Morgenausgabe Vonnersiag a'A�7 46-Zchrgang.'�:%> v// 30. Mai 1929 A�«iL f-rtin tm Borau* iabUmr, 1!oftt>ciug 4,32 SR. AM I IM j W 7/ W W Ml W fmf �. Auswärts j)f. »inschlietzltch 60 Pfg. PostzeiwvgS' und ZW f�SB BB SB 9 9 9 9 W 9( jTs 9l ?2 Pfg, Postb-,t«lls-dühr«n.«u-laud� �BOk K KSI KV 9 9 v 9 9 9 9 9 9 U\ 9 Ml/ cbonncmmt 6.— TO. uro ÜRonot. ir�S BH VV BS SBI IH VW Pia SM W> W) DD WW // vi* ftntpaltigr RonpatriOtjr I B»> UM|M BB BBI HSK BB MH Ha— MM BH I 80 Pfennig. Reklame eile— Reick �-TmBi I BBh HB BB MB QSl W8 PSb SS? �IB�MM�, mark,„«leine An-eig-n' da, B U MLR M> MWM i einmal, die Abendausgaben für Serlw WB J■BN. HT/ JM\ // WW �®,tnRiJ-. Siellengefuche da* e, und im Handel mil dem?i,.i D.e VV VW Wo« 15 Pfennig, ledes me.iere W Ldend». Sllustri.ne Beilagen.Volk �®'>"'"J"' IS Budjftat und Zeit' und.«ind.rfr-und-. Ferner__ V � ü?'' �°?5 �«'.U-ma sssss5 Vevttnev VowsbsÄti Jentralovgan der Sozialdemokraittthen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoss 232—297. Telegramm-Ldru Eozialdemotrat verli» Am Vorabend der Wahlen Sachlichkeit und kair Play. Von Egon Wertheimer. London. 27. Mai 1929. Wenn nicht in allerletzter Minute der Versuch gemacht werden sollte, nach dem Muster von 1924 die sachlichen Fragen s?u verschleiern und die Entscheidung im Zeichen eines ge- fiihlsmäßigen Impulses herbeizuführen, werden die Wahlen vom Mai 1929 dadurch denkwürdig bleiben, daß sie von Vnfang an im Zeichen der vollen Sachlichkeit und des gegenseitigen F s. i v Plays geführt worden sind. Im Vordergrund der Agitation der Parteien stand vom ersten Tage an die Frage der Bekämpfung der Arbeits- l o f i g k e i t und mit einem großen Abstand hierzu das Problem des Weltfriedens. Alle übrigen innerpoliti- fchen und außenpolitischen Fragen spielten daneben nur eine untergeordnete Rolle. Die Wählerschaft schien, unab- hängicj von ihrer sozialen Schichtung, an allen übrigen Fragen nicht interessiert zu sein und im Zeichen dieser beiden Pro- bleme die Entscheidung für und gegen die drei Parteien zu treffen. Sämtliche Zeitungen und Redner der Parteien haben > bercinstimmend festgestellt, daß der Wahlkampf mit einer Ruhe und Sachlichkeit geführt worden ist, wie ihn das poli- tische Leben Großbritanniens seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet hat. Der Grund hierfür ist in der allgemeinen Neberzeugung zu suchen, daß sämtliche drei großen Par- teien— die Ä o m m u n i st e n kommen als politischer Faktor n i ch t in Betracht— ernsthaft gewillt und bestrebt sind, dem Nebel der Arbeitslosigkeit auf ihre besondere Weise beizu- kommen. Wozu noch hinzutritt, daß die demütigenden Er- fahrungen mit den P a n i k w a h l e n des Jahres 1924 eine ständige Warnung vor Gefühlsentscheidungen darstellen, die sich Zeitungen' und Wähler voll und ganz zu Herzen ge- »ommen zu haben scheinen. Die Folge dieser Sachlichkeit ist eine äußere Ruhe, ja A p a IH i e. die auf den außenstehenden Beobachter den Eindruck erweckt, als fei sich die britische Wählerschaft des ungeheuren Ernstes und der welthistorischen Perspektiven chrer Entscheidung am 39. Mai überhaupt nur ungenügend bewußt. Unter diesen Umständen ist es s ch w i e r i g e r als jemals zuvor, dem Ausgang der kommenden Wahlen irgendwelche Prognosen zu stellen dies um so mehr, als zwei große X in der politischen Gleichung jede Voraussage zuschanden machen: die unbekannte Haltung der 5,5 M i l l i o n e n neuenweiblichen Wähler und der s p i e l e r h a f t e Charakter des britischen Wahlsystems, das unter dem Dreiparteiensystem Sitz und Stimme im Parla- ment wahlloser verteilt als jemals zuvor. Ist es also unmöglich, das Ergebnis der kommenden Wahlen auch nur annähernd in parlamentarischen Sitzen vor- auszusagen, so ist doch eine allgemeine Charakteri- st i k der Stellung der Wählerschaft zu den drei Parteien, wie sie sich aus der Presse, aus den Eindrücken von Wahlversamm- langen und hunderterlei persönlichen Beobachtungen ergibt, nicht unmöglich. Die Konservativen. Die Konservativen haben im Wahlkampf 1924 das Feld beherrscht, und diese allgemeine Stimmung der Wählerschaft ist in den letzten Tagen des damaligen Wahlkampfes noch durch skrupellose parteipolitische Ausbeutung des gefälschten Sinowjew- Briefes gesteigert worden. Seither haben die Konservativen viereinhalb Jahre regiert, und die Wähler von damals sind tief ernüchtert. Ein Teil derjenigen. die damals in der Panik konservativ stimmten, hat heute das Gefühl, im Jahre 1924 einein Trick zum Opfer gefallen zu sein- ein anderer Teil der Wählerschaft ist der Politik des Fortwurstclns. die unter dem Schlagwort„fsifety First" (Vor allem Sicherheit) zu einer Tugend gemacht wurde, satt und wünscht irgendeine energische, konstruktive Politik Dem steht allerdings auf der anderen Seite der Ruf der Konservativen Partei als einer guten Treuhänderin der Geschäfte der Nation, das natürliche Beharrung?- vermögen weiter bürgerlicher. Kreise und vor allem die unbezweiselbare P 6 r f � 0 P a r''jj T P � 11 1 l c n B a l d w i n s als Aktivposten gegenüber. Alles in allem aenommen. dürfte man daher mit der Behauptung nicht fehl- aeben daß die Konservativen bei den kommenden Wahlen auf ihre unmittelbare Anhängerschaft plus einem vollen vro,entualen Anteil an den neuen weiblichen Wählern zurückfallen werden. Praktisch bedeutet das den Berluft aller jener unpolitischen Wählerschichten, die— eine amorphe Masse— zwischen den verschiedenen politischen Parteien schwimmen, sich erst spät entscheiden, um dann allerdings weitgehend den Ausgang der Wahlen zu entscheiden. Die Liberalen. Die Liberale Partei hat im Jahre 7924 infolge der Zer- setzung ihrer Organisation und der tiefen inneren Meinungs- Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Paris. 29. Mai.(Eigenbericht.) Tie Sachverstänbigenkonferenz hat de« heutigen Tag mit einer ebenso großen wie plötzlichen U e b e r- r a s ch u n g abgeschlossen. Sie hat sich über die Ziffern der künftigen Jahreszahlungen Deutschlands geeinigt. Die deutsche Abordnung gab am Mittwoch abend folgende Mitteilung aus: Tie Sachverständigen der Gläubigermächte und die deutschen Sachverständigen habe» fich schon seit einiger Zeit bereit erklärt, die amerikanische Ziffer von 20»v Millionen Mark, wie sie vom Borfitzenden vorgeschlagen wurde, anzu» nehmen, obwohl bezüglich einiger Auslegungsfragen noch Meinungsverschiedenheiten bestanden. Diese M e i» nungsverschiedenhcitcn sind jetzt geklärt und es ist eine Auslegung, die sowohl für die Gläubiger wie für Deutschland annehmbar ist, gefunden worden, vor- behaltlich allerdings der Einigung über die Vorbehalte, deren Entscheidung noch offensteht. Die Einigung ist also noch nicht ganz vollständig; denn sie hängt noch von der Verständigung über die bisher ungelöst gebliebene Frag« der deutschen Bor- Verschiedenheiten, die sich an den Kampf Asquith gegen Llpyd George knüpften, eine vernichtende Niederlage erlitten. Seither ist die liberale Parteimaschine mit Hilfe von Lloyd Georges dunklem Korruptionsfonds durch S i r Herbert Sainuel wieder musterhaft reorgani- f i e r t worden. Der Tod Herbert Asquiths(Lord Oxford) hat überdies Lloyd George zum unbestrittenen Führer der Partei gemacht. Lloyd George hat diese seine neueroberte Führerstellung ausgezeichnet zu nutzen gewußt: fein untrüglicher politischer Instinkt hat ihm gesagt, daß die Liberale Partei einen zündenden Wahlruf brauche. und er hat, unter Ausnutzung der allgemeinen Besorgnis über die Stabilität der Millionenerwerbslosigkeit, mit seinem Wahlversprechen die Initiative im gegenwärtigen Ringen der Parteien an sich gerissen. Dies Wahlversprechen, um das sich der gesamte Wahlkampf gedreht hat, lautet, in wörtlicher, wenn auch gekürzter, Uebersetzung: „Falls die Nation die Liberale Partei bei den kommenden Wahlen mit der Verantwortung der Regierung betraut, so sind unsere Pläne zur Vergebung von Arbeiten fertiggestellt und können ohne jeden Verzug in Angriff genommen werden... Dies« Arbeiten werde» die furchtbaren Arbeitslosenziftern im Laus« eines einzigen Jahres auf-inen normalen Prozentsatz her- unterdrücken und... die Nation bereichern sowie sie instand setzen, erfolgreich mit ihren Rivalen auf dem Weltmarkt zu konkurrieren." Es hieße die gesamte Atmosphäre des gegenwärtigen Wahlkampfes falsch darstellen, wollte man leugnen, daß dies feierliche, konkrete Wahlversprechen Lloyd Georges eine starkeSuggestiokraft entfaltet und auf weite Wähler- Schichten Eindruck gemacht hat. Es hat in hohem Grade dazu beigetragen, die Liberale Partei überdentoten P u n k t hinwegzumanövrieren, auf dem sie bis vor kurzem trotz ihrer Reorganisation verharrte. .Wie weit sich diese Wiederbelebung der Liberalen praktisch auswirken wird, ist allerdings schwer voraus- zusagen. Alles deutet darauf hin, daß es Lloyd George ge- lungen ist. einen Teil jener oben gekennzeichneten unpoliti- scheu Wähler auf ihrem Wege von Baldwin zu Macdonald aufzuhalten und ihnen die halbvergessene Tatsache ins Be- wußtsein zu rücken, daß es ein Mittel �ibt, gegen Baldwin zu stimmen, ohne sich für die Arbeiterpartei entscheiden zu müssen. Dieser Entwicklung steht allerdings ein gewichtiges Moment entgegen, das bei der großen Bedeutung persönlicher Fragen im britistlien Wahlkampf keineswevA unterschätzt werden darf: das unüberwindliche Mißtrauen, das ein großer Teil der Nation nun einmal gegen Lloyd George gefaßt Haft die Erinnerung an die Legion von Ver- sprechungen, die Lloyd George in der Vergangenheit g e- brochen hat. Dazu tritt noch ein weiteres Moment: der britische Wähler hat eine unüberwindliche Abneigung da- gegen, einem aussichtslosen Kandidaten seine Stimme zu geben. Die Gewinne der Liberalen am 39. Mai werden groß sein, daran zweifelt niemand, sie dürsten nach der Auf- fassung des Perfassers ganz Europa in Erstaunen ver- setzen, aber sie werden sich ausschließlich auf jene Wahlkreise beschränken, in denen die Liberalen im Jahre 1924 mit einer Postscheckkomo: Beilin 37 636— vankkonio: Bant der Lrdeuei.«ngeftrllie» und Beamten Wallst:. KS. Dittomo-tSelelllchaft. Tepofitenkalle Llndens» i behalte ab. Was heute ziffernmäßig erreicht wurde, ist folgendes: y Der Young-Plan tritt am l. September 1929 in Kraft. Bis dahin zahlt Deutschland, vom 1. April ab gerechnet, noch 5 Monate die Tawesratcn im Ge> samtbetrag von 1049 Millionen, dazu die fällige Zah> lung aus den Jndustrieobligationcn von 159 Millionen. Vom 1. September 1929 bis 31. März 1939 zahlt Deutschland auf die erste Boung-Annnität 742 Millionen. Ter R c st der ersten Houng-Rate wird auf die folgenden 39 Annuitäten umgelegt und erhöht diese nm 35 bis 49 Millionen jährlich. Der Durchschnitt der 37 Jahreszahlungen bleibt aber unverändert auf 1988,8 Millionen. In den nächsten 19 Jahren hat Teutschland weiter folgende Zahlungen zu leisten: 1797,9 Millionen Mark, 1685,9 Millionen Mark. 1738,2 Millionen Mark, 1894,9 Millionen Mark, 1899,9 Millionen Mark, 1892,9 Millionen Mark, 1939,7 Millionen Mark, 1977,9 Millionen Mark, 1995,3 Millionen Mark. Vom elften Jahre ab steigen die Annuitäten lang- samer weiter bis etwa 2.3 Milliarden, um vom 25. Jahre ab wieder beträchtlich zu sinken. knappen Minderheit hinter den Konservativen zurückgeblieben sind. Die Chance ist, wie jeder Blick auf die Ergebnisse der letzten Wahlen beweist, groß genug, sie ist jedoch von vorn- herein begrenzter als diejenige der Arbeiterpartei. Die Arbeiterpartei. Der ausländische Beobachter in England wird in aller Regel geneigt sein, die Aussichten der Arbeiterpartei eher zu unter- als zu überschätzen. Spiegelt sich doch infolge des Mangels einer ausgebauten Arbeiterpresse die Stärke der Labour Party, der Elan ihres Wahlkampfes, ihr Fortschritt in den einzelnen Wahlkreisen nur sehr ge- brochen in den Tageszeitungen wider. Ihre moralische Stärke beruht in diesem Wahlkampf in ihrer offenen Kamps- stellung sowohl gegen die Unfruchtbarkeit des konservativen Schlagwortes„Saksty First" als auch gegen die liberalen Luftschlösser. Ihre st im m e n- und stimmungsmäßige Stärke ruht auf der wachsenden Erkenntnis der Arbeiter- schafft daß die Probleme der Zeit, einschließlich der Erwerbs- losigkeit, nicht durch Palliativmittel, wie das gigantische libe- rale Projekt der Vergebung öffentlicher Llrbeiten. noch durch Schutzzollpolitik gelöst werden können, sondern daß eine R e- organisierung der Wirtschaft als solcher nötig ist. Die Aussichten der Arbeiterpartei stützen sich auf den wachsenden Prozentsatz der Arbeiterschaft, die in den ver- gangenen Iahren in den sozialistischen Gedanken hineingewachsen ist, ihre Hauptgewinne kann sie daher in den industriellen Wahlkreisen erhoffen, in denen aus tra- ditionellen Gründen bisher noch immer konservativ oder libe- ral gewählt wurde. Sie kann damit rechnen, diesmal jene. seltsame konservative Hochburg Birmingham im Sturme zu nehmen und einen Großteil der konservativen Enklaven in Glasgow zu beseitigen. Man wird darüber hinaus ohne Uebertreibuna feststellen können, daß diesmal für die beiden bürgerlichen Parteien kein einziger Wahlkreis mit einer indu- striellen Bevölkerung sicher ist, in dem die Konservative oder die Liberale Partei eine Majorität von weniger als 2509 Stimmen über die Arbeiterpartei besaß. Dies bedeutet, vor- sichtig gesprochen, einen sicheren Gewinn von 89 bis 199 Wahlkreisen und damit voraussichtlich der Auf- stieg zur größten Partei im kommenden Unterhaus. Man wird sich allerdings selbst unter der Wirksamkeit des gegenwärtigen Wahlrechts vor phantastischen Erwartungen und daher vor schweren Enttäuschungen hüten müssen: die Mehrzahl der agrarischen Sitze, ein Großteil der L o n- d o n e r Wahlkreise und der ganze Süden Englands dürften der Arbeiterpartei diesmal noch nicht zufallen. So bietet sich, am Vorabend der Wahlen, das Bild größter Ungewißheit über den Ausgang der großen Entscheidung. Nur soviel kann mit einiger Bestimmtheit gesagt werden, daß die Majorität der Konservativen gebrochen werden, aber keine einzelne Partei eine volle Mehrheit erobern wird. Der britischen Begabung für impro- visierte Lösungen schwieriger und neuartiger politischer«itua- tionen dürfte daher nach dem 39. Mai weitester Sp elraum gewährt sein, Einigung in Paris. Lleber die Zahlen- noch nicht über die vorbehalte. Letzter Appell in England. Macdonald:-10 MiNionen Stimmen! Reichsbahn gegen Schiedsspruch. Finanzlage wird verbösert. Es war zu erwarten, daß die Reichsbahngesellschaft gegen den höchst bescheidenen Schiedsspruch mit seinen so geringen Lohn- erhöhungen auch mit Zahlen über die Finanzlage noch zu Feld« ziehen wird. Das geschieht jetzt durch Mitteilungen über die letzte Verwaltungsratsfitzung, der bekanntlich stets Herr von Siemens präsidiert. Es heißt darin, daß Geschäftsbericht und Bilanz der Reichsbahn für 1928 genchmigt worden seien. Ueber die Finanzlage im»er- gangenen Jahre wird gesagt:„Das Gleichgewicht zwischen Betriebs- einnahmen und Betriebsausgaben und die Erfüllung der der Reichs- bahn auferlegten besonderen Verpflichtungen konnten nur durch eine unerwünschte Einschränkung der Sachausgaben erreicht werden." Erklärungen der Reichsbahn über ihre Jahresabschlüsse darf man mit Mißtrauen begegnen. Ein Urteil wird die Oefsentlich- keit sich erst bilden können, wenn Geschäftsbericht und Bilanz ver- öffentlicht werden. Hoffentlich geschieht das bald. ' Aber die Reichsbahn versucht auch bewußt, ihre Finanzlage schlechter darzustellen als sie ist. Ueber die ersten vier Monate des laufenden Jahres sagt sie nämlich:„Die ersten vier Monate des laufen de n Geschäftsjahres 1929 haben, beeinslußt durch die Wirtschaftsdepression und durch den langen und starken Frost, die in Rechnung gestellten Mehreinnahmen nicht gebracht. Die Einnahmen sind bis zum 1. Mai 1929 um rund 39 Millionen Mark gegen den Voranschlag zurückgeblieben, während die Ausgaben durch den Frost gesteigert wurden." Wenn die Einnahmen bis zum 1. Mai nur um 39 Millionen hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind, so ist das nicht ein Zeichen ungünstiger, sondern günstiger Finanzent- Wicklung. Einmol dürfte schon im Mai mit seinen Rekordverkehrs- zifsern die Differenz der ersten vier Monate ausgeholt sein. Zweitens ist unerfreulich, woher wirkliche Einnahmeausfälle selbst in den ersten vier Monaten kommen sollen, da die Verkehrsziftern die des Vorjahres erreicht haben. Drittens sind die ersten Jahresmonate immer die schlechtesten Einnahmemonate der Reichs- bahn: der Berechnung des Einnahmeausfolls ist ober wahrscheinlich der monatliche Einnahmedurchschnitt zugrunde gelegt, der natürlich zu hoch ist. Der Feststellung, daß eine Erhöhung der Personalousgoben, wie sie der Schiedsspruch verlange, bei„dieser ungünstigen Finanzlage" nicht möglich sei.'sehlt also die Beweiskraft. Das gilt auch sür die Feststellung, daß eine Deckung für die Mehrausgabe bei den geltenden Tariftätzen nicht vorhanden sei. Wir sind gewohnt, daß die Reichsbahn mit Tariferhöhungen droht: aber auch hier wird der Beweis der Notwendigkeit abzuwarten fein. Die Reichsanleihe. Zur steuerlichen DeHandlung. Aus dem Reichsfinanzministerium wird mitgeteilt: In der Einkommensteuererklärung wird lediglich nach dem steuerpflichtigen Einkommen, nicht dagegen nach den steuerfreien Be- trägen gefragt. Infolgedessen brauchen die Zinsen der steuerfteien Reichsanleihe von 1929 in der Einkommensteuererklärung als Kapitalerträge auch nicht angegeben �zu werden. Ebenso braucht in der Vermögenserklärung die steuerfreie Reichsanleihe wegen" ihrer Vermögensfreiheit als Kapitalvermögen nicht angegeben zu werden. Unberechtigt find auch die Befürchtungen, daß die Zeichnungs- listen von den Finanzämtern eingefordert werden können; dies« Listen gehören zu den Geschöftspapieren der Banken und kommen nicht.zur Kenntnis der Steuerbehörden Oer Bade-Magisirat. Feierliche Begrüßung des Verfchieber-Prinzen. Kolberg. 29. Mai.(Eigenbericht.) In der Stadtverordnetensitzung fragte der Führer der sozial- demokratischen Fraktion, Landtagsabgeordneter Oftwald, den Ma- gistrat, ob es zuträfe, daß der Kolberger Magistrat den am Sonntag anläßlich«ine» Regimentstages in Kolberg anwesenden Eitel Friedrich durch«inen besonderen Vertreter habe b e- grüßen lassen. Der deutschnationale Oberbürgermeister Lebmann gab dies ohne weiteres zu. Diese Feststellung löst« bei der Linken lebhafte Protestkundgebungen aus. Die Unverfroren- heit, mit der hier«in reaktionärer Magistrat die republikanisch« Be- oölkerung herausfordert, wirkt um so gewollter, wenn man berück- sichtigt, daß die letzten Reichstagswahlen»ine klar« republikanische Mehrheit der Kolberger Bevölkerung ergeben haben. Sie wirkt aber auch vollends unverständlich, angesichts der Tatsache, daß Kolberg Seebad ist und auch zahlreiche Republikaner zu seinen Gästen zählt. Die monarchistische Gest« des Magistrats soll augenscheinlich die republikanischen Gäste verscheuchen. Die Bauern von Husum. 45 Angeklagte zu je 100 Ml. Geldstrafe verurteilt. Husum, 29. Mai. In dem großen Bauernprozeß roegm der Kundgebung vor dem Husumer Gerichtsgebäude wurde heute nachmittag das Urteil verkündet. Von den 57 Angeklagten, von denen nur 27 er- schienen waren, wurden elf freigesprochen, die übrigen zu je 199 Mark Geld st rase oder eine Woche Gefängnis und zur Tragung der Gerrchtskosten verurteilt. Das Verfahren gegen einen Angeklagten war abgetrennt worden. In der Urteilsbegrün- dung heißt es: der Freispruch der elf Angeklagten habe erfolgen müssen, da eine Teilnahme an den Kundgebungen nicht erwiesen sei. Bon Gefängnis st rasen sei abgesehen worden, da die Handlung nicht aus ehrloser Gesinnung erfolgte, und weil die Lage der Landwirte berücksichtigt werden müsie. Hakenkreuz-Ltebersall auf den Konsul. DerufungSverhandlung in Bremen. Bremen, 29. Mai.(Eigenbericht.) Am Freitag, dem 31. Mai, beginnt vor dem Landgericht m Bremen die Berufungsoerhandlung gegen acht Ratio- n also zia listen, die im Januar wegen der Ueberfälle auf jüdische Passanten und den brasilianischen Konsul zu Ge- sängnisstrasen verurteill wurden. Geladen sind 18 Zeugen, als Verteidiger hat die Hitler-Partei neben anderen Anwälten Dr. Frank �München) bestellt, der auch im Münchener Hitler-Prozeß verteidigte. London, 29. Mai. Premierminister L a l d w i n erklärte in einer Bede in preskon. er habe niemals um die Gunst der Masten geworben, aber sich während der letzten vier oder fünf Jahre Mühe gegeben, etwas zn erreichen, und er sei enstchlosten. diese Bemühungen sorl- zusetzen, was immer auch da» Wahlergebnis sein werde, er werde sich nicht beklagen und es heiteren Mute» hinnehmen. Lloyd George gab in einer Rede nochmals der Ueber- zeugung Ausdruck, daß die konservative Regierung ausgespielt habe und es der Liberalen Partei gelingen werde, das Arbeits- losenproblem zu lösen. Ramsey Macdoaald erklärte: wir wollen zehn Millionen Stimmen und keine Minorität sregierung haben! An der Börse, wo schon seit Monaten voraussagen für die Wahlen ausgegeben werden, wurde heute als Voraussicht- liche» Ergebais der morgigen Wahl notiert: konservative Z6g. Arbeiterpartei 246. Liberale 98. Unabhängige 7 Sitze. Bei den letzten Wahlen hatten die konservative« 413. die Arbeiterpartei 150 und die Liberale Partei 40 Sitze errungen. Schluß des Wahlfeldzugs. London, 29. Mai.(Eigenbericht.) Der letzte Tag der Wahlkampagne ist, wie die vorangegangenen, ohne jegliche Ueberraschung verlaufen. Von keiner Seite ist der Versuch gemacht worden, nach dem Muster der Neuwahlen von 1924 in letzter Stunde eine Panikstimmung zu erzeugen. „Daily Mail", die damals durch die Veröffentlichung und voran- gegangene Versendung des Sinowjew-Vriefes an andere Zeitungen Nach den Sachsenwahlen. Stimme«ms den Gewerkfchasten. > Dresden. 29. Mai.(Eigenbericht.) Di«„Sächsische Gewerkschaftszeitung" nimmt zur Regierungs- frage in Sachsen Stellung. Sie empfiehlt eine positiv« Stet» l n n g n a h m e der Sozialdemokratie. Bei einem Versagen der Sozialdemokratie sei mit dem Abbau der beiden Arbeiterseiertage am t. Mai und 9. November, mit dem Abbau des Arbeits- und Wohljahrtsminifterirnns und mit der Verkrüppelung der Sozial- verwoltung zu rechnen. Die Sozialdemokratie könne in der Oppo. sition nur verlieren, dagegen durch eine Beteiligung an der Re- gierung manches, wenn auch nicht alle», im Jnter- esse der Arbeiter erreichen. Di« Partei könne nicht ruhig zusehen, daß der Faschismus den politischen Kur» im Arbeiter- lond Sachsen beeinflusse, und daß der Landtag und die Regierung von Hitlers Gnaden abhängig seien. Eine derartige Regie- rung ermöglichen, hieße Wasser aus die Mühlen der Monarchisten und Faschisten leiten. Auch dürfe man den Zu sammenhang zwischen La n d e s-% nd �Reichs p ol i tlk nicht übersehen. Die Landesregierung habe nicht nur durch ihre Vertretung im Reichsrat, fondern auch durch vorherige gutachtliche Stel- lungnahme zu ollen Gesetzentwürfen, durch die ständigen Verhandlungen mit der Reichsregierung allerhand Mög- lichkeiten, auf die Reichsgesetzgebung und ihre Durchführung ein- zu wirken. Daher sei es der Sozialdemokratie viel leichter möglich, Arbeiterinteressen durch Beteiligung an der Regierung, als in der Opposttionsstellung zu vertreten. Man soll keine Koa- lition um jeden Preis schließen, aber die Pflicht gegenüber der Ar- beiterschast gebiete, einen ern st haften Versuch zur Bil- dung der Großen Koalition zu unternehmen. Die Sozialdemokratie müsse die Initiative zur Bildung einer Koa- litionsregierung ergreifen und die Verhandlungen mit Vorsicht und politischer Klugheit, aber auch mit dem Willen zum Erfolg durch- führen._. Was Faschisten imstande find. Versuch der Aushungerung eines Krankenheims. Die Ardeileroerficherungsanstall Wien hat ein Heim für Ge- n es ende in Zeillern an der Donau. Ein heimwehrler Fried l war wegen disziplinwidrigen und unkameradschafklichea Verhaltens aus- gewiesen worden. Daraus marschierte die Heimwehr vor dem heim auf, um die Wiederausnahme des Mannes zu erpressen. Sie er- langte seine Verlegung in ein anderes Heim. Run besehten die Faschisten die Zugangswege und verboten den Bauern, weiter Milch ins heim zu liefern. Man drohte ihnen, die Kannen auszuleeren. Die Heimbewohner gerieten iy große Aufregung. Die Verwaltung hat nalürllch sofort für Ersatzlieferung gesorgt— geschädigt sind nur die Bauern. * Trotz des Ausmarschoerbots haben die Heimwehrler am Sonntag in Aspang bei einer„Wimpelfeier" abermals schweren Unfug getrieben— und die Gendarmerie stand salutierend dabei! Maffenverhastung in Südiirol.. Oeutsthe von Faschisten verhastet und gefesselt. Innsbruck. 2g. Mai.(TU.) Der Mord im Ahrntal hat in Südlirol wieder eine stärkere Bedrückung der Deutschen zur Folge gehabt. Insgesamt sind neuer- ditigs wieder 19 Personen verhaftet und bei ihnen Haussuchungen vorgenommen worden. Auch der Gemeiadearzl von Steinhaus. Dr. Kiener. der den Tatbestand de« Morde» im Ahrntal aufgenommen hatte, wurde plötzlich, ohne Angabe von Gründen, verhaftet. Die Verhafteten wurden an Händen und Füßen gefesselt und teilweise an Stühle gebunden.- Sireikdrama in Holland. Ein Arbeiter erschossen, viele verwundet. Amsterdam. 2g. Mai. Dem„Tetegraaf" zufolge ist es in der Ortschaft Fiuster. wolde(prooluz Groningen), wo die Landarbeiter in einem Lohnstrelk stehen, zu einem Zusammenstoß zwischen Streikenden und einer Gelldarmerieableilung gekommen, bei dem die Beamten von ihren Säbeln und der Schußwaßse Gebrauch machten. Drei den Stimmungsumschwung gegen die Arbeiterpartei in den letzten 48 Stunden herbeiführte, begnügt sich diesmal bezeichnenderweise mit der Veröffentlichung eines nichtssagenden Artikel? ihres Besitzers Lord Rothermere, in dem dieser seine Leser auf- fordert, gegen die Arbeiterpartei zu stimmen, und im übrigen seiner Befriedigung darüber Ausdruck gibt, daß das Resultat der Wahlen zu einer Minderheitsregierung führen dürft«. In einem Interview stellt Ramsay Macdonald fest, daß ihn auf seiner Wahlagitation, in deren Verlauf er annähernd 4999 Kilometer im Auto zurückgelegt hat, nicht mehr betroffen habe als» die Stärke der Erbitterung gegen die konservative Regierung und insbesondere gegen ihr unfruchtbares Derholten in der Außen- �.politit. Diese letztere Hobe dazu geführt, daß zahlraich« Personen ohne feste politische Ueberzeugung diesmal entschlossen seien, für die Arbeiterpartsi zu stimmen, weil nach ihrer Ueberzeugung Groß- britanmen die Führung in der Frage der Schiedsgerichtsbarkeit und der Aussöhnung der Völker an sich reißen müsse.„Ich appelliere," so schloß Macdonald,„an die Nation, der Arbeiter- Partei dieselbe Wirkungsmöglichteit zu geben, welche die Konserva- tiven und Liberalen zahllos« Male in der Geschichte Großbritanniens besessen haben. Beide anderen Parteien hoben sich als unfähig erwiesen, die soziale Frage zu lösen." Die Wahl selbst beginnt am Donnerstag in sinzeinen, insbesondere den proletarischen Wahlkreisen, um 7 Uhr morgen?, in anderen um 8 Uhr früh, sie dauert bis 8 bzw. 9 Uhr abends. Infolge der Vermehrung der Anzahl der Wähler gegenüber 1924 und des späten Wahlschlusses wird im Lause der Nacht vom Donners. tag auf Freitag lediglich ein Drittel der Wahlresultate bekannt- gegeben werden. In einigen Wahlkreisen wird mit der Zählung der Stimmen erst am Freitag morgen begonnen. Arbeiter wurden schwer verletzt, einer ist seinen Verletzungen erlegen. Eine ganze Anzahl Streikende erUtl leichtere Verletzungen, ver Bürgermeister von Flnsterwolde hat alle Ansammlungen von fünf oder mehr Personen verboten. Oie Mandatsverteilung in Belgien. Leichte Stärkung der katholisch-liberalen Koalition. Brüssel, 29. Mai. Nach den jetzt amtlich vorliegenden Wahlergebnissen verteilen sich die einzelnen Sitze wie folgt: die Katholiken haben 76 Sitze, die Sozialisten 79, die Liberalen 28, die notionalsstische Flamenpartei 11, die Kommunisten 1; außerdem ist ein flämischer NativWilist getrennt gewählt worden. Die Katholiken gewinnen 4 Sitze und verlieren 6 (—2), die Sozialisten gewinnen 6 Sitze und verlieren 14(—8), die Liberalen gewinnen 7 Sitze und verlieren 2(+5). Die Kommunisten verlieren 1 Sitz, die flämischen Nationalisten gewinnen 6 und verlieren 1(-i- 5). Unter den gewählten flämischen Nationalisten befindet sich Debeuckelaere, der im Jahr« 1921 vor dem Militärgericht wegen der Anklage stand, eine Meuterei slamischer Soldaten während des Krieges begünstigt zu haben. Für den Senat sind die Ergebnisse folgende: Di« Sozialisten haben 3 Sitze zugunsten der flämischen Nationalisten verloren. Die Re gierung verfügt jetzt über 194 Stimmen, hat also 3 gewonnen. während die Stimmenzahl der Opposition 83 beträgt. 6in Bauernkrieg in Polen. llm einen Wiesenweg. Marschau. 29.«ai. Zwischen zwei polnischen Dörfern im Kreise Gawrolin bei Warschau ist wegen der Benutzung eines Wiesenweges ein regelrechter Krieg ausgebrochen. Aus beiden Dörfern rückten sämtliche Männer mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Knüppeln bewaffnet aus und lieferten sich ein« Schlacht, bei der 11 Bauern schwer und un- gezählte andere leichter verletzt wurden. Ein größeres Polizeiauf- gebot macht« dem Kampf ein Ende und nahm 9 Verhaftungen vor. Brot- und Fleischmangel in Rußland. Oie schwierige Lebensmittelversorgung der russischen Industriegebiete. Moskau, 28. Mai.(Ost-Expreß.) Das Plenum der Zentraltommission für die Lebensmittel- Versorgung der Arbeiterschaft hat nach einem Bericht des Handels- kommissariats eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, daß in den nächsten zwei Monaten(d. h. bi» zur neuen Ernte) «ine nennenswerte Besserung in der Lebensmittel- Versorgung der Industriezentren nicht zu erwarten ist. Infolgedessen müsse der Konsum der verfügbaren Lebensmittel- Vorräte, besonders Brot und Fleisch, mit der größten Spar- samkeit erfolgen. Der Konsum von Brot in Speisehäusern und Tee- stuben und die Verwendung von Mehl in Konditoreien und bei der Herstellung von Makkaroni wird von jetzt ab möglichst eingeschränkt. Oie neue Gowjetregierung. Keine Veränderung. Moskau, 29. Mgi. Bei der ersten Tagung des neugewählten Zentraloollzugs- ausschusses der U. d. S. S. R. wurde der aus 27 Mitgliedern be- stehende Vorstand gewählt: Vorsitzender wurde K o l i n i n, Stellvertreter Petrowsti, Tstherwjakoff, Mussabekoff, Chodschaieff und Attokofs; Sekretär Jenukidee. Vorsitzender der Volkskom- in i f f a r i a t e� R y k o f f. Stellvertreter Rudsutak, Ordschonikides und Schmidt.' Außen komm issar Tschitscherin, Kriegs- kommissar Woroschiloff, Verkehrskommissar Rudzutak, Handelz- kommissar Mikojan, Finanzkommissar Nrjuchanaff, Post- und Tete- graphenkommissar Antipoff, Arbeitskommissar Uglanoff. Vorsitzender des Obersten Voltswirtschaftsrates Kutbyscheff, Volkskommissar der Arbeiter- und Bouerninspektion Ordschonikidse, Leiter d«r statistischen Zentraloerwalwng Riljutin. Deutschenhaß in Reuseeland. Wie aus New-Auckland gemeldet wird, Hot die Ankündigung von dem bevorstehenden Besuche des deutschen Kreuzers„Emden" in Neuseeland dort so starte Erregung und heftige Erörterungen hcrvorgeruien, daß der deutsche Konsul um eine Absage oller geplanten offiziellen Veranstaltnngenn gebeten hat. Krakiionsben'cht in Magdeburg. Das Referat ZSreitfcheids. Nach dem Abschluß der Beratung über die Wefjrfrage mit dem ErgÄims, das wir schon in der gestrigen Abendausgabe mitteilen konnten, hat der Parteitag den Tätigkeitsbericht der Reichstags- sraktion entgegengenommen, den ihr Vorsitzender Rudolf Breitscheid in ebenso großzügiger und anregender wie die Einzelheiten schil- dernder Rede gab. Wenn ihm auch, wie er zur Erheiterung de» Parteitags sagte, der große Vogel vom Parteivorstand die Rosinen aus dem Fraktionskuchen schon herausgepickt hätte, so blieb dem Berichterstatter doch auch genug Jnteresiantes zu sagen übrig. Mit stürmischem Beifall unterstrich der Parteitag die Er- klärung des Fraktionsführers, daß die Sozialdemokratie a n d e n Leistungen d«r Arbeitslosenversicherung nicht rütteln lasse und ebenso wenig eine Zollverteue» rung der Volksernährung mit ihrer Mitverantwortung decken würde. Wir geben das inhaltsreiche Referat an anderer Stelle dieses Blattes. Einstimmig forderte der Kongreß der größten Partei Deutsch- lands die Räumung derimmer nochbesetzten Gebiet«. Gebt das Gaorgebiet frei! Auf dem sozialdemokratischen Parteitag ist ein Saar- Antrag gestellt worden, an dessen«instimmiger Annahme nicht zu zweifeln ist. Es heißt darin: „Die Partei fordert erneut in Uebereinstimmung mit der französischen Bruderpartei und der Stellungnahm« der gesamten Sozialistischen Internationale und unabhängig vom Ausgang der Pariser Reparationskonferenz die sofortige un- geteilte und bedingungslose Rückgabe des Saar- gebiets an Deutschland. Er erwartet zugleich von Reich und Ländern innerhalb ihres Hoheitsgebietes die weitestgehend« F ö r- derung aller Bestrebungen, die den Prozeß der W i e d e r- ongliederung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse des Saargebiets an die des Reiches zum Ziele haben, insbesondere derjenigen auf dem Gebiet« der Sozial- Versicherung und der Wiedergewinnung der natürlichen Absatzgebiete in Südwestdeutschland." -iVz Millionen Arbeitslose weniger! Die Zieichsanstalt deckt ihre Ausgaben. 800 000 Hauptunterstützungsempfänger kann die Rcichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenvermittlung au, eigener Kraft pro Monat unterstützen. Diese Zahl ist erreicht. Seit Ende Februar ging die Zahl der houptunterfiühungsempsönger um rund l'>ü Millionen zurück. Sie betrug am 15. Mai nur noch 927 000 und ist. wenn sich nunmehr auch das Tempo de» Rückgangs naturgemäß, wie in jedem Zahr um diese Zeit, verlangsamt, sicher- sich am 1. Juni bei rund 800 000 angelangt. Der Stand vom November vorigen Jahres ist wieder erreicht. Die Entlastung des Arbeitsmarktes von den Außenberufen her ist sehr kräftig gewesen. In den agrarischen Gebieten, wie Schlesien, Pommern, Bayern, ist im Abstieg der saisonalen Arbeits- losigkeit noch immer ein kräftiger Fortschritt zu beobachten. Auch vom Baugewerbe ist noch ein belebender Strom zu erwarten. Infolge der verhältnismäßig späten Berabschiedung des Etats stehen erst jetzt für den Wohnungsbau genügend Mittel zur Verfügung. In Berlin sind neuerdings namhafte Betrog« für Bauarbeiten flott gemacht worden. Die Belebung des Arbeitsmarktes durch die Außenberufe ist also noch nicht abgeschlossen. Natürlich muß jetzt die weitere Belebung in erster Linie von der Konjunktur her erfolgen. Hier spielt Paris die entscheidende Rolle, schon in psychologischer Hinsicht. Wenn aber auch auf der Konjunkturseite die Dinge im Augenblick noch recht wenig rosig aussehen, so besteht doch zu übertriebenem Pessimismus keine Ber- anlassung. Di« Reichsanstolt hat mit ihren Prognosen für die Enbbicklung des Arbeitsmarktes, vor allem für den Abstieg der Arbeitslosen- Ziffer auch gegenüber dem Konjunkturforschungsinstitut, das die Ent- Wicklung etwas skeptischer betrachtet«, recht behalten. An Schwarzmalerei haben nur die Feinde der Arbeitslosen. Versicherung ein Interesse; denn sie brauchen Panikstimmung und Psychose, um unter deren Druck die Zerschlagung der Arbeits- losenversicherung zu erzwingen. „Demokratische" Llnterttehmerpoliiik. Die Hehe gegen die Arbeitslosenversicherung. Der„Demokratische Zeitungsdienst" übernimmt jetzt die sonder- baren„Enthüllungen" des Vorsitzenden des Arbeitsamts Stolp, Ober- regierungsrat von Vi n ck e, die wir bereits gekennzeichnet haben. Die osfiziell« Korrespondenz der Demokratischen Partei schickt den Auslassungen des Oberregierungsrats folgenden Kommentar voraus: Der Kampf für eine Arbeitslosenversicherungsreform muß und soll sachlich geführt werden. Aber es hat auch keinen Zweck, ausge- tretene Mißstände zu verschleiern. Und es mögen sich vor allem die freien Gewerkschaften sagen lassen, daß ihre Taktik falsch ist, wenn sie jeden Mißstand als eine Bagatelle oder als nicht vorhanden hinstellen. Es muß aber auch zum Ausdruck gebracht werden, daß die freien Gewerkschaften eine gewisse Gesinnungsknecht- schaft ausüben aus die Beamten der Arbeitsämter, die vielfach den Druck der freien Gewerkschaften so stark spüren, daß sie in ihrer inneren Unabhängigkeit auf das schwerste bedroht sind. Die Beamten der Arbeitsämter, auch soweit sie aus den freien Gewerkschaften stammen, sind in den meisten Fällen allerbesten Willens, aber sie dürfen nicht unter Druck gestellt werden, londern jetzt ist e« notwendig, zu sagen, was gesagt werden muß." Es ist sür den„Demokratischen Zeitungsdienst" vielleicht nicht ungefährlich, von„Sesinnungsknechtschast" ausgerechnet im Zu- sommenhang mit der Arbeitslosenversicherung zu sprechen. Oder ist es ein purer Zufall, daß demokratische Blätter— und jetzt sogar die ossizielle Korrespondenz der Partei— eine Kampagne gegen die Arbeitslosenversicherung entfalten, nachdem dieVereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände damit be- gönnen hat? Im übrigen oerdienen die beweislosen Verdächtigungen gegen diq freien Gewerkschaften und die Angestellten der Arbeitsämter nicht eine Antwort. Aber man kann wohl fragen: Was sagen die Hirsch. Dunckerschen Gewerkschaften zu dieser Hetz« der Demokratischen Partei gegen die Arbeitslosenversicherung? Jn Angara wurde der deutsch-türkische Konsukahs-Rechtshilfs- «ertrag unterzeichnet. Wirtschaftsminister Rachmi wurde wegen der Wirtschaftskrise zum Rücktritt gezwungen. Zum Nachfolger wurde Schkir ernannt. Das Milieu. (Zum Lakubovski-prozeß.) ,Oe Härnter legge« Eier, de Swin kann man freien,- awer wai schall wi mit de veele Kinner maken?!' Die Revision der Reichsbehörden. (Schwere Vorwürfe des Rechnungshofes. Das Deutsche Reich schließt letzt auf beiden Seiten des Hauptbuches mit rund j« zehn Milliarden Gvldmark jährlich ab. Es ist selbstverständlich, daß bei diesen Riesensummen eine scharfe Aus- gobenkontrolle zu erfolgen hat. Parlameniarisch erfolgt sie neuerdings— und das ist ein Verdienst, das die Sozialdemokratie für sich in Anspruch nimmt—, auf die Art, daß in einem besonderen Rechnungsprüsungsunterausschuß jede Haushaltsrcchnung(Jahres- adschluß) des Reiches mit dem Haushaltsplan(Voranschlag) zu- nehmend schärfer verglichen wird. Daneben läuft ein« exekutive Prüfung durch den Rechnungshof des Deutschen Reiches auf Richtig- teit der Rechnungen, Einhaltung des Haushaltsplanes und Sichtung vor der Reichshoushaltsordnung. Der Rechnungshof hat im jüngst vergangenen Jahrzehnt und auch früher in Potsdam eine merkwürdig weltabgewandte Rolle gespielt. Richt zuletzt vom Reichstag aus und hier zuerst durch die sozialdemokratisch« Fraktion hat er neuerdings starken Impuls emp- fangen. Damit hat sich nicht nur sein Arbeitshorizont erweitert, seine bisherige, häufig nicht zureichend beachtete Tätigkeit findet auch ver- mehrte und ständig wachsende Aufmerksamkeit. Dazu kommt, daß der Rechnungshof mit Erfolg dahin gedrängt worden ist, seine Arbeit immer näher an die Gegenwart heranzurucken. Deswegen ist z. B. seine eben dem Reichstag zugegangene längste Veräsfent, lichung— Denkschrift und Bemerkungen des Rechnungshofes des Deutschen Reiche» zur Reichshaushaltsrechnung 1926— ein« außerordentlich bedeutsame Arbeit, die bei der Mitteilung ihrer Revisiions- ergebnisse bis in die jüngsten Monats reicht Der Rechnungshof beginnt seine Denkschrist mit einer gruno- sätzlichen Erörterung über das B r u t t o p r i n z i p im Reichshaus- haltsplan und in der Reichshaushaltsrechnung, das heißt, die Ber- anschlagung und Verrechnung der Einnahmen und Ausgaben je für sich und in voller Höhe. Dieses Bruttoprinzip ist die Grundbedingung einer geordneten Finanzwirts«hast. Diese Grundbedingung ist in der Reichshaushaltsordnung festgelegt, aber in der Praxis bei weitem noch nicht durchgeführt. Der Rech- nungshof stellt in seinem Berichte fest, daß auch heute noch im Haus- haltsplan bei 1 ö 9 T i t« l n ein Vermerk etwa des Inhalts steht, daß „die Einnahmen dieses Titels den Mitteln zufließen". In einfaches Deutsch übersetzt, heißt das, daß hier Einnahmen, die in die Hundert- tausend« und Millionen gehen, dem Reichstag verschwiegen und von den Ministerien selbständig als inoffizieller, vom Reichstag nicht be- willigter Zuschuß neben den bewilligten Mitteln ausgegeben wird. Solch« Titel, die das Bruttoprinzip der geordneten Finanzwirt- schaft mißachten, haben wir allein im Reichswehrministerium beim Heer 44, bei der Marine 29, und im Reichsverkehrsministerium 17! Das sind aber nur die Titel des ordentlichen Etats und der fortdauernden Ausgaben. Aber auch bei den einmaligen Ausgaben und im außerordenlichen Haushalt bestehen heute bei jenen Ministerien noch 28 Titel, bei denen Einnahmen ohne Bewilligung des Reichstages den Mitteln zufließen und selbstoer- ständlich ohne Bewilligung und Wissen des Reichstages von den Ministerien und sonstigen Dienststellen ausgegeben werden. Der Rechnungshof ist jetzt bei der Untersuchung dieser sämtlichen dunklen Titel, er wird darüber eine besonder« Denkschrift vorlegen. Bei den Esi nz e l p r ü f u n g e n, die der Rechnungshof vor- genommen hat, fand er geradezu tolle Mißwirtschaft. Dabei kann znicht genug beachtet werden, daß im großen und ganzen der Rechnungshof nur stichprobenweise prüft. Es wäre zu verwundern, wenn die Ausgabenwirtschaft des Auswärtigen Amtes dem Rechnungshof zur Kritik keinen Anlaß gäbe. So erfährt man jetzt einiges über die Kosten der Reise der deutschen Delegation zur Londoner Konferenz. Die Nach- Prüfung dieser Rechnungen hat sich so lange hingezogen, weil das Auswärtige Amt erstaunlich viel Zeit zur klaren Rechnungslegung benötigt hat. Die Oeffentlichkeit ersährt jetzt zu ihrem großen Er- staunen, daß auf der Londoner Konserenz die deutsche Delegation größer war als die Zahl der englischen Teilnehmer. Ursprünglich hotte man 46 Personen angemeldet. die von der englischen Regierung als ihr- Gäste behandelt wurden und demzufolge weder für Unterkunft noch für Verpflegung irgend- welch« Ausgaben hatten. Es kam aber eine deutsche Delegation von 79 Personen! Die vvn England nicht Eingeladenen ließen sich vom Deutschen Reich so bezahlen, daß sie leben tonnten, a l s o b sie von der englischen Regierung«ingeladen wären und die Einge- ladenen liquidierten Auswandsentschädigungen, als ob sie nicht eingeladen gewesen wären. Dabei genierte man sich nicht, dem armen Deutschen Reiche auch die verteilten Trinkgelder in Rechnung zu setzen, man gab dazu— es kostete ja nichts— auch noch so außer- ordentlich hohe Trinkgelder, daß es ein Skandal ist. Das ist nur«in Beispiel aus der Rechnungsführung des Aus- wärtigen Amtes. Ebensolche Kapitel gibt es auch in anderen Etats, so z. B. bei denen des Heeres und der Marine. Aber das tollste Kapitel bleibt diesmal doch das Reichsverkehrsmini- st e r i u m. Der Rechmmgshof stellt fest, daß beim Derkehrsministerium in den Abteilungen für Lust- und Krostfahrwesen in weitem Umfang« eine geordnetq haushaitswirtschaft überhaupt nicht bestanden hat und zum großen Teil auchheut« nochnichtbesteht. Der Haushalt des Berkehrsministenums ist auch heute noch unübersichtlich, die Belege sind vielfach so allgemein gehalten, daß der Rechnungs hos ohne mündliche Aufklärung oder Akteneinsicht mit ihnen nichts anzufangen wußte. Der Rechnungshof erklärt deswegen auch etwas deprimiert, daß es ihm bisher noch nicht möglich gewesen sei, sämtliche Gebiet« des Luft- und Kraftfahrwesens, auf denen sich da? Reichs oerkehrsministerium finanziell betätigt, einer genauen Nachprüfung zu unterziehen. Bisher stellte der Rechnungshof aber schon fest, daß der Ber kchrsminister z. B. für bestimmt« Aufgaben kaufmännische S a ch verständige hinzuzieht, die er zugleich als Treuhänder beauftragt. In einem solchen Falle hat der Treuhänder überdies mit Zustimmung des damaligen Reichsfinanzministers einmalig die Summ« von 10000V Mark Honorar erholten, dann hat er noch eine Sanderprovision für die Rückkäufe des Reiches in Höhe von 62 000 Mark bezogen! In einer elligen Rechtsangelegenheit hat der Reichs- Verkehrsministers für ein mündliches Rechtsgutachten und ein zelne Verhandlungen an Gebühren 30 000 Mark bezahlt. Bei den einzelnen Betriebs st eilen des Flugwesens gibt es heut« noch kein« Buchung der Stöfte und Geräte beim Haupt- lager und keine Revisionen! Das Durcheinander der Dienststellen ist unbegreiflich. Allein an der Personalabrechnung des Flug- Wetterdienstes beteiligen sich neun Ministerien und 44 Dienststellen. Welchen Betrag zur Sanierung von Flugzeugbau firmen das Reichsverkehrsministerium in den Iahren 1924 bis 1926 aufgewendet hat, vermochte der Rechnungshof wegen der Un- durchsichtigkeit der Buchführung bis heute noch nicht mit voller Genauigkeit sestzustellen! Bisher nimmt er an, daß die Summe von 24 Millionen Mark„mindestens" erreicht werden wird. In einem Fall« hat«ine kleinere Flugzeugfirma sich auf zu große Aufgaben eingelassen. Es gab Mißerfolg« und große geldliche Schwierigkeiten. Das Reich sprang ein. Aber selbst zu einer Zeit, in der die Firma die fälligen Löhne und Gehälter nur mit Reichs- hilf« zahlen konnte, liquidierte der Direktor dieser Firma an persönlichen Spesen im Zeitraum von 18 Monaten rund lOOOOOMark und ließ sie auf Fabrikationskostenkonto oerbuchen. Nebenher ließ er sich für länger« Zeit rückwirkend sein Gehalt von monatlich 700 Mark auf 2000 Mark erhöhen und gewährte sich ebenfalls rückwirkend eine monatliche Repräsentation«- zulag« von 1000 Mark. Der deutschnaliomile Reichsoerkehrsminisler koch ließ aber diesen Geschäftsführer, obwohl er von dessen..Einnahmepraxis" unle' richtet war, weiter an seinem Platz. Der Rechnungshof stellt weiter fest, daß ihm auch sonst Fälle großen persönlichen Aufwands von Angehörigen reichsunterstutzter Firmen bekannt geworden find. Ueberall wurden im Flugwesen kostspielige Organisationen geschaffen: das Reich hatte zu zahlen. Bei B e st« l l u n g neuer Flugzeugtypen hat der Reichs- verkehrsminister immer gleich fünf Stück in Auftrag gegeben, ohne daß sie vorher erprobt waren. So stehen noch heute die berühmten Schlafwagen-Luftomnibusse des Reichsverkchrsministeriums unbrauchbar herum. Bei Erfindungen ist der Vsrkehrsministcr ebenfalls immer großartig vorgegangen. Zur Vornahme von Vor- versuchen zwecks Feststellung der praktischen Brauchbarkeit eines erfinderischen Gedankens sind einem Erfinder 250000 Mark gegeben worden, während er selbst nur 24000 Mark ausge- wandt hat? Die Versuche blieben erfolglos, dennoch bekam der Mann für 32 Monate pünktlich jeweils am ersten Tage des Monats 1500 Mark persönliche Vergütung, dazu erhielt er noch ein Darlehen: natürlich wurde weder das Darlehn zurückgezahlt, noch kamen Zinsen ein. In diesem Stile geht es durch das gesamte Verkehrswesen. Das Deutsche Reich zahlt«! Erfreulich ist, daß die Denkschrift des Rechnungshofes noch recht- zeitig vor der Beratung der Haushalte des Reichsfinanzministeriums, des Wehrministeriums und des Verkehrsministeriums veröffentlichr worden ist. Der Reichstag wird an der Hand der Mitteilungen des Rechnungshofes mit den zuständigen Ministerialdienststellen ein beut- liche» Wort zu reden haben. Wir hoffen, daß sich dabei eine klare Mehrheit für eindeutig« Beschlüsse ergibt. Kurt H einig. Kampf gegen Krastvergeudung. Betrachtungen zur Gonderausstettung„Arbeitssih und Arbeitstisch". Der Mensch, der Arbeit leistet, wird müde; wer sie mit un- vernünftigem Krastauswand leistet, wird besonders rasch müde. Es liegt deshalb nicht nur im Interesse der Produktion, sondern mindestens ebensosehr im � Interesse des arbeitenden Menschen selber, daß der Arbeitsvorgang„rationalisiert", d. h. ver- nunftgemäß gestaltet wird. Nun zeigt es sich, daß die von der Tradition überlieferte Körperhaltung bei einer bestimmten Arbeit oft sehr unrationell est. Der S ch u st e r z. B., der noch heute mit dem Knieriemen wie einst Hans Sachs den Schuh festhält, preßt dabei die inneren Organe zusammen, so daß das Blut nicht genügend durch sie zirkulieren kann und infolgedcsten Erkrankungen entstehen. Außerdem ermüdet er unnötig rasch durch die Muskelonstrengung, die die dauernd« Krüm- munq der Wirbelsäule erfordert. Eine geeignete Arbeitsvorrichtung, die das Geradesitzen ermöglicht, schafft hier ebenso Arbeitserleichte- rung wie ein« solche für den Schneider, der dadurch aus seiner gekrümmten Hockstellung befreit wird. Di« Sonderausstellung„A r b e i t s s i tz und Arb eitstis ch", die im Deutschen Arbeitsschutzmuseum, Charlottenburg, Fraunhofer- straß« ll/lZ, bis zum 8. Juni einschließlich stattfindet(geöffnet tag- :lich von 11 bis 19 Uhr, auch Sonntags; Eintritt 30 Pf.), zeigt an Siefen und anderen Beispielen, wie eine bequemere, krastsparende Arbeitshaltung jzu erreichen ist, und welcher praktische Nutzen dem Arbeiter daraus erwächst. Betätigungen, die nur«inseitig oder von ganz bestimmten Mustelpartien ausgeführt werden, führen leicht zu einer Verbildung des Körpers. Sie stnd ober im Arbeitsprozeß nicht für alle Arbeiten zu vermeiden. Hier kann nur turnerische und sportliche Betätigung in den Feierstunden, evtl. auch in eingeschoben« Er. holungspausen während der Arbeit, ein wirkungsvolles Gegengewicht bieten. Eines der Hauptgesetze im modernen Betrieb lautet:„Keine Arbeit darf im Stehen verrichtet werden, wenn sie sitzend verrichtet werden kann." Der Körper soll fitzend eine möglichst ent- spannte Haltung haben. Stühle mir zweckmäßig konstruierten, bisweilen erfreulicherweise sogar schon mit elastischen, gefederten Sitzen, mit einer Rückenlehne, die sich der Körperhaltung anpaßt, und wo es nötig ist, ebensolchen Arm- und Fußstützen vermeiden sede überslüssige Ermüdung des Arbeitenden, ob er nun an der Maschine in der Fabrik oder an dem Schreib- oder Kartothektisch eines Bureaus sitzt. Der Arbeitsplatz soll den Sitzgelegenheiten entsprechen: sachlich, übersichtlich und bequem sein. Den Füßen muß genügend Raum zu bequemer Haltung ge- boten werden, die T i s ch k a n t e sich dem Körper anpassen, die Arbeitsgeräte in Reichweite sein.' Ist der Arbeitsbereich größer, so sind allseitig drehbare oder auf Schienen lausend« Stühle zweckinäßig, um unnötiges Hin- und Herlaufen zu vermeiden. In der Ausstellung sieht man eine große Anzahl solche zweck- mäßig« Arbeitsplätze. Leider wird als Ruhegelegenheit gerade für Fabrikorbeiter, die dauernd stehen müssen und nur in den wenig« Minuten währenden Pausen sitzen können, uns der starre Hocker mit rundem Sitz und ohne jede Lehne vorgeschlagen, obwohl es nicht schwer sein dürste, bequemere Klappstühle mit Lehne und viereckigem Sitz, die sehr raumsparend sind, zu konstruieren. Uebcr- Haupt werden noch viel zu viele Hocker ohne Rückenlehne verwendet. Auch«in Bureaustuhl für E i n b« i n i g e, konstruiert von der AEG., läßt noch sehr viel zu wünschen übrig. Durch Neigung der Sitzsläch« an der einen Seit« ist zwar die Möglichkeit gegeben, �den Stelzsuß oder die Prothese unter dem Tisch unterzubringen. Sonst aber ist auf jede Bequemlichkeü verzichtet. Sehr günstig wäre es gewesen, wenn man für dies« Ausstellung von dem vorhandenen Material des Museums profitiert hätte. Wes- halb stellte man nicht geeignet« Sitz- und Stützgelegenheiten vor die Maschinen des Museums und zeigte so gleich praktisch, wie und wobei davon Gebrauch gemacht werden kann? Die Sonderschau soll doch, wie von verschiedenen Rednern bei ihrer Eröffnung betont wurde, gerade für den kleinen und mittleren Betrieb wesentliche Anregungen geben. Diese vielen blitzblanken und neuen Dinge dürsten aber leider bei vielen Beschauern den Eindruck erwecken, als kämen sie nur für sehr neuzeitlich eingerichtete, kapital- starke Betriebe in Betracht. Berbanösiagswahl der Buchdrucker. Mehr als Dreiviertelmehrheit für Amsterdam. vi« Berliner Buchdrucker nahmen Dienstag und Mittwoch die Stimmzettelauszählung der durch llrwahl zum Verbandstag ge- wählten Delegierten vor. Das Resultat ist folgendes: Abgegebene Stimmzettel IZOZb, davon ungültig 2641. darunter 219 weiß. Ber- bleiben gültig 9395, die sür die Kandidaten der Amsterdamer Richtung abgegeben wurden. Die ungültigen bzw. weihen Stimmzettel waren die der kommunistischen Opposition. Sie brachte e« auf 22 Proz. der abgegebenen Stimmen. Die Amsterdamer Kandidaten wurden mit mehr al» Dreiviertelmehrheit gewählt. Das besagt genug über das tatsächliche Kräfteverhältnis bei den Buchdruckern Das Verbrechen an den Rohrlegern. Die Spaltung vollzogen. Seit Monaten schon wird von dem in sowjetrussischen Diensten Kchendcn„Rohrleger" N i e d e r k i r ch n e r aus die Ab sp litte- rung der Berliner Rohrleg«rbranche vom Metall- «rbeiterverband hingearbeitet. Während sich die kommunistisch ge- leiteten oder stark unter kommunistischem Einfluß stehenden Branchen im Metallarbeiterverband nach der Paroleausgabe Mos- Taus noch abwartend verhielten, fing Niederkirchner in der Rohrlegerbranche an, die ersten Sprengminen zu l«gen. Die Ortsoerwaltung stellte ihn deshalb vor die Frage, ob er als Branchenleiter weiterhin wie früher die Verbands st atuten �vnd die Beschlüsse der Organisation achten wolle, od«r ob er daran denk«, in Zukunft seine gewerkschaftliche Tätigkeit entsprechend ien Moskauer Anweisungen auszuüben. Wie schon des öfteren bei ähnlichen Anlässen verstand es Nieder- kirchner auch diesnial, dieser sür ihn peinlichen Frag« mit mehr oder •weniger gewundenen Redensarten auszuweichen. In demagogischer Art verstand er es weiter, auch die Branchenversammlungen der Rohrleger über seine wahren Absichten zu täuschen anid sie zu Beschlüsse» zu oerieiten, die die gesamte Branche in »Widerspruch mit den Statuten brachten und die eine > v s f e n e Kampfansage an die Ortsverwaltung des Metall- .'«rbeitervcrbandcs darstellten. Diese Hörigkeit der Rohrleger findet ihre Erklärung nur darin. shaß einmal von der Niederkirchner-Clique ein wahrer Ge- s i n n ic n g s t e r r o r ausgeübt wurde, zum anderen aber, daß Riedcrkirchner den Versammlungen förmlich suggerierte, nicht e r und seine Kuiiipanei wollen die Absplitterung der Branche, sondern hie Ortsverwaltuiig des Metnllarbeiterverbandes. Daß die Organisation diesem schamlosen Treiben nicht untätig zusehen konnte, sondern Niederkirchner kurzerhand seiner Funktion enthob und ihn dann, als er trotzdem auf diesem Pasten verblieb, aus.dem Verbände ausschloß, war un- vermeidlich. Wen» trotz dieser Maßnahmen, zu denen die Organi- sationsleituiig nach dem Stanit gezwungen war, die Branchen- Versammlung Riedcrkirchner weiter niit der Leitung der Branche und mit der Führung der Lohn- und Manteltaris- bewegung beauftragte, darüber hinaus sogar dcr Organisation die Beiträge sperrte, einen an die B r a n ch« n l e i t u n g, also an Niederkirchuer abzuführenden Wochenbeitrag von einer Mark und die Herausgabe eines eigenen Mitteilungs- blatte s beschloß, so zeugt das vo» dem Willen zur Spaltung. Daß ein großer Teil der Berliner Rohrleger nur mit den Wölfen heult, in Wirklichkeit aber nicht mit dem frevelhaften Spiel Niederkirchners einverstanden ist, beweist die Tatsache, daß Hunderte von denen, di« die Versammlungen besucht haben, in denen die organisationsfcindlichen Beschlüsse gesaßt wurden, sich bereits bei der Ortsverwaltung gemeldet und erklärt haben, weiter- hin Mitglied des Metallarbeiterverbandss zu bleiben. Bei längerer, ruhiger Ueberlegung dürfte es bei keinem Rohrleger noch Zweifel darüber geben, ob seine Interessen in einer starken Organisation, wo Hunderttausende anderer Metallarbeiter niit ihm in Solidarität verbunden sind, besser gewahrt werden als in einem Zwerggebilde, das weder eine organisatorische noch eine sinanzielle Grundlage hat und außerhalb der Arbeiter- bewegung und der freien Gewerkschaften steht. Niemand von den Berliner Rohrlegern dürfte doch wohl ernst- lich daran glauben, daß die Unternehmer der Gas-, Wasser- und Heizungsindustrie mit einem Niederkirchner,«inen. Tarif abschließen, der ihnen keine Gewähr dafür bi«ten kann, daß dieser Tarif auch eingehalten wird, und der auch nicht die Machtmittel besitzt, um die Unternehmer dazu zu zwingen. Die Berliner Rohrleger haben sich gerade dadurch, daß sie in ein« starke Organisation eingegliedert waren, Löhne ülxr dem Durchschnitt und verhältnismäßig gute Arbeitsbedingungen er- zwingen können. Einer bedeutungslosen Splitterorganisation wäre das nie gelungen und würde es auch nicht gelingjin, diese Lohn- und Arbeitsbedingungen auf di« Dauer zu halten. In unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung gibt es auch Krisen, ds« nur stark« Organisationen ersolgreich überwinden können. Die Branche der Berliner Rohrleger steht heute nicht mehr vor der Spaltung: sie ist bereits gespalten. Der eigene Laden ist aufgemacht � und wartet aus die Kundschaft. Die Ausstattung ist Attrappe. Diese Sonderorganisation wird zu der gleichen Bedeutungslosigkeit verurteilt sein wie alle die Inslations- kinder von Kaiser, Weyer, Schumann u. Co. Die Interessen der Berliner Rohrleger werden auch in Zukunft nur in dem eine Million Mitglieder umspannenden Deutschen Metallarbeiter- verband wirksam oertreten werden. Verbandsiag der Zimmerer. Kiel, 29. Mai.(Eigenbericht.) Im weiteren Verlauf des Verbandstages der Zimmerer nahmen die Delegierten zwei R«serate entgegen. Zuerst sprach Genosse Dr. Franz N e u in o n n, Berlin, über„Zeit- und Streitfragen aus dem Arbeitsrecht". Er führte u. a. aus: Mit Erschrecken hat die Arbeiterschaft feststellen müssen, welch ungeheure Machtsllll« den Gerichten, insbesondere dem Reichs- arbeitsgericht in die Hand gegeben ist. In der Stellung des Richters zum geschriebenen Gesetz hat sich seit der Revolution eine ent- scheidende Wandlung vollzogen. Mit Hilfe des if 242 BGB. ist die Rechtsordnung dazu gelangt, ganze Rechtsinstitute aus den Angeln zu heben und an Stelle des geschriebenen Rechts B i l l i g k e i ls- ej w ä g u ii g e» zu setzen. Es ist gar kein Zweifel, daß diese Schwankung des Richtertums sich gegen die sozialpolitischen Er- rungenschaften der Arbeiterklafte richtet. Der Redner behandelt im übrigen die neuesten Vorgänge im Arbeitsrecht in erschöpfender Weise. „Die neue Form der Wirtschast" lautete das Thenia, über dos Genosse Prof. Är. N ö l t i n g, Frankfurt, referierte. Wenn auch die mit dem Ausgang der Revolution verknüpften Hoffnungen auf «ine grundsätzliche Neugestaltung der Wirtschaftsordnung sich nicht crsllllt haben, so gelangten doch neue Formpriuzipien und Organi- sotionsformcn in der Wirtschast zum Ausbruch, die ihr ein neues Gesicht geben. Dcr immer stärker unter die ausschlaggebende Zahlen- macht der Arbeiterschaft gestellte demokratische Staat greift in den Wirtschastsbereich als Regulationsiilftanz und Steuerhebel ein. Wenn sich in der Politik die politischen Leistungsfunfjioneit allmählich loslösten von der Eigentumsmachi am«taoie, so tritt auch in der Wirtschaft die Produktionsordnung der Besitzordnung immer selbständiger gegenüber. Die Wirt- schaftssuhruiig gerät in die Hände einer Konzernbureau- k r a t i c, die in denjenigen Verwaltuiigsorgaiicn, die der Monopolkapitalismus schafft, die Produktion lenkt. In diesen Kollegional- instanzen ist der Einfluß des demokratischen Staates und der Ein- fluß der Arbeitcroraanijalionen einzubauen. Wie in der Politik der alte staatliche Hoheitsbegrisf immer mehr verabschiedet wird zugunsten einer überstaatlichen Organisotionsidee, so wird auch in der Wirtschast die Idee der nationalen Selbstgenügsamkeit preis- gegeben und ersetzt durch das Prinzip der weltwirtschaftlichen Re- gulation und Planwirtschaft. So greifen die drei Formpriuzipien der Politik ans das wirtschaftliche Geschehen Über und geben der Wirtschast ein Gesicht, dessen Ziel« bestimmt werden von den Händen der in zähem Kampf vorwärts dringenden Arbeiterschaft. Mögen die vorliegenden Ersahrungstatsachen vielfach noch unbefriedigend sein, so geben die unter weitere Zukunftsperspektive gestellten Entwick- lungstendenzen der Arbeiterschaft Anlaß zu berechtigten Hoffnungen. Die Verhandlungen im Ruhrbergbau. Keine Verständigung. Die am Dienstag begonnenen Parteiverhandlungen über den Rahmentarif und das Ueberarbeitszeitabkommen im Ruhrbergbau wurden am Mittwoch zu Ende geführt. Eine Eini- gung in den wichtigsten Punkten wurde nicht erzielt. Am 17. Juni beginnen die Verhandlungen vor der Schlichtcrkammer. « Die technischen und kaufmännischen Angestell» ten des Ruhrbergbaues haben die Gehaltstafeln ge- kündigt. Nach den Meldungen der Unternchmerpresie hat der Zechenverband beschlossen, über die Gehaltssordcrungen nicht«her zu verhandeln, bis die Verhandlungen mit den Berorbeiterverbänden über den Manteltarifvertrag und die Arbeitszeit zum Abschluß ge- kommen sind. Es geht vorwärts im ZdA. Ununterbrochene Mitgliederzunahme. In der Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Zentral- Verbandes der Angestellten berichtete Genoß'« Gottfurcht ausführlich über die umfangreiche Tarif arbeit, über erfreuliche Fortschritte in dcr Jugendarbeit und über die fortdauernde starke Arbeitsbelastung aller Abteilungen der Organisation. Der Erfolg der rührigen Arbeit zeigt sich in den Mitglieder- zahlen. Im 1. Vierteljahr 1929 stieg der Mitglicderstaiid von 39 393 auf 32 298. Am 1. Mai 1929 hatte die Ortsgruppe bereits den Stand von 32 919 Mitgliedern erreicht. Auch weiterhin kann von einer aufsteigenden Mitgliederbewegung berichtet werden. Im Kassenbericht konnte der Genosse W e y l a n d darauf hinweisen, daß trotz der außerordentlich starken Inanspruchnahme der Kassen der Ortsgruppe, dem Vermögen ein Betrag von an- nähernd 6009 Mark zugeführt wurde. Allerdings wird auch der Geldbedarf im Laufe dieses Jahres im Hinblick auf die Schaffung neuer B u r e a u r ä u m e ein außerordentlich großer sein. Es geht vorwärts im ZdA. Für den Aachender Steinkohlenbergbau ist vom Schlichter, ivr das Rheinland, Jöttsu, ein Schiedsspruch gefällt worden, der iolgende Neuregelung vorsieht: Erhöhung der laristichen .-chichtlöhne ab 1. Juni um 3 Proz., Erhöhung der Säge'dtrJujfWd- liehen von 14 bis 15 Jahren und der Lehrling« ab l.Iuni um 5 Proz. und ab 1. Oktober um weitere 3 Proz., Kürzung der Schicht- zeit ab 1. Juni auf 11 Stunden, ab 1. Oktober auf lO'A Stunden und ab 1. Januar Kürzung der Schichtzeit unter Tage um eins halbe Stunde. Der Schichtlohn wird dadurch nicht beeinflußt. Die Reu- regelung soll bis zum 39. November 1939 Geltung haben. 3m Lohnstreit der SIrahcnbahner Rh«inland-7vestsalcns wurde am Dienstag ein Schiedsspruch gefällt, der folgende Neurege- lung vorsieht: Erhöhung des Spitzenlohnes bei den geletmen Ar- boitern um 4 Pf. und Aufbesserung der übrigen Löhne in dem ver- traglich iestgesetzten Prozentoerhältnis, ferner Erhöhung der Zu- läge füv Vorarbeiter von 6 auf 8 Pf., der für Gruppenführer und Revisionskontrollführer von 3 auf 5 Pf. Das Abkommen soll vom 1. Juni bis zum 31. Oktober 1939 laufen. B«tri«b»räte und Lertrauen.leut« der Zuchgrup»« der Maser! Douuer-i. tag, 30. Mai. 19 Uhr, wichtige Sitzung aller Funktionäre im Haufe Trotz- bccrcnstr. 90, Zimmer IS, 3. Stock. Dir ZachgruPgenI-itu-g. Achtung, Fachgruppe der Tlafer! Freitag, 31. Mai, 17 Uhr, Mitglieder. ncrfammlung im Scwerkschaitshaiis, Saal I. Tagesordnung: Stellungnahme zum Tarifablauf. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung werden alle Kollegen ersucht, bestimmt nnd punktlich ,u erscheinen. Mitgliedsbuch ist am Saalcingang vorzuzeigen, ohne dieses kein Zutritt. Die Fachgruppeuleitung. ftungsfähigkeit. Referent«ollcge Iactzfchmann.'L Diskussion und Verfchic. denes. Sämtliche Kollege», die an fachlicher Weiterbildung Interesse haben» sind neben den Fachblattbezichrrn und Betriebsräten eingeladen. ZBiFreie Gewertfchasts-Jugend Groß-Berlin Heute, Donnerstag, lstiz Uhr, tagen die Gruppen: Moabit: Städt. Jugendheim Lehrter Str. l»—>9. Bortrag:..Führer dcr deutschen Arbeiterbewegung."— Weddiug: Städt. Jugendheim Orthstr. 19. Bor, trag:„Rechtsfragen des täglichen Lebens."— Rer-Lichtcudcrg: Jugendheim Hauffftratzc. an der Lefsingstraße. Hwcmann bringt unmöglich Glaubliches und unglaublich Mögliches.— Tcmpelhot: Gruppenheim Lyzeum Germania- strotze 4—0. Bunter Abend— Musik und Tanz.— Siid-stcn: Gruppenheim Re.chenbcrger Ctr. 00 cFcucrwehrhons). Literarischer Abend: Heinrich Heine.— Köveuick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Rcuc Spiele im Jugendheim.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule. Gotrnburger Strotze. Rcihenvor. trag:„Sozialversicherungen— Invaliden, und Krankenversicherung."-- 0Iuaendaruppe des?entralverbandes der Anoestellten Heute, Donnerstag, sind folgende Veranstaltungen: Treptow: Jugend- „. Wildenbruchstr. 53«Zugang von der Graetzstratze in Trevtowf. Bortrag: D,c Frau in drr Sozialgesetzgebung. Referent Fron Dr. Alexander. — Scponcbcrg: Jugendheim Hauvtstr. 15. Lortrag:„Deutschland und sein Autzc n Handel." Referent Heinz Mony. Verantwortlich für Politik: Dr.«nrt Geyer: Wirtschaft: G.«li»gclhöfer: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton- K. H. Döschcr: Lolalcs und Sonstiges: Fritz«arstädt: Anzeigen: Th.«locke: sämtlich in Berlin. Bcr.ag: Vorwärts.Perlag E. IN. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 08. Lindcnstratze 3. Hierzu 2 Pcilagen ,nd„Untcrholtnng nnd Wissen". PETERS UNION FAHRRAD-REIFEN OFT NACHGEAHMT- NIE ERPEICHT? , im ÄS, im Mm 7tr. 247* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 30. Mai 4S29 Wer mordete und wer wußte es? Widerspruchsvolle Aussagen im Iakubowfti-Prozeß. L. R. Jteuffreüij, 29. Mai.(Eigenbericht.) Der heutige Tag gehört in der Hauptsache Fritz Nogcns. So erlebte mar» das Grauen der Tat in allen ihren Einzelheiten. Fritz schilderte, wie bereits in der Abendausgabe mitgeteilt, den Sonntag, erzählt, wie er im Auitroge Iakubowskis von August die JL'eiche des kleinen Ewald entgegengenommen und sie in dem Kaninchenloch versteckt hat, alles mit ruhiger Stimme, vielleicht doch mit einem leisen Unterton innerer Bewegung. Er schont seinen Bruder nicht, schont recht Jakubowski, bleibt fest selbst bei der dramatischen Vorhaltung durch den Verteidiger August' und den Nebenkläger. Durch seine Schuld sei Jakubowski hingerichtet worden, sei er sich denn nicht dessen bewußt, daß seine Aussagen in dieser Verhandlung dem Bruder den Kopf kosten können, fragt der Verteidiger. Wie konnte er es verantworten, daß dank seiner be- lastenden Aussagen Jakubowski hingerichtet wurde, dringt in ihn der Nebenkläger, Er wisse, was auf dem Spiel stehe, antwortete er dem einen, Jakubowski habe ihm das Versprochene nicht gegeben, dem anderen. Und als August erklärte, daß der Bruder ihn beloste, weil er ihn früher oft geprügelt habe und Fritz ihm schon während der Schulzeit immer die Schuld zu- geschoben habe, lacht Fritz. Er verachtet seinen älteren Bruder. Die wiederholten Schilderungen August Rogens von seiner Teil- nähme am Verbrechen sind aber so detailliert, gehen so ins einzelne, nähern sich dermaßen der Schilderung Fritz Rogens, die Gründe, die er als Erklärung für sein Geständnis angibt, erscheinen so fadenscheinig, daß man sich fast des Eindrucks nickst erwehren kann: damals hat er die Wahrheit gesagt, jetzt lügt er. Und gar sein von ihm selbst niedergeschriebener Lebenslauf. Er sagt hier ausdrück- lich: Mich reut meine Tat, ich werde es nie mehr tun. Er blieb bei seinem Geständnis auch vor dem Untersuchungsrichter, obgleich dieser ihn aus die Möglichkeit hingewiesen hat, daß es ihm unter Umständen den Kopf kostei» könne. Ein seltsamer Mensch, dieser Fritz Nogcns. Als der Vor- sitzende ihn fragt, ob ihm die Tat nicht doch allzu gruselig erschien, schweigt er. Beim Spielen mit den Möllerschen Kindern vergaß er, daß er bei der Wegschasfung der Leiche helfen sollte. Und als er schließlich die Leiche verscharrt hatte, gab er eine Stunde später Jakubowski durch Kopfnicken und Zublinken zu verstehen, daß alles geklappt habe und fragt nun gleichzeitig, well die Schwester dabei ist, ob Ewald schon da sei. Und die Mutter? Sie verreist, damit das Kind umgebracht werden kann, kehrt zurück und sucht stundenlang nach Ewald, an dessen Ermordung sie mitgeholfen hat. Der Nebenkläger schält wieder ein Argument für Iakubowskis Un- schuld heraus: Wozu wäre Frau Kähler zu Jakubowski gegongen und hätte ihn nach dem Verbleib des Jungen gefragt, wenn es wahr sein sollte, daß Jakubowski Sie absichtlich fortgeschickt hat? Also kann es nicht wahr sein. Sie muß aus eigenem Antrieb ge- fahren sein. Fritz sagt ober, Jakubowski Hab« ihm erzählt, daß er die Mutter zur Reis« bestimmt habe. So belastete Fritz Rogens auch hier Jahubowski. Morgen will man die Heidekaten besuchen, die Mordstelle, wie auch das Kaninchenloch, in dem die Leiche Ewalds verscharrt wurde. Berhandlungsbericht. Fritz Rogens bekundet im weiteren Verkauf der gestrigen Verhandlung, daß er mit seiner S ch w e st« r Gertrud, die abends das Verschwinden Ewalds entdeckte, nach dem Kleinen gesucht habe. Dabei sei er mit seiner Schwester zu Jakubowski gekommen. Um den verdacht von sich abzulenken, habe er in Gegenwart von Gertrud und Vlöcker dem Jakubowski zugeblinkt und ihn gefragt, ob Ewald nicht da sei. Jakubowski habe geantwortet: Rein. Dann wurde gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern gesucht, und zwar«in« gute Swnd« lang, natürlich vergeblich in der Dunkelheit. Fritz Rogens hat, wie er angibt, später Josef in seiner Kammer aufgesucht und ihn gefragt, ob er sein Versprechen halten würde. Dos habe Jakubowski bejaht. Vors.: Sic sollen auch gesagt haben: Josef, warum suchst du 9dyU mm Stangsdorfer See nicht mehr? Hast du so wenig übrig für dein Kind? Jaknbowskt soll geantwortet haben, es hätte keinen Zweck, weiter zu suchen. R.-A. Dr. Brandt: Was soll das bedeuten, daß Sie, der Sie selbst am Morde beteiligt waren, den anderen Komplicen Vorwürfe machten? Vors.: Wissen Sie nicht mehr, daß Sie den Kriminal- rat Gennat das angegeben haben? Fritz Rogens zuckt die Achseln. Nachts kam Frau Kähler nach Haus. Sic weckte zunächst Fritz und fragte nach Ewald. Fritz sagte, er wüßt« nickst, wo er sei. Frau Kähler ljat dann, wie sie angibt, das Haus und das Dorf abgesucht. Sie habe bei Josef gefragt, der antwortete: „Ich nicht weiß.� Mit anderen Dorfbewohnern zusammen will sie dann die Um- gebung abgesucht haben. Vors.: Was sollte denn das Suchen für einen Zweck haben? Sie wußten doch vorher, was geschehen würde. Frau Kähler: Ich wußte doch aber nicht wie. Ich wußte auch nicht, ob es ausgeführt war. Vors.: Dann ist ihr eben zur Gewißheit geworden, daß die Tat ausgeführt worden war! Ist Ihnen der Verdacht, daß der Mord ausgeführt war, erst so spät gekommen oder schon beim Suchen? Frau Kähler: Nein, schon beim Suchen. Vors.: Ja, Frau Kähler konnte doch im innersten Winkel ihres Herzens noch die Hoffnung gehabt haben, die Tot könnte vielleicht doch nicht ausgeführt sein. Außerdem nmßte sie ja schließlich vor den Nachbarn so tun, wie sie es tat. R.-A. Brandt: Es lag doch nahe, zu Jakubowski zu gehen, um Aufklärung zu bekommen? Die Angeklagte schweigt. Dann wird B l ö ck e r verhört. Dabei dreht es sich hauptsächlich darum, wo Jakubowski sich zur Zeit der Tat aufgehalten hat. Die Zeitangaben der Beteiligten sind sehr schwankend. Jakubowski war vorübergehend von dem Eggertschen Gehöft, wo er und Biöcker als Knechte beschäftigt waren, abwesend. Als er zurückkam, erzählte er, er sei bei Frau Most gewesen. Der Vorsitzende verweist demgegenüber auf die Erklärung Iakubowskis am Tage nach der Auffindung der Leiche, die er dem Untersuchungsrichter wiederholt hat. Darin bestreitet Jaku- bowsti, irgendetwas von dem Verschwinden des Kleinen zu wissen und gibt ein ausführliches Alibi. Cr will sich in der fraglichen Zeit fortwährend auf der Straße aufgehalten hoben. Das Urteil des Schwurgerichts nimmt an, daß diese halbe Stunde von Jakubowski benutzt wurde, um zum Heidetoten zu gehen. Im Prozeß selbst hat Jakubowski auch schließlich zugegeben, daß er ein Stück in Richtung der Heidekate gegangen sei. Die Angabe, bei Frau Most gewesen zu sein, stellt Jakubowski als Scherz hin, weil er mit de? Mott immer aufgezogen wurde. R.-A. Müller hält Fritz Rogens vor, ob er nicht doch mit Kreuzfeld nachträglich gesprochen haben könne, ob er nickst einmal zum Beispiel auf Kreuzfeld zugekommen sei, den Hut ins Gesicht gezogen, und sich als Kriminalbeamter ausgegeben hob«, der Kreuz- feld verhaften wolle. Fritz Rogens(lächelnd): Rein. Vors.: Auch nicht im Scherz? Fritz Rogens: Nein. R.-A. Müller: Frau Kähler, hat August Ihnen das nicht erzählt? Angckl. Frau Kähler: Ja. Hierauf werden die Verhandlungen abgebrochen. Am Nachmittag begibt sich das Gericht noch Lübeck, um am D o n n c r s- tag früh zum Ortstermin nach Palingen zu fahren. um dessen Ufererhaliung für die JUlgemeinheil ielstl ein Streit geführt wird. Berufung Dr. Lacobys I verworfen. Nach 7/� wöchiger Dauer wurde äm Mittwochvormittag in der Verufungsverhaistzlung des Bergmann-Prozesies das Urteil der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts I über die nur noch übriggebliebene Berufung der Angeklagten, Staatsanwaltschaslsrat Dr. Walter Jak ob y I und Kaufmann Ohnstein verkündet. Das Urteil lautete:„Die Berufung des Angeklagten Dr. I a c o b y wird auf seine Kosten verworfen, und zwar mit der Maßgabe, daß er der Beihilfe am fortgesetzten (Bereditigte Uebenetzung von Erwin Magnus), Aber endlich war alles in Ordnung. Aus dem war- tenden Auto wurde eine Segeltuchtasche geholt, und als Daylight das letzte Paket Scheine hineingestopft hatte, schnappte«r sie zu. An der Tür drehte er sich noch einmal um.„Noch eines: wenn ich zu dieser Tür hinaus bin, habt ihr eure Handlungsfreiheit wieder, aber ich will euch ein paar Winke geben. Erstens keinen Haftbefehl— savvvy? Dies Geld gehört mir, ich hab's euch nicht gestohlen. Wenn es herauskommt, wie ihr mich reinlegen wolltet, so wird man auf eure Kosten lachen, und das nicht zu knapp. Weiter: Ihr habt mich ausgeplündert, und ich habe mir mein Geld wieder- geholt. Wenn ihr versucht, mich verhaften zu lassen und mich noch einmal auszuplündern, schieße ich euch über den Haufen. Ihr leid gerade die Rechten, Burning Daylight das Fell über die Ohren zu ziehen. Also nehmt euch in acht, daß es hier nicht ein paar Beerdigungen gibt. Wenn ihr mir in die Augen seht, dann wißt ihr. daß ich meine, was ich sage. Die Talons und Quittungen hier gehören euch. Guten Morgen!" Als sich die Tür hinter ihm geichlossen hatte, sprang Nathaniel Letton ans Telephon, aber Dowfett stellte sich ihm in den Weg. Was wollen Sie tun?" fragte Dowsett „Die Polizei. Das ist gemeiner Raub. Ich laß mir das nicht gefallen." Dowsett lächelte ingrimmig und schob den dürren Finanzier auf seinen Sessel zurück... Lassen Sie uns erst mal druber reden, sagte er, und Leon" Gugqenhammer pflichtete ihm eifrig bei. Es kam nichts dabei heraus. Die drei wahrten ihr Ge- heimnis. Auch Daylight verriet nichts, als er aber an diesem Nachmittag im Salonwagxn in seinen Sitz zurückgelehnt saß, lachte er lzcrzlich und lange. New York konnte nie aus der Geschichte klug werden oder eine vernünftige Erklärung dafür finden. Wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte Burning Day- light fertig sein müssen, und doch wußte man, daß er unmittel- bar darauf mit anscheinend unvermindertem Kapital wieder in San Franzisko auftauchte. Das bezeugte die Größe seiner neuen Unternehmungen, wie der Panama-Post, deren Kon- trolle er Seftly ausschließlich kraft seines Geldes und seiner Kampftüchtigkeit entriß, und die er zwei Monate später für eine, dem Gerücht nach, fabelhafte Summe den Harrimans überließ. Nach Daylights Rückkehr wuchs fein Ruf schnell. Es war gerade kein beneidenswerter Ruf. Man fürchtete ihn. Er wurde als Raufbold, als Teufel, als Tiger verschrien. Sein Spiel war vernichtend, und keiner wußte, wie und wann sein nächster Schlag fallen würde. Alles kam über- raschend. Er schlug unerwartet zu, ließ seinen Geist nicht ausgetretene Bahnen gehen, sondern erfand immer neue Kniffe und Kriegslisten. Zu ruhiger Kapitalsanlage neigte er nicht, die hätte sein Geld nur gebunden und sein Risiko verringert. Was ihn an den Geschäften reizte, war das Moment der Spannung, und sein Draufgängertum erforderte stets neue Mittel. Er band sich immer nur für kurze Zeit, steckte Geld in eine Sache und zog es wieder heraus, um es anderweitig anzulegen, sobald er seinen Gewinn in Sicherheit hatte. Heute hier, morgen da, er war ein wahrer Seeräuber auf dem Meere des Kapi- talismus. Er spielte genau nach den Regeln, aber schonungs- los. Die Verbindungen, die er von Zeit zu Zeit einging, waren ausschließlich von Nützlichkeitsgründen diktiert; in seinen Verbündeten sah er Leute, die ihn ihrerseits bei der ersten Gelegenheit übers Ohr hauen würden. Trotzdem war er selbst anständig gegen sie. wenn auch nur so lange, wie sie selbst es waren, und sein Wort galt soviel wie seine Unter- schrift. Der Grund zu seiner Schonungslosigkeit war, daß er seine Mitspieler verachtete. Er hatte jede Illusion bezüglich des Spieles, das unter dem Namen Geschäft ging, verloren und sah es nun in seiner ganzen Nacktheit. Die moderne Gesellschaft war ein riesiger organisierter, auf Ausbeutung der Schwachen und Minderbegabten berech- neter Schwindel. Arbest, rechtmäßige Arbeit war die Quell« allen Reichtums, nirgends aber sah man die rauhhändigen Söhne der Arbeit sich ihrer Früchte freuen. Fuhren sie in eigenen federnden Automobilen, kleideten sich in feine seidene Stoffe?...Tausende, Hunderttausende saßen Nächte hin- durch und schmiedeten Ränke, um sich zwischen die Arbeiter und die von diesen geschaffenen Dinge zu drängen. Diese Ränkeschmiede waren die Unternehmer. Ihnen fiel der Ge- winn zu, der durch kein Gleichgesetz geregelt, sondern nur durch ihre eigene Stärke und Gemeinheit bestimmt wurde. Freilich gab es auch unter ihnen Unterschiede. Jene kleinen Geschäftsleute, Ladeninhaber und dergleichen waren in Wirklichkeit nur die Handlanger der Großen, über denen wiederum die ganz Großen saßen. Magnaten, über Heere von Arbeitern gebietend, mehr Spieler als Räuber, die kein direkter Gewinn befriedigte, und deren unersättliche Gier sie zu Großmachtskämpfen untereinander trieb. Das rannte man haute finance. Noblesse oblige galt bei den Großen des Handels und der Industrie nur in seltenen Ausnahmefällen. Diese mo- dernen Uebemenschen waren eine Horde Banditen, die die erfolgreiche Frechheit besaßen, ihren Opfern ein Gesetz über Recht und Unrecht zu predigen, das sie selbst nicht befolgten. Ihnen galt das Wort eines Mannes nur so lange, wie er gezwungen war, es zu halten. Das Wort„Du sollst nicht stehlen" wurde nur auf den ehrlichen Arbeiter angewandt. Sie selbst waren über solch« Gebote erhaben. Sie stahlen und wurden von ihren Mitmenschen nach der Größe ihrer Beute geehrt. Daylight war ein dickschädeliger Praktikus, und nichts lag ihm ferner als Bücherweisheit. Er hatte sein Dasein unter den einfachsten Berhältnissen verbracht und keiner Ge- lehrsamkeit bedurft, um das Leb«n zu verstehen, und jetzt, unter den komplizierten Verhältnissen, erschien es ihm ebenso einfach. Er durchschaute Betrug und Lüge und fand das Leben hier ebenso elementar wie am Pukon. Die Männer waren aus demselben Stoff gemacht. Sie hatten dieselben Wünsche und Leidenschaften hier, wie dort! Finanz war nur Poker im großen. So kam es, daß Daylight ein erfolgreicher Kapitalist wurde, wenn auch kein Sklavenhalter und Blutsauger. Be- drückung der Schwachen erschien ihm verächtlich. Aber im Hinterhalt liegen und dem erfolgreichen Räuber die Beute abjagen, das war«in lustiger, aufregender Sport, wie er ihn n«bte.(Fortsetzung folgt.) Gtinnes und die andern. Oie sechs auf der Anklagebank. Zw Prozeh gegen Stiuue» und Genoffen wurde gestern die Vernehmung der Angeklagten fort- geseht. Die nächste Verhandlung findet Sounabendfrüh statt. Unser Mitarbeiter Hans Bauer schreibt: Es gab eine Zeit, in der der Name Stiunes ein Begriff war: Programm und Symbol. Heute sitzt man einem leibhaftigen Träger des ehemals so angesehenen Namens im Eerichtssaal gegenüber, und man ist verwundert: Ein unscheinbarer. Neiner, fast kümmerlicher Mann sitzt auf der Anklagebank. In den amerikanischen Filmen werden so die kleinen Angestellten dargestellt, die in die Tretmühl« eines harten und eintönigen Tagewerkes Gespannten. Es ist Schablone, mit dem Begriff des Reichtums den der Ditfbäuchigkeit zu verbinden. Ein ausdrucksloses, nichtssagendes Gesicht, das zu- weilen lächelt, aber ein merkwürdig unsreies, ein verkniffenes Lächelnl Die Lippen verziehen sich, aber die Augen lächeln nicht mit: sie bleiben klein und ernst. Ein Mann, dem man nicht zutraut, daß er sich jemals begefftern kann, und der vor allem niemals jemanden wird in Begeisterung versetzen können. Welch eine merkwürdig gemischt« Anklagebank! Welch ein Sammelsurium entgegengesetzter und verschiedenartiger Charaktere! Ein Einziges«int sie: der Glaube an das Geschäfte- machen: an das Machen großer, ganz großer Geschäfte sveilich. Es sind keine kleinen Leute, die hier vor Gericht stehen. Mit Kleinigkeiten haben sie sich nie abgegeben. Eine souveräne Ver- achtung des gewöhnlichen Schiebers ist ihnen gemeinsam. Da sitzt neben Stinnes der Generaldirektor S ch n e i d t auf der Anklagebank. Ein ähnlicher Kaufmannstyp vielleicht wie Stinnes, aber ein völlig anderer Menschentyp: Ein Oesterreicher, witzig und überaus wort- gewandt, dabei ohne Geste und Aufdringlichkeit, ein guter Confö- rencier. Er stammt aus der gastronomischen Branche. Während des Krieges ist er Oberleutnant gewesen— wie sollte auch«in so lebenstüchtiger Mensch wie er es ausgerechnet beim Militär zu nichts gebracht haben!— und er legt Wert darauf— vielleicht, weil er hofft, daß das einen guten Eindruck hinterläßt—, seine Kriegs- erlebniss« ziemlich ausführlich zu schildern. Nach dem Kriege hat Schneidt Geschäfte gemacht, mal günstig«, mal««Niger günstig«, aber immer Geschäfte, Geschäfte. Ein ähnlicher Typ wie er: Leo Hirsch, nur menschlich erheb- lich unsympathischer. Ein breites, feistes Lebemannsgesicht. Geboren in B u d a p e st, zu Haus überall in der Welt, wo es viel zu ver- dienen gibt. Das Anleihegeschäst will er sich so gedacht haben: Man sammelt die Altbesitzer von Kriegsanleihe unter«inen Hut, gibt ihnen Vorschuß und läßt sich für geringes Geld von ihnen ihre An- sprüche abtreten.„Ein interessantes Geschäft* bedeutet ihm so etwas, und„interesiante Möglichkeiten* find es. die sich für ihn er- geben. Fabelhaft, mit welchen Beziehungen solche Leute aufwarten können! Kaum ein Großbankdirektor ist in Inland und Ausland, den Hirsch nicht kennt. Sogar mit der österreichischen Regierung hat er in Sachen einer Ausländsanleihe verhandelt. Ein Prozentgenie, ein Großparasit der Wirtschaft, ein Kronzeuge wider das Wesen und die Möglichkeiten des Kapitalismus!. Bela G r o s z, ein Tschechoslowake, der Aeltest« der Angeklagten. ein Mann mit einem Gelehrtengesicht, sollte das ru m ä n i s ch e Ge- schäft einrenken. Er spricht mit leiser, etwas tonloser Stimme, weiß aber, wie alle, die hier angeklagt sind, recht wohl, was er will, und prägt sehr sichere ökonomische Formulierungen. Er fft leitender An- gestellter«iner großen Holzfirma gewesen und mußte wegen ver- sehlter Devisenpolitik aus dem Geschäft ausscheiden. Nüchtern und sachlich trägt er vor. Er ist derjenige unter allen Angeklagten, der den seriösesten Eindruck erweckt. Von Waldow und Nothmann, die beiden Stinnes- Bertrauensleute, sind bislang noch nicht zu Wort gekommen. Waldow: eine hellblond« Friesengestalt, rassenmäßig ein Heber- deutscher. Nothmann:«in elegant ondulierter, gesundforbiger Sportstyp. Sechs Angeklagte... Sechs feine Leute in schönen Anzügen, mit guten Manieren und schnittigen Autos, die draußen vor der Tür warten... Sechs Sumpfpflanzen des Kapitalis- m u s, die ehrliche Arbeit nicht gelernt haben und aus den Lücken der Gesetze— und wahrscheinlich nicht mir aus ihn«n— Borteil zu ziehen trachten. SMwsst sthnldtg ist. v-s Urteil gegen Ohnstet» wird aufgehoben, und der Angeklagte auf Kosten der Stoatskass« freigesprochen.* Der Angeklagte Dr. Jacoby war vom Schöffen- g«richt zu neun Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Unter- suchungshaft und mit Bewährungsfrist für den Rest der Strafe ver- urteilt worden.— In der Urteilsbegründung führte Landgerichts. direktor Dr. Sternheim aus, daß der Hauptangeklagte Bergmann «in Schwind ewnternehmen ausgemacht hatte. Der Angeklagte Jacoby sei nicht Mittäter gewesen, Hobe sich aber der Beihilf« schuldig gemacht. Neuköllner Realgymnasium. Einweihung des Hauses am Bahnhof Köllnische Heide. Dos in Neukölln am Bahnhof Köllnffche Heide errichtete neue Schulhaus für das staatlich« Kaiser-Wil- helm-Realgymnasium wurde am Mittwoch feierlich ge- wet h t. Schüler und Eltern versammelten sich mit dem Lehrer- kollcgmm und Vertretern von Behörden des Staates und der Stadt in der großen Aula. Unter den Gästen war auch der preußische Minister für Wössenschaft, Kunst und Volksbildung. Die Schule halt« früher ihtr Heim In Berlin in der Kochftroße, wurde 1914 wegen allmählicher Abwanderung ihrer Schüler nach Neukölln hinausoerlegt und mußte sich dort lange mit vorläufiger Unterbringung in Häufern anderer Schulen begnügen. Das eigene Haus, das jetzt am Bahnhof Köllnische Heide in der Zwillingftraße fertig dasteht und schon benutzt wird, ist ein Wert des Regierung»- baurats Beckmann. Die Forderungen, die man an«in Neuzeit- liches Schulhaus stellt und stellen muß, sind in diesem statt- lichen Bau zum Teil erfüllt worden. Die Kosten belaufen sich auf 114 Mllivnen M., wozu auch die Swdt mit einem Zuschuß beige- trugen hat. Bei der Einweihungsfeier schilderte Baurat Beckmann selber in erläuterndem Bortrag den von ihm ausgeführten Bau. Vize- Präsident Grimme vom Provinziaffchulkollegium beglückwünschte die Schule zu ihrem neuen Heim. Er sprach von der pädagogischen Krise unserer Zeit, in der man nach einem neuen Typus des Menschen sucht. Die Züge des arbeitenden Menschen werde dieser Typus tragen. Grimme erinnerte an den Gründer der An- statt, an H e ck e r, der schon um die Mitte des 18. Jahrhun- d e r t s, 1747, nach feinen heute in manchen Punkten noch„modern* klingenden Grundsätzen diese Schute als eine Schule ganz neuer Art, als eine erste Realanstalt schuf. Oberstudiendirektor Dr. Behrens, der jetzige Leiter des Kaffer-Wlhelm-Realgymnasiums, zeigte in seinem Bortrag über die Entwicklung der Hcckerschen Anstalt, daß sie nicht aus dem Streben nach einem neuen Bildungideal hervorgegangen war. Industrie und Handel, die damals in Preußen aufblühten, erforderten die neue Schulart. Daß Oberstudien- direktor Behrens oersprach, das von ihm geleitete Kaifer-Wilhelm- Realgymnasium werde die Jugend zu guten Bürgern der deutschen Republik erziehen, stellen wir mit Befriedigung fest. Glück- wünsche der Stadt Berlin brachte Stadtschulrat N y d a h l. Redner des Clternbeimtes, der Schulgemeinde und mehrerer Vereine schloffen sich an. Wer erwartet hatte, daß bei Gelegenheit dieser Einweihungs- seier die staaUiche Schukverwatarng den Namen.Laiser-Wilhelm- Realgymnasium* durch einen zeitgemäßeren ersetzen werde, sah sich enttäuscht. Neubabelsberger Zustände. Sin«Ojähnger Iilmtomparse berichtet. Die große Masse ist und bleibt einmal das Heer der Getretenen, egal, ob sie 18 oder 80 Lenze zählen. So erzählt beispielsweise ein Achtzigjähriger von seiner Filmtätigkeit bei einer Ausnahme der Universum-Film A.-G. in Neubabelsberg. „Wir wurden,* sagte er,„etwä 80 alte Knaben, m e i st über 80 Jahre alt, für eine Tagesgage von 15 Mark zu einer Auf- nähme nach Neubabelsberg engagiert. Morgens 8 Uhr Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof, nachmittags um 17 Uhr sollte Arbeits- schluß fein; es wurde aber, wie gewöhnlich, später, und zwar 19 Uhr, also immerhin eine Arbeitszeit von 11 Stunden. Natürlich beträgt bei einer Filmaufnahme die aktive Tätigkeit der Komparserie ein Minimum an Zeit, und all die vielen, endlos langen Stunden werden meist mit nerventötendem Warten und Herumstehen zugebracht. Jungen Menschen mag dies nicht allzu schwer fallen, für einen Achtzigjährigen aber bedeutet dies immerhin eine ganz ungeheuerliche Kraftanspannung, noch dazu, wenn die vorhandenen Sitzplätze für das Filmvolk aus Sitzen ohne Rückenlehn« bestehen, so daß man den Rücken an den scharfen Mauersteinen scheuert. Als dann endlich die langersehnte Feier- stunde schlug, reichte man uns durch ein Fenster im verschlossenen Umschlag das Geld. Dabei stellte es sich heraus, daß es nicht 15 M. waren, wie wir es quittiert hatten, sondern 13,50 M., der Betrag von 1,20 M. wurde für Steuer in Abzug gebracht. Nach all diesen wenig erfreulichen Borfällen kommt ober der Höhepunkt der Rücksichtslosigkeit. Kein Mensch interessierte sich dafür, wie die gebrechlichen alten Leute wieder nach Hause kommen. Zur Aufnahme hatte man sie wohl vom Bahnhof abgeholt: nachdem sie jedoch ihre Schuldigkeit getan hatten, war natürlich k e i n e B e r- a n l a s s u n g m«hr, sich weiter um sie zu bekümmern. Wie un- wichtig und wertlos ist doch schließlich ein Mensch, und noch dazu ein alter!" Wenn wir im Kino sitzen, dann gehört unser ganzes Interesse, das sich in Freude oder auch Trauer spi«gell, dem Star, seinen Toiletten, semer gepflegten Persönlichkeit, seiner Kunst. Was da noch so nebenher mitläuft, wer sieht das? Da huscht wohl einmal für eine Sekunde ein altes, verhutzeltes Gesicht über die Leinwand, da wird ein gebeugter Rücken, dort eine gichtoerknotet« Hand ficht- bar, alles Folie, Staffage für einen Mann oder eine Frai� die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Was hinter den Ku- lissen geschieht, sofern es nicht interessanten Klatsch oder sonstwelch« Sensation bedeutet, wer kümmert sich darum? BiNiges Gemüse? tlebergroße Mengen, zum Teil unabsehbar. Die anfänglich hohen Gemüsepreise haben in ver. braucherkreisen die Besorgnis hervorgerufen, daß auch weiter- hin mit übermäßigen Preisen für diese wichtigen Lebens- mittel gerechnet werden muß. Diese Annahme trifft nicht zu. wir haben im Gegenteil dorchaus normale Preise zu erwarten, sobald das hiesige Gemüse in großen Wengen aus den warkt kommt, was zum Teil schon jetzt der Fall ist. Die große Kälte des letzten Winters hat die rechtzeitige Be- ftelliung der Felder oerhindert, Källerückfälle im Frühling haben die ersten Auspflanzungen, z. B. Kohlrabi, vernichtet. Warmes Wetter und Regen haben aber das Wachstum in den letzten Wochen sehr gefördert. Spinat, Salat, Rhabarber und Spar- gel kommen, wie die Feststellungen im Großhandel der Ber- liner städtischen Markthallen ergeben, in übergroßen Mengen zam verkauf und sind zum Teil nicht abzusetzen. Ein Fallen der Preise ist die miausblsibliche Folge. Im Großhandel bringt jetzt Spinat 3— 4 Pf.. Gubener Salat 10— 15 Pf., hiesiger 10—20 Pf., Frciland-Rhabarber 2 bis 5 Pf. und Spargel erster Sortierung 40 bis 80 Pf. je Pfund. Große Mengen dieser für die Ernährung wichtigen Gemüsearten sind trotz bester Qualität um keinen Preis abzusetzen. Es kann deshalb nicht genug empfohlen werden, diese Gemüse, die zum Teil dem Verderb oerfallen müssen, recht oft auf die Mittagstafel zu bringen. Die für den Anbau ungünstig« Witterung hat uns von der Treibhausware und vom Auslande abhängig ge- macht. Erster« ist infolge hoher Betne-bskosten sehr kostspielig. Besonders fiel ms Gewicht, daß sehr lange und verstärkt geheizt werden mußte. Bei der Auslandsware muß der Weltmarktpreis gezahlt werden, weil die Einfuhrländer auch andere Länder be- liefern. Andere wichtige Gemüse, die jetzt noch aus dem Auslände oder aus Treibhäusern bezogen werden müssen, werden bald in großen Mengen erscheinen. Hierher gehören z. B. Kohlrabi, die in 8— 10 Tagen vom Freiland hereinkommen und dann ebenfalls billig werden. Luwelengräfin vor dem Schnellrichter. Sie soll auch die Hausangestellten bestohlen haben Die als Juwelen diebin verhaftete Gräfin w o n r o y wird heule vormittag dem Schaellrlchter beim Polizeipräsidium vorgeführt werden, der über die weiteren Mahnohmen befinden wird. In der gräflichen Iuwelendiebstahlsaffäre hat die Kriminalpolizei gestern neue Ermittlungen angestellt. Auch in der Wohnung des toten Rittmessters v. Wedel am Lützowplatz wurde noch Schmuck aus dem Diebstahl vorgefunden. Weiter hat man festgestellt, daß v. Wedel den Schmuck in einzelnen Stücken verkaufte. Ein Gras v. Einsiedel nahm ihm z. v. ein Wertstück von 500 Mark für noch nicht 40 Mark ab. Die Kassette hatte die jung« Gräfin einem früheren Hofbeamten des Königs von Württemberg. Grafen von L i p p a, zur Aufbewahrung übergeben. Bon dort wanderte sie zu einem Rechtsanwalt Grafen v. Strachwitz, wo sie jegl beschlagnahmt wurde. Ein großer Teil des Schmucks war aber schon von der Komtesse herausgenommen und durch v. Wedel verkauft worden. Weiter soll die junge Gräsin die Geldanweisung eines Fürsten Hohenlohe gefälscht haben. In einen Ab- grund aber sieht man, wenn man erfährt, daß die Komtesse auch die Dienerschaft ihrer Tante bestohlen hat. Wiederholt soll sie einen alten Diener angepumpt haben, ohne an Rückzahlung zu denken, ja sie hat ihm sogar aus einer Kassette 50 Mark entnommen. Inzwischen hat die Komtesse vom Selbstmord ihres Freundes Kenntnis erhalten. Auf dem Friedhof erhängt. Besucher des 12. Apostel-Friedhofes am Sachsen- dämm im Bezirk Schoneberg machten gestern nachmittag ein« grausige Entdeckung. An einer etwas abgelegenen Stelle sahen sie an einem Baum die Leiche eines Mannes hängen. Di« Es lohnt slöi, Si* Ur QiM. foifl ti*'AiMigfoUl Am« 'typ*' � Hochsommer« Kleider t mqnVolIvoUc in blendend EehSooB Muntern, rorzüglichen Qualitäten \ und in Tiefen Farben 8 Serien: Serie I nnr 19; Serie II :2fr Serie HI Flr anbeatlodlse Witteren« rdavoOeae laprtdnlcrte Loden-Mäniel in moderner Verarbeitung und allen Größen 29: nnd prnkHeclier Oelhnut. Mantel "--.-Äör uSS*. Trenl-M-Niglel ■nentbebrlieb bei Eegen and Sturm, Kau aal Falter 25; Deizendei, ioüefldiiäes Komplel ans ToriflKUcbem Cr«pe Caid, mit reinseidener Cr«pc de Cblne- Dltue, mit abgetönter Krawatte; da« j ick dien mit eleganten Ttrehen mit groBen OoIdknSpfen. Der Rodt ant Gumraizng mit dar modernen Fallenlage. Da» prbeh- tige Komplet irt das modernste Kleidungsstück lür unsere jungen Damen, 40- nur A• Aus uneerem riesigen Strldc- wnrcnlafcr weife ÄreSfrKhKIdder Jumper mit feinen kunstseidenen Effekten. Diese Kleider sind federleicht and auch an warmen Tagen sa tragen. »iese Kleider sind h t und armen Alk* z; tu. Strickkleider aus weichem, nicht hitxcnden Material in riclen rarben und allen Weiten KoBStseldSBC Pullover frsiellos oder mit langen A ermein mar 16: 2: FfinUe Badesaison: ™«ne Badeanzüge aus Jscquard-Trlkol A in prdefatigeo färben- JM frohen Uustern, in AB—_ allen Weiten».Ein-"Bf ff flg beilnpreis ron mr Badcmfinlel für Damen n." aus Torztig Kr&nselstoffi ifinlelA i. Herren M! glichen .75 für Damen u. Herren sügilebaa Stoffen nur . Prack tiffe Slrandanzßö€!nJ3obb7 AMwh mC I> �_ TT -------— v— kappen, nach mit langen Hosen Bade- wasche Schlafanzüde in allen Farben, in eleganter Verarbeitung und allen Größen-- reiswerf & Reinseidene o. kcmitteidcne Krawatten in riesigen Mengen, modernsten Muntern, jjj durchweg.. BÜT An unserem besonders gepflegten Lager für NorSCd- riktte finden Sie leichte. luftige Horfenrödte in prächtigen Oruckmustern, in modernsten Formen zu billigsten Preisen Polizei wurde sofort benachrichtigt, die in dem Toten einen Weichen- steller Fritz M an de aus �der PrinAregenten st ratze 93 in Wilmersdorf feststellte. Der Selbstmörder hatte, wie die Er- Mittelungen ergaben, längere Zeit auf dem Friedhof geweilt und dann in einem unbeobachreten Augenblick die Tat vollführt. Der Grund zu der Verzweiflungstat ist noch unbekannt. -120 Gtundenkilomeier. 0-?og-Versuchsfahrt zwischen Hamborg und Nauen. Zur Ermittlung der höchstmöglichen Geschwindigkeit wurde gestern vom Hamburger hauptbahnhof ein leerer D-Zug mit ungefähr 15 modernen wagen aus Stahlkonstruktion nach Hauen, bis an die Grenze des Hamburger Direktionsbezirks. abgelassen. Der Zug benötigte für die Z51 Kilometer lange Strecke eine Zeit von Z Stunden 37 Minuten und entfaltete eine Durchschnitts- geschwindigkeit von 120 Kilometern gegenüber einer Durchschnitts- geschwindigkest von 88 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern der D- Züge. Die ganze Berliner Strecke war aui diese Fahrt vorbereitet. Personen- und Güterzüge wurden während der Durchfahrt des Versuchszuges auf ein Nebengleis abgc- stellt, damit er nirgends Aufenthalt hatte. Die Fahrt sollt« zeigen, ob auf einem nach modernsten Prinzipien erneuerten Bahnkörper bedeutend höhere Geschwindigkeiten als die sonst üblichen möglich sind. Kurz vor 8 Uhr abends traf der Zug auf der Rückfahrt von Nauen wieder in Hamburg ein. Wieder aufgegebene Ozeanflüge. Sie sind nach kurzer Zeit umgekehrt. New gort. 29. Mai. Das amerikanische Flugzeug»Grüner Blitz" und da» Flugzeug»Gelber Vogel", die gestern vom Flugplatz Old- Orchard zu Iransozeanslügen starteten, sind nach kurzer Zeit umgekehrt und wieder aus dem Startplatz gelandet. Einsendunzen für diese Rubrik find ? r r l i B LW 68, Liudenitrahe 3, parteinachnchien für Groß-Verlin stet» an da» Betirkesekretariat 2. Hos, 2 Treppen rechte, zu richte». M. ttrei» Renköll». ssreiiog, Zl. Mai. 19 Uhr, im Barieibureau. Fulda- ftrofjt 55—-06, Sitzung der Abteilunaeobleute der Zeitunzsiammisfianen.— Diecn und Ernnssen werden gebeten, sich am Freitag, ZI. Mai. 20 Uhr. an der Beranstaltung der Sozialistischen Arbeiiersugend, Film- Vorführung im Saaldau Bergfir. 147, zu beteiligen. 29.«rei» R-Illickendorf. Knrsu, Dr. Schlesinger!«sie«nrsueteilnehmer tressen sich zum«bschlutz nnserer Arbeit heute, Donuer-tag, 39. Mal, 29 Uhr. im Bokkehaus, Reinickrnders.Kcst. Scharnwebcrfir. 114, zum zwanglose»«eisammensel». Sesa-gevorträg-, R-zit-tione», Dan,. Morgen, Freilag, 31. Mal: 48. Abt. IZtZ Uhr Abrechnung bei Keller, Fllrstenfir. 1. 99. Abt. Wilmeridors. 20 Uhr Abteilungsvorstandssitzung mit allen Funk» tionären bei Ihlenfeld, Uhland- Eck« Eüntzelstraße. 91. Abt. ZIeuköl». Sonniaa. 2. Inni, Banncrwcihe in Selchow. Die Abteilung»-teiligt sich«echt zahlreich daran. Tressunukt 12U Uhr«lein- bahnhof Kermannstrnh«. Fahrkarte» werden gemcinsam gelöst»«gen de« Fohrpreieermäßigung. Jungsozialislen. Arbeit»-u»ichuösitznnq wit den Werkebezirlsleiter» heut«, Douueratag, 39. Mai, ItV. Uhr, im llugendheim Areuzberg. Poröksir. 11. Srupp« Wcddi«q.ke!n«dbiu»nen! Die Anm-Idiing-n für die Wiensahrt müsse» bis heute, Dannerstag, Z«. Mai, abends, beim Genossen Alfred Reib- lin.g. N, 96, Müllerstr. 39. abgegeben fein. Mindestanzahlung 10 M. Gruppe Süden- Freitag. ZI. Mai. 20 Uhr, im Jugendheim Yorckstr. 11, Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Mitglieder ist wichtig, da über einen anderen Wochentag sllr die Gruppenabende entschieden werden soll. Arbeitsgemstnschafi der kiuderfreunde. Groß-BerN«: Di« Selfersttznug hent«, Douaerrtag, Z«. Mai, t« Ratha», Reulöll», mutz umständehalber---»fallen. Frei» Reulölln, Gruppe Bebdin: Heute, Donnerstag, von 1714—19 Uhr tzelilagerbesprechung im Jugendheim Flughafensir, 6«, Geburlstage. Jubiläen usw. 84. Abt. Lankwitz. Unserem langiährigen Genossen Paul L-mpk« und seiner lieben Ehrsran die herzlichsten Glückwünsche zu ihrer Silberhochzrit. Sterbeiafel der Groß- Berliner Partei- Organisation ttebeririebene Einsturzgerüchte. Di« Tatsache, datz sich an einer Wand des Seitenflügels im Haufe Breslauer Straß« 30, das an die Stadtbahn gvcnzt, ein Ritz gezeigt hat und datz an einzelnen Fenstern des Ge- bäu-des sich Stuck- und Mörtelteile gelöst hatten und hinabgestürzt waren, gab zu übertriebenen Gerüchten Anlaß, wonach der Seiten- flügel vom Einsturz bedroht sei. Wie von zuständiger Stelle dem- gegenüber mitgeteilt wird, hat die Städtische Baupolizei gestern «in« eingehend« Untersuchung des Hauses Breslauer Stroh« 30 vorgenommen und dem Hausbesitzer aufgegeben, die in der Um- gebung der Fensterrahmen eingetretenen Riss« und Sprünge binnen 24 Stunden zu beseitigen. Irgend eine Gefahr für das Haus und seine Bewohner besteht nicht. Oer Ankauf des KwgPlaheS Johannisthal. Der Magistrat läßt jetzt der Stadtverordneten- Versammlung eine Dorlag« zugehen, mit der er die Zu- stimmung zu dem geplanten und von ihm beschlossenen Ankauf des Flugplatzes Johannisthal beantragt. Dieser Flugplatz, der bisher einer Terraingesellschast gehört hat, soll hauptsächlich als Sport- und Frachtflugplatz benutzt werden und auch als Notlande- platz dienen. Dagegen soll der Zentralflughafen Tempelhofer Feld dem Luftverkehr, der Flugplatz Staaken dem Luftschisfvertehr vor- beholten bleiben. In Johannisthal werden für 2 203 496 Quadrat- meter Land sowie für Gebäude und Bahnanlage samt rollendem Material fünf Millionen Mark gefordert. 8. Abt. Unser Genosse Robert Etolv« snicktt, wie irrtümlich angc- geb-n wurde, Etolp) ist im Alter von 65 Jahren verstor.brn. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung heute, Donnerstag, 30. Mai, 10!4 Uhr, im Krematorium Gerichtstrotze. Vorträge, Vereine undVersammtungen. Rechtsanwalt Krück in Moabit eingeliefert. Der auf einen Haftbefehl der Berliner Staatsanwaltschaft III unter der Anschuldigung der Unterschlagung von Mandanten- g e l d e r n in München festgenommene Berliner Rechtsanwalt A. K r ö ck, ist am Dienstag in das Moabiter Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Rechtsonwall Krück wurde bereits gestern nachmittag dem Untersuchungsrichter, Landgcrichtsrat Zimmer, zur Vernehmung vorgeführt. Es liegen vier Anzeigen vor, nach denen er Gelder von Mandanten in Höhe von über 30 000 M. veruntreut haben soll. Bor dem Untersuchungsrichter gab Rechtsawalt Kröck zwar zu, die Gelder nicht ausgezahlt zu haben, bestritt aber strafbare Absicht. Infolge seines nervösen Zu- sammenbruchs sei er nicht in der Loge gewesen, seine Kassenführung in Ordnung zu hallen. (PHB ä ein Laster, rr Kwief" Pflaster Jedoch achte dabei immer auf den Patentschutz»Schlimmer Finger". Seit 80 Jahren käuflich in Apotheken ä 45 Pf. Gutachten Ober UmitknflnkhnltAn kTonk« Brtute durch Nan» sswlal'» Pflaster- lluUllll fllinilwllull» Fabrik, Berlin SW 98, Alexandrincnslr. 29a. G Reichsbanner„Schroatz-Rot-Golb". Drschäftsstrl'I«: BrrNn 6. 14. Srbastiansir. 37/38, Hof t St Gavvorstaad. Kameraden, die bereit find, am Eachsentrrssen in Chemnitz am 26. und 30. Juni teilzunehmen, melden sich bald» möalidist zweck» öulammenstellung eine» Sonderaesellschastszuges im Daubureau, Debastianstr. 37—38. Fahrpreis etwa 12 M.— Wilmresdors: Sennfatz. 2. Juni, Teilnahme an der Bannerweihe in Brunne bei Fehebellin. Abfahrt 614 Uhr Fehrbelliner Platz. Pslichtveranstaltuns.— Schöneberg. Zriedenon, Kamerad. schalt»Rüben": Donnerstag, 30. Mai. in der Menzel-Klause. Menzel. Ecke Thorwaldsensiroße, Versammlung.— Lichtenberg: Sonnabend. 1. Juni, Käme- radschast Ruimnelsburg und Karlshorst gemeinsame Mondscheinsahrt nach Ziegenhals mit Motorboot„Zukunft". Abfahrt 10 Uhr om Lofal Schonert am Rummelsdurger See. Gäste willkommen.— Rndeeriege- Donnerstag, 18 Uhr, Bootshaus, Uebungsabenb. Es gehört heute viel Kühnheit dazu, nach Georg Simmel und Max v. Boehns Untersuchungen über„M ensch und Mode" zu sprechen, wenn man nur ethisch verzierte Banalitäten zu sagen weih. Ernst Wilhelm Balk vermischt moralische Betrachtung mit histori- schen Tatsachen und Beschreibungen von Modetorheiten. Die moralischen Betrachtungen erübrigen sich von vornherein, da sie nicht als dos Endresullat einer logisch verbundenen Ideenreihe angesehen werden können, einer Ideenreihe, die aus kulturwissenschaftlicher und psychologischer Basis beruht, sondern allein einem verwirrten Ueberblick angeheftet sind. Der HLr«r hat wirtlich nichts von diesen und ähnlichen Veranstaltungen. Auf seiner Suche nach General- nennern für die moderne europäische Literatur ist Dr. Werner M a h r h o l z nach Rußland gelangt. Er analysiert die Literatur nicht nur Sowjetrutzlands, sondern er verknüpft sie ebenfalls mit der Vergangenheit mit Tolstoi und Dostojewski. Er sucht außerdem Verknüpfungen des Reuen mit der alten künstlerischen Tradition des Landes. Ein Unternehmen übrigens, an dem sich vor ihm schon mancher im Berliner Rundfunk versucht hat, allerdings kaum mit diesem Wissen, mit dieser Klarheit und Objektivität, mit diesem wettgespannten Horizont, der es M a h r h o l z ermöglicht, sowohl die Emigranten wie auch die Boljchewisten ohne weltanschauliche Stellungnahme mit unantastbarer Sachlichkeit zu behandeln. Dann abends„A i d a", die Uebertragung des letzten Scala-Gastspiels aus der Lindenoper auf alle deutschen Sender. Dadurch gelangt eine künstlerische Aufführung, die von hohem Niveau ist, auch zur Kenntnis jener Hörer, die es sich nicht leisten könnten, die un- erschwinglichen Preise zu bezahlen. Der Rundfunk wirkt in diesem Falle wie ein Segen, wie eine ausgleichende Gerechtigkeit. Empfängt man auch nicht den unmittelbaren Eindruck, so spürt man doch einen Hauch von diesen Herrlichkeiten. Ueber die Ausführung selbst wird hier noch an anderer Stelle eingehend gesprochen werden. F. S. 'stzaße 3. Rei-b-knrzsck atze 8», An . Gagern. Bet. Vereinigung fit Schul- 14. Juni, 20 Uhr. im Zimir bruchsir. SS N, spricht Dr. 8 »ebeUrr-Rsbia-Bunh Dentschlanb», e. B»»raupe«tealo*. Dstuterstag. SO. Mai. außer» rtentliche Mitgliederversammlung me Gruppe nlakal- Hohen. lvhestraße 3. Rei-bskurzschriskueeei» Berliu-Mvabit. Donnerstag, 20—22 Uhr, Rathenviver Straße 8», Anfänger-, Fortgeschrittene-, Rebeschriftlehrgänge. Auskunft bei H. Gagern, Berlin NW. 21, Wiclefstr. 21. und Erziehungesragen, Berlin-Treptow. Freitag. simmer 93 der 6. Treptower Gemeinbeschule, Wilden. .... r. Richard MMer-Freionsel» Über»Der Einfluß de» Berufsleben» auf die seelische Entwicklung der Jugend". Bund Berlin sie Einbeitskurzschrist. Uebung in allen Geschwindigkeiten jeden Freitag von 20—22 Uhr im Französischen Dnmnasimn, Reichstagsufer 6, am Reichstagsgebäude, und jeden Dienstag von 20—22 Uhr im EchuHjause Illrechter Str. 30—31, am Wedding. Anfänge rkurfe sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Fritz Plaufchinn, Berlin-Zehlendorf, Waldemorstr. 8. knj»lish Conversa'lonal Club founded 1878. Meetings evenr Friday 8 p. m. Caf< Jos», Potsdamer Platz. Lecturer: Mr. Knappe on:»The'induttrialisation in Spain. Cuests, Ladies und Gentlemen, are welcome. welferderichl der öffentlichen lvefferdienstsfelle Berlin und Umgegend. sNdchdr. oetb.) Ziemlich kühl, wechselnd bewölkt, anfnngtz Neigung zu leichten Regensällen, böige nördliche Winde.— Für Venlschland: Südwärts tortschreitende Äbkühlung. im Alpenvorland Regenfälle, im übrigen Süd- deutschland Gewitterneigung. Dsuhoff-Brettl. Der wunderschöne Garlen ist eröffnet und bietet Saal und Garten mitten in der Stadt einen herrlichen und erfrischenden Aufenthalt. Tanz bei-' ....... W humorvolle Eondervortrag de» bekannten Berliner Humoristen Ludwig Maufred Lommel im Rundfunk Der Darietebetrieb ist wieder in vollem Gange, dazu Tanz he'i großem Orchesters Donnerstag, den 39. Mai, 18.49 Uhr, findet der humorvolle Eondervortrag statt. Er spricht über da» Thema„12 000 M. auf Welle Runxendorf". Wer sich einige köstliche Minuten verschaffen möchte, versäume nicht, e» sich pünktlich vor seinem Lautsprecher bequem zu machen. Verkante Gebrauchte», gut erhaltenen Kinder- wagen und Sportwogen verkauft H. Pietsch, SO. 86, Graetzsiraße 63 IL__ Webfehler- Teppiche. Kleine Websehler 2X3 1»,— Mark. Kleine Webfehler 2X3 24,- Mark Kleine Webfehler 2>4XZi4 88.- Mark 8 X 4 59,— Mark. 2X8 88.— Mark. i'AXSVj 55,— Mark. 8X4 85,- Mark. Potsdomerslraße 28h Kleine Webfehler I». Qualität U. Qualität I». Qualität Körner, BerNn, Sausnummer beachten. Linsleu«. Ezillot. Koloniesiraße»• LaabwtseBe* 950,—, schön gelegen, kleine Anzahlung. H. Paul, Bahnhof Lehnitz, Boofshau».' Getragene Serrengardervde, Speziali. fäf Bauchfiguren, spottbillig. Rotz. Gor- mannstraße 25/28. früher Mulackftraße Wenig getragene Kavaliergarderode von Millionären, Aerzten. Anwälten. Fabelhaft billig« Preise. Empfehle Taillenmäntel, Paletot». Fracks, Smo- kinas. Gehrockanzüge, Hosen. Sport,. Gehpelze. Gelegenheitskäufe in neuer Garderobe. Deifester Weg lohnend. Lofhringersiraße 56. 1 Treppe. Rasen. thaler Platz.______________« Wenig getragene FrackanzÜge, Smo- kinganzüge, Gehrockanzüge, Jackett- anzüge. Gummimäntel. Eutawayanzllge. Sabardinemäntel. Eoverteoatpaletot». für jede Figur passend. Spezialität: Bauch- anzüge spottbillig. Gcsellschaftsanzllge werden»erliehen. Salvern. Rolentholer- siraß» 4. I. Etage.' Pkadsk Pateutmatratzeu„Primissima". Metall. betten. Auflegematratzen, Chaiselongue». Walter, Stargarderstraß« achtzehn. Kein Laden_ Musikinstrumente Liakpiano», Uberaus preiswert. Piano- fabrik Link. Brunnenftrahe 85' Ohne Anzahlung. Piano» in größer Auswahl, neue und gebrauchte, mit Herr. licher Tonfülle. Langjähriger Garantie- schein, kleine Ratenzahlung. Herer. Brunnensttaße 191. 1 Treppe, am Rosen, thalcrplatz. Rstlio Anoden 3,50, See» 8,50, Eparröhren 1�0. Apparate Teilzahlung. Dreh- konbens 1,20. Ech'önleinstraße 2." Teilzahlung, kulante Bedingungen. Fabritpreise,»ur Qualitätsräder. Fahr- radbau„Wima", Ackerstratze dreißig._ ftohe-addecken 2.80. Schläuche lÄk Pedale 1�0. Reparaturer. billig. Schön- leinstraße 2. Kaufgesuche Zahngebisse. Platinabiälle. Metalle. Quecksilber. ______ finit- Silb erschmelze Goldschmelzerei Christsonat. Köpenicker- stimße 39 lHaltestelle Adaldertsiraßel � Münzen, Briefmarken kaust Droßi mann. Johannisstraße 4.' Unterricht «öbelkäulee merke Kredit umd bar Möbelbazae, große Auswahl, lleiae Preise! Beispiele: Schlafzimmer 455, Speisezimmer 345 Herreuzimmer 260. Spiegelschränke 118. Anrichteküchen 75. Kleiderschränke 4«. ibettftelle Teilzahlung ausschlagsrei. Wochenrate». Monatsraten. Kleine Anzahlungen. KaGg-Rabatte bi» zehn Prozent. Kredite bis zwei Jahre. Mäßige Zinsen. Reu- köll». Hermannplatz 7: Steglitz. Schloß- straße 107: Belle-All'anee.Steaße 95, Untergrund-Bahnhol___* Möbel-Kamerling, Kasiantenallee 56. Jlnciditetüdjen, Aowaschtische, Weißlack- schränte. Fluemöbel. Riesenouswahl. Spottpreise. Zahlungserleichterun»._' Schlafzimmer, Küchen, Ankleide- schränke. Mctallbetten. Korbmöbel, kleine Wochenraten. Autel, Groß« 34, Strausberger Frantturterslraße Schlaszimmee. Speisezimmer, Herren- zimmer. Küchen, Büsetl», Bsichersd, ranke. Schreibtisch«, runde Tische. Slanduhren, Ankleideschränte aller Größen. Sofa». Ruhebetten. Kulante Zahlungsweise. Moedel.Baebel. Moritzplatz. Fabrikgebäude______• Feld tett stellen, Pankow. Schmidt- siraße�, Pappelallee 12.____* Wochenendbette» 12,—, Pappelallee 12. Pankow, Schmidtstraße 1.' Schnelsirderab« Einzelfächer für Cr- achsene: Tagesunterncht, Abendunter. licht, Stenographie, Maschinenschreiben, Diktatübungen. Debatteschrift, sremb» , Korrespondenz, Mr jeden Be- sprachliche Stenographie, Korrespondenz. Rechnen, Buchsührung für jeden Be- trieb. Wechscllehrc, Deutsch, Fremd- sprachen sDeutfche und nationale Lehr. kräfte).— Rackowe kaufmännische Pri. vatschule W. und Dr. A. Rackow.. Wil- Helmstraße 49�-Zi«mce-Sleul>auwoh- nungen in Hirfchgarten, Rummelsburg, Karlshorst und Reinickendorf. Rllckzahl- barer Dauzuschuß 500 M pro Zimmer Beziehbar Frühjahr 1929. Wohnraum. Belle-Allianee-Str. 79 Bergmann 3394 Arbeitsmarkt Stellengcsut�ie./». Erfahrener Motorenschlosser, Führerschein 2 und 35: lange Iahet selbständig. Meister in größerem Auwwerk Berlin» gewesen, umsichtiger, absolut stiherer Fahrer, mit allen vorkommenden Arbeiten vertraut, sucht Stellung al» Meister, Kalkulawr, Motorenschlosser, Fahrer oder Lagerverwalter. Georg Fischer, O. 112, Mainzerstraße 8. Stellenangebote' Maschin enbaueelehrling von Masch!. ncnfabrik im Südosten gesucht. K. Ritschke u. Co., Waldemarstraße 48. atuMM»»»» Vier Klassen Anzüge und Mäntel WoQlfeile Angebote! BAER SOHN g; Berlin N 4, CKausseestr. 29-30 U. BAHN Steif. Bhf. miHHWtffUtzmtMUllltUHtzHHH Eisenherren ge, Zur Erhöhung der Roheisenpreise.— T Geqen die Heraussetzung der Roheiscnpreise, die vom Roh- cisenoertuind unmittelbar vor Pfingsten mit Rückwirkung ab 1,?. Mai zur größten allgemeinen Ueberraschung vorgenommen wurde, ist bisher weder von, Reichswirts chaftsmtni st erium, nach von den Eisenverarbeitern Widerspruch er- boben worden. Das Vorgehen der Schwerindustrie hat zwar der storm wie der Sache noch allseitig Verurteilung gefunden, aber offenbar bleibt es, wie gewöhnlich, bei unwirksamer Kritik und man scheut das Eingreisen. Uns erscheint freilich, nicht nur aus kon- junkturpolitischen, sondern auch aus grundsätzlichen staats- und wirtschastspolitischen Erwägungen ein Einschreiten gegen die Preis- erhöhung der Schwerindustrie unbedingt erforderlich. Man pfeift auf feierliche Versprechen. Vor Jahren sah sich bereits das Reichswirtschaftsministerium gezwungen, gegen die Schwerindustrie anläßlich der völlig un- erwarteten und unberechtigten Erhöhung der Eisenpreise vom Januar vorigen Jahres auf Grund der Kartellvcrordnung vorzu- gehen. Der Reichswirtschaftsminister ordnete damals on, daß sämtliche Beschlüsse und der Schriftwechsel der Eisen- verbände dem Reichswirtschaftsminister vorgelegt werden müßten. Diese Sichcrheitsmoßnahnie. die sogenannte„K u r a t e l v e r o r d- nung", ist damals leider schon einen Monat später aufgehoben worden gegen die Zusicherung der eisenschaffenden Industrie,„sie werde vor Ergreifung wichtiger, die gemeinsame Eisenwirtschafts- Politik beeinflussender Maßnahmen das Reichswirtschaflsministerium rechtzeitig unterrichten, so daß dieses Gelegenheit zur Stellungnahme erhält". Wir haben damals den Rückzug des Reichswirtschaftsniiniste- riums vor der Eisenindustrie und dem Reichsverband der Industrie aufs schärfste gemißbilligt und die Zusicherungen der Eisenindustrie als leere Versprechungen ohne jede Garantie und damit als wirkungslos und wertlos bezeichnet. Die letzten Vor- gänge zeigen leider, wie recht wir mit unserer Auffassung behalten haben, und wie wenig die Eisenindustrie die Bedingungen, unter denen der„verpflichtende Eisenfrieden" abgeschlossen wurde, innehält. Ausreden! Der Roheisenoerband versucht sich nun allerdings damit heraus- zureden, daß er unmittelbar an dem seinerzeitigen Abkommen gar nicht beteiligt war, daß es sich ferner bei der jetzigen Rtaßnahme u m keine„echte" Preiserhöhung, sondern nur um eine Aufgabe von Kampfpreisen handelt. In Ausflüchten und Tatfachcnoerdrehungen ist die Schwer- industri« von jeher Meister gewesen. Die Vereinbarung im Reichswirtschaftsministerium galt-*• darüber kann nach dem Text der seinerzeitigen Erklärung gor kein Zweifel bestehen— für die gesamt« Großeisenindustri«, und daß die Hochofenwerke, in denen Roheisen produziert wird, einen Bestandteil der Großeisenindustric bilden, das läßt sich schwerlich bestreiten. Auch der Auffassung, daß es sich um keine„echte" Preis- erhöhung handelt, können wir nicht folgen. Die Ermäßigung des Roheisenpreises Ende 1327 ist zwar seinerzeit mit Rücksicht auf die Preisunterbietung der Maximilianshütte erfolgt, übrigens ein halbes Jahr später fast zur Hälfte wieder ausgeglichen worden: jedoch mußte die Eisenindustrie nicht bloß wegen der billigeren An- geböte des Röchlingschen Hüttenwerkes, sondern auch wegen des niedrigeren Preisstandes für englisches Roheisen— die Konkurrenz der kontinentalen Eisenländer ist ja durch die Kontingentsobkommcn ausgeschaltet— von ihren übersetzten Roheisenpreisen herunter- gehen. Nachdem nun in jüngster Zeit die englischen Roheisenpreis« sich wieder um etwa 4 M. bessern konnten, benutzt die Eisenindustrie sofort diese Gelegenheit, um die inländischen Eisenpreise ent- sprechend heraufzusetzen. Hinler dem Schuh der Eisenzölle. So verwirklicht die Schwerindustrie ihr Versprechen, die Inlandspreise den Auslandspreisen anzupassen! Die Steigerung der Weltmarktpreise und entsprechende Besserung der Ausfuhr- erlöse hat bisher nicht zu einer Verringerung der Spanne zwischen Inlandspreis und Weltmarkt- preis geführt: sie wird vielmehr unter dem Schutze der hohen Eisenzöllc und der internationalen Gebietsschutzabtommen zu einer Heraussetzung der inländischen Eisenpreise ausgenutzt und auf diese Weise wird die enorme Spannung zwischen Inlandspreis und Auslandspreis ve r e w i g t. Unter Berücksichtigung der jetzt vor- genommenen Preiserhöhung und unter Berücksichtigung der Qualitätsoerschiedenheiten bleibt der deutsche Roheisen- preis um mehr als 10 Mark über dem englischen und auch bedeutend über den Preisen des französisch-luxemburgisch- belgischen Roheisenoerbandes, obwohl diese Auslandspreise in letzter Zeit bereits erheblich gestiegen sind. Dieser Preisunterschied besteht, obwohl die Ra t> o n a l i- s i e r u n g gerade in der deutschen Großeisenindustrie besonders große Fortschritte gemacht hat. Die jährliche Arbeiksleistung pro Kopf der Belegschaft ist in den rheinisch-westfälischen Hochofen- werken nach der Vroduktionsstatistik von 1325 bis 1327 von 472 Tonnen ans 603 Tonnen Roheisen im Jahresdurchschnitt, also um fast 30 Pro;, gestiegen. Der Lohnaufwand per Tonne Roheisen ist in der gleichen Zeil von 5.71 aus 4,4S M. zurückgegangen. Seit 1927 sind sicherlich weitere Rationalisierungserfolge durch Steigerung der Arbeitsleistung und durch Ersparnisse aus wärme- technischem Gebiet zu verzeichnen. An diesen großen Rationali- sie'rungserfolgen läßt die Schwerindustrie weder die Arbeiter- schaft noch die Verbraucher teilnehmen. Die falsche Aronl der Eisenverbrauchcr. Die eisenverarbeitende Industrie hat nun schon seit längerer Zeit ganz darauf verzichtet, ihre Interessen auf wirtschaftlichem Gebiet gegen die Schwerindustrie wahrzunehmen, sie hat sich voll- kommen dem Preisdiktat der Schwerindustrie unterworfen und sich auch auf sozialpolitischem Gebiet, wie sich im Ruhrkamps zeigte, vollkommen ins Schlepptau nehmen lassen. Nun bestehen zwischen der eisenverarbeitenden Großindustrie und der Schwerindustrie in vielen Fällen enge wirtschaftliche Beziehungen, aber auch dort, wo sie nicht vorhanden sind, hat sich«ine außerordentlich st a r k e Abhängigkeit herausgebildet, Die„Kölnische Zeitung" hat jüngst darauf aufmerksam ge- macht, daß den in der Avi-Gemeinschaft zusammengeschlossenen Fachoerbänden der eisenverarbeitenden Industrie ein Teil der den Exportwerten von der eisenschaffenden Industrie gewährten Rück- Vergütungen zufließt, und daß so das Rückvergütungssystem„einen starken finanziellen Rückhalt für die Verbände bildet" Durch diese Verquick ung von Rückvergütungen der Eisenindustrie an die exportierenden Eisenverarbeiter mit der Finanzierung der Verbände wird sicherlich deren Selbständigkeit gegenüber zen Konjunktur. er nachsichtige Reichswirischastsminister. der Eisenindustrie nicht gerade verstärkt. Auch wenn die Eisenver- orbeiter, also die zunächst unmittelbar Betrosfenen, aus den hier angeführten Gründen sich der jetzigen Preiserhöhung nicht wider- setzen, so wühle doch der Reichswirkschaftsmlnister schon aus Gründen der Autorität und zur Wahrnehmung der ge- samtwirtschafttichen Interessen gegen die Ersenpreiserhöhung ein- schreiten. Ein solches Borgehen ist u. E. auch aus konjunktur- politischen Gründen unbedingt erforderlich. Der jetzig« Zeitpunkt stark abgeschwächter Konjunktur bei einer Arbeits- losigkeit von letzthin noch mehr als einer Million Menschen ist für jede Preiserhöhung denkbar ungeeignet, da sie die Gefahr in stch birgt, die Wirtschaftslage noch weiter zu verschlechtern. In dieser Situation dürfen die verantwortlichen Stellen keinerlei Preismaß- nahmen dulden, die der heute erforderlichen Preissenkung zu- widerlaufen. Man versucht von schwerindustricller Seit«, die jetzig« Eisen- Preiserhöhung zu bagatellisieren. Gewiß, die jetzige Roh- eisenpreiserhöhung wirkt sich für den Hauptteil der Roheisen- erzeugung, der in eigenen Werken zu Stahl- und Walzwerkfabri- taten weiterverarbeitet wird, nicht aus. Immerhin handelt es sich auch noch bei denjenigen Eisenmengen, die außerhalb der Stahl- industri« weiterverarbeitet werden, um beträchtliche Mengen. In den Eisengießereien werden rund 2 Millionen Tonnen inländische Roheisen oerarbeitet, dazu kommen noch etwa 200 000 Tonnen Roh- eisen aus den westlichen Ländern, die über den Roheisenverband gekauft werden, und deren Preise automatisch mit heraufgesetzt wer- den, so daß die jetzige Preiserhöhung für die Eisengießereien allein eine Verteuerung um 8 bis 9 Millionen Mark bedeutet. Es ist anzunehmen, daß die Gießereien diese Erhöhung der Materialkosten durch entsprechei.de Preiserhöhung auf ihre Ab- nehmer— das ist in erster Linie die M a s ch i n e n i n d u st r i e — abwälzen. Es besteht also sehr wohl die Gefahr, daß von dieser Preiserhöhung gewisse Materialkostcnerhöhungen für die eisen- verarbeitende Industrie ausgehen. Wenn man bedenkt, wie gerade diese Industrien, voran die Maschinenindustrie, im Ruhrarbeits- kämpf jede Selbstkostenerhöhung als völlig untragbar bezeichnet hoben, so muß man sich wahrlich wieder einmal wundern, daß sie nur gegenüber den Arbeitern, nicht aber gegenüber den Rohstoff- lieferanten, ihre Interessen wahrzunehmen für nötig halten. Es' muß endlich noch auf eines hingewiesen werden. Wenn man diese neue Preiserhöhung, die unter Brüskierung der staot- lichen Stellen, unter Bruch der übernommenen Informationsverpflichtungen, und ohne jeden sachlichen Grund erfolgte, einfach durch- gehen läßt, so ermutigt man die Schwerindustrie ge- radezu, in Zukunft weiterhin so bedenkenlos zu handeln. Man darf sich dani� vielleicht nicht wundern, wenn die Eisemndustrie ein paar Monat« später, wenn die Weltmarktpreise weiter steigen sollten, auch die Preise für die Walzwertsabrikat« heraufsetzt und diesen Schritt mit der vorangegangenen Roheisenpreiserhöhung begründet. Wir glauben daher, daß Nachsicht hier gefährlich wäre. Der Reichs- wirtschaftsminister sollte von seinen Rechten auf Grund der Kartell- Verordnung Gebrauch machen. Eisengießereien wälzen ab. Der Verein deutscher Eisengießereien hak beschlossen, ab 1. Zum wegen der Erhöhung der Roheisenprelse eine Vreiserhöhung um 4 Proz. eintreten zu lassen. Die verarbeitende Industrie wird diese Erhöhung zu spüren bekommen, die über die Roheisenvcr- leuerung noch hinausgeht. Wird sie auch jetzt noch schweigen? wird der Herr Reichswirtsthostsminister auch jetzt noch durch die Finger sehen wollen?_ Günstige Entwicklung bei Mix H Genest Erhöhte Bestellungen der Deutschen Beichspost. Dos Berliner Schwachstromunternohmen von Mix u. Genest in Schöneberg hat durch zweimalige Erhöhung des Aktien- kapitals in den letzten beiden Iahren seine Kapitalkraft mehr als verdoppelt. Das Unternehmen, dos hauptsächlich Fernsprech- und Signalgerät herstellt und Fernsprechämter sowie automatische Telcphonanlagen baut, erhöhte im Mai 1327 sein Kapital von 7,0 auf 9.6 Millionen und setzte es ein Jahr später um weitere 6,5 auf 16,1 Millionen herauf. Der starke Kapitalbedarf rührte in erster Linie von der Ausdehnung des Fernsprcch-Miel- g e s ch ä f t e s her, dessen Umfang in der letzten Bilanz vom 31. De- zember 1928 mit 11,6 Millionen ausgewiesen wurde. Nach dem jetzt veröffentlichten Börsenprospekt stieg der Um- s a tz im Jahre 1927 von 19,9 auf 20,8 Millionen und ging im letzten Jahre leicht auf 20,6 Millionen Mark zurück. Dieser Rückgang hing -— angeblich— mit der Drosselung der Reichspostaus- träge zusammen, die nach dem Prospektbericht im lausenden Be- triebsjahr wieder zugenommen haben. Auch die Beschäfti- gung durch Privatausträge ist zurzeit befriedigend. Die gesamte Belegschaft bei Mix u. Genest beträgt einschließlich 1000 An- gestellter etwa 3700 Mann. Ein neues Wirifchasts-Iahrbuch. Unter dem Titel„Wirtschefts-Iahrbuch für Industrie und Handel des Deutschen Reichs und der Nachfolgestaaten Oesterreich- Ungarns" hat Dr. K. E. Thalheim für den Verlag Herbert Schulze, Leipzig, den 1. Jahrgang 1928/29 eines Handbuchs(2 Bände. 2034 Seiten) herausgegeben. Aufgabe der Veröffentlichung soll es sein, ein« Ergänzung zu den amtlichen Veröffentlichungen der Statistischen Aemter und des Instituts für Konjunkturforschung darzustellen. Der zweite Bond ist ein großes Firmenadreßbuch, nach Branchen und Ländern übersichtlich geordnet, das allen Kaufleuten von großem Nutzen sein wird. Der erste Band ober ist auch für den Wissenschaftler und den Politiker von Interesse. Wenn die Abschnitte über die Volkswirt- ichaften der Nachfolgestaaten etwas kurz geraten sind, so ist die Darstellung der einzelnen deutschen Wirtschaftszweige um so dankenswerter. Daneben find die Probleme der deutschen Gesamt- wirtschast-Konjunktur, Sozialpolitik, Finanzen— keineswegs ver> nachlässtgt. Und weil die Beurteilung der Konjunkturlage von be- sonderer Wichtigkeit ist, so ist in der Darstellung besonderer Wert darauf gelegt, neben dem wichtigen Fakior des letzten Jahres die großen Entwicklungslinien mehrerer Jahre aufzuweisen. Ein um- fangreichcs Zahlenmaterial wird textlich erläutert und durch zahl- reiche Diagramm« und Karten anschaulich dargestellt. Oer Motor den Vauern! Technik in der Landwirtschast. Kürzlich hielt das im Jahre 1927 gegründete erfolgreich bestende Reichskuratorium für Technik in der Land- Wirtschaft im Haus der deutschen Ingenicure seine Iahresver- sonimlung ob. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Ausführungen des Zivilingenieurs Zander über die Motorisierung im landwirtschaftlichen Klein-, Mittel- und Großbetrieb. Unter- suchungen hatten das überraschende Ergebnis, daß die angezweifelte Möglichkeit bäuerlicher Motorisierung in der Praxis an vielen Stellen mit recht gutem wirtschaftlichen Erfolg bereits besteht und daß verhältnismäßig am stärksten unsere kleinsten Betriebe, die Gärtnereien, motorisiert sind. In mehreren bäuerlichen Betrieben Hot der Kraftschleppcrausschiiß des Kuratoriums die Mechanisierung und Motorisierung versuchsweise durchgeführt. Bäuerliche Betriebe, die sich einen eigenen Traktor nicht leisten können, sollen durch Zu- sammenschluß in Genossenschaften oder auf andere Art an den Vor- teilen dieser Betriebsart beteiligt werden. Zander verwies auf einen gut geleiteten mecklenburgischen Betrieb, in dem während mehrerer Betriebsjahre die Schleppsrleistung so gesteigert werden konnte, daß der Effekt einer Schleppcrstunde dem von 13 Pserde- stunden entspricht. Professor Dr. Aartiny und Güterdirektor Ruths sprachen dann über die Ergebnisse der M e l k m a s ch i n e n f o r s ch u n g. Noch der statistischen Feststellung werden gegenwärtig in Deutschland nur 2 Pro.z. der Kühe mit Melkmaschinen gemolken, in Dänemark 20 Proz. Trotzdem ist erwiesen, daß der Durchschnitt der Melker weniger Milch aus den Kühen herausbringt als die Maschine. Man könne beim Maschinenmelken mit 10 Proz. besserer Leistung rechnen. Reichstagsabgeordneter Schmidt(Köpenick), der dem Deutschen Landarbetterverband vorsteht, hat noch kürzlich darauf hingewiesen, daß die Voraussetzung für die Mechanisierung der Landwirtschaft eine entsprechende Heranbildung des bäuerlichen Nach- wuchses sei. Bekanntlich hat dieser Nachwuchs durch Einfluß politischer Agitatoren und Phraseure wertvolle Jahre in der Be- rufsausbildung verloren. Dr. S ch l a b a ch vom Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft wies ebenfalls darauf hin, daß die Mechanisierung der Landwirtschaft in den letzten Iahren deshalb nicht den gewünschten Erfolg erzielt habe, weil die Landwirtschast nicht über die Kenntnisse verfügt, die für den wirtschaftlichen Ein- satz, die richtige Pflege und Behandlung der Maschinen notwendig ist. Der Redner schloß mit der bemerkenswerten Feststellung: M e- chanisierung bedeutet heute für Deutschland nicht vermehrte Anschaffung von Maschinen und Ber- größerung des Maschinenparks, sondern Mobil!-- sierung der geistigen Kräfte der Landwirtschaft, Neuer Raubzug des Kupferkartells? Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist das Internationale Kupfer- kartell gegenwärtig wieder dabei, die„Preise zu stabilisieren". Dos Kartell trieb den Kupferpreis im Laufe des Winters von etwa 15 auf 24 Dollarcents herauf. Dann erfolgte vor etwa zwei Monaten ein Rückgang auf rund 18 Dollarcents. Das Kartell hat keinen Versuch gemacht, diesen Preisrückgang, der wohl in erster Linie durch Ber- käufe des Handels hervorgerufen wurde, aufzuhallen. Kreise, die es wissen müssen, behaupten, daß das Kartell den Preisrückgang nicht ganz ungern sah. Er bot ihm u. a. Gelegenheit». unbequeme Konkurrenten und Außenseiter aus- zuschalten. Dies Ziel muß das Kartell wohl jetzt erreicht haben« denn schon vor Togen lagen aus New Pork Nachrichten vor, die von einer Einschränkung der Kupfererzcugung wissen wollten. Diese Nachrichten werden jetzt durch maßgebende Berliner Handelsfirmen dahin bestätigt, daß ein Beschluß vorliegt, die Kupfer- Produktion in Amerika um 10 Proz. einzuschränken. Das Kartell will damit„dos gegenwärtige Preisniveau halten". Die Öffentlichkeit kennt die Versicherungen des Jnternatio-« nalcn Kupferkartells. Sie bedeuten nach reichlich trüber Erfahrung, daß die Preise bald wieder in die Höhe schießen werden. Das Kupferkartell rüstet zu einem neuen Raubzug. Zurückgebliebene Vaulätigkeil im ersten Quartal 1323. Im Monat März wurden nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts in 93 Groß- upd Mittelstädten 1783 Neubauten mit 6321 Wohnungen begonnen gegen 285 Neubauten mit 790 Woh- nungen im Februar. Der Reinzugang abzüglich der abge- brochenen Häuser betrug im März in 96 Groß- und Mittelstädten 1586 Gebäude mit 5803 Wohnungen gegen 1557 Gebäude mit 4982 Wohnungen im Februar. Hieraus wird ersichtlich, daß infolge der strengen Kälte die Inangriffnahme von Neubauten im Februar noch äußerst gering war, und daß die Bautätigkeit im Februar sich säst ausschließlich auf die Fertigstellung unterbrochener Herbstbauten beschränkte. Wie verhängnisvoll sich die Kältewelle in der Bau- tätigkeit auswirkte, geht daraus hervor, daß in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres nur 3062 Neubauten mit 10 600 Wohnungen in Angriff genommen wurden gegen 4814 Neubauten mit 18 075 Wohnungen im ersten Quartal 1928 Das Minder- ergebnis gegen 1928 beträgt also mehr als 40 Prozent. Opel bei der ArbGil. Die Opelwerke beschäftigen zurzeit un- gefqhr 1 2 00 0 Mann gegen 13 500 Mann zur selben Zeit des Vorjahres. Die arbeitstägliche Zlutomobilproduktion beläuft sich auf etwa 2 50 Wagen. Das Werk ist aus eine Produktion eingestellt, die ungefähr das Doppelt« dieser Ziffer beträgt. Zurzeit werden täglich 20 00 Fahrräder hergestellt. Auch hier könnte die Tagesproduktion etwa dreimal so groß sein, wenn der technische Betrieb voll ausgenutzt würde. Wie'man hört, hängt der hinter der Höchstleistung zurückbleibende Umsatz damit zusammen, daß infolge des strengen Winters und der allgemein schlechten Wirtschastslage eine Absatzstockung aus dem Auto- und Fahrradmarkt eingetreten ist. Amerikanischer 7- Millionen- Auftrag für deutsche Textil. Maschinen. Die Chemnitzer Textilmaschinenfabrik Schubert u. Satz er A.- G. hat jetzt von drei amerikanischen Textitumer- nehmungen Aufträge aus insgesamt 170 Strumpfmajchinen erhalten. Der Wert dieser Austräge beläuft sich aus rund 7 Millionen. Dieser Auftrag ist deswegen bemerkenswert, weil es ausländischen Mo- schinensabriken nur in seltensten Fällen gelingt, die o m e r i- kanische Konkurrenz innerhalb ihrer eigenen Grenzp'ä'ils zu schlagen. Die Schubert u. Saher A.-G., die von allen Ma» schinensabriken in Deutschland die höchsten Dividenden ver- teilt und für die letzten beiden Jahre je 16 Proz. zahlte, hatte ick-on in den ersten Monaten dieses Jahres sehr erhebliche Umsätze e-'ielt. Die Ernte von 1923 wird also bei diesem Unternehmen kaum hinter den beiden letzten Koujunkturjahren zurückstehen. Zwei Luflsahrlorganisalionen.— Darüber Zoler essengemein- schaft. Durch eine Vereinbarung der beteiligten Gruppen wird es künftig statt des bisherigen Reichsverbandes der Deutschen Luftfahrt zwei Verbände geben; den Reichsoerband der Deutschen Luftfahrt- Industrie(für Flugzeugbau und Motorenbau) und die Konventtou des Deutschen Luft o e r t e h r s(Deuische Lusthansa und Nordbaye- rffche Verkehrsflug G. m. b. H.). Beide Verbände bilden eine Jnter- cssengemeinschast der Deutschen Luftfahrt. Nr. 247» 46. Jahrgang Vonnerstag, 30. Mai 4 929 Die Z�eichspolitik der Sozialdemokratie. Bericht der Reichstagsfraktion auf dem Parteitag. Magdeburg, 29. Mai.(Eigenbericht.) Nach den Abstimmungen des Parteitages über die Richtlinien zur Wehrfrage folgte der Tätigkeitsbericht der Reichs- togsfraktion, erstattet von Rudolf Breitfcheid. Ich komme fast mit leeren Händen, denn aus meinem Kuchen hat mir ein großer Vogel die Rosinen weggepickt.(Heiterkeit.) Die Be- richtsperiode zerfällt in zwei getrennte Abschnitte. Im ersten Ab- schnitt standen wir in der Opposition und im zweiten sind wir an der Regierung beteiligt. Daß die Fraktion zum Eintritt in die Regienina berechtigt war. ergibt sich aus dem Beschluß des Parteiausschusiss in Köln, und hier ist diese Berechtigung durch die gestrige Abstimmung bestätigt worden. Dabei sei noch daraus hingewiesen, daß wir lange Monate hindurch keine eigentliche, son- dern nur eine uneigenkliche große Koalition hatten und daß auch heute nur so etwas wie eine Kamerad- s ch a f t s e h e zwischen den Regierungsparteien besteht. Nachdem unsere Partei in die Regierung eingetreten war, sind viele unvorhergesehene, in den politischen und wirtschafrlichen Ver- hältnissen begründete Hindernisse für sie eingetreten. Es kani das gewaltige Absinken der K o n j u n k t u r. Die riesengroße Ar- beitslosigkeit. durch den strengen Winter noch verschärst, die Ebbe in der Reichskasse und schließlich die Schwierigkeiten durch die Pariser Reparationsverhandlungen. Alle diejenigen, die mißbilligt haben, daß die Fraktion bei ihrem Eintritt in die Regierung nicht ein Mindestprogramm aufgestellt hat, frage ich, ob wir in der Lage gewesen wären, schon im Mai 1928 die Geschehnisse des letzten Winters mit einzukalkulieren? wer an dem starren Prinzip des Aufstellens von Richtlinien festhalten will, täte bester, das Rezieren grundsätzlich abzuschwören. Regieren heißt nun einmal, mit den gegebenen Verhältnissen rechnen. Das ist kein Opportunismus, wenn man sich bei der Fülle und Berschiedenartigkeit der Verhältnisse seiner Grundsätze bewußt bleibt und sich bemüht, davon möglichst viel durchzusetzen. Was wir beim Eintritt in die Regierung und später in jedem einzelnen Falle zu prüfen hatten, war immer, ob die Teilnahme an der Regierung di« Arbeiterklasse ihrem Ziele näher bringe oder ob mit dem ent- gegengesetzten Verhallen der Arbeiterklasse besser gedient sei. Nun fragt B i« l i g k- Plauen, ob unsere Erfolge nicht größer gewesen wären, wenn wir ohne die Regierungsbindung geblieben wären. Er fragt, aber er antwortet begreiflicherweise nicht. Ich will ihm zu Hilfe kommen. Cr hätte darauf hinweisen können, daß wir im letzten Jahre vor der Wahl immerhin einiges Positive trotz unserer Oppofllionsstellung erreicht Hohen. Unsere Macht war groß genug, um das Wirken einer uns > gegnerischen Regierung zu beeinflussen. In der Sozialpolitik, '«or allem bei dem 1927 verabschiedeten Arbeitslosenversicherungsgesetz, ist die Hand der Sozialdemokratie ganz unverkennbar. Weiter konnten wir das Betriebsrätegesetz nicht unwesentlich ver- bessern. Unserem Drängen ist es schließlich zu verdanken, daß in das sogenannte Notprogramm des Bürgerblocks 75 Millionen für Rentenerhöhung an die Invaliden und 2Z Millionen für Kleinrentnerfürsorge usw. eingesetzt wurden. Andererseits waren zahlreiche unserer Vorstöße absolut erfolglos. Auf jeden Fall hatten wir aber in der Opposition das Plus, daß wir im großen und ganzen die auf Abbau der Sozialpolitik gerich- teten Pläne der Sozialreaktionäre vereiteln konnten. Das beweist, daß auch in der Oppofitton sogenannte positive Arbeit sehr wohl geleistet werden kann. Voraussetzung ist allerdings immer, daß es eine Opposition ist, die nicht auf d« m S t a n d p u n k t d e s Alles oder Nichts steht und sie im heutigen Staate nicht außer acht läßt, daß sie morgen schon zur Regierung gerufen werden kann. Das ist einer der Unterschiede zwischen uns und den Kommunisten. Wir müssen stets damit rechnen, daß wir das durchführen müssen, was wir in der Opposition versprechen. Gerade bei unseren Erfolgen in der Opposttionszeit in der Sozialpolitik ist uns die Nähe der Wahlen und die damals günstigere Wirtschaftslage zu Hilfe gekommen. Die Wirifchastspolitik. Aehnliche Erfolge haben wir als Oppositionspartei im Be- reich derWirtfchaftspolitik nicht erzielt. Hier haben sich die Unternehmerinteressen im Bürgerblock praktisch restlos durch- gefetzt. So haben wir zwar den d e u t f ch- f r a n z ö s i f ch« n Handelsvertrag wegen der Besserung der Wirtschaftsbeziehun- gen angenommen, aber im übrigen feststellen müssen, daß der Bürger- block sich über die Lippenbekenntnisse aus der Weltwirtschafts- konferenz hinweggesetzt hat. Die Zölle für Schweine, Kar- tofseln, Zucker und Industriemais wurden erhöht, das Kontingent des zollfreien Gefrierfleisches herabgedrückt, der landwirtschaftliche Flügel der Deutschnationalen sah sich für seinen Regiörungswillen belohnt. Selbstoerständlich bezeichnete er seine Politik zugunsten der Großgrundbesitzer als Dauernpolitik, was ihn aber nicht hinderte, alle unsere dauern- und landarbeiterfreundlichen Anträge abzulehnen. Wir haben selbst in dieser Situation unsere Landwirtschaslssreundlichkeik bewiesen, indem wir den Maßnahmen der Agrarkrise zustimmten. Den wilden Suboentionsplänen Hugenbergs und Schlange-Schöningens mußten wir uns freilich widersetzen. Der Staat darf nur dort Helsen, wo noch Aussicht auf Rettung und Garantie für die zweck- mäßige Verwendung der Mittel gegeben ist. Die öffentliche Hand hat nicht die Aufgabe, verkrachte Prioatuitternehmer zu sanieren: wir stecken schon viel zu viel im Sumpf der S u b o e n t i o n s- »Politik.(Sehr wahr.) Der Bürgerblack ist äußerlich an dem Schulgesetz gescheitert, innerlich aber auch daran, daß sich bei den Zenkrumsarbeitern eine wachsende Abneigung gegen dos Zusammengehen mit der sozialreaklionären und antibemo- tcalischcn Deutschnalionalca volkrpartei bemerkbar macht. Auch das zeigt, daß nichts verfehlter wäre, als den Kampf gegen das Zentrum mit kirchenpolitischen Waffen zu führen. Die Religion muß absolut Privatsache bleiben. Die Partei muß Raum für jede Auffasiung vom jenseitigen Leben haben, wenn nur unsere Mitglieder mit uns kämpfen.(Sehr gut!) wir wüsten den religiös eingestellten Arbeiter klar machen. daß sie sozial., verfassungs. und wirtschafkspolilisch zu uns ge- hören und für ihre Religion von uns nichts zu fürchten haben. Wir dürfen uns auch von dem Wort Konkordat nicht schrecken lasten: wenn es sich auf rein kirchenpolitische Fragen beschränkt, haben wir keinen Grund, es zu bekämpfen Aber bisher kennt frei. lich nur der Papst in Rom und der Papst in Preußen den Iuhall des Konkordais, und wir müssen abwarten, was die Vorlage der beiden heiligen Väter uns bringt.(Große Heiterkeit.) In der Wahlbemegung haben wir den Bürgerblock nieder- gekämpft. Aber die Erbschaft mußten wir antreten, zusammen mit zwei oder drei Parteien, die dem Bürgerblock angehört hatten. So war eine vollständige Neuorientierung der Politik nicht möglich. sondern nur eine gewisse Verschiebung des Schwerpunktes von rechts nach links. Das haben die Regierungsverhandlungen von Anfang an deutlicher gemacht, als wohl manche Genossen im Wahlkompf angenommen haben. Den Nationalfeiertag, der im Re- gierungeprogromm gestanden hat, konnten wir nicht durchsetzen. Beim Panzerschiff, das wahrscheinlich in den Reihen der Feinde nie solche Verheerungen anrichten wird, wie vor der Fertig- stellung in der Partei, hat die Verständigung der Reichstogs- fraktion gefehlt. Unsere Minister können nur Erfolg haben, wenn sie sich vorher der Zustimmung der Fraklion versichern, wir sind mehr al» ein? Paitei im landesüblichen Sinne. Wir sind eine Art Leben»- gemeinschast. aus der sich auch die Minister nicht lösen können. Eine Auseinandersetzung, die möglicherweise zum Rücktritt eines oder mehrerer unserer Minister führt, möchten wir weder diesen Genossen noch der Partei zumuten.(Sehr wahr!) Größere Schwierigkeiten als das Festhalten der bürgerlichen Parteien an ihrer Bürgerblockhaltung boten uns auch die Wirtschaft- lichen und finanziellen Verhältnisi«. Hilferding hatte in seiner letzten Rede im alten Reichstag das verschleierte Etatdefi'zit ausgedeckt und die kommende Rot vorausgesagt. Aber die ganze Trostlosigkeit der Situation ist uns doch erst allmählich bewußt ge- worden. Das Reich hatte einen völlig ungedeckten Kastenbedars von 1100 Millionen, der von Monat zu Monat flieg. Der Etat wies einen Fehlbetrag von Hunderten Millionen auf, der durch Erspanmgen und 357 Millionen neuer Steuern ausgeglichen werden sollte. Da brach bei den bürgerlichen Parteien die große Sparbegeisterung aus und der Hansabund forderte ollein im Sozialetat 266 Millionen Abstriche. Die Finanzsachver- ständigen der� Regierungsparteien haben sich dann zusammengesetzt und dieses Streichquartett hat uns hübsche Melodien vorgespielt. Es hat 180 Millionen Ausgaben gestrichen und 40 Millionen Mehr- einnahmen aus der Vermögenssteuer, 90 Millionen mehr aus dem Branntweinmonopol bewilligt. Das ganze Vorgehen war zugleich ein Beweis der Macht der Fraktionen innerhalb des deutschen parlamentarischen Systems, die zu ertragen ist, wenn die Fraktionen dos notwendig« Ver. antwortlich keitsgefühl jederzeit bewahren. Hilferding hat diesen Vorschlägen zugestimmt, weil anders eine Mehrheit für den Etat nicht zu haben war. Aber er ist sich mtt uns darüber klar, daß diese Vorschläge nur eine provisorische Lösung bringen und daß neue Probleme bald auftauchen werden. Beim Reichswehretat sind die vorgenommenen Kürzungen uns noch zu gering. Immerhin ist zum e r st e n Male eine Verringerung der Reichs» Mehrausgaben des Reichswehrministeriums eingetreten auf 660 Mil- lionen gegen 727 Millionen im Vorjahre. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, daß diese Kürzung im kommenden Jahr ihre Fori» s e tz u n g findet. Wir sind zwar noch weit entfernt von dem An- trag der Opposition, den Reichswehretat aus 500 Millionen herab- zusetzen, aber auch hier standen wir vor der Alternative, entweder auf dem Wege unserer Mitwirkung die Herabsetzung in dem er- wähnten Umfange zu erreichen oder durch unser Pciseitetreten gar nichts zu erreichen. Die SozialpoZitik. Beim Sozialetat, produktive Erwerbslofeufürforge, sind von den angeforderten 55 Millionen 20 Millionen gestrichen worden, ober wir haben noch Restbeträge von 40 Millionen aus dem Vorjahr, so daß insgesamt 75 Millionen verausgabt werden können. Gegen die Streichung der 25 Millionen bei den Ausgaben für K a p it a l a b f i n du'n g e n der Kriegsbeschädigten hat sich die Sozialdemokratie energisch gewendet, hat sich aber gegenüber den anderen Parteien nicht durchsetzen können. Die Bezüge der ein- zelnen Beschädigten werden dadurch nicht verringert. Anderer- seits hoben wir die Verlängerung der krisensürsarge bis Ende 3uli erreicht, und durchgesetzt, daß die lex Brüning ver b e s s e r t wurde. Darüber müssen mir uns klar, sein, daß einer allgemeinen Erweiterung der Sozialpolitik die schlechte Finanzlage außer- ordentlich hindernd im Wege steht. Das heißt freilich nicht, daß uns in der Sozialpolitik überhaupt nichts gelungen wäre. Wir haben eine Erweiterung der Krisenfürforge auf viele weitere Berufe durchgesetzt, ebenso die Verlängerung der Unter- st ü tz u n g s d a u e r. Die Unfall Versicherung wurde auf ver- schiedene neue Berufe ausgedehnt und verbessert. Im Dezember wurde die Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit geregett, um die Arbeitslosenversicherung zu entlasten. Die An- gestelltenversicherung wurde durch eine Novelle zugunsten der älteren Angestellten verbessert. Dazu kommt eine wesentliche Verbesserung der Wöchnerinnenhilse Diese wertvollen Verbesserungen der Sozialpolitik sind um so mehr sozialdemokratische Erfolge, als sie erzielt wurden in einer Zeit, in der der Ansturm qegen die Sozial- Politik und die Sozialoersicherung außerordentlich stark war und die verschlechtert« Finanzlage des Reiches außerordentliche Schwierig- ketten machte. Im Herbst 1928 führten die Unternehmer im Nordwesten Deutschlands einen erbitterten Kamps gegen das staatliche Schlichtungswesen. Aber der Sozialdemokratie gelang es. für die Ausgesperrten Sie Aussprache öder das Wehrprogramm. Gozialdemokraiie und Militärfrage. Magdeburg, 29. Mai.(Eigenbericht.) In der W e h r d e b a t t e des Parteitags sprach nach S e v c- ring Roemer-Ludwigsburg: Jeder Verständige müßte den Krieg auf ein Duell unter den feindlichen Heerführern einschränken. Aber wesentlich ist nicht, was wir möchten, sondern was möglich ist. Das Verbot des Giftgaskrieges war schon im letzten Krieg geltendes Völkerrecht, aber niemand hat sich daran gehalten. In einem neuen Kriege würde das genau so sein und der Kampf gegen das Hinterland noch stärker werden. Das„Giitgasoerbot" ist nur eine irre- führende Beruhigungspille für die Zivilbevölkerung, wir sollten diesen Betrug nicht'mitmachen. Wir sollten grundsätzlich jede Kriegshandlung ablehnen und völlig abrüsten wie in Däne- mark. Wir sollten von vornherein erklären, daß wir keinen Krieg mehr führen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte, von Düsseldorf betämpst, wird abgelehnt.(Beifall.) Bergholh-Zeitz: In den Betrieben und unter den Funktionären hat die Wehrdebatte einen Umfang angenommen, wie seit Jahr- zehnten kaum«ine Frage. Unsere Richtlinien müssen weit über das Tagesbedürfnis hinausreichen. Wir oerwahren uns dagegen, daß prinzipielle Darlegungen zu dieser Frage nur ausgetretene Kinderschuhe wären. Es ist beste Tradition der Partei, in ihrem Programm grundsätzliche und lagespolilische Forderungen zu verbinden. Jedes Heer ist heute ein B c r e i t s ch a s t s h e e r. Die Verteidigung liegt bei der heutigen Struktur des Militarismus im A n- griff. Die Landesverteidigung ist di« Tarnkappe aller Auf- rüstungsfreunde in allen Länder». Habt ihr nichts daraus gelernt, daß wir in der Panzerkreuzerfrage schließlich isoliert gegen alle bürgerliche Parteien standen? In einem künftigen Krieg werden Heer und Volk eins sein. Die ganze Industrie wird zum Kriegs- zweck, die Front des neuen Angriffskrieges identisch werden mit der Front des Klassenkampfes. Im Hinblick auf diese Situation müssen wir die Massen mobilisieren im Kamps gegen den Krieg und für den Sozialismus. Kawerau-Berlin: Die Diskussion hat zweifellos«'geben, daß das Programm heute noch nicht zur Verabschiedung reis ist. In ollen vorliegenden Entwürfen finden sich viele Unklarheiten. Im Entwurf der Kommission wird fortwährend der Zukunftsbcgrisf der Reichswehr mit ihrem Gegenwaris- begriff zusammengeworfen. Die Republikanisierung der Reichswehr bedeutet noch nicht die Lösung. Die amerikanische Wehrmacht ist vollkommen republi- kanisiert, aber sie wird immer die Jnteresten des Kapitals schützen: wenn das Kommando„Feuer!" kommt, senkt sie die Ge- wehre nicht. Biel Unklarheiten enthält auch das Programm der Opposition. Millionen sehen in der deutschen Sozialdemokratie den letzten Hort des Friedens. Wir schaden der Sache des Friedens, wenn wir uns heute schon festlegen auf nicht ausgereifte Richtlinien. Ich empfehle deshalb dringend Vertagung der An- gelegenheit. Haubach-Hamburg: Es könnte nach der Debatte scheinen, als ob der Parteitag darüber zu entscheiden hätte, ob wir eine» neuen Krieg führen wollen oder nicht. Tatsächlich sind wir zu dieser De» batte doch dadurch gekommen, daß wir in der Deutschen Republik eine Reichswehr haben, die wir deutlich als eine i n n e r p o l i- tische Gefahr bezeichnen können. Bei den Richtlinien handelt es sich nur um die Frage, ob die Arbeiterklasse alle Mittel, auch die des Staates einsetzen will, um sich gegen die faschistische Gefahr von innen und außen zu wehren. Seydewitz sagt, die Opposition sei gegen jeden Krieg, aber tatsächlich wird in verschiede- nen Anträgen der Opposition die W e h r h a s t m a ch u u. g des Pro- letariats als die w i ch t i g st e Aufgabe bezeichnet. Seegers Hin- weis auf Dänemark trifft nicht den Kern der Sache, denn Däne- mark rüstet eben nur bis zu dem Grade ab, daß es eine zum Schutz seiner Neutralität ausreichende Polizeitruppe hält. Es kommt darauf an, daß wir die Reichswehr, die jetzt im gegnerischen Lager steht, in unser Lager ziehen. Das können wir aber nur erreichen, wenn wir unseren Genossen die Arbeit an diesem Werk er- möglichen durch Richtlinien, wie sie die Kommission vorgelegt hat. Eine Vertagung würde die Lage für die Partei nur verschlechtern. Schvmacher-Stuttgart: Der Anlaß zur Aufstellung der Nicht- linien hat die Panzerkrcuzerkritik gebildet. Wenn man sich von dem vorgelegten Wehrprogramm einen Schutz gegen ähnliche Kritik ver- spricht,'so ist das ein Trugschluß. Auch nach Annahme des Pro- gramms würde jeder die volle Verantwortung für seine politische Entscheidung in solchen Dingen tragen müssen. Ich lehne das Wehr- Programm ab, weil im Parteiprogramm schon alles Notwendige über unsere Stellung zu diesen Fragen gesagt ist. Ein Antrag auf Schluß der Debatte.wird nunmehr an- genommen. Dittmsnn spricht im Schlußwort seine Genugtuung über die sachliche Aussprache aus. Wer wie er die 6 0 0 Artikel gelesen habe, die zur Wehrfrage erschienen sind, habe allerdings neue Argumente nicht gefunden. Nur wer die Parteigeschichte gar nicht kennt könne die Vorschläge der Programmkommission als etwas Neues ansehen. Eckstein habe gesagt, die österreichischen Arbeiter würden Tirol gegen den Faschismus verteidigen, aber nicht mit der offiziellen Wehrmacht zusammen. Das sei wertlose Konstruktion: im Falle der Not nehme man Bundesgenossen, wo man sie finde. Wenn Eckstein ins Wasser fallen würde, würde er sich auch von einem Hakenkreuzler retten lassen.(Heiterkeit.) Es ist gar nicht so, daß auf der einen Seite die Arbeiterklasse steht, aus der anderen Seite das gejami« Bürgertum Die klasicnscheidung gehl durch die politischen Parteien. Im Lager der bürgerlichen Parteien sind leider noch sehr viele prole- tarische Elemente, die man für die Sozialdemokratie nie gewinnen würde, wenn man eine unübersteigbare Scheidewand aufrichtete. Der Entwurf der Pragrammkommission gibt nur praktische Nicht- linien zur Tagespolitik' als gemeinsame Position für den täglichen Kampf. Die Kommission beantragt, die Vertagung abzulehnen und den Entwurf anzunehmen.(Beifall.) Zu namentlicher Abstimmung wird der Ankrag aus Vertagung der Entscheidung und Verweisung an die Kommission mit 225 gegen IKK Stimmen abgelehnt. Der Entwurf der Programm- kommlssion wird mit 244 gegen 147 Stimmen angenomm Damit sind alle anderen Anträge hierzu erledigt. Unter st ützuirg aus öffentlichen Mitteln durchzusetzen. Die Sozialdemokratie hat auch eine Aenderung des Schlichtungs- wvfens abgelehnt. Dies« Punkte hat Vieligk in seiner Bilanz leider zu registrieren veraessen. Was wir besonders auf der Kreditseite zu buchen haben, ist die Abwehr der Angriffe der Wirtschaft gegen die Sozialpolitik. Besonders ist neuerdings die Attacke aus die Arbeitslosenversicherung gerichtet. Es werden von den So�alreaktionären unkontrollierbare Behauptungen über Miß- brauch der Versicherung erhoben. Die Sozialdemokratische Fraktion hat in ihrem Beschluß die Grenzen gezeigt, bis zu denen sie geneigt ist zu gehen, um ein« vernünftige Reform in die Wege zu leiten. Sie gibt zu, es mögen Mißstände vorhanden sein. Sie liegen aber zum Teil darin, daß der Berwaltungsapparat noch nicht genügend eingespielt ist. An dem Grundsatz der Arbeitslosenversicherung werden wir nicht rütteln lassen. Wir sind bereit zur Abstellung nachweisbarer Mißstände und sind auch bereit, einer mäßigen Erhöhung der Beiträge zuzustimmen. Dos ist aber auch die Grenze unseres Entgegenkommens. Wir wollen kein« Krise, aber wenn es zu entscheidenden Aus- einandersetzungen kommen sollte, dann ist der Kampf wohl für uns in der Arbeitslosenversicherung wesentlich günstiger als bei dem Panzerkreuzer! Wir profitieren bei dem Verfahren, wenn wir über diese Grenzen nicht hinausgehen, und die bürgerlichen Parteien werden erkennen müssen, daß wir als die stärkste Arbeiterpartei bei Ueberschreitung dieser Grenze in die Opposition treten müßten.(Sebh. Zustimmung.) Die Fraktion hat vorgeschlagen, neue Lohnklassen bei der Arbeitslosenversicherung oufzu- stocken, um höhere Einnahmsn zu erreichen. Sobald die Reparations- Verhandlungen au geschlossen sind, wird die öffentliche Meinung den Verteidigern der Arbeitslosenversicherung sicherlich g ü n st i g e r geworden sein. Den Antrag, die Altersgrenze bei der Sozial- Versicherung auf SO Jahr« herabzusetzen, konnten wir nicht annehmen, da die finanziellen Anforderungen zu hoch geworden wären. Es wird aber jetzt im Sozialpolitischen Ausschuß erwogen, ob eine beschränkte Abkürzung der Altersgrenze nötig ist. Eine Frage, in der die Nachgiebigkeit unserer Fraktion ihre Grenzen finden müßte, ist die Zollpolitik. Den Bestrebungen, die Lebensmittel der breiten Massen zu oer- teuern, auch wenn man es„Preisausgleichszoll" nennt, müssen wir den stärksten Widerstand entgegensetzen. Einer mäßigen Erhöhung der Zuckersteuer haben wir nur deshalb zugestimmt, weil hier zum erstenmal in einem Zollgcsetz dem Verbraucher die Versicherung gegeben ist, daß der Großhandelspreis einen gewissen Betrag nicht übersteigen darf. Wir bedauern auf das lebhafteste, daß die deutfch-polnischenHandelsoertragsverhandlun- gen nicht weiter gediehen sind. Vielleicht sind unsere Unter- Händler dabei nicht ganz ohne Schuld newesen. Aber sie sind sicher nicht die einzig Schuldigen. Mit Polen sich auf handelspolitischem Gebiet zu verständigen, ist ein Geschäft, das selbst die Engel im Himmel nicht leicht erledigen können. Wir richten in diesem Zusammenhang an die polnischen Gc- nassen die Bitte, uns in diesem Kampf zu unterstützen. Freilich ist der Einfluß der parlamentarischen Parteien in Polen unter Pilsudsti wesentlich geringer als in Deutschland. Wenn wir uns einer Reform der Arbeitslosenversicherung im Sinne der Unter- nehmerwünsche widersetzen, so nicht zuletzt deshalb, weil in den letzten Wochen das Argument der finanziellen Unerträglichkeit der Belastung mindestens stark in seinem Werte herabgesetzt worden ist. Ich spreche von der Anleihe, die mit Steuerfreiheit beschlossen und aufgelegt worden ist. Sie wird in die Geschichte eingehen unter der Bezeichnung „hilferding-Anleihe". Ich hoffe nur, daß unser Freund hilserding an diesem Spiel eine gewiss« Freud« haben wird, wir als Fraktion haben wahrhaftig wenig Freud« daran gelzabt. Die Fraktion hat ihr nur mit sehr s chw« rem herzen und großem Bedenken noch langen Auseinandersetzungen mit einer verhältnismäßig geringen Mehrheit zugestimmt, aber nur, weil wir überzeugt sind, daß es im gegenwärtigen Moment«inen anderen Ausweg nicht gab und daß wir hier zu büßen haben für die Sünden der Finanz. Politik vergangener Jahre und Regierungen. Wir hoffen, daß diese Anleihe Erfolg hat. Nachdem wir ihr zugestimmt haben, muh unser Widerstand gegen eine Aenderung der Arbeitslosenversicherung noch stärker lein als bisher. Wir wollen nicht, daß die Kassenlage des Reiches gebessert wird auf Kosten hungernder Erwerbsloser. lc-bhoster Beifall.» Wenn die Reparot ionsverhand lungen in Paris zu einem das deutsche Wirtschaftsleben entlastenden Ergebnis führen. so wird auf die Dauer eine grundsätzliche Steuerreform unvermeidlich werden. Sollten aber die bürgerlichen Parteien darauf bestehen, im wesentlichen eine Entlastung des Besitzes vor- zunehmen und um eine Erleichterung der Massenbelastung herum- zugehen, so werden wir un» auf dem Posten, d. h. in der O p p o- sition finden. Sie müssen dann versuchen, ihre Politik mit Hilfe der Deutschnationalen gegen uns durchzuführen. Die Arbeiter, auch die, die noch in ihren Reihen stehen, werden ihnen dann die Quittung erteilen. Gemeinschaft mit Rußland. Bon der russischen Regierung verlangen wir, daß sie sich zu Deutschland wie einem Kulturstaat benimmt, was sie am t. Wal nicht getan hat. Ganz Deutschland ist weit davon entfernt, imperialistische Politik treiben zu können, selbst wenn wir es wollten.(Sehr wahr!) Wir sind für Frieden und Ausgleich in gleicher Weise im Westen wie im Osten. Mögen die Motive und letzten Ziele Stresemanns andere sein als unsere, mag der dauernde Frieden nur durch den internationalen Sozialismus zu erreichen und zu garantieren sein, so müssen wir doch bis dahin die Maßnahmen unterstützen, die in unserer Richtung liegen. Dazu gehört auch die Unterstützung der Regiening in ihren Bemühungen um Völkerbund, Abrüstung, Räumung des Rhein- l a n d e s und Rückgabe des Saarreviers.(Beifall.» Wir freuen uns der Zeichen von Freundschaft, die die Franzosen jetzt beim Unfall des.Lcppelins" gegeben haben. Die Dölkermossen wissen nichts von.Fassen und Gehässigkeit. Sie wollen Frieden und Freundschaft, aber sie müssen dafür noch viel fester zusammenstehen und die Regierungen vorwärtspeitschen. Solange die Besehung des Rheinlandes forldaueri und die Abrüstung sabolierk wird, kann eine wirkliche Entspannung nicht eintreteu. Die Schwierigkeiten der Pariser Reparationsverhandlungen sind im Reichstoq nicht besprochen worden, weil ja leider die Sachverständi- gen nicht dem Parlament verantwortlich sind. Wir hoben nur ein- mal protestiert, als Schacht völlig deplaciert Kolonial- und Oft- c'enzenrevision mit den Finanzverbandlungen verb-nden wollte. (Sehr wahr!» Die Rechtspresie faieit von einer Nebenregierung Stresemann-Filferding-Bernhard-Breitscheid. Eine merkwürdige Nebenregierung, in der zwei Minister sitzen! Da sind wohl Schacht und Hugenberg als Fauptregierung anzusehen?(Feiterkelt!) Ich selbst Hobe nie den geringsten Einfluß auf die Pariser VerHand- hingen gehabt oder geübt und ich habe auch in Genf keinen Schritt getan, der nicht mit der deutschen Delegation vereinbart war. Trotz- dem schreit man Landesverrat. Ich brauche das Wort nicht gern, aber Fugenbergs Brief nach Amerika, der verfuchl, den deutschen Kredll zu erfchüklern und die Unlerfchrifl der deutschen Regle- runq ofine Gegenzeichnung der Schwerindustrie als wertlos hinzustellen, das ist Rebenregierung, das Ist Landesoerral! (Stürmische Zusttmmung.) Sollte die Einigung in Paris nicht glücken, dann muß die Regierung sofort internationale politische Verhandlungen einleiten: denn die Poli- tik des starken Rückgrates, der Kirdorff und Thyssen, ist nur eine Politik der Katastrophe für die breiten Massen des Volkes.(Leb- hafter Beifall.) Vorschau. Sie hoben der Reichstagsfraktion gestern die Dollmacht ge- geben, auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten. Es ist eine schwierige, dornenreiche Straße. Wir gehen sie nicht aus Begeisterung für die Koalition, nicht aus Freude am Regieren, sondern aus Berantwortungs- g e f ü h l für den demokratischen Staat. Dieser Staat ist noch nicht unser Staat. Es ist erst ein Rohbau, in dem wir die Wohnungen künftig nach unserem Geschmack und Interesse ausstatten wollen. Aber dieser Rohbau kann nicht zerstört werden ohne schwerste Schäden für die Arbeiter. schast. (Sehr wahr!) Wenn diese Regierung scheitert, was dann? Eine neue Regierung von den Nationalisten bis zu den Demokraten! Oder die ewig wiederkehrende Auslösung des Reichstages? Es kann der Moment kommen, wo wir auf jede Gefahr hin aus der Regierung ausscheiden müssen, auch wenn dann Desperados zu Mitteln greifen, die dem Sinn und Geist unserer Verfassung nicht entsprechen. Dann müssen wir bereit sein, die Demokratie außerhalb des Parlaments zu verteidigen, nicht auf den Barrikaden, die nie bestanden haben, auf denen nie Kommunisten gestanden haben, die die Kommunisten aber heldenhaft verteidigt haben, wie die Kommunisten in ihrer Ver- logenheit und polittschen Sinnlosigkeit gleichzeitig versschern. son- dein mit den Mitteln der organisierten Arbeiterschaft. Aber solange wie möglich müssen wir die Machtmittel des Staates durchaus in der Fand behalten, um seinen Geist und sein Wesen zu retten.(Lebhafter Beifall.» Die Reichstagsfraktion hat die Aufgab«, innerhalb der Koalition die Macht der Sozialdemokratie zur Geltung zu bringen. Dazu brauchen wir keine Resolukion, aber vielleicht manchmal etwas mehr Refolutheil. (Sehr gut!) Nesolutheit nicht nur zum Nein-, sondern auch zum Ia-Sagen. und auch die Resolutheit, nötigenfalls einmal unpopu- !är zu' sein und nach eigenem Wissen und Gewissen gegen vorüber- gebend« Stimmungen der Genossen zu handeln.(Stürmischer Bei- fall., So werden wir veraalworlungsbewnßt Politik treiben, ob Opposition, ob Koalition, die Grundlage bleibt die gleiche, nur die Ruancen sind verschieden, und so muß der Parteitag über die Fraktion ein parteigenössisches Urteil fällen. (Lebhafter, anhaltender Beifall.» hofmann-Ludwigshafen: Im Namen aller Delegierten des be- setzten Gebietes bitten wir den Parteitag, unseren P r o t e st gegen die Fortdauer der Besetzung anzunehmen. Wir wissen uns von jeder nationalistischen Regung frei, aber wir müssen immer wieder die Freigabe des besetzten Gebietes fordern. Die Bevölkerung des besetzten Gebietes wird durch die Besetzung noch immer in ihrem Wirtschafts- und polittschen Leben gefesselt. Roch immer befiehlt die berüchtigte französisch« Sicherheilspoll- zel, noch immer arbeiten die französischen MUiiSr- und Kriegs- gerichle. Die Nöte des Wirtschaftslebens im besetzten Gebiet beweist die Massenarbeitslosigkeit, die mehrfach so groß ist wie im unbesetzten Deutschland. Wir ersuchen den Parteitag, wiederum seine Stimme für die Freihell des besetzten Gebietes zu erheben.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag der Delegierten des besetzten Gebietes wird ein» stimmig angenommen und darauf der Parteitog auf Donnerstag früh vertagt. ��ASozialistischeArbejterjugendGr..Verlin 9n 1 r*J cZwsaidimg«, für dies« Ztvdctt nur«n da« Zasaidsetietariac Berlin«3868,£fn»cn|Iraft 8 Achtung. Abteilungsleiter! Morgen. Freitag, lettre Zag stir Abgabe der Melde,»nd Bammrlliftr» für Wien! .Saldo e'.Fahrrr(1. und 2. Juni»! Wir treffe» IMS am Sonnabend, 1SM Uhr, in Spandau, Lindenufer. Brnxgungocha«. Neuaufnahmen an allen Urbungsabenden. Jeden Donners. tag. ISZb Uhr, Uebungsftunde ffllr Anfänger und Fortgefchrittenr); 2014 Uhr üben stir Wien, Schule Danziger Str. 28. Heute, Donnerstag. 30. Mai. 19H Uhr: Kölln ischn Pari: Funktionärlihung beim Genossen Scholz, Blumensse. 27, Quetaeb. 4 Tr. Rur Funktionäre haben Zutritt. Kelkplag I: Schule Eonnenburger Str. 20.„Soziales Wandern."— ssope. »Icker Biertel: Schule Wranaelftr. 128.„Arbeiterjugend, Linderfreunde und Rate Falken in Wien."— Kottbnssee loe: Heim Brider Str. 27—80. Licht. dilder:„Das alte und neue Wien."— Schönebeeg in; Heim Haupt str. 15. Bericht von Magdeburg.— Wilmeeodoef: Heim Wilhelmsaue 128.„Wien."— Stealig! Heim Albrechtstr. 47».„Tagespo itifche Fragen."— Witte»«»: Heim Rofenthaler Str. 15. Lichtbilder:„Kreuz und auer durch die Mark."— Lichtenbeeg-Rord: Heim Dossestraße. 20 Uhr Singtrets. « Beebebejlrl«enlölln: Moraen, Freitag, Lnstigee Ftlmabend im Saalbau Bergstraße. Einlaß 10Z4 Uchr. Beginn 20 Uhr. Eintritt 50 Bf. DIESER VOLLENDETE SECHSZYLINDER SPORTWAGEN KOSTET NUR 3900 MARK 'er 8 PS Opel ist einfe der reifsten und gelungensten Sechszylinder«! Konstruktionen. 20-412 diSH Die kraftvolle, geschmeidige Maschine bezwingt mühelos und ohne Schalten die Skala der Geschwindigkeiten vom langsamen Schritt des Fußgängers zum donnernden Tempo des D-Zugs. Dabei sind die 8 PS Opel nicht nur die preiswürdigsten, sondern auch die absolut billigsten Sechszylinder- Wagen auf dem deutschen Markt! OPEL ADAM OPa A.Cv. RÖSSEISHEJM A.M. OonnerSiag 30. Mai �929 Unterhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts iiLSoufchenko: QualHälser Bei meinen Bekannten, den Guhjews, hatte ein Deutscher aus Berlin gewohnt. Er war bei ihnen Untermieter. Beinah« zwei Monate lang. Und nicht etwa so ein Ostseeprovinzler oder ein« andere natio- nale Minderheit, sondern«in echter Germane aus Berlin. Vom' Russischen keinen blauen Rauch. Zur Verständigung benutzte er Hände und Kopf. Natürlich war dieser Deutsche überwältigend gekleidet. Rein« Wäsche, gespannte Hosen. Nichts Ueberflüssiges. Der reine Kupfer- siich. Und als der Deutsche abreiste, da blieb den Wirten mehreres zurück. Ein ganzer Haufen ausländischer Feinheiten, allerlei Phiolen, Kragen, Schächtelchen. Und überdies beinahe zwei paar Unterhosen. Auch ein Sweater, fast ganz. Dann noch Kleinigkeiten, nicht zu zählen. Sowohl für männlichen als für weiblichen Gebrauch. Das lag alles zusammengeworfen in der Ecke beim Waschtisch. Die Hausfrau, Madame Gußjew, ein« tadellose Dame, über die gab's nichts zu reden, deutete dem Deutschen vor seiner Abreise an,— haben Sie nicht etwa, pardon carton, die ausländischen Er- Zeugnisse in der Eile vergessen? Der Deutsche schlug mit dem Kopf aus,— bitte, pardon carton, behalten. Nicht der Rede wert. Da ergriffen die Wirte von den zurückgelassenen Erzeugnissen eifrig Besitz. Gutzjew stellte sogar ein« Liste darüber aus. Und natürlich schlüpfte er vor allem selbst in den Sweater und behielt sich auch die Unterhosen. Zwei Wochen lang spazierte er mit den Unterhosen in den Händen herum. Er zeigte sie allen Leuten. Nicht zu sagen, wie er protzte und die deutsche Qualität lobte. Die Sachen waren ja allerdings— obwohl abgetragen und überhaupt kaum zu gebrauchen— echte ausländische Ware, eine richtig« Augenweide. Unter anderem befand sich zwischen den Sachen so eine Flasche, nicht gerade eine Flasche, sondern so ein ziemlich flaches Gefäß, mit einem Pulver darin. Das Pulver war rosig, sein. Duftete auch nicht schlecht, vielleicht nach Houbigant, vielleicht nach Rosen. Nach den ersten Tagen der Freud« und des Jubels begannen die Gußjews zu raten, was das wohl für«in Pulver sei. Sie rochen daran, zerkauten es zwischen den Zähnen, streuten es auf Feuer, konnten aber nicht darauf kommen, was es sei. Sie trugen es im ganzen Haus umher, zeigten es den Arbeiter- studenten und der übrigen Intelligenz im Haus«, konnten jedoch nidjts in Erfahrung bringen. Viele meinten, es sei Puder. Ander« wieder erklärten, es sei feines, deutsches Talkum, um Säuglinge damit einzustreuen. Gußjew sprach: „Feines deutsches Talkum kann mir nichts nützen. Säuglinge habe ich nicht. Lassen wir es Puder sein. Ich will mir nach jedem Rasieren die Schnauz« damit einstauben. Man muß doch einmal im Leben auch ein bißchen kultiviert leben." Er rasierte sich also und puderte sich. Ging nach jedem Rasieren rosig umher, blühend, geradezu voll Wohlgeruch. Ringsum natürlich Neid und Fragen. Man muß sagen, Gußjew förderte wirklich die deutsche Pro- duktion. Lobte viel und heiß die deutsche Ware. „Wie viel« Jahre," sagt« er,„habe ich meine Persönlichkeit mit allerlei russischen Abfällen entstellt, endlich bin ich aufs richtig« gekommen. Wenn mir," sagte er,„dieses Puder einmal ausgeht, weiß ich wirtlich nicht, wie ich leben werde. Ich werde mir rein eine neue Schachtel bestellen müssen. Sehr feine Ware." Nach einem Monat, als der Puder zu Ende ging, kam ein be- kannter Intelligenzler Gußjews, diesen besuchen. Beim Tee machte er sich's bequem und las die Schachtelaufschrist. Es war«in Mittel gegen Flöhe. Einen anderen, weniger lebensfreudigen Menschen hätte na- türlich dieser Umstand erdrückt. Bielleicht hätte sich auch die Fratz« bei einem weniger lebensfreudigen Menschen vor überflüssiger Aengstlichkeit mit Finnen und Pickeln bedeckt. Aber Gußjew war nicht von dieser Art. „Also das lasse ich mir gefallen," sagte er.„Das nenne ich Qualitätserzeugnis. Dos nenne ich Errungenschast. Das ist War«, kein Krimstrams. Willst du, kannst du die Schnauz« einstreuen, willst du, kannst du Flöhe einpudern. Taugt für alles. Und was gibt's bbi uns?" Und noch einmal lobte Gußjew dt« deutsche Produktion und sprach: „Drum schau ich immer— was soll das nur? Ich pudere mich nun schon einen Monat lang und kein einziger Floh hat mich ge- bissen. Mein« Frau, Madam« Gußjew, beißen sie. Auch meine Buben kratzen sich den ganzen Tag. Und ich gehe umher, als wenn nichts wäre. Wenn sie auch Insekten sind, sie spüren doch, die Hundskerle, was gute Produktion wert ist. Ja, ja..." Jetzt ist der Puder bei Gußjew zu Ende. Wahrscheinlich beißen ihn die Flöhe wieder. (Deutsch von 3. Borissosf.) 3. ffles: 3>eullche SchriHreformbetvegung Auf dem Gebiet« der deutschen Schrift ist eine Revolution bemerkbar geworden. Allseits in deutschen Landen suchen Haupt- sächlich unter Führung der Volksschullehrer die Regierungen die bisher gepflegte und geübte„Deutsche Schrift" in die Geschichte der Vergangenheit versinken und«ine neue Schriftform entstehen zu lassen. Bis 1931 soll allgemein die neue deutsch« Schrift als lebens- fähiges Kind geboren sein und Allgemeingut des heranwachsenden Geschlechtes werden, das heißt mindestens der allgemeinen Volks- schlller. In Norddeutschlond ist man auf diesem Gebiete schon etwas vorgerückt, indem man dort schon verschiedene Schreibzeichensysteme zur Probeeinführung gebracht hat. Auch in Süddeutschland sind Männer am Werk, jeder sein Steckenpferd reitend und damit auch seinen Namen gern hörend, moderne Schriftart zu propagandieren. Ein heißer Streit In Wort und Schrift entbrennt schon um das allein selig machende System; denn es scheinen hier nicht nur pädagogische, sondern auch geschäftliche Fragen und Vorteile mit im Spiel« zu stehen. Sache der Behörde müßt« es nun sein, den klaren Blick bei dieser neuen Heiilehre nicht durch die modern pädagogische Schriftanpreisung trüben zu lassen und das Volksschulkind als Versuchskaninchen zu Reklamegeschäften zu verwenden; denn das Experimentieren ist bald zur Modesache in der Volksschule geworden. Zugegeben muß auch von dem eingefleischtesten Konservativen der Anhänger unserer alten deutschen Schrift werden, daß unsere Schrift dem modernen Weltverkehr und dem zeltgemäßen Wirt- schaftsleben angepaßt werden muß, wollen wir Deutsche nicht durch unsere Schrift, auch auf diesem Gebiete, die Sünde der oerpaßten Gelegenheiten auf uns laden. Entscheidend ist es aber in dieser Frage, ob man nicht durchgreifend sich auch in der Schrift weit- politisch und weltwirts chaftsplllitisch orientieren soll und die jetzige Schrift, wie es auch andere und noch viel ältere Kullurvölker getan haben, den Geschichtschreibern und Altertumsforschern hinterlassen soll. In der Politik, in der Wirtschaft, im Staat und in der Bildung streben wir, Wellgesichtskreis zu erlangen, warum sollte dann unsere Schrift allein ein Hemmnis des weltpolitischen Verstehens und Kennenlernens fein? Ist es nötig, daß allein das Vcnksschulki«» zweierlei Schreibschrift üben und kennen lernt; währen) das Kind der sogenannten besseren Schicksten schon heute immer mehr sich die sogenannte lateinische Schrift zu seiner Korr«- spondenzschrift zu eigen macht? Achtzig Prozent oller in Deutsch- land geschriebenen Korrespondenz wird heute schon, ob mit Schreib« Maschine oder mit der Hand, in lateinischer Schrift geführt, und nur der deutsch« Dolksschullehrer und das Proletarierkind ver- künsteln sich in der sogenannten Deutschen Schrift. Selbst im amt- lichen Schriftverkehr hat sich nahezu vollständig die Lateinschrift zur Amtsschrift entwickelt, und zwar nicht gewollt, sondern aus Zweck- mäßigkeitsgründen, weil sie im internationalen Verkehr zur leichteren Verständigung führt und weil sie flüchtiger und ge- fälliger schreibbar ist. Im Interesse des gesamten Volkes, der Wellgeltung und Dölkerverstärchigung wäre es wohl das Gegebenste, wenn nur «ine Schrift von allen Völkern geschrieben würde, und das könnte nur die Lateinschrift sein. Viele orientalisch« Völker haben diese zeitgemäße Forderung erkannt und sich die Lateinschrift als Amtss christ und Schulschrift zu eigen gemacht. Oder sollten wir auch auf diesem Gebiet« aus nationalistischen Gründen wieder die Zeit verschlafen wollen und erst durch die Not oder durch einen fremden Diktator zur Einsicht gebracht werden? Darum Ist es Pflicht der Regierungen, auch hier Führer zu sein und nicht abzuwarten. bis die Federfabritonten. Büch-rschreiber und egmstischen Streber ihr« Geschäst«, aber nicht zum Rußen des Deutschen Staates, Volkes und der Jugend gemocht haben. Aber auch der deutsche Bauer und Arbeiter müßte sich um dies« Frage lebhaft interessieren und müßte es sich verbitten, daß gerade ihm eine neue„nationale" Schrift aufokroyiert werden soll, während die sonst nationalen Kreise ihre international« Schrift als Eigengut weiter in Anspruch nehmen. Dann aber auch sorge man dafür, daß dem Kinde des werktätigen Volkes sein Schulsack nicht mit allen mög- lichen Experimentiertaseln angefüllt werde, sondern daß es ein ge- diegencs Allgemeinwissen und Können mit auf seinen Lebensweg erholte, auf daß die Klagen der Mittel- und Handelsschulen, wie auch der Kauf-, Handwerks- und Geschäftsleute, über das mangel- hafte Wissen, vor lauter phrasenhaftem Geschwätz, verstumme. &ronleichnamssauber JiuUurbild au« dem fchttärzefien Oesterreich Jäh schreck« ich auf. Was gibt's? Krachend« Schüsse lassen alle Fenster klirren. Meine kleinen Kinder schreien angstvoll. Noch ist's kaum Tag. Ja so: Fronleichnam! Der höchst« Festtag der tacholischen Well. Da wird aus Böllern geschossen vom ersten Tagesgrauen an. In wochenlangen Verhandlungen habe ich wenigstens erreicht, daß die Kanonen nicht direkt hinter meinem Garten aufgestellt wurden und ihren Ziegelgrus uns in den Morgenkaffee streuten. Es gibt Landesgesetze. Doch kein Deubel schert sich darum. Ich seh« Most ute Schnaps und die Kanonier« in grüner Festtracht mit roten Gesichtern hantieren. Krach— bumm!! Von der Kirche kommt das Zeichen. Mitten hinein in die helligst« Handlung wird der Donner gepfeffert, daß es nur so „scheppert". Da kann man so recht andächtig sein, wenn Kelch und Kruzifix klirren und das Gestühl bebt. Denn das ist ja noch der alte Lärmzauber, der die Dämonen verscheucht, das Unheil von der Ernte fern- häll. Hier haben wir uralte heidnisch« Gründe christlicher Bräuche. Ach, und da kommt die Prozession aus der Kirche! Wimmelnde Scharen, paarweis hinter dem geistlichen Pomp daherziehend, di« Frauen in Wolle vom Kinn bis zur Fers«, dunkelbraun und schwarz, di« Mädchen, die den Baldachin tragen, erhitzt, dem Gehirn- und Hitzschlag nahe, arme Hascher, di«„züchtig" in langen schwarzen Strümpfen und hochgeschlossenen Wollkleidern stecken,— ach, und wieviel durch Inzucht und Most verkümmerte Gestalten unter beiden Geschlechtern! Krach— bumm! Di« Böller dröhnen, di« Glocken lärmen, um die Dämonen des Marxismus zu scheuchen, di« allent- halben lauern, teufelskrallig... Schon warten Lebzelter, Karussell und Schießbuden, Most- schänk« und Tanzboden. Heute, am allerheiligsten Tage, muß etwas draufgehen zur Ehre der allerhöchsten Herrschaft. Die Männer stehen im polttischen Gespräch beieinander. Der nächst« Heimwehraufmarsch ist das Gesprächsthema. Ob der Republikanische Schutzbund wieder gleichzeitig demonstriert? Das ist das Hauptinteresse. Denn es verspricht wieder einen Fest- tag, ein kriegerisch-prunkvolles Herummarschieren mit Fahnen und Trompeten und einem kühlen Trunk gratis aus der Vereinskasse... Das ist das Unglück dieses schönen Landes: daß die schwarze Herrschaft, aufs engste verbündet mit dem Heimwehraufgebot der tacholischen Länder, keine parlamentarische Verständigung vollziehen kann mit dem„inneren Feinde", der vom roten Wien au», wo unsere Jugend sich jetzt versammelt, dem schwer ringenden Dater- lande— den inneren Frieden bringen will. 41000 Jahre Spargel „Eine liebliche Speis' für Leckermäuler"— so hat der älteste der deutschen Pflanzenväter, der Geistliche Hiernonymus Bock, in seinem 1S39 erschienenen„Neuen Kräuterbuch", das eine Fülle von unbekannten Gewächsen erschloß, den Spargel genannt, und dieses Wort findet noch heute Widerhall in den Herzen aller derer, die eine feine Zunge haben: denn wir alle haben uns heute an dieses „Leckerbißlein" gewöhM, von dem Bock noch berichtet, es sei eben erst von den Welschen und den Spaniern M uns gekommen. Doch wenn auch der Genuß des Spargels bei uns noch verhältnismäßig jung ist, so blickt diese Gemüsepslanze doch auf ein Jcchrtaujende währendes Alter zurück. Die alten Aegypter kannten bereits die Kunst, diese wildwachsenden Stengel in den Gärten zu veredeln und die jungen saftigen Sprossen, die auch Pfeifen genannt werden, möglichst lang und fleischig zu erhalten. Unter den Opfergaben, die in einem der ältesten Bauwerke des Nillandes, in der Stufen- Pyramide von Sakkara abgebildet sind, werden in einem Stilleben auf einem Tisch neben Feigen, Kürbissen und Melonen auch schön zusammengebundene dick« Spargel dargestellt, um dem Ver- storbenen, der gewiß im Leben ein großer Spargelfreund gewesen war, dies Lieblingsgericht auch im Tode darzubieten. Der Name Spargel, der aus dem griechischen �.zparaxos stammt, bedeutet eigentlich soviel wie der nicht Gesäte, weil man ihn schon bei den Hellenen durch Stecklinge fortpflanzte. Der Spargel, der im alten Griechenland auch als.Heil- und Zaubermittel benutzt wurde, kam mit den griechischen Ansiedlern nach Unteritalien und von dorr zu den Römern. Der ältere Cato behandelt in seiner Schrift über den Landbau, die etwa um 180 v. Chr. erschien, die Zucht des Spargels noch als etwas Neues, während ein Jahrhundert später Plinius und Columella das Sammeln des wildwachsenden Spargels emp- fehlen, da er als Arznei wirksamer wird. Plinius spricht auch davon, daß der Spargel jetzt künstlich„gemästet" werde, und zwar sei der in Ravenna gezogene so dick, daß drei Stück zusammen ein Pfund wiegen. Daß die Römer der Kaiserzeit den leckeren Spargel auf ihrer Tafel nicht schien ließen, zeigen u. a. die Wandgemälde von Pompeji, auf denen die prächtigsten Spargelstangen höchst naturgetreu abgebildet sind. Die Veredelung des Spargels dient« sogar zu ein«m sittlichen Symbol, wenn wir aus dem Allertum hören, daß Neuvermählte sich mit Kränzen aus Spargelkraut schmückten, um anzudeuten, daß, so wie d«r wilde Spargel durch die Kultur verfeinert wurde, auch Ehe und Familie die Sitten der Völker veredle. Der Anbau des Spargels bedarf sorgsamer Pflege und reicher Düngung, und so ließ man sich in Deutschland auf diese anspruchsvolle Zucht erst verhältnismäßig spät ein. Die ersten Anweisungen zur Kultur des Spargels gab unter Hinweis auf den alten Cato der pfälzische Leibarzt Tabernaemontanus. Um dies« Zeit wurden die ersten Spargelbeete im Stuttgarter Lustgarten angelegt, und bald wird berichtet, der Spargel werde im„Rheingau bei Weynhagen auf den feuchten Wiesen so überflüssig gezogen, daß man ihn zur Speis' genugsam bekommen könnte". Im 17. Jahnhundert drang der Spargel auch in Norddeutschland mehr und mehr in die feine Küche ein. Befonders war Leipzig ein wichtiger Ort der Spargel- zucht, und die Kaufleute, die zur Sommermcfse nach Leipzig kamen, nannten sie nach dem größten Genuß, der hier ihrer harrte, die „Spargelmesse'. Während der Spargel als Heilpflanze immer mehr zurücktrat, wurde er als feines Gemüse imm«r mehr geschätzt, und zur Zeit Friedrichs II. gab es auch schon in Verlin große Spavgelkulturen, die sich freilich mit den heutigen Plantagen noch nicht messen konnten. Die Feinschmecker verpönten die Zubereitung als Salat und oerlangten den Spargel so zubereitet, wie ihn schon John Gray im 17. Jahrhundert seinen Landsleuten empfohlen hatte:„Die Sprossen des Spargels, leicht gekocht und mit Butter angerichtet, empfehlen sich dem Gaumen durch den köstlichen Ge- schmack." Die ganz feinen Leute essen bekanntlich nur die Spargel- köpfe, und zwar bevorzugt man in Frankreich, Italien und auch in Süddeutschland die Köpfe, die schon von der Sonne grün oder violett gefärbt sind und durch die größere Meng« von Asparagin, die sich in ihnen angesammelt hat, einen etwas h«rberen Geschmack besitzen. tRönlgen-ZKinemalographie Am Dienstäg veranstaltete die Deutsche Kinotechnische Gesell- schast E. V. im Jngenieurhaus ihre 77. Sitzung, die sich mit den Fragen der Röntgen-Kinematographie befaßte. Or. med. Gottheiner sprach zunächst über deren medizinische Bedeutung und führte aus, daß es der Einführung des Kinematographischen Verfahrens auf dem Gebiet der Röntgenologie vorbehalten sein werde, auch physiologische Vorgänge im Innern des menschlichen Körpers dem Blick des Arztes zugänglich zu machen. Dem bisherigen photographischen Röntgen- bild hat der große Mangel angehaftet. Immer nur ein Augenblicks- bild zu geben, das für die Diagnose naturgemäß nur in beschränktem Maße Aufschlüsse geben konnte. Die Versuche, auf kinenrotographi- schem Wege die Durchleuchwngsbilder festzuhalten, gehen schon auf Jahrzehnte zurück. Die große Schwierigkeit liegt einmal darin, daß man nicht wie beim gewöhnlichen Filmverfahren die Lichtquelle beliebig verstärken kann, ohne die gefürchteten Verbrennungserschei- nungen zu erhalten. Mithin hat man sich auf Verwendung licht- stärkster Objektive und Negative beschränken müssen. Die andere Schwierigkeit liegt darin, daß sich die Röntgenstrahlen durch kein Linsensystem brechen lassen und daß deshalb eine direkte Verkleine- rung nicht möglich ist. Man hat bei dem direkten Aufnahmeversahren Filmstreifen von etwa 30 Zentimeter Breit« verwenden müssen, wo- durch sich nicht nur technische Schwierigkeiten ergaben, sondern auch unverhältnismäßig hohe Kosten. Das neue Verfahren Dr. Goitheiner- Jacobsohn nimmt auf indirektem Wege das sich auf dem Fluoreszens- schirm ergebende Bild auf. Dieses Verfahren bietet erstmalig die Möglichkeit, einen ordnungsgemäßen Unterricht in der Röntgenologie durchzuführen und eröffnet auch der wissenschaftlichen Forschung neue Wege. Eine Riesenlalsperr« wird jetzt am Saluda-Fluß, 10 Kilometer von Kolumbia in Süd-Karolina errichtet. Die Anlage liefert nach einem Bericht der„Umschau" das Wasser für ein Elektrizitätswerk von 300 000?L. Die Sperr« besteht in einem gewaltigen Erddamm, der 09 Meter hoch, am Grund« 400 Meter breit und etwa 2400 Meter lang ist. lieber die Dammkrone soll«in« breite betonierte Fahr- straße führen. Der Staus«« wird 05 Kilometer lang und an der breitesten Stell« üb«r 22 Kilometer breit sein;«r bedeckt bei voll- kommener Füllung eine Fläche von 215 Quadratkilometern und faßt genug Wasser, um das Wert auch b«i einer halbjährigen Trockenheit in Betrieb zu erhallen. Ai&uhe Weißwaren Bindekragen Voiif' n c welm, champigne.... Stack DOPt. an« konstaeidenem Ripi, in QC Tielen Farben.............. Z/DPL Bindekragen cratp.DSSpel* Chine, reine Seide, od. Doppel-Crftps 4 45 ßeorgette.reineSeid-jgr.Farbsort.öt X Bindekragen c1?,5..� aparter Spacbtelxacke garniert, 4 95 viele Farben................... 1 Bindekragen«'„Än* echetten m. Sclillngcngarntemng. �75 sehr spart.............. Garnitur 4 Capuchon-Kragen a. Bretonne-Q C»le Garnitir, 4 95 Spitze..... ci O P'• Krg.n. Mansch. 1 Capuchon-Kragen � 75 Volle, mit breiter Spachtelspitae X Capuchon-Garnitur s.Crßp« deChlBa.m-apartSp&ch- /�25 telzacke, Krag. n. ManschetL äj Weisses Zipfelhich«45 ans Crtpe de Chine, reine Seide /Li bunt, in eehfinen Farben nnd �Z99 Mastern..................... O Buntes Cachenez n�ne» ans CrSpe dt Cbifl«, apartFarb. C5Ü nnd Muster, ca. 00X90 cm... O in glatt-weiss Cröpo de China, O90 reine Seide.................. O SviÄe« W aSCheSpitZCn»eise nnd eerü... Meter i 2, i 8, 25pi. Wäschespitzen nm Einarbeiten, Meter 25, 45, 65p(. Valenciennes-Spitzcn-je ac cc und.Ginsätze......«...Conpon ea. SV, Meter OO, J O, OOPi. Einsitze 4 O 1 Spitzen bis 6 cm breit...... Mater 1 Zrt.( bis 10 cm breit..... Meier AixJTl Wäscheansätze m!t 8pltM kombS 35, 45, 65pi. Klöppelspitze u. Einsätze � Wi!�r 5, 8, 10» Feine chinesische Handspitzen..Mater 35, 55p- Leinenspitzen u. Einsätze SSufmit, qc usus ca. 6 cm breit.............................. Meter v/OPf. X X Gardinenansätze l90 Gardinenansätze 285 Gitterstoff � _ jend, Hamlelelnen OSO ) cm breit........... O ca. 200 cm /1 50 breit, Meter ee. 25- 80 cm breit ca. 15— 60 cm breit rl25 Meter l65 Kleiderspitzen moderne Farben nnd Master, Meter Schmale kunstseidene Spitzen u. Einsätze fe vielen Farben OC I Serie II 1 r 1 Serie III QC �Pt| Meter'tOPl.| Meter UOPL Serie I.. Meter 25 -Cüiersinl-, BanmwoIIe, In weiss c>25 ca300cm A 25 uarumen nnd eerü, ca. 150 cm breit, Meter Zi brt, litr. T! StickereicouponsTemhledQcMasjcounpo™b,Llig 6 25 1 65 Conponca.2,/U Uhr Nafi«>»(rodien? in» dem Imerftniidiu von Frank Green. Musikalische IHusL Fr. Holländer. Regle: Fr-Friedmaoa- Fredert ib. Dentsdies Tlieater D.I. Norden 12310 8Un Ende geg. IO'/i Die Befangene Schauspiel von Edouard Bourdet Regie: Max Reinhardt Die Komödie 1 Bismck. 2414/751 6 iVa, Ende geg. IOVjU. Der KaBB, der seinen 3 Akte von Edgar Waiace. Regie: HeinzHilpert Kammerspieie D.I. Norden 12 310 S'/sU. Endenach 10 Aufgang nurtur Herrschaffen Kleine Komödie von Siegfried Geyer LaslspieihiBS 8V. Uhr Guido Thieisclier Veekend im Paradies Tiialia-Theater Dresdener Str. 72-73. 8 Vi Uhr Bekanntmachung. Gemäß Beschluß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft vom 29. Mal 1929 wird für das Geschäftsjahr 1928 auf die Vorzugsaktien Serie IV und V eine Vorzugsdividende von 7°/« verteilt. Die Restdividende (3'/,%) wird ab T. Juni 1929 ausgezahlt Hierbei gilt 1 GM gleich 1 RM. An die Inhaber von Zeriulkalen Gruppe I und II der Reichsbank über Vorzugsaktien Serie IV und V der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wird die Restdividende, die auf die durch die Zertifikate vertretenen Vorzugsaktien entfällt, unverkürzt(vermindert um den Steuerabzug vom Kapitalertrag) auf Dividenden-Bezugsschein Nr. 6 bezw. Nr. 2 vom 1. Juni 1929 ab bei Ben für die Einlösung vorgesehenen Zahlstellen ausgezahlt, B e r 1 i n, den 29. Mal 19291 Deuts che RcIchsbahn-Gescllschaft, Hauptverwaltung Jahn. Relchsbank-Dircklorium Dr. Hjalmar Schacht. Dreyse. TheaL o. Westens Täglich 8V. Uhr Sonntag 3V» u. 8V. Fraei leban Vilter- HUB! Friederike Cirol» Toelle Kammersänger Hanns Tilhelm Tbeat.ainKoiui.ror Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Eine- Sangar Das neue Mal- Proar. riwfihili. IlWatimtwil 1 ZU Di Donnerstag, den 30. Mai nachmittags 31/, Uhr IMMMM-MMil A(Diana i Venraltinigsallotloäer Adttnesl Freitag, bea 31. Mai. finde« leime Sitzung bei Mittlerem CttsoettBol tuug statt.. Die Aus/fadlung der Liguidationen er folgt I-eim Kollegen Echniibt in der Zeit von 3—8 Uhr nachmittag» Die Gvlzverwattazig. GroD-MOheHabrik* Für Möbelsuchende besondere Gelegenheit.— An Private verkauft zu günstigen Preisen: Speise-, Herren- und Schlafzimmer in erstklassigen Holrund Stüarten. Hervorragende Werkstattarbeit. 5 Jahre Garantie. Auf Wunsch auch Zahiungserteichterung. Anfragen erbeten unter: Chiffre 84 an Ann.-Ezped. Löw 8t Stelner, Berlin W 8, Jagrritr.be 02.. Kostproben gratis\ Ausschank vom Faß Fuinst« Malbowle..... Liter 0.95 Entklassiger Oessert-Apfetweln, süß. 0.75 HodiverL Dessert- Johannisbeerwein, süß Hocharomatiscb. Dessert-KIrschwein, süß HocharomaL Dessert-Erdbeerweln, süß Echter Tarragona,»vß Echter Kaiaga, dunkel, süß,,» Echter Griechenwein, süß..> Echter Insel-Samos, hell, süß< Echter Wemuth-Weln, süß., Echter Oouro-Portveln, süß.> Echter Pepsinwein für Kranke Echter Tafeiaquavit J56/»... Echter Welnbrand-vtnciwm SS%», Echter Getreidekorn ca. 4go/o..> Echter Weinbrand, ganz rein'"Stern Hochwertige Edei-LikOrc bis 38%. •» • i •■ ■ i • i • o 0.95 1.25 1.45 1.35 1.60 1.40 1.90 1.85 2.80 2.60 2.95 2.20 3.60 4.20 4.45 | Uifatnagl 1 Liter tBtliäll Vm mehr als eil«'/, Fiasis] Feinste Rot- und Weißweine.... von Fl. 0.95 10000 Fl. 25. weißer süßer ßordeaui... B 1.45 ISSOO FL Uebfraumüdi n. Nierste ner.... US Eduard Süßkind Größtes Spezialgeschaft seiner Art In Deutschland Hauptgeschäft: Berlin N 31, Brannenstr. 42 Filialen und Verkaufsstellen: Berfla, KOIIerstr. 144 Berlin, Chausseestr. 76 Berlin, Petersburger Str. 60 Berlin, Koppenstr. 07 Berlin, Grünauer Str. IS KBpenlcker Straüe 121 Wilmersdorter Straße 157 Steglitz, Sch!o0straBe121 SpandaulPots(lamerSL23 Pankow, Wollankstr. 98 Neukölln, Berliner Str. 13 HoabiL Wilsnacker Str. 25 Prenzlauer Allee 50 Hartin-Luther-StraBe 86 Oberschöneweide, WllhelminenhofstraBe 40 SchSneberg, KolonnenstraBe 9. Ecke FeurigstraBe Berlin, Wismarplaü 1, Ecke Boxhsgen. Str. Kruken, Flaachen usw. werden geliehen■ ieseeeee»»»»sssss� Unserem Parleisreuub f Georg Hanl GeÄuB st Iv»le herzttchsT-m SlUSwünsche W zmr SUberhochzetL w u» Die Genossen der Firma gn H H. Gewom. � �SSSSSSSO»€e€€€€fefe Ein fanfler Tob erlöste nach längerem Leiden am Dien« ag. dem 28. Mai, addo. IIP/, Uhr. unsern innlggeiiedlen. herzensguten Datez. Echwieger- und Großvater, den PianvfottefadrUanten Heinrich Noeske im 79. Lebensjahre. Um ftiüe« Beileid bitten SewrUH Noesle, Willi Heys« und Frau Gertrud, geb. Noeste. Ulbert Setdeeottz und Frau Wttheimine. geb. Noeste. Willi und Gerhard als Enteltinder. Berlin, den 29. Mai. EO. 88. Grünauer Str. 21, M. Die EwäsTerungsfeier findet am 3. Juni, nachmittag» 2V, Uhr, im llrematorinm Gerichlstraße statt. Am 28. Mai verstarb mein geliebter id Groß. Mann, unter guter Bater un vater, der srü�ere Galiwttt Htixo Haufe im 76. Lebensjahre. Die» zeigen in tiefer Trauer an: Arn»» Haufe, geh. Döhring Erna Hnih, geb. äoufe Fztlz Huth ti. Efhel Holt als Enteltinder. Die Einäscherung findet amMontag, dem 3. Juni, 18 Uhr, im«remalortum Derichiftraae statt. llenMei UzilzibM-VeziiZ ü Verwaltumtsstelle Berlin Todesanzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere KoÜegtn. die Arbeitertn LIse Strecker «eh. 8. Juli 1902. am 26. Mai au Lungenleideu gestorben ist. Die Bcetdipuna findet am Frcdag, dem 31 Mai, nachmiilaa» 2 Uhr. von der Lelchenhe.fie des Gemelnbe-rlek» Hajes tn Baumschnlcitweg aus statt. Am 29. Mal itard an Unfallfolgen uniet Kollege, der Metallarbeiter Bernhard List grb 7. Juli 1908. Die Einäscherung findet am Sonnabend. dem I. �uni. nachm. 2»/, Uhr. im Krematorium Gertchtstraße stall. Ehrethrem Andeuten. Rege Bete lignnq erwatttt Die Oefrnoeeniottmmg. Besonders M der Oes»"*." des Vorwärts und troudero 1