Morgenausgabe Nr. 243_„, A123 �6. Jahrgang WSch«ntNch»»P>. monatlich»MM. im norau, zahlbar, Postbezug 4M M. einlchliestllch 60 Pfg. Postzeitung», und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnemeni 6.— M. pro Monat. Per„Porwdri»'»rfcheinl wocheniig. ilch zmeimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Veriin und im chandei mit dem Titel.Per Abend", Illustrierte Beilagen.Poll und Zeit" und.Äinberfreund". Ferner .Unterhaltung und 5ßi((en",.Frauen. stimme",.Technit"..Bült in die Bücherwell" und.Iugend-Born-ärt»" Vevttnev Vvwsbiatt Dienstag 28. Mai 192? Groß-Äerlin 10 Pf» Auswärts 15 Pf. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5— Reichs. mark.„Kleine Antigen' das fettge. druckte War» 25 Pfennig(zuläfftg zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmaikt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze le 40 Pfennig. 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In die zwei Jahre seit Kiel fällt ein großer Wahlsieg und ein ununterbrochen sich fortsetzender Auf st ieg der Organisation.„Die Gesamtentwicklung war glänzend" konnte der greise Präsi- dent der Kontrollkommission, Genosse Wilhelm Bock, fest- stellen. Braucht ein Parteivorstand, dem von dieser Seite ein so gutes Zeugnis ausgestellt wird, vor einem Parteitag Angst zu haben? Vogels allgemeiner Bericht, seine Ergänzung der finanziellen Seite durch Ludwig, die anschließenden Ve- richte von Heinrich Schulz über die Kulturarbeit und von Marie I u ch a c z über die Frauenbewegung gaben zusammengefaßt ein Bild der ungeheuren Arbeit, die geleistet werden muhte, um so schöne Erfolge zu erzielen. Von den vier Berichterstattern sind drei iil dieser Funk- tion schon wiederholt auf Parteitagen in Erscheinung ge- treten. Hans Vogel hatte zum e r st c n Male die Aufgabe, den allgemeinen Bericht zu erstatten, und man darf sagen, daß er sie zu allgemeiner großer Zufriedenheit gelöst hat. Seine Ätt, das Vernünftige einfach und das Notwendige herzlich zu sagen, wirkt auf Andersdenkende entwaffnend und auf alle einigend. In dieser Art zu sprechen, verkörpert sich ein Stück bester Parteitradition. Ein Finanzmini st er, dernichts zu klagen hat. ist in diesen Zeiten gewiß eine Sehenswürdigkeit. Die Partei besitzt sie in der Person des Genossen Ludwig. Daß die Auswärtsbewegung der Mitglieder sich auch finanziell günstig auswirken muß, versteht sich von selbst. Ludwig konnte zum Bericht über die Mitgliederbewegung eine erfreuliche Berichtigung anbringen: nicht 114 000 sind es, die seit Kiel dazugekommen sind, sondern 126 000, und die Gesamtzahl beträgt jetzt 949 306. So wäre alles sehr schön-- wenn nur die Koalitions- Politik nicht wäre!„Das eine Jahr Regierungstätigkeit war gerade nicht geeignet, Begeisterung für eine Koalitions- regierung auszulösen." Wenn das schon Vogel sagt, wundert es keinen, daß es bei S e y d e w i tz, E ck st e i n(Breslau) und anderen noch etwas kräftiger klingt. Die Redner der Opposition, die am Nachmittag das Wort nahmen, zitierten auch häufig den„Vorwärts", diesmal zustimmend. Denn daß der„Vorwärts" von„Begeisterung" für die Koalitions- Politik ebenso weit entfernt ist wie der Genosse Vogel, haben auch sie richtig bemerkt. Aber erst der letzte Redner des Tages, Genosse S o l l m a n n, machte mit Recht darauf aufmerksam, daß die Frage nicht dahin geht, ob man für die Koalition begeistert ist, sondern dahin, ob man sie Hals über Kopf wieder zerschlagen soll. Ein Antrag K ü n st l e r- L i t k e verlangt einen Parteitagsbeschluß, der die Minister zwingt, mit der Fraktion die zweite Rate des Panzerschiffes abzulehnen. Zu diesem Antrag, dessen Annahme eine sofortige Regierungskrise be- deuten würde, ist namentliche Abstimmung beantragt. Da der Parteivorstand vorschlägt, über alle Panzerkreuzer- anträge zur Tagesordnung überzugehen, würde die An- nähme auch für ihn eine Schlappe bedeuten. So ist für den Dienstag ein ziemlich heftiger Kampf der Meinungen zu erwarten. Als einer der ersten kommt Hermann Müller zum Wort. (Den ausführlichen Bericht über die Verhandlungen geben wir an anderer Stelle des Blattes.) Das Ningen in Paris. �echenkunststücke der Oelegierien- Verrechnungskunststücke der presse. Paris, 27. INoi.(Eigenbericht.) Die Sachverslöndigenkonserenz ist bisher trotz aller Zauberkunststücke noch nicht dazu gelang«, das Problem zu lösen. mie die Zlllierten mehr erhalten können, ohne daß Deutschland mehr bezahlt. Die durch die Länge der Besprechungen um das letzte nlliertc Memorandum neu enlstandcnc Unsicherheit erzeugt eine täglich stärker werdende Nervosität, die sich in der pariser presse in Ängrissen gegen die deutschc Delegation Lust macht. Mährend von deulscher Seite aus Mansch der Amerikaner von einer schristlichen Festlegung der eigenen Aussassung Abstand genommen wurde, stellen die Blätter die Angelegenheit so dar. als ob Dr. Schacht absichtlich die Verhandlungen hinschleppen wolle. Nirgends findet die Tatsache Erwähnung, daß die Schwierigkeiten. die setz» da» Schicksal der Konferenz erneut ln Zrage stellen, aus- schließlich aus die Veränderungen zurückzuführen sind, die von den Alliertcn an dem auch von ihnen angenommenen Poung- schen Zahlungsplan vorgenommen wurden. Die gegenwärtigen Verhandlungen bewegen sich denn auch allein um die Frage der Erhöhung der deutschen Annuitäten. Ein schwacher Fortschritt ist allerdings insofern zu verzeichnen, als die Alliierten nunmehr bereit sind, aus ihr Ursprung- lick-cs vcrlöngen zu verzichten, daß Deutschland vom l. April bis Zl Dezember lS29 beide Annuitäten, die des Dawcs- und die des pöung Planes, zu zahlen habe. Dies ergab eine Mehrsorderung von 1 S Milliarden, das heißt eine Erhöhung der Annuitäten um llZ Millionen. Die Alliierten wollen nunmehr in eine veseiti- aunq der geplanten Ucberschneidung des Dawes- und des poung- Plans willigen, wenn Deutschland seinerseits einer Erhöhung der Poung-Annuitälen um 52.8 Millionen zustimmt. Die deutsche De- lcqation hat jedoch demgegenüber entschieden erklär«, daß sie sich nicht ans eine Erhöhung der von ihr.m Prinzip angenommenen Zahlen de» poung- Plans einlassen könne. Die Besprechungen hierüber wurden am Montag den ganzen Tag sortges-'tzt Der amerikanische Vorsitzende Owen p-ung hotte am Morgen mehrere Unterredungen mi, o'lüerten D-legierten und am eine lange Lesprechuvz mit Dt. Schacht. Zu einem greisbaren Resultat haben diese Bemühungen bisher jedoch nicht geführt._ Amanullah in Bombay. Der Dizekönig heißt ihm telegrophisch willkommen. London, 27. Mai.(Eigenbericht.) Exkönig A m o n u l l a h von Afghanistan ist in Begleitimg seiner Gattin und der Fgmilie seines Bruders in Bombay eingelrosien. Eine große, aus Mahamnedonern.und Pathanen. einer mohom- wedonischen Sekte, bestehende Menschenmenge hatte sich zur Begrüßung Amanullahs eingefunden. Der Vizekönig von Indien Hot Anianullah ein Telegramm gesandt, in welchem er seine persönliche Anteilnahme an den Mühen und Beschwerden der Reise ausspricht. Wie aus Aon da hör. dem Ausgongspunkt der Reise Amamillghs gemeldet wird, befindet sich der gegenwärtige Herr- scher von Afghanistan, Habibnllah, mit seinen Truppen im Anmarsch auf Kandahar. Der Fall dieser Stadi steht unmittelbar bevor. Skandinavien voran! Abschaffung der Paßreaktion. Kopenhagen, 27. Mai.(Eigenbenchl.) Am 7. Juni»ritt eine Neuordnung der Paßverhältnisse zwischen Dänemark. Schweden. Norwegen und Finnland in Kraft. An Stelle eines Passes wird für Reisen binnen zwei Monaten eine R e i s e k a r t e für 5 0 O e r e ausgestellt. Vor dem Weltkriege gab es in Europa nur für Zaren- rußland und Sultantürke! den Paßzwang. Im Krieg wurde er überall wegev Spionage und Desertion eingeführt. Nach dem Krieg hat man ihn zunächst aus Nachbarnhaß und Bolschewistenfurcht beibehalten. In der Inflation mußten die Paßeinnahmen die Gesandtschaften und Konsulate der Dallesländer erhalten. Heute redet man soviel von Aller- weltsfreundschaft und-Verständigung, hält aber stramm an Paß und vielfach sogar nach am Sichtvermerk fest. Tüchtige Boischewisten aber und gar erst erprobte Gauner machen sich ihre Pässe und Sichtvermerke selber. Der Rest ist Schikane und usternatlonaler Lehördendünkel. Das voraussehbare Risiko Arbeitslosenschuh und Versicherung�technik. In dem Feldzug der Vereinigung der Deutschen Arbeit» geberoerbände gegen die Arbeitslosenversiche- r u n g stellt die Forderung nach Herausnahme der söge- nannten Saisonarbeitslosen aus der Versicherung das Kernstück dar. Damit enthüllt sich das laute Gezeter über Beseitigung von Mißständen und Mißbräuchen in der Arbeitslosenversicherung als ein aufgelegter Unter- nehme rschwinde'l. Denn wie der Vorschlag zeigt, hat er nicht die Beseitigung von Mißständen zum Ziele, sondern die Schutzlosniachung ungefähr der Hälfte aller Arbeitslosen in der Zeit sogenannter saison- mäßiger Arbeitslosigkeit. So erklärt sich denn auch, daß die Rechenkünstler der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber- verbände eine Ersparung von etwa 300 Millionen Mark bei Berücksichtigung ihres Vorschlags errechnet haben. Daß es sich in Wahrheit um keine Ersparnis, sondern in der Haupt- fache um eine Lastenverschiebung handelt— Reich und Reichsanstalt werden entlastet, die Wohlfahrtspflege wird belastet—, haben wir bereits früher nachgewiesen. Natürlich ist mit dieser Lastenverschiebung auch ein verstärkter Druck auf diese Arbeitslosen zur Annahme von Arbeit unter schlechtesten Arbeitsbedingungen verbun- den, weil die sozialen Schutzbestimmungen bei der Arbeits- Vermittlung durch den Systemwechsel in der Unterstützung praktisch außer Kraft gesetzt sind. Das sind weit entscheidendere Beweggründe für die Unternehmer als jene nebelhafte Ersparnis. Die Denkschrift der Bereinigung redet deshalb auch„von den nachweislich demoralisierenden und allgemeinen wirtschaftsschädigendcn Wirkungen", die in der Einbeziehung der Saisonarbeitslosen in den Arbeitslosenschutz liegen sollen. S t o ck s ch l ä g e auf den Magen ist das Rezept der Unternehmer, um richtige Arbeitswilligkeit auszulösen. Deshalb wollen sie auch nichts von der Meldepflicht aller offenen Stellen bei den Arbeitsämtern wissen, die doch wirklich ein geeignetes Mittel zur Prüfung des Arbeitswillens ist. Aber die Unternehmer halten es nicht nur im Rechnen mit der Religion. Sie haben in ihrer Denkschrift noch eine andere Entdeckung gemacht, die jenseits aller Wirk- l i ch k e i t ist. Es heißt da: „Der Eintritt der Saisonarbeitslosigkeit ist ein Ereignis, mit dem sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer mit absoluter Sicherheit rechnen müssen und mit dem sie auch von jeher in ihren beiderseitigen wirtschaftlichen und sozialen Dispositionen gerechnet haben. Damit scheidet schon begrifflich die Saisonarbeitslosigkeit als„R! s i k o" aus, da ein„Risiko" begrifssnotwendig ein unbestimmbares und unsicheres Ereignis voraussetzt." Diese klassische Formulierung zeigt, daß die maßgebenden Führer der Vereinigung von der Versicherungsmathematit so viel verstehen wie von der Volkswirtschaft. Die lehrreichen Zahlen, die her Statistiker der Reichsanstalt Dr. Erwin Rowicz, im„Taschenbuch für die Angestellten und Beamten der Arbeitsämter" über die Veränderungen im Bestände der Unterstützungsempfänger im Verlaufe' der letzten vier Jahre veröffentlicht, zeigen besser als Worte, was es mit der„absoluten Sicherheit" über den Eintritt der Saisonerwerbslosigkest auf sich hat. Welche jahreszeitlichen und zahlenmäßigen Verschiedenheiten im Tiefpunkt wie Höchststand der Arbeitslosigkeit! Im Jahre 1925 liegt der Tiefpunkt beim 1. Juli mit nicht einmal 200 000 Unterstützungsempfängern: im Jahre 1926 ist der Tiefpunkt am 1. November erreicht, gleichzeitig bedeutet dieser Tiefpunkt, daß der hier zu verzeichnende niedrigste Stand von 1 309 000 Unterstützungsempfängern fast doppelt so hoch ist wie der Höchststand im Jahre zuvor. Im Jahre 1927 ist wie im Jahr zuvor der tiefst« Stand am 1. November erreicht, jedoch welch ein gewaltiger zahlenmäßiger Unterschied: 1926 sind es 1 308 293 Unterstützungsempfänger, im Jahre 1927 nur 339 982. Das Jahr 1928 zeigt wiederum ein ganz anderes Bild: der höchste Stand am 1. Februar deckt sich fast mit dem tiefsten Stand im Jahre 1926! Was bleibt von der„absoluten Sicherheit" übrig, mit der sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer von jeher in ihren beiderseitigen wkrtschaftlichen und sozialen Dispositionen rechnen, wie die Denkschrift der Vereinigung so schön formu- liert? Ein unbestimmbares und unsicheres Er- e i g n i s, also selbst nach Auffassung der Vereinigung ein echtes Risiko, von dem wir nur wissen, daß es in verstärktem Umfange im Winter auftritt, wobei Umfang und Dauer dieses Risikos völlig im Dunkeln liegen. So viel oder so wenig wissen wir aber auch über das Risiko der Arbeitslosig- keit aus konjunkturellen Gründen, das angeblich nur ver- sicherungsfähig ist. Was die Vereinigung der Deutschen Ar- beitgeberverbände hier der Oeffentlichkeit vorzumachen ver- sucht, hat nichts mit der Versichcrungstcchnik, wohl aber mit faulem Zauber zu tun. Die Arbeitslosigkeit kann ihre Ur- fache in kunjunkturcllen Gründen haben, sie kann auf jahres- zeitliche Einflüsse zurückzuführen sein, sie kann ein? Folge von Rationalisierungsmaßnahmen fein, wie sie auch direkt und indirekt durch Kampfmaßnahmen— wie beispielsweise die Riesenaussperrung in der westdeutschen Schwereisenindustrie — entstanden lein kann. Niemand ist in der Lage, diese ver- schiedenen Ursachen klar abgrenzen zu können: sie können zu- sammenwirken in der Richtung einer Verschärfung der Ar- beitslofigkeit, sie können aber auch entgegengesetzte Wirkungen haben. Konunktureinfliisse können jahreszeitliche Einflüsse fast völlig aufheben, sie können die jahreszeitlichen Einflüsse verschärfen, umgekehrt können jahreszeitliche Einflüsse, wie wir es in diesem Winter in so hohem Maße erlebten, auf Be- rufe zurückwirken, die sonst nie davon betroffen werden. Der Präsident der Reichsanstalt, Dr. Syrup, hat die Steigerung der Zahl der Unterstützungsempfänger infolge dieser Rück- Wirkungen auf 200 000 geschätzt. Angesichts solcher Tatsachen bleibt nur festzustellen übrig, daß man bei den Unternehmern Rechenunterricht gehabt haben muß, um von absoluter Sicherheit reden zu können. In eine ähnliche Schule muß der Vorsitzende des Arbeitsamts Stolp, Oberregierungsrat Dr. Vincke, gegangen sein. Was er in der Zeitschrift„Arbeit und Beruf" über grundlegende Irrtümer im Arbeitslosenversicherungsgesetz und ihre Aus- r- Wirkungen zum besten gibt, beweist nur, daß dieser seit zehn Jahren in der Praxis stehende Mann aus Unkenntnis das Gesetz mißbraucht. Dieser Mißbrauch wird für den ehrenwerten Oberregierungsrat keine nachteiligen Folgen haben. Neben anderen Sicherungen hat er eine gute Rück- Versicherung dadurch abgeschlossen, daß er grundlegende Irr- tümer entdeckt hat. Das wiegt für die Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände schwerer als eingestandene Mißbräuche. In diesem Zusammenhange sei nur zu einem Punkte nach Stellung genommen. Was die Vereinigung als„beider- seitige wirtschaftliche und soziale Dispositionen" mystisch um- schreibt, formuliert der Vorsitzende des Arbeitsamts Stolp folgendermaßen: „Die Arbeitslosigkeit zerfällt in die beiden großen Gruppen der konjunkturmäßigen und der saisonmäßigen Arbeitslosigkeit. Während die Arbeiter, die der ersteren zum Opfer fallen, es stets als ein großes Unglück empfinden, wenn sie aus ihrer Arbeitsstelle weichen müssen, ist es für den saisonmäßig Arbeitslosen in seinem Beruf bedingt, daß er eine bestimmte Zeit im Jahre feiert. Um«inen Ausgleich gegen dieses Gefahrenmoment zu schaffen, er- halten die Saisonarbeiter stets einen höheren Lohn als die übrigen, und die Nachkriegsentwicklung hat es' sogar mit sich gebracht, daß die Spanne im Lohnsatz zwischen Normalarbeitern und Saisonarbeitern heute wesentlich größer ist als früher." Dieser Oberregierungsrat muß leider nicht aus saison- mäßigen Gründen aus seiner Arbeitsstelle weichen, so daß wir auch bei ihm um den Genuß gebracht werden, das a.ls ein großes Glück zu empfinden.- Was es mit dem„Ausgleich" durch die höheren Löhne der Saisonarbeiter auf sich hat, wollen wir an Hand zahlenmäßiger Feststellungen der Reichsanstalt zeigen. Zu diesen Saisonarbeitern gehören ja nicht nur die gelernten Bauarbeiter, es gehören auch dazu die Bauhilfs- arbeite? und die ungelernten Arbeiter im Baugewerbe, es gehören außerdem dazu: gelernte und ungelernte Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft, in der Industrie der Steine und Erden, aus dem Verkehrsgewerbe und nicht zuletzt ein erheblicher Teil Tagelöhner und ungelernter Arbeiter aus der Gruppe: Lohnarbeit wechselnder Art. Wir haben es also bei den Saisonarbeitern, die für die Landesfürsorge in Frage kommen, mit verschiedenen Berufs- gruppen zu tun, wobei das Schwergewicht beim Bau- g e w e r b e mit seinen Facharbeitern, Hilfsarbeitern und un- gelernten Arbeitern liegt. Das müßte, wenn die Behauptung von dem höheren Lohnniveau der Saisonarbeiter richtig wäre, unter diesen Umständen zur Folge haben, daß bei einem Vergleich in der Zusammensetzung der Lohnklassen zwischen Arbeitslosenversicherung und Sonderfürsorge in der letzteren die h o h e n Lohnklassen am stärksten besetzt sein müßten. Die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus. Von den Hauptunterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversiche- rung und in der Sonderfürsorge entfielen am 15. Februar als Stichtag auf die Lohnklaftm l lbis 10 RM.) II(über 10—14 RM.) III( IV( V( VI{ VII( VIII( IX( X XI 14—18 18—24 24—30 30—36 36—42 42-48 48—54 54—60 60 zusammen Arbcitslosenversichcrung o. S. . 29 633 1,9 . 48 588 3.1 . 76 340 4,9 . 153 297 9.9 . 186 067 12,0 . 218 000 14,1 . 210 450 13,6 . 196 930 12,7 . 157 878 10,2 . 118 374 7,6 . 155 583 10,0 1 551 140 100,0 Sondersürsorze v S. 7 544 16 613 29 948 53 074 77 437 138 040 136 954 120 075 79 683 65 965 79 350 804 683 0.9 2,1 3.7 6.6 9.6 17,2 17,0 14,9 9.9 6,2 9.9 100,0 Es besteht also in Wirklichkeit in den drei höchsten Lohn- klaffen fast keine Abweichung, in den Lohnklassen 9 und 11 der Sonderfürsorge sogar eine Verschlechterung, und nur in den mittleren Lohnklassen ö, 7 und 8 eine etwas stärker« Besetzung. Die Unternehmer denken also gar nicht daran, wie die Denkschrift der Vereinigung wahrheitswidrig behauptet, in ihren„wirtschaftlichen und sozialen Dispositiv- nen"— lies: Gewährung höherer Löhne— das Risiiko be- rufsüb'kicher Arbeitslosigkeit abzugelten. Es kann deshalb erst recht keine Rede davon sein, diese Arbeitslosen schutzlos zu machen. Dagegen ließe sich sehr wohl über eine Reform reden, die die Fe h l d i s p o si t i o ne n der Unter- n e h m e r zum Ausgangspunkt nimmt und diese in ver- stärktem Umfange zu einem sozial gerechten Lasten- ausgleich heranzieht. Aber das hat die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sicher nicht gemeint, obwohl es die richtige Schlußfolgerung aus ihren eigenen Be- hauptungen ist._ Llm den Parlamentarismus. Aundfunkgespräch zwischen Or. Koch-Weser und Marauhn. In dem Zyklus„Gedanken der Zeit", in dem seit einigen Monaten aktuelle Themen durch den Deutschlandsender Kömgowusterhaufen zur Diskussion kommen, sprachen am Sonntag der Reichsminister a.D. Dr. Koch-Weser und der Großmeister des Iungdeutschen Ordens Arthur M a h r o u n über„Parka- m e n t a r i s m u s". Es war eine Kritik on der augenblicklichen, parlamentarischen Form, ein« Kritik und auch eine Verteidigung, von großen Gesichtspunkten aus gesehen. ?m Bolschewismus und in der Weltplutokratie erblickt Mahraun beiden Gefahrenmoment- für jeden modernen, parlamentarischen Staat, denen Deutschland sich allerdings bisher entzogen hat. Trotz. dem endet heute der Glaube des Staatsbürgers in dem Zweifel an den llberalistischen Staat. Es ist kein Volksstaat mehr, sondern e! n Staat, der dem Parteiismus unterworfen wird, deshalb besitzt er nicht die Sympathien der Jugend, die aus dem Frvnterlebnis heraus nach persönlichen Bindungen strebt. Das Parlament muß darum anders aufgebaut sein. Wer kennt die Leute, die er in das Parlament wählt? Die Leistung, die Persönlichkeit müssen entscheiden und nicht die bloße Zugehörigkeit zu irgend- einer Partei. Der Aufbau der staatlichen Führerschaft mutz sich aus nachbarlicher Gemeinschaft vollziehen. Der Staat bedeutet für den Bürger mir dann etwas Großes, wenn er ihn lieben kann, wenn er ideell« Bindungen zu ihm fühlt. Wie gesagt, die Jugend bejaht den Staat, aber sie verneint das nach parteiistischen Gesichtspunkten aufgezogene Parlament. Und doch Hot gerade dieses parlamentarische System in den zehn Jahren seines Bestehens für Deutschland Bedeutendes geleistet. Vier schwerwiegende Momente führt Abg. Koch-Weser dafür an. Es gelang, eine Verständigung mit der Entente zu erzielen, das deutsche Volk lebens- und kon- kurrenzfähig zu erhalten, den Bürgerkrieg zu vermeiden und den Bolschewismus abzuwehren. Die Grundlagen haben sich also bewährt, und auch die Führer haben Initiative und Können gezeigt. So schlimm ist also dieses parteiistische System nicht. Allerdings kann man dagegen Einwände erheben. Der moderne Parteibetrieb erscheint festgesroren, Taktik und Er- forschen der politischen Konjunktur sind wichtiger als Sachlichkeit ge- worden. Die Führer der Parteien ähneln manchmal Vorsitzenden von Verbänden, und die Methoden der Regierungsbildung, die sich nach der Zifferngröße der beteiligten Partei und nicht nach den vorhandenen Persönlichkeiten richtet, sind ebenfalls kaum ideal. Vielleicht wäre ein größerer Einfluß des Reichspräsidenten bei der Bildung des Kabinetts begrüßenswert. Bei der Wahl ist es be- denklich, daß niemand weiß, welcher Persönlichkeit er seine Stimme gibt, immerhin bleibt die parteiliche Einstellung eine Notwendigkeit, denn in erster Linie muß doch der Wähler wissen, welche politische Richtung der Kandidat einschlägt. Der Forderung Mahrauns, die staatliche Führerschaft aus der nachbarlichen Gemeinschaft aufzubauen, steht Koch skeptisch gegen- über, da heute der Begriff des seßhaften Bürgers immer mehr an Geltung verliert, der Rahmen ist zu eng gespannt, und auch eine Trennung von Wirtschaft und Politik läßt sich nicht ermöglichen. Die letzte Entscheidung muß beim Parlament verbleiben. Parka- mentarismus ist augenblicklich die einzig mögliche Staatsform, denn für eine Diktatur fehlt es in Deutschland an Analphabeten, und Mündige lassen sich nicht mehr entmündigen.— t. Deutscher Mieiertag. Mietserhöhung gegenwärtig nicht erwogen. Der Bund Deutscher Mieteroerein«(Sitz Dresden) hielt in der Zeit vom 23. bis 27. Mai in Mainz seinen M i e t e r t a g ab. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat des Vorsitzenden Herrmann, der ausführte, daß das Ergebnis der Reichstagswahl 1928 auf die Politik der Wohnungswirtschaft nicht ohne Einfluß geblieben sei. So habe der Reichsarbeitsmimster anläßlich einer Rücksprache mit der Bundesleitung offiziell erklärt, daß mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zurzeit«ine weitere Mieterhöhung nicht erwogen werde. Herrmann wies dann darauf hin, daß sich auf dem Gebiete des Miet- und Wohnrechts eine fürchterliche Zersplitterung bemerkbar mache, die an die schlimmste Zeit der Kleinstaaterei erinnere. Hier müsse Wandel geschaffen werden, wenn man die Wohnungsmisere überwinden wolle. Ueber Mlei-, Wohn- und Bovenrecht referierte Rechtsanwalt Groß- Dresden. Er forderte u. a., daß das künftige Mietrecht dem Mieter das Recht auf Fortsetzung des Mietverhält- nifses geben müsse. Die. Mietzinsbildung müsse vom Staat kontrolliert werden. Im weiteren forderte der Red- ner im künftigen Recht Bestimmungen über den öffentlichen Woh- nungsnachweis, die Verwendung öffentlicher Mittel für den Neubau und«ine gesunde Bodenpolitik der Gemeinde. Die„Ltnzucht" konfisziert. • Vier Bücher und 2000 Zettel. Leipzig, 27. Mai.(Eigenbericht.) Das gemeinsame Schöffengericht in Leipzig beschäftigte sich am Montag mit einem objektiven Verfahren gegen das Buch „Es lebe der Krieg" von Bruno Vogel. Dieses Buch wurde 1924/25 durch Urteil des Schöffengerichts Leipzig eingezogen und beschlagnahmt, da es angeblich in zwei Kapiteln und einigen Bildern zweifellos„unzüchtig" sei. Die Verhandlung lief durch sämtliche Instanzen bis zum Reichsgericht. Während dieser Zeit, im Juni 1926, erschien nun die dritte Auf- läge, die„unzüchtigen" Worte waren mit schwarzen Strichen über- druckt. Den Büchern war ein Zettel beigelegt, auf dem die über- druckten Worte verzeichnet waren. Auch in dieser Auflage waren die beiden vom Reichsgericht als„unzüchtig" bezeichneten Kapitel aber- niols enthalten. Beim Verleger sind damals vier Stück dieser Bücher und etwa 2000Stück Beilagen beschlagnahmt worden. Gegen Verleger und Autor konnte ein Strafverfahren nicht ein- geleitet werden, da die Frist bereits oerjährt war. Das Urteil lautete: Die vier beschlagnahmten Bücher„Es lebe der Krieg" und die 2000 Beilagen werden eingezogen und vernichtet, da si« im Sinne der früheren ergangenen Urteile als„unzüchtig" zu betrachten sind. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. „Rarren und Zdioien." Das Urteil von Kommunisten über Kommunisten. Der„D o l k s w i l l e", das Organ der linken KPD-Opposition, urteilt über die beiden Nummern der„Roten Fahne", die zum zweiten Verbot führten, in folgenden Sätzen: „Diese Kostproben aus der„Analyse" der„Roten Fahne" werden genügen, um die Frage berechtigt erscheinen zu lassen: „Sind es Narren und Idioten, welche dort„Politik" machen, oder muß man für sie schärfere Ausdrück« finden? Was die„Rote Fahne" sich jetzt gegenüber der deutschen und insbesondere Berliner Arbeiterschaft leistet, in bezug auf Aus- wertung der Maiereignisse, grenzt an Verbrechen. Die Arbeiterschast wird über die wahre Klassenlag« hinweg getäuscht, ' muß mit dieser Art„Politik" in neue Niederlagen hineingehetzt werden. Das Geschreibsel der„Roten Fahne", die Phantasien über akut revolutionäre Situation usw. sind aber nur richtig zu verstehen, wenn man die Hintergründe kennt, und die sind, aus eine kurze Formel gebrocht, die folgenden: Die Stalinsche Politik im Innern der Sowjetunion braucht zur eigenen Begründung eine akut revo- lutionäre Situation in Deutschland. Da sie nicht vorhanden ist, wird sie von den Lakaien und Schristgelehrten der„Roten Fahne" erfunden und konstruiert. Stalin braucht«in „schwächstes Kettenglied" in der Kette der imperialistischen Mächte. Die„Rote Fahne" muß es in Deutschland erfinden. Darin de- - steht der„Wert" der Darlegungen der„Roten Fahne"." Nach einem Bericht desselben„Volkswillen" berichtet der Kvm- munist Hans Pfeiffer, Mitglied der Bezirksleitung Berlin- Brandenburg der KPD, in kommunistischen Versammlungen, daß Thälmann in der KPD. kaltgestellt sei. Er erzählt weiter, daß Maßlow jetzt schon der führende Mann der KPD. sei, und wenn sich in der Mitgliedschaft noch Wider- stand gegen die Wiederausnahme Maßlows zeigen sollte, dann würde Maßlow eben von Stalin wieder in die Führung ein- gesetzt werden. Er weist dabei darauf hin, daß Stalin ja schon früher einmal Maßlow als den.Lenin von Westeuropa" gekenn- zeichnet habe. Von Maßlow und Ruth Fischer zu Thälmann, von Thälmann zu Maßlow. War Maßlow nicht eben noch ein Verräter, ein Spitzel, ein gekauftes Polizeisubjekt in den Augen der KPD.? Tut nichts, wenn Stalin befiehlt, werden die KPD.-Mitglieder ihm wieder Vertrauen schenken! Frau Aschenbrenner geht.... München, 27. Mai.(Eigenbericht.) Die Abgeordnete im Bayerischen Landtag, Frau Rosa Aschenbrenner, die seit 1920 der kommunistischen Fraktion als Mitglied angehört und zu den fähigsten Agitatoren der Kommu- nisten in Bayern zählt, ist aus der KPD. ausgetreten. Drc Grund ihres Austritts liegt in ihrer Weigerung, den blutigen, brutalen und widerspruchsvollen Parolen der Berliner Zentrale zu folgen. In ihrer Austrittserklärung macht sie der Parteileitung den Vorschlag, sie wolle zunächst in Arbeitsgemeinschaft mit der kommunistischen Landtagsfraktion verbleiben. Frau?lschen- brennerB«nrd einstweilen fraktionslos bleiben. Durch ihren Austritt aus der Fraktion würden die Kommunisten im Bayerischen Landtag die vorgeschriebene Fraktionsstärke(5). und damit die Vertretung in den Ausschüssen verlieren. Parteitag unter Diktatur. Oie Leiden des ungarischen Proletariats. Der Parteitag unter Polizeiaussicht— der Polizei- offizier sitzt neben dem Vorsitzenden und gibt ihm Weisungen: das ist das äußere Bild des ungarischen Parteitages. Der düstere Inhalt und der gedämpfte Ton der Verhandlungen weist auf den Druck der Gegenrevolution hin, der auf dem ungarischen Proletariat noch viel schwerer lastet als die Herrschaft der Gentry in der Vorlriegs- zeit... Auf jede Lohnforderung antwortet der ungarische Unternehmer mit dem Hinweis auf den Trianoner Frieden! Um die Er- Haltung des barbarisch niedrigen Lohnniveaus bemüht sich der ganze Verwaltungsapparat.„Ein sehr großer Herr ist der Ministerpräsident", bemerkte treffend ein Bararbeiter, „aber noch mächtiger ist der S t u h l r i ch t e r(Landrat) und der mächtigste ist der Gendarm." In der Provinz ist das Schicksal des Arbeiters ganz in die Hände des Gendarmen gelegt. Wenn sich Arbeiter in den Grenzgebieten zu rühren wagen, so werden sie über die Grenze gejagt. Von guten ungarischen Arbeitern, die seit dreißig Jahren in Ungarn wohnen, haben viele kein« Staats- bürgerschaft: sie werden nach Jugoslawien oder in die Slowakei einfach abgeschoben. Und auf Staatskosten werden dicke Bücher über„Ungarns Vergewaltigung" in den Nachfolgestaaten geschrieben... Angesichts dieser Rechtlosigkeit der ungarischen Staatsbürger hat man auf dem Parteitag mit Recht die Frage aufgeworfen:„Was geschieht mit den politischen Rechten der Staatsbürger, die in den abgetrennten Gebieten wohnen, wenn die Friedens- r e v i s i o n wirtlich durchgeführt wird?" Die Frage wurde indirekt im Referat P e y e r s beantwortet, der berichtete, daß e r bei der Volksabstimmung in Oedenburg, und zur Belohnung der Treue der Oedenburger Bevölkerung wurde ihr— führte Peyer aus— das geheime Wahlrecht entzogen! Dabei ist aber das unga- rische Derfassungswerk noch gar nicht„vollendet": man spricht davon, daß Bethlen den Untermietern das Wahlrecht zu rauben beabsichtigt. Von allen Reden des Parteitages waren die erschütterndsten die, die sich mit dem Los« der Landarbeiter beschäftigten.„In Landarbeiterwohnungen sah ich"— berichtete S z e d e r, der Sekre- trä des Landarbeiterverbondes—„vier Familien in einer gemeinsamen Küche. Zwanzig Kinder kriechen in diesem stinkenden, engen Loche herum. Die trockenen Daten, die Szeder über die Entlohnung der Landarbeiter anführte, waren so auf- reizend, daß der Polizeiofsizier ihm mit der Entziehung des Wortes drohte. Einem Landarbeiter wurde das Wort entzogen, als er über die körperlichen Marterungen der Landarbeiter berichtete. Dabei wird das Dorf hermetisch abgesperrt: Landarbeiter dürfen ihre Verwandten aus der Stadt nicht empfangen. Anna K e t h l y erzählte, daß sie mit der Post Briefe und Bücher an die Landarbeiter schicke. Die Briefe und Bücher erreichen aber die Landarbeiter nicht! Ein alter Genosse auf dem Lande, der fünfundsiebzigjährig« Paul Urban besprach mit seinen Schicksalz- genossen ihre traurige Loge. Deshalb sitzt er bereits feit einem Monat im Untersuchungsgefängnis. Dem braven Kämpfer brachte der Parteitag warme Ovationen entgegen. Auch der verhaftete K i s wurde mit minutenlangem Beifall gefeiert: man wählte ihn in die Kommission zum Schutz« der politischen Gefangenen. Ein politischer Gefangener als Mitglied der Kommission zum Schutze der politischen Gefangenen, das gehört auch zu dem Bilde des Terrors gegen die Arbeiter, von dem der Parteitag wieder ein beredtes Bild entrollte. Französisches und polnisches Dementi gegen Mostauer Enthül- lungen. In der„Mosk. Rundsch.", der von dein früheren österreichi- schen Gesandten in Moskau, Pohl, herausgegebenen deutschen Wochen- schrift, war kürzlich ein Bericht über ein polnisch- französisches Militärgeheimabkommen vom Jahre 1925 veröffentlicht. Die a m t- liche polnische Telegraphenagentur erklärt am Montag in überaus e n e r-g i s ch e m Tone, daß eine derartige Konvention nicht bestehe und daß die Dokumente, auf die sich der Bericht stützt, F ä l- s ch u n g e n seien, vas gleiche läßt das französische Außen- Ministerium durch Havas erklären. Der beleidigte Epp. Wegen Beleidigung des natioiialsoziatisti- schen Reichstagsabgeordneten von Epp wurde am Montag vom Münchener Strafsenat der verantwortliche Redakteur der„Roten Fahne" Schräder zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung besteht darin, daß in der Ausgabe der„Roten Fahne" vom 3. März 1929 in einem Artikel mit Bezug auf die Niederwerfung der Münchener Räterepublik im Jahre 1919 von dem„berüchtigten von Epp, dem Mörder bayerischer Arbeiter" die Rede war. Wegen des gleichen Vorwurfs wurde die„Rote Fahne" bereits im vorigen Jahr zu 3000 Mt Geldstrafe verurteilt. Und diese Vorstraf« wurde in dem jetzigen Verfahren als straf- verschärfend angesehen. Gestorben sind zwei bedeutende französische Politiker: Der ehe- matige radikale Ministerpräsident Monis, 85 Jahre alt, und der bekannte Wirtjchaftspolitiker Sctzdoux, erst 58 Jahre alt. Parteitag und bürgerliche presse. ■�1: Gehn Sie nur, sehn Sie nur, wie sie sich spaltet!" KonservativerVerzweiflungsstreich Reichswappen und Ministerpapier zur Wahlbeeinflussung London, 27. Mai.(Eigenbericht.) In einer Rede zu Glasgow sagie der Führer der schottischen Arbeiterpartei. Zames M a x I o n, dah kein einziger der fünfzehn Wahlkreise Glasgows für die Konservativen als sicherer Wahlkreis gelten könne. winifierprösideut Baldwin hat sämtlichen Wählern Grohbritannicos ein faksimiliertes Handschreiben zustellen lassen, zu dem das amtliche Briefpapier mit der Dienst- wohnung des Ministerpräsidenten als Briefkopf und dem Staatswappen(Löwe und Einhorn) verwendet worden ist. Der Brief ist in 30— 40 Millionen Exemplaren zugestellt worden. Di« Verwendung des Staatswappens bei dieser Wahlpropaganda hat lebhafte Empörung hervorgerufen und wird von Zu- risten ab? ein Bruch des Wahlgesetzes bezeichnet. Philipp Snowden, der Schahkanzler der Arbeiterregierung, erklärte in einer Rede, daß diese Verwendung des Amtswappens zur Wahl- Propaganda in der politischen Geschichte Großbritanniens keinen Präzedenzfall besitze. Labour wird höher geweitet. London, 27. Mai.(Eigenbericht.) Die Wä h'lk>ö r s'e der Londoner Stock Exchange l)at am Mon- tag eine belnerksnswerke hö'h e rn ok i er u ng der Wahkaussichten der Arbeiterpartei um 3 Punkte und ein« Herabsetzung der konservativen Aussichten um 1 Punkt vorgenommen. Nach dem jetzigen Stand dieser immerhin für die Stimmung der bürgerlichen Wählerschaft charakteristischen Wetten stellen sich die Aussichten der Parteien wie folgt dar: Konservative 2ßS— 273 Sitze, S o z i a l i st e n 244— 246, Liberale 94—08. Die Wahlen haben bereits am Montag mit dem Beginn der Stimmenabgabe für den Untsrhaussitz der Universität London begonnen. Sämtliche Angehörigen oder ehemaligen Angehörigen der Universität London, die ihr Studium zum Abschluß gebracht haben. sind zur Abgabe einer Stimme und dadurch zur doppelten Stimmabgabe berechtigt. Die Abstimmung erfolgt durch die Post und ist nicht geheim. Oer Grippetod in England. Während des letzten Schreckenswinters. London, 27. Mai. Die Sterblichkeüszifser für das erste Viertel des laufenden Jahres war mit 294 293 um ö 7 9 7 8 höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, und ist, mit einer einzigen Ausnahm«, die h ö ch st e, die für das erste Iahresviertel jemals in England verzeichnet wurde. Die höhe der Ziffer ist auf die Influenza- Epidemie zurückzuführen, die zu Anfang des Jahres in England wütet«. Im ersten Viertel des Jahre» 1919 war die Sterblichkeit»- Ziffer noch höher als im vergangenen Quartal. Auch damals war das Ansteigen der Sterblichkeit durch eine Jnfluenza-Epidemi« ver- ursacht worden. Der Kampf um den Schwejk. Tschechische Tagesprobleme. Von Ruckolk Hlovy. Prag. Ende Mai. Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande. Zur Zeit, als die lustige Geschichte vom guten Soldaten Schwejk durch ganz Deutschland ging und auch in der Bühnenbearbeitung -lausende von Herzen erfreute, wurde dieser moderne Don Quichotte in seiner Heimat als unanständiger Spöttler ge- mieden. Es entbrannte sogar ein Zeitungskampf um den Schwejk. Nationalistische Dichter und Politiker regten sich auf, weil das Ausland aus der ganzen tschechischen Literatur eben diese Geschichte von dem Manne, dem nichts heilig und erhaben war, herausgegriffen hat, und sie hegten Befürch- tungen, Schwejks Philosophie könnte verderblich auf die Dis- ziplin der tschechoslowakischen Soldaten wirken. Bald fand man ein Gegengewicht gegen die Schwejkiade: Ein tschechischer Schriftsteller, von Beruf höherer Offizier, schrieb ein Drama über den in Sibirien durch Selbstmord geendeten Legionären- oberst Schwetz, in dem das sogenannte Heldentum im Kriege verherrlicht wird. Das Stück ist eine Polemik gegen alle huma- nitären und sozialistischen Ideen, ein Ruf nach strammer militaristischer Herrschaft und ein Lob des Faschismus. Kein Wunder, daß es der Bourgeoisie und den chauvinistischen. imlbintelligenzlern gefällt und diese Elemente das Prager Naionaltheater, wo es sehr oft gespielt wird, füllen. Dagegen hat das Drama eine lebhafte Entrüstung in allen fortschritt- lichen Kreisen und insbesondere bei den größtenteils sozia- listisch gesinnten Legionären hervorgerufen. Ein tschechischer, faschistisch und militaristisch orientierter Journalist sollte von der Carnegie-Friedensstiftung ein Sti- pendium zum Aufenthalte in Amerika erhalten.. Das Prager Außenministerium erachtete es für seine Pflicht, das Carnegie- Institut darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Journalist Tendenzen verfolgt, die nicht im Einklänge mit den pazi- fistischen Intentionen des Stifters sind. Diese selbstverständ- liche Vereitelung der Amerikareise des chauvinistischen Jour- nalisten hatte große Aufregung der bürgerlichen Presse zur Folge. Beim Parteitage der Nationaldemokraten gebrauchte Kramarsch derart beleidigende Worte gegen den Außen- minister B e n e s ch, den er unmoralischer Handlungsweise bezichtigte, daß daraus eine Regierungskrise auszubrechen drohte. Der Zwist wurde vorläufig dadurch geschlichtet, daß zwei Personen mit der Prüfung der Anschuldigungen Kra- marschs gegen Benesch betraut worden sind. Kramarsch machte sich aber außerdem noch lächerlich, da er auf diesem Partei- tage allen Ernstes öffentlich erklärte, er selbst hätte eigentlich Präsident der Tschechoslowakischen Republik werden sollen und habe nur deshalb Masaryk den Vorrang gegeben, weil dieser älter als Kramarsch ist. Die jetzige regierende Partei in der Tschechoslowakei, die Agrarier, hat sich während des Krieges gegen die Be- oölkerung'soviel zuschulden kommen lassen, daß man ihr Vergeltung nach dem Kriege versprach. Sie verstand es aber, im rechten Augenblick rasch umzusatteln, wurde nach dem Umsturz stillschweigend pardoniert und wuchs zu einer starken Partei, die in einer jeden Regierung vertreten sein will, heran. Als Regierungspartei beniitzt sie den Staats- apparat dazu, ihre Position zu stärken. So stehen zum Bei- spiel in vielen Städten der Tschechoslowakei neue, modern ein- gerichtete landwirtschaftliche Schulen, die aber an Studenten- Mangel leiden; große Staatssubventionen werden alljährlich für die Landwirtschaft ausgegeben, während die Sozial- reformen als zu kostspielig abgebaut werden. Das agrarische Genossenschaftswesen wird von Staats wegen gefördert, wäh- rend die Arbeiterkonsumvereine auf ihre eigene Kraft an- gewiesen sind. In jedem Dorfe ist der Vertrauensmann der agrarischen Partei gleichzeitig ein Volzugsorgan des Acker- bauministeriums, an das sich die Bauern in allen ihren An- aelegenheiten zu wenden haben. Nur dadurch sind die Agrarier so mächtig geworden. Sie betrachten den Staat als ihre Melkkuh. Bei der Durchführung der Bodenreform fielen aus dem aufgeteilten adligen Großgrundbesitz den Agrariern die fettesten Bissen, die sogenannten Restgllter, zu, und so wuchs der Reichtum der Agrarier durch die Boden- reform ungemein an, während' die landwirtschaftlichen Arbeiter von den Großbauern jetzt in gleicher Weise wie früher von den aristokratischen Großgrundbesitzern ausge- beutet werden. Die Agrarier wetteifern sogar mit den Nationaldemokraten um den Einfluß in Banken, Industrie und Handel. In ihrem Größenwahn wollen die Agrarier jetzt auch äußerlich ihrer Macht ein Denkmal setzen. Auf dem schönen Platz vor der Burg am Prager Hradschin, der, von alten Palästen umgeben, ein prächtiges architektonisches Ganze bildet, wollen sie eine riesige Säule als Monument des Agrarismus— die sozialdemokratische Presse nennt es ein Denkmal des agrarischen Snobismus— errichten. Premyfl der Pflüger, der mythische Begründer der ersten Dynastie in Böhmen, der Premysliden, soll vor der Burg stehen, um durch seinen Pflug die Bedeutung und Macht der agrarischen Partei zu verkünden. Das Projekt wurde zu einer Blamage der Agrarier, da nicht nur aus allen politischen, sondern auch aus sämtlichen künsllerischen Kreisen Proteste gegen die Verunstaltung des Platzes vor der Burg durch ein Denk- mal des agrarischen Eigendünkels laut wurden. Nicht lange nach dieser agrarischen Denkmalaffäre er- eignete sich ein neuer Zwischenfall, der einen Sturm der Erbitterung in allen, auch rein bürgerlichen Kreisen, gegen die Agrarier weckte. Beim Kongreß der agrarischen Partei am 7. Mai wurde eine Botschaft des früheren Ministerpräsi- denten Schwehla verlesen, in der er unter anderem prahle- risch behauptete, daß die Bauern die ganze Nation ernähren, wogegen alle anderen Bevölkerungsschichten„städtische Para- fiten" seien und die Arbeit des Bauern nur verachten. Diese Wendung sowie sonstige derbe Aeußerungen Schwehlas, die wohl eines Schwejk würdig gewesen wären, haben alle Kreise sehr erbittert. Man ist sich jetzt noch mehr als früher klar darüber, welche Gefahr die Agrarier für den Fortschritt und die Kultur bedeuten. Schwejk hat seine Pappenheimer schon gut gekannt, als er die agrarische Großmäuligkeit und Ge- fräßigkeit so oft mit dem richtigen Namen bezeichnete! Südslawische Kommunisten wurden vom Staatsschutzgericht schwer verurteilt: Andrejewitsch zu IS Jahren, Gruber und die anderen Angeklagten zulObislSIahrenKerter: fünf wur- den freigesprochen. Oer Klamensieg in Belgien. Aach die Liberalen gewinnen.- Endgültig« Mandats« Ziffern noch nicht bekannt. Brüssel. 27. Mai.(Eigenbericht.) Die neu eingetrossenen Ergebnisse haben das allgemeine Bild nicht wesentlich verändert. Bei dem sehr verwickelten System der Listen Verbindungen und der Verteilung der Reststimmen in den einzelnen Provinzen läßt sich die Verteilung der Mandate noch nicht mit Sicherheit voraussehen. Fest steht, daß die Liberalen einer- seit», die Front! st en andererseits den Erfolg davontragen. ver Gewinn der ersteren dürft« sich bis auf 7. der der letzteren aus Z oder 4 Mandate belausen. Leidtragende sind Sozialisten und Katholiken in etwa gleichem Maßstäbe. Aber auch hier ist noch nichts Bestimmtes zu sagen. Die sozialistischen ver- l u st e dürften nach gegenwärtiger Voraussicht 4 oder möglicherweise auch 5 Mandate betragen. Das System der Listenverbin- düngen begünstig« in der Regel die Parteien, die Stimmengewinne erzielen. Bei den letzten Wahlen waren dies die Sozialisten: heute kann sich da, System teilweise gegen sie kehren und ihre Gegner begünstigen. Die Ergebniste des Brüsseler Wahlkreises sind noch unvollständig. Sie bestätigen aber bisher dos ollgemeine Bild. Es ist noch möglich, daß einer der Kommunisten sein Mandat be- hält, während der andere im Lütticher Wahlkreis bereits endgültig unterlegen ist. Reben dem Gewinn der flämischen Frontisten ist in Flandern auch der starke Fort schritt der Ehrl st l ich- Demokraten innerhalb der Katholischen Partei bemerkenswert. Da» dürfte dieser Partei sowie der katholisch�liberalen Regierung noch manche Ruß zu knacken geben, lleberhaupt wird die innere Loge dieser Regierung trotz der zahlenmäßig unverminderten Mehrheit nicht gerade rosig sein. Die heterogenen Elemente, die sich im Wahl- kämpfe gegen die Sozialisten geeinigt haben, dürsten schon am Tage de» Zusammentritt» des Parlaments aneinanderprallen, von dem zersetzenden Einfluß der verstärkten srontistischen Fraktion ganz zu schweigen. OaS Ergebnis in(Zupen-Malmedy und St. Vith. Köln, 27. Mai. Nach der„Köln. Vztg." hatte die Wahl zur belgischen Kammer in den Kreisen Eupen, Malmedy und St. Vith folgendes Ergebnis: Wahlberechtigt 17 299. Abgestimmt 14 188, Christlich« Volks- partei 7473, Sozialisten 3349, Katholische Union 2622, Liberale 671, Kommunisten 73. Die zur Erlangung eines Mandats erforderlich« Stimmenzahl ist also in den drei Kreisen von keiner Partei erreicht worden. Oeutschland und Frankreich. Eine?tede Herriots. Zürich. 27. Mai. Der ehemalige französisch« Ministerpräsident Herriot sprach auf Einladung de» Lesezirkels Hottingen in der dichtgefüllten Ton- halle über die Notwendigkeit der deutsch-französischen Annäherung Herriot betont«, daß der 8. Februar 1926, an dem Deutschland sein Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund stellte, in seinen Augen viel wertvoller sei, als die Daten der berühmtesten S ch l a ch- t e n. Dann gab Herriot einen Ueberblick über das, was bisher auf dem Gebiete der moralischen und praktischen Annäherung zwischen den beiden Völkern getan worden ist, und erwähnte das Stahl- k a r t e l l und die deutsch-französischen Abmachungen über den Absatz von Kali, Anilinsarben und Aluminium auf dem Welt- markt. Schon sind die politischen und wirtschaftlichen Schranken gefallen, so meint« der Redner, es sind nur noch die letzten Schranken, die ethischen, zu durchbrechen, e» muß ein« Gemeinschaft der Seelen erzielt werden. Herriot legte sodann seine Gedanken darüber dar, wie dieses Ziel erreicht werden könne, ohne den Kommunismus oder der D e n a t i o- nalisierung zu verfallen, und erklärte schließlich, es liege nun- mehr an Deutschland und Frankreich, sich zu vereinigen, die Gedanken ihrer großen Geister zu verschmelzen und neue ethische Grundsätze aufzustellen. Damit würden sie nicht nur sich selbst retten, sondern auch Europa, das nach einem kürzlich gefallenen Wort nur noch die Wahl habe zwischen Va s a l l e n t u m und einem Staatenbund. Da, Mausoleum für Sunjatse« ist fertig. Die Arbeiten wurden von zwei deutschen Architekten beaufsichtigt. Sie kosteten ungefähr 29 Millionen Mark. Das Zimmer, in dem der Sarg Aufftellung finden soll, ist aus Malachit erbaut.— In Nanking wurden einige Mitglieder der Kuomintang verhaftet, die sich der Kwangfigruppe angeschlossen hatten. „Manon Lescaut." Scala-Zlbend in der Lindenoper. Im Rahmen de» Leala-Gastspieles gelangte gestern Puocüri» „Manon Lescaut" in der Staatsoper Unter den Linden zur Auf- führung. Das Werk, neu in diesem Hause, übrigens eine der frühesten Opern Puccinis. fesselt durch außerordentlich« Feinheit der musikalischen Arbeit und durch musitalisch-dramatische Intensität Die hinreißende Ausführung unter Toscanini findet den begeisterten Beifall des ausverkauft«, Hauses. K. P. Reform der Arbeitslosenversicherung. Das Projekt des Reichsarbeitsministers. ' Es berührt eigenartig, daß ausgerechnet van der Rechts- presse die ersten Mitteilungen über den Inhalt derNovelle zum Gesetz über Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung gemacht werden konnten, während die maßgebenden Stellen vor der Arbeiterpresse und den Gewerkschaften den eisernen ZZorhong herabgelassen hatten. Allem Anschein noch sind Kräste am Werk, die durch Indiskretionen die Möglichkeit schassen wollen, daß die Novelle des Reichsarbeitsministeriums, noch bevor sie zu einer Vorlage der Reichsregierung geworden ist, im Meinungskampf ze r- Letzt wird. Das Reichsarbeitsministerium Hot di« Mitteilungen der Press« .iLber den Inhalt der Novelle nicht dementiert. Man darf also an- i-nehmen, daß der mitgeteilte Inhalt im wesentlichen richtig wieder- gegeben worden ist. Der Kern der Borlage ist die vorgesehene Er- m ä ch t i g u n g des Verwaltungsrats der Reichsanstalt in Notzeiten den Versicherungsbeitrag auf 4 P r o z. zu steigern, was eine Mehreinnahme von etwa?7S Millionen Mark pro Jahr ergeben gvürde. Daneben werden dann noch für die Regelung der Unterstützung bestimmter Arbeitnehmergruppen bei Arbeitslosigkeit verschiedene Aenderungen vorgeschlagen, so Beschränkung der V.�sicherungspflicht mnständig Beschästigter, z. B. bei den Hafenarbeitern, da bei den unständigen Arbeitern die Arbeitslosenversicherung zwar not- .avendig sei, bei reinen Gelegenheitsarbeitern aber sich in- folge der praktischen Unmöglichkeit der Kontrolle Mißbräuche nicht vermeiden ließen. Der Bezug von Arbeitslosenunterstützung durch Schulkinder soll künftig ausgeschlosten sein. Lehrling« sollen mur dann versicherungspflichtig werden, wenn für die letzten 12 Mo- «ate ihrer Beschäftigung«in wöchentliches Arbeitsentgelt von min- bestens 6 Mark oder ein monatliches Arbeitsentgelt von mindestens 23 Mark vereinbart ist. Um dem Uebelstand, daß Selbständige(z. B. Landwirt«, Gast- Mirte, Handwerker und ihre Angehörigen) durch vorübergehende Ar- beitnehmertätigkcit die Anwartschaft auf Unterstützung er- werben, abzuhelfen, wird in der Novelle der Begriff der Arbeits- lofigkeit fester umrissen. Die neue Definition lautet:„Arbeitslos ist, wer berufsmäßig überwiegend als Arbeitnehmer tätig zu sein pflegt, aber vorübergehend nicht in einem Bcschästigungs- Verhältnis steht und auch nicht den erforderlichen Lebensunterhalt durch selbständige Arbeit, insbesondere als Landwirt oder Gewerbe- treibender, erwirbt oder durch Fortführung eines vorhandenen Be- triebes erwerben kann, oder im Betriebe des Ehegatten, der Eltern oder Voreltern, von Abkömmlingen oder Geschwistern den gemein- samen Lebensunterhalt miterwirbt oder miterwerben kann." Tage, an denen die Beschäftigung nur wenige Stunden dauert, sollen künftig beim Erwerb der Anwartschaft nicht mehr ebenso behandelt werden wie Tage voller Beschäftigung. Personen, die Rentenempfänger sind, bekommen unter Freilassung eines Betrages von 15 Mark nach dem Vorschlag der Novelle ihre Renten auf die Arbeitslosenversicherung angerechnet. Ebenso erfolgt Anrech- nung der Bezüge bei den Empfängern von Wartegeld und Ruhe- gehalt. Die Unternehmer, die ihre Belegschaft bei Abschwächung der Beschäftigung sofort stark vermindern, und damit das Betriebsrisiko zum Teil auf die Arbeitslosenversicherung abwälzen, sollen zu höheren Beiträgen herangezogen werden. Eine kritische Stellungnahme zu dem Inhalt der Novelle ist erst möglich, wenn sie in vollem Wortlaut vorliegt, denn bei den vor- geschlagenen Aenderungen ist in den meisten Fällen die F o r m u- l i« r u n g entscheidend. Im Augenblick kann nur festgestellt werden, daß auch das Reichsorbeitsminifterium keinen anderen Aus- weg aus dem durch die abnorme Arbeitslosigkeit während des letzten Winters geschaffenen Finanzschwierigkeiten sieht als den der vorübergehenden Beitragserhöhung, auf den be- beits die Gewerkschaften und die sozialdemokratische Reichstagsfrak- tion hingewiesen haben. Es gibt keinen anderen Weg aus den Schwierigkeiten, wenn man nicht, wie die Unternehmer es vor- schlagen, die Versicherung zerstören oder praktisch für Hunderttausende von Arbeitern aufheben will. Wuchergeschäste mii Pfennigen. Die Reichsbahn will schon wieder die Tarife erhöhen. ' Seit einigen Iahren ist keine Lohnbewegung der Eisenbahner vorübergegangen, ohne den Versuch der Leitung der Reichsbahn, mit Hilfe der Lohnbewegung ein« Tariferhöhung durch- zukämpfen. Es soll ohne weiteres anerkannt werden, daß die .Reichsbahn verpflichtet ist, dafür zu sorgen, daß sich dos Unter- 'nehm«» trägt und seinen Verpflichwngen nachkommt. Zu den Ver- .pflichtungen des Unternehmens gehört aber auch, dos Personal s o z u entlohnen, daß es lebensfähig bleibt. Es ist ein beliebter Trick eine» Teils der Geschäftswelt, sobald sich eine Aenderung durch gesetzliche Belastungen und dergleichen in bezug auf die Preis- gcstaltung ergibt, diese Gelegenheit auszunutzen, um die Gewinn- hq U o t e zu erhöhe». Offenbar ist die Leitung der Reichsbahn �Anhänger einer solchen Einstellung, denn als vergangenes Jahr durch eine Lohnerhöhung der Eisen bahoarbeiter, die durch 'den Schlichter auferlegt war, eine Mehrausgabe von rund 55 Millionen entstanden war, hat die Reichsbahnverwaltung mit allen Mitteln, selbst mit einer Klage gegen die Reichs regierung, eine Einnahmeerhöhung von 250 Millionen erwirkt. Nicht lange Zeit vor diesem Ereignis hatte die Reichsbahn fedoch der Oeffentlichteit erklärt, daß die Erhöhung der Beamten- geholter mit einer Auswirkung von rund 225 Millionen Mark «ine Tariferhöhung nicht nach sich zieht. Weshalb man nicht auch die Besoldungsbewegung der Beamten für eine Tariferhöhung : herangezogen hat, läßt sich vielleicht so erklären, daß dadurch mich s die Einkommenserhöhung der höheren Beamten beeinflußt worden wäre. Zluch bei der in diesem Jahre eingeleiteten Lohnbewegung hat die Hauptverwaltung die Finanznot in den Vordergrund gestellt -und durch die Press« der Oeffentlichkeit angedeutet, daß die Forde- riing der Gewerkschaften eine Tariferhöhung für einzelne � Tarifklassen von 15 Prozent nötig mache. Auch bei dieser Be- � wegung soll anscheinend«in ähnliches Gsfchäft gemacht werden wie : im vergangenen Jahr. Die Reichsrcgierung, die ober di« Finanz- ' Verhältnisse der Reichsbahn bester kennt und eine Erhöhung der Eisenbahntarife offenbar nicht für notwendig hält, wird nun durch die Lohnbewegung der Reichsbahnarbciter von der Reichsbahn- Verwaltung ständig unter Druck gesetzt. Freiwillig lehnt di« Haupt- Verwaltung jede Aufbesserung des Arbeitcreinkommens ab, ohne daß die Notwendigkeit einer Aufbesserung bestritten wird, und läßt sich dann durch die staatlichen Einrichtungen— Schlichtungsinstonzen -— eine Erhöhung aufoktroyieren, um dann der Reichsregierung eine Gegenrcchnung in bezug auf Tariferhöhung zu präsentieren, die. wie im vergangenen Jahre, mit der tatsächlichen Mehrbelastung nicht im geringsten in Einklang zu bringen ist. Siillegung und Aussperrung. Ruht die Sperrfrist? Ruht die Sperrfrist, der Stillegungsverordnung während einer Aussperrung? Mit dieser wichtigen Frage beschäftigte sich das Reichsarbeitsgcricht. Am 10. April 1028 wurde von den Metallindustricllen im Bezirk Dresden die Aussperrung angekündigt. Die beklagt« Firma, die Rotar-Werke in Dresden-Neustadt, die Mitglied des Metallindustricllcn-Verban.des sind, sperrten am 13. April 1928 eben- falls aus. Am 14. Ma: wurde die Arbeit wieder ausgenommen. Am 12. April suchte die Firma beim Arbeitsministerium die Still- l c g u n g ihres Betriebes nach. Von einer Belegschaft von 30 Mann sollten zwei Drittel zur Entlassung kommen. Kurz nach der Beendigung der Aussperrung hat die Beklagt« die teilweise Still- logung ihres Betriebes durchgeführt. Am 14. Mai 1928 meldeten sich der Kläger Nsubert und die Klägerin Wilhelm, die beide Arbeitervatsmitglieder sind, zur Wiederaufnahme der Arbeit. Die Firma lehnt« ihre Weiterbeschäftigung ab. Die Parteien sind verschiedener Aufsassung, ob die in der Still- legungsverordirung bestimmte Sperrfrist von einem Monat nach Eingang der Stillegungsanzeig« während der Aussperrung gelaufen und abgelaufen ist. Di« beiden Kläger vertraten den Standpunkt, daß der Lauf der Sperrfrist durch die Aussperrung gehemmt worden, und daß die Entlassung unwirksam gewesen'sei. Sie verlangen den Lohn von drei Wochen. Die Beklagte oertritt den Standpunkt, daß die Sperrfrist der Stillegungsverordnung wegen der Aussperrung gelaufen und am 10. Mai zum Ablauf gekommen sei, Das Arbeitsgericht hatte zugunsten des Klägers ent- schieden. Gegen dieses Urteil hatte di« Beklagte Berufung eingelegt. Das L a n d e s a r b e i t s g e r i ch t in Dresdem hat das Urteil aufgehoben und die Klage der Klägerin abgewiesen. Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Kläger: Diese Angelegenheit wunde vom Reichsa'rbeitsgericht wie folgt entschieden: Auf die Revision der Klägerin Wilhelm wird das Urteil der Vorinstanz aufgehoben und zugunsten der Klägerin ent- schieden. Die Bestimmungen der Stillegungsoerordnung seien b e i wirtschaftlichen Kämpfen nicht in Anwendung zu bringen. Die in der Stillegungsverordnung bestimmte Sperrfrist von einem Monat sei durch di« Aussperrung gehemmt worden. Deshalb sei auch die ausgesprochene Kündigung gegen die Klägerin, weil sie gegen die Stillegungsverordnung oerstoße, rechtsunwirksam. Das Reichsarbeitsgericht habe deshalb in vollem Umfang« dem Klageantrag« entsprochen. Diese Entscheidung sei grundsätzlich. �Kursus" für Vauanfchläger. Sine Täuschung der arbeitslosen Schloffer. Schlofiermestter L e h n h a k« erbot sich in Zeitungsinseratcn, gelernte Bauschlosser in einem 6 bis 8 Wochen dauernden Kursus zu perfekten Bouanschlägern auszubilden. Lehnhak« handelte im Einverständnis mit der Innung, der es darum zu tun war, Nach- wuchs für das Spezialfach der Bauanschläger zu erhalten. Nun sind die Bauanschlägcr zwar nicht so rar, daß mit fragwürdigen Mitteln für Nachwuchs oesorgt werden müßte: aber mehr Nach- wuchs bedeutet mehr Arbeitsuchende und mehr Aussicht, den Lohn zu drücken. Lehnhake hätte für seine„Ausbildungsturse" die Genehmigung des Provinzialschi'lkollegiums haben müssen. Die erhielt er aber nicht, obgleich di« Innung und di« Handwerkskammer darum nach- gesucht hotten. Trotzdem eröffnete Lehnhake seinen Kursus mit zehn arbeitslosen Bauschlossern, die auf seine Inserate hineingefallen waren. Sie rechneten natürlich damit, daß sie als Anschläger häufiger Arbeitsgelegenheit und auch höheren Lohn haben würden denn als Schlosser. Hatte ihnen doch Lehnhake ver- sichert, sie würden nach ihrer Ausbildung von den Innungs- Mitgliedern beim Arbeitsuchen bevorzugt werden. Es wurde vereinbart, daß für di« Ausbildung von keinem der beiden Teile eine Vergütung zu leisten sei. Die„Kiirsus''teilnehmer mußten nun täglich 8 Stunden. zunächst in Lehnhake? Werkstatt und dann aus einem Neubau für ihn arbeiten. Nach acht Wochen erteilte ihnen Lehnhake eine Bescheinigung, daß sie sich die Kenntnisse und Fertigkeiten eines Bauanschlägers erworben Kütten. Aber,, als die„Ausgebildeten" mit diesem Schein zum Facharbeitsnachweis gingen, wurde ihnen erklärt, daß sie als Bauanschläger nicht anerkannt worden und Arbeit ihnen nicht zugewiesen w?rde, denn in acht Wochen könne ein Bauschlosser nicht zum Bauanschläger ausgebildet 'werden. Hierzu bedürfe es einer praktischen Tätigkeit von es» bis Spcziolorbeitsn zu beherrschen. Die„Ausgebildeten" waren also mit dem Lchnhakeschen Kursus gründlich hineingefallen. Sie waren auch nach dem „Lehrkursus" nichts anderes, als was sie vorher gewesen waren: arbeitslose Bauschlosscr.— Nun verklagten sie Lehnhake beim Arbeitsgericht. Sic sagten: Lehnhak« hat uns, entgegen seinem Versprechen, nicht zu Bouanschlägcrn gemacht, sondern er hat unsere Arbeitskraft als Bauschlosscr acht Wochen in seinem Interesse ausgenutzt, also soll er uns den tarifmäßigen Bau. schlosserlohn zahlen, und da er uns Arbeit als Anschläger (Bevorzugung durch die Innungsmitglieder) versprochen hat, soll er uns für die Zukunft di« Disferenz zwischen dem Schlosser- und dem Anschlägcrlohn zahlen. Jeder der Kläger forderte rund 700 Mark. Das Gericht sprach ihnen nur einen kleineren Teil ihrer For- derungen zu. Das Urteil sagt. Lehnhak« habe zwar gegen behörd- lich« Verordnungen verstoßen, indem er ohne Genehmigung des Provinzialschulkollegiums Berufsumfchulungs- Unterricht an Arbeitslose erteilt«, aber die zwischen den Parteien getroffene Vereinbarung, wonach eine Vergütung von keiner Seite zu zahlen sei, werde dadurch nicht ungültig. Die Zuweisung von Arbeit sei mit den Klägern nicht vereinbart worden, in dieser Hin- sicht könnten sie also keine Zlnsprüche stellen. Aber der Beklagte habe die Arbeitskraft der Kläger für seine Zwecke ausgenutzt und sich dadurch vertragswidrig bereichert. Was er dadurch gewonnen habe, Müsse er herauszahlen. Dos sind nach der Feststellung des Gericht 103 Mark für jeden Kläger. Und die Moral von der Geschichte: Gebt nichts auf verlockende Zeitungsinserate, auch wenn es sich um ein von einer Innung protegiertes Untemehmen handelt, sondern fragt in solchen Fällen die Gewerkschaft um Rat. Das ist der Weg, um sich vor Schaden zu bewahren. Tagung des ZGB. Am Sonnabend wurden die Verhandlungen des Ausschusses des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Prag abgeschlossen. Tayerle, Tschechoslowakei, begründete eingehend eine Ent- schließung betreffend die Gewährung eines bezahlten Urlaubs für Arbeiter und Angestellte. In der Entschließung heißt es: „Die dem Internationalen Gewcrkschaftsbund angeschlossenen Landeszentralen werden aufgefordert, der Frage des Urlaubs be- sondere Aufmerksamkeit zu schenken und mit geeigneten Mitteln und Aktionen dahin zu wirken, daß nicht nur durch die Kollektivverträge, sondern auch durch die Gesetzgebung der Anspruch aus Urlaub anerkannt und geschützt wird. Das Internationale'Arbeitsamt ist ouszufordern, eine Unter- suchunz über den Anspruch auf Urlaub einzuleiten und auf Grund dieser Erhebung ein internationales Uebereinkommen auszuarbeiten, durch den in der Gesetzgebung der einzelnen Länder das durch die internationake Konvention festgelegte Mindestmaß des Urlaubs gewährleistet wird.... Die Urlaubsfrage hängt auch eng mit der Frage der Ve r w e n- düng der freien Zeit zusammen. Durch geeignete Mittel soll di« zweckmäßige Verwendung des Urlaubs insbesondere für die Jugendlichen gefordert und unterstützt werden.. Zy diesem Zwecke sind von den Gewerkschasten, mit Beihilse des Staates und anderen ösfentlichen Körperschaften, Erholungsheime zu gründen und zu verwalten." Die Entschließung wurde einstimmig angenommen. Dem Beschluß des Vorstandes, den- nächsten Internationalen Gewerkschaftskongreß vom 7. bis 11. Juli 1930 in Stockholm abzuhalten, wurde zw gestimmt. Der Streik der Steinmetzen in der Werkstein- und Marmor- brauche ist mit dem 25. Mai mit Erfolg beendet Wir er- suchen alle im Baugewerbe beschäftigten Kollegen ihre Streikkarten und Arbeitsberechtigungskarten im Ortsbureau abgeben zu wollen, da di« Karten hiermit ihre Gültigkeit verloren haben. Zentralvsrband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Der Reichsarbeilsminister hat die Gchaltsvereinbarung im Bankgewerbe vom 17. April sowie die Verlängerung des Reichs- tarifes bis zum 31. Dezember 1930 für ollgemein verbind- l ich erklärt._ Berliner tSewerkschaftsschnle. Der nächste Artxitsrechtliche Zn�orma1io««abe»d fftr Betrieb« rät« ist am Dienstag, 28. Mai, 19 Uhr, unter Leitung des Genosse« Dr. Bräcker vom Vor- stand des ADGB. im Saal 3 de« Gewertschaftshauses, Engelufer 24—25. Um zahlreiche Beteiligung aller freiqewerkschaftlich organisierten Arbeiter, uud Angestellteu-Betrieboräte wird ersucht. Di« Teiluahme ist kostenlo«. Ientralvcrband der Schuhmacher, Zahlstelle Berli». Allgemeine Mit- gliederversammlung am Mittwoch, 29. Mai, um 17 Uhr. in Bockers Festsälen, Wcberstr. 17. Tagesordnung: 1. Der internationale Kongreß in Stockholm. 2. Die diesjährigen Ferien.— Oeffentliche Protestvcrsamwluug der Schuh. macher am Mittwoch um 20 Uhr im Saalbau Friedrichshain. Tagesordnung: „Was lehrt uns das System Bata?" Deutscher Mufitervcrdand. Oeffentliche Versammlung aller Berufsmiifiker am Mittwoch, 29. Mai, 11 Uhr, int großen Saal der Sophien-Säle. Sophien. Straße 17(Nähe Hackescher Markt). Tagesordnung: 1. Ansländerkonkurrenz. Referent Sekretär Schiementz vom Verdandsvorstand des Demuv. 2. Freie Aussprache. Kein Bcrufsmusiker darf fehlen! # Freie Gewerkfchafis-Zugend Groß-Berlin Heute, Dienstag, 19�» Uhr, tagen die Gruppen: Spandau: Gruppen, heim Stadt. Jugendheim Lindenufer l. Wir besprechen Gewerkschafts- fragen.— Frankfurter Allee: ruppenheim Stadt. Jugendheim Litauer Straße 18. Lichthjldernortrag:..Auf der Wolga— von Twer bis Astrachan.� Ren-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 43. Heimabend.— Landoberqcr Plah: Jugendheim Diestelmepcrstr. 5. Vortrag:„Arbeitersport oder bitrgerlichor Sport?"— Lichtenberg: Jugendheim Doffestr. 22. Vortrag:„Der Mensch und die Technik."— Treptow: Gruppenheim Schule Wild�nbruchstr..�.3—�4«Hort- zimmer). Vortrag:„Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaften."— Hnmboldthain: Jugendheim Graun. Ecke. Lorßingstraße. Vortrag:„Der Acht» stundentag und seine Bedeutung."— Achtung, Sprech- und Bewegungschor! Probe«m Mittwoch. 29. Mai, im Saal 11 des Gewerkschaftshauses, Engel- ufer 24—23, Hof parterre rechts. §Huoent>qruppe ves �cntralverbandes der Anoeffellten Äkutc. Diknsto-I. lind folgcnde Brranslaltungkn: Iuiundheim Lchrtcr Etc.]8— 19. Bortrog:..ftrruj und»ucr durch Deutschland." .xrEfl"!'""Nhord Göring.— Ucbungsodcnd de« 2l»rrch. und B-»>tgnng»choi, -l» Jdr in der Zurndnlle der Schule Barutbcr Str. 3(1. Hallrnschuhe mitbringrn! Brrantwortlich für Politik: Dr.«,rt». fi. Döschcr; totales und sonstiges: Zeitz Karstadt; Anzeigt»: Zh. Glocke: tämllich in Berlin. Benag: Barvärts-Berlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Verlagsansialt Paul Singer u. Co.. Berlin SJS. 68, Lindensiratze Z. »ierju 2 Beilage» und„Unterhaltung»nd Wissen". Nr. 243- 46. Jahrgang �£0 Dienstag. 2S. Mai �929 Berlin hat 22000 Hektar Wald. Neben wirtschafilichem Nutzen der gesundheitliche. Berlin war ehemals reich an HZaldbesitz, der die Stadl von allen Seiten umgab. Dann kamen Zeiten, in denen man die Wälder der Gemeinde ohne viele Bedenken niedcrichlug. Erst das lehte Viertel des l9. Jahrhunderts brachte im Zusammenhang mit dem Ausbau der Abwässerbeseitigung und der nokwendigen Anlegung von Rieselseldern wieder eine Zunahme der Gemeindewälder. Sie sielen der Stadl als Be- siandteile der Güter zu, die sie sür die Rieselbewirtschaftung erwerben muhte. Später folgten dann auch Käufe von Gütern, die nicht der Abwässerbeseiligung dienen sollten. Mit dem Erwerb der Herrschaft Lanke hinter Bernau und der grohen Dauerwälder mehrte sich der Waldbesitz Berlins sehr veträchllich. Eine starke Zunahme der städtischen Wälder erlebten wir in neuester Zeit besonders beim Erwerb des Gutes Düppel. heute hat die zusammengefaßte Großgemeinde Berlin rund 22 000 Hektar W a l d b e s i tz. der zum Teil innerhalb, zum anderen Teil außerhalb des Stadtgebietes liegt. Der von der städtischen Forstverwaltung jetzt vorgelegte Geschäftsbericht, der erst den Stand vom ZI. März 102.8 angibt, weist für diesen Zeitpunkt einen Berliner Waldbesitz von 21 9.83 Hektar nach. In dem bis März 1028 reichenden Geschäftsjahr ist es— sagt der Bericht— gelungen, die wirtschaftliche Ausnutzung der städtischen Forsten erheblich zu verbessern. Durch holzverkauf konnten infolge zeitweiliger Steigerung der holzpreise erhebliche Mehreinnahmen erzielt werden. Das gilt auch für die Einnahmen aus Neben- Nutzungen. Pachterhöhungcn, Neuverpachtungen, stärkere Aus- Nutzung von Kiesgruben brachten höhere Einnahmen. Auch die größere Nachfrage nach Zeltscheinen hebt der Bericht hier hervor. Gegenüber der Einnahmemehrung steht ein« Ausgabemehrung bei Löhnen und Materialien. Bei den besonders ins Gewicht fallenden Ausgaben für Kulturen und sonstige Waldverbesserungen wurde durch„Rationalisierung" erreicht, daß man ungefähr mit den Sätzen des Voranschlages auskam, obwohl noch unvorhergesehen« Ausgaben entstanden. Der Bericht nennt Aufforstungen von Oedland, Ausbau der havelhänge, Instandsetzung von Userpromenaden und Spazier- wegen, Reinigung der Wälder, Aufstellung von Ruhebänken, Schaffung von Ruheplätzen, Errichtung von Schutzzäunen. Das finanzielle Ergebnis des Jahres gilt der Verwaltung als durch- aus befriedigend. Erzielt wurden 98 345 Mark Ueberschuß, weit über das Doppelte des im haushaltplan angesetzten Betrages. Den Wert der städtischen Forsten schätzt die Vermögensaufstellung vom 31. März 1928 auf 45 420 900 Mark. Mit Gebäuden. Materialien und Inventar betrug das gesamte Forstoermögen der Stadt 46 307 200 Mark. Nach Abzug von 17 730 160 Mark Schulden(Reste der Kaufgelder für Lanke und Dauerwald) blieben 28 577 040 Mark Ret»vermögen der Forsten. Vom Standpunkt der Forstverwoltung gesehen mag das Ge< leistete groß scheinen. Doch zur Erschließung der Wälder für die erholungsbedürftig« Bevölkerung müßte — das darf hier vielleicht eingeschaltet wevden— noch sehr viel mehr geschehen. Wir wissen freilich, daß selbst der beste Wille, die Wälder auch gesundheitlich auszunutzen, leider durch Mangel an Mitteln gehemmt wird. Besonders die Wege sind manch- mal so arg heruntergewirtschaftet, daß Sand und Staub den Sonn- 3)er WaSieriurm als Straßenabichluß. Der ebenso wegen seiner be- wegten Vergangenheit berühmte wie berüchtigt« Wasserturm auf dem Steglitzer Friedhofe beherrschte bisher weithin dos Stadt- bild, besonders dos Slldgelände. An ihm zeigt sich jedoch so recht die Re- lativität der Dinge, demi er ist nahe- zu eingebaut. Wenn man im Verlauf der Mariendorfer Straße auf dem Weg nach Südende zur Bis- riKirckstraße gelangt, stößt man be- reits auf«inen Teil neuer Straßen, in denen auch die vom Steglitzer Mieterverein errichteten Häuser stehen. Die nächste Straße, die Mit- seder Straße, bietet einen eigen- artigen Anblick, indem in ihrer verkürzten Perspektive sich gleichsam der Wasserturm als Abschluß erhebt. Das ganze Gebäude wirkt in den Häuser- znassen reichlich deplaciert. Mit diesem Einbau des Stolzes der Steglitzer Stadtväter, wie es der Wasserturm als Zeichen des Stadtportikularismus war, wird wohl auch sein weiteres Schicksal besiegelt sein. Zeit- weis« als Ehrengedenkhalle des Krieges, dann wieder als Projekt für ein Krematorium des Südwestens, paßt er heute nicht mehr für das ein« oder andere. Jacfi Xondon: (Bereditigte Ueberselzung von Erwin Magnus). „Macht eure Sache gut, Jungens," ermahnte er sie zu- letzt.„Ich muß es wissen. Was auch geschieht, ich schlage euch heraus." Er kehrte in fein Hotel zurück, indem er wie zuvor die Droschke wechselte, ging in sein Zimmer, trank noch einen Cocktail zur Nacht, legte sich nieder, und schlief ein. Am Morgen kleidete er sich an. rasierte sich, destellte sein Früh- stück und die Zeitungen und wartete. Aber er trank nicht. Um neun Uhr begann das Telephon zu klingeln, und die ersten Berichte liefen ein. Nathaniel Letton war im Begriff, in Tarrytown den Zug zu besteigen. John Dowsett kam mit der Untergrundbahn zur Stadt. Leon Guggenhammer hatte sich noch nicht auf der Straße sehen lassen, war aber bestimmt zu Hause. Dayiight breitete eine Karte vor sich auf dem Tische aus und folgte so den drei Männern, wie sie einander näher- kamen. Jetzt war Nathaniel Letton in seinem Bureau im Mutual-Solander-Hause. Als nächster erschien Guggen- Hammer. Dowsett befand sich noch in seinem eigenen Bureau: aber um elf kam die Nachricht, daß auch er eingetroffen sei. und wenige Minuten später saß Daylight im Auto und sauste in voller Fahrt nach dem Mutual-Solander-Hause. Nathaniel Letton war mitten im Satze, als die Tür ge- öffnet wurde: er blieb stecken, und er wie die beiden anderen starrten erschrocken, ober beherrscht den eintretenden Burning Danliccht an Unwillkürlich übertrieb er den freien schwung- vollen Gang, der Schlittenreisenden eigen ist. Ihm war, als fühlte er Schnee unter seinen Füßem Guten Morgen, meine Herren, sagte er, ohne die un- natürliche Ruhe zu beachten, mit der sie seinen Eintritt be- grüßten Er schüttelte ihnen der Re-He nach so herzlich die Hände daß Nathaniel Letton zusammenfuhr. Dann warf er sich in einen schweren Sessel und streckte die Beine aus, als ob er müde wäre. Die große Lcdertaiche, die er mitgebracht hatte, stellte er sorglos neben sich auf den Fußboden. «Mmächtiger. ich bin halbtot!" ftuszte er.«Wir Habs» s ihnen aber auch nicht schlecht gegeben. Das war'ne Sache. Und erst ganz zum Schluß ist mir ausgegangen, wie fein das Spiel war. Glatter knock down! Und wie sie drauf rein- fielen: war einfach großartig!" Sein schleppender westlicher Dialekt und seine Fröhlich- keit beruhigten sie. Er war wohl gar nicht so schlimm. Wenn er sich auch entgegen Lettons Anordnungen den Zutritt zum Bureau erzwungen hatte, so schien er doch nicht die Absicht zu haben, eine Szene zu machen oder ausfallend zu werden. „Na," fragte Daylight liebenswürdig,„habt ihr nicht ein freundliches Wort für euren Partner? Oder hat fein Glanz euch völlig geblendet?" Letton räusperte sich, konnte aber kein Wort heraus- bringen. Dowsett saß ruhig abwartend da, während Guggen- Hammer mit Anstrengung stammelte: „Sie haben wirklich ein schönes Tohowabohu angerichtet." Daylight schwarze Augen funkelten vor Vergnügen. „Das will ich meinen!" rief er triumphierend,„haben wir sie nicht schön angeführt? Ich war selbst ganz überrascht. Ich hätte mir nie träumen lassen, daß es so leicht ginge." „Und jetzt," fuhr er fort, ehe die entstandene Pause drückend wurde,„können wir wohl abrechnen. Ich möchte gern heute nachmittag abreisen." Er nahm seine Tasche und griff mit beiden Händen hinein.„Und wenn ihr Wall Street wieder mal einen kleinen Schrecken einjagen wollt, Jungens, dann braucht ihr's mir nur zu sagen." Seine Hände kamen wieder zum Vorschein: sie üm- schlössen eine Menge Talons. Scheckbücher und Schlußnoten. Er schüttete alles auf den Tisch, griff noch einmal in die Tasche und fischte einige Nachzügler heraus. Dann las er von einem Blatt Papier ab:„Zehn Millionen siebenund- zwanzigtausend und zweiundvierzig Dollar und acht Cent be- tragen mein« Ausgaben. Die müssen natürlich vom Gewinn abgezogen werden, ehe wir die ganze Beute zusammenrech- nen. Wo habt ihr eure Berechnung? Es muß doch eine mächtige Summe herauskommen." Die drei Männer sahen sich erstaunt an. Entweder war der Mann dümmer, als sie gedacht hatten, oder er spielte ein Spiel, das sie noch nicht durchschauen konnten. Nathaniel Letton befeuchtete seine Lippen mit der Zunge und sprach: „Es wird noch einige Stunden dauern, Herr harnish, bis wir die Abrechnung in Ordnung haben, howison ist ge- rade dabei. Wir— hm— wie Sie sagen, haben wir be- friedigend abgeschnitten. Was meinen Sie, wollen wir jetzt nicht zustimmen frühstücken gehen— wir tmmten ja dabei tagsanssiug, der eine gesundheitsördernde Erholung sein sollte, zu einer gesundheitschädigenden Qual machen. Aber gerade die In- standsetzung und Jnstandhalwiig von Wegen ist bei der Stärke großstädtischen Ausslugsbetriebes eine schwierige und kostspielige «ache. Auch mit den 98 345 Mark llederschuß hätte man, wenn sie drangegeben worden wären, keine großen Taten vollbringen können. Berlins Wälder zu wirklichen Erholungsstätten der Be- völkerung auszugestalten, ist eine Aufgabe, die noch viele Millionen erfordern wird. Maikäfer. Mit frohen Hoffnungen wird alljährlich von der Großstadt- jugend das Auftreten der ersten Maikäferlterwartet. Als Vertünder nahender, warmer und sonniger Jahreszeit werden diese ersten Frühlingsboten begrüßt, die bei günstiger Witterung bereits früher als im Mai das schützende Erdreich verlassen haben. Große Freude herrscht, wenn„Müller" und„Schornsteinfeger", und wie sie sonst im Bolksmunde genannt werden, in großer Anzahl an linden Maien- obenden um Eichen-, Kastanien- und sonst ihnen zusagenden Bäumen umherschwärmen. Dann geht es mit einer Zigarren- oder Ztga- rettenfchachtel bewaffnet auf die Maikäferjagd. Infolge der un- günstigen Witterung und der damit verbundenen spärlichen Eni- wicklung der Natur wurde in diesem Jahre die Geduld der Jugend auf ein« harte Probe gestellt. Traten doch die Maikäser in großer Zahl erst um die Wende des Monats auf. Mit dem Erscheinen der Maikäfer setzt auch sofort der hon- d e l mit ihnen ein. Nicht etwa, daß, wie in vergangenen Zeiten, die Käfer innerhalb der Jugend getauscht oder mit Stecknadeln be- wertet wurden, sondern sie sind seit längerer Zeit in den zoologi- schen Handlungen käuflich zu erwerben. Dabei ist der Airdrang der Jugend häufig sehr stark, besonders am Anfang, wenn der Kurs für einen Käfer noch hoch ist und jeder aus den Besitz der ersten Maikäfer stolz ist. Gegen Ende des Monats, besonders in maikäfer- reichen Jahren, werden sie weniger bewertet. Es wird jetzt mit barer Münze gezahlt und für zehn Pfennige gibt es drei bis sechs Käfer. Aber auch hier ergibt sich der Preis aus Angebot und Nachfrage. Die Jugend bewertet die einzelnen Käfer wieder verschieden. Da gibt es Maikäfer mit rabenschwarzen Beinen und Halsschild, die„Schornsteinfeger", sie sind im Preis höher als alle anderen, da sie seltener auftreten. An regnerischen oder kühlen Tagen kann der Maikäfersang sehr ergiebig sein, ebenso während der Morgenkühle. Dann ruhen die Käfer mit angezogenen Beinen an den Blättern und sind leicht abzuschütteln. Di« Lebensdauer der Maikäfer ist sehr beschränkt: sie betrögt bis zu d r e i W o ch e n. Gegen Ende der Flugzeit fliegen die Weibchen über den Erdboden dahin, eine geeignete trocken« Stelle zur Eiablage zu suchen. Sobald sie eine ihnen zusagende Oertlichkeit gefunden haben, graben sie sich 20 bis 25 Zentimeter tief ein und legen die weißlichen, hanfkorngroßen Eier in kleinen Klumpen in den Boden ab. Schon nach vier Wochen schlüpfen aus den Eiern die kleinen Larven, die als Engerlinge bekannt sind. Zunächst ernähren sie sich von kleinen Humusteilchen, werden aber nach überstanden«? Ueberwinterung sehr gesräßig. Sie verzehren Wurzeln und richten an Pflanzungen und Kulturen vielsachan Schaden an. Erst im vierten Jahre verwandelt sich der Engerling in das Puppenstadium. Dazu gräbt er sich im Erdboden eine kleine Höhlung und macht darin die Berwandlung zum fertigen Käfer durch. Ungefähr im November ist aus der Puppe der Käfer ent- standen. Also beträgt die Entwicklung des Maikäfers vom Ei bis zum Käfer fast vier Jahr«. Di« Gefräßigkeit der erwachsenen Käfer ist ebenso groß, wie die der Engerlinge. Sie richten, sobald sie in großen Scharen auftreten, in den Forstkulturen großen Schaden an. Während der Engerling bei seiner Wanderung durch das Erdreich alles Genieß- bar« wie Wurzeln und selbst kleineres Getier verzehrt, richtet der fertige Käfer feine schädliche Tätigkeit auf die Blätter der Laub- bäum«. Den Schaden, den sie an Kulturen der Forst- und Land- Wirtschaft anrichten, ist nicht zu unterschätzen. Es kann zum Bei- spiel vorkommen, daß Engerlinge durch Benagen der Wurzeln junger Nadelholzbäume Forstkulturen völlig vernichten können. über die Sache sprechen. Ich lasse meine Angestellten über Mittag arbeiten, so daß Sie ihren Zug noch rechtzeitig er- reichen können." Dowsett und Guggenhammer gaben ihre Erleichterung fast zu offen zu erkennen. Die Situation klärte sich. Unter den augenblicklichen Verhältnissen war es nicht angenehm, in einem Raum mit dem Manne eingeschlossen zu sein, den sie soeben ausgeplündert hatten, einem Manne, der starke Muskeln hatte und einem Indianer glich. Sie erinnerten sich mit Unbehagen der vielen Geschichten über seine Stärke und Brutalität. Wenn Letton ihn nur so lange hinhalten könnte, bis sie in die polizeibeschützte Welt außerhalb der Bureau- türen entwischt waren, so war alles gut. Und Daylight schien mit sich reden zu lassen. „Das freut mich wirklich." sagte er.„Ich möchte nicht gern den Zug versäumen. Sie haben mir eine große Ehre erwiesen, meine Herren, daß Sie mich an diesem Geschäft teilnehmen ließen. Ich weiß das in hohem Maße zu schätzen. wenn ich meinen Gefühlen auch nicht den rechten Ausdruck verleihen kann. Aber ich bin schrecklich neugierig und möchte gern wissen, Herr Letton, wie hoch Sie unseren Gewinn ver- anschlagen. Können Sie es mir nicht schätzungsweise sagen?" Nathaniel Letton sandte seinen Freunden einen flehen- den Blick, und es entstand eine Pause. Dowsett, der aus festerem holz als die beiden anderen geschnitzt war, begann zu ahnen, daß der Klondike-Mann spielte. Jene aber ließen sich immer noch von seiner kindlichen Unschuld einwiegen. „Es ist außerordentlich— hm— schwierig," begann Leon Guggenhammer vorsichtig.„Sie wissen, daß die Kurse von Ward Valley fabelhaft schwankten, so daß— hm-- „So daß es ganz unmöglich ist, jetzt schon den Gewinn abzuschätzen," fuhr Letton fort. „Annähernd, annähernd," meinte Daylight freundlich. „Auf eine Million mehr oder weniger kommt es nicht on. Darüber können wir uns ja später noch einigen. Aber ich bin so neugierig, daß es mich am ganzen Körper juckt. Was meint ihr?" „Warum sollen wir weiter unter falschen Boraus- setzungen spielen?" fragte Dowsett plötzlich kalt.„Laßt uns die Karten auf den Tisch legen. Herr harnish hat einen falschen Eindruck von der Sache, und wir wollen ihn auf- klären. Diesmal--." 1 Aber Daylight fiel ihm ins Wort. Er war ein zu guter Pokerspieler, als daß er den psychologischen Faktor außer acht gelassen hätte, und er unterbrach Dowsett, um das Spiel jelbst zum Abschluß zw drmgea..(Forts, folgt.) LlnterschZagene Mandantengelder. Ein Berliner Rechisanwalt in München verhaftet. Aus Antrag der Staatsanwaltschaft III ist der Berliner Rechtsanwalt kröck. der seit einer Reihe von Jahren am hohenzollerndamm eine umfangreiche Z i v i l p r a x i s Halle, in München verhaftet worden. Gegen Rechtsanwalt Kröck waren vier bis fünf Anzeigen wegen Veruntreuungen von Mandantengeldern in Höhe von etwa SOOOll M. bei der Staatsanwaltschaft erstattet wobden. Kröck hatte sich trotz mehrmaliger Vorladungen zur Vernehmung nicht gestellt, sondern war nach Bayern gefahren, wo er ein kleines Gut besitzt. Infolgedessen war gegen ihn vom Staatsanwaltschafts- rat Lategen Haftbefehl erlassen worden, der vor einigen Tagen von der Münchener Kriminalpolizei vollstreckt worden ist. Nachdem gestern eine HaDtbeschwerde von der Ersten Strafkammer des Landgerichts III zurückgewiesen worden war, wird Rechtsanwalt Kröck nunmehr nach Moabit ins Untersuchung s- g e f ä n g n i s übergeführt werden. Es ist gegen ihn bereits Vor- Untersuchung eröffnet worden, die Landgerichtsrat Zimmer übertragen worden ist. Kröck entschuldigt die ihm zur Last gelegten Unregelmäßigkeiten mit Nervosität, die durch eine Kriegsverletzung hervor- gerufen ist. In seinem Bureau waren in letzter Zeit die Akten außerordentlich schlecht geführt. Oer Kamerad aus dem Gchühengraben Leute, die Dumme suchen. Mit einem sehr geschickten Trick arbeitet eine Bande, die planmäßig Männer, die etwas über den Durst getrunken haben, an sich zieht und ausplündert. Erst vor einigen Tagen wurde einen, Schlächter in einem Lokal am Alexanderplatz von den Gaunern die Briestasche mit einer größeren Summe gestohlen. In einem Cafö in der Chaussee- st r a ß e büßte gestern ein Kaufmann 1000 M. ein. Auf ihn eilte, als er die Straße entlangging, ein Mann mit ausgebreiteten Armen zu und konnte sich nicht genug tun, wie er sich freue, den Kameraden aus dem Schützengraben wiederzusehen. Er sei, wie der Angesprochene sich wohl erinnern werde,„E m i 1", dem er einmal eine Zigarette abgegeben habe. Der Kaufmann konnte sich zwar nicht erinnern, den Mann gesehen zu haben, lieh sich aber doch überreden, das vermeintliche Wiedersehen zu s e i e r n. In dem Caf6 in der Chausseestraße, in dem die beiden landeten, gesellten sich noch zwei Männer und eine Frau dazu. Die Stimmung wurde sehr feuchtfröhlich. Als der Kaufmann aber bezahlen wollte, stellte er fest, daß seine Brieftasche mit 1000 M. verschwunden war. Er bezichtigte.Emil" des Diebstahls, und es gab einen großen Krach, bis die Polizei einschritt. Die drei anderen Teilnehmer an dem Gelage hatten sich inzwischen unauffällig entfernt. Der festgenommene„Kamerad" bestreitet den Diebstahl; es wurde auch nichts mehr bei ihm gefunden. Oie betrogene Köchin. !lm die Ersparnisse von rund 3000 Mark gebracht. Ein 27 Jahre alter Kaufmann Karl S. erlitt vor einem Jahr einen kleinen Unfall, der ihn gänzlich ans der Bahn warf. Er ließ seine frühere Beschäftigung im Stich und verlegte sich auf den Heiratsschwindel. Durch Vermittlerinnen suchte er«ine passende Ehe- gefährt,n und legte besonderen Wert auf gute Kochtennt- nisse. So machte er die Bekanntschaft einer Köchin, die sich im Laufe der Jahre einige tausend Mark erspart hatte. S. näherte sich ihr als S ch a l l p l a t t e n f a b r i k a n t, der 70 Leute im Betriebe und drei Autos für den Prioatgcbrauch habe. Er erklärte der Köchin, auf Lippenstift und Puderdos« komme es ihm nicht an, er wolle einen„ordentlichen Happen" zu essen haben. Leider war der„Fabrikant" augenblicklich gerade in Verlegenheit, und die Betörte opfert« ihm 32S0 M., nach deren Empfang S. sich nicht mehr sehen ließ. Die Betrogene macht« nun Anzeige. Kriminalbeamte, die nach S. suchten, ermittelten, daß er einen Unterschlupf in der F r u ch t st r a ß e gefunden hatte. Hier«nt- deckten sie den„Autobesitzer" im Pferde st all, wo er sich unter Stroh versteckt hatte. Bisher haben sich fünf Frauen und Mädchen gemeldet, die dem Schwindler ins Garn gegangen sind. Weitere Betrogen« wollen sich bei der Dienststelle D. S im Polizsipräsidium meiden. Mittel für stadtische Arbeiten. Äofthlüffe des Haushaltaosfchusses der Stadtverordneten. lleber die vom Magistrat beantragte Freigabe von Hl i t l e l n für einen Teil der im diesjährigen Stadthaus- h Iii t p l a n vorgesehenen Bauten und anderer Arbeiten wurve gestern im haushaltsausschuß der Stadtver- ordneten beraten. Der Ausschuß genehmigle die Fort- sührung der in der Magislratsvorlage aufgezählten Baute» aus Mitteln der außerordentlichen Verwaltung und bewilligte die Freigabe dieser Mittel. Es Handell sich um schon früher besonnene und unaufschiebbare Bauleu für verschiedene Verwaltungszweige. Der hierzu in diesem Jahre noch erforderliche und jetzt freigegebene Gesamtbetrag stellte sich aus volle IZS Millionen Mark. Davon entfallen sin abgerundeten Beträgen) auf: Allgemeine Verwaltung 2 Millionen, Bauverwallung 22!-- Millionen, Wohnungsbau 60 Millionen, Schulwesen 4� Millionen, Wohlfahrt 2K Millionen, Gesundheitswesen iOVz Millionen, Betriebe 11% Millionen, Finanzverwaltung 11% Millionen. Der Ausschuß genehmigte auch die Freigabe der in der ordentlichen Verwaltung vorgesehenen Mittel zur Fortführung begonnener Slrahenbnulen(13 Millionen) und Volksschulbauten(3% Millionen). Die Beschlußsasiung über Freigabe von Mitteln für noch nicht begonnene Bauten der ordentlichen wie der außerordentlichen ver. waltung wurde vertagt. Schon bei der Beratung des Haushaltplanes im Haushaltaus- fchuß hatte der Magistrat darauf hingewiesen, daß er kein« Gewähr für die sofortige Inangriffnahme aller vorgesehenen Neubauten übernehmen könne. Es müsse sorgfältig geprüft werden, ob der einzelne Bau so dringlich sei, daß er trotz der Schwierig- ketten des Inlandmarktes für die Aufnahme langfristiger Anleihen unbedingt begonnen werden müsse. Bon den jetzt als unaufjchieb- bar erklärten Bauten, für die er Freigabe der Mittel beantragt hat, gehören die meisten zuraußerordentlichenBerwaltung, so daß die bedeutenden Ausgaben für sie durchAnleiheu zu decken sind. Für die ordentliche Verwaltung werden laufende Mittel in Anspruch genommen. Ein neues Fenerlösch- und Rettungsboot. Di«„Flottille" der Berliner Feuerwehr ist abermals um ein Boot vermehrt worden. Tegelort ist der Hafen des neuen Feuerlöschbootes, von wo es alle Teile des Tegeler Sees und der Oberhavel schnell bestreichen kann. Das Boot, das mit den mo- dernsten Feuerlösch- und Rettungsgeräten aus- gerüstet ist, wurde am Sonnabend nach einem Taufakt, dem zahl. reiche Vertreter der kommunalen Behörden, sowie Branddirektoren und Bauräte der Feuerwehr beiwohnten, durch Frau Oberbranddirektor G« m p p voltzogen. Nach einer kurzen Ansprache übergab daraufhin Oberbranddirektor Gempp das Boot dem Letter der Tegelorter Feuerwehr, Oberbrandmeister Krumm. — Das festlich geschmückte Boot lies kurz darauf zu seiner e r st e n Fahrt aus. Ein großer außer Dienst gestellter Ketten- da m pfer der Sternoesellschoft diente als A n g rif f s ob j e t t. Auf dem Schiff waren Teer und Benzin in Brand ge st eckt worden, so daß es von weitem den Anschein hatte, als ob das ganze Schiff in Flammen stünde. Bold hatte das Feuerlöschboot, das übrigens bedeutend Neiner als feine Vorgänger ist, sein Ziel erreicht, und zwei mächtige Wassersontänen prasselten auf die Flammen nieder. Kürze Zeit später erschienen auch die in Spandau und im West- Hafen stationierten Feuerlöschboote I und II, die in den .Lamps" mit zahlreichen Schlauchleitungen und Schau eingriffen. imlöschern Das Wocheuendschiff„Kreuz As". Auf der Schiffswerft von Gebrüder Wiemann in Branden- bürg ist am Sonnabend das größte Motorschiff der märkischen Gewässer vom Stapel gelaufen. Es gehört der Reederei von Otto Schmidt und führt den Namen„Kreuz As". Dieses Motorschiff bietet Aufenthaltsmöglichkeit für 450 Personen und soll neben dem Verkehr auf den märkischen Gewässern beson- ders für ausgedehntere Urlaubs- und Ferien- reisen nach Hamburg, Cuxhaven, Stettin, Swine- münde und Rügen dienen. Es ist mit komfortablen Schlafgelegenheiten ausgestattet und enthält Einzkl- k ab i n c n sowie solche für zwei und oiet.Person«», Damit Dieselmotoren betrieben« Schiff ist miter Berücksichttgung der Erfahrungen des letzten starken Winters aus besonders starkem Ma- terial gebaut worden, so daß es auch Eisbrecherdienste versehen kann. Es ist damit der erste Motoreisbrecher auf den märkischen Gewässern. Das Schiff wird in den nächsten Wochen bereits in Dienst gestellt werden. Die Preis« einschließlich Verpflegung sind angemessen gehalten._ �Bilder aus Salzburg." Eine deutfch-österreichische Ausstellung. Zu den Räumen der Verkehrs- Werbegesellschaft. An«- b a ch e r Skr. 5. wurde die mit Hilse des Oefferrelchisch- Deutschen Volksbundes veranstalteke interessante Ausstellung „Bilder aus Salzburg" unter Beteiligung zahlreicher Vertreter des deutschen Reiseverkehrs eröffnet, von der österreichischen Gesandtschaft waren Legationsrat Dr. Bacher. Bresse-Attache Dr. Wasserbeck und Dr. Schier erschienen. Direktor W e r r e, Vertreter der österreichischen Bundesbahnen, sprach namens der Ausstellungsleitung der Generaldirektion der österreichischen Bundesbahnen, der Salzburger Landesregierung, der österreichischen Verkehrswerbnug in Wien und der AEG. in Berlin den wärmsten Dank für die werktätig« Förderung der Aus- stellung aus. Die Ausstellung wolle In höherem Maße als dies bis jetzt geschehen sei, die Aufmerksamkeit des reichsdeutschen Publikums auf das Land Salzburg lenken. Nicht bloß wegen Der Sonntagabend bringt Komposittonen von Fall und Lehar. Beide gehören zu den besten der modernen Operette, aber Lehar vor allem kommt im Berliner Sender zu oft zum Vortrag. Dabei stehen immer dieselben Stücke aus dem Programm. Wieviele Mal« hat man schon„Das blaue Himmelbett" und das Vorspiel zu „Paganlni" hier gehört, und auch der„Zarewitsch" zählt nicht zum Unbekannten. Unter Leitung Arthur Guttmanns spielt das Funkorchester erfreulich beschwingt und entwickelt-auch zarten Klang. Gombert und Else Kochhann sind die Solisten, die sich bereits öfters an ähnlichen Abenden präsentiert haben und deren Qualitäten der Hörer zu schätzen weiß. Gut ist auch das Salonquintett Fritz A b r a h l, das die Unterhaltungsmusik am Nachmittag übernimmt. Nur das Programm ist schon zu bunt zusammengesetzt. Das Mittags- konzert wird von dem Ludwig Plaßfchen Trompeten- und Posaunenchor ausgeführt. Dieses Blasorchester klingt In der Ueber- tragung ausgezeichnet und spielt auch selten gehört« alt« Märsche und Volksweisen. Am Montag beginnt Gerhard Pohl einen sehr unterhaltsamen Zyklus„Genies, die keine waren". Er behandelt Eintags- fliegen, die von ihrer Zeit als Größen unerreichter Art angesehen wurden. In diesem ersten Vortrag spricht er hauptsächlich über Zett- genosien der Klassiker und Romantiker. Pohl verfügt diesmal über eine wirklich formulierende Darslellungsart.— Mit dem Vortrag „Die Sinfonie des Alltags" beschließt Dr. Poritzli seine Reihe über den modernen Idealismus. Zusammenfassend versucht er einen Querschnitt durch die Zeit zu geben. Scharf umreißend stellt er den arbeitenden Menschen als wahren Helden der Gegenwart in den Mittelpunkt seiner Betrachtung und lehnt jedes pathetisch aufgezogene Heldentum entschieden ab.— Am Nachmittag künstle- rischer Nachwuchs aus dem Sternschen Konservatorium. Carlotta Hellwig singt die große„Fidelio"-Arie, für eine Anfängerin ein äußerst schwieriges Experiment. Die gutgebildete klingende, aber noch schlanke Stimme hat nicht das große Volumen für diese Arie. Der Bassist Hans Müller verfügt über eine klangvolle Tiefe, während die Höhe wenigstens im Radio außerordentlich hell gefärbt er- scheint. Der Prager Schriftsteller Johann Urzidll liest„Schicksal im Walde", eine Dichtung von zartem lyrischen Reiz, eine Impression fast unwirklich und dann wieder gewollt kapriziös.— Aus Prag wird abends ein Orchesterkonzert mit tschechischen Kompositionen übertragen, unter Leitung von Ottokar Jeremias. Die Uebertragung. besonders die von Dvoröls„Othello", ist nicht immer erfreulich, da Störungen und starke Tonschwankungen auftreten. Später wird die Uebertragung besser, F. S, seiner großartigen landschaftlichen Schönheit, nicht rntr wegen seine« großen wettvollen Erzschätze, die erst zum Neinsten Teil gehoben seien, sondern vor allem darum, well Satzburg schon in der nächste« Zeit für die ganze Volkswittschaft Oesterreichs und für die witt- schastlichen Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich eine noch gar nicht abzuschätzende Badeutung gewinnen werde. Dank dem Entgegenkommen der AEG. in Bettin sei in der Aus- stellung eine graphische Ettäutcrung des bekannten riesenhaften Tauernwerk-Projektes zu sehen. Dieses Werk, besten Aussührung mit der größten Wahrscheinlichkeit schon im nächsten Jahr von der AEG. in Bettin in Angriff genommen würde, sei es. von dem ein einschneidender Einfluß auf die österreichische Volkswittschaft und auf die witts chaftllchen Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Deutschösterreich zu erwarten wäre. Das Werk werde noch seiner Vollendung ein Drittel des gesamten augenblicklichen Strom- bedarfs Deutschlands liefern. Direktor Werre verwies dann auf zwei andere sehr interessante Ausstellungsobjekte: ein großes Hoch- relief der neuen, am 16. Mai d. I. eröffneten Autostraße von Salzburg nach der Gaisbergspitze. der ersten Spitzenstraße Oester- reichs, die ausschließlich dem Touristenverkehr und dem Motor- spart dienen soll, ferner auf eine graphisch« Erläuterung der von dem kleinen reizvollen Salzburger Ott« Saalfelden projektierten Seilschwebebahn von Salzburg nach dem Steinernen Meer. Die zahlreichen Otts- und Landschaftsbilder aus dem Salzburger Land würden das deutsche Publikum vielleicht anregen, nach Salzburg zu gehen. Die besonders niedrigen Preise, die die Salzburger Bäder und Sommerfrischen in dieser Zeit hätten, machten es auch den breiten Masten leicht, die Schönheiten des Salzburger Landes kennenzulernen. Dr. M i s ch l e r, der geschästsführende Direktor des Oesterreichisch-Deutfchen Volksbundes, begrüßte die Ausstellung als ein wett- und verdienstvolles Stück jener prakttjchen Klein- arbeit, die sich der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund zum Zwecke der fortdauernden Annäherung Deutschlands an Oesterreich zur Aufgabe mache. Legationsrat Dr. Pacher gab namens der öfter- reichischen Gesandtschaft seiner Freude über die schöne Ausstellung Ausdruck und erklätte sodann die Ausstellung für eröffnet. Die Ausstellung Ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist unentgeltlich.____ Niesenexplosion bei Oslo. Ein Arbeiter tot. Oslo, 27. Mai. Heute entstand in einer Sprengstoffabrik in der Nähe von Oslo eine sehr schwere Explosion, der kurz nacheinander zwei weitere Explosionen in verschiedenen Gebäuden der Fabrik folgte«. Die Gewalt der Explosionen war so groß, daß noch in einer Entfernung von IS Kilometern sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Durch die weitsortgeschleudetten brennen- den Balken entstand in den umliegenden Wäldern Feuer. Nur dem Umstand, daß in dem Gebäude, in dem die erste Explosion auftrat, sich nur ein einziger Arbeiter befand, der ge- tötet wurde, ist es zuzuschreiben, daß die Explosionen nicht noch mehr Opfer forderten. Sofott nach der ersten Explosion flüchteten die m den übrigen Gebäuden beschäftigten Arbeiter ins Freie und konnten sich dadurch retten.__ 5000 Mark Belohnung! Das Dombenattentat von Itzehoe. Itzehoe, 27. Mai. Der RegierungsPräsideninSchleswig gibt bekannt, daß auf die Ermittlung der au dem Bomben- anschlag auf das Landratsamt Steinburg Beteiligten seitens des Staates und des Kreises Steinburg insge- samt£>000 M. Belohnung ausgesetzt find. Oer Selbstmörder in Frauentleidung. Eine seltsame Ueberraschung erlebten gestern nachmittag Beamte des Schauhauses in der Hannoverschen Straße. Gegen 14 Uhr wurde dort eine weibliche Selb st Mörderin eingeliefert, die sich in ihrer Wohnung Suarezstraße in Charlottenburg erhängt hatte. Der Arzt der nächsten Rettungsstelle und die alarmierte Feuerwehr hatten der Lebensmüden keine Hilfe mehr bringen können. Die Leiche wurde daraufhin beschlagnahmt. Als nun die Beamten des Schauhaujes die Leiche entkleideten, entdeckten sie zu ihrer nicht geringen Verwunderung, daß sie gar keine Frau, sondern «inen Mann vor sich hatten. Die Kriminalpolizei wurde sofort von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, und das Rätsel konnte bald gelöst werden. Der Tote, ein ZOjähriger Straßenbahnschaffner Fritz S., hatte, als sich seine Frau auf ihrer Arbeitsstelle befand, ihre Kleider angezogen und sich am Türpfosten aus noch unbekannten Gründen erhängt. Die Verkleidung war nach der Entdeckung der Tat zunächst nicht bemerkt worden, um so größer war der Schreck einiger Hausbewohner, als sie einige Zeit später die angeblich tote Frau S. gesund das Haus betreten sahen Es handelt sich hier um«ine wistenschafllich geklärte Krankheiteerscheinung, denn es ist bekannt, daß Männer, die ausgesprochen weibliches Empfinden haben, gerne in Frauenkleidung umher- laufen. Feuer in der Löwenbrauerei. In der Löwenbrauerei in Hohenschönhausen, Berliner Straße 8— 14, entstand gestern nachmittag in der M ä l- zerei Feuer, das bedrohlichen Umfang annahm. Vom Malz- baden griffen die Flammen auf den G e r st e n b o d e n und durch die C l e v a t o r a n l a g e bis zum ersten Stockwerk über. Starker Qualm erschwerte die Löscharbeiten und erst nach ein- stündiger Tätigkeit, wobei aus mehreren Schlauchleitungen Master gegeben wurde, war der Brand eingedämmt. Die C n t st e h u n g s- Ursache tonnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. tßcMfajnofkMt? "vvuJüt, rn oÖd Süit! oLatäCvv faArt aß-l Die armen Dackel von Essen. Aus der Praxis der Kurpfuscher. Das erweiterte Schössengericht Essen verurteilte die 44iährige Ilaturheilkundige Therese Süss wegen Betruges zu 4 Monaten Gefängnis. Die Zeugenvernehmung ergab«in groteskes Bild mittel- allerlichen Aberglaubens. Die Angeklagte betrieb ihr Heilgeschäft unter der Assistenz eines Teilhabers, nämlich des Geistes ihres vor langer Zeit gestorbenen Schwiegervaters. Dieser Geist— so gab die Angeklagte allen Ernstes vor Gericht an— verordne in jedem Fall die zu verwendenden Heilmittel. Auch erscheine ihr der Geist vor Patientenbesuche». Dann teile er mit, welch« Patienten im Laufe des Tages kommen würden. Die Angeklagte hat ihren Schwiegervater nie gekannt. Plötzlich sei ihr der Geist erschienen und habe ihr besohlen. Kranke zu heilen. Ihre hartnäckige Weigerung habe der Geist jedoch nicht akzeptiert. Daher hob« sie sich seiner Vorschrift gefügt. Der Gerichtsvorsitzende fragte, in welcher Form und wie oft der Geist sich bemerkbar mache. Darauf erwiderte die Angeklagte, er trage meist einen dunklen Anzug mit hochgeschlossenem Kragen und erscheine sehr häufig am Tage. Auch jetzt sehe sie ihn wieder; er flüstere ihr gerade etwas zu. Der Vorsitzende fragt nach dem In- halt der Geisterrede. Die Angeklagte sagte geheimnisvoll:„Darüber muß ich Stillschweigen bewahren." Die wichtigsten Heil- mittel, die von der Angeklagten verschrieben wurden, waren Kräuter, Zwiebeln, Tee, Urin und D a ck e l f« t t. Bei einer der Frauen, die sich in ihre Behandlung begaben, stellte sie „Sumpfkrankheit" fest. Der Geist ordnete in diesem Fall Zwiebelblätter, Tee und Salb« an. Als die Frau fragte, ob sie nicht doch zum Arzt gehen sollte, sagte die Angeklagte, dann wäre ihr der Tod sicher. Die Frau starb nach einiger Zeit. Sie hatte schließlich doch einen Arzt aufgesucht, aber es war bereits zu spät. Das Geschäft der Angeklagten wurde vom Publikum so st a r k s r e q u« n t i e r t. daß oft gar nicht genug Dackel de- schafft werden konnten, um alle Patienten richtig zu behandeln. Oer geheimnisvolle Wunderbalsam war ganz gewöhnliches Wasserstoffsuperoxyd. Der Uhrmacher Richard Sz. hatte sich vor der Strafkammer wegen versuchten Betruges zu verantworten, da er den Tagelöhner I. unter der Vorspiegelung, daß er sein Beinleiden mit einem aus- ländischen Wunderbalsam heilen würbe, lediglich mit Wasser- stoffsuperoxyd behandelt hatte. Der AngeNagte hatte dem Tagelöhner erzählt, daß er ein Mittel hätte, für das die Aerzte Tausende von Mark geben würden, wenn sie es wüßten. Er würde seine Zusammensetzung aber erst im nächsten Kriege veröffentlichen. Fünf Wochen lang behandelte der Uhrmacher den Tagelöhner mit einer wasserhellen Flüssigkeit, bis der Patient mißtrauisch wurde, da sich das Bein nicht besserte, eine Probe aus der geheimnisvollen Flasche entnahm, und vom Apo- theker feststellen ließ, daß der Wunderbalsam gewöhnliches Wasser- stoffsuperoxyd war. Er ließ sich daher nicht weiter behandeln und zahlte statt der verlangten 2lX) M. dem Angeklagten nur öl) M. Vor Gericht erklärte Sz., daß sein Balsam in einer anderen, gleich- aussehenden Flasche gewesen wäre. Vor Aerger über das Ber- halten des Patienten hätte er das Geheimmittel aber vernichtet. Ueber seine Zusammensetzung dürfe er nichts aussagen. Das Amts- gericht Königswusterhausen hatte aber seine Ausreden nicht geglaubt und ihn wegen versuchten Betruges zu 1 Monat Gefängnis verur- teilt. Die Strafkammer verwarf die Berufung des Angeklagten. Gegen die Kurpfuscherei kann nicht scharf genug vor- gegangen werden. Kinder auf den Bahngeleisen. lleberfahren und nur leicht verletzt. Nach Berichten aus M u n k a c z spielten dieser Tage Kinder aus der Bahnstrecke, als ein Zug sich näherte. Alle Kinder konnten vom Gleise springen, nur ein sünfjähriger Knabe blieb zurück. Der Zug war nicht anzuhallen und die Maschine und mehrere Wagen gingen über das Kind. Als der Zug stand, konnte man den fünfjährigen Buben mit nur leichten Verletzungen aber ohnmächtig zwischen den Gleisen aufheben. Es war das Kind des auf der Loko- motive fahrenden Heizers, der sein Söhnchen sofort selbst ins nah« Kinderkrankenhaus brachte._ Auf märkischen Seen. Zu den landschaftlich reizvollsten Stellen rund um Berlin ge- hören zweifellos die Haoelfeen. Durch das bunte Farbenspiel der Natur an den märkischen Ufern auf einem Dampfer dohinzu- fahren, bringt erlebnisreiche Stunden. Auf fast allen märkischen Wassern ist heute ein regelmäßiger Dampfer- oder Motor- bootsverkehr eingerichtet. In dieser Woche haben die Schiff- fahtrsgesellschaften ihre Dampfer auch wieder auf die großen Reisen nach den weiterliegenden Seenplatten geschickt. Die Stern- und Kreis- schissahrtsgesellschaft fährt mit ihrem neuen— auch für Regenwetter gut ausgerüsteten— Dampfer„Z e h l e n d o r s" nach Ketzin. Bon Berlin nimmt der Dampfer den Weg über Spandau zur Havel und vorbei an den Inseln Schwanenwerder und Pfaueninsel nach Sakrow. Von dort schlängelt er sich durch die Seenketten, die untereinander durch Kanäle verbunden sind. Ueber den Jungfern- und Fahrlander See gehts zum Schlänitzsee und dann durch den Sakrow-Paretzer Kanal zum Göttinsee und nach Ketzin. Mit seinen roten Backsteintürmchen grüßt dies alte Städtchen, das malerisch an der Havel gelagert ist, schon von weitem. In einen unübersehbaren Teppich grüner Wiesen scheint Ketzin hineingebaut zu sein. Nach einigen Stunden Aufenthalt stampft sich der Dampfer seinen Rückweg durch die Wellen. Zurück gehts durch die Havel, an den Räuber- bergen vorbei nach Phöben am Fuße der Wachtelberge. Auf dem kleinen Zernsee steht man am Horizont schon die Spitzen der Bis- marckhöhe bei Werder austauchen. Der Dampfer trägt uns an diesem Juwel märkischer Landschaft vorbei zum Schwielowsee und nach Potsdam zurück. Bergarveiiers Tod. Auf Zeche„N e u m ü h l", Schacht I bei Hamborn, ver- unglückten zwei Bergleute tödlich. Ein Zljähriger lediger und 28 Jahre alter verheirateter Hauer, Vater von vier Kindern, gerieten vor Ort unter S t e i n f a l l aus dem Hangenden. Der «rstere wurde auf der Stelle getötet, während sein Kollege kurze Zeit darauf starb._ Unwetter in Schlesien. Ueber die Mittel-Peilauer Gemarkung bei Reichenberg in Schlesien ging ein verheerender Wolken- b r u ch mit Hagelschlag nieder, der auf den Feldern großen Schaden anrichtete. Vor allem litten die Kartoffel- und Rübenkulturen. Das Wasser stürzte in derartig großen Mengen zu Tal, daß zwei Meter breit« und 6l> Zentimeter tiefe Kanäle quer durch die Rüben- äcker gerissen wurden. Der Umfang der notwendig gewordenen Aufackerung läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Ein neues Meinluftschiff fertiggestellt. Das Kletnluftschiff„P ar s e v a l- N a a tz P. N. 28b" wird Ende dieser Woche fertiggestellt sein. Unter Führung von Major a. D. Stelling werden die Werkstättenfahrten in Seddin bei Stolp in Pommern erfolgen. Darauf wird das Luftschiff nach Berlin zum Tempelhofer Feld übergeführt werden. Dort wird ein transportabler Ankermast aufgestellt, an dem das Luftschiff verankert wird. Freier Voltichor Tegel. Sangessreudiae Kenollen sowie Jugendliche, helft mit am Aufbau eines großen Miinnerd)ors! Werdet Mitglied im Freien Volks. chor Tegel, Mitgl. d. DASB. Uebungsstunden jeden Freitag von 20—22 Uhr Schulaula Trcskowstraße. Eine SlSdlesabrk«ach dem lousendjShrigea Zrandealmrg veranstaltet am 1. und 2. Juni die Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturlunde. Sachkundige Führungen aller Sehenswürdigkeiten sind vorgesehen. Schrift- liche Ansragen und Anmeldungen an Ingenieur 3i. Griebel, Berlin O 3t, Frankfurter Allee 334. Sport. Rennen zu Ruhleben am Rlonlag, dem 27. Atai. 1. R e n n c n. 1. Ossi OSwalda(E. Treuherz) lief ohne Wetten, 2. Sieg, mund, 8. Petronia, 4. Heldin. Toto: 23:10. Platz: 12, 19. 2S, tS: 10. Ferner licsen: Waldschnepfe. Pindar, Drama, Prachtmädel Tochter, Feodora Eudoxia, Queenie, CreiceuS, Hutschachtel, Baronctz E., Costa Rica, Belletrist, Fahrenheit, Nixchen, Thcokrat. 2. R e n n e n. 1. Banco Duffh(Fautz jr.), 2. Heinrich fNeuenseld) lies ohne Wetten, 3. Dahlie. Toto: 41: 10. Platz: 20, 12, 32: 10. Ferner liefen: Pirus, Alpenseuer, Hella Timoko, Tamerlan, Zierde, Noblesse, Stemnelle, McdarduS, Cilly Dillon, Meisterstück, Kakadu I. 3. Rinnen. 1. Dante sJauh jr.), 2. Turiddu, 3. Hellina, 4. Rehoseri». Toto: 47:10. Platz: 23. 17, 33. 31:10. Ferner licsen: Niederländer. Erst. Seehofer, Lord Volo, Diana Magowan, Mentor I, Notwehr, sOuintessenz, MonoltatoS, Eitelsried, Mary Guy, Weinbrand, Sadana, Kasimir. Leuchtturm, Wintcrmärchen, Armenier, Importeur. 4. R e n n e n. t. Arion Bingen sCH. Mills), 2. Lord Arco, 3. Per aspera. Toto: 16:10. Platz: 12, 19, 15:10. Ferner liescn: Frieda Edelstew, Morgentau, Kursürst, Abendstern, Aga. 5. N e n n e n. 1. König Leared«rschöne»»«ide: Schule Berliner Straße.„Frcikörper. kultur."— Hermsbors: Heim Roonstraße.„Iugendiagserinnerungen."— Rcinickcndorf-Ost: Heim Lindauer Straße.„Was ist und will die SAI.?"—. Pankow I, II und III R. F.: Heim Görschstr. 14. 20 llhr Wienbesprechung. Werbe d-zirl Lichtenberg, Acltercngruppc: Fortsetzung der Arbeitsgemein» schaft im Heim Gunterstr. 44. Werbebezirk Prenzlauer Berg, Aeltcrengruppe: Morgen, Mittwoch, Zu- sammenkunft im Heim Sonncnburger Str. 20. Alle älteren Genossinnen und Genossen müssen erscheinen._ wellerbericht der öfj eullichen wellerdienstslell« Berlin und Umgegend. (Nachdr. vcrb.) Teils heiler, teils wolkig und im allgemeinen ctwaS(Uhler, strichweise Gewitterneigung, nach Nord drehende Winde.— Für Deutsch- land: Im Osten und Süden noch sehr warm, im Norden elwaS kühler, besonders im Süden Gewitter. Mercedes-Benz Typ„Stuttgart" 2 Liter(8/38 PS) und 2,6 Liter(IO/50 PS) In Leistung, Bequemlidikeit und Eleganz die große Klasse, in Preis und Wirtschaftlichkeit der große Schlagerl Sechszylindermotor in glatter, leicht zugänglicher Blockkonstruktion, siebenfach gelagerte Kurbelwelle, Dreistufenvergaser, Luft-, Brennstoff- und doppeltes ölfilter, regelbare Saugrohrheizung, Bosch-Dynamozündung. 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Maschinen- Vertriebs GmbH., Kantstr. 141, Femruf: Steinplaij 7902/3— Cottbus: Gustav Curt Sola, Schillerstr. 40.— Forst i. d. L.: W. Robisch, Moltkestr. 4.— Bad Freienwalde O.: Hans Spörl, Marktstr. 24.— Fürstenberg i. M.: Franz Ziethmann, Carlstr 17_ Fürstenwalde a.d.Spree: Richard Fritzsche, Eisenbahnstraße 20-21.— Guben; Automobil-Centrale, Inb. Otto Hänelt, Neustadt 15-16.— Landsberga. d.W.; Richter& Isensee, Kraftfahrzeuge. Wall 44-45.— Potsdam: Märkische Fahrzeugwerke G.m.b.H., Neue Königstrafie 72, an der Glienicker Brücke.— Pritzwalk: Krone& Schmid, Cbausseestr. 11.— Rathenow: Fritz Rogge, Fabrikenstr. 13-14.— Schwiebus: Otto Berger, Automobilhaus, Breite Straße 22, Vertriebs st eilen: Cüstrin-Aitstadt: C. A. Pritzel, Scbulstr. 53-58.— Frankfurt a. d. Ou A. Gutmann, Roßstr. i, Etwas über Geld und Diskont. Aach dem Gerede von der Inflation. Das GsreKe van einsr neuen Inflation, mit dem vor einiger Zeit die großen Gold- und Devisenabgaben der Reichsbank unter �ugenbergs trauriger Führung begleitet wurden, ist verstummt. Die Gold- und Devisenabfliisse der Reichsbank, die erst durch die umfang- reichen Hamsterer- und Spekulationskäufe ein so großes Ausmaß angenommen hatten, sind von der Reichsbank hart an der Deckungs- grenze— die Reichsbanknoten müssen nach dem Bankgeseß zu 4Ü Proz. durch Gold und Devisen gedeckt sein— zum Stehen gebracht worden. Dem Mißbrauch ihres Kredits für Devisenköuse ist die Reich-bank durch«ine entsprechende Krediteinschränkung be- gegnet. Allzustarken Geldabflüssen an die zum Teil höher« Zinssäge bietenden internationalen Geldmärkte mußte die Erhöhung des eigenen Diskontsatzes auf 7', 3 Proz.«ntgegenwirkcn. Die Be- unruhigung hätte, soweit tatsächliche Gründe bestimmte Reichsbank- maßnahmen verlangten, durch eine frühzeitigere oder durch eine stärkere Diskonterhöhung vielleicht noch sicherer vermieden oder abgebremst werden lönnen. Jedenfalls zeigte sich, daß nach den schweren Ersahrungen der Inflation es gut ist, wenn auch die breitere Oeffentlichkeit etwas mehr von den geld- und kreditpolili- sehen Dingen wüßte, deren Unkenntnis reaktionären Kreisen ihre Maulwurfsarbelt so leicht macht. Davon soll hier etwas die Rede sein. Warum die Geldknappheit? Ein Land, da? in seiner Kapitaloersorgung so sehr auf die Unterstützung des Auslandes angewiesen ist wie Deutschland, muß seinen Zinssatz hoebhalten, und zwar so hoch über den an den wichtigsten Wcltgeldplätzen gezahlten Zinsen, daß ein genügend großer Anreiz für das Ausland zur Ausleihung nach Deutschland besteht. Trotz der Erhöhung des Reichsbankzinsfußes um 1 Prozent, die vielleicht zu knapp war, hält allerdings die andauernde Un- gewißheit über den Ausgang der Pariser Reparationskonserenz heute die internationalen Geldschleusen für Deutschland noch ge- schlössen, und zwar um so mehr, als die dauernd« Verteuerung des Zinsfußes auch an d«n ausländischen Geldplätzen, insbesondere in New Pork, wie ein Magnet das Geld aus aller Welt heranzieht. Hauptsächlich aus diesen Gründen ist die Versorgung des deut- schen Marktes mit kurzfristigem ausländischen Leihgeld« zurzeit immer noch sehr knapp, lo daß die Zinssätze für das sogenannte tägliche Geld— meist für die Börsenspekulation— schon seit längerer Zeit die außerordentliche Höhe von 1l1 bis 11 Proz. auf- weisen. Die Geldknappheit in Deutschland ist außerdem durch die Krediteinschrankung der Reichsbank künstlich verschärft worden. Der Abbau des Reichsbankkredits um 25 Proz. hat in die deutsche Kreditversorgung eine empfindliche Lücke gerissen, die sich natur- gemäß am kurzfristigen Geldmarkte in erster Linie bem«rkbar macht. Geld ist freizügig. lieber alle nationalen Grenzen und Gegensätze hinweg fließt e? immer dahin, wo der höchste Zins gezahlt wird. Dabei spielt natürlich die Fraae der jeweils größeren oder geringeren Sicherheit hinsichtlich der Zins- und Rückzahlungen eine große Rolle. Wenn trotz dieses natürlichen Ausgleichs der internationalen Geldmärkte. die wie kommunizierende Röhren miteinander in Verbindung stehen, die Zinssätze in den einzelnen Ländern der Erde so außerordent- lich stark voneinander abweichen, so steht diese Tatsache keineswegs in Widerspruch mit der besagten Ausgleichstendenz. Die Zinsunlerschiede von Land zu Land haben ihre Ursache darin, daß Geldreichtum und Geldarmut auf der Welt verschieden verteilt sind, daß die geldarmen Länder die Her- gäbe von Krediten aus gcldreicheren Ländern mit einem höheren Zinsangebot anlocken müssen, und daß weiterhin se nach den wirt- schastlichen und politischen Verhältnissen ein verschieden hoher Ge- fahren- oder Risikozuschlag von den internationalen Kreditgebern für notwendig erachtet wird. Auf dieser Basis entsteht das ver- schieden hohe Zinsniveau in der Welt, und daraus erklärt es sich auch, daß bei einer Veränderung der Zinssätze in einem für die Weltgeldversorgung besonders wichtigen Lande, wie z. B. Amerika, alle übrigen mit amerikanischem Gelde gespeisten Geldplätze einer Veränderung der Zinssätze des Geldmutterlandes, folgen müssen. Tun sie das nicht oder nicht rechtzeitig, dann gefährden sie die Geld- bzw. die Kreditversorgung ihrer Wirtschast. Freie Zinsbildung und Diskont. Die Zinsbildung am freien Markte gehorcht denn auch diesem in der Natur der internationalen Geldbeziehungen begründeten Ge> setz mit automatischer Präzision. Infolgedessen müssen auch die Notenbanken in den verschiedenen Ländern— die in ihrem„Dis- fönt" eigentlich die Preistendenz des Geldes nur„konstatieren", jedenfalls aber auf die Dauer keine vom Geldmarkt losgelöste Po- litik betreiben können— sich weitgehend noch den internationalen Geldsätzen richten. Das schließt freilich nicht aus, daß für beson- dere Zwecke und eine gewisse Zeit— etwa zur Ankurbelung einer Konjunktur oder auch zur Drosselung einer übermäßigen Börsen- spekulation— die Notenbanken eine sogenannte„autonome" Dis- kontpolitik, unabhängig vom Geldmarkt, treiben können. Dies ist beispielsweise heute noch in Frankreich der Fall, wo die Bank von Frankreich— allerdings unterstützt durch einen natürlichen Kopitalreichtum im Lande— seit Iahren eine„Politik des billigen Geldes" betreibt, obwohl die Geldteuerung am Welt- markte seit zwei Jahren ununterbrochen wächst. Alle übrigen Länder haben dieser Verteuerung der Zinssätze, die von dem be- herrschenden amerikanischen Geldmarkt ausgeht, nacheinander durch Erhöbung ihrer offiziellen Diskontraten Rechnung trogen müssen. Die nachstehende Tabelle, in der für die vier wichtigsten Welt- geldplätze die Preisbewegung der Privatdiskontsätze(Preis für den Ankauf von Wechseln an der Börse) und der amtlichen Diskontsätze(Preis für den Ankauf von Wechseln bei den Notenbanken) gegenübergestellt sind, spiegelt deutlich diesen seif 1927 zu verfolgenden Zun zu einer Verteuerung der Geldsähe wider, und sie zeigt weiter den engen Zusammenhang der amtlichen und privaten Diskontsätze. Dabei kennzeichnet die größere Stetig- kcit in der Bewegung der amtlichen Diskontsätze nur das bei allen Notenbanken vorherrschend« Bestreben, eine möglichst gleichmäßige Diskontpolitik zu betreiben, um der Wirtschast allzu häufig« Schwankungen der Zinssätze— wie an der Börse— zu ersparen. vorsitzend« von I. CB. Farben in den Aufsichtsrot d«r deutsch«» Fordgesellschoft eintritt und dort auch den Vorsitz führen soll. In der damit geschaffenen beherrschenden Stellung der deut- schen I. G. Farben in der deutschen Fordgesellschast liegt eine zweite Ueberraschung. deren sachliche Tragweite heute noch nicht abzusehen ist. Es ist bekannt, daß Edsel Ford, der Sahn von Henry, in den Aufsichtsrot der I. G. Chemical Corporation, der Chemie-Tochtergesellschast von I. G. Farben in U. S. A., ein- getreten ist. Es scheint sich also, wie zwischen General Motors und dem amerikanischen Chemietrust Dupont eine ähnliche Verbindung zwischen Ford und dem deutschen Chemietrust herauszubilden, wobei die Verbindung des Amerikaners Ford mit der deutschen I. G. Farben besonders pikant ist. Auf die Bedeutung dieser Ver- bindung werden wir später noch zurückkommen müssen. Uebrigens wehrt sich Henry Ford gegen die vor kurzer Zeit auch von uns weitergegebene Mitteilung, daß das Ford- geschäft in Deutschland schlecht sei. Die deutsche Ford- gesellschaft behauptet das Gegenteil und fügt zur Bekräftigung hinzu, daß neben der in Berlin-Westhafcn seit vierzehn Monaten arbeitenden Fordfabrik eine zweit« Fabrik in Deutschland er- richtet werden soll. Wo diese zweite Fabrik errichtet werden soll, wird noch nicht gesagt.___ Fleischverbrauch und Zollpolitik. Was Schlachlunas- und Sinfuhrziffern lehren. Di« Fleischversorgung des deutschen Volkes in diesem Jahr ist dadurch charakterisiert, daß mehr Rinder und weniger Schweine ge- schlachtet werden als im Vorjahr. Aus folgenden, soeben vom Sta- tistischen Reichsamt verössentlichten Zahlen geht dies deutlich her- vor(die Zahlen des Einfuhrüberschusses von uns hinzugefügt). Es wurden geschlachtet(bzw. mehr eingeführt): Angesichts der überragenden Bedeutung des amerikanischen Geldmarktes für die Geldversorgung der kapitalärmeren Staaten ist die Zinsentwicklung in New Pork bestimmend für das Zinsniveau am Weltmarkt und insbesondere auch in Deutschland. Leider besteht vorläufig wenig Aussicht, daß die bisher zu beobachtende Aufwärts- entwicklung der Zinssätze bald wieder in«in« Ermäßigung der Zins- raten umschlagen wird. Im Gegenteil ist ernstlich damit zu rech- ncn, daß die von den amerikamschen Notenbanken im Kampf gegen die übermäßige Börsenspekulation betriebene Verteuerung der Geld- sätze noch eine weitere Verschärfung erfahren wird. Man will im Interesse der besseren Versorgung der eigentlichen Wirtschaft die Kredite anscheinend weiter verknappen, um so mehr, als auch die in lebhafter Konjunktur stehende amerikanische Wirtschaft eine stei- gende Nachfrage nach Geld entwickelt. Der Versuch, die von der Wirtschast benötigten Gelder ohne Erweiterung des gesamten Kre- ditvvlum«ns in den Bereinigten Staaten von der Börse abzuziehen und in die als produktiver angesehenen Kanäle der Wirtschast zu lenken, ist nämlich bisher gescheitert. F. D. Banken verteuern Kredite. Sie greifen der?ieichsbank vor.— Sine unerfreuliche Situation. Der Kredit wird in Deutschland für die Wirtschaft wieder um 1 Prozent verteuert. Das ist das Ergebnis einer Besprechung der in der Berliner Sicmpelvereinigung vertretenen Großbanken. Die Zinsen für ausgeliehene Kredite sollen um 1 Prozent erhöht werden. Gleichzeitig soll in Deutschland durch gemeinsames Vorgehen aller Banken auch der der Kundschaft für Einlagen zu vergütende Sag entsprechend erhöht werden. Der Ausleihzins der Banken liegt da- mit 2 Prozent über dem Reichsbankdiskont, wozu noch die Provision von�"« Prozent pro Monat kommt, so daß normale Kredite 11h Prozent kosten werden und das auch nur für Bevorzugte. Die Kreditoerteuerung soll a m 1. I u n i in Kraft treten. Don dieser Krcditverteuerung durch die privaten Banken war schon längere Zeit die Rede. Die Banken begründen sie damit, daß der heutige Reichsbankdiskont von 7h Prozent den tatsächlichen Zinsverhältnissen nicht mehr entspreche und daß die Einschränkung der Bankentredite durch die Reichsbank(Restriktion) die erforderliche Geldbeschaffung durch die Banken verteuere. Die von den Banken geschaffene Situation ist in hohem Maße unerfreulich. Wenn es wahr ist, daß die ungenügende Erhöhung des Reich-bankfatzcs und die Kr«ditrestriktion zwangsläufig zu den Schritt der Banken führen müsse, so bedeiit«t die Kreditverteucrung doch, da die deutschen Banken erheblich billigeres Auslandsgcld heranziehen, eine einseitige Steigerung der Banken- Profite. Daran wird auch dadurch nichts geändert, daß die so- genannte Zinsspanne, d. h. die Differenz zwischen dem gewährten und verlangten Zins nicht verändert wird. Sie wird nämlich nur nominell nicht oerändert. Der Zinsbelastung für die Wirtschast und dem Zinserträgnis für die Banken nach vergrößert sich die Spanne. Die Banken sind einem noch allgemeiner Ueberzeugung heute noch unvermeidlichen Schritt der Reichsbank, nämlich den Diskont weiter zu erhöhen, vorangegangen, obwohl es unklar ist, ob und besonders wann me Reichsbank den Diskont von neuem herauf- setzen wird. Jedenfalls hoben die Banken noch einen besonderen Dorteil von ihrem Vorgehen. Denn solange die Reichsbank ihren Diskont noch nicht erhöht hat, können die Banken bei der Reichs- dank zu dem alten Satz von 7h Prozent— wenigstens für das eingeschränkte Kontingent— Geld leihen. Auch von dieser Seite her ist also das Vorgehen der Banken ein profitables Geschäft. Die ganze Lage unterstreicht noch einmal die von uns nach- drücklich geäußerten Bedenken gegen die künstliche Einschränkung der Kredite, die die Reichsbank glaubte aus währungspolitischen Grün- den vornehmen zu müssen, statt den Diskont in der erforderlichen Weise heraufzusetzen. Wir sind auch heute noch der Meinung, daß die Gold- und Deviscndeckung unserer Währung durch Diskontpolitik allein hätte ausreichend geschützt werden können. Die Wirtschaft muß heute auf doppelte Weise bluten: Einmal Hot die Kredit- restriktion alle Gelddispositionen über den Haufen geworfen, zum anderen wird die Wirtschaft durch das Vorgehen der Banken jetzt geschröpft, und zwar ohne jeden voltswirtschaftlichen Nutzen. J. G. Farben und Ford. Oer Farbenchef Bosch wird Aufsichtsratsvorsihender bei der deutschen Ford-Gesellschast.— Sine zweite Ford-Fabrik. Die deutsche Fordgesellschaft(Ford Motor Company A.-G., Berlin) hat der deutschen Oeffenllichkeit einige Ueberraschung be- reitet. In den interessierten Kreisen wartet« man seit Monaten darauf, daß die deutsche Ford A.-G. Fordaktien in Deutschland ans breite Publikum»erkauft. Es handelte sich um 40 Prozent des seit Beginn dieses Jahres von 5 auf 15 Millionen erhöhten Akten- kapitals, die verkauft werden sollten. Man sprach in Deutschland davon, das Ford damit einen besonders gescheiten Retlametrick durchführen wollte. Di« jungen Fordaktien sollten nämlich sehr niedrig, man spricht von 109 Prozent, oerkauft werden, während eine große Wahrscheinlichkeit dafür sprach, daß der Kurs dieser Aktien bald sehr rasch steigen würde. Es sollten auch nur Nein? Leute die Aktien kaufen. Man war der Auffassung— wir haben auch darüber berichtet—, daß die massenhafte Verbreitung von Ford- attien und di« dabei möglichen Kursgewinne ein« wirksam« Reklame für die Fordprodukte sein sollten, ein« Ueberlegung, die ameri- tanisch und vernünftig war. Diese Pläne sind nun ins W a s s e r g e f a l l e n. Es wird nichk zu den Verkäufen von Fordakti«n kommen. Die 40 Prozent des Kopitals der deutschen Fordgesellschast sind nämlich vom I. G. Farbentrust erworben worden, doneben von einigen der deutschen Fordgesellschast nahestehend«» Unternehmungen. Gleich zeitig wird gemeldet, daß Geheimrat Bosch, der Aufsichtsrots- Einkukr. 1. Bierteljahr t. Bierteljahr Überschuß 1S2S 1328 Ochsen.. 8 563 100 194 84 436 Bullen.. 6 88� 109131 92 081 Kühe.. 37 649 462 066 416 430 Iungrinder 2 473 245 430 192 326 I. Vierteljahr 1913 118 927 104 269 377 778 178 296 937 517 4 010 315 Kälber.. 4 175 1 168 529 1 041 294 Schweine. 22 425 4 738 154 5 354 074 Die Ursache für die Verschiebungen liegt einmal in der un» günstigen Rauhfutterernt« des vergangenen Jahres, die die Land- Wirtschaft aus Futtermangel zu üdernormalen Verkäufen von Rindern gezwungen hat. Die niedrigen Rinderpreije dieses Winters sind ebenfalls in erster Linie hierauf zurückzuführen. Di« von uns vorn« beigefügten Zahlen über den Einfuhrüberschuß von Schlachtvieh in derselben Zeit zeigen außerdem, daß trotz gesteigerten Jnlandongebotes noch über 50 000 Stück Rindvieh zur Bedarfs- deckung eingeführt werden mußten. Von einer Selbstversor- gung mit Rindfleisch ist Deutschland also noch ein ganzes Stück entfernt, besonders, da zu der Lebendvieheinfuhr ja noch die Fleischeinfuhr dazukommt. Daß Dänemark trotz der ungewöhnlich niedrigen Erlöse in Deutschland seine Rinderausfuhr noch Deutschland nicht wesentlich gegenüber dem Vorjahr eingeschränkt hat, deutet stark darauf hin, daß auch Zollerhöhungen die Einfuhr nichk wesent- lich vermindern und daher die Preise kaum heben können. Nicht von Zollmaßnahmen, sondern nur von einer Rationalisierung und Umstellung der Rindviehhaltung auf Milchviehhaltung ist daher eine Verbesserung der Rentabilität der Rindviehhaltung zu erwarten. Daß die Schweineschlachtungcn gegenüber dem Vor- jähr um über 10 Proz. zurückgegangen sind, liegt an den bekannten Schwankungen der Schweineprcise und des Schweineangebotes. Eine Stabilisierung wäre für Verbraucher und Erzeuger von größter Wichtigkeit, stößt aber auf bedeutende praktische Schwierigkeiten. Be° sonders interessant ist hier übrigens ein Vergleich der Schlachtung?- und Einfuhrziffern. Zeigt er doch, daß die Einfuhr von Schweinen für die Preisbildung absolut nebensächlich ist. Sie beträgt weniger als h Proz. der Schlachtungen! Auch die Fleischeinsuhr ändert dieses Verhältnis nicht wesentlich. Z 0 l l e r h ö h u n g e n oder Einfuhrverbote für Schweine und Schweinefleisch müssen daher wirkungslos bleiben. Die Preisbildung ersolgt so gut wie ausschließlich durch das in- ländische Angebot. Nach den diesjährigen kleinen Schweineaustrieben und hohen Preisen sind im nächsten und übernächsten Jahr übrigens wieder niedrige Preise und hohe Schweineauftriebe zu erwarten. Aeiter Rückgang der Arbeiislosigkeii. In Berlin noch 103000 Houptunterstühie. Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat sich auch in der Woche zum 18. Mai weiter günstig gestaltet. Den an sich besridigenden Einstellungen an Arbeits- kräften standen jedoch die Vermittlungen an A u s h i l f s k r ä s t e n in fast allen Berufsgruppcn voran. In der Landwirtschaft ließ die Aufnahmefähigkeit an Arbeitskräften etwas noch. Der Braunkohlenbergbau blieb voll befchästigt. Ein« Besserung wies die M« t a l l i n d u st r i e aus, welche sich auch auf die weib- lichen Berufe ausdehnte. Das Baugewerbe war m der Provinz gut. in Berlin dagegen weniger günstig beschäftigt. Für A n g e- st e l l t e blieb die Arbeitsmarltlage nach wie vor ungünstig. Di« Neumeldungen übersteigen den Abgang, und es sind fast immer die älteren Auge st eilten, die zur Entlassung kommen. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeitsuchenden um 7520 auf 238 703, d. h. um 3,05 Proz., gegenüber einer Ab- nahm« um 726l gleich 2,86 Proz. in der Vorwoche. Aus B«rlin kamen 194 165 Arbeitsuchende. Die Zahl der H a u p t u n t e r- stützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeits- losenunterstützung betrug 133 256, in der Kris«nunterstlltzung 26 577, zusammen 159 835 Personen. Von den Hauptunterstützungs- empfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen au f Berlin 102 967. irifß TTHmident Ohne Vorbereitung, ohne Wasser schnell duftig- lok- keres Haar durch: Sch warjtAojpFi Trocken"Schaumpon dio b&*t<3 hrh Tro eken-tia arwösche ftr. 243• 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag- 25. Mai 4 929 Oer Aufstieg der Partei. Bericht des Parteivorstandes: 426000 Mitglieder gewonnen! Magdeburg, 27. Mai.(Eigenbericht.) Den Rest der ersten Dormittagssitzung des Parteitages füllt« der Bericht über Organisation, Kasse und presse aus. Konrad Ludwig als Berichterstatter führte aus: Die Partei zählt heute in 891k Ortsgruppen 949 Z0L beitrage zahlende Mitglieder, darunter 291 962 Frauen. Gegenüber dem Kieler Parteitag vor zwei Iahren sind das 126 999 Mitglieder mehr. Die Parteieinnahmen aller Bezirke 1928 betrugen 10 35Z 7SZ,S4 AI. An Mitgliederbeiträgen gingen ein: 6 8S3 838,19 Mark. Seit 1924 hat die Partei für Wahlen 8 384 873 M. auf- gewendet, 1928 allein 2 569 612 M. Oeffentliche Versammlungen wurden im letzten Jahre 44 792 abgehalten, Mitgliederversammlungen 66 899. Rund 115 Millionen Flugschriften wurden verbreitet. Die Partei zählt 153 Bertreter im Reichstag, 529 in den Landes- Parlamenten 24 im Preußischen Staatsrat, 358 in den Provinzial- landtagen, 4917 in den Kreistagen, 7662 Stadtverordnete in 1214 Städten, 31 348 Vertreter in 3152 Gemeinden, 889 Bürgermeister, 897 Gemeindevorsteher und 529 Stadträte. Seit Kiel wurden 47 Ausschlußversahren eingeleitet. 8 Mitglieder wurden vom Partcivorstand mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen, durch Schiedsgericht wurden ausgeschlossen 13; in zwölf Fällen liegen Einsprüche gegen die Entscheidungen dem Parteitag vor. Eine besondere H i l s s k o s s e mit Beiträgen der Versicherten ist vor zwei Jahren für die Personale der technischen Betriebe er- richtet worden. Es erhalten bereits 149 Invaliden und 49 Witwen Zuschüsse von 13 M. bis 92,59 M. pro Monat zu den staatlichen Renten. Voraussetzung ist fünfjährige Parteizugehörigkeit. 1928 wurden hierfür 135 471 M. aufgewendet. Von den 196 Parteizeitungen werden nur noch acht in privaten Druckereien hergestellt. Zahlende Abonnenten sind 1 253 247 vorhanden. Der Umsatz unserer Drucke- r e i e n betrug 1928 rund 75 Millionen Mark, für Löhne und Ge- hälter wurden 22� Millionen Mark, an Steuern 2,6 Millionen Mark ausgegeben. Beschäftigt werden in unseren Betrieben 5996 technische Angestellte, 574 in den Redaktionen und 273 in den Buchhandlungen. Dos bilanzmäßige Vermögen der Betriebe beziffert sich auf 52 Mil- lionen Mark. Bom Parteivorstand wurden in den letzten fünf Iahren 5,7 Millionen Mark für Neueinrichtungen und Umbauten an 55 Berlage gegeben. Gegen 1 Uhr vertagt sich der Parteitag auf 3 Uhr nachmittags. Dann erstattete Heinrich Schulz den Bericht des Neichsbildungsausschusses. Schon vor 35 Jahren hat der Redner im Arbeiterbildungsverein Magdeburg-Buckau einen literarischen Vortrag gehalten. Das Er- gebnis war eine Strafe von 14 Tagen Gefängnis wegen Auf- teizung zum Klassenhaß. Die Aufreizung wurde in der Rezitation der Herweghschen Verse„Mann der Arbeit, aufgewacht- gesehen Noch vi«ls Jahre später wurden die Arbeiterbilimngsbestrebungen von der Staatsgewalt versolgt. 1919 noch wurde ein n a t u r- wissenschaftlicher Vortragsabend polizeilich aufgelöst und der Redncr, der über die Entstehung der Erde reden wollte, durch bewaffnete Schutzleute abgeführt. Der Wandel der politischen Machtverhältnisse zeigt sich deutlich darin, daß der Staat die Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft kräftig unterstützt. Wir wollen die öffentlichen Schulen im Geiste staatsbürgerlicher Gesinnung und Völkerversöh- n u n g geführt sehen, ober wir lehnen es im Gegensatz zu den Kommunisten ob, die Schulen in den Dienst der Partei zu stellen. Wir wollen aber nicht auf die sozialistische Erziehung der Arbeiter- iugend verzichten. Diesem Zweck dient die Bewegung der Kinder- freunde. die noch mehr als bisher in ollen Bezirken unterstützt werden sollte. Die Zeltlager im Freien haben sich ausgezeichnet bewährt. Dort wird der Geist der Solidarität, der Hilfsbereitschaft und das Verantwortungsbewußtsein gepflegt. Die eigentliche Jugendbewegung der Partei zählt weit über 59 999 Mitglieder. Gewarnt werden muß vor einer Zersplitterung der Iugenbewegunq dadurch, daß sich jede Organisation ihre eigenen Iugendgruppen«inrichtet. Wenn lösche Gruppen bei den Gewerkschaften und Ärbeitersportvereinen verständ- lich sind, so muß bezweifelt werden, ob ein gleiches Bedürfnis vor- liegt beim Reichsbanner und bei den Volksbühnen. Die Organisation der sozialistischen Studenten in Deutschland und Deutschösterreich zählt etwa 3599 Mitglieder. Die Bildungsarbeit unter den erwachsenen Arbeitern wird von der Partei eifrig ge- fördert. Zwei erprobte Parteigenossen arbeiten ständig an der Vec- nnstaltung von Bildungskursen im ganzen Reich. 78 Kurse mit etwa 5999 Teilnehmern haben wir im letzten Jahre gehabt, dazu eine große Reihe Sonderkurse für Redakteure, Sekretäre und Funktionäre. Daneben haben wir die freien sozial! st i- schen Hochschulen, Ferienkurse und die Beschickung von Schulen in T i n z und Nordschleswig. Dos Organ der Dil- dungsbestrebungen,„Die sozialistische Bildung-, hat sich nach der Umgestaltung gut entwickelt. Im ersten Quartal des Erscheinens hat sich die Abonnentenzahl verdoppelt. Daneben wird viel Gutes ge- stiftet durch unsere Bücherei und vor allem durch die Ver- onstaltung der Urlaubsreisen. Alle diese Bestrebungen sind zusammengefaßt Im Sozialistischen K u l t u r b u n d, der im Herbst sein« nächste Kulturtagung unter dem Leitwort„Film und Funk- abhalten wird. Wir müssen den .?ilm. aber auch das Funkwesen sür unsere kulturellen Bestrebungen benutzen, dürfen ober auch nicht die alten Bildungsmittel, Bücher. Theater und Musik, vernachlässigen. Die Volksbühnen verdienen ganz besonders unsere Förderung und Fürsorge. Neben dielen positiven Aufgaben hat unlerc Bildungsbewegung die negative Auf- gab« der A b w« h r der K u l t u r r e a k t i o n. Das Schmutz- und Schundgesetz hat seit seinem Bestehen seine Ileberflüssigkeit bewiesen. Wir wollen kein Korn aus die leeren Mühlen dieses Gesetzes leiten. Trotz aller Fortschritte dürfen wir nicht— selbst auf die Gefahr hin, daß Gras Westarp nicht der einziao bleibt, der sein Rundfunkobonnement abbestellt— vergessen, daß vor gor nicht langer Zeit hier in Magdeburg noch ein Herr Kölling möglich war, und daß vor kurzem eine Anklage wegen Gottes- l ä st e r u n q gegen einen Künstler wie George Grosz erhaben u�vden konnte. Den Dunkelmännern muß das Handwerk gelegt werden Wir arbeiten weiter unter der Parole: Gegen jede Reaktion auf kulturellem Gebiet, für Fortschritt, Freiheit und Volk!(Beifall.) Leber die Tätigkeit des Borstandsbureaus für die Frauenbewegung berichtet Marie Iuchacz: Die Frauenbewegung geht zahlen- mäßig vorwärts, sie wächst auch innen, und daraus kommt e» uns am meisten an. Das gleiche M ä n n er wa h l r e cht hat seinerzeit im Obrigkeitsstaot der Arbeiterpartei Gelegenheit gegeben, kraft ihrer s Opposition den Typus des reinen Agitators herauszu- bilden. Die Frauen sind aus dem Zustand der vollkommenen Rechtlosigkeit gleich als wahlberechtigte Bürgerinnen in einen Staat hineingekommen in dem die Arbeiterklasse ein unentbehrlicher Macht- faktor geworden war. So ist der rein agitatorische Frauentypus stark zurückgetreten. Jede Bewegung muß freilich mir der Agitation beginnen, muß aufwecken, Anregungen geben, Gedanken ausstreuen Aber die Agitation darf nicht Selb st zweck werden, sie muß überragt werden durch die fach- liche Leistung, die Respekt erringt. Wir haben in der Arbeiter- und Frauenbewegung noch sehr viel Agitotionsarbeit zu leisten, aber wir müssen doch schon die durch die Agitation erweckten Menschen mit der sachlichen Leistung befassen und an ihr beteiligen. In diesem Geist« hat das Frauensekretariat des Parteivorstandes syst«- matisch gearbeitet. Wir haben die Kunst der politischen Erziehung nicht zuletzt darin erblickt, die Frauen zum sozialen Mitoer- antwortungsgefühl zu wecken. Darum haben wir sie auch in den internationalen Frauenwochen zu den Problemen geführt, an denen die Frauen mit ihrem persönlichen Erleben beteiligt sind. Mit den Kursen über die sozialdemokratische Gemeindepolitik haben wir die Frauen auf Arbeitsgebiete geführt, die ihnen eben- falls besonders naheliegen. Wir wollten dadurch die Zahl der in der Gemeindeverwaltung tätigen Frauen vermehren, um damit rück- wirkend wieder eine stärkere Beteiligung der Wählerinnen herbei- zuführen. Jede Berufsschicht muß in der Agitation bei den Fragen ge- packt werden, die sie besonders interessieren', das trifft auf die Be- amtcn und Lehrer genau so zu wie auf die Frauen. Aber die Frauen sind vielleicht etwas weicher, etwas sensibler: deshalb muß die Bewegung zu einem dauernden Erleben für die Frauen ausgestaltet werden. Aus solchen Höhepunkten wie dem gestrigen Tage erwächst ein« innere Verbundenheit mit der Be- weaung, und gerade unsere Frauen werden donkbar sein sür jeden geistigen und seelischen Lichtblick, den die Bewegung ihnen gibt. Wir müssen anknüpfen an die Fragen des Frauen- und Kinder- schütze?, der Bevölkerungspolitik, der Gesundheit?- und Woh- nungspolitik, in die die Frauen mit ihren Lebensschicksalen unmittel- bar verknüpft sind. So werden wir den Familienegoismus der Frauen in ein« echt soziale Gesinnung umwandeln: denn die Triebkraft ist in beiden Fällen durchaus die gleiche. Zweck unserer Erziehungsarbeit ist, das Schicksal nicht nur der eigenen, sondern das aller Kinder in den Frauen lebendig zu machen, selbst in denen, die durch den Krieg dazu oerurteilt sind, einsame Menschen zu bleiben. Die«Schwierigkeit der Organisation?» arbeit unter den Frauen liegt vielfach nicht nur an ihnen, sondern auch daran, daß die Bewegung nicht versteht, sie richtig oufzu- schließen. Eine Massenbewegung wie die unsrige muß Ver- st ä n d n i s haben für alle Schichten der Bevölkerung.(Lebhafter Beifall.) Oer Bericht der Kontrollkommission wird von unserem alten Vorkämpfer Wilhelm Bock erstaltel. Herzlich begrüßt, führt er aus, daß die Kommission 1927/28 acht Revisionen vorgenommen und die Kassenfllhrung der Partei in musterhafter Ordnung gefunden hat. Der Bezirk Leipzig ver- langte eine endgültige Entscheidung darüber, ob der Partei- o o r st a n d berechtigt sei, eine von einem Bezirksparteitag aufgestellte Kandidatenliste für die Reichstags wählen zu ändern. Der Parteivorstand hatte auf der Leipziger Kandidaten- liste die von dem sächsischen Bezirksparteitag in die sechste Stelle eingesetzte Frau Schilling, dem Verlangen der Unterbezirke ent- sprechend, in die fünfte Stelle gerückt. Die Kontrollkommission mußte dem Bezirk mitteilen, daß der Parteivorstand nach dem Parteistatut zu dieser Handlung berechtigt war. Die Zusammen- arbeit mit dem Parteivorstand war kameradschaftlich und kollegial. Die Kontrollkommission beantragt E n t l a st u n g für den Partei- vorstand. Debatte. Mit der Debatte über den Borstandsbericht verbunden ist die Frage der Teilnahme der Partei an einer Koalitionsregie- r u n g und die Panzerkreuzerfrage, soweit von der Stellungnahme dazu das Verbleiben der Sozialdemokratie in der Reichsregierung abhängig ist. Dagegen sollen die Einzelheiten aus der Tätigkeit der gegenwärtigen Reichsregierung beim Bericht der Reichstags f r a k t io n erörtert werden. ZNäder-Altenburg: Bogels Referat war auf den Ton gestimmt: „Und siehe da, es war alles sehr gut!- Wir sind dagegen der Mei- nung, daß die Täiigkeit des Parteivorstandes ollerschärfster Kritik bedarf. Der Wahlsieg der Arbeiterschaft am 29. Mai v. I. war ein Vertrauensvotum für die zielklare Oppositionspolitik der letzten Reichstagsfraktion. Jetzt hat man den Kieler K o a l i- tionsbeschluß falsch angewendet. Man hätte erkennen müssen, daß aus dieser Koalition für die Arbeiterschaft nichts heraus- zuholen war. Der Reichswehretat ist fast unverändert ge- blieben. Die Haltung unserer Minister brachte schwere Der- stöße gegen die Parteidisziplin. Wir haben das Gegen- teil von dem getan, was wir im Wahlkampf versprochen haben. Niemand ist grundsätzlich gegen eine Koalition, aber wir wollen keine Befürwortung solcher Koalition ohne Programm. Hilserding hatte z. B. erst Geld in Hülle und Fülle, dann aber brauchte er plätzlich 599 Millionen. Wendt-Berlin: Im Gegensatz zur Kieler Entscheidung sollte der Magdeburger Parteitag klar aussprechen, daß, wo immer für einen Beruf eine freie Gewerkschaft besteht, jedes Parteimitglied ver- pflichtet ist, ihr anzugehören. Unverständlich war den Parteimitgliedern der Kabinsttsbeschluß zum Panzer- kreuz er. Warum konnte man nicht erst die Entscheidung des neuen Reichstags abwarten? Wels hat nachträglich im Reichstag den Standpunkt der Partei einwandfrei vertreten und die Fraktion hat mehrfach in dieser Frage die unerhörten Zumutungen der bürgerlichen Koalitionsparteien zurückgewiesen. Aber uns er- scheint es unerträgli ch, daß nicht auch die Minister mit der Fraktion gegen die zweite Rot« stimmen sollen. Was heute beim Panzerkreuzer geschieht, kann sich morgen bei den Z ö l l e n oder den Erwerbslosenfragen wiederholen. Wir dürfen das vertrauen zu unseren Ministern im Lande nicht verloren gehen lassen: mir müssen aber auch den Schein vermeiden, als ob wlr nicht zu unseren Wahlreden stünden. Unsere Wähler sind keine Rekruten, die sich rechts und links kam- mandieren lassen. Seydewih-Zwickau: Die sogenannte Opposition ist durchaus ge- willt, die Kritik in kameradschaftlichem Geist« zu führen. Sie er- kennt den Gegnern in der Partei den guten Willen zu, verlangt ober auch von ihnen die Anerkennung, daß ihre Kritik von dem Wunsche getragen ist, der Partei zu dienen. Bogel ist im Irrtum, wenn er sagt, dem Kölner Beschluß des Parteiousschusies für die Kaalition-politik hätten die Sachsen im Parteiausschuß nicht wider- sprachen. Tatsächlich haben damals die sächsischen Vertreter beantragt, daß ein Eingehen auf eine Koalition abhängig gemacht werden müsse von Voraussetzungen. Das ist aber unter- blieben. Die Kritik an der Koalitionspolitik ist am Ende darauf zurückzuführen, daß die Reichstagsfraktion im Gegensatz zum Kieler Parteitagsbeschluß die Ausstellung von Bedingungen für den Ein- tritt in die Regierung unterlassen hat. Unsere vier Minister machen wir nicht persönlich verantwortlich sür die koaUtionspolitii. Schuld ist die Fraktion und nicht der einzelne Minister.(Bogel: Und trotzdem kamen Ausschluß- antrüge gegen die Minister!) Wir haben solche Ausschlußanträge ebenso mißbilligt wie der parteivorstand. Ein Punkt, m dem der Kurswechsel hätte sichtbar werden müssen, ist der R e i ch s w e h r e t a t. An dem Charakter der Reichswehr hat sich seit dem Eintreten der Sozialdemokratie in die Regierung nichts geändert. Die Tatsache, daß unsere Minister nicht wegen des Panzerkreuzerbeschlulses aus der Regierung ausgetreten sind, ist damit begründet worden, daß sie noch ihre Aufgaben auf dem Gebiet der Sozialpolitik zu erfüllen hätten. Seitdem sind beinahe drei Vierteljahre vergangen, aber die angekündigten Fortschritte in der Sozialpolitik sind nicht gekommen. vielmehr ein Stillstand eingetreten, den die Arbeitermassen draußen unangenehm empfinden. Wir meinen deshalb, daß wir die Verantwortung für die jetzige be- dingungslose Köalitionspolitik nicht länger tragen können, und darum fordern wir den Austritt aus der Regierung. Eckstein-Breslau: Nach dem Wahlerfolg vom Mai hatte die Sozialdemokratie die Ausgabe, die aus dem Bürgertum zu uns ge- stoßenden Wähler bei der Partei zu erhalten. Die seither astrieben« Politik war aber nicht geeignet, diese Massen bei der Partei zu halten und neue Arbeiterinassen für die Partei zu gewinnen. Die Begründung für den Panzerkreuzerbeschluß war unrichtig, ebenso die Behauptung des Finanzministers Hilserding, die©teuer- eingönge feien damals so hoch gewesen, daß nach dem RelchsrolZ- beschluß der Kreuzer gebaut werden konnte. Unrichtig ist auch die Behauptung, daß das Kabinett verpflichtet war, den Etat des Bürgerblocks auszuführen. Der Reichskanzler soll im Partei- ausschuß übrigens erklärt haben, er fühle sich als Reichskanzler nur an die Verfassimg, nicht an Partsibeschlüsie gebunden.(Hermann Müller: Das ist ein Irrtum. Ich habe gesagt, ich sei jederzeit bereit, mein?lmt aufzugeben und die Konsequenzen zu ziehen!) Dann bedauere ich, daß die andere Darstellung ohne Dementi durch die Presse gegangen ist. Wir haben das Wahloersprechen gegeben. unter Führung des Porteivorsitzenden Müller, den Panzerkreuzer nicht zu bewilligen. Unter dem Reichskanzler Müller wird er gebaut. Unter dem Parteivorsitzeden Müller haben wir das Wahl- versprechen der Kinderspeisung gegeben, unter dem Reichskanzler Müller ist sie nicht gekommen. Unter der Führung des Parteivor- sitzenden Müller haben wir das Wahlversprechen gegeben, den Reichswehretat auf 599 Millionen zu senken(Widerspruch), unter dem Reichskanzler Müller wird dieses Bersprechcn nicht ausgeführt. Diese Koalitionspolitik hat den Massen die Auge» über den Charak- ter der deutschen Republik geöffnet. Der deutsche Staat ist auch in der Form der Republik nur das Werkzeug der herrschenden Klasse gegen die Arbeiterklasse. Ziegler Breslau begründet Anträge Breslau und Königsberg, alljährlich einen Preußenparteitag abzuhalten. Es fehlen jetzt die Instanzen, die die Politik in Preußen kontrollieren und mitbestimmen. August Siemsen-Iena: Am besten von Bogels Referat gesiel mir der Schlußsatz, daß wir als Mitglieder einer revolutionären Partei uns selbst revolutionieren müssen, um neue Menschen zu werden. In den Schulen Herrschi noch weiterhin der alte Geist, eine nationalistische, konfessionelle, bürgerliche Erziehung. Wenn die Partei die neuen Blenschen hoben will, muß sie auch in der praktischen Politik viel stärker und nachdrücklicher die Bedeutung der Schule vertreten. In den eigenen Erziehungsorganisationen der Partei, bei den Kinderfreunden und m der Arbeiterjugend wachsen die neuen Menschen, die Bogel verlangt hat. Nun mögen diese werdenden Genossen die schwierigen Tagesfragen nicht restlos übersehen und beurteilen können: aber wir dürfen sie trotzdem von der Politik nicht fernhalten, sondern müssen sie in unseren Organisa- tionen zu Kämpfern für den Sozialismus erziehen.(Bogel: Genau dasselbe habe ich ja gesagt!) Ich meine damit, daß die Sozialdemokratie einschließlich der Minister alles aufbietet, um den Panzerkreuzer zu verhindern: denn für Halbheiten fehlt der Iugend das Verständnis. Wir brauchen ein« Politik der Geradheit und Klarheit: wir müssen nicht nur das sozialistische Ziel vor Augen hoben, sondern auch eine geradlinige Politik treiben, die in Geist und Mitteln dem sozialistischen Ziel entspricht.(Bestall.) Sollmann-Köln: In der Debatte ist von der Freude an der Koalitionspolitik gesprochen worden. Ich bin noch keinem Genosten begegnet, der eine solche Freude empsände.(Stürmische Zustim- mung) Wenn wir schweren Herzens unser« Genossen in die Koali- tionsregierung entjandt haben, so deshalb, weil nach unserem Wahl- sieg eiae andere Möglichkeit gar nicht bestand. Eine Halbheit bleibt die Koalitionspolitik immer für alle daran beteiligten Par- teien. Ich habe mich sehr scharf gegen den Kabincttsbeschluß vom 19. August 1923(Panzerkreuzer) gewandt, ober warum sollte ich das heute noch einmal wiederholen? Aus unserer Zwangslage kommen wir durch parleitagsreden nichl heraus. Der Reichstag hat leider zweimal ausdrücklich beschlossen, den Panzerkreuzer zu bauen. Wenn die Minister den Beschluß nicht auesühren wolle», müssen sie zurücktreten.(Breitseheid: sie müßten dann selbst zurückgetreten sein!) Ich wünsche diesen Rück- tritt nicht, ober ich halte andererseits für notwendig, daß die Hab tung der Fraktion deutlich macht: die Sazioldemokratstche Partei lehnt die Verantwortung für dies« Reichstags- b e s eh 1 ü s s e ab Gewiß kann es eine Politik geben, die das Ber- trauen der Masten zu den Ministern erschüttert, aber man kann auch das Vertrauen der Masten durch verantwortungslose Kritik und durch verantwortungslose Opposition erschüttern.(Lebhafter Beifall.) Ich habe dos Recht und die Pflicht, auch meine Freunde in der Regierung scharf anzufassen, wenn ste noch meiner Meinung irren. Aber ich habe auch die Pflicht, den Genossen im Lande ihre Gründe darzulegen, und jo kann ich Kritik oerbinden mit einer Anterstützunq des vertrauen» der Blassen in die Partei und ihre Führer. (Sehr wahr!) Ich gelte in der Partei als ein sehr irommer Mann. (Heiterkeit und Zuruf: Sei doch froh!) Ich beschwere mich nicht darüber, aber dieser Ruf ist unbegründet, denn kch gehSre nicht nur keiner Kirche an, sondern sogar keiner Freidenterorgani- s a t i o n.(Große cheitorkeit.) Ich bin ein absoluter Skeptiker. Ich zweifle sogar manchmal an der Richtigkeit von Parteitag»- beschlüssen.(Heiteres Hört, hört!) Ich muß ein ernstes Wort über die religiöse Toleranz in der Partei sprechen. Es erschüttert mich, wenn gefordert wird, alle Funktionäre müßten aus der Kirche austreten. Seit der Revolution sind zwei Millionen Menschen aus der Sirche ausgeschieden, ein deutliches Warnungszeichen an die verbürgerlichte Kirche. Aber es werden 12 Millionen sozialdemokratische und kommunistische Stimmen abgegeben, also 10 Millionen von Leuten, die ihre Zu- gehörigkeit zur Kirche aufrechterhalten. Wer will auf diese Stimmen verzichten? Der Atheismus ist genau so vieldeutig und genau so unwissenschaftlich, wie der Gottesbegriff. Der Sozialismus ist ein Problem der Organisation, der Gütererzeugung und -Verteilung. Er ist auch ein höchst kulturelles Problem. Er will aus der Tiefe zur lichten Höhe des Gemeinschaftsgoistes führen. Aber Gemeinschaftsgeist kann ebensowohl aus dem Atheismus fließen, wie aus der christlichen Weltanschauung. Die Partei ist kein geologisches und kein philosophisches Seminar. Wir haben in der Partei Atheisten, Monisten, philosophische Idealisten, philoso phische Materialisten, Neukantianer, Protestanten, Katholiken— wir haben sogar Juden in der Partei.(Große Heiterkeit.) Allen diesen müssen wir die Gewissensfreiheit lassen. Viel leicht macht auch die Kirche eine Entwicklung dazu durch. Es gibt 25 000 religiöse Sozialisten und 100 Pfarrer, die Parteimitglieder sind. Es gibt im stillen sogar katholische Priester, die aus ihrer kokholischen Weltanschauung den Klassenkampf bejahen. Es gibt das„Rote Blatt" der katholischen Sozialisten in Köln, das an die Traditionen des jungen Görres anknüpft. Eine Partei wie die Sozialdemokratie, die die ganze arbeitende Menschheit um- fassen will, auch die Frau und den Bauern, muß allen religiösen Anschauungen mit dem höchsten Respekt gegenüberstehen. Die Naturwissenschast hat heute ein ganz anderes Gesicht, als vor -10 Iahren. Hüten wir uns als Partei, hüte sich jeder einzelne Genosse vor geistigem Hochmut und Pharisäertum! Wir haben Respekt vor der Bielgestaltigkcit des menschlichen Geistes und der menfchliliien Seele. Verlangen wir von den Parteigenossen nichts anderes, als h ö ch st e n A k t i v i s m u s für die sozio- listische Idee!(Lebhostcr Beiiall.) Die weitere Debatte wird auf Dienstag, vormittag 0 Uhr, ver- tagt. Schluß 6 Uhr. Konferenz sozialdemokratischer Juristen Beratung über die soziale GerichlÄhilfe. Die sozialdemokratischen Juristen, die eben erst attio an den Arbeiten der Brcslauer Kriminalistentagung teilgenommen hatten, traten am Sonntag, vor Eröffnung des Parteitages gemein- fam mit sozialdemokratischen Sozialbeamten und Sozial- Politikern zu einer Reichskonferenz über die soziale Gerichts- hilf« zusammen. Stadtrat Friedländer(Berlin) erstattete das Referat: Gegenüber der Forderung der Gerichte nach Selbständigkeit in der Organisierung von sozialen Gerichtshilfen und der Aufbauoersuche von freien Gerichtshilsttellen durch einen Teil der freien Wohlfahrt müsse mit aller Entschiedenheit an den amtlichen Wohl- f a h r t s st e l l e n als Trägerinnen der sozialen Gerichtshilfe fest- gehalten werden. Es sei vollkommen falsch, eine Verquickung von sozialer Fürsorge und Ermittlungsfunktionen zu befürchten. In jedem einzelnen Falle, wo Ennittlungen vorgenommen werden sollen, setzt der Fürsorger den zu Erforschenden von dem Auftrag des Gerichts in Kenntnis. So ist dieser auch imstande, sich ent- sprechend zu verhalten und nicht erst Dinge zu sagen, die gegen ihn auf Grund des dem Fürsorger geschenkten Vertrauens ausgewertet werden könnten Fehlleistungen in Berichten, die gegen das Wohl- fahrtsamt ausgespielt werden, würden am besten durch Bearbeitung der Berichte in der zentralen Fürsorge vermieden. Selbstoerständ- lich sei eine ausgiebige Schulung der Fürsorger für ihre Crmittlungstätigkeit erforderlich. Die Durchführung der sozialen Gerichtshilfe hänge aber sehr wesentlich davon ab, ob es gelingt, die Arbeiter und Angestelltenkreise zur Mitarbeit heranzuziehen, sofern ste sich zu dieser wichtigen Tätigkeit berufen fühlen. An der äußerst regen Diskussion nahmen die Genossen P u l o e r m a n n(Halberstadt), Ruschewey(Hamburg), Gold- schmidt(Verlin), Direktor Krebs(Berlin), Stadtrat Böhme (Magdeburg), T i ch a u e r(Berlin), Dr. Krede(Celle), Rüben (Berlin), Hammerschlag(Magdeburg), Direktor O l l e n d o r f (Berlin) und Braun(Magdeburg) teil. Es wurde u. a. angeregt, einen Zusammenschluß der fortschrittlich gerichteten sozialen Gerichts- Hilfen herbeizuführen. Die Reichskonferenz nahm folgende Beschlüsse an: 1. Die soziale Gerichtshilfe hat eine doppelte Aufgabe: -) Eine Unterlage für die Beurteilung der Persönlichkeit des Täters zu schaffen, b) als Fürsorge an persönlicher und wirtschaftlicher Hilfe den Beschuldigten beizustehen. Die soziale Gcrichtshilfe hat nicht die Aufgabe, den sub- jektiven und objektiven Tatbestand festzustellen. 2. Träger der sozialen Gerichtshilfe sind die amtlichen Wohl- fahrtsbehörden(Wohlfahrts- und Jugendämter). 3. Ein Bericht der sozialen Gerichtshilfe muß vor der Erhebung der öffentlichen Anklage bei jedem Verbrechen und Ber- gehen erfordert werden, desgleichen auch bei sogenanntem gemein- schädlichen Verhakten, fall» es etne strafbare Handlung blekben soll. Der Bericht wird dem Angeklagten oder dessen Verteidiger bei Zustellung des Eröffnungsbsschlusses oder der Anklageschrift ein- gebändigt. 4. Der Berich der sozialen Gerichtshilfe ist zu den Gerichtsakten zu nehmen. 5. In der Hauptverhandlung ist einem Vertreter der sozialen Gerichtshilfe die Anwesenheit auch bei Ausschluß der Oeffentlichkeit zu gestatten. 6. Der sozialen Gerichtshilfe ist das Urteil, der Strafantritts- befehl, Entscheidung über ein Gnadengesuch, über Gewährung oder Widerruf einer Bewährungsfrist, Strafaussetzung oder Straferlaß mitzuteilen. 7. Bei der Erörterung der persönlichen Verhältnisse des An- geklagten kann die Öffentlichkeit nur im Rahmen des heute be- stehenden Gesetzes ausgeschlossen werden. Mit diesen Leitsätzen hat die Konferenz der sozialdemokratischen Juristen die Hauptgesichspunkte der gesetzlich noch zu regulierenden sozialen Gerichtshilfe festgelegt. 3. Kreis/ Wedding 3 eroie Franen-Werbeveraiistaltanoen hcufc, Dienstag, den 28. Mai, 19VaUhr, in der Löwcnbraacrcl, Hotfa- sirage 2, im Swinemünder Gesellschaftshau*, Swinemünder Str. 42 und in den Pharas-SSlen, Müllerslr. 142(kleiner Saal) »Die Frauen und dieKommunalwahlcn" Referenten: Genossin Marearete Schenkalowsky, Genosse Otto Most, Stadtarehitekt und Genosse Stadtvcrordnc'er Hans Woywod, Rektor. Tagung der sozialdemokraiifchen Lehrer. Im Rahmen des Parteitags in Magdeburg fand am Sonn- abend und Sonntag eine Reichsausschußtogung der Arbeitsgemein- fchaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands statt. Eine Vorstandssitzung ging voraus. Nach einer Reihe Be- grüßungsreden gab der 1. Vorsitzende, Genosse Löwen st ein- Verlin, den Geschäftsbericht. Die Aktion der Kirchen stellt uns immer wieder das Verhand- lungsthema: Religion, Kirche und Schule. Es ist ent- schieden abzulehnen, daß die Reaktion die Sammclschulen abschaffen will, und daß der demokratische Kultusminister Becker keine difsi- dentischen Lehrer und Rektoren mehr an, zustellen wagt. Ein Preußenkonkordat bekämpfen wir aus grundsätzlicken und realpolitischen Gründen: Die bisherige Art der Geheimpoliti? der Verhandlungen raubt uns die besten Kräfte. Abmachungen mit der Kirche sind nur auf Grund der öffentlichen Reichsgesetze zu treffen. Ein Konkordat hemmt die schul- und kulturpolitische Entwicklung des Staates und legt ihm materielle Verpflichtungen auf, die sich in der Folgezeit sehr zu unserem Schaden auswirken werden.— In der Diskussion fanden diese Ausführungen reichen Beifall. Die Lehrerbildung geht in Preußen falsche Wege, da sie an allen Akademien den Kirchen ausgeliefert wurde und deshalb die gesellschaftlichen Notwendigkeiten unbeachtet läßt. Wir fordern die weltliche Schule. In der Gewerkschaftsfrage müssen wir uns hinter den Beschluß des Kieler Parteitags stellen. Unsere Sympathie gehört selbstverständlich den freien Gewerk- schaften. Wichtig war in der Debatte, daß sich die sozialistischen Berufs- schullehrer Thüringens geschlossen der Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft angegliedert haben und daß die Genossen aus Sachsen in ihrem fortschrittlichsten Lehrerverein feststellen mußten, daß er immer mehr die Errungenschaften der Revolution preisgibt. Eine Reihe Anträge wurde zu den aufgeworfenen organisatorischen und poltischen Fragen im Sinne des Geschäftsberichts angenommen. Ferner wurde beantragt, daß der Vorstand eine wissenschaftliche Zentrale für sozialistische Erziehungsfragen einrichten solle und Fühlung mit der Internasionale der Bildungsarbeiter aufnehmen möchte. Am Sonntag referierte Genosse Buch-Hmnburg über„Schul- aufbau und Berechtigungsweson". Das heutige Bsrechtigungswesen ist oin Menschensortierungsapparat im Dienste der besitzenden Klasse. Es muß im Augenblick in dem Sinne umgestaltet werden, daß die berufliche, praktische Ausbildung dieselbe Bewertung er- hält wie die theoretische der mittleren und höheren Schule. Die Mängel der gegenwärtigen Differenzierung zeigen sich deutlich im Berufsschulwesen. Es ist folgendermaßen umzugestalten: Grund- schule— Volksschule— Berufsschule— Berufsoberschule— Berufshochschule. Genossin Anna Siemsen sprach zu den Leitsätzen über das Be- rechtigungswesen und das Berufsau-bildungsgesetz, die in Heft 4, 1929, der„Sozialistischen Erziehung" abgedruckt wurden. Sie lehnte das heutige Berechtigungswesen grundsätzlich als klassen- differenzierend ab und oerlangte, wie der Vorredner, Oeffnung aller Schulen für die begabten Proletarierkinder; die Auswahl hat nur nach der Eignung und Befähigung zu geschehen. Für die kommenden Gesetze zum Schutze des jugendlichen Arbeiters, der Berufsausbildung und der Berufsschule stellte ste als Mindestforderung auf: Das Ausbikdungsgesei; muß alle Volks- � schulentlassenen erfassen. Die Berufsschule muß weltlich und öffent- lich sein. Ihre Stundenzahl muß erweitert und die Schulzeit von drei Iahren beibehalten werden. Die Aufbaumöglichkeit der Berufs- schule ist zu sichern. Ein einheitlicher Lehrerstand für Berufs- und Fachschulwesen ist zu schaffen. Die rege Debatte unterstrich die allgemeine Folgerung des Referats: die öffentliche Erziehung muß die Bildungsstrukturen an- streben, die sich aus der Struktur der gegenwärtigen Gesellschaft ergeben. Die erwähnten Leitsätze wurden angenommen. Zum. Schluß wurden die Organisationsbezirte eingeteilt und ein neues Organisationsstatut angenommen, das neu einen ge- schäftsführenden Vorstand einschaltet. Die Wahlen ergeben: 1. Lorfitzender: Löwen stein- Berfin; Schriftleiter der»Sozialistischen Erziehung": August S i e m l e n- Jena: Schröter und Linke- Berlin als Mitglieder des geschäftssührenden Vorstandes. _ Hrt. Zubilaumstagung der Zimmerer.. Kiel, 27. Mai.(Eigenbericht.) Im festlich geschmückten Gewerkschaftshaus Kiels wurde die 25. Generalversammlung des Zentraloerbandes der Zimmerer vom Verbandsvorsitzenden Wolgast eröffnet. Bon den erschienenen Gästen begrüßte neben dem Oberbürgermeister von Kiel der Ober- Präsident Genosse Kürbis den Verbandstag. Bernhard vom Baugewerksbund sprach im Namen des Bundes und der übrigen Bauarbeiterverbände und zugleich im Namen der Bauarbeiterintcr- nationale. Bernhard stellte fest, daß die Zusammenarbeit der Bau- arbeiterverbände eine außerordentlich gute sei. Ein holländischer Kamerad begrüßte den Verbandstag und erwähnte, daß die Bau- Unternehmer Europas kürzlich in Prag zusammen waren zu dem Zweck, um die Kraft der Internationale der Unternehmer darauf zu richten, eine Verlängerung der Arbeitszeit herbeizuführen. Es sei sehr erfreulich, daß die Internationale der Unternehmer sich an der Geschlossenheit der Bauarbeiter die Zähne angebissen haben. Vom DerbandsozialerBaubetriebe sprach H e n n i n g e r, der wichtige Mitteilungen über die Bauhüttenbewegung machte. Die Zahl der von den Bauhütten durchschnittlich Beschäftigten ist von 13 045 im Jahre 1924 auf 18 705 im verflossenen Jahre an- gewachsen. Der Umsatz der Bauhütten stieg in dem gleichen Zeitraum von 41 auf 121 Millionen Mark. Zu Vorsitzenden wurden gewählt: Wolgast-Hamburg, Melzer- Hamburg und Martin-Kiel. Die kommunistischen Vorschläge zur Vor- standswahl erhielten nur wenige Stimmen. Den Bericht des Vorstandes gab der Vorsitzende Wo'- gast. In den drei Jahren, über die berichtet wurde, hat sich die Or- ganisation glänzend entwickelt. Der Mitgliederbestand ist u m 28 Proz. auf 110 070 angewachsen; in der gleichen Zeit hat sich das Verbandsoermögen verachtfacht. Die Zahl der Lehrlingsmitglieder hat sich o e rd o p p e l t. Einen solchen Fort- schritt hätte man sich vor 20 Iahren nicht träumen lassen. Wolgast wies darauf hin, daß die Zahl der Berufsangehörigen im Zimmerer- gewcrbe seit 1907 sich um 20 Proz. vermehrt habe. Das Zimmerer- gewerbe ist also keineswegs zum Untergang verurteilt. Bezüglich der Arbeitslosenversicherung gab Wolgast bekannt, daß sich der Zim- mereroerband energisch gegen jede Verschlechterung wehren würde. Der Kassenbericht des Hauptkassierers Römer vermittelte ein eindrucksvolles Bild von dem günstigen Stand des Verbandes. Einen gleich günstigen Bericht konnte der Redakteur Sauer über das Pressewesen des Verbandes geben. Eine besonders günstige Ent- Wicklung hat der„Jung Zimmermann" zu verzeichnen. Die Auflage beträgt zurzeit 19 000. Somit werden 0000 Nummern außerhalb des Verbandes abgesetzt. Die Iugendb«oegung steht außerordentlich günstig. Neben dem Buchdruckeroerband hat der Zimmererverband die meisten Lehrlinge ersaßt. Aus der Partei. Die Theorie in der Praxis. Die alte Streitfrage, was wichtiger sei, Theorie oder Praxis, beschäftigt noch immer viele Kreise in der Arbeiterbewegung, Je nachdem der Charakter einer bestimmten Periode mehr auf die theo- retische Betrachtung �oder auf das enge praktische Wirken eingestellt war, wurde diese Streitfrage entweder nach der einen oder der anderen Seite beantwortet. Jetzt macht sich in immer stärkerem Maße die Notwendigkeit einer Aussöhnung der beiden gegensätzlichen Auffassungen, die Notwendigkeit einer Synthese von Theorie und Praxis bemerkbar. Diesen Gedanken arbeitet in klarer überzeugen- der Weise H. Frister in dem soeben erschienenen Maiheft der „S o z i a li st i s ch e n Bildung" in seinem Artikel„Theorie und Praxis in der Arbeiterbildung" heraus. Wichtig ist hier vor allen Dingen seine Feststellung, daß das theoretische Interesse gerade in den Kreisen der Funktionäre, also der Praktiker der Arbeiterbewe- gung, im Anwachsen begriffen ist. Aehnliche Feststellungen macht auch August Siemsen in seinem Bericht„Geschichtliche Kurse und Vorträge", in dem wertvolle Fingerzeige für den Geschichts- Unterricht gegeben werden. Auch die übrigen Beiträge des Maihestes suchen eine engere Verbindung zwischen Theorie und Praxis der Arbeiterbildung her- zustellen. W. Peiser schreibt über„Wissenschaftliche Forschung und Arbeiterschaft", L. Neumann über„Richtige und falsche Bildungs- Propaganda", Engelbert Graf über„Alkohol und Arbeiterbildung". Wertvoll nach der literarisch-künstlerischen Seite hin sind die Auf- sätze von Bruno Schönlank„Entwicklungslinien der deutschen Slrbeiterdichtung" und von O. Greiner„Die bildende Kunst und ihre Bedeutung für das Proletariat". Im Maiheft der„Sozialistischen Erziehung", der ständigen Beilage der„Sozialistischen Bildung", schreibt Karl Buch über „Schulnufbau und Berechtigungswesen", Anna Siemsen über den„Kampf um die Einheitsschule in England", während R. Z w e tz in seinem Artikel„Rationalisierung der Freiheit" verschiedene Mängel in der freien Schulbewegung erörtert und R. Kammer die Frage behandelt„Wie kommen wir an ünsere Eltern heran". In dem Maiheft der..Bücherwarte" werden die interessantesten litern- rischen und wissenschaftlichen Neuerscheinungen besprochen. Die„Sozialistische Bildung" mit ihren Beilagen„Bücherwarte" und„Sozialistische Erziehung" ist zum Preise von 1,50 M. für das Bierteljahr durch die Post oder die„Vorwärts"-Speditionen zu be- ziehen. Einzelnummern kosten 75 Pf. Wie 8Ie Ikro Suppen besser und nahrhafter zubereiten können Nur echt In dieser Aufmachung I Libby's Milch verwendet man zur Verbesserung von Suppen, wie z. B. Kartoffel-, Tomaten-, Sellerie-, Reis-, Hühnersuppe, alle Arten Milchsuppe sowie zum Andicken von Saucen, denn dadurch erreicht man Gehalt und zarten Geschmack bei wesentlich geringeren Kosten als Rahm. Alle Rahmsaucen für Fleisch, Fisch oder Gemüse werden bemerkenswert milder und feiner schmecken, wenn mit Libby's Milch hergestellt. Libby's Milch ist immer ergiebig und gleichmäßig in Qualität und Reinheit. Evaporierte Milch Deutsche Libby Gesellschaft aiyb-Hy, Hamburg i IV N srx Unterhaltung unö �Vissen «elu, Kehn:»CT Unser Lehrer Sauerbier war ein ganz raffinierter Kerl. Er prügelte nicht gern in der Schule, obgleich es zu unserer Zeit noch erlaubt war. Aber wen er auf dem„Kiker* hatte, den bestellte er gelegentlich mal in seine Wohnung, da gab es„Senge von der besten Sorte", dazu in der höflichsten Form. Seine Einladungen „ach besuch' mich doch mal in meinem Hause", waren deshalb sehr gefürchtet. Jeder versuchte sich darum zu drücken. Ich habe Sauer- Her heute in dringendem Verdacht, daß er so eine milde Art von Sadist war, der seine Freude an den blauen Flecken hatte, der diese bangen Blicke seiner gequälten Opfer brauchte, weil es damals das Buch Van der Veldes noch nicht gab... Die Iungens der Klasse fürchteten wie gesagt seine Einladungen wie die Pest. Daß sie zu Hause nichts von den Quälereien erzählten, erscheint mir heute noch wie ein Rätsel, hängt aber wohl damit zu- sammen, daß Sauerbier auch allerlei Fressalien auftischte, wenn die Abreibungen erfolgt waren, also Zuckerbrot und Peitsche in etwas anderer Form. In unserer Klasse hatten wir auch einen Mayer, so den richtigen 2iip eines Judenjungen, der aller Welt Freund war, dazu einen prächtigen gesunden Humor besaß. Cr schimpfte uns immer„Iudden- buben". Damit hatte er uns dieser Waffe beraubt: auch der Lehrer war nun um diese Schmeichelei geprellt. Mayer war bisher noch nicht„eingeladen" worden. Böse Mäuler behaupteten, daß Mayer senior ein Konfektionsgeschäft besaß, daß der Lehrer bei dem Vater eine ansehnliche Latte Schulden stehen haben müsse. Aber einmal bitte er Sauerbier doch mächtig in die Wolle gebracht, so daß der Befehl an Rudolf erging:„Du kommst mal zu mir zum Kaffee, ich Hab' dir was zu sagen..." „Wann ist es Ihne' angenehm?" fragte Rudolf. „Ich geb' dir gleich angenehm," gab der Lehrer zurück,„komm nur heut' oder morgen." Nun müßten wir es Mayer selbst erzählen lassen, wie er seinen Besuch organisierte. Vorher muß noch eingeschaltet werden, daß Rudolf ein hübscher, etwas aufgeschossener Jung« war, der weit älter schien, als vierzehn Jahre. Jedenfalls tat Rudolf Mayer folgendes: Er, der immer etwas bei Kasse war, erstand einen Blumenstrauß für sechzig Pfennig, schmiß sich in einen tadellosen Anzug und ging zu Sauerbiers um eine Zeit, wo er den Lehrer weggelockt hatte. Er ließ ihn nämlich Warum Wlenlchen Zu derselben Zeit, da die Berichte über den großen Prozeß gegen die Zigeuner, die der Menschenfresserei beschuldigt werden, aus Kaschau zu uns kommen, wird gemeldet, daß in den Hungergebieten von China wieder Fälle von Kannibalismus vorgekommen sind. So taucht also die Menschenfresserei auch in den Gebieten wieder auf, in denen wir sie für längst ausgestorben halten möchten. Ja, es hat den Anschein, als ob der Kannibalismus in der Zeit nach dem Kriege wieder zugenommen habe. Dies behauptet für den schwarzen Erdteil der amerikanische Forschungsreisende Oberst Alexander Powel, der bei seinen Reisen in Mittelafrika diese grausige Gewohnheit in Gegenden antraf, aus denen sie vorher unter der englischen Verwaltung bereits verschwunden war.„Schwarze Soldaten und Träger, die zu Stämmen gehörten, in denen niemals Menschenfresserei geherrscht hatte, lernten diesen Brauch während des Krieges von uniformierten Wilden, die sich an Menschenfleisch ergößten," schreibt Powel. Auch während der furchtbaren Hunger- zelten in Rußland in dem Jahre 1921 und 1922 sind Fälle von Kannibalismus vorgekommen, die durch die Protokolle der offiziellen Untersuchungskommission erwiesen sind. Daß der Hunger immer wieder einmal verzweifelte und vertierte Menschen zu diesem scheuß- lichen Fraß treibt, hat auch kürzlich wieder der Fall eines Eskimo- mädchens bewiesen, die sich an den Leichen ihrer Verwandten ver- griff, um ihr Leben zu fristen. Aber in weiten Teilen der Erde wird der Kannibalismus noch immer als ein Brauch geübt, der eine ge- heimnisvolle, ja sogar religiöse Bedeutung hat. Aus vorgeschicht- lichen Urzeiten lebt diese Gewohnheit noch in unseren Tagen fort, denn der Urmensch war Kannibale, wie die Funde von Röhren- knochen zeigen, aus denen das Mark herausgesogen war. So ist dieser Bauch wohl einmal Gemeingut aller Rassen gewesen, aber iiir uns Weiße kann das Bewußtsein tröstlich sein, daß er bei uns ohne Zweifel am frühesten verschwunden ist. Das geht schon aus der Tatsache hervor, daß die Erwähnung des Verbrechens des Menschenfraßes vollständig fehlt, so weit sich die europäischen Straf- gesetze zurückoerfolgen lassen: kein Gesetzgeber ist auf den Gedanken gekommen, ein zivilisierter Mensch könne so weit sinken, und deshalb gibt es auch keine Strafen für diese Untat, so daß wohl mit aus diesem Grunde bei der Gerichtsverhandlung in Kaschau die Anklage wegen Menschenfresserei nicht erhoben worden ist. Es ist nicht ganz leicht, festzustellen, wo heute noch auf unserm Erdbr'' Menschenfresserei herrscht, denn dem Kannibalismus wird namentlich dort, wo er als Kultbrauch geübt wird, im Geheimen gehuldigt: benachbarte Stämme werden nicht eingeweiht, und auch die eigenen Weiber dürfen meistens nicht teilnehmen. Es kommt auch nicht selten vor, daß, besonders in Afrika und Südamerika. ein Stamm«inen anderen ohne Grund der Menschenfresserei ver- dächtigt. Doch ist die Antropophagie— wie der wissenschaftlich« Ausdruck lautet— im schwarzen Erdteil noch vielfach vorhanden, so in den Walögebieten Westafrikas von Liberia bis zum Ogowe, wo weder Christentum noch Islam festen Fuß fassen konnten, und im westlichen Mittelafrika bis zu den Seen und zum NU hin. Auch in Australien und aus den Inseln des Großen Ozeans gibt es noch überall da Menschenfresser, wo die Aufsicht der Weißen nicht hinreicht. Di« Polynesier und besonders die polyneftschen Neuseeländer, die Maori waren früher als Menschenfresser berüchtigt und haben erst seit kurzem von dieser Gewohnheit abgelassen. Ebenso sind auch die südamerikanischen Indianer noch nicht völlig von der Menschen- fresserei geheilt. Gerade die Polynesier und die südamerikanischen Eingeborenen stehen aber durchaus nicht mehr auf der niedrigsten Kulturstufe und aus diesem Beispiel sieht man. daß der Kanniba- lismus sich durchaus nicht nur bei den primitivsten Rassen findet. sondern sich auch noch auf höheren Stufen der Zivilisation erhalten hat. In Asien ist Kannibalismus heute sehr selten und eigentlich nur bei den Batats auf Sumatra sicher festgestellt. durch das Telephon irgendwohin bestellen: paßte auf, ob der Lehrer die Wohnung tatsächlich verließ: dann trat er mit seinem Strauß bei Frau Sauerbier an. Die war nicht wenig erstaunt, als der Bursche mit dm Blumen auftauchte, sie mußte ihn wohl anstandshalber ins Zimmer bitten. Der junge Besuch machte ihr aber soviel Spaß, daß sie ihn mit Kaffee und Kuchen bewirtete, wobei sie sich köstlich unterhielt. Als Rudolf ungefähr annahm, t«ß der Lehrer bald wieder antanzen müsse, empfahl er sich, nicht ohne herzliche Grüße für ihn zu hinter- lasten. Am anderen Morgen! Wenn der gute Sauerbier einm Gran Sinn für Humor gehabt hätte, wäre er mit einem süß-sauren Lächeln über seinen Reinfall hinweggeglitten, so legte er es auf einen großen Klamauk an. „Was hast du, Mayer, gestern für Theater gespielt? Komm' mal vor, hierher, noch näher." „Ei, ich?— Nur Ihre freundliche Einladung befolgt, Herr Lehrer. Als gebildeter Mensch nimmt man da Blumen mit. Nichts sonst." „Die liegen im Kücheneimer. Du Lumpatz! Meiner Frau so eine Komödie vorzutäuschen: du Kerl, hast mich wohl auch noch von zu Hause weggelockt? Wenn ich das raus bekomme, du Verbrecher, dann Gnade deiner Seele, du Rabenvieh." „Ich versteh' Sie nicht. Ich Hab' gestagt, wann es Ihne' cm- genehm ist: ich habe gedacht, wie zeig' ich mich erkenntlich für eine so freundliche Einladung, und daß Sie nicht zu Haufe waren, hat niemand weher getan als mir. Auf Ehrenwort." „Du bist ja ein gemeiner Charakter. Dir müßte man jedes Glied zentimeterweise abkneifen. Setz dich." Zu uns gewandt:„Wer weiß etwas, wie sich der Kerl das gedacht hat?" Sechzig Menschlein waren so stumm wie die Fische. „So— also.— Na, dann nicht..." Sauerbier hat nichts herausbekommen. Aber— seit diesem Tage hörten die privaten Bestellungen auf: die Sache war nämlich ruchbar geworden, weil der Lehrer nicht oerstanden hatte, darüber mit einem eleganten Schweigen wegzugehen. Wir nannten Rudolf Mayer seit jenem Tage mrr noch den Blumenkavalier. Wlenfchen freien Die Frage, warum der Mensch das Fleisch seines Nebenmenschen ißt, ist vielfach behandelt worden und läßt sich nicht eindeutig beant- worten. Neben dem Hunger spielen Gewohnheit, Genußsucht. Rache, religiöse und abergläubische Vorstellungen ein« Rolle. Es kommt vor, daß Stämme, die in der Zeit der Not zum Menschenfleisch- als Nahrung greifen, der neuen Kost soviel Geschmack abgewinnen, daß sie den-Kannibalismus beibehalten. Alle Menschenfresser stimmen ja darin überein, daß das Menschenfleisch eine gesunde und wohl- schmeckende Nahrung sei: sein Geschmack wird mit dem eines jungen Schweins oder eines zarten Huhns oerglichen. Am liebsten verspeist man das Fleisch der Rassegenossen, während die allgemeine Ansicht herrscht, daß Weiße'„bitter" oder„salzig" schmecken. Dies ließ sich aus der Fleischnahrung des Weißen erklären, denn wir haben ja im allgemeinen einen Widerwillen vor dem Genuß fleischfressender Tier« wie Hunde und Katzen. So bevorzugt denn auch der Menschen- fresser das Fleisch von Stämmen, die Pflanzenesser sind. Wenn allerdings der Reisende Basil Thomson erzählt, daß nach der Ermor- dung des Missionars Baker im Jahr« 1860 ein Häuptling, der ein Bein des Unglücklichen erhielt, dieses mit dem Stiefel daran ver- zehrt«, so liehe sich die Zähigkeit dieses Gerichts auf andere Weise erklären. Bei den religiösen Zeremonien ist man wohl häufig vom Menschenopfer zum Menschenfraß geschritten, und dabei war die Vorstellung maßgebend, daß man sich die Seele und die Kräfte des Getöteten dadurch einverleibe, daß man von seinem Fleisch ißt und von seinem Blut trinkt. Wenn die Melanester vom Verzehren der Leichen eine Vervollkommnung chrer eigenen Person erwarten, so tritt das deutlich zutage, und es erklärt sich auch die Bevorzugung der weißen Raste, in der der Wild« Wesen mit übernatürlichen Kräften erblickt._____ Weine Wursssichligen mehr? Bisher meinte man, daß die Entstehung der Kurzsichtigkeit auf Vererbung beruhe und daher nicht-verhindert werden könne: doch kann die erbliche Anlage höchstens den Boden für die Erkrankung vorbereiten, nicht die Kurzsichtigkeit selbst herbeiführen. Daß bei der Kurzsichtigkeit auch die Naharbeit eine große Rolle spiele, wurde schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nachge- wiesen. Nach Untersuchungen von Prof. Lewinsohn in Berlin scheint aber in Wirklichkeit die wichtigste Ursache die Schwerkraft zu sein, die den Augapfel bei der Kopfbeugung nach unten zieht und ihn allmählich dehnt, namentlich im wachswmfähigen Alter. Diese Theorie der Verlängerung des Augapfels erklärt auch die bei den Kurzsichtigen gefundenen anatomischen Veränderungen. Die Tatsache, daß in manchen Berufen, z. B. bei Juwelieren und Stickerinnen, trotz intensiver Naharbeit wenig Kurzsichtig« zu finden sind, rührt wohl daher, daß die Angehörigen dieser Berufe mit geringer Kopfbeugung arbeiten. Durch Senkrechtstellung der Augachse konnte auch bei Versuchstieren künstlich Kurzsichtigkeit erzeugt werden. Bei Affen genügten dazu einige Monat«: dann zeigten sich bei ihnen dieselben anatomischen Veränderungen wie bei kurzsichtigen Menschen. Diese Versuche wurden neuerdings von Forschern auf Java nachgeprüft, die kürzlich in der Berliner Oph- talmologischen Gesellschaft darüber berichteten. Von sieben jungen Affen wurden fünf in einem Jahr kurzsichtig— bis zu einem Grad von 2,25 bis zu 4 Dioptrien. Um Kurzsichtigkeit zu verhüten, wird daher vorgeschlagen: Auf- klärung der Bevölkerung über die schädliche Rumpf- und Kopfbeu- gung im wachswmfähigen Alter, besonders in Schulen, Einführung geeigneter Pulte und Schulbänke, durch die die Bücher schräg ge- halten werden, Anwendung der leichter mit geradem Kopf schreib- baren Lateinschrift in den ersten fünf bis sechs Jahren des Unter- richts und Stählung des Organismus durch Leibesübungen. Qroffllädte ohne Blr&ften Die Entwicklung der Großstädte, wie sie sich in den letzten Iahren vollzog, übertrifft alle Erwartungen und eröffnet geradezu phantastische Aussichten für die Zukunft. Die Häufung des Verkehr- im Kern der Großstädte, der sogenannten Eich, hat bereits zu einer Verstopfung der Straßen geführt, so daß man sich durch Unter tunnelungen und Brückenführungen hoch oben Luft zu schaffen ver sucht, und in dem New-Porker Wolkenkratzerviertel ist ein neuer Typ der Stadt im Entstehen, der zu denken gibt. Führende Architekten unserer Tage haben sich mit dieser Z u k u n f t s st a d t beschäftigt und Pläne ausgearbeitet, die uns heute noch unwahrjchein- lich dünken, aber vielleicht schon in absehbarer Zeit verwirklicht werden müssen. So steigt vor unserem geistigen Auge das Bild einer„Großstadt ohne Straßen" auf, wie es Dr. Abeles in der Stuttgarter„Bouzeitung" zeichnet. Je mehr die Wohnfledlungen aus der inneren Stadt herausoerlegt werden, desto schwieriger wird die Verbindung zwischen Wohn- und Arbeitsstätte. Für die Ver- kehrsmittel werden sehr breite Straßen notwendig: für die Kraft- wagen müssen ausgedehnte Standplätze gewonnen werden, und so ist zu befürchten, daß die Grünplätz«, die noch die letzten Gesund- heitsinseln in der Steinwüst« der Großstadt sind, immer weiter eingeschränkt werden. Der bedeutende französische Architekt Le Corbusier hat den Plan von„Wolken kratze rstädten" ausgestellt, bei dem er. dem Vorbild Amerikas folgend, 60 Stockwerke hohe Turmhäuser vorsieht, die aus Eisenbeton und Stahl in einer Höhe von etwa 220 Meter errichtet werden. Bei einem Abstand von Turm zu Turm von 250 bis 300 Meter, der durch große Parkflächen ausgefüllt ist, ließe sich die Dichtheit der Stadtbesiedlung verzehnfachen, denn in einem solchen Hochhaus von 200 Meter Durchmesser kann die ungeheure Menge von 40 000 Personen Unterkunft finden. Diese Bebauungsweise, bei der sich die Turmhäuser zu mächtigen Alleen reihen und durch weite Parkanlogen getrennt sind, ist eine Form der Zukunftsstadt: eine andere Form wieder nennt Le Corbusier die„Pfahlstädte". Die modernen„Pfahlbauten" haben aber natür- lich nichts mit den vorgeschichtlichen Ansiedlungen zu tun, sondern die Häuser sowie die Straßen ruhen auf Stützen, die sich 4 bis 5 Meter über den Erdboden echeben. Die Straßen und Gehsteig« sind hier Brücken, unter denen sich Verkehrswege für schnellere Fahrzeuge befinden, während darunter die Untergrundbahn ein selb- ständiges Verkehrsnetz darstellt. Alle„Eingeweide der Stadt", wie die Gasleitungen, Kanalisation, Rohrpost usw., die jetzt in der Erde vergraben und unzugänglich sind, befinden sich dann oberhalb des Bodens. Kaffeehäuser und Luxusläden auf den Dachterrassen ge- statten eine Verwertung der bisher brach liegenden Oberfläche der Stadt, und so wandelt die Menschheit in lustiger Höhe dahin. Eine Großstadt ganz ohne Straßen sieht ein Vorschlag des Hamburgers Schierloh vor. Dabei sind die 20 Geschoß hohen Häuser- blocks in große Parkanlagen eingebettet und so Straße und Haus zu einer untrennbaren Einheit verbunden. Die einzelnen Wege für Fußgänger, Kraftwagen, Lastoerkehr usw., die Eisenbahnen für Nah- und Fernverkehr befinden sich in verschiedenen Höhen und in direkter Verbindung mit den Häusern, so daß alle Kreuzungen vermieden werden. Das gefährliche Gewirr der heutigen Großstadtstraß« ver- schwindet auf diese Weise, indem die Trennung der Verkehrswege in konsequenter Weise durchgeführt wird. Jeder dieser Häuserblocks bildet gleichsam eine Stadt für sich, während sich alle zur Großstadt der Zukunft zusammenschließen. Jeder Arbeitende vom Chef bis zum einfachen Angestellten findet eine seinen Verhältnissen ent- sprechende Wohnung in unmittelbarer Nähe seiner Arbeitsstätte. Der Weg zum Bureau, der in der heutigen Stadt alle Verkehrs- schwierigkeiten hervorruft, vollzieht sich in einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug, und auch der Weg zum eigenen Kraftwagen oder zur nächsten Schnellbahn kann von jeder Wohnung aus zu Fuß erfolgen. Nach dem Projekt enthält jede Blockeinheit von 14 Meter Länge alles Wesentliche für den Bedarf chrer Bewohner. Die Auszüge sind so zahlreich, daß niemand zu warten braucht. Je sieben Klein- Wohnungen haben einen gemeinsamen Fahrstuhl und ebenso drei Großwohnungen: alle Fahrstühle können die Bewohner in die Bureaugeschosse, auf die Promenaden, an denen die Läden liegen, zu den Garagen und in die Keller- oder Bodenräume führen. Die Einzelheiten dieser„Großstadt ohne Straßen" sind überaus sinn- reich ausgearbeitet. Straßen führen durch die verschiedenen Stock- werke» so daß man mit der Untergrundbahn oder der Eisenbahn in das untere Geschoß hineinfährt und die Autostraßen in drei Ge- schwindigkeitsstreifen eingeteilt sind, je nachdem man schneller oder langsamer fahren will. Würde z. B. das Hamburger Stadtgebiet nach diesem System ausgebaut werden, so hätte jede Wohnung einen Ausblick nach zwei straßenlofen Parks von 792 Meter Länge und 452 Meter Breite. Hierbei ist nicht nur der heutige Mehrbedarf an Wohnungen, sondern auch ein Einwohnerzuwachs für die nächsten 80 Jahre berücksichtigt. Wenn auch natürlich eine solche Bebauung vorläufig noch auf riesige Schwierigkeiten stößt, so dürften doch derarttg« Großstadtanlagen in einer nicht zu fernen Zukunft not- wendig werden.____ Klassendünkel vor 100 Iahren. Der berühmte Germanist Jakob Grimm erzählt in seinen Erinnerungen einige charakteristische Vor- kommnisse aus seiner Schul- und Universitätszeit. Er kam vom Lande— Sohn einer unbemittelten Witwe— im Jahre 1798 auf das Lyzeum in Cassel und erlangte dort drei Jahre später die Reife für die Universität. Fast immer war er der beste Schüler. Den- noch redete ihn, den armen Jungen vom Lande, der eine der Lehrer, ein„Collaberater" Cäsar, immer mit„er" an, während er die seinen Stadtjungen„Sie" titulierte. Von seinem Aufenthalt auf der Univer- sität erzählt Jakob Grimm:„Es war uns nie gelungen, die geringste Unterstützung zu erlangen, obgleich die Mutter Witwe eines Amt- mannes war und fünf Söhne für den Staat großzog: die fettesten Stipendien wurden daneben an meinen Schulkameraden von der. M a l s b u r g ausgeteilt, der zu dem vornehmen hessischen Adel gehörte und einmal der reichste Gutsbesitzer des Landes werden sollte."— Grimm war später Professor in G ö t- t i n g e n. Im Jahre 1837 wurde er aus seinem Amte entlassen, weil er mit seinem Bruder Wilhelm den gemeinsamen Protest von 7 Pro- fessoren gegen die willkürliche und rechtswidrige Aushebung des Staatsgrundgesetzes durch den König Ernst August von Hannover unterschrieben hatte. Der Flugrekord eines Vogels. Der längste Flug, der bisher bei einem Bogel durch den Ringversuch festgestellt wurde, ist der einer gerade erst flügge gewordenen arttischen Seeschwolbe, die am 23. Juli vorigen Jahres an der Tarnevick-Bai in Labrador be- ringt worden war und am 14. November am Strande von Margate in Natal in Südafrika tot aufgefunden wurde. Es ist dies nicht nur ein Längenrekord, sondern auch wie in der„Umschau" hervor- gehoben wird, ein Zeitrekord, da die Schwalb« höchstens drei Monate all sein konnte. kias-ndungca für dies« Rubrik sind Berlin SW KZ, Lindenstratze 3, stets an da» Betirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte». Heule, Dienstag. 2S. Mai: 16, Abt. ISi-i Uhr bei«rllger, Hufsitenstr. 34, Ecke ScherinssiraZe. Mit- pliederpersammlung. Vortrag:»Soziale Gerichrshilfe." Referent Otto Senselau. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, Mittwoch. 29. Mai: 12.«it. 19U Mir bei Nachtigall. B-usselstr.»2, Bortrag:.Wohnungsfragen." Referent Stadtverordneter Rcinhold Eichbcrg. 11. Abt. Ä Uhr in der Schule Pntdusier Str. Z Vortrag:.Freidenlertum und Sozialdemokratie." Referent Max Stumpf. 17. Abt. ISlr Uhr bei Schreiber, Triftftr. KZ, Vortrag:„Die Werke der Stadt Verlin." Referent Stadtverordneter Heinrich Schäfer. II. Abt. 19M Uhr in der Schulaula Grilnthaler Str. 5 Vortrag mit ffilm Uber„Soz. Städtebau." Referent Stadtrat Bock. Gäste sind herzlichst lvill- kommen. 21. Abt. l9Vi Uhr im Schradcr-Hau», Malplaauetstr. U— 16, Bortrag:„Die Frau von gestern und heute." Refcrentin Margarete Hartig. 22. Abt. 19% Uhr im Gelben Saal der HochfchuI.Vraucrei, See. Ecke Amrumer Straße, Vortrag:„Erlebnisse in Sowjetrußland." Referent Eugen Haafe. Bericht vom Bczirkspartcitag. 28. Abt. 19% Uhr in den Bcrolina-Scstfälen, Schönhauser Allee 28, Vortrag: „Kommunale Arbeit in Groß-Verlin." Referent Stadtrat Dr. Richard Treitel. Pünktliches Erscheinen dringend erforderlich. ZK. Abt. Die Mitgliederversammlung kann iu diesem Monat nicht statt» finden, weil die Eassno.Festsäle noch immer geschlossen sind. ZI. Abt. 19% Uhr in der Echulaula Echöitfließcr Str. 7 Vortrag mit Sicht. bilhern:„Erfolge unserer Arbeit auf iem Gebiet« des Schul- und Ml» dungswcsens." Referent Friß Kriiger.. 31. Abt. 19% Uhr, Großbeerenstr. 96, Kinovorfilhrung der Bolksfstrforge." Referent Genosse Schuß. � «1. Abt. 19% Uhr bei Erdmann, Belle-Alliance-Str. 71-, Sitzung der Partei» genöfsifchen Wohlfahrtskommifssonsvorftehcr oder der Stellvertreter und der Kommunalen Kommission sowie der Bczirlsfilhrer.____ Eharlottenburg. 51. Abt. 19% Uhr im Wohlfahrtssaal. Königin�llisabeth- Straße 6, Vortrag:„Unsere Arbeit im Preußenparlament und in der Re» gierung." Referent Eduard Zachert, M. d. L.— 53. Abt. 19% Uhr im Lokal Last..3um Nußbaum", Plötzenfee. Straß« 12. neben dem Haus Sichar, Vortrag:„Der Mensch der Zukunft." Referent Gottlieb Reese. Eingeführte Gäste haben freien Zutritt.— 5«. Abt. 29 Uhr bei Jusko» wiack, Holtzendorffstr. 20, Vortrag:„Die Volksfllrforge und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft." Referent Genosse Prylcsch. � 62. Abt. Dicmensstabt. 20 Uhr bei Marsandt. Ronnendammallee, Mitglieder. Versammlung. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirksvcrordneten» wählen.„_». Stböneberq. 77. Abt. 20 Uhr bei Will, Martin-Luth-r.Str. 69, Vortrag:„Die Wahlen in Sachsen und England und die politisch« Lage." Referent Max Hevdcniann.— 7». Abt. 20 Uhr bei Roscnthal, Ebcrsstr. 66, Vortrag: „Gemeindepolitik." Referent Dr. Greil. »3. Abt. Lichterfeld«. 20 Uhr bei Schmidt, sindrnburgdamm Ecke Roonstraße, Bortrag:„Kontinentaleuropa und der ssriede." Referent Julius Kaliski. Aussprache. Porteilangclcgenheiten. Verschiedenes. 191. Abt. Riede rfchäueweide. 20 Uhr bei Tomalla, Berliner Str. 38, Vorstands. �MWaia mit den Funktionären, lnng. Vortrag:„Das Heidilberger Programm." Referent Georg Raiblc. 128. bis 139. Abt. Pankow. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch fällt aus. Dafür am Freitag, 31. Mal, 20 Uhr, im Türkischen Zelt, Breite Straße, Versammlung. Vortrag:„Die Stadt Verlin als Arbeitgeber." Referent Genosse Vollbrecht. 136. Abt. Reinickendorf.Ost. 20 Uhr im Schützenhau», Residenzstr. 1, Mit» gliederverfammlung. Vortrag:„Die Gefundhcitspsleg« der Stadt Berlin." Rcferentin Stadtverordnete und Stadtärztin Dr. Käthe Frankenthal. Arbeikerwohlfahrt. 3. Kreis Dedding. Sitzung aller Helfer am Donnerstag, 30. Mai, 19% Uhr. im Ledigenheim Schönstedtstr. 1, 5. Stock. Tagesordnung: 1. Bericht über die letzte Sitzung. 2. Referat:„Tie Altersversorgung der erwerbstätigen Bevoire, rung Groß.Berlius." Referent Genosse Schmidt-Leichner. 3. Verschiedenes. Iungsozialisten. Gruppe Lichtenberg. Heute, Dienstag, 20 Uhr. im Jugendheim Gunter- straße H, Ausspracheabend._ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchäkt-stell»: Berlin E ll. Scbastiailstr. 37/38, Lok 2 Tr. Gauvorstand. Mittwoch, 29. Mai. 1» Uhr, Beginn de» Rettungs» fchwimmkurnis, Köpenick. Wendenschloßstr. 122. Erscheinen oller gemeldeten Kameraden Pflicht.— Fri-dricksh-i-! ueoiutzsportler und Iungkamera. den Sportplatz im Frisdrickishain. Ausgabe der Passierscheine.— Rculolln-Briii, Schutzsportler: Mittwoch, 29. Mai. Schutzsportabend auf dem Sportplatz Kaiser» Friedrich- Ecke Innstraße. Beginn 18 Uhr. Arbeit»ge«ei»fchaft für R-tur. und G-rste-wisseufchaft. Dienstag. 23. Mai. 29 Uhr, Prinz-Louis.Ferdinand.Str. 2 1 iBegetarisckes Restaurant), vr ?ot. ckeut. für. er xbil. Hammer:..Liibesgcschlcchtslebcii einfacher Kulturen sReger, Indianer u. dol.". Gäste willkommen.___ Bereinigung ehem. Kriegsgefangener, Berlen-Süden. Versammlung Donnerstag. 30. Mai, pünktlich 20% Uhr, bei Krüger, Grimmstr�l. Scharrenfir. 31. Tagesordnung:..Ncucrunzen auf dem Gebiete der Ver'or. gung." Referent: Leiter der örtlichen Rechtsauskunft, Kam. Albert Hagcmann. lZ-rmon- Lng.Ish- üoeioi. Catä Jagenburg, Nollendortplaiz. Berlin W, 9 p. m. Lecrnre:.The Transition frorn the 19 th to the 20 th Centrury in English Literature". Mr Richard Colenutt B. A.[ Staats-Bger Arn Pl.d.Republ. R.-S. 121 IO' j Uhr EOÜSiaDDS Erzälili!i2n am Gendannenmarlil A.-V. 125 20 Uhr Maß für Maß StaatLSchiller-Tlieater.Charltti. 20 Uhr Kalkutta, 4. Hai 8 Uhr 8 5. Barbarossa 9256 Vhe Jovers «ma weitere Variste-Nennetten Alm. 6066- Tagl.5u.815: Intern. Variete Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag Rensissance- Theater Hardenbergstr. 8. Tl.: Stelnpl. 901 o. 2583/81 »Vi Uhr Tiiglll»»Vi Uhr Die iieHiga Ftamme Regie: Gustav Härtung. Rqsb-wh! Gr. Fraoklorter 3 trat« 132 Tel.: Alex. 3122. T&glicfa«.15 Uhr: Spiel imSchloss. Gartenbohne: Täglich 5,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und Bunter Teil. Täglich 8,15 Uhr Ein WaaHzerAraann Gr. Operette in 3 Akten v. Oscar Slrans. Volks btume Huater amBülowpijli 8 Uhr Donaumont T&alla•Theater 8 Uhr Pfarrhaus- komodia Staatl. SAillei-Th. 8 Uhr Kalkotta, 4. Mai Slutsop«r Bin Platz der BBpabllfe Th Uhr ErzföluDsen Theater am Sdiinhauerdamin. Norden 1141 u.281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper Rtker. Talent. rsiBio, Lvotskr. leiden, sieckei Heute Dienstas Volkstas Brillant-FauorwGrk HANS SIXTUS and das grosse Jazz-Symph.- Orchester ELLIOT-GIßLS TANZ IM FREIEN Eintritt nur Pfg. einschl. 2 r'rci-AJtralstäoncn Reichshalien-Tliealer Aiiaoonfliim[T] unr Sfelliner Sänger Unter anderm„f fne Tlarfil ■Jm Waltwelnkeller". Sommerpreise: 60 Pf. bis J M. Dönhoff- Brettl: fSaal und Garten) TorletO/ Adoil-Sedter-Konion/ Tanz OUeh. KOnitler-Th. 8Vi Uhr Prosit Gipsy Operette v.Gilbert Emmy Sturm Fritz Schulz Rundfunkhörer lldldo Preise Theiter am Hollendorfplalz Täglich 8Vi Uhr Die mannsrder manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze Lessing- Theater Täglich 8V« Uhr „Die Frau des Andern" Trianon-Th. Täglich 8V1 Uhr tssanovas Sohn Lustspiel von Rudolf Lothar. Deotsthes Theater D.I. Norden 12 310 811., Ende geg. lOVa Die Qetangene Schauspiel von Edouard Bourdet. Regie: Max Reinhardt. Die Komödie II Bismck.2414/7516 81/«, Ende geg. lO'�U, Der Ptaan. der seinen liamen änderte 3 Akte von Edgar Walace Regie: HeinzHilperl Kammerspiele D.I. Norden 12 310 S'/jU. Endenach 10 Aufgang nur rar Herrschaften Kleine Komödie von Siegfried Geyer Barnowsky- Dahnen Theatsr in dar Xüaiggrätznr StraOs Täglich 8Vi Uhr Rival en Komödienh»us Tlglich M/s Uhr CüarlßysTaniß mit Curt Bols. Theal. d. Westens Täglich 8Vi Uhr Sonntag 3V: u. 8>/i Frau letzarz Weitcr- lolgl Friederike Carola Toelle Kammersänger Hanns Vilhelm SBriiner Thealer DirektHeinzHerald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8 Vi. Ende ,10Vi Uhr. Tag lieh Die iDnl Frankfurter von Carl Rössier Regie: Eogen Bollerl. „nai. jiu Koiui.ior Kottb.Str.6 Tägl.SUhr Eiue- Sangrp Das neu« Mal- Proer. liee'»Seih. HadiithKbiw I Tiialia-Tiieater Drssöcocr Str. 72-73. 8Vj Uhr pliMMMie Plaaetarium — om Zoo—. Verlang, lnztienliinier Strsfr Noll. 1573 16Vi Uhr Stsrnbllder des Frühjahr« 18Vi Uhr Wunder des südlichen Himmels 20Vi Uhr Sternhimmel und Weit&su T ägl. au Bcr Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk„ Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene 50 Pf„ Kinder 25 Pf. Lostsplelhaos 8Vi Uhr Guido Thielsehep WeekBad im Parafllßs Mleioes Theaier Täglich 8 Vi Uhr NafioderlrOlKßH? sadi den Amirilunisdin von Frank Green. Musikalische HlusL Fr. Holländer. Regie: Fr.Frledntüio- FrsüBrtin. Zurück von der Reise: S.-R. Dr. Wilhelm Feilchenfeld Augenarzt. Charloites�urg, Berliner Strafe 153. €€€€««•>«»»SSSS Unserem lieben Genossen M$mt Heilmann zu feinem 60. eebnrrutugc die herzlichsten ffllütfroOnlchc Die Senosssnnen und Genossen y. der 97. AbieUnn». jy- & Deolsdier Metallarbeiter- Mod Verwaitunpsslelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Dreher Max Hoynafzki acb 24. April 1865, am 23. Mai ge- ftorben ist. Die Einäscherung findet am Diene» tag, dem 28. Mai, mittags 12 Uhr, im Krematorium Gerichtftraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachru'. Am 17. Mai starb unser Kollege, der Schlosser Otto Krämer geb. 20. Rovember 1874. Am 13. Mai starb nach einer Ov«. ration unser Kollege, der Schlosser Eritun Hundt geb. 7. März 1867. Die Beerdigung hat bereits statt» gefunden. Ehr« ihr e.m Andenke»! vie Ocfsoectoultung. Kennen a Karlshorst Dienstag, den 28. Mai, nactirnJUtir Jagdrennen derYIeriahrlgen MW MMtMlM Beute. Dienstag, den 2». Mal. abends 7 Ahe. im Sihnngsfaol de» verbandshunse», CinienfStosie 03/85 Konferenz der«vidi, vertrsuenspersonen und Getriebsrüte Tagesordnung 1. Arbeiterfchutz-Defetzgebung. Referenl: Kollege Franz Zank«. 2. Verbandsangelegenheiten und Per» fchiedenes. Da es sich um wichtige Fragen Handell. mutz jeder Betrieb vertrete» sein. Die Funllionärinnen können organisierte Kolleginnen al» Gäste einführen. Aditungl Boidschmiedegehilten! Dienstag, den 26. Mal. nachm. 5 Ahr, Im Co'al nun Gnstan (Sceifcnbecger. Aiiterstruste SS (Meßpalast/ Versammlung der Loldsotimlsdo-LöMNen Tagesordnung: 1. Branchenangelrgenheiten. 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht oller Kollegen u. Kolleginnen. in dieser Versammlung zu erscheinen. Loibringer Strohe 37. .»GZ vre»— laeeaZe** und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein tflr 1— 5 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1�5 M Sonstige Preise: Parkett u. Rang OVO M. 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Die Billett» zur Dampservarti« gelangen >i» der Versammlung zur Ausgabe., Mtltmoch. den 2». Mal, abend» 7>/, Ahr. im Lorul oon MaNschlSger, Adatbertstrahe 21 Branchen-Versammlung aller in der Dratitindustne tw- schamgLKoiieginnen u.Koiiegen Tagesordnung: L Dortrag über:„Unsalloerhütungen". 2. Branchenangelegenhellen. 3. Diskusston. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mechaniker, Optiker, Uhrmacfa., Esther und Escherinnen I Donnerstag, den 30. Mut. ubd». 7» Ahr. im(vemert schuslshuu», Engelüfer 28.25(chraher»uut) Brancnsn-Versemmlung Tagesordnung: 1. Vortrag: Wirtichaltspolitische Lage Referent: Kollege Löffler, M.H R. 2 Di»» tutflon. 3. Branchenangelegenhellen. Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Benise versehen, legitimiert. E» ist Pflicht jede» Kollegen, püoNich ,u erscheinen_ Betriebsräte! DI« Vetriebsräle-Zettschrist Rr. 10 ist erschienen und tonn gegen Vorzeigung der Legitimaiionokarte des Betriebsrat«.�. manne» in unserem Bureau, Zimmer 5, täglich bi» 4 Uhr, Freilag» dt» 7 Uhr, etitgegengenouunen werden. 5pse8plsn unserer aulturudteitung. In der Woche vom 27. Mal bt» 2. Juni: 1. Wolga— Wolga. 2. Technischer Film. 3. Humoreske. In der Woche uorn 3. bi» 9. Imrt: L Rasputins Licbcoabenteuer. Jedes Wort 12 Pf. Das fettgedruckte Wort 25 PI.(zulässig zwei fettgedruckte Worte). Siellengesuche das erste Wort(fett) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte Uber 15 Buchstaben zählen doppelt. Anzeigen, welche für die nächst«. Nummer bestimmt sind, müssei dis4V:vhr nach mittags Inder Haup• expedillon des Vorwärts, Berlin bW LindcnstraGe 3, abgegeben werden. Dieselbe ist von morgens 8'/, lihr bii nehm. 5Uhr ununterbrochen geöffnei Verkäufe Verkaufe Plattenwagen, zweirädrig preiswert, geeignet für Polsterer, Tape. zierer. 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Die Besoldung wird nach Vereinbarung festgesetzt, weshalb die Bewerber ihre Ge- haltsansprüchc gelten! machen woller. Umzngskosten werden im Rahmen der städtischen Vorschriften erstattet Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Lichtbild sind unter Angabe von Auskuntlspcrsonen an die Stadtverwaltung Saarbrücken— Personalamt— zu richten. Saarbrücken, den 23. Mai 1929, Der Oberbfirgermeister. Dr. N e i k e s. I><»«OWCttg>aE»»»EEj Mehrere lüchtige möglichst ledige Dreher 2,1 bis 30 Jahre alt, die im allgemeinen Maschinenbau bewandert sind, für sofort gesucht. I: kiimMUmMU.!!. Bad Oeynhausen L W.