BERLIN Mttwoch 29. Mai 1929 10 Pf. Nr. 246 B 122 46. Jahrgang. Erfcheiot tSzlich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8ö Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 6S. Lindenstr. 3 SfuUautyaße Jek l o i e i s t o» r e i« i Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. oftscheckkont»: VorwärtS-Verlag 0. m. b.H.. Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Severins über die Reichswehr. Die Richtlinien zur Wehrfrage angenommen. Dritter Verhandlungstag. Magdeburg. 29. Mar. Der Parteitag hat den revidierten Entwarf der Wehrkonunisfion mit 244 Stimmen gegen 147 Stirn- wen angenommen. ♦ KrSger-Berlin erstattet den Bericht der Mandatsprüfungskom- Mission. Daraus ergibt sich, daß 397 Delegiert« anwesend sind, darunter St) Frauen. Unter den 19 Gästen besinden sich auch Der- treter des Internationalen Arbeitsamtes und. des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaflsbundes. Nachdem auf Antrag der Kom- Mission alle Mandate für gültig erklärt worden sind, wird die Aussprache über die Richtlinie« zum Wehrprogramm fortgesetzt. Seger-Dessau betont, als Pazifist— wenn auch nicht als„Nur- oazifist'— müsse er den Entwurf der Kommission bekämpfen. Er dedauert, daß Dittmann sich mit seinem Referat die lobende Aner- tennung des Magdeburger oolksporteilichen Organ» erworben hat. In der Frage„Krieg oder Frieden' kann es kein Kompromiß geben. Die Forderung der Demokratisierung der Wehrmacht entspringt einer Illusion, denn die Demokratie widerspricht dem Wesen einer Armee.. Angesichts der Entwicklung der militärischen Machtmittel ist der Be- griff des Derteidigungsmittels überlebt und die Lokalisierung eines Krieges unmöglich. Die dänische Sozialdemokratie hat mit ihrem Abrüstungsprogramm einen glanzenden Wohlsieg erfochten. Wir in Deutschland haben nur die Wahl zwischen dem Schutz für Angriffe durch Neutralisation unseres Landes oder der Abrüstung, denn mit dem Heer von 190 900 Mann können wir uns nicht schützen.. Was die Kommission mit ihrem Entwurf macht, ist halber Pazifismus, der darauf hinausläuft: Wir bekämpfen den Krieg grundsätzlich, aber wir machen den nächsten Krieg mit. Ein Kompro- miß ist nicht möglich, der Entwurf muß abgelehnt werden. Seydewih-Zwickau: Wir lehnen die Beteiligung an jedem Kriege ab, weil bei jedem Krieg das Proletariat jedes beteiligten Landes der Besiegte ist. ganz gleichgültig, ob es sich um den Siegerstaat oder den besiegten Staat handelt. Die Begriffs- bestimmung des Verteidigungskrieges ist gornicht möglich, denn der Charakter eines Krieges ergibt sich erst in seinem Verlauf. Der von Dittmann bekämpfte Anfangsog unseres Antrages:„3n der kapitalistischen Epoche trägt jeder Krieg stets den Charakter des herrschenden Imperialismus' stamml wirklich aus der Entschließung des Brüsseler internationalen Kongresses, für die Ditt- mann selbst gestimmt hat. Wir dürfen nicht aus internationale Ver. einbarungen warten. Das«st ja das Traurige in der Internationale, daß jeder� zum anderen sagt:.Lannemann, geh du voran.' Die deutsche Sozialdemokratie muß in der Ablehnung des Krieges der Internationale voranmarschieren. Schöpslm.-Karlsruhe: Wenn die größte Partei Deutschlands nach monaielanger Diskussion erklären muß, für sie sei die Wehrfrage nicht reif zur Entscheidung, so würde ich das aus dos tissste bedauern. Der Parteitag kann nicht nur, er muß zur Entscheidung kommen, zumal die Richtlinien nur zusammenfassen, was wir stets praktisch getan haben. Unter Mithilfe der Sozialdemokratie ist die Wehrmacht der Republik geschossen und jeder Mann der Reichswehr bewilligt worden. Erst in neuester Zeit versucht eine Opposition der Partei einzureden, daß jeder bewaffnete Landesschutz unseren Grundsätzen widerstrebe. Damm war die Ausstellung der Richtlinien nötig, obgleich für alle, die positiv zur Wehrmacht stehen, das Heidelberger Pragramm vollkommen genügt. Alle inlernatio- nalen Kongresse haben die Abrüstung ausdrücklich als internationale Frage anerkannt, daß schließlich nach uns jede sozialistische Partei in ihrem Lande alles mögliche für die Sicherung des Friedens tun soll. Aber einstweilen sind Deutschland und Oesterreich in der Ent- wasfnung soweit vorangegangen, dag jetzt die anderer» erst mdl nach- folgen müssen. Dazu brauchen die Sozialisten der anderen Länder noch einen erheblichen Machtzuwachs. Mit Dänemarks ein- seitiger Abrüstung läßt sich Deutschlands gco- graphische, wirt schoftlich�e und politische Lage nicht vergleichen. Stellen Sie Deutschland einmal vor die Frage, diesen Landesschutz zu beseitigen, und sie werden ihr blaues Wunder erleben. Die Reichswehr wird mit jeder Regierung gehen, die fest konsolidiert ist und bestehen kann. Leider kann man die bedauerlichen Ausschreitungen in der Reichswehr nicht so scharf bc- kämpfen, wie es notwendig wäre, weil es ja noch soviel«ozial- demokraten gibt, die nickit den Weg zum republikanischen Staat ge- funden haben.(Heiterkeit und Beifall.) Eckstein-Brcilau: Wir bekennen uns zur antimilita- ristischen Propaganda Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Wir leugnen nicht, daß in der gegenwärtigen Gesellschaft Elemente für den Sozialismus vorhanden sind. Aher das schasft.die gute Sache nicht aus der Welt, daß wir in einer hoch- kapitalistischen"Wirtschast und Klassenherrschaft leben. Die ousge- sperrten schlesischen Textilarbeiter werden schwerlich zum Schutz ihrer ökonomischen Interessen die Reichswehr herbeirufen können. (Dr. Leber: Ein sauber Witz!) Die Reichswehr ist die schärfste Waffe Tom südbayrischen republikanischen Tag in'München. Stede und Qegenrede in Magdeburg. Der Debatte über die Richtlinien zur Wehrpoliiik ist am Witt- wachvormittag sortgesetzt worden. Das Auftreten der ersten drei oppositionellen Redner— Seger, S e y d e wi tz und Eckstein — erbrachte schon den Beweis, daß es eine grundsätzlich einheitliche Opposition nicht gibt. Von dem Pazifismus S e g e r s zum"sozio- listischen Iakobinertum Levis gibt es keine Brücke. Seger erklärte, daß man sich an einem Kriege nicht beteiligen dürfe, solange der Staat kapitalistisch sei. Eckstein versicherte dagegen, jeder Arbeiter müsse bereit sein, den. Vcrteidigungskqmps. gegen den Faschismus zu führen, auch wenn der Faschismus von außen kommt. Trotzdem will er kein Vaterland kennen und beruft sich dafür auf Eri spien. Den Namen„Landesverräter" will er— sehr im Gegensatz zu Bebel— als Ehrentitel annehmen. Die Mehrheit gab ihren Unwillen über derartige Ausführungen deutlich zu erkennen, und auch in der Minderheft applaudierte nur ein kleiner Teil. Hatte sich schon Schöpflin mit Seydewitz sehr auseinander- gesetzt, so nahm sich C r i s p i e n besonders Eckstein vor. Die Be- rusung aus seinen oft zitierten Ausspruch über Sozialismus und Vaterland lehnte er nachdrücklich ab und er gab diesem Ausspruch einen Kommentar, den jeder Sozialdemokrat unterschreiben tonn. Unsinn sei es, die Demokratie radikal abzurüsten, während ihre Gegner aufrüsten. S e v e r i n g, lebhaft begrüßt, sprach unter graßer Aufmerk- samkeit über das Verhältnis der Reichswehr zur Re- publik. Er bekämpfte den Pessimismus, der dieses Verhältnis für irreparabel erklärt. Was mit der Polizei gelungen ist, muß mit der R e i ch's w e h r auch gelingen. Auch schon unter Groener kann man damit beginnen, mit dem bloßen Herunterreißen aber kann nichts»erreicht werden. Seoering analysierte dann den Gegenentwurf der Opposition, dessen innere Widersprüche er unter großer Heiterkeit darlegte. Die Mehrheit des Parteitages hat an diesem Mann, der wirklich praktisch denken, aber auch politisch handeln kann, seine helle Freude. Hermann Müller hat ihn vor zwei Iahren in Kiel auch als den besten Praktiker der Partei bezeichnet. Dafür gilt er dem Parteitag auch heute noch, wie der stürmische Beifall zum Schluß beweist. In der weiteren Debatte kämpfte dann K a w e r a u noch ein- mal für Vertagung. Er findet beide Entwürfe unklar und sucht einen Weg zwischen Levi und Dittmann. Schumacher- Stuttgarl ist auch für Vertagung, die H a u b a ch- Hamburg ebtschieden bc- kämpft. Kurz vor 12 Uhr wird die Debatte geschlossen. Dittmann will im Schlußwort kurz sein. Er ist auch kurz.. Ruhig, sachlich und stellenweise humorvoll fertigt er Eckstein ab. Eine Biertelstundc später beginnt die Abstimmung. Zunächst wird über den Antrag, alle Entwürfe an die Kommission zurückzu- weisen, namentlich abgestimmt. Die Anhänger Levis erklären, für die Rückverweifung stimmen zu wollen. Die Rückoerweismig wird mit 2-5!5 Stimmen gegen 166 abgelehnt. Es folgt die Schlußabstimmung über den Entwurf der Rom- Mission, der mit 244 gegen 147 Stimmen angenommen wird. Dann beginnt Breitscheid mit dem Bericht der Reichstagsfraktion. des Bürgertums gegen die Arbeiterschaft. Gerade in der Wchrfrage st e h t Klasse gegen Klasse mit unver- söhnlichem Haß. Wem gehört das Vaterland, das wir ver- leidigen sollen? Den Arbeitern gehört das Vaterland erst, wenn die kapitalistifchc Gesellschaftsordnung bekämpft ist. In der kapita- listischen Gesellschaftsordnung hat der Arbeiter kein Vaterland. D i c Bezeichnung„Landesverräte r" i st ein Ehrentitel für uns.(Großer Beifall und Widerspruch.)>selbstnerstöndlich wird die Freiheit der Zlrbeiterjchaft gegen einen faschistischen lieber- fall verteidigt werden.(No also!) Aber Sie wissen, daß die Bour- geoisie jeden faschistischen Angriff pon außen unterstützen wird. Den Einmarsch der Reichswehr in Sachsen wird die deutsche Arbeiter- fchaft in Jahrzehnten nicht vergessen. Daß es unmöglich ist, die Reichswehr zu erobern, hat Wien am 15. Juni gezeigt. Das zu fünf Sechsteln frei organjstert« Heer hat gegen das Wiener Prole- tariat gestanden. Ich lasse dahingestellt, wie weit der sozialistische Aufbau in Sowjetrußlond gediehen ist. Ab« r w i r h a be n d i e Massen zusammen, um in Deutschland die Macht für den sozialistischen Aufbau zu erobern. Da steh: der Feind ausschließlich im eigenen Land und den Feind im eigenen Land wollen wir schlagen mit unserem Dehrprogramm.(Beifall und lebhafter Widerspruch.) Erispien: Levi hat sich mit seinen theoretischen Untersuchungen so hoch heraufgeschwunaen, daß er die Gegenwart ganz aus dem Gesicht verloren hat. Das Ziel des Sozialismus ist die gbwaltlose Gesellschaft. Darum ist in unserem Programm kein Raum für ein Wehrprogramm. Wir lehnen die Gewalt ausdrücklich ab als ein Mittel, um unser Ziel zu erreichen, aber in der gegenwärtigen Gesell- schaft spiel: die Gewalt noch eine Rolle und für diese Gegenwart stellen wir Richtlinien aus. Levi schreitet über diese Zeit hin- weg und betrachtet lediglich die Rolle des Militärs beim Ausbau der sozialistischen Gesellschaft. Dabei stellt xr die rein b o I s ch e>< w i st i s ch e Theorie auf, daß wir dann auch die Menschen �gege» ihren Willen mit der Gewalt glücklich machen müssen. Der Sozia- lismus lehnt das grundsätzlich ab und vertraut ausschließlich auf die freudig bewußte Mitarbeit der Massen. Darum gelten die Richtlinien nur für. die Zeit der kapitalistischen Gesellschaft und nur für die gegebene politische Situation. Wir alle erstreben die Abrüstung, aber die Grenze der Abrüstung Hot schon 1893 Engels gezogen: sie darf nicht zu einer M a ch t v e r s ch i e b u u g führen. > durch die dos Vordringen des Sozialismus aufge- halten wird. Deshalb lst es vollkommener Bnfinn. die demokratischen Staaten radikal abzurüsten, während der Faschismus auf- rüstet.(Lebhafte Zustimmung.) Das ist tatsächlich Politik gegen das Proletariat. Hier ist der Punkt, wo wir uns Levis Verteidigungsstandpunkt nähern. Den Begriff des Vaterlandes und der Vatcrlandsoerteidi- gung habe ich niemals, wie Eckstein, abgelehnt, sondern weil ich ein größeres Vaterlandsgefühl inne habe. Wie es heute für keinen Deutschen ein bayerisches oder sächsisches Vaterland gibt, für das er eine militärische Verteidigungspflicht anerkennt, so wird man einst innerhalb Europas keine Vaterlandswehr mehr anerkennen und diese Tendenz zu den Vereinigten Staaten von Europa ist die führende Friedenstendenz der wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt. hoexter- Essen: Der Entwurf der Kommission übersieht ganz den Imperialismus, der in allen Ländern herrscht, auch in der deutschen Republik. Der Imperialismus als Erscheinung in der öko- nomischen Entwickluna darf aber nicht von der Wehrfrage getrennt werden. Geradezu katastrophal ist der Abs. 3 des Entwurfs, der die Existenz der Reichswehr mit der Gefahr revolutionärer Jnter- vsntionen begründen will. Heute in der Zeit der kapitalistischen und imperialistischen Verflechtung der Staaten kann es solche iso- lierten Kämpfe gar nicht mehr geben. Das Proletariat aller Länder wird immer nur feine großen Interessen zu verteidigen haben, sei es gegen den eigenen oder gegen dein fremden Imperialismus. Unsere Richtlinien müssen so aussehen, daß die Bourgeoisie Angst da- vor bekommt, einen neuen Krieg zu entfesseln. Severins lmit Beifall empfangen): Ich war bestürzt, als ich zuerst von einem Wehrprogramm hörte und war entsetzt, als Lern gestern sogar von einem Kriegsprogramm sprach. Gegen wen wollen wir denn Krieg führen? Wenn diese Debatte auf einem internatio- nalen Kongreß geführt würde, so wäre das verständlich. Aber daß wir diese Auseinandersetzungen führen im Hinblick auf unser 11)0 000� Mann-Heer, das zeugt doch wohl nicht von politischem Augenmaß. Ich wurde nur beruhigt durch Dittmanns gestrige Versicherung, daß nicht ein grundsätzliches Programm aufgestellt weiden soll, sondern Richtlinien für die politische Togesarbeit. Künstler hat wohl recht, wenn er sagt, daß ohne Ponzerkreuzerdebatte diese Wehrprogrammdebatte nicht gekommen wäre: er hätte aber weiter sagen können: Diese Debatte wäre nicht nötig gewesen, wenn wir Arbeiter, Demokralen und Republikaner im taufe des letzten Zahrzehnts ein anderes Verhältnis zur Reichswehr bekommen hätten. Wenn wir wüßten, daß die Reichswehr eine demokratische Einrichtung sei. in der selbst ein Vanzerkreuzer nicht gegen den Frieden und gegen die Znleressen der Arbeiterklasse gebaut werden kann, hätten wir wahrscheinlich diese Debatte nicht. (Sehr richtig!) Eine Demokratisierung der Reichswehr wird aller dings kaum möglich sein, denn die Demokratie in der Organisation ist mit dem militärischen Charakter einer Gruppe nicht vereinbar. Darauf kommt es aber nicht an, sondern darauf, daß wir die Reicbswebr rcnublikanilieren. Das rft bisher leider in dem erforderliche» Maße nicht geschehen. Man darf aber nicht allein die Reichswehr dafür verantwortlich machen, sondern wir müssen uns an die Buitz schlafen und saa->n:..mca cuW /meine Schuld). Es ist auch nicht so, daß wir der Reichswehr jeden Mann bewilligt haben. In den Iahren 1910 und 1S?0 haben nicht nur Organisa- Dianen der Unabhängigen, sondern auch der Mehrheit?so?ia'isten vor dem Eintritt in die Reichswehr gewarnt.(Leider!) Nicht nur Noske. sondern auch andere— ich gehörte auch dazu— haben' damals vergeblich versucht, Republikaner in die Reichswehr hinein- -»bekommen. Nachdem wir die Früchts dieser Ab- sti n e n z p o l i t i t gesehen haben. sollten wir den früheren Fehler nicht wiederholen. Man darf die Republikanisierung der Reichswehr nicht einfach als aussichtslos bezeichnen. Die Schutzpolizei ist-von unseren Genossen in vielen Orten früher auch als verkappter Milrammus abgelehnt worden, und diese'ben Genossen betrachten die Schutzpolizisten heute mit Recht als zuverlässige Republikaner. Dielen Wandel haben wir dadurch erreicht, daß wir bei der Ergänzung des Mannschafts» bestartdes nicht alte Landsknechte, sondern Gewerkschaftler aus un- seren Reihen in die Schutzpolizei aufnahmen. Bei der Reichswehr werden sich derartig« Einiüaiinaen rennSsikanifcher Rekruten nicht durchführen lassen. Aber daß es schließlich möglich sein wird, glauben Sie doch auch, Genosse Rosenseld?(Dr Rosenfeld: Unter Groener?) Auch Groener wird ja mcht ewig Minister bleiben. . Die Opposition bält die Revublikanisierung der Reichswehr auch für möglich, sonst hätte die Forderung einer Aenderung des Re- krutierungssystems im Aktionsprogramm der Opposition keinen Sinn. Richtlinien lind gut, aber die reale Macht ist wichtiger. Diese reale Macht werden wir nicht allein im Reichs- tag ausüben können, es kommt in diesen Dingen mehr auf die Exekutiv« als auf die Legislative an. Alles, was die Oppo- fi,!on in ihrem Programm fordert, ist zu einein guten Teil nur durch il,.? Beteiligung an der Reichsregierung möglich. Aus Rosenselds Frage muß ich doch sagen, daß sich unter Groener schon manches geändert hat. Vicht umsonst Hetzen gerade jetzt die Rallonalsozialislen gegen die Reichswehr. Aber wenn wir Groener allein oder nur in Gesellschaft von deulschnationalen Winistern lassen, glauben Sie. daß wir dann leichter zu einer Reform in unserem Sinne kommen? Nein, nur im Zusammenwirken des Innenministeriums mit dem Reichswehrministeriums sst es heute schon möglich, zu den ersten Ansätzen einer Republikanisierung der Reichswehr zu kommen. Nun müssen wir aber auch wahr machen, was Hermann Müller als Reichskanzler im vergangenen Jahre erklär! hat! So wie wir von der Reichswehr oerlangen, daß sie sich als verfassungsmäßiges Organ Carl Severing der Republik fühlt, so muß die Republik alles Erforderliche be- willigen, nicht nur geldliche, sondern auch moralische Kredite. Ich stehe nicht in dem Verdacht, ein Lobredncr der Reichswehr zu sein, ich war be� ihr in den Iahren 1922 bis 1924 persona ingratissima. Bei manchen Stellen der Reichswehr hat sich das heute noch nicht geändert. Ich spreche ja auch hier nur im Interesse der Republik und der Arbeiterklasse. Wer seine Aufgabe als Sozialist darin erblickt, die Reichswehr stets nur zu betritteln, nur immer herunterzuziehen, was an ihr tadenlswert erscheint, wer nicht anerkennt, was die Reichswehr gelegentlich Gutes vollbracht hat, der wird die Reichswehr nie republikanisieren können' Seydewitz hat zum Beispiel gemeint, daß auch das Prole- tariat der Sieaerländer zu den Geschlagenen des Weltkrieges gehört Das deutsche Proletariat war wohl insofern nicht geschlagen, als es durch den Weltkrieg Republik und Demokratie errun- gen hat. Jedenfalls aber steht diese Auffassung von Seydewitz-in schreiendem Gegensatz zur ganzen Denkweise Levis. Die Form ihres Antrages ist glänzend: Analyse. These. Astithej«. nur die Synthese habe ich vergeblich ge- Beilegung des Textilkonfliktes? Neue Verhandlungen vor dem(Schlichter. Breslau. 29. Mai.(Eigenbericht.) Der Schlichter der Provinz Schlesien Philipp hat in den Arbeitskonflikt in der schlefischen Tcxtil- industrie vermittelnd eingegriffen. Er hat die Par- teien zu morgen. Donnerstag, nach Breslau zu einer unverbindlichen Aussprache geladen. Ob dieser Schritt zu einer Beilegung des Kon- fliktes führen wird, erscheint sehr zweifelhaft, da in den ersten Schlichtungsvcrhandlungen. die unter dem Vorsitz des gleichen Schlichters stattfanden, kein Schiedsspruch zustande kam. Jedenfalls sehen die Ausgesperrten, die sehr gut organisiert sind, dem Ausgang dieser Besprechung mit der größten Ruhe entgegen.__ Tarifkündigung der Bauschloffer. Protest gegen die Gründung einer Innungskasse. Die organisierten Berliner Bau- und Geldschrankschlosser nahmen in ihrer stark besuchten Branchenversammlung am Montag in den Sophiensälen ganz entschieden Stellung gegen die Absichten der Berliner Schlosser-Zwangsinnung, eine Innungskranken. lasse zu gründen. Obwohl in den einzelnen Betriebsversamm- lungen und in der vor kurzem abgehaltenen Ausschußsitzung der Ortskrankenkasse der Schlosser dagegen schärfster Protest eingelegt worden ist, soll sich die Innungsversammlung am kommenden Frei- tag mit der Gründung der Kasse beschästigen und auch die bereits ausgearbeiteten Statuten genehmigen. Die Funktionär« und der Gesellenausschuß sind einmütig der Meinung, daß alle gesetzlichen Mittel angewandt werden müssen, um diese Gründung zu ver- hindern. Die Gründung einer Jnnungskrankenkasse bedeutet eine schwere Schädigung der Arbeiterschaft, da es keines Beweises bedarf, daß ein solches Zwerggebilde niemals die gleiche Leistungsfähigkeit haben kann wie eine gut fundierte Ortskrankenkasss. Die Versammlung beschloß dann weiter nach einer eingehenden Aussprache einstimmig, den Lohn- und Manteltarif ent- sprechend der Empfehlung der Branchenkommission und der Ver- trauensleute zum 30. Juni zu kündigen. Hinsichtlich des Mantel- tarifes wurden folgend« Forderungen aufgeftelll. Die Ar- beitszeit soll von 46� Stunden wöchentlich auf 45 Stunden herabgesetzt und so geregelt werden, daß der Sonnabendnachmittag möglichst arbeitsfrei ist. Der Ueberftundenzuschlag soll 25 Proz. betragen. Jede Ueberarbeit soll durch Freizeit ausgeglichen werden. Visher wurde für Ueberarbeit ein Zuschlag von 15 Proz. gezahlt und wenn sie durch Freizeit ausgeglichen wurde, überhaupt kein Zuschlag. Des weiteren wird gefordert die ausnahmslose Ein- stellung der Arbeitskräfte durch den öffentlichen Arbeitsnach- weis, die Erhöhung des Urlaubs um einen Tag in jeder Urlaubsstaffel und die Aufbesserung des Montage- Zuschlages von 6 auf 10 Pf. pro Stunde. Die Löhne der Arbeiter und Arbeiterinnen über 21 Jahre sowie die der Junggesellen im 1. und 2. Gesellenjahr sollen um 15 Pf. pro Stunde und die der Jugendlichen um 10 Pf. erhöht werden. Für die Lehrlinge wird die tarifliche Festlegung eines Urlaubs von S bis 12 Tagen und die Zahlung eines Kostgeldes von 7 M., 9 M., 12 M. und 15 M. je nach der Dauer der Lehrzeit verlangt. Zum Schluß nahm die Versammlung noch die Wahl der Branchenleitung vor. Der bisherige 1. Branchenleiter Robert Krüger wurde einstimmig wiedergewähtt. Bei der Wahl des 2. Branchenleiters versuchte die sogenannte„Oppositton�, die Wieder- wähl des bisherigen 2. Branchenleiters Otto B e u st e r mit den schäbigsten Mitteln zu oerhindern und an seine Stelle einen stalintreuen Kommunisten zu setzen. Beuster sagte den„Revolutio- nären" nicht mehr zu, weil er es ablehnt, als Obmann in seinem Betrieb die Anweisungen Moskaus zu befolgen. Bis vor kurzem war er noch Mitglied der KPD., der er feit ihrer Gründung an- gehörte. Die Versammlung beschloß aber mit mehr als Zwei- drittelmehrheit. Beuster zum 2. Branchenleiter wieder- zuwählen. Nachdem die Kommunisten sahen, daß ihnen die Felle weg- geschwommen waren, entfesselten sie einen derartigen Tumult, daß eine ordnungsmäßige Wahl der übrigen Mitglieder der Brau chenkommission nicht mehr vorgenommen werden tonnte. Die Wahl erfolgt daher in der nächsten Branchenversammlung. Zu Asche verbrannt. (Frei nach dem„Struwwelpeter�.) Durch den Austritt Rosa Aschenvrenners aus der KPD. verlor diese im Bayerischen Landtag die Fraktionsstärke. »Ein Häuflein Asche blieb allein../ sucht.(Heiterkeit.) Es wird in dem Antrag erklärt, daß in einem kapitalistischen Staat die Wehrmacht nicht nur den außenpolitischen, sondern auch sehr den Interessen der Bourgeoisie dient. Nachher im Aktionsprogramm wird das Verbot der Verwendung militärischer Kräfte bei Konflikten zwischen Staat und Arbett ge- fordert.(Heiterkeit.) Ebenso naiv ist die in einem Antrag gestellte Forderung, es sollten die notwendigsten proletarischen Machtmittel für die Begründung und Verteidigung der sozialistischen Gesellschast angewandt werden. Die Vertreter der Opposition glauben ja nicht an unsere Machterweiterung innerhalb des gegenwärtigen Staates, wie wir sie erstreben. Aber wollen wir Maschinengewehre anschaffen und Flinten auf Stapel legen? Ja, aber einstweilen sind das nur Papierkugeln.(Heiterkeit.) Aber die Ansammlung iechnisch-mili- tärischer Rlachlmitiel zum Bürgerkrieg wird eine Regierung des heuligen Staates mit der Sozialdemokratie ebensowenig erlauben, wie der heutige demokratisch-republikanische Staat derartige Bürger- kriegsrüstungen es Faschisten und Bolschewisten erlaubt. Für die Notwendigkeit der Landesverteidigung brauchen wir nicht aus Oester. reich oder das Burgenland zu schauen. Wir haben selbst Schlimmeres erfahren. 3m 3ahce 1920 haben mich Deputationen aus Oberschtesien bestürmt mit der Forderung, ihnen Waffen zum Selbsifthuh zu geben.* Wenn Sie diese Landesverteidigung ablehnen, glauben Sie damit der Arbeiterklasse einen Dienst zu erweisen? Mindestens in den ganzen Gebieten entständen dann illegale Organisationen zu voll- berechtigten faschistischen Bewegungen, die auch auf den Kern Deutschlands ausstrahlen würden. Die Ablehnung der Landesver- teidigung wäre also lediglich der erste Schritt zum Sieg« des Faschismus. Man nehm« deshalb die Richttinien der Kommission an, aber man gebe sich keiner Täuschung hin. Sie löst die Frage nicht. sondern bringt sie nur in Fluß. Wir werden täglich im Parlament und Regierung dafür zu sorgen haben, daß die Forderungen der Kommission auch Erfüllung finden.(Beifall.) Drei spanische Offiziere zum Tode verurteilt. Das Madrider K> iegsgericht hat in dem Prozeß gegen die aufständischen Artillerie- offiziere drei Todesurteile und acht Urteil« auf lebenslänglich« Zucht» hausstrafe gefällt. Alle anderen Angeklagten wurden freigesprochen. Man glaubt, daß die Regierung vor Vollstreckung des Urteils dem König eine Amnestieverordnung unterbreiton wird. Die Seekrankheit auf der Sowjetbahn. Ein Erzeugnis der Sabotage-psychose. Moskau, 29. Mai. „Wetschejnaja Moskwa" verösfentlicht Einzelhesten über die Sabotageakte, die zur Verurteilung und Erschießung von M eck und zwei anderen Angeklagten sowie zur Verschickung einer Reihe für schuldig Befundenen führten. Das B'ati sagt: Das Ver- fahren bildet die Fortsetzung des Schachty-Prozesses und betrifft meist Verkehrsingenieure und frühere Aktionäre der Moskau— Kasan-Bahn. der Südostbahn, der Rjaesan— Uralsk-B. hn und der W'ndaury— Binsk-Bahn. Von Meck und Welitschko weid.n als die Letter der Sabotage bezeichnet. Absichtlich hätten sie Lok- mottvkessel und mechanische Vorrichtungen vernichtet, taugliche Lo?> mottoen betriebsunfäh'g gemacht und systematisch dl« Ver- kehrsstatistik gefälscht. Durch rechtzeitiges Einschreiten der Staatlichen Politischen Polizei sei verhindert worden, daß schwerste Lokomotiven der Serie A unnötigerweise bestellt w-u- den, wodurch dem Staate»viele Milliarden für Brückenumbau und Bahnkörperverstärtung" entstanden wären. Die Verhaftung der Schuldigen sei bereits im Februar 1928 erfolgt. Eine ver- spätste Verhaftung hätte die Desorganisation des gesamten Verkehrswesens zur Folge gehabt. Die Aufdeckung der Sabotage sei durch Mitwirkung von Tausenden von Arbeitern, Bahnangestellten, Mit- gliedern der Eisenbahnergewerkschast und verschiedenen staat'ich.m Organisationen erfolgt. Besonders hervorgehoben wird, daß dies- mal auch Ingenieur« und Techniker an der Aufdeckung des Ver- brechons beteiligt gewesen sind. Das Blatt will wissen, daß d'e Verurteilten bemüht gewesen seien, das Vertrauen der Reisenden in die Sowjetmacht zu erschüttern indem sie u. a. Waggons erfun- den hätten, deren Benutzung Seekrankheit hervorgeru'en hätte. Ernster als die letztgenannte von der»Wesschernaja Moskwa" wiedergegebene Beschuldigung klingt die Behauptung, die B-r- urteillen hätten versucht, Getreidetransporte zu stören. Gleich nach Beendigung des Schachty-Prozesses ist bereits das Ge- rücht umgegangen, daß dieser Prozeß eine Reihe verschiedener Prozesse auf anderen Industriegebieten nach sich ziehen würde. *' Das Geheimnis um die Gründe der Erschießung von drei Sowjetbahnbeamten ist damit gelüftet. Das Verbrechen soll u. a. darin bestanden haben, daß die Erschossenen sich, wie da» auf der deutschen Reichsbahn seit Iahren durchgeführt wird, angesichts des steigenden Verkehrs für die Einstellung schwerer Lokomotiven und damit einer Verstärkung des Oberbaues eingesetzt haben. Also eine Meinungsverschiedenheit über eine finanzielle Maßnahme dient zur Begründung dreier Todesurteile! Wenn aber die Herstellung von Waggons mit schlechter Federung auf die Absicht zurückgeführt wird, die Reisenden seekrank zu machen und ihnen damit ihr Ver- trauen in die Sowjetunion zu„erschüttern", so ist das allerhand. Di«.Erschütterung" der Sowjetunion durch die»Erschütterung" der Sowjetreisenden Ist wohl das komischste, was die GPU. sich geleistet hat. Man hat In Moskau jetzt schon kein Gefühl mehr dafür, wo- mtt man sich lächerlich macht. Es herrscht dort eine Psychose gegen die Techniker, wie sie 1914 in Europa gegen Spione ausbrach. Aber was damals in wenigen Wochen vorüberging, das herrscht in Rußland dauernd. In der Sewsetunio» ist nicht die Revns'«ion, es ist dort die Psychose zur Permanenz erklärt! Gegen deutfchnaiionale Demagogie. Eine Berichtigung Stresemannss. vorkmund, 29. Mai. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat an die Deutsch« Volks- parte! in Dortmund folgendes Telegramm gerichtet:»Ermächtig« Sie. Behauptung.Freuzzeitung" und„Deutsche Zeitung", daß ich Artikel Bernhard vorher gekannt oder mich an dieser Aktion irgend- wie beteiligt hätte, als dreiste Lüg« zu bezeichnen." Massenausschluß aus dem Parlament. Die mexikanische Kammer schloß 52 Abgeordnete aus, weil sie an der Aufstandsbewegung teil- genommen haben. Vom Theat> Im Potsdamer Nokokotheater. „Oon paSquale" im Neuen Palais. .Dem Unternehmungsgeist unseres mäzenatischen Oberbürgec- meitters verdanken wir die Eröffnung des Thenterchens im Re- präfentationsschloffe Friedrichs II. in Potsdam zu allgemeinem Gebrauch. Freilich in sehr beschränktem Sinn«: wer an diesem Sonderoergnügen der Berliner Festspiele teilnehmen will, muß 100 Mark für den Platz aufbringen können.(Als vor einigen Jahren die Potsdamer Voltsbühne das Theater benutzen wollte. war es aus feuerpolizeilichen Gründen, glaube ich, nicht angängig.) Dienstag wurde die Potsdamer Snmmersaison für die zahlenden Gäste des Herrn Böß eingeweiht mit Donizettis Operchen „Don P a s q u a l e"(und demnächst wird man dort unter Ießners Regie auch den Kleistschen„Amphitryon* spielen). Sicherlich werden die Zuschauer sich an diesem Operchen des vielgewandten Italieners, womit er Rossinis„Barbier* Konkurrenz machen wollte, weidlich erfreut haben(wie die Pressegäste bei der Generalprobe). Kleiber macht einen rechten Ohrenschmaus daraus mit besonderer Betonung des Dramatischen: Maria I v o g ü n brilliert mit ihrer glockenhellen Stimme im Koloraturgesonge und die Herren Erb, Guttmann, K a n d l unterstützen sie zum Teck auch schauspielerisch aufs beste. Die Gäste werden nicht minder von dem kleinen Theater«nt- zückt sein, und wenn es Gelegenheit gibt, sich auch an den reichlich im ganzen Schloß ausgestreuten dekorativen Künsten ergötzen. Wer freilich dos Münchener Residenztheater und die erlesenen Rokoko- künste der Münchener Residenz kennt, wird etwas enttäuscht sein. Friedrich II., der viel zu«ig«lwillig war, um große Künstler neben sich zu dulden, hat auch beim Bau des„Reuen Palais* selbst- herrlich den Architekten ins Handwerk gepfuscht. Der bereits vor dem Siebenjährigen Krieg geplant« Bau wurde gleich nach Ende des Krieges begonnen, um trotz des im Land« herrschenden Elends der Welt zu zeigen, daß der König von Preußen für Repräsentation noch Geld genug habe. Außen suchte man durch massenhaften und sehr mäßigen plastischen Schmuck zu wirken: die innere Dekoration ist schon geschmackvoller, freilich im Theater etwas plump und in der Verwendung des Goldes überladen. Immerhin war das Geld besser angewendet als für den fressenden Krebsschaden des Landes, das Militär. Durch diese Schaukünste, die durchaus der pomphaften Eni- faltung majestätischen Glanzes dienen sollten, suchte der König die Augen der fremden Besucher von der Dürftigkeit und der Rot, die hinter den Kulissen herrschte, abzulenken. Der Verächter der deutschen Sprache und Literatur, der Feind jeder Volksbildung, der entlasiene Unteroffiziere zu Prügellehrern mochte, der Unterdrücker jeder bürgerlichen Freiheit, ist so zu Unrecht in den Ruf eines Kunst- mäzens und Kunstfördevers gekommen. Und es wäre gut, wenn die fremden Gäste, die jetzt nach Potsdam kommen, auch die Kehr- feite der neu vergoldeten Medaille sehen könnten.. Die Verwaltung der staatlichen Schlösser hat im Deutschen Kunstverlag Friedrich Nicolais Beschreibung des„Neuen Palais* vom Jahre 1786 neu herausgebracht, worin allerlei Nützliches zu finden ist. Leider liest man weder hier noch sonstwo, welche Stücke in dem Rokokotheater zur Hol)«nzollernzeit gespielt worden sind. Man muß schon zu Mehrings Lessinglegende und Hegemanns Fridericus greifen, um zu erfahren, was an des„großen* Prsußenkönigs Krilturleistungen dran ist. Aber kann man das von den Schaulustigen einer Fest- woche erwarten? E). Die Dame in Schwarz. Tiiania-palast. Vielleicht wirken diese Vorgänge im Roman Garay-Arvays glaubwürdiger und vielleicht sind sie dort auch logischer verknüpft. Hier in der Verfilmung, die eine Auswahl der Situationen treffen muh, krachen die Fugen. Der Bearbeiter macht sich die Sache zu leicht. Man verlangt gerade von einem Abenteurer- und Detektiv- film eine strenge logische Verbindung, denn gerade hierin beruht der Reiz dieser Filmgattung. Außerdem ist das Thema durch allzu häufigen Gebrauch bereits reichlich abgewetzt. Diese falschen oder echten russischen Aristo- kratinnen, die ein Testament oder irgendeine legitim« Anerkennung suchen, gehören jetzt schon zum eisernen Inventar des Unterhalwngs» v und Kino. films ebenso wie Harry Liedtkes weltmännisches Lächeln. Es ist nicht mehr zum Aushalten. Man spricht so viel von, deutschen Geist. Sieht man sich aber deutsche Filme an, so merlt man davon auch nicht einmal einen Hauch. Der deutsche Film muß sich endlich aus seiner Schematisierung befreien. Schön, es ist Sommer, aber diese Erbschleichergeschichte brauchte nicht notwendigerweise dem Publikum servien zu werden. Immer wieder muh die Wichtigkeit des Manuskripts für die Wirkung eines Films betont werden. Dar- stellung und Regie allein machen es keineswegs. Der Regisseur Franz Osten hat gute Einfälle, weiß auch Situationen spannend auszubauen. Aber er ist nicht in der Lage, die Billigkeit dos Films zu verdecken. Marcella Alban, sieht wie immer sehr gut aus und macht als falsche Erbin in Dämonie, wäh- rend man Liane Haid keinen Moment glaubt, daß sie jemals russische Fürstentochter gewesen ist. Und gerade sie spielt die echte. Ein kleines Mädchen, das sich mit Courts-Mahler-Lektüre ernährt hat, steht auf der Szene. Glänzend Julius v. Szöreghy, und noch einmal findet man Gelegenheit, tief zu bedauern, daß Erich K a i s e r- T i e tz nichlt mehr unter den Lebenden weilt.?. 8. Otto Sommerstorff 70 Jahre alt. Otto Sommerstorff, der bekannte Bühnenkünstler, wurde heute vor 70 Iahren in Krieglach in Steiermark geboren. Sein Vater, Karl Müller. Direktor eines Berg- und Hüttenwerks, war der Enkel des berühmten Stuttgarter Kupferstechers Johann Gotthard Müller. seine Mutter eine geborene Edte v. Sommerstorff.'Den jungen Wiener Stud. jur. Otto Müller lernte Laube kennen. Der junge Mann von ungewöhnlich gewinnendem Aeußeren und besten Ma- nieren schien ihm wie geschaffen zu glänzender Bühnenlaufbahn. Auf seinen Rat besuchte Otto Müller die Schauspielschule des Wiener Konservatoriums, um sich fortan in die unruhigen Wogen des Theaterozeans zu stürzen. Noch nicht zwanzigjährig, war Otto Sommerstorff, wie er sich fortan nannte, als August Förster ihn an das Leipziger Stadt- theater verpflichtete, und bereits im zweiten Jahre seines Engagc- msnts wurde ihm der„Faust* anvertraut, der eine seiner Haupt- rollen geblieben ist. 1882 ging er auf ein Jahr nach Lübeck, wo Emanuel Geibel ihm sein Haus öffnete, und im nächsten Jahre wurde er an das Deutsche Theater in Berlin geholt. Seine geistig vornehme Erscheinung, seine angenehme Art, sich zu geben, seine schönen Mittel, seine Empfindungsfeinheit, die gelinde Me- lancholie und maßvolle Zurückhaltung seines Wesens sowie seine vollendete Sprechkunst fielen sofort auf, und bald lagen in seinen Händen die bedeutendsten jener klassischen Rollen, deren Eharakte- ristisches neben dem Heldischen das Gedankliche, gelassen Ueberlegene ist, also außer dem Faust der Tasso, Posa, Fiesco, Tellhcim, Ham- let u. ä. Was ihm an heißem Vollblut mangelte, wußte er recht glücklich durch warmen Brustton zu ersetzen. Vier Jahrzehnte lang gehörte er zu den volkstümlichsten Bühnenkünstlern Berlins, in den letzten zwanzig Jahren als Mitglied des kgl. Schauspielhauses. Bald nach der Revolution zog er sich mit seiner Gattin, der gleich ihm sehr beliebten Heldenspielerin Teresino Geßner, in die Stille seines Sommerheims in den steirischen Bergen zurück. Sommerstorff hat sich auch durch ein paar geschmackvolle und freundlich kunstheitere Versbücher bekannt gemacht. Und da ferne Länder zu sehen seine große Sehnsucht von Jugend auf war, hat er mit seinem Freunde Dr. M. W. Meyer, dem Beg'ünder der Upama- Sternwarte, Nordamerika und andere Länder bereist und in den Büchern„Wo ich war und was ich sah* und„Ins Wunderland der Neuen Welt* von seinen Reiseeindrücken aufgeräumt berichtet. P. Wko. Das Berliner Tairoff-Gastspiel. Der bekannte russische Regisseur Tairoff ist dieser Tag« in Berlin eingetroffen, um die Verhandlungen für sein Gastspiet, das voraus- sichtlich im Rahmen der Reinhardt-Bllhnen stattfinden soll, zum Ab- schluß zu bringen. Gedacht ist an ein« Aufführung von„Das Ge- witter* von Ostrowsky und die beiden O'Neill-Stücke.Liebe unter den Ulmen* und„Neger*. Ferner ist geplant eine Aufführung von Hasenclevers„Antigone* und„Giroflä— GirofU*. Di« interessanteste Inszenierung wird„Die Dreigroschenoper* sein, die in der Form eines Iahrmarktspiels aufgeführt werden soll. Reinigung. Die Berliner Bevollmächtigten der Tabakarbeiter kaltgestellt Der hauptoorstand des Deutschen Tabakarbeiterverbandes Hot die beiden kommunistischen Berliner Bevollmächtigten Armbrust und kohlmann fristlos entlassen und den Gauleiter für den Gau Berlin Genossen Georg Fischer zum vorläufigen Geschäftsführer der Berliner Zahlstelle eingesetzt. Diese Maßnahme des Hauptvorstandes ist wegen des „M a s s e n* st r e i k s in der Berliner Zigarettenindustrie anläßlich der Maivorgänge erfolgt, der von diesen beiden Leute aus An- Weisung Moskaus inszeniert wurde und bekanntlich den„Erfolg* halle, daß ein großer Teil der Streikenden aufs Straßenpflaster flog. Nachdem die beiden den Mißerfolg dieser„Aktion* sahen, überliehen sie es dem von ihnen oft geschmähten Gauleiter und den„reformistischen" Gewerksckzaftsange- stellten der übrigen Organisationen, das zerschlagene Porzellan wieder zu kitten. Den Bemühungen dieser„Sozialfaschisten*. ist es ge- lungen,«inen großen Teil der Gemaßregelten wieder in Arb«it zu bringen, so daß h«ute nur noch etwa 1lX> Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Arbeit sind. Jedenfalls dürften die Berliner Zigarettenarbeiter und-arbeite- rinnen in Zukunft etwas vorsichtiger sein gegenüber den Parolen, di« von den willfährigen Sendlingen Moskaus und sagen- haften Gestalten eines sogenannten Maikomitees kolportiert werden. Am Montag, dem 3. Juni, um 17 Uhr, findet im„Rosenthaler Hof* eine Konferenz sämtlicher Funktionäre aus der Berliner Zigarettenindustrie statt, in der über die Maivorgänge und das Verhalten der beiden kommunistischen Bevollmächtigten ein» gehend berichtet werden wird. Es ist notwendig, daß in dieser Konferenz all« Funktionär« erscheinen, um di« wahren Hinter- gründe dieses verbrecherischen„Massenstreiks* und noch einiges mehr über ihre„Interessenvertretung* durch di« beiden davon- gejagten Angestellten zu erfahren. Oer Stinnes-prozeß. Schneid beschwert sich über unverständliches Beamtendeutsch Im Stinnes-prozeß machte sich am heutigen zweiten Verhandlungstage etwas regeres Interesse der Oessenllichkeit geltend, denn bei Erössnung der Sitzung war der Zuhörerraum ziemlich gefüllt. Zunächst wurde inderVernehmungdesAngeklagten Schneid fortgefahren. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner wies darauf hin, daß Schneid doch aus d«r Tatsache, daß Kunert sich mit seinen Erpressern geeinigt hatte, hätte wissen müssen, daß es sich um eine unrechtmäßige Angelegenheit handelt. Schneid erklärte, er könne sich nicht entsinnen, von Erpressern gesprochen zu haben. Im übrigen hatten die Agenten in Italien alle möglichen Tricks ange- wandt, um ihre Provision zu bekommen. Staatsanwalt: Hat Schneid den Groß nicht warnen lassen, die sortierten Stücke mit«in- zureichnen,' weil sich falsche, also unrichtige Stücke darunter befanden, unb hat ihm Groß nicht 506 Mark für Herausgabe des Verzeichnisses dieser unrichtigen Stücke angeboten? Schneid: Ich habe nie mit Groß darüber verhandelt. Diese Differenzen waren nur momentane Einfälle. Die Nummern habe ich mir deshalb gemerkt, damit ich immer zur Anmeldungsstelle gehen konnte, um mir die Möglichkeit der Kontrolle zu geben. Vors.: Waren Sie denn einmal mit dem Verzeichnis auf der Anmeldungsstelle? Schneid: Nein, ich wußte cor nicht, wo sie sich befand. Vors.: Weshalb sollt«» denn über- boupt die Anleihen besorgt werden? Schneid: Di« Anleihe- b«sitzer im Ausland hatten nur die Ansprüche, aber nicht die Stücke. Sie waren im Kriege vielfach verschwunden, viele hatten sich damit die Zimmer tapeziert. Wir haben wiederholt das Wesen des Anleihegesetzes studiert und diskutiert. Vors.: Aber Sie waren sich doch darüber klar, daß§ 10 Abs 1 und 2 des Gesetzes den ununterbrochenen Anspruch auf die Anleihe seit dem 1. Iuli 1920 verlangte. Schneid: Jawohl, darüber war ich mir klar. Vors.: Und wie wollt«» Si« die Belege nachprüfen? Schneid: Bei Be- legen von unbekannten Leuten hätte ich die Anmeldung verweigert. Sowohl in Italien, wie in Rumänien haben wir uns auch nur mit den angesehenst«» Banken eingelassen, auf deren Mitteilungen über die Belege wir vertrauen konnten. Angekl. Hirsch: Groß er- zählte mir, Schneid mach« Geschichten, er wolle Geld haben und er habe gesagt, vorsichtshalber hätte er falsche Stück« unter die richtigen Anleihen sortiert, damit sie ohne ihn, Schneid, nicht angemeldet werden könnten. Schneid: Das war zu der Zeit der Differenzen. Man hat mich dann beruhigt und erklärt, das Geschäft werde abgeblasen und die Anl«ihestücke würden verkaust. Ang«kl. Hirsch: Ich weiß nur, daß Groß und Bloch mit Schneid nichts mehr zu tun haben wollten. 'Auf Zwischsnfragen des Vorsitzenden erklärte Schneid weiter, er habe zunächst den Z 10 des Gesetzes nicht richtig begriffen, weil er in unverständlichem Beamtendeutsch abgefaßt worden sei. Deshalb habe er zunächst geglaubt, man müsse zur An- Meldung auch die Anleihestücke im Ausland aufkaufen. Vors.: Haben Sie nun beim Sortieren gewußt, daß auch unrichtige Belege eingereicht worden waren? Schneid: Niemals, ich dachte immer nur an rechtmäßige Ansprüche. Weiter betonte der Angeklagte, daß man den Banken im Ausland absichtlich das Märchen erzählt habe, daß er die zur Anmelduno in Wirklichkeit gar nicht notwendigen Stücke besorgen könne, damit er daran verdien«» konnte. Oos Endergebnis in Belgien. Sozialistische Stimmenzahl behauptet. Brüssel. 28. Mai. Wie nunmehr feststeht, haben die belgischen Wahlen folgendes Ergebnis gehabt: Die Sozialisten hpben 817 622 Stimmen gegen 820 160 Stimmen bei den Wahlen 1S2S, di« Katholiken 833 982 gegen 798 520, die Liberalen 369 031 gegen 302 780. Die Verteilung der Mandate ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Doch erhalten dt« flämischen Nationalisten jedenfalls 11 Mandate, gewinnen also» Sitze. Auch ist es nicht ausgeschlossen, daß noch«in zwölftes Mandat dazukommt. Sie haben je ein Mandat in Ppern, Ostend«, Mecheln, Oudenaarde und in Tongecen gewonnen. Heber- raschenderweise wurde in Brüssel der Kommunist Jogues Motte gewählt, während der Kandidat der Faschisten Rothomb durchfiel.' Unter den gewählten flämischen Nationalisten befindet sich einer, der vor drei Iahren als Student von der Universität Löwen wegen antibelgischer Kundgebungen ausgeschlossen wurde. Drei Nationalisten sind zum erstenmal i» die belgische Kammer ge- rückt, auch ist zum erstenmal in Lüttich ein« Frau aus der sozio- listischen Liste gewählt worden, Oie Wünschelrutenfrage. Bei der Preußischen Geologischen Landesanstall ist jetzt in zweiter Auslage«ine Flugschrift erschienen, in der, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, die Versuche beschrieben sind, die vor einigen Jahren von der Geologischen Landesanstalt mit Wünschet- rutengängern angestellt wurden. Für diese Versuche hatten sich drei vom Internationalen Derein der Rutengänger geprüft« Herren zur Verfügung gestellt, die unter Konttolle von Beamten der Landes« anstalt in geologisch bekannten Gebieten Untersuchungen auf Wasser und nutzbare Mineralien anzustellen hatten. Die Rutengänger haben bei diesen Versuchen völlig versagt, und die Skepsis, welche in geolo- gischen Kreisen der Wünschelrute gegenüber schon immer herrscht, hat sich damit als berechtigt erwiesen. Wenn man auch auf Grund dieser Versuche das Wllnjchelrutenproblem noch nicht für gelöst betrachten darf, so zeigt doch der Inhalt der kleinen Schrift, wie Vorsicht der praktischen Anwendung der Wünschelrute gegenüber durchaus ge« boten ist. Die seit dem ersten Erscheinen der Schrift in immer größerer Zahl bekannt werdenden Mißerfolge der Wünschel- rute haben auch schon von feiten anderer Behörden zu Maßnahmen gegen den mit der Wünschelrute getriebenen Unfug geführt. Kunstausstellungen unter freiem Himmel. Wenn man die Leute, die in keine Kunstausstellung gehen und auch nicht daran denken,«inen Kunstladen aufzusuchen, für die Schöpfungen der so schwer ringenden Meister von heute interessieren will, so muß man neue Mittel und Wege suchen. Die französischen Künstter sind aus diesem Grund dazu übergegangen, ihre Werke auf der Straß« unter freiem Himmel zu zeigen, und hoben damit gute Erfahrungen gemacht. Diese- Art. Kunst an den Mann zu bringen, wird jetzt weiter ausgebaut. Zeh» Maler und ein Bild- Hauer des Pariser Montmartre haben sich zusammengetan, um eine Ausstellungsreise nach dem Norden Frankreichs zu unternehmen: sie führen ihre Arbeiten auf Kraftwagen mit sick und wollen Aus- stellungen unter freiem Himmel in Douai, Lille. Roubaix, Tourcoing und Cambrai veranstalten. Diese Ausstellungsreisen sollen dann noch weiter über ganz Frankreich ausgedehnt werden. Die Mgmac-Schul« Derlin, richtet in ihren neue» ihäumen, Halenice, Kui iürftendamm 119-120, während der Monate Juli und Zlugust einen Eommerturjus ein. Gelegenheit, in Luft und Sonne zu arbeiten, ist gegeben. /> Die diesjährige Verfassungsfeier. Der diesjährigen Berfasiungs- feier wird, da das zehnjährige Bestehen der Weimarer Verfassung in diesem August begangen werden kann, besondere Beachtung geschenkt. Di« Reichs- und Staatsbehörden bereiten die festlichen und künst- lerischen Veranstaltungen bereits jetzt vor. Wahrscheinlich wird Beethovens„Fidelio* zur Aufführung kommen und Wilhelm Furt- wängler ein Festkonzert dirigieren. Am Nachmittag findet eine Feier im Stadion statt, an der die Jugend beteiligt ist und die ein« besonder« künstlerische, dem Reichskunstwart Dr. Redsiob übertragene Gestaltung bekommt. Der Einfluß des Golfstrom». Der schwedische Gelehrte Dr. I. W. Sandstroem will im kommenden Sommer den Einfluß des Golfftroms auf die Temperatur in Europa an Ott und Stelle selbst untersuchen. Man hat festgestellt, daß. wenn in Europa strenger Frost herrscht, dieselbe Witterung auch in West-Grönland besteht, während Torshaven, Hauptplatz der Faroeinseln, die im Golfstrom liegen, ein mäßigeres Klima hat. Ist es aber in Torshaven kalt, dann trifft man in West-Grönland und in Europa Wärme an. Dr. Sandstroem schließt hieraus, daß, wenn im Zentrum des Golf- stroms die Temperatur steigt, sie an den Grenzen des Stroms abnimmt und umgekehtt. Der Gelehrte glaubt, daß es durch Unter- suchungen der atmosphärischen Aenderungen des Golfftroms möglich wird, wissenschaftlich sechs Monate im voraus Pen Charakter des folgenden Winters für Europa vorauszusagen. Der Znseratenches im alten Karthago. Die jüngsten Aus- grabungen in Karthago beweisen wieder einmal, daß Ben Akiba mit seiner alten Weisheit recht behält. Die Ausgrabungen förderten das ohne Zweifel älteste Inserat zutage. Die Uebersetzung lautet etwa:„Bitte, taufen Sie unsere Lampen, es. sind die besten und dabei billigsten.* Darunter steht der Name des Produzenten und feine Adresse. Der Inseratenchef hat dieses Inserat in«in Exemplar der War« selbst, eine Lampe, einritzen lassen. Zn der verlwer<0e(eU(chof» für Psychologie vnd«haratteroloale. SS. 15. Kürfurstendamm 45, spri-bi am 80. Mal. 20 Uhr. Pro,. Gramzow über Liebe, Ehe, Familie." f Anmeldung von Gästen»n Sanitätsrat Dr. Albert Moll, W. 15, Kinsilrstendamm 45. vi« Wochenschau de» VL5.(Deutsches Lichtbild-Syndikat) bringt in der Woche vom 2. bis 8. Juni Aufnahmen von der Jubilaumskundgebung des Bundes der techntlchen Angestellten und Beamten, die am IS. Mai d. I. im Grogen Schauspielhaus zu Berlin statlsand.— Die Kundgebung ist von der Deka verfilmt worden. Atiberliner Festkarlen. Anläßlich der Berliner Fremdensaiso» veranstaltet die Staatliche Kimstbibliotdck, Prinz-AIbrecht-Str. 7a, aus ihren Beständen eine Ausstellung Altberliner Festkarten, die bis End« Juli ivochen- täglich von 10-22 Uhr geöffnet ist. Eintritt frei. Geschworene können nicht folgen. Das Durcheinander im Rogens-Zakubowski-Prozeß. Neustrelitz. Zg. Mai. Zu Beginn der Miliwochsihung im Nogens-Zahibowsti- Prozeß teilte der Vorsitzende mit. die Geschworenen hätten darüber geklagt, daß sie den Verhandlungen schwer folgen und sich kein klares Bild machen könnten. Der vor- sitzende bat deshalb namentlich den Nebenkläger, von allen nicht unbedingt notwendigen Fragen abzusehen. Daraus wurde die Vernehmung des Angeklagten Fritz N o g e n s fortgesetzt, und zwar über seine Beteiligung an der Ermordung des kleinen Ewald. Fritz Rogens erzählt, daß er am Sonntogabend zu den ab- gehauenen Tannen gegangen, die nicht weit vom cheidekaten stehen, wohin Iakubowski ihn bestellt hatte. Er sollte dort die Leiche übernehmen und in einem Kaninchcnloch verbergen. Nach einigem Warten hatte August ihm die Leiche gebracht. Früher soll Fritz jedoch ausgesagt haben, Josef Iakubowski habe sie ihm ge- bracht. Fritz hat die Leiche nach seiner Schilderung mit den Füßen voran in ein Kaninchenlach geschoben, und zwar nur mit den Händen, bis der ganze Körper in die Erde war. Eine Baumwurzel oder ein Stück Holz habe er vor das Loch gelegt und es dann noch zugetreten. Oberstaatsanwalt: Wann haben Sie dann die Abrede wit Iakubowski getroffen, stch gegenseitig nicht zu belosten? Fritz Rogens: Am späten Abend nach dem Morde. Hierauf' wird August Rogens zu denselben Fragen ver. nommen. Er bestreitet die Richtigkeit der Darstellung seines Bruders in allem Punkten. Seine früheren Geständnisse gegenüber Kriminalrat Gennat und anderen Beamten, Iakubowski habe den Ewald getötet, er August— habe ihn dann zu Landwirt Eggers geschafft, widerruft er, wie schon am ersten Vorhand- lungstage. Das sei alles nicht wahr gewesen, die Aussagen seines Bruders Fritz seien erlogen. Fritz habe ihm überhaupt schon immer, auch in der Schule, die Schü-Id zugeschoben.— Vors.: Sie gaben dem Kriminalrat erst ein allgemeines Bild, später ins Einzelgehende, ergänzten das Gespräch dahin, daß Ihre Aussagen richtig waren. August Rogens gibt darauf keine Antwort und kann auch auf die weiteren Vorhaltungen des Vorsitzenden über seine sehr ver- schiedenen Aussagen, einander in wesentlichen Punkten wider- sprechend, über die Vorgänge am Mordtagc keine Erklärung geben. Insbesondere widersprechen sich seine Geständnisse über die Frage, wer den kleineu Ewald aus dem Kaien herausgeholt habe. Auch ein sceiwillig von ihm verfaßter Lebenslauf, in dem er seine Handlung?- weise bereut, deckt sich im wesentlichen mit den srüheren Gestand- nisscn. Vor f.: Wie kamen Sie dazu, das alles in einem freiwillig verfaßten Lebenslauf anzugeben? Das sollen jetzt alles Lügen sein? Die waren doch dann gar nicht nötig. Der Angeklagte er- widert. er habe angenommen, er müsse das so niederschreiben: außerdem hätten ihm die Beamten gesagt, er würde dann verhältnismäßig gut wegkommen. Er bleibe dabei, am Mordlage nicht in Patin- gen gewesen zu sein. Angetl.: Ich habe die Geständnisse widerrufen, um aus der Untersuchungshaft.zu kommen.— Der Angeklagte erklärt weiter, ei treffe aber zu, daß Iakubowski ihm während der Hast erzählt habe, Blöcker und Paul Kreuzfeld ieten die Anstifter. Iakubowski habe erklärt, Kreuzseld und Blöcker hätten auch falsch geschworen, er— Iakubowski— sei der Anstifter, während Paul Kreuzseld und Fritz Rogens die Tot ausgesührt hätten Ihm sei berichtet worden, Paul Kreuzfeld wolle demjenigen, der etwas verriete, das Genick umdrehen. Näheres über Kreuzfelds Beteiligung wisse er nicht. Wer hat die Maus ins Paket gebracht? Prozeß um einen llrenkel Schillers. Würzburg, 29. Mai. vor den. Großen Schöffengerichl würzburg Halle sich am Dienstag der bijährige Schriftsteller und Kunsthistoriker Alexander von Glelchen-Rußwurm, ein Urenkel Schillers, wegen Versicherungsbetruges zu veranlworlen. Es handelt sich um die mysteriöse Perleu- halsbandgeschichle, die seinerzeit großes Aussehen erregle. �Herr von Gleichen-Rußwurm schickte am 17. Oktober 1S2Z vom Postamt Bonn-Land ein Perlenhalsband, daß et zuvor bei der Versicherungsgesellschaft Agrippina in Köln mit <55 000 M. ve rsiche rt hatte, nach München, wo es von einem Juwelier umgearbeitet werden sollte. Als man in München das Paket öffnete, befand sich darin an Stelle der Kette— eine tote Maus. Seine Ansprüche, die der Baron gegen die Versicherungs- gesellschaft und gegen das Postamt stellte, nahm er erst zurück, noch- .dem tum gerichtliche Versah ren eingeleitet wurde. Die Anklage geht nun dahin, daß der AngeNagte das Tier in lebendem Zustand statt des Perlenhalsbandes eingepackt haben soll, in der Erwartung, daß sich die Maus während des Transports durchnagen und so ein« Beschädigung der Sendung und den Verlust des Jnlzalts vortäuschen werde. Die Verhandlung begann mit der Vernehmung des Angeklagten, der seine Familienverhältnisse und seinen Lebenslauf schilderte. Seine Besitzungen werden auf etwa 500 000 M. g e- schätzt. Im Jahre 1925 mußte er eine Hypothek von 110 000 M. ausnehmen, die ihm von der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel- bank gegeben wurde. Aeußerst interessant war die Schilderung des Angeklagten über seine okkulten Erlebnisse als Medium, die einen breiten Raum in seinen Ausführungen einnahmen. Der Freiherr gibt an, er sei oft ein hervorragendes okkultes Medium gewesen ukld habe an sich selbst sogar im Wachzustand Spoltungserscheinungen beobachet. In solchen Momenten sei er nicht in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Heute erscheine ihm das Bild eines hohen Mannes oder einer Maus mit einer goldenen Krone. Zu der Tat sagte er aus, daß er sich an nichts mehr erinnern könne. Die Perlenkette, die er von seinem Vater ererbt habe, sei eine Unglückskette. Erst zu ihrem 30. Hochzeitstage wollte er die Kette seiner Frau, die van dem Vorhandensein der Kette nichts gewußt habe, zum Geschenk machen. Im übrigen widerruft der Au- geklagte seine früheren Angaben und behauptet, damals unter Suggestion oder Autosuggestion seine Aussagen gemocht zu haben. Für den erregten Ausruf, daß es«ine Groteske und eine Unver- schümtheit sei, wie man einen Mann behandele, der dem deutschen Volke die Schiller-Papiere geschenkt Hab«, erhielt der Angeklagte vom Präsidenten eine Rüge. Das Gericht schritt hierauf zur Ver- nehmung des ersten Zeugen, des Schloßgärtners Hollfelder. Zwei Europaflüge von Amerika? Zwei Franzosen sotten heute gestartet sein. London, 29. Mai. Die beiden französischen Flieger Levefre nnd L o t t i sind in der vergangenen Rächt nach O l d Orchard im Staate Maine zurückgekehrt nnd haben Anweisung gegeben, ihr Flugzeug für den Start über den Ozean am heutigen Mittwoch früh berrttzustellen. Auch die beiden Amerikaner, die ans eine günstige Start» gelegenheit nach Rom warten, teilten mit, daß bei guter Sicht am heutigen Mittwoch früh um acht Uhr der Start erfolgen soll. Das beschlagnahmte Lexikon. Ein Professor, der nicht neu getaust sein Witt. Vor einigen Tagen wurden 6700 Exemplare des soeben erschie- nenen ungarischen jüdischen Lexikons, das als eine„Heerschau der jüdischen Werte" bezeichnet war, auf die Anzeige des Fünf- kirchener Universilätsprofessors Dr. Edmund W e s z e l y, der Be- schwerde darüber führte, daß er im Lexikon als Christ unter den getauften Juden verzeichnet worden sei, vom Gericht k o n- s i s z i e r t. Der Rechtsvertreter des Profesiors hat u. a. vorge- tragen, daß sein Klient einen Lehrstuhl der Pädagogik innehabe, also einen Gegenstand der Weltanschauung vortrage, und daß daher die Registrierung seines Namens unter den zum Christen- tum übergetretenen Juden nicht als einfache statistische Feststellung, sondern als Entlarvung bzw. Verleumdung zu gelten hohe. Dex Ankkagessnat änderte heute die Entscheidung des Unten» suchungsrichters ab und gab die konfiszierten Exemplare unter der Bedingung frei, daß der Verleger das Blatt mit dem auf Dr. Weszely bezüglichen Inholt aus dem Bande innerhalb 15 Tagen zu e n t» fernen oder„auf technischem Wege zu vernichten" habe. Bei der„Rechtsloge" der Juden in Ungarn ist 10: 1 zu wetten, daß die Herausgeber des Lexikons den Herrn Professor nicht als ihren ehemaligen Glaubensgenossen bezeichnet hätten, wenn sie das nicht ganz bestimmt wüßten. Aus der Meldung geht nicht hervor, ob der Herr Pädagoge das überhaupt bestreitet. Zugegeben ist frei» lich, daß für verschiedene Stützen des Horthy-Vethlen-Regimes die Veröffentlichung ihrer früheren Religion fatal sein könnte, wo sie doch heute Säulen des„christlichen" Kurses find, der mit den„Rassen- schützern" so sehr befreundet ist und für die Studenten den„numerus deusus" eingeführt hat. Die Taufe eröffnet im Reiche der heiligen Stcfanskrone Karrieremöglichkeiten, von denen sich die Vorväter solch eines neu gebackenen Erzmadjaren nichts hatten träumen lassen. Llnwetier über Grenzmark. Ein Gntsbesitzer vom Vlih erschlagen.— Schwere Unfälle. Der nördliche Teil der Provinz Grenzmark Posen» West preußen wurde von schweren Unweltern heimgesucht. Die kreise Flalow, Schlochau und Deutsch Krone wurden am schwersten heimgesucht. In E l s e n a u im kreise Schlochau wurde der G u k s- hesiher Hahn vom Restgut Elsenou vom Blitz erschlagen. während des Gewitters war er in der Scheune beschäftigt. Als er die Scheune verlassen wollke, schlug ein Blitz ein und zündete, hahn war auf der Stelle tot. Scheune und Stall wurden eingeäschert. Ein Arbeiter, der dem vom Blitz Erschlagenen zu Hilfe kommen wollte, wurde von einem einstürzenden Balken schwer verletzt.— 3n Herzberg ereignete sich während des Un- wctlers ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein Bauernfuhrwerk wurde bei der Rückkehr aus dem Walde vom Gewitter überrascht. Beim Durchgehen der Pferde stürzten Mutter und Sohn vom wagen und wurden überfahren. Die Fron hatte so schwere innere Verletzungen erlitten, daß der Tod bald daraus cin- tral.— Zw Kreise Dt. Krone ging ein Hagelwetter nieder, wie es seit Jahren nicht vorgekommen ist. Die bestellten Fluren wurden schwer mitgenommen. Im Rehetreis fuhr der Blitz in einen viehstoll und tötete mehrere Schweine. Ueber K r o j a n k e ging ein schweres Gewitter mit wolkenbrncharttgem Regen nieder. der im Bahnhofsviertel umfangreiche Ueberfchwemmuagen hervor- rief. In Taruowke und Steinau brannten mehrere Scheuben nieder.— Durch den Hagelschlag besonders schwer betroffen ist die Ortschaft Zveubusch. Die Ernte ist vollständig vernichtet. Die Bäume sind von Blüten und Blättern völlig entblößt worden. Das Wasser in den Abflußgräben überflutete eine Strecke Landes. Auch in die Stallungen drang das Wasser ein. Das Vieh stand bis zum Bauch im wasf er. Räch 24 Stunden lag der Hagel noch zenlimeterhoch in den Gräben, hunderte Morgen von wiesen sind überschwemmt, ver Schade« ist sehr groß, da die Betrossenen nur klein« Ansiedler und nichk versichert sind. Große Gewitterschäden in Frankreich. Paris. 29. Mai. Di« große Hitze, die in ganz Frankreich herrscht, in Paris stieg i>as Thevmbmtter irbe'r"29 G r»d rlm Schatten-, haste recht- kräftige'-G«»ister- zun Fotg«..In E t r-o ß b u r g schlug-her Blitz ist die Wachssabrlk Toveir Metz ein und legte das ganze Gc- bäude in Asche. Eine Abteilung der 3. Kompagnie des 26. Linienregiments von Nancy wurde beim Exerzieren vom Gewitter über- rascht. Zwei Sergeanten, die sich unter einen Baum ge- flüchtet hatten, wurden vom Blitz erschlagen, ein dritter Mann schwer verletzt. Ueber C l e r m o n t und Umgebung ging ein schwerer Wolken- bruch nieder. Zahlreich« Erdgeschoßwohnungen, in die Wasser und Straßenschmutz eindrang, mußten geräumt und die Wohuungs- inhaber von der Stadtverwaltung untergebracht werden. In Chamalieres wurden die Straßen von den reißenden Bächen über drei Meter tief aufgewühlt. Mehrer« Häuser mußten geräumt werden. Auf dem Wege von Billom nach Jsserteaux wurden zivei Brücken fortgeschwemmt. Wetter für Berlin: Für veutsckstand: Im Regenfälle, überall kühl. Kühl und veränderlich, nördliche Wind«.— Nordosten und im Alpenvorland einzelne BeranNvortlich für die Redaktion! Fra», iUid», Berlin: Anzeigen: Td. Slocke. Berlin. Verlag: Porw-irt« Verlag<5. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärt» Vn». druckrrrl nnd Verlag-anllalt Vau! Singer& Co.. Berlin SW 88. Lindcnltraße 3. vier,» 1 Beilege. Ttisertsl', Lichtspiele usw. Mittwoch, 29. 5. Staats-Oper Unter d. Linden R.-S.5 IS'/j U. 8 fiaslsplei der Mailänder Scala Aida Staais-Oper Arn Pl.d.Republ. R.-S. 117 2il Uhr jphigenle aufTaurls Mittwoch, 29. 5. Stadt Oper Bismarckstr. Turnus IV 19 Uhr TannlntF Staat). am Gendarmeamark: A.-V. 126 20 Uhr König Johann Staatl.Sehiller-Thealer.Charltb. 20 Uhr Zaungäste Volks bttime Tlieitv amBSlowplz'j 8 Uhr Troianer Thalia-Thealer SVi Uhr Ptarrhaus- komodie StaatLSAillar-Th- 8 Uhr Zaungäste Rose ai. motloner -Jlugtjir««>>•"! Tgl. Alex. 3422. Tiglid» 8.15 Ubn Spiel imSchloss. QartnnbOhne: Täglich 3,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und BunterTeil. Täglich 8,15 Uhr Ein W«MBz«rMrauan Or. Operette in 3 Akten v. Oscar Slraus. Theater am Holleodorrpiat: Täglich 8'. Uhr oiemannarder fflanon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goctze Lustspleihaos 8'.'. Uhr Gniiio Tbietseber Weekend im Paradies WM Wer D.I. Norden 12310 SU, Ende geg. 10'/» Die aetangene Schauspiel von Edouard Bourdet Regie: Max Reinhardt. Die Komödie J l Bismek.24M/7516 81/,, Ende geg. I0i/,U. Der KaDD, der seinen Haien änderte 3 Akte von Edgar Waläce. Regie: HelnzHilpert Kammerspleie D.I. Norden 12 310 3!/sU. Ende nach 10 Aufgang nur für Herrsctiaffen Kleine Komödie von Siegfried Geyer Banovsky- Bohnen Theater in d« Kdniggrätxer Strade Täglich 8'/« Uhr Rival en Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Ckarleys Tante mit Curt Bote. Winter * Garren* II UBr. Zi Orooo« Varlat* Zantr. Zill• Baiibm(ftanlil Internat. it4-Schau. I Renaissance> Theater I Hardenbergair 8 TUlteiapl. 301 g. 2513/841 SV. Uhr Tlglltt 81/. Uhr I Die heilige Flamme! Regie; Gustav Härtung. Theater am Sdüflhauerilamm. Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Dreigrosdien- Oper Neter, Viltm. Tdimln, imskv, teile». Giert«i TiiallaTheater Dresdener Str. 72-73. m Uhr Ptarrbaoskombilie TheaL u. Westens Täglich SV. Uhr Sonntag 3'k u. 8'/. Frau Uhars Vetter- Islgl Friederike Ctrola Toelle Kammersänger Hanns Wilhelm Lessing-Tbealer Täglich 8V* Uhr „Die Frau des Andern" METROPOl/rliEATER Nur noch 3 Togal 8: Lustige Wiitve Hesterberg Heidemaan, Jankabn, Elleot, Janksr mann, Schleifers. Künstlerische GiL»CHAL'SPIEI.UArS 8 Nur noch 3 Tage! Der liebe Augustin Korgan. Cbrlstiano Earlweio, Lieske, Arno. Weeteraieisr. T.eitun g: Brill CTlmytl._ 8 Uhr 6 5 Barbarossa 9256 The Jevers und weitere VarteM'leatieitea plAZa ! » Ana IC«»""*«- 7-2.». I Alex. 8086—68 Tagl.Su. 815: Intern. Variet6 Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag CASWO-TBEATER a'-Ubr Lothringer Strafe 37. ..PltaMder von■nceuckv* und ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M-, Sessel 1.63 Ms Sonstige Preise: Parkett u- Rang 0.80 M. Relchshallen-Theater uisnaidli« W nur Sfelflner Sänger Unter anderm„Sine tlaehi im Utaitfteinkeiler". Sömmerpreise: 80 PI bis X M. Dönhoff- Brettl: (Saa! und Garten) y Tut Vi riet« y ADeil-Bedter-Ktntcrt Planelarlum am Zoo—» Voll«? Mstlalo Itrtti B. 1 Barbarossa 5578 16';« Uhr StondUMtf d«s FrflhJiArs 18i/. uhr wandor das sUdlichw Hineois 201/. Uhrttarahimeai und Walttau Tägl. auSer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. Dtsck. Kaasttar-Th. 8»/. Uhr Proett eipsy Opereue v.Qilbert Agoes Ejirrhazy Fritz Schatz Rundfunkhörer »Ilde Preise Trianon-Th. Täglich 8". Uhr Casanovas Sohn Lustspiel von Rudolf Lothar. üliiDes Theater Täglich 8'/» Uhr Naii�'trodieo? mdi in Aooftaeista von Frank Green. Musikalische IIIusl Fr. Holländer. Regie; rr.rvMBan- Frtderitt. SerliDer Theater Di rektHeinz Herald CharlouenstraBe 90 A.7. Dönhoff 170 8>/., Ende 10'/« Uhr. Täglich Die fOef Frankturtei von Carl Rössier Regie: Engen BoherL Kottb.Str.ö Tägl.SUhr Elite- jünger Das ane Mal- Prägt. t'iMlibtlii. BWirlMitin' Hermann Boroinann Bammchulenweg Baumschuienstr. 89 Ecke Kiefholrsträße 184 Tel.: Oberspree(F3) 1527 BUle auf die Edie za adilen! Berliner Bürgerbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal. Verband der Maler- Filiale Berlin Nach über 34 iähticet Mitgliedschaft oerschied am 27. d Mto. an Lungen- entzllndung und Herzschwäche unser alter Kollege Ködert Stolte Die Einäscherung findet am Donner»- tag, dem 30. d. Mt». oorm. I0>/, Uhr, im Krematorium«erichntraße statt Um reg« Teilnahm» ersucht dar vorskaod. föeiloge Mittwoch, 29. Mai 1929 ZprÄbimd SttcilauJL/jaJße-dei lbu>ar& Das sprachkranke Kind Zum Kongreß der Spradihcilpädagogen Die„Arbeitsgemeinschaft für Sprachheilkunde in Deutschland" (1027 in Hamburg gegründet) hielt ihren ersten öffentlichen Kongreß in Halle a. S. ab, und �war vom 2.?.— 25. Mai dieses Jahres. Die � Tagung erhielt ein besonderes Gepräge durch den Umstand, daß die bedeutend st cn Fachärzte Referate hielten. Die Tagung mar auch insofern von besonderem Interesse, als die Frage zur Er- örterung kam, inwieweit ein gemeinsames Arbeitsfeld besteht zwischen dem Pädagogen und dem Facharzte. Schließlich kam auch der Gedanke zum Durchbruch, daß viele Sprachkranke nicht erblich belastet, sondern einzig und allein Opser der Milieuverhält- nisse sind. Hier wurde vom Berichterstatter, dem Referenten Uni- versitätslektor Dr. W i t t s a ck- Halle, der Volksschule der harte Vor- wurf gemacht, daß durch Rückständigkeit in der Vorbildung der Lehrer die Hebung der Sprachbildung Rot leid«. Im einzelnen sei folgendes hervorgehoben. Professor Dr. Ziehen konnte infolge heftiger Erkrankung an Grippe leider seinen angekündigten Vortrag nicht halten:„Die Beziehungen zwischen Sprechen und Denken mit spezieller Rücksicht auf die Heil- Pädagogik." Als erster kam Professor Fröschels-Wien zu Worte. Er sprach über„Moderne Bestrebungen auf dem Gebiete der Logopädie". Er ging leider auf das Problem der H e i l u n g der Stotterer wenig ein. behandelte dagegen eingehend die Heilung des Räselns, insbesondere bei sogenanntem Wolfsrachen. Fröschels vertritt übrigens die Anschauung, daß das Stottern ein durch gewiss« U m w e l t s- bedingung erworbenes Leiden sei Damit steht er in krassem Gegensatz zum nächsten Redner: Professor Radoleczny- München. Dieser ist der Ansicht, daß das Stottern eine a n- geborene Krankheit ist.«Sein Thema lautete:„Das stotternde Kind und sein« Einschulung." Radoleczny teilte vier Fälle mit, in denen stotternde Kinder mit dem Eintritt in die unterste Klasse der Normalschul« plötzlich vom Stottern befreit waren. Na- doleczny fragte nun, ob dies« Kinder auch geheilt worden wären, wenn man die Einschulung in die Sprachheilschule unverzüglich vor- genommen hätte! Der Facharzt Dr. G u tz m a n n sprach über „D a s f p r a ch u n f ä h i g e Kind". Er teilte seine Forschungen auf dem Gebiet der Sprachentwicklung beim Kleinkinde mit und forderte eingehend« Beobachtung aller Kinder mit Ab- weichungen von der Regel in Spezial-Kindergärten für Sprachgestörte. Diese Kindergärten sollen unter fachärztlicher Auf- ficht stehen und die Eltern erziehen, daß grobe Derstöße auf dieser Seite zunächst verhindert werden: denn das ist wissenschaftlich er- wiesen, daß nicht wenige Sprachstörungen der Kinder durch sehler- hafte» verhalte» der Eltern verursacht werden. Besonders gefährlich fei z. B. das vorzeitige Einpauken von Begriffen, Sätzen und Verschen! Starken, ja stürmischen Beifall erntet« Professor F l a t.o u- Berlin, der über das Thema sprach:„Arzt und Lehrer im Kampfe -gegen die Sprachgebrechetv" Der Redner trat für friedliche, ge- �'-Ni einsame Arbeit ein zwischen Arzt, und Heilpqdagogxn.. Er geißelt« die Ueberheblichkeit mancher Aerzte. di« in der Mitarbeit eines Arztes an sprachfchulpädagogischen Bestrebungen Förde- rung der Kurpfuscherei erblicken. Dr. pbil. Hansen- Hamburg fordert« in einem Referate gleichen Themas eine relative S»Zbs«rcdigkeit der Sprachheillehrer gegenüber dem Facharzte. Unerheblich« Mängel der Sprache sollen in der Normalsthule thero- geutisch behandelt werden. Großen Widerspruch fand der Universi- tätslehrer Dr. W i t t s a ck- Halle a. S., der für S p r e ch k u n de im Gegensatze zur Sprachkunde eintrat und der Normolschullehrer- schoft den Vorwurf der Rückständ'gkeit auf sprach erziehe- r i s ch e m Gebiete macht«. Der Verfasser des vorliegenden Artikels hielt ihm entgegen, daß man aus Proletarierfamilien keine Kinder empfangen kann, die sich sprochkundlichen Einwirkungen so leicht fügbar erweisen wie Kinder aus begüterten bürgerlichen Fa- Milien. Die Ausführungen des 2. Tages betrafen heilpädagogisch« Aus- fühningen im eigentlichen Sinne. Es sprachen Dirr-Karlsruhe, Martha Friedläiiber-Görlitz, Schliuß-Homburg, Lindenau-Berlin, Rösler-Holle a. S. Behandelt wurden unter anderem Ausbildungs- fragen der Lehrerschaft, die Behandlung der Wolfsrachenkinder, der Einfluß des Gesangsunterrichts in der Sprachheilschule und die Für- sorge für sprachgestörte Kinder und Jugendlich«. Die Tagung ist glänzend verlausen. Mehr als 300 Teilnehmer aus dem Inland« wie aus dem Auslande waren versammelt. Die Behörden waren mäßig vertreten. Mit der Tagung war eine sehr instruktive Ausstellung verbunden, die auch von Wien beschickt war. vr. Otto Leeling. vor verschwundene Bäckermeister Unlängst geriet da» Dörfchen B o u o i l l e bei Etampes, südlich von Paris, in nicht geringe Aufregung: Der ehrsame Bäckermeister G r e n e ch e war auf einer Ausfahrt spurlos verschwunden Pferd .und Wagen wurden in der Nacht einige hundert Meter von seinem Hause verlassen aufgefunden. Polizei und Gendarmerie wurden auf» geboten. Zunächst glaubte man an einen Selbstmord. Die Auf- regung wuchs, als am Führersitz des Wagens Blutspuren festgestellt wurden. Sollte der Bäckermeister einem Mordanschlag zum Opfer gefallen sein? Und bald gingen die bösen Zungen ihren Gang: Ein Bruder des Verschwundenen sagte aus, dieser habe ihm einmal uii- vertraut, daß seine Frau ein Verhältnis habe und daß das jüngst- geborene Kind sicherlich von ihrem Geliebten stamme. Die Der« hoslung der schwer belasteten Frau schien unmittelbar bevorzustehen, als ganz plötzlich in die allgemeine Schwüle wie ein reinigender Blitz die Nachricht einschlug, der Bäckermeister sei gesund und munter bei seiner Schwägerin in dem Dörfchen Thivars bei Chartres auf- getaucht. Und nun verwandelte sich die Tragödie in«ine Komödie. Der brave Greneihe hatte sich auf der Rückfahrt nach Hause verspätet und sich nicht getraut, seiner Frau, einer argen Tanthippe, unter die Augen zu treten. Kurz entschlossen stieg er von seinem Bock herunter und ergriff das Hasenpanier. Acht Tage lang im« er umher, südlich bis Orleans und Le Mans, dann nördlich bis Versailles,' von dort wieder zurück nach Le Mans. Dreihundert Kilometer' Landstraße lief er in seinen Holzschuhen ab. bis si« ihm fast von den Füßen fielen. In der ganzen Zeit nährte er sich von einigen Kilogramm trockenen Brotes und schlief in den Straßen- graben. Auch die„Verdachtsmomente" fanden jetzt ihre Aufklärung. Der Bäckermeister hotte sich in die Finger geschnitten, daher die Blutstropseu. Und als man ihm die Aussagen seines Bruders EinsainrcsJLaBMl ./tili den Spuren JlnneUe von 3)roste J£ütshoff8 Auf den Pfaden Annettes von Droste zu wandern, die Spuren zu versolgen, die ihr« Persönlichkeit hinterlassen hat, heißt, in eine Welt eindringen, die nicht mehr ganz die unsrige ist, in eine Welt der Abgeschlossenheit und Stille, der Sammlung und Einsamkeit. Fast ein Jahrhundert ist seit dem Tode der großen deutschen Dich- terin vergangen, aber die Orte, an denen sie zu ihren Lebzeiten weilte, haben ihre Spllren bis heute nahezu unverwischt fest- gehalten. Noch immer ragt aus dunklen, fchilfumsäumten Wei- Hern die alte, graue Wasserburg Hlllshoff bei Münster in West- falen, noch immer besteht die alte Eichenallee, auf der sie so oft mit Mutter und Geschwistern zu den umwohnenden Verwand- ten fuhr. Und der graue Turm ist noch vorhanden, auf dem sie mit ihrem Bruder Schuhe und Strümps« auszog, um es„den beneideten Kötterkindern" gleich- zutun. Noch immer beschatten die alten Eichen und Buchen den Eingang zur Wasserburg, in deren Mauern das jung«, un- verstandene Mädchen heran- wuchs, das nichts zu tun hatte, als das sittsame Jungfräulein einer adeligen Familie zu sein, als das es zur Welt gekommen war, dem nirgends die große Aufgabe winkte, nach der es drängte. Man muß Annettes Briefe hier in dieser Umgebung lesen, inmitten dieser herben Abgeschlossenheit von der Außenwelt, umgeben von der tiefen Schwermut der landschaftlichen Umgebung. Hier, im Bereich geheimnisvoller Verbundenheit von Mensch un!� Landschaft, im Lande der Spökenkieker, der traumwandelnden Schauer in die Zukunft, wird sich einem dos innerste Wesen der Dichterin öffnen, hier wird einem der lebenslängliche Kampf, von dem ihr Inneres zerrissen wurde, erst. ganz verständlich. Noch einsamer, noch obge- schlossener aber liegt, etwa eine Stunde entfernt, das kleine Gut Rüschhaus, in dem die Dichterm nahezu die beiden letzten Jahrzehnt ihres Gebens verbrachte. Ein kleiner, birkenumsäumter Feldweg führt zu dem schlichten Haus, dos hinter alten Bäumen und blühenden Sträuchern hervorlugt. Man watet durch den Morast des Hofes, auf dem Hühner erschreckt empor- flattern und«in zottiger Köter, der an Trimm, den Hund Annettes, erinnert, den Besucher wütend an- fährt. Dann aber östnet sich eine aste Gartentür, und nun ist alles oerwandelt. Di« Vergangeicheit wird lebendig, die Gegenwart ver- sinkt. Noch ist vieles wie damals, als Annett« lebt«, schmale Wege, die zum Weih«r führen, alte Rokokofiguren aus Stein,«in halb- verfallener steinerner Tisch. Ein« abgetretene kleine Freitreppe führt empor zu den schlichten Räumen. Hier lebte die Dichterin Leoin Schücking mit zusammengespartem Obst, hier sah si« an stillen Winter- aöenden, wenn das völlig«in- geschneit« Haus noch einsamer war als gewöhnlich, mit ihrer alten Amme am Kamin und ließ sich seit- same Vorkommnisse aus der Um- gebung, Gespenstergeschichten und alte Sagen erzählen. Immer unfrei, stets unter der Obhut der Mutter, der die über Vierzigjährige mit Mühe die Erlaubnis zur — anonymen— Drucklegung ihrer Gedichte abringen mußte, so lebte Annette hier auf Rllschhous, in ihrem besten Wollen und Können gehemmt, kränkelnd und ohne eigentliche Lebensaufgabe. Das idyllisch gelegene Haus barg ein« Tragödie. Die heutigen Bewohner von Rüschhaus sind ein junges Ehe- paar, das Haus und Hos von dem Neffen Annettes in Pocht ge- nommen hat. Es find einfache Landleule, die heute die Räume der Dichterin bewohnen, aber die feinfühlige Art, wie sie den Besucher stundenlang im Garten allein lassen, ihm die Räume ostneti, ist für den, der die geschäftsmäßigen„Führungen" durch das Mozart- oder das Beethoven-Haus mitmachen mußte, ein Erlebnis. Ein« seelische Bindung, die über Raum und Zeit schwingt, die nichts mit„Bildung" oder„Unbildung" zu tun hat, scheint die Bewohner auch heute noch mit der Toten, die ihres Schlages und ihres Stammes war, zu vereinigen. Auch in Süddeutschland, in dem mittelalterlichen Städtchen Meersburg am Bodensee sind Annettes Spuren noch un- verwischt. Die alten Wege am Seeufer, die hochragenden grauen Türme, die reden- umwachsenen Hügel und der verträumte Garten der Burg haben die Erinnerung an den Aufenthalt der Dichterin festge- halten. Und da ist noch die alte Zugbrücke und die tiefe Schlucht, unter der die älteste Mühle Deutschlands ihr hölzernes Wasserrad dreht. Wenig ver- ändert sind auch die drei kleinen Turmzimmer, das Arbeitszimmer mit seinen einfachen Möbeln, das Sterbezimmer, in dem sie allein und unbemerkt ihr Leben aushauchte, und end- lich der„rote Turm",«in kleines Erkerzimmer, von dem aus man die alte Stadt und den schim- mernden See, die Alpenkette am gegenüberliegenden Ufer und die Weinberge überschauen kann. Ein paar Minuten vom Schloß entfernt steht auf einem dieser rebenumwachsenen Hügel das„Fürstenhäusle" aus dem 16. Jahr» hundert, das Annette wenig« Jahre vor ihrem Tode für billiges Geld kaufte, um endlich ein eigenes Zuhause zu haben. Eil« weiß» haarig« alte Frau, eine Nichte Annettes, führt den Fremden durch die niederen Räume. Sie öffnet Truhen und Schränke, und tausend Erinnerungen an die Tote werden ausgebreitet,«in« blonde Locke aus ihrem Haar, alte Brief«, ein« Handschrift des„Geistlichen Jahres",«in Aufschrei in Gewissens- und Glaubensnöten. Kom- Positionen, Zeichnungen, aste Möbel, Erinnerungsschriften, Bücher ihrer Freunde und Gemälde oervollstän» digen das Bild und bringen die Dichterin dem Besucher menschlich so nahe, daß man die Spann« Zeih, die zwischen ihr und uns tiegt, vergißt. Und dies« Empfindung bleibt» wenn man dann an ihrem schlichten Grabstein auf dem Meersburger Friedhof steht, denn ihr Ruheplatz mutet nicht wie ein« Stätte des Todes an, sondern wie ein Gleich- nis des unerschöpflichen, ewig sich erneuernden Lebens. Blühende Rosen und Nelken, Efeu und Immergrün umgeben das Grab und ranken bis zu dem herbe» Steinkreuz und der alten Kapelle. In den Zweigen der Bäume und Sträucher nisten die Vögel und jubilieren dem Leben zu, das sich ringsum entfaltet. In der Tiefe rauscht und munnell der blau« See. über dessen weißen Wellenkämme» die Möoen ihr SpiA treiben, und vom jenseitigen Ufer glitzern und glänzen die Häupter der Alpenkette, funkest ewiger Schnee. Stille und Schönheit, Idyll» und tieffter Frieden ruhen auf den Pfaden, die Annett« vo» Droste«inst ging. Nichts ver» rät mehr von dem aufreiben» den Kampf, den sie ausfechten mußte, nichts erinnert an die Tragödie ihres Lebens. Wir aber, die wir uns nicht täuschen lassen durch die Idylle der Außenwelt, atmen auf, daß dos Jahrhundert, dem sie so vieles opfern mußte, vorüber ist, die Zeit, in der die begabt« Frau, zumal ihrer Kreise, ihr Bestes in dilettanti- schen Beschäftigungen verzetteln mußte. So wandern wir zurück auf den Spuren Annetes von Droste, aus der Einsamkeit und Stille des Rüschhaus, von der alters- grauen Burg am Bodensee und dem efeuumsponnenen Grab, aus der Vergangenheit in die Gegenwart, und grüßen den Reichtum unseres geistigen Lebens und die West des Zukünftigen, die wir ersehnen. Dr. Else Möbus. überbrachte, fuhr er zornig aus dem Stuhle auf. Niemols habe er ein« derartige Aeußerung fallen lassen. Seine Frau sei gewiß ein kausdrachen, aber... Das mit dem Hausdrachen mußte wohl stimmen, denn trotz der inzwischen vergangenen acht Tage weigerte unser Bäckermeister sich, dem aus seinem l)eimotsort mi« einem Automobil eingetroffenen Polizeikommissar nach Hause zu folgen. Ehe er heim gehe wolle er lieber noch einmal dreihundert Kilometer lausen Sein« Frau solle ihn abholen, zum Zeichen daß sie ihm verziehen habe. So geschah es denn auch. Und zum würdigen Abschluß der werk- würdigen Irrfahrten passierte aus der Heimreise, die in einem Lastauto in Begleitung mehrerer Verwandter erfolgte, noch ein kleines Mißgeschick. Offenbar hatte man die Wiederkehr des„ver- lorenen Baters" etwas zu ausgiebig begossen, denn am Abend landete(wenn man so sagen darf) das Auto in einem Flüßchen und verschwand zur Hälfte im Wasser. Ein Vetter des braven Greneche mußte ans Land schwimmen und Hilfe herbeiholen, worauf die ganze Faniilie aus ihrer unangenehmen und feuchten Situation befrest wurde. Dem Bäckermeister von Bouville ober dürfte auf längere Zeit hinaus die Lust zu derartigen Exkursionen vergangen fem Die Dame mit dem Januskopt Großes Aufsehen erregt in letzter Zeit in Theatervorstellungen. Bällen usw. eine Pariser Dame, deren Gesicht in zwei Hälfton so- zusagen getellt ist. Auf der einen Seite ist sie runzlig und alt. auf der anderen jung und schön. Sie macht für einen Schönhe� salon Reklame und überreicht Interessenten Geschäftskarten... c4� � ulwdiL (23. Fvrtschung.) „ijaft recht! Bravo!" brüllten alle durcheinander, und die ganze Bande sang das Lied bis zu Ende. Wenn so etwa sünfzehn Saufbrüder aus vollem Halse brüllen, einer will immer besser und lauter singen als der andere und den lautesten noch mit seiner Stimme überholen, so ist das keine Kleinig- keit. Man kann sich vorstellen, uxis für einen Tumult es in der verberge gab. Zlber alle waren sehr befriedigt von dem Gesang, die Kehlen wieder trocken und die Flasche kreiste von neuem. Dann ging's über die beiden anderen Lieder her. Das Röslein machte die größten Schwierigkeiten. Aber schließlich klappte auch das. Wir drei Mann sangen die Lieder noch einmal durch und waren zufrieden. Zlugust mit der tollen Hand kommandierte:„Auf nach Valentia! Macht's gut, Kunden. In Pelzfeldt treffen wir uns wieder!" und ivir griffen, nach unseren Stöcken, los und zum Städtchen hinaus. Hinter dem Städtchen lag oben auf der Anhöhe das Schützen- haus. Wir traten in den Dorflur und sangen:„Wo findet die Seele die Heimat, die Nuh', wer deckt sie mit schützenden Fittichen zu...?" Weiter kamen wir leider nicht, denn die GastziMmertürc hatte sich geöffnet und der Gendarm stand in seiner vollen Aus- rüstung im Türrohmen. „Seid wohl verrückt geworden, Kerls'?!" schnauzte er uns an. Hinter ihm stand die Wirtin und lachte. August mit der kalten Hand gewann zuerst seine kalte Hand, wollte sagen, sein kaltes Blut wieder. Er zog die leere Flasche aus der Rocktasche, überreichte sie mit ausgesuchter Höflichkeit der Wirtin und inachte eine elegante Verbeugung vor dem Gendarmen:„Was sollen wir machen, Herr Wachtmeister? Wir wollen uns auf ehr- liche Weise durch die Welt schlagen, deshalb gehen wir singen." Die Wirtin füllte die Flasche und verzichtete auf Bezahlung. Der Gendarm prüfte die Papiere und befand sie für gut. „So, Kerls, nun macht aber, daß ihr weiter kommt. Und daß mir nickst in der Stadt gesungen wird, sonst schlägt's dreizehn!" Den Gefallen taten wir ihm gern mit der Devise: wenn nicht hier, dann anderswo. Das Geschäft brachte beträchtlich mehr, als wir erwartet hatten. Wenn wir abends im Gasthof einkehrten, konKten wir feststellen, daß uns unser Gesang außer einigen Mark auch reichlich Lebensmittel«ingebracht hatte, die uns nach durch- frorenqn Tage recht gut zustatten kamen. So zogen wir dann als reiche Kunden in Pelzfeldt ein und konnten ordentlich was drauf- gehen lassen. Als wir in das �Fremdenzimmer des Bäckermeisters eintraten, strömte uns ein unheimlicher Dunst entgegen. Es war ein großer, kahler Raum, der von einer von der Decke herabhängen- den qualmenden Petroleumlampe erleuchtet wurde. Den ganzen .Raum füllten bereits Menschen, der» ganze Erdboden war von Männern und Weibern belegt. Echnapsflaschen machten unausgesetzt die Runde. Der Tabaksqualm, die schwelende Petroleumlampe, der Alkoholgeruch und die Ausdünstungen und das Gelärme der vielen Menschen gaben einen Vorgeschmack dessen, was noch kommen sollte. Es war August mit der kalten Hand nicht möglich, sich mit den Bekannten, die er antraf, zu unterhalten. Jeder mußte sitzen bleibe», wo er Platz gefunden hatte. Es konnte sich buchstäblich keiner mehr rühren. Die derbsten Witze wurden gerissen, es wurde gesungen, geraucht, getrunken und— geliebt. Der Herbergsvater machte die glänzendsten Geschäfte. Dann kam der große Augenblick, in dem sich alles, Märmlein und Weiblein, entkleiden muhte. Jeder erhielt einen Äack, ick den er feine Kluft, außer den Stieseln, die er anbehielt, steckte. Man band an eine Stripp«, die an den Sack genäht, war,«inen Zettel. auf dem der Name des Besitzers stand, band den Sack zu und über- gab ihn mit samt den Legitimationspapieren dem Herbergsvater. Nachdem die Säcke in den Backofen geschoben worden waren, wurde Stroh auf den Fußboden geschüttet. Das heißt, dieses Stroh war vor langer Zeit einmal Stroh gewesen, heute war es nur noch Häcksel. Wer einen wetten leeren Sack erwischt hatte, kroch hinein und legte sich zur Ruhe, wer keinen erwischt hatte, mußte zu einem anderen in den Sack kriechen, oder sehen, wie er fertig wurde. An Schlafen war nicht zu denken. Was sich hier abspielte in der ganzen Schamlosigkeit einer von allen guten Geistern verlassenen Gesellschaft, die neben der Läusenot die Gier des nackten Fleisches und der Sensation hierhergetrieben hatte, man kann es Hexen» sabbath oder wie immer nennen. Zu schildern ist es nicht. Ich atmete auf, als der Morgen graute, machte drei Kreuze und zog allein meine Straße weiter. Damaskus. Pastor von Bodelschwingt in Bielefeld gab den Anlaß dazu, daß überall im Deutschen Reiche Verpflegungsstationen eingerichtet wurden, die den Wanderer vom Fechten abhalten und ihn zur Arbeit zwingen sollten. Er sagte: gebt dem Fechtbruder Arbeit und Essen, aber kein Geld, denn das versäuft er doch bloß. Seitdem hatte das Wandern nicht mehr den alten Reiz. Das gute Leben hatte damit aufgehört. Am Anfang und End« eines jeden Dorfes prangte eine Tafel mit der Aufschrift:„Betteln ver- boten, nächste Verpflegungsstation..." Die Bauern wurden auf die Wohltaten der Verpflegungsstation hingewiesen, zu deren Unter- halt der Kreis die nötige Beisteuer leistete. Weshalb sollten die Bauern dem Fechtbruder da noch etwas geben, er bekam ja in jeder Stadt und auch in größeren Dörfern reichlich zu essen und hatte nur nötig, dafür eine geringe Arbeit zu leisten! Verpflegungestation! Wenn«in Walzbruder abends hinkam, er» hielt er freies Nachtquartier, d. h. ein Strohlager, einen Napf Suppe und ein Stück trockenes Brot, morgens einen Topf Kaffee und eine Semmel. Dann mußte er bis Mittag arbetten, erhielt eine Mittags- mahlzeit und durfte weiter wandern. Bis zum Abend mußte er wieder ein bestimmtes Ziel erreicht haben. Auf diese Weise wurden die Wanderburschen gewissermaßen in eine Zwangsjacke gesteckt. Mancher Bauer gab wohl noch ab und zu einem Wanderburschen etwa» Essen, wenn er darum bat. aber es wurde doch schlechter. Die Bettelei abschaffen konnten allerdings weder Arbeiterkolonien noch Derpflegungsstationen, denn schon beim Verlassen der Station hatte der Wanderer wieder Hunger. Er wäre zar picht imstande gewesen, bei dem geringen und minderwertigen Essen vier bis fünf Stunden zu marschleren. Die schöne goldene Ganderburschenherrlichkett war endgültig vorbei. Unter diesen Umständen begann ich darüber nachzudenken, ob es mir wohl noch gelingen würde, ein Heim zu finhen? Es waren doch ganz besondere Empfindungen, die sich in meinem Jnnern regte», wenn ich daran dachte, wie ich noch einmal enden würde. Ich war nur furchtbar leichtsinnig, aber nicht schlecht und oft kam es mir in den Sinn, sollte ich diesen Leichtsinn mit der Milch meiner Amme eingesogen haben'? Waren doch meine Eltern höchst ange- sehene, ehrsame Bürgersleute in Königsberg und meine Mutter eine fein gebildete Frau gewesen. Sollte es mir da nicht doch noch einmal beschieden sein, ein nützliches Glied der menschlichen Gesell- schast zu werden? Ich hatte bereits alle Hoffnungen aufgegeben und trieb mein Vagabundenleben wie bisher. Nur über die Zukunft nicht nachdenken, nimm das Leben wie es ist, war das Ende aller Betrachtungen. Du hast dir dein Leben nun einmal oerpfuscht. Wärst du in der Schule ein fleißiger Schüler gewesen, wäre vielleicht doch noch etwas aus dir geworden. Aber so recht wollte mir das nicht einleuchten. Hatte ich es doch selbst als Schuljunge erlebt, daß tüchtig« Schüler, die das Gymnasium besuchten und die zu den größten Hofsnungen berechtig- ten, nichts wurden! Lag das daran, daß sie Waisen waren wie ich? Einen Schulfreund, ein Musterknabe, der die Realschul« besuchte und mit dem ich in der Knabenzeit viel zusammen spielte, traf ich auf der Walze wieder. Er war vollständig verkommen und wunderte sich, daß ich überhaupt noch arbeitete. Das Leben des Menschen mußte wohl Bestimmung sein, anders konnte ich es mir nicht erklären. * ★* In einem schlestfchen Städtchen, unweit Breslau, ging ich au einen: Wintertag bei drei Meistern Umschau halten. In einem Gc- schüft kam ich mit der Frau Meisterin ins Gespräch. Sie erzählte nur, daß sie früher in Berlin gewesen wären, da ihr Mann aber immer leidend sei, hätte der Arzt zur Luftveränderung geraten und da wären sie hierher noch Schlesien gezogen. Ich erhielt von ihr ein Reisegeschenk und wanderte weiter. Ueberall, wo ich war, in welcher Gegend ich auch wanderte, mußte ich an diese Frau denken, obwohl ich mich an ihr Gesicht und ihre Gestalt gar nicht erinnern konnte. E.s war mir, als wenn eine innere Stimme mir zuflüsterte, hier wirst du«inst Anker werfen, hier ist der Hasen deines Glückes, hier wirst du landen. Trotzdem gab es für mich keinen Halt. Ich wanderte durch das Glatzer Gebirge, durch Oesterreich, Bayern und Sachsen, und ar- bettet« zwischendurch hier und dort. Anderthalb Jahre mochten verflossen sein, als mich das Schicksal wieder nach Schlesien verschlug. An einem schönen Frühlingsmorgen kam ich in das kleine Städtchen. Ich konnte mich noch genau der drei Meister entsinnen und ging zuerst zu den zwei anderen und dann erst zu der Frau Meisterin, die mir so lange in der Erinnerung geblieben war, ohne daß ich mich auf�ihr Aussehen besinnen konnte. Nach einer Weile des Wartens erschien im Türrahmen nicht die Frau Meisterin, sondern der Meister. Es war ein erschreckender Eindruck, den der Mann auf den ersten Blick auf mich machte. Eine lange, hagere Gestalt, mit einem Christusbart, dem der Tod ins Antlitz gemeißelt war. Freundlich fragte er mich, ob ich einige Wochen zur Aushilfe arbeiten wolle. Ich nahm an. Am anderen Morgen trat ich bei meinem neuen Meister an. Er erwies sich als«in sehr freundlicher und netter Mann in den besten Iahren, war aber leider sehr krank. Er hatte die Kehlkopf- schwindsucht. Wir harmonierten beide recht gut zusammen. Die Frau Meisterin bekam ich wenig zu sehen, da sie stets bc- fchäftigt war. Sie hatte zwei Knaben im Alter von acht und neun Iahren und ein Mädchen von vier Jahren und versorgte außerdem den Laden, die Leihbibliothek und den Journallesezirkel. Ich konnte nichts an ihr finden, was mich zu ihr hingezogen hätte. (Schluß folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend". Spiralen-Kreuzworträtsel. Wa g e r e ch t: 1. französischer Artikel: 3. körperliche Reinigung: 4. bekannter Schriftsteller: 6. Scherz: 7. nächste Verwandte: 9. Anlage eines Bades: 79. Gallertmittel: 12 Baum: 13. schlefischer Ort: 12. Polizeitruppe.— Senkrecht: 2. hinweisendes Wort: 3. winterliches Sportgerät: 5. Vogel: 6. Wort für Kummer: L. Ver- packungsmittel: 9. Werbeheft: 11. Massenerkrankung: 12. Titel: 14. Pflanze; 15. Vereinigung von Schiffen. � Mensch und Tier. Di«„Ä" Hot viernial Wort mit„T", „Gl" bringt manchem Weh! Icr. Geistlich und weltlich. Mtt„o" nennt ein Ornat mein Wort, Mit„p" ist es in Pommern«in Ort.' er. Oominoaufgabe. A., B., C. und D. nehmen je 6 Steine auf. Bier Steine mit zusommen 29 Augen liegen oerdeckt im Rest. Die Steine von B. haben 32, die von C. 29 Augen. Es wird nicht gekaust. A. hat: 6-6, 6-4, 5-4, 4-2, t-O, 2-1. A. setzt Doppel-Sechs aus und gewinnt, indem er in der sechsten Runde seinen letzten Stein Zwei-Eins ansetzt. B. kann nur in der ersten und zweiten Runde ansetzen: E. und D. müssen in der vierten Runde passen; B. behält vier Steine mit 13, D. zwei mit 17 Augen übrig. Die Steine der Partie haben 195 Augen.— Welche Stein« liegen im Rest? Welche Steine behalten C. und D. übrig? Wie ist der Gang der Partie?* Mlttvocb, 29. Mal. Berlin. 16,00 Incenieur Boehmer: Technische Wochenplaaderei. 16.30 Dr. W. Mahrholl: Die Enlwicklune der europäischen Literatur in Rußland. 17.00 Feier anläßlich der Orundste-nletune des neuen Funkhauses. 1. L. v. Beethoven: Die Weihe des Hauses, op. 124.— 2. Ansprache des Rundfunk- kommissars Dr. Bredow.— 3. Ansprache des Relehspostminlsters.— 4. Ansprachen und Hammerschläge.— 5. R. Warner: Vorspiel zu„Die Meistersinrer".(Berliner Funk-Orchester. Diri«.: Bruno Seidler-Winkler.) Anschließend: Hotel Bristol(Kapelle lila Livschakoll). Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 19.00 Ed. Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19-30 Dr. E. Marcus; Unterhaltung mit einem, der Entdeckungen liebt. 20.00 Wovon man spricht.(Redner und Thema werden durch Rundfunk de. bekanntgegeben.) 20.30 Hotel Kaiserhof(Kapelle Qdia Komor). 21.15 Jos. Haydn.(Zu seinem 120. Todestag am 31. Mai.) Dirig.: Bruno Seidler- Winkler. I. Konzert für Cello und Orchester D-Dur(Emannel Feuer- wann).— 2. Sinfonie(Glocken-) D-Dur.(Berliner Funk-Orchester.) Nach den Ahendmeldungen bis 0.30; Tanzmusik(Fred Bird-Tanz-Orchestdr). Während der Pause; Bildfunk. Köaigswasterbansen. 16.00 Schulrat Wol'ff und Stefan Kopetzky: Znr praktischen Durchführung der Richtlinien in der Volksschule. 16.30 Dr. Dorneich: Alemanische Dichter; Hugenberger. Federer. 1 18.00 Prof. Dr. August Müller: Reperationslrage und Außenhandel. 18.30 Spanisch für Anfänger. x 18.55 Dr. Fritz Ditlborn; Die Bakteriologie des täglichen Lebens. 19.20 Dr. E. Stern-Rubarth; Brochdorf-Ran trau und die Friedensverhandlungea. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Baude; 5. Fabel, 19. Elle: 12. Name; 13. Alm: 13». Ära: 15. Rat: 16. to; 17. Anode. 19. edel: 29. Sole: 21. Tod: 22. Kran: 25. Aera: 26. le; 29. Ahorn: 32. an: 33. Aga; 35. Alp: 36. Bug; 37. Milo: 39. Lupe; 49. Messe: 41. Basel.— Senkrecht: 1. Beate: 2. Allod: 3. Ulm: 4. de: 6. an; 7, Bar: 8. Email: 9. Lette: 11. Protokoll: 13a. an: 14. ad: 17. al: 18. Es; 22. klamm: 23. Regie: 24. na: 25. an: 26. Raupe: 27. Angel; 39. ha: 31. RP: 34. als; 36. Bus: 38. OS: 39. la. Zahlenrätsel: 1. Arbeitslosigkeit: 2. Rose: 3. Basel; 4. Ebro; 5. Israel: 6. Tiber: 7. Sage: 8. Leiter; 9. Orgel: 7. Segel; 5. Isar: 19. Gcibel; 11. Keiler; 4. Elise: 5. Ibis; 6. Talar Magisches Quadrat: 1. Amni«: 2. Meer; 3. mein; 4. Erna. Silbenrätsel: 1. Herne: 2, Zschias: 3. Nikolaus: 4. Agave: 5. Universal: 6. Stummelaffe: 7. TUaanus: 8. Innuil: 9. lalmigold: 19 Dalli: 11. Eberraute; 12. Regatta: 13. Derber: 14. Ksküb: 15. Ranküne: 16. Gummi; 17. Eremik: 18. Recherche: 19. Litauer; 29. 3mpi 21. Charcutier: 22. Eben«: 23. Dantes: 24. Pirmasens: 25. Reede.—„Hinaus mit der bürgerlichen Presse, lest die Arbeiterpresse."_ Die Llnschuld vom Lande. Die Unschuld einer schönen Südtiroler Bauerntochter wird, auf vorsichtigen Höfen, durch ein eisernes Gitter beschützt. Das macht nächtliche Besuche durch das Fenster, wie sie auf dem Lande üblich sind, unmöglich. Das heißt: beinah? unmöglich. Mein Freund, ein überschlanker Lehrer, hat trotz des Gitters ein romantische�, wiewohl ziemlich aufregendes Abenteuer erlebt. Der Herr Lehrer unterrichtet in den hinteren Gründen des Passeier- tals die Schulkinder in allen Disziplinen und die holden Bauern- töchter in der Kunst des Gesanges; unter difsen war eine Gold- braune mit Rehaugen. Diese hatte ihrem Instruktec im Hinblick auf seine körperliche Beschaffenheit und auf Pfingsten, das liebliche Fest, ein nächtliches Stelldichein zugestanden: obwohl sie, wie gesagt. vergittert war. Si« dachte:„Dielleicht rutscht er durch." Der Herr Lehrer erklomm in der Sonuabendnacht«in« Lan, eine Oblsteiter am Hause der schönen Bauerntochter, schlängelte sich durch die soliden Gitterstäbe und fiel sonst und sehnsüchtig auf ein darunter- stehend«» Lager., Nun ist so ein deutscher Lehrer im italienischen Burggrafenamt ein armer Teufel. Für viel Plag« gibt es wenig Lohn, so daß übermäßige Schlankheit nicht weiter verwunderlich ist. Das Bauern- töchterlein hatte außer Aepfeln und Anisschnaps, dem üblichen Fensterlgericht, etwas Ordentliches zum Schnabulieren hergerichtet, damit er sich einmal herausfüttern könnte, der Herr Lehrer. Sie vergaß dabei: dos Gilter. Der Lehret atz und trank und aß, und als er dann entdeckte,"wie unschuldig das Bauernmädchen tatsächlich noch war, verlief der Rest der Nacht mehr zärtlich als leidenschaftlich. Als Bogelgezwiffcher den nahenden Morgen verkündet«, hieß es scheiden. Ein letzter Kuß, und der Herr Lehrer wollte sich durch das Gitter hinausschlängeln, durch das er so geschmeidig herein- geschlüpft war. Aber wehe! Er kam nicht durch. In seines Leibes Mitte blieb er stecken, konnte nicht hinaus und nicht herein, obwohl die Bauerntochter schob und zog nach Leibeskräften. Hinter dunklen Wolken begann es zart zu leuchten. Gelbe Kornfelder und grüne W4iden hoben sich ab, und im Talgrund erglänzt« di« Passer wi« ein« Silberschlange. Dem Lehrer in der Klemm« wars ein bitlerer Morgengrutz. Es läutete zum Gottesdienst, da sollt« er auf der Orgel spielen und stak statt dessen, allen zum Spott, im Gitter einer Schönen. Als di«r ersten Dörfler vor ihren Türpn erschienen, wurde es dunkel vor des Lehrers Augen. Die Goldbraune hatte ein Laken über die hagere Gestalt ihres Liebsten geworfen, so daß er wi« ein gelüftetes Bett zum Fenster hinausragj«. Hilfesuchend rannte sie zur Apothek«. Dort erstand sie eine Arznei, eilte zurück und reichte sie dem Lehrer unier dem Laken. Der Lehrer begarm sich alsbald zu krümmen, wand sich wi« ein Wurm und entledigte sich des über- reichen Mahles. Er tonnt« ins Bett zurückg«zogen werden, wurde in eine Matrotze gerollt, auf di« Wiese getragen, wo es ihm gelang, ungesehen zu entspringen. Für das Orgelspiel war es aber schon zu spät. Am Pfingstsonntag wurde aus dem Amt eine Messe— niemand ahnte, weshalb. Heinrich Hemmer. tJh&rfur�QjjZUsi Tennismeister in Berlin. Kozeluh- Najuch bei Rof-Weifj. Entgegen der ursprünglichen Absicht wird das mit großem In- teresse erwartete Doppelspiel der Gebrüder Kozeluh und N a- j u ch- R i ch t e r schon am Sonnabend, 1. Juni, im Anschluß an die Einzelspiele der Karel Kozeluh-Richter und Josef Kozeluh-Najuch gespielt. Es ist das erstemal, daß das deutsche Doppelmeisterpaar Na- jlich-Richter gegen die beiden Brüder zum Kampf antritt. Beide Parteien bereiten sich mit seltenem Eifer für den bevorstehenden Kampf vor. Es genügen ihnen nicht nur die üblichen Trainings- spiele, die sie täglich mit den spielstärksteit Amateuren absolvieren, sondern sie nutzen die Gelegenheit zu harten Weit- spielen. Während Kozeluh in Düsseldorf mit Demasiu- kämpfte. konnten Najuch-Richter am vergangenen Sonntag in Porsdain ihren jüngsten Gaumeistersieg gegen das spielstarke Paar Bartels-Nüßlein wiederholen. Ab Donnerstag werden übrigens die beiden Kozeluh? ihr ständiges Trainingsquartier vom Schlittschuhklub zu den Rot- Weiß-Plätzen verlegen, um sich dort mit dem eigentlichen Kampf- platz, dem großen Meisterschaftsplatz, oertraut zu machen. Die Kämpfe beginnen am Sonnabend und Sonntag u m 1 S U h r: die Eintrittspreise(nur Sitzplätze) sind 3. 3 und 8 M. Sowohl der Weltmeister Karel Kozeluh sowie der Rot-Weiß-Lehrer Roma» Na- such haben keinen der französischen Spieler zu fürchten-, im Gegen- teil, sie sind ihnen überlegen, was beispielsweise Najuch bei Eochet schon bewiesen hat. Selbst Joses Kozeluh, der nicht an die Spiel- stärke seines Bruders Karel heranreicht, hat u. a. den belgischen Meister Washcr geschlagen, ist in Kopenhagen, seinem ständigen Wmtertrainingsquartier, stets Meister gegen Petersen geblieben, dem es in vier Jahren in allen Spielen lediglich gelungen ist, einen einzigen Satz für sich zu buchen. Das gleiche ist von Hermann Richter zu sogen, der sein großes Können erst setzt wieder durch seinen Gaumeisterschaftssieg gegen Bartels unter Beweis gestellt hat. Unsere deutsche Extraklasie, gleichviel, ob es in früheren Iahren Froitzheim war oder heute Prenn, Moldenhauer, Landmann usw. mußten gegen Najuch und Kozeluh stets die Segel streichen und diese beiden wirklichen Könner des Tennis treten nach mehrjähriger Pause erneut zum Kampf in die Schranken. Einen Sieg voraussagen, ist fast unmöglich. Ebenso unklar ist der Ausgang des Doppelspiels. Zum erstenmal tritt das deutsche Meisterpaar Najuch-Richter dem tschechischen Brüderpaar entgegen und auch hier werden die Bc- sucher Tennis in höchster Bollendung zu sehen bekommen. Schadispieler in Luckenwalde. Der Arbeiter-Schachvcrein in Luckenwolde feiert am Sonntag, 2. Juni, sein Ivjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß finden große Schachwettkämpse statt. Aus den Bezirken des 1. Kreises des Deutschen Arbeiter-Schachbundes sind bereits zahlreiche Meldungen ein- gegangen, so z. B. haben ihre Teilnahme zugesagt die Arbeiter- Schächer aus Brandenburg, Nowawes, Kottbus usw. Alle Ab- teilungen der„Freien Arbeiter-Schach-Bereinigung Groß-Berlin" treten pünktlich um 7.39 Uhr, Anhalter Bahnhof, Fahrkartenschalter, an. Sonntagsrückfahrkarte 2,50 M. Spielmaterial ist mitzubringen. Nachzügler treffen< sich im Spiellokal Luckenwalde, JUterbogker Straß«, Restaurant„Bürgerhof". » Bei dem zu Pfingsten in München ausgetragenen Länder- k a m p f hat die deutsche Mannschaft mit 10% Punkten einen knappen Sieg über die österreichischen Arbeiter-Schachspieler mit 9% Punkten davongetragen. * Die Abteilung Prenzlauer Berg der„Freien Ar- beiter-Schachvereinigung Groß-Berlin" spielt jetzt Donnerstags ob 20 Uhr bei Vollmer, Senefelderstraßc g. Am 30. Mai 192Ö hält der Meisterspieler Karge einen Bortrag über„Feinheiten im Mittel- spiel". Gäste und Interessenten sind herzlichst eingeladen. Knipkat-Erinnerung. Der Renntag am?. Juni auf der Olympiabah n*ist dem Andenken des vor zwei Iahren zu Tode gestürzten Franz K r u p k a t gewidmet. Die Besetzung der Rennen ist erstklassig. Sa wall wurde am Sonntag von Möller in Nürnberg einwandfrei geschlagen und trifft mit seinem schwersten deutschen Gegner, den Fachleute augenblicklich besser als Sawall einschätzen, erneut zusammen. Zu diesen kommt weiter noch der beste Ausländer, der schnelle und zähe Franzose Maronnier, der bisher außer Sawall und Möller alles niedergekantert hat, was sich ihm entgegenstellte. Damit hat Krüger tatsächlich die drei Besten der Besten. Nicht schlechter ist Thollembect, der zu Pfingsten in Chemnitz gegen inter- national« Klasse beweisen konnte, daß er wieder der Klasiefahrer vom vorigen Jahre ist. Altmeister S a l d o w hat im Mai sehr gut gefahren und ist deshalb als fünfter Mann hinzugezogen, zumal ihm die 100 Kilometer in einem Lauf sehr gut liegen und„Karl der Große" gerade über diese Distanz die größten Ueberraschungen bringt._ Moiorradsternfahrt nach Potsdam. Der Polizei-Motor rad-Klub Berlin e. D. oeran- staltet am 1. und 2. Juni ein Sternfahrt nach Potsdam. Start- und nennungsberechtigt sind alle Motorrad- und Wagenführer .Deutschlands und fremder Länder, auch wenn sie keinem Klub bzw. Verband angehören. Am Sonnabend, 1. Juni, findet im Gesell- schaftshaus„Alter Fritz". Potsdam, Zimmerstr. 10, ein Begrüßungs- �abend mit Sportball und großer Tombola statt. Das Nenngeld zur '„Sternfahrt" beträgt 6 M., jeder Sternfahrer hat gleichzeitig freien Zutritt zum Sportball und zum Sportplatz. Jeder Sternfahrer, der die Fahrt vorschriftsmäßig beendet, erhält an der Zieltontrolle«ine künstlerisch ausgeführte Plakette: das Ziel- und Beranftallungs- lokal ist das Wirtshaus„Sportplatz Luftschiffhasen". Die Ziel- kontrolle ist Sonnabend von 17 bis 21 Uhr und Sonntag von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Meldungen ncbft Nenngeld an die Geschäftsstelle des Polizei-Motorrod-Klubs, Berlin e. V., zu Händen des Polizei- obermeisters Krenz, Beriin-Halensee, Karlsruher Str. 13(Telephon Pfalzburg 9586), einzusenden. Meldungen werden ohne Ausschlag bis Schluß der Zielkontrolle angenommen. 28 Tourenboote. Aus dem Auslande sind vier englische, zwei belgische, zwei amerikanische Boote und je ein schwedisches und italienisches Boot gemeldet. Der Inhaber des Automobilwellretords, Sir Henry Segrave, wird mit seinen beiden Booten„Miß Eng- land" und„Miß Alacrity" an den Start gehen. In den Spreewald. Eine Wochenendfahrt in den Oberspreewald, dem in seiner Eigenart einzigen Idyll in der weiferen Umgebung Berlins. veranstaltet der Touristenverein„Die Naturfreunde"— Reisebureau— am 8. und 9. Juni. Diese Fahrt beginnt Sonnabend, 8. Juni, nachmittags. Die Teilnehmer treffen sich um 14 Uhr im Wartesaal 3. Klasse des Gärlitzer Fernbahnhofes. Die Eisenbahn- fahrt führt bis Raddusch, hier beginnt die zweistündige Kahnfahrt durch die Radduscher Kaupen zum„Erlkönig". Dort Nachtlogis iif Betten. Am Sonntag früh wird ein Spaziergang nach�Burg zum Kirchgang der Wendinnen gemacht und dann wieder zum Erlkönig zurückgewandert. Bor dem Mittagessen führt ein Vortrag die Zu- Hörer in die Geschichte des Spreewaldes«in. Danach beginnt die große sechsstündige Kahnfahrt durch den Hochwald über Forsthaus Eiche, Kannomühle, Forsthaus, Schützsnhaus, Wotschowskä und Lehde nach Lübbenau. Bon hier aus Rückfahrt nach Berlin. Di« Kosten betragen für Eisenbahn, Hin- und Rückfahrt, zweimal Kahn- fahrt, Logis und erstes Frühstück nur 12,25 Mark. Mittagessen kann im voraus bestellt werden. Teilnehmerkarten sind in der Ge- schästsstelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Berlin N 24, Johannisstraße 14/13, täglich außer Sonnabends von 17 bis 20 Uhr, außerdem bei Schmidt, Berlin W 50, Rankestr. 30, Walter, Berlin- Neukölln, Siegfriedstr. 35, Meckelberg, Berlin-Treptow, Graetzstr. 50, Sinn, Verlin R 20, Stettiner Straße 30, Thomas, Berlin N 65, Luxemburger Straße 1, zu haben. Ilebec„Sagen aus der Mark Brandenburg" spricht der Genosse Schütte auf der nächsten! Zusammenkunft der Abteilung Mitte des Touristenvereins„Die Naturfreunde". Der Vortrag beginnt 20 Uhr im Sitzungszimmer der Geschäftsstelle, Berlin N 24, Johannis- straße 14/15. Gäste herzlich willkommen. Segrave kommt mit zwei Rennbooten. Das endgültige Meldecrgebnis zu den internationalen .Motorbootwettfahrten auf dem Templiner See bei Potsdam am 1. und 2. Juni zählt im ganzen 42 Rennbote und knhbsll Sdiottland— Deutschland. Am Sonnabend im Grunewald. Für das am Sonnabend, 1. Juni, 18 Uhr, im Grunewald- stadion stattfindende Fußballspiel Schottland— Deutschland, veranstaltet vom Deutschen Fuhballbund, ist die Spieleraus- wähl getroffen. Es bleibt im allgemeinen bei der vorgesehenen Auf- stellung, nur an Stelle von Flick(Duisburg 99) spielt der Nürnberger Geiger und den Posten des Düsseldorfers Albrecht, der seinen Verein Fortuna am Sonntag im Meisterschaftsspiel gegen Borussia- M.-Gladbach oertreten muß, nimmt der Berliner Ruch ein. Die vor- eilig verbreitete Meldung, daß der 1. FC. Nürnberg den Kexn der Mannschaft bilden wird, ist unzutreffend. Lim die Bezirksmeisterschaften im FKB. Bei den Endkämpfen um die Bezirksmeisterschasten des Freien Kegler Bundes im Keglerheim Bötzow haben drei Bezirke des Gaues Berlin nunmehr ihre Riegen auf Bohle festgestellt. Nachstehend geben wir die Resultate: Bezirk Westen: Mans(Einer steht) Bezirksmeister 723, Fuchs(Rot-Weih) 714, Krupke(Gemütl. Stamm) 713, Greiser(Lustige Brüder Tegel) 709, Karl Hoffmann(Vordereck 06) 705, Rich. Peter(Gaswerke) 704» Geschun(Gaswerke) 704, Wolf(Einer steht) 702, Weinrich(Einer steht) 701, Hirseland(Nasse Neune 24) 701, Ersatz: Große(Gemütl. Stamm) 700, Babka(Rot-Weiß) 697 Holz. Bezirk Zentrum: Blankenburg(Nach mir kannst du) Bezirksmeister 721, Meyer (Zeitvertreib) 712, Hillebrand(Böse Buben) 709, Ruppersberg (Fid. Brüd. Weißenfee) 708, Rosenkranz(Freiweg) 705, Seeger (Schieb leise) 700, Schnötk«(Gut Sport) 699, Rubelt(Harmonia) 699, Höhne(Linke Ecke) 699, Pietsch(Freiweg) 698, Ersatz: Reckling (Viktoria 28) 697, Henning(Türkei) 696, Frank, W. Durchschnitt 696 Holz. Bezirk Norden: Kolasinski(Bück dich) Bezirksmeister 731, Meier(Hohe Kante) 723, G. Behrens(Bück dich) 715, Wothk« (Oststen 22) 712, Kriewitz(Schemel— Schieb du s«) 712, Gladziewski (Bück dich) 712, M. Behrens(Bück dich) 711, M. Berg..(Bück dich) 710, Richter(Freundschaft) 709, Madel(Schöneberg Süd-West) 707, Hoffmann(Schemel— Schieb du se) 707, Ersatz: Krüger(Marien- dors 19) 704 Holz. Jagendtreffen bei Caputh. Der Bezirksjugendausschuß des 3. Bezirks im 1. Kreise des ATSB. hat für den 22. und 23. Juni in der Umgegend von Caputh bei Potsdam fein 3. Jugendtreffen, verbunden mit dem Bezirksjungendtag und einer Sonnenwendfeier festgelegt. Pflicht eines jeden Vereins ist es, alle Jugendlichen zu dieser Der- anstaltung zu entsenden, da an diesem Tage auch die Generalprobe der Freiübungen und Jugendtänze für Nüricherg«rsolgen soll. An Unkosten für Nachtlager und Morgenkaffee werden für jeden Teil- nehmer 25 Pf. erhoben. Die Vereine werden gebeten, die Anzahl der Teilnehmer und den Unlostenbcitrag bis spätestens den 14. Juni an Fritz Flach, Nowawes bei Potsdam, Husarenftr. 2,«insenden zu wollen. Treffpunkt: Bhf. Potsdam, Sonnabend 18.30 Uhr. Die Eröffnung der Fußballklasse in der Arbeilersportschule findet morgen, Donnerstag, 19 Uhr, auf den Fußballplätzen in Spandau, Saarburger Straße, statt._ Freier F»ßball»erein WculöDn I 1928. Freitag, 31. Mai, 40 Uhr, Außer. ordentlich« Versammlung. Zur Verstärkung der Jugend- und Männrrmann- schalten werden noch Sporttreibende jrdcn Freitagabend, 2013 Uhr, bei Valewski, Neulölln, Voddin. Ecke Isarstraß», aufgenommen. Trainingoabend im Sportpark Reutölln. Platz 4. oerl. Steilrmctzstraßc, jeden Dienstag um 18'� Uhr der Jugendlichen, der Männer Donnerstag um 18Zz Uhr. Am 9. Juni Vaiepartie nach Fangschleuse, Treff. b.4b Uhr Vahnbof ZieulSlln. Freie Faltdootfahrer Berlin. Donnerstag, M. Mai, Zusammenkunft im Sophien-Lndeum, Weinmeisterstr. 18/17, um 20 Uhr. Vortrag:„Die Aufgaben de, Arbeiterwasserrettr-ngsdienstes und die Mitarbeit der Waslerfahrer." Gäste willkommen. Fahrten am I. und 2. Juni. I. Schm'öldesee, Führer Hausmann. Abfahrt 15.58 Gärlitzer Bahnhof bis Tcupitz.Gr.-KLris, Rückfahrkarte läsen 2. Hölterner Ee«, Führer Pctzold. Treffpunkt 15.30 Uhr oor dem Bahnhof Zlönigswustcrhaiisen. Das für Sonntag, 9. Juni, festgelegte Vcreinstrcffcn (Regatta) am uklcisec findet umständehalber am selben Tage am Hölzernen See statt. Arbeiterrad, und kkrastsahrerbaad.Solidarität'. Di« Abteilungen des 2. Bezirks werden ersucht, am 2. Juni die Touren nach Klein-Köritz hin zu »erlegen, da die dortige Ortsgruppe ein Etrandfcst am Köriffer See friert. gelte und guter Badestrand vorhanden. Vorläufig kein Zeniralbahnhos. Die Zieichsbahn denkt auch an keine Vord-Eüd-Verbindung. In der Presse wird, wie der Deutsche Verkehrsdienst mitteilt, immer wieder das Prosekt eines Berliner Zentral- bahnhofs, insbesondere einer Verbindung von südlichen und nördlichen Bahnhöfen besprochen. Es gewinnt hierbei den Anschein. als ob die Reichsbahndirektion Berlin in dieser Frage>mt bestimmten Projekten vorginge, zu denen die Stadt Berlin neue Gedanken für die Ausgestaltung eines solchen Projektes geltend mache. Eine Dar- stellung der Dinge in dieser Richtung ist— nach Mitteilung der Reichsbahndire.ktion Berlin— gänzlich unrichtig. Die Deutsche Reichsbahn denkt zurzeit überhaupt nicht daran, derartig großen und kostspieligen Projekten irgend- wie näher zu treten, da schon die allgemeine Finanzlage dies un- möglich macht. Die Deutsche Reichsbahn muß vielmehr lediglich damit rechnen, daß in späterer Zukunft einmal irgendeine Verb in- dung zwischen den südlichen und den nördlichen Vorort st recken durch das Zentrum der Stadt hergestellt werden muß. Lediglich auf diesen allgemeinen Gedanken muß die Stadt Berlin bei ihren etwaigen Verkehrsprojekten Rücksicht nehmen. In noch viel weiterer Ferne liegt der Gedanke einer etwaigen Ver- bindung des Görlitzer und Lehrter Bahnhofs. Unrichtig sind aber alle Angaben über angebliche Beabsichti- gung einer Rückverlegung des Anhalter und Pols- damer Bahnhofs oder auch einer Zusammenlegung dieser beiden, geschweig« auch noch des Görlitzer Bahnhofs, ferner Slngaben über Schaffung einer Nord-Süd-Fern- bahn oder etwa gar eine Zusammenlegung des Stettiner und Lehrter Bahnhofs. Derartige Projekte sind der Deutschen Reichsbahn nie in den Sinn gekommen. Ferner wird in der Presse eine angeblich von der Stadt Berlin geplante Tariferhöhung mit einer Ausdehnung des Uebergangs» Verkehrs zu den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen in Verbindung gebracht. Die Stadt hat inzwischen erklären lassen, daß sie an eine Tariferhöhung nicht denke. Verhandlungen mit der Reichs- bahn haben nicht stattgefunden. Der Preis von 30 Pf. für den be- stehenden Uebergangsschein ist auf die Binnentarife der beteiligten Unternehmungen(Berliner Verk«hrs-A.-G. und Reichsbahn) ab, gestimmt und nach Geltungsbereich und Beförderungsleistung an» gemessen. Eine Ausdehnung und Erleichterung des Ucbergangsver- kehrs im Sinn« guter Zugangsonschlüsse, unmittelbaren Uebergangs zwischen Reichsbahn und U-Bahn(ohne Zwischensperr«) und erweiterter durchgehender Abfertigung ist an«ine bestimmte Lösung der Tarisfrage nicht gebunden. Jedenfalls kommt auch irgendeine Einwirkung der Reichsbahn auf die Tarifgestaltung der Berliner Berkehrs-A�G. nicht in Frage. Neue Opfer des Badebetriebes. Zwei tödliche Unfälle. Der Badebelrieb fordert jetzt täglich seine Opfer. So ertrank erst gestern wieder im Tegeler See am Zagen 24 ein j u n g e r Mensch. Der Zljährige Postaus. heiser Artur S- aus der korsörer Straße war bereits eine Strecke hinausgeschwommen, als er plötzlich versank. Sofortige Rettungsversuche blieben erfolglos. Die Mehrzahl der Badeuufälle— seit Sonntag habe» etwa zehn junge Menschen den Tod im Wasser gefunden— sind auf Herzschlag zurückzuführen. Es sei darum dringend davor gewarnt, in erhitztem Zustande in das noch verhältnismäßig sehr kühle Wasser unserer Seen und Flußläufe zu gehen. In der Steinäckerstraße in Steglitz ereignete sich in der vergangenen Nacht ein Straßenunsall mit tödlichen Folgen. Beim Ueberschreiten' des Fahrdammes wurde der 21iähnge Arbeiter Walter Mann aus der R i n g st r a ß e 25 in Lichter- felde von einem Straßenbahnwagen der Linie 177 erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Der Verunglückte konnte nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Di« Schuldfrag« ist noch un- geklärt. Vom.Handbetrieb zum Selbftanfchlußbetricb. In der Nacht zum 2. Juni wird die Vermittlungsstelle Steinplatz unter Beibehaltung ihres Namens vom Hand- betrieb auf den Selbstanschlußbctrieb umgestellt. Die Teilnehmer von Steinplatz werden dann in der Lage sein, durch Drehen der Nummernscheibc ihres Apparates olle anderen Selbst- anschlußteilnehmer unmittelbar zu wählen. Sie erreichen einen Teilnehmer, der an eine Vermittlungsstelle ohne Selbstanschluß- betrieb angeschlossen ist, durch Wählen des Rufzeichens der in Frage kommenden Vermittlungsstelle und durch Ansage der Nummer an die sich meldend« Beamtin. Alle Teilnehmer sparen Zeit und Ber- druß, wenn sie vor jedem Anruf eines Teilnehmers der Vermitt- lungsstelle Stcinplaß im Fernsprcchbuch nachsehen, ob der gewünschte Teilnehmer etwa eine neue Nummer erhalten hat. Ferner wird in der gleichen Nacht in Berlin-Charlotten- bürg die Vermittlungsstelle Fraunhofer eröffnet: ihr werden Neuanschlüsse aus dem Anschlußbereiche der Vermitt- lungsstelle Wilhelm zugeteilt. Das Schvldkonto des Trunkes- Der Danziger Arzt Dr. John hat kürzlich, wie der Zeitungs- dienst für die Arbeiterpresse mitteilt, das Ergebnis der Schwur- gerichtssitzungen vom 14. bis 24. Januar zusammengestellt. Danach gab es neben einigen Vertagungen und Freisprechungen: sünfmal Körperverletzung mit Todeserfolg und einmal gefährliche Körper- Verletzung: je einmal Meineid, Brandstiftung und Sittlichkeits- verbrechen. Die Strafen beliefen sich von 9 Monaten Gefängnis bis zu 10 Iahren Zuchthaus. Außer einem Fall, wo der Zusammen- hang nicht klarlag, waren alle als Alkoholfolgen fest- gestellt. Neben den Leiden der Opfer der Verbrechen und ihrer wie der Verbrecher Familien sind 13 Jahre Gefängnis und 10 Jahre Zuchthaus auf das Schuldkonto des Trunks zu buchen: wohlverstanden aus einer von vielen hun- derten Gerichtstagungen! Plaza. Der Direktion der Plaza ist es gelungen, für die zweite Hälfte bes_ Maiprogramms den weltberühmten Uniocrsalartisten Sylvester S ch ä s f e r zu gewinnen, er wird durch das preisgekrönte schöne Fräulein Lilli Krüger unterstützt, die sich gleichzeitig in ihren aparten Tänzen zeigt. Sylvester Schäsfer übernimmt das halbe Programm und setzt etwa eine Stunde lang das Publikum in Erstaunen. Mit bewundernswerter Geschicklichkeit zeigt er sich als Meister in der japanischen Iongleurkunst. als Gemäldeinaler, als Kunstschütz« und als Geiger, reitet die hohe Schule, ist Athlet in den römischen Spielen, mit einem Wort gesagt, er ist ein Meister der Varietebühnc. Auch das übrige Programm ist erwähnenswert. Die singenden Maler Silvio und Henny Otar zeigen große Fertig- kcit im Schnellmalen. Christopher und C 0 l u ni b u s sowie die beiden Zwillingsbrüder N e u m a n n erwecken große Heiterkeit. Ein Rätsel bleibt Amikron. der lebende Gasometer, der nach Einatmung von einer Menge Gas alles beleuchtet. Auch P e p i n 0 mit seinem Mimaturzirkus erzielte großen Erfolg. �(Befchäfis-Jhtsriger /r4 (ftezivß füden-Weften. maierhütte Berlin G.m.b.N. VORMALS HAIEREIQENOSSENSCHAFT BEGRÜHDET 191 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. ALEXANDER 5628-30 ALLE MALERARBEITEN(40 MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Filialen in allen Stadtteilen fB 6? Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiff bauerdamm 15 Sä mtl. Elektromaterial Spezialität: Heizöfen und Bügeleisen | VcrkuuC nur anVu�elassene Installateure Der Norden kauft nur ■ Kohler- Brote Das groBe Landbrot Das gute M.>K.>Vitamlnbrot•[b.»> vom Berliner Bioch. Verein/ Tel.: Weißensee 100 Ag /rntwrx GRAPHISCHE KUNST O.Dimtthtf• Serön-Aarishorf! 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Ich rate allen meinen Sportskollegen, ihre Augen bei Optiker Troeek, Dre*- iener StveAe 1S1 am Kottbueser Tor, daraufhin prüfen zu lassen, ob ihre Aussichten auf sportliche Erfolge durch Tragen geeigneter Sportgläser gehoben werden KÖnneiu /rtTl/ 3)rogen [fmdjüymaiut) Sota IR.33 Nur: Hermannstr.43 0rö,,ei geschäft am Platze Charlottenburger Tapeten/ Farbenhaus Inhaber Schulz Potsdamer Straße 6 Ecke Nehrlnoetraße Reiohholtioe Auswohl Billige Preise Richard Rühle Oranienstraße 64 V- Sprechmaschinen platten/ Hofen ins fistsili! Hasenheide 13— 15 Tel« Baerwald 6565|R. 31 SSäleuTereinsziminer nu kulanlun Bedingungen. Greil Camembert die Ifllircndc Marke Erhlltlich in allen Lebeos- mlttei- and Feinkosigesdhfiften EaMInternationa NEUKÖLLN Berliner straBe 80 81 tdzWMkseMel Schillerglocke Oberzchönewelda, Schillerpromenade ig F.173 Verkehrslokal der Gewerkschaften. Inhaber Q. 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