BERLIN Sonnabend 25. Bai 1929 i 1 I 10 Pf. Nr. 240 B119 46.Iahrgang. Erscheint tZglich außerSnnntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition-, Berlin SWes.Lindenßr.s iMtfUftudb S uze igen preis: Die einspaltige Nonpareillezei!« 80 Pf., Reklamezeile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87638. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? ände weg von der Sozialpolitik Kundgebung der Gewerkschasten zur Arbeitslosenversicherung. Die Bezirksvorstände des ADGB. und des AfA-Bundes für Berlin, Brandenburg und die Grenzmark haben heute vormittag 11 Uhr eine Kundgebung veranstaltet, zu der die Behörden, die Presse und die Gewerkschaften eingeladen waren, um nochmals die Stellung der freien Gewerkschaften in dem Kamps um die Ar. beitslosenoersicherung zu umreißen. Der Bezirkssekretär des ADGB., Vollmerhaus, leitete die Deranstalwng, Spliedt, Sekretär des ADGB., hielt das ein- leitende Referat. Spliedt wies zunächst daraus hin, daß infolge des anormalen Winters die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gezwungen war, Darlehen des Reiches in großem Ausmaße in Anspruch zu nehmen. Rich die Arbeitslosenversicherung ist alsü bankerott, sondern durch besondere Umstände haben die Gegner der Arbeitslosenver- sicherung Oberwasser bekommen. Dadurch werden ernste Konflikte hervorgerufen, die sich politisch auswirken müssen. Die Grundlage der Arbeitslosenversicherung, die von einer Regierung geschaffen wurde, in der keine Sozialdemokraten sahen, sei das einheitliche G e fa h re n r i s i k o, die Stafse- lung der Beiträge und der Leistungen noch der Lohnhöhe und drittens die Kostendeckung durch die Versicherung bis zu 3 Prozent des Lohnes. In anderen Ländern fei es in diesem Punkt anders. In England zahlen Reich, Unternehmer und Arbeiter je ein Drittel der Kosten. Auch nach dem sogenannten Genfer System werden öffentliche Mittel als Zuschuß gegeben. Auch die frühere Arbeitslosenfllrsorge habe immer Zuschüsse erfordert. Durch die Arbeitslosenversicherung seien Reich, Länder und Gemeinden ganz erheblich entlastet worden. Die Schaffung der Arbeitslosenversicherung bedeutete praktisch ein« versteckt« Sanierung der öffentlichen Finanzen. Nur in besonderen Krisenfällen sollte das Reich rückzahlbare und verzinsliche Darlehen leisten. Hat sich dieses System bewährt? Wir sagen ja. Kleine Aendc- rungen sind möglich. Beseitigung von Mißständen können durch- geführt werden. Auch andere Bersicherungen haben eine Versuchs- cpisode durchgemacht. Aber an den Grundlogen darf nicht gerüttelt werden. ' Die 3 Prozent der Beiträge vom Lohn genügen, um lausend im Jahresdurchschnitt 820 000 Arbeitslose zu unterstützen, d. h. also, daß diese Mittel ausreichen, um vier Monate lang 1 200 000 und acht Monate 630 000 Arbeitslose zu unterstützen. Im Laufe der legten neun Jahre gab es nur zwei Jahre der Inflation und Deflation, wo die Arbeitslosigkeit höher war. Man spricht-von dem hohen Zuschuß des Reiches, der etwa 300 Millionen beträgt und der die Ursache der Finanznot des Reiches sein soll. Die Ursache der Finanznot ist die leicht- sinnige Finanzpolitik, für die nicht wir und auch nicht meine Partei verantwortlich sind. Im Etat war nicht ein Pfennig für die Vorschüsse vorgesehen. Man schreit über diese Dorschllsie zur Arbeitslosenversicherung. Alan spricht aber nicht von den Hunderten von Millionen, die im Etat vorgesehen sind als verlorene Zuschüsse an Industrie und die Landwirtschas«. Man spricht nicht von den 80 Millionen Liebesgaben an die Schnapsbrenner, von den 66 Millionen jährlich an den Berg- bau aus dem Ertrag der Lohnsteuer. Einzelfälle von Mihbräuchen werden verallgemeinert. Wir fordern zahlenmäßig fundierte Beweise für den Umfang der Mißbräuche. Das aml- liche Material kenn» nur etwa vierzig Fälle, die nachgeprüft wurden. Spliedt weist auf die unglaublichen Behauptungen im„Berliner Tageblatt" hin, die jedes Beweises ermangeln. Bis heute habe das „Berliner Tageblatt" das Beweismaterial für seine Behauptungen nicht erbringen können. Spliedt fordert die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, um die eventuellen Mißbräuche nachzuprüfen und festzustellen, wie weit Reformen möglich und notwendig seien. Es sei aber gefährlich, allgemeine Asnderungon vorzunehmen um einiger Ausnahmefälle willen. Wir kennen das sogenannte Sofort- Programm der Regierung nicht, wenn dieses Programm aber ein- schneidende Acnderungen vorsehen sollte, dann wird es aus den absoluten Widersland der Gewerkschaften stoßen, die sein- Realisierung verhindern werden.(Lebhafte allgemein« Zustimmung.) Die freien Gewerkschaften und zweifellos auch die christlichen und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschasten werden nicht rütteln lassen an den Grundlagen der Versicherung. Die Verhandlungen dauern fort. 3>ie AD Tuy katastrophe bei Autda. Am 3>onnerslag nach- mtHag ist der 33) Zug Utasei— Sterlin bei der Einfahrt in den.'Bahnhof Merssell bei Sulda entgleist. 3)ie Unglücks stSite bildet einen iriislen Trümmerhaufen. Llnwetter in Nordwest-Deutschland Schwere Gewitter und Hagelschlag. Zn den Abendstunden des Freitag entlud sich über dem äußeren Südwesten Berlins, und Zwar über Schtochtenfee, Zehlendorf. Dahlem nnd dem Grunewald ein Gewitter, das von ungewöhnlich harten Schlägen begleitet war. wie jetzt bekannt wird, ist fast zu derselben Zeit auch der Nordwesten Deutschlands von starken Gewittern heimgesucht worden. Schwerin. 25. Mai.(Eigenbericht.) Schwer« Gewitter, verbunden mit Sturm und chagelnioder- schlügen gingen am Freitag abend über fast alle Teile Mecklenburgs nieder. Nach den bisher vorliegenden Mel- düngen sind in Mecklenburg 7 Gebäude durch Blitzschlag eingeäschert worden. In Pichcr bei Ludwigslust wurden durch wolkenbruchartigen Regen die Keller unter Wasser gefetzt. Der Hagel hat auf den Feldern großen Schaden angerichtet. Bei Karstaedt im südwestlichen Mecklenburg wurde ein Kuhhirt« vom Blitz erschlagen. Durch den Sturm wurden viel« Hochspannung?- und Telephonleitungen zerstört. Hamburg, 25. Mai. Ein starkes Gewitter mit außerordentlich heftigem hagelschlag entlud sich gestern abend gegen 7 Uhr in der Gegend von Finken- wärder. Buxtehude, Horneburg und im Alten Lande. Die hagelschloßen,'die in riesigen Mengen niedergingen, waren von außergewöhnlicher Größe. Die eslraßen waren im Nu übersät von abgeschlagenen Aesten und Laubwerk; vielfach wurden Dachfenster und Scheiben in den Treibhäusern glatt durchschlagen. Der schwere hagclschlag lzat auch großen Schaden an der Baumblüte und an den F« l d f r ü ch t c n angerichtet. Das warme Wetter dauert an. Nach den Mitteilungen des amtlichen Wetterdienstes ist für heute und die nächsten Tage mit schönem Wetter zu rechnen. Die Wetterprognose sür Sonnlag lautet: heiter und leicht bewölkt, weiterhin sehr warm mit sortdauernder Neigung zu örtlichen Gewitterbildungen. Die G c s a m t s i t u a t i o n ist ziemlich g ü n st i g, über Nord- osteuropa lagert ein weitverbreitetes hoch und ganz ähnlich ist die Situation über Südwesteuropa. Zwischen den beiden Hochdruck- gebieten zieht sich eine Tiefdruckrinne hin, die quer durch Deutschland geht und von der Nordsee bis zum Balkan reicht. Unser Gebiet liegt am Südwestrond« des nordöstlichen Hochdruck- gebietes. Es sind daher südöstliche Winde vorherrschend, die an sich schon sehr warm sind; hinzu kommt noch die u n g e- hinderte Sonnen st rahlung bei heiterem Lzimmcl, so daß die Temperaturen allgemein für die Jahreszeit sehr hoch sind. G e st e r n wurden in Berlin über 27 G r a d Xl ä r m e gemessen: das ist der bisher wärmste Tag, den wir in diesem Jahre zu ver- zeichnen hatten, heute früh um 8 U h r betrug die Temperatur 19 Grad und mittags um 12 Uhr hatte die Quecksilber- säul« bereits wieder 2 4 Grad erreicht. Auf dem Schulwege verunglückt. Zwei Kinder schwer verletzt. heute früh wurden zwei Kinder, die sich auf dem Wege zur Schmie befanden, überfahren und schwer verletzt. Am Sterndamm in Johannisthal geriet kurz nach 8 Uhr die 12jährlge Gerda Schwarz aus der Oftmarktslraße 28 vor einen Straßenbahnwagen der Linie 17. Das Kind geriet unter den Schutzrahmen und konnte erst von der alarmierten Feuerwehr aus feiner furchtbaren Lage befreit werden. Mit gefährlichen Verletzungen wurde die Schülerin ins Elisabeth-hofpstal gebracht. Durch den Vorfall trat eine halb- stündige Verkehrsstörung ein. Der andere Unfall ereignete sich in Blankenburg, an der Ecke Dorfstraße und Krugsteg. Der 12jährige Karl Hase aus der Suderoder Straße 25 in Blankenburg, der mit seinem Fahrrad zum Schulunterricht fahren wollte, wurde von hinten von einem Lastauto angefahren und schwer verletzt. Der Junge fand im Pankower Krankenhaus Ausnahme. * Einen grausigen Fund machte heut« früh ein Strecken- Wärter auf den S ta d tb a h n g l e i se n zwischen den Stationen Eich walde und Grünau. Neben den Schienen lag ein Mann, dem der Kopf völlig zermalmt worden war. Die Polizei stellte den Toten als einen 37jährigcn Bäcker Adolf B. aus der Veteranenstraße fest. Selbstmord ist unzweifelhait, doch ist das Motiv zur Tat nicht bekannt. ,/�oie Zahne" verboien. Auf die Dauer von vier Wochen. Der polizelprüfidenl hat heule die„R o t c F a h» e". die in der dreistesten Weife zum Ausstand hetzt, abermals avf die Dauer von vier wachen verbalen. Die Suche nach dem Ausweg. Günstigere Beurteilung der Verhandlungen durch die pariser preffemeumugeu Paris. 25. Mai. Die Morgenpresse beurteilt die Lage weniger pessi- m i st i s ch, als es gestern die deutsche Delegation getan, hat. Sie bespricht die einzelnen Punkt«, die noch Gegenstand der Aussprache bilden, und stellt sür gewisse Fragen die Möglichkeit einer Verständigung in Aussicht. Man habe im Hotel Georg V., sagt„Petit Parisien", den Erfolg gestern mit 6: 4 bemessen, während am Mittwoch die Erfolgsaussichten nur 2: 8 gestanden hätten. Was di« Uebergangsmodalitäten vom Dawes-Plan zum Plane Doung anlange, könne zweifellos eine Verstöndigmig gefunden werden, weil letzten Endes' die Regierungen und nicht die Sachverständigen den Zeitpunkt für das Inkrafttreten sowie den geeigneten Augenblick sür die Aufhebung der finanziellen Kontroll- o r g a n e und die Räumung des Rheinlande» festsetzen würden. Die Frage der Heranziehung der Nachfolgestaaten Oesterreich- Ungarns für die Aufbringung der letzten 21 Annuitäten werde von Dr. Schacht aufs neue gestellt. Aber hier müßten di« Alliierten bei ihrer ursprünglichen Ablehnung bleiben, da dieses Problem einzig und allein die interessierten Staaten angehe und vor allem politischer Natur sei. Das schwierigste Problem sei das der belgischen Forderung auf Bezahlung der Markbeträge.„Petit Parisien" will eine Zustimmung der übrigen Allierten zu dieser belgischen Forderung feststellen können, während der„Avenier" ein Abrücken der Engländer von dieser Forderung behauptet. Falls, so fährt„Petit Parisien" fort, hierüber sowie über gewiss« deutsche Vorbehalte«ine Verständigung zwischen Schuldner und Gläubigern sich als unmöglich herausstellen würde, würde den Sachverständigen immer noch die Möglichkeit bleiben, den Re- gierungen einen Mehrheits- und einen Minderheitsbericht zuzustellen. Im übrigen erwarten die Blätter für heute ein« Eni- scheidung! einige heben hervor, daß die Entschidung von der Slntwort abhängen werde, die Dr. Schacht heute gebe. London. 25. Mai. Die Ansichten der Blätter über die Aussichten der Sachoer- ständigenkonferenz gehen auseinander. Während„Morning Post" aus Paris berichtet, daß die Sachverständigen zuversichtlicher seien, sprechen„Times" von einem kritischen Stadium der Ver- Handlungen.„Daily Telegraph" ist der Ansicht, der heutige Tag könne entscheidend sein, während„Daily Chronicle" sogar von einem bedeutsamen Tag« für Europa spricht. Der Pariser Korrespon- dent des Blattes führt aus, die Franzosen erwarten heute den Abbruch, weil die deutsche Dele- gation nicht ermächtigt fei. gewisse Forderungen der Pariser und Brüsseler Sachverständigen anzunehmen. Trotzdem werde heute ein letzter versuch zu einer Einigung unternommen werden. Der Korrespondent erwähnt eine angebliche Mitteilung Schachts an die Presieoertreter, daß wenig oder keine Hoffnung vor- handen fei und daß der heutige Tag wahrscheinüch das erfolglos Ende der dreizehnwöchigen Arbeit sehen werde. Der Pariser Korrespondent des„Daily Telegraph" meL>et di« Ansicht, daß der heutige Tag zeigen werde, ob die Möglichkeit einer Vereinbarung bestehe. Bei den Deutschen herrsche der Ein- druck vor, daß auf jeden Fall noch mit einer Fortsetzung der Ver, Handlungen für einige Tage zu rechnen sei. Der Pariser Berichterstatter der„Morning Post" erklärt, wenn Dr. Schacht es ablehne, über die Zahlen des Young-Planes hin» auszugehen, würden die Gläubigermächte sich weigern, weitere Zeit an die Erörterung dieses Problems zu verschwenden. „Times" berichten aus Paris: Die Aussichten auf Erfolg scheinen gering zu sein. Die deutschen Einwände gegen eine Be- fricdigung der belgischen Entschädigungsforderungen für die in Belgien ausgegebenen Marknoten sowie gegen die Rückkehr zu dem Verteilungsschlüssel von Spa würden vielleicht st arke Unter- st ü tz u n g finden, da angenommen werde, daß Pzung nicht geneigt ist, die Frage der belgischen vlarkbeträge in das Abkommen einzuschließen, und auch dafür eintritt, die Regelung der Verteilungsfrage den Regierungen der Gläubiger- staalen zu überlassen. Die Deutschen könnten daher auf die moralische Unterstützung des Vorsitzenden bei ihrem Drängen auf eine Rückkehr zu den Zahlen Voungs und die getrennte Regelung der Verteilung rechnen. Die britischen Delegierten schienen einen geteilten Bericht zu er- warten. Unter diesen Umständen könnten, wie der Korrespondent behauptet, die Deutschen einen Weg einschlagen, der sie möglicher- weise in eine günstige Lage bringe, nämlich, daß der alliierte Standpunkt bezüglich der Vorbehalte angenommen wird, während di« Zahlen abgelehnt werden und die Unterstützung des Vorsitzenden sür die Rückkehr zur Annuität von 2050 Millionen Mark erbeten wird. Zugleich würden die Deutschen anbieten, diploma- tische Verhandlungen in Brüssel über die belgische Frage zu er- öffnen, und so den Alliierten ermöglichen, die belgischen Markbe- träge aus ihren Zahlen zu streichen und ihre Forderungen herabzu- setzen. Aber wenn die Deutschen dieses Verfahren einschlagen, so werden die Verhandlungen von neuem zum Stillstand ge- bracht werden, und zwar infolge der Verteilungssrage, vor allem wegen der Ansprüche Belgiens, Italiens und Südslawiens. Der Korrespondent schließt: Ucberhaupt scheinen die Hindernisse für eine Regelung sehr ernst zu sein, es sei denn, daß in der letzten Minute ein Zusammenbruch der deutschen Stellung erfolgt. Neparationsbeirug. Paris, 26. Mai. In Nancy wurden der Industrielle Pechenard und der Architekt D u c r o u x wegen Betrügereien in Kriegsentschädigungs- angelegenheiten zu sechs bzw. zwei Monaten Gejängnis, hohen Geldstrafen und Schadenersatz oerurtellt. Pechenard wurden außer- dem zwei Drittel der ihm zugesprochenen Kriegsentschädigung entzogen.''" Sozialismus und Landarbeit. Auel dem Programm der Labour Party. Aus dem Deutschen Landarbeiteroerband wird uns geschrieben: Durch das englische Wahlsystem bleibt bekanntlich der Wahl- ausfall immer ungewiß. Besonders ungewiß ist er auf dem Lande, dem Bereich der Landlords, der adligen Großgrundbesitzer. Obwohl die für die Arbeiterpartei als Wähler in Frage kommenden Landarbeiter nicht so stark vertreten sind wie in Deutschland, hängt von ihrer Entscheidung doch ab, ob in manchem ländlichen Bezirk der Kandidat der Arbeiterpartei oder der Konser- vativen gewählt wird. Die Arbeitcrpctrtei wendet sich daher in ihrem Wahl- Programm auch an die Landarbeiter, das Gedanken enthält, die der deutsche Landarbeiter sehr gut verstehen kann, da es seine eigenen Wünsche ausdrückt. Das Programm sagt: „Die Arbeiterpartei vergißt nicht, daß der bedeutendste Teil der ländlichen Bevölkerung zurzeit aus landwirtschaftlichen Lohn- orbeitern besteht und daß kein Fortschritt in der Entwicklung des ländlichen Lebens möglich ist, wenn nicht«ine grundlegende Besserung ihrer Lebensbedingungen zustande- kommt. Wichtig vor allem ist als Mittel zur Hebung des gegen- wärtigen Zustandes der Verhältnisse der landwirtschaftlichen Ar- beiter die Besserung der Produktion und kommer- ziellen Organisationen der Landwirtschaft. Vis jetzt ist der Landarbeiter der Packesel unserer Gesellschaft ge- wesen. Es muß die Aufgabe der Arbeiterpartei sein, ihn zu einer neuen Teilhaberschaft am Fortschritt und der Zivilisation zu ver- helfen. Eine Arbeiterregierung will daher dem Landarbeiter an Stelle der unendlichen Plackerei fürs tägliche Brot, das sein gegenwärtiges Los ist, einen angemessenen Mindestlohn sichern, der tatsächlich bindend ist, eine Versicherung gegen Ar- beitslosigkeit, angemessene Arbeitszeit, voll- kommen« Sozialbcdingungcn für seine Familie und weitläufige Unterrichtsmöglichkeiten sür seine Kinder. Die Arbeiterregierung will, daß ihm Land zugänglich ist, entweder zuni� Zwecke einer Kleinbauernstelle oder als Parzelle. Sie will ihm Sicherheit geben in feinem Hause, sie will ihn befreien von der Gefahr der Vertreibung vom He>m nach dem Willen des Besitzers durch Einführung eines Gesetzes gegen die Schäden der Werkwohnungen. Sie will das Problem der Wohnungsnot aufdem Lande lösen durch die Förderung des ländlichen Woh- nungsbaues." Diese Gedankengänge werden vor allem vertreten von den Führern der englischen Landarbeiterverbände, die auch als Kandi- baten zum Parlament auftreten. Es sind dies der Präsident der Internationalen Landarbeiterfäherotion, der Genosse D u n c a n, Generalsekretär des schottischen Landarbsiteroerbandes, und der Generalsekretär des Verbandes der Landarbeiter Englands, der Ge- nosse Holmes. Wildwest lieber 200(XX) Mark geraubt. R e w Jork, 25. Mai. In dem New Dort benachbarten, im Staate New Jersey ge- legenen Ea st orange haben fünf mit Revolvern bewaffnete Banditen vormittags die in einem sehr verkehrsreichen Ortsteil gelegene Riederlastung der Gastorange-Trust-Eompany über- fallen, die Angestellten und die zufällig anwesenden Kunden, im ganzen zehn Personen, genötigt, sich mit erhobenen Händen an die wand zu stellen, und etwa 50 000 Dollar geraubt, mit denen sie unbehelligt entkamen. Amanullah flieht mit Gold. OaS andere Gepäck hat Habibullah abgefangen! London, 25. Maf. Amanullah und seine Gattin trafen in Tschaman, ohne ihr Ein- treffen angekündigt zu haben, mit 60 Personen in Kraftwagen ein. Ott hotten nur wenig Gepäck, da Habibullah 48 der Last- kraftwagen erbeutet hatte. Doch hat Amanullah eine groß« Anzahl Goldmünzen gerettet. Die britischen Behörden haben einen Sonderzug von Lahore nach Tschaman entsandt, der den König und die Königin mit ihrcm Gefolge nach Bombay bringen soll. Es wird angenommen, daß Kandahar eingeäschert werden wird. Die Einwohner räumen die Stadt. Habibullahs Bruder hat Ghazm auf dem Wege nach Kandahar mit 4006 Mann Truppen eingenommen. Die gesamte Hecresmacht Habibullahs be- trägt 40 006 Mann. französische Offiziere in Oeuifchland. Ankunft in Berlin heute nachmittag. D e s s a u, 25. Mai. Die als Gäste Dr. Eckeners mit dem„Graf Zeppelin" in Fried- .'chshafen eingetroffenen sechs französischen Offiziere sind nach Besichtigung der am Bodensee liegenden slugzeugtechnischen I'erke mit einem Zunkersflugzcug gegen 11 Uhr zu einem Besuch der Zunkerswerke in Dessau eingetroffen. 2m' Laufe des 7.firriittagt werden die Herren nach Berlin Weiterreisen. Gchreckensurieile in Spanien. Gegen die rebeMsichen Artillerieoffiziere. Paris, 25. Mai. In den Kriegsgerichtsverhandlungen gegen die 37 aufständischen spanischen Artillerieoffiziere verhängte der königliche Kommissar sicven Todesurteile, für 14 Angeklagte lebenslang- liches Zuchthaus und für die übrigen Offiziere Gefängnis- strafen zwischen 20und30Iahren. Alkoholverzicht der Diplomaten. Oer britische Botschafter in Washington bereit dazu. Washington. 25. Mai. D«r britische Botschafter Sir Esmc Howard erklärte, er sei für seine Person bereit, auf das Vorrecht des diplomatischen Kovps, alkoholische. Getränke einzuführen, zu verzichten, falls die Regierung der Bereinigten Staaten wünsche, dieses Vorrecht mit Rücksicht auf das in Amerika bestehende Alkoholverbot auszuheben. Er werde gegebenenfalls zu diesem Zweck mit den übrigen Diplomaten in Verbindung treten. Wie„Washington Post" meldet. ist Präsident H o o v e r auf Grund der Erklärung des britischen >'1 sidastcrs aufgefordert worden, sich darüber zu entscheiden, ob da« dist.Ctt'.' tische Vorrecht hinsichtlich der alkoholischen Geiränke auf- -ich oben rverdcn soll. Ministerberatung über Paris. Schacht über die deutsche Auffassung informiert. In der Reichskanzlei fand am Freitag eine Chef- besprechung über den Inhalt des Memorandums der Gläubigerdelegierten statt, die bis in die späten Abend- stunden hinein dauerte. Der deutschen Delegation wurde von der Auffassung der Reichsregierung um Mitternacht Kennt- nis gegeben._ Um die Spittelkosonnaden. Die notwendige Verbreiterung der Leipziger Straße. Die Spittelkolonnaden im Zuge der Leipziger Straße zwischen Dönhosfplah und Spitlelmarkt machen dem Berliner Magistrat reichlich Sorgen. Trotz der Proteste ver- schiedener ßunstgemeinschaslen werden die Kolonnaden ihren platz wechseln müssen: mit dem Abbruch der hinleren Häuser an der Südseile ist bereits begonnen worden. 2ehl ersucht der Magistrat im Einoernehmen mit der Deputation sür das Siedlung«- und Wohnungswesen die Sladlverordnelenver- sommlung, sich mlk dem Abschluß eines Vertrages mit dem preußischen Staate über die Beseiligung und den Wiederaufbau der Spittelkolonnaden in der Leipziger Straße einverstanden zu erklären. Die zur Ausführung de« Vertrages zunächst entstehenden Abrißkosten in höhe von 30 000 Mark sollen aus gemeinsamen Borbehaltsmitteln für 1929 bewilligt werden. Am 10. Januar hatte sich, wie dies jetzt In der Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung betont wird, die Stadtverordnetenversammlung mit dem vom Magistrat im Emver- nehmen mit dem Bezirksamt Mitte vorgelegten Fluchtlinienplan für die Leipziger Straße zwischen Spittelmarkt und Dönhoffplatz einverstanden erklärt. Die neue Fluchtlinie sieht, wie bekannt, eine Verbreiterung derLeipziger Straße auf 32 Meter vor. Sie schneidet die Spittelkoloimaden auf der Südseite derart, daß nur ein geringer Teil des Kolonnadenlande- hinter die Fluchtlinie zu liegen kommt, während sie von den hinter und neben den Kolonnaden gelegenen Grundstücken Leipziger Straße 54/56 eine Fläche von 126 Quadratmetern zu Straßenland bestimmt. Die Eigentümerin dieser Grundstücke, die Gesellschaft für Vermögensverwaltung m. b. H., hatte bereits im Oktober 1928 ein Projekt über die Errichtung eines Neubaues unter Einbeziehung der Kolon- naden vorgelegt. Mit Rücksicht aus di« inzwischen erfolgte neue Fluchtliniensestsetzung hat der Unternehmer ein neues Bau- Projekt eingereicht, dessen baupolizeiliche Genehmigung noch schwebt. Dieser Neubau kann nicht durch Vorbauten auf Straßen- lcmd. wie es die Kolonnaden sind, unmöglich gemacht werden, ganz abgesehen davon, daß die Kolonnaden, deren Hintergrund gleichzeitig die Fasiade des dahinterstehenden Hauses bildet, in ihrer bisherigen Form nicht stehen bleiben können, wenn die Häuser entfernt werden. In den Verhandlungen mit dem preußischen Staat hat der Fiskus das Eigentum der Stadt an den Parzellen, auf denen die Kolonnaden stehen, anerkannt und lediglich eine Vergütung für die Un- koste n, die durch den Abriß und eventuell den Wiederaufbau einer Kolonnade an anderer Stelle entstehen» veilangt. Da der Eigentümer eines Bauwerks, das zum Zweck der Durchführung einer Fluchtlinie abgerissen werden muß, Anspruch auf volle Entschädigung nach Z 8 des Enteignungsgesetzes hat, wurde die Vereinbarung getroffen, daß die Stadt für den Fall des Verzichts des Wiederaus- baues der Kolonnaden den mit 150 000 Marl angenommenen Wert dieser Bauwerke dem Staate er- st a t t e n muß. Zunächst kommt nur der Abriß der auf der Süd- feite befindlichen Kolonnaden in Frage, dessen Kosten schätzungsweise 30000 Mark betragen werden. Mit dieser Borlage soll jedoch das Schicksal der Kolonnaden noch in ksiner Weise endgültig entschieden sein. Das neue Berliner f ernami. Sin ganz moderner Betrieb in der Winterfeldtftraße. Auf dem Grundstück Winterfeldtstraße 28/30 ist ein moderner sechsstöckiger Hochhausbau mit einer Front- länge von 90 Meter und einer Tiefe von 120 Meter entstanden: das neue Berliner Fernsprechamt. Nach den gemachten Erfahrungen nimmt der Fernverkehr in einem Jahre um etwa 10 Proz. zu, so daß bei einem Neubau entsprechende Räum« geschaffen werden mußten. Der Personal- bestand des nöuen Hauses zählt ungefähr 1300 weibliche Kräfte für die Bedienung der Fernleitungen, hpzu kommt noch das notwendige Bcrwaltungspersonal. Von den vor- handenen acht Fernsälen werden zurzeit drei für den Ferirbetrieb benutzt, die übrigen fünf sind für den Postscheckverkehr dienstbar gemacht, wodurch der Neubau eines Postscheckamtes erspart wurde. In jedem Saal arbeiten 250 Kräfte, und die Geschosse wurden, um ausreichend« Luftzufuhr zu ermöglichen, in einer Höhe von 6 Meter erbaut. Man sieht die Arbeitstische, die nur einige To st er enthalten, mit denen die Beamtin unter Benutzung der Nummernscheibe den Teilnehmer über das Ortsamt heranholt und mit der Fernleitung verbindet. Der Neubau, der geschaffen ist vom Oberbaurat Kuhlow, enthält alle Einrichtungen eines modernen Vureauhauscs: Ruhe- plätze für das Personal im geschlossenen Raum und auf dem Dach» garten, Krankenzimmer, Gymnastikräumc und«ine Kantine zu niedrig gehaltenen Preisen. Die Hunde hatten Mitleid. Das Kind aus dem Misthaufen. Pilsen l. B„ 25. Mai.(Eigenbericht.) Ein seltsames Drama hat sich in Horyscdel abgespielt. Di? Dienstmagd Anna R. gebar nachts ein Kind. Als der Säugling zu weinen anfing, glaubte dos Mädchen, die andere Dienstmagd, di- mit ihr die Kammer teilte, könnte von der Geburt Kenntnis er- hasten Sie nahm einest Holzpantoffel und schlug damit das Kind auf den Kopf und würgte es solange, bis der Säugling ruhig und leblos war Dann stand sie auf, trug das offenbar tote Kind in den Hof, warj es aus den M i st h a u s e n und ließ die beiden sehr bissigen Kettenhunde los, damit sie das tote Kind auffressen sollten. Als aber früh die Bäuerin ausstand, saßen die beiden Kettenhunde vor dem Misthaufen und paßten aus das wimmernde Kind aus. Die bissigen Tiere holten dem Kinde nichts getan, basten mehr M tle'd als die unnatürliche Mutter, kie v e r I) a j i e t und dem Kreirgeriiht cingcliesert wurde Das Kind starb trotz aller Pflege. Die Tagung der Kant-Gesellschast. Vom 21. bis 24. Mai fand in Halle anlaßlich ihres 2Sjährigen Bestehens die Jubiläumstagung der Kant-Gesellschast, der größten philosophischen Vereinigung der Welt statt. Bei der seier- lichen Festsitzung, die dem Kongresse voranging, konnte der Vor- sitzende zahlreich« Vertreter der Behörden und des Auslandes be- grüßen. Mit spontanem Beisall begrüßte die Versammlung das Er- scheinen des greisen Hans Vaihinger, der im Jahre 1904 die Gesell- schaft gründete. Professor Liebe r t° Berlin entwarf in seiner Festrede ein Bild von der glänzenden inneren und äußeren Entwicklung der Gesell- schaft. Sie besitzt Mitglieder und Ortsgruppen auf der ganzen Erde, es gibt kein Kulturland, zu dem nicht Beziehungen bestehen. Die Kant-Gesellschast ist keine bureaukratische Organisation, sie dient der freien wissenschaftlichen Forschung und pflegt einen philosophischen Universalismus, wie er vom Wesen echter Philosophie untrennbar ist. Daher ist es die hohe Ausgabe der Kant-Gesellschast, durch ihr« Arbeit mitzuwirken an der Verbreitung des Geistes der Humanität und Gerechtigkeit auf der schrecklich zerrissenen Erde. Botschafter S h u r m a n überbrachte die Grüße der Vereinigten Staaten. Er bekannte sich als Verehrer Kants. Er hat selbst Forschungen über die Lehre Kants veröffentlicht, besonders ein Buch „Kantische Sittenlehre und die Moralphilosophie der Revolution�. In Amerika hat man zwar schon frühzeitig die revolutionär« Be- deutung des Königsberger Wcltweisen erkannt und seine Philosophie übt einen starken Einstuß auf amerikanische Wissenschaft aus, am weitesten verbreitet und auch außerhalb der Fachkreise hochgeschätzt ist die kleine Schrift Kants„Zum ewigen Frieden", deren Sätze vielen als Evangelium erscheinen. Die praktischen Ansänge der modernen Friedensbewegung stammen aus den Vereinigten Staaten. Die erste Friedensgesellschaft der Welt wurde in New Park im August des Jahres 1815 gegründet. Der Anstoß ging hierbei Haupt- sächlich von religiöser Seite aus, aber die Bewegung stimmte mit den Prinzipien des Kantischen Ewigen Friedens überein.„Dies trifft noch auffallender zu," so führt« der Botschafter Shurman aus, „nicht nur bei den Satzungen des Völkerbundes, sondern auch beim Kellog-Pakt, durch den sich die Völker der Welt verpflichtet haben, auf den Krieg als Instrument der nationalen Politik zu verzjchten und die Lösung internationaler Streitigkeiten ausschließlich auf sried- lichem Wege anzustreben. Als natürliche Folge aus dem Kellog- Pakt wird schon die Möglichkeit der Herabsetzung der Rüstungen zur See anerkannt. Die Erfüllung weiterer Vorbedingungen ist wohl ersorderlich, für die vollständige Erreichung des Kantischen Ideals. Kant sah jedoch selber ein, daß der ewige Frieden«ine Ausgabe darstellt, die nur stufenweise lösbar ist und die ihrem Ziel« dauernd näherrückt." Professor Shurman schloß mit dem Wunsche, daß es der Kant-Gefellschaft vergönnt sein möge, diese fortschreitende Be- wegung zu beschleunigen.— Die Versammlung dankte dem Redner, der zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt wurde, durch starken Beifall.• Die wissenschaftlichen Vorträge und Verhandlungen waren dem Problem„Staat und Sittlichkeit" gewidmet. In seinem Vortrage„Staatsethik und pluralistischer Staat" setzte sich Professor Karl Schmitt- Berlin mit modernen Theorien auseinander, die besonders in den angelsächsischen Ländern neuer- dings verbreitet sind. Die Krisis des modernen Staatsbegriffs ist zugleich eine Krisis der Staatsethik. Di« neu« Theorie bestreit«, daß der Staat eine Einheit sei: die politische Assoziation sei eine Gemein- jchast neben anderen, die den gleichen Geltungsanspruch stellen, etwa als kirchliche, gewerkschaftliche oder Familiengemeinschaft. Bald diese, bald jene soziale Assoziation erhalte das Uebergewicht und bilde dann den Staat. Dieser Theorie gegenüber vertrat Schmitt den Standpunkt, die politische Einheit könne nicht ohne weiteres neben die anderen Einheiten gestellt werden. Die Einheit des Staates sei eine Aufgabe. Es fei kein Argument gegen den Staat, wenn er eine hohe Aufgab« oft nicht erfüllt habe. Es ergäbe sich vielmehr daraus eine aktive Pflicht zum Staat. Professor Edgar Tartarin- Tarnheyden(Rostock) be- handelte den tragischen Konflikt, der zwischen staatlicher Notwendig- keit und individueller Sittlichkeit entsteht. Er verwies auf zahlreiche Beispiele aus der Geschichte, u. a. auf den bekannten Konflikt des Generals Porck bei der Konvention von Tauroggen. Die Lösung solcher Konflikte sieht der Vortragende in einer christlich-religiösen Ethik gemäß dem Prinzip„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". In der Diskussion wies Emanuel L a s k« r mit Recht darauf hin, daß diese Lösung nicht zureiche. Professor Leo P o l a k- Groningen vertrat in seinem Vortrag „Die sittliche Rechtfertigung der Strafe" eine Ver- geltungstheorie. Der Verbrecher verschaffe sich durch seine Tat«inen unrechtmäßigen Lustgewinn, deshalb sei es sittlich zu rechtfertigen, daß der Lustgewinn durch«in ausgleichendes Quantum Leid aufge- wogen werde. Er legte den Satz Spinozas zugrunde:„Es soll den Bösen nicht frommen, daß sie schlecht sind." Es muß bezweifelt werden, ob sich diese Theorie halten läßt. Vor allem gibt es keinen Maßstab für die Lust, der es ermöglichte, ein Strafmaß festzusetzen. Außerdem ist nicht jedes Verbrechen mit einem Lustgewinn ver- bunden. Besondere Aufmerksamkeit fanden in der Versammlung die Aus- führungen Prof. Willy H e l l p a ch s- Heidelberg über„Partei und Weltanschauung". Hellpach unterschied dogmatische Parteien, die ohne Rücksicht aus die jewelligen äußeren Umstände ein unabänderliches, weltanschauliches Parteidogina durchzuführen suchen, und pragmatische Parteien, die ohne prinzipielle Bindung lediglich nach dem Gebot der Stunde handeln. Rein pragmatisch seien die republikanische und demokralische Partei in Amerika, die nicht durch Dogma oder Weltanschauung getrennt sind. Sie könnten ebenso gut auf ihre Bezeichnungen verzichten und sich einfach„die einen und die anderen" nennen. Das beste Beispiel einer dogma- tisiercnden Partei sei der Bolschewismus, der dadurch unduldsam, intolerant werde. Das Ideal sieht Hellpach in dem pragmatischen Pakteisystem. Er meint, die fortschreitende Pragmatisierung sei auch das Schicksal der politischen Parteien in Deutschland. Das Zentrum fei die einzige Partei, die wenigstens in kirchenpolitischen Fragen weltanschaulich festgelegt sei, sonst sei überall ein Zerfall des Partei- dogmas und ein Hervortreten rein pragmatischer Tendenzen zu be- merken. In der Diskussion wurde bezweifelt, ob die strenge Scheidung von Pragma und Dogma sich durchführen lasse. Emanuel Lasker zeigte, daß jeder Parteibildung weltanschauliche Momente zugrunde liegen müssen, wenn sie auch nicht zum starren Dogma- tismus zu führen brauchen. Dr. S. Weinberg. Tagung des ZGB. in Prag. Bericht des Borstandes. D. E. Prag, 25. Mai.(Eigenbericht.) Der Vorstand und der Ausschuß des Internationalen Gewecks chaftsbundes traten hier zu einer gemeinsamen Sitzung mit den mternationalen Berusssekretären zusammen, die von W. M. C i t r i n e geleitet wird. Nach den Begrüßung?- ansprachen, über die wir bereits berichteten, gab Genosse Sassen- bach den Bericht des Vorstandes des IGB. Wir haben uns heute weder mit inneren Streitigkeiten zu befassen, haben nicht über schlechte Finanzen zu klagen, noch uns über die Kommunisten zu unterhalten. Die Beziehungen des IGB. zu den englischen Gewerkschaften sind die denkbar besten. Es ist «in Glück, daß der IGB. in seinen Beziehungen zu Moskau stets eine einheitliche Auffassung vertreten hat. Hoffentlich kommt einmal der Zeitpunkt, wo die russischen Gewerk- schasteü ehrlich mit uns zusammenarbeiten, wozu wir stets bereit sind. Am l. Ianuar 1927 zählte der ZGL. in 26 Oandeezenlralen 12 SZg 000 Mitglieder, am 1. Januar 1923 13 144 000 Mitglieder. Inzwischen ist die Mitgliederzahl um 300 000 gestiegen. Haupt- sächlich infolge des Mitgliedsgewinns in Deutsch- l a n d, so daß der IGB gegenwärtig 13 450 090 Milglieder zählt. In E n g la n d ist infolge der großen Arbeitslosigkeit ein Rückgang von 175 000 Mitgliedern eingetreten. Dänemark hat durch den Wicderanschluß des Verbandes der ungelernten Arbeiter mit 85 000 Mitgliedern«inen großen Fortschritt zu verzeichnen. Neuangeschlossen hat sich der Verband der weißen Arbeiter in Süd- w e st a f r i k a. Mit den noch nicht angeschlossenen Ländern unter- hält der IGB. ständige Fühlung, und zwar dort, wo es noch an einer Landeszcntrale fehlt, mit den einzelnen Organisationen, wie in Süd- und Mittelamerika. Die Herausgabe der Presse- berichte auch in spanischer Sprache hat sich von großem Nutzen erwiesen und auch in Portugal Verständnis geweckt. In Norwegen müssen sich die Dinge noch erst klären. Von Italien ist zunächst nur zu sagen, daß sich zu dem Standpunkt gegen den Faschismus nichts geändert hat. Die Zusammen- arbeit mit den Internationalen Berufssckretariaten war gut. Neu« Anschlüsse stehen in Aussicht. Der Organisierung der Frauen bringt der IGB. das größte Interesse entgegen. Das Verständnis für die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation wächst bei den Frauen. Ihr prozentualer Anteil an den Mitgliederzahlen ist gestiegen. Besonderes Interesse bekundet der IGB. auch für die Bestrebungen der sozialdewokratischen Jugend. Im allgemeinen hat sich der IGB. in seiner Betätigung«ine gewisse Beschränkung auserlegt. Di« klar« Erkennung leines Ausgabenkreises und die gründliche Arbeit innerhalb dieses Kreises bietet die Gewähr, daß der Arbeiterbewegung gute Dienst geleistet werden. Die K r i e g s b e k ä m p f u n g wird in Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Arbeiterinternational«, der Jugendinternationale und der Sportinternationale betrieben. Der Vorstand des IGB. beabsichtigt auch, unter gewissen Voraussetzungen an die B i l- dungsarbeit heranzugehen. Cr war bemüht, die Vorberei- tungen zur Internationalen Arbeitskonferenz so sorgfältig wie möglich zu treffen. Aus der inneren Organisation des Bundes macht Sassenbach Mitteilungen von dem bevorstehenden Ausscheiden des Genossen Stahl, der zum Arbeitsamt in Genf übergeht. Die Notwendigkeit der Bestellung eines neuen Untersekretärs werde dadurch um so dringlicher. Dem Genossen Stahl wie auch dem gesamten übrigen Personal des Bureaus spricht Sassenbach Dank für ihre Arbeit aus. In der Diskussion gibt Genosse Leipart als Vorsitzender der deutschen Landeszentrale seiner Freude über den Bericht Ausdruck, wie auch über die Fort- schritte der Bewegung und dankt dem Genossen Sassenbach für seine Tätigkeit. Leipart wünscht dringend eine verbesserte Zäh- l u n g der A r b e i ts l o s e n. Es sei ein großer Mangel, daß der Konjunkturoerlaus nicht genügend ersaßt wird. Was in Deutschland und einigen anderen Ländern möglich ist, müßte auch in den übrigen Ländern möglich sein, um eine gleichmäßige und vergleichbare Zählung der Arbeitslosen, nicht nur der Uyterstützten, zu erfassen. Supers regte eine bessere Verbindung mit dem fernen Osten durch Reisen nach Japan, China und Britisch-Jndien an. Genosse Vier- tens weist auf die Schwierigkeit einer einheitlichen Arbeitslosen- Zählung durch die Gewerkschaften hin. Di« Regierungen mühten dazu gebrocht werden, einheitliche Arbeitslosen st ati st iken zu schaffen. Sasseubach hält die Anregung Kupers sür nützlich. Eine solche Reise bedürfe ledoch recht sorgfältiger Vorbereitungen. Es sei außer- dem fraglich, ob gerade jetzt die richtige Zeit dazu sei. Jedenfalls werde der Plan erwogen und die besonders beteiligten Berufssekre- täre mit hinzugezogen. Der Dorstandsbericht wurde hieraus einstimmig angenommen. Ueber die Vorbereitungen zur Internationalen Arbeitskonferenz berichtet Mertens ausführlich, wobei er vor Illusionen warnte, da die Arbeitnehmervertreter sich leider meist in der Minderheit be- finden. Die neu« Frage der Zwangsarbeit erfordere gewisse prinzipielle Feststellungen. Dem Bericht des Direktors Thomas werde vielfach noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. National müsse alles getan werden, daß in Genf viel erreicht wird. Di« Stärke der einzelnen Landesgewerkschaft muh gegeben sein. Die Arbeit in Genf muß Gemeinschaftsarbeit sein. Edo Fimmen wünscht die Hinzuziehung technischer Berater zu den Kommissionen, womit die JTF. gute Erfahrungen gemacht habe. Merten» geht in seinem Schlußwort aus die Diskussion ein, und so begreiflich er es findet, daß jede Organisation bestrebt ist, das Beste für ihre Mitglieder zu erreichen, verweist er doch daraus, daß sich nicht alles machen lasse. Das allgemeine Interesse muß in allen Dingen überwiegen. Möglichst enge Zusammenarbeit sei vor allem notwendig. Genosse Leipart referierte sodann über die Aufstellung von Richtlinien für ein internationales Wirtschafts- p r o g r a m m. Wir kommen auf den Vortrag noch zurück. Inzwischen ist der indische Vertreter S h i v a r a o erschienen. Dieser schildert kurz die Verhältnisse in Indien, wo die Gewerkschafts- bewegung kaum zehn Jahre alt ist und allmählich Fortschritt« macht. Er hat die Ausgabe, die Sympathien für Indien zu wecken, wo man jetzt einsieht, daß nicht der Weg Moskaus, sondern der Weg Amsterdam- zum Ziel führt. Er wünscht insbesondere in der Frage des Achtstundentags für Indien und der der direkten Ver- tretung Indiens im Internationalen Arbeitsamt die Unterstützung der Arbeitervertreter in Genf. Er hofft bald anstatt als Gast als Delegierter des angeschlossenen Indischen Gewertschaftsbundes auf den Tagungen des IGB. zu erscheinen. vi« volksbühn« nimmt bereit« jetzt Anmeldungen für die Spielzeit ISTS/SO entgegen. Die Mitglieder erhallen in dem mit dem t. September d. I. beginnenden Spieljahr durchweg je 8 Vorstellungen im eigenen Hause de» Verein« dem Tbealer am Bülowplatz,» m der Oper am Platz der RevublU und 1 im Schillertheater. Der sich einer Sonderabteilung an- schliefet, erhält nur 4 Borstillungen im Theater am Bülowplatz. datür aber 4 in d er neuen PIScator-Bübne. Die NachmittagSableilungen umspannen 7 Borilellungen im Theater am Bülowplatz und 2 in der Oper. Die Vor. slellungsbeüräge werden im Schauspiet t."0 M.» in der � per£.»0 M. betragen. NachmitlagSvorstellungen 1.30 M. Reuanmeldungen unter Bei- lüauna der einmaligen Sinschreibegebühr von 1.50 M. sind an die Haupt- geschästzstelle O LS. Lintenslr. 227, zu richten. „Das schöne Berlin." Vor kurzer Zeit hatte der Verein Berliner Künstler einen Versuch gemacht,„das Gesicht Berlins" im Bilde festzuhalten. Man mutz wohl an dieses etwas mißglückte Experiment erinnern, um der Schau in der Deutschen K u n st g e m e i n s ch a s t„Das schöne Berlin" das richtig« Verständnis entgegenzubringen, weil es immer lehreich ist, zu sehen, wie etwas gemacht werden kann, was schon einmal verpfuscht war. Die Ausstellung im Schloß wendet sich in erster Reih« an die Besucher der Festspielwoche: sie sollen durch Künstler aus die wirklich vorhandenen, oft allzu ver- borgenen Schönheiten der Reichshauptstadt aufmerksam gemacht werden. Aber auch die Berliner selbst werden hier ihre Rechnung finden und mit Erstaunen feststellen, was alles sie nicht kennen oder nicht würdigen. Und das nur als Nebenwirkung einer Ausstellung, deren Jury nicht etwa von dem Gesichtspunkt des Dargestellten ausging, also merkwürdige und vielleicht süßlich« Ansichten der Stadt bevorzugte, sondern von der rein künstlerischen Qualität. Es bietet einen ganz seltsamen Reiz, von Bild zu Bild zu gehen und darin die Stadtgegend, die Straße, die Partlandschaft aus eigener Lokalkenntnis herauszufinden. Der Bildtitel im beigefügten Täfelchen wird dann dem wahren Kenner Berlins sein« gute Beobachtungsgabe bestätigen. Selbstverständlich kann eine Besprechung nicht den Ehrgeiz haben, eine List« der landwirtschaftlichen Begebenheiten zwischen Siemensstadt, Rummelsburg, Flughafen und Zehlendorf aufzu- stellen. Es sollen nur«in paar Namen von Malern genannt werden, die sich um diese Stadtschilderung besonders verdient gemacht haben. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der schon so glücklich oerlausen« Versuch wiederholt werden. Inzwischen kann man den Kunstdezernenten samt der Kunstkommission der Stadt einen Ankaufsbesuch nur empfehlen.' Die Mehrzahl nimmt die Berliner Landschaft als malerischen Anlaß: man fühlt, mit den architektonischen Einzelheiten ist in den meisten Fällen nicht Staat zu machen, und fängt die lockende Atmosphäre, das farbige Rarnnbikd«in: so PH. Frank. Meid Annot, Jmre Goth, Heckendorf, Hübner, Kohlhoff. R. Jacobi, A. v. Zitzewitz, Barczinski: mit besonderer Frische Ha a s e- Ja st r o w, der sich zum Spezialisten des Tier- gartens entwickelt, und Ines Wetzet, die vielleicht das schönste und sarbigst« Wld beigesteuert hat(„An der Spree"). Orlik gibt in seiner noblen und soliden Form da« Gegenständliche mit einer Bestimmtheit, die wahre Schönheit auch im Banalen findet: und dasselbe in anderer Gesinnung F r i t s ch, der hier ein sehr glück- liches Betätigungsfeld finden könnte. Wilh. Wagner, Jma Breufing, Mathilde Schulz und Batü betonen ebenso das Sachliche stärker: Bato mit bewußter Konzentration aus die modernst« Architektur, die ihre Darstellungswllrdigkeit in Gestalt des Unioersumpalastes erweist. Das gleich« behandelt der jung« H oerner in gesteigertem Maßstab: sein ungeheurer Rundblick vom Funkturm ist«ine kühn«, aber wohlgelungene Leistung. Den stilistischen Höhepunkt bilden zwei Gemälde junger Künstler: der streng stilisierte als Gitterwerl von Horizontalen und Vertikalen durchkomponierte„Potsdamer Platz" von Erich Krantz(ein Anfang, noch keine vollkommene Lösung, aber schon außerordentlich) und der farbig wie dynamisch sehr reizvolle Kristallisationsdersuch von N erli n g er, Motto:„Der Ftiihzug": ein Weg, de n Mysterium der Großstadt aus formal dezidiertem Weg« beizu- kommen, der ebenso zur Fortsetzung lockt. Dr. Paul F. Schmidt „Mii Gven Hedin durch Asiens Wüsten" Llfa-palast am Zoo. Eines wird jeder an Sven Hedin bewundern: seine unerhörte Ausdauer und Energie, mit dem er an dem einmal ergriffenen Ziel der Erforschung Jnnerasiens festhält. Wer seine vielen Bücher über die Eroberung des Transhimalaja und seine Reisen m Tibet liest, wird nicht immer dem Eifer des Geographen zu folgen oermögen. Mögen diese Gebiete geographisch, und was wichtiger ist, ethnolo- gisch, noch so viel zu bieten haben, allmählich stumpft man doch gegen das immer gleiche ab. Inzwischen ist auch von anderen Forschern das glsiche Gebiet in Angriff genommen worden, und erst kürzlich sahen wir einen Film von Filchner über Tibet. Sven Hedin hat seine umfassenden Forschungen nach dem Kriege wieder aufgenommen, und diesmal mit ganz großen Mitteln einen Vorstoß durch die gesamte Wüstenwelt Jnnerasiens begonnen. Die Reise ging von Peking aus mit Unterstützung der chinesischen Regierung. Sie ist auf drei Jahre berechnet. Die erste Etappe erstreckt« sich über 2500 Kilometer und führte an der Südgrenze der Mongolei durch die Wüste Gobi bis Urumtschi, das am 28. Februar 1928 er- reicht wurde. Diese siebenmonatige Reise, die voll ist von Strapazen und schwierigen Zwischenfällen, bildet den Inhalt des Films. Es fehlt nicht an Sensationen, wenn man diesen Ausdruck für auf- lässig« Kamele, Diebesjagden, Sand- und Schneestürme zulassen will. Daneben werden die Vorbereitungen, die wissenschaftlichen Arbeits- Methoden, die Besuche i» einem Lamakloster mit den grotesken Tänzen der Priester ausführlich geschildert. Reizende Tieridyllon sind dazwischen gestreut. Aber der Haupteindruck ist natürlich die Wüste mit ihrer unendlichen Monotonie. Immer wieder prägt sich das Bild ein der langen Kamelveihe— man hatte 300 angekauft—, die aus der Kuppe der Sandhügel dahinzieht vor dem hellen Himmel. D. „Großstadijugend." pnmus-palast. Es genügt nicht mehr, daß Harry Licdtte scharmant ist und als Schwerenöter unter Palmen wandelt, er wird nun auf den liebenswürdigen Alleskönner mit heldenhaftem Charakter stilisiert. Einem gewöhnlichen unbeschäftigten Sterblichen bedeuten schon Ski- rekorde allerlei, sür Harry ist das ein Nichts, wenn nicht noch vier siegreiche Autorennen hinzukommen. Als das Vermögen addio sagt, wird er sogar Hauslehrer, entwickelt fabelhafte erzieherisch« Fähig- leiten, macht einen prachtvollen Detektiv und heiratet am Schluß. Franz Rauch, aus dessen Atelier das Manuskript stammt, hat sich keineswegs mit Ruhm bedeckt. Warum er den Titel„Groß- stadtjugend" wählte, bleibt tiefes Geheimnis, ebenfalls warum Si- tuationen, die die Bühne längst aus Abbruch verkauft hat, vom Filmlustspiel erworben werden. Für einen Regisseur, der nicht un- wahrscheinlich unbegabt ist. bieten sich dabei keine Schwierigkeiten. Rudolf Walther-Fein arbeitet, wie viele vyr ihm arbeiteten und viele nach ihm arbeiten werden, und schließlich ist es im Grunde so gleichgültig, wie dieser Kitsch auf die Welt kommt. Maria Paudler zeigt ihr neckisches Lachen und den koketten Anflug von Melancholie. Hoffenttich stellt man sie bald vor an- der« Aufgaben, sonst wird auch dieses Talent vollkommen schemati- siert. Sonst»eben der Wüst und Picha»och ein paar gute Chargen. Neu Helmuth Gauer, der sehr eindringlich einen Pubertätsjüng- ling gestaltet F-S. Hausmädchen-Schicksale. Beiträge zu einem Hausangestettiengeseh. Za den letzten Tagen wurden vor dem Zlrbeilsgerichl Berlin nachstehende drei klagen verhandelt, die wir ohne jeden Kommentar verössenllichen. Die Verhandlungen bilden einen lehrreichen Beitrag zu der jetzt erörterten Frage, ob ein hausangestellten- geseh zweckmäßig ist. 2 S0 Mark für ein Auge. Di« Hausfrau wollte sich unbedingt selbst in der Küche betätigen un-d wenigstens die Scltersslaschen kalt stellen. Versehentlich drehte sie den Heißwasserhahn auf. Nach einigen Minuten kam das Möd- chen dazu, drehte das heiße Wasser ab und dafür das kalte auf. In diesem Augenblick explodierte die gefüllte Selters- flasche. Die Scherben flogen dem Mädchen ins Gesicht. Sie mußte ins Krankenhaus. Dort stellten die Aerztc fest, daß das eine Auge völlig erblindet und das andere in Mitleiden- schaft gezogen war. Um das zweite Auge zu retten, mutzte das ver» letzte entfernt werden. Das Mädchen machte für sein Unglück die Dienstherrschaft ver- antwortlich und strengte Klag« vor dem Arbeitsgericht an. Es ver- langte zunächst Ersatz der durch die Krankheit entstandenen Unkosten und Vergütung des Lohnausfalls. Rentenonsprüche wurden nicht erhoben. Das Gericht gab der Klage nur zur Hälft« statt. Es vertrat den Standpunkt, daß die Frau des Beklagten zweifellos die nötige Sorgfalt außer acht gelassen habe und daß dadurch der Schaden entstanden sei. Das Gericht vertrat ober weiter den Standpunkt, daß die Klägerin ein gewisses Mitverschulden trag«, denn„sonst hätte die Flasche nicht gerade in dem Augenblick explodieren können, wo die Klägerin das kalt« Wasser ausdrehte". Dieser Ansicht des Gerichts steht das Gutachten des' gerichtlichen Sachverständigen gegenüber, der ausführte, daß die Explosion aus- schließlich durch die Erhitzung der im Selterswasser enthaltenen Kohlensäure erfolgt sei. Gegen das Urteil, das dem Mädchen für das verlorene Augenlicht nur etwa2S0M. zuspricht, ist Verufirng eingelegt worden. Die Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht endete mit einem Versäumnisurteil zugunsten der Klägerin. Befchimpst und mißhandelt. Die Klägerin war bei dem Beklagten als Hausmädchen tätig. Der„gnädige Herr" war sehr temperamentvoll. Wiederholt hat er seine Angestellte in übelster Weise beschimpft. Damit nicht genug, hat er sie auch häufig geschlagen. Das Mädchen wollte aber die Stell« nicht aufgeben, aus Furcht, arbeitslos auf der Straße zu stehen. Sie blieb und ließ sich weiter beschimpfen und schlagen. Einmal wurde der„gnädige Herr" dann doch zu hitzig. Er schlug das Mädchen in brutal st er Weise an den Kops, so daß sie sich in Krankenbehandlung begeben mußte. Hier wurde festgestellt, daß infolge des Schlages das Gehör der Patien- ti n gelitten hatte. Nachdem sie aus dem Krankenhaus ent- lassen war, blieb sie auf einem Ohr gänzlich taub, aus dem zweiten Ohr war die Hörfähigkcit stark verringeri Das Mädchen klagte nun vor dem Arbeitsgericht eine Entschädigung in Höhe von 2000 M. ein. Sie will sich eine neu« Existenz gründen, denn als halbtaub« Hausangestellte kann sie keinen befriedigenden Posten finden, zumal sie noch immer in ärztlicher Behandlung ist. In der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Berlin erschien der Beklagte nicht persönlich. Er ließ sich durch seinen Privatsekretär vertreten. Die Verhandlung endete mit einem Ver- gleich in Höhe von 1000 M.. doch behielt sich der Vertreter des Beklagten ausdrücklich den Widerruf vor, falls etwa dem„gnädigen Herrn" die Höhe der Vergleichssumme zu hoch sein sollte. Booisunglück auf dem I�hein. Drei Personen ertrunken. Ein schweres Motorbootunglück ereignete sich in den Spätabend- stuichen auf dem Rhein in Höhe des Orte? Bad Salzig. Ein Motorboot, das den Fährdienst zwischen Boppard, Bornhofen und Bad Salzig versieht und in dem sich sechs Personen befanden, konnte dem französischen Schleppdampfer„Colmar", der nahe am Ufer fuhr, nicht mehr ausweichen und wurde von diesem erfaßt. Das Motorboot wurde so schwer beschädigt, daß es schon nach wenigen Minuten versank. Der Fährmann, sein Sohn und ein zwölfjähriger Zunge au» Bad Salzig gingen mit dem Baal unter und ertranken. Ein« ältere Dame, die in Bornhofen zur Kur wellt, konnte im letzten Augenblick gerettet werden, während eine jüngere Dame und ein Arbeiter sich selbst durch Schwimmen ans Ufer retteten. Die genaue Ursache des Unglücks tonnte noch nicht geklärt werden Sö-ui-Aüha. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung beging �or kurzem die hiesige islamitische Kolonie Id-ul-Adcha das Fest der Opfer. Es wird in der ganzen moslemischen Welt, als „roßes Fest der Gemeinsamkeit, vier Tage lang gefeiert. Man ge- denkt dabei der Pilger in Mekka, die zu der gleichen Zeit mit dem Rufe„Labbeik",.Labbeik",„Ich komme",„Ich komme", zur Moschee strömen, dort beten und hernach Opfertiere schlachten. In Berlin war das I s l a m i n st i t u t Veranstalterin der Feier, die im Tiergartenhos stattfand. Der Leiter war der rührige T s ch e l e b i. ein Mekkapilger, der an solchen Tagen stets das einfache Gewand trägt, mit dem er auch während seiner Pilger- fahrt bekleidet war. Die Moschee am Fehrbelliner Platz wurde mal wieder gemieden, denn sie ist von der kleinen indischen Sekte der „Ahmadia of Lahor e" erbaut worden, die ausgerechnet in moslemischen Kreisen auf das heftigste umstritten wird. Der Islam ist aber durchaus nicht an eine Moschee gebunden, denn wo Gläubige zusammenkommen, ist«in Gotteshaus, und so wurde hier kurzerhand ein Restaurant dazu. Wie auch die meisten Moslem keinen bezahlten Geistlichen gelten lassen, weil nach ihrer Anschauung die bezahlte Vermittlung zwischen Gott und den Menschen etwas Unwürdiges ist! Bei der Berliner Feier fand nrnn einträchtig beieinander Inder, Perser, Araber, Aegypter, Tataren und Türken, soweit sie Mustapha Kemal nickt zu fürchten brauchen, denn der Diktator liebt nicht den internationalen Charakter derartiger Zu- sammenkünfte. Hier aber kümmert« man sich nicht um nationale Sonderwünsche, denn Persönlichkeiten, die offiziell repräsentieren müssen, saßen ganz selbstverständlich neben Schauleuten aus dem Luna Park. Der Islam ist nämlich wahrhaft demokratisch. Die deutsche Friedensgesellschasl veranstaltet am Mittwoch, dem 29. Mai, 20 Uhr, im Restaurant..Wahlstatt", Belle-Alliance- Straße 89, einen öffentlichen Vortragsabend, bei dem Professor Dr. Fries, der 2. Vorsitzende der„Kosmopolitischen Union", über „Weltsrieden durch Staatenocreinigung" sprechen wird, unter be- sonderer Berücksichtigung der deutsch-polnischen Spannung und der französischen Zeppelinhilfe. Gäste willkommen. Iveklcr für Berlin und Umgegend: Heiter bis wolkig und sehr warm, örtliche Gewitterbildung, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland; Verbreitete Gewitter be: wenig geänderten Tem- peratjzxem.., ,,... „Volt und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, uitd „Der Sinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Theater der Woche. Vom 26. Mai. bis 3. Juni Volksbühne. Theatee-««tiloi-pla»: A., 27., 29.. 30., 31., 2. Tr-i-ner. 28., 1., 3. Douaumont. Theater am Schiffbaaerdamm: Di« Dreigroscheneper. Zhalia-Theater: Die Pfarrhauskomödie. Staatstheater. Staateaper Unter de» Linde»! 20. Troiibador. 27. Manon Lescaut. 28. Je- nufa. 29. Aida. 30. Der Schatzgräber. 31. Der singend« Teufel. 1. Ziofenkavalier. 2. Z-Heingold. 3. Walküre. Oper»m Platz der Rrpnblit: 20, und 2. Di« Flrdcrmaus. 27. Luis« Miller. 28. Hoffmanns Erzählungen. 29. Iphigenie auf Tauris. 30. Carmen. 31. Der fliegend« Holländer. 1. Don Giovanni. 3. Salome. Städtisch« Oper, Charlottrnburg: 20.. 30. und 3. Slq. 27. Geschlossene Bor- siellung. 28. ssidelio. 29. Tannhäuscr. 31. Der Wildschütz. 1. Cugen Onegin. 2. Othello. Schanspiekhan« am Send« rare» markt: 91.,». 90. vrA I. Maß Wr Mai, 27., 29. König Johann. 31. und 2. Störungen. 1. Seh dem. der lügt. Schiller-Theater: 20., 28. und 30. Kalkutta, 4. Mai. 27. und 29. Zaun» gästc. 31., 1. und 3. Sespenstcr. 2. Wilhelm Tell. Theater mit festem Spielplan: Deutsch«, Theater: Di- Gesängen-.—»ammerspiele: Ausgang nur für Herrschaften.— Die komodi«: JEer Mann, �der se:nen� Namen andeNe.�-- Theater: Die lustige Witwe.'— Komische Oper: Mascottchen.— Deutsch«, «unstlcrtheater: Prosit Gipsn. 2S. Nachtvorstrlluug. 23>z Uhr. So oder so.— Lustipielhaus: Bis 31. Weekend im Paradies. Ab 1. Arm wie eine Kiraien» maus.— Lessing.Theater: Die Frau des Andern.— Trianan.Theater: Caia. Nonas Sohn.— Die Tribüne: Die Sache Makropulos.— Kleine» Theater: Ratz oder trocken?— Zienaissanee-Theatcr! Die heilige Ilamme,— Ztoie- Theater: Spiel im Schloß, s-rtenbühn«: Ein Walzertraum.— Cafino.Theatcr: Mütter non heute.— Sil'Ioßpark.Theater Steglitz: Bis 29. Der Trinker. Ab 30. Sp'el im Schloß.— Plaza, Winterg-rtr-, Skala: Inlernattonales Bar:ete. — Rcick-ball-n. Theater: Steltincr Sänger.— Theater am Kottbnsser Tor: Elitc-Sängrr. Nachmittagsvorstellungen. Volksbühne. Theater am Vül-wplatz: 20., 2. Trojaner.— Theater am Schiffbauerdamm: 28.. 2. Helden.— Thalia-Theater: 20.. 2. Die Pfarrhaus- komööie.— Rofetheatcr(GartsnbühneZ: Konzert und bunter Teil.— Plaza: Internationales Barieto.— Wintergarteu, Skala: 20.. 1., 2. Internationales Variete.— Reichshalleu-Theater: 20.,' 2. Steltincr Sänger.— Theater am Kottbusscr Tor: 20., 2. Elite.Sänger., Erstaufführungen der Woche. Mittwoch. Theater in d e r Klosterstraße:..Das Grabmal des unbekannten Soldaten".— Freitag. Schaufpielyaus: Störungen".— Sonnabend. Metropol. Theater: �Blaubart".— T r i a n o n» Theater:„Die drei Dorfheiligen". Mjnngbeiid. 25. Mal Berlin. 16.00 Dr. H. Rosenfeld: Terne Wanderwelten in* der Literatur. I. 9üdsc«. 16.30 Unterhaltungsmusik, Hansheiniich Dransmann mit seinem Titar.ia- Orchester. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.10 Dr. K Würzburger: Vom neuen Sinn der Kameradschaft. 18.35 Rittmeister a. D. Krause: Der Rennsport als Wirtschaftsfaktor. 19.00 Ministerialrat Dr. Richter: Staat und Jugendpflege. 19.30 Rechtsanwalt Dr. Dr. Frey; Berliner Diplomatcnköpfc. 20.00 Bildfunk. 20.10 Uebertragung aus dem Haus des Golfspiel-Clubs Wannsce. 20.30 Quer durch die Berliner Posse. Nach den Abcndmcldungen bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmann). Während der Pause; Bildfunk. � Königswusterhauscn.' 16.00 Stephan Konctzky: Aus dem Zentralinstitot für Crriehunj und Unterricht. 16.30 Dr. Heinz Potthoff: Wohnrccht und Wohnkultur, 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Dr. Suhr u. Min.-Rat Prof. Woldt: Probleme der beruflichen Fvenungs- prüfung in der Wirtschaft(Zwiegespräch). 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. Paul Landau: Deutsche Geselligkeit, 19.20 Prof. Dr. Platz: Not und Gnade am Rhein. Sonntag, 26. Mal Berlin. 6.30 Fruhkonrert. 8.55 Stundenglockcnspiel der Potsdamer Garnisonkirchc. 9.00.Morgenfeier. Glockengeläut des Berliner Doms. 12.00 Miltagskonzert. 14.00 E. Nebermann: Schachfunk. � 14.30 Für den Landwirt. 15.30 Märchen.(Erzahlt von Gertrud Nube.) 16.00 Dr. L. Hirschberg; Sebastian Bachs Kantaten. 16.30 Cornelie Hoetzsch: Bedeutung des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. 17.00 Unterhaltungsmusik des Salonquintetts Fritz Abrahl. 20.00 Franz Lchar. Dirigent: Artur Guttmann. Else Kochhann, Sopran und W. Gombert, Tenor.(Berliner Funk-Orchester. Berliner Funk-Chor.) Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik(Kapelle Otto Kermbach). Während der Pause: Bildfunk. Königswusterhausen. 18.00 Paul Matzdorf: Vom frohen Wandern. 18.30 Dr. Werner Schuftan: Körper und Raum im modernen Ausdruckstanz. 19.00 Reichsminister Dr. Koch-Weser und Arthur Mahraon: Parlamentarismus, wie er ist und wie er sein sollte(Zwiegespräch�. 19.45 Dr. K. Dürre: Friedrich Lienhard zum Gedächtnis. Verantwortlich für die Redaktion: Franz ftlüha, Berlin: Anzeigen: Th. SloSe. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Theater,< Lichtspiele usw. Z) r) Renaissance-Theater | Hardenbergstr. 8. Tl.: SteinpL 901 u. 2583/84 1 AViUhr ThoHdl SV« Uhr [Die heilige Flamme Kegie; Gustav Härtung. 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Aufläse jg J des Vorwärts und troudera 1 föelloge Sonnabend� 25. Mal 1929 tmmmmmm—mmmm—mmm—mmmm—mm DprjUitmD StuUauigaU* jia Pa rteitagsgedan k en Von Kurt Eisner In seiner geistreichen unt» spitzen, ober nie verletzenden Art hat Kurt E i s n e r die nachfolgenden Bemerkungen flur Zeitgeschichte den Parteigenossen gewidmet. Sie erschienen gerade ipum Magdeburger Parteitag, allerdings dem von 191l), nicht dem diesjährigen. Aber sie haben als golden« Lebenswahrheiten auch heute aktuellen Wert. Des- wegen geben wir das„Magdeburger Sauerkraut", wie es damals in der Parteitagsnummer der„Volksstimme" erschien, mit Vergnügen wieder. Red. d.„Vorwärts". Bevor du auf den Parteitag gehst, stelle dir eine List« der Teil- nchmer auf, die du leiden, und derer, die du nicht leiden kannst. Stimme immer mit den letzteren: dann kommen richtig« Beschlüsse heraus. * Gebundene Mandate sind Butterbrote, die einem zu thaus ein- gepackt sind und die man erst am vierten Tage in der Manteltasche entdeckt Bedenk«, in der Wirtschaft des Parteilokals gibt es immer frische Butterbrote. * Luftoeränderung ist auch für geistige Epidemien ein Heilmittel. Nur schleppe nicht in die neu« Gegend alle Bekannte deines Wohn- ortes mit, sonst bist du wieder dort, wo du herkamst. ★ Auch in der politischen Welt ereignet sich manchmal etwas N?ues. Es ist also nicht immer beweiskräftig, wenn man eine Meinung begründet:„Schon TJZ sagt sehr richtig... ic Die Phantasie des Zukünftigen arbeitet pessimistisch. Wenn man die sozialistische Gesellschaft des Zukunftsstaates bekämpft, so malt man ein Gemälde, als ob im Gegenwartsstaat ein Haufen von Narren und Verbrechern schrankenlos wütete. Zukunftsgedanken über die Parteientwicklung lassen sich mit einem Wort ausrotten: Das führt zur Versumpfung! »* Es ist mir aufgefallen, daß kein Mensch so wenig verstanden wird, als wer in seinem persönlichen Leben Einheit von Theorie und Praxis zu erreichen sucht und gar erreicht. Man empfindet das als eine Beleidigung der anderen. *• Das bürgerliche Moralgefühl besteht in dem Neid« der Feigheit, daß sich der andre getraut, was man doch selbst gern möchte. * ■» Man soll auf Parteitagen die Geographie und die Dialekte ver- gessen. Der Segen ist nicht zu ermessen, wenn sich ein Leipziger für einen Badener und ein Münchener für einen Berliner hielt« •k Diskutiere so, als ob du schon zehn Jahr« danach lebtest. * Es ist nützlich, sich bei dem, was man sagt, etwas zu denken: man sagt es dann meist nicht. * Es ist ein Unglück für«inen Redner, gute Gründe zu ent- wickeln: sein Gegner hält das für«ine besonders empörende Ge- meinheit. k Demokratisches Bewußtsein— die Ueberzeugung, übermorgen die Mehrheit zu gewinnen. Demagogie— die Routin«, sie schon heute unter allen Umständen zu erzwingen oder sich ihr anzupassen. * yttr einen weltgewandten Menschen setzt sich die eigene Ueber- zcugung aus den Händen zusainmen, welche die anderen aufheben. * Ein allbekanntes Wort ist wirksamer als tausend neue Ge- danken. Nichts ist eitler als das Publikum. Es will immer nur in den Gedanken des anderen die Bestätigung seiner eigenen Gescheit- beit wiederfinden. Man soll deshalb immer nur reden, was alle schon wissen. So entstehen die Zwischenrufe: Sehr richtig! * Alles Unheil in der Welt kommt von den Verbotstafeln. Weil im Paradies zu lesen war: es ist verboten, Aepfel zu essen, verloren wir es. Wird die ZZerbotstafel allgemein, so nennen das manch« „Prinzip". � Wenn nur ein Tausendstel der Leidenschaft, die aufgewendet wird, um Beschlüsse durchzusetzen über das, was man nicht tun darf, hergegeben würde für das, was man tun soll! * Lies vor jedem Parteitag alle Protokolle der vorhergehenden durch. Und dann habe den Mut, die Beschlüsse zu vermehren. » Ssttliche Entrüstung ist der Kunstgriff der Bernimft, sich Denk- arbeit zu ersparen. Das eine Wort„Schweinehund" hat größere Wirkungen erzeugt als alle Philosophie und Wissenschost zusammen- genommen. Es ist so schwer, einen anderen zu widerlegen, weil der Erfolg voraussetzt, daß der andere so bescheiden und so klug ist, sich selbst widerlegen zu wollen. Nur der bedeutende Mensch weiß menschliche Bedeutung zu ver- ehren. � Ich kenne fein größeres Vergnügen, als Menschen zu finden.' die klüger sind als ich selbst. Es ist merkwürdig, wie wenige sich dieses Vergnügen gönnen. Die Abneigung gegen den Heldenkult entspringt häufig der Begierde, zu verbergen, daß man selber kein Held ist. Man glaubt zu wachsen, wenn man die anderen um einen Kopf kürzt. * Mitläufer gewinnen— die Kraft neuer Aussaat. Di« cigent- ftche Fruchtbarkeit einer Partei äußert sich in dem Maße, in dem ße außerhalb ihr« Kreises wir». Regierungen lenken von inneren Schwierigkeiten ab, indem sie die Leidenschaft nach außen leiten. Bei Parteien ist es umgekehrt: äußere Hemmnisse treffen nach innen. Unbefriedigtes Mochtgefühl gegen den Feind schlägt in Kampflust gegen den Freund um. Kann ich keinen Minister stürzen, so doch wenigstens meinen Freund Schultz« * Ein Wähler ist stets der Inbegriff aller Gescheitheit. Aber er soll deshalb nicht übermütig werden. Er kann über Nacht zum Idioten werden: wenn er sich nämlich wählen läßt. * Nur die Disziplin ist revolutionär, der sich zu unterwerfen Gefahr und Opfer verlangt. k Parteien müssen gegen die Mitglieder noch mehr Toleranz üben als Staat und Regierung gegen die Bürger. Es wird ghgen diese Auffassung eingewendet: dem Staate gehöre man durch Zwang, der Partei freiwillig an. Wer so denkt, lebt nicht in der Partei. Aus Entlud sich die durch den Anschlag der dynastischen Gegenrevo- lution auf die Reichsoerfassung entfesselte Bewegung in Sachsen und Rheinpreußen in Aufftänden, die nach den Regeln des Straßenkamp- ses niedergeworfen wurden, so führte der gleiche Zusammenstoß in Süddeutschland, in der Pfalz und Baden zu einem mehrwöchigen leibhaftigen F e l d z u g mit Aufmarschplänen, Gefechten, Beschießun» gen, Belaoerungen und strategischen Rückzügen. Der Grund dafür wie auch der Grund, daß jetzt, da es mit der deutschen Revolution auf die Neige ging, noch einmal so links gefahren werden tonnte wie in keinem der Monde fest dem März 1848. lag in dem Uebertrill des Militärs zur Volkssache. Als Anfang Mai auf die Kunde, daß die Münchener Regierung aus die vom Frankfurter Parlament ausgebrütete Reichsverfassung pfeife, die R h e i n p f a l z rebellisch aufbegehrte, schlugen sich sofort rund 3000 Mann der bayerischen Armee, zumeist eingeborene Bfäl- zer, auf die Seite der Erhebung. Das gab ihr einen solchen Auf- trieb, daß ein Landesoerteidigung-ausschuß, eine provisorische Re- gierung und eine besondere Volksvertretung entstanden und die Lostrennung der Pfalz von Bayern feierlich verkündet wurde, aber es gab auch dem badischen Heer ein ermunterndes Bei- spiel. In Badexi gärte es seit langem schon. Das Ministerium B e k k. das eine ideenlose Stillstandspolitik unter dtt Maske eines gemähigten Liberalismus betrieb, hatte so ziemlich das gesamte Volt gegen sich, da es die Einberufung einer Konstituante zur Beseitigung des Zweikammersystems und zur Nioderlegung der Standes- Privilegien starrsinnig weigerte. Die Demokratie, immer mehr er- stärkt, marschierte neuerdings in Reih und Glied: von den 35 WX) Mitgliedern der über 400 Volksvereine waren nicht wenige geneigt, dem jungen, feurigen Amand G o e g g zuzujubeln, wenn er aus seinem republikanischen Herzen keine Mördergrube machte. Die Propaganda dieser Demokratie bog nicht ängstlich vor der Kaserne ab. Ohnehin hatte rohe Behandlung durch hochnäsig« Iimkeroffiziere Erbitterung unter den Soldaten gesät: dazu steckte die Heereserhöhung und der Wegsall des Loskaufsrechts gebildete junge Leute in den bunten Rock, die den demokratischen Gedanken doppelt zugänglich waren, und da es an besonderen Flug- blättern für die Armee und an verbrüderungssesten zwischen Truppe und vürgerwehr nicht fehlte, unterhielten auch viele Unteroffiziere enge Fühlung mit den Volksvereinen, die im Mai, erhitzt durch die Glut im eigenen Lande, aber auch entzündet durch die Vorgänge in der benachbarten Pfalz, die Dinge weiterzutreiben begonnen. Den Gipfel stürmischer Kundgebungen bildete die gewaltige Offenburger Volksversammlung. mit der sich der Landesousschuß der Volksvereine wie eine revolutio- näre Behörde in Permanenz erklärte, aber am gleichen 15. Mai rückte, was entscheidender war, eine Abteilung des 1. I n f a n t e r i«- r e g i m e n t s aus Bruchsal mit roten Federn auf den Tschakos in der Landeshauptstadt ein, verbrüderte sich in Karlsruhe mit Militär und Mass«, erklärte sich die Besatzung der Reichsfestung Rastatt für Schwarzrotgold. Die Garnisonen von Mannheim, von Frei- bürg, von Lörrach folgten: das ganze Heer stellte sich hinler den eandesausschuß. die Artillerie einmütig, auch die Infanterie durchweg von ganzem Herzen, die Reiterei schon zweifelnder und lauer: das Leibdragoner- regiment beharrte sogar auf der anderen Seite, bis der Großherzog, auf der Protze einer Kanone sitzend, geflüchtet war. Daß sich das Heer hinter dem Banner der Demokratie auf- reiht«, spielt« ihr mit einem Ruck den ganzen Staatsapparat wie alle politische Macht in d!e Hände. Zum Zeichen dessen begann auch hier eine provisorische Regierung auf den Trümmern des großherzoglichen Regimes zu amten. Wenn man auch nicht wagte, der starken republikanischen Strömung im Bolk nachzugeben und Baden zur Republik auszurufen und sich statt dessen mit dem ver- wascheneren Begriff Freistaat begnügte, so hatte dos Programm dieser jäh ans Ruder gelangten Demokratie doch, auch in sozialem Betracht, Klauen und Zähne, jedenfalls mehr als eins, wenn man von dem Kreis um die„Neue Rheinische Zeitung" absieht. Auch scheute die provisorische Regierung nicht davor zurück, durch einen Aufruf vom 10. Mai allen Mächten, die der Reichsversassung feindlich seien, den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Aber ein zielklarer politischer Wille stand hinter diesen Kundgebungen nicht. Fanden sich unter dem Kanonenfutter der Reichsverfasiungskam- pagne nicht wenige Arbeiter, auch sozialistisch geschulte, so empfing die Bewegung ihre Stichworte von dem Kleinbürgertum, das in diesem sozial kaum zerklüfteten gemütlichen Lande den Kern der Bevölkerung ausmacht«. Das Kleinbürgertum aber konnte auch bei dieser historischen Gelegenheit nicht über seinen eigenen Schatten springen: wie immer schwankt« es zwischen Hoffnungsseligkost und Watcherzigkeit hin und her. Sein typisch« Dolmetsch war der Adoo» dem Staate kann man auswandern und gewinnt vielleicht dabei: die Partei verlassen, heißt aus seinem Leben auswan- dern. Wer mit einer Partei innerlich verwachsen ist, wem sie persönlichen Inhalt des Daseins geworden ist, der ächtet sich selbst, wenn er sie verliert, er verurteilt sich selbst zum bürgerlichen Tod und seine Seele findet nirgends in der Welt mehr ein Asyl. Die Partei ist der stärkste Zwang, so unfreiwillig wie das Dasein selbst. * Der Glaube an die Zukunft ist die einzige Lebensmöglichkeit der Gegenwart. * Die Titel- und Ordenssucht ist unausrottbar. Innerhalb der Parteien nennt man es„Richtungen", wir„— isten", d. h. wir besseren Leute mit dem roten Adler vierter. * Sport ist die Schutzmaske des Idealismus: magische Feierlichkeit nicht selten die Locklampe für geschäftstüchtige Animierkneipen. kat Lorenz Brentano, der, durch häufige Verteidigung ropubli- kanischer Angeklagter volkstümlich, an die Spitze der provisorischen Regierung gehoben wurden, aber nichts war als ein demokratisch schillernder Konstitutioneller mit der ewigen Angst vor der„Anarchie" im keuschen Busen. Daß Brentano sich durch Beibehallung reaktionärer Beamter und Offiziere schwer an der Revolution versündigte, war nicht ein- mal seine schlimmste Schuld, denn vor allem zeigte sich dieser Spieß- bürger als Staatsmann nicht fähig, vielleicht auch nicht willens, zu begreifen, daß der badifch-psälzischen Erhebung nur dann einige Aussicht auf Erfolg winkte, wenn es gelang. sie zu einer gesamten deutschen Bewegung zu macheu. Nach Frankfurt vorzustoßen, die Nationalversammlung mit revolu- tionären Bajonetten zu umgittern, derart Kur- und Darmhesien, Nasiau und Württemberg mitzureißen, das Rheinland zu bedrohen — das war das Gegebene! Aber da am 30. Mai ein Vorstoß in der Richtung Frankfurt, unternommen unter S i g e l s Oberbefehl, an der Unfähigkeit einiger Unterführer scheiterte, bedeutete der Ver» zicht auf weitere Offensive und die Beschränkung auf die Defensive schon den Anfang vom Ende. Denn allzu ungleich war das Kräfteverhältnis. Die regulären badischen Truppen zählten etwa 15000 Mann: dazu kamen, insgesamt vielleicht ebenso stark, � eine Reihe von Freikorps. Fremdenlegionen und Arbeiterbotail- lonen: in ihnen fochten auch Friedrich Engels und Wilhelm Lieb- k n e ch t. Seit dem 18. Juni traten dazu einige tausend Mann der vor dem Gegner über den Rhein gewichenen plälzischen Armee. Auf der anderen Seite standen unter Befehl des Prinzen von Preu- ßen, des späteren Kaisers W i l h e l m, der beflissen war,„Ordnung" zu machen, die beiden preußischen Armeekorps Gröben und H i r f ch f e ld t, jedes 20 000 Mann stark, und die Reichsarmee unter General P e u ck e r, die, aus Kurhesien, Nassauern und Mecklen- burgern zusammengesetzt, wiederum 20 000 Mann umfassen mochte. Zum Ueberfwß stellten Bayern. Württemberg und Oesterreich je ein „Observationskorps" auf, die die Reichsverfassungsarmee einkreisen halfen. Gleichwohl arbeiteten sich die Preußen nur langsam vorwärts. nicht nur, weil sie einem Teil der eigenen Leute nicht trauten, son- dern auch, weil ihnen die Kämpfer für Schwarzrotgold unter dem Befehl des Polen Mieroslavski einen heißen Empfang b»- reiteten. Di« Gefechte bei Grossachsen, Sinsheim, Michelbach, Oos. bei Hirschhorn, wo sich die Hanauer Turner ausgezeichnet schlug«?», bei Durlach, wo Johann Philipp Becker, Obertommandant der Lolkswehren, mit 500 Freischärlern eine ganze preußische Division voll« drei Stunden ernsthaft beschäftigte, die Verteidigung der Laden- burger Brücke, die Erstürmung von Waghäusel, der Widerstand in Wiesental sind Ruhmesblätter revolutionärer Kriegsgeschichte, aber auf die Dauer war gegen die Uebermacht weder die Neckar» noch die Murglini« zu halten. Da in der Leitung vielfach im Mili» tärischen dieselbe Zerfahrenheit herrschte wie im Politischen, gedieh auch bei der Mannschaft neben äußerstem Heldenmut äußerste Kopflosigkeit: oft war vom Kampseifer zum: Rette sich wer kann! nur ein Schritt. So stand am 12. Juli, acht Wochen nach der Kriegserklärung der Karlsruher Regierung an die Mächte der Gegen- revvlution, außer den in der Festung Rastatt eingeschlossenen Trup- pen kein Revolutionssoldat mehr auf badischem oder pfAzischem Boden. Di« einen waren einfach nach Hause gegangen, die anderen über den Rhein nach Frankreich geflüchtet, die dritten in Formation über die. Schweizer Grenz« getreten. Als am ZZ. Zuli auch Rastatt fiel, war nicht nur die badisch- pfälzische Erhebung, sondern auch die deutsche Revolution zu Ende und für lange hinaus um so unwiderruflicher, als die beiden Hoff- nungen, die Ansang Mai sehr zur Entfachung des Feuers in Süd» deutschland beitrugen, die auf einen-Vormarsch der siegreichen lln- garn gegen Wien und auf einen neuen Erfolg der Demokratie in Frankreich, schmählich getrogen hasten. Was übrig blieb, war die kalte Rache, die die Sieger nahmen: immer wieder krachten in diesem Sommer die Salven her Standrechtspelotons. Noch im Mai hatte Prinz W i l» Helm einem Vertrauten bedeutet:„Wer Deutschland regieren will, muh es erobern!" Jetzt„eroberte" er es. Daß allerdings der Hohenzoller sich dabei für den noch langen Rest seines Lebens den Beinamen des Kartätschenprinzen holte und daß noch in Jahr und Tag die Mütter zwischen Rhein, Neckar und Schwarzwatd hinter verschlossenen Fensterläden an der Wiege ein Lied mft dem grimmen Kehrreim sangen: Schlaf, mein Kind, schlaf leis, Draußen geht der Preuß! zeigte zur Genüge, daß es nicht gerade die süddeutschen Herz« war«. B» er 1549 erobert hotte.'Hermann Wendel Vor achtzig Jahren Die süddeutsche Reichsverfassungskampagne von 1849 (20. Fortsetzung.) „Hast du denn auch richtige Kasswe als Koofmich?" fragte mich Karl. Ja, die hatte ich wohl. Meinen Ersatzreserveschein hatte ich mir auf Kaufmann umfrisiert, so daß ich überall auch die Kaufleute stoßen konnte. Ich brachte auf diese Weise mehr zusammen, als wenn ich fechten ging. Ich suchte� erst meinen Meister auf. Es war nur ein Buchbinder im Orte, der gleichzeitig«in Papier- und Galanterie- Warengeschäft betrieb. Im Laden war eine Käuferin. Der Meister gab mir, als ich mich als reisender Buchbindergeselle vorstellte, ein kleines Reisegeschenk und ich ging weiter. Als ich ungefähr fünf Minuten später ein Kolonialwarengeschäst betrat und dort als stellungsloser Kaufmann zusprach, kam dieselbe Dam«, die mich auch beim Buchbinder gesehen hatte, auch hinein, um etwas zu kaufen. Der Kommis fragte mich noch Papieren. Ich wies ihm meinen Ersatz- reseroeschein vor, den er in das Hinterzimmer zu seinem Chef trug. Der Chef kam heraus, griff in die Ladenkasse und schenkte mir eine Mark. Der junge Mann bediente währenddessen die Dame, die mich unausgesetzt beobachtete. Halt, dachte ich, hier ist etwas faul, wenn du jetzt draußen bist, wird sie dem Chef von ihrer Wahrnehmung Mitteilung machen und dann hetzt man dir die hochwohllöbliche Polizei auf den Hals. Also nun schnell sämtliche Kaufleut« abgeklopft und dann heraus aus dem Nest. Bei meineil Rückkehr in die Herberge war Kart schon vom Be- such der Lehrer zurück. Er war gleich in die Schule gegangen und hatte das Glück gehabt, den Herrn Rettor zu sprechen, der an recht leutseliger Mann war und bei seinen Kollegen eine Sammlung ver- anstaltete. Diese hatte immerhin einige Mark ergeben, und Karl, der immer nur sidel war, wenn er Geld in der Tasche hatte, befand sich in der rosigsten Stimmung. Auch mir war Fortuna hold ge- wesen. Als wir gerade beim Kassemachen waren, ging die Türe auf und der Polizeidiener trat herein, um nach unseren Papieren zu sehen. Meinem Kollegen gab er den Paß wieder zurück. Ich hatte ihm meine Papiere als Buchbinder übergeben. Er steckte sie zu sich und sagte:„Sie gehen mit!" Auf meine verwunderte Frage:„Wes- halb denn?" antwortete er:„Sie sind beim Buchbinder und bei den Kaufleuten gesehen worden, Sie sind mein Arrestant." Es ging mjr gleich durch den Kopf, mit gehst du auf keinen Fall, lieber läßt du deine Papiere in Stich und rückst aus. Der Polizeidiener war ein schon älterer Mann und hätte mich auf keinen Fall eingeholt. Auf der Straße begegneten wir dem Herrn Bürgermeister, der damals in Kleinstädten auch Amtsanwalt war. Er blieb stehen und erkundigt« sich, was es gäbe. Der alt« Pölizeidiener stand stramm und machte seinem Borgesetzten Meldung. Der Herr Bürgermeister sah mich fragend an. Jetzt hieß es dreist und gottesfürchtig fein. Ich machte dem Herrn Bürgermeister erst mal eine tadellose Verbeugung und dann begann ich: „Herr Bürgermeister, ich bin Buchbinder und auch Kaufmann." „Wie kommt das?" Der Bürgermeister fixierte mich scharf. „Ja, Eltern, die etwa? besser situiert sind, wünschen auch, daß ihre Kinder etwas Besseres im Leben werden sollen, und so habe ich erst Kaufmann gelernt. Als ich dann älter wurde, sah ich die Aus- fichtslosigkeit ein, jemals als Kaufmann selbständig werden zu können, und so sattelte ich um und lernte noch Buchbinder. Ich be- müh« mich nun bei den Kausleuten um Stellung und beim Buch- binder um Arbeit. Meine Papiere als Buchbinder haben Sie In der Hand, Herr Bürgermeister, ich erlaube mir Ihnen meine Papiere als Kaufmann zu überreichen." Das kam olles so flink und selbstverständlich aus meinem Munde, daß der Herr Bürgermeister an der Wahrheit meiner Worte kaum zweifeln tonnte. Er gab mir meine Papiere mit den Worten zurück: „Nun machen Sie aber, daß Sie die Stadt verlassen!" Das versprach ich gerne und kehrte glückstrahlend zu meinem Kameraden in der Herberge zurück. „Mensch," sagte der,„hast du aber Schwein gehabt, auf den Schreck Prost!" Unser Tagewerk war damit für heute auch wieder vollbracht und wir konnten uns ungestört der Fröhlichkeit hingeben, nahmen uns aber vor, gegen Abend die Stadt zu verlassen. Wir hatten vor Freude, dem Kittchen glücklich entronnen zu sein, so schwer geladen, daß wir, als wir frühmorgens erwachten, beide nicht wußten, wie wir hier hingekommen waren. Ich glaubte, ich läge im Chaufsecgraben, denn zu meinen beiden Seiten fühlte ich die Erhöhungen des Grabenrandes. Nur unter mir war der Boden etwas steinig, ich lag auf Kies. Ich zog also meinen Rock, mit dem ich mich.zugedeckt hatte, vom Gesicht und bemerkte, daß die Sonne mich mit ihren ersten Strahlen grüßte. Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und gewahrte zu meinem Erstaunen, daß wir unser Nachtquartier auf dem Friedhof der Stadt aufgeschlagen hatten. Ich hatte zwischen zwei Gräbern geruht. Es war ein Herr- liches Erwachen zwischen lauter Blumen.' Ich setzte mich auf eine Bant, die am Fußende eines der Gräber stand und machte mich mit meinen Schlafgenossen bekannt. Stiller Friede umgab mich. Nur das Schnarchen meines Reisekameraden, das aus irgendeiner Ecke zu mir herüber drang, erinnerte an die Wirklichkeit. Ich weckte. Karl, der wie ich vorhin zwischen zwei Gräbern lag und seinen Rock über den Kopf gezogen hatte. „Aufstehnl � Der Kaffee ist fertig, Das Wetter ist schön, Kein Putz ist zu sehn, Es ist Zeit zum Fechtengehn!" Langsam erhob er sich und streckte feine faulen Glieder. Wir säuberten uns so gut es ging und verließen die gastliche Stätte. Leider muhte ich meinen guten Reisekameraden, den Herrn Kantor und Organisten, im nächsten Dorfe liegen lassen. Als wir ksier die Schänke aufsuchten, um unsere Flaschen füllen zu lasten, fetzt« er sich sofort ans Klavier und purzelte, nachdem er seinen Affen durch ein gehöriges Quantum Alkohol aufgewännt hatte, so end- gültig vom Stuhl, daß ihn auch zehn Pferde nicht mehr auf die Beine gebracht hätten. Die Gastwirtin inachte ein böses Gesicht, und auch mir wurde die Sache zu bunt. Ich bettete ihn an der Haus- mauer in den glühenden Sonnenschein und wanderte ollein meine Straße weiter. Menschenmarkt. Ich hatte meine Arbeit in einem kleinen Städtchen in der Pro- oinz Brandenburg beendet und dampfte mit der Bahn nach Thürin- gen, wo ily in Apolda in Stellung treten sollte. Am Bestimmungs- ort hatte ich das Glück, von hilfsbereiten Kollegen aufgenommen zu werden, die mir auch gleich ein Logis besorgten. Als ich am anderen Morgen zu meinem Meister kam, öffnete mir ein bildhübsches Mädchen. Ich fühlte, wie mir das Blut ins Gesicht stieg, auch sie bekam einen roten Kopf. Ich stellte mich als der neue Gehilfe vor. „Die Werkstatt ist auf dem Hof, ich werde sie Ihnen zeigen," sagte sie. indem sie ihre hübschen, braunen Rehaugen zu mir auf- schlug und mich anlächelte. Der Meister begrüßte mich, prüfte meine Papiere und wies mir meine Arbeit zu. Es wurden hauptsächlich Kartons fabriziert. Die Arbeit gesiel mir gerade nicht sonderlich, aber ich befreundete mich schon aus dem Grunde mit ihr, weil ich hoffte, mit dem hübschen Mädchen zusammenzukommen. Lange wartete ich vergebens. Eines Morgens aber, als ich etwas früher wie fonft die Werkstatt betrat, war Frieda gerade beim Reine- machen. Das Mädel zuckte leicht zusammen, stützte sich auf ihren Besen und holte tief Atem, als müsse sie sich von einem Schrecken erholen. Ich reichte ihr die Hand und sagte ihr guten Morgen. Sie hatte einen prachtvollen Hals, und das braune, über der Stirn ge- lockte Haar, das zu einem Knoten gebunden im Nacken hing, ließ diesen wie Alabaster erscheinen. Ich tonnte nicht anders, ich mußte diesen Nocken küssen. Sie lachte und sprang dann kichernd hinaus. Die Begegnungen dauerten einige Zeit, bis uns der Meister eines Morgens überraschte und es so einrichtete, daß ich das Mäd- chen nicht mehr traf. Statt ihrer fand ich nach einigen Tagen einen Zettel auf meinem Arbeitsplatz, auf dem mit recht hübscher Hand- schrist geschrieben stand:„Am Sonnabend haben wir Hundeaus- stellung, da möchte ich Sie treffen. Der Meister gibt Ihnen frei, wenn Sie ihn darum ersuchen. Ich bin vormittags zehn Uhr in den Anlagen. Frieda!" Ich hielt den Meister an und er sagte nicht nein, da er mit meiner Arbeit zufrieden war. Es war ein wunderschöner Maientag, als ich frühmorgens auf das Mädchen wartete. Ich hatte mich auf eine Bank gesetzt und verzehrte mein Frühstück. Gegen neun Uhr kam Frieda. Sie trug das Kind des Meisters, ein Bübchen, im Tragemantel, wie es in Thüringen üblich ist. Ihr fröhliches Lachen und ihr Gesicht, das wie mit Glut übergössen war, als sie mich ansah, sagten mir genug. Wir reichten uns die Hand, die ich nicht mehr los ließ und führte sie zu der Bank, auf der ich fo lange gesessen hatte. Auch Frieda war in toller Liebe zu mir entbrannt, das fühlte ich nur zu gut, preßte sie doch meine Hand, als wenn sie sie zerdrücken wollte. Ich riß sie an mich und trank ihre heißen Küsse. Um die Mittagszeit begleitete ich sie nach Hause. Sie führte mich hinter der Stadt herum, so daß wir nicht Gefahr liefen, von irgend jemand gesehen zu werden. In einem schmalen Gang, der aus den beiden Seitengiebeln der Häuser gebildet wurde, nahmen wir vorläufig Abschied von einander. Für sieben Uhr hatten wir uns verabredet. Ich stand schon eine Viertelstunde früher auf dem besprochenen Platz und wartete un- geduldig. Endlich kam dos Mädel. Sie hatte sich recht schmuck gemacht. Wir umschlangen und küßten uns innig und schritten Hand in Hand den Anlagen zu. Es wurde dunkler und dunkler im Park, es wurde Nacht und wir mochten uns nicht trennen. Die Sonne rüstete schon den Tag, als wir wieder der Stadt zustrebten, indes uns die anderen Pärchen begegneten, die Liebe und Maiennacht gleichfalls festgehalten hatten. Ich brachte Frieda bis vors Haus, das sie, nachdem wir uns für Sonntag wieder ver- abredet hatten, leise aufschloß und eilig hineinschlüpfte, um noch einige Stunden zu schlafen. Pünktlich um ein Uhr nachmittag stand ich am Sonntag auf dem gewohnten Platz in der hohlen Gasse. Kaum war ich angelangt, als auch schon Frieda erschien. Wir marschierten hinaus aufs Dors, dein Häuschen ihrer Mutter entgegen. Unterwegs erzählte ich ihr meine Lebensgeschichte und verschwieg ihr auch nicht, daß ich schon viel ge- liebt hatte. „Mit dir zu wandern, muß schön sein," sagte das Mädchen schwärmerisch.„Ich war auch schon auf der Walze, zwar nicht lange, ober ich weiß doch, wie es gemacht wird, und wünschte, ich könnte mit dir gehen." „Ich gehe lieber heute wie morgen mit dir in die Welt," er- widerte ich. Die Mutter trafen wir nicht mehr zu Hause. Sie hatte bereits ihr Amt in der Kaffeeküche des Dorfwirtshauses angetreten. Ein kleines Zimmerchen, an dessen Fenstern die freundlichen Blüten des fleißigen Lieschen grüßten, nahm uns auf. An das Zimmer grenzte ein Kämmerchen. „Das ist meine Schlafstätte," sagte Frieda, indem sie die Tür öffnete und mich einen Blick hinein tun ließ.„Aber nun werde ich erst Kaffee besorgen," und sie machte mir die Kammertüre vor der Nase zu. Beim Kasseetrinken besprachen wir alles. Wir beschlossen, zusammen auf die Wanderschaft zu gehen. Mich freute es ungemein, daß mein Fritzchen, wie ich sie jetzt nannte, auch schon als Tippel- schickst auf der Walze gewesen war, hatte ich es doch nun nicht erst nötig, sie in alles einzuweihen. Auch ihr steckte die Wanderlust in allen Gliedern. Sie freute sich kindisch, mit mir zusammen zu wandern. Ich konnte erst am kommenden Sonnabend dem Meister die Stellung kündigen, denn es war mir vor allen Dingen darum zu tun, mein« Papiere in unantastbarem Zustande bei mir zu führen. Fritzchen wäre am liebsten gleich noch denselben Tag, ohne jegliche Kündigung mit mir losgewalzt. Das redete ich ihr aber aus. Wir kamen die ganze Woche nicht zusammen, dbmit der Meister keinen Verdacht schöpfte. Als ich ihm am Sonnabend kündigte, sah er mich ganz oerduzt an. Frieda erwartete mich nach Feierabend im Hausflur und flüsterte mir zu:„Hast du gekündigt? Ja? Ich habe auch gekündigt." Und schon war sie wieder verschwunden. Als unsere Zeit um war, fuhren wir nach Berlin, und von dort nach Hamburg. Vor hier aus marschierten wir zu Fuß weiter. Von Hamburg ging's nach Blankenese, Wedel, Uetersen, Elmshorn, Glück- stadt, Itzehoe bis hinunter zur dänischen. Grenze. Es war ein ausge- zeichnetes Leben, das wir führten. Wir bekamen die schönsten Butetrbrote, immer mit erstklassiger Wurst oder Schinken oder auch sehr gutein fetten Käse belegt. Oft einen ganzen gehäuften Telle� voll. Not kannten wir nicht, und wollten wir mal in einem Haust unseren Durst mit Wasser stillen und boten darum, so hieß es:„Ihr wart' doch nich Woater drinken, davon kriegt ihr ja Lüs in'n Bug, ick war jou een besten Beer oder Melck geben, dat smeckt beeter." Der Menschenschlag der Schleswig-Holsteiner kam uns ganz außergewöhnlich vor. Derb, urwüchsig, aufrichtig und treu. In den kleinen Häuschen, die alle schneeweiß getüncht waren und zu denen Türen hineinführten, die aus zwei Hälften bestanden, wovon nur die untere Hälfte immer zu, die obere aber offen war, nisteten in jeder Flurecke die Schwalben, die munter hin- und herflogen und sich durch nichts stören ließen, trotzdem man mit der Hand bequem ins Nest reichen konnte.(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". aiiiiiiiiHiiiiiiiniiiiuiniiiuiimuiitniiiniiiiRiu Kreuzworträtsel. F amwimuumuuiuHUimiuuimiiimmuiiinuiiiiiimmimmmiMiimnimiiiiiiB Wagerecht: 1. Gebirgshütte; 5. lehrreiches Märchen; 10. altes Längenmaß: 12. bestimmte Bezeichnung einer Person: 13. Gebirgswiest: 13a. Papageienart: 15. Titel: 16. englisch: zu: 17. Radiozubehör: 19. gute Eigenschaft: 20. Salzwasser. 21. Lebensende: 22. Fördermaschinerst: 25. Zeitalter: 28. französischer Artikel: 29. Baum: 32. Präposition: 33. abgekürzter Mädchenname: 35. Ge- birgsteil: 36. Schiffsteil: 37. Insel im Aegäischen Meer: 39. optisches Instrument: 40. kirchliche Handlung: 41. europäische Stadt.— Senkrecht: 1. Mädchenname: 2. anderes Wort für„Stamm- oder Familiengut": 3. Stadt in Bayern: 4. französisch: von: 6. Prä- Position: 7. Trinkstube: 8. Glasur:?. Osteuropäer: 11. Niederschrift: 13a. wie Nr. 6; 14. lateinisch: zu: 17. chemisches Zeichen: 18. Tonlage: 22. Ausdruck für starr-kalt: 23. künstlerische Leitung: 24. Aus- ruf: 25. wie Nr. 6: 26. Insekt: 27. Fanggerät: 30. Ausruf: 31. postalischer Telegrammvermerk: 34. Vergleichswort: 36. Verkehrsfahrzeug (abgekürzt): 38. Kurs: 39. französischer Artikel.* Zahlenralsel. 12 3 45678975 10 11 456 Schweres wirtschaftliches Problem der Gegenwart. 5 9 7 4 Blume. 3 1 7 4 6 Stadt in der Schweiz. 4 3 2 9 Fluß in Spanien. 5 7 2 1 4 8 Biblischer Name. 6 5 3 4 2 Fluß in Italien. 7 1 10 4 Ueberlieserte Erzählung. 8 4 5 6 4 2 Hausgerät. 9 2 10 4 8 Musikinstrument. 7 4 10 4 8 Schiftszubehör. 3 7 12 Deutscher Fluß. 10 4 5 3 5 8 Deutscher Dichter, 11 4 5 8 4 2 Wildschwein. 4 8 5 7 4 Weiblicher Vor- name. 5 3 5 7 Vogel. 6 18 12 Anitskleid.— Die erst« senkrechte Reihe lautet wie die erste wagerechte. ad, Magisches Quadrat. � � E E Die Buchstaben sind so zu einzuordnen, daß man E E E 1 wagerecht und senkrecht die gleichen Worte von M u*/( lu folgender Bedeutung erhält: 1 Kinderpflegerin. m kt d d 2 Wort für riesenhafte Wassermenge, 3. besitz- � � K K anzeigendes Fürwort, 4. weiblicher Vorname.* Silbenrätsel. Aus den Silben a af as be ber ber char che cher chi cu dal de« e« er fe ga gat gold gum her imp in is it ko fii küb laus Ii Ii ma mag mel mi mi mit,nau ne ne ne ni ni nu nus pir ran rau re re re ree sal sens stum ta tal tau te tes tier u lls ve ver sind 25 Wörter zu bilden, deren An- fangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, eine beachtenswert« Mahnung an die Arbeiterschaft ergeben,(ch— ein Buchstabe.)— Die Wörter bedeuten: 1. Stadt m Westfalen: 2. Krankheit: 3. männlicher Vorname: 4. Pflanze: 5. Allgemein: 6. Meerkatzengattung: 7. männlicher Vorname: 8. einheimischer Name für Eskimo: 9. Kupferlegieruivg: 10. soviel wie geschwind: 11. Pflanze: 12. sportlicher Wettkamps: 13. Urbevölkerung Nord- afrtkas: 14. Stadt auf dem Balkan: 15. Rachsucht: 16. Klebemittel: 17. Einsiedler: 18. Nachfuchung: 19. europäischer Volksstamm: 20. Abkürzung für Druckgenehmigung: 21. Schwcineschlächter i» Frankreich: 22. geographischer Begriff: 23. Stadt in Frankreich: 24. Stadt in Süddeutfchland: 25. Ankerplatz an der Küste. icr. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Spiralen-Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. le: 3. Don: 5. Brot; 6. Eiter: 8. Edmund: 9. Trajekt: 11. Landgraf: 12. Dromedar.— Senkrecht: 1. Ei: 2. Lid: 4. Tran: 5. Biene: 7. Dollar: 8. Elefant: 10. Felsgrat: 11. Lenormand. Drei Silben: Nacht— i— Galle.— Nachtigall. Versrätsel: Magd— Burg— Magdeburg. Rösselsprung: Durch bloße Lehren Sind nie die Menschen zu bekehren, Das gut« Beispiel prägt allein Der Lehre Sinn dem Herzen ein. von Bodenstedt. Die fehlende Mittelsilbe: Silbe ken.— Maskenball, Molkenbuhr, Nelkenstrauß, Birkenreis, Falkenberg, Balken- hoin. Finkenschlag, Trunkenheit, Schurkenstreich, Wolkenbruch, Schinkenspeck, Blankenburg. Nr. 140 46. Jahrgang Sonnabend 25. Mai 1929 Fernsprcdihabel zwfcdien Europa-Amerika Die transozeanisch« Kabeloerbindung ist etwa 70 Jahre alt. Die Kabel werden aber nur zum Telegraphieren benutzt, für das erst 20 Jahre später sich entwickelnde Fernsprechcn konnten bisher transozeanische Kabel nicht verwendet werden. Die Tiefsec wurde für sie als ein unüberwindliches Hindernis angesehen, und nachdem es vor kurzem gelungen ist, auf dem Funkwege Femsprech. Verbindungen über die Ozeane herzustellen, scheint auch kein Bedürf- nis mehr für transozeanische Fernsprechkabel vorzuliegen. Der frühere Präsident des telegraphentechnischen Reichsamts, gegenwärtig Leiter des neuen Heinrich- Hertz- Instituts für Schwingungsforschung, Professor Dr. Willy Wagner, hält jedoch »die Frag« des transozeanischen Fernsprechkabels keineswegs für überholt und hat vor der preußischen Akademie der Wissenschaften den Plan einer solchen Per- bindung zwischen Europa und Amerika in einem Vortrag entwickelt, der jetzt auch in den Abhandlungen der Akademie im Druck erschienen ist. Er betont darin, daß die Funkverbindung viel anfälliger gegen Störungen und daher weniger betriebssicher ist als die Kabelverbindung, außerdcyi könne sie von jedermann belauscht werden. Am schwersten aber wiege der Umstand, daß in dem praktisch verfügbaren Frequenzbereich nur eine begrenzte Zahl von Funkverbindungen gleichzeitig störungsfrei hergestellt werden kann. Di« Umwälzung, die das gesamte elektrisch« Nachrichtenwesen durch die Einführung der Elektronenröhren in Verbindung mit anderen bedeutsamen Erfindungen erfahren hat, wodurch auch erst regelmäßige Funkoerbindungen auf große Entfernungen möglich geworden sind, biete hinreichend Anlaß, die Frage der trans- ozeanischen Fernsprechkabel erneut zu prüfen. Für unlösbar hielt man sie, weil Tiesseekabel bisher ausschließlich mit Guttaperchaisolierung gebaut worden sind, das seine Isolierfähigkeit auch unter dem gewaltigen Wasserdruck der Tiefs«« (400 bis 600 Atmosphären) beibehält. Für Fernsprcchver- bindungen eignen sich G u t ta p ei. cha k a b e l aber nicht, weil sie wegen ihrer verhältnismäßig hohen elektrischen Kapazität und erheblichen dielektrischen Verluste die schnell ver- änderlichen Sprechströme viel zu stark dämpfen. In Fernsprech- kabeln über Land werden die Leiter deshalb mit gut getrocknetem Papier umwickelt, das sich durch niedrige Kapazität und kleine dielek« irische Verluste auszeichnet. Doch ist diese Art der Isolierung sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit und andere schädliche Einwirkungen, gegen die sie durch einen Bleimantel geschützt wird. Deswegen wird sie auch für Fluß- und Flachseckabel mit gutem Erfolg ver- wendet, wo man ein Plattdrücken des Bleimantels durch eine um die Kabelseele gewickelte Drahtspirale oermeidet. Doch.bei.den großen Drucken, mit denen man in der Tiefsee zu rechnen hat, wird das Blei zwischen die Windungen der Spirale gepreßt und die Spirale selbst settiich zusammengedrückt. Nun ist Dr. Georg Zapf, der Leiter der Fetten u. Guilleaume Carlswert A.-G. auf den Gedanken gekommen, den empfind- lichen papierisolterten Leiter in ein biegsames wasserdichtes Hohlseil einzuschließen, das aus Profildrähten nach Art eines Gewölbes gebaut ist. Durch einen äußeren Bleimantel ist es abgedichtet und zugleich gegen den Angriff des Seewasjers ge- schützt. Solche Hohlseile widerstehen nach den angestellten Ver. suchen dem Wasserdruck von 600 Atmosphären, der in den Ozeantiesen von 6000 Metern herrscht. Eingehende Berechnungen über die elektrischen Eigcnschasten derartig konstruierter langer Kabel, die Pros. Wagner ausführt«, haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Verbindung des euro- päischen mit dem amerikanischen Festlande nunmehr technisch möglich geworden ist, und zwar mit einer Sprechgüt«, die derjenigen der besten Landkabel gleichwertig ist. Die Seekabel müssen ebenso wie die Landfernsprechkabel mit Pupinspulen ausgerüstet werden, die zur Verminderung der Dämpfung dienen und z. B. im Kabel nach Nordamerika alle zwei Kilometer einzuschalten sind. Die Wirtschaftlichkeit einer solchen Kabeloerbindung, wie sie Wagner zunächst für die Verbindung mit Nordamerika, dann aber auch mit Südamerika vorschlägt, beurteilt er sehr günstig, obwohl er die Anlagekosten auf ungefähr das Doppelte eines neuzeitlichen Telegraphenkabels schätzt; denn es kann gleichzeitig auch zum Tele- graphieren verwendet werden. Hierfür sind die tiefen Frequenzen zu benutzen, die für die Verständlichkeit der menschlichen Sprache belanglos sind; die Telegraphierimpulse sind von den Sprechströmen durch elektrische Frequenzsieb« in der bekannten Kettenleiterschaltung zu trennen. Man kann auf diese Weise je 3000 Buch st oben in beiden Richtungen in jeder Minute übermitteln, also die vierfache Leistung eines modernen Tele- graphenkabels, z.B. des Kabels Emden— Azoren— New Port, erreichen. Das allein sichert schon ein« gute Rentabilität, so daß das Fernsprechen gewissermaßen als«ine kostenlose Beigabe betrachtet werden könnte. Der Fernsprechbetrieb würde also erhebliche Gewinne abwerfen, obwohl seine Gebühren wesentlich unter den gegenwärtigen Gebühren der Funkentelephonie liegen würden. Weiter erwähnt. Wagner, daß der Fernsprechstromtreis während der weniger benutzten Nachtstunden auch zur Uebertragung hochwertiger Bilder verwendet werden kann. Dieser Weg der Bildübertragung, meint er, wird vermutlich dem Funkwege vorgezogen werden, da der Kabelweg eine vollkommen gleichmäßige und fehlerlose, von atmosphärischen Störungen und Schwunderscheinungen freie Ueber- tragung gewährleistet. Von den erweiterten und verbesserten Verkehrsmöglichkeiten, die durch den neuen Kabellyp geschaffen werden, erwartet Wagner eine fühlbare Ermäßigung der Gebühren für transozeanische Telgramme, Bildtelegramm« und Ferngespräche. Dies« von einem anerkannten ersten Fachmann gemachten Aus- führungen rücken die Frage der transozeanischen Fernsprechkabel in «in ganz neues Licht und lassen Hofsap, daß das nötige Kapital auf- gebracht werden wird, um diese große Verbesserung des Ueberfee- sprechens möglichst bald ins Leben zu rufen. Dr. Bruno Borchardt. Forsdiungsarbeiten deutscher Ingenieure. Regeln für Leistungsversuche an Kreiselpumpen betitelt sich ein Heft, ausgestellt vom V. D. I. und von einem Ausschuß des Kreiselpumpenverbandes. Die herausgegebe- neu Regeln verfolgen den Zweck, für Leistungsversuche an Kreisel- pumpen Regeln von allgemeiner Gültigkeit aufzustellen und eine einheitliche Vergleichsgrundlage zu schaffen, wie es berests für Dampfanlagen, Wasserkrafttnoschinen, Venttlatoren, Kompressoren usw. in Gemeinschaft mit den iltteressierten Kreisen geschehen ist. Grundlagen für die Untersuchungen können sein: Förderhöhe, Wassermenge, Leistungsbedarf an der Pumpenwelle, Wirtungs- grab, Kennlinien der Pumpe und Lagertemperatur. Die sehr sorg- sälttg gegebenen Anleitungen werden ergänzt durch zahlreiches Zahlen- und Tafelmatertal, doch sollten immerhin nur solche Per- 3)08 Schallwerk 3£ochtmm der SiemensSchufkerl'll'erke in SSertin Siemensstadt Der im vorigen Jahr vollendete Bau ist jetzt in seinem ganzen Umfange in Betrieb genommen worden. Die architektonische Erscheinung läßt klar den durch die Betriebserfordemisse bedingten baulichen Grundgedanken erkennen: Große durchlaufende beliebig unterteilbare Werkstätten in der starken räumlichen Konzentration eines Hochhauses; sämtliche Treppen, Aufzüge und Nebenräame in besonderen turmar Ilgen Anbauten, sonen die Untersuchungen vornehmen, die die erforderliche Soch- kenntnis und Uebung besitzen. In einem weiteren Heft sind aus der Zeitschrift„Maschinenbau" Aussätze gesammelt, die unter dem Namen„Getriebe" zusammengefaßt sind. Man muß es als ein besonderes Verdienst bezeichnen, die wertvollen Arbeiten auf dem wichtigen Gebiete der verschiedensten Getriebearten ein- h aittich zusammengefaßt zu haben. Die einzelnen Arbeiten be- handeln:„Problem« der Energie- Umform er"— „Mehrgliedrige Radgetriebe"— ,.G l e i cha ch s i g e Stirnradumformer"—„Uebersetzungsverhält- n i s"—„Normung von Hochlei st ungsgetriebe n"— „Antrieb von Hebezcugen"—„Zahnradumsormcr für große Uebersetzungen"—„L o k o m o t i v- g c t r i e b e"—„Reibradgetriebe"—„Verbesserung des Durchzuggrades bei Riem antrieben"—„H y- drauliche Energie-Umformer"—„Regelung bei stufentosen Umformern"—„Regelbare Flüssigkeitsgetriebe".— Es würde diesen Rahmen überschreiten, wenn alle Aufsätze nur einigermaßen gewürdigt werden sollten. Für den Konstrukteur ist es wertvoll, zu wissen, auf welchen er- probten Getrieben er aufbauen kann, ohne mühselige und kostspielige Versuche anstellen zu müssen. Wertvoll zu wissen ist auch, daß bereits Getriebeblätter in leichtfaßlicher Weise herausgegeben sind. Zu erwähnen ist noch, daß sich der Normenausschuß des V. D. I. die Normung der Drehzahlen und Stufensprünge der Rädergetriebe bei Werkzeugmaschinen als nächste Ausgabe gestellt hat. Die Durchflußzahlen von Normaldüsen und Normal st aurändern für Rohrdurchmesser von 100 bis 1000 Millimeter von Prof. D r.- I n g. M. Jakob und D r.- I n g. Fr. K r e t s ch m a r. Die mühevollen und kostspieligen Versuche, über die in Nr. 311 ausführlich be- richtet wird, und die in den Röchlingjchen Eisen- und Stahlwerken in Völklingen a. d. Saar vorgenommen wurden, erstrecken sich über drei Jahre. Toilergebnisse sind bereits veröffentlicht worden, die aber durch die erdgültigen Versuche zum großen Teil wesentliche Veränderung und Verbesserung erfahren. Wenn auch zu allen Versuchen nur Lust als Versuchsstoff gewählt wurde, so sind doch die wertvollen Ergebnisse nach dem Aehnlichkeitsprinzip auf andere Gase und Dämpfe übertragbar. Im wesentlichen wurde der Druck- abfall bei den zum Vergleich stehenden Normaldüsen und Normal- staurändern in gradlinigen Rohrleitungen gemessen, die von Lust- mengen bis über 10 000 Kubikmeterstunden durchströmt wurden. Die gewonnenen Perte werden beeinflußt durch die Rauhigkeit der Rohre, deren Einfluß späteren Versuchen vorbehalten bleiben soll. Immerhin schätzt man die Genauigkeit der gewonnenen Durchfluß- zahlen für Normaldüsen auf+ 1 Proz., die für Normolstauringe auf 4- 2 Proz. Abbildungen der Versuchsanlage lassen ermessen, welche Arbeit geleistet worden ist. Zugfestigkeit und Härte bei Metallen behandelt D r.- I n g. Schwarz in Nr. 313. Von Brinell wurde zuerst beobachtet, daß bei Stahl zwischen Zugfestigkeit und Kugeldruck einfach lineare Beziehungen bestehen und daß die Zugfestigkeit aus der Härte nach der rein empirischen Beziehung Kr— 0,36 Hn(kg/mm1) zu errechnen ist. Der Verfasser stellt sich die Ausgabe, zu prüfen und zu klären, ob die inneren Zusannnenhänge, wie sie bei Stahl bestehen, auch auf Nichteisenmetalle anwendbar sind, und kommt zu dem Ergebnis, daß eine lineare Beziehung von Zugfestigkeit und einer Härtezahl bei Nichteisenmetollen wegen der starken Abhängig- keit der Umrechnungszahlen vom Grad der Kaltbearbeitung nicht möglich ist. Während die Umrechnungszahlen bei Stahl nur zwischen 0,3— 0,4 liegen, schwanken sie bei Nichteisenmetallen zwischen 0,3—0,6. Der indizierte Wirkungsgrad der kompressor- losen Dieselmaschine von Dr.-Jng. Fr. Schmidt(Heft Nr. 314). Im allgemeinen wird der indiziert» Wirkungsgrad von Dieselmotoren mit Hilfe eines Vergleichsprozesses berechnet, dem eine konstante spezifische Wärme zugrunde gelegt wird. Diese Rech- nung ist sehr umständlich, wenn man die Veränderlichkeit der spezi- fischen Wärmen und der Aenderung der Gaszusammensetzung be- rücksichttgt. In der vorliegenden Arbeit werden zwei frühere Metho- den einer Kritik unterzogen und unter Benutzung der Adiabaten- Gleichung ein« Methode zur genauen Bestimmung des indizierten Wirkungsgrades gezeigt. Diese Berechnungen erfordern, ebenso wie die früheren, genaue Kenntnisse der spezifischen Wärme der Gas«. An Hand eines Musterbeispiels wird für die kompressorlose Dieselmaschine unter Berücksichttgung der spezifischen Wärmen, der Gewichtsünderung der Ladung durch die Zuführung des Brenn- fdoffes, der verschiedenen Gaszusammensetzungen, eine Berechnung durchgeführt, unter Benutzung zahlreicher Zahlentafetn. Es ergibt sich, daß der indizierte Wirkungsgrad bei Belaftungsändening an- nähernd konstant ist und je nach Konstruktion der Maschine 75 bis 85 Proz. beträgt. < Ueber Begrenzung der Leistungssteigerung der schnelloufenden V e rb r en n u n g s m a s chi n e durch Steuervorgang schreibt Dr.-Jng. Manfred Christian in Heft Nr. 315. Der Leistting eines schnellaufenden Ver- brennungsmotors sind zwei Grenzen gesetzt, einmal durch die Aus- nützung der Ladung, ferner durch die erreichbare Drehzahl. Während die Ausnützung der Ladung bis zur erreichbaren Drehzahlgrenze fast gleich bleibt, verringert sich das Ladungsgewicht mit steigender Drehzahl. In der vorliegenden Arbeit wird über Versuche an Vier- takt-Fahrzeugen von 100 bis 500 Kubikzentimetern berichtet, deren Ventilöffnung durch einen Nocken, deren Schluß durch«ine Feder betätigt wird. Vergleichsweise werden die bekannten Schieber- steuerungen von B u r t und K n i g h t herangezogen. Das Schwergewicht der Arbeit ist der Untersuchung der Beschleunigung der verschiedenen Nockenformen gewidmet, unter besonderer Beobach- tung der Steuerzeiten.(Beginn und Ende des Steuervorganges.) Dje angestellten Berechnungen ergaben, daß die erreichbare Höchst- drehzahl von etwa 7000 Umdrehungsminuten bei 45 Millimeter Zykinderdurchmesser auf etwa 5000 bei 80 Millimeter abfällt. Auch verschiedentlich durchgebildete zwangsläufige Ventilsteuerungen zeitigten hierin keine Verbesserung. Alles in allem werden jedoch die gemachten Ersahrungen bei der Weiterentwicklung des Viertakt- motors als Fahrzeugmoschine von großem Nutzen sein. Jng. E. Hoff. tJßO�uriol'ZfjZLel kUiridUoixiSj Am Sdilu� der Serie. Die letzten Serienspiele absolvieren: Im 1. Bezirk: Köpenick gegen FTGB.-Osten um 14 Uhr in Köpenick, Marienstrahe, im 2. Bezirk kommt Steinfurth nach Berlin und spielt auf dem Exerzier- platz gegen FTGB.-Norden 1 ll um 12 Uhr und' gegen Moabit I um 12 Uhr, während im 3. Bezirk Brandenburg 1. Abteilung I um 15 Uhr FTGB.-Wedding II empfängt. In Gesellschaftsspielen stehen sich am heutigen Sonn- abend gegenüber: FTGB.-Osten gegen FTGB.-Südosten um 1ö Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstratze, FTGB.-Wedding 2. Männer gegen FTGB.Neukölln I um 16'/£ Uhr in Reinickendorf, Schorn- weberstraße, und Schöneberg gegen Nowawes um 19,19 Uhr auf dem Dominikusplatz. Die Spiele am Sonntag sind: In Pankow, Kissingenstraße, spielt FTGB.-Pankow 1. Männer um 14 Uhr gegen Friedrichsthal, um 15 Uhr die gleichen 2. Männer und um 16 Uhr die Frauen gegen Hennigsdorf. Im Volkspark, Jungfernheide, spielen Eharlottenburg-Schwimmer I gegen Berlin 12 um 15 Uhr, die 2. Männer gegen FTGB.-Strolau um 14 Uhr und FTGB.- Nordost gegen Kaulsdorf um 16 Uhr. FTGB.-Nordring spielt in Fürstenwald«. Trebbin empfängt Zossen und FTGB.-Neukölln Frauen besuchen Betten. Weiter« Spiele: Männer: FTGB.-Oberspree gegen FTGB.-Mitte um 14 Uhr in Oberschöneweide neben dem Freibad, FTGB.-Karlshorst gegen FTGB.-Südost um 10� Uhr in Karlshorst, Tresckowallee, FTGB.-Spandau gegen Hennigsdorf um 14 Uhr in Spandau, Seeburger Straße. Frauen: Berlin 12 gegen Wil- mersdorf um 13%' Uhr in Steglitz, Köpenick gegen FTGB.-Südost um 15 Uhr in Köpenick, Marienstraße, FTGB.-Wedding gegen Nowawes um Ii Uhr im Humboldthain, und Mahlsdorf gegen FTGB.-Süden um 15 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee. -ARBEJTEH TUSSBALL W o finden bundesf reuö Fufjballer Spielgelegenheif? Fortlaufend gehen uns Anfragen zu, wo bundestreue Fußball- Spieler ihrem Sport nachkommen können. Wir geben deshalb ein Verzeichnis der bundestreuen Vereine und Abteilungen: alle Fuß- ballsport treibenden Genossen wollen sich an die angeführten Adressen wenden. Im Norden bestehen folgende Vereine:„Vorwärts"-Wed- ding: Erich Dabbert, Wiesenstraß« 31.„FTGB. Reinickendorf"": Sitzung Donnerstags 29 Uhr, bei Strauß, Reinickendorf-Weft, Sä)arnweberstraße 199.„Saxonia 28": Sitzung Freitags 21 Uhr, im„Odcrberger Vereinshaus", Oderberger Straße 28„Germania"- Pankow: Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Polley, Tiroler Straße 37. „FTGB. Karow": Sitzung Donnerstags 29 Uhr, im„Pankgrafen", Bqnkgrafenlstrahe 3.„FTGB. Pankow": Sitzung„Klemms Bier- hallen", Berliner- Ecke Hadlichstrahe.„Fußballabtcilung des Butab": Sitzung Mittwochs, im Bundeshaus, Werftstraße 7. Im Osten sind folgende Vereine bundestreu:„Lichtenberg I": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Sievert, Kant- Ecke Schillerftraße. „Lichtenberg II": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Schade, Normannen- Ecke Ruschestraße.„Eiche'-Köpenick: Sitzung Donnerstags 29 Uhr, bei Bewarl, Rudower Straße 28.„Oberspree 28": Sitzung Donners- tags 29 Uhr, bei Pamp, Niederschöneweide, Hasselwerder Straß« 12. „Weißensee": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Minge, Weißensee, Lothringer Straße 32.„FTGB. Stralau": Sitzung Freitags 29 Uhr, in der Turnhalle, Alt-Stralau 32.„Borussia": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Passarge, Ebertystraße 34. Bezirk Südwesten:„Schweifsterne": Kurt Schünemann, Britz, Parchimer Allee 44.„Wacker"-Britz: Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Gutschmidt, Britz, Bürgerstrahe 48/49.„Zehlendorf": Sitzung Donnerstags, bei Blaziejewski, Neue Straße 25.„Neukölln 1928": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Balewski, Boddinstroße 57.„Tempel- hof-Mariendorf": Sitzung Freitags 29 Uhr, Restaurant„Ma-Li", Mariendorf, Chaussceftrahe 395.„Schöneberg-Friedenau": Sitzung Freitags 29 Uhr, bei Hochgeschurtz, Schöneberg, Mühlenstrahe 9. Zlußerdem bestehen bundcitreue Vereine in Luckenwalde, Turnerheim Hetzheide: Brandenburg(Havel),„Kahnes Volks- garten". Im übrigen wenden sich alle Interessenten an den Ob- mann der„Spielvereinigung im 1. Kreis", Kurt Schünemann, Ber- lin-Brig, Parchimer Allee 44. Die R.eid»sdslm fördert die Jugendpflege. Man ist mit sozialem Verständnis von der Reichsbahn nicht verwöhnt. Ganz besonders gilt das für die Fahrpreiser mäßi- gung für Jugendpflegefahrten. Aus einem kürzlich ergangenen Antwortschreiben an den Verband Deutscher Jugendherbergen geht das klar hervor. Die Reichsbahn hält es danach nicht einmal mehr für notwendig, die zuständigen Ausschüsse zur Beratung horanzu- ziehen. Herrlich in seiner Weltfremdheit ist dabei der folgende Satz: „Wenn von verschiedenen Auslandsbahnen Fahrpreisermäßigung bei Jugendpflegefahrten schon bei einer geringeren Teilnehmerzahl als 19 Personen gewährt wird, so ist dies kein hinreichender Grund dasür, daß auch die deutschen Bahnen diesem Beispiel folgen. Es ist unmöglich, alle aus den verschiedensten Gebieten gewährten Er- Mäßigungen, die in dem«inen oder anderen Lande bestehen, in Deutschland zu übernehmen."— Glänzend, warum sollte sich auch die deutsche Reichsbahn von„ausländischen" fürsorgerischen Ge- dankengängen anstecken lassen? Di« Jugend wird in ihrer Arbeit — ob in den Jugendvevbänden oder in der Pflege der Leibes-i Übungen— von dieser Seite vorläufig keine soziale Einstellung zu erwarten haben. » Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preu- ßische Minister für Volkswohlfahrt über den Jnhott des mit der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-A.-G. in Frankfurt a. M. getroffenen Abkommens ein Merkblatt über die Unfall- und Haftpflicht-Versicherung auf dem Gebiete der Jugend- pflege herausgegeben. Den vollen Wortlaut der Verträge haben die Kreis-(Stadt-)Ausschüsse für Jugendpflege, die Kreisjugendpfleger bzw. die Kreisjugendpflegerinnen und die Schulräte erhalteu. Hefte mit den Verträgen können auch durch das Jugendpflegeburcau der zuständigen Regierung bezogen werden. Das Merkblatt wird den nächsten Nummern der Zeitschriften„Deutsches Archiv für Leibes- Übungen" und„Jugend heraus!" beigefügt werden. In Gernrode weiht man ein Haus. Ein neues Heim der Arbciiersportlcr. In den letzten Tagen haben die Ärbeiterfportler der Provinz Sachsen und Anhalt und Braunschweig in G e r n r o d e am Harz ein Iugend-Bildungs- und Erholungsheim ein- geweiht. Die Jugendherbergen in diesen viel bewanderten Gegenden reichten nicht aus: deshalb griffen die Arbcitersportler zur Selbst- Hilfe. Das Heim wird nun der Obdachnot ein wenig steuern, denn es werden bald 75 Betten zu billigen Preisen zur Verfügung stehen. Das Heim ist aus der eigenen Kraft der Arbeiter geschaffen. Die Einrichtung ist praktisch und gefällig. Große und kleine Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, jedes Zimmer strahlt in einer anderen Farbe, dazu gute Bads- und Brausegelegenhsit, Aufentl/altszimmer, Jugendräume, Lesezimmer und mehr. Im Heim sollen auch Sport- kurse abgehalten werden, deshalb ist es so gebaut, daß der große Saal schnell in eine moderne Turnhalle umgewandelt werden kann. Nicht unerwähnt soll der schöne Garten bleiben, der das Haus umgibt. Im Hause sind auch noch für Tagungen besondere Sitzungs- und Vortragsräume. Gebäude und Garten umfassen 7 Morgen Land, alles ist Eigentum der Arbeitersportler des 2. Kreises und damit der Gesamtarbeiterschaft. Das Heim gehört der sozialistischen Arbeiterschaft und dient ihr auch. Alle, die Er- holung suchen, wird es gern aufnehmen. Die Einweihung fand unter Zlnteilnahme zahlreicher Ehrengäste aus den Regierungen, Stadtverwaltungen, aus der Sozialdemokratischen Partei, Gewerkschaften und Vertretern der Kulturorganisationen statt. Die Sportler waren aus allen Teilen des Kreises herbeigeeilt, um Zeugen der Einweihung zu fein. Es war ein« Weihestimmung über den ganzen Ort Gernrode. Nach- dem der Kreisvertreter, Genosse Dorn(Bernburg) das Haus ge- weiht hatte, feierten alle Redner das Geschaffene als«inen Aus- druck des Willens der Arbeiterschaft für«ine neue sozialistische Kultur. Dann sprach Ministerpräsident De ist(Dessau): der Bundes- vorstand vom Arbeiter-Turn- und Sportbund hatte sich durch den Genossen Kreuzburg vertreten lassen. Seine Worte galten der Jugend. Er appellierte zur Solidarität und zur unermüdlichen Arbeit für den Sozialiemus. — Frühjahrsregatta 1929. Bis Pfingsten waren beim ADAC 11 Rennboote und Renn- rutscher>«nd 57 Boote der übrigen Klassen zur Regatta am 9. Juni auf dem Templiner See bei Potsdam gemeldet. Ungefähr 39 Pro- zent der gemeldeten Boote sind Neubauten, ein Prozentsatz, der gegenüber früheren Regatten eine wesentlich« Steigerung aufweist. Das Motorrennboot„M iß E n g l a nd", mit dem der bekannte Autorennfahrer Major Segrave an dem Rennen bei Potsdam teil- nehmen will, legte gestern bei seiner Probefahrt 136 Kilometer in der Stunde zurück. Nach der Probefahrt wurde das Boot nach Bremen verschifft, um an den 2lDAC.-Regatten teilzunehmen. In C o w e s auf der Insel Wight wird zurzeit ein Motor- Gleitboot gebaut, das das schnellste der Welt sein soll und mit dem der Versuch gemacht werden soll, im September auf dem Michigan-See für England den Harmsworth-Preis für dos schnellste Motorboot zurückzugewinnen. Dos Boot, das für Rechnung von Betty Car- stairs mit einem Kostenaufwand von 199 999 Dollar gebaut wird, wird 39 Fuß lang sein und drei Napier-Motoren von zusammen dreitausend lLS. haben, die dem Boot eine Durchschnitts- geschwindigkeit von 119 Meilen und eine Höchstgeschwindigkeit von 149 Meilen, also annähernd 249 Kilometer in der Stunde oerleihen sollen. Der Antrieb erfolgt mittels Lustschrauben. Verregnet! Die für gestern abend angesetzten Amateurradrennen der Orts- gruppe Berlin der DRU. auf der Rütt-Arena in der Hasenheide mußten infolge des Gewitterregens oerschoben werden. Die Rennen sollen nunmehr am Sonntag abend 19 Uhr auf der Rütt-Arena gestartet werden. Der Berliner /Ständige Boxring", der am Freitag die Freiluftsaison eröffnen wollte, mußte das Programm wegen des starten Regens absagen. Die Veranstaltung soll am Montag, 27. Mai, 29 Uhr, nachgeholt werden. Der nächste Kampftag im Lunapark, am Frdmg- 31. Mai, bringt als Hauptkampf eine hoch- interessante internationale Paarung. Der Meisterschaftsanwärter im Halbschwergewicht Helmut H a r t t o p p wurde gegen den belgi- scheu Examateurmeister im Halbschwergewicht Del F a n n e über acht Runden oerpflichtet. Weiler stehen noch drei Kämpfe auf dem um 29 Uhr abend» beginnenden Programm. Ein Werbehirnen in Eichwalde. Heut«, Sonnabend. Vi29 Uhr, wird in Eichwalde ein Werbeturnen durchgesührt, um dadurch in Eichwalde die Grundlage für einen Verein des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zu schaffen. Die Neugründung erfolgt im Anschluß an das Turnen im Lokal Witte. An die Arbeiterschaft ergeht die Bitte um zahl- reichen Besuch und tatkräftige Unterstützung. Arbeiter--Hockey. Die Berliner Städtcmannschast, die zu dem Bundesfest in Nürnberg gegen Leipzig und Wien spielt, trägt ihr erstes Probe- spiel gegen eine kombinierte Elf aus. Das Spiel findet statt am Sonntag von 19% bis 12 Uhr auf dem Platz in der Laskerftraße, unweit Bahnhof Stralau-Rummelsburg.» Kindersportfest in Strausberg! Am 6. und 7. Juli kommen wieder alle Kinder des 1. Bezirks im Arbeiter-Turn- und Sportbund zusammen, um in Wettkampf und Spiel ihre Kräfte zu messen. Im Strausberger Stadion, herrlich im Walde gelegen, wollen die Kinder für den Arbeitersport und nicht zuletzt auch für den Strausberger Verein, der von der Spaltung nicht oerschont blieb, werben. Am Sonnabend treten die Kinder zum Sechskampf an, daran schließen sich die Bllhncna.-sführungen an. Der Sonntagoormittag sieht Proben für Freiübungen und Gruppen- Vorführungen vor. Am Nachmittag um 1 Uhr treten die Kinder zum Festzuge an. Es folgen dann Masfenfreiübungen noch Musik, Sondervorführungen der Gruppen, Stafetten und Spiele. Alle Ettern und Freunde unserer Kinderbewegung sind zu diesem Fest herzlich eingeladen. Wie wird geangelt? Der praktische Angelsport kann selbstverständlich nur im Freien geübt werden. Auch die Uebungen mit der Spinnrute, die nicht immer am Wasser abgehalten werden brauchen, benötigen einen Raum von mindestens einem Morgen Fläche. Heute wollen wir versuchen, die sogenannte Stippangel als Wertfaktor zu behandeln. Ueber den �,S t i p p e r" hat der Lolksmund unzählige kleine und größere Bosheiten in Umlauf gesetzt— wie so oft in anderen Dingen auch hier mit Unrecht. Beim Stippen unterscheiden wir verschiedene Arten. 1. Der Stipper in der Großstadt an Kanälen und Flüssen. 2. Der Stipper, in der Umgebung der Großstadt. 3.. Sitz- und Wanderstipper. Der Stipper in den Großstadtkanälen ist wohl am wenigsten zu beneiden. Er ist immer der Aufmerksamkeit des allgemeinen Publikums ausgesetzt, eine durchaus nicht beruhigende Angelegen- heit. Ganz abgesehen von den FangergebNisstn auf die es bei der Behandlung dieser Frage nicht ankommen darf. Und doch kann man den Stipper deswegen nicht als minderwertig abtun, weil es viele Kriegsbeschädigte und Unfallbeschädigte gibt, die auf„ruhigen Sport" eben wegen ihrer körperlichen Verhältnisse angAviesen sind. Auch solche Menschen müssen Ablenkung haben, vielleicht zwch drin- gender, als der normale Mensch, der sich gesunder Gliedmaßen erfreut. Um den Umfang solcher Zlblenkung beim Angelsport sich vorstellen zu können, muß man sich mit der Eigentümlichkeit des Angelns vertraut machen. Der Stipper hat seine Bambusrute, seine Schnur, den Haken, Vorfach und Haken in mehrjähriger Erfahrung studiert. Ebenso hat er die verschiedenen Köderarten von der Kartoffel bis zum Wurm ausprobiert, ferner die verschiedenen Witterungsumstände, die Wassertiefen, die Bodenbeschaffenheir sowie die Windarten beobachtet und auf Grund seiner Feststellungen, zu denen noch die Beobachtung der Gewohnheiten der verschiedenen Fischarten hinzukommt, seine Maßnahmen getroffen. Er weiß genau, schon ehe er den Fisch an der Angel über den Wasserspiegel gehoben hat, mit welcher Fischart er es zu tun hat. Jeder Fisch hat eine besondere Eigenart, den angebotenen Köder zu nehmen und mit ihm abzugehen. Die Pose an der Angelschnur deutet dem auf- merksamen Stipper an, ob da drunten in der Tiefe sich irgendwas mit dem Köder beschäftigt. Die Pose ist daher für den Stipper der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Das Stippen in der Umgegend einer Großstadt ist schon interessanter, weil es abwechslungsreicher durch das wechselnde Naturbild ist. Hier fehlen auch die oft lästigen Zuschauer, die selbst wohl das Angeln als langweilig ansehen, aber merkwürdigerweise nicht das Zuschauen. Der Naturfrieden an stillen Seen, Bächen und Flüssen ist- für den Großstädter an sich Balsam, es werden natürlich auch hier sportärztliche Ratschläge abzugeben sein, für wen der Aufenthalt am Wasser, für wen Nebel und Feuchtigkeit, Unbill und gesundheitliche Gefahren bringen können. Nicht alle Stipper sitzen auf einem Fleck, es gibt eine Reihe Angler, die mit den Ruten geschultert flußauf- und-abwärts wandern, teils zu Fuß. teils zu Kahn. Beide Arten Stipper suchen den Fisch, um Erfolge zu haben. In den letzten Jahren haben sich vornehmlich Mi-gliedschasten des Arbeiter-Anglerbundes um die Erschlichung von Wochenendkolonien bemüht: der Zweck ist, auch die Familienangehörigen in die Natur zu bringen. Der Bund beschafft das notwendige Gelände, auch einiges Baumaterial, des weiteren beinahe ausnahmslos Fahrpreisermäßigung, so daß auch ohne die übliche finanzielle Belastung die ganze Familie den Aufenthalt am freien Wasser genießen kann. k'- k'» Sparfenaussdiuh. Montag, 27.Mai, 29 Uhr Ausschußsitzung der Fußballsparte. Die Sitzung findet im Lokal von Bauch, Möckernstraße 137, am Anhalter Bahnhof, statt. I. A.: Schünemann. Bundeskreue Sportler in Schöneberg! Bis zur vollständigen Auseinandersetzung mit den Ausgeschlossenen führt der Bundes« verein in Schöneberg den Namen„Arbeiter-Sportoerein Schöne« berg-Friedenau 97"(Abkürzung: ASB. Schöneberg). Die Uebungs« stätlen sind: Dicnstaa und Sonnabend: Dominicussportplatz. Sachsendamm Ecke Priesterweg(Zimmer 43/44). Hinterer Platz- teil von 18 Uhr ab. Turnhallen: Turner: Donnerstag, Belziger Straße. Turnerinnen: Freilag: Uhlandschule, Kolonnenstraße. Altersturner: Freitag: Berufsschule, Koburger Straße, 29— 22 Uhr. Kinder: Donnerstag von 18 bis 29 Uhr Ebcrsftraße. Am Sonn- abend, 25. Mai, spielt auf deni Sportplatz die 1. und 2. Männer- und Iugendhandballmannschast gegen Nowawes. Der Bundesoerein bittet seine Freunde und Anhänger um Besuch der Spiele. Die 1. Mannschaft spielt um 19 Uhr, die anderen vorher. Der Spielabend verspricht interessant zu werden. Noch zu erwähnen wäre die Schwimmabteilung, deren Schwimmbetrieb jetzt auf Mittwoch von %21 bis 22 Uhr' nach der Bolksbadeanstalt, Dennewitzstrahe, ver« legt ist. wer wird Berliner Züßballmeisler? Wieder müssen drei Spiele stattfinden, um den Berliner Fußballmeister festzustellen. Wieder sind es Hertha-BSC. und Tennis-Borussia, die um den Titel kämpfen. Wer wird am Sonntag uin. 16 Uhr Sieger im Grüne- waldstadion sein? Herrenreiter h. fit. Ouasl gestorben. Ohne das Bewußtseiw wiedererlangt zu haben, ist am Freitag nachmittag,>46 Uhr, der bekannte Herrenreiter H. E. Quast den Folgen seiner am Diens- tag in Karlshorst erlittenen Sturzoerletzungcn im Elisabeth-Hospital zu Oberschöneweide erlegen. Von alle» Bahnen verwiesen. Der Bund Deutscher Radfahrer hat den französischen Manager Pierre Viel mit der Ver» Weisung von allen offenen und geschlossenen deutschen Radrenn« bahnen b e st r a f t. und zwar wegen übler Nachrede und ösfent- licher Beleidigung des Vorsitzenden des Vereins Deutscher Radrenn- bahnen. Direktor Paul Schwarz. Es ist allen deutschen Fahrern und Bahnen verboten, Viel zu beschästigen oder ihm den Zutritt zu gestatten. Die Teilnehmer an dem 4. Internationalen Schachmeisterturnier in Karlsbad. An dem 4. Internationalen Schachturnier, das in der Zeit vom 39. Juli bis 28. August stattfindet, werden teilnehmen: Bogoljubow-Rußland, Canal-Peru, Capablanca-Cnba, Colle-Belgien. Dr. Euwe-Holland, Gilg-Tschechoflowakei, Grünfeld-Oeslerreich. Johner.'Schweiz, Maroczy-Ungarn, Mattison-Lcttland, Miß Menchik« Rußland. Ninizowitsch-Dänemark, Reti-Tschechoslowakei, Rubinstein- Polen, Sämisch-Deuischlaich, Spiclmann-Oestcrreich, Dr. Tartokowcr- Frmikr.eich. Sir G. A Thomas-Enaland, Dr. Treybal-Tschecho« slowakei, Dr. Vidmar-Jugoflawien, Pates-England. Für Dr. Al- jechin,.dessen verbindliche Zusage dicler Tage erwartet wird, wurde ein Teilnehmerplatz freigeh ltcn. Freie Ruderer und kanusahrer, I. kreis. Meldeschluß zur Bundesregatta am 39. Juni in Grünau ist am 1. Ju»i: Meldungen an Paul Stügelmaier, Berlin-Stralau, Friedrich-Junge-Straße 7. Spätere Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Szumann. Bezirtskartell Fricdrichzhain! Montag, 3. Juni, 19% Uhr, Kartellsitzung bei Nobiling, Boxhagener Straße 114. Material- ausgab« für die Sonnenwendseier am 19. Juni, sowie Ausgabe der Sportplatzausweise. Fragebogen mitbringen. FTGv„ Bezirk Nordost. Mitgliederversammlung, Montag, 27. Mai, 29 Uhr, bei Vogel, Jablonskistraße S.