c. BERLIN Stenstag 28.311« 1929 10 Pf. Hr. 244 B121 46. Jahrgang. Erschei»t«Sglich a»terE»«at«»«. Zugleich Abendausgab« de«.vorwärts'. Beiugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, Z,60M. pro Monat. Redaktion und Lnedition; Berlin SWes.LiudenKr.S ff»altigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf.. Reklameteile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwSrts-Verlag G. m. d.H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Parteitag und Koalitionspolitik. Alle Anträge zur Koalitionspolitik und zur panzerkreuzerfrage durch Llebergang zur Tagesordnung erledigt. Lt. Magdeburg, 28, Mai.(Eigenbericht.) Der Dienstag brachte zunächst eine Rede des sächsischen G«- nassen F l e i h n e r gegen„diese Koalitionspolitik', das heißt gegen d i e Koalitionspolitik, wie sie zurzeit im Reiche betrieben wird, nicht gegen Koalitionspolirik überhaupt. Genosse Fleißner hat da- durch gezeigt, daß er ein nachdenklicher Politiker ist, der die Der- hältniss« seines engeren Vaterlandes nicht aus dem Auge verliert. Es folgte Dr. David, der sich bemühte, vieles, was in der Panzerkreuzergeschichte verschoben und verzerrt worden ist, zurecht- zurücken. Er wandte sich scharf gegen den Antrag Künstler-Lietke, der von den Ministern Unmögliches, Verfassungswidriges verlangt und zu deren sofortigem Rücktritt führen müsse. Jubel und chohn- gelächter der Gegner wären die Antwort. Hermann Müller wurde von einem großen Teil des Partei- tages mit lebhaftem Beifall begrüßt. Man darf sagen, daß dieser Beifall nicht so sehr dem Reichskanzler wie dem lang- jährigen und hochverdienten Parteivorfitzenden galt, der sich in der Partei«in gewaltiges Kapital von Vertrauen er- warben hat. Dieses Kapital von Dertrausn, das durch unbedingte Ehrlichkeit und ungemessenen Fleiß erworben wurde, ist keines- wegs verbraucht. Auch Müller ist von Koalitionspolitik nicht be- geistert, er sieht in dieser nur eine mehr oder weniger fatale Not- wcirdigkeit. Ueber die Möglichkeit, im Bunde mit bürgerlichen Parteien Fortschritte im Sinne des Sozialismus zu erreichen, denkt er höchst skeptisch. Mancher denkt dabei: Ja. worum dann in die Regierung? Mancher wünscht dabei dem sozialdemokratischen Kanzler einen stärkeren Glauben an die Möglichkeit, innerhalb der Koalition sozialdemokratische Forderungen durchzu- setzen. Aber man muh den Mann nehmen, wie er ist, und Hermann Müller ist nun einmal— wenn der Ausdruck erlaubt ist— ein Fanatiker der Jllusionslosigkeit. So bchand«'lte er auch nüchtern, sachlich und unbedingt logisch die Panzerkreuzerge- schichte. Soll man jetzt wegen dieser Angelegenheit eine Regierungs- krise entfesseln? Gibt es, wenn man die Krise will, nicht andere Streitfragen, die dem Arbeiter noch mehr an Herz und Nieren gehen? Müller— jeder glaubt es ihm— denkt nicht an Disziplin- bruch, wenn der Parteitag von ihm etwas verlangt, was er als Reichskanzler nicht tun kann. Dann wird er eben aufhören, Reichskanzler zu fein.„Ich bin in der Partei und außerhalb der Partei als ein Mann bekannt, der zu seinem Wort steht und ich bin nicht bereit, mir diesen Ruf nehmen zu lassen.' Ganz nüchtern, ganz illusionslos kommt Müller zu dem Schluß, daß es— schon um des Weltfriedens willen— nicht richtig wäre, den bürgerlichen Parteien allein die Macht zu überlassen. Die Rede war ein unbeschreiblicher Erfolg. Die Mehrheit fand in ihr den alten Hermann Müller, wie sie ihn kennt, und dankt« ihm mit stürmischem Beifall. Wohl gibt'es Zweifel an diesem und jenem, gibt es für die Zukunft die Möglichkeit ernster Meinungsunterschiede. Aber das alte Vertrauen ist noch da. Aus der folgenden Debatte verdient besonders die Feststellung des Genossen Kurt Rosenfeld hervorgehoben zu werden, daß es grundsätzliche Gegner äcdcr Koalitionspolitit in der Partei überhaupt nicht gibt, daß ober auch auf der anderen Seite niemand oorbehalllos jede Koalitionspolitik billige. Wenn die Dinge so liegen, dann ist man ja gar nicht mehr so weit auseinander, wie es scheint und dann sind auch jene Exzesse der Kritik, auf. die R a l o f f- Hannover mit ausführlichen Zitaten hin- wies, desto schwerer zu entschuldigen. Für die beinahe grenzenlose Meiwmgsfrecheit. die in der Partei herrsche, gäben diese Zitate den allerstärksten Beweis. Genosse Stelling wies noch einmal sehr eindrucksvoll auf die Unterstützung der Ausgesperrten von Nordwest durch die Reichs- regierung hin, als auch ein Beispiel dajür, daß unsere Stellung zum Staat heutzutage nicht mehr eine rein negative sein kann. Künstler gab einen Rückblick auf die Panzerkreuzerofsäre. Er ist sich der Konsequenzen seines Antrages bewußt und hält den Augenblick des Austritts der Partei aus der Regierung für gegeben. Nach Künstler wird die Debatte geschlossen. Vogel begründete in seinem Schlußwort die Stellungnahme des Partcivorstandes zu den verschiedenen Anträgen. Dann ging Bogel auf die Debatte ein. Fände sich für den Antrag Zkünstler-Lietke eine Mehrheit, so wären wir morgen nicht mehr in der Regierung. Wer den Austritt in diesem Augenblick nicht will, muß gegen diesen Zlntrag stimmen. Darum beantragte der Parteioorstond: über alle Anträge, die zur Koalition?- und Panzerkreuzerfrage gestellt sind, zur Tagest Ordnung überzugehen. Nach 12 Uhr mittags beginnen die Abstimmungen. Aus Vorschlag Lietkes wird über den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung namentlich abgestimmt. Hier also fällt die große aktuell-politische Entscheidung. Um 12.4S Uhr ver- kündet Wels das Ergebnis. Der Antrag des Parteivorstandes auf Uebergang zur Tagesordnung wurde mit der überraschend großen Mehrheit von 256 gegen 13$ Stimmen angenommen. Hermann Müllers Rechtfertigung. Die Aussprache über den Gcschästsb«richt des Parttioorstandcs wird fortgesetzt..'' Fleihner-Dresden: Im Gegensatz zu frühercu Beschlüssen Hai hie Fraktion nach den Maiwahlen den bedingungslosen Eintritt in die Regierung be- schlössen und damit verhindert, daß die neue Regierung«ine für die Arbeiterschaft günstigere Politik als die alte treiben konnre. Auf den Willen der Wähler kann sich die Fraktion in diesem Falle nicht berufen. Die Wähler wollt«,, nich, nur eine andere Regie- rung, sie wollten eine andere Politik. Für die Arbeiterschaft ist durch unsere Rcgierungsbeteiligung nur sehr wenig erreicht worden. Das Wenige aber wäre auch erreicht worden, wenn wir in der Opposition geblieben wären. Die Berantwortung für diese Koali- tionsregierung kann und darf die Partei nicht weiter tragen. Dr. David: Wenn man Misere Haltung zum Panzerkreuzer als ein« Welt- anschauungefrage hinstellen will, dann muß gesagt werden, daß die Partei ohne jede Ausnahme auf dem Standpunkt steht: Nie wieder Krieg!(Sehr richtig!) Der Panzerkreuzer hat ja auch höchstens als Küstcnverteidigung Geltung. Unsere ablehnende Haltung ergibt sich Mir aus dem Gesichtspunkt, daß wir dos Geld für notwcndi- ge r e sozial« Zwecke gebrauchen. Unserem Standpunkt steht im Weg« die Mehrheit des Reichstags, dem aus einem vollkommen demokratischen Wohlrecht geborenen Parlament. Wenn Eckstein- Breslau totsächlich de» Wählern versprochen hat. der Panzer- kreuzer würde nicht gebaut werden, so lstit er sich sehr schief und unklar ousßcdrü-ckt.(Lebhafte Zustimmung.) Nicht die sozialdemokratische Fraktion hat die Mehrhcitsverhältnifse im neuen Reichstag geschaffen, sondern der Wille des souveränen deut- schen Volkes Hot'am 20. Mai gezeigt, daß der Panzerkreuzer doch gebaut wird. Hermann Müller-Zranken: (Mit Beifall empfangen.) Das Maß der Kritik, das hier an Partcivorftand und Regierung geübt worden ist, würde ich dann verstehen, wenn wir seit unserer Rcgierungsbeteiligum, Mitglieder verloren hätten. So ist es ober doch nicht. Eckstein hat gesagt, wir sind nicht für diesen Staat verantwortlich, sondern nur für die Arbeiterklasse. Parteigenossen, da» schlägt allem ins Gesicht, was wir seit zehn Hohren gesogt und getan hoben. Das schlägt allem ins Gesicht, was unsere großen Vorgänger vcr. kündet hoben, die in der Republik den Kampfboden für die Errichtung des Sozialismus wollten.(Beifall.) Der Wille der Wähler war doch die Beseitigung des Äürgerblocks. Soll an feine Stelle ein n«uer Bürgcrblock oder ein verschleierter Bürgerblock treten, etwa gar gebaut werden auf die Mithilfe der Sozialdemokratischen Partei, ohne die bei den Pariser Ver» Handlungen kein Erfolg zu erzielen wäre? In einer Situation, in der die Wähler uns 153 Mandate ge- geben haben, hätten sie eine Ab st inenz Politik der Partei nicht verstanden.(S«hr richtig!) Sie wären mit Recht von uns fortgegangen, wenn wir mit ihrem Mandate nichts weiter angefangen hätten, als weiter Kritik zu üben. Die Konsequenz dieser ganzen Kritik ist eigentlich der Wunsch nach den„guten, alten Verhältnissen'. Diese Kritiker müßten eigentlich das Stahlhelmvoltsbegehren unter- zeichnen, damit wir den O b r i g k e i t s st a a t wieder bekommen und von der Kritik allein wieder groß werden.(Lebhafte Zu- stimmung.) Fleihner irrt, wenn«r sagt, Sollmann hätte behauptet, er kenne s«ine Freunde der Koalitionspolitit. Sollmann sagte, er kenne keine Parteigenossen, die Freude an der Koalition haben. Wir sind viel zu gute Sozialisten, um solche Freude daran zu haben. Ich habe schon in der varleiausichußsihung in Köln gleich nach den Wahlen auf die Schwierigteilen unserer Arbeit hingewiesen und vor einer lleberschöhung unseres Sieges gewarnt. Daß wir in einer Koalitionsregierung nicht alle Wünsche durch. setzen können, ist selbstverständlich: aber falsch ist auch die Be- hauptung, daß wir gar nichts erreich* hätten. Ich brauche nur zu erinnern an das. was von der Reichsregierung und der preußischen Regierung für die Ausgesperrten im Bezirk Nordwest getan worden ist: dos ist bisher noch von keiner Regierung irgendeines Landes getan worden.(Sehr richtig!) Es wird immer so dargestellt, als ob nur w i r unsere Forde- rungen zurückstellen müssen und die anderen ihre Ziele erreichen. Unsere radikalen Redner sollten nur einmal Mäuschen spielen, wenn der Wirtschaftsausschuß der Deutschen Volkspartei sich mit dem voltsparteilichen Minister Dr. Curtius unterhält. Da wer- Tom THagdeburger ZParleitag Eindrucksvolle Xandarbeiler- gruppe aus der Umgebung Vlagdeburgs, die am Sbemon- slralionsauge am Sonnlug besonderes Aufsehen erregte. l B ,] d«n wahrscheinlich ähnliche Reden gehalten wie hier, nur daß die Personen anders heißen und anders eingestellt sind. Wenn das Zentrum beim Konkordat auch seinen Willen durchsetzen will, müßte das preußische Konkordat so aussehen wie das bayerische. So aber wird es nicht aussehen und das ist der Beweis, daß die kluge Zentrumspartei sehr gut weiß, was man in einer Koalstions- regierung erreichen kann. Eckstein hat eine Parallele gezogen zwischen dem Reichskanzler Hermann Müller und dem Partetvorsitzenden Hermann Müller. Mir ist es niemals im Traum cingesallen. den Wählern zu sagen, daß der Panzerkreuzer nicht gebaut wird. Denn ich war kein Prophet und wußte nicht, wie die Mehr- heitsoerhältnisse im neuen Reichstag sein würden. Niemals habe ich den Wählern in Aussicht gestellt, daß wir im ersten Jahr einer Koalitionsregierung den Etat der Reichswehr auf SM Millionen herabsetzen würden. Wichtig aber ist, daß der Reichswehretat zum ersten Male seil der Stabilisierung Herabgesehl wurde, und zwar von 726,6 aus 666 Millionen! Wir haben im Wahlkampf Ziele aufgestellt, aber nicht den Wählern vorgegaukelt, daß wir nur in«ine Koalitions- regierung hineinbrauchten, um sie sofort zu verwirklichen. Den Kampf um die Regierungsrichtlinien haben wir seit zehn Jahren miterlebt. Alle Programme ändern nichts daran, daß man in der Regierung die verschiedenen Probleme ausbalancieren muß. Der Panzerkreuzer hat gewiß im Mittelpunkt der Wahlagitation ge- standen, vielleicht ein wenig zu sehr.*" Am 31. März hatte der Reichs» rat beschlossen, der Bau des Panzerkreuzers solle nicht vor dem 1. September beginnen. Bei den Regierungsverhandlungen war mir Nar geworden, daß die bürgerlichen Parteien auf den Bau des'Panzerkreuzers nicht verzichten würden. (Die Redezeit wird verlängert.) Danach blieb die Frage übrig, ob wir nach langem Kampf unter dem Druck der bürgerlichen Par- teien nachgeben, oder ob wir nicht von vornherein den Versuch auf- geben sollten, die neu« Regierung zu bilden. Denn wenn wir nach zwei Monaten au» der Regierung herauslausen wollte», dann wären wir lieber draußen geblieben.(Lebhaste Zustimmung.) Es ist möglich, daß wir im Kabinett am 10. August ein« Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen gegen den Bau hätten haben können. Aber am 15. September war das Stimmenverhältnis im Kabinett sieben für den Bau und vier gegen den Bau. Wenn das vorher zu be- rechnen gewesen wäre, hätte der Augenblickserfolg gar keinen Sinn gehabt. Der neue Reichstag hat mit 255 gegen 203 Stimmen den Weiterbau beschlossen. Die sozialdemokratischen Minister haben dabei mit der Fraktion gestimmt. Aber ich habe vorher keinen Zweifel darüber gelassen, daß das eigentlich gegen Sinn und Geist der Weimarer Verfassung verstoße. Was so gute Demokraten wie Wirth. Lemmer und Haas darüber gesagt haben, enthält viel Wahres. Ich habe mich damit rechtfertigen können, daß es sich nur um eine Erbschaft der alten Regierung handelt. � Jetzt verlangt der Antrag 177, daß die Minister auch künftig mit der Fraktion gegen die zweite Rate stimmen. Al» wir am 10. April ISA die große Koalition endlich gebildet haben, haben wir festgelegt, daß das Kabinett einheitlich für den Entwurf des Reichs Haushaltes in seiner Ge- samtheit eintrete. Wenn Sie das nicht wollten, hätten Sie diese Verabredung nicht eingehen sollen. Nachträglich korrigieren läßt sich dies nicht, nicht als ob ich mich weigerte, die Fraktion und ihre Disziplin anzuerkennen, aber Sie können mir dann nicht zumuten, Reichskanzler zu bleiben. (Sehr wahr.) Ich bin jederzeit bereit, die Konsequenzen zu ziehen. Uebersehen Sie auch nicht, daß die Verabredung vom 10. April der Fraktion die Möglichkeit läßt, bei ihrer ablehnenden Haltung zu verharren. Ich bin bekannt für einen Mann, der zu seinem wort steht. Roscnseld hat geschrieben, es handele sich um die Lösung der sozialen Frage, nicht um Ministerfesfel. Um Minister- sessel hat es sich bei uns nie gehandelt.(Lebhafte Zustimmung.) Ginge es nur um unsere persönlichen Wünsche, dann gingen wir jeden Tag vom Rosenbett der Ministerherrlichkeit herunter.(Heitertest und Beifall.) Es ist eine große Ehre, Kanzler der deutscheu Repu» blik zu sein, aber ein vergnügen ist e» wahrhaftig nicht.(Großer Beifall.) Im Interesse der Partei möchte ich auch denen, die die M inlsterkri s« wollen, raten, sich einen anderen Grund auszusuchen. Wenn wir. Ende Mai 1920 wegen des Panzerkreuzer» die Regierung sprengen, machen wir uns unsterblich lächerlich.(Sehr wahr.) Wir haben in den Jahren 1920 bis 1923 mehrere Ersatz- bauten bewilligt, ohne daß jemandem das kindisch« Märchen vom „neudeutschen Imperialismus" eingefallen ist. Wenn wir freilich mit dem Wehrprogramm die Abschaffung der ganzen Marine festlegen wollen, dann ist damit auch die Koali- tionsfrage praktisch erledigt. Ich anerkenne als Pflicht gegenüber den Arbeitern und namentlich gegenüber der Jugend, nie wieder Krieg zuzulassen. vielleicht wäre der Weltkrieg vermieden worden, wenn nicht der Amsterdamer Kongreß 1904 Jaurös die Teilnahme an der französischen Regierung verboten und wenn nicht der deutsche Obrig- kreitsstaat die Sozialdemokratie von der Regierung ausgeschlossen hätte. (Hört, hört! Sehr gut!) Wir verhindern Krieg« nicht, indem wir die bürgerlichen Parteien dauernd allein regieren lassen, sondern indem wir die Friedenspolitik in die eigene Hand nehmen und selber führen.(Lebhafter Beifall.) * Zu unserem Bericht über das Referat des Genossen Ludwig „Orgamsation, Kasse und Presse" ist richtigzustellen, daß in der neuen Hilfskasse für die in den sozialdemokratischen Betrieben be- schäftigten Personen keinerlei Beiträge von den Ver- sicherten selbst zu zahlen sind. Die Beiträge werden nur von den Parteigeschäften für die Versicherten aufgebracht. Der Prozeß gegen Stinnes. Zusammenstöße gleich bei der Eröffnung. Ehinesisch-russischer Zwischenfast. Haussuchung und Festnahme im Sowjet-Konsulat in Eharbin London, 28. Mai. Wie Reuter aus Peking meldet, hat die chinesische Polizei eine Haussuchung Im sowjekrussischen Konsulat in C h a r b i n veranstaltet und das ganze Personal einschließlich des Generalkonsuls festgenommen. Die Polizei war auf der Suche nach Beweisstücken gegen den nun für einen Empörer er. klärten..christlichen" General Fengjuhsiang. Prozeß Ratschitsch. Oer Mörder fühlte sich beleidigt. Belgrad. 2S. Mai. Im Verlaus der heutigen ersten Prozeßverhandlung wurde der Angeklagte Punisa R a t s ch i t s ch vom Gerichtspräsidenten gefragt, auf wen er zuerst geschossen Hab«. Ratschitsch gab darauf folgende Antwort: Ich habe zuerst auf Iwan Pernar gezielt. weil dieser mit größter Erbitterung Beleidigungen ausstieß und weil ich zu der Ueberzeugung gelangt war. daß er unser böswillig. st e r Gegner war.(!) Auf die übrigen habe ich geschossen, weil ich mich im Zustand« rechtmäßiger Verteidigung befand. Der Gerichtspräsident ließ darauf die Erklärungen verlesen, die der Angeklagte vor dem Untersuchungsrichter abgegeben hat. In diesen Erklärungen hatte Ratschitsch ein Stimmungsbild über die Skupschtina-Sitzung vom 20. Juni gegeben. Er beNagte sich über 2m großen Schwurgerichtssaal des alten Kriminalgerichts begann heute morgen der große, für mehrere Wochen angesetzte pro- zeß gegen Hugo Hermann S l i n n e s jun., seine beiden Direktoren Erich R o l h m a n n und Wols Erwin Alexander v. W a I d o w, femer gegen dm Kaufmann Vela Groß aus Wien, den Kaufmann Leo Hirsch aus Paris und gegen den Kaufmann Zoseph Schneid. Dm Vorsitz der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Arndt, während die Anklage von Staatsanwaltschaftsrat B e r- l i n e r vertreten wird. Die sieben Angeschuldigten sind sämtlich in Untersuchungshaft gewesen, aber gegen Kautionen — Stinnes mußte 1 Million hinterlegen— wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Kurz noch WO Uhr eröffnet« Landgerichtsdirektor Arndt die Sitzung. Einen Zusammenstoß gab es sofort, als der Vorsitzende mitteilte, daß Dr. Alsberg bitte, den im Saal anwefmden Dr. Wirth, der in der Reichsschuldenverwaltung die Sache Stinnes bearbeitet hat, als Sachverständigen neben den beiden vom Gericht geladenen Sachverständigen Dr.' Dieben und Assessor Landwehr zu laden. Staatsanwaltschaftsrat Berliner ersuchte diesen Sachverständigen nicht zu laden und forderte von der Verteidigung, die Eignung Dr. Wirths als Sachverständiger nachzuweisen. Rechtsanwalt Dr. Alsberg wies darauf hin, daß Dr. Wirth als G« n« r a 1 r e s e r e n t für das Bankwesen beim Reichs- kommissar für- die Zlblösung von Kriegsanleihebesitz tätig gewesen sei. Staatsanwalt: Ich sehe mich genötigt, Herrn Wirth wegen Besorgnis der Befangenheit ob- zulehnen. Herr Wirth ist am 1. Oktober vorigen Jahres aus seinem Dienst ausgeschieden, und es bestehen erhebliche Difse- renzen zwischen dem Reich und Herrn Wirth. Ein Verteidiger: Wenn das Gericht Dr. Wirth ablehnt, muß die Verteidigung die anderen vom Gericht geladenen Sach- verständigen ebenfalls ablehnen. Das Gericht zog sich hierauf zur Beratung zurück. Nach Schluß der Beratung erklärte der Vor- sitzende, daß der Sachverständige Wirth zugelassen sei. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses erhob der Verteidiger Justtzrat D a v i d s o h n Einspruch, daß Staatsanwalt Berliner jedem der Schöffen einen Durchschlag der Anklageschrift geben wollte. Nach dem Gesetz sei die Verlesung der Anklageschrift oerboten, und die Verteidigung Hab« die schwersten Bedenken. daß durch die Ueberreichung der Anklage diese Bestimmung um- gangen werde. Staatsanwalt Berliner vertrat die Auffasiung, daß nach Erkenntnis des Reichsgerichts in verwickelten Fällen, so z. B. im Barmat- oder Spritweber-Prozcß, es erlaubt sei, jedem Mitglied des Gerichts die Anklage auszuhändigen. Der Vorsitzende war der Meinung, daß auf einen Protest hin die Anklage nicht dm Schöffen in die Hand gegeben werden dürfe. Dann aber müsse die Verhandlung in langsameren Tempo geführt werden. um die Laienrichter ins Bild zu setzen. Oberbiirgermeixler SSeims, lllngdeburg begrüßte den Sozialdemokratischen Parteitag im Auftrage der Stadt. Beims ist 66 Jahre alt, war Tischler, Meister, Bureauangestellter, Gemeindeoertreter, Arbeitersekretär, sozial- demokratischer Bezirkssekretär. Stadtverordneter und Stadtrat und ist seit 1919 Oberbürgermeister in Magdeburg und Vor- standsmitalied des Deutschen Städtetages. Er ist auch Vorsitzen- der des Provinzialstädtetages für Sachsen und Anhalt und seit 1928 Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Magdeburg, nachdem er der Nationalversammlung und von 1920 bis 1924 dem Reichstag angehört hatte. die von R a d i t s ch und seinen Freunden gegen ihn vorgebrachten Beleidigungen. Er habe Pernar, der ihn als Plünderer und Dieb behandelt habe, um Entschuldigungen gebeten. Da er aber keine Genugtuung erhalten habe, habe er geschossen. Auf die Frage, ob er das Verbrechen allern oder im Einvernehmen mit anderen verübt habe, erwiderte Ratschitsch, er habe einzig und allein aus eigener Initiative die Schüsse abgefeuert. Die Reaktion in Bulgarien. Massenverhastungen von Banernparteilern. Sofia, 28. Mai.(Eigenbericht.) Die Polizei oerhoftete in T s ch e r n o g o r o w o, wo die lokal« Gruppe der Bauernpartei ihr Patronfest feiert«, 40 Mitglieder der Bauernpartei, darunter den Parteisekretär, Abgeordneten Iarabanow uni> andere Sofioter Bauernführer. Di« Arrestan- ten wurden in das Pasardjiker Gefängnis übergeführt. Gründe für die Festnahm«, welche großes Aussehen erregt, werden nicht an- gegeben._ Entspannung in Paris. Freundlichere pressestimmen— aber noch keine Einigung. Paris. 28. Mai.(Eigenbericht.) Auf der Pariser Sachverständigenkonferenz ist, wen» auch praktisch noch keine Annäherung erzielt werden konnte, doch eine wesentliche Entspannung ein- getreten. Selbst im französischen Lager, wo man bisher in der Haltung der deutschen Delegation nur„bösen Wil- len" erblicken konnte, gibt man heute die EinigungS- bereitschaft aller Parteien zu. Ter„Petit Pari- sien" erklärt sogar, daß die deutsche Delegation jetzt Eile habe, den Abschluß der Konferenz herbeizuführen, damit Stresemann auf der Anfang Juni in M a d r i d beginnenden Ratstagung des Bölkerbundes den Antrag auf sofortige Räumung des Rheinlandes stellen könne. Gleichzeitig läßt das Blatt den Versuchsbatton steigen, daß Deutschland evtl. für die nächsten Monate noch einen Tonderzuschlag zur Deckung der Be- satzungskosten zahle, damit der Poungsche Plan sofort in Kraft gesetzt werden könnte. Oer Geschaftlhuber. pari», 28. Mai.(Eigenbericht.) Zu den Erklärungen Stresemanns erläßt heute der„Jndu- strielle" Arnold R e ch b e r g im„M a t i n" einige Auslassungen, die zumindest als ziemlich unbescheiden bezeichnet werden können. Rechberg beklagt sich zunächst über ein« angeblich« O b- struktion der Wilhelm st raße gegenüber seinen Versuchen, ein deutsch-französisches Militärbündnis abzu- schließen. Er werde sich aber durch diese Quertreibereien, erklärt Rechberg stolz, nicht irre machen lassen, denn er habe schon genügend Erfolg« erziest. Er habe das Kaliabkommen, das Stahlkartell und die Interessengemeinschaft der chemischen Industrie zustande gebracht. „Allerdings". Wilhelm schmeißt seinen Schatullenverwalter raus. Zu einer Meldung demokratischer Blätter, daß der Schatullen- Verwalter des Kaisers beauftragt gewesen sei, eine Organisation zur Rückberufung Wilhelms auf den Thron ins Leben zu rufen, teilt die wilhelminische Generalverwaltung der Oeffcnt- lichkeit mit, daß der Schatullenverwaltcr allerdings seines Amtes enthoben würde. Die Behauptungen, die auch diesen Sach- verhalt wieder zu einem Angriff auf die Person des Kaisers und der Kaiserin Hermine darstellen sollen, seien völlig unzutreffend. Also grundlose Kündigung wie im Falle des„rausgeschmisienen" Pächters von Kabinen seligen Angedenkens, Es ist seltsam,. daß die Generalverwaltung verschweigt, aus welchem Grunde nun wirklich der Schatullenverwalter„allerdings" entlassen wird. Reue Verständigungs-Kundgebung. Reichstagsabgeordneter Roßmann spricht in der Au>a der pariser Universität. Im F«stsaal der Pariser Sorbonne fand am Freitag eine große Friedenskundgebung statt. Der Senator de Iouoenel und der frühere englische Völkerbundsdelegierte Lord Robert E e c i l gaben in kurzen Ausführungen ein Bild der Friedens- bemühungen des Völkerbundes. Es sprachen dann einige sranzö- fische Kriegeteilnehmer, die ihrem Wunsch nach Frieden flammen- den Ausdruck gaben. Anschließend kam der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnetc R o ß m a n n zu Worte, der von der Ver- sammlung mit stürmischem Applaus begrüßt wurde. Roßmann erinnerte zunächst an die tatkräftige Hilfe, die �das Zeppelin-Luftschiff bei seiner Notlandung in Frankreich gefunden habe. Unsere modern« Zeit erlebt doch noch Wunder. Wenn ein Deutscher vor nur einer Woche vorausgesagt hätte, daß ein Zeppelin-Luftschisf Frankreich besuchen werde, hätten ihn die Nationalisten als Idioten bezeichnet, aber die Natur kennt die Vor- eingenommenheit des Menschen nicht. Die Notlandung des Luftschiffes hat uns gezeigt, daß die Völker einander näherstehen als man glaubt. Es steht außer Zweifel, daß kein Volk sein Glück im Unglück eines anderen sucht. Gewiß, heute gibt es in Deutschland noch eine Hand- voll Verblendete, die das Heil in einem neuen Kriege sehen. Aber ihre polittsche Ohnmacht ist überall bekannt und ihre endgültige Diskreditierung wird nicht mehr lange aus sich warte» lassen. Die Mehrheit des deutschen Volkes tritt dafür ein. daß der Völkerbund gestärkt werde, um jeden Krieg unmöglich machen zu können. Jede Macht, die künftig den Frieden bricht, muß wisien, muh spüren, daß sie die ganze Welt geg«n sich hat. Erst wenn wir soweit sind, können wir die Auegaben, die jetzt für Rüstungszwecke verschwendet werden, für kulturelle Zwecke nutzbringend ver- wenden." Paul Boncour schloß die Kundgebung mit einer flammen- den Rede auf die Völkerbundsarbeit. Vergeblich bemühten sich die Kriegshetzer aller Welt, erklärte er, jede Friedenskundgebung als Modemache, jede Völkerbundstagung in Genf als Saismibetrieb und den Völkerbundspalast als Kasino hinzustellen. Der Völkerbund sei jetzt schon eine große moralische Macht. 5 Zahre Zuchihaus wegen Oiebsiahts. In seiner Mittwochsitzung verhandeUe das Miliiärpolizeigericht Landau gegen die 27 Jahre alte Dienftmagd Zlgnes Dürselen aus München-Gladbach, die in Landau bei einem fran- zösifchen Stabsarzt beschäftigt war. Nach der An- klage soll sie ihrer Dienstherrschaft Wertgegenstände und Kleidungs- stücke in einem Wert von 1500 Mark«ntwendet haben Die Ange- klagte war zum Teil geständig und gab an, daß sie gemeinsam mit einem französischen Soldaten, dessen Vornamen sie nur mit M a r c e l l e kannte, die Tat ausgeführt hat Sie selbst habe von dem Diebstahl nur einig« Kleidungsstück« erhalten, während der Mittäter sie in Mülhausen i. E. Hab« sitze» lassen. Von ihm fehlt jede Spur. Das Gericht verurteilte die Angeklagte dem Antrag des Staatsanwalts g«mäb zu 5 Jahren Zuchthaus. Handwerksrecht mit sozialem Einschlag. Reichsarbeitsminister Wisse» in Kiel. kiel, 2S. Mai. Aus Einladung der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel hielt Reichsarbeitsminister Wissel! in der Aula der Universität einen Vortrag über das Thema„Der soziale Gedanke in der Geschichte des deutschen Handwerks". Dem Vortrage wohnten die Spitzen der Reichs- und Staatsbehörden sowie zahlreiche Dozenten und Studierende der Universität bei. Wissell führte aus, daß die Grundgedanken unserer heutigen sozialen Gesetzgebung«in Bestandteil alten germanischen Rechts seien. An Hand zahlreicher Beispiele aus den Zunftordnungen des Mittelalters wies der Redner nach, das} vieles, was wir für Errungenschaften der neuen Zeit halten, den alten Meistern und ihren Gesellen schon völlig geläufig war und ihnen geradezu selbstverständlich erschien. Das gelte im besonderen vom Schlichtungswesen, dessen Anfänge wir schon in der Frankfurter Buchdruckerordnung von 1S98 finden. Bezüglich der Das Bürgertum. „Wir brauchen keinen Parteitag. Wir sind— gottlob- täglich am Stammtisch versammelt!" Arbeitszeit, die 14 und mehr Stunden täglich betrug, wenn auch die Intensität der Arbeit vermutlich nicht sehr groß war, müsse man jedoch sagen, daß damals trotz mancher sozialen Ansätze die Erkenntnis, daß zu fleißiger Arbeit auch ausreichende Erholung und angemessene Freizeit nötig seien, sich noch nicht durchgesetzt hatte. Dagegen habe man es bei den alten Vorschriften über die Versorgung der Handwerksgesellen bei Unfällen und Krankheit mit den ersten Anzeichen einer obligatorischen Krankenversicherung zu tun. Bei einer anschließenden Beranstaltung der Gesellschaft für soziale Reform begrüßte das Mitglied des Reichswirtschaftsrates Professor Dr. Heyde den Minister mit einer Ansprache, in der er erklärte, die Gesellschaft habe es für nötig gehalten, ein Wort gegen die Bestrebungen auf Rückentwicklung der Sozial- Versicherung aus berufenem Munde zu hören. In seiner Antwort wies der Minister darauf hin, daß Kiel der Ausgangspunkt seines öffentlichen Lebens gewesen sei. Mit den Männern der Sozialwissenschaftlichen Bereinigung habe er in den neunziger Jahren die erste Fühlung mit der Wissenschast genommen. Zur Frage der Reform der Arbeitslosetzversicherung erklärte der Minister, daß Verhältnisse abnormer Art, wie sie dieser Winter gebracht habe, nicht Anlaß sein dürsten zu einer grund- legenden Aenderung von Bestimmungen, die restlos' zu erproben noch nicht Zeit gewesen sei. Ein Hoch dem Scharfrichter. Kundgebungen zu den Moskauer Hinrichtungen. Moskau, 28. Mai.(Ost-Txpreß.) Wie die..Prawda" mitteilt, hat die Hinrichtung der drei Ingenieure Welitschko, Paltschinski und v. Mcck, die gegen- revolutionärer Ilmtriebe und der Berübung von Sabotageakten an- geklagt waren, in den Arbeiterkreisen große Genug- tuung hervorgerufen. Eine ganz« Reihe von Arbciterorgani» sntionen hat Entschließungen gesaßt und deren Text der Schrift- leitung der„Prawda" zwecks Veröffentlichung zur Verfügung ge- stellt. Die meisten dieser Resolutionen sind in die Form von G l ü ck w ü n s ch e n an die Politische Polizei(GPU.) gekleidet, deren Scharfblick und unermüdliche Wachsamkeit gerühmt werden.„Keine Schonung für die Gegenrevolutionäre, weder jetzt noch in Zu- kunft"— so heißt es in einer der Entschließungen. Eine andere Resolution betont die abschreckende Bedeutung des strengen Urteils, welches die Gesundheit und Kraft des Sowjet- apparates beweise. Jedesmal, wenn eine schwere Wirtschaftskrise in Sowjetrußland naht, werden ein paar„Spezialisten" der Sabotage angeklagt und hingerichtet. Angesichts der bevorstehenden Nahrungskamalität waren solche Hinrichtungen fällig. Danach werden die Betrieb« komman- diert, Glückwunschadressen an die GPU. zu fabrizieren. Alles ent- wickelt sich nach Schema E. Der„Apparat" funktioniert tadellos. Aber die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften in Moskau und Leningrad werden dadurch nicht kürzer. Negierung poincarä in der Minderheii. Bier Stimmen Mehrheit für die Opposition. pari», 28. Mai.(Eigenbericht.) Das„Journal officiel" sieht sich heute genötigt, ein« p a r l o. mentarische Niederlage der Regierung Poincart festzustellen. Man erinnere sich, daß bei der Abstimmung beim Schluß der Interpellation über dt« Entlohnung der Eisenbahner die Re- gierung nur ein« Mehrheit von zwei Stimmen erhalten hat. Das Abstimmungsverhältnis ist aber mittlerweile von Einigen Abgeord- neten berichtigt worden. Nach dem„Journal officiel" haben eigenklich 275 Abgeordnele gegen und nur 271 für die Regie. rung gestimmt. Die Regierung ist„eigentlich mit vier Stimmen" in der Minder- heit geblieben.(Sie hatte allerdings die Bertrauensfrag« nicht gestellt. Red.) Die tteine blonde Gertrud. Aus dem Leben einer Tippelfchickse. Auf dem Stuttgarter Vagabundenkongreh waren die echten Kunden nur in wenigen Exemplaren vertreten. Di« meisten Ver- sammelten gehörten zu den intellektuell Entwurzelten: es waren An- gehörig« jener Nachkriegsgeneration, die ihren Weltschmerz, ihre Unfähigkeit, den täglichen Kampf um Dasein durchzufechten, hinter einer verwaschenen„Romantik der endlosen grauen Straße" nur schlecht verbargen. Die Frag« der Rücksührung der Landstreicher in den sozialen Organismus ist nur eine soziale Frage und hat mit Romantik nichts zu tun. Leider ist das Verständnis dafür bei den Kunden sehr gering. Bei den weiblichen Kunden, den Tippelschicksen, ist es meist gar nicht vorhanden. Diese armseligen Vagantinnen leben in den blauen Tag hinein: einen billigen Romanschmöker in der Tasche, stressen sie kreuz und quer durch Deutschland. Sie sind ein« leichte Beute der Kunden, tun sich mit einem bevorzugten zu- sammen und bilden dann ein Paar, das sich schnorrend durch die Welt schlägt. Ihr« Hochzeitsreis« währt immer das Brautbett ist immer das gleiche, irgendwo hinter der Hecke, am Zaun. Mir ist eine begegnet, die au» den Rahmen der Schilderung fällt, die ich hier von den Tippesschicksen gegeben habe. Das war die klein« blond« Gertrud, die vor einiger Zeit in K. an der Daga- bundenkrankheit starb. Das erstemal traf ich sie 1924 in der Pfalz. Ich war bei Maxau über den Rhein gegongen, hatte bei der fran- zösischen Brückenwache Zigaretten geschnorrt und saß nun rauchend auf einem Stein an der Landstraße nach G. Es war noch früh, ein dichter Nebel lag in der Rheinebene und ließ kaum die nächsten Bäume erkennen, die ihre kahlen Aest« in die Luft reckten. Dann und wann tauchten Gestalten im Nebel auf und verschwanden wieder. Vauern, Frauen und Soldaten. Einmal war es auch ein Kunden- paar. Der Mann wax klein, mit schwarzen Haaren und einem grünen Hut über dem spitzen Gesicht. Die Schickse hatte ihr Gesicht tief im Mantelkragen verborgen: ich weiß daher nicht, wie sie aus- sah. Als die beiden an mir oorüberkamen, bot ich ihnen den alten Kundengruß. „Servus! Wohin?" „Servusl Nach Karlsruhe!" „Heiße Gegend dort." „Danke, weiß Bescheid. Komme schon durch!" Dann waren die zwei wieder eingetaucht in den Nebel. Mir wurde es zu kühl, und ich machte mich aus die Socken. Mein« Ver- abredung nach Köln ließ mir auch kein« Ruhe. Bis dahin war allerdings noch zehn Tag« Zeit.(Ich Habs dann doch in neun ge- schafft!) Ich war rüstig losgSstakt und kam gegen Mittag nach Germersheim. Ging gleich in die Herberg« und traf dort mehrere Kunden. Wir spielten Karten, rauchten und tranken. Da kommt eine Schicks« in den Gastraum. Ihr Mantel sah recht abgerissen aus, die Schuhe desgleichen. Sie kam an unfern Tisch, gab den Gruß und fragte: „Hat keiner den Erich gesehen?" Wer ist Erich? Niemand von uns kannte ihn. Das Mädche.. gab«ine Beschreibung, und ich erkannte den Tippelbruder von heute morgen, der mit der Schickse über den Rhein wollte. Aber vorerst sagte ich dem Mädchen nichts. Sie erzählte ihre Geschichte. Ueber vier Monate sei sie mit Erich zusammen gewalzt, sie habe ein Kind von ihm empfangen(wir bemerkten es denn auch) und vor zwei Wochen wäre er ihr im Hannoverschen ausgerückt. Sie wisse aber. daß er hier sei. Gestern hatte sie genau erfahren, daß er die Nacht in Speyer geschlafen habe. Wer hatte ihn gesehen? Ich sagt« ihr schließlich, daß ich Erich begegnet wäre und ver- schwieg auch die Begleiterin nicht. Sie war nicht viel erschrocken� im Gegenteil. Stellte klare Fragen nach Zeit und Ort, Wegrichtung usw., so daß ich verdammte Hochachtung vor diesem tapferen Kerl bekam. Sie wollte ihm sofort nacheilen, und ich bracht« sie an die Hauptchaussee. Wir standen noch eine Weile im Gespräch, als in der Ferne ein Laustouto anratterte. Es war ein Straßburger Kon- servenauto. Das Mädchen machte sich sprungfertig. „Wie heißt du denn eigentlich?" fragt« ich zum Abschied. Das Auto rumpelte an uns vorüber, das Mädchen ranni« hinter- her. Schwang sich auf, fand Halt. „Ich heiße Gertrud! Servus, Servus!" schrie sie zurück, wobei sie eine Hand sprachrohrartig an den Mund legte und sich mit der andern an dem Auto festhielt. Ich winkte ihr nach und ging zurück in die Herberge. Die alten Kunden machten unflätige Witz«. „Scheint früher eine fein« Dame gewesen zu sein, was? Hat sie's denn gut gekonnt?" Mir wurde dies Gerede zu blöd, ich packte mein Bündel und zog weiter. Nach neun Tagen war ich richtig in Köln und fand auch Arbeit. Hielt mich fast zwei Jahr dort, und gerade zwei Tage vor meiner Abreise traf ich Gertrud wieder. Sie war Platz- anweiserin in einem obskuren Kino geworden. Zuerst erkannte sie mich nicht wieder, denn ich trug damals«inen leidlich guten Anzug und einen weißen Kragen. Als ich ihr aber die Szene von Germers- heim und dem untreuen Erich ins Gedächtnis zurückrief, schien sie sich doch zu erinnern und verabredete mit mir ein Zusammensein für den nächsten Tag. Sie hat mir ihre Geschichte erzählt, die nicht viel des Interessan- ten bietet. Dem Erich ist sie noch nachgelaufen bis Ulm an der Donau. Dort wurde sie krank, ging ins Hospital und bracht« das Kind verfrüht zur Welt. Sie bekam Arbeit nachgewiesen. Zuerst in Ulm, dann hier in Köln. Voller Stolz zeigte sie mir ihr Spar- kassenbuch mit ganzen 88 M. Guthaben. Dafür hatte sie anderthalb Jahr gearbeitet. Ich mußt« sie verlassen und ging auch von Köln fort. Wir schrieben uns, bis sie vor zwei Monaten in H. starb. Ihr Sparguthaben war auf 263 M. angewachsen. Da Gertrud keine Verwandten hatte, die sich um sie bekümmerten, nahm die Stadt H. das Geld für die Beerdigungskosten an sich. Bernbarck Krüger. „Manon Lescaui." Scala-Abend der Staatsoper. Pucclnis„Manon Lescaut". 1803 in Turin urauf- geführt, ist in Deutschland wenig bekannt geworden und hat es auch in der international«, Opernwelt nicht zu dem nachhaltigen Erfolg seiner späteren Hauptwerke—„Boheme",„Tosca",„Madame Butterfly"— gebracht. Der Stoff, dem berühmten Roman des Abbö Pröoost entnommen, hatte in der„Manon" des Fran- zosen Massenet— die Berliner Städtische Oper hat sie vor kurzem mit der Ivogün in der Titelrolle in Erinnerung gebracht— eine für das große Publikum wirkungsvollere Fornmng gefunden. Mas- senets Oper, seine beste und erfolgreichst«, mit der glänzenden Kenn- Zeichnung des Pariser Rokokomilieus, mit der gefälligen Sänftigung der menschlich-gesellschaftlichen Konflikt«, ist für die Bühnen die eigentliche, die gültig-„Manon Lescaut" geblieben, der jüngere Puccini, noch weniger theaterroutiniert damals, tonnte dagegen nicht aufkommen. Es mangelte ihm noch an. der raffinierten Skrupellofigkeit. mit der er später als Opernkomponist die Welt er- obert hat. Es ist schade um dieses früher« Wert, viel inspirierte Musik stellt in der meisterlich gearbeiteten Opernpartitur, aber auch starkes, unmittelbar wirksames Theater. Es geht um Liebe— alle Sorten von Liebe: Leidenschaft, Spiel. Handel—. allemal eine sichere Bühnensache also. Manon, achtzehnjährige Unschuld aus der Pro- vinz, in Paris verführt und verdorben, verliebt auf der einen, verkauft noch der anderen Seit«—: der betrogene Käufer über- liefert sie aus Rache der„Justiz", die„Gefallene" wird in die Hölle einer amerikanischen Strafkolonie deportiert: mit ihr ein Transport unglücklicher Leidensgefährtinnen. Man spürt aufrührerischen, an- klägerischen Geist in der Szene, in der da» gezeigt wird. Dieser dritte Akt d«r Oper, in dem die Handlung gipfelt, gelangt zu mit- reißender Wirkung:, durch Rosetta Pampanini und vor allem durch Aureliano Pertile, die Träger der beiden Haupt- roll«,. Nein, vor allem wieder, und nicht nur dieser dritte Akt, durch Toscanini. Aus die Reihe dieser ereignishaften Opern- abend«, auf die grundsätzliche Bedeutung dieses Scala-Gastspieles wird noch zurückzukommen sein. Klaus Bringslieim. Afghanistan im Film. Ufa-pavillon. Die Russen, die sich als die geborenen Beschützer aller asiatischen Völker fühlen, haben zu Ehren Amanullahs im vorigen Jahr«ine Filmexp«dition nach Afghanistan geschickt, die bunte Bilder von Land und Leuten mitgebracht hat. Leider wird Amanullah,"den dieser Film als Freund des Fortschritte feiert, nichts mehr davon haben, denn er hat eben machtlos das Land verlassen. Wie der Film ausweist, ist Afghanistan heute noch— vor hundert Iahren durfte noch kein Ungläubiger das Land betreten— größten Teils von der modernen Ziollisation ganz unberührt. Sein« abgeschlossene Lage zwischen hohen Gebirgen, seine politische Selbständigkeit zwischen Rußland, China und Indien hab«n e» solang« in seiner Isoliertheit bewahrt. Obwohl btr Weg der Eroberer seit Jahr- taufenden Olrch da» Land führte, haben sie all« von dem griechischen Alexander bis zu Dschingis Khan und Timurlenk nichts als Ruinen hinterlassen. Die Bevölkerung lebt heute noch größtenteils im Zu- stand de» Nomadentums. Im Frühling zieht sie mit den großen Herden über die Berge und kommt im Herbst zurück. Di« tief ge- legenen Ebenen sind tropisch heiß und tropisch fruchtbar� Die alten Städte mit ihren riesigen Lehmmauern sind au» dem Schlummer der Jahrhunderte noch kaum erwacht, primitiv wie die'Waren- Produktion ist die Warenumsatz- und die Verkehrstechnik. Durch die Wüsten zieht noch das Kamel, und über die Ströme setzt man noch auf Schlauchflößen. Amanullah hat das Land zu modernisieren versucht. Seltsam genug muß die Mischung des alten Volkstums und des neumodischen Europäismus aussehen. Di« Truppenrevue scheint ganz europäisch, aber' mit einem Mal« tanzen die Soldaten, das Gewehr auf dem Rücken, einen alten Volkstanz. Die„Volks- Vertreter" wurden nur in europäischer Tracht zugelassen, und die dem Hof gefälligen Damen erschienen in kurzen Kleidern, immerhin noch einen hauchdünnen Schleier über das Gesicht. Der vertriebene Fürst wollte sich neben Kabul ein« neue Hauptstadt bauen, man sieht bereits die breiten Straßen und eine paar große Paläste: aber vor- läufig wird es damit wohl gute Wege haben, bis der unterirdische Kampf zwischen englischem und russischem Einfluß erledigt ist und ein neuer Khan dem Einzug des Kapitalismus aufs neue die Tür öffnet. r. Nenn, Zweig, Frey. Die junge Literatur fühlt sich im Rahmen der Berllner Fest- spiele zurückgesetzt, also ergreist sie von sich aus das Wort und veranstaltet im La»des haus einen Vortragszyklus über da-, Thema— nun was können jung« Dichter heute für ein Thema wählen?— natürlich nur Krieg. Der erste Abend brachte Werke von L. Renn, Arnold Zweig und F. M. Frey. Es wurde betont, daß diese Werte tendcnzlos fein und sich mit möglichst getreuer Berichterstattung begnügen wollen. Vielleicht sucht man gerade in nüchterner Berichterstattung eine um so stärkere Tcndenzwirkung. Ein im Jahre 1914 geschriebenes Kapitel aus Retrns„Krieg" läßt ziemlich kalt. Es ist zu reportagehaft, man vermeint den nüchternen Berichterstatter irgendeiner Zeitung zu hären und spürt nicht das große Erlebnis, weder im Sinne der Kriegsenthusiasten noch der Verneiner. Bielleicht liegt es daran, daß dieser Teil bei Kriegs- beginn geschrieben wurde und daher die Furchtbarkeit der fol- genden vier Jahre noch nicht mitklingen kann. H. Christians las das Kapitel ruhig, aber mit intensiver Wirkung. Schon besser: Arnold Zweigs„Streit um den Sergeanten Grischa"(Erschiehungs- tzzene). Zweig gestaltet mehr von sich aus, vermittelt daher größeres Seelenerlebnis. Aber auch der läßt noch verhältnismäßig unbe- rührt. Am stärksten: F. M. Frey, Todesgeschichte des Geigers, dem der Arm zerschmettert wurde, aus„Die Pflast«rkäst«n". Frey be- richtet wie die anderen, aber bei ihm spürt man doch schon den Abscheu vor dem Massenfchlachten, den Blutekel. Hier hört man in dem Stöhnen des einen Verwundeten das große Leiden aller. gegen das es nur ein Mittel gibt: Morphium, Morphium, Morphium. Leo Menter interpretierte Frey warm und schwingend, ost etwas zu weich. Zusammengefaßt: Der Abend blieb die erhofft« große Wirkung schuldig. W. J. Zwischenfall bei der Ausführung des„lvozzek". Nach der Auf- führung des„Wozzet" von Georg Büchner im A l t o n a e r Stadttheater am Montag äußerte ein Teil des Publikums fein Mißfallen durch ohrenbetäubendes Pfeifen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen. Intendant Fischer rief Polizei herbei und ließ di« Demonstranten feststellen. Rote Lampen gegen Dauerredner. Bei der Wicdereröfsnung de» sranzösischen Parlaments wurden die Abgeordneten mit einer zum erstenmal in der sranzösischen Kammer eingeführten Erfindung überrascht: der Gang der Debatten soll nicht mehr durch langweilig« Reden behindert werden, die zu keinem praktischen Ergebnis führen. Die Redezeit ist deshalb auf fünf Minuten begrenzt worden, und ein elektrischer Signalapparat sorgt dafür, daß diese Zeit auch«in- gehalten wird. Der Vorsitzende der Kammer setzt, sobald ein Ab- geordneter seine Rede beginnt eine Uhr in Gang, und sobald i Minuten vergangen sind, drückt er auf«inen Knopf, woraus. rote Lampen dicht vor dem Gesicht de» Redners ausleuchten: ist da» Zeichen, daß seine Redezeit beendet ist. Das Verbrechen der Grafentochter Aufklärung des Luwelendiebstahls. .i berjchleken seinerzeit über den großen Iuwelendieb- H jl in der Villa einer Grasin Hermersberg in der pcomenadenstraße zu Lichterselde. Jetzt hat, wie wir in einem Teil der Morgenausgabc schon meldeten. die eigene Nichte, eine Komtesse v. M o n r o y, gestanden, den Diebstahl begangen zu haben. Lei der Gräsin Herniersberg wohnte seit dem Jahr« 1923 ihre Schwester, die Gräfin v. Monroy, die mit ihrem Mann, einem italienischen Offizier, in Trennung lebte, mit ihrer Tochter Helga. Kurz vor Weihnachten entdeckte man in der Villa einen Juwelen- d i e b st a h l. Der Wert der Juwelen wurde auf etwa 99 009 Mark geschätzt. Natürlich lenkte sich, wie immer in„hochherrschaftlichen Häusern", der Verdacht auf die A n g-c st e l l t e n. Diese konnten aber ihre Unschuld nachweisen. Bor 14 Tagen kam es zwischen Mutter und Tochter Monroy zu«inery Streit: die Tochter wollte sich gegen den Willen der Mutter mit einem Rittmeister v. Wedel verloben. Zornentbrannt packte die Komtesse ihre Koffer, verließ die Villa und zog ins Hotel H e ß l« r. Vor einigen Tagen bot sie nun einem Juwelier Schmucksachen an, der schöpfte aber Ver- dacht und erstattete Anzeige. Die Kriminalpolizei schritt darauf sofort zur V e r h a f t u n g des jungen Mädchens. Zuerst spielt« dieses in E n t r ü st u n g. Als mon ihr aber den Diebstahl auf den Kopf zusagte und Komtesse Helga zudem ihrer Mutter gegenüber- stellt«, gestand sie alles ein. Der Beweis war nämlich schon oorhpr schlüssig: bei einer Durchsuchung ihres Zimmers hatte die Polizei Quittungen eimu anderen Juwclenfirma gefunden, bei der dann ein Teil der Hermersbergschen Schmuckstücke b«- schlagnahmt werden konnte. Cs ist für das junge Mädchen bezeichnend, daß cs vorher fortwährend Gerücht« in Umlauf gesetzt hatte, die den Verdacht auf andere Personen lenken sollten. Offensichtlich hat das Mädchen den Diebstahl begangen, um ein luxuriöses Leben zu führen und ihrem Bräutigam Reich- tum vorzutäuschen. * Wir erfahren weiter: Die Tat der Komtesse ist daraus zu erklären, daß sie das volle Vertrauen der Gräfin Hermers- berg, ihrer Tante, genoß und über die Aufbewahrung der Juwelen genau unterrichtet war. Es handelte sich um eine eiserne Kassette, die mit besonderen Sicherungen, darunter einer drei- fachen Nummernverstellung, versehen war. Ueber die Handhabung war das jung« Mädchen sich klar. Am 22. Dezember benuhle sie die Abwesenheit ihrer Üluller und ihrer Tante, um sich des Schmuckes zu bemächtigen. Wo sie die Kassette die ganzen Monate hindurch verborgen gehalten hat, ist noch nicht geklärt. Mitte dieses Monats kam cs dann zu dem Streit, der damit endete, daß die Tochter das Haus verließ. Sie glaubte, in den Juwelen einen Rückhalt zu besitzen, der ihr die Fortsetzung des luxuriösen Lebens ermöglichte. Zum Schein nahm sie für kurze Zeit ein« Stellung als S t e n o t y p i st i n bei einem Rechtsanwalt an, gab den Posten aber bald wieder auf. Einig« der Juwelen brachlc sie dann zu einem � l e i n e n Ba n- Ii et, um sie beleihen zu lassen. Sic erNärte, daß es Erbstücke ihrer Großmutter aus Sizilien seien, über die sie allein das Verfügungsrecht habe. Der Bankier gab ihr daraufhin ein kleines Darlehen. Ermittelt ist ferner, daß eine kostbare Perlenschnur nach Wien weitergegeben worden ist. Man hosft, auch diese wieder herbeischaffen zu können. Oer Bräutigam begeht Selbstmord. In der vergangenen Nacht hat der Verlobte der Komtesse- der 43jährige Rittmeister a. D. ssrifc von Wedel, im Grunewald Selbstmord durch Grschictzcn verübt. Unter den Zeugen, die gestern abend in der sensationellen Affäre vernommen wurden, befand sich auch der Verlobte der Komtesse, Rittmeister a. D. v. Wedel. Seine Vernehmung ergab den klaren Beweis, daß er von dem Diebstahl seiner Braut nicht die g e- ring st e Ahnung hatte, v. Wedel begab sich daraufhin in sein« am Lützowplatz 1 gelegen« Wohnung, die er nach kurzem Ausenthalt bald wieder verließ, heule früh gegen 5 Uhr fanden Wald- arbeller im Zagen 21 des Grunewaldsorsles dicht beim Jagdschloß einen Mann erschossen aus. Neben dem Toten lag«ine Mehrladepistole, aus der sich der Lebensmüde ein« Kugel in die Herzgegend gejagt hatte. Di« Leute benachrichtigten sofort das zuständige Polizeirevier. Di« Beamten fanden in den Taschen des Selbstmörders einen Zettel mit der Notiz„Dienstag 12 bis 1 Uhr Kommissar Beyer, Polizeipräsidiu m", sowie eine Quittung des Polizeigefängnisses über eingezahlte SO M. zugunsten der Komtesse Monroy. Es war nun kein Zweifel mehr, daß der Erschossene v. Wedel war. Offenbar ist er schon gestern spät abends in den Grunewald hinausgefahren und hat heute in aller Frühe aus Gram über die Tat seiner Verlobten seinem Leben ein Ende gemacht. Mauereinsturz in Moabit. Ein Bauarbeiter tödlich verunglückt. In der Richard- Wagner- Straße 10 In Moabit ereignete sich heute früh ein schweres Einsturz- unglück, bei dem ein Vauarbeiler den Tod fand. Das Haus Richard-Wagner-StPße 10 wird zurzeit abgerissen und eine größer« Zahl von Arbeitern eines Abbruchunter- nehmers ist auf der Baustelle beschäftigt. Gegen S Uhr stürzte plötzlich unter großem Gelöse ein Teil einer starken Seilenmauer zusammen. Während sich mehrere an der Unfallstelle befindliche Arbeiter durch Zurückspringen in Sicherheit bringen konnten und unverletzt blieben, wurde der Z2jährig« Bauarbeiter Stanislaus K achl i n k e aus der Gerichtstraß« 10 von den niederstürzenden Gesteinsmassen getroffen. K. erlitt einen schweren Schädelbruch, der seinen baldigen Tod zur Folge hatte. Die Leiche des Verunglückten würde beschlagnahmt. Eine strenge polizeiliche Untersuchung über die Schuldfrage und besonders über die vorhandenen Sicherungs- Vorkehrungen auf der AbbruchstellUzist eingeleitet wordey. Mii Aexien, Mistgabeln und Bomben. Eine blutige Familienfehde. Kassel, 28. Mai.(Eigenbericht.) I« dem kleinen Dorfe Widderhanse« an der W e r r a kam eS zn einem blutige« Kampf zwischen zwei Familie«, die miteinander verschwägert sind, aber seit langem in Familienfehde leben. Der Streit begann in einer Gastwirtschaft und sehte sich ans der Straße fort. Es kam zn einem Handgemenge mit Stöcken. Äexten nnd Mistgabel«, an dem sich samt- liche Verwandte beteiligten. Einer der Kämpfenden, der Bergmann ist. schlenderte einen Sprengkörper unter die Streitenden. Durch die Explosion wurden der Familienvater einer der kämpfenden Familien und drei seiner Söhne schwer verletzt, ein Unbel-iligter wurde leicht verletzt. Landjäger trennten schließlich die Kämpfenden und verhafteten den Bombenwerfer. _» Flugzeug zerschellt am Berggipfel. Fönf Tote. Rom, 28. Mai. Ein eigenartiges, schweres Fliegerunglück hat sich während eines heftigen Gewitters in den mittel- italienischen Apennine« ereignet, wo ein B o m b a r» dierungsflugzeug bei einem nächtlichen Fluge von Pisa nach Qberitalieu beim Ucberfliegen der Apenninen gegen die Spitze des Monte Q r s a r o stieß und zertrüm- mert wurde. Zwei Fliegerleutnants, zwei Fliegerwacht- meister und ein Mechaniker fanden dabei den Tod. Tobessprung aus dem 4. Stock. Im Haus« Schadowstraße 18.�. im Norden Berlins spielte sich in der vergangenen Nacht ein aufregender Vor- fall ab. Aus den Fenstern ihrer im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung stürzte sich dort die Sljährige Frau Ida Schramm in den Lichtschacht hinab. Die Unglückliche durchschlug das starke Glasdach und blieb mit zerschmetterten Gliedern unten bewußtlos liegen, die zu Hilfe gerufene Feuer- wehr brachte die Schwerverletzte ins Jüdische Krankenhaus, wo sie unmittelbar noch ihrer Einlieferung gestorben ist. Beim Baden im Zeuthener See ertrank gestern nach- mittag der 18jährige Tischler Rudi Jakob aus E i ch w a l d e, Grünauer Weg 20. Rettungsversuche verliefen erfolglos, dem Reichswasserschutz ist es bisher noch nicht gelungen, die Leiche des jungen Menschen zu bergen. Wetter für Berlin: Kühler mit wechselnder Bewölkung und nördlichen Winden.— Für Deutschland: In der Nordwesthälste des Reiches ziemlich kühl und veränderlich, auch im Süden und Osten Abkühlung, im Alpenvorland regnerisch. Vkrantwartllch tltr die Redottion: Franz tttäd», Berlin: Änzeigen: Tb. SUxke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. l>. S., Berlin. Druck: Vorwärt» Back- druckerei und Lerlagsanftalt Bqul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenllraße Z. j< Hierzu 1 Bailage. PS» Vach mich Reise alles Notwendige anzuschaffen, wird Ihnen durch unsere vielfältige Auswahl und durch unsere niedrigen Preise besonders leicht gemacht! Cape pX' Ausführunsr Swüieestoffe für Bademänte], Capes lind Laken, aparte Muster, 0#fc große Auswahl, 140 cm breit......... Meter ISO bis 170 cra brsit........«oter 7.80 5.80 4u80 Besatzfrottierstoile___ einfarbig, zu allen Mustern passend. 150 cm breit. 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Mai 1929 SivMsmt §tcUcuckQa(fa s10* Der ausgezogene Rock. Was Hugenbergs Schmock in Magdeburg sah. Ein sozialdemokratischer Parteitag ist eine politische Angelegen- heit, die etwas mehr zu bedeuten hat, als irgendwelche Infanteristen-, Kavalleristen- oder Artilleristentage der ehemaligen 17öer in Hinter- pommern. So hat auch die Hugenberg-Presse trotz ihrer Rotscheu nicht vermeiden können, einige Schreibkulis nach Magdeburg zu ent- senden. Was sollen die Bedauernswcrlen dort tun? Sollen sie über den Riesenausmarsch der Magdeburger Ar- b e i t e r s ch a f t berichten, über dieses den wahren Charakter einer Massenvolkspartei bekundende Schauspiel, wie es auch die größte bürgerliche Partei nie zu Weg« bringen wird? Das wäre inopportun. Der geölte Hugenberg-Schmock findet andere Momente. So legt er im„Tag" los: Braun in Hemdsärmeln. Otto Braun, Ministerpräsident und Herrscher aller Preußen, hat sich in Magdeburg bei seiner großen Rede photogrophieren lassen, und zwar in Hemdsärmeln. Schlohweiß sieht's aus her schwarzen Weste hervor! Säuberlich gefaltet liegt sein Rock aus dem Rednertisch. Im Hintergrunde stehen dicht geschart die tlassen- bewußten Zuhörer, aber nicht in Hemdsärmeln. Braun durfte sich den Rock ausziehen, die Masse durfte trans- oierieren.(Hört, hört! Red. d.„V.".) Das Bildchen ist ein Zeichen der Zeit. Neue Würden erfordern neue Symbole. Das weiße Hemd und die schwarze Weste enthalten die m o d e r n e politisch« Kontrastwirkung. Es wäre ein Verstoß gegen die neue Sitte gewesen, hätte sich die Versammlung dem Beispiel Otto Brauns angeschlossen. Ein sozialdemokratischer Ministerpräsident weiß, was sich gehört. Bismarck hatte in der gleichen Funktion eine Scheu davor, wie er sich ausdrückte, sich der Mitwelt in Hemdsärmeln am Fenster zu zeigen. Heute zeigt man sie in öffentlichen Feiern. Es ist die Tracht der neuen Epoche. Die groß« Mode, die Mode Otto Brauns. Es paßt sehr schön hierzu, daß der Gesamtbericht des„Tag- unter der Schlagzeile marschiert:„Die SPD.- Demagogie in Magdeburg."— Wessen Demagogie, bitte?! Alles Aristokraten? Die k o m m u n i st i s ch e„Hamburger Voltszeitung" sucht von den 30 000 Demonstranten soviel wie möglich fortzulügen. Hamburg ist ja weit von Magdeburg. Immerhin muß sie, um sich nicht gar zu sehr zu blamieren,„knapp 11 000(warum nicht„knapp 10 999"?) am Leben lassen. Zum Trost teilt sie ihren Lesern mit, daß außer den Mitgliedern der SAI.„vorwiegend Elemente vom arbeiterari st akratischen Typus" aufmarschiert seien. Danach dürfte die Magdeburger Arbeiterbevölkerung zu neun Zehnteln aus„Arbeiterari st otraten" bestehen?! Mord in Hamburg. Eine Greisin erschlagen aufgefunden. <::. Hamburg, 28. Mai. S-- Amt Montagabend wurde die»n der Brigittenstr. 2 im vierten Stock wohnende 7kjährige Ehefrau Mathilde Schlörke in ihrer Küche auf dem Sofa liegend e r- mordet aufgefunden. Die Leiche wies drei schwere Wunden, herbeigeführt durch Schläge mit einem metallenen Gegenstand, die linke Halsseite eine tiefe Schnittwunde auf. TaS von dem Mörder benutzte Schlaginstrument wurde in der Küche nicht gefunden. Tagegen fand man auf der Brust der Ermordeten ein mit Blut beflecktes B r o t m e f f e r. Ter Ehemann ist nach seinen An- gaben gegen WA Uhr zum Mittagessen nach Hause ge- kommen und hat die Wohnung um loM Uhr wieder verlassen, um sich inS Geschäft zu begeben. Geraubt ist, soweit bis jetzt feststeht, nichts. Zurzeit herrscht über das Motiv und die Persönlich- keit des TäterS noch völliges Dunkel. Riesenbrand in London. Tausend Menschen mußten die Wohnung räumen. London, 28. Mai.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Dienstag wurde ein sechs- stöckiges Lagerhaus an der Themse durch ein Großfcucr zerstört, wobei gewaltige Getreide- mengen verbrannten. Feuerwehraufgebotc aus ganz London bekämpften mit �Hunderten von Schlauch- lcitungen das Feuer, annähernd 1000 Bc- w o h n e r der umliegenden Häuser mußten ihre Wohnungen räumen. Oskar Wöhrle ist der Autor der Erzählungen, mit deren Abdruck rv:r ani Freitag heginnen. Sein Name zählt seit langem in der deutschen Literatur. Bereits vor dem Kriege trat er mit Gedichten an die Oeffc n I lieh keit, die aufhorchen ließen. Er gehurt mit Rene Schi ekele und OskarFlake zu jenem Kreis elsässisdter Dichter, die kurz pur Ausbruch des Weltkriegesdas Augenmerk ailf die Reichslande und ihre tragische Problematik lenkten. Oskar Wöhrle blieb bei der Lyrik nicht stehen, wenn' er auch heule noch zu tiefst mit der Lyrik verbunden ist. Er gehört zu den Stillen im Lande, gehört zu jenen, die Naturverhundenheit und Volksnähe von dem lauten Getriebe des Maschinenzeit alters abwendet. Seine Romane atmen Kleinstadt und Land und jenen köstlichen Humor, der unmittelbar aus dem Volk dringt. So auch seine Sundgau- Geschichten, In lockerer Folge reiht sich Erzählung an Erzählung, zusamnt n- gehallen durch das Jugenderinnern des Autors. Denn Jugender- inneruwen sind es, die sich hier zu dem bunten Teppich einer Dichtung zusammenfügen. Das eigentümliche Kolorit der Sundgau- Landschaft und das Temperament ihrer Bewohner gibt ihnen die eigene Note. Sie sind das Werk eines urwüchsigen Dichters, der aus Volk und Heimaiboden seine wertvollsten Kräfte zog. Sie sind. ein Gruß und ein Dank an den Sundgau. Trübung des Leitungswassers. Mangan, das beseitigt wird. Gestern nachmittag zeigte in den Häusern von Straßen im Süd- osten Berlins das Leitungswasser eine schwärzliche Färbung. Dies« Erscheinung hat ihre Ursache darin, daß durch die Inbetriebnahme eines neuen Maschinensatzes im Werk Wuhlheide im Laufe des gestrigen Nachmittags manganhaltlge Rück- stände, sogenannter Manganschlamm, im Rohrnetz ausgewirbelt und in die Verteilungen gedrückt worden sind. Die Manganniederschläge sind auf den in dem Grundwasser des Werkes Wuhlheide in gelöster Form vorkommenden Gehalt an Mangan zurückzuführen, der sich beim Durchfließen des Rohrnetzes in diesem ablagert. Sie sind in keiner Weise gesundheits- schädlich. Die Straßen, in denen diese Erscheinung aufgetreten ist, liegen etwa in dem Viertel zwischen Dresdener Straße und der Gegend des Halleschen Tores. Durch die Ueberpumpstation am Kleistpark sind auch Trübungen in das Versorgungsgebiet von Schöneberg und Steglitz eingedrungen. Die ganze übrige Stadt ist nicht betroffen. Die Wasserwerke haben gestern nachmittag sofort zahlreiche Arbeitskolonnen angesetzt, um den betroffenen Teil des Rohrnetzes durchspülen zu lassen. Die Spülungen sind während der ganzen Nacht fortgesetzt worden und werden im Laufe des heutigen Tages so lange durch- geführt, bis das Wasser wieder völlig klar ist. Zur Beseitigung dee Mangans ist in dem Werk Wuhlheide eine große Entmanganungs- anlage hergestellt worden, die in Kürze in Betrieb genommen werden wird. Auto fährt in Arbeiterkinder. Zwei Kinder tot. mehrere verletzt. Karlsruhe» 28. Mai.(Eigenbericht.) In der Gemeinde Unterharmersbach im Schwarzwald fand ein M u s i k f e st statt, dessen Abschluß ein 51 i n d e r f c st z u g war, an dem sich eine große Anzahl Kinder beteiligte. Auf dem Wege zum Festplatz fuhr ein Personenauto in die Kindcrschar hinein. Ein Kind wurde sofort ge» tötet, ein zweites ist seinen schweren Verletzungen erlegen, ferner wurde ein weiteres Kind schwer und eine Anzahl Kinder leichter verletzt. Es sind meist Arbeiterkinder. Der Fahrer des Autos war auf den Umzug aufmerksam gemacht worden. Prozeß Rogens hat begonnen. Die Wiederaufrottung des ZaNes Zakubowski. Neustrelitz, 28. Mai.(Eigenbericht.) Heute vormittag begann vor dem Schwurgericht Neu- strelitz der Prozeß gegen Rogens und Genosien wegen Mordes. Den Brüdern Fritz und August Rogens aus Palingen legt die Anklage zur Last, daß sie den kleinen unehelichen Sohn des Landarbeiters Jakubowski, Ewald Rogens» umgebracht haben. Wegen des Mordes an diesem Kinde ist Jakubowski vom Schwurgericht Neustrelitz am 26. März 1923 zum Tode ver- urteilt und trotz der Beteuerung seiner Unschuld am 13. Februar 1926 in Alt-Strelitz hingerichtet wor- den. In der Voruntersuchung sollen die beiden Angeklagten Rögens ihre Beteiligung an der Mordtat z u- gegeben haben. Auf der Anklage- dank erscheint weiter Frau K a e h l e r (verw. Rogens), die Großmutter des Ermordeten, die das Verbrechen b e- g ü n st i g t haben soll. Diese und die beiden Angeklagten Rogens sind weiter wegen Meineides angeklagt. Der Frau L ü b k e, geb. Kreutzfeldt. wird zur Last gelegt, daß sie die letzt Angeklagten nach der Tat b e- g ü n st i g t habe. Der Pferdeknecht Blöcker ist auf Grund seiner Aus- sagen im früheren Iakubowski-Prozeß wegen Meineides angeklagt. Es sind 128 Zeugen geladen. Pressevertreter aus allen Teilen Deutschlands haben sich- angemeldet. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Peters(Rostock). Di« Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Weber (Neustrelitz). Die Verhandlung wurde gegen Ali Uhr im Gelben Saal des Schlaf- ses eröffnet. Der Saal, in dem sonst der Mecklenburg-Strelitzer Landtag seine Sitzungen abhält, ist für die Zwecke der Gerichtsverhandlung her- gerichtet worden. Zwei große S k i z- z c n des Dorfes Palingen bei Lübeck, in dem 1924 der Mord an dem kleinen Ewald Rogens verübt wurde, veranschaulichen die Lage der mutmaßlichen Mordstelle, zum Leichenfundort und zum Heide- taten, in dem Jakubowski mit Frau und Kindern Rogens und anderen wohnte. Vor Beginn der Verhandlung äußerte sich der Vorsitzende den Pressevertretern gegenüber zu der von uns bereits gemeldeten Vorgeschichte des Prozesses. Er betonte, daß es sich formell nicht um die eigentliche Wiederaufnachme des Jaku- bowski-Prozesies handelt, sondern um ein n e u e s selbständiges Verfahren gegen andere und gab ferner dem Wunsche Ausdruck, daß die Presse möglichst objektiv über den Prozeh berichten möchte. Der Anklagevertreter erklärte nachdrücklich, es handele sich nichl etwa um ein Tcndcnzmanöver bei der Erhebung der Anklagen, wie das von manchen Seiten behauptet worden sei, sondern es sei angesichts der vier vorliegenden Geständnisse, von denen bis jetzt nur eins widerrufen worden fei, die P f l i ch t der Staatsanwaltschaft gewesen. Anklage zu erheben. Als beisitzendc Richter fungieren die Amtsgerichtsräte Weise und D e t t m a n n.— Die Geschworenen sind ihrem Berufe nach Lehrer, Arbeiter und Landwirte. Von den fünf Angeklagten ist die der Begünstigung der An- geklagten beschuldigte Frau Lübcke wegen ihrer bevorstehenden Niederkunft nicht erschienen. Das Verfahren gegen sie wird abgetrennt werden, wenn auch ihre Vernehmung als Zeugin im Interesse des Prozesses sich, nicht oermeiden lassen wird. Nach Verlesung des Eröffnungsbefchlusses beantragt der Vettreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr. Brandt, die Zuziehung des Professors Dr. A s cha f f e n b.u r g. Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Köln, als Sachverständigen für die Zurechnungsfähigkeit, Zeugnisfähigkeit unp Glaubfähigkeit der Mit- glieder der Familie Nogens, zumal dieser Sachverständige schon' in der Voruntersuchung tätig war. Der, Oberstaatsanwalt erklärt es für praktischer, einen Berliner Psychiater zuzuziehen. R.-A. Brandt weist demgegenüber darauf hin, daß er es für not- wendig'halte, das Berliner Element in diesem Prozeß nicht so sehr hervortreten zu lassen.' Der Oberstaatsanwalt erklärt sich schließlich mit der Ladung des Professors Dr. Aschaffenburg ein- verstanden. Die Angeklagten werden sodann zur Person vernommen! August Rogens' ist Knecht, 1903 geboren, einmal wegen Sittlich- keitsverbrechens an der eigenen Schwester mii 9 Monaten Gefängnis bestraft. Fritz Nogens, Arbeiter, 1909 geboren, wegen Betteln? vorbestraft. Frau Elise Kähler, verwitwete Nogens, 1879 geboren, nicht vorbestraft. Ein Ehescheidun�sprozeh schwebt noch. Pferdeknecht Blöcker, 1904 geboren, zweimal wegen Dieb» st a h l s und einmal wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt vor- 3)ie Mcidekale von Halingen Sha» IVohnhaua der ttlörder. Xlnks oben: Der als ttlBrder hlngerichlele JakuboirsM bestraft. Hinter den Angeklagten haben die Verteidiger Platz ge- nommen, und zwar R.-A. Dr. Müller für August Rögens, R.-A. Dr. A l b r e ch t für Fritz Nagens, R.-A. Dr. K i e p e r für Frau Kähler und R.-A. Dr. Stech für den Angeklagten Blöcker. Als Nebenkläger ist, wie bereits gemeldet, der Vertreter der Liga für Menschenrechte, R.-A. B r a n d t- Berlin, erschienen. Der Vorsitzende richtete dann zunächst an die Angeklagte, Frau Kähler, die Frage, ob sie sich schuldig fühle: sie habe doch eingestanden, im Einvernehmen und mit Wissen Jakubowskis am Mordtage aus Palingen zu verreisen, um damit Jakubowski die Wege zur Beseitigung des Ewald zu ebnen. Angeklagte: Zch bleibe dabei. Vors.: Sie haben dann also unter Ihrem Eide in dei� früheren Verfahren wissentlich etwas Falsches ausgesagt? Die Angeklagte scheint die Frage nicht ganz zu verstehen, so daß der Vorsitzende dazu übergeht, tsilweise plattdeutsch mit ihr zu sprechen. An g ekl.: Ja. Dann fragt der Vorsitzend« den An- geklagten Fritz Rögens, ob er sich dazu bekennen wolle, etwas Falsches beschworen zu haben. Der Angeklagte Fritz Rogens bejaht die Frage, er sei auch dabei behilflich gewesen, Ewald an die Seite zu briygen. Ebenso bekennt sich der Angeklagte Blöcker des Meineids schuldig. Der Angeklagte August Rogens er- klärt gleichfalls, einen Meineid geschworen zu haben. Im Gegensatz zu einem früheren Geständnis bestreitet er nunmehr aber, zusammen mft Jakubowski den Ewald bciseitegcbracht zu haben. Vors.: Ist es' nicht doch wahr, daß Sie bei der Tat beteiligt waren? Sagen Sie die Wahrheit! Angekl.: Ich bin am 9: November ja überhoupt nicht in Palingen gewesen. Es treffe zu, daß Jakubowski ihm geraten häbe, Ewald gegen das. Geschenk eines Fahrrades umzubringen. Das habe er abgelehnt. Vors.: Daß Sie sich aber durch das Herausholen.des Ewald aus dem Katen an dem Morde beteiligt haben, ist Ihnen doch klar? Angekl.� Ja. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten August Nogens zunächst beendet, und der Vorsitzeiche wendet sich den näheren Schilderungen der Angeklagten Frau Kähler zu.. (22. Fortsetzung.) Ich hatte noch nicht den dritten Teil des Rockes auseinander, als plötzlich ein Windstoß durch den Wald jagte, der schnell zum Orkan ausartete. Dunkle Wolken türmten sich am Himmel zu- sammen und es wurde mit einem Male Nacht. Die auseinanderge- trennten Teile des Rockes wirbelten davon. Es gab eine Jagd, die olles andere als luftig war. Endlich glaubte ich alles beisammen zu haben und legte den Packen hinter einen Daum. Die ersten schweren Tropfen fielen. Grelle Blitze zuckten auf. Donner krachten. Schnell sprang ich hinüber auf das Feld und schleppte vier Garben in den Wald. Noch zweimal lief ich hinüber, bis ich so viele zusammen hatte, um mir einen Regenschutz zu bauen. Es gewitterte die ganze Nacht. Als ich am Morgen aufstand, tropfte noch das Wasser von den Bäumen, so gewaltig hatte das Element gewütet. Ich hatte die Nacht verhältnismäßig gut verbracht, denn der Regen war von dem deckenden Stroh abgelaufen, und nun schien die goldene Sonne am blauen Himmel. Es war ein Sonntag. Ich betrachtete meine Lager- statt, die sich am.Wildesrand sehr malerisch ausnahm, klemmte mein Päckchen unter den Arm und verduftete. Einige hundert Schritte an einer Kreuzchoussee ließ ich mich häuslich nieder. Alle paar Minuten mußte ich den Platz wechseln, da mein Hosenboden schnell naß wurde. Es dauerte einige Zeit, bis ich ein Plätzchen gefunden hatte, das die Sonne getrocknet und vorgewärmt hatte. Dann ging's mit frischem Mut an das Auftrennen, Wenden und Zusammen- stoppeln. Ich hatte den ganzen Tag zu tun. Besonders die Aermel »nachten mir die größten Schwierigkeiten. Immer wenn ich einen Aermel ins Acnnelloch gesetzt hatte und fertig zu sein glaubte, stellte sich heraus, daß ich ihn nicht richtig eingesetzt hatte. Aber eirdlich hatte ich es doch geschafft bis auf die Knopflöcher, die ich infolge der Dunkelheit nicht mehr säumen konnte. Hunger hatte ich, daß ich hätte dje Bäume anknabbern mögen, und dazu keinen Pfennig Geld. Aber Ich freute mich sehr, denn nun sah der Kerl schon ganz anders aus. Wohlgemut brach ich auf. Nach viertelstündigem Marsch er- reichte ich das Städtchen Zinten in Ostpreußen. Ich sprach noch— es war schon neün Uhr— beim Buchbinder vor, obgleich man so spät eigentlich keinen Meister mehr aufsuchte. Not kermt kein Gebot! Der Meister nahm inich fmrndlich auf. Er setzte mir schönes Schwarzbrot und gut durchräucherten Schinkenspeck vor, brachte«ine große Buttelie Branntwein und zwei Gläser und schenkte ein. Ich ließ mich nicht lange nötigen, sondern hieb tapfer ein und aß und trank mich satt, wie ich mich schon lange nicht mehr satt gegessen hatte. Und wie freut« ich mich, als der Meister sagte:„So anständig in Kluft hat noch kein fremder Geselle bei mir vorgesprochen!" Da mußte ich aber lachen, kolpfte ihm auf die Schulter und sagte: „Meister, abends sind alle Katzen grau. Sehen Sie mal, so sieht »nein Rock inwendig aus!" Und ich erzählte ihm die abenteuerliche Geschichte rneines Gehrockes. „Das haben Sie brav gemacht," antlvortete der Meister.„Sie sind ein vernünftiger Mensch. Schade, daß' ich nicht so viel Arbeit habe, um einen Gehilfen beschäftigen zu können. So, nun nehmen Sie noch einen auf den Diensteid uird diesen Zehrpfennig und dann Gott befohlen." Er reichte mir die Haird, wünschte mir glücklich« Reise und ich suchte die Herberge auf. Diese Nacht schlief ich»ncht bei Mutter Grün, sondern drückt« eine harte Bant. Das Mekka der Vagabunden. da Ivor es nun mal wieder Winter geworden und wir konnten nicht inehr im Chousseegraben liegen und uns die liebe Sonne auf den Dauch scheinen lassen, sondern �mußten froh sein, wenn wir des Abends in einer Herberge ein roarmes Quartier fanden. Wir zogen am Abend in ein kleines Thüringer Städtchen ein. Mein Reisekollege und ich ließen uns von einem Jungen zur Herberg« führen. Hier trafen wir viele Gäste. Alles alte Thüringer Ballardbrüder. Ein Kuirde hatte gerade dos Wort und deklamierte: „Wer die Arbeit kennt und sich nach reißt, Pet is een ganz verrückter Geist, Doch wer die Arbeet kennt wie ich, Der macht sich ville daraus nicht" Er schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Schnapspullen wackelten.„Ick habe nämlich dieser Tage mal eenen Abstecher nach Leipzig jemacht. Nee, Kinder, man muß wirtlich staunen, wie sich die Menschen in die Iroßstadt nach die Arbeit reihen, det is eensoch jar nich zu jlooben. Det rennt und jagt Und manchmal fallen sie sogar über ihre eigene Beene vor lauter Arbeetswut, so rennen se. Na, dachte ick, hier mutzte machen, daß du wieder raus kommst, sonst kriege ick ooch noch den Bogel." „Ja," rief ein anderer dazwischen,„is es denn een Wunder, wenn de Menschen in de Iroßstadt alle meschugge sind? Hat von uns schon jemals eener eenen nervösen Fechtbruder geseh'n? Na, ick noch nich trotzdem ick nu ooch schon diverse Iährchen tipple." „Recht haste!" rief ein« Stimme dazwischen, die klang, als hätte jemand durch eine Gießkanne trompetet. „Ick dachte nämlich." sing der erst« wieder an.„in Leipzig meine Bienen los zu werben. Aber wat denkt Ihr euch ivohl, ick habe noch mehr mit rausjenommen wie ick rinn gebracht habe. Na, sage ick, denn woll'n wir man lieber nach Pelzfeldt geh'n, da werden wir sie bestimmt los." Pelzfeldt, dieses Wort erweckte bei allen Thüringer Ballard- brüdern die angenehinsten Gefühle. Pelzfeldt ist ein Dorf bei Sondershausen, und Thüringer Ballardbrüder ivaren Vagabunden, die Jahr ein. Jahr aus nur im Thüringer Lande bettelnd und vagabundierend umherzogen. Sie gingen nicht von Haus zu Haus. wie es die Handwerksburschen zu tun pflegen, sondern nur— sie waren vollständig orientiert— dorthin, wo sie bestimmt wußten, daß sie etwas bekamen. In Petzfeldt wurde man jene Plagegeister los, die neben der Polizei den Walzbruder am meisten pisackten, nämlich die Bienen oder deutsche Reichskäfer, wie sie auch genannt wurden. In Wirklichkett weiter nichts als ganz gewöhnliche Läuse. Alle waren sie begeistert, als der Name Pelzfeldt siel Da war der Stottermatz, ein ehemaliger Fleischergcselle, den man so nannte, weil er kolossal mtt der Zunge anstieß und manchmal überhaupt kein Wort herausbrachte. Rot und blau wurde er im Gesicht, wem, er wÄjuHWtilL seine Sprachübungen machte. Am kleinsten Wort würgte er herum, als hätte er die Seekrankheit. Deshalb stellte er sich beim Bauern iin Hausflur hin und sang ein Lied. Hierbei stotterte er nie. Dann»vor da der August mit der kalten Hand, ein ehemaliger Tischlergeselle, der nur bessere Häuser aufsuchte und sich als Baron oder Premierleutnant vorstellte. Der Herr Baron verstand so über- zeugend zu wirken, daß man an seinen Worten kaum ziveifeln konnte. Aus dem Kriege 1870/71 hatte er einige Brocken französisch mitgebracht, die er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit einflocht, was seine Wirkung nie verfehlte. Auch Pipin der Kleine, ein verivachsenes Schneiderlein, hatte seinen eigenen Dreh. Er stellte sich in jedem Haus« hin und leierte fromme Gebete herunter. Noch viele andere waren da und jeder trieb das Handwerk auf seine Art. Alle wurden sie lebendig, als das Wort Pelzfeldt fiel. In dem Dorfe Pelzfeldt hatte nämlich ein Bäckermeister, der offen- bar sonst nicht genug oerdiente, ein Geschäft daraus gemacht, die Fechtbrüder von ihren Plagegeistern, den deutschen Reichskäfern, zu befreien. Dazu benutzte er seinen Backofen und betrieb nebenbei einen Bier- und Branntweinausschank. Für das Ausbrennen der Kluft hatte jeder Kunde dreißig Pfennig zu zahlen, und da der Bäckermeister auch getippelt war, wußte er ganz genau, daß der Kunde seinen letzten Groschen in Getränken anlegte. Bei dem Ge- schüft war mehr zu verdienen, als bei der Bäckerei. Pelzfeldt! Die meisten beschlossen, dorthin zu wandern, um eine Entlausungskur vorzunehmen. August mit der lallen Hand, ich und noch ein Kunde, wir schlössen uns zusammen, um gemeinschaftlich die Reise anzutreten. „Kinder," schrie August,„lvenn wir nach Pelzfeldt kommen, müssen wir bei Kasse sein, denn dort treffen wir viele Bekannte und wir dürfen uns nicht lumpen lassen! Wir müssen also sehen, auf eine leichtere Art Geld zu machen, denn die bloße Fechtern bei den Bauern bringt nicht' genug ein. Wollen wir schallern gehen?" Schallern, schallern! Das Wort wirkte jreudigen Widerhall und so war es bald beschlossene Sache, schallern zu gehen. Der Penne- boost kam herein und kassierte Schlummerkies. Jeder Kunde mußte zehn Poscher abladen, dafür hatte er dos Rech, die Nacht über einen Tisch oder eine Bank als Schlaslager zu benutzen. Dann löschte der Penneboost die Petroleuinlampe, die an der Decke hing, wünsche allen angenehm« Ruhe und verschlvand. Grunzen ur«d Schnarchen verkündete bald, daß das große Holzsägen im Gange war, die einzige Arbeit, vor der sich niemand drückte. Nach dem Frühstück am anderen Morgen begann die Schaller- probe.„Das erste Lied," ineinte August,„muß unbedingt so rvas frommes sein." Nach vielem hin und her wurde der Choral„Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh" gegrölt. Aber das zweite Lied entfachte zunächst eine hitzige Debatte. Schließlich einigte man sich aus:„In einem Weiler fern iin Grund, da blüht ein Röslein jung und schön." „Und als drittes? Drei müssen es.schon sein!" brüllte einer. „Aller guten Dinge sind drei"!" „Ja, was denn nu?" srsezte August. „Als drittes können wir irehmen, was wir wollen!" „Aber mehr wtt drei nich!" schrie August,„sonst werden die Bauern zu üppig und wollen bloß nochmehr hören!" „Jawoll, und sie vergessen womöglich die Arbeit!" „Hol dich der Satan mit deiner Arbeit, ich habe genug in meinem Leben geschuftet, aber jetzt ist's genug!" „Woll'n wa erst noch einen auf den Dierrfteid nehmen. Komm. Buchbinder, hol einen!" Die Flasche machte die Runde. „Singen wir doch als drittes Lied: Freiheit, die ich meine," schlug ich vor.(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. atliiiiiiinnmiiiiiiiiiiiniiiininiiiiiiintiniiiiimnmiiiiiniiuiiuiuniiinnnnmmiiiiiiiiiiinniiaiinmniiinniiniiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiimMiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii USA., der Bankier der Welt. Nach einer Zusammenstellung in amerikanischen Zeitschriften haben die Bereinigten Staaten an Kriegs- und Nachkriegsanleihen fremden Regierungen 10 Milliarden Dollar oerliehen. An Private waren Ende 1927 in langfristigen Anleihen an Lateinamerika ä,8. an Europa 3,5, an Kanada und Neufundland 3,3, an den Rest der Welt 1, zusammen 12,6 Milliarden Dollar verliehen, wovon etwa die Hälfte auf amerikanischen Firmen gehörige Auslandsunter- nehmungen entfallen. Bor dem Krieg war Südamerika hauptsächlich mit europäischem Kapital versorgt, das nunmehr völlig zurück- gedrängt ist. Dort hat USA. 1926 allein Vch Milliarden Dollar angelegt. Auf den amerikanischen Bürger entfallen durchschnittlich 120 Dollar Auslandsanleihen. Für ausländische gemeinnützige Unternehmen, wie Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk«, wurden 1914 bis 1918 in Europa 290, darunter in Deutschland 149 Millionen Dollar investiert. Seit dem Krieg hat sich Deutschland allein 1,5 Milliarden Dollar geliehen. 580 000 km auf der Walze. Joseph Leon Lazarowitz. von Gnaden seiner Weg- genossen König der Landstreicher der Bereinigten Staaten, hat sich entschlossen, neue Wanderziele aufzusuchen. Die Wahl ist aus Alaska gefallen, das einzige Land der Erde, das der König der Landstraße mit Ausnahme von Rußland noch nicht besucht hat. Lazarowitz, der in New Pork geboren wurde, war im Jahre 1927 von einer Dersammlung der fahrenden Leut? der Landstraße in Minneapolis zum König der Tramps gewählt worden in Anerkennung seiner neunjährigen erfolgreichen„Läufbahn", auf der er rund 580 000 Kilometer in allen Ländern der Erde zurückgelegt hat. König Leon führte auf seinen Wanderfahrten stets zwei Eents mit sich, um „gegen olle Ueberraschungen gesichert zu sein", außerdem zur Er- innerung an den fernen Osten eine chinesische Geldmünze, sowie einen Haufen Zeitungsausschnitte und Autographenalbums. Auch trägt er auf seinen Wanderfahrten stets das Emblem seiner Herrscher. würde in Gestalt eines Ringes, der einen Adler mit auegespannten Flügeln zeigt, und einen Gummistempel, den er zur Beglaubigung seiner Unterschrift verwendet. König Leon bekundete seinen Eni- schluß, im Jahre 1930 abzudanken, da er nun in den Stand'der Ehe zu treten gedenkt und ein seßhaftes Leben zu führen gewillt ist. „Ich werde dann," erklärte er einem Berichterstatter,„meinen Ring dem erwählten Nachfolger übergeben." AB| \Nd Dienstag, 28. Mai. Berlin. 16.00 Dr. W. Peiser; Satire und Humor in der deutschen Dichtunt des XVIII. Jahihunderts. 16.30 Dr. i. Bileski: Wassersport und Berulssohiltahrt. 17.00 Neue Frauendlchtung. Vortrag und Leseproben: Dr. Erich Eranien. 17.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Allr. Brox. AnschlleBend: Mittellungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Stunde mit Büchern. Werke Uber Pädagogik.(Am Mikrophon; Ministerialrat H. Richert.) 19.30 Prof. Dr. Hans Reichenbach: Einführung in die Naturphilosophie der Oegenwart. 30.00 Eine lustige Stunde bei Otto Stransky. Mitv.: Lotte Devis, Otto Straosky. Hans Kolrscier, Kapelle Gerhard Hoffmann. 21.00 Hans Pfltgner. I. Lieder.(Theodor Scheldl. Bailton. Am Flügel: Der Komponist.)— 2. Klavlerqnintetl ep. 23.(Havcmann-Ouartett. Der Komponist am Klavier.)— 3. Lieder.(Theodor Scheidl,) Anschlieücnd: Presseumsebau des Drahtlosen Dienstes. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. KSntgswusterhautea. 16.00 Reg-Rat Dr. von Spaa: Die vfasegaehaftllehe Arbeit an des Unimrsl- titsinstltuten. 16.30 Stefan Frenkel. Franr Osborn: Neuzeitliche VloIInrausik. 17.00 Nachmittagskonrert von Leipzig. 18.00 Prof. Dr. Hans Mersmann: Volksliedanalysen. 18.30 Französisch für Fol Igeschrittene. 18.60 Dr. Manz: Die Sprache des Erfolges. 19.10 Generalmajor a. D. Prof. Dr. Haushofer: Was ist Geopolltik? 20.00..Raimunds Zauberwelt". Mitw.: Dr. Erldh Fortner, Rezitationen und verbindende Worte; Dolly Lorenz, Sopran. Die erste Bewegung des Kükens. Die Beobachtung eines eben aus dem Ei schlüpfenden Bogels gelingt in der freien Natur so selten, daß über diese erste Zeit- spanne bei den meisten freilebenden Vögeln nur sehr wenig bekannt ist. Um so bedeutsamer ist daher der Bericht des amerikanischen Zoologen Perrycoste, dem es glückte, zwei junge Drosseln im Freien aus dem Ei schlüpfen zu sehen. Die erste Handlung der beiden jungen Vögelchen war das Sprengen der Eischale, deren beide Hälften später mit fast krampfhaften Ruckbewegungcn aus dein Nest geworfen wurden. Bevor sich jedoch die Tiere noch der Eischalen entledigt hatten, also noch innerhalb der gesprengten Schal« und somit nur wenige Minuten nach dem Erblicken des Lichtes, geschah etwas ganz Auffälliges: sie sperrten die Schnäbelchen weit auf und schienen auf Futter zu warten. Da die Elterntiere gerade abwesend waren, grub der Forscher rasch einen Wurm aus und reichte ihn dem älteren Bogel, der ihn denn auch sogleich eifrig verzehrt«. Erst dann wurden die Eischale« völlig abgeworfen. Dieses Aufsperren des Schnabels als allererste Körperbewegung des jungen Vogels legt nun zugleich eine wichtig« Frage vor» nämlich die, ob man es hier mit einer Reflex- oder Instinkthandlung zu tun hat. An eins in- stinktive, d. h. eine unwillkürliche, unbewußte Bewegung könnte man allerdings glauben, ebenso aber auch an eine Reflexbewegung, die auf den plötzlichen Reiz der neuen Umgebung hin erfolgen könnte. Das Testament als Rächer. Unter dem im britischen Amtsblatt jüngst veröffentlichten Testament befindet sich auch die Ictztwillige Verfügung eines Londoners, die bestimmt:„Ich hinterlasse meiner Frau tax- und steuerfrei— «in Paar meiner Hosen als Sinnbild jener Hosen, die sie zu meinen Lebzeiten so gerne tragen wollte, aber nicht tragen durfte." Ueber den Rest seines Vermögens verfügte er zugunsten eines Sohnes und zweier Schwestern. Diese Testamente rachsüchtiger Erblasser sind in England durchaus keine Seltenheiten. So oerfügte erst kürzlich wieder ein« Frau, daß ihre Verwandten nur„einen Sack Sand" er- halten sollten, um sich damit gegenseitig abzureiben". Ein Mann bestimmte ferner, nachdem er sich bitter über die Schimpsworte be- . klagt hatte, die ihm seine Frau an den Kopf zu werfen pflegte: „Ich hinterlasse meiner Frau den Betrag eines Farthing(der vierte Teil eines Penny), der ihr in«inein unfrankierten Briefumschlag übersandt werden soll." Das bedeutete für die„lachende" Erbin die Zahlung von insgesamt 10 ck für� das nicht bezahlte Porto und die nach dem Postgesetz verwirkte Strafe wegen Uebersendung einer Geldmünze In einem gewöhnlichen Briefumschlag. Eine II jährige Kanalschwimmerin. Ein.Massenangriff" auf den Kanal wird für diesen Sommer von mehreren berühmten Schwimmern und Schwimmerinnen vorbereitet. die alle den Goldpokal erringen wollen, der dem bestlmmt ist, der als erster von England nach Frankreich schwimmt. Dar- unter befindet sich auch ein lljähriges Mädchen namens Ivan Branton. Radiotelephonat vom Flugzeug aus. Das erste Radiotelephonat zwischen einem Flugzeug un2> einer Zeitung wurde in den Vereinigten Staaten jetzt erfolgreich durch- geführt. Einige Reporter riefen in 1000 Meter Höhe über dem Hadley Field(New Jerseh) ihre Zettung an und gaben einen Be- richt ihres Fluges durch. Nach den übereinstimmenden Berichten war die beiderseitige Verständigung ausgezeichnet. Mehr Abgeordnete als Wähler! In dem kleinen Oertchen Canteleux in der Normandie leben zwar ungefähr 500 Männer, die sich aber zurzeit auf dem Fisch- fang befinden. Zu den am Sonntag überall in Frankreich statt- gefundenen Gemeinderatswahlen waren in Eanteleux 10 Abgeord- nete zu wählen, es waren aber nur neun Wähler da. Einer, ein g4jähriger Greis, hatte es abgelehnt, in den Gemeinderat zu ziehen, so daß man sich zwei Kandidaten aus der benachbarten Gemeinde zu Hilfe nehmen mußte. Eine Journalistenhochschule in Warschau. Der polnische Kulturminister hat die Statuten der neuen Jour- nalistenhochschule in Warschau genehmigt. Die Hochschule wird danach dem Minister direkt unterstehen, der auch den Direktor und die Professoren ernennt. Bei den Abschlußprüfungen wird auch ein Delegierter der Regierung amvesend sein. tJfrßrtunolQjjZLel Das erste Freiluftboxen. Der Ständige Ring im Lunapark. Gestern abend eröffnete der„Ständige Boxring" die Sommer- saifon mit seiner ersten Boxveranstaltung im Lunapark. die unter starker Anteilnahme des Publikums vor sich ging. Leider gab es in ollen vier Kämpfen keine besonderen Leistungen zu sehen. Das Einleitungstreffen, ein Qualifikationskampf im Weltergewicht zwischen Edgar H olz- Hannover und Paul Schmidthaber- Berlin, brachte zwei noch recht unfertige Boxer in den Ring. Man gab den Punktsieg an �den Berliner. Erwin Z i n n d o r s- Wiesbaden(ö2,9) holte gegen Hans Schumacher- Verlin(62,4) durch Tempo und etwas bessere Technik klare Vorteile heraus, die zu einem Punktsiege reichten. Ein schnelles End« nahm der Kampf Franz B o j a- Dortmund(72) gegen William H e u s e- band- Belgien(72,7). Boja, der sofort ungestüm angriff, brachte dem Belgier schon in der ersten Runde durch einen schweren Magen- hieb über die Zeit auf die Bretter. Heuseband monierte«inen Tief- schlag, der aber vom Sponarzt nicht anerkannt wurde. Unentschieden trennten sich Otto Lauer- Saarbrücken(66,7) und Len Sanders- Holland(64). Lauer hatte besonders in der l. Runde klare Bor- teile, Sanders stellte sich auf seinen Gegner jedoch sehr schnell ein »nd//»o gab es einen wechseloollen Kampf, in dem beide jedoch wenig einbringen konnten. Lauer hatte zwar ein kleines Punktplus, das zum Siege aber nicht ausreichte. VMLrnäJoaW Die letzten Spiele. Die Steinfurther mußten die Punkte in Berlin lassen, sie ver- loren beide Spiel«. FTGB.-Norden 1 II. gewann mit 4:1(1:6). Norden konnte die Ueberlegenheit bis zur Pause nicht ausnützen, erst ein« Umstellung verhalf dazu, daß das Steinfurther Tor dauernd belagert wurde. Etwas leichter hatte es Moabit, um mit den er- müdeten Steinfurthern fertig zu werden. 6:1(4:0) lautete hier das Resultat. Ein schneller Durchbruch verhalf Steinfurth zum Ehrentor. Freie Schwimmer Charlottenburg 2. Männer verlor gegen FTGB.-Stralau I mit 6:l>(3:0). Die Charlottenburger Verteidigung hat an diesem Resultat viel Schuld. Die Stralaucr zeigten große Unruhe, die von dem Mittelläufer sehr geschürt wurde. Die 1. Männer der Schwimmer gewannen gegen Berlin 12 mit 6:0(3:0). Das Resultat trifft nicht das Spielverhältnis. Die Schwimmer zeigten in der zweiten Halbzeit große Unlust, die aber von den Steglitzern nicht genügend ausgenutzt wurde. FTGB.» Nordost und Freie Turnerschaft Kaulsdors trennten sich 2: S, nach- de mes bis zur Pause noch 2: 2 stand. Ein etwas hartes Spiel, bei dem die Nordost-Verteidigung Schuld an dem Resultat hat. Der Kaulsdorser Sturm hatte ein gutes Schußvermögen und gute Kombination. .A.rbeiter-Hocke>'. Städtemannschatt gewinnt 1 1: Z. Die zum Bundesfest sür Nürnberg auserwählte Elf, die dort gegen Wien und Leipzig spielen wird, trug am Sonntag ihr erstes Zujammenspiel gegen eine kombinierte Mannschaft aus. Ein Sieg der Städtemannschast wurde erwartet, aber daß es zu einem zweistelligen Resultat kommen würde, bildete die größte Ueber- rajchung. Der gut zusammenarbeitenkke Sturm erzielte in der ersten .Hylbzeit sechs Tore und nach Wiederbeginn nur«ins weniger. lleberhaupt konnte die Angriffsreihe gefallen, gerade hier hegte man keine großen Erwartungen. Die Läuferreihe rechtfertigte das in sie gesetzte Vertrauen und erwies sich als der beste Teil des Mann- Ichaftsgefüges. Das Schlußtria wurde, besonders in der ersten Spiel- Hälfte, nicht sonderlich zur tatkräftigen Mitarbeit, gezwungen, da der gegnerische Sturm zu zerfahren spielte und gefahrvoll« Chancen nur sclten ausarbeiten konnte. Hauptsächlich in der ersten Halbzeit war die Rürnberg-Elf merklich überlegen und die kombinierte Mannschaft kam selten in die gegnerische Hälfte. Das erste Tor siel bereits 6 Minuten nach Be- ginn und weitere folgten in kurzen Abständen, denen die Unter- legenen nur eins entgegensetzen tonnten. Nach Wiederbeginn wurde die Verteidigung der Städtemannschast mit der der Kombinierten ausgetauscht, um sie mehr zu beschäftigen. Ihre frischeren Kräfte reichten längere Zeit zur völligen Ofsengestaltung des Spiels, in dieser Zeit siel sür sie auch das zweit« Tor, doch zum Schluß lief der Sturm des Siegers nochmals zu guten Leistungen auf und jchraubte die Torzahl auf die eingangs erwähnte Höhe. Der Fhigtag in Tempelhof. Alle Kumtflieger am Start. Der diesjährige Fing tag anläßlich der 7. Berliner Turn- und Sportwoche, bei dem erstmalig Flugwesen und Luftschiffahrt in gleicher Weise zu ihrem Recht« kommen, findet am Sonntag, 2 3. I u n i, auf dem Flughafen Tempelhof statt. Die Vorführungen nehmen um 15 Uhr ihren Anfang. Im Mittelpunkt dieses fliegerischen Ereignisses steht ein Ver- gleichsfliegen, an dem sich die ersten Sport- und Kunstflieger beteiligen, um im friedlichen. Wettstreite ihre Kräfte zu messen. Die Besucher werden Gelegenheit haben, folgende„Kanonen" am Start zu sehen: Gerhard Fieseler,„Deutscher Kunstflugmeister 1928", der am 2. Juni in Leipzig-Mockan gegen den Franzosen Doret an- tritt, Altmeister Ernst Udct, Joachim von Koeppen, Ab- teilungsleiter bei der Dsutschen Versuchsanstalt sür Luftfahrt, und Dr. Gullmann, Leiter der Sächsischen Fliegerschule. Da diese ausgezeichneten Piloten verschiedene Maschinen(u. a. Tiger- Schwalben. Albatros) während ihres je viertelstündigen Wahl- programmes fliegen werden, dürfte gerade dieser Progrommteil für die Zuschauer besonders interessant und spannend verlaufen. Neben dem' halbstarren Sport- und Reklamc-Luftschiss „RK 27" der Raab-Katzenstein-Flugzeugwerks G. m. b. H. wird das bei der Luft-Fahrzeug G. n,. b. H. in Seddin-Pommern nach dem System Parseval-Naaz gebaute und soeben fertiggestellte Klein- luftschiff mit 80 I'L starkem Motor an dieser großzügigen Veran- staltung unter seinem Führer Thomas teilnehmen. Beide Lust- schiffe werden an Ankermasten befestigt, mit deren Errichtung demnächst begonnen wird. Für das Publikum wird auf Grund der bei anderen Flugturnieren immer wieder gesammelten Erfahrungen in jeder Weis« bestens gesorgt werden. Verstärkter vonderverkehr ge- währleiftet ein bequemes Erreiche» des Zentralflnghafens. Die ein- zelnen Programmnummern und etwa notwendig werdende Aende- rungen werden wieder durch Lautsprecher angesagt, Musikkapellen werden zur Unterhaltung beitragen. Um weitesten Kreisen der Bc- völkerung von Berlin und aus der Umgebung die Teilnahme an dieser Flugschau zu ermöglichen, sollen die Eintrittspreise wieder so niedrig wie möglich gehalten werden. Kreisvorstand zu Nürnberg. Der Vorstand des 1. Kreises im ATSB. wendet sich mit folgendem Aufruf an die Mitgliedschaft: Das 2. Bundesfest in Nürnberg rückt ümner näher. Noch ist viel Arbeit in den Vereinen notwendig, wenn das Bundes- fest den wirklichen Charakter der Arbeitrsportbewegung zeigen soll. Dringend erforderlich ist, in den Vereinen die Festteilnehmer zu be- sonderen Sitzungen zusammenzurufen, um die Bestimmungen und Bekanntmachungen der Hauptfestleitung zu besprechep. Es ist ferner von großer Bedeutung, daß die Vereinsvorstände Eingaben an die städtischen Behörden und Kreisverwaltungen einreichen, um Fahr- geldzufchüsie für Iugendwanderungen zu erhalten. Die Groß-Berliner Vereine wollen umgehend durch ihre Bezirkskartelleitungen derartige Anträge an ihre Bezirksämter stellen. Die Prooinzoereine müssen sich an ihre Kartellvorstände wenden, damit von dort aus umgehend an die Gemeinde- respektive Kreisverwaltungen(Landratsamt) An- träge gestellt werden. In vielen Orten sind, wie bereits festgestellt, namhafte Zuschüsse gegeben worden. Im übrigen noch folgende Bekanntmachung: Fahrpreis: Hin- und Rückfahrt, über 20 Jahre 24 Mark. Jugend(bis 29 Jahre) 18 Mark, Kinder unter zehn Jahren 12 Mark. Wer anschließend am Bundesfest Wanderungen unternimmt, löst nur einfache Fahrt(Hin- fahrt). Festbeitrag: Für Erwachsene 5 Mark, sür Jugend- liche unter 18 Jahren 3 Mark. Dafür Festschrift, Festabzeichen und Quartier(Mossenquartier), Privatquartier pro Nacht 1 Mark(in der Meldeliste besonders vermerken). Abfahrt der Sonderzllge: Mittwoch, 17. Juli, nachts und Donnerstag, 18. Juli, nachts. Genaue Bekanntgabe der Abfahrtszeiten erfolgt noch. Bis zum 39. Mai müssen sämtliche Meldungen beim Bundesvorstand in Leipzig sein. Wer also noch mitmachen will, melde sich sofort bei seinem Vereins- funktionär. Kreisvorstand. I. A.: Max Reichert. Wasserball im Lunabad. Di« Arbeitsgemeinschaft der Berliner bürgerlichen Schwimm- vereine hatten sich für den Sonnabend und Sonntag die Wasserball- Städtemannschaft von B u d a p e-st und die Mannschaft des westdeutschen Wasserballmeisters„Schwimmsportfreunde Barmen" zu Gast geladen. Die Gluthitze konnte nicht verhindern, daß eine recht stattliche Zuschauerschar den Kämpfen beiwohnten, die allerdings die Schwimmer recht sehr beneidete. Die Ungarn bekräftigten ihre Ueberlegenheit vom vorigen Jahr« und schlugen d i e B e r l i n e r 8: 2(o: 9). Zu berücksichtigen ist allerdings, daß fünf von sieben ungarischen Spielern der Nationalmannschaft an- gehören, also allererste Klasse darstellen, während die Berliner„nur" eine Arbeitsgemeinschaftsmannschaft war. Erst in der zweiten Halb- zeit kamen die Einheimischen in Fluß, an dem Resultat war aber nichts mehr zu ändern. Das Gastspiel des westdeutschen Wasserballmeisters„Schwimm- fportfreunde Barmen" gegen Spandau 94 im Berliner Lunapark gestaltete sich zu einem interessanten Spiel. Nach verteilten Chancen trennten sich die Dereine unentschieden 2:2. In den übrigen Konkurrenzen gab es folgende Ergebnisse: Lagenstaffel 3 X 199 Meter: 1. Poseidon 3:53,1: 2. Germania 87 4:99: Dannm-Brust- stafsel 6 X 59 Meter: 1. Nixe-Charlottenburg 4: 38: 2. Otter-Berlin 4:43: 199>M«t«r-Brustschwinnnen: 1. Wittenberg(Poseidon) 1:23,7: 2. Krüger(BSC.) 1:24,8. FreistUstaffel 19X59 Meter: l. Poseidon 5:13,2: 2. Spandau 94 5:24,3. Freistilschwimmen 299 Meter: 1. Langer(Schwimmsportverein) 2: 31,2: 2. Lochter (Poseidon) 2: 43. Rettungsschwimmer vor! Die letzten warmen Tage zogen wieder viele Menschen aus dem Berliner Häusermeer ins Freie hinaus zur Erholung. Die Freibäder und die Ufer der Seen und Flüsse wimmelten an diesen Tagen von vadelustigem Publikuni. Fröhliches Spiel im Wasser und am Strand— doch wehe, wenn die Alarmglocke der Badeleitung ertönt, dann finden die Spiele ein schnelles Ende, denn das Glockenzeichen bedeutet„M enschenlebenin Gefahr!" Alles verschwindet aus dem Wasser. Di« Rettungsschwimmer, vorher kaum sichtbar, stürzen vor, um durch schnelle Hilfe Rettung zu bringen. Hier ein Erlebnis beim Dienst der Arbeiter- Rettungs- s ch w i m m e r: Am letzten Sonntag war auch im V o l k s b a d Iungfernheide Hochbetrieb. Alles ist beim Spiel und tollt sich aus, Lachen und Lärm gemischt mit Musik durchschwirrt die Lust. Plötzlich übertönt alles die Alarmglocke, der Badeineister springt auf den Turm und fordert die Badegäste aus, sofort das Wasser zu verlassen und die Garderobe abzuholen, damit an der übrigbleiben- den Garderobe festgestellt werden kann, wieviel Personen vermißt werden. Drei Badegäste wurden vermißt, durch die Garderoben- feststellung ergab sich aber, daß nur ein junger Mann fehlt. In der Zeit sind bereits die Rettungsschwimmer der„Freien Schwimmer Charlottenburg" und„S i e m c n s st a d t" zur Sammelstelle geeilt, um vom Rettungsobmann und Badeineister die näheren Angaben zu erhalten. Der Vermißte wurde zuletzt auf der rechten Seite des Bades gesehen. Schnell entschließen sich die Schwimmer zum K e t t e n t a u ch e n an der betrefsenden Stelle 39 Rettungsschwimmer verteilen sich und tauchen einmal längs- und dann breilseits ins Wasser. Schon beim zweiten Untertauchen wird der Vermißte gefunden. Auf den Ruf des findenden Genossen „Hier" eilen alle Schwimmer zur Unterstützung hin. Der Ertrunkene wird sofort ans Land gebracht.— Hilfe kommt schon zu spät, der Ertrunkene lag schon einige Stunden im Wasser, das Fehlen wurde zu spät gemeldet. Ein Wort zum Verhalten des Publikums bei diesem Fall. Bis zur Auffindung des Ertrunkenen verhielten sich die Badegäste ruhig und störten nicht das Arbeiten des Rettungsdienstes. Beim Trans- port des Verunglückten aber strömten die Badegäste zusammen und erschwerten die Fortschasfung in die Rettungszelle. Das schnelle Zu- sammenarbeiten dek Rettungsschwimmer, die vor dem Unglücksfall nicht zu sehen waren, aber heim Alarmzeichen laugvs herbeieilten, um zu helfen, wo noch zu lzelfen ist, wird immer dankbar anerkannt. Zu wünschen bleibt nur, daß Vermißte sofort gemeldet werden und daß Angehörige eigenes Suchen unterlassen.. Schone„Lehrmeister". Eine skandalöse Vorstellung gaben die englischen Fußball- Berufsspieler von Newcastle United beim Wettspiel gegen Bratislava in Preßburg, pe spielten für teures Geld ohne jedes Interesse und ließen sich mit 8:1 schlagen. Hoffentlich sind die Vereine und Verbände in Mitteleuropa nun endlich vom Engländer- fimmel geheilt, nachdem fast alle Wettspiele der Engländer in Wien, Budapest, Prag, Leipzig und Prehburg nichts als Enttäuschungen brachten..- So meldet«ine Sportkorrespondenz. Der Ausläuderfimmel bringt ober den bürgerlichen Fußballvereinen und-verbänden«ine schöne Stange Geld«in, und deshalb wird man lieber den Fimmel behalten. Touristcnvercin„Die SUiutftdialK'', Abt. Sütnwft. Der Heimalnnt» am 30. Mai fiillt aus. Beteiligung an Sern Abendspaziergang der Nalurwissen. schaltliche» Abteilung, Treff, il» Uhr, Untergrundbahnhof Belle-Alliancc-Straßc. FTGB. Außer-rbentlich« Seneraloersammlnng Mtllwoch. A». Mai. l» Uhr, Residenz-lZestsitlc, Landsberger Straße»1. Mitgliedsbuch vorzeige». Bezirk Westen. Der Turnbetrieb beginnt wieder Donnerstag, 30. Mai. Nanu- bezirk. Sitzung, Dienstag, 2». Mai,„ssallensteiner", an der Oberbaumbriickc. Dort Meldefchluß zur Grtinancr Regatta. Touristen»««!».Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Abt. Friedrich, Hain: Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, Litauer Str. 18, Lichtbildervortrag, Thüringen lDamnitz).— Abt. Lichtenrade: Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr,»aiser-Wilhelm- Straße 73, bei Lentz, EeschSftlichcs.— Abt. Friedenau: Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, Offenbacher Str. ba, Geologie lGen. Meyer).— Abt. Norden: Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, Sonncnburger Str. 20, Heiteres.— Abt. Wedbina: Dienstag, tag. 20 Uhr, Turincr Straße Ecke Seestraße, Kartenlefe»! Iugcndgruppe: Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, Scestr. 8t, störyerkultur.— Abt. Treptow: Dienstag, 28. Mai, 18 Uhr, Spielen,(Treptow(Wiese).— Abt. Pankow: Dienstag, 28. Rtai, 20 Uhr, Gürschstr.!4, Lichtbildervortrag, t— Abt. Mitte: Mittwoch, 2». Mai. 20 Uhr, Iohannisstr. 13, Sogen der Mark Brandenburg (Ref.: Dr. Max Schütte).— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 30 Mai, 20 Uhr, Danzigcr Str. 02(Baracke 2), Alkohol und Nikotin.— Abt. Gesund- brunneu: Donnerstag, 30. Mai, 20 Uhr, Pankstraßc Ecke Wiesenstraße, Die Mark Brandenburg.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 30. Mai, 20 Uhr, Gunler. straße 44, Lichtbildervortrag.— Abt. Südwest: Donnerstag, 30. Mai, Porckstr. 11, Di« Entwicklung unserer Bewegung.— Raturwistcnschafrlich« Abt.: Donnerstag, 30. Mai, Abendwandcrung durch unbekannte Berliner Parkanlagen,„Kreuz. be«*, alpine Pflanzen im Wcltstadtverkchr. Treff. 10 Uhr. Untergrnndbahnhof Belle-Alliance-Straßc.— Gäste zu allen obigen Veranstaltungen willkommen. Freie Schwimmer Groß-Berlin, Ortsgruppe Nrnkslln. Heute, 20 Uhr, Ge> fchäftsausfchußsttzung im Sommerbad, nicht bei Franke. Luftfahrt— Drohung oder Hoffnung? „Sturmvogel", der Flugverband der Werktätigen. Der Flugverband der Werttätigen„Sturmvogel" hatte am Sonntag zu seiner ersten größeren Veranstaltung nach dem Flughafen Tempelhof eingeladen. Der Begründer und Vorsitzende, Ge- noss« Walter Binder, hielt vor den zahlreichen Gästen im Vortragssaal der Lufthansa einen Bortrag, in dem er die Zutunfts- Möglichkeiten der Luftfahrt aufzeigte. Die Luftfahrt hat ihren großen Aufschwung während der Kriegszeit erhalten und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn die Kriegszelt immer noch hinein- spielt In die Flugentwicklung. Auch heute noch wird in sehr vielen Ländern die Luftfahrt nach ihrer miliiärtechnischen Verwendbarkeit beurteilt, und die zivile Luftfahrt wird nur al««in Anhängsal der Kriegsfliegerei betrachtet. Auch in Deutschland, dem einzigen Land ohne Militärlustflotte, gibt es heute noch Militärfanatiker, die auch Deutschlands Luftfahrt nach der Umstellungsmäglichkeit für Kriegs- zwecke beurteilen. Dabei wissen die Flugindustrie und auch die mit der Lustfahrt eng verbundenen Kreise des Voltes, daß die Luft- wasf« im kommenden Krieg ein Instrument sein wird, das an Grausamkeit den letzten Krieg weit in den Schatten stellen wird. Muh nun die gesamte Lustfahrt abgelehnt werden, weil sie solch« Möglichkeiten eröffnet? Es müssen die Kräfte gesammelt weiden, die hoffen, daß aus der Luftfahrt ein Hilfsmittel der Wirtschaft und der Technik wird. Die Kreise, die von der Luftfahrt eine Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit der Völker erwarten, müssen sich an die Arbeit machen, um darüber zu wachen, daß die Entwicklung der Luftfahrt nur für diesen Zweck gefördert wird. Das ist aber nur möglich, wenn das Flugwesen vom Vertrauen des ganzen Volkes getragen wird. Daß es der Führung nicht gelungen ist, dieses Vertrauen zu erringen, beweist die setzige Krise in der dsutschen Lustfahrt. Beobachtung und Erfahrung lehren, daß die Betätigung in der deutschen Fliegerei— abgesehen von wenigen Ausnahmen— noch immer bestimmten Kreisen vorbehalten ist. Dadurch ist oerhindert worden, daß die vorhandene groß« Anteilnahme auch des einfach«, Mannes an der Luftfahrtentwicklung sich in prakiischcr Mitwirkung betättgen konnte. Unter dem Namen„Sturmvogel", Flug- verband der Werktätigen E. V., Berlin, hat sich eine Organisation gebildet, deren Aufgabe es sein wird, das Flugwesen enger als bisher mit dem Interessen kreis des ganzen Volkes zu oerbinden. In den Satzungen des„Sturmvogel" heißt es u. a.. „Aufgabe des Verbandes ist die Förderung der Luftfahrt mit dem Ziele, die Errungenschaften der Technik nicht länger den materiell bevorzugten Schichten allein zu überlassen, sondern das Flug- zeug für Sport, Werbung und Verkehr den breiten Massen zu erobern. Der Verband verfolgt seine Ziele ohne parteipolitische Bindung, in enger Fühlung mit den übrigen Organi- sationen der Werttätigen. Der Verband kämpst sür«ine durch- greifende Demotraiisierung des deutschen Flugwesens und für eine aktive Verwendung der deutschen Luftfahrt als Instrument der Völkeroersohnung und der Solidarität der Werktätigen über die Landesgrenzcn hinaus. Zum Arbeitsprogramm des Der- bandes gehören u. a.: Lehrvorträge über alle Gebiete des Flug- wesens, Lichtbilder- und Filmvorführungen einschlägiger Art, Ein- richtung von eigenen Bau- und Reparaturwerkstätten, mm Bastelstuben und Iugendgruppen, Modellbau, Segel- und Motorflugsport, Ausbildung geeignet erscheinender Bewerber zum Sportsliegcr sowie Ausliildungserleichterung für all« anderen Arten des Motorflug- sports, Veranstaltung von Werbekundgebungen, Flugtagen. Rund- flügen, Auslandsbesuchen, Wettbewerben, Beteiligung an Massen- festen der Werktätigen, sowie alle sonstigen Maßnahmen, die die Ziele des Verbandes zu fördern geeignet sind. Der starke Beifall bezeugte dem Referenten, daß seine Gedanken von den Zuhörern zustimmend aufgenommen wurden. Trotz der kurzen Zeit, die der Verband besteht, besitzt er bereits vier Flug- zeuge, die überprüft und für den Flugbetrieb vorbereitet werden. Auf dem Flughafen hat der Verband eigene Bureauräume. Anmeldungen unter Baerwald 8681, Werkvereine und Ltniernehmer. Ein Herz und eine Seele. Dem guigläubigen Reichsarbeitsgericht empfehlen wir die Lektüre des nachfolgenden Schreibens des R e i ch s b u n d e s vaterländischer Arbeiter- und Werkoereine e. V. an eine Firma in Brandenburg. Das Schreiben ist im Verviei- fältigungsverfahren auf Kopfbogen hergestellt, also offensichtlich allgemein an die Unternehmer versandt worden. Es ist datiert vom 2Z. März 1929 und lautet: „Nach den Ergebnissen der Berufszählung vom 16. Juni 1928 gibt es in Deutschland IS 7S9 339 Arbeiter. Im Jahre 1927 waren 4 923 8S2 Arbeiter gewerkschaftlich organisiert, mithin um- fassen die Gewerkschaften nur 32 Proz. der deutschen Arbeiterschaft! Gegenüber den Gewaltakten der Gewerkschaften, den deutschen Arbeiter und die deutsche Wirtschaft restlos in eine gewerkschaftliche Zwangsjacke zu bringen, wird in der deutschen Jndustrie-Arbeiter- fchaft der Kampf am entschlossensten und erfolgreichsten vom R. v. A. gesührt. Wir richten die B i t t e an Sie,'Sie möchten die in der Anlage überreichten Drucksachen entgegennehmen und diese einer persönlichen und kritischen Durchsicht unterziehen. In den Drucksachen selbst sinden Sie gewerkschaftlich- sozial! st ische Pressestimmenzudem bedeutsamen II rteildesReichsarbeitsgerichtsoom 9. Februar, welches die T a r i f f ä h i g k e i t ordnungsgemäß gegründeter und geleiteter Werkvereine ausgesprochen hat. Sie finden serner einen Bericht über eine weitere Feststellungsklage, die seitens des R. v. A. gegenüber einer Allge- inein-Berbindlichkeits-Erklärung des Arbeits- Ministers angestrengt worden ist. Die letztere Allgemein-Ber- bindlichkeits-Erklärung sollte zugunsten einer äußerst schwachen Minorität von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Werks- Tarifverträge abdrosseln. Indem wir gerne hoffen, daß unsere heutige Zustellung Ihnen nicht unerwünscht ist, betonen wir, daß wir zu weiteren Auskünften gerne zur Berfllgung stehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine E. B. Der Lorsitzende: gez. Wilh. Schmidt." Hieraus kann das Reichsarbeitsgericht ersehen, was gedruckte Statuten der Werkvereine wert sind. Eine„unabhängige" Organi- sation, die sich den Unternehmern gern zur Verfügung stellt, well sie weiß, daß solch« gelbe Vereine den Unternehmern„nicht uner- wünscht" sind. Der„Reichsbund", der noch nicht ein halbes Prozent der Arbeiter zu meist unfreiwilligen Mitgliedern hat, lacht sich ins Fäustchen über die Naivität der Juristen des Reichsarbeitsgerichts und weiß, wie auch die Unternehmer sich darüber freuen. Er weiß es, denn er ist mit ihnen ein Herz und eine Seele. Die Dfcichsonstolt lenki ein. „Porsorgliche Kündigung." Der Zentralverband der Angestellten hatte für die Angestellten der Berliner Arbeitsämter eine Versammlung in dos Stadthaus einberufen, um zu den Massenkündigungen in den Berliner Arbeits- ämtern Stellung zu nehmen. Welche Erregung diese Maßnahme bei den Angestellten hervorgerufen hat, bewies der Massen- besuch dieser Versammlung und die lebhafte Bewegung, mit der man den Ausführungen des Genossen Zeitz vom ZdA. folgte. Der Redner gab einen Ueberblick über die Verhandlungen, die wegen dieser Kündigungen mit den Arbeitsämtern und der Reichsanstalt geführt worden sind. Man hat jetzt soviel erreicht, daß die„vorsorgliche" Kündigung zum 30. Juni aufgehoben wurde. Darauf erklärten die Vertreter des ZdA., daß sie trotzdem genötigt seien, ein«„vorsörgliche" Gegenklage einzureichen, falls die Aufhebung nur für den Kündigungstermin, nicht aber für die Kündigung selber gälte. Nun liegt jedoch eine Erklärung der Reichsanstalt vor. daß die Kündigungen, um wirksam zu sein, erst wiederholt werden müssen. Damit ist natürlich die Differenz noch nicht beigelegt. Man versucht nach wie vor, die Uebrnahme der Angestellten in den Reichstarif zu erzwingen. Auch in dieser Versammlung wurde vom Redner wieder darüber Klag« geführt, daß durch den Vor- sitzenden des Arbeitsamts Süd ein unzulässiger Druck auf die Ange st eilten ausgeübt wird, während bei den Vorsitzenden der übrigen Arbeitsämter durchaus Verständnis für die Lage der Angestellten vorhanden ist. Die Versammelten erklärten ihr vollstes Einverständnis mit den Darlegungen des Redners und beschlossen, von einer Diskussion abzusehen.» Vereitelte Aussperrung. In der München-Gladbacher Textilindustrie. Krefeld. 28. Mai.(Eigenbericht.) Die Unternehiner der Krefelder Samtindustrie verlangten nach Ablauf des Lohntarifverirages, daß ihnen für die Zukunft die Möglichkeit gegeben werden soll«, die U e b« r ve r d i e n st e der 'Akkordarbeiter zu kürzen. Für die Krefelder Samtweber besteht eine Akkordlohnliste, deren Tarifverbundenheit die Unternehmer unter allen Umständen beseitigen wollten. Die Samtweber hatten be- schlössen, am Montag, dem 27. Mai, auf der ganzen Linie in den Streik zu treten. In letzter Stunde kam es aber noch zu neuen Verhandlungen und zu einer Einigung aus folgender Grund- läge: Die Löhne werden um ö Proz. erhöht. Die Akkordlohnliste bleibt bestehen. Die Branchenversammlung der Arbeiter stimmte der Abmachung zu. Damit ist ein Kamps vermieden worden, von dem in den nächsten Tagen etwa 4 5 000Arbeit«rundArbeiterinnen in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Die Krefelder Samtfabrikanten haben mit den München-Glad« bacher Unternehmern einen Gegenseitigteitsvertrag ab- geschlossen, der den einen Teil zwingt, die Aussperrung auszusprechen, wenn der andere Teil bestreikt wird. Die Berliner Zentrale der Textilunternehmer, die zur Unterstützung der München-Gladbacher Scharsmacher herbeigeeilt war, mußte insolge der Einigung unver- richtete? Sache wieder abziehen. Ärauns soll Präsident der Arbeitstonferenz werden. Genf, 27. Mai.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat am Montag seine 4Z. Tagung mit einer ver- traulichen Sitzung begonnen, die einer Aussprache über den Bor- sitz der am Donnerstag stattfindenden diesjährigen Arbeits- k o n f e r e n z gewidmet war. Der Verwaltungsrat wird sich für die Kandidatur des Vertreters der deutschen Regierung, des früheren Arbeitsministers Brauns, einsetzen. Am'Mittwoch tagte die Geschästsordnungskommission, die einem kanadischen Antrag zu- stimmte, wonach in den Kommissionen der Konferenz drei Gruppen, Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, künftighin mit der gleichen Stimmenzahl stimmberechtigt sein sollen. Diese Aenderung muß jedoch erst von der Konferenz genehmigt werden. IIiscrtSi', Lichtspiele usw. Dienstag, 28. 5. Staats-Oper Unter d. Linien A.-V. 137 20 Uhr Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. R.-S. 124 19', 2 Uhr ROftiaDDS Dienstag, 28. 5. Stadl Oper Bismarckstr. Turnus IV I9>- Uhr Wo Staat). Sdiauph. am Gendarmenniarlit A.-V. 125 20 Uhr Maß für Maß Staat). Sdiiller-Tiieater.Cliaritl). 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai »'Uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe S7, „PHittfcr von Baoutf«" und ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1— 4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1�5 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. . Gr. Franklurter ROSe-WeiÄ1� Täglich 8.1 S Uhr: Spiel imSchloss. Gartenbühne: Täglich 5,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und BunterTeil. Täglich 8,15 Uhr Ein Wnlzcrrdmum Gr, Operette in 3 Akten v. Oscar Strans. Lessiog-Theater Täglich 8Vc Uhr „Die Frau des Andern" Theiter am Nollendorrplatz Täglich h>,. Uhr Die manner der Manen Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze stAta 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 The Jevers und weitere Tarlete-Nenii eilen PLAZA l jLm Alex. 80» Tägl.Su.B15; Intern. Variete Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag •n.Variet� I ets für die I i\. Sonntag| Renaissance-Theater Hardenbergstr. 6. Ii.: ältinpl. 001>. 2513/1 s'.VUhr Tlolldl 8/< Uhr Sternbilder de» Frühjahrs 18'/. Uhr Wunder de» »Udllchen Himmel» 20';. Uhr Sternhimmel und Weltheu Tägl. außer Montags u. Mittw.' Erwachs. I Mk., Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene SO PL Kinder 25 Pf. Trianon-Th. Täglich 8'/. Uhr Casanovas Sohn Lustspiel von Rudolf Lothar. Tbeit.Bin Koiu.ior Kottb.Str.5 Tägl. 8 Uhr Eitte- Sänger Das neno Mal• Proor. riw fiMli. H8dutl«Bt»M! Theater am Slhlfibanerdamm. .Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Dreigrosdien- Oper Neuer, vaiettl, ThlmijL Lvovsky. Leiden. Stetkel Kleines Theater Täglich 8>. Uhr Nafiooerirodieo? nidi km Imerikniubo von Frank Green. Musikalische lllusL Fr. Holländer. Regie: Fr.Frtetlnaan FrederiiD. ThaliaTheater Dresdener Str. 72-79. 8-/> Uhr PtarrbaBskoiDöifie Lustspieihios S1/« Uhr Guido Thielscliep Weekend im Paradies Reichshallen.Theater Allabendildi QO Mir Slelfiner Sänger Unter anderm„tlne Tlachl ,Jm Xalstreinke.Uer". Sommerpreise: 60 Pf. bU 2 M. Dönhoff- Brettl' (Saal und Garten) Varl eis> Adoll-Bedter-Ronxert/ Tanz EiDlie.tsveriiiiid der Eiienbehnir Du tsdüinds Ortsverwallung Berlin. Wir erfüllen die traurige Pflicht, der Mitgliedschaft den Tod de» Kollegen Hugo Scheffler Schloffer, RAW. Tempelhof, mitzu- teilen. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, dem 29. Mai, 13»/, Uhr. auf dem Fried» hos Beriin-Siegiitz. Bergstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht dl« OrfanctiBaltang. Halralzcn s Stahl- i Metall- und Hollbetten, Schlafzimmer m an Private. Ratenzahlung. Iitalm 267 Inj. aEisenmotMitabrikSutii(Thür.) BBflioer Theater DlrekLHeinz Herald CharlottenstraBe 90 A. 7. Dönhoff 170 8'/., Ende 10'/. Uhr. Täglich Die fünf Frankfurter von Carl Rössler Regie: EODtflDO&srL Otsch. KOnstler-Th. SVi Uhr Prostt Gipsy Operette v.Gilbert Emmy Sturm Fritz Sdialz Rundfunkhörer DBibe Preise TheaL fl. Westens Täglich 8'/« Uhr � Sonntag S'/j u. Frans Lasar, wsiter- löftr" Friederike Cirol» Tos»« Kammersänger Htnns Wilhelm kefondcri wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN ia der Q e» a m t* au f la gc de« -Vnrwlrt«- und trotzdem nnuiutn PROGRAMM für die Zeit vom 28. bis 30. Mai K i N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 28. bü 30. Mai ©lOlfJ Potsdamer Strafe 38 Verlängert! Der Patriot mit Emil Jamtbig» Rheinstra£el4 KiSlÄ Die Zlrknsprinzesaln m. H Ltedtke Reiter der Radie(5 Akte) Odeon, Potsdamer Sir. 75 NadsHreli(PiceadlUr) mit Abb« M«y Woag Turmstra�e 12 Die weihen Rosen tob Ravensberg mit Diana Karenne-Jaek Trevor Irrwege der Leiden, chlaft Alexanderstr. 39-40 (Passajfte) Geschminkte Jugend 7 Akte mit Tonny van Eyck Die Todeskurve v. Hillbarg Rode (7 Akte) Alhambra Beg-�ühVsu- Schöneberg, Hauptstr. 30 Der Patriot mit Emil Jaanings Da, gute Beiprogran Große Bühnen, cbau Titania(uta SchSneberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Der Patriot mit Emtl Jannings AosgewAblies Beiprogramm Nordwesten Wclt'Kino Alt-Moabit 99 Der Dornenweg einer Fürstin Der Kampf ums Matterhorn > ChArtottonbura Sdilüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 4 U. Des groß. Erfolges weg. verlängert: Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna mit Brigitte Helm Das Gespensterhans ■ Stegllt« V Tifania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Die Dame in Schwarz Auf der Bühne: Bernhard und Rieh Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg.5, 7,9U. Stg. 3U.J.-V. Hi-Li Hindenburgdamm 58a Brand in Kasan Eins-f- eins— drei. Dienstag: Ergebnis der Schönheitskonkurrenz Bühnensdian m Südwesten"fc FUm-Paiast Kammersäle Teltower Stf. 1—4 Beginn 6 U. Vererbte Triebe(Das neue Geschi.) Der ratende Teufel m. D. Fairbanks g HarlendorF H Ms» I» Mariendorfer L lö- L,l Licbt»plcle Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Zirka, Barr« mit Harry Piei Frlnicin Fähnridz Bflbncnsdiaa Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Abenteorer-G. m. b. H. mit Carlo Aldinl DieLieblingsfran de, Maharadsdia Beginn: W.5J0 Uhr S. 3 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Filmeck Kinder der Strafe(Zille-Film) Unter falschem Nai mit Monte Blue Gute Bühnenschau Urania'Thcater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr Weib in der Wüste mit Irene Rldi Feuerkuh von Neapel Bühnenschau Neukölln 3 Primus-Palast Hermannplatz Der große Erfolg: Die Verbannten Auf der Bühne: Hadtdii Murad (Tscherkessen-T ruppe) Corn und DUle, Exenlriker Elysium(nw�Tad) Hasselwerderstraße 17 Der Henker von Prag Riff und Ratfp die Frauenhelden Gute Bühnenschau WeiOuniea M Schloßpark Film. Bühne Berliner Aliee'205— 210 Die Prinzetsln und Ihr Narr Der Boxercowboy mit Robert Steele Ontan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Der weihe Schelk Auf der Bühne: Die große Attraktion Arlnro Manzano mit seinen dressierten Kampfstieren Jugendliche haben Zutritt Bgginn der ersten Vorstellungen Wochentg, ab 7 U., Sonntag ab 5 U. Kasseneröffnung'/, Std. vorher Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Des groß. Erfolges wegen verlängert Der Patriot mit Emil Jannlng« Bühne: Else Rcval und Guatar Bertram Concordia'Palast Andreasstraße 64 Varief« mit Emil Jannings Komödiantin mit Norma Shearer Bühnen» chao KosmoS'Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Die tolle Korn leg mit Dia« Gralla Lockendes Gift tnjM Paul Richter Bühnenscfaau fl frledrichsfclde W Kino Busch Begs�56-uhr8'4S' Alt-Friedrichsfelde 3 Ritter der Nacht mit Wilhelm Dleierle Wochencndxauber mit Harry Licdtke ���Jlordostjd��J „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Die Hellseherin mit Morena, Korlaer und Kämpen Revue: Komm'»n mirl Norden Skala-Lichispiele Schönhauser Allee 80 Räuschp nach Strindberg Hoppla, Vater siehPs fa i mit L. la Plante Bühnenschau Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Kampf der Tertia Beiprogramm Bühnenschau Fortuna-Tageskino* Müllerstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weltproduktion Mclro-Palast Chausseestraße 30 Die Kameradschaftsehe Hotelgeheimnisse m. Magda Sonja Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5, 7,9 Uhr Stg. 3 U. Jugendv. Zirkus mit Charlie Chaplin Kammermusik mit Henny Porten Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 Neuaufführung: 1. und 2. Teil: Gösta Berling mit Greta Garbo „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die MUlernacfatstaxe mit H. Fiel Schalten Ober der Liebe BOhnenachäa »Alhambra" Badstraße 58 Im Rampenlicht Die letzte Sezualion de» Zirka« Farial BOhaeaschao Ballsduniedcr' Uchisp. Badstraße 16 Geschminkte Jugend Rin-Tin-Tlns schwerster Sieg Gro£e Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 16 •1. und 2. Teil: Die Geheimageattn Beide Teile in einem Programm Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Paris, die Stadt der Liehe (Quartier Latin) Beiprogramm Bühnenschau fl PawRow fl Palast-Theater Breite. Straße 21 a Verlängert! Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna mit Brigitte Helm Grones Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Port.- Die Wunder des Films, mit Begleitvortrag Film-Palast Blankenburger Straße 4 Der VeilchentreMcr m. H. Liedtk« Sturmflut Burgergarten-Lichtsp, Hauptstraße 51 Der lebende Leichnam n. Tolstoi Eisbrecher Krassin. 0. w. Qeheimn. »