Morgenausgabe Nr. 730 A 116 46.Iahrgang «Sch-nillch 855t, m-n-itNch 8,60 TO. im Dora-j» zahlbar, Postdezug C32 M. rinschlieblich 60 Pfg. Postzeitung», und 72 Pfg Postbestrllgebührrn. ilusland»- »donnemem 6.— M. pro Monat. Per„BorajSrts* rilcheln! modjenlig. lirt) zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Adendousgoden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", illustrierte Beilagen.Boll und Zelt" und.kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen- stimme"..Technit"..Blick in die Büiherwell" und.Iugend-Borwärt»" P. Verliiner Vo«sb»att Sonntag 19. Mai 1929 Groß-Äerlin HZ Pf. Auswärts 20 pf. Die einspaltige Nonporeillezeile 80 Pfennig. Retlame-eile 5.— Reichs» mark,„kleine An�-eigen� das ,enge. druckte Wort 25 Pfennig lzuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmaikt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupr» gefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8Vs bis 17 Uhr. Zentratovgan der Soziawemokvatttchen Vavtei DeuifchlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße S Fernsprecherl?önbof> SS2— LS? lelegramm.Adr.: Sozialdemokrat verli, Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7 536.— BanNonto: Bank de, Arbeil«,.»ngestellie« und Beamten Dallstr. KS. DiSkonio-Gelelllchast, Depositensast« Lindenstr Z Das Z�edemaffch Zix-Iim Wahldisputation im größten Gaal Londons. London, Mitte Mal.(Eigenbericht.) Di« Albert Hall, sonst Schauplatz großer Boxkämpfe und must- kalischer Riesenveranstaltungcn, ist von einer beinahe zehntausend- köpsigen Menge gefüllt. Der ungeheure Raum liegt trotz der lausend und aber tausend elektrischer Glühkörper in lzalber Dämmerung, in der die Tausend« im dritten und vierten Rang nur schattenhaft sichtbar werden. Quer über die Tribüne spannt sich ein Fahnentuch auf dem in riesiger grüner Schrift der Name einer konservativen Tageszeitung steht. Dorn auf d«r Tribüne ist ein riesiger, mit einem roten Tuch überspannter Tisch, auf dem das altertümliche, dem lebenden englischen Sprachgebrauch längst entfremdete Wort: H U S T I N G S geschrieben steht, auf deutsch Rednertribüne— im übertragenen Sinn Rededuell. Bon dieser Tribüne herab sollen ein Konservativer und ein Arbeiterparteiler sprechen: der Innenniintster Sir William I o y n- s a n- H i ck s und I. H. Thomas, der Eisenbahnerführer, der im Kabinett Macdonald Kolonialminister gewesen ist. Beide sind populär: Joynson Hicks, der Abgott aller alten Damen, denen die moderne Kunst und Literatur, der späte Lokalschluß und die Ge- burtenkontrvlle nichts als moralischer Bolschewismus sind— ein typischer Repräsentant jenes P u r i t a n i s m u s. der das Ge- ficht der britischen Politik im 19. Jahrhundert bestimmt, und I. H. T h�t m a s, der geschickteste aller gewerkschaftlichen Unterhändler, einer der besten Redner der Arbeiterpartei, eine der„nationalen Figuren" der englischen Politik. Sicherstes Zeichen ihrer Populär!- tät ist, daß sie beide in den Zeitungen und im Voltsmund einen Spitznamen haben: Joynson Hicks ist als„Jix� bekannt und Z. H. Thomas von Freund und Gegner„Jim" Thomas genannt.„3ix gegen Jim" hieß der Borsitzende in seiner Erossnungsaniprache das sportlich-politifch« Ereignis, dessen Zeugen wir werden sollten. Ein bekannter Kapellmeister, in weißer Tennishose und weißem Sweater, um von allen gesehen zu werden, drillt« alle zunächst im sogenannten„G e m« i n s cha f t s g e so n g", der erst schüchtern einsetzt« und uns schließlich alle mitriß. Ein Lied nach dem anderen verklingt unter Hallos unid heiteren Zwischenrufen, bis zuletzt aus zehntausend Kohlen jenes gutmütig-resigniert« britische Soldaten- lied schmettert, das im Refrain ausklingt, man möge nur seine Sorgen in seinen alten Tornister packen und lächeln, lächeln, lächeln. Da erscheint, von Dornehmheil umwittert, einen Riesen» Hammer lächelnd in seiner Rechten, der Zeremonienmeister im roten Frack und stellt der Versammlung einen nicht mehr aktiven liberalen Politiker vor, der es übernommen hat, den Unparteiischen in diesem Kampf zu spielen. Der Vorsitzende blickt sich mit gut gespielter Verlegenheit im Kreis« um.„Wo bleiben heut« nur die Redner?" fragt er erstaunt. Da tritt der Aeremonienmeister an den Tisch und schmettert den Ruf:„The Right Honourable Sir Joynson Hicks!" in den Saal. Run wirst ein Scheinwerfer aus dem höchsten Olymp einen Lichtkegel in den Hintergrund des Saales, wo klein und ein wenig marionettenhaft der britisch« Innenminister auftritt. Der ganz«! Saal ruft und klatscht Beifall, ruft und klatscht solang«, bis„Jix" quer durch die Arena gegangen, die Stieg« zum Podium, erklettert und zur Rechten des Vorsitzenden Platz genommen hat.„The Rigth Honourable I. H. Thomas" ruft der Zeremonienmeister— so muh die Stimme des Erzengels beim letzten Gericht klingen!— und begleilel von Fansarenklang und dem Zubel der Menge kommt im bleiweißen Schcinwerferlicht Zim Thomas. Ein Mann mit kleiner Stupsnase, auf der ein Kneifer balanciert und die tiefen Falten oerbirgt, die die Jahre unier seine Augen ge- zeichnet haben. Was„Jix" sagt, klingt ein wenig dünn, ein ganz klein wenig boshaft—„Tante Jix" ist nicht der Auffassung, daß alles mit der Welt zuni besten bestellt sei, aber unter den Gütern dieser Erde ist die Konservative Partei eines der wertvollsten. Di« Versammlung ist freundlich, klatscht seinen Banalitäten Beifall, um ihn dann und wann«in bißchen zu stören und zu unterbrechen. Aber dies« Versammlung steht ja im Zeichen des Fair Play, und so steht gleich Jim Thomas auf und fordert die Zwischenrufer auf— doch anständig zuzuhören oder den Saal zu ver- lassen, woraus Jix, dessen Ruhe bis auf weiteres gesichert ist, seinem Gegner mit der Feststellung tkmkt, daß Thomas stets ein a n- st ä n d i g e r Gegner war, ist und sein wird. Tosender Beifall aus der Menge. Jimmy Thomas ist da schon ein anderer Kerl. Mag die Ver- sammlung tausendmal zur größeren Halste aus Gegnern bestehen, er hat kaum angefangen, da hat er schon die Lacher auf seiner Seite. Eine warme Sicherheit geht von allem aus, was ersagt. Dieser Eisenbahnerführer ist eine lebendig« Widerlegung aller Schwarz- molerei. Niemand, der ihn sieht und hört, kann einen Augenblick zweifeln, daß die.... Regierungsgeschäfle in den Händen dieses Mannes und seiner Freunde ausgezeichnet ausgehoben sein werden. Je länger Thomas spricht, um so deutlicher fühlt man, wie lausende unter den Versammelten, die niemals einen Arbeiter- führer gehört haben, auftauen. Als er schließt, dröhnt ihm ein Bei- fall entgegen, der niemals vermuten ließe, daß diese Zehntausende regelmäßig Leser einer konservativen Zeitung sein könnten. Der Kampf in der politischen Arena endet sslbftvcrständlich ohne Knock out. Die Redner haben noch auf die gegenseitigen Angrisf« geantwortet. Thomas hat das Schlußwort gehabt. Da springt der Dirigent der Gemeinschaftschöre aus irgendeiner Ver- senkung aufs Podium und die ganze Versammlung singt das uralte Gemeinschaftslied„Ould Lang S y n e", bei dem alle schottischen Herzen höher schlagen und sich alle angelsächsischen Hände aus. fünf Kontinenten gegenseitig fassen. Kaum hat das Lied begonnen, so streckt Jimmy Thomas lächelnd dem Innenminister die Hände hin und im Schwingen der gekreuzten Hände der beiden politischen Gegner verklingt die Melodie des Liedes— um von„G o d s a v e t h e King" gefolgt zu werden, in das der konservative Innen- minister, der liberale Borsitzende und der Führer der Ar- beiterpartei Jimmy Thomas mit den zehntausend Bersam- nielten feierlich einstimmen..... Der Fall Oujardin. Die Gefahr des Indizienbeweises. Der Fall Dujardin bedeutet für die deutsche Justiz die er- schütternde Lehre, den Jndizienbeweismitarößter Vorsicht zu handhaben. Es darf nicht vorkommen, daß äußerst fragwürdige Vermutungen die Grundlage eines so schwerwiegenden Urteils wie im ersten Dujardin- Prozeß liefern. Das Leben eines Menschen ist zu wichtig, als daß es einem willkürlichen juristischen Wahrscheinlichkeits- kalkül zum Opfer gebracht werden dürfte. Es ist viel weniger verhängnisvoll, einen Schuldigen einmal laufen zu lassen, als das peinigende Gefühl haben zu müssen, daß ein Un- schuldigeroerurteilt worden sein könnte. Um Justiz- irrtümer wie im Falle Dujardin für die Zukunft nach Mög- lichkeit auszuschalten, müßte auch eine einwandfreiere Vor- Untersuchung garantiert sein. Man konnte in den letzten Jahren— besonders bei zahlreichen schlesischen Kriminalfällen —' die Beobachtung machen, daß die e r st e n E r m i t t» lungen von subalternen staatlichen Organen nachlässig und verständnislos geführt wurden. Im Fall Schröder-Maodeburg verbanden sich sogar Schlamperei und politische Korruption. Diese Erfahrungen berechtigen zu der dringenden Forderung, in allen wichtigen problemati- sch e n K r i m i n a l f ä l l e n r o u t i n i e r t e k r i m i n a- listische Fachmänner zur Aufklarung heranzuziehen. Dabei dürfen partikularistische chinterwäldlereien nicht auf- kommen: es ist nun einmal Tatsache, daß der größte Teil der l bestgeschulten Kriminalisten in Berlin sitzt. Wichtig ist, daß die Berufung solcher Fachleute jeweils schon frühzeitig j erfolgt, wenn die Spuren noch frisch sind und die Unter- suchung noch nicht durch alle möglichen Einflüsse verdunkelt werden konnte. In einer Woche beginnt in Neustrelitz die Wiederauf- nähme des Prozesses I a k u b o w s k i. Hier kann der Schaden nicht mehr korrigiert werden: die Hinrichtung des polnischen Landarbeiters ist irreparabel. Würden die Organe der Gerechtigkeit aus dem Fall Dujardin lernen, daß der ge- sunde Menschenverstand immer und in jedem Fall der Para- graphenbureaukratie vorzuziehen ist, so hätte der Rechts- gedanke mit dem Spruch vom Psingftsonnabend wenigstens einen vollen moralischen Erfolg davongetragen. Gchwarzrotgold in Eisenach. Das Fest der Republikaner. Eiscnach, 18. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonnabend begann in der alten Wartburgstadt Elsenach ein seit langer Zeit vorbereitetes Fest der Republikaner. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ist zahlreich vertreten Die Stadt prangt in schwarzrotgoldenem Flaggenschtnuck und bietet im Vergleich zu dem Alltag ein festliches und belebtes Bild. Am Sonntag wird das Fest in Gegenwart des früheren österreichi- schen Staa!skanzlers Renner, des Reichsinnenminifters und des preußischen Innenministers seinen Höhepunkt erreichen. Idee und Macht. Eine kritische pfingstbetrachtung. Es ist ein alter, guter Brauch der sozialdemokratischen Presse, zum Pfingstfest das Verhältnis zwischen E h r i st e n- tum und Sozialismus einer Betrachtung zu unter- ziehen. Denn gerade dieses Fest, das der Gründung der christlichen Kirche als einem Werke des intern atio- nalen Geistes gilt, fordert am stärksten zu solcher Be- trachtung heraus. Auch diejenigen unserer Alten, die sich dos Verhältnis zwischen den beiden Geistesmächten, der alten und der neuen, nicht anders denn als feindlich vorstellen konnten, verschmähten es nicht, auf die Verwandtschaft zwischen Urchristentum und Sozialismus hinzuweisen und den Ge- danken zu nähren, daß der Sozialismus zu einem guten Teil eine Rückkehr zu ursprünglich christlichen Sittenlehren bedeute. Darüber hinaus wirkte der Gedanke faszinierend, daß der Sozialismus im Begriffe sei, sich ebenso aus kleinen Anfängen zu einer weltumspannenden Bewegung zu entwickeln, wie einst das Christentum. Was damals— vor fünfzig und sechzig Jahren— nur eine kühne Hoffnung war. scheint ja heute erfüllt oder der Erfüllung nahe zu sein. Mit ungeheurer Schnelligkeit haben sich die sozialistiscken Parteien verschiedener Länder aus kleinen verfolgten Minderheiten zu machtvollen und macht- ausübenden Organisationen entwickelt. So kommt es auch, daß sich die Parallelen, die zwischen Christentum und Sozialismus gezogen werden, nicht mehr auf die erste Jugend der beiden Bewegungen beschränken. Mancher von uns ft-gsit sich heute mit i Sorge, ob ein Bergleich zwischen der-Geschichte der Kirche und der des Sozialismus nicht mehr Aehnlichkeiten ergibt, als uns lieb sein könnte. Wie die Kirche, so hat auch die sozialistische Be- wegung ihre Spaltungen und— wenn der Gebrauch dieses Wortes in übertragenem Sinne erlaubt ist— ihre Religionskriege erlebt. Um Drnckereigebäude und Rotationsmaschinen wurde beinahe ebenso heiß und blutig gestritten, wie einst um Kirchen und Altäre. Wir sehen das Symbol der roten Fahne, das uns ein Symbol der M e n s ch- lichkeit ist, � schnöde mißbraucht, finden unsere Grundlehren in Buchstabengläubigkeit erstarrt oder fingerfertig zum Zweck, der die Mittel heiligt, ausgelegt und verzerrt. Man schilt uns Verräter am Sozialismus, an der Arbeiterklasse— und das geschieht von einer Partei, die dort, wo sie an der Macht ist, nicht nur nichts für Sozialismus und Arbeiterklasse getan, sondern eine höchst unsozialistische Barbarei und Verachtung aller Sittengesetze an den Tag gelegt hat. Aber dieser Pol- s ch e w i s m u s, der solche Taten vollbringt, verzichtet keines- wegs darauf, als Träger der angeblich reinen sozio- listischen Lehre zu posieren, und alle Schändlichkeiten, die er auf dem Gewissen hat, versucht er mit dem Vorgeben zu rechtfertigen, auch für ihn— nein, n u r für ihn— handle es sich um nichts anderes als um einen Kampf für die höchsten Menichheitsziele des Sozialismus. Erinnert dieses Kavitel aus neuester Zeit nicht stark an jene Kapitel der alten Geschichte, die uns die Kirche in ihrem tiefsten Verfall, den Gegensatz zwischen ihren Lehren und ihren Taten am weitesten aufgerissen zeigen? Indes darf eine nachdenkliche Betrachtung, wie diese es sein will, nicht in den Fehler eitler Selbstgerechtigkeit verfallen. Man kann den Vergleich zwischen Kirche und sozialistischer Bersegung auch auf die Sozialdemokratie beziehen und auch hier zu Ergebnissen gelangen, die nicht durchwegs erfreulich sind. Die Sozialdemokratie hat, indem sie zwischen sich und dem Bolschewismus jede Verbindung zerschnitt, die Sache des Sozialismus für den europäischen Kulturkreis gerettet. Das bleibt ihr großes geschichtliches Verdienst, die feste Grundlage all ihrer weiteren Wirksamkeit. Die Veriode, die mit dem Kriegsende begonnen hat, war die Periode der Reife- Prüfung für das europäische Proletariat: wo es diese Prüfung nicht bestanden hat, ist es zusammengebrochen und hat es steh unter die rücksichtslose Herrschast einer faschistisch oesinnten Bourgeoisie beugen müssen. Als eine Klaffe, die die Anwartschaft auf die Herrschaft im Staate erhebt, muß das Proletariat die großen geschichtlichen Notwendig- leiten, wie die Abwehr des Bolschewismus eine ist, voll- ziehen. Versagt es darin, so muß es ein Schicksal ertragen. über das sich laut zu beklagen ihm dann nicht mehr er- laubt ist. Heute weiß es unsere Partei besser denn je, daß sie im Recht ist. nicht nur gegenüber den bürgerlichen Parteien, sondern ganz besonders auch gegenüber dem Kommunismus. Will sie Erkämpftes schützen und Erstrebenswertes schaffen. dann muß sie ihr Arbeitsfeld gegen alle Einbruchsversuche des Bolschewismus verteidigen. Sie muß alle menschlich unangenehmen Pflichten, die sich daraus ergeben — und selbst unvermeidliche Mißgriffe— auf sich nehmen. Sie kann nicht anders, wenn sie nicht sich selbst und damit die Sache des deutschen und des gesamten europäischen Prole- tariats aufgeben will. Dieses sichere Bewußtsein und das Stärkegefühl, das ihm Völkerbund/ Minderheitenschutz. Besserungsvorschläge der Reichsregierung. Die Reichsregienmg veröffentlicht ihve Denkschrift zur Minder» heitenfrage. Die Denkschrift, 28 Schreibmoschnenseiten, legt eingehend die Auffassung der deutschen Regierung über t»« Pflichten dar, die sich für den B ö l k e r b u n d au» der Garantie für die Bestimmungen zum Schutz« der Minderheiten ergeben. Die Dar. legungen Dr. Stresemanns in der Märztagung des Völkerbundes hatten betont, es sei für die völkerbuodslöligteil der Zeitpunkt gekommen, um die Behandlung des Blinderheitenproblems rückblickend zu prüfen und an den Erfahrungen zu entscheiden, od sich die berufenen Instanzen de« Völkerbundes bei der Verfolgung dieser Aufgabe auf dem richtigen Weg« befinden oder ob e» angebracht ist, neue Beschlüsie zu fassen: es sei einmal erfoit»erlich, sorgfältig die Mög- lichkeiten einer Besserung des formalen Verfahrens bei der Behandlung von Petitionen der Minderheiton zu übersehen, besonder» die bisher dabei geübte Ausschaltung gewisser Rationen durch chre Hevonztchung zu ersetzen. Es miifse ferner geprüft werden, in welcher Weise der Völkerbund seiner Garantie- Verpflichtung außerhalb des Gebietes der Petitionen zu ge- nügen hat. Endlich sei e» wichtig, eine ausdrückliche Klärung der grundsätzlichen Frage herbeizuführen, wie der E i n n und die T r a g- weite der Gaaantiepflicht de» Völkerbundes zu verstehen ist. Dies« vier Grundsätze werden in der Denkschrift eingehend de» gründet und erklärt. Sie will unter Berückstchtigung anderer Er- klärungen w der Mörztagung diese Grundsätze.erläutern und er- gänzen'. Die Mtorderheitertdenkschvist der Reichsregievung geht von der grundsätzlichen Frag« aus, wie Sinn und Tragweite der G a r a n- tiepflicht des Völkerbundes zu oerstehen ist und stellt hier fest, daß den Minderheiten die Erhaltung ihrer nationalen Eigenart, sowie kulturelle, sprachliche und religiöse Freiheit zu gewährfeisten ist. Dazu wird gefordert und ausgeführt: Die Staaten, denen die Minderheiten angehören, haben die Wahrung dieser Rechte der Minderheiten als Grundgesetz anzu- erkennen, das in seiner Wirksamkeit weder durch andere Gesetze, noch durch Verordnungen, noch durch sonstige amtliche Maßnahmen irgendwelcher Art beeinträchtigt werden darf. Die Garantie des Völkerbundes ist allgemein und uneingeschränkt. Das ganze MinderheUenregime bildet ein wesentliche» und dauerndes Gegenstück dazu, daß durch die Arledensverträge von lSig große volksleile von ihrer Volksgemeinschaft abgetrennt und einem anderen Staat unterstellt worden sind. Bei der Mndevbeitenregelung handelte es sich mithin nicht nur um ein Uebergangsregime, das schließlich dahin zu führen hätte, die Minderheiten in ihrer Eigenart verschwinden und sie in der Mehrheit der Staatsbevölkerung aufgehen zu lasten. Deshalb kann und darf die Bekundung des Interesses an der strikten Beob- achtung der Schutzbestimmungen nicht als unzulässige Ein- Mischung in die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates, oder gar als Unterstützuno staatsfeindlicher Bewegungen angesehen werden. Die deutsche Regierung ist der Ansicht, daß es dringend erwünscht wäre, wenn sich der Bölkerbundsrat noch einmal ausdrücklich zu diesen Punkten bekennte und sie zum Ausgangspunkt und zur Grundlage dieser Beschlüst« macht«. Für die allgemeine Ueberwochung der Lag« der Minder- Helten bestehen zurzeit keinerlei Regeln, nur für die BeHand- lung konkreter Einzel fäll« der Verletzung von Minder. hsitenschutzbestimmungen. Dieses Verfahren reicht für die son- laufende Ueberwochung der Lage der Minderheiten in den«in- zelnen Ländern nicht aus, weil der Völkerbund bei der Beschränkung aus dieses Verfahren stets nur ein sehr unvollständiges Bild von der praktischen Wirkung der Vlinderheitenverlräg« und Erklärungen erhält. Der Völkerbund hat am 22. Oktober l92l) auf Bericht des italienischen Vertreters genehmigt, daß der Völkerbund sich die Gewißheit ver« schaffen müsse,„daß die Bestimmungen zum Schutze der Minder- heilen fortdauernd ausgefübrt werden'. Diesem Gedanken entspricht auch die Haltung des Rates in anderen Fällen, so 1S2S zur Behandlung griechisch-bulgarischer Minderheiten. Der Vorgang 1928 zeigt, anläßlich der Beschwerde der griechisch-albani- s ch e n Minderheiten, daß das Interesse des Völkerbundes an den Minderdheitenfragen über die Fälle der Petitionen hinausgeht. Die Denkschrift weist an weiteren Beispielen nach, daß ein L e- d ü r f n i s dafür bestehe, den Rat über die Behandlung der Mindev- Helten laufend zu unterrichten. Für die Durchführung einer ständigen Ueberwachung der Minderheitenfrage durch den Völkerbund sind verschiedene Weg« denkbar. Abzulehnen ist die Lösung, die Aufgabe einfach dem Sekretariat zu übertragen. Abzulehnen ist der Vorschlag, daß der Völkerbund sich durch einen oder mehrere Berichterstatter fortlausend unterrichten läßt, da die Verfolgung der Lage der Minver- Herten ein fortlaufendes Studium verlangt. Endlich erscheint auch der Vorschlag, das bisher mit der Prüfung beauftragte Dreierkomitee durch ein anderes, erweitertes Orgcn zu ersetzen, nicht zweifelsfrei. Daher drängt sich der Gedanke eines besonderen ständigen komllee» für die Minder. heiteufragen auf, ähnlich wie sie für Wirtschoftsfragen, Vertehrsfragen usw. beim Völkerbünde bestehen. Damit würde ein Gremium geschaffen, das unbeoinfiußt von aktuellen Streitfragen den Stand des Problem» übersehen könnte. Durch die Beratung in einem solchen Komitee würde bereits eine gewiste Klörung der Meinung über grundsätzliche Fragen erfolgen, bevor solche an die höchsten Instanzen des Völkerbundes qelanrsn. Die deutsche Regierung regt zunächst die Einsetzung eines Ausschusses an, der einen Ueberblick über die Entwicklung der Minderheitenfrage feit 1919 geben fall. Die Denkschrift geht dann auf die Mängel ein, die sich aus der Praxis in dem Verfahren des Dreierkomitees herausgestellt haben und regt an: Mitteilung des Ergebnisies der Arbeiten der Dreier- komitees a» die einzelnen Ratsmitglieder, damit diese sich darüber schlüfsig werden können, ob sie die Beschwerden der Minderheiton weiter verfoigon wollen. Größere Publizität des Verfahrens durch listen- mäßige Nachweisung aller eingegangenen und in den Komitees behandelten Beschwerden, m dem Jahresbericht des Rates an die Dölkerbundsverfammlung Beschwerdeführenden Kenntnis über die Behandlung ihrer Petitionen zu geben. Anerkennung des Rechtes der Komitees zur Klärung des Tatbestandes ergänzende Informationen auch von den Minder- Helten einzufordern. Verstärkung der Dreierkomitee» nach der seweiligen Wichtigkeit des Falles. vefelilgung der Ausschaltung der Vertreter gewisser Rakionen aus dem Dreierkomitee. Zu den Vorschlägen de» Kanadier» Dandurand wnen wie mit dem anderen ab. Daraus ergebe sich zwangsläufig. daß für die Nationasiozialisten nie«ine wie immer gear- tete Koalition, eine Regierungsbeteiligung in» nerhalb des heutigen /Systems i n Frage komme. Die Nationalsozialisten hätten die Kraft und die innere Frei- heit, die günstige Position, wie sie ihnen die Lage in Sachsen biete, auszunutzen, nicht durch Beteiligung an der Regierung, nicht durch Teilnahme an irgendeiner Koalition, sondern indem sie von Fall z�u Fall eine Mehrheit erzwingen, eine Mehr- Heft stürzen, je nachdem es ihnen nötig oder nützlich erscheine. Das ist ein Dämpfer für die unentwegten Biirgerblockpolititer.. Regiert muß schließlich auch in Sachsen irgendwie werden— aber wie bei diesen Mehrheitsverhältnisien di« künftige Regierung aus. sehen wird, das ist zunächst unerfindlich. Die Regierung Heldt, die keine Mehrheit mehr besitzt, hat jedenfalls di« besten Chancen, als aeschäftsführende Regierung noch lange im Amte zu bleiben. Amanulleh aus dem Rückzug. Die Hauptstreitmacht Amanullahs zog stch von Mukkar nach Kalat-i-Ghilzai, 299 Kilometer füdwest- lich Ghasni, zurück: sie hatte Ghasni neulich ohne Erfolg an- gegriffen. Ein deuisch-lürkischer Schiedsvertrag ist in Angora unter- zeichnet worden. Rupprscht und seine Leute. Sehnsucht nach i923? Die Gestalten von 192Z meiden sich wieder. Herr Huoenberg redet von Inflation und sucht nach Bundesgenossen für einen kleinen legalen Staatsstreich. Die Kommunisten putschen«in wenig und kreischen ihre Phrasen von der Errichtung der Sowjetdiktatur und in Bayern regt sich der weißblaue Spuk aus der Kahr-Zeit. Die Einwohnerwehr— wer denkt bei diesem Namen nicht an die scheußlichen Fememorde in Bayern, die niemals eine Sühne erfahren haben, obgleich die Täter bekannt sind— hat ihr zehnjähriges Gründungsfest in München gefeiert. Alles was zur weißblauen Reaktion gehört, hat sich auf diesem Fest versammelt. Aber wie ist uns denn? Bor zehn Iahren wurde allerding» die Bayerische Einwohnerwehr gegründet. Ist sie nicht als ungefetz- lich« Organisation aufgelöst worden? Gleichzeitig feiert Rupprecht, der PrAendant auf den bayerischen Thron, seinen sechzigsten Geburtstag. Er ist die Spitze der weihblauen Organisationen, sie stehen alle in engster Verbindung mit ihm. Seine Getreuen im Heimat- und Königsbund reden in diesen Tagen sehr laut, daß man di« Monarchie wieder errichten und fhn auf den Thron heben müsse. Sein Geburtstag ist eine Gelegenheit mehr zu hochverräterischen Kundgebungen und deshalb ist«s be- sonders bemerkenswert, daß die Stadt Bamberg offiziell beschlossen hat. an seinem Geburtstag zu flaggen. Die Herrschaften rechnen darauf, daß die Situation von 1928 wiederkehren könnte, nur wird heute Farce sein, was damals Ernst war. „Maffenaustritt aus der(SpO." ilnd wie er in Wirklichkeit aussieht. Die kommunistische Presse ist angewiesen, von Zeit zu Zeit über„Wassenaustritte aus der sozialdemokratischen Partei' zu de- richten. Werden später die offiziellen Berichte der Partei selbst veröffenllicht, so ergibt sich regelmäßig eine beträchtliche Steige- rung der Mitgliederzahl. Auch diesmal ist wieder so ein Massen- austritt behauptet worden, und zwar sollte die Masse aus dem Genossen Jakob Heine n, einem Bewohner der Kösllner Straße bestehen, der au» der Partei ausgetreten fein soll. Doch auch damit ist es nichts, wie die folgend« Zuschrift beweist: „In einigen kommunistischen Zeitungen, so in der„Welt am Abend' und im.Klassenkampf', Halle, wird behauptet, daß ich au» Anlaß der Maiunruhen aus der Sozialdemokratischen Partei aus- getreten fei. Daran ist kein Wort wahr. Wenn ich auch an dem Vorgehen der Polizei Kritik geübt habe, so habe ich doch mit aller Entschiedenheit betont, daß die Kommunistische Partei durch ihr Vorgehen di« volle Derantwor- tung für die blutigen Maiereignisse hat. Wenn ich tfiso die Maiereignisse zum Anlaß einer Demonstration ge« nommen hätte, hätte«s nur die sein können, dl« kommunistischxn Arbeiter aufzufordern, au» der KPD. auszutreten. Ich denke nicht daran und habe nicht daran gedacht, aus der Sozialdemokratischen Partei auszutreten, sondern ich würde mich freuen, wenn sich all« Arbeiter dieser Partei zuwenden würden. Im übrigen muß ich darauf verzichten, den lommunistifchen Zeitungen Berichtigungen zu schicken. Wenn ich alle Unwahr- Helten und Verdrehungen berichtigen wollte, di« darin enthatten sind, dann würde mein Geld für Porto und Papier nicht ausreichen. Di« denkenden Arbeiter wissen ja auch so, was sie von dieser Press« zu hakten haben. Jakob Heinen.' Bürgerfroal in Mecklenburg. Die Lerhandlungsführer der Deutschen Voltspartei, der Völkischen, der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei, hoben beschlossen, zu den bevorstehenden Landtag-wahlen eine bürgerliche Einhetteliste auf- zustellen. Ihr Kampf gm ausschließlich der Sozial- demokratie. Rolfrontverbote. Di« Kundgebunoen der KPD., die für den zweiten Pfingsttag im Kleinen Flottdeker Park geplant waren, sind van der Allonaer Polizei verboten worden. Der Rotfrontkämpferbund ist auch in Schaumburg-Lipp» ver« boten worden. Zum VizeprSiideoten der Saarregierung ist ihr finnische» Mitglied Dr. o. E h r e n r o o t h für dieses Verwattungsjahr ge. wähll worden. � X Ein pfingstbad und seine Kolgen. Nach einer duften Keilerei Sinnt man, wie die« vermelbbar sei. Doch alle Freundschaft ist verleidet, Al« man sich antrifft angekleidet. Kennt man sich nackt auch nicht am Kittel, Gottlob— e« gibt ein Auskunstsmittel! Die litauische Neaktion. Republikfeiertag abgeschafst! Lowuo, 18. Mai. Der litauisch« Ministerrat hat die Feier des Tages, an welchem die litauisch« Nationalversammlung zum erstenmal zu- sammentrat, aufgehoben. Di« Nationaloersanunwng hat seiner- zeit die demokratische Verfassung angenommen, die später von der noch amtierenden Putschregierung Smetone-Woldemara« beseitigt wurde. Am 1ö. Mai, auf welchen Tag die nunmehr abgeschafft« Feier fiel, brachten alle Oppositionsbläller Gedenkartitel für die Nationalversammlung vor neun Jahren: sie betonten, daß die Nation alversamnilung die rechtliche Grundlage der litauischen Un- abhängigkeit geschaffen habe, aus der nach Uebsrwindung der ..vorübergehenden Störung" weitergebaut werden müßte. Terroristen klagen über Terror. Zwei Terroristen der Pleschtaitisbewegung nahmen in der Ort» schaft Krakes im Bezirk Kedainnlai in der Mast« von Ge- Heimpolizisten einen Arbeiter fest, der ihr Gegner war. und töteten ihn im Walde. In der Ortschaft Skaisgirys im Bezirk Schaulm tötete ein Terrorist bei seiner Verhaftung mit Hilfe eines Kutschers einen Polizisten, nachdem er ihn entwaffnet hatte, und entfloh. Der Kutscher wurde festgenommen. Ausnahmegesetz gegen pletschkaitisten. Sowuo. 18. Mai. Das Kabinett hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, der alle Anhänger des Emigrantenführers Pletfchkaitis ou� der Rechtsprechung heraushebt und einem besonderen Verfahren vor Kriegsgerichten unterstellt. Schon die Zugehörigkeit zu den Pletschkastis-Dereinigungen kann mit dem Tode geahndet werden. Auch den Helfern wird Ti�esftraf« angedroht. Faschisten im Zwangsexil. Nach der neuesten Thronrede. Locarno, im Mai. Daß ein König bei der Thronrede nur das sagt, was ihm fein Ministerium vorschreibt, sst bekannt, aber in der Regel bestrebt sich das Ministerium, Ihn doch wenigstens irgend etwas sagen zu lassen. Eine Thronrede soll ein Programm sein. Mussolini hat eine Reklamerede daraus gemacht. Es gab Leute, die von der Thronred« eine Verheißung der Milde, wenn nicht Aussicht auf eine Amnestie, erwarteten. Diese hätten wissen sollen, daß dieses Gebiet fetzt in Italien Prärogative des Premiers ist: sein ist die Rache und sein wäre auch die Milde. Viel mehr noch als Milde braucht sa Italien G e r e ch t i g> k e i t und die kann eine Parteidiktotur eben nicht geben. Ihr Fundament ist die Ungerechtigkeit. So ist z. B. die Zwongsverschickung in Italien zum typischen Werkzeug der Partelsustiz geworden. Nicht nur, weil die Gegner des Regimes, die man strafrechtlich nicht fassen kann, oerschickt werden, sondern auch, well man dies« Maßnahmen gegen F a s ch i st e n anwendet, die man strafrechUich nicht zu fassen wagt. Die öffentliche Meinung Mailands beschuldigt den damaligen Parteisekretär G i a m p a o l i. das Dombenattental auf den ttaNenIschen König bei der Eröffnung der Mailänder Messe im April 1928 organisiert zu haben. Da es nur von Personen organisiert sein konnte, die offizielle Funktionen hatten und besonder« Lorrechte genossen— wurde doch alles vor dxn Augen der Polizei gemacht—, so hat die Sache viel Wahrscheinliches. Giampaoli war bereits wegen Der- brechens gegen das Leben und gegen dos Eigentum vorbestraft, ehe er eine Säule des Faschismus wurde. Statt unter Anklage gestellt zu werden, wird er aber ohne Prozeß verschickt. In Mai« land hat man zwei besonders geachtete Faschisten. Dolpi und Poveromo, zwei der Ausführer des Mordbefehls gegen Matteotti, verhaftet, als sie für zehn Millionen Staatspapiere zu verkaufen suchten. Obwohl sie, bei ihrem Beruf mit Recht als reich galten, schien die Summe doch für einen einzigen Mord etwas hoch. Es stellte sich denn auch heraus, daß es sich um eine erste Rate eines großen Diebstahls handelte. Don den Millionen, die man zu Rsklamezwecken oder gezwungenerwesse Mussolini schenkt, um den Staatsschatz zu fördern, hatten Beamte des Finanzministeriums 30 Millionen gestohlen und brachten diese nun allmählich wieder in den Kreislauf, wie ja auch in der Rofair alles in den Kreislauf zurückkehrt. Die Dummen haben es gegeben und die Schlauen haben es genmnmen. Man hat nun, ohne Prozeß und Urteil, die beiden Biedermänner ins Zwangsdomizil geschickt. Die ganze alle Garde des Faschismus wird demnächst auf den Inseln sein. Wenn wir schon sonst nichts Neues bekommen, bekommen wir wenigstens neu« Briefmarken. Auf der einen ist Julius Cäsar ol» Imperator. Wenn wir nicht irren, ist besagtem Cäsar vor der Erlangung der Kaiserwürde das zugestoßen, was Mussolini einmal den.Betriebsunfall der Könige" genannt hat. Die Ideen des Märzes scheint man vergessen zu haben. Hoffentlich ist das kein böses Omen. Indiens Auflehnung. Di« Regierung löst die Landtage auf. Salkulla. im Mai.(Eigsnbericht.) '' Unter dem Schutze des Ausnahmegesetzes zur Erhaltung� der öffentlichen Ordnung geht die anglo-indsschs Regierung dazu über. alle Provinzialparlament« aufzulösen, in denen die Nationalsozialisten über die Mehrheit oder beträchtliche Minderheit verfügen und Kritik an den Mißständen der Verwaltung üben. Die Konflikte haben in B« n g a l- n dauernde Ministerkrisen geschaffen. da die Regierungsvertreter stets nach kurzer Amtstätig- keit Mißtrauensvoten erhielten. Innerhalb weniger Tage sind deshalb die Provinzlalverwaltungen von Bengalen und Assam nach Hause geschickt und Neuwahl für einen auffallend kurzen Zeitraum angesetzt worden, obwohl verfassungsmäßig die Provinzlalratswahlen für g a n z Indien im November dieses Jahres erfolgen sollen. In Assam haben die Swarajisten nur eine schwache Organi- sation. Es ist durchaus möglich, daß sich der Gouverneur mit leichter Nachhilfe eine gefügige Mehrheit schafft, um seine Pläne durchzu- setzen.' In Bengalen dagegen ist die Kongreßpartel gut gerüstet und verfügt über einen ausgezeichneten Parteiapparat, der seinen Ein- fluh auch auf die Mohammedaner erstreckt: doch hat in Ben- galen die Regierung den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß sie die Wahl auf Grund der alten Wählerlisten ausgeschrieben hat und die neue«, zum größten Teil aus dem Kleinbürgertum stammen- den Wähler, in der Mehrzahl Anhänger der Opposition, der Mög- lichkeit beraubt, von ihrem Staatsbürgerrecht Gebrauch zu machen. Trotzdem hoffen die Swarajisten auf Grund der Ergebnisse der Kalkuttaer Gemeindswahlen, ihre Sitze zu vermehren. Die Regierungsmethode ist ein weiterer Ausdruck der d a u e r n d sich verschärfenden. Lag«. Leider wird durch die fort- während neu«intretenden Zwischenfäll« der Boden für die kommende Auseinandersetzung über Indiens Selbstregierung nicht gerode im Geist friedlicher Verständigung bereitet. Rußland und die Religion. Rykoff gegen den Kirchenglauben. Auf dem Allrussischen Rätekongreß' kam R y k o f f w seinem Bericht aus di« Lag« der Religion zu sprechen: Dem gegenwärtigen Kongreß wird der Antrag einer Verfassungsänderung unterbreitet, in dem es heißt: Damit den Werttätigen wirkliche Gewissensfreiheit gesichert sei, wird die Kirche vom Staat. di« Schule von der Kirche getrennt: allen Bürgern wird die Freiheit de» Gloubensbetenntn'sses sowie in« Freiheit der antireligiösen Propaganda zuerkannt. Das bedeutet, so lührte Rykoff aus, daß wir, di« wir uns zum Kampf gegen dos Roulch-nit der Religion bekennen, nicht etwa irgendwelche admini- strai�o/ Zwangsmaßnahmin gegen di« Religion beabsichtigen, viel- mehr in unserer Verfassung die Glaubensfreiheit aussprechen. Di« Bekämpfung des Rauschgiftes der Religion kann nur dann erfolg- reich sein wenn sie mit der Entfaltung der Massenkräft« und der Umgestaltung der kulturellen Lebensart oerbun. den ist. Gegenwärtig liegt gerade«in« derartige Massenerscheinung vor, gezeüigt durch da- Eindringen der wissenschaftlichen Erkenntnis in jene Bevölkerungsschichten, wo bisher Aber- glauben und Finsternis herrschten. Dieser Umstand bietet uns gleichzeitig die Möglichkeit, auch solch« Ueberblelbsel des Zarenregimes zu überwinden wie z.B. den Anti- femitismu». dessen Auswirkungen sich leider auch jetzt noch mitunter bemerkbar machen....____......... i---- lilfliMtnilM • i'Jl J It-Hl t l'" Hier necken sich zwei muntre Knaben, Die sich im Äad getroffen hoben. VoNkommen irrsinnig. Falsche Grammophonplatte aufgelegt. Szene: Verhandlungssaal der Lübecker Bürgerschaft. Die Dür- gerschaften der drei hanseatischen Stadtstaaten entsprechen den Landtagen der anderen deutschen Länder. Derhandlungsgegenstand: Senatsvorlage über die gemeinsam« Verwaltung der Gefangenenanstalten von Hamburg und Lübeck. Es handelt sich um einen weiteren Schritt der Schwesterstädt« zur Rationalisierung und gemeinsamen Verwaltung. Dt« Sozialdemo- krati« führt diese Bestrebungen. Höchst«rsreuttchl Höchst unerfreulich für die Kommunisten! Warum— so sagen sie nun— ist dieser Staatsvertrag geschlossen? Warum werden di« Gefangenenanstalten von Hamburg und Lübeck in Zukunft gemein- sam verwaltet?„Um mit Hilfe der faschistischen Sozialdemokratie Geld zur Herstellung von Krlegsmitteln zum imperia- listischen Kampf gegen Sowjetrußland zu beschaffen!" So erzählt der kommunistische Abgeordnete Klann in öffentlicher Bürgerschaftssitzung! Uehrigens unterstehen schon sett zwei Iahren die Heil» a n st a l t e n der beiden Städte Hamburg und Lübeck—- natürlich aus dem gleichen Grunde— einer gemeinsamen Verwaltung, Diel- leicht hat dies für Herrn Ktarn ein besonderes Interesse. Oer Landbund als Oiktaior. Er kommandiert sogar die Krankenkasse. Die Landbündler haben sich schon mancherlei erlaubt. Da« Kühnste dürfte aber wohl«ln Schreiben sein, da« der Hannoversche Londbund in diesen Tagen dem Hannoverschen Landkranken- kassenverband zugestellt hat. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: e Der Geschäftsführende Vorstand hat mit Bedapern davon * Kenntnis genommen, daß als Tagungsort das„Haus der Väter" gewählt worden ist. Er Ist der Auffassung, daß Tagungen und Sitzungen jeglicher landwirtjchastlicher Organi« s a t i o n e n im Hause des Hannoverschen Landbundes, Hotil zum Königlichen Hof, abzuhalten sind. Es wird darum gebeten, die Tagung de» Hannoverschen Laich- kronkenhassenverbandes noch in das Landpundhau« zu Tribüne. .Die Sache Makropnlos" von Karl Tfchopek. Ein Stück van der geheimnisvollen Frau, der es vergönnt ist, über 300 Jahr« die Männer in den Top zu jagen und die schließlich doch vom Leben genug hat. Leopoldin« Konstantin spielt dieses Munderwejen und wird deswegen mit Beifall überschüttet. M. H. verlegen oder, falls dies nicht mehr möglich ist, eine Begrün- dung abzugeben, weshalb für diese Tagung nicht das Landbund- haus gewählt worden ist. I. A.: gez. B i e s e. Erfreulicherweise wurde diese Unverfrorenheit des Landbundes auf der Tagung der hannoverschen Landkrankenkassen mit aller Eni- schiedenheit zurückgewiesen. Es wurde sehr richtig bemerkt, daß die Versicherten angesichts der Tatsache, daß sie in den Krankenkassen die Zweidrittelmehrheit haben, mit viel größerer Berechtigung als di« Landbündler verlangen könnten, daß Tagungen der Kranken- lassen in den Gewertschaftshäusern stattfinden. Jedenfalls wurde dem Hannoverschen Landbund begreiflich gemacht, daß die Land- krank enkassen nicht seine Anhängsel sind. Flugzeugkalastrophen. Zwei Militärflugzeuge bei ven amerikanischen Manövern verunglückt. Eo tu mb us, 18. Mai. Bei den Luflmanövern der Bundesarmec der vereinigten Slaalen stürzten zwei Flugzeuge, offenbar nach eiaem Zu- sammeustoß, aus über 4500 Meter höhe brennend ab. Ein Leulnanl. der sich in dem Flugzeug vefand. wurde getötet. Er blieb mit dem Fallschirm, in dem er abspringen wollte, am Flugzeug hängen. Das Flugzeug selbst schlug hinier einem Wohnhaus auf und fehle eine Garage in Brand. Der Pilot des anderen Flugzeuges fpraug mit dem Fallschirm ab. Er wurde schwer verletzt. An dem Manöver nahmen 104 Flogzeuge teil. Flugzeug in die Donau gestürzt.- Zwei Tote. Budapest. 18. Mai. Es gilt als sicher, daß der P i l o t und der P a s s a g l e r bei dem Absturz de» Flugzeuges iu die Dernau den Tod gesunden haben. Einer weiteren Meldung zufolge tauchte eiuigc Zeil nach dem Unfall im Wasser der Pjloiensih aus. aus dem sich blullge Fleisch. stücke befanden. Es wurden Pioniere mit der Suche nach Flugzeug- teilen beauftragt, doch tonnte bisher nur ein Flügelteil geborgen wer. den. Der in der Lust losgetrennte Flügel siel aus die Esepeler Znsel. Die Uagarische Luslvcrtehr» A..G. teilt mit: Das einmotorige Fokker-FIugzeug, das die Bezeichnung HMABF Halle, ist heute unter Führung des Piloten Franz kreiter mit einem Passagier und einer Ladung von 230 Kilogramm fahrplanmäßig um 17 Phr nachmittags in Wien gestartet. Abends ILX Uhr stürzte es au» bisher nicht genau festzzeftelller Ursache in der höhe der Esepeler Radiosende- staüou a b und ging in der Donau unter. Von einer Rettung konnte keine Rede sein, da der Motor im Augenblick der Berührung mit der Wasserfläche explodierte und sofort unterging. Der Passagier war der 2Sjährige Zahniechniker Hubert haffer aus Linz, der ebenso wie jeder Passagier der Gesellschaft aus 35 000 PeugS versichert war. Die eigentliche Ursache des Unsolles wird erst eine spätere genaue Untersuchung seststellea können. Ehe.Sie zu Mitteln greifen, deren" Wirkung Sie nidit kennen, versuchen Sie es immer mit einem harmlosen Bleichmittel. Henkels Sil eignet sich für die Behandlung befleckter und stark beschmutzter Wäsche hervorragend und ist dabei völlig unschädlich in Anwendung und Wirkung. uerlin N 24 UsSaacr Str. 32 nahe Oranienburg. Tot| Brunnens'r. 33 nahe Invalldenatraße „VRIHA QU x�ieeenen � putsche' irt< PrTmVtTleUzahlung Bd" 2< Restauratlonsbetrieb im Berliner Bewerhschanshaus so 16. Engeluler 24-26 oesonom Willy seldinz in oer Ins kMn f yon 12 Ms 16 Uhr Fest-menu von IN. 1.35 an Abends die reichhaltige speisenkarte zu billigsten Preisen bei bekannter Qualität Ausschank von SchuithelB-Patzenhoter markenbiaren Säle rar alle Veranstaltungen Blutnenspenden jeder Art iteiect preiswe ti Pan! Golletz vorm. Robert Meyer Mai ianncnetraifc J Elte Naunynstraite Amt Morittvl 10303 Sepkubtgte Abschritt. 18. B, 235. 2�/10. 3n der privattlagesache 1. de» Schlosser» fficnft Slcblet, 2. bcffeu tthttrau Clifabetl), geb Sohlte. in Neukölln, Allerstr. 42. Ptivaltläger, gegen die Bittve Thekla Schulz, Neukölln. Allerftr 42. AngeVagte. wegen Beleidigung hat da» Amtsgericht in Neuiölln am 18. Februar 1023|Ur Recht ertannt: Die Anqeklagie wird wegen öffent- licher Beleidigung zu dreißig Zieichs- mark Selditraie, hilfsweise 6— sechs— Tilgen Desängnis und zu den Kosten de« Beriahrens verurteilt. Den beleidigten Eheleuten Siedler wird die Besuanis zugeivrochen. d»tt ri»nllf Urteiistynor innerhalb 2 Wochen nach Rechts! rast durch einmalige Ber- öffentlichung in einer Groß-Beilincr Leitung auf Kosten der Angeklagten öffentlich bekanntzumachcn. Die Rickjiigkeit derAbtchrist der Urteils formel wird beglaubigt und die Bollstretk» barkeii des Urteils bescheinigt.». Neukölln, den 18. Mai 1020. Horn, Iustizinsgektor, als Urkundsbeamter der Gc» ichästsstelle des Amtegerichts. (Siempel) l-uekentuslUe��iÄ" II. Klasse 2,80, Sonni m. Rllckk. 2,50 u. 3,80 M. Stadt v herrl. Waldgürtel umg, Laub-u.Nadelwald. Ausflug z.H. Golm, 178 m. Günstig. Zugverbind, m. Berlin. Lohnenaes UKteMnendzlei. 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Vcrwattun. sstellc Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, baff unser Kollege, ber Rohrleger Mgftin Raschke geh 1. Juli 1869, om 2L Ma gestorben ist. Die Einäscherung stnbet am Diens- lag, bem 2\. Mai. vormittags itP/, Uhr, 'm Krematorium Gerichtstraffe statt. Am 17 Mai starb an Lungenieiben unser Kollege, ber Former Eduard Anders geb. 7. Mai 1871. Die Einäscherung findet am Milt» woch. dem 22 Mai. 18 Uhr. im Kre malorium Eerichlstraffe(latt. Rege Beteiligung erwarlei Die Drtovermaltnng. I Wir feiern am IS. Mai das Fest® ■S der goldenen Lochzet! V •? JJunl ftnlct nnd Fron ar 2? ZSilheln ine, geb. Stolz 2! g Iagowstraße 12 g Für die reoe Beieiiigung und vieien Kranzspenden bei der Brerdigung unsers lieben Sohnes Konrad sagen wir allen Freunben Bekannten sowie Parieigenosten ber 117. Abt.. Arbetteriuaenb Nea-Lichienberg. bem Personal ber SchweLeriid en Unsall- Versicherung den Sängern unb Herrn Werner istr bie Irviiretchen Worte unseren hetziichsten Dank «anrann uiani a und Frau. Lichtenberg. Emanueliiraffe 4 EiDhetsi-rb nd der Eiser bab'.cr De.isdila ds Ortsgruppe Berlin. Unseren Derdandv Mitgliedern zur Nachricht, baff unser Kollege, ber Bor- schlaffer Hermann Rülicke am 17. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch. dem 22. Mai. 18 Uhr, gut den, neuen Iakodikirchhof in Neukölln statt Rege Beteiligung wllnicht Vi« Orksoermallung, Danksagung. Für die mir anläßlich de» Todes! meine» lieben Sohne», des Stein» dt uckers Rodert Eineke zuteil gewordenen Beweise inniget Te'inahme sag, ich allen F runden. und Bekannten, rem Berdano bei Lühograpden und Steindrucken dem Vorstand der Oriskrankenkaste de: Lttbographen und Sletnbrucker und dem Betriebsrat, towir ber Beleg schall ber Firma Hesse& Stahl im 'tonten aller Hinterbliebenen meinen herzlichsten Dank Ww, AngusteFiäcke. Spritzpumpen z.Seibst- McT aufstellen TW fli' niocir, »WW Id-Uudtt vsrk. staKntaUI. Krüger TB Zl Lathen Pumpsnfahn» liat Fripd itfc- strsfitlOS'lO? n-«»BlifJannowitzbrudce Hochaktuell© Neuerscheinung Egon Wertholmer Das Antlitz der britischen Arbeitarpartei Mit Bildnissen von Macdonald, Mosley und lansbury/ 116 Seiten/ Preis 2.50 M. Angesichts der kommenden Wahlen In England und der Möglichkeit einer Arbeitcrrcgiorung von größtem Interesse. Zu beziehen durch J.H.W. DIETZ Nachf. G.m.b.H. 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Es ist, als hätten mit dem Spargelbau die fleißigen Märker eine Goldader im Sand entdeckt, denn erst, seit sie Spargel anbauen, lohnt sich die karg« Arbeit im Sand. Im Sandboden kann jede Frucht nur durch doppelten Fleiß und Pfleg« gedeihen, das gilt ebenso für das käst- liche Frühobst wie für den Spargel, für das Gemüse und für die Kartoffel. Kaputh. Das freundliche Kaputh bietet nach einem warmen Frühlings- tag das lieblichste Bild. Alles blitzt von Sauberkeit. Aus den blühenden Gärten blicken die kleinen Häuschen mit roten Dächern, schlichte und einfache Wohnstätten. Die Straßen sind in selten sauberer Erhaltung. Gas. elektrisches Licht und Wasserleitung gibt es auch in diesem Havelort. Die Kraftpost von Potsdam fährt stündlich: außerdem besteht ein allen Ausflüglern bekannter Bahnanschluß, die zahlreichen Dampferverbindungen nicht zu vergessen, die von Potsdam aus nach Kaputh führen. Doch die meisten Berliner Aus- flügler grüßen an der Fähre nur nach Kaputh herüber, ihr Ziel gilt dem benachbarten Werder, Geltow und Ferch. Im Dunst des taunassen Morgens ist die Havellandschaft gerade hier von einer seltsamen Weichheit, wie man sie oft auf den Bildern der franzosi- scheu Impressionisten kennt. Der Kaputher Bauer trägt wie vor 50 Iahren den Ertrag seiner Ernte noch vielfach aus dem Rücken nach Berlin. Dies bedeutet, daß der Kaputher von jeher rastlos sich plagen mußte. Besser ist es erst geworden, als zu der Gemüse- und Obstbauzucht noch der Spargelanbau hinzukam. Viele dieser Anlagen bestehen erst seit etwa 10 Jahren. Der Kaputher Spargel wird als besonders wohlschmeckend gerühmt. Die Kaputher„Maulwürfe" sind meist leider nicht Eigentümer ihres klein« Landes, sondern als � SSei der Arbeit im Spargelfeld. Pächter auf fremden Boden. In die Hand wächst es den Leuten nicht: vielfach müssen sie schon von drei Uhr morgens an auf dem Feld sein. Die Obstzüchtergenossenschaft dagegen bringt ihre Produkte mit eigenem Dampfer und eigenen Fahrzeugen auf den Ber- liner Markt, wie sich denn der Fortschritt immer Pei kollektivem Zusammenhalten einstellt. Das Spargelparadies Beelitz. Das eigentliche Spargelland in der Umgebung Berlins ist Beelitz. Eine ausgedehnte Flachebene. Erst weit draußen vor der Stadt beginnen die eigentlichen Spargelkulturen mit den langen Gräbenzügen, die die aufschießenden Spargelpfeifen bedecken. Nach der einen Seite bis Dreuenbrietzen-Niemeck und Brandenburg, nach der anderen bis Zauchwih und Trebbin erstreckt sich das Gebiet des Beelitzer Spargelbaues. Beelitz unterscheidet sich von den anderen märkischen Anbauorten dadurch, daß hier nur Spargel- und wenig Obstbau betrieben wird.. Auch hier sind die Ländereien in Größe von Tausenden von Morgen nicht Eigentum der Spargelbauern, fondern nur Pachtgut auf die Dauer von etwa 20 Iahren. Die Spargelzucht wird hier auch vielfach als Nebenberus von Hand- werkerfamrlien betrieben: Frauen und Kinder müssen meist die Hauptarbeit verrichten. Eine solche Spargelplantage von 2 bis 3 Morgen erfordert sehr viel Arbeit und zunächst hohe Kosten. Dafür erhält sie sich auch etwa 20 Jahre ertragsfähig. Dos Spargelfeld wird in Reihen von 1 20 Meter Abstand eingeteilt, die dann in Gräben von 20 Zentimetern Breite und 20 Zentimetern Tiefe ausgeworfen wer- den In den Untergrund wird reichlich Dünger gebracht, b«! dem der Spargel nicht wählerisch ist: in der Mark verwendet man hauplsächlich Pferdemist. In Abständen von einem halben Meter werden kmftige einjährige Sämlingspslanzen gesetzt und leicht mit (iitt bedeckt. Im nächsten Jahr wird nach wiederholter Düngung b\- Erde aus die Neuanpslanzung wieder gehäufl und von Jahr zu Jahr erhöht sich der Hügel je nach dem Wachstum der Pflanzen. Der Graben zwischeu den Hügelrechen wird also tiefer und die Erddeck« über den Pflanzen höher. Alljährliches Umgraben, Frisch- düngen und Reinhalten der Beete ist erstes Erfordernis für gute Ernte. Der magere Sandboden in Beelitz erlaubt keine Zwischen- fruchl von Mohrrüben oder Bohnen wie z.B. der bessere Boden bei Hannover oder Braunschweig. Erst im vierten Zahr ist der Spargel für die Ernte herangewachsen. Man hat also auf drei Jahre voraus Arbeit und Geld für den Erfolg aufbringen müsien. Sfraßenbild in SSeetUx. Der Ertrag ist immerhin lohnend, rechnet man doch bis IS Zentner durchschnittlich auf den Morgen in der Saison. Freilich waren die tetzten Jahre fest 1925 keine Spargcljahre und der Ertrag blieb unter diesen Erwartungen. Die vorjährige Dürre und das dies- jährig trockene Frühjahr verhinderten in diesem Jahre eine günstige Entwicklung. Jedermann in Beelitz wartet darum auf Regen, be- sonders auf warmen und milden, wie er in der Pfingftwoche ein- setzte. Eine Nacht, ja Stunden genügen, den Spargel herauszu- treiben. Ein« Ernte von 2 Pfund auf einem Acker bei kalten Tagen steigert sich da oft auf das Hundertfache. Man sticht den Spargel nur bis Mitte Juni und läßt dann die Triebe grün herausschießen. Dunggüsf« in dieser Zeit sollen die müde Pflanze für den Neuaufbau stärken. Vielfach, je nach der Einstellung des Pächters, wird auch das feinoerästelte Spargelkraut geerntet und im Sommer und Herbst zum Kranz- und Straußbinden auf den Berliner Markt gebracht. Ein allzuvieles Beschneiden der Pflanze schädigt ihre Kraft für das nächste Jahr. Die Ernte. Wie geht die eigenlliche Ernte vor sich? Einen Korb am Arm gehen Frauen und Männer die Reihen auf und ab, wobei sie mit scharfen Augen jede Veränderung der angeklopsten Sanddecke be- obachten. Zeigt sich nur der kleinste Riß in der Decke, eine klein« Erhöhung, so fährt das schabartig« Messer tief in den Erdhügel hinein, um die Spargelstange am unteren Ende abzustechen. Häufig lugen aber die flauen" Köpfchen schon vorwitzig aus dem Boden heraus. Das ist dann für den Spargelbauer wenig erfreulich, denn der Berliner liebt nicht den Spargel, der die Sonne gesehen hat. Hingegen behaupten die Züchter, daß diese Pflanzen an Geschmack und Feinheit den anderen durchaus nicht nachstehen. Sie gelten lllühlenfliefl bei XeclUs. als etwas„herzhafter". Der Franzose ißt seinen Spargel sogar „grün", wobei man vergißt, daß es sich hier um eine andere Sorte handelt. Solcher Spargel zweiter Qualität findet auch noch genug Abnehmer bei dem Teil der Berliner Käufer, der sich den Luxus der ersten Wahl nicht leisten kann. Im ganzen wird der Spargel in drei bis vier„Preislogen" sorliert. Wenn der Berliner einig« Äenntnisse vom Ernten des Spargels besäße, er würde gewiß seinen Einkauf nach verständigeren Regeln vollziehen. Man liebt den weißen, gebleichten Spargel, natürlich frisch, wie jeder Händler versichert. Dabei mutz man damit rechnen, daß der Spargel recht lange im Wasser gelegen hat, durch schlechte Behandlung ausgezogen ist und bitter schmeckt. Gelb aussehender Spargel ist nach dem Stechen etwas von der Sonne beschienen, was nicht viel schadet. Am besten fährt man beim Kauf von ungewaschenem Spargel. Aber selbst die Spargelbauern, die die Ernte von einem Tag zum anderen Morgen aufsparen müssen, legen ihn gleich nach dem Stechen ins Wasser. Ist es weiches Flußwasser und wird es häufiger erneuert, so schadet das Wässern durchaus nicht. Die preise in diesem Jahr erklären sich, wie schon an anderer Stelle ausge- führt wurde, aus der schlechten Ernte der vergangenen Jahre. Breistreibend wirken auch die Konservenfabriken, die mit den Spargelzüchtern abschließen und einen Durchschnittspreis für den Spargel, sowie er wächst, zahlen, wobei also der Züchter der Mühe des Sortierens überhoben wird. Daß wir überhaupt den Spargel in solchen Mengen in Verlin Nock) aus dem Markt haben, ver- danken wir eigentlich den geringen Ernten der letzten Jahre. Die Beelitzer sagten sich, daß vom Berliner Markt immer noch«in paar Groschen mehr am Pfund herauszuholen wären, als wenn sie ihre Ernte den Konservenfabriken verschreiben. Dafür wandern fast ausschließlich die Spargelernten Hannooers, Vraunfchweigs und anderer Länder nur in die Konservenfabriken. Die Beelitzer Pro- duktion erreicht etwa 600 bis 800 Zentner an günstigen Tagen. In Berlin bedienen sich die Beelitzer Züchter der Vermittler, die 10 Prozent vom Verkauf erhalten, dafür aber Körbe stellen und das Einsammeln der geernteten Ware übernehmen. Hoffen wir, daß nach dem letzten günstigen Wetterumschlag die Preise, die ja zurzeit noch sehr hoch sind, sich so gestalten, daß auch der kleinere Haushalt sich wieder dieses vorzügliche Frühgemüse leisten kann. Am Montag der vergangenen Woche kostete in Beelitz ein Pfund Spargel noch 1,2S Mark, während man ihn in Berlin in derselben Qualität bereits für 90 Pfennig kaufen konnte. Das erklärt« sich daraus, daß die Bauern den Preis vom Frühmarkt am Montag, der nur bis 60 Pfennig pro Pfund betrug, noch nich: kannten. Man wünscht jedem sein Verdienst, auch dem Spargelbauern für seine mühevolle Arbeit. Aber trotz erhöhter Löhn« und Einnahmen kann der Städter solch« Preise wie die augenblicklichen nicht tragen. » Spargel wird von Spanien bis Innerasien, vom Mittelmeer bis Norwegen angebaut: er ist als Wildpflanz« besonders an Flußufern anzutreffen. Aus dieser Wildpflanze ist durch Hochzucht der Spargel, wie wir ihn heute kennen, entstanden. Bei uns sind folgende Sorten wegen ihres guten Ertrages berühmt geworden: Ruhm von Braunschweig, Früher Argeuteuil, Früher Burgunder, Hamburger Riesenspargel(der schweren Boden liebt), Connovers Coloffal, Erfurter Riesenspargel, Göschkes Superior Palmetto. Braunschweig baut zirka 1000 Hektar, im Land wettere 1000 Hektar und ebensoviel wird in der Umgebung Hannovers gebaut. Nach Mcyer enthält Spargel 2,26 Proz. eiweißartige Körper, 0,31 Fett, 0.47 Zucker, 2,80 sonstige stickstofffreie Substanzen, 1,54 Zellulose, 0,57 Asche und 92,04 Proz Wasser. Er besitzt in starkem Maße den im Medizinischen benannten Stoff Aphrodisiakum und wirkt Harn- m. Am Ufer der SieclUser flieplilss. treibend. Sein« Verbreitung als Küchenpflanze über alle Kultur- länder läßt darauf schließen, daß es schon in früheren Jahrhun- derten Krank« genug gegeben haben mag, die neben seiner Bedeu- timg als Arzneipflanze auch den Spargel als leckeres Gemüse sehr bald erkannten und schätzten. Die Kreibäder harren der Gäste. Auch ein bißchen mehr Sonne wäre erwünscht. Im Mai, wenn„alle Knospen springen", tun auch die Freibäder Berlins wieder ihre Pforten auf. Die„Badefaifon" um Mitte Mai zu eröffnen, war alter Brauch schon damals, als die Stadt für das Badebedürfnis der in Mietskasernen zusammengepferchten Bevölke- rung nur die notdürftigen„Sechserbäder" bereit hielt. Welcher Abstand zwischen jenen bretterumschlossenen kläglichen Badebuden. die aus den öffentlichen Gewässern des Stadtinnern schließlich wegen der zunehmenden Wasserverschmutzung weichen mußten, und den in den Außenbezirken entstandenen heutigen Freibädern, an deren Vervollkommnung unaufhörlich gearbeitet wird! In diesem Frühjahr bieten allerdings mehrere der Freibäder einstweilen noch keinen sehr«inladenden Anblick, weil der lang- dauernde Winter die Ausführung der notwendigen Bauarbeiten ver- zögert hat. Es wird aber dafür gesorgt, daß der Badebetricb keine Störung erleidet und die Arbeiten jetzt beschleunigt werden. Für das Freibad Wannse«, das älteste und bedeutendste der Ber- liner Freibäder, ist«in großartiger Ausbau geplant und schon be- gönnen, der die Beliebtheit dieser Erholungsstätte der Berliner noch steigern wird. Auch Freibad Müggelsee und Freibad Grünau erhalten Berbesserungen, die den Besuchern sehr willkommen sein werden. Der Ausbau des Freibads Müggelsee, dessen durch Feuer zerstörte Baulichkeiten massiv erneuert werden, erfordert 1,5 Millionen Mark. Im ganzen muh man aber von den Badeanlagen des O st« n s sagen, daß die Stadt sie bisher ziemlich st i e f m ü t t e r- l i ch behandelt hat. Die Besucher der Freibäder Müggelsee, Grünau, Adlershof, Oberschöneweide würden es gewiß zu schätzen wissen, wenn man auch für diese Badestätten eine freigiebiger« Hand hätte. Nur Lichtenberg ist jetzt etwas voraus. Mit seinem gut ein- gerichteten Spreebad neben dem Kraftwerk Klingenberg ist eine Badestätte geschaffen worden, deren Notwendigkeit durch den starken Besuch sehr überzeugend dargetan wird. Das Lichtenberger Bad kann übrigens den Betrieb früher als ander« Freibäder eröffnen, weil vom Kraftwerk Klingenberg wanugewordcncs Kühlwasser zu- geführt wird, mit dem man das Badewaffsr erwärmt. In den ersten zwölf Tagen des diesjährigen Betriebes wurden hier schon 15 000 Besucher gezählt. Die Besucherzahl der Freibäder zeigt in jedem Jahr aufs neue, welche Bedeutung das Freibadwcfen erlangt hat. Da« Freibad Adlershof hatte im vorigen Jahr 115 000 Besucher, und die Höchstzahl an einem Sonntag war über lOOOO. Ins Riesenhafte gehen die Besuchszifsern von Freibad Wannsee. In 1928 wurden 850 000 Besucher gezählt, am Tage des stärksten Besuches allein 68 000. Dieses Bad hat einen Strand von jetzt über 1000 Meter Läirge. Leicht ist es nicht, bei solchen Besuchszifsern die not- wendig« Ordnung aufrechtzuerhalten. Ader die Lösung auch dieser Aufgabe gelingt. Auch der unentbehrliche Rettungsdienst ist in den Freibädern, dank der Mitwirkung von Schwimmvereinen, so gut organisiert, daß tödliche Unfälle nur selten vorkommen. Di« Freibäder müssen in diesem Jahr ihren Betrieb bei einem „F rii h l i i»g s w e t t e r" eröffnen, das noch nicht sehr verlockend ist. Aber vielleicht bringen uns schon die nächsten Tage die Wetter- besserung, die wir alle wünschen. Dann: Frischauf zum sröh- lichen Baden! Hebbelstr. 16/19 wird endlich geräumi. Gefahr der Verschiebung des moorigen Aaugrundes. Neuere Bohrungen, die das Bezirksamt Charlottenburg vor- genommen hat, haben im Gegensatz zu den'früher ausgesührten ergeben, daß der brauchbare Baugrund bei dem Eckhause Hebbelstraße 18/19, Ecke Fritschestraße 17, erst in einer Tiefe von 18 bis 20 Meter beginnt. Dieses Bohrergebnis zwingt zu einer veränderten Auffassung des Gefahrenzustandes des Hauses .Hebbelstraße 18/19. Während man bisher noch annehmen konnte, daß ein Teil der Pfahlfundierung den guten Baugrund erreicht, und damit eine gewisse Standfestigkeit gewährleistet wird, muß jetzt damit gerechnet werden, daß die zur Fundjerung verwendeten Pfähle nicht bis in den tragfähigen Baugrund hinab- gehen. Insbesondere muß man auch mit einer Verschiebung des teilweise moorigen Baugrundes rechnen. Dies würde aber bei den vorhandenen klaffenden Rissen zum s o f o r- tigen Einsturz führen, zumal sich die Risse an dem Hause durch den scharfen Frost des letzten Winters noch erweitert haben und die Gefahr der weiteren Verbreiterung und Fortbildung der Risse mit Rücksicht auf die durch den Straßenverkehr verursachten Erschütterungen besteht. Unter diesen Umständen hat sich die Bau- polizci gezwungen gesehen, die gänzliche Räumung des Hauses Hebbelstraße 18/19 Ecke Fritschestraße 17 anzuordnen, um diesen Bewohnern drohende Gefahren für Leben und Gesundheit abzuwenden. Für die Unterbringung der Mieter ist bereits Vorsorge getroffen worden. Es hat lang« genug gedauert, bis man sich zu diesem Beschluß, der doch vor Monaten gefaßt werden mußte, durchringen konnte. Ein-loo voo-Mark-Sewinn gezogen. Gestern wurde in der Ziehung der K l a s s c n l o t t e r i e der erst« große Gewinn gezogen, und zwar ein Hunderttausendcr auf die Nummer 260 912. Die Nummer wird in der ersten Klasse in G l e i w i tz und in der zweiten in Saarbrücken gespielt. In beiden Orten scheinen kleine Leute beglückt worden zu sein. Die Nummer wird in Achtel- und Viortelloscn gespielt. fieaer itt einer Gießerei. • Ein Dachstuhlbrand kam gestern am frühen Nachmittag in der Berliner Eisengießerei A.- G., Hcrzberg- st r o h e 124 in Lichtenberg, zum Ausbruch. Die Feuerwehr rückte auf den Alarm mit drei Löschzügcn an und bekämpfte den Brand, der bereits ziemlichen Umfang gewonnen hatte, mit vier Schlauch- leitungen größten Kalibers. Die Entstehungsursache ist noch un- bekannt.— Im Keller des Hauses Kochstraße 54a entstand gestern nachmittag gegen 17 Uhr Feuer, dessen Bekämpfung sich wegen der starken V e r q u a l m n n g sehr schwierig gestaltete. Nach zweistündiger Tätigkeit war die Gefahr beseitigt. Raubmord in Berlin O. 62jährige Milchhändlen'n übersatten und erwürgt. Zn der Cadincr Straße in Berlin-Fricdrichshain wurde gestern die bZjährige Wilwe S o m m c r s e l d, die ein kleines VUlchgeschäft betrieb, von drei Burschen überfallen, erwürgt und beraubt. Zwei der Täter sind verhaftet. Di« Frau beirieb ihr Geschäft seit etwa 22 Jahren. Sie er- freute sich des besten Rufes. Kurz nach 19 Uhr sahen Hausbewohner, wie sich drei junge Burschen aus dem Küchenfenster der Frau Sommerfeld hinausschwangen. Sie ahnten sofort Uebles und alarmierten das Ueberfallkommando und die Revierpolizei. Man hatte beobachtet, daß die drei in das Nachbarhaus Nr. 15 hineingelaufen waren..Besondere Geistesgegenwart bewies jetzt ein 14 Zahre alter Zunge Hans weiß. Er schloß mit den Schlüsseln. die er in der Hand hatte, rasch das H a u s t o r ab, um ihnen wenig- stens diesen Ausweg zu versperren. Die Beamten durchsuchten das ganze Grundstück und fanden auf dein Boden einen der Räuber, der sich dort ein Versteck hatte suchen wollen. Als er die Verfolger hinter sich hörte, schickte er sich an, eine Luke auszubrechen, kam aber nicht mehr dazu, über das Dach zu verschwinden. Er wurde festgenommen. Auch der zweite Täter wurde gesaßt. Er war im Seitenflügel die Treppe hinausgelaufen und hotte an einer Woh- nung dreist geklingelt. Als die Leute ihm öffneten, sagte er, daß er von politischen Gegnern verfolgt werde, und bat um Unter» schlupf. Sein vollständig zerkratztes Gesicht ließ seine Angaben gla ubwürdig erscheinen. Die Leute gewährten ihm Einlaß und gaben ihm auch Gelegenheit, sich das Gesicht zu waschen. Beim Ab- fragen von Tür zu Tür kamen nun die Beamten auch an diese Woh- nung, und jetzt war der„politische Flüchtling" entlarvt. Die Suche nach dem dritten blieb ohne Erfolg. Er muß über das Dach entkommen sein. Man hofft aber, seiner bald habhaft zu werden. Die beiden Verhafteten leugneten nicht. Sie waren kurz vor Geschäftsschluß gekommen und hatten abgewartet, bis der letzt« Kunde den Laden verließ. Dann hatte der eine die Jalousie herabgelassen, die beiden anderen hatten sich auf die betagte Frau gestürzt, sie am Halse gewürgt und zu Boden gerissen. Die Hausbewohner riefen einen Zlrzt herbei, doch waren alle feine Bemühungen vergeblich. Die alte Frau war ihren Verletzungen erlegen. Allem Anschein nach ist ihr durch den brutalen Griff der Kehlkopf zerdrück r worden und hat so den Tod durch Ersticken herbeigeführt. Die Festgenommenen sind ein 21 Jahre alter Klempner Erwin D e t- l o f f aus der Paul-Singer-Straße 109 und«in gleichaltriger Ar- beiter Alois P a s s a r e ck, der in der Micheelkirchstraße 7 wohnt Sie hatten das aus d«r Lad«nkasse geraubte Geld noch bei sich. Ihren dritten Kumpan wollen sie nicht kennen, wenigstens ocnweigern sie über ihn bisher jede Auskunft. Das Lustschiff in Toulon. Weiterflug nach Amerika in zwei Wochen? Paris, IS. Mai.((Eigenbericht.) Die unerwartete Landung des„Zeppelin" in(Euers ist für die französische Oesfentlichkeit das große Tagesereignis, das alles andere zurückdrängt. Zu der B e f r i e d i g u n g über die Hilfeleistung der eigenen Behörden und Truppen gesellt sich die unoer. hohlene Freude über die zahlreichen Aeußerunge» des Danke» und der Anerkennung, die aus Deutschland herüberklingen. Ganz allgemein herrscht das Empfinden, daß das Mißgeschick des „Zeppelin" in Wahrheit eine Glücksfahrt für die deutsch- französischen Beziehungen geworden ist. Man kann sagen, daß seit dem Beginn der S a ch v e r st ä n- digenberatungen, ja seit langem keine solch« Menschlichkeit und unverhohlene Wärme zum Durchbruch kam, wie sie am Sdnn- abend die Kommentare einer ganzen Reihe Pariser Blätter kenn- zeichnet. Die Besatzung, die Passagiere und auch Dr. Eckener selbst haben ihrerseits an ihrem Dank« nicht gespart, und Eckener beson- ders legte Wert auf die Feststellung, daß die Worte, die er vor der Abfahrt über die französischen Behörden geäußert haben sollte, voll- kommen entstellt seien. Es sei ihm, erklärte er einem Vertreter der „Havas" gegenüber, Niemals in den Sinn gekommen, von einer Regierung in unziemlicher Weise zu sprechen, deren Land er eben zu überfliegen gedachte. Die deutsche Regierung legte Wert darauf, der französischen Regierung bereits am Sonnabend morgen ihren Dank auszusprechen. Man rechnet damit, daß der„Zeppelin" etwa acht Tage in Pierrefeu liegen wird. Ob Dr. Eckner dann seine Fahrt nach Amerika fortsetzt oder die Rückfahrt nach Friedrichs- Hafen antritt, darüber ist man hier nur auf Vermutungen an- gewiesen. Es wird jedoch allgemein mit der zweiten Wahrscheinlich- kcit gerechnet. Am Sonntag wird Dr. Eckener auf einige Tage nach Friedrichshofen reisen und dann noch Toulon zurück- kehren. Inzwischen sollen mindestens zwei neue Motore ein- montiert werden. Der Zlbflug des„Graf Zeppelin" nach Friedrichs- Hafen ist f r ü h e st e n s in acht Togen zu erwarten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß an der Rückfahrt nach Friedrichshofen mehrere Offiziere des französischen K r i c g s m i n! st e r i u m s bzw. der Garnison von Toulon teilnehmen. Die zum Abtransport in Friedrichshofen bereitstehenden Ersatzmotoren sind bisher noch nicht zum Versand gelangt. Ihre Einfuhr nach Frankreich ist von den französischen Dienststellen ohne Verzug gewährt worden. Im Flughafen von Toulon strömt das Publikum von allen Seiten heran, um das Luftschiff zu besichtigen. Die französi- schen Behörden haben Ueberwachungsmaßnahmen getrosten. Die deustche Besatzung ist von den Franzosen aufgefordert worden, ihre Gäste in den Kasinos des Flughafens zu sein. * Kapitän Flemmiog, der erste Navigationsoffizier des„Graf Zeppelin", machte in Toulon Mitteilungen über die weiteren Pläne. Er zeigte sich außerordentlich zuversichtlich und betonte, daß die Amerikareise selbstverständlich st a t t s i n d c n werde, sobald die Motorschäden in Ordnung gebracht seien. Der Zeitpunk» für die Amerikarelse könne noch nicht bestimmt werden, jedoch bestünde die Möglichkeit, die Reise in zwei bis drei Wochen anzutreten. Die Maybach-Motoren, die jetzt ausgewechselt werden sollen, werden im Flugzeug nach Friedrichshafen gebracht und dort sofort einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Erst nach Oestnung der Motoren werde man fessttellen können, was geschehen sei. Es bestehe die Vermutung, daß es sich um den Bruch der Kurbelwelle handelt. Die neue Güd-Amerika-Expedition. Der Dampfer„Wiegand" vom Norddeutschen Llopd hat heute in Antwerpen, wo der Südamerikasorscher Dr. Baeßlcr an Bord gegangen ist, die Anker gelichtet und seinen Kurs, ohne Aufenthalt zu nehmen, nach Panama genommen. An Bord befinden sich seine Ftlmmitarbeiter, die sich bereits in Bremen eingeschifit harten. Dr. Baeßler wird sich zunächst über Panama nach Limo begeben... Mit etwa 25 Köpfen, unter denen sich zwei Professoren der Univcrsilät befinden, begibt sich die Expedition»ach dem Urwald des östlichen Peru. Nach Ueberwindung der ersten Kordillerenkctte werden auf dem Hochplateau in zirka 4000 Meter Höhe bei den Cholos die ersten Indianersilmaufnahmen gemacht werden. Dann geht es weiter über die zweite Kordillerenkette nach dem Fluhgebiet des Ucuyali. Ersah für die Spielplätze„An der Avus". Die Spiclplotzanlage „An der Avus" muß nun doch nach Mitteilung des Magistrats der B a u a u s st e l l u n g 1931 weichen. Das Bezirksamt Chor- Zack Xondon: (Beredi/igle üebersetzung von Erwin Magnus). Aber nun das getan war, war er auch fertig zur Ab- reise. Und als das bekannt wurde, überboten sich die Guggen- Hammers und die englischen Konzerne und eine neue franzö- fische Kompanie gegenseitig, um Ophir und die ganze Anlage zu kaufen. Die Guggenhammers boten am meisten, und der Preis, den sie bezahlten, gab Daylight einen Gewinn von rund einer Million. Man glaubte allgemein, daß er zwan- zig bis dreißig Millionen besäße. Aber er allein wußte genau, wie er stand, und daß er, wenn er seinen letzten Claim verkauft und reinen Tisch gemacht hatte, gut elf Mil- lionen aus seiner Chance herausgeholt hatte.. Seine Abreise war ein Ereignis, das mit seinen anderen Taten der Geschichte des Pukon angehört. Ganz. Pukon war zu Gast bei ihm, und in Dawson wurde das Fest gefeiert. An diesem letzten Abend galt kein anderer Goldstaub als der seine. Getränke waren nicht zu kaufen. Jede Gastwirtschaft stand offen, hinter den Schanktischen standen Reserven für die ermatteten Bartender bereit, und die Getränke wurden umsonst ausgeschenkt. Wallte jemand seine Gastfreundschaft nicht annehmen und durchaus bezahlen, so wurde er gleich von zehn verschiedenen Seiten angegriffen. Selbst die Chechaquos erhoben sich, um Daylights Namen gegen eine solche Beleidigung zu verteidigen. Und überall war Daylight auf seinen mokassinbekleideten Füßen, lärmte, als wäre die Hölle losgelassen,' strömte über von Gutmütigkeit und Ka- meradschaftlichkeit,. stieß sein altes Wolfsgeheul aus, schrie, daß es seine Nacht wäre, preßte allen Männern an der Bor die Hände herunter und führte andere Kra.ftstückchen aus, mährend sein sonnenverbranntes Gesicht' durch das Trinken gerötet war und seine Augen leuchteten. Er war wie immer gekleidet, die Ohrenklappen umflatterten ihn. und die Hand- schuhe mit den hohen Stulpen baumelten ihm an einer Schnur um den Hals. Diese Nacht verdunkelte alles, was Dawson je gesehen hatte. Es war Daylights Wunsch, daß man sie nicht vergessen sollte, und sein Wunsch ging in Erfüllung. Ein gut Teil von. der Bcoölkerunz Dawsoys holte sich in dieser Rächt einen seligen Rausch. Der Herbst stand vor der Tür, und ob- wohl der Dukon noch nicht zugefroren war, stand das Thermo- meter auf fünfundzwanzig Grad unter Null und fiel noch weiter. Daher mußte ein Rettungskorps organisiert werden, das durch die Straßen patrouillierte und die Betrunkenen auflas, die in den Schnee gefallen waren, wo eine Stunde Schlaf ihnen verhängnisvoll geworden wäre. Daylight, dessen Grille es war, sie zu Hunderten und Tausenden be- trunken zu machen, war der Urheber dieses Rettungskorps. Er wollte, daß Dawson sich amüsieren sollte, da er aber weder rücksichtslos noch mutwillig war, verhütete er Unglücksfälle. Und wie in seinen alten Tagen verfügte er, daß kein Streit und keine Prügelei stattfinden dürfte— die Uebertreter seines Gebotes würde er sich persönlich vornehmen. Aber er brauchte sich keinen vorzunehmen. Ein Gefolge von Hun- derten ergebener Leute sorgten dafür, daß alle Unruhstifter in den Schnee gerollt und dann zu Bett gebracht wurden. Wenn in der großen Welt einer der Großen der Industrie stirbt, so ruhen«ine Minute lang alle Maschinen in dem Unternehmen, das er geleitet hat. Aber in Klondike trauerten die Leute über die Abreise ihres Großen so lustig, daß sich vierundzwanzig Stunden lang kein Rad rührte. Selbst das große Ophir, das tausend Mann im Sold hatte, mußte schließen. Am Tage nach dem Feste fand sich nicht ein ein- ziger arbeitsfähiger Mann. Am nächsten Morgen verabschiedete Daylight sich bei An- bruch des Tages von Dawson. Tausende standen am User mit Handschuhen und heruntergezogenen Ohrenklappen. Es waren dreißig Grad unter Null, die Eiskante hatte an Stärke zugenommen, und im Zukon trieben die Eisschollen. Vom Deck der„Seattle" aus winkte und rief Daylight zum Ab- schied. Als die Leinen losgeworfen wurden und der Dampfer sich in den Strom hinausschwang, sahen die Nächststehenden, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Ihm war, als verließe er sein Vaterland, dies rauhe Polarland, das ein- zige, das er gesehen. Er nahm die Mütze vom Haupte und schwang sie. „Lebt wohl, Iungens!" rief er.„Lebt wohl, Jungcns!" ♦ Burning Daylights Einzug in San Franziska war nicht glanzvoll. Nicht er allein war vergessen, mit ihm auch Klon- dike. Die Welt interessierte sich für ganz andere Dinge, das Alaska-Abenteuer war, ebenso wie der Spanische Krieg, er- ledigt. Vieles war seither geschehen, täglich hatten spannende Ereignisse stattgefunden,.und der Raum der Zeitungen für Sensationen war begrenzt. Dies- Nichtbeachtung wirkte in- dessen nur anspornend auf ihn. Wir groß mußte erst das neue Spiel sein, wenn er, der Held des arktischen Spiels. wenn ein Mann von elf Millionen und mit feiner Vcr- gangenheit hier unbemerkt kommen und gehen konnte. Er schlug sein Quartier im St. Francis Hotel auf. wurde von den jungen Hotelreportern interviewt, und die Blätter brachten in den nächsten vierundzwanzig Stunden kurze Notizen über ihn. Er lachte bei sich und begann sich um- zusehen, um die neuen Menschen und die neuen Dinge kennen- zulernen. Er war sehr linkisch, wußte sich aber zu beHerr- schen. Das Bewußtsein, der Besitzer von elf Millionen zu fein, verlieh ihm ein gewisses Rückgrat, und zudem hatte er eine starte angeborene Sicherheit. Nichts verblüffte ihn oder setzte ihn in Erstaunen, weder die Pracht, noch die Kultur oder die Macht um ihn her. Diese Wildnis hier war anders geartet, das war alles: er mußte sehen, sich in ihr zurechtzufinden, Wegzeichen. Straßen und Wasserstellen, gute Iagdgründe sowie die schlechten Strecken, die er meiden mußte, zu erkunden. Wie gewöhnlich machte er einen großen Bogen um die Weiber. Er fürchtete sich immer noch,' diesen strahlenden, blendenden Geschöpften nahezukommen, nach denen er doch kraft seiner Millionen nur die Hand auszu- strecken brauchte. Sie folgten ihm mit schmachtenden Blicken, und er verstand seine Furcht so gut zu verbergen, daß'er sich scheinbar ganz frei unter ihnen bewegte. Nicht allein sein Reichtum zog sie an. Er war zu sehr Mann, von zu unge- wohnlichem Schlage. Er war sechsunddreißig Jahre alt, auf- fallend hübsch, von wunderbarer Stärke, fast überschäumend von strahlender Männlichkeit. Sein freier Gang, den er den Schlittenreisen verdankte und sich nicht auf dem Pflaster einer Stadt angeeignet haben tonnte, feine schwarzen Augen, die von weiten Ebenen erzählten und nicht vom engen Aus- blick des Städters ermüdet waren, zogen ihm manchen neu- gierigen Frauenblick zu. Er merkte es wohl, lächelte ver- ständnisvoll und sah kaltblütig dieser Gefahr ins Auge, die mehr bedeutete als Hungersnot, Kälte oder Ucberschwemmung je getan hatten. � Um Männerspiel, nicht um Weiberspiel war er nach den Staaten gekommen: und die Männer hatte er noch nicht kennengelernt. Sie erschienen ihm weichlich, aber in geschäft- lichen Dingen waren sie doch wohl hart unter der verzärtelten Oberfläche. Ihre katzenartige Geschmeidigkeit fiel ihm buf. Er dachte darüber noch, ob die Kameradschaftlichkeit, die sie in den Klubs zur Schau trugen, wohl wirklich aufrichtig ge- meint sei, und ob sie nicht doch bald die Krallen zeigen würden.„Ich möchte sie fehen." meinte er bei sich,„wenn es ihnen an den Geldbeutel geht." (Fortsetzung folgt.) » Oujardin erhält Entschädigung. Aach dem Kreispruch in Insierburg. lettenburg hat nun Gelände westlich des bestehenden Spielplatzes ,.W c st s n d" angekauft, um hier zunächst drei Spielplätze in den erforderlichen Ausmatzen als Teilcrfatz für die Avusspielplätze Herrichten zu können. Da dl« Avnsplätze bereits am 1. März n. I. geräumt werden müssen, soll mit der Anlage der neuen Plätze, sür die ZlälXXl M. veranschlagt worden sind, sobald als möglich begonnen werden. Drucksachen und Giandesehre. Berufung an den ärztlichen Ehrengerichtshof. Der Arzt Dr. Alfred Rohkamm, der. wie wir kürzlich mit- teilten, vom ärztlichen Ehrengericht Berlin zu der zweithöchsten Strafe, einem Verweis und SO Mark Geldstrafe, verurteilt worden ist, hat durch Rechtsanwalt Dr. Sidney Mendel Berufung bei dem Ehrengerichtshof einlegen lassen. Dr. Roßkamm hatte seine Niederlassung in Tempelhof in den benachbarten Haus- Haltungen durch gedruckte Karten mitgeteilt, anstatt, wie sonst üblich, durch Tageszeitungen die erfolgte Niederlassung anzu- kündigen. In diesem Abweichen von der Regel hatte das ärztliche Ehren- geeicht eine schwere Verletzung der Pflicht eines Arztes erblickt,„sich der Achtung würdig zu zeig«n, die sein Berus erfordert". Das Urteil vergleicht das Verhalten des Arztes mit dem Vorgehen von Gewerbetreibenden, die in der Ausübung ihres Be- rufes lediglich eine Quelle persönlichen Geld- c r w c r b s sehen. Der Arzt müsse alles vermeiden, was ihn den lediglich aus Gelderwerb ausgehenden Kreisen der Bevölkerung gleichstelle. Rechtsanwalt Dr. Mendel Hot die Berufung damit begründet, daß in der Mitteilung an einen engen Personenkreis weit weniger eine Anpreisung oder ein Werben um Praxis liege, als in der üblichen Ankündigung in den Tageszeitungen. Der Ehren- gerichtshof wird sich demnächst in der Besetzung von sieben Mitgliedern unter Vorsig des Leiters der Medizinalobteilung des preußischen Wohlsahrtsministeriums mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Eigenartig ist bei dem ärztlichen Chrengerichtsverfahrcn, daß der Verurteilte über die Möglichkeit, Berufung«in- zulegen, nicht belehrt wird, während fast alle Gesetze, auch die Strafprozeßordnung, eine derartige Pflicht zur Aufklärung des Verurteilten über die Rechtsmittel bestimm«». Das preußische Gesetz über die ärztliche Ehrcngerichtsbarkeit ans dem Jahre 1899 sieht ganz besondere Fristen für die Einlegung der Berufung und die Be- rusungsbegründung vor. Es kennt keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, selbst bei unocrfchuldctcm Versäumen der Frist.'» Einheitskleidung der Chauffeure. Durckk eine Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten ist nun- nvehr die lange umstrittene Frage der einheitlichen Bekleidung für die Berliner Droschkenchaussenre geregelt morden. Diese Verordnung schreibt vor, daß alle Droschkenchausjeurc vom 1. August d. I. ab eine aus schwarzgrauem Stoff bestehende M ü tz c mit l c d c r- n e m Schirm und St u r m r i e m e n tragen müssen. Dazu muß cbensalls eine gleichfarbige zweireihige Joppe getrogen werden, deren Anschaffung jedoch bis zum l. Mai 1930 befristet ist. Soweit während der kalten Jahreszeit Dienst in Mänteln getan wird, sollen diese die gleiche F a r b e und den g l e i ch eg»' S ch n i t t wie die Joppen haben. Ein»ur Anjchafsting eines solchen Mantels besteht WWch nicht. Vorlchrtft ist aber, daß auf. der Joppe od«r auf dein Mantel als Abzeichen ein Flügelrad eingestickt oder auf einer Arnrbinde getragen ivird. Die Bekleidungsfrage der Berliner Kraftdroschkenführer ist wiederholt, bevor sie behördlich geregelt wurde, in der Oesfentlichkeit erörtert worden. Es hotte sich bereits eine Privatgesellschaft ge- gründet, die noch vor dem Erlah der Verordnung den Chauffeuren eine„Einheitsiinisorm" zum Kaufe anbot, die aber erheblich von der jetzt vorgeschriebenen Bekleidung abwich. Ein Teil der Berliner Droschkcnchaniscure ist der Ansicht, daß diese Firma das Monopol für den Vertrieb der neuen Uniform hat. Für die Berliner Droschkencheuifeure besteht keinerlei Verpflichtung, ausschließlich bei dieser Firma ihre neu« Bekleidung zu kaufen. Es steht ihnen vielmehr frei, diese Berufskleidung in jedem K o n f o k t i o n s- a e s ch ä f t. vor allem aber auch in den von der Arbeiter- ! ch a f t gegründeten Unternehmungen zu kaufen. Zu bemerken ist nach, daß die Ärastdraschkenbesitzer wesentlich schärf-re Bestimnumgen hinsichtlich der Einheitsuniform oerlangt hatten. Es ist lediglich auf die Verhandlungen des Deutschen Verkehrs- b u n d e s mit dem Polizeipräsidenten zurückzuführen, daß ckle Be- lleidungsfrage so acregelt worden ist, wie sie für die Kraftdroschken- sührer auch wirtschaftlich einigermaßen tragbar ist. Treue Freunde des«,Borwärts�. zz Jahre„Vorwärts"- Abonnent! Ein wirklich erfreuliches Zeichen treuer Anhänglichkeit! Las Ehepaar K u l e r RW., Jagowstraße 12, feiert am Pfingstsonntag seinen goldenen Hochzeitstag, zu dem wir ihm allsrherzlichst gratulieren. Seit dem Jahre 1884 sind die alten Leutchen treue Abonnenten unseres Dlaites und seiner Vorläufer: sie haben in diesen langen Jahren allerlei Interessantes vom Werden und Wachsen der sozialistischen Partei crl«bt. Voll Begeisterung erzähl«« sie von den großen Vorkämpfern. Während Vater Kulers Augen strahlen im Ge- denken an die uffvergeßlichen Tage, da macht Mutter Kuler ihrem hausfraulichen Herzen Luft. Sie weiß ein traurig Lied zu singen von Krankheit und Arbeitslosigkeit, und sechs hungrige Mägen, die gestillt sein wollten.„Aber jetzt muß ich arbeiten gehen," meint die gute Alte. Zehn Enkelkinder, Geschwister und Schwäger kommen zum Festtag der beiden Alten, und da gibt's denn alle Hände voll zu tun._ Pfingftfahrt für 40 Pf. Die Berliner Derkehrs-Aktiengesellschaft(BVG.) hat sich mit der Herausgabe eines von Dr. E. R. Il d e r st ä d t flott geschriebenen und geschickt zusammengestellten und geschmackvoll ausgestatteten A u s N u g s s ü h r e r s in den Dienst der Wochenendbewegung gestellt Die meisten Berliner betrachten die städtischen Verkehrs- mittel unter dem Gesichtspunkte des Berufsverkehrs. Für manchen dürft- es daher eine Ileberraschung sein, daß es möglich ist, auch mit den Verkehrsmitteln der Berliner Verkehrs-Aktiengesellschost für 40 Pfennig— 20 Pfennig hin. 20 Pfennig her— aus dem Getriebe der großen Stadt ins F r e i o zu gelangen. Vielen wird der Führer die Möglichkeit geben, das große Stadtgebiet Berlins mit seiner schönen Umgebung erst wirklich kennenzulernen. Beson. d--rs hervorzuheben sind 24 g»te farbige Landkarten. Der Preis von 30 Pfennig für diesen Ausflugsführer bedeutet totsachlich ein Geschenk. «!.?. ei» Lasier, t.» Kviel■" PDasier tedoch acht« gab«! Immer auf den PatentschuU.Schlimmer eer" Seit»o Jahren kSuflieh In Apotheken a 40 PI, ,a" aufachten«her laiifbn«nUhoitan kranke RriUte durch Hans Kwiet's Pflaster- laUinranKllBIlsni Ubriiu tt»rua SW 68, Alcxuarincnstr. 29«. Jnsterburg, 18. Alai(Eigenbericht.) Das heute verkündete Urteil des Schwurgerichis im Prozeß D u j a r d i n, das wir in einem großen Teil des„Abend" bereiks veröfsenllichten, hol folgenden wortlaul: Das Urleil des Schwurgerichts Znsierburg vom 1. November 1919 wird ausgehoben. Der Angeklagle Oujardin wird s r e i g e s p r v ch e n. Die kosten des Verfahrens sollen, soweit sie Dujardln bekrefsen, der S k a a l S- k a s j e zur Last. Außerhalb dieser wiederausnahmeverhandlung ist ein Beschluß des Gerichts über die Entschädigung ergangen, die Dujardin beantragt Halle. Der Beschluß beruht aus dem Gesetz betreffend die Entschädigung der im Wiederausnahmeversahren freigesprochenen Personen und darf nicht verkündet werden. Das Gericht hat die Cnlfchädigungssrage im Falle Dujardin bejaht und be- schlössen: Der Angeklagte Dujardin ist aus der Staatskasse zu entschädigen. weil begründeter Verdacht gegen ihn nicht mehr besteht. Die Urteilsverkündung hatte einen solchen Massenandrang von Zuhörern zur Folge, daß ein sehr starkes Polizeiaufgebot herangezogen war, um ein« Ueberfüllung des Saales zu ver- hindern. Man hatte die Beamten auch deshalb herangezogen, well sich am gestrigen Freitagabend auf dem Hof des Gerichtsgebäudes zwischen dem Ehepaar H o e l z n e r und dem Publikum unlieb- somc Auseinandersetzungen«rgebcn hatten. In der Llrteilsbegründung führt« Landgerichtsdirektor Sary mis:„Das Schwurgericht stand vor einer Ausgabe von ganz unerwarteten Schwierigkeiten. Ein a b- scheu lichcr Mord war geschehen. Frau Jaquet und Dujardin standen vor dem Schwurgericht, das in einer cingelzenden, vor- urteilsfrcicn Verhandlung Frau Jaquet freisprach und den Angeklagten Dujardin zu lebenslänglicher Haft verurteilte. 19 Jahre vergehen, und nun hat dieses Schwurgericht die Schuld des Angeklagten Dujardin zu prüfen. Uns trennt von den Er- eigniflen von damals ein A b g r u n d. Die damaligen Ereignisse erscheinen heute klein und undeutlich, und es bedurft« be- sandcrcr Mittel, um sie dein Gericht wieder näher zu bringen. Die Zeit hat manches in der Erinnerung der Jeugen v e r> ch ü t t e t. Klatsch, Eercde und Parteinahme haben manche Erinnerung u m- gebildet. Frau Jaquet und Dujardin, wenn sie schuldig sind. werden ihren Widerstand, durchschaut zu werden, verstärkt haben. Auch ihre Erinnerung muß zum Teil v e r l ö s eh t sein. Was in der ersten Verhandlung geschah, was aus der Haltung der ?lngeklagten hervorzugehen schien, ist unwiederbringlich dahin und kann nicht zurückgebracht werden.' Die neue Haupt- ncrhandluitg steht aus anderen Füßen, denn es sind hier neue Beweismittel dazu gekommen. Ein neuer Spruch aber braucht nicht zu bedeuten, daß der erste Spruch falsch oder materiell unrichtig gewesen ist." Der Vorsitzende gab dann die Einzelheiten der Mordnacht wieder.„Der Ehemann Jaquet ist im Schlaf erschossen. Frau Jaquet hat Be- kundungen. über den Mord gemacht, die einschneidende Bedeutung Di st ag, dem 21. Mai, am 5. Pfingsifcicriag, nachmittags 2 Uhr Pfangstausflug «Her Partetflenouinnen nach Sadowa lo d. Lokalen„Pferdcbucht" und„Sanssouci" KafTeckocben Die Genossinnen derKreise I bis 10 bitten wir, sich nach Möglichkeit in..Pferdcbucht" und der Kreise 11 bis 20 in„.Sanssouci" ru treffen. KahtTfrhiodune mit der Straflerboho bis Sarlow« oder mit der SlraRenbubn bis Kupenick und von d« mit der l.inic OT bit MahJsdorf-Sud. lialiestellc Ilubenu,-. Das Fraucnsekretariat. Fischfang mit Elektrizität. 3m Regierungsbezirk Münster wurde kürzlich der erste versuch gemacht, nicht ablaßbare ml« Wasser gefüllte Sand- gruben, die mit Fischen beseht worden waren, mit elektrischem Strom abzusuchen, nachdem der Regierungspräsident in Münster nach Anhörung de» Obersischmeisters für die Provinz Westfalen die Genehmigung noch 8 100 des Preußischen Fischereigesehes erteilt hotte. Die Durchführung der elektrischen Abfischung lag in den Händen der„vereinigten Eleklrizllätewerke weslsalen". Zur Feststellung der Einwir. kung des elektrischen Stromes auf Fische und Fischnährtiere war ein wissenschaftlicher Hilfsarbeiter des Oberfischmeisters anwesend. Wie dem Preußischen Pressedienst geschrieben wird, wurde zum Fischfang ein starker, von hölzernen Schwimmern in etwa 10 Jenti- meter Tiefe gelzaltener und langsam in gestrecktem Zustand« durch das Wasser gezogener Kupferdraht benutzt, der von der Hochfpan» nungsleitung aus mit Wechsel ström von etwa 220 Volt und 20 bis 40 Ampere beschickt wurde. Die bald nach dem Einschalten des Stromes hochkoimncnden und betäubten Fische wurden vom Boot aus mit Keschern aufgelesen. Das Ab- fischungsergebnis betrug etwa 3 Zentner Karpfen von 3 bis 5 Pfund und V< Zentner Hechte von 1-5 bis 7 Piund bei einer Wasserfläche von zusammen etwa 4 Morgen. Roch diesem Erfolg« und im Hin- blick aus die vielen, besonders in der Provinz Westfalen vorhandenen, nicht ablaßbaren und daher schwer befischbaren alten Gräften und Kleinteiche scheint es in volkswirtfchaltlichein Interesse angebracht zu jeht, die Methode des Fischfangs mit Elektrizität in gefchlofsenen Gewässern nach Einholung der gesetzlich vorgeschriebenen Genebmi- gung des Regierungsprästdeincn durch weitere Versuche über seine Wirkung auf Fische und Fischnährtiere zu erproben. «chupokonzert in den Kammersäten. Roch oll den Zlnstrengungen der letzten Wochen vereinten sich vor kurzem in den Kammersälen, Teltower Straße, Schupomusiker und-sänger wieder einmal zu einem künstlerisch wert- oallen llmerhaltungsabend. Die Ouvertüre zu„Montana" leitet« den Abend ein, dann lolgt« die graziöse Balletmusik aus..Giaronda". Der Gemischte Chor brachte unter seinem bewährten Führer Janot Reskin hübsche Volkslieder und Gesänge aus der„Zauberflöte" prqzife und gut emplunden zum Vortrag. Die Solisten des Abends. die Sopranistin Maria Mora von Görtz und der Opernbassist Kaplan gaben Proben kultivierter Gesangskunst. Moria von Gosg sang die Figaro-Ane„Endlich naht sich die Stunde" und eine Arie au» haben. Ihre Aussagen mußten sehr scharf geprüft werden auf ihre Zuverlässigkeit. Das Gericht hol zuungunsten dieser Zeugin seine Feststellungen gclrossen. Die Darstellung der Frau Hoelzner hat schwache Stellen. Es ist anzunehmen, daß Frau Jaquet hier bewußt falsche An- gaben gemacht hat. Sic hat auch selber hier einen sehr u n- günstigen Eindruck gemacht. Sie hat Bekundungen auf- gestellt, die sie dann einschränken mußte, wobei sie sich auf das sriiherc Protokoll berief. Diese Zeugin muhte also sür die Urteils- sindung ausscheiden. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Feststellungen der Mordnacht. Wenn Dujardin allein den Mord vollbracht hätte, müßte er Gründe gehabt haben. Ein« Feindschaft zwischen Dujardin und Jaquet bestand nicht. Blieben also materielle Gründe, Raub- o« r s u ch. Man könnte annehmen, daß er den Geldschrank berauben wollte. Das untere Fach des Geldschranks, in dem die Schlüsiel zuin oberen Teil lagen, ließ sich leicht öffnen, es genügte schon ein Draht oder ein Dietrich, dazu brauchte er nicht in das Schlafzimmer nachts einzudringen. Die weitere Möglichkeit, daß er das alles nach der Tat inszeniert haben soll, scheidet auch aus. Er mußte sich schleunigst nach der Tat sein Alibi sichern und schnellstens i n sein Zimmer rennen, zumal Frau Jaquet vor ihm bereits dos S ch l a s z i in in e r verlassen haben mußte. Das ist also schon die Grundlage für die Annahme, daß der Angeklagte nicht allein die Tat begangen haben kann. Nimmt man alles zusammen, so scheidet der Gedanke, daß Dujardin der Alleintäler sein konnte, aus. Damit erhob sich verstärkt der Gedanke, daß der Angeklagle zusammen mit der Ehefrau die Tat begangen hat. Frau Jaquet hatte die Waffe D u j o r d I n s, wie feststeht. Frau Jaquet hat, wie cbensalls feststeht, unwahre Angaben über die Einzelheiten der Mordszenc gemacht. Die Gesamtheit aller Um- stände läßt den Verdacht, daß Frau Hoelzner Allein- oder Mit- tälerin war, immer mehr wachsen. Demgegenüber ist nichts ge- eignet, was Frau Hoelzner vorbracht«, den schweren Verdacht gegen sie zu e r s ch ü t t e r n. Der Verdacht gegen Frau Hoelzner ist so stark, daß er die Grundlage des ganzen Verfahrens sein muß. Das Ergebnis dieser Hauptverhandlung ist eine starke Belastung der Frau 3aquet. ein« starke Entlastung des Dujardin. Es liegt eine Tragik in diesem Fall. Sind beide beteiligt, hoben sie die Tragik selbst verschuldet. Es muh der Zukunft überlassen bleiben, ob der wahre Täter— i'xnii es kann auch sehr wohl ein Dritter sein— jemals Reue empfindet und die dunklen Vorgänge aus der Mordnacht aufklären wird. Damit war der Prozeß beendet. Die Urteilsbegründung hotten der Angeklagte und die vom Gericht in so ungewöhnlich schwerer Weise belastete Frau Jaquct-Hoelzner mit vollkommener Ruhe entgegengenommen. Vor dem Gerichtsgebäud« warteten einige hundert Personen, die dein Angeklagten Dujardin Glück- wünsche aussprechen wallten. dein„Freischütz" mit viel Geschmack, und der Bassist brillierte"als Sarastra. Der dritte Solist, der als Konzertmeister oft bewährte Polizcihauptwachtmeistcr Schniebcr, lieferte in einer Ballade van Vieuxtcmps neuerlich den Beweis seines großen Könnens. Im Strauß-Walzer„An der schönen blauen Donau" holten sich Chor und Orchester einen herzlichen Sondcrapplnus. Dreijähriges Kind vom Hund zerfleischt. Ein schrecklicher Vorfall ereignete sich gestern abend in der Wohnung des Kaufmanns T r c d e, Schariiwcberstraße 43 in Lichtenberg. Das dreijährige Töchterchen Jngcborg, das in einem Zimmer mit einem Schäferhund allein weilte, wurde van dem Tier plötzlich angefallen und furchtbar zugerichtet. Der Hund, der fönst nicht bösartig ist, gebärdet« sich wie rasend und es blieb dem Vater des unglücklichen Kindes nichts weiter übrig als ihn zu erschlagen. Das bedauernswerte Kind wurde in bewußt- losem Z u st a n d e in das Lichtenberger Hubertus-Krankenhaus gebracht, wo es schwer daniederliegt. 2Uai in der Seala. The I o v e r s, die englischen Musikalclowns stehen diesmal an der Spitze des Moiprooramms der Scala. Ihre Späße, wenn auch schon oft belacht, entfesseln immer wieder alles Lachen, und wem: gleich zu Beginn ein Rieseninsekt den Kahlkopf des einen bedroht und der andere zur Abwehr fein Musikinstrument auf den Kopf des Bedrohten zerschlägt, ist die beste Stimmung her- gestellt. In der Tanzparodic sind sie prächtig, und am gelungensten entschieden, wenn sie zwei Artisten kopieren, wobei keineswegs ver- kaniit werden loll, daß sie auch ganz ausgezeichnete Akrobaten sind. Das Eduardowa- Ballett bringt Phantasietänze auf Spitzen. Weit über dem Durchschnitt stehen Alex von Swaine und Gert Eastner, die ihrem Tanz„Hamburger Z i m m e rle u t e" eine eigene Note zu geben versuchen. Viola und Miller sind eine �eitere gute Tanzmimmer, besonders Viola in ihrem Krakowiak auf Spitzen, der großes technisches Können erfordert. Daß es doch noch immer wieder»euc Variationen am Trapez gibt, zeigen L y a und Wolf, die nicht nur elegant turnen, sondern auch durch neue Tricks ver- blüffen. Die Waghalsigkcit treibt Rolls mit seinem Leiterakt auf die Spitze. Auf freistehender gerader Leiter vollführt er mit Ruhe »nd Sicherheit seine'Akrobatik, die in dieser Form kaum zu über- bieten ist. Sehr originell wirkt die Spiegelfzenc der Piccolo- burleske der Hanlon-Bros-ii.-Eo.-Griippe. Für das Gedudel und Gequiek von Ambrose Barker, die übrigens wirklich gut singen kann, fand sich reicher Beifall, Peg Wynne ist ein treuer Begleiter am Flügel, und die orientalisch ausgemachte Drahffeilszcne der vier Rosettis wirkte.nicht zuletzt durch die Douglas-Fairbonks- Maske Georg Rosettis. vrreufworllich flir ToUtik: Dr. Gnri Rcijrr; Wirfschaft:®. gliagrlhSfer: ©enjettrdiaflsfcciEC gnnfl: Z. Steinet: ScuiBclon: ft. S. Dötch»: La lall» and Sanftiars: grit,«arftädt: Anniiacn: Zt». Sleikr: sämtlich in Bcrlln. Srrlaa: Borwärts-Ltrlag m. d. H.. Berlin. Druck: Barmärts.Buchdruckeref und A-rIaa»a»ftalt Daul Singer u Co Berlin SW 58, Lind-nNrak» S Bittin 3 Beilagen.„HntceiaUung and Wissen" und»Blick in die BnibtMOtlt". N.EJFrwt'ag-S TOFFE "bss-"kÄt -die egr 4ia' /üb , Qua/ifnten. Za» JZcbUb Holkernnmrki Ns 14 ( Theater, Lichtspiele usw. IKETROPOJLTllEATEB 8t Nur noch 13 Tage! Lustige Witwe Beaterberg Heldem&nn, Jankahn, Eileot, Jankermann, ßchaeffers. OB. SC HAUSPIEE HA US 8 Nur noch 13 Togo! Der Hebe Augustin Christians Karlwels, Lieske, Arno, Morgan, Westermeier. Künstlerische Leitung: Erik Charell. | Sonntag, d. 19. 5. Slaats-Oper 1 Unter d. Linden | A.-V.131 18i/j U. Meistersinger 1 Montag, d. 20. 5. A.-V. 132 I DleMaditii.Sdiidisals Staals-Oper Am Pl.d.Republ. A-V. 17 20 Uhr Salome Montag, d. 20. S. R.-S. 112 Hoffmanns Eriihlg. StaatLSeiiiller-' Sonntag.d. 19. S. staut, oper BismarcKstr. Turnus II. 19 U. Tristan und Isolde Montag, d. 20. 5. Turn. Iii IOVjU Turlndot Staat). Sdiaosph. am Gendarmenmarkt A.-V. Iii 20 Uhr SSnlg Johann Montag, d. 20. S. R.-S. 40 20 Uhr IBnig Johann beater, Chariüi. Henle und morgen 20 Uhr Zaungäste 8 Chr B 5 Barbarossa 9256 The Jevers nad weitere Vaiiete-Nenneilen Heute und morgen le 2 Vorstellanden 3K und 8 Uhr— 330 ermäßigte Pr. Kttstrlncr Alex. 8088—6« T&glich S und 8" An b e i d e n Feiertagen Je 3 Torstellg. 2,5u.8ls Vorverkauf stets fflr die laufende Woche inkl. Sonntag ZOOLOG. GARTEN kml.o. 2. Pfingstfeiertag morgens 7 Uhr Gr. Früh-Konzert Nach mittags 4 Uhr Großes Konzert Adnarium Kak�enaussiolliiiiB SVa Uhr CASINO-THEATER 81• � Lothringer Strohe 97. „WOddce* wctit» Beg—dc" und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise; Parkett u. Rang 0.80 Mk Komische Oper SV» SV« Ab beute«glich Operetten-Festspiele Der Welterfolg Mascettchen von Walter Bromme Alice Hechy Frlts Beckmann Kleine Preise:; Kasse ununterbrochen Rose-M 6r. FnuUdorter Straü« 132 Tel.: Alex. 3422. 8.15 Uhr: Spiel im Schloß Gartenbühne: « Uhr vorm.: Qr. Srühkonaerl 5 Uhr nachm.: SConxeri und ätunler feil 8.15 Uhr: A.£in IValmeHraum VolKsbUbne Ftieiter aniBülowDlali Beule nnd morgen 8 Uhr Troianer HUttA E>ÄR Am beiden Feiertagen 6 Uhr FfÜH- KonZCft Neue Attraktionen Tanz im Freien BrillanT- Feuerwerk• Frei-Variete Tballa-Theater Bede end moigen 8V2 Uhr Ptarrhaus- homödle Staat!. Sdiiller-Tti. Beate nod morgen 8 Uhr Zaungäste tttt Frankfurter Allee 313 Ab Dienstag, den 14. bis Montag, den 20. Mai Emil Jaminis in Der Patriot Theater am Sdünhanerdamm. Norden 1141 u. 281. Täglich 8 Uhr Drelgrosdten- Oper Ncher. Taieiö. miml• Leide! Tblmlg. LTOvskv. slT. stecke! Planelarlum — am Zoo■— Vsrläng. Joadiimsthaler Straße Noll. 1578 16V« Uhr kternliilijer des FrOhlahrs 18V« Uhr Wunder des südlichen Himmels | 20'/« UhrSterehimmel und Welttuu Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk-, Kinder SO PI. Mittw.: Erwachsene 50 Pf.- Kinder 25 Pf. W bedeutet ein Besuch der grossen Sommerschau W |„Gas und Wasser"| In den flasstellungshailen am Kaiserdamm Hl flo beiden Feiertagen von 9 U. vorm. bis 9 U. abds. gefiffnel= | Die interessante und lebendige| ■ Schau für Jedermann■ Deutsdies Theater D.I. Norden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 Neueinstudierung Die Qefangene Schauspiel von Edouard Bourdet Regie: Max Reinhardt. Die Komödie J 1 B! sm ck. 2414/7516 8'Ä. Ende geg.K)',: U ler Mann, der seinen Namen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Regie: Heinz Hilpert Kammerspieie J. 1. Norden 12310 8l/z U., Ende nach lö autgang nur tar Kerrschalfen Kleine Komödie von Siegfried Geyer Dtsch. KUnstler-Th. 8V« Uhr Prosit eipsy Operette v.Gilbert Emmy Sturm Frilz Schulz Rundfunkhörer Halbe Preise Theater am lolleDdorfplatz Täglich SV« Uhr Die manner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze Barnowsky- Bllhnan Theater in der KSniggrfltzer Straße Täglich SVa Uhr Rival en Komödienhaus Täglich 8*lft Uhr CharleysTante mit Curt Bols. Renaissance-Theater Hardenbergstr. 6 TL: Steinpi. 901 u. 2583/84 8�4 Uhr TflfllKÖ 8 Vi Uhr Die heilige Flamme Regie: Gustav Härtung. TiialiaTtteater Dresdener Str. 72-73. ■k'/xUhr Lessing-Theater Täglich SV. Uhr „Die Frau des Andern" Tbeat. d. Westens Täglich SV« Uhr An beiden Pllngsi- lelenagen 3Va und SV, Uhr Frau Leb« rs Velter- tolgl Friederike Carola Toelle Kammersänger Carl J5ken Reichshallen-Thcater Abt.[8] an beldco Feiertagen Nadtm.|7| Stetflner Sänger m« dem itunderrollen 'iilai Programm I Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Variete ✓ Tanz Adoli-Becker-Konzeri. Berliner||lk-Tll0 Naukötln. GR Lahnstr.Tt/TSS ZD Pfingstmontag, 20. Mai nadimüla�s 3 Uhr. Rennen 21 Rarlshorst Plingstdienstag, 21 Hai, uactiin. 8 Diir Gr. Berliner Hürdenrennen. _ Ausgleich I. BerliDer M Direkt-HeinzHerald Charlottenstraße 90 A 7. Dönhoff 170 SV«. Ende 10V. Uhr Täglich Die lOiif Frankfurter von Carl Rössler Regie: Eageo Robert. Luslspielhans • SV. Uhr Guido Thielseber Weekend i im Paradies KleiDes loeaier Täglich SV, Uhr: NaDoxertrodren? nadi iim Aiurikanitdico von Frank Green. Musikalische IHust. Fr. Holländer. Regie: Fr.Frtedmann- Fred erl Ol Tbeai.am Kottb.ior Kottb.Str. 6 Tägl.SUhr Elite- Sänger Das oone Uni■ Proer. tiiulabxlli. HMntltiitiiw! ab Grünau. Sobnsborf bis Rirdjplag übet 90 Parzellen an der Echßnefelber Chaussee. Bert d. Reffparzellen qm t M an. Ber» fäufer Sonntag« anwefend. C. A. Winkler Zehlsndorf-Mitte Tsltower Str. 8. �Zehlendorf 22S8. Hotsl FY�Alcinr" Berlin ElgmtOmu Curt Elirhnar MgWW I D I Anhalter Bahnhof Größtes Hotel des Kontinents oder 600 Zimmer/ 800 Betten/ Zimmer M. 8.— an/ Sitzfläche für ca. 2000 Pars. Sehenswürdigkeit Berlins Russisch-Römische Bäder/ Heilbäder direkter Zugang vom Hotelzimmer Der Wahnsinnige auf dem Zarenthron Der grfiDte Film der Gegenwartl FESTSPIELE 13 2 9 19. MAI BIS 23.3UNI PROGRAMM IQ Mai Staatsoper Unter den Linden:„Die Meistersinger". mo« Dirigent; Kleiber 77 Mai Staatsoper Unter den Linden;„FalstafT". 1. Gast- spiel der Mailänder Seals. Dirigent: Toscanlni 93 Mai Städtische Oper:„Rigoletto". 2. Gastspiel der Ad. mal Scala Dir|gent: Toscaninl OK Mai Städtische Oper:„Lucia di Lammermoor". 2. Gast» mai gx.a�a� Dirigent: Toscanlni 9ß Mai Staatsoper Unter den Linden:„Der Troubadour". 4. Gastspiel der Scala. Dirigent: Toscaninl. 27 Mai Staatsoper Unter den Linden:„Manon Lescaut". 5. Gastspiel der Scala. Dirigent: Toscanlni 9fl Mai Neues Palais, Potsdam:„Don Pasquale". Dlrl- zo. mai gent: K|e|ber OQ Mai Staatsoper Unter den Linden:„Aida". 6. Gast- spiel der Scala. Dirigent: Toscaninl 31. Mal Städtische Oper:„Tannhäuser". Dirig.: Denzler 1 Innj Staatsoper Unter dsn Linden:„Der Rosenkava- liJUIII Dirigent: Richard Strauß Neues Palais Potsdam:„Amphltryon". Regie: Jeßner Metropoltheater:„Blaubart". Regle: Alfred und Fritz Rotter.(Hiernach täglich) 2 1,,.! Staatsoper Unter den Linden;„Rheingold". Dlrl- gent: Blech 3liini Staatsoper Unter den Linden:„WalkQre". Dlrl- ' gent: Blech StaaÄoper am Platz der Republik:„Salome". Dirigent: Richard Strauß Singakademie:„H-moll-Mes$e" von Bach. Slngak. u. Philharm. Orchester. Dirigent: Georg Schumann 4 llini philharn,1onie:„Beethoven-Abend des Philharm o- JU!" nischen Orchesters". Dirigent: Furtwängler 5 1,,.! Staatsoper Unter den Linden:„Siegfried". Dlrl- ,JUI11 gent Blech Philharmonie: Arien- o. Liederabend: Benjamins Glgll Goldene Galerle, Charlottenburger Schloß; 1, Konzert: Flötenkonzert Friedrichs des Großen; 5 neue Lieder von Richard Strauß. Am FlOgel: Der Komponist 6 1,,.! Staatsoper Unter den Linden;„Intermezzo" von •'•"II Richard Strauß. Dirigent: Der Komponist i V- v.'-, Philharmonie:„Der Deutsche Männerchor", Chorkonzert des Berliner Lehrer-Gesangvereins und der Öerlfner Liedertafel 7 Jim! Staatsoper Unter den Linden;„Götterdämmerung". " u Dirigent: Blech Städtische Oper:„Elektra". Dirigent: Rieh. Strauß Philharmonie:„Neunte Symphonie" von Beethoven. Das Berliner Philharmonische Orchester, der Kitteische Chor. Dirigent: Furtwängler 8 1...! Staatsoper am Platz der Republik: Konzert der iJUdl staatskapelle. Dirigent: Klemperer. Solist: Stra- winsky Schauspielhaus am Gendarmenmarkt:„Flesko". Regie; Jeßner Neues Palais Potsdam;„Don Pasquale". Dirigent: Kleiber Staatsoper Platz der Republik:„Neues vom Tage" von Hindemlth, Uraufführung. Klemperer Q Inn! Staatsoper Unter den Linden:„Die Frau ohne S','UUI Schatten", Dirigent: Richard Strauß Volksbühne, BOlowplatz:„Berlin, wie es weint und lacht" von O. F. Berg. Regie: Holl 10 lunl Philharmonie:„Das Lied von der Erde" von tu, juiii Mah|eri Dirigent: Bruno Walter 11 Juni Staatsoper Unter den Linden:„Die ägyptische Helena" von Rieh. Strauß. Dirigent: Der Komponist Schauspielhaus am Gendarmenmarkt:„Florian Geyer" von Hauptmann. Regle: Jeßner Philharmonie: Arien» und Liederabend: Benjamins Sied 1? Ilm! Staatsoper am Platz der Republik:„Der fliegende lA, äUIII Ho�zn�.. Dirigent: Klemperer Goldene Galerle, Charlottenburger Schloß: 2. Konzert (Rokoko-Konzert): Symphonien von Friedrich dem Großen, Mozart und Haydn. Dirigent: Kleiber Philharmonie:„Das Volkslied", Chorkonzert des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes Ufa-Palast am Zoo: Uraufführung„Frau Im Mond", Frltz-Lang-Film 13 lunl Schauspielhaus:„Figaros Hochzelt". Gastspiel der Städtischen Oper. Dirigent Furtwängler 11 lunl Schauspielhaus:„Die Weber" von Hauptmann, It. juiii Regie. jeßng,. 1K Jiini Staatsoper Unter den Linden;„Andre Chinler" von 1 Giordano, Dirigent: Szell 1(5 liinj Städtische Oper:„Die Entführ»»v? dem Serail". ■u juiii Dirigent: Sebastian Im Park des Schlosses von Neubabelsberg: Festveranstaltung derFunkstunde.„Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare 10 Innj Städtische Oper:„Tristan und Isolde". Dirigent: ■u. juiii Furtwängler Ift II IQ llini Staatsoper Unter den Linden; Gastspiel des ge- 10. II. IS JUNI een�en„DiaghtlefT-Balletts" 9fl II 91 Inn! Städtische Oper; Gastspiel des gesamten„DiaghtlefT- Aw, u, AI. juiii Balletts" 99 llini Staatsoper Unter den Linden:„Titus"(Konzert- aufführung). Dirigent: Kleiber 93 llini Staatsoper Unter den Linden:„Dr. Faust". Dlrl- lUUl rigent; Blech Prospektausgabe und Kartenverkauf an den Theaterkassen WerUieim.TietZ.Kadewe und bei den anderen bekannten Ausgabestellen Konzartkartenverkauf auch durch Bote A Book Prorpekte und Auskünfte über alle wetteren Veranstaltungen wahrend der Festsplelwochen sowie Uber Unterkunft d. das Ausstellungs-. Resse u. Fremdenwerkehrsamt der Stadt Berlin, Berlin-Charlottenburg 9 und den VerkeAcskioak ü.d. Linden, Ecke Friedrlchatrassa Nr. 230* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 49. Mai 4929 Staatliche Ausfuhrpolitik� Die Exportförderung in Deutschland. . Die Maßnahmen der staatlichen Exportförderung sind in der letzten Zeit viel erörtert worden. Sowohl der Reichsverband der Industrie als auch der Deutsche Industrie- und chandelstag, also die beiden Spitzenorganisationen der deutschen Unternehmerschaft, haben Denkschriften über diese Frage verössent- licht. In allen größeren Ländern mit stärkeren Exportinteressen bestehen heut« bereitsastaatliche Einrichtungen zur Förderung des Außenhandels. Das Exportgeschäft wird ferner in England, Deutschland, Frankreich, Italien, Oesterreich und anderen Ländern' durch staatliche Exportkredit« oder Kreditver- s icher un g unterstützt. Diese Auszählung der staatlichean Export- förderungsmaßnahmen zeigt, daß der Staat heut« über den Rohmen der Handelsverträge hinaus wichtige Funktionen für den Ausbau des Exportwesens übernommen hat. Wie auf vielen anderen Ge- bieten zeigt stch eben auch im modernen Ausfuhrgeschäft die stoat- liche organisatorisch« und finanzielle Hilf« als unentbehrlich. Diese Einsicht ist heute auch bereits in allen Unternehmerkreisen vor- herrschend, und daher ertönt heute wieder von allen Seiten der Ruf nach Erweiterung und Verbesserung der staatlichen Exportförderung. Die Forderungen der Spitzenverbänd« werden dadurch nicht wirtsamer, daß man die Lage des deutschen Exports schwarz in schwarz malt. Im Jahr« 1928 hat stch gerade der deutsche Export ganz bedeutend(um fast IX Milliarde) erhöht. Legt man die Außenhandelsergebniss« des letzten Jahres zugrunde, so schneidet Deutschland im Vergleich mit seinen Hauptkonkurrenz- ländern nicht mehr so ungünstig ab. Fertlgwaren-Export 1913 und tn Milliarden Mgrt: 1913 England.......... 8,5 Deutschland........... 6,7 U. S.A............ 3,3 Frankreich.......... 3,3 1928 1928 11,8 8.9 9,5 5,2 Der Fertigwarenexport Deutschlands und Englands hat sich zwar wertmäßig um etwa«in Drittel erhöht, hat aber unter Veriirfsichtigung der Geldentwertung den Umfang der Bor- kriegszeit noch nicht erreicht. Frankreich hat dagegen infolge seines industriellen Zuwachses seinen Exportumsang bereits etwas ilber den Vorkriegsstand erhöht. Die Vereinigten Staaten haben den größten Gewinn zu verzeichnen, ihr Fertigwarenexport hat sich auch bei Berücksichtigung der Geldentwertung fast ver» doppelt. In den jüngsten Publikationen der Unternehmer über Export« sörderung vermißt man leider die Behandlung der wichtigsten stoat- lichen Exporthilf«, der Handelspolitik. Das Kernstück jeder staatlichen Exportpolitik wird immer der Abschluß von Handelsabkommen, durch welche die Absatzwege geebnet werden, bilden, und all« anderen Maßnahmen— Auskunftedienst. Hersicherung. Kredithilf«, Propaganda— sind eigentlich nur Er. gänzungen der Handelspolitik. In den Denkschriften der Unter- nehmer wird daher nur ein schmaler Ausschnitt der Exportpolitik dargestellt, den man unseres Erachtens schwer von der gesamten Handelspolitik losgetrennt betrachten kann. Di« Denkschrift des Reichsverbandes gibt immerhin einen interessanten Ueberblick über die Organisation, die Vorzüge und' Schwächen des wirtschaftlichen Nachrichten« und Auskunftsdienstes im Auslande. Alle Länder unterhalten eigene staatliche Aemter mit einem verzweigten Netz wirtschaftlicher Auslands« Vertretungen. Durch dies« Organisationen erhalten die am Export interessierten Wirtschaftskreis« dauernd lausende Berichte über die wirtschaftliche Lage und dse Absatzmöglichkeiten im Ausland. Die großzügigste derartige Organisation hat in Amerika H o o v e r, der jetzige Präsident der Vereinigten Staaten, ausgebaut, und es ist gor kein Zweifel, daß die sprunghafte Entwicklung der ameri- konischen Ausfuhr zu einem bedeutenden Teil dem glänzenden Informationsdienst des Bureau ol Foreign and Dpmestic Commerce(Amt für Auslands- und Binnenhandel) zu verdanken ist. Diese amerikanische Exportförderung stellt natür» lich die entsprechenden Organisationen der europäischen weit in Schatten. Nun ist allerdings das amerikanische Amt mit viel reicheren Mitteln ausgestattet al? die europäischen Stellen, ober auch im anderen Fall würden die Amerikaner durch die sehr ge- schickte und praktische Art ihrer Arbeit noch immer überlegen sein. In Deutschland, dessen Berhältnisie ja hier am meisten inter- essieren, besteht ein sehr komplizierter Apparat für den Wirtschaft- lichen Nachrichten- und Auskunftsdienst. Die Berichte der Konsulate werden durch die.Zentralstellen für den wirtschaftlichen Auslands- Nachrichtendienst", die dem Auswärtigen Amt und dem Reichswirt- schaftsministerirnn unterstchen, weitergeleitet. Bon diesen Berichten wird«in Teil den Spitzenverbänden der Wirtschaft regelmäßig vertraulich zur Verwendung für die interessierten Kreise übersandt, die sonstigen Mitteilungen werden in der„Industrie- und Handelszeitung" veröffentlicht. Für die beschleunigt« Zu- leitung interessanten Materials besteht eine besondere Organisation, die„Eildienst G. m. b. H.", der Austunfterteilung über allgemeine wirtschaftliche Fragen dient der„Deutsche Wirtschaftsdienst", die Zollauokünfte erteilt das Zollbureau des Reichswirtschaftsministe- riums. Infolge dieser Zersplitterung ist ein Ueberblick über den g e- samten Kostenauswand des Nachrichten- und Auskunfts« dienstes noch äußerst schwer. Der jetzig« amtlich« Export- d i e n st hat nach dem Urteil des Reichsverbandes bisher nicht zu- sriedenstellend gearbeitet. Die periodischen Bericht« der Konsulat« sind oft zu ollgemein gehalten, auch vermißt man den praktischen Blick für die deutschen Exportinteressen. Von diesen Wirtschaft»« Übersichten gehen daher im allgemeinen im Gegensatz zu den Infor- mationen der amerikanischen Handelsagenten und der englischen Handelsattaches keine besonderen Anregungen für den Export aus. Auch die Einzelnachrichten beschränken sich viel zu wenig auf die für die deutschen Cxportindustrien ausnutzbaren Informationen. Es mutet geradezu grotesk an, wenn in einem derartigen Bericht der deutschen Handelsvertretung in Italien mit peinlicher Genauigkeit die Preisnotierungen für Stock» fische(?!) in Neapel wiedergegeben werden. Es ist ein« sehr milde Kritik, wenn der Reichsverband hierzu meint, daß derartige Berichte doch stgrk„an der Peripherie unserer Interesien" liegen. Als ein Mangel erweist sich auch der geringe Kontakt der Handels- abteilungen der deutschen Konsulate mit den deutschen Exportkreisen. Während es In Amerika üblich ist, daß der ausländisch« Handels- vettreter alljährlich einig« Monate nach Amerika zurückkehrt, dort die wichtigsten Industriezentren besucht und zu allen Austünften zur Verfügung steht, fehlt bei uns bisher ganz jene für eine erfolg- reiche Arbelt unentbehrliche Verbindung der Auslandstonsuln mit den deutschen Wirtschastskreisen. Auch tn dieser Hinsicht sollte man dem amerikanischen Betspiel folgen. An der öden Art der Ab- fassung der Länderberichte und der Wirtschoftsnotizen sowie der unwirksamen publizistischen Verwertung in dem amtlichen Organ, der Industrie- und Handel-zeitung, übt der Reichs- verband mit Recht Kritik. Die Industrie- und Handelszeitung hat sich in der letzten Zeit leider viel zu oft auf fremde Gebiet« begeben und Wirtschaftspolitik auf«igen« Faust getrieben. Derartige Seiten- spränge müssen«in für allemal aufhören, und das amtliche Organ täte besser, da» ihr in erster Reih« zugewiesen« Gebiet, den wirt- schaftlichen Auslandsdienst, inhaltsreicher, fesselnder und damit produktiver zu g« st alten. Wir möchten die Reformvorschläge noch in einer Hinsicht er- ganzen. Der ausländische Konsulatsdienst sollte unseres Erachtens viel stärker als bisher vorbereltendes Material für die Handels- vertragspolitit sammeln und bereitstellen. Ganz abgesehen von den großen Lücken in unserem Hondelsvertragswerk, dem Fehlen von Torifabtommen mit den meisten Ländern im Osten und Südosten Europas, war unsere Handelspolitik bisher viel zu«inseitig, für die Interessen einzelner Industriezweige orientiert. Diejenigen mächtigen Industrien, die sich am lautesten zum Wort meldeten und den stärksten politischen Einfluß ausüben konnten, fanden in der Handelspolitik in erster Lim« Berücksichtigung, sei es nun, daß man für sie unbedingten Zollschutz aufrecht erhielt, sei es, daß man für sie Zollsentungen der Vertragslänber aushandelt«. Dagegen sind die vielen.kleinen und mittleren deutschen Ausfuhr- industrien, die zum Teil in viel höherem Maß« ausfuhr- abhängig sind, zumeist leer ausgegangen. Di« Handelspolitik muß in Zukunft viel„objektiver" sein als bisher und oll« ausflchts- reichen Exportzweige gleichmäßig unterstützen. Zur Ausgestaltung einer dsrartigen alle Interessen umfassenden Handelspolitik bedarf es jedoch einer systematischen Erforschung der Absatz- Märkte und der Konkurrenzverhältnisse der einzelnen Wirtschaftszweig«. Dieser vorbereitenden Arbeit sollten die ausländischen Ver- tretungen in Zukunft sich viel stärker widmen als bisher. Oer Ausweis der �eichsbank. Wirkungen der Kreditdrosselung. Die von der Reichsbant durchgeführte Politik der Kr«- ditdrofselung wirkt sich in dem jetzt veröffentlichte» Ausweis der Bank vom 15. Mai entsprechend au?. Die gesamte Ka vi- talanlag« der Lank in Wechseln, Schecks, Reichsschatzwechseln, Lombards und Wertpapieren, ist in der zweiten Moiwoche um 305,2 auf 2981,8 Millionen zurückgegangen. Im einzelnen haben sich die Bestände an Wechseln und Schecks um 215 Millionen auf 2568,5 Millionen und die Bestände' an Reichsschatzwechseln um 98 auf 103,9 Millionen vernngert. Im Zusammenhang mit den Mediobedürsnissen(Monatsmitte) haben die Lombard bestände um 7.8 auf 216,5 Millionen zugenommen. An Reichsbantnoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 281,9 Millionen in die Kassen der Bank zurückgeslossen. Di« Be- stände an Gold und deckungsfähigen Devisen habe» sich insgesamt um 1,7 auf 1820,9 Millionen erhöht. Im ein- zelnen sind die Goldbestände um 0,8 aus 1764,8 Millionen zurückgegangen, während«in Zugang an deckungssähigen Devisen um 2,5 auf 56,1 Millionen eingetreten ist. Die Deckung der um- laufenden Noten durch Gold allein besserte sich von 39,7 aus 42,3 Proz. und die Deckung durch Gold und deckungsfähige De- vifen von 41. auf 43,7 Proz. Der an und für sich noch recht spärlich« Zufluß von ausländischen Devisen ist darauf zurückzuführen, daß die Reichsbank in der»erichtswoch« trotz vorliegenden Angebotes nicht zu Devisen- kaufen schritt, um zunächst nach eine weitere Besserung des Mark- kurses abzuwarten. Da inzwischen der Dollarkurs weiter- hin zurückgegangen ist, wird in der kommenden Berichts- woche mit»inem«rheblich stärkeren Devisenzufluh zu rechnen sein. Auch mit einer weiteren kräftigen Besserung der Deckungsoerhält- niste in der dritten Maiwoche ist zu rechnen, da erfahrungsgemäß in die dritte Monatswoche jeweils die meisten Fälligkeitstermine für Wechsel fallen und die dadurch hervorgerufen« Entlastung der Kapitalsanlage bei gleichzeitigen Devisenzuflüssen die Deckungs- Verhältnisse entsprechend bessert. Brandenburger Arbeiismarti. Stark verringertes Tempo der Entlastung. In der Berichtswochc vom 6. Mai bis 11. Mai 1929 hat sich die Lage aus dem Arbeitsmarkt im Bereich« des Landes- arbeitsamts Brandenburg zwar meiterhin gebessert, doch ist eine erhebliche Verlangsamung im Tempo derEntlastung festzustellen. Die Zahl der Haupt Unterstützungsempfänger ging um 6657 Personen zurück. Die Zahl der Arbeitsuchen- den verringert« sich in der Berichtswoche um 7261 auf 246 223 Per- jonen. also um 2.86 Proz. gegenüber einer Abnahme um 10 278 Personen gleich 3,9 Proz. in der Vorwoche. Innerhalb des Landes- arbeitsamts Brandenburg verteilten sich die Arbeitsuchenden auf Berlin mit.198 347, auf die Provinz Brandenburg mit 44144. und auf die Grenzmark mit 3762 Personen. Trotz der fühlbaren Entlastung auf dem Berliner und Branden- burger Arbeitsmarkt in den letzten Wochen hatten wir bereits in der vergangenen Woche festgestellt, daß das Entlastungstempo in diesin Bezirken entschieden schleppender ist als in den Bezirken anderer Landssorbeiträmtsr und auch im gesamten Reichsdurchschnilt. So beträgt der Rückgang der Arbeitslosigkeit in ganz Deutsch- l a n d seit dem Umschwung auf dem Arbeitsmarkt in den ersten Märztagen bis Mitte Mai etwa 58 Proz* dagegen hat sich die Zahl der Arbeitsuchenden in Berlin und Brandenburg von ihrem Höchststande mit 398 657 Personen bis zum 11. Mai erst auf 246 223 Personen, also um 40,8 Proz. verringert. Bemerkenswert ist, daß sich der Arbeitsmarkt im Bezirk des Landesarbeitsamts Nordmart, der in den letzten beiden Wochen nur geringe Entlastung auswies, in der Berichtswoche vom 8. bis 15. Mai kräftig gebessert hat. Hier oerminderte stch die Zahl der Arbeitslosen in der Berichtswoche um 4,1 Proz. auf 103 226 P-'rsonen. Aufgesaugte Kugellagerfabriten. Oer schwedische Kugellagerlrust im Vordringen. Die deutschen Kugellagerfabriken stellen einen d«r blühendsten Industriezweige in der Nachkriegszeit dar. Die verhältnismäßig klein« Zahl dieser Werke war durch den ständig steigenden Bedarf besonders der Automobilindustrie seit Iahren durchweg gut be- schäftigt. Da sich außerdem dies« Industrie in«tnem straffen Preiskartell, der sogenannten Kugellagerkonvention zu- sammengeschlossen hatte, und wie die Praxis der letzten Jahre ge- zeigt hatte, lästige Außenseiter durch brutale Maßnahmen beseitigt« wurd«n, so konnte dies« Industrie den Verbrauchern ihre B« d i n- g un gen aufzwingen. Eine große Bedeutung hatte schon vor Iahren die S.K. F. Normo, eine Tochtergesellschaft des schwedischen Kugellagertrusts, innerhalb der deutschen Industrie, wie auch in der Kugellager- konventton selbst, erlangt. Aus dem Werkspionageprozeß Norma gegen Riebe. Berlin-Weißensee, Ist noch bekannt. daß die Norma-Verwaltung mitunter eine recht angreifbare G«- schästspraxi» bevorzugte. Es fei hi«r nur an die im Stuttgarter Werkspionageprozeß«rwähnt« Tatsache erinnert, daß di« Norma- werte sich nicht scheuten, Photographien der Kruppschen Werke ihrer Kundschaft gegenüber als«igen« Werksanlagen zu be« z e i ch n e n. Diese durchaus unmoralifche Handlung, die nach den Aussagen in dem Stuttgarter Prozeß durchaus nicht ollein stand, kann auch damit nicht entschuldigt werden, daß der leitende Norma- Direktor, Herr Bömnger, erklärte, diese Mißgriffe seien von unter- geordneten Stell«» vorgenommen worden. Diese Abwälzung der Verantwortung auf die„untergeordneten Stellen" sind bei den Jndustriesührern nur zu beliebt. Jetzt wird bekannt, daß die S. K. F. Normo, di« im vergangenen Jahre erst die Welßenseer Kugellagersabrik von Riebe aufgekauft hatte, j«tzt auch zwei der größten, noch selbständigen deutschen Kug«llagersabrlken in Schweinfurt, die F i ch t e l- u. Sachs A.-G. mit einem Kapital von 12 Mlll. und die Fries- u- Höpfinger A.-G. mit 5 Mill. Mark Kapital aufgekauft hat. Don maßgebende» deutschen Kugellagerfabriken bleibt nach dieser Aufsaugung nur noch die Berlin-Karlsruhe Industriewerk« A.-G- übrig. Nähere Einzel- heiten über diesen Aufsaugeprozeß fehlen noch. So viel ist jeden- falls sicher, daß im Interesse der Derbraucherindustrien, also in erstsr Linie der Automobil» und Fachrradfabriken ein» Vertrustung der Kugellagerfabritation im höchsten Maße un»»- wünscht ist. Hat schon die Kartellproxis der Kugellagerkonvention vielfache Mißstände gezeittgtj so wird die monopolistische Herrschaft des Schwedentrusts di« Dinge nicht btssern, sondern«her noch verschlechtern. Es ist daher geboten, der Tätigkeit der S.K. F. Norma in Deuttchland noch schärfer als bisher auf die Finger zu sehen.___ Großverdiener in der Kaliindustrie. TS Mill. Neingewinn beim Burbach-Konzern. Der neue Burbach-Kalikonzern— die Bürbach-Kaliwerke A.-G. wurden Ende vorigen Jahres durch die Verschmelzung von vier Gesellschaften und 24 Gewerks chosten der früher«« Burbach- u. Gumpel-Gruppe zu«in«r Einheit zusammengefaßt— veröffentlicht jetzt seinen ersten Geschäftsbericht. Die Bilanzziffern des Konzerns lassen sich infolge der Verschmelzungsaktion mit dem letzten Jahr nicht vergleichen. Jedoch zeigen der u s g e wi e se n e Rein- g e w i nn von 16,1 Millionen und die Dividende von 12 Proz., welche die Vorjahrsdividende bei dem Stammwert Krügershalk» immerhin um 2 Proz. übersteigt, daß der Burbach-Konzern au» der Gkanzkonjunktur des letzten Kalijahres entsprechend erhöhte Profite gezogen hat. Der Bericht betont di« Notwendigkeit der Verjchinelzung, dl« bei dem Burbach-Konzern, insbesondere durch seine Arbeit auf dem Ge- hiet der kalitechnischen Weiterverarbeitung gegeben war. Die Per- waltung vertritt den Standpunkt, daß sich die Kaliindustrie der Produktion von balastfreiem Mischdünger zuwenden muß, um nicht in die Lage einer Rohstoffindustrie zu kommen, weiche die größten Gewinne den Weiterverarbeitern über- lassen muß. Durch die Zusammenfassung der 28 Bnrbach-Gumpel- Gesellschaften würden durch die Vereinfachung der Verwaltung Sroße Amnmcn an Tantiemen uiü) Generatunkosten erspart werden. lußerdem könnten di« Betriebe nach den Notwendigkeiten des Ge- famttnteresses geleitet werden, wobei sich das Betriebsrisiko jetzt auf eine erheblich breitere Basis verteile. Der Absatz des Konzerns stellte sich im letzten Jahre aus 2,55 Millionen Doppelzentner Reinkali. Außerdem wurden große Men- gen an Nebenprodukten, wie Steinsolz, Brom usw.. verkaust. D i e Gesamtbeteiligung von Burbach am Kalisynditat beläuft sich auf 18,45 Proz. Die Netetltgungen im Ruhrtohlensyndikai. Das Rhelnisch-Westfalische Kohlensynditat gibt jetzt die Iahresbeteiligungsziffern der Zechen nach dem 1. April be- kannt. Die 51 zusammengeschlossenen Zechen haben«ine Verkaufs- kohlenbeteitigung von insgesamt 137,2 Millionen Tonn«n. Die Koks- beteiligung bekrögt 39,6 Million«» Tonnpn. An weitaus erster Stelle steht mit 25,8 Millionen Tonnen Kohlen und 8,4 Milliv- »en Koksbeteiligung der Stahltrust(Vereinigte Stahlwerke A.-G. Düsseldorf). Es folgen sodann die Harpener Bergbau A.-G. mit 9,1 Millionen Tonnen, die H i d e r n i a A.-G. mit 6,9 und Recklinghausrn mit 6,2 Millionen Tonnen. Die erst« Sitzung des sogenannten Erneuerungsaus- f ch u f f e s Hot bereits stattgefunden, der di« Vorarbeiten zur Be- feitigung der Konflikte zwischen den reinen Zechen und den Hütten- zechen im Kohlensyndtkat leisten soll. _ Großhandelsindex weiterhin leichi rückgängig. Die auf den slichtag des 15. Mai berechnete Grohhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 135,8 gegen 136,0 in der Bor- wach« leicht zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat der Index für Agraijtoffe um 0,4 und für Kolonialwaren um 0,8 Proz. nach gegeben. Barrikadenkrieg! Eine militärische Betrachtung. Nacktem der„vorwätts" da- politische Verbrechen der Berliner Straßenschlacht am 1. Mai hinreichend gekennzeichnet Hot, erscheint es notwendig, die neueste kommunistische Parole vom Barrikaden- /sreiheitskampf des Proletariats von der polizei- und militär- te ch n i s ch e n Seite zu durchleuchten. ' Schon Friedrich Engels, ein Mann, dessen militärtech- nische Begabung in den Kreisen des preußischen Generalstabs außer- ordentlich hoch bewertet wurde, hat t8gZ festgestellt, daß die Ge- schichte der Revolutionen nicht vcn der Geschichte der Waffentechnik zu trennen sei. Der primitiv bewaffnete revo- lutionäre Haufe des 18. und 19. Jahrhunderts sei nicht mehr in der Lage, dem Militär und der Polizei bewaffneten Widerstand zu � leisten, da der Uebergang vom Vorderlader- zum Hinterladergewehr � den Barrikadenkrieg unmöglich gemacht habe. Damit hat Friedrich Engels natürlich vollkommen recht. Die moderne, im Weltkrieg gerade auf dem Gebiet des Nahkampfes phäntaftisch gesteigerte Waffentechnik' ist heutzutage in der Lage, seden Widerstandspunkt im modernen Straßenkampf durch Minen- werfer, Flammenwerfer, Handgranaten und wenn nötig durch artilleristisches Steilfeuer in kürzester Zeit resklos außer Gefecht zu -setzen. Wie durchschlagend die Argumentation Friedrich Engels' ist, hat die Geschichte der Revolutionen des vergangenen Jahrhunderts mit aller Deutlichkeit bewiesen. Während es 1789 und 1790 in der großen Französischen Revo- lutipn noch möglich war, mit primitiv oewaffncten, mit Picken und Steinschloßgewehren ausgerüstete!, Haufen das morsche Royalisten- Heer über den Haufen zu werfen und mehrere Jahre lang die Haupt- stadt Paris und ganz Frankreich im Schach zu halten, machte die Straßen ka in pftechnik des Artilleriekapitäns Na- p o l e o n B o n a p a r t e im Jahre 1792 mit einem Schlag dem ein Ende. Kapitän Bonaparte hatte erfaßt, daß dem Barrikaden- kämpf lediglich mit der A r-t i l l e r i e,!o primitiv sie damals noch mar, und zwar mit der Kartätsche, beizukommen ist. Von dem Augenblick an, in dem ihm das Direktorium den Einsatz seiner Feld- geschütze in Paris freigab, war unter die Französische Revolution .«in Schlußpunkt gesetzt. Die Barrikaden des 18. März 1818 in Berlin haben ihre Bedeutung viel weniger ihrer militärischen Zweckmäß'gkeit als dem inoralischen Massensturm jener Märztage zu verdanken. Sie be- stände� aus primitiv zusammengeschichteten Pflastersteinen, Fahr- zeugen und Möbelstücken, die von dem Gewehrfeuer des Militärs glatt durchschlagen wurden. Der Widerstand war nur so lange mög- lich, als sie von den Dach- und Fensterschütze» wirksam bestrichen werden konnten. Hätte der König von Preußen am Morgen des 19. März noch den moralischen Mut zum Einsatz seiner Garderegi- menter besessen, dann hätten sie vermutlich in wenigen Stunden sämtliche Barrikaden der Berliner Innerftad: gestürmt. Im übrigen ist das entscheidende Moment einer Straßenschlachk nicht der örtliche Widerstand an irgendeinem wichtigen Verkehrspunkt, sondern der Erfolg einer Führung, und ihrer Befähigung aus den örtlichen Widerstandsnestern ein militärisches Gebilde zu formen, das in der Lage ist, über den eigentlichen Barrikadenkampf hinaus strategische und politisch« Erfolge für das ganze Land zu erreichen. Am deutlichsten tritt dies beim Dresdener Maiauf- stand 1849 zutage. Die Barrikaden der Dresdener Revolutionäre waren auf. Grund der Ersahrungen der Berliner Märztage 1848 bedeutend verstärkt und zu wahren Schützengräben und Zitadellen ausgebaut. Bergleute aus dem Vogtland hatten sogar Stollen nach dem Schloß vorgetrieben, um die Ausgangsstellungen des preu- ßifchen Militärs in die Luft zu sprengen. Trotzdem war der Führer der preußischen Truppen, General v. Waldersee entsetzt über die völlige Untätigkeit der Aufständischen. Sie beschränkten sich ledig- lich auf den Ausbau ihrer Barrikaden und erwarteten irgendein Wunder, das den König zur Annahme ihrer politischen Forderun- gen zwingen würde. Graf Waldersee behauptet, die Revolutionäre hätten sehr wohl die preußische Truppe von ihrer Operationsbasis der Eisenbahnlinie nach Leipzig und nach Berlin abschneiden und in den Elbniederungen in die Enge drücken können, wenn sie nur die geringste Initiative besessen und die primitivsten Grundsätze einer offensiven Verteidigung gewahrt hätten. Der Barrikadenkampf der Kommune im Jahre 1871 in Paris ist ebenso kläglich an jener mangelnden Führung gescheitert. Während das Chasiepotgewehr, der erste französische Hinterloder, vor den Barrikaden seine Arbeit vollführte, hat Marschall Mac Mahon die Revolutionäre systematisch eingekreist, ohne daß zum Schutz wichtiger strategischer Punkte ein Schuh von den Barrikadenkämpfern gefallen wäre. Der kommunistisch« Barrikadentraum wird offensichtlich von Sowjetrußland aus auf Grund der leninschen Revolte vom Oktober 1917 genährt. Die Führer der Kommunistischen Partei vergessen dabei jedoch vollkommen, daß dieser Kampf im Zentrum Moskaus gegen ein völlig zermürbtes Heer und ein unhaltbar ge- wordenes RegierungSfystem durch einen Stoßtrupp von wenig hundert Mann geführt worden ist. E» gab damals weder eine kampfgeübte regierungstreue Truppe, noch eine technisch durchge- bildete Straßenkampfpolizei. Die politische Macht fiel den Leuten um Lenin und Trotzki wie eine reife Frucht in den Schoß, nachdem das Kadettenbataillon Kerenskys seine Stellungen geräumt und die Waffen weggeworfen hatte. In Deutschland ist ein proletarischer Barrikadenkampf gegen die moralisch und politisch gefestigte preußische Schutzpolizei nichts anderes als ein politischer Narrenstreich. Darüber täuscht uns auch die im Jahre 1923 erschienene Broschüre des Russen Gussew, eine regelrechte„Anweisung zum Bürgerkrieg" nicht hinweg. Nach diesem sowjetrussischen Bürgerkriegsrczept soll in der ersten Periode des bewaffneten Aufstandes die Masse in Be- wegung gesetzt und die Polizei zum Waffengebrauch"gereizt wer- den. Barrikaden und Dachschützenstände sind zu errichten, Polizei- reviere auszuräumen und Widerstandsgebiete innerhalb der Groß- ftadt zu schaffen. Schließlich sei zum Angriff auf die Polizeireserven uberzugehen. In der zweiten Periode seien die lokalen Auf- stände zu„Widerstandsprovinzen" zusammenzufassen, in der dritten Periode sei eine„Bürgerkriegsfront" zu bilden und hinter ihr eine„Bürgerkriegsarinee" aufzustellen. Selbstverständlich sind diese großsprecherischen Redensarten nichts wie Utopien. Im modernen Kampf um die Staatsgewalt, gebrauchen wir einmal das Wort, im„Bürgerkrieg", hat die „Barritade" als Kampfinstrument längst ausgespielt. Selbst wenn sie zum betonierten Schützengraben ausgebaut und durch ein raffiniertes System eines überhöhenden Fenster- und Dachschützenfeuers geschützt werden sollte, wird sie durch den modernen, mit Panzerauto, Minenwerser und Artilleriesteilfeuer verstärkten Polizeiangriff in kürzester Zeit außer Gefecht gesetzt werden. Entscheidend für den Besitz der politischen Macht ist der Lebensnerv der Wirtschaft und des Verkehrs, der Bahnhof, das Telegraphenamt, das Industriezentrum usw., kurz und gut Dinge, die man nicht mit Barrikaden zu schützen vermag. Bei dem Stand der heutigen Militär- und Polizeitechnik kann der Barrikadenkampf kommunistischer Prägung nur wahnsinnige Opfer bringen. Das ist ja schließlich der höhere Zweck der kommunistischen Bürgerkriegs- strategie. Pollzeiobent a. D. Schützinger. Großfunkfiation Nauen. In ihren Federn schaukelnd rollen die Aboag-Wagen durch die engen Straßen Nauens. Die Berliner Presse fährt zur Be- fichtigung der Großfunkstatioch Nauen. Mitten in dem grüngewirkten Tajeltuch der Erde, erheben sich die Funktürme, eine verwirrende Anordnung von großen und kleinen Masten, Drahtseilen und kleinen Baulichkeiten, die sich om Fußend« jedes gespannten Seiles er- heben. Später erfahrt man jedoch, daß diese Einsitzhäuschen weder Tür noch Fenster haben und bis zum Dach mit Erde gefüllt sind als Belastung des Seilfundaments. Dazwischen verstreut auf den Wiesen kleine Häuschen, Versuchs- und Kurzwellenstationen, die zur Ausstrahlung der Wellen nicht der großen Apparatur und der hohen Funkmasten bedürfen wie die Hochfrequenzanlagen. Direktor Q u ä ck von der„T r a n s r a d i o A.-G. spricht über das Entstehen und die Entwicklung der Großfunk- station Nauen, die heute den gesamten drahtlosen Uebersee- verkehr Deutschlands regelt. Anfang 1918 wurde von den damaligen führenden Firmen und der Muttergesellschaft„Telesunken G. m. b. H." Transradio begründet. Als Versuchsstation der Telesunken hat die Station seit 190f) alle die großen umwälzenden Versuche ausgeführt und zur Bollendung geführt, die sich dem ersten draht- losen Verkehr anschlössen. Ein kleines eineinhalbstöckiges Gebäude neben dem modernen Großbau war das Stammhaus. In ihm find vor kurzem auch die ersten Versuche des Fernsehens ausgeführt worden. Im Jahre 1919, noch vor dem Abschluß der Friedens- Verhandlungen, begann die Wiederaufnahme des Verkehrs mit den Vereinigten Staaten. Durch Abschluß eines Vertrages mit der Radio Corporation of America auf 39 Jahre erfolgte die Aufnahme des Handelsverkehrs im Duplexbetrieb, d. h. es wurde gegenseitig gesendet und empfangen. Im Jahre 1921 erhielt Transradio vom Deutschen Reich die Konzession zur Uebcrnahme des Ueberseefunk- Verkehrs. Die Organisation der Betriebsstellen gliedert sich in drei Teile: die Sendestation Nauen, die Empfangsanlage Gel- tow und die B e t ri e b s z e n tra 1« Berlin, die sich im Postamt 24 in der Oranienburger Straße befindet. Bon dieser Betriebszentrale Berlin aus werden die Nauener Ten- der angetastet. Von der Empfangsanlage Geltow werden auf be- sonderen Kabelleitungen die Telegramme nach der Betriebszentrale geleitet und dein Empfänger über die Deutsche Reichspost zugestellt. Auch der Fernsprechverkehr ist im Entstehen und ist bereits mit Argentinien ausgenommen. Ein Gespräch auf dieser 11 999 Kilometer langen Entfernung ist mindestens ebenso gut, wie bei einem Telephongespräch auf dem Drahtwege zwischen Paris und Berlin.. Ein Netz des drahtlosen Verkehrs oerbindet heute Transradio fast mit allen Kulturländern der Erdteile. Wesentlich haben diesen Verkehr die Kurzwellen gefördert, die in einer siebentel Se- künde den Erdball umlaufen. Zwei Hochfrequenzmaschinensender dienen für die langen Wellen: Der eine arbeitet mit der Welle 13 999 Kilometer, hauptsächlich mit Nordamerika, der ander« mit 18 999 Kilometer, hauptsächlich im Berkehr mit O st a s i e n, Presse und Z e i t s i g n a l d i e n st. Di« Maschinen dieser Sen- der liefern eine Hochsrequenzenergie von 499 Kilowatt. Die gewal- tigen Antennenanlagen bestehen aus zwei Masten in Höhe vonje2g9Meter und mit einem Eigengewicht von 369 Tonnen, 7 Masten von je 219 Metern und 3 Masten von je 139 Metern. Es sind dann noch in Nauen 7 Sender für Kurzwellen eingebaut. Durch Verwendung der Kurzwellen können größere Telegraphier- geschwindigteiten angewendet werden, die 139 bis 299 Worte in der Minute betragen. Auf derselben Welle kann zu gleicher Zeit tele- phoniert und telegraphiert werden oder durch Ueberlagerung mit besonderen Frequenzen gleichzeitig in 12 Telegraphierkanäle ge- arbeitet werden. Dadurch ist ein noch rascherer Abfluß der Tele- graMme gewährleistet. Der Umfang des Telegrammverkehrs stieg vom Jahre 1919 mit 1,2 Millionen Wörtern auf 16,3 M i l l i o- nen Wörter im Jahre 1928. Von letzterer Zahl entfallen 2 392 659 Wärter auf den Presseoerkehr. Werfen wir noch schnell einen Blick au? die im großen Umkreis bestehenden Außenanlagen. Die großen 269 Meter hohen Türme sowie auch die anderen stehen schlank wie ein umgekehrter Bleistift auf der Spitze, die auf mächtigen Isolatoren ruht, sie werden nur von den nach allen Seiten hin gespannten Drahtseilen aufrecht er- halten. Die Antennen hoch oben sind kaum sichtbar. Unsichtbar, unfühlbar umspülen und durchdringen den Besucher die hier aus- gestrahlten Sendewellen, die dem Näherrücken und der Ver. ständigung der Völker der Erde dienen. Wie gern möchte man In diesem Fluidum hochgespannter Gefühle ollen Menschen, die guten Willens sind, über Länder und Meere hin seine Grüße senden. wetlerberichl der öffentlichen wetterdleuststell« Berlta and Umgegend. (Zlachdr. oerb.)' Sehr lübl. bei lebhaften Nordoslwinden. teil» wolkig, teil» heiter, ohne wesentlich« Niederschläge.— Zür veatschland: Ueberall kühl. im Norde« langsame Besserung de» Vetter», im Süden«och trüb« und regnerisch. Das Stadtwappen im Verkehr. Die Berliner Derkehrs-Aktiengefellschaft wird nunmehr auch bat Ansang des Jahres erfolgten Zusammenschluß der früher getrennte» Berliner Verkehrsbetriebe der Straßenbahn, U-Vahn und des Omnibusses durch eine einheitliche Kennzeichnung ihrer Wagen äußerlich zum Ausdruck bringen. Di« Fahrzeuge werden ein Firmenschild erhalten, bei dem das Berliner Stadtwappen als Muster verwandt wurde. Es zeigt einen schwarzen Bären in einem schwarz-rot umrandeten Felde von der Grundfarbe des Wagen- anstrichs. In die Feldumrandung sind die drei Buchstaben BVG eingefügt worden. Der Schöpfer dieses Firmenschildes ist der Bcr- liner Bildhauer Arminius Hasemann. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G-sSSttsst-ll«: Berlin E. 14. Eebaltianffr. 87/38, Hof 8 St. Tanvorstond. Am Dienstag, 21. Mai, bleibl die Gclchäftsffrll« ge- schlösse».— Maria cabtciluäg. Sonntag, 1Ä. Mai(1. Pfulgsseiertagl, Boot I. T-gestour. Boot II. Wandertour.— Dl-nstag. 21. Mai, Bootohauo. Rudern und Schwimmen.— Prenzlauer Berg,«ameradschrvt„Scneselder. plag". Bersammlung am Dienstag, 21. Mai. bei Heiles, Prenzlauer Allee Ell- Megcr Strasse.— Nreuzberg. Mittwoch, 22. Mai, Jugend II lwildcn). 20 Uhr Bersammlung bei Krepp, Plauusex 7ö.. Borirag des Kameraden Red über Kulturfragen.__ »rbeiter Absliaeaten Bund, Bezirksgruppe«reuzberg. Die neuen Räum» der Ortsgruppe Kreuzberg des Arbeiler.Abstincnten.Bundcs am Marhernelr- plai, 8—4 find an den beiden Pzingttfsiexhisca Mr Mitglieder und«ingefilhrte Säfte von IS Uhr an geofftiettt �... Genosse Pfarrer Blcier spricht am Pfingstmontag um 10 Uhr im Rahmen einer religiösen Zeierstunde in der Trinitatiskirche, Chorloltcnburg, Karl- August-Platz. Pfingsten im Lunapark. ffrir die grosse'Masse d«t Berliner Bevölkerung. der es nicht vergönnt ist, die Pfingstfciertage ausscrimib der Grossstadt zu ver. bringen, hat der Lunapart mit seinen neuen Attraktionen ein grossziigige, Festprogramm aufgestellt. An beiden Pfingstfeiertagen wird der Part, der üsst im schönsten Frllblingskleid malerisch om Halens«! im Grünen gebettet liegt, seine Tore bereit, um I! Uhr morgen» Issnen. um das üblich- Früh. tonzert abzuhalten. Am Rochmitlaq um 4 Ubr beginnt auf der Freiluftdübn« vor dem Musikpavillon die grosse Stpra-Bariet..Porstellung, die ununterbrochen bis 10 Uhr abends läuft. An beiden Tagen wird ein große»«ala-Feuermerk den Abschluß bilden. Im Lu na. Kabarett wird das erstklassig- Mai.Giössnungs. Programm geboten und zum Tanz bis in die späte Nacht Gelegenheit sein. Mereedeo.Benz in Wievbaden. Bei dem kürzlich abgehaltenen Automobil- Snrniem in Wiesbaden konnte die Marke Mercedes-Ben, wieder ausserordent. Iiche Erfolge davontragen. Die fünf ersten Plätze der grossen„Deutschen Sternfahrt nach Wiesbaden" wurden von Mcrckdcs.Benz.Fabrern belegt. Di- hervorragenden Leistungen der MeMedes-Benz-Fahrer wurden von der Turnier. ieitung durch Zucrkennung des Agrippino-ream.Preises für die best- Mannschaft besonders gewürdigt. Auch di« Schönhcitskonkurren, brachte Mer. cedes-Benz einen überwältigenden Ersolg. 29 Privatwagen und 28 Fabrik. wagen, zusammen 57 Mcrcedcs-Benz.Wagcn stellten sich den Preisrichtern. öö Wagen, barunter� sämtliche Fabrikwagen. wurden mit Preisen aus- gezeichnet. Insgesamt erhielt Rercedrs-Senz 20 erste, 23 zweite und s dritt« Preise. K&iteslclRafciSL vom, IltsfemeßnaoaL des*&&ve**facßafic/& Niederlagen mit Reparaturwerkstätt© in Berlin: Qr. Frankfurter Str. 83 Oranlenstr. 1 27, OZONIL Frühling in der Schweiz. Nun ist in der Schweiz der Frühking auch auf die Berge ge- stiegen. Au 6) für die höher gelegenen Kurorte ist jetzt die lieber- gangszeit beendet. Dem Touristen stehen sämtliche Ortschaften, auch die der Hochtäler und oberen Bcrgterrosfen offen. Eine große An- zahl der oberen Pässe ist bereits befahrbar. Ende Juni werden auch die höchsten zu passieren sein. Die Bergbahnen haben fast sämtlich ihren Betrieb ausgenommen. In der O st s ch w e i z erglänzt jetzt das ganze Engadin in den Frühlingsiarben. bis hinauf nach St. Moritz und P o n- t r e s i n a. Im grünen Hochtal von Davos ist fröhliches Leben und auf der Schotzalp fitzl man im Freien. Auch Arosa, Flimö. Klosters. Si's Maria, Siloaplana usw. kommen als Ziele für Er- bolung in Frage. In der Z e n t r a l f ch w c i z sind nach wie vor die Plätze am Bierrarldstätterfee. u. a. L u z e r n. W e g g i s, V i tz- n a u, G e r f a u, Brunnen und die Höhenstationen wie B ü r- genstock. Seelisberg, Morschach geeignete Aufcnhalts- punkte. Aber auch Engelberg im lichten Bergtal. Ander- motr unterm Gotthard und die alpinen Rigi-Kurhäuser(Rigi-Kalt- nad) haben bereits Frühlingssaison. Die beliebten Gipjeltouren auf den Rigi-Kulm. auf den Pilatus, das Stanserhorn usw. können wieder unternommen werden. Aehiüiches gilt vom Bern er Oberland. Wie L u z e r n hat I n t e rl a k e n schon die Zeichen regsten Fremdenverkerhrs. Man jährt auf S ch y n i g e Platte, um das große Panorama der Gipfelriesen zu bewundern. Man besucht Grindelwald, die Kl. Schcidegg, Murren und Wengen, wo überall die Matten befreit sind von Schnee und Firn. Unten an den Seen, in Gnnten. Oberhosen, M o r l i g e n, Spiez, hat sich die Apfelbaumblütc entfaltet. D e a t e n b e r g hat Sommerwärme auf blmnigen Motten, der mar- kante Niesen wird bereits bestiegen. Aber auch im Kandel- t a l bei Kandel st eg. wohin die kunstvolle Berner Alpenbahn führt, begrüßt man neues Grün und neues Blühen. Drüben im Wallis, jenseits des Lötfchbergtunnels, hat die Sanne besonders prachtvoll gewaltet. Die viel gewählte Höhentour von B r i g zur Riederalp und weiter zum Eggishorn und zum Jungfrau-Hotel nach Fiesch ist in allernächster Zeit offen, die wichtige Verbindungsbahn vom Engadin über Obcralp, Furka, G l e t s ch ins Wallis nach Brig wird demnächst auch auf der hoch- alpinen Strecke in Betrieb gesetzt. Nach Z e r m a t t ist der Bahn- weg ebenfalls geöffnet und schon viel benutzt. Von sonstigen Reise- Plätzen im Wallis sind für Weilen und Touren auch im Frühsommer durchaus geeignet: Riffelalp. Saas-Fcc, Taesch. Zinal, Ärolla, St. Luc, Leukerbad, Fi o n n c y, E h a in p ä r y. An den Schweizer Seen. Der größte Schwei zerse� ist das„Schwäbische Meer", wie man den Badensee, in den sich die Schweiz und Deutsch- laich brüderlich teilen, scherzweise nennt. Das Werk des Grafen Zeppelin hat ihn in aller Welt bekanntgemacht. Ein beliebtes Aus- jbigsziel der Bodcirseegaste ist Schaphausen, das durch seinen Rheinfall berühmt geworden ist. Den Rheinfall besucht man aber auch auf dem Wege nach Zürich, da die internationale Bahn- linie bei wchaffhausen über die Grenze führt. Zürich und der Züricher See sind nicht nur im Frühjahr interessant, denn Zürich ist mit seinen rund 210 000 Einwohnern die größte Stadt der Schweiz und der wirtschaftliche wie auch geistige Mittelpunkt des Landes. Am Bierwald st öttersec stand die Wiege der Schweizer Eidgenossenschaft. Dort kündeten die ersten Höhenfeuer die Befrei- ung des Schweizervolkes. Im Berner Oberland bietet im Frühling der Thuner See besondere Reize. Täler und Höhen sind hier voll Glanz und Schimmer und überall weht die nach dem strengen Winter so wohltuende, milde Frühlngsluft. Der Genfer See, auch Lac Leman genannt, denn er legt im französischsprechenden Landesteil, ist das größte Seebecken des Alpengebietes. Am Schweizer Ufer reiht sich eine Kette von Städten. Dörfern, Dillen und Burgen, umrahmt von Obstgärten und Weinbergen.?lm sran- zösischen Ufer stellen hierzu die kühn aufragenden Savoycr Alpen dos ernste Gegenstück. Genf, die drittgrößte Srcrdt der Schweiz, genoß schon lang« vor dem Pölkerbunde internationalen Ruf, denn hier wirkten Iean-Jocques Rousseau, Calvin, Dunant und anders Männer des Geistes. Dos Bild der hauptsächlichsten Schweizer Seen wäre unooll- ständig ohne den Logo Maggiore und den Lugancr See. „Wissen Sie das.. Eine Streife durch deutsches Land. Wissen Sie. daß Bremens Nochbarstadt Wesermünde noch der Dollendung der weiten neuen Hosenanlagen sich nun, stolz auf ihren Fleiß, mit Recht„der größte Fischereihafen des Kontinents" nennen kann? Täglich sendet Wesermünde seine blitzenden Fänge an S«esisch«n in„Fischexprcßüigen" nach allen Gegenden Deutsch- lande, selbst hinab bis nach Böhmen, der Schweiz, ja bis Italien... Wie viele kennen S a g a n in Nicderjchlesien? Wer weiß, daß die alte kleine Stadt ein herrliches, mächtiges Schloß besitzt, dessen Bau Wallenstein begonnen und das neben großen Kunstschätzen eine der kostbarsten Autographensammlungen enthält? Sie wurde einst von der Herzogin von Sagan, der Nicht« des großen Talleyrand, und von diesem selbst zusammengetragen. Uebrigens so ganz nebenbei: das Herzogtum ist seit altersher sran» zösischer Besitz. Hot einen Umfang von rund 1 00 000 Morgen. Uebrigens kann jeder das schöne Schloß und den reichen Inhalt be> sichtigen. Es lohnt! Im Museum zu Speyer am Rhein zeigt man dem fremden Gast mit stolzem Lächeln den ältesten Wein der Welt!— Ja, es stimmt, es gibt in der Tat keinen älteren. Es handelt sich um eine Flasche(Amphora), die man mit Wein gefüllt als sogenannte Grabbeigab« einem Grabe aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. ent» nahm. Wie auch heute noch in romanischen Ländern üblich, war der Wein mit einer Oelschicht gegen Verdunsten geschützt. Dieses Oel verharzte zu einer festen Masse, die den Wem bis heute erhielt. Ob er aber heute noch schmecken würde, dieser Senior aller Weine? Ich glaube nicht. Wandern wir von den Ufern des Rheins ein wenig östlich zu den Ufern der Weser, so entdecken wir einen altgermani- scheji U r w a l d. im Re i n h o r d s- W a l d bei Kassel. Hier wird nie geforstet. Leben und Sterben des Waldes ist heilig. Wo so ein mächtiger Riese einer knorrigen deutschen Eiche, müde viel- hundertjährigen Raulchens, sich zum Sterben niederlegte, blieb er liegen. Das tausendsache Leben des Waldes � überwucherte in grotesken Berschlingungen seinen Leichnam. Di« Szenerie, die echten Kulissen für hie Jagden und Kämpf« der alten Kotten— heiliger deutscher Wald, ein großes Gegenstück.zu jenem anderen deutschen Urwald in Oldenburg. Uebrigens Kassel... Wissen Sie, daß hier die stärkste und umfangreichste Sammlung von Werken des Meisters aller Meister der Farbe— Rembrondts— ist? Hier gibt es nicht nur«ine Wilhelms h ö h e, sondern auch ein Schloß Wilhelms t a l. Neben Bruchsal ist es die schönste Rokokoschöpfung in deut- schen Landen. Und diese selbst hat wiederum«ine Höhe: die einst in ganz Europa berühmte„S ch ö n h e i t e n g a l e r i e", eine groß« Sammlung von Portraits junger schöner und graziöser Damen, der liebenswürdigsten Msuschheitscpoche, des Rokoko, gc- mall von der treffsicheren Hand Meister Tischbeins... __ Willy Norbert. Bad Langenau. Die Deutschs Gesellschaft für ärztliche Studienreisen hat in diesem Jahre Schlesien und vor allem das Glotzer Land n»t seiner großen Zahl von Heilbädern besucht. Di« Gäste besuchten kürzlich die Perle der Grafschaft Glotz am rauschenden Neißesluß, das idyllisch gelegene Bad Langenau. Die kohlcnsäurereiche Renaten« quelle gehört zu den stärksten des deutschen Ostens, und das Langen- auer Moor ist dem Franzensbadener an die Seite zu stellen. Braunlage im harz eröffnete am lk. Mai seine Scmmersatson. Als größte Neuanlage ist der Konzcrtplatz im Kurgarten zu nennen, der bequem über 2000 Personen saßt. UnvSrgsssHchiS Ferien, Erholung und Heilung in der Schweiz GRAUBUNDEN SOMMER IN GRAUBÜNDEN DEM ALPENLAND DER 150 TÄLER ... wo die Wärme des Südens mit dem Anhauch von Eisfeldern vermischt ist und über den Bergen ein unbeschreiblich strahlender Himmel liegt... ZENTRAISCHWEIZ VIERWALDSTÄTTER SEE UND SEINE BERGBAHNEN Pllatui Rlgl Borgen stock Bronnen- Morachaeh Stanastad• Engelberg Treib- SeelUberg Cerwfanlalp• Trübaee(EngclbergJ Stanserhorn babn Hochinteressante Bahnfahrten— WondervoUe Rundsichten— Bestempfohlene Tages- und Halbtagfezkurslonen. L U Z E R N Das neue Strandbad I I iM/�rDM®-See»BerBt'",r-'Wasser»p. Pens. LUINotKINy.iiFr. Prosp. Verkehrsbureau. MORSCHACH- AXENSTEIN- AXENFELS *VI Voralpiner Luftkurort ob Brunnen- ENGELBERG Das Alpcoparadles. Erholung— Sport. Alpines Schwimmbad. _ Penifonsprclse von Fr. 8,— bis 23»—« a ik irvf�DliA ATT � Gotthard gebiet. Der ANUtKIVlA I I id. ausflugsrcldie Kurort. NORD-OST-SCHWEIZ BAS E L Reisende Lage am Rhein. 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SS: Standenttockeuplal der Potedainer OantUonUiehe. 9: Morgenfeier. IIJO: Mudolinenorchesterkontert. UM: MlttacskonxerL 1SJB: Märchen. 16: Lehrerschaft and LeibesObungen. t«J0: Unterhaltungs- rnnslk. 19: Anferstehnng and AnsgieBnng des Oeistes. 19.30: Das Lawra- Woster zn Kiew. 20: Orchesterkonzert, Danach Tanzmasik. Montag, 20. Mai: 6.30: PrOhkonzert. 8.S5: Standenglocken spiel der Potsdamer Oarnisooklrche. 9: Morgenfeier. 13: Mittagskonzert. 14: Scbacbfnnk. I4J0: Für den Landwirt 16: Oegenwartsprobleme internationaler Tierschntzbestrebange«. 16.30: Schallplattenkonzert 17: Uebertragang Rennbahn Hoppezarten. 18.48: Tee. raasik. 19: Im ägyptischen Sudan. 19.30: Uebertragang Staatsoper am Platz der Republik:„Hoffmanns Erzihlnngea", Oper von Offenbach. Danach Tanzmasik.'■. Dienstag, 21. Mai: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt 18.30: Oegeawart and Zukunft unserer Bauten und Stadtbilder. 16: Schriftwort and Klangwort. 16.30: Franz Blei liest ans seinen Werken. I7i Unterhaltungsmusik. 17.30: Streichqnarlett 18.10; Stande mit Bachem. 18.40: Meister der klassischen Kunst 19.08; Die wirtschaftliche Entwicklung Osteuropas. 19.30: Einfahrung in die Naturphilosophie der Gegenwart. 20; Banter Abend. Mittwoch, 22. Mal:' 12.18: Wettermeldungen für den Landwirt 1SJ0: Wirtschaftlichkeit Im Haushalt 16: Brüderpaare unter den deutschen Dichtem. 16.30: JagendbOhne. 17t Unterhaltungsmusik. 18.30: Technische WochenplaudereJ. 19: Rundschau fflr Blumen- und Gartenfreunde. 19.30: Nene Formen de» Oper. 20: Bildfunk. 30.08: Vortrag. 20.30: Orchesterkonzert Danach Tanzmusik. Donnerstag, 23. Mai: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 18.30: Vom unbekannten Goethe. 16: Musikgeschichtliche Kuriosa. 16.30: Gerhard Menzel. 17t Volks- und Kinderlieder. 17.30: Klaviervorträge. 18.10: Der Rechnungshof des Deutschen Reiches und seine Aufgaben. 18.38: Die Entwicklung der europäischen Literatur in den Hauptländern. 19: Kunst, Geschmack und Mode. 19,30: Aufben und Aufgaben der Berliner Bezirksverwaltungen. 20: Sendespiele;„Hoheit tanzt Walzer", Operette von Ascher. Danach Tanzmusik. Freitag, 24. Mal: 12.18: Wettermeldungen für den Landwirt. 18.30: Als Dolmetscjter bei internationalen Konferenzen. 16: Rettung aus Wassergefahr. 16.30: Unterhaltungsmusik. 18.10: Französischer Vortrag. 18.38: StrelfzOge durch die Optik. 19: Staatsautorität und Beamtenschaft. 19.30: Das Wochenende. 20: Orchester- konzert 21.40; Streichquartett. Weiße Zähne: Ghlorodont Sonnabend, 25. Mai: 12.18: Wettermeldungen für den Landwirt. 18.30: Idee und Sinnbild im Getriebe der Zeit. 16: Ferne Wunderwellen In der Literatur. 16.30; Unterhaltungsmusik. 18.10: Vom neuen Sinn der Kameradschaft. 18.38: Der Rennspart Wir werden im Lause des Tages gleich zwei Eröffnungen von Kunstausstellungen übertragen. Man steht eben im Zeichen der Berliner Festwoche. Dadurch verschiebt man etwas die Vorlesung der Novelle„Priens Bierstuben* von Walter v. Hollander. Was bringt diese Novelle? Eine Milieustudie, eine sathlich fundamentierte Schilderung, ein« Menschenstizze. Durch die Sachlichkeit blitzt so etwas auf wie eine Satire auf ein Bürger- tum, das durchaus«in« heute entwertete Lebenshaltung wahren möchte. Hollander referiert in der Art eines Chronisten und Ist über» dies ein ausgezeichneter Sprecher. Max Marschall spricht in einem kurzen Abriß über die verstorbene Kammersängerin Lilli Lehmann. Wenig Daten, dafür aber ein Umrih der menschlichen und künstlerischen Persönlichkeit! Marschall setzt nicht sich, sondern die Künstlerin unter Scheinwerferbeleuchtung, und das bedeutet ein«nt» fchiedenes Plus. Geistergeschichten existieren auch in Paraguay. Es gibt scheinbar dort mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unser« Schulweisheit sich träumen läßt. Der Forschungsreisende Herbert B a l d u s erzählt das alles in einem leicht ironischen und angenehm unterhaltenden Ton, der aber fast die Deutung zuläßt, als ob Baldus selbst an diese Hausgeisterchen paraguayischen Charakters aus Liebenswürdigkeit'glauben möchte. Bruno Bleihoefser spricht über Peking und Nanking. Versuch einer Charakterisierung zweier bedeutender chinesischer Hauptstädte! Ueber landschaftliche und bau» liche Schilderungen geht Bleihoefser entschieden aus das Kulturelle ein. Ein instruktiver Dortrag! Abends„Flachs mann als Er- zieher", die bekannte Schulkomödie von Olto Ernst, allerdings in zu kurzer Zeit wiederholt Trotzdem muß man feststellen, daß sich gerade dieses Stück sehr gut als Hörspiel eignet. Hinzu kommt ein« sorgfältig dämpfende Regie von Alfred Braun. Robert Ah- mann spielt die Hauptrolle mit dem nasalen Ton eines intriganten Herrchens, aber sonst ohne Ueberbeionung. Manche Jahre sind seit der Entstehung dieser Komödie verflossen, vielleicht hat sich vieles g«> ändert, aber über das Zeitbdingte hinaus hat sie doch so etwas wie eine dauernd« Bedeutung. F. S. ata Wirtschaffsfaktof. 19: Staat und JugnadpBege. 1930; Berüseg Dfplotnaien: köpfe. 20: Bildfunk. 20.10: Uebertraxung aus dem Haus des Qolfspiel-Clubs Wannsee. 2030: Quer durch die Berliner Posse, Danach Tanzmasik. Königs Wusterhausen. Sonntag. 19. Mal: Ah 7: Uebertragang aus Berlin. Montag, 20. Mal:. Ab 630: Unbertragung aus Berlin. 18: Michelangelo und Rafiael. Ab 1938: Uebertragang aas Berlin. Dienstag, 21. Mal: 16: Zur praktischen Durchführung der preußischen Richtlinien an höheren Schalen. 1630: Neuzeitliche Violinmusik. 17; Unbertragung aus Leipzig. 18: Unsere Lufthülle, 1830: Französisch für Fortgeschrittene. 18.58: Deutsche Geselligkeit. 1930: Die Sprache des Erfolges. 20: Deutschlandsender: Violinkonzert. 21: Klaviervorträge. 2130; Unterhaltungsmusik. Mittwoch, 22. Mai: 16: Aus dem preußischen Kultusministerium. 1630: Zum Todestags Slings. 17: Uebertragang aus Hamburg. 18: Die deutschen Nordseehäien. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.88: Die Bakteriologie des täglichen Lebens. 1930: Die Sprache des Erfolges. Ab 20: Uebertragang aus Berlin. Donnerstag, 23. Mai: 16: Spiel und Beschäftigung des Kleinkindes. 16.30: Aus dem Höldeiltn- Epos. 17: Uebertragang ans Berlin. 18: Die wohlerworbenen Rechte der Beamten. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene, 18.88: Wie werden Gemüsetreib. anlagen am zweckmäßigsten ausgenutzt. 1930: Der Kaufmann und der Pest- Scheckverkehr. Ab 20: Uebertragang aus Berlin. Freitag, 24. Mai: 16: Lehrprobe. 1630: Einführung in Sonate und Sinfonie. 17: Uebertragang ans Leipzig. 18: Die Ergebnisse der Pariser Reparationskonferenz. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 1838: Die Bakteriologie des täglichen Lebens. 1930: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. Ab 20: Uebertragang aus Berlin. Sonnabend, 28. Mal: 16: Ans dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 16.30: Wohn. recht und Wohnkultur, 17: Uebertragung aus Hamburg. 18: Probleme der beruflichen Eignungsprüfung in der Wirtschaft. 1830; Französisch für Anfänger. 1838: Deutsche Geselligkeit. 19.20: Not und Gnade am Rhein. Ab 20: Uebertragung aus Berlin.' WOH NUNO WS n KRAU AUSSTBLLU anneLAu ta 1B.dUNt-l8.SaPX!! BAD ORB Die Krankheiten des Herzens und der GetaBe, deren Ursachen, deren Komplikationen. 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Unerreicht bei Herzkrankhelten, beginnender Arterlenverkalkung, Muskel, und Gelenkrheumatismus, Gicht, Bronchitis, ROckenmarks-, Frauen« und Nervenleiden Badakur/ Trinkkur/ Inhalatorium/ Pnaiunatlscha Kammarn Traubankur uaw./ Krhalungaaulanthalt> Untarhaltungan/ Sport VoraOgllch« Untarkuoft boi angamaaaanan Praiaen Auskuoflsatellan in Barlin; Kantatraßa 161(Eckhaua Joaehlmathalar Str.) Bismarck 3C99. u. Unter den Linden 53»Zentrum 4335. Ferner Auskunft In Reise- und Verkehrtflüroe. Nr. 230- 46. Jahrgang Gormiag 49 Mai 1929 „Wie eine stählerne Mauer." Die„Helden" in der Wirklichkeit. Wie die kommunistischen Proteststreiks zustande kamen, zeigten wir kürzlich bereits an dem Streik bei Leiser. Hier ein weiteres Beispiel: Die Belegschaft der Schuhfabrik Franken st ein wurde am Freitag, dem Z. Mai, vormittags, durch einen Zettel mit unleserlicher Unterschrist ausgefordert, zu streiken, da mehrere andere Firmen der Schuhindustrie, darunter Reh u. Bredel, cherstahl und Leiser, bereits im Streik ständen. Die Belegschaft glaubte dieser Meldung und trat aus Solidarität in den Protest- strerk ein, um später zu hören, daß in den anderen angeblich be- streikten Betrieben weitergearbeitet wurde. In gleicher Weise wurde noch am 4. Mai versucht, einige Schuh- fabriken stillzulegen. Es war bereits ein Saal für sämtlich« zum Streik kommandierten Berliner Schuhindustriearl'eiter festgemacht. Wieweit die O r t s v e r w a l t u n g mit diesen Dingen zu tun hat, können wir leider nicht feststellen. In der letzten Ortsausschutz. Plenarsitzung des A D G B suchte einer der Vertreter der Schuhmacher. Z o l l e r, die Himmelfahrtsarbeit bei Leiser als Ersatz für den Streikoerlust damit zu rechtfertigen, daß 50 Prozent Lohn zulage gezahlt werde. Wie uns Leifersche Arbeitet mit- teilten, ist das nicht wahr. Die Firma zahlte nur 10 Pro- zent. Da der Tarif F e i e r t a g s a r b e it verbietet, liegt Tanfbruch vor. Zoller verteidigte den Tarifbruch und scheute sich nicht, die Funktionäre der Berliner Gewerk- schaften zu belügen. Der gleiche Zoll er forderte am 1. Mai noch der Gewerk- schaftsversammlung die Mitglieder des Schuhmacherverbandes auf, unter allen Umständen zur Demonstration der KPD. zu gehen. Er selber aber ging nach Schluß der Versammlung in ein nahegelegenes Lokal und wartete die weitere Entwicklung der Dinge ab. Inzwischen trank er sich Mut an und verließ das Lokal erst, nachdem ihm Bekannte Feigheit vorwarfen Das Ortsverwaltungsnntglied M a t t i n g„demonstrierte* Im gleichen Lokal, um sein„revolutionäres* Gewisien zu lalvicrcn. Verlegenes Schweigen. Nach verlogenen Behauptungen. Die Generalversammlung der Berliner Nahrungsmittel- und Getränkeardeiter am Freitag im Gewerkschaftshaus ist den Arran- geuren der blutigen Maivorgänge ebensalls die gebührende Ant- wort nicht schuldig geblieben. Genosie H o d a p p gab zunächst einen kurzen Geschäftsbericht für das 1. Quartal, in dem er mitteilen konnte, daß die Berliner Organifatton während der Berichtszeit 279 neue Mitglieder gewonnen habe, so daß ström Quartalsschluß 16 496 Mitglieder zählte. Die B« i t ro g s z a h l u n g hat sich ebenfalls gebcsiert. Während im 4. Quartal 1928 je Mitglied IIB Beiträge entrichtet wurden, waren es im Berichtsguartal 12,3 Beiträge. Der Lokal- kaffenbestand hat sich von 46137 Mark auf 59 832 Mark, michin um 13 695 Matt erhöht. Die Organisation war leider im 1. Quartal gezwungen, einige Mitglieder und Funktionäre auszuschließen, weil sie bei den Betriebsratswahlen entsprechend den Anweisungen der KPD. auf Sonderlisten kandidiert hatten. Zum Schluß kam Genosie Hodapp auf die Vorgänge am und nach dem 1. Mai zu sprechen, wobei er das verbrecherisch« Treiben der kommunistischen Draht- zieher mit den schärfsten Worten verurteilte. Cr legte der General- Versammlung eine Entschließung vor, in der die Delegierten die KPD. als A l l e i n s ch u l d i g e n für die blutigen Borgänge verantwortlich machen und die Mitglieder auffordern, den falschen Einhettsfrontaposteln mit aller Schärfe entgegenzutreten. In der Entschließung heißt es zum Schluß: „Wer wider besieres Wissen im Austtage Moskaus unsere Gewerkschaft beschimpst, die Einheit zu zerschlagen»ersucht, mit Unorganisierten gegen uns paktiert, ist ein S ch ä d l i n g, hat nicht Platz in unseren Reihen und muß ausgemerzt werden Nur in der Einigkeit liegt die Macht!* Diese Entschließung wurde gegen ganz« neun Stimmen angenommen. Es war bezeichnend für diese Helden, unter denen sich auch der ehemalige ehrenamtliche Vorsitzende der Berliner Orts- Verwaltung des Fleischerverbandes Laos befand, daß nicht einer von chnen den Mut aufbrachte, die MaivAklion* der KPD. zu rechtfertigen oder gegen die Annahme der Entschließung zu sprechen. Die Buchbinder gegen Moskau. Keine Gemeinschaft mit Putschisten. Wie der Berliner Bevollmächtigte des Verbandes der Buch- binder und Papierverarbeiler Genosse I m h o f in der letzten General- Versammlung berichtete, hat sich im 1. Quartal dieses Geschäftsjahres die Krise auf dem Arbeitsmarkt des Buchbindereigewerbes außer- ordentlich verschärft. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Laufe des Quartals um annähernd 10 0V Personen, so daß am Schluß des 1. Quartals in Berlin 2850 Berufsangehörige ar- beitslos gemeldet waren. Diese ungewöhnlich hohe Zahl von Ar- beitslosen ist überwiegend auf die umfangreichen Stillegungen zurückzuführen, die besonders in der Kartonnagen Industrie erfolgten. Trotz dieser ungünstigen Wirtschaftslage wurden in allen Bran- chen die Lohntarife gekündigt und auch überall Lohn- « r h ö h u n g e n bis zu 5 Pfennig je Stund« in der Spitze durch- geletzt. Dieser Erfolg ist umso höher zu bewerten, als die Unter- nehmer auf Anweisung ihrer Verbände den Forderungen der Ar- beiterschaft den schärfsten Widerstand entgegensetzten und teilweise zur Lohnabbauoffensiv« übergingen. Die Agitation wurde durch die ungünstige Lage auf dem Ar- beitsmarkt sehr erschwert. Es ist der Organisation ober dennoch ge- lungen, einig« neue Mitglieder zu gewinnen, so daß sie am Schluß des 1. Quartals 11 40? Mitglieder zählt«. Aus dem vom Genossen B y t o m s k i erläuterten Kassen- b e r i ch t ging hervor, daß auch die Lokalkasfe durch Ausgaben für Arbeitslose stark belastet worden ist. Der Lokalkassenbestand betrug am 1. April 87 596 Mark. In der anschließenden Diskussion wurde an dem Geschäfts- und Kassenbericht keine Kritik geübt. Nach der Erledigung dieses Tagesordnungspunktes• versuchte ein Konnnunist. die Maiunruhen für seine Partei als Propagandamittel zu benutzen. Der Unwille der Versammlung belehrte ihn aber bald, daß die Generalvcrsamm- wngsdelegierten für die neue„revolutionäre* Taktik nicht zu ge- Winnen waren, so daß er schließlich mit einigen Verlegenheitsworten vom Rednerpult abtrat. Genosse Imhof ging auf die Ausführungen dieses Oppositionsrcdners gründlich ein und bewies an treffenden Beispielen aus der Praxis und an Hand der kommunistischen Presi«, wer die Schuld an diesem Maioerbrechen trägt. Er stellte unter Zustimmung fast sämtlicher Delegierten fest, daß auch die Mit- glieder des Verbandes der Buchbinder gewillt sind in ihren Ver- sammlungen praktisch« gewerkschaftliche Aufbauarbeit zu leisten und sie nicht mehr von einer durch Gewerkschaftsseinde dirig.erten Clique zu politischen Tummelplätzen machen zu lassen. Ein Antrag, den arbeitslosen Verbandsmitgliedern zu Psingsten eine Extrauntersttitzung zu gewähren, wurde gegen wenig« Stimmen angenommen. Warum in Schlesien ausgesperrt wird. Weil die Textilarbeiter 66 Pfennig Stundenlohn fordern. Der Aussperrungsbeschluß der schlesischen Textilunternehmer Hot im Lager der Textilarbeiter helle Empörung hervorgerufen. Was hatten die Arbeiter bei den Verhandlungen gefordert? Eine Er- höhung des Facharbeiterlohnes von 5öL Pfennig bzw. 56,3 Pfennig pro Stunde auf 6 6 Pfennig, eine Regelung der A k k o r d z u- schlage, die heute sehr verschieden sind, im allgemeinen zwischen 10 bis 20 Proz. liegen und in einigen Fällen sogar überschritten werden, sowie zur Sicherung ihrer Akkordleistung einen festen Satz von 30 Proz. Akkorüzuschlag. Außerdem wurde eine Sicherung gegen den Abbau der Akkordverdienste in Höhe von 30 Proz verlangt; d. h. die Akkordsätze der einzelnen Gruppen dürfen erst dann abgebaut werden, wenn die durch Fleiß und Geschicklichkeit erreichten Uebcr- verdienst« mehr als 30 Proz. betragen. Die Unternehmer haben die Keckheit, die Behauptung auf- zustellen, die schlesischen Textilarbeiter hätten 70 bis 80 Proz. Lohnerhöhung gefordert. Welche Löhne müßten dann in der schlesischen Textilindustrie bestehen? Die Textilindustnellen richten sich selbst, wenn sie in der Oeffentlichkeit erzählen, die Arbeiter, die 66 Pfennige Stundenlohn verlangen, hätten 8g Proz. Erhöhung gefordert. Mit der frivolen Aussperrungsdrohung haben die schlesischen Textilindustnellen dem Faß den Boden ausgesäsiagen. Die schlesischen Textilarbeiter stehen fest hinter dem Deutschen Tertil- arbeitervcrband. Oer Konflikt in der Neichsanflalt. (Sine Oarstettung des Vorstandes. Vom Präsidenten der Reichsanstall für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung erhallen wir folgende Zuschrift: „Bei den vom„Vorwärts* in Nr. 228 erwähnten Vorgängen Handell es sich um die Durchführung des mit allen Angestelltenvcr- Vlinden abgeschlossenen Tarifvertrages für die Angestellten der Reichsanstall. Durch diesen Tarifvertrag vom 20. Dezember 1927 soll ein einheitliches Dienstrecht für die gesamten Angestellten der Reichsanstall geschaffen werden, das gegenüber den in jeder Ge- meinde anders geregellen früheren Dienstverhältnissen Verbesse- rungen für einen erheblichen Teil der Angestellten bringt. Auch für Angestellte der Berliner Arbeitsämter haben sich teilweise durch den Tarif solche Verbesserungen ergeben. Soweit sie bisher höhere Bezüge oder sonst günstigere Bedingungen hatten, soll jetzt auf Grund der lleberleitungsbestiinsnun�n den: Tarifvertrag ebenfalls Geltung oerschafft und die notwendsgc Ein- h e i t l i ch k e i t innerhalb der Reichsanstalt erreicht werden. Hier- bei wird so verfahren, daß eine Verschlechterung in den Bezügen durch persönliche Zulagen bis zur Höhe der nach dem bis- herigen Recht schon erreichten Sätze ausgeglichen wird, um auf'diefe Weise dem Z 228 ADAVG. Rechnung zu tragen. Der Angestellte erhäll also zum mindesten die gleichen Bezüge weiter, die er bisher gehabt hat. Kündigungen, die ausgesprochen sind, haben nicht etwa eine Damen-Badetrikot 0 mit Indanthrenforblgem Oberteil, Gr66e 42 230 Damen-Badetrikot 0 mit gering. i'em Oberlell, OriOa 42 X95 Herren-Badetrikot 0 echtMako, schwarz. Gr5fie4250 Kinder-Badetrikot. buntfarbig(Steigerung O.IOl Aller 3 Jahre I 00 Badekappen marmoriert Toucherform ä Gummi\#wO einfarbiger Gummi �/55 BADEMÄNTEL Bade-Cape_ gemutterter F r e t M e r« I o f f# 50 Bademantel (Or Damen, gestreifter kfOWnrifoffQ mit langen Ärmel n700 Bademantel für Herren, gemusterter Frottierstoff I w50 Badeschuhe Schilf 080 schwarz leinen 1 40 FROTTIERWÄSCHE Handtücher n 45/100 cm, weiß-bunt gemustert, VloO 48 100 cm, wol 6 mit I n d a n I h r e n■ Streifen, volles Plüsehgowebo I Frottler-Laken weiß, mit Indanthren Jacquard-Konten 125/150 em 395 140/180 cm 595 FAN D A U 18 15 VolW«119 uod AOo c* ae Cbw® vortun �sbB;d.Vt �s,C55 c o* c a- c" Sio«®' ca OorV>e"*\,.®a.el0�95 AS.VS'v't r jdr. l-, fftod?ersic\�o9®,|'t 85 cw c o- SC v 1�— Entlassung zum Ziele, sondern verfolgen lediglich den Zweck, die An» gestellten in den von ihren Verbänden geschlossenen Tarifvertrag überzuführen, eine Maßnahme, die bereits in den Ausführunzs- Bestimmungen zum Tarifvertrag vorgesehen, also seit mehr als Jahresfrist bekannt ist. Ein Teil der Berliner Angestellten hat ssch. nachdem bisher bestehende Mißverständnisse aufgeklärt worden sind, bereits mit der Einbeziehung in den Tarifvertrag einverstanden erklärt." « Die Darstellung des Vorstandes der Reichsanstalt befriedigt nicht. Wozu die zum mindesten außerordentliche Maßnahme der Gesamtkündigung, wenn kein« Benachteiligung beabsichtigt ist? Der Vorstand spricht hier von den„durch persönliche Zulagen" gleich- bleibenden Bezügen. Wie steht es aber mit der Arbeits- zeit? Wenn es nur Mißverständnisse sind, konnte man die nicht beseitigen, bevor man zur Kündigung schritt?— Der Vorstand spricht von einer„notwendigen Einheitlichkeit". Den Nachweis der Notwendigkeit dieser Einheitlichkeit vermissen wir. Gibt es etwa in anderen Berufen diese angeblich notwendige Einheitlichkeit? Und ist es angesichts der Ausdehnung Berlins nicht etwa berechtigt, daß hier die Arbeitszeit eine kürzere ist? Ganz abgesehen davon, daß die Arbeitsintensität und die sonstigen An- forderungen notwendig in Berlin höher sind als in den meisten, vielleicht in allen anderen Städten. Tarif der Mineralwasserindustrie. Erhöhte Löhne und SichervngsNausel. Dem Arbeitgeberverband der Mineralwassersabrikanten und Bierverleger war vom Verkehrsbund das Lohnabkommen zum 30. April gekündigt und ein« Lohnerhöhung gefordert worden. Die Unternehmer machten die gleichen Zugeständnisse wie in den Brauersien, und zwar solche, daß ab 1. Mai die Löhne um 2 Mark und ab 1. August bis zum 30. September 1930 um eine weitere Mark aufgebessert werden. Das wurde von den Arbeitern jedoch abgelehnt, worauf die Unternehmer am 26. April den Schlichtungsausfchuß anriesen. Do jedoch erst zum 17. Mai Schlichtungsverhandlungen angesetzt wurden, ersuchte die Organisation die Unternehmer nochmals um dirette Verhandlungen, die dann auch am 14. Mai stattfanden. Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen wurde schließlich vorbehaltlich der Zustimmung der Parteien eine Vereinbarung getroffen, wonach die Löhn« der Arbeiter ab 1. Mai um 3 Mark pro Woche und die der Arbeiterinnen um 2 Mark erhöht werden sollen. Vom 1. Mai 1930 ab bis zum 30. April 1931 erhalten die Arbeiter weitere 2 Mark und die Arbeiterinnen 1 Mark Lohnzulage pro Woche. Da der Vertrag auf zwei Jahre abgeschlossen werden sollte, wurde eine Sicherungsklausel aufgenommen, die besagt, daß über eine Neuregelung der Löhne verhairdelt werden muß, wenn die Reicheindexziffer der Lebenshaltungskosten um fünf Punkte steigt. Sollte während der Bertragsdauer eine Mietprciserhöhung eintreten, so wird für je 10 Prozent Mietserhöhung dutomatisch »in« Lohnerhöhung von 2 Proz. gewährt. Die Arbeiter dieser Branche haben am Freitag zu dieser Der» einbarung Stellung genommen und ihr zugestimmt. Don den Unternehmern ist dies« Vereinbarung ebenfalls an genommen worden. Ein Sechzigsähriger. Am 21. Mai feiert der jfauptkassierer des Deutsch«« Verkehr». Hundes, Richard Nürnberg, seinen sechzigsten Geburtstag. Bereits im Jahrs 1391 schloß er sich dem damaligen Verein Berliner Hausdiener an, aus dem im Jahr« 1896 der Lokalverband der Berliner Handelsarbeiter hervorging. Das Vertrauen feiner Äollsgenjchaft berief Nürnberg im Jahr« 1899 in den Vorstand des Lokalperbandes. Seit dem Jahr« 1903 hat er mit vorbildlicher Pflichttreue als Angestellter im Hauptvokstand für die Interessen und die Ausbrei- rung der Organisation gewirkt. Im Jahre 1912 wählte ihn der Ber. liner Berbandstag zum Haupttaffterer. welches Amt der Kollege Nürnberg heute noch mit der ihm eigenen Umsicht und Gc- wissenhaftigkeit verwaltet. Ein besonderes Interesse widmete Nürnberg d«r Krankenversichc- rung. Im Jahre 1902 finden wir ihn bereits im Ausschuß der Ber. liner Ortskrankenkasse der Kaufleute al» Mitglied tätig. 1903 wird ihm das Amt des Vorsitzenden dieser Kasse übertragen, das er bis Ende 1913 inne hotte. Bei der Gründung der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin trat Nürnberg in den Vorstand ein und wurde 1919 Vorsitzender. Noch heut« ist er in dieser Eigenschaft tätig und zugleich Mitglied des Vorstandes des Kranken- kassenverbandes Groß-Berlin und d«s Geschäftsführenden Vorstandes de? Hauptverbandes Deutscher Krankenkossen. Auch die Sozialdemokratische Partei, für die Richard Nürnberg ein volles Wenschcnalter hindurch wirkte, hat ihm verschiedene Ehrenämter übertragen. Von 1917 bis Anfang 1919 war er Vörsitzend«r des früheren 6. Berliner Reichstagswahlkreiies unh von 1921 bis 192S Bezirksverorirneter für den Berliner Stadt- bezirk Prenzlauer Berg. Wir sprechen Genossen Richard Nürnberg zu seinem sechzigsten Geburtstage unsere herzlichsten Glück- wünsche aus und wünschen ihm noch viele Jahre weiteren erfolg. reichen Wirkens im Dürnst« der Arbeiterbewegung. Drei billige Gesellfchastsrelsen im ZdA. Wi« in d«n Vorjahren beabsichtigt der Zentralnerband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Berlin, auch für 1929 drei billige, je achttägig» Gesellfchastsriisen zu veranstalten. Die erste Fahrt vom 16. bis 23. Juni geht in» Ri«Iengebirge. Bei«tner zweiten Reise vom IL. bis 25. August ist den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, die Sächsische Schipeiz kennenzulernen, während vom IS. bis 22. Sev- tember der Harz besucht wird. Bei allen Reisen werden unter fach- kundiger Führung von eiuem zentral geleaeuen Standquartier Wanderungen zu den landjchafllich schönsten Stellen durchgeführt. Die wirtfchastliche Bedeutung der jeweiligen Gebiete, dl« Entstehung der Gebirge, das Borkommen besonderer Pflanzen und Tier« sonne ein mwv&joictm **.Otur :n*TiigtqiirVm weisen nrntit CUo Werlte. SterUtt Ii«/««.( ander« interessante Fragen finden hierbei durch kurze Lorträg« und an einzelnen Abenden durch ergänzende Lichtbilder Behandlung. Die Teilnehmergebühr für Mitglieder und Angehörige beträgt für die Reifen ins Riesengebirge und in die Sächsiiche Schweiz öS M. Für die Harzreis« werden 55 M. erhoben. Von diesem Bs- tioq werden bestritten: Hin. und Rückfahrt, hotelmäßige Ueber- nachtung, gutes Mittagessen, erstes Frühstück sowie sonstige Fahrt-, Besichtigungs» und Führungskoslcn einschließlich Trinkgelder. An- Meldungen, die eine Anzahlung von 15 M. bedingen, müssen für alle Reisen sofort im Verbandsbureau. Belle-Alllance-Straße 7/10, am Schalter„Kasse" erfolgen. Dortselbst ist ein ausführlicher Reife- Prospekt erhältlich und es wird auch gern jede weitere gewünschte Auskunst über die Gesellschaftsreisen erteilt. Lohnstrelt der Kölner Gemeltidearbeiier. Köln, 18. Mai. Die Lage im Lohnstreit der Gemeindearbeiter und Straßen- bahner Kölns hat sich erheblich zugespitzt. Die Arbeiter verlangten bekanntlich eine Lohnerhöhung von 10 Pf. pro Stunde. Der von der Kölner Schiedsstelle gefällte Spruch, der eine Lohnerhöhunz von 4 Pf. pro Stunde vorsah, wurde sowohl von der Stadtoer- waltung als auch von den Gewerkschaften abgelehnt. Das Jen- tralschiedsgericht in Berlin konnte zu keinem Ergebnis kommen. Daher traten am Freitag die Lohnkommissionen der beteiligten Ge- werkschaften zu einer Sitzung zusammen, und beschlossen, den Ge- werkschaftsmitgliedern zu empfehlen, die Lohnkommission zu er- mächtigen, einen letzten Verständigungsoersuch zu machen. Beim Scheitern dieses Verständigungsversuches soll mit allen gewerkschoftlickien Kampfmitteln die letzte Entscheidung er- zwungen werden. Der Beschluß wurde in den Gewerkschaftsver- sammlungen angenommen. Am Mittwoch abend werden die Funktionäre der einzelnen Gewerkschaften zusammentreten, um end- gültig Stellung zu nehmen. Führen diese Verhandlungen zu keiner Verständigung, dann ist mit einem Streik der Kölner Gemeinde- arbeiter und Straßenbahner zu rechnen. Beilegung des �Hein-Main-Sireiks. Frankfurt a. Tit., 18. Mai. , In Sachen des Streiks der Gemeindearbeiter hat am Sonn- abend nach Verhandlungen In Darmstadt der Schlichter Im Einver- ständnis mit den Parteien den Spruch der Berliner Zentralstell«— das ist eine Erhöhung um 3 Pf. für gelernt« und angelernt« und 2 Pf. für ungelernte Arbeiter und Frauen— für verbindlich erklärt mit der Maßgabe, daß die Lausdauer des Tarifes auf den 1. Januar beschränkt bleibt. Ferner wurde zugesagt, daß die Arbeiter, die die Arbeit sofort wieder ausnehmen, keine Maßrege- lungen und keine Lohnkürzung erfahren Lei den Belricberälewahlen in der Groß-Bielefelder Metall- industrle wurden in 87 Betrieben 366 Betriebsräte und zwar 323 von der Arbeiter- und 43 von der Angestelltengruppe gewählt. Sie verteilen sich folgendermaßen: Frei« Gewerkschaften 322, Christen 1, AsA 32, DHV. 9, GdA. 2. Der christliche Arbeiterrat wurde in einem kleinen Betrieb aus dem Lande gewählt. Bon den Kom. munisten ist eine Sonderliste nicht eingereicht worden. Es war da nichts zu erben. 3n der Scheveningcr hcringssifcherel ist es zum Streik ge- kommen. Die Gesamtzahl der streikenden Fischer beträgt 1500. Die Scheveninger Heringsfischerei halle in den letzten Jahren sehr gute Ergebnisse: auch für das lausende Jahr sind die Aussichten nicht un. günstig. Ein« Erhöhung der Löhne ist also sehr wohl möglich. Der Garantiewochenlohn beträgt 12 Gulden. Achtmrg, B«rg«a»».W«rI«>los«»thell Donnerstag, 1» Uhr, Im Lokal Hansen, Lintenalle»«0. Frakl-onor-rkanmilung aün SDD-- Ssnossen. Regcn Besuch orn-artrt Dar Frakttonsoorpaod. Maschinssta» und Heizer. Uns«, Barirkoburrau,«»«lusrr Zt— B, Heidt ata Diraotag. 21. Kai, ftt« dra öiscntlichra Berkehr itefffloflea. Dovezierrr. Jim Donnerstag, 23. Mai. 19 Uhr, in Sen Tchinkelsestlillen, Brltckenstr. 2, M tglladeroersainrnlung. Vortrag unh Branchenangelegenheiteu sLohntarifsrage).__ Gewinnauszug 2. Klasse 33. Pleußisch-Lüddeulsche Klassen- Lottert.. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Rummer ssnd zwei gleich hob« Gewinn« gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen l und II 2. Ziehungstag 18. Mal 1929 In der VormittNgsziehung wurden Gewinne über 90 M. gezogen 2©•toinnt ,u 100000 M. 360912 2»«-»-n« tu 60000 M. 278058 2 Sewinn« in 3000-gl. 265760 2 Tewinni in 2000 M. 282865 4 Gewinn« ,» 1000 W. 46180 101308 12 Gewinn« jn 800 M. 41101 78020 148889 173028 262300 383399 32 Gewinne im£00 QN. 7822 15394 62351 64853 123088 124198 176917 179071 i80928 296355 296339 298592 334423 358788 370068 398486 1 16 Gewinne tu 300 m. 239 7553 7567 8373 12379 19528 26507 27820 33021 41080 58993 60910 63517 74887 77236 00302 92343 92921 86328 104981 108878 116444 140920 152735 153584 184264 186833 192057 193990 198387 204415 219538 226389 229820 250690265839 257999 272397 287247 289001 292414 30,1179 315690 335923 338245 341828 330184 355664 356403 358806 362942 375996 376792 382032 383237 382983 392237 394437 300 Gewinne» 180-m. 4508 11616 11783 15435 18431 18497 19013 2000? 21474 22353 30211 30926 31033 31152 34710 34769 37644 39109 40174 42695 43689 43826 47398 51781 55617 61103 61548 6755771191 7171771876 72696 75018 77240 77309 70059 79752 60492 83010 90777 93112 95373 96350 99324 102683 104101 104345 110980 113690 115908 117341 122190 123314 125066 131738 239391 139393 139603 140241 141500 141588 142697 143096 145634 148620 149426 150686 153038 156650 167547 160555 161858 164294 169740 170847 176701 185332 183335 186244 188051 191183 193656 195128 196773 198784 200480 203384 209699 215667 223075 224653 225404 228003 231268 234831 239839 249870 231584 233836 253913 256002 236005 256931 266969 257068 260189 263544 265527 266590268957 972993 277338 287144 288105 299104 302083 304113 304391 305060 303716 308221 312546 315173 316406 317698 318195 320133 322043 328135 335512 336189 336648 340337 340837 346312 346707 348964 358174 356794 359931 362363 373757 3761 10 379305 380172 385308 388181 388220 396638 397330 3n der Nochmittagsziehung wurden Gewinne über 9» M, gezogen 9. Gewinn« ,n 6000 W. 83247 4 Gewinne in 3000 M. 63660 82469 6 Gewinn« ,n 2000 M. 254615 326053 340562 6 Gewinn« in 1000 W. 7798 122681 323824 12 Gewinn» ,n 800 M. 37872 155081 171800 243120 254334 338221 Gewinn« ,n 600 W. 60900 109860 151565 165977 192980 196547 909130 985893 304469 343264 360931 365733 ,.,$1®!®''""'» 300 W. 19564 23498 39489 32638 49324 65953 70115 76342 80563 65434 103470 109157 112818 118358 121703 123606 125537 147630 160101 163202 163899 179428 185477 135987> 87955 10/653 239750 239994 249238 255379 271135 272631 278575 263096 002494 296488 286916 304o40 304826 321727 324430 330434 336249 342552 352560 363357 375594 384136 p' 80 W. 4033 7943 8825 9060 10926 12770 19106 27406 91865 62607 64050 63717 73803 73928 74543 76747 77468 7758Ö 79890 81667 84426 84996 80193 95520 104979 105776 1 10804 117601 1 18492 129466 120069 132818 735345 137784 143792 145145 164401 16594# 157109 167714 15952S 159927 165127 169357 170939 176023 177575 183241 184845 188317 195122 195684 196648 206486 218353 219335 225797 226998 227288 227900 236612 244227 255164 264696 268173 266983 273605 274513 276203 279406 286534 290344 306319 308611 309071 309252 309873 312211 832616 334157 338123 347615 352067 352811 363250 367502 338859 369439 374017 374960 385154 387356 398958 399434 Detanntmachung. Die Bernte ig«rung der In den Monaten Okloder, November und Dezember 1g.>? oerietzten und nicht eingelösten Blander findet an» Donnerstag, dem fi Juni lSZS. norm? llhr, für Wälche-, Kleiderpsänder usw. und am Are. tag, dem 7. Juni ISA, oorm. 9 Uhr, Iii: Gold- und Wertsachen im Naihause Berlm-Neukölln gegen so- sartig« Baizahlung statt. An den genannten Tagen blelbt dar Leihamt geöffne». Berlin-Neutölln. den lt. Mai lSZS. Städtische» L-ihamt.ver>in.?l-utSlln, 140181 1 49955 1 16031 1 162679 1641 184179 184304 164376 210991 217242 218004 231133 233517 239124 267744 270989 273018 300783 303775 305104 312561 316039 325714 353902 334083 355694 378074 378964 379503 Diekmanns Holzhäuser destehend. Prospekt gratis. Vertrat ge*. Zeesener See n. KSnläswnsicitiansen. Sismano ZlegenioG Dicht Waid u. Wasser verkaufe In fertiger Siedlung mit sofortiger Bauerlaubnis und Auflassung meine letzten 15 Parzellen. Günstige Zahlungsbedingungen. Bin selbst heute und morgen auf dem Terrain Straße G, Ecke Straße B. J C. Er« Dsu. tu 8. Behrenstr. 26a, Zuitr.lSOS Die in der heutigen Vormittagkziehung gezogenen beiden Haupt» aewinne von je 100000 Mark sielen auf Nr. 260912 in Abtei« uinfl I nach Gletwitz, in Abteilung II nach Saarbrücken. WM««»«« Rohrleger und Hellerl Am Dienstag, dem 14. d. haben wir im„vorwärts" aut die Differenzen mit den Rohrlegern und Helfern aufmerksam gemacht. Die vramhenkommijsion der Rohrleger Hot danach am 25. April 1929 in einer Branchen Versammlung einen Beschluß fassen lassen. wonach in Zukunft der aus der Organisation ausgeschlossene Rieder. kirchner die Branche der Rohrleger weiter leiten soll. Ferner wurde beschlossen, daß ein Exlrabeilrag von 1 VI. pro Woche erhoben werden soll. Diese beiden Beschlüsse, die in der Rohrlegeroersammlung ge- faßt worden sind, sind mit den Bestimmungen unseres Statuts nicht in Einklang zu bringen. Ez kann niemand zugemutet werden, daß eine Branche, die dem Deutschen Metallarbeiter-Verband angeschlossen ist, von einem ge- leitet werden soll, der nicht mehr Mitglied des DMV. ist. Die Branchenkommissionsmitglieder, danach befragt, ob sie diesen Beschluß der Branchenversammlung für sich als bindend erachten, haben zum größten Teil aus das Schreiben der Ortsverwallung nicht geantwortet. Infolgedessen hat die Ortsverwaltung die Branchcn- kommission ihres Boslens als Funktionäre im DMV. enthoben. Mir machen die Rohrleger und Heiser, soweit sie Mitglieder im DMV. sind, darauf aufmerksam, daß sie nicht berechsigt und nicht verpflichtet sind, 1 M. pro Woche zu bezahlen. Eine Versammlung der Rohrleger und Helfer, einberufen von der Ortsvecwaltung des DMV., Hot am 11. Mai d. Z. den Beschluß gefaßt, eine provisorische Branchcnleitung zu wählen. Diese neue Branchenkommission Ist welter beauftragt, alle die Funktionen auszuführen, die sich aus Grund des Tarifvertrages mit der Arbeitgebergruppe ergeben. Es ist auch eine Lahnverhandlungs- kommisslon gewählt worden, die gemeinsam mit der Ortsverwoltung die Lohnbewegung für diese Berussgruppe zu führen hat. Run hat die abgesetzte vranchenleilung zum 2Z Mai d. 3. eine Vranchenversammlung der Rohrleger� und Helfer cinbernsen. Die Orlsverwaltung macht darauf aufmerksam, daß diese vranchenleilung kein Recht hat. für die organisierten Rohrleger und Helfer eine Versammlung einzuberufen. Dieses Recht steht nach dem Statut einzig und allein nur der Orlsverwaltung und den von ihr bcauskragleu Stellen zo. Erneut richten wir ou dU Rohrleger und Helfer das Ersuchen, Riederkirchner und seinen Anhang unter sich zu lassen. Beschlüsse, die in solcher Versammlung gefaßt werden, haben für dl« organi- sierten Rohrleger keine Gültigkeit. Rohrleger und Helfer, wollt ihr euch eure«ohlerworbenen Rechte im Deutschen Metallarbeiter-Verband erhallen? wollt ihr für die Geschlosseaheil der Organisation elotrelen, so muß seder Kollege den Versuch, die Organisation zu spalten, zurückweisen: denn etwas anderes als die Spaltung der Organisation bedeutet dl« erneut« Einberusnug einer Versammlung der Rohrleger und Helfer von seilen Riederkirchner» und Konsorten nicht. Einmal sind die Rohrleger schon diesen lraurlge« weg der Spot- lang gegangen, wiesenlhal und Riederkirchner führten sie ln eine besondere Organisation, und in dieser Organisation waren die Helden zur Ohnmacht verdammt. Zum zweitenmal darf euch der Beaus- tragt« von Moskau, Riederkirchner. nicht von der Mntterorgani- salion abspalten. Ihnen darf es nicht gelingen, die Rohrleger und Helfer um ihre wohlerworbenen Rechte im DMV. zn bringen. Deshalb richten wir erneu» an euch das Ersuchen, keinen Extra- bellrag von 1 M. zu bezahlen. Durch die Bezahlung des Extra- beitroges von 1 M. fördert ihr nur die Spaltung der Organisation. Die organisierten Rohrleger, die ihrer Mutterorganisation die Treue halten wollen, haben In dieser Riederkirchner» Versammlung nichts zu suchen. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband führt für die im DMV. organisierten Rohrleger die Lohnbewegung. Am aber endlich diesem Trauerspiel Riederkirchner? und Konsorten ein Ende zu machen. ersuchen wir dringend die Rohrleger und heiser, welche sich mit dem Beschluß, der am 25. April 1929 im Gewerkschastshous in der Rohr- legerverfammlung gefaßt wurde, nicht eluverskanden erklären, um- gehend ihre Adresse an den Bearbeiter der Rohrlegerbranche. Bruno Lehmann. Deutscher Melallarbeiler-Verband. Linicnstraße 5Z,S5. eiureichen zu wollen. wir machen an dieser Steve nock, einmal darauf ansmerksam. daß dieieaiqen. die im Auftrag des DMV. für die Rohrleger und Helfer Verhandlunaen süßren. einen Ausweis besitzen müllen. Der- selbe muß unterzeichnet sein von den beiden Bevollmächtigten Urich— Eckert. Die Orksverwalkung des DNV- L gSZ. Urich. Eckert. kietttroEtionfeBre! Di« Bertrauenemänn-it- Konferenz und Branchenverlantnifunfi finbet in Diesem Mona!(Mai) nicht ftatt fluzkesleiierte and nldii bezndsberediitdte HitäUeder! Mittwoch den 22. Mal, Conner sfnp Den 23, Mai..freltag. Den 24. mal. finden in her Ken von 10 bis 1 Ahe jioeets Einteilung Ott EJohlfötpct im Bortcrretaol de» Serbflnbehou«« om Schalter I dt» 8 die Sinfcagoimea statt &D9enmon(eareI Die Versammlung aller außerhalb auf lüantaa, befindlichen Aallcgen der Melau tNduftrie findet nicht Halt KarosssrlearbeUcrl Ooanaralag, den 23. Mai, nachm. 3 Ahr. im„zngendheim* de» Aar bonds Hauses CinicnsteaB« 33/83 l. Vatial Faiibttonarttogfereiu- Tageeordnung: 1. Stellungnahme zu dem Lohn- abkommen. 2 Dietnlfion. Äße Betriebe müsse» destlmml ver- treten(ein. J BanarndtHiger I S'e am 41. Ma- Ifilllge Branchenversamm- fung fällt au«. Die nächüe Ber'ammfnng findet am Dienstag, dem 28. Rat. adde. 7 Uhr, stau. unserer ßUrlturobfeiluag. Zi> der Woche vom«. 48. Malt 1. Danton(Set Held der sranzöstschen Revcl»tto»>. 3 Technisier ZUM. &.(untatesfe. Zu bei Woche vom',7. Mal bis AZnai: t. Wala»— Wolga. 2. Technischer Film. 3 Humoreose. Za der Woche vom z»I» d. Statt t. flatpi lin» S'ebegaberteuer. 3 Technischer Film. i Humoreske 3b d« Woche vom tfi. M» 18. Zanii l. Alraune. I 2. Technischer FUm. 3 Humoresfe. Anfragen wen en Ueberiaffur.q und Besuch bei JtDtetlur.g find teiephon.jch oder schrisi. ich on die«ulwrabteilung svureoo: Swtanftr. 83/83. Zimmer 20) ja richten. Die Orlarti wallmg. \ Gioßmöbelfabrik! Flr«ODeisorConas cantllBC Gelegenheit Wegen AbsaustotVüngwird vorübergehend an Privat zu Fabrikprelaen verkauft Speise-, Herren- und Schlafzimmer in erstklassigen Holz- und St larten. Hervorragende Werkstattarbeit 5 fahre Garantie. 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Wenn der Achtjährige mit ihnen draußen am Wachtfeuer saß, dessen rotslackernde Schwerter ein großes Loch hieben in die schwarzen Schleier der Nacht, und ihnen vorspielle aus seiner Flöte, der uralten, sünstönigen Hirten- flöte Paus: da lauschten ihm alle, bis sie einschliefen. Justus ge- hörte zu chnen, und das war nun den ganzen Sommer hindurch so gewesen, bis— ja, bis vor einem Monde Dem kam. Bon war der zwölfjährige Sohn des Sarajewoer Spaniolen, der alle zwei Wochen mit vier Laftpferdchen heraufkam nach Mrtoanje und den süßen Käse abholte, den Jussufs Vater bereitet«. Der wurde dann verkauft nach Sarajewo, das doch so weit war. Aber dorther kam Bem und sollte nun während der Schulserien hier oben bleiben, ein ganzes Vierteljahr lang: und Justus hatte sich gefreut, einen Kameraden zu haben, der in eine Schule ging und aus einer Stadt kam. Und wirtlich: als Bems Vater um die Mittagszeit wieder fortgeritten war, ging Bem mit Justus und der Herde, und sie freundeten sich wirklich schnell an, wenn Justus auch etwa, scheu war. Bem trug einen einfarbigen, glatten Anzug, wie ihn drunten im Tal nur die fremden Herren, die Schwab os, trugen, und war außerdem viel klüger als Justus. Eigentlich gefiel dem Jüngeren sein eigenes, rauhwolliges, buntfaltiges Kleid ja besser: aber das wogte er sich nicht zuzugeben. Er freut« sich auf den Abend, wenn er bem am Feuer auf seiner Flöte vorspielen würde. Aber der Abend war so traurig für ihn, daß er weint«, als er vorbei war. Denn Bem hatte ein Ding aus Porzellan mitgebracht, mit einer Röhre daran und vielen Löchern drin, und— Justus erschrak— und spielte darauf: merkwürdige, wirre Lieder, deren Töne schnell oorbeirannten, wie von einer Peitsche gehetzt, und Bem gab ihnen merkwürdig« schwäbische Namen: Jazz und Fox und Walzer, und erzählte den auflauschenden Hirten, wie die vor- nehmen Schwabos in Sarajewo nach solchen Weisen tanzten. Di« Hirten lauschten, ihre Augen waren ganz trocken und hart von an- gespanntem Staunen, und Justus versteckt« seine Flöte in der Tasche. Er hörte zu, aber er mochte Bems Lieder nicht leiden, sie waren wirr irnb ruhelos und wie auseinandergeristen. Als Justus eines Abends zur Hütte kam, sah er zwei Reitpferde zwischen den Steinen grasen. Der Gospodin, der Herr der Schafe und Hirten, war mit einem fremden Gast heraufgekommen nach Mrtoanje: während die Schase gemolken wurden, schaute der hohe, glattrasierte Fremde zu und atmete mit vollen Lungen den beizen- den Schasdunst ein. Als das Wachtfeuer aufzuckte und das Stein- gerpll umschuf zu einem vibrierenden Schattenspiel, setzten sich der Gospodin und sein Gast zu den Hirten, und mit ihnen kam Bem: er hatte ihnen das Nachtmal und den schwarzen Kaffee bereitet und das Lob des Fremden geerntet, und jetzt begann er gleich die Okarina zu spielen. Aber Justus sah, daß des Fremden schmales, schwäbisches Gesicht sich nicht aufheiterte. Da holte Justus seine Flöte aus der Tasche und hielt sie vor sich auf dem Schoß. Der Große sagte etwas aus schwäbisch zum Gospodin, und der wandte sich freundlich an Justus:„Der 5)err will, daß du jetzt spielst, Kleiner!" Justus erschrak nun doch: seine Finger und seine Lippen zitier- ten, und seine großen blauen Augen hielten den vollen Blick des Fremden nicht aus; schwankend und leise schlichen die ersten Töne aus seiner Flöte, und Bem grinste: da nahm sich Justus zusammen und spielte wie sonst. Aufmerksam hörte der Schwabe zu, die scharfen Falten in seinem Gesicht wurden weicher, und sein Antlitz war für Justus nun eine weiße, ruhige, gute Fläche aus Licht, in die er hineinblinzelte und hineinspielte. Lange, lang« musizierte Justus: als er aufhört«, griff Bem hastig nach seiner Okarina, aber der Gast winkte ab und bat:„Spiel wester, bitte, Justus! Und Justus spielte, spielte immer zu dem guten Gestirn hin, innner die von fünf armen Tönen umgrenzten, eintönigen Weisen, immer auf der uralten Flöte Pans..." Di« Hirten schliefen längst, Bem war mißmurig gegangen, end- lich trat der Gospodin aus den Fremden zu:„Wollen wir nicht schlafen gehen?" Der Gast nahm Jussufs Hand und sagte in weichem Kroatisch: „Ich danke dir schön, lieber, kleiner Justus!" Der Junge küßte ihm heiß die Hand, und die beiden Gäste suchten ihr Lager. Am nach- sten Morgen rillen sie fort. Aber Justus war es nun, als schien« der fremde Stern immer- fort, Tag und Nacht, am wieder blauen Himmel seiner kleinen Seele. Es war ihm fast gleichgültig, daß Bem nun wieder jeden Abend den Hirten aufspielte und erzähll«. Er hatte einen hohen Platz ge- funden, den Edelweiß überleuchtet«: dorthin trieb er nun sein« Schaf« und spielle sein« Flöte, und der Bergwind sang dazu, und er war vgll heißer Liebe zu dem großen, weißen Fremden, und eine schim- mernde Zukunstsgewißheit fand er auch: sein Dater Halle ihm gesagt, daß der Schwabe noch einmal herauskommen würde nach Mrtoanje. Dann aber würde Justus für ihn spielen, noch schöner, noch weicher, noch windhaster. Als er zwei Wochen später abends zur Hütte kam, waren sie da: der Gospodin und der Fremde. Sie saßen drinnen am Herd. Justus ging nicht hinein-, er wußte: sie würden hinauskommen ans Wachtfeuer und ihn zum Spielen bitten. Er saß bei den Flammen bis zur einbrechenden Nacht. Aber der Fremde kam nicht. Jähe, unbestimmte Angst würgte das Kind. Endlich stand es auf und ging vor die Hütte. Da stand sein wild pochendes Herz still. Von drinnen wieherte lautes Männerlachen, und Berns Okarina kreischte dazwischen. Er wandte sich jäh und wollte fliehen. Aber der Fremdling hi-st ihn fest...Bleib ruhig hier, Justus," rief der Gospodin.„setz dich doch!" Justus gehorchte. Der Schwabe brachte ihm Schnaps. Aber der kleine Muselman lehnte angeekelt ab.„Ach so!" lachte der Spender und trank das Glas selbst aus. Justus saß still aus seinein Platz und sah zu. wie die Männer sich betranken, und wie Bem seine wirren, unreinen Weisen spielt«— so laut, daß man draußen den Wind nicht singen hörte. Justus wollte kämpfen mit Bem. Seine blauen, traurigen Augen wurden hart. Er griff nach seiner Flöte. Aber der Gospodin grölte: „Morgen, Justus! Heute wollen wir lustig sein! Spiele, Bern!" Justus zitterte. Dann waren seine Augen klein geworden und wie Nadelspitzen die Pupillen. Aber er trat auf den Herrn zu: „Der Gospodin möchte vielleicht Edelweiß mitnehmen zum Abschied — ich weiß welches!" „Ja, hole!" lallte der Fremde.„Ich freue mich sehr darüber. Justus!" „Ich weiß auch welches," log Bem ehrgeizig.„Ich gehe mit!" „Du?" sogt« Justus geringschätzig. Dann aber fügt« er langsam hinzu, mll einem beherrschten ZUtern in der Knabenstimme:„Na, ja. Komm nur' mit." Die Kinder gingen in die Nacht. Die beiden Trunkenen de- achteten sie schon nicht mchr.--- Nach einer halben Stunde kam Justus zurück. Er trug einen großen Strauß Edelweiß im Arm.„Danke schön!" lallte der Fremde.„Wo ist Bem?" fragte der Herr.„Cr war müde, hat sich schlafen gelegt, draußen beim Feuer, Gospodin." Sie gaben sich zufrieden. Ihre Augen stierten gläsern aus die leeren Flaschen. Justus setzte sich und begann sofort zu spielen. Seine harten Augen hefteten sich an den Fremden, fingen seinen stieren Blick, ließen ihn nicht mehr los. Der Fremde wurde blaß. Wer— spielte da? Das Kind Justus? Nein! Er fuhr sich über die schmerzende Stirn. Aber dies fremde Gesicht da blieb, grau und hart und all— nein, zeitlos wie Stein. Und dieser Stein sang. Und langsam, langsam war es, als sei dies Gesicht groß wie die ganze Wand der Hütte und eins mit ihr. Die Mauer bog sich nach außen zurück, wurde zu einer bogigen Steinhalde, zu einem Berg, einein Gebirge, zum Karst. Täler darin wie Stirnfurchen. Seen darin wie klare, harte Augen. Flüsse darin wie blaue, hervorspringende Adern. Und ein Blutsleck darin, irgendwo, wie Lippen, die sich beett auswerfen beim Flötenspiel. Der Fremde konnte die trunkenen Augen nicht losreißen von diesem Bilde, das ihn anstarrte mit abgrunddunklen, lekdharten Blicken... da verdeckte er seine hilflosen Augen mit den trunken zitternden Händen und gelte auf: „Pan...1"--- --- Bem fand man am anderen Morgen aus Jussufs Edel» weißwies«, Jussufs Meter in der Brust, neben sich die zertretene Okarina. niax Eck vroti: X'pgeHfle vom cPfittgftyeifl Hans Sachs hat in einem seiner lustigen Spiele Petrus auf die Erde niedersteigen lassen. Andere Dichter ließen Jesus Christus selbst auf die Erde kommen und enttäuscht über die Menschen, die sein« Lehre von der Nächstenliebe gar nicht beacht«n, wieder in den Himmel zurückkehren. Jeder aufgeklärte Mensch weiß, daß Tote nicht mehr auf die Erde wiederkommen. Auch nicht Jesus Christus, der große Revolutionär vor 1929 Jahren, nicht. Aber über jeder Legende steht der Satz: „Wie wäre es, wenn es so wäre, was würde— in diesem Falle— Jesus Christus für Dinge erleben?" Ein lieber Genosse halle eines Tages mich«ine Legende lesen lassen, die er geschrieben. In dieser Legende kam Christus nach 1929 Jahren wieder aus di« Erde, um nachzuschauen, was mit seiner Lehre von der wahren Nächstenlieb« geworden sei. Bei seinem Niederstieg vom Himmel auf die Erde Landete" er gerade auf einem großen Platz, allwo ein« mächtige Kirche stand. Er ging hinein. Der Herr Pastor predigte gerade von der Not- wendigkeit des Krieges und gegen den Pazifismus. Christus wandte sein Dulderanttitz ab und floh wieder auf die: Straße. Bald stand er wieder vor einem großen Gebäude, das er auch für ein« Kirche hielt, in der sein Wort gepredigt werde. Er trat ein. Ein Radau schlug ihm entgegen, der ihm unverständlich war: „3. G. Farben zwohund«rtundsoundsoviel". Christus war in die Börse geraten. Er wollte nun sehen, ob sein Wort vom„Hungernden zu essen geben" wahr geworden. Der Heiland klopfte an eine Tür. Ein Mann in einem langen schwarzen Ueberhang öffnet«, schimpfte wie ein Rohrspatz:„Faules Pack", und schlug die Tür zu. Ein Schutzmann packte Christus am Hauseingang. Denn Christus hatte das gleiche härene Gewand an, in dem ihn vor 1929 Jahren die römischen Häscher im Garten von Gethsemane gesangen nahmen. „Wie heißen Sie?" „Jesus von Nazareth!" .Leige mir deinen Paß!" „Paß? Was ist das?" „Mach keine faulen Scherze!" „3u meiner Zeit, da ich noch auf Erden wandelle, vor 1929 Jahren, kannte man in Palästina noch keinen Paß." Der strenge Herr Wachmann zweifelte an dem gesunden Menschenverstand seines Gegenübers und wollte ihn zwecks ärzt- licher Untersuchung sistieren. Christus aber machte sich unsichtbar und schritt unbelästigt zum Tore der Stadt hinmis ins Freie. Aus einer srstchgrünen Woldwiese tanzten junge Menschen um ein rotes Wimpel. Sie sangen ein wunderschönes Lieb: „Bruder zur Sonne, zur Freiheit!" Und die Jugend sang von Menschenlieb«, von der Befreiung der Entrechteten aus Sklavenketten, vom Himmelreich auf Erden, das es zu erringen gälle. Sie kochten dann auf einem kleinen Holzfeuer ihr bescheidenes Mittagsmahl, und da sie den Armgekleideten an einem großen Tannenbaum sich müde anlehnen sahen, trat der Führer der Schar zu Christus und lud ihn mit freudig ihm zulächelnden Gesicht ein, indem er sagte: Die Gerueirls�aft der Kreatur. 'Willst du wahren �pfiugstgeist atweu. wüßt du über Felder geh». 'Wo die'Wolken birf) uruwitteru, Wald und Wiesen stuww erzittern und iw �wang der Säste steh«. Laß dich vou der.Ärast durchfluten, die in allen Sporen webt. Älle Äeiwe, alle Zellen, steh ste baueu. drängen, schwellen, steh, wie alles zengend bebt. Jede Kreatur ist göttlich, ist erfüllt vow heiligen Geist, der in üNensch. Tier, Bauw und Blume, ja der kleinsten Ackerkrume die Gemeinschaft Aller preist. Fall»» Firsaß. „Bruder, dürfen wir dich zu unserem bescheidenen Mahle ein- laden?" Und der für die armen Menschen gekreuzigte— noch leuchteten die Wundmale der Hände wie Feuerbrände— setzt« sich zu den Jungen und aß mit ihnen. Und er scherzt« mit ihnen, wie wenn er allezest unter ihnen gewellt hätte. In einem unbeachteten Augenblick schwebte der Helland wieder gen Himmel. Voll helliger Freude im Herzen. Da ihn Petrus frug, wie es ihm auf Enden ergangen, ob auch so schlimm, wie es Hans Sachs, der Nürnberger Schuhmacher, ge- schildert habe, der im siebenten Himmel seit langem sein Dauer- quartier ausgeschlagen, verscheucht« Christus mit einer leichten Hand- bewegung die Wolken, so daß freier Ausblick auf die Erde war. Gerade tanzte wieder die Jugend um das rote Wimpel: „Dort tanzen und spielen meine Jünger. Nicht in den hohen Domen und Kirchen wohnt die Liebe. Ueber diese dort auf der Waldwies« ist der wahre Pfingstgeist gekommen." * Es ist nur eine Legend«, die sich gar nicht den Anschein gebeck will, daß sich die„Geschichte" wirklich zugetrogen hat. Und jeder aufgeklärte Mensch weiß, daß Tote nicht mehr auf die Erde wiederkehren können. Aber hat diese Legende nicht einen tiefen, wahren Sinn?" „Abkürmungen michail Mossyretv: Endlich bekam Lidotschka ein« Anstellung Nach stundenlangem Warten in vielerlei Kanzleien und Aemtern wurde sie bei der Sektion des Verbandes der Sowjetangestellten vorgelassen. Der Vorstand sah sie an, von Kopf bis zu den Füßen und von den Füßen wieder bis zum Kopfe, nickte kurz und das hieß: Auf- genommen! So wurde sie Registratorin des Ausgangsjournales. Endlich würde zu Hause die Quälerei aufhören, dachte sie aus chrem ersten Wege ins Amt. Wie ein Sonnenschein kam sie ins düstere Bureau. Der Kam- missär sah sie an und nickte. Und diesmal war es als Gruß ge- dacht. Als freundlicher Gruß sogar, wie die Kolleginnen neidisch bemerkten. Doch dies auch nur durch Blicke, denn im Sekverfow hatte man keine Zeit zu langwierigen Betrachtungen. Sekversow? Sie wissen nicht, was das bedeutet? Lidotschka wußte es auch nicht. Und als sie den Sekretär fragte, meinte er kurz! „Aufgepaßt! Sek... Sektion, ver... Verband, sow.., Sowjets. Verstanden? Hier wird nur in Abkürzungen gebucht, gesprochen, gedacht!" „Herzlichen Dank, Genossel" „Kurz!" .�erzdagen!" Und so schrieb si« Kolonne auf Kolonne der sonderbarsten Wort- Ungetüme, wie Genallprof, und das hieß der Genosse ist aktiver Profefsionist: oder Milobmeb, dos sollte Militärobermediziner heißen. Lidotschka schrieb und schrieb, ohne zu wissen, was all dies« fremdartigen Worte bedeuteten. Aber als si« zum Kommissär ge- rufen wurde, um das Registrierte vorzulesen, stockte sie. Der Gewaltige sah sie bärbeißig an und der freundliche Se- kretär sprang ein.„Morgabkürzüb!" meinte der Kommissär und mll einer Handbewegung war das Mädchen entlasten. Auf der Trepp« blieb sie stehen„Morgabkürzüb... Mor— gab— kür— zub," surrte es ihr im Kopfe. Der junge Sekretär kam ihr nach und sah erstaunt ihr ratloses Gesicht und den weinerlich verzogenen Mund. Tröstend sagte er:„Sie sollen morgen Abkürzungen üben!, meinte der Kommissär. Da lacht« sie wieder, schüttelt« dem Genossen Sekretär freundlich die Hand und ging vergnügt nach Hause. Und am nächsten Tage übte si« Abkürzungen. Aber das war ein gefährlich Ding.„Muthabhung," verlangte sie Esten.„Sota- kogenfek", dachte sie heimlich, denn das war ihr großes Gel)eimnis. Euch fei es verraten, Sotakogensek bedeutet, Sonntag kommt der Genosse Sekretär. Und mit Mübigeru ging sie schlafen. Am nächsten Tage schnatterte sie die schwersten Zlbkürzungen nur so herunter, d«b der Kommissär zweimal nickt« und die lieben Kolleginnen zersprangen. Sonntags aber gingen zwei junge fröhliche Menschen ins Freie. „Liebsi," sagte er. „Liebdi," verbesserte sie. Und dann küßte» sie sich, aber den Kuß, das kann ich be- schwören, den Kuß haben sie nicht abgekürzt. Jsdogubissmabkürz... Pardon, es ist doch ein gut Ding um Abkürzungen. (Autorifierte Uebersetzunz von Dr. M. Srilnbaum.) t .M. Tierhücher: StCl('Ii I Cll h*M J CPinfommcnftcu« von 10 Pn>z. erhoben. Vor fünf Jahren wurö« in Hagen(Westfalen) ein stadtbekanntes Original von einer Gruppe wackerer Biertrinker als Kandidat zum Stadtparlainent aufgestellt. Der angehende Volkstribun hielt im größten Saal der Stadt eine Rede, in der er neben der Verlegung der Talsperre und der Umwandlung des Stadttheaicrs in ein« Wärmehalle die Abschaffung aller Steuern versprach. Der traurige Ulk fand begeisterte Hörer. Es war die Zeit, da Luden- dorff in den Reichstag kam und die Wohnungsuchenden— Häuser wählten. Tatsächlich wurde der Hagener Dolksbeglücker gewählt. und er wurde nur unter großen Schwierigkeiten aus dem Parlament entfernt, nachdem er dort allerhand Unfug treiben konnte. Er hatte mit seinem Versprechen ein Thenm berührt, das bei jedem Menschen unangenehme Empfindungen auslöst. Die Juden hatten bereits die sehr ungerechte Kopf st euer, die in gleicher Höhe von allen Männern über 20 Iahren ohne jede Rücksicht auf den Vermögensstand erhoben wurde.?luch in Altengland gab es im 11. Jahrhundert diese ungerechteste aller Steuern für Männer und Frauen. Dadurch, daß die Steuerbeamten sich bei Mädchen schamlose Untersuchungen zu dem Zwecke erlaubten, das steuerpflichtige Alter festzustellen, entstand«in gefährlicher Auf stand. Auch im deutschen Reiche des 1Z. Jahrhunderts war die Reichssteuer eine Kopfsteuer., Im alten Griechenland kannte der Bürger zur Blütezeit keine direkt« Steuer. Das hätte der frei« Mann als Beeinträch tigung seiner Freiheit nicht geduldet. Für die Freien kam(wenigstens in Athen) als einzige unmittelbare Leistung im Kriegssalle die Ausrüstung von Kriegsschiffen in Frage. I R o m dagegen herrschte, besonders unter den Kaisern, die direkte Besteuerung vor. Bis zum Tode Casars hotren es die Ein- lünste aus den eroberten Provinzen ermöglicht, daß ganz Italien von wesentlichen direkten Steuern verschont blieb.'Allerdings zwang dann die zunehmende Kostspieligkeit der Kriege sowie der überhand- nehmende Luxus am Kaijerhofc zur Erhebung von hohen direkten Steuern, die unter barbarischen Umständen, oft unter Anmendung von Folter und Todesstrafen, eingetrieben wurden. Jm� Mittelalter war der Zehnt die weirau» gebräuch- lichste Steuevform, welch« die Massen zwang, der Kirche und den sonstigen Grundherren Naturalabgaben in einer Höhe zu entrichten, die oft die Hälfte der Ernte überstieg. Daneben entstanden bereits die unzähligen Spann- und Frondienste, die besonders nach den Bauernkriegen den Bauern noch unter den römischen Sklaven stellten. In den Stadtrepubliken Oberitaliens waren schon sehr früh direkte Einkommensteuern eingeführt. So gab es in Florenz 1416 vierzehn Einkommensstufen, die mit 8 bis öl) Proz. belegt wurden. Der als Kunstfreund so sehr gepriesene Cosimo de Mediei handhabte diesen scharfen Tarif zu dem Zweck«, damit mög- lichst viel« politische Gegner zu ruinieren. Daneben gab es noch Steuern auf Mieten, Haustüren, Bankgeschäft«, Viehhandel, Wein, Solz, Fleijch und Mehl. Die Stadt Köln führte 1212 eine Steuer auf Getreide und Braugerste ein, um die Stadtmauern zu erneuern. Im 14. Jahrhundert hatte Köln seine Haupteinnahmen aus Markt- ständen, Fleischbänken. Mehlsteuern, Schutzgeldern von Juden und Strafgeldern. In Basel erbracht« 1361 die Mehl-, Salz- und Wein- steuer SS Proz. der Stadteinkünfte. Schon lange vor dem Dreißig- jährigen Kriege war die einträglichste Massensteuer in Bayern die — Biersteucr. Nach der Entdeckung Amerikas und der großen Seewege setzte in Europa, besonders in Holland, England, Spanien, eine ungeahnte Steigerung der Handelstätigkeit und die Einführung moderner Her- ftellungsmechoden ein. Allenthalben stoßen wir nun auf die Ver- suche der Staatsoberhäupter, Produktion und Absatz in die Hand zu bekommen, eine Fiskabwirtschaft zu treiben, die unter den Ein- Wirkungen des Despoteneigensinns nicht nur gröbste Widersinnig- keiten zeitigte, sondern auch den Regierenden ein ungeheures wirtschaftliches Uebergewicht gab. In Frankreich wurde schon 1577 aller Handel zu einem Vorrecht der Krone gemacht, die Kapfleute mußten für das Recht des Handeltreibens riesige Abgaben zki'hlen. Dieser Zustand wurde lö8Z auch auf das Gewerbe ausgedehnt. Bekannt sind die jahrzehntelang gemachten Versuch« der Hohenzollern, aus Preußen nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich eine einzige große Kasörne zu machen. Nachdem der Große Kursürst mit seiner albernen Kolonialpolitik in Afrika eleu*» gescheitert war, führte der erste preußische König einige Dutzend Monopole ein, um möglichst mühelos die Mittel für feine krankhafte Verschwendungssucht zu erhalten. Sein Sohn, der „Soldatenkönig", trieb diese Monopolwirtschaft auf die Spitze. Seine Verschwendung für die Riesengarde und ein übermäßiges Heer ließ diesen Wüterich auf Einnahmequellen sinnen, die auf der tragikomischen Seite der Finanzgeschichte verzeichnet stehen. Da gab es ein Monopol für K u h h ö r n c r, Klaue» und S ch w e i n e b o r st e n. Und da die Schweine dem König nicht genug Borsten eintrugen, so wurden sie fast so geschunden wie die Untertanen. Da gab«s ferner eine Perrücken-, Puder-, Schnürleib-, Fenster-, Tabak- und Kaffeesteuer. Wehe dem Untertan, den ein staatlich angestellter.Kaffecricchcr" denunzierte, Kaffee zu trinken. der nicht vom Monopol stammt«: er konnte öffentlich ausgepeitscht und ins Zuchthaus gesteckt werden. Der Alte Fritz führt« diese Wirtschaft großenteils fort. Seiner Porzellanmanuiaktur sicherte er dadurch ein« hohe Einnahme, daß jeder Jude erst dann die Heirats- erlaubnis bekam, wenn«r für 100 Taler Porzellan kaufte. In Frankreich waren bis zur Revolution die Steuern Gene- ralpächtern überantwortet, die durch die unmenschliche Härte der Eintreibung das Volk bis aufs Blut peinigten, lieber 20 000 Personen saßen ständig in den S ch u 1 d g e f ä n g n i s s e n. In der Revolution gab es für die Steuerpächter keine«chonung. Der Chemiker Lavoister, dessen Hinrichtung von Tain«, Michelet und Mignet s«hr bedauert wird, war ebenfalls Steuerpächier. Voltaire hat einmal diese Blutsauger treffend charakterisiert In einer Ge- sellschaft erzählt« man Räubergeschichten. Als an ihn die Reihe kam, sagte er:„Es war einmal ein Steuerpächter— meine Herren, den Rest können Sie mir erlassen." 1794 wurde in Frankreich eine veber 10000 Frauke« wurde alles weggesteuert. In England verhinderte es das parlamentarisch« System scho« seit Jahrhunderten, daß sich Tollheit und Frivolität so austoben konnten wie in Frankreich und Deutschland. Dafür aber gab es dort eine ungeheure Viclgestaltigkcit des Steuerwesens. S. Smith schrieb darüber von 100 Jahren:„... Steuern von HermÄin des Richters und vom Strick des Gehenkten, von den Messtngnägeln des Sarges, den Bändern der Braut. Der Knabe peitscht seinen be- steuerten Kreisel, der Jnügling bändigt sein besteuertes Pferd mit besteuertem Zügel auf besteuerter Landstraße. Der sterbende Eng- länder gießt seine besteuerte Medizin in den Lössel, auf dem IS Proz. liegen, legt sich ins Kattunb«tt zurück, das 22 Proz. trug, schreibt sein Testament' aus besteuertem Bogen und stirbt unter Leitung des Arztes, der feine Lizenz mit 100 Pfund bezahlen mußte." Der unsterbliche Swift schlug einmal vor, Laster und Torheiten und besonders die Eitelkeit zu besteuern. Bei Lastern und Tor- heiten solle der Nachbar die Einschätzung vornehmen: Don Juans und schöne Frauen könnten sich selbst einschätzen. Das zaristische Rußland hatte für das platt« Land die Solidarhaft der Gemeinden. Das führte dazu, d--ß zahlungsunfähige Dorfgenossen von den wohlhabenden unmeirschlich geprügelt wurden. Etwas Aehnliches gab es noch 1817 in Nassau, wo den Schultheißen das Zuchthaus drohte, wenn sie bei der Steucreintreibung nicht streng genug vorgingen. Im Orient gab und gibt es barbarische Methoden der Steuer- «rhebung. So erhallen in Korea die Schuldner dreimal monot- l i ch d i e P r ü g e l st r a s e, bis sie zahlen oder sterben. In Persicn sollen sich die Kaufleutc förmlich darin üben, Prügel zu ertragen, um gegen Erpressungen der Statthalter unempfindlich zu sein. In der Türkei wurde gegen säumige Zahler noch während des Welt- kricges die Prügelstrafe angewandt. Wir sehen, der Abschnitt der Weltgeschichte, den man Steuer- geschicht« nennt, bietet wenig Anlaß zur Begcisteruirg. Das Gestern war schwarz, das Heute ist grau, das fühlen wir mit jedem Tag. Das Morgen muß gerechter und besser sein! K. M. Trance: Slitf U II löllf l'cl ff(M I€ Wenn ein Reisender aus Zentralafrika zurückkehrt, wird er ebenso totsicher danach gefragt, ob er Elefanten geschossen hohe, wie man gedankenlos den Münchener Fremden mit der Frage belästigt. ob er schon im Hofbräuhaus gewesen sei. Ein Rattenkönig von Dummheiten und auch Unwissenheit ist verknäuelt in dieser„Elefan- tenfrage", und es wird einmal Zeit, mit solchen Gewohnheiten end- gültig aufzuräumen. Als ob jedermann einer der zum Glück schon im Aussterben begriffenen„Iagdkavaliere" wäre, deren Lebenszweck das sinnlose Hinmorden und die Henkerarbeit an Tieren ist. die ihnen keinen Schaden zufügen, und dazu die Gedankenlosigkeit und das absolute Nichtwissen um die wirklichen Verhältnisse, als ob die Elefanten auf den afrikanischen Steppen herumliefen wie die Hühner auf unseren Dorfstraßen. Ich habe im Sonialiland das mittel- afrikanische Steppenleben kennengelernt, nicht minder den indischen Dschungel, wo man in Sachen Tiger und Elefant nicht weniger Jägerlatein verbricht, und kann versichern, daß eine Elesantenjagd in beiden Erdteilen heute ein monate- und manchmal jahrelang vorbereitetes, viel besprochenes, wahrhaftes Großkapitaluntemehinen ist, mit großem Slufgebot und außerordentlichen Kosten. Die Elefantenherden haben sich mit der zugehörigen Giraffen-, Ras- Horn-, Antilopen- und Büffelgesellschaft längst in bestimmte, vom weißen und schwarzen Menschen gemiedene Zentralgebiete Afrikas zurückgezogen, wo ihnen zu folgen, wahre Karawanen wie m alter Zeit notwendig sind. Dagegen gibt es, namentlich in Indien, Reservate für den Zweck dortiger einheimischer Fürsten, wo nicht so sehr gejagt, wie sorgfältig vorbereitet, von Zeit zu Zeit Tiere ein- gefangen werden, die man dann zähmt und abrichtet für Prunk- mifziige beim Hof- und Tempcldicnst oder noch häufiger als Last- ZderDaiervon Sherloch SEu Conan �Doyles 70. Qeburteiag, 22. Vlai Durch einen jener Zufallsspiele des Ruhms, die so oft im Leben varkanmicn, ist Conan Doyle,?er in seinem reichen Schaffen eine Anzahl von Romanen oerfaßt hat, die künstlerisch viel höher stehen als seine Dctektivgeschichten, durch die Gestalt seines Sherlok Holmes zu Reichtum und Weltruf gelangt. In seinem vor einigen Jahren erschienenen autobiographischen Buch„Erinnerungen und Aben- teuer" hat der jetzt Siebzigjährige von seinen wechselvollen Schicksalen erzählt, die ihn in die verschiedensten Weltteile führten und fast alle Gebiete menschlicher Erfahrung durchproben liehen. Nach dieser Durchforschung alles Irdischen ist er beim Glauben an das Heber- irdische angelangt. Der Vater von Sherlock Holmes lebt im alltäglichen Verkehr mit den Geistern des Jenseits und fühlt sich am heimischsten in seinem„Museuni", in dem er von lauter Wunder» des Okkultimus umgebe» ist. Aber die schöpferischen Kräfte Doyles liegen nicht in seinem Glauben an Naturgesetze, die wir nicht kennen, sondern in der klugen und klaren Handhabung der Kausalgesetze in seinen besten Geschichten. Den Witz, die Beobachtungsgabe und die Abenteuerlust hat er von seinen Vorfahren geerbt, unter denen sich einige beliebte Mitarbeiter des berühmten englischen Witzblattes „Punch" befanden. Bei seinen Studien schwenkte er von der�pcheo- logie zur Medizin ab, mußte sich die Mittel zum Weiterstudieren durch Assistieren bei Aerzten verdienen, machte dazwischen eine Walfischexpedition als Chirurg mit und schließlich als Doktor einen ziemlich zwecklosen Bummel nach Afrika. Da er als Arzt auf keinen grünen Zweig kommen konnte, widniete er sich der Schriftstellerei, beschoß die Redaktionen mit.„50 Bumerangs", d. h. Manuskripten, di« immer wieder auf seinen Schreibtisch zurückkehrten, bis ihm fein« erste Sherlock-Holmcs-Geschichte. die„Studie in Scharlach". 1887 Erfolg brachte und eine neue Figur in die Weltliteratur einführte. Der Detektiv Sherlock Holmes hat zwei literarische und einen „natürlichen" Vater. Die Detektivgestolten, die di« beiden größten Meister der Kriminolgeschichte vor ihm, Poe und Gaboriou, g«- schaffen hatten, der scharf«, aber tatenlose Denker und der kühne Erforscher oller Dunkelheiten des Lebens, wurden von Doyle zu einem Wesen vereinigt, für dos ihm fein Lehrer an der Universität Edinburgh, Dr. Joseph Bell, als Vorbild diente. Von Bell erhielt jein Meisterdetektiv di« Habichlsnas«, da? scharf geschnittene Profil und die stechenden, durchdringenden Augen, von ihm die schnelle Kombinationsgabe, die durch erstaunliche Erkenntnisse überraschte. Bell ging von der Anschouungsart aus, daß eine der wichtigsten Eigenschaften, di« der Arzt lernen müßte, Beobachtung sei, und daß man die Fähigkeit durch beständige Schlüsse aus kleinsten Einzel- heiten ausbilden müsse.'Am Gesicht, an der Kleidung, an sonst kaum beachteten Kleinigkeiten offenbarten sich ihm ganze Geschichten und Schicksale. Conan Doyle hat uns selbst eine Fülle von Beispielen dieser Kunst des Dr. Bell erzählt, die er zur Grundlage seiner Sherlock-Holmes-Seschichten machte.„Ich war Assistent in Dr. Bells Sprechstunde," schreibt«r,„und ich mußte ihm die Patienten vorstellen. Fall 1 kommt herein:„Ich seh«, daß Si« an Trunksucht leiden," sagt Bell zu ihm.„Sie haben eine Flasche in der Innen- tasche Ihres Rockes, werfen Sie sie weg!" Ein anderer Fall. „Schuhflicker, wie ich sehe." Er hatte an der Innenseite der Beinkleider an den Knien die Abschabungen erkannt, die das ooin Schuh- ilicker benutzte Instrument hervorruft. Aus de» besonderen Schmie- len der Hände wußte er anzugeben, ob es sich»in einen Schmied oder Schlosser oder Schieferdecker handelte. Einein Patienten sagte er sofort, als er ins Zimmer trat:„Sie find Soldat, und zwar Unteroffizier gewesen und dienten in Bermuda." Auf den sol- dänischen Stand schloß er daraus, daß der Mann im Zimmer zunächst den Hut aufbehielt, sich also wie eine Ordonnanz benahm, di« beim Vorgesetzten erscheint: der befehlende Ausdruck zusammen mit dem Zllter ließ auf einen Unteroffizier schließen, und der Hautausschlag an seiner Stirn verriet ein« Krankheit, die nur in Bermuda vor- kommt. Dieser Mann, der später aus sein literarisches Abbild so stolz war, daß er sich vorzustellen pflegte:„Dr. Joseph Bell— Sherlock Holmes, verstehen Sie!" erhielt nun in den Erzählungen seines Schülers«ine solche Lebendigkeit, daß die Leser dieser Ge- schichten ihn leibhaftig vor sich sahen. Conan Doyle verschmolz mit Sherlock Holmes zu einem Wesen: man suchte den Dichter aus, um von ihm Auskunft über geheimnisvolle Verbrechen zu erhalten, und dieser versuchte sich auch in der Wirklichkeit manchmal i» der Anwendung seiner Methode, wenngleich er meist bescheiden Zurück- Haltung übt«. Unzählig« kamen zu Doyle» um Sherlock Holmes zu sehen, und als er schließlich, des Treibens müde, seinen Helden sterben ließ, da wurde er mit einer Flut von entrüsteten Briefen überschüttet. Er Hot denn auch in den letzten Jahren seinen Sherlock Holmes noch einmal in seinen Geschichten ouflebsn laisen. ober unterdessen hatte sich di« D«t«kliogeschichte weiter entwickelt, und so ist Conan Doyle mit seinem Sherlock Holmes bereits zu einer histo- rischcn Gestalt geworden. tier, als welches der Eelesant dein Inder trog des Lastautos hoch- geschätzt ist. Denn der Elefant hat die Eigentümlichkeit, daß er sich in der Gesangenschast nur überaus schwer fortpflanzt, so daß es weit mißlicher ist, Zuchten anzulegen, als junge Tiere einzufangen. Neben dieser gleichsamcn„Elesantenbewirtschastung" gibt es aber auch noch in Afrika eine wahrhast schändliche Vernichtungsindustrie, die am liebsten mit Maschinengewehren und Handgranaten arbeiten würde, wenn dabei nicht der Geschäftszweck, nämlich die Ge- winnung von Elfenbein, leiden würde. Man liest in Vertrauens- würdigen Quellen, daß nach dem Krieg zu diesem so wenig jagd- edlen Zweck jährlich immer noch Zehntausend« von Elefanten ge- metzelt werden. Vor dem Kriege lautet« di« Iahresziffer 26 000, so daß der letzte Elefant Afrikas schon in berechenbare Nähe ge- treten ist. Ursache: der Elfenbeinhunger der Welt. Wenn er auch zum großen Teil durch Mammutelfenbein gestillt werden soll, das man aus Sibirien gräbt, und zu einem nicht' unwesenllichen Teil durch „pflanzliches Elfenbein" und andere Imitationen. Dieses pflanz- lich« Elfenbein, ein wahrer Segen der verfolgte» Tierheit, ist die beinharte Schale der Palme Dhytelcphas macrocarpa(und Coros» sos), der die Wissenschaft den drolligen Neunen„Pslanzenelesant" gegeben hat. Dieses weiße oder rahmige„Holz" ist so hart, daß man daraus ebenso wie aus den brasilianischen Steinnüsien Knöpfe und Billardkugeln und sonstig« Elfenbeingegenstönde drechseln kann, Es ist eigentlich nur mehr Tradition, daß zur Gewinnung von Elfenbein noch diese kostbaren, als Arbeiter höchst wertvollen Ti«re getötet werden müsicn,«ine Tradition, die von den wildesten und unzivilisiertesten Schwarzen übernommen wurde und gedankenlos di, heute fortgesetzt wird. Einst ging es ja in dieser Hinsicht in Afrika geraidezu grotesk zu. Es wurde ein« derartige Raub, und Schandwirtschaft getrieben. daß es im Sudan- und Kongogebiet Dörfer gab, deren Umzäir.iun- gen aus Elefantenzähnen errichtet waren! Man hatte keine bessere Verwendung für sie. Man fertigte aus ihnen höchstens noch Kriegstrompeten und abergläubischen Tand an und wütete mit dem Leben der edlen Tiere, bis eine merkwürdige Vergeltung für diese Niam-Niam- und Monbnttuoölker hereinbrach, die sich ja auch nicht scheuten, neben den abscheulichsten Formen von Sklaverei sich auch noch einer unerhörten Menschenfresserei zu ergeben. Gerade wegen der Elsenbeinverschwendung lockten sie die Gier der vom Norden hereinslutenden Araber, die mit den Elefantenzähnen gleich noch die erbeuteten Neger verkauften und dieses Land mit Brand, Plün- derung, Mord und unmenschlichen Qualen uberzogen wie zu solchen eben nur die Araber sähig sind, deren Barbarei von Aegypten bis Marokko ein Jahrtausend lang die ständige Beunruhigung der Mittelmeerschifsahrt bildet«. Die letzten dieser Sklaven- und Ele- saiitcnhäi'.dlergreuel sind erst kaum 00 Jahre her, und eigentlich hat erst die Begründung des Kongostaates diesen unglaublichen Mcnschenpeinigungen ein Ende gemacht, wenn auch noch immer nicht jeder Funken ausgetreten ist. Vor allem gehen die Elefanten- schießereicn immer noch fort. Sie haben zur Folge, daß das Ge- wicht der in den Handel komnienden Zähn« auifällig und ständig abnimmt, ein Zeiche», daß die stark bewehrten, also alte» Elefanten fast ganz ausgerottet find. In seiner Heimat kann der Elefant an zweihundert Jahre alt werde», und es ist ein Fall bezeugt, daß ans Ceylon die Holländer seit Besitzergreifung der Insel vom Jahre 1626 an«inen erwachsenen zahme» Elefanten bis über das Jahr 1800, also 140 Jahre, als Arbeitstier verwenden konnten.(In unseren Tiergärten überleben die kälteempfindlichen Tiere allerdings meist das 70. Jahr nicht.) Solch« alte Bullen sind bis 311 Meter hoch. Sie erscheinen aller- dings noch llcin gegenüber dem Mammut, das den Elefanten an Rückenböhe um reichlich einen Meter überragt hat und bis 4 Meter lange Zähne van zwei Zentnern Gewicht lieferte. Sie sind sogar wahre Zwerge, gehalten gegen den sogenannten Altelesanten, der in den glücklichen Braunkohlentagen auch Bayern bevölkerte und mit süns Metern Rückenhöhe und fünf Meter langen Stoßzähnen der letzte wirkliche Riesensäuger war, den di« Erde trug. Es sind also, wie man an diesem Großenrückgang erkennt, die Dickhäuter ohnedies«ine absinkende Tiersorm, und wenn die ab- steigende Geburtenzifser sogar dem Menschengeschlecht Sorge be- reitet, so ist sie in der„Elejantenheit" geradezu katastrophal Dies- an siebzig Zentner wiegenden Kolosse, die täglich über sechs Zentner Pmnzcvnahrnng in sich hineinstopien und dazu bis zweihundert Liter Wasser trinken, find erst mit 16—?0 Jabren(das Weibcken mit 16. die jungen Herren mit 20) onsgewachjen und haben selten mehr als ein bis zwei Nachkommeil. sie würden also auch ohne den Vernichtungskrieg de? Menschen gegen sie aussterben. Darum ist das Schicksal der Elefanten besiegelt.'