Morgenausgabe Nr. 257 � t t A130 �.Iahrgang WöcheaiNch 855), monaMch 3,60 TO. tm Doraus lct)[brtr, Poftdtzug 4 J2 TO. -mlchUkßUch 60 PIg. Postziitunas. und ?2Bsg P»std«strllgebühnn. Ausland»- adonnctnntf 6,— TO. pro TOonat, E«„Sonpirts* erichrlnl wochrntig. lich zweimal. Sonnlag- und TOautag» einmal, die Zlbendausgaden sür Berlin und im Handel mit dem Tilel.Der Edend". Jllusirierle Beilagen.Boll und Zeit" und.fiinderfreund*. Ferner .Unlerhallung und WiHen"..Frauen- liimm«'..Technik',.Blich in die Bucherwelt" und.Jugend-Lorwärts' Neeliner Solksvlatt Mittwoch 5. Juni Groß-Berlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die rtntpatttgr Nonpareillezstte 80 Pfennig. Reklame.eile ö.— Reichs. mark.„Kleine Anzeigen- dos ietlge. druckte Wort 25 Pfennig(zulächg zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 1? Pfennig. Stellengesuche das erst» Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmalkt Aeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zette 40 Pfennig. Änzeigenannahme im�aupt» »lkchäst Lindenftrabr 3. wochentäglich von 8V, bi- 17 Uhr. Ilentealoegan der Sozialdemotvatifche« Vavtei DeuifOlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW b8. Lindenstraße 3 Fernlprecher: Dönhofs 832—227. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonia: Berll»S?öZS.— Bankkonio: Bank der Arbeiter,»ngestellie« und Beamten Wallsir.«5. Diitonto-Eelellschafi, DeposttentaN- Lindenstr. 2 Die Arbeiterpartei am Nuder. Macdonald übernimmt die Regierungsbildung. London, 4. Juni.(Eigenbericht.l Nachdem B a l d w i n dem König die Demission seines Kabinetts überreicht hatte, gab der König sofort den Auf- trag, den Führer der Arbeiterpartei, R a m s a y Mac» d o n a l d, um seinen Besuch zu bitten. Die telephonische Einladung des Sekretärs erreichte Macdonald in seiner Wohnung, während einer Besprechung mit Clynes, Hen- Person und Thomas. Macdonalds Besuch erfolgte jedoch nicht unmittelbar nach seiner Berufung. Er wird wegen des Gesundheitszustandes des Königs erst am M i t t- w o ch in Windsor erscheinen und den Auftrag zur Bil- dung der Regierung entgegennehmen. Die Zeitungen sind voll von Spekulationen über die Voraussicht- liche Zusammensetzung des Kabinetts. In den letzten 24 Stunden baben wiederum zahlreiche Gerüchte Umlauf gefunden, wonach der Posten des Außenministers einem Außenseiter wie Lord C e c i l oder Lord d' Aber n von übertrogen werden soll.'Beide kam- mcn jedoch nicht in Betracht: besonders die Kombination mit Lord d'Abernoon steht vollkommen außer Frage, da Lord d'Abcrnoon in Großbritannien, vor allem aber in der Arbeiterpartei, keines- wcgs über die notwendige Popularität oder Autorität verfügt. Lord C e c i l s Mitgliedschaft im Kabinett würde zweifellos van einem großen Teil der Partei begrüßt werden. Aber man sieht begreiflicherweise keinen Anlaß, daß eine Partei mit so großen jTitexpationalxn Beziehungen wie die Arbeiterpartei einen dpr wichtigsten Posten einem Außenseiter übertragen soll. Der neue britische Außenminister, ein Posten, für den man ipimer wieder Artur Henderson nennt, wird in erster Linie die schwersten Fehler der konservaitven Regierung in der Frage der Abrüstung gutzumachen haben. Eine seiner Hauptausgaben wird ferner darin bestehen, das konservative Lippenbekenntnis zum Völker- bund in die aktive Unter st ützung des Völkerbundes durch Großbritannien zu verwandeln. Um der großen Wichtigkeit Ausdruck zu geben, die die Labour Party der Arbeitslosen- frage einräumt und um die notwendige Konzentratiou der Vor- kehrungen zur Ueberwindung der Erwerbslosigkeit zu treffen, soll ein besonderer Minister sür die Arbeitslosensrage ernannt werden, voraussichtlich als Minister für Arbeits- b e s ch a f f u n g. Die Anzahl der Ministerposten soll dadurch nicht o e r m e h r t werden, das neu zu schaffende Amt soll mit dem Posten eines Kanzlers des Herzogstums Lancaster oder einem ähnlichen Kabinettssitz ohne Portefeuille verbunden werden. Dieser Posten wird einem der führenden Männer der Arbeiterpartei übertragen werden: seine Aufgabe wird die Entwerfung einer Politik der Arbeitsbeschaffung und die Zusammenfassung der bisher getrennten ministeriellen Abteilungen sein, die mit Arbeitslosensragen, wie der produktiven Arbeitslosenfürsorge usw. beschäftigt sind. In engstem Zusammenschluß damit steht die geplante Schaffung einer Kommis- sion, deren Ausgabe es fein wird, Doppelarbeit der vsr- schiedenen Ministerien, die sich für dos Wirtschaftsleben als so über- aus nachteilig erwiesen hat, auszuheben. Macdonald wird den Bor- sitz in dieser Kommission übernehmen. Oer Vorgang des Regierungswechsels. London, 4. Juni. Bei seinem, heutigen Besuch in Schloß Windsor wurde Baldwin vom Privatsekrctär des Königs empfangen und zu ihm geleitet, um das Rücktrittsgesuch des Kabinetts zu überreichen. Der nächste Schritt auf dem verfassungsmäßigen Wege ist die A u s f o r d c- rung des Königs an Ramsay Macdonald, als Führer der Opposition, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen.- Bei der Uebernahm« der Regierungsbildung ist es Üblich, daß der neue Premierminister dem König die Namen derer nennt, die er für die hauptsächlichen Kabinettsposten gewählt hat. Technisch wer- den Baldwin und seine Kollegen im Amt bleiben bis zu dem Tage der Uebergab« der Amtssiegel an die neuen Kabinetts- Mitglieder. Die Siegel werden dem König von den zurücktretenden Ministern übergeben und den neuen Ministern am selben Tage aus- gehändigt. Man erwartet, daß alle Mitglieder des parla- m«ntarischen Vollzugsausschusses der Zlrbciter- Partei dem neuen Kabinett angehören. Letzte Wahlziffern. Arbeiterpartei 288, Konservative 255, Liberal« 58, Un- abhängig« 8. Roch ausstehend 6 Einzelresultate. Komödianten. Oentfchnationale Treue zum Oawes-Plan. Komödie in drei Akten. Erster Akt Saal 31 des Reichs- tags. Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Graf Westarp bringt den Antrag ein, der Ausschuß möge die Ergebnisse der Pariser Sachverständigenkonferenz ablehnen. Er be- gründet diesen Antrag ausführlich. Redner anderer Parteien legen dar, daß es unsinnig wäre, etwas abzulehnen, was noch gar nicht fertig ist und was man noch nicht genau kennt. Man beschließt, die Debatte abzubrechen, damit verschwindet auch der Antrag in die Versenkung. Die Deutschnatio- nalen verlassen unter Rufen des Protestes den Saal. Zweiter Akt. Plenarsaal des Reichstags. Graf Westarp beantragt, die deutschnationale Interpellation nebst dem da- zugehörenden Antrag sofort zur Beratung zu stellen. Er beklagt sich bitter über die ihm angetane„Vergewaltigung" im Ausschuß(er konnte dort reden, solange er wollte) und kündigt mit drohender Stimme an, er und seine Freunde würden sich nicht beruhigen, wenn etwa sein Antrag auf sofortige Verhandlung auf Widerstand stoßen würde. Sie würden dann— man ahnt Schreckliches— zum Schluß der Sitzung beantragen, die Interpellation auf die Tages- ordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Dritter Akt. Szene wie vorhin, drei Stunden später. Der Zentrumsabgeordnete Schlack hat seine Rede zum Etat des Reichswirtschaftsministeriums beendet. Der Präsi- dent schlägt dem Hause vor, sich zu vertagen und die nächste Sitzung am folgenden Tage abzuhalten. Tagesordnung: Fortsetzung der Debatte über den Etat des Reichswirtschafts- Ministeriums. Nach einer kleinen Pause und einem Blick auf die leeren Bänke der Deutsch nationalen fährt der Präsident fort:„W iderspruch gegen diese Tagesordnung wird nicht erhoben. Ich schließe die Sitzung." Schade, daß dieses fröhliche Stück nicht wiederholt werden kann. Es' würde volle Häuser erzielen, und der Heiterkeits- erfolg wäre stets so groß, wie gestern im Reichstag. Pon einer Ueberrumpelung der Deutschnationalen kann keine Rede sein. Es war im Hause bekannt, daß gegen 6 Uhr abgebrochen werden sollte, zumal der Plenarsaal für den Vortrag Lord Robert C e c i l s vergeben war. Bei einem Minimum von Aufmerksamkeit konnte die Blamage ver- mieden werden. Was war also geschehen? Entweder hatten die Deutschnationalen das Unsinnige ihres Treibens einge- sehen und— trotz ergangener Ankündigung— darauf verzichtet, das Spiel weiter fortzusetzen, oder aber sie haben den Sitzungsschluß einfach verschlafen und damit bewiesen, w i e ernst sie ihre eigenen Aktionen nehmen. Sicher ist auf alle Fälle eines: Seit mindestens fünf Iahren ist den Deutschnationalen das Regiepech in allen Re- parationsfragen treu geblieben. Man hat nun einmal eine ausgesprochen unglückliche Hand. Unvergeßlich und unver- gessen ist der 29. August 1924. Wie war es damals? Es ging um Annahme oder Ab- lehnung der D a w e s- G e s e tz e. Die Deutschnationalen hatten in Parlament und Presse verkündet, daß die Annahme dieser Gesetze die ewige Versklavung und das Ende Deutschlands bedeuten würde. Pech und Schwefel wurde auf die verräterischen Höllensöhne herabgeredet, die auch nur in einem Winkel ihres Gehirns an die Annahme des Unaussprechlichen, Unfaßbaren, Unausführbaren zu denken wagten. Hei, wie standen die wackern Deutschnationalen da, und wie führten sie ihre Klinge!„Ich möchte beinahe(!) sagen: Hier stehe ich, ich kann nicht anders."„Unser Banner hat nie geschwankt." So sprach der— seitdem viel stiller ge- wordene— Oskar H e r g t. Und so kam der 29. August, der Tag der dritten Lesung. Es gab mehrere namentliche Abstimmungen, und immer stimmten die Deutschnationalen mit Rein. Immer blieben sie dabei, auch in der Minderheit, und so war es weiter nicht gefährlich. Bis das R e i ch s b a h n g e s e tz an der Reihe war. dieses am meisten umkämpfte Gesetz, das die deutsche Reichsbahn unter ausländische Kontrolle stellte und finanziell schwer belastete. Dieses Gesetz, als ein- ziges von sieben, war verfassungsändernd, erforderte also zur Annahme Zweidrittelmehrheit. Diese war bei' den vorangegangenen namentlichen Abstimmungen— 259 gegen 172, 260 gegen 176 usw.— bei weitem nicht erreicht. Die Ablehnung des Eisenbahngesetzes und damit der Fall des ganzen Dawes-Plans schien also gewiß. Wieder saßen alle Deutschnationalen mit gezückten roten Neinkarten da, und die Schriftführer gingen ans Einsammeln. Da entstand auf den Tribünen oberhalb der Rechten Be- wegung. Die Zuschauer der ersten Reihe beugten sich weit vor und starrten mit aufgerissenen Augen hinunter. Die Diplomaten vergaßen ihre gute Erziehung, sprangen von den Sitzen, riefen und lachten. Was war geschehen? Ein Teil der Deutsch nationalen hatte zwar rote Neinkarten in der rechten Hand gehalten, mit der linken aber weiße Jakarten abge- geben! Freitag Llnterzeichnuttg»-« Berichts Keine Verhandlungen über Eupen-Malmedy. Paris. 4. Juni.(Eigenbericht.) Die letzte Schwierigkeit, die einem glücklichen Abschluß der Sachverständigenkonferenz noch im Wege stand, ist jetzt ebenfalls beseitigt. Die bel- gische Delegation hat sich am Dienstag nachmittag im Laufe einer längeren Sitzung mit der Aufnahme direkter Verhandlungen über die Markentwertung in Brüssel einverstanden erklärt. Damit ist die Unterzeichnung des Schlußberichtes durch sämtliche Delegierten s i ch e r g e- stellt. Sie wird wahrscheinlich Freitag erfolgen. Am Mittwoch und Donnerstag wird die Konferenz noch Vollsitzungen abhalten: die ersten nach der großen Krise des Komitees und dem Tode Revelstokes. Tie Bel- gier haben die formelleZusicherung erhalten, daß Deutschland keine Forderungen auf Gegen- konzessionen in territorialer Hinsicht stellen und die Verhandlung sofort aufnehmen werde. Die belgische Markforderung. Während der Besetzung Belgiens durch die deutschen Truppen sind über die Societä Generale de Belgique Mark noten in einem nicht mehr genau fe st st ellbaren Betrag ausgegeben worden. Nach dem Waffenstillstand hat die belgische Regierung durch die belgische Staatsbank die Noten zum Friedens w ert (1 Mark— 1,25 Franken) eingelöst. Die Summe der eingelösten Noten beträgt 6,1 Milliarden Mark. Es steht jedoch fest, daß in dieser Summe große Beträge für Noten eingeschlossen waren, die erst nachträglich nach Belgien gebracht worden sind. Da die belgische Regierung die Frist für die Ablieferung und Einlösung der deutschen Mark sehr weit ausgedehnt hatte, war solchen S ch i e- b u n g e n Tür und Tor geöffnet. Seinerzeit hat Erzberger als Reichsfinanzminifter sich zur Zahlung der 6 Milliarden an Belgien unter bestimmten Bedingungen cinveistanden erklärt. Diese Bedingungen(Verzicht auf die Aus- liejeruug der sogenannten Kriegsverbrecher, Schließung des„Lochs u, Westen" usw.) wurden jedoch nicht eingehalten und damit ist der übrigens schriftlich nicht fixierte Vertrag zwischen Erzberger und Francqui, jetzt belgischer Sachverständiger in Paris, hinfällig geworden. Auf der Dersailler Konferenz drang Belgien mit seiner Forde- rung nach Aufwertung der Noten in Gold nicht durch, weil die Alliierten sür den Fall des Nachgebens ähnliche Ansprüche von R u m ä n i en und Polen befürchteten. Zum Ausgleich wurde Belgien im Versailler Artikel 232 eine Priorität bei der Repara- tionszahlung, sowie die Deckung der Schulden bei den Alliierten durch Deutschland gewährt. Es ist dann zwischen dem Reich und Belgien fortgesetzt über die Markfrage verhandelt worden. So erklärte sich Deutschland 1922 bereit, 4 Milliarden Mark zum Vorkriegskurs zu- rückzuzahlen, wofür Belgien das liquidierte deutsche Eigen- t u m zurückgeben sollte. Auch das führte nicht zu einem Ergebnis, ebensowenig konnte man sich 1925 aus der Basis einigen, daß Eupen und Malmedy gegen eine Entschädigung von 249 Mit- lionen Goldmark an Deutschland zurückfallen sollten. Jetzt fordert Belgien auf 37 Jahre jährlich 25 Mil- lionen. Das entspricht einem Kapitolwert von etwa 499 Millionen. Grundsätzlich ist die deutsche Regierung bereii, eine verpflichlung zur Entschädigung anzuerkennen. Sie kann auch kaum«inen anderen Weg einschlagen, da sie inzwischen auch Rumänien eine Entschädigung gewährt hat. In dem deutsch- rumänischen Abkommen ist zwar ausdrücklich gesagt, daß hier keine Anerkennung der rumänischen Forderung vorliege, aber praktisch ist doch die grundsätzliche Bereitwilligkeit zu einer Wiedergutmachung der Derluste zum Ausdruck gebracht. Es ist freilich so gut wie ausgeschlossen, daß wir in diesem Augen- blick wiederum die Rückgabe von Eupen-Malmedy mit unseren Zah- lungen in Verbindung bringen könnten. Die durch die letzten Wahlen in ihrem Bestände gestärkte nationalistische Regie- rung Belgiens dürft« sich auf ein solches Geschäft kaum ein- lassen. Sie wird nicht einmal in den erwähnten Bezirken eine Volks- abstimmung zulassen, die im Gegensatz zu der seinerzeit vorgenom- menen diesen Namen wirklich verdiente. So wurde das Reichsbahngesetz mit mehr als Zwei- iiriüelmehrheit— 314 gegen 127 Stimmen— angenommen, und der ganze Dawes-Plan wurde damit Gesetz. Und wie war das alles gekommen? Die Volkspartei hatte den Deutschnationalen vier Sitze in der Re- gierung angeboten, falls sie die zur Gesetz- werdung des Dawes-Plcrps notwendigen Stimmen lieferten. Diese Lieferung wurde am 29. August 1924 glatt besorgt, und ein paar Wochen später erfolgte auch die Gegenlieferung der vier versprochenen Ministsrportefeuilles. Das Geschäft war richtig. Jetzt soll in Paris der Dawes-Plan geändert werden. Die jährlichen Lasten, die Deutschland zu tragen hat, werden im Durchschnitt um rund eine halbe Milliarde, in den ersten Iahren noch mehr, gesenkt. Die ausländische Kon- trolle über die Reichsbahn soll verschwin- den. Auf der anderen Seite bedeutet der neue Plan im Gegensatz zum alten— niemand verkennt das— nicht mehr Perfuchsstadium, sondern dauernde Regelung. Den Gläu- bigern werden auf lange Sicht stärkere Sicherungen geboten. Dafür senken sie die Iahreszahlungen und verzichten sie auf peinliche Kontrollmaßnahmen. Das alles natürlich nur, wenn das Ganze zustande kommt. Die Sachverständigen sind in der Hauptfache einig— aber, wenn die Regierungen ihren Segen zu dieser Einigung verweigern, fällt alles wieder ins Wasser. Es besteht also Grund, die Dinge mit einiger Vorsicht zu behandeln. Als die Deutschnationalen ihren Antrag stellten, das Ergebnis von Paris abzulehnen, wußten sie, daß der Auswärtige Ausschuß diesen Ablehnungsantrag ablehnen mußte, wenn er nicht leichtfertig alles wieder zerschlagen wollte. Ablehnung der Ablehnung aber bedeutete Annahme: Annahm« der Pariser Ergebnisse. Sie jetzt schon auszusprechen, wäre grundfalsch gewesen, denn das hätte so ausgesehen, als ob Deutschland über das Ergebnis überglücklich sei und gar nicht warten könne. Das deutschnationale Manöver mußte also, wenn es gelang, die Lage Deutschlands in den noch nicht abgeschlossenen Verhand- lungen erheblich verschlechtern. Die Deutschnationalen waren bereit, diese erhebliche Ver- ichlechterung in Kauf zu nehmen, wenn ihnen ihr gegen die Regierungsparteien gerichtetes innerpolitisches Ent»> laroungs manöoer gelang. Die Regierungsparteien durchkreuzten das Spiel, indem sie es ablehnten, den deutsch- nationalen Schwindelantrag zu debattieren und zur Abstim- mung zu bringen. Darum Protestgeheul, feierlicher Aus- marsch aus dem Saale. Drohungen im Plenum und zum Schluß diese lächerliche Blamage I Warum wollen die Deutschnationalen nicht vom Dawes- Plan herunter? Ohne ihre Hilfe wären nie die Jahresraten von 2,5 Milliarden plus Besserungsschein möglich geworden, die jetzt auf 2,05 Milliarden ohne Besserungsschein herab- gesetzt werden sollen. Ohne die Zustimmung von 48 deutschnationalen Abgeordneten tonnte die ausländische Kontrolle der Reichsbahn nicht«ingeführt werden, die jetzt wieder a b g es ch a f f t werden soll. Warum wollen die Deutschnationalen nicht vom Dawes-Plan herunter? Etwa weil die V a t e r g e f ü h l e in ihnen übermächtig sind, und weil sie sich von diesem ihrem Kinde nicht trennen wollen? Keine Ariadne liefert den Faden durch das Labyrinth der deutschnationalen Mannesseele. Wohl aber hat die selige Flora Gaß, die Geliebte Hammer st eins, den Schlüssel zur Losung des Geheimnisses gegeben, Äs sie zu ihren tonser- vatioen Freunden das geflügelte Wort sprach:..K v m ö d i- antenseid ihrdoch alle!" Wirischastsunssnn der Rüstungen. Ceeil über die Abrüstung.— Volksheer oder Berufsheer? Terroristen beklage« sich... Sine Anfrage und eine Antwort. Ter Regierung-.Präsident in Stettin ersucht« vor einiger Zeit in einer Verfügung die Landräte eines Bezirks, durch persönliche Aerhondlungsn mit den Saalbesitzern zu versuchen, dem Reichs- bann er Versammlungsräume zu beschaffen, deren In- lyabtr sich aus Furcht vor nnrtschaftlichen Schädigungen durch Stahlhelm und andere Organisationen geweigert hatten, die Säte herzugeben. Ein dcutschnationaler Landtagsobgeordneter führte hierüber Beschwerde und bat das Staatsministerium in einer Kleinen Anfrage, dem Regierungspräsidenten in Stettin den weiteren„Miß- brauch der Polizei" zu verbieten. Der preußische Innenminister hat aus die Anfrag« kurz, knapp und klar geantwortet:„Das Vorgehen des Regierungspräsidenten rechtfertigt sich unter dem Gesichtspunkt der Gewährleistung der verfassungsmäßigen Freiheiten für alle Staats bürger und i>"det volle Billigung des Ministers. Don einem polizeilichen Eingreifen oder gar einer unterschiedlichen Be- Handlung kann gar kein« Rede sein." Biscount E e eil of Chelwood, besser unter dem Namen Lord Robert Cecil bekannt, sprach gestern abend als Gast des Komitees sür International« Verständigung vor dem wohlgefüllten Plenarsaal des Reichstages über die A b r ü st u n g. Er wurde von Reichsmimster a. D. Erich Koch-Weser als der gute Europäer, Weltbürger und Engländer begrüßt, der als Bannerträger des Friedens energischer und früher als olle anderen die Umgestaltung des Völkerbundes zu einem wirklichen Friedensinstrument verlangt habe. Cecil ist der konservative englische Staatsmann, der auf der Drennächtekonferenz m Genf im August 1927 England vertrat und dann sein Amt in die Hände der Regierung Baldwin zurücklegte, da ihr Berhalten in der Seeabrüswngsfrog« ihm nicht mehr mit den Interessen des Friedens und seines Landes vereinbar erschien. Cecils gestriger Bortrag über die Abrüstung schölle in der Art, die ihm und seinen Mitarbeitern in der englischen Bölterbund- g es ellschaft so einen großen Einfluß auf die öffentliche Meinung ihres Landes gegeben hat, die wesentlichen Punkte der Abrüstungsfiag« heraus. Er begann seinen Vortrag mit dem Hinweis auf zwei Ereignisse, die in jüngster Zell die Abrüstung in den Vordergrund ggzogen haben: den Kellogg-Pakt, der die Regierungen ver- pflichtet, auf den Krieg als Mllel der Politik zu verzichten und deshalb die Mrüstung zur Folge haben muß. und die britischen Wahlen, die eine überwälklgend« Mehrheil zu- gunsien des Völkerbundes und zugunsten der internationalen Abrüstung In das engNfche Parlament gebracht haben. Eine beträchtliche einseitig« Herabsetzung der Rüstungen könne zwar für das betreffend« Land ein« groß« Wohltat sein, aber einer einseiiigeu Einschränkung folge bei zunehmendem Wohlstand leicht eine einseitige Aufrüstung. Rur die Kürzung der Rüstung durch einen freiwilligen internationalen Vertrag kam» dauernden Bestand haben, und nur eine douernd« uNd all» gemein« Herabsetzung der Rüstungen hat ernsthaften Wert für die Sache des Friedens. Es bestehen unzweiselhost moralisch« Der- pflichtungen der größten europäischen Mächte zu einer Abrüstung Zahlreiche wirtschaftliche Gründe sprechen ebenfalls dafür. Ein A ch t« l der englischen Ttaotsausgaben werden sür Rüstungen geopfert: ein« große Anzahl von Männern im besten Atter werden durch die Rüstungen zu unproduktiver Beschäftigung gezwungen. Das Vorhandensein der großen Heer» bedroht die internationale Sicherheit und schädigt damit den Kredit, auf dem die modern« Wirtschaft beruht. Die Völker unterwerfen sich den Ausgaben und Entbehrungen für die Rüstungen nur deshalb, weil sie einer bewußten Propaganda für den Krieg unterliegen. Vor dem Kriege wurden Krieg und Äriegsmittel und Literatur und Presse in Universstäten und Schulen, selbst in Kirchen und Kapellen verherrlicht. Der Beruf des Soldaten wurde durch gesetzliche Privilegien und soziale Stellung bevor- zugt. Selbst in England, das nicht milllanstisch ist, wird eine künstliche Bewunderung für Heer und Flotte hervorgerufen, damit der Bürger die nötigen Steuern aufbringt. Di« zwei Millionen englischer Bölkerbundsbeitrag werden häufiger kritisiert als die tausendmal so großen Smnmen für den Milllär- und Morinehoushalt. Internationale Schiedsabkommen bedeuten letzten Endes nur eine Zusage, sich in der Zukunft friedlich verhallen zu wollen: ihre Innehollung hängt also vom guten Glauben ab. Die Abrüstung ist die einzig wirklich positive Maßnahme zur Erhaltung de» Friedens. Eecil zeichnet« dann die indirekten Versuch«, an das Ab- rüstungsproblem heranzukommen: der Dertrog über gegenseitige Unterstützung, das Genfer Protokoll, das Vertragswert von Lo- carno, dessen ollgemeine Ausdehnung notwendig ist. Der direkt« Angriff auf die Rüstungen ist seit dem Scheitern der Dreimächte- konferenz, seit 1927. in. Stocken geraten. Jetzt liegt dos neue Angebot der Vereinigten Staaten vor, zu einem Abkommen zu gelangen. In bezug auf die Abrüstung der Landheere sind noch geringer« Fortschritte erzielt. Jedoch erscheint Eecil der provi- sorssche Beschluß in bezug auf ausgebildete Reserven nicht so ver- hängnisvoll, wie die meisten ihn darstellen. Es ist in Wirklichkeit eine Frage der Wahl zwischen der ollgemeinen Wehrpflicht und dem freiwilligen Heere. Wenn man die allgemeine Wehrpflicht mit kurzer Dienstzeit hat, ergibt sich zweifellos eine große, aus- gebildet« Reserve. Aber wenn die Dienstzeit kurz genug ist, wird diese Reserve, die wahrscheinlich dazu ausreicht, um die Schützen- graben zu halten, für einen Angriff vollkommen nutzlos sein. E» ist noch fraglich, ob Europa einer Kriegsgefahr mehr aus- gesetzt ist. wenn seine Heere verhältnismäßig groß sind und nur ein« Milizausbildung bekommen, oder wenn die Heere zwar klein bleiben, aber dafür zur höchsten Leistungsfähig» k ei t gebrocht werden. Wenn die Konferenz zwischen England, Japan und Amerika zu einer Regelung der Flottenobrüstung führt, wird sie der allge- meinen?rbrüswng einen mächtigen Antrieb geben. Die Befür- worter eines dauernden Friedens haben Gründe genug, für ihre Sache zu kämpfen und mit Zuversicht in die Zukirnft zu sehen. „Im Vertrauen aus die Gerechtigkeit und auf die gute Sache, die wir vertreten— so schloß Cecil sein« Ausführungen— wollen wir uns vom Pessimismus befreien und den Erfolg erzwingen." Schutz der Mutter! Vor den Schlingen der Gesehe. Ostpreußenhilse und Laudbundterror. 5Vann dasOstpreußenprogromm ohue Störung durchgeführt werden? Wir haben mehrfach über die Terror- und Pressionsmaßnohmen des Ostpreußischen Landwirtschoftsverbandes berichtet, die bis heut« noch nicht abgesagt sind, obwohl da» Reich und Preußen sehr große Ops-r sür die Erleichterung der Wirtschaftslage in Ostpreußen zu bringen beschlossen haben. Es ist zu begrüßen, daß der Reichs» und Staatskommissar für die Durchführung des Ostpreußenprogramms Landrat Rönncburg jetzt sestzustellen oersucht, wie der ostpreußjsch« Landbund zu seinen Drohungen steht. Di« Vertreter der Regierung haben keinen Zweifel d a r.o n gelassen, daß der Gedanke einer besonderen Hilfsattion für Ostpreußen mit der Terrorpolitik des Ostpreußsschen Landwirsschaftsverbandes u n- vereinbar sei. Es scheint auch, als ob di» dortig« Landbund- organisation Angst vor ihrer Courage bekommen hat und einen Rück- zug antreten wird. Wir hoffen bestimmt, daß der Reich«- und Staatskommissar Rönncburg für ein« klar« Situation sorgen und damit die Garantien schaffen wird, ine das Reich und Preußen aus Gründen dar Staotsoutorität sowohl als auch im Interesse der ostpreußsschen Bevölkerung verlangen müssen. Dem SreisblaN lo Hoya(Regierungsbezirk Hannooer) wurde von dem Regierungspräsidenten von Hannover der Charakter als Amtsblatt entzogen. Das Blatt hat sich in letzter Zeit wiederholt durch gemeine Beschimpfu n jje n der republikani. ichen Staatsform und der republikanischen Minister hervorzutun versucht. Sonfrreaz über das Lonkordal. In der Kontordatssrage find die Fraktwns'ührer des Preußischen Landtage» zu einer Sinzing im preußischen Staatsministerium eingeladen worden. Die Sitzung dürfte voraussichtlich am kommenden Freitag erfolgen. D« Strosz«s«tzou»schuß d«s R«ichstag» begann gestern die Beratungen des Abtreibung Sparo g raph«». Räch§ 253 wird Gefängnisstraf« einer Frau angedroht, die ihre Frucht im Mptterleibe oder durch Abtreibung tötet oder di« Tötung durch einen anderen zulaßt. Dieselbe Straf« soll denjenigen treffen, der ein« Frucht im Mutterleib« oder durch Abtreibung tötet. Der Versuch soll strafbar sein. Nach§ 254 soll Bestrafung nicht«intreten, wenn ein approbierter Arzt eine Schwangerschaft unterbricht, weil es nach den Regeln der ärztlichen Kunst zur Abwendung einer auf andere Weife nicht ab- wendbaren ernsten GefahrfürdasLeben oder die Gesundheit der Mutter erforderlich ist. Abg. Dr. R o s e n f e l d(Soz.) begründete«inen sozialdemo- kratischen Antrag auf Streichung de» Abtreibungsparagraphen und für den Fall der Ablehnung dieses Antrages auf Straf- l o s I g t e i t einer Abtreibung, die mit Einwilligung der Schwangeren von einem approbierten Arzte innerhalb der ersten drei Monate der Schwangerschaft vorgenommen worden ist. Die Aufrechterhallung der Strafbarkeit jeder Abtreibung sei mit den heutigen Anschauungen des Voltes nicht mehr vereinbar. Man empfände nicht mehr die Abireibung als eine unsittliche Handlung und man könne nicht für strafbar erklären, was nicht als unsitllich empfunden werde. Die Beschränkung der Kinderzahl erfolge aus wirtschaftlicher Not, weil die Gefahr bestehe, daß das Lebensniveau einer Familie herabgedrückt werde. «enn die Zahl der Kinder zu groß werde. Das Gesetz gestatte di« Verhinderung der Empfängnis, erlaube also eine Geburtenregelung. Da könne es nicht unmoralisch sein, wenn zur Geburtenregelung Ab- treibungen erfolgen. Früher sei die Beschränkung der Geburtenzahl aufdiebegütertenDevölterungskreisebeschräntt gewesen. Damals hat sich kein Mensch aufgeregt. Erst seitdem auch die werktätige Bevölkerung den Kinderreichtum einschränkt, spricht man vom Einten der Moral. Di« steigende Zahl der berufstätigen Frauen und die Berufsarbeit der verheirateten Frauen außerhalb ihres Hauses zwängen häufig zur Einschränkung der Kinderzahl. Di« stark gewachsene Wohnungsnot wirkt in derselben Richtung. Bei unehelichen Müttern käme noch die Angst vor Schande hinzu. Gerade weil ein« normale Mutter voll Freude der Geburt eines Kindes entgegensieht, könnten es nur zwangsmößig wirkende Ver- Höllnisse sein, die zur Abtreibung führten. Man beseitig« die sozialen Mißstände, und die Zahl der Abtreibungen würde von selbst zurück- gehen. Mit Strafparographen sei da» nicht zu erreichen. Daß die Strafe nicht abschreckend wirk«, zeigt di« zunehmend« Zahl der Ab- treibungin. Totsächlich be st rast wegen Abtreibung werden überwiegend Frauen de» werttätigen Volkes. Die Frauen der besitzenden Klassen haben Geld und all« sonst erfordere lichen Hilfsmittel, um ohne jede Gefahr strafrechtlicher Verfolgung sich der Frucht zu entledigen. So wirk« der Abtreibungsparagraph als Ausnahmegesetz gegen di« Arbeiterklosse. Er müsse fallen, um nicht schlimmstes Klassenunrecht zu konservieren. Mindestens müsse die Abtreibung straflos fein, wenn sie in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolge. Entsprechend mühte in der Reichsversschcrungsordnung vorgesehen werden, daß die vom Gesetz gestattete Einleitung der Abtreibung als Krankenhilf« im Sinne des Gesetzes anzusehen fei. E» dürfe auch nicht mehr Be- strofung eintreten, wenn fett der Abtreibung«in Jahr vergangen war. In besonders leichten Fällen müsse das Gericht von Strafe absehe» können. Ferner sei erforderlich, daß den Aerzten das Recht gegeben warb«, die Geburt eines stechen oder geisttg mdiberweUkz« Kindes zu verhindern oder«inen Eingriff zu wachen, tan einet schweren wirtschaftlichen Notstand für da» zu erwartend« Kind vor- zubeugen oder wenn die Schwängerung bei VerÜbung von Notzucht. Schändung. Blutschande oder Unzucht mit Kindern eingetreten sei. Abg. Strathmanu(Dnall.) widersprach der Forderung auf Straflosigkeit der Abtreibung oder auf Einschränkung der Strafbar» teit. Es handle sich um di« Tötung eines noch ungeborenen Menschen. und jede Tötung müsse strafbar sein. Die Straflostgkett müsse au» Achtung vor der Heiligkeit des werdenden Lebens abgelehnt werd««. Di« Straflosigkeit würde bedeuten, daß ein« Stütze de« fittllch«» Rechtsbewußtseins des Lölkes eingerissen werde. All« sozialdemo, kratischen Mllderungsanträge müßten abgelehnt werden, da schon der Gesetzentwurf in seiner Mild« zu weit gehe. Abg. Bell(Ztr.) widerspricht ebenfalls einer Abschwächnng d« Abtreibungsbestimmungen. Der Schutz der ungeborenen Kinder dürfe nicht verringert werden. Da, Recht der hilflosesten Wesen, der noch nicht Geborenen, werde unzureichend geschützt, wenn di« sozialdemo- kratischen Antröge angenommen würden. Alle Milderungsanträg« sollten abgelehnt werden. Abg. Alexander(Komm) trat für die Straflostgkett der Abtreibungen«in. Die Beratung wurde dann auf Donnerstag vertagt. Freitod eines Laudrats. Infolge Lteberarbeitong krank geworden. Magdeburg, 4. Juni, i In der vergangenen Rocht hat sich der Landrot de» Kreise» Wanzleben, K« h l i n g, in seinem Dienstzimmer erschossen. Ueber den Selbstmord Kehling», der der Sozialdemotrati« angehört, schreibt di«„Magdeburger Dolksstimme". daß führenden Parteigenossen der leidend« Zu st and Kehlings feit länger«? Zeit aufgefallen sei. Deshalb habe man ihm in freuudschrft- sicher Weise nahegelegt, einmal für länger» Zell die Dienstgeschäste abzugeben. Für Montag war Kehling zu einer Aussprach« nach Magdeburg gebeten worden, um di« Einzelheiten de» Urlaub» fest- zulegen. Kehling reiste aber nicht nach Magdeburg, sondern irrt«, wie man annimmt, während de» Tages umher und er« schoß sich de» Nacht» in seinem Dienstzimmer, wo ihn seine Frau fand. In einer heute abgehavenen Kreisausschuß- Sitzung wurde von der Rechten, der bürgerlichen Mitte und den S oz i a l de m o l ra te n des Falles gedacht und der besonderen Hochachtung für Kehling Ausdruck gs- geben. Landrat Kehling war feit 1922 in feinem Amt«. Er war aus der Arbeiterschaft hervorgegangen und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit._ pariser Reparationsdebatte vertagt. Am Dienstag abend wurde noch einer Red« Poinear4s untz Stellung der Vertrauensfrage die vom Soziasisten Renaudel beantragte Interpellation über die Reparattnns- und Schuldenreg«« lung mit 321 gegen 249 Stimmen bis zum 25. Juni vertagt. Di« Slaalsfchulde» der Vereinlglen Staaten sind feit Mai 19A bis Mai 1929 von 17 Milliarden Dollar um 670 Millionen Dollar gefallen. Produktion fürs Volk— nicht zum Profit! Sozialdemokratische Wirtschastskritik im Reichstag. Im Reichstag miederholl« am B-ainn der Dienstagschung Abg. Graf Westarp(Unat.) Den Dersach, eine Debatte über die Poriser Derhandluncien herbeizuführen. Unter Protest gegen „Mundtotmachung" im Auswärtigen Ausschuß beantragt er als ersten Punkt der Tagesordnung: Ausforderung an die Regierung. sich über die Pariser Verhandlungen zu äußern. Dem Antrag wird auf der öinken widersprochen, damit ist er erledigt. Abg. Stoecker(Komm.): Der Donner der deutfchnationalen Presse hat im Auswärtigen Ausschuß ein klägliches Echo gefunden. Eine Fünfminutenrede Westarps war alles- Abg. v. Lindeincr-Wildou(Dnat.): Diese Rede wird charakteri. siert durch ihre Erzählung aus einer vertraulichen Ausschußberatung. (Heiterkeit.) Diese Vertraulichkeit hindert uns, Streckers Darstellung zu widerlegen. Einsprüche dreier Hakenkreuzler gegen ihre Ausschließung aus eine» früheren Sstzung werden— nach Ablehnung der geforderten wörtlichen Verlesung ihrer Einsprüche— zurückgewiesen. Die zweite Beratung des Etats wird fortgesetzt beim ReichswirischastSmmisterium mit dem Bericht über die Weltwirtschaftskonferenz in Genf, An- trägen und Interpellationen aus dem Hause. Ju'ichswirtichoitsminister Dr. Curfius: Wenn es in Pari, zu einer Einigung kommt, wird die Regierung ein umfassendes Reform- Programm vorlegen. Der Mittelstand hat ein Recht darauf, daß in der Etats rede des Reichswirtschaftsministers feine Röte eingehend behandelt werden. Die Reichsregierung ist der Auffassung, daß die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand in angemessenen Grenzen zu halten ist. Durch die wirtschaftlichen Betriebe des Reiches wird dem mittelständischen Gewerbe kein« besondere Kon- kurrenz bereitet, da das in der Hauptsache gemeinnützige öffentliche Versorgungsbetrieb« sind. Die Deckung des Bedarfes der Behörden muß unter besonderer Beriicksichticping des mittelständischen Gewerbes erfolgen. Die Beschäftigung der Strafge- s a n g e n e n mit produktiver ArbeN ist aus erziehlichen Gründen notwendig. Im Wohnungswesen muß eine Benachteiligung des privaten Baugewerbes gegenüber den sozialen Baubetrieben ver- hindert werden. Der Einzeihandel muß sich in seinem Existenzkamps besonders des genossenschaftlichen Zusammenschlusses bedienen. Die Reichsregierung hat in der Fürsorge für den Mittelstand durchaus produktiv gewirkt. Sie wird auch fernerhin ihr Bestes tun, um seinen Röten und Sorgen Abhilfe zu bringen. Zur Abschaffung der Jnnungskrantenkassen sehe ich keinen Grund, wohl aber zu ihrer Zusammenfassung. Abg. Krätzig(Soz.): Die Lage des Mittelstandes ist zum großen Teil nicht rosig. Er teilt dieses Schicksal mit anderen Volksschichten, man denke nur an die Zehntausende Angestellten, die Stellenlos herumirren und der Verzweiflung anheimfallen. Ohne Rücksicht auf das Schicksal des einzelnen geht die privat kapitoli st tfche Produktions- .weise ihren zermalmenden Weg. Der Mittelstand könnte dar- um sein Schicksal mit dem der Arbeiter verbunden sehen, er müßte oersuchen, mit der organisierten Arbeiterschaft eine Wandlung in unserer ganzen Vollswirtschast herbeizuführen. Bei den Reden mancher bürgerlichen Sprecher im Ausschuß "tttnßte matt sich ermnertt; daß die Christliche Volksgemeinschaft' doch eine Pflicht begründet gegenüber jenen Volksgenoflen, die durch rrganifatorisch« Fehler der Produktionsweise um ihr« Existenz ge- bracht worden sind. Unser« Volkswirtschaft ist nicht ein« Wirtschaft des Volkes, die darauf ausgeht, zu produzieren, um den Bedarf des Volkes zu decken. Das geschieht heute nicht, denn es wird produziert, nur um Profil zu«zeugen. Aus diesen Zuständen aber drohen dem ganzen privatkapitalistischen Wirtschaftsgebäude schwere Gefahren. Wenn man den Ursachen der Arbeitslosigkeit nachgeht, so erkennt man sie als Auswirkung eines m:5weglosen Wirtschaftssystems, das periodisch zu Krisen führt. Ein Ziel ist nicht zu erkennen, planlos wird fortgewurstelt und ins Verderben hineingegangen. Von den Parteien aber, die für die Unantastbarkeit der Produktionsweife«intreten, hört man nicht, wie die Quellen der Arbeitslosigkeit zu verstopfen sind, sondern den Wunsch muh Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung. Dadurch würde aber das Unheil noch verheerender werden. Glaubt man. daß die hunderttausende Arbeitslosen Lust Höllen, zu verhungern, um diese Prositwirlschaft weiter zn ermöglichen? Wir warnen vor solchen Illusionen. Denken Sie an die furchtbare materielle und seelische Rot der Zehntausende Angestellten und HinchcrUausendc Arbeiter, die im besten Alter und bei voller Be- jähigung auf die Straße geworfen werden, weil man Ihnen billigere Kräfte vorzieht. Der Deutschnationale Handln ngsge- Hilfenverband berichtete in einer Anklageschrist an das Reichsarbeitsministerium, daß er sich an 6000 nationale Unternehmer mit dem Ersuchen gewandt hat. ältere und hochangesehen« Angestellte mit reicher geschäftlicher Erfahrung einzustellen— in allen COOO Fällen ist er abgewiesen worden!(Hört! hört! link».) Das Snpilal pfeift auf den Tkottonattsmns. wenn ein»aar Mark Pros« auf dem Spiele stehen. So werden auch diese Angestellten zu der Erkenntnis kommen, die bei anderen schon vorhanden ist, daß diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende gemacht werden muß. Da nicht persönliche, sondern gesellschostlich« Ursachen diese periodisch wiederkehrenden Krisen hervorrufen, und da der Staat diese Wirtschaftsweise schützt, hat er auch die Pflicht, ihre Opfer zu schützen.(Sehr wahr! links.) Das ist der grundsätzliche Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei, von dem wir unter keinen Umständen abgehen werden. Sollten wir diesem Grund- fatz noch nicht Gellung verschassen können, so werden wir immer wieder damit kommen, bis es uns gelungen ist. Der Hoch. kapitalismus hat 80 Proz. des deutschen Volke, zu Lohnempfängern gemacht und mindestens 80 Proz. davon sind Proletarier. Millionen von ihnen sind zeitweilig ohne Erwerb und in der bittersten Rot. hälfen wir eine volkswirlfchasl. die nicht der Erzeuguag von Profit, sondern der Versorgung der Slaaisbürger zu dienen halte, dann könnte die Differenz zwischen Erzeugung und ver- brauch nicht solch schwere soziale Störunge« hervorrufen: wenn zuviel erzeugt würde, dann würde dt« höhere Produktion nicht Elend für Millionen bedeuten, sondern vermehrten Lebens- gennß für alle. Aber für die Verteidiger d«» kapitalistischen System, hat diese Er. wägung kein Interesse. So sehen wir. daß Gebrauchsgegenstände -molge Absatzmangels aufgehäuft werden, die Verkäufer aber. darunter der gewerbliche Mittelstand, über den Ver.ust ihrer Existenz- Möglichkeit jammern. Auf der anderen Teste stehen Millionen Volksgenossen, die bitterste Rckt leiden, weil sie da« Geld nicht haben, um in den Besitz der Produk e zu kommen. E- siegt in der Natur der kapttokistischen Wirtschaft, den Produktionsapparat immer leistungsfähiger zu machen, aber dieselbe Wirtscbaft unter. läßt es. die Massen genug kaufkräftig zur Aufnahme der Meh» Produktion zu machen. In Zeiten schlechter S°n,unktur wollen dann die Unternehmer den ungenügende» Warenabsatz durch Herabsetzung der sozialen Leistungen ausgleichen, wodurch die Kaufkraft der Massen noch mehr geschwächt würde. Die Berichte der deutschen Textil- industrie und des Textilhandels erklären, daß in allen Branchen viel zu wenig abgesetzt wird, weil di« Kaufkraft des Volkes zu gering ist. Die deutsche Schuhindustrie hatte im letzten Jahr 40 000 Voll- erwerbslose und dazu die vielen Kurzarbeiter, aber nicht weil zu viel Schuhe vom Ausland hereingebracht worden wären, sondern weil zu wenig Schuhe in Deutschland gekaust werden können. In Amerika werden jährlich im Durchschnitt drei bis vier Paar Leder- schuhe verbraucht, in England zwei bis drei, in Deutschland nur ein Paar pro Einwohner. Könnten die Deutschen jährlich zwei Paar Schuhe kaufen, so würde die Schuhindustrie keinen einzigen Erwerbslosen haben. Durch volle Ausnutzung der verbesserten Produktionseinrichtungen infolge gesteigerten Absatzes könnte aber auch billiger produziert werden. Statt dessen behaupten die Wirtschaftsführer, Deutschland müßte mehr arbeiten und weniger verbrauchen. Mehrarbeit ohne Mehrabsatz wäre jedoch sinnlos. Man will di« Vorzugsstellung der deutschen Industrie in der Vorkriegszeit wieder gewinnen. Diese Vorzugsstellung verdankt« sie der besseren Allgemeinbildung des deutschen Volkes und der daraus entstandenen besseren technischen und kaufmännischen Produktionsleistung. Dadurch hatten wir vor vielen anderen Völkern einen Dorsprung, den jedoch der Krieg mit rauher Faust zerstört hat. Aber unsere wirtschaflsführer jagen dem Phantom nach, billiger al» das Ausland produzieren zu müssen. Auf der jüngsten Tagung des Vereins deutscher Eisenhütken- leute wurde über Arbeitszeit und Arbeitslohn gesprochen und ein großangelegter Kriegsplan gegen die Arbeiterschaft beraten. Durch Querverbindung in der Organisation der Werte soll eine große Einheitsfront der Röhstosf. und der weiterverarbeitenden Industrie geschaffen werden, um die Arbeiterschaft unter die Knute zu zwingen. Das sst ein recht gefährliches Spiel mit dem Feuer. Die Arbeiterfchnst weiß, daß der Ansturm gegen die Arbeitslosenversicherung nur dem Zweck dienen soll, die Erwerbslosen durch Hnnger zu einer Armee von Lohndrückern zu machen. Dagegen wird sich die Arbeiterschasl bis zum Aeußerfien zu wehren wissen. (Lebhafte Zustimmung der Soz.) Statt einer Stärkung der inneren Kaustrast oerpulvert man das Lolksoermögen beim Export, und die Konzerne treiben die Preise ins ungeheure. Dazu das Geschrei von Kapitalmangel, das in dieser Allgemeinheit nicht berechtigt ist. Ein gewisser Kapitalmangel hat immer bestanden, wenn es heute etwas schlimmer ist, so liegt das daran, daß wir Mangel an rationeller Verwendung des neuen Kapitals haben. Vor dem Krieg dominierte der Indimdual- Unternehmer, und das in den Spartaffen aufgesammelte Kapital finanzierte die Betriebe und ermöglichte eine zweckmäßigere Verwendung des Kapitals als heute, wo mehr als zwei Drittel des Kapitals in Konzernen und Trusts zusammengefaßt sind. Dieses Kapital wird ohne Rücksichk auf die volksinkeressen verwendet. Die Konzern- und Monopolbelriebe arbeiten häufig geradezu zwecklos. so in der Kaliindustrie, wo von 205 Zechen ganz« 43 produzieren. Dir scheu die qewalttge Verteuerung der Baustoff, und Zement- preise, die den Wohnungsbau hindert, während di« Syndikate förmlich in Gold schwimmen. Dos westdeutsche Zementtynditat nützt seine Anlagen nur zu 35 Proz. aus, da» oberschlesische Zement- jyndikat nur zu 60 Proz., hat aber 10 Millionen Rohgewinn und S.Z Millionen aus laufenden Mitteln für Betriebserwetterung ver- wendet. Die Lergbaugefellschaft„Ilse hat seit 1925 rund 30 Millionen zum Ausbau ihrer Anlagen verwendet, der Ruhrbergba» hat 60 Proz. seiner Erweiterung aus den lausenden Einnahmen bestritten, andererseits aber noch abbausahige Zechen stillgelegt. Krupp baut ein neues Röhrenwerk, obwohl die bestehenden nur zu 40 Proz. aus-, genutzt werden. Die Hamburg-Amerika-Linie klagt ständig, daß viel zu viel Schiffsraum in der Welt sei, legt aber unausgesetzt Reu- bauten auf Stapel. Die Rohstahlindustrie baut ihre Leistungsfähig- keit auf 23 Millionen Toniien im Jahre aus, obwohl gar keine Aus- ficht darauf besteht, diese Menge auszunützen. Man sagt sich, der Produkttonsapparat müsse möglichst groß sein, damit er bei auf- steigender Konjunktur recht viele Aufträge an sich reißen, woran man wieder sein Geschäft machen kömre. Der erweiterte Produk- tionsapporat bleibt unausgenutzt, man erhöht ständig die Produktpreise, verschlechtert selbst den Markt und fördert neue Wirtschaftskrisen. Das ist eine ganz falsche Methode. Richtig ist der Weg, den die Gewerkschaften oller Richtungen zeigen, nämlich dem Arbeiter einen größeren Anteil am Sozialprodukt zu geben. In dieser Beziehung steht Deuffchland noch sehr hinter anderen Ländern zurück. Ein Vergleich der Löhne 1928 in Gold läßt sich in folgenden Zahlen ausdrücken: Enqlonö 200, Amerika 230. Skandlnavlen 265. Holland 250— ZOO. Deutschland 180, Dieser niedrige Lohn- stand in Deutschland ist die haupkursache de» geringen waren- umsähe, und dadurch wird wiederum die Arbettslofigkeit hervor- gerufen. Eine Arbeitslosigkeit von 2)4 Millionen wie im Februar mit einer wöchentlichen Einbuße von 20 M. bedeutet einen Verlust von 50 Millionen Koustrast. Der Produktionsapparat darf nicht auf Profiterzeugung, sondern muß aus Abbau der Preise eingestellt sein, I um einen höheren Warenabsatz zu erzielen. Tun das die Dirt- I schastsführer nicht, dann haben sie den schärfsten Kampf der Arbeiter- jchast zu erwarten. Vorläufig sehen wir eine Erhöhung des Eisen- Preises um 4 M. pro Tonne, was bei einem Verbrauch von 10 Mil- lionen Tonnen einen Extratribut von 40 Millionen Mark an die Eisenindustrie bedeutet. Natürlich kann dann die weiterverarbeitende Industrie nicht billiger werden. Eine Kurpfuscherei ist es. Erhöhung der Zölle zu verlangen und dadurch die Lebenshaltung der Massen noch weiter herunterzudrücken. Außerdem würden wir uns damtt in Gegensatz zu den Genfer Empfehlungen stellen, die wir selbst unterzeichnet haben. Zollerhöhung wäre das Gegenteil von dem, was wir für die Gesundung der Volkswirtschaft als richtig ansehen. Die Preis- treiberei der Kartelle muß beseitigt werden. Wir haben uns daran- gemacht, emsprechende Vorschläge auszuarbeiten, an Stelle der Vor- schlüge der K a r t e l l j u r i st e n, die wir als eine Verhöhnung des in dieser Frage empfindlich gewordenen Rechtsgefühls des Volkes ansehen. Die Klagen des Mittelstandes über die Preisdiktatur der Kartelle werden immer größer. Man zwingt sogar das Gewerbe, zu not- weichigem Bedarf auch noch Artikel zu kaufen, die es nicht braucht. (Hört! Hört!) Es ist die Pflicht des Staates, diesen wirtschaftlich ungesunden Zuständen ein Ende zu bereiten. Nicht länger dürfen ein paar karlelltönige über das Schicksal ganzer Wirtschaftszweige mit Hunderttausenden Arbeitern, An- gestellten und Beamten entscheiden. u meiner Freude hat auch der frühere Reichsarbeitsminister Dr. rauns auf der Genfer Arbeitskonferenz ähnliche Ansichten entwickelt. Wenn die Industrialisierung und die Produktion sich so weiter entwickeln, wie wir das jetzt in den meisten Industriestaaten der Welt sehen, so werden immer größere Störungen und Schwierigkeiten des gesellschaftlichen Lebens eintreten. Diese lasscei sich nicht durch reaktionäre Maßnahmen überwinden, sondern nur durch die Zuführung eines größeren Anteils am Sozialprodukt an die werttätige Bevölkerung. Es ist das nicht nur das Interesse der Arbeiterschaft allein, sondern das allgemeine Interesse fordert, daß ein technisch exportsälziges Land wie Deuffchland seiner Industrie und seiner Landwirtschaft im Inland höheren Absatz ver» schafft. Das ist nur so möglich, daß die voikswirsschaft eine solide und sichere Grundlage erhält, die sie befähigt, preiswerte Qualitätswaren hervorzubringen. Rur mit solchen Qualitätswaren werden wir deutschen Waren eine Bevorzugung in der Welt gewinnen. Darüber hinaus aber werden wir Sozialdemokraten'uns bemühen, die Volkswirtschaft zu einer wahren Wirtschaft des Volkes zu machen, zu einer Wirtschaft durch und für das Volk.(Stürmischer Beifall der Soz.) Abg. Lejeunc-Zung(Dnat.): Diese Rede des Abg.'Krätzig lehrt. welch schweren Stand der voltsparteiliche Wirffchaftsminister im Kabinett hat. Er sollte sich für eine wirtlich« Reform der Ar- beitslosenversicherung einsetzen und sich der Forderung der Sozialdemokraten auf Beitragserhöhung bis zur äußersten Kon- sequenz seines Rücktritts widersetzen. All« Mahnahmen der Reichz- regierung sind nur ein Kurieren an Symptomen, solange sich nicht auch der Wirffchaftsminister zu dem Grundsatz bekennt, daß die aus- ländische Einfuhr an Agrorprodutten auf da« notwendigste beschränkt werden muß. ,v•':■■■■ Plan kann henk In Deutschland geradezu von«wem Freihandels- fanattsmus spreche«. Keiner der Handelsverträge hat die erwarteten Erfolg« gezeitgi. Räch Griechenland ist die Ausfuhr sogar zurückgegangen. Lediglich nach Polen, mit dem wir keinen Handelsvertrag haben, weist' die Ausfuhr eine steigende Kurve auf. Den letzten Blutstropfen sucht man aus der deuffchen Wirtschaft für Tribufforderungen heraus- zuqueffchen. Der Wirffchaftsminister muß die Pariser Vereinbarung ablehnen und die einsprechenden Folgerungen für unsere Zoll- und Handelspolitik ziehen. Abg. Schlack(Ztr.): Die gegenwärtige rückläufige Konjunktur ist von einer empfindlichen Geldknappheit begleitet. Die Zins- erhöhung der Großbanken hat die Schwierigkeiten der Wirtschast noch vergrößert. Die Großbanken sollten eigentlich Diener der Wirt- schast sein, bei uns haben sie sich aber zu Beherrschern der Wirffchasx aufgeschwungen. Es werden zu viel Auslandswaren in Deuffchland verbraucht, gerade von den Begüterten, die sich„national" nennen. Einen Gewinn bedeutet die Ausfuhr nicht, wenn sie nur dadurch ermöglicht wird, daß die Inlandspreise gesteigert werden, damit die Ausfuhr billiger gehalten werden kann. Gegen die Diktatur der Kartelle reichen Gesetze nicht aus, dazu muß die genossenschostliche Selbsthilfe des Volkes kommen. Um 6)4 Uhr wird die Weiterberawng auf heute, Mittwoch, 3 Uhr, vertagt. Wechsel im Breslauer Postzeipräfidtum. Wie der„Amtlich« Preußische Pressedienst" mitteilt, hat das preußische Staotsministe- rium in seiner Sitzung vom Dienstag beschlossen, den bisherigen Polizeipräsidenten von Breslau, Kleiböhmer, in den ein st- meiligen Ruhestand zu versetzen. Mit der kommissarischen Verwaltung des Polizeipräsidiums ist der bisherige Oberregienings- rat beim Oberpräsidium, T h a i ß, beaustragt worden. Die Verantwortlichen für Iaenbowskis Hinrichtung. lAndggrichfcspßis. ObcrstaAtsanwAU Jdiot HusUdl Müller. Hannes Nohens. Jdv.bchbe micH au| den dAv.icbAufdsndUw- ich d.üf den du*** verlASsen f üleidei* Stoffe Ceiden. tfoffe . tSpefflii« ÄW.' WMm.Sz* ™iiißßClllllg f%T5 NW« O» pMtelsfoffp '••Xeter i�piife mioic:* NNW � SlPißßJhlae g5o ........ Meter ÜUßhctSpMo «scrff KM 7° Sßhsme �enm��one, 1 2S ............ Meter M ' Ben« �webe, ®0ienie Master. 166 ßuBerfa, � P �4 j j n�yuiv Sxiuuuhv&nxntirw$ pydbrui'-vC'W xnJULiVU� ''frlVMM' j-uß fotv(ÄbliurtH Leipziger Str.« Alexanderplatz» Frankfurter Allee ♦ Belle-Alliance-Str.» Brunnenstr.* Kottbuser Damm* Wilmersdorfer Str.* Andreasstr. Mittwoch, S. 6. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 144 !»>- Uhr Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 128 20 Uhr Luiia illti Mittwoch, 5. 6. Stadl. Oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Tosca StaatLSdiaisph. am Bendarmeiimarkt A.-V. 132 20 Uhr Slaatl.Schlller-ThBater.Charltli. 20 Uhr Der Friseur von Roßlagen 8 Uhr ti 5 Barbarossa 9256 O'Hanlon& zambuni und die weiteren adraKttonen ■i\ Am Ktt»tr,"e' Platt Alu. 8068— BS Tägl.Su.B�iIntern.Varietfe| Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag I Laslspfeihaas Tägl. SV* Uhr Arm wie eine Klrcnenmaus SkideiSky, Flink, Berisch u. a. Rundlunkhorer l Preise. tflemet fneaier Täglich 8"i Uhr NaBoaertroffien? nrh ien»nrik« sthw von Frank Green. Musikalische Iliust. Fr. Holländer. Regie: Fr.FriedlBOnn FreOsrilb. Winfer ★ uarfen* 18 UM» Ztatr. 2818» Bett ihn«iUitit| Bon John Jan-Ollis« Bob Fisher singt Sonny boy, I Antonet S Baby, Die berflhinten| Clowns und weitere yarleM- Neuhelten. Rose-Theater Grobe Frankfurter Str. 133. TAgUdi 8.15 Uhr: Spiel imSchloss. Gartenbohne: Täglich 5,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und Bunter Teil. Täglich 8,15 Uhr Ein WsafzesrdraaeMn Gr. Operette in 3 Akten V. OtCM StTIBI. Renaissance-Theater Hardenbergstr. 6. Tel.: Stesoi. C 1. 0901 und 2583/84. 18'/. Uhr 08818 loa 23. UalS 8l. Uhr KU betrüg' Didi gl nur ans liebe Ein StQck mitMu- sik nach Verneuil. Dtsch. Kilnstlor-Th. 8'/» Uhr Prosit Gipsy Operette v.Qilbert Agnes Eslerhazy Fritz SAuU Rundfunkhörer »ttlbe Preise TDeai.ani Kotto.ior Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr eins- Sänger Oll Smlin; _"eri ottsis graile Los!" liebreizendsten Sommerkönigin 1929 wird gewählt Vorwahlen: Donnerat, 6. Janl, 8— v Uhr Freitag.. 7. Juni, 8— 9 Uhr Sonnabend,». Juni, 6— 7 l'br Endwabl u.Kröpang: Sonnabd.. d. 8. Juni 1/ LUNÄPARK CfiTnmsrkö�n Tbeat.0. Westeos Täglich 8'/» Uhr Sonntag 3'/, u. B'U Frani Letars Weiler- laioi Triederitte Tel Steinplatz 5121 Tbealer im loilendortplatz Täglich 8V« Uhr Die msnner der manon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze Rennen a Kadsltorst Mittvoch, den S. Juni, nachmJlIhr Kronen-Preis. Ausgleich 1. Bamowskj-BObnee Theater In der KSniggrätzer Strede Täglich 8'/» Uhr Rival en Komödienhaus Täglich 8'/4 Uhr Charleys Tante mit Curt Bai». Plonelarlntn — am Zoo—— Verllti Indiimthaln itnte B. 5 Barbarossa 557S 16';» Uhr Sternbilder dec Sommer« 18>I, Uhr Dar Blutbel! der Senne 20-;. U. Vor. Pol zu Pal am Sternenhimmel Tägl. außer Momags u. Mittw. Erwachs. I Mk.. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Parteigenossen und Republikaner finden in Königstein(Sächsische Schweiz), billige prächtige Sommerwohnung beim Gen. Freudenberger, KönigitclD. Am Heideberg. Ruhige Lage am Walde, reizende Aussicht zu Königstein und Lilienstcin. mit ca 3 Morgen Hof. bezw. Acker, Nähe Wernigerode i. Harz, massiv mit Stallung, gut verzinslich, unter günstigen Bedingungen sofort billig zu verkaufen. Daselbst auch noch ca. 7 Morgen Acker und Obstgarten für Gärtner sehr geeignet, ab zugeben. Anfragen ei beten an Obering. 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Reustrelih. 4. Iuni.(Eigenbericht.) Dos mar also der in Palingen allgemein gefürchtete Paul Kreuzfeld. Man erwartete einen breitschultrigen Menschen mit brutalen Gesichtszügen, einen Dorfraufbold, einen Draufgänger. Man sah ein schmächtiges Männlein, das sich langsam mit gebückter Haltung durch den Saal zum Zcugentisch bewegte und härte ihn mit tonloser monolonrr Stimme seine Aussagen machen. Vielleicht war es die Gefahr, die ihn so ducken ließ, vielleicht das böse Gewissen, dos ihm dieses depressive Aussehen gab. Er weiß, daß er der Mittäterschaft dringend verdächtig ist, er weiß bestimmt mehr, als er heute zugab— das heißt, er gab heute überhaupt nichts zu. Allen Vorhaltungen setzte er sein starres Rein entgegen. So glaubte er am sichersten zu gehen. Sollte er sich etwa preisgeben? Spricht nicht der Beschluß der Strafkammer über die Einstellung des Verfahrens gegen ihn von dem V e r- dach t. der gegen ihn bestehen bleibt? Und sagt« nicht der Vor- sitzende vor Eintritt in seine Vernehmung in der Hauptoerhondlung, daß sich der Verdacht gegen ihn noch verstärkt Hab«? Der Staatsanwalt erklärte nach Beendigung der Vernehmung, daß er bei der Absaisung der Anklageschrift durchaus nicht von der Un> schuld des Zeuge» überzeugt gewesen sei, sondern daß der Verdacht gegen ihn nicht ausgereicht habe, um ihn auf die Aniklagc- 'bo.nk zu setzen. Sagen wir es gleich heraus, vielleicht war die Hoffnung, die man auf die Vernehmung dieses Zeugen für die Auf- klärung des Falles Jatubowjki setzte, zu hoch gespannt, viel- leicht war es aussichtslos zu erwarten, daß die Aussage eines Men- schen, der einmal von dem Regierungsrat Steuding verhaftet war, später vom Oberstaatsanwalt Müller freigelassen wurde, jetzt Iakubowski entlasten wird. Das eine ist jedoch jetzt, nachdem man diesen Zeugen gehört hat, klar: Kreuzfeld hatte keine Hände mit im Spiele, und wäre das, wre jetzt von ihm bekannt ist, schon während der Iakubowski-Verhandlung dem Gericht notorisch gewesen, wer weiß, ob Iakubowski nicht mangels Beweises freigesprochen worden wäre. Nun ist er ober hin- gerichtet, Krcuzfeld darf frei ausgehen. Morgen ist Wilhelm Rogens an der Reihe, er wird die Seinigen belasten. Wester wird der Münchener Kriminalpsychologe v Hentig vor dem Richtcrtisch erscheinen; er hat gemeinsam mst Steuding die Untersuchung gegen Kreuzfeld und August Rogens ge- führt mit dem Ergebnis, daß alle drei verhaftet wurden. Staatsminister H u st ä d t hat sowohl seine Eignung wie die des Regie rungsrats Steuding angezweifelt. Herr Hustädt hat sich dabei wohl etwas übernommen, ganz so, wie er bei der Boll- streckung der Todesstrafe an Iakubowski sich übernommen hat... • Bei der Fortsetzung der Beweisaufnahme im Prozeß gegen Rogens und Genossen beantragt R.-A. Dr. Brandt die Ladung des Kriminalpsychologen Hans v o n H e n t i g, der mit -"Steuding zusammengearbeitet hat. Der Oberst o a bs a n wa l t schließt sich diesem Antrag an, teilt aber gleichzeitig mit: Der Scharsrichter Gröppler hat telephonisch sagen lassen, er wüßte von nichts. Wir sind nun einmal ein kleines Land und müsicn unnötig« kosten vermeiden, können wir nicht aus seine Ladung ver- zichien? Diese Frage wird zurückgestellt. Dann wird mit der Ver- nehmung des Rechtsanwalts Koch, des Verteidigers im Iakubowski- Prozeß, fortgefahren. Vors.: Wann und weshalb sind Ihnen Zweifel an dem Alibi des August Rogens gekommen? Zeuge Koch: Ich erfuhr, daß er unterwegs nach Palingen «ingekehrt war. Das habe ich der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Als ich von der angeblichen Schuld Blöckers und Kreuzfelds Hörle, habe ich den Oberlandjäger gebeten, ja Erhebungen vorzu- nehmen. Leider Hai ihm Oberstaatsanwalt Müller verboten, solche Erhebungen zu veranstalten. Vors.: Er hat ihm doch nur ver- boten, auf Ihre Anregung tätig zu werden? Zeuge Koch: Aller- dings. Nach seiner Verurteilung wegen Diebstahls Hot Iakubowski, wie Koch weiter angibt, ihm im Gefängnis den Diebstahl z u g e- geben. Nach seiner Verurteilung wegen Mordes hat er das aber nicht getan. Der Vorsitzende weist dann daraus hin, daß sich die erste Verdächtigung Iakubowskis gegen Fritz Rogens richtete und daß er diese auch in einem Brief an seinen Ver- t e i d i g e r niedergelegt hat. Die Stelle dieses Briefes lautet:..... den ich Ali denken, daß Zritz giwus wu Ewald abgibliben vileaich de gas kranken Hannes Rogens mit gischpil ud umgibrach un Irih weggibroch nachdehaide oin Ondlich Alan auf son klein Kind«ich Begreifen un na Kaninchen loch wn schtecken, den Man muß une Berschtan giweifen." Das sollte heißen:„... denn ich denk« mir, daß Fritz ge- wüßt hat, wo Ewald geblieben ist. Vielleicht hat der geisteskranke Hannes Rogens mit ihm gespielt und ihn umgebrocht, und Fritz hat ihn dann nach der Heide geschafft. Ein ordentlicher Mann ver- greift sich nicht an solch einem kleinen Kinde und steckt es nicht in ein Kaninchenloch. Der Mann muß ohne Verstand gewesen sein." Gegen einen Mann, der so ein Deutsch schrieb, wurde ohne Dolmetscher verhandelt! Auf Befragen durch Rechtsanwalt Dr. Brandt betont Dr. Koch, Iakubowskis letzter Wunsch soll darin bestanden haben, seine A n Vt noch einmal zu sehen. Im übrigen habe Paul Kreuz- feld in schlechtem Ruf gestanden, und selbst besten Vater habe«in« solche Meinung gehabt. Kreuzfeld habe bessere Wohn- verhältniste in der Kate haben wollen und sich deswegen auch an das Wohnungsamt gewandt. August Rogens: Sie sagen, ich sei der Täter? R.-A. Koch: Jawohl. Sie haben es getan und Ihre Mutter hat Sie angeslistet! Das sage ich Ihnen gerade ins Gesichtk R.-A. Müller: Dafür haben Sie doch gar keine Anhaltspunkte. Solche Vorwürfe sind auch gar nicht Ihre Aufgabe. Vors.: Allerdings nicht, aber wix haben den Zeugen nach seiner Meinung gefragt. Nach der Mittagspause wird zunächst auf die Vernehinung des Scharfrichters verzichtet, da unterstellt wird, daß Iakubowski bis zum Schluß feine Unschuld beteuert hat. Dann wird der Lebenslauf des Fritz Rogens verlesen, in dem dieser die trau- rigen Berhältnisse erzählt, unter denen er aufgewachsen ist, seinen mangelhaften Schulbesuch und seine häusige Arbeitslosigkeit nach der Schulzeit darlegt und schließlich sein Geständnis wfedcrholl, in welchem Iakubowski als Täter und er selbst als Helfer dargestellt wird. Der Lehrer Peters bekundet, daß Fritz ihn einmal gefragt habe, ob die Mittäter auch, wie Iackuböwfki, die Todesstrafe zu befürchten hätten. Fritz Rogens gibt diese Frage zu. Unter allgemeiner Spanmmg wird nunmehr Paul Kreuzfeld aufgerufen. Der Vorsitzende macht diesen Zeugen zunächst darauf aufmerksam, daß er nicht vereidigt werden kann, weil er schwer verdächtigt sei, in irgendeiner Weise in die Sache verstrickt zu sein. Die Strafkammer habe ihn allerdings außer Ver- folgung gefegt, weit ein Beweis für seine Schuld nicht zu erbringen war, aber— so fährt der Vorsitzende fort— der Verdacht hat sich im Laufe dieser Verhandlung eigentlich noch mehr verstärkt als vermindert. Denn überall taucht der Name Paul Kreuzfeld auf. Wenn Sie auch nicht eidlich vernommen werden, so bitte ich Sie doch dringend, geben Sie der Wahrheit die Ehre und lügen Sie uns nicht so viel vor. Nach dieser Ermahnung fragt der Vorsitzende: War Ihnen die Familie Rogens in der Wohnung unbequem? Sie sollen ciniNal gesagt haben, wenn das Woh nung-amt nicht hilft, dann schlage ich alles in Klump. Paul KreuzseVd: Rein, eine solche Aeußerung habe ich nicht ge- macht. Er b e st r e i t e t, mit Iakubowski zusammen Diebstähle ausgeführt oder Korn verschoben zu haben. August Rogens be- kündet auf Fragen des Vorsitzenden, beim Roggenmähen habe Kreuz- selb ihm gesagt, wenn es nicht anders geht, müsse eins der Kinder verschwinden. Kreuzfeld bestreitet das. R.-A. Dr. Brandl: Haben Sie es nicht im Scherz gesagt, und haben Sie nicht Herrn Duncker gegenüber erklärt, daß Ewald sauer gekocht sei?— K r e u z f e l d: Diese letzte Aeußerung kann möglich sein.— Brandt: Das haben Sic aber bisher immer bestritten. Es folgt die Verlesung des Beschlusses, der den Paul Kreuzfeld seinerzeit außer Verfolgung setzte, da die Tatsachen nicht ausreichten, um so mehr, als er vom 8. bis 41. November von Pa- iingen abwesend war. Darauf vertagte man die Verhandlung auf Mittwoch. Koblenzer Krankenhaus in Flammen. Hilfeleistung der französischen Besahungstruppen. Koblenz, 4. Juni. Zm Krankenhaus der katholischen Schwestern„Marien- h o s" brach ein Aeuer aus, dos sich mit großer Schnelligkeit über den ganzen östlichen Flügel des nördlichen Teils des Gebäudes ausbreitete und den ganzen Dachstuhl erfaßte. Auch die angrenzende Kapelle wurde von dem Feuer ergriffen, und ihr Turm stürzte zusammen. An dem Reltungswerk beteiligte sich außer der gesamten Feuerwehr der Stadl auch eine Abteilung der französischen Besahung. die einen Teil der Kranken in dos benachbarte, jetzt von der Besahung benutzte ehemalige Militärlazaretk in Sicherheit brachte. Räch etwa zweistündiger angestrengter Tätigkeit gelang es. den Brand so weil einzudämmen, daß keine weitere Gefahr mehr bestand. Personen sind nicht zu schaden gekommen, da die Krankenjchwestern, deren Schlafräume sich im obersten Stock befinden, schon vor Ausbruch de» Feuers ihren Dienst angetreten halten. Die Kranken wurden, soweit sie nicht bereit» von den französischen Besahungs- soldaten gerettet worden waren, von der Sanitälswach« aus den beiden unteren Stockwerken des gefährdeten Gebäudes herausgetragen. Als Entstehungsursache des Brandes wird Kurzschluß vermutet. Typhus auf einem deutschen Oampfer. Zwei Todesfälle unter der Besahung. Roch einer Meldung aus Lissabon ist dort der au» Südamerika kommende Lloyddampser„Sierra Eordoba" mit lg an typhösen, Fieber erkrankten Mitgliedern der Besatzung eingetroffen. Dlt Erkrankung hatte bereits kurz nach Berlass.en des letzten südamerikanischen Hafens einen Teil der Mannschäsl er- griffen. Während bei«inigen Matrosen sich die Krankheitserschei- nungcn im Laufe der Ueberfahrt besserten, starb aus hoher See der Matrose Greiner, und bakd darauf war noch ein zweites Todesopfer zu beklagen, da der Matrose Bremer im Deli- r i u m aus dem Schiffshospital entwich und, che man seiner habhaft werden konnte, über Bord sprang und ertrank. Die 19 schwerkranken Mitglieder der Besatzung wurden in Lissabon von Bord gebracht und in Krankenhäuser«ingeliefert. Nach einer Mitteilung des Norddeutschen Lloyd sind die Posta- giere von der Typhusepidemie verschont geblieben. Der Dampfer wird am Freitag nachmittag in Bremerhaven zurückerwartet, wo von den Hafenbehörton die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden. 9ack JCondon: (Bereditigte Ueberseizung von Erwin Magnus). Daylight ritt durch den Bach, folgte einem kaum erkenn- baren Biehsteig über eine niedrige felsige Anhöhe und durch einen von Wein umrankten Manzanitawaid und gelangte schließlich in ein anderes kleines Tal, in das ebenfalls ein Bach hinabrseselte.. Ein Kaninchen sprang vor den Hufen seines Pferdes aus dem Gebüsch und verschwand im Grase des gegen- überliegenden Hanges. Daylight sah ihm bewundernd nach und ritt weiter dorthin, wo die Wiese begann. Hier schreckte er einen Bock mit vielzackigem Geweih auf, der scheinbar über das Gatter sehte und— immer schwebend— drüben in einem schirmenden Gebüsch verschwand. Daylights Entzücken war grenzenlos. Ihm schien, er sei noch nie so glücklich gewesen. Die Erinnerung an das alte Leben in den Wäldern war wieder erwacht, und alles, was er sah. beschäftigte ihn— das Moos auf Stämmen und Zweigen, die Misleldolden, die von den Eichen herabhingen, das Nest einer Waldratte, die Wasserkresse, die in den schützenden Wirbeln des Bächleins wuchs, die Schmetterlinge. die auf ihrem Fluge Sonnenschein und Schatten spalteten. die blauen Häher, die in bunten Farben funkelnd durch die Seitenschiffe des Waldes huschten, die kleinen, zaunkönig- artigen Bögelchen, die im Gebüsch umherhüpften und den Schrei der Wachteln nachahmten, der rotköpfige Specht, der mit dem Klopfen aufhörte und den Kopf auf die Seite legte, um ihn zu betrachten. Er überschritt den Bach und fand die schwache Andeutung eines Waldweges, der augenscheinlich seit Generationen nicht mehr bemitzt worden war, feit die Eichen auf der Wiese gefällt waren. De- alte Waldweg führte auf eine Lichtung, wo auf weinrotem Boden in einer Ausdehnung von einem Dutzend Morgen Weinreben wuchsen. Dann kam ein Biehsteig. wieder Bäume und Gebüsch und schließlich ein Abhang nach Sud- osten. Hier lag über einem großen Canson. mit der Aussicht über das So'noma-Tal,«in kleines Gehöft. Mit seiner Scheune und den Nebengebäuden schmiegte es sich an den Berg, der es gegen alle Winde aus Westen und Norden schützte. Aus dem Hange war«in kleines Fleckchen Erde herausgegraben, das als Küchengarten benutzt wurde. Der Boden war fett und schwarz, und wie Daylight sah, gab es Wasser in Hülle und Fülle. Vergessen war die Ziegelei. Es war niemand zu Hause, aber Daylight stieg ab, durchstreifte den Küchengarten, aß Erdbeeren und grüne Erbsen, besichtigte die alte Scheune aus ungebrannten Ziegeln, den rostigen Pflug und die Egge, drehte sich Zigaretten und rauchte, während er die passier- lichen Bewegungen einiger Hühner und ihrer Küken be- obachtet«. Ein an der Seite des großen Canjons hinab- führender Flußpfad lud ihn ein. und er schickte sich an, ihm zu folgen. Parallel mit dem Wege lief ein Wasserrohr, und er schloß, daß es bis zu dem Creek hinaufführte. Die Wände des Canjons waren mehrere hundert Fuß hoch, und so prachtvoll waren die unberührten Bäume, daß die Stelle dauernd in Schatten getaucht war. Er sah Tannen, die nach dem Augenmaß einen Durchmesser von fünf bis sechs Fuß haben müßten, und Kiefern, die noch größer waren. Der Pfad führte zu einem kleinen Teiche, wo das Wasserrohr zur Bewässerung des Küchengartens abgezweigt war. Hier standen Erlen und Lorbeerbäume, und er schritt durch Farn- kräuter, die ihm über den Kopf ragten. Ileberall war samt- artiges Moos, und dazwischen wuchsen Venushaar und gold- rückiger Farn. Mit Ausnahme des Teiches war es eine jungfräuliche Wildnis. Keine Axt hatte sie je berührt, und die Bäume starben nur vor Alter oder unter dem Druck der Winterstürme. Die mächtigen Stämme der gestürzten Bäume lagen mit Moos bedeckt da und wurden langsam wieder zu Erde, der sie entstammten. Manche hatte so lange dagelegen, daß sie ganz verschwunden waren, obgleich man immer noch ihre Umrisse auf dem ebenen Boden sah. Andere bildeten Brücken über den Bach, und unter den riesigen Stämmen sah man ein halbes Dutzend junger Bäume, die im Falle mst- gerissen waren, aber nun am Boden entlang wuchsen und immer noch lebten und gediehen, während der Bach ihre Wurzeln umspülte und ihre ausstrebenden Zweige das Sonnenlicht auffingen, das durch die im Walddach entstander« Oeffnung hereinströmte. Hinter dem Gehöft stieg Daylight aus und ritt fort von der bebauten Erde in die wilderen Canjons. Nichts als die Besteigung des Sonoma-Berges konnte seine Feiertags- stimmung jetzt befriedigen. Und drei Stunden später erschien er auf dem Gipfel, müde und in Schweiß gebadet, mit zerrissenen Kleidern und zerschrammten Händen, aber mit strahlenden Augen und einem ungewohnten Ausdruck von Zufriedenheit. Er fühlte dieselbe Freude wie ein Schuljunge, der die Schule schwänzt. Der große Spieltisch von San Franziska erschien ihm jetzt so fern. Aber es war mehr als unerlaubte Freude in seiner Stimmung. Ohne daß er sich darüber klar wurde, was es war, wurde er von einem läuternden, erhebenden Gefühl beseelt. Hätte er erklären sollen, was er fühlte, so hätte er nur sagen können, daß er sich mächtig wohl fühlte, denn er war sich des gewaltigen Zaubers der Natur nicht bewußt, der Leib und Seele erfüllte, die vom Stadtleben angekränkelt waren. Der Gipfel des Sonoma-Berges war unbewohnt. Er hielt sein Pferd an der südlichen Seite des Gipfels an. Im Süden und Westen sah er wogende Strecken offenen, gras- bewachsenen Landes, das von bewaldeten Canjons durch- schnitten wurde, Falte auf Falte, Woge auf Woge, bis der Blick auf der Sohle des Petaluma-Tales haften blieb, die eben wie ein Billard war mit ihren geometrischen Flecken und Vierecken— den Gehöften, die inmitten ihrer fetten Felder dalagen und fast an ein Reißbrett gemahnten. Weiter nach Westen erhob sich Kette auf Kette von Bergen, über deren Tälern duntelvioletter Nebel brütete, und noch weiter fort, hinter der allerletzten Bergkette, sah er den silbernen Schimmer des Stillen Ozeans. Dann wandte er sein Pferd und blickte nach Westen und Norden, von Santa Rosa bis zum St.-Helena-Berge, und nach Osten über das Sonoma- Tal bis zu der mit Eichen bewaldeten Bergkette, die die Aussicht über das Napa-Tal versperrte. Hier, am östlichen Hang des Sonoma-Tales, in der Flucht einer Linie, die das kleine Dorf Glen Ellen durchschnitt, konnte er etwas sehen, das einer Schramme an der Seite des Berges glich. Sein erster Gedanke war, daß es der Schuttplatz von einem Minentunnel sei, dann aber fiel ihm ein, daß er sich nicht in einem Goldlande befand, gab es auf, sich den Kopf zu zer- brechen, und setzte seinen Rundblick über das Land fort nach Südosten, wo er jenseits der San-Pablo-Bucht scharf und fern die Zwillingszinnen des Mount Tamalpais, und fünfzig Meilen weiter, wo die Zugwinde vom Stillen Ozean durch das Goldene Tor hereinwehten, bildete der Rauch von San Franziska ein« niedrige Dunstwolke am Himmel. (Fortsetzung folgt.) r> Der gekürzte Lustverkehr. Eine Preffebesprechung bei der Lusthansa. Um einer gewissen Unsicherheit im Publikum zu steuern. die über die Entwicklung der deutschen tost- s a h r l durch Pressepolemiken u. a. entstanden�ist. Halle die Deutsche Lufthansa zu einer Prcssebesprcchung ein- geladen. , Tatsächlich befinidet sich die deutsche Luftfahrt, wie Direktor B r o n s k i ausführte, in einem gewissen N o t st a n d. Der Aue- fall von Reichsbeihilfen, der durch die Etatskürzungen ern- getreten ist, hat sich durch den Abbau vieler Linien bemerkbar ge- macht, dabei mußte leider auch bei dem Betriebsperfonol eine Einschränkung von 27 Prozent vorgenommen werden. In dem Ueberblick über den Stand des gemischt-wirtfchaftkichen Betriebs der Lufthansa gab der Referent einen Bericht über den Stand des außereuropäischen Dienstes, chier liegen die ersten Mög- lichkeiten zur Eigenwirtschaftlichkeit, und zwar vornehmlich durch die Postbeförderung. Bei den gewaltigen Mengen an Post- fachen, die über den Atlantik gehen, könnten täglich ein paar Flug- zeuge mitbeschästigt werden, und solche Briefe würden auch bei einem Zuschlagsporto von 2 oder 4 Mark genügend Vorhandensein. Die Schwierigkeiten bei dem transkontinentalen ,Flug- verkehr liegen auf politischem und finanziellem Gebiet, da viele fremde Länder durchflogen und ein großer Teil der wirtschaftlichen Lasten für die Einrichtung solcher Strecken von der Lufthansa ge- tragen werden muß. Der europäische D i e n st ist mit den meisten europäischen Hauptstädten in Betrieb. Für die Postbeförde- rung kommen hier nur einige ganz große Linien in Frag«, auf denen der Borteil der Eisenbahn gegenüber ganz wesentlich ist, wie z. B. nach London, Paris, Barcelona, Stockholm, Konstantinopel usw., von denen der größte Teil schon im Auftrage der Reichspost geflogen wird. Der Frachtverkehr kommt nur in Frage nach Orten mit besonders starkem Wirtschaftsleben. Auf zahlreichen anderen Strecken ist vornehmlich starker Personenverkehr. Der Red- ner ging dann auf die Frage der Subventionen von Derkehrs- Mitteln ein, die die Luftfahrt ebenso bedürfe wie zahlreiche andere Berkehrsunternehmen, z. B. die Kanal- und die Seeschiffahrt. Di« Reichsboihrlfe für den Luftverkehr ist um mehr als SO Prozent herabgesetzt worden, und es müssen darum auf den sogenannten Reichsstrecken ein paar Millionen Kilometer weniger geflogen werden. Ein Ausgleich mußte dadurch geschaffen werden, daß fremde Gesellschaften zur Zusammenarbeit herangezogen und man ihnen teilweise sogar über Deutschland führende Strecken ganz überließ. Ein starker Abbau des dies- jährigen Streckennetzes konnte noch vermieden werden. Im inner deutschen Luftverkehr konnte man nur durch mehrjährige Erprobung feststellen, welche Linien gut oder schlecht sind. Inner- deutsche Linien können in Zukunft nur insoweit beflogen werden, wie sie Anschluß an das große internationale Netz bedeuten, starke Frequenz haben und lange Linien mit wenig Zwischenlandung darstellen. Die Mittel hierzu sind in erster Linie von Ländern und Städten aufzubringen. Der Bedarfs- und Trampverkehr wäre als Ergänzung des planmäßigen Linienverkehrs zu begrüßen, nur würde er ebenfalls vorläufig der Unterstützung aus öffentlicher Hand bedürfen. Direktor Merkel ging des näheren darauf ein, wie sich bei den Abstrichen des Reichshaushaltes die Dinge für den deutschen Luftverkehr neu ordnen. Regierung und Reichstag haben sich auf dem Plan einer mehrjährigen(3 bis 4 Jahre) Beihilfezusoge dem Luftverkehr gegenüber geeinigt. Immerhin wäre für die n ä ch- sten Jahre ein Fortschritt zu erwarten, der dank zweck- mäßiger Organisation und langfristigen Disponierens von Per- fonal- und Materialeinsatz günstiger« Derkehrsergeb- n i f s e zeigen wird. Mit einem technischen Bericht über die Leistungsfähig- ksit des deutschen Materials, der auch die Frage des Nah- und Wsitstreckenfluges behandelte, schloß die außerordentlich informierende Besprechung. Die Neuköllner Mefferstecherinnen. Sie wurden zu Gefängnis verurteilt. Das Erweiterte Schöffengericht Neukölln ver- urteilte gestern nach fast fünfstündiger Verhandlung in dem Falle der jugendlichen Messerheldinnen die lr'ft-jährige Arbeiterin Else Neumann zu 3 Monaten Gefängnis und die lSjährige Arbeiterin Käthe Eckloff zu S Monaten Gefängnis wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung. Das Gericht hat davcrn abgesehen, aus diesem Einzelfalle Für- sorgeerziehung auszusprechen und die Entscheidung darüber dem D o r m u n d s ch a f t s r i ch t e r, der die Gesamtpersönlichkeiten besser würdigen kann, überlassen. Die Zubllligung einer B e w ä h- r u n g s f r i st wurde von weiteren Ermittlungen abhängig gemacht. In den Urteilsgründen sprach Amtsgerichtsrot Dr. Schäfer aus, daß den Angeklagten zwar ihr jugendliches Alter und der Ein- fluß des Alkohols zugute komme, daß andererseits«b«r ihre Straftat sehr schwer sei. Seit Jahren mache sich in der Gegend der Prinz-Handjery-Straße. in Neukölln das Rowdytum beson- ders bemerkbar. Messerstechereien verdienten im Interesse der All- gemeinheit besonders schwere Strafen. Giinnesdirekior Noihmann. ES ging um ein gutes Geschäft. Nach einer längeren Auseinandersetzung zwischen Groß und Schneid über das Sortieren der Anleihestücke wurde dann im Stinnes-Prozeß in die Vernehmung des ersten Ange- klagten der Slinnes- Gruppe, de» Direktor» N o t h m a n n. eingetreten. Nothmann, dessen Vater Generaldirektor der Ober- fchlesischen Kokswerte war, schilderte zunächst seinen Lebenslauf, seine geschäftliche Tätigkeit in Deutschland und im Aus- land. Einen Monat, nachdem er feine Stellung in der Eisenabteilung des Stinnes-Konzerns angetreten hatte, fei die Krise im Konzern eingetreten. Von Stinnes fei er dann mit der Abwicklung früherer Geschäfte, insbesondere aus dem Gebiete des Metallhandels betraut worden, und so habe er sich auch mit der Angelegenheit der in Rumänien für den Stinncs-Konzern lagernden Metall- mengen beschäftigen müssen, die infolge eines lOvprozentigen Ausfuhrzolls nicht exportiert werden konnten. In Paris, wo Noch- man über das rumänische Metallgeschäft verhandelte, traf er mit Eugen Hirsch zusammen, den er schon seit langem kannte. Hirsch habe ihm nun mitgeteilt, daß in Frankreich neue Gläubiger ihre Kriegsanleiheansprüche zur Geltung bringen würden, und daß Bankfirmen in Hollaird und Deutschland dabei Finanzgeschäfte machten. Es handele sich darum, diese Ansprüche zu bevorschussen, und zwar in Höhe des augenblicklichen Wertes, wobei man allerdings das Kursrisiko trug, dafür aber eine Beteiligung an einer eventuellen Aufwertung verlangte. Vors.: Früher haben Sie gesagt, daß die Elsässer ihren Allbesitz auch dann anmelden konnten, weun sie ihn nicht mehr besahen.— Nothmann: Ich habe gesagt, es war vicht notwendig, daß die alten Stücke selbst vorlagen, es genügte, daß es solche ivaren, die ununterbrochen im Ausland waren. Ueber die Höhe des Gewinnes wurde nicht gesprochen, aber es sollte natür- lich oerdient werden. Nach meiner Rückkehr nach Harnbura sprach ich im„Hamburger Hof" mit Herrn v. Waldow über dieses Geschäft. v. Daldow sprach dann mit Slinnes, der weitere Aufklärung verlangte und wir gingen dann beide zu Stinnes und erzählten ihm, was Eugen Hirsch mir vorgeschlagen hatte.— Bors.: Wie konnten Sie annehmen, daß die Anschaffung von Stücken mit den gesetzlichen Bestimmungen vereinbar war.— Nothmann: Ich habe das Gefetz selbst nicht gekannt, war auch mit der ganzen Anleihcsache nicht so vertraut, weil ich seit 1919 im Ausland lebte. Mir war die Darstellung von Eugen Hirsch und Echrandt einleuchtend. Eine Diskussion darüber, ob das Geschäft anständig oder moralisch war, kam gar nicht in Frage, denn für uns war es jelbstverständiich. daß das Geschäft in Ordnung war. Vors.: Weshalb hat sich dann Herr Stinnes überhaupt auf das Geschäft eingelassen? Nothmann: weil er es trotzdem für ein gule» Geschäft hielt. Stinnes wollte mehrere 100 000 Mark dafür zur Verfügung stellen. Im übrigen hatten mir Eugen Hirsch und Schrandt auch gesagt, die Tatsache, daß zur Anmeldung ein ununterbrochenes Verbleiben der Stücke im Ausland genüge, stelle ein Sonderahkomnwn Deutschlands mit dem Ausland dar. Es wurde uns auch gesagt, daß deutsche Banken dieses Geschäft machten, und das war für uns maßgebend. Nothmann schilderte dann den Tclegrammwechsel zwischen chm und Eugen Hirsch, der seinem und v. Waldows(Eintreffen in Paris voraufging. Dort brachte Hirsch die beiden Herren zu Schrandt, der sie aufforderte, sich bei Dr. Boß vom Reichstommissariot zu er- kundigen, daß das Geschäft zulässig sei. Die Verhandlung wurde dam, auf Donnerstagvormittag. 9)4 Uhr, vertagt. Der Mittwoch bleibt sitzungsfrei. Oer Krauenmord von Schildhor«. Gestern Obduktion der Leichenteile. Gestern am frühen Nachmittag sind im Eharlotlen- burger Schauhans die bisher aufgefundenea Leichen- teile der ermordeten noch immer unbekannten Frao ob- doziert worden. Die Gerichtsärzte sind zu dem Schluß gekommen, daß die Tot« etwa 1,60 bis 1,63 Meter groß und schlank gewesen sein muß. Am Kopf, der gestern früh aus der Havel gelandet wurde, zeigt sich auf der rechten Seite eine sehr schrper« H i eb o e rl.e tz u n g. Der Schlag muß mit einem stumpfen Iisstrument mit äußerster Gewalt geführt worden sein, denn die Schädeldecke ist von einem Ohr bis zum anderen in seinen Näht«» geplatzt. Das Alter der Ermordeten wird jetzt auf etwa 18 bis 25 Jahre geschätzt. Die Farbe der Augen ließ sich wegen de» vor- geschrittenen Berwesungsstadiums nicht mehr feststellen, sie dürften aber dem Haupthaar entsprechend braun gewesen sein. Be- sondere Merkmale an den Leichenteilen, außer einigen blut- unterlaufenen Stellen, waren nicht vorhanden. Zur Zerstückelung der Leiche muß, nach den Schnftträndern zu schließen, ein sehr scharfes Messer, ein« Söge, vielleicht auch ein Beil benutzt worden sein. An einzelnen Stellen sind die Knochen mit roher Gewalt zerschlagen. Die blutunterlaufenen Stellen, die sich an den Oberarmen zeigten, sind entweder auf Mißhandlungen zurückzuführen oder al» Fäulnis- erfcheinungen anzusehen. Hierüber kann erst die mikro- skopische Untersuchung Klarheit bringen. Unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark werden alle Personen, die irgendwie zur Aufklärung beitragen können, dringend ersucht, sich mit der Mordkommission Brasch- witz-Zapfe in Verbindung zu setzen. Sehr erwünscht wäre es, wenn sich die Insassen des Motorbootes meldeten, die bei der Bergung des Torso bei Schildhorn Hilfe leisteten. Ein Leichenfund in Oberhof. Von Spaziergängern wurde in Oberhof in Thüringen auf einem wenig begangenen Holzweg eine männliche Leiche ge- funden, die schwere Schädeloerletzungen aufwies. Die näheren Nach- forfchungen ergaben, daß es sich um den 56jährigen Leipziger Stadtrar Weigel handelt, der schon mehrfach in Oberhof zur Kur weilt«. Weigel war am Sonnabend zu einem Ausflug aufgebrochen, von dem er nicht mehr zurückkehrte. Geld und Schmucksachen sarchen sicb bei der Leiche, so daß ein Mord aus Raubmotiven ausgeschlossen erscheint. Die polizeilichen Untersuchungen sind zurzeit im Gange. Man versucht zunächst festzustellen, ab«in Unglücksfall vorliegt oder ob«m Mord in Frage kommt. Selbstmord ist nach Ansicht der Sach- Der erste Vortrag aus Gerhard Pohls Reihe„Genies, die keine waren", begann verheißungsvoll. Der folgende hält nicht das Ver- sprechen. Hier bei einer Revue über die Literatur des 19. Jahr- Hunderts wind Pohl in seinen Ausführungen direktionslos. Ganz ausgezeichnet« Details stehen neben Kritiken, die manche Oktave zu weit greifen. Pohl nimmt Einzelerscheinungen heraus und stellt sie unter Scheinwerferbeleuchtung, ohne sich um die Zusammenhänge zu kümmern. Dies« Dinge können ober nur mit Rückficht auf ihre historischen Voraussetzungen behandelt werden. Sie völlig isolieren, heißt, sie vergewaltigen. Deshalb entwirft Pohl bessvielsweis« ein falsches Bild von dem Amerikaner Hoover. Auf die Weis«, die P. anwendet, könnten etwa auch Goethes„Wahlverwandtschaften" schlecht abschneiden. Professor Dr. Fritz liest in der„Stunde mit Büchern" über Kriminalroman«. Er sucht und findet Entwicklungs- knien. Er gibt einen kurz gefaßten, gut formulierten Ueberblick über das ganz« Genre, und hierauf kommt es schließlich in der Bücher- stund« im Rundfunk an, wenn auch ein paar sonderbor« Literaten- jünglinge dagegen opponieren.— Sicherlich ist Lehar einer der größten umer den lebenden Operettenkomponistcn. Trotzdem braucht ihn aber die Funkstund« nicht unentwegt paradieren zu lassen. Lehar und Leo Fall,— gibt es im weiten Bezirk der Operetten- litcratur wirklich nichts anderes, das ebenfalls gutes Niveau hält? F. S. verständigen ausgeschlossen, da die Wunde einen solchen Schluß nicht zuläßt. Wie wir weiter erfahren, ist der Tote Direktor des Stotisti- schen Amts der Stadt Leipzig und Vorsitzender des Verbandes der Statistischen Aemter Deutschlands. Friedrich Welsow gestorben. Einer der Alten in der Gewerkfchafts- und Parteibcwegung ist mit Friedrich Welsow aus dem Leben geschieden. Am 11. September 1867 in Eventin, Pommern, geboren, führte die Wanderschaft den jungen Zimmergesellen bald nach Berlin, und bereits 1887 sehen wir ihn trotz Sozialistengesetz aktiv in der Zimmerergewerkschast tätig. Im Jahre 1900 wählten ihn seine Z i m m e r e r k a m e r a d« n zum Angestellten der Ortsverwaltung Berlin, der er bis zum Jahre 1923 angehörte. Di« kommunistische Führung der Berliner Zahlstelle beseitigte den in�Iahrzehnten er- probten Gewerkschaftsführer, weil er treu zur Sozialdemo- kratie hielt. Tage der Not und Entbehrung folgten. Wie Welsow in der Gewerkfchastsbewegung seinen Mann stand,— er war auch Beisitzer der Landesoerficherungsanstolt Berlin und im Ausschuß des Reichsverficherungsamtcs tätig—, so lebte und wirkte er auch für die Sozialdemokratie. Keine Arbeit war ihm zu gering oder zu schwer, immer stellte er sich freiwillig zur Ler- fügung, den Jüngeren ein Beispiel gebend. Die Arbeiterbewegung hat einen braven Kämpfer verloren, dessen Wirken nicht vergessen wird. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 5. Juni, 15 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg 3, statt. Selbstmord eines Rittergutsbesitzers. Gestern abend verübte der 59jährige Rittergutsbesitzer Hubert W o l f f aus M o e l l e n t h i n in einem Hotel in der Näh« des Anhalter Dahnhofes Selbstmord durch Erschießen. W., der am Dienstag früh zugereist war. hatte sich während des ganzen Tages nichl sehen lassen, so daß man schließlich Verdacht schöpft«. Hotelangestelltc öffneten die Tür und fanden Wolfs mit einom Schläfenschuß tot im Bett auf. Was den Mann in den Tod getrieben hat, konnte noch nicht ermittelt werden. Die.Freie haus- tmd«rvudbefiher- vereialguaa«Vroß-Lerkia«. hält am 6. Juni, 20 Uhr. im.Spatenbräu'. Fricdrichstr. 172, ihre monal- licht Mitgliederversammlung ab. fll« Kesercnt de» AbendS hat Herr Dr. ing. W. Majerczik, Mitalied de? Vorstandes der Berliner Verkehr» AG., sich zur Verfügung gestellt. Cr wird über Berliner Verkchr»problcme sprechen. parieinachrichten /Iii für Groß-Berlin Bezirfsvorstand. Freilag. den 1. Zual. 18 Uhr. Sitzung des erweiterten vezirk»- vorstand«» im Konferenzzimmer der„Porwärts".Nedattion. Linden- straße 3. � Achtung! Die Kassierer, die noch in diesem Quartal Beitrags- marken benötigen, werden dringend gebeten, dies« unbedingt bis zlnu 10. Juni zu bestellen, weil es nicht möglich ist, nach dem 12, Juni noch Marken zu verschicken. I. 2t.; Alex Pageis. « J.#«i« Zlrrz-rtcn. Heu!', MitMwch. 5. Juni, 1» Versammlung in der Schulaula Bochunirr»tr. 8b.— Achtung, ffiomiohaft- aotflcbci! Die parteiaendssischen Wohtfohrisvvrlteher sowir dgrru �iru- Btetitin»»erden ,u einer Sitzung am Zrcitaa. 7 Juni, pünktlich tSZh Uhr, �..■*--_ Ebrnfalls am. Freita __ 7. Juni. «Tfüng der Sefchititsleitun« des Um 19'; Uhu 27. Funktionarsitzung. Bezirks- zu Artiger, Putlipftr. 10, eingeladen— um 21 Uhr, bei Krüger, Putlitzstrl 19, «. Kr«!, Kreuzberg. Freitag, 7. Zunl. 12'? Kh�Vn 3laSe, Fichtestr. 22. S-ei-mitgliederversammiuirg.. Tage»-» r da nag:«cricht n«m i» Magdeburg. Referent Sael Lette, M. d. R. Parteimitglied»»»* legitinuert. Heule. Mittwoch. 5. Juni. 11.«dt. Achtung! Di« Z-hlabeud« iiadeu»icht-» S. 3»»si"j««rttwlich angegeben, sondern erst a« Mittwach, 12. Zum, statt.— Freitag. 7. z»ui. 12'? Uhr, bei Rabe, Aichtestr. 29. Kreiemitgitederaersammkag..... 22. Abt. Sritz-Buckaw. 20 Uhr Sitzung des Ableilungsvorstandcs mit den De- zirk-fi'brrrn bei Hase, Muihestushof z. Idealfiedlung.. Ilde Abt.«ittenan. 20 Uhr Borstandsfitzung brr Rutsch. Oranienburger Stratze 21.„_, Morgen. Donnerstag. S. Zun,. 1. Ab». &. Abt. «.»bt....___________________- oNVW zz. Abt. 20 Uhr bei Lojack. Bcnmcstr.», Funkti-närsitzung. punktlich ebendort Porstondssitzung. 31. Abt. 19H Uhr bei Busch. Tilsit-r Str. sührer, Maimarken abrechnen!_. �...._, 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei König, Prinz-Seorg-Str. 10. wichtige Funk. tionörfitzung........... 127.«it. FaNenberg.AIt.chlieniAe. 20 Uhr im Lokal Meier. Strohe am Falken. bera, Sitzung des Abteilung-vorstandes mit allen Funkt, onarrn.- Licht-nd-ra. III. Abt. 12tZ Uhr bei Schwarzer. Sabriel.Max.Str. 17, Funk. tionärsitzung.— ItZ. Abt. 194 Uhr bei Radtke, Milaael. Ecke Scharn. weberstrasie, FuirttUmärfitzung.- 11«. Abt. 20 Uhr wicht.gr Funktionär. sitzung bei Morr. Bahnhosstr. 28.— 11«. Abt. 20 Uhr bei Bartz, Mollen. borsstratze. Zunktionärsitzung. 12».«bt. Friedrich,s»Id«. 20 Uhr findet-u-n ahm»weise am Donners- tag dl« Funktionärsitzung bei Schwarz. Eapriniallrc. statt. 132. Abi. Blankenburg. 20 UI>r bei Klug, Dorsslr. 2. Sitzung sämtlicher Funktionäre. SPD.-Druppenkonkerenz Bernau und Umg-qrnd für die Ort»verrine Bernau. Ladeburg, Schönow und Fepcrnick.NöntgenibaI Donneritag. 8. Juni. 20 Uhr, im Lokal Sermann Modisch. Bernau, Kaiserstratze. Landtags- abgeordneter Adolf Wuschick spricht über.Die Bedeiitung des Parteitages in Magdeburg". Erscheinen aller Funktionäre ist Pflicht.— Der Vorstand. Arbüiterwohlfahrl. 4. Reei» Preazlauer Berg. Am Donnerstag, S. Juni, 1b Uhr, im Bezirks- amt Einziger Str. 94. Hof. rechter Aufgang pal!.. Zimmer 29, findet eine wichtig« Sitzung.statt. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Dr. Hanisch über»Di« Verordnung der Fürsorge» Pflicht". Aussprach« und Fragestellung. Zungsoziqsisten. Srupp« Banmfchulenweg: Heut«, Mittwoch, IVA Uhr, im Heim Ernst. stratz« 19, Vortrag,„Masse und Führer". Referent Hans Seigewasser. Srnpp« Renkölln: Heute, Mittwoch. 20 Uhr, im Jugendheim Treptower Straße 95—29, Vortrag:.Der Parteitag in Magdeburg". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grofz-Berlin. Rittwach, 5. Zun!, Helfcrsttznng um 19>b Uhr i» der Friedrich- chen vberrralschul«, Weinmeisterstr. 19. «erdersche Zu unserem am Mittwoch, 9. Juni, 20 Uhr. in der Aula der nruen fj Bergmannschule. Bcrgmannstr. 69, stattfindenden Elternabend laden xZ wir herzlich ein, c-tz »rdeittzgemeinschalt der«Inders rennde, Gruppe Bcrgman-stratz«. Geburtslage. Jubiläen usw. Ibt. Abt.»ieberfchöneweib«. Am 5. Juni wird unser Genosse Paul Bengsch 90 Jahre alt. Ueber-in Menschenoller steht Genosse Äenasch in der saziolistischen Beweaung seinen Mann. In den verschiedensten Funktionen hat er treue Arbeit für die Partei geleistet. Er war der erste sozialistische Gemeinbevertretkr in Riederichäneweide vor dem Kriege, sowie spätre Er- meindeschosse und nach der Schaffung der Stodigcmeind« Berlin Stadtrat im Ii. Bezirkner Hafengemeinschaft als van der Bürger- schaft beschlossene» Gesetz verkündet, dessen Inkrafttreten der Ham- burger Senat bestimmen wird. Sport. Rennen zu Hoppegarlen am Dienstag, dem 4. Zuni. 1. Rennen. 1. Cocktail<Ändrle), 2. Fernländer. 8. Faretra. Zolo: 82:10. Pl-S- 13,14,20:10. Ferner liefen: Ota, Morgenrot, Gemme, VaraSdin. Contefla, Iubilate. Gunst. 2. R e n n« n. 1. Mola sBreun). 2. Sachse. 3. Majati. �.oto: 105:10. Platz: 80, 24, 27: 10. Ferner liefen: Silvio. Simplex. Gras Leister, Morganat. 3. R e n n e n. 1. Zkotasoao. F.: Heim BAowstr. 88.— tzteichentzerger Viertel: Hein, Brinee Str Z0— ckh»rl»tt,nd-rq.»»rd: Seim Otder»Nrah-.— Faltenberq: -•■■■--.....«-+80U». ffritdrtchftr,. 87.- Lichte» d«rg.»itt»: Selm Praß«. «rloaaplah: Schule eliiadethkirchstr. Ig.„Zugrndschutz und Iugent- reckr"— ttellvi'cher Park: Seim Vaiscnstr. 18 lhintcre, zimmert. Musil. gruiwe Zeder Kenoile, der ein Instrument spielen lernen will, kann stch d». ,eili«rn Sedding: Seim Zurrner Ecke Secstraste..Alpenwandern."— Wann!«: Schul« Sharlonenstratze.„Bub und Motel",:. Teil.—»ritz I: Eu�vnarst�i,'��Sufelsen. Zulammenlunst im Heim Sonnen burger Str. 2«. Alle älteren Senosstnnen und Senvssen milssen er. � SS». Seddins: schul« Sotenburger Str. Z. 18 Uhr:„Religi-N und NeilkSstn: Heim Bergstr.?!>. IS Uhr: Mitgliebeeversammlunz und Boitrag:'„Tas Pommunistische Manifest". Wetterbericht der ossenilichen wctlerdieaststeU« veello und Umgegend. sNachdr. verb.)»«lterhin lühl bei westlichen Winden, wechselnd bewSIlt, eitweis« ausbeiternd. noch einzelne meist leicht Regensälle.— Für v«u«sch. and: Ueberall kühl»pd veränderlich, vielfach noch Regenschauer, im Norden zeit« eis« Aushesterung. L Voriräge/VereineundBersammsungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". SefchSitsstelle: Berlin&. 14, Sebastianstr. 37/38, Öof Z Tr. Saunorstand. preis Sesten: Spieleute am 5. Juni preiollbungo- abend im Sdenpalost, Charlottendurg, Kaiser. Friedrich-Str. 24. zo Uhr. prei» Süden: Spielleute am 7. Juni preisUbunasabend„Im kühlen dirund" in Oberschöneweidc. Liemrnsstr. 1, 20 Uhr.— Tlergarte». Kamerad. läiafr Eiephan: Kameradschättspersommkung bei Schlesinger. Slibecker Str. 3, um ZN Uhr.— Schüneberg-ärlcdenau, Kamerodschost Friedenau: Mittwoch, Juni, 30'. Uhr. Kameredichofleversammlung bei Vgvit, Bornstr. ä.— SIeulSlln.Britz: Schutzsportabend am Mittwoch, 8. Juni, auf dem Platz 7, Sportpari Zieukölln.— Rnderriege: Pienotag und Bonnerztag. 18 Uhr, rodschaft Niedcrschönhausen: Mittwoch, ö. Juni, 20 Uhr. Versammlung, Hertha- platz g.— Nowawe«: Mittwach. 5. Juni, M Uhr, Komeradschaltzveriammlung im Eisenbohnhotel. Vortrag de»«am. Kothe. Potsdam.— Winterspartabt.! Donnerstag, 3. Zuni, ab 18',- Uhr, Msnatszuiammenkunft im Flughafen Tempelhof.__ Zlcichzbund der Krieg»brschädig4tn, Keiegateilnehmer und Kriegerhinter- dliedene», vstrn 8. Monatsversammluna am 5. Juni, 2» Uhr, im Verein». lokal, Schmidt» Sesellschaftshau», Zruchtstr. Wk Mrsorge. WW 36a. Filmvorführung der Volk», Berdand Sher»cht»r«soe». Orfsentliche Versammlung am Donnerstag, 3. Juni. U Uhr, Restaurant �Zum alten Äskanier", Berlin SW. 11, Anhalt. Itraßc 11«Lrotzcr Saal, 1 Treppet. Bortrag:„Verhandlungen im Rechtsaus. schuß de» Reichstages". Freie Aussprache. Ma»»er- und Seprischter ckhor Friedenau-Steglitz sMitgl. d. DASV). Freitag, 7. Juni, IZlj Uhr, in Steglitz. Zichtederg. oenieinuützigez Freilult, konzert. Zur Aufführung kommen Männer- und Gemischte Chore. Geiellschaft süe Erdkunde zu Berlin. Allgemeine Sitzung /mit Diskusston), gemeinsam mit der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Sonnabend, 8. Juni. l» Uhr. im großen Hdrsaal des Kunstgewerbemuseums, Berlin SW. 11, Prinz. Albrecht-Str. 7—8. Vortrag des Herrn Prof. Dr. S. Wolff-Berlin:„Die Bedeutung von Feinnivellements zur Grsorschung der gegenwärtigen Srd. kruftenbewegungen in Nordwestdeutschland, besonder» im Küstengebiet"(mit Lichtbildern). Deutscher Oftbnnd, e. B., Ortsgruppe Mariendorf�empelhof. Donnerstag, 3. Juni, 20 Uhr, Mitgliederversammlung in Veit, Gefellschastschau», Tempel- hef, Darfstr. 21. eck- Berliner Straße. Sehr wichtige Tagesordnung. Ost- märker und Gäste herzlich»tillkommen. Aebcitee Rodiov Buod Deuttchlaut»», e. B., Gruppe Stralan. Donners- tag. 3. Juni, 23 Uhr, Bostcltechnischcr Siudienabend im Gruppenlokal, Hohen, lohestraß« Z. vermill.hntzllth-tzoeletx. Catt jagenburj, Nollenckorfplatr, Berlin W. 9 p. m Dramatic Recitai. Mr. Emst Wilhelmy, Kinderwoche bei Tietz. Kasperletheater und kleiner Rummelplatz sind, wenn auch i acrn isesehene, so doch keine allzu großen Ueberraschi mehr. So gilt es, ständig die Köpfe anzustrengen, um den Kleinen wieder einmal etwas Neues zu bieten. Diesmal ist es gelungen. Da hat sich nämlich das Kinderland im Haufe Tietz. Dönhoff- Platz, in«inen regulären Bahnhof verwandelt. Mit O-Zug samt Lokomotive und einem lebendigen Heizer, Schaffner, Bahnsteig, Wartesaal und Restauratsonsbetrieb? Man steigt also in ein?» richtigen, drei Waggons zählenden Zug— die- Eltern, o welche Wanne, müssen draußen bleiben— und fährt von Berlin nach Hamburg. Bor den Waggonsenstcrn zieht eine recht abwechslungs- reiche Landschaft vorüber init Burgen und Schlössern, Seen und Bergen. Richtig gesehen, zieht natürlich das Diorama, und der Zug steht still. Sitzt nion aber drinnen, dann vermittelt ein geschickter Mechanismus den Glauben, der Zug jährt an der Landschaft vorbei. Der Besuch ist natürlich übergroß, eine Drängelet wie am richtigen Bahnhof. Der eine erklärt seinen Mitfahrern: Guckt, dos ljt Weimar!— vb er es nun aus der Erfahrung oder aus dem Geographiebuch kennt— jebenjalls ist altes Hochbegeistert und den vielen Kinder», die im Leben noch keine Eisenbahnsohri gemacht haben und so rasch wohl auch leine machen werden, wird hier ein fröhlich garniertes Kosthäppchen zuteil. In allen übrigen Filialen der Firma Tietz gibt es ebenfalls Kinderwoche, dort residiert Kasperle nebst vielen anderen Belustigungen. Ausslug mit Loeser u. lvolss. Ter Wintermärchendampser „Daterland, den die Firma Loeser u. Wolfs sllr ein« Fahrt ihrer kaufmännischen und gewerblichen Auge- st e l l t e n noch Rauchsangwerder gemietet hatte, war mit einer selten schönen Reklame ausgestattet Der Schornstein zeigte eine mit interessanten Anschlägen versehene Umkleidung. An den Seiten- wänden des Schiffes waren verschiedene Plakate angebracht, die bekannte Häuserecke, das Kennzeichen der Firma, die Donna-Lucia- Reklame, die jedem Berliner bekannt sind, u. a. schmückten den Dampfer. Besonders fielen die beiden Riesenzigarren am Bug aus. Die Gesckiäftsleitung der Firma und die alleinige Inhaberin Frau Regierungsrot Lucia S.-Loescr, als Veranstalterin dieser Fahrt, nahmen an diesem Ausflug teil. Die Firma Gustav Cords, die neben ihrem Hauptgeschäft in der Leipziger Straße seit 2V; Jahren eine Filiale o in Kurfvrstendamm betreibt, hat sich entschlossen, diese auf, zu- lösen und ihre ganze Kraft aus die Entwicklung ihres Geschäfts in der Leipziger Straße zu kon, zentrieren. In den letzten Iahren wendet sich das größere Interesse des kaufenden Publikums wieder den Geschäften in der City zu. Trotz der nicht unbedeutenden Um- sätze am Kurfürstendamm die ungewöhnlich hohen Mietsätze und sonstigen Spesen ist eine ausreichende Rentabilität der Geschäft« am Kurfürstendomm in absehbarer Zeit kaum zu erwarten. Zum sparsamen, troplcnwrisen Gebrauch von Magpi» Würze dient bekanni. lich der Nein« Spritzkorken fWIlrzesvarer) auf dem Maggi-Fläschchen. Sollte dieser einmal,»>a» ja vorkommen kann, verstopft sein, so spilie man ihn ein- fach mit heißem Wasser durckl, und im Augenblick ist er wieder aebrauchzfertig. Mittwoch, 3. Zuni, 18.4» Uhr, findet der humorvolle Sondervortraa des bekannten Berliner Humoristen Ludwig Manfred Lommcl im Rundfunk statt. Er spricht üdrr das Thema„Familie ZIcugcbauer besucht die Leisee-Schuh. sabrik". Wer sich einige köstliche Minuten verschaffen möchte, versäume nich!, e» sich pünktlich vor seinem Lautsprecher bequem zu machen. Verkäufe Tapete». Czillat, Kolonleftraße>. «eachtenimert! Deutsche» Zepvichhau» Emil Leidve» seit 1832 nur vraniew strafte 153. Keinerlei Beziehungen zur ähnlich klingenden Firma. Man achte au' Boenamen Emil.• Veten, eiserne. leder Art und Größr. auch für Säle bi» 5009 adm. Die alte Spezialsabrii Semmlee u. Bleqberg. Dretdei: er strafte 98—100.__• Kochherd«, eiserne. Gas. Ztohle, jeder Art und Größe, Siedlung. Haushali, Restauration t Gelegenhelten), billige Badeeinrichtung, Abwaichtische. Wäsche. rollen, Waschkessel. Ofentüren, Teil- »ahlung Markise», gelte, Blumenkästen. Leiter. wagen. Teilzahlung gestattet. Lettner. Bernauerstraße 13. stis-Ieickitneitzlltuebe. Aasrtiit'u'A, Bau Kavaliere» wenig getragene und neu« Iackettanzüg«. Smokinganzüge, Abendanzüge. Somwerpoletots. farbig und marengo. Bauchanzüge u. Palelots, für sede Figur passend. Pelzwaren-Ge- legeuheitskäui« enorm billig.«ei.» Lombardware. Leihhaus ssriedrichstr. 2. 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Die Frachtausfälle aus dem Ruhrarbeitskampfe, die absinkende Konjunktur, der frühe Frost kamen hinzu. Dennoch ist der Abschluß kein Verlustabschluß, wenn- gleich gegenüber dem Jahre 1927 die Bildung neuer Reserven zurück- gegangen ist und auch eine gewisse finanzielle Anspannung zu ver- zeichnen ist. Zwar schließt die Betriebsrechnung mit einem Betriebs- Überschuß von 864,9 Mill. RM. ab, der nur wenig hinter dem des Vorjahrs(880,5 Mill. RM.) zurückbleibt. In den Ausgaben der Betriebsrechnnung ist jedoch auch der Aufwand für die Erneuerung der Anlagen der Reichsbahn entHallen, der den Lasten entspricht, die andere wirtschaftliche Unternehmungen aus den Abschreibungen decken. Dieser Aufwand ist gegenüber dem Vorjahr um 10 Proz. von 720,9 Mill. RM. auf 648,1 Mill. RM. gesenkt worden. Berücksichtigt man diese Verminderung der Abschreibungen entsprechend, so ergibt sich für 1928 immerhin eine Verschlechterung in der Betriebsrechnung um rund 90 Mill. RM. Aus dem um ein weniges niedriger aus- gewiesenen Betriebsüberschuß des Jahres 1928 waren gegenüber 1927 erhöhie Reparativ«»- und Zinslasten zu decken. Der Dienst für die Reparationsschuldverschreibungen er- reichte 660 Mill. RM.. also rund 70 Mill. RM. mehr als im Jahre 1927, und für die Verzinsung der 1928 ausgegebenen neuen Vorzugs- aktien waren 14 Mill. RM. herauszuwirtschaften. So ergab sich für die Reichsbahn der Zwang, die Reserve st ellungen um rund 90 Mill. RM. zu kürzen. Auf diese Weise wurde erreicht, daß der aus dem Jahre 1927 übernommene Gewinnvortrag von rund 173 Mill. RM. wieder voll ins nächste Jahr übernommen werden konnte. Verglichen mit dem Vorjahr haben also Abschreibungen und Reserven eine Verminderung der Zuweisung um rund 160 Mill. RM. erfahren. Dennoch erreichte ihre Summe auch 1928 noch den Be- trag von rund 775 Mill. RM., der nicht nur als angemessen, sondern als reichlich bezeichnet werden muß. Auch ohne Tariferhöhung hätte das Jahr 1328 noch einen erträglichen Abschluß aufweisen können. Eine Beengung des Unternehmens läßt jedoch die Abnahme der Neuanlagen erkennen. Im Jahre 1927 hat die Deutsche Reichsbahn- gcsellschaft rund 350 Mill. RM. für die Errichtung von Neuanlagen verwendet. 1928 wurden nur 285 Mill. RM. aufgewandt. Im Zu- sammenhang mit der Verminderung des Aufwandes für Anlagen- crneuerung und der Sachausgaben der Betriebsrechnung um zu- fammen rund 140 Mill. RM. ergibt sich also eine Verminderung der Reichsbahnbeschaffungen um rund 200 Mill. RM., wenn man ihre Aufwendungen von 1928 mit denen von 1927 ver- gleicht. Als 1927 die Sachausgaben der Reichsbahn gegenüber 1926 um über 300 Mill. RM. stiegen, warfen wir hier die Frage auf, ob es nicht zweckmäßig sei, die A u f t r ä g« der Reichsbahn nicht in der Zeit der Hochkonjunktur des Jahres 1927 zu vergeben, sondern über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Der Rückgang der Beschaffungen im Jahre 1928 zeigt, daß die damalige Häufung der Reichsbahnbeschaffungen auch unter dem Gesichtspunkt der Stetig. keit der Betriebsführung des Unternehmens selbst unzweckmäßig war. Die Folge der 1927 getriebenen Beschaffungspolitik war die Kürzung schon des Beschaffungsprogramms für 1928 und die noch schärfere Drosselung im laufenden Jahre. Diese Drosselung der Reichsbahnaufträg« kann jedoch jetzt ein Ende haben. Vielleicht die verhängnisvollste Bestimmung des Reichsbahn- gesetzes war die über die Bildung einer Ausgleichsrücklage von 500 Mill. RM. Denn die Reichsbahnoerwaltung interpretierte diese Gefetzesvorschrift dahin, daß sie verpflichtet sei, bis zu diesem Betrage flüssige Mittel aus dem Unternehmen herauszuziehen und in Bankguthaben und Wertpapieren jederzeit greifbar anzulegen. Mit der Beseitigung des Sonderpfandrechts der Repa- rationsgläubiger gegenüber der Reichsbahn entfällt diese Bestimmung und vor allem ihre Auslegung. Durch den Abschluß der Pariser Verhandlungen ist also die Reichsbahn in die volle verfügimgsfreiheit über einen sofort flüssig zu machenden Fond? von jetzt 450 Millionen Mark — diese Höhe dürfte die Ausgleichsrücklage inzwischen erreicht haben— gelangt, die ihr eine Ausweitung des Beschasfungs- Programms ermöglichen dürften. Da neben den greifbar angelegten Mitteln dieses Fonds der Reichsbahn Ende 1928 noch über 350 Mill. RM. flüssige Mittel zur Verfügung standen, von denen wohl nur ein Viertel für den laufenden Kassenbedarf benötigt wird, kann man die Illiquidität der Rei chsbahn als überwunden ansehen. Damit eröffnet sich ihr die Möglichkeit, auch in der Lohnfrage ihren Arbeitern entgegenzukommen. Denn die Befreiung von den Fesseln der Bestimmungen über die Ausgleichsrücklago gibt ihr ja nunmehr die Möglichkeit, nicht mehr wie bisher Neuanlagen aus laufenden Mitteln zu bestreiten, sondern auch auf die Ausgleichsrücklage zurückzugreifen. Damit wird zwar nicht die formelle Gewinn- und Verlustrechnung, wohl aber die wirt- schaftliche Gesamtlage des Unternehmens eine wesentliche Besserung erfahren. Als weitere Entlastung ähnlicher Art kommt hinzu, daß zu- sammen mit den Reparationsobligationen auch neuen Anleihen der Reichsbahn im Auslande, wohl insbesondere in Frankreich, ein aufnahmefähiger Kapitalmarkt erschlossen werden soll. Unberechtigter Pessimismus. Die zunächst durch Frost und schlechte Wirtschaftslage ungünstige Entwicklung der Reichsbahneinnahmen in den ersten vier Monaten des neuen Jahres hat zudem im Mai«in« erfreuliche Wen« d u n g genommen. Trügt nicht olles, so wird der Abschluß der Pariser Verhandlungen zu einer Erleichterung der beut- schen Kapitalversorgung, damit zu einer Belebung der Wirt- schaft und infolgedessen auch des Reichsbahnverkehrs und der Reichsbahneinnahmen führen. War vor einem Vierteljahr noch eine zurückhallende Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Deutschen Reichsbahngesellschoft geboten, so kann man jetzt mit einer gewissen Zuversicht auf die Entwicklung der kommenden Monate sehen. Bedenkt man, daß der Abschluß der Reichsbahn für 1928 offenbor erheblich günstiger aussieht als die Reichsbahnverwallung selbst erwartete— sie rechnete mit nur 5110 Mill. RM. Betriebs- einnahmen und nahm tatsächlich 5159 Mill. RM. ein—, so wird man ihrem Pessimismus gegenüber mißtrauisch sein dürfen. Selbst wenn man ober nur die gleiche Verkehrsleistung für 1929 wie für I92S erwartet, also nur eine Mehreinnahme, die den erhöhten Tarifen entspricht, so scheint Raum für die knapp bemessene Lohnerhöhung vorhanden zu sein, die der Schlichter den Reichs- bahnarbeitern zugesprochen hat. Bittiges Getreide— teures Brot. Gondergewinne für Händler und Derarbeiter.— Oer billigere Konsumverein. Di« letzten Wochen haben einen kolossalen Sturz der Ge- treid«pr«ise gebracht. Der Weizenpreis fiel pro Zentner von 10,50 M. auf 8,75 M., der Roggenpreis von 11,25 M. auf 10 M.. also Preisminderungen um mehr als 10 Proz. Auch die Mehlpreise haben diese Preisbewegung mitgemacht, Roggen- und Weizenmehl sind ebenfalls um 10 Proz. im Preise zurückgegangen. Schon früher haben wir bei Rückgang der Getreidcpreis« wiederHoll feststellen müssen, daß die B r o t p r e i s e dieser Bewegung nur viel langsamer und in geringerem Ausmaße folgen und daß der Vorteil der Getreide- und Mehloerbilligung nicht den Konsumenten zugute kommt, sondern vom Handel und Bäckergewerb« verschluckt wird. Auch jetzt machen wir wieder dieselbe Beobachtung. So hat sich der Zweckverband der Bäckermeister Groß- Berlins, nachdem die Getreidepreiis« bereits drei Wochen un- unterbrochen zurückgehen, erst jetzt entschlossen, ob 3. Juni die Ber- liner Brotgewicht« um 55 Gramm zu erhöhen: das bedeutet also, daß der Brotpreis ab 3. Juni etwa um 5 Proz. herabgesetzt wird. Auch heut« also wieder dasselbe Bild wie früher. Der Brotpreis folgt dem sinkenden Getreidepreis nicht nur viel zu langsam, sondern auch m absolut unzulänglichem Maße. Weniger als die Hälft« der Getreide- und Mehloerbilligung kommt der großen Masse der Verbraucherschast, mehr als die Hälfte einer kleinen Zahl von Händlern und Bäckern zugute. Der allzu stark« und plötzliche Rückgang der Getreidepreise ist zweifellos volkswirtschaftlich unerwünscht. Es ist ein Zeichen der völligen Anarchie der heutigen Getreidewirtschaft. Mit allem Nach- druck muß jedoch gefordert werden, daß dieser Preisrückgang sich auch in den Brotpreisen entsprechend auswirkt und nicht nur zu einer unberechtigten Bereicherung von Handel und Ge- werbe führt. Das Brot der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, wie aller selbsterzeugenden Konsumvereine des Hamburger Zentralverbands, ist anerkannt besser und trotzdem seit Jahren erheblich billiger als privates Bäckerbrot. Das ist nicht nur eine Folg« besserer betrieblicher Leistung und Organisation, sondern auch ein Beweis für die volkswirtschaftliche Entbehrlichkeit der hohen Zwischengeevinn« von heute. Die Sonsumgenossenschast verlangt ab heule nur noch 36,7 Pf. für das Silo Brot, während Bäckerbrot auch nach der erfolgten herabsehung im Durchschnitt noch 41,2 Pf. da» Kilo kosten wird. Anhaltende(Steigerung des Kaliabsahes Oie?tetordzahlen der letzten ZrühjahrSfaifon übertroffen. Das Deutsche Kalisyndikat hat schon mit seinen Ver- ladungen im März und April den Rückschlag der Kältewelle schnell aufholen können. Auch die jetzt veröffentlichten Absatzziffern für den Monat Mai stellen mit 773 000 Doppelzentnern«ine neue Höchst- Ziffer für Maiverladungen seit der Vorkriegszell dar. Die seit 1927 anhaltende Hochkonjunktur im deutschen Kalibergbau hat sich im Laufe dieses Jahres in verstärktem Tempo fortgesetzt. So betrug der Absatz von Januar bis Mai: 1913...5,1 Mill. Doppelzentner 1927... 6.3, 1928... 7,0, 1929... 7,3, In den ersten funfMonatendes laufenden Jahres konnte also der bisherige Rekordabsatz in der entsprechenden Zeit des Vor- jahres noch um 4,3 Proz. g e st e i g e r t werden, während die schon sehr gute Frühjahrssaison von 1927 um 16 Proz. zurückbleibt. Da der Hauptabnehmer des Kalisyndikats die deutsche Landwirt- schaft ist, die trotz wachsender Auslandskäufe im letzten Jahre noch mehr als 61 Proz. der Gesamtproduktion aufnahm, so läßt diese Absatzsteigerung auch ein« verstärkte Kaufkraft weiter landwirffchaftlicher Bezirke erkennen. Siemcus'»Proko»" in England. Di« Firma Siemens hat der in London gegründeten„Protos Electric" eine Lizenz zum Verkauf elektrischer Artikel unter der Siemensmark«„Protos" ertellt. Als Zweck des Unternehmens wird neben dem Import und dem Vertrieb auch die Fabrikation elektrischer Apparate angegeben, so daß anzunehmen ist, daß Siemens sein« unter dem Namen„Protos" bekannten Apparate auch m London herstellen lassen wird. Ein neues Eisenkariell. Oie Gründung eines Keinblech-Kontors. Zwischen den deuffchen Feinblech-Walzwerken. dic als einzigster Betriebszweig in der deutschen Eisenindustrie zur Marktbeherrschung sich noch nicht organisiert hatten, geht der Kamp? um die Gründung eines Feinblechkartells schon sell Jahren. Neben einigen Großproduzenten, wie Stahltrust, Otto Wolfs, Hoesch und Stahlwerk Hennigsdorf existieren in Deutschland eine große Anzahl kleinerer Betriebe, die einem Verbands mäßigen Zusammen- schluß nicht gerade förderlich sind. Die kürzlich erfolgte Verschmelzung von vier Siegerländer Feinblechbetrieben stellte den Auftakt zu der jetzt erfolgten Gründung eines Feinblechkontors dar, in dem unter Führung des Stahltrusts und Otto Wolffs der Verkauf von rund 50 Proz. der deutschen Feinblechproduktion kartell- mäßig gebunden wird. MU dem vorgesehenen Beitritt der Stahl- und Walzwerk« Hennigsdorf, die zurzeit noch durch Händler- verttäge gebunden sind, wird das Feinblechkontor erheblich mehr als die Hälfte der Feinblechproduktton erfassen. Wie sich die kartell- feindlichen Feinblechwerte, unter denen Stahlwert Hoesch, Wolif Netter und Iakobi, sowie Eapito und Klein besonders leistungsfähig sind, zu dieser Gründung stellen werden, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls ist mit der Gründung des Feinblechkontors der erste kapitalffttsche Schritt getan, um die zum Teil sehr verworrenen Verhältnisse in der deuffchen Feinblechproduttion planmäßig umzubauen._ Amerika in der französischen Elektroindustrie. Immer stärkere Festsetzung. Die beiden großen amerikanischen Elektrolonzerne General Electric und Westinghouse erobern sich ähnlich wie die amerikanischen Automobiltonzern« den Erdball stückweise. Dieser Tage kam dic Meldung, daß Westinghouse und der bekannte französische Schneider- Konzern eine neue elektrotechnische Gesellschaft gründen wollen. Dieser Vorgang hat erhebliche internationale Bedeutung. Der Konzern Schneider-Le Creusot gehört zu den stärksten Industriekrästen Frankreichs. Schon in der Vorkriegszeit galt er als der französische Krupp. In den Kriegsjahren brachten ihm seine Rüstungslicferungen reichen Gewinn, so daß der Konzern in den Nachknegsjahren eine beispiellose Ausdehnung nehmen konnte. Er gliederte sich in Frankreich weitere Kohlenzechen und Hüttenwerke an, erlangte die Kontrolle über die tschechoslowakischen Skoda-Werke, ferner baute er seine fertigindustrielle Produktion(Maschinenbau, Lokomotiven, Schiffbau usw.) stark aus. Die elektrotechnische Pro- duktion war also nur eins seiner vielen Fabrikationsgebiete. Nunmehr soll die wichtigste elektrotechnisch« Fabrik des Kon- zerns, die in Ehampagne-sur-Seine liegt, in eine neue Gesellschaft eingebracht werden, an der der amerikanische W e st i n g- House-Konzern beteiligt ist. Sie soll auch nach den Westinghouse-Patenten arbeiten. Aus diese Weise gewinnt der amerikanische Westinghouse-Konzern endgültig einen wichtigen Stütz- punkt innerhalb des französischen Marktes. Der Haupttonkurrent der Westinghouse Electric and Manu- facturing Company, die General Electric Co., sitzt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in der französischen Elektroindustrie fest. Sie kon- trolliert den großen Thomson-Huston-Konzern. Thomson- Huston hat nun im vergangenen Jahr seine Interessen sehr erweitert, indem sie mit der Elsässischen Maschinenfabrik(Alsacienne d« Eon- structions Mecaniques) eine Verbindung einging: die wichtigsten elektrotechnischen Fabriken beider Gesellschaften wurden zu einer neuen Firma„Alfthom" vereinigt, die ebenso wie Thomson-Houston in enger Beziehung zur amerikanischen General Electric steht und auch deren Patente verwertet. Sie stellt den größten Elektrokonzern Frankreichs dar. Starke Steigerung der deutschen kunstseideaussvhr. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ist die deutsche Ausfuhr von Kunstseide gegenüber dem Vorjahr von 2,01 aus 2,11 Millionen Kilo gestiegen. Gleichzeitig ist die Kunstseidecinfuhr von 3,02 auf 2,64 Millionen Kilo zurückgegangen. Die ersten vier Monate dieses Jahres ergeben bei einer Ausfuhr von 32 Millionen und einer Ein- fuhr von 20 Millionen Mark einen Ausfuhrüberschuß von 12 Millionen Mark, während in der gleichen �>eit des Vor- jahres noch ein Einfuhrüberschuß von 10 Millionen Mark zu ver- zeichnen war. Die deutsche Kunstseidenbilanz war in diesem Jahre also bisher aktiv. Dabei ist allerdings zu berück- sichtigen, daß möglicherweise die schlechtere Inlandskonjunktur den Export gefördert hat und daß darüber hinaus Kartellabkommen den deutschen Markt der deutschen Industrie mehr vorbehalten haben als früher. Auch in Oberschlesien bessere Eisenkonjunktur. Die kräftige Belebung, die seit einigen Wochen in der westdeutschen Ähwer- Industrie festzustellen ist, Hot jetzt auch auf Oberschlcsien übergegriffen. So hat der stärkste deutsch-oberschlesische Montan- konzern, di« Vereinigte Obers chlesische Hüttenwerke A.- G. in Gleiwitz, infolge der ständig wachsenden Inlands- und Auslandsnachfrage nach Roheisen jetzt in s«inem Hochofenwerk Iulianhütt« einen dritten Hochofen angeblasen. Der Betrieb an diesem Of«n war infolge Auftragsmangel im Herbst vorigen Jahres eingestellt worden. Dic Förderung des Landarbeilerwohnungsbaues durch Preußen. Vom preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt ist jetzt eine interessante Zusammenstellung über die Förderung des Landarbeiterwohnungsbaucs durch Mittel der wertschaffenden Ar- beitsloienfiirsorge veröffentlicht worden. Erfreulich ist. daß im letzten Jahr die Zahl der Eigenheime die Werkswohnungen um das Vierfache übertroffen haben. Während von 1921 bis 1923 durch Zuschüsse 10 538 Werkwoh nungen, dagegen nur 367 Eigenheime gefördert wurden, verschob sich das Bild von 1923 bis 1929 sehr zugunsten der Eigenheime, die mit 18 041 gegen 10 921 Werkwohnungen di« letzteren bei wettem überttafen. WOH NUNO WS R KRAU AU 8 8 TE LI U N BRESLAU«SS 1S.ÜUNI-IS. eEPT.i 7)/e jungen Gemüfe gewinnen durch Zufaf} einiger Tropfen MAGGt* IVürje gan� befonders an IDohlgefchmack, Ulan verlange ausdrücklich MAGG/slOürje Mittwoch 5. Zum 1929 Unterhaltung und �Nissen Beilage des Vorwärts Verfunkener Qarlen (Schluß.) in. (Ein halbes Jahr verstrich nach dieser Degsbenheit, ohne daß man Maschu neue Dcrsehlungen nachweisen konnte. Der Schrecken. den er durch meines Großvaters unerwartetes Austauchen an jenem Morgen erfahren hatte, schien nachhaltend}U wirken. Aber Moschu hatte Phantasie, und das ist bei einem wallochischen Gartenaufseher immer gefährlich. Und überdies hatte«r seltsame Träume. Eines Nachts—«s gab am Vorabend Bohnen zum Abendbrot— träumte er von gewissen tanzenden Geistern, die in Gestalt kleiner roter Flämmchen unter dem größten der vier Nußbäume ihr Wesen trieben. Dieser Nußbaum stand m der südlichen Ecke de? Gartens. Moschu sprach zu niemadem über diesen Fall, denn er ahnte gleich, daß es sich hier nur um einen, in grauer Borzeit vergrabenen Schatz handeln könne. Er war in senen Tagen noch schweigsamer als sonst, aber ich sah ihn oft in der Dämmerung im Hinteren Teil des Gartens auf und ab schreiten, dabei gestikulierte er heftig und seine Lippen bewegten sich, als spräche er mit jemaichem. Sein« grauen chaar« flatterten im Wind, seine sonst schläfrigen Augen quollen aus ihren chöhlen in unnatürlichem Feuer, und abergläubische Furcht beschlich mich bei seinem Anblick. Kurz darauf fuhren meine Groß- eltern über Land zu Bekannten und nahmen mich mit. Ich sah den Garten vier Wochen long nicht wieder. Aber ich sehnt« mich nach ihm. Und nach unserer Rückkehr ging ich in Begleitung meines Großvaters hinaus, der nach dem Rechten sehen wollt«, denn die Nußernte war nahe. Bei unserem Nohen erhob sich Moschu von dem flachen Stein, auf dem er seiner Gewohnheit gemäß, vor sich hinträumend, gesesien hotte. Ich be- merkte nichts Ausfallendes an ihm und doch schien er mir irgendwie verändert. Eine innere Unruhe arbeitete in seinen Augen. Mein Großvater schritt dem Hinteren Teil des Gartens zu. ich suchte meine gewohnten Plätze und Verstecke auf, um mir die Gewißheit zu holen, daß sie noch da waren. Vor meiner Wreise hotte ich eine komplizierte Maulwurssfalle ersonnen. Ich wollte nun nachsehen, ob sich etwas gefangen hatte. Aber ich war noch gar nicht an der gewissen Stell« angelangt, als mich ein erstaunter Ausruf meines Großvaters zur Umkehr veranlahte. Der Ruf erklang aus der südlichen Ecke des Gartens, wo eben dieser Nußbaum stand, von dem ich erzählte. Es mar mir beim Näherkommen, als hörte ich auch Moschus tiefen, gurgelnden Baß. Ich hotte meinen Weg. um rascher .zum Ziele zu kommen, quer durch den Garten genommen, und als ich jetzt aus dem Kukuruzfeld trat, bot sich mir«in ungewöhnliches Bild. Mein Großvater stand unter dem Nußbaum und fegte gerade mit dem Stock eine Schicht dürren Reisigs beiseite, die knapp >im Fuß« de? Baumes über dem Boden lag. Ein großes, etwa zwei Meter tiefes und mannsbreites Loch kam zum Vorschein. Moschu stand dabei, die Schultern hochgezogen, mit hilflosem, verlegenen Gesicht. Er erklärt« gerade: .Ein« Wolfsfoll«. Domnule." Und er erzählte eine verworren« Geschichte, daß in der Nach- barschast ein großer, eisgrauer Wolf aufgetaucht sei und«in Kalb erwürgt habe. Zwar hätte man ihn nicht genau gesehen, da es gerade Dämmerung war und die Leute sich noch auf dem Feld« befanden. Jedoch sei die Tatsache nicht wegzuleugnen, daß das gewisse Kalb wt aufgefunden wurde und die ganze Geschichte daher sehr wahrscheinlich. Mein Großvater sah Moschu gar nicht an, sondern er deutete aus da? Loch. Er schien ärgerlich zu sein. Denn die Grube legt« einen großen Teil des. Wurzel Werkes frei und der Vaum war in seinem Lebensnerv gefährdet. Er sagt« soviel: „Od es hier um diese Jahreszeit Wölfe geben kann, dos weißt dir genau so gut wie ich. Aber was mit dir geschieht, wenn diese Grube nicht noch heute abend zugeschüttet ist. das weiß nur ich allein. Damit macht« er kehrt und ging schweigend aus dem Garten. Ich folgte ihm zögernd, und als ich von Zeit zu Zeit verstohlen über mein« Schulter zurückblinzelte, sah ich Moschu in gebeugter .(Haltung vor der Grube stehen und vor sich Hinstorren. Was in ihm vorging, ahnt« ich nur. Er begrub den Traum des ewig Erd- gebundenen, der dazu geboren ist, für andere zu arbeiten, den Traum vom Scha� den ihm«in gütiger Zufall in die chänd« spielt und der ihn zum großen cherrn machen soll. Aber ich ahnt« diese Dinge damals nur, denn ich war ein kleiner .Knabe und wußte wenig vom Sinmm und Trachten der Menschen. IV. Ich stand in einer Ecke des Zaunes zwischen zwei lhasAuß- lträuchern und starrte den Mörktlern nach. Natürlich war ich bar- fuß, wie immer, und der Abendwind strich mir kühl um die bloßen llüa'den. Die Dämmerung war nah«, der Wochenmarktiag war zu End« und die Märktler zogen aus der Stadt hinaus, in alle Richtungen, heimwärts. Sie kamen mit großem Peitschengeknall und ihre kleinen, munteren Wallachenpserdchen zogen schwer an den hohen, überdachten Wagen. Die Wagenachfen knarrten und ächzten beänastiaend und die Räder polterten kreischend über die schouder- baft schlechte Straße. Weithallend« Rufe flogen auf und pflanzten sich von einem Wagen.zum anderen fort und verloren sich, irgendwo am End« der langen Wagenreihe, in der Fern«. Die buschigen Schnurrbärt« der Männer waren zerweht von der schweren Mühe des Tages und baumelten traurig abwärts. Ich stand auch noch in der Eck« des Zaunes, als das Gerassel des legten Wagens schon lange verklungen war. Märchenhafte Dämmerung lag über dem Garten, der Wind raschelte geheimnis- voll im Kukuruzfeld, die alten Nußbäume hoben Ihr ernstes Rauschen an und von drüben erscholl der eintönige, traurige Abendgesang der Wächtersleute. Ich sah über den Garten hinweg und eine seltsame Ergriffenheit überkam mich. Ich hatte zum ersten Male das Ge- fühl, daß dies die Erde war. au, der ich emporwuchs, mein« Erde..... Aber der nächst» Tag brachte ein« große Veränderung. Um die Msttvgszeit erschien nawkich«in fremder Mann im Garten und mein Großvater führt« ihn den Weg entlang. Dckbei Hab er in gewissen Zwischenpausen den Stock, als erllört« er ihm dies und dos.«in« seltene vpfelsarte, ein« Monllenort. Der Mann hatte«in breites, rot« Vollmondgesicht und überragte meine« Groß. nater um.Haupteslänge Di« Aermel seines Rockes schienen zu kurz geraten zu sein, denn sie reichten ihm nicht me-t über die Ellenbogen hinaus. Er hatte groß«, knochige Hände,«ein« Augen waren von einem hellen klaren Blau und obgleich sein Gesicht eher «inen gutmütigen Eindruck erweckte, beschlich mach dennoch bei seinem Anblick eine unerklärliche Angst. Ich hört« nicht, was sie mitein- ander besprachen, denn ich wagte mich ihnen nicht zu nähern und hielt mich immer in ehrerbietiger Entfernung. Seiner Gewohnheit gemäß blieb mein Großvater von Zeit zu Zeit stehen und neigte den Kopf«in weng zur Seite. Einmal sah ich, wie er ärgerlich wurde, denn er fuchtelte mit dem Stock aufgeregt in der Luft herum und hob seine Stimme. Ich vernahm die Worte: ..Anders gebe ich ihn nicht her...." Erst später erfuhr ich, daß mein �Großvater in jenem Augen- blick wohl Grund hatte, erregt zu werden, denn es handelte sich um den Verlauf des Gartens, den er über alles liebt«. Ich denk«, er muhte unerbittlich dazu gezwungen sein— vielleicht hatte er kein Geld— denn nie und nimmer entschloß er sich leichten Herzens zu diesem Schritt. Der Ausruf:„Anders gebe ich ihn nicht her" bezog sich vermutlich auf der» Preis des Grundstücks. Gleich darauf schis- neu sie jedoch einig geworden zu sein, denn mein Großvater winkte mich heran. Er sah ungewöhnlich ernst drein, als er sagt«: „Dies, mein Junge, ist Herr Antol Kalkbrenner, und von über- morgen an gehört dieser Garten ihm." Ich versuchte, irgend etwas Achnliches wie eine Verbeugung zu- stondezubringen. Aber die blauen Augen des großen Mannes schau- ten über mich hinweg. Gleich daraus begann ich heftig zu zittern. Dies blieb jedoch sowohl meinem Großvater, als auch von dem fremden Mann« unbemerkt, denn sie hotten ihren Weg in die Rich- tung des Kukuruzfeld« fortgesetzt. Di« Wochen, die auf diesen Tag folgten, waren für mich eine schwere Zeit. Ost. wenn ich aus der Schule kam, trugen mich meine Füße fast gegen meinen Willen die altbekannte Straß« entlang. Aber vor dem Zaun machte ich immer halt. Dieser schiefe, an vielen Stellen schadhafte, alte Bretterzaun war für mich ein« unübersteig- bare Mauer geworden. Und hinter dieser Mauer lag mein Land, die Erde, die ich als meine Erde fühlte, der Garten, der, solange ich mich zurückerinnern konnte, mein liebster Aufenthalt gwesen war. Wie ein Dieb schlich ich mich heran, um von draußen ein mir vertrautes Geräusch zu erhaschen, das Knicken ein« Astes oder das Rauschen der Nußbäume, ober wenn sich Schritte näherten, lies ich jedesmal davon. Der neue Besitzer hatte sein Eigentum übernommen und ich sah seine ungewöhnlich hohe, vierschrötige Gestalt, die mich an die Riesen der Märchen erinnert«, oft von ferne im Garten aus und ab wandern. Moschu war entlassen worden, mein Großvater beschäftigte ihn bei sich im Haus«. Je öfter ich den großen Mann sah, der den Garten mit soviel SelbstverständÜchkeit in Besitz genommen hatte, um so mehr Angst empfand ich bei seinen Anbück. Ich lies davon, wenn immer er sich näherte. Einmal überraschte er mich jedoch, als ich, abgewandt in der Nähe des Zaunes kauerte, in tiejem Kummer vor mich hinsinnend, die Augen sehnsuchtsvoll auf den Garten gerichtet. Ich spürte seine schwer« Hand aus der Schulter. Ich erbebte. „Nun, mein Junge," sagte er, du bist wohl traurig und sicher böse gus mich, weil ich dir deinen Spielplatz genommen habe. Und er wiegte seinen großen, runden Kopf gedankenvoll hin und her. Wie er so dastand und seine Blicke ernst über den Garten glitten, erschien er mir gar nicht mehr so furchterweckend, ja, eher freundlich, und ich sah vertrauensvoll zu ihm auf. Er nahm mich bei der Hand: „Komm nur," meint« er,„wir wollen einen Vertrag mitein- ander machen. Du darfst auch weiter im Garten spielen, so oft du nur dazu Lust host, aber dafür mußt du mir versprechen, daß du dich nicht mehr vor mir fürchtest." Und er nahm meine Hanid in die seine, ganz ernst, und schüttelte sie. Ich wundert mich darüber, welch' große Hände er hatte. Mein Herz klopft« heftig. Ich betrat den Garten zum ersten Mol« wieder, den Garten, nach dem sich mein Herz so grenzenlos ge- sehnt hatte. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Es war alles noch so, wie ich es vor langen Wochen verlassen hatte. Jeder Strauch stand an feinem Platz« uird jeder Stein log so wie ehedem. Dieser Wulst am alten, knorrigen Nußbaum, der die Form einer Nase hatte, der Hügel, über den ich so ost gesprungen bin, die altvertraute Biegung des geheimen Pfad« im Kukuruzfeld. Ich starrte und starrte und ging von Platz zu Platz, immer einen Fuß vor den anderen setzend: Klipp, klapp, klipp, klapp. Ich habe hölzerne Beine, dachte ich. Etwas Gezwungenes war in meinem Gehen. Auch die jöhe Freude, die mich ergriffen hatte, als sich das Tor des Gartens von neuem für mich öffnete, war nicht von Dauer. Und nach einer Stunde schon beschlich mich jenes groß« Ge- fühl der Fremdheit, eine der größten Enttäuschungen mein« Lebens, an die ich noch heute mit Wehmut zurückdenke. Wie eine Krankheit überkam es mich. Ich spürte große Leere in meinem Kopse und ich ging immer weiter, betastete hier und dort die be- kannte Biegung ei»« Astes und sie war mir fremd, das Brett der Maulwurfsfalle, die ich selbst gelegt hatte, und« war mir fremd, und ich horchte angestrengt aus den eintönigen, sagenhosten Gesang der Wächtersleute und er war mir fremd. Niemand wußte es, was an jenem Tage in mir vorging. Ich kam heim wie immer, ziemlich spät, und meine Großmutter brachte mich zu Bett. Sie nahm meinen Kopf in ihre Hände und strich mir, ihrer Gewohicheit gemäß, durch dos Haar. Aber ich dachte mir: „Ich habe meinen Garten verloren!" Wilhelm Milchner: Das mit Spannung-rmarlcte«Ingige volkstümliche Buch tes tot- gesagten,»um Glück aber wieder„aum Leben erwachten-' gorscher, Uber sein« abenteuerllche China- und Tibetrcise I92K— lWS wirb in ben nächsten Wochen tm Leimiger Verlag ff.?. Brockhau» unter dem Titel ,0m m»ni p»dme dum" erscheinen. Dil nachstehend« Schilde. rung ist UN, vom Verlag zur Leriisfentlichung freigegeben. f>. Oktober. In der Nacht war da- Thermometer auf minus 7,1 Grad Celsius gesunken. Di« Tagestemperatur hingegen zeigte im Maximum plus 18,3 Grad Celsius. Wolkenloser, schöner, fast wind- stiller Morgen. Noch in der Nacht war Noga von Nga-tschu-ka her eingetroffen mit der Mitteilung, daß der Khampo den FLula für uns bewilligt Hobe, d. h. die kostenlose Stellung von drei Pferden für den geplanten Ritt noch Nga-rschu-ka. In der Frühe sind die Pferde schon durch die Tibeter der umliegenden Zelte herangebracht, und dann geht es zur Provinzhauptstadt. Auch ich, der verdächtig« Deutsche, habe zum ersten Male die Erlaubnis, die.„Höhle de» Löwen" zu betreten. Wir kommen nach mehreren Kilometern Ritt am stoottichen Häuptlingszelt und einem kleinen, niederen, aus Stein und Erde erbauten, van einer Mauer eingeschlossenen Häus- chen vorbei, dem ersten Gebäude dieser Art seit Zaka. Allmählich wird der Verkehr rege, llnzählige kleine, mit Lanzen bewaffnet« Reitertrupps, Karawanen und Iakberden ziehen nach Nga-tschu-ka, wo heute ein Fest mit Tanz im Kloster stattfindet. Schon seit Tagen treffen von weither Besucher«in. Di« Gelände. austiohmen werden schwierig. Nga-tschu-ka, dieser wichtig« Wege- kreuzungspunkt. bietet aus der Fern« einen überraschend vortellhosten Anblick. Um«inen ganz in tibetischem Stil monumental gehaltenen Klosterbau und dos villenartige Haus des Khampo herum gruppieren sich ganz willkürlich die Häuser von Nga-tschu-ka. Sie sind sämtlich drei bis sechs Meter hoch, von quadratischem oder rechteckigem Grund- riß. Außen fehlen die Fem'ter, sie münden noch dem Hos hinaus, der von einer hohen Mauer umrahmt ist. Die Häuser sind aus Stein erbaut mit ebenem Dachbelag aus Holz, Faschinen, Stein- platten und mit Lehm verschmiert. Außerhalb der Hofmauern sind Seile in der Erde verankert, an denen Jaks, Schafe und Pferde wahrend der Nacht befestigt werden. An die Steinsiedliingen von Nga-tjchu-ka schließt sich ein Komplex mit weitverstreuten Zeiten. In Nga-tschu-ka sollen etwa tausend Familien leben. In dem Raum zwischen dem Kloster und der Karawanserei bringen zwei Gebetsmauern, im Abstand von 100 Meter errichtet, den Beweis von der großen Frömmigkeit der Eingeborenen. Solche Gebetsmauern sind im allgemeinen ein bis zwei Meter hoch, zwei Meter breit und zehn bis zwanzig Meter lang, können aber auch zuweilen Riesendimensionen annehmen. Aus der Ferne wirken sie dann wie starke Festungswerke. Bei Leh trafen wir später tadellos ausgeführte, meterhohe Mauern von Kilvmeterläng«. Die Mauern sind aus Steinplatten erbaut, die mit heiligen Gebeten oder Götter- bildnissen geschmückt sind. Steinmetze haben diese ausgeführt und mit Bemalung versehen. Wenn also der Sturm durch diese, ohne Bindemittel aufeinandergeschichteten Sleinpldtten fährt, so liest er noch Uederzeugung der glaubenfreudigen Tibeter alle die auf den Steinplatten eingemeißelten Gebete ab und trägt sie zum Himmel empor. Dort werden sie zum Seelenheil desien, der eine solche Gebetsmauer errichten ließ, registriert. Eine andere Art von Gebets- mauern besteht darin, daß der frei« Raum innerhalb ein« aus Maniplotten errichteten Steinumwollungen mit Gebetstafeln will- kürlich ausgefüllt wird. Diese Art treffen wir hier in Nga-tschu-ka an. Ueber der Mitte dieser 30 Meter langen Mauer ist ein Stein- Häuschen ausgesetzt, in dessen Innern eine Gebetsmühle drehbar ist. Ein anderer religiöser Bmi ragt auf der Höhenkuppe jenseits des Kusses auf, eiJ» gewaltiges Lcha-tja. Unterhalb am Steilhang ftibetifches Gefängnis leuchtet weichin in etwa fünf Meter hoher tibetischer Schrift das Gebet„Gm maiü psäme dum", dort kenntlich gemacht durch Ein- fügung heller Steine m den dunklen Erdgrund. Nördlich vom Kloster ist auf der untersten Terrasse ein Nonnen- kloster— Any-gomba— erbaut, das aus einem Hauptbau besteht. von einer festungsartigen Umwallung umfriedet. Kein männlich« Wesen darf das Kloster und seine Umgebung betreten. Diese Nonnen mit kurzgeschnittenem Haar, ungefähr sechzig an der Zahl, stehen aus einer höheren Stufe als die meisten tibetische» Frauen, denn ihnen wurde im Kloster Lesen und Schreiben gelehrt. Dies« Künste beherrscht im allgemeinen nur die vermögend« Frau, die sich einen Lehrer halten kann. Dem einfachen Bolkstst es übrigens gar nicht erlaubt, die wenigen vorhandenen Mädchenschulen zu be- suchen. Mein Kamerod hatte inzwischen in einer Karawanserei Unter» kunft gefunden, dem„Hotel" des Ortes. Bon seinem Dock) flattern Gebetswimpel. Das kleine Haus mit Seitenbau und Hof umschtießt «inen Wohnraum für die Familie sowie einen länglichen Raum mit Schlafgelegenheit tür die Gäste. Der eine schemelartige Tisch und einige Etageren an der Wand enthalten Lebensmitteloorräte zur Ausbewahrung: Zucker, ReisI getrocknete Früchte, Butter, Nüsse, Tsomba, Tee und Aprikoscnboumöl. Im Hauptgebäude nimmt die Küche den größten Raum in Anspruch. Hier steht ein aus Lehm errichteter Herd, in den eiserne Kessel eingelassen sind. An der Wand ein Tisch, zu beiden Seiten einige nieiirige Sitzleisten, die Tag und Nacht belagert sind. An den Wänden stehen aus Gestellen Säcke mit Wolle, truhcähnliche Vorratskisten sowie nicht gereinigt« Töpfe und Kessel herum. Das ganze Kllcheninner« ist verrußt und alles mit Schmutz überdeckt. Der Rauch zieht durch ein Loch in der Deck« ab. In einer Ecke kämmt eine Frau ihrem Eheliebsten �!« Haare und händigt diesem die dabei vorgefundenen Läuse mit unnachahm- licher Grazie aus. Gegenüber dem Hotel winkt uns das Gefängnis,«in zwei Meter hober, fensterloser Bau aus Bruchstein. Das Innere gleicht einem dunklen, niederen Stall. Hier fallen oberhalb des Badens starke, vierkantige Balken auf, die im ganzen achtzehn Doppellöcher ent- halte». In diese Löcher werden nachts die Hand- oder Fußgelenke der liegenden Gefangenen eingeführt. Unter Tag sitzen diese vor der Tür in der Sonne. Füße und Hände sind in Eisen gelegt. Der Perkehr zwischen dem jovialen Gefängniswörter und den Gesänge- nen ist recht gemütlich. Nur ein Blick an die Außenwand des Ge- fängnisses erinnert uns daran, daß es doch besser ist, mit dem Ge- fängnis keine nähere Bekanntschaft anzuknüpfen. Dort hängen nämlich die an den Gelenken abgehauenen, eingetrockneten Hände eines angeblich wegen Diebstahls Verurteilten. Die Radio- Schallwellen sind schneller als der gewöhnliche Schall in der Natur. �Eine im Berliner Senderhaus aufgefangene Musik vom Leipziger Sender wurde wieder noch Leipzig gesandt und im dortigen Senderaum durch Lautsprecher wiedergegeben. Der Schall, der durch Radiawellen den Weg Leipzig— Berlin— Leipzig zurückgelegt hatte, war schneller da. als der direkte Schall vom Rundfunk- orchester nach der Saotecke, wo der Lautsprecher stand. Woher stammt der Name„Brühl"? Der'Straßenname„Brühl", der sich in einer Reihe van Stödten findet— am bekanntesten ist wohl die Pelzhönidlerstraße in Leipzig, die diese Bezeichnung trägt—, hat nichts mit dem Personennamen des Adelsasschlechts no» Brühl zu tun. Er bedeutet tv v'el wie eine sumpfige Niederung au einem Flusse, diirttr sich atto aus alten Zeiten her behaupte� Hab«, m denen dic Kujgjelaade noch wemg regukert waren. Kommunistische Mißwirtschast. Wie der Tabakarbeiierverband in Berlin verwaltet wurde. Di« Funktionäre aus den Betrieben der Berliner Ziga- rettenindustrie waren zu Montagabend nach dem„Rosen- thaler Hof" zusammenberufen worden, um die Gründe zu erfahren. die den Hauptoorswnd des Deutschen Tabakarbeiteroerbandes osr- anlaßt haben, seine beiden Berliner Bevollmächtigten A r m b r u st und Kohlmann am 25. Mai ihrer Aemter zu entheben. Genosse H u s u n g vom Hauptvorstand des Tabakorbeiter- Verbandes entwarf von dem Verhalten dieser beiden kommunistischen Angestellten in den letzten Jahren ein Bitd, das jedem ehrlichen Gewerkschaftsfunktionär die Ueberzeugung gab. diese Leute hätten schon l ä n g st beseitigt werden müssen. Sie haben das Vertrauen der Hauptverwaltung und der Mitglieder seit Jahren schnöde mißbraucht, dem Hauptvorstand unzutreffende Situationsberichte über den Stand von Lohn und Manteltarifbewegungen eingeschickt, ihn durch solche Berichte zur finanziellen Unterstützung tarifwidriger Streits veranlaßt, die mit der Ortsverwaltung kartellierten Orga- nifationen gleichfalls oftmals hinters Licht geführt. Das Maß zum Ueberlaufen brachte jedoch ihr verhallen vor und nach dem l. Mai dieses Jahres. Obwohl der Berliner Ortsausschuß des ADGB. be- schlössen hatte, die Maikundgebungen in S ä l e n zu veranstalten und die Ortsverwaltung des Tabakarbeiterverbandes auch schon einen Saal gemietet hatte, duldeten sie es, daß ein weibliches Ver- waltungsmitglied die Verbandsmitgtieder in Wort und Schrift zur Sabotage der Maiveranstaltung des Tabakarbeiterverbandes auf- forderte. Armbrust erklärt«, daß er die Versammlungsbesucher zur Teilnahm« an den kommunistischen Straßen- demonstrationen auffordern werde. Er besorgte für di« Maiversammlung einen Referenten, der wegen Verbands- schädigenden Verhaltens aus dem Metallarbeiterverband ausge- schloffen ist und verrann in der Maiversammlung in der skrupel- losesten Weise die Gewerkschaften herunterriß. Die Versammlung war nur zum geringen Teil von Verbandsmitgliebern besucht, zum überwiegenden Teil aber von halbwüchsigen, von der KPD. dorthin kommandierten Leuten. An di« Spitz« des Demonstrationszuges, der sich nach der Versammlung bildete, setzte sich Armbrust allerdings nicht. Er hütete sich wohlweislich, mit dem Gummiknüppel Bekanntschaft zu machen, sondern ließ di« von ihm aufgewiegelten Versammlungsteilnehmer die Prügel beziehen. Genosse Hufung wies dann chronologisch noch, wie Armbrust die wilden Streiks in den Zigarettenfabriken inszeniert hat und wie er es dann dem„reformistischen" Gauleiter Fischer und den Gewerkschaftsangestellten der übrigen Verbände über- ließ, sich abzumühen, die auf der Strecke gebstebenen 900 Opfer der kommunistischen Maiaktion wieder in Arbeit zu bringen, was diesen vielgeschmähten„Bonzen" auch fast restlos gelungen ist. Von allen diesen Vorgängen wurde der Haupworswnd nicht in Kenntnis gesetzt. Erst als der Haupt- vorstand durch die Stellungnahme der Unternehmer von den Dingen erfuhr, gestand Armbrust zögernd den Bankrott«in. Auf Be- fragen erklärte Armbrust, daß die Ortsoerwaltung diese kommu- nistrsche Streikaktion finanziell nicht unterstützt habe. Eine Kassen- r« v i s i o n ergab jedoch, daß 1200 M. Streikunterstützung gezahlt worden sind. Das weibliche Berwaltungsnntgiied, das zur Sabotage der Maiveronstaltung aufgefordert hatte und sich als«ingeschriebene, KPD.-Mitglied«mer besonderen Gunst der beiden Bevollmächtigten erfreut«, hat 1300 M. einkassierte Beiträge veruntreut, wie auch der Bevollmächtigte Armbrust schon seit neun Mo- naten mit seinen Verbandsbeiträgen im Rück st and ist! Alle diese skandalösen Vorgänge zwangen den Hauptvorstand dazu, Armbrust und Kohlmann am 25. Mai zu entlassen. Ihr Gehalt, um das sich Armbrust nachhaltiger bemüht« als um di« Opfer seiner sinnlosen Aktion, wird ihnen noch vier Monat« weiter- gezahlt werden. Genosse Husung ersuchte di« Funktionäre, dem als Bevollmäch- tigten eingesetzten, bisherigen Vorsitzenden der Kölner Filiale, G«° nassen Klink, sowohl als dem zum Kassierer bestellten Gauleiter Genossen Fischer Vertrauen entgegenzubringen und mitzuhelfen, daß der von den beiden davongejagten Angestellten angerichtet« Schoden bald wieder wettgemacht wird. Einige kommunistische Funktionäre, die ihre Unkenntnis der Gewerkschaftsbewegung hinter radikalen Redensarten zu verbergen suchten, wollten für die beiden gewissenlosen Drahtzieher noch eine Lanze brechen, fielen aber damit bei der Versammlung ab. Selbst ein der„Opposition" bisher sehr nahestehender Funktionär, dessen sachliche Ausführungen auf alle Versammlungsteilnehmer«inen starken Eindruck machten, oerurteilte auf das schärfste das ver- brecherssche Spiel Armbrusts und seines Gefolges. Er brandmarkte besonders die Feigheit Armbrusts, der sich am 1. Mai, anstatt die aufg« wiegellen Tabakarbeit«? bei ihrer Demonstration zu führen, in der Sophienstraß« mit einigen anderen verantwortlichen Funktionären um%1 Uhr mittag» in einer Kneipe am Biertisch nieder- ließ und stundenlang diese„revolutionäre" Stellung hielt. Di« Stimmung in der Versammlung zeigte jedenfalls, daß die Berliner Zigarettenarbeiter so leicht den Rattenfängermelodien kommunistt- scher Parolenschmiede vom Schlage Armbrusts nicht mehr folgen werden. Noch kein Sofortprogramm. Erst interfraktionelle Besprechungen. Auf unsere Anfrage bezüglich des„Sofort-Programms" zur Sanierung der Reichsanstall meldet das Wolff-Bureau: „In der Presse ist die Frage aufgeworfen worden, ob das Reichskabinett ein« Beitragserhöhung in der Arbeitslosen- Versicherung berells beschlossen habe. Darauf ist zu erwidern. daß der ganze Fragenkomplex des Sofort-Programms sich noch in der Schwebe befindet und Gegenstand interfraktio» neller Besprechungen sein wird. Endgültig« Entscheidungen sind daher n o ch n i ch t getroffen." « Danach hat also das Reichskabinett überhaupt keine Ent- scheidung getroffen, sondern überläßt diese den Koalitions- Parteien. Es sollen erst interfraktionelle Besprechungen statt- finden. In diesen Besprechungen werden die offenen oder versteckten Feinde der Arbeitslosenversicherung erst einmal ihr Material beibringen müssen. Unbewiesene und unbeweis- 'sie bare Räubergeschichten, wie sie gewissen demokratischen Blät- tern aufgetischt wurden, tun es nicht. Im übrigen wird in diesen Besprechungen niemand im unklaren darüber bleiben, daß di« sozialdemokratische Reichstagsfraklion nicht rütteln lassen wird an den Grundlagen der Arbeitslosenversicherung. Arbeitskonferenz und Angestellte. Begrenzung der Arbeitszeit. Gxnf. 4. Juni.(Eigenbericht.) Am Dienstag vormittag begann die Arbellskonferenz mit der allgemeinen Debatte über die Arbeitszeit der Ange- stellten. Im Namen der Arbeitgebergruppe erklärte der Däne O e r st e s, daß die Arbeitgeber keine Möglichkeit sehen, die Arbellszeit der An- gestellten international zu regeln. Sie betrachteten es als ihre Auf» gebe, in den Kommiffionsberatungen den angeblich unzulänglichen Bericht des Amtes zu zerteilen und di« Kommission davon zu über- zeugen, daß die Zeit für ein internationales Abkommen noch nicht da sei. Demgegenüber erklärten die Arbeitervertreter sowie ein An- gestellter Indiens, der Vertreter der christlichen Angestelltenverbändc Hollands und Dr. P f i r r m a n n, der Geschäftsführer des Butab: Die Angestellten bilden eine in allen Ländern rasch wachsende überaus zahlreiche Gruppe von Beschästigten, da gerade diejenigen Betriebe und Verwaltungen, die von dem Washingtoner Uebereinkommen nicht erfaßt sind, die Tendenz zu besonders großem Wachstum zeigen. So die Banken, der Handel, die Bersicherungsunternehmun- gen, die Verwaltungen und die freien Berufe. Man muß sich darüber klar sein, daß die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der letzten Jahrzehnte mit dem Wachstum der großen Betriebe die Funktion des Angestellteu in der Virtschast entwickelt und tiefgehend gewandell hat. Der Angestellte kann heute auch in denjenigen Wirtschaftszweigen, in denen er früher seine Tätigkeit nur als eine Uebergangserscheinungzur künftigen Selbständigkeit ansah, nicht mehr damit rechnen, nach kurzer Zeit den Angestelltenberuf aufzugeben. Dazu kommt, daß die Entwicklung zum großen Betrieb und die weitgehende Arbeitsteilung große Gruppen von Angestellten geschaffen hat, insbesondere aus den Kreisen der Frauen und der Jugendlichen, die früher in diesem Umfange in dem Angestelltenberuf unbekannt waren. Der Funttionswandel ist darin zu erblicken, daß zahlreiche Aufgaben, die früher dem Betriebsinhaber überlassen waren, heute einer großen Zahl von Ange- stellten übertragen sind und daß, damit verbunden, ein außer- ordentlich weitverzweigtes System der Kontrolle und der z w a n g s- läufigen Zusammenarbeit eingeführt worden ist. Die Wirkung dieser Entwicklung ist aber die. daß eine, in keinem früheren Zeitaller gekannte, kaum noch übersehbare Fülle oon Berufs- gruppen sich entwickell hat, dl« durch das gemeinsame Schicksal gekennzeichnet sind, lebenslänglich in abhängiger Stellung auf die Verwertung ihrer Arbellstraft angewiesen zu sein. Damit werden die allgemeinen Voraussetzungen geschafsen, auf Grund deren soziolp»lUische Eingriffe im Sinne der Einflußnahme auf di« Bedin- gungen des Arbeitsvertrages unerläßlich wurden. Es muh deshalb nach der Auffassung der freigewerkschaftlichen Angestellten aller Länder ein neues internationales Abkommen ge- schaffen werden, das außer der Landwirtschost und Schiffahrt alle Arbeitnehmer derjenigen Betriebe und Verwaltungen umfaßt, die nicht unter das Washingtoner Uebereinkommen fallen. C» ist sicher, daß die Festsetzung der Arbeitszeit sür die nicht unter das Washing- toner Abkommen fallenden Arbeitnehmer, insbesondere die Ange- stellten, besonders wichtige Fragen behandeln muß, auf di« sich die Aufmerksamkeit der Konferenz besonders lenken möchte. Die Berufsgruppe der Angestellten, die ja kein Anhängsel einer anderen Gruppe, etwa der selbständigen freien Berufe der geistigen Arbetter, ist, spricht ihre volle Bereitwilligkeit aus, an dem Aufbau der internationalen sozialen Zusammenarbeit mitzuwirken, in der Ueberzeugung, damit dem Frieden und der Wohlfahrt der gesamten Menschheit zu dienen. Genf, 4. Juni.(Eigenbericht.) Auf der Arbeftskonferenz wurde am Dienstag die allgemeine Aussprache über die Arbeitszeitvegelung der Angestellten beendet. Von den Regierungsvertretern trat nur Ministerialdirektor S i tz l« r- Deutschland unumwunden für di« Angestelltenforderungen«in. Er betonte, die deutsch« Regierung sei der Auffassung, daß die Schwierigketten, die einer internationalen Regelung der Arbeftszeit der Angestellten entgegenstünden, überwunden werden können und es durchaus möglich fei, zu einem, den Wünschen der Angestellten entsprechenden Abkommen zu gelangen. Die Regierungsver- treter Polens und Schwedens ließen erklären, daß sie den Zeitpunkt noch nicht für gekommen hielten, um so weniger als das Schicksal des Washingtoner Abkommens ungewiß sei. Der englische Regierungsvertreter äußerte Bedenken, verzichtet« ober mit Rück- ficht auf den in England stattfindenden Regierungswechsel auf«ine endgülttg« Entscheidung. Erledigter Zwischenfall. Genf. 4. Juni.(Eigenbericht.) Der Zwischenfall in der Debatte über die Zwangsarbeit ist damit formell erledigt worden, daß Thomas die Unterbrechung der Rede des deutschen Delegierten Furt- wängler bedauerte und anerkannte, daß er dazu nicht b e- fugt gewesen sei. Er entschuldigt sich mit seinem Temperament. Reiner Tisch bei den Rohrlegern. Zusammenbruch der kommunistischen Spaltung. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß di« Spattungs- akttvn in der Berliner Rohrlegerbranche, die durch den sowjet- russischen Angestellten Niederkirchner seit Monaten betrieben wird, kläglich im Sande oerläuft, dann ist dieser Beweis durch die Rohrlegerversommlung erbracht worden, die zu gestern abend nach dem Derbandshaus der Metallarbeiter einberufen worden war. Zu dieser Versammlung hatten nur die Rohrleger Zu- tritt, die durch die Abgabe ihres Verbandsbuches an die Ortsver- waltung zwecks Registrierung bekundet haben, daß sie sich an die Satzungen und Beschlüsse des Verbandes halten wollen. Die Dersommlung war von fast tausend Mitgliedern besucht, was wahrscheinlich auch nicht die Leute bestreiten werden, die gegenüber dem Verbandshaus als Spion« des Niederkirchner Auf- stellung genommen hatten. Genosse U r i ch ging zuerst noch einmal kurz auf die Dorgönge ein. die dazu geführt haben, daß die Orts- Verwaltung von sich aus eine provisorisch« Branchen- k o m m i s s i o n«ingesetzt hat. die auch an den Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohn- und Manteltarifver- träges beteiligt war. Urich betont«, daß dieser provisorische Zustand nur einige Wochen dauern solle, und daß in«inigen Wochen eine neue Versammlung stattfindet, die aus ihrer Mitte«in« Branchenkommission wählen soll. Hierauf gab der Bevollmächtigte Genosse Eckert das Ergebnis der Lohn» und Manteltarifverhandlungen mit der Torifgemeinschafi der Zentralhelzungsindustrie, Gas. und Wasserleitungsfachmänner und des Klempnergewerbes für Berlin bekannt. Er wies daraus hin, daß infolge der kommunisttschen Quertreibereien die VerHand- lungen sehr erschwert worden sind, daß es aber trotzdem gelungen ist, in freier Verhandlung ein Abkommen z» treffen, das in seinem Inhalt den früher von Niederkirchner g«- trvffenen Veveinbarungen durchaus standhält. Die Löhne werden in allen Gruppen der Rohrlegerbranche ab 1. Juli bis 30. September um 7 Pf. pro Stunde und ab 1. Oktober bis 31. März 1930 um weiter« 4 Pf. erhöht. Hinsichtlich des Manteltarifver- träges konnten die Verschlechterungsanträge der Unternehmer abgewehrt und darüber hinaus noch einige Verbesserun- gen, wie z. B. in der Frage der Hoch- und Turmbaute» u. m durchgesetzt werden. Der Manteltarif soll ebenfalls bis zum 31. März 1930 gelten. In der Diskussion, die sich in ganz anderen Bahnen bewegte als bisher in den Rohrlegerversammlungen, wurde allgemein anerkannt, daß die Ortsoerwaltung und di« Derhandlungs kommission die Jnteressen der Berliner Rohrleger gut vertreten haben. Alle Redner brachten einmütig ihren Willen zun Ausdruck, weiterhin treu zur alten Organisation zn stehen und auch noch auf die einzuwirken, di« bisher noch nichi den Mut aufgebracht haben, sich offen für den Metallarbeiter verband zu bekennen. Sowohl das Lohnabkommen als auch der Manteltartf wurden gegen 5 Stimmen angenommen. Die Versammlung, die von einem vorbildlichen kameradschaftlichen Geist getragen war, wurde mit einem begeisterten Hoch aus den Deutschen Metallarbeiterverband geschlossen. Verbandstag der Holzarbeiter vertagt! Der Verbandstag de» veukschen Holzarbeiter Verbandes, der am 17. ZunI in Bremen beginnen sollte, ist mit Rücksicht auf de» ossenen Konflikt Im Holzgewerbe, der durch die Ablehnung des Rlauleloerlrages und des Lohnabkommens durch den, Arbeitgeberverband entstanden ist. bis zum herbst ver schoben worden.' Ein neuer Termin ist noch nicht festgesetzt. »WW! SBtUkWoiItiea bet SP! « Sinri. X» Udr. Stttatich-r gerbet(Sit. 3. DaltungsaiBeif. wähl eine, votstandsmitl Borzeigung de, Mitgliel erscheinen. srä-eeHeibnngMt&eiUt! Landiberger Str. und-genolsen. rent Genosse P. Parteibuch legitimiert. Lrbeitsamte, PerNn-Rerdoft. Arn -fanunlung im Lokal v»n Blesfin, Star, uches. Es wird erwartet, daß alle Genossen Der Fraktl,nm>»rft-«d. greiiag, 30 Uhr, in den Ressdenzsalcn, Der Fraktieneoorliaod. »Freie GeVerkschasts-Zugenü Groß-Berlin s Heute, Mittwoch, 19*4 Uhr, tagen die Gruppen: Bsumschnlenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 10. Heimbesprechung- Vortrags »Soziale, Wandern". Perba ndÄiuchkontrolle.— Zentrum! Gruppen heim Jugendheim Zehdenicker Str. 24— 25. Heimdesprechung. Nur mit Be> b-ndahuch und Leimauoweis Zutritt.— Weißensee: Gruppenheim Weißenser ~ irkstr. S8. Heimdesprechung und Dl-kusssonsadend Uder»-Gmverkfihaftliche Berband�uchkontrolle.— Süden. Südwesten- Gruppenheim Etädt. «im Porchstr. lt. Vortrag:»Da, neue Berlin".— Neulöll«: Gruppen ' n vergstr. 29(Hof). Heimbesprechung. Wir üben neue Ge- . Berbandsdvcher und Heimousweise mitbringen.— vordring Gruppenheim Jugendheim Schule Sonnenburger Str. 20. Heimdesprechung derbandebücher und Heimauswelse zur Kontrolle mitbringen.— Franlsurtc' Uec und üandodeeaee Platz, Wir spielen auf dem Soortplaß ffriedrichshain Platz»).— Lichtenberg und«en-Lichieabeeg! Wir spielen aus der Ireptower Spielwiese sWiese I). Heimau-welse mitdringen.— Spandau! Wir spielri aus de« Spottplatz Spandau, Seebutget Straße.—«eddtna- aus der großen Wiese im Echillerpark.— Humboldt und«esundl spielen aus der Spielwiese im Humboldthain. Wir spielen (btuaneu: Wir 0 Illaendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten „ Heut«, Mittwoch, flnd folgende Veranstaltungen! Gesundbrunnen: � Jugendheim Schonslcdtstr. 1(Ledigenheim). Vortrag:»Moderne Ge. sellscha-tzfragrn. Sieferentin Martha Schultzc.ssrontzel.— Osten: Zugendheim Litauer Str. 18.«ruppendefprechung.— Stralau: Sugendheim der Schule Gvßlerstr. 01. Sruppendesprechung.—«eukilln: Jugendheim VSHmifche ------—- 1—' wlung tn den BOrgera Gruppen. W..___-------__________ Potsdam: Zugendhelm Rswawe», Priesterstroße. Die Tagesordnung wird in der Gruppe anntgegeden. Verantwortlich für Politik: Dr. Enrt«eqer: Wirtschaft: s.«lingelhsser: Gewe�schast�eweguna: 3. Steiner: jseuillelon: St. S. Döscher: Lolales und Sonstige,:«ritz Korftädt: Anzeigen: Th.«locke: sSmtlich in Berlin. Verlag: Von» de:«.Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckere: und»erlag«nstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindcnstraße 3 Hier,» 1 Beilage und.Unterhaltung na» Wissen". Für die Gesundheit! Faehingtr Yersandslelle. Berlin SV II SchBaeberger Str. 16c. Tel. Lfltzow 8260-61 rftsbcith-llrnlf'