Morgenausgabe Nr. 249 �426 46.Iahrgang OSdjfnrnd)»ZW. monatlich i«Om, im oorou« zahlbar. Postbezuz 432 M. rtnlchüeßlich 60 Pfg. Postzrltun�s. und hjoftdeliellhrbühr«». Auslands abonnrmtnl 6.— 9t pro Monat. C«.Sormarts"«rlchrtnr wochrntZz» lich zweimal. Sonntags und Montag, einmal, die ilbendouegaden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.ilinderfreund". Ferner .Unterhaltunz und Wissen",.grauen- stimme"..Technit»..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Vorrvärt," Verliner Nottsblatt Freitag 31. Mal 1929 Groß-Lerlin Ii) Pf- Auswärts 15 pf. t>!e etnlpolttgr f*onparelBejHIf 80 Pfennig. Rellame�eile 5.— Reich». mark.„Kleine An�igen� das ienge- druckte Wort 23 Pfennig(zulölsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmoikt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäft Lindenftraste S, wochentäalich von L'/, bis 17 Uhr. Äenivaßoesan der SozialdemvkraMche« Vavtei Deutschlands Nedaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstratze 3 RcmfptcdjtT: Tönboft 292—297 ielejramra.abr.: Sozialdemokrat verli» Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 i>ZK.— Bonkkomo: Bank der Arbetler, Sngisltlli«» unb Beamten Dallstr. 65. Diskonto-Eelellichalt. Tepositentalse Ltndenstr. I Labours großer Sieg Alle Arbeitersitze bisher behauptet unb neue erobert./ Schwere Regierungsverlufle. E. rv. London. St. Mai. 1 Uhr 15 nachts. (Eigenbericht.) Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen einen starken, siegreichen Fortschritt der Arbeiter- Partei, der beinahe gestattet, von einen»„E r d- r u t s ch" zugunsten der britischen Sozialisten zu sprechen. Tie Arbeiterpartei hat s ä n: t l i ch c Sitze, die sie im vergangenen Parlament besessen hat, bisher mit erhöhten Mehrheiten ausrcchtzuerhalten vermocht, eine Reihe von Sitzen wicdererobert, die sie während der Sinowjcw-Wahlcn verloren hatte und eine ganze Reihe von Sitzen neu- erobert, die bisher noch niemals im Besitze der Arbeiter gewesen waren. Der Zuwachs der liberalen Stimmen ist bei Anrech. nung der Vergrößerung der Wählerschaft bisher n i cht als sensationell zu bezeichnen. Für eine liberale Wiedergeburt sprechen zurzeit ke i n e Anzeichen. Die Konservativen haben zwar im Durchschnitt ihre 1924 erzielte Stimmen- cnzahl aufrechtzuerhalten vermocht: das bedeutet jedoch an- gesichis der Z0prozentigen Vermehrung der Wählerschaft durch die Erweiterung des Frauenstimmrechts einen ausgesprochenen Rückgang. Da in einer großen Anzahl von Wahlkreisen im Gegensatz zu 1924 diesmal nicht zwei, sondern drei, in einzelnen Fällen sogar vier Kandidaten im Felde standen, ist ein Vergleich der Ziffern überaus schwierig. Von den Führern der Arbeiterpartei ist der Präsident der Sozialistischen Arbeiterinlernationale Arthur H e n d e r- son in Lnrnsly mit verdoppelter Majorität wiedergewählt worden. Der Präsident der Arbeiterpartei Herbert Mar- r i s s o n vermochte in Hockey einen bisherigen konservativen Sitz mit einer Mehrheit von 7000 Stimmen neu z u er- o b e r n. Bisher sind drei konservative Minister d u r ch g e- fallen: Sir Thomas I n s! i p. der Generalstaalsanwall der konservativen Regierung ist in B r i st o l- L e n t r a l von einem sozialistischen Kandidaten geschlagen worden. Außerdem sind die beiden Unlerstaalssekretäre des Wirt- schastsministeriums und des Innenministeriums von der Arbeiterpartei besiegt worden. Soweit Kommunisten im Felde standen, haben sie kaum mehr als je ZOO bis 400 Stimmen zu erzielen vermocht: sie haben bisher durchweg ihren Wahleinsah von löO Pfund Sterling verloren, da sie weniger als ein Achtel der Stimmen erzielt haben. Es kann schon jetzt gesagt werden, daß die kon- scrvative Mehrheit im Unterhaus g c- brachen sein dürste. Der Stand der Parteien ist nm 12 Uhr 42 Minuten folgender: Arbeiter- Partei 61 Sitze, Konservative 34, Liberale 6, andere 4 Sitze. Die Konservativen haben bisher keinen Sitz neugewonnen, jedoch 28 Sitze verloren. Die Arbeiterpartei hat bisher keinen Sitz , verloren, jedoch 27 Sitze neugewonnen. Die Liberalen habe« 6 Sitze gewonnen, hingegen 3 verloren. Ihr Gesamtgewinn beträgt sonach 3 Sitze. Der Wahltag in London. Ruhiges Sit aßenbild.— Regste Beteiligung der jüngsten Wählerinnen.— Autofarbenwirrwarr. London. 30. Mai. 2l Uhr.(Eigenbericht.) Der Wahltag ist nach den bisher vorliegenden Meldungen ohne ernste Zwischenfälle verlausen. Ueber die Wahlbeteiligung ist ein lleberblick noch nicht möglich, da die meisten erst nach ihrer Arbeit abends zwischen 7 und 9 Uhr zur Stimmabgabe gekommen sind. Zn den ausgesprochen bürgerlichen Wahlkreisen Londons wie Kensinzion, hamstead usw. herrschten unter den Wählern bis spät abends die Frauen vor. Ueberall wird regste Wahlbeteiligung der weiblichen Jungwähler festgestellt. Im Stadlbild Londons war von der Wahl, die in Schnlen, Amlslokalen und Kirchen vor sich ging, beinahe ebenso wenig zu sehen wie von dem vorangegangenen Wahlkamps. Rur Autos mit blauen, roten und gelben Schleifen sowie Vildern der Kandidaten ließen erkennen, daß sich die Parteien um ihre Wähler bemühten. Die Farben waren allerdings insofern irresührend. al» zahlreiche konservativ« Kandidaten wie zum Beispiel der rechtskonservative Innenminister Joynson hlcks unter einem roten Banner kämpfte, während im glelchen Wahlkreise die Farbe des sozialistischen Kandidaten blau war. Lloyd George hatte während seiner Wahlkampagne unter diesem Wechsel der Farben nach Wahlkreisen insofern zu leiden, al» er während leiner jüngsten Tournee nicht weniger als fünfmal die Farben feines Autos wechsetn muhte. um sich jeweils in Ucbereinflimmung mit den lokalen liberalen Farben zu befinden. An eineni Orte, wo Lloyd George irrtümlicher- weise mit einem r o l geschmückten Auto eintraf, wurde er zunächst für einen sozialistischen Agitator gehalten, was nach Auf- klärung des Mißverständnisses zu iebhasten Kundgebungen gegen den liberalen Führer Anlaß gab. Da das überaus strenge und nicht unparteiliche englische Wahl- aeseh auch bestimmt, daß zu Schleppdiensten nur s r e i w U l i g zur TtetffißUiU? gestellte Aulomob-.lc. nicht aber gemietete Wagen Der- Wendung finden dürfen, war die tabour Party in dieser V-z ehung gegenüber den Konservativen und Liberalen stark benachteiligt. Räch unserer Beobachtung verhielt stch in London die Anzahl der Autos der Konservativen zu denen der Arbeiterpartei wie 10: 1. Diese nachteilige Situation der Arbeiterpartei wurde allerding« in den späten Abendstunden dadurch etwas ausgeglichen, daß sich etwa l 0 0 Omnibuschausseure der großen Londoner Ver- kehrsgesellschast den verschiedenen sozialistischen Kandidaten al« s r e> w i l l i g e Aulochousseure zur Verfügung stellten für Wagen, die den Kandidaten der Arbeiterpartei von den Besitzern geliehen worden waren. Ein interessantes Bild bot der ausgesprochen groß- bürgerliche Wahlkreis Südkenfington, wo die Verwicklung des ossi- ziellen konservativen Kandidaten Sir William Davidson in einen Einbruchskandal zu einer lokalen Revolte und zur Ausstellung eine« moralisch„einwandfreie n" konservativen Kandidaten geführt ha«. Die puritanische Empörung scheint hier allerdings die entgegengesetzte Wirkung auszuüben, da nach allgemeiner Aussassung die ganze weibliche Zugend geschlossen für Sir William Davidson gestimmt hat... Der Führer der Arbeiterpartei Ramsay Macdonald, weicher eine Fahrt durch seinen Wahlkreis Seaham unternahm. war überall Gegenstand großer und begeisterter Kundgebungen. Ein Attentat in Kabul. Eine Bombe gegen Habibullah. Räch einer Meldung aus Kabul explodierte dort am 26. Mai während einer Iruppenbesichtigung durch Emir H a b i b u l l a h eine Bombe. Ein Soldat wurde getötet und mehrere schwer verletzt, habtbullah entging dem Tode mit knapper Rot. wie sich herausstellte, war die Bombe in die Erde eingegraben worden. Offenbar war ein Anschlag aus das Leben Habtbullah» beabsichtigt.__ Türkische Drohung. Infolg« der neuen Schwierigkeiten, die die Franzosen bei den Verhandlungen mit den Türken machen, drohen diele jetzt, die Bahn Adana— Mcrsina, die ihnen von Rechts wegen gehört, in eigene Verwaltung zu nehmen. In der Rational- Versammlung wird energisch Auskunft über den Stand der Vcrhand- lungen gefordert, sowie daß'die Ferien vorläufig hinausgeschoben werden. Ein Advokat des Teufels. Die Rolle des Faschismus auf dem Kongreß der Völkerbundsligen. XV. 8. Madrid. Ende Mai. An dieser Stelle wurde nach Pfingsten vor einem und vor zwei Iahren über den XI. und XII. Kongreß der Völker- buridgesellschasten berichtet. Jener fand in Berlin unter dem Vorsitz der französischen Professor A u l a r d als der erste große internationale Kongreß nach der Sozialistischen Internationale in Hamburg statr, dieser wurde im Sommer 1928 im H a a g abgehalten. Dieses Jahr waren die Völker- bundgesellschaften der Einladung Spaniens gefolgt, dessen Regierung die Rückkehr in den Völkerbund zu unterstreichen und möglichst viel Gäste in die AussteUungsstädte Sevilla und Barcelona zu ziehen den Wunsch hatte. Der Berliner Kon- greß hatte noch stark unter den deutsch-französischen Gegen- sätzen zu leiden; so war es damals noch nicht möglich, den Kongreß zu einer wirksamen Entschließung zugunsten der Räumung zu bewegen. Der H a a g e r Kongreß erwarb sich ein Jahr später das Verdienst, sich den in der deutschen Liga für Völkerbund ausgearbeiteten Vorschlag der st ä n d i g e n Minderheitenkommission zu eigen zu machen, so daß ihn dann der holländische Außenminister in Genf oer- trat, die deutsche Regierung ihn aufnahm und die sozialistische Internationale ihn ihrem Programm einverleibte. Der dies- jährige Kongreß, der in der Woche nach Pfingsten in Madrid oersammelt war, zeichnete sich dadurch aus, daß er den Faschismus anschaulich und scharf isolierte. Der Madrider Völkerbundkongreß wurde vom Grafen B e r n st o r f f als diesjährigen Präsidenten' des Weltver- bandes der Bölkerhundligen mit Bonhomie und auch mit Energie dort, wo es nottat, geleitet. Besonderes Gewicht erhielten die Verhandlungen diesmal dadurch, daß der Se- nator Henri de Jouvenel von Frankreich und Lord Robert Ceciil: der Präsident der englischen Gesellschaft (mit 600 000 Mitgliedern) an den Madrider Debatten teilnahmen. Von Deutschland waren u. a. der Reichstagsab- geordneten Prälat Schreiber und Freiherr o. Rhein- baben erschienen. Italien war wie üblich durch Er- Staatssekretär Giannini oertreten, ist sich doch der zähe Macchievellismus der heutigen italienischen Regierung nur zu gut bewußt, daß es bei der Sabotage des Friedens vor allem daraus ankommt, jeden friedensförderndenWeq möglichst zu verbauen, ehe auch nur der erste Schritt auf ihm getan wird. Der Kongreß ist sich wohl in allen seinen Vorscklägen stets einig gewesen: nur Giannini stimmte immer„Rein". Sein Rein ertönte gegen den Vorschlag, das Los politischer oder anderer Gefangener durch eine inter- nationale Konvention über Gefangenenbehandlung zu erleichtern, fein Rein widersetzte sich jedem Versuch, die Autorität des Völkerbundes gegenüber den nationalen Re- gierungen zu stärken, einzig sein Nein wurde der Absicht ent- gegengesetzt, den jetzt auf die Ost- und Balkanstaaten be- schränkten Minderheitenschutz auf alle Staaten auszu- dehnen. Einzig Giannini sprach zu jedem Punkt der Tages- ordnung, nicht ohne Witz, manchmal auch nicht, ohne sich zum Clown der Versammlung zu machen, er suchte die De- hatte über die Minderheitenpolitit zu kürzen, er zog jede andere Debatte durch Geschäftsordnungs- und stilistische Ve- merkungen in die Länge. Di« Absicht der Sabotage war so offenkundig, daß kein Delegierter die Volit'k, die ihm Musso- lini vorschrieb, mitmachte, sondern schließlich Robert Cecil sich erhob und ihm für die Rolle dankte, die er auf diesem Kongresse spiel«: ihm sei es zu verdanken, wenn sich alle Kräfte der Demokratie zusammenschlössen, um gegen ihn Stellung zu nehmen; er sei es, der die Demokratie zwäng-, zu seiner Ueberwindung sich zusammenzuschließen, er spiele wie im Mittelalter, wie bei der Heilig- spreckung einer Person die Rolle des iulvoc.itiik, diaholi, des Advokaten des Teufels, gegen den die Gutgesinnten alle Argumente ins Feld führen müßten, um ihn zu schlagen... Wie lange wird es wohl noch dauern, bis im Namen einer Regierung im amtlichen Völkerbünde selbst die Demokratie einmal die Kraft finden wird, dem Faschismus m't voller Verachtung entgegenzutreten? War diese Kennzeichnung Mussolinis der dramatische Höbepunkt des Kongresses, so stellte die Beratung des Ar- tikels 19 der Völkerbundssatzung über die Revision von Ver- trägen einen in der Stille sehr bemerkenswerten Beginn dar. Ist es doch unseres Wissens zum ersten Male in?Radrid gewesen, daß auf einem internationalen Kongreß die An- gehörigen der verschiedensten Nationen sich über die heikelste aller Fragen, über die R e v i s i o n von Verträgen, unterein- ander in aller Ruhe aussprachen und gemeinsam festgestellt haben, was der berühmte Artikel 19 rechtlich bedeutet. Sie haben festgestellt, daß nach geltendem Völkerbundsrecht jeder Staat jederzeit das Recht hat. die internationale Slufmerk- lamkeit auf einen nach seiner Meinung überholten Vertrag zu lenken und die Völkerbundsversammlung mit einfacher Mehrheit beim Vorliegen eines solchen Antrages das Recht hat, zu seiner Prüfung eine Kommission einzusetzen, die ihr über das Für und Wider eines solchen Antrages Bericht zu erstatten hat. Damit hat sich die in den Völkerbunds- gesellschaften zusammengefaßte öffentliche Meinung der ver- ichiedensten Länder zum ersten Male für die grundsätzliche Möglichkeit von internationalen Vertragsrevisionen ausgesprochen; ein Ergebnis der seit Locarno sich durchsetzenden Beruhigung, das um so mehr einzuschätzen ist, als auch der Vertreter der polnischen Rechten sich dem klaren Tatbestande des geltenden Rechtes nicht entziehen konnte: dies um so weniger, als schon vor zehn Iahren im Mimatum zum Friedensvertrag die Revision unanwendbar gewordener Der- träge als eine Aufgabe des Völkerbundes hmgestellt wurde. Zu einer formellen Zustimmung des Kongresses zu der von dem belgischen Genossen Rolin vorgelegten Kommissions- entschließung jedoch kam es diesmal noch nicht. Es war leider gerade die französische Delegation gewesen, die erst an dem genauen Studium der Tragweite der Entschließung durch Krankheit des dazu ausersehenen Delegierten vorhin dert war, aber auch dann sich den«ingehenden Verhandlun gen darüber entzog: hoffentlich werden in den nächsten Ma naten die französischen Bölkerbundsfreunde sich eingehend mit dem Studium dieser Frage befassen, so daß sie eine Angst vor den Konsequenzen des Artikels 19 los werden, di« nie- mand teilen kann, der sich ernsthaft entschließt, seinen Wort- laut und seine Tragweite zu prüfen. Was die Minderheitenfrage angeht, so er- neuerte der Kongreß, gerade angesichts der Londoner Komitsesitzung und der bevorstehenden Madrider Ratstagung seine Beschlüsse vom chaag: Ausdehnung des Minderheiten- Ichutzes auf alle Staaten und Schaffung eines unabhängigen Minderheitenausschusses in der Art der Mandatskommission. Die Art, wie insbesondere ein polnischer Vertreter sich für diese Grundsätze einsetzte, zeugt von einer nicht gleichgültigen Entwicklung des internationalen Bewußtseins auf dem Kongreß! das sich allerdings in den Beziehungen Deutsch- lands und Polens selbst wird erst noch bewähren müssen: immerhin war die Schärfe bemerkenswert, mit der der gleiche Pale von jeder Absicht abrückte, die in fremde Staaten inkorporierten Minderheiten assimilieren zu wallen. Zur allgemeinen Politik wurde eine Entschließung angenom- inen, die die baldige Einberufung einer Abrüstungs- konferenz nicht nur zur Begrenzung, sondern zur Be- s ch r ä n k'u n g der Rüstungen fordert und darüber hinaus die Wege zu dieser Einschränkung weist: Herabsetzung der Zahl der eingezogenen Rekruten(also auch der Reserven), der Dienstzeit, des Kriegsmaterials und der cheeresausgaben Es war bei der Debatte bemerkenswert, wie von französischer und belgischer Seite die Berechtigung der ursprünglich nur »an Deutschland vertretenen Anschauung zugegeben wurde, die Sicherheit hänge van der Abrüstung ab. De Iouvenel schloß übrigens seine Rede mit dem pathetischen Ausruf: „daß alle Welt eines Tages noch Deutschland um sein« Ab- rüstung beneiden werde", worauf freilich die Erwiderung leicht ist, daß es ihr freisteht, diesem Beispiel zu folgen. Der Kongreß, der von der spanischen Völkerhundsgesell- ichaft gastlich zu den schönsten Stätten der Umgebung— dem Königsschloß Escorial, den Gärten von Aransuez und nach Toledo— geführt wurde, schloß mit einem Nachspiel: die Madrider Parteigenossenschaft hatte aus Anlaß des Kongresses zu einer Kundgebung über„Völkerbund und Abrüstung" in die Volksbühne im Madrider Dalkshaus eingeladen, der viele Hunderts von Genossen und Genossin- nen gefolgt waren. Zum ersten Mal«, seit es in Madrid«ine moderne Arbeiterbewegung gibt, sprachen— unter Kontroll« eines Kriminalpolizisten Primo de Riveras—«in englisches und ich als deutsches Parteimitglied zu den Madrider Klassen» genossen unter den gleichen geistigen Symbolen des Proletarier oller Länder.. und des„Wissen ist Macht", die der deutschen Arbeiterbewegung so vertraut stnd. Diese inter- national-sozialistische Kundgebung gab uns die Gewißheit, daß die spanische Arbeiterbewegung für Freiheit, Friede, Demokratie und Sozialismus zu leben weiß und zu siegen wissen wird wie die deutsche Sozialdemokratie. Parteitag und Zieichstagsfraktion. Schluß der politischen Debatte.- Abstimmungen.- Referate über die Lnter- nationale und über Krauenprobleme. Karl Garbe gestorben. Im Alter von 32 Iahren. Lochum. 30. Mai.(Eigenboricht.) Di« Sozialdemokratische Partei des Ruhrreviers hat durch den Tod des Landtagsabgeordneten und politischen Leiter» des „Bochumer Volksblatt", Karl Garbe, einen schweren Verlust erlitten. Erst 22 Jahre alt, wurde Genosse Garbe 1919 bi» 1923 Redakteur im„Volksblott" in Hall«, dann Redakteur an der„Berg- a deitcr-Zeitling" in Bochum und seit dem Herbst 1928 politischer Leiter des„Bochum er V o l t s b l a t t". Im Mai 1928 wurde Clarbc in den Preußischen Landtag gewählt. Al» Mitglied der Eiiigemcindungskommission des Preußischen Landtage» nahm er an !?r Reise ine Ruhrrevier teil. Am Dienstag von einem Unwohlsein K'sallen. mußte er die Besichtigungsreis« aufgeben und sich in ärzt- lichc Behandlung begeben. Die Aerzte stellten ein« Blinddarm- entzündung bei ihm fest, dl« eine Operation notwendig macht« Di« Operation am Mittwochnachmittog verlief durchaus glücklich, Lonnerstagmorgen gegen K Uhr erlag er jedoch einem Lungcnschlag. Genosse Garbe. nock> jung an Jahren, war nicht nur im Ruhr- rcoi«-. sondern darüber hinaus wegen seiner rednerischen Gab« und raftigcn Schärf« bekannt. Während de» Wahlkampfes zum Land- tag und Reichstag»n Jahre 1928 hat ihn der Parteioorstand nach Berlin berusen. um van dort aus agitatorisches Material für den Wahlkampf für die gesamte Partei zu bearbeiten und ihn dort hin- zuschicken, wo es notwendig erschien. Im Unterbezirk Bochum war Genosse Garbe bei Porteigenossen und Gewrkschaftskollegen beliebt und geachtet. Kein Weg war ihm zu weit, menn«s galt, für die Partei und Gewerkschaft seinen Mann zu stehen. Di« gesamte Arbeiterbewegung des Ruhrreviers trauert um Ihn. Der AuewSrtts- Ausschuß d« Reichstage, ist von seinem Bor. sitzenden Scheidemann für nächsten Dienetag, de« i Juni, vor- mittags 10 Uhr. einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht: Die SachverstSndigenkonsercnz in Pari». An der Sitzung wird der Außenminister Dr. Stresemann teilnehmen, da zunächst nur Staatssekretär von Schubert noch Madrid reist. Der dänische Reichslog ist nach Erledigung einer Rech« Anträge betresfend die Finanzgesetze und die Gesepe über Grundverbcsse- runoen Nord.Schieswig» b,s Oktober in die Ferien gegang-n. Der Finanzausschuß hnt 23000 Kronen Zuschuß für den dänischen Hospitalsonds in Hamburg bewilligt. V. Lab. Magdeburg, 30. Mai. Bon den letzten Rednern, di« in der Bormittagssitzung nach Hilferding noch in der Diskussion über Breitscheids Referat zu Worte kamen, sei vor allem Otto Landsberg erwähnt. Lands- bergs formvollendete Rede war ein ästhetischer Genuß, über den sich sogar diejenigen gefreut haben werden, die eigentlich Anlaß hätten, ihm zu zürnen. Wenn Landsberg im Reichstag mit politischen Gegnern feind- licher Parteien rechnet, dann hagelt es nur ja an giftigen Pfeilen, gegen die es keine Rettung gibt: davon können z. B. die Herren Graef-Thüringen, Freytagh-Loringhoven, Höllein und Koenen ein gemeinsames Klogeliedchen ssngen. Wenn aber Landsberg an eigenen Parteigenossen Kritik übt, dann lächelt alles über die elegante Art. mit der er recht unangenehme Dinge an den Mann zu bringen versteht. Dabei verteilt er sein« Gaben nach rechts und nach links, so daß der Lacher nie weiß, ob er nicht selber im nächsten Augen- blick ebenfalls seinen Teil abbekommen wird. Co müßte sich Lands- borg eigentlich überall nur Feinde machen. Aber er bringt das Kunststück fertig, daß er sich trotzdem allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, eben wegen seine, Talentes, seiner Geschick- lichkeit und nicht zuletzt wegen des Gewichtes seines Urteils. Lands- bergs Rede war die kaum perhüllte Oppositionsrede eines mit vielen Dingen Unzufriedenen. Aber sie war ein geradezu klassisches Beispiel dafür, daß eine feine, geistvolle Kritik unvergleich- lich stärker und nachhaltiger wirkt als eine kraftstrotzende Anklage. Dann sprach noch Genosse Litte, der sich zu dem Spezialisten der Reichstagsfraktion für das Krankentassenwesen schnell entwickelt hat. Er unterbreitete wertvolle Anregungen für die künftig« Arbeit der Reichstogsfraktion auf diesem wichtigen sozialpolitischen Gebiet«. E» war noch«In gutes Dutzend Redner angemeldet, al» in vorgerückter Mittagstunde ein Schlußantrag eingebracht wurde. Auch die beiden Kabinettsmitglieder W> f f e l l und Hermann Müller standen noch auf der Rednerliste, aber sie konnten um so leichter verzichten, als ja bereits H i l f« r d i n g die gemeinsame Sache von hoher politischer Warte aus sehr wirkungs. voll vertreten hatte. So fiel gegen Vi nach 1 Uhr die Guillotine. die niemand wehe tat, zumal nicht weniger als achtzehn Redner sich an dieser überaus interessanten und hochstehenden Debatte beteiligt hatten. So ausführlich di« Debatte gewesen war. so kurz da, Schluß- wort Breitscheld» zu Beginn der Nachmittagssitzung. Es folgten nun die Abstimmungen über dl« unzähligen au» dem ganzen Reiche eingebrachten Anträge zur Reichspolitik. Durch die Erledigung der Panzertreuzer-Affäre und de» Wehrprogramms in den vergangenen Tagen waren manche dieser Anträge hin- fällig geworden. Aber e» blieben immerhin noch genügend übrig, um dem Parteitagsvarsstzenden Wels Gelegenheit zu bieten, sein« altbewährte Kunst als Verhandlungsleiter abermal» zu erproben. Alles lief wie am Schnürchen, zumal di« Wehrheitsverhältnisse nunmehr genügend geklärt waren. Biel« Anträge, z. B. das parlamentarische„Aktionsprogramm" Aufhäusars und Tony Senders, wurden der Reichstagsfraktion überwiese», nachdem Breitscheld in seinem Schlußwort di« einzelnen Punkte dieser Resolution durchaus sympathisch besprochen, aber vor einer Fest- legung gewarnt hatte. Zu den einstimmig angenommenen Anträgen gehört einer auf Offenlegung der Steuerlisten. Ebenso wurde mit starker Mehrheit der Antrag Otto Braun-Schulz- Ostpreußen angenommen, durch den über alle Resolutionen zum Konkordat zur Tagesordnung übergegangen wird. Nur einmal gelang es beinahe der Opposition einen Teilerfolg zu erringen: «in Berliner Antrag verlangte, datz die parteigenösstschen Minister des Reiches und der Länder vor jeder wichtigen Entscheidung nüt dem Parteioorstand und dem Parteiausschuß Fühlung nehmen. Der Gedanke ist grundsätzlich durchaus gesund, zumeist geschieht die» auch, soweit das Reich und Preußen in Frage kommen, aber eine generelle Regel aufzustellen, zumal für all« Länderregierungen gültig, würde sich in der Praxis bald als undurchführbar erweisen. Mit 199 gegen 187 Stimmen wurde daher der Antrag abgelehnt. Genosse Mathias-Braun, Saarbrücken legt« noch im Namen der Saarländischen Delegierten In einer iicholtlich ms- gezeichneten, frisch vorgetragenen kurzen Rede einen feierlichen Protest gegen die weitere Besetzung des Saargebietes ein. dessen Bevölkerung zu 99 Proz. die sofortige Rückkehr zu Deutschland ersehn«. Genosse Arthur Erispien erstattete sodann das Referat über die Internationale. Es war weniger der übliche Bericht über die Tätigkeit der International«, weil der Referent mit Recht auf die gedruckten Protokoll« verweisen konnte. Dafür gab er ein« wirklich tief durchdacht« Analyse der Lage des tnter- nationalen Proletariats, der großen sozialen Phänomen« und ihrer politischen und wirtschaftlichen Erscheinungen in den letzten Iahren. Besonder» scharf kennzeichnete Erispien dabei die„weltrevolutio- nären" Abenteuer der bolschewistischen International«. Sehr interessant waren auch seine Ausführungen zur Kolonialpolitik, die in einer eindringlick)«« und sachlich begründeten Warnung vor der Kolonialpropaganda eines Teils des Bürgertum» gipfelten. Von einer Diskusston dieses Referates, das übrigens kaum Anlaß zur Kritik gegeben hält«, wurde einstimmig Abstand genommen. Zun, Schluß erstattete Genossin Marie Iuchacz ein sehr instruklive, Referat über die..Frav in d«r Wirtschaft und in der Politik", dessen Reichtum an Tatsachenmaterial und an positiven, wegweisenden Gedanken unseren Funktianärinnen im ganzen Reiche bei der Agitation und bei künftigen Wahlen zugutekommen wird. Vor Schluß diese» arbeitsreichen Tage» wurde noch die Neu- wähl de, Parteivorstand«, durch Stimmzettel vorKenommen. Ihr ziffermnäßlge» Ergebnis wird offiziell in der Schlußsitzung am Freitagmittag bekanntgegeben werden. Es kann indessen schon jetzt festgestellt werden, daß eine Aenderung in der Zusammen- setzung de» Vorstandes nicht eintreten wird. Ersah, Rote Kahne verboten. Oer„"Rote Wähler". Die Kommunistische Reichstagsfraktion hatte, angeblich, um die Verbindung mit ihren Wählern nach dem Verbot der„Rolen Fahne" aufrecht zu erhalten,«in Mitteilungsblatt unter dem Namen„Der rote Wähler" herausgegeben, das zum ersten Mal« am Mittwoch erschienen war. Gestern Mittag ist„Der rot« Wähler" vom Ver» liner Polizeipräsidenten beschlagnahmt und verboten worden, weil das Blatt als ein Ersatz für die„Rote Fahne" zu betrachten und well daher dessen Erscheinen nach dem Republikschutzgesetz strafbar sei. Ferner hat der Polizeipräsident angekündigt, daß er«in S t r a f. verfahren� gegen die Abgeordneten Pieck, Stöcker und G e s ch k e«ingeleitet habe. Zurück zu Maslow! Auch Ruth Fischer kommt wieder. Die Mitteilung des llntskvmmunistischen„Dolkswillen" über eine Rückkehr der KPD- zu Maslow wird von dem rechtstommu- nistischen„Gegen den Strom" bestätigt: „Wir können dazu mitteilen, daß bereit» End« des vorigen Jahres ein russischer Kommunist im Auftrag seiner Instanzen mit Maslow und Ruth Fischer verhandelt hat. Auch vorher besttinden gewiss« Derbin- düngen zwischen den offziellen Instanzen und Maslow. So ist Heinz Neumann zu einer Zeit, al» er und Maslow sich öffentlich in der gröbsten Weise beschimpften, zufammen mit diesem in einem Berliner Weinlokal gesehen worden. Bei den erwähnten Verhandlungen des Vertrauensmannes der msslschen Instanzen mit Maslaw und Ruth Fischer wurde diesen vorge- schlagen, sich einig« Zeitlang jeder öffentlichen politischen Tätigkeit zu enthalten. Dadurch sollten die Voraussetzungen für ihre Wiederaufnahme in die Partei geschaffen werden." Führerwechsel in Sicht! Wieder einmal. In der Zeitschrift der amerikanischen Trotzkiften wird das Führerkorussell der Kam- munistischen International« nicht schlecht verspottet: �heutzutage werden Führer gemacht, um Befehl« van oben zu erteilen. Ihre Autorftät ist ein« künstlich«, und sie herrschen durch Dekrete. Die moralische und polttisch« Autorität eines wahren Führertum» wird einfach durch di« Mechanik d«, Apparates ersetzt- Di« Parteimitglieder, die faktisch an der Wahl der Führer nicht teilnehmen, wissen niemals von einem Tag auf den arideren, wer ihr« Führer sein werden: aber die Erfahrung hat sie gelehrt. dauernd plötzlichen Aenderung«» gewärtig und vorbereitet zu sein, jeden Morgen, ohne irgendwelche vorangegangen« Diskussion, beim Aufwochen einer neuen F ü h r« r k o ll« kti o n zu begegnen. Manchmal gibt«» Zwischenfälle, bei denen nie- mand, am wenigsten di« Parteimitglieder wissen, ob ihre Führer. im politischen Sinne gesprochen, tot oder lebendig sind, und sie stehen da wie das Publikum in einer Schaubude, gespannt, was die nächste Nummer bringen wird." Di« nächste Nummer ist nach der Mainisderlag« der KPD. in Deutschland fällig. Hinter dem Vorhang wartet schon die neue Garnitur. Der Vorhang lüftet sich ein wenig, und stehe da. wer ist es: Maslow und Ruth Fischer, die alten Bekannten. Kommunistische Verleumdung weniger. Kommunistischer Parteisekretär verurteilt. Der tominunistische Parteisekretär B« r g e r au» Bittsrfeld wurde am Donnerstag vom erweiterten Schöffengericht Halle wegen übler Nachrede und Beleidigung des Genossen Kuttner zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Berger halle im Wahlkamps die alle Verleumdung aufgewärmt, daß Kuttner im Jahr« 1919 einen Arbeiter ermordet haben soll«. Dos Gericht billigte dem Beleidigten Publikation de» Urteils in mehreren Blättern des Bezirks zu. wobei es. einer neuerlichen Reichsgerichteentscheidung folgend, der zu ver- ösf«ml»chenden Urteilsformel«ine kurz« Begründung beigab. Au» dieser geht unter anderem hervor, daß Genosse Kuttner die ihm von den Kommunisten nachgesagten Wort«:„Ich kenne dich, du bist«in Spartakist", niemals gebraucht hat. vielmehr hat nach der jetzigen (und auch der früheren) Beweisaufnahme mngekehrt der ange- trunken« Soldat Eichhorn diese Warle Kuttner zugerufen. Trotz der auch vom Gericht anerkannten Schwer« der B«- leidigung siel die Strafe relativ mild« au», weil der noch ziemlich jugendliche und unvorbestrafte Angeklagte seine Berleumdungen in gutem Glauben aus einer allen Broschüre des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Frölich geschöpft hatte. Als der Reben- kläger Kuttner in seinem Schlußwort bemerkt«, daß der Angetlagte heute kaum noch auf die Wort« Frölichs(der inzwischen aus der KPD. ausgetreten ist und sie heftigst angreift!) schwören würde, er- regte dies bei den Zuhörern verständnisinnige Heiterkeit. Das Aiieniai von Hohenvestedt. Oie Täter wahrscheinlich Völkische. Hamburg 30. Mai. Da» Bombsnallentat gegen den Gchulrat Lempfert in Hohen, vestedt soll damit im Zusammenhang stehen, daß der Schulrat ein Lutherbttd au» der Schul« Hab« entfernen lassen. Schulrat Lempfert erklärt« dem„Hamburger Fremdenblatt" auf Anfrage, daß er aller- ding, vor geraumer Zell in der Schul« vo» Hohanvestedt ein �Luther. bild. da» alt und durch viele Heftzvecken und Nägel zerstört mar und in Fetzen von der Wand hing, habe entferne» lassen, die» sei aber mit Zustimmung de» Lehrerkollegium» und mit Einverständnis der Regierung geschehen. Weller erklärt« Lempfert, daß er auf der Mitgliederliste einer Verbindung steh«, die von der Ludendorsf-Grupp« der Völkischen auf» schärfste bekämpft werde, daß er aber dieser Verbindung nicht angehöre. Am Preußens Landwirischastskammern. Eine Vorlage des preußischen LandwirlschofiSminifieriumS. Dcis preußische LandVirtschaftsministermm hat der Oeffentlich keit einen Gesetzentwurs unterbreitet, der der Umbildung der Land. wirtschaft-kammern in neuzeitlicher Form Rechnung trogen soll. Um> gebildet werden sollen nicht nur die Landwirtschaftskammern. sondern auch chr« Spitz« in Preußen, die Hauptlandwirt- schoftstammer. Das Wesentliche der Umbildung besteht in der künfttgen Kit Wirkung der Arbeitnehmer. Dies« sollen ein Drittel der Kamwersitz« in Anspruch nehmen. Ein« derartig« Regelung würde dem Beschluß entsprechen, der im Perfassungsousschuß des Bor läufigen Reichswirtschaftsrates im Jahre 1922 gefaßt wurde. So iehr es zu begrüßen ist, daß vom preußischen Landwirtschafts Ministerium die Initiativ« ergriffen wurde, so wenig kann der Inhalt des öksepeiüwurses die Arbeitnehmer der Landwirtschaft befriedigen. Die Beteiligung der Arbeitnehmer zu einem Drittel steht in, vor liegenden Entwurf nur auf dem Papier. Die Verwirklichung wird durch verschiedene Bestimmungen des Entwurfes gefährdet. La finden wir zunächst eine Bestimmung, daß Abweichungen zu< gelassen stich, wenn das zahlenmäßig« Berhällnis von Selb ständigen und Nichtselbständigen in einem Kommerbezirk erheblich vom Reichsdurchschnitt abweicht. Gedacht ist beispielsweise in West- d e u t s chl a n d den Anteil der Arbeiter auf weniger als ein Drittel zu senken. Nicht bekannt ist uns, ob aus Gründen der Gerechtigkeir auch daran gedacht ist, in den großagrarischen Gebieten den Anteil der Arbeitnehmer auf mehr als ein Drittel zu erhöhen. Der Anteil der Arbeitnehmer wird ferner geschmälert, wenn Fainilienangehörtg« der Besitzer, die mit ihren Anschauungen viel mehr auf feiten der Selbständigen stehen, in der Gruppe der Arbeit. nehmer wählen. Endlich bedeuten auch die vorgesehenen De> linnmungen über die Zuwahlen. die von der Kammer selbst vorgenommen werden, eine Verkümmerung des Grundsatzes, den Arbeitnehmern ein Drittel der Sitze zu gewähren. Unter den vorgetragenen Umständen ist es nach dem vorliegenden Entwurf durchaus möglich, daß der Anteil der Arbeitnehmer tat sächlich auf«in Aiertel bis ein Fünft«! der Sitz« in den Kammern sinkt. Das würde aber der Absicht, alle in der Land» Wirtschaft tätigen Kreise in einer ihrer Tätigkeit entsprechenden Weise an den Landwirtschaftekammern teilnehmen zu lasten, in leiner Weise entsprechen. Auch die Möglichkeiten zur Mitwirkung von Vertretern der wirt schaftlichen Veretzligungen sind nach dem vorliegenden Entwurf nicht geeignet. Befriedigung auszulösen. Besonders in der ersten Zeit wird eine ausreichende Mitwirkung von Organisationsvertretern der Land- arbeiter nicht entbehrt werden können. So bieten also die kommenden Beratungen unseren dabei beteiligten Vertretern manchen Stoff, um den Entwurf eines Gesetze» über die künftigen Landwirtschoftskammern so zu gestalten, daß die Mitwirkung der Arbeitnehmer zu einer wirklichen echten Mitarbeit in den Land- mirtschastskammern wird, die Erfolge nicht nur für die Selbständigen, sondern für alle Angehörige der Landwirtschaft, besonder» auch für die Landarbeiter zeitigt. Der unireue Neichsbahnrai. 3u? Monaten Gefängnis, 2 Jahren Ehrverlust vervrteilt. Dresden. 30. Mai.(Eigenbericht.) Im Januar hatte sich das Dresdener gemeinsam« Schöfsenv aencht mit einer Strafsache zu btfassen, in der sich di« Anklage gegen den R e i ch, b a h n r o t Nicolai, den technischen Reichs- bohnohersekretär Vt«weg und den Ingenieur S ch m i d t ch« n richtete. Nicolai war seit März 1S2S Leiter de? ba'üechnischen Büros der Reichsbahndirektwn Dresden. Als solcher sollt««r nach Angab« des Eröffnungsbefchlusse» im Jahre 1S27 ein« Erfindung, d!« er als Beamter macht« und di«.sich auf ein« bestimmte Art Signalscheibenhalter bezog. In der Weise verwertet haben, daß er sie einer Herstellerfirma, hinter der er sell'st mit stand, überlaston und Lizenzgebühren im Gesamtbeträge von rund 10 000 Dil.«nt- aegenaenommen haben. Bon den verfertigten Apparaten sollt« er der Reichsbahn LbOO Stück zum Ankauf empfohlen und dabei ver- schwiegen haben, daß er von der Firma Lizenzgebühren erhielt. Den Mitangeklagten Diemeg und Schmidtchen leg»« man Beihilf« zur Untreu« und passive bzw. aktiv« Beanuenbestechung zur Last. Die Verhandlung endet« damals mit der Verurteilung nur des Angeklagten Nicolai, den da» Gericht der Untreu« in Tateinheft mit Betrug für schuldig hielt. Ee erkannt« gegen ihn auf 7 Monate Ge- fängnis. Bieweg und Schmidtchen wurden freigesprochen. Die gleiche Strafsach» beschäftigt« jetzt das Landgericht Dresden als Berufungsinstanz. Der verurteilt« Nieolai sowohl wie auch der Staatsanwalt hatten gegen das Urteil Berufung«in- gelegt. Das neue Urteil lautete gegen Nieolai auf di« schon früher iestgesetzte Gefängniestraf« und außerdem aus 2 Jahr« Ehrenrelbtsverlust. Bieweg erhielt wegen gemeinschaftlichen Betruges 2 Monat« Gefängnis, während Schmidtchen abermals frei- gesprochen wurde. Zniernaiionale Arbeiiskonferenz. Taltlssigteit der italienischen Aegierungsvertreter. Genf, 30. Mai.(Eigenbericht.) Die 12. International« Arbeitskonferenz wurde am Donnerstag um 11 Uhr in Genf gefchäftsordnungsgemäß durch den Vorsitzen. den de, iÖerwaftungwUs de? Arbeitsamtes, den Franzosen F o n- t a i n e. eröffnet. Fünfzig Staaten haben Vertretungen entsandt. davon 37 Staaten vollständige Delegationen, d. h. Vertretungen der Regierung, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Die An- Wesenheit von SO Staaten von insgesamt 5ä Mitgliedern der internationalen Arbeitsorganisation bedeutet einen Rekord. Bon den Arbeiterorganisationen sind 87 stimmberechtigte Delegierte und 232 technische Beiräte na» Genf geschickt worden. Brasilien, das im porigen Jahr aus dem Völkerbund ausgeschieden ist. hat trotz- dem die Arbeltskonferenz mit einer vollständigen Vertretung beschickt. Auch Ehina hat zum ersten M-l« eine dreigliedrige Delegation ent. iandt. Der Vorsitzende de» Derwaltungsrate» wies in seiner Er- ässnungsred« darauf hin. daß bis zum März 1929 3 4 2 Ratifikationen internatlpnoler Arbeitssabkommen eingegangen seien, daß e--b-r immerhin unter den SS Mitgliedern der Aibeftsor-anisatlonen noch 24 Staaken gäbe, die überhaupt noch kein Arbeit-obkommen ratifiziert häften Zum P r ä s i d«« t« n wurd««mst-mmig d«r frühere deutsche Reichsarbelteminlster Dr. Braun, kewählt. über dest.v Ba. grützungsansprachs wir bereit- au»suhrl.-y gestern Im..Abend' be- richtet haben. Unter den drei Dizeprasldenten befindet sich al? Vertrat." der Arb-itnehm-rgrupp-n der schwedische««werkschaft», Vorsitzende Tborberg. vi« Arbeitnehmergrupp« wählt« zu ihrem Vorsitzenden Mertens- Belgien. Von deutscher Seite»urd« in die vorschlag-kammisiton S-«- Der deutsch. R-gt-rungsvertr-t«r Ministerialrat Z w° i g e r t. d-r beut, che Unternehmer Boge l und der deutsch« Arbeiterpertrete? Hermann Muller.Lichtmberg. Die italienisch« R-gierungsv-ttretung nahm die Tatsache, daß Brauns sein« Antrittsrede auf Deutsch hielt, zum Anlaß, erneut die Sprachen- frage aufzurollen. Die Italiener verlange«»in« Prüfung der Frage, Die seekranke Gowjetbahn. Ol« letzten Hinrichtungen von Spezialisten erfolgten, weil dies« zu schwere Schnellzugs-Lokomotiven bauten und weil man in thee» Wage» angeblich fsekrank würde. !lm nicht hingerichtet zu werden, bauen jetzt die russischen Techniker Bahne«, die gegen Schlingern absolut gesichert sind. Auch eine Liliput-Lokomotive ist konstruiert worden! OaS Ganze fährt etwas langsam, aber es wird niemand mehr seekrank! Das pariser Kompromiß. Lastenvernngerung 450 Mittionen jährlich.- Lm(Schlußberichi Jesistettung politischer Motive. Pari». 30. Mai.(Eigenbericht.) Durch di« Einigung in der Ziffernsrage ist di« Sachverständigen- konferenz ihrem endgültigen Abschluß unmittelbar nahe gekommen. Nochmittags traten di« Delegierten d«r Gläubigerländer zur Be- ratung über die deutschen Vorbehalt« zusammen. Man darf annehmen, daß sich auch diese Schwierigkeiten überwinden lasten. In diesem Falle dürfte die Konferenz am Freitag die Beschlüste ratifizieren. Die folgende Woche wird dann der Fertigstellung de» Berichts dienen. Der Gegenwartswert der von Deutschland zu zahlenden Summ« beträgt 36 888 Millionen Dlark. Davon entfallen 1200 Millionen auf die Zeit vom 1. April bis 31. August, in der noch die Dawes-Leistungen zu zahlen find, 32885 Millionen auf die ersten 37 Jahr« de» Poung-Plans und 2800 Millionen auf die letzten 22 Jahresraten. Werden von der Gesamtsumme die bereits geleisteten oder unmittelbar bevorstehenden Zahlungen von etwa 600 Millionen abgezogen, so ergibt sich«in kapitalwert von etwa» über 36 Milliarden, während dl« Ulli- ierten in Ihrem ersten Memorandum 39 verlangt hallen und «ach dem Dawes-Plan 42 zu leisten gewesen wären. Don diesen 36 Milliarden hat Deutschland 33 Milliarden selbst auf- zubringen. Für die letzten 22 Jahresraten wird von Deutschland nur ein« Art Aussallbürgschast gefordert. Die deutsche Delegation schlägt hierfür die Heranziehung der von den öfter- reichischen N a ch f o l g e st a a t t N für di« Beschlagnahme deutschen Besitzes den Alliierten geschuldeten Betröge vor. Gegenüber dem Dawes-Plan hat Deutschland, wenn man von der Durchschnitts- jahreszahlung ausgeht, künftig 430 Millionen Mark im Jahr weniger aufzubringen. Für dos erst« volle Jahr des neuen Zahlungsplane» beläuft sich die Differenz sogar auf 8 0 0 Millionen, um in den nächsten zehn Iahren allmählich auf 500 Millionen zu sinken. Dazu kommt dann noch der Wegfall des P r o s p« r i t S t« I n d« x. der in den nächsten Jahren die Dawes-Lost sehr beträchtlich erhöht haben würde. Da» so getroffen« Einvernehmen bringt zwar gewiß für Deutschland Erleichterungen gegenüber dem bisherigen Zustand, aber keineswegs in solchem Grade, wie e, hätte erwartet werden dürfen. Darum kann keineswegs von einem Erfolg gesprochen wer. den. Da die Alliierte» den Verhandlungen von vornherein po- litis che» Einschlag gegeben hatten, sahen sich die deutschen<3ach- verständigen in die Zwangslage versetzt, auch politische Erwägungen mitsprechen zu losten. Während ursprünglich ihre Absicht war. bei einer unparteiischen Feststellung der deutschen Zahlungssähig- keit mitzuwirken, mußten sie bald darüber belehrt werden, daß es hier zwar nicht um einen Kuhhandel, aber um die einfache Not- wendigkeit der b e st m ö g l i ch e n Vertretung deutscher Interessen gegenüber einer Mehrzahl von fordernden Gläubigern sich handelte. Man kann heute sagen, daß die deutsch« Delegation da» heraus- geHoll hat. was überhaupt herauszuholen war. Die deutschen Delegierten haben dabei keineswegs auf ein« Rechtfertigung ihres Sach- verständigengewissens vor der öffentlichen Meinung verzichtet, und auf ihren Antrag hin wird sich in dem Bericht die Feststellung finden. daß nicht wirtschaftlich«, sondern politisch« Beweg- gründe für da, Zustandekommen de» Kompromisse» ausschlaggebend waren. Parlamentskämpfe um die Reparation. «Sozialistische Kammerinterpellation.-- Maring Widerstand pari». 30. Mal.(Eigenbarichl.) Al» im Dezember de» vorige» Zahre» da» neu« Kabinett poincarö gebildet wurde, stand e, von vornherein fest, daß feine Existenz nur unter dem Drucke der unsicheren auhenpoli- tischen verhällniss« danern konnte. Sobald einmal über die endgültig« Regelung der Reparation», und Räumungsfrage ent. schieden werden sollt«, müste sich zeigen, wo» Herr poincarä mit setner Rechtsmajorllöl oder diese mit ihm anfangen würde. Der Augenblick der Entscheidung scheint nun nicht mehr sehr fern zu sein, und die Gruppe Maria hat mit ihren am Millwoch gefaßten Entschließungen gegen die vorzeitige Räumung de» Rhein- lande», gegen Abstriche an den Reparatioassorderungen und gegen die Ratifizierung der interalliierten Schuldeaobtommen da» Signal hierzu gegeben. Di« Sozialisten sind durchaus bereit. den nun beginnenden Kampf um die endgültige Velen- tierung der sranzLsischen Außenpolitik aufzunehmen. Ihre Fraktion hat den Abgeordnete« Renaudel beauftragt, den Ministerpräsidenten über die Stellung der Regierung zu interpellieren, wenn die Rechte vielleicht aus die auch in Deutsch- iand nicht oubekannte Methode nerfallcn sollte, al» Regierungspartei bei einer unbequemen Vorlage die Ciafc die Kastanien aus dem Feuer holen zu lasten, so dürfte flch bald erweisen, daß diese Rechnung verfehlt ist. Die Debatte über dl« üulerpellalion Reuaudels wird sich wahrscheinlich sehr lebhaft gestallea. und e» ist ausgeschlostev, daß es bereits bei dieser Gelegenheit zu einer Krise kommt. wie well Delegierte, die die offizielle Derhandlunassprach« nicht b»- herrschen. Funktionen in der Konferenz ausüben dürfen. Der Uolie- nische Vorstoß wird von allen Seiten, auch von den Ländern, die sonst in der Sprachenfrage ebenfall» Ansprüche erheben, als g, f ch m a ck- l o s bezeichnet und dürft« In der Gefchäftsordnungstommistion be- roten werden. Es stehen schwere Auseinandersetzungen, sowohl in der An- gestelltenfrage. als auch bei Behandlung der Zwangs- arbeit, bevor. Die Arbeitnehmer warfen die Frage auf, ob es überhaupt möglich j-i, setzt über die Arbeitszeit der Angestellten zu verhandeln, wo Pas Washingtoner Abkommen über die Arbeitszeit in der Industrie kurz vor der Revision stünde. Die Arbeitnehmer. anippe verlangt«Ine Definition des Begriff» Zwangsarbeit, d!« wirkliche zwangsweise Ausbeutung der eingeborenen Arbeiter verhindert und stößt hierbei natürlich auf den Wider, stand per Kolaniolregiermzgen und der Solonialindustriellen. Di« chinesische Reg.erung verlangt in einem Antrag von der Arbettskonferenz. die Mitgliedsstaaten aufzufordern, alle Vorrecht« über dl« exterritorial« Gerichtsbarkeit ihrer Staatsangehörigen in, Ausland« aufzuheben. Damit ist der chinesisch« Kampf gegen die europölfchen Konzessionen in Ehma. der schon im Völkerbund bei den Großmächten peinliche» Aufsehen er« regte, auch aui dem Boden des internationalen Arbeitsamtes aufgenommen worden. Die Arbeitnehmer der Konferenz stehen dem chinesischen Verlangen sympathisch gegenüber. Ein Antrag I o V h a U x verlangt die Bcrcitstelluna größerer Mut«! für die Arbeiten des Arbeitsamtes. D!« deutsch« Regierung hat durch den Generalkonsul in Genf beim Arbeitsamt die Ratifikation der vor- jährige» Mindestlohnkonventionen überreichen lasten,. Ein völkischer Verleumder. Sie können das Schimpfen nicht lassen. Wie der Amtlich« Preußische Prestedienst mitteilt, Hot der Ober- stoatsanwall in Stendal gegen den im dortigen Kreise bekannten rechtsradikalen Agitator Hasselb acher Anklage erhoben- Hassel- bacher, der vorbestraft ist, wird angeklagt, in Bösdorf am 26. Oktober v. I. durch zwei selbständig« Handlungen öffentlich und in einer Versammlung die verfassungsmäßig festgestellle republi- konische Staats'orm des Reiches bzw. eines Lande» beschimpft zu haben, ferner öffentlich in Beziehung auf den preußischen Minister- Präsidenten Dr. Broun sowie den preußischen Minister des Innern G r z e s i n s k t nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet und v«r- breitet zu haben, die diese verächtlich zu machen und in der öffent- lichen Meinung herabzuwürdigen geeignet sind. Es handelt sich um Dergehen gegen§ 8 Ziffer 1 des Republikschutzgefetze» sowie g-wn di« 88 186 und 200 des Reichsstrofgesetzbuche» ver neu« Kowjzl-Mllitärattachä. Der neu« M'lrtärattach« bei per Sowsetbotschaft in Berlin Pulna wird in nächster Zeit sein« Amtsges-Hälte übernehmen. Putna, der vor seiner Ernennung na6? Berlin Wilitöraltachö bei der Sowjetgesandtschast m Helsingfors war. hat den Weltkrieg als Oifizier der russischen Armee mitgemacht. cc~ in_ �...s föcsbta' nfc v�.rTirrfff�aTTAtr tsafMrtr? WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Fernsprecher: Zentrum£640 Kupfergrab. 0055 Norden 9830 MoritzpL 14721 Preise tür Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische. Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Zitronen- Gärungsgetränk Verkauf: Drosen- Abteilung Ausschank: fai den Eririschungsrtlumen Wurstwaren HaustnacfiersöIzePW.0.60 Rot- u. Darnpi wurst 1,00 Landleberwurst wu. 1.20 Mettwurst'Braurschw. 1 Zg t icnwursi Ar|l pfuncj i.ou Schitikenpolnische 1.60 Fiietwurst f'und 1.60 Zervelat u. Salami, holsteinische, Plund Feine Leberwurst pt«. 1.80 Teewurst.... Pfand 1.80 Speck leltPId.],10 mager 1.30 Schinkenspeck Pfund 1,95 Nußschinken 2. 10 AjnlgatraM*. Rosenthal v Str., Boritzplatz: Knoblauchwurst Pfd. 1.20 Hildesheimer Pfund 1.45 Bierwurst Pfund 1 60 Käse u. Fette Camembert baibieit schochiei 0.16 Limburger AllgSuer, halbfett Pfund 0.60 Holländer nalbtetl....... Pfund 0.64 Edamer nalblelt......... Pfund 0.65 Steinbuseher halbfett..... Pfund 0.55 Schweizer dBnlsdier. drelvlertelf., Pfund 0.84 Cremekäse pk�ind I' Piund Blockkäse, ohne Rinde, halbfett: Tilsiter Art Pfund 0.80 Schweizer Art Pfand 1.15 Harzerkäse«ctste-a. 3 Pw-d t»kau 55 Pf. I�largarine Pfand 0.52 0.58 Tatelbutter Pfand 1.86 Kokosfett i-Pfund-fafei 0.62 Dänisehe Butter Pfd. 1.94 Schweinesehmalz nund 0.72 6 Po*-"o1"- 0 48 u Schachlei vollletl. Plana 0.88 volliett. Pfund 0.88 vollfett. Pfund 0.90 vollieft, Pfund 0.95 bayr., vollfett, 1 AK Pfund von voll e". 1.20 1 Tilsiter voMett� 1.10 a. 1.20 Konfitüren Bonbon-Mlsch. Pfd. 0.50 1 Messina Drops Pfand 0.70 Eisbonbons Pfund 0.70| Gold-Bonbons Pfund 0.75 Gelee-Himbeeren..... Pfund 0.90 Apfelsinen- und Zitronen-Schnitte.... Pfund 0.90 Erfrischungs-Waffeln............... Pfund 1.00 Schmelz-Borke.................. Pfund 1.30 Kalifornisches Backobst Pflaumen Pfund 0.44 0.54 I Birnen• Piund0.75 0.90 Pfirsiche Pfund 0.68 0.80| Aprikosen Pfund 0.92 1.25 Ringäpfel Pfund 0.90 1.15 Bosnische Pflaumen........... Pfund 0.32 0.46 Gemischtes Backobst........... Pfund 0.48 0.68 Obst u. Gemüse Kalif. Aepfel'ote, pw. 0.36 Kalif. Aepfel geibe.Pfd. 0.42 Zitronen•.. Duzend 0.40 Bananen.... Pfund 0.50 Stachelbeeren 0.32 Frischer Spargel Rhabarber Radieschen Spinat Salat Gubener Grüne Gurken5� 0.24 an Kohlrabi funge, Mandel 0.73 Pfand 7, 20y 32,«f 5 Pt. 4 Pfund 0.10 4 Bund 0.10 4 Pfd. 0.18 3 Kopi 0.20 Konserven Dose Vi Dose Rote Rüben...... 0 38 Senfgurken...... 0.87 Leipz. Allerlei 1, 0.53 0.90 Gemischtes Gemüse 0-83 �1.50 1"--' 1.20 Gemüse-Erbsen 0.50 lung. Erbsen Dole 0.45 0.72 Junge Erbsen»ehr teip 1.50 Brech- u. Schniftbohn.» 0.45 Karotten"fra klein 1.00 Konfitüre% Lfmez Pflaumen 0.98 Orange 1.10 Johannisbeer 1.15 Kirsch. Himbeer 1.35 Erdbeer 1.30 Ananas 1.40 Karotten geschnitten 0.42 Sellerie 1.05 Spinat 0.48 Tomatenmark"*,'*£ 0.22 Apfelmus voae 3.60 0.78 Ptlaumcn�n0.90-n0.72 Saure Kirschen 1.05 Mirabellen, Ananas 1.15 Kaliforn. Fruchtsalat 1.85 �nrrfin�n französische. In 0.�9 oaratnen od Tomat u.o� Delikateß- Würstchen Dose 5 Paar 0.90 Preise rot Vi Masche. rwetn Ohne Glos Frisch and sütfig, vorzüglich als Bowlen- u. Tisch wein 1928 Bergzaberner Letten kernijer Pfälzer)«S 1928 Jugenheimer nfider uneinhesse....... j§10 1928 Obermoseler angenehme Art......... j«S 1928 Wöllsteiner saiiig, veinig...........( S 20 1 928 Nitleler frische Moselarf............(«Ä 1 928 Siefersheimer Sandberg blumig, zart j Z 40 Fruchtschaumwein mll Steuer und Flasche 1.30 C,,\rA~(Hausmarke) feiner Traubensekf, Flaschen-, r\r\ ipezlai-t„uvee garung mll Sicuer und Flasche 4.00 3 sehr empfehlenswerte Natargewächse: 1920 Forster Neunmorgen 2.00 1921 Neumagener Wispelt 2.30 1923 Sauternes D"TÄBer. welder Bordeaux 2.60 Frisches Fleisch Rinderkamm u. Brust Pfund Querrippe Pfund 0.75 Gulasch Pfund Schmorfleisch u. Roastbeef"• Schmorfleisch oha« Knod.«........ ptund »»,. Pfand •••• Pfund »«. Pfund ••.. Pfand Kaibskamm u. Brust. Kalbsnierenbraten Kalbskeule g«,» und g,«»iit. ffammeivorderfleisch Schuteinebauch u. Fu-t-n. mll Benagt, Pfand Schweinekamm and buh. mit Benag. Pwnd Schweineschinken ptund Liesen pf°nd o.Q5 Gehacktes p Ka'bsschniizet ptund»10 Rinderkamm u. Brust gefroren ptund o.75 Fische Bratscft ollen........... ptund 0.13 Makre'en................. Pund Schellfische.......... ptund 0.13 Kabeljau ohne Kopf, gante FUdie, Ptund 0a1 5 Goildbarse Ohne Kopi.......... Pfund Rotzungen mittelgroll Pfund Filet von Kabeljau......... Ptund Frische Kechte......... ptund««.0, Frische Zander............ ptund LaChSe klein., gefroren. Ptund Grüne Heringe Stralnmder..... s Ptund Let ende Aa e......... ptund von o, Lebende Schiele....... p-und vo» i 0.23 0.15 0.20 0.22 0.13 0.20 0.24 ,39 an 0.85 0.65 0.85 ■98 an ,22 an Geflügel Suppenhähne........... ptund«». 1.15« Suppenhühner........ Pfund«» 1.25« Brathühner(pooieb)........ ptund«m 1.38 n Junge Gänse........... ptund«» 1.70« Wolgahühner......... ptund 1.20« Räucherwaren Fettbückllngc 0.28 0.35 Flundern Piund von 0.35« Seelachs insiockcn, pw. 0.36 Rotbars>» siacken, Pia. 0.36 Makrelen..... Ptund 0.30 Schlelbückfinge P"f- 0.42 Spickaale Bund 0.38 0.85 Spickaale Pfund von 2.65«■ Verkäufe aSotfifcn, Seite, Slumcniaften, Seiter. wagen. Teilzahlung gestattet. Settner SetnauerfltoBe 13. WaldpaezeNei«, herrlich am See. 121X1,—. tleine Anzahlung. Wagner, Wandlitzsee, Etolzenhagenerftratze. Saadparzellen 950,—, schön gelegen, kleine Anzahlung. H. Paul, Bahnhof Lehnitz, Bootshaus.* Bek leu) u n gssHi t Ü e Wasc heu s« Wenig Betragene, teils auf Seihe gearbeitete, erstklassige Iackellanzllge. itead- anziige, Smotinganzilge, Geheo-tanzUge, Bauchauziige. Mr jede itigur pafsenh, getragene Sommerpaletols in allen ffor» mir: autzeedem hochelegante neue Wae. derobe. von ersttlafsigen Schneidern ge. ardeitet, zu staunend billigen Breisen. GeligenheilstSute in Serren. und Tameupelzen. Leihhaus Lowick!, Prin- zeustraBe tos. eine Trepp«, Feine Lombardware.' Tapeten. Szillat. Koloniestratze 9. j Seteckgene Serrengardeeode. Speziali. tät Bauchsiguren. spottbillig. Zlatz. 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Die Maiensonn« bestrahlt Heide und Ackerland. In langen Reihen schlängeln sich Autos nach Palingen. Lokaltermin des Ncustrelitzer Gerichtshofes. Vor der Heldskate. an einen Pfosten gelehnt Frau Kähler-Nogens, einige Schritte von ihr in Begleitung von Gefängniswachtmeistern in Zivil ihre Söhne Fritz und August. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, um die gefesselten Dorfgenossen mit neugierigen Blicken zu betrachten. Man sieht den Stein, auf dem der kleine Ewald kurz vor seinem Verschwinden getroffen worden war: den Baum, unter dem der Mord geschah, die abgehauenen Tannen, bei denen August Rogens dem Fritz die Leiche übergeben haben soll, das Kanlnchenloch, in das der Ermordete«ingescharrt wurde. Man lernt das Haus kennen, wo Fritz noch kurz vor V Uhr mit den Möll-rschen Kindern gespielt hat, das Cckertfche Gehöft, wo Jakubowski beschäftigt war. das Haus der Frau Näck, die er heiraten wollte. Man hatte auf den Lokal- termin besondere Hoffnungen gesetzt, man glaubte, daß es vielleicht gelingen würde, Frau Kähler-Nogens in ihrer gewohnten Umgebung zu G e st ä n d n i s s e n zu veranlassen, und daß A u g u st vielleicht zu seinem Geständnis zurückkehrt. Wohl sollte«s fast scheinen, als habe sich August, überrumpelt von der Frage des Nebenklägers, in einer Weise versprochen, daß man auf seine Mittäterschaft schließen möchte, gleich hinterher verbesiert» er sich aber. Fast hatte es den Anschein, als wollte Frau Kähler ihr Geständnis vervollständigen, aber auch diese Hoffnung blieb unerfüllt. Das Rätsel um Jakubowski ist nach wie vor ungelöst geblieben. Der Lokaltermin hat nichts Neues zugefügt, er hat aber die Angeklagten In ihrer u n g e s u n- den Umgebung gezeigt. * In dem kleinen Tagelöhnerdorf Palingen, wenige Kilo- ineter von Lübeck auf dem mecklenburglsch-strelitzschem Gebiet, in dem am S. November 1924 der Mord an dem dreijährigen Ewald Rogens geschah, versammelte sich am Donnerstag vormittag das Neu- strelitzer Schwurgericht mit dem Oberstaatsanwalt, den vier Angeklagten, den Verteidigern, der Presie und den übrigen Prozeß- beteiligten, sowie zahlreichen Zeugen, zur Abhaltung eines Lokal- termins. Der Nachteil einer solchen Exklave, wie sie dieses kleine Mecklenburg-Strelitzer Stückchen bei Lübeck darstellt, hat nicht nur damals, kurz nach der Tat. die rasche Zuziehung von Lübecker Kriminalbeamten oerhindert, sondern auch heut« wieder dem Gericht die lang« Fahrt durch ganz Mecklenburg. Schwerin hindurch aufgezwungen. Vtan begriff so richtig die Schäden der deutschen, aus monarchischer Zeit übernommenen Kleinstaaterei, als man in diesem von drei anderen Ländern, Preußen. Lübeck und Mecklenburg. Schwerin, eingeschlossenen Stückchen Mecklenburg. Strelih war. Da»»Fürstentum Ratzeburg". das Strelitzer Gebiet ist, liegt 200 Kilometer von der Landeshauptstadt Strelitz entfernt und hat außerdem noch drei winzige Exklaven im preußischen Bezirk Lauenburg. Diese Zerrissenheit hat die Untersuchung vor fünf Jahren, die Verhandlung in Schönberg, den ganzen Ablauf des Falles Nooens-Jakubowski gelähmt und gehindert.... Man ver- sammelte sich heute am Ausgang des Dorfes In der Näh« der Heidekate in Palingen und nahm zunächst diese In Augenschein. Da» Hau» selbst ist eine niedrige, strohgedeckte Kate mit wenigen dumpf«» Räumen. im Heidedorf. Rogens ermordet wurde. Di« Angeklagte Frau Kahler, die nun nach langer Zell wieder die Kate betritt, bricht bei der kurzen Vernehmung durch den Vorsitzenden in Tränen aus. Die Führung übernimmt auf Anregung des Vorsitzenden der mit den Oertlichkeiten besser oertraute Ober, staatsanwalt Dr. Weber. Dann gmg der Zug vorbei an dem Stein, an dem der Angeklagte B l ö ck e r wohl als letzter von allen den kleinen Ewald sitzen sah, dem er dann riet, wegen der an- brechenden Dunkelheit nach Hause zu gehen. Die Prozeßbeteiligten begaben sich durch Wald und Feld, mitunter in ihren Wagen, zu den einzelnen Oertlichkeiten. Ueber eine Weide war Fritz nach seinen Angaben zu den sogenannten abgehauenen Tannen ge- gangen, wo ihm dann sein Druder August die Leiche de» Ewald übergeben haben soll. Interessant war die Ver- nehmung des Schäfer» Schade aus dem etwa einen Kilometer von Palingen entfernt liegenden Acker, wo er bald nach dem Mordtag seine Schafe hütete und ein Gespräch zwischen Jakubowski und Blöcker, die in der Nähe pflügten, gehört haben will. Schade gab heute an, daß er in etwa fünfzig Schritt Entfernung gehört habe, wie Jakubowski zu Blöcker sagt«:„wenn da» nicht rauskommt bis Weihnachken. dann wollen wir kräftig einen trinken s" Einen außerordentlich spannenden Verlauf nimmt an den ab» gehauenen Tannen die Vernehmung de» Angeklagten August N 0» g e n s, der ja zu Beginn des Prozesses feine mehrfachen früheren Geständnisse, an dem Mord teilgenommen zu haben, wider» rufen hat. Oer Stafettenlauf mit der Leiche. Nach wie vor behauptet Fritz Rogens, er habe seinem Bruder August den toten Ewald übergeben. August, vom Gericht aufgefordert, entfernt sich von dieser Stelle bis zur Heidekate und kommt dann vor dort durch eine Sandgrube in Begleitung eines Kriminalbeamten wieder zurück. Nach semer Rückkehr fragt rhu der Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Dr. Brandt: Sind Sie damals auch so langsam gegangen? Anaekl. August Rogens: Za. sGroße Bewegung.) RA. Dr. M u l l« r. Ver» leidiger des August Rogens: Sie meinen doch. Sie hätten jetzt nur die frühere Schilderung wiederholt, die Sie bei einer Vernehmung gaben, und Sie seien fetzt so langsam gegangen wie damals, als Sie etwas Falsches erklärten, ohne überhaupt tatsächlich jemals diesen Weg von der Kate aus mit dem toten Ewald gegangen zu fein? Angekl. August: Jawohl l Ich habe dann diese Frage wohl nicht richtig verstanden! RA. Dr. Müller erklärt, er habe die Frage Dr. Brandts leider überhört, sonst würde er einen Gerichts- b e s ch l u ß über ihre Zulassung herbeigeführt haben. August habe aufs Glatteis gelockt werden sollen, das fei aber nicht gelungen! Der Vorsitzend« betont, daß er Dr. Brandt diese Frage ausdrücklich gestattet habe und fragt dann den Angeklagten, ob er nicht doch die volle Wahrheit sagen wolle. August Rogens: Ich habe den weg nicht gemacht, da kann ich es auch nlcht gestehen! Aus August Rogens ist nicht m«hr herauszubringen. Er bleibt bei seiner Darstellung, trotzdem ihn der Vorsitzende wiederholt er- mahnt, doch mit. der vollen Wahrheit herauszukommen. In der Heidefate. Dann wird Frau Kählir-Nogens in die Heidekate geführt. wo man durch«in Kreuzverhör nochmals versucht, die Wahrheit herauszubringen. Der Oberstaatsanwalt fragt sie z. B.. Jakubowski soll sie einmal vor Kreutzfeldt gewarnt haben. Frau Kähler- Rogens: Ja, ich sollte mich in acht nehmen, sagte Iaku« bowski, Kreutzfeldt würde mir an melnen eigenen Kindern«inen Streich spielen, daß ich daran denk«. Oberstaatsanwalt: Warum weinen Sie denn sedesmal, wenn Kreutzfeldt erwähnt wird? Die Angeklagte weicht auf diese Frage aus. Oberstaat»- anmalt: Aus dem Gefängnis hat Ihnen doch aber mal jemand Nachricht von Jakubowski gebracht. Frau Kähler-Nogin«: Ja, nach der Hinrichtung Iakubowskis kam«in ehemaliger Gesänge- ner, der mir einen Gruß und Bestellung von Zakubowski überbrachte, er hätte sich nicht an dem kleinen Ewald vergrissen. Ober- Jach JCondon: (Berediiigit üebersetzung von Erwin Magnus). Das harte Leben am Bukon hatte nicht vermocht, Day- light zu einem harten Mann zu machen. Dieser Erfolg blieb der Zivilisation vorbehalten. In dem wilden, grausamen Spiel, das er jetzt spielte, schwand das Wohlwollen, das ihn bisher gekennzeichnet hatte, ganz unmerklich und auf gleiche Weise wie sein schleppender Dialekt. Und scharf und nervös wie sein« Sprechweffe wurde auch seine Seele. In dem rasenden Tempo des Spiels fand er immer weniger Zeit, gut- mütia zu fein. Die Veränderung zeichnete sogar seine Zuge. Die Linien wurden strenger. Seltener erschien das lustige Lächeln auf seinen Lippen und in seinen Augenwinkeln. Die Augen selbst, schwarz und feurig wie die eines Indianers, funkelten zuweilen vor Grausamkeit und brutalem Macht- bewußtsein. Die von seiner ganzen Persönlichkeit aus- strahlende, überwältigende Lebenskraft blieb, aber es war jetzt die des Siegers, des schonungslosen Bezwingers. Seine Kämpfe mit der elementaren Natur waren gewissermaßen unpersönlich gewesen; jetzt kämpfte er mit den Menschen seiner Rasse, und diese unerbittlichen Kampfe zeichneten ihn mehr, als es die Mühen seiner Schlittenreisen und Fluß- fahrten getan. � Da trat Dede Mason in sein Leben. Fast unmerklich. Er hatte sie ganz unpersönlich engagiert, so wie er seine Bureaueinrichtung angeschafft, seinen Laufjungen und Morri- son, den einzigen Kontoristen und sein Faktotum, engagiert hatte In den ersten Monaten wäre er nicht imstande ge> wesen, die Farbe ihrer Augen oder ihres Haares anzugeben. Ebensowenig hatte er eine Ahnung. w,e sie sonst aussah. Für ihn war sie„Fräulein Mason", und das war alles, wenn er sie auch als gewandte und zuverlässige Sekretärin schale. Als er aber eines Morgens einige Briefe unterschrieb, fiel ihm eine grammatikalische Wendung auf, die er. wie er bestimmt wußte, nicht beim Diktieren gebraucht hatte. Er drückte zweimal auf den Klingelknopf, und einen Augenblick später trat Fräulein Mason em. „Hab' ich das gesagt, Fräulein Mason?" fragt« er, in- dem er ihr den Brief reichte und ihr die fragliche Stelle zeigte. Ein verlegener Ausdruck trat in ihre Züge, als wäre sie auf frischer Tat ertappt worden. „Es ist mein Fehler," sagte sie.„Es tut mir leid. Aber eigentlich ist es kein Fehler," fügte sie schnell hinzu. „Wie meinen Sie das?" fragte Daylight herausfordernd. „Meiner Ansicht nach ist es nicht richtig." Sie stand schon in der Tür, drehte sich aber mit dem un- glückseligen Briese in der Hand um. „Richtig ist es doch," antwortete sie dreist.„Aber wenn Sie es wünschen, ändere ich es." Uno damit nahm sie den Brief und ging an ihre Schreibmaschine. Am nächsten Morgen trat Daylight auf dem Wege ins Bureau in eine Buchhandlung und tauft« ein« englische Grammatik: und ein« geschlagene Stunde saß er. mit den Beinen auf dem Schreibtisch, und arbeitete sich durch das Buch hindurch. „Ich will gehenkt sein, wenn das Mädel recht hat," mur- melte er. Als aber die Stunde um war, wußte er, daß st« recht hatte, und zum ersten Male fand er, daß etwas Be- sonderes an seiner Sekretärin sei. Bisher hatte er sie nur als ein beliebiges weibliches Wesen, als einen Teil seiner Bureau- ausstattung angesehen, jetzt aber wurde sie in seinen Augen plötzlich eine Persönlichkeit. Sie wußte offenbar manches, wovon er keine Ahnung hatte, und er begann, Notiz von ihr zu nehmen. Als sie an diesem Nachmittag das Bureau verließ, be- merkte er zum erstenmal, wie gut sie gewachsen war, und daß sie sich zu kleiden verstand. Er kannte nichts von den Einzelheiten der Frauenkleidung und sah denn auch nichts an ihrer hübschen Bluse und dem gutsitzenden Rock. Er sah nur die Wirkung im allgemeinen. Sie sah aus, wie man aus- sehen mußte. Aber das kam eben daher, daß nichts Auf- fallendes an ihr war. „Netter kleiner Käfer," war sein Urteil, als die Kontor- tür sich hinter ihr schloß. Als er ihr am nächsten Morgen Briefe diktierte, bemerkte er, daß ihr Haar hellbraun mit einem Goldschimmer war. Die blasse Sonne ließ das Gold wie schwelendes Feuer schimmern, was sehr anziehend war. Er wunderte sich, daß er dieses Spiel der Natur noch nicht beachtet hatte.. staatsanwalt: Und da haben Sie angefangen, bitterlich zu weinen. Warum denn? Da muß Ihnen doch das Gewissen. geschlagen haben! Frau Kähler-Nogens: Weil ich gleich wieder an Kreutzfeldt und Blöcker denken mußte. Da nichts weiter aus ihr herauszubringen ist, wird ihre Vernehmung ab- gebrochen. Frau Kähler-Nogens verläßt schluchzend das Haus, in dem sie mst Ihrer Familie jahrelang gewolint hat. OaS Kaninchenloch, wo die Leiche verscharrt war. Das Gericht begibt sich dann mit Fritz Wagens in halbstündigem Fußmarsch zu dem Kaninchenloch, in dem die kleine Leiche gefunden wurde. Es liegt mitten in der Palinger Heide. Fritz Rogens schildert dort nochmals, wie er die Leiche dort ver- s ch a r r t hat. Der ganze Kaninchenbau ist inzwischen aufgedeckt worden. Der Aufsinder der kleinen Leiche, der Zeuge Faust, schildert, wie er an dem Kaninchenbau s r e t t i e r e n wollte, und zwar 14 Tage nach dem Mord. Das Frettchen blieb zu lange im Bau, infolgedessen grub er nach und stieß auf die Leiche. Er deckte das Loch oberflächlich zu, um dem Ortsvorsteher sofort Meldung jjU machen. Das Loch war so weit, daß das Kind bequem darin liegen konnte. Fritz Rogens erklärt, er habe kein bestimmtes Loch gesucht, Jakubowski hätte ihm nur gesagt, an dieser Stelle mühlcn passende Löcher sein. Darauf war der augenscheinliche Termin be- endet, worauf sich das Gericht nach Herrnburq zum Grabe des kleinen Ewald begab, an welchem Frau Kähler nochmals ver- nommen werden soll. Außerdem folgt noch eine kommissarische Vernehmung von Frauen, die nicht an Gerichtsstatt sein könne». Die Verhandlung wird am Freitag früh in Neu- strelitz fortgesetzt._____ Drei Unschuldsengel von der„Roten Fahne" Jeder zu 6000 Mark Geldstrafe verurteilt. Bor dem Erweiterten Schössengericht Berlin. Mille standen am Donnerstag drei Bebak- teure der„Boten Fahne", die für die Artikel, die gegen das Demonstrationsverbot hetzten, verantwortlich zeich. neten. Und zwar waren es die Bedakteure Borden. Schräder und Hirsch, die abwechselnd in den Monaten März, April und Mai verantwortlich gezeichnet hotten. In dieser Zeit wurden eine Unmenge Artikel ver- ö f f e n t l i ch t, die trotz Demonstrationsverbot ausforderte 11, am 1. Mai aus den Straßen zu demonstrieren. Die Staateanwaltschast hatte die drei wegen dieses Ungehorsams gegen die Anordnungen einer Behörde unter Anklag« gestellt. Die Ver- Handlung fand unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats S p 0 n e r statt, der zu Beginn der Verhandlung etwa 8S Artikel verlas, in denen Immer wieder dieselbe Aufforderung, zu demonstrieren, enthalten war. Die drei Angeklagten äußerten sich sehr ausführlich und glaubten, da sie jetzt kem« Phrasen schreiben dürfen, um so dümmer« Phrasen reden zu können. Als Grund ihrer langwcillgen und durch nichts interessanten Ausführungen vor Gericht gaben sie an, in der Oesfentlichkeit und vor der Presse etwas über die Maivorgänge sagen zu müssen, weil ihnen dl« Möglichkeit, es zu publizieren, durch das Verbot der„Roten Fahne" genommen sei. Selbstverständlich sind die Kommunisten die Unschuldsengel, die durch ihre Parolen über- Haupt größeres Blutvergießen verhindert haben. Herr Hirsch' er- klärt« außerdem noch, daß die KPD. nur durch einen Aus- stand zur Macht gelangen könne: sie lasse sich aber den Termin, an dem sie den Arbeitern das Signal zum bewaffneten Aufstand gebe, nicht vorschreiben. Staateanwaltschastsrat Kirchner beantragt« gegen jeden der Angeklagten fünf M 0 n a t e G e f ä n g n i s mit Rücksicht darauf, daß das Verhalten der Redakteur« Schuld an den Mai-Unruhen aewesen sei. Rechts- anwalt Apfel sagte selbst in seinem Plädoyer, daß er von den An- geklagten den Eindruck Hobe, daß sie die Geister, die sie gerufen hätten, nicht losgeworden wären. Nach längerer Beratung ver- kündet« d«r Borsitzende, daß j« d e r der Angeklagten zu 6900 M. Geldstrafe verurteilt werde. Schwerer Arbeilsunsall. Bei Kanalisationsarbeilen ans dem Scholzplatz in Charlottenburg erlitt der 19jährige Ar- beiter Paul Bloch aus Cladow einen schweren Unfall. Er glitt aus, wurde von kochendem Teer überschüttet und erlitt an Händen, Armen und Gesicht schwer« Verbrennungen. Der Ver- unglückte ist in ein Krantenhcnis übergeführt worden. Mitten im Briefe kam derselbe Satzbau vor, der am vorigen Tage den Zwischenfall veranlaßt hatte. Er erinnerte sich der Grammatik und diktierte den Satz in derselben Weise, wie sie ihn verbesiert hatte. Fräulein Mason blickte schnell auf. Sie tat es ganz un- willkürlich und tatsächlich überrascht. Im nächsten Augen- blick senkte sich ihr Blick wieder. Aber in dieser Sekunde hatte Daylight bemerkt, daß ihre Augen grau waren,'daß zuzeiten «in goldener Schimmer in ihnen sein konnte; aber fürs erste genügte, was er gesehen, um ihn zu überraschen, denn er wurde sich plötzlich klar, daß er bisher immer geglaubt hatte, «ine brünette müsse auch braune Augen haben. Als er eines Tages an ihrem Schreibtisch vorbeiging, fand er einen Band Gedichte von Kipling und guckte vcr- blüfft auf die Seiten. „Sie lesen gern, Fräulein Mason?" fragte er und legte das Buch wieder hin. „Ja." lautet« die Antwort,„sehr." Ein andermal war es«in Buch von Wells„Ttte iVeels of Chance". „Wovon handelt es?" fragte Daylight. „Ach, es ist nur ein Roman, eine Liebesgeschichte." Sie schwieg: er aber blieb wartend stehen, und sie fühlte, daß sie noch etwas sagen mußte. „Es handelt von einem kleinen Londoner Kommis, der in den Ferien einen Ausflug macht und sich in ein Mädchen verliebt, das sehr hoch über ihm steht. Ihre Mutter ist eine beliebte Schriftstellerin und so weiter. Die Situation ist sehr eigenartig und traurig, teilweise direkt tragisch. Möchten Sie es lesen?" „Kriegt er sie?" fragte Daylight. „Nein, das ist es ja eben. Er war nicht--" „Er kriegt sie nicht, und da lesen Sie dreihundert Seiten, bloß um das herauszufinden?" murmelte Daylight erstaunt. Fräulein Mason ärgerte sich, war aber doch belustigt. „Sie sitzen ja auch stundenlang da und lesen Bergwerks- und Geschäftsberichte, erwiderte sie. „Aber davon habe ich was. Das ist Geschäft und ganz was anderes. Ich schlage Geld daraus. Was haben Sie von Ihren Büchern?" � r„ „Neue Gesichtspunkte, neu« Ideen. Leben. „Das ist alles nicht einen Pfennig wert." „Das Leben ist mehr wert als Geld," meinte sie. tFortjetzung folgt.) Stadt der 30000 Rosenbüsche. Alie und neue Giadikultur an der Oder. Nürgernvister, Dr. Haltenhoft. der Sdjutdejerenttt, Stattrat Kretschmann, Schöpfer der Hindenburgschule, und der Äcr- kehrsdezernent, Stadtrat Dr. Friedrich, waren es. die alles Schöne, das Frankfurt zu bieten Hot, den erstaunten Vertretern der Berliner Presse bei einem Besuch kürzlich zeigen konnten, lind wenn auch unsere Partei in der engeren Stadtregierung nicht oertreten ist, so ist doch ibr Einfluß im Parlament so stark, daß sich die Veranrworrlichen dem nicht entziehen können. Wir haben also allen Anlaß, die Entwicklung dieser bedeutenden Stadt, die als Eingangspsorte zur heutigen mittleren Ostmark zu gelten hat, weiter- hin mit der Aufmerksamkeit des Kommunalpolitikers und mit dem regen Interesse und der lebhaften Hreude des märkischen cheimat- freundes und Touristen zu betrachten. Berliner Naturfreunde hoben bereits Wochenendfahrten mit sachkundigen Führungen veranstaltet, andere Organisationen werden bald folgen. Wenn jeßt die Rosen blühen, ist die schönste Zeit, denn Frankfurt Hot in seinen Parks und Anlagen über 30(XX) Rosenstöcke. „Wo hast Du Richter gelernt?" Angriff auf einen GerichtSvorsihenden. Eine Lärmszene, verursacht durch einen rabiaten Angeklagten, spielte sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mittc ab. Der schon mehr- fach wegen Einbruchs vorbestraft« Kumutat war wiederum wegen mehrerer Einbrüche angeklagt und wurde zu 1 Jahr(5 Monaten Gefängnis oerurteilt. Kumutat hott« anscheinend nicht soviel erwartet, denn kaum hatte Amtsgerichtsrat Burkert das Urteil verkündet, als der Der- urteille in höchster Wut über die Schranke der Anklagebank sprang und auf den Gerichtshof zustürzen wollte. Die Justizwachtmeister packten ihn noch rechtzeitig, und es entspann sich ein heftiges Ringen. bei dem die Beamten von ihrem Gummiknüppel Gebrauch machen mußten. Kumutat wurde wieder auf die Anklagebant gesetzt, natür- lich unter Bewachung. Die Urteilsbegründung des Vorsitzenden unterbrach er dauernd mit allerhand Redensarten. So rief er dem Vorsitzenden zu:„Den Knast kannst Du selber abmachen. Wo hast Du Richter gelernt?" Plötzlich langte Kumutat nach dem Richter- tisch, ergriff ein Aktenbündel und schleuderte es nach dem Vorsitzenden. Zum Glück ging das Wurfgeschoß über den Kopf hinweg. Die Aktenblätter flatterten im Saal herum. Nunmehr war es mit der Geduld des Gerichts zu Ende. Es wurde über den rabiaten Angeklagten wegen Ungebühr vor Gericht eine dreitägige Haft strafe verhängt. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten wurde auch weiterhin aufrechterhalten. Solange Lersin Residenzstadt des regierenden preußischen Hauses und Hauptstadt des Deutschen Reiches war, konnten die umliegenden brandenburgischen Städte es nur mit geringer Aussicht auf Erfolg wagen, auch für sich ein wenig öffentliches Interesse in Anspruch zu nehmen. Dos Bild hat sich in den letzten zehn Jahren wesentlich geändert. Die Provinz ist erwacht und ist im Begriff, ihr berechtigtes Selbstbewußtsein wiederzufinden. Zu Hilfe kam Ihr in diesem Bestreben der von Jahr zu Jahr stärker werdende Reise-, Wanoer-, Sommerfrischen- und Wochenend- dxong der Berliner, der die nähere Umgebung Berlins bis über die Grenzen der Vorort�one derart abgegrast fand, daß er immer weiter in die Provinz hinausstrebte, um Neuland zu entdecken. So kam es, daß man eines Tages daran dachte, daß, wenn man Berlin als«inen eigenen Wirtschaftskörper betrachtet« und lzerausnimmt, die größte Stadt der Provinz Brandenburg Frankfurt an der Oder ist, von der man gewohnt ist, in Er- innerung an die berühmte Namensoetterin vom Main immer ein wenig herablassend zu sprechen. Ein« unwesentliche Provinzstadt, ein« Regierungs- und deshalb eine recht steife, ungemütliche Be- amtenstadt. Aber sieh« da, die Wirklichkeit ist ganz anders. Wer also den Mut aufbringt, einmal am frühen Sonnabend nachmittag nach Frankfurt zu fahren, der wird aus der Verwunderung nicht herauskommen. Schon der neue, sehr geschmackvolle Bahnhof in Frankfurt ist mit seinen fünf gewaltigen Bahnsteigen ein« �staunenswerte Sache. 2m Juni, zur Rofenzeit, kommt ein Spaziergang vom Bahnhof Zur Innenstadt, dem man ähnliches nur in süddeusichen Blumen, und Gartenstädten zur Seite stellen kann. Die Stadtverwaltung hat, da die Straße zur Altstadt fällt, die Hänge mit Roienbüschen verkleidet, und so haben mir den seltenen Fall, daß eine Bahnhofstraße, sonst die Häßlichkeit selbst, in Schönheit und Dust erstrahlt. Dann sind wir plötzlich aus einem weiträumigen Platze dem Verkehrszentrum, dem Wil- Kelmplatz, und ein städtischer Schupo muß hier wie an anderen Stellen der Stadt seine Männchen machen, um den Verkehr zu regeln. Handel und Wissenschast. Wir hakten uns nun links und pendeln zunächst absichtslos durch alte Straßen, in denen sich Laden an Laden drängt mit allem, mas ein Großstädterherz erfreut. Dieses alte Innenviertel Frank- furts ist eine einzig« Geschäftestadt, wie man sie in einer lolchen Ausdehnung in Brandenburg nicht wiederfindet. Sie lost aber auch das Rätsel, weshalb die Stadt gar stolz auf ihre Briefbogen drucken läßt: Magistrat der Haupt- und Handelsstadt Frankfurt. Frank- furt war viele Jahrhunderte«ine— man kann es ohne lieber- treibung sagen— großartige Handels- und Messestadt, vermittelte den Verkehr des deutschen Ostens und des polnischen und russischen Westens mit der noch größeren Messestadt Leipzig. Frankfurt hatte das sogenannte Stapelrechl, das heißt, alle Kaufleute, die durch die Stadt zogen, mußten ihre Waren drei Tage zum Verkauf ans- stellen. Die Folge war, daß sich in der Innenstadt, ähntich Leipzig, Messehäuser bildeten, die die Höfe verglasten, Läden aus- brechen ließen, in den oberen Etagen Balkone ausbauten, um den Kamlenten die Möglichkeit zu geben, ihre Waren auszustellen. Heute noch kann man«in paar dieser alten interesiunten Messe- Häuser sehen. Frankftirt war ade? nicht nur Handelsstadt, es war auch eine St ad t der Wissenschaft und der Gelehrsamkeit, war Sitz einer sehr berühmten UniverfilZt, der Viadrina, deren schlichter, achtunggebietender Bau heute noch ffM und als— Doltsfchüle dient. Einer der ersten Studenten war Ullrich von Hutten, der Vor- kämme- iür geistige Freiheit in der Rekormationszeit. der hier lZOc studierte. 1811 wurde die Universität nach Breslau oerlegt, und damit war der stolzen Oderstadt ein empfindlicher Stoß verfetzt woroen. Dennoch hat sich seit der Zeil die Freude an ernster Wisienschast wie in keiner anderen märtischen Stadt erhalten. Des zum Beweis findet man zahlreiche wissenschasrliche Bereine, Stif- iungen und Büchersien, vi« Kurf« der städtischen Volkshochschule sind sehr bedeutend. Das nach den Plänen Schinkels erbaute städtische Theater weist eine ungewöhnlich künstlerisch« Höh« aus und sollte von der Berliner Kritik mehr oeachlet werden. Der Fremdling, der zum erstenmal nach Frankfurt kommt. erlebt eine Ueberraschung, wenn er di« eng« Altitadt oerläßt und gemächlich die schön«, an die Dresdener Brücken erinnernde st« i- iierne Oderbrücke überschreitet. Rechts und links folgt der Blick dem breiten Oderstrom, dessen Anblick dem Berliner ganz ungewohnt ist, in ferne Weiten. Gen Norden ist alles flach: das Oderbruch. Gen Süden wellt stch der Horizont sanft. Auf asphaltierter Straße kommt man in einer halben Stunde zu dem großartigsten Kporlgeiände der mittleren Ostmark, einem mit genialem Wurf in die Oderhäng« hineinkomponierten Stadion. In nächster Nähe, in melancholischer Verborgenheit der älteste jüdische Friedhof der Mark. Oer hanseatische Hering. Und nun wieder zurück zur Stadt. Da ist vor allen Dingen das Rathaus mit seinem herrlichen Südgiebel in Backstein. Darüber das alte fjansezeichen, an einer schräggcstclltcn Stange ein Hering an einer Angel. Den Heringen hatten die Hanseaten ihren Reichtum zu oerdanken, und sie dankten es ihm, indem sie ihn als Zeichen nahmen. Wahrscheinlich auch in altem, unbändigem Kaus- mannsstolz als Verhöhnung der sürstllchen Wappenmenagerien der Löwen, Adler, Greifen und anderer Getiere. Mit hingebender Liebe hat man die alle städtische Gerichtslaube im Rathaus, die Satte ehemaliger stadteigener Gerichtsbarkeit, hergerichtet und aus- gemalt, ebenso ein« danebenliegende wahrhaft imponierend« Rat- siaushalle. und man kann, als Bürger einer neu aufkommenden Stadtkultur, nur mit einem gewissen Gefühl von Ehrerbietung an dieser Stätte weilen, die auch heut« noch als Symbol stärksten kommunalen Gemeingeistes gelten darf. Mit«in paar Schritten ist man vom Rathaus bei der Marien- kirche. die aus dem Jahre 1253 stammt und 1923 restauriert wurde. Der stumps« Turm macht einen trotzigen, wehrhaften Eindruck. Zwei alte Portale sesieln die Aufmerksamkeit. An dem einen eine Unmasse jener geheimnisvollen Näpfchen und Rinnen, über deren Bedeutung sich die Gelehrten immer noch nicht einig sind. Im Innern überraschen die edlen Ausmaße besonders Die Decke. in Grün ausgemalt, wirkt wunderbar beruhigend. Ein riesiger siebenarmiger Leuchter aus vergoldeter Bronze ist ein kunst- geschichtlich berühmtes Schaustück. «.Volfsfreund" und Gewerkschastshaus. In allernächster Nähe der Kirche, in der Oderstraße, liegt mit schönem Hochdach dos stattliche Verlagshaus unseres Parleiblolles, de«„volksfreundes". Außer ihm gibt es nur noch ein bürgerlich- nationales Blatt in Frankfurt. Daraus ergibt sich ohne Beschwer die politische Zufammenietzung der Stadt, die sich etwa zu Dreivierteln national gibt: Völkisch, Volkspartei und Deutschnationale. Ohne wesentliche bürgerliche Mittelparteien stehen diese Gruppen der Sozialdemokratie gegenüber. Weiterhin in der Oderstraße steht ein anderes der arbeitenden Bevölkerung gehörendes Haus, das Ge- werkfchastshaus, ein schönes Gebäude aus der Mitte des 18. Jahr- Hunderts, das unter Denkmalsschutz steht. Im Erdgeschoß befindet sich das gute Gewerkschaftsrestaurant. In unverständlicher, man könnte fast sagen ocKksfeindlicher Weise wehrt sich die Kirche in Berlin gegen die Answeifunq einiger Friedhöfe als Parks für die Lebenden. Hier In Frantfnri ist das längst geschehen. Auf einem harmlosen Spaziergang durch prächtige Anlagen, die früher Friedhöfe waren, mitten in der Stadt, steht man plötzlich über- raicht vor einem Denkmal und bemerkt im Umherschauen noch weitere, die ganz frei in den Anlogen liegen. Das eine, vor dem wir stehen, ist das Grabmal des 1759 in der Schlacht bet Kunersdorf gefallenen Dichters Ewald von Kleist. Unweit des Grabmals be- findet sich auch ein Denkmal sür den weit bekannteren Heinrich von Kleist, dessen Grabmal sich bekanntlich in Wonnsee befindet, der aber 1777 in Frankfurt geboren wurde und hier studierte. Moderne(Schule in moderner(Siedlung. Man würde Frankfurt schweres Unrecht tun. wenn es nur alz alie und nicht als moderne Stadt beachtete. Des neuen Stadions wurde bereits gedacht. Auf der Oderinsel Ziegenwerder liegt das neue, wirklich großartige Volksbad. Im Westen und Südwesten der Stadt liegen in ihrer Art einzige Siedlungen, allerdings in der Hauptsache sür Beamte der Reichsbahn und sür Ostmarkflücht- linge, deren Scharen Frankfurt in den Jahren 1920 und 1921 aus- saugen mußte. Diese Siedlungen sind allein einen halben Tag Besichtigung wert, denn di« verschiedenen Stil- und Spielarten des modernen Siedlungshausbaues, mit Ausnahme des flachen Daches, findet man hier. Erst spät ist man dazu gekommen, auch Arbeiterwohnungen zu bauen. Die B a u h ü t t« nimmt jetzt ein großes Volkswohnungs- Projekt in Zlngriss. Das großartigste Bauwerk, seiner äußerlichen baulichen Gestaltung wie seines innere» Wertes nach ist die hin- denburgvolksschule, die von ihrer Erstellung bis heute das unver- minderte Interesse aller deutschen und auch ausländischen Pädagogen beansprucht. Die modernen pädagogischen Grundsätze, die natür- lichen, im Kind« schlummernden Anlagen, Kräfte und Befähigungen zu entwickeln, werden hier befolgt. Es ist ein Grömium von modernen und von guten Absichten beseelter Männer, die an der Spitze dieser größten branden- burgischen Kommune steht. Der Raine des Oberbürgermeisters Dr. Kinn« hat in kommunalen Kreisen besten Klang. Der zweite Im Grunewaldsee ertrunken. Oer Tote aus dem Lieheitsee geborgen. Der Badebekrleb hat gestern abend wieder«ln Todes- o p f e r gefordert. Im Grunewaldsee ertrank ein nnbetauoter junger Mann. Spaziergänger beobachteten am Ufer des Grunewaldsee». in der Nähe der O b e r f ö r st e r e i, wie in der Mitte des Sees ein Schwimmer, den offenbar die Kräfte oerlasten hatten, ver- zweifelt mit den Wellen kämpfte. Es wurde sofort Hilfe aufgeboten, bis jedoch die Retter zur Stelle waren, war der Mann untergegangen. Es gelang, den Derunglückten schon nach wenigen Minuten zu bergen und an Land zu bringen. Inzwischen war die Feuerwehr Grunewald benachrichtigt worden, die als- bald erschien und Wiederbelebungsoersuche vornahm, di« fast zwei Stunden währten. Dem Leblosen, es handell sich um einen etwa 18- bis 20jährigen noch unbekannten Mann, konnte je- doch keine Hilfe mehr gebracht werden. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, hatte der 28jährig« Arbeiter Willi I a n a f i g aus der Kantstraße 78 sich in der Sonntag« nacht in Bierlaun« der Kleider entledigt und versucht, durch den Lietzensee zu schwimmen. Er erlitt im kallen Woster einen Herzschlag und ging unter. Gestern konnte sein« Leiche durch die Feuerwehr geborgen werden. Di- gefraffigen Raupen. In einigen Wäldern um Dortmund macht sich eine stark« Raupenplage bemerkbar. Telegraphenstangen, Drähte, Häufer sind übersät mit Milliarden von Raupen. Die Berufs» feuerwehr Hot den Vernichtungskompf mtt der Motorspritz« aufgenommen. Di« abgespülten und zusammengeschwemmten Raupen werden dann durch Waldorabeiter mit ätzenden Flüssigkeiten ge- tötet. Der Waldbestand gilt als vernichtet. Umbau- Ausverkaufi Beginn Freitag, den 31. Mai Bedenken Sie, daß die ganzen Waren- bestände(nur die Maß- Äbieüung, Berufskleidung und einige Markenartikel ausgenommen) zum Umbau- Ausverkauf gelangen und Sie jetzt noch eine Riesenauswahl vorfinden! Eine darartige Ersparnis•Möglichkeit, wie wir sie Ihnen jcizt in unserem großen Umbau- Ausverkauf bieten, ist selten. Sie können unsere bekannt gute Herren- u. Knaben-Kleidung mit f5% Sender kaufen.— Warten Sie nicht lange.— Kommen Sie zu unsl Probezettlager der Roten Kalken. 300 Berliner Arbeiterkinder im Lager. Aach ln diesem Zahre werden mehrere hundert Arbeiterkinder Berlins als Rote Falken in die Kinderrepubliken der Reich sarbeitsgemeinschnst Kinderfrennde gehen. ?(us ollen Städten Deutschlands werden etwa t0 00 0kinderan fünf verschiedenen Stellen Devlschlands mit ihren Zelten zusammenströmen und ihre kiadcrrepubliken errichten. Sommerjeltlager der Roten Falken find Beweise und Erfolge aktiver Arbeit der Klndersreundeorganisation. Und bemüht mit viel Freude bereiten die Roten Falken mit ihren Helfern in den Bezirken die Teilnahme am Zeltlager vor. Das erste Probczeltlager der Berliner Roten Falken fand auf dem KInderlund in Birkenwerder während der Pfingstieiertag« statt. Schon Sonnabend früh ent- wickelte sich«in reges Leben aus dem Kinderland. Ein Zl u l o der Berliner Konsumgenossenschaft brachte die Lebensmittel für das Lager. Die Schöneberger Noten Falken hatten bereits Freitag abend ihr« zwei Zelte errichtet. Kräftige Hände packten zu und leerten das Auto. Die Feuerwehr Birken- werder bracht« in seinem Wasserwagen frisches Trinkwasser. Ein bochbeladener Leiterwagen schaffte das Stroh für die Strohsäcke der Zelte heran. Ein zweites Lastauto brachte die Goulaschkanonen, küchenmatenalien und Zelte. Der sandige Boden ließ es nicht zu. daß das Auto bis an das Grundstück hsranfuhr. Die Feldküchen wurden im Laufschritt von den Roten Falken zum Lagerplatz befördert. Gegen Abend rückten die Berliner Gruppen mit ihren Fahnen, kräftig singend, an. Auf dem leeren Platz würde Zelt neben Zelt errichtet. In kurzer Zeit entstand eine Zeltstadt mit Küchenbetrieb, Wachzelien, Samariterzelt. Auf dem großen Dorsplatz fanden sich die Gruppen im Gemeinschaftsring zusammen, die Küche lieferte das erste Esten und in vergnügter Stimmung wurde die erste Mahlzeit gemeinsam im Probe, zelttager eingenommen. Am Abend wurden noch die letzten Aufbauarbeiten an den Zeltstädten geleistet. Ein Gong ertönte. Die Wache ging um und sorgte für nächtliche Ruhe im Lager. Das Falkenparlament. Der Sonntag brachte viel wichtige Arbeit. Das Falken- Parlament, bestehend aus den Kinderzeltobleuten und den Lager- verantwortlichen, trat zusammen, um gemeinsam die Dinge zu de- raten, die in den einzelnen Gruppengcmeinschoften noch bis zum Sommerzeltlager durchgeführt werden sollen. Beschlossen wurde, daß jede Zeltgemeinschaft eine Gemeinschastskafse haben soll. Nicht der einzelne soll in der Kinderrepublik seine Wünsche befriedigen, sondern gemeinschaftlich wollen es die Roten Falke» tun. Gemeinsam die notwendigen Arbeiten erledigen und sich gemeinsame Freuden bereiten ist ein Gebot der Roien Falken. Eine Gruppe übernahm es,«inen Rundbrief an alle Arbeiterkinder Verlins zusammenzu- stellen, in dein den noch fernstehenden Kindern die Schönheit der Kinderrepubliken und das große Ziel, an dem d,« Roten Falken mitarbeiten, übermittelt werden soll. Festgelegt wurde ferner, daß jede Gruppe«inen Berichterstatter wählen wird, um kräftig für die Zelllogerzeitung, die auch in diesem Jahr« wieder erscheint, Berich!« zu jchreihen. Di« Roten Falken wollen ihre Zeitung mit eigenen Beiträgen füllen. Besonders wurde von«inigen Gemeinschastsoertretern betont, daß, wie in vergangenen Lagern, auf Ordnung und Tauberkeit geachtet werben muß. Nach oey Sitzung nahm das Falkenparlament einen Rundgang durch das Zeltdorf vor. Alle Falken hatten vorher an ihr Lied ans d«r Kinderrepublik Seckamp 1927 gedacht: Durch de Dörfer alle rennt jetzt det Lagerparlament. Alle Zelte werden angefehn Und bemeckert, wenn se nich ganz fchecn. Manche Mängel wurden im Prabelager entdeckt und rasch griffen die Roten Falken zu Spaten und Zelthammer, um alles in Ordnung zu bringen. Einige Gruppen, die schon Zeltlager- crsahrungen hatten, lieferten Beispiele für guten Zeltaufban Nach diesen wichtigen Arbeiten entwickelte sich«in reges Leben. Ber- schieden« Gruppen fanden sich bei slorten Sportspielen wie Bölkerball, Schlagboll und 5>andball zusainmen, während andere im Kreise zusammensaßen, musizierten und frohe Lieder sangen. In der Briese, die durch das Gelände fließt, wurden Flöße gebaut, während einige ganz Verwegene ein unterirdisches Labyrinth schaufelten, in dem bequem 2S Rote Falken Platz hatten. Montag abend wurde dos Lager abgebaut und noch einmal ver- sammelten sich die Roien Falken um die Lagcrsahne. Mit dem Lied« „Kinder der Arbeit, des Proletariats! Wir Rufer der Zukunft, wir sind der junge Staat. Rot ist die Fahne, die uns zum Ziel soll führen, für Freiheit und Friede! Genossen! wir marschieren." wurde die Fahne Herabgelasten. Das erste Probeloger war beendet. In einem gut formierten Zuge marschierten sie, in ihre blauen Kittel gekleidet, zum Bahnhof Birkenwerder. Die Berliner Roten Falken hoben durch dieses Lager einen guten Grundstein für die Sommerlager gelegt. 399 Arbeiter- Laubenkolonisten f Es Ist unser Bestreben, die Laubenkolonien h Groß■ Berlins, soweit sie Irgend durch Boten erreicht werden können, mit dem„Vorwärts" � znbeliefern. Wir bitten daher alle Leser unseres 3 Beilagen»ad„Unterhaltung und viffeu". Bei Rheuma, Bioht, isehsas sowie bei Nerven- und Kopsschmerzen, Erkältungskrankheiten und Grippe haben sich Togol-Tabletten hervorragend bewährt. Ueber 5000 notariell be- glaubigte ärztliche Gutachten! Davon mehrere hundert Berichte, in denen neben prompter Wirkung besonders die Unschädlichkeit des Togal hervorgehoben wird. Togal scheidet die Harnsäure aus! Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. Preis Mk. 1.40. o.tö Estin. 12,6 Lith. 74,3 Acick. acet sal. ad. 100 Amyl. Dilhnar mobei oder Form MoiKenmarm 6 Besuch 8rb6len Tauenlzienslr. 10„ÄZg.n Preiswert Frfeltag, 31. 5. Sta&fs-Oper Unter d. 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Renaissance-Theater Hardenäergstr 5 Tl.: ttatngl. 901 u. 2553/14 8 Vi Uhr TagllA«Vi Uhr Die heilige Flamme Regie; Gustav Härtung. I I Theaier»w loiieDdorfyliti Täglich 8Vi Uhr Die mpnnerder manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze Tnanon-Th. Täglich 8Vi Uhr Casanovas Sohn Lustspiel von Rudolf Lothar. ToiksDttime rtieitn iniBfilavplstz 8 Uhr Troianer Thalia-Theater 8 Vi Uhr Ptarrhaus- Komüdie Staatl. Sdiiller-Hi- 8 Uhr Gespenster StutsoiitT in Platt der Oevodlüi 8 Uhr WIIiizM Thealer am Sihifihauerdamm Norden 1141 v. 281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper NMtr. TaMtti, Thlmlo. ivovsky, Leiden. Siecke! Deatsdies muter D.I. Norden 1�310 8U-, Ende geg. tote Die sstangene Schauspiel von Edouard BourdeL Regle: Max Reinhardt Die Komödie II Bistnck.2414/7S16 ste, Ende geg. lOteU. Oer Kann, der seien Hainen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Kammerspieie D.I. Norden 12310 Ste U..Ende nach 10 Aufgang nurtür Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Sanavskii- Thastar i* dar XOaiggritzer ItraS« Täglich 8Vi Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich SV« Uhr ChPrleysTaote mit Curt Bois. Heute Freitag BOXKAMPF „Ständiger Ring* Hsrtkopp— l-aborgn« Gehree— Clcho Hölsl- Koska Metzung— Boguhn Beginn: S Uhr Eintritt 1 Mark Morsen, Sonnabend FILM-FEST 5-7 Uhr: Autogramm-Sluntfe mit Betty Ammann— Lee Parry Ciaire Pommer- Gustav Fröhlich Foto- Amateur• Wettbewerb SOO Mark Bar-Prele« „Film-Episoden mit dem Publikum" Regie: Max Mask Grosses Fest-Feuerwerk tfleioe! föeaier Täglich Ste Uhr AlaSouertrodieo? udi den Inoilulsdiei von Frank Green. Musikalische Iliust Fr. Holländer. Regie:Fr.FrlBdraann- FreflcriOi. Laslspieihsus 8V4 Uhr Weekend im Paradies Pianeiärinin —— am Zoo—— Vrilnj. JudiinitbilK link B.Sl Barbarossa 5578 15te Uhr Stembiloef det FrOhJahn Wlt Uhr Wunder das tadliehen Himmeli 20'/» Uhr Sternhimmel und Welttuu Mittw.: Erwachsene SO PL Kinder 25 Pf. PtelienaDgeiiote| 1 finilii Inlonriiti I JhesteBeadituDg; MET HO PO I.THEATER«, Hauto lakxtor Tagt Lustige Witwe Hernie rberg Heidemaun, Janbahn, Elleot, Jauker- ntann, 8ch&effers. _ Künstlerisch« Leitn'nfr; OR. NCHAU8PieiaH4€S» 8 Heute letzter Tag! Der liebe Augustin CfirUllans Karl«reis. Licske, Arno. Morgan. Westcrmeier. Erik Charell. Lessing-Tbester Täglich Ste Uhr „Die Frau des andern" rbeai.am Kuiu.ior Kottb.Str.6 TägtSUhr Elite- Sänger Das aeae Mal- Proor. rin>l»Wli. lUdntl-iitiw' dernoer loeaier DirektHeinz Herald Charloitenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 Ste, Ende lOte Uhr. Täglich Die fniii Frankfurter von Carl Rössler Regie; Eigtfl BoteTl. Thalia-Theater DresUsn« Str. TI-TS. 8te Uhr Pfarrliaoskflöiöifiß Stm Dlenetag.___,_ 23 Uhr.«ntschlirf sanft mein litbec unvergeßlicher Rann, Sohn, Bruder und Schwager Wilhelm Kupke im Buer von 51 Jahren. Um stiUes Beileid ditt-t Helene Knpke, Berlin Zt., Liesenstrah- 1. Die Sindschernng findet am Sonn- abend, dem t. Juni, UVt Uhr. im Stcrnatotiurn«erichtstraße hau DiBtsdier Mstallarbeiter-Verliaoil Verwaltungsstelle Berlin Tod«sanxelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Aollege, der Feilenhauer Georx Schaaf geb. 13 November 1877, am 38. Mai gestorben ist. Ehre seinem Bndenten! Die EinSscherung findet am Sonn- abend, dem 1. Zuni. mittag, 13 Uhr. im Krematorium Gerichtstrahe statt. Nege Bete ligung erwartet( Ol« Ottaacnoaltung. Verband der Maler FUlale Berlin Am Dienstag, dem 28. d. Mts.. verstarb unser langjährige» Mit- glied, der Maler �Vllhelm Kupke Die Einäscherung findet am Sonn. abend, dem i.Zunt. vorm. lly, Uhr, im Ztrematortum Serichtstrahe statt. Um' rege Dellnahme iltiefr Oer vorstand. Aligemeine ortskrankenRasse fOr den Verwaltnng.bejlrk Xl der Stadl Berlin(Sdidneberg-Friedenao). zur Sahung mit Aende- und<8 ist vom Oder- 1. Zunl l e i st u n Der i runa der fiß Ä. l versicherungeamt genehmigt und tritt am ' 1923 w«rast. AI, Mehr- ngen werden ohne Wartezeit ewährt: Hausgeld in Höhe von%> des Krantengeldes und Taschengeld an ledige Rrantenhauspflegltng« in Höhe von Vi des Rranlengeldes. Die Beiträge sind von t> auf SV,V« erhöht worden. Druckexemvlare sind bel der Hauplstelle Erunewaldstrahe 30 und bei der Geschäftsstelle Berlin. Friedenau. Rheinstraße 3. erhältlich. Ueber die wesentlichen Aenderungen geht de» Arbeitgebern«in Rundschreiben zu. Bertw-Schönederg. den 80 Mai 1929. Dei Vorstand: A. Schuld» Frist S-nß Borsitzender. Schriftführer. mal. d. Westens Täglich 8te Uhr Sonntag 3te u. Ste Frau Khan Vtstar- Idig! Friederike CanU Tttile Kammersinger linei Wilhelm Qtteh. KOmtler-Th. 8te Uhr Prosit Blpsy Opereue v.Gilbert Agnes Etterheiy Frllz SehoU Rundfunkhörer kalste Preise mwqmi' NUR�MIC. W»e1ienrat KaoilNA» 3�1 2. VolKSTECH texe PCL£NZLAUSB.$T8. am AifXANOSRPtATZ* AltXAMC�ST�.51-5Z................. |Ope!-FahrrÄder, Radio-, Foto-, Sprech 1 apparate 3,— M. monotlloh Frankfurter Allee 313 Ab Freitag, d. 31. Mai bis Donnerstag, d 6. Jun Persönliches Auftreten von lud wid Manfred lommel Filmt LAURA LA PLANTE, der weibliche Chaplir/, in: Jüppla, Valer sieüls ia niaif Juaentf liehe haben Eiitrltts Dillig sind meine Preise trotz wöchentl. Teilzahiung! Große Auswahl in NaBanfertigung Anzug oder Paletot Mark 120.- u. 135.- Maß-Schneiderei Julius Fabian Große Frankierter Straße 37, nur 2. Etage Sthöneberg, Hauptstraße 158. 1. Nr. 249» 46. Jahrgang s!» Freitag 31. Mai 1929 Parteitag und Reichstagsarbeit. Bedeutsame Rede Hilferdings.— Crispiens Bericht über den Brüsseler Weltkongreß. Magdeburg, 30. Mai.(Eigenbericht.) Die Debatte über den Bericht der Reichstagsfraktion wurde weiteraefiihrt. UJimtner-München fordert«in soziales Wo hnungsrecht. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sollte das Bollwerk sein, an dem die Bestrebungen des organisierten Hausbesstzerkapitals z«r- schellen. Die Hauszinssteuer dürfte nur zur Förderung des Woh- nungsbaues oerwandt werden. Durch die Schaffung gesunder und billiger Wohnungen für die Arbeiterschaft wird die Arbeitslosigkeit am wirksamsten bekämpft. Adams-Hamburg: Braun hat den Konkordat-abschluh zu Hann- los dargestellt. Die Macht der katholischen Kirche in Deutschland ist in der Zeit der Republik stärker geworden. Nicht nur Preußen, sondern das ganze Reich ist an diesen Dingen interessiert. Es wäre bedauerlich, wenn der Parteitag über alle Anträge zur Konkordats- frage zur Tagesordnung übergehen würde. Homer-Duisburg: Braun Hot die Bedenken gegen dm Konkor- datsabschluß nicht wegräumen könnm. Nach den Mitteilungen des So-ialdemokratischm Pressedienstes sollen neue Erzbischofssitze im Westen errichtet werden. Eine Stärkung des Machtapparates der katholischen Kirche im westlichen Industriegebiet bedeutet eine Gefahr für unser« Bewegung. Wir müssen dagegen ankämpfen, daß die Arbeiterschaft in eine größere Abhängigkeit von der Kirch« gebracht wird. Lobe: Ich widerstehe der Versuchung, mich in den Kamps der Wagen und Gesänge um die Fortführung der Koaluionspolitik einzumischen. Der Parteitag hat am Mittwoch seine Entscheidung für die nächste Zeit gefällt und ich möchte nur noch einmal hinweisen auf das. was über die Uebereinstimmüng von Wahlversprechen und Verwirklichungsmögllchkeiten gesagt worden ist: Nur die Parteien, die in absehbarer Zeit niemals au» der Opposition in die Position einrücken werden, könnm ins Blaue hinein versprechen. Die Nationalsozialisten habm es leicht, die Einstelluna der Dawes- Zahlungen zu fordern, niemals werden sie eine Mehrbeit dafür finden. Die Kommunistische Partei kann jedm Tag 3 Milliarden neue Ausgaben fordern, hier brauchen sie dafür nicht einzustehen, und das Land, wo sie regieren, hüllen sie in einen undurchdringlichen Schleier. Hier schimpfen sie über die ftmerfreie Anleibe, ihr eigenes Land wünscht sie auch: hier schimpfen sie über die Mängel der Ar- beitslosenversicherung, im eigenm Land sind die Bestimmungen für den Arbeiter viel ungünstiger; hier oerwerfen sie die Todes- strafe, im eigenen Land morden sie ohne Richterspruch: hier schreien sie über Polizeiterror, dort übm sie ihn z e h n- fach: hier klagen sie über langsamen Wohnungsbau, aber in ihrem eigenen Lande sind die Wohmlngsverhä'tnisse viel kümmerlicher. Und so könnte ich fortfahren bis zu den Brotschlangen und zu den Zuckerkarten. Wir aber müssm in Zukunft in der Agitation noch klarer unterscheiden zwischen unseren Zielen und zwischen dem. was wir unter dm hmligm Mehrheilsverhältnisim bei der hmligm Dirtschafts- und internalionalm Lage alsbald zu er- reichen erwarten. Dadurch werden wir alle grvßm politischm Parteien auf dm gleichm Weg zwingen. Ich brauche ja bloß daran zu erinnern, welche Kluft bei den Deutschnationalen klafft zwischen Wahloersprechungm und Taten, bei Dölkerbund. Dawes-Lasten. Republikschufioesetz, Klein- rmtnerfürsorge usw. Durch die Vereinheitlichung der Rednertribüne draußm im Lande mit den Taten vom.Kanzlersiß werden wir dem demokratischen System einen Dienst erweisen.(Beifall.) Der still« Zollkrieg, den Deutschland fest vier Iahren mit Polen führt, hat katastrophale Wirkungm. Erst dieser Zollkrieg nimmt der deutschen Wirtschaft die Gebiete, die wir im Bcrsailler Vertrag verlorm haben. In der Breslauer Konfektion sind jetzt in dm besten Zeiten 12000 Menschen arbeitslos, ähnlich in der Maschinm- und der Textilindustrie. Der deutsche Osten ist in Gefahr, sein« Absagmöglichkeiten dauernd zu verlierm. Deshalb treten mit uns jetzt auch die Deutschnationalm für den polnischen Handels- vertrag ein. Wir müssm den Abschluß vernünftiger Handelsverträge als wertvoll« Tellerfolge begrüßen.(Beifall.) .Tleißner-Dresden: Wir dürfen uns bei der Finanzreform durch Rücksichtm auf die Kapitalbildung nicht einschüchtern lassen. Man macht viel Propaganda, auch aus dem Reichsfinanzmimsterium, für die Erhöhung der U m f a tz st e u« r, sie ist die höchste und ungerechteste Massenbelastung, die es gibt. Wir Hüffen ihr« Erhöhung unter allen Umständen bekämpfen. Die Fraktion muß auch den feindseligen Anschlag des Steuervereinheitli�hungsgefetzes gegen die Arbeitergenossmschaften verwerfen.(Beifall.) Hilferding zum pariser Ergebnis. hilserdlng: Umnittelbar nach der Reuwabl habe ich in einer kleinen Konferenz führender Genossen ausgeführt, die Einpassung fei so schwierig, daß ich ihnen vorschlagen würde, nicht in die Regie- rung hineinzugehen, wenn ich wüßt«, wie wir das anstellen sollen. Aber wir mußten in die Regierung hinein. EntscheSmd war der Gesichtspunkt, der vor dem K'iege als radikal galt, daß es die Aufgabe der Sozialdemokratie sei, gegenüber den Augenblicksinteressen der Arbeiter ihre dauernden und b l« i- b e n d e n Interessen zur Geltung zu bringen. Dieses dauernde Jnteresse bestand einmal in der Erhaltung der Demokratie. Je mehr Erfahrungen ich stit der Revolution gesammelt habe, um so fester bin ich überzeugt worden, daß die De nokratie überhaupt die Voraussetzung für die Verwirklichung des Sozialismus ist. daß unter keinem anderen System das Pro'etoriat die notwendigen Erfahningm sammeln kann. Es ist ganz unmöglich, aus irgend- einer Diktatur in den Sozialismus hinüberzuspringen. Die Demokratie ist die nnerlößiiche Dormisfetzung für den wer- denden Sozialismus, wir müssen deshalb immer bereit fein, die Konsequenzen des Parlamentarismus zu ziehen. Das zweite dauernde Interesse des Proletariats war die Fort- iührung der Friedenspolitik. Deutschland ist der Staat der Mitte und hat eine gewisse Freiheit der Orientierung, falls es eine klare Politik der europäischen Verständigung durchsetzt— das ist nicht nur dos Schicksal des deutschen Proletariats, sondern auch da» der europäischen Arbeiterklasse. Wir baben in den letzten Monaten wieder einmal an einem kritischen Punkt unserer Aubenpolitik gestanden. In diesem Moment eine Außenpolitik fort- zuführen, die der Sicherheit des europäischen Friedens diente, hieß das dauernde Interesse des internationalen Proletariats vertreten. Diese beiden Gründe überwogen alle Einwände gegen Regierunas- teilnähme. Bereits im März 1028 habe ick, im Reicki-tag die kritische Lage der deutschen Finanzen mit dem Milliarden-Kassendefiziet und dem 600-M'llionen>Fehlbetrag und der Notwendigkeit, neue Steuern zu beschließen, eingehend dargelegt. Dazu kommt die unerhört schlechte Konsunkwr, die ich"nicht vorausgesehen habe, weil ich meteoroloaische Voraussicht für msin Amt nicht mitgebracht habe. (Heiterkeit.) Troß allem haben wir den Reallohn der Arbeiter nicht nnr auf- rechterhalten, sondern sogar teilweise erhöht. Den Ausgang des Kampfes im Ruhrrevier habe ich stets als einen außerordentlich großen Erfolg gebucht. Die Unternehmer waren entschlossen, keinen Lohnerhöhungen mehr zuzustimmen—, dieselbe Schwerindustrie, die vor dem Krieg keine Arbeiterorganisation ge- duldet und die schwachen Gewerkschaften stets niedergetreten hat. Sie hat jetzt Severing als ober st en Schiedsrichter an- erkennen müssen und die Regierung hat den Ausgesperrten aus der Reichskasse 11 Millionen Unter st ützung gezahlt. E» IN das erstemal aewefen. daß eine Reai-rnng in dieser Weise mit staalllchen Mitlein in den wirlschasllichen Kamps einqe- griffen hal. (Beifall.) Ich war mir darüber klar, daß das erste Jahr der Regie- rungstätigkeit wenig Erfo'ge bringt, unter Umständen sogar Opfer verlangen könne zugunsten der dauernden und bleibenden Klasieninteressen des Proletariats. Jetzt führt die Bahn wieder auswärts Dielleicht war gestern ein Tag von historischer Bs- deutung Wir haben in Paris die schwierigsten Verhandlungen mit der mächtigsten Glöubigergnippe der Welt oekührt. Wir haben die Entscheidung nach freien wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht er- reicht, wohl aber die Einigung in der Ziffernfrage, die wir kaum noch erhofften. Diese pariser Einigung wachs den weg frei für die Fortsetzung der Verständigungspolitik. In den letzten Wochen waren die Zweifel gewachsen, ob der Weg. den die Sozialdemokratie seit Kriegsende beschritten hat. wirklich ins Freie führt. Jetzt ist die Bahn für die Politik der europäischen Verständigung und des internationalen Friedens wieder frei. (Beijall.) In der historischen Würdigung dieser Regierung wird die Episode der„Hilferdmg-Anleih«' keine Rolle spielen, sondern mir die Tatsache, daß diese Regierung in schwerster Zeil, als die Feinde des Parlamentarismus und der europäischen Verständigung ihre Zeil gekommen glaubten. Demokratie und Frieden gerettet hat.(Lebhafter Beifall.) Was spiest es demgegenüber für eine Rolle, ob wir die Erhöhung einer Rente«in paar Monate früher oder später durchsetzen? Wir sind nicht eine Partei von heute, sondern eine Partei von stolzer Vergangenheit und noch viel stolzerer Zukunft.(Bravo!) Ich habe meine Kieler Worte nicht vergessen, daß die Koalition nicht Suspendierung des Klassen- kampfes ist, daß gerade sie an jeden einzelnen Mitkämpfer darin die stärksten Anforderungen stellt. Der Parteitag braucht mir keinen Knoten ins Taschentuch zu schürzen, daß ich das nicht vergesse. Aber das dauernde Interesse des Proletariats muß den Tagesinter- essen vorangehen. Die konsolidierte Anleihe ist b i l l i g e r als die kurzfnstige Bovgerei und macht uns unabhängiger von den Forderungen des Kapitals. Ich möchte nur, daß die Kapitalisten selbst sich durch L e v i von den unerhörten Vorteilen dieser Anleihe überzeugen ließen.(Heiterkeit.) Die durchgreifende Eanie- rung des Etats, die niemand stärker gefordert hat als ich, wird erst nach dem Abschluß der Pariser Verhandlungen kommen. Fleißner weiß, daß gerade ich jede Diskussion über ein« Erhöhung der Umsatz- steuer von vornherein abgelehnt habe. Ebensowenig brauche ich eine Resolution, die mir sagt, daß die Finanzreform keine Ein- nahmesenkung aus den Besitzsteuern sein darf. Zch bin vom bisherigen Ergebnis der koa'itlonsrealenmq nicht enttäuscht, weil ich keine Illi'stonen hatte. 3ch glaube aber, daß das schwerste überwunden ist»nd daß jetzt raschere Fortschritte möglich wären. Lassen Ei« sich durch die Schwierigkeiten der Vergangenheit nicht im Vertrauen auf die Zukunft erschüttern. Es wäre verkehrt und unnütz, wollten wir jetzt aus der Regierung desertieren. Wir müssen weiterarbeiten und werden am Ende schöne Erfolge für die Partei und die Arbeiterklasie erringen.(Lebhafter Beifall.) Popp-Hnmburg: Das Gerede von einer Krise des Vorlamen- tarismus soll nur die zunehmende Derschärsung der Klassengeaen- säße verdecken. Die Fraktion sollte vor allem den mittelalterlichen Zuständen in der Jugendfürsorge ein Ende machen. Dem Klmkor!datsal'sck,luß wird wohl jeder mit gemischten Gefühlen gegen- überstehen. Die richtige Form des Kampfes dagegen ist aber die. daß alle diejenigen, die innerlich nichts mehr mit der Kirche zu tun haben, den Mut zur Konsequenz haben und den Austritt vollziehen. Die Finanzpolitik muß nach dem Grundsatz geführt werden, daß der Staat für uns nicht elne verwaltunasmafchine. sondern eine soziale Gemeinschaft ist. Wir wollen nicht in erster Linie Steuerabbau, sondern weiteren Ausbau der sozialen Fürsorge für die Masien. Frau Terhorst-Düsseldorf: Auch der Bertrag Preußens mit dem Papst gehört zu dem einheitlichen Vorstoß der katholischen Kirche in allen Ländern. Wir als Sozialisten befürchten, daß dieser Vorstoß eine Schmälerung der politischen und gesellschaftlichen Macht- Position des Sozialismus bringen kann. Di« katholische Kirchs macht solche Vorstöße mir, um das Kulturleben von der Kirche her erheblich beeinflussen zu können. Der französische Genosse Sa'angro hat in der sehr erregten Pariser Kammerdebotte den Antiklerikalismus als einen wesentlichen Bestandteil des Klassenkampfes bezeichnet. Unser Kvmvf um die sozialistische Erziehung der Jugend, für die uns die weltliche Schule eine starke Stütze bietet, darf nicht durch ewe weitere Stärkung der katholischen Macht gehemmt werden. Landvbera: Ueber das Konkordat will ich nicht sprechen, weil ich nicht die Fähigkeit habe, einen Vertrag zu kritisieren, den ich nicht kenne. Otto praun wird sicher keinen verkraq unterschreiben, der die freie Erziehung unserer Zugend hindern würde. Der Entwurf der Strafreckcksreform trägt heute im Reichstagsaus- schuh ein ganz anderes Gesicht als der Entwurf Hergt. Uns Sozial- demokvaten genügen die beschlossenen Aenderungen nicht, aber es muß anerkannt werden, daß unsere Koalitionspartner Opfer ge- bracht haben, die ihnen nicht leicht geworden sind. Ich erinnere nur an die Bestimmungen gegen den Widerstand der Staatsgewalt, über Hoch- und Landesverrat, über Meineid. Die Beseitigung der Todesstrafe hätte schon im Ausschuß erreicht werden können, wenn die Kommunisten sür den Antrag Kahl gestimmt hätten! Auf diesem Parteitag ist niemand als grundsätzlicher Gegner von Koali- tionsregierungen aufgetreten, auch Fleißncr nicht, und das läßt mich die Entwicklung in"Sachsen günstiger beurteilen, als ich es sonst getan hätte.(Heiterkeit.) Ich freue mich, daß der Parteitag sich nicht gegen die Koalitionsregierung ausgesprochen hat. Nach der Verfassung bedarf jede Regierung des Vertrauens der Mehrbeit des Parlaments. Wenn nun die stärkste Koalilionspartei ihr Mißtrauen gegen die Regierung ausgesprochen hätte, dann würde man entweder unsere Parteigenossen zwingen zpn Bruch mit der demokraiisck'en Verfassung öder die Mittelparteien.zur Koalition mit den Deutsch- nationa'en! In der Vorhugenbergschen Zeit hoben die Deutsch- nationalen sich ja leicht über alle Grundsätze b'mweggesetzt, um in die Regierung zu kommen, in der nahe bevorstehenden nachhugen- bergschen Zeit wich es nicht anders sein. Bei der Besprechung der Politik der jetzigen Koalitionsregierrmg hat sich ein allgemeiner Pessimismus gezeigt, selbst bei Hilierdings Ausfübrungen. Ich weiß nicht, ob die von ihm geäußerte Hoffnung auf Besserung sich nur auf kommende bessere Zeiten bezog, oder auch auf seine e'gene Besserung.(Heiterkeit.) Unser Mißvergnügen mit dem Erfolg der Regierungspolitik hat nichts mit den Personen zu tun, die uns in der Regierung vertreten. Zch bin sicherlich der Dolmetscher der Empflndunaen des aanzen Parteitages, wenn ich vor allem Hermann Rlüller versichere. daß wir ihm alle die große Hochachtnna enk-reaenb'ün-'en. aus die er Anspruch hat weaen seines Charakters, seine? veiähigung und seiner großen Arbeitskrast. die in Zukunst hoffentlich nicht mehr durch Krankheil gestört wird. (Lebhafte Zustimmung.) Wir sind überzeugt, daß sein einziges Ideal ist, fein Leben einzusetzen für das Proletariat und für das deutsche Volk.(Beifall.) In uns lebt aber das Gefüb' der Unsicher- h e i t: Was werden wir noch alles erleben müssen? In wichtigen Fragen haben unsere Minister keine glückliche Hand gebabt. In der Panzerkreuzerfrage, in der Anleihesrage und in der Angelegen- heit T r o tz t i. Hier lag ein Verstoß vor, gegen das, was wir als Oppositionspartei immer vertreten haben. Hier war nur die eine Erklärimg angebracht: Das Deutsche Reick ist ein« freie Republik, jeder Fremde, der sich den Gesetzen der Republik angemessen fübrt, ist uns als Gast willkommen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen gewiß unseren Vertrauensmännern in der Regierung nicht in alle Angelegenheiten hineinreden, aber wir verlangen von ihnen,. daß sie Kraft zeigen, f e st e r werden, mehr M a cki t haben. Schließlich schießt ja auch Otto Braun einmal vorbei.(Heiserkeit.) Wenn Kraft da ist, würde sogar der Eigensinn zu ertragen sein, der dem einen oder anderen unserer Vertrauensmänner nack'acsagf wird. Diese Kraft kann erböht werden durch die engste Fühlung mit der Partei und der Fraktion. Hilferding hat reckt, daß man unter Umständen auch einmal zurückgehen kann, aber die Kraft, die wir haben, muß restlos ausgenutzt werden, da darf es kein Zurückweichen gleich bei den ersten Schwierigkeiten geben. Wenn die Reparationslast herabgesetzt wird, wird sofort der Kampf um die Steuersenkung beginnen. Wir müssen sagen: Don Steuerermäßigungen kann überhauvt nicht d e Rede sein, solange die Reichskastc nicht saniert ist. Ein finanzielles Zuschußreich ist immer der Spielboll in den Händen der Besitzenden, da diese bestrebt sein würden, die sozialpolitischen L asten zu ver- mindern. Knpitalbil�ung ist gewiß notwendig. Aber wir sagen, daß ine Kapita'bildung der besitzlosen Masten und der öifent- lichen Hand genau so wichtig ist wie bei den Besitzenden.(Lebhafter Beifall.) Lltke-Berlin: In der Krankenkasienfraa« müßte mit größerem Nachdruck dem Unwesen der Bildung leistungsfähiger Innungs- krankenkassen entgegengetreten werden. Innungskrankenkasten und Betriebskrankenkasten werden jetzt auch schon in der Industrie zur Zertrümmerung der Ortskrankenkassen benutzt. Dabei ist der Geist dieser Ersatzkasten durchaus antisozial. Die Reichstagsfraktion sollte eine tatkräftige Initiative zur Reform der Reichsversicherungsordnung und zur Bemühest- lichung des Krankenkassenwesens entfalten. Schluß der Debatte. Ein Schlußantrag wird angenommen. Mit dem R o ch r u f des Vorsitzenden Wels auf den heute nacht verstorbenen jungen Genossen Landtagsabgeordncten Grabe- Bochum schließt die Vormittagssitzung. Die Nachmittagssitzung. Beim Begtml der Nachmittagssitzung hält Breitscheid das Schlußwort. Dreitscheid: Den Mimstern hat Landsberg sogar einen Rosenstrauß über- reicht, aber er hat als Natursreund die Dornen nicht vorher entfernt. (Heiterkeit.) Zu meinem Bericht sind einige wertvolle und dankens- werte Ergänzungen gegeben worden, auf die ich im einzelnen nicht eingehe. Die Ratifizierung des Handelsvertrages mit Estland haben wir gefordert und der Reichskanzler bemüht sich, die Widerstände zu überwinden. In der Konkordatsfrage habe ich mich nicht davon über- zeugen können, daß meine abwartende Stellung falsch ist. Toleranz habe ich nicht gefordert gegen Machtansprüche der Kirchen, sondern sür die religiösen Empfindungen der einzelnen. Die For- derung, daß über das Konkordat öffentlich verhandelt werden müsie, kann ich mir nicht zu eigen machen. Alle von der Republik ge- fchlossenen Verträge sind erst vertraulich beraten worden; die Hauptsache ist, daß sie nachher der gewählten Volksvertretung zur Entscheidung vorgelegt werden. Otto Braun hat die Bemerkung Landsbergs sehr übel genommen, daß er auch einmal vorbeischießen könnte. Ich stelle ausdrücklich fest, daß diese Bemerkung sich nur aus die Politik und nicht aus die Jagd beziehen sollte und hoffe damit Otto Braun zufriedengestellt.(Große Heiterkeit.) Die Resolution Slufhäuser ist als Ausdruck des Kaalitions-Katzenjammers bezeichnet worden. Aber in derartigen AlkoholfraAen scheint mir Sollmann zu- ständiger als Stampfer.(Heiterkest und Zuruf Sollmanns.) Ich weiß, daß Sie nie einen Rausch gehabt haben. Wir haben jedenfalls nie einen Aoalitionsransch gehabt, die ÄouKtion P eine außerordentlich nüchtern« Sache. TBena man es so darstellt, als sei unsere Arbeit gänzlich erfolglos und lächerlich gewesen, so verringert mau die propagandistische Kraft unserer Aktion künstlich. Wir wehren uns auch dagegen, daß man neue Bedingungen für die Koalition aufstellt. Als wertvolle Anregung wollen nur die Resolution Aufhäuser gern betrachten, aber nicht als Dogma. Im übrigen hoffen wir, daß das Verhältnis zwischen Reichstagsfrattion und Parteitagsdelegierten so gut bleibt wie jetzt. Wir werden nach Kräften für das werktätig« Volk arbeiten, aber es läßt sich nicht voraus bestimmen, welch« Politik in der gegebenen Lage den Inter- essen der Arbeiter am besten dient.(Beifall.) Es folgt vie Abstimmung. Sämtliche Anträge zur Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung. Arbeitsvermittwng, Arbeitszeitgesetz und chandelsvertragspolitik werden der Reichstagsfrattion und ihren Fachausschüssen überwiesen. Ebenso die Anträge über Begabtenbeihilfen, Berechtigungswesen und Beruseschulgesetz, auf Revision der Höchstgehälter und Festsetz ii ng von Höch st Pensionen. Abgelehnt wird ein ?lntrag Kaiserslautern, der Unvereinbarkeit des Mandats mit einer leitenden Tätigkeit in öffentlichen oder gemischtwirtschaftlichen Betrieben aussprechen will. Di« Anträge zum Wehretat werden durch die Beschlüsse pim Wehrprogromm für erledigt erklärt. Eine Reihe Anträge über Mieterschutz und Wohnungsbau werden dem Fachausschuß der Reichstagssroktion überwiesen, ebenso Anträge zu Steuerfragen. Angenommen wird ein Antrag aus Offen- legung der Steuerlisten: ebenso ein Antrag Bremer- Häven auf Erleichterung der Ausübung des Wahlrechts für Seeleute. Uebergang zur Tagesordnung über samt» liche Anträge zum Konkordat wird mit erheblicher Mehrheit beschlossen. Ein Antrag, der einen Protest gegen zu- nehmend kulturreaktionär« Haltung der Gerichte fordert, wird ab- gelehnt. In der Impffrag« wird die bisherige A b- stimmungsfreiheit der Fraktionsmitglieder bestätigt. An- nommen werden Anträge auf sorgfältiger« Steuerveranlagung sowie auf Frsihaltung der Uferwege. Die Resolution A u f h ö u s e r wird in ihrem grundsätzlichen Teil abgelehnt, in den Einzelford«- runge» der Fraktion überwiesen. Angenommen werden die Anträge Litt ke- Berlin zur Reform der Reichsversichsrungsordnung und Lobe- Ianotta für den deutsch-polnischen Handelsvertrag. Die Stimme des Saargebiets. Lrmw'Saarbrücken begründet den Saarbefreiungsantrag, der Mittwoch früh im„Vorwärts' veröffentlicht ist und führt aus: Di« Verfailler Bestimmung, daß Frankreich aus den Saargruben sich schadlos hasten kann für den Ausfall der im Krieg« zer- störten französtfchen Gruben, ist längst erfüllt. 1328 bereits ist der Förderausfall der Franzosen nicht nur wiedergutgemacht. sondern um 40 Millionen Tonnen überschritten worden. Auf Wiedergutmachungskoirto sind 50 Prozent Saarkohle mehr entnommen als Frankreich mst seinen Gruben verloren hat! Angesichts dieser Lag« sind die Ausführungen des Genossen Bracke- Paris hier auf dem Portestag gegen übertri-chene Reparationsforderungen besonders zu begrüßen. vie Arbeiterschaft an der Saar erhebt feierlich Protest dagegen. daß sie noch immer unberechtlglerweis« von ventschland zurück- gehalten wird. Wir warnen vor jedem Versuch einer Berfackungspolitik. Frankreich fördert mit allen Kräften die lothringischen Gruden, v e r- n a ch l ä ff i g t aber das Saargebiet so, daß der Rückgang der Belegschaften immer größer wird. Wir danken der Partei, der Reichstags- und Landtagsfraktion für die Unterstützung, die sie uns in so vielen Fällen gewährt hat. Ebenso danken wir den f r a n- zösischen, belgischen und schwedischen Genossen für ihr Wirken in unserem Interesse. Wenn wir keine ander« Garantie hätten als die weitere Unterstützung der deutschen und der inter- nationalen Sozialisten, so würde das schon genügen, in un» die Ueberzeugung zu festigen, daß bald der Tag kommen wird, wo die letzte Schrank« zwischen uns und dem übrigen Reich fällt und wo au» der Saar statt eines Ausbeuwngsobjekt» eine Der- bindungs- und Verständigungsbrücke zwischen Deutschland und Frankreich wird.(Lebh. Beifall.) Der Antrag wird ein st immig angenommen. Bieligt protestiert dagegen, daß ihm durch nicht unparteiisch« Geschäftsführuna von Wels das Wort in der Debatte abgeschnitten worden sei. wel» weist diesen Vorwurf als durchaus unberechtigt zurück. haben sich sowohl absolut wie relativ vermindert. Schon 1007 wurde hier zum erstenmal eine ziemlich große Abnahme verzeichnet. Auch das ist«in Zeichen für die verstärkte Industrialisierung. Der Einfluß der Frauen im Wirtschaftsleben zeigt sich aber auch durch ein« Zunahme in der felbstandigeu Tätigkeit. In der„Allgemeinen Deutschen Zeitung' wurde festgestellt, daß etwa 7 Prozent des in der Industrie arbeitenden Kapitals heute selbständig von Frauen betrieben vsrwallst würde, daß bereits 171 Frauen ihre Doktorarbeit aus technischem Gebiet gemacht haben, und vielfach im Ausland- in selbständigen Betriebleitungen verwendet würden. In Deutschland sind im Gegensatz zu England dt««eisten Frauen in der Landwirtschaft tätig, darunler aber auch«in sehr großer Teil als mityclsende Familienangehörige im Betrieb ihres Mannes. Im übrigen müssen wir immer wieder fest- stellen, daß die Erwerbsarbeit der Frau in den Arbeitszweigen am stärksten ist. die auch früher zur Zeit der Naturalwirtschast und spater in der Zeit des Handwerkes die Frauendomäne waren. Der Anteil der Frauen in der Textilindustrie und in der Bekleidungsindustrie beträgt 50 Prozent. Beim Handel und Berkehr und in der Gast- und Schankwirtschatt sind die Frauen om stärksten beteiligt, ebsiyo stark ist ihre Beteiligung in der Rahnings- und Genußmittelindustrie und dem Reinigungsgewerbe. Eine starke Bedeutung hat die Mitarbeit der Frau im Einzelhandel, beim Verlrieb von Lebcnsmttteln, Kleidern, Wäsche usw. Das Recht auf Arbeit. Zur Arbeitsberechtigung der verheirateten Frauen hat Bebel einmal ausgeführt, daß sich wohl die Männer der höhere» Schichten stark gegen die weibliche Konkurrenz wehren, während der Uossen- bewußte Arbeiter wetß, daß es die ökonomische Entwicklung ist, die auch die verheiratete Frau zur Konkurrentin des Mannes macht. Ii, letzter Zeit macht sich aber auch unter den Arbeiten, eine� starke Abneigung gegen die Erwerbsarbeit der oerheirateten Fnaucn geltend. Di« Frauenbewegung sieht diese psychologisch« Entwicklung seit längerer Zeit mit größter Besorgnis. Die Haltung der Parte, und der Gewerkschaften ist die alte geblieben. Da» beweist der Jahresbericht des ADGB., der Bericht des AfA-Bundes. Im sozial- demokratischen Programm ist der Frau da» Recht auf Erwerbsarbeit als selbstverständlich festgelegt, der Bundesausschutz de» ADGB. hat erst in diesem Jahr«, am 27. März, erneu, jestgestellt, daß die ver- heirateten Frauen wie jeder ander« Staatsbürger nach der Ver- fassung und nach dem in der Arbeiterbewegung geltenden Grund- satz der Gleichberechtigung von Mann und Frau-in Recht auf Arbeit haben. Aus den Berichten der Gewerbeaufsicht ist vielfach fest- gestellt worden, daß die Erwerbsarbeit der verheirateten Frauen in der Industrie fast ausnahmslos aus wirtschastlicher Ro, geschieht. Es ist auch festgestellt worden, daß, je stärker die Familienzahl ist. um so stärker die Notwendigkeit zur Mitarbeit der Frauen sich ergibt. Die Erhebung der Gewerbeaussichtsbehörden von 1327 hat auch teil- weife wieder ergeben, daß«s möglich ist, dt« verheirateten Frauen vorwiegend in solchen Betrieben zu beschästigen, in denen der Ar- beitsprozeß sich unter unangenehmen Begleiterscheinungen, wie großer Wanne, Staub- und Dunstentwicklung, Nässe und Schmutz abspielt. Ein Beweis dafür, daß die Notlage die Frauen in diese Beiriebe hineinzwingt. Von einem Verbot oder einer zwangsmäßigen Einschränkung der Erwerbsarbeit der verheirateten Frauen kann natürlich nicht die Rede sein. Ich warn« auch vor einer kurzsichtigen Haltung der Männer in dieser Frag«. Die Geschichte bat uns gelehn, daß das Herausdrängen der Frauenarbeit aus den Zünften zum lintergang der Zünfte selbst mst beigetragen hat. Heut- würde das Herausdrängen der Frauen aus der Industrie eine Aer- mehrung der Heimarbeit, oermehrten Lohndruck, also Schmutz- konkurrenz bedeuten. Uns kann nur an einer zweckmäßigen Rege- lung der Frauenarbeit, die sich auf den sozialistsschen Sonderschutz der Frauen aufbaut, gelegen sein. Bekämpfen wollen wir die noch immer vorhandene Kinder- arbett, besonder» di« auf dem Lande. InderLandwirtschaft arbeiten um des G e l d v« r d i« n« ns willen nach der Zählung vou 1325 noch fast 400000 Kinder. vis Lohnfrage. Ein besonderes Kapitel ist auch die Lohnfrage. Noch immer ist«in großer Abstand zwischen Männer- und Frauenlöhnen vor- Händen. Ein« leicht« Besserung ist international fefrzustellen. Dt« Fraueiüöhn« haben sich z. B. in Dänemark von 53,8 Prozent auf 80.7 Prozent der Männerlöhne gesteigert Eine ähnliche Entwtck- lung wird aus Norwegen Schweden. Frankreich, den Bereinig,«» Staaten usw. festgestellt. Der deutsch« Fabritarbetteroerband kommt für die von ihm«rsaßlen Arbeiter zu ähnlichen Ergebnissen. In der Minderbezahlung der Frauen kommt ober noch immer die Sonder- stellung der Frauenarbeit am deutlichsten zum Ausdruck. Das liegt nicht nur an der Lohn- und GeHaltspolitit im allgemeine». Die schlechter« Berussichulung der Frauen ist die Voraussetzung für den Erfolg dieser falschen Lohnpolitik. Die Berufsausbildung der Mädchen wird immer„och oberflächlicher betrieben, als der Jungen. Die psychologisch« Einstellung zur Frauenarbeit findet hier noch ihr« Auswirkung. Der ursächliche Zusammenhang zwischen der vorhandenen Rückständigteit und der Anschauung zur Frauen- erwerbsfrag« und der geringen Berusswertung, auch der Hausfrauen in dieser Entwicklung, ist klar erwiesen. Sonderschuh für Frauen. Der Sonderschutz für Frauen sst i» Deutschland fast unumstritten. Anders im Ausland, di« die Entschließungen der Frauenstimmrechts- und anderer Bund« uns dauernd beweisen, wir müssen auch auf dem demnächst stattfindenden Kongreß des Welt- bundes für dos Frauenstimmrecht, der in Berlin feine Tagung ab- halten wird, achten. In Amerika und England bestehen Frauen- bände, die nicht ohne Einfluß sind, die wahrscheinlich wieder«inen Vorstoß zur Unterbindung des Sonderschutzes für Frauen unter- nehinen werden. Bei der Bedeuwng der internationalen Regelung des sozialpolitischen Schutzes verdienen derartige Bestrebungen durch- aus Beachtung. Und trotz stärkster Bekämpfung läßt doch die wirt- schastliche Machtstellung dieser Frauen, di« sich mit der Machstellung der Unternehmer ihrer Länder verbindet,«inen starken Einfluß aus die Beschlüsse des internationalen Arbetteamtes möglich erscheinen. Hingewiesen sei noch im Zusauunenhang damit aus die Be- völkerungsbewegung, die uns immer mehr zu bevölkerungspolitischen Beschlüssen drängt. Di« Statistik spricht auch hier eine eindringliche Sprache. Folgen wir auch nicht den moralischen Schlußsolgerungrn. di« sich einzelne Bevölkerungsstatistiker leisten— so sind wir dock> genötigt, aus der Statistik unser« eigenen Schlußfolgerungen zu ziehen. Fest steht, daß z. B. die Säuglings st erblichkeit durch einen Ausbau des sozlalpolttsschen Sonderschuges für Frauen sich noch herabmindern läßt. Trotz der verminderten Säuglinge- sterblichkeit in Deutschland sehen wir noch aus den Beispielen der nördlichen Länder und Amerikas, daß die Durchschnittszisfer noch zu vermindern ist. Ich erinnere an Artikel 157 der Reichsverfassung: Die Arbeitskraft steht unter dem besonderen Schutz des Reiches. Nicht so sehr aus Gründen der Bevölkerungsoermehruna, aber aus denen allgemeiner Menschenökonomie müssen wir uns mit den Vor- schlügen Groljohns und anderer beschästigen. Die Modernisierung unseres bürgerlichen Rechtes, die Ueberorbeitung aller veralteten Ge- setz«, die mittlerweil« lebensfremd geworden sind, sind nur denkbor unter einer vollkommen wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frauen, auch der verheirateten. Die Reform des Eherechles aber hängt auf das engste mit dieser Selbständigkeit zusammen. Der Ausbau unserer Sozialpolitik in der Richtung der Erotjahnschen Vorschläge würde ganz unbedingt neben dem gewollten Schutz des Volkslebens«in« Berücksichtigung der wirtschafUichei, Sclbständigteit der Frau zur Folg« haben. Das politische Interesse der Frauen zu der Gesetzgebung kon- zentrier, sich, ohne Vernachlässigung der allgemeinen Polizit, stark auf die Gcsetzezmaterien, die sich aus der Fräuenerwerbearbett und ihrer sozialen Begleiterscheinungen:„Mütter, und Lindernot' ergeben.(Großer Beifall.) Di« Aussprache wird aus Freitag vormittag vertagt. Oer Bericht der Internationale. Es folgt nun der Bericht über die Internationale. Ariur Crispien schildert zunächst an reichem Zahlenmaterial di« gewaltige Um- wäl.zung in der Weltwirtschaft, die s«it dem Kriege eingetreten ist. Di« Vereinigten Staaten von Nordamerika sind jetzt dt« Gläubiger von 40 Staaten. Das Industrie, und Finanzkapital hat sich in Amerika gewaltig entwickett und ihm steht«ine nennenswerte sozialistisch« Arbeiterbewegung nicht gegenüber. Umgekehrt ist In den Ländern, in denen die Sozialistische Arbett«rinteri,ationale die stärksten Organisationen besitzt, die Wirtschaftskrast im Verhältnis zu der vor dem Krieg« gesunken, selbst in dem Siegerstaat England. Zu diesen wirtschastlichen Schwierigkeiten des Wirkens der International« kommt«ine Füll« politischer Schwierigkeiten, di« gewallsamen Friedensverträge, di« Konflikt« und di« Bündnisse. lttl» Gesamlergebnl» der Entwicklung ist festzustellen, daß der Kapitalismus sich wirtschaftlich erholt hat und angrifsslustiger geworden ist. Um so blödsinniger die bolschewistische Taktik, die so eingestellt ist. ata wären wir dicht vor oder Millen ln der wellrevolulion und dadurch die Arbeiter in sichere Niederlagen siihrl. E« sei nur an den englischen Generalstreik und an China«rttmertl Bei allen diesen Schwierigkeiten dürfen die günstigen Faktor«« nicht übersehen werden. Es sind neue Republiken entstanden, es find in«rweitertem Umfange die Frauen als Mitkämpferinnen gewonnen, es sind wertvolle neue so zia i p ol it i f ch e Errungenschaften durchgesetzt. In den ollen kapitalistischen Staaten ist trotz aller Widerstände der Sozialismus der Macht nähergekomm««. Der Kapitalismus Hot sich organisiert. An Stelle de? Privatinteresses ist das Interesse für die erstarkten großen Wirtschaftsgebiet« getreten. Auch der Arbetter ist in der Wirtschaft nicht mehr der rechtlose Proletarier von früher, der Spielball blinder Wirtschaftsträft«. Er erreicht mehr und mehr eine gewiss« Lebens- sichcrung. Diese groß« wirtschaftliche Revolution wird auch von den bürgerlichen Gelehrten unumwunden anerkannt. Es kommt hinzu die Industrialisierung der Agrarländer, die rasch« Fortschritte macht. In diesem Zusammenhang muß vor den Illusionen der Kolonialpolitlk dringend gewarnt werden. In den deutschen Kolonien hoben vor dem Kriege insge- samt 5400 Weiße gelebt, aber diese Kolonien hoben allein in den letzten �«hn Iahren vor dem Kriege 1,8 Milliarden gekostet. Ratür- lich müssen im Ansvruch auf Koloniolmandat« all« Länder gleichberechtigt sein, aber die Internationale fordert nicht die Auslieferung der Mandate an die einzelnen Staaten, sondern ihre Verwaltung durch den Völkerbund. Die International« hat sich auch mit der Rolle der Lauern im proletarischen Befreiungskampf beschäftigt. Rußland und auf der anderen Seite Dänemark zeigen die ungeheure Macht der Bauernschaft und beweisen, daß ohne die Dauern die Befreiung der gesellschafMche« Arbeil nicht herbeizuführen ist. Radio, Auto und Kino haben den Bauern au» seiner Abge- schlossenheit befreit und den Sozialisten di« Aufklärungsarbeit erleichtert. In der Frage der Abrüstung und Friedenssicherung hat di« Internationale starke Aktivität entfaltet. Ich erinnere nur an ihre Deputationen an den Völkerbund. Natürlich muß der Hauptangriffspimkt ihrer Tätigkeit in d e n Ländern liegen, in denen aufgerüstet wird. Im übrigen kommt es für die Friedenssicherung viel weniger auf di« einzelnen Formulierungen an ol, vielmehr auf inkernallonal« Kontrolle der Kartelle und Trust» und inier- nationale Derlellnug der Rohstoffe, mit einem Wort auf di« Organisierung der Weltwirtschaft. Mit lebhafter Sympathie oerfolgt die Internationale den Kampf der Arbeiter in den Ländern ohne Demokratie. Neuerding» sind in Jugoslawien und in Litauen die Arbeiterparteien aufgelöst und werden verfolgt. Die International« hilft ihnen, weu nur«in gleichmäßiges Fortschreiten der Bewegung di« International« wirklich vorwärts bringt. Wir ver- missen di« Hilfe des amerikanischen Proletariats. Das amerikanisch« Kapital ist dem europäischen Kapital zu Hilfe gekommen und hat es wieder aufgebaut. Aber endlich müsse« auch dl« amerikanischen Arbeiter begreifen, daß sie ihre Lebenshaltung nicht isoliert verteidigen können. Auch die Proletarier In Rußland und Ehina dürfen in ihrem Kampf um die Freiheit nicht erlahmen. Auch in Ruhland kann der Kampf für die proletarische Befreiung erst beginnen, wenn das Proletariat politische Rechte hat. Die Arbeiter Europa» müssen die Spaltungen überwinden und sich fester mit der Sozialdemokratie oerbinden, der einzigen beruseuen verireinng der Arbeiierklass«. Ich schließe mit den Worten des Brüsseler Einigungsmanifestes: Die Spaltung de» Proletariats schwächt seine Kräfte, die E i n i- gung der Arbeiterklasse wird ihr einen neuen Antrieb geben in ihrem Kampf für den Frieden und die Freiheit. Durch die Einigung zum Siege über Imperialismus und Kapitalismus, durch die Einigung der Arbetter aller Länder zum Sozialismus! (Lebhafter Beifall.) Der Parteitag beschließt, über da» Referat Crispien» nicht zu diskutieren. Die Krau in Politik und Wirtschast. Nach dem Referat von Crispien nahm der Parteitag das Reierat über das Problem„Die Frau in der Politik und Wirt- fchaft' entgegen. Marie Zuchaez: Es gilt zu prüfen, welche bewußte Einstellung die heutige Frau ganz allgemein zur Politik hat. in welcher Art ihr politisches Denken und Fühlen von äußeren Lebensumständen, von allgemeinen geisti- gen Strömungen, von der sozialen Struktur unti vom Wirtschafts- leben beeinflußt wird. Viel Bekanntes muß immer wieder von neuem gesagt werden. Die aller« sozialistische Literatur, Bebels „Frau', Lilln B auns„-iiauensroge', bringt uns im Vergleich mst der neueren statistischen Literatur immer wieder zu der Erkenntnis: Das Entscheidend« in der Fraueensratze war und ist die wirtschaftliche Lag« der Frau. � Urteil«, die das ignorieren würden, find Fehl- schlüsse. Die neuere Statistik bietet uns ein« gute Uebersichisiitögiich- kett: Zirka 11,5 Millionen erwerbstätiger Frauen in einem 82-Millionen-Bolk. Diese Zahl demonstriert die volkswirtschastliche Bedeutung der Frauenarbeit. Die Arbeit der Frau ist im Laben der Bölker immer ein« Notwendigkeft gewesen. Sie kann gar nicht entbehrt werden. Sie ist nur Umwandlungen unterworfen, di« von den Uniwandlungen der Wirtschaft abhängig sind. Der Charakter der Frauenarbeit muß in den Zeiten der Geld- Wirtschaft anders fein als in den Zeiten der Naturalwirtschaft. Di« Frauenerwerbsarbeit ist sür uns ein valkswirtschasttiches und sozio- logisches Problem. Lilly Braun sagt: Dl« Arbeit, die Befreierin dts W-ib«?1 Welcher Mensch, de? heute die Arbeit der Proletarierin betrachtet, siebt m'cht viel mehr in ihr eine Sklavenkett«, schwerer, einschneidender als die irgsndeines Galesrensträftings? Es sind di« Arbeitsbedingungen, die sie dazu gestalten! Di« Arbeftsbedinaungen der Neuzeit haben den tiefen Konflikt zwischen Berus und Mutterschaft in da? Leben der Frau gebracht. Di« Frauenberussfrag« ist die«treibe r-de Kraft der Frauenbewegung. In erster Linie vom Standpunkt der Existenz aus. sie bedeutet aber auch Lebensinhalt für die Frau. Die spezialisierte Derufszöhlung von 1325 erfaßt auch die Ehefrauen ohne Hauptberuf. Wir können feststellen: erstens«in andauerndes Anwachsen der Industrie: zwei- tens eine Zunahme der Erwerbstätigen überhaupt(stärkere Prole- taristerung): drittens eine im Verhältnis zur Zunahme der erwerbs- tätigen Männer gesteigerte Zunahm« der Frauenerwsrbsarbeit. Ein Charakteristikum der Volkszählung von 1307 war gegen irühsr der Ausgleich im Frauenüberschuß gegenüber den Männerziffern. Di« danach noch überzäliligen Frauen, etwa% Millionen, konzentrierten sich auf ältere Jahresklassen. Der Ausgleich ersolgte durch die Abnahm« der männlichen Abwanderungen. Es hing zu- lammen mit der beispiellosen Wirtschaftsentwicklung der Borkriegs- «poche. Der Krieg hat den Ablauf der Bevölkerungsverteilung unterbrochen und umgekehrt. 1325 standen den SO Millionen Männern mehr als 32 Millionen Frauen gegenüber. Der Ueber- schuß verteilt sich auf das mittlere Lebensalter. Während des Krieges arbeiteten di« Frauen In der Landwirt. fchaft und in der Industrie, auch dort, wo vorher ausgesprochene Männerarbeit geleistet wurde. Im Bergbau, in der Schweriichustrie, im Maschinenbau, im Eisenbahndienst. Dies« Zeit ist Episode ge- blieben. Aus amllichen Akten ist festgestellt, daß in keinem anderen der kriegführenden Staaten die Arbeit der Frauen und Jugendlichen so stark gebraucht worden ist. wie in Deutschland. Allen anderen stand die amerikanische Wirtschaft zur Verfügung. Die Irauenerwerbsarbeit. In Industrie und Handel ha» sich 1325 die absolut und relativ stärkst« Zunahm« der weiblichen Arbetter ergeben. Trotzdem wäre e» falsch, di« gesamte Zifser von 11)4 Millionen erwerbstätiger Frauen dem Proletariat zuzurechnen. Wir finden unter den mit- helfenden Familienangehörigen einen großen Teil von Ehefrauen, die ihrem Mann in der bäuerlichen Wirtschaft, im eigenen Gewerbebetrieb und im eigene n Handels- geschält helfen. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der Haus- angestellten abgenommen hat. Es gib: in der Kategorie der häus- lichen Dienste 1 300 000 Frauen gegenüber nur 15 000 Männer. Sie 5reiiag 31. Mai 1929 Unterhaltung unö Aötssen Beilage des Vorwärts Auf Arbeit in 1. Phosphorhölzchen. Kaum, 606 Vr Tag anbrach, erhob«» sich di« Schläfer des Chotiner Nachtasyls. Der all« Lautenspieier und der deutsche Ar. beiter Math? verlicsi«» den dumpfen Raum. Sie suchten«in« Schenke auf und bestellten Tee. Nachdem der Lautenspieler das erste Glas des heißen Getränke» geleert hatte, sagt« er: „ErHofs dir tn diesem Land« nichts von der Barmherzigkelt der Leute, sondern denk an den Spruch:„Der Satt« glaubt nicht dem Hungrigen!" Leb von trockenem Brot und von Zwiebeln, wenn dein Geld für mehr nicht langt, sonst werden sie, wenn du keine Arbeit findest, di« Schergen gegen dich hetzen." „Ich will gerne arbeiten," erwidert« Math».„Wenn ich nur was rechtes finde." „Nimm jede Arbeit, di« sich dir bietet," fuhr der Alt« fort, „sonst kann es dir schlecht ergehen." „Höre, Väterchen," versetzt« Mach? nach einer Welle.„Man sagt, daß es in der hiesigen Zündhölzchen sadrik Arbeit gibt." „Meinetwegen versuch es dort." meinte der Lautenspieler.„Du wirst e» aber nicht lang« in der Gistbude aushalten." Sie erhoben sich und nahmen an der nächsten Straßenecke Ab. schisd voneinander. Der Alte humpelte davon, wahrend Machs seinen Weg zur Fabrik nahm. „Gibt es hier Arbeit für mich?" fragte er, als er dem Werk- sührer, einem ungeschlachten Gesellen, gegenüberstand. „Man kann es ja mit dir versuchen," brummt« der Werkführer mürrisch. Er führt« Math? in den Arbcitssaal und wies ihm seinen Platz an. An langen, rohgezimmerten Tischen saßen einig« Dutzend Jammergestalten beiderlei Geschlechtes in jugendlichem Alter, tief über ihr« Arbeit gebückt. Fast oll« waren blaß, abgezehrt und hohl- wangig. Die meisten hatten das Gesicht mit einem Tuch verbunden und es sah aus, als wenn in der Fabrik«ine Zahnschmerzepidvnie ausgebrochen wäre. Manch« gössen den flüssigen Schwefel in kleine Pfannen, andere tauchten Holzstäbchen in die Masi«, während einig« Mädchen di« Schachteln klebten und mit einer Flüssigkeit bestrichen. Di« Fabrik war in einer alten Ziegelbaracke untergebracht und der Wind blies aus allen Ecken herein. Machs verspürte den scharj beißenden Geruch des Phosphors in allen Gliedern. Wie ein Sturm- wind durchrast« von Zeit zu Zell der Werkführer, mit wild rollen- den Augen, den Saal. Ihm entging kein« Unachtsamkeit, kein ge- flüsterte» Wort. Bei seinem Erscheinen beugten die Arbeiter noch tiefer ihr« Rücken, und ihr« Gesichter erschienen noch lebloser. Sie schienen hier jede» Denken und Fühlen verlernt zu haben und ver- richteten mechanisch chre Arbeit. An einem der nöchsten Tage fand Maths in der Mittagspause Gelegenhell, mit einem intelligenteren Kameraden ins Gespräch zu kommen und fragt« ihn über die Berhältniss« aus. „Es ist di« schrecklichst« Arbeit, die ich kenne," meinte der jung« Mensch. JS* wird keiner, der dabei bleibt, all. Mit dem Ausfallen de? Zahn« fängt es am" „Warum bleibt ihr in dieser Hölle?" fragt« Math». „Wir haben ksine ander« Wohl. Es ist die einzige Fabrik im Umkreise, und der Boden gehört den Großgrundbesitzern," ent- gegnet« der Arbeiter traurig, und sein müder Blick erinnert« an ein zu Tod« gehetztes Tier. Maths faßt« den Entschluß, sich so schnell als möglich davon- zumachen. 2. Als Straßenarbeiter. Math» machte sich auf die Wanderschaft. Bald hörte er, daß einig« Meilen westwärts eine Berkshrs- straße gebaut werden sollte und Arbeiter angeworben würden. Er nahm seinen Weg dorthin. Biel« Kilometer well standen hundert« Menschen im Kampfe mit dem Schutt und Schlamm. Maths wurde angeworben. Erde schaufeln, volle Karren Schutt und Stein« schleppen, war jetzt sein« Tätigkeit Tag für Tag. Ost war die Erde ausgeweicht und man steckte bis zu den Knien im Schlamm. Am Feierabend blieben einig« deutsch« Arbeiter bei- sammen. Sie sprachen von der Heimat oder erzählten von ihren Erlebnissen auf der Wanderschaft. Da war ein lustiger Bursche, der den Spitznamen„Goldfinger" führt«. Er wußte immer etwa» zu erzählen. Manchmal sang er wehmütige Lieder. Ein anderer, der kurzweg„der Bayer" genannt wurde, hatte eine Ziehharmonika, der er rührend« Tön« zu«nt- locken verstand. Wenn„Goldfinger" sang und ihn„der Bayer" mit ferner Harmonika begleitete, waren all« ergriffen. „Weiß Gott, Brüder, mir wird bei diesen Liedern so schwer um» Herz," sagte eines Abends ein alter Arbeiter, der den Namen „Großoäterchen" führte.„Ich muß jetzt sa oft an meine Heimat denken." „3ch dachte in der Fern« mein Glück zu machen," versetzt« „Goldfinger" mit einem Seufzer. „Unsere Heimat hatte kein Brot für uns," bemerkt«„der Bayer". Wenn die mondhellen Nächte kamen, hall« keiner Lust, sein Lager aufzusuchen, und und oft saß man beisammen, bis da» Früh- rot am Himmel erschien. Nach mehreren Monaten kam ein Umveller, und der Dniester trat aus seinen Ufern. Bald stand die ganz« Gegend unter Wasser. Auch ein großes Stück der neuen Straße war überschwemmt, und an eine W«iterarbell war vorläufig nicht zu denken. Den größten Teil de? Tage» saßen di« Arbeiter beisammen und führten lang« Gespräche, während draußen das Wasser schaurig irnd eintönig fleh. „Wie lange das wohl noch dauern wird," meinte einer, sich vor Kälte schüttelnd. „Alles Wasler und Sumpf. Man kann keinen Fuß hinaus- setzen," bemerkt«„GoldUnger". Eines Morgens kam„der Bayer" übelgelaunt!n die Kantine. „Lch lag die ganze Nacht wie unter einer Braus«." rief er aus. „Tropt, tropf ging es tmmersort auf meinen Kopf und meinen Korper. Ich schleppte meinen Strohsack durch dl« ganze Baracke, aber überall tropfte es." „Auch mir erging es nicht anders," rief„Goldfinger". .„Hol mich der Teufel, wenn ich es noch lange aushakte," logt« »der Bayer" unwillig. Nach«Inigen lagen verlief sich das Wasser, vi« Sonne schien wieder und bald darauf konnte man an die Arbell gehen. Die Ar- beiter langen wieder, und es herrschte lustige Geschäftigkeit. Als der Sommer vorüberging, sagte Jhz Bayer" eine» Tag«»:„Nun will ich das Well« suchen." JSt hat recht." rief„Goldfinger". Erst wentt die Herbstflut kommt, Brüder, dann gut« Nacht. Dann wird man kein« fünf Schrill« gehen können." „So ist es," bemerkt«„Großväterchen'.„Dann werden wir schwimmen." All« deutschen Arbeiter rüsteten sich zum Fortgehen. 3. Oer Lautenspieler. In Akjermann sah Math»«inen allen Lautenspieler vor einer Kapell« sitzen, der gar wehmütige Liedchen sang und di« Herzen seiner Zuhörer zu Tränen rührt«. Er blieb stehen und lauschte dem Gesang. Als er den Lautenspieler genauer betrachtet«, fiel Ihm di« große Aehnlichkeit des Mannes mll dem Alten, der einst sein Schlaskamerad im Nachtasyl gewesen war, auf. Der Lauten- spieler schien blind zu sein, denn sein« beiden Augen waren fest geschlossen. „Der Alte muß sein Augenlicht verloren haben," sagt« sich Maths. Er wartet«, bis sich di« Leute verlaufen hatten. Dann näherte er sich dem Alten und rief ihm zu:„Erkennst du mich, Väterchen?" „Wie kann ich das, mein Bester," erwidert« der Lautenspieler. „Seitdem mir Gott mein Augenlicht genommen hat, kann ich einen Menschen nur an seiner Stimm« erkennen, und die Eurige scheint nach jung zu sein." Hieraus blinzelte er mit dem rechten Auge, öffnete es rasch und sah vorsichtig um sich. „Ich erkannte dich sofort, junger Freund," flüsterte er.„Ist auch niemand in der Nähe, der un» hören kann?" Als ihn Math» beruhigte, fuhr der Alte fort:„Da du auf den Trick, dem ich mein Brot verdank«, gekommen bist, so kannst du daraus lernen, daß man den menschlichen Schwächen Rechnung tragen muß. wenn man seinen Borteil haben will. Ich muß mich blind stellen. Nur so kann ich das Mitleid der Leute wecken. Wenn sie wüßten, daß ich gesunde Augen habe, würden sie achtlos an mir vorbeigehen." Ein Bauernpaar nähert« sich. Rasch schloß der Alte beide Augen und sagt« sein Sprüchlein auf. Der Bauer trat zu ihm und sprach, sich zu seinem Ohr ncigeich:„Bete für mein Vieh, für die Ernte, für mein« zwei Kinderchen und für den ganzen Hausstand." Dabei ließ«r einige Lei in den Hut des Alten fallen, der so- fort die Gebete zu murmeln begann. Alz sich das Paar entfernt hall«, sagt« der Alt«:„Lerne di« Menschen erkennen, und deine Wünsch« werden in Erfüllung gehen. Zeig« den Menschen nie dein wahres Gesicht, sondern gib dich immer so, wie sie es gern« sehen." Maths kauerte sich vor dem Lautenspieler nieder und hörte schweigend aus sein« Lehren, doch bald kam zuviel Volk de» Wege». Sa nahm er?lbschi«d von dem Alten und setzte seinen Weg fort. Hermann Blumenthal. #«l hoher Blutdruck gefährlich? Nachdem vor etwa einem halben Jahrhundert di« ersten Ver- fahren für di« Blllldruckmessung biini Menschen angegeben waren, ist dies« Untersuchungsmethode jetzt in die täglich« Tätigkell des Arztes eingeführt. Ja, auch der Laie beschäsiigt sich mll seinem Blutdruck und macht sich manche unnötigen Sorgen. So ist z. B. die Meinung verbreitet, wer erhöhten Blutdruck habe, leide an Arterienverkalkung. Diese Ansicht ist aber durchaus unrichtig, wie Dr. Engelen in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" ausführt. Die Blutdruckerhöhung tanN allerdings auf Arterisnoerkaltung beruhen. wenn nämlich die kleinsten Wege des Schlagadernetzes verengt sind und der Widerstand nur durch einen hohen Druck zu überwinden ist. Aber dies muß durchaus nicht der Fall sein, vielmehr kann auch durch«in« nervöse Spannung der Gefäß« dl« Erschwerung der Strömung und Erhöhung des Blutdrucks hervorgerufen werden, und es sind manchmal rasch vorübergehende Erregungszustände, die di« Ursache der Blutdruckerhöhung sind. Ein hoher Blutdruck braucht also keinesweg» zu bedeuten, daß der Betreffende«in„Todes- kandidat" sei. Um die Bedeutung de» Blutdruck» für die Gesundheit zu ver- stehen, muh man sich erst über seine organisch« Entstehung klar werden. Die Schlagodern unseres Körpers umspannen ihren Inhalt, die Blutsäul«, unter Anwendung eines bestimmien Druckes, der sich im Derlauf jeder Pulswelle ändert. Da« Herz wirft nämlich bei jeder Zusammenziehung eine bestimmte Blutmeng« in das Röhrennetz der Schlagadern, deren Wände dadurch stärker gespannt werden. Der Blutdruck zeigt infolgedessen ständige Hebungen und Senkungen zwischen Mindest- und Höchstdruck. Es gibt also keinen gleichmäßigen Blutdruck, und was wir als„den" Blutdruck de- zeichnen, ist der höchst« Druck, der dem Gipfel der Pul-wclle ent- spricht und an der Messungsstell« nachweisbar ist. Räch den neuesten Feststellungen ist der normale Blutdruck des Menschen etwa» höhv. als man bisher angenommen: er beträgt etwa ZS Zentimeter Quecksilber, was einer Wassersäule von etwa L Meter Höhe entspricht. Ein zu hoher Blutdruck bedeutet zwar kein „Todesurteil", wie mäncher glaubt, kann ober doch immerhin ein Wanumgszeichen sein, das eine bestimmte Lebensführung angezeigt erscheinen läßt. Menschen mit hohem Blutdruck sollten sich mit einfacher und möglichst knapp bemessener Kost begnügen und vor allem Im Genuß des Vieres vorsichtig sein. Der Alkohol an und für sich steigert nicht den Blutdruck, sondern wirkt sogar bei übermäßiger Gefäßsponnung lösend. Eine Blutdrucksteigerung wird aber durch Nikotin und Koffein hervorgerufen, so daß man das Rauch«,» und das Trinken von starkem Kaffee oder Tee möglichst einschränken, ja in schweren Fällen ganz einstellen soll. Ebenso sind geistige Er» regungen aller Art sowie plötzlich« große Anstrengungen zu ver- meiden. Häufige lauwarm« Bäder sind sehr wohltuend. Di« wichtigst» Vorschrift ist: Ruh«, ein ruhiges Tempo der Arbeit. ruhige Erholung und ausgiebiger Schlaf. Sven ZeUerHriim: MÖrperkullUr Ich erwacht« früh am Morgen, die Sonne schien durchs Fenster herein, die Elektrischen ratterten unten auf der Straße und ich füllte mich ganz wie ein moderner Mensch in unserer modernen Zeit. Iuhu! Ich warf di« Schlafdecke ab, wie ich es die Leute im Mlm hatte tun sehen, streckt« den linken Fuß aus, so daß er an das Grammophon herankonnte, das neben meinem Bell stand, und stocherte es mit dem kleinen Zeh in Gang. Es spielte ein« Plall« Turnübungen. Ich konnte di« Kommandowort« deutlich verstehen und solgt« diesen mit Arm- und Veinübungen im Bett. Ein er- frischendes Gefühl— ach, wie wunderbar, in dieser elastischen Zeit zu leben! Ich sprang aus dem Bett und goß mir eine Waschschüssel voll Wasser über den Kopf, wie ich es Holzhauer in Wildwest-FUmen hatte tun sehen. Dann reckte ich mich und atmet« ties. Ein neuer Tag strahlt« mir entgegen, und ich lächelte. Den Vorhang zur Seit«, das Fenster aus! Was für«in« herrliche, ft-isch« Kühl«! Dann klingelt« ich nach dem Mädchen und sagt«: � „Bringen Sie mir, bitte,«in Glas Wasserl" Sit verschwand mll elnem Morgenlächeln, und ich fing an zu turnen mit Kniebeugen und Hüpfen. Es knackt« mir in den Gliedern, aber das sollte es gerade. Dann trank ich das Wasser au». Nicht in einem Zuge, sondern schluckweise, wie es mich die Sportzeitung gelehrt hatte. Jetzt begann ich an Ort zu laufen. Es galt, außer Atem zu kommen und all« schlecht« Luft herauszupumpen, die sich in meinen Lungen angesammall hatte. Und als ich das zwei Minuten getan hatte, klingelte ich wieder nach dem Mädchen. „Bitte mein Karlsbader Wasserl" sagte ich. Denn ich wußte, daß dies für den Magen gut war. Ich schlürfte das Wasser während eines strammen Marsches «in und stellte das Glas mll jener plastischen Bewegung fort, di« mir das Mensendicken beigebracht hat, und begann mit dem Rumpf- rollen. Diese Uebung halte ich mit einer saugenden Kraft heraus, und ich war überzeugt, daß sie ihre Wirkung nicht verlehlen würde, und darauf fing ich mit dem Arml)eben auf dem Fußboden an. Zwanzigmal wiederholte ich dies« Bewegung heute, gestern konnte ich sie nur achtzehnmal. Jetzt mußte mein Magen doch in Gang gekommen sein, um etwas verdauen zu können. Ich klingelte wieder nach dem frölstich lächelnden Mädchen und sagte: „Bringen Sie mir bllte mein« Feige in einem Glas Wasser!" Ich verzehrt« sie, ohne die Kern« zu entfernen, m ganz kleinen Bissen, di« ich sehr gründlich kaute. Dann begann ich meinen Dauer- lauf um den Tisch herum, fuhr mll dem Muskelstrecker, diesem lieben Morgenkameraden, fort und ging allmählich zum Punkt- roller über, der mir stets so wohl tut. Jetzt war nur noch sehr wenig übrig, das Abreiben, jener fröhlich« Gesang de» M argen turnens, das den ganzen Tag meiner Laune seinen Stempel aufdrücken sollt«, und da» Rasieren. Ich«r- füllt« das Programm, kurz, prSzile und bestimmt und klingelt« dann nach dem Mädchen. „Bringen Sie mir bitte mein Fruchtsalz," sagte ich. Ich schüttete das Puloer ins Wasser, oder vielmehr umgekehrt, ließ es ausbrausen und trank da» herrlich«, morgensrische Getränk. Dann fing ich an. mich nach dem System anzuziehen, das«in ameri- kanifcher Gelehrter erfunden hat. Es ging alles gut. und als ich fertig war. klopfte es an der Tür. Es war das Mädchen, das fragte: „Darf ich jetzt den Haferschleim bringen?" Den hall« ich beinah« vergessen. Ich erhielt die rauchend« Tasse, rührt« mit einem Lössel darin herum und trank vorsichtig, denn da» Zeug war heiß. Als ich fertig war, überkam mich«in sanderbares Gefühl. Ich fühlte mich müde und schlapp, fast trage, und«he ich mich versah, ball« ich mich, angezogen wie ich war. aufs Bell geworfen und die Weckeruhr auf zwölf gestellt. Ich habe keine Ahnung weshalb. Kann irgendeine Größe des Sports oder Leibesübung einem armen Erfolglosen noch einen Rat geben? Ich glaube, mit einem neuen Getränk ist es Nicht getan! kreutsch von A. Av-nstruv und 8. St«llrt.) WaMkampf vor 2000 fahren Di« jüngsten Ausgrabungen in Pompeji haben den Beweis er- bracht, daß di« römisch« Billenstodt mitten im Wahlkamps für den Gemeinderat stand, als sie von dem Ausbruch des Vesuvs überrascht und verschüttet wurde. Die Wohlmethoden glichen fast ganz den heute üblichen, so sonderbor das auch scheinen mag. mll der selbstverständlichen Einschränkung, daß den Römern Papier mtd Druckverfahren unbekannte Dinge waren. Dennoch sind die Häuser- fronten der jetzt freigelegten Straßen mit Wahlplakaten bedeckt, die unseren Wahlaufrufen auf ein Haar gleichen. Den Plökatverbrai- lern Pompejis blieb freilich eine ungleich schwerere Arbeit zu tun als ihren modernen Nachsahren. Zunächst kam es daraus an, sich «inen Platz auf der Mauer zu sichern. War dies geschehen so trat der„Albator", der Wvißwöscher, in Funktion. Er grundierte die weiß« Fläche, di« für da» Wahlplakot an der Mauer auserwählt mar. Nach ibm kam der„Scriptor", der Schreiber, dem bei feinem Werk der„Latsrnarius", der Leuchtenträger, helfen mußte, damit er auch in der Nacht feine Tätigkeit ausüben konnte. Die Empfsh- lungen der Kandidaten auf den Plakaten zeichnen sich zumeist durch ihre drastische Fassung'aus So liest man auf einem:„Stimmt für Manfa. Er war niemals betrunken." Ein anderes Plakat rühmt, daß„Julius Flavius Sabinus ein weißes Schaf tn einer schwarzen Herde ist."„Wenn ihr gutes Brot haben wallt, so wäblt Gracchus Frisius," heißt es auf einem anderen. Obg'eich die Frauen kein Stimmrecht hatten, spielten sie doch im Wahlkamps eine wichtig« Roll«. Da» scheint besonder» bei einer gewissen Asil- lina der Fall gewesen zu sein, dl« ein Plakat mit folgendem Inhalt unterzeichnete:„Asillina hofft, daß(ab« Frau ihren Gatten ver- anlassen wird, seine Stimm« dem Lucius Secundus zu gebm." Aus einem anderen liest man:„Die Kandidatur des Lucius Tirrsmi« wird von seiner treuen Großmutter warm empkohlen." Und ein .Flapper" au« jener längst vergangenen Zell erläßt eine die Wahl von Julius Politlus empfehlende Ankündigung, in der die Dam« rühmt, daß der Kandidat so lchön wie Apollo sei. Die Insclwiimn sind so frisch«chatten, als wären sie eben erst auf die Mauer a«. pinselt. Das ist der Lava zu danken, di« die Plakaie luftdicht äb- schlaß. Sport. Rennen gu Grunewald am Dotmerafag, dem Ä. Mal. -i ff?«***>•«* /T*\ t?R#r VkilamidkS CD. SdjmiW) gin» allein über die vaim S. Wanderer. 3, Jronlsoldat. ichte Lsadell, 1. Rennen. 2. Rennen. Z. Cocktail tAnderlei, Totoi: 10. Piatz:>7. 13. 15:1". iZerniN liefen: Vafall. Leii� TreboninS. Alter Sihltifi. Parade. Per», P.Mtytbnbfri, Sturinbrant. 3. Rennen. 1. Allane iP liitbroln), 2. Tlolore«, 3. Laute. Toto: 235: 10. Pl-Iiz: 33, 17. 22:1"! ferner liefen: Dynail,> Senner. Comptendorf, Sunte Welt. DiaS. Arfinoe. TiH. 4.?l e n n e n. 1. Aollator(Ztaudingeri.» S. Eurda. 3. Augendiener. Toto: 107:10. Platz: 31.' 23, 37: 10. Ferner iliefen: NadameZ, Mantezna, Sophist, Fer aut feri. Hauptmann, Mlma, Damion, Polydor, Rofenlippe. 5. Nennen. 1. Äadonnn d'Arczzo lGoadfch). 2. Fides. 3. Edu. Toto: 226:10. Platz: 39.14, 22:10. Fernrr�iejen: Tarqu. Superbus, Mont Tore, Ariovist, Perstaner. Delifee, Friedrichllhaien. Walhall, Majesta, Macchetia. 6. Rennen. 1. Slditn« lO. Schmidt), 2. Cdnlurent, Z. Feldjllqer. Toto: 86:10. Platz: 16, 24. 13:10. Ferner liefen: Noreitz, Scipio, SUber« safan. Postmeister, Tiber. 7. R e n n c n. 1. Ruiria.sZedmi'ch),?. CiSIZufer) S. Kriland. Toto: 46: 10. Platz: 15, 27, 23: 10. Ferner liefen: 2lllerwe!t«m5del. Si lkönig IT, Hamid, Türlenbund, Tannenserg, Norge, Smaragd. partsinachM?iLnMMsürGroß-Berlin «iasendungen für dies« RabrU flnd'U,��� stet,««zlrf»sekret»rlat verlt» S® 68. ClabtaitcoSe 3, 2. Hof, 2 T0e»pea recht», zu richten. I. fltei« ttrenzberg. Leuie. Frei tag. 81. Mai. 19H Uhr. bei Stabe, Fichte. st raste 29. Aommunalvolitiscke, Loriragorride für Funkstonär». Kommur.ale Romaiissionen, Arbeitrriroblialirt und alle in der. ZSohIsahrtsoNeze tStigen Parteimitglieder. Hie. Cienolsen Stadtrat Zachow und Dr. Echloh sprechen über„Mohliabrt und Jugendpflege". «.«frei»»iveni«. 5-~ r_. chesunddeiteamtes tdenossen Dr. Korach. Treflpunkt 17Vi llSr.. und cheler.ikranlbeiten. Es.crowalder ecke Echwrdter Strastc iehemaliger exeriierplatz). Nachzügler»bio IS Uhr an der gleichen Ttelle. Morgen. Sonnabend, l. Juni: «f.«St. NeutlH«. Pünktlich V Uhr holen die»«irk-ftihrer»der deren Stellvertreter wichtiges Matarial ad ron Keil, Prinz-HanbierrnEtr. 38. Jungsoziaiisisn. chrvpp» Pohnedors: Eonnabend.<1. Zun:, Fahrt nach ckhorin. Tresspunkt ZÜnktlia) sm Udr Bahnhof ffiriineuT Säste willkommen. Erupp« SSwneberg: Heute, FreU»«, 31. Mai. 20 Uhr. im Zugendheim Houvtsir. 1Z. Echwabenlandzimmer, Bericht von der Relchotonferenz t» Hannover. Srnppo Süden: Sonnabend, 1. Zucht. Fahrt nach Pernau— Bogense«. Treff, mink» 15Vi Uhr Siettiner Porortdahnjhoi', Sonntag 8 Uhr Stettin«! Porort. dahnhoi. chrnppr«eddl»g�es»ndbr»»nen: Keuie, Freitag, M. Mai, S8 Uhr, Zu- fammenkunst im Jugendheim Orthstr.ch». »4. Qcktung, Parteiveteranen!! Alle Genoalnnen and Geoosten, die vor and vlhrend des SoslaUsieniteictse* für die Partei tlltig waren, werden mit ihren Angehörigen za der morgen, Sonnabend, den 1. Juni, 19 Uhr Im Saal 4 des Gewerkidiafishaases, Engelufer 24/28.«lattilndenden Zosammenkontt hcrzüdui eingeladen, I. A.i W. GrflndeL S». Slbt. Unser Tei'.osse Ernst St» u, Kochstr. 81. ist am 38. Mai oerstorben. Ehr« seinem tzlndenken! Einäscherung heut«, Freitag. 81. Mai, 18 Udr. im Krematorium Kerichtstraße.— Unsere Scnosstn Anna Finte, Hollesches Ufer 7—8, verstarb an den Falgen eines Unfalles. Einäscherung hat bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenken! S». Abt. Eharlotienburg. Am 20. Mai verstarb unser langjähriger Eenoffe Professor Dr. Hermann Mehner im Alter von 72 Iahren. Ehre seinem Andenken! S«. Abt. Neuköln. W.»ezirk. Unser langjähriger S-nosse. der Tischler Johann Nosentreter, H-rrfurthstr. 20, ist am 27, Mai verswrben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Sonnabend, 1. Juni, IZ?4 Uhr, im »rcmaiorium Baumsäzulcnweg. M Soz!aWscheArbetterjugendGr.'Verlm Einsendungen lüe die!« Pudett nur an da« Iugrndstsreiorlai Berlin SWS8. lMdenstraße> � Sterbetafel der Groß« Äerliner Partei- Organisation 12. Abt. Unser thenosse«mis R,» i n i s ch. Wiclefstr. S. sst»erstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Sonnabend, 1. Juni, IS Uhr, im Strematorstim isserichtttrast«. 2r>. Abt. Unser Estnosse Karl Sertzer. Elbipger Sir. 2, ist im Alter von 4? Jahren verstorben. Ehre seinem Andenkeiii Beisetzung am Freitag, 31, Mai, 13 Uhr. aus> dem St..che»rs«n.Friedhaf, Landsberger Str. 21. 18,10 M, fnicht IS MT. Achtung, Abteilungsleiter! Heute letzter Tag für Abgabe der Melde- und Sammellisten fiie Älien, ,Bald»:�.Fahr«;, 1. und 2. 5»oi. Sir treffen UN, morgen ISti Uhr«n Spandau, Linbenu.-rr. Henke. Freikag. 31. Mai. 19H Uhr: AÄanavlatz: Schule Elifabethkirchstr. IS, Mitgliederversammlung.— Köllnischer Part: Krim Saii-nstr 18. Lugrndpsncholvzie."— Siosenthaler Bs» fladt: Heim Zehden cker Str. 23,„Das bedeutet der Bölkerbund?"— Zeutrum: teim Landsberger Str. öS. Ritzliederversammlung.— Hansa: H«t« Bochumer trage 8d.»Alkohol und Nikotin."— Moabit I: Schule Walbenserftr. 20. »Buriche und Mädel in der DAI."— Mvabit II: Heim Lehrter Str. 1—18. .Politische Taaesfragen."—«rnswalder Platz: Heim Bastenburger Straste. Lichtbildcrabend.— Fatkplatz II: Schule Sonnenburger Str. 20.»Reichstags. sttzung."— Helmhaltzplatz: Heim Danziger Str. 82..National»der inter. national?"— Hoheuschöuhauseu: Heim Freienwalier Str. 8. �.Arbeiterjugend und Boikstanz."— Humannplatz: Heim Scherenbergstr. 7. Lichtbilder:»Das alte und neue Dien."— Sörther Platz! Schule Kastanieiiallee 82.»Sexuelle Fragen", 2. Teil.— Andrea, platz: Heim Brommvstr. 1.»Magdeburg."— Balienplatz: Heim Tilstter Str. 8.„Magdeburg."— Stralauer Pieztel- Heim Itzostlerstr. 81. Heimabend.— Darsckauee Picrtel: Heim Litauer Str. 18.»Der Parteitag."— War'chauer viertel, R. F.: Heim Litauer Str. 18. 10»Minuten. Neserate.— Seldneberg l: Heim Heuptstr. 15.»Arbeits, und Derufrfreudig- seit im kapitalistisäien Zeitalter."— llhartstteuburg: Heim Nostnenstr. 4. 10.Mini,ten.Zieierate.— Westend: Heim Slossnenstr. 4.»Magdeburg."— Mariendorf: Alte Schule. Dorsstr. 7..Magdeburg."— Britz II: Nathaus. schönhausen: Schule Plankenburge: Str. 70. 10-Minutcn.Refciatl. Betbebfjirt Neukölln: Im Saalbau Bergstrast« Lustiger Film- abend. Saalöffnung 1»?L Uhr. Beginn 20 llhe. Eintritt 5» Pf. verhebe, irt Pveuzlauer Berg: Morgen. Sonnabend, IS Ilhr pünktlich, ive Heim Danziger Str. 62, W.»B.»Funkt>llnäika»feren,. Henosse Stadtrat Fried» länder spricht über„Arbeiterjugend und Kommunalwahlen". Die Funktionäre müssen restlas erscheinen. Interessierte Genossinnen und Genossen können teil» nehmen.— Sonntag, 2. Juni, ist ein« geschlossene Beteiligung der Adteilunge» an der Dribeveranstaltung des Sporikartells nicht notwendig.— Am Donners- tag, 27. Juni, spricht der Genosse M. Sexdewitz. M. d. Ä., über»Arbeiter» jugend und Palilik." Die Abteilungen müsse» sich diesen Tag freihalten. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S l4. Sebastianstr. 87/88. Hol 2 Zr. Ortsverein Tiergarte»: Eannabend, 1. Juni, Beteiligung am a-ammerfest de» Pr. Palizeibeamtenverbandes in Carlshof. Sonn. tag, 2. Juni, 15 Uhr. Bhf. Bellevue, nach Potsdam. Pilichtveranstaltung aller Kameradschalien.(®. 1 und 33. 2 ,u derselben Zeit am Bhf. Zoo.) 16 Uhr Schützenplatz in Potsdam. Anschliestend Kundgebimg aus den, Bassinplatz und valkoha»,. Treffen mit den Wiensahmn.— Wedbmg, Radfahrerabt.: Sonnabend, I. Juni, Fahrt nach dem Werbellinsee. Start 17 Uhr. Eanntag, 2. Juni. Fahrt nach dem Lehnitzsee bei Oranienburg. Start 6 Uhr bei Banlke, Schuistrastr 74� Friedrichshai»: Meldungen zur Autolahrt müssen mit 1,50 M. 81. äftoi, 20 Uhr, Versammlung in der Germaniasälen am Slrcsowplatz. Referent Kam. Klltcr.— Bilmeredsrf, Iungbanner: Ingendabcnb im Jugendheim Wilhelmsau- 128, Zimmer 7.— Tempelhof: Spieimannsrug 8 Uhr im Birken. wäldcfikn. Uebungsabend unter neuer Leitung.— Treptow: Sonnabend, 1. Juni, Teilnahme an d-m Sommerfrst d-s Allgem. Pr. Polizeideam mver- bandes im Etablissement Carl-Hof in Plötzenfce. Eintritt so Pf. Trcsspnnlt 19-4 Uhr Bhf. Beusselstraße(lSannerkleidnng und Fahn-nl.— Kameradschaft Friedrichshagea: Freitag. 31, Mai, 20 Uhr, Versammlung bei Fahrcntbalz, Kirchstr. 28.— Lichtenberg: Sonnabend. 1. Inn:. Alle Kameraden, welch« die Mondscheinsahrt niä't mitmachen, beteiligen sich an dem Sammerfest des All. gemeinen Pr. Volizeibeamtenverband?» in Carlshaf. Eintritt 60 Pf. Trcstpunkt Vollring-Z/ahnsteia Stralau-Bummelsburg fBundeskleidung und lange Halenl. Freitag, 81. Mai, Kameradschaft Rummelsburq-Karlsborst bei Kam. Vslug. Abrechnung aller bisher vertavftcn Karten für die Mondscheinfahrt.— Wasser- sportadteilung: Sanntag. z. Juni, l51b Uhr, Weihe des neuen Baotshanses und Tau!« de, neuen Dopvelxweiers..Karl Seoering" in Köpenick, Wenden. fchloststr. 122. Zille Züge müssen vertreten sein.— Maniuoabteilung: Freitag, 81. Mai, 19 Uhr, Turnen und Rudern. Deutscher Espera-rio-Bund. Ortsgruppe Bertin. Freitag, 20 Uhr, Konditorei Dobrin, Hackescher Markt. Der Junge Chor /Mitgl. d. DASB.1. Abfahrt zur Mtwirknng beim Ar- beiter-Samariter-Bunb. Ortsgruppe Petershagen. am Sonnabend, 1. Juni, 17.59 Ilhr ab Schles. Bhf. Treffpunkt l'Vi Uhr ebenda /Glasdach). Fahrkarten lösen dl, Fredersdorf. Verein für Eiuheitskurzschrift Neukölln. Uebungsabenbr: Dienstag, Mitt» woch. Freitag, 30—22 Uhr. im Realavmnasium Kaiser-Friedrich�str. 208—210. Anfänger., Fortgeschrittene». Rrbeschriftlehrgänge. Auskunft über sämtliche Bereinsangelearnheiten erteilt Gerhard Sälwarz, Neukölln, Innstr. 17—18 1. Fernruf: Neukölln F 3, 6773. Neichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Krieg sie iluclnner nah Kriegerhinter- bliebencn. Bezirk Zentrum: Sonntag, 2. Zun!, 8 Uhr, Ausflug nach Bi:ch. Nachzügler erwarten wir in Buch. Waldschänke. Montag. 3. Juni, 20 Uhr, Monatsnerfammluna im Rofenthaler Hof. Nofenthaler Sir. 11—12.— Orts- gruppe vberspree: Versammlung am Dienstag. 4. Juni. 20 Uhr, im„Einsied- ler", Johannisthal. Sterndamm. Thema:»Schule, Elternhaus und Schüler. tragödle". Neferent Studirnrat Krause. 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Pfand l,8ü f ieisdiwurst....Pinad 1,20 Sdiinkcnspeck Pku-ä 1,85 Knoblaudiwursl ptd. 1.20 GrobeTeewursI.psa. 1,90 Sdiinkenpoln... Pfand 1,30 Maussdiinken.Pknuä2.00 5runnenstrassa» KottbuserDamm* Andreasstrasse Himer ss. 2 Pisa« Ximar ca. 9 Pkind Pflaumenmus...... fiSrr Johannitbeer...... 1,15 Pflaumen..........»»pt Erdbaer........... 1,30 Aprikosen......... 1,15 Klrtch............. 1,35 Orange—...... 1,05 Hlmbear........... 1,35 Mibe und ASuchevwaven !'Sdiellfisdi...... Pfand 12pl Echle Sdilelbüdos soil»»«......... Pfand 82pf. Ktzissröcbeo»so« Bellar«....... Pfand 92rf Ellblkenlen ii» OPH.■ elmr, ja:». lettill, 81 8. 1,60 Pa. Sehveiaebtindi otzos L-iisge, Pfund 1,66 Pi SchwElsesdüiikeB........... Pfund l.li Pa. SebvelnesciiDlterfilBtt....... p-nud 1,12 Pa. Eisbein oll Spilzbeln r»pokeit,p(d. 56?,. Pa. EuniDelvorderfleiscfa...... Pfand 1,05»» Pl. SflBPeBSeUä......... Pfund ron ÖSp/.an Pb. Ftbirlppe.................... p/und 98pf. Pa.SChBHrnClSCllKe*I«,8.KneoheB, Pfd. 1,20 Pa.Ä8nlBd8....................... Pfand 1,40 Pb. ScbflbeOeiseh................ Pf-ud 1,24 PB. Rflckenlett hrrf/rrt., o. Sobwirtr, Pfd. 78?,.: Pfl. Rfl{i(8BBlBr jrwüret........... Pfand 1,20 PB.Ka!bBr8alede7�dl,40 1 Pa.Hlndsrleber pn.4],24 1 Pfi.Bn!asthr,1»i«kt.w4 96p,. Gekti!evkZe!sO Pb. Sdinürfleisä ebne II norden, Pfand 1.14 Pa. UfdirlBBlBB tri»od...»...... Pfand 28?,. PS. SaiBSCll ohne Knochen...... Pfand SSff. Pa. SagpeDneiscb........ Pfand 68 p?.« Pb. BaaiBelTonlBrOelscb irM. n.». 98rf.« dMU— M—ai— tum.............. Pi ttiderbeneg frisch......... pinnd 50pl Pb. ffildBrbBCbBQ f rtood,«.Tnoodsn, Pfd. 44pf. Pa. EalBl' frl-ok................... Pfund 16pt Während der Senatrassats sind fleisch. Ohrt,(smOss ssd leicht Tsrdsrkllchs Waren van(ennnd usgMchlossu Monsevven. 'i, Do«« fi Dose Jg.Erbsen seht fein... 1,50 Apfelmus.............. 78pf. lg. Erbsen fsin......... 1 ,25 Süsskirschen odueLt-t» 1 ,40 Jg.Erbsen mittdfoiB.. 78pf. Sauerkirschen ]g. Erbsen............. 70pt»it st«in...............■•' � Gemüseerbsen...... 50pf. Sladielbeeren...�.�. 1,00 ]g. Erbsen witfoUain... Kürbis.................. 78fl mit Karettan.............. yjPt D~in(irl-iiHon 1 7S , c mitgeaehnitt.,-� Keineciauoen........ Jg. ErbsenKsrotum Preisseibeeren....... 1,25 S3l"'.15 KonsummiKhunq..... Leipziger Allerlei....90n.' Sellerie l» SehelbMi..... 1 ,00 rotten und Spargel, Vi Dow 38pf. KONFSTUREN Erfrischungswaffeln pfud 45?/. Sandgebäck............... i Pfund 95rt. Geieefrüchte............. v. rtum 38n Bonbonmischung........! piu-d 50??. Dessertbrezeln.......... Pfand 60 p?. Brombeeren and mmbe«™, v.pfaud 45rt Portugiesische Odsardlncn -- i'ie-Dose, Klnb-(---------- PPf. forniat....... i 4 Portion«- Ä C*|« Do8e, Klub- O B �-Dose.ohneQ C Dosen..... mr&Pf. format....... OÖPf. Griten.... Pf. Iweifvttchtmavmeladen 78 Erdboer Apfel HimbcBr Apfel..... Kirsch Apfel........ Johannlsbeer Apfel GEFLÜGEL Frische Suppenhühner praad« 1 ,25 Wolgahilhner................. mad ve» 1,20 Enten Brtror«».......................Pfand TOB 1,10 PUten gefror«»....................... Pfand tob 1 ,35 Gemüse nnd Sbtt bleue ausländische Grüne GurkenLCT.Z2pf.sa Gekllllte. säuerliche ssrüchtklzsen................................... Pfand 45kf. Karlofteln........ iPfd.88pf. Grüne Lohnen Pfaad44pf. Rhabarber....4 Pfnad 10pc �ilrvnen...... Datzead 40pt Radieschen... 4 Band 1 Opc Kalif.Tafeläpfel Pfand 40pf. Salat............... Kopf 5 Pf. Äuslral.Aepfel Pfund 48pt Spargel pid. 7. 15. 30. 50pt Bananen....... Pfand 48pi. Junge Möhren..Bond 45pt Felgen........... ptand 24pf. Apfelsinen....................................... spfnnd 95p/. Mowttialwavett Bruchreis........ piand ISpi Kartoffelmehl..Pfand 23??. Burma-Reis..... Pfand 22Pf. Frankfurt. Malzkaffee Moulmain- Reis Pfand 26pf.„... 0> i'wnd.p»d«t38pk. Karolinen-Reis Pfand 38pf. Kah-Badcobsl.. Pfand 48??. Eiermakkaroni pf«ad48pf. 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Chemical Corporation bekannt wurde, überraschte insbesondere die Mitteilung, dah dem Anfsichtsrat dieser amerikanischen Tochter- gesellschaft der I. G. Farben auch Cdsel B. Ford angehören werde, der Sohn des bekannten Henry Ford und der Präsident der Ford Motor Company. Vor wenigen Tagen überraschte die deutsche Oeffentlichkeit die Mitteilung, daß der Chemietrust 4» Proz. des Kapitals der deutschen Ford-Tochtergesellschast in Verlin erworben hat und Herr Bosch, der Ches von I. G. Farben, wohl auch dem Aussichtsrat der deutschen Ford-Gesellschaft Vorsitzen wird. Da, Beispiel von General-Moiors und Duponk-Chemie. Wir haben uns im„Vorwärts� bereits mit der Frage be- schästigt, welchen Sinn diese Verbindung des größten deutschen Chemiekonzerns mit der großen amerikanischen Automobilsirma haben könne. Man muß da zunächst auf einen Parallelsall hin- weisen, nämlich auf die sehr enge Zusammenarbeit zwischen der größten Automobiljirma der Vereinigten Staaten und dem größten amerikanischen Chemiekonzern, nämlich zwischender General Motors Corporation(die Käuferin der Opelwerte) und dem Dupont-Konzern. Die Grundlage dieser Verbindung besteht in billigeren Lieferungen bestimmter chemischer Produtt« an die General Mortors Corporation, in erster Linie Farben und Lacke, serner Zelluloid, einige Kaytschutprodukte usw. Ob mit dieser Zusammenarbeit auch die Jnteressennahme des Dupont- Konzerns an einigen großen amerikanischen Gummi- und Autoreisengesell scharten zusammenhängt, ist zwar nicht sicher, aber sehr wahr- jcheinlich. Der Beginn dieser Verbindung liegt etwa zehn Jahre zurück. Gegen Kriegsend«, d. h. nach Abschluß jener Periode, die dem Sprengstoff- und Chemiekonzern Dupont beispiellose Gewinn« ge- bracht hatte, verfügte diese Gesellschaft in so großem Umfang über Geldmittel, daß ein Teil davon in anderen industriellen Werten angelegt werden sollte. Hierzu wurde eine spezielle Gesellschaft ge- gründet, die dann in erster Linie Aktien der General Motors Corporation erwarb. Auf dies« Weise diente dies« Kapitalanlage gleichzeitig dem Absatzgeschäft der Dupont-Gesellschast. denn sie sichert« sich so«inen sehr lauskrästigen Kunden, der auf einigen Produttionsgebieten den größeren Teil st ä n d i g abnehmen sollte. So wurde für Dupont ein großer Teil des Absahe» auf lange Zelt hinan» sichergestellt. während die General Motors ihre Lacke und Forben billiger als ihre Konkurrenten erhielt und dadurch die Selbsttosten der Auto- Mobilherstellung senken konnte. Dies« Verbindung hat übrigens noch«ine andere interessante Seite. Da Dupont nicht weniger als 23 Proz., also fast den vierten Teil des Aktienkapitals der General Motors, besitzt und da die 'General Motors mit 435 Millionen Dollar Stammkapital arbeitet, so ist ollein schon der Dividendengewinn aus dieser Be- teiligung für Dupont ein glänzendes Geschäft. Im Jahr« (927 betrug der ganze Fabritationsgewinn von Dupont 16,58 Millionen Dollar, der Dividendengewinn aus der Beteiligung an der General Motors dagegen 28.94 Millionen Dollar(!!), d. h. dieser Bereiligungsgewinn allein war um 69 Proz. höher als der ganze eigene Fabritationsgewinn. Die großen Gewinne der DupoiU- Gesellschaft und ihr« jetzige groß« Kapitaltrast stammen somit zum größeren Teil aus den Dividendenausschüttungen des Auto- mobilkonzsrn». Ist dies« enge Verbindung, die sich übrigens auch in engen persönlichen Berhältnissen, im mehrfachen Austausch von Aufsichts- ratsmitgliedern usw. ausdrückt, auch ein gutes Geschäft für die beiden Partner, so schädigt sie natürlich die Konturrenz, einerseits die anderen Farben- und Lackfabrikanten, die nicht einen derartig hohen und gesicherten Absatz haben, andererseits die sonstigen Automobilfirmen, die ihre Materialien zu höheren Preisen kaufen müssen. Wir sind deshalb so ausführlich auf diese Verbindung van General Motor» mlt dem Dupont-Chemiekonzern«ingegangen, weil jedermann in Europa wie in Amerika, der von der Beteiligung Fords an der amerikanischen J.-G.�farben-Gründung hörte, annehmen mußte, daß sich hier eine ähnlich« Zusammenarbeit entwickeln werde. 3. G.-Geschästs. Reklame?— Oder alles zusammen? Da die Farben- und Lackfabrikation der amerikanischen Untergefell- schast der I. ffi. Farben ausgebaut werden soll, da ferner die I. G. Farben auch Leichtmetalle(Aluminium und Elektronmetall) liesern könnte, ferner auch Zelluloid, späterhin vielleicht auch künst- lichen Kautschuk, alles Dinge fürs Auto, so war der Sinn der Verbindung eigentlich vollständig klar. Bedenken drüben und Wirklichkeiten hüben. Immerhin schien Mr. Edsel Ford die Angelegenheit vor der amerikanischen Oeffentlichkeit doch etwas peinlich zu sein, vielleicht im Hinblick auf die Hetzpropaganda, die von be- stimmten amerikanischen Stellen mit großer Rührigkeit gegen die amerikanischen Interessen der deutschen I. G. Farben entfaltet wurde. Jedenfalls erklärte Edsel Ford, seine Wahl in den Dcrwal- tungsrat der American I. G. sei nur ein Kompliment und ein„Akt reiner Höflichkeit"' seitens des Generaldirektors Dr. Carl Bosch, der ja auch dem Aufsichtsrat der deutschen Ford- Filiale angehäre. Auf der anderen Seite war der deutschen J.-G.- Farben-Verwaltung der Name Edsel Ford wie auch der der übrigen in den Aufsichtsrat gewählten amerikanischen Kapitalisten will- konnnen, um dem amerikanischen Publikum zu demonstrieren, dah die American I. G. doch eigentlich einen recht starken amerikanischen Einschlag habe. In Deutschland liegen die Dinge nur umgekehrt. Di« Tatsach«, daß Herr Bosch von der I. G. Farben führend in den Aufsichtsrat der Ford Motor Co. A.-G., Berlin,«ingetreten ist und daß die I. G. Farben einen erheblichen Teil der Aktien dieser Ford-Gesell- schast übernommen hat, ist dem Ford-Konzern der deutschen Oeffentlichkeit gegenüber keineswegs peinlich. Sie dient ihm viel- mehr dazu— und das jst durchaus plausibel—, großzügig Reklame zu machen, wobei gleichzeitig aus die großen Aufträge der Berliner Ford-Gesellschaft an deutsche Finnen, auch für die amerikanischen Ford-Werke, hingewiesen wird. Hier versucht sich also Ford durch seine engen Beziehung«» zur deutschen I. G. und seine Austrag- geberstellung der deutschen Oeffentlichkeit in empfehlende Erinnerung zu bringen, natürlich alles im Interesse des deutschen Ford-Auto- geschäsls, nachdem Ford» großer Konkurrent, die General Motors, sich durch den Opelkauf zunächst einen Positionsoorteil verschafft hat. Auch diese Methode scheint uns, da sie im wahren Sinn des Wortes kapitalistifch-fortschritUich anmutet, durchaus plausibel, und sie ist in der Tat auch recht interessant. Dolkswirtschaftlich kann, ebenso wie das Gcneral-Motors-Opelgeschäft, auch das Ford-I.-G.- Farben-Geschäft für Deutschland nützlich sein: durch Kostensenkung wird die Konturrenz verschärft, der mit der Motorisierung ver- bunden« volkswirtschaftlich« Zeit- und Kraftgewinn wird verstärkt und beschleunigt. Die vorteil« der beiden Vartner. Die Privatwirtschaft lichen Borteile liegen für Ford klar: einmal die Möglichkeit, bestimmte Produkt« der I. G. Farben billiger als bisher zu beziehen, zweitens Ausnutzung dieser Der- bindung der deutschen Oefsentlichkeit gegenüber zu einer wirksamen Konkurrenzreklame. Andererseits hat die I. G. Farben Aussicht, einen großen Dauerkunden zu bekommen. Daß durch diese Zusammenarbeit aller- ding? die noch selbständigen deutschen Automobilgesellschasten be- nachteiligt werden können, ist Tatsache, ober mit Sicherheit der I.-G.-Farben-V«rwaltung gleichgültig. Gut« Geschäftsleute— und sowohl bei Ford als bei der I.<3. Forben sitzen sehr gute Geschäfts- leut«— kennen, was ihr Geschäft betrifft, kein« nationalen Grenzen: um so interesianter ist die Ausnutzung nationaler Gefühle, wie sie in Deutschland durch Ford und in Amerika durch die I. G. Farben betrieben wird. Aber auch das gehört zur Psych« des Kapitalismus, besonders des modernsten, wie ihn Amerika heute darstellt und den die I.-G.-Favben-L«ute so eifrig studieren. Es kann übrigens noch«in anderer Parallelfall ge- nannt werden: auch der größte englisch« Ehemiekonzern, die Imperial Chemical Industries Ltd., steht fest Iahren bereits in Verbindung mit der General Motors, die Nobel Industries Ltd., «ine Untergefellschoft des englischen Chemietonzerns, besitzt ein größeres Aktienpaket von General Motors. Es ist aber nicht be- kannt, ob auch hier Materiallieferungen stattfinden. Aeußersten- falls genügt ja der bombige Kurs- und Dioidendengewinn. Schwache Argumente. Die Diskussion um das Getreidemonopol. Am 19. April hat der von uns kürzlich zitiert- Dr. Justus Schloß, der Herausgeber der.Deutschen Getreidezeitung". in einem von der weltwirtschaftlichen Gesellschaft veranstalteten Dis- kussionsabend über.Die Zukunft der deutschen Getreidewirtschaft" g e g« n die von Dr. Baad« oorgelrag-n-n StabUisierunaspläne der Sozialdemokratie gesprochen. Nach dem setzt bekannten Wortlaut hat er unter anderem gesagt: .Seit jener Zeit(1925) ist ein Zusammenbruch der Roggenpreise nicht wieder erfolgt. Vor allem auch nicht in diesem Jahre, wo wir di- größte Roggenernte seit Kriegsende haben. Es hat sich nämlich inzwischen herausgestellt, daß Polen auch in guten Jahren leinen oder doch nur einen sehr geringen Ausfuhrüberschuß hat. Wenn Dr. Boade Recht hätte, wäre in diesem Jahre ein erneuter Zusammenbruch der Roggenprets« unvermeidlich gewesen." So Dr. Schloß, der Herausgeber der größten Zeitung des deutschen Getreidehandels. Wie allgemein bekannt, hat Polen in- zwischen groß« Roggenmengen auf den Markt geworfen: Der Roggen- preis ist von 268 M. auf 178 M. sc Tonne gefallen. Die Argumente waren also sehr schwach. Herr Dr. Schloß! AmerikanischeLohn-undKauftrastpoliiik Zum Aerger der deutschen Unternehmer. Daß die Amerikaner— natürlich aus gutkopitalistischen Gründen — eine Politik der hohen Löhne machen, das ärgert schon immer die deutschen Unternehmer. Roch mehr wird sie aber folgende Meldung ärgern, die au» Boston kommt: „Im Zusammenhang mit dem Plan Fords» seineu«uro- päischen Arbeitern Löhne zu zahlen, die' dem amerikanischen Lohn- standard entsprechen, telegraphierte der Warenhausbesitzer File»« an den Generalsekretär des Völkerbundes, daß er 2S 600 Dollar für die Untersuchung der Lohnoerhältnisse zur Lerfügung stelle, da auch andere amerikanische Fabrikanten, die in Europa Filialen haben, an der Hebung der Kaufkraft der euro- päischen Arbefter interessiert seien." g Preise aussetzen für die Hebung der Kaufkraft— das ist schon die höhere amerikanische Gemeinheit! Entwicklung der Metallmarkte. Die Einschränkungspläne der Kupferproduzenten. Vom internationalen Kupferkartell wurde während der Zeit der riesigen Aufwärtsbewegung der Kupferpreis« stets be- hauptet, daß die Kupferhütten und die Gruben bei der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit den gesteigerten Verbrauch nicht befriedigen konnten. Man stellt« die Sache so hin, als ob die Verbraucher, die nervös geworden waren, durch die Preissprllnge und die lieber- teuerung des roten Metalles mehr kauften als sie brauchten, so daß man, streng genommen, von einer Spekulation am Kupfermarkt durch die verarbeitende Industrie sprechen mußte. Die Verbraucher, die sich in Deutschland, in England und in Frankreich erst vor kurzer Zeit zu einem geineinsamen Protest gegen die überspannte Preispolltik. des Kartells zusammengefunden hatten, stritten das natürlich ad und«rllärten. daß nur durch systematische Politik des Kartell» die Berhältniff« entstanden waren. die bis Anfang April in aubeogewöhnlichen Preissteigerungen ihren Ausdruck fanden. Wenn man jetzt davon hört, daß die Kupfer- könige wieder mit dem Gedanken einer Einschränkung der Pro- duktion spielen, so muß man glauben, daß der seiner-eit gegebene Bericht als Begründung für die nicht zu verstehende Ueberteuerung der Kupjerpreise den wirklichen Verhältnissen nicht entsprach und »in« Ausrede für den Kupferwucher war. Di« Anaconda-ftupfer-Gesellschost,«ine amerikanische Hütte, die ungefähr ISO 000 amerikanische Tonnen(I Tonne— 908 Kilo) her» stellt, beabsichtigt, mit Wirkung vom 1. Juni ihre Produktion um 10 Prozent einzuschränken. Dies« Kupferhütte gehört zu den be' deutendsten Unternehmungen der Bereinigten Staaten, denn sie liefert etwa 15 Prozent der derzeitigen Iahres-Weltproduktion. Auch andere Gesellschaften sollen dieselbe Absicht haben, weil die Verhält- niss« sich im Kupfergeschäft während der letzten Zeit erheblich ge- ändert haben. Nachstehende Tabelle zeigt die Entwicklung der Metallpreise während der letzten Zeit: IM Kilo lostet-n am 25 März 15. April 28 April 1«. Mai 29 Mai 1929 in Mark Elektrolytkupfer. Z2S.S0 18S.S0 171,50 171,—>70.50 Blei.... 5g.— 48.50 47,75 47.— 46.— Zink..... 56,— 53.50.53,50 54,- 53,— Zinn..... 451,— 420,— 412,— 411,— 403,— Alle Metallpreise sind von Ende März bis Ende Mai gefallen. Der Preis von Kupfer ist um 25 Prozent gefallen und die Produzenten haben Angst vor einer Schmälerung ihrer immer noch riesigen Gewinne, deswegen wollen sie die Pro- duktion drosseln. Nach Kupfer hat Zinn den stärksten Preisverlust aufzuweisen. Jinmer wieder versuchen die großen Prvduzentengruppen. den Markt durch Kartellgerüchte nervös zu machen, um Steigerungen der Preise zu erzielen. Infolge des überaus großen Angebotes aber schlagen alle diese Pläne fehl und der Gedanke eines Zusammen- schlusses der Erzeuger wird nicht einmal an der Londoner Börse ernst genommen, wo man doch gewiß genügend Veranlassung hätte, im Interesse de» englischen Zinnaktienmarktes solch« Dinge zu unter» stützen. Das Zimigeschäst war während der letzten Zeit stabil. Man rechnet damit, daß das europäisch« Syndikat auch während der nächsten Monate keine Verschärfung der Einschräntungsmaßnahmen beschließen wird. Trotz größerer Produktion haben die Vorrät« in- folge guter Nachfrage in Amerika und Europa abgenommen. Im großen und ganzen aber macht sich an allen Metallmärkten auch die ungeklärte politisch« Lage bemerkbar. Machierweiterung im Glanzstofskonzern Zusammenschluß mit der holländischen Euka-Gruppe. Die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Glanz,- stoff-Fabriken, Elberfeld, und dem holländischen Eula- Konzern haben dazu gesührt, daß ein endgültiger Zu- sammenschluß dieser beiden Kunstseideriesen als gesichert an- zusehen ist. Ob der Zusammenschluß in Form einer völligen Ver- schmelzung oder durch Gründung einer Dachgesellschaft durchgeführt wird, ist im Augenblick nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, daß der Glonzstoff-Konzern, das mächtigste deutsche Kunstseideunternehmen, seine bisher nur lvse Beteiligung an der Eula mit etwa 11 Proz. des Aktienkapitals mit einer ganz bedeutenden Machtcrweiterung durch den Zusammen- schlutz vertauscht. Da die Eula den zweiten holländischen Kunst- seidekonzern Breda beherrscht und der Glanzstoff-Konzern die Bemberg-Gruppe, so wird durch die Vereinigung ein neuer europäi- scher Kunstseideblock Glanzstoff-Bemberg-Euka-Breda geschaffen, der dicht hinter dem europäischen Kunstseidekonzern von Eourtaulds- London rangiert..:- r: Wie sich auch diese Neuverteilung der Machtverhältnisse in der ss Kunstseideindustrie auf die künftige Politik der großen Kunstseide- lonzerne auswirken wird, läßt sich noch nicht übersehen. Soviel ist jedenfalls sicher, daß die englische C o u r t a u l d 5- Gruppe. die in Preisfragen gern ihr« eigenen Weg« ging und mit ihrer' Preispolitik auch das deutsche KunstseideNkortell sprengt«, einem gleich starken Gegner gegenüber vertragsbereiter sein wird. Ob je- doch eine europäische Kunstseideverständigung, die einem Mo- n o p o l einiger weniger Großkonzerne gleich käme, im Jnteresis de� Verbraucher massen erwünscht ist, muß nach den bis- herigen Praktiken der Kunstseidemagnaten stark bezweifelt werden. Bock-Hutfabrik stellt Gewinne zurück. Die Dividendenzahlung fällt aus. Der dividendenlose Abschluß derHeinrich BockHutfabrik A.-G., eines altbekannten Berliner Textilunternehmens, wird all- gemein überraschen, denn die Gesellschaft gehörte mit zu den rentabel. sten Textilbetrieben in Berlin. Wenn aber das Unternehmen nach den fünfzehn- und zehnprozenttgen Dividenden, die von 1924 bis 1927 gezahlt wurden, sein« Aktionäre für 1928 aufsitzen läßt, so bedeutet das etwa nicht, daß es dem Wert schlecht gegangen ist. Einschließlich der sehr hohen Abschreibungen hat die Gesellschaft etwa ein Drittel ihres gesamten Attientapftal« verdient. und' obwohl der größte Teil der Gewinne für die Abschreibungen in Höhe von rund 170 000 M. abgesetzt wird— das sind etwa 30 Proz. des ausgewiesenen Gesamtwertes für Grundstücke, Fabrik- anlagen, Maschinenpark, Formen usw.—, entspricht der ausge» wiesen« Reingewinn einschließlich des letzten Gewinn- Vortrages inunerhin noch einer Dividende von 9 Proz. Soviel ist also sicher, daß Heinrich Bock auch im letzten Jahr recht gut ab- geschnitten hat und es nur vorzieht, sein« Gewinne im Betrieb« weiterarbeiten zu lassen, anstatt sie seinen Aktionären zuzuschanzen. Wie im Geschästsbericht ausgeführt wird, konnte die sinkende Nachfrage im Inland« im letzten Jahr weitgehend durch ver- stärkten Export ausgeglichen werden. Gegenwärtig sind alle Betrieb« gut beschäftigt. Zeichen für Wirtschastsbelebung. Die Abwärtsbewegung der Rohstoffeinfuhr ist nach dem Wochen- bericht des Instituts für Konjunkturforschung in den letzten Monaten zu einem gewissen Stillstand gekommen. Luch ist der Rück- gong von Beschäsigung und Produttion der Industrie neuerdings von einer leichten Belebung abgelöst worden. Beides sind Momente, die für eine im ganzen günstige Wirtschoftsentwick- lung sprechen. Flughafeugesellschast für Königsberg. In den letzten Tagen ist in Königsberg die Gründung einer Flughafengesellschait Königsberg erfolgt, an der nach vorliegenden Meldungen Reich, Preußen und Swdt Königsberg beteiligt fein sollen. fflsn ist nur so alt. wia man aussieht. deshalb benutze man„■xlftplnq". Olbt«rauen Haaren die Jugend- (arbe wieder. Färbt nach und nach, vollständig unschädlich. Seit 30 jahrcit Dunkelmänner in der Sozialpolitik Die Bundesgenossen der Ltnieruehmer. Die Abwehr der Gewerkschaften gegen die Angriff« auf die Sozialversicherung im allgemeinen und vor ollem gegen die Arbeits- losenoersicherung wäre halb so schwer, wenn die Arbeitgebervereini- gung nicht einen starken und eifrigen Bundesgenossen hätte: die Un w i s s e n h e i t. Bei den Gewerkschaften war man in den letzten Wochen oft starr vor Schrecken ob der geradezu unheimlichen llhnungslosigkeik in sozialpolitischen Viagen. wie sie sich bei den Gegnern der Arbeitslosenversicherung wiederholt offenbart hat. Dunkelmänner, Stümper und Ignoranten sind gegen die Gewerkschaften aufmarschiert und— was besonders zu denken gibt— je grötzer der von ihnen fabrizierte Unsinn über sozial- politische Dinge war, desto bereitwilliger wurde er nicht nur von obskuren Winkelzeitungen der Provinz, sondern sogar von W« l t b l ä t t e r n der Großstädte aufgenommen. So hat sich dieser Tage im„Berliner Tageblatt" ein Mitarbeiter, der an- scheinend jahrelang auf dem Monde gelebt hat, über Fragen der Arbeitsvermittlung ausgelassen. Im„Weltspiegel" des„B. T." vom 24. Mai bracht« der Ahnungslose unter der Ueberschrift„Angebot Mensch" zur Erläute- rung verschiedener Bilder über das Berliner Arbeits- nachweiswesen Ausführungen, aus denen man entnehmen konnte, daß im Jahr« 1917 der„Zentralverein für Arbeitsnachweis" gegründet worden ist, und daß es seit dem 27. April 1929 auf Grund eines Gemeindeaesetzes einen planmäßigen Arbeitsmarktaustausch gibt.„Seit diesem Tage," so heißt es wörtlich,„umschließt alle öffentlichen Berliner Arbeitsvermittlungsstellen eine große Organisation, Der Arbeitsnachweis des Mogistrats arbeitet zusammen mit dem ihm angeschlossenen Landesarbeitsamt, ihm obliegt auf Grund der Berfaffung die Beobachtung des Arbeitsmorktes und die Be- richterstattung über die Arbeitsmarktlage." Weiter heißt es in diesen Ausführungen, daß, die Arbeitslosen bekanntlich die Säckel des Reichs, des Landes und der Gemeinde nach einem gesetzlich fest- gelegten Schlüssel belasten". Erstaunt fragt man sich, ob denn der Derfasser dieser Aus- führungsn von den grundlegenden Veränderungen auf dem Gebiet des Arbeitsnachweiswesens gar nichts gehört hat. Weiß er gar nichts davon, daß 1922 das Arbcitsncchweisgesctz geschaffen wurde, und daß schließlich am 1. Oktober 1927 das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenoersicherung in Kraft getreten ist, wodurch jede organisatorische Verbindung der Arbeitsnachweise und der Landesarbeitsämter mit den Kommunen bzw. den Ländern längst aufgehoben worden ist? Weiß er nicht, daß es heute keinen Arbeitsnachweis des Magistrats mehr gibt und daß auch dos Landesarbeitsamt dem Magistrat nicht angeschlossen ist? Hat er nie etwas von einer Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gehört? Hat er nie etwas davon erfahren, daß die geschilderte Lastenvertei- l u n g auf Reich, Länder und Gemeinden zwar in der früheren Erwerbslosenfürsorge vorhanden war, seit dem 1. Ok- tober 1927 aber nicht mehr existiert? Man sollte annehmen, daß Weltblätter in der Kritik der Arbeitslosenversicherung, der wichtigsten innerpolitischen Frage des Augenblicks, mit peinlicher Gewissenhaftigkeit arbeiten. Leider ist das, wie die Tatsachen zeigen, nicht der Fall. So sind ja auch im„B. T.". wie von den freien Gewerkschaften festgestellt werden muhte, die Behauptungen der Arbeitgeber- Vereinigung, wonach ihr« Denkschrift in der Frage der Be- dürftigkeitsprüfung bei der Arbeitslosenunterstützung nur ein« be- schränkte Anrechnung bestimmter Einnahmen bringe, gutgläubig hingenommen worden, obwohl«in Vergleich zwischen den Forderungen der Vereinigung und den Bestimmungen der Erwerbs- losenfürsorge sofort zeigen mußte, daß die Forderungen der Arbeit- geber den Rechtszustand wie er in der Erwerbslofenfürsorge ge- herrscht hat, noch verschlechtern. Sozialpolitische Volksaufklärung großen Stils tut not. Di« Hetze gegen die Sozialoersicherung und vor allem gegen die Arbeitslosenversicherung hätte nie den Umfang angenommen, wenn man in der Bevölkerung über di« gesetzlichen Bestimmungen, über Rechte und Pflichten der Ler- sicherten besser Bescheid wüßte. Nur Unverstand und Un« w i s s e n h a f t machten es möglich, daß z. B. die sozialpolitischen Kurpfuscher Hugenbergs mit ihrem Zwangssparkassenvorschlag, der di« Sozialversicherung ablösen sollte, in der breiten Oeffentlichkeit ein Echo fanden. Die Presse sollte etwas weniger Kriminal- geschichten, Erotik und Allerwelts schmus den Lesern vorsetzen und etwas mehr solid« Informationen über die«lem«n- tarsten sozialpolitischen Dinge. Dann wäre schon viel gewonnen. Oer OHV. kapituliert. Die Ste-gelungSsähe d,r Angefletttenveksicherung. Der Terwaltungsrat der Angestelltenversicherung nahm am 29/ Mai Stellung zu der Novell« zum Angestelltenoersicherungsgesetz, die auf Ve'chlliß des 9. Reichstagsausschusses nunmehr vom Reichs- arbcitcminister ausgearbeitet wurde. Ihr Kernstück ist die Er« höhung der Sie, gerungss ätze von 15 auf 20 Proz.(mit gleichzeitiger Unrechnung in feste Beträge) entsprechend dem Minder- heitsgutachten der AiA-Bertreter im Verwaltungsrat. Nachdem es bereits bei der ersten Stellungnahme des Ver- waltungsrats zu dieser für die Angestellten entscheidenden Frage gelungen war, die historische Einheitsfront der bürgerlichen An- gestslltenverbände zu' zerschlagen und nicht nur den Gitwerkschasts- blind der Angestellten, sondern auch zwei Lertreter von christlichen Angestclltenverbänden für den sreigewerkschaftlicheu Standpunkt — Erhöhung der Steigerungssätze über 15 Proz. hinaus— zu gewinnen, ist am 29. Mai auch der DHV. umgefallen. Noch am 8. Mai hat er die Erklärung abgegeben, daß eine Erhöhung der Steigerungssätze über 13 Proz. hinaus ohne Erschließung neuer Einnahmen in Zlnbctracht der versichcrungstechnischen Lage der Angestclltcnversicherung untragbar sei. Daraufhin sind ihm seine engsten Freunds davongelaufen, zum erstenmal befand er sich auf der Versichertenseite in der Minderheit. Die Erklärung, die den gesprengten Hauvtausschuß wieder„gekittet" hat und die der DHV. mit der Opferung seiner heiligsten Uebcrzeugung bezahlte, lautet: „Die Mitglieder de- Hauptausschusses im Derwaltungsrat halten eine Umwandlilng der Stcigerungssätze in feste Steige- ningsbeträge für zweckmäßig. Sie oermögen der beabsichtigten Festsetzung der Steigerungsdeträge auf 29 Proz. nicht zuzustimmen, weil dieses Ausmaß einer Leistungserhöhung die Leistungsfähigkeit der Angeftelltenoerficherung bedroht." Also: 29 Proz. sind zuviel, aber gegen eine Erhöhung über 13 Proz. hinaus wird nicht mehr protestiert, nur„dieses" Ausmaß der Leistungserhöhung, das 29prozentige, ist untragbar. Das ist natürlich nur noch«ine klägliche Rückzugskanonade. Die Ereigniff« der letzten Wochen sind ein voller politischer und mora- lischer Erfolg des AfA-Bundes in der Angeftelltenverstch«- rung, und es ist nunmehr Aufgabe der gesetzgebenden Körperschaften. die Aufbesserung der Renten nach dem Vorschlage des Reichsarbeits- Ministers zum Gesetz zu machen. Aufstieg im Gaiilerverband. Eine gute Jahresbilanz. � Der Verband der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller hält in der nächsten Woche in Dresden seinen V e r b a n d s t a g ab, der zugleich eine Iubiläumskundgebung dieser Organisation ist. Vor 49 Jahren, im Frühjahr 1889, wurden gleichfalls in Dresden der„Allgemeine Deutsche T a p e z i« r e r v« r« i n" und der „Allgemeine Deutsche Sattlerverein" aus der Taufe gehoben, die sich dann später zusammen mit dem 1999 in Offenbach am Main gegründeten„Portefeuilleroerband" zum„Deut- Ichen Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller-Verband" vereinigten. Das Werden dieser Organisation sowie ihr erfolgreiches Wirten in den letzten vier Jahrzehnten wird auf dem Derbandstag eingehend gewürdigt werden. An Erfolgen reich war auch das letzte Geschäftsjahr, über das In dem Jahrbuch 1928 berichtet wird. Mit Ausnahme einiger Branchen war die Konjunktur im Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- gewerbe 1928 nicht besonders günstig. Mit 4Z21 arbeitslosen Mit- gliedern begann die Organisation das Vorjahr. Dies« Zahl ging bis zum April etwas zurück, stieg aber dann wieder bis zum Jahresschluß auf 5333. Im Jahresdurchschnitt gerechnet waren ständig 4637 oder 15,7 Proz. der Mitglieder arbeitslos und 3329 oder 11,2 Proz. Kurzarbeiter. Wenn trotz dieser allgemein un- günstigen Wirtschaftslage noch 1788 neue Mitglieder gewonnen wer- den konnten, ist dieser agitatorische Erfolg nicht gering anzuschlagen. Die Organisation zählte am Schluß des Vorjahres 31 496, darunter 5988 weibliche Mitglieder. Die Erwartung, die während des Krisen- jahres 1926 verlorenen 4520 Mitglieder bis Ende 19Ä wieder- M-N-Nl, 6n DnUIch»» Musiteroerdand?«. Berlin, ttom- mandanlenftr i3,6i. Dönh-ff 3277—71 Belchält«»»» 9—5 Snnntag» 10— J gh, «ul amfchi vertraerdquch. Zugewinnen, ist nicht ganz in Erfüllung gegangen. In den Iahren 1927 und 1928 wurden 4936 neue Mitglieder der Organisation zu- geführt, so daß gegenüber Ende 1925 noch ein Minus von rund 599 Mitgliedern bleibt. Die Fluktuation in der Mitgliederbewegung war aller- dings auch im vorigen Jahre sehr groß, stehen doch rund 11 999 Neuaufnahmen 9211 Abgänge, hauptsächlich bei den weiblichen Mit- .gliedern, gegenüber. Im allgemeinen kann das Organifationsver- hältnis im Deutschen Sattler-, Tapezierer- und Portefeuillergewerbe als ganz gut bezeichnet werden. Ncrth den Ergebnissen der Berufs- Zählung und eigenen Umfragen waren von allen Berussangehörigen 69.26 proz. organisiert, davon all«in im Verband der Sattler. Tapezierer und Portefeuiller 62,76 Proz. Der Mitgliedergcwinn ist natürlich auch nicht auf die Finanzen der Organisation ohne Einfluß geblieben. Die Gesamt- einnähme war trotz erhöhter Ausgaben um 189 999 M. höher als im Jahre 1927. Die B e i t r a g s l e i ft u n g stieg von 32,56 M. pro Mitglied im Jahre 1927 auf 34,99 M. im Berichtsjahre. Der Bestand d«r Hauptkasse erhöhte sich im Laufe des Berichtsjahres von 344 363 Mart auf 854 925 M., mithin um 319562 M., und der der Lokal- kaffen von 225 894 M. auf 294 686 M.. also um 68 792 M. Im Jahre 1928 ist es der Organisation in allen maßgebenden Branchen gelungen, Lohnerhöhungen durchzusetzen, und zwar in 218 Fällen durch Verständigung mit den Unternehmern und in 66 Fällen nach Streiks bzw. Aussperrungen. In der Lederwaren- industrie und im Tapezierergewerbe betrug die durchschnittliche Lohn- crhöhung pro Stunde 8 Pf., und in der Ledertreibriemenindustrie 6 Pf. Die Zahl der Tarif Verträge und der davon erfaßten Arbeiter und Arbeiterinnen hat im Vorjahre gleichfalls zugenommen. Bestanden am Jahresschluß 1927 insgesamt 196 Tarifverträge für 31 583 Beschäftigte, so waren es Ende 1928 dagegen 124 Verträge für 35 398 Beschäftigte. Alles in allem kann gesagt werden, daß sich der Verband der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller mit den im Vorjahre erzielten Erfolgen nicht hinter anderen Organisationen zu verstecken braucht und die Organisationsleitung mit dem Bewußtsein vor die Delegierten >n Dresden treten kann, ihr möglichstes zur Wahrnehmung der Interessen der Derbandsmitglieder getan zu haben. Oer Kampf gehi weiier. Keine Einigung im schlesischen Textiltonflitt. Breslau. 30. Mai.(Eigenbericht.) Die vom Schlichter für Schlesien für Donnerstag einberufene unverbindliche Zlusfprache der am Textilkonflikt beteiligten Orga- nifalionen scheiterte an dem Verhalten der schlesischen Textil- Unternehmer. Zn eine Aussprache wollten sie nur dann eintreten. Wnn die alte Schlichlerkammer im Anschluß wieder eingesetzt würde. Eine freie Verhandlung lehnten sie ab. Offenbar war es den Un- lernehmern peinlich, in einer freien Verhandlung die Angebote, zu denen sie noch ihren Schilderungen bereit waren, jetzt der Verhand- lungskommission tatsächlich zu unterbreiten. Der Schlichter hielt ein Eingreisen von Amts wegen für zu früh. Den Anruf de. Schlich. ters lehnten beide Parteien ab. Verbandsiag der Zimmerer. Kiel. 39. Mai.(Eigenbericht.) Im weiteren Derlauf des Verbandstages wurde die Lohn- und Tarifbewegung der Berichtsperiode eingehend erörtert. Dom Borstand berichtete darüber M e l z e r- 5)amburg. Die Erfolge, über die der Verband berichten konnte, sind, wenn auch nicht be- friedigend, so aber doch als gut zu bezeichnen, besonders, wenn man in Betracht zieht, daß im Baugewerbe«ine außerordentliche Arbeits- losigkeit vorhanden war. Dennoch konnte die Interessenvertretung der Mitgli«der in konsequenter Weise wahrgenommen werden. Im Jahre 1927 wurde ein« Lohnerhöhung von 7,7 Pf. und im Jahre 1928 eine solche von 8,1 Pf. erreicht. Damit stieg der Durch. schnittslohn für Zimmerer am Jahresschluß 1928 auf 117,1 Pf. je Stunde. Da der Durchschnittslohn aller gewerblichen Ar. beiter nach amtlichen Berechnungen rund 198 Pf. beträgt, so stand der Lohn der Zimmerer um 9 Pf. höher als der Durchschnitt der ge. samten übrigen Arbeiterschaft. Das ist immerhin ein Beweis, wie sich das gute Organisattonsoerhältnis im Zimmererberuf aus- gewirkt hat. Die Aussprache gestaltet« sich sehr lebhaft. Don den meisten Delegierten wurde die Arbeit des Borstandes auf diesem Gebiete anerkannt. Im Schlußwort ging Melzer auf die kommunistischen> Vorwürfe ein«nd konnte sie an reichhaltigem Tatsachenmaterial gründlich widerlegen. Di« Akkordarbeit wurde von der Generalversammlung einmütig abgelehnt. In der Frage der Industrieverbände entschied sich der Verbandsiag dahingehend, daß er die Anträge, welch« die Industrie- verbände forderten, mit großer Mehrheit ablehnte. Lagen dem letzten Verbandstag noch 35 solcher Anträge vor, so waren es jetzt deren nur noch 11. Sie hatten alle ihren Ursprung in der kommu- nistischen Gewerkschastszentrale. Der Verbandstag der Zimmerer ist meistens aus alten und erprobten Kämpfern zusammengesetzt. Drei Viertel der Verbaichstags- delegierten sind beruflich tätig. Länger als 29 Jahre Mitglied sind von 192 Mitgliedern 199, 25 Jahre und darüber 58, länger als 39 Jahre 31, länger als 49 Jahre 8 und länger als 45 Jahre 1. Ausländerkonkurrenz bei den Verufsmusitern Das?lecht auf Gegenseitigkeit. Der Deutsche Musikerverband hatte zu Mittwoch vormittag nach den Sophiensälen«ine Dersammlung der Berufsmusiker einberufen, in der gegen die Ausländerkonkurrenz Stellung genommen wurde Die Dersammlung war außerordentlich stark besucht, die Stimmung gegen die Bevorzugung von Ausländern bei sehr vielen Hotels und Restaurants sehr erbittert. Der Sekretär des Verbandsoorstandes, S ch i e m e n tz, referierte und gab in seinen Ausführungen ein seit Iahren gesammeltes Material über diese Frage der Ausländerkonkurrenz. Nach statisti- schen Berechnungen werden 39 Proz. aller Musiker stellen von Ausländern besetzt. Die deutschen Berufsmusiker— 69 999 Mann— verlieren dadurch einen Verdienst von etwa 29 Millionen Mark. Bor allem Weißrussen mit ihren Balalaika. Kapellen, Tschechen, Holländer und Amerikaner kommen nach Deutsch- land. Besonders stark ist in den letzten Jahren die Konkurrenz aus Oesterreich geworden. Von dort tauchen alle Augenblicke ehemalige „Militärkapellen" auf. di« von deutschen Restaurateuren immer wieder engagiert werden, obwohl festgestellt wurde, daß sie den Namen ehemalige Militärkapelle zu Unrecht führen. Im allgemeinen würden die deutschen Denissmusiker nichts dagegen einwenden, wenn die deutsche Regierung die Oesterreicher als Reichsdeutsche anerkennt. Es müsse dann aber auch verlangt werden, daß deutsche Musiker ungehindert nach Oesterreich gehen können. Von den ausländischen Staaten kommen zwar viele Musiker nach Deutschland, die Staaten selbst riegeln sich aber gegen die Ein- Wanderung deutscher Musiker vollkommen ab. So dars ein deutscher Musiker nur dann in die Schweiz, wenn kein schweizerischer Musiker arbeitslos ist. Sehr bemerkenswert ist, daß zwar die deutschen Hoteliers fortgesetzt in ihren Zeitungen schreiben, die deutschen Reisenden sollten nicht ihr Geld nach dem Ausland tragen. Die- selben Hotelbesitzer scheuen sich aber nicht, sich damit zu rühmen, daß sie fast ausschließlich Ausländerkapellen beschästigen. Am Rhein hängt in fast jedem Lokal ein Schild:„Deutsche, trinkt deutschen Wein". Besucht man diese Lokal«, so stellt man auch dort fest, daß ausländische Musiker beschäftigt werden. Di« Hotelbesitzer und Restaurateure nehmen lieber Ausländer, weil sie denen die sozialen Ansprüche beschneiden können. Nach einer längeren Diskussion wurde eine Entschließung an- genommen, die verlangt, daß Ausländer nur dann beschäftigt werden können, wenn kein deutscher Musiker arbeitslos ist. Verbandsiag der Gasiwirisgehilfen. Hamburg, 39. Mai.(Eigenbericht.) Di« Gastwirtsgehilfen als Apostel der Völker» v e r ft ä n d i g u n g— das ist das Charakteristikum des Hamburger Verbandstages der Hotel-, Restaurant- und Case-Angestellten. der am Dienstag eröffnet wurde. Anwesend sind 63 Delegierte, 19 Mit- S lieber der Hauptverwaltung und eine Reihe sonstiger Verbands- inktionäre. Der Vertreter des Hamburger Senats, Senator Dr. M a t t h a e i, wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin. daß der Verbands» tag der Gastwirtsgehilfen im Jahre 1914 in Hamburg unter polizeilich er Ueberwochung stattgefunden habe, währeich diesmQj die Hamburger Regierung nicht nur durch einen Vertreter an den Verhandlungen teilnehme, sondern den Delegierten auch einen Cmpfangsobend biete. Der Vertreter des� Internationalen Arbeitsamtes, Direktor Donau- Berlin, dankt« für die bisher be- wiesen« rege Mitarbeit an den Bestrebungen der internationalen Organisation der Arbeit und betonte mit besonderem Nochdruck di« Notwendigkeit der Wiederherstellung der internationalen Freizügig- keit für die gastwirtschaftlichen Angestellten. Damit war das Stichwort gegeben für den Vertreter der öfter- reichischen Bruderorganisation, der in humorvoller Weise das bei der Begrüßung gesallene Wort zurückwies, daß er zu den Führern der österreichischen Bewegung gehöre. Er hoffe und wünsch« vielmehr, daß man bald nur noch von einer deutschen Bewegung spreche. Der Schiedsspruch für den Aachener Steinkohlenbergbau ist von den linternehmern abgelehnt. Die Gewerkschaften haben ihn angenommen._ f Freie G ewerkschasts-Iuqen d Groß-Berlin Chazlttinhuzg; Iuaendheim Sprecstr. 30. Ausspracheabcnd:„Unfcte Wanderungen.— oevpelia.Platz: Jugendheim des Bezirksamts Wed- ding, Turiner Sät Seestraße. Vortrag:„Die soziale Lage der arbeiten. den Jugend".— Sermaonpl-g: Jugendheim SanderNr. II. Sät Labrechistrage. Unser« Fahrtencrsebniffe.— Süden, Tüdwesten: Krupvenheim Walseriorstr. S, vorn Part. Echachlehrabend.— Rordriug: Jugendheim Schule Eonncnburger Straße 20. Voralbng in Wort, Bild und Lied. ZuaenSaruppe ves?entralverbandes Per Anaestettten !' Heute, ffreitag. sind folgende Beronstaltungen: Paolow-RiederschS». Hanse»: Jugendheim Sorschftr. 14 sgrvße? Zimmers. Äusspracheobend vber„Religion und Gesellschaft".— Lberspre«: Jugendheim Laufencr Str. 2. Vortrog:„Leo Tolsioi, sein Leben und sein» Werke". Referent?r. Mar Schütte.— Köpenick: Zugendheim Grünauer Str. 5. Bortrag:„Aus Friedrich Sberts Leben". Referent Heinz Mang.— Südwest: Zugendbeim Belle. Alliancc. Straß« 7—10. Gruppenbesprechung. Liedcrabcnd.— Reukölln»ad Urban: Zugendheun Böhmisch« Str. 1—1. Berusslundlich« Arbeitsgemeinschaft. wnümt/ soll anregen, aber nicht aufregen, soll wohlschmeckend, aber nicht schädlich sein. Kaffee Hag. der coffeinfrelo Bohnenkaffee erfüllt alle diese Forderungen. Ihr tägliches Getränk sollte daher Kaffee Hag sein. Geschmack und Aroma sind hervorragend. Ihr Wohlbefinden wird beweisen, wie gut Ihnen Kaffee Hag bekommt.