationsapparat der Lufthansa zu vereinfachen und zu verbilligen, sowie den Post- und Frachtverkehr gegenüber dem Passagierverkehr noch mehr als bisher auszudehnen, wenn es vor allem gelingt, die unerhört kostspieligen und dazu noch sehr anfechtbaren Ausbildungsmethoden der Verkehrsflieg erschul« zu reformieren, so wird die heutige ernste Krisi» zu einer Ge- s u n d u n g der deutschen Luftfahrt führen, der es dann mich nicht am Vertrauen des ganzen Volkes fehlen wird. W. Binder. Erhöhung der Voheifenpreife. Sin lleberrumpelungSversuch der Schwerindustrie. Der Deutsche Roheisen verband hat beschlossen, seine Preise füx die einzelnen Roheisensorten um durchschnittlich 4 Mark mit sofortiger Wirkung zu erhöhen. Don beteiligter Seit« wird darauf hingewiesen, daß der Roheisenverband seine Preise im Mai vorigen Jahres bei der allgemeinen Eisenpreiserhöhung nicht mit- heraufgesetzt habe. Inzwischen hat die Befestigung der Auslands- Märkte das Preisniveau für Roheisen, namentlich in den weft- europäischen Ländern bemerkenswert gehoben. Da die deutschen Preise seit ungefähr zwei Jahren unverändert geblieben seien, sei jetzt eine Preiserhöhung beschlossen worden, um die deutschen Preise den gestiegenen ausländischen Preissätzen anzupassen. Dies« Maßnahme des Deutschen Roheisenverbandes stellt einen Ueberrumpelungsversuch der Eisenverbraucher sowie des Reichs- wirtschaftsministeriums dar. Nach den Abmachungen vom vorigen Jahr besteht kein Zweifel, daß die Eisenindustriellen sich verpflichtet haben, den Reichswirtschaftsminister von Preiserhöhungsmaßnahmen rechtzeitig zu verständigen. Luch gegenüber der eisen- verarbeitenden Industrie(AVI) haben die Eisenerzeüger die Ver- pflichtung der vorjährigen Information anerkannt. Da die Maßnahme des Roheisenverbandes für die Inlands- konjunktur von schwerwiegendster Bedeutung ist, muß gefordert werden, daß der Reichswirtschaftsminister umgehend zu diesen Maß- nahmen Stellung nimmt._ Fliegen sie auf oder nicht? Das Schicksal der internationalen und der deutschen Eisen- und Stahlverbände. Das laufende Jahr wird für die Verbandspolitik der Eisen- industriellen Deutschlands wie ganz Europas Entscheidungen bringen, die wirtschaftlich und politisch von größter Wichtig- keit sein werden. Im Vordergrund steht die Frage der Er- Neuerung der Internationalen Rohstahlgemeinfchaft, die verein- barungsgemäß bis zum 30. September erfolgt'fein muß. In den ersten drei Iahren ihres Bestehens hat die IRK. der deutschen Industrie reichliche Enttäuschungen bereitet: Die vorgesehenen Verkaufsverbände kamen nur für Röhren, Schienen und Walzdraht zustand«, so daß die Exportpreise für die übrigen Produkte keineswegs den Erwartungen entsprachen, und vor allem erwies sich schr bald die deutsche Quote als viel zu klein. Die Quotenfestsetzung war nämlich nach der Produktion des ersten Quartals 1926 erfolgt, als die deutsche Konjunktur außerordentlich schlecht, die französische aber sehr gut war. Infolgedessen hat Deutsch- land bisher etwa 40 Mill. M. Strafzahlung für dauernde Quoten- Überschreitung leisten müssen, zum Schaden des eigenen Exports. Trotzdem der Hauptanteil an der im März beschlossenen Et- h ö h u n g der Gesamterzeugung von 29,3 auf 31,3 Mill. Tonnen aus Deutschland entfällt, wird die Kapazität der deutschen Werke nur zu 83 Prag., die der belgischen und sranzösischen aber zu 100 Proz. ausgenutzt. Das einzige, was erreicht wurde, war der„Schutz des inneren deutschen Marktes", auf dem sich die Industriellen durch überhöhte Preis« schadlos hielten, natürlich zum Schaden der deutschen Ge- samtwirtschaft und auch Konjunktur. Voraussetzung für die Erneuerung der JRG. wird also eine Erhöhung der deutschen Quote sein; die Verhandlungen darüber werden im Juni in Wien stattfinden. Als ein günstiges Zeichen wird man die Anfang dieses Jahres erfolgte Verlängerung des Internationalen Schienenkartells(Irma) und des Internationalen Röhrenkartells um sechs Jahre ansehen dürfen. Diesen Abschlüssen kommt um so größere Bedeutung zu, als seither beiden Verbänden di« englischen und amerikanischen Produzenten angehören. Der er- wünschte Beitritt Englands zur JRG. wird erst erfolgen können, wenn dort die Rationalisierung und di« Verbandsbildung durchgeführt sein wird. Am gleichen Tag« wie die Internationale Rohstahlgemeinschaft läuft auch die Deutsch« Rohstahlgemeinfchaft ab. �Und es scheint fast so, als ob deren Erneuerung auf noch größere Schrvierigkeiten stoßen sollt«. Di« für die Industriellen erfreuliche Erscheinung überhöhter Preise zeitigt bekanntlich die unangenehme Folge, Außenseiter groß zu ziehen. Außerdem scheint heute die Eingliederung der vertikalen Trusts in die horizontale Ver- bandsbildung nicht ohne Reibungen abzugehen. Es handelt sich dabei um die bisher ungelöste Frage des Baues von Krupps Röhrenwerk, und neuerdings drohen die Präzisionsröhren- werke mit der Errichtung eines eigenen Walzwerkes, da sie für ihre Halbfabrikate Monopolpreise zahlen müßten. Es kann also sehr leicht geschchen, daß dabei der A-Pradukten- Verband oder der Röhrenverband � auffliegt. Und da die Ver- einigten Stahlwerke nur an einer Gesamtsyndizierung, nicht am Fortbestand einzelner Verbände interessiert sind, so steht keineswegs fest, ob die Erneuerung der Deutschen Rohstahlgemeinschast er- folgen wird. Eine Auflösung der Deutschen Rohstahlgemeinschaft mühte aber auch die Auflösung der Internationalen noch sich ziehen, da jene di« handelnd« und abschließende Vertretung der deutschen Industrie in der JRG. darstellt. Tagung ostdeutscher Konsumvereine. Gegen die vergisteten Kampfmethoden der Mittelständler. Auf dem kürzlich abgehaltenen Berbandstag des Verbandes ostdeutscher Konsumvereine E. V. erstattet« Verbands- fekretär Hildebrandt, Berlin, Bericht über di« Entwicklung der Genossenschaften im vergangenen Jahre, wobei er auch im Hin- blick auf das 6Sjährige Bestehen des Verbandes der geschichtlichen Entwicklung desselben gedachte. An Hand eingehenden Zahlenmaterials zeigte Hildebrandt. daß die genossenschaftliche Betriebsweise die rationellste Betriebs- form darstellt, deren Förderung sich Staat, Kommune und alle Erwerbskreise angelegen fem lassen sollten. Der Redner wandte sich mit erfreulicher Schärfe gegen den vergifteten Kampf, der besonders von dem gewerblichen Mittelstand gegen die Konsum- genossenschaftliche Bewegung geführt werde. Im Rahmen dieser Ausführungen ging er auf di« Steuerdiskusssonen ein, wobei er darauf hinwies, daß die Rechtsprechung oft genug den abweichenden Charakter der Genossenschaften von der privatkapitalistischen Wirt- schaftsform anerkannt habe. Die Geduld der organisierten Ver- bmucher sei endlich erschöpft und die Konsumvereine würden sich gegenüber den Kampfmethoden ihrer Gegner energisch zur Wehr setzen, wobei der Mittelstand sicherlich der leidtragend« Teil sein-, würde. Rückgang der russischen Austräge in Deutschland. Die Russische Handelsvertretung in Berlin gibt jetzt kye Ziffern des deutsch-russischen Warenaustausches im zweiten Quartal des laufenden russischen Wirtschaftsjahres(Oktober bis Oktober) be- tonnt. Die Handelsvertretung gibt zu, daß die Tätigkeit der russi- jchen Wirtschaftsorgane in Deutschland im Zeichen steigender russischer Verkäufe und rückgängiger Aufträge stand. Diese Tätsache wird mit dem Zwang zur Aktivierung der russischen Handelsbilanz begründet. Verkauft wurden in Deutschland in dem Berichtsquartal insgesamt Waren im Werte'oon 62,7 gegen 102,7 Millionen Rubel, während die Bestellungen Rußlands 42,6 gegen 36,4 Millionen Rubel betrugen. Die Aufträge im ersten Halbjahr des laufenden russischen Wirtschaftsjahres sind mithin ge- genüber der gleichen Zeit des Porjahres ummehrals30Proz. zurückgegangen. Arbeiterentlassungen bei Glanzstoff infolge der Rationalisierung. Trotz guter Beschäftigung haben bei dem Kunstseide G l a n z st o f s- Konzern in letzter Zeit größere Arbeiterentlassungen stattgesunden. Dieser Abbau der Belegschaften ist auf Auswirlungen der Rationali- sierung zurückzuführen, da bei Ausrecht er Haltung der gleichen Pro- duktion ein« wesentlich geringere Arbeiterzahl beansprucht wird. Diese Maßnahmen haben sich besonders bei den älteren Werten der Vereinigten Glanzstvffabriken bemerkbar gemacht. wieder 6 Proz. Rülgersdividende. Der chemische Großkonzern R ütg ersw e rke A.- G. in Berlin verteilt aus einem Rein- gewinn von 4,6 gegen 4,7 Millionen wie im letzten Jahr« 6 P r o z. Dividende. Der bisherige Verlauf des neuen Geschäftsjahres wird als beftiedigend bezeichnete Trag en Sie z S A L A M A DAS ERZEUGNIS DER GR'O'SSTEN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK Sonnab.d.H. 5. Sfaats-Oper Unter d. Linden A.-V. 130 20 Uhr Der Barin Sevilla Staats-Oper Am Pl.d.Rcpubl. A.-V. 16 IQ'/a Uhr Die Mnnaus Sonnab.,d. 18. 5. Stadt. Oper Bismarcksir. Turnus II 20 Uhr Sly Staat). Sdiaasph. am Seiutarmenmarkt A.-V. 117 20 Uhr Wallensteios Tod Staat!. Setiiiler-Tlieater.Cliarltti. 20 Uhr Gespenster Winfer ★ Garten* 18 unr• Zentr. 2819• Banditn criamn j .„VM neues und Buiesl VOSSlSOK! Zig. T. 4. S. Sonnnbend, tonntad n.MonloilJ Je 2 VorsieUnnBen 3» und 8 Uhr. i* kleine Preise. SCftM 8 Uhr B S Barbarossa 9356 The Jevers and weitere Tarteld-lleniieiieB Sonnabend und an bniden Feierlagen le 2 Vorsteiiunäen J" und 5 Uhr— 3» ermäßigte Pr. plAza JL in K»» er Alex. 8068-61 Täglich 5 und 815 An b e i d e u Feiertagen Je3Vor5teHg.2,5u.8ls Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag Tbeater am 'Sdütlbaaerdamin Norden 1141 u. 281. Täglich H Uhr Drelgrosdien- Oper Nsber. Valefli, TbimiD. Lvonkr, leldeil. steck« Rose er. FranUerter -Wer slrasem I Tel.: Alex. 3422. Täglich SV* Uhr |(Sonntags 2 Vorstnllnngen»'/« n. fl Qbr) Dorine und der Zufall I Ipiingstcn' Ltll VSlZeMSPM! auf der Gartenbohne. | Im Innenibeatcr ab 18. 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