BERLIN Sleitttag 21. Mai 1929 10 Pf. Nr. 232 B115 46. Jahrgang. Erscheinttttltch«»tarGallutag«. g* f m§ ß m t Ua>elst«»rei<: Dittinsraltigt Nonrareiveteil« Jugwch Me«d-uie Woilandung des»Graf SBeppelin" linser SSild neigt die Vlann- schaft des.Qraf Zeppelin' in der JCuHschiffhalle von Cuers bei Toulon, mit einem Teil der ItlarinemannschaH, die bei der Jßandung behilflich irar. wird, über die dann die Maybach-Werke einen eingehenden Bericht herausgeben werden. Die Lufthanfa-Maschine, die am Freitag abend nach der Not- landung des Zeppelin den Vertreter der Deutschen Botschaft nach Marseille brachte, beförderte übrigens in einem Sonderflug am Pfingstsonnabend vormittag drei amerikanische Zeppe- linpassagiere von Marseille noch Paris, von wo«in französi- sches Flugzeug die Amerikaner nach Cherbourg brachte, wo im letzten Augenblick der Anschluß an den Ozeandampfer„Aquitania* erreicht wurde. Zn Krankreich gelandet. Deutsche Ballons vom Wettbewerb des Aeroklubs. Dem„Petit Parisien" wird aus Reims gemeldet, daß ein von Robert Petschow geführter deutscher Freiballon, der an dem Wettbewerb des Deutschen Aeroklubs beteiligt ist, gestern nach- mittag 3,10 Uhr bei Pouillon, zehn Kilometer nördlich von Reims, glatt gelandet ist. An Bord befanden sich außerdem zwei Journa- listen Walter Zimmer und chorst cherncmann. chavas meldet aus Abböoille, daß ein zweiter deutscher Frei- ballon, ebenfalls vom Wettbewerb des Deutschen Aeroklubs, mit drei Passagieren an Bord gestern bei Port le Grand unweit von Vleville glatt gelandet ist. Die serbische Oikiaiur. Oemokratenführer pribitschewitsch interniert. Belgrad, 21. Mai.»Eigenbericht.) Lei einem kurzen Besuch seiner kranken Frau ist der Führer der Demokratischen Partei und Freund des erschossenen Kroaten- führers Radilsch, pribilschewitch. verhastet und mit seiner Tochter in ein mittelserbische» Dorf transpor- l i e r t worden. Diese Verhaftung dürste der Anfang zahlreicher verhastungen von Kroatensührern sein. Anscheinend beabsichtigt die Regierung überhaupt einen schärferen Kurs gegen die Kroaten, pribitschewitsch ist der kleine Kurort Brus bei Krusewatsch als Zwangsaufenthall angewiesen. Aus einer Reise durch Dalmatien verlas der Minister für Sozialpolitik Dr. Drinkowitsch bei den Empfängen eine Botschaft des Königs, in der es heißt: Die gegenwärtige Lage wird so lange bleiben, bis alle Folgen der verderblichen Tätigkeit der srüheren Politiker wieder gutgemacht sind. Der König ersucht alle Kroaten, ihn dabei zu unterstützen, damit er desto schneller das erreicht, was er sich zum heile de» Landes und de» Volkes zur Aufgabe gemacht hat. Calles tritt zurück. Nach Niederwerfung des Ausstandes.— Kür immer? Mexiko-Eity, 21. Mai.(Eig. Drahtb.) Der frühere mexikanische Staatspräsident Calles hat seinem Amtsnachfolger das ihm vorübergehend zur Niederschlagung des Aufstandes anvertraute Amt des Kriegsmini st ers zurück- gegeben und eine Proklamation erlassen, daß er beabsichtige, sich nunmehr für immer aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Talles beabsichtigt schon in allernächster Zeit eine neue Europareise. pfingstarbeit der Sachverständigen. Stellungnahme zu den deutschen Vorbehalten und zum Verteilungsplan. Paris, 21. Mai.(Eigenbericht.) Die alliierten Sachverständigen sind während der Pfingst- feiertags nicht mehr müßig geblieben. Am Montag haben sie nicht weniger als neun Stunden zur Prüfung der Schachtschen Vorbehalte und Verteilung der deutschen Zahlungen verwandt. Wie verlautet, sollen die Forderungen nach dem Aufbringungs- Moratorium und die nach der Heranziehung der ö st e r r e i- chischen Nachfolgestaaten zur Schuldenzahlung rund- weg abgelehnt sein. Bei den übrigen Vorbehalten hat man sich mit einer Retouche und einigen redaktionellen Aenderungen be> gnügt. hinsichtlich der V e r t e i l u n g der deutschen Zahlungen scheint man vom Poungschen Plan wieder zum Lertetlungs- schlüssel von Spa zurückgekehrt zu sein. Damit jedoch die im Poungschen Plan begünstigten Gläubigernationen— also vor allem Frankreich und England— jetzt nachträglich feine allzu empfindlichen Kompensationen zu machen brauchen, zugunsten der übrigen eine Art Ausfallgarantie im Falle eines deutschen Maro- toriums übernehmen. Gleichzeitig sind auch Rückgriffe auf die Rein- gewinn« der R e p a r a t i o n s b a nk vorgesehen. Die amerikanischen Zugeständnisse, zu denen das Weiße Haus nun doch nach den Meldungen aus Washington bereit sein soll, fallen für die Endregelung nur wenig ins Gewicht. Es handelt sich dabei nur um geringe Summen— etwa 5 Millionen pro Jahr— die dazu jetzt schon in die Berechnungen der Sachver- ständigen eingestellt sind. Voraussichtlich wird heute nachmittag noch eine gemeinsame Sitzung der alliierten und deutschen De- gendeFülle auf. Die Ausflugswagcn der A b o a g nach Schild- fmrn, Cladow, Wandlitzsee usw wurden von 135 200 gsg«n 84 700 sflüglem im Vorjahr benutzt. Auf der Ring-, Stadt- und Vorortbahn wurden '. u»d 2. Feiertag rund 4 370 000 Fahrtarten aus- Nepublikanertag auf der Wartburg Kundgebung für Kortsthritt und Einheit. Eisenach, 21. Mai. In den Pfingsttagen hatten sich hier tausend« Angehörig« repu- blikanischyr Vereinigungen aus der Wartburg zusammengefunden, um ein Wartburg fest der deutschen Republik zu feiern und über die Unterschied« parteipolitischer Ziel« hinweg die Gemeinsamkeit der republikanischen Idee zu be- tonen. Es wurde daraus ein Bekenntnis zur großdeutschen Republik mit Einschluß Oesterreichs. An dem einleitenden Begrüßungsabend nahmen der preußische Minister des Innern Grzesinski und der che- malige österreichische Bundeskanzler Dr. Karl Renner teil. Dr. Renner gab seiner Freude darüber Ausdruck, im Namen eines deutschen Grenzlandes im Herzen Deutschlands sprechen zu können, er sagt«: Wie Thüringen nn Zeichen der Re- publik geeint sei, so werde auch einst im Zeichen der Republik das feste Zusammenschließen aller deutsihen Stämme Tatjache werden. Durch Versailles seien beiden Völkern die Hände gebunden. Die österreichische Republik müsse und werd« ein Bestandteil der deutschen Republik werden. Am Sonntag früh erfolgte eine Kundgebung der republikanischen Studenten. Nach der Begrüßungsansprache des zweiten Vorsitzenden des Re- publikanischen Etudentenbundes, Speicher, hiell der preußische Innenminister G rz e s i n s k i die Festrede. Es freue ihn besonders, im Schatten der Wartburg zu den republikanischen Studenten sprechen zu dürfen, auf dem historischen Boden der rühmlichen Vergangenhett der Studenten im Kampf gegen die Reaktion. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten hätten die Studenten dem Freiheitsgedankon Opfer gebracht. 1817 wie 1848 hätten sie unter den Farben Schwarzrotgold gelitten und gestritten. Heute hätten sich die Zeiten gewandelt. Der Minister beklagte es daß man heute bei einem großen Teil der Studentenschaft noch ein Festhalten am Vergangenen im bewußten Gegensatz zur Einstellung der Mass« des Volkes seh«. Es liege darin eine ungeheure Gefahr, daß Stuben- ten, die di« Demokratie und Republik ablehnen, doch erstreben, die künftigen Richter, Verwaltungs- beamte und Lehrer des republikanischen Staates zu werden. Das Problem des akademischen Nachwuchses für dt« Beamtenschaft der deutschen Republik sei nicht ernst und wichtig genug zu nehmen. Nachmittags schloß sich ein großer Festzug durch di« Stadt, an dem sich etwa 5000 Republikaner mit Hunderten von schwarzrotgoldenen Fahnen beteiligten, und eine Kundgebung auf dem Wartenberg ie an. Hier sprach der Borsitzende der demokratischen Reichstagsfraktion, Dr. Haas. Er erklärte unter Hinweis auf die Hilfsbereitschaft Frankreichs bei der Notlandung des Zeppelin, daß dieser Geist gegenseitiger Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit endlich die Beziehungen der Völker zum Guten wen- den möge. Die Staaten müßten endlich einmal mit der Abrüstung beginnen. Die Rechte der natiomilen Minderheiten mühten gesichert werden, wenn einmal Frieden sein solle. Er streifte die schweren innenpolitischen Kämpfe und setzte sich ein für ein Deutschland des Friedens und des Rechtes. Für di« Zentrumspartei und den Bundesvorstand des Reichsbunde» sprach Dr. S ch r e i n e r. Er erinnert« ebenfalls an di« historische Vergangenheit Eisenachs. Heute aber sei diese Stadt «in Eldorado der Leute, di« es mit dem Bolksstaat nicht gerade gut meinten. Diese Kresse machten di« Republik für alles Schwer«, was nach dem Krieg«, über Deutschland hereingebrochen lei, ver- antwortlich, aber verantwortlich sei das System, das zum Krieg« geführt habe. Er wandte sich weiter mit scharfen Worten gegen die Hetz« der rechtsgerichteten� Verbände wie Stahlhelm und Wcrwolf, die sich in der Nachkriegszeit gebildet haben und zu einer Gefähr für die Republik geworden sind. In einer Abschlußansprachc betonte Minister Grzesinski. das Eisenacher Pfingstfest habe das Bekenntnis zu einem demo- kratischen Bolksstaat fernab jeder Parteipolitik gebracht. Nur dieser Bolksstaat könne den breiten Massen unseres Volkes politische Ge- rechtigkeit widerfahren lassen und den nötigen sozialen Ausgleich schassen. Freilich lasse sich wahr« Demokratie nicht im Lause weniger Jahre erreichen. Der Staat mllsie organisch wachsen. Mit einem Hoch auf die deutsche Republik schloß der Minister seine Rede, worauf di« Meng« den dritten Vers des Deutschland- liedes„Einigkeit und Recht und Freiheit", sang. Wählt Labour-party? Ausrufe der Genossenschasten und der ZLp. Die„Genossenschaftspartei" erläßt an ihre ö 000 000 Mitglieder in Großbritannien den Appell, bei den allgemeinen Wahlen die Kandidaten der Arbeiterpartei und der Genossen- schaftspartei zu unterstützen. Da, Manifest, vom Vorsitzen- den Barnes und dem Sekretär S. F. Perry unterzeichnet, führt aus, daß das Bündnis der Genossenschaftspartei mit der Ar- beiterpartei„nicht überraschend ist. da die arbeitenden Frauen und Männer, die das Hauptkontingent der Anhänger der Arbeiterpartei bilden, zum großen Teil mit den Mitgliedern der Genosienschafts- parte, identisch sind. Der Mann, der in seiner Gewerkschaft organisiert ist, ist der Hausvater, die Frau, di« m der Genossen- schaft einkauft, die Hausmutter. Das liebereinkommen zwischen der Arbeiter- und der Genossen- schaftspartei ist mit der ehelichen Gemeinschaft zwischen Mann und Frau zu vergteicheu. Deswegen wünschen wir, daß die Stimmen beider bei den bevor- stehenden allgemeinen Wahlen für � die Kandidaten der Arbeiter- und der Genossenschaftspartei abgegeben werden". Die Unabhängige Arbeiterpartei, die 58 von der Arbeiterpartei bestätigte Kandidaten aufstellt, hat ebenfalls an ihr« Mitglieder ein Manifest gerichtet, welches vom Dorfltzenden James M a x t o n und dem Sekretär John P a t o n unterzeichnet ist. Das Manifest sagt:„Obgleich drei Parteien und drei Programme sich an den Wähler wenden, bestehen doch nur z w e i gegensätzliche poli. tische Anschauungen. Wenn auch zwischen den Konservativen und den Liberalen geringfügige Unterschiede bestehen, so sind sie doch einig in der Derteidigung des kapitalistischen Systems und in der Abwehr tzegen den Sozialismus. Die Arbeiterpartei tritt in den Wahlkampf als Gegner sowohl der Konservativen und der Liberalen, als auch der von ihnen verteidigten kapitalistischen Ge- sellschaftsordimng. Sie fordert die Wähler auf. ihr die Möglichkeit zu geben, die Regierung zu übernehmen. um die große Umwandlung vom Kapitalismus zum Sozlalls- mus zu beginnen. Um dies Ziel zu cl�eichen und die ihr daraus erwachsend« Aufgabe zu erfüllen, m deren Dienst sie alle ihre Fähigkeiten und Kräfte stellen wird, wird sie die tatkräftige Unterstützung jedes Mitgliedes der Unabhängigen Arbeiterpartei erhalten." Lord Rofebery gestorben.> London. 21. Mai. Lord Nosebery, der große Staatsmann der viktorianischen Zeit, ist in Epsom entschlafen. Bor wenigen Tagen hatte er leinen 82. Geburtstag gefeiert. Ein« plötzliche Erkältung mit Fieber fesselte ihn vier Tage ans Krankenbett Anfangs im Dienste der liberalen Partei wund« Nosebery 1885 von Gladston« kurz vor dem Fall seiner Regierung als Außen- minister ins Kabinett berufen, doch fand seine Politik mehr Zu» stimmung bei den Konservativen als bei den eigsnen Parteigängern. Ms Nachfolger Gladstones war er ein Jahr lang Premierminister. In der S o z i a l polttik bekämpfte er Lloyd George und vertrat in der Frag« der Reform des Ober- Hauses konservative Ansichten, er gehörte aber einer Partei nicht mehr an. gegeben. Trotz des zeitweise herrschenden Riesenandranges konnte der Verkehr ziemlich reibungslos abgewickelt werden. Einen Rekord, der beinahe phantastisch anmutet, hatte Grünau, dos an beiden Feiertagen dos Ziel von 134 000 Ausflüglern war. Wannsee und Nikolassee im Westen Berlins stehen hinter diesem Rekord nur knapp zurück. Schließlich sei noch erwähnt, daß r u n d 5 5 0 0 0 0 B« r l i n e r der Heimatstadt während der Feiertag« den Rücken gekehrt hatten. Wieder Haus in Einsturzgefahr. Belziger Straße 41 soll schleunigst geräumt werden. Zw Verwaltungsbezirk S ch ö n e b e r g hat die Bau- Polizei plötzlich die Bewohner des hause» Belziger Straße 47 angewiesen, ihre Wohnungen b i» zum 2 5. Mal zu räumen, weil das Haus von Einsturz. gefahr bedroh, sei. Unter den betroffenen Familien herrscht begreiflicherweise große Erregung, da der ihnen ausgenötigte hastige Umzug in der Zeit de» Wohnungsmangels ein harter Schlag für sie ist. Da» Wohnungsamt des Bezirkes Schöneberg bemüht sich, die nötigen Ersah- Wohnungen sofort zu beschasfen. Vom Räch- richtenamt des Magistrat» wird hierzu gemeldet: Di« sofortige Räumung des Hauses Belziger Straße 47 wurde erforderlich, weil die Bewegungen in diesem Hause, das auf Holzpsählen steht, plötzlich derartig zugenommen hatten, daß eine dringende Einsturzgefahr bestand. Bei diesem Zustand glaubt« die Baupolizei die Berantwortung für ein weitere» Ber- weilen der Mieter in diesem Haus« nicht mehr tragen zu können und mußte deshalb zur umgehenden Räumung schreiten. Das Wohnungs» amt Schöneberg hat noch sofort am Pfingstsonnabend alle erforder- lichen Maßnohmen getroffen um den Mietern Ersatzwohnun- g en zu verschaffen. Am Dienstag früh ist ein leitender Beamter des Wohnungsamtes an Ort und Stelle gewesen, um mit den ein- zelnen Mietern die Möglichkeiten ihrer Unterbringung zu erörtern. In Betracht kommen eine Reihe sofort bezugsfertiger Neubau- Wohnungen, die allerdings nicht im Bezirk selbst liegen und die zu» nächst zur vorläufigen Unterbringung der Mieter dienen sollen. Das Wohnungsamt des Bezirks Schöneberg hat außerdem die augenblick- lich in seinem Bereich zur Bersügung stehenden Attwohnungen sofort sperren lassen, um sie den Mietern des gefährdeten Hauses bevor- zugt anbieten zu können. Die in Betracht kommenden Wohnungen werden den Mietern noch heute zur Verfügung gestelli. Für die Umzüge und die etwa notwendig werdenden vorläufigen Unter- bringungen hat die Stadt die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Sie trägt auch später die K o st e n für den Umzug aus dem vorläufigen Quartier in die endgültig« Wohnung. Ein Bürgermeister vergisteie sich. Auf dem Dahnhof Grünau tot aufgefunden. Gestern nachmittag sanden Ausflügler auf dem Abort des Bahnhofs Grünau einen älteren Mann, der regungslos, in zusammengesunkener Stellung dasaß. Ein hinzugerusener Arzt stellte Tod infolge Vergiftung fest Die Ermittlungen der Polizei ergaben, daß es sich um den 62jährigen Bürgermeister Bruno Ritter aus Pfuhlsborn bei Weimar handelt. Was ihn in den Tod getrieben hat, ist noch unbekannt. Im Jagen 255 der Rahnsdorfer Forst wurde ein noch unbekannter Mann an einer Eiche erhängt aufgefunden. Der Tote ist etwa 55 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat gestutzten Schnurrbart und trug blau« Sportmütze, Iackettanzug und Gummikragen I» seiner Tasche fand man einen Zettel mit den Worten:„Durch Sorg« in den Tod."_____ 3n einzelnen Teilen der Sorofelunlon kam«»»v bäuerlichen Revolken gegen kommunistische Dorfbewohner. Im Smo- lensker Gouvernement wurden mehrere Dauernkorrespondenten tot- geschlagen. In einem Dorf bei Perm verprügelten die Bauern sechs Kommunisten und drohten ihnen, ihr« Häuser anzustecken Im Bezirk Tula sabotierten die Bauern behördliche Maßnahmen zur Verbesserung der Saatfläch«. Die Moskauer Röteparade. O«e Oegradierung Rykows. Moskau, 21. Mai. Auf dem fünften Rätekongreß der Sowjetunion, der alle zwei Jahre tagt, geschah die Wahl des Präsidiums durch Akklamation, wobei deullich erkennbar wurde, welche Mitglieder sich der Popu- larität erfreuen und welche wegen Unstimmigkeiten zwischen dem Parleizentrum und der Rechtsopposition ihre Beliebtheit bei den Kongreßmitgliedern verloren haben. Ins Präsidium wurden u a. gewählt: Bucharin, der ohne Applaus, und T o in s k i, der mit schüchternem Willkomm begrüßt wurde. Beide waren nicht erschienen, auch nicht Woroschilow. Der Bor- sitzende schlug unter Zustimmung des Hauses vor, das Reserat Worvschilows, dessen Rede gelegentlich der Maiparade bekanntlich von Deutschland beanstandet wurde, von der Tagesordnung zu streichen. Als Stalins Name genannt wurde, folgte minutenlanger Beifall. Stalin zeigte sich seiner Gewohn- heit entsprechend nicht. Auffallend freundlich wird P e t r o w s k i. der Dorsitzende des ukrainischen Bollzugsausschusses, empfangen.— Man hat diesmal auf eine Ausschmückung der vom Präsidium besetzten Bühne verzichtet: als einziger Regieaufwand kann die Xykotv der durch SlaHn vom Tomil? Im dtal der russischen Volkskommissare enlfernl tcurde. Besetzung der Profzemumslgge mit turkmenischen Delegierten in ihren malerischen Gewändern bezeichnet werden. Als erster Red- ner nahm, von starkem Beifall begrüßt, R y k o w das Wort, wo- durch alle Gerüchte, die von Rücktrittsgedankcn Rykows erzählten (So sagt die Sowjetmeldung: tatsächlich ist Rykow als Minister- Präsident der Sowjet union abgesägt! Red. d. B.), widerlegt wurden. Die Ueberarbeitung Rykows, der in diesen Tagen den Vor- sitz des Rates der Bolkskommisiare Grotzrußlands niedergelegt hat. war deutlich erkennbar an seinem schlechten Aussehen und seiner rhetorischen Müdigkeit. Rykow begann seinen Bericht mit einer Schilderung der Beziehungen der Sowjetunion mit England, dessen politisches Derhältnis zur Sowjetunion augenblicklich als aktuellstes Thema gilt. Die neue Regierung. Moskau, 21. Mai. Der auf dem Rätekongreß für Jnnerrußland(RSFSR.) gewählte Allrussische Zentroloollzugsausschuß ist zu seiner ersten Tagung zusammengetreten. K a l i n i n wurde wieder zum Vorsitzenden des Präsidiums des Allrussischen Zentralvollzugs- ausschusses gewählt. Außerdem wurde der Rat der Dolkskommissare mit S y r t z o f f als Borsitzenden neu aufgestellt. Bis jetzt war Rykow gleichzeitig Vorsitzender des Rats der Bolkskommisfare der Sowjetunion(USSR.) und Innerruhlands(RSFSR.). Syrtzoff hat früher dem Präsidium des sibirischen Londesvorzugs- ausschusses angehört._ Internationale der Kriegsopfer. Friedenskundgebung in Paris. Paris, 21. Mai. Am Freitag werden die Vertreter der deutschen, britt- schen und der französischen Kriegsverletztenorganisationen in der Pariser Sorbonne zusammentreten, um über die besten Mittel zu beraten, den Frieden unter den Menschen zu begründen. Den Vorsitz werden Henry de Iouvenel und Lord Cecil of Chelwood führen. Aus Deutschland nimmt u. a. Reichstagsabg. R o ß m a n n an der Tagung teil, während Frankreich durch den Deputierten Oberst Picot und den französischen Bölkerbundsvertreter Cassin oer- treten sein wird. Paul Boncour, der Radikalsozialist Pierre Tot und der ehemalig« belgische Minister und Abrüstungssachver- ständig- de Broucker« werden über die technische Organisation des Friedens sprechen. IahreSkonferenz britischer Kriegsteilnehmer. London, 21. Mai. Während der Pfingstfeiertage tagte in der Londoner Queensholl die achte Iahreskonfercnz der britischen Legion ehemaliger Kriegs- teilnehmer, an der der Prinz von Wales als Vertreter des Königs teilnahm. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß die Zusammenarbeit mit den Kriegsteilnehmerorganisationen im Ausland immer besser werde. Mit den gemäßigteren deutschen Organisationen sei nun die Verbindung hergestellt, die nach seiner Ansicht den weitaus größten Teil der deutschen Kriegsteilnehmer dar- stellen. Es sei ein wunderbarer Gedanke, daß die Männer, die im Kriege gegeneinander kämpften, sich heut« zur Sicherung des Friedens zusammenfänden. Don wem droht Belgien Gefahr? Von einem Redakteur aus Essen Esten. ZI. Mai. M« dl«„RH«In.-Westf Zt� meldet, wurde in Weisme» (fls-pen-Malmedy) ihr Redakteur Dr. Karl Bartz verhaftet und ausgewiesen, mit der Begründung, sein Aufenthalt gefährde die Sicherheit des belgischen Staates. Dr. Bartz ist den An- gaben des Blattes zusolge in Eupcn-Malmcdy geboren, hat sich rege in der Heimatbcwegung betätigt und-in Buch..Das Un- recht an Eupen-Matmedy' veröfsentlicht. Er stand in enger Be- tziehung gut Christlichen volk»part«t In Eupen-Malmedy. Die Mailänder Im Programm der Berliner Festspiele bilden die Aufführungen des italienischen Repertoires der Mailänder Scala unter Leitung Toscaninis den glanzvollen Höhepunkt der musikalischen Ereignisse dieser Wochen. Ist es doch dos erstemal, daß das berühmte Mai- länder Operncheater in geschlossener Einheit mit Solisten, Ehor, Orchester, Ballett und dem gesainten Fundus auf einer deutschen Bühne zu Gaste erscheint, und daß Toscanini als Dirigent und Operndirektor sich dem deutschen Publikum vorstellt. Das Haus der Scala wurde von Piermarini an Stelle der Kirche Santa Maria della Scala in Mailand erbaut und am 2. August 1778 als Opern- theater eröffnet 1870 ging«i, au? dem Besitz des Staates in das Eigentum der Stadt über und wurde seitdem an private Unter- nehmer verpachtet. Mit seinen 2600 Zuschauerplätzen und dem flimmernden Mosaik seiner Innenausstattung ist es nicht nur das repräsentativste und nächst dem San-Earlo-Theater in Neapel auch das räumlich größte, sondern neben dem jüngeren Eonstanzi- Theater in Rom auch die für die italienisch« Operngeschichte wichtigste Bühne Italiens. Dort wurden die entscheidenden Kämpfe um Verdi ausgefochten, dort erlebten seine Werte die Reife.„Othello" und„Falstaff" ihre Uraufführung, dort kam Puceini mit seinem Erstlingswerk zu Worte, gelangt« nach seinem Tode seine letzte Oper.„Turandot" wie der nachgelassen«„Nero" Boitis erstmalig zu Gehör. Die Scala ist sich ihrer künstlerischen Pflicht als führende italienische Oper auch weiter bemüht geblieben. Mit dem Aufstieg der Scala ist der Name seines artistischen Direktors Arturo Toscanini unlösbar verbunden. Als er 1898 nach zwölfjähriger erfolgreicher Dirigententätigkeit in Turin an die Malländer Scala kam, war diese ein ausgesprochen italienisches Theater. Sein Verdienst war es, durch eine künstlerische Um- gestaltung des gesamten Apparates diese italienische Bühne aus die Höhe einer Bühne von Weltruf emporgehoben zu haben, deren Musteraufführungen den kühnen Opernreformator so stark in den Vordergrund treten ließen, daß New Nork ihn an die Metropolitan- Oper holt«. Seitdein teilte er sein« Tätigkeit zwischen Amerika und der Heimat. In Toscanini besitzt Italien den ersten Dirigenten von internationaler Wertgeltung. Dieser musikalische Herrscher will nichts weiter fein als ein Diener am Kunstwerk, der auch von dem gv- ringsten der am Werke Beteiligten die volle Hingabe fordert. Aber seine Musiker ordnen sich auch ihrem genialen Führer freudig unter. Dank dieser minutiösen Vorbereitung und unermüdlichen Arbeit gibt es an der Scala auch keine abgespielten, verstaubten Alltags- Vorstellungen. Es ist in den Proben alles bis ins kleinste aus- gefeilt und durch ein Höchstmaß an Akkuratesse und instrumentaler Feinheit so vollkommen ausbalanciert, daß sich der Dirigent bei der Aufführung auf die Markierung des Taktes beschränken darf. Diese Sicherheit verbürgt an sich schon das Naturhafte einer Rhythmik, die Toscanini in den Fingerspitzen sitzt, und die sich mit der Un- mittelbarkeit des Suggestiven auf. Orchester und Sänger überträgt. Dabei ist Toscanini durch sein« hochgradige Kurzsichtigkelt ge- zwungen, auf die Hilfe der Partitur zu verzichten und olles aus- wendig zu dirigieren. Trotz dieser ungeheuren Hemmung oder viel, leicht gerade wegen der durch sie bedingten intensiven Konzentration „Die Sache Makropulos" von Tschapek. Tribüne. Mehr als drei Jahrhunderte werden ausgegraben, bevor sich das Schicksal der wellberühmten Opernprimadonna Emilia Marty voll- endet. Die Sache verhüll sich nämlich so: am Ausgang des 16. Jahr- Hunderts gab Dr. Makropulos aus Kreta, Leibarzt Kaiser Rudolfs, dem hohen Herrn ein Rezept zur Erlangung des ewigen Lebens. Doch der Kaiser wagte nicht, den Unsterblichkeitstrank zu schlürfen. Aber die Tochter des Arztes trank, sie lebte dann 300 Jahre lang und noch länger, bis auf den heutigen Tag. Wir müssen glauben, daß sie sich in dieser Zeit immer wieder zur Jugend verwandelt. Sie war die herrlichste Sängerin aller Epochen, die großartigste Tänzerin auf Europas Bühnen. Die schönsten und reichsten Millionäre gehörten ihr, sie gehörte ihnen. Bald ist sie kühle Schottin, bald hitzige Spanierin, bald geheimnisvolle Rustin, bald pompöse Deutsche. Aus ihrem Triumphwege liegen einige Männerle'chen. Wie sollte es auch anders sein? E» sind die Opfer der männermordenden Zauberin. Und jetzt, genau am Pfingstvorabend 1929, explodiert der Spuk zur' Katastrophe. Ein Kriminaldrama wird gespielt. Emilia ollein weiß, wer von ihren Anbetern das Recht hat, ein Majorat von 150 Millionen zu erben. Ob in Golddollars oder in schlechter Va- luta, wird allerdings nicht gesagt. Enthüllb wird nur, daß Emilia die sonst gesündesten Baronen, und Grafensöhne verrückt macht, um wieder in den Besitz des ominösen Unsterblichkeltsgeschöpfee zu zu kommen. Endlich wird das Rezept gefunden. Doch keiner will es mehr. Dem lieben Gott ins Handwerk pfuschen— Im letzten Moment ver. geht jedem der noblen und mutigen Herren zu solchem Experiment die Eourage. Nur ein kleines Mädel, das unbedeutendste Kreatürchen in der ganzen Gesellschaft, greift nach dem Rezept, doch nur, um es ins Feuer zu werfen. Methusalem ist kein erstrebenswertes Menschen- ideal mehr. Unverjüngt, aber von den Jahrhunderten aufgebraucht, bleibt Emilio zurück: unid sie ist ganz überdrüssig ihr«? Lebens. Der tschechische Schriftsteller Tschapek war immer ein psiffiger Mann im Auffinden unterhaltender Dramenstofse. Diesmal kommt er allerdings etwas zu spät, da ja unser witziger Zeltgenoste Bern- hard Shaw schon so überlegen über den Methusalem-Stosf ge- plaudert hat. Dem Geiste Tschapeks sind auch einige Grenzen ge- zogen. Was er austüftelt, interessiert nur für eine halbe Stunde, es reicht nicht für einen gedehnten Abend, und wahrscheinlich über- setzt auch sein ungenannter Dolmetsch die im Original bestimmt viel kostbareren Worte in eine peinliche Kolportagesprache. Unter der Regie John G o t t o w s wird gedehnt und gedeutelt, wo nur brauchbare Tbeatcrbanalität mit Takt zu verschleiern wäre. Die mysteriöse Dame T müßte von einer Künstlerin gespielt werden, die zugleich die Melancholie des ewigen Juden, Hexengenie der seligen Messalina und die Katzenanmut der Iosephin« Baker besähe. Frau Konstantin ist nur eine Virtuosin des heiteren Salonstils und versaot. weil lbr zuviel Gespensteret zugemutet wird. Gottowt, Werner Kahle-Hille, Jordan, Marx und Paul Günther bilden den Ehor der überirdischen Eirce, ein Sextett von Anbetern und Moralisten, da« trotz e'frloer Mähe nicht fähig ist. i die sebr dünne Geillesatmosvhäre des Stück» zu verdichten. ,.Die Sache Makropulos" existiert auch als Over von Ianatschek. Als Bhantasiestück für«inen erfindungsreichen Musiker gäbe Tscha- peks Text ein famoses Libretto. Aber da» schmale Bübnenrechteck der..Tribüne" rückt alle Wort« und Welen und Dinge viel zu nahe an Zuschauer und �rer. Di« Traumwelt oerschwindet. Wider Willen wird nüchtern kritisiert. Das Endurteil lautet: unbeträcht- licher Humbug. Max Hochdorf. Oper in Berlin. hat sich Toscanini seinen eigenen Aufführungsstil geschaffen, der eine merkwürdige Mischung von äußerlich fast nüchtern amutender Sachlichkeit und der Jnnenglut südläirdischer Begeisterung mit italienischer Natürlichkeit darstellt. Wenn auch das Herz des Opern- direktors Toscanini seinem Lieblingskomponisten Verdi gehört, so bezeugen doch die von chm herausgebrachten Musteraufführungen der Wagnerschen Musikdramen, daß ihm auch der Stil des Bay- reuther Meisters geläufig ist. Toscanini war ja von Jugend auf ein begeisterter Wagnerianer, der sich für Wagners Kunstwerk schon zu einer Zeit einsetzte, als solch« Stellungnahme in Italien noch ein wagemutiges Beginnen bedeutete. Und wenn Wagner heute in Italien einer der geschätzlesten Tondichter ist, so ist das nicht zum wenigsten dem nnennüdlichen Bemühen Toscaninis zu danken. A.G. Toscanini tcird von seinen Anhängern am Sahnhof empfangen. Die Eröffnung der Berliner Festspiele. »Die Meistersinger" in der Staatsoper. Mit einem wohlgelungenen Auftakt sind die Berliner Festspiel« am Sonntag in der Staatsojxr Unter den Linden eröffnet worden. Wagners Meistersinger, das traditionelle deutsche Festspiel, bewiesen ihre Durchschlagskraft aufs neue. Unsere besten Sänger und Sänge. rinnen(der Staatsoper als auch der Städtischen Oper): Friedrich Schorr als Hans Sachs, Maria Müller als Eva, Karl Martin Ochmann als Walther, Leo Schützendorf als Beckmesser, Ludwig H o s m a n n als Pogner, gaben unter Kleiber« Leitung dem Werk seine ganze unverwelkte Frische. Das voll- besetzte Haue nahm in Feststimimmg die Eröffnungsvorstellung hin und spendet« herzlichen Dank, der auch R ü d e l s Chören uni P a n k o k s Bühnenbildern gelten konnte. Die deutschen Arbeitersänger in Paris. Aus Paris wird gemeldet: Der Voltschor„Freiheit" aus Düsseldorf und di, Freie Sängervereinigung aus Krefeld haben an Pfingstmontag im Pleyelsaal unter der Leitung von Dr. Hans Paulft »in Konzert gegeben, auf dessen Programm dos Requiem von Verdi eine Leonoren-Ouverture von Beethoven und der letzte Satz de« IX. Symphonie standen. Vierhundert Sänger und Sängerinnei unter Mitwirkung hervorragender Solisten und des Pariser Sym phänischen Orchesters bereiteten dem zahlreich erschienenen Publikum in dem.di« deutsche Kolonie besonders stark vertreten war, genußvoll- Stunden. Der Höhepunkt war der Dortrag des Requiems voi Verdi. Der Beifall der Höver war außerordentlich stark. Di« deutsche Botschaft war durch verschiedene Delegiert« vertreten. Das Museum der Berliner Staatstheaier. Was ander« Städte, wie etwa Wien, München In dem Klar» Ziegler-Museum oder Stuttgart, bereits haben, nämlich«In Museum in dem die bedeutendsten Inszenierungen, Porträts bekannte« Künstler und interessante Dekorationsrequisiten ihrer Theater g» zeigt werden, ist jetzt auch in Berlin von den staatlichen Bühne» errichtet worden. In der Oberwallstrahe 22, dem Hause da Generalintendanz der staatlichen Bühnen, wurde heute vor geladene» Gästen das Museum der Staatlichen Theater eröffnet. Drei kleine Säle in einem der hinteren Gebäude stehen zunächs für diesen Zweck zur Verfügung. Damit ist wenigstens ein Anfan, gemacht. Die Sammlung selbst bietet viel Interessantes und Wert volles. Neben Theaterzetteln Berliner Bühnen aus längst ent legener Zeit Modelle zur Geschichte der Dskorattonen des eh« maligen Opern- und Schauspielhauses. Namen längst vergessener Sänger und Schauspieler, die eh» mals die Berliner begeisterten, tauchen wieder au» der Versenkun, rnif. In edlen Posen mit mehr oder minder gelocktem Haar häng« die Helden an den Wänden. Und dann erinnert man sich dab« auch an sene ganz Großen, wie Matkowski, Krau«, Riemann od» Beetz. Man sieht die Partitur von Wagner,.Tannhäuser", dl«« selbst korrigiert und mit Randbemerkungen versehen hat. Wilhemini siert prunkvoll wirkt di« Prachtausgabe von Leoncavallos„De: Roland von Berlin". Es handelt sich hier vorläufig imr um einen Anfang: aber oud dieser ist erfreuüch. Intendant Iehner und der früher« Oberregisiew der Oper, Dr. Georg Dräscher, begrüßten di« Gäste.— t. Konflikt im Holzgewerbe. Die Ltnternehmer desavouieren ihre Vertreier. Ueber das Ergebnis der langwierigen Verhandlungen, die am 12. April zu einer Verständigung zwischen den beiderseitigen Unterhändlern über-inen neuen Manteloertrag für das deutsche cholzgewerbe führten, haben wir in der Abend- ausgab- vom IS. April ausführlich berichtet. Die Entscheidung der Organisationen über das Vertragswerk hat sich länger hinaus- gezögert, als vorausgesehen war. Augenblicklich ist die Situation jedoch so, daß das ganze Vertragswert gefährdet er- scheint, noch ehe es zu den Lohnverhandlungen gekommen ist, die nach der Verabschiedung des Mantelvertrages geführt werden sollten. Während der Manteloertrag das Ergebnis direkter Derhand- lungen zwischen den Beauftragten der beiden Parteien war, das zum Schluß auch von den Unternehmervertretern in der Verhandlungskommission einstimmig gutgeheißen wurde, waren die Destimmungen über die Kostgeldsätze und die Ferien für die Lehrlinge das Ergebnis eines Schiedsspruches, der von einer tariflichen Schlichtungsstelle unter dem Vorsitz von Prof. Dr. B r a h n gefällt wurde. Dr. Brahn hatte auch vorher den Parteien wertvolle chilfe für eine Verständigung über verschiedene andere Streitfragen geleistet. In Tagungen ihrer Organisationsoertreter, die nach getroffener Abrede beide Parteien am 27. April veranstaltet hatten, sollte die Entscheidung über den Manteloertrag fallen. Die Entscheidung mußte vertagt werden, weil die Unternehmerorganisation, der Ar- beitgeberverband der deutschen cholzindustrie und descholzgewerbes zu keinem Entschluß kommen konnte. Am 15. Mai sollte nach der neuen Abmachung endgültig ent- schieden werden. Den Unternehmern gefielen einig« Bestimmungen in dem neuen Bertrag nicht, ganz besonders aber lehnten sie die tarif- vertraglicheRegelungderLehrlingsoerhältnisse ab. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, entschloß sich der Vorstand des Deutschen cholzarbeiter-Derbandes zu einem Schritt, von dem er bisher stets Abstand genommen hat: er beantragte beim Reichsarbaitsministerium die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches über das Lehrlingswesen. Der übrige Teil des Manteloertrages kommt für die Derbindlichkeitserklärung nicht in Betracht, da er das Ergebnis freier Verständigung ist, also nicht auf einem Schiedsspruch beruht. Das Reichsgrbeitsministerium hotte die üblichen Verhandlungen über den Antrag auf den 16. Mai anberaumt. Es kam aber zu keinen Verhandlungen. Di« Vertreter der Unternehmer erklärten, daß der Arbeitgeberverband den Manteloertrag abgelehnt habe. Darauf zogen die Vertreter des Deutschen cholzarbeiter-Ver- bandes ihren Antrag zurück. Di« Verhandlungen waren gegen- standslos geworden, das Vertragswerk war' zer- schlagen. Einen solchen Abschluß hatten aber die Vertreter des Arbeit- gcbcroerbandes nicht gewollt. Sie waren wohl von den Mitgliedern in aller Form desavouiert worden, aber weiterblickend als ihre Auftraggeber wollten sie doch ihr möglichstes tun, un< den nun unausbleiblich scheinenden Kampf zu verhüten. Eine sofort herbeigeführte Aussprache mit den Arbeitervertretern konnte natürlich bei der Sachlage zu keinem Ergebnis führen. Da entschlossen sich die Unternehmer, die Hilfe von Prof. Brahn in An- spnuch zu nehmen. Dieser stellte sich den Parteien zu einer unver- bildlichen Aussprache zur Verfügung, und nach vieler Müh« gelang es ihm, am 17. Mai«inen Weg zu finden, der vielleicht die Mederanknüpfung der zerrissenen Fäden ermöglicht. Für den 23. Mai war vorher, unter der Voraussetzung der vorherigen Verabschiedung des Mantelvertrages, die Aufnahme der zentralen Lohnverhandlungen vereinbart worden. Dem Eingreifen von Prof. Brahn ist es zu danken, daß die Einladungen zu diesen Verhandlungen nicht rückgängig gemacht wurden. Voraussetzung für die Ausnahme der Lohnoerhandlungen ist allerdings die vor- herige Zustimmung beider Parteien zu der von Prof. Brahn vor- geschlagenen Formel, deren Annahme ober noch keineswegs fest- steht. Das deutsche Holzgewerbe, soweit es dem Mantel- vertrag untersteht(für Berlin kommt er n i ch t in Betracht), steht somit unmittelbar vor Entscheidungen von weittragen- der Bedeutung._ Wie es die I�eichsanstalt auffaßt. Zu den Äerliner Massenkündigungen. Don einem Angestellten des Berliner Arbeitsamts wird uns geschrieben: Wie bereits mitgeteilt, hat die Reichsanstalt sämtlichen An- gestellten der Arbeitsämter gekündigt, ohne Rücksicht auf die von ihnen durch ihre Tätigkeit beim Magistrat erworbenen und von der Reichsanstalt bei der Uebernohme anerkannten Rechte. Wenn nun der Präsident in der Psingstausgabe des „Vorwärts" erklärt, daß diese Kündigungen nicht als solche auszu- fassen seien, sondeni nur der Ueberführung in den Tarifvertrag dienen sollten, so muß ich schon sagen, daß diejenigen Personen, die diese Verwirrung unter den Angestellten angerichtet haben, sich der Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt waren. Meine Herren von der Reichsanstalt, wie wäre Ihnen zu Mute, wenn De am Pfingstsonnabend, wo man doch schon sein Programm für die zwei arbeitsfreien Tage fertiggestellt hatte, Ihrer Frau die Mitteilung machen müssen:„Pfingsten ist für uns erledigt, wir müssen sparen: in 6 Wochen bin ich stellungslos." Man wird vielleicht sagen, so etwas hören wir ja olle Tage. Ja, was soll man aber davon denken, wenn eine Stelle, die aus diesen Situationen heraus ins Leben gerufew wurde, sich selbst solche Seelenkitzel erlaubt? Im übrigen kann man sich mit der Erklärung noch nicht zufriedengeben, daß Entlassungen nicht gedacht sind. So verworren die ganze Aktion eingeleitet wurde, so undeutlich und zweiseitig sind die Kündigungen ausgedrückt. Meine Kiindi- gung lautet wörtlich: „Im Hinblick auf ein kürzlich ergangenes Urteil des Arbeits- gerichts Berlin, das der Rechtsaus fassung der Reichs- an st alt zuwiderläuft, sieht sich das Arbeitsamt Berlin SO. veranlaßt, Ihnen dos Dienstverhältnis zum 35. Juni 1929 zu kün- digen unter Aufrechterhaltung unserer bisherigen Rechtsauffossung." Run sehe einer zu, was er daraus verstehen soll. Es gab auch noch andere Abfassungen, unter anderem Kündigung zum 35. Juni 1929. Sie könnten jedoch weiterbelchäftigt werden nach Tarif. Ich möchte npn den Genossen, die dort an leitenden Stellen sich b»- finden, nahelegen, hier mal ein Wörtchcn mitzureden, damit ähn- liches in Zukunft vermieden wird. » RaMchrift der Redaktion: tSis oersteht sich von selbst, daß die Gewerkschaitsvertreter im Vorstand der Reichsanstalt das ganze Verfahren weder veranlaßt haben, noch billigen. Die hohe Bureau- kratie, die die Seele dieser unverständlichen Aktion ist, scheint sich heute noch nicht darüber klar zu sein, welche Konsequenzen diese Aktion nicht allein für die Reichsanstall, sondern auch für die Bu- reaukratie haben tonn. In Zukunft wird man darauf bedacht sein müssen, die Bureaukratic überhaupt auszuschalten. Ein Musterexemplar. Die Firma G. Regeler u. Co., Cmaillehandel, Ritterstr. 71, legt anscheinend Wert darauf, in der Oeffentlichkeit des öfteren als besonders reaktionär gekennzeichnet.zu werden. Schon vor «iNiger Zeit berichteten wir darüber, daß sie die Arbeiter, die zum Betriebsrat kandidierten, oder für die Organisation agitierten, fristlos entließ. Der Inhaber der Firma, H«rr Patschke, hat sich jetzt wieder ein ähnliches Bravourstück geleistet. Dieser Herr scheint der sonder- baren Auffassung zu sein, daß eine Betriebsversammlung ohne sein Beisein nicht stattfinden darf! Für eine tarif- l i ch e Regelung der Lohn- und Arbcitsverhälinisse seiner Belegschaft ist er ebenfalls nicht zu haben. Vor kurzem fand nun eine Betriebsversammlung ohne seine Anwesenheit stall, in der ein organisierter Arbeiter dem Arbeiterrat den Vorschlag mochte, zu versuchen, mit der Firma den Sonn- abendfrühschluß zu vereinbaren und die ausfallend« Arbeitszeit aus die übrigen Wochentage zu verteilen. Dos genügte Herrn Patschte, diesen Mann als.Hetzer" zu bezeichnen und ihn. obwohl er schon mehrere Jahre in seinem Betriebe arbeitet, kurzer Hand zu ent- lassen. Nicht genug damit, schädigt er ihn auch noch dadurch, indem er seine Entlassungspapiere so ausfertigt«, daß dem Mann vier Wochen lang die Erwerbslvsenunterstützung gesperrt wurde! Auf Einspruch des Arbeiters gegen dies« Eilllassungsbescheini- gung verwies der Firmeninhaber den Arbeiter an einen ihtn befreundeten leitenden Beamten eines Arbeitsamtes, der dafür sorgen sollt«, daß der Entlassene die Erwerbslosenunterstützung erhält! Fest steht jedenfalls, daß dieser Beamte das Ansinnen des Herrn Patschke energisch zurückgewiesen hätte, wenn es an ihn überhaupt gestellt worden wäre. Der betreffende Arbeiter aber ist gar nicht erst zu diesem Beamten gegangen, sondern hat den„Empfehlungs- zettel", den ihm Herr Patschke gegeben hatte, seiner� Organisation zur Verfügung gestellt. Dieser Fall ist bezeichnend dafür, zu welchen Mitteln heute noch Unternehmer greifen, um ihre Belegschaft davon abzuhalten, daß sie sich gewerkschaftlich organisieren. Zn Todesnot... Er rettete nicht, fondern photoaraphierte. Innsbruck, 21. Mai. Gestern traten ein 25jähriger Tourist und eine 23jähriae Touristin von Jnnsruck auf dem Wege vom Pascherkofel-Sch-?- Haus zur Meißner-Hätie ein Schneebrett los, das sie ungefähr 255 Meter in di« Ti es e riß. Da sie sich wahrend des Mellens mit Händen und Füßen kräftig bewegten, blieben sie ziemlich an der Schneeoberfläche, so daß sie sich, als diese zum Stillstand gekommen war, bald herausarbeiten konnten. Unweit der Unfallstelle bemerkten die beiden Verunglückten«inen anderen Tau- risten, der ihnen zusah. Sie erbaten sich seine Hilfelei st ung. Dieser jedoch suchte selbst aus dem gefährlichen Terrain wegzu- kommen, und als ihm dies geglückt war, photographierte er die beiden Berunglücktcn und machte sich dann seelenruhig davon, ohne sich um die Verunglückten zu kümmirn. Der verunglückte Tourist erlitt anscheinend nur leichtere Verletzungen, während seine Begleitertn Rückgrat- oder Hüftverletzungen davongetragen hat. Die beiden wurden mit der Seilschwebebahn zu Tal gebracht. Wieder Eisenbahnunglück in Rumänien Oer Zug brannte, vier Menschen kamen um. Bukarest. 21. Mal. Am Sonntag vormittag ereignete sich in der Röhe de? Eiseubahnstallon Also T e m e f i zwischen P r e d e a l und S r o n st a d t eine schwer« Eisenbahnkatafirophe. der nach dem offiziellen Bericht vier Personen zum Opfer fielen. Ein Güterzug, der in der Richtung nach Kronstadt fuhr und zehn Tankwagen mitsührte, hatte vor der Station Also Temest signalisiert, daß die Bremsen des Zuges versagten und der Lokomotivführer den Zug nicht zum Halten bringey konnte. Auf Station Also Temesie stand gleichzeitig ein Personenzug. Des- halb lcllcte der Stationsvorfteher den Güterzug auf ein totes Gleis. Der Lastzug konnte jedoch an dem Prellhock des toten Gleises nicht zum Hqjten gebracht werden und c n t g-l e i st e. Die Lokomotive stürzte um. di« Benzintanks explodierten, worauf der ganze Zug in Flammen stand. Der Lokomotio- führer, der Heizer und zwei Eisenbahner oerbrannten, drei Eisenbahner erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Welker für� Berlin und Umgegend. Heiter und nachts wieder sehr lichl, am Tage mäßig warm, schwache, meist südliche Winde.— Für Deutschland: Im Küstengebiet vorübergehend stärker bewölkt, sonst allgemein heiter, nachts sehr kühl. ZZerantwoetlicki für die Reduktion: Franz RIBh», Berlin: Anzeigen: Th. SU»!«. Berlbr Verlag: Vorwärts Verlag G. in. l> H.. Berlin. Bruck: Vorwärts Buck- druckerci und Vrrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstra�e 3. Sierzu t Beilage. TUeeilec. Lidtispiele usw. iLJ-d-iiumu.---»___ Dien tag.-1.21. 5 Staats-Oper Unter ± Linden A.-V. 133 IWi Uhr Der ferne Klang Staats-Oper Am PI.d.Republ. 8.-S. 121 20 Uhr lolsa illti Dienstag. d.U. 5. Stadt. Oper BismarcKstr. Turnus UI 19V« Uhr Die ZaMöte Staat!. Sdiausph. im Oendarmenntarld A.-V. 119 ■20 Uhr VBltenslelDS Lager Piccalomial Staat). SehiUer-Theater.Cliarltb. 20 Uhr Zaung8ste 8 riir B S Barbarossa 9256 The Jovers und weitere Vorlei�-Hen eilen Tägl.5u.815;lntern.Variet6 VorverKaui stets für die laufende Woche inkl Sonntag M£TJROPOLTHEATKR 8a Nur noeh 11 Tag«l Lustige Witwe Hesterberg Heldemann, Jankuhn, Eüeot, Jonker- xnann, Schaeffers. OB. SCHAUSPIETaHAUS 8 Nur noeh 11 Tage! Der Hebe Augustin €hrlatlans Karlvelt, Lieste, Arno. Morgan. Westermeier, Künstlerische Leitung: Erlte Charell. Winter * Qarren* B Ob* Zntr. 1818» RaadiM«rl6»dl l Für I Mark J atnan b.quaman, g.polst.r. tan Sasaal In kunar Kntfar-I I nung von dar BUhna mlt| | bastar Sicht. Ein auaarlaaa- naa Programm. Renaissance- Theater IHarduOergitr 8. THiilnpl. 901 1. 2i63,84 j »'/.Uhr TlglUl»>'. Uhi Die heilige klemme! Regte; Gustav Härtung. n_ fif. FnmUnncr Kose-wtiÄtzk ».15 Uhr: Spiel imSchloss. Gartenbohne: 530 Uhri Xotuserl und ttunler Teil «.15 Uhri Mit TTalwrlraum. Berliner Illk-Trlo NBUköllo. 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Passaner Sir. 12 Garaatl cachein. Gravieren gratis sofort 2 tun Miioebmcn. Deottdi« Ibeater D I. Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Neueinstudierung Die Befangene Schauspiel von Edouard BoutdeL Regie: Max Reinhardt Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7516 S./e.Endegeg.lOt/jU Der Ifan, der seinen Namen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Regie: HeinzHilpert Kammerspieie D.i. Norden 12310 ?>/» U- Ende nach 10 Aufgang nurfdr Herrschaffen Kleine Komödie von Siegfried Geyer TheaL d. Westens Täglich SO. Uh' Frau Letinrs Weftei- lolfli Friederike Cirsld Toelie Kammersänger CtrUSken Lastspieihaos 8'/. Uhr Gaido Ttilelseiier Weekend im Paradies Thalia-Ttieater Brasdoon Str. 71-73, *Vt Uhr Otseh. KOnstler-Th. 8% Uhr Prostf Gipsv Operette v.Gilbert Emray Storm Frlt* Scholz Rundfunkhörer IWlbt Preise Kleioes TDeaier Täglich 8'/« Uh. Nlafiponirotkeo? tu» dn Ireitotuin von Fiank Green. Musikalische Illust Fr. Holländer. Regie: Fr.FTlgflmaM- FreätrIO. Theater am Kollendortpiatz Täglich 8',. r Die manner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goeize TbraLom Koiio. if.r Kottb Str.6 Täel.SUhi Eine- sanger Dm ant Mol• Profir, plw fiheiii. üldufhiThnH Pompen Bdhrti. t fiter 7 r sau feile Prslsilsts aüs joDlaoLCfi. Pumpenfabrik BCMJI H es. Iiliüfradorfir Sir. L fnfccafc tm Vorwärts sichern Erfolg! toellaöe Dienstag, 21. Mai 1929 DpriUmiD �rn/nffign�(�HorrW* Diskussion um den Tonfilm Ein Ueberblick Von Lothar Holland Fast alle amerikanischen Filmsirmen hoben sich dem neuen Gebiet der Kinematographie, dem Tonfilm, zugewandt: nach heutigem Stand find über 2000 große amerikanische Lichtspielhäuser mit Borsührungsopporaturen für Tonfilme ausgerüstet. Tonfilm und Tonsilm ist aber durchaus nicht einerlei. Wir müssen bereits heute scharfe Unterscheidungen zwischen den einzelnen Arien ziehen. Es gibt unter ihnen Filme mit mechanischer Begleitmusik, indem diese einmalig aus ein Filmphonogramm oder auf eine Grammophonplatte aufgenommen worden ist und in den Kinos synchron(gleichzeitig) mit dem Filmbild abgespielt wird, so daß auf diese Weise das Orchester überflüssig wird und auch das kleinste Kino die Musik eines großen Orchesters dem Publikum bieten kann. In den eigentlichen TonfUmsn find aber die notür- lichen Tön« der Musik oder Sprache aus der jeweiligen Spielszen« des Bildes mit aufgenommen worden. Da aber auch im Tonfilm von dem Gespräch zweier Menschen vor einer wilden Meeres- brandung oder im Trubel einer Großstadtstraß« wenig zu hören wäre, ergab sich hier in der Praxis«ine naturnotwendige Unter- scheidung dahingehend, daß man entweder nur die Ge- rausche der Szenerie oder nur die Dialoge der Schau- spieler im Tonfilm hörbar werden läßt. Man stellt also entweder „Geräuschfilme" oder„Dialogsiline" her, wobei natürlich in beiden Arten Geräusche und Sprache nebeneinander vorkommen können, sofern sie sich nicht gegenseitig stören. An erster Stelle sind die Filmateliers für die Tonfilm- aufnahmen umgestaltet worden. Denn von dem Augenblick an. wo das Geräusch oder die Sprache in der gefilmten Spielszen« mit als Wirkungsträger in das entstehend« Kunstwerk aufgenommen werden, müssen all« nicht zugehörigen Nebengeräusche von dem die Töne aufnehmenden Mikrophon ferngehalten wer. den. Man baut also die neuen Tonfilmateliers mit schalldichten Mauern: die Ateliers sind innen zumeist mit Teppichen belegt und an den Wänden mit Tüchern behangen, die die Schallwirtungen dämpfen sollen-, mit dem bekannten summenden Geräusch ob- brennende Bogenlampen können zur Beleuchtung mir hinter dichten Glasfenstern verwendet werden, man benutzt deshalb fast aus- , schließlich Glühlompenbeleuchtung: und letzten Endes ist die Kamera selbst in einem schallsicheren cholzhaus ausgestellt, von dem aus der Kameramann mit der Außenwelt durch ein Telephon verbunden ist— denn auch das Surren der Kamera würde störend zu hören sein. Das Mikrophon selbst, das die Gespräche oder Töne auf- nimmt, hängt über der Szene, fo daß es im Bild nicht mehr sicht- bar ist. Der neben dem Spielfeld stehende Regisseur kann sein« Anordnungen natürlich nur durch Zeichensprache geben. Aber nicht nur an den Aufnahmebetrieb selbst, sondern auch an die Darsteller werden neue Anforderungen gestellt. Sie sollen setzt nicht nur mimen, sondern auch dramatisch sprechen oder gar singen können. Gute Sänger und Sprecher sind ober oft nicht besonders vorteilhaft« Mimen. Dieses Dilemma kann man dadurch umgehen, daß man eben einen guten Schauspieler nur mimen und danach einen Sänger oder Sprecher singen oder sprechen läßt und das Filmbild der ersten Person mit dem Sprechphonogramm der zweiten nachträglich kombiniert. Diese Manier bekommt eine be- sonder« Bedeutung in einem sehr heiklen Punkt des ganzen Ton- filmproblems: der stumme Film war international, weil die Bilder international lesbar sind, aber ein in englischer Sprache aufgenommener D i a l o g f i l in wird in den nicht-engli- scheu Ländern der Erde nicht verstanden werden— der Tonfilm bat also an Jnternalionalität eingebüßt. Um dies zu umgehen. steht man in der amerikanischen Tonfilmindustrie dem Plan nahe, sich einen Stab von Sprechern in den verschiedenen Landessprachen heranzuziehen, mit chilfe deren man die Filme nachträglich in den einzelnen Landessprachen synchronisiert. Das ist natürlick» ein sehr ichroacher Notbehelf, da die Wort« des Darstellers im Bild andere sind als diejenigen, die der Sprecher nachträglich auf das Phonogramm gebracht hat. Auch bedenke man eines— woran man meines Erachtens noch nicht gedacht hat: es müßte doch seltsam anzuhören sein, wenn die amerikanischen See- räuber in natürlicher amerikanischer Szenerie ein fliehendes Hoch- deutsch sprächen oder Fairbancs uns plötzlich im Berliner Dialekt anreden wurde... Di« Wirklichkeitsillusion des Film- bilde» würde zweifellos stark beeinträchtigt werden. Wie man es sich vorstellen kann, ist die Herstellung eines Ton- films nicht billig. Andererseits ergibt es sich von selbst, daß ein allzugroßer Aufwand an Statisten und Komparsen unnötig geworden ist, da der Schwerpunkt der Wirkung nunmehr auf der Sprache einer beschränkten Anzahl von Darstellern liegt. Es hat sich somit mit dem Anwachsen der Tonsilmproduktion im Film- paradies Hollywood die Lag« der vom Publikum so beneideten Filmkomparsen gegenüber früher noch bedeutend ver. schlechtert. Wie das dortige offizielle Filmbesetzungsbureau, das „Central Casting Office", mitteilt, ist die Zahl der vermittelten Komparsencngagements von 1047 im Januar 1027 auf 7ö6 im Januar 1028 und 687 im ersten Monat d. I. zurückgegangen. Arn härtesten sind von den Tonfilmen natürlich die Kino- musiker betroffen worden: denn ihr« Kunst und Wirkung ist nunmehr in den meisten Fällen überflüssig geworden. Wie vor einem Jahr die erste Tonfilmflut in die amerikanischen Kinos ein- drang und die Theatcrbesitzer glaubten, nunmehr von den Gehalts- Zahlungen an die Musiker befreit zu sein, kam es zu harten Kämpfen zwischen beiden Parteien, wobei, wie in Chicago, die bratlosen Musiker sogar an das Publikum appellierten: Der Existenzkampf der Musiker ebbte nur langsam ab. Zum Teil sahen es die Kinobesitzer«in. daß sie die Orchester nicht entbehren konnten, da sie sie ja Insbesondere zur Begleitung der vühnenschauen brauchten, die im amerikanischen Kinoprogramm«inen breiten Raum einnehmen. Mit dem Heldenmut eines ein gutes Geschäft witternd«« Kauf- manncs hat sich die Filmindustrie auf die Tonfilmproduktion ge- stürzt. Es gibt gegenwärtig insgesamt über SO Tonsilm« verfahren, die sich ungefähr in die drei Hauptgruppen: Ton- ausnahm« aus Grammophonplatten, auf Filmbänder und auf andere Phonogrammträger wie z. B. Stahlband, teilen. Die ersten beiden Lersahren dominier«»-Ugenbli-Nich. Die deutschen Tonsilm« mit Grammophonplatten-Phonograimn sind der„Lignose Hörsilm" und der„Meßter-Filmton": ein Phonogramm aus Film verwenden der „Triergon-Tonfilm", das„Filmophon" und der, Mangfilm": im Verfahren von Dr. Kurt Stille, das erst in letzter Zeit viel von sich reden machte, wird das Phonogramm in ein Stahlband einmagnetisiert. Damit nun der Theaterbesitzer nicht allein an die Filme eines einzigen der zahllosen Systeme gebunden ist, haben sich die Haupt- sächlichsten Tonfilmfirmen der Welt zusammengeschlossen und die Tonfilm wiedergabeapparaturen in gewisser Weis« einander angeglichen, so daß mit ein und derselben Bor- führungsmaschine Filme verschiedener Systeme vorgeführt werden können. Eine weitere Erleichterung verschaffte eine amerikanische Tonfilmjirma den Kinobesitzern dadurch, daß sie ihnen zu ihren Tonfilmen die nötige Vorsührungsapparatur mit den Programmsn oerleiht. So daß diese der hohen Anschaffungskosten von mehreren tausend Dollar für den Tonsilmprojektor entbunden sind. Der Tonfilm ist heute die Sensation des Tages, und die amerikanischen Filmproduzenten gefallen sich darin, dem stummen Film das Ende zu prophezeien. In wieweit dies Tatsache werden sollte, ist nicht vorauszusagen. Die Fox-Filmgesellschast hat jeden- falls auch ihren letzten stummen Film dieser Produktionssaison noch mitten während der Aufnahmen in einen Tonfilm mit Sprechszenen umgewandelt. Und von den annähernd tausend Filmen der amerikanischen Gesamtproduktion 1929— 1930 werden nur 43 als wirklich stumme Filme herauskommen, 360 sind stumm« Ausgaben von Tonfilmen, bei denen man einfach die Tonpartien fortläßt, und der Rest ist Schall und Dialog. Musik und Tonfilm Von Robert Beyer Der Prozeß, der darauf hinzielt, die Maschine vollkommen in ihrer Arbeitsleistung zu machen, wird wohl kaum aufzuhalten sein. Etappe auf diesem Weg ist die Erfindung des tönenden Filmstreifens und der Synchronisierung. Anschließend wird die Technik bald den farbigen und plastischen Film in einer brauchbaren Form auf den Markt bringen. Wesentlich ist die Frage, inwieweit hiermit der Kunst und ihrer Entwicklung gedient ist. Denn je vollkommener die Maschine arbeitet, desto vollständiger und echter reproduziert und vermittelt sie die Natur wie die Leistungen bisheriger Kunst. Die Tätigkeit der Phantasie wird auf ein Minimum herabgesetzt, und mit Kunst hat die absolut erreichte Darstellung der Realität nur wenig zu tun. Will man nicht Langeweile und Geistlosigkeit pro- pagieren, so muß man sich von dem Begriff der Nachahmung wie von den ästhetischen Vorstellungen bisheriger Kunst, die wesent- lich durch die handwerkliche Produktionsmcthode mitbestimmt werden, grundsätzlich trennen. Die Wendung von der Reproduktion zu einer geistigen Aktivierung der durch die Maschine gegebenen neuen Formmöglichkeiten bezeichnete den Beginn des so- genannten stummen Films und ssiner künstlerischen Mission. Die Situation ist heute insofern neu, als die gleiche Forderung nunmehr auch für die Gestaltung des Akustischen Gültigkeit erhält. Der Klang, bisher belebendes Beiwerk ohne tiefer in die Sphäre des Bildes einzudringen, geformt und ausgeführt mit den Möglichkeilen und Mitteln der bisherigen Musik, wird von der Technik in neuen Formen zur Erscheinung gebracht. Man kann dem Gedanken folgenden Ausdruck geben: der Tonfilm war von jeher da, jedoch nur unzulänglich. Heute technisch vollkommen, steht er vor einem neuen Anfang. Das Akustische, das eine Dimension des Bildes und neben dem Optischen ein wesentlicher Bestand- teil der Komposition geworden ist, verlangt eine neue, gleich- sam filmische Behandlung und Gestaltung, soll die Einheit von Ton und Bild geistig garantiert sein. Die Maschine gibt rein die Vor- bedingungen hierfür ab. Das neue Klangideal, dessen Los- lösung von dem bisherigen Begriff Musik voll- ko m m en sein wird, läßt sich aus den neuen Möglichkeiten, der empirischen Tatsache keineswegs herausentwickeln, ist vielmehr intuitive Schau in hohem Maße. Immerhin kann man heut« mit 100 Prozent Sicherheit aus den Raumton, ein Verfahren, das uns den Klang als ein objektiv gegenüberstehendes von unserer Wirklichkeit abgetrenntes Bild erleben läßt, und auf seine tonale Bedeutung für die in ihren beiden Elementen orgamsche Tonbild- komposition hinweisen. Gegenüber dieser angedeuteten Perspektive in die Zukunft stellt sich die Tonfilmsituation augenblicklich anders da. Man ist dazu übergegangen, den T o n auf die übliche Gattung des Spielfilms zu übertragen. Was dem Geistigen schon lange nicht verborgen war, wird nun vor aller vesfentlichkeit demonstriert. Der Film entpuppt sich trotz aller technischen Verfeinerungen, der lebendigeren Inszenierung als reproduzierte» Theater, linear er- weitert und umkomponiert auf die technisch« Realität hin Der Ton, in dieser Form angewandt, muh konsequenterweise die Illusion des Naturechten. Vervollständigten, muß den Film zu dem ergänzen, was er feiner Herkunft nach immer war. Umgekehrt müssen die zufälligen Proportionen der bisherigen Musik, der Sprache, deren Maße aus natürlichen Bedingungen gewachsen sind, die Zu- sammensossung der sichtbaren Elemente zu einem neuen bildlichen Räume, zu einer neuen filmischen Zeit, zu erner in sich geschlossenen wirklichkeitsfernen Welt hemmen. Wir hören klingende Phänomene, doch nicht verborgene Musik in neuer Gestalt, innerlich verbunden mit der stummen Musik der reinen sichtbaren Kampa- sition. Die im Bild wie im Ton durch die Technik gegebenen neuen Möglichkeiten und Maße hatten eine« n t- sprechende Veränderung der künstlerischen Problem- stellung nicht zur Folge. Es bedeutet einen Fortschritt, wenn man einsieht, daß der Film in seiner jetzigen Gestall, sei es in stummer oder tönender Version, keine Zukunft hat. Denn, ob stumm oder tönend, ob er sprechen, singen oder lärmen soll, ist nur eine Frage der Besetzung, bestimmt sich rein aus dem Ausdrucksbedürfnis Sie ist von untergeordneter Bedeutung gegenüber der zentralen künstlerischen Einstellung, die hier wie dort sich gleicherweise manifestiert. Die vorläufige Mission des Tonfilms ist, den Film als Misch- gebllde zu enthüllen. Wir stehen noch in der Epoche der a u t o- matischen Ausnutzung bisheriger Kunst. Si« zu über- winden, ist ein geistiger Fortschritt. Di« vollkommeoe Maschine steht dem keineswegs entgegen, macht nicht nur die einzelnen Elemente der Komposition, wie Ton und Farbe, befähigt für die neue Ge» staltung, sondern zwingt weit eindringlicher, die Lösung des Pro- blems in Angriff zu nehmen, fordert die Ankunft des reinen Films. Es dürste schwer sein, schon heut« eine positive Formulierung des Filmischen eindeutig zu geben. Es ist bezeichnend für unseren Stand zwischen den Zesten, für den Vorsprung der Tatsachen vor den Ideen, daß wir nur negativ das Wesen des Films begreifen können eben als Abstand zu dem Bisherigen. Soviel ist gewiß, daß das von den Fachleuten dem Tonfilm angehängte Märchen von der so- genannten organischen Entwicklung über die bloße Reproduktion von Theater usw. hinaus, ähnlich der Entwicklung des stummen Films, lediglich ein Deckmantel ist, die Ideenlosigkeit zu verbergen. Drohende Gefahren Von Felix Scherret Es ist sonderbar, daß seit den ersten Tagen des Films die Sohnsucht bestand, dem Augenerlebnis akustisch« Element« anzu- hängen. Bielleicht erinnert man sich an das Singbild aus der frühesten Kindheit des Films. Aus der Leinwand, die damals noch unleidlich flimmert«, erschien ein kostümierter'Herr, der virtuos« Mundequilibristik betrieb, während ein Grammophon das Torero- lied oder die trügerischen Weiberherzen quäkte. Ein Zufall, wenn die Mundstellung des verfilmten Sängers mit den Ouetschtönen des Grammophons harmonierte. Und ein paar Jahre später wurde die F i l m o p e r resp. Film- operette erfunden. Eine Opernausführung, die mit erlauchten Sängernamen prunkte, erschien auf der Leinwand, und dahinter standen weniger Stimmbegabt«, die die Tön« zu dem offenen Mund des Sängers fabrizierten. Ein kleines Orchester, etwa aus fünf bis zohn Mann bestehend, zelebrierte zum„Lohengrin".„Freischütz" oder.Caoalleria rusticana" die notwendig« orchestral« Begleitung. Jetzt aber ist der richtige Tonfilm auf der Bildfläch« er- schien««. Man kann alles filmisch und akustisch ausnehmen. Was Deutschland bisher auf dem Gebiet des Tonfilms erreicht hat, ist außer Ruttmanns„Melodie der Welt" absolut unzureichend. Möglich, daß die boshafterweise boykottierten Amerikaner weiter sind, eins darf man jedoch nicht vergessen, in der Zeit, die zwischen der Filmoper und dem Tonsilm liegt, fand der Film sein« künstlerisch« Ausdrucksform, seinen spezifischen Darftellungs- stil, und diese Errungenschaft schwebt in der Gefahr, durch den Tonfilm zerstört zu werden, der einfach in die Welt gesetzt wird, ohne daß die Produzenten irgendwelche Richtlinien bisher ge- funden haben. Wenn Herr Dessoir einen Vortrag über Philosophie im Ton» film hält oder Herr Hansen das erschütternde Lied von der Dolly aus Hollywood singt, so bleibt der Vorgang, abgesehen von den verlorengegangenen S-Lauten, unproblematisch. Auch wenn Ruit- mann Tänze der Somali-Neger und der siamesischen Dosa-Devaz durch den originalen Gesang begleiten läßt oder durch das Ge- räusch der Trommeln, wird das Problem des Tonfilms kaum be- rührt. Dies tritt erst in die Erscheinung beim Spielfilm. Der Film hat seinen künstlerischen Stil durch drei wichtige Fak- toren gesunden: er ist farblos, zweidimensional, d. h. flächig, und stumm. Dos letzte Moment erscheint durch den Tonsilm proble- matisch geworden zu sein und spielt gerade bei der filmischen Stil- bildung die Hauptrolle. Jede T c x t e i»s ch o l t u n g ist ein Zeichen dafür, daß Regisseur und Manuskriptverfasser mit dem Stoff nicht fertig geworden sind, ihn nicht restlos ins Filmische übertragen haben, oder daß Themen behandelt wurden, die für den Film un- geeignet sind. Man muß also Situationen wählen, die ohne Hilfe des Worts ollein durch Geste, Haltung und mimischen Ausdruck ausgedeutet werden können. Bei einem geschickt insze- neerten Film vermißt der Zuschauer überhaupt nicht das Wort, denn die Situationen sind derart gestellt, daß sich jedes Wort erübrigt. Di« Handlung ist so komprimiert und auf das Visuell« gestellt, daß irgendein Wort nur den Ablauf hemmt. Dies bleibt der Weg, den der stumme Film auch weiterhin schreiten muh. Das störende Moment der Texteinlage ist ebenfalls seit langem erkannt worden, denn man bemüht sich, die Schrift ins bewegt Optisch« aufzulösen, man läßt sie aus der Leinwand hervorstoßen, belastet si« mit dramatischen Gefühlselemcnten, ein glücklicher Vorgang. den Fritz Lang im„Dr. Mabuse" in den Darstellungsbereich des Films einbezog. Nur in der Handlung offenbaren sich die Ideen und Empfin- düngen der handelnden Menschen. Der' stumme Film ist also ein durchaus motorisches Kunstwerk. Der Tonfilm dagegen bringt das B e r w e I l« n auf Situationen, die durch das Wort ent- scheidende Bedeutung erlangen, er nähert sich wieder dem statio- nören Dühnendrama. Wie die Neuersindung mit den beiden an- deren Grundelementen filmischer Kunst: nämlich mit der Flächig- keit und mit dem Fehlen der Farbe fertig wird, ist ein« ander« Frag«. Die Bühne in ihrer konkreten Gestalt kann kaum zum Vor- bild werden, doch dos steht hier nicht zur Diskussion. Das ist«in Problem, mit dem der Tonfilm allein fertig werden muß. Hier geht es um andere Dinge. Man teilt au» Hollywood mit, daß Tonfilme gleichzeitig auch als stumme Film« durch geringe Acnderungen und Schnitte Verwendung finden und darin liegt die Gefahr für den Film über- Haupt. Es erscheint als selbstverständlich, wenn die amerikanisch« Industrie zu diesem Ausweg ihre Zukunft nimmt, da man nach nicht weiß, wie lange die Tonfilmmrde ihre Konjunktur erlebt und da man Absatzgebiete, die die englisch« Sprache nicht kennen, un- gern verlieren möchte. Sieht man«inen Film wie„Im Rampen- licht", der ursprünglich ein Tonfilm mar, erkennt man die Ge- fahren, die auf den Film lauern. Hier liegt beispielsweise die Pointe darin, daß eine Amerikanerin' als Russin signiert wird und unentwegt einen merkwürdigen Jargon spricht. Der Film besteht zur Hälft« aus T«xteinlagen, die nicht nur ein Notbehelf sind, son- dem tatsächlich allein die witzig« Seite betreuen. Was im Lauf« der Zeit mühsam erkämpft wurde, ist plötzlich auf«inen Hieb ze» stört worden. Dielleicht wind der Tonfilm einmal seinen eigenen Stil«nt- wickeln. Vorläufig bedeutet er für den Film eine drohende Schädi- gung. Ein« Berquickung beider Kunstformen ist unmöglich, da si« von grundverschiedenen Voraussetzungen ausgehen, und frühzeitiger Jubel ist oft gefährlicher als die schöpfst« Skepsis. (16. Fortsetzung.) „Du sollst gleich mit mir mit zum Schulzen kommen,' flüsterte sie mir zu,„er will dich sehen. Albert hat gefagl, sein Sohn hat ein schlimmes Bein und sitzt im Krug. Du mußt also ein bißchen humpeln." Auf meine neugierige Frage, wie denn die Sache abgelaufen wäre, erklärte Grete:„Mensch, du wirst staunen. Alles dufte. Wir brauchen mindestens vierzehn Tag« nicht fechten zu gehen." Als wir beim Schulzen eintraten, sahen der Schulze und seine Frau, Albert und seine Marie am weißgedeckten Kaffeetisch. Grete und ich, wir mußten uns hinzusetzen. Albert stellte mich als seinen Sohn vor, der sich beim Brande eine Beinverletzung zugezogen hat und sagte dann zu mir gewandt, damit ich mit der Sachloge vertraut würde: „Der Herr Ortsschulze hat sich in aufopferungswürdiger Weif« für uns verwandt. Er ist selbst mit uns zu den wohlhabendsten Be- sitzern gegangen und hat für uns gebeten. Durch das Eintreten des sehr geehrten Herrn Ortsschulzen sind uns so überaus viele Beweise von Liebe und Opferwilligkeit zuteil geworden, daß wir dem lieben Herrn Ortsschulzen nicht genug danken können. Gott der Herr mög's ihm und allen Einwohnern des Ortes vergelten!" Der Ortsschulze und seine Frau machten so einfältige Gesichter, daß ich Mühe hatte, mein Lachen zu verbergen. Nachdem wir uns an dem schönen Kaffee und deni Kuchen reichlich gestärkt hatten, ließ der Schulze anspannen. Er selbst spendete un» einen Sack Kartoffeln und einen Sack Erbsen, die beide auf den Wagen geworfen wurden. Dann kam ein überaus herz- liches Abschiednehmen und allseitiges Glückwünschen, bei dem die Frau Ortsschulzin manch« Träne zerquetschte, und wir kletterten der Reih« noch auf den Wagen. Der Schulze fuhr selber. Ihm zur Seite saß Albert mit seiner Marie. Grete und ich hatten im hinteren Teil des Wagens Platz genommen. Bon einem Bauern zum anderen ging es und bei jedem wurde dos, was für uns bestimmt war, durch«inen Knecht auf den Wagen befördert. Hier ein Scheffel Roggen, dort ein Sack Gerste, bei einem dritten wieder Kartoffeln. Mehl, Erbsen, Kleie und Hafer gab es, ganze Leiber Brote, Speckseiten und Würste, Körbchen mit Eiern... Ms wir zum Dorf hinausfuhren, ging nichts mehr auf den Wogen. Wohl an fünfzehn Säcke, große und kleine, führten wir mit. Wir hätten vor Freude lachen und bersten mögen, mußten aber an uns halten, um uns nicht etwa noch in letzter Minute zu verraten. Albert verstand es ausgezeichnet, den Ortsschulzen so ausgiebig zu unterhallen, daß er auf uns nicht acht gab. Grete kichert« in einer Tour und knuffte mich in die Seit«. Es war sieben Uhr abends geworden, als wir in der Stadt an- kamen. Als wir vor der Herberge zu halten baten, machte der Schulze denn doch ein verblüfftes Gesicht. Wir waren deshalb froh, daß er zurückfuhr, ohne weiter nachzuforschen. Trotzdem hiellen wir es für angeraten, anderntags in aller Frühe zu verduften. Der Herbergsvater, der sah, daß ihm ein einträgliches Geschäft winkte, ließ ein Hinterzimmer freimachen, in dem die Beute verstaut wurde. Die Kunden im Fremdenzimmer bekamen einige Liter Branntwein, um ihnen das Maul zu stopfen. Wir selbst feilschten mit dem Herbergsvater um den Preis der zu verkaufenden Ware. Er bezahlte ungefähr den vierten Teil des wirklichen Wertes. Alle waren also auf ihre Kosten gekommen. Der Herbergsvater hatte ein gutes Geschäft gemocht, wir hallen die Taschen voll Geld und noch reichlich Lebensmittel, und die anderen Kunden und Schicksen in der Penne bekamen so viel zu trinken, daß sie am anderen Tage, als wir längst über alle Berge waren, noch nicht wußten, wo ihnen der Kopf stand. Fast zu toll. An einem herrlichen Frühsommertag zog ich mit meinem Reise- kameroden, einem Schriftsetzer, in das polnische Städtchen Mogilno ein. Unser Weg führte an der Buchdruckerei und Buchbinderei vorbei. Wir sprachen um Arbeit an und wurden sofort eingestellt. Es war Pfingstsonnabend. Wir konnten uns also zunächst zwei Tag« et- holen. Wir suchten uns, da bei unserem Ehef kein Platz war, Prioatlogis, die nicht allzu weit voneinander entfernt waren, und überließen uns dann unserer ausgelassenen Laune. Nach einem fidelen und feuchtfröhlichen Abend wankten wir unseren Behausungen zu. Erst brachte ich meinen Freund nach Hause und dann er wieder mich. Der eine befürchtete immer vom andern, daß er sein Heim allein nicht auffinden werde. Als wir so die halbe Nacht umher und hin und her gewankt waren, nahm uns der Nachtwächter, der uns schon längere Zeit gefolgt war, unter d«n Arm und beförderte zuerst meinen Kollegen und dann mich. Kaum lag ich im Bett, als in meinem Bauch ein gewaltige» Rumoren begann. Da half alles nichts. Ich nahm die Petroleum- funzel in die eine, einen Bogen Zeitungspapier in die andere Hand und wankte wieder hinaus. Auf dem Korridor war der Ort einer stillen Zuflucht nicht zu finden und die Hoftür verschlossen. Verzweifelt ging es wieder treppauf ins Zimmer zurück. Die Not war groß— größer als das Gefäß, das wenigstens zu erwähnen, hier unumgänglich ist. Leider blieb der vulkanische Ausbruch nicht auf einen Krater beschränkt. Ich weiß nicht mehr, wie es endete, jedenfalls riß ich die Fensterflügel sperrangelweit auf und posierte das nicht für diesen Zweck bestimmte Gesäß dorthin, wo sonst anders geartete Gewächse der Morgensonne entgegenduften. ehe mich der Schaukelkahn eines bleiernen Schlafes dem Elend einer wider- wärtigen Gegenwart entführte. Nicht Dogelgesang und rauschender Wind waren es, die mich am nächsten Morgen in der zehnten Stunde weckten, sondern«in hartes Klopfen an meiner Zimmertür. Mein erster Blick gall meiner eigenartigen Fenstergarnitur. O Schreck, sie war verschwunden! Sollte die Wirlln...7 Aber ich hatte die Tür ja zugeschlossen... „Pierunnie!" lärmt« es draußen durcheinander.„Saufbold ver- fluchterl" und„Mistvieh, Sauerei!" Und unten auf der Straße war ein Gewog«, als sei«in ganze» Bienenvolk ausgewandert. Sollt« es heute doch nicht erster Pfingftsonntag sein, sollte mein Ehef nach mir schicken? Der Schädel brummte, als wenn der leib- hastige Satan darin herumwirtschaftete. Ich hatte keine Zell zu wetteren Ueberlegungen.„Aufmachen, aufmachen!" brüllten die Stimmen durcheinander und es wurde gegen die Türe geballert, als wolle man den Türrahmen sprengen. Ich öffnete. Zuerst erregten die blanken Knöpf« des Polizeidieners meine Aufmerksamkeit. Hinter ihm erblickte ich meine Wirtin und einige Männer. „Was ist los?" fragte ich entsetzt. Mit unheilverkündender Amtsmiene trat der Hüter des Gesetzes über die Schwelle. Di« anderen Herrschaften zogen es vor, draußen zu bleiben, denn nach Pfingsten roch es in meinem Zimmer wirklich nicht. Der Polizeidiener ging um die Folgen des nächllichen Vesuv- ausbruches herum wie eine Katze um den heißen Brei. Dann sah er mich mit rollenden Augen von oben bis unten an und brüllte, als wenn er mich fressen wolle:„Mann, was haben Sie gemacht?! Sie haben das ganze Haus verunreinigt!" Ich stand in meinem Nochtkostüm vor ihm wie ein Schwer- Verbrecher. Und plötzlich ging mirs durch den Kopf: sollte die Kakteenpflanzung... Ich stürzt« zum Fenster. Ein Blick hinaus sagte mir alles. Scherben auf der Straße und ein unaussprechliches Durcheinander von Spritzern, als sei eine Granate... Ach, und die ganze Hausfront herunter.. „Entschuldigen Sie," stotterte ich,„ich konnte nicht ahnen... Der Wind... Der Fensterflügel... Der Nachllopf... Höhere Gewalt..." „Quatschen Sie nicht von höherer Gewalt!" schrie mich das Auge des Gesetzes an.„Grober Unfug ist das, Sachbeschädigung! Sie kriegen ein Strafmandat!" Ich versprach, die fleißige Arbeit des nächtlichen Vcrschönerungs- Vereins radikal zu beseillgen und beruhigte damit das rollende Auge des Gesetze» einigermaßen. Stapfend polterte es die Treppe herunter. Die Wirtin versah mich gern mit Wassereimer und Scheuertuch, wenn sie auch sonst unversöhnlich blieb. Und nun begann«in« Pfingstarbeit, die ich mir nicht hatte träumen lassen. In meiner Not begab ich mich zu meinem Freund, sobald ich das Schlachtfeld gesäubert hatte. Ms ich in dos Haus trat, fand ich im Flur verschiedene Hausbewohner vor, die leidenschaftlich und mit empörten Mienen disputierten. Die Wirtin— mein Freund wohnte parterre— öffnete mir mit bösem Gesicht und wies mit stummer Gebärde nach einer Tür. Nach mehrmaligem Klopfen antwortet« mir ein stumpfes Grunzen. Ich trat ein und— nein, dos beschreibe ich nicht. Mit raschen Schritten öffnete ich beide Fenster. Ach, wie sah der Fußboden aus und ach, die Bettdecke, das Laken, das schöne Kopfkissen! „Wach auf!" rief ich meineni Freund zu. Ich rüttelte ihn, ich schüttelle ihn.„Wach auf!" Das Grunzen wurde allmählich intensiver, schließlich fuhr er mtt einem Schnarcher hoch:„Bist du verrückt geworden, Marie?!— Hä. was ist los?" rieb sich die Augen, riß die Gucker meilenweit auf und glotzte mich an, als sei ich das Auge des Gesetzes. „Was hast du denn gemacht?" „Uck, wie? Ach so, ja... Wart mal." Und plötzlich wieherte er los wie ein Hengst, der die Stute von weitem riecht. „Weißt doch," meckerte er,„weißt doch, daß ich... hahahaha. daß ich parterre wohne. Ich aber war hahaha, bin eine Treppe höher gestiegen, hänge Hose und Weste ans Geländer, mußt doch mal, denk ich und protze ab, Hinterfront gegen die Korridortür. Na, und da— schwerstes Kaliber ist nichts dagegen. Mensch, Richard, ich sage dir, also... Was die Hausbewohner sind also, die raus aus den Federn, denken, Gewitter in der Nacht, Erdbeben oder der Deubel ist los, Flurtür auf und— ha, Mensch, sind sie über mich rüber gestolpert! Und die Wucht, die ich dann bezogen habe, nee, nee Mensch, die will ich dir nicht gönnen." Wir packten noch selbigen Tags unser Bündel und zogen ab wie die begossenen Pudel. Hochzeit im Dorfe. Es war ein herrlicher, sonniger Sommertag. Di« Sonne leuchtete strahlend. Die Kornfelder, in denen roter Mohn, violette Korn- raden und blaue Kornblumen wucherten, wogten im Morgenwind. Blühender Klee und goldgelbe Lupinen verströmten ihren süßen, berauschenden Dust. „Sieh mal." begann ich zu meinem Ressekameraden,„ist die Natur nicht das Schönste und Edelste, was sich der Mensch nur denken kann? Werf' nur mal«inen Blick in das bunte, blumige Feld, wie ein einziger, bunter Blumenstrauß sieht es aus!" „Werd' nur nicht wieder poetisch," grinste mein Kollege,..sieh' lieber nach, ob wir noch einen in der Pulle haben, mir ist die Kehle ausgetrocknet." „Mir auch," echote ich. Wir legten uns in den Graben, über unseren Häuptern das wogend« Kornfeld und tranken die Flasche leer. Mir aber hatten es die bunten Blumen angetan. Der rote Mohn, die violetten Korn- raden und die blauen Kornblumen machten sich doch zu schön im goldgelben Kornfeld und so band ich denn einen großen Strauß. In der Mitte den roten Mohn, ringsherum Kornraden und dos ganz« langstielige Bukett umschloß ein breiter Kranz Kornblumen. Zwischendurch hatte ich immer goldgelbe Aehren oerteilt. „Was machst denn du," griente wieder mein Reisegefährte,„du sammelst wohl Biehsutter?" iFortletzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Deutscher Naturschutztag. Am 23. Mai tritt in Dresden der 3. Deutsche Noturfchutztag zusammen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Vorträge von Prof. Paul Wagner(Dresden) und Prof. Walter Schönischen (Berlin) über„Die Erhattung der deutschen Berge", von Ober- regierungsrat Kurt Hager(Dresden) über„Reklame und Land- schaft" und von Ministerialrat Prof. Thiele(Dresden) über„Er- holungsgebiet und Verkehr". Naturschutz in Badeorten. Der Allgemeine Deutsche Bäderverband hat darüber Klage ge- führt, daß die landschaftlich hervorragenden Gegenden der Kur- und Badeorte mehr und mehr verschandelt werden. Das geschieht durch verunstallende Bauwerke, Errichtung von Industriebetrieben in dazu ungeeigneter Loge, auffallende Reklameaufschristen usw. Besonders oft gelingt es nicht, die Errichtung unschöner Plakate zu verhindern. Gegen diese Mißstände nimmt jetzt das Preußisch« Wohlfahrts- Ministerium in einem Erlaß Stellung. Zweifellos oerdienen— so heißt es darin— die Bestrebungen der Badeorte, das Landschafts- und Ortsbild vor Verschandelnng zu schützen, weitgehende Förde- rung. Das Minssterium ersucht deshalb die Behörden, diesen Be- strebungen soweit möglich entgegenzukommen und den Erlaß von Schutzvorschriften auf Grund der Verunstaltungsgesetz« und des Wohnungsgesetzes zu fördern. Wenn auch finanzielle Gesichts- punkte nicht außer acht zu lassen sind, so werden sie doch diesen Schutzbestrebungen gegenüber meist zurückzutreten haben. Der Er- laß erklärt es für selbstverständlich, daß staatliche Grundstücke nicht etwa bevorzugt behandelt werden dürfen. vlenztae. 21. Mai. 16.00 Dr. J. QilnUier:„Schriftwort ind Klaorwort". 16.30 Norellen:„Selbstmord eines Schülers". Vo» Prinz Blei(tcieien Tom Autor). 17.00 Uebertncnnt ms der Kimera, Unter de« Linde«: U«lerhaltn«jsmnsil[ anl der Wolitzer Oriel. 17.30 Streichquartett a-wo!I. op. IM von Maro Kaan.(La«ibino«-Ouartett.) AnschlieDend Milteiln.nEen des Arbeitsamts Berlin-Mitte. 18.10 Stunde mit Büchern. Abenteurer-Romane. Am Mikrophon; Pellx Scherret. 18.40 Dr. Max Osboni; William Hozarth und Joshua Reynolds. 19.05 Dr. E. Hnrwicz:..Die wirtschaftliche Entwicklanf Osteuropas". 19.30 Prof. Dr. Hans Reichenbach:„Cinlührunt in die Naturphilosophie der Qezenwart." 20.00 Bunter Abend. Mit«-.; Käthe Erlhole. Alice Hechy, Hans Reimann. Anschließend: Presse-Umschau des Drahtlosen Dienstes. Nach den Abendmeldnnxea Birdfunk. , Köairswnaterhaasea. 16,00 Stnd.-Dir. Qrabert and Sind.-Rat Dr. Hartic: Zar praktisekea Dsrehfüh- ruai der preußische« Richtlinien an höheren Schulen. 16.30 Stefan Prenkel und Mai Osborn; Neareitiiche Viollnmusik. 17.00 Nnchmittatskomert von Lelptlr- 18.00 Prof. Dr. Kassier; Unsere Lnfthdl!«. 18.30 Pranz6siseh für PortteschrlttM«. 18 55 Dr. P. Landau: Deutsche Qeselilikelt. 19.20 Dr. Qustav Mine: Sprache des Erfolees. 20.00 Vioilnkonrerle. 1. Moeart: Koneerl A-Dur Nr. S. 2. P. I16ffer: Koneert für Violine mit Orchester, op. 19. 3. L. Maurer: Coneertante für Tier Violinen, A-Dur, op. 55(ErstauffOhrnn«).(Prof. Havemann. B. Hamm«, Margarete Lettermann, Karin Rossander. Kammerorchester. Leltant: Paul liöffer.) 21.00 Klaviervorlräge(E. Weiß; FUgel). 1. Rameau-Mae Dowell: Sarabande. 2. Mac Dowell, 3. Albdnle. d. Rossini: Ouvertüre zu„Wilhelm Tel]". 21.30 Unterhaitonfsmusik Dt. Beece's Terra-Symphoniker. Ubi bene--- Aus Rom wird uns geschrieben: Es war an einem schönen Sonntag. 25 000 Aelpler und Skifahrer— hier Alp i n i und S e i a t o r i benamset— waren aus Norditalien gekommen, um dem Du«, dem König und dem Papst zu huldigen. Ich sah sie von der Terrasse der Via de la Consutta am Ouirinalpalast vorbeiziehen. Trotz ihren Faschi und Liktorenbeilen umschwebte sie eine mir irgendwoher bekannte Atmosphäre. Auch einen jungen Adler im Käsig führten sie mit sich und ließen ihn dann auf der P i a z z o V e n e z i a fliegen, oder, wie ich am nächsten Morgen in einem römischen Blatte las, „befreite sich der A q u i 1 o t t o und flog, an antike Auspizien gemahnend, in großen Kreisen über den Platz, stieß, Besitz er» greifend, auf den Palazzo Venezia hinab und verschwand über dem Grabe des unbekannten Soldaten auf dem National- denkmol". (Nachtigall, ick her' dir lofen! sagt der Berliner. Der Palazzo Venezia ist nömlich der frühere österreichisch-ungarische Bot- schaftspalast!) Mir aber brachten recht viele dieser A 1 p i n i«in« unobweis- bare Assoziatton zu oberbayerischen Stahlhelm- oder Miesbacher Orgeschleuten oder so was Aehnlichem, mit ihrer Vitalität und Sangesfreudigkeit, mit ihrem Holdrio und Edelweiß. Und siehe da! Als wir des Nachts und zwölf auf der Piazza Colonna an einer solch weinselig-fröhlichen Gruppe von südtirolischen A l p i n i und Seiatori vorbeikamen, da hörten wir— eccolo!— mitten aus ihr die echt oberitalienischen Wort« erschallen: ,�)oam geh» mer oobergarnetmehr!" Dr. E. B. Abfärbende Vogel. Ein Forscher fing bei einem Regen einen Turako, eine asri- konische Kuckucksart. Er machte dabei die Feststellung, daß dessen Federn abfärben. Bei näherer Untersuchung ergab sich, daß der Farbstoff als ganz ungewöhnlichen Bestandteil der Dogelfederfarb« Kupfer in chemischer Bindung enthält. Indes ruft reines Wasser oder bloße» Berichren mit der Hand kein« Absärbung hervor, sondern nur Wasser, da» Spuren von Ammoniak enthält. Der Teufel Im Rundfunk! In Wierzbowo in Polen hat eine Anzahl Bauern einen reichen Gutsbesitzer gelyncht, weil dieser sich einen Radioapparat zugelegt hatte. Die Bauern die einen derartigen Apparat zum erstenmal hörten, glaubten, daß sich der Gutsbesitzer durch den Apparat mit dem Teufel in Verbindung setze und die aus dem Laussprecher tönende Stinime die des Höllenfürsten sei! Papierschnitzel als Reklametrick. Je 10 000 Haushaltungen erhalten morgens In London einen verschlossenen Briefumschlag, dessen Inhalt sich als einige Papier- fchnitzel entpuppt. Am nächsten Tage kommt dann des Rössels Lö- jung in Form eines Briefes:„Sie erhielten gestern von uns eii'.tge Papierfchnitzel geschickt: da wir genau wissen, daß Sie ein Reklame- nindschreiben von uns doch zerrissen hätten. Dieses wäre ober bei dem Angebot, das wir Ihnen unierbreiten wollen, nicht angebracht gewesen." Wie dir Reklamechef der betreffenden Finna»ersichert, war der Erfolg ein außerordentlich großer. Sarah Bernhard wurde In ihrer Glanzzeit von vielen Verehrern umschwärmt. Ei«? der heißesten Verehrer verfolgte st« aus Schritt und Tritt. „Teure, machen Sie mich zu Ihrem Sklaven." „Gut," erklärte sich die Schauspielerin einverstanden.„Sie sind von jetzt ab mein Sklave!" Und nach einer Weil« fuhr sie fort: „Wissen Sie wa», ich schenk« Ihnen die Freiheit. Sie können gehen!" Segler treffen in Brandenburg Die groJf�e Werbefahrt des Freien Segler-Verbandes. Das waren herrliche, erfolgreiche Tage, die die freien Segler über Pfingsten bei ihren Berbandsgenoffen in Brandenburg an der Havel verlebten. Herrliche Tag« voll Sonnenschein und Wind, erfolgreiche Tage im Segelsport und in der Werbung. Punkt Hill Uhr hatte am Sonnabend der erste Schleppzug von den Stegen des„Seglervereins Stößensee" bei Pichelsberg« losge- warfen, in kurzer Folge dampften auch die nächsten beiden ab, so daß gegen Mittag 15» Segelboot« aller Arten und Klassen noch der tausendjährigen Stadt unterwegs waren. Allzu gemütlich war es bei dem recht kalten Wind gerade nicht auf dem Wasser; manche leicht gekleidete Seglersfrau zog über den schmucken Pullover noch den Sweater, und es soll einige gegeben haben, die sogar noch wollene Jacken darüber hatten, obwohl Pullover und Sweater auch nicht gerade aus Leinewand sind. Die seidenblanken Beinchen staken in selbstgestrickten, riesig dicken Strümpfen, und den so verhüllten Korpus überzog man noch mit einem Futteral aus wasserdichter Persennige. Aber Seglersfrau und Seglersmann hotten über olle Witterungsunbill eines nicht vergessen: den Humor, der golden und derb sein kann, im Gebrauch aber meist das Letztere ist. So gab's denn fröhliche Einkehr bei den Brandenburger Genossen, die, als verhältnismäßig junger Verein, sich die Last so umfang- reichen Besuches übernommen hatten. Hoch im Winde standen auf dem großen Freigelände am Bootsschuppen die Flaggen der Gast- geber, des Verbandes und der Republik, freudig schallten die Be- grüßungs-Ahois von Land zu Boot und umgekehrt, als die Schlepper die Trossen freigaben. Ueber 6<1l1 Segelbegeisterte hatte Berlin nach Brandenburg geschickt, mit den Einheimischen mochten an die Tausend Zeuge des überwältigenden Bildes gewesen sein. Die Brandenburger hatten getan, was sie angesichts einer solchen In- vasion tun konnten. Aber schließlich ist das Dorf Neuendorf, bei dem der Hafen der„Freien Segler Brandenburg" und des.„S e g e l c l u b s N o r d- W e st" liegt, nicht Grünau. In Restaurant, Saal und Nebenräumen wälzte sich bald ein« breite Masse, die auf dem Dielenparkett des mit länd- lichem Komfort ausgestatteten Tonzsaales zu einer dickflüssigen Lava- masse anschwoll. Viele, viele erlebten den Pfingstfonntag schon in seinen ersten Anfängen, alle aber konstatierten am Morgen präch- tigsten Sonnenschein und Seglerwind. Rote Nasen und blaue Hände waren vom Sonnabend her vergessen, hoch gingen am Mast Gaffel und Großsegel, Junge heiß auf die Fock— und mit rauschender Fahrt flitzten die Boote dem Regottarevier auf dem großen Breitlingsee zu. Das war Segelwetter und Segelwind. Groß war die Zahl der Brandenburger, die von der Buhne aus dem segelsportlichen Spiel zusahen und der Brandenburger Verein wird die agitatorische Wirkung bald erfahren. Im zweiten Teil der offiziellen Veranstaltung konnte Verbandsvorsitzender Pähl neben den Seglern auch Vertreter der Stadt, der örtlichen Organi- sationen und eine riesige Gästeschar begrüßen. Er sagt« den Brandenburgern Donk für ihre Mühe, der Stadtverwaltung Anerkennung für die Unterstützung. Stadtrat Genosse L ü dt t e bracht« das Seglertreffen in Verbindung mit der Tausendjahrfeier der Stadt, di« der engeren Heimai den Namen gegeben. Die starke Arbeiter- beoölkerung habe sich«ine starke Arbeitersportbewegung geschaffen, die von den Seglertagen kräftigsten Impuls erwarte. Lüdtk« schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Republik. Czernikow sprach für die Partei, den ADGB. und das Sport- und Kulturkartell. Der alte Chorgeist der Brandenburger, die einst dem Arbeitersport die Geburtsstatt boten, s«i noch immer da; das Wort„Spaltung" ist in V.andenburg unbekannt, hier gilt, was Partei und Gewerkschaften sagen! Brandenburg Stadt und Brandenburg Land sind in gleicher Ge- sinnung verbunden— in bftfer Gemeinschaff sind die Arbeiter- s portler nicht di« Letzten. Die Verteilung der Siegerplaketten schloß sich an, vom Seglerball der Jungen und vom Seglersnak der Alten blieben durchtanzte Bootsschuhe und kilometerlanges Seemannsgarn übrig. Es war den Berlinern nicht recht, daß bereits am Vor- mittag des zweiten Feiertages die Dampfpfeifen der Schlepper zum Klarmachen riefen. Aber Sport, Vergnügen und Werbung wollen mit Maßen betrieben fein, sollen sie die beabsichtigte Wirkung haben. So gabs denn Abschiedswinken und Abfchieds-Ahois. An die Tage von Brandenburg aber werden alle, die sie miterlebten, mit Freude, Stolz und Genugtuung zurückdenken: Der Freie Segler-Verband hat eine Agitation größten Stiles durchgeführt! Die Regatta auf dem Breiflingsee. Steif und kalt weht am Morgen des ersten Feiertages den Steuerleuten beim Erwachen der Wind um die Nase, ein gut durch- stehender Nord-Nordost-Wmd mit derben Böen. Der gewünschte Wind für die Schwerwetterboote. Und so kam es, daß leider allzu- viel Boote im schützenden Hafen liegen blieben. Als jedoch dep Uhr- zeiger die elfte Stunde, den Beginn der Wettfahrt, anzeigte, ließ der Wind etwas nach, um nur hin und wieder mit einigen kräftigen Böen einzusetzen. Auf der letzten Runde der abzusegelnden Weit- sahrtbahn wollte der Wind beinahe schlafen gegen, willkommen jedoch für die gestarteten„Flautenfchieber", die bis dahin etwas im Nachteil waren. Als der erste Startschuß fiel, war der Startplatz an der Malge dicht vom Publikum besetzt, da ja eine Wettfahrt mit einem solchen Aufwand von Booten in Brandenburg noch nicht vonstatten ge- gangen war. Verschiedenen Booten wurde auch das völlig un- bekannte Gewässer zum Verhängnis. Sie fuhren sich in dem teils nach dem Ufer zu seichten Wasser fest.„Falke" kundschaftete sogar eine Untiefe mitten in der Startlinie aus und ließ seinen kiel gemächlich darauf ruhen. Er brummte auf und kam erst nach ge- raumer Zeit wieder frei. Die ihm auserlegte Bedingung erfüllte er prompt, da die von ihm auszusegelnde Klasse nicht gestartet war!!! Das schnellste Boot der Wettfahrt auf der großen Bahn war die Nationale Binnenjolle„N i b e l u n g"-SVN., mit einer geradezu glänzend gesegelten Zeit von 2.28.00 Stunden. Ein schönes ge- schlossenes Startfeld bot die 20-Lluadratmeter-Rennklasse.„Avant i", der sieggewohnte Flautenschieber, ging als erster durch die Startlinie, um jedoch später Ms drittes Boot seiner Klasse durch die Ziellinie zu gehen...F r« ch d a ch s", der alte Kämpe, holte sich in dieser Klosse den ersten Preis. Die IZ-Quadratmeter-Rennjollen-Klasse kam leider anstatt mit 19 Booten nur mit 9 Booten an den Start. Hier spielte sich das Rennen zwischen„H o v e l s ch w a l b e" und „R ü p e l" ex„Seeschwalbe" ab.„Rüpel", der gut gesegelt wurde und dem es gelang, in der zweiten Runde die Führung zu ergreifen. wurde die bei der dritten Runde einsetzende Ffpute zum Verhängnis, und so mußte„Rüpel" den ersten Preis der dichtauf folgenden „Havelfchwalbe" überlassen. In der IS-Quadratmeter-Wander- jollen-Klasse stellten sich 11 Boote dem Starter. Gleich nach dem Start nahm der Neubau„F r e i h e i t 3" die Führung, die er auch nicht wieder aus den Händen gab. Er fuhr das Rennen für sich ganz allein. Gut gesegelt, gelang es dem Steuermann, noch 3 Mi- nuten und 19 Sekunden vor dem ersten Rennfünszehner einzu- kommen. Bei den IS- und Zv-Quadratmeter-Jollenkreuzern starteten nur die Preisträger. Es war hier nur ein Fahren um den ersten oder zweiten Preis. Gerade die neugeschassene IS-Ouadratmeker- Zollenkreuzerklasse interessierte am meisten. Mit den ersegellen Er- gebnissen kann man jedoch nicht zufrieden sein, da die Zeiten um nahezu 20 Minuten hinter denen der 1S-Quadratmet«r- Wander- jollen-Klasse zurückliegen. Der„Schnelläufer" der kleinen Wettfahrtbahn war die 10-Quadratmeter-Rennjolle„Irma" mit einer Zeit von 1.57.50. Die 10-Quadratmeter-Wanderjollen-Klasse sah in„S e e b ä r" den ersten Preisträger. Die erst vor kurzem aus der Taufe gehobenen Neubauten„F r o h s i n n",„M e p h i st o" und„Cerberus", die sämtlich Ausgleichsboote find, zeigten, be- sonders„Frohsinn" und„Cerberus", gutes Können. Diese beiden Boote segelten noch schneller als did IS-Quadratmeter-Rennjollen. Es liegt ein eigenartiger Sport darin, mit derartigen Neubauten, die keine Klassenboote sind, bei jeder Wettfahrt auf Grund ihrer Schnelligkeit immer wieder mit anderen Booten zusammen zu starten. Aber der Wettfahrtausschuß wird schon mit der Zeit die richtige Ausgleichsklass« für diese Boote finden, um auch ihnen eine Nuß zu knocken zu geben. Die Länge betrug für die große Bahn 12 Seemeilen, gleich drei Stunden, und für die kleine Bahn 8 See- ineilen, gleich zwei Stunden. Sonst verlief die Wettfahrt, mit Aus- nähme einiger Distanzierungen, auf Grund des zweinialigen Pafsierens der Ziellinie,, einwandfrei und ohne„Kleinholz". W. T. galki(SCS.) 2:43,28.— SouMalNuatt: Elsa IV(m<5t.) 3:12,09: Carmen II ITEB.) 3:21,19.—»ä.LAadratmctcr.Urelij.:«: CIsa(SCNW.) 2:39,49: Klole(ECNW.) 2:33,21.— Nicht gestartet. Rationale zs-Ouadratmetcr- »rcnzer.—.lo-Ouadratmetcr-Nennjachten: Diana 2:81,91.— Touren. treuzer: Rita III(ECNW.) 2:',8,SS: Piratldratmeter.Sa nderjollen: Freiheit IN(BEI.) 2:43,55; Aare (SC!?.) 2:50,18; Trabant(EBEt.) 2:51,94; Peer Ennt(WSVR.) 3:11,25; RUpel (SCNW.) 3:12,25.— 15,2uadratmeter,Kalbrcnniollen: Alice(TSV.) 3:98,11; Ella(SCV.) 3:15,13.— llO-Onadratmeter-Iollenkreuaer: Paft-upp(TSV.) 3:9937; Iduna(SVSt.) 3:12,12.— 15.Luadratm«ter.Jollenlre»aer: Ami (TSV.) 3:14,34; Elfi(SVSt.) 3:17,25 I9.Quadratm?tcr.Rennjollcn: Irma (SBR.) 1:57,50; Rumtreiber(SCNW.) 2:07,97; Alligator(333.) 2:17,14.- Iv-Ouadratmeter-Wanderjolle»: Seebär(WEV. A) 2:99,55; Pilot(SCWe.) 2:08,29.— Ioll-nkr«u,er! Carmen(TSV.) 2:59,27.— Ausgleich-tl-fie: Etti (SCNW.) 8:25,94.— Ansglcichsjollcn: Frohsinn(SVSt.) 2:34,55; Beelzebub III (SVSt.) 2:35,95; Mephisto(SVSt.) �2:42,12.— Ausgleichsjollen: Icnnn(SVR.) 2:59,27; Iren-(SMi.) 2:54,04; Schelm(TSV.) 2:54,42; Rumtreiber(SC. 1919) 3:04,11; Trotz.Allem(FSB.) 3:07,48.—«nsgleichsiollen; Cerberus II(SVSt.) 2:33,37.— Ausgleichsjollen: Ingo(SVSt.) 1:44,94.— Ausgleichsjollen: Sophie(SC. 1919) 2:15,43.— Ausgleichsjollen: Vagabundus(VBI.) 2:95,47: Hans(SVSt.) 2:95,47; Ell! SC. 1919) 2:14,95.— Ausgleichsjollen: S-ctcusel (FSB.) 2:95,34; Heiko(SCWe.) 2:90,21: Krllmcl(CCF) 2:19,54. -ARBEITEH mm$LL Pfingsiresultate. Alle Berliner Mannschaften, die einen auswärtigen Verein zum Gegner hatten, wurden, teilweise sogar sehr hoch, geschlagen. G e r- m a n i a hatte den ostdeutschen Meister D ö b e r n zum Gegner. Mit 6: 1 geschlagen fuhren die Pankower dann am zweiten Feier- tag nach G r o ß- K ö l z i g, um sich hier eine 7:1- Niederlage zu holen. Im ersten Spiel mußte schon nach 20 Minuten ein Ger- mane verletzt den Platz verlassen. So waren die Pankower ge- zwungen, das Spiel mit 10 Mann weiterzuführen. Aber auch mit voller Mannschaft wäre ein Sieg ausgeschlossen gewesen.— Germania-Burg gegen Lichtenberg I FTGB. lautete für Bertin di« Parole am ersten Feiertag. Eine unerwartet hohe Niederlage erhielt„L. I". Nach den letzten schonen Spielen zeigte L I ein sehr ausgeregtes, verfahrenes Spiel. Um so erfreulicher war das Spiel von Burg. Flaches und kurzes Paßspiet brachte ihnen den oerdienten Erfolge. Bor einer großen Zahl von Zu- schauern begann das Spiel um 5 Uhr. Glich nach Anstoß bekam Burg den Ball und nach kurzer Zeit saß das erste Tor für Burg. L. 1 wurde immer nervöser und konnte sich nicht zusammenfinde». Mit 2:0 für Burg ging es in die Pause. Nach Halbzeit sandte Burg noch viermal ein, während es L. I nur vergönnt war, ein Ehrentor, zu erzielen. Ein schlechter Tag war es für L. I, aber es wird anders werden. Im Juli erwidert L. I den Besuch von Burg. — Vorwärts(Groß° Rüschen) weilte bei Neukölln und Tempelhof. Gegen Neukölln blieben die Lausitzer mit 4:1 siegreich. Leider ist uns vom Spiel gegen Tempelhof kein Ergebnis bekannt.— Reinickendorf und Vorwärts-Weddil.g lieferten sich einen Freundschaftskampf, in dem sie sich mit 3: 3 in die Ehre teilten. Weitere Resultate: Germania-Pankow II gegen Dö- bern II2:3. Germania II gegen Groß-Kölzig II 1: 2. Reinicken- darf II gegen Vorwärts II 2:0. Lichtenberg I-II gegen Lichten- berg 2-II 2: 3. Die Radrennen bei Hütt und Krüger. Dreizehn Mannschaften versammelten sich am Start zu einem Zwei-Stunden-Rennen, das die Rütt-Arena am 1. Feiertag neben einer Anzahl anderer Wettbewerbe zum Austrag bringen ließ. Für den nicht erschienenen Belgier De carte fuhr sein Landsmann Alex M a e s. Das Rennen, das dann und wann un- bedeutende Jagden sah, wurde eine Beute der Mannschaft Kroll- Mi et he, die die meisten Punkte auf sich zu vereinigen wußte. Kurz vor Schluß zog Kroschel, der mit Tietz fuhr, davon und ließ Sicherheit zuerst- eine berechtigte Forderung für den modernen Großverkehr. Audi beim Kauf Ihres Wagens sollten Sie sich zuerst davon überzeugen, ob diese Forderung in wirklich vollkommener Weise erfüllt ist. Fahren Sie einmal den•,.* t» t. s is Mercedes-Benz lyp ZZO(14/ÖO PS) dann werden Sie finden, daß auch in der Klasse der mittelstarken Gebrauchswagen Mercedes-Benz ein Modell besitzt, das in seiner stabilen Bauart und in seiner unverwüstlichen Zuverlässigkeit einlach unvergleichlich ist, das dabei ideale Fahreigenschaften besitzt und, als allergrößten Vorzug, ungewöhnlich niedrigen Preis: 6/7 sitzige Pullman-LimouBine RM. I20OO.— ab Werk Daimler-Benz A.-G. -# Berlin-Charlottenburg, Salzufer 2-3 Verkaufsstellen: Untar den Linden 50-51, Fernruf: Zentrum 11208, Budapester Straße 9, Fernruf: Barbarossa 5777-5778, Spitielmarkt 4-7, Fernruf: Merkur 570. Vertretungen: Berlin, Rudolf Caracciola& Co., Kurftirstendamm 66, Fernruf: Bismarck 9627.— Boldt& Lieske, Berlin W, Kurfürsten dämm 153-156. Femruf: Pfalzburg 180-181.— Wertheim, Automobil-Ges., Berlin W9, Friedrich-Ebert-Stp. 14, Femruf: Zentrum 5187 u. 8641/2.— A. Hirte, Industrie-Abteilung, Berlin SW 68, Markgrafenstr. 76, Femruf: Dönhoff 946.— Für Kraftdroschken:„Automav.", Auto- u. Maschinen- Vertriebs GmbH., Kantstr. 141, Femruf; Steirrplah 7902/3— Cottbus: Gustav Cipt Sola, Schillerstr. 40.— Forst i. d. L.; W. Robisch, Moltkestr. 4.— Bad Freienwalde O.: Hans Spörl, Marktstr. 24.— Fürstenberg i. M.: Franz Ziethmann. Carlstr. 17.— Fiirr tenwaldc a.d. Spree: Richard Frifzschc, Eisen!, a!;nstra(L 20-21.— GuSen: Automobil-Certrale, Inh. OtfoHänelt, Neustadt 15-16.— Landsberga. d.W.: Richter& Isensee, Kraftfahrzenge. Wall 44-45.— Potsdam: Märkische Fahrzeugwerke G.m.b.H.% Neue Königstralie 72, an der Glienicker Brücke.— Pritzwalk: Krone& Schmid, Cbausseestr. 11.— Rathenow; Fritz Rogge, l /fbrikeustr. 15-14.— Schwiebus: Otto Berger. Automobilhaus, Breite Straße 22. Vertriebsstellen: Cüstrin-AItstadt: C. A. Pritzel, Schülstr. 53-58.— Frankmrt a. d. O.: A. Gutmanu, Roßstr. 1. gemeinsam mit Kroll-Mieth«, Earpus»Schvn und Wisiet-Lehmann da» übrige Feld hinter sich. Wissel-Sehmann muhten wegen Reifen- schaden zurückbleiben, dagegen tonnten die drei anderen Mann- schaften sicher die Runde aufholen. Im Armbinde-Rennen hatte sich der Italiener B a s s i gegen den Berliner B u s e zu ver- teidigen. Als Sieger ging Luse hervor. Dos chauptfahren brachte noch Erledigung der Borläufe je einen Endlaus für die Ersten, Zweiten und Dritten der Vorläufe, die nacheinander Joksch, Dorn und R. Wolke als Sieger sahen. Von rech« guter Seite zeigten sich im Monnschaftsverfolgungsrennen Wissel- Lehmann» sie errangen den ersten Platz nach hartem Kampf mit Ooebel-Hllrtgen. Resultat«. Rrmbiube-R«»»«»! I. Bus«! 2. Bassl lZ Meter zurück).— Kaupt- f-hreu: 1. Joksch! 2. Krollmann(1 Länge)! 3. Vassi.— Endlauf der Zweite»: 1. Dorn: 2. Lorenz: 3. Maczinokir.— Sudlaus der Dritten: l. R. Wolke; Z. B. Wolke? 3. Schwcmmlcr.— Manaschasts-Versolguagareunea: 1. Leh» mann.Wissel: 2. Koebel-Hllrtgen(30 Meter): 3. Tietz-Kroschel; 4. A. Maro. Meeuwio: Kroll-Mieth« aufgegeben.— Zweistunden-Manuschaftafahreu: I. Kroll-Micchc 33,130 Kilometer, 4« Punkte: 2. Tietz-Kroschel 20 Punkte; 3. Carpus-Schön 18 Punkte(eine Runde zurllck): 4, lsoebcl-Hllrtgen 41 Punkt«: 5. Dorn-Maczini'ki 3, Punkte: 8. Puschenhagen-Frankenstei» 34 Punkte: 7. Gebr. Wolke 28 Punkte: 3. Lcbmann-Wissel 24 Punkte: 9. Zolsch-Benning» bosf 17 Punkte: 10. 41. Maeo.Mceuwis 13 Punkte: 11. ssedcr.Weycr 11 Punkte. Ließ der Besuch der Rütt-Arena zu wünschen übrig, so konnte Werner Krüger in Olympia am 2. Feiertag eine vollbesetzte Bahn buchen. Hier standen im Mittelpunkt des Programms zwei Dauerrennen über 25 und 75 Kilometer, die von Breau, Benoit, Ehmer, Möller und Sawall ausgefahren wurden. Das 2 5- K i l o- mcter-Rennen ging bei stehendem Start vor sich und wurde, wie wir bereits mitteilten, von Sawall gewonnen. Der Matador der Olympiabahn hatte in Möller und Benott zwei große Gegner, die ihm allerdings den Sieg nicht streitig machen konnten. Immer- hin lag Möller im Gesamtklassemcnt nur 5l> Meter hinter Sawall. Der 75- K i l o m e t e r- L a u f sah fliegenden Start vor. Ehmer hatte hier zwei Runden Vorgabe, die jedoch der junge Dauerfahrer nicht lange zu hcklten vermochte. Beini 30. Kilometer stieg er dann auch aus dem Sattel. Sawall legte von Beginn an schärfstes Tempo vor, zog zunächst vor Möller und überundete später Benoit und Breau, der hier überhaupt nicht richtig mittun konnte. Als kurz vor Schluß des Rennens Sawall Möller überrunden wollte, ver- mochte der Hannoveraner das Tempo nicht mehr.zu halten und mußte sogar Benoit vorbeilassen, der dadurch den zweiten Platz hinter Sawall errang.— Den Amateuren blieben einige Flieger- rennen vorbehalten. Relultat«. kleiner Psingst»,«!», 25 Kilometer: 1. Eowall 20:43; 2. Möller 50 Meter; 3. Benoit 170 Meter: 4. Breau 300 Meter:°. Sbmer 1110 Meter .-urilck.— S roher Psingstprei», 75 Kilometer» 1. Corvo II 1:01:36,8; 2. Benoit 800 Meter; 3. Möller 2060 Meter: Breau 6500 Meter zurllck. Ehmer auf» aezeben.— Olympiaprei» sllr Bmalenr«: I. Poiow: 2. Grönina: 3. Dasch. Borgabesohr«»: 1. Patzack: 2. Bober; 3. SB. Voigt.— Zagdfahren: 1. Schulz: 2. Ccherfi: 3. Bosch. Köln— Berlin auf dem Rade. An d«n Pfingsttagen brachte die Deutsche Radfahrer-Union zum dritten Male die Fernfahrt Köln�-Berlin in zwei Etappen, von Köln nach Hannover(347 Kilometer) und von dort zur Reichs- Hauptstadt(306 Kilometer), zur Durchführung. Das Rennen war diesmal nur für Wertpreisfahrer offen, von denen nur 20 am Ab- lauf in Köln erschienen. Das genau« Resultat lautet: 1. Stöpel- Berlin. 23:46:55: 2. Weck-Köln 23:46:56: 3. Metze-Dortmund. Nahirfreundetreffen in Halbersiadt. Das alte Halber st adt war das Ziel des nord- und mittel- deutschen Psingsttreffens der Naturfreunde. An, Psingstsonnabend brachte jeder>n Halberstadt einlaufenden Zug skxjgere und größere Scharen heran, zu Fuß kamen die Nachbar- gruppen: die, denen es doch etwas zu weit war, hatten sich Lastautos gesichert, und so waren bald die Straßen des schönen Städtchens ununterbrochen von Naturfreunden durchzogen. Ain Abend sah sich alles im Stadtparksaal: Begrüßungsansprachen, Musik, Gesang und Volkstanz— das war der Hauptteil des Programms. Spät ging es dann in die zahlreich zur Verfügung gestellten Vürgerquartierc. oder in die Jugendherbergen. Der erste Psingsttag ließ die Halbcrstädter schon recht früh aus deni Schlaf wecken, die Morgenfeier auf dem Domplatz, mit einer Ansprache des Genosien Maderholz, war der Auftakt. Und dann ging es an die Besichtigung der Stadt. Winklig« Fach- werthäuser, bunte Giebel, der Roland, Arkadengönge, wo nur etwas zu sehen war, da kam und ging es ununterbrochen. Di« Halber- stSdter GeKossen hatten es sich nicht nehmen lassen, auch die ver. borgenste Schönheit den Naturfreunden zu zeigen, und als dann gegen Mittag der Magen gewisse Ansprüche stellte, da war doch noch nicht alles besichtigt worden. Am Nochmittag sollte vom Domplatz aus ein gemeinsamer Ausmarsch zu den nahen Spiegelbergen statt- finden. Der Ausmarsch fand stattt, aber es wurde eine w u ch- tige Demonstration für den Sozialismus und die ?iaturfreundebewegung. Machtvoll dröhnten Kampflieder durch alte, enge Straßen, leuchtend wehte das Rot der Fahnen über den Massen, denn an dreitausend marschierten in Reih und Glied hinan zum Spiegelberg. Hier frohes Tummeln, Volks- und Reigen- tanz, Ballspiel«, überall Kreise, die dicht von Halberstädtern um- ringt waren. Doch bald mahnte die Schlußfeier im Stadtwark zum Aufbruch, die ein wirkungsvolles, kurzes Programm hatte, da es am nächsten Morgen schon mit den Frühzügen in den Harz gehen sollte. MuyyxUocUiV Gäsiespicle in Berlin. Wie wir schon in der Morgenausgabe mitteilten, waren Küstrin und Magdeburg-Südost Gäste bei den Berlinern Arbeiterhandballern. Küstriiz weilte am ersten Feiertag in Friedrichsthal. Wind und Sonn« im Rücken, hatte Friedrichsthal schon einen Borteil, den sie durch gutes Zuspielen noch vergrößerten. Küstrin war im Abdecken etwas schlecht und tonnte dadurch Friedrichsthal ungehindert an- greifen. Genau berechnete Bälle führten auch immer zu Erfolgen. Ein ungenaues Zuspielen zeigten die Kllstriner Läufer und Ber- teidiger, wodurch die Angriffe des Sturmes nutzlos wurden. Das Spiel endete 5:0(3:0) für Friedrichsthal. Etwas anders sah das Spiel am zweiten Feiertag gegen FTGB.-Pankow aus. Die Küstriner halten aus den Fehlern gelernt und waren jetzt aus dem Posten. Sie konnten in der siebenten Minute dos erste Tor schießen, was' aber Pankow bald darauf ausglich. Kurz vor der Pause er- rang dann Küstrin durch ein zweites Tor die Führung. In der zweiten Halbzeit wurde Pankow etwas besser, aber die vorgetragenen Angriffe wurden durch Nervosität des Sturmes zunichte. Es ge- lang darum Pankow nur einmal einzusenden und das Resultat un> entschieden(2:2) zu gestalten. Pankow verlor am ersten Feiertag gegen FTGB.-Kaulsdors-Süd mit 2:1(1: l). Magdeburg-Südost spielte gegen Hennigsdorf. Beide Mann- schaften, die sich völlig gleichwertig waren, zeigten ein technisch gutes Spiel. In der achten Minute ging Hennigsdorf in Führung: Magdeburg glich bald aus. Bis zur Pause gelang beiden Mann- schaften nur je ein Tor. In der zweiten Halbzeit wurde das Tempo nach flotter, aber unentschieden(3: 3) lautete das End- resultat. Gegen Velten verlor Magdeburg mit 2: 1. Hier konnte sich der Leltener Sturm in der ersten Halbzeit nicht recht zusammen- finden. Hennigsdorf 2. Männer gegen Zossen 1 5: 1(4: 0). (sreidenkerlum und Kullurbewegnug. Heber dieses Thema wird in einer vom Schwimmbezirk Kreuzberg der Freien Turnerfchaft Groß-Berlin arrangierten Versammlung ein Vertreter des Freidenker Verbandes referieren. Das Referat wird auch das Problem„Re- ligion und Sozialismus" streifen. Den Ardeitersportlern kann der Besuch des Abends nur empfohlen werden. Der Bortrag findet Donnerstag, 23. Mai, 20 Uhr. im Jugendheim des Gewerkschafts- Hauses, Engeluser, statt. Eintritt srei! T,»»ifte»»er«i«.Dl«!R»tnifTca*b«', ge»ti»l« Wie«. BW. Arie»rich»W>i»: Diensiaz, 2t. Mai, 20 llftt, Litaner otr. 18, DiskuiPönsaüend.— BW. RtieW:»«»:' IHmslog, 21. Mai, Lbeni'oummel.— Bbt. R-ede»: Dienetag. 21. Mai. fallt aus.— Abt. Webdi»«: Dienstag, 21. Mai, 20 Ilhc, Tveiner Ecke EeestraBe. zwanglose Zusammenkunft.— Bbt. Wedbing, I»ge»dgr»gpe: Dienstag, 21. Mai.>9 Uhr. Sceslr. 84. Musikabuid.— Bbt. Tr»»t»w: Dien». tag.?l. Mai, 18 Uhr. Cvielen in Treptow(Wiese).— Pank»»: Dienstag, 21. Mai, 29 Uhr, Görfchpr. 14. Bortrag I»3 Minuten aus unserem Beruf".— Bbt. Prenzlauer Berg: Donnerstag. 28. Mai, 20 Uhr. Danziger Str. 82, Baracke 2. Diskuflionsabcnd,.— BW. Sefnndbrunne», Iugenbgrupp«! Dienstag, 21. Mai, 20 Uhr, Schön firdtstr. 1. Borirag:.Ein Blick in die Zeitungen". — Bbt. Tiergart««: Donnerstag, 23. Mai. 20 Uhr, Lehrter Etr. 13—19. Bor- trag:..Unsere Bewegung".— SkW. Lichtenberg: Donnerstag. 23. Mai, 20 Uhr, (Sunterftr. 44, Liederabend.— Bbt. Südwest: Donnerstag, 23. Mai. 20 Uhr, Porckftr. 11, Vortrag»on Dr. CchilUe.— Raturwiffeafchaftlich« Bbteilung: Donnerstog. 23. Mai. 20 Uhr. Iohannisftr. 13. Mitgliederversammlung. ftTSB., Lichtenberg. Zusammcnkzinft aller RUrnbergerfahrer Donnerstag. 23. Mai, 191� Uhr, bei Ritter, Cchillerstrahe.— Mufiktorp». In der Psingst- woche findet die Uedunasstundc nicht Dienstag, sondern Donnerstag, 23. Ivni, im Uebungslokal Neukölln, Hermannstr. 11, statt. Gäste jederzeit herzlich willkommen. Grünfläche gegen Mieikaferne. Erfolgreiche Arbeit der Stadt Verlin. lieber zehn Zahre Freiflächen poliilk der Siadl Verlin berichlei eine Denkschrift des städtischen Amle» für Sladplanung. Di« feit Kriegsende geführte Freiflächenpolitik Berlins will f ü r die ungünstigen Lebensverhältnisse der Stadt» bewohnet einen gesunden Ausgleich schaffen. Boy 88 450 Hektar Stadtgebiet werden 45 887 Hektar(52 Proz.) Wohn« gebiet sein. 42 563 Hektar(48 Proz.) müssen unbewohntes Gebiet bleiben. Bon diesen sollen 32309 Hektar als Freiflächen ausgewiesen werden(einschließlich Dauerwälder). Im Besitz der Stadt sind van dem künftigen Freiflächengebiet zurzeit rund 20 000 Hektar(einschließlich 4000 Hektar heutiges Rieselland). Bei 14 0SZ Hektar des städtischen Besitzes künftiger Freiflächen ist die Frei- slächenaueweisung schon erfolgt oder das Verfahren ist im Gang«. An den Freislächen sind die einzelnen Berwaitungs- bezirk« naturgemäß sehr ungleich beteiligt. Unter den Bezirken des älteren Stadtgebietes stehen Bezirk Tiergarten mit 289 Hektar und Bezirk Wedding mit 270 Hektar obenan. Von den neu hinzu» gekommenen Außenbezirken haben die größten Anteile diejenigen Bezirke, in denen Wälder und' Rieselfelder liegen, Reinickendorf mit 3022 Hektar, Wilmersdorf mit 3163 Hektar, Spandau mit 3630 Hektar, Pankow mit 4085 Hektar, Köpenick mit 6783 Hektar. Köpe- nicks Freiflächenantcil allein ist größer als das ganze Stadtgebiet früheren Umfanges(die sechs älteren Bezirke). Auch an der gesamten Wasserfläche von rund 5000 Hektar ist Köpenick mit 1923 Hektar am stärksten beteiligt. Ein Teil der Freiflächenpolitik ist der Schutz von Baumbeständen und die Freihaltung der Uferwcge. Innerhalb des Stadtgebietes hat der Magistrat unter Schutz gestellt(nach dem Baumschutzgesetz von 1922) rund 20 000 Hektar Baumbestände, die zum Teil auf Freiflächenland stehen. Auch in Privatgärten wurden klein« Baumbestände, die besonders schön und für die Landschaft oder Um- gebung bedeutungsvoll sind, unter Schutz gestellt. Daneben hat die Sicherung der Userwege dem Magistrat als eine ebenso dringlich« Angelegenheit gegolten, weil schon bedeutende Strecken durch Par- zellierung für die Allgemeinheit verloren gegangen waren. Durch Magistratsbeschluß wurden die noch vorhandenen Uferwege in 104 Kilometer Länge sichergestellt. Geplant ist, noch neue Uferwege in 15 Kilometer Läng« zu schaffen. Aus Antrag der Stadt sind außerhalb des Stadtgebiets für eine Zone von etwa 8 Kilometer Breite rund 45 000 Hektar Baumbestände geschützt worden. Daß in derselben Zone, also außerhalb des Stadtgebietes, die Uferwege (etwa 132 Kilometer Läng«) freigehalten werden, war bisher nicht zu erreichen. Ein« Ergänzung der Freiflächen sollen die Dauerklein, gärten sein, von denen rund 2000 Hektar sichergestellt sink� Jeder Garten soll 200 bis 300 Quadratmeter Fläche haben, so daß 80 000 bis 90 000 Kleingärtner untergebracht werden können. Zu den wichtigsten Erholungsstätten der Berliner Bevölkerung gehören die Wälder. Diese Erkenntnis führte schon 1915 zur Erwerbung von rund 10 000 Hektar fiskalischer Wälder durch den Zweckoerband. Sie sind als Dauerwälder gesichert. Hierzu kommen die G e» meindeforsten, rund 12 000 Hektar. Auch sie sind, soweit sie innerhalb des Stadtgebiets liegen(mit 4000 Hektar) dem Freiflächen- plan eingefügt. Randgebiete der Dauerwälder behielt der Fiskus zu späterer Parzellierung zurück. Die Stadt erstrebt den Besitz auch dieser Ränder, um auch sie als Freiflächen ausweisen zu können. In den bebauten Stadtteilen sind die Fr-iedhöfe mit ihrem alten Baumbestand manchmal die einzigen Grünflächen. Um sie vor Be- bauung zu schützen, wurden sie in den Freiflächenplan eingetragen. Die Stadt beabsichtigt, die kleinen städtischen Friedhöfe stillzulegen und dafür Zentralftiedhöse in den Außenbezirken einzurichten. Auch Spiel- und Sportplätze sind Freiflächen. Sie sollen mög- lichst gut in die Grünzüge und Parkanlogen eingefügt werden. An Spielfläche gab es in Berlin noch 1921 nur 152 Hektar, pro Kopf der Bevölkerung 0.40 Quadratmeter. Heute aber umfassen die Spiel. und Sportplätze schon 948,6 Hektar, das find pro Kopf der Bevölkerung 2,18 Quadratmeter. Gegen die Miettafernen die'Grllnflächcn! Nach diesem Grund» satz arbeitet die Stadt Berlin mit UOsicksi und mit Erfolg. Was in frühere n Jahrzehnten versäumt wurde, wird jetzt. in einer wirtschaftlich viel ungünstigeren Zeit, mit schweren Opfern nachgeholt. für die Zeil vom 21. bis 23. Mai K I N O-T A F E L PROGRAMN für die Zelt vom 21. bis 23. Mal ©OÖ Potsdamer Strafe 35 Der Held aller MäddsentrEame mit Harry Uedikc Die Kornftdlanlla, 8 Akte Rheinstrafje 14 Älche) Aai der Rrcperbahn aadkt* am 1 ,1 mit Eddie Polo Vagab aoden UctxSiea mitltcglaald Denny, 6 Akte Odeon, Potsdamer Sir. 73 Fraaenraob In Marokko mit Clalre Roramer Die grofte Lcidcnscfaaft mit LH Dagovcr Turrostrafje 12 Fori, ein Film a. d, afrikanischen Busch Die Orchideentfinzerizk mit Xenia Desnl Alexandersh*. 39-40 (Passage) Den ganren Tag geöffnet! Die wunderbare Lüge der NIa« Pefrowao mit Brigitte Helm Sdiatten der Nadit, 7 spann. Akte SfhaneL.e.'g I Alhambra Be�&h';15U' Schöneberj, Hauptstr. 30 Jagend im Mai Polly. die TSnzerin von Frtoco ßaiprogromm nübneascbaa Titania(vi. Ärebe,g) Hauptstraae 49 Beginn ab 5.30 Uhr Die Siegerin mit O. Tscbecbova Der Scbcldongsgrond c Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Der lästige Witwer mit Harry Liedtke Der gekesselte Eddie Polo Sdilütcr-Thcatcr Schlüterstr. 17 W. 7 n. 9.15 U, S. ab 4 U. Der Katzensteg mit Llssl Arne n. Oswal Ossi bat die Hosen an tri. SteaHt« alda Titania-Palast Steglitz, SchloBstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Ein Millionenangeboi Auf der Bühne: Ludwig Mamred Lommel ■ Licht er felde- Weit■ Hi-Li Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg.5, 7,9U. Stg. 3U.J.-V. Hindenburgdamm 58 a Die lastigen Vagabunden Herzen ohne Ziel Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Der alte Frilz. 1. und 2. Teil in einem Programm fcfs»_I 1 Marlendorfer Pia 1-1 Lichtspiele ChausseestraBe 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Anschlng nm Mltternadll Die yenchwondene Fr ad Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 430 Uhr Nachtgesialien mit Jack Treror Tragödie mit Henny Porten Filmeck- Beginn:W-|Ä Skalitzer Straße, am Görlltzer Bahnhof Der Patriot mit Emlt Jannlngs Gute Bflhnenschao Urania-Theater Wrangelstr. II, Köpenicker Brück« Woeh. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr FrSnleln Else mit Eilsab. Bergaer Son/as Liebe Drei in'ernal. VarteMaüralrtloaen W Neukölln 1 Primus-Palast Hermannplatz Der lästige Witwer mit Harry Llcdike, Alice Roberts, La Jana Aul dar Bühne: Paul O. Mont'.s, Chanson Willy Margwills, Komponisten- und Dirigenten-Imitator Elysium Hasselwerderstzaße 17 Der Patriot mit Emil Jannlngs AnserwSbltez Beiprogramm Gute Bübnenscfaaa Schloßpark Film. Bahne Berliner Allee 205—210 Ladt', Clown, lachet mit Lon Chaney Die kleine Sklartn mit Grete Mehrt» Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Die Zirkusnrinzesstn mit Harry Liedike Tonfilm Beiprogramm Groge Bühnenschan Beginn der ersten Vorstellungen: Wochent ab 7. I. u. 2. F. ab 5 Uhr. Kasseneröffnung>/, Sld. vorher Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Pat n. Patachon anf der Weltreise Liebe mit Elisabeth Bergner Internationale Bühne Concordia-Palast Andreasstraße 64 Hoielgehelmnlsze mit Magda Sonja Der weihe Schelk Beiprogramm BQhnencchau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Abentearer-GmbH. mit Carlo Aldlni Zwischen Pfiicfai and Liebe BOhnenscban Kino Busch BeÄ$:JÄ-&rM8) Alt-Friedrichsfelde 3 Das göttliche Weib mit Greta Garbo Der brennende Wald mit Tom CBrlen ■ Hordozfn■ „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Der Mittemach tswalzar Kinder der strnhe(Zille- Fi tm) Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser»Allee 80 Die Teufel«! Änzerin 16 Töchter aad kein Papa Bühnenschan Alhambra MÜllerstraßc, Ecke Seestraße Möblierte Zimmer mit Margot Landa Beiprogramm* BOhaenschaa F ortuna-T ageskino MOlierstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Well- Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Der Held aller MIdcheairXame mit Harry Liedike Francnraab In Marokko „Alhambra" Bad Straße 58 Die Dame hlnienn Vorhand mit Novarro Sein schwerster Sieg mit Harry Fiel Gro$e Bühnenschan Humboldt-Theater Badstraße 19 Die Todes kurve t. HIN Bnry-Reck Schatten der Vergangenheit Bühnenschan Noack's Lichtspiele Brunnen Straße 16 Täglich 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 U. Jugend v. Vererbte Triebe (Das neue Geschlecht) Der lustige Witwer mit Harry Liedike Pharus-Lichtspiele MüHerstraße 142 2 Qroßfilme: Die von der Scholle sind Unsere Liebe war Sünde „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die wunderbare Lüge der Nina Peirowna mit Brigitte Helm Das Ftndelk nd von Singapore Bühnenschan g Oczundtsrunnnn b Ballsdunicdcr- Licfatsp Bad Straße 16 Da* nllbekannt»He FUmprograx» Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die da unten(Zille-Film) Die Stimme des Herzens Groge Bühnenschan > PfHKOW> Palast-Thcatcr Breite Straße 21 a Der Patriot mit Emil Jannlngs Regie LuhitscH Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 37 Der Held aller MSdcfaeatröamo mit Harry Liedike Harn Nr. 17 mit: omaon-Könior Bühnenschan Film-Palast Blankenburger Straße 4 FrSnleln Else m. Elisabeth Berge e» Das nirr Ische Glück mit Pandlcg Bürgcrgartcn-Lichtsp, Hauptstraße 61 Zochlbans(Nach Sibirien) Mikosch rückt et»