BERLIN Sonnabend LZllNI 1929 10 Pf. Nr. 252' B 125 46. Lahrgang. S kschetut tS,lich anßerEount-s«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BezugSprei» beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Lxpedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 8 „VnWvlsfa E etgeopret«! Die einspaltige Nonpareillejeile Pf.. Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkont«: Vorwärts-Verlag G. m. d.H.. Berlin Nr.»7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff sss bis 29? Baldwin will bleiben! Cr trotzt der Niederlage- Lloyd George soll ihn stürzen. London» 1. Jnnk.(Reuter.) Es wird als sicher angesehen, daß Baldwin beschließe« wird, am 25. Jnni Nor das nene Parlament zu trete« uild de» Liberale« die Verantwortung zu über» lassen, ihn durch ihre Abstimmung zu st 2 r z e n. Da jedoch eine Verbindung der konservativen und der libera» le« Stimmen im Unterhaus nur einen sehr geringen Sicherheitsspielraum lassen würde, so ist es auch möglich. daß nach Zusammentritt des Parlaments sich Baldwi« dahin entscheiden wird, daß er die Regierung nicht in nühlicher Weise weiter führen kann. Indessen muß wiederholt daraus hingewiesen werden, daß ein Rücktritt der Regierung vor dem Zusammentritt des Parlaments nicht z« erwarte« ist. Die lehien Ziffern. Mehr konservativ« Stimmen, veniger Mandate. London, l. Zuni.(Eigenbericht.) Bicher sind 599 Ergebnisse von incgesamt SlS Wahlkreisen de- faanl. Es erhielten Mandate: Arbeiterpartei 289(che» rcmn 129, Verlust 4), Konservative 252(Gewinn Z. Verlust 1Z8). Liberale 54(Gewinn 29, Verlust 19), Parteilose 6(Gewinn 3, Verlust 2). Ilm 9 Uhr abends stellten sich die für die Parteien abgegebenen Stimmen wie folgt dar: Konservativ« 8 501 579, Arbeiterpartei 8 306 477, Liberale 5 220 577, Unabhängige 220 389, Kommunisten 50 814. wie ans diesen Ziffern hervorgeht, haben die Konservativen ihre Niederlage erlitten, obwohl sie beinahe 200 000 Stimmen mehr erhielten als die Arbeiterpartei. von den von den Parteien aufgestellten 89 weiblichen Kandl. daten sind lediglich 1 3 ins Parlament gewählt worden. Der Zührer der britischen Arbeiterpartei Macdonald war gestern abend bei seiner Rückkehr nach London aus dem Kings-Eroh- vahnhof Gegenstand stürmischer Ovationen einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge. Lediglich ein Teil der Morgenpresie beschäftigt sich mit der Er- Srlerung der Konsequenzen, die sich aus der neuen parlamen- »arischen Lage ergeben. Di« Auffassungen im konservativen Lager scheinen geteilt zu sein. Der konservative„Daily Telegraph" betont, der Gedanke an einen Rücktritt Baldwins könne angesichts der Talsache, daß kelneanderePartei eine Mehrheit habe, weder für ihn noch für seine Partei erträglich sein. Das verfassungsmähige richtige vorgehen sei, sich dem neuen Unterhaus zu stellen und die Verantwortung für das Verbleiben und Richtverb'eiben dem Parlament zu überlassen. Zm Gegensah hierzu betont die rechtskonser- vative.Morningpost" al» einziges Blatt den katastrophalen Au». gang der Wahlen. Außer der Erkrankung des Königs gebe es keine Ueberlegung. die Baldwin dazu veranlassen könnte, auch nur einen Augenblick länger ln der Regierung zu bleiben, als die vorbereituu- gen für einen Wechsel notwendig machten. .Daily herald", da» Blatt der Arbeiterpartei, erklärt, Baldwin» Pflicht liege Nor zutage. Der konservative Ministerpräfl. d?nt könne einen Teil der Leiden, die er und seine Sollegen ihren Landeleuten zugefügt hätten, dadurch M'ldern, daß er zurück- t' e t e und es dem vom Volk gewählten Führer Macdonald ermög- liche, vor das Parlament zu treten und das Werk wieder aufzu- nehmen, das durch eine Intrige im Zohre 1924 unterbrochen wurde. Oer kommun'stifche Zusammenbruch. Wie gemeldet wird, hat die Universität London ihren bisherigen parteilosen Vertreter wiedergewählt. Das neue Parlament wird 13 Frauen zahlen gegen 9 im alten Parlament: davon gehören drei der Konservativen, neun der Arbeiter- und eine der Liberalen Partei an. Der vollständige Mißerfolg der Kommunisten wird durch die Tatsache dokumentiert, daß keiner ihrer 25 Kandidaten gewählt wurde und daß 21 von ihnen die hinterlegte Geldsumm« v e r> 1 i e r e n, da sie das erforderliche Dtimmenmimmum nicht erhalten haben.__ Lynchjustiz gegen Jltctr. Tlcm Pirk, 1. Juni. 3a«lamo(Kansas) stürmten mehrer« hunder« Einwohner das Gefängnis und holten noch UeberwSitlgung der wachmannschasten einen 19 Jahre allen Reger heraus, der angeNagt war. eine 40jShrlge Frau umgebracht zu haben. Er wurde außerhalb der Stadl an«ine« Baum aufgehängt. Stöpfe aus der englischen Arbeiterpartei > ahems Snotvden, Vtostey, Menderson Vitien: Thomas, tPonsonby, Clynes Mord an der Havel? Ein menschlicher Rumpf bei(Schildhorn. Durch eine« gransigen Fund, der heule vormittag in der Havel gemacht wurde, glaubt die Berliner Kriminalpolizei ans die Spur eines Kapitalverbrechens gekommen zu fein. Dicht bei Schildhorn sahen Fischer, die ihren Kahn dicht am User fortbewegten, im Wasser einen Leichenteil treiben. Mit einem Bootshaken zogen sie den schaurigen Fund ans Ufer, ssier erkannte man. daß es sich um einen menschlichen Pumps handelte. Die Polizei wurde benachrichtigt, die nach Aufnahme des Befundes sSfort die Mordkommission nachalarmierte. Dem Torso waren anscheinend die Geschlechtsteile abgeschnitten, so daß im Augenblick nicht zu erkennen war, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Rumpf handelte. Der Kops, die Arme und Beine waren, wie es scheint, kunstgerecht vom Rumpf getrennt. Der Torso wurde ins Charlottenburger Schouhaue gebracht, wo eine genaue Untersuchung über die Geschlechtszugehörigkeit vorgenommen wurde. ssoute nachmittag wird die ssavel an der Fundstelle, sowie Im weiteren Umkreise abgesucht werden, da man vermutet, daß auch die übrige« Körperteil« ine Wasser geworfen wurden. Nach seinem Zustand kann der Torso etwa acht bis zehn Tage im Wasser gelegen haben. Der Fund erinnert- stark an einen früheren Fall. Bor Jahren wurde in der gleichen Gegend ein weiblicher Torso gesunden, und nach langen Ermittlum gen wurde festgestellt, daß die Ermordete eine frühere ssausangcstellte Frieda Ahrendt gewesen war. Bis zum heutigen Tage ist sener Mord nicht ausgeklärt, man hat auch nie den Kopf der Unglücklichen gesunden. Sechs Menschen erschlagen! Aus Mitleid hatte man ihn aufgenommen. Budapest, 1. Juni. Aus Belgrad wird über eine furchtbare Blut, tat berichtet, die ein 18jährigcr Wanderbursche im Hause eines Bäckermeisters in P l e w n a begange« hat. Man hatte ihm aus Mitleid Nachtquartier gewährt und wollte ihn am nächsten Tage, da er gleichfalls Bäcker zu sein vorgab, in Arbeit stellen. In der Nacht erschlug er mit einem Beil die Frau des Bäckermeisters, dessen beiden Kinder, den Schwiegervater und zwei Bäckerlehrlinge, im Ganzen also sechs Menschen. Der Bäckermeister entging seinem Schicksal nur dadurch, daß er bereits am Back- ofcn beschäftigt war. Nach einem Kampf auf Leben und Tod ergriff der Wandergcsclle die Flucht, wurde aber bald fcstgcnomm c n. Bei der Gendarmerie g c st a n d er, daß er sämtliche Hausbewohner umbringen wollte, um den Bäcker- mcistcr berauben zu können. Kirchenfriede in Mexiko? Verhandlungen zwischen Papst und Präsident. RewPork. 1. Juni. Oer früher aus Mexiko ausgewiesene Erzbischos von Morelia. Lepoldo Ruizy Flores. ist nach Mexiko zurückgereist, um al» Beauftragter des Vatikans mit dem mexikanischen Präsidenten portez Gl! über die Regelung der mexikanischen kirchensrage zu verhandeln. Prosit Rupprecht! Stahlhelm feiert den.Erben der Krone". München. 1. Juni(Eigenbericht.) Der Stahlhelmtag in München hat am Freitagabend mit der angekündigten preußischen Invasion im Löwenbräukeller begonnen. An langen Tafeln hatten außer den Stahlhelmern die pensionierten Exzellenzen und Generäle der alten bayerischen Armee Platz genommen, angetan mit ihren ordensgeschmückten Uniformen und begleitet von ihren Damen. Als Auftakt verlas der neue Führer des bayerischen Stahlhelms, jener Oberst v. Lenz, der in den Putschjahren 1322/23 durch die Organisierung der Münchener Studenten als Zeitfreiwillige ein« dunkle Rolle spielte, ein Dank- telegramm de§ Exkronprinzen Rupprecht, worauf dieser von der Versammlung mit der An:rkennung als rechtmäßiger Erbe der Krone Bayerns(!) stürmisch gefeiert wurde. Unter joh- lendem Beifall erklärte dazu cherr Lenz, daß die bayerische Eigen- staatlichkeit niemals bedroht gewesen sei von dem militärischen Preußen, wohl aber von den zurzeit i n der Regierung be- findlichen internationalen Gesellen! Als Abschluß dieses föderalistischen Theaters wurde die Kaiserhymne gespielt, worauf noch Herr Seldte um die bisher so spröde Seele Bayerns warb. Der Stahlhelm se, auf den Marsch gegangen, um sich die Macht im Staate zu holen, aber nur die Macht für den nationalen Teil des Volkes. Der Stahlhelm wolle keine Revolution und er mache auch keine Revolution, er wolle vielmehr mit zäher Arbeit und Vorbereitung rüsten und sich bereithalten für den Tag, an dem er das heutige System auf dem natürlichen Weg« beseitigen könne ohne Bürgerkrieg und ohne Gefahr feindlicher Einmischung. Er habe dazu ein neues Mittel des elasti- schen Kampfes gefunden, nämlich das Bolksbegehren. Sein« Ham- burger und Berliner Botschaft Halle er uneingeschränkt ausrecht, da die Link« bewiesen habe, daß alle ihre Lehren Mist seien. Mit militärischen Märschen und vollen Maßkrügen ging dann der Be- grüßungsobend zu Ende. Volkspartei und Preußen. Sie will in die Reqierung. Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei hat in Berlin getagt. Der Reichsausschuß ist die Zusammenfassung der Partei- spitzen Im Reich, in den Ländern und den Wahlkreisen. Es gehören j ihm an die Mitglieder des Parteivorstandes, des geschästsführenden Ausschusses, Vertreter der Fraktionen, die Wahlkreisoorsitzenden und die Wahlkreisgeschäftsführer. Zur Preußenpolitik wurde betont, daß die Deutsche Volkspartei, nachdem sie fast 6 Jahre an den verantwortlichen Stellen der Reichspolitik gestanden hat, jetzt mit Nachdruck ihre B e t e i l i- gung an der preußischen Regierung betreiben müsse. Die Bemühungen der Parlamentsfraktionen zur Senkung der steuerlichen und sozialen Lasten wurden anerkannt. Die par'ei- offiziöse Mitteilung sagt ferner:„Einmütigkeit herrschte auch über die Notwendigkeit der Reichs- und Verwaltungsreform, wie einer grundlegenden Reform der sozialen Gesetzgebung, vor allem der Arbeitslosenversicherung." Diese volksparteiliche Mitteilung deckt sich mit den Ausführungen von Dr. Scholz in der„Königsberger Allgemeinen Zeitung". Scholz hatte eine grundsätzliche Aenderung der gesetzlichen Grund- lagen der ll r b e i t s l o s e n v e r si ch e r u n g gefordert. Die So- zialdemökratie lehnt, wie in Magdeburg hinreichend deutlich erklärt wurde, jede grundlegende Aenderung der Arbeitslosenversicherung ab. Das sollte die Volkspartei nicht übersehen. Schlachtschiffe fressen Kapital. Amerikanische Wirtschastspolitik gegen unproduktive Ausgaben. Washington. Zt. Mai. Nachdem gestern Präsident Ho od er sich für eine »ewe Teeabrüstnngskonferenz eingesetzt hatte, machte hente sein Staatssekretär Steinson ans einige..prak- tische Seiten der Frage" aufmerksam. Ein Schlachtschiff koste jetzt ZL bis 40 Millionen Dollar herzustellen, das mehrfache von den Kosten in frühereu Jahren, käme es zu keinen neue« Abrnstungsvereinbarungen. so mühte Amerika allein für Neubauten in den nächsten Jahre« t.2 Milliarden Dollar aufwenden. Dazu kämen noch die Kosten für den Betrieb dieser Schiffe. Diese Milliardenzahl stelle die Kosten nur eines einzigen Landes dar. Baue aber Amerika, mühten. andere Länder ebenfalls bauen. Eine wahnsinnige Last völlig unproduktiver Ausgaben werde ohne See- abrüstnugsabkommen der Weltwirtschaft in den nächste« IL Jahren auferlegt. Die Räumung wird in Gang kommen. Paris, 1. Juni.(Eigenbericht.) Leon Blum hat an Macdonald ein Glückwunschtelegramm ge- richtet, worin er den glänzenden Sieg der englischen Arbeiterpartei, den Sieg der Demokratie und des Friedens feiert. Mit ihm begrüßt die französische Linkspresse den Wahlsieg der Arbeiterpartei als einen Erfolg für die Verständigung unter den Völkern, für Abrüstung und für den Frieden. Die bürgerlichen Blätter allerdings können der englischen Arbeiterpartei die Rede Snowdens noch immer nicht verzeihen. Sie machen zwar gute Miene zum bösen Spiel, aber sie geben doch der Hoffnung Ausdruck, daß es den vereinten Bemühun- gen der Konservativen und Liberalen gelingen werde, eine Arbeiter« regierung streng imZaume zu halten und möglichst bald Neu- wählen zu provozieren, die andere, für die alt« Politik der Lntent« corckiele Mehrheitsoerhältnisse schaffen. Einige besonders reaktionäre Blätter gehen sogar noch weiter. Das nationalistische.Echo de Paris" spricht von den.furchtbaren Folgen", die..die Herr- schaft der Arbeiterpartei für Frankreich haben müsse, da nun die Rheinlandräum un g nicht mehr zu vermeiden sei. Die hyper- faschistisch-royalistische„Action Francaise" bringt es sogar fertig zu behaupten, daß die englische Arbeiterpartei die englisch« Währung ruinieren werde. Sauerwein meldet, daß Macdonald ein Friedens- manifest an die Adresse aller europäischen und amerikanischen Nationen erlassen werde „Times" zusolg« wird der jetzt fertige Bericht de» Unteraus- schusses für Minderheiten wahrscheinlich der Hauptpunkt des Programms der 65. Tagung des Dölkerbundsrats sein, die am 1V. Juni in Madrid beginnen soll. In normalen Fällen wären Fragen wie die Reporations- und die Räumungsfrage wohl sicher zwischen den Vertretern der interessierten Mächte erörtert worden: aber angesichts der Unsicherheit der politischen Lage in England könne man kaum annchmen, daß Chamberlain, der sich, wie man Oer stärkste Mann im Dorf. Kreuzfelds dunkle Rolle im Nogens-Prozeß. Iteufirelih. 1. Juni.(Eigenbericht.) Der Zeuge Kreuzfeld, der heute morgen vernommen wer- den sollte, war wohl nicht so schnell zu erreichen: er ist nicht er- schienen. Trotzdem beschästigte seine Person gleich nach Er- öffnung das Gericht in einer Weise, daß man sich über ihn und seine mögliche Rolle bei der Beseitigung des kleinen Ewald unwill- kürlich besondere Gedanken machen muht«. August No- gens hat den Kreuzfeld in seinen Aussagen vor dem Reg!«rungsrat Steudinger vollkommen eindeutig der Anstiftung zur Ermor- dung des kleinen Ewald beschuldigt und erklärt, daß er erst nach dem Wunsche Kreuzfelds Iakubowski vor Gericht b e l a st e t hat. Später hat er diese Belastung zurückgenommen und in ollen Fällen, wo er früher Kreuzfeld erwähnt hatte, nun Iakubowski ge- nannt Auch heute bestritt er. von Kreuzfe'd zur Tat angestiftet worden zu sein und seine Aussagen in der ersten Gerichtsve:hand- lung dessen Wunsch gemäß eingerichtet zu haben. Eine Scnsa- t i o n bedeutet es aber, als er trotz dieses Bestretiens mit aller Entschiedenheit dabei bleibt, daß Kreuzfeld ihm gesagt Hab«, wenn die Vorstellungen beim Wohnungsamt wegen der Wegnahme der Stube von Rogens nichts nutzen sollten, müsse Ewald beseitigt werden. Er blieb auch dabei, daß er geglaubt Hab«, Iakubowski würde nur 5 bis tz Jahr« Gefängnis bekommen, da er ja u n- schuldig sei: unschuldig— er will darunter verstehen, daß Iaku- bowski nur der Anstifter war. Er beruft sich dabei auf das Gespräch, dos Iakubowski mit ihm wegen der Beseitigung des kleinen Ewald geführt hat. Als dann schließlich der Vertreter des Nebenklägers Rechtsanwalt Brandt chn fragte, ob er etwa in der ersten Gerichtsverhandlung über Kceuzfelds Gespräche mit chm aus Angst vor diesem geschwiegen habe, sagt er: Möglich. Man kann sich kaum denken, daß August sich alle Einzelheiten, di« er dem Regierungsrat Steudinger über Kreuzfell» erzählt hat, aus den Fingern gesogen hat. Die Persönlichkeit Kreuzfetds erscheint auch in anderer Hinsicht in eigentümlicher Beleuchtung. Fritz stand v o l l k o m- men unter seinem Einfluß und das war ein schlechter Einfluß. Kreuzseld nahm ihm dos Geld, das er verdiente, ab und hiell ihn zu schlimmen Dingen an. Kreuzfeld war der stärkste Mann im Dorf. Die Mutter Rogens droht dem Fritz mit Fürsorgeerziehung, falls er die Freundschaft mit Kreuzfeld nicht aufgeben würde und si« machte ihre Drohung schließlich zur Tatsach». Iakubowski ist tot, Kreuzfeld lebt. Sollte Fritz etwa aus diesem Grunde jenen belasten und diesen schonen? Wer lüftet da» Dunkel? « Am fünften Verhandlungstag im Nogens-Prozeß ist ein Massenaufgebot von Zeugen zu verzeichnen. Bor Beginn der Vernehmungen bestätigte noch die Angeklagte Frau K ä h l e r dem Vertreter der Nebenkläger, daß Paul Kreuzseld aus ihren Sohn Fritz einen sehr schlechten Einfluß ausgeübt habe. Sodann unterwirft Dr. Brandt den Angeklagten August Rogens einem spannenden Verhör, um herauszubekommen, ob und inwieweit etwa auch Paul Kreuzfeld an dem Morde beteiligt gewesen sein könnt«. Er fragte August Rogens: Kreuzfeld,>o tagten Sie früher, soll»ersucht haben, Sie anzustiften, den Ewald umzubringen. August: Das habe ich alles erfunden. Es trifft nicht zu. daß Kreuzseld mir wiederHoll geraten hätte. ich sollte dem Ewald ein Taschentuch in den Mund stecken und ihn auf einen Wagen packen. R.-A. Brandt: Warum haben Sie das denn gelogen? August Rogens: Kreuzseld woltte dem- jenigen, der etwas verriet, das Genick umdrehen. Er hat mir auch geraten, di« Schuld auf Iakubowski zu schieben. August Rogens bleibt bei seiner Darstellung, obwohl ihn der Staatsanwalt darauf hinweist, daß er seiner Erklärung keinen Glauben schenken könne. Auf weitere Fragen erklärt August, es könne stimmen, daß«r Iakubowski auf Anraten von Sreuzfcld belastet Hab«, in dem Glauben, daß Iakubowski deswegen nicht gleich zum Tode oerurteilt werden würde. Er habe zwar Iakubowski nicht direkt für unschuldig gehalten, aber geglaubt, daß er der An- stister sei. Weiter betont August wiederHoll die Angst vor Kreuz- feld, die ihn zu falschen Aussagen veranlaßt habe. Dann beginnt die Zeugenvernehmung. Der Landwirt Eggert schildert Iakubowski als ruhigen, arbeitsamen, im allgemeinen zuverlässigen und sporsamen Menschen Für seine Kinder sei Iakubowski sehr für- sorglich gewesen. Einer Gerichtsverhandlung könne Iakubowski nach seiner Meinung nicht ohne weiteres folgen. August Rogens, der gleichsalls auf dem Eggertschen Hofe arbeitete, häll der Zeuge für faul und oerlooen. Frau Rodens war fleißig ynd sauber. Die Zeugenvernehmung dauert bei Schluß der Redaktion fort. augenblicklich immer noch erwarte, nach Madrid begeben werde, be- reit sein werde. Probleme von größerer poli ischer Bedeutung zu behandeln. Der britische Vertreter und sein Ratgeber beabsichtigen, am Dienstagvormittag von London abzufahren. Was tonnte ihm denn passieren? Interessante Aussagen im SiinneS-prozeß. Zu Beginn der heutigen Verhandlung betonte Staatsanwalt- schaftsrat Berliner zunächst, daß di« in einem Teil der Presse ver- treten« Auffassung, daß der in Paris lebende Angeklagte Eugen Hirsch seine Aussage zurückgezogen habe, nach seiner Ansicht irrig sei. Längere Auseinandersetzungen entspannen sich dann über den Termin, an welchem sich damals der Krach zwischen Schneid einer- seit», dem Bankier Bloch. Leo Hirsch und Bela Groß andererseits in einem Berliner Luxushotel ereignet haben soll, in dessen Verlaus Schneid dann aus diesem Geschäft ausschied. R.-A. W a l d e ck: Was Schneid beabsichtigte, war vollkommen legal. Justizrat Da- vidsohn: Bela Groß hat mit Leo Hirsch das ganze Ge- schüft bei dem angesehenen Rechtsanwalt Schönbrunn in Wien durchgesprochen. Bela Groß: Es wurde zuerst so unbestimmt ge- sprachen, daß ich mir keinen genauen Ueberblick verschaffen konnte. Erst später entwickellen sich für mich die Konturen des Geschäfts, und zwar das Ziel, Neubesitz als Altbesitz zu präsentieren. Dann fuhr Bela Groß in seiner Schilderung des ganzen Geschäfts fort. Er erwähnte zunächst, daß Stinnes in Rumänien eine Untergesellschaft hatte, die dort ein großes Lager von Altmetall besaß. Diese Bestände konnten nicht exportiert wer- den, weil der Exportzoll höher war als der Wert des Metalls. Roth- mann, der mit Leo Hirsch nach Wien kam, erzählte Groß zunächst von seinen in Paris eingeleiteten Bemühungen, Rumänien zu einer Ermäßigung des Exportzolls zu veranlassen. Dann kam Rothmann bei dieser ersten Besprechung im Hotel Bristol in Wien auf den eigentlichen Zweck seiner Reise, auf das Anleihegsschäft, zu sprechen, aber ohne zunächst aus Einzelheiten einzugehen. Auch bei späteren Unterredungen habe Rothmann in der Hauptsache nur von geschäftlichen Plänen de« Hauses Stinnes in Rumänien und Oesterreich, aber nur nebenbei von dem Kriegs- anleihegeschäft im allgemeinen gesprochen. Er, Groß, habe den begreiflichen Wunsch gehabt, mit Stinnes in Fühlung zu kommen, um sich bei ihm einen neuen Wirkungskreis zu schaffen. Ein«s Tages habe Nochmann ihm nun 100 000 M. zur Beschaffung von Kriegsanleihe in Rumänien zur Verfügung gestellt. In dem hierzu verlesenen Brief Nothmanns an Groß wird der An- kauf von Anleihe bis zu 125 000 M. Nominalwert gewünscht und die Erwartung ausgesprochen, daß Groß aus Grund seiner Be- Ziehungen in Rumänien diesen Auftrag durchführen und auch für den Export der Papiere in legaler Form sorgen werde. Für diese Zweck« wurden ihm von Rbchmann 100 000 M. zur Verfügung gestellt. Bela Groß: Mir war jedenfalls klar, daß es sich nur darum handeln konnte. Reubesitz einzukaufen und ihn als Altbesih einzureichen, denn aus andere weise konnte kein Geld verdient werden. Ich habe allerdings damals mit Rothmann über diese Auslegung nicht gesprochen. Den Einkauf sollte Bloch besorgen, und in diesem Zusammenhang kam Leo Hirsch bei unseren Unterredungen auch aus di« Sortierung der Anleihe st ück« zu sprechen. Hirsch erklärte, ohne Sortierung, also ohne Hinzuziehung Schneids, sei das Geschäft nicht durchführbar. Weiter betonte der Angeklagte, daß er nach Kenntnis der ganzen Materie sich bei dem Recht sanmall Schönbrunn in Wien erkundigt habe. was ihm passieren könne, wenn er Reubesth als Altbesih anmeld«. Dabei seien di« materiellen Ergebnisse des ganzen Geschäfts für ihn nicht so wichtig gewesen. Der Anwalt habe ihm in dieser eingehen- den Besprechung erklärt, er riskiere höchstens Zurückweisung seiner Anträge und ein« Ordnungsstrafe bis zu 10000 M., unter Umständen aber auch ein Strafverfahren wegen Betruges. Dieses Risiko habe er auf sich genommen. Ein Zavalier. Ludendorff geg»n Frau Ludendorff. Die Erinnerungen der geschiedenen Frau Margarethe Luden- dorfj haben Helden-Erich zu einem Protest veranlaßt. Er wirst Frau Ludendorff vor, das Bild seiner ersten Eh« zu verfälschen: An Stelle des tatsächlichen Unheils einer Ehe mit einer gegen meine Person mit stärkstem Haß erfüllten Morphi- nistin wurde durch die gewandte schriftstellerische F e d e r mit Worten der Verehrung für mich und in sentimentaler Phantasie eine glückliche Ehe gezeichnet. Den freien Deutschen überlasse ich das Urtell über die Heraus- gäbe solches Buches, ganz gleich, wie auch der Inhalt wäre, hinter meinem Rücken durch diese Fkau. die heute noch sich mit meinem Namen ehrt. Der einzig mildernde Umstand für dieses der guten Sitte geschiedener Menschen widersprechende Verhalten ist darin zu luchen, daß sich die Frau durch Morphium und andere Rauschgifte schon vor dem Wettkriege und fortschreitend mehr und mehr in jeder Beziehung zerstört hat. Das unmögliche Kauderwelsch dieser Sätze ist ebenso kennzeich- nend für den„edelsten Deutschen" wie die kavaliermäßige Gesinnung. die wahrhaft erschütternd in ihnen durchbricht. Roch immer versteckie Waffen. vraunschwelg. 1. Juni(Eigenbericht.) Im Lande Braunschweig sind wieder Waffen gefunden worden, und zwar in dem Dorf« Nordossel bei Lisse.«in schweres und ein leichtes Maschinengewehr sowie 45 Infanteriegewehre. Lisse ist der Ort, in dem erst vor wenigen Togen die braunschweigisch« Polizei bei Nationalsozialisten«in größeres Waffenlager aushob. Moskau ist auf pekiug wüiend. Wegen des lleberfalles auf dos Konsulat in Lharbin. Moskau, 1. Juni. Dem chinesischen Geschäftsträger in Moskau wurde eine von Karachan unterzeichnete Note aus Anlaß des polizeilichen Heber- falls und der Haussuchung in den Räumlichkeiten des General- konsulat» der Sowjetunion in C Harb in überreicht. Die Note betont den gewaltsamen ungesetzlichen Charakter des lieber- falles, der begleitet war von der Wegnahme von Sachen und Geldern und von körperlichen Gewalttaten gegenüber Mitarbeitern des Konsulats. Die Note weist daraus hin, daß die Mitteilung der Charbiner Behörden über«ine im Konsulat abgehalten«„Sitzung der 3. Internationale" ein« unsinnige Erfindung darstelle und einen hilflosen Versuch, sich der verdienten Strafe für das krasse empörende Vorgehen zu entziehen. Unter Aufzählung einer Reihe provokatorischer Handlungen der chinesischen Behörden gegenüber der Botschaft und den Konsulaten der Sowjetunion, angesangen mit dem Uebersall auf die Botschaft in Peking, führt die Note aus: Die Sowjetregierung hat sich mit unendlicher Langmut jeder B«r- geltungsmaßnahme enthalten und der chinesischen Mission und den chinesischen Konsulaten den üblichen Schutz gewährt. Die Sowjet- regierung sieht sich jedoch genötigt festzustellen, daß ihre ruhige freundschaftliche Haltung von sowjetfeindlicher Seite als«in Beweis dafür auegelegt wird, daß die Sowjetregierung auch alle weiteren Provokationen unbeantwortet lassen wolle. Die Sowjetregierung muß den allerenergischstcn Protest gegen den polizeilichen Unfug einlegen und di« sofortige Freilassung der Aerhasteten und die Rückgabe der gesamten Korrespondenz und sämtlicher gestohlenen Sachen und Gelder fordern. Da die chinesischen DeHörden, so wird in der Note weiter ausgeführt, durch chr vorgehen ihre offenkundig« Abneigung und Unfähigkeit beweisen, mit den allgemein gültigen internationalen Rechtsnormen zu rechnen, fühlt sich auch die Sowjet- regierung in Zukunft nicht mehr an di» allgemein gültigen inter- nationalen Rechtsnormen gegenüber der chinesischen Vertretung in Moskau und den chinesischen Konsulaten gebunden, denen weiterhin Exterritorialitätsrechte nicht mehr zuerkannt werden. Di« Sowjetregierung erstrebt die Wahrung freundschaftlicher Beziehungen zum chinesischen Volke, sieht sich jedoch genötigt, die Nankinger Regierung aus dos«ntschisdenste vor einer weitcren Er- probung der Langmut der Sowjetunion durch provokatorische Hand- lungen und Verletzung der Verträge und Abkommen zu warnen. Abschied von Magdeburg. Stimmen zum Parteitag. In der Magdeburger„Volksstimme" schreibt Genosse Paul Lobe: Wer diesen Parteitag nicht mit gehobenen Gefühlen verläßt, muß die Fähigkeit ehrlicher Begeisterung verloren haben oder ein ganz unverbesserlicher Richtungsfanatiker fein. Diese Verbundenheit treuer und opferwilliger Anhänger mit ihrer Partei, diese geistig hochstehenden Verhandwngen, die kameradschaftliche Auseinandersetzung auch dort, wo scharfe Gc- stnnungsdifferenzen vorlagen— sie bedeuten einen äußern und innern Ausstieg unsrer Bewegung, wie er in politisch und wirtschaftlich so schwerer Zeit wohl nie einer politischen Partei beschieden war. Wenn unsre Minister, wenn Braun. Müller. S e v e r i n g mit freundschasllichem Händeklatschen aus die Redner- trfbüne geleitet wurden, so war das weder Götzendienst noch die Bekundungen des Einverständnisses mit jeder ihrer Handlungen, aber die große Mehrheit des Parteitags wollte ihnen doch zurufen, wir kennen eure Schwierigkeiten, wir wissen, wieviel Lebens- und Rervenkraft ihr bei eurer noch undankbaren Ausgabe hingeben müßt, aber wir zweifeln keine Minute an eurer aufrichtigen Hingabe an die Arbeiterklasie und ihre Ziele—, drum seid bedankt! ... Es blieb nirgends auf diesem Parteitag auch für den Unterlegenen eine schmerzende Wunde zurück, der ritterliche G e i st ließ fast überall auch Freude am Argument des Gegners empfinden, erst recht dort, wo es mit Ironie oder Sarkasmus ge- würzt war.'... So wurde der Magdeburger Parteitag nicht nur zum Wahr- zeichen eines erfreulichen geistigen Ausstiegs und innerer Konsolö- dierung, er gab seinen Teilnehmern auch eine seelische Erholung und Erbauung mit. Er hat es seinen Nachfolgern schwergemacht — doch wir schreiten vorwärts! An derselben Stelle schreibt Genossin Toni Sender: Nie seit der Wiedervereinigung wurde solch gute geistige Aus- «inandersetzung gepflogen, nie war der Ton kameradschaft- l> ch e r als in Magdeburg. Man glaubt einander, daß alle Teil« nur die Förderung der Partei und der Arbeiterklasse im Aug« haben. Und dennoch war niemals bisher eine so breite Front der Kritik und der Warnung Hatte doch z. B. im Anschluß an die Panzer- kreuzeraffär« die Debatte des Wehrprogramms die ganze Partei aufgerüttelt. Es schien zweifelhaft, ob es überhaupt zu einer Mehr- heitsbildung kommen könne. Auf die Art der Erledigung fällt frei- lich auch ein Schatten. Sollt« man überhaupt programmatische For- mulierungen gegen so starke Minderheiten verabschieden? Da» Stimmenverhällnis stand bei dem Votum über den Antrag zur Vertagung so, daß— nimmt man nur die gewähllen Delegierten des Parteitags— beide sich gegenüberstehende Meinungen etwa die gleiche Stärke hatten. Es wäre darum klüger gewesen, die Erledigung nicht zu überstürzen und die endgültige Verabschiedung dem nächsten Parteitag zu überlassen. Ein Vakuum wäre dadurch nicht entstanden; liegen doch die Brüsseler Beschlüsse in der Frag« vor. denen auch die deutschen Vertreter zustimmten, und die sür die Partei verpflichtend sind. Kein Zweifel aber kann darüber bestehen, daß eine Fortsetzung der Aussprache nicht nur das geistige Leben der- Partei angeregt, sondern auch eine starke Annäherung der Meinungen, die Möglichkeit einer Synthese der Ausfassun- gen gebracht hätte. Zu lang« war man der grundsätzlichen Dis- kussionen in der Partei entwöhnt und hatte dadurch Gelegenheit ge- geben, daß an Stelle der Gedanken sich Schlagworte einnisten konnten. In einer Partei wie der unseren darf aber niemals Er- ftarrung eintreten, müssen praktische Lösungen sich stets orientieren an der Richtschnur der sozialistischen Theorie. Nicht ganz derselben Meinung ist Genosse D i t t m a n n. der schreibt: Die Annahme der Richtlinien bedeutet keine veränderte Stellungnahme der Partei. In bürgerüchen Kreisen mag man das geglaubt hoben, weil man dort die Stellung der Partei in der Vorkriegszeit seit ihrer Gründung meist gar nicht kennt. Dort herrscht vielfach der Glaube, die Sozialdemokratie Hab« vor dem Kriege denselben intransigenten und scheinbar hyperradikalen Stand- punkt eingenommen, den heute die Kommunisten zum.Leer im kapitalistischen Staat" einnehmen. Und auch manche Parteigenossen der jüngeren Generation mögen geglaubt haben, die Partei habe früher grundsätzlich jedes Heer abgelehnt.„Diesem System keinen Mann und keinen Gro'chen." dieses politische Schlagwort, übernommen aus dem Sprachschatz des Liberalismus in der bismärckischen Zeit, hat manchen dieser Genossen zu seinem Irrtum oerleitet. Aber totsächlich hat die Sozialdemokratie der Vor- kriegezeit ihre Gegnerschaft nicht gegen das Heer selbst gerichtet, sondern gegen das System des stehenden Heeres, an dessen Stell« sie das Milizsystem gefordert hat. Die die Wehrfrage betreffenden Stellen aus dem Kommentar von K a u t s k y und S ch ö n l a n k zum Erfurter Programm, die ich auf dem Parteitag verlesen habe, wirken heute fast befremdend, scheinen uns beinahe eine nationalistische und militaristisch« Färbung und Tendenz zu haben, während sie in der Vorkriegszeit Allgemein- gut in der Partei waren. Würden die jetzt angenommenen Richt- linien dieselbe Sprache führen, so würden sie mit großer Mehrheit abgelehnt worden sein. Ich bin überzeugt, daß auch die Gegner des Kommissionsentwurss s l ch bald mit ihm abfinden und in Ihm einen durchaus praktischen Wegweiser für die Tagespolitik sehen werden. Dem ist nur hinzuzufügen, daß es keinem benommen ist, die Diskussion weiterzuführen. Richtlinien, die ein Parteitag beschlossen hat, sind ja keine Dogmen, deren Anzweiflung ver- boten wäre._ Gluiwette über Amerika. 43,3 Grad EelsiuS in den Oststaaten. New gork. i. 3unl ©1« hihewelle. die seit einigen Tagen im Osten der omert- konischen Staate« herrscht, hat teht auch nach den mittel- westlichen und westlichen Staate« der Union übergegriffen, au, denen zahlreiche Tode,sSlle durch HihschlSge und Ertrinken berichtet werden. 3n New York sind am Zreilag 22 Personen an den Folgen der hihewelle gestorben. va, durch die hihe verursachte Unbehagen wird noch erhöht durch den hohen Feuchtigkeitsgehalt der tust. Die höchsten Temperaturen in den Oststaaten wurden in Eorlnth(New yarks mit 43.3 und in Boston mit 35,5 Grad Celsius gemessen. 2a Bridgeporl(Connecticut) verursachte die hihe die Explosion von zwei pnlvermagazinen der Remlng- ton Arm» Company, wobei eine Person verletzt ward«. G. M. im prähifl Man schreibt uns: Ich habe heute die vorgeschichtliche Abteilung des Museums für Völkerkunde in der Prinz-Albrecht-Straß« besucht. Als Wissenschaftler war ich zunächst erstaunt, daß dieses Museum den neueren Forschungsergebnissen recht wenig angepaßt ist und daß Etikett«« bei vielen ausgestellten Stücken fehlen bzw. recht Mangel- Haft sind. Für den Laien wird es ganz unmöglich fein, sich aus d«m Wust der aufgehäuften Schätze«in übersichtliches Bild von der Kulturentwicklung der Vorzeit zu machen. Leider ist man hier noch nicht, wie in jedem besseren Provinzmuseum, dazu übergegangen, wenige, typische Stücke mit kurz erklärenden Etiketten in die Schau. kästen zu legen. Den alt«n Virchow In Ehren, aber weder den Wissenschafter aus der heutigen Generation noch den Laien werden gerade die Meeresmuscheln interessieren, die der Herr Geheimrat in Italien gesammelt hat, zumal es ganz gewöhnliche Austern und Miesmuscheln sind. Dennoch hängt ein besonderer Glaskasten mit diesem Sammelprodukt Dirchows, diesmal durch deutliche Etikette erklärt, im Museum. Weg mit derart simpler Geheimratshierarchie! Ich kam aus Bayern, dem reaktionären Bayern, wie man in Berlin oft hört, aber ich habe immer geglaubt, daß Bayern ein Volts. staat fei. Nur auf den Etiketten im— nebenbei bemerkt staatlichen— Museum in der Prinz-Albrecht-Straße ist Bayern ein Königreich. Aber dieses Museum sst ja ein prähistorisches, offenbar glaubt es seiner Aufgab««her in diesem Sinne gerecht zu werden, als wenn es versuchte, eine wahre Bildungsstätte des Volkes zu werden. Dieses Museum hält nämlich, und darüber war ich zum zweitenmal, jetzt als Republikaner, erstaunt, offenbar auch heut« noch recht viel von „Oer König von Goho." Ein Iannings-Ftlm im llfa-palast am Zoo. Jetzt erst bekommen wir den letzten Film zu sehen, den der ver. storbene große schwedische Regisseur Maurits S t i l l e r in Hollywood gedreht hat, mit Emil Iannings in der Hauptrolle. Am Manuskript hat Joseph von Sternberg mitgewirkt, und die Photographie ist unvergleichlich schön. Es sind also die besten Kräfte aufgeboten worden, und so ist ein Film entstanden, der in seiner Art Klasse ist. Aber die unvermeidliche angelsächsische Lust am Traktätchenstil und seine unüberwindliche Lieb« zur Versüßlichung des Frauentyps bringen ein störendes Element in die fönst höchst realistisch« Dar- stellung von Not, Verbrechen und Prostitution in einem jener berüch- tigten Londoner Slumps, in Soho. Stiller, den wir sonst als den feinen Dichter der schwedischen Landschaft kennen, mall hier mit wahrer Andacht zum Kleinen das Milieu der engen Gasse mit den allen baufälligen Häusern, den Kellergelassen und den winkeligen Dachstuben sowie seiner absonderlichen Bevölkerung, den Elendesten der Elenden� den Ausgestoßenen, den Schnapsmegären, denen man die Beaufsichtv gung der kleinen Kinder in düsteren Löchern anvertraut, den Ver- brechern und Dirnen. Millen unter diesen beinahe phantastischen Erscheinungen wirkt als Zuhälter und Verbrecher Bill, genannt der König von Soho(Emil Iannings). Mit einem gewissen Humor ist sein Zusammenhausen mit dem Straßenmädchen Annie geschildert. In dies« Welt treten mit einem Mal« Abgesandte einer anderen, zwei Heilsarmeeapostel, die den Mut hoben, den Kamps mit dem Elend und der Roheit auszunehmen und allem Hohn und Spott zu trotzen. Di« junge„bildhübsche" Schwester Elisabeth fasziniert das große, gut- mütige Tier Bill. Er wird ihr Beschützer und tritt ihr zuliebe ln die Heilsarmee«in. die mit seiner Hilfe nun einen Kinderhort ins Leben ruft, in dem Bill— ein wahrhaft groteskes Bild— Pflegerdienste an den Kleinen verrichtet. Aus Eifersucht oerrät Annie ihren abtrünnig gewordenen Bill und seine Gefährten, die eben erst ein Stück gedreht haben, an die Polizei. Es erfolgt eine Razzia großen Stils, Flucht der Verbrecher über die Dächer in das Kinderheim, eine wüste, ganz unwahrscheinliche Gchießerei. Bill will die Kinder retten und bekommt dabei den tödlichen Schuß. Um den Sterbenden be- mühen sich die beiden Frauen. Ist das Ganze nun eine Verherrlichung der Heilsarmee, oder wollte man nur in das Dunkel lichte Kontrasterscheinungen stellen? Uns erscheint jedenfalls die Schwester Elisabeth auch in der Dar- stellung der F a y W r a y(als typischer anglikanischer Engel mit dem rührenden Augenaufschlag) als eine Konzession an die Süßig- kellsbedürfnisse. Emil Iannings ist wieder einmal ganz aus einem Guß, ein Kraftkerl, manchmal roh und gewaltsam und doch im Grunde gutmütig. In schöner Selbstdisziplin meidet er all« Uebertreibungen. Ganz hervorragend sst auch die Annie der Olga Baclanova. Sie ist in jedem Zug« echt und glaubwürdig und ent- fernt von jeder Karikatur. Die Well der Elenden und Verbrecher wird in ausnehmend individuell gekennzeichneten Exemplaren vor- geführt. Was aber will der Film? Nur unterhalten? Rührung mit Grauen mischen? Zeigen, daß auch ln den Verkommenen noch Menschlichkeit schlummert? Di« vielen Fragen zeigen, daß die letzte soziale Einstellung fehlt._ v. Ein sozialer Film. Oer Sittenrichter. Davaria-Lichtspiele. Der lächerliche Abtreibungsparagraph steht im Mittelpunkt der Handlung. Ein junges Mädchen läßt kurz vor Ihrer Heirat mit einem kleinen Angestellten ein Kind, das sie von ihrem Chef, einem bekannten Großindustriellen, empfangen hat, durch«ine Hebamme abtreiben. Dies« weise Frau wird verhaftet und dabei erfährt man die Namen aller Mädchen, die sich von ihr behandeln ließen. An- klage wegen Vergehens gegen§ 218 Ist die Folge, und um ollen weiteren Verwicklungen aus dem Wege zu gehen, nimmt sich das junge Mädchen das Leben. Der Film hat den Mut, mit einer schrillen Dissonanz zu enden. Wenn man viel Geld hat, geht man in eine berühmt« Klinik, das schildert schon Vicki Baum in ihrem Roman.Lelen« Willsüer" und das weih auch der Kurfürstendamm, wenn man dagegen mittel- los Ist, kommt man vor den Staatsanwalt. Vielleicht hätte der Film diesen Gegensatz herausarbeiten sollen. Er beschränkt sich jedoch nur auf das Unglück in der kleinbürgerlichen Sphäre auf«in« Anklage gegen das Mittelalter im Strafgesetzbuch. Zuerst erscheint da» Thema zugespitzt, denn der Großindustrielle hätte sein« Geliebt« sicherlich in einem kostspieligen Sanatorium untergebracht und stille Harmonie wäre die Folge gewesen. Aber Margarete Schlegel macht es glaubhaft, daß dieses Mädchen, das den Geliebten wirklich liebt, zu scheu ist und über zuviel Hemmungen verfügt, um offen mit der rettenden Instanz zu sprechen? und als sie tot ist, dämmert dem zerbrochenen Papa, einem in Ehren ergrauten Gerichtsdiener, so etwas wie die Relativität, die Lächerlichkeit der sogenannten Schande. Abgesehen von der Tendenz gibt der Film«in BUd jenes Klein- bürgertums, das heut« noch befangen in Vorstellungen vergangener Zeiten lebt. Der Paragraph ist schlimm, doch«bensomel Unheil f wwvjwwfwww«qr/r ▼| „S. M. dem Kaiser und König Wilhelm ll.* vorzufinden. Die prächtigen Goldschätze der Semnonen aus der Eisenzeit tragen z. B. die erklärende Etikette, daß dieser Schatz Seiner Majestät dem Kaiser und König vom Finder zur Verfügung gestellt worden sei Was interessiert uns das? Vorgeschichtliche Funde, seien sie nun aus Stein. Eisen oder Gold, gehören dem deutschen Volke, das sie in den staatlichen M u s e e n zur allgemeinen Besichtigung ausstellt, sie gehören niemals Privatpersonen. Aber man geht noch weiter. Auch sür die vargeschichUiche Abtei lung der staatlichen Museen kann man beim Pförtner einen mt Jahre 1922 gedruckten Führer kaufest. In diesem Führer wird sür mein�Gefühl der republikanisch Gesinnte einfach brüskiert. Es steht da(S. 33) zu lesen, daß der Goldschatz von Eberswalde eine Leih- gäbe sei„S. M. des Kaiser Wilhelms II.". Wie steht es mit den Rechtsverhältnissen, so frag« ich öffentlich. Meines Erachtens gehört dieser prähistorische Fund dem Volk, ist dem aber nicht so. so schicke man ihn in Gottes Namen dem Exkaiser nach Doorn, oder man entlehne ihn weiter vom Exkaiser, aber nicht van Seiner Majestät. Unter den wenigen, dem Führer beigegebenen Bildtafeln von Museumsstücken befinden sich ausgerechnet zwei mit der Unterschrift: .Leihgabe S. M. des Kaisers." Ich mein«, es wäre langsam an der Zeit, dieses staatliche, pra- historisch prähistorische Museum in ein modern prähistorische» um- zuwandeln, was ohne besonder« Kosten ohne weiteres möglich wäre. Dr. Volker. stiftet sein« engstirnige Moral. Der Regisseur Carl Heinz Wolff erfaßt die ganz« muffig« moralisch verkleistert« Atmosphäre. Er zeigt die Weltfern« dieser Leute. Und so entsteht ein Film, der fast ein« Art von Kulturdokument darstellt. Hinzu kommt ein« ausgezeichnete Darstellung. Margaret« Kupfer als Mutter gewinnt hier eine Ausdruckskraft die sie weit über den sonstigen Bereich ihrer Darstellung hinaushebt. Sehr gut sind Briese und Lettinger; während Ledebour nicht immer verleugnen kann, daß er früher einmal fünffüßig« Jamben gedonnert hat. x. Durchs Brandenburger Tor. primus-palast. Man machts hall jedem recht. Die Garde marschiert vorbei und ein paar klein« Handwerker subeln, nur«in trutziger Soztaldemo- krat erklärt mit schöner Offenheit, er pfeife auf den ganzen Milita- rismus. Darauf schmeißt ihn sein in bürgerlichen Ehren ergrauter Meister kurzerhand heraus. Der also Behandelte geht noch Amerika. Und während in Europa Krieg und Inflation ihren Todesreigen aufführen, macht er dort dank seiner Tüchtigkett Dollars Selbst- verständlich gerät die ehrenwert« Bürgerfamilie unter den Schlitten der Geldentwertung, und am Schluß kommt dann eine ansehnliche Erbschaft jenes besagten Sozialdemokraten aus Amerika und führt das gute Ende herbei, derart, daß die Braven heiraten können und daß ein Schieber ins Gefängnis wandern muß. Sieht man im deutschen Film Schieber, so haben sie immer etwas Lächerliches und Kleines an sich. Warum zieht man nicht einmal entschiedene Konsequenzen und führt auch, wie die Franzofen es im lichten Augenblick taten, di« richtigen Drahtzieher über die Leinwand spazieren, also Bankdirektoren, Graßindustriell« und andere Spitzenerscheinungen eines patriotisch verbrämten Schieber- tums? Es handelt sich eben um di« moralische kleinbürgerlich« Weltordnung im deutschen Film, di« unter keinen Umständen an- getastet werden darf. Der brave Mann setzt sich eben am Schluß durch und der Böse kommt trotz seines Konjunkturverständnisses ins Loch. So ist der Film, aber leider nicht die Wirklichkeit. Darum empfinden wir so stark die Verlogenhell. Außerdem ist das Manuskript unorganisch. Was am Schluß Amanullah und der Zeppelin soll, weih kein Mensch. Sie hätten Berechtigung, wenn der Film tatsächlich einen Querschnitt und einen Längsschnitt durch das Berliner Leben legen würde. Da» versucht er aber nur recht kümmerlich und die rührende Familienangelegen- hell überwiegt. Man ist von dem Präsidenten des Universalfllm» Carl Laemml« besser« Arbeit gewöhnt. Dabei ist nichts gegen die Regie Max K n a a ck e s und über die Darsteller vom Rang« eines K a m p« r s, Henckels, Pointners oder C t t l i n g« r s zu sagen. Es stört nur di« falsche Akzentuierung eines Themas, das verdienen würde, ernst diskutiert oder als Groteske aufgezogen zu werden.— t. 3m Beba-Palast-Atrium zeigt die Gastspieldireknon Weiniger und Iansen-Iacobs eine harmlose kleine Revue:„Die verflixte Liebe." R. Rillo und Jansen-Jacobs schrieben 10 Gott sei Dank nicht allzulange Bilder, die man trotzdem noch hätte kürzen können. Es wird ein bißchen getanzt und«in bißchen gesungen, dazwischen redet man Irgendeinen belanglosen Text, um den obligaten roten Faden zu spinnen, der diesmal ziemlich dünn und blaß ausfiel. Bemalte Leinwandlappen im Sttl des vorigen Jahrhunderts gaben di« Bühnenbilder ab. Das Ganze war nicht ausgesprochen schlecht, aber ohne jede höheren Ambitionen. Trotz allem, das anspruchslose Publikum schien sich zu unterhalten.— Borher liefen einige Film- grotesken, die einem nur hin und wieder«in schwaches Lächeln zu entlocken vermochten. W. I. Maxim Gortl ist Freitag in Moskau eingetroffen. Er wurde von Vertretern der Regierung und öffentlicher Organisationen feier- lich begrüßt. Ein Groß-New-York für 20 Millionen Einwohner. Ein groß- artiger Stadtbauplan der Zukunft, dessen Verwirklichung etwa drei Milliarden Dollar kosten würde ist jetzt für New Park ausgearbeitet worden. Der Plan, di« Frucht siebenjähriger Arbeit von 150 hervor« ragenden Ingenieuren, Baumeistern und Volkswirtschaftlern, dessen Ausarbeitung mit einer Million Dollar aus der Russell-Sage- Stiftung bestritten wurde, umsaßt zwei dicke Bände und«ine groß« Sammlung van Karten und Plänen. Er ist für da»„Groß-New- Port" bestimmt, dessen Einwohnerzahl man sür 1965 m'tt 20 Mil- lionen berechnet. Dieses Groß-New-Port der Zukunft wird eine Fläche von 8350 Quadratkilometer bedecken Außer dem Gesamt- plan beschäftigen sich 500 einzelne Vorschläge mit einem neuen Straßensystem, einem wissenschaftlich durchgearbeiteten Eisenbahn- netz, mit neuen Brücken, mit Tunnels unter dem Hudson. Harlem und East-Fluß, mit einer großen Anzahl von Voltsparks und 46 Flughäfen. 100 Zohre Berliner Ännfl. Ter verein verliner Rfln'tler tellt mrt mit, dah Milglieder der Geweilschalten. der«ngeüelllen« und veamtenoreani- lallonen gegen Vorzeigung de» vetdandsduche« Eintrittskarten zu 80 Pt. für diese Auestellung erhalten. DI« Soaderableilungen der Dolksbfthae veranstalten am 18, Jani, 20 Uhr. in der Aula der Schule Weinmelsterstraße 17 einen Auslpracheabend. der sich mit dem Tbema.Valtsbüdne— Zeitthealer 1929-30' beschälllgen wird. Referenten de» Abend» sind Emst Toller und Paul Stein vom lstnstlrrsichen Ausschuß der Lolktbühne. Gasunglück in Adlershof. 4 Personen tot aufgefunden.- Gasschlauch abgeriffen. Heute früh wurde in der haudjerystr. 10 in Adler sh o s ein schweres Gasunglück entdeckt. 3n ihrer Wohnung wurden dort die 44iährige Witwe Anna Dehne l. ihre beiden Kinder, das eine zehn- und das andere fünf. zehnjährig, sowie ihr 4öjähriger Schwager Hermann D e h n e l leblos aufgesunden. Der Tod war bei allen vier Personen bereits eingetreten. Zu dem tragischen Geschick, von dem die Unglücklichen im Schlaf überrascht worden sind, werden folgende Einzelheiten bekannt. Frau Dehnel hat im Hause Handjerystr. 10 eine kleine aus Küche und Stube bestehend« Wohnung inne. Zur Familie gehört der fünfzehn- jährige Sohn Frieda und die zehnjährige Tochter Margot. Frau Dehnel, die verwitwet ist, nahm vor einiger Zeit noch den Bruder ihres Mannes, den 46jährigen Hermann D.. der Ruhe- gehaltssmpfänger ist, bei sich auf. Gestern abend war Dehnel und seine Schwägerin mit S t r e i ch a r b e i t e n in der Küche be- schäftigt. Die Kinder lagen bereit? in ihren Betten und schliefen. In später Stunde begab sich auch die Mutter und der Onkel zur Ruhe. Heute früh gegen s49 Uhr nahmen Hausbewohner auf dem Treppenflur Gasgeruch wahr, der immer stärker wurde. Die Feuerwehr wurde schließlich alarmiert: die Beamten gingen von Wohnung zu Wohnung. Bei Frau D. erhielten sich trotz mehrfachen Klopfens keinen Einlaß. Die Tür wurde daraufhin erbrochen und den eindringenden Beamten schlug starker Gasgeruch entgegen. Beim Betreten des Schlafzimmers bot sich ihnen ein erschütterndes Bild. Die wohnungsinhaberin, ihr Schwager und die beiden Kinder lagen in dem völlig vergasten Zimmer leblos in ihren Letten. Keiner von den Gasvergifteten gab noch ein Lebenszeichen von sich. Trotz- dem wurden alle nur erdenklichen Rettungsversuche durch Feuer- wehrsomariter und den hinzugezogenen Arzt unternommen, die leider ohne Erfolg waren. Die vier Leichen wurden daraufhin beschlag- nahmt und nach der Halle des Waldfriedhofes gebracht. Die polizeilicl� Untersuchung hat einwandfrei ergeben, daß e; n Unglücksfall vorliegt. Beim Verlasse» der dunklen Küche muß Frau Dehnel oder ihr Schwager durch ein« unvorsichtige Bewegung den Schlauch des Gaskochers abgerissen haben. Und da man zweifellos vergessen hotte, den Haupthahn zu schließen, so konnten im Laufe der Nacht große Gasmengen ungehindert aus- strömen. Da weiterhin die Küchentür nur leicht ange- lehnt war, nahmen die Gase ihren Weg auf den Flur, drangen in das Schlafzimmer ein und erfüllten den Raum bald derart, daß die vier ahnungelos Schlafenden den Tod fanden. Die Berl. Städt. Gaswerte teilen zu dem Unglück fol- gendes mit: Heute morgen wurde in Adlershof, Handjerystraße 16, das Ehe- paar Dehmel mit zwei Killern gasoergiftet tot aufgefunden. Fahrlässigcrweise ist ein zweiter, kurz hinter der Gas- uhr eingebauter Wandhahn nicht geschloffen ge- welen. Ein anderthalb Meter langer Schlauch verband diesen Wand- Hahn mit dem Gasherd. Versehentlich ist durch irgend jemand eine Leiter auf diesen Schlauch gestellt worden, so daß der Schlauch abriß und das Gas ausströmen konnte. Keine HeimUchtuerei mehr! Aufklärung über Geschlechtskrankheiten ist nötig! 9k' Der„Lorwarls" hol schon daraus hlagewiesen, daß in Berlin das houplgesundheilsaml der Stadl zusammen mit den Krankenkassen usw. in der Zeit vom Z. b i s S. 3 u n i eine Ausklärungswoche zum Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten veranstaltet. Am Freitag sprach in einer vorbereitenden Konierenz mit Pressevertretern der Stadtmedizinalrat Pros. Dr von D r i g a l s k i über die Wirkungen des vor anderthalb Jahren in Kraft getretenen Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtstrank- Helten, das der früheren Heimlichtuerei«in Ende gemacht und jedem Geschlechtskranken die Heilungspflicht auf- erlegt hat. Die Einsicht, daß Geschlechtskrankheiten nicht mehr als geheim und zu verheimlichende Krankheiten gelten dürfen, soll durch die Ausklärungswoche in weiteren Kreisen verbreitet werden. Unter möglichstem Verzicht auf Zwang, dessen Anwendung nach den Vorschriften des Gesetzes immerhin als letztes Mittel dem feine Pflicht vernachlässigenden Geschlechtskranken droht, will die Gesund- heitsbehörde der Stadt den Geschlechtskranken Heilung schaffen und der Bevölkerung Schutz gewähren. Geradezu grotesk nannte der Stadtmedizinalrat die noch in weiten Kreisen der Bevölkerung herrschende Unkenntnis der Gefährlichkeit z. B. des Trippers. Abteilungsdirektor Dr. S ch w e« r s vom Haupt- gefundheitsamt, der mit dem Stadtmedizinalrat sich um die Orga- nisierung dieser Aufklärungswoche bemüht hat, betonte, daß man beider Belehrung über die Geschlechts krank- Helten vor keinem Mittel zurückschrecken darf. Neu ist der Versuch, einen Teil der geplanten Aufklärungsoorträge in den Nachtstunden und in den vom Nachttreiben bevorzugten Stadtteilen zu veranstalten. Syndikus Dr. B o n w i t t, der für die Arbeits- gemeinkchaft der Versicherungsträger Groh-Bcrlins das Wort nahm, erinnerte. daran, daß die Krankenkassen schon immer den Kampf gegen Krankheiten auch durch Aufklärung unter- stützt haben. Den Teilnehmern der Konferenz bot sich Gelegenheit, die im Haus« des Hauptgesundheitsamtes geschaffene neue Ve- rawngsstelle für Geschlechtskranke zu besichtigen, die Direktor Dr. Schweers als die vielleicht größte und schönste Deutschlands bezeichnete. Sie soll von den Geschlechtskranken freiwillig aufgesucht werden und wird ihre Hilfe kostenlos und unter vollster Ver- schwiegenheit gewähren. Totschlag in einer Werkstatt. Ein noch ungeklärter Todesfall befchäfligt zur. zeit die Kriminalpolizei. 3a seiner werställe Templiner Slr. 7 wurde heule früh der 4ejährige Färber Willy Lothringer mit dem Gasschlauch im Wunde(of aufgefunden. Die Leiche wies im Gesicht starke Hautabschürfungen aus. wie die Ermittelungen ergaben, hatte Lothringer am Freitag abend mit seinem Teilhaber eine heftige Auseinandersetzung. Ob L. mit seinem Sozius in eine Schlägerei geraten ist und dabei die Der- lehungen erlitten hat, wird von der Kriminalpolizei noch untersucht. Die Rcservemordkommission ist mit der weiteren Aufklärung des Falles beschäftigt. Die Glaser ohne Tarif. Oer Kampf verschoben aber nicht aufgehoben. Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, hatten die orga- nisierten Berliner Glaser in der vorigen Woche einen Schieds- f p r u ch des Schlichtunosausschusses ein st immig abgelehnt, der zwar für die Dauer eines Jahres die Löhne von 1,55 auf 1,62 M erhöht«, den Manteltarifvertrog aber unverändert um zwei Jahre verlängerte. Die Ablehnung war erfolgt, weil einmal die Lohnzulage im Verhältnis zur aufgestellten Forderung (22 Pf. Lohnerhöhung) zu gering ist, zum anderen aber, weil m dem Schiedsspruch nicht eine der Forderungen zum Monteltarif berücksichtigt worden ist. Eine endgültig« Beschlußfassung über die weiteren Maßnahmen war in der vorigen Versammlung nicht erfolgt, sondern festgelegt worden, am 31. Mai, dem Tag« des Tarifablaufes, nochmals zu der SitzjgtiW Stellung zu nehmen. Diese Versammlung hat nun- mehr gegen acht Stimmen beWossen, zunächst einige Wochen ohne Tarif zu arbeiten und abzuwarten, bis die Situation auf dem Arbcitsmarkt g ü n st i g e r ist. Der Reichssachgruppenleiter der Glaser hotte im Auftrage des Bundesvorstandes des Baugewerksbundes die Genehmigung zur Arbeitsniederlegung am 1. Juni nicht erteilt, weil zurzeit noch 300 Berliner Glaser, also ungefähr 50 Proz., arbeitslos sind und der Erfolg eines unter solchen Umständen aufgenommenen Kampfes sehr zweifelhaft ist. Der„oppositionellen" Fach- gruppenleitung war diese Entscheidung allerdings«in billiger Vor- wand, sich gegenüber den Mitgliedern als gehandikapt hinzustellen. Sie vertrat die Auffassung, daß man trotz der mißlichen Arbeits- marktverhällnisse am 1. Juni hätte in den Kampf treten müssen, ungeachtet der Gefahr, ihn zu verlieren! Ob die Fachgruppenleitung die gleiche Auffasiung vertreten hätte, wenn die Streikgenehmigung erteilt worden wäre, ist ein« ander« Frage, denn dann hätte sie sich die Verantwortung für den Kampf aufladen müssen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist zwar nicht der entscheidendste, aber immerhin ein sehr wichtiger Faktor, den man bel der Beurteilung der Chancen eines Streikes in Rechnung stellen muß. 4S0 Erdbebeniodesopfer inArgeniim'en Ungeheure Panik in der Bevölkerung. London. 1. 3uttL(Eigenbericht.) wie zu erwarten war, steigt die Zahl der Verluste an Menschenleben, die das Erdbeben in Argentinien ge- fordert hat, ständig. Die Zahl der Toten wird jetzt m i< 150 angegeben, die Zahl der Verwundelen mit vielen hundert. Won befürchlel, daß noch viele Leichen unter den Trümmern liegen. 3n der Provinz weadoza sind die drei Ortschaften Gouda«. Lallave und Real de Padre vollständig zer- stört worden, hier werden 0 5 Tote und über 100 ver- letzte gezählt. 20 Personen haben ihr Leben in Villa Atuel ein- gcbühl, das etwa zur Hälfte zerstört ist. 3n La» walina» belauft sich die Zahl der Toten aus IS und die der verletzten aus 40. des- gleichen in Villa Real. Das Erdbeben hat unter der Bevölkerung eine ungeheure Panik hervorgerufen, hilfserpeditionen sind unterwegs, die jedoch wegen der unterbrochenen---n erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden haben. Bucharin kallqestellt. Das Präsidium des Obersten Volkswirt- schaftsrates hat Bucharin zum Vorsitzenden des wissenschaftlich- technischen Amtes ernannt. Die Stellung bekleidet« bisher Kamenew. Bucharin ist damit aus dem Nollzugsausschuß der Kommunistischen Internationale ausgeschieden und bekleidet kein polstisches Amt mehr. Theater der Woche. Vom 2. bis-10. Juni Volksbühne. SVatet am BSlowplatz: 4. bis 8. Trojaner, 8. Seuauntonf, 9. VerN», wie ta weint und lackt. Theater am Schissb-»cida»m: Die Srcigroschenoper. Thalia-Theateri Di- Pfarrhauekomödie. Staatstheater. Staatsapcr Unter ben Sind«»: 2. Zihcinoolb. 8. Walkitrc. 4. S.igoie.t». ö Siegfried.«. Intermezzo. 7. Eötterdiimmerung. 8. Barbier von Sevilla. 9. lZrau ohne Schatten. 19. Barbier von Bagdad. Staatsopcr am Plah der SIepublii! 2. fsledermaus. Z. Salome. 4. Carmen. 5.' Luise Miller. 6. Sossmanns Erzählungen. 7. Kli-g-nd- Holländer. 8. Neues vom Tage. 9. Carmen. 19. Don Giovanni. Städtische Oper, Charlottenburg: 2. Othello. 8. frei. 4. Madame Butterfly. 5. Tosca. 6. Don Carlos. 7. Elektro. 8. Fidelis. 9. Die schwarze Orchide«. 10. Geschlossene Vorstellung._,„_, Staatstheater am Gendarmrniaarkt! 2. Ein besserer Herr. Z. Maß für Maß. 4. bis 7. und 9. und 10. Störungen. 8. Napoleon. Schiller-Theater Charlattendnrg: 2. Wilhelm Teil, z., 4. und 8. Gespenster. 5. bis 7. und 9. und 10. Der Friseur von Sioslagen. Theater mit festem Spielplan: ttaurmerspiele: Aufgang nur für Herrschaften. Di« Zkomöbi«: Der Mann. der seinen Namen änderte.— Theater a» Nollcndorsplatz- Di« Männer der Manon.— Theater in der Söniggrährr Straß«: Rivalen.— gomiidienhan«: Charlcris Tante.— Theater de» Westens: Friederike.— Deutsche» stSnstler» tbeater: Prosit Gipst).— Lustspielhaus: Weekend im Paradies.— Tri«»»»- Theater: Die drei Dorfheiligcn.— Berlincr Theater: Di« fünf Frankfurtcri— Die Tribüne: Die Sache Mäkropules.— jtlein«« Theater: Naß oder trocken?— Rofc-Thrater: Spie! im Schloß.— Gartenbllhne: Ein Walzertraum.— Schloß- park-Theatcr Steglz:: Spiel im Schloß.�— Plaza,»intergarten: Internatio» nales Variet«.— Steichshallen-Zhearer: busser Tor: Elite-Eänger. Stettiner Sängrr.— Theater am«ott. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutsche» Theater: Die Gefangene. 7. geschlossen. Ab 8. Die Fledermaus. — Lelfiog-Theoter: 2., Z. Die Frau des anderen. Ab 4. Ich betrüg dich nu« aus Liebe.— Theater in der Behrenstraße: 2., Z. Mädel von heut«. 4. ge. lchlosscne Borstcllung. Ab S. Welche war's. Flachmittagsvorstellvngea. B-lkebühnr. Theatee am Büluwplah: 2., 9. Trojaner. Theater a» Schiff» banerdainm: 2., 9. Helden. Thalia-Theater: 2.. 9. Die Pfarrhauskomödie.— Theater de« Westen«: 2.. 9. Friederike.— Trio ao U.Theater: 2i, 9. Di« drei Dortheiligen.— Nose.Theate«: Konzert und bunter Teil.— Plaza» Winter- garten: 2., 8., 9. Internationales Bariet«. Erstaufführungen der wache. Dienstag. Echaufpielbausi„Störungen".— Lefklng» Theater:„Ich betrüg' dich nur au» Liebe".— Komische Oprrt „Die Sechieropcrette".— Mittwoch: Schiller- Theater:„Der Friseur von Noslagen".— Theater in der Behrenstraße:„Welche war'»". — Donnerotag: Theater in der Klosterstraße:„Pioniere".— Sonnabend: Deutsche» T b e a t e r:„Die Fledermaus".— Oper am Blaß der Republik:„Neues vom Tage".— Sonntag: Städtisch» Over:„Die schwarze Orchidee".— Volksbühne:„Berlin, wie es weint und lacht"._ weller für Berlin: Ziemlich h«it«r und weiterhin sehr kühl. Nordwestliche Winde.— Für Denlschland: Ueberall für die Jahres- zeit kühl, im Nordosten Nachlassen der Regenfälle, im übrigen Deutschland bewölkt bis heiter. Bcrantwortlich kür die Redaktion: Fron» Klühe. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Beriag: Vorwärts Verlag G. m b H.. Berlin. Bruck: Vorwärts Buch. druckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer& To.. Berlin SW 88. Lindenstraße 8. Hier»» l Beilage. ■r—■ 1- � 1 Xlte&i �..... Xltea.iec. LidilspteU usw VotludlUme runter»nllllovolil: 8 Uhr Douaumont Thalia-Thealer 8>Z> Uhr Ptarrhaus- Komodle StaatLSdillltr-Iß. 8 Uhr Gespenster Stasttoptr an Platt aar Btpnhllk 7v« Uhr Don Giovanni Kleines Theater Täglich 8V« Uhr Nafisoutrodten? udi to Inirikzi.tän von Frank Orten. Musikalische IUusl Fr. Holländer. Regle; Fr.FrtellBiaBD- Frederm. Planelarinm ■ am Zoo v tr i): JMdiiantkiM-trati B. 5. Barbarossa 5J78 lOV« Uhr SternDildei das Sommert l8v. Uhr Der Olirthell der Sonn, 20VtU. Von Pol tu Pol am Stemwhlmmol T ägl. auBer Monugs u. Mlttw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pt Mlttw.: Erwachsene «Pt, Kinder 25 PL Deotsdies Theater D.I. Norden 12310 8U, Ende geg. lOW Dia Gefangene Schauspiel von Edouard Bourdet. Regie: Max Reinhardt Die Komödie II Bismck.2414/7SI6 8 Vi, Ende geg. lO'iiU. Oer Mana, der seinea Heoiea äaderte 3 Akte von Edgar Walace. Regle; HeinrHIlpert Kammersplele D.I. Norden 12 310 8ViU. Endenach 10 Autgang nur rar Herrschaften Kleine Komödie von Siegfried Geyer Baraovskj-Bgiiaen Thutor lo dor KSniggräti« StraBo Täglich 8V. Uhr Rival en Komödienhaua Täglich 81/« Uhr CharievsTante mit Curt Bols. Theatsr an SdUnbaoerdannn. Norden Iii] u. 281 TäglicluÄUhr Drelgrosdien- Oper Nrtgr. Vaisfti, Inn» SUtttt TWMj. imikv. Winrer * Garren* 8 DU» Ztntr. 2818» Bantton«rlanbt Honte lag Premiere des Juni-Progrämms Bob Fisher Neger-Imitätor im Stile AI Jelsons Bon JohH Jazz-Glrls Dirigentin: Floraara Myert Myron, Pearl A Co. Antooet& Betty Sealücl Die berühmten Der Clowns Taschendieb und weitere Varietd-Neuhaiten u. Somntatf I« 3 Vorstellungen 3" and 8 Uhr. 3K kleine Preise. Von 1 Mark ■n boquom* gopoloterie Soosol mit bootor Sicht. Relchshallen>Thealer tllahagmidi QT] Uhr Sleuiner Sfinge U. a.: �Klne ll&cht i/m Xaltwelnkeller" Sooimerpreise: so M. bis Z M. »Oönhoff- Bretti (Saal und Garten) VarletS— Konzert— Tons. SCAI� 8 Uhr B 5. Barbarossa 925* Ab h e a t e< Das sensationelle Juni-Programm I Zibral Kln barühmtmr nmuarttgar Mualcal-Eiean trlk DI» waltbakannta O'Hanlon& Zambun/Truppe sow/e weit Attraktionen. Sonnabend nndSonntAA J© 2 Vorstellnnsren 3» u. 8 Uhr 3» srm&Sists Prslss. plAza Am f�batriuer p,a, Alex, 3066-88 läqlich 5, Bis Sonnlag 2,S 5U INTERNAT. VARIETE üb beats vollst, nenss Programm t Vorycrkau stets für die laufende Woche inkl. Sonntao Besonders ta..Iwirts** ohd tnhdtRi nBerertaiit:(b namn inzfitio -.IntemH.s.n.ljllljgl Thaat-am Rotia.ior Kottb.Str.6 Tägl.SUhr Elite- Sänger Dl«:«nn! on: .»arl atats oroBelosr Bsrlioer Theater DirektHeinr Herald CharloitenstraOe 90 A.7. Dönhoff 170 8V«, Ende 10V« Uhr. Täglich Die fDBf Fraokfiirter von Carl Rössler Regie; Faiaa llollan. OUch. KQn>tler-Th. »Ii Uhr Prosit Bipsy Operette v.G: Iben Agna Bsterhazy Fritz Zetdalr Rundfunkhörer Haida preise Reederei«J&lv Riech Foltkeaateliutr. 49—* i* �■' u«i"' UndA r» i MnritTpi«iot Exfra biUldc Früblinäsfahrfen täglich 9V> Uhr(rflh Nor all CliariolteiiliDrd« Tedeier Weg (nahe Landgericht III, zwischen Siadtbahnhof Jungfernheide und der SchloSbrllcke) noch einem der«chfinstcn and idyUUchxtcn Orte der Merk, dem Fonthnao Templin am Templiner See Hin ond zordck M. 1,40— Sonntag« M. 1,40 Kinder die HtUie/ Bad woehen täglich 9>'i Uhr frtth Ferch am Schwiele wseid Hin und zarftdc M, 1,00— Freitag n. Sonnabend M. 1,40 Kinder die Hallte LesslDi-teier Täglich »It Uhr „Die Frau des Andern" Renaissance-Theater Hsrdenöcrgstr 6 Tl.. �tsüipk 901 o. 2583/84 8',« Uhr T&glldl BV« Uhr Die heilige Flamme Kegie; Gustav Hartuno. il I Metropol-Tli. Heute 7'> Uhr Festspiel. Freaiera Blaubart Oper. v. Offenbach Kl be Dorsch Leo Slexak Theat.".WessMs Täglich S' i ühi Sonntag 3": u 8'« Frau Uhan beller- isir Friederike Carola Toeile Banns Wilhe n berliner U iH-ITiO hinu Kölln eät uahnair 74 7i l »v. uh, CASINO-THEATER Lothringer Straße 37. ,l*Vdldder von taneud«" und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.6S M, Sonstige Preise: Parkett s- Rang 040 M. RüSe-Ueataj di. Fraak.ar.er Slrafle 132 «IM.«422 TtgUch 8.14 Uhr ~plel imSch oss. aartenbilhnn: Täglich 5,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und Bunter TolL Täglich 8,13 yhr Elm Walserdn-aanmm Gr. Operette in 3 Akten v. Oscar Slnak (Beilage Sonnabend, I.Juni 1929 SprÄblMÄ dti lb*u>r7-*A Wer ist Zaharof f? Abenteurer, Munitionslieferant, Multimillionär und Kriegsanstifter Richard Lewinsohn-Morus nennt das Buch, das er über den Krösus Zaharoff schrieb„Der Mann im Dunkel, die Lebensgeschichte des mysteriösen Europäers"*). Der Knabe Bastleios, aus armer Oriechenfomilie, fällt in Konstantinopel durch seinen hellen Blick einem reichen Landsmann aus. Er schickt ihn aus sein« Kosten in die englische Schule. Der Junge lernt, aber daneben betätigt er sich schon als Halbwüchsiger, geldwechselnd und den Fremden- führcr spielend. Als er 20 Jahr« zählt, bietet ihm ein Onkel, Tuch- Händler in Galata, an, ins Geschäft einzutreten. Da kommt«in Zwischenfall, und immer noch spukt die Geschichte im Orient, er sei als Betrüger aus Stambul entflohen. Zaharoff schildert die Ding« anders: Sein Onkel Hab« ihm wegen seiner Tüchtigkeit ein« Tan- tieme versprochen und sein Wort nicht gehalten. Da habe er das Haus verlast«», zuvor aber die Summe, die ihm der Onkel schuldet«, aus der Kaste entnommen. Gewiß ein« etwas levantinische Abrech- nungsmethode! Der junge Zaharoff fährt nach England, der Onkel Tuchhändler aber wendet sich an die Polizei und eines Tages ist Baslleios verhaftet. Im Prozeßverfahren wird er freige- sprachen, aber ein Makel bleibt. Er geht von London nach Athen, doch was er im Westen gelernt hat, bleibt ihm von Nutzen. In die griechische Hauptstadt folgt ihm der üble Ruf, den ihm die Londoner Untersuchungshaft einbrachte. In der balkanischen Mittelstadt schneidet ihn die Gesellschaft. Er hat nur einen Gönner, den Politiker Skuludis, den späteren Ministerpräsidenten. Noch einmal scheint es dann ganz bergab zu gehen. In einer Athener Zeitung wird er als Mörder bezeichnet, der— man nutzt« eine kurz« Abwesenheit aus— bei einer Flucht aus dem Gefängnis erschossen sti. Bei seiner Wiederkchr nimmt ihn Skuludis mit doppelter Sorg- falt unter sein« Fittiche. Aber er führt doch ein Zigeunerleben. Da telegraphiert eines Tages die englische Rüstungsfirma des geborenen Schweden Norde nfeldt an Skuludis die Frage, wen er für die Orientgefchäft« des Hauses empfehlen könnt« Etienne Skuludis empfiehlt Bafil Zaharoff. Am 14. Oktober 1877 schließt die Epoche der kleinen Abenteuer, die ganz großen Abenteuer be- ginnen. Oer Aufstieg beginnt. Jetzt fährt, schreibt, telegraphiert er, von Athen nach Konstanti- nopel, von Sofia nach Belgrad, von Bukarest nach Wien. Es ist die Zeit, da nach dem Berliner Kongreß die kleinen, neugeschaffenen Balkanstaaten rüsten, rüsten und wieder rüsten. Hochkonjunk- tur für Reisende in Waffen! Di« Beziehungen zwischen Griechenland und der Hohen Pforte sind gespannt, Zaharoff ver- kauft an beide Regierungen. Zwischen Serbien und Bulgarien droht Krieg: Zaharoff' verhandelt mit Belgrad und Sofia. Das Hrst? Unterfeeboot vertäust die Firma. Nordenfeldt. durch Zaharoff an das kleine, verschuldet« Griechenland. In Wien düpiert er den Amerikaner Maxim bei der Borsührung des berühmt ge- wordenen Schnellfeuergewehrs. Aber nachdem der Grieche dem Amerikaner sein« Geschäftstüchtigkeit gezeigt hat. weih er ihn zu gewinnen, in das Haus Nordenfeldt einzutreten. Es ist ein gut aus- gebauter Rüstungskonzern. Er. besitzt Waffenfabriken in England und in Schweden, ein Eisenwerk in Bilbao in Spanien und alle möglichen Nebenbetriebe, und er besitzt— Zaharoff. Die Nordenfeldt Guns u. A m m u ni t i o n Co. Ltd. und die Maxim G u n E o. werden im Jahre 1888 zu einem einheitlichen Unter- rnhmen verschmolzen. Im Zeichen des Rüstungswahns. Basti Zaharoff ist schon längst über die Stellung eines Agenten hinausgewachsen, er hat schon durch den Aktienbesitz, den er sich ver- schaffte, ein gewichtiges Wort im Haus« Maxim-Nordenseldt mit- zureden, als sich die große englische Rüstungssirma B i ck e r s mit dem Angebot meldet, man solle sich zusammenschließen. Im Jahre 1897 geht die inzwischen umgetaufte Maxim Guus u. Ammunition Co. für etwa Ab Millionen Mark an Bickers über. Zaharoffs Wirkungskreis vergrößert sich immer mehr. Europa, die ganze Welt ist im Rüstungswahn. Bickers, Armstrong, Krupp, Schneider- Ereuzot, Skoda, Putiloff und die Amerikaner führen untereinander einen Krieg der Lieserungen, um für einen Krieg der Menschen, einen Krieg zwischen den Völkern die Vorbedingungen zu schassen. Der englisch« Vickers hat seinen Sohn zum deutschen Krupp in die Lehre geschickt, in Spanien sind die Vertreter der Rüstungskonzerne aller Länder Zusammen, um ihre Ware für den Krieg gegen die Bereinigten Staaten von Amerika anzubieten. Vickers, die englisch« Firma, liefert den B u r e n die Maschinen- gewehre. mit denen sie sich gegen die Engländer verteidigen. Di« Konkurrenten erleichtern einander das Handwerk. Sie spielen sich die Bälle zu. Di« Rüstungsindustrie hat Einfluß auf die Press« und die Kriegsministerien. Man muß das Schwert scharf halten! Ein Höllentanz der Lieferung von Mordwaffen ist im Gonge: Zaharoff ist einer der Vortänzer. Das größte Pro- fekt, da? er unter Dach und Fach trägt, ist der Bau eines gewal- t!gen Waffen- und Munitionsarsenals in Zarizyn an der Wolga. Das Unternchmen, sofort mit einem Kapital von öl) Millionen Mark ausgestattet, führt zwar den Namen„Russische Artillerie- werke Gesellschaft", aber Vickers und Schneider-Ereuzot verfügen über einen großen Teil des Gründungskapitals. Die Tripleentente der Rüstungsindustrie ist unter Zaharoffs Führung geschlossen, doch übernehmen die österreichischen, Skoda- Werke friedlich neben den„Feinden" ein Aktienpaket von Putiloff, und die Hamburger werft BloHm u. voß hilft bei der Znslandsehung der russischen Newawerf«. Ein Mitglied der Familie Loewe von der Deutschen Wasfenfabrik Loew« u. Co. g«. hört als Direktor der englischen Vickers-Verwaltung an. die Kriegsindustrie ist international. Am 31. Juli 1914, an dem unser Jean Jaures das erste Opfer des Kriegswahnsinns ward liest man im„Journal Officiel", daß Zacharias Basil Zaharoff durch' den Präsidenten der französischen Republik zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt worden ist ') Richard Lewinfoha-TNorus:„Der Mann Im Dunkel", e Lebensgeschicht« Sir Basil Zaharoffs, des.mysteriösen Euro. iers", 1929. S. Fischer-Verlag. Berlin. Die«.Große Zeit'. Die„Große Zeit" beginnt. Die Spesen der Rüstungsindustrie hatten sich gelohnt, die Ernte wird reich. Die Gesamtpro buk- tion der englischen Rüstungsindustrie allein wäh- rend- des Krieges weiß phantastische Zahlen: 2S 000 Geschütze, 240 000 Maschinengewehre, 4 Millionen Gewehre, 258 Millionen Schrapnells und Granaten, 10 Milliarden Patronen! Vickers- Zaharoff sind an Lieferungen und Gewinnen hervorragend beteiligt. Das Vermögen des kleinen Abenteurers aus der Levante ist schon jetzt ins ungemessene gestiegen. Da, gerade da, wo er ganz Europäer, Westeuropäer geworden war, muß wieder der gebürtige Grieche Zaharoff m Erscheinung treten. Athen soll mitmachen, das Heimatland des großen Rüfwngslieferanten soll in den Krieg eintreten. Das Foreign Office und der Quai d'Orfayi London und Paris verlangen es, halten es für notwendig. Zaharoff gibt Millionen, gründet Zeitungen, Nach- richtenagenturen, Spionagebureaus. Er schafft es, König Kon- stantin wird gestürzt, V c n i z e l o s erklärt den Mittelmächten den Krieg. Der Ausgang des Krieges führt Zaharoff auf den Gipfel der Macht und des Reichtums. Der König von England verleiht ihm das Großkreuz des Bathordens. Dadurch wird der kleine Frem- denführer aus Stambul englsicher Sir. Frankreich gibt ihm das Großkreuz der Legion. Universitäten schmücken ihn mit dem Doktor- titel bonoris causa. Eine verlorene Partie. Jetzt kommt des großen verwegenen Abenteurers größtes, ver- wegenftes Abenteuer: der griechische Staatsmann, der Bater Groß- Griechenlands, Eleutherios Venizelos. und Basil Zaharoff sitzen zu- sammen in Poris, um«inen neuen Krieg vorzubereiten und Anatolien zu erobern. Es geht um Provinzen, um Länder. Der griechisch-türkifche Krieg 1921 ist Zaharoffs persön- licher Feldzug, ein Feldzug, der— uird hier verläßt den Griechen, der für Griechenloird etwas will, zum ersten Male der Verstand auf Kosten des Gefühls— die ganz große, die welthistorische Ehance ist. L l o y d G e o r g«, der englische Premier, ist auf Seite von Venizelos. Frankreich freilich ist türkenfreundlich. Des griechischen Staatsmannes wertvollster Bundesgenosse ist Basil Zaharoff. Venizelos leitet die Offensive gegen die Türken in Kleinasien ein. Der Feldzug verläuft siegreich: Griechenland erhält Smyrna als Mandatsgebiet. Hat Zaharoff gesiegt? Ein nie geklärtes Ereignis ändert die Lage von grundauf. Der junge Griechenkönig Alexan- der ist, die einen sagen, von einem Affen gebissen, die anderen sagen, ermordet worden. Die Thronfrage wird aufgerollt. Der Bricher des Verstorbenen, Georg(Morus nennt ihn den Jüngeren, tatsächlich ist es der Aeltere) will nicht König werden, solange sein Vater lebt. Venizelos erhält ein Mißtrauensvotum, der vertriebene Konstantin wird nach Athen zurückgerufen. In Angara hat man ein« Gegenoffensive vorberestet, die griechisch« Armee wird vernichtend geschlagen, das brennende Smyrna ist in der Hand der Türken. Zaharoff hat die ganz große Partie verloren. Man stellt sich um. Politische Folgen kommen. Lloyd George, der ganz den Rot» schlügen des neugebackenen englischen Sir Zaharoff gefolgt sein soll, wird heftig angegriffen. Man spricht von einer Politik ä la Zaharoff von Aegypten bis Indien, der Schatten wächst ins ungeheuerliche. 800 Millionen Mark, sagt ein Abgeordneter im Unterhaus, hat Zaharoff für die Ausrüstung der griechischen Streitkräfte ge- geben. Di« Folge war das Chaos im Orient, und England hatte den Wahnwitz unterstützt. Lloyd Georges Sturz ist nicht zum wenigsten auf diese Katastrophe zurückzuführen, und die miß- glückte Orientexpedition wäre für Zaharoff wahrscheinlich auch finan- ziell schwerer ausgelaufen, wenn er nicht über große Reserven ver- fügt hätte. Jetzt wirft er sich aufs Oel und investiert in wenigen Monaten ein« halbe Milliarde Mark Kapital durch Vickers und die anderen Konzern« seines Einflusses. Es geht auf und ab; Un- summen werden verloren, Unsummen werden gewonnen. Basil Zaharoff, trotz aller Verluste, schwimmt oben. Damit das Groteske in diesem phantastischen Leben nicht fehle: Als über Siebzigjähriger kauft Zaharoff die Spielbank von Monte Carlo. Ein kluger Spieler aber verläßt den Tisch, wenn er die Partie gewonnen hat. Zaharoff zieht sich zurück. Mit 75 Iahren heiratet er eine Jugendliebe, eine Frau aus dem spani- schen Hochadel. Sie stirbt nach einem Jahr«. Heut« sitzt Zaharoff, fast achtzigjährig, in seiner Villa in Paris. Er fft ein verbitterter, lebensmüder Greis. Henninx Duderstadt. Erlebnis im Mittags im D-Zug Berlin— Dortmund, lleber aufgetürmt« Gepäckstücke und durch suchend« und sich stoßende Menschen hinweg erobere ich mir endlich einen Platz im Nichtraucherkoupe der dritten Klasse. Mir gegenüber sitzt ein stämmiger Mann im Arbeits- anzug mit Gamaschen und schweren Stiefeln. Vogelgezwilscher über mir veranlaßt mich, weiter im Abteil Umschau zu hatten. Da sitzt wahrhaftig im Gepäcknetz kreuzfidel ein Kanariettvogel im engen Holzbauerchen und trillert un- bekümmert um Rattern und Donnern des nun schon in voller Fahrt dahinbrausenden Zuges seine süßen Weisen. Neben mir sitzt ein« hochgewachsene blonde Frau mit Händen, denen man ansieht, daß sie oerstehen, fest zuzupacken und ordentlich zu wirtschaften und die augettblicklich einen leise weinenden kleinen, vielleicht drei- jährigen Buben, zärtlich schaukeln, der sich auch durch das Singen seines Bögelchens nicht ganz trösten lassen will. Neben ihr ein hübscher blonder, etwa zehnjähriger Junge, und endlich ein frisches, natürliches rotbockiges Mädel von e Ow a 13 Iahren. Ein wenig Beobachtung zeigt, daß sie all« zusammengehören: ein vorsichtig angebahntes Gespräch ergibt weiter, daß die Fa- milie 24 Stunden auf der Bahn liegt und von einem e n t- legenen o st preußischen Gut abgefahren ist. Die Traurig- keit des Bübchens ist also mit Reisemüdigkeit hinreichend entschuldigt. Einig« bittere und scharf-schmerzliche Worte des Mannes und das wehe Zucken um den Mund der Frau bei seiner Rede zeigen, daß es sich um Auswanderer handelt, die— schwer enttäuscht und verbittert— wie so viele andere Landarbeiter Ostpreußen den Rücken kehren und vorerst nur die beiden ältesten Söhn« noch in Ostpreußen als Stallschweizer zurückgelassen haben. Di« vorsichtige Zurückhaltung weicht endlich völliger Offenheit, als man in mir den Parteigenossen erkennt, jlnd nun höre ich von dem Mann sein Schicksal. Am Kriegsende durch günstige Kontrakte nach Ostpreußen als Oberstallschweizer gelockt, verläßt der geborene Westfale mit Frau und Kindern Westdeutschland und geht ins Iunkerparadies Ost- preuhen. Erst« Enttäuschung: Die günstigen Kontrakte werden von den Besitzern, die sich übereitt zum Engagement eines Oberschweizers durch irgendeine Propaganda haben überreden lassen, nicht gehalten. Drei- oder viermal schwere Einbußen an Geld und Arbeitskraft: nach Arbeiten in sozial und wohnungs- mäßig haarsträubenden Verhältnissen, nach mutigem Ankämpfen gegen Tarifbruch des Besitzers und Streikbruch feiger, gelber Ele- ment«—„Ja", bricht es aus der eifrig zuhörenden Frau impulsiv heraus,„wenn die Arbeiter sich nur nicht immer gegenseitig in den Rücken fallen würden und mehr E i ni g k e i t h ä t t e n!"— ist er mit dem fertig, was er als Erlös seines bißchen Hab und Gut im Industriegebiet' mitgebracht hatte. Zäh, mit zusammengebissenen Zähnen, fängt er auf einer neuen Stelle von unten an, sein« Existenz wieder aufzubauen.„Was glauben Sie," sinniert er nachdenklich, die kallgeworden« Pfeife zwischen dtn Zähnen hin- und herschiebend,„haben wir ausgehalten! Ab und zu kam man an einen Besitzer, der ein Mensch war und uns anständig behandelte, aber oft waren es Herren, die ihr« Leute so schlecht behandelten und so gering- schätzten, daß sie das nicht ihren Hunden geboten hätten, die es besser hatten als wir. Für diese Herren waren wir einfach kein« Menschen, sondern Arbeitsvieh ohne jeden Rechtsanspruch und ohne jede Schonung. Dazu di« zermürbende Arbett, die oft genug Morgens um 3)4 Uhr im Sommer begann und bis in den tiefen Spätnachmittag währte. Und endlich: fast überoll grauenhaft schlechte Wohnungen, nicht brauchbare Oefen. In diesem furchtbar strengen Winter, wo um unser Häuschen VA Meter hohe Schneemauern— so hoch wie das Häuschen selbst— lagen, versagte der Osen auch bei Ueberfeuerung wegen seiner Schadhaftigkeit vollkommen. Wir legten den Kindern Wärmeflaschen' in die Betten, und das Wasser gefror in den Wärme- f l a f ch e n zu Eis." „Der Kleine da," rief die Frau dazwischen,„unser Nod>kömm- ling, hat wochenlang während dieser Kälte in unserer einzigen Stube mit schwerer Lungenentzündung gelegen, und der Arzt fürchtet, daß er an der Punze etwas zurückbehalten hat." Zärtlich streichelt die rauhe arbeitsgewohnte Hand den jetzt endlich«in- geschlafenen kleinen blondschöpfigen Kerl. „Und ist es da«in Wunder, Genosse," sagt der Mann be- kümmert,„wenn jeder Arbeiter, der irgendwie kann, aus Ost» preußen herausgeht? Da schreien die Herren über die Leutenot und holen sich die polnischen Arbeiter herein, aber den deutschen Arbeiter treiben sie mit ihrer hundssd)lecht«n Behandlung und der unmenschlichen Arbeitsforderung, mit den schlechten Löhnen und Wohnungen einfach aus dem Lande heraus!" „Aber„national" find diese großen Herren!" sagt die Frau schneidend. „Jetzt haben wir alles dort verkauft." fährt der Mann fort, „mit dem Herrn mußte ich noch vors Arbeilsgericht, weil er mir nicht alles herausgeben wollte, was mir zukam, und ich gehe nach Westfalen zurück, wieder ins Kohlenbergwerk. Dort wird man wenigstens als Mensch behandelt. Ich tonnte es ein- fach mit diesem Schnauzen, Kujonieren und Herrenmanieren nicht mehr aushalten: Mein Schwager hat in Westfalen ein kleines Siedlungshaus und gibt mir erst mal ein Zimmer ab. Dann werden wir uns schon weiter helfen. Wenns auch vielleicht schwer ist— aber wir werden als Menschen leben." Wir schweigen. In den wenigen Worten liegt das Schicksal einer Familie starker, breiffchultriger, zäher arbeitswilliger Menschen durch zehn Jahre hindurch beschlossen. Was muß man diesen ge- duldigen und ruhigen Mensäzen, die hoffnungsfreudig, bereit ,zu jedem Schassen und voll von bestem Willen nach Ostpreußen kamen, geboten, was ihnen wieder und wieder angetan haben, bis diese zur festen Verwurzelung in ihrer neuen Heimat entschlossenen Menschen Schluß machten und— bei fünf Kindern!— keinen anderen Ausweg mehr sahen, als ihr bißchen Hab und Gut erneut zu verkaufen und zum zweitenmal ins Ungewiss« hinaus wieder in eine andere Umwelt, in den alten Beruf, zu gehen? Nicht so sehr die Not, nicht einmal allein Wohnungselend.— nein die brutale H«rrenmanier einer Kaste, die noch immer nur seinesgleichen als Mensch anerkennt und leine Mitarbeiter. sondern nur Packvieh und Knechte um sich will. So ziehen Jahr für Jahr die besten, intelligentesten Arbeitet aus dem mehr und mehr leergebluteten Ostpreußen heraus: unauf- haltsam wächst der Strom der Auswanderer. Wann wird der Retter kommen, diesem armen Ostpreußenlande, der den Großgrundbesitz und den Herrenwillen einer brutalen Junker- und Pächterkaste zerschlägt und dem Landarbeiter dort di« Möglichkett zum gleich» berechtigten Schaffen auf o st preußischer Erd« gibt? Copyright BOcherkreis aus.Viermännerbuch" (1. Fortsetzmig� Alle, auch die größten Rouser, hatten zuviel Respekt vor dem Zuschlogsmuskel seines Oberarms. Im Herbst, wenn die Kartosseln und die Kohlen in den Keller getrogen werden mußten, da war der Vater an seinem Platz: da spricht« er die schweren Doppelzentnersäcke herum, als ob nichts drin wäre als Bettfedcrn. Immer sah ich ihn tätig, immer in Arbeit. Er schien wie eine Maschin«, der nur dann wohl ist, wenn ste unter Dampf steht und recht viel ziehen kann. Morgens um vier Uhr oder um fünf Uhr, wenn die anderen im Haus alle noch schlifen, stand er sommere schon auf, ging in den Garten, grub um, setzte, sätet«, las die Raupen ab, fuhr Jauch« oder holte Master aus der HardUache herauf zum Spritzen und Gießen, falls der Boden zu trocken war. Um halb sieben, wenn die Sirenen der Seidenbandfabriken den Arbeitstag anheulten, kam er aus dem Garten zurück, trank den Kaffee und setzte sich dann auf seinen lederbespannten Schemel in der Werkstatt, klopfte Sohlleder und fing auf der Maschine mit einem solchen Ras zu steppen an, als nähe er mit irgendeinem un> sichtboren Konkurrenten um die Wette, Um sieben Uhr kamen die Gesellen angeschlurft, wenn nicht gerade blauer Montag war. Denen schnitt er das Leder und stauchte sie lofettenmäßig zusammen, wenn sie etwa» falsch machten. Augen hatte er wie ein Luchs, nicht wie ein Schuhmacher: verhehlen konnte ihm auch der geschickteste Arbeller nichts, er merkt« jedes Fältchen, das nicht am rechten Ort war. „Ja/ sagt« er dann,„die Krawatte naß machen und eure Schluckgluckmaschinerie von innen anfeuchten, und blauen Montag machen, ihr Herren Gesellen, das könnt ihr! Aber ein paar roh- lederne Schäfte aufzwicken, dos müßt ihr erst noch lernen!" Aber diese Stichel- und Pichelreden machten denen, die sie an- gingen, nichts aus. Jeder wußte, wie sie gemeint waren, und darum herrschte immer«in lustiger Ton in dieser Werkstatt. Es ging gewih niemand hinein, der nicht übers ganz« Gesicht lacht«, wenn er wieder herauskam, und mochte er sich ein paar Trauerschuh bestellt haben.» Der Rater hatte nämlich eine Art, Witze zu machen, und selbst dem grolligsten Griesgram die Zwerchfellmuskeln zu lüpfen, dah es einfach unwiderstehlich war. Diejenigen, die er in die Kur bekam, die brauchten sich nachher nicht mehr zu scheuern und abzubürsten, die waren meistens so sauber und glatt, wie frischrasierte Pfarrcrsbacken. Gar viele Geschichten gehen über den Voter im Schwang, die schönste von allen ist aber doch die vom Bibbeleweiß. Der ist an einem Montagmorgen, vom Unterdorf kommend, in höchster Hast an Vaters Werkstatt oorbeigerannt. Der Pickelgesichtige hatte es eilig, weil, er noch auf d�n Acht-Uhr-Tram wollte, der schon beim Lemiuswirt bereitstand. Es war also höchste Eisenbahn. Der Vater hatte den Bibbeleweiß schon von-weitem kommen sehen, und da er von früher her ein HüHtichen mit ihm zu rupfen hatte und die Gelegenheit ehen jetzt für sehr günstig erachtete, trat er. als der Herr Bankbuchhalter an ihm vorbei war, unter die Laden- tür und schrie ihm nach: „He, Herr Weiß, rennt doch nicht so! Kommt eine Sekunde zu mir herüber, ich habe Euch etwas Wichtiges zu sagen!" „Jetzt habe ich keine Zeit, Schuhmacher, ich muß auf den Tram." „Wenn Ihr aber wüßtet, was das ist, was ich Euch zu sagen habe, so würdet Ihr wohl gerne eine Weile stehen bleiben und keine so langen Schritte mehr machen!" „HS, was ist's denn?" „Kommt hier her, dann will ich's Euch sagen! Aber Ihr müßt ganz nah« herankommen: denn über die Straße hinüber will ich's nicht brüllen, es könnt' unter Umständen Euerm guten Ruf schaden!" (Dieser Hinweis des Vaters auf den„guten Ruf" des Buch- Halters war eine glatte Gemeinheit: denn im ganzen Dorf galt der Bibbeleweiß übelberüchtigter als die Neudörfler Knoblauchzüchter.) Auf diese Wort« hin zappelte der Bibbeleweiß wie«in Salm an der Angel. Er hatte keine Ruhe und keinen Frieden mehr: die aufgesckzeuchte Neugierde rannte in ihm herum, wie ein wildgemachtes Sichhörnlein im Drillkäiig. Zwar flucht« er ein paar saftige..Gobb- verdammich!" aus feinem unangenehm gelben Schnurrbart hervor, aber er schnappte doch merkbar ein. ließ den abfohrtbereiten Tram beim Lemiuswirt stehen und kam über die Straße herüber. Aber der Vater, der ihn hergelotst hatte, zeigte jetzt die kühle Schulter und tat so, als ob er'» gar nicht mehr eilig hätte mit dem Erzählen. Fast verknällt ist da der Bibbeleweiß vor Neugier. Er hat's nicht mehr erwarten können. Wie ein Rennpferd, das ab will, hat er den Boden gescharrt. Bald hat er den rechten Fuß gelüpft und bald den linken. Schließlich sagte er:„Macht nicht so lang, Schuhmacher! Spannt mich nicht unnütz aus die Folter! Rückt mal mit dem heraus, was Ihr Wichtiges für mich wißt!" „Ja, ja," antwortete der Vater,„drängt nicht so, Herr Weiß, ich werd's Euch schon sagen! Aber vorher müßt Ihr mir hoch und heilig versprechen, daß Ihr mir über das, was ich Euch zu bringen habe, nicht böse seid!" „Spaß bei Seit', Schuhmacher, ich werd Euch darüber nicht bös sein, mag es sein, was es will!" „Ist das auch sicher wahr?" „Ihr könnt Euch drauf verlassen,'s ist sicher wahr!" sagt der Bibbeleweiß und zuckt vor Ungeduld wieder mit allen Muskeln. „Glauben kann ich's aber erst. Herr Weiß, wenn Ihr mir Eure Hand drauf gebt und Euer Ehrenwort!" (Und dies war wiederum eine glatte Gemeinheit vom Bater. dieses„Ehrenwort": denn die ganze Gemeinde wußte, daß der Bibbeleweiß keins hatte.) Was hat der aufgespießte Bankbuchhalter machen wollen? Um die Geschichte überhaupt erfahren zu können, mußte er die Hand geben und sein Ehrenwort. Bevor der Vater aber den Mund auftat, hat er bedächtig eine Prise Schmalzler Schnupftabak aus dem Päckchen genommen, mit dem er schon ein« Weil« spielte, hat sein rotgeblümtes Söckinger Taschentuch au« der grünen Schusterschürz« gezogen, hat sich schön langsam die Nase geputzt, zuerst da« linke Nasloch und hernach das rechte Nasloch, hat sich in voller Andacht das Ausgeputzte ange» schaut, und bis er mit alldem fertig war und Nastuch und Schnupf» tabakpäckchen wieder versorgt hotte, ist auch glücklich schon der Acht- Uhr-Tram beim Lemine»abgefahren, und vor ver nächsten halben Stund« kam keiner mehr. Sobald der Vater gesehen hat, daß der Tram endgültig weg war und auch vom schnellsten Läufer nicht mehr eingeholt werden konnte, hat er dem Bibbeleweiß dt« Hand auf die Schulter gelegt und ganz ernsthaft gesagt: „Wißt Ihr. Herr Weiß, Euretwegen hoben gestern abend zwei in der.Sonne' drüben den allergrößten Krach gehabt. Wenn ich nicht zufällig dazugekommen wäre und geschichtet hätte, würd's Mord und Totschlag gegeben haben!" Dem Bibbeleweiß sind, als er das hörte, schier die Augen über- gelaufen vor Eifer, und sein Atem, sein stößiger, ging noch einmal so schnell wie gewöhnlich: „Wie? Was? Meinetwegen haben zwei in der.Sonne' drüben Händel gehabt? Meinetwegen? Aber, um Gottes willen. Schuh- macher, jagt mir, warum denn nur?" � Da hat der alte Schalk geschwind seinen dünnen Ehineserschnurr» bort gedreht und die Spitzen zwischen den Fingern geknibbelt und hat den rechten Fuß auf die oberste Staffel gesetzt, um mit einem einzigen Satz im Laden drin sein zu können, für den Fall, daß der Herr Bankbuchhalter wirtlich vor Wut auseinandersprang, und hat gesagt, schön klar und deutlich und bis In die letzte Silbe hinein verständlich hat er gesagt, dah man'» bi» zur Apotheke hinüber hören konnte, wo schon ein paar stehengeblieben waren und die Ohren spitzten: „Wißt Ihr, Herr Weiß, die zwei gestern«bend haben deswegen so fürchterlichen Kroch miteinander gehabt, weil sie Euch beide auf die Nase machen wollten. Aber ich Hab' gesagt, es fei schon an einem genug!" So viel«„Gobbverdammich!" wie in den nächsten fünf Minuten der Herr Bankbuchhalter zusommenflucht«, so viele bracht« er sonst nicht einmal in einem Vierteljahr fertig. Und das will bei einem Lippenathleten wie dem Bibbeleweiß schon wa» heißen, stößt er doch gewöhnlich pro Tag mehr Fluchwörter aus, als er Pickel im Gesicht hat oder als Napoleons Pappelbäume am Rhein stehen von Hüningen bis nach Kembs hinunter, und das sind nicht wenig! Der Dater aber ist in seiner Werkstatt drin jauf dem Schemel gehockt und hat auf» Leder geklopft, schallend, hallend, als ob's gor kein Leder, sondern eher«in Stück Eisen wäre, und bei dieser Arbeit sind ihm vor Lachen die dicken Tränen über die Backen getrapst, «in« nach der anderen, ein« nach der anderen,'e hat schier nicht mehr aufhören wollen. So einer ist der Vater gewesen! Die Kaserne, das feiste Gnu und die drei mageren). Das war für den Ort etwa» Ungeheures, als die Frau Schosseh ihr neues Hau, bauen ließ. Es mußt« extra ein Architekt aus der Stadt kommen, und der setzt« ihr an der Basier Straße einen klobigen Kasten hin,«in dreistöckiges, weitläufiges.Haus, in dem sechs Partien wohnen konnten. Dorn, noch der Straße zu, Fenster, nichts als ein Fenster,«ins so gleichförmig wie das ander«: dabei kotzte das Gebäude vor Nüchternheit, wie einer der Exerzierschuppen auf dem Habsheimer Drillplatz. Daher hotte der Neubau schnell einen Spitznamen weg. Im ganzen Kanton nannte man ihn nur „die Kaserne", sehr zum Aergcr der vornehmen Frau Schosseh, der diel->r Name herabwürdigend vorkam, um so mehr, als. sie doch selber auch in dieser.Losernc" wohnen mußte. Macht aber nichts, der Uebernom« war da und lieh sich nicht mehr abwaschen, so sehr sich die Dome auch Müh« gab und sogar den Pfarrer mehrfach für diesen Zweck einspannte. Die volle Trostlosigkeit des Gebäudes lernte ich erst kennen, als wir selber in den Backsteinkasten einzogen. Da waren keine gemüt- lichen, ausgelaufenen Sandsteinftafjeln mehr, nein, nur nüchterne, zemcntene Treppen. Von der Straße aus sah das Haus wie eine riesige steinern« übermörteltc Zigorrenschachtel aus, der reinste Ziegelsarg, ohne grüne Läden, ohne grüne Blumen, mit Fenstern ohne Gardinen: Fenster, die schwarz und trostlos und oerkommen aussahen wie Zahnlücken bei einer seiften Frau. Der Hausgang war ein einziger Durchzug und so lang und finster, daß wir Kinder Angst bekommen konnten, wenn wir nacht» durchmußten. Da waren im Hose kein« Winkel mehr, in denen wir uns verstecken tonnten, und im Garten durften wir auch nicht herum- springen, wie wir gern gewollt hätten. Da war alles in kleine, liliputanische Beete abgeteilt und wehe, wenn wir einem zu nah« kamen, da» nicht uns gehörte! Da schallte gleich die Stimme der Dam« Schosieh aus dem mittleren Stockwerk herunter. Allem An- schein nach war die in Pacht beim lieben Gott und hotte«twag von dessen Allgegenwart abbekommen: denn trotzdem sie nur ein Auge hatte und diese» die meiste Zeit über noch oerzigert war, sah sie doch alles, was in ihrem Gebiet vorging. Nach allem, was Bewegung hatte, faß sie auf der Lauer, wie«in« dicke Kreuzspinne im Nest, und erwürgte es mit dem Herklang ihrer Rede und ihre» Geksifs. (Das heißt, ganz wurde sie mit uns denn doch nicht fertig. Im Herbst zum Beispiel stahlen wir ihr die Aepfel, daß die Aeste nur so krachten.) Selbst im Hau» dr'cn, in der gemieteten, sündhaft teuren Wohnung, war man nicht sein eigener Herr. Da mußte man leise auftreten, wie in Filzpantoffeln, und ja keine Tür« zuschlagen oder ein laute» Wort reden. Da muhte man sich in allem eben noch dem Willen der Frau Schosseh richten, weil sie die Hauewirtin war. Wer hat, der hat. Der kann bestimmen. Der ander«, der nichts hat, der tonn entweder das Genick einziehen, oder, wenn'» ihm nicht paßt, bestenfall» sich trollen. Auch die Frau Schosieh führte im Dorf einen Spitznamen: „da» feist« Gnu". Und sie führt« den mit Recht: denn sie war so dick, daß sie beim Treppensteigen touin mehr schnaufen konnte. Wenn sie kam, so hörte man sie schon von weitem fauchend Dampf ablassen, wie«In Dampfkessel, der schadhast ist und durch die Ritzen pfeift. Do unförmlich war sie, daß der dick« Metzger Friedrich, dem e» doch weiß Gott auch zu einem Schmerbouch gereicht hatte, der sich sehen lassen konnte, gegen sie nur«ine flache Wanze war. Ihr« FettNumpen, nur mühsam durch die Haut gebändigt und zusammen- gehalten, hingen an ihr herunter, so breit, so tlotschigmatschig, wie gefüllte Sandsäck«.(Fortsetzung iolgt.l Rätsel* Ecke des„Abend". IMMIMMIMMMMI» Silbenrätsel. Au» den Silben an band ber drei bürg ei da dou de dieb din dro e e er en«n en er erb» ga ganz go go i tel ku» lauf lei len iet ma mag mar mal mos nau nen nes ni nor re rei ri ri rier fch« se« ta ter to va wild zeit zi sind 13 Wörter zu bilden, deren Anfangs» und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Au»- spruch Lassalles ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Verbrecher: 2. Baum: 3. Bucheinband: 4. Insel im Bodens««: 5 italienischer Alpensee: 6. Hunderasse: 7. Sportart: 8. Hochtal in der Schweiz: 9. Oper von Richard Wagner: 10. Stadt in Frankreich: 11. Der» wandter: 12. Oper von Verdi: 13. Stadt in Syrien: 14. weiblicher Soaoideall. 1. Juni. B• r 1 1 n. 16.00 Dr. Brand; Deutsch» SUdte-Jubflien. 16.60 Ministerialrat Dr. Willecke; Die Mltttlmeerlinder. 17.00 SchQIerdlehtunaen. Vortrat und Leseproben; Erich Burter. 17.30 Hotel Excelsior(Kapelle Ehr» Schachmeister). Anscblletend Mitteilanten des Arbeitsamtes Bcrlln-Mftte. 19.30 Berliner Pestsplele. 1. Uebertratunt(Metropol-Thealer).„Blaubart", Komische Oper von Jaqnes Ottenbach. Nach den Abendmeldanten bii 0.30: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Holtmann). Wahrend der Pansc Bildtank. v KOnitswasterbansen. 15.40 Schmuck zum Badeanzat(Ursala Scherz und William Waucr) 16.00 Aos dem Zcntralinstitat für Erziehunt and Unterricht. 16.30 Prof. Dr. Heller: Der Beamte in Ifalien. 17.00 Nachmittatskonzert von Hambart. 18.00 Otto HeBler: Kulturelle StrBmanten im Arbeiterlebee. 18.30 Französisch IQr AnUncer, Sonntas, 2. Juni. Berlin. 6.30 Fruhkonacri. 8.53 Olookenspiel der Potsdamer Garnisonkirche.— Morgenfeier,— Glocken- teläat des Berliner Doms. 12.00 Mlttstskonzert. Kapelle lila Llvsehakoft. 14.00 E. Nebermann: Schachlunk. 14.30 Für den Landwirt. 15.30 Märchen.(Erzählt von Adele Proe»ier.) 16.00 Von Frankfurt: Srarkundscbnnt. 17.00 Unterhaltnntsmusik der Kapelle Otto Kermbacb. 19.00 Ein ZwietesprSch zwischen Gartendireklor Lodwlt Lezser und Prot. Salvlsbtrt. 19.30 Dr. Curt L. Hermann: Wiedersehen mit Berlin I(Eindrücke eines aus Amerika zurQcktckehrten Journalisten.) 30.00 Prot. Dr. W. Oolther. Rostock: Zum 60. Oehurtstat Slatfrled Wapierz. 20.15 Orehaattrkonzett. DOrlteet: Selmar Mayrowitt. 1. Slejfr Wärter; Ouvertüre zu„Der Birmhlster".— 2. Rieh. Watner; Sletfried Idyll. — 3. Fr. Llazt; Tasao, alntonischa Diehtunf.— 4. G. Bizzt: Aua ler „rArKsienne Suite".— 8- M. Glinka: e) Musik zu der Tr4»6dle.FöiSt Cholmsky"; b) Ouvertüre zu..Das Leben für den Zarati".(Berliner Funk. 0 ehester.) AnschlleRend: Zeil, Wetter, Tageanachrlchten, Sport., Anschließend bis 0.30 Tanz-Musik.(Fred-Bird-Tant-Orebester.) Während der Pause: Bildfunk. Kftnltswusterhaasen. 16.00 Dr. A. Sackheim: Die Herren Kritiker. 18.30 Dr. B. Dicbcld: Die Herren Theaterleiter. 19.00 Dr. Heinroth: Qesant der Vögel. Vorname; 15. Stadt In Deutschland: 16. österreichischer Staatsmann: 17. indischer Dichter: 18. Genußimttel: 19. Einheitszeit. kr. Spiralen-Kreuzworträtsel. 12 '' l • I TiT 6! H- I- 6 3 3! j 2 .M\' 12. Qi I:: i' i Wa g« r e ch t: 1. persönliches Fürwort: 3. weibsicher Vorname: 4. römisches Gewand: f>. Dolkegemcinfchafti 7. Pflanze: 9. geometrische Bezeichnung: 1l). Musikant: 12. Wasierfänger: 13. Kompottp stanze.— Senkrecht: 2. Flächenmaß: 3. Tiefen- maß- 5. Gewicht: 6- Gestirn: 8. Poppbehältnis: 9. zweifach; 11. Klasstker: 12. Schriftsteller.* Worträtsel. Mich zu lieben bedingt die Natur. Koptlos geblieben, ji«h ich im Wasser die Spur. Drei Gilben. Die erste steckt im Abc, Zwel-drel lebt munter in der Se«. Das Ganz« kennt man als Symbol, Wirkt oft zum Uebel, oft zum Wohl. Sleichklang. In mir steckt kein« Heiterkeit. Di« meisten aber lind es heut. Wer mag es sein? Merk auf: e» haben Mein Wort als Namen viele Knaben. (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) icr. — kr.- AuflS'unq der Rätsel aus voriger Rummer. Sptralen-Kreuzwortrötsel. Wogerecht: 1. lo: 3. Bad; 4. Bahr; 0. Spaß; 7. Eltern; 9. Kurpark; 10. Gelatine; 12 Eberesche: 13 Ziegenhais: IS. Gendarmerie.— Senkrechl:?. ta: 3. Bob; S Erar, 6 Sarg«: 8. Karte; 9. Katalog; 11. Epidemie: 12 Exzellenz: 14. Ehrenpreis: 15. Geschwader. Mensch und Tter: Katze Tatze— Glatze Geistlich und welllich: Stola— Stolp. D o m i n o- A u fg a b e: Im Rest logen: 6-3, 6-?� 6.0, 3-1. d. behielt: 2-2, 0-0. D. behielt; 5-5, 5-2. Der Gang der Partie war: 1. A. 6-6. B. 6-5. E 5-3. D. 3-2: 2 A. 2-4. B 4-4. C. 4-3. D. 3-0: 3. A. 0-4, B.—, E 4-1, D. 1-6; 4. A. 6-4, B.—, E.— D.—; 5. A. 4-5. B.—. E. 5-0. D. 0-2; 6. A. 2-1(- 105). Nr. 252 46. Jahrgang Sonnabend 1. Juni 1929 Tecltnzlt im üezzn. Arbeitserleishterung beim Waschen durch richtige Körperhaltung-- � Richtig föJsch StaHm Bunaradwit äf VrmnKe� ArcN Der Verein Deutscher Inyenicure veranstaltet in ständiger Folge eine Wonderausstellung unter dem Titel„Technik im Die erste dieser Ausstellungen fand vom � April bis 5. Mai in CFffen statt. Sie wurde in Gegenwart zahlreicher Vertreter der Behörden, Verbände und ösfent- lichen Körperschaften durch Geheimrat Dr.-Ing. Oskar von Miller, den Schöpfer des Deutschen Museums In München. der größten technischen Sammlung Europas,«r- öffnet. Die Ausstellung oerfolgt den Zweck, den Besuchern und vor allein den Besucherinnen Auf- klärung zu geben über alle technischen Fragen des Hauehaltes. Der Haushast ist der älteste Mirtschaftsbetrieb. Cr ist belastet mst allen Nachteilen der lieber- (ieferung. Die Haushaltsführung wurde erst in den letzten Jahren ingcnieurmäßig bearbeitet, und gerade hier zeigte es sich, daß das, was feit unendlichen Zeiten„schon immer so gemacht wurde", der wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten konnte. Diesen Eindruck wird vor allem der Besucher der Wanderausstellung durch Betrachtung der Wandtafeln erhalten, die in geschickter und anschaulicher Weise falsches und richtiges Arbeiten, unzweckmäßige und zweckvolle Geräte zeigen. Eines unserer heutigen Bilder läßt zum Beispiel die Arbeitserleichterung beim WoPhen durch richtige Körperhastung erkennen. Wenn das Waschfaß zu niedrig steht, ergeben sich Gesundhestsschädigungen: Rücken, und Kreuzschmerzen, zu stark« Einatmung des Wäschedunstes und infolg« davon auch Blutandriing zum Kopf. Die körperliche Ermüdung wird noch ver» größert durch die starte Beanspruchung der Beinmuskeln. Es gibt viele Hausfrauen, die der Meinung find, daß es sich nicht lohnt«, derartigen Dingen Beachtung schenken zu müsse«! ste glauben„faul" zu sein, wenn ste Arbeiten in bequemer Körperhaltung verrichten. Was hier für das Waschen der Wäsche gezeigt ist. gist sinngemäß auch für das Geschirrspülen. Weil Geschirrspülen weniger Kraft StfeedWr Rucken LKtesSt�wn Ungesund und schnell ermüdend Gesunde und kräfteschonende Haftung Behebung unscheinbarer Mängel mit einfachen Mitteln bringt erhebliche Leistungssteigerung erfordert, läßt sich diese Arbeit mit dem größten Nutzeffekt auch im Sitzen verrichten. Aber nicht nur durch so einfach« Maßnahmen wie dos Höherstellen eines Waschfasses, sondern durch die Benutzung praktischer Gerät« in Verbindung mit richtiger Arbeitshaltung erleichtern sich wesentlich die Beschwerden der Hausarbeit. Wieder andere Wandtafeln lasten die einwandfreie Durch- bildung von Küchengeräten erkennen. Zweckmäßig geformt« Küche» gerät« erleichtern wesentlich die Reinigungsarbeit und sind auch iis hygienischer Hinsicht vorteilhafter. Die Wanderausstellung hält sich frei von jeder Reklome. Sie bringt nicht eine Unmenge neuer Gerät« in sinnverwirrender Aufstellung, sondern eine übersichtliche, nur aus die Dermittlung von Kenntnissen abgestellt« Anordnung. Sie wird sicherlich dazu beitragen, die Anerkennung der Hausarbeit als«ine hochwertige Leistung zu fördern. Je bester die Hausfrau ihren Betrieb vernunftgemäß verwaltet, um so mehr wird die Achtung steigen, die man ihrer Arbeit und ihr selbst entgegenbringt. W. M. UumphD�y f>«vy. üicm ICC. Todestage des großen Wissenschaftlers, Sir Humphrey Davy wird in der Geschichte der Wistenschoften stete in kxr ersten Reih« der Forscher genannt werden, denen Physik und Ehemie bahnbrechend« Entdeckungen verdanken. Aus der großen Zahl der von ihm gelestteten Arbeite« haben vor allem die Sicher- heuslamp« und der elektrische Flommenbogen eine große Volks- tümlichkest erlangt. Die von Davy gleichzeitig und unabhängig von dem Altmeister der Eisenbahntechnik Stephenson hergestellte Sicherheitslampe für Bergleute nützt die gute Wärmeleitfähigkeit feinmaschiger Draht- pitter aus. Ein feines Drahtgitter versperrt der Flamme gleichsam den Weg, indem es die Wärm« selbst ausnimmt und sehr rasch weiterleitet. Diese Eigenschaft nützt Davy aus und schuf so die Lampe, die ihre Flamme nicht mehr ungebändigt hinausstrahlen und die gefährlichen Grubengas« zur Entzündung bringen tonnte. Um das Erstrecht dieser Erfindung führte Davy mit Stephenson einen heftigen Kampf, der dann dahin entschieden wurde, daß hier zwei geniale Männer gleichzeitig eine Frage mit den gleichen Mitteln gelöst hatten. 1815 entdeckt« Davy die wundervolle Leuchlerscheinung, die sich zwischen zwei Kohlenstäben ausbildet, die voneinander getrennt und in den Stromkreis einer genügend starken Elektrizitätsquelle eingeschaltet sind. Davy unterrichtete damals in London an der Royal Institution. Man hatte ihm die gewaltigste Stromquell«, die es damals gab,«in« Voltasäule, die von 2000 Zink- kupferelemnten gebildet wurde, für sein« Versuche zur Verfügung gestellt. Als er eines Tages zwei Holzkohlenftäbchen in den Strom- kreis seiner Batterie einschaltet« und dann die Kohlen longsam auseinanderzog, flammte zum erstenmal der glänzende, blendend- weiße Lichtbogen aus, der auch heute noch als Bogenlicht Ver- wcndung findet, mit d«stcn Hilf« auch ungedämpfte drahtlose Schwingungen in den Raum hinausgestrohlt werden können. Davy war von maßlosem Erstaunen ergriffen. Er sah ein Wunder und wußte keine Erklärung. Er kannte die Luft als«inen herzlich schlechten Leiter für den elektrischen Strom. Zur Ueberwindung auch nur eine» Zentimeter» Luft werden 27 000 Volt benötigt. Davy fand kein« Lösung, er mußte sich damit begnügen, di« seltsam« Erscheinung festzustellen, deren Entdecker«r war. Viele ober hofften schon damals, daß es möglich sein könnte, durch diese Leuchte das Dunkel der Nacht zu erhellen. Aber dazu reichten die Strom. quellen damals noch nicht aus. Das wurde erst Möglich, als die Dynamomaschine mühelos jede gewünschte Spannung und Stärke zu liefern oermochte. Erst die Arbeiten von Siemens und Hefner- Mtencck machten aus der Entdeckung Davys eine praktiich brauch- bore Erfindung. Das Räts«l aber, da» die geheimnisvolle Flamme der Gel«hrt«nwclt aufgab, ist erst in unseren Tagen gelöst worden. Heut« wisten wir. daß die Lust zwischen den beiden Kohlenstückchen jonisiert, das heißt leitend gemacht wird, so daß sie eine Brück« bildet, über die die Elektrizität noch Ueberwindung eines erheblichen Widerstandes hinübergehen kann. Di« Luft selbst wird beim Durch- gong des Stromes leuchtend, bläuliche, violette Strahlen lasten das erkennen. Der Lichtbogen selbst aber geht von der Kohle aus, die stark erhitzt wird. Die mit dem positiven Pol der Kraftquelle ver- bundene Kohle, di« Anode, wird dabei bis auf 3000 Grad erhitzt, die Kachod« aber hat nur 2500 Grad. Di« Folge ist, daß sich on der Anode«in kleiner Krater, ein« Höhlung bildet, die 27 Proz. der an« gestrahlten Lichtmenge liefert. Davy. der am 17. Dezember 1778 zu Penzance in Eorn» wall geboren wurde, wurde als Siebzehnjährioger einem Apotheker in die Lehr« gegeben. 1798 arbeitete er als Chemiker in der medizinischen Anstalt von Beddoes in Bristol. Hier beschäftigte er sich mit dem Stickstofsoxydul, das als Heilmittel benützt wurde. Im Alter von 24 Jahren wurde er bereits Professor an der R o y a l Institution in London. Cr arbeitete auf dem Gebiete des Galoanismus und versuchte, die Arbeiten des Grasen von Rumsord fortzusetzen, der Wärme als eine Erscheinung der Bewegung erklärt und bewiesen hatte, wobei es ihm gelungen war, die Gleichwertigkeit von Wann« und mechanischer Arbeit zu bestimmen. Er hatte damit bereits da« Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das den Namen Robert Mayers berühmt machen sollte, gesunden, ohne von der Tragweit« diesr Entdeckung durch- drungen zu sein. Davy konnte den Nachweis führen, daß Kalzium und Natrium keine einfachen Körper sind. Er konnte sie von Hichroxyden srei- machen. Durch sein« Arbeiten wurde er der Vater der Elektrochemie, di« durch ihn einen ungeheuren Ausschwung erlebte. Biel« Forscher wurden durch seine Erfolge angeregt, in der gleichen Richtung zu arbeiten. Auf Grund dieser Erfolg« wurd« er geadelt. Bon 1820 bis 1827 war er Präfidett der berühmten Royal Society, der die hervorragendsten Gelehrten angehörten. Am 29. Mai 1829 ereilte ihn der Tod am Genfer See. Davy ist auch der Lehrer des großen Fora- d a y, der in tiefster Armut aufgewachten war und nur mit den größten Entbehrungen seine geistige Weiterbildung erzwingen tonnt«. Davy machte Faraday zu seinem Assistenten, er förderte ihn so lange, bis«r erkannte, daß Farodoys Stern heller zu leuchten begann als der feine. Da begann das häßlichst« Kaoitel seines Lebens. Er war von Neid und Mißgungst gegen den «instigen Schüler«rfüllt. Und damit hatte er ■!L- bewiesen, daß ihm das Letzte zur wirklichen Größe fehlie: er stellte feine Persönlichkeit über die Sache, der er dient«. Willy M ö b u e. me f>V£, Die Deutsche Versuchsanftalt für Luftfahrt(DVL.) wurd« im Jahre 1912 gegründet, als die Luftfahrt begann, ei» sehr ernst zu nehmendes Gebiet der Technik zu werden. Aus kleinen Ansängen heraus ist sie zu ihrem heutigen Umfang entwickelt worden. Die Räumlichkeiten in Adiershof genügen seit langem nicht mehr den Anforderungen, die an ein solches Institut zu stellen sind. Die DVL. muhte sich daher noch neuen Räumlichkeiten umsehe». Zahl- reiche Städte haben sich bereit erklärt, die Anstalt bei sich zu sehr günstigen Bedingungen aufzunehmen, und auch Berlin, dos ja im Verkehrszenirum der deutschen Fliegerei liegt, hat der DVL. das Angebot gemacht, ein-neues und sehr geeignet erscheinendes Ge- lände bei Britz zur Dersügung zu stellen. In einer Zusammenkunft, die die T« ch» i s ch- L it e ra» rische Gesellschaft zu Berlin veranstaltete, sprachen Ver- treter der DLV. über die Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten dieses so wichtigen Forschungsinstituts. Um das Ende der Inflationszeit wurden der Anstalt im wesentlichen zwei Aufgaben übertragen, erstens die Prüfung der Lustsahrzeuge auf Luft- tüchtigkeit als Grundlage zu ihrer behördlichen Zulassung und dann Forschungsarbeiten aus den verschiedenen Gebiete» der Flugtechnik. Diese Arbeiten sollen dazu deiiragen, die S i ch e r- heit der Lustfahrzeuge besser zu beurteilen, ihre Leistungen einwandfrei zu mesten und auch Wege zur Erreichung dieser Ziele zu finden. Die DVL. gliedert sich auf Grund dieser Ausgaben in folgende Abteilungen: die Aerodynamische Abtei- lung, die sich im wesentlichen der Strömungssarschung widmet und im Zusammenhang damit die günstigsten Formen der Flug- zeuge feststellt, die Statische Abteilung, die sich im wesenttichen mit den Festigkeitsfrogen der Lustsahrzeuge beschäftigt, die Motorenabteilung, die sich mit allen mtl dem Motor zusammenhängenden Fragen zu befassen Hot, die S t o s f a b t e i- lung, die sich sowohl init dem Bau als auch mit den Betriebs- stoffen beschäftigt, die Abteilung für Navigation und Lichtbildwesen und endlich dir A d t e i l» n g für Funk- Wesen. Bücher der Technih, Härder: Der kranke Gas- und Oelmotor.(Handbuch für Auf- ftellung, Betrieb, Ausbesserung, Ueberwachuug, Schmierung und Untersuchung der Derbvcnnungskraftmaschinen.) 5. verbestcrie Auf- läge. 467 Seiten, 1000 Abbildungen, Preis in Ganzleinen geb. 16 Mk.. Verlag Carl Schmidt u. Co., Berlin W. 62. Das in der 3. Auslage erschienene, seit langem gut bekannte und anerkannte Wert zeichnet sich durch eine Füll« von Anregungen und Ratschlögen aus. Es ist ein wirklicher„ärztlicher" Ratgeber für den tranken Motor. Der kranke Motor kann oft genug den ruhigsten Menschen zur Verzweiflung bringen. Heeders Buch zeigt, wo der Fehler zu vermuten ist, es sagt auch, wie man den Motor behandeln soll, damit er nicht krank wird. Es ist ein Werk aus der Praxis für die Praxis. Der moderne Kraftwagen, fein Bau und Betrieb, feine pflege und Reparaturen. Ein Handbuch für Ingenieure. Monteure, Selbst- fahrer und Berufsfahrer von M. Peter. Neunte, völlig umge- arb«it«te Aufloge. Mit 896 teils farbigen Abbildungen, zwei Farben- tafeln, einer Störungstafel und zwei farbigen Modellen. 1929. Richard Carl Schmidt u. Co., Berlin W 62. Preis in Leinen 20 Mk. 888 Seiten. Das Handbuch in der jetzigen Form bedeutet eine starke Er- Weiterung und Ergänzung gegen die frühere Sluflagc. Es berück- sichtigt alle Neuerungen und Umwälzungen, die seit 1926 sich im Krostwagcirbou ergeben haben. Es behandelt den Motor und feine einzelnen Teil«, die Zündung und Zündapparate, Kühlung, Schneie- rung und Motortonstruktionen, Kraftübertragung, Getriebe und Ausgleichsgetriebe, Antriebsarten, Untergestell, Räder, Felgen und Roifen. Interessant und lehrreich sind auch die Kapitel über Anlaß- Vorrichtungen, über Lichtmaschinen und Wälzlager, über Karosserien, Elektro- und Nutzkraftwagen. Für den Anfänger sind die unter dem Titel„Fahrschule" zusammengefaßten Anregungen und Belehrungen «in wichtiges Hilfsmittel. Hinter jedem Kapitel des Buches ist»in Abschnitt über vorkommende Störungen angebracht, der es«rmög- licht, systemattsch auch diese wichtige Frage zu bearbeiten. Das empfehlenswerte Werk besitzt ferner ein Drehmodell, das die Arbeits- weife eines Sechs-Zylinder-Motors erklärt und eine leicht zu erfastend« Farbtafel der Oelung, ein aufklappbares Modell, ein« Störungstafel und eine Farbtafel der Verkehrszeichen. Alles in allem ein ausgezeichnetes Handbuch, das alles enthält, was der moderne Fässer wissen muß. Beafhlenswcrtss beim Einkauf von KUihongerittan Bai Geschirr Beispie)-. Rmb-Bll lN»rt Dil Ktarft Mta- bum EtyafWn lartta««tot d« Dwa tonral ItMbtaWtiidi ahm« da OaMMMa�r nunqung§armn Oiasa wkMigsian Merkpunkla sind zum Tail auf jadas Küchengerät In beziehait\ md Tempo der Arbeit verlangen heute äußerste Kraftanstrengung, rastlose Hingabe an den Berus. da macht sich ebenso gebieterisch die Forderung nach einem körper- lichcn und seelischen Ausgleich, nach Entspannung geltend. Diese werden un, so vollkommener sein, je mehr es gelingt, mit der Arbeitsruhe gleichzeitig auch einen Wechsel der Umgebung, eine innere Berj�rung mit den Kräften der Natur zu verbinden." Diese tief empsundenen Worte sind in erster Linie an die arbeitende Bevölkerung Deutschlands gerichtet. Es ist ihr heute bereits leicht gemacht, unter guter Führung und unter Benutzung von über ZOll Wander- und Ferienheimen, die sür die Schassenden errichtet wurden, die deutschen Gaue zu durchwandern. Es ist ihr ferner ermöglicht, wohlorganisierte und billige Ferienreisen nach dem In- und Auslande zu unternehmen, denn die große Wanderorgani- sation der Arbeiterschaft, der Touristenoerein„Die Nalursreunde", betätigt sich schon seit Jahrzehnten im Sinne der Rede des Reichs- innenminifters. lieber ganz Deutschland sind über 1200 Ortsgruppen des Vereins verstreut, die den Arbeitern mit Rat und Tat bei ihren Wanderungen und Ferienreisen zur Seite stehen. Außer den ört- lichcn Organisationen ist die Reichsleitung Nürnberg,.Webers- gasse 1 III, zu allen Auskünften gern bereit. Oer BDR. in der Hasenheide. Nach dem Renntag der Ilnions-Amateure gaben sich gestern die BDR.-Leute auf der Rütt-Arena ein Stelldichein, das Verhältnis- mäßig gut gesucht war. Für eine flotte Erledigung ihres Pro- gramm- trugen die Fahrer Sorge. Im 7ö-Runden-Punktesahren holte der Germania- mann Becker sich mit 18 Punkten den ersten Platz vor Gog-Krampe, der es auf 15 Punkte gebracht hatte. Das Hauptrenncn des Abends bildete ein öll-Kilometer-Mannjchaftsfahren, das hübsche Kauipsmomente brachte. Kurz vor der 40-Kilomeler-Wertung vermochten Scherf- Donath und Bauer-Zimmermann das Feld zu überrunden. Ganz sicher belegten Scherf-Donalh dann auch den ersten Platz.— Das Hanptfahren sah Schulz und das Erst- fahren Gras als Sieger. Resultate- 5 0- K i l o m e t e r- M a n n s ch a f t s r e n n e n: 1. Scherf lGrünmeißf-Donath(BRC. 89) 1:11:34,<1, 13 P.: 2. Zimmermann leihenden Plaketten in angemessenen Grenzen zu halten, Ehren- Urkunden zu verleihen. Wie in den Vorjahren sind für die einzelnen Wettkämpfe Mindestleistungen festgesetzt, die erreicht werden müssen, uin für die Verleihung der Plaketten und der Ehrenurkunden berücksichtigt zu werden. Ein« Ilebersicht über die in Aussicht genommenen Veranstaltungen der Verbände und Vereine ist dem Reichsministerium des Innern durch die Spitzenorxanisa- tionen bis zum 1. Juli dieses Jahres vorzulegen. Anträge von staatlichen Stellen gehen durch die Regierungen an die zuständigen preußischen Ministerien Die Berichte über die Reichsjugendwettkämpfe im Jahre 1928 lassen im allgcmeinen ein erfreuliches Anwachsen der Beteiligung der Schulen an dieser Veranstaltung erkennen. Di« Zahl der beteiligten Schüler und Schülerinnen betrug über 972 000. Das ist gegen das Vorjahr eine Steigerung von über 50 Proz. Diejenigen Anstalten, die sich noch nicht zu einer Teilnahme haben entschließen können, weist der Minister erneut auf den Erlaß vom 28. April 1927 hin. in dem das Wesen k�r Reichsjugendwettkämpse und ihre Ziele eingehend dargelegt worden sind und es den ein- zelnen Anstalten überlassen worden ist, die für ihre Verhältnisse geeignete Form der Beteiligung zu finden. Es bietet sich in diesem Jahre Gelegenheit, die zehnjährige Wiederkehr des Tages, an dem die Rcichsverfassung in Kraft trat, durch würdig« und festliche Veranstaltungen zu begehen. Um eine weitgehende Beteiligung der Jugend an diesen Veranstaltungen zu erreichen, bezeichnet es der Minister als erwünscht, die Reichsjugendwettkämpfe in diesem Jahr« am Verfassungstage stattfinden zu lassen. Soweit dies wegen der Schulferien oder aus anderen Gründen nicht durchführbor ist, wird daraus Bedacht zu nehmen sein, die Wcttkämpfe zeitlich möglich st nahe an den Versassungstag zu legen und bei der Veranstaltung dieses Tages zu gedenken.' Der Reichspräsident wird auch in diesem Jahr« wieder Ehrenurkunden stiften, die dem Provinzialschulkollegium übersandt werden. �Hlerremport." Man sollte es eigentlich nicht glauben, aber es gibt tatsächlich immer noch„Stehkragenproletarier", die nicht wissen wollen, daß auch die Geistesarbeiter nichts Besseres darstellen als die große Masie der Handarbeiter. Bis in den Sport hinein macht sich dieser Standpunkt geltend, am krassesten in den Grundgesetzen des Deut- schen Ruderoerbandes, der Spitzenorganisation des söge- nannlen bürgerlichen Rudersports. Danach kann als ausübendes Mitglied nur aufgenommen wer- den derjenige. denAs eine soziale Stellung und die Art seiner Tätigkeit als Herrenruderer erscheinen läßt. Wenn auch aus dem Berliner Rudertage 1919 erklärt wurde, daß der Ausdruck„Herrenruderer" in demselben sportlichen Sinne zu verstehen sei. wie z. B. Herrensegler. Herrenreiter usw., und dadurch nur ausgedrückt werden solle, daß man eben Ha n da r b e i t er als durch die Art ihrer Berufstätigkeit bevorteilt erachte und sie daher nicht als gleichwertig« Gegner im sportlich«« Wettkampf an* sehen könne, so findet diese Erklärung im ganzen bürgerlichen Sport- lager außerhalb des Deutschen Ruderoerbandes keine Stütze mehr. Dort sagt man, daß die berusliche Eigenschaft als Handarbeiter jemanden im sportlichen Wettkampf absolut nicht unbedingt einem Geistesarbeiter überlegen machen müsie, in der richtigen Erkenntnis. daß der Spon außer körperlichen Vorbedingungen auch geistige und seelische Qualitäten erfordert. Es bleibt nun die nüchterne Tatsache, daß der Deutsche Ruder- verband die Handarbeiter als eine mindere soziale Skhicht betrachtet, die in seine exklusiven Reihen nicht hineingehören, in eine Exklusivität allerdings, die zum größten Teil aus Stehkragenproletariern ge- bildet wird, die sich in beispielloser Trägheit zur willenlosen Gesolg- schaft ihnen wirtschafilich und politisch feindlicher Interessenten- gruppen machen. Wie reaktionär dieser Verband ist, hat ja erst der letzte Vcrbandstag bewiesen, auf dem eine neue Verbandsflagge mit den schwarzweißroten Farben des alten Kaiserreiches ausgestattet wurde. Für den denkenden Arbeiter im weitesten Sinn« ober, den Le- amten, Angestellten, Arbeiter, beweist dies nur, daß er in die Reihen der Arbeitersportbewegung gehört, die ihn als einen der ihren be- trachtet im Kampf gegen Standesdünkel und Klassenherrschaft des Bürgertums._ Arbeiter-«« 1ser«tiui>s»d>«»st. Donnerstag, 13. Juni. 2fl Uhr, bei granl, Reukölln. Kanghofrrstraße, Rettungsobleutesinung. Tagesordnung: Berichte sämtlicher Obleute llbcr ihre dicsiährig« TStigkeit. 2. Bcrfchiedene». Zluderoereia Sollegi«. Sijmng ffreitag, 7. Juni, bei Thunack. Den Der. trieb zur Bundesrcgatta hat Bruno Saufmann Übernommen. für Schule md Sport Jacken- Anrug, modern gemusterter Jgl.-Schul-Anzug, graumeliert. Cheviot, Cheviot, Schillerkragen und a_ mit Breeches oder Kniehose, ä Kniehose für Sechsjährige M. X 1.' ganz gefüttert Gr. 38. M. 3 ü«" Trench- Coat aus hellmodefarbigem Jgl.-Schul-Anzug, apart gemusterter Baumwoll- Gabardine, für � � Cheviot, neue Schattierungen, 1 � sechsjährige Knaben~- M. mit Knickerbocker Gr. 38 M. JO«" Golfblusen-Anzug, moderne Farbtöne, Jgl.-Schul-Anzug, modebraunerCheviot, sehr kleidsame Form, für q_ hervorr. Qua)., mit Breeches■j— sechsjährige Knaben-- M. �O« oder Knickerbocker Gr.38 M. tfinnofbrr .Da s U a u s d a s J e d en a n /. i e h 1 BERLIN C KÖLLNISCHER FISCHMARKT x.