Morgenausgabe Nr. 245 /U24 46. Jahrgang «öchentNch 8SP� monatlich Z.S0M. im voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»- abonnement 6,~ M. pro Monat. ♦ Der„Hiormärt*- erscheint wochentSg- llch zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilogen.Dolt und Zeit" und.Kindersreund". Ferne? .Unterhaltung und Wissen"..Frauen- stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Borwärts" Verttner Vvttsbßatt Mittwoch 29. Mai 1929 Groß-Äerlin 1ö Pf. Auswärts 15 pf. Die e t n I p a l t t g e Nonpare-llezeiie 80 Pfennig. Retlame'ieile 5— Neich�. mark.„Kleine An.-eigen' das eltge. druckte Wort 2't Pfennig(zulässig Zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig» jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» «efchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von SVz bis 17 Uhr. Aentvawesan der SvziaWemoevatifOen Oastei De«t5Oler sozialen Rückständigkeit gähnt uns an. Man will morden?— Was geht's mich an!— Der Unschuldige wird hingerichtet?— Ich bin zu faul, den Mund aüszutun. Sollen doch andere vorangehen. Sollen doch die Befriede von Versailles Hot uns«in Berufsheer von höchstens 100 000 Mann, eine Marine von höchstens 13 000 Mann aufgeznmngen: er verbietet moderne Großkampfschisfe und sonstiges modernes Kriegsmaterial. Die Kommission konnte also ausschalten die Frage der Dienstpflicht, der Dienstzeit und der Mobili- fntion des ganzen Aolkes für den Kriegsfall, die in Frankreich vaul Boncour organisiert, in Deutschland von anderer totste Paul Levi erörtert hat. Die Kommission wollt« nur Richtlinien sur das proktischc politische Verhalten der Partei in der Agitation und im Parlament aufstellen. Im Mittelpunkt ihres Entwurfs stehen also zehn p r a k t i s ch e Forderungen, die sehr wenig an- gefochtcn worden sind. Dieser Kern wird umrahmt von einer tfiliening unserer Stellung zum Kriege, der Abrüswng und Schiede- genchtsbarkeit. womit die Notwendigkeit eines Restes von Wehrhaftigkeit begründet wird. Den Anlaß zur Einsetzung gab die Debatte über den Pan.zerkrcuzer und der Beschluß des Internationalen Sozialistenkongrcsses über Kriegs- Hörden sehen, wie sie zu Rande kommen. Mich geht's nichts an! Die Preislieder auf die Tugend der von„entsittlichender" Kultur unberührten Ländlichkeit erweisen sich als Schwindel! tooziale Abgeschlossenheit und Rückständigkeit erzeugen keine Seelengröße, schaffen keine Altruisten, sondern sind der Brut- Herd für feigsten, erbärmlichsten Egoismus. Kann es uns wundern, daß die Justiz, die über solche Rückständigkeit, durch Kleinstaaterei noch verdoppelt, waltet, daß sie vor Größenwahn sich nicht zu lassen weiß, sich ein unfehlbares Recht über Leben und Tod ihrer Objekte anmaßt?— Nach allen Seiten hin enthüllt sich der Fall Iakubowski als soziales Problem, als das soziale Problem des weltabgeschiedenen, kulturrückständigen o st- elbischen Dorfes. asfaör utti AbMtuch,. Es ist behauptet worden, wir wollten uns iMKch die Nicht knien für die bürgerlichen Parteien bundnisfahiger machen. Aber die Kommission empfiehlt ja lediglich die Fortsetzung der bisherigen Haltung der Partei in der Wehrsrage. Also bleibt es bei der Erklärung, die Hermann Müller schon vor Monaten abgegeben hat, dah es für die R e g i e r u n g s g c s ch ä s t e gMM gleichgültig ist, ob wir die Richtlinien aufstellen oder nicht. Ebenso salsch ist die kolportierte Behauptung, wir hätten den Ent- wurf unter allen lHnständen auf diesem Parteitag durchdrücken wollen. In der ersten. Sitzung der Hommissinn lxibe ich als einstimmig gewählter Berichterstatter erklärt, wenn der Parteitag im Frühjahr tagt, würden wir wohl nur den historischen Teil der Arbeit abfchlissten können. Indischen haben wir Zeit gehobt, den Entwurf noch einmal durch?, uaNbeitcn und verschiedene Anregungen gu berücksichtigen Wir bitten, den Entwurf in der jetzt vorgelegten Farm anzunehmen, sowie! ich bisher die Zurückhaltung geübt habe, über das Wehrproblem weder?u reden noch zu schreiben, sind alle Mitglieder des Parteworstandes völlig frei, ihr« Mei- nung'ir vertiefen. Ich hoffe durch diese Feststellung die Debatte von manchen Unsachlichkeitcn?u entgiften. Und nun zur Sache: Die Stellung der deutschen Sozialdemokratie mm Heer an sich mar stets eine sachlich zustimmende. Aber die Parke! lehnte das Wehrsystem ob. das sie bei ihrer Euksichung vorfand, da» System des stehenden Saserncnheeres. Die Ansänge der Partei fielen in die Zeit der Bismarckschen Heeresreform, mit der er die Kriege von lllkch 1866 und 1870/71 gewann. Die Landwehr, jene Schöpfung Scharnhorsts, hatte Bismarck ihres demokratischen Charakters entkleidet und das Heer zum blinden Werkzeug seiner Machtpolitik gestaltet. Darum lies damals der Liberalismus Sturm gegen diese sogenannte Reform und prägte das Schlagwort: Alles für die Verteidigung des lstaterlandes. aber diesem System des stehenden Heers, dos im ichrofisten Gegensatz zum Volke steht, keinen Mann und keinen Groschen! Die junge Sozialdemokratie ging in dieser Frage mit dem Liberalismus konform, übernahm die liberale Forderung des Volksheercs nach Schweizer Muster in ihr Programm, und die sozialdemokratische Agitation ging bis zum Zusammenbruch im Weltkriege miter dem Schlagwort: Dissen« Wehrsystem keinen Mann und keinen Groschen! Aber auch im kapitalistischen Wirt- schaftssystem war die Sozialdemokratie bereit, Wehrausgaben zu b-willigen, wenn an die Stelle des Heeres die Bolkswehr g-stetzt und der Gegensatz zwischen Heer und Volk beseitigt«vürde. Der Kamps der Sozialdemokratie, und besonders August Bebels scharfer Komps, galt immer nur dem System des mentziichen Mili- tarismus, dem Gedanken des Heeres an sich. Di« Erläuternngs- luosctvive zum Ersurter Programm von Kautsky und Schonlemk führt um seine Freiheit zu schützen: Erziehung der Bürger zur Wehrpflicht ist notwendig: im Frieden müsse jeder Bürger in kurzen Hebungen im Wo stengebrauch unterwiesen«oerden, und im Kriege mühten die Bürger nach einem bestimmten Plan in das Heer eingeordnet werden. Diese positive Einstellung war vor dem Kriege Allgemeingut der ganzen Soziasdemokra fischen Partei. Der Streit im Kriege, der zur Spastung der Partei geführt hak, be- l-as nicht die Stellung zum Kriege überhaupt, obwohl bei Ausbruch des Krieges auch darüber Meinungsverschiedenheiten austraten. Der Streit ging rneimehr darum, ob der Krieg deutscherseits als Er» oberungskrieg geführt werde und ob deshalb Kriegs- i r e d i t c zu b e«v il 1 i g e n feien oder nicht. Bor dem Kriege wurde die Sozialdemokratie wegen ihrer Ablehnung des Wehr» chstems oaterlandslos genannt, wie vorher der Liberalismus. In der Zeit ober, als die Sozialdemokratie erstarkte, hatte der Liberalis- MUS allmählich seinen Frieden gemacht mit dem System des stehen- den Heeres. Die Großbourgeoisie war neben dem Junker zur Herr» schuft im Staate gelangt. Während 1848 noch Friedrich Wilhelm IV. an seinen'Freund schrieb:..Gegen Demokraten helfen nur Soldaten!' hatte die wirtschaftliche Entwicklung dazu geführt, dast die Liberalen später aus Objekten der Wehrpolitik ihr« Subsekte wurden. Das Heer wurde zur Stütze der kapitalistischen Klassenherrschaft. Daraus mag man nun auch für die Gegenwart die Lehre ziehen, dajz. das stärkst s Heer ohnmächtig ist gegen eins Klaff«, die Boll- streck er der ökonomischen Entwicklung ist, und daß das Heer letzten Endes dem folgt, der die M a cht im Staate hat und ausübt. Schließlich ist daraus die Lehre zu ziehen, daß dem, dem die Macht entgleitet, letzten Endes auch das Heer entgleitet. Die ökonomische Entwicklung schreitet fort zum Sozialismus. Mr leben nicht mehr im reinen Sapitalismus. sondern bereits im llebergang zum Sozialismus. Die sozialistischen Elemente sind im ständigen Wachstum, bis einmal die Quantität in die Qualstüt«'.nischiägl. Die Heberguugszeil wandelt die Struktur der Gesellschaft und ihre Organe, za denen auch das Heer gehört. Folglich geht die Staatsgewalt vom Volke aus, und das Boll hat alls'Chanccn, nach dem Moße seiner Aufklärnn� zu mu:hindern. daß der Staat einseitig nur die Interessen der kapitalistischen Klasse wahr- nimmt. Der prenhische Militärstaat versperrt« uns den Weg zur Exekutiv« völlig. Im Krieg hat sich der preußische Militär- i aat selbst umgebracht. Jetzt hat in Preußen die Sozial» dcmokraiie die Führung, ist heute Subjekt der Gesetzgebung und ll�nvaltung. Einst war Preußen Hort der Reaktion, jetzt ist es Hort der demokratischen Republik. Der Besitz der politischen Macht bedeutet noch nicht den Sozialismus und noch nicht einmal die Mög- lichkeit, ihn einzuführen. Das zeigt das russische Beispiel. Sein« unerläßliche Voraussetzung ist die ökonomische Reife, die in Deutsch- Und in weitem Umfang gegeben ist. Wirtschaftliche Tendenzen, wie die Wirtschjstsdemokratie, und politisch Tendenzen gehen parallel, um den Kapitalismus zu überwinden und die Bahn für den Sozialismus frei zu machu. Diese organisch Entwicklung nstrd schneller und sichrer zum Sozialismus führen als die komnm- lststischen Gewalt- und Terrormethoden. Gewalt kann von uns nur engewendet werden als Abwehr gegen die Gewalt, die das Rad der Weltgeschichte gewaltsam rückwärts drehen will. Daß wir uns auf diese Möglichkeit einstellen, beweist die Gründmig des Reichs- b a n n e r s.' Normalerweise aber wollen wir Wirtschaft, Staat und Gcsellschost allmählich mit soziolisttschm Geist durchdringen. Mit der P o l i z e i lebten wir im asten Staat in einem ständigen Guerilla-Krieg, nicht, weil wir es für revolutionär hielten, die Polizei zu attackieren, sondern weil die Polizei auf Feindschaft gegen die Arbeiterklasse dressiert war. Heute haben wir s o z i a l d e m o- kratische Polizeiminister und Polizeipräsidenten und zahlreiche Beamte als Parteimitglieder. Gilt heute of;p noch die Begründung, die Polizei sei ein Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft? Fordert irgendein Mensch die Be- s.itiguvg der Polizei oder arbeiten wir olle an ihrer Demokrat!- s'-rung? Schwerer ist infolge der Unabsetzbarkeit der Richter der Komps um die Justiz. In letzter Jett macht sich rereinzelt eine Abkehr von ausgesprochen reaktionärer Arbeiterfeind- ichkcit bemerkbar. Aber hat irgendjemand deshalb verlangt, wir solltest die Ausgaben für Justiz und Gefängnisse ablehne«? Zw Heer Ist der Widerstand der reaktionären Kräfte am stärksten, aber auch dort läßt sich die Umwandlung nicht«nis- ln-lken. Es wandelt sich die Wasseutechnik. und der Mißbrauch der Soldaten gegen das eigene Volk wird erschwert. Schließlich sind das alles doch nur Teilerscheinungen der bürgerlichen Gesellschast, die man nicht isoliert beseitigem sondern nur im Kamps gegen das kapitalistisch« System über- winden kann. In diesem marxistischen Erkenntrns besteht unsere Heberlegenheit gegenüber bürgerlichen Westverbesterern, die immer verspchen, der Menschheit tauiendfätttg Weh und Ach aus einem Punkt durchaus zu kurieren.(Heiterkeit.) Wir haben keinen Grund, lie Friedensgefellschasten zu bekämpfen, aber sie bekämpfen nur die äußeren Erscheinungen, die die Krise auslösen, nicht ihre tiefen inneren Ursachen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menichen. Die isolierte Ablehnung des Heer es et als rväre mkocheguew. England vor der Entscheidung. Die letzten Tage vor der Wahl. 1 Lp«du«. 28. Mai. tGigeEbericht.) I« politisch gut««terrüchtete»«.reise» verlautet. daß die Berweaduag des köttigliche» Wappens in den an die Wählerschaft Großbritanniens znr Versen- düng gelangte« faksiinilierten Briefe» BaldwinS die scharfe Mißbilligung der Krone gefnnden vwd zu einer entsprechenden Mitteilung des Bncklnghanr- PalasteS an de« konservativen Ministerpräfidenten ge» führt hat. Valdwin und die beiden Ehamberlam niedergeschrien. l London, 28. Mai.(Eigenbericht.) Der konservative Ministerpräsident B a l d w i n, welcher am Dienstag in Begleitung von Sir Austen Chamberlain und Neville Chamberlain. die beide in Birmingham gewählt sind, eine Siedlung im Elenddistrikt in West-Binningham besuchte, war Gegenstand feindlicher Demonstrationen, die über die Stimmung der proletarische« Bevölkerung in diesem Teil« Englands Aufschluß geben. Beinahe sämtliche Fenster der Häuser in dem von den Ministern besuchten Distrikt« waren mit Wahlplakaten des Kandidaten der Arbeiterpartei geschmückt. plötzlicher Tod eines Arbeiterkandidaten. London. 28. Mai.(Eigenbericht.) Der plötzliche Tod des Kandidaten der Arbeiterpartei von Rugby, Henry Dates, hat zu einem Abbruch des Wahlkampfes in diesem Wahlkreise geführt. Die Wahl in diesem Distrikt wird wegen der Notwendigkeit der Nennung eines neuen Arbeiter- kandidaten erst n a ch den ollgemeinen Wahlen am 13. Juni statt- finde«. Wahlversammlung imLondonerNorden London. 2S. Mai. Nichts Trostloseres gibt es auf Erden als diesen Londoner Oste� und Norden mit seinen ewig gleichen, monotonen Straßenzügen, seinem Grau in Grau, seinen Elendsquartie- r e n. Hier, wie nirgendwo sonst, hat der aussteigende Kapitalismus des 13. Jahrhunderts seine ganz« niederdrückende, haffnungs- lose Häßlichkeit entfaltet und seine unfreiwilligen Diener wie Tierherden zusammengetrieben. Selbst die Mondnacht im Mai vermag diese Silhouetten nicht zu verschönen, diese Straßenzüg« nicht ihrer grauen Melancholie zu entrücken. Dos Auto führt uns durch ungezählte Seitenstraßen, quer durch die Quartiere der Aermsten der Armen, bis wir vor einem kirchen- ähnlichen Gebäude, einer Missionshalle der Kirche von England. halten. Der Saal selbst, halb Schulraum, halb Kapelle, ist zum Bersten gefüllt, Dutzende von Männern und Frauen drängen sich vor dem Eingang, um einen Blick auf den Redner, den einen oder den anderen Satz, der drinnen gesprochen wird, zu erhaschen. Ter Saal selbst ist mit Wahlplakaten besät, die in friedlicher Gemeinschasi neben religiösen Bildern angebracht sind. Sie tragen das Por- trat des lokalen Kandidaten Herbert Morrison, des Führers der Londoner Arb e ite rp a rt« i, und fordern dazu auf. ssir ihn und damit„g e g e n d e n K r i e g� zu stimmen. Nichts kann für den ausländischen Beobachter eindrucksvoller sein als diese englischen Massen. Wer erwarten sollte, in der Umgebung der Elendsquartiere ein müdes, verbittertes Proletariat zu finden, radikalifiert oder apathisch, der muß von der freien Haltung. dem Selbstbewußtsein, der Heiterkeit dieser typisch proleta- rischen Männer und Frauen betroffen sein. Mögen sie tausendmal von einer ungerechten Wirtschaftsordnung, in menschenunwürdigen Quartieren zusamengepfercht, ein Leben ohne Lust und Sonne verbringen, ihre Lebensgeister sind ungebrochen, und ihre Menschen- würde ist unangetastet. Herbert Morrison spricht. Cr spricht wie einer, der die Sorgen und Hoffnungen dieser Menschen aus persönlichem Erleben heraus kennt, ohne Pathos, appelliert an ihren Humor, zeigt die Verbindung, die von ihrer Not zu den großen politischen Fragen und Entscheidungen führt, zeigt ihnen den Sozialismus in seiner überwältigenden praktischen Bedeutung für ihre eigene und ihrer Kinder materielle und geistige Existenz. Man fühlt, wie die Botschaft des Sozialismus für diese Menschen, später zwar alz für die Arbeiterschaft anderer europäischer Länder, aber nicht weniger tief und entscheidend, zum großenErlebnis geworden ist. Egon Wertheimer. Folgerichtig müßten wir domi zurückkehren zum Magdeburger Parteitag von 1316 und die Ablehnung des Budgets wieder zum Parteigesetz machen. Damit würden wir freilich alles v« r- leugnen, was seit 1316 neu geworden ist: Republik und Demo- kratie, Heidelberger Programm, Brüsseler Abrüstungs-Resolutian und auch die Reden, die Künstler als Sprecher der fozioldeino- kratsschen Reichswgsfrvkttlm i» der Opposition zum Wehretat ge- halten hat. Auf dem Stuttgarter Zulernationalen Kongreß vou 1367 sagte Bebel gegen H e r v 6. daß auch wir als Sozialdemokraten militärische Rüstungen nicht ganz entbehren können, solang« die Verhältmsie der einzelnen Staaten sich nicht grundlegend geändert haben, aber nur Im■Stoti« der Verteidigung not, der freie« bemo- kratsschen Grundlage Aus diesem Gesste Bebels hat die Kammissian m die Richtlinien den Satz hineingebracht:„Solange diese Gefahren bestehen, braucht die Deutsche Republik ein« Wehrmacht zum Schutz« ihrer Reutroli- tat und der politischen wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse� Aus dem Brüsseler Kongreß ist der Satz an- genommen worden, daß man auch revolutionäre Mittel gegen die Regierungen anwenden wolle, wenn sie einen A n g r i s s s'k r i e g unternehmen. Dieser Satz hätte keinen Sinn, wenn man nicht die Unterscheidung von Angriffs- und Verteidigungskrieg für möglich hält. Die radikalen Kritiker haben diesen Satz übrigens auch über- nommen. Da ist wohl die Vernunft einmal mit ihnen durchgegangen. Es ist ferner gesagt worden, es sei ein Widerspruch, sich für die Totalabrüstung zu erklären und gleichzeitig die Aufvechterhaltung unserer kleinen Wehrmacht zu fordern. Ich sehe darin keinen Wider- spruch. Di« Totalabrüstnng ist ein Znkvnftsziel. auch die Ab- tüstung Ist ei« Entwicklungsprozeß. Die Kommission legte ihrer Arbeit Gutachten zugrunde von Kautsky. Bernstein, Otto Bauer und Julius Deutsch. Ich dankc den vier Genossen für ihre Arbeit, die st« geleistet haben: alle vier Gutachter waren c i n m ü t i g der Meinung, daß eine Tatalabrüstung für Deutschland leider n o ch N i ch t möglich ist. Nun fragt man. gegen wen wir denn ein Heer brauchen, wer uns den» bedroht. Gleichzeitig aber malt man täglich neue Kriegsgefahren an die Wand und weist auf die Rüstungen der anderen Staaten hin. Unser Entwurf tut nichts anderes, denn er sagt:„Noch droht aber die Machtpolitik imperialistischer und faschistischer Staaten mit konter- revolutionären Interventionen und neuen Kriegen." Wer daraus hinweist, daß heute nur noch Kaalitionskriege möglich sind, kann doch nicht fragen, yegen wen wir ein Heer aufrecht erhalten mallen, der kann mich nicht sagen, mir könnten ruhig kleine Zoo ocio.unann Heer aufheben, weil es gegen die großen Militärmächt« hoch ahn mächtig wäre. Das Beispiel Belgiens zeigt, wie es auf gie Umstände ankommt. Belgien hat durch den nierzehntägigen Wider. stand seines kleinen Heeres Frankreich vor den Ueberrumpelungen oeschützt und damit, der Entente die Möglichkeit des endgültigen Sieges und sich selbst die Unabhängigkeit gesichert!(Sehr wahr!) In der Inflation haben uns Gemalt und Terror der Rechts- Putschisten auf das gefährlichste bedroht. Wir haben sie nur dadurch zurückgeworfen, daß wir ihren Gcwaltshaufen das Reichs- b a n n« r entgegensetzen konnten. Gewaltsmenschen imponiert immer nur die Gewalt. In der Notwehr bedienen auch wir deshalb uns der Gewalt im Innern wie auch außen. Mit der Abrüstung der Heere muß die moralische und geistige Abrüstung der Völker parallel gehen, dann haben die Kriegstreiber ihr Spiel verloren. Aber nicht nur in den Völkern muß der Ann- kricgswille lebendig fein, auch in den Regierungen. Und so wird die Wehrfroge letzten End«» wieder die innerpoliiische Frage: Wer herrscht im Staat? Je größer unser Einfluß auf Staat und Re- oierung ist, desto größer ist unser Einjluß auf de« Frieden. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Debatte zum Wehrprogramm. Zöllig-Düsseldorf beantragt die Bestellung eines Korrefe- renten mit einstundiger Redezeit.— Ludwig(Parteioorstand) verlangt einstündige Rcdezett auch für sich, weil er ebenfalls die Richtlinien ablehne, aber nicht als linke, sondern als rechte Abweichung.(Heiterkeit.) Vorsitzender Wels: Die Richtlinien stellen bereits ein Kvmpro- miß aller Richtlinien dar. und Dittmann hat nicht seine persönliche Meinung ausgesprochen, sondern war Berichterstatter der Kam- Mission. Es liegen 23 Wortmeldungen vor. Parteivorstand und Parteiausschuß bitten, von Korreferenten abzusehen. Gerlach-Düsseldorf: In der Düsseldorfer Parteiversammlung ist uns die Stellung eines Korreferenten verweigert worden.(Hört. hört.) Der Alttrag Zöllig wird abgelehnt. In der Debatte spricht Paul Lern(mit lebh. Beifall begrüßt): Don den drei Heim- fuchungen der Menschheft, Krieg. Hunger und Pest, sind Hunger und Pest als gesellschcrftlickze Erscheinungen längst erkannt, der Hunger vor allem von Karl Marx. Der Krieg hat der sozio- logischen Durchforschung am längsten widerstanden, obgleich Clause- witz schon 1836 ausgesprochen hat, daß der Krieg ein gesell- schaftlicher Konflikt sei. der sich blutig löse. Wäre der Krieg als ein soziologisches Phänomen erkamtt, so wäre es unmöglich, seine Beurteilung von politischen Formulierungen abhängig zu machen. Wenn man dies tut, wie Dittmann, dann muß mau an dem Tage, wo das Fürchterliche geschehen sollte, ohne geistiges Rüst- zeug dastehen, denn die politische Situation des Krieges kann nie- mand im voraus festlegen. Dittm inn liat das Programm der Wehr- kommissum tu das außenpolitische Milieu der Siegerstaaten hinein- gestellt. Aber wer kann heute schon sagen, daß die politische Situation des Friedensdlktals noch besteht? Dittmann hat weiterhin das Wehrprpgramm in das imwopikitisch« Milieu hineingestellt, da wir in Deutschland«in aus,chluggebeni>er Faktor geworden seien. Aber kann man überhaupt isststellsn. in welchem Maße in einer gegebenen politischen Situation der«ine oder der andere Faktor Herr im Staate ist? In Wahrheit sst es doch immer so, daß die schreckliche Tatsache des Krieges viele arm und wenige reich macht, daß das dialektisch« Ge- setz de? Ausbeutung im Kriege nicht stillsteht, sondern doppelt und heeifach arbeitet. Darum ist die Kernfrage die: kann das Prolelariat an diesem Gesetz des mlrkenden Klassen. kämpfe» vorübergehen oder hat es die Pflichk. auch im Kriege. und gerade im Kriege seinem Lebenselement, Klassenfamps. vollen politische» Ausdruck zu verleihen? Muß es nicht gerade im Kriege seinen Kampf für die Freiheft und Befreiung der großen Masse lebendig machen und unter dem Banner der Revolution beflügeln? Nach unserer lleberzeugung muß die proletarische Klasse, ausgerüstet mit aller sozialer Erkennt- nis, im Kriegsfälle bewußt und klar zu Ende führen, was die französischen Revolutionär« von 1733 nur unbewußt begonnen haben.(Beifall.) Soch- Hamburg: Der vorliegende Programmentwurf bringt einen Fortschritt: die Anerkennung der Tatsache, daß wir zum Problem des Krieges nicht als Deutsche oder Angehörige einer an- deren Ration Stellung nehmen müssen, sondern als internativ- nale Sozialdemokraten. Wenn alle sozialdemokratischen Parteien 1314— 1318 danach verfahren wären, hätte der Wettkrieg nicht AM Jahre gedauert.. Das proleiariak der West hak bisher jeden Krieg verloren. Der Standpunkt Levis ist opportunistisch und läßt die Konsequenz vermissen. Er geht immer davon aus. daß die bewaffnete Macht dazu berufen sst. in der Entwicklung der Menschheit noch ein« große Rolle zu spielen. Wir aber hallen es für an der Zell, jeden Militarismus abzulehnen, selbst wenn er unter der roten Fahne segelt.(Leber- Lübeck: Das sst die dritte Richtung!) Wer die konsequenteste!(Leber: Das glaubt von seiner Richtung jeder!) Für mich sind Pazifismus und Sozialismus genau dasselbe. Wir lehnen aus grundsätzlichen und prak- tischen Erwägungen alle deutschen Rüstungen ab. Häblor-Kurlsruhc: Die Erhaltung des Friedens ist entscheidend in den Mittelpunkt des Denkens getreten. Der Satz über den be- waffneten Schutz der Neutralität klingt sehr bestechend, aber wir müssen doch bedenken, welches Unheil über unser Volk gekommen wäre, wenn wir beim Ruhreinbruch zur bewaffneten Der- teidigung geschritten wären. Zeder Krieg richkek sich in seinem Kern immer gegen da» prolekariak. Di« große Eefahr des Entwurfs der Kommission liegt barm, daß die Parte! programmatisch festgelegt wird auf den Gedanken der Wehrhastmachung der deutschen Republik. Sünstler'Berlin: Die Debatte über das Wehrprogramm ist geboren worden aus der Debatte über den Panzerkreuzerbau- beschluß. Daraus ergibt sich schon, daß das Wehrprogramm nicht eine dringlich« Angelegenheit ist, die unbedingt schon auf diesem Parteitag erledigt werden muß. Trotz der Verbesserungen nach den Anregungen von Otto Bauer ist das Programm für uns unannehmbar geblieben, vor allem der Satz, in dem die Not- wendigkeit der Ausrechterhaltung der Wehrmacht mit der Gefahr imperialistischer und faschistischer Interventionen begründet wird. Gegen wen soll denn Deutschland sich verteidigen? Jeder weiß, daß ein Krieg mit Polen auch ein Krieg mit Frankreich sein würde. Die angestrebte Verständigung mit Frankreich würde also auch die Verständigung mit Polen bedeuten. Wir beantragen Zurück- Verweisung des Entwurfs an die Kommisston. Leber-Lübeck: Levi ist ein gefährlicher Rhetoriker. Er spielt solange mit Theorien, bis die Theorien mit ihm spielen. Aus Levis Ausführungen sprechen gewisse anarchistische Tendenzen, die immer neben dem Sozialismus hergegangen sind. Diese Tendenzen führen uns hin zu der alten Debatte um den Staat. Krieg und Militär sind in diesem Falle gar nicht das Primär«, sondern die Stellung unserer Partei zum Staat und zur Republik ist es. Die Arbeit an dem Wehrprogramm hat mit Krieg und Pazifismus sehr wenig zu tun. Sie ist notwendig geworden, weil in der deutschen Republik ein« ungeheure Spannung herrscht zwischen der Arbeiterschaft und der Wehrmacht. Diese Spannung ist«in Passivposten der Re- publik, aber auch der deutschen Sozialdemokratie. Ich frage: Ist an dieser Spannung die Wehrmacht allein schuld? Wer dies« Frage mit einem harten Ja beantwortet, muß ein sehr hartes Ge- wissen haben.(Lebhafter Beifall.) Die Weiierberatung wirb um SM Uhr aus Mittwoch 9 Uhr vertagt. s Schlußbericht über die Vormittagssihung siehe zweite Beilage.) Die Llnerreichien. nd" ? Das Kraftwerk„$ncdland" in Ostpreußen wurde probeweise vernebelt- öeckl- Junge Volksparteiter. Auch ein Symptom der Krise der bürgerlichen Parteien. In Weimar hat«in« Tagung„Junger Volksporteiler" statt» gefunden, die zur Gründung einer � neuen Organisation, der ..Reichsgemeinschaft junger Polksparteiler", ge- iührt hat. An der Tagung waren neben anderen die beiden An- gestelltenvertreter Frank Glatzel, Essen, und M. b. R. Thiel beteiligt. Die neue Organisation segelt unier der Flagge: Sammlung der jungen Generation. Als ihre Ziele bezeichnet sie:„Ernsten Versuch einer geistigen und organisatorischen Reform der eigenen Partei, Ausgestaltung der Partei zu einer großen, gegenwartÄebendigen Totspartei der nationalen Mitte." Diese Organisation soll ein Gegengewicht gegen die Scholz und Genossen, gegen die schwerindustriellen Kräfte in der Voltspartei sein. Eine Partei, die in ihrem Schoß ein« Sonderorgansiation besitzt, deren Ziel geistige und organisatorische Reform der Partei ist, stellt ein etwas merkwürdiges Gebilde dar. Man kann in dieser Reichsgemeinschaft auch den Versuch einer Untermauerung der Stellung Stresemanns«rbkicken. Kommunistische Verleumder. . GS ist ihnen nichts zu schmutzig. 7 München. 28,Mei. Do von komemmistrfcher Seit« gegen den Major o.D.A»r l, M a y r de? VorwurZ iandesverrätmscher vnch-iebe u-nO bezahstcr Gegenspionage pm Dienste Frankreichs erhoben worden werk,"hotte der der Sozialdemokratischen Partei unb»em-�M�chsbminer angehörende Major m Müncknn•«»gen Landesverrats gegen jus erstattet Die Generolstoatsan«alt> fchaft beim bayerischen 0bit �'r'''« r s ch r e! t u n q e n die Zustimmung �s Re.chsnnonzm)n.ster» n vor der Leistung der m Frage mmenden Zahluiigen c>ng«�,t morden sei. Stork bemängelt erden vor allem d" umsangrela, Hyushaltsüberschreiwngen bei den diplomatischen«er t r« t g(„ j», Ausland.' ~T~■ Vaugoms Terror et liefen. Bei freiem Wohlrecht stimme« die Daten rot. cwv cm' ®*€*, 28.) Bei den Bertrauensmännerwahlen des Bünde- grzi�g�e» durch den Druck, der auf die Soldaten ausgeübt wtt-. das Wahl- ergebnis zu beemflusien. Diese Vertrauensmännerwahlen n,j. dem Nomen noch geheim— daher„siegt«" die Liste M» ch- Mch. sozialen Wehrbundes. Wie ganz ander» aber die Wahlen wenn wirklich eine geheim« Wahl durchgführt wird, zeigt e'N erst jetzt bekannt gewordenes Resultat der Tiroler Londiagswahl. hi- K l o st« r kaf« rn« in Innsbruck war ein eigener Wahlsprenzel. Nur die in der Klosteriasern« wohnenden Offizier«, Beamten. Unter osfiziere und Soldaten sowie ihr« Frauen waren diesem Wahl- sprenge! zugeteilt. Zwar wurden die Soldaten unter sehr starken Druck gesetzt, und insbesondere die eingerückten Iungmänner, deren es fast ZOO gab, von den Vorgesetzten nach Kräften bearbeitet, aber schließlich konnte kein Terror der Lorgesetzten verhindern, daß die Soldaten in der W a h l z e l l e die ihnen eingehändigten christlich- sozialen Stimmzettel gegen andere Stimmzettel umtauschten. So war dann schließlich das amtlich verkündete Wahlresuitat zur großen Verblüffung der Wahlkommission da» folgend«: Sozialdemo- kraten 131, Christlichsoziale 189, Großdeutsch« 36, Ständebund 1t, Beamtenpartei 11, Landbund 6, Nationalsozialisten 2 und Kommu- nisten 1. Um dieses Ergebnis richtig zu würdigen, fei nach hinzugefügt, daß bei der letzten Bertrouensmännerwahl de» Sunde» Heeres im Spätherbst 1928 der sozialdemokratische Militärverband gar nicht imstande war, in dieser Kaserne einen Kandidaten aus- .zustellen, weil sich kein Wehrmann getraut«, zu kandidieren. Kein Mieterschutz für Ausländer! Gin demogogifcher Beschluß b«r französischen Kommer. Pars». 2«. Mai.(Eigenbericht� fite Kammer begann am vier,»lag mit der Beratung de» nentn wielsgesehe». fite Vorlage der Regierung fand dabei eine wichtige Abänderung: die Ausländer werden vom Schutze de» Mietsgesetze, anvgenommen. Außenminister Briand nnd Zusttzmiaister Barthon erklärten flch entschieden gegen Mesr Abänderung, da Frankreich damit gegen dir internationale Höflichkeit verstoße und Repressalien in and-reu Ländern herausfordere, fite Kammer beschloß trotzdem die Abänderung mit 31» gegen 276 Stimm«- Gegen die Regierung stimmte dir»- mal die Rechte und ein Zeil der sonstigen Regierungsmehrheit. während die Links Parteien ihre Stimmen im Sinne der Regierung abgaben._ Schluß des Rätekougreffes. Wahl des Zentralexetvtivkomitees: 556 Mitglieder. Aach die ASHrerd es rechten Flügels wiedergewählt. Moskan. 28. Mol. Der Rätekongreß der Sowjetunion ist nunmehr zu End« gegangen. Er nahm die Wahl de» Zentralexekutiv k o m i t e e» vor. da, au» 38« Mitgliedern, darunter 152 Frauen. besteht. Gewählt wurden Kalinin. Rykow, Stalin, Mo lotow. Tschitscherin, Litwinofs. Boroschiloff Mikojan, Bucharin, Tomski und andere. Auf b.londeren Beschluß wurde auch Max>m Gorki gewählt. D:-.- JU-gMß billigt- den fünfjährig-n W i r t s ch a f t s p l a n und eire Reihe von Maßnohmen zur Hebung der Landwirtschaft. VolKsMUine Thsater amBülsvplali 8 Uhr Trojaner Thalia- Theater Uhr Piarrhaus- Komhdle Staat). Sdiiiler-Tli- 8 Uhr Zaungäste Theater am idiiffhanerdamro Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper Keller. Valetll. Thlnilq. UOVJW. leldelt, Sienkel 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 The Jovers und weitere Vartete-Neuhelten K«.trlBer*Imta AI», onca eo Mdies Ttioater D.I. Norden 12310 8 U., Ende geg. l'O1� Ol« Getangene Schauspiel von Edonard Bourdet. Regie: Max Reinhardt Die Komödie , 1 Bismck. 2414/7516 8�, Ende geg. lO�U- Oer Iflann. der seinen Namen änderte .1 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Kammerspiele in BERLIN in HAMBURG in MÜNCHEN HERMANN UETZ.. KAUFHAUS DES WESTENS.. ALSBERG sie alle sagen Ihnen: „Mit Lux Seifenflocken hält feine Wäsche und Kleidung viel länger" DIE BEDEUTENDSTE MUSIKSAMMLUNG, SEIT 50 JAHREN AUF DEN MARKT KAM. 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Er trat zu dem Gegenüber- sitzenden. „Sie," flüsterte er ihm zu.„Ich habe gesehen, wie der drüben sich vier Asse genommen hat." „Na, wenn schon?" sagte der Spieler. „Ich wollt' es Ihnen nur sagen, weil ich meinte, daß Sie es wissen sollten," sagte der Neue.„Ich wiederhole, ich Hab' es mit eigenen Augen gesehen, wie er sich vier Asse ge- geben hat." „Wissen Sie was." sagte der Spieler,„Sie täten am besten, wenn Sie sich verzögen, Sie haben ja keine Ahnung von dem Spiel. Er ist doch am Geben, nicht wahr?" Das Gelächter, mit dem die Geschichte begrüßt wurde, war weder sehr aufrichtig noch natürlich, doch Daylight schien keine Notiz davon zu nehmen. „Ich vermute, daß Ihre Geschichte einen Sinn hat," sagte Dowsett mit Nachdruck. Daylight blickte ihn unschuldig an, antwortete aber nicht. Er wandte sich jovial an Nathaniel Letton. „Los," sagte er.„Geben Sie uns eine Uebersicht über unseren Gewinn. Wie ich schon sagte, kommt es auf eine Million mehr oder weniger nicht an, denn es ja eine mächtige Summe sein." Letton war setzt durch die Haltung, die Dowsett einnahm, sicherer geworden und antwortete schnell und entschieden. „Ich fürchte, Sie mißverstehen die Situation, Herr Har- nifh Wir haben keinen Gewinn mit Ihnen zu teilen. Bitte. regen Sie sich nicht auf. 5W) brauche nur auf diesen Knopf zu ferücken..«* anerkannt und auch Zlliment« bezahlt, weil er die ernst« Absicht gehabt hatte, Ida zu heiraten. Wie sich weiter aus der Ver- nehmung ergibl, ist der älteste Sahn der Frau Kähler nicht«in Kind ihres Mannes Rogens. 3luch der 1917 geborene Sohn Karl stammt nicht von ihrem damals im Felde stehenden Mann, sondern von einem Wachtmeister. Rogens ist 1923 in der Traoe ertrunken. Frau kähler wohnte mit fünf ihrer eigenen und den beiden unehelichen Kindern ihrer Tochter Zda in der Heidekate, wo eine unglaublich ärmliche Wirtschaft herrschte. Die neunjährige Gertrud beaufsichtigte in der Heidekate die kleinen Kinder, da Frau Kähler auf Arbeit ging. Der Sohn Karl, der jüngste, war bei seinen Großeltern Treumann und den Eltern der Frau Kähler. Die Angeklagte Kähler selbst war zum Besuch dieses kleinen Söhnchens an dem Mordtage von Palingon abwesend. Vors.: August Rogens, Sie sind wegen Sittlichkeitsverbrechens an ihrer eigenen Schwester bestraft. Wie sind Sie dazu gekommen? Zlugust Rogens: Das weiß ich nicht. Vors.: Sie haben auch einmal behauptet, daß Ida Sie zum Geschlechtsverkehr herangezogen hat, als Sie noch ein ganz junger Bengc l waren? August Rogens: Jawohl. Vors.: Wegen der sittlichen Verkommenheit der Familie sind Ihnen, Frau Kähler, die Kinder später abgenommen worden, und zwar mit Ge- walt, gegen Ihren Willen, auf Grund eines G c r i ch t s b e- j ch l u s s e s. Frau Kähler: Ja. Wie Frau Kähler weiter bekundet, standen der Familie Rogens im ganzen monatlich etwa 5 4 M. zur Verfügung, die sich in der Hauptsache aus Ernährungszuschüssen Iakubowskis, Versicherungsgeldern usw. zusammensetzten. Dafür habe sie die Kinder und sich selbst ernähren müssen. Iakubowski habe hin und wieder auch eine Sondereinnahme durch Hoarschneiden, S ch u h f l i ck e n usw. neben skinem Lohn als Landarbeiter gehabt. Längere Erörterungen entspinnen sich.über die Frage, wie sich Iaku- bowski im allgemeinen zu Kindern verhalten hat. Vors.: Frau Kähler, war Ihr Schwiegersohn ein tüchtiger und ordentlicher Kerl, hat er fleißig gearbeitet, war er nett zu den Kindern? Angekl.: Ja, das ist richtig. Iakubowski hatte etwa» weiches und Gutmütiges an sich, war auch zu den Kindern gut. aber im allgemeinen leicht zu beien- flussen.• Aehnlich äußern sich über Iakubowski auch die Angeklagten Zlugust und Fritz Rogens. Iakubowski habe die Hälfte seines Lahnes, l 5 M. monatlich, für linterhalt für seine beiden Kinder abgegeben. Später habe er allerdings nur 1l> M. bezahlt. Der An- geklagte B l ö ck c r macht Angaben darüber, daß schon im Sommer 1924 vor dem Morde Iakubowski die Absicht geäußert habe, eine gewisse Lene Seehase zu heiraten. Weiter werden in der Verhand- lung die wiederholten Versuche Iakubowskis und der Frau Kähler besprochen, die Kinder Ewald und'Anna anderweitig unter- zubringen ünd sie zu diesem Zweck verschiedenen Dorfbewohnern anzubieten. Wie der Vorfitzende aus den Akten feststellt, soll Iakubowski dem Wilhelm Rogens gegen Ueberlossung eine» Fahrrode« und eines Anzuges angeboten haben, den Ewald zu übernehmen. Frau Kähler soll dazu dem Wilhelm Rogens gesogt haben: „Dafür kannst Du doch die Kinder nicht ernähren." Fritz Rogens behauptet. Iakubowski habe mit ihm einmal darüber gesprochen, daß er die Kinder übernehmen sollte. Er sollte dann alle vachen des Iakubowski bekommen. Iakubowski selbst wollte nach Amerika. Vors.: Sie waren doch ober erst ein 17jähriger Junge. Haben Sie in der Aufforderung, für die Kinder zu sorgen, nicht eine verschleierte Aufforderung zur Beseitigung der Kinder ge- sehen? Fritz Rogens: Rein. Ich habe es mehr als Spaß aufgefaßt. Vors.: Bei der Beerdigung des Ewald sollen Sie ober erzählt haben, Iakubowski habe Ihnen gesagt, er wolle nach Rußland zurück, könne es nur nicht, weil ihm das Geld fehle, um d i e Kinder unterzubringen. Darauf hätten Sie gesagt, wenn er Ihnen sein Fahrrad und seinen neuen Manchesteranzug gebe, Aber Daylight schien durchaus nicht aufgeregt zu fein,! er machte vielmehr den Eindruck, als ob er völlig gelähmt wäre. Mit geistesabwesender Miene griff er in. seine Westen- tasche, zündete ein Streichholz an und entdeckte, daß er keine Zigaretten mehr hatte. Die drei Männer folgten seinen Be- wegungen wie Katzen. Sie wußten, daß sie jetzt einige höchst ungemütlich« Minuten vor sich hatten. „Wollen Sie das bitte noch einmal sagen?" meinte Day- light.„Mir scheint, ich habe nicht ganz richtig gehört. Sie sagten...?" In qualvoller Erwartung hing er an Nathaniel Lettons Lippen. „Ich sagte, daß Sie die Situation mißverstehen. Herr Harnish: das war alles. Sie haben an der Börse gespielt und tüchtig dabei verloren. Aber weder Ward Balley noch ich oder meine Kompagnons können sehen, daß wir Ihnen etwas schuldig sind." Daylight deutete auf den Haufen Quittungen und Talons auf dem Tische. „Das hier repräsentiert eine Summe von zehn Millionen zwanzigtausenzweiundvierzig Dollar und achtundsechzig Cent in bar. Hat das denn keinen Wert?" Letton lächelt« und zuckte die Achseln. Daylight betrachtete Dowsett und murmelte: „Dann hat meine Geschichte doch wohl einen Sinn." Er lachte krampfhaft.„Me haben die Karten gegeben, und Sie haben richtig gegeben, Schön, ich beklage mich nicht. Ich bin wie der Mann im Poker Sie haben gegeben und konnten es natürlich so tun, wie Sie es für gut befanden. Und das haben Sie getan— und haben mich bis auf den letzten Heller ausgeplündert." Er starrte verwirrt den Haufen auf dem Tische an. „Und das alles ist nicht mal das Papier wert, worauf es geschrieben ist. Verflucht noch mal, Sie verstehen, Karten zu geben, wenn Sie ein« Chance haben. O nein, ich beklage mich nicht. Sie waren am Geben, und Sje haRn mich rein- gelegt, aber ich bin nicht der Mann zu jammern, wenn mir so was passiert. Die Partie ist jetzt ausgespielt, die Karten liegen auf dem Tisch, und es ist kein Wort weiter drüber zu verlieren, aber..." Seine Hand tauchte schnell in die Brusttasche und erschien wieder mit dem großen Colterevolver. „Wie gesagt, die Parti« ist zu Ende. Aber jetzt gebe ich, und da will ich doch sehen, ob ich nicht vier Asse kriegen kam»—'•■....... t.jt• dann würden Sie dafür sorgen, daß er sich nicht mehr um die Kinder zu kümmern brauche. Fritz Rogens: Das weiß ich nicht. Vors.: Wann hat Iakubowski denn zum erstenmal davon gesprochen, daß Anm beiseitegeschqsft werden sollte? August Rogens: Um Pfingsten heru�t. Es sollte Gift in die Milch getan werden. Mit Kognak wäre es auch zu machen. Ich sollte dafür ein Fahrrad und einen neuen Anzug bekommen. Vor f.: Fritz, Sie sind vor dem Morde am meisten mit Iakubowski zusammen gewesen und darum auch zunächst verhaftet worden. Ist es richtig, daß Sie in der letzten Zeit viele Heimlichkeiten mit Iakubowski hatten? Fritz Rogens: Rein. Vors.: Frau Kähler, Ihnen ist das häufige Zusammenkommen auffällig ge- wesen. Sie waren in Besorgnis, daß die beiden irgendeine D u in in- h ei t machen könnten. Was hat Sie denn auf diese Besorgnis ge- bracht? Frau Kähler: Das Vergiftungsgespräch. R.-A. Brandt: Ist es richtig, daß Fritz sich mit August verabredet hat, in dieser Verhandlung alles auf Iakubowski zu schieben, der könne sich nicht wehren, er sei ja tot? Das Gespräch darüber soll in den Zentralhallen in Lübeck stattgefunden haben, als Oberstaats- anwalt Müller Sie auf freien Fuß gesetzt hatte? Sie haben sich gegenseitige Schonung versprochen und die Schuld sollte aus Iaku- bowski geschoben werden? Fritz Rogens: Jawohl. R.-A. Dr. Müller: Und'August? August Rogens: Ich muß das ent- schieden b c st r e i t e n. R.-A. Brandt: Haben Sie damals nicht in einem Brief an Fritz geschrieben: Wenn Du kannst, komm diesen Sonnabend nach den Zentralhalle». Ich habe etwas ganz Notwendiges mit Dir zu besprechen. Was war denn das? A u g u st: Ich wollte nur wissen, wer der Täter ist. Vors.: Und Fritz? Fritz Rogens: Ich halte meine Aussage aufrecht. Ober- st a'a t s a n'w a l t: Kann August erklären, warum er vollkommen zusammengebrochen ist und 59 Minuten dagelegen hat, gejammert und geheult hat, als ihm plötzlich der Brief vorgelegt wurde. August: Das weiß ich nicht. R.-A. Brandt: Sie haben doch früher zugegeben:. Der Zweck der Zusammenkunft war. uns über unsere Aussogen zu verabreden? A u g u st: Iowohl. August Rogens berichtet dann über weitere Gespräche, die er im Sommer 1924 mit Iakubowski geführt haben will. Er erklärt: es handelte sich um die Unterbringung d c r K i n d c r. Iakubowski hat dabei zu mir gesagt: Ewald muß auf die Seite gebracht werden. Bei den anderen Gesprächen fragte er mich, ob ich eine Stelle zur Unterbringung Ewalds gefunden habe. Als ich verneinte, erklärte Iakubowski, es müsse dann dabei bleiben, daß Ewald auf die Seite gebracht wird. Ich habe es jedenfalls so verstanden, daß Ewald umgebracht werden sollte. Nach der Aussage von Fritz Rogens hat kurz vor der Tat, als August zu Besuch kam, die Mutter von der B e s e i t i g u n g d e s kleinen Ewald zu reden begonnen. Frau Kähler selbst erklärt, sie habe Zlugust gesagt: Tue das nicht. Daß Iakubowski da- hinter steckte, hat sie sich gedacht. Fritz gibt an, die Mutter habe ihn bedroht, sie würde ihn verhauen, wenn er nicht die Hände davon ließe. August hat nach der Angabe von Fritz der Mutter erwidert, er habe es Iakubowski versprochen und könne nicht zurücktreten. R.-A. Dr. B r a n dt: Also, August, alles, was Ihre Mutter und Ihr Bruder sagen, ist nicht wahr? August: Rein, das bc- streite ich. Ein paar Tage vor dem Mord brach Fritz Rogens früh um fünf Uhr oon Palingen auf. Er traf unterwegs in der Dunkelheit den Angeklagten B l ö ck e r und erzählte ihm, er gehe zu feinem Bnider, um ihn.nach Palingen zu bestellen". Angekl. B l ö ck e r: Er sagte mir, Paul K r e u tz f e l d hat ihn abgeschickt. Vors.: War denn Kreutzfeldt in die ganzen Pläne eingeweiht? Fritz Rogens: Rein. Wenn ich das gesagt habe, habe ich es im Scher; gesagt. Blöcker: Sic wollten den.Ewald beiseite schaffen. Fritz wollte, während August den Ewald umbrachte, „Finger weg, du getünchtes Grab!" rief er scharf. Nathaniel Lettons Hand, die sich sacht nach dem Klingel- knöpf geschoben hatte, zuckte zurück. „Plätze wechseln," kommandierte Daylight.„Nimm den Stuhl drüben, du leberkrankes Stinktier! Rück' auf die andere Seite, Guggenhammer Und du, Dowsett, setz' dich hierher." „Jetzt werde ich die Karten geben. Denkt daran, daß ich nichts über euer Spiel gesagt habe. Ihr habt euer Leck ge- stopft, gut! Aber jetzt bin ich am Geben, und jetzt will ich mein Leck dichten. Ihr kennt mich. Ich bin Burning Day- light— savvvy? Ich fürchte nichts, weder Gott noch Teufel, weder Tod noch Untergang. Das sind meine vier Asse, und die stechen eure sicher aus." „Und doch werden wir dich hängen sehen," sagte Dowsett, der als einziger seine Ruhe bewahrt hatte. „Damit hat's noch gut« Weile. Und wenn's geschieht, so erlebt ihr es sicher nicht. Ihr sterbt hier und in dieser Minute." Daylight schwieg. „Ist das ihr Ernst?" fragte Letton mit seltsam dünner Stimme. Daylight schüttelte den Kopf. „Nein, es lohnt sich nicht. Ihr seid es nicht wert. Aber ich will meine Chips wiederhaben. Und ich denke, ihr gebt sie mir lieber zurück, als daß ihr geradeswegs von hier in die Leichenhalle wandert." Ein langes Schweigen folgte. „Schön, also ich Hab' jetzt gegeben. Ihr seid am Spiel. Aber während ihr noch überlegt, will ich euch noch eine War- nung erteilen: Wenn die Tür aufgeht und einer von euch Banditen sich merken läßt, daß hier was Besonderes los ist, dann knall ich euch nieder, so wahr ich hier stehe. Nicht eine Seele kommt hier heraus, es sei denn mit den Füßen voran." Geschlagene drei Stunden blieben sie sitzen. Der ent- scheidende Faktor war weniger der große Revolver an sich, als die Gewißheit, daß Daylight Gebrauch von ihm machen würde. Nicht nur die drei Männer, auch er selber war fest davon überzeugt. Er war fest entschlossen, sie zu töten, wenn er sein Geld nicht bekam. Sofort zehn Millionen in bar her- beizuschaffen, war keine Kleinigkeit. Immer wieder mußten Howison und der erste Buchhalter hereingerufen werden. Dann lag der Revolver unter einer Zeitung auf Daylights Schoß, während er sich eine seiner braunen Zigaretten drehte und anzündete._.,.„ � � Kortsetzung folgt.) mit den anderen Kindern ins Dorf gehen. Fritz Rogens: Das habe ich nicht gesagt. Er will, obwohl der Marsch zu.seinem Bruder S bis 6 Stunden gedauert hatte, nach der Nachricht von Iakubowski sofort wieder zurückmarschiert sein. Die Rollen wurden erst am Sonntag morgen verteilt. August Rogens b e st r e i t e t alles, obwohl er früher selbst detaillierte Angaben gemacht hat. Vors.: Warum haben Sie denn früher gelogen? August Rogens(mit unsicherer Stimme): Weil ich glaubte, ich bekomme nur zwei bis drei Zahre Gefängnis. Vors.: Das ist doch auch kein Pappenstiel. Am nächsten Tage hat Blöcker den Fritz Rogens wieder getroffen. Dabei haben Sie erzählt: Wir wollen am Sonntag Ewald beiseite bringetv Sie sagten: Ihr seid wohl verrückt! Fritz Rogens weih davon an- gcblich nichts. R.�A. Dr. Brandt: Warum haben Sie denn davon nichts im Schwurgerichtstermin gesagt? B l ö ck e r: Weil ich Angst vor dem Rogens und K r e u tz f e l d t halte, der als g r o h e r Schläger galt, und weil ich mit Kreutzfcldts Schwester verlobt war. Hierauf wird die Verhandlung aus Mittwoch vertagt. OerZlügetadjuiantvpneigenenGnaden Erst Schwindeleien in Sachsen, dann in Verlin. Der Kaufmann Guido Behrens aus Hainburg, der in der Rolle eines früheren Flllgeladjutanten des Kaisers große Betrüge- reien im Vogtland verübt und dortige nationale Fabrikanten um Hunderttausende geschädigt hat, wurde jetzt dem Schösjengericht Berlin-Mitte vorgeführt, um sich wegen weiterer Betrugshandlungcn und Urkundenfälschungen zu verantworten. Wie erinnerlich, hatte Behrens, ein erst Zljähriger Mann, sich selb st zum Offizier ernannt und sich auch selbst hohe Orden, darunter den pour le meritc, verliehen. In Auerbach und Plauen hatte er sich als„F ü g e l a d j u t a n t des Kaiser s" ausgegeben und es verstanden, Riesen mengen von Wäsche und Gardinen auf Kredit zu erhalten. Die Waren wurden von ihm dann verschleudert. In Brenicn ist Behrens wegen dieser Betrügereien bereits zu fünf I a h r e n Gefängnis, KOOO M. Geldstrafe und fünf Iahren Ehrverlust verurteilt worden. Die Strafe ist rechtskräftig geworden und Behrens verbüht sie gegenwärtig. Bor dem Berliner Gericht handelt es sich um Straftaten, die Behrens kurz vor seinen vogt- läudischen Abenteuer» verübt hatte. Als Vertreter einer Berliner Wäschcfirma hatte er mit Hilfe von 1? gefälschten Bestellschoinen Waren im Werte von etwa 300 M. erschwindelt. Rechtsanwalt Dr. Rübell legte den, Gericht nahe, dah dieser Neincre Stroffall gegenüber der unerhört hohen.Strafe, die Behrens in Bremen er- halten habe, nicht mehr ins Gewicht falle. Das Schöffengericht er- kannte auf 3 Monate Gefängnis, erklärte aber, daß diese Strafe in die bereits erkannte Gesamtstrafe ein�zu- beziehen sei, da gegen Behrens bei der Geringfügigkeit dieses Falles bei Bildung der Gesamtstrafe«» Bremen auch nicht cuis mehr erkannt worden wäre. Das Urteil wurde von dem Angeklagten angenommen._ Komiesse Monroy gesteht alles ein. Der Bräutigam ahnte nichts von dem Diebstahl. Die 23 Tohre alte Komtesse Helga M o n r o y wurde am Dienstag noch einem eingehenden verhör unterzogen. Sie hat nunmehr ein umfassende» Geständnis abgelegt. Wie sie behauptet, machte ihre Tante, bei der sie ja mit der Mutter wohnte, nach dem Tode des. Onkels im Oktober v. I. oec- schiedcnen Personen Zuwendungen, während sie selbst leer ausging, Das empfand sie um so mehr als Zurücksetzung, weil sie bis dahin das volle Vertrauen der Tante genossen hatte. Nach der Trennung von Mutter und Tante vor etwa It Tagen war die Komtesse darauf angewiesen, aus der entwendeten Kassette einige Sachen zu oerkaufen. Die Verhaftete hat nochmals ausdrücklich betont, daß ihr Verlobter, der Rittmeister a. D. von Wedel, nie etwas von dem Diebstahl geahnt hat. Auch ihm hatte sie das Märchen von der Erbschaft der Groß- mutier erzählt. Da der Rittmeister das Haus der Tante kannte, hatte er keine Veranlassung, an den Angaben seiner Braut zu zweifeln. Die Diebin wurde nach Abschluß der Vernehmung, bei der auch zahlreiche Zeugen aus ihrem Bekanntenkreise gehört wurden, dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Zuwelendiebstahl Llnter den Linden. Eine Agraffe im Werte von 60 000 Mark. Mit geradezu unheimlichem Raffinement haben am Dienstag zwei internationale Ladendiebe einen Juwelier Unter den Linden bestohlen. Der Inhaber hielt sich allein in dem hinter dem Ver- kaufsraum gelegenen Zimmer auf, wo er mit dem Entwurf einer Zeichnung beschäftigt war. Er war so in seine Arbeit ver- tieft, daß er das Anschlagen der Türglocke über- hörte. Als er nach geraumer Zeit den Laden betrat, sah er mitten im Raum ein Paar stehen, das keineswegs mit übertriebener Ele- ganz, sondern eher gut bürgerlich gekleidet war. Als er nach den Wünschen der Kunden fragte, erzählten die beiden, dah sie sich über getriebenes Silber und seinen Preis informieren möchten. Der Ge° schäftsmann gab Auskunft und legte auch Sachen vor, ein Kauf kam aber nicht zustande. Mit dem Bemerken, daß sie wiederkommen würden, entfernten sich die beiden.' Erst als eine Verkäuferin zurückkehrte, fiel ihr schon von draußen her eine Lücke in der Schau- sensterauslage auf. Es wurde nun festgestellt, daß von dort eine k.ostbare Agraffe mit Smaragden und Brillanten verschwunden war. Ohne Zweifel habe�i die beiden, der Mann und die Frau, sich unbemerkt eingeschlichen, nachdem sie vor- her die Agraffe im Fenster bereits„ausgesucht" hatten. Der Wert der Agraffe beträgt etwa 30 000 Mark. Der Bestohlene setzte sofort die Kriminalpolizei in Kenntnis, doch fand man bisher keine Spur von den Dieben. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß es sich um internationale Ladendiebe handelt. Die beiden falschen Kunden sprachen Deutsch mit hartem, russischem Akzent. Und wieder die Heidekrautbahn. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: Zum 1. April 1929 hatte sich auch endlich, auf dauerndes Drängen der Siedler der an der Bahnstrecke gelegenen Ortschaften. die Direktion der R i e d e r b a r n i m« r Kreisbahn, der so- genannten Heidekrautbahn, dazu entschlossen, Siedlerkarten einzuführen. Aber wider Erwarten machte es sich die Direktion sehr leicht, um den Fahrpreis zu ermitteln. Man lzclbierte einfach den Preis für die Sonntagsausflugkarte und nennt dieses Siedler- karte. Unverständlich mutet es an, derartige Fahrpreise als Er- Mäßigung für Siedler hinzustellen. So kostet Z. B. eine Fahrt für Siedler von Reinickendorf-Rosenthal bis Wandlitzsee(23 Kilo- meter) 0,75 Mk. Dazu kommt noch die Straßenbahnfahrt von 0,20 M.= 0,95 M. Demgegenüber sei kurz erwähnt, daß auf der Staatsbahn die einfache Fahrt für Siedler Berlin Stettiner Bahnhof bis Oranienburg(35 Kilometer) 0,25 M., oder Berlin Stettiner Bahnhof bis Bernau(A Kilometer) 0,20 M. kostet. Die Staotsbahn be- Bau- und Geldsorgen der Stadl. Die Kommunisten spielen die„weiter von Berlin". In der Stadiverordnetenversan, mlung nahmen gestern die Kommunisten wieder einmal den Mund sehr voll. Zu dem Beschluß des Haushaltausschusses über die Freigabe der Mittel für iin Haushaltplan vorgesehene Bauten wollte ihr Redner Letz glauben machen, daß nur die Kommunisten gegen die Abdrosselung der noch nicht begonnenen Bauten seien, über deren Behandlung der Ausschuß erst weiter- beraten und dann entscheiden wird. Genosse Krille antwortete ihm, daß die sozialdemokratische Fraktion nicht daran denkt, eine etwa geplante Abdrosselung aller dieser Bauten zu billigen und zu unterstützen. Sie wird etwas Derartiges nicht zulassen, obwohl auch sie erkennt und anerkennen muß, dah die Schwierigkeit der Geldbeschassung eine nochmalige Prüfung rechtfertigt und fordert. Nachher begründete Herr Letz einen kommunistischen Antrag, der die Notwendigkeit stärkerer Steuerüberweisungen vom Reich an Berlin betraf. Aus seine Anrempelungen der Sozialdemokratie erwiderte Genosse L o e w y, daß diese Forderung längst und immer wieder von Sozialdemokraten ausgestellt worden ist.* Die Kommunisten geben sich, wie wenn sie Berlin„retten" wollten. Liegt ihnen daran wirNich so viel? In einer Anfrage verlangte die sozialdemokratische Fraktion Auskunft vom Magistrat, ob es wahr fei, daß das Land- fchulheim Zossen demnächst eingehen soll und was zur Erhaltung des Heimes geschehen soll. Genosse Witlbrodk sagte, gerüchtweise verlautet, daß man das Landschulheim in Zossen, von der Stadt Berlin erst vor wenigen Iahren mit vielen Kosten errichtet, wieder eingehen lassen wolle, weil der Illilitärfiskus da» Gelände zurückverlangt. In der kurzen Zeit seines Bestehens habe da» Landschul- heim außerordentlich segensreich gewirkt, die Kinder kommen von dort frisch gekräftigt an Geist und Körper zurück, ihr Fortkommen in den Stadtschulen wird erleichtert. Berlin hätte alle Veranlassung, die wenigen vorhandenen Landschulheime zu erhalten. Das Heim in Zossen müsse bestehen bleiben oder mindestens durch ein gleich- wertiges ersetzt werden. Dürgermeisier Kcholß: Die Heeresverwaltung verlangte vom Magistrat die sofortige Räumung einer Anzahl Barocken, was abgelehnt wurde. Seither ist es still geworden und aus dieser Stille ist zu schließen, dgß die Sache erledigt ist. Die Kommunisten beantragten Besprechung der Anfrage, um ihre Reden loszuwerden. Aber es fanden sich von den Fraklionsmit- gliedern nicht soviel zusammen, daß die Unterstützung ausreichte.— Dann gab's bei einer Anfrage der Deutschnationalen einige Heiterkeit. Die Entsendung einiger Stadträte zu Studienzwecken noch Amerika benutzten die Stadtfeinde von rechts dazu. Angriffe gegen den Magistrat zu richten, und besonders Herr Psundtner machte einige Witzchen über die mutmaßliche Tätigkeit der Stadträte in Amerika. Bürgermeister Scholtz gab den Deutschnationol«» zu bedenken: Berlin, die Viermillionenstadt. kann nicht mehr von heute auf morgen verwaltet werden. Die Schaffung neuer Markthallen-, Schlachthof- und Verkehrsanlagen wird in Zukunft so großzügig erfolgen müssen, daß man nicht genug Ersahrungen dafür sammeln kann. Gewiß können sich die Früchte der Studienreise erst nach Iahren zeigen, aber die geringste Erfahrung kann der Stadtverwaltung soviel Ersparnis beim Bau und im Betrieb einbringen, daß die verhältnismäßig geringe Summe für die Reise gar nicht ins Gewicht fällt. Der Magistrat steht auf dem Standpunkt, daß ihm dann«in Vorwurf gemacht werden könnte, wenn er die später zu mocheirden Borlagen� ohne ge- nügende Information den Stadtverordneten vorgelegt hätte. Stadt- verordneter Lüdicke(Dnat.) vermißte die Entsendung eines Tier- arztes als Sachverständigen für Schlachthöfe. Genosse Flatau be- tonte, daß es merkwürdigerweise gerade unter den Tier ärzten viele Deutschnationale gäbe(große Heiterkeit) und daß es doch wohl an dem deutschnationalen Dezernenten jür die Schlachthöfe, dem Stadtrat Richter, gelegen haben muß. wenn kein Tierarzt mitgefahren ist. Die Deutschnationalen waren wieder einmal abgewiesen.— Im Bezirk Prenzlauer Berg müssen klein- qärtner ihr Laubenland ausgeben, weil es für die Anlage von Straßen gebraucht wird. Ein Urteil des Kleingarten-Schiedsgericht» sprach den Kolonisten 14 047 M. Entschädigung zu; die Bezirks- körperschaften weigern sich, sie auszuzahlen. Die sozioldemo- k r a t i s ch e Fraktion fragte den Magistrat, ob er das Urteil an- erkennen wolle. Stadlrat Genosse Ezeminski sagte, das Schied-- gericht hätte nur zu entscheiden gehabt, ob ein ausreichender Grund für die Kündigung vorlag: die Festsetzung einer Entschädigung wäre nicht sein Amt gewesen. Die Abstimmung Über_ einen inzwischen eingebrachten Antrag in der Angelegenheit und einen� Zusatzantrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde vertagt.— Einiges Debattieren löste die Vorlage des Magistrats wegen der Ausweisung der Friedhöfe Bergmann-, Züterboger, Golfzener und Züllichauer Straße als Freiflächen aus. Um die' Friedhöfe, die herrlichen Baumbestand haben, später im Interesse der Volksgcsundheit erhalten zu können, sollen sie schon jetzt als Freiflächen ausgewiesen werden, um sie nicht der Bau- spekulation auszuliefern. Di« Deutschnationalcn protestierten gegen die Ausweisung, sie wollen den Kirchengemeinden die Bersügung über die Friedhöfe erhalten. Die Abstimmung wurde vertagt. Roch reichlicher Debatte wurde die Freigabe aus Mitteln der außerordentlichen verwallung in Höhe von 125 Millionen Mark beschlossen. Aus den Mitteln der ordentlichen Verwaltung wurden für Zwecke des Straßenbaues und für Volksschulbauten insgesamt ISl-i- Millionen Mark freigegeben.— Zu einem Slntrag der Kam- munisten, betreffend Maßnahmen zur Erhöhung der Relchssteuer- Überweisungen und zur Beseitigung der Verbrauchssteuern und Zölle bemerkte Genosse Dr. Löwy, daß es nicht erst eines Antraqes der Kommunisten bedurfte, um die Ungerechtigkeit bei der Zu- weifung von Reichsmitteln an die Städte zu beweisen. Die s o- zialdemokratische Fraktion und der„V o r w ä r t s" hoben stets dagegen protestiert. Die Fraktion werde den sachlichen Teil des Antrages annehmen, den„Kraut- und Rüben-Anhang" aber ablehnen. Abstimmung vertagt!— Beschwerden über Lehrlingsheime der Stadt brachte Frau Stadtverordnete Hoffmann-Gwinner(Komm.) vor. Bürgermeister Scholh sagte Prüfung der vorgebrachten Borfälle Zu. Die weitere Aussprache wurde vertagt. rechnet für zirka 1,5 Kilometer— 0,01 M. die Heidekroutbahn da- gegen für ihren angeblich kostspieligen Betrieb mehr als das Doppelte des«taatsbohntarifes für 1 Kilometer. Es wird behauptet, auch die Stadt Berlin fei mit zirka 50 Proz. an den Aktien der Riederbarnimer Kreisbahn beteiligt. Hier bietet sich ein großes Betätigungsfeld für die Stadtverordneten. Jahre- lang warten die Anlieger auf moderne und billige Berkehrsverhält- niffe, aber das Motto der Gesellschaft bleibt nach, wie vor: teuer und schlecht. Geschützt wird die Bahn durch ein in Deutschland angeblich bestchndes Kleinbahngesetz, wonach dieselbe kein billigeres Verkehrsunternehmen neben sich zu dulden braucht. Demzufolge ist auch der Fahrpreis der Omnibustinie Stettiner Bahnhof— Wandlitzfee für eine einfache Fahrt auf 1,50 M. festgesetzt worden. Arbeiierlos/ Lieber tot als ohne Glieder. m*; 125 Siedler dürfen nicht bauen. Weil das Polizeipräsidium eö nicht erlaubt. Der Beseitigung der Wohnungsnot steht nicht nur der Geld- mangel des Reiches entgegen, sondern auch der Bureaukratismus mancher Behörden. Biele Siedler können ein Lied singen von der Langsamkeit, mit der ihre Anträge bei verschiedenen Behörden be- handelt werden. Wie oft gewinnt es auch den Anschein, als ob es den Behörden wichtiger ist, Gesetzesparagraphen in kleinlicher Weife auszulegen, als einem Siedler ,zu Helsen. Das Wohnungsamt sollt« wirklich einmal errechnen, wieviel Wohnungen für Wohnungslos« allein dadurch besetzt werden kontrten, daß der bisherige Wohmmgs- inhaber sich selbst ein kleines Häuschen gebaut hat. Was nutze» alle guten Verordnungen, die arbeitenden Volksschichten bei ihrer Sied- lungstätigkeit zu fördern, wenn eine Behörde die gute Absicht der andere» vernichten kann. Zurzeit haben sich die Siedler in Grünau-Süd zu beklagen. Dort haben sich 125 Eisen- bahner und kleine Angestellte eine Parzelle ge- kauft und wollen nun auch bauen. Es wurden alle Behördenftellen in Bewegung gefetzt. Nach mvnatelangen Verhandlungen gelang es, alle Wünsche des Bezirksbauamtes zu erfüllen und das war nicht ganz leicht für die nicht gerade finanzstarken Siedler. Mit großem Opfermut wurde alles geregelt. Der Baufluchtplan— der für die Siedler weit über 600 Mark kostete— wurde hergestellt. Die Sjedler verpflichteten sich, erheblich« Kosten für die Straßen- anschlusse herzustellen. Der Plan ging zum Polizeipräsidium und zum Erstaunen aller kamen von dort Einwendungen. Weil über die Straße, die zur Siedlung führen soll, ein Privatbahn- gleis liegt, auf dem tagtäglich ein— sage und schreibe«in« einzig« — Lore zum Güterbahnhof gefahren wird, darum dürfen 125 Siedler nicht bauen. Alles, was in monatelangen Verhandlungen mühsam ausgebaut wurde, wird vergeblich, wenn das Polizeipröstdium auf seinem Standpunkt beharrt. Alle Behördenftellen sollten es als ihre groß« Aufgab« be- trachten, die Kneife der Bevölkerung, die die Lösung des Wohnungs» Problems praktisch in Angriff nehmen, nicht an der Arbeit zu hindern, sondern ihre Arbeit zu unterstützen. Darum glauben wir auch, daß recht schnell ein Weg gefunden werden muß, um den fleißigen Siedlern endlich einmal die Vauerlaubnis zu erteilen. Unmöglich ist es auch, daß von den Siedlern verlangt wird, daß sie allein die Mittel ausbringen sollten, um die Straßen zu pflastern. Das wären 300 000 Mark Kosten nnd für 125 Siedler. Auch hier muß ein Weg gefunden werden, um den Siedlern zu Helsen. Magdeburg verklagt IameS Klein. Die Stadtverwaltung Magdeburg hat gegen den Theaterdirektör James Klein, dessen Unternehmen„Theater der Fünftausend" zusammengebrochen war, Strafantrag gestellt: James Klein hat den Pachtpreis für das von der Stadt- Verwaltung zur Verfügung gestellte Gelände mit einem u n g e- delten Scheck bezaM Karlsbad. 28. Mai. �(Eigenbericht.) Bei einem Neubau war vor einigen Tagen der Monteur Gruß durch eine Benzinerplosion schwer verunglückt. Dos Leben wäre durch eine teilweise' Arm- und Bgin- amputation zu retten gewesen. Der Verunglückt« ober erklärte, er wolle lieber sterben, als ohne Glieder herumlausen. Sein letzter Wunsch war. in der Wohnung seiner Eltern, deren einziger Sohn er war, zu sterben. Man brachte den Unglücklichen dorthin, und bald trat der T o d ein. Mii Dynamit gegen die Geliebte. Liebesdrama in Böhmen. Prag. 28.� Mai. In Joachimsthal hat der verheiratete Tabakarbeiter Anton Streit, Vater zweier Kinder, in der Wohmmg der verwitweten Tabakarbeitcrin Emma G l e n t h e r, die er mit Liebesanträgen verfolgte, nach einer heftigen Auseinandersetzung eine Dynamitpatrone zur Explosion gebracht. Streit selbst wurde durch die Explosion getötet, während die Glenther schwere Verletzungen erlitt, denen sie dann bald nach ihrer Einlieferung in das Karlsbader Krankenhaus erlag. Der Tod des Motorradfahrers. Aus noch ungeklärte Weise ist gestern abend der 24jährige Motorradfahrer Helmut B ü h r i n g aus der Derfflinger- st ratze in Lankwitz ums Leben gekommen. B. wurde Unter den Eichen in Lichterfelde neben seinem schwer beschädigten Mo- torrad bewußtlos auf dem Fahrdamm aufgefunden. Man schaffte ihn ins Kreiskrankenhaus Lichterselde, wo er kurze Zeit nach seiner Einlieferung an den Folgen eines Schädelbruches und innerer Verletzungen st a r b. Da Zeugen bisher nicht er- mitielt werden konnten, ist noch unbekannt, ob der tödlich Berun- glückte gestürzt ist oder von einem fremden Kraftfahrzeug überfahren und hilflos liegengelassen wurde. Die Kriminalpolizei hat die Nachforschungen ausgenommen. Mittwoch 29.Moi 1929 Unterhaltung unö �Dissen Beilage des Vorwärts IL Berlinden: �igerjagd im �Dschungel Eine volle Stunde schon rollte der Karren mit den Zebuochsen und den Scheibenrädern langsam dahin, tauchte in den Schatten von Hügeln und Wildnis, querte einen Bach und kam den Dschungeln näher. Draußen rennen die Hindus mit schweißnossen Körpern am Gespann entlang. Ein wilder, penetranter Geruch füllt das Innere des Wagens und bleibt an Kleidung und Wänden hän- gen: das ist die Stunde des Vergehens und zugleich die Stunde des neuen Lebens. Ein kurzer, wenige Minuten dauernder Platzregen wird das neue Leben aus der Erde zwingen. Welch ein Abenteuer, dies allein! Die Moskitos und Insekten schwärmen durch die Dunkel- heit und die Nacht hängt ties über den Landschasten: immer lauter rauscht das Streichorchester der Zikaden und strömt die Serenade des Kleingetiers über uns hinweg. Der Plantagenbesitzer Peters reichte die Whistyflasche herum. Der scharfe, schwüle, peinigende Geruch verstärkt sich. Enger halten die Eingeborenen an den Wagen. Von draußen herein hallt der Ton eines streifenden Wildes: dunkel erdröhnt die Erde unter dem Gang sines Elefanten. Di« Bäche füllen sich, als würden sie das verlorene Wasser aus dem Ozean saugen und fließen zurück in das Schwarz des Urwaldes. Der Himmel ist tiefschwarz und dennoch ist es dämmerig, als käme dieses dunkle Licht aus einer transparenten Erde. Es ist mir, als sähe ich die Bäume wachsen, als füllten sich die Gewässer mit lauten Stimmen, als redeten mit einer unverständlichen Sprache die Sümpfe. Der Eingeborene, dessen weißer Sarong zu uns hereinleuchtet und der die Botschaft von dem Ueberfall des Tigers gebracht hatte, bleibt plötzlich stehe». An seiner Seite äugt Marjadi in das Dunkel. Dreimal war der Molaye mit Peters auf der Dschungeljagd, aber immer wieder ergreift ihn das Enssetzen vor den Dämonen: denn olles, was unter der Sonne Indiens lebt, olles Leben ist gleich- bedeutend mit einer Gottheit. Das Leben i� der Inbegriff der Gottheit. Hinter einem kleinen Bestand von Palmen und Teakbäumen halten wir an. Wir horchen in das Gespräch, in das Lärmen der Nacht: aber nichts hören wir von der Nähe des Tigers. So halten wir, eng beisammen, lauschend in das ewige Rätsel der tropischen Nacht, von den Mücken überfallen, eine Beute der Insekten, preisgegeben den Millionen Feinden, in banger, quälender Stille au». „Der Wechsel!* flüstert Peters, der den Geruch des Raubtieres kennt. Wir dringen in die Dschungeln ein, longsam, vorsichtig: noch einigen Minuten kommen wir auf den Kampfplatz, auf dem das niedergeschlagene Rind des Urwaldes liegt: mit aufgerissenen Adern, daraus der Tiger das Blut getrunken. „Er hat getrunken,' sagte Peters,„bald wird er sich die Nahrung holen.* Wir kehren eilig zurück, mit drei Hindus«ine Doppelpolme er. lletternd: indes der Rest der anderen Eingeborenen hinter einen dichten Wall der niederen Bäume geschickt wurde, richten wir uns einen Platz zur Beobachtung. Niemand rührt sich- Wir sitzen zwei Stunden long, das Ge- wehr schußbereit auf den Knien. Ich denke an eine Jagd auf Krokodile: sie ist spannender und weniger gefährlich als eine solch« noch dem Raubwild der Dschungel, quälend, schweißtreibend und auf- regend.„Jeder Tiger,* flüstert Peter, kaum hörbar,„kehrt zur Beute zurück, außer in der Regenzeit.* Wir warten und abermals vergesse ich merkwürdigerweise auf den Schuß in das Dunkel, in das rasende, tolle, gierige Leben, das in dieser Nacht gleichsam aus dem Nichts, aus den Lüsten quillt, tausendfach, unzählbar: eine Quelle des Lebens. Und mitten hinein, in diese betäubende Quelle des Lebens will Peters den Schuß ob- feuern, nichts anderes wn, als diese Erde tut, das Naturgesetz es sordert. In den dämmerigen Umrissen der Lichtung sehe ich jedes Ziel schwankend werden.. Ich habe den beißenden, scharfen Gestank der Beut«, des niedergeschlagenen Rindes in der Nase: wenn ich die Hand hebe, schwirren die Insekten um mich auf. Ich sehe zwei Lichter von unten heraufglühen: aber nichts geschieht: sogar die ge- liebte Pfeife wird zu einer Gefahr. Und während ich über den Sinn dieser qualvollen Stunden nachdenke und einen faustgroßen Käfer von meinen Knien schleudere, flammt plötzlich der Blitz des Schusses auf. Feuergelb ist die Nacht durchlocht, für eine Sekunde zerrissen— dann bricht wieder die Dunkelheit herein, tiefer, gefährlicher, grauen- hofter als je: und hoben wir einen Feind dort unten auf der Erde. Eine Stille lastet auf dieser Erde: dann kommt ein müdes, ver- lorenes Echo des Schusses, als hätte er dieses beispiellose Leben ver- mchtet. Aber bald beginnt es wieder wildbrausend von neuem sich zu erheben: die Sümpfe, die Dschungel, die Banianen und Lianen. selbst in den Palmen hängt ein hölzernes Rauschen. Aber von dem Feinde keinen Laut. „Ich habe gefehlt!* sagt Peters neben mir, mit einer Stimme, die ich nie vergessen werde. Zwei volle Stunden mußten wir auf dem marternden Hochsitz bleiben. • In der frühen, blassen erwachenden Dämmerung, die über die Dschurijjel streicht, ist der Platz unten leer. Das Rind liegt allein. In der Ferne ertönt der Schrei eines Wildes, wie der eines Schakals. Das Orchester der Insekten verstummt langsam. Wir klettern zur Tiefe. Verängstigt und schlaflos kamen die Eingeborenen zurück. Peters schweigt. Ein« halbe Stunde hatte er nach der Spur des Tigers gesucht: er hatte sie nicht gefunden. Dann steigen wir wieder in unseren Zebuwagen. Die Hindus sind fröhlich und laufen eilig und tratschend neben dem Wagen ein- her, den Dörfern zu, Peters hat die Büchse noch immer schußbereit auf den Knien liegen.„Er verfolgt uns, es ist Zeit, daß wir nach Haufe kommen." Rascher geht es dahin. Im Trab. Es lärmt dunkel über der nun wieder trockenen, dürstenden, weichen Erde auf. Die Hindus sind vorausgeschickt und bald hinter einem Hügel verschwunden. Eine Stunde später ereignete sich etwas Seltsames: etwas, das ich nicht glauben würde, etwas Unfaßliches. Während wir aus dem Wagen gestiegen waren, um über eine Höhe einen kürzeren Seitenweg einzuschlagen und dem glühenden Strahl der Morgensonne zu entgehen, erreichten wir unter schattigen Farnen bald das Campoung: wir hörten ein dumpfes, krachendes Gebrüll. Peters blieb stehen und lauschte in die Wildnis zurück: ein Schatten wechselte über sein braunes Gesicht.„Das Gespann!* rief er plötzlich,„der Tiger hat die Zebus überfallen!* Dann setzte er, im glühenden Sonnenmorgen, nach dieser gräßlichen, nassen, schwülen, dumpfen, durchwachten Nacht, zum Laufe an, und hinter dem Hügel weg sehen wir den Ochsenkarren in rasender Fahrt. durch die Bazarstroße auf den Gemeindeplatz stürmen. Und mitten auf dem Wagen, unterstem zerrissenen Blätterdach, brüllend, vom rasenden Lauf der Ochsen verstört und gehindert, von der unter ihm dahinfließenden Erde verwirrt, wild in seiner Angst, willenlos, unentschlossen, völlig machtlos geworden, hält sich der Tiger in den hölzernen Wänden berfangen. Er hatte in seinem Sprung, der zu kurz gewesen sein mochte, um die Zebus zu er- reichen, das Dach eingerissen und nun stand er dröhnend in seinem Gebrüll mit schwankendem Leib auf dem dahinrasenden Wagen, den gelbbraungestreiften Kopf hoch in die Lust geworfen, mit geöflneten Lefzen und blanken, schimmernden Zähnen- Ein zweiter Schuß dröhnte, jagte die Menschen an die Fenster und unter die Häuser und... als hätten es die Zebus begriffen— sie blieben mit einem Ruck stehen. Und mit dumpfem Fall schlug der getroffene Körper des Tigers über den Wagen, das Dach hinterherreißend, auf den heißen, rot- braunen Sand. Dorm Snde der Siraßenbahn? Der Generalrat des Seine-Departements, der sich in seiner kommenden Session mit einem großzügigen Projekt der einheitlichen Verkehrsregelung in Paris befassen wird, wird bei dieser Gelegen- heit wahrscheinlich den Beschluß fassen, die Straßenbahn abzu- schaffen. Seit mehr als vier Jahren kämpft man in Paris schon um diesen Beschluß. 1924 bereits eröffnete die Pariser Presse säst einmütig«inen heftigen Kampf gegen die Straßenbahn, die sich nicht mehr als Verkehrsmittel einer modernen Großstadt anerkennen läßt. Nun steht die forffchrittliche öffenttiche Meinung dicht vor ihrem Siege über die Kommunalbehörden, die sich vier Jahre lang der Erkenntnis der Notwendigkeit der Beseitigung der Straßenbahn verschlossen haben. Das Problem der Straßenbahn wird bald auch in Berlin und den übrigen deutschen Großstädten akut werden.(Eine deutsch« Großstadt, Wiesbaden, hat seit dem 1. April 1929 ihren Straßen- bahnoerkehr eingestellt und bedient sich nur noch der Omnibusse.) Deshalb find die Vorgänge in Paris und die Beschlüsse in bezug auf die Straßenbahn von großem Interesse. Die Straßenbahn ist kein Verkehrsmittel mehr, sie ist einer modernen Großstadt«in Verkehrshindernis.- Ihr fehlt das wichtigste Wahrzeichen, die charakteristische Eigenschaft«ine» modernen Ver- kehrsmittels: das Steuer. Eine Straßenbahn kann nicht gelenkt, sie kann nur gebremst werden. Eine Straßenbahn kann nicht aus- weichen, alles muß ihr ousweichen. Das wäre kein Schade, wenn und solange sie sich allein auf ihrer Straße befindet. Das ist er- träglich und nützlich für die Eisenbahn, für die Untergrundbahn, für die Schwebebahn, das ist unerträglich auf einer Straße, die eben nicht der Straßenbahn allein, sondern in viel höherem Maße den übrigen Verkehrsmitteln gehört. Das Rechenerempel, da« so nah« liegt, um die Bedeutung der Straßenbahn festzustellen, kann jeden Tag auch in Berlin unternommen werden oder in einer anderen deutschen Groß- stadt. Man zähle einmal an einem wichtigen Verkehrspunkt die diesen Punkt passierenden Straßenbahnpassagiere und alle übrigen Passagiere der Autobusse, der Taxis, der Privatwagen, sowie die Lasten der Lastwagen. Das Ergebnis müßt«, wenn es die Existenz der Straßenbahn rechtfertigen sollte, eine vier- bis fünffache Ueber- legenheit der Straßenbahnpassagiere zeigen. Denn die Straßenbahn vermindert heute den Verkehr der Großstadt, besonders in den inneren Stadtteilen, mindestens auf ein Viertel seiner sonstigen Leistungsfähigkeit. Es handelt sich ja nicht nur darum, daß in vielen Straßen mehr als«ine Hälft« des Fahrdamms von den zwei Straßenbahnschienen fortgenommen und damit für den übrigen Ver- kehr praktisch ausgeschaltet wird. Auch der Wert des verbleibenden Restes des Straßendammes wird mindenstens um die Hälfte ver- mindert durch die Unbeweglichkeit der Straßenbahn. An jeder Halte- stell« stockt vollkommen der Verkehr und mit der Straßenbahn müssen alle anderen Fahrzeuge ebenfalls anhalten, um den Passagieren ein ungefährdetes Ein- und Aussteigen und einen Verkehr vom Bürger- steig zu der Mitte des Straßendammes zu gewährleisten. Jede Störung im Straßenbahnverkehr ist gleichbedeutend mit völliger Ver- stopfung der betreffenden Verkehrsstraße und meistens noch der Straßen im anliegenden Block. Es ist also eine sehr niedrige Schätzung, wenn man annimmt, daß die Straßenbahn die Bedeutung und den Wert unserer Verkehrsstraßen auf ein Viertel oder ein Fünftel reduziert. Dazu kommt noch ßie technische Unvollkommenheit der heutigen Straßenbahn. An jeder Straßenecke spielt sich folgender Vorgang ab: Die Straßenbahn, die eben von der Haltestelle abgefahren ist, wird wieder abgebremst, der Fahrer öffnet das Fenster seines Dorder- perrons, tastet nach der 254 Meter langen unhandlichen Weichen- stanze und versucht die Weiche zu stellen. Dabei entdeckt er nach mehreren vergeblichen Versuchen, daß er um 10 Zentimeter zu weit gefahren ist. Er gibt das Klingelzeichen nach hinten, daß er rück- wärts zu fahren wünscht. Der Schaffner dee Hinterperrons bemüht sich durch minutenlanges Winken den Schaffner des Anhängers darauf aufmerksam zu machen, daß man 20 Zentimeter rückwärts rücken muß. Inzwischen sind vier elektrische Bahnen so nah aufgerückt, daß das Problem sich nur lösen läßt, wenn auch sie alle 1 Meter rück- wärts rücken. Der Fahrer des zweiten Wagens gibt also sein Signal rückwärts und sein Schaffner beginnt wieder zu gestikulieren, bis endlich da» Signal am vierten Wagen angelangt ist, der dann die Rückwärtsfahrt antritt, dabei möglichst noch ein Auto rammend. Alles fährt 1 Meter rückwärts, der Fahrer des ersten Wagens kann endlich seine Weiche richtig stellen. Er hängt seine Weichenstange wieder auf, schließt sein Fenster, fährt an und hält wieder, denn die Rolle ist von der Leitschiene gesprungen. Wiederum Klingelsignol nach hinten. Der Schaffner bemüht sich erst vom Perron aus drei Minuten lang, die Stange mit der Rolle wieder auf den Draht zu bringen, vergeblich! Er steigt ab und beginnt das Experiment nunmehr vom Erdboden aus. Inzwischen hat die Verkehrsstockung drei ganze Straßenzüge erfaßt. 50 elektrische Wagen sind ange- laufen, mehrere hundert Automobile sind zu einem unentwirrbarem Knäul verwickelt. Wer das täglich sechs- bis siebenmal miterlebt, der weiß, warum die Pariser ihre Straßenbahnen abschaffen und sich selbst vor den großen finanziellen Mitteln, die der notwendige Aus- bau der Untergrundbahn und des Autobusparks erfordert, nicht scheuen. P. H. Vachweis der Silutorerwandiichafi Professor Zangemeister aus Königsberg hat vor einigen Tagen auf dem Kongreß der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie in Leipzig einen Vortrag gehalten, demzufolge er das Problem des sicheren Nachweises der Vaterschaft gelöst hat. Nun sind auf dem Gebiete der Vaterschaftsbestimmung schon seit Iahren mit Hilfe der von Landstemer im Jahre 1901 gemachten Entdeckung der so- genannten„Blutgruppenzugehörigkeit* die umfangreichsten Versuche' gemacht worden, die größtenteils bereits erfolgreich waren. Es fragt sich nun, worin sich die neu« Methode von Zangemeister von der bis- herigen Blutgruppenuntersuchung von Landsteiner unterscheidet? Auf die kürzeste Formel gebracht besteht der Unterschied darin, daß die bisherige Art und Weife der Blutuntersuchung ein negativer Beweis war, während die Mechode von Zangemeister einen positiven Beweis ermöglichen soll. Es ist bekannt, daß das Blut der Menschen in vier verschieden« Gruppen zerfällt und die Wissenschast nimmt an, daß die Kinder stets entweder der Blutgruppe der Mutter oder der Blutgruppe des Daters angehören müssen. Wenn ein Kind seinem Blut« nach weder der Gruppe der Mutter, noch der des Vaters angehört, dann ist, da die Tatsache der Mutterschaft feststeht, mit Sicherheit anzunehmen, daß derjenige Mann, der als Vater betrachtet wird, tatsächlich nicht der Erzeuger des Kindes ist. Also nur in diesem negativen Falle kann die Taffache festgestellt werden, denn wenn das Kind auch der Blutgruppe des Daters angehört, so darf woh� erwartet werden, daß der Betreffende der Erzeuger des Kindes ist. Notwendig ist es aber durchaus nicht, denn jeder ander« Mann, der der gleichen Blutgruppe angehört, wie der Dater und das Kind, kann gleichfalls der Vater sein.« Professor Zangemeister hat nun«ine Methode ausgearbeitet. die darüber weit hinaus geht. Mit ihrer Hilfe kann nämlich die Ver- wandffchaft zwischen Kind und Mutter und zwischen Kind und Vater völlig unzweideutig festgestellt werden. Die Methode ist eine Be- stätigung einer langgehegten Vermutung. Wenn zwischen zwei Menschen derselben Rasse eine Verwandtschast der Blutgruppen de- steht, so tonnte man mit Recht annehmen, daß zwischen so nahen Blutsverwandten wie Eltern und Kindern ein« noch innigere Zu- sammengehörigkeit durch das Blut vorhanden sein muß, als zwischen Angehörigen der gleichen Blutsgrupp«. Es war nur bisher noch nicht möglich, dieses unzweideutige Verwandtschaftsverhältnis zwischen Kindern und Eltern festzustellen, und man mußte sich darum damit zufrieden geben, auch in diesen engen Verwandtschaftsbeziehungen höchstens ähnliche Verbindungen festzustellen, wie zwischen sehr vielen Menschen von gleicher Rasse.(Auch nicht alle Angehörige der- selben Rasse gehören zur selben Blutgruppe.) Zangemeister bedient sich für seinen Nachweis der Verwandtschaft des Ultramikroskops und anderer Errungenschaften der modernsten Forschung, die einen Fehler fast ausschließen. Die Gelehrten behaupten schon jetzt, daß die Blutprobe enffcheidend sei. Bei einem Prozeß vor einem Münchener Gericht, der vor we- nigen Wochen stattfand, erklärte Professor Dr. Merkl, daß die Blut. probe zuverlässig sei. Ein anderer Sachverständiger, Unioersitäts- Professor Dr. Molitores, erwähnte dabei, daß nach einer in der letzten Zeit erschienenen Zusammenstellung bei etwa 5000 Mutunter- suchungen nur 36 Fälle von der Regel abgewichen seien. Zwar ist diese Anzahl sehr gering, aber für eine einwandfreie wissenschaftliche und juristische Beweissührung ist sie viel zu groß. Erst die Me- thode von Zangemeister wird diesem Uebesstand abhelfen, weil auf diese Weise die enge Verwandschaft der Blutsära von Kind und Mutter und Kind und Vater nachgewiesen werden kann. nißeryllium", ein Wielall der SEukunH Die deutschen Chemiker haben auf ihrer diesjährigen Breslauer Tagung sich ein Referat über„Beryllium" von Prof. Stock(Karls- ruhe) erstatten lassen. Redner erinnerte daran, daß Beryllium vor 100 Jahren fast gleichzeitig mit Aluminium und Magnesium her- gestellt wurde und daß es bis vor kurzem ein schwer zugängliches Metall von rein wissenschaftlicher Bedeutung war. Auch die elektro. lytische Darstellung stieß auf Schwierigkeiten wegen des hohen Schmelzpunktes von 1285 Grad. Neuere Versuche von Goldschnndt, Stock und ihren Mitarbeitern sowie deren technische Fortbildung durch Sieittens u. Halste haben aber den Zugang zu dem wert- vollen und bedeutsamen Material erleichtert. Jluch in den Vereinigten Staaten hat man sich neuerdings dieses Metalls an- genommen. Der Berylliumpreis wird nach der bevorstehenden Fertigstellung einer Anlage bei Siemens u. Halske, die ein« Tonn« Metall im Jahre liefern soll, etwa eine Mark je Gramm betragen und bei steigendem Verbrauch weiter sinken. Da nian auch natür- liche Vorkommen an vielen Orten entdeckt hat, ist jetzt genug Beryl- lium für Versuche großen Maßstabes vorhanden. Das reine Metall eignet sich wegen seiner großen Durchlässigkeit, die siebzehn- mal besser ist als bei Aluminium, sür kurzwellige Strahlungen zur Anwendung in Röntgenröhren usw. In Amerika setzt man Hoff. nungen auf die leichten Legierungen von Beryllium mit Alu- minium, während man in Deutschland seine Hauptaufmerksam- keit den Legierungen mit Schwermetall schenkt. Beryllium-Bronzen aus Kupfer mit einigen Hundertsteln Beryllium besitzen hohe elet- irische Leiffähigkeit und lassen sich auf Stahlhärte bringen, womtt sie für stark beanspruchte Konstruktionsteile wertvoll werden. Eine groß« technische Zukunft fft auch für gewisse berylliunchaltige Eisen- legierungen zu erwarten. Aus einem interessanten Beryllium-Film ergab sich u. a. der gewaltige Preissturz dieses wertvollen Metalls von 200 Mk. je Gramm im Laufe von sieben Iahren auf ein« Mark. Zukunst der Getreidewirtschast. Unmögliche Pläne.— Die Angst vor dem Monopol.— Törichte Behauptungen. Di« r?tzt«n Tage und Wochen haben eine chochflut von Sa« nierungsplnnen für die deutsche Getreidewirtschast gebracht. Zu einem dieser Pläne, der Preisonsgleichsgebühr, haben wir bereits im„Vorwärts" vom 14. Mai Stellung genommen. Die wider- sprechender» und teilweise absolut unsinnigen Forderungen der landwirtschastlichen Organisationen und insbesondere des Handels zwingen jedoch, noch einmal zu den Problemen der deutschen Getreide wirtschost Stellung zu nehmen. Die Mängel und das Ziel. Die Hauptmängel, unter denen die deutsche Getreidewirtschaft leidet und die daher nach Möglichkeit abzustellen sind, sind die kolossalen Preisschwankungen, die von einem Jahr zum anderen M bis 5<1 Proz., ja 1925/26 zirla 100 Proz. betragen. Heute sind wieder einmal die Weizenpreise für die Landwirtschaft unbefriedigend. Es gilt daher, die Preise auf einem die Verbraucher- und Erzeuger- interessen berücksichtigenden Niveau zu stabilisieren. Daß beispielsweise die Präsidentenwahl in Amerika den Preis drücken oder steigern, oder daß plötzlich unerwartet austretende Ausfuhrüberschüsse Polens die deutschen Getreidepreise stark her- unterdrücken, ist ein unmöglicher Zustand. Planmäßige Organi- sation muß an die Stelle blinder Zufälle treten. Aeußerst wichtig ist dabei, daß eine nteitmöglichste Einengung der Preisschwankungen für Getreide auch eine Verbilligung des ganzen Handels bringen muß, und mit dem Wegfallen von Risiken und Verlusten eine Zusammenpressung der unnatürlich aufgeblähten Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen. Drei Wege zum Ziel. Die ungünstige Entwicklung der Weizenpreise macht«ine be- schleunigte Lösung dieses Organisationsproblems dringlich. Aus den.zahlreichen in den letzten Wochen gemachten Vorschlägen lassen sich drei Hauptpläne herauskristallisieren: 1. eine schematischc Erhöhung der Getreidezölle um zirka 50 Proz.(bei Futtergerste um 1.V) Pro.�!), wie sie in den Anträgen der agrarischen Parteien gefordert wnrde. Von sozial! st ischer Seite wurde wiederholt noch- gewiesen, daß«ine solche starre Zollerhöhung ohne Berücksichtigung der Preisverhöltnisse nicht nur zu Zeiten hoher Weltmarkipreis« zu einer übermäßigen Teuerung und unerträglichen Bedrückung der Lebenshaltung der Massen führen muß, sondern daß sie auch nicht imstande ist, zu Zeiten niedriger Weltmarktpreise dem Landwirt angemessene Getreidepreise zu sichern. Mit einem starren, wenn auch noch so hohen Zoll spssen sich Preise nicht stabilisierein Die Schwankungen des Weltmarktes übertragen sich unvermindert auf die inländischen Getreidepreise. Auch von Agrarsührern wurde dies bereits erkannt. Die Forderung nach einer zentralen Regelung der Getreideeinsuhr, wie sie in dem Programm der„Agrarfront" enthalten ist, entspringt dieser Erkenntnis. Wenn trotzdem die agrarischen Parteien nun in ihren Reichstagsanträgen in die öden veralteten Zollforderungen zurückfallen, fo ist das in ihrem eigenen Interesse und im Interesse einer ehrlichen produktiven.Zusgmwenarbeit von Erzeugern und Verbrauchern bedauerlich: denn auf diese Forderungen gibt es nur eine Antwort der Sozialdemokratie: schärfst« Ablehnung und schärfster Kampf.':v 2. eine gleilzollöhnliche Preisausgleichsgebühr nur für Weizen (siehe„Vorwärts" vom 14. Mai), die zusätzlich zum Zoll in Kraft treten soll, wenn die Preise eine bestimmte Höhe unterschreiten. Daß diese Maßnahme zur Stabilisierung der Weizenpreise absolut ungeeignet ist, daß sie im Gegenteil nur das Aufblühen einer ungesunden Spekulation zur Folge haben muß, haben wir früher gezeigt. Damals waren wir in der völligen Ablehnung der Preisausgleichsgebühr auch einig mit dem Getreidehandel. An ihrer Stelle schlug Dr. Schloß, der Herausgeber der „Deutschen Getreidezeitung", allerdings einen ebenso indiskutablen „auf 2 Jahre befristeten. Versuch mit einer von vornherein f e st- gelegten und den Preisschwankungen nicht folgenden Gebühr", also nichts anderem als einer Zollerhöhung, wie sie von den agrarischen Parteien gefordert wird, vor. Sein« Bedenken gegen die Preisausgleichsgebühr oerdienen jedoch Interesse.. f Unter der von ihm so scharf abgelehnten„variablen" Preis- ausgleichsgebühr" verstand Schloß allerdings eine Gebühr, die nicht nur je nach der Entwicklung der Preise in Kraft oder außer Kraft gesetzt werden, sondern deren Höhe auch glcitzollartig je nach der Preisentwicklung bemessen werden sollte. Die neueren Pläne gehen jedoch dahin, daß die Gebühr in ihrer Höhe nicht veränderlich, son- dern ein für allemal auf 2,50 M. je Doppelzentner festgesetzt werden soll: nur die Inkraft- und Außerkraftsetzung dieser festen Gebühr soll von der Preisentwicklung abhängig gemacht werden. Viele der damals von Dr. Schloß gegen die variable Preisausgleichs- gebühr erhobenen entscheidenden Einwände treffen auch für die neue Form der Ausgleichsgebühr weitgehend zu. Am 28. Februar hat er selbst von der einreißenden wilden Spekulation und von der Unvermeidlichkeit schwerer Mißbräuche gesprochen und die drastisch- sten Beispiel« zitiert. Dr. Schloß schloß damals sein« Beurteilung der Preisausgleichsgebühr mit den Worten: „Mit der variablen Preisausgleichsgebühr einen festen Weizenpreis erstreben, heißt, mit einem Heer von Panzerreitern aus die Kaninchenjagd gehen." Ein schärferes. Urteil über die verheerenden Wirtungen der Preisausgleichsgebühr kann nicht gefällt werden. Seit dem 28. Februar hat ober Dr. Schloß seine Meinung von der Preisausgleichsgebühr grundlegend gewandelt. Alle Bedenken von früher sind plötzlich verschwunden. Auch über die im„Vor- wärts" erhobenen schweren Einwände gegen die Preisausgleichs- gebühr geht Schloß einfach hinweg. Und warum? Wir sind der Meinung, daß es nur die maßlos gesteigerte Angst des Getreidechandels vor dem Getreidemonopol ist, die zu diesem völligen Umschwung der Ansichten und dem Ueberbordwerfen aller Bedenken geführt hat. Dr. Schloß sieht eben in der Preisausgleichs. gebühr und im Getreidemonopol für den Gstreidehandel zwei Zwangsmieter, von denen der eine sich mit einem Zimmer begnügt, während der andere gleich die ganze Wohnung verlangt! Im übrigen hat Dr. Schloß, nachdem er von einem Saulus zu einem Paulus der Preisausgleichsgebühr geworden ist, vielleicht im geheimen die nicht ganz unrichtige Meinung, daß sich die Undurch- -(S.\XV�\\NXV.VWWX\SV\V\XXS,».XWV«.W».V WOHNUNO WERKRAUMl AU S S TE LLU NG BRESLAU 19 8 1 B-il U Nl- IB. 8■ PIV! führbarkeit und Zwecklosigkeit der Preisausgleichsgebühr innerhalb kurzer Zeit offenbaren werde und daß sie dann in ein« reguläre Zollcrhöhung umgewandelt würde. Er schreibt nämlich: „Die Preisausgleichsgebühr ist in der von uns geschilderten Farm ohne Zweifel das einfachste und— worauf wir großen Wert legen— am leichtesten wieder abzuschaffende bzw. in einen Zoll zu verwandelnde Mittel, um die Weizenpreise auf«inen erträglichen Stand zu bringen." Das Ende der Preisausgleichsgebühr wäre also auch noch Dr. Schloß eine starre Zollerhöhung, wie sie die agrarischen Parteien verlangen! Bleibt als letzte Möglichkeit die Errichtung eines Getreide- Monopols oder die zentrale Bewirtschaftung des Getreideaußenhondels. Sogar das„Berliner Tageblatt" schreibt(14. Mai 1929), daß die Preisausgleichsgebühr nur dann die an sie gestellten Erwartungen erfüllen kann, wenn sie so arbeitet, wie man es theoretisch von einem Außenhandelsmonopol erwartet. Dem ist voll beizupflichten. Der Preisausgleichsgebühr fehlt nicht nur die völlige Aufhebung des Zolles, wenn die Preise auf einem übermäßigen Stand zu steigen drohen, sondern es fehlt ihr auch die planmäßige Bewirk- schaftung der Ein- und Ausfuhr, ohne die der Außenhandel ungesund ausgebläht werden muß. Wenn man daher für eine Monopollösung eintritt, so bedeutet das nichts anderes als eine Verbesserung der Mängel, die die Preisausgleichsgebühr bestehen läßt. Nur durch ein Getreidemonopol können auch die Roggen- preise in eine Regulierung mit einbezogen werden. Daß die Roggenpreise nach der letzten großen Ernte nicht auf denselben Tiefstand gesunken sind wie 1925/26, liegt nämlich.keineswegs daran. daß es keine Roggenüberproduktion in der Welt gibt, wie Dr. Schloß meint, sondern an der schlechten Welternte und den hohen Preisen siir Futtergetreide. Bekommen wir in diesem Jahr eine gute Futter- getreideerntc in der Welt und eine ebenso große Roggenerntc wie im vergangenen Jahr, so ist es leicht möglich, daß die Roggenpreise wieder den Tiesstand von 1925 erreichen. Es sollte wirklich nicht eine Erkenntnis der Sozialdemokratie allein bleiben, daß es unsinnig ist, halbe Maßnahmen zu ergreisen, noch dazu, wenn ihre katastrophalen Folgen aus der Hand liegen! Eine unsinnige Behauptung. Auf das schärffte muß allerdings die Behauptung der„Deutschen Getreidezeitung" zurückgewiesen werden, daß die � Sozialdemokratie aus der einen Seite gegen Zollerhöhungen eintrete, aus der anderen Seit« jedoch bereit sei, mit Hilfe des Monopols Kie Weizenpreise auf die phantastische Höhe von 543 Mark je Tonne, die Roggenpreis« auf 272 Mark je Tonne zu erhöhen! Nie würde die. Sozial- demokratic einem so unsinnigen Preis zustimmen. Selbst von den Führern der Landwirtschaft werden so außerhalb oller Wirklichkeit liegend« Preise nicht ernstlich gefordert. Auch die Behauptung des Gelreidehändlers Lehmann, daß der fozialdemo- kratifche Agrarsachvcrständige Dr. Baodc kürzlich erklärt habe, der Zeitpunkt sür die Einführung eines Monopols sei. aus politischen Gründen noch nicht gekommen, ist absolut falsch und unbegründet. Nach wie vor ist die Sozioldemokr ät i e zur Lösung des Getreideproblems und zu einer ehrlichen Verständigung zwischen Erzeugern und Verbrauchern durch das Getreideinonopol bereit. Nur der Weg über da� Getreidemonopol kann zu einer wirklichen Gesundung der deutschen Getreidewirtschaft führen. Konsumvereine im April. Noch dem Monatsbericht des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ist im Monat April der wöchentliche Durchschnitts- Umsatz pro Mitglied gegenüber März von 9,58 M. aus 8,90 M. zurückgegangen. Der Rückgang erklärt sich aus dem frühen Osterfest, für das die Eindeckung schon im März erfolgte. Gegenüber April 1928 liegt noch eine Steigerung um 81 Pf. oder um 10 Proz., gegenüber April 1927 eine solche von 2,36 M. oder um 4 0 Proz. vor. Der Rückgang betraf sämtliche Verbände. Interessant, daß Rheinland-Westfalen, wo die geringste Arbeits- losigkcit herrscht, mit 19 Pf. fast den Neinstcn Rückgang hotte. Rekordproduktion der Wollindustrie. Starkes Anwachsen der Austräge im Aordwolle- Konzern. Den mächtigsten Kapitalblock in der deutschen Textilindustrie stellt der Konzern der Norddeutschen Wollkämmerei und. Kammgarnspinnerei in Bremen dar. Dieses Unternehmen, dessen Beteiligungsnetz über ganz Deutschland gezogen ist, acbeitet jetzt mit einem Kapital von 75 Mill. und beschäftigt in seinen sämtlichen Konzernbetrieben eine Belegschaft von fast 24 000 Personen. Aus dem letzten Börsenprospekt vom April v. I. wird die Produktionsstärt« dieses Konzerns ersichtlich. Danach stieg die Spinnereiproduktion von 9,6 Mill. Kilo im Jahre 1925 aus 14,8 Mill. Kilo im Jahre 1927, während der Wert der o e r- arbeiteten Wolle und Kammzeugmengen in der gleichen Zeit von 85 auf 127,5 Mill. M. anwuchs. Wie gut der Konzern das an und für sich nicht so günstig« Textiljahr 1928 überstanden hat, geht daraus hervor, daß die Pro- duktion im letzten Jahr weiterhin gesteigert werden konnte, und damit einen neuen Rekord erreicht«. Auch der Absatz übertraf den des Vorjahres erheblich, obwohl er hinter der Produkftonssteigerung etwas zurückblieb. Bei diesem flotten Geschäftsgang konnte der Nordwolle-Konzern feinen Rohgewinn von 14,2 auf 17,9 Mill. er- höhen, und der ausgewiesene Reingewinn allein liegt in Höh« von 8,2 Mill. um rund 30 Proz. über den Konjunkturgewinnen von 1927. Wenn die Gesellschaft trotzdem die Dividende von 12 auf 5 Proz. herabsetzt, so könnte es scheinen, als ob die Rentabilität des Unter- nshmens gesunken sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Während für 1927 nur 50 Mill. Kapital zu verzinsen waren und die 12 Proz. Dividende ein« Summe von 6 Mill. für die Aktionäre erforderten, beträgt die Divimdendensumme in diesem Jahr wegen der Der- zinsung des erhöhten Kapital» von 75 Mill. bei 8 Proz. Dividende sogar 6,2 Mill. Zlußerdem aber erhalten die Aktionäre noch ein Sondergeschenk in Form von Gratisaktien einer Kan.zerngesellschast, der Amsterdamer Textil-Handelskompagnie im Werte von insgesamt 630 000 M. Der Wert der an die Aktionäre ausgeschütteten Beträge liegt also mit 6,8 Mill. noch um 13 Proz. höher als im vergangenen Jahr. Infolge weiterer Ausdehnung des Beteiligungsnctzes und neuer Anlageinoestionen, sowie einer ganz beträchtlichen Erhöhung der Vorräte um rund 20 Mill. kannten die neuen Mittel aus der Kapitalerhöhung nicht zur Deckung von Schul- de» verwendet werde». Die oerstürlte Umsatztätisteft und die Pro» j duttionssteigerung im letzten Jahr kommen daher m einer ziemftH scharfen Anspannung der Bilanz zum Ausdruck. So stiegen die gesamten Schulden von 93,7 auf rund 110 Mill., worunter mehr als 24 Mill. Bankschulden neu ausgewiesen werden. Aller- dings haben sich auf der Gegenseite auch die Forderungen von 52,7 aus rund 86 Mill. erhöht. Bei der Bedeutung des Nardwolle-Konzerns innerhalb der gesamten deutschen Textilwirtschast ist die Feststellung der Berwoltung im Geschäftsbericht, daß der Auftragsbestand seit Beginn des neuen Jahres um 50 Proz. zugenommen habe, konjunklurpolitisch wichtig. Die Werke des Konzerns konnten in- folgodessen auch die volle Produktion wieder aufnehmen, so daß jetzt die im Herbst stillgelegten Betriebe auch wieder arbeiten. Weiiere Rationalisierung im Bergbau. Oer Jahresbericht des Sergbauvereins. Der Jahresbericht des Vereins für die bergbaulichen Interessen enthält bemerkenswerte Tatsachen über die Entwicklung des deutschen Bergbaues im letzten Jahre. Die gesamte F ö r- derung an Steinkohlen belief sich im letzten Jahre auf l50,8 gegenüber 153,7 Millionen Tonnen. Der geringe Rückgang der Förderung gegenüber dem Hochkonjunkturjahr 1927 zeigt, daß die Wirtschaftslage im deutschen Bergbau im Gesomtdurch» schnitt des letzten Jahres noch recht befriedigend gewesen ist. Die Braunkohlengew Innung überstieg die Stein- kohlensörderiing im letzten Jahre zum erstenmal bei einer Steigerung von 150,8 auf 166,2 Millionen Tonnen. Der Kohlenexport sank 1928 um rund II Proz. auf 23.9 Millionen Tonnen. Dagegen weist der Koksexport ein geringes Anwachsen aus 8,9 Millionen Tonnen auf. Die Kohlellsörderung an der Ruhr ging im Be- richtsjahre gegenüber 1927 um 2,9 Proz. zurück, hält sich jedoch mit 115,5 Millionen Tonnen Gesanüsörderung auf der Höh« des letzten Vorkriegsjohres. Die Kokserzeugung liegt dagegen bereits um 13,1 Proz. über der Vorkriegsproduktion. Infolge der Rationalisierung der Abbaubetriebe ist die Zahl der Gesamtbelegschaft im Ruhrbergbau im letzten Jahre um 8,26 Proz. gesunken und betrug im Jahresdurchschnitt 382 000 gegen 406 000 Mann im vorhergehenden Jahre. Es ist also auch 1928 infolge der Mechanisierung eine weitere Leistunzs- stcigcrung je Mann und Schicht festzustellen. Die weitere Durchführung der Rationalisierung hat zu einer neuen Verminderung der Abbaübetricbspunkte geführt. Außerdem hat die maschinelle Kohlenförderung gleichfalls zugenommen. Nach dem Bericht werden etwa 78 Proz. der Förderung mit Abbauhämmern und 10 Proz. mit Schremmoschinen gewonnen, während die entsprechenden Zahlen für 1927 84,4 bzw. 8,5 Proz. betrugen._ Ein ruinieries Texiiluniernehmen. Oer leitende Oirektor fliegt- aber auch il500 Arbeitnehmer. Eine tolle Mißwirtschaft muh bei der Verwaltung der E h e m- Nitz er A k t te n- S p i n n e r e i, einem bekannten sächsischen Vaumwollunternehmen. geherrscht haben. Bereits Ansang des Jahres ließ der scharfe Kurssturz der Aktien bis aus 15 Proz. des Nennwertes erkennen, daß hier manches foul im Staate war. Die Verwaltung ließ sich aber mft der Sanierung des Unternehmens soviel Zeit, daß jetzt der Vorsitzende des Airfsichtsrots den völligen Zu ja m m e n b rü ch des Unternehmens und gänzlichen Der- bist des Aktienkapitals von 3 Millionen Mark erklären muß. Gegenüber den Angrifteu der Aktionär« und der Gläubiger. die gleichfalls einen großen Teil ihrer Forderungen verloren geben müssen, konnte der Vorsitzende aus der Generalversammlung Vcr- sehlungen der Verwaltung nicht abstreiten. Tesanders oer- Hängnisvoll war, daß die beiden vor drei Jahren aufgesaugten Textilunternehmen, die Harnisch und Oertel A.-G. sowie die Trubenberg und Reißig A.-G., trotz schwerster Verlust- Wirtschaft zum Schaden des ganzen Unternehmens jahrelang mit durchgefiittert wurden, anstatt diese Verlustbetriebe rechtzeitig abzustoßen. Wie schwerwiegend die Fehler des Generaldirektors Anheggcr gewesen sein müssen, geht daraus hervor, daß dieser jetzt vom Auftichtsrot fristlos entlassen ist. Dies ist jedoch kein Trost für die 1500 Arbeiter und Angestellten, die jetzt bei der Liquidation des Unternehmens gleichfalls auf das Pflaster gesetzt werden. Wenn der Aufsichtsrat jetzt, wo das Kind im Brunnen liegt, endlich eingreift, so muß man sich fragen, wozu eigentlich die Herren Aussichtsräte ihre höhen Tantiemen beziehen. Es ist doch ein Skandal, daß ein Auftichtsrot, der zur Kontrolle der Direktion da ist, jahrelang bis zum völligen Ruin des Unternehmens die Zügel schleifen läßt. Im übrigen ist es kennzeichnend, daß ein Vertreter des Baum- woll-Indu st riellen- Verbandes trotz der zugestandenen Mißwirtschaft in der Verwaltung den Mut aufbrachte, den deutsch- französischen Handelsvertrag für den Zufqmmenbruch der Gesellschaft mit o e r a n t oftd r t l i ch zu machen! Lorenz-Äerlin steht gut. Das Berliner Schwachstromunternehmen, die C. Lorenz A.-G.« wird für 1928 die gleiche Dividende von 6 Proz., wie im Vorjahre, zahlen. Da die Abschreibungen auf die Anlagen von 410 000 auf 510 000 Mark heraufgesetzt wurden, sind die Gewinne trotz der g'eichen Dividende ziemlich erheblich gestiegen. Die Gesellschaft, die bisher selbständig war, ist Anfang dieses Jahres unter die Kontrolle des holländischen Glühlampenkonzerns von Philips geraten, der sich damit in der deutschen Schwachstrom- industrie einen wichtigen Stützpunkt erobert hat. wachsende deutsche Kohlenproduktion. Roch einer Uebersicht des Statistischen Reichsamts betrug die Kohlenförderung im April 13,4 gegen 11 7 Mill. Tonnen im April 1928. Die Braun- kohlenförderung weist mit 14,2 Tonnen gleichfalls eine Steigerung von rund 2 Mill. gegenüber dem April 1928 auf. Die Gesamtsörderung an Steinkohle betrug in den ersten vier Monaten des lausenden Jahres 52,5 gegen 52,1 Mill. Tonnen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres und liegt um 11 Proz. höher als 1913 auf dem Gebiete des Deutschen Reichs jetzigen Um- fanges. Die Braunkohlensörderung ist in den ersten vier Monaden dieses Jahres um 3,2 auf 57,6 Mill. Tonnen gestiegen und hat sich gegenüber 1913 mehr als verdoppelt. «sihvil'ksiKn FttbtagerTeriiDisliüe, Berlin SVIt StUncbfixer Str. Ii«. TcL UU«vU6C-61 Nr. 245* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 29. Mai 4929 Koalition und Panzerkreuzer. Die Debatte zum Vorstandsbericht.— Abstimmungen über die Anträge. Magdeburg, 28. Mai. tCigcnbcricht.) In der Besprechung des Vorstandsberichts sprach noch dem Reichskanzler Müller-cheilbronn: Di« Frage des Einheitsstaats muß auch von der Seite der Gemeinde- und Bezirtsordnungen her durch- gearbeitet werden. Die Ponzerkreuzersragc hat uns manche un- angenehme Situation gebracht, aber die Genossen wieder einmal lebendig gemacht. Daß wir jetzt deswegen aus der Regierung ausscheiden, ist der Panzerkreuzer nicht wert. lÄustim- mung.) Wir haben größere Ausgaben der Festigung der Republik und des Ausbaues der sozialen Gesetzgebung, wir können aus dem Kampf um die Erwcrbslosenversichcrung nicht desertieren. Alle wehrprogrammenlwurse fordern Kontrolle der Regierung. Me sollen wir die ausüben, wenn wir aus der Regierung flüchten? Württemberg ist ein Schulbeispiel, daß man nicht ohne Not die Machtstellungen aufgeben soll. Jetzt behauptet sich seit Jahren trotz unseres Kompfes die Regierung Boltz-Bazille. In der Reichsregierung muffen wir bleiben und sur. positive Erfolge arbeiten. Das wird auch die Partei zu neuen Erfolgen führen.(Brava!) Frau Thorhort-Düsseldors widerspricht der Erklärung Vogels, daß Verhandlungen zwischen dem Deutschen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund die chossnung auf eine Ber- ständigunq beider Organisationen berechtigt erscheinen ließen. Tat- sächlich hätten die Bundesinstanzcn des ADV. jede Interessen- gemeinschast mit der bürgerlichen Veomtcnorganisatian abgelehnt. Der Kieler Beschluß verlange von den Porteigenossen, daß sie sich sreigewerkjchastlich organisieren. Hier sollte der Parteitag größere Entschiedenheit zeigen. Die preußische Landtogsfrak- tion lasse leider die Personälpolitik im Schulwesen entscheidend be- cinflussen von dem bürgerlichen Deutschen Lchrerverein zum Schaden der sr«igewerkschastlich organisierten Lehrer. Die Landtogsfraktion habe nichts getan gegen die unerhörte Rechtlosmachung der Dissidenten unter den Lehrern. Die Mitgliedschast von Parteigenossen im Deutschen Bcamtenbund fördere keineswegs die Interessen der Partei. Dieses Zellensystem Hobe auch bei den Kommunisten versagt. Die Redncrin wirst unter wachsender Unruhe S o l l m o n n vor, er habe �die Dinge zu leicht genommen und einen leicht antisemitischen Ton angc- schlagen, der in der Berichterstattung noch verstärkt worden sei (Lebhafter Widerspruch.) Man dürfe nicht die Kirchen mit den Freidenterorganisationen aus eine Stufe stellen. Kurt Rosenseld stellt mit Genugtuung fest, daß weder prin- zipielle Gegner jeder Koalitionspolitik, noch L y.h r.e d n e r der Koalition, aus dem Parteitag vorhanden "itfeN. In der grundsätzlichen'Frage sei also die Partei einig. Der Kabinettsbejchluß vom 10. August für den Panzerkreuzerbau vjhpb« deswegen besondere Erregung verursacht, weil er unmittelbar nach dem Brüsseler Kongreß mit den' flammenden Protest der Internationale gegen Krieg und Krieasrllstungen erfolgte. Man � kann unmöglich, wie Hermann Müller, die Beteiligung an einer Koalitionsregierung damit begründen, daß man auf diese Weise liinstige Kriege verhindent könnte. Die Bekämpfung künftiger Kriege ist nur zu erreichen durch das international organisierte sozialistische Proletariat. Durch den Kabinfttsbeschluß ist auch die Position der Gegner de? Panzerkreuzers im Zentrum und bei den Demokraten geschwächt worden. Die Schwäche, die unsere Minister bei dem ersten Vorstoß des Reichswehrministers Groener zeigten, hat weitere Porstöße der Schwerindustrie zur Folge gehabt. Unmöglich kann man unseren Ministern dos Recht zubilligen, im Gegensatz zur sozial- demokratischen Fraktion zu stimmen. Das forden auch nicht die Rcichsversassung, denn die sagt ausdrücklich, daß der Abgeord- nete frei entscheidet 4nd nur an sein Gewissen gebunden ist. Wir verlange» natürlich nicht, daß unser« Minister jede Porteiorder in der Regierung durchführen, aber sie müssen im Sinn und G e i st unserer Partei arbeiten. In diesem Geist lag nicht das Glück- wunschtclegromm Hermann Müllers an Hindenburg zur Ge- burt von dessen Enkel, auch nicht die neue Rcichsanleihe. Dem Geist der Partei entsprach es auch nicht, als das Kabinett T r o tz k i die Einreise verweigerte, als Seocring zum Schlichter im Metallarbeiterstreik nach der Unternehmersobotage des Schieds- fpruchs eingesetzt wurde, als das Kabinett über die Arbeits- losenversicherung einen Bericht herausgab, der die schlimm- sten Befürchtungen erweckte, als die Regierung in Gens die Er- klärung für die Revision des Washingtoner Abkam- m a n s abgehen ließ, durch die sich sogar die Gewcrkschastszeitung vor den Kops gestoßen suhlte. Auch oielc Gewerkschaftler sind mit den Ergebnissen der Koalitionspolitik sehr un, zufrieden. Wir wünschen, daß die. Partei so schnell wie möglich ihre Freiheit wiedererlangt, um außerhalb der Regierung den Kampf für die Arbeiterschaft zu führen.(Ludwig: Es lebe der Bürger- block!) Vendt-Essen spricht gegen Sollmann. Die Freidenkerorgani- sation sei ein großer Teil der großen Armee des arbeitenden Volkes im Besreiungskamps. Man dürfe sie nicht mit den Kirchen auf eine Stufe stellen. Der Kabinettsbeschluß für den Panzerkreuzer sei von oroßen Teilen der Arbeiterschaft als Verrat empfunden worden. Das Zentrum versteh« viel besser als die Sozialdemokratie, seine Forderungen in der Regierung durchzusetzen. Rodloff-Hannover: Wir wünschen die Werbewoche für di« Presse im Herbst und für die Partei im Frühjahr, ferner eine Bildungszeitschrift für di« Parteifunktionäre, aber möglichst nicht>m Stile des Bildungsorgans für die Jungsozialisten. Dort wird die Weimarer Verfassung als g« g � n r e v o l u t i o n ä r e r A t t bezeichnet und die Jugend ausg«sordert, die Tendenzen zum ,„Alrsozialismus, die in der ganzen Partei lebten, niederzu- kämpfen, dort wird von der mini st erteilen Unzulänglich- k e i t Hermann Müllers gesprochen. Für diese Art kommunistischer Propaganda in der Zugend unserer Partei fehlt mir die parlamentarische Bezeichnung. (Sehr gut!) Mr wundern uns nur, daß sich das der parlei- vorstand feil Zahren gefallen läßt. Die Jugend wird nirgends unterdrückt, überall freuen sich die Parteigenossen, wenn sie kommt und mitarbeitet. Aber die Jugend toll auch nicht von denen als Sturmbock mißbraucht werden, >ie in der Partei ihre Meinung nicht durchsetzen können.(Sehr gut!) Seydewitz und Rosenfeld hoben zur Koalitionssrag« heute viel zurückhaltender gesprochen als in Kiel. Den Schlüssel dafür bilden wohl die Regierungsschmerzen der sächsischen Genossen. (Widerspruch.) Jedenfalls wünschen wir diesen, daß sie mit ihrer Taktik die Kommunisten so tot machen wie sie es bei uns in Han- povgr find. Vielleicht denken die sächsischen Genossen auch daran, daß im e i n st roten Sachsen die Sozialdemokratie heut« nur noch ein Drittel der Wähler hinter sich hat, während sie in anderen Bezirken knapp vor d«r Mehrheit steht.(Härt! hört!) Stelling lParteivorstand): Die Staatsform kann uns keines- wcgs gleichgültig sein. Ließen wir es in Deutschland zum Siege des Faschismus kommen, dann würden auch di« Genossen der Opposition sofort die Parole aufnehmen: wir müssen uns erst eimnal Demokratie und Republik zurückerobern, um auf ihrem Boden für den Sozialismus zu kämpfen. Wer sich dessen bewußt ist, wird Machtpositionen in der Republik nicht ohn« zwin- gcnden Grund aufgeben./ Wenn unsere Koalitionspolitik im Reich als einziges positives Ergebnis die Beendigung der Metallarbeiteroussperrung und die Tätigkeit Severings als Schlichter hätte, so würde das hundert Fehlschläge aufwiegen. Das H«runt«rreißcn der Führer ist keine Arbeit stir di« Partei. Wir hoffen, daß in immer wachsendem Maße Kameradschaftlichkeit und Selbstbesinnung in all« Kreise der Parteimitglieder einzieht. Künstler-Bcrlin: Auch Hermann Müller wird nicht glauben, daß der erfreuliche Aufflieg der Partei seit Kiel lediglich unseren Ministergcnossen und den Erfolgen ihrer Politik zuzuschreiben ist. (Heiterkeit und Unruhe.) Breitscheid lKit in einem Artikel klar ausgesprochen, daß unsere Genossen im Kabinett die Mehrheit gegen den Panzerkreu.zer hätten haben können. Wie kann man da von einer Schuld der Wähler sprechen? Das Entgegenkommen gegen die bürgerlichen Parteien war ganz un- nötig: denn das Zentrum hätte es wegen des Panzerkreuzers nicht auf eine Regierungskrise ankommen lassen. Müller und seine Ministerkollegen wollen gewiß das best« der Arbeiterklasse, aber die M o chtverhältnijsc in der gegenwärtigen Koalition wirken zu unserem Schoden. Deshalb hat die Partei die pfflchl. jetzt aus der Regierung auszujckeidcn.(Hildenbrand: Und die anderen regieren zu lassen!) Es gibt unter den Berliner Parteifunktionären kein« grundsätzlichen Gegner unserer Regierungsteilnahme, ober wir wollen auch keine Koalition um jeden Preis.' Dies« Koalitionspolitik des letzten Jahres Hot auch die eifrigsten Koalitionssreundc sehr- skeptisch gemacht. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird mit graßer Mehrheit angenommen. Das Schlußwort Hans Vogels: Wir empfehlen die Ablehnung einer Reihe Anträge, darunter eines Antrages Düsseldori und München-Gladbach, der allen Partei- Mitgliedern die Mitarbeit an gegnerischen Zeitungen untersagen will. Der Parteivorstand bittet, es bei dem bisherigen Brauch zu lassen, der als I c l b st v e r st ä n dl i ch betrachtet, daß kein Partei- genösse an Zeitungen mitarbeitet, die einen gehässigen Kamps gegen die Sozialdemokratie führen. Es kann unter Umständen die Sache der Partei dadurch gcsördcrt werden, daß parteigenösstsche Schriststellcr auch zu de» Lesern bürgerlicher Blätter sprechen. Ein weiterer'Antrag will die Mitgliedschaft im Verein für dos Deutschtum im A u s-l a n d als unvereinbar mit der Parteimitgliedschaft betrachtet wissen. Der Parteivorstand verkennt nicht, daß viele Ortsgruppen dieses Vereins unter reaktiv- närer Führung stehen, aber die letzte Tagung hat doch eine gewisse Wandlung im Sinne der Einfügung in die republikanische Staatssorm erkennen lassen. Porleivorstand und Parteiausschuß halten es im übrigen für selbstverständlich, daß ein korporativer Beitritt der Bezirke und Ortsvereinc weder zum B. d. A. noch zu irgendeinem anderen außerhalb der Partei stehenden Verband nicht erfolgen kann. Den Antrag auf Prüfung der Frage einer kolonialen pekätigung Deutschlands empfiehlt der Parteivorstand zur Ablehnung. Da» bedeutet nicht etwa die Bestätigung der im versailler Vertrag niedergelegten kolonialen Schuldlüge. Deutschland hat sicher so gut und so schlecht Kolonialpolitik getrieben wie irgendeine andere Kolonialmacht. In der letzten Zeit stehen die imperialistischen Möchte vor schweren Auseinandersetzungen mit den erwachenden Völkern, den Objekten der kolonialen Betätigung. Es ist ein dringendes Interesse Deutschlands, sich in diese Auseinandersetzungen nicht hineinziehen zu lassen, sich nichl aus die Seite des Alten und Vergehenden, sondern auf die Seite des Werdenden und Reuen.zu stellen. Siedlungsland für den deutschen Bevälkerungsüberschuß werden wir durch koloniale Be- tätigung kaum gewinnen können. Hier sollte im« i g e n e n Lande mit der Siedlung begonnen werden, besonders im deutschen Osten. (Beifall.) Die Einigungsoerhandliingen zwischen DBB. und ADB. sind durchaus nicht endgültig gescheitert und werden sicher wieder ausge- nommen werden. Bon einer einseitigen Stellungnahme des Partei- Vorstandes zugunsten des DBB. ist keine Rede, aber der Kieler Bs- fchluß muß durchgeführt werden, daß den Parteimitgliedern aus ihrer Mitgliedichast im DBB. Nachteile in der Partei nicht erwachsen dürfen. Diese Aussprache ist mit starker Leidenschaft geführt worden. Aber vergessen wir das Wort Vittor Adlers nicht:„Das Gc- Hirn ist ein Hemmungsorgan und das ist seine Würde." Dos Gehirn muß die Leidenschaft des�Herzens bändigen. Ich glaub««cydewitz gern, daß niemand eine Spaltung herbeiführen will— das Gegen- teil wäre ja schlimmer als ein Verbrechen. Aber es kommt nicht nur auf dos an, was man will, sondern auch auf dos, was aus dem Handeln entspringen kann.(Sehr wahr!) Eine förmlich orga- nisierte Zusammenfassung der Opposition war der Ansang auch der ersten Spaltung.(Unruhe.) In der Partei presse haben wir viel- fach wenig kameradschaftlichen Geist gespürt. So hat das„S ä chs i- sche Volksblatt" geschrieben, es sei nichl ohne Reiz, den„Vor- wäris" aus den Spuren Lenins zu sehen, nämlich beim Verschweigen der Wahrheit. An anderer Stell« ist da zu lesen, der„Vorwärts" habe das letzte Restchen von Intelligenz verloren, nachdem er seilt revolutionäres Temperament längst aufgegeben hätte. Ueber den ersten Mai wird geurteilt, die preußische Polizei habe sich hundert- prozenlig blamiert. In einem anderen Parteiblalt bezeichnet Max Adler�Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als Opfer der Entartung des«ozialismus bei Ebcrt und Scheidemann. In den Betrieben werden die sogenannten Frankfurter Briese verbreitet, die unterzeichnet sind:„Sozialdemokratische Opposition— Frankfurt am Main."(Wels: Das ist richtige kommunistische Zellenarbeit!) Die Auslassung, daß unser Eintritt in die Regierung an feste Be- dingungen geknüpft sein müsse, habe ich selbst 1921 auch noch ver- treten. Aber man kann ja nicht immer am alten festhalten, die letzten acht Jahre haben uns manches zu lernen ausgegeben. Schließ- lich haben wir doch trotz der koalitionspolitik 70 000 neu« Mitglieder im Jahr(aber am wenigsten in Zwickau) und trotz des harte,, winters eine erstaunlich« Steigerung der Beitragsleistung. Wenn die Wohl uns nicht die Mehrheit gebracht hat, können wir natürlich unsere Wahlsorderungen nicht durchsetzen Dann müssen wir versuchen, durch Verbindung mit anderen Parteien wenigstens«inen Teil davon zu erreichen. Aber ich bin damit ein- verstanden, daß wir auch unser Wahlmaterial in völligen Einklang bringen mit dein, was wir an u n m i t t e I b o r e n parlamentarischen Ersolgen durchzusetzen erwarten dürfen. Der Fall, in dem wir ein- mal gegen«inen eigenen Antrag haben stimmen müssen, muß ein vereinzelter Ausnahmefall bleiben und darf sich nicht wieder- holen.(Zustimmung.) Der Parteioorstand hat Verständnis dafür, daß die I u n g s o z ia l i st e n sich nicht ohne weiteres in gleiche Linie mit den Alten bringen lassen. Aber die Zungsozialisten dürfen nicht ein Sammelbecken für die Miß- vergnügten in der Partei werden, die Zungsozialfflcn müssen eine Bewegung der jungen Sozialisten bleiben.(Sehr wahr!) Zum Panzerkreuzer nur noch das eine Wort: Machen Sie sich die Konsequenz ihrer Beschlüsse im voraus klar. Wenn Sic den Antrag annehme», daß die Minister gegen die zweite Rate stimmen müssen, dann sind wir morgen nicht mehr in der Reichsregierung. Der Parteioorstand hält weder die Zeit noch den Grund für geeignet, aus der Regierung auszuscheiden und beantragt deshalb, über alle Antrage zur Ponzerkreuzersragc zur Tagesordnung überzugehen. Zur KoalitionsjLage hat schon Wilhelm Liebknecht im Leip- ziger Hochverratsprozeh erklärt, Bündnisse seien in der praktischen Politik unvermeidlich und unter verständigen Menschen auch durchaus ehrlich. Die Wahl von 1928 hat eine große Armee hinter uns gebrocht. Sie in politische Macht umzusetzen, ist unsere Ausgabe. Fahren wir auf dem bisher beschrittcnen Wege fort, um mit dem Magdeburger Parteitag neue Siege vorzu- bereiten.(Lebhafter Beifall.) Nach einigen persönlichen Bc- merkungen beginnt die Abstimmung. Die Abstimmung. Die große Mehrheit entscheidet durchweg im Sinn» der Vor- schläge de? Partcivorstandes. Angenommen wird«in Antrag, der den Parteioorstand beauftragt, eine 2lgitationswochen- s ch r i s t herous.zugeben. Nach einem weiter angenommenen Antrag sollen Parteioorstand und Ausschuß das Recht haben, neben den normalen Parteibeiträgen für Mitglieder mit höherem Ein- kommen unter Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse eine b e- sondere Beitrags st afselung zuzulassen Angenommen wird ferner ein Antrag Berlin:„Die im Zentralverband deutscher Konsumverein« zusammengeschlossenen Konsumgenossen- I ch a f t e n sind die gegebene Wirffchaftsorganis.'lion der arvcitenden Frauen." Weiter wird beschlossen, beim Parteioorstand eine agrarpolitische Zentralstelle zu errichten. Eine Reihe iveiterer Anträge über Werbewochen, Purteikorrespondenz und organisatorische Fragen werben dem Parteivorstand und dein Parteiausschuß überwiesen. Dazu gehört auch die Bestimmung des Ortes des nächsten Parteitages. Wels teilt dazu mit, daß die Oberbürgcrm ei st er verschiedener Städte den Parteivorstand gebeten haben, den nächsten Parteitag dort, abzuhalten. Die Sozial- demokratie sei also schon ei» wichtiger Faktor auch des Fremden- Verkehrs geworden.(Heiterkeit.) Di« Abstimmung über den Antrag des Parteivorstandes auf Uebergang zur Toaesordnung über alle zur Vanzerkreuzer- und Koalitionsfroge gestellten Anträge wird auf Antrag Litkc-Berlin n a m e n t l i cb vorgenommen und ergibt 256 gegen lZS Stimmen sür den Uebergang zur Tagesordnung. (Beifall der Mehrbeit.i. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Der Gtinnes-prozeß. Die interessante Lücke im Gesetz. Zm Stinnes-prozeh wurde am Dienstag die Vernehmung der Angeklagten forlgesetzt. Der Angeklagt« Leo Hirsch schilderte seinen Lebenslauf. Er stammt aus Budapest. Während des Krieges habe er Heeresliefe- rungen gemacht.» Nach dem Kriege habe er, 1924, beim Zusammen- bruch der Allgemeinen Depositenbant in Wien, sein gesamtes Ver- mögen verkoren. Im August 1926 traf ich einen allen Kameraden von den Kaiserdragonern, namens Schneid. Schneid wußte, daß ich gute ausländische Beziehungen hatte, und sprach zu mir von den Anleiheauswertungen. Er sprach von einer interessanten Lücke im Gesetz, die man ausnutzen müsie. Schneid sandte mir den Direktor D o r e g g e r zu, der mir auch sagte, daß die Lücke im Gesetz große Gewinne aus gesetzlichem Wege bringen würde. Nach der ersten Unterredung mit Schneid in Paris l haben wir mit Bankiers in Paris und Amsterdam verhandelt, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Nach mehreren Wochen erhielt ich sin Telegramm van dem Repräsentanten des Hauses S t i n n e s, Herrn N o t h m a n n, der mich sprechen wallte. Die Unterredung fand in Gegenwart von Bsla Groß statt. Wir haben uns über das Anleihcgeschäft. über dos Nothmann genau im Bilde war, derart geeinigt,' daß Velo Groß nach Rumänien fahren sollte, wo nach seiner Meinung viele Anleihen vor- Händen sein sollten. Diese Anleihen sollt« Groß aufkaufen und Nothmann stellte uns 100 900 M. zur Verfügung. Auszahlungen beanspruchen. Vors.: Wie war denn die Gewinnbetel'ligung berechnet? SIn g ekl.: 50 P r o z. sollte Nothmann, der Repräsentant des Hauses Stinnes, bekommen, 50 Proz. Bela'Groß. Dieser hatte aus seinem Anteil mich und Eugen Hirsch zu besriedigen. Vors.: Sagen Sie mal, sind Sie mit Stinnes öfter zusammengekom- m e n? A n g e k l.: Ich habe ihm nur einmal einen Brief Roth- manns überbracht. Geschäftlich habe ich mit ihm nie verhandeli. Nach der Mittagspause wurde dann der Angeklagte Joseph Schneid vernommen. 5m Kriege wurde er Leutnant. Stach dem Kriege machte er für das österreichische Aerar Einkäufe im Aus- tont. Aus steuerlichen Gründen ging ich später nach Deutschland und lernte hier in der Inflation den Bankier Kunert durch den Vermittler Dunkelblum kennen. Ich sprach davon zu dem Direktor Doregger, und eines Tages fragte mich Doregger, ob ich nicht nach Italien fahren wolle, wo«ine Organisation der Banken zur Erfassung der Kriegsanleihe geschaffen werden sollte. Um klarzustellen, ob das Geschäft mit Italien durchführbar sei, ging ich zur Reichsschuldenverwaltung, und ich wurde von einem hohen Beamten mit Gtohe und schwächlicher Figur empfangen, mit dem ich lange sprach und der keine Ahnung von der Materie hatte. fGrohe Heiterkeit.) Ich schilderte dem Dezernenten meine Absichten und fragte, ob der Besitz als unterbrochen gelte, wenn man Stücke im Auslande kaufe. Der Beamte war ratlos und bestellte mich einige Tag« später, da er seine Behörde fragen mußte. Als ich wiederkam, sagte mir der Herr, daß gegen den Erwerb von Alt- besitz keine Bedenken bestünden. Daraus fuhren Dunkelblum, Doreg- oer und ich nach Italien. In Trieft stellten wir fest, daß man im Auslande keine Ahnung von den Aufwertungsbestimmungen hatte. Es konnte auch nur Altbesitz dort vorhanden sein, denn es wurde in aller Welt, hauptsächlich im ferneren Ausland noch 1920 Kriegs- anleihe gehandelt. Schneid schilderte nun sehr ausführlich, wie Duntelblum in Mailand zwei kleine Geldwechsler gebracht habe, die aber von Doregger abgelehnt wurden, wie darauf Kunert nach Daden-Daden und Doregger nach Dien gefahren seien und wie sich nun ein fortwährende» Hin- und Herreisen ergeben habe. Aus eine Frage de» Borsitzenden sagt Schneid: Nein, i« Italien war überhaupt kein Anleihematerial mehr. sondern nur alte Korrespondenzen vochanden, aus denen der Besitzanspruch hervorging. Vors.: Haben Sie sich nicht ge- wisser Beziehungen zu Beamten gerühmt? A n g e k l.: Nie, dieses Gerücht entstand von selbst durch kleine Unterbeamte. Ich habe gegen das Gerücht nicht protestiert, weil es unsere Unentbehrlichkeit erhöhte. Schneid berichtet dann, daß der Direktor Rehplz von der Firma Läser in Paris zu ihm und Doregger gekommen sei und ihn gebeten habe, ein großes Paket Anleihestücke zu sortieren, da man ihm in Holland erzählt habe, Schneid könne die Stücke „sortieren". So sei diese Redensart entstanden. In dieser Zeit mochte Makeira, ein Bekannter des Leo Hirsch, der nicht mal Makeira, sondern Apfelbaum heißt, ein Spion ist und im Kriege zu den Ruften übergegangen war, in Wien Strafanzeige beim Konsul gegen uns alle. Vors.: Wie sortierten Sie eigentlich die Pakete? Angekl.: Mir war es zu langweilig, alle Nummern zu notieren, ich machte einfach zwei Häuschen und sagte: Dies reicht ruhig ein, das andere nicht. Da ich ober keine Nummern notierte, fiel ich später mit einem Paket, das mir zum zweitem mal übergeben wurde, richtig hinein. Dafür habe ich auch keinen Pfennig erhalten. Der Vorsitzende brach hierauf die Vernehmung Schneids ab und oertagte die Verhandlung auf Mittwoch morgen 9)4 Uhr. gerov ist, wurde dem Budget au Sschuß ülbervfiesen. Am Mittwoch finden keine Sitzungen des Verwaltungsrats statt, die Tagung wird aber während der Konferenz fortgesetzt. Die schon in Genf ein- getrofienen A r b e i t e r v e r t r« te r, die dem JGB. angehören, hielten am Dienstag eine Sitzung ab, in der sie beschlossen, den christlichen Gewerkschaisten keinen Sitz im Bureau der Arbeiter- gruppe der Konserenz und auch keinen Sitz im geschäftssührenden Ausschuß der Konferenz einzuräumen. Von deutscher gewerkschast- licher Seite wird dieser Beschluß, der mit einer Zufalls- Mehrheit gefaßt wurde, als versehlt und gefährlich bezeichnet. Arbeiterschuh in der Welt. Rechenschastsben'chi des IAA. Di« 12. Internationale Arbeitskonferenz wird neben den Be- ratungen über die Unfall Verhütung� die Arbeitszeit der Angestellten und die Z w a n g s a r v e i t in den Kolonial- ländern insbesondere die Diskussion über den Bericht des Di- rektors für die sogialpolitisch interessierte Oeffentlichkeit von be- sonderer Bedeutung sein. Der Bericht ist seiner Vollständigkeit und seines Umfanges wegen wiederholt das.Lahrbuch der inter- nationalen Sozialpolitik" genannt worden. Auch der vorliegende Bericht überrascht durch die Fülle wertvollen sozialpolitischen Materials. Der Bericht ist in erster Linie eine Darlegung über den f o- zialen Fortschritt in den verschiedenen Ländern der Welt. Dieser Fortschritt zeigt sich am besten an der Znhl der rakisizierlen Uebereinkommen. Am 15. März betrug ihre Zahl 342/ Demnach belief sich die Stei- gerung gegenüber dem Vorjahr auf 79. Bisher betrug die stärkste Steigerung der Ratifikationen im Zeitraum von einem Jahr 57. In den letzten Wochen sind auf dem Gebiet« der Ratifikation weiter« Fortschritt« gemacht worden, so daß im Mai bereits 349 ratifizierte Uebereinkommen vorliegen. Diese Zahl wird sich vermutlich im Laufe der Konserenz noch erhöhen. Der deutsche Reichstag hat zum Beispiel die Ratifikation von folgenden vier Uebereinkommen bereits beschlossen: Mindestföhn«, Mindestalter für die Zulassung von Kindern zur Arbeit auf See, Mindestalter für die Zulassung Jugendlicher zur Arbeit als Heizer oder Trimmer und ärztlicher Untersuchungszwang der in der Seeschiffahrt beschäftigten Kinder und jugendlichen Personen. Der Arbeitszeit-Abschmtt enthält ein« Darstellung der in den einzelnen Länd«rn erzielten Ergebnisse. Aus den Unter- lagen geht hervor, daß der Achtsiundenlag nach wie vor im Vordergrunde des Interesses, steht. In den letzten Iahren wurden drei neu« Ra- tisikationen des Washingtoner Uebereinkommens erzielt: die Ra- tifikation Luxemburgs, Portugals und Kubas. Dazu kommt der von Spanien bedingungsweise vollzogene Beitritt zu diesem Uebereinkommen. Zweifellos geht es auf dem Gebiete der Ratifikation des Washingtoner Uebereinkommens trotz aller Widerstände vorwärts. Frankreich hat das Uebereinkommen bedingt ratifiziert und wird es in Kraft setzen, sobald Deutsch- l a n d und E n g l a n d die Ratifikation vollzogen haben. In Deutsch- land ist bereits in der Regierungserklärung der Beitritt Deutsch- lands zum Washingtoner Uebereinkommen über den Achtstundentag zugesagt worden. Die Ratifikation durch England hängt von dem Ausgang der bevorstehenden Parlamentswahlen ab. Ein Sieg der englischen Arbeiterpartei wird das letzte Hindernis auf dem Wege der europäischen Ratifikation des Achtstundentages beseitigen. Bon besonderem Interesse sind auch die Mitteilungen des Di rektors des Internationalen Arbeitsamts über die Durchführung der ralifizierten Uebereinkommen. Die Regierungen sind gemäß Artikel 498 des Friedensvertrages verpflichtet, alljährlich einen Bericht über die von ihnen zur Durch führung der ratifizierten Uebereinkonnnen ergriffenen Maßnahmen an das Internationale Arbeitsamt einzusenden. Diese Berichte werden von Jahr zu Jahr vollständiger und einwandfreier, so daß schon heute von einer wirtsamen Kontroll« der Durchführung der Uebereinkommen in den einzelnen Ländern gesprochen werden kann. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht naturgemäß stets den Ländern, die der Internationalen Arbeitsorganisation noch nicht angeschlossen sind, das heißt, den Vereinigten Staaten, Mexiko, Sowjetrußland, der Türkei und Aegypten. Don großem Interesse sind die Mitteilungen über die Beziehungen zu Sowjetrußland. Das International« Arbeitsamt wird in Rußland auch heute noch als ein„Anhängsel des imperialistischen Völkerbundes" be- zeichnet, dessen Ausgabe in der Verbesserung der Klassengegensätze bestehe. Trotzdem stehen die Volkskommissariate für Arbeit und öffentliche Gesundheitspflege, die Gewerkschaften und die Genossen schaftsorganisationen mit dem Internationalen Arbeitsamt zum Zweck« des Austausch» wissenschaftlicher Unterlagen in Verbindgung. Auch verschiedene russische Staatsbeamte und Wissenschaftler haben das International« Arbeitsamt in Genf besucht und in zahlreichen Fällen seine Dienstzweige in Anspruch genommen. Der Bericht enthält in bezug aus Rußland schließlich ein« eingehende Analyse der sozialen Gesetzgebung und der wirtschastlichen Verhältnisse Reben der vollständigen Uebersicht über die Tätigkeit der Inter nationalen Arbeitsorganisation bringt der Bericht eine eingehend« Darstellung des Arbeitsrechts, des Arbeiterschutzes, der Sozialver- sicherung, der Löhne, des Arbeitsmarkts, der Wanderungsbewegun gen usw. in den verschiedenen Ländern. Die ganze Arbeit wird geleistet bei einem Iahresetat von 8)4 Millionen Goldfranken, in dessen Ausbringung sich 54 Länder teilen. Ein einziges Kriegsschiff kostet«in Vielfaches dieses Jahres- etats. Trotzdem bringen«s die sozialreaktionären Unternehmer fertig, fortgesetzt gegen die sogenannt«„Genfer Ausgabenwirtschaft zu wettern. Ltnaufhattsamer Aufstieg. Nach der Slusmerzvng der Zerstörer. In der Berliner Ortsocrwaltung des Berkehrsbundes hält die Aufwärtsentwicklung in der Mitgliederbewegung auch in diesem Geschäftsjahr an. Wie der erste Bevollmächtigte, Genosse Ort- mann, in der Generawerfammlung am Montag im Gewerk- fchaftshaus berichtete, sind im ersten Quartal 5362 neue Mit- g l i e d e r ausgenommen worden und 272 Mitglieder aus anderen Organisationen übergetreten. Diese Tatsache ist ein Beweis dafür, daß die Organisation ihre Werbekraft nicht dadurch eingebüßt Hätz daß sie sich von den gewerkschaftsfeindlichen Elementen in ihren Reihen befreit hat. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Der Organisation sind niemals soviel Mitglieder zugeströmt wie nach dem Zeitpunkt, wo sie die klare Scheidung herbeigeführt hat. Ueber die lohnpolitschen Erfolge konnte Genosse Ortmann noch nichts Abschließendes mitteilen, da die meisten Lohn- und Tarifbewegungen erst im Laufe des zweiten Quartals erledigt wurden. Aber auch das Teilergebnis vom ersten Quartal ist im Vergleich mit den Erfolgen, die andere Organisationen erzielt haben, zufriedenstellend. Für 12 85T Beschäftigte konnte im ersten Quartal eine Lohnzulage von 66 882,69 M. pro Woche durchgesetzt werden. Für 46 Beschäftigte wurde eine einmalig« Wirtschaftsbeihilfe von je 39 M. und für 745 Belchäftigte von je 16' M. pro Woche, das sind insgesamt 13 399 M., erwirkt. Die Mitgliederzunahme hat sich natürlich auch auf die Finanzen der Organisation günstig ausgewirkt. Der Lokal- kassenbestand erhöht« sich"im Lause des ersten Quartals von 266 639 M. auf 297 171 M. Genosse Ortmann wies zum Schluß auch auf die bevorstehende Verschmelzung mit dem Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter hin, die voraussichtlich schon im Herbst vollzogen wird und streifte dann kurz die Mai„artion" der KPD., deren beklagenswerte Opfer restlos auf das Konto„Vabanquepolstik" der deutschen kommu- nistischen Filiale Moskaus verbucht werden müsse. Die Gswerk- schaften beklagen diese Opfer aufs tiefste. Von den kornmunisfischen DelSgierten, die sich an der Dis- ku ss i o n beteiligten, wurde so gut wie nichts zum Geschäfts. bericht gesagt. Sie beschränkten sich fast ausnahmslos auf die Er- örterung der blutigen Maworgänge und oersuchten, ihre Partei- sührung von aller Schuld frei zu sprechen. Unser« Genossen warteten dagegen mit Material auf, das so vernichtend war, daß nicht einmal ein Zwischenruf aus den Reihen der„Opposition" laut wurde. Gegen etwa 15 Stimmen nahm die Generalversammlung folgende Enffchließung an: Di«...... Generalversammlung bedauert aufs tiefste die im- schuldigen Opfer gewissenloser parteifanatischer Hetze aus Anlaß der Maioorgänge in Berlin. Di« Verantwortung trifft jene Kreise allein, die seit Wochen systematisch in der wüstesten Weise sowohl in der„Roten Fahne" als auch in ähnlichen Organen zu Gewalttätigkeiten aufforderten. Dank und Anerkennung gebührt allen, die zu dem ungestörten, eindrucksvollen Verlauf der gemeinsamen Maikundgebungen des Deutschen Derkehrsbundes und des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter beigetragen haben. Diese Kolleginnen und Kollegen haben die große Tradition des Maigedankens und das Ansehen des 1. Mai als Welffeiertag des Proletariats gewahrt. Tagung des Verwaliungsrais des LAA. Sine Neuregelung der Sprachenfrage. Genf, 28. Mai.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsrat des Arbeitsamtes hielt am Dienstag zwei öffentliche Sitzungen ab. In der Sprachenfrage wurde beschlossen, in den Kommissionen der Arbeitskonferenz ein« nicht offizielle Sprache zuzulassen, falls ein Fünftel der Kommissionsmitglieder es wünsche. Der Oktobertagung des Vcr- waltungsrats wurde die Zusammensetzung eines Ausschusses für die automatische Kuppelung bei Eisenbahnwagen über- wiesen. In den Ausschuß sollen von jeder Gruppe em Mitglied des Lerwaltungsrats und acht Sachverständige entsandt werden. Von den übrigen Punkten der Tagesordnung ist ein indischer Antrag auf Neuregelung des Budgets des Arbeitsamtes, bemerkenswert. Es besteht die heikle und widerspruchsvolle Ordnung, daß das Bedget des Arbeitsamtes einerseits vom Verwaltungsrat, andererseits aber von der Völterbundsverfammlung genehmigt wirb. Der Inder schlägt vor, daß die Völkerbundsver- sammlung sich nur alle fünf Jahre mit dem Budget beschäf- tigen soll, damit die Selbständigkeit des Arbeitsamtes mehr' als bisher zum Ausbruck komme. Der Antrag, mit dem die Frage des Verhältnisses des Arbeitsamtes zum Völkerbund überhaupt auf- Die Massen und die KpO. Eine gerichtliche Klarstellung. Die Maschinenfabrik Karl F l o h r A.-G. hat den Betriebsratsvorsitzenden B o w i tz fristlos entlassen, weil er die Arbeiter des Betriebes zur Teilnahme an dem von der Leitung der Kommunisti- schen Partei für den 4. Mai angeordneten Generalstreik zu bewegen versucht haben soll. Bowitz klagte beim Arbeitsgericht gegen sein« Entlassung. Die Verhandlung zeigte, daß es gewiß zum Streik gekommen wäre, wenn die Beiegschaft dem kommunistischen Betriebsrat, der die Parole Moskau» auszuführen versuchte, gefolgt wäre. Aber die Arbeiter der Flohrschen Betriebe sind der kommunistischen Parole nicht gefolgt, obwohl sie sonst immer kommunistisch gestimmt haben. und nun will auch Bowitz, der unentwegte Kommunist, gar nichts für die Durchführung der Parole semer Partei getan haben. Am 3. Mai hatte Vow> eine lange Unterredung mit dem eben- falls kommunistischen Bettiebsratsvorsstzenden Krause, der in dem Wittenauer Werk der Firma amtiert. Im Wittenauer Wert hat am 3. Mai eine Betriebsversammlung gegen zwei Stimmen den Streik beschlossen, und zwar mit solcher Begeisterung, daß man sofort streiken wollte. Der Betriebsratsvorsitzende hat aber den Kampfeseifer soweit gedämpft, daß der Streik erst am sol- genden Tag« begitinen sollte. Ueber Nacht war aber die Sampfesstimmung abgeflaut. so daß sich kein einziger von allen, die für den Streik gestimmt hatten, an dem„Generalstreik" beteiligte! Der in Wittenau gefaßte Beschluß wurde von Bowitz der Beleg- schaft des Berliner Werkes der Firma mitgeteilt, natürlich in der Erwartung, hier einen gleichen Beschluß zu erzielen. Aber von der 899 Arbeiter zählenden Belegschaft erschienen nur etwa 199 in der Betriebsversammlung. Diese konnten natürlich, selbst wenn sie alle streiklustig gewesen wäre«, keinen für die Mehrheit verbind- lichen Beschluß fassen. Bowitz ordnete deshalb an, daß am Morgen des 4. Mai„spontan aus den Reihen der Kollegen heraus" ein« Be- triebsverfammlung auf dem Hofe zusammentreten und den Streik beschließen solle. Für einen solchen Beschluß wurde Stimmung ge- macht durch die Verbreitung der— an sich zutreffenden— Nachricht, daß der Vater eines Flohrschen Arbeiters bei den Straßen- krawallen erschossen sei. Doch selbst diese Stimmungsmache half nicht. Di«„spontane" Versammlung kam nicht zustande und niemand befolgte die Streikparole. Um die Entlassung des Betriebsratsvorsitzenden pi begründen, hätte die Firma vor Gericht einwandfrei nachweisen müssen, daß er tatsächlich in der Weise auf die Arbeiter eingewirkt hat, um sie für den Streit zu gewinnen. Dieser Beweis ist nicht voll- kommen gelungen. Das Gericht riet deshalb zu einem V e r- gleich, weil das Verhalten des Klägers zwar ungehörig, aber als Grund zur fristlosen Entlassung wohl nicht ausreichend fei. Der Kläger erklärt«, sich auf«ine Abfindungssumme von 759 M. vergleichen zu wollen. Die Firma behielt sich den Widerruf des Ver- gleichs bis zum 31. Mai vor.— Was an sich nichts ändern wirb an der Tatsache, daß selbst die Arbeiter einer kommunistischen Hochburg der KPD. die Gefolgschaft verweigert haben. Verbandsiag der Zimmerer. kiel, 28. Mai.(Eigenbericht.) Nach einer sehr gründlichen Aussprache über den Geschäftsbericht nahm der Verbandsiag der Zimmerer eine Reihe bedeutsamer Eni- s ch l i e ß u n g e n an. Die wichtigste war die zur S o z i a l g e s e tz- g e b u n g. Sehr energisch wird in dieser Entschließung nicht nur die Beibehaltung, sondern der weitere Ausbau der Arbeits- losenversicherung verlangt. Der Verband wendet sich gegen die besondere Behandlung der„berufsüblichen Arbeitslosen". Eni- schließungen kommen weiter zur Annahme zur Frag« der Wohnungs- Wirtschaft, zum Schlichtungswesen, zur Bauarbeiterschaft, zur Bau- Hüttenbewegung und zum Fremdenwesen. Zur Jugend- und Lehr- lingsfrag« trat der Verband für eine baldige Verabschiedung des Berufsausbildungsgesetzes«in. Graß mann, der etwas spätet auf k�m Verbandstag« er- scheinen konnte, begrüßte den Verbandsiag im Namen des Bundes- Vorstandes des ADGB. und ging in feiner Rede auf die Derhand- lungen des JGB. in Prag«in. Es beginne sich ein internationaler einheitlicher Grundgedanke über die Wirtschaft durch- zusetzen, was lebhaft zu begrüßen fei. In der Aussprache mußte man den Lo-ngmut bewundern, mit dem die Delegierten die kommunistischen Tiraden über sich er- gehen ließen. Obwohl die Kommunisten nur 15 Prvz. der Delegierten ausmachen, haben sie die Diskussionsfreiheit für sich am meisten aus- genutzt. Verwunderung erregte es, daß der kommunisfifche Reichs- tagsabgeordnete Reppfchläger mit Wirtschaftsbegriffen operierte, die jeder ABC-Schütze unter den Gewerkschaftsfunktionären längst an seinen Schuhsohlen abgelaufen hat. Dieser Gewerkschaftsangestellie wagte es, den Unorganisierten ein Loblied zu singen. Ellinger vom Verband sozickler Baubetriebe konnte diese Sorte Wirtschaftler mit Leichtigkeit abführen. Auf die Frage der Industrieorganisationen gingen die Genossen Bernhardt vom Baugewerksbund und Graß» mann vom ADGB. näher«in. Elfterer erklärte, daß er kein« In- dustrieorganisationen wolle, wie sie in dem kommunistischen Antrage zum Durchbruch kommen. Ein Zusammenschluß der Verbände könne nur erfolgen, wenn der beiderseitige Wunsch zum Zulammen- schluß gegeben sei. Graßmann wies auf die Breslauer Beschlüsse hin, zu denen der Bundesvorstand nach wie vor stehe, einen Zwang aus- zuüben müsse abgelehnt werden. Die Derbandsleitunq verteidigt in den Schlußworten ihre Siel- lung in geschickter Weise. Sie fand hierbei bei der Mehrzahl der Delegierten volles Verständnis. Der Vorsitzend« Wolgast ermahnte die Berliner Delegierten sehr eindringlich, die Bogen nicht zu über- Pannen, weil der Vorstand diesen Quertreibereien nicht länger zusehen dürfe._ Auch das Landproleian'ai marschiert. Aufstieg des Landarbeiterverbandes. Der Deutsche Landarbeitcrverband hat zu seiner ünften Generalversammlung, die Anfang Juni in Kiel tattlindet, einen Geschäftsbericht über die Verbands- arbeit in den Iahren 1926/28 herausgebracht. Von be- anderem Interesse sind die Darlegungen über die Tätigkeit des Verbandes auf dem Gebiet der Lohnpolitik und des Rechtsschutzes, über die wir bereits berichtet haben. Ueber die Mitgliederbewegung gibt der Bericht fol- gendes Bild: End« 1926: 141 778 Mitglieder, Ende 1927: 152 889, Ende 1928: 173 998 Mitglieder. Die erfreuliche Zunahm« wiegt um so schwerer, wenn man die Organisationsschwierig- leiten in Betracht zieht, die infolg« der Unversvhnlichkeit der landwirtschaftlichen Unternehmer nicht geringer geworden ist. Di« Zahl der weiblichen Mitglieder betrug Ende 1928: 16 832, die der Jugendlichen 8910. Von den Mitgliedern sind rund 71,26 Prozent Landarbeiter und 24,24 Prozent Forstarbeiter. Oer Gtahlhelm-Administraior. Arbeiterbehandlung auf dem Lande. Man schreibt uns: Der Landarbeiter Artur Brunzel war bis vor vier Monaten auf dem GutVoßberg im Kreise L e b n s beschäftigt, dessen Besitzer der stramm deutschnationole Oberamt- mann Koppe in Amt Kienitz ist. Nach langer Arbeitslosig- keit hatte Brunzel vor einigen Tagen Arbeit bei einem Landwirt in L e t s 0 i n im Oderbruch gefunden. Kürzlich traf ihn dort der Administrator Stiller von Voßberg, Hauptmann in Reserve und prominentes Stahlhelmmitglied. Der Adnünistrator stellte ihn zur Rede und fragte empört, wie er dazu komme, bei dem Land- wirt zu arbeiten. Er beschimpfte ihn als Schweinehund, Zigeuner usw. und drohte, ihm die Werkswohnung, die Bunzel noch in Voßberg hat, zu räumen. In der Frühe des anderen Tages erschien dann auch der Guts- inspektor Hamann mit acht Mann und zwei Fuhrwerken. Trotz- dem die Frau des Arbeiters die Haustür verschlossen und daraus hingewiesen hatte, daß jedes Eindringen Hausfriedensbruch fei, ver- schaffte sich Hamann mit seinen Leuten gewaltsam Eingang in die Wohnung. Die Leute rannten die Milch um und parfen die Butter in ein Nachtgeschirr. Die Möbel wurden dann auf die Fuhrwerke verladen und in die v e r l a u st e Schnitter- t a f e r p e gebracht. Ei�t quf dringende Vorstellungen des fozialdemokrati» schen Amtsvorstehers in Letschin hin bequemte sich der Herr Administrator dazu, die Sachen wieder in die Wohnung zu» rückzuschaffen. In christlichem Erbarmen schickte er, wohl ängstlich geworden, auch Milch und Butter. Selbstverständlich hatte die Gutsverwaltung kein Räumungsurteil erwirkt. Es handelt sich um einen brutalen Willkürakt. 75-Giunden-Woche. Was sagt die Aufsichtsbehörde dazu? Erst vor kurzem berichteten wir von einem Fleischermeister, der vom Landgericht Berlin zu 2999 Mark Geldstrafe oerurteilt wurde, weil er sein Personal in überlanger Arbeitszeit schamlos ausbeutete. Es gibt aber in Berlin noch viele andere Fleischereien, in denen die gleichen oder ähnliche skandalöse Verhältnisse herrschen. Ein« davon ist die des Fleischermeisters Richard Wolter in der Oppelner Straße 12. Dieser Herr beschäftigt sechs Gesellen in durchschnitlich 75slündiger Wochenarbeilszeit ausschließlich der Pausen. Die Pausen zum Einnehmen der Mahlzeit.en sind nicht länger als fünf bis zehn Minuten. Obwohl die zuständige Organi- sation diesen„Musterbetrieb" wiederholt kontrolliert und den Inhaber zur Jnnehallung der tariflichen Arbeitszeit ermahnt hat, denkt dieser zünftige Fleischermeister gar nicht daran, die tarifliche Arbeitszeit einzuhalten. Wer von den Beschäftigten zu murren wagt, wird kurzerhand entlassen. Ueberstunden kennt man in dem Betriebe nicht. Wahrscheinlich finanziert Herr Wolter von dem seinen Gs- seven vorenthaltenen Verdienst seine Sommerreise. Das Unerhörteste leistete er sich aber am H i m m e l f a h r t s- tage, indem er seine Gesellen arbeiten lieh. Die Fenster der Betriebsräume sind neuerdings durch ein mit kleinen Löchern ver- sehenes Eisenblech und dahinter hängende Vorhänge geschützt, damit kein unberufenes Auge diese Vorgänge erspäht. Jedenfalls ist es hier an der Zeit, daß sich die Aufsichtsbehörden einmal näher mit den Verhältnissen in diesem Betrieb befaflen. Herr Wolter hätte aber auch allen Grund, seine Organisation?- und Arbeiter- seindlichkeit zu dämpfen, wenn nicht die F a b r i k k a n t i n e n der Berliner Großbetriebe, die er beliefert, ihm die Freundschaft kün- digen sollen. Denn schließlich ist es den Betriebsräten, die auch ein Wort in den Kantinenausschüssen mitzureden haben, nicht gleich. gültig, wie es in einem Betriebe aussieht, der die Arbeiterschaft mit Waren beliefert. Lohnkampf in der sächsischen Glasindustrie. Dresden, 28. Mai. Nachdem am Freitag die Verhandlungen über den Schi«ds- s si r u ch in der Glasindustrie zu keinem Ergebnis geführt haben, hat die Gewerkschaft einen Teil der Arbeiter der Glasfabrik A.-G. in Brockwitz, der August Walter und Söhne A.-G. in Ottendorf-Okrilla, und der A.-G. für Glasfabrikation vormals Gebrüder Hoffmann in Bernsdorf(Oberlausitz) und auch die Arbeiter von zwei Veleuch- tungsglasfabriken in Bischofswerda veranlaßt, zum 6. Juni zu kün- digen. Darauf haben die Arbeitgeber mit einer Gesamtkündigung geantwortet, die am 8. Juni in Kraft tritt. Verhandlungen im Ruhrbergbau. Essen, 28. Mai.(Eigenbericht.) Am Dienstag begann in Essen unter Vorsitz de« Schlichters Pro- fefsor Dr. Brahn die Fortsetzung der Parteiverhandlungen über den Rohmentarif und das Ueberarbeitsabkommen für den R u h r b« r g- b a u. Die Verhandlungen wurden nach fiebenstündiger Dauer abge- brachen und werden am Mittwoch fortgesetzt. Deitritt OanzigS zum internationalen Arbeitsamt. Warschau, 28. Mai. Wie amtlich verlautet, hat die Regierung der Freien Stadt Danzig durch die polnische Regierung ihren Beitritt zum Jnternaiio- nalen Arbeitsamt ist Genf angemeldet. f ftrete G ewerkfchafis-Lugend Groß-Berltn Heute. Mittwoch, 19� Uhr, tagen die Gruppen i«niUIl»: Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Vortrog:„Eozioles Wond-rn."— Süden. Südwesten: Stadt. Jugendheim Yorckstr. II. Fabrikgeb. Vortrag!.Gnmnastik."— Daumschulen»eg: Jugendheim Baumsäiulenweg, Ernststr. 16. Vortrag: �Soziale» Wandern."— Weisiensec: Gruppenheim Weißensee, Parkstr. 36. Unsere Mädels gestalten den Abend aus.— Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zehdenicker Etr. 24—25. Elternabend: Lichtbilder, Rezitationen, Gesang.— Nordring: Gruppenheim Sonnenburger Str. 20. Vortrag: Warum gewerk. schaftliche Organisationen?"— Frankfurter Alle« und Laub«be»s«r Platz: Spielen auf dem Sportplatz im Friedrichshain.— Lichtenberg und Re».Lichte»» berg: Spielen in Treptow auf der Wiese I.— Achtung, Sprech,»ntz Ve- wegungschor! Heute, 1S� Uhr, Sprechchorprobe im Saal 11 des Gewerkschaft». Hauses, Engelufer 24— N, Hof part. rechts. Zuaendgruppe des ÄentralverbandeS ver Anqefiellten teute, Mittwoch, sind folgendi Veranstaltung-N: ugondhcim Schonsiedtstr. 1 fLedigcnheim). Auosprachoadend Uder unser Gaujugend treffen.— Osten: Jugendheim Litauer Str. IS. Vortrag:»Die Welt- liche Schule." Referent ssriu Weigelt.— Stralau: Jugendheim der Schule Eoßlerstr. Sl. Vortrag:..Bcrufsardeit und Sport."— Rrferent Polemann.— Reutöll»: Jugendheim Böhmische Str. I—«...Wa, wir w Neustrellg erled. ten."— Südost: Jugendheim Wrangelstr. l2S...Iack-London-Abcnd."— s»»»- dan: Augendheim Lindenufer>."'ortrag:„Entw'cklung des Vcrtchr»wefens." Referent Kollege Lottcrer.— Potsdam: Augcndherberg« Rowaw-s, Priester. Rcofit. Bortrag:»Unsere Arbeiterdichter." Referent Wilhelm Lewinski. S Die Frauen werben. Schafft eine sozialdemokratische Mehrheit im Rathaus! In dem kommenden Kommunalwahlkampf werden auch die Frauen ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Viel« kommunalpolitische Fragen können am allerbesten die Frauen be- urteilen, sie sind auch imstande, eine erfolgreiche Arbeit richtig zu würdigen. Aus dieser Erkenntnis heraus haben auch die Frauen im Krejs Wedding bereits ihre Arbeit aufgenommen. Durch eine Reihe Informationsabende wollen sie sich das Material für den Kommunalwahlkampf vermitteln lassen. Am Dienstag abend fanden drei Frauenverfammlungen im Bezirk Wedding statt, die all« einen guten Besuch aufwiesen. D«r Genosse W o y w o d referierte im Gesellfchaftshaus, Swine- münder Straße. Er besprach in seinem Referat wichtiges Material aus dem Berliner Haushalt und ging vor allem auf die Sozia- »ufgaben der Stadt Berlin ein. An" Hand eines ausgezeichneten Zahlenmaterials bewies der Referent, daß erst, seitdem die Sozial- dcmokratic führend in der Berliner Kommunalpolitik ist, den wirt- schaftlich Schwächeren Hilf« in ihrer Not zuteil wird. Die Sozial- demokratie hat in der Stadt Berlin bewiesen, daß man auch mit kommunalisierten Betrieben trotz billiger Tarife einen erheblichen Ueberschuh erzielen konnte, der wieder für So- zialaufgaben verwandt wurde. Auch auf die Schulreform ging der Referent ausführlich ein und hob besonders hervor, daß durch einen neuen Versuch, auf die erste Klasse der Gemeindeschulen noch zwei Oberklossen aufzubauen, auch der Proletarier eine bessere Schul- bildung erhalten kann. Das Referat fand starken Beifall. Den entscheidenden Faktor bei den im Herbst bevorstehenden Berliner Stadtv«rordnetenwahlen nannte Genosse Most in einer gut besuchten Frauenversammlung im Löwenbräu, Hochstraße, die Frauen, und er appelliert« an sie, die Agitation für die kommunalen Parteizi«l« in die Kreise der Bewohner in den Arbeitervierteln hin- einzutragen. Der Nachbar im Mietshaus, der auch unter der Woh- nungsnot leidet, muß aufgeklärt werden über die einzige Möglichkeit, den furchtbaren Wohnungsmangel zu beseitigen und die untragbar hohen Neubaumieten zu senken: Die Schaffung einer rein sozial- demokratischen Mehrheit im Stadtparlament. Be- sonders im Wedding gilt es, die Macht der Kommunisten zu brechen, da eine sozialdemokratisch-kommunistische Mehrheit erfahrungsgemäß durch die Schuld der Kommunisten arbeitsunfähig ist. In der Bewilligung und Forderung von Ausgaben sind die Kommunisten groß, aber um die Lösung der Deckungsfrage für ihre Agitationsanträge drücken sie sich regelmäßig. So war die Sozial- demokratie seit 1924, als die arbeiterfeindliche Bürgerblockmehrheit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung durch die„xfiie" Mehrheit gebrochen wurde, regelmäßig gezwungen, den Stadthaus- haltsplan mit Hilfe der bürgerlichen Mittelparteien aufzustellen. Für die Durchführung der ztvei grundlegenden Forderungen der So- zialdemokratie: Senkung der Neu baumieten auf den Stand der Altbaumieten und restlose Verwendung der Haus- zinssteuer für Wohnbouz wecke werden diese Mittel- Parteien immer ein Hemmschuh sejn. Für ihr eigenes Interesse ein- zutreten, zu kämpfen, für die Gesundheit ihrer Kinder und ihrer selbst durch die Unterstützung der Sozialdemokratie, das muß das Ziel des politischen und sozialen Strebens der Frauen sein! In den Pharussälen. sprach Genossin Margaret« Schenka- lowski. Wie die Genossin Juchacz in ihrem Referat beim Parteitag in Magdeburg über die Tätigkeit des Vvrstandsbureaus für die Frauenbewegung schon ausführte, ist die Gemeinde«in Gebiet, für das sich alle sozialistisch denkenden Frouenbesonder seinsetzen müßten. Wir können nach der ablaufenden Wahlperiode zusammenfassend berichten, daß große Fortschritte auf allen Gebieten der Kommunalpolitik sestzu- stellen sind. Sie beschäftigt« sich mit dem Gebiet der Gesund- h e i t s f ü r s o r g e, der Wohlfahrt Und natürlich mit dem wichtigen Gebiet der Wohnungsnot, Dabei gedachte sie der Unruhen am 1. Mai und sagte, daß es wphl eher unsere Aufgabe sei, Fenster in Wohnungen einzusetzen, als Fensterscheiben zu zerschlagen. Die Genossinnen, die alle aus dem Wedding stammten, nahmen diese Feststellung mit Begeisterung auf. Bei allen drei Kundgebungen unserer rührigen Genossinnen vom Bezirk Wedding, bewies der stürmische Beifall, daß die Frauen der Arbeiterklasse gewillt sind, ihre Pflicht für den Sozialismus aus freudigem Herzen zu erfüllen. sagt der Bär?MZ Mtni f joseth C�Or»ifc TtllH w Jfr 0 ifjlti ./ mmmmi 3»um typischen Stadtbild gehört die Litfag säule, die jetzt ihr 75 Jähriges Bestehen feiert 0 Für Vieles hat sie in dieser Zeit geworben, doch nur das Beste hielt Bestand, von öllems dtoseMidtuno Berlins meistgerauchte 4� Cigaretie Sinftniungcn für dies« Rubrik flud «« r U- 2W 5S, Lindenstraß« 3, parieinachnchtenKM� fürGroß-Vertin stet, ob d», BezirkesekretariBt 2. Hos. 2 Treppen recht», zu richten. 8.«rei» areuzberg. ssreitag. ZI. Mai. Ilbr, bei Rabe.?ichtestr. V. SomtnunalpoliHfd'f Vortragsreibe für ssuirktionäre. Kommunal« Kam» Mission. Arbeiterwohlkahrt und alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Porlei. Mitglieder. Die Genossen Stadtrat Zachow und Dr. Schloss sprechen über ..Wohlfahrts, und Jugendpflege."\. J>. Arei« Pankow. Beamt-N-Werbeaueschuss und Betriebsfraktion der SPD. beim Bezirl«»irt Pankow. Isreitog, Zt. Mai, A> Uhr. Werbeveronstoltung im Türkischen Zelt, Breite Str. it. Der Direktor beim Tarifvcrtragsamt, Genosse Dr. Pollbrccht, spricht über„Berlin als Arbeitgeber". Gäste ssnd herzlich willkommen. K>. Abt. Eharlottcnburq. 8. Gruppe: 20 Uhr Zahlabend im Lokal Schuh, Wallstr. 99. Arauenveranstallungen. J4. Kreis Rcuköllu. Die Genossinnen beteiligen sich am Freitag. Zt. Mai, 20 Uhr, an der BeranftaNung der Jugend, Filmvorführung im Saalbau Bergstraße 147. 20.»r«>, Reinickendorf. Freitag, ZI. Mai. 20 Uhr, Funktionärinnensitzung im Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 3 sbis Endstation Tegel fahren). Jede Abteilung mutz vertreten sein. kl.?. Abt. Eharlottenburg. Alle Genossinnen beteiligen sich heute, Mittwoch, 29. Mai. an der Abteilungsversammlung im Lokal Last. OZ. Abt. Reukälln. Die Genossinnen treffen sich am Donnerstag, 30. Mai. 14 Uhr, im„Bärwinkel". Siedlung Dammweg. Die Zunktionärinnen müssen unbedingt erscheinen. Arbeiterwohlfahrt. 0. Kiel» Kreuzberg. Am Donnerstag, 30. Mai, 19Vj Uhr, Sitzung de» Aus- schusses und der Abteilungsleitungen. Jede Abteilung mutz vertreten fein. 7. Krei» Sharlottenburg. Sitzung fällt am Freitag, 31. Mai, aus. Dafür Besichtigung des Magdolenenheimes in Teltow, Lichterfelder Str. 4ö, am Dienstag. 4. Juni. Treffpunkt um 13 Uhr vor dem Heim. Fahrverbindung: Linie 117, dann umsteigen in die 100,»oder vom Wannseebahnhof bis Lichter- felte.Ost. dann umsteigen in die 100. 13. Krei- Tempelhos. Arbeitsgemeinschaft am 31. Mai. 20 Uhr. Dorf- stratze 42, Sitzungzimmer 1. Referat:„Die Altersversorgung der erwerbstätigen Bevölkerung Grotz-Berlins." Referent Genosse Schmidt-Leichner. Alle Wohl- tahrtspflegerfinnen), Genossen und Genossinnen werden dringend eingeladen. Zungsozialislen. Gruppe RculölB: Heute, Mittwoch, 29. Mai, 20 Uhr, im Jugendheim Treptower Str. 95—90, Vortrag:„Gegenwartsfragen der Finanzpolitik." Re- ferent Dr. Braunthal. Arbeiisgemeinfchafk der Sinderfreunde Groh-verlin. Zufammenkuuft der Falkeuvertreter am Donnerstag, 30. Mai, 11% Uhr. Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 It., Portragsfaal des Parteivorstandes. Gruppen und Kreilc schicken je einen von den Kindern gewählten Vertreter. Vorftandssitzung Freitag, 31. Mai. 20 Uhr, Geschäftsstelle. ». Unsere Sprechstunde findet morgen, Donnerstag, 30. Mai Krei» Reukälln. � von 17—18 Uhr in der Baracke Ganghoferl zurechnen.— Zum Donnerstag, 30. Mai, is der Roten Falken von Grotz-Berlin um 11% Uhr nach Berlin, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen links, einberufen. Die beiden Obleute der Gruppen müssen daran teilnehmen. statt. Maizeitungen sind ab- 30. Mai, ist eine Zusammenkunft aller Obleute | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Am Montag, 27. Mai, verstarb unser langjähriger bewährter Be. zirisführer Robert Etolp im Alter von OS Iahren. Sein Fleiß und seine Treue werden uns unvergeßlich blpibcn. Einäscherung ant Donnerstag, 30. Mai, 10?-, Uhr, im Krematorium Gerichtstratzc. Wellrrberichl der SffenNichen wclkerdievstslelle Berlin und Umgegend. kstiachdr. veib.) Noch verbreitetem Gewitterregen Abkühlung, aujfrijchende Winde, später wieder Aufheiterung mit Temperaturanstieg.— Für veulsch- laud: Im Süden noch waim mit lokaler Gewitterbildung, im Norden und Osten Gewstteregen mit Abkühlung, ausfrischende Nord- bis Nordwestwinde. Zpi'ecftciMi' tar Proietarischa Feierstunden Freitag, den 31. Mai, abends 7'/, Uhr piinktl., im Gesangssaal der Sophien- Schule, Weinmeisterstraße 16 17, Uehungsstunde. Wichtige Beschlußfassung über eine Mitwirkung. Die Kinder brauchen nicht nj kommen. Sport. Rennen zu karlshorsl am Dienstag, dem ZS. Mai. 1. Rennen. 1. Lucrezia sKreienbrink), 2. Labora, 3. Gpala. Toto: 15:10. Platz. 11, 19, 20:10. Ferner liefen: Rohrenglück, Rinaldo, Easter Lilh, Pineta, Vcrwechfwng. 2. R e n n e::. 1 RaPS sMafewski). 2. Wels, 3. Wildfang. Toto: 33: 10. Platz: 17. 15. 20: 10. Ferner liefen: Turnei, Minnelied, GUde. Donnerkönig. 3. R e n n e n. 1. Manncslreue(BiSmart), 2. Certosina. 3. Poltklet. Toto: 26� 10. Platz: 19, 18, 26: 10. Ferner liefen: Blumberg, Teyde. Gawan, Sternkunde. 4. R e n n e n. i. Almeido sBcf.). 2. Allah, 3. Lusitania. Toto: 16: 10. Platz: II, 13: 10. Ferner lies: Tipp-l. 5. Rennen. 1. Heluan(Bis mark), 2. Staroste, 3. Eiegberte. T°to: 12:10. � 6. Rennen. 1. Merkur II sBef.), 2. Eigensinn. 3. Rauberbaupt, mann. Toto: 284: 10. Platz: 41, 16. 17: 10. Ferner Uesen: Waisenknabe, Pilatus, Fechterin, Ratte. Banditi, Ondina. 7. R e n n e n. 1. Brillant sHaynes), 2. Ouellendors, 3. Edelstein. Toto: 98:10. Platz: 28, 17. 66:10. Ferner liefen: Gallina, Hoch- druck, Angulimala. Nil. Sankt Hubertus, Eontessa, Genius, Oruk, Electrola, Chikoi, Blaugelb, Rossini. Die Technik wird heute nicht mehr nur um irgend eines ZU- fälligen malerischen Reizes willen mit der Kunst verknüpft. Die Ursachen, die das Interesse der Künstler auf die Technik hinlenken, liegen tiefer. Technik bedeutet für unsere Generation einen Teil des Lebens überhaupt. Jeder Künstler, der aus dem Leben heraus ge- stalten will, muß an irgend einem Punkt seines Schaffens auf die Technik als Modell stoßen. Das Publikum hat erst seit verhältnismäßig wenig Jahren Verständnis für dieses Interessengebiet der Kunst gewonnen. Bis dahin galt den meisten Technik, Arbeit als häßlicher Alltag, der ungeeignet als Objekt für die Kunst sei. Heute dagegen werden Ausstellungen veranstaltet, die nichts ander«? als Silber, Graphiken, Skulpturen aus dem Gebiet der Technik zeigen, und finden einen verhältnismäßig guten Besuch. Hellmut Krommer wies in seinem Vortrag„Kunst und Technik" auf diese Ent- Wicklung hin und erinnert« an einige der großen Künstler, die Haupt- sächlich die Anregungen für ihr Schaffen aus dem Gebiet der Technik nehmen. Leider hatte man diesen Vortrag, der gewiß für die Allgemeinheit von Interesse war, auf eine sehr frühe Nach- Mittagsstunde gelegt.— Am Abend sandte dagegen weder Berlin noch Känigswufterhausen«inen wirklich volkstümlichen Vortrag. Nett war die lustige musikalische Abendunterhaltung, der eine schön« Hanz-Psitzner-Stunde folgte. Theodor Scheid! sang Lieder, das Havemann-Ouartett spielte unter Mitwirkung des Komponisten ein Quintett. Diese sympathische unpathetische Geburtstagsnachfeier ließ man sich sehr gern gefallen. Xes. 1 SozialistischeArbeiterjllgendGr.-Verlm (Zinsendungen für dlese Rubrik nur an das Iugendselreiariat Verlin EWbL, �.tndenstraße 3 Die Bien,MeU»clisten müssen umgehend abgeliefert und die listen abgerechnet werden.' Achtung, Wanderleiter! Besprechung der fterienfahrten anschl. an 2Bien heute. 20 Uhr, im Vortragssaal des V-V., Lindenstr. ä. Achtung. �Baldur" Fahrer am 1./2. Juni! Wir treffen uns 18� Uhr am Lindenufer, Spandau. Heuke, Mithvoch. 29. Mai, 19� Uhr: Arlonaplatz: Sckulr Elifabetbkirdifir. 19.„Allcrlri vom Iugendwa."— Westen.». F.: Heim Bülowstr. 88.„Die Rote.Falkrn.Bewegung."— Weddiug: Heim See- Eck« Turincr Slratzr. Heiterer Abend.— Pctersbnrger Viertel: Heim Tilsit-r Str. 4. Heimabend.— Reichenberg«««i-rtel: Hcim Britzer «trotz« 27— 3N. Togespolitifcher Abend.- Schövebeig III: Heim Hauptstr. 13. Fnnktionärsitzung beim Genossen Rieth.— Ebarlottenburg-Rord: Heim Olbkrs. strotze. ,.?>c deutsche Presse." 2. Teil.— Tempelhos: Lnzeum Germaniastr. 4—8. .Magdeburg."- Zallenberg: Gut-Hof...Unsere Fahrten."— Friedrich-felde: Seim Alt-Friedrichsfelde 43.„Kopitaliftifchc Tendenzen im täglichen Leben."— Lichtenderg-Mitte: Heim Schornweberstr. 29..Iugrndtagserlebnissc."- Ren- Lichteuberg: Heim Hauffstratzc. Glotzdrenner-Abend.— Spandau: Hcim Linden. ufcr. Lichtbilder:„Dos alte und das neue Wien." Werbebezirk Prenzlauer Berg. Aclterengruppc: Zusammenkunft im Heim Sonnenburgcr Str. 29. Alle älteren Genossinnen und Genossen müssen er. scheinen. Werbebezirk Neukölln: Die Wanderleiter treffen sich nicht im Heim Flug- hafeustratze. s-uderu beteiligen sich an der zentralen«a-derlciterkanfereuz, Lindenstr. 3. LSG. Wedding: Schule Eotenburger Sie. 2, 18. Uhr,„Berliner Humor". Doriräge, Vereine und Versammlungen. « Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastiansir. 37/38, Hot 2 Te. Ganvorftanb. Mittwoch, 29. Mai. 19 Uhr, Beginn de, Rettung». schwimmerkursus, Köpenick. Wendenschloßftr. 122. Erscheinen aller gemeldeten Kameraden Pflicht.— Mitte: Am Mittwoch fällt das Turnen aus. Nächster Turnabend Mittwoch. 3. Juni. Der Ortsvcrrin beteiligdssich an dem Eommerfeft des Allgemeinen Pr. Polizeibeamtcnverbandes am 1. Juni in Earls- hof. Eintrittskarten bei den Funktionären.— Friedrlch»hain: Schutzsporllrr und ZÜngkamcroden Sportplatz im Friedrichshain. Ausgabe der Passierscheine. — Prenzlauer Berg: Sonnabend, l. Juni, Teilnahm« an dem Sommerfeft de» Pr Polizeibcamienverbandes im Etoblisiement Earlshof in Plötzense«oft, vrtsgeuppe Berlin, vcffentlicher Bortrags- abend am Mittwoch, 29. Mai. 29 Uhr, im Festsaal des Reftauranls„Wohl. statt", Belle-Alliance-Str. 89(Ecke Gneilenou- und Horckstratze, N-Bahn Belle- Alliance-Straße). Vortrag des Herrn Prof. Dr. C. Fries(Mitglied der Cosmo- politischen Union):„Anbahnung des Weltfriedens durch Staatenvercinigung" (unter defonderer Berückstchtigung der deutsch-polnilchen Spannung und der sranzästfchcn Zeppelin-Silfe). Ehrung des Professors griedr. Wilh. Förster zu feinem 69. Geburtstag(am 2. Juni)). Referent Pastor Franckc. Zutritt für jebermanu frei! Säfte willkommen. Trinkt Fachinger. Die Bedeutung einer Trinkkur mit„Staatl. Fachingen". diesem Gesunbheitsmasser von Weltruf, liegt darin, daß es in hohem Matze blutreinigend und blutauffrischend wirkt.„Fachingen erhält Körper und Seist frisch und gefund!" Berantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geyer: Wirtschaft: S. Klingelhöfer: Sewerksdiaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: K. S. Döfcher: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstödt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlaq: Porwärts-Perlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsonftalt Paul Singer u. Co., Berlin EW. 68, Linden strotze 3. Hierzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". NtllÄMli! Iii w IsZMWMdi! lii!M mg der Satr.nng ist Berlin genehinigt w: 5 18 der Satzung vetr« vom worden etreffend Berlin C 15, Hankcttra�e 3-4 Die 34. Abänderun Oberversicherungsamt Geändert ist der§ 18 der Satzung Grundlöhne. Die vorstehende Äenderung tritt mit dem 5. Juni 1929 in Kraft. Druckstücke der Äenderung können vom 13. Juni 1929 an im Kassenlokal in Empfang genommen werden. Der Vorttand der Oriskrankenkatte für da» Maur er ge werbe xu Berlin. Hermann Krflger.Vorsitzender. Richard Freund, Schriftführer. �OmnitiiisSifU. ob Grünau,' Bohnsdorf dl» Kirchvlatz über 99 Parzellen an. der Schönefelder Chaussee. Pert.d. Restparzellen qm 1 M an. Ber- käufer Sonntags anwesend. C. A. Winkler Zahleadorf-Mitta Teltower Str. 8. Z-hlendors 2228.» Inserieren brinftt Ertollt I Am 26. Mai verstarb mein Ileber Mann, ber Steindrucker Lrnst Kau im Alter von 61 Iahren. Dies zeigt in ttefer Trauer an Pauli»« Hau Berlin 6W, Kochstratze 31 D!» Einäscherung findet am Frei- tag. dem 31. Mai, 18 Uhr, im Krema- torium Derichtstratze statt. Beotsdier Metallarbeiter- YerbaDd Verwaltungsstelle Berlin TodesanK«ifl«n. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Unser Kollege, der Rohrleger widert Richter geb. 9. Juni 1862, am 25. Mai an DarmlrebS gestorben ist. Die Einäscheruna findet am Don- nerstag, dem 39. Mai 1929. IS Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt. Am 23. Mai starb unser Kollege, der Schweitzer Otto Hinz geb 26 Dezember 1877. Die Einäscheruna findet am Don- nerslag. dem 29. Mau 18 Uhr, Im Krematorium Gerichlftratze statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Betestigung erwartet Vi« Oclnoenoaltana. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der BestaNung meines lieben Mannes und guten Baiers des Formers Raul Mai sagen wir hiermit allen Freunden. Bekannten und Kollegen, der Direktion de» Siemen»- Schuckeri- Elmowerts, auch dem Meister und der Belegschaft der Metallgießerei, dem Metallarbeiter- verband, insdelondero drm Herrn Redner für fein« ehrenvollen Worte und der 137. Adllg. der SPD. unfern herzlichsten Dank. Martha Hat Erna Mal als Tochter «ST' MalralzenK ■ Metall- und Holzbctten, Schlafzimmer '•man Private Ratenzahlung, titiloe 267(ni. h EisenmoaenaDrik suhl flTUlro Verkäufe Tapeten. Szillat. Kolonicftratze 9. Beachtenswert! 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