Morgenausgabe Nr. 253 A 125 46. Jahrgang wöchnunq API. monattld) 3.60 M. Im Doraus jaljlbat. Pofldeziig 4,32 M. -wlchüihlich SO PIg. Pollzeituus». und 22 Psg. Pulibkftellgebüdrin. Ausland»» »bonnimnu 6.— M. uro Manal. Ta.SamOrts* trldjttm wochsntSg- kich jmtimal. Sonnlag» und Mpniag« einmal, dl« Lbendausgaden für Berlin und im Handel mil dem Tilel.Der Adenh' Sllullri-Ne Beilagen.Boll und Zeil' und.Zlinderlreund". gerger »Unlerhallung und Willen'..Frauen» stimme'.Technik'.Blich in die BücherweU" und.Jugend-Borwärts' omurk Berliner Vottsbia« Eon'.iwg 2. Juni 1929 Groß-Asrlin 15 Pf. Auswärts 20 pt. Dl« e t n f p o l n g f Non�areMezeU» 80 Pfennig. Reklame«eile 5.— Reichs» mark.„Kleine Au�ciaeu' das ettae, druckte Wott 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaden za'oltn für zwei Worte Slrbeilsmoifi Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchausn» Geschäft Lindenstraße 3. wochemägUch von gl/? bis 17 Uhr. Jentralovsan der Sozialdemokratischen Vavtei Neuischlands Redoktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernirrecher:?inbof» ZSZ— SS? Lelegramm-Ldi i Sozialdemokat veili» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. BoAldeckkonto: Ber5m Z7 KSK—©anflonto: Bant der Srbnkrr. Lngestev««» und Beaniiea Wallfti. KS. DiSIonlo-Gesellschat». Depositenkalle Lindenstr. t Einigung bis auf Belgien. Man hofft Donnerstag abzuschließen. PariA, 1. Juni. �Eigenbericht.) iic«achverständigenkonferenz hat der am Freitag abend in großen.Zügen auch über die deutschen Vorbehalte erzielten Einigung zugestimmt, und da» mit Ware nach Monaten und Wochen der ersehnte A b> schluß endgültig erzielt, wenn nicht in. letzter Stunde die Martentschädiguugoforderung der Bel» gier eine neue Schwierigkeit geschaffen hätte. Die belgische Delegation hat am Sonnabend morgeu in einer offiziellen Auslassung erklärt, sie werde den Bericht nicht unterzeichnen, wenn nicht ihre Forderung vorher Berücksichtigung gefunden hatte. Während die französische Delegation und dementsprechend auch die französische Presse den Belgiern bei ihrer Hal- tung den Rücken stärtt, finbet, wie wir hören, die kate» gorische Art, in der die belgische Delegation ihre Forderung aufstellt, durchaus nicht den Beifall der anderen Gläubigerdelegationen. Man ist sich in der Mehrheit der Konferenzkreise vollkommen klar darüber, daß das Er- gebnis der mühevollen Beratung der Konferenz unmöglich durch die Hartnäckigkeit gefährdet werden könne, mit der die Belgier auf ihrer Forderung bestehen, die über- Haupt gar nichts mit de« Konfcrenzarbeiten zu tun hat. Die Haltung der Belgier muß noch in einem doppelt fragwürdigen Licht erscheinen, da die deutsche Regie- rung sich bereits wiederholt zu Verhandlungen mit der belgischen Regierung bereit erklärt hat. Man darf jedenfalls hoffen, daß auch diese letzte Schwierigkeit noch überwunden wird. Inzwischen wird eifrig an der letzten Fassung der Vorbehalte und des Be» richts gearbeitet. Wahrscheinlich wird er bis Montag fertiggestellt und seine Lesung in der Vollversammlung bis Donnerstag beendet sein. Lehte Wahlziffern aus England. Wachsende Stimmung für sofortigen Rücktritt Naldwins. London, t. Juni.(Eigenbericht.) Am Sonnabend abend sind 605 Resultate bekannt, 9 Universitäten fehlen noch, außerdem muß die Wahl in Rugby nachgeholt werden, weil dort die Wahl- Handlung durch den plötzlicheu Tod des Arbeitcrkandi- daten unmittelbar vor dem Wahltag unterbrochen werden mpßte. Tie jetzigen Mandatszisferu lauten: Arbeiterpartei.... 288 Konservative....... 254 Liberale........ 57 Unabhängige...... 6 Von diesen sechs Parteilosen könne« fünf als Silfs- truppen der Arbeiterpartei betrachtet werden Das ist insbesondere die Meinung, die M a c d o n a l d unserem Llorrespondeuten gegenüber heute zum Ausdruck brachte. Drei von chnen sind irische Nationalisten, die jedenfalls gegen die jetzige Regierung stimmen würden. Tie politische Lage ist nach wie vor ungeklärt. Mae- d o n a l d beriet heute nachmittag mit einigen anderen Führern der Labour Parth, darunter Henderson. Elynes und S u o w d e n. Die heute morgen verbreiteten Siachrichte«, wonach B a l d w i« einstweilen im Amte bleiben und es darauf ankommen lassen würde, ob im neuen Unterhaus eine Mehrheit ihn zum Rücktritt zwingen würde, haben sogar in weite» konservativen Kreisen starke Bedenken erzeugt. Im ganzen Laude, einschließlich der Konser- vativen Partei, wächst die Stimmung für einen so- sortigen Rücktritt Baldwins. • Bei dem stark ausgeprägten Gefühl des englischen Volkes für politisches toir play würde in der Tat ein Versuch der Konservativen, sich als geschlagene Partei dennoch an der jRegierungsmacht zu klammern, wenig Verständnis in den breiten Wählermassen finden. Wer beim Spiel verloren hat. muß mit möglichst guter Miene die Konsequenzen ziehen— das verlangt der sportliche Ehrenkodex des Briten. Insofern müßte Baldwin nicht zögern, zu gehen. Als er vor SVfc Iahren bei den Dezemberwahlen von 1923 die Mehrheit verlor, blieb er zwar im Amte bis zum Wiederzusammentritt des Unter- Hauses, aber damals waren die Konservativen immerhin noch bei weitem die st ä r k st e Einzelpartei geblieben(258 Konser- rative, 191 Arbeiterparteiler. 158 Liberale), so daß diese Taktik die übrigens schon damals viel kritisiert wurde, sich 0't-— 1-'-1" v— Ui zur Not begründen lieh. Aber jetzt ist der Umschwung un- vergleichlich stärker zugunsten der Opposition gewesen als da- mals. Die Konservativen sind gegenüber den Wahlziffern vom 31 Oktob-r 1924 von 418 auf 254 gefallen, die Arbeiter- parteiler sind von 151 auf 288 gestiegen, und selbst die Libe- ralen habm ihre Mandatszahl von 42 auf 57 erhöht. Wer so deutlich beim politischen Spiel verloren hak, sollte eigentlich— gerade vom englischen Standpunkt aus— die Konsequenzen mitWürde undohneZögern ziehen. Allerdinas ist es richtig— und darauf mag sich Baldwin berufen—. daß das Problem der Regierungsbildung sehr schwierig geworden ist. Lloyd George hat insofern sein Ziel erreicht, als er mit einem Elftel der Mandate zum S ch i e d s r ich t e r zwischen den beiden Hauptparteien ge- worden ist. Der Wahltampf ist, bei oller äußeren Korrektheit und Sachlichkeit, auch überaus scharf geführt worden. Koa- litionen sind infolgedessen unmittelbar nach der Wahl nicht leicht. Ihre Bildung wird noch erschwert durch persönliche Gegensätze zwischen den Parteiführern. Das gilt noch mehr zwischen MacDonald und Lloyd George als zwischen Lloyd George und Baldwin und sogar als zwischen MacDonald und Baldwin. Wie der Führer der Arbeiterpartei über den Führer der Liberalen denkt, hat er mehr als deutlich erst wenige Tage vor der Wahl in einem Artikel zum Ausdruck gebracht, der im „Vorwärts" veröffentlicht wurde�). Diese Abneigung gegen Lloyd George ist ange'chts der ganzen Vergangenheit und der Persönlichkeit des„Walliser Teufels" durchaus begreiflich, besonders bei einem Manne mit einer so puritanischen Lebens- auffassung wie dem Schotten MacDonald. Wir müssen xs selbstverständlich unseren englischen Freunden überlassen, das zu tun, was sie nach ihrer Ueber- zeugung für richtig halten. Sie wissen selbst, wie groß die Ge- nugluung der Arbeiter in allen Ländern wäre, wenn es ge- länge, den großen Wahlerfolg in positive Macht.umzuwerten. Wie weit die Möglichkeit dazu vorhanden ist und welche Mittel dazu anzuwenden sind, kann nur die britische Arbeiter- parte! selbst entscheiden. Macdonald wünscht ruhige Entwicklung. London. 1. Junl. Illacdoaald erklärte In einem Znteroiew über die Situation nach dem Wahlausgang mit besonderem Nachdruck:„wenn ich es irgendwie vermeiden tann. wird England vor Ablauf von zwei Jahren nicht durch einen neuen Wahlkamps aufgewühlt werden." Weilerhin führte Macdonald noch aus: Ich lege so großen wert darauf, daß die Jodustrie Gelegenhe,! zu ruhiger Entwicklung hat und daß zu Hause und im Ausland ver- trauen und Zuversicht geschossen wird, daß ich jede Spur van Eiuslutz. über den ich versüge. aufwenden werde, um während der angegebenen Zeit die Notwendigkeit neuer Wahlen zu vermeiden. Meiner Ansicht nach sollte sich das neue Parlament eigentlich sogar noch länger lebensfähig erweisen. Meine Erklärung darf jedoch von den anderen beiden Parteien nicht dahin mißverstanden werden. daß die Arbeiterpartei um des lieben Ariedens willen sich mit jeder Unbill abfindet. Es wird bei den anderen Parteien liegen, ob nicht doch die Notwendigkeit neuer Wahlen früher eintritt. Jedenfalls sollte seder Partei, die sich zur verantwortlichen Leitung der Geschäfte b e r e I t er k l är l hat. die Möglichkeit gegeben werden. ihre Politik zu entfalten. Ueber die gegenwärtige Negierung hat, so schloß Macdonald, dag Land sein unmißverständliches Urteil abgegeben. Moniag Kabinettssitzung. London. 1. Juni. Wie verlautet, wird Premierminister Baldwin iin Laufe des morgigen Tages die Lag« vorauesichtlich mit einigen Mitgliedern des Kabinetts erwägen und am Montag eine Sitzung des Gesomtkablnctts in Downingstreet abhalten. *)„Abrechnung mit Lloyd George".„Vorwärts", Nr. 235, vom 23. Mai 1929. Das Ergebnis von Paris. Don Dawes zu Owen ffoung. Von Vritv NnpUtali. Fast vier Monate haben die Finanzsachverständigen in Paris über die künftige Regelung der Reparationen ver- handelt. Einige Male drohte das Werk zu scheitern. Ein- mal schien der Krach an Stelle der notwendigen Berständi- gung so nahegerückt, daß schon eine Welle der Beunruhigung zum Schaden der deutschen Wirtschaft durch die Welt ging. Vielleicht sind es gerade jene Tage der Kapitalflucht und der Kreditkündigungen des Auslandes und die ihr notwendig folgenden, die Wirtschaft drosselnden Krediteinschränkungen der Reichsbank, die uns heute mit besonderer Klarheit er- kennen lasten, welcher Wert für die deutsche Wirtschaft und für die Welt allein in der Tatsache liegt, daßeineEini- gung in Paris zustande gekommen ist. Von dieser Tatsache allein strahlt Beruhigung aus. Der Einigung der Sachverständigen wird— mögen auch manche inner- politische Klippen noch in verschiedenen Ländern zu über- winden sein— die Verständigung der Regierungen folgen. Die Reparationsverständigung mächt die Bahn frei für die ersehnte Rheinlandräumung. Die Gefahr der Kä- tastrophenpolitik ist gebannt. Wir dürfen eine neue Etappe im Abbau des europäischen Kriegsgeistes begrüßen, einen neuen Erfolg der Bchrständigungspolitik buchen, deren zuverlässiger Träger die Sozialdemokratie in allen Stürmen seit Versailles gewesen ist. Die Befriedigung, welche die Tatsache der Verständigung an sich auslöst, enthebt uns natürlich nicht der Verpflichtung, den materiellen Inhalt des neuen Zahlungsplanes nüchtern zu prüfen. Im Schlußbericht der Pariser Sachverständigen wird auf Wun-sch der Vertreter Deutschlands die Klausel zu finden sein, daß nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Erwägungen bei der Ausstellung des Planes mitge- sprochen haben. Das ist zweifellos richtig. Ja, man darf sagen» daß es von vornherein klar war, daß die den wirt- schaftlichen Sachverständigen übertragene Aufgabe nicht rein wirtschaftswissenschaftlich gelöst werden konnte. Denn, welcher geniale Praktiker oder Theoretiker der Wirtschaft könnte von irgendeiner Milliardensumme sagen, daß gerade sie die Grenze der T r a q b a r k e i t für den deutschen Jahres- Zahlungen darstelle? Wirtschaft und Leistungsfähigkeit sind viel zu elastisch, um zu gestatten,„wissenschaftlich" diese Frage oder gar die Frage nach der Zahl der Jahre über die sich die Reparation zu verteilen hätten, zu beantworten. Die Aufgabe war von vornherein eine politisch bedingte, und die Wirtschaftssachverständigen tonnten nur insofern für sie be- sonders geeignet erscheinen, als eine Reihe von finanztech- nifchen Fragen in die„geschäftlichen" Verhandlungen zum Ausgleich von Gläubiger- und Schuldnerinteresten hinein- spielten. Wenn man sich dieser Lage bewußt ist, so ergibt sich weiter, daß man das Ergebnis nicht nach dem absoluten Gewicht der festgesetzten Iahreslasten von durchschnittlich 2050 Millionen Mark für die Dauer von 37 Jahren be- urteilen kann, sondern daß man immer diese. Jahreslast ver- gleichen muß mit den Verpflichtungen, die ohne neues Ab- kommen weiterbestanden hätten. Wir wollen dabei gar nicht zurückgreifen auf das Londoner Diktat von 1921 mit seinen 132 Milliarden Goldmark Gesamtoerpflichtungen Deutsch- lands(von denen nach der Einteilung in Schuldverschrei- Hungen von drei Serien mindestens 59 Milliarden sehr ernst- baft gemeint waren) und dieser Summe den Kapitalwerl des Poung-Planes von 36 Milliarden Goldmark entgegenstellen. Wir wollen nur vom Dawes- Plan ausgehen, der in Kraft ist und um dessen Revision es sich in Paris handelte. Seit dem 1. September 1928 haben die Normaljahre des Dawes-Planes bego-nen mit der Verpflichtung, jährlich 2 5 Milliarden Mark zu zahlen. Diese 2.Z Milliarden waren nach dem Dawes-Plan eine untere Grenze, die auf Grund des berüchtigten Wohlstandsindex schon in den nächsten Iahren nicht unerheblich gestiegen wären, von 1934/35 ab aber wahrscheinlich um Hunderte von Millionen erhöht worden wären. Eine feste Grenze für die Zahl der Jahresraten feblte dem Dawes-Plan ganz Die Chance, ohne politische Katastrophe von diesen Verpflichtungen loszu- kommen, beruhte nur auf der sogenannten Transfcrschutz- klausel, nacki der Uebertragungen der deutschen Zahlungen in fremde Währung nicht erfolgen dürsten, wenn damit eine Gefährdung der deutschen Währung verbunden wäre. Wie steht nun demgegenüber der Pariser Zahlungsplan aus? An Stelle der M i n d e st jahresrente von 2599 Mil- lionen Mark tritt für 37. Jahre eine Durchschnitts- jahresrate von 2959 Millionen Mark. Der Transserschutz bleibt für den gtößien Teil der Verpflichtungen erhalten. Nur für 669 Millionen Mark jährlich wird auf die Schutz- bestimmung(über deren Wert die Msinungen an sich aus- einandergehen) verzichtet, um einer Mobilisierung, d. h. einer Umwandlung von der politischen in eine wirtschaftliche Ver- pflichtung gegenüber Privaten für einen Teilbetrag die Wege zu ebnen. W'ichtiger noch als die Herabsetzung der durchschnittlichen Jahresleistungen ist die Entlastung der ersten Jahre, die der neue Plan bringt, well gerade in diesen Iahren für die Erstarkung der deutschen Wirtschaft die stärkere Schonung in höchstem Maße erwünscht ist. Das laufende Etatsjahr wird allerdings leider noch nicht voll diese Anfangsentlastung genießen. Es werden rund 2 Milliarden Mark zu zahlen sein. Die folgenden drei Jahr« bewegt sich die Last um 1700 Millionen Mark(minus 800 Millionen), sie steigt dann allmählich und erreicht im Jahre 1930/40 etwa die Durchschnittshöhe von 20S0 Millionen Mark. Natürlich sind das immer noch sehrhoheSummen. Wir sind die letzten, ihr Gewicht zu verkennen. Jede Hundert- mlllion, die weniger an Kriegsentschädigung zu zahlen wäre, wäre für das deutsche Volk ein Gewinn. Aber es ist grotesk, wenn jetzt von deutschnationaler Seite, anstatt die erzielte Entlastung nüchtern zu würdigen, nur von der Untragbarkeit und Unannehmbarkeit der festgesetzten Summen gesprochen wird. Gewiß, die Last des verlorenen Krieges bleibt drückend. Aber man muß doch die Größenordnung der Reparationszahlen nicht übersteigern. Zwischen Iahren wirb schaftlicher Hochkonjunktur und Iahren der Krise darf man die Differenz des deutschen Sozialprodukte» auf 8 bis 10 Milliarden Mark schätzen. Li« deutsche Agrarproduktion schwankt je nach der Witterung um Milliardenwert« jährlich Wenn man sich diese Zahlen vergegenwärtigt, muß man er- kennen, daß nicht alles erdenkbare Unheil von der Re parationslast abgeleitet werden darf. Gelingt es auf Grund des Vertrauens der Welt in die deutsche Wirtschast, mit Hilfe ausländischer Kredite in den Uebergangsjahren, die Produktivität der deutschen Wirtschast zu steigern, so wird es möglich sein, die Reparationslasten zu zahlen und trotzdem den Aufstieg der Lebenshaltung der Massen des Volkes zu sichern. Mit dieser Zuversicht ans Werk zu gehen, wird mehr Nutzen bringen, als berufsmäßige Schwarzmalerei, die dem Ziele innerpolitischer Katastrophenmacherei die- nen soll. Wir begrüßen vor allen Dingen die Besserung gegenüber dem Dawes-Plan, dl« in den Summen und in der B« freiung der deutschen Wirtschaft von Eon derkontrollen zum Ausdruck kommt. Wir haben den Dawes-Plan immer nur als«inen Uebergang betrachtet. Aber es scheint, daß unsere Deutschnationalen, nachdem sie dem Dawes-Plan zur Annahme verholfen haben, sich nun so in ihn verliebt haben, daß sie an ihm auch gegenüber dem besseren Doung-Plan durchaus festhalten wollen. Denn wenn ihr Lärm gegen das Pariser Gutachten Erfolg hätte, dann bliebe es ja zunächst beim Dawes-Planl Es kämen die schweren inneren Finanzkalamitäten, die der deutschen Wirt- schaft schaden. Es wäre der Weg fürdie Rheinland- räumung oerbaut. Das ist die deutschnationale Politik, die gebührend gekennzeichnet werden muß. Wir bleiben demgegenüber ohne Illusionen über die Schwere der Belastung der Politik der Verständigung, des Abbaus der Lasten und des Aufbau» der deutschen Wirtschaft treu. Nicht Katastrophen brauchen wir, sondern Befriedung. Vertrauen, Befreiung des deutschen LandO» von fremder Be satzung. aufbauende Arbeit zugunsten der breiten Massen de» Volkes. Auf diesem Wege scheint uns international in Paris ein Fortschritt erzielt zu sein. Wir begrüßen ihn und werden ihn gegenüber demagogischer Kritik von rechts und links Per- leidigen. Gleichzeitig werden wir bereit sein, den Kampf um die inner« Aufteilung der Entlastung an Interesse der Arbeiterschaft, im Interesse der breiten Massen zu führen. « Die deutschnational« Reichstagsfrattion tellt mit: „Die Reichsregierung hat es durch Schreiben vom ZI. Mai ab- gelehnt, die Interpellation der Fraktion über die Pariser verHand- langen unmittelbar nach der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses und vor der Abreise des Herrn Außenminister» nach Madrid zu be- antworten. Sie könne sich mit einer alsbaldigen Debatte über die Reporationsfrage im Plenum vorläufig noch nicht einverstanden er- klären, weil dazu nach ihrer Ansicht der Abschluß der Verhandlungen und das Porliegen des Berichtes des Sachverständigenausschusie» notwendige Voraussetzung sei. Der Ablehnungsgrund der Reichs- rcgierung kann als zutreffend nicht anerkannt werden. Inzwischen ist der Abschluß der Pariser Verhandlungen erfolgt. Was über den Inhalt der getroffenen Abmachungen bekannt geworden ist. kann das Urteil, daß die bereits am?9. Mal bekanntgegebene Vereinbarung über die Höhe der Iahreszahlungen unannehmbar und undurchführbar ist, nicht erschüttern. Um so notwendiger ist es. daß der Reichs- tag vor der Zusammenkunft der leitenden Staatsmänner in Madrid, die nach alle» früheren Erfahrungen zu festlegenden Vereinbarungen führen könne, Gelegenheit erhält, Stellung zu nehmen/ Die Deutschnationalen werden noch früh genug im Reichs- tag Gelegenheit haben, die Rolle der Berteidiger des Dawes- Planes gegenüber seiner Verbesserung zu spielen. Di« Regie- rung wird inzwischen getrost, gestützt auf die große Mehrheit des Volkes, die politischen Konsequenzen von Paris, die Be- freiung des Rheinlandes, vorzubereiten suchen. In einer Rede in Wiesbaden erklärt« der deutschnatio- nale Reichstagsabgeordnete n. Freytagh-Lorina- Hoven, die D e u t s ch n a t i o n al« n würden all« verfaffungsmäßigen Mittel anwenden, um das Inkrafttreten der Vereinbarung zu ver- hindern. Tritt die Vereinbarung nicht in Kraft, fo bleibt der Dawes-Plan. wie er mit Hllfe der Deutschnationoleu im Reichstag angenommen worden ist. Die Deutschnationalen wollen also darauf bestehen, daß Deutschland 2S00 Millionen zu zahlen hat. und nicht Z0S0! Man sieht, die Sache wird heiter! Das Echo von Magdeburg. Beklemmung rechts. Der Will« zur Wacht, der aus der Tagung von I Die„Deutsche Tageszeitung� überschreibt ihr« Magdeburg spricht, hat im bürgerlichen Lager eine sehr ernst« j Betrachtungen zum Magdeburger Parteitag: JR« a l« Bor her Kammerdebatie über das Schuldenproblem Part». 1. Juni.(Eigenbericht.) Di« Regierung befaßte sich in ihrem Ministerrat am Sonnabend eingehend mit den bisher zur Reparation»- und inter- alliierten Schuldenfrag« vorliegend« Jnterpella- t i o n e n Das Datum der Diskussion dieser Interpellationen wird in einer Kommerdebatte am Dienstag festgesetzt werden In dem amtlichen Kommunique wird hierzu erneut versichert, daß die Re- giervng keinerlei Beschluß bezüglich der Reparationen und inter- alliierten Schulden fassen werde, bevor nicht der Mtnisterpräsident, der Minister des Aeußeren und der Finanzminjster von den zuständigen Kommissionen gehört worden sei« und eine Debatte ,n der Kammer stattgefunde« habe. Di« Regierung scheknt also ihr« ursprüngliche Absicht, lediglich vor den rein beratenden Kommissionea Erklärungen abzugeben und dann die betreffend« Fragen durch Dekret« zu regeln, unter dem Drucke der Linken aufgegeben zu haben. Tatsächlich hätte die»«ine Ausschaltung he« Parlaments bedeutet. Stimmung hervorgerufen, die durch den Ausfall der englischen Wahlen noch verstärkt worden ist. Unter diesem Eindruck schreibt die„Do ff. Zeitung": „Nach dem Magdeburger Parteitag ist die Sozialdemokratische Partei«in sichererer und stärkerer Faktor der deutschen Positik als je. Sie will die Macht festhalten, an der sie Anteil hat, und will auch die Mittel dazu. Das bedeutet, daß eine Zusammen, arbeit der revolutionär em Kräfte der Nation auf lang« Sicht erleichtert ist. daß sie aber auch mehr al, s« zur zwingenden Notwendigkeit wird, wenn verhindert werden soll, daß die S o z i a l- demokratie in absehbarer Zeit zur Alleinherrschaft gelangt/ Die Stimmung der deutschnationalen Presse ist ausge- forochen beklommen. Graf W e st a r p schreibt in der„Kreuz- Zeitung": „In* Innern und gegen den eigenen Volksgenossen führt dis Sozialdemokratie einen offenen und brutalen Macht- kämpf. In chm hat ste gewaltige Fortschritte gemacht. Von 17 Länderegierungen hat sie zehn mit einem Ministerpräsidenten aus ihr« Reihen besetzt. Polizei und Verwaltung sind zu wesent- lichen Teilen a» Haupt und Gliedern sazialdemokratistert. Wer nach dem Magdeburger Parteitag weiter glaubt, an der Koalition mit der Sozialdemokratie festhalten zu sollen, trägt dazu bei. ihr auch noch ine Reichswehr al, letztes Machtmittel auszuliefern. Unser Kampf gegen die Große Koalition bedeutet auch den Kamps dafür, daß die Reichswehr nicht zum Parteiinstrument wirb, sondern dem Dienste zur Verteidigung des Daterlaitdes erhalt« bleibt." M a ch t". Der Parteitag fei für Deutschnational« sehr lehr- reich: „Die soziasistischen Führer Hab« in und außerhalb der Regie» rung viel gelernt... Die Massen beginnen zu begreifen, daß man in der Politit nicht mit Jahren, sondern mit Jahrzehnte» rechnen muß, und ste haben zum große» Teile eine» gelernt: Geduld. Die Rechte könnte aus diesem Beispiel viel lernen. Ei« könnte erkennen, daß mit eitel Deklamationen gar nicht»«rreicht wird, son- dern daß es gilt, einmal errungen«..real« Macht" auch zu behaupten. Das hat ste bisher noch nicht getommt, sondern ist immer über Grundsätze gestolpert, die auch die Sozialdemokratie an st« nie ausgegeben hat, die sie sich aber Schritt für Schritt zu erobern gedenkt." Das stete, unbeirrbare Vorwärtsschreiten„Schritt für Schritt" liegt den Deutschnationalen wie ein Zllpdruck auf der Seele. Die„Deutsche Tageszeitung" hofft, daß es über der Arbeitslosenversicherung zu einer Krise kommen möge und rät den Deutschnationalen, für diesen Fall den nüchternen real- politischen Sinn zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. den die Sozialdemokratie zeige. Sie rät ihnen, in diesem Falle die realen Machtpositionen zu ergreifen. Aus dieser Mahnung, die unverkennbar ihre Spitz« gegen Hugenberg richtet, spricht indessen fast eine fatalistische Er- gebung: die Sozialdemokratie wird Schritt für Schritt ihren Weg gehen— unaufhaltsam. Das betrogene Reich. Raucher zahlen Zigareiiensteuer— das Reich erhält nichts. In der Sonnavendsitzung de» Ausschusse, für den Reichshaushalt wurde die Einzelderawng de» Haushalt» de» Reichsstnanzminist«. ritmis zu Ende geführt. Abg. Meier-Badm(Sog.) fragt« nach den Steuerrück- ständen in der Zigarettenindustri» und fchiKert« die Verhältnisse der Batfchpri und Reemtsma A.,G., die heute nur ein leerer Begriff ohne sitzonziellen Inhalt seien, so daß die Finanz- Verwaltung den Sieuenrückstand nicht bekommen werde. Nachdem Ministerialdirektor Ernst die Rückstände der Zigaretten. steuer mit etwa 6VMillton«n angegeben und erklärt hatte. ein« Gefahr, daß diese nicht«ingingen, bestehe nicht, man müsse der Industrie nur ein« Uebergangsfrist gewähren, führt« Abg. M«i«r au», daß man die Steuerrückstände von 10 bis 11 Millionen Reichsmark bei der Firma Lstfchari als Sleuerunlerfchlagungen charakterisier« müsse, denn dies« Vanderolensteuer sei vom Publl. htm gezahlt �___ Die leitenden Personen der Finna müßte» haftbar gemocht werden. Ein« verantwortungspflicht treffe auch insofern die Finanz- Verwaltung, als ste die Frag« der persönlichen Haftbarkeit der Leiter der Firma Batschari weder geprüst noch erörtert habe. Abg. Meier wünschte zu erfahren, wie hoch die Summ« sei. die die Finanz- Verwaltung noch von den Firm« Reemtsma und Haus Neuerburg erhalten könne, die die Batschari A.-G. übernommen hätten. Die Derquickung von Material und Banderolensteuer habe sich jetzt al» ein Fehler herausgestellt, w!« es die Sozialdemokratie vorausgesagt hätte. Auch der Fall Reemtsma erweise da» in aller Deutlichkeit Diese Firma habe bekanntlich die Herstellung angeblicher Export. zigarettm aus Kehricht und Tabatstaub nur zu dem Zweck« vor» genommen, um aus solche Weise eine Steuerrückvergütung zu erhalten. Abg. Meier fragte, ob die Firma Reemtsma tatsächlich 800 000 Reichsmark an Materialsteuer zurückoergütet erhalten habe und ob demgegenüber die Sleuerstrafe wirtlich nur SOOOOO Reichsmark betrag« hob«. Ministerialdirektor Ernst antwortete, daß er heut« noch keine genauen Angaben darüber machen könne, was schließlich aus der Abwicklung der Angelegenheit Batschari für das Reich herauskommen werde. Bei der anderen Zigarettenfabrik habe es sich um die Frage gehandelt, ob„Tabatstaub" den sonstigen..Xabakabfällen* zolltech- nisch gleichzustellen sei. Ein« Steuerhinterziehung habe man nach dem damaligen Stand« der Rechtsprechung der Firma nickst nach- weis« können. Abg. Dr. Köhler(Z.) führte au», daß im Jahre ISA die Haltung der Finanzverwaltung der Firma Batschari gegenüber vom Reich». tag gebilligt worden sei. Der Verlauf der Angelegenheit habe erst eine andere Richtung genommen, als ein gewisser Borg au» Danzig die Firma Batschari übernommen habe. Nach feiner Meinung sei die Absicht dieses Mannes gar nicht dahin gegangen, das Unter- nehmen zu retten, sondern vielmehr das Reich hinein- zulegen. Ministerialdirektor Ernst erklärt«, es f« wohl möglich. daß Borg habe Zeit gewinnen wollen, uw mit den Firmen Haus Neuerburg und Reemtsma zu einem Abschluß zu kommen. Das Reich Hab« dadurch aber keinen weiteren Schab« erlitt«, als daß die Liquidation einige Wochen später eingetretm sei. Abg. De. Hertz(Soz.) stellte fest, daß im Jahr« ISA, al» der erste V«rgl«ich mit der Batschari A.-G. abgeschlossen worden sei. das Reichsfinanistniiissterium jede Auskunflerteilung an die sozialdewo- tratische Reichstagssraktion über den materiellen Inhalt des Ad- kommens unter Berufung auf das Steuergeheimnis abgelehnt Hab«. Abg. Hwch kritisierte scharf die unmoralische Haudlungs- weis« her Firma Reemtsma A.» G. und erklärte, daß das Entgegenkommen gegen diese Gesellschaft viel zu weit gegang« sei. indem man di«se Firma für di« Aussuhr ihrer nicht rauchbar« Zigaretten noch entschädigt Hobe. Beim Kapitel.Meichsmonopolamt für Braant. wein beschwerte sich Abg. Steiakopf(Soz.) darüber, daß deutsch« Reichsverwallungen, wie z. L. die Reichswehr, nicht den deutsch« Krastitoff Monopol!», sondern ausländischen verwendeten. Der deutschnationale Abg. hergt unterstützt« dies« Beschwerde. Ministe- rialdirektor Ernst erwiderte, die Monopolvenvaltung sei mit dem Absatz de» Manopolin zusried«. Sollte sie größeren Umsatz er- zielen, so müßten ihr höhere Mittet zur Finanzierung der Herstellung der benötigten größer« W«g«n gewährt werden. Die folgende, von den Regierungspartelm eingebrachte Resa- lution wird mit großer Mehrheit angenommen: „die Aeichsregieruna zu ersuchen, 1. die Frage der Besteue- rongderösfentlichenHand und ihrer sonstigen Belastung mit Abgab« für ossentliche Zwecke einer eingehenden Prüfung zu unterzieh« und die volkswirtschaftliche und finanzpolitisch« Dedeu- tung der Frage darzustellen: S. einen Gesetzmtwurf vorzulegen. durch den die Betriebe der öffentlichen Hand zur Bereitstelbmg der erforderlich« Unterlagen vernichtet werden." Alle übrigen Etatsposten wurden nach den Anträgen der Regierungsparteien genehmigt' i in i i■ i Schlachteufeuerwer? mit Militärmufik. Stahlhelm in Mönchen. Münch«. 1 Juni.(Eigenbericht) Di« Teilnahm« der Münchener BevöUcrung am Stohlhelmlag ist auffallend gering. Ein« gewisse Erregung hat lediglich jenen kleinen Teck der sogenannt««besseren Gesellschaft" ergriff«, der im alten Obrigkeitsstaat mit Uniform und Bratenröcken den Ton angab. Im übrig« betrachtet der Münchener dm ganz« Aufmarsch als«ine Angelegenheit d«s Fremdenverkehrs. Di« Beflaggung ist infolgedessen sehr spärlich. Sie beschränkt sich im wesentlich« auf di« Innenstadt, wo durch Belegung der Hotel« und Gasthöf« w den« Stahlhelmleut« logieren, die Wirt« größtenteils aus Geschäftsrück- icht« Fahne» in den Landesfarben Weiß-Blau. sellener Schwarz. weißrot au» den Fenstern gehängt Hab«. Ganze Straßenzüge zeig« nicht«in einziges Fähnchen. Selbstverständlich sind die Arbeiterviertel völlig fr« von i-dem Schmuck. Di« zahlenmäßig große Leitung de» Stahlhelm» hat ihr Quartier in den beid« vornehm- ten und teuerste» Hotels aufgeschlagen, um auch auf dies« Weis« den Abstand zwischen Führung und Mannschaft« recht drastisch in Erscheinung treten zu lassen.' Politisch versucht« sich Sekdte und Düsterderg am Sonnabend durch eine Entschließung im Vorstand zu betätig«, in der der Stahl. Helm vom deutschen Volke fordert, daß es der Reichsregierung die Zustimmung zu d« in Paris vorbereitete«„Tributzahlung«" ver- weigert Eine weitere Entschließung des sogenannten kulturpolitischen Ausschusses fordert von den Stahlhelmangehörig« lebendig« Teil- nahmeamreligiöfenLebender christlichen Kirche und treu« Betätigung christlicher Gesinnung im Privot- und politisch« Leb«. Di« Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal, bei dem die Teil- nahmslossgteit der Münchener Bevölkerung ganz besonders auffiel, zeigt« rein mllitaristisches Gepräge Ehrenplätze waren daboi eingc- räumt den Generälen Mackms«. Dotter, Bothmer, dm Ad» mir ölen Tirpitz und Lmetzow, dann einigm bayerisch« P r fin» zen und schließlich dem ällesten Sohne de» deutschen Kran« Prinzen. Hier kam Düfterberg zu Dort, der sich aber damit l.o» gnügte, die Dolchstoßlegende wieder aufzuwärmen. Deutsch. land sei versklavte Kolonie raffgieriger Feind«, und dm„Tag der Rache", vorbereitet durch dm Stahlhelm, anzukündigen. Der erste Tag des Stahlhelmrummels, dessm ungefähr« Teil» nehmerzahl erst durch dm für Sonntag festgesetzten Parademarsch festzustellen ist. schließt ab mit einem sogenannte« Schlachtensmer» werk im städtischen Stadion, wozu nicht weniger al? 25 Militär- Mörsch« gespielt werden. « Herr v. Hindenburg hat an den Stahlhekm-Tag in München die folgend« Kundgebung gerichtet: „Dm zum 10. Reichsfrontsoldatm-Tag in Münch« versa«» mellen all« Soldaten entbiete ich mein« kameradschaftlichen Gruß. Ich oerbinde damll den Wunsch, daß diese bedeutsam« Tagung von Vaterlandsliebe und Kameradschaft beseelt sei. Dieser Geist, d« uns im Feld« zu groß« Taten befähigt», soll sich in den Röten der Gegenwart in tötiger Nttaroeij am deutschen Wiederaufbau und im Streben nach wahrer Bolksgemeinschaft vekund«/ Hindenburg hat dies« Kundgebung nicht als Reichspräsident, sonder« als ehemaliger Generalfeldmarschall«lassen. Sie richtet sich nur an einen Teil der Stahlhelmer. nämlich diejmigen. die wirk- lich im Feld« waren. Die meisten ehemaligen Frontsoldat« stehen ja meist nicht beim Stahlhelm und zwar deshalb nicht. weS dort weder ein Wille zur Mitarbeit am deutschen Wiederaufbau noch ein Streb« nach wahrer Volksgemeinschaft zu finden ist Unter Res« ilmständen ist auch Hindenburg» Kundgebung mehr al»«ine Mahnung, denn als«in« Begrüßung zu werten— eine Mahnung. die sicher gut gemeint ist. aber wenig Aussicht hat, fruchtbare» Boden zu finden. China— Rußland. Abbruch der Beziehungen. Der wOst-E�preß" schreibt: Der Beschluß der Sowjelregieruag. der chinesische» Gesandt- schuft und de» Konsulate» die Exterritorialität abz». erteaneu, der die Abreise des chinesische» Gesandte» auf Tlaa- kiuger Weisung und damit de» Abbruch der vezlchuug�u zur Folge hat. ist nicht nur deshalb gefaßt morde», weil Chlna be- reit» wiederholt dle Exterritorialität der Sowsetvcrtreter in China verletzt hat. sondern auch mit Rücksicht auf da» Prestige der Sowjetunion. Der Entschluß der Sowjetregierung hat indessen auch seine negative Seite, denn mit dem vollzogenen Bruch wird vorläujig der Schlußpunkt unter dle Hosfuunge» gesetzt, die man in Moskau an eine Entwicklung der chinesischen Revolution unter kom- munistischer Führung geknüpft hat. Die chinesische Regierung hatte wegen de» Verdachts, daß der ..christliche' Marschall F eng bei seinem Aufstand gegen Ischiang- kaischek im Auftrage Rußland, handle, da» russische Generalkonsulat in C h a r b I n(Mandschurei) durchsuchen. Papier« wegnehmen und Angestellte verhaften lassen: st« sollen auch mißhandelt worden sein. Feng übrigens, von seinen llutersührern verlosten und preis- gegeben, soll im Begriff« sein, nach Rußland zu gehen. Die Rankinger Regierung läßt ihr« diplomatischen Vertretungen in der Sowjetunion schließen und die Beamten nach China zurück- kehren. Die Rankinger kabiueltssitzung unker dem Vorsitz Tschlangkai. schck» hat eine Entschließung gefaßt, dle die russischen Beschuldigungen gegen die chinesischen Behörden al» unbegründet zurückweist. Die chinesisch« Polizei Hab« genügend« Gründe der Berechtigung zur Durchsuchung de» russischen Generalkonsulat» in Charbin besesteu. Die Durchsuchung habe ergeben, daß da» Generalkonsulat ll u- korrektheilen begangen und ein« Rolle in der Propagierung der kommunistischen Zdeen gespielt habe. Die chinesische Regierung lege so lange keinen wert auf die Wiederherstellung normaler Beziehungen mit der Sowjetunion, bi» sie nicht die kommu- nlstiiche Propaganda eingestellt habe. Ministerpräsident lang erklärte Prestevertreteru. daß die chinesische Gc-sandtschasl in Mo, kau geschlossen und unter den Schuh einer ausländischen Macht gestellt werde. Die Sowjetbotfchaft und die russischen Konsulate in Südchina befinden sich unter deutschem Schuh. Die Sunyatsen-Zeier. Ranking. I. Juni. Die seit einer Woche währenden großen Feierlichkeiten zu Ehren Sunyatsen» fanden heute ihren chöhepunkt und Abschluß mit der Aufstellung des bronzenen Sarkophags mit der ein» balsamierten Leiche Sunyatsens In dem neu errichteten M a u s o» l e u m auf dem Purpur Hügel, von dem aus man den Blick auf die Aaisergräber der Ming-Dynasti« hat. Das Mausoleum ist mit einem Kostenaufwand von einer Million Dollar errichtet worden. Dichte Mcnschenmassen umsäumten den etwa zwei Meilen langen Weg des Leichenzuges, an dem die Witwe Sunyatsen», die Aer- wandten,»in großer Stab ziviler und militärischer Würdenträger und die diplomatischen Vertreter von acht auswärtigen Mächten teil- nahmen.' Ein„Reuebekenninis" Radeks. _____ Zerfall btr trohkistjschen Opposition._ .....- Moskau. 1. Juni.(Vst-Expreß.) IaroSlowsti, d« in letzter Zeit der Hauptführer der Preste- palemik gegen die innerparteiliche Opposition geworden ist. bespricht »n der„Pramda*«imge Ereignisse, die sich neuerdings in der Gruppe der Linksoppositian(Trotztisten) abgespielt haben und nach Ioros- lawskis Meinung. deutlich den zunehmenden Verfall dieser Oppositions- grupp« erkennen lasten. Nach der Verbannung Trotzki» aus Sowjetrußland haben sich in der linksoppositionellen Gruppe Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten abgespielt und infolgedessen zeigen sich prominente Per- sonlichkeiten der Linksopposition jetzt enttäuscht und kleinmütig. Das geht besonders klar hervor aus einem Schreiben, das Radet (der bekanntlich seinerzeit mit Trotzki in Ungnade fiel) an seinen oppositionellen Gesinnungsgenossen S m i l g a gerichtet hat. Iaros- lowskt oeröffcntlicht diesen Brief in der„Prowdo'. Radek gibt hier de» Meinung Ausdruck, daß die Links- nppofition vou ihm und anderen fälschlich als die Hüterin der Er- rungen schatten der Ottoberrevolution vpn 1917 angesehen worden sei..Dieser Traum," so schreibt Radek,.ist ausgeträumt." Weiter wendet sich Rodet in einer allerdings recht vorsichtigen Form auch gegen Trotzki und gibt schließlich zu verstehen, daß die Linksoppo- sition jetzt nur noch damit beschäftigt sei,.die Unzufriedenheit eines Tei!s der Arbeiterschaft auszunutzen, die durch die schwierige Wirt- schaftslage hervorgerufen ist." Joroslawfki nimint von diesem Schreiben mit großer Genugtuung Kenntnis. Aus welche Weise der nicht an ihn gerichtete Brief in seine Hände gelangt ist, teilt er nicht mit,«bcnlowenia. ob die in dem Schreiber» deutlich hervortretende ..reuige Gesinnung" Radek» von der Parteileitung beachtet werden wird. Gpaliung in der Friedensgesetlschast. Innerer Krlea in der Organisation der Pazifisten. Sn der„Deutschen Friedensgesellschast" ist setzt die Diktatur eingeführt worden. Di« Berliner Ortsgruppe der deutschen Friedensgesellschast wurde durch den Beauftragten des Präsidiums, Friedrich Küster, ausgelöst, weil sie sich weigerte, die Erfurter Beschlüste durchzuführen, nach denen jedes Mitglied der Friedensgesellschast eine der drei pazifistischen Zeitschristen abonnieren muß. Das�Präsidium wird tnnerhalb acht Togen in Berlin«in« eigene Ortsgruppe gründen, während die aufgelöste Gruppe weiterhin als„Berliner Friedensgesellschast" bestehen wird. Damit ist die Spaltung eingetreten, die Profestor Ouidd« auf der Generalversammlung der deutschen Friedensgesellschast am Ist. Februar gerade noch vermeiden konnte. Es ist anzunehmen, daß auch in anderen Teilen de» Reiches die Gegner der Erfurter De- fchlüste nunmehr aktiv werden und sich dem Diktat des jetzigen Prä- fidiums nicht unterwerfen.__ Das Landwirifchastsprogramm. Kabinettsentscheidung noch vor den Sommerferien. Amtlich wird mitgeteilt: Da» Reichstabinett setzte die Grörte- rung des vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgearbeiteten Programms fort. Zur Begutachtung der auf dem Gebiet der Getreidewirtschaft vorliegenden Fragen wird«in« Sachverständigenkommission-ingesetzt, die ihr Gutachten innerhalb drei Wochen erstatten soll, worauf alsdann dos Reichs- kabinett sein«-rrdgültigen Entscheidungen noch vor den Sommer. fcrien des Reichstages treffen wird. Oer Weg zum Ruhm. Weltecho der englischen Wahlen. Mißstimmung und Sorgen in Paris. Part», 1. Juni. Zum Ergebnis der englischen Unt«rhou»ll>ahl«n schreibt „Temps": Eine Asra der Regierungsunsicherheit beginnt für England, und, wie im Jahre 1924. kann man voraussehen. daß«s notwendig sein wird, binnen kurzem Neuwahlen vorzunehmen, damit das Land zwischen den Mächten der Ordnung und der sozialen Verteidigung und den Mächten des revolutio- n ä r« n Sozialismus(!) sich klar entscheide.—„Journal de» Däbats". schreibt: Di« auswärtig« Politik Englands wird unter den gegenwärtigen Umständen wahrscheinlick» einig« Zeit lang Schwan, tungcn unterliegen. Zur großen Genugtuung in Deutschland werden indes die meisten Liberalen dahin streben, mit den Arbeiter -parkanreittorlern in der Froge der R hel�nlairi� ä u m ung Hand in Hand zu gehen. Wenn Macdonald ebenso wie Frankreich daran interestiert ist. daß die vollständige und endgültige Reparation» regelung ohne Schaden für die Gläubiger Deutschland» erfolgt, hat er doch nicht die gleiche Besorgnis wie Frankreich wegen der Sicherheit der Grenzen. E» wird Sache der sranzösifchen Re- gierung sein, in London begreiflich zu machen, daß Frankreichs Handlungsfreiheit begrenzt wird durch die Sorg« um seine Existenz, und daß ein Zerwürfnis mit Frankreich die Arbeitslosen- k r i s e in England nicht beheben würde. Die Uebernahm« der Re- gierung durch die Arbesterpartei wird Frankreichs Einstellung zur klntente coräiele nicht ändern, doch will Frankreich von dieser Entente nur etwas wissen, solang« sie auf Gegenseitigkeli beruht. Oer Widerhall in Amerika. Rem Port. 1. Juni. „T i m« s" und„Herold Tribüne" heben In Leitartikeln zu den englischen Wahlen hervor, daß der Wohlaussall dem Kabinett Macdonald nur ein« prekäre Existenz sichere.„World" schreibt: Das starke Votum der Arbeiter muß als Beweis aufgefaßt werden, daß in der ältestei» modernen Demokratie entschiedenere Idee» des sozialen Fortschritts Platz greifen.„Herald Tribun«" mel- d«t aus Washington. Senator B o r a h Hab« Macdonalds Mut und seine Aufrichtigkeit in der Abrüstungssrage während seiner Amts- führung 1924 betont, was um so wichtiger sei, als Unaufrichtigkeit in den Abrüstungsfrogen sich zu einer waren Wissenschaft entwickest habe. Senator W h e« l e r erklärte, von einem Arbeiter- kabinett sei mehr für einen Weltfrieden zu erwarten als von allen bisherigen schönen Reden vor den Gräber» der un. bekannten Kriegsopfer. Senator N o r r i» bezeichnete den Wahl- ausfoll als die Verwerfung de» ungerechtenBersaill er Frie dens. Fafchistenpresse mimt Gleichgültigkeit. Rom. 1. Juni. Di« Blätter unterstreichen in ihren ausführlichen Kommentare» zu den Ergebnissen der englischen Wahlen den Sieg der Arbester- Partei. Di« Presse erkennt einmütig an. daß'«in« neu« parlamen- tarischc Loge, aber nicht gin neues Regime geschossen sei, und erklärt, daß der Sieg der Arbesterpartei vom faschistischen Italien ohne jedwede Besorgnis betrachtet werden könne. Jlt der„Tribun a" wird ausgeführt, als die Arbeiterpartei da» letztemal an der Macht war. Hab« das stalteniich« Komgspaor London besucht und Mussolini hob« den Streit um das Transjubo- land mst England geregelt. „T« v« r e" meint, der Sieg der Arbeiterpartei könne unter g«. wissen Umständen Italien sogar angenehm sein, weil man nun Gelegenheit haben werde, die Labour Party an der Arbest zu sehen, was schon aus erzieherischen Gründen nützlich sei. „ß a v o r o F a s c i st a" unterstreicht besonder» die Tatsache, daß der Sieg der Arbesterpartei vor allem ein. Riederlag« der englischen Liberalen bedeute, die, als sie an der Macht waren, sich al« Gegner des faschistischen Italien gebärdeten. « Die Faschistenpresse, die über einen Sieg der Konservativen ge- jubelt hätte, muß natürlich ihre tiefe Enttäuschung verbergen und vor allem aus innerpolitischen Gründen so tun. als lasse sie der groß« Erfolg der englischen Sozialisten ganz kühl. Diese Taktik wird niemanden täuschen. polnische Befürchtungen. Warschau, 1. Juni.(Eigenbericht.) Der gewaltig« Wahlersolg der Labour Party hat in Polen starke Befürchtungen ausgelöst. In politischen Kreisen glaubt man annehmen zu müssen, daß ein wenig e r polenfreundlicher Kurs in England beginne. Während ein Teil der Presse sich Hoffnungen hingibt, daß die tonservattpe Partei am Ruder bleiben und nur von Fall zu Fall die Lobour Party hinzuziehen werde, hebt ein« Reihe Regierungsblätter, offen- bar inspieriert. hervor,«in« andere englische Regierungspartei fei im Interesse Polens zu' begrüßen. Sie stehen damit aber durchaus vereinzell da. Alle anderen Zeitungen, die nicht unter dem Einfluß des Auhenministeriums stehen, stellen fest, daß durch den englischen .Lulkskttch sür-Kysen kein Anlaß zur Freude gegeben ist. Dss G*- starken der s o z i o l t st i s ch c n Front in Westeuropa scheint somit der gegenwärtigen polnische» Regierung durchaus gegen den Strich zu gehen. tlngarifche Hoffnungen. Budapest, 1. Juni.' Di« ungarischen Blätter beurtesten den Ausgang der eng« fischen Wahlen ziemlich zurückhaltend und besprechen die künftige Gestaltung der englischen Politik hauptsächlich aus dem Ge- sichtspuntt der Friedensrevision. Für den Fall, daß vor- läufig die Arbeiterpartei als die zahlenmäßig stärkste Partei die Regierungsbildung übernimmt, erwartet„Remzett U j s a g" ein schärferes Tempo in den Bestrebungen nach Schassung einer gerechteren Ordnung in Mitteleuropa, während„Pesti H i r l a p" und besonders das rechtsradikale„M a g y a r- l a g" vor einer allzu großen Hoffnung auf Unterstützung der Re- visionsbestrcbungen durch die englische Arbeiterschaft warnen. (Es ist bezeichnend, daß die rechtsradikale Presse in Deutsch- land, z. B. der„Tag", der„ßokal-Aiizciger" und die„Deutsch- Zeitung" genau die gleiche Taktik befolgen. Red.) Demgegenüber betont das sozialdemokratische Organ „N e p s z a v a", die Revision der Friedensverträge gehöre zum außenpolitischen Programm der Arbeiterpartei. Der linksradikal« „Pesti N a p l o" bezeichnet den Sieg der Arbeiterpartei bei den Wahlen als eine ideelle Revision des»latus quo. Die Wahl in Enpen-Malmedy. Das amtliche Ergebnis. Brüssel. 1. Juni.' Räch dem amtlichen Ergebnis der Kammcrwahl haben in Eupen erhallen: Dehottaq(das ist die neu« christlich« Volkspartei, die«ine wiederHoll«, ehrliche Volksabstimmung über die Staats- Zugehörigkeit dieses Gebietes zu Belgien oder Deutlchlanh fordert). 8959, die Katholiken 1047,. die Sozialisten 1515, die Liberalen 341, die Kommunisten 30 Stimmen In M a I m« b y: Dehotay 2157, die Katholiken 1205, die Sozialisten 1329, die Liberalen 284, die Kommunisten 30 Stimmen. In Vith haben erhallen: Dehottay 2054, die Katholiken 627, die Sozialisten 617, die Liberalen 60, die Kommunisten 16 Stimmen. In den Kreisen Dervier», Aubel, Dison, Henoc, Limbourg, Spa, Stavelot erhiell die List« Dehottay 72, 81, 26. 15. 51. 49 und 15 Stimmen. Es fehlten demnach Dehottay für seine Wahl 2966 Stimmen. Sin flämischer Priester gemaßregeli. Brüssel, l. Sunt. In der Diözese Brügge hat« sich«in junger Priester geweigert, in seiner Kirche den bischöflichen Brief gegen den flamischen Nationalismus zu verlesen. Vor den Bischof geführt erklärt« er. daß er flämischer Nationalist sei und sein« Gläubigen nicht mit Ideen bekannt machen mächte, die seiner eigenen lieber- Zeugung zuwider liefen. Der jung« Priester wurde daraufhin seine» Amtes enthoben. Man wird sich vergeblich fragen, wie. die Forderung nach Selbstregierung des Flamenvolke« der Lehr« Christi schaden könnte! Kavalier Hugeuberg deckt Kavalier Ludendorss. Der Hilgenberg gehörend« Scherlverlag hat zwei vom Drei-Masken-Vsrlog bei ihm ausgegebene Inserate über das Buch„A l s ich Luden- dorsjs Frau war" aus„naheliegenden Gründen" abgelehnt. >. EXTRAPREISE FOR TEPPICHE BADEANZÜGE KLEIDERSTOFFE SEIDENSTOFFE WASCHSTOFFE Marke Täbris vollständig durchgomust. smyrnaartige Qualität, schöne Persermuster mit Franse 170/260 200/320 240/360 Marke Tournay gute durchgemusterte Qualität, mit Franse 200/300 250/350 300/400 119- 179- 249- 126- 181- 248- CINZELNE ZUROCKGESETZTE TEPPICHE INAllEN GANOBABEN GROSSEN ■■ iv Damen-Badetrikot schwarz, mit weißem Ober-_ teil(Steigerung 0.101 Gr. 42 jLUO Harren-Bodetrikot echt Mako, schwarz. Mittelgr, JtSO Badekappen tedrockierÄ__ Taucher- ä Gummi W35 form%J55 Waschkunstseide "••• f\90 Ortfimutler Bedruckter Wollmusselin I■ reicher| 30 Msalerauswahl I»WM 90 Toüe de Soie reine Seide, für leichte Sommerkleider und Wäsche, in neuen Saison färben, ca.SOcm Bedr. Crepe de Chine reine Seide, aparte h g A Muster u. 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Um stilles Betleib bitten Paul Trappehl «ad Tochter Margarete (Einäfdjerung am(Tonnerslog, bem 6. Juni. 16 Uhr, im Krematorium Bin.-Wilmersborf, Berliner Str. IVt-3 llenüclies UlüsIIsklieilN-VMZll Venrattuiiissteite Kerlin TodesaRzcigen. Den Mitgiiebern zur Nachricht, bah unter Kollege, ber Nohrieger M!sljl8!sll8 Psezkomk! geb. 28 Mai Ib86, am 30. Mai an Herzlchroiiche gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag. dem 3 Zuni. nadim. 3 Uhr. au' dem ff itebl)!)' der Sanli-Michael-Semeinbe. Neuiölln, Marirnborser Weg. statt. Am 30. Mai starb unser Kollege. der Heizer August Krakow geb. 29. Zannar 1863. Die Sinüscherung stnbet am Dienstag. dem 4. siunl. abends TT, Uhr, im Krematorium Serichlstraße, Halt. Ehre ihrem Anbeuten Rege Bete ligirng erwartet. Dt, Oclsoetmqltnaa. ZBnirol Rranksn-I nlerslt tzanisvcre n der Sclmleüa. ZaDIsliile Uerlin III. Sierbekaesc. Den Mitgliedern zur Nachricht, bah ffran Ida Schramm am 28. Mai grltorhen ill. Die Ein. a'cherung stnbet am Montag, bem 3. Juni, nalbmiitags 4>, Uhr. im Kre» matorium tSerichlstraste statt. Rege Beteiligung erwartet DI« Orts Verwaltung. KLesdau's orbmöbel fo Htd-'i Formel Aparte Muster Mäßige Preise W ititlttir«. Trtait Neukölln limirifcetitr. 2C oai Hermannstr. 10 fmm FUrt. n» Montag ben 3. Juni, oben»» Z Ahr, Im JSsrlcceetasI he» Uecbanbsbaufcs. Cinicnflrabc 83 85 uersammiung aller Bauklempner GroB-Beriins Tagrsorbnungi 1. Berichterstattung über die Berhaub» Inngen zum Nahmen- unb Eohntaril 2. Disluiston unb Besch lußfaffung. Psticht aller Kollegen ist e», in bieftr Bersammlung zu erscheinen Ohne Miigliebsbnch t e i n Zotrttt. Dienstag, ben 4. Sunt, abeub» Z Ahr, im Vaclercefaal be» Oecbanb»hanfe». Cinienftrabc 85 83 Branchen-versammiuna der Rohrleger und Hener Tagesordnung L Berichterstattung von ben ftattgefnn» denen Eohnoerhanbiungen. 2. Branchenangeiegenhenen und Bor- schiebenes. 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Aederzeitige Vollzahlung sowie srühere Einzahlung der Raten sind nach wie vor zulässig. Der ZeichnungSPreiS beträgt gemäß den früher veröffentlich ien Zeichnungsbedingungen 9»0/0 unter Verrechnung von Stückztnsen. Tie«»leibe ist befreit von 1. ber Vermögenssteuer. ». ber«rvschaftssteuer. soweit e» sich um vom Erblasser selbftgezeichuetc«uleihen bnnbrlt. Z.»er cherall erhältlich. Beri. Fsäaj.Uair.-Fabn*. Koltpcosix. 2fl IDas weltbekannte Teppichhaus ■efövre Berlin, seil 41 Janrcn nurOranienst.158 W fewaiin let» ana �ahlungserleicnterung ZM- ohne Aufscülaqü un.crC RKseniager eine Spezlalkaialog kostenlos. Nr. 253• 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 2. Juni 4929 Jetzt ist Berlin Sonntags eine tote Stadt. Denn mit dem Einzug des Frühlings ist das Berliner Wochenende ausgebrochen. Berliner Wochenende, das heißt: unendliche Drängelei vor und in allen Ber- kchrsmitteln, ein Schleier von Lärm, Musik. Staub um den Stadt- kern Berlins. Derweil breitet sich über die Straßen Feiertagsstillc, und die Parks machen sich schön, um ihre Feiertagsgäste zu empfangen. Denn so ein Berliner Park am Sonntag zeigt ein ganz eigenes Gesicht. Auf de» Bänken sitzen alte Frauen und Männer, auf den ALegen spielen sonntäglich angezogene Kinder, denen man anmerkt, daß dieser Park nicht ihr täglicher, vertrauter Spiel- platz ist. Sonntagsgäste. Da sitzen auf einer Bant drei alte Männer. Klemmt man sich daneben, so hört man plötzlich, daß es eigentlich weitgereist« Leute sind. Drei alte Handwerksmeister, die jetzt in einem Berliner Stift hausen.„Nu kann man ja nich mehr Sonntags weg; das Ge- dränge! hält keiner von uns mehr aus. Früher..' Und über das„Früher" kommen sie ms Erzählen. Buchbinder war der eine, Schneider der andere und Klempner der dritte. In ihren Wander- jähren, als man noch wirklich auf die Walze ging, haben sie nicht nur das Reich kreuz und quer durchstreift. Einer hat Norditalien und ein Stückchen Frankreich, einer Ungarn und der Buchbinder sogar Rußland kennengelernt,„'n Handwerksgeselle kam damals überall dusch.".Run sitzen.sie hier in dem Berliner Hospital, haben .zwischen 80-und.SV Mark Rente und wärmen sich Sonntags ihre *«llen Glieder im Park. Und da sällt.ejnem plötzlich ein: Born, im � Berliner Adreßbuch existieren«in paar komisch« Spalten: da sind die Stiftungen und Hospitäler Berlins ausgezeichnet. Kleinrenknerheime und Heime für alle Lehrerinnen, Stiftungen für Bürger, die mindestens zehn Jahre in Berlin ein Gewerbe selbständig betrieben haben, Stiftungen für Personen„vorzugsweise aus der Familie des Stifters oder über 60 Jahre alte Personen, die dem Stande der.Leug- und Raschmacher,'Tuchmacher oder Baumwoll- weder oder anderen Weber Berlins" angehören Ach, daß auch mal die Weber in Berlin aussterben würden, hat der Stifter wahrlich nicht gedacht... � Neugierig geworden, wandert man eines schönen Tages nach der Fränksurter Straß« heraus: da stehen drei große Kästen: Das .Nikolaus-Bürger-Hospital, die Weydingersche Stiftung und noch ein anderes Stift. Gleich um die Ecke, in der Koppenstraße aber steht noch die„Gesindc-Belohnungs- und Unterstützungsanstalt". Im Flur des Nicolaus- Bürger-Hospitols steht ein kleiner, alter Herr. Neugierig beäugt er die fremde Gestalt.„Wollten Sie hier zu wem? Nee? Zum Haus- vater? Ach, denn wollten Sie woll wejen wem fragen? Wolln Sie woll wem herbringen?" Er ist so auskunltsfreudig, daß man gar keinen besseren Mann sinden könnte: sichtbor geschmeichelt nimmt er eine Einladung auf eine Tasse Kaffee an und sucht eine nett«, kleine Konditorei heraus, in der wir uns unterhallen können:„... denn ins Cafä kann ich doch so nich... so.." und er faßt nach der Hemdpriese, der er am Alltag keinen Kragen aufknöpft. Beim Kaffee erzählt er: Er ist Drechslermeister gewesen, nun schon drei Jahre im Hospital.„Nee, ich bin nich jerne reinjejangen, ick Hab mir jejrault wie vor'ne Kaserne. Aber immer alleine un keine Hilfe, wenn ein was passiert, det is auch nischt. Un nu bin ich sehr zufrieden. Was mein Schlafkollege is, der kann jar nich besser sein. Un ich koche mir selbst, denn das olle Suppenessen, was wir auch kriejen können, schmeckt mir nich un kostet auch 30 Pfennich. Heute habe ich mir Leber auf mein Spirituskocher jebroten, un morjen jibts Spinat." Stolz glänzen seine Augen, als ich feine Rüstigkeft bewundere..Lweiundachtzich bin ich man' erst. Mein Schlafkollege is sechsundachzich. Zu dem sagen sie„Reiseonkel", weil er so viel rumreist. In 14 Tage fährt er wieder nach Wriezen, und denn nimmt er dreimal im Sommer Urlaub un verreist. Wer von uns Kinder draußen hat, jeht ja raus. Bloß nich Sonntachs— dos können wir nich mehr ausholten. Wir haben, ja selber'n schönen Iarten un viele jehen in'n Hain. Nee— sonst fehlt uns nichts. Dreimal die Woche Aufschnitt kriejen wir, un Kohlen im Winter, un wo keine Sonne is, da krieien die Zimmer mehr Kohlen— bei uns jeht alles janz jerecht zu, un unser Sekertär sorjt richtich für uns." 82 alte Frauen. Geich nebenan ist die„Gesindc°B elohnungs-undUnter- st ü tz u n g s a n st a l t", wie sie früher hieß, eine Stiftung aus den 7ver Iahren. Hier mußt« ich heilig versprechen, meinen„Gewähre- mann" nicht zu nennen,— denn 62 alte Frauen wohnen hier unler einem Dach:„Und sie glauben nich, was die aufeinander neidisch sind." Die Aclteft« ist SV Jahre. Alles frühere Hausangestellte. Jede muß nur eine Kommode mitbringen. Schrank und Bett stellt die Anstalt, aber auch das Bett bringen die meisten lieber mit,„denn die ollen Bettstellen sind so verwanzt", wenigstens nach dem Glauben der alten Mädchen. Rur Wohnung. Licht und Heizung gibt hier da Stift, denn sein Vermögeu wurde von der Inflation gefressen. Je zwei bewohnen ein Zimmer: auf den breiten Fluren sind in Nischen kleine Kochstellen, die sie benutzen können, um sich ihre Mahl- zeiten herzustellen. Sie dürfen ausgehen: freilich um neun muß jede zu Hause sein, Hausschlüssel gibt es nicht. Das leichtsinnige junge Jlochslelten im&lur für das Sonniagsessen Volk, das erst so um die sechzig oder siebzig herum ist, macht auch noch oft von der Ausgangserlaubnis Gebrauch. Die Alten sitzen im Garten: freilich bloß„in der Sonnenecke".„Drüben ist es zu nahe an der Straße, und die Göhren schmeißen hier Steine und Dreck rein." Manche geht noch gern„zu der alten Herrschaft": andere wissen nicht wohin. Ach, in vielfacher Variation spielt hier der letzte Akt der Tragödie vom„treuen, allen Mädchen", das über dem Dienst an andere sich selbst vergaß, und das nun trotz Stift und„guter Herrschaft" doch heimatlos ist. Vielleicht ist es das, was die In- sassinnen hier so verdrossen, so„schwierig" macht. Geistige Inter- essen hat kaum eine— während drüben die allen Handwerksmeister doch zu vier oder sechs die Zeitung halten, haben die alten Frauen hier keine andere Zerstreuung als den Klatsch. Einen gemeinsame» Tagesraum gibt es hier so wenig wie drüben: dort hat man sreilich das Grammophon—„es sind bloß immer dieselben Platten"— und setzt es zuweilen im Konferenzzimmer in Betrieb. Hier hat man dafür ein« eigen« Kirche, die an Wochentagen völlig leer steht... Will mal eine Gesellschaft einen Film vorführen, wollen mal andere Menschen durch Gesang oder andere Darbietungen ein wenig Zer- streuung in die grauen Räume bringen, dann muß erst ein müh- seliger Instanzenweg dnrchpilgert werden, bis die Erlaubnis dazu kommt. Ja— übrigens: einen Baderaum gibt es hier so wenig wie drüben im Hospital: so was war bei der Gründung hier nur der Luxus der feinsten Leute. Selbst der Stifter, der alte Wilhelm, borgte sich ja seine Badewanne aus dem Hotel de Rome. Und bei der Einrichtung von Anno dazumal ist es dann ja auch geblieben... Mutter muß zu Hause bleiben... Eine Straßenbahn kostet nur zwanzig Pfennig. Das ist nicht viel. Aber die Summe wächst zum kleinen Kapital für Manchen Arbeitslosen, und leider auch für manchen Arbeiter, wenn man so rechnet: Vater und Mutter und zwei oder drei Kinder. Dann sind es für hin- und Rückfahrt schon zwei Mark, und das ist recht viel. Wenn die Kinder absolut nicht zu Hause bleiben wollen und Vater auf ihr„Ouängeln" schließlich wenigstens in den nächsten Park mit ihnen geht, dann sitzt Mutter zu Hause, froh, wenigstens„mal in Ruhe sich um die Sachen kümmern zu können". Denn dosftst-das Sonntogsoergnügen nur zu vieler Familienmütter: Stopfen und Flicken und olle Arbeit,„an die man in der Woche eben nich so ran kommt". Obligatorisch wird Mutters Zuhausebleiben aber, wjain die Familie«ine Portierstelle hat. Denn das Haus soll doch bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen werden, außerdem muß immer jemand erreichbar sein für den Fall eines Rohrbruchs oder einer ähnlichen Katastrophe— und der Hauswirt betzankt sich dafür, zu Hause zu bleiben— dafür hat er ja den Sonntag der anderen mitgekauft. Nie werde ich das Entzücken eines kleinen Mädels über die Sonnenlichter auf einem„richtigen See" vergessen. Das war die Tochter unseres Portiers, und das Mädel war noch nie wirklich aus Berlin herausgekommen. Vier Kinder waren da und der Vater war in jedem Jahr monatelang arbeitslos. Der Herr Hauswirt gab nur die freie Wohnung, und die war danach.„Vater geht mit uns Sonntags aus, aber denn müssen wir immer soviel lausen..." Dabei kamen sie doch nie aus den steinernen Häusern heraus, und die Ruhe in der Oase des„fremden" Parks genügte kaum, um die Müdigkeit des Hinwegs zu überwinden. Eines Tages aber fanden die drei jüngsten den Weg zur Arbeiterjugend, und nun haben sie sich Wald, Wasser und Welt erobert. »Da passen wir nicht hin.. Sonja(sie ist aus der Ackerstraße, aber russisch ist noch immer modern unter den Mädeln, die alle eine schamhaft verschwiegene Liebe fürs Romantische haben)— Sonja saß schon am frühen Vor- mittag in ihrem Stammlokal und trank einen Kaffee.„Schon" ist eigentlich nicht richtig, eher könnt« man„noch" sagen, denn sie war gar nicht schlafen gegangen. Es war die Nacht vom Freitag auf den Sonnabend gewesen. Ich entwickelte gerade meine Pläne für das Wochenende, und unüberlegt genug sprach ich sie an:„Na, Sonja, „Aus siQtturiclS- Das verkrachte„Thealer der Fünftausend" Lames Klein vor dem Arbeitsgert'chi. Unter starkem Andrang von Zuhörern und Preflever. trelern verhandelte das Berliner Arbeitsgericht unter vorjih des Amtsgerichtsrats Dr. Franke die klagen von acht Musikern gegen die Europäische Reise- Theater- G. m. b. H.. den Rcvuedirektor Zames klein, und den Kapellmeister Döllc. Im Verhandlungssaal ging es sehr lebhaft zu, und auf dem Korridor spielten sich erregte Auftritt« zwischen den Parteien ob.— Die Verhandlung, die einen vollen Sitzungstag in Anspruch nahm, ergab im wesentlichen folgendes Vild: Kapellmeister Dölle hatte die Musiker engagiert,- die Arbeitsbedingungen mit ihnen ver» cinbort und ihnen versichert, was er hinsichtlich der Bezahlung usw. vereinbart habe, werde auch erfüllt, sie würden bei der Kleinschen Wanderreoue, dem„Theater der 5 ll 0 O", voraussichtlich den ganzen Sommer Beschäftigung haben. Im Vertrauen auf diese Zusicherung machten die Musiker mehrere Proben mit. Am Pfingst- sonnabend sollten sie mit dem gesamten Personal mit Sonderzug noch Magdeburg befördert werden, wo am Pfingstsonntag die erste Aufführung vor sich gehen sollte. Da sich die Abfahrt mehrere Stunden verzögerte, hielten die Musiker das Unternehmen für be- denklich. Sie hatten keinen schriftlichen Arbeitsvcr- trag und, um sich vor Schaden zu bewahren, beschlossen sie, die Fahrt nicht mitzumachen. Da erschien ein Herr Felix Wolf, stellte sich als Mitglied der Direktion des Unternehmens vor. warf schnell einen Vertrag aufs Papier, der von den Musikern unterschrieben wurde. Dann ging es nach Magdeburg. Quartier zum Preise von 1,30 M. war den Musikern zugesagt. Dem Ballettpersonal wurde auch O u a r t i er zugewiesen, aber um die Musiker kümmerte sich niemand. Schließlich fanden sie in einem Hotel Unterkunst für 6 M. Am Pfingstsonntag konnte die Aufführung nicht stattfinden, weil dasZeltnochnichtfertig war, denn die Unternehmer hatten keine für diese Arbeit geschulten Kräfte eingestellt. Auch am Pfingstmontag fand die Aufführung erst mit starker Verspätung statt, weil der Aufbau immer noch nicht ganz vollendet war. Um das Publikum, das wegen des langen Wartens unruhig wurde, zu unterhalten, mußte Musik gemacht werden. Aber die Musiker hatten für Unterhaltungsmusik keine Noten. So spielten sie denn, wa» si« gerade auswendig konnten, in stän- diger Wiederholung, was keineswegs zur Beruhigung des Publi- kums beitrug. Nach Schluß der mit Ach und Kroch zustande- gekommenen Vorstellung forderten Darsteller, Tänzerinnen und Musiker Bezahlung, denn sie muhten doch ihren Unterhalt in Magdeburg bestreiten. Aber da war kein Geld vorhanden. In einer schnell zusammengetretenen Versammlung des Personals teille der Ballettmeister mit: ,Mr können kein Geld bekommen, denn Direktor klein ist mit s der Sasse getürmt." So war das Theater der Fünftausend nach der ersten Vorstellung verkracht. Die Musiker erhielten vom Magdeburger Wohl. f a h r t s a m t die zur Rückreise nach Berlin erforderlichen Vor- schüsse. Vor dem Arbeitsgericht lehnte Kapellmeister Dölle jede Ver, pflichtung zur Zahlung ab, da er die Kläger nicht für sich, sondern für Klein engagiert habe.— Klein erklärt«, nicht er sei der Arbeit- geber der Kläger, sondern die EuropäischeReise- Theater» G.m.b.H. sei es. Er selbst sei nur als künstlerischer Leiter von der Gesellschaft angestellt gewesen. Mit großem Pathos versicherte Klein, das Unternehmen würde nicht zusammengebrochen sein, wenn nicht in der Presse gegen ihn Stimmung gemacht worden wäre. Es sei eine infame Presselüge, daß er mit der Kasse durchgebrannt sei. Weil die Arbeiter, die das Zelt aufbauten. Bezahlung verlangten und die bis dahin erzielten Einnahmen hierzu nicht ausreichten, habe feine Frau Schmuckstücke versetzt und einen Betrag, der ihr von einer Freundin in Verwahrung gegeben war, hergegeben unter der Bedingung, daß ihr dies« Summe— 600 M.— aus den Kasseneinnahmen der ersten Vorstellung sofort zurückgezahlt werde. Das sei geschehen. Sein Sohn, der das Geld für seine Mutter abholte, habe darüber quittiert. Nach den Angaben von Dölle und Klein ist also die Europäische Reise-Theater-Gesellschast die eigentliche Arbeitgeberin der Kläger. Sie konnte aber, da sie unter einer falschen Adresse geladen war. in diesem Termin noch nicht verurteilt werden. Soweit sich die Klage gegen Kapellmeister Dölle richtet, wurde sie a b g e w i e s e n. Das Gericht nahm an, daß er nicht eine Garantie für die Bezahlung der Kläger übernommen habe. Darüber, ob Klein wirklich nur die von seiner Frau entliehenen 600 M. aus der Kasse erhalten hat, soll im nächsten Termin sein Sohn und die Kassiererin vernommen werden, die im gegenwärtigen Termin trotz angeblicher Bemühungen der Beklagten nicht zu erreichen war. und wie ist Ihr Wochenende?" Wir find recht gute Freunde sonst, denn meine Vorurteilslosigkeit wird mir von all den Mädeln hoch angerechnet. Aber diesmal sah sie mich böse an:„Wochenende? Nee, ich kann nich raus. Natürlich nich; wo doch Freitag und Sonn- abend nacht so gute Tage sind— man kann sonst ja kaum noch mal ordentlich verdienen! Und denn: was soll' wir'n draußen zwischen oll den andern! Da fühlt sich unsereins nich wohl. Bloß mal, wenn der„Riirg"'n Sommcrfest macht, irgendein Verein, in'n Garten oder mit'ne Dampferpartie; den» ist man unter Bekannten und seinesgleichen. Ach, was sollen wir unter die Wandervögel und bei den Kindern und den anderen Menschen! Schön ist es draußen, ja, und ich war früher gern rausgemacht— wie ich noch im Geschäft war. Hobe ich mich immer drauf gefreut, und schwimmern kann ich auch. Ach, so ordentlich ausziehn, wenn man gai�z allein im See ist... Schluß! Reden wir lieber nicht davon I Wir passen doch nich hin..." Und ihr noch junges Gesicht bekam einen bitteren Zug um die grellgefärbten Lippen, denselben, den man auf den Gc- sichtern all ihrer älteren„Berufstolleginnen" sieht... Oer Leichenieilfund in der Havel. Weiblicher Oberschenkel in Spanbau gelandet. Der unheimliche Fund eines menschlichen Rumpfes in der Havel, nicht weit von Schildhorn, hol noch keine Auf. klärung gefunden. Jin Laufe des Tages besichtigt« der Gerichtsarzt Dr. Fraenkel im Charlottenburger Schauhaus den bei Schildhorn gelandeten Torso. Ein abschließendes Urteil ließ sich jedoch noch nicht fällen, es ist daher für den kommenden Dienstag die Sektion anberamnt. Das Bruchstück reicht von der sechsten bis zur z w ö l f t e n R i p p e. Die Lunge ist zum Teil zerrissen, dagegen sind die inneren Organe gut erhalten und fast gar nicht verletzt. An der sechsten Rippe verläuft ein Trennungsschnitt bis zum Rück- grat, er ist fcharfrandig und zeigt, daß zweimal angesetzt wurde, um ihn durchzuführen. Di« noch vorhandenen Fleischteile weisen an einigen Stellen zackig« Ränder auf. Di« entfernte Mög- lichkeit besteht, daß diese Zacken durch Schiffsschrauben verursacht wurden. Nach bestimmten Anzeichen scheint der Torso von einer jüngeren, wahrscheinlich männlichen Person, zu stammen. Di« Rippcnendcn sind noch verknorpelt. Es scheint auch, daß es sich um keine sehr große Person gehandelt hat. Endgültiges über die Körpergröße läßt sich aber aus dem Torso nicht schließen. Gestern abend sahen dann Angler am Ziegelhos in Span- dau, in nächster Nähe der Deutschen Werke, in der Havel einen menschlichen Leichenteil treiben. Bei der näheren Untersuchung durch die Polizei stellte sich heraus, daß es sich um den Ober- schenk«! einer Frauenl«iche handelte. Ob'jtvischtn dem neuen Fund und dem Torso irgendein Zusammenhang besteht, konnte natürlich nicht festgestellt werden. Der Oberschenkel wird am Dienstqg zusammen mit dem Torso von Prof. Dr. Fraenkel obdu- ziert werden. Am Montag werden mehrere Boote des Reichs- wasserschutzes das Haoelgebiet in weitem Umfang« systematisch absuchen. Im Laufe des gestrigen Tages haben sich bei der Movdkom- Mission eine ganze Reih« von Zeugen, hauptsächlich Wassersportler, gemeldet, die am Freitag an verschiedenen Stellen im Wasser Leichenteile gesehen haben wollen, die beim Näherkommen aber wieder untergingen und ihren Blicken entschwanden. Der Tod der Greisin. Der Polizei ist es schnell gelungen, den Tod der 7Sjährigen Rentenempfängerin On i sch e idt aufzuklären. Die Greisin war vorgestern abend, wie wir berichteten, im Korridor ihrer Wohnung Fennstraße 9 unter verdächtigen Umständen tot auf- gefunden worden. Noch in der Nacht wurde die Obduktion vorgenommen, und dabei hat sich herausgestellt, daß ein B e r- brechen nicht vorliegt. Wahrscheinlich ist die alte Frau auf dem Wege zur Küche vom Tode überrascht worden. Der Tod muß bereits vor mehreren Tagen eingetreten sein, da die Leiche schon stark in Verwesung übergegangen war. Dromenadenkonzerle im Sportpark Tempelhofcr Feld. Auf dem Sportpark Tempelhofcr Feld sollen Promenadenkonzerte von etwa einstündiger Dauer geistige Anregung und wertvolle Unterhaltung bringen. Eine Reche namhafter Vereine haben sich zur Mitarbeit an dieser Aufgabe bereit erklärt. Am Sonntag, dem 2. Juni, von 17 bis 18 Uhr, bringt erstmalig die Gesangsgemeinschast Neukölln(Mitglied des ASB.) eine Reihe schöner Volkslieder für gemischten Chor und Gelänge seines Kinderchors zu Gehör. Die Kon- zerte werden auf dem Platz an der Mittelpromenade zwischen Oker- und Allerstraße(Kindcrsandspielplätze) abgehalten. Wieder Oiebe am Nankschalier! 1 500 Mark gestohlen, zwei Diebe gefaßt, der dritte entkommen Roch längerer Pause find am Sonnabend wieder die b«. rüchtigten Bankdiebe aufgetreten. Der Kassenbote einer Firma hatte in der Depositentasse der Danat-Bant in der König st raße ein« größere Summe be- hoben und stand, das Geld abzählend, am Zahlschalter. Da trat an seine rechte Seit« ein Mann heran, der sich über den Tisch beugte und auf den Bankbeamten einsprach. In der linken Hand hielt der Fremde seinen Hut, mit dem er das noch nicht gezählt« Geld des Boten unauffällig bedeckte. Ohne das Gespräch be- endet zu haben, entfernte sich der Fremde eilig und der Bote, der Unheil ahnt« und rasch nachsah, stellte fest, daß der Spitzbube mit seinem neuen Trick 1800 Mark von dem aufgehäuften Gelde gestohlen hatte. In der Bank befand sich zum Glück ein Kriminalbeamter der Taschendiebesstreif«, denn seit diese Art Diebereien sich häuften, waren besondere Maßnahmen getroffen worden. Der Beamte nahm sofort die Verfolgung der Diebe auf und sah sie alle drei draußen eine vorüberfahrende Straßen- bahn be st eigen. Cr schwang sich mit auf und konnte zwei Männer fassen. Der dritte rannte durch den Wagen, riß die Dordertür auf und sprang ab, ehe man seiner habhaft werden konnte. Leider ist der vorläufig Entkommene gerade der. der das Geld bei sich hatte. Der Vorfall hatte in der schr belebten Straße großes Lufz sehen erregt, um so mehr, als die beiden Festgenommenen dem Be- amten erheblichen Widerstand entgegensetzten. Ein Schupobeamter und Passanten kamen aber dem Beamten zu Hilfe. Die Leute versuchten, an den Dieben Schnelljustiz zu üben, es gelang aber, die Häftlinge der Wut zu entziehen und nach dem Polizeipräsidium zu bringen. Es sind zwei bekannte Taschendiebe. Nach dem drittel» wird noch gesucht._ � Unter die D-Bahu geraten. Gestern nachmittag ereignete sich auf dem II. Bahnhof F r i« d r i ch st a d t«in schwerer Unfall, der gleichzeitig«ine längere Verkehrsstörung zur Folge hatte. Die lOjährig« Edith B. aus der Schivelbeiner Straße versuchte einen bereits in Fahrt befind- lichen Zug zu besteigen. Sie kmn jedoch zu F a I l und geriet zwischen Bahnsteig und Wagen wand. Die Feuer- wehr mußte den Wogen h o ch w i n d e n, um die Unglückliche aus ihrer qualvollen Lage zu befreien. Mit schweren Ber- letzunaen wurde das junge Mädchen in die Charit« gebracht, Der Berkehr ruht« über 20 Minuten. 9ttck Xondon: (Beredäigte üebersetzung von Erwin Magma). Die sozialistische Presse der Stadt münzte diese Aeuße- rung triumphierend aus und verbreitete sie in Tausenden von Zeitungen über ganz San Franziska. Und die an ihrer wundesten Stelle getroffenen Journalisten rächten sich mit dem einzigen Mittel, das in ihrer Macht stand— mit Druckerschwärze. Die Angriffe wurden giftiger alsie. Haß und Wildheit wuchsen immer mehr. Das arme Mädchen, das sich das Leben genommen hatte, wurde aus seinem Grab« gezerrt und paradierte in Tausenden von Zeitungspalasten alz Märtyrerin und Opfer der fürchterlichen Brutalität Daylights. Es erschienen ganz sachliche Artikel, in denen nachgewiesen wurde, daß er die armen Minenarbeiter ihrer Claims beraubt und zuletzt«inen verräterischen Treubruch an den Guggenhammers in der Ophir-Geschichte begangen und damit den Grund zu seinem Permögen gelegt hatte. In Leitartikeln wurde er ein Feind der Gesellschaft mit den Manieren und der Kultur eines Höhlenbewohners genannt, «in Aufwiegler, der den Wohlstand der Stadt vernichtete.— Mit dem Angriff auf zwei Dampfergesellschaften fing es on. und bald hatte sich eine Küstenlinie daraus entwickelt. Das war. was er wünschte, und er fühlte, wie recht er gehabt hatte, als er Klondike verließ, denn hier ging es um höhere Einsätze, Aukon ihm je hätte bieten können. Auf seiner Seite focht für ein glänzendes Honorar Rechtsanwalt Larry Hegan, ein junger Jrländer, der sich einen Namen machen wollt«. und dessen Begabung Daylight entdeckt hatte. Hegan besaß keltische Phantasie und Kühnheit, und zwar in dem Maße, daß Daylights kühler Kopf ihn biswellen zügeln mußte. Hegan war«in juristischer Napoleon ohne Gleichgewicht, und gerade darin ergänzte ihn Daylight. Er besaß auch nicht mehr menschliches und bürgerliches Gewissen als Napoleon. Hegan war es. der Daylight durch das Labyrinth der modernen Politik, der Arbeiterorganisation, der bürgerlichen Gesetzgebung führte. Hegan, der durch seine Fähigkeiten und Ideen Daylight die Augen für ungeahnte Möglichkeiten in der Kriegführung des zwanzigsten Jahrhunderts öffnete; und Daylight wiederum, der den Kriegsplan verwarf oder an- nahm, ausarbeitete und ausführte. Die ganze pazifische Küste, von Puget Sound bis Panama, war in Aufruhr, San Franziska wütete gegen ihn, und es mußt« scheinen, als ob die beiden großen Schiffahrtsgefellschaften den Sieg davon- trügen, als würde Dcuilight langsam auf die Knie gezwungen. Und da langte er aus— nach den Schiffahrtsgesellschaften, nach San Franziska, nach der ganzen pazifischen Küste. Es fing ganz harmlos an. Während einer Versammlung des Christlichen Vereins in San Franziska machte die Gepäck- trägeroereinigung Nr. S27 Spektakel über einen kleinen Ge- päckhaufen im Fuhrgebäude. Das Ergebnis waren ein paar Löcher in den Köpfen, einige Verhaftungen und Auslieferung des Gepäcks. Keiner hätte erraten, daß binter diesem Schar- mützel der gewandte Jrländer und Daylights Gold standen. Es war eine völlig gleichgültige Affäre, oder vielmehr— schien es zu fein. Aber da mischt« sich der Fuhrleute-Verband hinein, hinter den sich wieder die ganze Hafenarbeiter-Ge- werkschafr stellte. Die Weigerung der Köche und Kellner, die Streikbrecher zu bedienen, zog auch sie mit hinein. Die Schlächter und Arbeiter der Konservenfabriken wollten nicht für die Restaurants arbeiten, die Streikbrecher beschäftigten. Der Arbeitgeberverband entschloß sich zu gemeinsamem Vor- gehen und stand 4» OlM) Arbeitern San Franziskas geschloffen gegenüber. Die Bäcker in den Gastwirtschaften und die Brot- kutscher streikten, es streikten die Milchkutscher und die Ge- flügelrupfer. Ganz San Franziska stand in Aufruhr. Roch war es nur San Franzisto. Aber Hegan intrigierte meister- Haft, und Daylights Feldzug nahm immer größere Dimen- sionen an. Die mächtige und gefährliche Organisation, die unter dem Namen„Seeleute-Berband der pazifischen Küste- bekannt war, weigerte sich, auf Schiffen zu heuern, die von Streikbrechern gelöscht oder befrachtet wurden. Sie stellt« erst ein Ultimatum und erklärte dann den Streik. Daraus hatte Daylight die ganze Zeit gewartet. Sobald ein Küsten- fahrzeug einlief, meldeten sich die Vertreter des Verbandes an Bord, und die Mannschaft wurde an Land geschickt. Mit den Seeleuten gingen Heizer, Maschinisten. Köche und Sie- wards. Täglich stieg die Zahl der aufliegenden Schiffe. Zuletzt lagen alle Häfen voll von Schiffen, und jeder See- verkehr hörte auf. Tage und Wochen vergingen, es wurde weitergestreikt. Die Coastwise Steam Navigation Company. die Hawaiian, Ricaraguan und die Pacific-Mexican Steamship Company waren vollkommen stillgelegt. Die Be- kämpfung des Streits kostete Unsummen, und die Situation verschlimmerte sich von Tag zu Tag. bis„Frieden um jeden Preis!" die Losung war. Aber es gab erst Frieden, als Daylight und seine Verbündeten die Karten aufdeckten, ihren Gewinn einheimsten und ein gut Teil eines ganzen Konti- nents die Arbeit wieder aufnehmen ließen. Die Rolle, die Daylight gespielt hatte, wurde bald be» kannt. Er wurde infolgedessen sehr oerhaßt und unpopulär, obgleich er nie gedacht hatte, daß sein Angriff auf die Schiff- fahrtsgesellschaften so ungeheure Dimensionen annehmen würde. Aber er hatte erreicht, was er wollte. Er hatte ein aufregendes Spiel gespielt und gewonnen, hatte die Schiff- fahrtsgesellschaften in den Staub getreten und die Aktionäre, ahne die Gesetze zu übertreten, schonungslos ausgeplündert. Gewissensbisse machte er sich nicht. Wenn man mit Hals- abschneidern spielte, galt es, die Gelegenheit wahrzunehmen, und die Hauptsache war, daß sein eigener Kopf noch saß. Er hatte gewonnen. Alles war Spiel und Kampf zwischen den Starken. San Franzisko hatte Krieg gewollt, und er hatte chm den Krieg gegeben. Das war das Spiel. So machten es alle Großen, und sie machten es noch viel schlimmer. Die Zivllisation hatte Daylight nicht zu einem besseren Menschen gemacht. Zwar kleidete er sich gewählter, hatte etwas bessere Manieren und sprach ein reineres Englisch. Er hatte sich auch an eine bessere Lebensweise gewöhnt und hatte seinen Witz in dem heißen Kampfe zwischen wütenden Männchen geschärft, bis er scharf wie ein Rasiermesser war. Aber es war auf Kosten seiner einstigen überströmenden Liebenswürdigkeiten geschehen. Von der Verfeinerung der Zivilisation wußte er nichts. Er war zynisch, bitter und brutal geworden. Er war auch nicht mehr wie einst der Mann mit deu Muskeln aus Stahl und Eisen. Es fehlte ihm an Bewegung, er aß mehr, als ihm zuträglich war. und trank allzuviel. Seine Muskeln begannen schlaff zu werden, und sein Schneider machte ihn auf seinen zunehmenden Umfang auf- merksam. Das hagere Indianergesicht veränderte sich. Unter den Augen bildeten sich Säcke, der Halsumfang wurde größer, und die erste an ein Dovpelkinn gemahnende Falte zeigte sich. Der frühere asketische Ausdruck, eine Folge des genügsamen, harten Lebens, war verschwunden; die Züge waren breiter und schwerer geworden, gleichsam gezeichnet von dem Leben, das er führte.(Forts, folgt.) »Modell Nuri" � hase'.nus» Chevreau mit braun Applikation. cUcac« Fabrikat Versand durch Zeniral« leiser, 1 Berlin SO 10, Schmldstrass» 24/2S j Wie sie Kriegsanleihe handelten. Die Angeklagten im Gtinnes-Prozeß. ?m Vrozeh gegen Sk'mnes und Genossen wurde gestern die Vernehmung der AngeNaglen fortgesetzt. Der Angeklagte Groß saget u. a. aus, daß eine Berliner Groß- bank ihm bei einem Aktienpaket bestätigt habe, daß es sich seit 1914 in ihrem ununterbrochenen Besitz befunden hätte, während in Wirklichkeit die Uebertragung erst 1919 erfolgt wäre. Diese wahr- heitswidrige Angab« fei für den englischen Treuhänder bestimmt gewesen, es hätte sich um einen ganz gebräuchlichen B o r g a n g gehandelt. Weiter kommt zur Sprache, wie die ver> schieden«» Anleihestücke nach Altbesitz und Neubesitz sortiert wurden. Die ungeeigneten Stücke wurden dann verkauft, andere wurden besorgt. Für das Sortieren habe Schneid 699 M. pro Million,, im ganzen also etwa 4S99M. erhalten. In Wirklichkeit sei aber die ganze Sortiererei nur Schwindel aewesew Weiter erläuterte Groß, wie bei Altbesitz ohne Belege die Begründung gegeben wurde: Man sagte, daß diese oder jene rumänische Firma die Kriegsanleihe für Kriegslieferungen von deutschen Truppen als Bezahlung erhalten hätten. Sensationell wird die Verhandlung, als Groß aussagt, daß der Regierungsrat Steiger vom Ministerium für die besttzten Gebiete für schnelle Erledigung der Angelegenheit«in ch o n o r a r von 2999 M. erhalten und außer- dem prozentual an den Geschäften beteiligt sein soll. Groß wird sehr erregt, als der Vorsitzende ihm vorhält, daß die Zurückziehung seiner Anträge erst nach Beginn der behördlichen Nachforschungen erfolgt sei. Die Verhandlung muhte, da der An- geklagt« vor Aufregung nicht mehr sähig war auszusagen, ab- gebrochen und auf Montag 9)4 Uhr vertagt werden. Der Angeklagte Joseph Schneid, zugleich Eroberer des Delphi-Palastcs, wäre gestern nach Schluß der Verhandlung im Stinnes-Prozeß beinahe verhaftet worden. Als er mit dem Auto von Moabit fortfahren wollte, legte ihm«in Gerichts- Vollzieher die Hand auf die Schulter und erklärte ihn mit dürren Worten fürverhaftet. Es handelte sich um eine dunkle Wcchfelangelegenheit, und es bedurfte aller Heber- redungskünste der Rechtsanwälte Schneids, um ihn für das Wochen- ende vor schwedischen Gardinen zu bewahren. Gegen Schneid schwebt norm Landgericht in Ehemnitz ein B e r- fahren wegen Münzoergehens aus£j 147 StGB. Schneid soll gemeinsam mit einem Käufmann Max Felsenbaum ge- sälschte Dollarnoten im Auslände beschafft und im Inland in Verkehr gebracht haben. Gchappellers„Atomenergie". Hermine fällt immer herein. wir berichteten seinerzeit über den Schlohherrn von Aurolz Münster. Schopp et ler. der eine gehcimniS' volle Atomenergie" erfunden haben wollte und damit Dumme fing. Zu diesen Dummen gehörte auch Ihre sogenannte Kaiserliche und Königliche Majestät Hermine von Doorn. Im Schloß Aurolznmnster allerdings hieß sie der Diskredition halber nicht Ihre Majestät, sondern F r a u M« i e r. Es ist erwiesen, daß der Schwindler Schappeller mit dem Schatullenverwalter des früheren Kaisers in Verbindung stand. Hermine selbst wollte den großen Erfinder 1928 in Aurolzmünster besuchen. Damals wurden im Schlosse Prunkgemächer geschaffen, die Wände wurden mit Damasttapetcn beschlagen und die Fensterläden vergoldet. Freilich ist es dann zu dem allerhöchsten Bestich nicht gekommen, weil Herr Schapeller plötzlich aus„gewissen Gründen" das Weite suchen muhte. Die Beziehungen zwischen Aurolzmünster und Doorn waren durch zarte Frauenhand in die Wege geleitet worden. Eine Verehrerin Schappcllers war mit der Frau von Hermiiiens Leib- a rzt befreundet. So kam es dazu, daß der Schwindler aus der kaiserlichen Schatullenverwaltung unterstützt wurde. Wo er steckt, weiß kein Mensch, ober man kennt seine Hinter- lassenschaft: 149 999 Schilling Schulden. Eine organisierte Verbrecherbande. Die Mörder der Witwe Sommerfeld in Verlin O. Am Sonnabend vor Pfingsten wurde, wie wir damals berichteten, die INtlchhSadteriu Marie Sommerfeld in ihrem Geschäft tu der Cadtoed Strohe 16 von zwei jungen Vurschen überfallen und tödNch verletzt. Gleich noch der Tat, die alsbald bemerkt worden war, wurden zwei der Burschen, ein Erwin D e t l o f f und ein Alois P i s f a- r e t im selben Hause festgenommen. Der dritte, ein Otto Niele- bo ck, war in das Nachbarhaus 15 geflüchtet, wurde dort aber auch gefaßt. Alle drei schoben die Schuld einer auf den anderen. Die Nachforschungen, die Krinzinalkommissar Nebe mit seinen Beamten anstellte, haben«in anderes Bild ergeben. Die drei Burschen gehören zu einer R o t t e j u g e n d l i ch« r B e r b r e che r, die von Einbrüchen, Diebstählen und Uebersällen leben. Otto Zssielebock,� der SS das verführte Opfer spielte und die Beteiligung an dem Raubmord in Abrede stellte, ist, wie jetzt feststeht, sogar der A n- führ er in der Bande gewesen. Bisher konnten der Gesellschaft 49 Straftaten der verschiedensten Art nachgewiesen werden, die sie zum größten Teil auch einräumen. Fünf andere Mitglieder der Kolonne wurden uach und nach ebenfalls ermittelt und festgenommen, zwei werden noch gesucht._ Fu der Flocht aus dem Staatskrankeuhaus wird uns hritgeteilt, daß der mitentflohenc P ä tz o l d von dem mehrfach wegen Einbrüchen vorbestraften Zuchthäusler Schäfer zur Ausführung der Tot veranlaßt worden ist. Pätzold, der kein Verbrecher«st. son- der» als Epileptiker in �erzbergc interniert war, hatte die Dekanntschast des Schäfer in Herzberge gemacht. Pätzold wurde mit verstauchtem Fußgelenk bei seinem Bruder ermittelt, während Schäfer sich nach wie vor aus sreicm Fuß befindet und von der Kriminalpolizei gesucht wird. Vier Opfer eines Hausbrandes. Großmutter unk» drei Enkel kamen ums Leben. Cosel, 1. Zun!. 3n dem im koeise Cosel gelegenen V i e g s ch l e h entstand aus Ki�jer noch nicht geklärter Ursache aus dem Boden eines Hauses Feuer. Sämtliche Mitglieder einer im Dachgeschoß wohnenden Fa- mllie wurden von dem Feuer im Schlase überrascht. Die Frau und der Maan konnten sich mit dem jüngsten Kinde durch dos Fenster ins Freie retten. Die 74jährigc Großmutter und dret andere Eakellkinder wurden bei dem versuch, sich zu retten, von dem einstürzenden Siebet des Hauses begraben und konnte« nur als Deichen zrborgen werden. Ein gemeinnütziges Siedlungswerk. Di« Leiter der gemeinnützigen Baugenossenschaft ..I d e a l" berichtete, kürzlich in einer Versammlung im großen Saal des Gewerkschaftshaufcs über die Bauvorhaben der Genossen- schaft. Wie der Geschäftsführer Genosse Stein mitteilt, worden auf dem Britzer Gelimde neben der alten ,.Jdeal"-Siedlung End« dieses Jahr es 9 4 Wohnungen, und zwar 51 mit zwei. 29 mit zweieinhalb, 1A mit dreieinhalb und zehn Einfamilten- Häuser mit je drei Zimmern bezugsfertig. Jede Wohnung Hot selbstverständlich ein Söd. Ein großes Zentralwaschhaus, in dem die Vierwochenwäsche einer Familie unter Aufsicht der Haussrau innerhalb duei Stunden gewaschen, getrocknet und ge- mangest wird, sei besovders hervorgehoben. 1939 sollen weitere 144 Wohnungen geschaffen werden. Um das notwendige Kapital für das Bauvorhaben quszubringen, muß der Genossenschaftsanteil von 59 M. auf 399 M. erhöht werden. Ein Ratenzahljqstem wird aber die Einzahlung etjeichtern. In der am 3. Juni im Real- gymnastum, Neukölln. Kviser-Friedrich-Stroße 298/219, stattfinden- den Generalversammlung werden die Baugenoflen der„Ideal" über die Erhöhung beschließen. In der Diskussion kamen so recht lebhast die Klagen der Wohmmgslosen bzw. der Untermieter zum Ausdruck und manches derbe Wort siel über das buceaukrotifche System der amtlichen Wohnungsmirtschaft. Der Geschäftsführer der„Einfa" Genosse Groß gab über die Ber- gebung der Wohnungen Auskunst. Da der Bau mit Haus- zinsfteucr und Zusasthypotheken beliehen ist, können die gegenwärtig im Bau befindlichen Wohnungen nur an solche Genossenschaft»- Mitglieder mrgeben werden, die Über eine wieder vermietbare Alt- wohnung verfügen oder auf dem Wohnungsamt als besonders dringende WohnungÄrewerber eingetragen sind. Hierbei ist es gleichgültig, in welchem Wohnungsbereich das Mitglied seine Alt- wohnung besitzt. Die Genossenschaft will aber auch für die Mit- glieder Wohnungen sdhoffen. die nicht im Besitz einer Altwohnung ind und propagiert eifrig den Gedanken der Neugliederung der hnungswirtschast. Tuberkulöse als Wohnuugsucher. Tuberkulosekranke sollen bei der Wohnungszuweisung bevor. u g t werden. Di« Bezirksämter sind, wie aus einer Antwort des "agistrats an die Stadtverordnetenversammlung hervorgeht, durch eine Rundverfügung vom 21. Dezember 19A ersucht wordbn. Wohnungsuchende mit ansteckender offener Tuberkulose sofort in die Vordringlichkeitsliste einzutragen. Die Wohnungsämter arbeiten schon seit langer Zeit Hand in Hand mit den Gesundhetts- ämtern und den Übrigen Fiirsorgestellen bei der Auswahl der inög- lichst schnell in st einer gesunden Wohnung zu versorgenden Tuber- kulosekrankcn- � Millionen können sieh nicht irren! Mll Honen tragen bereite SßSser- Schübe und wissen warum. Neue Millionen werden letzt ci&scr* Schuhe tragen« well Jetzt noch billigere Preise und noch höhere Qualität durch rationelle Arbeltnnethoden, durch weitgehendste Spezialisierung, durch RiesenumsStze. i 2 OOO' M m Preisausschreiben N» Dag rotiute Sehuh'SpazIalhatu Berlins .Modell Mady" baige-ro*« mit lekt. eigene» Fabrikat�) uonders pretsveö Leinenschuhc in WeiM, Grau und Beige- rost, auch mit Louis XV.-Absali Spaziergang unter Waffer. Es gibt jetzt einen neuen Tauchapparat, nur mit den nötigsten Bestandteilen versehen, der es jedem Laien erlaubt, etwa eine halbe Stunde unter Wasser spazieren zu gehen. Das Gerät besteht nur aus einem S o ck r i n g um Brust und Schultern und ist betriebs- fertig ohne Puniponanlage. Man atmet nur aus dem Lustbehälter und füllt dann aus einer daran befindlichen Patrone Sauerstoff neu zu dem vorhandenen Luftgemeng«. Ein kurzer Schlauch fuhrt zum, Mund: ein Gummimundftück wird in den Mund gelegt! es sitzt oben und unten fest zwischen Lippen und Zähnen. Dann klemmt man sich nach beide Nasenflügel mit einer Gummiklammer fest zu, und fertig ist der Taucher, wenn man aus Blcisandalen ver- zichtet. Höchstens eine Schnur verbindet noch mit der„richtigen" Welt— im Gegensatz zu der neuen Welt, die der Betreffende unter Wasser antrifft. Dieser Tauchapparat gibt durch seine Billigkeit — er kostet nur 200 M.— und Einfachheit jedem Gelegenheit zu tauchen. Neu ist die besondere Konstruktion der Nasenklemme, die nicht mehr so leicht abspringt, serner werden keine Chemikalien mehr verwendet In 30 Sekunden kann jeder schon mit dem Gerät zum Tauchen fertig sein. Die Verwendungsmöglichkeit ist sehr groß. Für die hier im Inland normale Maximaltiese von 15 Metern steht ein« Zeit von/ 30 Minuten zur Verfügung, denn die Aufenthaltsdauer unter Wasser ist von der Tiefe, d. h. von dem stärkeren Wasserdruck abhängig. Beseitigung von Dampferhaoarien, Suchen nach„ab» gesackten"� Uhren und anderen Gegenständen und vor allem schnelle Rettung�von Menschen bei Wosferunsällen dürften die Verwendungs- Möglichkeiten sein. Gewichte sind erst nötig auf morastigem Schlamm- grund, wenn der Taucher sich darüber schwebend halten muß, wenn er den Auftrieb seines Körpers, der Beine, des Kopfes, auf ein Minimum beschränkt. Der Apparat wurde durch die Spezialfabrik für Taucheraus- rüstungen„Drägerwerk" im Lunaparkwellenbad einem Inter- cssentenkreis vorgeführt, und einer, der den Apparat noch nie er- probt hat, konnte sich mit ihm 30 Minuten mit Unterbrechiingen unter Wasser halten. In den Sternen steht es geschrieben... Astrologie, eine Scheinwissenschaft, wie Materialismus und Naturwissenschaften behaupten; und doch hat sie durch Tausend« von Jahren die Köpfe der Forscher beherrscht! Herr F r ö h l i n g vom Forschungsinstitut für Okkultismus betont in seinem Dortrag „Die Feststellung der Bcrusrbsgabung durch das Horoskop", daß zwischen Himmelskonstellationen und Erde B e- ziehungen bestehen, die feststellbar und registrierbar sind, z. B. der Einfluß der Sonnenflecken, der Mondstrahlen bei Ebbe und Flut, Zusammenhänge zwischen Gewitterbildung und Epilepsie u. a. Es gehört eine stark« Gläubigkeit dazu, nicht nach den Voraussetzungen zu fragen, wenn der Vortragende weiter sein astrologisches System entwickelt! Manchmal wird es ulkig. Die Deutung dieser kompli- zierten Berechnungen ist nur dem Astrologen gegeben, es ist mithin sein« Brotfrag«. Ein Horoskop kostet durchschnittlich 50 M., und damit bleibt auch die Frage nach dem Schicksal für die meisten unbeantwortet. Es sei gesagt: Es eignen sich„Widder- menschen", also solche, die unter dem Himmelszeichen„Widder" geboren wurden, für Führerposten. Der„K r e b s" hat mit Flüssigkeiten zu tun, macht also Fischer, Apotheker und ander« Berufe. Der„M a r s" deutet auf scharfe Instrumente hin, also auf Berufe wie Metallarbeiter und Schlächter. Zusammenfassung: Blühen- derDlödsinn! Oer Muskauer park bedroht? Tendenziöse Meldungen. Die Stadt M u s k a u plant die Eingemeindung des berühmten Muskauer Parkes, hierzu schreiben uns unterrichtete kreise: Unter der Ueberschrift„Der Muskauer Park bedroht" bringen die Tageszeitungen unter Hinweis auf die Zeitschrist„Denkmals- pflege und Denkmalsschutz"«inen Artikel, wonach der dem Grafen Arnim gehörende Muskauer Part durch die hoffentlich recht bald erfolgende Eingemeindung ernst- l i ch bedroht sei. Man geht wohl nicht fehl, wenn man be- hauptet, daß von interessierter Seite diese Nachrichten mit ganz bestinimter Absicht in die Zeitschrist hineinlanciert Ihre Nerven brauchen Baldrarnent, ein Pflonzenprodukt von grober Heilwirkung, die natürlidie Nervenmedizin gegen nervöse Störungen, Erregungen, unruhigen Schlaf, SdUafioslglüit. SchwindelanfäUe. Beklemmungen und Herzschwäche, die Grundursache vieler körperlicher u. Nervenleiden. Fl. M 1.50 u. 2.50, In Drog. u. Apoth., sonst durch Otto Reichel, Berlin 43 SO, Elsenbahnstr.' worden sind. Es gehört wohl ein ganz naiver Kinderglaube dazu, anzunehmen, daß durch die Eingemeindung des Parks eine Ver- schandelung des Parks erfolgen würde. Eine Der- schandelung ist zwar schon erfolgt. Dadurch, daß Parkteile stark ausgeholzt sind, wie übrigens der ganze Park stark gelichtet ist. Geht das so weiter, so kann man mit Bestimmtheit ausrechnen, wann der letzte Baum gefallen sein wird. Daß die Sradt an der Erhaltung des Parkes wie des Bades ein großes Interesse hat. beweist wohl am besten� die Tatsach«, daß sie für Instandsetzung des Bades ein« größere Summ« zur Verfügung gestellt hat. Damit dürften alle anderen ausge- streuten Gerüchte am besten widerlegt sein. Rose-Theater Im Garten. Im Rose-Garten steigt das tra- ditionelle Sommerprogramm, die Alt-Bcrliner Spezialität. Da sitzt man mit Kind und Kegel fröhlich nachmittags bei Kaffee und mit- gebrachtem Kuchen, und die Musik liefert ein« angenehme Würze der Unterhaltung. In den Spätnachmittagsstunden setzt dann der Varieteteil ein, der diesmal von dem Musikal-Akt Terry R i e d w e l l Co.. dem gewandten Handschattenspieler A v« l o und dem lustigen„August" Willy B u s s o n zur allgemeinen Zufrieden- heit bestritten wurde. Wieder folgen allerlei fröhliche Musikstücke, und am Abend bracht« der unverwüstliche„W alzertraum" viel ' Stimmung und Humor. Saluta von Kobylanska, die neue Primadonna des Hauses, führte sich sehr gut ein. Erna Kerstens verlieh dem lieben Wiener Fratz, der Geigerin Franzi, flotte, sym- pathische Züge. Hans Rose als trottulofer Fürstenvetter, Karl G ü l l i ch, Paul Richter-Wouer und HUde H o f e r vervoll- ständiaten das flotte, quieklebendige Ensemble. Inzwischen hat sich das Publikum der Mütter und Kinder um die nach und nach ein- trudelnden Väter und Söhne vermehrt, Stullen werden ausgepackt und mit viel Appetit verzehrt, da steigt ein Bier, dort zischt eine Brause in gelb oder rot, und bis in die späten Abendstunden ver- gnügt man sich hier in harmlos-fröhlicher Weise. Gefährliche Filmerei. Deutsche Schlitteuexpedition auf Spihbergen vermißt. „Astenposten" meldet aus Spitzbergen: während der Aufnahme eines Eismeerfilms, den eine deutsche Gefellschaft hier dreht. zog eine Schlittenexpedition am Sonntag, dem 26. Mai. über das Packeis. Die Führung lag in den Händen de» Deutschen Hugo L e h n e r. Ein plötzlich austretender Schneesturm verhinderte die Expedition, am Montag zurückzukehren, von Lord der„Hobbywurden drei Expeditiouen ausgesandt, die aber sämtlich unver- richleler Dinge zurückkehrten. Man nimmt au. daß Lehner die Richtung auf die „Hobby" verloren hat. Da aber die Expeditionsteilnehmer gute Skiläufer sind, hofft man. daß es ihnen geglückt ist. sich in Sicherheit zu bringen._ Länderkampf Oefiefreich-Oeutschlanö. Wien, 1. Juni.(Eigenbericht.) Der Länderkampf Oesterreich— Deutschland, dem viele Tausende folgten, endete mit dem Siege Oesterreichs 5: 3. Halbzeit 2: 0. Die Reichsdeutschen boten überraschend gut« Leistungen, chr Tormann wurde, ohne Verschulden des Gegners, bei einem Zusammenstoß verletzt, jedoch unerheblich, so daß er dem weiteren Spiel noch zu. sehen konnte. Potsdam erhält Krematorium. .Die Potsdamer Stadtverordnetenversamm- lung bewilligte den völligen Umbau des Potsdamer Schauspielhauses einschließlich des Schinkel-Saales. Das Projekt beläuft sich auf 400 000 M., wovon die Stadt und der preußische Staat etwa die Hälfte aufzubringen hoben. In der noch- maligen Abstimmung über die Vorlage zum Bau des Krema- t o r i u m s wurde die gesetzliche Zweidrittelmehrheit erheblich über- schritten, so daß Potsdam nunmehr endlich die seit Iahren ge- wünschte Derbrennungsanstalt erhält. Sprechchor für proleiorifche Jeler(Innben. Die Uebungistunde muh in dieser Woche am DienSlag. dem 4. Juni, abends 7>/, Uhr, im GesangSsaal der Sophi-nschule, Weinmeisterstr. lS-l?, stattfinden. Beraniworilich für Politik: Dr. Snet Geyer: Wirtschaft:®. ftlingtlböfct; Sewerkschoitsbcwcaung: 3. Steiner: ssenillewn: Jt K. Döfcher: Lolales und SonAses: Fritz Sarstädt: Anzeigen: Th. Stacke: stimtlich In Berlin. Berlag: Vorwärts-Berlag<8. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwarts.Buchdruckerei und Berlagsanckall Paul Einger u. Co.. Berlin EW. SS. Lindcnltro�e Z. Hierzu 4 Beilagen,»UnterhaUnag und Wissen' und.Fraurustimme'. WeiOe Zähne: Chlorodont WERTHEIM Leipziger sfr.(Versand-Abt) Königstraßa Rosenthaler Str. Moritzplatz Fernsprecher: Zentrum 8640 Kupfergrab. 0055 Norden 9830 MoritzpL 14721 Mode-Album Werfheim (Portofreie Zusendung nach Eingang von 45Pi.) Pt Lyon-Schnittmuster m allen 4 Geschäften Waschstoffe Gestreifter Zephir 38 p» echtfarbig, Meter' Dirndl-Zephir ROrc indanthrenfarbig, lebhafte Karomuster, Meter Wasch-Kunstseide 85 p, bedruckt, Meter* Trikolette 95 n. Bedruckt. 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In diesem Jahre hatte der Verband, der das Jahr 1928 mit 83 908 Mitgliedern abschloß, eine Einnahme aus Beiträgen von 6 823 372 M., dazu kommen 492 224 M. aus Zinsen usw. Das DermSgen des Verbandes stieg in dem«inen Jahr von 6 770 604 M. auf 8 336 964 M., also Um mehr als IX Millionen. Dazu kommt noch der Vermögensbestand der Gau-, Bezirks- und Ortskassen sowie der Zentralkommifsionen der Sparten von 3 643 467 Mark. Der Verband der Buchdrucker hat also ein Vermögen von rund 12 Millionen Mark oder von nahezu 150 Mark auf den Kopf der Mitglieder. Wenn man berücksichtigt, daß dieses Vermögen im Laufe der letzten fünf Jahre angesammelt wurde, denn Ende 1923 war mit dem Zusammenbruch der Mark auch der Vermögensbestand des Buchdrucker- verbände» verschwunden, dann kann man ermessen, in welch«n Aus- maß die Buchdrucker gewohnt sind, auch finanziell ihre Solidarität praktisch zu bekunden. Denn der Buchdruckerverband begnügt sich nicht etwa damit,«in großes Vermögen anzusammeln. Man braucht nur die einzelnen Ausgabeposten durchzugehen, um sich Rechenschaft abzulegen von der großartigen Leistung dieser Gewerkschaft für alle seine Mtglieder in jeder Lebenslage. Cs wurden ausgegeben von der chaupwerwattung für Arbeitslosenunterstützung 1 023 289 M., für Reiseunterftützung 152 932 M., für Krankenunterstützung 1267 326 Mark, für Jnvalidenunterstützung 1 287 346 M., für Begräbnisgeld 187 384 M. Der.Korrespondent", der zweimal die Woche erscheint und den Mitgliedern kostenlos zugestellt wird, erforderte ein« Aus- gäbe von 300 880 M. Dazu kommen noch die weniger hohen Aus» gaben für Streikunterstützung, Maßregelungsunterstützung, Umzugs- tosten, Rechtschutz, Bildungszwecke usw. Zu rühmen ist, in welch vorbildlicher Art der Buchdruckerver- band für sein« Alten sorgt. Nicht weniger als 2422 Invalide er- hielten am Schluß des Jahres ein« täglich« Unterstützung von 1,20 bis 2 M. Di« Mitgliederzahl erhöhte sich von Ende 1927 bis Ende 1928 von 81 305 auf 83 908 oder um 3,2 Proz. Wenn die Zunahm« prozentual und absolut nur gering erscheint, so liegt da» vor allen Dingen an der ausgezeichneten Organisation. Es gibt nicht mehr viel unorganisiert« Buchdrucker. Sehr stark ist die Lehrlings- a b t e i l u n g, die Ende 1928 nicht weniger als» 17 327 Mitglieder zählte. Es ist allerdings zu bemerken, daß der Buchdruckerverband es sich etwas kosten läßt und nicht nur eine eigen« Zeitung für die Lehrlinge herausgibt, sondern durch Bildungseinrichtungen ufw. di« Lehrlinge heran- und zu Gewerkschaftern erzieht. Für die Stärke der Organisation spricht es, daß im gangen Jahr nur 939 Mitglieder streikten oder ausgesperrt wurden, womit keineswegs gesagt sein soll, daß der Verband die Interessen der Mtglieder nicht wahrgenommen hätte. Nicht weniger zeugt es für die Stärk« der Organisation, daß di« Tariflöhne der Buchdrucker tatsächlich Mindestlöhne sind. Der Ler° band Hot eine Erhebung vorgenommen über die Löhne und die Arbeitszeit, die sich erstreckte auf 82 406 Gehilfen, wovon 92,5 Proz. Mitglied des Verbandes waren, 3,5 Prag, der christlichen Organi» sation angehörten und nur 4,2 Proz. unorganisiert waren. Die Erhebung ergab, daß 93.4 Proz. aller Gehilfen 48 Stunden und 6,4 Proz. weniger als 48 Stunden die Woche arbeiteten. Ueb«r 48 Stunden hat also niemand gearbeitet. Den Tariflohn erhielten 16,9 Proz. Alle anderen, also rund 83 Proz. der Gehilfen, wurden übertarifllch bezahlt, und zwar bis über 30 M. über dem Tariflohn, davon 38,1 Proz. der Gehilfen mehr als 8 M pro Woche über dem Tariflohn. Dies« kurzen Zahlen und Angaben zeigen, daß der Der- band der Buchdrucker nicht nur finanziell die bestfundierte Gewerk- schaft Deutschlands ist, sondern daß er auch an der Spitze marschiert» wenn es gilt, die Interessen materieller und moralischer Art ferner Mitglieder wahrzunehmen. Lohnabbau, die patentlSsung. Konflikt in der sächsischen Glasindustrie. In der Weißalasindustrie des Freistaates Sachsen Hai sich der Streit um die Neuregelung der Löhne m der Vsrbandsgrupve IV des Schutzverbandes Deutscher Glasfabriken so zugespitzt, daß di« Differenzen allem Anschein nach nur noch durch eine Machtprobe aus der Well geschafft werden können. Auf Anweisung chr« Verbandsleitung sowie auf Grund eines ein- stimmig geiaht«» Beschlusses der Vertrauensmänner haben die in Akkord bcfchäftigten Glasmacher und Schleifer der Betriebe Brockwitz-Eörn«witz mit Abteilung Ottendorf, Firma August Walther u. Söhne, Ottendorf. Glasfabrikation vorm. Gsbr. t) offmann in Berns dorf und Firma Gebr. Elb enstein und Sachsenhütten in Bischofswerda di« Kündigung eingereicht, weil der Schutz- verband Deutscher Glasfabriken einen Lohnabbau von 5 bis 7X Prozent gefordert hat. Will man die Unternehmerforderung in ihrer ganzen Drerftig- keit begreifen, dann muß man sich die Löhn« in der Verbands- gnippe Iv der Weißglasindustrie vergegenwärtigen. Die Lohnsätze der �ilf»- und Nebenarbeiter und Arbeiterinnen dieser Gruppe ge- hören zu den niedrigsten des Verbandsgebietes. So erhallen z. B. die männlidKn Hilfs. und Nebenarbeiter über 22 Jahr« in der Ortsklasse 1: 69 Pf. pro Stunde, in der Ortsklasse II: 62, III: 65 Pf., die Arbeiterinnen über 20 Jahre in der Ortsklasse I: 43 Pf., II: 37 und III: 34 Pf. und die jüngeren Arbeiter und Arbeiterinnen ent- sprechend weniger. Diese Arbeiter sollen nun noch 5 Proz. billiger arbeiten, da ihr« Löhne nach der Behauptung des Schutzverbandes für die Industrie untragbar sein sollen. Der Schutzoerband stellt sich selbst das größte Armutszeugnis aus! denn«ine Industrie, die Hungerlöhne kürzen muß, um existieren zu können, ist nicht mchr zu rellen. Vielleicht liegt das Hebel aber weniger an der Weißglasindustri« selbst als an den Leuten, die sie leiten. Vielleicht wäre es vorteilhafter für diese In- duftrie, wenn die fjerren. die nicht imstande sind, chr« Betrieb« zu modernisieren und bei angemessenen Löhnen rentabel.zu halten, ihre Arbeit«instellten. In der Weißglasindustrie des Konfliktsbezirks herrscht seit langem ein starker Mangel an Fachhils«- arbeitern. worunter die im Akkord arbeitenden Glasmacher besonders zu leiden haben. Dieser Mangel erklärt sich nur aus der erbärmlichen Entlohnung. Haben doch z. B. Glasmacher-, Schleifer- und Formenmachergehilfen, die zum Teil eine dreijährige Leh'zeit hinter sich haben, einen Lohn von 4,62 bis 6,93 Mark pro Schicht. Preßglasherausnehmer und-ausschütier haben 4,16 bis 5,89 M. pro Schicht, Külbelmacher 3,57 bis 4,73 M., Einträger 2,60 bis 3,92 M. An solchen Löhnen will nun der Scbvtzverbond ebenfalls einen Lohnabbau von 5 Proz. vornehmen. Uno wie steht Woche bei 48 Stunden Arbeitszeit; nach den Feststellungen der Gewerkschaften im Februar nur rund 59 MI Diese jämmerlichen Löhne weEben wohlgemerkt in einer ge- sundheitsschädlichen Industrie erarbeitet. Im Sommer bei einer furchtbaren Hitze und im Winter bei lebensgefährlicher Zugluft, das ganze Jahr über unter den schädlichen Einwirkungen von Dämpfen und Giftgasen. Der Glasarbeiter, der nicht frühzeitig die Schwindsucht bekommen soll, muß kräftig essen und eine gesunde Wohnung haben.— Beides kostet Geld. Der im Lohnstreit gefällte Schiedsspruch ist von der Tarif- kommission und den Vertrauensleuten abgelehnt worden, weil er absolut unzulänglich ist. Er sah nur eine Lohnerhöhung für Zelt- lohnarbeitergruppen vor. Die Einteilung der Fachhilssarbeiterlöhne in Alters- und Leistungssspannen wurde im Schiedsspruch bei- behalten. Eine Frist, innerhalb der der Arbeiter die Höchstspanne erreichen muß, war ebensalls nicht vorgesehen. Der Schutzver- band hat den Schiedsspruch angenommen und Verbindlich- keitserklärung beantragt. Die Nachverhandlungen beim Reichsarbeitsministerium find gescheitert. Der offene Kampf wird ausbrechen, wenn der Schutzoerband seine bisherige Stellung nicht aufgibt. Er trägt die Verantwortung für die Folgen des Kampfes. ZPD.-Vtetsllsi'dslts?! DleiuU*, 4. stiBl, 19 Uhr. Ib den SophleuSIca, Sophiradrag« 17-1S VoliversBrnrntung aller•SPD.«Mclallarb«Iter Tagesordnung; 1. Referal des Genossen Franz Qutschmldt (Iber„Wobnongnririsdiaä Im Rahmen der Kommoae Berlin". 2. UeUnagnahme zur GeacratrerMmmlimg.— Voüzühli»es Erscheinen aller Genossinnen und Genossen erwartet[ Der Fraktionsrorslaad. VerbandstaK der Gafiwirtsgehilfen. Einführvag der Jnvalidenunterstützung beschlossen. Der Verbandstag der Gastwirtsgehilfen hat prinzipiell die Einführung der Invaliden« und Allersunierstützung mit VierkünftelmasoritSt beschlossen. Der Verband betritt mit diesem Beschluß Neuland. Deshalb haben die Delegierten die zur Alters und Jnvalidenunterstützung gestellten Anträge der Hauptverwaltung einstimmig angenommen, da zunächst nur die Erfahrung zeigen kann, ob der Verband mit den vorgesehenen Beiträgen und Leiswn gen durchkommen wird. In der Aussprache kam deutlich zum Aus- druck, daß die Illusion unter den Gastwirtsgehilsen, ihr Beruf sei nur ein Uebergangsstadium zum selbständigen Gastwirt, mehr und mehr abstirbt. Mit dem Verschwinden dieser Illusion wuchs das Verständnis für die Bedeutung der Alters- und Invalidenversiche rung. Die Beratung über Statut und Unterstützungreglement zeigte von neuem, daß die Hauptverwaltung für den Verbandstag gründ lichc und gewissenhafte Vorarbeit geleistet hatte. Sie war bemüht. die Statuten den vom ADGB. ausgestellten Richtlinien anzupassen. Unter Ablehnung der zahlreich eingelaufenen Abändeningsanträge wurde der gesamte Statutenentwurf der Hauptverwaltung ein st immig gutgeheißen. Recht schwierig gestalteten sich dagegen die Verhandlungen über die Statutenänderungen, die aus die Schassung einer gesondert verwalteten Sterben»ter- stützungskasfe abzielten. Auch in den Kommlssicmsberatungen tonnte eine völlige Einigung nicht erzielt werden. Den demokratischen Grundsätzen getreu, fügte sich jedoch die sehr starke Minderheit den Mehrheitsbeschlüssen. für Lohn- und Tarispolittt wurden.zwei Ent ungen angenommen, die von Riemann erörtert worden waren. Der Verbandstag wendet sich darin gegen die Beschränkung der Verbindlichkeitserklärungen, wobei daraus hingewiesen wird, daß di« Unternehmer des Gestwirtsgewerbes im Jahre 1928 selbst in erheblichem Maß« die Verbindlichkeit von Schiedssprüchen beantragt und auch durchgesetzt haben. Die Zweigvereine werden verpflichtet, für den Ausbau der Tarifvertrage zu sorgen. Die Ver- suche der Unternehmer, in den Soisonorten den wöchentlichen Ruhe- tag zu beseitigen oder den Ruhetag summarisch an den Schluß der Saison zu verlegen, werden scharf zurückgewiesen. Di« internationale Verbundenheit der Gast- w>:rtsgehilfen kam in der Schlußsitzung des Derbandstages am Sonnabend noch einmal recht deutlich zum Ausdruck. Der Vertreter des belgischen Verbandes teilt« mit, daß gerade m diesen Tagen in Belgien die Polizeistunde verlängert worden sei und zwar nicht zuletzt deswegen, weil sie in Deutschland vielfach praktisch so gut wie nicht mehr existier». In Belgien wolle man mit Hilfe eines auf Kosten der Angestellten künsttich geschaffenen Nachtlebens Fron- ,zosen und Engländer nach Brüssel oder Ostend» locken. Di« Folge davon sei, daß es in England und Frankreich bei der Erörterung der Reparationssrage jetzt heiße: Was wollen denn diese Belgier, es geht ihnen doch ganz gut. Die gesainte Hauptverwaltung wurde in ihrer bisherige» Zusammensetzung wiedergewählt. Sie besteht aus Rudol, Ströhlinger, Verbandsvorsitzender, Johannes Altermann, Hauptkassierer, Moritz Richter, Redakteur, Gustav Riemann und Gustav Salle, Sekretär«. Dem Derbandsvorsitzenden wird mit Rücksicht aus sein Alter und sein« Verpflichtungen als Mitglied des Reichsw-rfichaftsrates und als internationaler Sekretär eine Hilfskraft zur Verfügung gestellt. An Stelle des verstorbenen bis- herigen Vorsiizenden des Verbandsausschusses wurde Jfrcij' Frankfurt a. M. bestellt und damit zum erstenmal seit dem Besiehe» des Verbandes der Sitz des Ausfchusses von Hamburg wegoerlegt. Ströhlinger wurde für sein« Bereitwilligkeit, nochmals die Würde de« Vorsitzenden zu übernehmen, vom Verbandstag herzlich gedankt, Kein Streit im Kohlengroßhandel. Oer Schiedsspruch von den Arbeitern angenommen. Wie im„Abend" am Donnerstag bereits mitgeteilt wurde, war für die Arbeiter im Berliner Kohlengroßhondel am 17. Mai ein Schiedsspruch gefällt worden, wonach die Stundenlöhne der ständigen Arbeiter von 1,20 M. auf 1,2 5 M. erhöht und der von der Organisation gleichfalls gekündigte Manteltarif um ein Jahr verlängert werden soll. Das Lohnabkommen soll bis zum 30. April 1930 gelten. Die im Verkehrsbund organisierten Berliner Kohlenarbeiter haben in den Betrieben eine Urabstimmung vorgenommen, die die Annahme des Schiedsspruches ergeben hat. Da der Schiedsspruch vom Verband Berliner Kohlenhändler abgelehnt worden ist, wird der Verkehrsbund am Montag beim Schlichter seine Verbindlichkeitsertlärung beantragen. Internationale Arbeitskonferenz. Gedächtnistundgebuag für Sunyatsen. «Senf, 1. Juni. Die Internationale Arbeitskonserenz hat in ihrer heutigen Voll- sitzung nach angeregter Aussprach« beschlossen, die Frage der Zwangsarbeit in den Kolonien am nächsten Montag in öffentlicher Sitzung zur Debatte zu stellen. In der heutigen Ge- kür den Sommer: leid ist führend, 01f0 billig""dg«« e n n i s k I e i d weiOer Natt«(Panama), mit___ Krawatte; aportaerecWerorm,(y/ Z Kl Aid(ralntaldaner) Tolle da aola, rosa, mittel- O/ISO bleu; flotte sportl. Formel Nachmittags kl ei d (relnseldanor) Tolle de aole, In neuzeitlichen Farben, mlt_Ä__ reicher HohlnahtarDelt~«QOO und mit Faltenrock.* W w Gartenkleid auch Wochanendhleld(Indanthren) kleidsame AutfOhrune. QQO aus neuen Druckstoffen.« O «ueoastrelftem Baumwoll- IQSO Beiderwand............■»»w Voile(Kunstseide) neue bunte Blumen«___ 560 Beiderwand Halbwolle(Indanthren) einfarbig und bunt gastralft, für Gebirge, Strand und__ Sport, Breite 70 cm"JOO m J( 2.30 und am Damenstrümpfe Kunatselde, vorzGgllch« Ware, viel« achSne Farben Bemberg-Sllber- Stempel...........- Bemberg-Silbar- atempel Merk« LBO. 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LEIPZIGER STR. 20-2 2•KURFORSTENDAMM 2 27 Auf Wunsch Mona fsra tan schaftsar!>wmgsd«Valle war floh mlibthmn Seiten da? Sefhefcen hsworgetreten. die Beratung dieser Fragen safart einem Spevol- (rusftjuh der Konferenz zu übergeben, der nicht ösientlichl geragt hätte. �. Ohne Ausspräche wurde der Vorschlag des Derwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes zum Beschluß erhoben, wonach auf Wunsch eines Fünftels der Mitgliettv einer Kommission die Verhandlungen in einer anderen als in beiden offiziellen Sprachen geführt werden können. Damit ist die Praris bestätigt worden, d:e bereits in den lestten Iahren bei Anwendung der deutschen Sprache in den Ausschüssen sich bewährt hat. Anläßlich der heutigen Beisetzung der sterblichen lleberrest« Sunyatsens in dem in Nanking errichteten Mausoleum empfing das Präsidium der Internationalen Arbeitskonferenz die chinesische Delegation, der Präsident Dr. Brauns Gefühle der Sympathie zum Ausdruck brachte. Diretwr Albert Thomas feierte die Rolle des Erneuerers der chinesischen Notion. Streikerfolg der Asphalteure. Der Streik der Asphalteure ist nach I-ltägiger Dauer unter folgenden Bedingungen beendet worden: Die Stundenlöhne werden ob 4. April in sämtlichen Ldhnstusen um 6 Pf., und ab 3. Okiober bis 31. März 1930 nochmals um 4 Pf. erhöht. Die Verhandlungen über den Neuobschluß des Manteltorisoertrages werden fortgesetzt. Bis zu seinem Abschluß gilt der alte Manteltarisoertrag weiter. Maßregelungen dürfen nicht vor- genommen werden. Die Teilnahme am Streit gilt nicht als ArbeitZunterbrechung. Die Betriebsveriretungen bleiben im Amt. Die Unternehmer sind gehalten, den Facharbeitsnachweis der Asphalteure bei Einstellung zu benutzen. 400 Betriebsräte der Werksarbeiter in Berlin. Die deutsche Ausstellung„Gas und Wasser' in den Berliner Ausstellungshallen am Kaiserdamm bringt für den Fachmann reiche Haltioez und lehrreiches Material. Deshalb hat der Hauptvorstand des Verbandes der Gemeinde- und Etaatsarbeiter auf Anregung der Reichssektion GEW-Werke die Betriebsräte dieser Werke ausgefordert, sich mit ihrer Direktion in Verbindung zu setzen, um diese Ausstellung besuchen zu können. Di«üx Aufforderung, die auch von dem deutschen Berein der„Aas. und Wasserfachleute' unterstützt wurde, hat«inen freudigen Widerhall ausgelöst. Etwa 400 Betriebsräte hoben ihre Ankunft in Berlin zum Sonntag, den 2. Juni, angemeldet. Die Ortsverwaltung Berlin des Berbandes har alle Vorkehrungen getrosten, um den Betriebsräten ihren hiesigen Ausenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Tabakarbeiierstreik in Bulgarien. \ Kommunistisches(Streikgeld zurückgewiesen. Sofia, 1. Juni. fEigenbericht.) Der Tabakarbeiierstreik in Südbulgarien breitet sich aus. In Philippopel und Staniniaka erklärten sich die Tabakardeiter mit den Streikenden solidarisch. Die Gesamtzahl der Ausständischen ist auf über 20 000 gestiegen. Di« Unternehmer lehnen nach wie vor jede Verhandlung vor Wiederaufnahme der Arbeit ab. Die Regierung entlandle Ins Streikgebiet einen Vermittler, besten Bemühungen bisher erfolglos waren. Di« Polizei verbietet jegliche Ber- jammlung der Streikenden. Die kommunistische Arbeiterpartei hat den Streikenden«In« Unterstützung von 500 000 Lewa angeboten, die jedoch zurückgewiesen wurde. Die Bevölkerung stelst mit ihrer Sympathie ungeteilt auf der Seile der Streitenden. Selbst ein so ftranim rechts ge- richtetes Blatt wie„Sora' verlangt Berücksichtigung der Arbeiter- fcrderupgen durch die Industriellen und den Staat. Das Blatt be- dauert, daß die Unternehmer es zum Streik haben kommen'.lasten. Maßregelung der pariser Briefträger. Ports, 1. Juni.(Eigenbericht.) Di« Streikbewegung der Postbeamten, die am Freitag fünf Stunden lang wegen eines Gehaltsabzuges in Höhe von 24 Franken die Arbeit niedergelegt hatten, scheint nunmehr zu einem Kampfe zwischen der Regierung und den Postbeamten führen zu sollen. Die Regierung hat am Sonnabend bcschlosten, diejenigen Vriesiröger, die ihre anderen Kollegen zum Streik oeronlasten, mit vierwöchiger Ausscheidungvom Dien st« und Gehalt»- entziehung zu beftrosen. Die Postgewerkichaft dürfte kaum ver- fehlen, zu dieser drakonischen Maßregel energisch Stellung zu nehmen. In der Kammer ist bereit» ein« Interpellation über die Angelegenheit eingebracht worden. 3m sächsischen Steinkahleberqbau finden die Lohnoerhandlungen am Montaa, den» 3. Juni, in Dresden statt. Die Berhandlungen leitet der Schlichter für Westfalen, Regierungsrot Dr. B r a h n. Zw Lohnslreil de» rheinisch-weslsälischen Mühlengewerbes wurde ebenfalls ein Schiedsspruch gefällt. Danach wird das zum 31. Mai gekündigte Lohnabkommen ab 1. Juni mit einer Er» böhung gesetzt. der Lohnsätze um 3,5 Proz. wieder in Kraft Aufgehobene Sperre. Wie uns h» SentrafeetBoch ha Botel., Restaurant, und Cafä-Angestellten mitteilt sind die Differenzen mit dem Restaurant.�yfflsäuser'. Inh. Georg Rosenbe schöneweide, beigelegt. Die Sperr» ist ausgehoben. berg. t,V9.-9tMiU1nSan Ws»«»iilteert»»«m»UN. log. 3. Juni, 19 Uhr, im Lokal öolema, Rtinick-nd»rk.W«st, Humboldt. Eck« Bkilin«r Ltratz«, FrailianoversammUins alle« im B«zirl»int IX tätig««(fi«no(T«n, Ard«it«r, Äng«ll«llten und»«muten. Zag««ardnung: ......""~" Jtom. Itions. Taglingoordnung» G punkt dl« graktian»er Stadtverordnetenneuirähl und bei für uns hierbei notwendigen«rdeit Etellung n«hinen soll, ift da« Ericheinen jede« dienstfreien Senosien erforderlich. Der tzeavioaooarftand. lätiaen Genossen. Arbeiter, Angestellten und»«mnten. iögesoronun; 1. Bortrag des Stadtorrordneten Genossen Hermann Lein perl: �Kon munalpolitische tzraaen 2. 2>i»!ussi-n. S. Neuwahl des Fraktion! Vorstandes. 4. Verschiedenes. Da unter dem erst«» Tagungsordnung! Stellmacher an» Sarosseriebane»! Die Berirauensmänneroersammluns der Dranche findet Mittwoch. Z. Juni. 10 Uhr. bei Hummel, Evphienstr. 5, statt. Deatlcher Sal�rbcttrroalian». Deutscher«ekleiduogaarbetter.verban», Filiale Seeli». Für all» in der Herren, und stnabenkonfeltion Beschäsligten Diensiag, 4. Juni. lSih Uhr, in werden.—---- i lagung de» Zteichstartkvrr» »�reie Gewerkschafis-Iugend Groß-Verlin Morgen, Montag, folgend« Deranftaltung: Sprech. char: Svrrchchorprob« um UM Uhr im Saal ll he» E und«- Gewerkschaft! Eingang Hos recht» parterre weg un e ltshauf! -». ' chori" Sprechchorprob« um iVri Uhr im Saal 11 ckngeluser 24—28 sSoalgebäudel, )aflendsirupve Ve6 Zentralverbandes Ver Angestellten Morae Monlaa. finden solgcnde Veranstaltungen statt: Destel- n-»! Neinickendors! Jugendheim Neinickendors.vft, Lindauer Straße. Baracke. «ruppenbespiechuug.—«edding: Jugendheim Turiner Eck» S-estraße peia, f>.rm.tchun3, anschließend Vortrag:.Ein Tag im StrasgefangNi«. Referent >Im Lewinsk!— Norden: Jugendheim Sastanienallee 81. Heimbesprechung. ichteuh-ea: Jugendheim Guntcrstr. 44. Srupp-nb-fprechung.— Arbau- Augendbeim Hobreäilstraße, Eck« Sandersiraße. Ausspracheabend, anschließend ......._ 2VockeaproArsmm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 2. Juni:. «.»: rrDhkootert. 8J8: Lton«e»«>ochen spiel«er PeiLväamtr Oamison- Urdie.»i Morgenfeier. Us Millotekonreri. 14: SchetifoBlc. I4J»: F4r«au Landwirt. HU«: Mlrohen. IAi Die mnsikoltMilie VolkihDcberel. 14.«: Aue der Heimat des Labyrinths. 17: linterhaltuagsmosik. I«: Haas«ad Q arten. 10.30; Wiedersehen mit Berlin.»: Zorn 60. OeborUtag Siegfried Wagners. ZO.IZ: Orcheslerkonrerl Danach Tanmmslk. Während der Paust: Bildfank. Montag, Z. Jitnl: 12. IS: Wette rmeldssgen für de« Laadwirt. ISJO: Medlaioteh�iygieaJsehe Plauderei. 14: Der SterDhlmmel Im Monat Juni. 14Jt: SprachUeha Piaade- reie». 17: Lieder. 17.38; Vlollnvortiige. IS: Paul Lindau ram 90. QehnrU- tage. IS.30: Englisch für Anfinge:. 19: Die Catwicldsng der eoropiiteJiea Llteraior in den HanptUndern. 19JO: Riehard Wagners Drama. 20: Klanv Qrnih-Pelet. 20J0: Abendunterhaitnng. 2IJ0; Sonate«oa BeeÜiOTen. Danach Tansmnsü. Während der Pause Bildfank. Dienstag, 4. Juni: 12-10! Die VierteUloiide für de» Landwirt. II-«! to der slaaOldieii Porzcilanmenufaktar. 14: Oenlea, die keine waren. 14.«: Meister der Uaasl- sehen KansL 17: Unterhaltangsmosik. 18,40: Stande mit Büchern. 18.10: Welche Aufgaben hat der Ortsaassehct Berlin des Allgemeine« Deutsche« Gewerkschafts-Bandes? 18.38: Elnlührung in die Katarphilosophie der Gegen. wart. 20: Sendespiele:„Wa die Lerche singt". Operette von Ldhar. Mittwoch, 5. Jnni: 12.15: Wettermeldungen für des Laadvlrt. 15.30: Die deutsche Haasfrau im Aasland. 14: Technische Wochenplauderei. 14.«: Küpfe der modernen WirlschafL 17: Spiele der Jagend. 17.30: UnlerhallangsinntHt.!8: Entwicklang and Zukunft der Teiliablungs-Finanrlerucg in Deutschland. 18.30: Wohin reise« wir? 20: Johann-StraaD-Abend. 21: Uebertragnnf Cbarletteabarger SchloB; Kon reit. Nach der Pause Gesinge des Orients. Danach Taarmasik. Während der Passe: Bildfunk, Donnerstag, 6. Juni: 12.30: Die Viertelstunde für de* Landwirt. ISJO: D« Kunst der EraiTi- lung. 14: Seitfen, das Dort der Holitiere. 14.30: Wertung«nd Umwertung. 17: Blindenkonte:».- 18: Ertnt Kafka»UM 8. Todealag. 18�0: Das Hilfswerk des Roten Kreu«'. 18: Kunst, Geschichte und Mode. 19.«: Die Hilfsaktion rur Rettung des Kölner Doms. 20: Ueberlragung Philharmonie: ChorkoncerL Danach Tanzmusik. W'iittend der Passe Bildfank. Freitag, 7. Jnni: 12.18: Wettermeldungen für den Landwirt. ISJO: Wj« spiegelt sich der Geist der Volker m ihren Bauten? 14: Die Technik des Eisenbahnwagens. 14.«: Deutschlands Sltllmtg in der Welttuhfahrt 17: Mag Kretser liest aas seinen Werken. AnschlieBend Teemasik. 18.40: Die 7. Berliner Tara, and Sportwocbe. 19.45: Das Wochenende. 20: lieber Iragang Städlircb« Oper Our- iottenburg;„Elektra", Tragödie von Richard SlranB. Sonnabend, 8. Jnni: Ii. 15: Wettermeldungen lür des Landwirt- IMO: Der ZafbU■ der Oc- schiefste der Entdeckungen 4nd Erflhdungest. 14: Perne Wucderweltep ui der Literatur. 14.30: Die Entwicklung des JinaJitso-Spatte in Deutschland. 17: Junges Kabarett. I'JO: Unterhaltungsmusik. 18: Aus dem Reich der Medirin. 18.30: Plan der eies nud HOrens Würdigkeiten aus der Lautbibliothek. 20: ..Reisinger contr» Resinger". ein HOr spiel tob Auditor. Danach Tanimnsik. Während der Pause Bildfunk. Danach Nachtmusik. Deutsch Ia»d$«»4«t| 20: Die Stande des Landes. 21: Konrert. Königswusterhausen. Sonntag, 2. Juni: Ab 6�0i Uebertrapjajr ans Berfbi. 18: Die Herre« ITrltikcf. ISJO: Hie Herren Theaterleiter. 19: Qe&aox der Vojjel. Ab 20: üebertraieni aas Berlin. Montag, 3. Juni: 14: Englisch fkultorkandlich-literarische Stande). 14.«: Anfinge«ad erste Entwicklung der Oper in Itailea. 17: Uebrrtragung aas Berlin. 18: Verkehrs. Probleme in der Stadl und auf dem Lande. 18.«: Englisch für Anfänger. 18.55: Drusch vom Eelde. 19.20: Deutsche Geselligkeit. Ab 20: Uebcrlrasang aus Berlin. Dienstag, 4 Juni: 14: Schfllerwander» im Geiste der ArbeiKsebale. 14.«: Mastkbeispiele rs: Geschichte der italienischen Barockoper im 17. Jahrhundert. 17: Ueber- tragung aus Lelpglg. 18: Masikverstehen.(8.10: PrancSsisch für Fortgeschrittene. 18.55: Verkehr sprnblemn In der Stadt and auf dem Lande. 18.20: Dar Gegenwartsmensch a*»f die Druekersehwlria. Ab 20; Uebertragang an» Berlin. Mittwoch, 5. Juni: 14: Plaudereien über che deutsche Sprach*. 14.30: Hugo Wo'J«!g Orchester- und Choritomponisi. 17: Uebertragnn* aus Hamborg. 18: Amerika als Geldgeber Europas. ISJO: Spanisch für Anfänger. 18JS: Die Plante« aui die Niederländer. I8J0: Praktische Völkerpsychologie. Ah 20: lieber- tragung aus Berlin. Donnerstag, 6. Juni: 14: Ertlehnngsberatunt. 14J4: Siegfried Wagner ruas SL Geborts tag. 17: Uebertregung au» Berlin. 18: Die Bedeutung der Muttersprache to der Pädagogik. 18.30: Spanisch für Portgeschrittea«. I8JS: Was mall der Landwirt vor, während uud nach der Ausführung von Drainage* beachten I l8J0t Die Bedeutung des deutschen Kaufmanaas im Aaslande. Ah 20: liebanragang ans Berlin. Freitag, 7. Juni: 14: Die Bedeutung de» Schalgarten» tir Volkse und PortkfMunrssehulü. I4J4: Einführung in Senate und Sinfonie. 17: Uebertragang aas Leipzig. I8i Die wirischaitsgeographlscheu Grundlagen des AuBenhandel.v 18-30: Englisch für Portgeschrittene. 18.55: Die Bakteriologie de» tägliche« Lebens. Ab 20: Uebertragang aus Berll*. Sonnabend, 8. Juni: 14: Aus der pädagogischen Zeltschriflenliteratar. 14.30: Das Rationallsie- rungsproblem in der Staatswlrtscbaft. 17: Uebertragang aas Hamburg. 18: Der soziale Staat and die evangelische Arbeiterschaft. ISJO: PranzOsisch für Ariiänger. 18.55: Können Fische bOren? I9J0: Staatliche Knnatpllege. 20: Deutschlandsender: Die Stunde des Landes. 21: Deutschlandsesder: Konzert. OBisz Jbszaßßmg KfkiteS$e!Ratei3L vom, ��Mmdwthk,�a»UKL-JLlcJai2tjaj,ri— fnr»Inea Stand gratla. BERLIN. KottbUSOr Damm 88 und RoSQlthSlerotraOo 9 7**>"�'300' 3p0/ Ein «e �/0' f ms�?«»]0Q ' M'rzeqenwn diesen. *50 fönSTc ."ochfhr. 00 Hk u00� �50 ÄnH , Aussuchen VeriauThurSpandauer Strasse 32 groito+ELBCTROLA P Wold feri&n"prqgrxun Marek Weber und sein Orchester/ Milftär-Märsche/ Original Bayerische Kapelle aus Tegernsee/ Lach-Couplets/ Jack Smith und neueste Tanz- schlager /Zum ersten Male: Glscomo Lauri Volpi, Italiens großer Tenor, Rudolf Bockelmann, der erfolgreiche Barlton/ Wilhelm Backhaus, DA 944 Klavier/ Fritz Kreisler, DA 1009/ Große Chöre aus Freischütz E J 427 u.a. m./ Toti dal Monte— Pertile— Glgli— Solisten— Chor und Orchester der Scala Oper in Mailand— Rigoletto— Boheme etc. Vorspiel ohne Kaufzwang. Nur RM 12,40 Vlonarsrat««. Oer anerkannt* Sommerfreund Modell: LIectrola No. 101. CLECTeOLA eBSELLSCHAPT m. b. H. BERUM WS. Lelpxlgar Str. 93; Wie, Kur- fOratardamm 35. PRANKPURT*. M.. Qoa'.hoatr. 3. KÖLN a. 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Höfliche und zuvorkommende Bedienung wird unseren Kellnern zur Bedingung gemacht. 13. Im 2 Morgen großen Garten Brunnenkuren ab 6 Uhr früh, bis zu 5 Gläsern SO Pf. inklusive. 18. Wiener Frühsfück M. 1.—. Caf& König Mint. d. Linden Herren- und Damen- Friseur-Salon Civile Preise Bi» 11 Uhr abends geöffnet. Cafe König tun Knie Künstler- Konzert nachmittags und abends. Kuchen aus eigener Konditorei Verwendung von nur guter Natur butter. Hotel P'v�AlQlAf Berlin 1 EigortOm.« Curt EI«,.»*' koD I I I ZOOLOG. GARTEN Bema Dilti ner soaniao. Ab 4 Uhr aa1 JL.'f m Leipzig«! Str.• fllezanderpiatz• FnaUetirJUiN•* BriiMaitr.» IHtoser Bamn• WUmersdorfer Sir.• Andreu�r. Nr. 253* 46. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonntag. 2. Inn, 1929 Kapitalbildung durch Lotteriereform Eine neue Quelle für die Finanzierung des Wohnungsbaus. Wir beschäftigen uns im folgenden mit einem Vor- schlag, delsen interessante Möglichkeiten ernstlich geprüft werden müßten. seit mehreren Monaten ist auch in der Oeffentlichkeit ein Reformprajett für die wohlbekannte Preußisch-Süddeutsche Klastsn- lotterie bekannt geworden, das den zuständigen Vehörden schon seit längerer Zeit zur Prüfung vorliegt und über das in allernächster Zeit eine Entscheidung gefällt werden soll. Wie die Slassenlokierie funktioniert. Die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie ist eine Einrichtung der vier Länder Preußen. Bayern, Württemberg und Baden, die all- fährlich zwei Lotterien in je zwei Abteilungen und je fünf Klassen veranstaltet. Ln jeder Lotterie werden von den Loskäufern etwa l>1 Millionen Mark eingezahlt. Von diesem Betrage erhalten dos Reich und die Einnehmer je etwa ein Sechstel, die Gewinner der gezogenen Lose etwa fünf Neuntel, die Länder einschließlich der Be- träge, die als Abfindung an alle deutschen Länder außer Sachsen und Hamburg gezahlt werden, etwa ein Neuntel. Die Gewinner zerfallen in zwei große Gruppen. Rund 80 Proz. der Gewinne bestehen in den Einsatzgewinnen, bei denen der Loskäufer seinen Kaufpreis zurückerhält. Auf sie entfallen etwa 55 Proz. der ausgezahlten Gewinne. Die restlichen 20 Proz. der Gewinner erhallen die übrigen 4S Proz. der ausgezahlten Gewinne. In Zahlen ergibt sich etwa die folgende Verteilung der Gesamlelnnahme der Lotterie: Anteil des Reichs.... 15 Mill. M. „ der Emnehmer.. 15., , der Länder.... 11. , der Einsatzgewinne 28„, , der anderen Gewinne 22 zusammen....... 91 Mill. M. Diese Anteile an der Lotterieeinnahmc werden zugunsten der Einnehmer, der Gewinner und der öffentlichen Stellen aufgebracht von denjenigen Loskäufern, die keinen Gewinn erhalten, und den Einzahlungen der Gewinner. Sieht man von den Einsatzgewinnen ab. so verbleiben rund 63 Millionen Mark, von denen etwa 11 Mil- lionen Mark von den Gewinnern, der Rest, also etwa 59 Proz. der gesamten Lossumm« von 91 Millionen Mark von den Verlierern aufgebracht wird. 3m Durchschnitt erhalten also: 12 Proz. der Spieler das Doppelle ihres Einsatzes 29.., ihren Einsatz 59#,. verlieren ihren Einsatz. Das neue Projekt geht davon aus, daß der völlige Verlust des Einsatzes für fast drei Fünftel ir« r Spr el-e r«icht.«rw.ünscht ist. Es mistfe«in System gefunden werden, das zwar auch das gewinnlose Los kenne, aber nicht mit dem völligen Verlust des Einsatzes verbunden sei. Es nahm ferner den Gedanken auf, daß der U m f a n g der Lotterie(91 Millionen Mark je Lotterie, 182 Mil- lionen Mark jährlich), der 1924 festgelegt wurde, bei den oeränderten Verhältnissen der Gegenwart vergrößert werden könnte. Schließ- lich geht es von der Erwägung aus, daß der bare Ueberschuß der Lotterie, wie er heute Reich, Ländern und Lottericeinnehmern zufliehe, nicht wesentlich vergrößert zu werden brauche. Daraus wurde dann ein neues Projekt entwickell, bei dem die bisherigen Verlierer und die Cinsatzgewinner gleichgestellt werden, die Zahl der wirklichen Gewinne erhöht und den Verlierern nicht mehr der Lospreis, sondern nur die Zinsen ihres Kaufpreises für zehn Jahre verloren gehen. der Verlierer nach zehn Jahren also seinen Einsatz zurück- erhält. Gleichzeitig soll die Zahl der Lose je Lotterie von 800 000 auf eine Million Stück und der Preis des ganzen Loses von 120 M. auf 200 M. erhöhl werden. Die Lossumm.e je Lotterie würde sich dann auf 192 Millionen Mark stellen und wie folgt verwandt werden: Anteil des Reich»......... 14 Mill. M. Gewinne............ 56„» Anteil der Länder......... 12,» Anteil der Lolierieeinnehmer..... 19•» Rücklage für Rückzahlung der Verlustlose. 91,. Zusammen 192 Mill. M. Da stall 92 000 ech'er Gewinne(andere als Einsatzgewinne) setzt rund 190 000 Gewinne ausgezahlt würden, ergibt sich eine er- höhte Gewinnmöglichkeit für das einzelne Los. Die per- lierenden Lose werden nach 10 oder genauer 9!4 Iahren mit dem Nennwert zurückbezahlt. Die Rücklag« für diese Rückzahlung wächst bei 6 Proz. Zins und Zinseszins im Laufe dieser Zeit auf den erforderlichen Betrag an. was ändert sich? Die Verteilung der gesamten Lotteriesumme hat sich wesentlich verändert. Der Anteil des Reichs, der natürlich schwer auf seiner jetzigen Höhe gehalten werden tonn, sinkt von einem Sechstel auf etwa ein Zwölftel, der her Länder von einem Neuntel auf ein Scchzehntel, der der Einehmer von ein Sechstel auf ein Zehntel, der Anteil der echten Gewinne erhöht sich von etwa-ein Viertel auf drei Zehntel: an die Stelle der Einsatzgewinne, auf die drei Zehntel der bisherigen Lotteriesumme entfällt, tritt die Rücklage für die Rück- Zahlung der Lospreise der Verlierer, die etwa 45 Proz. der Lotterie- summe ausmacht und mit 6 Proz. verzinslich angelegt werden soll, um die Rückzahlung in 10 Iahren zu ermöglichen. Wenn der Anteil von Reich, Ländern und Lotterieeinnehmern als Unkosten der Lotterie zusammengefaßt werden, so senkt sich ihr Antell von 45 Proz. der Lossumine bei dem jetzigen System aus 24 Proz. der Lossumme bei dem neuen Projekt, das den Lotterieeinnehmer und Bankier Molling zum Aulor hat. Entsprechend erhöht sich der An- teil der Loskäufer an der gesamten Lolleriesumm«. Der mögliche volkswlrlschaskliche Gewinn. Neben den Barüberfchüssen erhallen jedoch die Länder, das heißt die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie, die Verfügung über ein Kapital, das sich halbjährlich um 91 Millionen Mark und die auslaufenden Zinsen aus seiner Anlage erhöht und bei der Aus- zahlung der ersten Loskäufer, also zehn Jahre nach Einführung des neuen Systems, nach exakten Berechnungen die stattliche Höhe von 2,3 Milliarden Mark erreichen würde.. Die Spieler der Lotterie würden be! dem neuen Projekt also eine Verbesserung ihrer Aus- sichten, verhällnismähig erhöhte Gewinnzahl, erhallen und ihre Verlustmöglichkeitcn würden verkleinert. Da an sich kaum anzu- nehmen ist, daß die Loskäufer, die heute leer ausgehen oder ihren Einsatz gewinnen, ohne den Loskauf den Lospreis gespart Härten oder den wiedergewonnenen Einsatz sparen, könnte hier wirtlich über die Lotterie eine volkswirtschaftlich echte zusätzliche Kapitalbildung erfolgen. Offen bleibt die Frage, wie das neu gebildete Kapital verwendet werden könnte. Uns scheint, daß sie leicht zu läsen ist. Das Lotteriegeld steht zu 6 Proz. zur Verfügung. Wir brauchen dringend und noch auf viele Jahre hinaus Hypotheken an erst er Stelle für den Wohnungsbau, die heute an 9 Proz. kosten. Verwendet man die rund 200 Millionen Mark, die aus der Lotterie im Jahresdurchschnitt zur Verfügung stehen würden, für die Ver- gebung erster Hypotheken am Baumarkt, so könnte immerhin die Jahresmiete in Neubauten je Wohnung vielleicht um 100 Mark gesenkt werden. Die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie könnte mit Hilfe des Projekts Molling zu einer großen Bausparkasse des deutschen Volkes gemacht werden, wahrlich eine Umwandlung, die erstrebenswert wäre. Die Zinspoliti? der Banken. Reichskreditgesellschast jplgt der Kreditverteuerung nicht. Zum 1. Juni haben die privaten Banken Deutschlands di.e ban uns kürzlich besprochene Kredltverteuerung um 1 Proz. in Kraft gesetzt. Jetzt kommt überraschend die Mitteilung, daß die Reichs- kreditgesellichast dem Vorgehen der Privatbanken nicht folgen wird. Die Reichskreditgesellschaft erhöht zwar die von ihr ver- gllteten Zinsen, nimmt jedoch die Verteuerung gewährter Kredite um 1 Proz. nicht vor, sondern beläßt es bei den allen Sätzen. Run ist es zwar möglich, daß auch die Privatbanken mit dem Beschluß, die Kredite zu verteuern, zurückgehalten hätten, wenn man die verhältnismäßige Leichtigkeit, mit der offenbar der diesmalige Monatsschluß überwunden worden ist, vorausgesehen hätte. Es ist auch zu beachten, daß die Reichskreditgesellschaft mehr als Geldvermittler großen Stils anzusehen ist denn als Vermittler von eigentlichen WinschaHskreditcn. Nichtsdestoweniger bebeutet das Vorgehen der Reichskrsdit- gefellschafl eine scharfe und deutliche Kritik in derselben Richtung, wie wir sie an dem Vorgehen der Privatbanken bereits geübt hoben. Einmal besorgen besonders die deutschen Großbanken aus- löndifche Gelder keineswegs teurer als die Reichs- kreditgcfellschaft. Zum anderen beweist die Reichskreditgefellschaft durch ihren Verzicht aus eine neuerliche Erweiterung der Kredit- spanne— sie verkleinert sie sogar—, daß das Vorgehen der Privat- danken wesentlich aus P r o f i t a b s i ch t e n zu erklären ist, mit den«», die Notlay« auf dem Geld- und Kapitalmarkt zu Lasten der Wirtschaft und auch des Reiches auegebeutet werden soll. Man wird den nächsten Wochenausweis der Reichsbank abwarten müssen, um zu beurteilen, ob die Reichsbank das Vor- gehen der Privatbanken durch Erhöhung des Diskonts rechtsertigen wird. Do schon jetzt die Kreditrestriktionen der Reichsbank über- flüssig zu setn scheinen und möglicherweise— nicht zuletzt durch die psychologischen Wirkungen der günstigen Ergebnisse von Paris— die Lage des internationalen Geldmarktes sich erheblich bessert, ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Reichsbank eoentuell um eine Diskonterhöhung noch herumkommt. Wenn hier auch viele Fragezeichen zu machen sind, so kennzeichnet sich doch die ffreditverteuerung durch die Privatbanken heute schon als ein Schritt, der höchstens für die Gewinnabsichtcn, nicht aber für die Voraussicht der Privatbanken und die ge- bührende Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Notwendigkeiten spricht. Garoiti nach der Aufsaugung. Steigende Umsätze im neue!« Jahr. Während ein großer Teil der mittleren u'.rd kleinen Schokoladenbetriebe in Deutschland infolge der starken Ikbersetzung dieser Industrie ein nicht gerade beneidenswertes Dasein führt, arbeiten die wenigen Großbetrieb«, die in einer Markenkonoention zu» sammengefchlosjen sind, schon sett Jahren mu hohen. Gewinnen. Auch die bekannte Berliner Sorotti-Schokoladen- f a b r i k A.-G. tonnte ihre Betriebsgewinne im letzten Jahr von 8,8 auf fast 10 Millionen erhöhen, und der ausgewiesen« Reingewinn von rund zwei Millionen Mark übertraf gleichfalls den Ertrag des Vorjahres. Die Senkung der Dividende von 12 auf 10 Proz. hat mit verringerter Rentabilität nichts zu tun, sondern hängt mit der Kapftalerhöhung im letzten Jahr zusammen. Die ausgeschütteten Dioidendensummen sind bei der jetzt notwendigen Verzinsung von 10 Millionen Kapital gegen 8 Millionen im Vorjahr sogar noch um 40 000 Mark gestiegen. Die Sarotti-A,-G., die vor einigen Monaten von dem Schweizer Schokoladenkonzern Nestle aufgesaugt wurde,' mußte auf der gestrigen Generaloersammlung ihren Aktionären über diesen wich- tigen Vorgang Rede und Antwort stehen. Während die Verwaltung für Sarotti eine sehr günstig« Auswirkung der durchgeführten Ver- schmelzung erwartet, wurde von Aktionären auf die G e f a h r e i n e r Produktionsdrosselung in den Tempelhoser Betrieben hin- gewiesen. In diesem Zusammenhang wurde erwähnt, daß schon irt letzter Zeit die Reklame von Nestle die Sarotti-Reklame ganz auffällig in den Hintergrund gedrängt habe. Auch wurde gefragt, ob der Nestle-Konzern gleichfalls Sarotti- Fabrikate verkaufe, wie dies in den Sarvtti-Riederlagen jetzt mit Nsstle-Jabrikaten geschehe. Einer klaren Beantwortung dieser Frage wich die Verwaltung aus, mochte aber die Zusage, der Oeffentlichkell bald nähere Angaben über die Verschmelzung mitzuteilen. Wir hoffen, daß die Sarotti- Verwaltung diese Zusage so bald und so gründlich wie möglich einlöst, damit auch die Belegschaft nicht Plötzlich vor überraschende Tatsachen gestellt wird.— Die Belebung nach der Kälteperiode hat so flott eingesetzt, daß Sarotti jetzt schon höhere Umsätze als in der ent- sprechenden Zeit von 1928 verzeichnen kann. Schweres Geschütz gegen Krupp. Drohungen auf der Mannesmann-Generaiversammlung. Im Mittelpunkt der Generaloersammlung des Mannesmann- Röhre»--Konzerns, dessen Gewinnabschluß wir kürzlich be- handelten, stand die Aussprache über die beabsichtigte Neugründung eines großen Röhrenwalzwerks bei Krupp. Der Leiter des Mannesmann-Kanzerns, GenerOdirektor Bi«rwe.s, ließ bei seinen Ausführungen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die deutschen Eisenverbände und damit auch die internationalen Kartelle samt und sonders ausfliegen würden, wenn Krupp wirklich sein Projekt durchführt. Der Leiter von Mannesman» verwqhrle sich dagegen, daß der Ausbau der neuen Hochofen- und Slahlanlagen in Huckingen durch Maftnesmann und der für Krupp daraus entjtayhcne Absatzrückgong den Aus- schlag für seine neuen Röhrenpläne gegeben habe. Der Redner wies dabei nochmals nachdrücklichst darauf hin, daß bei der schon gegen- wärtig schlechten Ausnützung der deutschen Röhrenwalzwerke an ein Unterbringen der neuen Krupp-Produktion im Rahmen des Röhren- syndikats nicht zu denken sei. Ob sich Krupp durch"diese Erklärungen in seinen künftigen Maßnahmen beeinflussen läßt, muß sich aller- dings erst noch zeigen. Di« Ausführungen über die gegenwärtige Betriebslage liehen «inen allgemein günstigen Stand der deutschen Schwer- eisenin du st ric erkennen. So gelang es Mannesmann, den durch die Kälte hervorgerufenen und bei den Röhrenwalzwerken be- sonders empfindlichen Produktionsausfall der Wintermonate im März und April bereits so weit aufzuholen, daß die Gcsamt- Produktion in den ersten vier Monaten 1929 sich auf der Höhe der entsprechenden Zeit des Vorjahres hält Da die Eiscnkonjunktur bis zum Juni 1928 noch sehr stark war, so läßt dies durchaus günstige Schlüsse aus den gegenwärtigen Betriebsstand'in der westdeutschen Montanindustrie zu.__ Abschluß öes westdeutschen Zementdiktators. Weiterhin erhöhte Gewinne des Wicking-Konzern. ZIls letzter der drei großen deutschen Zementkonzerne le.z� jetzt die W i ck i n g s ch« P o r t l o- C e m e nt und Wasser- kalkwerke A.-G. in Münster den Jahresabschluß für 1928 v»r. Dieser Konzern, dessen Diktatur in dem westdeutschen Syndikots- gebiet- oft genug zur Kritik herausforderte, hat seine Rekord- gewinne von 1927 im letzten Jahr noch übertrofsen. So wuchs der Rohgewlnn von 3,4 Millionen auf 3,58 Millionen Mark und trotz erhöhter Abschreibungen auf die Anlagen von 1,3 Millionen liegt der ausgewiesene Reingewinn von 2,28 Millionen um 170 000 M. über dem Borjahrsergebnis. Die Dividende ist zwar von 12 auf 10 Proz. gesenkt worden, jedoch sind die an die Aktionäre gezahlten Dioidendensummen mit 2,0 Millionen gegen 1,83 Millionen Mark weit höher als im letzten Jahr«, da diesmal das auf 20 Millionen erhöhte Aktienkapital schon voll zu verzinsen ist. Geschäftsbericht und Bilanz sind noch nicht veröffentlicht,'jedoch uurbc in der Aussichtsratssitzung schon betont, daß mit Rücksicht auf die Errichtung des Werkes Neuwied und aus den weiteren Ausbau der Auslandsbeziehungen die Lilai� besonders vorsichtig aufgestellt sei. Das heißt aus Deutsch, daß neben den ausgewiesenen Gswinnen auch noch weitere ansehnliche Betriebs- gewinne in der Bilanz verschwunden sind. Kord motorisiert Rußland. Ein Ford- Vertrag mit der Sowjetunion. Di« Gowjctregierung setzt ihre Zusammenarbeit mit dem schwersten internationalen Finanz- und Jndustrikapitol systematisch fort. Sie hat jetzt nach New-Dorker Meldungen mit Henry Ford einen Vertrag auf neun Jahre abgeschlossen, der Sowjet- rußland verpflichtet, innerhalb von vier Jahren Ford-Produkt«, also Autos und Traktoren, im Werte von 30 Millionen Dollar oder rund l?8Million«nMar kabzunehmen. Auf der anderen Seit« verpflichtet sich Henry Ford, die Errichtung eigener russischer Äutosabriken durch technische Beratung zu fördern. Rußland will zunächst in Rischninowyorod ein« Autofabrit mit einer Jahres- Produktion von 100 000 Wagen errichten, bei der die Erfahrungen der Fordschen Produktion durch Ford-Leute verwertet werden sollen. Wilhelm von Opel wird Privatmann. Der bisherige Sentorchef der Opel-Werke, Geheimrat Wilhelm von Opel, hat sich au» der Betriebsleitung zurückgezogen und die Generaldirektion der Rüsfelsheimer Werke seinem Sohn Fritz von Opel übertragen, natürlich zusammen mit den Amerikanern. Wilhelm Opel Hot seinen Wohnsitz von Rüsselsheim nach Wiesbaden verlegt und wird dort das Familienvermögen verwalten, da, ihm General Motors„kommerzialisiert" hat. Grohenhainer Websiuhlfabrik wieder 15 Jlroj, Dividende. Der Konjunkturrückgang in der Textilindustrie, der bereits im Frühjahr vorigen Jahres einsetzt«. Hai den Textilmaschinenbau bisher noch verhältnismäßig wenig betrossen. Neben anderen sehr günstigen Abschlüssen von Textilmaschinensobriken beweist dies die letzt ver> ösfentlicht« Bilanz der Großenhainer Web stuhl- und Maschinenfabrik A.-G. zum 31. März 1920. Das Unternehmen, das 1927/28 die Aufträge kaum bewältigen tonnte, war auch im Geschästsjahr 1928/29 fast durchweg voll beschäftigt. Der Rohgewinn wuchs sogar noch von 1,2 aui 1,35 Millionen Mark und von dem ausgewiesenen Reingewinn von 226 000 M. wird wieder die sehr hohe Dividende von 18 Proz. gezahlt. Nach den Geschäftsbericht ist jetzt allerdinge ein fühlbarer Auftragsmangel ein- getreten, jedoch sei ein großer Bedarf zweifellos vorhanden, der nicht allzu lange zurückgehalten werden könne. Entscheidend sei, daß die drückenden Krcditvcrhältnisse eine Erleichterung er- fahren. Reue Arbeit für Ostseewersten. Die Rostocker Neptunwerst, die Cnd« vorigen Jahres wegen obsoluien Arbeitsmoiigel» gän.zlich stillgelegt werden sollt«, ist zurzeit mit Reparoturorbeiten so gut versehen, daß sogar-in« Erweiterung der Dockanlagen in Aus- ficht aenammen ist. Außerdem hat die Werst jetzt von einer nieder- ländifchsn Reederei zwei Dampfer von je 3000 Tonnen Troo. fähigkeit in Austrag erhalten. Die beiden Schiffe sollen stn Laute »an neun bi» zehn Monaten abgeliefert«erden. Di« Belegschost von etwa<00 Mann dürfte durch diesen großen Neuaustrog«in« Derstörkung erfahren. . � Anhallettde Zellstoffkoujuuttur bei dem lvaldhos. Konzern. Der große« deutsch« A«llstoffkcmz«xn, W o l d h y s in Mannheim, d«r in den letzten Jahren de» ständig mochsenider Produktion jO und «13 Pe»i». Dividende verteilen konnte, arbeitet auch gegenwärtig unter Hochdruck W>« di« Perwaltung auf der Generalperiammlung mitteilte, sei die Z« k k st o s s Produktion hei erhöhten Preisen bereits für das ganz» Jahr ausverkauft. Auch der Papisr- «Matz habe stch aegsnüber dem Vorjahr« gebessert, so daß auch hier die Aussicht besteh«, die Gesamtproduktion abzusetzen. Sinkender Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 29. Mai berechnete Grahhandelsindexzifter des Statistischen R« i ch» a m t s betrogt 134,2 gegen 135,6. Der Gesamtindex ist also gegenüber der Vorwoche ym 1 Proz. gesunken. �gSozialjstischeArbetterjugendGr..Verllu Mnsmdiin«« ttr Med Ailitt nar«» do« Zu,e»dsltM«N«» S«IW SÄ«S. JCtaScnOrete 3 heute. Souatag. 2. Juni: (Banfe«: Schul« ChsrlottentKahe, Keimabend. Schd»ba»lee?»«ftadt: Morgen spluierxang. Treis».: 8 Udr Arnimplatz. I« Ul,r Treffpunkt«leim-, Site Sonnenburger Stroh«, zur Keteiliguno am Spieltag der bundestreuen «ereine. lTurnanzSg« nicht-e-getze»h»Vi Utjr Heimabend SchönNieger Strebe. Morgen. Montag. 3. Juni. 1914 Uhr: Tic Letungsftuade» de» Singkrelse» tagen bi« auf weitere« au». K»»sa: Heim Bochumer Str. td, Heimabend.— BUabit I: Schule Maldenser Straße 20. Heimabend.— Moabit II: Heim Ifcijrlet Str. 18, Bunter Abend.— ffallplaß I: Schule Sonnenburger Str. 20, Ritgliederoersommlung.— galk- »laß II! Schule Sonnendurgcr Str. 20, Mitgliederversammlung.— Kuman». »lag: Heim Scherenbergsrr. 7, Mitgliederversammlung.— Aeaulsurtee Viertel: Heim Litauer Str. 18, Mitgliedervrvsammluns.—«tealaue, Otertel: Her» «oßlersir. 81,«unter Abend.— Halesche» int Heim«otdflc. 11, Metglieder- Versammlung.— Bestend: Helm Rognenstr. 4, Mitgliederversammlung.— ZahanaUthaii: Rathau», Mitgliederversammlung.— Boessgwalde! Schule Eonrad- straße, Milgltederversammlung,— iltankom IN N.-N.i Heim Sörschlir. 14. Mit. gliederversammlung.— Schinh. Boestadt! Schule Sonnenburger Str. 20, Mit» gliederverfammlung. * Ocrbetezirk«chäneteeg: W..«..V..Sigung»Vi Uhr im Heim Kauptstr. 1». Alle Abteilungen müssen»ertreten fein.__ «eeiebezirl Prenzlauer»er«. AeUeren.«ru»»e: gusammenkunst Mittwoch, z. Juni, im Heim Sonnenburger Str. 20. Sazialwiss e nschastkiche BeteiBteang,»itglseder-erfammlun, Msnias« 8. Zun!, ISVi Uhr. im Zimmer 1 des LehrervereinÄ�tufe» am Alexandervb-N. «enoffin Mathilde Wurm, M. d. R.. gibt einen Bericht vom Parteitag. Mit. gliedskarten nicht vergessen! Döste wMammen. «erliuee Sesellsch-st Technik, e. P. l«. 0 Znsiitut, Torotheenstr.-----------,—.. �- »Aus der Medizin de» Rinaseimento� ian der Hand de»»leben von Benvenu.» Dellini" nach der Uebersehung Eoethe»). l.onetellov Lnxliid vedn'.tni! Cliid: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärrtehaus, BOlow- straBe 104, Outtmannsaal; Dr. H. Behrend:„The British Empire". k MEFreltag-S TOFFE Jiea4jsu. Quaäiäim. S Heeit* Molkenmarki* Hsf4 Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". «efchs>t»stelle: Berlin L 14. Sebostianstr. Z7/Z8. K»k 2 Tr Sannorftan». Srew Siardeu: Spiellrute Montag, z. Juni, 20 Uhr, Sreiilibungeabend, Tanziger Str. 82, Altersheim. Kreis Evte»: Dienstag, 4. Zuni, streisiidungsabend auf dem Sportplatz ffriedrichsselde. Krel, Beste»! MiUwvil', S. Juni, Äreisvdungeabend im Ddenpalaü. Dharlnttenburg, «aiser-slriedrich-Str. 24.»rei« Sßden: Freitag, 7. Juni, SreiMbungsabend ..Zm kühlen Drund" in Oberschhveweide, Siemensstraße.-- Sa»»taq. Fr, est ruh«. Hain: Sonniag, 8. Juni. Autofahrt de» Kreise» Osten nach Zehdenick. gahr. »rei» 1,50 SR. muß bi»»um 8. Juni bei den Kameradschastesührern bezah.i fein. Treffpunkt um 6'4 Uhr in den detannien Lokalen.— Tampelhos: Pslichsveranstaltuna in tralchow. Die Kameradschaften treffen 12'b Uhr in Lichtenrade ein lWaldsanatorium). Haltestelle Kaiser, Ecke Doltzftraße.— Neu- köll», Britz: Sonntag. 2. Juni, Pslichtoeranstaltung dc» gesamten Ortsverein«. !2>i Uhr Kleinbahnhos Hermannstraße zur Fahnenweihe in Selchow. Fahrpreis Hin» und Bllcksahrt 60 Pf. Angehörige können mitgebracht werden.— Steg- sitz, Kameradschaft Lichterfelde: Die Me Montag. 8. Juni, festgesetzte Persammlung findet am Dienstag, 11. Zuni, im Lokal de» kam. Kroll. Lanlwitzer Zteaße 10, statt.— Maeineabteiluna: Sonntag, 2. Juni, 7 Uhr, Boot l: Bllrgerwall: Bovt 2: Lehnitz.— Sl uderriege: Sonntag, 2. Juni. 8 Uhe, Arbeitedienst zu der um 15 Uhr stattfindenden Boaishausweihe und Rvoistause. — Znugbannee Mitte: Montag. Z. Zuni. 20 Uhr, Jugendheim. Alfred Lewn fpricht. Mitgliedsbücher mitbringen.— Krenzderg: Montag, 8. Zuni, Jugend 3, Persammlung im Jugendheim Brangelftr. 1A. Ortsveeein Keeuzbcrg, Zug ö: Dienstag, 4. Juni, 20 Uhr, Bersommlung im Meßpalast. Alte Jakodste. 14, Ecke Bitteestraße. Zug 4: 20 Uhe»er'ammlung bei Drllndler, Zimmerstr. 30. Beitrag des Kam. Dr. llleichmai'.n:»Dikiatar»der Demokratie". Zug 2: Mit!» woch, 5. Zuni. 20 Uhr. Berlammlung bei Krepp, Planufer 75. Zug 8: Mitt- wach, 5 Juni, 20 Uhr, bei Braunstorf, Droßteerenstraße. Portraz de» Kam. Nechteanm. Blum.?»» 7 im Reichendeeger Hof. Reichenbergee Str. 147. Zug 8 bei Siedentepf. Muskauee Str. 28.— Mitte: Dienstag. 4. Juni. 20 Uhr, S. Kameradschalt, Berlammlung Runaestr. 30. Dage-ortnung: Persassung»seier. 1. Kameradschaft: Hackefcher kos. Dosenlhaler Str. 40. Bortrag. 8. Kamerad- schalt: Earteuftr. 8. Bereinehaus des Zlordens.— Maeineabielluna: Dienstag, 4. Juni, 18 Uhe. Bootshaus. Z urnen und Rudern. � Rexkilln. Britz, Zung- bannee: Der Schutzsportabend findet jetzt Mittwoch. 5. Zuni, auf Platz 7. Sport- park, statt. Deutlch» Friede»»«« fest ichalt. Am Dienstag, 4. Zuni, 20 Uhr, spricht im Saal« he» Siestgurant».Sahlstatt", S5B. 68. Belle.Allianee-Str. it. Heinrich Ströbef tile- da« Th-mo.Bor einer neuen Kriegsunfchuldsaktion der»ationa- listen." Der Portrag ist öffentlich, .Fkugenödichtunst' bloß«imnal konneniioney«? U«ber. fchwanp der Gefühle, ein Rütteln an den hergebrachten Formen und «in Darin-Befangen�ein, ein Besingen der«rst«n Liebe und das alle» im Grund« im echten Butzenscheihenftil. Adsr ha» war einmal. Est war zur �sit G«ibtl« und viell eicht noch am End« d«» JahrhäuidertS. .Heut« ist das and«rß geworden. Di« Privatgefühl« tr«t«n imm«r m«hr zurück. Schon di« Jugend fühlt stärker fast als viel« Er« «achs«n«n da» ausschlaggebende sozial« Moment. Arbeit, positiv oder negativ gewertet, ist heute eher ein Thema der Jugenddichmng als Liebe und dergleichen. Dos detont Erich D u r g e r in seinem Bortrag, der in Beziehung aus Beschreibung erstklassig ist, aber nicht genügend aus die psychologisch« Fundierunq eingeht. Dasselbe kann man von der Einführung Richard Wildes zu Offenbachs Operette„Ritter Blaubgrr sogen. Es ist nicht notwendig, daß Wild« bei der Einführung ju einer Operette die ganzen Ab- Wandlungen, die der Bloubart-«tosf bisher erfahren hat, auszählt. Tut er es aber, dann müßte er eingehender die psychologischen Seiten des Themas behandeln. Es fehlt bei ihm ,z. A.«lne Würdigung von 3)uysmons bekanntem Roman„Dort unten". Darauf die Uebertratzimg dir Premiere„Ritter Blaubart" aus dem Meiropoltheoter. Mängel sonstiger Operettenübertragunaen fallen hier fort, da Ofsenbach voll glänzender musikalischer Einfälle ist, die dann noch zünden, wenn man das Bühnenbild nicht sieht. F. S. Wetterbericht der ösfenMch« Wetterdienststelle verll» und Um? exend. ORachdr. verb.) Zeitweise stärter deiröllt bei wieder nach West zurück« drehenden Winden, leine welentlich« Temperatieränderung.— Jär Leulichland: Im Westen wieder langsam zunehmende Bewöckung und etwa» wärmer, im Osten noch keine wesentliche ÄenScriing, im östlichen Ostjeegeblet strichweise etwas Regen. Oachgarten-Cafö Berlin. Der Ehrgeiz jeder größeren Gaststätte geht jetzt dahin, ihren Gästen hoch oben in den Lüsten ihre Erzeugnisse zu kredenzen. Auch dos Gurmsniahaus in der H or d« n b e r g st r a ß e Hai jetzi solch Modernen, hübsch ausgestatteten Dachgarten eröffnet. Uever 6 Treppen und 3 Fahrstühle erreicht man den durch Glaswände und Glas- bietet. Zum erstenmal gelangten hier holzfournierte Kupferplatten als Wandbekleidung zur Verwendung, die in wirkungsvollem Kon« traft zu dem blauen Spiegelglas und dem grünen Möbelbezug stehen. Drei Leuchtfontänen und Wandkaskaden, frische Blumen, die sich die kupferbelegten Wände entlang ziehen, vermitteln die Illusionen des blühenden Gartens. Der Dachgarten wurde noch Entwürfen des Architekten Leo Nachtlicht angefertigt. Di« Mepltchkeit antzerarpenilicher Ersparnisse— wenn es sich um die nvt. wendigen Anschaffungen und Ergönzunaen bandelt— bietet der große Serien» vertauf de» delannte» Warenhause» v. Zoleph u. Sa., Xcvliuv. Berliner Slrsfte 51—55. D Ilse ganz»narin vartlilhalte Einkaussgelegöllheit für alle Schichten der Bcvö.kirung zeigt klar und deutlich, wa, die 40 Sptzlalabieilun. gen an Preiewürdigkeit zu leisten vermögen. Alle angebotenen Seeienait.lel sind in den bekannt guten Qualitäten zu erstaunlich niedrigen Preisen zu baden. Ausführliche» in der heutigen Ankündigung der Firma H. Zostph u. E»., Neukölln. 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Ingers uud di-r Ferienfahrt.— im Heim, Waldenferstrass' wach, 5. Juni, ebenda.-_________„____________ Heim Bülowstr. 88. Freitags Spielen und Tan, im großen Tiarggptta�Rosen. garten). Tresspunkt 1614 Uhr vor dem Heim.: Kreise K«uzb«rS, Tcmpclhos nnd' Zossen: Unser Kursus wird sorigefetzt Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr, Zugcndbe-im Porckstr. II. Kreis Weißens«, Gruppe /Hohenschönhausen, Rote Falken, Wir.trässen Atz» zum Theaterbesuch ani BUlowplotz um 1314 Uhr an der Omnibushaltestrlle: Rcinickendors-Oft. Wontag, 3. Juni. Elternabend. Referat der Genossin Irma Fechcnbach. Anschließend Aussprache über Feriensahrt und Zeltlager. Alle Eltern werden gebeten, zu erscheinen. Gäste willkommen. Wedding. Am Montag, 3. Zum, findet in der Schule Wiesen. Ecke Pank. straße eine Äreis.Elternoersammlung statt. Beginn 20 Uhr. Tagesordnung: „Zeltlager und Feriensahrt".—«rei»helfcr»crsammlu»g am Donnerstag. 8 Juni. 20. Uhr, in der Barackenschule am Lcopoldplatz. Eingang Razarety. kirchstraße. Bortrag des Genossen Weiß Wer„Kinderfrcundc und weltliche Schule".— Gruppe Schillcrparl. Dienstag von 18—20 Uhr Spielen im Volk». park Rehberge. Mittwochs von 17/4—19/4 Uhr in der Turnhall« Lütticher Straße 4. Freitags von 18—20 Uhr auf dem Sportplatz Schillerpark.— Srnpp« Lcopoldplatz. Dicnstags und Donnerstags von 18—20 Uhr auf der Spielwies« im Schillcrpark. Bei Regenwetter Donnerstag» in der Turnhalle Utrecht«« Straße.— Ernpp« Brunnenplatz. Montags und Donnerstags von 18—20 Uhr auf der Spielwiese im Echillerpark. Freitags abwechselnd Spielwiese und Turn. Halle Ruheplatzstraße. Kreis Prenzlauer Berg,»rnppe Freidcit. Montag, 3. Juni, von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim, Eonnenburger Str. 20. Wir lesen weiter: J)cnny Gertz„Wie wir' zusammenwuchsen" und hören den Bericht vom„Rote-Falken. Parlament".— Mittwoch, 5. Juni, von 15—19 Uhr u» Keim„Bunter Abend". Daselbst Ausgabe der Bibliotheksbücher. Die Beiträge werden wieder a» jedem Gruppenabend von Ernst Kluge entgegengenommen. Kreis Schöuebcrg, Zurgfalkc». Gemeinschaft l. Mittwoch, 5. Juni, Spielen. Freitag, 7. Juni, Cing-Song. Küken: Dienstag, 4. Juni, Spielen. Freitag, 7. Juni, Gesellschaftsspiele. Rote Folien Schöneberg. Gruppe 1 und 2: Montag von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim, Hauptstraße, Kartenkunde. Rote Jalkengebate.— Donnerstag a-pielen auf dem Sportplatz im Eiidgeländ« van 17— 19/4 Uhr.— Die Flötenspieler üben Donnerstag, uud Freitag» von 1914—20/4 Uhr im Slldgcländ«. Geburlstage. Jubiläen usw. 3. Abt. Unsere« lieben Genossen Rudolf Köhler, Reue Zokobstr. 5, die herzlichsten Glückwünsche zum 70. Geburtstage.___. 45. Abt. Unserem langjährigen verehrten Mittämpser Wilhelm Bring» man» und seiner Ehcsrau. Glogouer Str. 17, zu ihrer hcutigeu Goldene» Hochzeit die herzlichst?» Glückwünsche. Braune Herrtzn-Halb-( schuhe, breite amertk. Form mitWulstrahmen, •ölt Boxkalf.. v Dieseidsn, m. Wetterrand Rindbox 4 r)50 14.60 I Herren■ Lack• Halb- schuh, eleg. Form,"1�90 woiS gedoppelt... i-Strumpfe. .wero* •vjcrfaetjtMilt�wet C i e Ar G. B u r b. M Alles andere sagen unsereSchaufenster Ca, 130 eigene Verkaufsstellen, davon 21 in Groß-Berlin u. Potsdam Geben Sie in j e d e n Eimer Wasser und in j e d e n Waschkes�d vor Hinzutun des Waschmittels einige Handvoll Henko-Bleichsoda# dann erzielen Sie das schönste weidie Wasser und haben volle Gewähr für ein sparsames und angenehmes Wasdien! ARnAü o 7 Nur In Originaipackunu- niemals lese. Hersteller auch von Oers»- dem Waschmittel für led« waschen erregte 1926 im Henkelpavillon der großen Düsseldorfer Ausstellung die staunende Bewunderung von Millionen. Es wäre unmöglich gewesen, diesen Scbaumberg bei Verwendung harten Leitungswassers herzustellen. Hartes Wasser behindert Schaumbildung und Wasch Wirkung außerordentlich und ist deshalb zum Waschen nicht geeignet. Ein vorzügliches Mittel, hartes Wasser weich und zum Waschen brauchbar zu machen, ist die altbewährte UI�m l�if�HenkelsWasch- BiiJÜMIIund Bleichsoda Sonntag 2.3uni 1929 Unterhaltung unö ÄVissen Beilage des Vorwärts Qeorges Duhamel: �11 lllf lOilclI'C Von leiten Schiebern will ich nicht sprechen, die durch irgend «inen Glückszusall fünf oder sechs Millionen verdient haben und davon erzählen, es von allen Dächern schreien, und nun glänzend, fett, frohlocken, prunken, Krach machen, sich aufblähen, in Saus und Braus leben, die kleinen Leute duzen. Nein, die stnd mir gar nicht so unsympathisch. Sie haben dos Geld in der Tasche, sie habe» es in der Hand, aber sie haben es nicht wie eine ererbte Krankheit im Blut. Ich spreche auch nicht von diesen zarten, aufs höchste ver- wunderten Seelen, die sich entschuldigen, dasz sie reich sind und nach Wegen einer phantastischen Grogmut tastend suchen. Ebensowenig will ich auch von jenen bleichsüchtigen Nabobs sprechen, den heruntergekommenen Sprößlingen einer blutgierigen Dynastie, Mißgeburten, die ihr Vermögen wie eine Geschwulst mit sich schleppen, unter Schurken und Säufer» leben und im Spital, im SiechenHous oder im Gcsängnis enden. Nein. Ich spreche von den wahren Milllonären, den einge- wurzelten Dollblutmillionären. Es ist wohl möglich, daß ein Novize diese Sorte nicht gleich zu erkennen vermag. Der Name ist nicht immer ein genügender Beweis, ebensowenig wie ihr Ruf und ihr Benehmen. Sie ziehen sich unauffällig, schlicht an, im Winter-st ihr Haus nur mäßig warm, ihr Tisch einfach— unsere Nieren, unsere Leber, unsere Diät?— Nie sprechen sie von Geld und er- lauben nicht, daß man in ihrer Gegenwart dieses Wort auch nur erwähnt. Wenn ein Lieferant es eilig zu haben scheint, ein Gläubiger ungeduldig wird, so wird man sehen, wie diese Leute eine verächtliche Geste, eine flüchtig« Grimasse verletzten Feingefühls machen. Gebt auch auf ihre eisige Höflichkeit acht, auf jenes ober- flächliche Lächeln, das nur die Falten ihres Gesichts eine Sekunde verzieht, ohn« die Zlugen überhaupt zu erhelle»: bemerkt die ge- iiehene, niemals entgegengestreckte Hand, ifiknn solche Zlnzeichcn euch noch nicht genug belehren, so späht nach dein hauptsächlichen Merkmol: Ihr erkennt den wahren Millionär an jenem Zug. daß er euch immer etwas fortnehmen will, und daß es ihm auch meistens gelingt. Sind dies« guten Leute unter sich, so gehen sie einander um den Bart, beobachten sich, gehen behutsam miteinander um. Aber gehört ihr nicht zu ihrer geheiligten Clique, dann ist es um euch geschehen. Dabei wird die Operation immer mit so viel Geschick und Schnelligkeit ausgeführt, daß der verblüsfte Patient ganz zuerst wie beim Zahnarzt nur den Eindruck der Erleichterung hat. Der vollendete Operateur läßt sich zuweilen die Leistungen in klingender Münze bezahlen. Dazu gehört die richtige Handbewegung, die richtige Art und das im rechten Augenblick angewandte Wort, das Wunder tut. Der Operateur beteiligt euch großmütig an seinen guten Werken. Welcher Lertrauensbeweis! Seid ihr nicht zu Tränen darüber gerühn? Der wirkliche wohltätige Mensch ist der- jenige, der auf alles verzichtet, sogar aus den moralischen Nutzen der Wohltätigkeit, derjenige, der— o, höchste Uneigennützigkeit— euch das Privilegium überläßt, ihm nicht nur zu helfen, sondern auch das Opfer an seiner Stelle zu bringen. Die weniger genialen Ope- roteure hingegen begnügen sich damit, sich ihre Dienste in„Na- turalien" bezahlen zu lasten. Ein im Grunde genommen naives Spiel, das in der empfindungslosesten Seele Anklang findet. Einem reichen Mann ein Geschenk anzubieten, gewährt den, armen lNoNn «ine jubtiie Rache, ein« Genugtuung. Nun, diese Genugtuung wird einem nie verweigert. Hat Vigny doch geschrieben, daß„einem Un- glücklichen das Geschenk, das er gemacht hat, wiedergeben, ihn er- niedrigt und ihn sein ganzes Elend empfinden läßl". So etwas »raucht man von einem Krösus„vom alten Schlage" nicht zu be- fürchten. Cr wird verstehen, euch eure Befangenheit zu nehmen. Er tst ein Mann von zu viel Takt, um irgend eine Bagatelle anzu- nehmen.„Nein, ossengestanden, nicht die kleine Vase, aber das Buch, ohne zu zaudern, von Herzen gern, als Andenken." Es ist auch möglich, daß es weder das Buch ist noch die Vase, noch der alt« Kupferstich, noch die eigenartige Photographie, noch vielleicht irgend etwas Materielles. Der geschickte Jäger geht trotz- dem nicht unverrichteter Sache fort. Und was verlangt er alfa? Ach, nichts! Zeit, Teilnahme, Ratschläge,'und was weiß ich noch? Ein willfähriges Ohr, eine Zustimmung, ein Lächeln, eiste Schmeichelei, 15 Minnten Mitgefühl, Rücksicht, irgend etwas, ja, irgend etwas— eine Abgabe, eine Beute, die sich berechnen, sich zusammenrechnen läßt und in einem Gesamtbetrag verzeichnet wird. In unserer Jugend hatten wir einen kleinen Berein gegründet, der gleichzeitig Phaianster, Genossenschaft und Kloster war. Diese Angelegenheit spielte sich vor 20 Iahren ab. Wir waren damals sehr unerfahren. Zum Beispiel dachten wir, daß man das Geld bei den Reichen suchen müsse, lieber diesen Gedanken würde der naivste Zöllner sich vor Lagen wälzen. Dieser Gedanke verwickelte uns jedenfalls in manche Abenteuer, dl« uns damals dramatisch erschienen, und die nun aus der Ferne gesehen, höchstens noch pikant sind. Der erste Krösus, an den wir uns heranwagten, ließ ohne Um- schweifen,„die Schlagworte" des Stammes hören.„Euch helfen?" sagte er,„das könnte man in Erwägung ziehen. Selbstverständlich müßtet ihr irgend etwas dafür geben. Nur das Zlustauschprinzip kann der Freigibigkest das nehmen, was sie Erniedrigendes für die einen, Indiskretes für die anderen und Peinliches für alle hat." Wir erröteten alle mehr oder weniger und brachen in dieselben Worte aus:„Wir bitten darum, daß man so viel wie möglich unsere Talente, unseren guten Willen in ülnspnich nimmt. Weiler nichts. Wir wollen nichts geschenkt haben."„Dann," meinte der Krösus,„ließe sich die Sache machen." Sie lieh sich sogar sehr gut machen. Einige Zeit nachher wurden wir mehreren Millionären vorgestellt, die, wi« wir später feststellten, meisterhafte Operateure waren. Frau Gratz. die einen fast königlichen Einfluß besaß, benutzte diesen, um literarische und politische Größen zu fabrizieren: Aka- demiker, Minister. Sie war nicht abgeneigt, sich für unser Werk zu interessiere»— übrigens schenkte sie ihm nur wenig Aufmerksam- keit— so daß sie uns nicht übermäßig bcstahl, das heißt, es kostete nur folgendes: drei Monate Schaffens— und zwar war es irgend- eine lange und mühselige Arbeit, die unser braver lsictlt-Louiö auf sich nahm. Als Abfindung bekam er ein Theaterbillett, das er nicht benutzen konnte, weil er nichts Anständiges anzuziehen hatte. Die Fürstin Krasnick, die für ein radikaleres und schnelleres System war, erleichterte uns um ein Bild. Ein mit königlicher Eleganz ausgeführtes Bersahren. Als der beraubte Künstler sich einfand, um den Betrag für seine Mühe zu fordern, wurde er auf die Srraße gesetzt. Diese letzte Szene, die sich im reinsten Stile Louis XIV. abspielte, hätte Kenner entzückt. Graf von Montersac, ein tyrannisches Genie, liebte es, das Ber- gnügen in die Länge zu ziehen: er marterte uns lange. Cr hatte uns mit einer kleinen Druckarbeit beauftragt, deren Fortschritte«r selbst beaussichtigte. und die er uns so vst wieder von vorn ansangen ließ, bis wir fast bankrott waren. Der Graf verschwand dann und nahm einen uns gehörigen Gobelin mit, angeblich um ihn ausbessern zu lassen. Er gab ihn uns nie wieder. Diese Erfahrungen hatten mich also belehrt, und als ich nach unserem vollzogenen Ruin wieder in die Welt zurückkehrte, hatte ich für richtige Millionäre einen sehr seinen Riecher bekommen. Schon von weitem witterte ich sie und machte«inen großen Bogen um sie. War ich aber einmal in meinem Rückzug abgeschnitten, wehrte ich mich, machte Front und hielt krampfhast mein Eigentum fest. Otto&lake: JCüneburg umd .Lüneburg," sagte ich,„ist eine schöne Stadt."„Aeußerlich, äußerlich," meint« ein Arzt, der hier seinen Berus betrieb und die Abende lieber in Hamburg aus der Alster als in der kleinen Weinstube an der Ilmenau verbrocht hatte. Aber wenn wir als Fremde in eine Stadt kommen, urteilen wir nicht nach ihren Abwechslungen, sondern nach dem, was sie„äußerlich" dem Auge bietet. Ich liebe den Backstein. Cr verbietet Experimente. Er ist ehrlich und läßt sich überraschende Schönheiten abgewinnen. E« ist wahr. man möchte in den ältesten, mittelalterlichen Giebelhäusern nicht mehr wohnen. Wohl aber noch in denen, die um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges gebaut wurden. Dieser Krieg verschonte die chrsame Kousmannstadt. Die Häuser sind wie die holländischen der gleichen Zeit: die Hinterwand der Diele ist eine Glaswand mit vielen Vierecken, und das Grün der GäNen fängt sich darin. Back- stein und Grün gehören zusammen. Der Dritte im Bund tst das Wasser. Ich ruderte auf der Ilmenau nach Bardowik. Dieser Ort mit dem wendischen Nomen war eine bebeuteiibe Handelsstadt, bis Heinrich der Löwe\it zerstörte. Sie verlor ihre Bedeutung als Ilmschlagplatz an Lübeck und ist heute ein gemüsetreibendes Dorf. Für ihre große Zeit zeugt nur noch der Dom. Hier ist also ein Dorf mit einem Dom. Man vergißt das nicht. An einem anderen Sommerabend geriet ich in Luhne, einem Stift von„Ehanoinessen" dicht vor der Stadt, gegen neun Uhr durch- Tor in den Garten, ohne daß mich jemand bemerkt hätte, dann durch ein zweites Tor in den Äreuzgong. und aus diesem durch ein Türchen auf den Friedhos. Em einziges frisches Grab der jüngst verstorbenen Aebtissin, alles andere ein Meer von verwil. derten, duftenden Rosen. t-«. t �--j, Hern Stlst machte ich noch einen Togbejuch. Ich Uetz mich m,t einer Herde Mitmenichen führen, und es lohnt« sich. Im Ehor der Kirch- sah ich hinter den Glastenstern die grünen Massen des ran- kenden Efeus. Diese Wirkung ist nur möglich, wenn die Glas- fenster nicht bunt sind. v t i*■,/-n Ich bin überhaupt zu der Ansicht gekommen, daß es töricht ist.. sich von den Führungen auszuschließen. Es entgeht einem m-l Bemerkenswertes Wenn ich zum Beispiel allem durch das Rathaus gestiefelt wäre, hätte ich im Gerichtssoal nichts von der interesianten Tatsache erfahren, daß die gestrengen Herren von dazumal bereits eine Einrichtunq hotten, um ihre Füße während der langen«itzun- gen vor der Kälte zu schützen. An ihren Bänken entlang lies eine Rinne, die mit heißem Wasser gefüllt war und vor jedem Sitz eine Eisenplatte erhitzte. Das Rathaus bildet einen Block: man baute immer wieder hinzu, horizontal, nicht vertikal, und der Block wurde ein Stück Brügge. Gegenüber in einem. ganz alten Haus wohnte Heinc als Referendar, ein« Tafel zeigt es an. Seit ich den Wchrwolf von Löns gesehen habe, wünschte ich die Heide zu besuchen, in der sich eine Schar von Bauern den Schweden des Dreißigjährigen Krieges entziehen und nachher, als ihre Wallburg durch Verrat entdeckt wurde, gegen sie behaupten tonnte. Wie es im Leben geht, es verstrich noch eine Reihe von Iahren, und Ich sah ein Stück Well noch dem anderen, bevor dieses Stück deutscher Erde daran kam. Und es ist durchaus sehenswert, es ist ganz prachtvoll. Man sollte es nicht für möglich hasten, daß in einem Land, das über seine Menschendichte klagt, eine so große Fläche dünnbesiedelt geblieben ist. Die paar Ortichasten, zwischen denen man stundenlang wandert, zählen ja kaum. Und eine Anzahl von ihnen liegt so abseits der Zufahrtsstraßen, daß die Produktion zurückbleibt. Schnee und Ver- schlammung verbieten die Abfuhr auf schweren Wagen, und dieselben Zustände oerhindern dos Eindringen rationellerer Maschinen. Je nach dem Standpunkt ist das unerfreulich oder erfreulich. Der Naturfreund, der Wanderer wird den Himmel anflehen, daß die Rationalisierung noch auf sich warten läßt. Der Siedler, der Kommunalpolitiker, der Lerwaltungsbeamte wird den berühmten Belangen der Allgemeinheit den Vortritt vor der Romantik lassen. Ick, für mein« Person, in der Meinung, es gebe diesseits der Elbe, vielleicht die Eifel ausgenommen, nur m den höchsten Lagen de» Schwarzwalds und der bayerischen Sllpen noch die Möglichkeit, das Tempo der Zeit, den Betrieb der Städte und die Anbetung des alleinseligmachenden Verkehrs zu vergesien— ich war überrascht und dankbar, als ich auch in der Heide dieses zeitlosen Gefühls teilhaftig wurde, das ich so liebe, dieser wahrhast schöpferischen Vorstellung, die durchorganisiert« Epoche sei noch nicht angebrochen. Natürlich ist sie eine Istpsion, diese Vorstellung. Dem Auto begegnet man nur deshalb meilenweit nicht, weil da» Zentrum der Heide bereits zum Naturschutzpark erklärt wurde. Und bei Löns. in den Skizzen aus der Heide, mag man nachlesen, daß der Adler längst verschwunden, der Reiher seltener geworden ist. Oder in den örtlichen Zeitungen, wie der Wacholder, dieser charakteristlsche Heide- strauch, durch die Praktiken der Sonntagsausflügler ausgerottet wird: sie lassen sich von irgendeinem Heidebauer iür ein paar Mark die schriftliche Erlaubnis geben, auf seinem Arund Wacholder zu schneiden und plündern dann aufs Geralewohl den Forst— was will der Beamte auf den Bahnhöfen machen? Wobei mir rätselhaft bleibt, mos die Städter mit den Zweigen ansangen. Der Wacholder— damit sind wir mitten in der Heide. Machrmdelboom sagen die...Heidianer". Im Naturschutzgebiet sieht man ihn noch erfreulich gedeihen. Man stapft durch den Sandmcg, und links und rechts stehen diese Sträucher, die hier größer als im Hochgebirge sind und eher an Zypresien erinnern— in einem Grün, das auch dem stumpfsten Aug« auffälli. Dos stumpfste Auge empfindet, daß das besondere Bäume sind, Baumindividuen. Zlls hätte es einen geheimen Sinn, kreise» ihrer sechs, acht eine einzelne Kiefer ein. Andere scheuen jede Nachbar- schaft: wie Monumente sind sie, unten und oben spitz, in der Milte bauchig, immer in sich geschlossen, ohne Seitentriebe. Nachts kann man sie für regungslose, Iir ihre Mäntel gewickelte Wachen halten. Sie wirken nicht düster, ihr Grün ist zu hell. Die Heide wirkt überhaupt nicht düster, dazu ist der Sand zu weiß. Und die Birken sorgen dafür, daß die starren Kiefernkarrees ins Weiche, ins Müs,- kalische aufgelöst werden. Uebrigens betreibt man die Einsäumung mit Birten systematisch: sie haben die Aufgabe, bei Heidebründen die Kiefern zu schützen.' Mittelpunkt des Naturschutzparks ist Wilsede. Der Park, den der Stuttgarter Verein„Natnrschutzpart" aufkaufte, umfaßt ein Land von 200 Quadratkilometer. Am einfachsten, natürlich auch am teuersten ist es, in Lüneburg ein Privatauto zu nehme». Ich habe mir das geleistet, die Miete für den Viersitzer kostete 45 Mark. Wir fuhren über Salzhnnsen nach Döhle. Hier verlor das Auto feine Rechte. Wir gingen zu Fuß auf jenem Wacholder-, Birken- und Ebereschenweg»ach Wilsede, einem Ort, bestehend aus'zwei Gast- Häusern, dem Heidemtiseum, einigen Häsen und Villen. Ich glaube, man kann die Prioathäuser Villen nennen, obwohl s!« mit Stroh gedeckt sind. Sie liegen in Gärten, in denen korn- blumenblauer Rittersporn und Rosen blühen. Von Wilsede gingen wir in einer guten Viertelstunde zum Wilseder Berg. Das ist eine Höhe von nur 170 Metern, aber die höchste Erhebung in der Heide. Der Blick ist groß, er reicht bis zu den Türmen vom Hamburg, und das Land liegt unter dir, als ständest du fünfhundert Meter höher. Vom Berg, dessen Heidekraut in der Sonne duftet und zum Schlafen lockt, führt ein direkter Weg zum anderen Ende von Wik- sede zurück zum M»feum. Ein Heidebauenthaus bietet sich, wie es an Sonntagen, wenn die Arbeit ruhte, gewesen sein mag. Slälle und Wohnräume liegen unter einem Dach. Man tritt durch ein Tor ein und ist unmittelbar im Gang, der zu beiden Seiten die Ställe enthält und auf die Wohnküche führt. In deren Mitte der Herd, ringsum Stühle. Fast möchte man in diesem Museum meinen, es gäbe keine Bauern mehr. Qefchichlen vom IVateerkönig Jetzt, da die einschmeichelnden Klänge des Walzers wieder immer stärker den mißtönigen Lärm der Jazzmusik verdränge», gedenken wir dankbar des klassischen Meisters des Wiener Walzers, des jüngeren Johann Strauß, der am 3. Juni vor drei Jahr- zehnten aus diesem Erdental dahingegangen ist, um nun den Himmelsbewoh«enr seine Walzer vorzuspieke», wie dies in einen, köstlichen Schattenriß dargestellt ist. Freilich,»lcht immer ist die Musik von Iohnnn Strauß als so gemütlich und idyllisch empiundeu worden wie heutzntag«, da wir so ganz andersartige erotische und aufreizende Weisen kennengelernt haben. Es gab eine Zeit, da. glaubte man im Walzer dieselbe Wildheil entfesselt wie heut im Jazz. Damalls schrieb Heinrich Laut» von dem jungen Johann Strauß, der seine Wiener in einen Raiisch des Entzückens erhob: „Der Mann«st ganz schwarz wie ein Mohr, das Haar kraus, der Mund melodi«'?, unternehmend ausgeworfen, die Nase abgestumpft. Man hat nur bedauern, daß er ein weißes Gesicht hat, sonst wäre der der komplette Mohrenkönig Balthasar. Echt afrikanisch leitet er auch[eine läntzc: die eigenen Gliedmaßen gehören ihm nicht mehr, wenn sein Walzerdonnerwetter losgegangen ist. Der Fiedeldogen tanzt mit dein Arme und ist der leitende Chapeau seiner Dame. Der Takt springt mit dem Fuße herum, die Melodie sityvcnkt die Ehampagnergläijer in seinem Gesichte, der ganze Bogel Strauß nimmt seinen stürmischen Anlauf zum Fliegen— der Teufel ist los!" Dem genialen Musikanten, der so unendlich viele Melodien er- sunden hat, slogen die Themen in solcher Fülle zu, daß er sich ihrer kaum erwehren konnte. Selbst bei der Arbeit an seinen Operetten verfolgten sie ihn.„Während ich an einer hochdramatischen Szene schreibe," erzählt er einmal seiner Frau,„fährt mir wie ein Blitz durch den Schädel«In verfluchter Hauer von einem Walzer, der den Raturwalzer(Nur sür Natur...) fast überflügelt— weil er bei (einer Gemütlichkeit eine unocrschamle Keckheit entwickelt. Ass er entstanden, fwchle Ich und dächte: Saukerl, dich kann ich jetzt nicht brauchen— verschwind'!" Er war gewohnt, zum Aufnotieren seiner rchchen Einfälle sogar die Manschetten seines Liemdes zu benutze», und das führte im Haus« Strauß' zu mancher Szene, wenn gerade große Mische war und eine geniale Skizze mit den Hemden in die Wäsche wanderte, che sie der Meister auf dem Papier ausgearbeitet l)atte. Gewöhnlich freilich sammelte seine Frau Adele diese flüchtigen. Skizzen neuer Werke sorgfältig, und viele Bände mit solchen rasch hingeworfenen Melodien, die von ihm>ne bemitzt wurden, sind von ihr aufbewahrt. Selbst die unsterbliche„Fledermaus" erblickte auf solche Weise das Licht der Welt.„Sie ist eigentlich in meiner Wohnung beim Tarock geschaffen worden," berichtet darüber der erst« Darsteller des Eisenstein, Szika." Bei aller Munterkeit konnte Strauß plötzlich das Spiel unterbrechen und die Karten hinlezen..Linen Moment, meine Herren.. und schon zog er die Manschette hervor, liniierte si« flüchtig und bedeckte sie mit Noten. Beim Tarock ist z. B.„Bruder- lein und Schwesterlein" entstanden und ans der Manschette notiert worden. Hatte Strauß einen melodiösen Einsall, dann riet er mir sreudestrahlend zu:„Szikerl, ick) Hab' schon wieder was!" Außer den Manschetten dienten chm auch ander« Dinge als Notenpapier. So Hot er das Motiv zu dem Walzer„Nur für Natur" auf eine Hundertguldennote aufgezeichnet, so daß das Autogramm dadurch einen besonderen Wert erhielt. Die erste Anregung zum Kampa- Nieren van Operetten erhielt Strauß übrigens durch Ofscnbach. den großen Meister der Operette. Die beiden saßen eines Abends im Gasthof„Zum goldenen Lamm" in Wien beisammen Da rief vfsenbach plötzlich:.Lieber Strauß. Sie sollten Operette» schreibe,,!" Der Walzerkönig sträubte sich gegen diese» Gedanken, aber Ossenbach versicherte immer wieder mit Entschiedenheit:„Sie besitzen alle Eigenschaften dazu," und er hat sich nicht getäuscht. •Das neue Sowielmilglied Sine heitere Qefchichte aus dem Jlankafus Es ist noch nicht lange her, daß sich die wunderbare Geschichte mit dem Esel Arslan begeben hat, obschon die Einzelheiten dieses tatsächlichen Vorfalls eher an die alttürkischen Schwanke des Nasreddin erinnern. In Tronskaukasien gibt es bekanntlich viele Bergwerke,»die Kupfer, Manganerz und Steinsalz fördern. In einer solchen Manganerzgrube hatte ein alter Muselmann Ibrahim aus Aserbeid- schaii leichtere Arbeit gefunden. Seine Aufgabe bestand darin, die Erzmaffen vom Förderschacht zum Lagerschuppen zu bringen. Seine jüngeren Genossen besorgten diese Arbeit, indem sie das Erz auf dem Nucken oder in Schubkarren zum Bestimmungsort schafften. Der alte Ibrahim konnte es sich bequemer machen, denn er besaß einen Esel, der fast so groß und stark mar wie ein Maultier und tagsüber allemal drei Zentner spielend tragen konnte. Ibrahim war stolz aus sein Grautier und sagte zu seinen Arbeitsgenossen:„Er ist stark wie ein Löwe, deshalb habe ich ihn Arslan(Löwe) genannt." Ibrahim war ein biederer und gerecht denkender Mann. Es schien ihm doch ein wenig ungerecht, daß er regelmäßig seinen Wochenlohn erhielt, sein Esel Arslan aber, der eigentlich die ganze Arbeit verrichtete, dabei leer aueging. Er sprach deshalb eines Tages im Betriebsrat des Bergwerks vor und erklärte:„Ich bin zwar schon über die Jahr« hinaus, die in einem kammimistischen Gemeinwesen noch zur Arbeit verpflichteten, arbeit« aber trotzdem. Nur kann ich mein Tagewerk nicht ohne einen jüngeren Gehilfen leisten: dieser hat aber bisher noch gar keinen Lohn erhalten," und so bat Ibrahim, ihm eine Lohnkarte für seinen Gehilfen Arslan auszuhändigen. Der liebenswürdige Borsteher des Betriebsrats gedachte der Partciinstruktion„Nieder mit dem Bureaukratismus!" und beschloß daher, in diesem Fall von» jeder burcaukranschen Pedanterie abzu- sehen. Kurzum, unser alter Ibrahiiy erhielt ohne weiteres die Lohn» karte für seinen„Gehilfen Arslan" und kassierte jede Woche die ent- sprechende Löhnung für ihn ein. Ibrahim hatte aber noch etwas anderes zu bedenken, nämlich die Beschaffung einer Gewcrkschaftsniitgliedskarte für Arslan,— denn nur, wer diese Mi�liedschaft besitzt, hat in erster Linie Anspruch auf Mehl, Brot, Heizmaterial usw. Ibrahim als Proletarier er- hielt eine solche Mitgliedskarte für seinen Gehilfen auf ganz legalem Wege und unentgeltlich, nachdem er ihn bei der Gewerkschaft ange- meldet hatte. Daß der Esel Arslan seinerseits zu alledem ahnungslos „Ja" gesagt hat, ist seiner Natur nach gewiß wahrscheinlich. In der Weltgeschichte wiederholt sich laut Ben Akiba alles. Wenn jedoch in der imperialistischen Welt der Kaiser Caligula sein Reit- pferd, nur weil es von besonders edler Gestalt war, zum Senator ernennen konnte, warum sollte dann in einem freiheitlichen Staats- wesen nicht auch ein tüchtiger und arbeitsamer Esel wenigstens Mit- glied einer Gewerkschaft werden können? Trotzdem hat der glänzende soziale Aufstieg des Esels Arslan noch kaum drei Monaten ein jähes Ende genonimen, nicht ohne schlimme Folgen für seinen biederen Herrn, der überdies durch einen Bericht im Moskauer Zentrolorgan der Sowjetgcwerkschaftsn, „Trud"(„Arbeit"), nunmehr vor aller Welt entlarvt worden ist. Es war wälzrend der Wahlen zu den ländlichen Sowjets. Ibrahim trug, unter dem Zwang der Umstände, in die Wählerliste feines Hauses auch Arjlam ein. Der Zufall fügte es, daß der wacker« Wähler Arslan an die Spitze der Ortsliste gesetzt und infolgedessen in den Ortssowjet gewählt wurde. Di« heikle Sache kam ans Tages- licht, als der Hauswirt Ibrahim eine amtlich« Benachrichtigung er- hielt, worin„Genosse Arslan" zur Teilnahme an den Sowjettagungen aufgefordert wurde. Ein Miteinwohner zeigte Ibrahim beim Kadi an, und der alte schlaue Muselmann wurde, diesmal ohne sein Grauchen, ganz allein und zweibeinig zur volksgerichtlichen Berant- wortung gezogen. H a l i l R u st a m(Tiflis). Wann das WersE brechen? Man sagt manchmal von jemandem, er sei„an gebrochenem Her- zen" gestorben, oder man behauptet, daß Kummer und Sorge„am Herzen nagen" und daß Herzeleid den Menschen früh in die Grube fahren läßt. Können nun wirklich Menschen an gebrochenem Herzen sterben? Diese Frage beantwortet Prof. Köhler in einem Aussatz von Westermanns Monatsheften. Man darf das„Brechen" natürlich nicht in wörtlichem Sinne nehmen, sondern man versteht dar- unter das Versagen und Erlahmen der Herztätigkeit, das durch seelische Erschütterungen hervorgerufen wird und zum Tode führt. Das Herz, das ja das Lebensuhrwerk des Organismus ist, schlägt unter normalen Verhältnissen in einem wunderbaren Gleichmaß, und wir alle fühlen unmittelbar, daß der Rhythmus der Herztätigkeit in hohem Maße von unseren Erlebnissen und Gefühlen abhängig ist. Das raschere Schlagen des Herzens im Rausch der Liebe, sein ängst- liches Pochen bei Gefahren oder vor wichtigen Entscheidungen, der stürmische Puls bei plötzlichen Erregungen, die schwellenden Hals- gcsäße mit ihren raschen Blutwellen, die zu Kopf und Hirn hin- drängen und das Gesicht röten— all das zeigt, wie lebhaft das Herz beteiligt ist, wenn Angst, Ueberraschung, Zorn oder andere starke Gefühle uns überwältigen. Aber auch höhere sittliche Empfindungen, wie das Schamgefühl oder das Bewußtsein der persönlichen Würde, üben auf den Herzschlag eine Veränderung aus. An dieser Reaktion ist aber nicht nur der geistige Vorgang, son- dern vielfach auch das Herz selbst beteiligt. Dieses mit eingelagerten Neroenganglien versehene Muskelorgan besitzt eine Leistungskraft, die durch Anlage oder auch durch Uebung und allerlei Einflüsse be- stimmt wird. Ein von Natur aus schwächliches Herz oder ein Herz, das durch Alkohol- und Nikotinmißbrauch gelitten hat oder durch frühzeitige Kalkeinlagerungen in die Wände der Gesäße die normale Elastizität einbüßt, wird durch Erregungen leichter geschädigt werden als ein kräftiges gesundes Herz. Da diese Schädigungen gewöhnlich in das reife Alter fallen und andererseits seelische Eindrücke auf ältere Leute nachhaltiger und tiefer einwirken, so tritt die Gefahr der Herz- lähmung, durch die das Herz„bricht", meist erst in höherem Alter auf. Dann kann es zu den gar nicht so seltenen Fällen kommen, daß ein übergroßer Schreck oder auch eine übermäßige Freude das Herz plötzlich zum Stillstand bringt. Höusiger freilich sind es lange dauernde schmerzliche und sorgenvolle Erfahrungen, die langsam und fortschreitend die Leistungskrast des Herzens schädigen. Ist doch eine solche seelische Einwirkung auf den Körper, wie man immer Nor er- kannt hat. auch in anderen Formen möglich: sie kann einen asthmati- schen Anfall oder eine Gallensteinkolit auslösen. Zorn, Kummer und Sorge beeinflussen den Appetit und das Gewicht, rufen Störungen des Stoffwechsels und der Verdauung hervor. Neben der unmittel- baren Beeinflussung der Herznerven kann also auch eine gestörte Er- nährung des Organs ein« schädigende Roll« spielen. Auf diese Weise erklärt es sich, daß das Herz, wenn zu starke Erlebnisse auf den Körper einstürmen, wenn die Lebenslast nicht mehr tragbar ist, in den seelischen Niedergang mit hineingerissen wird und oersagt, also tatsächlich„bricht". It. Xegemann: HHlCll tVaffet Sine nähre gefchichte aus Serlin. Di« gesündesten und zukunftsreichsten Getränke sind Milch uni> Wasser. Wer etwa daran zweifelt, möge sich in Nordamerika um- sehen, dessen Entwicklung in materiellen Dingen man in Deutsch- land so gerne nachzuhinken liebt. Nirgends ist Milch so leicht zip haben und nirgends wird sie einem so reinlich und tiefgekühlt vor« gesetzt wie in den Privat- und Speisehäusern Slmerikas. Seit dem Kriege erwachte zwar in Amerika ein neuer Sport. der Alkoholschmuggel: trotzdem sind für die Mehrzahl der Menschen noch Milch und Wasser bei weitem die beliebtesten Getränke. Weun man sich in irgendeinem amerikanischen Gasthof, seiner noch so teuer oder noch so billig, an den Tisch setzt, bringt der Kellner immer als erstes«in Glas kalles Wasser, im Gegensatz zu Deutschland. wo der Kellner den Gast gern mit der Frage:„Helles oder Dunkles?" anknurrt und wo Bier in den Magen gegossen wird, lange bevor die Speisen kommen. Man hätte meinen sollen, die Not der Nachkriegszeit und die erwachende Freude am gesunden Sport in freier Luft hätte auch in Deutschland endlich dem auf- schwemmenden Biertrinken«in Ziel gesetzt(vor dem Krieg« trank in München jedermann, einschließlich der Frauen und Wickelkinder, 566 Liter Bier im Jahre). Aber Wassertrinken ist bei deutschen Mahlzeiten noch längst keine Regel geworden. Im Gegenteil, die Gasthäuser machen allzu oft noch Schwierigkeiten, wenn ein Gast sich nicht irgendwie alkoholisieren und wenigstens mit teuren Selter- wässern verkohlensäuren will. Ein besonders verderbliches Beispiel in dieser Richtung liefert eines der größten Warenhäuser Berlin», von dessen riesigem Nestau- rant sonst mancherlei Gutes zu jagen ist. In diesem riesigen Speisesaal, in dem täglich Tausende von Menschen eflen, ist es unmöglich, MUch zu trinken, und der Gast, der aus Sparsamkeit oder aus Lorliebe Wasser bestellt, setzt sich den eigenartigsten Un- gezogenheiten aus, zu denen die willenlose Bedienung durch Vor- schriften der Direktion angehalten wird. Den Kellnerinnen ist vor- geschrieben, die Bitte um ein Glas Wosier zu beantworten mit der Frage:„Wollen Sie denn etwas einnehmen?" oder sie müssen sagen:„Wasser? Ich will mal sehen, ob ich das bekommen kann.� Oder es heißt:„Das können wir in der Küche gar nicht bekommen." Da ich zufälligerweis« einen Herrn von der Direktion kenne, wurde ich bei diesem vorstellig und erhielt die freundliche Antwort:„Aber sicher, für Sie gibt es immer Wasser! Sagen Sie einfach der Kellnerin, sie wollten etwas einnehmen I' Da dieses Warenhaus dicht bei meinem Bureau liegt und ich dort oft Bekannte find«, bin ich beinahe täglich zur Wiederholung dieses albernen Schwindels gezwungen. Aber die Kellnerin darf dann immer nur ein kleines Glas, kaum größer als ein Schnapsglas, voll Wasser bringen. Ich bestelle deswegen immer:„Bitte drei Glas Wasser, ich muß dreimal etwas einnehmen." Es gibt dort an die dreißig Kellnerinnen und jeden Tag wundert sich «ine neue darüber, was für ein kranker Mensch ich zu sein schein«. Wenn man also in diesem Deutschland, das durch den Wellkrieg doch auch in wirtschaftlichen Dingen zur Besinnung gekommen fein sollte, da� Gesund« und Selbstverständliche tun will, muß man schwindeln und Krankheit simulieren. Neulich fuhr ich von Heidel» berg nach Jena im selben Abteil des Zuges zusammen mit mehreren Universitätsstudenten, aus deren Unterhaltung hervorzugehen schien. daß das Korps, und Biersauf-Studententum ijt Deutschland heute wieder genau so gedeiht wie vor dem Krieg«. Ein Geheimnis? M 3 i) R 6 f■ Neue Krafil Uu kennt brat« aar ao«b BERLIN NXChAUSSECSTR.29'30 U-Bahn Stettiner BM „Okasa"(nach Geheimrat Dr. med. Lahmsea). Das einzig dastehende hochwertige Bexnal-Kriftignngsmittel(sexuelle Nenra«Öwsdc\ Not&rlell beglaubigt© Anerkennungen von»ahlreichen Aerztea und tausende DanKsehraibea dankbarer Verbraucher beweisen die einzig dastehende Wirkung I Trotzdem gibt ee aoeh Zweifler Ir» Wir versenden daher nochmals, diskret verschlossen, ohne jede Absenderaagabe« 30 000 Probepackungan umsonst ohne Jede Verpflichtnnsr gegen 30 Pf. Doppelbrief-Porto. 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