Morgenausgabe Nr. 231 A 120 46. Jahrgang WöchroMch tiPs. meaaBU) UOSL hn Borau* iatlkor. Sofäwjitj lö R. -inschli-bllch 10 5(g. �opjtitmig». cnb 72 g, P-stbestellgidLhr»». Unslutb» abonnemcnt 6.— 3Ä. pro Monat, vrr.Komlxtt' erscheint»ochentip» lich ALzeimal, SomUap» an* Runiage «inmot. die CbentauMobtr ftr Bafin NN» tm Handel mit Van ZZtet.Der Abend' Illustriert,«eilaoe».Do» nnd Zelt' und �tinderireund'. Ferner .Unlerhalwnz und willen',.Frauen. Kimm«', Technik'..SNit in die «üchenuelt' und.Jugend-Lorwärt»' Berliner Volksblatl Freitag 24. Mai 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. ReNamezeile S.— Reichs. mark.„Kleine Anznn auch sie haben natürlich an der Sicherung der Zahlungsfähigkeit des Reiches ein außerordentliches Inter- effe und soweit sie zur Mitwirkung bei dieser Aufgabe be- rufen werden, kann an der erforderlichen Bereitwilligkeit kein Zweifel bestehen. I Beide Maßnahmen des Reiches aber, sowohl die Auf- legung einer hochverzinslichen, durch die Steuerffeiheit in einzelnen Fällen bis zu 12 Proz. Zinsen bringenden großen Anleihe, als auch die Inanspruchnahme der Sparkassen be- deuten aber vom Standpunkt der deutschen Gemeinden eine nicht zu unterschätzende weitere Erschwerung ihrer an sich höchst unerfreulichen finanziellen Situation. Die Minderung ordentlicher Einnahmen der Kom- munen, welche das Etatgesetz 1929 durch den Vorgriff des Reiches auf 120 Millionen Einkommen-, Körperschasts- und Umsatzsteuer gebracht hat, die Unsicherheit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage mit ihren geminderten Steuerein- gängen bei wachsenden sozialen Lasten, die Verknappung des Geld- und Kapitalmarktes mit ihrer Wirkung steigender Zinsbelastung gefährden die Wirtschaftsführung der Ge- meinden, insbesondere der großen Städte. Ihre Etats, über- all unter dem Gesichtspunkt aufgestellt, Steuererhöhungen zu vermeiden, sind im allgemeinen so gespannt, daß es großer Umsicht und rücksichtsloser Ausgabedrosselung bedarf, um Fehlbeträge zu vermeiden. Die außerordentlichen Aufwendungen sind so gut wie restlos auf den Anleihehaus- halt verwiesen«nd können nur insoweit zur Durchführung gelangen, wie die erforderlichen Anleihebeträge beschafft werden können. Kein Zweifel, daß in dieser Beziehung die Lage höchst unerfreulich und gefährlich fft. Die R e i ch s f i n a n z p o l i- t i k und die Politik der Reichsbank haben, in den letzten Iahren die Gemeinden in stärkstem Maße gehindert, sich die erforderlichen Kapttalien zu einer Zeit im Auslande zu sichern, als große Beträge zu günstigen Bedingungen zu er- halten waren. Sie hat auf diese Weise die K o n s o l i d i e- r u n g der kommunalen Schulden in erheblichem Umfange unmöglich gemacht und die Gemeinden auf den Weg der kurzfristigen Verschuldung gedrängt, die heute wie ein Damoklesschwert über der gesamten deutschen Wirtschaft hängt. Diese Politik hat bereits in der Vergangenheit sich als überaus kostspielig erwiesen und wird voraussichtlich in der nächsten Zukunft dem deuffchen Steuerzahler noch sehr viel Geld kosten. Handelt es sich doch bei der Gesamtheit der Gemeinden um einen Betrag, der etwa um 1� Milliarden Reichsmark sich bewegen dürfte und seiner Grö- ßenordnung nach allerernsteste Aufmerksamkeit erfordert. Daß angesichts dieser hohen nicht fundierten Schulden und der Notwendigkeit, in nächster Zeit zumindest einen er- heblichen Teil zu konsolidieren, die Anleihetransaktionen des Reiches bei den Gemeindeverwaltungen schwere Beklemmun- gen auslösen müssen, ist verständlich. Die Auflegung der Reichsanleihen dürfte den d e u t s ch e n Markt auf Mo- nate hinaus vollständig blockieren, und es ist" vor allem nicht abzusehen, welche Konsequenzen sich für die demnächstigen Anleihebedingungen öffentlicher Schuldner herausbilden werden. Unter diesen Umständen ergibt sich für die� Gemeinden der Zwang äußerster Zurückhaltung bei der Durchführung ihrer eigenen außerordentlichen Aufgaben. Diese Lage der Kommunalverwaltungen wird schon in der nächsten Zeit ihre spürbaren Wirkungen beim Wohnungsbau, bei der Entwicklung der Verkehrsbetriebe und der anderen öffentlichen Unternehmungen zeigen. Die ungünstige Kon- tunktur, unter der wir zurzeit leben, wird daher in der nächsten Zeit durch Aufträge der öffentlichen Hand nicht ge- stützt werden können, obwohl es in höchstem Maße zu wün- schen wäre. Angesichts dieser Verhältnisse aber erhebt sich die Frage, pb und welche Maßnahmen mSglich sind, mn die Gefahren, welche sich hie� ergeben, auf ein Mindestmaß herabzumindern und der deutschen Arbeiterschaft eine schwere Pcriade erhöhter Beschäftigungslosigkeit nach Möglichkeit zu ersparen? Meines Erachtens ist die wichtigste und dring- lichste Folgerung, die man aus der gegenwärtigen Situation ziehen muß, daß mit größter Beschleunigung die Freizügig- keit des mobilen Kapitals für die Gemeinden wiederher- gestellt wird, d. h. daß die Bindungen, welche b e z ü g- lich der lang- und kurzfristigen Kapital- aufnähme im Auslande gegenwärtig für die öffentliche Hand bestehen, raschest und radikal beseitigt werden. Damit soll weder einer planlosen noch einer uferlosen Verschuldung der öffentlichen Körperschaften das Wort ge- redet werden. Die Bindungen, welche an sich für die Ertei- lung von staatlichen Genehmigungen bestehen, können durch- aus aufrechterhalten werden, ja es kann darüber hinaus die Frage ventiliert werden, ob es nicht zweckmäßig ist, inter- kommunale Berawngsorgane oder ähnliche Einrichtungen in Zukunft für diesen Fragenkreis zu errichten. Aber sobald die Notwendigkeit oder Zweckmäßigkeit der Finanzierung durch Anleihen gegeben ist, muß grundsätzlich die Befriedi- gung dieses Bedarfes in der wirtschaftlich st en Form erfolgen, gleichgültig, ob im einzelnen Falle der in- oder ausländische Markt herangezogen wird. Nur auf diese Weise wird es, auch bei der derzeitigen angespannten Lage der fremden Kapitalmärkte, möglich sein, di« größten Schwierigkeiten dieser Uebergangspericwe zu meistern und gleichzeitig Ausgleichstendenzen in den Anleihe- bedingungen zu fördern, die der deutsche öffentliche Kredit gerade im Hinblick auf die Reichsemission dringend benötigt. Der Reichsfinanzminister. Genosse Hilferding, hat als Ab- geordneter die Nichtigkeit der hier vertretenen Auffassung bei den verschiedensten Gelegenheiten so klar, beweiskräftig und entschieden bestätigt, daß er zweifellos nunmehr den Weg freimachen wird für eine geordnete und vernünftige kom- munale Finanzpolitik. Zweierlei Maß. SiaatSanwaltfchast mit Hakenkreuzlnteresse. Köln, 23. Mai.(Eigenbericht.) Der nationalsozialistische Landtagsabgcordnete Dr. Ley, einer der übelsten Hetzer in, Rheinland, strengte kürzlich gegen den ver- antwortlichen Redakteur der„Rheinischen Zeitung* Beleidigungsklage an. Merkwürdigerweise erhob di« Kölner Staatsanwaltschaft sofort Ossizialklage. Als seinerzeit der Abgeordnet« Sollmann als Reichsminister in zwei ähnlich gelegenen Fällen ebenfalls Klage erhob, wurde ihm von der Staatsanwaltschaft kein« derartige Hilf« zuteil. Damals lehnt« die Staatsanwaltschaft Köln es sogar ab, ein öffentliches Interesse als gegeben anzusehen. Das gleiche geschah in einem Fall des Beigeordneten und Mitglieds des Stadtrats, Dr. M« e r f e l d. Abgeordneter Sollmann hat beim Reichsjustiz minister gegen das zweierlei Maß der Kölner Staatsanwaltschaft scharfen Protest erhoben und um Vorstellung beim preußischen Iustizmimster ersucht. Messias Hitler. Da hat jüngst in Dr. Göbbols Wachenzeitung„Der Angrift* eü, Dichterling ganz spürbar Anleihen beim„Stundenbuch* von Rainsr Maria RUke gemacht, mn Adolf Hitler zum mythischen Halbgott zu machen: Er stieg empor aus Urwelttiefen und wurde ragend wie ein Berg. Und während wir ine Elend liefen ' und bebend nach dem Retter riefen, begann er groß sein heilig Wert... Hochinteressant, wie ohne irgendein« intellektuelle Hemmung— rn eins, zwei, drei, Hokuspokus, schwindibus!— der Bräiikeller» agitotor zum Messias oerwandelt wicd! Querverbindungen der Großindustrie. Gine Vorbereitung zu den Kämpfen um die Lastenverieilung. Di« Reparationsfrag« tritt in«in entscheidendes Stadium. Einer der Hauptdelegierten, der Generaldirektor Dr. Vogler, hat sich von den übrigen Delegationsmitgliedern getrennt. Während der Reis« der beiden Delegierten Schacht und Vögler ins Industrie- gebiet sollen scharf« Auseinandersetzungen über die Erledigung der Reparationsfrage stattgefunden haben. Dieser Vorgong ist als Sym- ptom dafür zu werten, wie diese Herren den Kampf um die Verteilung der Reparationslasten zu führen ge- denken: denn di« Leute, die bei dieser Besprechung den Ton angeben, gehören zu den schlimmsten Schorfmachern. Es dürft« zeitgemäß sein, an die in Aussicht genommenen Maßnahmen zu erinnern, die kürzlich mif der Tagung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute ausführlich erörtert wurden. Der Rc- ferent über die sozialpolitischen Fragen führte in seinem Vortrag über„Arbeitszeit und Arbeitslohn* aus, daß den Arbeitgebern der Weg bei den zukünftigen Kämpfen vorgeschrieben sei: große Kampfgebiet«, aber kurz« Kampfdauer. Zu dieser Stellungnahm« müsse man kommen, weil die Gewerkschaften nach Meinung dieser Heren kleine Gruppenkämpf«, ober lange Dauer anstrebten. Nach dem Bericht der �Deutschen Bergwerks-Zeitung' Nr. 103 ist des nur zu ereichen, wenn die Vorbereitung«« in folgender Weife getroffen werden:„Gelingt es, zu den anderen großen Jndustriegruppen der Kohl«, der weiterverarbeitenden Eisen- industrie, zu Textil- und Äektroindustre und Chemie di« not- wendigen Querverbindungen zu schaffen, dann werden die Arbeitnahmer es sich sehr reiflich überlegen, ob sie es zum Kamps kommen lassen wollen.* Man darf als sicher voraussetzen, daß der Ausgang der Re- parationsfrage und der damit akut werdende Kamps um die Ver- teilung der Lasten der Schaffung dieser Querverbindungen förderlich sein wird. Man muß der Bemühungen gedenken, die in dieser Richtung schon seit langem angestellt werden. Bereits Im Herbst 1927 wurden anläßlich der Konflikte in der Textil- und der Eisenindustrie Organssationen errichtet, die man bezeichnenderweis« Gefahrengemeinschaften nannte. Diese sollten einen Gegenpol gegen die Gswerkschosten bieten. Unter anderem war die Errichtung einer Sonder st reikkass« geplant, in die bekanntlich monatlich«in Betrag von 5 M. pro beschäftigter 2lrbeit- nchmer eingezahlt werden sollt«. Dieser Streikfonds dürste während der Aussperrung in der Hüttenindustrie End« des vorigen Jahres eingesetzt und verbraucht worden sein. Wenn nun jetzt diese alte Idee wieder zu neuem Leben erweckt werden soll, so beabsichtigt man über die ursprünglichen Ziel« weit hinauszugehen. Ursprung- lich dachte man nur an eine Zusammensassung der gesamten In- dustrie in Rheinland und Westfalen. Wie das obige Zitat zeigt, will man jetzt die gesamten Industriegruppen der Rohstoffe und Weiterverarbeitung durch sogenannte Querverbindungen zu einem einzigen Riescnblock der Unternehmer zusammen- schweißen. Wir stehen also in einer Periode einer energischen Sammelpolitik der rheinisch-westsälischen Industrie. Es wird davon nach außen natürlich kein Aufhebens gemacht, die Vorberei- tungen gehe ganz im stillen vor sich. Kommt es dann wiederum einmal zu größeren Kämpfen mit der Arbeiterschaft oder kommt e» zu Auseinandersetzungen wegen der Lastenverteilung, dann treten die Herren mit einer vorzüglich ausgerüsteten Organi- sation auf den Plan. Es ist notwendig, recht eindringlich auf diese Erscheinungen aufmerksam zu machen. Die Arbeiterschaft muß sich des Ernstes der Situation bewußt sein. Sie muß mit allen Mitteln daran arbeiten, daß sie den Schars- macherplänen der Schwerindustrie zu entgegnen vcnnag. Di« Ge- werksch-asten sind in einem erfreulichen Ausstieg begriffen. Die Samnüung aller Arbeiter in den Gewerkschasten muß sortgesetzt werden. Gelingt dies, dann sind wir der Usberzeugung, daß die Pläne der Schwerindustrie zuschanden werden. Aber ein Symptom von großer Bedeutung ist es, daß von dieser Seite die organisato- rischen Rüstungen mehr und mehr vervollkommnet werden. Den Herren war es schon lange ein Greuel, daß die Unternehmungen der Fertigindustrie derMarschroutedcrSchwerindustrie nicht immer folgen wollten. Deshalb sollen organisatorische Bindungen getroffen werden, die ein Sonderoorgehen einzelner Jndustriegruppen in Zukunft unmöglich machen. Die Schwer- industriellen haben den Krieg aus dem Gewissen, sie haben den frühzeitigen Friedensschluß verhindert und den Ruhrkampf heraus- beschworen Jetzt meinen sie, in die Regelung der Reparationsfragen einzugressen. Zu gleicher Zeit schassen sie aber Organisations- «inrichtungen, die den Kampf um die Verteilung des Sozialprodukts für sie siegreich entscheiden sollen. So ist die Sachloge. Die Arbeiter- schast muß wissen, woran sie sst! Das Attentat von Itzehoe. Die Folge rechtsradikaler Hehe. Lübeck. B. Mai.(Eigenbericht.) Mag da« Attentat auf da» Landratsamt des Kreise» Steinburg in Itzehoe von einem Betrunkenen, von einem Wahnsinnigen oder von einem fanatisterten' Iungbauern begangen sein, der Boden für di« oerbrecherssch« Handlung war seit langem systematisch vorbereitet. Wer in den letzten Monaten Gelegenheit hotte, in der Nordmark zu weilen, hat gesehen, wie gearbeitet und gewühlt wurde. Namentlich in den Kreisen Segeberg. Steinburg»nd Stormarn, aber auch in den nördlicheren Kreisen der Provinz Schleswig-Hol- stein wird seit gut einem Jahr« ein« rechtsradikal« Propaganda getrieben, die zu Gewalttaten geradezu heraussordert. Nationalsozialistische Agitatoren arbeiten mit ihren Gesinnungsgenossen vom Stahlhelm zusammen, und der Land- bund, der sich zwar ossiziell zur„staatserhaltenden* und„regle- rungsfähigen* Deusschnationalen Voltspartei bekennt, macht auf dem flachen Lande in wüstester völkischer und anti- republikanischer Hetz«. Der Großgrundbesitz unterstützt da« Treiben mit Wort und Geld. Es fei nur an einen der reichsten Agrarier des Kresse» Segeberg, den Ritterguts, und Ziegelcibesitzer von Krogh, Gr iß- Werden, erinnert, der sich unter deni Deckmantel eine» radikalen Antssemitismus in antidemokratischer staatsfeindlicher Propaganda von keinem überbieten läßt. Gewiß ist nicht abzustreiten, daß besonder» bei den kleinin Landwirten die wirsschastliche Lag« bedrängt sst. Gerade deshalb aber hetzt man sie auf. indem man die allgemein« wirtschaftlich« Not de» deutschen Volkes spezialisiert und ihnen zuruft:„Man will euch Kleinbauern euren Grund und Boden nehmen, man will euch bis aufs Letzte ausschröpfen, es ist die rot« Iudenregierung in Berlin, der ihr«u«r Elend zu danken habt.* Aufforderung zur Steuerfabotag«, mag sie auch nicht immer offen in einer Verftunmlung ausgesprochen werden. ist etwas Alltägliche». Nur so läßt sich erklären, daß ein an sich so besonnener, nchiger, positiv schaffender Menschenschlag wie ber Schleswig-Holsteiner zu Ungesetzlichkeiten und Gewalttoten sich hinreißen läßt. Der Prozeß, der vor dem Schöffengericht von Itzehoe vor sechs Wochen aus Anlaß der Bauernreoolt« von Boidenslelh stattfand, zeigte schon, wte weit di« Verhetzung gediehen war. Es sst bezeichnend, daß nach heut« auch im rein äußerlichen gssellschasttichen Verkehr in Tchleswig-Hofftein aiss dem Lortdc republikanische oder gar s o z i a l d e m o t r a ti s ch e veborzeugung als Makel gilt, wobei ollerding» hinzugefügt werden darf, daß im allgemeinen beim Agrarier weniger von eigener Ansicht als vim undurchdachter Tradition gesprochen werden kann. Bezeichnend sst weiter, daß die Agitatoren der Völkischen, vom Landbund und vom Stahlhelm sowie auch die mitwirkenden Inspektoren und Beamten des Gutes zu großem Teil politisch vollkommen unge- bildet« früher« aktiv« Offiziere sind, di« den Land- arbeite? geradezu zwingen,.au» Selbsterhaltungstrieb ein Lippen- betenntnis für Stahlhelm und Schwarzwcißrot abzulegen, und bezeichneich ist es zum dritten, daß der Landrat von Itzehoe, der achtenswerte und liebenswürdig« Herr Göppert, nicht etwa ein „Roter* sst, sondern der Deutschen Dolksportei nahesteht. Der Haß richtet sich eben gegen die Republik lchlechtweg. Er ist künstlich geschürt, und er führt vielleicht gerade deshalb, weil er nicht echt ist. zu Exzessen, wie es der Aufruhr von Beidenfleth, die Au- iiuumenstöß« in der Provinz in den letzten Wochen und jetzt wiedcp das Attentat von Itzehoe gezeigt haben. An die revoltierenden Bauern von Beidenfkech telegraphierte der Farmer Langkopp, der Attentäter vom Reichsentschädigungsamtj .Flaut auf den Tisch, und wenn hie Welt platzt!* Und die Bauern von Kyritz sandten einen ähnlichen Wunsch. Die Saat scheint aüfzue gehen! Angeblicher Ztzehoer Attentäter wieder freigelassen Ztzehoc, den 23. Mai. Der oon der hiesigen Polizeibehörde festgenommen« Mann, de? verdächtigt war, dos Attentat auf das Landratsamt ausgeführt zu haben, mußte inzwischen wieder freigelassen, werden. Di« Unter- suchung ergab, haß er an der Tat vollkommen unbetei« ligt ist. Schule und Volksstaat. Oeuffche �ehrerversammlung 1929. Dresden. 23. Mal.(Eigenbericht.) Am Donnerstag, dem letzten Verhandlungstog, sprach aus der Tagung der„Deutschen Lehrerversammlung* Verbands- geschäftssührer R ä p p« l- Berlin über das Thema:„Die Schule im Dienste der Volksversöhnung und Völkerversöhmmg.* Die etwa zweistündigen Ausführungen R ä p p e l» gipfelten in den folgenden Leitsätzen, die von der Lehrerversammlung als Entschließung ange- nommen wurden: „Der Deussche Lehrerverein erkennt im V o l k» st a a t die Form des staatlichen Ausammenlebens an, die allen Bürgern die Teil- nähme an der Gestaltung ihres politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Willens oerbürgt. Er verlangt darum, daß das öffentlich. staatlich« Schulwesen aus dem Gedanken des Dolksstaates erwachsen muß. Er lehnt die Trennung der Schulkinder nach Besitz, Welt- anschauuug und Bekenntnis ab und tritt für«in einheitlich und organisch aufgebaute» Schulwesen ein, das jedem die Bildung gibt, die seiner Veranlagung gemäß ist. In die sozialen und politischen Kämpf« der Volksgruppen hat sich die Schule nicht einzumischen. Sie hat aber den Geist der Verträglichkeit und de» gegenseitigen Verständnisses zu pflegen, damit nicht die Gegensätze die Volks- cncheit zerstören. Der Deussche Lehrerverein bekennt sich ebenfall» zum Gedanken de» friedlichen Zusammenlebens aller Völker auf de? Grundlag« des Rechtes, das vertraglich zu sichern sst, unter Ausschluß.jeglicher Gewaltsanwendung. Di« Schule arbeitet an der V S lk er vers S hn u n g durch Betonung der Rechts- gcsinnung, durch Lehrer, und Schülernuswusch, Prüfung der Schulbücher und allen sonstwie geeigneten Mahnahmen zur Zkubahnung eines dauerhaften Friedenszisstandcs. Der Deussche Lehrerverein ruft die Erzieher und Friedensfreunde aller Länder auf, gemein- iam an der Schaffung einer Weltordnung des Friedens und des Rechts zu arbeiten." In der Diskussion wurde von verschiedenen Seiten, so besonders van dem sozialistischen Lehrer B a r t s ch. Leipzig versucht, die Spaltung der heutigen Cefelljchost auf ihre tiefen wirtschaftlichen Ursachen zurückzuführen und die Lehrerschaft zum Kampf« für eine besser« Gesellschaftsordnung an der Seit« der Arbeiterklasse ayfzu. rufen. Dieser Appell fand nur bei einer allerdings ziemlich starken Minderheit der Versammlung Widerhall. Kundenkongreß ohne Kunden. Oer Bluff von Siuttgart. Sluttgark. 23. Mai.(Eigenbericht.) Das„Lagabundentreffen* hac weiterhin den Verlauf genommen, den man nach dem ersten Tag« erwarten konnte. Di« ganz« Veranstaltung ist in, Grunde nichts anderes als ein graßer Bluff einer Handvoll wichtigtuerischer Leute, die mit ihrer Originalitätsfucht und ihrer grundsätzlichen Abneigung gegen die iiblicl)«» Formen des gesellschaftlichen Lebens koketlieren. Es stellt sich imfner mehr heraus, daß es sich fast überhaupt nicht um sogenannte„Kunden* handelt, sondern um irgendwie künstlerisch oder philosophisch veranlagte Eigenbrötler, denen das Zigeunern nun einmal im Blut liegt. Es ist aber«in großer Widersinn, einnml der staatlich organisierten Gesellschaf jede Existenz. berechtigung abzusprechen und schließlich von ihr zu verlangen, daß sie van Staats wegen Vorkehrungen für eine bessere Lage der„schicksalhaften* Vagabunden fresse. Das würde dies« Vagabunden dazu nötigen, sich in die von der Gesellschaft oder dem Staat dafür aufg«. stellten Normen einzugtiedern. Da, lehnen sie ober wiederum mit Entrüstung ab. Die Logik dieser Leute beißt sich also selbst in den Schwanz. Don den angekündigten Rednern hat Prof. Lessing ab- geschrieben. Alfons Paquet war da, hat aber in die Ver- Handlungen nicht eingegriffen Der zur Kommunistischen Partei ge« hörend« Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. H a i n z sprach über da» Verhältnis der Justiz zum Sunden, der von den Gesetze» zu schlecht behandelt würde. Ein Schriftsteller Rudolf Geist sprach über das Thema„Der Kunde als revolutionärer Agitator*. Er kündet« die kommunistische Weltrevolution für 1930, spätesten»!95S an und forderte die Kunden aus, bei ihrer Vor. bereitung in gleicher Weise mitzuwirken, wie e» in Rußland die sogenannten Winteragitatoren getan hätten. Man müsse den Mut haben, einmal mit blanker Brust hinzustchen, wofür man dann mit dem ewigen Leben im Ruhm der Nachwelt belohnt würde. Ob diese Aufforderung große Erfolge zeitigen wird, ist mindestens zweifelhaft. Von den sonstigen Rednern sst noch zu berichten, daß sich unter ihnen auch ein au« St. Gallen stammender.Pfarrer befand. Hugenberg-Größen. Der.�ungöeutsch«*, das Organ des jungdeutschen Ordens, urteilt über zwei prominent« Huqenderg-Leul«:„Der Hilgenberg- Redakteur Major g D. A d o l s Stein, genannt Numpelslilzche», und Dr. Weiß, der Hauptgefchästsführer der Deutfchnatstmolen Volkspartei, sind zwei Leute, die einer deutschen Partei unwürdig sind.* Diese Charakterisierung sst ein« rund« Sache- Revision im Zasterburoer Prozeß. Die Insterburger Stoots» anwaltschast hat gegen da» freisprechende Urteil im Dujardin. Prozeß Revision eingelegt. Ein« Begründung diese» Einspruches liegt noch nicht vor. ver Prozeß gegen Ulitz. den Geschäftsführer des deusschen Volks- bundes in Kattowitz. ist nicht End« dieses Monats, sonder» erst noch den diesjährige» Gerichtsferie».. # Amanullah geflohen. Mit Krao vad Brvder nach Britisch.Indien. Quetta. 23. Mai. König Anmtmlläh ist ia Begleitung der Königin Turaja und seines Bruders Annjatullah unerwartet in T s ch a« a u. Britisch-Judie»(unweit der afghanischen Grenze) um 1 Uhr nachmittags eingetroffen. Aus dieser Flucht kann man nur den Schluß ziehen, daß zu dem Scheitern der Offensive Amanullahz gegen chabib- ullah(Batscha Sakoo) und zu den Kämpfen unter den Stäm» men selbst Dinge gekommen sein müssen, die Amanullahs persönliche Sicherheit schwer gefährden. Wenn er. der Schützling Sowjetrußlands, nach Britifch-Indien flieht, so muß ihm der freilich viel weitere und schwierigere Weg nordwärts durch die hohen Gebirge nach russischem Gebiet abgeschnitten sein. Es muß schlimm um ihn stehen, wenn er unter den Schutz jener Macht flüchtet, die seinen chauptgegner mindestens indirekt, durch Einfälle der Mohmands und anderer wilder Stämme aus dem indischen Grenzgebiet nur scheinbar geschädigt, in Wahrheit unterstützt hat. Freilich geschieht das nicht diesem Usurpator zulieb, sondern um Afghanistan durch weitere Zerreißung noch mehr zu schwächen. Für das russische Prestige in Asien ist diese Flucht seines Schützlings ein schwerer Schlag. Französischer Kammerbeginn. poincaräö Mißverständais. Part». 23. Mai.(Eigenbericht.) Das französisch» Parlament ist am Donnerstag nachmittag wieder eröffnet worden. Es kam sofort zu einer bezeichnen- den Abstimmung. Der von den Kommunisten gestellte Antrag aus Dringlichkeit ihrer Interpellation über die M a ssen v« r h a s- tungen am 1. Mai wurde auf Verlangen der Regierung mit 32k gegen 258 Stimmen abgelehnt. Am Freitag will das Haus mit der Debatte über die Vorfäll« im Militärlager von Chalons und am Dienstag mit der Beratung des Mietengesetzes beginnen. Ein heiterer Zwischenfall war zu oerzeichnen, als gerade, während Ministerpräsident Poincarä sprach, Lt o» Blum im Sitzungssaal erschien. Als die sozialistischen Abgeordneten ihn bemerkten, brachten sie ihm«in« spontaneHuldigung dar, die Poineare, der Blum nicht bemerkt hatt«, auf sich bezog. Der Ministerpräsident konnte es sich nicht versagen, seinem E r» staunen über dies« plötzlich« Sympathiekundgebung der sozialisti- schen Fraktion für sein« Person Ausdruck zu geben, was all- gemein« Heiterkeit hervorrief. Der ersten Sitzung der Kammer gingen Beratungen der einzelnen Fraktionen voraus. Die Sitzung der sozialisti- schen Fraktion war ein« würdig« Vorbereitung de» Wiedererscheinens Läon Blum in der Kammer nach seiner in Narbonn« erfolgten Wahl. Di« einmütig« Verehrung der Gruppe für ihren Führer fand ihren Ausdruck in der Schaffung des Postens eines Präsidenten der Partei, der Läon Blum angeboten wurde. Der bisherige Sekretär Vincent A u r i v l hatt« fein« Demission zugunsten Blums angeboten: fein Anerbieten wurde jedoch nicht angenommen. Wahlmanöver in Belgien. Regierung verspricht Gehaltsoafbessenmg. Brüssel. LZ. Mai.(Eigenbericht.) Di« Katholische Partei, die e» fertig bringt, die einander wider- iprschendsten politischen Richtungen in sich zu vereinige«, halb- sozialistische Christlichdemotraten und faschistische oder Halb- faschistische Organisationen, extreme Flamen und flamenfeirchliche Rationalisten, hat sich in zwölfter Sbmd« ein tolle» Wahl- Manöver geleistet. Der mit den Katholiken durch dick und dünn marschierende christlich-demokratisch« Eisenbahnarbeiterverband Hot auf einem Plakat«in« Erklärung de« katholischen Arbeitsininister» H« y m a n veröffentlicht, in der den Staatsbeamten und Staatsorbeitern niederer Kategorie einschließlich der Eisenbahner erhebliche G e- haltsoerbessernngcn versprochen werden. Da« er- innert an die Methoden der Katholischen Partei au» der Dorkriegs- zeit, wo alle Staatsbeamte am Wahltag oder tags zuvor Tele- g r a m m e zu erholten pflegten, in denen«Ine SeHaltsousbesierung angekündigt wurde, ein Versprechen, das nicht immer emgehalten wurde. Der Freie Eisenbahnerverband antwortete auf das katholisch« Manöver mit einem Gegenplakat, in dem auseinander- gesetzt wird, daß die Regierung Zeit genug gehabt hätte, da» heutig« Versprechen zu verwirklichen und es sich um einen schäbigen Versuch handele, die Wähler zu korrumpieren und ihr Gewisien zu kaufen. Parteienüberfluß in Hofland. Amsterdam. 23. Mai. Für die Wahl zur Zweiten Kamme? am Z. Juli wurden 36 »erschiedene Listen eingereicht: neben den großen politischen Par- teien zahlreich« kleiner« politisch« und wirtschaftliche Gruppen, die nur in«inigen der l8 Wahlkreis««igen« Kandidaten ausgestellt haben. Bei der vorigen Wahl 1S2ö wurden 32 Wahllisten eingereicht. von denen jedoch auf Grund der Dohlergebnlsi« nur 11 ein« Vertretung in der Kommer erhielten. Georgische Aaiionalfeier. Gründungstag des sozialistischen Georgien«. Der ZK. Mai, an dem die deutsche Arbeiterschaft die Kraft chrer politischen Organisation in Magdeburg demonstriert, ist auch ein Gedenktag sür die internationale sozialistisch« Arbeiterbewegung. Am 26. Mai 1918 wurde der erste sozialistisch« Staat, die kaukasische Republik Georgien gegründet, in deren Rational- Versammlung der demokratische Sozialismus SS Pro.,, der Sitz« halte. Der alt- neue russische Imperialismus hat im Februar-März 1921 dieses junge, in blühender Entwicklung begriffen« Staatswesen mit roher Gewalt erobert. Aber das georgische Volk, erprobt in lahrtousendelangen Kämpfen fiir sein« Freiheit und Seibsterhaltung. kann sich.mit fremder tyrannischer Gewaltherrschaft nie aussöhnen. Es feiert d«sholb überoll. wo und wie es nur kann, feinen Freihsits- tag und kann ihn nie vergesien. Auch das international« Proletariat kann di« Tragödie des sozialdemokratischen Seorgien» nie verg.sien und dem Sowsetimperialismu» sein blutige» Verbrechen nie verzeihen! Sonntag 26. Mai. ieiert die hiesig- gevrgisch« Kolonie den elften Jahrestag der Unabhänzigkeitserklarung der««publik Georgien. Die Feier ist im Lokal„Abfoff*. Vittono-Luise-Platz 11. Beginn 4 Uhr nachmittag». Oer Papst geht aus. Am Krouleichnamstag wird der Papst— zum erstenmal feit 1870— den Vatikan verlast«». Mussolini:»Eure Heiligfeit können nunmehr persönlich den von mir verursachten Wandel der Zeiten studieren: Krüher war das römische Volk frei und Eure Heiligkeit gefangen. Jetzt ist das römische Volk gefangen und Eure Heiligkeit frei!" Macdonalds Triumphzug. Ltngeheure Wahlbegeisterung in England. London, 23. Mai.(Eigenbericht.) Ramsay Macdonald hak nach seiner Redetoornee ia Schottland und in Miktelengland den Westen Englands erreicht, wo seine Brise von Stadt zu Stadl einem wahren Triomphzug gleicht, wie ihn die Geschichte der Arbeiterpartei bisher nicht kennt. Sobald da» Bähen des Aukos mit dem sozialistischen Führer an- gekündigt ist. versammeln sich riesige Menschenmengen, um Bmusay Macdonald einen begeisterten Empfang zu bereiten. Am Eingang zur Slad» worrester wurde Macdonalds Auto von Arbeitern angehalten und an Stricken nach einem ofsenea Platz gezogen, wo sich mitten in der Arbeitszeit Tausend« und aber Taufende versammelt hatten, um den Führer zu hören. Ehe Macdonald jedoch da» Wort ergreifen konnte, teilte sich die Menschenmenge und es erschien einer der höchsten katholischen Geistlichen, um den sozialisti- scheu Führer zu begrüßen. Aehnliche Szenen wiederholten fick. begünstig» von einem selten schönen Maiwetler, in zahlreichen anderen Städten, die da» Auto Ramsay Macdonalds passierte. Kriegsverdiente Labour«Kandidaten. London. 23. Mai.(Eigenbericht.) Die militärstchen Titel und Dienstleistungen ihrer Kandidaten werden von der engkischen Arbeiterpartei für die bevorstehend« Wahl al» propagandistischer Aktivposten betrachtet. Der Prestedienst der Labour Party, der während de? Wahlkampsc» täglich erscheint, stellt». B. fest, daß„eine erhebliche Anzahl Männer, die sich in der Marin«, im Heere und in der Luftsahrtruppe ausgezeichnet haben, als sozialistische Kandidaten Im Felde stehen'. Da ist zunächst der Eaptain Wedgwood Venn, früher«in- mal liberaler Minister, der außer hohen britischen Auszeichnungen für seine Kriegsdienste seinerzeit zum Ritter der Ehrenlegion er- nannt wurde. Oberstleutnant Cecil l'Estrange M a lo n e hat Weihnachten 1914 den berühmten Fliegerangrifs aus Cux- Häven kommandiert. Oberstleutnant Watts Morgan wurde als Kommandant eines Bergarbeiterbataillons aus Wales anläßlich der Abwehr der deutschen Frühjahrsofsensive 1918 im britischen Heeres- befehl genannt. Ferner gibt es noch über ein Dutzend andere Labour-Kandidaten, mit dem Rang vom Hauptmann aufwärts. Die hohen militärischen Ränge dieser Kandidaten beruhen nicht in ollen Fällen aus einen aktiven Dienst vor dem Krieg. Im britischen Heer wurde während des Krieg«» für hervorragende militärische Leistungen und für Tapferkeit vor dem Feind« sofort höherer Offiziersrang veriieheiv Die Wählerzahl in Großbritannien. London. 23. Mai.' Di« Zahl der als wahlberechtigt in die Listen Eingetragenen wurde endgültig amtlich bekanntgegeben. Danach sind«ingeschrieben 13 280 982 Männer und 14 791 313 Frauen, insgc- samt 2807279 S. Di« Zahl der Arbeitslosen betrug qm 13. d. M. 1 104 700. da» sind 28 00V weniger al» in der Vorwoche und 13 K90 wenig«; j al» in der gleichen Zeit des Vorjahres. Rußlands Außenpolitik. Entschließung des VätekongreffeS. Moskau. 23. Mai. Der Rätetongreß der Sowjetunion hat eine Entschließung an. genommen, in der es heißt: Der Rätetongreß billigt ohne Ein, schränkung die Politik der Regierung und ihren unentwegten Kampf um den Frieden, der unmittelbare Kriegsgefahr einigermaßen in die Ferne rückt und dank dem Abschluß einer Reih« neuer inter- nationaler Verträge die friedlich« Stellung der Sowjetunion ge- festigt Hot. Der Kongreß stellt fest: Die Ablehnung de, Ab- rüstungsvorschlage» der Sowjetunion durch di« Vor- bereitende Abrüstungskonferenz und die Weigerung der in der Kom- mistion vertretcnen Staaten, auch nur den kleinsten Schritt zu? Herabsetzung der Rüstungen zu unternehmen, bestätigen wieder«in- mal. daß diese Staaten ungeachtet der auf Grund des Kellogg- Potte« übernommenen Verpflichtungen zum Verzicht auf Krieg in Wirtlichkeit ihre gesamt« Politik aus die Vorbereitung eines neuen Weltkrieges ausbauen. Der Kongreß fordert die Regierung auf. neben unermüdlicher Arbeit zur Wahrung friedlicher Beziehungen zu sämtlichen Staaten auch Maßnahmen zur Festigung der Wehrfähigkeit des Landes zu treffen. Die Versorgung der Städte gefährdet. Charkow. 23. Mai.(DsWJxpreß.) Die Frühlingsbestcllung der Felder, die durch Ankündigung irgendwelcher drakonischer Maßnahmen nicht gestört werden durste, geht ihrem Ende entgegen, und die Sowstiregierung glaubt osfenbar den Aiig«nblick gekommen, wo eine erneut« Verschärfung der Gctreideeintreibung eingeleitet werden kann. B«im ukrainischen Handelskommissariat in Charkow fand eine Konserenz der lokalen Handelsämter statt, die eine„Dretmonatskam- pagn» zur Verstärkung der Getreidebes�affung" beschloß. Amtlichen ErNärung«n zusolge wird sich di«..Kampagne' zcgen die Großbauern richten, die in dieser Jahreszeit ollein noch im Besitz von Getreidenorräten seien, lieber 300 Beamte der hauptstädtischen Sowjetbehärden sind in die Provinz«ntsandt worden. um di« n«»«„Oftensiv« gegen di« Großbauernschaft" zu organisieren. Die Sprache der Sawjetpress« erinnert durch ihr« Heftigkeit an die Vorgänge vor einem Jahr,»l» die.außerordentlichen Repressiv- maßnahmen" gegen das„lieserungsunwillige Dorf" ergriffen wurden. Die Aufhebung jener Maßnahmen im Spätsommer v. I. wurde dann bekanntlich als ein« entscheidende Abkehr der Sowjet- regiernng von einer bauernfeindlichen Politik ausgelegt. Daß der alle Kampskur» gegenüber der wohlhabenderen Bauernschaft nun nach Niederringung der Rechtsopposition wieder im vollen Umfange triumphieren wird, ist immerhin kaum zu er- warten. Einige Sowjetzeitungen stellen fest, daß di- Belicserung der Städte mit Brotgetreide selbst noch den durch Brot- karten festgelegten Normen undurchführbar sein werde, wenn «« bei dem bisherigen Tempo der Getreidebeschaffungen bleiben sollte. Panik an der Polenküste. Treibminenalarm wegen einer Marlierboje. warfchcn», 23. Kai. vorgestern meldete die polnische Presie, daß die Bevölkerung de; polnischen Hafens Edingen und der Umgegend durch hie Nachricht vorn Auftauchen einer im Putziger Wiek umhertreibenden Seemine in Schrecken versetzt warben sei. Diese Seemine, die noch cm» dem Weltkrieg stamm«, sollt« sich bei dein letzten Sturm losgelöst haben. Wie die polnisch« Presse weiter berichtet, hatt« die polnisch« Seebehörd« die Einstellung des gesamten polnischen Seeverkehrs an der Küste angeordnet und die polnisch« Kriegsmarine sei beordert worden, die Seemine unschädlich zu machen. Wie aus einer heute veröffentlichten Gdinger Meldung der Warschauer Agentur Preß hervorgeht, hat sich der Minenalarm sehr harmlos aufgeklärt. Dys polnische Flattenkommondo konnte nämlich feststellen, daß jener schwimmende Gegenstand, der die Bevölkerung der polnischen Seeküste in Schrecken versetzt hat. keine Seemine, sondern eine gewöhnlich treibend« Mariierhpjc war. Die gleiche Agentur meldet noch beruhigend, daß die deutsche Marin« schon seiner- zeit sämtliche im Weltkrieg in der Ostsee gelegten schimmmenden Minen beseitigt hatte. An der bulgarischen Grenze wurde eine Cinigrautenbairdc au» Jugoslawien gestellt, als sie sich nach Südslawien zurückziehen wollte. Die bulgarische Polizei tötet« drei Mann, die beryit» au f jugoslawischem Gebiet waren. Di« Leichen blieben liegen. bi»«ine Unterfuchungskommission den Tatbestand festgestellt hatte. Au» der südslawische« Armee sind«in General, 38 Obersten und 20 Oberstleutnants entlassen worden. An ihre Stelle treten Jüngere. Damit soll die Diktatur gefestigt werden. GeHelme« Wahlrecht in Brasilien ist zum erstenmal bei der Gemeindewahl in der Stadt Bella Horizont« angewandt worden. I WERTHEIM sß»....... Pfund 1,00 Schweinerücken u.»..... piund 1,06 Schweinekamm nn� si-«. ma s-n-?. pn-ud 1.12 Schweineschinken.......... Pfund 1.15 Rinderkamm u. Brust........ pw 0.80 Querrippe Pfund 0.75 Gulasch Pfund 0.85 Schmorfleisch u. Roastbeef m- 1.00 Schmorfleisch ohne Knochen..... Pfund 1.20 Liesen Pfund 0.65 Gehacktes Pfund 0.75 Ausgelassener Nierenlalg Pfund 0.45 Frische Rinderzungen Pfund 1.29 Kalbsschnitzel......... Pfund 2.10 Prima Cefrlertlelsch Rinderkamm u. Brust....... pwi 0.75 Hammelvorderfleisch.■ Pfund 0.90 Wolgahühner ptvnd von I.20 Brat-aSuppenhühner* vagariscbe, Pfand•• wö sn Fische Hornaale Pfund 0.O8 Schellfische Pfd. 0.18 Kabeljau Ohne Kopf, ganie Fische, Pfund 0.1 4 0.20 Hakreken u. Goldbarse ohne Kort Pfd. 0.16 Bratscholien Pfund 0.24 Rotzungen 0.25 Filet von Kabeljau.......... Pfund 0.24 Frische Hechte.......... Pfund mn 0.35«n Frische Zander......... Pfund 0.78---> Lebende Karpfen....... Pfund � 0.98 Grüne Heringe stralinnder..... 3 Pfund 0.60 Lebende Krebse billigst Wurstwaren Rot- u. Dampfwurst 1.00 Landleberwurst Pfd. 1.20 Fleisch wurst Pfund 1.20 Jagdwurst... Pfund 1.45 Mettwurst(Bmurrschw 1 45 1 icuwursi pfllnd Schinkenpolnische 1.60 FlletWUrSt.-.Pfund 1,60 Zervelat u. Salami holsteinische, Pfund 1.80 Feine Leberwurst Pfd. 1.80 Teewurst• Pfund 1.80 Speck feff, Pfd. 1.15 mager 1.30 Schinkenspeck Pfund 1.95 Nußschinken"�S2-10 ■dslgstrssst, RossatHslsrStr,■orlbplste Knoblauchwurst Pfd. 1.20 Bierwurst Pfund 1.60 Landmettwurst pomm. 1.60 Käse u. Fette Ramadou halbfett....... smcit 0.17 Camembert*oiif«i'..... Schachtel 0.19 Limburg?? AllgZuer, halbfett.Pfand 0.58 Holländer hnlbfeU....... Pfand 0.64 Edamer halbfett......... Pfund 0,65 Steinbuscher halbfett..... Pfund 0.55 Schweizer AUA 0.84| Cremekäse TOlIf�nd TUslter halbfett, ohne Kinde, Pfund 0.80 rollfett, Pfand 1.10 0. 1.20 Schweizer ohne Kinde, dreiviertelfett, Pfund 1,15 Bayrischer Schweizerkäse 1.45 Margarine Pfand 0.52 0.58 Tafelbutter Pfund 1.88 Kokosfett i-Ptund-Tafei 0.62 Dänische Butter Pfd. 1.98 Konserven 6 Portionen. 0.48 vollfelt, Pfand 0,88 voUIctt, Pfand 0.88 voUfett. Pfund 0.90 voNfett, Pfand 0.95 1.20 Vi Dose Spinat.......... 0.48 Karotten treschnltten.. 0.42 Karotten 0 60 i.o0 Erbsen icäio".?/« d". 0.43 0.75 Gemlscht.GemüseV 0.68 Gemüse-Erbsen•• 0.50 Jung. Erbsen Dose0.45 0.72 Jg.Erbsen f«in 1.25 1.50 Stang.-Perlbohnen 1.05 Telt.Rübchenige. kleine 1.20 Vi Dose Sellerie fn Scheiben.. 1.05 Rote Rüben...... 0.38 Senfgurken...... 0.87 Pflaumen mit stein.. 0.73 Saure Kirschen sTein 1.05 Mirabellen...... 1.10 Ananas.....'.... 1.15 Olivenöl Dose 1.603.20 T afelöf fimcu 0.58 0.80 1.35 Norweg. Süd w oei 40 pi Oelsardinen französ. 52 Pf. Konfitüre V, Elmer Pflaumen 0,98 Orange 1.10 Erdbeer 1.30 Kirsch, Hlmbeer 1.35 Ananas 1.40 Yierfruchtmarmelade 0.85 Leipziger Straße— Moritzplatz Balkonkästen mit Spalier und wildem Wem bepflanzt, 60 bis 100 cm lang, von 4.75 an Wilder Wein......... Staude 0.50 Balkonpflanzen Obst u. Gemüse Kalif. AepfeJ Pfd. 0.42 Kalif. Peppings Pfd. 0.45 Knupperkirsch. Pfd. 0.48 Zitronen,• Duzend 0.42 Bananen..... Pfund 0.52 Junger Spinat 5 Pfd. 0.18 Frischer Spargel. Radieschen 5 Band 0.20 Rhabarber Pfand 0.05 Kartoffeln neue 2 Pfd. 0.35 Grüne Gurken8� 0.35 an Blumenkohl � Ar. neuer holländ., Kopf v, V7.40 an Pfand 25» 45» 75 Pf. Frischer Suppenspargel.. 3 Pfund 25 pr. Konfitüren Bonbon-Mlsch- Pfd. 0.59 1 Eisbonbons.. Pfund 0.70 Gefüllte Fruchtkissen............... Pfund 0.70 Erfrlschungs-Waffeln............... Pfund 1.00 Schokolade-Waffeln................ Pfund 1.70 Kaffee frisch gebrannt, eigene KSsterel Konsum-Mlsch. Pfand 2.40 Hausholt-Mlsch. Pfd. 2.60 Sonder-Misch. Pfund 3.00 Olympla-Misch. Pfd. 3.40 Globus-Mlsch. Pfand 3.80 Resldenz-Mlsch. Pfd. 4,20 Pteite für lft FlascKa, ohne Glas Wein Frankfurter Apfelwein»Rackles Urquell". 0.70 Maitrank aus Prachlweln............. 0.80 Stachel- u. Johannisbeerwein«irafein...... 0.85 Kirsch- u. Heidelbeerwein feine, fmchiige Art... 1.10 Ausgewäblte 1928er Gewächse zur Bowle u. als Tisch weia 1928 Glelszeller Kirchberg kerniger Ptaizer.... 1.10 1928 Obermoseler angenehme Art............ 1.20 1 928 Siefersheimer Sandberg blumiger Kheinhesse 1.40 Fruchtschaumwein Mit Steuer und Flasche....... -! 1926 Llebfraumilch blaue Kapsel, lieblich, mild. • 1 927 Nitteler Leiterchen Riesling sp�®er 1926 Rüdeshelmer lelnblumlgcr Rheinwein.... J 1 926 Brauneberger Falkenberg pik,in'mosci I Besondere Gelegenheit: Cherry Brandy u. Cura�ao Gala 1.30 leo 2h von Coinlresu-Angers, Berlin 4.90 II Sorten Weia and Spirituosen vom Faß zu Extrapreisen Freitag, 24. 5. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 135 20 Uhr Freitag, 24. 5. Stäöl. Oper Bismarckstr. Turnus III 19-/, Uhr EDBen Onenin Staafs-Oper Am PI.d.Republ. R.-S. 115 lOVc Uhr Don Giovanni StaatLSdiaosph. am Cendarmenmarkt A.-V. 122 20 Uhr König Johann StaatLSebiller-Tlieater, Charit!]. 20 Uhr Zaungäste SCAtÄ 8 ühp B 5 Barbarossa 9256 The Jevers nnd weitere Tarlef«-)ienneUea Am Alex. 8088_ 68 Täglich 5, Sonntag 2, S.8>s INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag VoiUsbtiline fbeatir amDIlovplatz 8 Uhr Trojaner Thalia- Thealer S'/j Uhr Ptarrhaus- komodia StaatLStbiller-Th. 8 Uhr Zaungäste Slutioggr am Platz der Repnbllk 7-- Uhr Don Giovanni Theater am smUfbaoerdamm. Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Dreigrosdien- Oper Neuer. Valeltl. Tklmia. Lvankr. l eide», stecke) Thaliaiheater Dresdener Str. 72-73. 8'/> Uhr PfarrliaDSlroiiioiiie TOD UND allen Wanzen TEUFEL Reichels Wanzenfluid tötet)ede Wanze auf der Stelle und zerstört die Brutnesier restlos. Nicht B eckend, überall anwendbar. Flasche M. 0.85. 1.50, 2.40, 3.50. '/i Literflasche M. 6.-, Zerstäuber M.-.50. 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Walter W. Goctze Lessing-Theater Täglich 8Vi Uhr .01« Frau des Andern" Trianon-Th. Täglich S'/i Uhr Zimmer zu vermieten Für unsere Leser: Preise 1.-, 2.-, 3� M. Dr.lLFriedePero (früher Berlin) praktiziert wieder[ Bad Kndowa GERMNIQ Frankfurter Allee 313 Ab Freitty den 24. bis montag, den 27. mal Das neue Programm: l Auf der Bühne: Arluro Manzano, Spaniens bester Schulreiter mit seinem tanzenden Pfer e. ü. Film: Conrad Veidts großer Erfolg in Amerika Der mann, der lacht in «a W Otsch. KünsUer-Th. S'/t Uhr Prosit Gipsy Operette v.Gilbert Emmy Sturm Fritz Scholz Rundfunkhörer bllbd Preise' Theat. d. Westens Täglich 8';« Uhr Frau lehars Veiler- Icigi Friederike Carola Toelle John lendrik. Tbeai.ara Kottb.ior Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elitesanger Bat bcna Hai- Progr. Elm l«M1i- ItßdHtteirtirn! L-)uergens Alexsndcrplatz Neue Königsir. f nserrtte im Öoctöätte sichern Erfolg! ab Grünau, Sofmebotf bis Ritdiolott über 90 Parzellen an bei Echßnetelbrr CbaufTe«. Bert b. Restparzellen qm 1 3)1 an. 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Um stilles Beileid bitten Mh»»A Schüler EUj Ramdow, geb. Schüler Hedwig GAmrodl Berlin NW.. Altonaer Str. 18. Einäscherung Freitag, 24. Mai, 17 Uhr, Krematorium Gerichtstratze MliM Metallarbeiter- feriiaiiil Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Sen Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, bor Kntgießer «SX idredle geb. 13. Mai 1905. am 20. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet am Frei- tag, dem 24 Mal. IS>/, Uhr. im Kre- matorium Wilmersbors statt. Am 20. Mai starb unsere Kollegin, die Arbeiterin Hiideaard Resselring geb. 26 September 1907. Die Beerdigung findet am Freilag, dem 24. Mai. 16 Uhr. von ber Leichen» Halle de« Zions- Kirchhofe» in Nordend aus statt. Rege Bele.Iigung wirb erwartet. Nachruf Am 16, Mai starb unser Kollege. ber Schleifer Bicbard Roder Die Beerdigung hat bereit» statt» gefunden. Ehre ihrem Anbeute n! VI« Ortsverrnaltung. Gewog. Am Freitag, dem 31. Mal, findet die tBcneroloerTammlnng ber Gewog- marUnOocf, Gemeinnützige Wohnung»» genoflenfchait e. G. m. b. H, in den Malt- Feftfälen, Marienborf, Ehauffeestr. 306. statt. Beginn 7,30 Uhr. Tagesordnung 1. Gefchästsbericht beb Vorstanb»». 2. Bericht der Revifionstommisflon. 3. Befchlußsafiung über die Bilanz, 4. Neuwahlen zum Autsichtsrat 5. Satzungsäuberung und Anträge, 6. Ausschluß eine» Mitgiiebe». 7. Berschiebene». vre Varztaud. Oer gute liapitöii ■f#*■«* aH alf ist nden meisten Zi aalilaDail garrengesch. erhält C. Röcker. Berlin lieienberger StiaSe 22. Königs. 3881 Nr. 237- 46. Zahrgang*1. Freitag. 24 Mai �929 Gtinnes-Prozeß am 28. Mai. Wegen Millionenbetruges am Reich. Am Zö. Mal beginnt vor dem Landgericht I der Prozeß gegen Hugo Hermann Stinnes, sowie gegen seine beiden Direktoren, den Kaufmann Erich Gothmann aus Hamburg, den Sekretär von Hugo Stinnes, Wolf v. waldow, den Kaufmann Beta Groß au» Wien, den Kaufmann Leo Hirsch aus Berlin, den Kaufmann Eugen Hirsch aus Paris und den früheren Besitzer de» Velphi-Palafie», Joseph Schneid. Den Angeklagten wird vorgeworfen, daß sie da» vermögen de» Deutschen Reiches um 2 Millionen Mark durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu s ch S d i g e n und Betrügereien zu begehen versucht haben. Die Verhaftung von Hugo Stinnes, des„Junior", erregte im August 1928 große» Aufsehen. Die Festnahme erfolgt« im Verlauf einer Untersuchung, die bis in das Jahr 1927 zurück- reichte. Stinnes und seinen beiden Angestellten, sowie den anderen oben genannten Angeklagten wurde vorgeworfen, daß sie einen Betrug mit Kriegsanleihe versucht hätten. Im Juli 1925 war das Anleiheablösungsgesetz herausgekommen, das die Mark- anleihen des Reiches in eine Ablösungsschuld umwandelte. Das Gesetz sah vor, daß Besitzer von Anleihen, die sie vot dem 1 Juli 1929 gekauft hatten, als Altbcsitzer, Personen, die erst später die Anleihen erworben hatten, dagegen als Neubesitzer zu be- trachten seien. Während der Anleiheneubesitz in dem Verhältnis aus« gewertet wurde, daß für etwa 1909 Mark Nennwert 2X Proz. Aufwertung bezahlt wurden, sollten die Altbesitzer etwa das Fünffache dieses Betrages erhalten. Da auch im Auslande sich erheblich« Beträge von Anleihebesitz befanden, wurde in Pari» eine Vermittlungsstelle für die Anleihe eingerichtet, die dem Sonderkommisiar Direktor heinzmann unterstellt war, während für Rumänien die Reichskredit A.-G. die Anmeldeformalitäten übernahm. Di« Reichsanleihe A.-A.-G. stundenlang oerhandelt wobei 00» beiden Sellen dem Gericht umfangreiches Materiol für bzw. gegen diesen Antrag unterbreitet wurde. Das Gericht will seine Entscheidung m acht Tagen verkünden. Der Schneidermeister Wilhelm M. hatte schon einmal dadurch von sich reden gemacht, daß er sich wegen seiner eigenartigen sexuellen Veranlagung operieren lasten wollte. Nun stand er wieder vor dem erweiterten Schöffengericht Köpenick. Das Vorstrafen- register des 36 Jahre alten Mannes ist enorm, fast die Hälfte seines Lebens hat er in Zuchthäusern und G e f ä n g- nissen zugebracht. Zwanzigmal ist er vorbestraft. Allein wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen stt er oftmals mll Zuchthaus- strafen von drei Jahren belegt worden. Auch diesmal wird ihm ein Gewaltakt zur Last gelegt, den er im Sommer des vergangenen Jahres im Walde bei Sadowa begangen hat. M., der eine Schneiderstube betreibt, hat des öfteren mit seinen Hilfskräften Ausflüge unternommen. In der Regel waren es zehn bis fünfzehn junge Mädchen, die ihn auf den „Wanderungen" begleiteten. Eines Tages war der Angeklagte mit zwei Mädchen nach Sadowa gefahren, angeblich, um mit ihnen spazieren zu gehen. Dort angekommen, enffernte sich das eine Mädchen für längere Zeit. Das benützte der Schneidermeister, um über das andere Mädchen herzufallen und es seinem Willen gefügig zu machen. Die Ueberfallene stt ein siebzehn Jahre altes, geistig und körperlich schlecht entwickelles Wesen, das den Ein- druck eines unreifen Kindes macht. Der Sachverständige, Freiherr v. Marentholz, lehnt die Anwendung des Paragraphen 51 ab. Als nach Schluß der Beweisaufnahme M. zu seinem Schlußwort kommt, sagt er fol- gendes:„Ich werde ja doch nicht verstanden. Mich kann nur einanormalerMenschver stehen. Ich werde heute wieder einige Jahre Zuchthaus oder Gefängnis bekommen. Meine särnt- lichen Vorstrafen basieren aus meiner Krankheit. Für Trinker gibt es in Deustchland Heilstätten, aber nicht für Sexualkranke. Weil solche Heilstätten fehlen, muß ich ins Zuchthaus!" Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten trotzdem nach langer Beratung wiederum wegen Sittlichkeitsverbrechen zu drei Iahren Gefängnis. Die Worte des Angeklagten lasten kaum den Schluß zu, daß es sich hier um einen Simulanten handelt. Vielmehr scheint ein unglücklicher Mensch unter einem grauenhaften Zwang zu stehen. Lumpengefindel. Friedhofsschänder in Eoethen. C 0 e th e n(Anhalt), 23. Mai. Auf dem hiesigen israelitischen Friedhof sind in der vergangene« Nacht sämtliche Grabdenk» m ä l e r von unbekannten Tätern umgeworfen und zertrümmert worden; selbst schwere Steine wurden ans der Erde gerissen und an ihre Stelle Tierkadaver gelegt. Es bedarf zur Kennzeichnung dieser Lumpen keines Wortes. Schiller im Grünen. Auf dem Wall der alten Zitadelle zu Spandau ertrinkt der Tag in den hohen Bäumen. Das schwarze stehende Wass«r des Grabens zieht ihn zu sich hinab, die düsteren Gemäuer der Festung mit ihren runden Schießschartenlöchern schließen ihn ein. Die Kastanien im Park stecken ihre Lichter auf. Geheimnisvolles Dunkel, das die Freilichtbühne umschwebt. Dieses Unwirkliche, das zwischen den beiden flankierenden Säulen- dächern und vom freien Walde über die Naturbühne zu den Zuschauerplätzen hereinwechselt, ist lebendig. Es ergreift mit eigen- artigem Zauber, wie ein Mensch dort auf einer Gartenbank, vom Dämon seines finsteren Wesens ins Dunkel gehetzt, Ränken und Lügen nachjagt. Die Frage des Franz Moor nach dem Sinn des Daseins, daß es abhängig sein soll von ein«r zufälligen Zeugung, nein, sie Ningt nicht papieren, sie ist echt. In dem Gefängnis der preußischen König« nebenan mögen sie Tausend« in den Jahr- Hunderten aufgeworfen haben. Unschuldige oder Verbrecher wie dieser Franz, die Canaille. Dann sein Gegenspieler, Karl mit den hohen Brusttönen von Freiheit und Gerechtigkeit! Wie, sollte es so schwer sein, den Weg zum kühnen Räuberhauptmann, zum Rächer der Familienehre und verzweiflungsvollen Liebhaber von dieser Naturbühne herab zu ftnden? Ein Schritt hinein ins Dunkel der Bäume, und man ist in den böhmischen Wäldern verschwunden. Es stt so. daß auf dieser Freilichtbühne Schillers romantische Tragödie, beim Quaken der Frösche gespielt, noch romantischer wird, daß sie fast vor Romantik erstickt. Schüsse blitzen auf in der Nacht, Räuber lagern sich, bengalisches Feuer flammt auf. Liebe, Haß und Mord gehen auf blinden Wegen. Der rätselhafte Tod deS Photographe» Binder. In dem Zivilprozeß, den die Erben des unter merkwürdigen Umständen verstorbenen Berliner Photographen Binder gegen die ihn behandelnde amerikanische Aerztin Frau Dr. Arnold angestrengt haben, hat das Gericht jetzt auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Ernst Gans umfangreiche Beweiserhebung durch Zeugen- Vernehmungen beschlosten und gleichzeitig der Aerzttn auferlegt, ihre in Amerika erworbenen Zeugnisse und Diplome vor- zulegen und den Nachweis dafür zu erbringen, daß diese Dokumente auch von anerkannten wissenschaftlichen Instituten aus- gestellt worden sind. Neben dem Zivilverfahren schwebt bekannttich gegen Frau Dr. Arnold noch immer ein Strafverfahren wegen Körperverletzung bzw. fahrlässiger Tötung. Die„Kommunale Stunde" erfüllt eine recht notwendige Aufgabe: denn leider sind die Berliner über die Fragen ihrer Stadt- Verwaltung vielsach sehr wenig unterrichtet. Bllrgenneister A u g u st i n- Charlottenburg gab über„Ausbau und Aufgaben der Berliner Bezirksverwaltungen" in ollgemeinverständlicher Form Aufschluß. Zwei Vorträge über Staatsbürgerkunde sind aber an einem Abend zuviel. Man hätte deshalb die Darlegungen von Ministerialrat Dr. Wagner über den„Rechnungshof des deutschen Reiches und feine Aufgaben" bester an einem anderen Abend gebracht. Paul W e st h e i m s geistvolle„Plauderei" über das Thema „U eber den Geschmack läßt sich st reiten" brachte in die Abenddarbietungen eine leichtere, wenn auch keine volkstümliche Note. Die musikalisch g«nz nette Operette Leo Ascher», �ioheittanzt Walzer' leidet an einem fürchterlich faden Text. Sie bot als Sendeipiel nur sehr bescheidenen Genuß. T e«. Glaubt man immer noch, wie vor 100 Iahren, einen solchen Menschen durch strengst« Zuchthausstrafen zu heilen? Hier hätten zunächst einmal anerkannte Sexualpsychiater zu untersuchen und zu urteilen. Wurde er ermordet? Oer ungeklärte Tot» des Arbeiters Zanke. Der ungeklärte Tod des Arbeiters Z u n k e, der am 17. dieses Monats als Leiche au» der Spree geborgen wurde, beschäftigt zurzeit die Mordkommission. Zunke, der als fleißig und ordentlich galt, begab sich am 11. Mai, einem Sonnabend, morgens an(«ine Arbeitsstelle und kehrte nicht wied«r heim. Von diesem Tage an blieb er spurlos verschwunden, bis er nach einer Woche als Leiche bei Siemens- stadt aus der Spr«e gelandet wurde. Dem Toten, der bereits mehrer« Tage im Master gelegen haben muß, fehlte ein Schuh. Die Frau des Toten glaubt nun, daß ihr Mann einem Verbrechen zum Opfer gefallen stt. Sie machte der Spandauer Kriminalpolizei' Mitteilungen, worauf gestern die Mordkommission unter Leitung des Kommissars Q u 0 ß in Aktion trat. Bisher konnte noch nicht ermittett werden, wo sich Zunke, der etwas über 30 Mark bei sich führte, nach Arbeitsschluß aufgehalten hat. Für ein«» Selbstmord sollen nicht die geringsten Anhaltspunkte vorliegen. Es besteht die Möglichkett, daß Zunke, der in angetrunkenem Zu- stände gern Händel suchte, an dem Sonnabend mit mehreren anderen Männern in Streit geraten stt und dabei beraubt und ins Wasser geworfen wurde. Es liegt auch die Möglichkeit vor, daß Zunke einem Racheakt zum Opfer gefallen ist. Zu seiner Frau soll Zunke einmal geäußert haben, daß ihm„W e dd i n g- W i l l i", der jedoch nicht näher bekannt ist,„eins auswischen" wolle. Gestern wurde die Leiche obduziert. Wi« vom Arzt f«ft- gestellt wurde, stt der Tod durch Ertrinken«ingetreten, äußere Verletzungen waren nicht zu erkennen. Die Ermittelungen der Mordkommstsion gehen wetter. Erdbeben überall. Räch Persien, Japan und Anatolien Südamerika! Buenos Aires, 23. Mai. Me aus M e n d 0 z a gemeldet wird, wurde dort ein heftiges Erdbeben verspürt. Einzelheiten fehlen noch. Mendoza liegt am Fuße d«r Cordilleren und stt eine argentinische Provinziabhauptstadt mit etwa 25 000 Einwohnern. Der Hörselberg Naturschutzgebiet. Der Südabhang des sagenhaften Hörselberg«» gegenüber der Wartburg in Elsenach stt jetzt— wie dem„Deutschen Verkehrs- dienst" gemeldet wird— zum Natur- und Heimastchutzgebiet erklärt worden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". ««fibZtt-stelle: Berlin S. 14, Eebastianffr. 37/3?,®ot t Tr. Ganxorftalld. Nameradcn, tie bereit stnb, am Sachsentresten tu Chcmni? am 29. unb 30. Juni teilzunehmen, melden sich zwelte gusammcnstclluiiw einer Desellschasts-Sondersahrt im Eauburcau. tzahrprei. clwa 12 3)1. Meldungen werde» bis zum 20. Juni enigegengenvmmen.— �riedrichshaia, Kameradschaft..Stralau": 3lm 24. Mai, 19)3 Uhr, Kamerad- fchastsversommlung mit Lichtbildern bei Bertaller, Hohenlohcstr. 8. Reserent Kamerad Abter. Kameradschaft„Biisching": Am 25. Mai KamerodsÄnifts- vcrsammlung aller Altioen und Passiven bei Blawert, Wedcrstr. 24. Referent Kamerad Äbtcr.— Wedding, Iungdanner: Sonntag, 2«. Mai, Wanderfahrt noch Bernau. Treffen K Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Wandertleidung. Rad- sahrerabteilung: Am 2K. Mai Zahlt»ach dem Snmter Sc«. Start K Uhr bei Bontkc, Schulstr. 74.— Kreis Berlin-Westen: Sonnabend, 23. Mai, Pflicht. Veranstaltung fitr sämtliche Ortsvereine in tzinkenkrug.— Uharlotteudnrg: Rur Krcisveranstaltnng Treffpunkte der Kameradschaften wie folgt: Rathaus 2« Uhr Bhf. Iungfernheide: Wittenberg 19?; Uhr Wittrnbergplah fBerlincr Kindlh 3oo 19>A Uhr Bhf. Charlottenbnrg: Stuttgart lg Uhr Bhf. Char- lottrnburg: Wcstend>94! Uhr Bhf. Westend, tzllr Rachzligler letzter Zug 29.44 Uhr ab Bhf. Iungsernheidc.— Schöncberq. Friedenau: All« Kameraden, die den Nachtansmarsch vom 25.126. Mai mitmachen, find angehalten, sich am Sonnabend, 25. Mai, 19 Uhr, Bhf. Ebersstratze zu sammeln. Decke und Mundvorrat sind mitzubringe».— Wilmersdorf: Sonnabend, 25. Mai, Antreten zur Krcisveranftaltung 21 Uhr Bhf. tzinkenkrug. Musik und Zahnen zur Stelle. Pflichtvcranstallung.— Tempelhos: Spiclmannszug 20 Uhr im Birkenwäldchen Uebungsabcnd unter neuer Leitung.— Trcptsw: Sonnabend, 25. Mai, Zahnennagciung in Petershagen. Beteiligling zwanglos. Abfahrt 19.29 Uhr vom schief. Bhf.— Kamcrodfchaft Schäneweide.Iohanuisthol: 20 Uhr Brllckenklaufe Rufammenkunft mit Angchärigen. Beitragskassierung und Mitteilung.— Reinickendorf-Ost: Zreitag, Z>. Mai, außerordentliche Der- sammlung um 20 Uhr im Lokal von Kirhne, Residenzstr. 8. Tagesordnung: Vorbereitung zur Vcrfasiungsfcier.— Bohnsborf.Srünau: 20 Uhr bei Hei. mann, Waltersdorfcr Straße. Kameradfchaftsversommlung. Portrog des Kam. Galle:„Unsere diesjährige Verfassungsfeier." Bericht der Quartier» Unterkommission. Ausgabe der sslugblätter.— Sanitätrr Kreis Osten: Am 27. Mai, 18 Uhr. Treffen Straßenbahner-Sportplatz. Siegfried- Ecke öcrz» .bergstraße.— Winteriportabteilunq: Am 24. Mai, 20 Uhr, haben alle Tennis. spielcr zu erscheine» bei Ospalsk!, Cantianstraße. Ginteilung und Portrag. Arbeitsgemeinschaft für Zoestfchntz nnd Natnrknnnde,». B. 89. Arfo- Waderung: Sonntag. 20. Mai, Besuch des städtischen Schulgartens in Berlin- Blankenfelde unter Zllhrung von Lcrrn Garteninfpektor Kichcrcr und Herrn Stadtarchitekt Becker. Treffpunkt 10 Uhr am Ringbahnhof Schönhauser Allee (nicht Bhf. Blankenfelde, wie vorher angegeben). Mitglieder frei, Däst« 20 Pf. Repnblitanische Rednervereinigung. Montag, 20 Uhr. Vortragsabend mit Diskussion im„Alten Askanicr", Anhallstr. 11. Gäste willkommen. Sparerbund, Ortsgruppe Sharlottenburg. Regelmäßig letzten Donnerstag im llllonat, UM Uhr, Verein-lokal Restaurant„Zreischiitz", Charlottenburg, Berliner Str. 100, Eingang Kirchstraße, zwanglofe Mitglieder, nfammenkunft. Kostrnlose Auskunftserteilung in Aufwertungsfragen. Gäste willkommen. Berliner Gesellschaft fstr Psychologie und Sharaktcrologi». Ordentlich« Sitzung Donnerslag. 30. Mai, 20 Uhr, Kursilrsteiidamm 45. Herr Prvfeffor Dr. Sramzow:„Liebe, Ehe, Zamilie." JhmshUtobk werden Sie von Kennern hören, daß Kaffee Hag Jedem anderen Bohnenkaffee feinster Qualität in Se- schmack und Aroma ebenbürtig ist« Er hat aber noch den besonderen Vorzug» daß er coffeinfrei, daheT vollkommen unschädlich und Jeoeo zu Jeder Stunde bekömmlich ist. Selbst Ihrem Kinde dürfen Sie Kaffee Hag unbedenklich geben. Fragen Sie den Aratt er wird e» Ihnen bestätigen. Aus Berlins sozialer Arbeit. Die kommunale Kürsorge für die Arbeitslosen. Das Berlin von heute will sin Buch uns schildern, das von Oberbürgermeister Büß unter Mitarbeit des Ober- magistratsrats Dr. Müller-Wieland verfaßt worden ist und demnächst erscheinen wird(Böß, Berlin von heute, Verwaltung und Wirt- schaft. Verlag Gsellius, Berlin, 1S29.) Nach einem kurzen Ueber- blick über die geschichtliche Entwicklung Berlins, über seine Wirt- schaft und seine Verwaltungsorganisation werden die großen Aufgaben der Berliner Stadtverwaltung in breiter Darstellung behandelt. Wir geben hier als Probe einen Teil der Ausführungen über die sozialpolitische Arbeit der Stadt, insbesondere über die Fürsorge für Arbeitslose. Ober- bürgermeister Böß schreibt: „Berlin ist nicht nur eine Stadt der Arbeit, sondern auch der Arbeiter. Mehr als 41 Proz. der Gesamteinwohner- 'chaft gehören nach ihrer sozialen Stellung dem Arbeiterstande an. Weitere 28 Proz. zählen zu den Gruppen der Angestellten und Be- amten. Die selbständige Berufe Ausübenden und die leitenden Be- .-mten nebst ihren Angehörigen machen noch nicht 17 Proz. der Einwohnerschaft aus. Vergleicht man hiermit die Bevölkerungs- struktur der übrigen Weltstädte, so wächst das Verständnis für die großen sozialen Aufgaben, für die ganz andere Wucht der Probleme, die täglich neu an die Berliner Kommunalpolitiker herantreten. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung, den die In- dustrie und der Handel haben, ist in Berlin weit größer als in Paris, Rom und London. Andererseits gibt es in Berlin die ge- Ängste Zahl von Rentnern und berufslosen Personen. Berlin als Stadt d« Arbeit hat die Pflicht, der Für- sorg« für Arbeit größte Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Unter aller Fürsorge für die Menschen muß die Sorge für Arbeit an erster Stelle stehen. Arbeit ist notwendigste Voraus- setzung einer menschenwürdigen Lebensweise. Rur der Mensch, der Arbeit und Brot hat, kann angemessen wohnen, sich angemessen ernähren und sich angemessen klsiden. Der Weltkrieg und seine Folgen haben die Erkenntnis allgemein gemacht, daß die arbeitende Bevölkerung die Quelle des nationalen Reichtums ist. Die Arbeits- losigkeit geht all« an. Ihre Beseitigung und ihre Linderung müssen als Gesamtaufgabe von Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung empfunden werden. Die vorhandenen Arbeitsmöglichkesten müssen in möglichst zweckmäßiger'Weise unter die Ärbeitsuchenlden verteilt werden. Bereits die Verwaltung der alten Stadt Berlin hat die Ar- beitsvermittlung zur gemeindlichen Aufgabe gemocht. Sie gewährte dem Gemeinnützigen Zentralverein für Arbeitsnachweis, der in den 8l1er Iahren des 19. Jahrhunderts in Berlin seine erste Organisation schuf und bald die führende Rolle aller Arbeitsnachweise Deutschlands hatte, weitestgehende Unter- stützung. Im Jahre 1917 übernahm ste die Einrichtungen des .lentralvereins und wandelte sie in städtische Dienststellen um. Die Zersplitterung des alten Groß-Berlin in fast 199 Einzelgemeinden stand einem reibungslosen Zusammenarbeiten auf dein Arbeitsmarkt entgegen. Berlin und sein« Vororte schlössen sich daher, schon vor der Bildung der neuen Stadtgenieinde, am 1. Oktober 1918 zu einem Ausschuß der Groß-Be'rliner Arbeitsnachweise zusammen. Ein wirklich planmäßiger Slusbou des G r o ß- B e r- l i n e r Zlrbeits Marktes ist aber erst durch die Bildin rg der Einheitsgemeinde Berlin möglich geworden. Eine weit- fchaueirde Arbeitsmarktpolitik verlangt eine'stramm« Zusammen- fqssung des gesamten Apparates der Zlrbestsvermittliing. Je größer und umsasseiider die Auswahl auf dem Arbeitsnachweis ist. desto sicherer kann der richtige Mann an die richtige Stelle gebracht werden. Das ani 1. Ottober 1922 in Kraft getretene Arbeitsnach- weisgesep machte die Arbeitsnachweise, die bis dahin freiwillige Einrichtungen der Stadt gewesen waren, zu gesetzlichen Z w a n g s e i n r i ch t u n.g e n. Der Ausschuß der Groß-Berliner Arbeitsnachweise wurde zum Landesarbeitsamt Berlin ausgebaut. ?lus ihn? ist das jetzige Lande«arbeitsamt Brandenburg hervor- gegangen. Durch das Reichsqcsetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 19. Juli 1927 ist die öffentliche Arbeits- Vermittlung aus der Verwaltung der Genieinden gelöst und dgr Rcichsanstalt für Arbeitsverinittlung und A r- beitf losen Versicherung eingegliedert worden. Die Meinun- gen lhorüber, ob es richtig war,"die Arbeitsnachweise aus der kommunalen-Verwaltung herauszunehmen und einem Träter der Sozialversicherung zu übergeben, sind sehr geteilt. Die Arbeits- Vermittlung wie überhaupt die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist nicht allein ein Interessenproblem der Arbeitgeber imd Arbeit- nehmer, sondern die Allgemeinheit ist an ihr wegen der Folgen der Arbeitslosigkeit in höchstem Maße interessiert. Di« Bertreter der Allgemeinheit sitzen nicht in den Körperschaften der Sozialver- sicheruna. die eine Vertretung der Stände sind, soitzdcrn in den Ge- meindekörperschaften. Die ursäch'iche Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Arbeits- vennittlung wird nie ganz ausreichen. Die Auswirkungen des Weltkrieges haben Deutschland einen Arbeitsmangel gebracht, der mindestens in der nächsten Zukunft andauern wird. Die Arbeits- decke ist zu kurz geworden. Das zeigt sich besonders in der Reichs- Hauptstadt, weil ihr alljährlich viele Tausenide neuer Arbeitskräfte aus allen Teilen des Reiches zuströmen. Im Jahre 1922. als die deutsche Industrie in höchster Scheinblüte stand, war die Er- werbslosen Ziffer die geringste, lim die Wende des Jahres 1923 zu 1924, als die Wirtschaft durch die Inflationsstrudel an den Abgrund gerissen war, war die Zahl der Erwerbslosen auf dem höchsten Gipfel angelangt. Diese hohe Ziffer ist glücklicherweis« nicht mehr erreicht worden. In den ersten beiden Iahren nach der Stabilisierung der Währung, 1924 und 1925, nahm die Erwerbslosigkeit außerordentlich schnell ab. Im Krisenjahr 1929 stieg die Kurve wieder stark an. Sie sank im Konjunkturjahr 1927, was sich allerdings zum Teil durch die Aussteuerung aus der Erwerbslosen- fürsorge erklärt. Die aus der Erwerbslosenfürsorg« Ausgesteuerten wurden in der Kriegsfürsorge betreut. Die Erwerbslosenzahlen des Jahres 1928 liegen nicht viel unter denen des Jahres 1927. Die Kurve der Erwerbslosigkeit befindet sich am Ende des Jahres 1928 in starker Aufwärtsbewegung. Am 15. Dezember 1928 gab es in Berlin 113594 Hauptunterstützte der Arbeitslosenversicherung und 12 629 Hauptunterstützte der Krisenfürsorge, am 29. Dezember 1928 bereits 132 972 Hauptunterstützte der Arbeitslosenversicherung und 13 939 Hauptunterstützte der Krisenfürsorge. Die beste Arbeitsvermittlung kann das sich stets erneuernde Angebot an Arbeitern und Angestellten nicht vollständig unter. bringen. Da» regelmäßig« Uedervn gebot von Arbeitskrästen zwingt dazu, der Erhaltung und Vermehrung der Arbeit». gelegenheiten größte Aufmerksamtest zu widmen. Reich, Länder und Gemeinden müssen ihre Anstrengungen darauf richten, die Wirtschaft in ihrem Bestände zu schützen, um die vorhandenen Arbeitsgelegenheiten zu erhalten. Sie müssen weiter dafür sorgen, daß durch öffentliche Aufträge an die Wirtschaft und durch Ausgabe von Notstandsarbeiten neue Zlrbeitsplätze geschaffen werden. Berlin hat in großem Ausmaße Notstandsorb eiten eingerichtet. Das neue Berlin hat in den Haushaltsjahren 1924 b i s 1927 rund 35 Millionen Mark aus Mitteln der städtischen Kämmerei für Notstandsarbeiten aufgewandt. All« Maßnahmen können nicht verhindern, daß erhebliche Teile der Bevölkerung ohne Arbeit bleiben. Ein« besondere Fürsorge für die Erwerbslosen ist daher unentbehrlich. Die Lasten der gesetzlichen Erwerbslosenunter st ützung wurde zu drei Sechsteln dem Reich, zu zwei Sechsteln dem Land und einem Sechstel der Stadt auferlegt. Ausgang 1923 wurden zur Aufbringung der Kosten der Erwerbslosenfürsorge, die Reich, Staat und Gemeinden finanziell ganz gewaltig in Anspruch nahmen, auch die Arbeitnehmer und Arbeitgeber herangezogen Der Anteil der Gemeinden an dem Unterstützungsaufwand wurde auf ein Neuntel ermäßigt. Dafür wurde den Gemsinden ab November 1926 ein Viertel des Krisen- fürsorgeaufwandes aufgebürdet. Ab 1. April 1927 ist der Gemeinde. anteil am Ulsterstützungsauswand der Erwerbslosenfürsorge fort- gefallen und ab 1. Oktober 1927 der gemeindliche Zuschuß zur Krisenfürsorg« auf ein Fünftel ermäßigt worden. Durch das Reichsgesetz vom 16. Juki 1927 ist die Arbeitslosenversicherung ebenso wie die Arbeitsvermittlung Angelegenheit der Reichsanftolt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung geworden. Die Stadt Berlin hat die gesetzlichen Leistungen der Erwerbs- losensürsorge oft mit eigenen Geldmitteln ergänzen müssen Sie hat >m Dezember 1925 zur laufenden Unterstützung derjenigen Arbeits- willigen und arbeitsfähigen Erwerbslosen, die weder Erwerbslosen- noch Krisenunterstützung erhielten, eine besondere städtische Notstandsaktion«ingerichtet. Sie hat für die Notstandsaktion im Jahre 1925 19 Millionen Mark, im Jahre 1926 28 Millionen Mark und in den folgenden Iahren je 25 Millionen Mark bereit- gestellt. Der Teil der Erwerbslosen, der von der städtischen Wohl- fahrtspstege zusätzlich unterstützt werden muß, fft seit Einführung der Reichsarbeitslosenversicherung noch größer geworden. Die von der neuen Arbeitslosenversicherung und der neuen Krisenfürsorge gezahlten Sätze sind in Berlin vielfach erheblich niedriger als die von der städtischen Wohlfahrtsfürsorge gezahlten Unterstützungen Am 29. Dezember 1928 waren in Berlin vorhanden: 147 099 Empfänger der gesetzlichen Arbeitslosenunterstützung und Krisen- Unterstützung, 23 399 Empfänger der städtischen Erwerbslosenhilfe iNotstandsaktion), 6599 von der städtischen Arbeitsfürsorge betreut« Personen. Die von der kommunalen Wohlfahrtspflege Versorgten betrugen also 29 Proz. der von der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung Unterstützten. Moskauer Kommunalwirtschast. Das meiste bleibt noch zu tun. Di« deutschen Kommunisten sind sehr empfindlich, wenn man ihnen bei Aussprachen über kommunal- politische Angelegenheiten entgegenhält, daß sie, bevor sie das von Sozialdemokraten meist in schwerem Ringen Geschaffen« in Grund und Boden verdammen, sich erst die russischen Verhältnisse ansehen sollen. Während in Deutschland alle kommunalen Ding« gemäß Artikel 17 der Reichsversassung mit Hikfe der Demokratie in den städtischen Körperschaften auf breitester Grundlage behandelt und entschieden werden, sorgt der Artikel 13 der russischen Verfassung dafür, daß in den städtischen Sowjets nur die Vertreter der Komintern zu bestimmen haben. Daher lichtet sich nur selten das Dunkel über der Arbest dieser Sowjets, Einige Vergleichsmöglichkeiten bietet ein in der Mainummer 9 der„Kommune*— Zeitschrift für kommunistische Komnninalpolitik— erschienener Artikel„Moskauer Kommunalwirt- schaft*. In diesem Artikel wird eingangs gesogt, daß die Moskauer Kommunalwirtschaft mit jedem Jahre eine größere Tätigkeit ent- falte, um die Bevölkerung der Stadt mit ihren 2,1 Millionen Ein- wohnern immer mehr befriedigen zu können, aber das Tempo der Zlrbeit fei doch langsamer als das Anwachsen der Bedürfnisse der Bevölkerung. Zwei Gründe werden für dieses langsame Tempo angegeben: einmal ist der jähr- liche Bevölkerungs, zuwachs größer als in der Bortriegszeit und zum andern hat die Stadt ihr Gebiet bedeutend erweitert, beides Tat- fachen, die in weit höherem Maße als für Moskau für di« meisten deutschen Großstädte und besonders für Berlin zutreffen. Ein Vergleich der in dem genannten Artikel über die Moskauer Kommunalwirtschaft gemachten Angaben mit den gleichen Einrich- tungen des an Bevölkerungszahl doppelt so großen Berlin zeigt. daß die r e i n kommunistischen Behörden der russi- schen Haupt st adt auch nur mit Wasser kochen können und daß Moskau von Berlin viel lernen kann. Die Hauptgebiete der Moskauer Kommunalwirtschaft sind nach dem Bericht: Wasser, Kanalisation, Verkehr, Gas und Straßenbahn. Van Elektrizitätsversorgung und einer Vehs- bung der auch in dem'Artikel so beiläufig erwähnten Wohnungsnot sagt der Verfasser nichts. Das zeugt von einem Uebermaß an Be- scheidenheit, das bei den Kommunisten sonst nicht üblich ist. Die Wassersörderung der städtischen Werke be- trögt in Moskau jetzt pro Tag und Kopf der versorgten Bevölke- rung l69 Liter, man will diese Leistung in einigen Iahren auf 299 Liter steigern. In Berlin beträgt dagegen heute bereits die tägliche Förderung 269 Liter pro Kops im Durch- schnitt, wobei zu bemerken ist, daß natürlich die Entwicklung der Berliner Wasierwerke trotz dieser hohen Leistung nicht still steht. Auf dem Gebiete der Kanalisation sieht es gerade in den Moskauer Zlrbeitervierteln sehr trübe aus. Weit über ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Anschluß an das Netz, weil es ungenügend entwickelt ist und die städtischen Rieselfelder stark über- lastet sind. Ein« große Zahl von neuerrichteten Arbeitersied- l u n g e n ist heute noch ohne Kanalisation. Die„Kommune* gibt selbst zu. daß dieser Zustand vom sanitären Standpunkt aus absolut unzulässig ist. In Berlin wird bekanntlich seit Iahren kein Bau begonnen, ohne daß di« Frage der Be- und Entwässerung in hygienisch einwandfreiester Form gelöst ist. Mit dem Verkehr sieht es in Moskau auch nicht besser aus. Hauptverkebrsmittsl ist die Straßenbahn, die mit 92 Proz. am Verkehr beteiligt ist, während die restlichen 8 Proz. von den im Jahre 1924 eingeführten Omnibussen bewältigt werden. Für eine Bevölkerungsziffer von 2,1 Millionen stehen in Moskau zirka 1499 Wagen(Straßenbahn und Omnibus) zur Verfügung, während die Berliner Städtische Verkehrsges«llschast für 4,2 Mil- lion«n Einwohn«r einen Wagenpark von 5 3 99 Wagen(Straßen- bahn, Omnibus und 5)ochbahn) unterhält, alsv für die doppelte Ein- wohnerzahl den dreifachen Wagenpark-Hierin ist natürlich nicht inbegriffen der sehr beträchtliche Verkehr aus der Stadt- und Ring- bahn. Hoch- und Untergrundbahnen kennt Moskau noch nicht. Der Bericht sagt weiter bescheiden,„die Frag« der Untergrundbahn schwebt in Moskau noch, dürste aber positiv gelöst werden*. Wie weit die Schwierigkeiten auf dem Gebiet« des Ver- kehrs gehen, zeigt die Tatsache, daß der Moskauer Sowjet den Beginn der Arbeits, zeit auf verschiedenen Troßwerken oerschieden ansetzen mußte, um die Straßenbahn wenigstens etwas zu entlasten. Auch die Tätigtest der städtischen Gaswerke in Moskau ist überaus bescheiden und wird in dem Artikel selbst al» ganz unzureichend be.zeichnet. Auf die 2,1 Millwnen Moskauer Einwohner kam im Jahr« 1928 ein Gasverbrauch von 29 Millionen Kubikmetern, dos sind pro Kopf und Jahr etwa 17 Kubikmeter, dem Berlin mit einem Verbrauch von etwa 699 Mil- lionen Kubikmetern oder 149 Kubikmetern pro Kopf und Jahr gegen» übersteht. Mit Genugtuung wird verzeichnet, daß in den nächsten fünf Icchreu von der kommunalwirtschaftliche» Behörde in Moskau ein neuer Stadtplan ausgearbettet werden soll, der die vorhan- denen Parks und Promenaden mit einbezieht. Alles in allem zeigt di« Gegenüberstellung auf den wenigen Gebieten, aus denen ein Vergleich zwischen der russischen und deutschen Hauptstadt möglich ist, daß die in Berlin geleistete Arbeit einer Kritik von kommu- nistischer Seite in jeder Beziehung standhält. _ Paul Robinson. Berlin speist Schulkinder. Vor dem Kriege nur ein Test privater Wohltätigkest, wurde schon im Weltkriege, besonders aber in der Nachkriegszett, durch das Eingreifen der Quäker die Kinderspeisung ein« An- gelegenheit öffentlicher Wohlfahrt. Im Jahre 1925/1926 übernahm die Stadtverwaltung die Kinderspeisung ganz und hat sie seitdem mehr und mehr ausgebaut. Nach den vom Magistrat erlasienen Richtlinien werden Kinder gespeist, die unzureichend er- nährt sind, und solche, die aus zerrütteten häuslichen Verhältnissen stammen und für die niemand sorgt. Die Entscheidung liegt in den Händen des Schularztes unter Mitwirkung der Lehrer und der sozialen Schulkommissionen. Eine Zählung, aufgenommen am 15. Dezember 1928, ergab das erschütternde Resultat, daß von 358 956 Schulkindern rund 60 000 Kinder Speisung erhalten müssen. wobei man allerdings mst einigen Doppelzählungen rechnen muß, von solchen Kindern, die sowohl Frühstück als auch Mittagessen er- halten. Von der Gesamtzahl erhiesten 48 792 ein zweites Frühstück, bestehend aus Milch oder Kakao mit Brötchen, 8894 bekamen Mittag- essen, und an 2999 Kinder mußte sogar ein erstes Frühstück verabreicht werden. Die von der Stadt voll oder teilweiie gespeisten Kinder machen also 16,63 Proz. der Schul- kinder überhaupt ans, während die Schulärzte 39 Proz. aller Schul» kinder aus gesundheitlichen Gründen für speisungsbedürftig halten. Der größte Anteil entfällt, wie zu erwarten, auf Kinder der Volksschulen, nämlich 19,25 Proz. der Gesamtschüler. Aber bezeichnend für die schwierigen Verhältnisse auch der mittleren Be- völkerung ist die Tatsache, daß Schüler der Mittelschulen mit 9,16 Proz., und daß selbst 4,16 Proz. Schüler der höheren Lehranstalten beteiligt sind. Die bedauernswerten Kinder der Hilfsschulen stellen 41 Proz. Die finanziellen Mittel der Stadt reichen leider nicht aus, mehr zu tun. 1928 wendete die Stadt Berlin für diese Zwecke 1 659 999 M.. der Staat 35 999 M. auf, wo- von 7999 M an die private Wohlfahrt abzuführen waren. Ein trauriges Kapitel, und dach sind rechtsstehende Polstiker immer da- bei, die angeblich so hohen Zlusgoben für soziale Wohlfahrt zu kritisieren.____ Spaziergang in der Kleingarteukolonie. Die Kleingartenkolonien sollen nicht nur den Kleingärtnern selbst dienen, sondern sie sollen auch der Bevölkerung im Sommer Gelegenheit zu Spaziergängen im Grünen bieten. Hierdurch gewinnen solche Kleingartengebiete erhöhten Wert, und es wird auch den dem Kleingartenwesen nvch fernstehenden Bevölke- rungskreisen die Möglichkeit geboten, sich von der Wichtigkest der Kleingartenbestrebungen örtlich zu überzeugen. Das Klein» gartenamt Tempelhos hat die Kleingartenvereine daher ersucht, die Hauptwege der Kolonien wie im Vorjahre tagsüber für Spaziergänger offen zu halten. Bauarbeilen am hochbahnhos koltbusser Tor. Wegen schwieri- per Anrampungsarbeiten an den> neuen Hochbahnhos Kostbusser Tor. die in der kurzen Betriebspause nicht ganz fertiggestellt werden können, wird am Sonntag, 26. Mai, der Schnellbahn- verkehr zwischen den Hochbahnhöfen Halle �ch es Tor und Warschauer Brücke erst gegen 7 Uhr aufgenommen werden können. Zwischen Hallesches Tor und Hauptstraße bzw. Uhland» straße fahren die Züge planmäßig. Ferner werden vom Halleschen Tor zur Warschauer Brücke Einsetzwagen der Straßenbahn ver- kehren. r—Vias ist Togal?- Togal-Tabletten sind ein hervorragend bewährtes Mittel bei Kksum», Gicht, Ischias, Grippe, Nerven und Kopf schmerz, Erkältungskrankheiten I Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel! Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 599 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, die gute Wirkung de» Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. Preis Mk. 1.40 Aus der Arbeit der Bezirke. Die Geduld unserer Krakiion erschöpft. 5. Bezirk— Friedrichshain. Die letzte Sitzung der Bezirksoersammlung Friedrichs- Hain hatte sich nochmals ausgiebig mit den provotatoriichen Demonstrationsoersuchen der Kommunistischen Partei zu beschäftigen. Zu Beginn der Sitzung qqf> vorerst der Genosse Büchner im Auftrage unserer Fraktion eine Erklärung tischen Partei gewesen sei, den politischen Kampf mit geistigen Mitteln zu führen und jeden Terror abzulehnen. Die letzten Bor- kommnisse, die Versuche, unsere Redner niederzubrüllen, und zu Tätlichkeiten überzugehen, haben die Geduld unserer Frak- tion erschöpft. Man werde alle notwendigen Maßnahmen er- greifen, um in Zukunft derartig« Dinge zu verhindern.— Zur Frage der angeblichen Polizelproootationen vor der Plaza zeigt der Redner die Kehrseite der Medaille. Gewiß dürfe man nicht immer uneingeschränkt mit dem Verhalten der Polizei einverstanden sein. Aber wo durch eine Minderheit die Masse terrorisiert werden soll, da sind Komplikationen unvermeidlich. Eine Unzahl Vorkommnisse aus der letzten Zeit beweisen das. Wer nicht die nötige politisch« Selbstbeherrsc�ing hat, soll schleunigst von der politischen Bühne abtreten. Den Mähoden der heutigen Kommunistischen Partei stehen selbst, die Aeußerungen prominenter kommunistischer Führer wie Trotzki, Lenin und Rosa Luxemburg entgegen. Der Kommunist Schindler betont, entgegen der Forderung nach mehr Toleranz, die Absicht der KPD., mit allen Mitteln gegen die„Brutalitäten" der Polizei vorgehen zu wollen. Der vorliegende Antrag verfiel der Ablehnung. Sachliche Arbeit bewies die Annahme der Anträge zur Ein- setzung einer Autobuslinie von der Danziger Straße zum Hermannplatz, zur Beseitigung des Schafflands chen Hund« parks in der Palisadenstraße und zur Modernisierung der Heizungs- anlagen in der SO. Volksschule. Verbesserungsantröge der Genossin Schröter und des Genossen Döring zu den hierzu vorliegen» den Anträgen der Deutschnationalen und Kommunisten wurden ein- gefügt. Bei der Besprechung der bedauerlichen Vorkommnisse am I. Mai blamiert sich der Kommunist Holzfäller durch geschichtlich« Unkenntnisse. Genosse Siegle fertigte den Kom- inunisten in glänzender Weise ab. Klerikale Kulturreattion. 7. Bezirk— Eharlottenbarg. Seit langer Zeit eine bewegte unid inhaltlich interessante Bezirksversammlung. Zunächst die drängende Spielplatzfrag«. Die Plätze „An der Avus" fallen nun der großen Bauausstellung zum Opfer. Selbst wenn da» nicht der Fall gewesen wäre, hätte eine Erweiterung des Westend-Spielplotzes erfolgen müssen. Der Streifen westlich des Spielplatzes Westend gibt Raum für drei neue Spielfelder. Natürlich ist das kein ausreichender Ersatz für den Verlust an der Avus. Genosse Kawerau verlangte, daß unter keinen Umständen Hochwald oder Garten- g e l ä n d e für Spielplätze geopfert werde. Am besten ist die Gegend am Stadion geeignet, ein Konzentrattonspunkt der Sport- arbeit zu werden. Plätze für die Schulen und die Arbeiter- s p o r t l e r müßten mehr in der Näh« der Wohnviertel angelegt werden. Di« Mrtte wollte die Spielplatzfrage einem Ausschuß über- weisen, auf Drängen der anderen Parteien und des Bürgermeisters gab sie ihren Wunsch auf. und e i n�st i m m i g stimmte die Ver» sanunlung der Anlage der drei Spielplötze zu. Das Zentrum, das in der Versammlung mit zwei Mit- gliedern vertreten ist. löste eine große Kulturdebatt« aus. Herr Prälat Lichtenberg entlud seinen ganzen Grimm gegen di» moderne Kultur. Was soll auch ein Lust- und Sonnenbad. was soll eine Geburten- und Sexualberatungs- stelle! Er argumentterte: Luft- und Sonnenbad ist soviel wie Nacktkultur. Nacktkultur ist Unsittlichteit. Er zitiert« ärztlich« Gut- achten gegen Nacktkultur und übertrug sie naiv auf Luft- und Sonnenbad. Luftbad ist für ihn eine kommunistisch» sozialdemokratische Angelegenheit. So nannte er die Vorlage des Bezirksamtes, die eine solche Anlage auf der Inset im Volkspark Iunpsern Heide schaffen will, die Vorlage der Stadt- räte Karrer und Horlitz. Diese Rabulistik ging selbst dem Bürger- meister zu weit, er mußte nachdrücklich unterstreichen, daß es sich nicht um die Vorlage zweier sozialdemokratischer Stadträte, sondern um die Vorlage des Bezirksamts handele. Die Genossen W e i d- lich und Iasfe gaben treffsichere Antwort— und die Nieder. läge dieser laienhaften Beweisführung eines Geistlichen mit„wissen- schaftlichen", nicht recht verstandenen Zitaten, wäre noch vollständiger gewesen, wenn die bürgerlichen Parteien diese Vorlage nicht trotz alledem wegen der„Kostenfrage" zurückoerwiesen hätten. — Bon neuem entbrannte der Kulturkampf um die B e, ratungsstelle. Hier hat Herr Prof. Oettinjjer endlich dem Drängen der Linken nachgeben und diese allerdings höchst um geschickt gefaßte Vorlag« bringen müssen. W-ieder lief der Herr Prälat Sturm und bot dem Genossen Katzenstein vortrefflich« Gelegenheit zum Angriff. Zum zweiten Male moralisch besiegt mußte die Reaktion das Schlachtfeld räumen. Di« Vorlage ging an einen Ausschuß, wo sich noch interessante Kämpfe entwickeln werden. Di« Versammlung beschloß serner, einer alten Anregung der sozial- demokratischen Fraktton folgend, die Schaffung einer Uferpromenade an der Spree(an Stelle des Reitweges in der K ö n i gi n- Lu i s e- S tra h e) und bewilligte dafür und für etwaige Aenderungen in den Anlagen(Spielgelegenheit für Kinder) die erforderlichen Mittel Die alten Anträge der KPD.» Fraktton bezüglich des 1. Mai wurden auf unseren Antrag debattelos als erledigt übergangen. Das gab zwar einen kleinen Sturm im Wasserglos«, der Kommunist Fieber schimpfte und ent- rüstete sich vorschristsmähig, konnte ober nicht einmal di« prole- tarischen Besucher der Tribünen für seine Mätzchen interessieren. Kläglicher Hereinfall der Moskauer. ilZ. Bezirk— Tempelhof. In der letzten Bezirksversammlung war der Zuhörerraum von unseren Parteigenossen gut besucht. Der Anträge der Kommunisten zum l. Mai lagen vor und es waren Schimpfereien zu erwarten. Es war das bekannte Wandermaterial, das durch alle Bezirke geht. In Erwartung der kommenden Sturmflut von Reden wurden die ersten zehn Punkte der Tagesordnung schnell erledigt. Sie betrasen hauptsächlich.,V erkehrswünsche" für den Bezirk(Verkehrs- linien und Straßen). Vor der Beratung des nächsten Punkte» beantragte Gen. Hille für sämtliche kommunistischen Anträge Uebergang zur Tagesordnung, da sie nicht vor das Bezirksparlament gehören. Und nun geschah etwa«, was dem Zuhörer«in psychologische» Rätsel sein mußte. Sei es nun, daß die Führung fehlte, weil der stadträtttche Fraktionsvarsttzevde durch Urlaub dem Kampfplatz fern war. sei es. daß die gewohnte Resonanz im Zuhörerraum fehlte: der Antrag war so überraschend, daß die passend« Walze nicht aufgelegt werden konnte! Hilflos, ohne von der Geschäftsordnung Gebrauch zu machen, liehen sie ab- stimmen, um dann in einer„persönlichen Bemerkung" Wut gegen den Antragsteller zu stammeln, der doch nur im Austrag« seiner Fraktion sprach. Al» Protest sordert der Redner seine Fraktion und seine Gesinnungsfreunde im Zuhörerraum auf. den Saal zu verlassen. Da» geschieht unter einzelnen Protestrufen, und der Bezirk,- Versammlung bleibt es erspart, stundenlange Agitationsreden mit- anzuhören. Alles in allem: ein kläglicher Abzug! Zum Schluß kommt noch«in Drlnglichkeitsantrag der SPD. zur Be- ratung, der sich für die Kleingärtner in der Tempel- hofer Schweiz einsetzt und fordert, daß die Kleingärtner bis zur Abernte auf ihren Parzellen bleiben dürfen und dann ent- schädigt werden: dreizehn Familien muß Wohnung nachgewiesen werden. Der Antrag wird vom Gen. Vinte begründet und dann einstimmig angenommen. Gchimpfbolde unter sich. 16. Bezirk— Köpenick. Di« letzt« Bezirksoersammlung brachte nach Erledigung einiger geschäftlicher Bau. und Grund st ücksoorhaben des Be- zirksamts auch einige Anfragen und Anträge unserer Fraktion zur Erledigung. Die Kommunisten hatten ihre Wanderanträge betr. Amtsenthebung des Polizeipräsidenten und Aufhebung des Rot- srontkämpfer-Berbots eingebracht und erwarteten, damit Eindruck nach außen zu schinden. Ihre Takttk machte jedoch das Gros der Bezirksoersammlung dadurch zunichte, daß di« übrigen Mitglieder der Bezirksversammlung einschließlich unserer Parteigenossen wäh- rend der Kanonade der beiden Schimvfbolde die Bezirksverordneten- kitzung verließen und die Radaulustigen unter sich ließen. Die sechs Geistesarmen stimmten dann schließlich ihrem Antrage zu, um anderntags in ihrer Presse schlagzeilenmäßig auszuposaunen:„Die Köpenicker Bezirksoersammlung stimmte sür die Amtsenthebung des Polizeipräsidenten und Aufhebung des Rotstontkämpfer-Berbots!" So sehen ihre Erfolge aus!__ Fahrpreisermäßigung für Kinder. Da» Landesjugendamt macht darauf ausmerksam, daß es auch in diesem Jahre wieder möglich ist. den Kindern, die während der Ferien zur Erholung auf» Land eingeladen sind, Fahrpreis- ermäßigung zu gewähren. Es ist von den Kindern nur der vierte Teil de» Fahrpreise» der dritten«lasse zu zahlen. Do die nach den gleichen Richtungen fahrenden Kinder zu Sammeltransporten zusammengeschlossen werden müssen, ist e« not- wendig, bereits jetzt— spätesten» aber bi» End« Mai— die Anmeldung bei dem zuständigen Bezirksjugendamt. Abt. Er- holungspjlege, zu bewirken. Dort werden auch all« wetteren Auskünfte über schulärztliche Untersuchung, ermäßigten Fahrpvei», Reife- weg. Zielstation, Hin- und Rückressetag usw. bereitwilligst erteilt. Die verspätete Anmeldung stellt di« Gewährung der Fahrpreis«- Mäßigung in Frage. S,ra»tWi>rtlI« wr P-Ntik- Dr. Ort»«,»! Wirtschaft:®.«iaaeld»!»: Drwrrtlchafttbrwraune! 5. Steine«: geuilleio»!*. ß. Dllcher; Lokale» and SonNiae«: Zu» iUiftiU;»nnleen:<%. Stack»! siimilick» in Berlin. Lerlog! Bo«wiiri».B«rlag S.«. b. Brrlin. Druck: Lorwäria-Buchdrulterei und Berlacanftali Bau! Tinger» Sa.. Berlin SV SS, Linde nftrake» ! Beilagen,.•iabttcilagc'»nd.Unterhalt» no»ad Wisse»'. RA D REISE Freiiiepwareh Frottier-Handtücher. .. 1.96 1.40 1.25 o95 r-__ xj.:__|-j_____ iso/zoo iso/ieo no/ieo 92/iso r» ro Frottier-öacletucher 13.50 9.75 s.50 3.50 ,00/100 2 Bademäntel für Damen.. 19.B0 u w 9.25 790 Badecapes für Damen.. is.so 14.50 isbo 728 Bademäntel für Herren.. 24.00 19.50 13.50 II50 Bademäntel.cuanpde» für Kinder 9.75 7.25 s.50 460 FrOttierStOffe.... per Meter 8.25 5.90 4,60 4 28 «usnifiiiiiitmimnuMituniiiiiiiiitiimuiiiiitiiiiiinuiiuiitiitiiiiiintittnninnnnuinnntinniimmmmntTrainimiimiminiimiuHiiiinifluituji� Strandtaschen mit passendem Schirm.. 14 ttMMMMMMNMMMttMMMNNMMMMMIttMIUll! für Damen und. 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Mai it«29 Abschluß des Farbentrusts. 116 Mill. Reingewinn./ Durchweg erhöhte Umsätze.' Im umgekehrten Verhältnis zu der Größe und Bedeutung des deutschen Chemietrusts, der I. G. Forbenindustrie in Frankfurt a. M. steht der Umfang des Geschäftsberichtes dieses Milliardenunternehmens. Wie schon in den letzten Jahren, begnügt sich die Verwaltung damit, über die Entwicklung in den vielen einzel- nen Betriebszweigen im Laufe des letzten Jahres nur kurze und ganz ollgemein gehaltene Andeutungen zu geben. Von einer Angabc des Gesamtumsatzes ist bei der Farbentrustverwaltung schon überhaupt nicht die Rede. Aber auch die Umsatzentwicklung in den wichtigsten Fabrikationszweigen wie Farben, Stickstoff, Kunstseide und der phototechnischen Produktion wird nicht zissernmäßig belegt. Soviel aber geht auch aus dem dürftigen Geschäftsbericht hervor, daß fast sämtliche Betriebe des Chemietrusts im Lauf« des letzten Jahres ihre kräftig« A u f w ä r t s b« w e g u n g sortgesetzt haben. Das Farbengeschäft, das 1S28 auf den Weltmärkten«och heftig umstritten war, hat durch das Abkommen mit der franzö- fischen und Schweizer Großchemie«in« gewiss« Regelung erfahren, die sich bereits jetzt für den deutschen Farbentrust günstig auswirkt. Der Farbenabsatz konnte trotz der international schlechten Lag« der Textilindustrie gegenüber 1927 noch gesteigert werden, wobei die erhöhte Nachfrage noch hochwertigen Farbstoffen hervorzuheben ist. Auch der Umsatz von Säuren und ihren Nebenprodukten wie komprimierten Gasen und Erdfarben, sowie organischen Zwischen- Produkten konnte trotz des schlechten Geschäftsganges in wichtigen Verbroucherindustrien gleichfalls gesteigert werden. Eine weiter« kräftige Entwicklung hat der Verkauf an phar- mazeutischen Produkten, besonders auch nach dem Aus- lande genommen. In den photographischen Abteilungen herrschte im letzten Jahr«in derartiger chochbetrieb, daß die vorhandenen Werke die Nachfrag« nicht befriedigen konnten, so daß erheblich« Erweiterungen der Fabrikation vorgenommen werden mußten. Auch in allen übrigen Betrieben wird auf die fortgesetzte Produktions- und Absatzsteigerung hingewiesen, mit Ausnahme des Kunstseidsgeschäftes. Auf diesem Gebiet wurde durch die scharf« ausländisch« Konkurrenz aus dem deutschen Inlands- markt ein« größere Preissenkung der deutschen Kunstseidsfabrikate erzwungen, die Anfang des Jahres auch zur Sprengung des deutschen Kunstseidekartells und zu heftigen Zusammenstößen zwischen dem Farbentrust und dem Glanzstofttonzern führte. Trotz der erzwungenen Preissenkungen ist aber noch nicht gesagt, daß der Farbentrust seine Kunstseidefabrikat« ohne Gewinn absetzt, da die früheren Gewinnspannen des dei�schen Kunstseidekartells über Gebühr hoch lagen. In der Frage der neu aufgenommenen Produktion von k 2 n st- lichem Benzin, dos direkt aus Braunkohlen bzw. aus Braun- kohlenschwelteer und Generatorteer gewonnen wird, hat sich die I. G.-Verwaltung offenbar etwas verrechnet. Auf der vorjährigen Generalversammlung wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Verwaltung für 1928 mit einer Gesamtproduktion von IM 000 Tonnen rechnet. Jedoch beläuft sich die gegenwärtige monat- liche Leistungsfähigkeit erst auf 6000 Tonnen und soll bis Ende dieses Jahres auf IS 000 Tonnen gesteigert werden. Die Erzeugung von künstlichem Benzin dürite also im letzten Jahr erst etwas mehr als feie Hälft« der von der Verwaltung angenommenen Produktionsziffern betragen haben. Di« Stick st offproduktion hat 1928 die Höh« von 700 000 Tonnen erreicht. Hiervon werden etwa 400000 Tonnen von der deutschen Landwirtschaft gekauft, von den restlichen 3M 000 Tonnen etwa ein Drittel zu Exportzwecken ver- wertet und der Rest von der chemischen Industrie aufgenommen. Der Weltoerbrauch an Stickstoff betrug 1927/28 1,64 Millionen Tonnen, also weit mehr als das Doppelle gegenüber 1913, während die Werllerzeugung an Stickstoff 1927/28 1,65 Millionen betrug. Wenn auch der Geschäftsbericht des Chemietrusts keinen genauen Anhaltspunkt für die Betriebsentwicklung gibt, so gibt doch em Vergleich der Gewinne in den letzten drei Jahren einen ungefähren Einblick in das rasch« Entwicklungstempo dieses größten deutschen Aktiemmternehmens. Es betrug 1926 1927 1928 in Millionen Mark Rohgewinn 186 224h 257,1 Gener aluntoste« 42,1 48.7 SIL Reingewinn 68,7 IM, 8 118,4 Dividende......-. 10 12 12 Proz. Bemerkenswert ist, daß die Generalunkost«« in den letzten drei Betriebsjahren nur um 23 Proz. gestiegen find, während der Rohgewinn in der gleichen Zeit umrund40Proz. gewachsen ist. Allein im letzten Betriebsjahr steht einer Er- höhung der Gener alunkosten von 6,4 Proz. ein um IS Proz. gestiegener Rohgewinn entgegen. Der Reingewinn von 1l8,4 Millionen ist seil 1926 sogar um rund 73 Proz. ge- stiegen. In den vorhergehenden Iahren hat der Farbentrust offenbar eine so kräftige Rsservepolitik betrieben, daß er sich diesmal sogar eine Senkung der Abschreibungen um rund 3 auf 71,7 Mil- [tonen leisten kann. Di« Abschreibungssätze in den beiden vorher- gehenden Iahren betrugen im Durchschnitt fast 21 Proz. des gesamten Anlagewertss, überstiegen also bei weitem den Wert der Neuanlagen und Maschinenkäufe. Di« Bllanz zeigt, daß der Chemietrust über Geldmangel nicht klagen kann. So sind die Forderungen um rund 90 Millionen auf eine halbe Milliarde angewachsen, während sich die Bankguthaben um 27 auf 227 Millionen erhöht haben. Demgegenüber werden die gesamten Schulden einschließlich der lang. fristigen Bantkredite mit 412 gegen 394 Millionen ausgewiesen. Diese große finanzielle Bewegungsfreiheit, die trotz des Anwachsens der Borräte um fast 100 Millionen festzustellen ist, hängt mit den neu hereingeflössenen Mitteln aus der Begebung der Schuldoerschrei- bungen von 1923 in Höhe von 250 Millionen zusammen. Da der Farbentrust erst kürzlich durch die Gründung der neuen a m e r i k a- Nischen Finonzierungsgesellschast sich«ine neue starke Kapital- quelle erschlossen hat, so sind damit die finanziellen Grundlagen für die kommenden Projekte bereits geschaffen. Soweit sich die Ent- Wicklung dieses Weltunternehmens überblicken läßt, liegt feine größte Aktivität besonders bei seinen amerikanischen Interessen auf dem Gebiet der Stickstoff-, Photofilm- und Kunstben zi nsabrikation, für die er einen so mächtigen Partner, wie den S t a n d a r d O i l Kon- z e r n gewinnen konnte. Die Gesamtbelegschaft des Forbentrusts, einschließlich des Leunawerks, belief sich auf 114185 Mann. Sie hat sich also gegen Ansang 1928 um 6151 Mann verstärkt. Gegenüber dem niedrigsten Belegschaftsstand seit dem Zusammenschluß des Farben- trusts am 1. Januar 1925 bedeutet dies einen Zuwachs von 30 466 Arbeitern und Angestellten. Kugettagerkämpfe. Die Schwemfurter Eroberung des Kugellagertrust und ihre Kolgen. Die Svenska ffugellagersabriken A.-G. in Göteborg, das Stommunternehmen von Kreuzers Kugellagertrust, hat nun glücklich auch den Schweinsurter Konzern an sich gebracht. Di« drei Schwein- ftrrter Gesellschaften beherrschen zusammen etwa die Hälfte der deut- schen Kugellagerproduttion. Sie arbeiteten schon seither in der am 1. April 1927 erneuerten Konvention eng mit dem Schwedentrust zusammen und waren bekanntlich auch an dem Aufkauf der Riebewerk« beteiligt, der den sensationellen Abbruch des Stull- garter Wertspinonogeprozesses im vorigen Jahr« herbeigeführt hat. Immerhin übten die Schweden bis jetzt keinen kapital- mäßigen Einfluß auf den Schweinsurter Konzern aus. Das wird nun anders. Die Fries u. Höpflinger A.-G. macht ihren Aktionären das Angebot, für je 300 M. Aktien der Schweinsurter Gesell- schaft 100 Schwedenkronen-Aktien Lit, B der Soenska zu erwerben, die bemerkenswerterweise nur mit einem Tausend st el Stimmrecht ausgestattet sind. Da die beiden anderen unter- fränkischen Gesellschaften, die Präzisionskugellagerwerke Fichte! u. Sachs A.-G. und die Erste automatische Gußstahlkugelfabrik Fischer A.-G, Großaktionäre von Fries u. Höpflinger waren— da» Bankhaus Gebr. Arnhold in Dresden verfügte nur über die Lorzugs- aktien— und da weiterhin die drei Gesellschaften in ihrer Pro- duktion auseinander abgestimmt sind, unterliegt es keinem Zweifel, daß all« drei mildem Schwedentrust enge Bindun- gen ekllgegangen sind. Der Trust beherrscht nun über die Normo mit ihren Fabriken in Stuttgart und Berlin, den Schweinsurter Konzern, die Riebewerke, die Deutsche Kugellagerfabrik GmbH. in Leipzig-Plagwitz und die Hollmann A.-G. in Wetzlar etwa 95 Proz. der deutschen Produktion. Als nennens- wert« Außenseiter bleiben nur noch die Berlin-Karlsruher Jndirstriewerk« 2L-®. mit der 3. G. Farbenindustrie als Groß. okllonörin und die Maschinenfabrik Rheinland A.-G in Düsseldorf, «in gemeinschaftliches Unternehmen von Thysien und Klöckner, übrig. Dies« beiden Gesellschaften haben die rücksichtslose Preispolitik des Schwede ntriists schon wiederholt mitgemacht: sie sind nur kapital- mäßig nicht an ihn gebunden und könnten deshalb in dem Kampf zwischen den deutschen Stahlproduzenten und den Schweden, der von weiten Kreisen erwartet wird, eine bedeutende Rolle spielen. Es handelt sich dabei um folgendes: Ein« Reihe deutscher Pro- duzcnten von Kugellagerstahl, die zum großen Teil dem Stahl- —»ein angehören, hat sich wenige Tage, bevor die Schweinsurter Er- overung der S. K. F. Rorma in der Ocffentlichkeit bekannt wurde, «chlmmengeschlossen. Man knüpft« daran Vermutungen über einen bevorsleheude« Kamps zwische» d«a deutsch«» Stahl- erzeugern und dem Schwedentrust, der Schweinfurt jetzt mit seinem eigenen Stahl beliefern kann. Es ist klar, daß dem deutschen Stahlkartell dadurch drei Großabnehmer verloren gehen würden, für die er sich nach einem Ersatz umsehen muß. Klöckner und Thyssen besitzen ja in der oben erwähnten Maschinenfabrik Rheinland noch«inen festen Abnehmer für Kugcllagerstahl. Man vermutet, daß der Stahlverein über die Düsseldorfer Firma, vielleicht auch über die Berlin-Karlsruher Jndustriewerke, mit dem Schweben- trust den Kampf aufnehmen wird, um die dauernd« Versorgung der deutschen Kugellagerindustrie mit schwedischem Stahl, wenn ivgend möglich, zu verhindern. Gewiß könnte ein derartiger Preis kämpf günstig« Folgen haben. Di« Herstellungskosten der deutschen Automobile würden sinken und die ebenso unrationelle wie dem deutschen Ar- beitsmarkt abträgliche Einfuhr schwedischen Stahls könnte vielleicht unterbunden werden. Leider ist aber die Entfesselung eines Prciskampfes auf dem Kugellagermarkt durchaus nicht so wahrscheinlich, wie in weiten Kreisen angenommen wird. Di« deutschen Stahlproduzenten sind nämlich in starkem Maße vom Kreugertrust abhängig: sie haben ein« Zusammenarbeit mit ihm noch nie gescheut. Drei skandinavische Bergbouunternehmungen Kreuzers, die Trafik A.-G. Graengesberg in Oxelöstind, die Stora Kopparbergs Verlags A.-G. In Falun und die Kirunaoaara-Luosfavaara A.-G. in Rarvit liefern mit ihren Tochtergesellschaften zusammen etwa 5 bis 6 Millionen Tonnen Erz jährlich nach Deutschland. Außerdem betreibt«in Mitglied des Stahloereins, die Gutehoffnungshütt«, mit der Kreuzer u. Toll A.-G. einig« große chilenische Eisenerzgruben. Ein Prciskampf zwischen Stahltrust und Svenska aus dem Kugellagermarkt könnte natürlich nicht ohne Einfluß aus die Erzlieferungsvertrög« bleiben. Wir haben ollen Grund, anzunehmen, daß beiden Teilen an der Aufrechterhaltung der Verträge gelegen ist: der deutschen Schwer- industrie, weil sie nicht von heute aus morgen einen Ersatz für die Lieferungen des Kreugertrusts bekommen kann, diesem, weil er andere Grohabneh-mer nicht so leicht findet. Aus dem namentlich von der Automobilindustrie erhofften Preiskampf auf dem Kugellagermartt wird also wohl nichts werden. Di« Aufsaugung von Erzgruben durch den Schweden- trust, für die man bisher keine Erklärung hatte, bekommt jetzt ihren Sinn. Darüber hinaus sind die ganzen Vorgänge in der Kugellager- industrie ein Beweis dafür, daß die international« Verflechtung des Kapitals selbst scheinbar zwangsläufige Kon-> turreuzkämpf« unmöglich macht. i Außenhandelsrekord im April. Höchstausfuhr feit derInflation/ Sil Mill. Einfuhrüberschuß Durch die großen Goldversendungen der Reichsbank im Monat April- bietet die Aprilübersicht des Statistischen Reichsomts über den deuffchen Außenhandel ein groteskes Bild. Die Edelmetollversendungen eingerechnet, steht einer Einfuhr in Höhe von 1266 Millionen«ine Ausfuhr von 2168 Millionen gegenüber, so daß sich ein Ausfuhrüberschuß von 902 Millionen ergäbe. Aber von dieser Riesenoussuhr kommen nicht weniger als 936,6 Millionen auf den Export von Goldbarren durch die Reichsbank ins Ausland, d. h. für ein« Maßnahme, die nur mit der Kreditwirtschast, nicht aber mit der Warenwirtschaft Deutschlands etwas zu hin hat. Die reine Wirtjchaftsbilonz des Außenhandels sieht anders aus. Aber auch sie bringt bisher noch nicht dagewesene Rekorde. Ohne die Reparationssachleistungen ist im April die rein« WaveneinfuHr um 233 Millionen von 1022 Millionen auf 1255 Millionen gestiegen. Die reine Warenausfuhr hat sich um 231 Mil- lloneu von 931 Millionen auf 1164 Millionen erhöht. Ohne Repa- nrtionsleistungen ergibt sich somit wie im März ein Einfuhrüber- schuß von 91 Millionen Mark. Einfuhr«»»fuhr Wareugruppt»«pr.» MLrz««pr.»«Sri» i» 1000 M. noch gfflcmwirtOTpettgn Bemerk«»» wert ist«« der Aprilbilonz des deutsche« Außenhandels Hauptsächlich zweierlei: einmal der außerordentlich groß« Umfang des Wareiwerkehrs über die Grenzen mit nicht weniger als 2419 Millionen Mark, wohl das größte Außenhandels- volumen, das feit dem Ende der Inflation für Deutschland festgestellt ist. Dabei wird man zu berücksichttgen haben, daß sowohl die Ein- fuhr als auch die Ausfuhr sarsonmäßig, die Ausfuhr ober auch aus konjunkturellen Gründen besonders stark gestiegen ist. Zum anderen fällt die Rekordsteigerung der Ausfuhr auf: dabei zeigt sich für die Fertigwaren mit 876 Millionen ebenfalls ein fett 1924 nicht erreichter Rekord. Die Einfuhr st eigerung um 233 Millionen entfällt mit 88 Millionen auf die Mehreinftchr von Lebensmitteln(davon Ge- treibe 61 Millionen), mit 129 Millionen auf die Mehreinfuhr von Rohstoffen und Halbwaren(Textilien mit 27 Millionen) und nur mit 12 Millionen auf die Mehreinfuhr von Fertigwaren. Der ge- ringe Anteil des Mehrimports ausländischer Fertigwaren läßt eben- falls auf die konfunkwoell« Berursachung der Ausstchrsteigerung für Fertigwaren schließen. Di.« Mehraussuhr entfällt in der Hauptsach« auf den Mehrexport von Fertigwaren im B«trage von 167 Millionen Mark. Die gute Eisen- konsunkwr des Inlandes ist an diesem Mehrexport mit rund 50 Millionen Walzwerksprodukten und Eisenwaren beteiligt. Aber auch Rohstoffe wurden für 46 Millionen und Lebensmittel für 34 Millionen mehr exporttert. Wie soll man diese bedeutenden Berschiebungen beurteilen? An sich ist die Vergrößerimg des Außenhandels zunächst«ine saisonmäßige. Der Katastrophenwinter hat auch den Grenzverkehr in den früheren Monaten behindert, so daß die Aprilaußenbilanz ein« Ballung des Gvenzperkehrs zur Folg« hatte. Daneben wird man aber für die fast 30prozxntige Steigerung des Fertigwaren- exportes die ungünstigen inländischen Absatzoerhältnisse und die im ganzen günstige Weltkonjunktur, also konjunkturelle Ursachen, ver- antwortlich machen muffen. Man darf aber die inländische Kon- junktur wiederum nicht unterschätzen(man achte auf die Besserung der Beschäftigung in der Konjunkturgruppe der Industrie), denn sonst wäre eine so starke Steigerung der Rohstoff- und Halbwaren- importe nicht möglich gewesen, wie sie tatsächlich vorliegt. Dadurch wird der bisher schon durch zahlreiche Moment« hervorgerufene Eindruck verstärkt, daß die katastrophale Frostperiode die Urteile für die Konjunkturentwicklung zu sehr ins Pessi? m i st i s ch e verfälscht hat. Wenn auch der Außenhandel allein für die Konjunkturentwicklung niemals einen zureichenden Maßstab abgibt, ja liegt doch in der Außenhandelsbilanz für April jedenfalls kein Merkmal vor, dos nicht eine im ganzen günstige PrognSs« rechtfertigen würde. Die ärgsten Störungsmomente der Wirtschaft sind heute nicht eigentlich wirtschaftlicher Natur. Sie liegen in der Zuspitzung der internationalen Geld- und Kapital- Verhältnisse und in der durch die psychologisch« Reparationskrise ver- schärften Unterversorgung Deutschlands mit ausländischem Kapital, für das heute die fruchtbarsten Verwendungsmöglichkeiten in Deutsch- lond vorlägen. Auch Retordziffern des Güterverkehrs. Die letzte Beröffentlilhung der Reichsbahn über die Entwicklung des Güterverkehrs bringt eine Ueberrafchung. In der Woche zum 11. Mai ist die arbeitstägliche Wagengestellung von 158 600 auf 164 000 gestiegen. In der Woche zum 11. Mai liegt die Ziffer arbeitstäglich um 18 000 Wagen höher als am 11. Mai des Bor- jahies und nähert sich den Rekorden vom Herbst 1927. Man sagt gern, daß das mit Rücksicht auf die Güterverkehrshemmung durch die Kältekatastrophe nur natürlich sei. Aber die Bedeutung dieser Ziffer wird erst völlig klar, wenn man sieht, daß die Kältewirtungen im Güterverkehr der Reichs- bahn heute mehr als aufgehoben sind, wenn man das Vorjahr zum Vergleich heranzieht. Von Ende Januar bis zum 11. Mai hat näm- tich die gesamte Güterwagengestellung der Reichsbahn mit 9,63 Millionen gegen 9,56 Millionen Wogen im Vorjahr den Güterverkehr von 1928 bereits überschritten. Man wird diese Tatsache in ihrer großen konjunkturellen Bedeutung nicht übersehen dürfen. Wenn man die sehr stark« Beschäftigung der Schlüsselindustrien, die günstig« Außenhandelsbilanz im April, die auffallende April- Verringerung der Arbeitsiosigkeit in den Konjunkturgruppen der Industrie und schließlich die abnormen Geldmarktverhältniss« berück- sichtigt, so häufen sich die Merkmale, die nach einem günstigen Pariser Ergebnis«inen gewissen Konjunkturaufstieg erwarten lassen. Wir weisen deshalb heut« noch einmal darauf hin, daß man für wirtschofts-, sozial- und kreditpolitische Maß- nahmen, die nur nach den Abnormitäten des vergangenen Winters und nach der internationalen Geldmarktlage sich orien- tieren, noch warten sollte. Die Wirtschaftslage und die Voraus- fetzungen zur Bcfferung sind offenbar günstiger, als sie scheinen. Statistik des Arbeitsschicksals. Eine wichtige Erhebung im Arbeitsministerium. Am U. März dieses Jahres erteilte der Reichsarbeitsminister der Denvaitung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar- beitslosenversicherung den Auftrag, eine Erhebung zu veranstalten, durch die ,>das Arbeitsschicksal' der am 15. März in Unterstützung befindlichen 2,1 Millionen Arbeitslosen untersucht werden sollte. Die Erhebung Hot den Zweck, darüber Ausschluß zu verschasfen, wie sich in den letzten Jahren bei den Unterstützten die Zeit, in der sie in versicherungspflichttger Arbeit standen, zu der Unterstützungszeit ver- hält. d. h. mit anderen Worten, wie lange sie zum Erwerb ihres Unterstützungsanspruches gebraucht haben. Das Ergebnis dieser Erhobung, zu der die Unterlagen von den Arbeitsämtern gerode in der Zeit ihrer stärksten Arbeitsbelastung beschosft werden mußten, dürste bei der ErSrterung der Frage, ob und In welchem Umfang eine Reform der Arbeltslosenversichernog notwendig ist, ein« wichtig«, wem» nicht gar ausschlaggebend« Rolle spielen. Daher mußt« dl« Erhebung mit allen Sicherungen zur Vermeidung von Fehlerquellen ausgestattet werden, was bei ihrem Umfang und bei der verhältnismäßig sehr kurzen Frist für ihr« Aufbereitung nur dadurch ermöglicht werden konnte, daß bei ihrer Durchs ühung grundsätzlich neu« Weg« eingeschlagen wurden. Als St i ch t a g bestimmte das Arbeitsministerium den IS. März, als letzte Frist für den Eingang der ausgefüllten Fragebogen den 20. April, während der Reichsanstatt aufgegeben wurde, die ersten sucht werden. Insbesondere kam es auch darauf an, den bis zum letzten belasteten Arbeitsämtern ihren Ardeitsanteil zu erleichtern. Zu diesem Zweck wurde der Fragebogen so gestaltet, daß all« Rechen» arbeit, die nicht nur zeitraubend gewesen wäre, sondern au» deren dezentralisierter Erledigung durch die einzelnen Arbeitsämter auch eine Füll« von Fehlerquellen sich ergeben hätte, den Arbeitsämtern abgenommen werden konnte. Bekanntlich wird für jeden Arbeitslosen, der sich bei einem Arbeitsamt meldet, ein besondere« Aktenstück angelegt, da» auch dann immer wieder in den Geschäftsgang kommt, wenn die de» treffende Person sich von neuem orbeitslos melden muß. Daher ist in schr vielen Fällen die Möglichkeit gegeben, das, was ganz treffend als.Arbeitsschicksal' gekennzeichnet werden ist, für eine Reihe von Zahrea rückwärtig festzustellen. Zum mindesten besteht diese Möglichkeit für den Zeltraum seit dem 1. Oktober 1927, dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes über Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Wer also am IS. März diese» Jahres bei einem der 361 Arbeitsämter als arbeitslos gemeldet war, dessen Arbeltsschicksal wurde nach seinem Aktenstück vom Arbeitsamt auf einen Fragebogen nach den verschiedensten Gesichtspunkten eingetrogen und dann zur statistischen Weiterbeorbeitung an die Reichsonstalt geleimt. Der Fragebogen selbst wurde so gestaltet, daß in der Art, wie die Aus- füllung durch das Arbeitsamt zu erfolgen chatte, bereits ein« zu- vcrlässige Kontrolle für' veten Richtigkeit gegeben war. Das Auswerten dieser Eintragungen nun erfolgte zentral in der Reichsanstalt. Die Organisation dieser Aufgabe ist insofern interessant, als dabei das Prinzip der Arbeit am lausenden Rand angewendet wurde. I« sechs Personen hatten je einen bestimmten Teil der Ausrechnung des einzelnen Fragebogens zu besorgen, der nach der Wanderung durch dies« um einen Tisch vereinigten sechs Bearbeitungsstadien zur weiteren DeHandlung bereit ist, nach dem er noch durch die Hand eines Kontrolleurs gegangen war. Di« Zeit für die Auswertung de» einzelnen Bogenz tonnte auf dies« Weise und durch Arnoendung eines Rechenstabes auf etwa ein Sechstel der sonst dafür erforderlichen Zeit herabgesetzt werden. Di« weiter« Verarbeitung der fertigen Fragebogen geschah durch Heber- t ra g u n g der gewonnenen Zahlenwert« auf Loch- karten, die dann in den automatischen Zählmaschinen nach den verschiedensten Gesichtspunkten ausgerechnet iverden. Für oll« dies« Arbeiten mußten besonder« Arbeitskräfte eingestellt und eingeübt werden, um das für die Einhaltung der vom Reichsarbeits» Ministerium gesetzten Frist erforderlich« Maß von Deschleunigung zu erreichen. Di« Reichsanstalt hat dafür ausschließlich den öffent- lichen Arbeitsmarkt in Anspruch genommen und dabei ältere Angestellt« und vureaukräft« bevorzugt. Die technische Durchführung dieser statistischen Erhebung jedenfalls ist ein« be- achtenswerte Leistung, gemessen an Umfang und Tempo. Es bleibt die Frage nach ihr« arbeilspoll tischen Bedeutung. Eine befriedigend« Antwort daraus ist wohl erst möglich, wenn die Ergebnisse vom Reichsarbeitsminister bekannt gegeben sein werden, wa» für Anfang Juni zu erwarten ist. E» darf aber schon jetzt gesagt werden, daß jede sogenannt«„Reform' der Reichsanstalt oder gar der gesetzlichen Grundlag« der Arbeitslosenversicherung selbst ohne ein« solche statistisch« Grundlage für die dabei mitwirkenden Faktoren und ihre Größenordnungen ein Unding wäre. Gerode der Umstand, daß durch die jetzt durchgeführt« Erhebung zum ersten Male mit der erforderlichen Klarheit nachgewiesen werden kann, t n welchem Verhältnis beim einzelnen Arbeits- losen und bei der Gesamtheit der Unterstützungsempfänger A r- beitsdauer und Unter st ützungszeit, Beitrags- aufbringung und Unter st ützungsbetrag stehen, ist erst der Maßstab gewonnen für die rein finanztechnisch« Regelung der Beitragvsrag«. Ohne speziellen Folgerungen au, den späteren Zählungscrgebnissen vorgreisen zu wollen, darf wohl schon jetzt be- hauptet werden, daß ihr« objektiv« Auswertung allein hierfür, nämlich für die versicherungstechnisch« Regelung, den Antrieb abgeben wirb, nicht aber für die au» ganz anderen Motiven erwachsenen .Reformpläne' der Arbeitgeb«. Lohnabschluß in Preußen. Neich und Reichsbahn müssen folgen. 3« Pxaußen ist e» miwnehc ersreulicherweise endlich zu einem Lohnabschsuß für die Staat, arbeit«? g«. kommen! Die Hoffnung, die die Staotsarbeit« auf die ver- mittlung de, preußischen Ministerpräsidenten Genossen Otto Braun gesetzt haben, hat also nicht getrogen. Für die preußischen Verwaltungsarbeiter erhöhen sich nach der Reuregelung die Grundlöhne im Lohngebiet I und ll um je 4 Pf. pro Stunde. Außerdem«folgte eine Ausgleichung zwischen dem Lohngebiet l und II. Danach beträgt in Zukunft die Differenz zwischen I und II für Handwerker 2 Pf. und für den Angelernten 1 Pf. pro Stund«. Für den ungelernten Arbeiter ist«in vollständiger Ausgleich geschaffen worden. Die Angletchung bedeutet praktisch für da» Lohngebiet I ein« Gr- höhungvon7bzw. SPf. proStunde. Im Lohngebiet III erhöht sich der Lohn um 3 Pf. pro Stunde, mit der Bestimmung. daß an allen Orten, wo Ortszulagen gewährt werden— gleichviel in welcher Höhe—, die Beträge auf«inen vollen Pfennig abge- rundet werden. Es tritt also im Lohngebiet III in Wirklichkeit eine Lohnerhöhung von 4 Pf. pro Stunde ein. Da, Lohnabkommen läuft ob 1. April bi, zum 31. Dezember 1930. An dem Lohnabkommen in Preußen sind besonder» zwei Ding« erfreulich: erstens hat der preußisch« Ministerpräsident die seinerzeit infolge der ungeschickten Taktik der verhandelnden Bureau- krotie krachend ins Schloß gefallene Verhondlungstür mit kräftigem Griff wieder geöffnet und den Weg zu erfolgreichen Verhandlungen freigemacht: zweiten» ist durch die fast- völlig« Beseitigung des Lahngebietes I in Preußen«in seit Jahre» bestandene» Unrecht gegenüber den Stootsarbeitern wieder gutgemacht worden. Werden nun Reichsregierung und Reichsbahn dem Beispiel Preußen, folgen? Wa, Preußen kann. müssen Reich und Reichsbahn auch können. Heute beginnen die Schlichtungsoerhandlungen für den Lohntonflikt bei der Reichsbahn. Es wird jetzt allmählich wirklich Zeit. daß die große in sich zusammenhängende Lohnbewegung der Reichs- arbeiter, der Eisenbahner und der Reichspostarbeiter zu einem für die Arbeiterschaft erfolgreichen Abschluß gebracht wird! Tagung des ZGB. Prag, 23. Mai. lEigenbericht.) Dar Vollzugsausschuß des Internationalen Gewerkschostsbunde» hält zurzeit in Prag«ine Tagung ab. Am Donnerstag wurde zur Internationalen Ardeitskon- s« r» n z Stellung genommen und da» Kewerkschaftspro, gramm der organisierten Angestellten erörtert. An der Tagung nehmen SV auswärtige Delegiert«, sowie die Vertreter d«r ireigewerkschaftlichen tschechischen und deutschen Verbände in der Tschechoslowakei teil. Das Präsidium des Kongresses wird aebildet von C i t r> n a- Großbritannien, I o u h a u x- Frankreich. Jac ob sen» Dänemark. L« i p a r t- Deutschland. Merten». Belgien, T a y e r l«»Tschechoslowakei und dem Generalsekretär de» Internationalen Cew«kschaftsbunde» S a f s« n b a ch. Da» Präst- dimn wird am Freitag vom Prösidenteu Massarqk«npfaageu. Konflikt im Eisen- und(Siahlhandel. Die Unternehmer aus hohem?ioß. Trotzdem für die nicht unbedeutend« Branche des Elf«»- und Stahlhandels»in Unternehmerverband nicht existiert, bestand bi» zum 31. März d. I.«in für allgemein verbindlich«klärt« Lohnvertrag, d« vom Verkehrsbund ollen in Betracht kommenden Firmen gekündigt wurde, um eine angemessene Lohnerhöhung zu erzielen. Ein Teil der Unternehmer hat von sich au« die Tarif« gekündigt>md einen Abbau der wirklich unzureichenden Löhne verlangt. Es haben wiederholt Verhandlungen mit einer Kommission der tarifgebundenen Firmen stattgefunden, die ab« zu keinem positiven Ergebnis führten. Angeblich soll der strenge Winter den Firmen derartigen Schaden zugefügt haben, daß er selbst durch die beste Baukonjunktur nicht wieder wettgemacht w«den könnte, vor dem Schlichtungsausschuß, der von der Organisation angerufen wurde, gebrauchten die Unternehmer die gleichen Argument« und erklärten sich schließlich bereit, in eine Verlängerung de» bestehenden Lohntarifes einzuwilligen. Der Schlichtungsausschuß ließ sich von den Ausführungen der Unternehmer beeinflussen und fällte am 2. Mai einen Schiedsspruch, wonach erst ab 22. Mai bis zum 39. Septemb« 1939 eme Lohnzuloge von 2.59 M. pro Woche gezahlt werden soll. Di« Arbeiter haben dem Schiedsspruch trotz größter Bedenken zugestimmt, die Unternehm« haben ihn jedoch wider Erwarten abgelehnt. Die Ablehnung des Schiedsspruches während der gegenwärtigen Hochkonjunktur ist für die Unternehmer ein gewagtes Stück. Anscheinend sind sie über das Organisationsverhältm» ihr« Arbeiter nicht gut unterrichtet. Fest steht jedenfalls, daß es in dies« Branche zu einem ernsten Konflikt kommen wird, wenn es dem Schlichter in den Verhandlungen am 1. Juni nicht nach gelingt, die Unternehmer zur Annahm« de, Schiedsspruch«« zu bewegen. oder ivenn er dem Antrag der Organisation aus Derbindlichkeits- ertlärung des Schiedssprüche, nlchs stattgeben sollt«. Beschäftigung ausländischer Arbeiter. Die Verteilung in Preußen. Wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst einer Uebersicht der Statistischen Korrespondenz, die sich auf Berichte der„Deutschen Zlrbeiterzcntrale' stützt, entnimmt, waren in Preußen im Jahre 1S2b 201 500 ausländisch« Arbeitskräste beschäftigt. Hiervon waren 95 512 Inhaber eines Befreiungsscheine». 6121 hatten einen Ärenzläufer. schein und 99 631 die eigentliche Legitimationskorte. von den In- habern d« Befreiungsschein» waren 80,5 Proz. in nicht landwirt- schastlichen Betrieben beschäftigt, davon 19 002 im Bergbau, 10 706 in der Metflllinbustri«, 8163 im Spinnstoffgewerb«, 6327 in der Industrie der Steine und Erden, 5720 im Baugewerbe. Die Inhaber von Grenzlöuserkorten setzen sich fast ausschließlich au» mederlSndi- sehen und tschechoslowakischen Staatsangehörigen zusammen. Die Grenzläufer waren hauptsächlich in der an der holländischen und tschechoslowakischen Grenze gelegenen Textilindustrie und auch in der westhannaverschen Torsindustrie tätig. 85 757 Legitimotionskorten- Inhaber Maren p o ln I s ch o Staatsangehörige, 5881 Tschechoslowaken und 2616 stammten aus den sonstigen Oststaaten. 89.8 Proz. oller Legttimationskarteninhaber waren in der L a n d w> r t s ch a f t tätig. Unter den Ausländern mit Legitiwatianskarten sind also in erster Linie die aus den vststoaten stammenden Saisonarbeiter zu oerstehe», Die Zahl d« nach dem Weltkriege t» Preuße» beschäftigte» aus- ländischen Arbeiter ist auf etwa«in Viertel der Vorkriegszeit zurückgegangen. Ganz besonders hat sich die Zahl der in nichtlandwirtfchastlichen Betrieben tättgen Arbeiter ver- ringert. Don 1925 hält sich die Gesamtzahl der ausländischen Arbeiter auf etwa 200 000, nachdem sie 1921 unter dem Einfluß der vorher- flehenden Inflation bis auf 110 000 gesunken war. Im Berichtsjahr ist sie um rund 1000 gestiegen, wovon rund 3000 auf die Landwirt- schaft entfallen.— Da nach der letzten Volkszählung in Preußen rund 9,7 Millonen Arbeiter vorhanden waren, machen die Ausländer 2,1 Proz. der gesamten Arbeiterschaft aus. In der L a n d- u n d Forstwirtschaft entfallen 6, 2 A r b e i t e r auf je 100 Arbeiter, in den nichtlandwirtschaftlichcn Betrieben dagegen nur 1,2. Bei den ausländischen Industriearbeitern. handelt es sich zu einem Teil um qualifizierte Facharbeiter, für die es der Heranbildung eines gleichwertigen Ersatzes aus einheimischen Arbeitskrästen bedarf. Die Frage spitzt sich dahin zu. ob es gelingt, die Landflucht der einheimischen Landarbeiter zu hemmen und den weiteren Bedarf der Landwirtschaft durch einheimische, bisherige Industriearbeiter zu ersetzen, ohne die Wirtschaftlichkeit der deutschen Landwirtschaft zu gefährden. Lohnbewegung im Großhandel. Oer Schlichtungsausschuß in Tätigfeit. Vom Deutschen Verkehrsbund waren fast alle Lohntarife der Fachgruppen des Groß-Berliner Arbeitgeberverbandes des Großhandel» zumeist zum 31. März gekündigt und eine Lohnerhöhung von 10 bis 16 Proz. gefordert worden. Die direkten Verhandlungen mit den Unternehmern oerliefen in allen Gruppen ergebnislos. Di« Unternehmer verlangten überall die unveränderte Ver- längerung der Lohnabkommen und bestritten die Notwendigkeit von Lohnerhöhungen. Es mutzte daher von der Organisation in allen Fachgruppen der Schlichtungsausschuh angerufen werden, der dann für die einzelnen Gruppen durch Schiedsspruch folgende Lohn- erhöhungen festsetzte: Für den Lebensmittel Handel wird d« Lohn um 2 bis 2,50 M. pro Woche erhöht. Dieses Ab- komemn gilt bis zum 30. April 1930. Die Arbeiter des Kaffee- Handels erhalten in den kleineren Geschäften eine Lohnzuloge von 2 M. In den Großbetrieben mit eigenen Filialen er- halten die Arbeiter eine Zulage von 1 M. bis 1,25 M. und die Arbeiterinnen 2,60 M. bi» 1 M. Das Abkommen gilt gleichfalls bis zum 30. April 1930. Für die Fachgruppe Mineralöle und -fett»(Petroleum-, Benzinhandlungen usw.) beträgt die Lohn- erhöhung 3 M. bis 3,50 M. pro Woche. Hier gilt das Abkommen bis zum 30. September 1930. Im Glas- und Keramik- Handel, im Eisenkurzwarenhandel, sowie im Papier- und Pappengroßhandel wurde der Lohn durch Schieds- spruch um 2 M. pro Woche erhöht. Diese Abkommen laufen eben- falls bis zum 30. Septemb« 1930 mit Ausnahme des Lohntarifes für den Glos- und Keramikhandel, der bi» zum 30. Juni 1930 gilt. Diese Schiedssprüche sind von beiden Partelen angenommen worden.» Nirgend» klagten die Unternehmer mehr über den ungünstigen Geschäftsgang als in der Fachgruppe Textilgrotzhandel. Die Ausführungen der Unternehmer üb« die angeblich sehr schlechte Geschäftslage blieben auf den Schlichtungsausfchuß leider nicht ohne Wirkung, der am 13. Mai einen Schiedsspruch fällte, wonach der bisherige Lohntarif bis zum 31. August d. I. unverändert verlängert werden soll. Erst ab 1. September sollen die Löhn« um 2 M. pro Woche und ab 1. Januar 1930 bis zum 30. September 1930 um«ine weitere Mark erhöht werben. Fern« hat der Schlich-. tungsausfchuh den Unternehmern obendrein noch überreichlich Zeit zum Ueberlegen gegeben, indem er die Erklärungssrist für diesen Schiedsspruch auf den 15. Juni festsetzte. Di« Stellungnahme der Parteien zu diesem Schiedsspruch steht noch aus. In s ü n f, dem Arbeitgeberverband angeschlossenen Fachgruppen sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Zum Teil ist bereits d« Schlichtungsausfchuß angerufen worden. Von einem schweren Verlust wurde der Verband der Vergbauindustriearbeiter Deutschlands betroffen. Sein Vorstandsmitglied August Balte ist an den Folgen einer Mittel- ohrentzündung und der damit verbundenen Operation verschieden. Balke war erst vor einigen Wochen 18 Jahre alt geworden. Früher Steinarbeiter, kam er später in den Kalibergbau und 1901 als Mitglied zum Bcrgarbeitemrband. 1910 wurde er als Bezirksleiter des Verbandes Rordhaufen angestellt und 1921 tn den Verbondsvorstond gewählt. Dem Reichstalirat gehörte er feit der Gründung 1919 an. Als ganz besonderer Kenn« de» Kalibergbaues und der Kaliwirtschoftsgesetz« hat er im Reichstalirat und in d« Schiedsstelle energisch die Interessen seiner Berufstameraden ver- treten und insbesondere bei der in den Kaliwirtschastsgesetzen vor- gesehenen Absindung für Kaliarbeit«- und-angestellte, die infolge von Stillegungen arbeitslos wurden, sehr viel erreicht. Im Reichs- wirtschastsrat, dem er feit März 1928 angehörte, vertrat er die Inter- essen der Bergarbeiter. Er war als Berichterstatter für das Berg- arbeitsschutzgejetz vorgesehen. In d« Sozialdemokratischen Partei war er schon früh tätig. Roch der Staatsumwälzung wurde er unbesoldetes Mitglied des Nordhäuser Stadtrats, bis« insolg« feiner Wahl zum Vorstandsmitglied noch Bochum übersiedelte. Ge- werkschaft und Partei w«den dem unermüdlichen Kämpfer ein ehrende» Andenken bewahren. Achtung, Rauarbeit«! Di« Afphalteur« befinden sich seit dem 17. Mai d. I. im Streit. Wir ersuchen di« Kollegen Bauarbeiter, darauf zu achten, daß keine Asphaltarbeiten ohne Berechligungstarte ausgeführt werden. Im Streik befinden sich olle Alphaltarbeiter nom Asphaltstraßenbau, sowie die Asphaltleger und Helfer in den Betrieben. Deutscher vaugewerksbund, Fachgruppe der Aspholteure. Achtung. Fachgruppe der Glaser. Vaugewerkschaft Berlin! »m Freitag.:t.«al,>7 Uhr. ttadat Im»»»r«kllh«it»ha>u>. Saal 1, ri»« außervrheiiiliche Ritalied«»»«riammliiag statt. lageaardauilg! St«lltt»g»»hm« iiim iri,[fdaiprorfj. 9««nbrtracht der Ui-bti-ieit der Zao«»or»a>lza ist et Zflicht einet jeben»:> liegen, bestimmt and pSnttlich ,u«»scheine». Ritglirdr- Itch ist a» Saalcingaitg narzuzeige», ohne daaselh, Irin Zutritt. Di« Zachgrnpprnleitung. @Iuaendaruppe des Zentralverbandes der Angesiettten deute. Freitag. linden soiaende Setanslaltunjen statt: Va-kow-aieder. schinhaulcn! Jugendheim«ilrschstr. 1«, grosse» Zimmer). Li-deradend.— v»«ri»re«! Jugendheim Lausrner Str. 2. Lichtdildernortrag!»Finnland. Land und Leute."—«Zprni«! Zuzendh-im S-ünau-r Sl». S(Zmuner 2). vorteao: .Fitr und«idrr d,e Todesstrafe."«eserent Mlhelm Leminski.— Südwesi: Jugendheim Srlle.Allmnee.Str. 7—10.»Wenn«ine Srupv« auf Fahrt geht". Unterweisung im startenresen, vuartierdestellen usw.—»evIiMn»od Urban: Jugendheim Böhmisch« Str. 1— i. Berufrlundlich« Bebeitsgrmeinfchost. WaUaaßlaa jw jm an ttdergibt man nur dem Slawwei« oeo II■1191 fillSl IrlTlin Deutschen Musikerverbon de,. Berlin. Nom- vlllllll lllllll llllr«andonunstr. 63.81 Donhoff-277-75. ÜIUIIIUIIIIIUIIV«-lchStt— u»-».«anntag. w-, Uhr. �a�WWWWWWWWMMWMWUMWW,<»l Wunsch! Bertrrterbejuch. r Freitag 24. Mai 1929 Unterhaltung unö ÄAjssen Beilage des Vorwärts jhmns m..Kamm: Jimmy und dicJlpsicken lSchluß.) Wi« ich heilfroh die Maschine wieder verstaue, stellt stch ein Mann zu mir, der friedlich in der Ecke gesessen hatte. Hot'n t>ie- ficht wie die alte Tonte auf deinem Bücherschrank(Jimmy meinte meine Dante-Büste). lind ist long wie'ne Kegelbahn. Hat'nc Angströhre auf, Reitstiefel an und'n Bratenrock wie e'n Metho- distenprediger. War er denn auch, der ehrenwerte Mr. Iosua Earp. Der ließ sich nun auch noch mal olles erNären. Als ich dann erwähnte, dost ich mit dem Apparat nach Toronto wollte, sagte er, er hätte dasselbe Ziel. Und wenn's mir recht wäre, wollte er mit mir zusammen reisen. Nämlich der Apachen wegen, die schon ganz in der Nähe streifen sollten. Da erzählte ich ihm natür- lich ganz ehrlich, was für'ne gefährliche Reisegesellschaft ich wäre, weil ich doch der Clerk von Don Geronimo, der die Apachen ja erst aus den Kriegspfad getrieben hätte dadurch, doh er sie um ihr Vieh betrogen. Aber da wurde mein Mr. Earp geradezu feierlich. Nun wäre lein Zweifel mehr, meinte er, daß uns das Schicksal zu« sammengesührt hätte zu unser beider Sicherheit. Ich muß wohl daraushin ein ziemlich blödes Gesicht gemocht hoben.„Mann Gottes!" rief er aus,„versteht Ihr das denn nicht? Clerk des Jndianerogentcn seid Ihr! Den gottvollen Apparat hobt Ihr! Und ich, Iosua Earp, bin bei Euch! Da sind wir sicher wie in Abrahams Schoß."— Nee, dos begriff ich durchaus nicht. Aber weil der Mann so überzeugt davon war, bin ich doch mit ihm losgezogen. Denn Ines wartete ja... Als anderen Tages die wellige Arizonasteppe graugelb und brennend vor uns lag, und ich auf meiner Karrete so vor mich binduselte, ritt Earp voraus. Auf einem unglaublich hohen Klepper. Ab und zu hielt er, hob sich in den Bügeln, und äugte spähend umher. Eben hatten wir eine flache Senke passiert, da sprengte er zurück.„Ja, mein Freund," rief er ganz fidel,„nun kommen sie." Damit sprang er auch schon vom Gaul. Im Augenblick war ich wach und runter vom Wagen. Und richtig! Da hatten wir das M.ilheur! Durch ein Tal vor uns, zu seinen Seiten, durch die Senke hinter uns und daneben schwärmten sie heran, wohl siebzig Rothäute. Unwillkürlich wollte ich nach den Schießeisen langen. Doch Earp rief:„Macht keinen Unsinn, Sir! Versteckt die gefähr- lichen Dinger im Wagen. Und tut. was ich Euch sage."— Er hatte recht. Widerstand war sinnlos. Darum befolgte ich sein« Anordnungen. Eilends baut« ich, ohne viel zu bedenken wozu, auf der Kiste den Phonographen aus.„So, nun setzt die Walze mit dem„Sternenbanner" auf!" befahl Earp.„Und holtet die andere mit dem Tierkonzert bereit!"— Ich dachte: Helpt dat nix, so schad' ok nix. Und' al» die Wilden von allen Sellen heran- stürmten, vorneweg aus weißem Mustang der Häuptling Mangos, den ich von unserem Store her kannte, ließ ich die amerikanische Nationalhymne ertönen. Wie nun ihre allbekannten Klänge über die Prärie �hallten, machte Earp dem Häuptling, der kurz vor uns sein Pferd parierte, ebenso ruhig wie bedeutsam das Zeichen des Schweigen«. Und wirtlich! Mangos, der erstaunt die militärische Musik vernahm, die er wohl schon einmal w einem Fort gehört hott«, ge, bot den herangoloppierenden Rothäuten zu halten. Schweigend um- schlössen sie uns von ollen Seiten. Neugierige Spannung lag deut- lich auf den sonst so beherrschten Gesichtern. Schweigend oerharrten auch wir. Junge, mir Hot ja das Herz bis in den Hals hinaus gc- klopft. Der merkwürdige Earp aber schien ganz ruhig. Als die Walze abgelausen, hob er die Arme und— ganz als ob er auf der Kanzel stände— hielt er eine Predigt, die ich nie vergessen werde. Mensch, konnte der Kerl lügen!„Brüder," sagte er,„was Ihr hört, ist das Zeichen, daß mit uns ist die Macht des weißen Vaters in Washington. Er hat Eure Klagen vernommen. Und er gebietst Euch Frieden. Denn Ihr sollt zu Eurem Recht kommen. Das Vieh, dos Ihr entbehrt, ist schon auf dem Wege zu Euren Wigwams. Wir sind vorausgefandt, Euch dies zu verkünden. Und wir haben die Kraft, Euch die Stimmen der Rinder hören zu lassen, die Eure Augen noch nicht sehen können. Tritt herzu, Bruder Mangos, und höre." Zögernd, die schlanke Streitkeule hicbbereit in der Faust, kam der Häuptling tatsächlich näher. Da ließ ich dann die Swift-und- Armour-Walze laufen. Als das Brüllen der Rinder nun so natür- lich aus dem Trichter schallte, rief Mangos ein paar Unterführer heran. Auch die lauschten verwundert dem Schlachthoftpektakel. Wenn das Gebrüll der Ochsen besonders deutlich erNang, tuschelten und nickten sie auf den Häuptling ein. Der wandte sich an Earp: „Wir wissen wohl, daß die weißen Männer durch Drähte mitein- ander reden. Darum glauben meine Häuptlinge, daß ihr Fernes hörbar macht. Doch damit auch meine Krieger wissen, daß ihre Wigwams mit Fleisch sich füllen werden, laßt auch sie die Stimmen der fernen Rinder hören." Offenbar traut« er dem Zauber noch nicht recht. Um so eifriger ließ ich die komische Walze wieder und wieder laufen, während sich vor dem Trichter die Menge der ficht- lich erfreuten Apachen drängte. Ich stellte den Apparat erst ab, als mir Earp winkte, der sich wieder an den Häuptling wandte:„Was soll ich dem weißen Vater nun melden von meinem Bruder Mangos?" Wieder tuschelten diesem die Unterführer zu. Daß wir ohne Waffen waren, daß Earp so sicher auftrat, hat wohl mitgeholfen, ihnen den Hokuspokus mit dem Phonographen glaubhast zu machen. Denn der Häuptling gab schließlich Earp die Hand und erklärte:„Meine Krieger werden in Frieden von Euch zu ihren Wigwams ziehen und bis zum neuen Monde warten auf das viele Vieh, das sie gehört haben. Sagt aber dem weißen Dater, daß wir den Kriegspsad wieder beschreiten, wenn seine Agenten nicht sorgen, daß sein Wort gehalten wird." Plumps! siel mir ein Stein vom Herzen. Und als die Apachen dann seitwärts davonsprengten, drückte ich Earp dankbar die Hand. Doch nun war er ganz wieder der alte Pankee.„Nicht der Rede wert, Sir," sagte er mit kaltem Lächeln zu mir.„Hotte mir solch ähnlichen Speech schon für alle Fälle für mich ausgedacht. Aber ohne Eure gloriose Maschin« wäre mir der fromme Schwindel wohl nicht so leicht geglückt. Habe asso Euch zu danken" Nun siehst du also, mein Junge, daß ich das Edison und seinem Phonographen verdank«, wenn ich damals meinen Skalp gerettet habe und heil nach Hause gekommen bin. Prost!"----- Friedrich ItaHerofh: Tagesreportage ist ein Hauptbestandteil des Filmjjrogramms. Di« bunte Bilderschau wirft die aus allen Teilen der Welt mit dem optischen Aug« erfaßten Begebenheiten auf die weiße Leinwand. meist trivial, sinnlos oder, wie wir Kollegen bei der Zeitung jagen würden, im schlechten Reporterstil. Das Aktuelle, was die Zeitungsberichterstattung wertvoll macht, spricht im Film nur bei örllichen Ereignissen: der Krieg z. B. zwischen Bolivien und Pa- raguay interessiert im Bild längst nicht mehr, wenn mittlerwelle, ehe der Film über das Wasser zu uns gekommen ist, der Friedensschluß erfolgte. Dafür wirkt das unmittelbar den Ereignissen folgend« Bild oft weit anschaulicher und echter, als es der wahrheitsgetreueste Zeitungsbericht zu geben vermag. Man wird verstehen, daß diesss Einfühlen in die zeitlich zeitlos« Wichtigkeit von Leben und Wirk- lichkeit, dieser Blickfang unterstrick)«» wichtiger Dinge«ine Tätigtest bedeutet, die neben hohem technischen Können auch Geist und Witz, also einen ganzen Menschen erfordert. Der Beruf des Filmreporter» in diesem Sinne ist uns eigentlich in Deutschland noch fremd. Hier arbeitet man zwangsläusig hinter den Ereignissen her, nicht ihnen vorauseilend und sie vorbereitend. Der Beruf wird nicht von der Initiative einer starken Persönlichkeit getragen, man arbeitet ja aus fremd« Rechnung und nicht auf eigene. Bekannte Filmsmnen und Filmverleihe oder Kinokonzerne beschästigen angestellt« Operateure, die den aktuellen Tagesdienst be- stresten: man sieht die Männer mit dem Kurbeltasten bei allen öffentlichen Anlässen, sportlichen, gesellschaftlichen und politischen Der- onstaltungen: auch bei Bränden. Schießereien u. a. In Amerika ist der Filmreporter«in«ig«ner Typ. Er gilt dort mehr ol»«in ganze» Regiment Soldaten. Der Filmreporter nennt sich dort„Kameramann", steht in losen oder festen Beziehungen zu großen Filmkonzernen, oft darüber hinaus sogar im Dienste der Regierungen, ober sein Metier ist ein durchaus selbständiges. Bon niemand beeinflußt, ohne bestimmten Austrag geht der amerika- Nische Filmreporter aus die Jagd nach den Ereignissen los. Und dies ist es wohl, was seine Tätigkeit am besten kennzeichnet, dieses Logen nach Ereignissen, die er beschleicht, bewacht und eifersüchtig vor der Konkurrenz behütet; diese Fixigkeit auf der einen Seite und aus der anderen das skrupellose Durchstoßen aller Zufälle und Tücken, die den großen Augenblick der Filmaufnahme behindern könnten. Di« Filmkamera ist sein ständiger Begleiter, er schläft gewissermaßen aus ihr; sie ist immer gezückt wi««ine Waffe, mit der er sich In den heißesten Streit der Meinungen stürzt. Sehr oft ober ist diese Waffe vergiftet, wie wir noch hören werden Unter seinen Kollegen von der Feder und der Photoreportag« ist er die große Kanone, die fürstlich verdient, die ober auch etwa, drauf gehen läßt. Politisch ist der Kameramann aufs beste versiert: in allen Logern hat er sein« Hintermänner, die ihm Nachrichten zutrogen. Die großen Ereignisse in Politik und Wirtschast erfährt er weist früher als die Minister selbst, die ihm willig die Tür öffnen, wenn «r ihren Sieg oder ihr« Niederlage auf einen Filmstreisen von lll Fuß Länge verewigen will. Di« Präsidenten der Länder empfangen den Kameromann vor ollen anderen zuerst, sie treten sofort»inen Schritt au» der S«har ihrer Begleiter vor, wem»«r ebenso höflich wie bestimmt sie darum ersucht. Schauspielerinnen, Künstler und Matadore des Sports buhlen um die Gunst des Gc- waltigen, damit ein wenig Reklame für ihre Person abends auf die Bildleinwand tröpfelt. Drüben ist der Filmreporter der Mixer der öffentlichen Meinung. Er nimmt nur dos an Bildern auf, was die Massen gern sehen wollen, was sie selbst fühlen, denken und sein möchten. Er ist darum bei den Führern und Dollargrößen ebenso beliebt wie gefürchtet: es muß schon«In seltener Ausnahmemensch sein, der sich nicht kausep, nicht von einer geheimen Propagandastelle bezahlen läßt. Dennoch geschieht es häufig, daß bei einem Wechsel de« Regimes der Kamera- mann plötzlich von seinem Standort verschwindet, weit er befürchten muß, mit zertrümmerter Kamera am nächsten Baum aufgeknüpft zu werden. Jedes Kind kennt die Macht des assoziierten Vertreters der Oeffentlichkelt, dessen einzig« Legitimation nur in der Filmkamera besteht, die am Riemen über seiner Schulter hängt. Kein Hotelier in einer Stadt würde Bezahlung von einem solchen illustren Gast verlangen, der sich mit dem gesürchteten Apparat bei ihm ein- logiert. Kein Policemann wagt es, das Auto des rasenden Film- reporters a»fzuhalt-n oder sonst seiner Unbolmäßlgkeit eine Schranke zu setzen. Die Kamera, dieses össentliche Aug«, könnte sich ja gegen ihn richten und ihn einen Augenblick fixieren: das Opfer würde unter solchem Blick ohnmächtig zusammenbrechen. Post- beamte am Schalter. Straßenbahnschassner und ander« Beamte ssnd voll diensteifrigen Entgegenkommens, um nicht mit dem Rächer der Volksinstinkle zusammenzugeraten, denn abend» würde ein Bild in unzähligen Theatern auf der Leinwand erscheinen, das als Ak- tuellität das Porträt des„unhöflichsten" und„unfähigsten" Beamten im Lande zeigt und anderen Tages wäre, er mit Schimpf und Schande aus dem Dienst gejagt. Zuviel Schuß Temperament im Biut, zuviel kühlwägender Egoismus kann einen Menschen in solchem Beruf zum Reptil ver- wandeln, dem wir in unseren friedlichen Zonen nicht begegnen wollen. Amerikanische Filmreporter können darum in Deutschland nicht arbeiten. Wie auf Kiinimielastikuni prallen sie an unseren überalterten Formen ab. Aber immerhin, dein deutschen Film könnten tüchtige Kerl« auch nicht schaden: die Verhältnisse sprechen dafür, daß die„Filmjournaille" bei uns gebändigt bleibt. Man könnt« stch denken, daß ein Mann mit einprägsamem Namen tm Film erscheint, der sein Notizbuch zückt und zeigt, was er tagsüber gesehen hat. Ist übrigens der Deutsche als Vermittler deutscher Mentalität schon in anderen Ländern gewesen, um deutsche Eindrücke von Land und Leuten zu übermitteln? Kennt der deutsche Film eigentlich Deutschland? Der amerikanische Reporter sieht Deutschland nur amerikanisch, der Franzose französisch, der Russe russisch. Was daraus resultiert, ist oftmals für uns gefährlich. Der Kameramann sieht die Er- «ignisse so. wie es das amerikanische Filmpublikum will, hauptsächlich vergleichsweise nur in seinen Rekorden. Erklärend« Texte sind ver- pönt, sie werden al» Bevormundung abgelehnt. So wird die ameri- kanisch« Kamera— um«» an«wem Beispiel nur zu zeige«— die Macht des Gummiknüppels am 1. Mai festhalten und nicht daneben vielleicht die Bildszene, wie ein Polizist mitten durch die geballten Massen ein altes Mütterchen sicher über den Damm leitet. Der amerikanische Reporter wird mit Recht das Seitengewehr des deut- jchen Polizeibeomtcn als überflüssige Einrichtung im Film festhalten. drüben ober spricht dos Bild Bände über militärische Bewaffnung und kriegerischen Geist in Deutschland. Warum müssen Fremde unsere lächerlichen Seiten entdecken? Wäre es nicht besser, wir hätten selbst solche ganzen Kerle, solche Kameramänner, die uns den Spiegel vorhalten? Sntfiehung desSteinbaus Kein Bölk des Altertums hat mehr für die Baukunst geleistet als Aegypten, dessen Pyramiden zu den großartigsten Baudenkmälern der Wellgeschichte gehören. Der bekannte Berliner Aegyptologe Prof. Heinrich Schäfer hebt denn auch in seiner soeben bei I. E. Hin- richs in Leipzig erschienenen Abhandlung„Die Leistung der ägyptischen Kunst" besonders hervor, daß das Nilland der Menschheit den Ouaderbau und alle wichtigen Elemente der Steinbautunst geschenkt hat. Im Steinbau liegt die eigentümliche bauliche Leistung des ägyp- tischen Volkes, und die Entdeckungen der letzten Jahre haben be- wiesen, daß Aegypten für die Mitjelmeerwelt das Mutterland des Bauens aus rechtwinklig behauenen Quadern geworden ist. Aus der Zeit vor 3200 v. Chr. sind uns Gebäude, die diesen Namen ver- dienen, kaum erhalten; nur aus Bildern und aus Rückschlüssen aus späteren Werken können wir uns diese vorgeschichtliche Architektur mit ihren geflochtenen Wänden, den Zäunen und aufgerichteten Stangen vor dem Eingange vorstellen. Diese ersten Bauten bestanden aus Holz und Rohr: dazu kam aber bald noch ein in Aegypten auf Schritt und Tritt bereitliegender Werkstoff, nämlich der zähe, schwarzgraue, an der Sonne hartwerdende Schlamm, den der Nil be! der Ueberschweyimung zurückläßt. Man überstrich mit ihm die Wände der Rohxhütten oder baute auch unmittelbar aus ihm in einer Art Lehmschlag. Doch noch Im vierten vorchristlichen Jahr- tausend haben die Aegypter die folgenreiche Erfindung gemacht, den Nilschlamm zu rechtwinkligen Ziegeln zu formen, und aus dieser zu- nächst nur technischen Neuerung ist dann die rechtwinklig geometrische Ausgestaltung der Bauteile und Räume hervorgegangen, die der ägyptischen Baukunst ihr Gepräge verleiht. Der Ziegelbau wurde dann immer mehr vervollkommnet bis zur Tonnenwölbung hin, während die KuppelwLlbung erst später bekannt wurde, und aus dem Ziegelbau erwuchs der Steinbau. die Ewigkeitsbaukunft des alten Aegypten. Rur zaghast wagten sich die Baumeister zunächst an den Stein heran. Da finden' wir den Fußboden in einem der Königsgräber der Frühzeit mit Steinplatten belegt: ein König der zweiten Dynastie baut eine der unterirdischen Kammern seines Grabes aus rechtwink- lig behauenen Quadern, ein anderer stellt einen Türpfosten aus Granll auf. Das erste völlig aus Stein errichtete B a u w e r t finden wir in dem erst vor kurzem ausgegrabenen Grabmal König Djosers, das au« der Zeit um 2770 v. Cbr. stammt. Wahrscheinlich ist die Erfindung des Bauen» aus geglätteten Steinen, die uns hier so großartig entgegentritt, aus die Tat eines großen Künstlers zurückzuführen, des auf vielen Feldern tätig ge- wesenen Imhotep. Auf der Hochebene, auf der Djoser sein Grob er- baut«, hotten schon ältere Grabbauten gestanden, wohl in der primi- twen flachen rechteckigen Tischform. Auch Djosers Steinbau hat ssoch, wie jene Tischgräber, eine rechteckige Grundfläche. Aber seine Er- bauer haben ihr Werk in die Höhe getürmt, indem sie auf den ersten Tisch fünf andere immer kleinere setzten. So ragt das Königsmal, unter dem im Bauch der Erde die Kammer den toten Herrscher birgt, hoch zum Himmel empor: es ist die e r st e P y r a m i d e, ein Bau in Stusenform, aber doch schon eingegeben aus dem tiefen Sinn dieser Bauten, den ein späterer Pharao mit dem uralten Königs- spruch kennzeichnete:„Meine Seele ist höher als das Sternbild des Orion und vereinigt sich mit der Unterwelt." In dem festen weißen Kalkstein, in dem die zahlreichen Gebäude in dem Bezirk dieses Königsgrabes errichtet sind, treffen wir auf Schritt und Tritt auf steingewordene Züge aus dem Lehm-, Ziegel-, Holz- und Rohrhütten- bau der früheren Zeiten. Man hat noch nicht die Möglichkeiten er- könnt, gewaltige und einfach« Formen aus diesem Baustoff zu ge- stalten, sondern man bildet die allen Formen im Stein nach, sogar hölzerne Türflügel, die halb aufgeschlagen erscheinen. Eine große Ueberraschung für die kunstgeschichtliche Forschung war auch das erst« Auftreten von Säulen. Diese ersten Säulen ssnd nun freilich noch keine in sich frei tragende Stützen, sondern sie sind immer nur Teile einer größeren Wandfläche. Zweifellos ist diese Säulenform aus dem Bau mit Rohr oder ähnlichen Stoffen übernommen, denn wir finden sogleich die verbreitetste und folgenreichste Gestalt der ägyptischen Säule, die P f l a n z« n s ä u l e, die als ein sich nach oben verjüngendes Bündel von Rohrstengeln ausgebildet ist. Durch die Baumeister König Djosers war so die Grundlage für den Steinquaderbau geschossen. Bon da an ist die Kunst des Bauens zur Leidenschaft der ägyptischen Herrscher und ihrer Großen geworden. und jene Bauten entstanden, die noch heute- Bewunderung erregen. Aus der Stufenpyramide entwickelte sich über eine Zwischenform, die sogenannt« Knickpyramid«, die geometrisch glatte Pyramide mit quadratischer Grundfläche, wie wir sie bald darauf in den Bauten der König« der vierten Dynastie, in den Wunderwerken der Pyra- miden von Giseh finden. So war die Kunst des Steinbaus von den Aegyptern in einer verhältnismäßig kurzen Zeit zu einer großartigen Vollendung geführt worden. El« Darwln.ZNuseuw in tondan. Das Wohnhaus Darwins. das sogenannte„Dawnhaus", ist als Museum eingerichtet worden und wird der Oesfentlichkeit in diesen Tagen übergeben. Man hat alle Räum« des Hauses in den Zust/ind versetzt, in dem sie Darwin benutzte, und hat außerdem große Sammlungen von Darwin- Andenken: Darwins Bibliothek und seine Arbeitsgeräte darin aus- gestellt. Kadioakllvierung der Metalle. Frl. Maria zincan»,- früher Assistentin der Frau' Curie, hat nachgewiesen, daß Bleiplotten durch Sonnenbestrahlung radioaktiv werden. Auch Zink und Knpfer- blech verhalten sich änhlich, nicht aber Eisenblech Es scheint, qls ab Blei, das ja als Endevzeugung eines radioaktiven Vorgang» be> trachtet wird, durch Sonnenbestrahlung eine Rücknerwandlung erführe. Ei« Vwnibvsmvseum. Di« Londoner Omnibusgesevlchaft hat in ihren Reparaturwerkstätten Chiswick ein eigenes Omnibusmuseum. das auch der Oestentlichkeii zuqänqlich ist. eingerichtet. Das Museum will fortlaufend die Fortschritte und Verbesserungen am Londoner Omnibus, der in gewissem Sinne für die europäischen Städte um bildlich gawordeo ist, zeigen. Mosenduvgen für diese Rubrik sind verlin SW 6», Liudenslraße Z, parieinachnch. nnd II. Abt. Sonntag, 26. Mai. Besichtigung de» Kraftmerl«» Klingen. berg in Lichtenberg, Köpeuicker Eheulsce 68—66. Fahrverbindung: Stadt- und Ringbahn bis Betriebsbahnhof Rummelsburg, dann Futzweg Hönower Strasie und Blockdommmcg. Treffpunkt: Inhaber der lO-Uhr-Ausmeife um 9,50 Uhr, und die Inhaber der Il-Uhr-Answeife um 10.50 Uhr vor dem Sauptportal des Kraftwerkes. Ausweise, die keine Verwendung finden, sind bis zum 25. Mai um 16 Uhr beim Genossen Seipold, Delle» Alliance-Str. 59, abzugeben, da grotz» Nachfrage besteht. <0. Abt. Sämtliche Genolsinnen und Denosien, welch« sich zur Besichtigung des Grogtraftwerkes Klingenberg am Sonntag, 20. Mai, 10 Uhr, gemeldet haben, treffen sich 8>.h Uhr Porck- Ecke Velle-Allionce. Strotze, Ieitungs- iiost. Rackizstglicher um 10 Uhr vor dem Eingang zum Kraftwerk Klingcnberg. M>9. Abt. Friedrichshage». Sonntag, 26. Mai, Destchtiguna der Wasserwerk« in Friedrichshageu. Die Teilnehmer treffen sich pstmtlich 10 Uhr am Haupteingang der Wasserwerke in der Seestratze. ZungsoziaNsiea. Gruppe Wedding-tbesnadbrunneu: Heut«, Freitag, 20 Uhr, im Iugendheit» Lethstratze 10, Zusammenkunft. Vortrag des Genossen Bock. Gi»ppe Schitnebeeg: Heute, Freitag, M Ahr, i» Znge ntched» HaerptUr. 98, Schwadenlandzimuter, Vor.rag:»Ter westliche Imperialismus und das Er- wachen des Orients." Referentin Genossin Schulje-lSaeverpih. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation S6.«bt. Eharlottenbneg. Unsere Genossin Anna Hegel ist plStfich* in den Pfingstfeiertagen verstorben. Ehr- ihrem«ndenk-n! SinSscherung heuie, Freitag, 24. Mai. lO'/h Uhr, im Krenrntorium Wilmersdorf. aSozialistifcheArbetterjugendGr.-Serlin «Anfendungen für dief« R-brtk nur an»ad Iug-ndfefret-riat serlin 6X368, Otndenstrate S Die Wlen-SammeMstea müssen sofort abgerechnet, die MaldeUste» adge- liefert werden. heute, Freitag. 19�4 Uhr. Arkouaplatz: Schule Elisabcthtirchstr. 19..SAI. und Arbeitersport,"— Kölnischer Park: Heim Waisenstr, 18..Die Frau in der Arbeiterbewegung."— Roienthalee Vorstadt: Heim Fehdenicker Str. 25..Bursche und Mädel in der Gruppe und auf Fahrt."— Zentrum: Heim Landsberger Str. 50. Kammer, Sichel und Mühe."— Hansa: Heim Bochumer Str. üd..Die Pfingstfahrt."— Moabit I: Schule Waiden scrstr. A. Kirche und Sozialismus."— Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19. Heimabend.— Arnsrnalber Platz: Heim Rasten. bnrger Ecke Wehlouer Straße..Unsere Genossenschaften."— Helmholtzplatz: Heim Danziger Str. 62.„Mensch und Maschine."— Hohenschönhansen: Heim Frrienwalder Str. 6. Ist-Minuten-Referate.— Hnmanaplatz: Heim Scheren. bergstr. 7. Heimabend.— Nordost: Heim Danziger Str. 63..Arbeiterschaft— Technik— Krieg."— Writzrnsee: Heim Parkst r. 86. 10»Minuten-N«ferate.— Wörther Platz: Heim Kasianienallee 82.„Grotzstadtjugend."— Andreasplatz: Heim Brommvstr. 1. Glaßbrenncr-Adend.— Baltcnplatz: Heim Tilsiter Straße 5—6..Bub und Mädel", 2. Teil.— stralaner viertel: Heim Goßler- straße 6l..Der Parteitag in Magdeburg."— Warschauer viertel: Heim Litauer Str. 18..Arbciteriugend und sexuelle Frage."— Warschauer Viertel, St. F.: Heim Litauer Str. 18.„Iugcndnot."— Ssidwest: Heim Yorckftr. 11. „Der utopische Sozialismus."— Eharlotteubnrg: Heim Rosincnstr. 4. Pfingst- fahrtbericht.— Westend: Heim Rosincnstr. 4.„Berliner Humor."— Marien, Dorf: Alte Schule, Dorfstr. 7.„Rechte und Pflichten des Lehrlings."— Baum. schulen weg: Heim Ernststr. 16. Fahrtenbcricht.— Zahannisthal: Rathaus. „Magdeburg."~ Treptow: Heim Elsen str. 4. Lichtbilder:„Sihen."— Sie». Lichtenberg: Heim Hauffstratze.„DPiP."— Rcinicke-darf-Ost: Heim Lindauer Strgtze, Baracke 1.„Tagespositische Fragen." Neukölln Ul: Morgen, Sonnabend, 15% Uhr U-Bahn Dotchinstrotze. Treffpunkt aller M-ghadurgfichrrr WeebebezlN Tieogeert»»- Kuikkssullt pttsiWtmkoo» km Helm S«5z*S Straße 18—19. Morgen, Sonnabend, Treffpunkt der Magdeburzfahrrr 151» Ahr Kleiner Tiergarten._ Sport. Hennen zu Ruhleben am Donnerstag, dem 23. Mal. 1. Si e n n e n. 1. Halma(H. Marier), Z, Silvapiaita, 8. AcmtxL Toto: 47:10. Platz: 15, 15, 15:10. Ferner liefen: Hetdeblume, Frribrrg, Haga Burton, Kohlenkönsg. Max Kuser. WintermSrchen. Aldisa. 2. N- n n e n. 1. Passer(Knöpnadel jr.), 2. Olympia, 3. SIegttzaM*. Toto: 53:10. Platz: 18, 24, 15:10. Ferner liefen: Beate, Esparsette, Piaster. PiruS, Erst Seehofer, Cilly Dillon. LudwigSburg, Maximutz. 3. Rennen. 1. Deweophinc Mills), 2. Lebenslünftter, 3. FratOe� Toto: 124: 10. Platz: 23,13,15:10. Ferner liefen: Baron Eiloef!», Willy A., Aga, Kapellmeister, Morgentan, Florian. 4.Ncnnen. 1. Ouirtn(I. Kaupper). 2. Adam, 3. Mma Mater, Toto: 36:10. Platz: 23, 31, 21: 10. Ferner Uesen: Nordeck/ Tharmant, Obersteiger, Oltermädel. Raphia, Mairuth, Elvira, Heliotrop. 5. Rennen. 1. Zierde(O. Berger), 2. Agitator, 3. Nosne. Toto: 250:10. Platz: 50, 28, 34:10. Ferner liefen: Theo trat. Modena Erich S. Kroschel, Arizona, Nushaga Boy, Baroneß E, Monostato«, Quintessenz. 6. Rennen. 1. Car» Bube(Iauß jr.), 2. Ouifi quasi. 3. Eopal. Toto: 16:10. Platz: 10,10:10. Ferner Uesen: Oumt. SIal Lancier, Flamingo. I.Rennen. 1. Dornbusch lCH. Mills). 2. Prachtmädel Tochter, 3. Ossi Oswalds. Toto: 15:10. Platz: 11, 14, 15:10. Ferner liefen: Heureka, Komtesse Isabel. Eresceus, Feodora Eudoxia, Heldin, Tullia, Range. 8. R e n n e n. 1. König Learz«rSttssz«» chlsxonderplstll» Frankfurter Allee* Belle-Alllance-Sfrasse» WllmersdorferStr.» Brunnenstrassc* kottbuser Damm* Andreasstrasse ZeleohonWe St Heilungen ■werfen prompt erledigt L*lp»lgep Strasssi A 4, Zentrum 8�33 Alexanderplatz: E 1. 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Leberwurst.......... p-andl ,50 Schinkenwurst.......... pf»d1 ,65 Cervelatod. Salami.„ptondl ,75 Teewurst.................. pfandl ,80 Schinkenspeck____...pi»d1,85 Grobe Teewurst........ pfandl ,90 Mausschinken.......... Pfand 2,00 NeiiieelaAßvnigi 10 ZL'Zdj;*' (Kettoinhalt 4c0g)...Glaa I I«7CMVT8� gebrannter Pfand v.< >35 1 ErbNUf�l«ye ■ in 1 Flasche 30U g Inh.# TL SiMMMeillKe 2- Pfd.* ÖC Elmer ODpt S-Pfd.. Elmer 1.90 io.pfd..* 7#% Elmer 0,IU 25-Pfd,- Eimer 8,95 WUrtud der Somserncnata •lad IWaefe, Ohat uad OemOM vom fanaad uagMeUns;» �ownialwavsn Bruchreis........ Pfand 1 8pt Eierschleijchen. pf»d 5ÄPt Hol. Reis......... Pfand 26pt Palnareis........ Pfand 28pt Harlweizengrlesspfd. 26pt Welzengrless..pnmd 22pt Eierbandnudeln pid. 40pt Eierfadennudeln Pfd. 40pt Harfgrless- makkaronl..... Pf»d 38pt Eierhohlnudelnpfand 58pt Kalif.Pflaum..Pfd. 32,38pi. Backobst........ Pfand 48pt Ringapfel...... Ptnnd 90pt Gebr. Qersle...pinnd 23pi. Gebr. Roggen. Pfand 23pi. 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