BERLIN Somerstag 30. Mai 1929 10 Pf. Nr. 246 Bi23 46. Jahrgang. Zugleich Abendausgabe bei.vonvSrtt'. Gezuzirrei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S�oM. pro Monat. Redaktivo und Expedition; Berlin TW es. Lindeußr.» nWfWwdb l »»«igenpiaiCDi« einspaltige Nonpareillezeil, 80 Pf.. Reklameieile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. «ftscheckkont»: Dvrwärtt-Verlag G. m. d. H.. Berlin Sit.«7 636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Otto Braun über das Konkordat Aussprache über den Kraktionsbericht in Magdeburg. V. Schi. Magdeburg. 30. Mal.(Eigenbericht.) Es ist bei einer Debatte über den Bericht der Reichs- tagsfraktion selbstverständlich, daß die Redner vorwiegend aus der Mitte der Fraktion selbst stammen, denn sie wissen am ehesten, welche Belastungen dieses eine Jahr Regierungs- Politik mit sich gebracht hat. Sie sind ihren Wählern verant- wortlich für Entscheidungen und Abstimmungen, die sie oft nur unter Ueberwindung schwerster Hemmungen und Bedenken im Interesse höherer staatspolitischer Notwendigkeiten auf sich genommen haben. Und so können die meisten Redner eine Kritik üben, die weniger der Fraktionsleitung gilt als den parteigenössischen Ministern. Den Reigen dieser Kritiker eröffnete Genosse Friedrich Stampfer. Seine Ausführungen bildeten durch ihre Kameradschaftlichkeit und Bejahung der Koalitionspolitik eine sehr scharfe sachliche Kritik an manchen Handlungen der sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder. Aufhttuser und Tom Sender begründeten nach» einander die gemeinsam von ihnen eingebrachte Resokutitm, durch die bestimmte Richtlinien und Forderungen namentlich sozialpolitischer Art für die Fortsetzung des Koalitionsver- hältnisses festgelegt werden sollen. Durch Löwen st ein wird ein Problem aufgerollt, das eigentlich nicht die Tätigkeit der Reichsregierung und der Reichstagsfraktion berührt, wohl aber vorwiegend preußische Politik, nämlich das Konkordat. Der Redner verwirft aus grundsätzlichen und politischen Gründen überhaupt den Gedanken des Abschlusses eines Konkordats, ebenso Anna S i e m s e n- Jena, deren Bedenken mehr auf weltanschau- lichen Gründen beruhen. Otto Braun antwortet in seiner bekannten ruhigen Art, versteht es aber, die nüchterne Sachlichkeit seiner Argumente durch trockenen Humor zu würzen. Er lehnt eine Stellungnahme zu den kulwrkämpferischen Tendenzen seiner Vorredner ab. Zur Sache selbst stellt er fest, daß die Gegner des Konkordats dessen Inhalt gar nicht kennen. Er begründet auch, warum er während noch nicht abgeschlossener zwischen- staatlicher Verhandlungen auch dessen Inhalt noch nicht mit- teilen könne. Er weist indessen nach, welch ungeheure starke Stellung die Rcichsverfassung den Kirchen verliehen hat. Seine Mitteilung, daß das Wort„Konkordat" in dem ganzen Vertragsentwurf über- bempt nicht vorkomme, wird mit Heiterkeit, und seine be- stimmte Versicherung, daß Schulfragen überhaupt nicht berührt werden, mit starkem Beifall aufgenommen. Zwischendurch kommen verschiedene Redner zum Wort, die nicht der Fraktion angehören und besondere Wünsche und Forderungen der Arbeiterschaft zur Sprache bringen. P e t r i ch- Gera äußert Bedenken gegen die bisherige Finanz- Politik und Sorgen hinsichtlich der zukünftigen. Knack- Ham- bürg ermahnte die Fraktion, sich der sozialhygienischen Pro- bleme besonders anzunehmen. W i m m e r- München bs- spricht die Mieterschutzfrage-, mit Adams- Homburg landet man vorübergehend wieder beim Konkordat... Die allgemeine Politik kommt sodann abermals zur vollen Geltung durch die zwei Redner, deren bloße Ankündigung bewirkt, daß sich die Delegierten bis zum letzten Mann wieder im Saal einfinden. Paul Löbe teilt die Bedenken mancher seiner Vorredner. In Fragen der Sozialpolitik geht er mit Aufhäuser konfdrm. in der Sache Trotzki mit Stampfer. Aber bei aller Kritik an den Vorgängen, die er aus dem nicht immer restlos geglückten Uebergang von der Opposition zur Verantwortung erklärt, rechnet er schonungslos mit der Demagogie der Nationalsozialisten, der Kommunisten und der Deutschnationelen ab. Er schließt seine vielbeachteten Aus- führungen mit der dringenden Forderung nach endlichem Abschluß der polnischen Handelsvertrags- Verhandlungen, um die Industrie des deutschen Ostens aus ihrer immer größer werdenden Kalamität zu befreien. Nun ergreift das Wort der Mann in der Partei, der vielleicht die schwerste und undankbarste Aufgabe zu lösen hat: der R e i ch s f i n a n z m i n i st e r. Es sei vorweggenommen, daß Genösse H i l f e r d i n g, der zum Unterschied mit den anderen parteigenössischen Ministern nicht mit lebhaftem Applaus bei seinem Erscheinen am Rednerpult begrüßt wurde, es verstanden hat, am Ende seiner Ausführungen starken Beifall auszulösen. Das allein beweist, wie nachhaltig die Wirkung seiner Rede gewesen ist. Es war gewiß eine B e r- teidigungsrede, aber eine geschickte und vielfach überzeugend«, die auch vor Gegenangriffen nicht scheute. Hilferding weist nach, daß er die schwere Finanzlage des Reiches nicht, wie Genosse Aufhäuser gemeint hatte, zu spät dargelegt hat, sondern bereitsimMärz1928 als Red- ner der sozialdemokratischen Opposition unzweideutig voraus- gesagt hat. Manch Argument von ihm ist recht eindrucksvoll, z. B. der Hinweis darauf, daß es trotz der schwersten Wirt- schaftskrife und trotz der Arbeitslosigkeit gelungen sei, das Lohnniveau der Arberterklasse nicht nur zu halten, sondern sogar vielfach zu verbessern. Wann sei so etwas in der Vergangenheit bei derartigen Krisen möglich gewesen? Das Eingreifen der Regierung in den Ruhrkonflikt, die Unterstützung der widerrechtlich ausgesperrten Metallarbeiter mit öffentlichen Mitteln und das Endergebnis, die Unter- werfung der Schwerindustrie unter einen Schiedsspruch Seve» rings bezeichnet er als einen st a r k e n Erfolg, der leider in der eigenen Partei nicht nur nicht genügend gewürdigt, sondern sogar unverständlicherweise kritisiert worden sei. Das Schwergewicht seiner Ausführungen legt Hilferding auf die Außenpolitik, die durch die„historische Entscheidung in Paris" am gestrigen Tage nunmehr end- lich wieder in Fluß kommen würde. Gerade die Sozial» demokratie als die Partei, die nicht nur eine große Bergan- genheit. sondern auch eine große Zukunft habe, solle sich nicht durch vorübergehende Rückschläge in dem schwersten aller Jahre beeinflussen lassen, sondern weit mehr die großen Ge- sichtspunkte der kommenden Zeit im Auge behalten und an das dauernde Interesse des deutschen, wie des europäischen Proletariats denken: Die Wahrung der Demokratie und des Friedens, die am besten durch die Mitarbeit an der Regierung gesichert würden. Jetzt die Regierung oerlassen, nachdem wir das schlimmste übermunden haben und durch die Pariser Eini- gung sich neue Perspektiven eröffneten, wäre eine ganz überflüssige Desertion. Die günstige Aufnahme dieser Rede durch den Parteitag zeigte, daß dessen Mehrheit gewillt ist, Hilferding Kredit zu gewähren. Die Geschichte des Konkordats. Im weiteren Verlaufe der Aussprache über den Bericht der Reichstagsfraktion nahm dos Wort Ministerpräsident Otto Braun (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Nach der Rolle, die Brsitscheid mir gestern.zugewiesen hat, wollte ich mich eigentlich damit begnügen. ihm meinen Segen zu erteilen.(Heiterkeit.) Aber böse Menschen, die noch nicht restlos mit der preußischen Politik zufrieden sind, würde ich damit schwerlich von ihren bösen Neigungen befreien.(Heiterkeit.) Jedenfalls aber muß ich ablehnen, auf die recht k u l t u r- kämpferischen Ausführungen Löwensteins einzugehen. Weil es ihm an Material gegen dos Konkordat feblte. suchte er wenigstens Stimmung dagegen zu machen. Ich scheide auch die ganzen religions pkilosophischcn Fragen aus, weil es sich darum bei der ganzen Materie nicht handelt. Einen lichten Augenblick hatte vielmehr Frau Siems« n, als sie bemerkt«, es handele sich nur um die Regelung kirchenorganisatorischer Fragen. Die Berliner Genossen haben früher ein Konkordat als unannehmbar erklöft, das Schuljragen einschließ«. Jetzt haben die Berliner bemerkt, daß wir die Schulfragen herausgebracht hoben, sofort verlangen sie Ablehnung jedes Bertrages. der die Form eines Konkordats hat. Ein Konkordat soll in Preußen auch nicht abge» Ichlossen werden sondern lediglich ein Vertrag. Weder in der lleberschrist, noch im Srchalf wird da» Wort Konkordat vorkommen. Ich gehe alio mit den Berlinern völlig koniorm. Der Vertrag, dessen Inhalt noch niemand kennt, soll mit sozialistischer Politik unvereinbar sein! Wenn der Parteioorstand einen Bertrag für die Partei ob- schließt, kann und muh er sich allein von den Interesien der Part«! leiten lasten. Aber in der preußischen Regierung haben wir un.'er acht Ministern leider nur zw«i Sozialdemokraten: da können nicht allein die sozialistischen Grundsätze entscheiden. Da entscheiden die Machtverhältnisse. Wenn es aber wahr wäre, daß dieser vertrag eine ungeheure Gefahr für den aesamlen Kulturforischritt wäre, würde ich niemals meine Anferfchrift darunter sehen?(Beifall.) Datsächlich haben wir seit mehr als einem Jahr- hundert einen Vertrag mit der Kurie. Wo waren da die unge- heuren Gefährlichkeiten für die Kultur? Alle Protestonträg« stoßen da völlig ins Leere. Die Orgomsation der katho- lischen Kirche in Preußen beruht auf dem Konkordat vom 16. Juni 1821 und«ntfprechenden Ergön,zung»verträg«n. Dieses Rechtsver- hältnis ist durch die staatlichen Umwäl.zin'gen hinfällig oder zweisel- hart geworden. Deshalb hat schon im Jahre 1919 der Kultusminister Haenisch sich bereit«rklort. mit der Kurie über die Neu- ordnunq der Rechtsverhältnisse zu verhandeln. In- zwischen kam das bayerische Konkordat, das vielleicht so chorakteri- siert werden kann, wie einig« Redner das ihnen unbekn'-'te preu- ßische Konkordat kennzeichnen wallten. Es entstand die Möglichkeit eines Reichskonkordats, geschlossen von einem katholischen Reichs- tanzler, auch für die Länder mit evangelischer Mehrheit von bindender Kraft. Deshalb schien es im Jahr« 1923 notwendig, die preußischen Konkordatsverhandlungen wieder auszunehmen. Die vierjährigen schwierigen Verhandlungen stehen jetzt dicht vor dem Abschluß. Aber über den Inhalt des Vertrages kann ich in diesem Stadium der Berhandlungen keine öffentlichen Mitteilungen machen. Wenn ich mit den Gegenkontra» hentcn noch in Differenzen bin, kann ich nicht die Oesfentlichkeit über meine Motive aufklären, während die Gegenseite schweigt. M u s s o- lini hat der Kurie olles mögliche gegeben, einen Staat, eine Eisen- bahn, ein« Station, ober kein Parlament.(Heiterkeit.) Die katholische Oesfentlichkeit kommt ohne Parlament aus und wenn Üy mit der Kurie von Macht zu Macht verhandeln muß, dann kann ich mich nicht hier mit den religionsphilosophisch hochgebildeten Genosten über die Einzelheiten des Vertrages auseinandersetzen. Sobald wir zum Abschluß gekommen sind, werde ich die Stellen, die verfassungs» rechtlich zur Entscheidung berufen sind, insbesondere die preußische Landtagsfraktion und damit die Oesfentlichkeit, sofort in Kenntnis setzen. Heute möchte ich nur andeuten, daß manche Genosten die rechtliche Sachlage vollkommen übersehen. Die Weimarer ver- sassung hat der Kirche eine ungeheure Machtstellung und Freiheit gegeben. Die Religionsgcsellschaften unterliegen keinerlei Be- schränkungen. Jede Religionsgemeinschast verwaltet ihre An- gelegenheiten selbständig und verleiht die Aemter ohne Mitwirkung des Staates und der preußischen Gemeinden. Die Religionsgesellschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und haben das Recht der Besteuerung. Ueber diesen Anikel 137 hinaus bestimmt Artikel 173, daß die bis- herigen Bertragsleiftungen an die Kirche fort» bestehen, und �as bedeutet, daß die Kirche völlige Freiheit ge- nießt, ober d e r Staoj zu bezahlen Hot. In Weimar hat man geglauvt, daß der Staat seine Berpflichtungen bald ablösen würde. Dafür sollte das Reich die Grundsätze aufstellen. Bis heute sind sie nicht ausgestellt, und wenn sie jetzt unter maßgebendem Ein- sluß des Zentrums und der evangelischen Kirche ausgestellt würden, so würden wahrscheinlich die Länder nicht zahlen können. Die Ber- tragsvcrhandlungen mit der Kurie waren also unvermeidlich, um für den Staat wenigstens einen Teil der Kräfte zu retten, die ihm durch die Weimarer Versassung aus der Hand geschlagen worden sind.(Hört! hörft) Wie weft uns dos gelungen ist, müssen Sie be- urteilen, wenn Sie den Bertrag vorliegen haben. Löwenstein Hot davor gewarnt, daß wir uns durch Verträge mit Haut und Haaren pnd für die Ewigkeit verkaufen. Schon jetzt hat Mussolini seinen Vertrag mit dem Papst zurückgeschraubt und wenn er sich stark genug fühlt, wird er ihn auch revidieren. Wenn wir in Deutschland z. B. die Ablösung durch- führen, wird der Vertrag gegenstandslos und die Kirche wird eine rsin private Organisation. In der Oeffontlichkeit ist die Be- unruhigung.nur dadurch entstanden, daß man befürchtete, daß das Konkordat in die Schulsragen eingvoison soft wie in Bayern. v iuer im Vertrag und Im Schlußprotokoll für Preußen ist das Wort schul« überhaupt nicht enthalten. Die Schule Ist und bleibt eine rein staatliche hoheitsangelegenheit. (Lebhafter Beifall.) Die preußische Landtagsfraktion, wenn sie den Inhalt des Vertrags kennt, muß entscheiden, ob sie ihn annehmen kann. Sie wird sicy dabei vor Augen halten, daß diese Entscheidung von tiefgehender Bedeutung für d'e gesamte Po- litik Preußens sein wird. Aber es ist«ine unerhörte Zu- mutung an die Delegierren des Parteitages, daß sie beschließen sollen, die Zustimmung zum Vertrag zu verbieten, wenn sie den Inhalt überhaupt noch nicht gesehen haben. Das wagen nicht einmal die Päpste von Moskau ihren bezahlten Mamelucken anzubieten. Ich bitte Sie deshalb, über die' Anträge zur Tagesordnung überzugehen. (Erneuter lebhafter Bestall.) pelrick-Gera: Wir sehen in der Koalitionspolitik nur ein Mittel zur Erreichung bestimmter Ziele für die Arbeiterschaft. Aus der Kameradschaftsehe der jetzigen Regierungskoalition find zahlreiche Mißgeburten hervorgegangen. Von Hilferding möchten wir hören, ob nach der Durchführung dieser Anleihe die Lage der Reichsfinanzcn wirklich gesichert sein wird. Das scheint mir zweifelhaft zu sein. Das Ergebnis der Pariser Verhandlungen dürfen wir nicht mit zu großem Optimismus betrachten. Wenn wir trotz der Koalitions- Politik keine Mitglieder verloren haben, so liegt das daran, daß die Mitglieder diese Politik als eine vorübergehende Erscheinung betrachten. Knaack-Hamburg: Di« Art der Gutachtertätigkeit in der Sozial- Versicherung muß reformiert werden. Wir hoben auch eine Klassenmedizin, weil der Arzt in seiner Ausbildungszeit nicht genug vertraut gemacht wird mit den Problemen der sozialen Medizin und Hygiene. Die Vertrauensärzte dürften nicht nur von Versicherungs wegen bestimmt werden, sondern auch der Versicherte müßte, wie einen Anwalt im Prozeß, sich auch einen Vertrauensarzt als Beistand wählen dürfen. Bei der Strafrechtsreform muß die Schwangerschaftsunterbrechung in sozialerer Weise behandelt werden. 1 Die jetzige Milderung des 8 218 genügt nicht. Die Durchführung des Gesetzes zur Bekämpfung der GeschlecWskrankheUen bedarf einer i gründlichen Kontrolle. Di« Partei sollte Richtlinien für die politische Behandlung der sozialen Gesundheitesragen schassen. Internationale Arbeitskonferenz. Präsident Or. Brauns-Oeutschland. Grausige Wohnverhältnisse. Das Elend der kinderre chen Großfladtfamilien. Die Leistungen der deutschen Länder und Gemeinden i m W o h- nungsbau sind gewiß anerkennenswert. Sie sind aber bisher erst ein Tropfen auf einen heißen Stein gewesen und es wird noch ununterbrochener, zähester Arbeit bedürfen, um auch nur das gröbste Elend, besonders in den Industriezentren, zu mildern. Schon die Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts über die Reichswohnungszählung von 192 7, zu der wir vor einigen Wochen Stellung nahmen, brachte erschreckende Tatsachen über das Wohnungselend in Deutschland ans Licht. So müssen in 70 000 Behausungen drei bis vier Personen, in 18 000 Behausungen vier bis fünf Personen und In 9000 Behausungen sogar mehr als fünf Personen in einem einzigen Wohnraum vegetieren. Diese un- haltbaren Zustände finden jetzt durch die neueste Untersuchung des Statistischen Reichsamts über die Wohnverhältnissekinde r- reicher Familien eine geradezu niederschmetternde Ergänzung des sozialen Elends. Es wurden in 45 Großstädten 280 000 kinderreiche Familien festgestellt mit j« fünf Kindern im Durchschnitt. Der größte Teil dieser kinderreichen Familien, nämlich 171 000, wohnen in drei- bis vierräuintgen Wohnungen. Auf den ersten Blick scheint dies ganz günstig zu sein. Da die Statistik aber unter„bewohnbaren Räumen" auch Küchen und Kammern versteht, so ändert sich das Bild schnell, denn wie es in solchen Fällen mit Wohn- und Schlaf- räumen bestellt ist, kann man sich vorstellen. Doch diese Zustände erscheinen noch golden gegenüber den Der- Hältnissen, die aus folgenden Zahlen sprechen: Rund 28 000 tinder- reiche Familien, also im Durchschnitt 7 Personen, sind in zwei- räumigen Wohnungen zusammengepfercht und 1S00 kinderreiche Familien müssen in einem einzigen Wohnraum vegetieren. Roch grauenhafter wirkt die Tatsache, daß 2675 kinderreiche Familien, also fast 20 000 Menschen, nicht einmal eine eigene Wohnung oder einen eigenen Wohnraum besitzen, sondern als Untermieter Hausen müsien. Aber auch bei den kinderreichen Familien, die wenigstens eine eigene Wohnung haben, sitzt das Elend dick. Bon den 280 000 Familien mit durchschnitllich 7 Personen müsien etwa 35100 Familien Untermieter aufnehmen und hiervon wohnen 23 000 Familien inst einer zweiten Untermieterfamilie zusammen. Selbst in Wohnungen miteinemeinzigenRaum finden sich 50 kinderreiche Familien mit Untermietern und in 26 Fällen sogar mit Untermieterfamilien. Der Menschheit ganzer Jammer spricht aus diesen dürren Ziffern. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß ein derartiges Milieu die Brutstätte für Krankheiten und Verbrechen schlimmster Art, wie sie in dem jetzt wieder aufgenommenen Iakubowski-Prozeß zur Sprache kamen, abgibt. Diese Zahlen klagen an! Das Elend Hunderttausender von Kindern, deren Jugend in diesen Elendshöhlen vergiftet wird, fordert Abhilfe. Kein verantwortungsbewußter Politiker kann an diesen volksverseuchenden Zuständen vorübergehen und alle sozialen Errungenschaften bleiben mehr oder weniger Stückwerk, wenn in der Bevölkerungs- und Wohnungs- Politik nicht dt« Hand andieWurzeldesElend, gelegt wird. Tttnt Balkanspannung. Grenzzwischenfälle zwischen Bulgarien und Südslawien. Sofia. 30 Mai.(Eigenbericht.) Seit dem Besuch des kroatstchen Separatisten P a w e l i t s ch in Bulgariens Hauptstadt Sofia und den gegen Südslawien gerichteten mazedonisch-kroatischen Kundgebungen, die zu einem'Protest der Belgrader Regierung führten, ist eine ständige Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Nachbarländern zu verzeichnen. Die Grenzzwischenfälle häufen sich und nehmen einen immer ernsteren Charakter an. Anstatt eine versönlicher« Atmosphäre zu schaffen, tut die Presse auf beiden Seilen alle«, um sie zu vergiften. Zudem bringen die bulgarischen Blätter alarmierende Berichte über den zunehmenden serbischen Terror in den Grenzbezirken, wo eine rein bulgarische Bevölkerung wohnt. Tagtäglich werden neue Gewalttätigkeiten und das Eintreffen von Flüchtlingen gemeldet. Wie die der Regierung nahestehende„Sofia� mitzuteilen weiß, hat der Außenminister Burow den bulgarischen Gesandten in Belgrad be- auftragt, bei der südslawischen Regierung Prot, st schritte gegen die Ermordung der Familie des bulgarischen Popen Iotzow durch serbische Grenzposten zu unternehmen. Nach der bulgarischen Dar- stellung waren die Getöteten mit ordentlichen Päsien und allen Do- kumenten versehen gewesen, um nach Bulgarien auszuwandern. 500 Schrstte von der Grenze trafen sie die serbischen Kugeln. Heute mittag wurde in Genf die 12 Internationale Arbeitskonserenz nach den Begrllßungsworten durch den Präsidenten des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts, Arthur Fontaine, mit der Wahl des Präsidenten eröffnet. Nach- dem die Redner der Regierungen, der Unternehmer und der Arbeiter sich einmütig für den Vorschlag ausgesprochen hatten, den früheren deutschen Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns zum Prä- sidenten zu wählen, stellte Fontaine unter dem Beifall der Konferenz fest, daß die Wahl von Dr. Brauns e i n st i m m i g erfolgt ist. In seiner Begrüßungsansprache, die der Reichsarbeitsminister zunächst französisch begann, wies er daraus hin. daß es jetzt zehn Jahre her sind, fest die Internationale Arbeitsorganisation aus der internationalen Konferenz in Washington ins Leben getreten ist. Dr. Brauns wies auf die Arbeiten und Erfolg« hin, die sich während dieses ersten Jahrzehnts ereignet haben. Der Gedanke der Sozialpolitik sei nicht neu Wo die Industrie große Arbeitermasien zusammengeballt hat, ist dem Staai die Not- wendigkeit erwachsen, die Fürsorge in einen Arbeitsschutz zu oerwandeln. Der Weltkrieg sei ein großer Treiber dieser Sozialpolitik geworden, weil neue Schichten in die staatliche Für- sorg« einbezogen werden mußten. Viele Aufgaben der Sozialpolitik seien heute Gemeingut der Völker geworden. In der Sozialpolitik habe sich in dreifacher Hinsicht eine grundsätzliche Wandlung vollzogen. Heute erstrecke sich die Fürsorge des Staates nicht mehr ausschließlich auf die Arbeits- unfähigen, sondern immer auf die Arbeitenden. Man gehe dazu über, vorbeugend zu wirken, um Arbeitsunfähigkeit zu verhüten. Die Sozialversicherung habe gleichfalls immer mehr Maßnahmen getroffen, um vorbeugend zu wirken. Es sei hier nur an den Mutterschutz erinnert. Schließlich habe man heute er- kannt, daß der Mensch selbst der wichtigste Teil im Produktionsbetrieb sei und das Kapital, das zuerst ge- schützt werden müsse Nicht weniger bedeutsam als diese Menschenökonomie sei der Ausbau der Arbeitsvermittlung, wodurch der Staat in Verbindung mit der Arbeitslosenversicherung dem Arbestcr die U n- sicherheit der Existenz nimmt oder einschränkt. Die Beseitigung der rechtlichen und sozialen Benachteiligung des Arbeiters im Staat sei der Kern der sozialen Frage. Neben dem Eigentumsrecht muß das Arbeitsrecht geschaffen und aus- gebaut werden, das in Wirklichkeit ein Menschenschutzrecht ist. Wir sind dadurch auf einen neuen Weg gedräng! worden und zwar zum kollektiven Arbeitsvertrag. Der individuelle Arbeitsvertrag reicht innerhalb des kapitalistischen Großbetriebes nicht aus, um den Arbeiter vor Benachteiligung zu schützen Diese kollektive Vertragsregelung setzt aber auch kollektive Organisationen der Unternehmer und Arbeiter voraus. Als Ergänzung dient das B c- triebsr-ätegesetz. Das kollektive Arbeitsrecht habe zur Un- abdingbarkest der Verträge geführt. Die Vertragstreue in bezug auf die Arbeitsverträge ist heute die Grundlage des Arbeitsmarkts, bedarf aber der Treue der Mitglieder zu ihrer Organisation. Die gewerkschaftliche Organisation ist heut« eine Not- w e n d i g k e i t und deshalb eine soziale Pflicht. Der Staat ist weitergegangen auf diesem Wege und hat durch das Schlichtungswesen seine Hilfe geliehen zum Abschluß von Kollektivverträgen durch die Verbildlichkeitserklärung selbst Zwangstarife geschaffen. Daraus erwächst die Frage, ob der Staat eine gewisse Lohnpolitik treiben soll. Das kollektive Arbeitsrecht beruht auf der Selbstverwaltung und wird damit zur Schule der demokratischen Mitarbeit am Staat. Hieraus ergeben sich die Zukunftsprobleme der Betriebs- d e m o k r a t i e, um die Arbeitsfreude zu sichern, trotz Mechanisierung des Betriebs. Voraussetzung sei die nötig« Freizeit. also die Beschränkung der Arbeitszeit bei Ausnugung fremder Arbeit auf acht Stunden. Mit einem Vergleich des Fortschritts der internationalen Sozialpolitik schloß Dr. Brauns feine mit lebhaftem Beifall ausgenommen« Rede. Nheinlandräumung in Gicht? Als Folge der pariser Einigung.— Paris mißvergnügt. Paris, 30. Wal.(Eigenbericht.) Nach der gestrigen Einigung über die Ziffern der künftigen deutschen Annuitäten hätte man erwarten dürfen, daß auch die pariser presse das Ereignis in gebührender Weise würdigt. Dos ist aber nicht der Fall. Sie versucht es Im Gegenteil nach Möglichkeit ihren Lesern zu verbergen. An irgendeiner unaufsälligen Stelle cloes Blattes erscheint heute eine Neine Mitteilung, die die Tatsache in den banalsten Ausdrücken lediglich registriert. Die ebenso ausfallende wie mürrische Zurückhaltung scheint auf eine amtliche Parole Hinauszugeheu, denn wie das„Journal" ausdrücklich mitteilt, hat sich die französische Delegation ihrer Presse gegenüber nur sehr skep- lisch geäußert. Dazu kommt aber noch, wie aus dem„Echo de Paris" zu entnehmen ist, daß sich Frankreich seine Zustimmung für das von Owen poung ausgearbeitete Kompromiß anscheinend erst im letzten Augenblick nur unter schwerstem Druck hat abringen lassen. Es ist vorläufig noch unverständlich, warum die französische Delegation sich in der Rolle de,„vergewaltigten" gefällt, zumal die französischen Forderungen in dem Poung-Kompromlß nicht beschnitten worden sind. Mit der Einigung über die Ziffern der deutschen Zahlungen ist nun auch das Problem der Rheiulandräumung in die enl- scheidend« Phase eingetreten. Man darf erwarten, daß ein Datum für die Rheiulandräumung aus der kommenden Ratstagung des Völkerbundes in Madrid fest ins Auge gesaßt werden kann. Die „Ehikago Tribüne" glaubt sogar ankündigen zu können, daß die Einigung über das Räumungsdatum schon vorher, vielleicht bei der Durchreise Slresemanng in Paris, festgelegt werden kann. Ganz glatt und ohne Opposition wird aber weder die Repara- tionsregelung noch die Rheinlandräumung zu Ende gehen. Die Gruppe Marin, die in der Kammer über 100 Mann zählt und die die stärkste Stütze der Regierungsmehrheit Poincarö darstellt, hat am Mittwoch in sensationellster Form ihren Beschluß verkündet, daß sie sich erstens der Ratifizierung der interallierten Schulden, zweiten jeglicher neuen Verminderung des französischen Re- parationsanteiles und der Dawes-Einnahmen und drittens der Räumung stets und unter allen Umständen widersetzen werde. Sie werde auch gegen jeden Versuch protestieren, eine dieser drei Fragen in der Kammer auch nur zur Debatte zu bringen. Diese Kriegserklärung ist vorläufig nicht allzu tragisch zu nehmen, denn einmal ist die Gruppe Marin schon oft umgefallen und dann ist in der Kammer für diese drei Fragen eine Mehrheit vorhanden. Es fragt sich mir, ob diese Mehrheit, die Linksmehrheit nämlich. gewillt ist. die drei Fragen zusammen mit der Regierung Poincorö zu lösen. England für Räumung. London, 30. Mal. Die„Times" meldet aus Paris, daß die gegenwärtige Einigung der Sachverständigen aus der Voraussetzung beruhe, daß das Rheinland bis zum 1. September diese» Jahres geräumt werde, und daß keine weiteren Vorkehrungen für Besahungskosten nach diesem Zeltpunkt notwendig seien. Die britische Regierung habe die französische Regierung von ihrer Absicht verständigt, daß die eng- tischen Truppen in jedem Fall zu einem früheren Zeitpunkt au» dem Rheinland zurückgezogen würden. Das llebereinkommen zwischen den alliierten Sachverständigen hänge daher zu guter Letzt ab von der Räumung des Rheinlandes bis zum 1. September und der gesonderten Regelung der belgischen Markforderungen. Es sei wenig wahrscheinlich, daß Irgendeine der alliierten Abordnungen noch weiter eine belgische Weigerung unterstützen würde, sich zu Sonderverhond- lungea zu verstehen. Die Räumung de» Rheinlandes müsse natür- sich von den Regierungen beschlossen werden. Im ganzen könnten die Aussichten für eine Einigung in Paris nach dieser wen- dung als sehr günstig bezeichnet werden, und einer der Führer der alliierten Sachverständigengruppen habe diese Ansicht auch bereite deutlich in aller Oessentllchkeit bekanntgegeben. Die Forderung des besehten Gebietes. Beschluß des Ma deburaer Parteitaas Der Parteitag hat einstimmig folgende Entschließung gefaßt: „Der Sozialdemokratische Parteiwg in Mrgdeburg wiederholt die aus allen Parteitagen nach dem Krieg in Uebereinstimmung mit den sozialistischen Parteien in Frankreich, Belgien und England aus- gestellte Forderung auf Räumung des besetzten Gebiets am Rhein. Zehn Jahre sind verflossen, seitdem die Sieger in rücksichtsloser Ausnutzung ihrer Machtposition dem deutschen Volke einen Frieden aufzwangen, desien Bedingungen neben den politischen und rechtlichen Fesseln zu einer unerträglichen wirtschaftlichen Last geworden sind und der unvereinbar ist mit dem Recht auf Selbst- bestimmung. Die Anwesenheit fremder Soldaten in friedlichem, ent- militarisiertem Gebiet ist eine dauernd« Bedrohung des Friedens. An die deutsche Reichsregierung und an die Regierungen der Länder richtet der Parteitag die Forderung, in Ausführung der dem Reichstag vorgelegten Denk'christ über die Kriegsschäden im Westen bald«in umfassendes Reformprogramm mit dem Ziel der Ueber- windung der wirtschaftlichen Kriegssolgen vorzulegen." Scholz meldet sich. Die Arbeitslosigkeit soll beseitigt werden. Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, schreibt in der„Königsberger Allgemeinen Zeitung": „Die Deutsche Dolkspartei wird mit allen Müteln darauf drängen, daß ihre Aktion zur Entlastung des Haushaltes und damit der deutschen Steuerzahler nicht im Sande verläuft. Dazu gehört in erster Linie und vor allem ein« Abänderung der verfehlten gesetzgeberischen Grundlage der Arbeitslosenversicherung, die keinen Aufschub duldet, weil das jetzige System nicht mir die Reichssinanzen in völlige Unordnung bringt. sondern auch eine scharfe Erschütterung der Arbeits- moral und ein« bevölkerungspolitisch höchst bedenkliche Ver- schiebung der Arbeitskräste, eine Entblößung des Landes zugunsten der Städte zur unmittelbaren Folge hat." Die Aussührungen. die der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Wels und der Fraktionsvorsitzende B r e i t s ch e i d auf dem Magdeburger Parteitag zur Arbeitslosenversicherung machten, wer. den Herrn Scholz inzwischen belehrt haben, daß die Dolkspartei eine ernste Krise heraufbeschwören würde, falls sie wirklich den Versuch unternehmen sollte, die Grundlagen der Arbeitslosen- Versicherung anzugreifen!_ Wiederzusammen,10 Uhr das Easä betreten und an einem Ssitentifch Platz genommen. Die jungen Leute hallen«ins längere Aussprache, die plötzlich damit endet«, daß F. a u i- sprang, eine P i st o l e aus der Tasche herausriß und den Lauf gegen die Schläfe setzte. Im selben Augenblick krocht: auch schon ein Schuß. Schworverletzt brach F. zusammen. Er wurde durch einen Wag«n des Städtischen Rettungsamtes in das naheliegende Elisabethkrankenhaus gebracht, wo der Tod bald nach seiner Aufnahme«intrat. Wie aus einem hinter- lassen«« Schreiben hervorgeht, das in den Taschen des Selbstmörders gefunden wurde, ist Liebeskummer das Motiv zur Tat. Aus noch unbekannten Gründen erschoß sich heute früh hin 7 Uhr der 4Sjährig« Bankoorsteher Hugo P a f ch k e in seiner Wohnung Hindenburg straße 97 in Wilmersdorf. Der LebensmüdS�brachte sich einen Schuß in die Schläfe bei, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Zames Klein vor dem Arbeitsgericht. Der letzte Theaterskandal James Kleins in Magdeburg, bei dem einige hundert Musiker. Tänzerinnen und Artisten um chren Verdienst gekommen sind, findet am Sonnabend fein erstes Nach- spiel vor dem Arbeitsgericht Berlin. Es klagen zunächst ä Musiker, die ihren vereinbarten Lohn bis zum 15. Juni' und Bc- Zahlung der geleisteten Ueberftunden verlangen. Den Borsitz in der Verhandlung wird Amtsgerichtsrat Dr. Francke führen, der die Musikerfachkammer des Berliner Arbeitsgerichts hat. Wie zu dem Fall Klein noch berichtet wird, soll von den ge- schädigten Angestellten gegen Klein ein Haftbefehl gestellt sein, der damit begründet wird, daß Klein in Magdeburg die Abendkasse unterschlagen hätte. Es wird dies auch von den Klägern vor dem Arbeitsgericht behauptet werden. wetterberichk für VerNu: Wechselnde, meist stärkere Bewölkung mit einzelnen leichten Reqenfällen. weiterhin kühl, nordwestliche bis westliche Winde.— Aur Deüstchlaud: Ueberall kühl und ver- änderlich mit einzelnen Regenfällen. B-rantwortlich für b\t Nedakti-n: ff-a»,«166», Be-I-n:«n�igon: rh.»lock- Berlin v-rl-g:■Boroori« Verlag®. m b Berlin Druck: Vorw-rl- Buch. druckerei unb Lerlag-anstalt Bau! Singer& Ca. Brrli»£38 68, Lindenstrake 3 Si-r,u t Beilage. � CASINfl-THEATER 8"'*Uhr Lothringer Sirahr 37. .,ra<6ggc:r von ageeoge' und ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.1S M., Sessel 1.65 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai VoiKsbtttme lluatet alnHOlowpiati 8 Uhr Trojaner T&aiia-Tfieatc; 8V2 Uhr Pfarrhaus- Komcdie WM MW. D.I. Norden 12 310 8U., Endegeg.lO'a Die eofangane Schauspiel von Edouard Bourdet. Regie: Max Reinhardt Staatl. Sdiiller-Tb- 8 Uhr Kalkutta, 4. Mai fhaaiäF am SdiiUöauerfla.m Norden 1143 u. 281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper is&er. Vtleni, Thtmlg, Lvovskv, leiden, stecke! Saniowsky- Söhnen Theater in der XOniggrätzer StraBe Täglich 8'U Uhr Rlvao sn Komodiennaus Täglich S';- Uhr CfiarleysTaniß mit Curl Bot». Die Komödie II Bismck.2414/7516 S'/e, Ende geg. lO'AU. 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpcn Kaounerspieie D.I. Norden 12 310 S'tU- Ende nach 10 autgang nur für fisrrschaflen Kleine Komödie von Siegfried Geye r tftaiia- Idealer Dresdener Sir. 72-73. . 8'/- Uhr Lnstspieibsos 8'/. Uhr Guido Thielseber Weekend im Paradies Reichshalien-Theater Stiaöenflllfli(Ts Uhr Slelflner Sänger u. a.;„Sine llaeht iim XaUmelnkeller". 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Künstler-Th. 8','s Uhr Prosit Qipsy Operette v.Gilbcrt Agnes Esierhary Frltr Schulz Rundfunkhörer taihe Preise I Deal, am KollD.itir Koftb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elitesanger Das aene Mai• Progr. iiw'ibellt. mdafltislnM! Theater am Rolleodorrpiatz Täglich 8V. Uhr Die Männer der Manen Operette In 3 Akten v. Walter W. Goctze Scan* 8 Uhr 8 5 Barbarossa 9256 The Jevers und wettere VarSete-Men»eilen Berlioer Theater Direkt-HeinzRerald CharloltenstraBe 90 A.7. Dönhoff 170 SV«, Endo lO'/c Uhr. Tä#ich Die fünf Frankfurter von Carl Rössler Regie: Eugen Boden. Kleinei Theater Täglich 8>/i Uhr NaDo<»rtroAen? nadi dm AmsribDiidia von Frank Green. Musikalische IHusL Fr. Holländer. Regie: Fr.FliedlDMfl- Fredcrim. A. Schrödter vormal« Öfter dlnger Fistfikonserveii'FabrlK Lleferaot in slm lidhen F. Schmarl. nadea. Gor Ren, Kompotic. Spez.; HaasmachersBratheringe. Berlin&, äerldüstr. 44 Telephon i Hansa 411(R. 55 TbeaL d. 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War es unbedingt notwendig, die Panzer- kreuzerfrage so auszuziehen, wie es geschehen ist? War es notwendig, diese Entscheidung dem Brüsseler Kongreß als Ueber- raschung zu servieren? War im Fall der Einreiseerlaubnis für T r o tz k i ein« Entscheidung notwendig, die im Gegensatz zu der Ankündigung Loebes und zu dem einstimmig ausge- sprochenen Willen des Fraktionsvorstandes stand? War es nicht möglich, im Laufe des letzten Jahres Vorkehrungen zu treffen, die uns die fürchterliche Notwendigkeit erspart hätten, eine steuerfreie Anleihe zu bewilligen, die aus dem seltsamen, unseren Prinzipien widersprechenden Grundsatz beruht: Wer Geld hat, braucht kein« Steuern zu bezahlen? Wenn vier Partei- genossen in der Regierung sitzen, sollt« auch die Beunruhi- gung unserer Partei in der Frage der Arbeitslosenver- sicherung vermieden werden können. Genosse Hermann Müller, Bismarck war auch eigensinnig, aber er hat auch von den Imponderabilien im Volksleben gesprochen, die berücksichtigt werden müsten,(Müller: Ich auch.) Die Berück- sichtigung dieser Imponderabilien möchte ich unseren Genossen in der Regierung angelegentlichst empfehlen. Sollten wir einmal in der Sozialpolitik zu entscheiden haben zwischen der Regierung aus der einen Seite und den Gewerk- schasten auf der anderen Seite, dann würden wir zweifellos nach dem Grundsatz entscheiden: Partei und Regierung sind zwei, aber Partei und Gewerkschaften find eins! (Beifall.) Trotz alledem glaube ich, daß unser« Genossen in der Regierung richtig handeln, wenn sie ausharren, um die groß« Ausgabe dieser Regierung zu erfüllen: die Erleichterung der Dawes-L asten herbeizuführen und die längst fällig« Räumung von Rhein und Saar zu erreichen. Sind diese Ziele erreicht, dann ist auch die Bahn frei für di« wichtigen Arbeiten auf dem Gebiete der Innen- und Außenpolitik, dann wird auch die deutsch-französische Freundschaft hergestellt werden können, die die unbedingt notwendig« Grundlage des gesicherten Friedens ist. Dann wird auch eine weitschauende Finanz- Politik getrieben werden können unter Berücksichtigung der sozialen Gesichtspunkte, wie sie heut« leider nicht möglich ist. Dem Finanzkapital macht es ein ganz besonderes Ver- ggügen, den Verfasser eines berühmten Buches über das Finanz- -llfpitas recht eng an der Kandare ztz, halten. Uns macht das reine Kr«u de. Wir wollen nicht ciiWn armeck Staat, der von der Gnade der reichen Leute abhängig ist, sondern einen reichen Staat, der seine Pflicht gegen die Masse des Volkes erfüllen kann. Ich hege den Wunsch, daß es unseren Ministern gelingen wird, diese Aufgabe zu erfüllen, mit dem Bewußtsein jener Kraft, die in den Massen der Sozialdemokratischen Partei vorhanden ist. Dann werden wir alle hinter unseren Ministern stehen wie ein Mann! (Beifall.) Aushäuser: Darüber besteht kein Zweifel, daß die Art, wie die Koalitionsregierung arbeitet, unbefriedigend ist und daß auch das vorgestrige Votum des Parteitaas nicht etwa als Zustimmungskund- gebung zu dieser Regierungspolitik ausgelegt werden kann. Breit- scheid hat selten mit einem solchen Mangel an Ueberschuß von Begeisterung geredet wie gestern. Er vergleicht die letzig« Koali- tionsrcgierung mit einer Kameradschaftsehe. Soviel Freud- l o s i g k e i t verträgt aber auch eine Kameradschast.'ehe nicht. Die Tatsache, daß die Ks»litionsregierung soviel Betriebsunfälle erlitt, hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Gründe. Wir haben auch in der Koalitionsregierung positive Erfolge ge- habt und durchgesetzt gegen die anderen Parteien, wenn unse.re Mini st er an die Fraktion und an die Partei appel- lierten. Die Mißerfolge traten immer denn ein, wenn die Fraktion vor fertige Tatsachen gestellt wurde. Wir hoben beispielsweise erlebt, daß auf den Einspruch der Volkspartei hin die schon beschlossene Unter st lltzung der Ausgesperr- ten in Nordwestdeutschland beinahe unmöglich gemacht worden wäre. Hier hat nur die preußiichc Regierung die Unter- stügung ermöglicht.(M ü l>? r: Nein, es war der gesamte Bc> schluß beider Kabinette.) Bei der Anleih« sind wir auch vor fertige Tatsachen gestellt worden. Die Sozialreaktion wird auch bei der Ler Brüning versuchen, unsere soziolpo'itischen Wünsche zu vereiteln. Da ist es notwendig, daß durch eine Entscheidung des Parteitags unseren Ministern der Rücken gestärkt wird. A u s- Häuser empfiehlt dann eine Entschließung zur Annahme, in der es heißt: „Der Parteitag erwartet für die Zukunft den vollen Einsatz der parlamentarischen und außerparlamentarischen Kräfte für chic sol- genden dringendsten Forderungen: Gesetzliche Festlegung des-A ch t st u n de n t a g e s und Ratifizierung des unveränderten Washingtoner Abkommens: A u f re ch t e rh a l t u n g der Leistungen und des Personen- kreises der Arbeitslosenversicherung und finanzielle Sicherung durch Erhöhung der Beiträge: Ausbau der Invalidenversicherung als Voraussetzung der Zustimmung der Sozialdemokratie zur veränderten Ler Brüning: baldige Vorloge des T a r i f v e r t r a g s g e s e tz e s. Im Falle einer Herabsetzung der deutschen Reparationslasten keinerlei Ermäßl-girng der Steuern der Besitzenden, sondern Verwendung zur Ersparnis:») zur Sanieruno des Reicbshau-halts. b) zur Ei-berung der Sozialeinrichtungen, insbesondere der Bereitstellung der Reichs- darlehen für die Arbeitslosenversicherung, c) zur Senkung der die Masten belastenden Steuern. . Entschiedene Abwehr jedes Versuchs, die Reparationsleistung zum Dorwand für Abbau der Sozialgesetzacbung zu benutzen. Verhinderung der Zollerhöhung bei Ablauf des Zolltarifs und Forderung des Zollabbaues durch deutsche Initiative. Ablehnung der geplanten„Reichsausgleichsgelder" für Getreide: Vor'aoe eines Gesetzes zur Kontrolle der Kartelle. Ausbau der bestehenden Selbstverwaltungskörper und Schaf- fung ähnlicher Einrichtungen für die übngen Schlüssel tzdustrien. An einer Koalition mit bürgerlichen Parteien, die ein- Verwirklichung dieser akuten Tagesförderungen nicht zulasten oder gar die Soziaidemokrotie mit Maßnahmen belastet, die sich gegen die Arbeiterinteressen wenden, kann die Sozialdemokratie kein Interesse hoöen" Tool Sender: Niemand in der Fraktion war oder ist grund- setzlich gegen die Koalitionspolitik. Unsere M i n i st e r müsten aber starke eigene Initiative entfalten und stete engste Fühlungnahme mit der Fraktion und durch st« mit den breiten Massen halten. Statt dessen haben sie wiederholk die Fraktion vor vollendete Tatsachen gestellt. Langdauernde Krisen sind der Demokratie gewiß schädlich, aber noch gefährlicher können ihr Mißstimmung und Unzufriedenheit der Massen werden. Den Mut zur Unpopularität haben wir all« be- wiesen, aber wir müssen wenigstens selbst die Ueberzeugung haben, daß wir auf lange Sicht die Interessen der Ar- beiter richtig vertreten und wollen nicht ganze Ketten unpopulärer Handlungen begehen. In dieser Situation darf die höchste Körperschaft der Partei aus eigene Willensanstrengungen nicht verzichten. Der provisorische Zolltarif läuft ab und der neue Zolltarif soll erhöhte Schutzzölle bringen, das bedeutet Schä- digung der deutschen Wirtschaft, Stärkung des Kartellwejens und weiteres Hochtreiben der Preise. Wir müsten bei der Entscheidung darüber feststehen, denn wir sind die einzige Partei, di« fähig ist, schöpferische Politik zu machen. Löwenslein-Berlin: Sollmann hat weise zur Toleranz ge- mahnt und Breitscheid hat vor der Anzettelung neuer R e l i g i o n s- krieg« gewarnt. Aber wenn wir in den letzten Jahren einmal in die Arena religiöser Kämpfe gestiegen sind, so waren sie uns durch die schärfste Unduldsamkeit der Gegner aufgezwungen So haben wir den Kamps um das Schulgesetz mit vor- nehmer Objektivität geführt, di« Gegner aber mit dem tzanzen Raffinement der Demagogie, mit allen Mitteln religiöser Verhetzung und der ganzen Brutalität einer Mehrheit, die nicht nach der Verfassung fragt. Erst jetzt haben die Deutschnationalcn wieder beantragt, daß Kinder, die die weltlich« Schule besuchen, von den Erziehungsbeihilsen ausge- schlössen sein sollen. Ueber das Konkordat ist Breitscheid mit leichter Rhetorik hinweggegangen. Aber selbst wenn wir von dem Inholt des Konkordats weiter gar nichts wissen, so müssen wir doch Form und Rechtsfolgen eines jeden Konkordats ernster nehmen. Ich stell« mit Genugtuung fest, daß das preußi,-,. Konkordat nichts über Schulfragen enthalten soll, aber warum schließt man überhaupt mit dem römischen Papst Verträge über preußische eigen staatliche Angelegenheiten Wenn die sozialistische Regierung Braunschweigs mit dem JGB. «inen unbefristeten Vertrag schließen würde, der gegen den Willen des JGB. nicht abgeändert werden kann, welchen Lärm würde die ganz« Bourgeoisie schlagen? Ist erst eine vertragsmäßige Bindung erfolgt, dann kann kein Reichsgesetz sie lösen, und die Möglichkeit einer Verbesserung des Reichsrechts ist auf Generationen verbaut. Darum kein« Bindungen, deren Tragweite für Gegenwart und Zukunft wir nicht voraussehen. Anna Siemsen: Das preußische Konkordat wird sich gewiß vom bayerischen unterscheiden, weil Preußen noch nicht einmal zu einem Drittel katholisch ist. Aber nichtsdestoweniger hat die breiteste Oeffentlichkeit lebhaftes Interesse am preußischen Konkordat, und die Verhandlungen hätten deshalb, in breitester Oeffentlichkeit geführt werden müssen. Verhandlungen mit der Kurie waren noch der Weimarer Verfassung wohl unvermeidlich, aber ihr Abschluß sollte nicht erfolgen in Form eines Staatsvertrages, son- dern lediglich in Form eines Gesetzes. Die Machtansprüche der katholischen Kirche können nur durch öffentliche Kritik zurückgedrängt werden. Fragen aus dem Jenseits gehen die Partei gewiß nichts an. Aber die Kirche ist keine Gemeinde von Heiligen, die das Jenseits vorausschauen, sondern eine ungemein reale Machtorganisation in der Wirklichkeit. Die Kirche regelt alle möglichen praktischen Fragen von der Stellung der Mode bis zum Privateigentum. Die Partei hat darüber zu wachen, daß die politische Haltung ihrer Minister nicht durch di« Abhängigkeit von bestimmten gesellschastlichen Machtorgonisationen beeinflußt wird. (Lebhafter Beifall.)(Fortsetzung im Hauptblatt.) �V�vÄ'U/lw' VjVVÜvifcvz, ,»v, /mä UJLl I" S&tvei Autogramme werden versteigert ou, /b stsje**' S /-L' /ir «- Al*- m �-Ü—' ««c. Ar<3- / XA/X"-" sy //fy (.lux(Karl Smal Menrlrl, TeraMgerunff 153,(Hial..tiutographen) Die Sammlung eines Autogrophenliebhabers hat diese beiden Extreme vereint, auf der gleichen Versteigerung gelangen sie zum Verkauf. Zwei Autogramm«— zwei Welten. Im Rahmen weniger Zeilen spiegelt sich die abgründige Wesensnerschiedenheif zweier Männer der gleichen Epoche. Wilhelms Autogramm: Auch wenn fein Schnörkel nicht doninter stünde, der Urheber wäre unverkennlmr. Der steil« Schrislcharakter deutet aus übersteigertes Ichgesühl, der Riesen- schnörkel im Namenszug spricht für eitle Selbstgefälligkeit. Dem- entsprechend der geistige Inhalt des Satzes: verstiegener, romanti- scher Größenwahn.(Man überlege nüchtern den Sinn: Wo irgend einmal ei» deutscher Soldat in der Weltgeschichte gefallen ist, das Land ist deutsch und bleibt deutsch! Auch China?! Auch Nord- omeriko?! Auch Rußland und wo sonst noch deutsäie Soldaten geblutet haben?!) Welche Vorstellungen sind es, die den Schreiber des Autogramms in Begeisterung versetzen: die Vorstellung des Todes(der anderen!) und die Vorstellung der blutigen Er- o b e r u n g e n. Di« Scheußlichkeit beider Vorstellungen hat sich der Schreiber maskiert durch großspuriges, pathetisches Phrafert- gewäsch:„Der deutsche Aar"...„Seine Fänge in ein Land ge- schlagen"...„In treuer Pflichterfüllung für sein Baterland ge- fallen". Und persönlich tat der eitle Renommist da? Gegenteil von alledem: er schlug seine„Fänge" in Holland ein, aber nichz erobernd, sondern hilseflehend sich anklammernd... August Bebel: Die Schrist Schlichtheit, der Namenszug ohne Pose. Die Gedanken des Schreibers: bei einer besseren Zu- kunft, beim Glück seiner Mitmenschen. Wilhelm schwärmt vom Tode seiner Untertanen Bebel davon, wie einst ewiger Friede die Menschheit beglücken, Harmonie ihr Dasein erfüllen wird—, und er kämpft dafür, er handelt nach seinen Worten. Zwei Autogramme— zwei Welten! P.S. Ironie der Weltgeschichte: der Auktionskatalog schätzt Wilhelms Autogramm mit 1206 Mark ab, Bebels mit--- 12 Mark! Blutige Ruhmsucht eines Psychopathen verhält sich zur Menschheitslieb« eines wahrhaft Großen im Sammlcrhirn wie 100 zu II E.K. Rund um die fr de in ssehn Vagen. Die Verkehrssachverftändigen Europas und der Vereinigten Staaten erörtern den Ausbau der internationalen Luftlinie, um dem Reisenden die Möglichkeit zu geben, unter Benutzung von Flug- z«ug, Luftschiff und Flugboot den Erdball mrmcr schneller zu um- kreisen. Was man erstrebt, ist«in sorgfältig ausgebautes System. bei dem alle Errungenschaften der Berkehrstechnik ausgenutzt werden. Bevor Flugboote, die sowohl in der Luft als auch auf dem Wasier oerwendet werden können, praktische Bedeutung gewinnen, wird man für den Fwg über die Ozeane sich großer, schneller Luft- schifi« bedienen müssen, und man denkt jetzt an den Bau von großen Luftschiffen, die außer der- Bemannung und einigen Tonnen Post 1(50 Passagiere mitführen. Wenn diese Pläne verwirklicht sein werden, dann wird man, wie Harry Harper in einer englischen Fachzeitschrift mitteilt, in 14 Togen und nach der Durchführung eines noch besferen Systems in etwa 10 Tagen rund um di« Erde reifen können. Ein solcher Flug um die Erde wird sich etwa sol» gendennaßen vollziehen: Man steigt in San Franziska auf und stiegt in einem der schnellsten Luxusflugzeuge über Nordamerika bis nach New Dork, wo der Restende und sein Gepäck sofort in ein großes Lufstchifs umsteigen, dessen Typ bereits feststeht. Mit diesem Fahrzeug reist man nach Paris oder Berlin, und in"'"'in l-elleigt man einen sogenannten„Luftschlaswagen", mit dem man ostwärts über Rußland bis nach Tokio stiegt. Dort steht bereits ein anderes großes Luftschiff bereit, das den Reisenden über den Stillen Ozean nach San Franziska zurückführt. Der Reisende, der mit dem Lust- schist von New Park noch London gelangt ist, kann auch im Flug- zeug von London über Paris und die Schweiz nach Italien fliegen. Dort wird er in ein großes Flugboot, ein wirkliches„Luftschiff" umsteigen, das ihn nach Aegypten trägt. Unter abwechselnder Be- Nutzung von Landflugzeugen und Flugbooten geht es dann nack Australien, während der letzte Teil der Reise über den Stillen Oze-' wieder im Luftschiff zurückgelegt wird. » (SdjluB.) -Der Meister selbst konnte sehr wenig arbeiten. Er saß meistens .im Arbeitstisch und unterhielt sich mit mir, während ich arbeitete, wenn er sich nicht im chinterzimmer zur Ruhe gelegt hatte. Seine Frau pflegte ihn mit größter Liebe und Sorgfalt. Abends nach Ladenschluß, wenn das Abendbrot vorbei war, saßen wir drei zu- sammen und unterhielten uns, wobei die Frau für gewöhnlich nur zuhörte, da sie überhaupt«ine sehr stille und ruhige Person war. Aber ich merkte an den Fragen, die sie stellte, daß sie eine kluge Frau war. Mein Meister hatte nebenher einen Zigarrenvertaus. Ging ich Sonntagnachmittags fort, dann kaufte ich mir bei ihm ein halbes Dutzend Zigarren. War nun die Meisterin im Laden, so zähste sie di« Zigarren nie ab, sondern griff ein paarmal in die Kiste und gab mir so viel, wie sie mit der Hand fassen konnte. Daß mir die Meisterin gut war, ahnte ich nicht. Sie war stets gleichmäßig freundlich zu mir, und so, wie es ein Geselle verlangen durfte, mehr nicht. Eines Tages, als sich der Meister wieder hingelegt haste, merkte>ch, daß die Meisterin etwas auf dem Herzen hatte Nie hatte sie, wenn wir allein waren, mich beachtet, nie mst mir gesprochen, deshalb fiel es ihr schwer, mich anzusprechen. Endlich nahm sie sich aber doch ein Herz. „Würden Sie wohl wiederkommen, falls mit meinem Mann etwas passieren sollte? Der Arzt hat mir soeben mitgeteilt, daß es nichts mehr mit ihm wird und ich hade großes Vertrauen zu Ihnen." Ich versuchte sie zu trösten und sagte ihr zu. „Die Arbeit ist in einigen Tagen sowieso beendet," sagte ich, „ich schleppe mich nicht gern mit Gepäck. Ich werde meine Sachen hier losten und, falls ich Arbeit finden sollte, Ihnen meine Adresse mitteilen." Damit war die Sache erledigt. So lange ich noch arbeitete, sprachen wir nicht mehr darüber. Nun kam der Tag, an dem ich fremd machte. Ein herrlicher Sommermorgen war es. Ich reichte dem Meister zum Abschied die Hand und wünschte ihm baldige Gesundheit. Er schlug ein und wünschte mir eine glückliche Reise. Die Meisterin saß am Tisch und sah nicht von ihrer Arbeit auf. Als ich mich von ihr verabschiedete, reichte sie mir nur stumm die Hand, ohne aufzusehen. Und da fühlle ich, daß es ihr nahe ging, daß ich fortging. Deshalb sah sie nicht auf. Ich bekam in einem Städtchen in der Provinz Posen Arbeit Von dort schrieb ich an meinen Meister und fragte an, wie es ihm ging. Da ich aber bald wieder aufhörte, konnte ich die Antwort nicht abwarten. Die Zeit vergeht schnell auf der Wanderschaft. Der Juli war vorbei und der August des Jahres 1892 angebrochen, da marschierten ich, ein verkommener Kaufmann und noch ein Kunde auf der Land- straße von Woldenberg nach Bernstein in der Neumark. Wir kamen an eine Bahnstation, die Kleeberg hieß. Hier befand sich dicht an der Straße ein Neubau. Der Polier stand auf der Straße. Den fragten wir nach der Zeit. Wir befanden uns alle drei nicht in der rosigsten Stimmung, denn die schöne Wanderzeit war ja längst vorbei. Die Bauern gaben nichts mehr, man wurde überall zur Ver- pflegungsstation gewiesen.• .Kerls," sagte der alte Polier,„wollt ihr nicht arbeiten?" Ich war sofort dazu bereit und der Kaufmann, mit dem ich schon einige Wochen zusammen tippeste, schlug mit ein. Wir waren beide froh, daß uns wieder einige Wochen Verdienst geboten wurde. Die Arbest auf dem Bau war schwer, aber dennoch machte sie mir Bergnügen. Und da der Poller mich zu allen vorkommenden Arbeiten gut gebrauchen konnte und ich mich recht geschickt erwies, so war ich nicht nur beim Polier sondern auch bei den anderen Arbeitern gut angesehen und wohl gelitten. So den ganzen Tag in der frischen freien Luft zu arbeiten, machte wirklich Spaß. Ein großer, stabiler Holzoerschlag diente nach Arbeitsschluß zum Aufent- hast und als Küche. Die Bereitung der Mittagsmahlzest für mich und meinen Kol- legen übernahm ich, da dieser dazu nicht fähig war. Er tonnte das Trinken auch während der Arbeit nicht lasten und meinte, es sporne seine Kräfte an. Er war nur vernünftig, wenn er keinen Pfennig Geld besaß. War er aber betrunken, dann durfte man ihn nicht mehr zu den Menschen rechnen. Am Sonnabend gingen wir mit unserem Wochenlohn ins nächste, ungefähr eine Stunde entfernte Dorf und kauften Lebensmittel für die Woche. Als es im Herbst anfing, kalt zu werden, schrieb ich meinem Meister in Schlesien, er möchte mir meine Sachen schicken. Schon nach einigen Tagen erhiest ich Antwort. Die Meisterin schrieb mir, der Meister läge schon lange unter der Erde. Sie habe bereits zwei Gehilfen in Aussicht. Der eine sei ein Soldat, der seine drei Jahre abgedient habe und nun nach Hause komme, der zweite der Kloster- buchbinder, ein verwachsenes, schwächliches Männchen. Ich käme als dritter in Frage, sie wolle deshalb mit dem Sachenschicken noch warten. Nach vierzehn Tagen schrieb sie mir wieder. Ich war während meiner kurzen Aushilfsarbeit bei ihrem kranken Mann verschiedene Male genötigt gewesen, das Betragen des ällesten Sohnes, eines Jungen von zehn Iahren, seiner Mutter gegenüber zu rügen. Als nun die Mutter ihren Kindern sagte, daß ich wiederkommen sollte, paßte das diesem ältesten nicht. Er bat und schmeichelte bei der . Muster, sie solle doch lieber den Soldaten nehmen. Da machte nun £ die Mutter, um keinem Unrecht zu tun und ihren Kindern entgegen- zukommen, den Dorschlag, das Los entscheiden zu lasten. Die Namen der drei Bewerber wurden auf Zettel geschrieben. Der ästest« Sohn mußte ziehen. Er zog den Zettel, der meinen Namen trug. Das verstimmte ihn zwar, aber er gab sich doch zufrieden. Das alles schrieb mir die Frau einfach und klar und ohne viel Umschweife. So war e» also geschehen und mein Los bestimmt. Ich schrieb der Meisterin, daß ich noch einige Wochen arbesten möchte, um so viel zu verdienen, daß ich mich neu einkleiden könnte. Daraus schickte mir die Frau Meisterin fünfundzwanzig Mark und bat mich, mein« Stelle so bald wie möglich anzutreten, da viel Arbeit zu bewä'stgen sei Damit hoste ich im Oktober des Jahres 1892— ich war indes «in Mann von 29 Jahren geworden— meine siebzehnjähnge Wanderzeit beendet. Sonntag in aller Frühe fuhr ich mit der Bahn nach Posen, um mich dort einzukleiden, und fuhr dann mit der Bahn weiter. Nachmsttags in der fünften Stund« gelangte ich an meinen Bestimmungsort. Die Meisterin führte mich noch am selben Tage an das Grab ihres Mannes. Jetzt lernte ich die Frau erst richtig kennen, schätzen und achten. Ihr immer ruhiges, freundliches Wesen, ihre stille, unermüdliche Arbeit nötigten mir größte Achtung ab. Dabei war sie in jeder Beziehung sparsam. Die Krankheit ihres Mannes hatte viel Geld gekostet. Nun stand sie mit drei unmündigen Kindern und etwa 4009 Mark Schulden allein da. 'Sie war sechs Jahre älter als ich, aber ihre Liebe, die sie mich durch ihre immer gleichbleibende Freundlichkest und ihr stilles, liebevolles Wallen fühlen ließ, veranlahten mich, mir das Gelübde abzulegen, jetzt endlich auch in meinem Leben etwas Gutes zu tun und mich der Frau und der verwaisten Kinder anzunehmen und für sie zu arbeiten. Ich selbst war sa bedürfnislos. Manchmal kam es wohl noch vor, daß ich etwas angeheitert aus dem Gesangverein, dem ich beigetreten war, nach Hause kam. Aber dann beschämte sie mich durch ihre Liebe und Freundlichkeit so sehr, daß ich mir vor- nahm, es nicht mehr zu tun. Als das Trauerjahr vorüber war, heirateten wir. Auch das Rauchen gewöhnte ich mir ab und habe während unserer zehn- jährigen Ehe keine Zigarre mehr geraucht, trotzdem ich bis dahin ein leidenschaftlicher Raucher gewesen war. Im ersten Jahre unseres Zusammenlebens halle sich die Ge- schäftsschuld um etwa 1509 Mark vermindert, aber trotzdem machte uns das Arbeiten kein Vergnügen. Der Kastengeist war in diesem kleinen Beamtenstädtchen zu groß. Der Buchdruckereibesitzcr und noch ein alteingesessener Buchbindermeister waren Stadtverordnete. Ihnen wurde die Papier- und Schreibmaterialienlieferung für den Magistrat übertragen, ich und noch ein anderer Buchbinder, die wir gleichfalls unsere Offerte einreichten, gingen leer aus. Einige Lehrer an der Schule handelten auch mit Schulbüchern und hielten die Kinder ganz öffentlich dazu an, die Schulbücher von ihnen zu beziehen. Bei uns standen die Bücher im Laden und wir wurden sie nicht los. Als ich beim Herrn Pastor, der auch Schulinspektor war, um Abhilfe bat, ging er mit meinem Brief in die Schule, versammelte die Herren Lehrer um sich und las ihnen mein Schreiben vor. Der Erfolg war der offizielle Boykott unseres Ladens. Ja, meine Frau hatte hier sehr bittere Ersahrungen gemacht. In dem Sündenbabel Berlin waren ihr Haß, Neid und Mißgunst erspart geblieben. Hier erst, in diesem kleinen Städtchen, in dem die Glocken der Klosterkirche schon am frühen Morgen zur Andacht riefen, wenn noch der dunstige Odem des anbrechenden Tages über der Stadt und dem angrenzenden Buchenwald schwebte, in dem die katholischen und evangelischen Christen vor Frömmigkeit trieften, hat sie über die brutale Schlechtigkeit gerade derjenigen Kreise, von denen man wirkliche Herzensbildung erwarten dürfte, oft bittere Tränen geweint. Und ich, der ich nach jahrelanger, lockerer, ungebundener Wan- derburfchenzeit hier festen Fuß zu fasten und ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden hoffte, kam mir vor, wie ein wilder Sproß, der sicher in diesem fetten, mit zu viel falscher Frömmigkeit gedüngten Boden nie Wurzel fasten konnte. Wir verkauften deshalb das Geschäft und siedelten nach Berlin über, wo ich Anstellung als' Buchbinder fand. Hier lebten wir bis zum Tode meiner Frau in sehr glücklicher Ehe. Die Kinder meiner Frau sind inzwischen tüchtige Menschen geworden, die sich aus eigener Kraft in die Höhe gearbeitet haben. Mit der Wanderschaft habe ich endgültig gebrochen. Nur in Gedanken noch ziehe ich manchmal hinaus in die Weite. FÜR DEN KLEINGÄRTNER. nmiiiiiinininiiiuuuniiiiuHiniiiiiiiniiiiiHiiiniiiiiiiiiiiniiiiuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiimimiinnnmTnniiiiiiimiiiiuiimiiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiniitiiiiniiiiiiiiuiiiliiuimiiiiiiiiuiiiMiiiiiiiiiiuiiiiui Die zweite Saat! Wenn auch die ganze Landbestellung gegen sonst um etwa vier Wochen zurück ist. so wird doch nach und nach das eine oder andere Stück Land wieder frei und für diesen natürlich von der Witterung der nächsten Zeit abhängigen Fall muß man gerüstet dastehen. Wohl ist ein zu langes Verharren von Sämlingen im Saatbeet verderb- lich, aber wir hoben durch das jetzt mögliche Offenhalten der Saaten den Vorteil, daß der unangenehm« Zustand der Ueberalterung nicht so schnell eintritt. Auch kann man ihm entgegen wirken durch weite Reihenaussaat, so daß der einzelne Sämling in er- sreulichem Wachsen bleibt und nicht Gefahr läuft, im Gedränge mit seinen Brüdern ganz oder teilweis« kaputt zu gehen. Also für Kohl- rüben, Wruken, Grünkohl, Rosenkohl, Wirsing und Weißkohl, sowie den späten Goliath-Kohlrabi sind di« Pflänzlinge heranzuziehen, und Karotten(Samen einquellen), Salat, Spinat, Winterrettich, Schwarzwurzeln, auch Radischen können im Garten gesät werden. Für Bohnen, Gurken und Kürbis ist es jetzt hohe Zeit— nachdem der erste Pfingstfeiertag Nachtfrost hatte, dürste der diesjährig« Kältebedarf vorläufig gedeckt sein. Nun kommt aber noch die Bodenfrage in Betracht: steht das Land in genügender Kraft für die zweite Bestellung? Da der Winter ein frühes Arbeiten verhinderte, so hat die erste Bestellung elwas hurtig vor sich gehen müssen und vielleicht konnte nicht alles Land hinreichend gedüngt werden. Wer über guten Kompost ver- fügt, hat jetzt das beste Mittel an der Hand, eine gute zweit« Ernte zu sichern. Allzuviel Jauche sollte man namentlich auf fettem Boden nicht geben, sie erzeugt leicht bei Kohl und Retttch Maden- fraß. Aber man kann sich mst Kunstdünger gut helfen: auf den Quadratmeter 39—49 Gramm 49prozentiges Kalisalz, ebensoviel Superphosphat und die Hälfte schwefelsauren Ammoniak. Statt letzteren kann man für Wruken und Kohl verdünnte Jauche verwenden. Wenn man sich die Mühe macht, die Sämling«(vor dem Pflanzen) in einen Brii von Kuhmist und Lehm bis ans Herz- blast einzutauchen, so sorgt man für«in gutes An- und Weiter- wachsen; natürlich muß, falls man nicht Sommerregenwetter beim Pflanzen hat, ein verständnisvolles Angießen jeder einzelnen Pflanze vorgenommen werden. Bei den Kohlarten ist, besonders wenn der Boden feucht und schwer ist, stets eine frühreifende Sorte für diese letzte Saat zu wählen. In den Fällen, wo der Betrieb schon mehr ins Große geht, wird man auch leerwerdende Frühbeete zur Verfügung haben; sie eignen sich am besten für Gurken und Tomaten, denen man in Tagen kühler Witterung, di« in keinem Sommer fehlen, Schutz durch zeitweiliges Wiederaufiegen der Fenster, mit guter Luftzufuhr. geben kann. Die aufgewendete Arbeit macht sich bezahlt; nur di« vonoerstas, 30. Mai. Berlin. 16,00 Heinrich Wiepkin«: Erhallnnr der Landschaft. 16.30 Dr. med. Q. Muskat: Hygiene des Wanderns. 17.00 Unterhaltungsmusik der Kapelle Emil Ro6sz. 18.00 Die Liebesszene in der deutschen Dichtung. Einleitende Worte; Dr. Franz Leppmann. Leseproben: Ida Orloff. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte, 19.00 Paul Westheim: Modelaunen yerderbea die Mode. 19.30 Mollath, M. d. R.: Deutsche Keuimannsarbeit im Ausland. 20.00 Oerkart Pohl: Das«eue Volkslied.(Leseproben: Paul Blldt.i 30.4! Orehesterkonrert. Dirlg.: Oeneraltnuslkdireirtor Prof. Dr. Pfitzner. I. Dt. Konad Wandrey: Einführung.— 2. Ouvertüre rn„Das Chrlstnlflein"— 3. Der Blumen Rache, für Alf-Solo. Franenohor und Orchester:(Solistin: Maria Seret van Eyken).— 4. Hans Pfitzner: Kontert für Violine and Orchester h-moll op. 34.(Alma Moodia. Berliner Funk-Orchester.) Naeh den Aheadmeldungea bis 0.30; Tanzmusik(Kapelle Kennbach). Wehrend der Pause: Bildfunk. KAnigswusterhausen. 16.00 Dr. Erika Hoffmann und Johanna Koppel: Spielzeug für Kleinkinder, 16.30 Benedikt KochmQTler und Dr. Karl Würzburger: Ans dem Hölderlin-Epos, 18.00 M. Müller- labuseh: Wellpolltische Stunde. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Min.-Rat Dr. Bose: Entwurf eines Reichsmilchgesetzes. 19.20 Dr. Eritz Klein; Prltno de Rivera und Hoover, Pflanze, die beständig im Wachsen erhalten bleibt, gibt die Gewähr einer wirNich befriedigenden Ernte. Kräftige abgehärtete, nicht Über- ständige Sämlinge, Schutz gegen„Erkältung", daher auch Gießen mit abgestandenem Wasser, Osfenhalten des Bodens durch Hacken und genügende Feuchtigkeit sind die Faktoren des Gedeihens. Alte Streitfragen. Alte Streitfragen, die eigentlich keine mehr sein sollten, aber immer wieder auftauchen, weil sie einerseits im Erwerbs-, anderer- feits im Bequemlichkeitstrieb des Menschen wurzeln, sind:„beeinträchtigt das Wässern des Spargels die Qualität?" und„Ist es vorteilhaft, den Stalldünger gleich unterzugraben refp.-pflügen? Was die von den vielen Verkäufern vorgenommene Auf- bewahrung des gestochenen Spargels in einem mit Waffer gesülltcn Bottich betrifft, so haben Versuche erwiesen daß der Spargel wohl recht beträchtliche Wasscrmengen aufnimmt: auf 190 Gramm unge- schuppten Spargel in 1— 3 Tagen etwa 9—13 Gramm, daß aber andererseits in den gleichen Zeiträumen nur einige wenige Prczent Extrakt- und Mineralstoffe ausgelaugt werden. Durch die Waffer- aufnahm« wird der Spargel schwerer, so daß meist«ine B e- nachtelligung des Käufers eintritt. Sie fällt höchstens dann fort, wenn der Erzeuger di« Spargel trocken abwiegt und sie etwa pfundweise gebunden ins Wasser legt. Gelangen sie dann direkt an den Käufer, so findet gewöhnlich kein Nachwiegen statt. Wird der Spargel aber erst durch zweste, dritte Hand oerkauft, so wird meist neu sortiert und neu abgewogen, also zum Schaden des Käufers. Man kann Spargel auf feuchtem Sande, der mit Fließ- papier belegt ist, in nicht zu dicker Schicht aufbewahren, wenn man im Keller oder sonstigen Raum einer nicht zu hohen Temperatur sicher ist. Am besten etwa 12 Grad. Nach 2—3 Tagen zeigt der Spargel noch ein ganz frisches Aussehen. Hinsichtlich der Dungfrage haben die Versuche überwiegend den Vorteil der möglichst raschen Unterbringung des Stallmistes festgestellt. Wenn vor Jahren ein märkischer Landwirt auf seinem Besitz das Gegenteil nachzuweisen imstande war, so lag dies an der besonderen Art seines Bodens, der stark mit Humus, Torfkompost, angereichert war. Vom Hacken. Zweimal gehackt ist einmal gedüngt— eine jener Bauern- regeln, di« auch die Wissenschaft bestätigt. Denn das Hacken entfernt nicht nur das lästig«, oft durch sein rasches Emporwachsen die Kultur- gewächse unterdrückende Unkraut, sondern erfüll: noch eine ganz befondere Mission; es sorgt nämlich für das Offenhalten der Ober- fläche des Ackers. Es ist oft geradezu fabelhaft, wie junge Pflanzen nach dem Hacken in die Höhe schießen. Je wärmer die Witterung, desto härter(weniger osien) wird der Boden und die Pflanzen sitzen gewissermaßen im Gefängnis. Erst wenn Luftzutritt zu den tieferen Bodenschichten gewährt wird, sangen sie zu leben an. Sie atmen ja auch nicht allein durch ihre oberirdischen Teil«, sondern auch durch die Wurzeln. Durch den Zutritt der Luft werden die im Boden befindlichen Vorräte an Pftanzennahrung aufgeschlossen und andererseits die sich bildenden Säuren entgiftet. Und wenn man glaubt, daß im Sommer ein tüchtiges Gießen das Hacken ersetzen kann, so rst dies ein Irrtum; auf dem harten Boden verdunstet das Wasser rasch und die Folge ist, daß die Härte der Oberfläche noch mehr zunimmt. Also er st hacken und dann gießen. Auch die durch Hacken leicht zu erzielende Bchäufelung der Pflanzen st eine wertvolle Unterstützung des Wachstums. Sieht man doch jetzi Hackmaschinen aus großen Feldern, wo zwischen den breit vonein- ander entfernt liegenden Aehrenreihen der Boden gelockert wird. Auch hier, im Großbetrieb, hat man den Wert des Hackens erkannt. Für den Kleinbetrieb ist das Hacken natürlich noch siedeutend wich- tiger. I« fleißiger der Gärtner hockt, um so besser gedeihen die Pflanzen. Schnecken im Garten i An feuchten vtellen, wo jung« Sämlinge gepflanzt sind, finden sich die naschhaften kleinen nackten Schnecken, ein. Da sie morgens und abends ihren Appetit befriedigen, wird man ihrer nicht leicht Herr. Man muß ihnen künstlich einen Schlupfwinkel schaffen durch kurze alte Bretter, die schon recht morsch sind. Man legt sie so hin, daß ein« Höhlung entsteht. Hier versammeln sich die Schnecken tagsüber; hebt man mittags die Bretter hoch, so kann man reiche Ernte hallen. Im iter- Fu�bailager. i Oesterreich— Deutschland am I.Juni in Wien./ Die Fu�balltaguna in Hamburg Die Fußball-Ländermannschaft des Arbeiter-Turn-| und Sportbundes steht vor ihrem schwersten Kumps de? Juhres�[ 1327 war es, als die deutsche Mannschaft in Wien im 1. Länderspiel die österreichische Elf vor nahezu.AlMO Zuschauern verdient 3:1 I besiegte. In den folgenden Länderspielen i» Nürnberg und in Ber- s lin verlor Deutschland 2: 5 und 3:6. Es war nicht immer möglich, die stärkste Mannschaft zu stellen. Neidlos mußte die wachsende Spiclstärke des österreichischen Bruderverbande? anerkannt werden. Ob Deutschland an seinen Sieg in Wien 1327 anknüpfen kann, ist abhängig von den Leistungen nachstehender Spieler, die der Bund nach Wien schickt: Belme Selchow Schnierle Lachner Grilbner lBurg bei l..Helios", München) Leipzig) Harlmann Raumann Bergmann •' Kleider Verlrieb Geseilfdiaft ■ Gebr. Sklarek Berlin SW 19, Kommandantenstraße&0-81 1 Max Gräbner Berlin O 34, Petersburger Strafe 26 1 Telephon: Königstadt 119 Oksl- u. Gemüscversfinfl en gros und en detail Zahn-Praxis Br. Lehmann, Berlin N20 Schwedenstraß© 18c, an der Badstraß© Schonendste Behandlung ✓ TctlzahluBg x Behar.dlune von Kassenmitgliedern/ Sprechst. 9— 1. 3— 8, Mitiw. d— 8 DampiwäsiM„Hansa" Lübecker Str. 3, neben der Post Telephon: Hansa 2930 wasche nach oewiehl ,» �..