Morgenausgabe Jlr. 231 A 117 46. Jahrgang Wöchentlich 8SPf� monatlich Z.HV M. Im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich W Pfg. Postzeitun s- und 72 Psg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6»--- M. pro Monat. Der„vorwärts' erscheint wochentäg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen ,Dolt und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wifien".„Frauen. stimme".„Technik"..Blick in die Bücherwett" und.Iugeud-Lorwärts" ir ♦•vv* G Berliner VolkSblati Dienstag 21. Mai 1929 Groß-Äerlin 14) ps. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile Lll Pfennig. Reklame �eile 5.— Reichs- mark.„Kleine An�iger druckte Wort 2ö Pfennig eAnjeiyen' dos iettge- 5 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmai tt Zeile SV Pfennig. Familienanzeigen Ze le �V Pfennig. Anzeigenannahme imHaupl- geschäst Lindenstraße 3, wochentäalich von 8»/, bis 17 Uhr. Jentralovgan der SoziawemoSratiichen Dariei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Eernsprech«: TönhosI 292—297, ttlejiamm-abr.: Eozialdemokrat Berlw Borwärts-Verlag G.m.b.H. Postschecklonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten «nd Beamten Wallstr. 65. DiSkonto-Eesellschaft, Depofitenkalse Lindenstr k Cckener über die Sturmfahrt. Lleberquerung des Ozeans einstweilen ausgeschlossen. Dr. E ck e n e r. der am Sonntag nach Friedrichshafen zurück- gekehrt ist, äußerte sich vor Pressevertretern ausführlich über die letzte Fahrt des Luslschisses. Dr. Eckcner erklärte zunächst, daß er nach Friedrichshasen zu- rückgelehrt sei, um mit Dr. Maybach Rücksprache zu nehmen und zu beschließen, rvas geschehe» solle. Ein klares Bild könne man sich im Äugenblick nicht mache», da zunächst einmal die Frage geklärt werden müsse, worauf die Motorpannen zurück- zuführen seien. Dazu sei die genaueste Untersuchung der ge- brochenen Teile notwendig. Cr halte es jedoch schon jetzt»ach Lag« der Dinge für ausgeschlossen, daß Sabor>,ge vor- liege, wie in einigen Zeitungen vernmtct wird. Denn es sei tinmöglich gewesen, daß jemand an die Kurbelwellen der Motoren habe herankommen könne». Auch jene Deränderungen, die anläßlich der Mittelmeerfahrt an den Motoren getroffen worden'eien, hätten nichts mit den jetzt in Erscheinung getretenen Stöningcn zu tun. Ermüdung der Motoren halte er in Anbetracht der Güte des Mate- rials für ausgeschlossen, da die Motoren durchschnittlich 2000 Betriebsstunden arbeiten könnten, sie aber in Wirklichkeit erst 6M gearbeitet hätten. Es handele sich vielmehr um«in ganz neues M o m e n t, das noch der eingehenden Prüfung bedürfe. Aus alle Fälle ober könne an eine lleberquerung de» Ozeans nicht gedacht werden, bis die Ursache der Schäden einwandfrei feststände. Man hob« es hier ausschließlich mit einer Motorenfrage zu tun, die in keinem Zusammenhang mit dein Lustschisf selbst stände. Im Gegenteil sei es bemerkenswert, daß trotz der unerhörten Panne das Schiff glatt zur Landung gebracht worden sei. Er sei überzeugt, daß eine Panne aus hoher See einfacher und leichter jür das Luft- fchisf gewesen wäre, als gerade in dem Mistral des Rhonetalcs, dos außerdem noch zu beiden Seiten von Gebirgen eingeschlossen werde. Zum Fahrtverlauf selbst erklärte Dr. Eckener, daß er den Weg über Gibraltar genommen habe, weil hier noch den Wetter- Nachrichten mit einem schnellen Vorwärtskommen gerechnet werden konnte. Die Strecke von Basel bis zur französischen Küste Hobe er in vier Stunden zurückgelegt und mit gleich gutem Wind 4)4 Stun- den später Barcelona erreicht. Er habe die G e s a m t st r e ck e bis Gibraltar auf etwa 15 Stunden geschätzt, während die Fahrt über den Gols von Biscoya ungleich länger gedauert hätte, da hier mit ungünstigen Winden gerechnet werden mußte. Schon kurz hinter Barcelona hätte ein Sleuerbordmokor abgestellt werden müssen, da eine Kurbelwelle gebrochen war. Nach eingehen- der Beratung mit Graf Soden, der ein ausgezeichneter Techniker fei, sowie mit den Lustschisführern Lehmann und Flemming sei man zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Bruch der Kurbel- welle keinerlei Schlüsse auf die übrigen Motoren zulasse, um so weniger, als olle Motoren aus der letzten Amerikasahrt ganz vor» züglich und ohne jedwede Unterbrechung gearbeitet hätten. Er Hab« sich daher zur Weiterfahrt entschlossen. Ein Entschluß, den er um so eher hätte fassen können, als unter mindestens gleich günstigen Bedingungen eine Rückkehr von den Azoren aus hätte stattfinden können, falls noch weitere Pannen eingetreten wären. In diesem Falle hätten die ozeanischen Westwinde ausgenützt werden können, während bei sofortiger Umkehr der Mistral Schwierigkeiten bereiten konnte. Kurz hinter den Palcaren-Inseln und Kap Raa sei dann ein zweiter Sleuerbordmotor infolge Bruche» eine» Schwung- gewichte» der Kurbelwelle ausgefallen. Der Bruch der Kurbelwelle habe die Zertrümmerung des Kurbelgehäuses zur Folge gehabt und eine Reparatur un- möglich gemacht. Jetzt habe er sofort kehrtgemacht und sei in schneller Fahrt gegen ijll Uhr abends schon wieder über Barce- lona gewesen. Bon hier ob aber sei das Vorwärtskommen immer longsamer geworden. Der starke Mistral in der Bucht von Lyon habe das Schiff, dessen Geschwindigkeit mit den drei Motoren noch etwa 95 Kilometer betrug, einfach nicht mehr vom Fleck kommen lassen. Di« Böen hätten etwa 99- bis 9.Z-Stundcn-Kilometer be- tragen und die Kraft der Motoren gerade dazu ausgereicht, diese Windgeschwindigkeit„auszukämpfen". Er habe es in allen Höhen versucht, aber erst nachdem er auf etwa Ivo Meter herabgegangen fei, hätte das Luftschiff wieder etwas Fahrt gemacht. Bon Barce- lona bis an die Küste habe er volle 9 Stunden ge- braucht, während auf dem Hinflug die Strecke in ZV; Stunden bewältigt wurde. Nach Ueberschreituug der Küste sei er wiederum bis zur Prall-Höhc des Schiffes, also etwa 1309 Meter gestiegen, hätte aber die Feststellung machen müssen, daß der Mistral hier noch heftiger war. Gegen 11 Uhr vormittags wurde Rimez überflogen. Hier habe er, obgleich die Motoren mit äußerster Krast liefen, etwa «in« halbe Stunde lange nicht vom Fleck kommen können, bis der Wind nachgelassen habe. Etwa 39 Kilometer von Montelimar habe er dann die Rhone erreicht, und sei dann mit 39- bis 3ö-Stunden- Kilometern vorwärts gekommen, während in den verflossenen fünf bis sechs Stunden nur durchschnittlich 22-Stunden-Krlometer erreicht wurden. Gegen 3 Uhr nachmittogs habe man sich Balence ge- nähert und gehofft, hier bessere Bedingungen vorzufinden. Während dieser ganzen Zeit sei das Lustschiff langsam aber ruhig und stetig fortgekommen. Don einem Stampfen und Schlingern könne keine Rede sein, die Passagiere hätten alle in bester Stimmung und mit gutem Appetit das Mittagessen eingenommen, an dem er selbst teilgenomnien habe, um aus die.zahlreichen Fragen antworten zu könne». Kurz vor Balence sei er nach Nordosten abgebogen, um den Weg über Genf und die Schweiz zu nehmen. Man habe schon geglaubt, das Schlimmste hinter sich zu hoben, als kurz nach 3 Uhr östlich von Balence ein dritter Motor versagte. Die Eigengeschwin- digkeit des Luftschiffes sei nun beträchtlich herabgegangen, da sich mit dem Ausfall jedes weiteren Motorcs nicht allein die verfügbare Maschinenkraft, sondern auch der Wirkungsgrad der übrigen Propollerstärke abschwächte. Die Geschwindigkeit sei von 95 aus 79 Kilonieter zurückgegangen, gegen einen Wind von 55- bis 69-Stunden-Milomet«rn, was bedeute, daß das Luftschiff nur 19 bis 15 Kilometer vorwärts kam. Unter diesen Umständen lind ange- sichts der Gefahr, daß noch ein weiterer Motor ausfallen könnte, habe er sich zu einer baldigen Landung entschlossen. Noch in Er- wägung darüber, wo diese Landung stattfinden sollte, sei ihm die Meldung überreicht worden, wonach auch der vierte Motor eine Panne aufwies. Alle vier Molaren hätten dieselben Pannen gehabt, nämlich Bruch eines Schwnnggewicht» an der Kurbelwelle. Jetzt hätte es natürlich nur noch einen Ausweg gegeben, nämlich unverzüglich zur Landung zu schreiten. Er habe ssch daher sofort mit Lyon in Verbindung gesetzt und Hilfe für eine Notlandung in Balence erbeten, lieber den Flugplatz von Balence habe er jedoch so kräftige Winde angetroffen, daß an eine Landung nicht gedacht werden konnte. Er habe nu innehr da» Luftschiff in ein Seitental des Gebirges gesteuert, in dem Glauben, hier günstigere Wind- Verhältnisse anzutreffen. Daraus ergäben sich wahrscheinlich auch die Falschmeldungen, wonach dos Luftfchifs hilflos ins Gebirge getrieben worden sei. Er sei mit voller Absicht in das Gcbirgsgelände gegangen und habe dabei das Schifs mit einer lausenden Maschine so vollkommen in der Hand gehabt, daß er zwischen den recht hohen Bergen hindurch bis weit ins Droms- tal bis zum Städtchen Saillans gelangt sei. Wenn auch der Wind erheblich schwächer als außerhalb des Gebirges gewesen sei, so hätten Fallböen und aufsteigende Windstöße, wie überhaupt die Turbulenz der Atmosphäre eine einigermaßen glatte Landung von vornherein unmöglich gemacht. Der Versuch, nach Montelimar zurückzukehren, sei nüßlungen, weil der letzte Motor möglichst schonend behandelt werden mußte, d. h. die Tourenzahl erheblich herabgesetzt wurde. Er Hobe also den einzig möglichen Ausweg benutzen müssen, etwa 299 Kilometer bis zur Reviers zu fliegen, was denn auch mit einer Geschwindigkeit von 199 Stundenkilometern mit gutem Schiebe« wind gelungen sei. An den Landeplatz Euer» habe er zunächst nicht gedacht. da dieser ja in dem verbotenen Sperrgebiet von Tonlon liege. Cr habe vielmehr geglaubt, in den Vorbergen der Reviera Windstille und Täler für eine Landung vorzufiichen. Erst später habe er an die Möglichkeit einer Landung in Cuers gedacht und sei gerade im Begriff gewesen, eine Anfrage an das sranzösische Luftfahrtministerium wegen einer Landung zu richten, als dieses von sich aus eine Landung in Orly bei Paris oder aber in Euers anbot. Von jetzt ab fei er ständig mit Toulon und Cuers in Fimkver- bindung gewesen und Hobe den Flugplatz gegen acht Uhr nach ruhiger und verhältnismäßig schneller Fahrt erreicht. Obgleich von Tonlon aus Anweisung ergangen war, nicht vor fb9 Uhr zu landen, da die unterwegs befindlichen Landetruppen nicht früher zur Steve sein konnten, habe man sich der Laune des einzigen Motors nicht länger aussetzen wollen und sei unverzüglich zur Landung geschritten. Nur etwa 39 bis 49 Leute der Platzmannschaft von Cuers hätten aui dem Landungsfeld gestanden und in diesen hinein habe er bei völliger Windstille das Luftschiff fallen lassen und noch genug Brems- Rykow kaltgestellt. Gin neues Opfer der parieiguilloiine Sialins. Wie ans Moskau gemeldet wird, hat das Polit- bnreau der Kommunistische« Partei beschlossen, den Vorfitzenden des Rates der Volkskommissare der sowjet» russischen Republiken. Alexander Rhkow, von seiner Stellnng zu entheben. Zum Nachfolger Rtzkows ist Thrzosf ernannt worden. Stzrzoss ist ein Anhänger de�r Stalin-Politik und spielte im Bürgerkrieg bei der Bekämpfung der weistrussischen Bewegung eine große Rolle.(?r ist ei« Anhänger des linke» Flügels der Komintern. Besonders hervorgetan hat er sich beim Wiederaufbau der russi- sehen Wirtschaft. Er soll schon im Laufe dieser Woche sein Amt antreten. *• R y k o w war der anerkannte Führer des rechten Flügels der bolschewistischen Partei. Als solcher hatte er die Kaltstellung Trotzkis und seiner Anhänger am energischsten betrieben und mit Hilfe Stalins durchgesetzt. Er war der Wortführer jener Richtung, die durch Entgegenkommen an die mittleren und reichen Bauern deren Mitarbeit am Aus- bau des Sowjetstaates erreichen wollten. Diese Kulaken- Politik, gegen die sich der erbitterte Widerstand der Trotzkisten richtete, war zwei Jahre lang Trumpf in der Sowjetunion. Inzwischen hat sich aber Stalin wieder von diesem Kurs losgesagt. Nach der Vernichtung der Trotzkisten hat er selber den Trotzki-Kurs, wenigstens in dieser Kardinalfrage der Sowjetpolitik, eingeschlagen: Kampf dem Kulakentum, verstärkte Industrialisierung um jeden Preis. Mit Aus- nähme des alten K a l i n i n s, der sich rechtzeitig der neuen Stalin-Parole anpaßte und der zu populär ist, als daß man sich ohne weiteres an ihn herantrauen würde, sind nach und nach alle prominenten Anhänger des rechten Flügels, soweit sie Widerstand leisteten, kaltgestellt worden. B u ch a r i n als Vorsitzender des Präsidiums der Kommunistischen Inter- nationale und als Chefredakteur der„Prawda", T o m s k i als Vorsitzender des Allrussischen Gewerkschaftsbundes, Scheinmann als Leiter der russischen Staatsbank, und nun auch R y k o w als Leiter des Rates der Volks- kommisiare. lieber die politischen Leichen semer Partei- „Freunde" von link» und recht» schreitet triumphierend Stalin, der Generalsekretär der bolschewistischen Partei, hinweg— aber nicht geradeaus. Denn das ist das Charak- tcristische und Beschämende an dieser innerpartellichen H e n- k e r a r b e i t Stalins: unter dem Vorwand politischer„Ab- weichungen" werden persönliche Rivalitäten ausgefochten, die mit der Kaltstellung des unbequemen Konturrenten enden. Der Kurs ist aber ein Z i ck z a ck k u r s schlimmster Art. Man verbannt Trotzki nach Sibirien im Namen der notwendigen Kulakenpolitik, aber zwei Jahre später stiehlt man die Argu- mente des erledigten Trotzki und rückt von der Kulakenpolitik ab. Heute muß nun Rykow daran glauben, der einst gegen Trotzki nicht genug scharfmachen konnte. Aber wenn der neue Kurs der Industrialisierung Schiffbruch erlitten haben wird, dann wird derselbe Stalin die Argumente Rykows stehlen und wieder Kulakenpolitik treiben. Das kann sich Stalin um so gefahrloser leisten, als in elf Iahren bolschewistischer Herrschaft das Gros der Partei- Mitglieder zu charakterlosen Lakaien erzogen worden ist. Jeder zittert um sein Pöstchen und ist bereit, den besten Freund über Nacht zu verraten, wenn es der große Stalin so befiehlt. Und vom A u s l a n d ist erst recht keine Kritik und keine Re- bellion zu befürchten. In der Kommunistischen Internationale kennt man nur eine Parole, die unter jedem Moskauer Kurs hundertprozentige Geltung hat. Und diese Parole, deren idealer Verkünder in Deutschland der begabte Teddy Thälmann ist, heißt: Kusch! ballast gehabt, um eine sehr elegante Landung ausführen zu können. Erst als das Schiff bereits auf dem Boden war, von wenigen Leuten gut gehalten, feien einige hundert Mann eingetroffen, die es mit sehr viel Geschick, Vorsicht und Umsicht in die Halle gebracht hätten. Die Po st des Luftschiffes werde auf besonderen Wunsch der Postverwaltung nach Friedrichshofen zurückgeführt, während die Fracht vorläufig im Luftschiff verbleib«. Ueber die Reihenfolge der ausgefallenen Motoren befragt, erklärte Dr. Eckener, daß zunächst ein Steuerbordmotor, dann der zweite, dann der hintere Backbordmowr und als vierter der mittlere Heckmotor ausgefallen fei, so daß zuletzt nur noch der vordere Backbordmotor gearbeitet hätte. Ueber seine Absichten äußerte sich Dr. Eckener dahingehend, daß er nach den Besprechungen mit Dr. Maybach am Mittwoch nach Euers zurückkehren werde, um am Donnerstag oder Freitag das Luftschiff nach Friedrichshafen zu bringen. Die beiden am Sonn- abend nach Toulon abgegangenen Motoren feien be- reits am Sonntag dort eingetroffen und der dritte noch in Friedrichs Hafen liegende Reservemotor werde auf alle Fälle am heutigen Montag zum Versand kommen und am Donnerstag in Cuers«in- treffen. Der unterwegs nach Japan befindliche Motor brauche nicht mehr zurückgehallen werden, da der vierte ausgefallene Motor in Cuers selbst wieder repariert weiden kann. Besuchstag beim Lustschiff. Toulon, 20. Mai. Im Verlaufe des Sonnabend nachmillag war das Luftschiff zur Besichtigung freigegeben, von welcher Möglichkeit die Bevölkerung und die an der Riviera weilenden Touristen und Kurgäste starken Gebrauch machten. Unter den Besuchern befand sich auch der sozialistische Abgeordnete und Berichterstaller für das Budget des Luftfahrtministeriums, Renaudel, der vo'n Dr. Eckener in liebenswürdiger Weise empfangen wurde. Am gestrigen Pfingstfeiertage war der Zustrom der Besucher, die das Zeppelinluftschiff besichtigen wollten, so groß, daß die Automobile die Zufahrtsstraßen zum Flugplatz voll- kommen verstopften. Ein Infanterieregiment aus Hyeres mußte zur Verstärkung des Ordnungsdienstes eingesetzt werden. Die Mann- schaft des„Graf Zeppelin" hat am Nachmittag des 1. Pfingstfeier- tages in Begleitung von französischen Matrosen die Stadt Toulon besichtigt. Während die Mannschaft die erste Nacht nach der Lan° dung an Bord des Luftschiffes verbracht hat, wurde sie dann in der Kaserne des Flugplatzes Cuers untergebracht, die Offiziere in der Offiziersbaracke. Verständigung erwünscht. Paris, 20. Mai. Di« französische Presse hat sich bisher auf eingehend« Wieder- gäbe der verschiedenen Nachrichten über den Verlauf des Fluges des „Graf Zeppelin" und die Landung des Luftschiffes beschränkt. Jetzt hebt sie unit Befriedigung die aus Deutschland kommenden Meldun- gen hervor, die Frankreichs Hilfeleistung rückhaltlos anerkennen. In diesem Zuisammenhang wird mit besonderer Genugtuung ver- zeichnet, daß Dr. Eckener den deutschen Generalkonsul in Marseille ermächtigt habe, die ihm vor der Abreise aus Friedrichshafen von gewisser Seite in den Mund gelegten abfälligen Aeußerun- gen über Frankreich zu dementieren. In fast fämt- lichen Blättern kommt zum Ausdruck, daß die Landung des Zeppelin auf französischem Boden Anlaß zu einem besseren gegenseitigen Verstehen beider Völker werden könnte. Weltliche Schule/ Kulturzentrum. Neichsiagung der Freien Gchulgesellschasten. Das verunglückte Treffen. In Hamburg und Lübeck alles ruhig. Hamburg, 20. Mai.(Eigenbericht.) Die bombastischen Ankündigungen der Kommunisten:„Rotes Pfingsttreffen trotz Verbot" haben einen völligen Mißerfolg erziell. Obwohl in den letzten Tagen vor dem Pfingstfest in Hamburg zahlreiche auswärtige Kommunisten eingetroffen waren— auch Thälmann und Pieck hatten sich eingefunden—, blieb es an beiden Pfingsttagen nach den Feststellungen bis Montag abend 8 Uhr in Hamburg und in den preußischen Nachbarstädten ruhig. Das vom Hamburger Senat erlassene Verbot der kommunistischen Hamburger ..Volkszeitung", der kommunistischen Versammlungen und der Per- sonenbeförderung auf Lastkraftwagen hat seine Wirkung ausgeübt. Obwohl die Kommunisten noch am Sonnabend in Flugblättern zum Besuch der Versammlungen aufforderten, hatten sich in den Ver- sammlungsloialen nur ganz wenige Personen eingefunden. An den beiden Tagen wurden etwa 4S Sistierungen vorgenommen, und zwar wurden am ersten Pfingsttag in Vergedorf 20 Personen festgenommen wegen Ueberschreitung des Demon- flrationsverbots, am zweiten Pfingsttag in dem Hamburger Stadt- teil Hammhorn 14 Personen wegen Uebettretung des Verfammlungs- Verbotes und IS Personen ebenfalls wegen Ueberschreitung des Demonstrationsverbots. Unter den Festgenommenen befinden sich auch die kommunistischen Bürgerschaftsabgeordneten Walter, Wester- mann und Schmidt. Ueber die Kundgebungen der Kommunisten in Lübeck ver- lautet, daß nach polizeilicher Schätzung etwa 250 Personen daran teilgenommen haben und daß Zuzug von auswärts so gut wie nicht festzustellen war. Die Kundgebungen nahmen einen ruhigen Verlauf. Reichsbanneriag in Oanzig. Eine Ansprache Hörsings. Danzig, 20. Mai. An den Pfingstfeiertagen wurde anläßlich der Bannerweihe der Ortsgruppe Danzig des Reichsbanners eine Tagung der Orts- gruppen dieses Verbandes, namentlich aus dem deutschen Osten, ab- gehalten. Entsprechend dem Wunsch« des Senats hatten die Orts- gruppen aus Ostpreußen und Pommern sich darauf be- schränkt, kleinere Abordnungen nach Danzig zu entsenden. Der am Sonnabend abend veranstaltet« Fackelzug verlief ohne Störung. Am Sonntag hiell beim Vorbeimarsch des Reichsbanners Bundespräsident H ö r s i n g eine Ansprache, in der er D i k t a t u r- g e l ü st e von links und /on rechts ablehnte. Er kam auch auf das Verbot der Stahlhelm togung in Danzig zu sprechen und billigte die Haltung des Senats. Gegen die Pressefehd«, die von rechts namentlich gegen den Präsidenten des Senats Dr. Sahm geführt worden fei, erhob der Redner schärfsten Enifpruch. Zum Schluß bemertte Präsident Hörsing, daß das Reichsbanner mit feinem Besuch in Danzig nicht eine Kundgebung gegen Polen ver- anstallet hätte, sondern vielmehr die Anschauung verttet«, daß DeutschlandwiePoleneinenWegzurverstSndnis- vollen Zusammenarbeit finden müßten. Die Türkei hat den Auftrag zum Bau von zwei Zerstörern. zwei U-Booten und verschiedenen Hilfsschiffen an italienisch« Werften gegeben, weil deren Angebot, wie es heißt, günsnger war als die britischen, französischen und amerikanischen Offerten. Vrannschweig, 20. Mai.(Eigenbericht.) Braunschweig steht im Zeichen der Vertreterversammlung des Bundes der Freien Schulgesellschaften Deutsch- lands. Schon am Bahnhof grüßt die Delegierten ein fahnen- geschmücktes Transparent und weist Fernstehende auf die Tagung hin. Die braunschweigischen Genossen hatten am Sonnabend zu einem Begrüßungsabend eingeladen. Sprech- und Bcwegungschor von Kindern aus weltlichen Schulen, eine fröhliche Eulenspiegelei und Gesang umrahmten die Feier. Befreundete Organisationen, Ver- treter des braunschweigischen Unterrichtsministeriums, des Rates der Stadt und der Hochschule, der die Lehrerbildung obliegt, begrüßten die Tagung. Am Frellag und Sonnabend ging der eigentlichen Tagung«ine Vorstandssitzung vorauf, die sich mit der Vorbereitung der Ver- sammlung beschäftigte. Am Pfingstsonntag eröffnete der Vorsitzende des Bundes, Ge- nosse Linke, die Vertreterversammlung für 1929. Es sind ungefähr 200 Delegierte aus allen Teilen des Landes erschienen. Auftakt und zugleich Höhepunkt bildeten zwei Referate. Die Genossin B a l a- b a n o f f- Paris sprach als erste über das Thema „Der Marxismus als Grundlage der modernen Volkserziehung". „Die Politik der herrschenden Klassen auf ökonomischem und sozialem Gebiet zur Unterdrückung der Arbeiterschaft entspricht ihrem gleichen Verhalten auf geistigem Gebiet: Der Arbeiter darf gerade nur soviel wissenschaftliche Erkenntnisse erlangen als notwendig sind, um ihn zu einem produktiven Lasttier zu gebrauchen. Die herrschende Klasse bedient sich dazu der Religion nicht nur. um die Arbeiterschaft in demütigen Schranken zu halten, sondern auch, um sie zu ver- hindern, ihre Rolle im modernen Produktionsprozeß klar zu durch- schauen und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Auf diese Angriffspolitik muß das Proletariat mit starker Abwehr antworten. Nicht nur marxistische Aufklärung genügt, sondern der historische Ma° terialismus soll zur Grundlage der Erziehung und Bildung über- hau�t werden. Der Arbeiter muh aus seiner verdammten Be- dürsnislosigkeit herausgerissen werden. Es gibt keine sogenannte „neutrale" Schule, keine„neutrale" Wissenschaft.. weil deren Haupt. tendenz in der Verschleierung der kausalen Zusammenhäng« steht, um den Glauben an die Unantastbarkeit des Bestehenden in den aus- gebeuteten Massen aufrecht zu erhalten. Wir müssen den Mut haben, unsere Weltanschauung der alten gegenüberzustellen, weil sie eine Anschauung der neuen, aus st rebenden Klasse ist. Di« bürgerliche Klasse fürchtet sich vor der Welt- anschauung des Proletariats mehr als vor einer einzelnen Er- Hebung. Diese kann man zurückschlagen, die Weltanschauung ist aber eine Kette, die nicht zerbricht. Unsere Weltanschauung muß ein Dämon sein, dem wir all« unterworfen sind. Es gibt kein« Möglich- keit, diesen Dämon aus unseren Hirnen und Herzen auszurotten." Als zweiter Redner kam der Genosse Kurt Löwenslein-Berlin zu Wort. Er beschäftigte sich im Gegensatz zu der Genossin Balaba- noff mehr mit der praktischen Arbeit unserer weltlichen Schulen. Sein Thema lautete: „Die wellliche Schule als Sulturmiltelpunki des schaffenden Volkes." „Unser Kampf ist Prot« st und Aufbau zugleich. Protest gegen die bestehende These der kirchlich-klerikalen Anschauungen, An- erkennung der Antithese der liberalen Protesteinstellung dagegen. Ader unsere Hauptaufgab« ist der Auf- und Ausbau der Synthese unserer weltlichen Schule. Wir können nicht nur bei dem anti- klerikalen Protest stehen bleiben, sondern wir suchen nach tieferen Fundamenten. Der Sozialismus ist diese tiefer« Synthese. Er ist der positive Inhalt unserer weltlichen Schulen. Wenn ich auch weiß, wie stark unsere Gegner noch sind, so bin ich doch der Ueber- zeugung, dcch wir trotzdem siegen werden. Das ist nicht nur eine leer« Hoffnung, sondern ein Glaube, der fundiert ist auf den Erfolgen der letzten Jahr«. Wir haben heute unsere welllichen Schulen mit 2S00 und mehr Klassen im ganzen Reich. Unsere 100 000 Kinder sind eine Tatsache, die man nicht aus der Welt schaffen kann. Es bestehen nicht nur unsere wellluhen Schulen als Anthitese gegen die konfessionelle Schule. Gegenüber der„katho- lischen Aktion" steht und wächst unsere„sozialistische Aktton". Der positive Jnhall unserer weltlichen Schulen, unserer Erziehung, ist, die Kinder herauszubringen aus der Not und Eng« der einzelnen Familie, der einzelnen Sondergruppe. Wir wollen sie hineinstellen in die groß« Gesellschaft, sie zu freien Menschen und sozialen Kämpfern erziehen. Wir haben von der Kommunistischen Partei di« Befürchtung gehört, daß wir uns mit unseren welllichen Schulen isolieren. Räumliche Jiolierung braucht aber niemals geistig« Jso- lierung zu sein. Unsere welllichen Schulen sind vielmehr Kraft- zenlren ersten Ranges geworden, Plallformen, von denen aus wir die Verweltlichung des gesamten Schul- wesens fordern. Es genügt uns durchaus nicht, di« Gleichberech- tigung mit den konfessionellen Schulen. Unsere welllichen Schulen sind noch lange keine sozialisttschen Schulen. Wir wissen, daß die Schul« der sozialistischen Gesellschaft eine ganz andere sein wird, vielleicht überhaupt kein« Schule im heutigen Sinne. Aber das sind Problem«, die uns erst später zu beschästigen haben. Unser« Schulen können gehemmt werden, aber auch dort, wo wir Niederlagen erleben, wird sich der neu« Will« zu neuem Kamps entzünden. Mit dem Bewußtsein, daß wir aus gesell- schaftlicher Notwendigkeit heraus siegen werden, wollen wir den weiteren Kampf ausnehmen!" Beide Referenten ernteten für ihre Ausführungen starken Bei- fall. Im Anschluß an die Diskussion und die Schlußworte wurde die folgende Entschließung angenommen: „Die bisherige Geschichte d«r welllichen Schulbewegung, ge- kennzeichnet durch die programmatischen Erklärungen der Bundes- tage in Dortmund, Breslau und Magdeburg zeigt in der Orgam- sation der Freien Schulgesellschaften den Vortrupp der klasien- bewußten Arbeiterschaft im Kampf gegen die bürgerliche Kullur- reaktion. Dieser Kampf wird ideologisch mit der Waffe des natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Materialismus für die Her- beiführung der klassenlosen Gesellschaft geführt. Somit tritt die weltliche Schule immer mehr in den Mittelpunkt des kulturkllen Ringens der Arbeiterklasse. Dem Bund der Freien Schulgesellschaften als dem organija- torischen Träger der weltlichen Schulbewegung erwächst aus dieser Tatfache die Aufgabe, den Unterricht sowie das gefamte innere und äußere Leben der welllichen Schule aus der Ausgabe des proletarischen Befreiungskampfes und seines hohen Menschhells- zieles zu gestalten. Die wahrhaft revolutionäre Bedeutung der weltlichen Schulbewegung für das gesamte sozialistische Ringen verpflichtet die übrigen proletarischen Organisationen, dem Bund der Freien Schulgesellschasten ihre aktive Mithilfe zu geben." Die Geschäftsberichte bildeten den Schluß des ersten Versamm- lungstages. Sie gäben ein außerordentlich erfreuliches Bild für den inneren Ausbau und das äußere Wachstum der weltlichen Schul- bewegung. siv Arbeiierkandidaien. Keine Äürgerblockfront. London, 20. Mai.(Eigenbericht.) Die am Montag erfolgt« offizielle Ernennung der Kandidaten der einzelnen Parteren brachte lediglich eine Ueberraschung, nämlich die Ernennung von 570 Vertretern der Arbeiterpartei, d. h., daß die Arbeiterpartei diesmal also nahezu in jedem der 615 Wahlkreise einen eigenen Kandidaten aufgestellt hat. Bemerkenswert ist auch, daß di« Libe r a l e n diesmal gegen 600 Kandidaten aufgestellt haben, wodurch die gemeinsame bürgerliche Frank, die bei den „Sinowjew-Wahlen" 1924 den Sieg der Arbeiterpartei unmöglich machte, zusammengebrochen ist. Die Arbeiterpartei kann also den Wahlen zuversichtlich entgegensehen. Eine wesenttiche Verschiebung in der Aufstellung ihrer Kandidaten hat nicht stattgefunden. Lediglich Mac- d o n a l d übernimmt den früheren Sitz des ergrauten S i d n e y W e b b in Ssaham, den dieser bei den letzten Wahlen mit einer Mehrhest von über 10 000 Stimmen behielt. Die übrigen Führer der Arbellerpartei behalten dagegen ihre allen Sitze bei: S n o w d e n- Colne-Valley(3000), I. H. Thomas- Derby (6700), M o s l e y- Smethwick(6600), Henderson- Burnley (4600), P o n s o n b y- Shefi«ld(3300), M a x t o n- Bridgeton, Kenworthy- Hull. Crwähenswert ist, daß auch diesmal der Sohn des Premierministers Oliver Baldwin als Vertreter der Arbeiterpartei aufgestellt worden ist. Frankreichs neue Bürgermeister. Zwischenfälle in Lyon, Lille und Kolmar. Paris, 20. Mai.(Eigenbericht.) Während der �pfingstfeiertage haben die neugewähllen Gemeinderät« in Frankreich ihre Bürgermeister erwählt. Mit besonderer Spannung sah man dieser Wahl in Lyon entgegen. Hier sind bekanntlich die S o.z i a l i st e n in stärkster Zahl ins Stadt- Parlament zurückgekehrt. Die Radikalen blieben in der Minderheit. Deshalb hatte H e r r i r t auch die Absicht kundgegeben, seinen Bür- germeistersessel an die Sozialisten abzugeben. Trotzdem ließ er sich am Montag wiederwählen, allerdings unter wenig schönen Bedingungen. Im zweiten Wahlgang enthielten sich nämlich sämtliche Sozialisten der Stimme mll der Erklärung, daß sie, weil sie nicht die absolute Mehrhell hätten und mit der unbeugsamen Feindschaft der Radikalen rechnen müßten, von der Gnade der Letzten abhängig wären. Das aber wollten sie nicht. Wenn es not- wendig sei, sich von der Rechten begünstigen zu lassen, dann über- ließen sie dies den Radikalen. Herriot protestierte zwar auf das energischste, aber er ließ sich dann mit 23 Stimmen seiner Angänger bei 48 Gemeinderatsmiigliedern doch wieder wählen. Zu einem ähnlichen Zwischenfall kam es in Lille. Hier war der frühere Bürgermeister, der Sozialist Salengro. überhaupt nicht wieder in den Stadtrat gewähr worden. Als nun der sozialistische Abg. Brack« zum Bürgermeister«rwahll worden war, de» missioniert« er sofort zusammen mit zwei weiteren sozialistischen Stadträten, um so ein« Teil wo hl zu provozieren. Bei dieser Teilwahl sollte Salengro wieder kandidieren und nach Mög- lichkell wieder in den Stadtrat einziehen. In Kolmar verzichtete der zum Bürgermesster gewählte Autonomistenführer R o s s ä freiwillig, weil ihm di« bürgerlichen Ehrenrechte entzogen worden sind, um der Stadt Schwierigkeiten zu ersparen, und ließ den Autonomisten Herzog an seiner Stelle wählen. In den übrigen Gemeinden gab es entsprechend dem Wahlous- fall nur geringe Veränderungen. Der sozialrepublitanische Senator Flaissieres in Marseille, der sozialistische Abgeordnete Mar« q u e t in Bordeaux und der radikal« Abgeordnete Meyer in Lc Haore wurden wiedergewähll. Bei einer Nachwahl zum Generalrat im Departement Aude wurde der sozialistische Abgeordnete Leon Blum zum Ge- neralrat des Kantons Narbonne gewählt. Entgegenkommen Amerikas? Verzicht auf einen Teil der VefahungSkostea. Item Jork. 20. ZNai. 3n Washington fand In Anwesenheit von Präsident hoover, Stimson. vlellon sowie sämtlichen rcpubli- konischen und demokratischen Parteiführern bei- der Häuser eine wichtige Besprechung statt, in der insbesondere die baldige Lösung der Sriegsentschädigungs- frage im Zusammenhang mit den Pariser Sachverständigen- Verhandlungen besprochen wurde. Der Tntscheidung der Sonfereaz wird allgemein größte Bedeutung beigemessen. von amtlicher Seite stammende Meldungen erkläre«, daß sich die amerikanische Regierung bereit erkläre, bezüglich ihrer Lesahuagsansprüchc die gleichen Aenderuvge« eintreten zu wsscn, wie dies Frankreich und England tun würden. Aus den washingkoncr Berichten geht hervor, daß Amerika die Herabsetzung seiner vesahungsansprllche in dem Maße erwäge. daß sich daraus clae Verminderung seines Reparolionsautciles um etwa zehn Prozent ergebe. Es wird dabei jedoch unterstrichen. daß Amerika trotzdem nichts verliere, wenn der Zinssah aus ö oder bVj Proz. erhöht und Zahrcszahlungen auf eine längere Zeitdauer verleilt würden. Die übrigen ameritauischen Ansprüche sollen durch diese Maßnahme nicht berührt werden, und Amerikas Schulden- Politik gegenüber Europa bleibe uuverändert. Die amerikanische Re- gierung wolle nur dazu bcitragco, durch diese Entscheidung die Unsicherheit der Sachvcrstäadigcuberawugen zu beseitigen. Ver Beschluß der amerikanischen Regierung wurde unmittelbar dem amerikanischen Botschafter in Paris zur weilerleituag an die amerikanische« Sachverständigen übermittelt. Rumänien bleibt reaktionär. Der Budapester Arbeiterge- songverein ,.S« n e f e l d e r" wollte der Einladung des Groß- wardeiner Brudervereins zum Iubiläumsfest folgen. Dos rumäni- sche Außenministerium Hot, entgegen s r ü h e r e r Zusage, die Einreise oerboten! ver„Ehristengeneral" Feng soll Tschiangkaischek den Krieg er- klärt haben. Poincore redet in Oouaumont. Lieber Kriegsschuld und �eparaiionsfrage. Varls, 20. Mai.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Poincarä hat am Montag bei der Ein- weihung eines Kriegerdenkmals auf dem Gelände des zerstörten Dorfes Douaumont bei Verdun eine bedeutsame politische Rede gehalten, bei der er sich auch mit der Frage der Versöhnung und der Wiedergutmachung beschäftigte. Er erklärte, wenn man auch auf gegnerischer Seite oersucht habe, durch Verleumdungen die Kriegsschuld der Zentral mächte zu verhüllen, so bleibe es doch dabei, daß die französische Regierung und das fron- zösische Volk 1914 wie auch früher ausrichtig den Frieden gewünscht haben. Die Zentralmächte hätten sich aber nicht nur darauf be- schränkt, den Krieg zu erklären und dadurch jede Vermittlungsoktion unmöglich zu machen, sondern sie hätten auch das Derbrechen be- gangen, die belgische Neutralität zu verlegen. Nehme man an, daß die kaiserlichen Regierungen der Zentralmächte wirtlich nicht den Krieg gewollt hätten, dann hätten sie allein durch ihren Gewaltstreich gegen Belgien sich schadenersatzpflichtig gegenüber Belgien und gegenüber Frankreich gemacht. Eine gerechte Wiedergutmachung müsse Frankreich alles wiedergeben, was es zum Wiederaufbau verausgabt habe. Aber schon seit langem habe Frankreich auf eine so günstige Rege» lung verzichten müssen. Jedesmal, wenn Verhandlungen mit den Schuldnern in Gang gekommen seien, Hab« sich Frankreich zu Konzessionen bereitfinden lassen im Interesse der Versöhnung und des Friedens, und noch jetzt wieder habe Frankreich die Sachver- ständigenkonferenz, die man erbeten habe, zugelassen. In keinem Augenblick habe die französische Delegation die Sachverständigenver- Handlungen erschwert oder kompliziert. Sie habe lediglich daran festgehalten, den Dawes-Plan nicht gegen eine weniger sichere oder weniger produktive Regelung aus der Hand zu geben.„Frankreich wünscht im Interesse des wirtschaftlichen Wiederaufbaues der Welt," schloß Poincare,„daß eine endgültige Regelung der Repa- rationssrage zustandckommt. Aber es wäre ungerecht und unon- nehmbar, wenn die Kosten für diese Regelung von Frankreich allein getragen werden müßten. Wir haben nicht das Recht, unsere Toten und unsere Kriegsgeschädigten zu vergessen." Diese Rede Poincar�s war zumindest sehr über- flüssig. Denn sie offenbart das Bestreben, die Sachver- ständigenberatungen in ihrem abschließenden Stadium von außen her durch politische und polemische Argumente zu be- cinflussen. Die Mitglieder aller übrigen interessierten Regie- rungen haben es in den letzten Monaten stets vermieden, in ihren Reden einen Druck auf die Expertenkonferenz aus- zuüben. Wenn z. V. deutsche Kabinettsmitglieder die Re- parationsverhandlungen streiften, so geschah das immer nur in der Form, daß sie ihre Hoffnung auf ein günstiges End- ergebnis äußerten. Der französische Ministerpräsident sollte bedenken, daß, wenn alle Regierungschefs der interessierten Länder anfangen würden, in der Art, wie er es gestern getan hat, zu polemisieren, nicht allein die Regierungen sich sehr schnell auseinanderreden würden, sondern obendrein die Sach- verständigen selbst in eine unmögliche Lage geraten würden. PoincarH hat sich vier Monate lang zurückgehalten— konnte er nicht dieses notwendige Opfer noch die paar Tage länger bringen, die die Konferenz noch dauern wird? Ueberhaupt: gegen wen richtet sich eigentlich dieser ganze Vorstoß, wozu diese neue Betonung seines nun einmal schon zur Genüge bekannten Standpunktes in der Kriegs- schuldfrage? Diesmal kann Poincars nicht behaupten, daß er nur in der Abwehr geredet hat. Vielmehr ist dieses Thema, von dem er eigentlich wissen müßte, daß es in Deutsch- land stets Gegenäußerungen auslöst, von ihm ohne zwin- genden Grund angeschnitten worden. Die Schadenersatzpflicht Deutschlands gegenüber Belgien und Nordfrankreich ist von Deutschland ausdrücklich anerkannt worden. Und zwar nicht erst gestern oder vorgestern, sondern so ziemlich genau vorzehn Iahren. In einer Note der deutschen Friedensdelegation vom 24. Mai 1919 an Clemen- ceau bestätigte Brockdorff-Rantzau, daß Deutschland infolge der Verletzung der belgischen Neutralität Belgien gegenüber schadenersatzpflichtig sei und fuhr wörtlich fort: „Was hier für Belgien gesagt wird, mußte Deutschland auch für Nordfrankreich anerkennen, da die deutschen Heer« nur auf dem Wege über die verletzte belgisch« Neutralität die französischen Gebiete erreicht hatten." Brockdorff-Rantzaus Note fügte hinzu, daß diese Wieder- gutmachungspflicht mit der Kriegsschuldfrage als G e sa m t- komplex nichts zu tun habe. Deutschlands Standpunkt zu der Reparationsfrage hat sich in diesen zehn Iahren nicht verändert. Dieser Standpunkt deckt sich durchaus mit dem französischen Verlangen eines Ersatzes der Wiederaufbaukosten des französischen Nordens. Wozu also diese neue Rede Poincar&s, wozu diese ewige Auf- rollung der Kriegsschuldfrage überhaupt? Sicherlich nicht, um die Arbeiten der Sachverständigen zu erleichtern. Und erst recht nicht im Interesse der deutsch-französischen Versöhnung. Im vergangenen Jahr hat Poincarö mindestens zwei Reden gehalten— in Caicassonne und in Chamböry—, die der An- Näherung wirklich dienten, eben durch ihren versöhnlichen Ton und durch ihre Nichterwähnung der Kriegsschuldfrage. Seine neue rhetorische Leistung bedeutet eher einen Rück- fall. Die Luft der Schlachtfelder von Verdun bekommt ihm anscheinend nicht. Raubüberfall in Oberschöneweide. Das Opfer eine atteinstehende Krau. Noch zittert m der �Bevölkerung de» Viertels um die Eadiner Straße die Erregung über den Raubmord an der Witwe Marie Sommerfeld, da kommt schon die Meldung von einem zweiten ganz ähnlichen Ver. brechen, bei dem nur durch einen Zusatl das Opfer dem Tode entging. Wieder ist die Uebersallcne eine ältere alleinstehende Frau und wieder der Täler ein junger Bursche. Wir erfahren zu der Tat folgende Einzelheiten: Bei der Ge- müjehändlerin Wilhelmin« P l a n e r t, einer 59 Jahre alten Witwe, die aus Ostpreußen stammt und seit einer Reihe von Jahren in der Luisen st raße 12 zu Oberschöneweid« ihr Geschäft betreibt, klopfte am ersten Feiertag abends gegen 7 Uhr«in junger Mann an die Wohnungstür. Als Frau Planert öffnete, erklärte er, seine Mutter schicke ihn und bitte, ihm Wurst und etwas käse zu verkaufen. Die Frau nahm den Kunden mit in den Laden und verabfolgte ihm die Waren. Geld hatte der Bursche nicht bei sich: er gab an, daß seine Mutter später bezahlen werde. Die Geschäftsfrau war damit einverstanden, weil sie den jungen Mann dem Namen und der Woh- nung nach kannte. Sie hörte ihn draußen mit der Tür klappen und glaubte, daß er sich entfernt habe. In Wirklichkeit war der Bursche in der Wohnung geblieben und hatte sich in dem neben der Tür liegenden Klosett versteckt. Hier zog er sich die Sckiuhe aus und wartete ob, bis die Frau zu Bett gegangen war. Dann schlich er sich heimlich in den Laden, e r- brach die Kasse und raubtedarau» etwa 500 M. bares Geld. Als er sich mit der Beute entfernen wollte, irnißte er feststellen, daß Frau Planert die Tür abgeschlossen und den Schlüssel mit in ihrer Schlafstube genommen hatte. Er huscht« in die Stube und suchte nach der Handtasche und dem Schlüssel. Die Frau er- wacht« und sprang aus dem Bett. Der Bursche stürzte sich nun auf sie und schlug mit einem 30 Zentimeter langen schweren Schrauben- schlüsscl. einem sogenannten„Engländer", auf sein Opfer ein. Die Frau, die zu Boden gesunken war, bat flehentlich, sie doch am Leben zu lassen und versprach, ihm alles Geld zu geben. Sie reichte ihm aus der Handtoefche noch 79 M. Der Bursche ober schlug weiter auf sie ein, weil er fürchtet«, sie würde ihn. wenn sie am Leben bliebe, verraten. Nach sechs wuchtigen Hieben lag die lleberfollene besinnungslos am Boden. Der Räuber, der sie für tot hielt, ging in die Toilette, uni die dort versteckten Schuhe wieder anzuziehen. Inzwischen war die Niedergeschlagene wieder zu sich gekommen, eilte an das Fenster und schrie um Hilie. Passanten wurden aufmerksam, alarmierten die Polizei und beteilig:«» sich an der Suche. Man fand den Burschen im Keller. Es ist ein neunzehn Jahre alter Bauklempner Otto Kost« aus der Luisenstroße 15. In seinem Berufe, in den, augenblicklich mit Hochdruck gearbeitet wird. hätte er wohl, wenn er gewollt hätte, Arbeit finden können. Bei dem verhafteten entdeckte man nvr die 70 die ihm die Frau übergeben hotte. Die 590 M. aus der Kasse waren verschwunden. Kaste will sie verloren lzad«,. doch ist anzunehmen, daß er si« irgendwo im Keller versteckt hat, als er merkte, daß man ihm auf den Fersen war. Er hatte am Sonnabend das Geschäft beobachtet und gesehen, daß viele Kunden aus- und eingingen und vermutete, daß ziemlich viel Geld in der Kasse fein würde. Er gibt den Ueberfall zu und erklärt, er habe für die Feier- tage Geld gebraucht, weil er ausgehen wollt«. Die schwerverletzte Frau Planert wurde noch dem Elisabeth. Hospital gebracht, wo sie noch vernehmungsunfähig daniederliegt. Sie hat durch die Hiebe mit dem Schraubenschlüssel gefährliche Wunden am Kopf abbekommen. Die andere Bluttat aufgeklart. Drei Täter verhastet und geständig. Auch der Raubmord an der Wilwe Marie Sommerfeld in der Eadiner Straße 16. dessen weitere Bearbeitung in den Händen der Kriminalkommissare Dr. Wächter und Rebe liegt, ist weiler ausgeklärl. Roch im Lause der Rocht konule der dritte Täler festgenommen werden. Er ist ein Zljähriger Otto R i e l c b o ck. der-in der Paul-Singer- Straße 109 wohnk. Di« beiden anderen, der Klempner Erwin Detloff und der Autoschlosser Alois Pissareck, konnten, wie bereits mitgeteilt, dank der totkräftigen Beihilfe der Hausbewohner schon am Sonn- abend dingfest gemacht werden. Sie leugnen dl« Bluttat nicht, ober einer schiebt dem anderen die Hauptschuld zu. Detlofs und Pissareck haben früher einmal gemeinsam einen Motorraddiebstahl ausgeführt und sind dafür bereits bestraft. Auch bei Ihnen gab den Anstoß zu dem Raubmord der Wunsch, sich für die Feiertage mit Geld zu versehen, um ausgehen zu können. Nielebock hat, wie die Aernehmungen ergaben, nur indirekt mit- gewirkt. Er wurde vorausgeschickt, um festzustellen, ob grau Sommer- seid allein sei. Er kaufte ein Viertelpfund Bonbons und teilte den draußen wartenden anderen mit, daß die Luft rein sei. Detloff und Pissareck hotten sich für den Fall, daß die Frau ihnen Widerstand entgegensetzen würde, mit einer Schnur und einem Taschentuch aus- gerüstet, um si« fesseln und knebeln zu können. Pissareck war auch wohl der Anführer. Er drängte fortwährend/ daß man zur Tat schreiten solle, weil er sich noch am Sonnabend einen Anzug taufen wollt«. Bis vor kurzem halte er Arbeit in einer Autoschlosserci, wurde aber entlass«n. weil er eine Schwarzfahrt mit dem Wagen des Arbeitgebers gemacht hotte. Er und Detloff hoben keine Väter mehr. Seine Mutter ist eine betagte Frau, die von der Tat des Sohnes keine Ahnung hotte und stei der Nach- richt vollkommen zusammenbrach. Die Teilnahme der Nachbarn, die zum Ausdruck brachte, daß sie die achtbare Frau für das Ver- brechen des mißratenen Sohnes mcht verantwortlich machten, war ungewöhnlich groß. Die Verhafteten werden dem Untersuchungs- richter vorgeführt werden._ Sprengstoff auf einer Eisenbahnbrücke. Auf der Eisenbahnbrücke über den P« tz i n s« e bei Caputh fand man am 1. Feiertag gegen 1 Uhr nachmittags acht Rollen Spreng st off, Aopseln und eine 1 � Meter lange Zündschnur. Die Sachen sind vermutlich aus einem fahrenden Zug? herausgeworfen worden und auf der Brücke liegen geblieben, statt, wie der Werfer. beabsichtigte, ins Wasser zu fallen. Ein Attentat auf die Strecke kommt nicht in Betracht. Zwei schwere Verkehrsunfälle. Zwölf Personen verletzt. Zu den Feiertagen haben sich eine Reihe van schweren Verkehrsunfällen ereignet. Einen besonder» bösen Ausgang nahm ein Zusammenstoß, der sich am ersten Feiertag kur? nach 4 Uhr früh an der Ecke Prenzlauer Promenade und Granitzstraße zutrug. In voller Fahrt fuhr dort ein Privatauto mit einem Motovrad zusammen. B e id e Fa hrz« u g e wurden« r h« b li ch beschä- digt und der Beiwagen des Motorrads völlig zer- trümmert. Der Führer des Motorrades und seine drei Mitfahrer wurden auf das Pflaster geschleudert und zum Teil schwer verletzt. Di« Insassen des Autos wurden verletzt und mußten zusammen mit den anderen Verunglückten ins Pankower Krankenhaus gebracht werden. Während vier von ihnen nach An- legung von Notverbänden wieber entlassen werden konnten, mußten der neunjährige Sohn des Autobesitzers Czynczoll aus der Friodeberger Straße 18, sowie zwei Angestellte der Heilanstalt Buch, die 25jährige Pflegerin Erika Witte und der 25jährige Herbert Witt, die schwer« Verletzungen erlitten hatten, im Krankenhouse verbleiben. Der zweit« schwere Unfall ereignete sich in der Berliner Straße 93 in Hohenschönhausen. Beim Ueberholen prallte eine Autodroschk« miteinemKremser zusammen, auf dem sich eine Ausflugsgesellschaft befand, die zum größten Teil aus Frauen und Kindern bestand. Drei Frauen und zweiKinder wurden herabgeschleudert und erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Di« Verunglückten wurden ins Krankenhaus am Friedrichs Hain gebracht, von wo sie bis auf«ine Frau Elise Schwanz aus der Scheffel st raße 14 in Lichtenberg wieder entlassen werden tonnten. Außerdem ereigneten sich aus den sehr stark belebten Ausfall- straßen vor den Toren Berlins mehrere schwere Motor- radunfälle, die zahlreiche Verletzte gefordert hoben. Reue schwere Flugzeugunsätte. Drei Todesopfer. Unmittelbar»ach der schwere« Flugzeugkalastrophe in Columbia in den vereinigten Staaten und bei der Esegeter Znsel in Ungarn haben sich zwei weitere folgenschwere Flug- zeugkatastrophen ereignet. Bei einer Flugveranstaltuag aus dem Flugplatz bei Latin in Mähren versuchte ein Zljähriger Bäcker aus 1000 Meter Höhe mik dem Fallschirm abzuspringen. Er versing sich jedoch in den Verstrebungen de» Apparates, wodurch sich der Fall- schirm nicht enlsaliete. Mit zerschmeilerlen Gliedern wurde er al» Leiche geborgen. Auch in Brünn ereignete sich bei einer Flugveranflaliung ein schwerer Unglücksfall dadurch, daß ein Militärflieger bei einem Sturzflug die Maschine nicht mehr abfangen konnte. Er stürzte ab. wobei er und sein Begleiter so schwere Verletzungen davontrugen, daß an ihrem Auskommen gezweiselt werden muß. Zusammenstoß zwischen Auio und Zug. Auto bleibt mitten auf den Geleisen stehen. Frankfurt a. M.. 20. Mol. Die Reichsbahndirektion Mainz teilt mit: Am ersten Pfingstfeiertag, mittags 12)b Uhr. wurde auf einem Bahn- Übergang beim Bahnhof Jngelbach auf der Strecke Westerburg— Altenkirchen ein Personenauto von einem Per- sonenzug überfahren. Der Besitzer des Wagens, ein Herr Künstler aus Köln, war sofort tot, seine Ehefrau st a r b aus dem Transport noch dem Krankenhaus in Altenkirchen. Die T o ch t er, die das Auto lenkt«, erlitt nur leichte Ber- letzungen. Nach Aussagen von Augenzeugen hat die Lokomotive vor dem Uebergang Signal gegeben. Die Führerin des Wagens hat das aber anscheinend überhört. Als sie mit dem Wagen auf den Meisen war und den herankommenden Zug bemerkte, verlor sie ostenbar die Herrschaft über ihre Nerven und blieb, anstatt schneller zu fahren, mit dem Wagen auf den Gleisen stehen. Am Pfingstsonntag abend gegen 7 Uhr wurde von dem aus Bielefeld kommenden Personenzuge 660«in mit sechs Personen besetzter Kraftwagen auf dem schranken- losen Wegübergang zwischen den Bahnhöfen Neu haus i. W. und Sennelager der Streck« Paderborn— Bielefeld erfaßt, obwohl der Lokomotivführer die vorgeschriebenen Signale gegeben hatte, und etwa vierzig Meter weit geschleift. Von den Insassen des Kraftwogens sind Frau Ruh« aus Siebenbrück und Frau Brockholz aus Höselhofen getötet worden, wahrend von den übrigen Personen drei schwer und eine leicht verletzt worden sind. Vom Bootssteg gestürzt und ertrunken. Auf tragische Weise kam am ersten Feiertag die 26jährige Frau Anna Bianta aus der Kronprinzen st r. 45 in Lichten- b e r g ums Leben. Die junge Frau stand mü mehreren Bekannten auf dem Bootssteg eines Restaurants in Alt-Stralau und winkte den Insassen eines Ruderboots zu. Dabei verlor Frau B. plötzlich den Halt und stürzte kopfüber ins Wasser. Hilf« war sogleich zur Stelle und schon nach kurzer Zeit gelang es, die Verunglückte zu bergen. Der hinzugezogene Arzt konnle nur noch den Tod infolge Herzschlages feststellen. ��SozlalistischeArbeiterjugendGr.'Verlin MK I an tfinfriftunatn ffir tieft Jlubnl nur an da« Zujtndfdfrtarlal ff'iiiiitiinffTi 3 erlin 62348. ilntenlTrafit 3 Da» Zugendsekretariot ist heule geschlossen! Acktuna. anutbentamtadm der 66®.! Di« Padiohree treffen sich Mörz«» iS UJjt auf dem 1. Hof des„SonrärJä'", Lindenstr. Z, jut Abfahrt. Beux-iungachor: Sconneratog. 23. Mai, letue Probe rilt Wagdedurg u« IZi.; Uhr Danziger Str. 23. Ave Teilnehmer müssen pünltlid) ersche neu floftümauegabe. »..B.-eihnng Donnerstag, 23. Mai. 1(1% Uhr, im Portragsfaal, Linden, straße 3. Heule. Dienstag. 21. Mai, ISVi Uhr: »otlnifcher Päd: Helm Waifenstr. 18. Pfingstfahrterlebnisse.— Säte«- thaler Borstadt: Schule Slisabethtirchssr. 13. �ahrtenderichte.— Bruaaenplalu Treffpunkt 16% Uhr vor dem Heini.— Sesupddrpppen 1z Schule Gnlenduraer Strohe. Bortrag:„Bufbcu und Organisation".— Schelle rpart: Schule Schd- mnaftrahe.»ortrag:„Do* Recht des Lehrlings im Setrieh".— Dedding. Rae»: Heim See. Elke Turiner Straße. iZahrtenbericht.— Arnrmalder Platz: Heim iPaftenburger Straße. Dortrag:„Buifche und MSdel in der SAZ."— Helmdalßplatz: Heim©anleget Str.«2. Arbeitsgemeinschaft.— Nordost: Heim ©aniigct Str. 82. Bortrag:.Di« Sefellschast im Wandel der Zeiten"(IL 2.1. — Hohepschinhansanz Schule Dingelftedter Straße. Bortrag:„Schmutz- und Schundliteratur.— Rrbeltigemeiuschaft d«r Rot«» STollen; Schule Sonnen- duroer Str. 20. Heiterer Abend.—«Srttzeo Platz: Schul« Saftanienalle« 8? Ptingstsahrtdericht.—»ritz I: Heim Ehausseestr.«8. Reiseerlebnisse.— Reer- Ulla 1»od vni: Heim Sander- Ecke Hodrechtstraße. Lichtbilder:„Das rote Wien".— Rentiilln IH: Heim Fluahafenstr. 88. Heimabend.— Neotällee IV: Heim Schierlestr. 44. Bortrag:„Bud und Nadel in der SA?."— Ben- toll» VI: Heim Treptower Str.. 95. ssahnenweihe'tunde.— Harmsdors: Boll taniabend im Rosenanger.— Tegel: Heim Bahnholitr. 13{Zonrtenbor Serbedeiirt Lichtenberg: Erster Hebtnegsabenb sstr„Rote Zeegend" Heim Sunterstr. 44. Der Sport zu Pfingsten. Deutsdiand— Schweiz 8: 0. Deutsche Arbeiter-Fußballer in Front. Deutschland gewann das zweite Länderspiel gegen die Schweiz in Karlsnihe vor etwa 5000 Zuschauern überraschend hoch mit 8: 0 (5:0). Di« deutsche Mannschaft war in all«n Posten' stärker besetzt und verdankt das überraschend höh« Resultat der einheitlichen Arbeit d«s Sturms, der, von dem Stuttgarter Schnierle geführt, prachtvolle Leistungen bot. In der Verteidigung zeigte der Nürnberger Dorn wiederuin beste Leistungen, wurde aber von seinem Partner Gebhard-Karls- ruhe übertroffen. Für den am Vortag infolge einer Verletzung aus- geschiedenen Schaal-Göttingen stand Maier-Karlsruhe auf seinem Posten. In der Schweizer Mannschaft kamen wie am Vortag Leistungen weder im Einzelspiel noch in der Gesamtheit zum Durch- bruch. Im Schlußmann Baumgartner-Basel hatte die Mannschaft ihre Stütze. Der deutsche Ansturm bringt sofort das Tor in Gefahr: es zeigt sich Unentschlossenheit im Schweizer Sturm, während auf der Gegenseite rasch Verständnis eintritt. Bis zur H a l b z e i t bringt es die deutsche Mannschaft auf 5 Tor«. Nach Seiten- Wechsel folgen drei weitere Treffer. Das zweite Länderspiel war für den deutschen Arbeitersport und die örtliche Bewegung ein durchschlagender Erfolg. �ürnhertz�nertha BSC. 6:1. Von der blendenden Verfassung, in der sich die süddeutsche Meistermannschaft des l. F. C. Nürnberg befindet, überzeugten sich 40 000 Menschen im Berliner Poststadion beim Kampf der Süddeutschen mit dem Berliner Meister chcrtha-BSC. Wer eine Wiederholung des Meisterschaftskarnpfes zwischen den beiden Kontrahenten vor zwei Iahren erwartet, sollte arg enttäuscht werden, denn der„Club" gab ständig den Ton an und siegte w i e er wollte mit 6:1(4:1). ,F?ertha" mußte ohne den Mittel- täufer Völker antreten, außerdem schied Grenze! bereits nach fünf Minuten aus, da sich erneut Folgen seiner letzten Verletzung bemerkbar machten. Die Mannschaft mußte daher vollständig um- gestellt werden. Die Nürnberger gingen in dos Spiel mit der festen Absicht zu beweisen, was sie eigentlich können, lind das ist ihnen mehr als geglückt. Sie waren das ganze Spiel hindurch gleich- mäßig gut, die Einheimischen wurden immer schlechter. In der Elf der Nürnberger bestach außer S t u h l f a u t h und Kalb, die das Spiel souverän beherrschten, vor allem der rechte Flügel mit Reinmann-chornauer, die mit dem Miltelstürmer Schmitt den Erfolg entschieden. .Arheiter-ttamihail. Bei den Handballern omren Magdeburg- Südost und K ü st r i n in Berlin. Kllstrin spielte am ersten Feiertag in Fried- richtsthal bei Oranienburg und mußte hier eine Niederlage von 5: 0 (3: 0) hinnehmen. Das Spiel gegen FTGB.-Pankow endet« 2: 2, obgleich Küstrin bis zur Pause noch mit 2:1 führte. Magdeburg- Südost verlor am 1. Feiertag gegen Velten mit 2:1: das Spiel gegen Hennigsdorf endete 3: 3(2: 2). Hennigsdorfs 2. Mann- fchaft gewann gegen Zossen l 3:1(4:0) und Kaulsdors-Süd gegen Pankow 2:1(1:1). Internationales Arbeitersportfest im Haag. Das erste internationale Arbeitersports« st des jungen niederländischen Arbeitersportbundes im Haag war bei herrlichem Pfingstwetter ein voller Erfolg. Die Zehntausende von Menschen, die auf dem großen Sportplatz Houtrust zusammengeströmt waren, begrüßten namentlich auch die deutschen und die österreichischen Sportgäste mit großer Begeisterung. Aus ganz Niederland waren Delegationen der Arbeitersportler nach dem Haag gekommen. Radrennen in Berlin. Di« Veranstaltung der Rütt-Arena am ersten Feier- t a g brachte u. a. ein 2- S t n n d e n- R e n n c n, das van )3 Mannschaften bestritten wurde. Als Sieger gingen Kroll- M i e t h e hervor.— Den zweiten Feiertag hatte sich die O l y m p i a b a h n reserviert. Hier gewann S a w a l l die Dauer- rennen über 25 und 75 Kilometer. Ausführliche Berichte über beide Veranstaltungen finden unsere Leser im heutigen„Abend". Großer Tag in Ruhleben. Das Bruno-Cassirer-Rennen. Trog des schwer entbehrten warmen Wetters hatten die Traber in Ruhleben, denen traditionsgemäß der erste Feiertag gehört, einen großen äußeren Erfolg zu verzeichnen. Die spart- liche Ausbeute des Tages stand allerdings auch auf selten hoher Stufe. Eine der bedeutendsten Steherprüfungen des deutschen Trobrennsports stand mit dem Bruno- Ca ssirer- Rennen auf der Karte, lieber nicht weniger als 3600 Meter hatte hier das aus guten Inländern zusammengesetzte Feld zu marschiere». Als Pferd von geradezu Ausnahmeklasse über solche Distanz ent. puppte sich der Falkenhagcner Tizian. Der erst Vierjährige trug zwar das allgemeine Vertrauen, doch wirkt« der Stil seines Erfolges einfach verblüffend. Ch. Mills, der den Hengst in diesem Jahre so verbessert vorstellte, hatte mit ihm über den ganzen Weg die Führung. l. Rennen. 1. Leuchte fSrojjmann), 2. Eiegmuni»(F. Bahr), 3. Theo, trat(32. Lemzer). 4. Wilkes('S. Hecken). Toto: 16; 10. Platz: 11, 19, 19, 14: 10. Ferner liefen: F. Runge, Diamant, Clemcntine, Pindur, Fakir, Rizchcn. Obersteiger. Neidhammel, Meistorschutz, Nushaga Bon. 2. Rennen, i. Sir Cuid lIautz jr.). 2. Antenorl. Uhr: NaBooo'trodten? nadi den inerikaiiuhn von Frank Green. Musikalische Hlust. Fr. Holländer. Regie; f r.TricöniBnn- frcflcria. HETROFOLTinEATF.R Nur noch 11 Tagut Lustige Witwe Hest�rberr Hcldemann, Jankuhn, Elleot, Jnnkw- mann, Schaeffers. UR. SCHAUSPIELHAUS 8 Nur noch 11 Tagol Der liehe Augustin Cbrlsilana Karlweis, Lieske, Arno, Morgan, "Wostcrmeier. Kflnstlorfrebe Leitung: Erllc Charall. 6r. Fraofchiiier -UsatBi,™""1 1 Tel.: Alex. 3422. 8.1$ Uhr: Spiel imSchloss. Gartenbühne: S.30 Uhr: '.Kon w vi und(fiunler Veil s.is Uhr:"In ICalsserlraum. Renaissance-Theater | Hardenbergstf. 6, Tl.: SleinpL 901 u. 2583/641 8--Uhr TilgllOl S'/iUhrl iDie heilige Flamme! Regie: Gustav Härtung. »•- uhr CASINO-THEATER 81* üh' Lothringer Strakc 37. ..rau«d«sr van und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen. Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel 1.65 M. Sonstige Preise■ Parkett u. Rang 0.80 Mit Thalia-Theater Dresdener Sir. 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Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Neueinstudierung Die Getangene Schauspiel von Edouard Bourdet Regie: Max Reinhardt Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 ü'h, Ende geg.iO1- U Der Maun, der seiieu Namen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele D.I. Norden 12 310 U., Ende nach 10 Aufgang nur roödei Patentmalrotzeo„Primisstma". Metall» betten. Auflegematratzen. Chaiselongues. Walter, Starqarderstratze achtzehn. Kein Laden_______ Möbelkänler merke Kredit nnd bar Möbelba zar, grotze Auswahl, kleine Preiiel Beiipiel«: Schlafzimmer 455. Speisezimmer 845 Herrenzimmer 260, Spiegeischränie lI8 Anrichtciüchen 75, Kleiderfchräni, 48. Holzdetistrllrn 48. Chaiselongues 28 Mkialllietistellen ls Auflegematratzen l3 Sonstige Möbel entsprechende Preise Teilzahlung auilchlagirei. Wochenraten Monateraten«lein» Anzahlungen Ka'm-Rabatie bis zehn Prozent. Kredite d:s zwei Jahre. Mätzige Finfen.� Neu» tölln. Hermannplatz 7: Steglitz. 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