BERLIN Dienstag 4. Zum 1929 10 Pf. Nr. 256 B 127 46. Jahrgang. erfchei«ttSslicha»ßerS»»atas«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugsorei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, S,60M. pro Monat. gledaktioo und Erpedition; Berlin SW 68. Lindenstr.S Sfullauigaße xkl n\/ofu>wf4& i aieigenprei«'. Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf.. Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkont«: Vorwürts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Deutschnationales Theater. Im Auswärtigen Ausschuß.— Auszug der Blamierten. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute vormittag in großer Besehung zusammen. Anwesend waren Reichskanzler Rl ü l l e r und die ZNinisler H! l f e rd i n g. Stresemann, Curtius, Wirth und von Guerard. Auf der Tagesordnung stand die Sachverständigenkonferenz in Paris. Reichsfinanzminister Dr. h i l s e r d i n g gab einen Ueberblick über die historische Entwicklung der Arbeiten des pariser Sachver- ständigenausschustes und behandelte die einzelnen Phasen der Der- Handlungen sowie diejengen Fragen, über die bis zur Stunde eine Einigung erzielt werden konnte. Reichskanzler Müller ergänzte diese Ausführungen und gab von einem Telegramm der deutschen Sachver st än- digen Kenntnis, worin das dringende Ersuchen ausgesprochen wird, daß innerpolitische Auseinandersetzungen bis nach Beendigung der Konserenz vertagt werden möchten. Die Sachverständigen wür- den, lediglich ihrem Gewissen und ihrem freien Ermessen folgend, die Verantwortung für ihre Entscheidungen ohne Rücksicht auf äußere Einslüfle übernehmen. Die deutsche Regierung bleibe in bezug aus Annahme oder Ablehnung völlig frei. Zn gleichem Sinne Hobe sich auch Geheimral Sastl zu den deutschen Pressevertretern in Poris geäußert. Der Reichskanzler bat, zurzeit von einer male- riellen Erörterung abzusehen. Gras Westarp fpnat.) erhielt darauf das wort zu Aus- führungen im Sinne der bekannten deutschnationalen Interpellation. Er brachte einen Antrag ein, der seht schon eine Ablehnung des Ergebnisses der pariser Konserenz fordert. Abg. Scholz sD. Dp.) erklärte, er habe wohl den Interpellanten Gelegenheit geben wollen, ihren Standpunkt zu be- gründen, meine aber, daß nun von einer weiteren materi- ellen Diskussion abzusehen sei. Er stellte den Antrag. daß die Debatte abgebrochen werde und nur noch Fragen zur Information der Abgeordneten gestellt werden sollten. lieber den Antrag Scholz kam es zu einer lebhaften Geschäfts- ordnungsaussprache, in der die Redner der verschiedensten Parteien den Deutschnalionalen das Unsinnige ihres Vorgehens vorhielten. Es sei doch ganz unnchglich, einen Antrag über das Ergebnis der pariser Konserenz anzunehmen, solange dieses Ergeb- nis noch nicht einmal richtig feststehe. Die Deutschnalionalen beharrten trotzdem auf Aussprache und Abstimmung über ihren Antrag, wobei sie nur von den Kommunisten unterstützt wurden. Schließlich wurde der Antrag Scholz von den übrigen Parteien angenommen, worauf die Deutschnalionalen den Saal verließen. Zurück blieb nur der deulschnalionale Abg. h o e h s ch, der als Schriftführer fungierte, sich aber an der folgenden informativen Aussprache durch Zwischensragen Interessiert beteilig le. bis er scherzhaft daraus aufmerksam gemacht wurde, daß er ja nur noch als Schriftführer und nicht mehr als Deulfchnationaler an- wesend sei. Die informative Aussprache endete gegen 12.15 Uhr. Erklärung der Blamierien. Die deutschnationale Reichstagssraktion erläßt folgende Er- klärung: -„Die Ablehnung der Beratung der Pariser Verhandlungen im Plenum des Reichstages wurde seitens der Reichsregierung mit dem Hinweis darauf begründet, daß die heutige Sitzung des Aus- wärtigen Ausschusses die Möglichkeit bieten solle, ausgiebig über die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Pariser Verhand- lungen zu debattieren. Diese Möglichkeit wurde in der heutigen Sigung des Auswärtigen Ausschusses von den Regierungsparteien dadurch abgeschnitten, daß sie jede Behandlung eines deutsch- nationalen Antrages aus Ablehnung der jetzt bereits be- kannten ungeheuren auf zwei Generationen sich erstreckenden Belastung des deutschen Volkes schroff verweigerten. Di« deutschnationalen Mitglieder des Ausschusses widersprachen entschieden dieser den bisherigen Zusagen direkt entgegengesetzten Unterdrückung der Kritik in einer Schicksalsfrage des deutschen Volkes und verließen in Verfolg dieses Protestes den Eitzungssaal.' Die Deutschnationalen versuchen durch diese Erklärung vergeb- lich zu oerbergen, welche l ä ch e r l i ch e R o l l e sie im Auswärtigen Ausschuß gespielt haben. Die Behauptung, chre Kritik sei unter- drückt worden, ist eine grobeUnwahrheit. denn der Ausschuß hatte die nicht gerade kurzweiligen Ausführungen des Grafen Westarp mit größter Geduld über sich ergehen lasten. Die Zumutung aber. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Freie Bahn der Arbeiterpartei. Baldwin überreicht sein Rücktrittsgesuch. London. 4. Juni. Ministerpräsident Baldwin hat sich heute vormittag nach windsor begeben, wo er vom König in Audienz empsangen wurde. London, 4, Juni. Ueber die historische Kabinettssitzung am Montag, in der Baldwin und seine Ministerkollegen beschlossen, nach fünfjähriger Amtszeit zurückzutreten, um einer Arbeiterregierung Platz zu machen, werden die folgenden Einzelheiten bekannt: Baldwin legte seinen Kollegen die Gründe dar, die ihn dazu veranlaßt hatten, jetzt schon zurück- zutreten, anstatt die erste Sitzung des neuen Parlaments abzuwarten. Er hätte zunächst den Eindruck vermeiden wollen, daß die konservative Partei die Arbeiter um die Früchte Ihres Sieges bringen wolle. Seinen früheren Zusagen gemäß nehme er daher das Urteil des Landes an. Er hätte nicht die Absicht gehabt, in irgendwelche Verhandlungen mit den Liberalen einzutreten, um sich ihrer etwaigen Unterstützung zu vergewissern. Ferner würde eine Hinausschiebung der Entscheidung es der Arbeiterpartei unmöglich gemacht haben, die Thronrede herauszugeben, worauf sie sicher- lich ein Anrecht habe. Der Zusammentritt einer Regierung Macdonald würde bis Mitte Juli verzögert werden, wodurch das Programm des Parlaments ungünstig beeinflußt worden wäre. Alles dies hätte oermieden werden müssen. Außerdem lägen auch die Ver- Hältnisse wesentlich anders als im Jahre 1923, so daß kein Grund be- stünde, die damalige Art des Vorgehens zu wiederholen. Die Gerüchte, daß Baldwin die Führung der Konservativen Partei aufgeben wolle, werden dementiert. Man erwartet viel- mehr, daß er auf einer Parteioersammlung die Lage erörtern und die Maßnahmen besprechen wird, die dazu beitragen sollen, die Leistungsfähigkeit der Partei zu erhöhen, wozu vor allem die Ver- jüngung des Personals notwendig ist. Ob Macdonald schon heute oder am Mittwoch nach Windsor gehen wird, um sich vom König den Auftrag zur Kabinettsbildung erteilen zu lasten, steht noch nicht endgültig fest. Auf jeden Fall hätte sich Macdonald dahin entschieden, daß seine Stellung viel .stärker wird— und darin stimmen seine Kollegen mit ihm überein—, wenn er dann sofort sein Arbeiterkabinett bilden könne, ohne sich um die llnlerstützung anderer Parteien zu kümmern. Die Lage ist demnach so, daß eine Koalition oder Arbeitsgemein- schast verschiedener Parteien nicht in Frage kommt, sondern die Liberalen werden zunächst einmal von den Führern der großen Parteien ausgeschaltet. Man könnte fast annehmen, daß das auf einem stillschweigenden Uebereinkommen zwischen Baldwin und Mac» donald beruht, wobei Baldwin willens ist, die Politik seiner Parter so einzurichten, daß Macdonald zunächst an der Regierung bleibt, das heißt England würde eine Minderheitsrcgierung der Arbeiterpartei aber nicht etwa von Lloyd Georges Gna�n, sondern von Baldwins Gnaden haben. Sie erklärt sich aus der erbitterten Feindschaft der beiden Parteien gegenüber den Liberalen und dem Wunsch, zum Zweiparteien- System zurückzukehren. Im Augenblick läßt Lloyd George in seiner Presse verkünden, die Liberalen brauchten sich nicht mit der Politik zu befassen, sondern könnten zum Derby gehen und die Entwicklung abwarten. Sozialisten und Regierungsbildung. Erklärung Nenaudels angesichts der internationalen Lage Paris, 4. Zuni.(Eigenbericht.) Der sozialistische Abgeordnete R e n a u d e l hat in einer Rede in Ilancy angekündigt, daß die französische sozialistische Partei be- reit sei. nunmehr an einer Linksregierung t e i l z u ne h m e n. Die internationale Lage sei heute wesentlich günstiger. Zn Eng- land sei die Arbeiterpartei in der Regierung, iu Deutschland leitet die Sozialdemokratie das Reichskabinett. Zn diesem Augenblick mühten auch die französischen Sozialisten Bedenken doktri- närer Art sollen lassen, um im Interesse einer Zusammenarbeit mit den Lruderparteien in Deutschland und England im Interesse der Konsolidierung des Friedens auch in Freankreich die Verantwortung in der Regierung zu übernehmen. Er persönlich, betonte Renaudel, werde jedenfalls alles ausbieten, um die französische so- zialistische Partei zum Eintritt in ein Linkskabinell zu bewegen, falls das Kabinelt poincares bei der Diskussion über die interalli- ierlen Schulden gestürzt werden sollte., Die sozialistische Partei des Seine- Departements hielt am Montag ein« vorbereitende Tagung für den demnächst in Nancy stattfindenden Parteitag ab. Zunächst wurden einige Entschließun- gen zur Parteid i-sziplin angenommen. Vor allem sollen künftig sozialiftlsche Abgeordnete, die eventuell wie Paul Voncour den Vorsitz in einer Kommission führen oder wie Renaudel die Be- richterstattung für ein Einzelbudget übernehmen werden, nicht mehr berechtigt sein, gegen die Parteiparole zu stimmen oder sich der Stimme zu enthalten. Weiter protestierten die Seine-Sozialisten gegen die Verschleppung der Sozialreform sowie gegen di« Wiederaufnahme des früher ausgestoßenen Abgeordneten V«- renne. ZPolHische Familien in England Unser Bild zeigt links I. Ramsay Macdonald mit seiner Tochter und seinem Sohn Malcolm, der gleichfalls als Arbeiter- kandidat gewählt wurde; rechts den bisherigen konservativen Premierminister Baldwin mit seinem Sohn Oliver, der sich «ich ins Parlament Wählen ließ, aber nicht als Konservatioer, sondern als Vertreter der Arbeiterpartei._ ®(r Mädchen als Messerhelden. (Fortsetzung von der 1. Seite.) über den deutschnationalen Antrag zu verhandeln und abzustimmen. konnte gar nicht ernst gemeint gewesen sein, soweit man die Deutsch- nationalen überharpt noch ernst nehmen will. Auch sie mußten wissen, daß ein derarties Kineinfuhrwerten des Auswärtigen Ausschusses- in noch nicht abgeschlossene Äerhand- lungen vollkommen undenkbar ist. Was sie im Auswärtigen Aus- schuß getrieben haben, war den berühmten kommunistlichen„Ent- laroungsmanövern" genau nachgestumpert, es fand daher auch solgerichtig nur bei den Kommunisten Verständnis und Unterstützung. Beutliche Antwort. Iranlfurter iLehrerverein gegen„Arantfurter Zeitung". In unzweideutiger Weise nimmt der Vorstand des Frank, surter Lehrervereins Stellung gegen die unqualisizier- baren Angriffe der„Frankfurter Zeitung" auf den Genossen Christoph König, dje an dieser Stelle bereits energische Zurück- weisting erfuhren. Eine öffentliche Erklärung des Vereins be- zeichnet die Ausfälle der„Frankfurter Zeitung" auf König als „Anmaßung und Gehässigkeit." Die Erklärung fährt fort: Di«„Frankfurter Zeitung" gibt vor, den Lehrer König zu kennen. Ihr Urteil oermag jedoch vor einer ruhigen und fach- lichen Nachprüfung nicht zu bestehen. Wir kennen den ehemaligen Frankfurter Volksjchullehrer genauer und besser als sie. Er war ein hervorragend tüchtiger und moderner Pädagoge. Er ist eine geistig hochstehende Persönlichkeit, die in sich zähe» Willen und reiches Wissen mit großem Können vereinigt. König ist, was oe- sonders hervorgehoben zu werden verdient,«'ine geboren« Führernot ur und bringt für ein Staatsamt gerade die Vorzüge mit, auf die in einem parlamentarisch regierten Staat besonderes Gewicht gelegt werden muß. In der Kampfesweise der„Frankfurter Zeitung" gegen den Lehrer König erblicken wir ein« Nichtachtung der gesamten Volks- schullehrerschast Der demokratischen Presse verwehrt niemand, für den Unter- richtsminister Becker einzutreten. Aber sie möge im eigenen Jnter- esse dabei vermeiden, nach der persönlichen wie nach der sachlichen Seite hin den Bogen zu überspannen. Sonst könnte leicht wieder einmal nachgewiesen werden, daß— wie seinerzeit bei der Debatte über die'Maiunruhen— die demokratische Presse ganz anders schreiht, als die demokratische preußische Landtagsfraktion handelt. Jedenfalls erinnern wir uns genauestens, wie in gewissen früheren Stadien der Verhandlungen über eine Umbildung der preußischen Regierung die demokratische Landtagsfraktion ihr Jnter- esse ausschließlich auf ihre beiden Parteiministcr Schreiber und chöpker-Aschoff konzentrierte. * Das„B. T." jetzt die Kontroverse fort, die hier unter der Ueber- schrift„Literatur und Politik" mit Theodor Wolfs geführt wurde. Es beschränkt sein« Antwort aus eine Frage, woraus wir uns den Schluß erlauben, daß unseren übrigen Darlegungen, wie das in einem bestimmten Punkte auch betont wird, nicht grund- sätzlich widersprochen werden soll. Diese Frage bezieht sich auf einen Artikel des Genossen E r n st Heitmann aus der Zeit- schrist„Die Glocke". Jahrgang 1917, in dem Heilmann zur Frage de« Parlamentarismus eln�n Standpunkt vertreten hat, der, wie wir gern« zugestehen, nur aus der besonderen damaligen S i tu a t i o n des intmer drohender werdenden Kriegsver- l u st e s verständlich, dagegen rückschauend aus dem Jahre 1929 nicht mehr vertretbar ist. Wenn aber das„B. T." aus diesem Fund sich ein Denkmal der eigenen Einsicht errichten will, so können wir nur unsere Genugtuung darüber aussprechen, daß hierzu immer- hin eine geistig« Rückwanderung um zwölf Jahre notwendig war. Bei anderen viel schreibenden und redenden Politikern ge- nügt gewöhnlich eine weit kürzere Zeitspanne, um aus Sätze zu stoßen, die nur aus einer bestimmten Situation begreis- lich sind, dagegen dem späteren Leser bei veränderter Sachlage un- faßbar erscheinen. Solche Sätze sollen sogar schon im„B. X." gestanden haben. Theodor W'olss persönlich wird sich gewiß noch seines Ar, tikels aus dem Herbst 1921 erinnern, in dem er anläßlich der Ab- tnnnung von Ostoberschlesien di««Ausdörrung" des verlorenen Gebiets durch Abwanderung aller Deutschen ernsthaft forderte! Wie es höchst ungerecht wäre, wegen solcher, in verständlichem Schmerz hingeworfener Sätze d-n Friedens- und Verftändigungs- Politiker Theodor Wolff zu verneinen, so geht es auch nicht an, auf Grund eines hinreichend abgelagerten„Glocke".Artikels di« Leistungen des Führers der sozialdemokratischenLandtagsfraktion aus den, Gebiet des Schaffens und Handelns in das der unsruchtbaren Theorie zu verweisen. Di« Frage des„B. T.', ob wir den Genossen Heilmann nach diesem Artikel wirklich noch unter di«„Kämpfer" und„Voll- bringer" einreihen, diese Frage beantworten nicht wir. sie wird beantwortet durch die zehnjährige republikanische Entwicklung Preußens, aus der die Mitarbeit des so- zialdemokratischen Fraktionsführers Heilmann nicht f o r t g e- dacht werden kann. Vielleicht wird später sogar Theodor Wolff anerkennen, daß dies« Tätigkeit auch dort der republikanischen Entwicklung Preußen» förderlich gewesen ist, wo sie seinem Ge- schmack nicht entsprochen und ihm persönlichen Schmerz bereitet hat. «r. Oer Krauenmord an der Havel. Auch den Kopf und einen Unterschenkel gelandet. Nach und noch tauchen jetzt auch die noch sehlendea Körperteile jenes unglücklichen Mädchen» aus der Havel auf. da» ohne Zweifel da» Opfer eines bestialischen verbrechen» geworden ist. Heute früh sichtete ein junger Mann, der aus dem Z i e g e l h o f in Spandau beschäftigt ist, mitten in der Havelströmung wieder menschliche Fleifchtoile und brachte sie mit Hilfe eines Kahnes an Land. Es ergab sich, daß er den rechten Unterschenkel mit 5uß geborgen hatte, der unweigerlich zu dem bereits vorhandenen abgetrennten Oberschenkel gehört. Kurze Zeit darauf sah ein Bovis- mann, etwas höher als am Ziegelhof. zwischen einem Schleppdampfer und einer Zille einen Kops im Waffer. Auch dieser wurde geborgen. Die Fundstelle liegt an einem großen Lagerplatz, auf dem eiserne Röhren untergebracht sind. Beide Leichenteile wurden unverzüglich dem Charlottenburger Schauhaus zugeführt, wo am heutigen Nach- mittag dir Sektisn stattfinden wird Die Frag« nach dem Sefchledst des Opfers ist jetzt endgültig entschieden. Es ist der Kopf einer etwa 25 bis Z0 Jahre allen Frau, die ihr dunkelblondes haar kurz- geschnitten trug. Die rechte Seite Ist aufgeschlagen. Es' läßt sich jetzt aber noch nicht sagen, ob diese Verletzung vor oder»och dem Tode entstanden ist. Der Tatort dürfte nach alle» bisherigen Er- nntUnngen nicht weit von den Fundstellen zu suchen seist. Blutiger Ausgang eines Bockbierfestes. Unter großem Andrang des Publikums wurden heule früh die beiden jugendlichen Mefferheldinnen Elfe Neu- in o n n und Käthe E ck l o f f. deren außergewöhnlicher Fall in der Oeffenllichkeil großes Aufsehen erregt hatte, dem er- weiterlen Schöffengericht Neukölln zur Aburteilung vorgeführt. Else N« u m a n n und Käthe E ck l o f f stehen im Alter von jetzt 18 und 181� Jahren. Die Mädchen befinden sich in Z w o n g s- erziehungson st alten. Sie waren auf- Antrag ihrer Ver- teidiger zunächst von der Untersuchungshaft verschont worden und in einem Erziehungsheim„Waldsrieden" bei Lichtenberg unter- gebracht worden. Dort haben sie dann aber bald darauf gemeinsam eine Revoiie der Aürsorgezoglinge angezettelt. Daraufhin sind sie getrennt in geschlossene Anstalten gebracht worden. Beide Angeklagte haben in Fabriken gearbeitet uiw sich dort gut bewährt. Am Tage vor dem Vorfall waren sie arbeitslos geworden. In den Zeiten, in denen sie keine Arbeit hatten, pflegten sie das Tagesheim des Ehrl st lichen Hospiz in der Steinmetzstrahe aufzusuchen, wo sie sich auch jetzt wieder hatten einschreiben lassen. Nach der Schilderung der Ange- klagten ist die Ausschreitung in der Atmosphäre des Alkohols, des Nikotins und des Tanzes entstanden. Mit ihren Freunden namens Englisch und Sehling hatten sie sich zu einem Bockbier- f e st bei Wolff in der Prinz-Handjery-Straß« in Neukölln verabredet. Sie haben dort Bockbier und Liköre in Mengen getrunken und auch viel Zigaretten geraucht. Gegen Schluß des Abends war die Gruppe der vier jungen Leute an den Schanktisch gekommen. Dort stank, der Arbeiter R« i s m a n n mit anderen lungen Leuten und deren Freundinnen. Es kam nun zu einem Streit zwischen Käthe Eckloff und Reismann. Wie die Angeklagten sagen, hatte Reismann der Eckloff ihre Bockbierfestmütze weg- genommen und wollte sie nicht herausgeben. Käthe Eckloff be- hauptet, daß Reismann ihr bei dem Streit ihren neuen Hut vom Kopf gerissen hätte. Darauf hat sie ihn geohrfeigt. Es wurde dann aber gleich darauf Feierabend geboten. Nach der Anklage und den Zeugenaussagen sollen die beiden jugendlichen Angeklagten schon im Lokal die unflätig st en Redensarten geführt hoben und von ihrem Freuivbe Englisch das Lolchmesser gefordert haben, das ihnen aber nicht gegeben wurde. Aus eine nicht aufgc- klärte Weise wurde der Neumann dann aber beim Hinausgehen das Messer doch zugesteckt und diese gab es der Eckloff. Auf der Straße überfielen die beiden Mädchen Reismonn, der zu Boden stürzte. Die Eckloff soll ihn mit dem Messer bearbeitei haben, während die Neumann aus Ihm mik den Füßen herumtrat. Lachend sollen sie dann weggegangen sein und noch Drohwortc aus- gestoß«n haben, daß man ihn hätte tot st«che» müssen. Das Messer warfen sie in ein Kellerloch. Am Morgen wurden die beiden Mädchen aus der Wohnung der Eltern der Eckloff weggeholl. Käte Ecklofs will nicht wissen, wie sie dazu gekommen sei. mit dem Messer zu stechen. Sie wiss« überhaupt nicht, ob sie dos Messer benutzt habe. Sie sei aber in Wut geraten, weil ihr der A e r in« l ihres Kleides und ihr neuer Hut zerrisen worden seien, Als Zeuge wurde sodann der Überfallene 28jährige Dachdecker Reismann vernommen. Er hatte an dem Abend den Geburtstag eines Saiigesbruders gefeiert und war dann zum Bockbierfest ge- koinmen, wo er acht Mollen Bockbier getrunken hatte. Er sej etwas angeheitert, aber nicht betrunken ge- wesen Zum Streit an der Theke sei es gekommen, weil eines der beiden Mädchen ihm die Mütze heruntergerissen hatte und beide Ihn in wüster Weise beschimpften. Insbesondere nannten sie ihn„Fliegentüte" und gebrauchten auch�sehr ordinäre Redensarten. Schließlich bot die Wirtin Feierabend. Auf der Straße setzte sich der Streit fort. Er bestritt aber entschieden, daß er dem einen Mädchen das Kleid zerrissen habe. Die eine gab ihm ein« Ohrfeige, woraus er sich zur Wehr setzte. Der' Streit schien schon beendet zu sein, als er plötzlich von hinten einen Stich bekam und bewußtlos zusammenbrach. Nach den Bekundungen dcs ' Krankenhausarztcs hatte Reismann einen Messerstich von 11 Zenti- mcter und einen von 6 Zentimeter Tiefe davongetragen. Er ist noch jetzt in seiner Arbeitsfähigkeit behindert und der linke Arm ist teilweise noch gelähmt. Es wird noch lange dauern. bis das behoben sein wird. Wie die Wahrheit ans Licht kam. Kriminalrat Gennat als Zeuge im Nogens-Prozeß. L. R. Neu-Sirelih, 4. Juni.(Eigenbericht.) Kriminylrat Gennat schild«rt heut«, wie er Fritz, August und Frau Nogens-Kähler zu ihrem Geständnis gebracht Hot. Mit dem Gesühl ti«sst«r Beschämung hört man, wie erst durch die Tätig- keit der Berliner Kriminalpolizei— nach vier Jahren— Ordnung in das Chaos der ungezählten Aussagen der Familienmitglieder Rogens kam und so ein Gesamtbild entstand, das die Behauptung des Todesurteils, niemand ander, als Jakubowiki käme als Täter in Betracht. Lügen straft«. Was wäre nicht alles der Osffent- lichkeit erspart geblieben, hätten die Neu-Strelitzer Sherlock Holmes' in der ihnen ziemenden Bescheidenheit ihre Unzulänglichkeit erkannt und sich der technisch wie wissenschaftlich durchgebildeten Berliner Kriminalpolizei von vornherein bedient! Di« Meisterschaft, mit der Kriminolrat Gennat und seine Kollegen von der Berliner Polizei sich der äußerst schwierigen Ausgabe entledigt haben, kann in der breitesten OeffenUichkest um der Sache selbst willen gls Lehr« für alle Zukunft nicht stark genug unterstrichen werden. Wie die Herren die der Tat Verdächtigen anfangs vollkommen aus sem Spiel« ließen, wie sie erst nach Erlangung einer festen Grundlage mit psychologisch fein durchdachtem Vorgehen Schritt für Schritt dl« inneren Widerstände, die den Geständnissen entgegenstanden, niedsr- rangen, das wird in der Geschichte der Kriminalistik für immer ein Schulbeispiel dafür bleiben, wie es gemacht werden kann, wenn man zur Tätigkeit eines Kriminalisten inner« Berufung und Befähigung besitzt. Kriminalrat Gennat- Berlin schildert in großen Zügen da» Ergebnis seiner Ermittlungen, die am 20. Juli 1928 begannen und im Rahmen der Boruntersuchung gegen August und Fritz Rogens und gegen PaulKreutzseldt geführt werden sollten. Im allgemeinen habe damals ein ziemliches Chaos geherrscht, so daß es nicht ohne weiteres möglich war, weilerzutommcn. Sehr aussührlich berichtet der Zeuge über da» kaleidoskop- a r t i g e W e ch s e l n in den Geständnissen der Familie Rogens. Die Berhasteten seien grundsätzlich zunächst allgemein gefragt worden. Erst dann hob« man ihnen ins einzeln« gehende Fragen vorgelegt. August habe, als man ihm eine» Brief a» seinen Bruder weg«» einer wichtigen Verabredung in Lübeck vorgelegt habe, schließ- lich einen schweren körperlichen Zusa mm e n b r u ch er- litten. Er sei vom Stuhle gesunken, habe fast eine Stunde lang gewimmert und geh«ult. Der Zeug« erklärt, er habe dieses Gebaren als körperliche Geburtswehen eines seelischen Bor- ganges empfunden in dem Sinne, daß August einsah, es sei nichts mehr zu verheimlichen, und sein Geheimnis beginge sich allmählich zu enthüllen. Frau Kühler-Nogens habe den Eindruck gemacht, daß sie bestrebt gewesen sei. etwas zu verdunkeln und daß sie irgendwie mit der Tat verbunden gewesen sein konnte. Sie habe Puch nie ihre Unschuld behauptet. Schließlich Hab« sie dann ein Geständnis dahin abgelegt, daß sie aus Anraten von Jakubowski die Abreise vollzogen habe, um den Mord an dem Kinde zu ermöglichen. Am Tatort habe August wiederholt, das Kind sei von Iaku- bowski getötet worden- Er habe die Leiche bis zu einer Schonung getragen. Auch Fritz Rogens habe am folgenden Tage am Tatort die Dinge ähnlich geschildert. Daraus habe sich das Bild ergeben, daß August mit Jakubowski vor der Kate gewesen sei. August sei dann mit seinem Mantel in die Kate gegangen und habe den spielenden Ewald herausgeholt. Dann habe an den Steinen in der Nähe der Kate Jakubowski dem Kinde die Lust abgedrückt. August habe die Leiche dann unter seinen Mantel genommen und sie dem an den Tannen wartenden Fritz übergeben, der seinerseits wieder die Leiche zum Kaninchenloch geschafft Hab«. Damit sei, so betont« der Zeuge, beinahe völlige Uebereinstimmung in den verschiedenartigen Angaben trotz mehrfachen Lougnens er- zielt worden. August Nogens bleibt bei seinem Widerruf. Im Anschluß an dies« Ausführungen des Zeugen versucht der Borsitzende nochmals. August dazu zu veranlassen, bei seinen früheren Geständnissen zu bleiben. Bors.: August, ich halte Ihnen jetzt noch einmal por: Sind die Aiiksührungen Gennat» über d>e Entwicklung dep Geständnisse r j ch t i g? Sie wären ja der erste. der out einem Geständnis herausgekommen ist! Aiigekl. August Rogens: Ich habe dos erst gesagt, nachdem mir vorgehalten war, Fritz sei bei mir gewesen. Zeuge Gennal: August war zuerst geständig!— Sagen Sie doch die Wahrheit. Menschenskind! R.-A. Dr. Müller, der Verteidiger des August Nogen»,(da- zwischensahrend): Ich widerspreche Vorhaltungen, di« der Zeug« Gennat dem Angeklagten Slugust rnadjtr Auf die Frage des Zeugen Gennot, ob sich jemand bei den Vernehmungen unter einem Druck gefühlt habe, erklärt August, es sei ihm dauernd vorgehalten worden, er würde Nächsten» zwei bis drei Jahre Gefängnis bekommen. Der Borsitzende weist hier, zu darauf hin, daß es doch unlogisch sei. daß August die Gesängnisstrose aus sich nehme, wenn er tat- sächlich überhaupt nichts begangen haben sollte. Die Angeklagten Fritz Rogens und Frau Köhler-Nogens betonen auf weitere Fragen des Zeugen Gennat. daß sie sich bei den Unter- suchungen und Derhören nicht als unter einem Druck stehend gefühlt hätten. Kriminalkommissar Gennat ist in seinen Feststellungen hin- sichtlich der Beteiligung Jakubowski» am Morde sehr vorsichtig. Er sagt, die Aussagen der Familie Rogens für sich allein sind nicht geeignet, ein« feste Grundlage bei der Beurteilung der Be- teiligung Iakubowskis on der Beseitigung dos kleinen Ewald ab- zugeben. ver zwette wichtige Zeuge in der heutigen Morgensitzung ist der Berteidiger Jakubowski», Rechtsanwall Koch. Er machte sein« Aussagen auf Grund stenographischer Protokoll« aus der erste» Gerichtsverhandlung und seiner Notizen in seinen Akten. Er erklärt unter seinem Eide, daß er die Herb«iz>ehung eines Dol- metschers in der Gerichtsoerhandlung wohl angeregt habe. Er bestreitet, noch Abschluß der Beweisausnahm« sich dahin geäußert zu haben, daß Jakubowski überführt sei.— Wie sollte er das getan haben, nachdem August seine Behauptung über dos Bergiftungsgespräch zurückgenommen und der andere Kronzeuge Hannes sich als völlig verblödet erwies«» habe! Er stellt aus seinem Stenogramm fest, daß Frau Rogens Jakubowski al» kinderlieb bezeichnet hat— in der Urteils- begründung war das direkt« Gegenteil zu lesen Erbe- stätigt, daß der Vorfitzende vor der Vereidigung dem August mit erhobener Stimme gesagt hg-b«: Wenn ich nicht wüßte, daß Sie nicht In Palingen gewesen sind, würde ich Sie s ü r den Mörder Ewalds halten. Der Zeug« schilderte ausführlich, wie die verschiedenen Eingaben Iakubowskis nach der Verwerfung der Wiederaufnahmeversuche zustande gekommen seien. Die Briefe, die Jakubowski-'geschrieben Hot, zeigen, wie schlecht«r die deutsche Sprache beherrscht«. Rechtsanwalt Koch beruft sich unter anderem auf sein Gespräch mit August, während dessen dieser ihm gesagt habe,„ich traue Jakubowski die.Tat nicht zu". Der Zeuge erklärt mit erhobener Stimme:„I ch halte nach wie vor Jakubowski für unschuldig. Die Tat ist nicht draußen, sondern in der Heidekat selbst, gleich nachdem Hannes fortgeschickt worden war, von August be- gangen worden. Jakubowski war nicht dabei." Die Bombe von Oldenburg. Zum Sprengattentat auf das Londesfinan'omt. Oldenburg, Z. Zunl. Da» Kprengattenlak auf das candevflnanzaml Oldenburg stellt sich ln seinen Wirkungen doch als bedeutsamer dar. al» es anfangs erschien Die Zerstörungen on der Außenseite des Gebäude« sind viel geringer als ln dem Gebäude selbst. Di« Verheerungen in dem weslleil der tandessinanzkasse sind so stark, daß fast keine einzig« Tür mehr unbeschädigt geblieben ist. Die Stärke der Sprengwirkung kann auch daraus ersehen werden, daß die Familie de» Hauswirte», die im Südslügel des Gebäudes wohnt, au, den Letten geworfen wurde- Li« Stadtverordneten haben in dieser Woche ihre Sitzung am Vonnerstag um 16?L Uhr. Französische Kolonialgrenel in Afrika. Paris, Ende Mai. Immer mehr sehen sich di« großen Pariser Zeitungen(sogar schon der„Tcmps") gezwungen, von dem Massensterben der Eingebore i, en iin französischen Aequatorial' Afrika zu sprechen. Wo dieses die Grenze mit dem belgischen Kongo bildet, da hat die B a t i g n o l l« s- G e s e l l s ch a s t die Konzession sür die Errichtung einer Eisenbahn erreicht, welch« die Stadt Prazzqville mit dem Ozean verbinden soll, um der belgischen Bahnlinie Konkurrenz zu machen. Solche Konzessionäre erhallen ungeheure Landstriche von 2l1li WO bis 14 Millionen Hektar auf 30 Jahre. Alles, was sich daraus befindet, gehört ihnen: Holz, Kautschuk, Elfenbein, und die Bevölkerung, die natürlich mit- gekauft wird. Zur Errichtung der Eisenbahnlinie verwendet die Batignollbs-Kesellschaft die billigen Eingeborenen. Bor dem Krieg empfing jeder schwarze ungelernte Arbeiter SO Centimes bis 1 Franken pro Zehnstundentag, jeder Träger einer Last von 30 bis 40 Kilo(oder mehr) einen Franken für je 40 Kilometer. Während das Gehalt für die europäischen Verwalter sich mindestens verfünf- facht«, während man vom Schwarzen heute noch mehr an Arbeits, kraft und Steuern erpreßt als vorher, erhält er heute nur 1,7S Fran- ken(30 Pfennig) sowohl als Arbeiter wie als Lastträger(vor dem 1. Januar dieses Jahres nur 1,S0 Franken) für 10 bis U Stunden Arbeit. Aus allen Dörfern werden die Eingeborenen zusammen- gepeitscht, um an der Konstruktion der Eisenbahnlinie mitzuwirken. Nach 18 Monaten Hungern? und obdachlosen Umherirrens kommen sie überhaupt erst an ihrer Arbeitsstätte an. Die offizielle Sta- tiftik gibt zu, daß IS bis 20 Proz. bereit? während dieser elenden Fußreise oereirden Bei der außerordentlich schweren Arbeit sterben weitere 37 Proz. jährlich. Die vollkommen unhygicnisch eingerich- ieten Krankenhäuser sind überfüllt und nur Vorkammern des Todes 8000 lebendige Arbeiter braucht die Batignolles-Gesellschaft ständig für ihre Konstruktionen. Die Rassen Bayas, Bandas und Sargs sind infolgedessen nahezu am Aussterben, Die wenigen, die wirklich die drei Jahre aushallen, brauchen wieder zwei Jahre für die Heim- kehr. Auch dabei sterben etwa ZO Proz, Von 50 Menschen kehren nach etwa fünfjähriger Abwesenheit nur zehn, manchmal nur zwei, manchmal nur einer h'e> m. Antonetti, der französische Generalgouverneur von Aequawrial- Afrika, schweigt sich aus, Soll er etwa dagegen auftrrten, daß die europäischen Verwalter und Beamten den Schwarzen nc-h er.ien Teil ihres kärglichen Lohnes rauben, und daß sie sich die Frauen der Eingeborenen bringen lassen, um an ihnen alle möglichen Lüste aus- zulassen? Der Schwarze, der etwa sich zu beklagen wagt, hat Gutes gewiß nicht zu erwarten. Man legt oft nasse Tücher aus die Stelle des Eingeborenen, die man peitschen will, um alle Spuren der Perversität zu vertuschen. Je langsamer die Bauarbeiten vorangehen, desto mehr haben die Schwarzen zu leiden. Und die Arbeiten gehen nur im Schnecken tcmpo weiter! Nur zehn Kilometer baut man pro Jahr! Für die letzten neun Jahre macht das nur 90 Kilometer.. Die schwierigsten und gebirgigsten Stellen kommen erst! Alle Geräte bekommt di« Batignolles-Gesellschaft billig aus das Konto der deutschen Natural- lieferungen. Sie läßt sich nun für die Konstruktionen große Eni- schädigungen und Vorschüsse zahlen. Je langsamer die Arbeit vor sich geht, desto mehr zahlt die Kolonie. Ursprünglich sollte di« Ge- sellschast sogar alle ihre Auslagen doppelt zurückerstattet bekommen! Im vorigen Jahr wurden 65 Millionen für die Eisenbahnlinie aus« gesetzt, während alle anderen Ausgaben in Aequatorial-Afrika zu- sammcn nur 35 Millionen ausmachen. Jetzt haben die schwarzen„Freiwilligen" zur Selbsthilf« gegen den europäischen Kapitalismus gegriffen! Sie haben ihr« Dörfer aufgegeben, und so können die Schutzleute sie vergeblich suchen. Auf einem Gebiet, das größer ist als ganz Frankreich, ist dieser passive Widerstand ausgebrochen. Dies ist das erstemal in der Geschichte von Aequatorial-Afrika. Schon machen sich die Folgen de- inerkbar. Die Steuern tzehen spärlicher ein, di« Kautschuk- und hl« Palmennußernte leidet. Für das nächste Jahr steht eine wohnsinnige Hungerperiode bevor. Di« Wut der weißen Vorwalter deginnt zu toben. Sie zerschossen grundlos das Dorf„Village-ds-la-Femme-Chef" im Sanghn-Gebiet, rein aus Ber- gnügcn, mit allen seinen letzten Einwohnern. Jetzt denken sie daran, versuchsweise zunächst 800 indochinesisch« Arbeiter nach Aequatorial- Afrika zu transportieren. Wie der Negerführer Renä Maran ini„Journal du Peuple" mitteilt, kommt der Millimeter der Bahnlinie auf 6,50 Franken, und 2000 Neger lassen pro Kilometer ihr Leben daran. Genügt das wirklich nicht? Kurt L«nr. Oer Spion. Spielereien der Beschäftigungslosen. Man darf der deutschen Reichswehr ein gewisses Mitleid nicht versagen. Sie leidet—- materiell und seelisch— unter dem Mangel eines ein st hasten Daseinszwecks. Für innere Unruhen genügt die Schutzpolizei, äußere Kriege kommen nicht in Betracht! und wenn sie in Betracht kämen, so könnte die aller wirksamen Kriegsmittel entkleidete Reichswehr dabei auch nichts nützen. Aber eine— nun einmal vorhandene— Körperschast verlangt nach Beschäftigung. Der Mann, dem ernsthajte Arbeit oersagt ist, beginnt als Ersatz zu spielen. Nur sind leider die Spielereien einer militärischen Truppe nicht so harmloser Art wie die Skat- uird Tarock- Partien braver Münchener Privatiers. Immer wieder erstehen aus diesen Spielereien inner- wie außenpolitische Gefahren größten Ausmaßes, die gerade deswegen so ausreizend wirken, weil sie wegen eines tatsächlichen Nichts hervorgerufen wurden! Eine solche Spielerei war zum Beispiel die Schwarze Reichs- wehr, ein« militärisch wertlose und auch zissernmäßig lächerlich ge- ringe Truppe(ihre Höchststärke mit allen Reserven betrug 6000 Mama). Was uns diese Spielerei aber inner- wie außenpolitisch gekostet hat, braucht heule nicht gesagt zu werden. Beschäftigungslose Offiziere werden durch ihren Spieltrieb meist dazu verleitet, Aufmarsch- und Feldzugspläne auszu- arbeiten. Diese häufen sich dann in Archiven auf. In Deutschland ist das meist d'« Tätigkeit der Ojfiziere, die bei den vaterländischen Jäher Schrecken. hatte gerade mein Kapital vor den deutschen Steuern auf die Bank von Engtand verschoben?" Verbänden Anstellung gesunden haben. In anderen Ländern gibt es dafür besondere Generqlstäbe. So besaßt sich auch der Generalstab der tschechoslowakischen Republik mit der dauernden Ausarbeitung militärischer Mobilmachungspläne, die wohl für Zeit und Ewigkeit beschriebenes Papier bleiben werden. Denn dieser an sich sriedsertige Staat mit seinem Nationalgegensatz zwischen Deutschen und Tschechen ist weniger als irgendein anderer zu einer ernsthaften Kriegs- führung befähigt. Am allerwenigsten denkt wohl ein Mensch an einen Krieg zwischen Deutschland und der T s ch e ch o s l o w a k e i. Er wäre lächerlich genug angesichts der Tatsache, daß in der Tschechoslowakei mehr als 3 Millionen Deutsche wohnen. Aber auch die Tschechen, die einen ausgesprochenen Pazif isten zu ihrem Präsidenten be- stellt haben, sind solchem Abenteuer gänzlich abgeneigt. Man er- zählt: als die Tschechei wegen des ungarischen Karls, Putsches im Jahre 1921 di« Mobilmachung anordnete, da rückten nur die braven, an uyerschlltterlichen Gehorsam gewöhnten deutschen Rekruten ein. Die Tschechen blieben zu Hause...! Aber die Mobilisierungspläne sind einmal da, stapeln sich in feuersicheren Tresors auf dem Hradschin, das läßt sich nicht leugnen. Solcher Eifer bleibt auf den Tätigkeitsdrang der Gegenseite nicht ohne Einfluß Macht der andere Pläne, so muß man selbst dahinter kommen, Man(reibt also Spionage. Zu diesem Zweck wird ein tschechischer Generalstabsoffizier bestochen, der zu den Plänen Zutritt hat, er bekommt 8000 Mark pro Monat sowie einen deutschen Paß aus den Namen„Friedländer"(wohl, damit im Entdeckungsfalle die Schuld auf die Juden abgeschoben werden kann?!), und dieser Mann trägt nun fleißig an Sonn- und Feier- tagen die tschechischen Mobilisierungoplän« nach Dresden, wo sie photographiert werden und dann unbemerkt in ihren Prager Safe zurückzuwandern. Einmal aber läßt der llnglücksmann seine Aktenmappe liegen. Merkwürdig: immer bleiben in der Weltgeschichte diplomatische Aktenmappen mit kompromittierendem Inhalt liegen(vergl. den deutschen Attachä B o y- E d in New Dork während des Welt- krieges), Di« Frage, welche unterbewußten Triebe diese Vergeßlich- keit auslösen, wäre der Beantwortung durch einen Siegmund Freud würdig! Doch— Psychoanalyse beiseite! Das Unglück ist jedenfalls ge- Ichchen und der Skandal ist da. Zwischen zwei friedfertigen Län- dern, deren Bewohner— mindestens zu 99 Proz. gerechnet— ein- ander kein Haar krümmen wollen! Alles, weil beschäftigungslose Militärs ihre Spielereien nicht lassen können. Wäre es nicht prak- tischer, die Beschäftigungslosen abzubauen?!)fmatban. Griechenlands erster Giaaispräsideni. Konduriotis mit sechs Siebentel Mehrheit gewählt. Athen. 4. Juni.(Eigenbericht.) Di? beiden grischischen Porlamentshäuser wählten am Montag in gemsinsamer Sitzung mit 259 von 309 Stimmen den bisherigen proptsorischen Präsidenten und früheren Kronregenten K o n d u- r i o t i s zum ersten ordentlichen Staatspräsident en. Am Mittwoch erfolgt die Eidesleistung. Ministerpräsident D e n i z e l o s wirb dann formell seine Demission geben, aber sofort wieder er- nannt werden._ Die Abteilung Lichtenberq der..Freien Arbeiter- Schmb-Der- einigung Groß-Verlin" oeranstnltel am hsuligen Dienstag. 20 Uhr, im Spieilokal Schüler. Wühlilchstr. 36.«ine» Werdeobeich. All« Jnteressenton au» Partei-, Reichsdonner- und Sportekre-isen sind herzlichst eingeladen. Eintritt frei und unverbindlich. Deutsche Maler �7S0-ckSS«. Neben der erlesenen Retrospektive der„100 Jahr« Berliner Kunst" im Moabiter Glaspalast hat man jetzt auch Gelegenheit. seltene Kostbarkeiten aus der gesamten deutschen Kunst jener Epoche zu bewundern. Die Münchener Kunstausstellung Heldin g, die seit einigen Jahren eine Filiale Matthäikirchstraßs 12 besitzt, Hot mit außerordentlichem Glück diese Sammlung aus Privatbesitz zu- sammengebracht und zu rechter Zeit für die Besucher der„Festspiel- wachen" neben den Moabiter Schätzen bereit gestellt. Zweifellos soll die Kunst von heute unserem Herzen am nächsten stehen: nie wird an dieser Stell« versäumt, auf dies« erste Pflicht der Lebenden hin, zuweisen. Betrachtet man aber das Angebot der Gegenwart, wie es sich im Verein Berliner Künstler und in der„Großen Berliner" manisestiert, so muß man eine künstlerische Ueberlegenheii der Leute vor 100 Jahren unbedingt feststellen. Dies gilt für den Vergleich der momentanen Ausstellungen. Für das Verhältnis der 5kunst von 1820 und 1920 an sich ist damit noch nichts gesagt. Freuen wir uns, daß wir zwei solche Höhepunkt« in unserer bildenden Kunst besitzen. � Daß das erste Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts sich als einen Höhepunkt vor der Nachwelt herausstellen wird, können wir nur hassen. Daß aber die romantische und biedermeierliche Epoche zwischen 1790.und 1830 sich als wahren Gipfel erwiesen und de- währt hat, wird sür den klarblickenden Betrachter immer osfenbarer, und eine Ausstellung, di« verborgenes und bisher ganz unbekanntes Material herbeibringt, wie die Helbingsche, muß ihn in seinem Glauben bestärken. Noch ist d«r Ruf dieser Maler,, nicht über Deutschlands Grenzen gedrungen,«her schon sind die Preis« seit dem Ende d«r Inflation im Inlands gewaltig gestiegen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß bei der stets schmäler werdenden Basis des Kunstmarktes sehr bald die begehrlichen Augen des internationalen Handels auf pi» Schätze der deutschen Romantikerzeit gelenkt werden: bis dahin sollt« alles Wertvolle ist festen Händen unserer Museen sein. Wi, sehr wir innerlich den Dingen, di« hier ausgestellt sind. nah« gekommen sind, beweist das unterschiedslos« Entzücken gegen- über ihren sehr verschiedenartigen Leistungen. Man wird allerdings nicht leicht eine Sammlung, die von Chodowiecki bis Achenbach reicht, von einer fo hohen Qualität finden. Das ist das Er- staunliche und der Grund, warum so mannigfaltige Richtungen mit gleicher Entschiedenheit bejaht und geliebt werden können, wie das malerische Rokokoporträt der Füger, Edling er und F. A. Tischbein, die Romantiker und Nazarener vom Anfang des 19. Jahrhundert, die Biedermeiertünstler und die Vollender eines neuen malerischen Realismus, wi« Schirmer, Rud. o. Alt, Niederns und A. Achenbach. Aus dies« vier Schlag- warte etwa läßt sich die Fül�e des Materials zurücksühren. Wobei die stärksten Lebensäußerungen des deutschen Kunstwillevs weitaus dominieren: die beiden Zweige der Romantik, der klassizistisch- nazarenische und der landschastliche, und die intensive Realistik des eigentlichen Biedermeiertums. das in äußerster Bestimmtheit der plastischen Form und Klarheit der Lokalfarben sein Ideal sah. Hier dominieren die beiden wesentlichen Kunststädte der Epoche: München, das in Ouaglio, Dillis, Wagenbauer, 2. A. Klein, B ü r k e l, W i l h. v. K o b e l l die stärksten Typen ruhevoller fein beobachtender Landschaftskunst hervorbrachte, in R o t t m a n n, Ferd. v. Ol i vier und Spitz weg den Weg zu einer dreifach spezifizierten Romantik fand: und Dresden, da« in Dahl, C. D. F r i« d r i ch und K e r st i n g die bedeutendsten Vertreter der echten schroermutsvollen Romantik gab, in R a y s k i den Anschluß an den monumentalen Realismus von 1860 fand. Daneben ist Berlin nicht vergessen: Hofemann, Krüger und Eduard Meyerheim erscheinen mit der charmanten Trockenheit ihrer Lebensbeobachtungen. Hamburg mit dem herrlichen Was mann, Wien mit seinem in Landschaft wie Porträt gleich großen Wald. mstller und den fulminanten Bildnismalern P e t« r K r a f f t und A m e r l i n g. Der nazarenische Komplex, auf der«inen Seit« tlaistzistisch ein- gestellt durch sein« uvselig« Lieb« zu Rassael. aus der anderen die Verbindung init der Natur durch eine wunderbar heroisierende Landschaftskunst aufrecht erhaltend, bildet gleichwohl den Höhepunkt für den wahren Liebhaber der Epoche. Man sieht erstaunliche Proben von Carstens, dem genialen Bahnbrecher des Klassizismus(der außerhalb der Museen fast zun� erstenmal erscheint) von Over- beck, Psorr, Ramboux, Schnorr, Führich u. y.: man findet Kostbarkeiten der spätromantischen Klassizisten E e n« l s i und Schwind. Und man entdeckt die schönsten Gemälde des alten I. A. Koch, die zum Teil nach niemals ge, zeigt waren und die Bs- deutung dieses großen klassischen Lqndschaster» für die deutsche Kunst von neuem in glänzendstes Licht setzen, von Martin Rohden und R e i n h o l d, und ganz auserlesene Aquarelle von R e i n h a r t, H o r n y und dem herrliche» Karl F o h r, dessen sieghasten Aufstieg ein allusrüher Tod im Tiber jäh beendet«. Or, Lqul F. Sehmidt. Hohenzollern-�eklame in den Museen. Man schreibt uns: Die Znschrist Dr. Volkers„S. M. Im prä- historischen Museum" im..Abend' zeigt mir, daß«in von mir beobachteter ähnlicher Fall nicht eine Einzelerscheinung bar- stellte. Im Juli vorigen Jahres fand ich im Zeughaus Unter den- Linden an dein Modell eines Kllstengesckstitzes folgenden Hinweis: „Geschenk Friedrich Krupp. Eigentum S. M. des Kaisers und Königs Wilhelm II." Durch Eingreifen der Republikanischen Be- schwerdestelle ist dann der Text entfernt worden. Ich gehe tn de? Annahme wohl nickst fehl, daß m anderen Museen unserer Republik ähnlich«„WilHelm-Reklame" geduldet wird, was bisher nicht bekannt wurde. Wir haben leider nur zuviel Andenken an die herrlichen Zeiten Wilhelms, und es sollte wahrlich an der Zeit sein, auch den verantwortlichen Herren unserer Museen klar zu machen, daß ihre Institute nicht zur Hohenzollern-Reklame da sind. Oer Llmbau des Einffein-Turmes in Potsdam. Da die wissenschaftlichen Einrichtungen und die zur Verfüglinz stehenden Räume des Einstein-Turmes in Potsdam nicht mehr der Entwicklung in der Instrumenten-Technik genügen und der Platz für die zahlreichen in diesem Objervalarmm arbeilenden sremden Gelehrten nicht ausreicht, hat sich die Notwendigkeit einer Erweiterung ergeben. Man plant auf der einen Seite«ine Erweiterung in bau- sicher und wissenschaftlicher Beziehung, aus der anderen Seit« sieht man einen völligen Neubau des Einstein-Turmes vor. Di« preußische Bau- und Finanzdirektion bearbeitet augenblicklich beide Pläne in architektonischer Hinsicht, während aus Kreisen der Wissenschaft bereiis zahlreiche Verbesserungsvorschläge vorliegen. Die Verwirk- licksting eines dieser Pläne wird von den Mitteln aibhängen, die für diesen Zweck zur Bersügung gestellt werden können. Welttongreß der Arbeiter-Esperantiften. Vom 4. bis 10. August findet in Leipzig der 9. Kongreß der proletarischen Esperantisten statt. Die Vorarbeiten des Kongresses sind im Gonge. Bereits mehr als 450 Teilnehmer aus 25 Ländern haben sich zur Teilnahme angemeldet. Di« Besucherzahl dürfte b'e Tausend bei weitem übersteigen. Der Rat der Stadt Leipzig utch die Stadtverordneten haben in freundlicher Erkennung der vAk«» oerbindenden Ziele der Esperantosprache und-bewegung 2500 M. als Subvention ausgeworfen. Während der Dauer des Kongresses ist im Kongreßtokal, dem Leipziger Volkshause, ein eigenes Postamt im Dienst, dos alle Postsachen mit einem eigens hergestellten Stempel versieht. Während des Kongresses werden aber nicht nur rein organl� satirische oder Sprochensragen erörtert, sondern es finden alle Tag« Fachsitzungen der verschiedensten Organisationen statt, um die prak» tische Verwendung des Esperanto immer mehr in den Vordergrund stellen zu können. So sind vorgesehen Fachfltzungen für die Jugend, Frauen, Freidenker, Sportler, Radioamateure, von Gewerkschaften sowie von Parteien. Die in Frage kommenden verbände werden gebeten, zu diesen Fachsitzungen ihr« offiziellen Vertreter zu eist- senden. Zugelassen zu diesen Fachsitzungen sind alle Sprachen, hin- gegen wird nur Espeoanto al» Uebersetzungsspeach« verVendet. vlolo aus jiddisch. Die„Dialoge" he» Ploto erschienen soeben in Warschau in einer jiddischen Uehersetzung von Jakob Milch. Da her Uebersetzer für sein Wert keinen jüdiichen Verleger finden konnte, mußte er es im Selbstverlag herausgeben. Jakob Milch«rließ in der jüdische» Presse einen Aufruf, die erschienenen drei Dialog, zu abonnieren, um ihm die Möglichkeit zu geben, die gesamten Werr« Platos in jiddischer Sprache zu veräsfentlichen. Leider haben dl« steptischen Verleger diesmal recht behalten, denn dl« Rachfrage nach Platos„Dialogen in jiddischer Sprache" ist sehr schwach. vi« Eröffnungsvorllellung I» der VolksbShne in der nächsten Spielzeit unter der lunsllerische» Leitung von«arl Heinz Mirtln wird Bflchnei? .Danton« Tod- lein. Die«uSstatlmia bejorgl Edward Suhr. Ben Lianto,,� spielt Hans Rehmarm. d«« �tobelpierre"»aUer Areuch de» ,6t. In' Peter Loire. Lustgelder im Lustetat. Kritik an der bodenlosen Gubventionswirtschast. Der Ausschuß für den Reichshaushalt beriet in der Montagsitzung den Haushalt des Reichsverkehrs- m i n i st e r i u m s. Dieser Etat gehört mit dem des Reichswehr- Ministeriums zu den u m st r i t t e n st e n des ganzen Reichshausholts. Insbesondere bildete der Haushalt der Luftfahrtabteilung des Ministeriums den undurchsichtigsten Teil im gesamten Haus- haltsplan. Er bestand in der Hauptsache aus zwei großen und mehreren kleineren Sammelsonds mit so dehnbaren Zweckbestimmungen. daß wohl kaum ein Verwendungszweck zu finden war, der nicht mit Leichtigkeit unter die Zweckbestimmungen eingereiht werden könnte. In keiner Abteilung irgendeines anderen Reichs- Ministeriums tonnten daher die betreffenden Ministerialbeamten so uneingeschränkt und losgelöst von jeder parlamentarischen Kontrolle über Riesensummen für Subventionszwecke verfügen wie hier. Der Kampf der Sozialdemokratie gegen diese Ver- Hältnisse, der zuerst in den Spalten unseres Balttes aufgenommen wurde, blieb jahrelang ohne besonderen Erfolg. Der Zwang zur Sparsamkeit beim Etat 1929 führte schon in der Regierungsvorlage zu größeren Kürzungen und brachte endlich in formeller Hinsicht eine Zergliederung und Aufteilung der großen Sammelfonds, die eine ganz andere Uebersicht über den Etat und Durchdringung der einzelnen Posten als bisher er- möglicht. Dazu kam, daß nunmehr der Rechnungshof des Deutschen Reiches in seinen soeben veröffentlichten Bemerkungen zur Reichshaushaltsrechnung für 1926 die Etatsgebarung der Luft- fahrtabteilung in ausführlichen Darlegungen und in einer Weif« kritisierte, an der keine Partei mehr vorübergehen kann. So war es nicht nur Genosse Hünlich, sondern auch die Abgeordneten Ersing(Ztr.) und Dr. Cremer(DVP.), die in der allgemeinen Aussprache schärfste Kritik über die bisherige Suboentions- Politik des Ministeriums und die damit erzielten Erfolge übten. Es war bezeichnend, daß die genannten beiden bürgerlichen Ab- geordneten drohten, daß, wenn nicht im Ressort des Verkehrs- Ministeriums endlich ganz klare Verhältnisse geschaffen würden, man dazu kommen müsse, nach den Bestimmungen der Reichshaus- Haltsordnung die Personen hastbar zu machen, die die von den Steuerzahlern mühsam erarbeiteten Steuermittel in einer Weise verausgabten, die das Parlament nicht decken könne. Zum Schluß der ollgemeinen Aussprache nahm der neue Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald zur Beantwortung an ihn gestellter Anfragen das Wort und erklärte u. a.: Die künstige Stellung der Reichsbahn werde sich in den nächsten Tagen entscheiden. Sie müsse aus der internationalen Umklammerung heraus und noch weitere Erleichterungen erfahren, damit sie sich entwickeln könne. Die Reichsbahn sei zurzeit für politische Zwecke mit 1100 Millionen Mark belastet, für die Zunkunst betrage die Belastung, die die Reichsbahn aufzubringen haben werde, vor-' aussichtlich um 600 Millionen Mark. Der an den 1100 Millionen noch fehlende Rest bleibe dann eine innerdeutsche Angelegenheit. Im laufenden Jahre rechnet die Reichsbahn mit einer Einnahme einschließlich der Beförderungsstcuer von 5,7 Milliarden, die Reichspost mit 2,6 Milliarden. Insgesamt dürste die deutsche Volkswirtschaft für die Beförderung von Menschen, Gütern und Rachrichten jährlich 11 bis 12 Milliarden verausgaben. Das ist etwa der sechste bis siebente Teil des deutschen Volkseinkommens. Einschließlich der Personalausgaben, Ruhegehälter usw. entfallen mehr als 70 Proz. der gesamten Einnahmen auf die überwiegend politischen und die Personalausgaben. Mit den restlichen 30 Proz. bewcgungsfähiger Ausgaben könne die Reichsbahn in ihrer gegen- wärtigen Verfassung allen den verschiedenen an sie gestellten An- forderungen nicht nachkommen, da insbesondere sowohl ihrer Tarifpolitik wie auch ihrer Anleihepolitik relativ enge Grenzen gezogen sind. Die Wasserstrahenpolitik des Deutschen Reichs fei in den letzten Iahren lebhafter Kritik ausgesetzt gewesen. Das fei verständlich. 1921 habe das Reich die Wasserstraßen der Länder durch Staatsoerträge übernommen. Nun drängen die Länder und die interessierte Wirtschaft auf die Verwirklichung der vom Reich übernommenen Vertragsverpflichtungen, während auf der anderen Seite vom Reichstag, der die Mittel aufzubringen hat, ein« Ver- langsamung im Tempo des Ausbaues der Wasserstraßen verlangt wird. Es scheine ihm auch, daß weiten Kreisen der Sinn der Wasser st raßenpolitik nach nicht ausreichend bekannt sei. Dieser Sinn gehe dahin, es soll« der große Nutzen, den die im jährlichen Abflußoorgang dem Weltmeer zuströmenden Wasser- Massen zu schassen oermögen, möglichst gesteigert und der Schaden, den sie anrichten können, möglichst oermindert werden. Für diese Zwecke werden zwei Drittel der Zuschüsse an die Wasser- Wirtschaft verausgabt, während nur ein Drittel der Zuschüsse Ver- kehrsbedllrfnissen dient. Die Verpflichtungen an die Länder wegen des Mittellandkanals, auch des Südflügels, müssen ersüllt werden. Streitig sei eben nur das Tempo. Auf die Kritik bezüglich der Luft- fahrtabteilung werde er in der nächsten Sitzung in der Spezial- beratung eingehen. Zerstörte nationale„Ziauschgiste". Die Erinnerungen der Frau Ludendorff. '••ttj Frau Margarete Ludendorff hat in ihrem schon erwähnten Buch:„Als ich Ludendorffs Frau war"(Drci-Masken- Verlag, München), mancherlei HistckHen und Histörchen aus dem Weltkrieg berichtet, die wirklich des Ausschreibens wert waren. Sie vermied dabei ängstlich jede näher« Charakteristik des Ehe- manns Ludendorff und verbreitete sich im allgemeinen nur über Situationen und Menschen, die ein gewisses Interesse als handelnde Personen des großen Weltkriegdramas zu wecken wissen. Luden- dorff selbst ist von ihr als Krieger und Politiker gezeichnet worden, ober über den Kriegszustand in ihrer und nach ihrer Ehe hat sie taktvoll geschwiegen. In dieser Hinsicht ist ihr Betragen durchaus einwandfrei. Dagegen hat Erich Ludendorff sie als eine durch Morphium und„andere Rauschgifte" zerstörte Frau beschimpft, jedenfalls um mit dieser Brandmarkung die Erzählungen seiner ge- schieden«» Frau zu entwerten. Das wird ihm nicht gelingen: denn gerade die Schilderungen der Frau Ludendorff über die Beteili- gung ihres Mannes am Kapp- und Hitler-Putsch sind durch eine Fülle eidlich beglaubigter Tatsachen verbürgt. Aber auch bei diesen Schilderungen beobachtet Frau Ludendorfs eine ge- wisse Zurückhaltung. Wir hören aus ihren Berichten vor allem den General Ludendorff reden— und diese Reden klingen heute für ihn sehr kompromittierend. Da berichtet die Frau unter anderem eine d i e deutschen Führer des Weltkriegs sehr anklagende Ge- schichte, die man überschreiben kann: Feldherrnruhm und Massenopser. „Moltke-Nachfolger war General von Falkenhayn. Unter seiner Führung haben Hindenburg und Ludendorff schwere Zeiten gehabt. Genau wie bei Tannenberg haben sie die anderen Schlachten schlagen müssen, ohne genügende Streitkräfte zur Verfügung zu haben. Eine Division nach der anderen wurde weggezogen. Man nahm ihnen geflisientlich die Möglichkeit zu neuer Betätigung im großen Stile und tat es zweifelsohne in der Absicht, ihren Kriegsruhm nicht allzusehr anwachsen zu lassen... Ich erinnere mich noch gut an die Briefe Ludendorffs aus jener Zeit. Sie waren nichts als eine große Anklage gegen Falkenhayn...." Daß damit Falkenhann zur höheren Ehre Ludendorffs eines furchtbaren Verbrechens am deutschen Volk geziehen ward, ist der Schreiberin wahrscheinlich gar nicht zum vollen Bewußtfein ge- kommen. - In einer anderen Erzählung streift Frau Ludendorff die „Lügenberichle" der Obersten Heeresleitung. Sie erzählt nämlich:„Der Kronprinz tat in einem Jnterwicw die Aeußerung, er habe es immer bedauert, daß das Ansehen Deutsch- lands so sehr unter den Lügenbericktcn der Obersten Heeresleitung gelitten habe. Die Aeußerung kam hemm, und Ludendorff war schwer gekränkt. Denn er zeich- nete während des Krieges die Heeresberichte, und so war er es, den der Vorwurf des Kronprinzen traf. Ludendorff gab mir eine Erklärung dafür, daß die Meldungen von der Front, nament- lich in den letzten Monaten, nicht ganz der Wahrheit entsprechen dursten: In der Heimat gärt« und brodelle es wie in einem Hexen- keflcl. Unzufriedenheit und Mißstimmung loderten an allen Ecken und Enden empor. Durch günstig gefärbte Heeres- berichte hoffte ich die kleinmütige Menge«mporzu- reißen und zuversichtlicher zu stimmen. Beunruhigend« Nachrichten von der Front hätten nur Angst und Entsetzen bereitet. 3n der �of macht man aus der Lüge eme Tugend. Als das Krönprinzenpäar' dann nach München kam, ließ es Ludendorff unbeachtet. Seit der Zeit hat er, wenigstens in meiner Gegenwart, den Namen des deutschen Kronprinzen nicht mehr ausgesprochen." Ein historisches Interesse hat Margarete Ludendorffs Bericht über die Entlassung Ludendorffs. „Wenige Tage nach den oben erwähnten stürmischen Szenen im Reichstag wurden Hindenburg und Ludendorff zum Kaiser befohlen. Er war sehr ungnädig und richtete seine Vorwürfe hauptsächlich gegen Ludendorff. Seit dem groß angelegten und so kläglich gescheiterten Vormarsch im Frühjahr sei Deutschlands Lage ganz schlecht. In harten, heftigen Worten machte der Kaiser seinem Unwillen Lust. Das war«in schwerer Schlag für Ludendorff. Er fühlte sich aufs bitterste gekränkt und antwortete dem Kaiser:„Zu meinem großen Schmerze muß jckj aus den Porwürfen von(?urer Majestät erkennen, daß ich das Vertrauen von Eurer Majestät nicht mehr besitze, und daß mein Wirken an der Front keine Gnade mehr findet vor den Augen von Eurer Majestät. Darf ich untertänigst um meine Entlassung bitten?" Der. Kaiser stutzte, überlegte einige Minuten und erwiderte- „Ich danke Ihnen, wenn Sie gehen. Sie erleichtern mir dadurch die Lage ungemein, ich werde versuchen, mir mlt Hilfe der Sozialdemokraten ein neues Reich auszubauen.. Ich stand am Fenster, als das Auto Ludendorffs kurz nach 11 Uhr vormittags zurückkehrte. Ich wunderte mich, daß er fo schnell von dieser wichtigen Unterredung zurückkam und fühlte mich seltsam beklommen. Totenbleich trat er ins Zimmer und ließ sich schwer in einen Sessel fallen. Fast tonlos kam es von seinen Lippen: „Der Kaiser hat mich fortgeschickt. Ich bin ent- lassen." Er starrte lange regungslos vor sich hin. Wie sehr ich mich bemühte, es geläng mir nicht, ihn zu trösten und aus seinem finsteren Brüten herauszuziehen. Ich fragte:„Wer wird dein Nachfolger?" „Ich Hab« Kuh! vorgeschlagen." Ich weiter:„Warum nicht Secckt?" Ludendorff:„An den Hobe ich nicht gedacht." Damit sprang er auf und stieß die Worte hervor:„Du wirst sehen, in vierzehn Tagcu haben wir kein Kaiserreich und keinen Kaiser mehr!" „Die traurige Prophezeiung," sagt die Frau Ludendorffs,„sollte zur Wahrheit werden." Frau Ludendorff berührt kurz die Abweisung Ludendorffs durch Rupprecht. „Ludendorff war an vielen Bewegungen beteiligt gewesen, die keineswegs zum Wohle des Vaterlandes ausgeschlagen waren. Ich bin überzeugt, daß Kronprinz Rupprecht dem deutschen Kronprinzen nicht verschwiegen hatte, wie Ludendorff ihm seine Dienste anbot, als von der Aufrichtung eines neuen katholischen Kaiserreichs unter den W i t t e l s b a ch e r n die Rede war. Ludendorff war damals bereit, dem neuen Herrn die Treue zu schwören, die er dadurch der preußischen Dvnaltie brach Kronprinz Rupprecht wies Ludendorffs Anerbieten zu- rück. Seitdem hegt« Ludendorff auch tiefen Groll gegen den bayerischen Kronprinzen, der nach dem Hitler-Putsch zum Aus- druck kam." Nach diesen Proben ungeschminkter Erzählung begreift man, weshalb Ludendorff feine frühere Frau zur„Morphinistin" zu stempeln sucht! Wird doch durch ihre Aufzeichnungen die Wirkunz so vieler nationalistischer„Rauschgifte", die in und nach dem Weltkriege von Ludendorff und Konsorten dem deutschen Volke eingeflößt wurden, hoffentlich für immer zerstört. L. K. Zeuge Ludendorff. Enisprach sein Eid im Iagow-Prozeß der Wahrheit? Di« jetzt als Buch erschienenen Erinnerungen der g e s ch i e- denen Frau Ludendorff geben der„Jllustr. Republ. Ztg." Anlaß, auf die Rolle hinzuweisen, die seinerzest der Zeuge Ludendorff im Jagow-Prozeß spielte. Damals, im Dezember 1920, beschwor Ludendorff solgend« Aussage vor dem Reichsgericht: er habe lediglich aus der Zeitung erfahren, daß die Brigade Ehrhardt in Berlin einrücken wolle: nur als un- beteiligter Zuschauer habe er seinen berühmten S p a. zicrgang um 6 Uhr früh am Brandenburger Tor unternommen. Diese Zlussags, bemerkt die„J. R. Z.". werde jetzt durch Darstellung der Frau Ludendorff. wonach Ludendorffs Wohnung das Zentrum der Verschwörung war, in dem die Lüttwitz, Pabst, Bauer, Trebitsch- Lincoln ujw. ein- und ausgingen, völlig widerlegt. Besonders vernichtend für Ludendorff sei es, daß er seiner Frau gesagt habe: sie dürfe von nichts wissen, damit sie jederzeit ihre Nichtbeteiligung an der Sache mit gutem Gewissen beschwören könne: Die„3. R. Z." kommt zu dem Schluß: Die Feststellungen seiner ehemaligen Frau geben uns Ver- anlafsuna zu der Behauptung, Ludendorff hat im Jagow-Prozeß nicht nur nicht die Wabrheit gesagt, sondern mehr als olles oerschwiegen und sich damit bewußt einer gröblichen Eides- Verletzung schuldig gemacht. Man darf mit Spannung abwarten, wie Herr Ludendorff auf diese Anschuldigung reagieren wird. Als nach Beendigung des Iagow-Prozeffes der„Vorwärts" die Anklage erhob:„D.er Ge- neral Ludendorff ist ein erwiesener Hoch- Verräter", hat Ludendorff bekanntlich— geschwiegen! Wird er jetzt den Vorwurf der Eidesverletzung ebenso schwei- gend hinnehmen wie seinerzeit den des Hochoerrats? Wird er das Nichtwissen von der'Verschwörung, das er seiner Frau empfahl, aber für seine eigene Person dann beschwor, nach den Enthüllungen der Frau noch behaupten? Diese Frage sollte auch den Staatsanwalt interessieren! 3)er präparierte Schädel Eine Spezialität der Indios von Ecuador bildet das Präpa- rieren von Men sehen schädeln auf ein Drittel ihres früheren Um- fanges. Diese Schrumpf- köpfe, spanisch„Csberss re. ckuzidas", geben getreulich die ursprüngliche Physiognomie bis zum feinsten Barthaar wieder. Eine Muschelkette um den Hals Und ein buntes Federband um das blaufchwarze Haar beleben den umheimlichen Mumienkopf, der auf traditionelle Weife schon seit Jahrhunderten präpariert wird. Aus dem abgeschnittenen Kopf werden sämliche Knochen- teile entfernt, die Haut durch Eintauchen in eine Pflanzen- läfung zum Schrumpfen ge- bracht und dieser Prozeß, bei dem der Mund durch Baum- wollfäden geschlossen bleibt, durch Einführen passender er- hitzter Steine fortgesetzt. Ob- wohl der Händel mit die- f e n Köpfen in Ecuador streng untersagt ist, verkaufen die Eingeborenen doch die einzelnen Exem- plare zum Preise von 60 Dollar pro Stück. Ein deutscher Artist, der kürzlich von einer Zirkusrundreise durch Südamerika zurück- kehrte, brachte vier solcher Schrmnpsköpfe mit, die er im Futter seines Sattels vor den Augen der Polizei zu verstecken wußte. Die vier Neichswehrioien. Das Eisenbahnunglück von Laußnitz. Laußnitz bei Königsbrück, 4. Juni. Zu dem Eisenbahnunglück aus dem hiesigen Bahnhos wird weiter milgelellt, daß es sich bei dem verunglückten Zuge um einen Transportzug der 1. und 5. Eskadron des 7. preußischen Reiterregiments handelt. Zn dem entgleisten Wagen befanden sich sechs Mann und sechs Pferde. Der Waggon wurde etwa 40 0 Meter weit geschleift, wobei er umstürzte, ver Zug kam dann zum Stehen. Es find tot: Unteroffizler Frank, Ober- gefreiter Milde. Fahnenjunker F ö r ft e r und Fahnenjunker S l m r o k, die sämtlich der 1. Eskadron des Reiterregiments 7 an- gehören. Die beiden anderen in dem Wagen befindlichen Soldaten wurden leicht verletzt. Die Truppen waren am Montag früh 5� Uhr von Breslau abgefahren, um an Hebungen des Regimentsr-erbandes auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück teilzunehmen. Kurz hinter dem Halrehäuschcn des Bahnhois Laußnitz entgleiste ein Wagen und stürzte bald darauf um. Der vorhergehende Wagen wurde mit der Hinterachse aus den Schienen gehoben, wodurch sie Kuppelung zerriß. Die Lokomotive fuhr mit dem ersten Drittel des Zuges, der im ganzen 57 Wagen umfaßte, weiter, während der ent- ■gleiste und umgestürzte Wagen von den hinter ihm fahrenden Wagen etwa 8gMetcr weiter mitgeschoben wurde. Die Dcrua- glückten hatten bereits die Pferde gesattelt und die Stahlhelme aufge- setzt. Sie wurden durch die offene Wagentür hinausgeworfen, kamen unter die Wagenwände zu liegen und wurden völlig zermalmt. Die Körper waren kaum wieder zu erkennen. Im ganzen waren 220 Mann und 250 Pferde in dem Unglückszugs. Von den Pferden wurde nur eins oerletzt. Wetter für Versin. Unbeständig und kühl mit emze'nön Regen. schauern und auffrischenden West- bis Rordwestwinden� Für De Isch- land. In Sübdeutschland herrscht Verschärfung der Regenfälle, in Rorddeutfchland noch vielfach Schauer, überall kühl. Verannvortlich für di« Zledaktioo: Frau»«Wh», Brrlrn: Kne-igen: Th. Berlin Berlag: Borwärts Verlag(9. m b i>., Berlin. Druck: Vonvart» Buch. druckcrei und Lcrl-gsanftalt.Paul Singer& Co.. Berlin£38 68, Llndenstrake 8. Hierzu 1 Beilage. föeslage Dienstag, 4. Juni 1929 ZprWmck StialauijCfa&e de* I�uh£<6 Sexuelle Kindheitserlebnisse Von Dr. Marie Kalau vom Hofe Di« Erkenntnis, dcn wie entscheidender Bedeutung die kindlichen Sexualerlebnisse� für dns fernere Leben dez Menschen sind, bricht sich immer mehr Bahn. Der Rervenurzt, der Kinder und Er� wachsen« in ihren Nöten sieht, ist täglich wieder von neuem er, schüttert darüber, in wie großem Umfang unsere Kinder und Jugend, lichen Opser van Sittlichkeitsoerbrechen und sonstigen sexuellen, Schädigungen werden und wie verheerend deren Auswirkungen sind. Bon um so größerer Wichtigkeit ist es, daß Eltern und Erzieher über diese Dinge Bescheid wissen, damit sie vorbeugen und ab wenden können. Die Form der Sexualangriff« auf Kinder ist außerordentlich mannigfaltig, von einfachen Spielereien an kleineren und größeren Mädchen und Knaben bis zu grober Verletzung, zur Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und bei geschlechtsreifen Mädchen bis zur Schwängerung. Als Orte kommen vor allem die öffentlichen An- lagen und Spielplätze in Frage, ferner Badeanstalten, Turn- und Spurtplätze. Hier treten oft anscheinende Kinderfreunde auf, die die Kleinen durch Lockungen verschiedener Art an sich ziehen, um sich dann ar: ihnen zu befriedigen. Speziell diejenigen, die sich homosexuelle Befriedigung an Kindern suchen, wissen sich häufig Einlaß in Turn- und Sportvereine, Teilnahme an Ausflügen usw. zu verschaffen. Ander- von ihnen locken die Jungen in Straßentoiletten. Hausflure und Keller sind ebenfalls beliebte Schauplätze für diese Dinge. Oft handelt«s sich um einmalige Angrisse oft um sortgesetzte Anlockungen derselben Kinder durch dieselbe Person. Den Kindern werden auch kleinere oder größere Geschenke gemacht(besonders Geld), durch schwere Drohungen werden sie zum Schweigen ihren Angehörigen gegenüber gezwungen. Erst dadurch, daß die Kinder Geld aus unbekannter Quelle haben, ost auch nur durch ihr ver- ändertes Wesen, werden die Eltern aufmerksam und erreichen durch vieles Fragen endlich, daß das Kind sich ihnen anvertraut. Nur allzuviel« unserer Kinder nehmen aber den Eindruck solcher Erlebnisse mit ins Leben, ohne daß jemand versucht hätte, ihnen Rat und Hilfe zu geben. Viele von ihnen werden sich erst später klar darüber, um was es sich damals eigentlich gehandelt habe. Daß unter denen, die die Kinder geschlechtlich verletzen, nur all zu häusig auch näher« und nächste Verwandte sind, ist eine be- kannte Tatsache. Diese Jnzestfrage(Geschlechtlicher Berkehr zwischen nahen Verwandten: Eltern und Kinder, Geschwister untereinander) ist ein Gebiet für sich und muß in anderem Rahmen besprochen werden. Es sind übrigens nicht allein die ausgesprochenen Sittlichkeits- verbrechen, die vom Gericht verfolgt werden, welche die Kinder so schwer schädigen. In nieten Fällen handelt es sich von vornherein um rein psychische Schäden, die die Kinder allein durch das, was sie hären und sehen, erfahren. Daß die Exhibitionisten, die, ohne den Kindern zu nahe zu kommen, sich ihnen zeigen, sie erschrecken und seelisch schädigen, bedarf keiner Erörterung mehr. Es gilt aber dasselbe von obszönen Zeichnungen, wie man sie in den Eisenbahnen, den öffentlichen Toiletten usw. ost findet. Bei vielen Kindern genügen allein Redensarten, grob-sexuelle Witze und Neckereien, um zur Entstehung von Schäden irgendeiner Form bei- zutragen. Diejenigen unter diesen Kindern, die zu ehren Eltern oder Pflcgepersonen— wenigstens in geschlechtlichen Dingen— nicht das nötige Vertrauen haben, ihre Erlebnisse aber andererseits nicht für sich behalten können, werden damit zu den Kameraden gehen, und das, was in liebevoller Besprechung geklärt und erleichtert werden könnt«, wird durch die Heimlichkeit der Kinder untereinander und den Nimbus des Verbotenen herabgezogen und entstellt Mit großer Häusigkeit werden die zurzeit schlummernden Sexualtriebe des Kindes angefacht und frühzeitig zur Betätigung gedrängt. Das Kind neigt dann zu sexuellen Spielereien und Erzählungen, erfüllt seine Phantasie mit sexuellen Inhalten und sucht sich„Aufklärungen" an verkehrter Stell«. Bei großer Triebhaftigkeit sucht es neue Sexualerlebnisse von sich aus auf, allmählich kommt es dann— viel zu früh— zur Gewöhnung, das Geschlechtsleben wird jo herabgesetzt und das seelische Miterleben wird ausgeschaltet. Andere Kinder, die an sich weniger triebhast sind, dagegen zu stärkeren Hemmungen neigen, drängen infolge des großen Erschreckens und wegen des„Berbotenseins" ihre Erlebnisse möglichst aus dem Bereich des Bewußten heraus. Das Erlebnis bleibt aber dennoch in der Seele des Kindes wirksam und man schält es eines Tages heraus, wenn man nach den Ursachen der psychischen Störungen forscht, die dem Kind später das Leben erschweren. Die verletzende Wirkung solcher Sexualerlebnisse in der Kindheit reicht aber auch oft weit in dos Leben der Erwachsenen hinein und wird oft genug, auch bei ihnen noch, als erste Auslösung für psychische Erkrankungen speziell für Schwierigkeiten im späteren Sexualleben erkannt, und es bedarf schwerer und langer Be- mllhungen des Arztes, um sie zu beheben. Daß die Oeffentlichkcit die Pflicht hat, ihr Möglichstes zu tun. um unsere Kinder vor so drohenden Gefahren zu schützen, ist selbst- verständlich. Man sollte ober auch nicht vergessen, sich an die betreffenden Menschen selbst zu wenden, die diese Gefahren in sich trogen, meist, weil sie infolge eigener Schwierig- feiten ihr Triebleben nicht in der Hand haben.(Es sind mit großer Häufigkeit solche darunter, die selbst in ihrer Jugend ähnlichen Der- lctzungen ausgesetzt waren und dadurch zu geschlechtlichen Störungen kamen.) Sie müssen wissen, von welcher Tragweite ihr Handeln sein kann, und wenn sie nicht allein fertig werden, beim Arzt Rat holen, damit ihnen selbst geholfen wird und andere vor Schaden bewahrt bleiben. Zunächst und vor allem aber müssen. wie das schon eingangs erwähnt wurde, all« diejenigen um diese Dinge wissen, die mit Kindern zu tun hoben und für ihre Ent- wicklung mitverantwortlich sind: das sind die Eltern und Pflege- eitern in erster Linie Nur wenn sie sich über die Gefahren, denen ihr« Kinder an Seele und Körper durch die sexuellen Traumen(Ber- letzungen) ausgesetzt sind, klar sind, können sies ver- neinlen. Sie an die Reltungswachc gewiesen. Gegen dieses Ver- halten des Arztes läßt sich vom ehrengerichtlichen Standpunkt nichts ettnwcndcn. » Aerztliches Ehrengericht Geh. Sanitätsrat Dr. Kachle r." So sieht es mtt den Ehrbegriffen des ärztlichen Ehrengericht» für Berlin aus: S t a nd e s w i d r i g ist es, wenn zwei Aerzte der Bevölkerung beziehungsweise ihren Patienten' durch Karten die Niederlassung oder die Veränderung der Praxis mittellen, nicht st a n d e s w i d r i g ist es ober, wenn«in Arzt in einem dringenden Fall die Hilfeleistung versagt, beziehungsweise sie von der sofortigen Zahlung eines Honorars abhängig macht! Wie heißt es doch so schön in dem Beschluß dieses Ehrengerichtes, mit dem Dr. Roßkamm ver- urtellt wurde:„Ein Arzt darf nicht in der Ausübung seines Berufes lediglich eine Quelle persönlichen Gelderwerbs sehen, und er muß alles vermeiden, was auf seilen des Publikums den Anschein zu erwecken geeignet ist, daß er sich selbst den lediglich aus Gelderwerb ausgehenden Kreisen der Bevölkerung.. Dem ist nichts hin- zuzufügen. �leckicus. Copyright Bücherkreis aus„Viermännerbuch' (3. Fortsetzung.) Aurtisen und die Jungfer Hoffmann. Ganz oben im Dachstock der Kaserne wohnten auf der einen Seit« der verrückte Burtisen und aus der anderen Seite die Iungser choffmann. Der Burtisen war überall dafür bekannt, daß er„spann", und zwar einen ganz kräftigen, dauerhaften Faden. Soviel ich weiß, ist er auch ein paar Jahre lang in unserer Irrenanstalt Stephans- feld in freier Kost und freiem Logis gestanden. Er hielt'» nie aus in fester Arbeit. Meist taglöhnerte er in der Kiesgrube oder bei irgendeinem Fellschaber, bei einer Arbeit, die so schmutzig war, daß sie niemand sonst niachen wollte. Im Frühjahr hatte er seine beste Zeit. Da zog er auf den Dörfern draußen von einem Bauern zum anderen und äugelt« denen die Rosenstöcke oder pfropfte ihnen die Obstbämne. Bei dieser Hantierung mtißte er vollständig unter Spiritus stehen, das war seine Religion, sonst wuchs nichts an. Das Geld, das er bei diesen Gelegenheitsarbeiten verdient«, setzte nie Grünspan an; er sorgte behende dafür, daß es sich blank rollte. Das meiste fuhr ja in Köhlys Taschen. Gewöhnlich kam Burtisen erst spät in der Nacht heim. Sehr spät sogar, aber imnier fröhlich, immer lustig. Angefeuert vom Alkohol, der in ihm rumorte, machte er meistens solchen Krach, daß die ehrsamen Bürger aus ihren warmen Betten krochen und die Läden aufmachten, weil sie meinten, es sei eine Schlägerei und es gäbe etwas zum Schauen. Denn nach hinten knickende Zähne und flutschendes Blut sieht auch der bravste Bürger gern, vorausgesetzt, daß es sich nicht um sein eigenes Blut und um seine eigenen Zähne handelt. Es war aber, wenn der burtisensche Krach anging, nie«in« Schlägerei. Es war nur das Abspulen der gröbsten Nummer seines Wortgarns. * Unmittelbar neben der Kaserne wohnte Steinbrecher, der weit und breit gefürchtete Polizeikommissar. Aber da erwies sich der sonst so blöde und wilde Burtisen als ein geriebener Menschenkenner. Sobald er in die kommissarische Gefahrzone kam, wo es unter Um- ständen ein Protokoll setzen konnte, sing er zu brüllen an:„Prächtig ist Berlin! Prächtig ist Berlin! Es lebe unser Kaiser Wilhelm! Es lebe unser braver Herr Polizeikommissar!" Dank diesem patriotischen Getuse kam er jedesmal ohne behördliche Anstände davon. Denn die Sorte Leute, die den Kaiser Wilhelm hochleben ließ, wenn auch nur im ärgsten Tran, die war in unserem sundgauischen Grenzzipfel nur spärlich daheim. Solche Keime mußten geschont werden! War der Schnapsrausch besonders heftig, so fand sich der Burtisen gewöhnlich nicht mehr zurccht im Haus, und mehr als ein- mal kam es dann vor, daß er den Schlüssel statt in sein Türschloß in das der Jungfer Hoffmann steckte. Die war dann der Meinung, das wilde Mannsbild hätte es auf sie abgesehen und wolle bei ihr einsteigen. Deshalb erhob sie in solchen Fällen ein herzzerreißendes Hilfegeschrei, so daß es Nachtausruhr im ganzen Haus gab. Dabei mar die Jungfer dreiundsiebzig Jahr« alt, einer wohlerhaltenen, ein- getrockneten ägyptischen Mumie vergleichbar, und halte somit von einem männlichen Wesen ganz gewiß nichts mehr zu befürchten. Und wenn es selbst der besoffene Burtisen war. Sonst merkte man nur wenig von der Jungfer. Sie lebte da, ganz eingesponnen in ihre Dachstube, mit einem alten, wunderlichen Kater zusammen, dem wir gern unsere Jndianerpfeilc auf den Pelz schössen, weil er dann, wie ein Blitzzug so schnell, absauchte, die Dachrinne entlang, steif und kerzengerade den Schwanz in die Luft streckend. Sonst hott« sie zu ihrer Gesellschaft weiter niemand, als eine Versammlung von Blumentöpfen, die hinter den Brise-bise an den Fenstern standen, die mageren, durchsichtigen Stengel sehnsüchtig nach dem Licht gereckt. Wer jemals von der Straße her die Jungfer Hoffmann erblickt«, der sah sie nie anders, als mit ihrer kleinen grünen Gießkanne in der Hand, wie sie den Blumen Wasser gab, und man konnte meinen, es sei nur ein gelber, ousgebeinter Toten- köpf, der da über den Geranien schweb«. Sie kam zuletzt gar nicht mehr unter die Menschen. Nur zwei- mal in der Woche ging sie die hohe Treppe hinunter, einmal zum Einkaufen, das ander« Mal früh zur Messe. Plötzlich hieß es, sie fei tot. Wir wollten es zuerst gar nicht glauben. Sie war so unbemerkt gestorben, wie sie gelebt hatte. Als sie auf den Gottesacker getrogen wurde, ging außer unserem Doter und außer den drei I kein Totengast hinter der Leiche. Nur das Kopfschütteln der Leute folgte ihr. Das war ihr Nekrolog. Ihr großes Zimmer, in das lange niemand hinein wollte, mietete endlich der Vater, und da wurde ich mit meinen Brüdern zum Schlafen einquartiert. Am Anfang war's uns etwas unheim- lich zumut, besonders wenn der Kater des Fräuleins nachts miauend die Dachrinne herkam und dann, den Schwanz steif gereckt, wie ein Seiltänzer auf dem Seile auf dein Streifen Mondlicht im Ziinmer ging und nach setner alten Herrin suchte, die doch nicht mehr da war, sondern die schon lang« auf dem Friedhof unter Blumen und Würmern lag. Seine grünen, phosphorischen Kateraugen brannten mir noch lange In alle Knabenträume schreckhast hinein. Die Kaserne würde heute noch stehen, wenn nicht der verrückte Burtisen in einem seiner Mordsräusche sich statt in seinem Zimmer auf dem Holzboden zum Schlafen niedergelegt hätte. Weiß der Teufel, was dieser maßleidige Christ da gebosget hat. Kurz und gut. morgens um eins, da faß der rote Hahn schon auf der ganzen Dachfirst, schwang die Feuerflügel und war nicht mehr zu vertreiben. Der Vater schlug die Tür mit der Holzaxt ein? mit knapper Mühe retteten wir Hose und Leben. Da der Kilbe wegen gerade Freinacht war, erwischte die Feuer- wehr in ihrer Besoffenheit statt der Feuerspritze den Totenwagen, der ebenfalls mit einer Zeltplane zugedeckt im Spritzenhaus stand. Bis die Pompier» ihren Irrtum merkten und mit der richtigen Spritze angewackelt' kamen, da waren schon die drei Böden der Kaserne durchgebrannt und alle» hin, Rumpee und Stumpes. Nur die Umfassungsmauern standen noch: aber nicht lange; denn schon kamen die Feuerwehrleute mit Feuerhaken und rissen die Mauern ein. Waren die um. so mußte die Versicherung die ganze Schadens» summe blechen, und es gab als Belohnung ein kräftige» Freibier. Außerdem, die Dame Schosseh hatte es ja. Nachdem die Feuerwehr abgerückt war, suchte Lieni der Schmied eine Stunde lang überall nach Burtisen, um dem Brandstifter, dem elenden, wie er sagte, im Namen der Geschädigten den Ranzen zu verhauen.... Aber er fand diese Nacht den Säufer nicht. Erst am anderen Tage stieß einer beim Aufräumen auf Burtisens Uhrkette. Seltsamer- weise war sie ganz und nicht vom Feuer zerschmolzen. Das war alles, was von dem Irrenhäusler übrigblieb, ein eiserner Rest. Alles andere hatte die Flamme gefressen. Oer Lumpensammler vom Basler Mist. Burtisens Nachfolger in der Seltsamkeit war zweifellos der Lumpensammler Martischang. Doch hielt er sich bedeutend stiller als der Spinnersmann. Der war nur dann auf der Straße, wenn die Sonne schien. Kam er verstohlen in«inen Hof hinein, so streckte er erst seinen Schatten vor, wie eine Schnecke ihr Horn, und war jemand da, so blieb der Schattenkopf nicht lange stehen, sondern ging sofort ins Verschwinden. War aber die Lust rein, so schob sich der Schotten dem Körper nach, auf dem gespenstisch der rotblaue Säuserkopf saß. Und ein paar wasserblaue Augen, in denen die Fische des Stumpfsinns schwammen, zuckten umher, ob sie etwas fänden. Denn Martischang schob alles in seinen großen Sack, was seine Finger nur ergreifen konnten; rostige Nägel, Papierfetzen, Stoffreste, leere Konservenbüchsen, Lumpen, Knochen, Glasscherben, 5zobelspäne, kurz, alles das, was sonst der Kreislaus des Lebens als unbrauchbar auf den großen Abfallhaufen gesetzt hat. Geduldig schaute er in den Boden hinein und las Stück um Stück zusammen, den Buckel kätzijch zum Absprung gekrümmt, so, als warte irgendwann und irgendwo ein« Portion Prügel auf den Absaus. Und manchmal fuhren sie auch wirklich los, wenn urplötzlich die Schelt- und Keifworte einer alten Frau wie Pfeile im Fluge daherzischten und den Tagdieb, den elenden und nichtsnutzigen Lumpensammler, wie er genannt wurde, vertrieben. Da drückte sich Martischang stillschweigend an der Mauer oder am Lattenhag davon; aber die Fischlein des Stumpfsinns, die bisher in seinen Augen schwammen und nur harmlos mit den Flossen ge- wippt hatten, wurden auf einmal zu giftgrünen, graugeschwollenen Haien, die die Wasser der Seele durchpeitschten und die das schreck- liche Schuppenmaul aufsperrten und alles verschlingen wollten in rasender Gier. Wen dieser Blick aus der Wildnis traf, der mußte erschrecken, und alle Atemschläg« standen ihm still ob dieser Woge des Hasses und ob des Hasses Getier. Dann ging der Martischang in die nächstbeste Wirtschaft und soff sich� einen Ballon an(wenn das Geld langte) und alle Wut explodierte in Faustschlägen aus die buchsbaumene Platte. Die anderen Gäste glotzten nur verächtlich auf sein aufrührerisch Getu. Di« hatten Schmer am Bauch und Geld iin Sack, und mit dem Martischang wäre keiner— Fraü, streich mir den Schnauzbart! — jemals an den gleichen Tisch gesessen. Schon übel genug, daß sie die gleiche Saolluft mit ihm einatmen mußten! So paßten sie nur auf wie Häftlemacher, bis der Martischang den Krakeelhengst aus dem Stall zog, und sobald der die ersten Wieher tat, ging einer der Bürger hinaus an den Fernsprecher, und schon war auch der Gendarm da oder der Ortsdiener, und der Martischang flog in hohem Bogen aufs Trottoir hinaus, daß die alten Gelente im Aufschlag krachten und ihm noch tagelang hinter- her olle vierzehn Rippen weh taten. So schleppte sich sein Leben hin im Pendelschlag, immer von fremden Kräften angetippt, bald geduldet und übersehen, bald ge- hetzt und angespien. Die Furchen in seinem Gesicht sahen aus, wie mit einem scharfen Messer aus dem Fleisch herausgeschnitten, eine Versammlung von Unheimltchteit, und Heimonn, der Iud, wenn er ihm für seine Lumpen und Knochen und Scherben und Alteisenstücke den Zahltag gab, legte lieber zehn Pfennig mehr zu für den Sack, bloß um den finsteren Gast eher los zu werden. Kein Mensch hat den Martischang jemals essen sehen, nur trinken, und da nur immer grünen Absinth, der auf der Zunge brennt, t�id preußischen Kornschnaps oder Kartoffelgeist, von dem der Wirt für drei Sou ein Glas gestrichen voll schenkt, froh, daß er das Zeug los wird. Im Sommer konnte es vorkommen, daß der Lumpensammler seinen Sack beiseite legte und auf ein paar Wochen verschwand. Das war immer zur Zeit, wenn das Wasser im Rhein so wann ist, daß auch die jungen Mädchen den Schrecken verlieren und zum Baden gehen. Da lag der Martischang im Schilf hinter den Weiden- stumpen auf der Lauer wie ein Tier, und wenn die jungen Dinger sich auszogen, daß an den Achseln und Brüsten und Schenkeln das helle Fleisch herauslam, strich der Mann aus seinem Versteck her- aus mit heißen Augen die ganze Schönheit ab und kapselte sie bei sich ein: denn was er da stahl, mußte wieder für ein ganzes Jahr langen. Besonders ein Wesen war da, das ihm über die Maßen gefiel, eine kleine, braune Bachstelze voll Glitz und Beweglichkeit, mit einer Stimme, die erschießenswert schien und alle anderen Klänge der Welt auslöschte. Da konnte der Martischang auch ohne Absinth de- trunken im Schilsrohr liegen, die Augen zu, das Gesicht auf zum Himmel gewendet, nur des Windes leichte Hand über sich, die über Riedgros und Schilfkolben fuhr. Da fing seine Vergangenheit an wie ein Ameisenhaufen aus- kinanderzulaufen: es war auf allen Seiten lebendig. Und die Mädchenstimme, die er von ferne reden und lachen hörte, brachte sein« Jugend herauf: mit übermütigen Schritten kam sie daher. Er selber war wieder jung, so nah stand ihm olles. Aber wenn er es greifen wollte, das lockende Bild, war die Gegenwart da. Da war das Leben grau, der Himmel gewitterig überzogen, das Mädchenlachen hinabgesunken. Und sehr oft schlugen dann die schweren Tropfen des Regens darein. Aber der Martischang blieb liegen, bis in die Nacht, mochte der Regen rauschen, wie er wollte. Jetzt mar er doch kein Mensch mehr, der zu hoffen oder zu fürchten hatte, jetzt war er nur noch ein Stück Erde, nur noch ein Stück Stein. Sein Herz schlug fern, irgendwo im innersten Innern der Erde, kaum, daß er's noch hörte. So fanden ihn die Schiffsleute oft, die ihre Weidlinge am Morgen früh gegen die Strom von Kembs nach Basel zogen. Sie weckten ihn auf, weil er wie«in Toter dalag und gössen ihm einen Schnaps ein. Der brannte ihn in das höllische Leben zurück, und die Fische in seinen Augen wedelten wieder, und er nahm seine müden Knochen und schleppte sie heim in seine Blechhütte auf dem Bafeler Mist.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Das nervöse Amerika. Im New-Porker medizinischen Zentrum ist ein neurologisches Institut eingeweiht worden, das als einziges in den Vereinigten Staaten ausschließlich der Vorbeugung, Heilung und Forschung auf dem Gebiet der Nervenkrankheiten dienen soll. Bei dieser Ge- legenheit wird eine Statistik mitgeteilt, aus der hervorgeht, daß in den Vereinigten Staaten jeder 25. Bürger einen Teil seines Leben» wegen Erkrankung der Nerven oder des Geistes in einem Hospital zubringt. 20 Millionen Dollar nach 20 Jahren! Amerikanische Zeitungen berichten über den abenteuerlichen Kampf, den ein Erfinder mehr als 20 Jahre lang um sein Recht geführt hat. Der Erfinder George Campbell Carson ist jetzt in den Besitz von 20 Millionen Dollar gelangt, die ihm von der American Smelling and Refimng Ey. und der Ayaconda Eopper Mining Cy. zustanden. Carson, der jetzt 63 Jahre alt ist und früher«in ein- facher Metallarbeiter war, hatte einen Ofen für die Kupfergewinnung erfunden, der gegenüber dem bisher angewandten System erhebliche Verbesserungen aufwies. Im Jahre 1966 hatte er darauf ein Patent genommen, doch dauerte es neun Jahre, bis Carson mit seinen Patentansprüchen durchdringen konnte. Mittlerweile hatte die American Smelling und die Anaconda die nach dem System von Carson gebauten Oefen bereits in Betrieb genommen und oer- weigerten die Auszahlung jeglicher Lizenzgebühr an Carson. Dieser wandt« sich erbittert noch„Bad Lands" im Westen der Dereinigten Staaten, wo er ein ziemlich ungeregeltes Leben führte. Versuche, die Mittel zur Geltendmachung seiner Ansprüche zu erlangen, schlugen fehl. Schließlich wurde er krank und wandte sich nach Dlenzta«. 4. Juni. Berlin. 16.00 Qerhart Pohl: 6 etiles, die keine waren. 16.30 Dr. Max Osboro: öottlried Schadow. 17.00 Unterhaltunxsmosik Kapelle Cmll Roäsx• AnschlieOend: Mitteilunxcn des Arbeitsamtet Berlin-Mitte. 1M0 Stunde mit Büchern,(Am Mikrophon: Prof. Dr. rritt.) 19.10 Robert Bredow: Welche Aufgaben hat der OrtsausschuB des Allgemeinen Deutschen Qewerkschaftsbundes? 19.36 Prof. Dr. Hans Reichenbacb: Einführung In die Naturphilotephle der Gegenwart. 20.00 Sendespiele:„Wo die Lerche singt", Operette. Musik von Prang Lehär. Regie: C. Bronsgeest. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler, Aosehlieüend: Presse-Umschau des Drahtlosen Dienstes. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. König s.w usterbxnsen. 16.00 Rektor Schütte; Schülerwandern im Geiste der Arbeitsschule. 16,30 Dr. Heinrich Hofer: Die Barock-Oper. 17.00 Nachmitlagskongert von Leipzig. 18.00 Prof. Dr. Hans Mersmann; Volksliedanalysen. 18.30 Pransösisch für Fortgeschrittene. 18.55 Ob.-Reg.-Rat Paetsch; OroÜsladtverkehr in aller Welt. 19.20 Dr. Gerhard Schnllse-Plaeliert Qegenwartsniensth und Dmckerschwirge, San Francisco, wo«r in bescheidenen Verhältnissen lebte. Zu I«in«m Glück mochte er die Bekanntschaft zweier Finanzleutc, die er von der Rechtmäßigkeit seiner Ansprüche überzeugen konnte und die ihm die Mittel zur Einleitung eines Prozesses zur Verfügung stellten. Im Jahr«. 1926 erlangte Carson schließlich ein Urteil, dos ihm etwa fünf Millionen Dollar zusprach. Dieser Betrag erhöhte sich durch die inzwischen weiter angefallenen Lizenzgebühren auf 26 Millionen Dollar, die Carson jetzt ausbezahlt worden sind. Feuerfeste Pflanzen. Auf den Steppen der Hochebenen an der Grenze von Ober- Birma und China findet man die Gräser mit sonderbaren woll- ähnlichen Ballen bedeckt, die sich mit der Zeit von den Gräsern ab- lösen, zu Boden fallen und schließlich vom Wind weit weggeführi werden. An einem dieser Steppengräser, das der Botaniker Handel- Mazetti untersuchte, zeigt sich, daß die aus den Haaren der Blatt- scheiden und Blätter bestehenden Wollknäuel sehr stark kieselsäure- haltig und dadurch so seuerfest waren, daß sie selbst mehrere der dort sehr häusigen Steppenbränd« ohne Schaden überstehen konnten. Eine nicht weniger eigenartige Anpassung an die Hitze des Feuers beobachtete Prof. Abel an einer in den Föhrenwäldern von Florida wachsenden Fächerpalme, der Buschpalme, die als„Saw Palmetto" bezeichnet wird. Um Platz für Nutzanpflanzungen zu gewinnen, werden dies« Föhrenwälder von Zeit zu Zeit abgebrannt, doch gehen hierbei in der Regel nur die Döhren zugrunde, während der Hitze- tod der Buschpalmen, obgleich auch ihre Wurzeln nach dem Brande völlig oerkohlt am Boden liegen, nur ein scheinbarer ist, da schon nach kurzer Zeit aus den Teilen der durchsengten Stämme wieder neue Palmblätter heraussprossen. Läßt man die Pflanzen dann ungestört, so entwickelt sich ein neuer Bestand von Buschpalmcn, der ebenso wie vor dem Brand alsbald ein fast undurchdringliches Unterholzgestrüpp bildet. Da in diesen Wäldern vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit viele Llitzschlagbrande stattfanden, scheint es sich hier um eine im Lause von Iahrhunderttausenden erworbene Anpassungserscheinung der Buschpalme zu handeln. Die Ursache der Bluterkrankheit. Die Bluterkrankheit, die darin besteht, daß das Blut der davon befallenen Menschen nicht gerinnt, so daß durch den Mangel des wundenschließenden Schorfes Blutungen nicht zum Stillstand kommen, gab den Medizinern bisher«in schweres Rätsel auf. Stuber und Land haben«in« groß« Reihe von Versuchen an zwei Mit- gliedern der berühmten Bluterfamilie Mampel vorgenommen, die schon früher von Morawitz untersucht worden war. Sie erkannten. daß im Plasma des Blutes ein Eiweiskörper vorhanden ist, der durch Säuren, z. B. Milchsäure, zur Ausflockung gebracht wird. Die Milchsäur« wieder wird aus dem Blutzucker gebildet, cm Glykolyse genannter Vorgang. Dieser und damit die Gerinnung wird durch da» Vorhandensein von Fluor im Blut verlangsamt. Bei Blutern wurden drei bi» vier Milligramm dieses Elements in 166 Gramm Blut gefunden, beim gesunden.Menschen kein« nach- weisbaren Mengen. Manch« Tiere, namentlich Gänse, besitzen auch im normalen Zustand diese Eigentümlichkeit. Taege untersuchte zehn Gänseblutproben und fand darin, wohl in Abhängigkeit vom Futter, Mengen, die zwischen vier und vierzehn Milligramm scheoonkten. So ist wohl der Fluorgehalt als Ursache der Erkran- tung anzusehen. ~ Uh&rfuriol« ein Vertreter des Arbeiter- Kegler- und Arbeiteranglerbun'des teilnahmen. Die beiden genannten Verbände wurden nach eingehender Aussprache in die ZK, aus- genommen, Die Sitzung befaßte sich weiter mit den in diesem Jahre geplanten Auslandswettkämpsen, die der Propaganda des Arbeitersports dienen. An dem bereits statlgesundenen Fest des jungen holländischen Verbandes haben liahe an 100 Sportler aus Deutschland teilgenommen. Weitere Delegationen erfolgten noch Ungarn, der Schweiz, den skandinavischen Ländern, Finnland und Polen, Zur Versa ssungsseier wurde noch einmal Stellung genommen. Die Beteiligung ist durchaus erwünscht, doch darf sie nur unter Beobachtung der von den Bundestagen gefaßten Be- schlüsse erfolgen. Die ZK, nahm weiter Kenntnis von dem Bericht ihrer Mitglieder im Finanzausschuß des?, Arbeiterolympias in Wien. Der von den Verbänden zu leistende Garantiefonds soll V« Dollar pro Mitglied nicht überschreiten. Die Einzahlung soll in drei Raten erfolgen. Dar Kongreß der Sozialistischen Arbeiter- Sportiniernationale, der im Herbst stattfindet, hat endgültig dar- über zu beschließen. Zum Schankstättengesetz wurde der bereits bc- kannte Standpunkt, daß es nicht Ausgabe der Gesetzgebung sein kann, die Sportübungsstätten unter einen Ausnahmezustand zu stellen, beibehalten. Man ist einmütig der �.Uebcr, zeugung, daß mit einem Verbot des Alkoholausschanks auf Sportstätten dem Gemein- wohl nicht gedient wäre: denn man würde einen erheblichen Teil der Bevölkerung von den sportlichen Vcranstaltunzen zurückholten. Die Vertreter des Arbciterradfahrerbundes„Solidarität" gaben bekannt, daß bisher keine geschäftliche Verbindung mit den Lindkarwerken bestehe._ Bczirksschlufjkämpfc im FKBD. Nunmehr haben auch die letzten Bezirke des Gaues Berlin im Freien Keglerbund am Sonntag die Kämpfe um die Riegenzugehörigkeit auf Bohle beendet. Die Kämpfer mußten alles hergeben, um bei der Eigenart der Bahnen nicht ins Hintertreffen zu kommen. Ein den Verhältnissen entsprechend glänzendes Resultat hat H e i l m a n n mit 737 Holz erzielt. Die Riegen der letzten Be- zirke sind folgendermaßen zusammengestellt: Bezirk Süden: Zahl- mann(Sechs Kalte) Bezirksineistter 7 18. Hoffmann. R.(Sechs Kalte) 718, Schröder(Sorgenfrei) 718. Köhler(Lustige Brüder Westen) 713, Kirchi«r(Kalte Mit) 712. Kollath(I. f. d.) 703. Pürschel, Walter(Sechs Kalte) 701, Rpschkowski(Halte fest) 702, Karge(Hansa) 700. Schilling(Rand oder Sanld) 007, Ersatz: Hirsch (Holt- fest) 000. Tichauer(Aha) 000. Richter(I. f. d.) 000 Holz. Bezirk Osten: Ullrich, Franz(Bötzow) Bezirksmeister 720, Vofre! (Bötzow) 718. Herzog(Bötzow) 712. Schulze, Carl(Glatte Bahn) 711. Ristow(Glaite Bahn) 711, Schulz. H.(Frohstnn-Knorte) 710. Röthel(Lust, Sieben) 707, Schwarz(Glatte Bahn) 705, Köster (Lust. Sieben) 701, Nawrath(Earwgena) 701. Ersatz: Bauer(Borussia) 701, Neumann(Glatte Bahn) 701, Nell(Glatte Bahn) 701 Holz. Bezirk Neukölln: Heilmann(Lorbas) Bezirksmeister 737, Jodonschwager(Herz 20) 723, Hübncr(Harmonie 21) 718, Kromm, E.(Harmonie 21) 710. Kretschmann(Harmonie 21) 715, Kaufhold (V. u. k. k.) 712. Krasemann(Walze-I. a. K.) 711, Manegold. Br. (Husch-Husch) 707. Wieland, Br.(Olympia) 707, Brüning(Olympia) 705, Ersatz: Postusiak(Harmonie 21) 704. Schulz(Kalte Acht) 703, ITieland, 3.(Olympia) 703, Abraham(Harmonie 21) 703 Holz. Die AUersiurner für Nürnberg. Am Sonntag wurde der fällige Spieltag der Arbeiter- Altersturner in Mahlsdorf abgehalten. Infolge des kalten und regnerischen Wetters war die Beteiligung nicht so zahlreich al» sonst: Diesmal galt es. die Mannschaften für Nürnberg zusammen- zustellen, wobei das Schiedsgericht eine schwierige Aufgabe zu er- füllen hatte. Obgleich der Spielplatz infolge des Regens nicht ganz einwandfrei war, sind die gezeigten Leistungen wie immer sehr be- achtlich. Spielresultate: Schöneberg I— Osten II 51: 00. Schöneberg I— Oberspree 52: 00. Schöneberg II— Mahlsdorf I 50:01. Wedding I— Osten I 18:10. Osten II— Wedding 1 08; 10. Oberspree— Mohlsdorf I 16: 12.— Osten I— Mahlsdorf I 33: 63. Wodd-ing II— Mahlsdorf II 51: 67. Die folgenden Genossen spielen zum Bundesfest in Nürnberg: I. Kreis, Fuhrig— FTGB. Osten, Koschenz— Freie Sportver- eirigung Schöncberg. Mattha—„Eintracht" Mahlsdorf. Witt— .�Eintracht" Mahlsdorf. Stanislaus— FTGB, Osten. Ersatz: Brllggemann, H, Schmidt. Vereinemannschaft— FTGB. Kranier — Bez. W-dding. Rusicke— Bez. Osten. Prczbilski— Bez. Osten. Toppelt— Bez. Wedding. Twarz— Bez, Oberspree. Ersatz: A. Rohwcr, Piepenburg. ml* l f Wochencnd- und Ferienfahrten. Die nächste Wochenendfahrt des Touristenvereins„Die Naturfreunde" geht Sonnabend, 8., und Sonntag, g. Juni, in den Oberspreewald. Sie wird am 15. und 10. Juni wiederholt. Der in Kürz« erscheinende Wochenendprospekt bringt alles Nähere über weitere Fahrten, sowie über die Kosten der einzelnen Fahrten. Zluskunst wird bereitwilligst erteilt durch das Rcisebureau N 21, Johannisstraße 11/15, Montag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr. Zu dem in der Morgenausgabe des„Vorwärts" vom 31. Mai erschiene- nen Artikel über Frankfurt a. d. O. wird mitgeteilt, daß das Reisebureau in nächster Zeit eine Gesellschaftsfahrt nach Frankfurt veranstaltet, bei der die Teilnehmer durch die interessantesten Teile Frankfurts und seiner Umgebung geführt werden. Näher« Angaben folgen. Der Touristenverein„Die Naturfreunde" veranstaltet auch in diesem Sommer mehrere Ferienfahrten. Sie führen in die verschiedensten Gegenden Deutschlands. Zum Beispiel vom 15. bis 30. Juni und vom 6. bis 21. Juli durch den Schwarzwald. Der Verlauf der Fahrt ist folgender: Bahnfahrt nach Heidelberg, dann weiter über Karlsruhe. Badener Höhe, Hornisgrinde, Freudenstadt, Furtwongen, Ravennaschlucht, und weiter nach Konstanz am Boden- sce.— Vom 22. bis 30. Juni durch Thüringen. Mit der Bah» zunächst nach Eisenach(Wartburg), dann Mariental, Hohe Sonne, Ruhla, Jnselsberg, Friedrichsroda, Spitterfall, Falkenstcin, Oberhof, Groß-Becrberg, Schneetopf, Schmücke, Manebach, Ilmenau, Katzhütte.— 30. Juni bis 6. Juli: lieber die Ostsee nach Bornholm. Bahnfahrt nach Stettin, weiter mit dem Dampfer nach Rönne auf Bornholm. 7. bi» 11. Juli: Der Rhein und seine Seitentäler. Bahn- fahrt bis Köln, mit Besichtigung der Stadt, Königswinter, Koblenz. Dampferfahrt über Braubach und weiter nach Caub, Aßmanns- hausen, Wiesbaden, Wiesbaden.— 7. bis 11. Juli: In die Sächstsche Schweiz. Bahnfahrt nach Dresden, Gang durch die Stadt, Fahrt bis Pirna, Wanderung nach Wehlen. Uttewalder Grund, Felsentor, Bastei, Rathen, Königstein, Schandau, Schneebcrg, Schrammsteine, Edmunds- und wilde Klamm, Schöna, Dresden.— 3. bis 18. August: Dreiländersahrt.' sie führt von Berlin ins Fichtelgebirge(Luisenburg, Wunsiedel), durch den Bayerischen Wald, nach Passau, danach Dampferfahrt nach Linz, von hier mit der Bahn nach Prag, Auto- rundsahrt in Prag und weiter nach Bodenbach und über Dresden nach Berlin.— 1. bis 10. August: An die Nordsee mit Besuch Hamburgs und Helgolands.— 17. August bis I. September: Noch Tirol und das Salzburger Land und durch die Karwendel- und Zillertaler Alpen. Alles Nähere ist aus dem Hauptprospekt er- sichtlich, der aus Wunsch durch da? Reisebureau des Touristenvereins „Die Naturfreunde", Berlin N 21, Iohannisstraße 11/15, für 25 Pf. zugesandt wird. Bootsbcuii�eibe des Reichsbanners. Die Wassersportabteilung des Reichsbanners feierte am Sonntag die Einweihung ihres zweiten Bootshauses an der Spree. Neben den: alten Bootshaus hat die Ruderriege jetzt ein eigenes Bootshaus erhalten. Unter starker Beteiligung des Reichs- banncrs und der geladenen Gäste wurde die Einweihung nach einer kurzen Begrüßung durch den Gauvorsitzcnden Stelling von Ministe- rialrat Goslar mit einer Weihercde vollzogen. Die Tochter des Reichsinnenministers Severing vollzog die Weihe von drei neuen Boolen, die den Namen Karl Severing, Fritz Ebert und Stadtrat Bendig erhielten. Die Ruderriege der Wassersportabteilung hat jetzt die Möglichkeit, ihr Arbeitsfeld zu vergrößern und auch neue Mit- glieder auszubilden. Vom reihen Sport. Mit dein Entscheidungsspiel um die Meisterschaft von Frankreich im Herreneinzelspiel erreichten die großen Pariser Tenniskümpse am Montag nachmittag ihren Höhepunkt und zu- gleich Abschluß. Trotz des trüben Wetters war der Centre-Eourt des Garros-Stadions von mehreren tausend Zuschauern besucht, die einen abwechselungsreichen Kampf zwischen Rene Lacoste und Jean Borotra zu sehen bekamen. Das sehr zweckmäßige, risiko- lose Spiel von Lacoste gab letzten Endes den Ausschlag, mit 0: 3, 2:0, 0:0, 2:6, 8:6 mußte sich Borotra geschlagen bekennen. Die amerikanischen Tennisspielermnen Helen W i l l s, Edith C r o ß und Miß M o r r i l l befinden sich auf dem Wege von Paris nach Berlin, wo am Sonnabend und Sonntag auf den Plätzen von„Rot-Weiß" der erste Dame»- Länderkampf D e u t s ch l a nd— A m e r i ka vor sich gehen wird. Das Jnter- esse konzentriert sich auf das Erscheinen der berühniten„Helen" und deren Zusammentreffen mit den deutschen Spitzenspielerinne». Das Spielprogramm sieht sechs Einzelspiele und ein Doppelspie! vor: es soll wie folgt abgewickelt werden: Sonnabend, 8. Juni: Rost— Morrill, Außem— Croß, v. Reznicek— Wills: Sonntag, 9, Juni: Krähwinkel— Morrill, v. Reznicek— Croß. Außem— Wills, Außem-Rost gegen Wills-Croß. Da auch am Montag an eine Fortsetzung des Berufs- spieier-Tenniswettstreits bei„Rot-Weiß" in Berlin nicht zu denken war, mußten die Spiele zwischen Gebr. Kozeluh und Najuch-Richter vorerst gänzlich abgesagt werden. Es sind er- folgoersprechende Verhandlungen für eine Fortsetzung des Kampfes ani Sonntag, 16.'Juni, im Gange. Arbeitcr-T-rn-«»d(Sport-Sunb. 1. ftteif, I.«ejitt. Rilrnberg- Slohrft! Menstag, 4. Juni, 20 Uhr. tre»rn sich alle oirnnsftirn«» unl» lSenossen zur Einllbuna dcr Sondervorfuhrung zum Bundrsscft im Tanz» ring in i>«r unteren Turnhalle, Treplmv, Bouchesir. Da die Teilnchmer- znhl noch rvcscntlich erhöht werden muh, sind aucki Mitglieder ou» Bunde», vereinen, die nicht zum 1. Bezirk gehören, hiermit eingriadc». Ringen und Heben. Ddr Sportverein Lichtenberg-Friedrichsfeld« weilte am Somwbend mit einer Heber- und R i n g e r m a n n- f ch a f t in Stolzenhagen bei Stettin und konnte— ähnlich wie kürzlich in Stralsund— im Heben einen überzeugenden Sieg davontragen und damit dem Ruf des Arbciter-Aihletcnbundes neue Freunde werben. Bei einer wohlgelungencn Saolveranftaltung behielten die Bcr- liner vor einer zahlreichen und beifallsfreudigen Zuschauermenge mit dcr Besetzung Splettstößer, Krüger, Pöckern, Schulz, Jordan, Er- l>ard und Walloscheck über den Sportklub Stolzenhagen 1925 mit 182,9:53,7 Punkten haushoch die Oberhand. In dieser als Vier- kämpf durchgeführten Konkurrenz(einarmig und beidarmig reißen und stoßen) waren die Berliner stets tonangebend. Zugegeben, daß das Heben bisher in Ponnnern Vioch nicht die rechte Beachtung ge- funden hat, zugegeben ferner, daß die Stolzenhagcner aus Grund ihrer Arbeitsverhältnisse einen besonders schlechten Tag hatten: trotzdem mußte aber auch in Stettin das Können dcr Ber- liner als wahre Musterleistung anerkannt werden. In den einzelnen Arten des Hebens wurden nachstehende Gesamt- ergebnisse erreicht(Lichtenberg vorgenannt): einarmig reißen: 900 zu 775 Pfund, einarmig stoßen: 895: 800 Pfund, beidarmig reißen: 1100: 775 Pfund und beidarmig stoßen: 1130: 710 Pfund. Die best« Einzelleistung vollbrachte Walloscheck im einarmig reißen mit 110 Pfund, einarmig stoßen mit 170 Pfund, beidarmig reißen 180 Pfund und beidarmig stoßen mit 1130:7l0 Pfund. Weniger günstig war das Abschneiden der Berliner im Ringen. Abgesehen davon, daß Stolzenhagen, der Meister de? pommerschen Kreises, eine sehr gute Besetzung stellte, die erst kürzlich bei den Verbands- Meisterschaften einen ehrenvollen zweiten Platz errang, hatten sich die Berliner durch die vorausgegangenen Kämpfe auch derart ver- ausgabt, daß sie in beiden Runden mit 8:6 bzw. 10: 1 Punkten unterlagen. Europameisterschaften im Ringen. Die Durchführung der M e! st e r s ch a f t s r i n g k ä m p f e in der Mittelgewickstsklafse fiel diesmal nach Bremen. In dem mehrere Wochen dauernden Kampfe hatten sich fiir die Schluß- kämpf« nur ganz wenige Ringer behaupten können. Der letzte Abend brachte wieder ein ül'ervolles 5)aus, sogar die Bühne wurde von Zuschauern in Anspruch genommen. Hunderte mußten wegen Platzmangels wieder umkehren. Ein Beweis, daß der Ringsport wieder im Begriff ist, sich sein altes Vertrauen zurückzuerobern. Als Favoriten galten Weltmeister Kley- Berlin und Frank- reichs eleganter Mittelgewichtler Favre sowie auch der starke Russe C z! r o ch i n. Kley und Favre rangen am Schlußtag als erstes Paar. Aus diesem Treffen ging wider Erwarten der Franzose über seinen alten Rivalen und vorjährigen Besieger als Sieger hervor. Der Berliner war durch einen Abszeß am rechten Unterarm in seiner Verteidigung stark behindert, und so konnte Favre diesmal leicht durch Eindrücken der Brücke feinen stärksten Gegner besiegen. Nach einer kurzen Pause trat der Sieger dann gegen den Russen Czirochiit an, der aber ebenfalls gesundheitlich nicht aus der Höhe war. Favre blieb auch in diesem Kampf nach 1 Sturche und 7 Minuten durch doppelten Schulterschwung mit Kopszug Sieger, und damit wurde Favre-Frankreich Europameister für 1929, da er mit 11 Siegen und nur einer Niederlage am besten abge- schnitten hatte. Weltmeister Kleys zwei Niederlagen gruppierten ihn auf den zweiten Platz, trotz seiner 16 Siege. Der Russe Czirochin siel auf den vierten Platz hinter Stoll-Bremen. Bei den Ringkämpfen im Königsberger Messehaupt- restaurant war das Interesse des Publikums während der ganze» Dauer der Konkurrenz äußerst rege. Sieger in diesem Turnier wurde der deutsche Meister Ernst Siegfried und zweiter V a r g a- Ungarn. Den dritten Platz belegte der Wiener B e n o l d vor dem Finnen Tornow. G. dl. juch Berufs kleidung Maler-Kittel a. gutem A 25 Rohnessel Mark 5.50 Maler-Hosen, haltbare � 50 Qualität. Mark 3.75 Damen- Staubmantel in weiß und farbig M-7.90 6.50 5.25 3.90 Herren- Stauhmantel in weiß und farbig M. 10.50 9.. 7.50 6.25 - Kellner-Jacke, weißer S Köper Mark 8.- 7.75 O» «M---------- /t»\ Koch- Jacke, weißer S_ � Köper Mark 8.50 7.50 O. Konditor-und Bäcker- Jacke, gute Qualität S 25 Mark 8� 7.75_-- O* Koch-, Konditor- und Bäcker- Hosen, haltbar M. 8.50 Monteur-Anzug, blau Q Indigo M. 11.50 10.- V, Kessek-Anzug, blau H-I 50 Indigo, la Drcll M. X JL• Mechaniker- u. 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Am Sonnabend fuhr er, ohne einen ebenbürtigen Gegner zu haben, mit der„Miß England* eine 116-Kilometer-Geschwindigkekt heraus. Auch in der unbe- schränkten KielbootNasse war Segrave mit seinem Boot„Miß Ala- rrity" ohne ebenbürtige Gegnerschaft. Er kam hierbei auf 71Stun- denkilometcr. Weitere englische Sieg« gab es in den Outbord- Hassen durch B o m f o r d, der mit„Seahopper* ein Stundenmittel von S1 Kilometern herausholte. Der Sonntag brachte eine starke Ent- täuschung. Segrave konnte wegen eines Kupplungsdefektes nicht in die Ereignisse eingreifen. Natürlich unterblieb auch der an- gekündigte Weltrekordversuch. Im Gegensatz zum Vortage gab es in den einzelnen Prüfungen einige schöne deutsche Erfolge. Besonders der Berliner Jachtkonstrukteur Engelbrecht schnitt mit seinen Booten„Hat V und„Hai VI" hervorragend ab, konnte er doch mehrfach das schnelle Boot„Seahopper" hinter sich lassen. Ein überaus spannendes Rennen gab es in der Outbordtlasse B zwischen „Burmester IV(Burmester-Berlin) und„Hai V", das ersterer mit einer Zehntelsekunde Vorsprunq zu seinen Gunsten entschied. Einige Ergebnisse der Rennen der großen Boote: Unbeschranlte Slcitbootllaftc, 1B Kilomctcr: 1. Rennen: 1. Sauf: 1. M z England 8: 43(IIB Kilometer): 2. Parow V 18: 62.— 2. Lauf: 1. Miß Eng. land 11: 50; 2. Parow V 18: 35.— 2. Rennen: Miß England im Alleingang in 10: 21. Unbefchränkte Kielboottlaffe, Ui Kilometer: 1. Rennen, 1. Lauf: 1. Miß Alacritn 14: 14; 2. Bussard III 1«: 28.— 2. Lauf: 1. Miß Älacritn 14: 14; 2. Bussard III 16: 28.— 2. Rennen: 1. Miß Alacritn 12: 27: 2. Bussard III 16: 14.— Sanntag: llnbefchräntte Kielbootklasse, 16 Kilometer: 1. Rennen: 1. Miß Alacritn 12: 47; 2. Bussard III 16: 23.— 2. Rennen: 8 Kilometer: 1. Miß Alacritn 8: 04; 2. Bussard III 8: 18.— Unbefchränkte Sleitbaotllassc, 16 Kilometer: 1. Rennen: 1 Parow 16; 58; Miß England nicht gestartet.— 2. Rennen: 1. Miß Alacritn 12:51; 2. Bussard III 17: 01. * Segraves Boot„Miß England" ist 8,38 Meter lang, 2,29 Meter breit. Di« Außenhaut ist Doppel-Karveel mit Kupser genäht. Hinter der Stnse ist der Boden V-förmig, läuft aber zum Spiegel hin slach aus. Zwei Ruder achtern und vorn geben dem Boot Stabilität. Es hat einen 930pferdigen Nagier-Lion-Motor im Gewicht von 0,495 Der Propeller macht 6599 Umdrehungen pro Minute. Frei« Faltbootfaßrer Berlin. Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr, Zusammen. kunft im Sophienlnzeum, Weinmeisterstr. 16/17. Tagesordnung:„Fahrtendcrichte". Gäste willkommen. Freitag, 7. Juni, Zusammenkunft aller Teilnehmer an der Donaufahrt gum Internationalen Iugendtag in Wien bei Weberoß. Reukölln, Pannierftr. 54. Sonntag, 9. Juni, 2. Bereinsregatta am Sölzerncn See (Pflichtveranftaltung). Wer Sonnabend fährt, bcnußt folgende Ziige bis Teupiß-Gr. Köris, ab Görlittcr Bahnhof: 14.58, 15.58, 17.20, 18.42. Am Sonntag: 6.50 und 7.05. Jeden Dienstag: Spiel- und Sportabend in der Turnhalle Müller. Ecke Triftstraßc. Frei« Ruderer und Kanufahrer, l. Kreis. Mittwoch, 5. Juni: Spartenaus- fchußfißung im Gewerkfchaftshaus, Engelufcr tKonfcrcnzzimmcr). Freie Schwimmer Groß-Berlin S. B. Freitag, 7. Juni, 20 Uhr: Berfamm- lung aller Teilnehmer am Nürnberger Bundcsfcst im Neuköllner Sommcrbad, Srcnzallcc. Staat!. Sebiiler-Ttiester.Charitb, 20 Uhr Gespenster Winter ★ uarren* 18 Uhr. Zenir. 28111• Baittn(rtiiiDl Bon John Jazz-Girls, Bob Fisher, Neger-Imitator im Stile AI Jolsona— Antonet& Baby, Die berQhmten Clowns und welter« Varletch- Neuheiten. 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 0'Hanlon i zarnbuni and die weheren JUiraktlonen K«strlaep p,, Aiez.>066—66 Tägl.5u.815: Intern. Variete Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag «-/.Uhr CAS1N0-THEATER 8,l- Uhr Pfarrhaus- Komödle Staat). Sdiiller-Hi. 8 Uhr Gespenster staaisooer am Plan der sepumik 70s Uhr Carmen Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 ß'/r, Ende geg. IO'/sU. Der Mann, der seinen Namen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert DeQtsdies Ibeater D.I. Norden 1Z 310 8U., Ende geg. Wh Die Getangene Schauspiel von Edouard Bourdet. Regie: Max Reinhardt. Theater am Sdililbauerdamm. Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Drcigrosdien- Oper Neuer. Valetti. Ltnaen, Itovskt. Sieckei Kammerspiele D.I. Norden 12 310 S'feU- Endenach 10 Aufgang nur für Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Bamowsky- Dolmen Theater in der XSniggrätzer 6 trade Täglich 8'/. Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich 8V« Uhr CharleysTante mit Curt Bois. Netropol-Th. Festspiele 1929 Tägl.SV» Uhr Blaubart Oagrette von Offenbach läthe Dorsch Leo Slezak Bernner nik-TrlO Naukölln. Rv Lsbastr. 74/71� Lustspielbans Tägl. 8>/. Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink, Berisch u. a. Rundfunkhörer halbe Preise. Otsch. KOnatler-Th. «>/. Uhr Prosit Gipsy Operette v.Qilbert Agnes Esierhazy Fritz Schulz Rundfunkhörer halbe Preise Thcat.am Koiib.ior Kottb.Str.O Tägl. 8 Uhr Ellte- sanger Die lenul on: „Ben nbats oraBe Los r Theater am Nollendorrplatz Täglich 8Ve Uhr Die Männer Scr Manen Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze Lessing-TheatEf Heute 8 Uhr Premlere; Idi betrag' dilti nur ans Liebe..... Ein Stück mitMu- sik von Verneuil. Trianon-Th. Täglich 8V« Uhr Sonntag 3'/» u. 81, fiastspiel der Teoera- seer BaaernbOhne Die 3 Dortheiiigen Ein toller Schwank Preise: 2,3, 4,5 Mk. usw. Rundfunkhöre r halbe Preise. Kleines Ttieater Täglich 81/, Uhr NaüooertrodieD? nach den ArrerikaBisdien von Frank Green. Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie. Fr.Frteflmann FrederidL ThalliTlheater Dresdener Str. 72-79. 8»/- Uhr Plarrbaaskonsilie Berliner ineaier DirekLHeinz Herald Charlottenstraße 90 A. 7. Dönhoff 170 S'k, Ende I01/« Uhr. Täglich Die tont Frankfnrter von Carl Rössler Regie: Eagon Roben. Theal. d. Westens Täglich 8'/, Uhr Sonntag 3"j u. 81'« Fraai Lebars Voller- folg1 Fricöcrihc Tel. Steinplatz 5121 Planelarinm hmv am Zoo Veriäni Joaiinsthalet--Irzh B. 5 Barbarossa 5578 16'« Uhr Sternäiider des Sommers 1 8�4 Uhr Der Olutball der Sonne 20i 4 u. von Pol zu Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk.. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. mos zur Miete W50, Ansbacherstr.l Kroße Tranring-Fabrilf verkauft fugenlose Trauringe direkt an Private 1 Ring 333 gestempelt nur S bis 8 Mk 1 1 1 I -•- i Katalog gratis i Hermann Wiese, Berlin Ges geschützt„ j|riiUerieitr. 30> W, Passaaer Str. 1 2 Garantieschein. Gravieren e»raU« sofort• am Mifnffhm n. PROGRAMM für die Zeit vom 4. bis 6. Juni K I R O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 4. bis S. Juni mo\Q Potsdamer Stratje 35 Der lastige Witwer mit Harry Llcdtke Rheins tra�e 14 Älche) Antcfalnß am MIHeraadit mit Marcella Albaat, Ralph A. 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Hjndenburgdamm �8a »ein letzter Befehl mit Emil Jannln« Ein Bandit von Ehre mit Fred Thomson Bühnenschau Ergebnis d. Schönheitskonkurrenz g SQdwesten_ p Füm-Paiast Kammersäle Teltotter Str. 1— 4 Beginn 6 U. Die wunderbare Lüde der Nina Petrowna mitBrigltle Helm Grones Beiprogramm g HarlendorJ H Ms* I{ Martendorf er llO-iel Lichtspiele ChausscestraBe 305 Stg, 3 Uhr Jug.-V. Fahrt ins GIQck mit Madv Christians Die PanUkcrkatze mit Dolores de! Rio BtthBenschau Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Der Patriot mit Emil Jannings Kohlliesels Töchter mit H. Porten Filmeck Bcginn: w.SjSo um Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Geld, Geld, Geld m. Alfred Abel, Brigitte Helm Gute Bfihnenschan Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Die Nacht ohne Hoffnung(10 A.) Drei Lustspiele(6 Akte) Internationales Variete a Heukailn g Primus-Palast Hermannplatz Dolores, die Panther katze mit Dolores del Rio Der Geiger von Florenz mit Elisabeth Bergner Auf der Bühne: Bernard u. Rieh Tanzkunst Elysium GiÄU) Hassel werderstraße 17 Wings, der große Fliegerfilm Bühne: Luftakt u. körn. Akrob. Beiprogramm Gute Bühnenschau � WelQeniee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Raiudi(n. Strindberg) Der Poitraob i. d. Teufelucblacht mit Barlo« Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Ein kL Vorschuß auf d. Seligkeit mit Di na Gratia Gutes Beiprogramm Auf der Bühne; Ludwig Manfred Lommel(persönl.) Wochentg. ab 7 Un Sonntag ab 5 U. Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Das Spielzeug von Paris Die vertauschte Braut Internationale Bühne Concordia-Palast Andreasstraße 64 Die Todeskurve von Hilbury Rock Palais de danse Bühnenschau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Die Ehe, nach Van de Velde Dr. Dolittle und seine Tiere BQhnensdian W Kino Busch Begs* l uftr845 Alt-Friedrichsfelde 3 Caunerllcbcfaen mit Harry Halm Helratsneii mit Harry Llcdtke (Lus spiel) „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Q'schlchten ans dem Wiener Wald Revue: Im Fluge um die Welt Bühnenschau Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 2 Großfilme; FrSulcin Fähnrich Pictro der Corsar Bühnenschau Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Die Siebzehnjährigen mit Mosheim Beiprogramm— Bühnenschau Forhma-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Pat und Patachon als Müller Peter, der Matrose m. R. Schünzel Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5. 7,9 Uhr Stg. 3 U. Jugendv. Großstadtjugend m. Harry Liedtke Der Wächter des GlQdu Pharus-Lichtspiele MüllerstraBe 142 Der Henker von Prag 8 153, der Leidensweg einer Mutter wRialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Unsere Liebe war Sünde Auferstehung Bübnensebau W Gezuridbrunnon »Alhambra" Badstraüe 58 Drei fange Adler Im gelben Viertel von New York Bahnen»«bau Ballsdimieder- Lichisp. Badstraße 16 H Das närrische Glück mitM. Paudlcr Das Geheimnis der Carlton-Bank Bühne: Anna Müller- Linke pers. Humboldt-Theater Badstraße 16 Casanova mit Iwan Mosfukin Beiprogramm— Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Zwischen Liebe und Pflicht mit R. Novarro Der Gaucho mit D. Fairbanks Gr. Bühnenschau Palast-Thcaicr Breite Straße 21 a Ihr dunkler Punkt mit L. Karvcy •.. und abends ins Maxim Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Mascottchen mit KXte von Nagy Wächter des Glücks Gr. Bühnensch&a g iyiedarKh6nB«u»ek�)| Film-Palast Blankenburger Straße 4 Der Held der Mäddienfränme mit H. Liedtke Die Pantbcrknlae mit del Rio fl ReiniehenaorT-OiV g Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Die weihen Rosen von Ravensberg Rift und Raff, die Franenheldca Bühnen««bau