BERLIN Mittwoch 5. Sinti 1929 10 Pf. Nr. 256 B12S 46. Iahrgang. erscheint tSzlich anßerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de».VonrSr«'. Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion und ervedition-, Berlin SW SS. Lindenßr.» ff\£fu>as& l nzeigenpreisi Die einspaltige Nonpareillezekl« So Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheekkont»! DvrwSrts-Vcrlag T. m. b.H.. Berlin Nr.»7S3S. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis Tsrr Neuer Ausbruch des Vesuvs. Die Bergdörfer in großer Gefahr. Vt« ntutt heftiger Ausbruch des Vesuv ist lur Gange, so daß die Be» Hörden bereitet die Räumung der kleine« Vesuvorte A d i« o und C a m» pitello angeordnet haben. Vom Platzkommandante« von Neapel wurde alles verfügbare Militär für die Räu» mungsarbeiteu nach de» bedrohten Gc- biete« entsandt. Der aus dem Znferno» tal kommende Lavastrom rückt mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern in der Minute vor.. Der Strom ist ?0 Meter breit und 10 Meter hoch. Das zwischen dem Hauptkrater des Vesuvs und dem Monte Tomma gelegene Jnfernotal ist bereits von Lava ausgefüllt. Der Strom rückt jetzt in drei Armen vor. Der erste wendet sich gegep den Ort Campitello. der ernstlich bedroht ist. Der zweite Arm fließt durch die Wälder am östlichen Abhang des Vesuvs gegen Derzigno und der dritte gegen Boscoreale. Bon dem stark bedrohten Dorfe Der» zigno ist die Lava nur noch einen Kilo» meter entfernt. Die Bevölkerung dieses Dorfes hat ihre Habe bereits auf Militarlastwageu geladen und ist zur Flucht bereit. Die zur Lavafront führenden Straßen sind von Neugieri» gen und Truppen angefüllt. Die Ge» meindewälder von Xerzigno find vollständig zerstört. Der Ober- kommissar von Neapel sowie die Militärbehörden haben alle Anordnungen für die Rettungsmaßnahme» der be- drohten Gemeinden getroffen. Eine Ttochi voller Schrecken. Neapel, 5. Juni. Die Eruptionstätigkeit des Vesuv, die»ach dem letzten Ausbruch gegen S Uhr abends aufgehört zu haben schien. ist im Laufe der Nacht mit solcher Heftigkeit wieder aufgeflammt, daß man sich entschlossen hat. das Dorf Terzigno. dessen erste Häuser bereits von derLavabedeckt sind, vollständig zu räumen. Geleitet von Carabinieri. die darüber zu wachen haben, daß niemand in der Gefahrzone zurückbleibt, ver- ließen die Einwohner die Häuser, viele unter Tränen. während in aller Eile die Akten der Bürgermeisterei und des Standesamtes auf Lastkraftwagen geworfen und in Sicherheit gebracht wurden. Im einzelnen wird zu dem neuen Ausbruch aus Neapel ge- meldet: Der Ausbruch des Besuv dauert mit unverminderter Heftigkeit an. obwohl der Direktor der Vesuvwarte am Dienstag nachmittag auf Grund seiner Wahrnehmungen am Krater eine Beruhigung des Vulkans vorausgesagt hatte. Nachmittags 2,20 Uhr erfolgte Plötzlich ein« Reihe gewaltiger Eruptionen, woraus ein« riesige Rauchsäule ausstieg. Gleichzeitig strömten gewaltige Lavamassen aus dem Krater, die sich fast aus die ganze Oberfläche des großen Kraters ausdehnten, während eine Unmenge großer Steine bis zum Gewicht von zwei Zentnern zum südlichen und östlichen Abhang des Kraters geschleudert wurden. Der Lavastrom am O stabhang kam eine Zeitlang zum Stillstand, aber am Abend brach der Vesuv von neuem aus. Frühere Desuvkatastrophen. Die Ausbrüche des Vesuvs gehörten immer zu den furcht- borsten Naturkatastrophen der Well. In unbestimmten Zeit- abständen schleudert dieser mächtige Kratermund Tausende von Kilogramm glühender Erbmassen auf die rund um den Vesuv liegenden Ortschosten. Ein« der größten Katastrophen war der Aus- bruch am 18. Dezember IKAl. der 20000 Menschen. l«b«n forderte und viel« Ortschaften unter glühenden Lava- £in neuer Ausbruch des Vesuv maffen begrub. Im Jahre 179s folgte ein ähnlich starker Aus- bruch, der 2S Todesopfer zur Folge hatte. Ueber ein Jahrhundert waren es dann nur kleinere Ausbrüche, die auch weniger Gefchr für die Menschen brachten. Erst in den Apriltagen des Jahres 1906 folgte wieder ein heftiger Durchbruch. In fünf Tagen vom 8. bis zum 13. April verrichtet« der Vesuv seine grou- same Arbeit und überschüttete bis hinein nach. Neapel die ganze Umgebung mit einem glühenden Aschenregen. Auch in diesen Tagen wurden eine ganze Reihe von Ortschaften von der Lava eingeäsdhert, wodurch 10 800 Personen obdachlos wurden. Das Observatorium in der Nähe de- Vesuvs wurde voll ständig zerstört. In Neapel stürzte eine Markthalle zusammen und begrub unter sich 15 Personen, die nur als Leichen ge- borgen werden konnten. Nach einer Pause von über 20 Iahren hat also der Vesuv die in seinem Innern brodelnden glühenden Massen wieder über seinen Kraterrand gestoßen. Naketenexplosion in Lialien. Mailand. 5. Inn». In der Rahe von Stilimbergo im Frianl ent- stand in einem Laboratorium zur Entladung von Raketen eine gewaltige Explosion, die infolge der großen Pulvervorräte eine Aeuersbrunste hervorrief. Das ganze Raketenlager ist in die Luft geflogen. Das ganze Laboratorium wurde zerstört. Nur wenige Arbeiter konnten sich retten. 12 Arbeiter kamen ums Leben, fünf wurden schwer, sechs leichter verletzt. Neichsbahnverhandlung gescheitert. Im Reichsarbeitsministerium fa»»ben heute unter dem Vorsitz des Herrn Ministerialdirigeitten Dr. M e v e s die Verhandlungen über die Verbindlichkeit des Schieds- spruchs für den Rcichsbahnbetrieb statt. Trotz aller Be- mllhungen gelang es Herrn Dr. Meves nicht, die Reichsbahn zur Annahme des Schiedsspruchs zu bringe». Tie Vertreter der Gewerkschaften erklärten. daß sie, nachdem sie dem Schiedsspruch zugestimmt haben, ohne weiteres zu einer Verständigung bereit wären. Da es zu einer Verständigung nicht gekommen ist, ist anzunehmen, daß der Reichsarbeitsminister de» Schiedsspruch nunmehr für verbindlich erklärt. Sie Reichswehr kritisch durchleuchtet. Sozialdemokratische Kragen im Neichstagsausschuß. Nach dem der Ausschuß für den Reichshaushalt am Dienstag in später Nachtstunde die Beratung des Derkehrsministeriums zu Ende geführt hatte, begann er Mittwoch früh mit der Etatsberatung des Reichswehnninisteriums, und zwar zunächst der Heeresabteilung. Als Einnahm« der Heeresabteilung sind 13'/- Millionen aufgeführt, hierunter Erlös aus dem Verkauf unbrauchbarer oder entbehrlicher Geräte, Ausstattungsgegenstände usw. 1,3 Millionen. Dieser Posten gab dem Berichterstaller Abg. S t ü ck I e n(Soz.) Veranlassung, in ausführlicher Weise auf die skandalösen Vorgänge einzugehen, die vor kurzem in dem Prozeß wegen der Zustände im Zucht- haus Sonnenburg aufgedeckt worden sind. Große Mengen teils neuer, teils kaum gebrauchter Sachen seien zu weit niedrigeren Preisen von der Heeresverwallung verschleudert worden. Stllcklen verlangte genaue Auskunft über die Verhältnisse. Im weiteren be- sprach er die in Gang befindliche Verlegung d«r Garnisonen und erklärt« sich mit dem Grundsatz der Aushebung kleiner Garnisonen im Interesse der Sparsamkeit vollkommen einoerstanden. Jetzt sei die Reichswehr auf 143 Standort« oerteill, was natürlich im Interesse der Sparsamkeit nicht zu billigen sei. Nicht einverstanden könnt« er sein mit der Art. w i e diese Umgarnisonierungen von der Heeres- Verwaltung betrieben werden. Selbstverständlich rissen die Gemeinden sich darum, entweder bestehende Garnisonen nicht zu ver- lieren oder neue zu erhalt«». Er habe den Eindruck, daß im Wehrminisierium eine Gemeinde gegen die andere ausgespielt werde und diejenige die Garnison erhalte, die am meisten bietet, das heißt, den Wünschen aus Grundstücke, Errichtung der notwendigen Bauten usw am meisten entgegeukomm«. Do» führe dazu, daß der Reichstag in dieser wichtigen Frage ausgeschaltet werde, da er nur bei her Anforderung von Mitteln mitzusprechen Hai*. Als erster Dislussiousreduer nahm Abg. Dr. Leber (Soz.) das Wort. Zum ersten Male habe der Reichstag sich mit einem Wehretat zu beschäftigen, der gegen das Borjahr nicht unerheblich gesenkt ist. Zwei Punkte der offiziellen Reichswehrpolitik feien besonders verhängnisvoll. Erstens die Traditions» je u ch e, die im großen und kleinen die Reichswehr beherrsche und forme, und zweitens die Zwangsvorstellung, daß der Persciiller Ver- trag ohne alle Rücksicht auf inzwischen geänderte Verhältnisse ans- geschöpft werde» müsse. Die Tradillonspolitik mit ihrem Feudalismus sei auch heute noch, trotzdem sie im Kriege restlos bankerott gemacht, ein lvesenliicher Charakterzug der Reichswehr. Sie habe zu der Eni- fremdung zwischen Republikanern und der Wehnnacht geführt und sei auch heute noch«in schwacher Punkt in unserem Staatswesen. Wie das Ofsizierskorps vom Feudalisnius beherrscht sei, so lasse auch der Mannschaftsersatz fast nach alles zu wünschen übrig. Politische Gesinnung des Baters, Gewerkschostszugehörigkeit u. dgl. spielen in den Auskunstsformularen«ine wichtige Rolle. Hat der Aufnahme- suchend« an einem Streik teilgenommen, wird er nicht in die Lage kommen, die Republik zu verteidigen. Gehört« er dagegen einer Streikbrecherorganisation an, stehen ihm Tür und Tor offen. W i e viele Soldaten seien. Offizier- geworden? Solchen, Aufstieg stehe eben das feudale System im Wege. Auch die Angaben über die Arbeitslöhne und ihr« Er- höhung fordern zu schärfster Etatskritik heraus. Die Reichsioehr will 6 Millionen Mark mehr ausgegeben haben, das macht bei 10 000 Arbestern rund 600 Mark auf den Kopf. Mit größtem Noch- druck behaupten die betreffenden Arbeiterorganisationen, daß davon gar keine Rede sein könne. Derartige Summen seien niemals von ihnen auch nur oerlangt worden, Reparaiionskonferenz Ende Juli. In London. Pari», S. 3unL(Eigeabrricht.) „ächo de Paris" teil« mit, tag die nach der Einigung der Soch- oerstSodlgen vorgesehene Konferenz der Regiernngsoertreter bereit« Ende 3 u l i in London stattfinden soll. Da» Vlat« glaubt serner mittellen zu können, tag auf dieser Konferenz gleichzeitig die Frage der Sicherheitskontrolle in der entmilitarisierten Rheinlandzone und die Frage der endgültigen Rheinlandrüumung selbst zur Diskussion stehen werde. Der Mord im Konzertsaal. Ein(Sensaiionsprozeß aus der„Hocharistokratie". Personalreform im Oberhaus. Webbs soll zum Peer ernannt werden. London, 5. 3uni.(Eigenbericht.) 3m Zusammenhang mit der Reubildung der Regierung dürfte sich Macdonald»eranlagt sehen, dl« völlig ungenügende Vertretung der Arbeiterpartei im Oberhause durch Ernennung mehrerer der Labour Party nahestehender Personen zu Lord» weltzumachen. Di« Arbeiterpartei blitzt im Oberhause seit dem Tode Lord haldaues nur 11 Alilglie>«r. die mit parlamentarischen Arbeilen über- au» stark belastet sind. IL a. dürfte auch der grögte Theoretiker der Arbeiterpartei, Sidney webbs. um seine Zustimmung zur Er- Hebung in den Peerstand ersucht werden. Blum über englische Loyalität. Macdonald für Schuldendiskussion. Pari», 5. Juni.(Eigenbericht.) Macdonald Hot dem Vertreter des„Petit Parisien" ein inter- essante» Interview über die künftige Politik der Arbeiterpartei er- teilt, in dem es heißt:„Wir werden die Politik der Abrüstung und des Friedens zu realisieren suchen. Kein Bündnis, keine Entente für oder gegen den einen oder anderen. Das ist veraltete Politik, das ist überholte Veheimdiplomatie. Wir wünschen eine herzlich« Z u- sammenarbeit mit allen europäischen Völkern. Die Dis- kussion über die interalliierten Schulden wird auf neuer Basis beginnen und in»Nger Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Präsidenten Hoooer wieder ausgenommen werden, aber verwechseln wir nur nicht die Reparation mit den interalliierten Schulden." Aus eine Zwischenbemerkung des Berichterstatters, daß Frankreich aus seinen, Sicherheitsbedürfnis heraus»in« Garantie für die Un- oerletzbarkeit der augenblicklichen Grenzen in Europa wünsche, erklärte Macdonald:„Aber Frankreich hat doch den Kellogg-Patt unterzeichnet, der ein« ganz neue'Lage geschaffen. Ich bin sicher, daß Frankreich diesen Pakt in seinem vollen Sinn und mit seinen ganzen Konsequenzen annimmt." Die Pariser bürgerliche Presse hat sich augenscheinlich mit dem Zustandekommen einer Arbeiterregierung in England abgesunden und zeigt sich durchaus bereit, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Nicht ohne ironische Spitzen stellt daher Leon Blum im „Populaire" fest, mit welcher Leichtigkeit dieser Umschwung im bürgerlichen Lager sich vollzogen habe. Er betont, daß das ge- schlagen« Kabinett Baldwin und die Konservativen loyal ihre Nieder- läge hinnehmen. Was wäre, fragt er dann, unter ähnlichen Um- ständen in Frankreich erfolgt? Man braucht sich nur zu er- innern. wie es dem Ministerium Herriot ergangen sei. Eine Kam- pogn« der Wut und Panik fei sofort«röfsnet worden. Gewiß hätte di» Linke und vor allem ein rein sozialistisches Kabinett auch in Frankreich Mittel genug, dieser Kampagne zu begegnen. Aber es sei unmöglich, die Reaktion in Frankreich zur Loyalität zu bekehren oder.zu zwingen. Oitntme Zungen und milde Sichler. Die Oppelner Ausschreitungen vor Gericht. • Oppeln, 5. Juni. Unter dem Borsitz de» Landgerichtsrat» Ianisfet wurde gestern der erste Prozeß gegen 10 Angeklagt«, tarunter zwei Iungstahl- helmer und acht Nationalsozialisten, verhandelt, die sich an dem Uebersall auf Mitglieder des Kattowitzer Stadt- t h e a t e r e beteiligt haben. Die Anklage lautet auf gemein- somen Hausfriedensbruch und groben Unfug in Tatein- heil mit tätlicher Beleidigung. Es handelt sich um den Borfall im Stadtheater, wo während der Borstellung der Katto- witzer Theatergruppe junge Leute im Alter von 19 und 20 Jahren Stinkbomben warfen und beleidigende Zurufe gegen dos Theaterpersonal machten. Die beiden Iungstahlhelmer gaben zu, daß sie ohne Eintritts- karten das Theater betreten hallen, bestritten aber, von irgendeiner interessierten Seite beauftragt worden zu sein, sondern wollten ledig- iich aus persönlichem Interesse der Vorstellung beigewohnt haben. Der Staatsanwalt beantragte gegen die beiden Stahlhelmer wegen gemeinsamen Hausfriedensbruchs je einen Monat Gefängnis, gegen die acht Nationalsozialisten je zwei Monate Gefängnis, je weitere zwei Monate wegen groben Unfugs in Tateinheit mit tätlicher Be- leidigung. Diese Strafen sollten auf«ine Gesamtstrafe von drei Monaten zusammengezogen werden. Einer der Angeklagten halle sich bei seiner Berhafwng des Widerstands gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht, gegen ihn sollte nach Ansicht des Staatsanwalts eine weitere Woche Gefängnis verhängt werden. Der Staatsanwalt rechnete den Angeklagten ihren„jugendlichen Leichtsinn" zugute und nahm an, daß sie nur aus irregeleitetem Nationalgesühl gehandelt hätten. Die Veranstaltung sei aber legitim gewesen und den deut- schen Behörden seien durch den Uebersall schwerste Unannehmlich- keilen bereitet worden. Der Anklagevertreter fuhr fort: Wir sind verpflichtet, derpolnIschenMindcrheitin Deutsch- land Schutz zu gewähren, wir haben nur dann Grund zur Beschwerde, wenn die deutsche Minderheit in Polen geschädigt wird. Deshalb müssen die Strafen empfindlich sein. Das Urteil lautete: Sämtliche Angeklagte werden wegen gemeinsamen Hausfriedensbruchs zu zwei Wochen Gefäng» n i s oerurteilt. Der angeklagte Nationalsozialist, der sich des Widerstands gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht hat, erhält «in« Zusatzstrafe von einer Woche. In der Urteilsbegründung heißt es: Das Gericht nimmt gemeinsamen Hausfriedensbruch als er- wiesen an. Die Angeklagten sind zweifellos widerrechtlich in das Stadttheater eingedrungen. Ein persönliches Interesse an der künstlerischen Vorstellung stellt das Gericht in Abrede. Di« Ange- klagten haben lediglich die Theateraufführung besucht mit der vor- her gefaßten festen Absicht. Unruhe zu stiften. Die tätliche Beleidigung in Tateinheit mit grobem Unfug tonnte das Gericht nicht als erwiesen annehmen, weil nicht nachgewiesen werden tonnte, daß es gerade die Angeklagten waren, die die Stinkbomben geworfen haben. Aus diesem Grund« mußte also m diesem Punkte Freispruch erfolgen. Wien. 5. 3uni.(EigenberichL) Unter ungeheurem Andrang namentlich des weiblichen Publikums aus der sogenannten„guten Gesellschaft" begann gestern der Prozeß gegen den Rittmeister Felix Gärtner wegen Ermordung seiner Geliebten, der ägyptischen Prinzessin waguiha Dschldschi wouheb. Rittmeister Felix Gärtner, vor der Abschaffung des Adels in Oesterreich Freiherr von Romansbrueck, ist der Sohn eines früheren taiserlich-königlichen Feldmarschalleutnants. Als Kind ein Schwächling, körperlich und geistig degeneriert, hat er, wie viele Menschen dieser Art, doch nur den einen Wunsch, Offizier zu werden. Als junger Leutnant heiratet er und zeugt mit feiner Frau vier Kinder. Sein verschwenderisches Auf- treten zerrüttet die im Anfang glückliche Ehe. Seine.zweit« Heirat nennt er eine Vernunftheirat: Er nimmt die Engländerin Mac Gorvey zur Frau, hauptsächlich weil er ihr Geld schuldet. Seine Liebe aber gehört der ägyptischen Prinzessin Dschldschi schon damals. Ständig trägt er einen Revolver bei sich, weil er sich vor den Ueberfällen seiner Gläubiger fürchtet. Auf der Hochzeitsreis« mit der zweiten Frau verliert er in Monte Carlo beim Spiel allein 9000 Schilling.... Bei seiner Dernehmung vor den Wiener Geschworenen schildert Gärtner sein Leben bi» in die kleinsten Einzelheiten. Im Januar 1928 lernt er die Prinzessin auf der Straße kennen. E» kommt zu einer Unterhaltung. Gärtner weiß ihren Ramen nicht und gehl mit ihr eine Wette ein. daß er ihn bis Mitternacht erfahren werde. Dschldschi gibt sich selbst al. Einsaß: Gewinne er. könne er machen mit ihr. was er wolle. Er ge- winnl, und das ist sein Unglück. Uebrigens eine echte.Kavalierswette!" Die beiden treffen sich, aber — so sagt Gärtner—:„Bald reizte sie mich zur Eifersticht. Ein Ungar spielte ihr durch das Telephon auf, dos machte mich rasend. Aber sie hatte mich in der Gewalt: Auf der Straße küßte und ohrfeigte sie mich. Eines Tages dann sagte sie mir, sie se» Mutter geworden. Dabei bekam sie«inen W u t a n f a l l und schrie, sie wolle mich an einem einzigen Abend mit zehn anderen Männern betrügen. Der Rittmeister ergibt sich dem A l t o h o l. Jeden Tag vom Morgen bis zum Abend ist er betrunken. Aber weiter verfolgt er die Aegypterin. Eines Tages, am 3. November 1928, erfährt er, daß sie einen ägyptischen Prinzen Adil heiraten wolle. Berauscht und liebestoll zugleich eilt der Rittmeister zu dein Konzertsaal, in dem er sie weiß. In der großen Pause stürzt er auf sie zu und bittet sie, zu ihm zu kommen. Sie sagt— Gärtner gibt das bei seiner Dernehmung wörtlich an—:„Du bist ja total besoffen." Dann fügt sie hinzu:„Ich gehe nicht mit dir, nach dem Fest geh« ich zu jemand andern, der mich mehr interessiert." Was nun geschah, gibt Gärtner vor nicht zu wissen. Tatsache ist, daß er den Revolver zog und Dschidschi herunterschoß. Zluf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, antwortet Gärtner: Ich war nicht gekommen, sie zu töten, ich war total von Sinnen. Dem steht freilich entgegen, daß Zeugen- aussagen einen Ausspruch Gärtners, den er schon lange zuvor tat. erhärten: Gärtner hat geäußert: Tresse ich sie mit einem andern in einer Bar, dann knalle ich sie über den Haufen. Man sieht in ein« seltsame Well von Krankheit und Degeneration, von Liebesspiel und Liebesrausch, von mangelndem inneren Halt und überspannten äußeren Ehrbegriffen. Wilhelm Rogens- ein bedenklicher Zeuge. Er belastet Zakubowfti und seinen Bruder Zrih. L. R. Reuslrelih. 5. Juni.(Eigenbericht.) Der Zeuge Wilhelm Rögens» Frau Kähler-Nogens vor- ehelicher Sohn, ist«in kräftig gebauter, braungebrannter Bauern- bursche von 28 Iahren. Von Berus Viehzuchtmeister, weist er ein großes Strafregister auf. Für die Staatsanwaltschaft ist er einer der wichtigsten Belastungszeugen gegen Fritz und auch gegen Iakubowski. Seine Bekundungen vor den Berliner Kriminal- beamten haben in der Hauptsache zur Ueberführung des Fritz mit- geholfen. Die Darstellung, die Wilhelm von der Mordschilderung des Fritz Rogens gibt, läßt Iakubowski als eigentlichen Mörder Ewalds erscheinen. So steht Wilhelm Rogens heute im Brennpunkt der Verhandlungen. Der Nebenkläger, Rechts- anwall Brandt, glaubt ihm kein Wort. Er hall ihn für einen pathologischen Lügner: auch Professor Aschaffenburg scheint derselben Ansicht zu sein. Wilhelm, ein geistig wenig regsamer Mensch, macht seine langatmigen Aussagen äußerst langsam mit schwerfälliger Zunge. Er erzählt von den verschiedenen Diebstählen und anderen Streichen feines jüngeren Bruders, und man merkt ihm an, wie er Wahrheit und Dichtung verdächtig durcheinander- mengt. Fritz bestreitet aber alles. Er reizt dadurch seinen älteren Bruder derart, daß er In den Saal ruft:„Meine Herren, Fritz lügt w'i e gedruckt". Wer von beiden„wie gedruckt" lügt, darüber kann man im Zweifel sein. Im Hauptpunkt bestätigt aber Fritz Wilhelms Darstellung. Er hat ihm tatsächlich erzählt, daß Iakubowski dem Ewald die Lust abgedrückt und ihm, Fritz, die Leiche übergeben habe. Derschieden« Einzelheiten, die Fritz bei dieser Gelegenheit hineingeslochten hat, zeigen aber, daß er damals die Unwahrhell gesagt hat. Die angebllch von Wilhelm belauschten Gespräche des Fritz mit Iakubowski ssnd zweifelsohne glatt erlogen. Weshalb sollte aber Wilhelm die Phantasie- gespinste seinerzeit der Kriminalpolizei gegenüber und heute im Gerichtsfaal zum besten geben? Ja. Wilhelm ist aus seinen jüngeren Bruder nicht gut zu sprechen, er weist auch ein kräftiges Geltungsbedürfnis auf. Man wird seine Aussagen mit größter Vorsicht zu genießen haben. « Das Interesse des Publikums an dem Nogens-Prozeß hat auch am 8. Berhairdlungstag nicht abgenommen, ob- wohl die wichtigsten Zeugen bereits vernommen sind. Sensationen erwartet man höchstens noch von der Vernehmung des ältesten Sohnes der Frau Kähler-Nogens, Wilhelm Rogens, der für heute geladen ist. Zunächst wird der Gegensah zwischen dem verleidiger 3akubowski», Rechtsanwalt koch, und dem Leiter des Wecklenburg-Slretther 3usiizdeparle- ments, Ministerialral Paget, erörtert. Koch hatte dem kommunistischen Abgeordneten H a r l m a n n erklärt, er halt« Iakubowski für unschuldig. Dos hatte Hartmann im Landtag verwertet. Pagel schrieb darauf an Koch einen Brief mit der Bitte um Richtigstellung. Koch b« l l a g t sich in seiner Antwort über die Hinrichtung Iakubowskis, well er aus einem Gespräch mit Pagel gleich nach dem Urteil entnommen hatte, daß auch Ministerialrat Pagel von der Schuld Iakubowski» nicht voll überzeugt gewesen sei und Koch deshalb die Bestätigung des Urteils nicht erwartet hatte. Als Mensch, so fügt Koch hinzu, bin ich selbst von der Unschuld Iakubowskis überzeugt. Ministerialrat Paget hat telegraphisch mitgeteilt, daß«r sein« Kur in Bad Salzschlirf nicht unterbrechen könne Oberstaats- anwolt Weber und Rechtsanwall Dr. Brandt regen deshalb kommissarisch� Vernehmung des Ministerialrats Pagel an. Dann beginnt die Vernehmung von Wilhelm Rogens, der aus der Strafhast vorgeführt wird. Zeuge Wilhelm R o- g e n s bestätigt, daß die Mutter ihm von dem Bergiftungsgespräch erzählt hat, daß Fritz viel mit Iakubowski zusammensteckt«, daß Fritz sich herumgetrieben habe, so daß dt« Mutter ihn in einer Lnstall unterbringen wollte. Die von dem Jeugen aus Grund von Erzählungen Iakubowskis bekundeten Diebesbeziehungen zwischen Iakubowski und Fritz streitet der Angeklagt« Fritz Rogens ab. Er erzählt weiter, daß sein Bruder Fritz nach dem Tanz ein- mal«ine Dame überfallen, ihr das Fahrrad weggenommen, sie bedroht haben soll: wenn sie schreie, passiere ihr etwas, und sie vergewaltigt habe. Bei der Polizei sind dies« Vorfäll« tlird auch die Diebstähle nicht bekannt geworden. Angeklagter Krih Rogens streitet alles ob. Der Zeuge macht dann ziemlich genaue Angaben darüber, daß er bei seinem Bruder Fritz in Lübeck lOOMart gesehen haben will. Sie tranken Wein. Fritz war bald angeheitert und sprach über den Jakubowsti-Prozeg w Schönberg. Fritz habe aus die Frage, ob das Geld von der Sache in Schönberg staickme, er- widert, das gehe ihn gar nichts«i- Später fei Fritz v e r- s ch w u n d e u und habe ihm, Wilhelm, dann auf der Straße über den Arm geschlagen. Dabei habe Fritz plötzlich im Gegensatz zu vorher Wickelgamaschen angehabt. Wilhelm habe dem Fritz für seine Lügereien ein paar hinter die Ohren gegeben, weil Fritz erklärt habe, er habe nicht geschlagen. Angeklagter Fritz Rogens lächelt: Das ist alles nicht wahr. Zeuge Wilhelm Rogens(sortsahrend): Borgen wollt« mir Fritz nichts. Er sagte, er hatte kein Geld mehr. In einer Gamasche fand ich aber dann je eine halbe Brieftasche mit dem Geld. Ich sagte zu ihm. er sollte man jetzt bloß abhauen. Jetzt wollte ich nichts mehr von ihm wissen. Das Geld gab ich ihm wieder zurück. Fritz blieb dabei, es gehe mich nichts an. woher das Geld komme. Ich sagte ihm, er sollt« ssch nur nicht vom lieben Gott erwischen lassen. Der Zeug« erzählt von einem späteren Zusammentressen i» Lübeck mit seinem Bruder Fritz, der dann sehr verwildert ausgesehen und säst aar kein Geld rnehf flehabt habe. 9k«ch* einigen Tagen Hab« ihm Fritz gestanden, daß Iakubowski ihm schon vor der Tat für Hilfeleistung bei Be---" seitiguna des Ewald 175 wart gegeben und ihm noch andere Sachen versprochen habe. Jolubowski, so habe ihm Fritz erzählt, habe dem Ewald kurz vor Zusammentreffen mit Fritz am Schützengraben die Kehle zugedrückt. Iakubowski habe zu Fritz gesagt, er solle die Hand nicht loslassen, weil Ewald e r st h a l b t o t fest Fest habe die Hand auch noch fest an der Kehle gehalten. Geschrien soll nalfc Fritz' Darstellung gegenüber Wilhelm der Ewald nicht mehr haben, er habe nur noch gestrampell. Die Berhandlung dauert bei Redaktionsschluß fort. Eberi-Ehrung durch Zeiiungsverleger. Kranzniederlegung am Grabe. Heidelberg. 5. Juni.(Eigenbericht.) Der Berein Deutscher Zeitungsverleger, der gegenwärtig in Heidelberg seine Hauptversammlung abhäll, hat durch sein« Bor- standsmitglieder Dr. Reven-Dumont-Köln, Dr. Krumbhoar und Hennami Kölblin einen Kranz am Grabe des ersten Reichspräsidenten niederlegen lassen. Ebenso haben sozialdemokratisch« �eitungsverlag« nachmittag einen Kranz niederlegen lassen. Der Bereln deutscher Zeitungsoerleger sandte Begrüßung?- depeschen andenReichspräsidinten. an St ristmann niid an den Reichskanzler Hertnann Müller. In der letzteren heißt es:„Die Ziersammlung erinnert sich auch diesmal mit besonderer Freud« der anerkennenden Worte, dl« Sie hn vergangenen Jahre anläßlich der Berliner Hauptversammlung für den Derein Deutscher Zeihmgsoerleger gesunden haben. Ihre hohe Auffassung von den Aufgaden der Presse werden vom Derein Deut- scher Zeitungsverleger in seiner Gesamtheit geteitt." Von besonderer Wichtigkeit für das Zeitungsgewerb« ist»ine Entschließung über da» Anzeigenwesen, die ein- stimmig angenommen wurde, und in der es heißt: „Die sich dauernd mehrenden systematischen Versuch» gewisser Inserenten und insbesondere der Inserenten- verbände, den Zeitungen die Anzeigenpreise und Anzelgenbed'� gungen zu diktieren und darüber hinaus auch den redaktion«!- len Teil ihren p r i v a t w i rt scha f tl i ch e n Sonder- interessen nutzbar zu machen, gefährden auf da« aller- schwerste die Grundlage und die innere Unabhängigkeit der Zeitungen. Derartigen Bestrebungen der Inserenten leisten manche Zeitungen und Annoncenexpeditionen Vorschub, indem st« in kurzsichtiger Bertennung der unausbleiblichen Folgen einen u n g c- sunden und übersteigerten Konkurrenzkampf untereinander führen und sich hierbei selbst den unbilligsten und unerhörtesten Forderungen der Inserenten fügen. In alledem muh eine ernste Kefohrsürdie deutsche Presse erblickt werden. Die Haupwcrsammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ist sich bewußt, daß eine grundlegende Besserung der zurzeit unerträglichen Zustände im Anzeigenwefen nur dann wird erreicht werden können, wenn die Grundsätze eine« ordnungs- mäßigen Geschäftes im Anzeigenwesen wieder zur Geltung gebracht werden und wenn die Zeitungeverleger den wachsenden An- griffen auf die wirtschaftliche Freiheit der Zeitungen und mittel- bar auf die Freiheit der Presse überhaupt ein« geschlossen« Front entgegenstellen." Tragödie eines Theaterdirektors Dr. Meinhard Bruck hat sich vergifiet. In der vergangenen Nachl hak der 44jährige Dr. Rein- ,art> Druck Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas verübt. Dr. Bruck, der in der Rheinstraß« 3S in Friedenau wohnt, hatte gestern abend«Ine ihm befreundete Familie in der Hauptstraß« in Schöncberg besucht und war dort auch über Nacht verblieben. Ms heute früh die Gastgeber dos Zimmer, in deni Dr. Bruck geschlafen hatte, betraten, fanden ste ihn in dem völlig mit Gas erfüllten Raum leblos auf. Rettungsoer suche der Feuerwehr waren ohne Erfolg. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist N�rvenzcrrüttung das Motiv zu dem Berzwciflungsfchritt. * Dr. Reinhard Bruck konnte die moralische Niederloge, die er fich bei dem Zusammenbruch des Noll«ndorf-Thca«ers vor einigen M notcn geholt hatte, nicht überwinden. Als er im Herbst vorigen Jahres die Direktion des Nollendorf-Theaters ontrat, rechneten die Theaterleute damit, daß Bruck ein erfolgreicher Unter- nehmer fein würde. Denn er hatte als Oberregiffeur des Staatstheaters und dann als Gastspielregiffeur bei den ersten Bühnen Berlins stets Borzügtiches geleistet. Als Direktor begann Reinhard Bruck feine Tätigkeit aber sofort mit Schulden. Die Eigentümer des Haules am Nollendorfplatz verlangten ein« Riesen- miete, die das Tagesbudget des Unternehmens von vornherein über- lasteten. Obwohl Bruck mit der Aufführung des.Lettchen Gebert", einer von Kollo vertonten Neubearbeitung des bekannten Romans. «in zahlreiches Publikum anlockte, kam schnell das Defizit. Bruck ging als bettelarmer Mann aus dem Theater am Nollendorfplatz, und die Künstler, die er engagiert hatte, durften ihm mit Recht den £ord Cecil, 4er am fMeutlag In'Jfr.rlin eine rlelbeadileie Siecke oder die Abrüslungtprobleme hielt Borwurf machen, daß der für die Äünstlerschaft deponierte Garantie- fand» nicht einmal«rusreichtc, um die bescheidensten Ansprüche des engagierten Personals zu befriedigen. Trotzdem hatte sich noch in den letzten Tagen für Bruck ein« neu« Chance eröffnet. Das Dussel- dorfer Schauspielhaus wollte ihn mit einer nicht geringen Gage als Regisseur verpflichten. Oer Zirkus des Lames Klein. Das Arbeitsgericht kann ihn nicht fassen. Da» Arbeitsgericht beschöftiglc sich erneut von 2 Uhr bis Mitternacht mit der Klage gegen Iames klein bzw. seine Europäische Reise-Theater-Gesellschasl. Den weitaus größten Teil der Verhandlung nahm die klage in Anspruch, ob sich klein zum Schaden der Kläger und der sonstigen Angestellten de»„Theaters der MOtT widerrechtlich die Kasseneinnahmen oder einen Teil davon angeeignet Hot. und dadurch Schuldner der Kläger geworden ist. Soviel hat die sehr gründliche Beweisaufnahme ohne Zweifel ergeben, daß die geschäftlich« Handhabung des Unternehmens jede Ordnung oermissen ließ. In der Bersügung über die Einnahmen herrschte ein kaum entwirrbares Durcheinander. Klein kommt seiner Angabe nach als Arbeitgeber der Kläger nicht in Frage, da er nicht geschäftlicher Teilhaber, sondern lediglich mit der künstlerischen Leitung betrauter Angestellter der Euro- päischen Reise-Theoter- Gesellschaft gewesen sei. Deshalb will er denn auch für Forderungen, die an das Theater- unternehmen gestellt werden, nicht herangezogen werden. Aber üb»-r die Einnahmen der Gesellschast konnte die ganz« Familie Klein verfügen. Sei» ISjähriger Sohn. deL in dem Unternehmen tätig war. um. wie Direktor Ritter von der Europäischen Rcise-Theater-Gesellschast sich ausdrückt«,„das schwere Geschäft der Theaterlettung" zu erlernen, hat Sster größere Beträge aus der Kasi« entnommen, um Arbeiter, die das Zelt auf« bauten, zu bezahlen. Einmol hat er für seine Mutter 600 Mark au» der Kaste entnommen, welchen Betrag die Mutter üetls aus eigenen Mittsin. teil» aus Gelbem, die Ihr ein« Freundin anvertraut hatte, zur Entlohnung von Arbeitern hergeliehen haben soll. Auch Kleins Schwägerin hat der Koste einige hundert Mark entnommen, die sie dem Untemehmen auf Kleins Deranlastunp geliehen hatte. Auch ein Herr Lyvinsohn hat mit der gleichen Begründung Geld aus der Kaste«Phallen. Di« Famlli« Klein hat es also verstanden, s i ch durch rechtzeitigen Zugr«ff in die Kasse vor Schaden zu bewahren. Als aber di« Schauspieler, Artisten. Tänzerinnen und Musiker ihre Gag« forderten, die sie zur Be, streitung ihres Lebensunterhalts dringend nötig hatten, da war kein Geld vorhanden. Klein war nach Berlin gereist und auf Grund dieser Tatsachen teilten Direktor Ritter und Ballettmeister Blanvalet dem versammelten Personal mit. Klein sei mit der Kaste durchgebrannt. Diese in d«r ersten Aufregung entstandene Annohm« erwies sich ollerdinge durch die Beweiserhebung des Arbeitsgerichts als nicht zutressend. Wie Amtsgerichtsrat Er Franke in der Urteils- begründung aussührte. hat sich Klein«iner unerlaubten oder stros, baren Handlung im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht schuldig gemacht. Die Beklagten wollten ein gute« Geschäft machen. sie haben aber einen geschäftlichen Fehlichlog erlitten. Als Verstoß gegen die guten Sitten tonn das nicht angesehen werden. Aus diesen Gründen wurde die Klage gegen Klein abgewiesen. Di« Europäische Reise- Theater- Gesellschaft, die die Forderungen der Kläger anerkannte wurde zur Zahlung von 5093 Mark verurteilt. Theater t „Störungen" von Hans Meisel. Staatliches Schauspielhaus. Hans Meisel ist zu streicheln. Der Roman„Torstensen", der ihm den Klcist-Preis brachte, erzähll von einem Diktator. Der Diktator— halb Genie, halb Tollhaus, halb mit Göll verwandt, halb mit dem Teufel—, ein guter Mensch und ein Schinder, ein Politiker und eine Großschnauze, ein Kaiserersatz und ein Theater- Held, kurz, ein sehr psychologisch ausgebautes, in Welt- und Weiber- gejchichten verwickeltes Individuum, war eine Romansigur, erfunden von einem phantasievollen Dichter. Der Dichter hatte allerhand Erbschaften im literarischen Gepäck, auch Filmerinnerungen und Kolportageabsichtcn, doch es zeigte sich etwas Blühendes und die Fähigkeit.zum Erzeugen schriftstellerischer Plastik Hans Meisel ist zu strafen, da er nach seiner Ankunft in Verlin schnell herunterkam. Sosort wurde er Feuilletonist im miekrigen Sinne, ein Stiinmungsplätscherer, kein Zcitkritiker, sondern ein Zeitungsplauderer ohne viel Energie. Dabei war die Idee gar nicht übel, den Mischmasch einer Fremdenpension einmal durchzustöbern, nicht Pension Schüller, sondern Pension Maus. Doch außer dem Namen ist kaum etwas geändert. Die alte Posse ist nur lebhafter und lustiger. In der neuen Posse stehen die üblichen Typen wieder auf. Sie sind nur etwas sportlicher, etwas kurzröckiger und bubi- köpfiger hergerichtet. Und für die Schnoddrigkeit und für die Ge- sinnung sorgt ein Herr Tubin, von dem man nicht recht weiß, ob er sich auf Lenin oder den seligen Zaren vereidigte. Also will mit diesem nicht ganz klaren Revolutionär das mutigste Mädel des Sittenstücks in die Welt gehen, natürlich nach Paris. Das Stück hat zwei Akte, doch es sind gar kein« Akte, in denen etwas vorgeht, sondern nur Bilder mit ewigen Gesprächen, und die Gespräche sind schwach gesalzen und nur gelegentlich allzu scharf überpfefsert. Der Regisseur Erich Engel bietet szenischen Bewegungsrunimel auf, um das schmächtige Stück einigermaßen zu untermauern. Und dazu als redende, doch nicht vorwärts kommende Ulktypen in gleichmäßig verdienter Reihe: Elsa Wagner, Falkenstein, Frau von Carl- berg, Leibelt, Frau Pategg, Steffa Bernhard, Bildt, Ledebur, Harbin, Renate Müller, Anni Bora. Sommerlicher Beifall, sommerlicher Widerstand. Beides über- flüssig an diesem flauen Abend der Festspielwochen im staatlichen Slbairspielhaus, das sein Iahresdefizit bisher weder materiell noch geistig gedeckt hat._ m. h, Verneuil mit Musik. Lessingtheater:„Ich betrüg dich nur aus Liebe". Das haben wir in Berlin schon mehrfach gesehen, unter«iner anderen Firma. Damals hieß es„Kopf oder Schrist*, und es war ein nettes französisches Lustspielchen von Berneuil mit reichlich gemütvoller Handlung. Das war der liebe junge Gaston, der einen reichen Bater, nichts zu beißen und viel Schulden hat, ober dennoch mit seiner kleinen bulgarischen Studentin Maica restlos glücklich»st. Um di« ewige Geldklemme endgültig abzuwürgen, geht Maica zum Souper mit dem sündhaft reichen Baron. Aber ste braucht ihr« Liebe nicht zu opfern, denn der Baron ist Gostonz Vater. Daraus hat Robert Blum mit entschlossenem Rotstift ein paar Szenen und alles Richrselig-Kitschige gestrichen. Fritz Rotter hat ein paar lustige Gesangstexte eingestreut, Ralph Erwin hat sie mit einer anspruchslosen, unaufdringlichen und intimen Musik vertont, und übrig geblieben ist etwas sehr Hübsches: eine leichte, beschwingte Abendunterhaltung. Einig« von den Texten erzielen«inen durch- schlagenden Erfolg, zum Beispiel„Es ist nicht leicht,«in Mann zu sein", von dem Willi P r a g e r und Emmi Sturm unzählig« Strophen singen müssen, eine immer aktueller als die ander«. Notabene singen: viel Stimme verzapfen die Mitwirkenden nicht, auch nicht Emmi Sturm, ober darauf kommt es hier nicht an. Di« Hauptsache ist, daß es auf der Bühne vor Uebermut drunter und drüber geht. Wenn Kurt G e r r o n keuchend einen grotesken Tanz losläßt, lacht sich das Publikum halbtot. Und da Aeorg Alexander und Paul Otto der Sache ihr« liebenswürdig« Kunst leihen, gibt es dauerhaften Beifall. Dgr. Kino der Ltrzeit. Ll.-T. Kurfürstendamm. Unter diesem Sammeltitel läßt man zehn«iner Privatsammlung entliehene Filme lausen, die in der Zeit von 1900 bis ISl» ent- standen sind. Bei der Dorführung macht, mit genau so viel Krampf wie Altem Willen, Ha?« Sternberg den Ansager von ehedem. Ueber seine Tätigkeit soll man nicht mit ihm streiten, denn der größte Teil des Publikums betrachtet dies« Filme nur als Allotria. Dentwch sind sie eine ernstere Betrachtung lvert. Bon«iner Film- schauspielkunst ist überhaupt noch kein« Red«. Man kennt weiter nichts als Gesten. Interessant ist es. auch auf dem Gebiet« der Filmherstellung die Erfahrung zu machen, daß sich die blutigsten Anfänger an die schwersten Ausgaben wagen. Mochte man doch bereit»— als man noch gar nicht für den Film zu schminken verstand einen Farbenfilm. Ii» technischer und in darstellerischer Hinsicht sind natürlich solch« Fortschritte erzielt, daß wir bei den Schmöckern mehr als einnral das gute Recht haben, uns köstlich zu amüsieren. Die Manuskript« aber haben sich nicht allzusehr verändert. Ob ste nun für einen v2-Meter.Film pon anno dazumal ober für«inen abend- füllenden Film von heute bestimmt sind, sie spekulieren fast aus- nahmslos auf ein anspruchsloses Publikum. Ebenso bemüht sich der Film auch heute noch, Luxus vorzutäuschen. Ein« traurig« Vererbung, über die er sich scheinbar nicht hinwegentwickeln kann. In Betrachtung dieser Filtn« aus der Urzeit aber wollen wir hosten, daß nach einem gleichen Zeitraum«in anspruchsvolles Publikum über die Film« von heut« locht, denn eine Sammlung von Kulturgütern beschert uns die Industrie der Gegenwart sicher nicht. e- b- 89 Milliarden Dollar Einkommen in den vereinigten Staaten. Die Einkommenschätzungen. die Pros. Morris A EopelaNd in einem soeben veröffentlichten Bericht gegeben Hot. werfen ein neues Licht auf die erstaunliche Blüte der wirtschaftlichen Verhältnisse in den Dereinigten Staaten. Das Gesamteinkommen der Nordameritaner für das Jahr 1928 beziffert der Gelehrte mit 89 Milliarden Dollar oder 74S Dollar auf den Kops der Bevölkerung. Das Steigen des Wohlstandes wird durch di« Zunahme der Emkommenzijser in den letzten IL Iahren veranschaulicht. Das Einkommen betrug 32,5 Milliarden Dollar Im Jahre 1914. 69, ,5 1919, 74 1923 und 87,5 Milliarden Dollar 1927. Daraus geht hervor, daß die größten Ge- winne in den Jahren 1919 und 1929 gemacht wurden, während in den letzten zwei Jahren di« Einkommen nur verhältnismäßig wenig gestiegen sind. >nd Film. Oer erste Tonfilm in Deuischlan»,. Die mannigfachen Zwischenfälle, die bislang die Aufführung amerikanischer Tonfilm« in Deutschland verhinderten, scheinen vor- läufig überwunden zu sein.(Wenn nicht inzwischen neue einst- weilige Berfügungen die Benutzung amerikanischer Borführungs- apparot« verbieten, insofern sie deutsche Patentrechte verletzen.) Am Montagabe?»d hat die Werner Brothers Co. ihren„singenden Narren" im Gloriapalast steigen lassen können. Es ver- steht sich, daß in dieser Wildivestaffaire die Presse erst zwei Stunden vorher benachrichtigt wurde in einer Weise, daß der Referent des „Vorwärts" nichts davon erfuhr. Da inzwischen die Sensation ihre Wellen in Berlin WW. schlägt, ist das Haus vor der Hand aus- verkauft, und der enragierteste Vorkämpfer für die Aufführung amerikanischer Tonfilme in Deutschland(i tout prix) kann nicht darüber berichten. Wir geben daher zwei gelegentlichen M9- arbeitern, die mehr vom Glück begünstigt nxiren, das Wort. Ueber die technische Seite wird uns geschrieben: Die ameri- tonische Technik hat«inen großen Teil der Kinderkrankheiten des Tonfilms bereits überwunden. Der gleichzeitige Ablauf von Hand- lung und Ton ist auch bei den deutschen Erzeugnissen gewahrt. Aber während bei uns di« Töne teils, brüllend, teils scharf aus dem Lautsprecher zu uns dringen und von der natürlichen Klangfarbe, insbesondere der menschlichen Stimme, nur sehr wenig ihnen lassen, zeigt der amerikanische Tonsilm bereits heute ein« ziemlich natur- getreu« Wiedergabe des Gesanges und Wortes, die sogar bis zu feinen Modulationen reicht und sich auch auf den edlen Klang«iner schönen Gesangstimme erstreckt. Der deutsche Tonfilm ist in seiner heutigen Gestalt in erster Reihe ein Geräuschfilm. Der ameri- konische Tonfilm zeigt nicht nur die Eignung großer Sänger und Schauspieler von Sprechbühnen für den Tonfilm, sondern er beweist auch mit großer Eindringlichkeit, wie ungeeignet die bisherigen Filmstars für den Tonfilm sind. Von den bisherigen Größen des amerikanischen Films wirken auch einige Filmdiven mit, die nur «ine mangelhaft« Rolle spielen. Ihre Stimm« ist für die Wiedergabe durch den Lautsprecher nur sehr wenig geeignet. Man hat auch den Versuch gemacht, eine Internat(onalität dieses Tonsilms herbei- zuführen. Durch einen am Fuße des Filmstreifens mitlaufenden Auszug des Inhalts der englischen Text« i?» deutscher Sprach« kann nmn sich unterrichten, womit sich der Film beschäftigt. Aber da der Sprechfilm nicht nur durch die Darstellung, sondern auch wie dos Bühnendrama durch die Worte der Schauspieler wirken soll,!o ist dieser Notbehelf für die Dauer nicht möglich. Di« künstlerische Angelegenl)cit beurteilt 14. B. also:„Der singende Narr" ist ein durchaus minderwertiger Film, übelstes amerikanisches Schnmlz, ein rührseliger Liebesschmarren mit einem sterbenden Kind und abgeleiteten„Lache, Bajazzo!"-Motiven im Mittelpunkt, eine indiskutable Tränensackangelegcnheit aus der Zeit des Kintopps. Aber die Qualität dieses einen Films ist ja sür das zur Debatte stehende Problem nicht entscheidend, sondern nur die Beeinflussung, die er durch die Vertonung erfahren hat. Da ist denn doch festzustellen:„Der singende Narr" erwies erstens, daß die technische Seite des Sprechfilms nahezu gelöst ist, und zweitens, daß eine hohe küirsllerische Wirkung durch die Bertonung zum mindesten erziell werden kann. Gewiß ist es Kitsch, wenn die Mutter des kleinen Sonny an das Totenlager ihres Kindes tritt. ober ihr Aufschrei schneidet ins Herz Läppisch ist vorher die Szene mit dem kleinen Sonny, aber sein« kindlichen Laute sind dennoch überaus drollig. Armselig ist die ganz« Handlung, aber AI Iolson«, de»„singenden Narren", Gesang und Gespräch sind reizvoll und wohltönend.— Einstweilen ist künstlerisch noch alles in den erstell Anfängen. Natürlich kann es nicht so bleiben, daß ivah'los stummer mit sprechendem Film wechselt. Reichlich hilflos scheint man auch vorerst noch der Frage gegenüberzustehen, welches Lautbild mit welchem Filmbild zu korrespondieren habe: mit wechselndem Bild wird auch die Lautstärke zu mechseln haben „Kehre wieder Afrika." Titania-palast. Afrika zieht un» wieder in seinen Bann mit seiner Ursprung- lichkeit und Naturwüchsigkeit. Schon tverden von afrikanischen Negern die ersten Romane veröffentlicht. Bald wird die alles fressend« Zivilisation der Weißen auch das schwarze Volk zur kapitalistisch ausgebeuteten Arbeitsmaschine nivelliert haben. Da hat der Film Kulturaufgaben zu erfüllen und wenigstens im Bilde zu retten, was noch zu retten ist. Der Deutsche Werkfilm hat durch eine Expedition ins Tanganjikagebiet durch Friedrich Paulmann und Ludivig Weichert Szenen aus dem Leben eines noch noturnahen Starrnnes ausnehmen lassen. Im Rahmen eines Spielfilms wird uns der Bruder Neger in seiner Alltäglichkeit und Festlichkeit gezeigt. Hoffentlich hat der Film nicht zuviel dabei arrangiert: das Motiv, daß der junge reiche Neger ererbte Frauen nicht übernehmen will, scheint uns reichlich unofritanisch, denn die Frau ist vor allem Arbeitswesen in Afrika. Aber Hüttenbau, Hochzeitszeremoni«, Tanz und immer wieder Tanz, Regenbeschwörung und Opfer geben einen recht lebendigen Eindruck, wenn auch soziologisch nicht alles stimmen mag. Das prachtvolle Lachen der Naturkinder steckt uns an. und ihre großartig, Landschaft, die der Photograph so gut erfaßt hat, entzückt uns. Annes Afrika, wie lang« wirst du noch lachen und tanzen? Schon ist die kapitalistische Nersklavung im Anmarsch, wie einige Bilder zeigen, und der melancholische Gesang der Zulu, mit dem der Film ansängt und schließt, wird bald durch die harten Tatsachen nur zu berechtigt sein._ r. Trauerfeier für Adolf Weißmann. Eine Gedensseier für Adolf Wcißmann, den bedeutenden Berliner Mustkschriststeller und Musikkritiker, fand gestern, sechs Wochen nach dem plötzlichen Tod, den er gelegentlich einer Bor- tragsrelse In Palästina gesunden hat, im dichtbesetzten Bechstein- saal statt. In einer langen Reihe von Ansprachen, die Professor Georg Bernhard eröffnete, erstand noch einmal«in Bild und Lebensbild des Verstorbenen. Am eing«he?»dsten und eindringlich- sten befaßt« sich in weit ausgreifenden Worten Dr. Kurt Singer mit der musskalisch-literarischen Gesamtpersön'ichkeit Weißmanns, den er als überragende Erscheinung seines Fachs und seines Zeit- alters schilderte u??d würdigte: als Wegbereiter der modernen Musik, als Bahnbrecher der modernen Mustktrrtik. ohne die das heutige Musikleben nicht zu denken wäre Für den musikalischen Teil der Veranstaltung, Instrumental- und Vokalmusik, hatten sich erste Berliner Künstler— Lotte Leonard. Hermann Schey, Franz Osborn, das Hovemann-Ouartett. Michael Taube—.zur Verfügung gestellt. Mit Schumanns Bariationen aus dem Klaoierquintett op. 41 fand die würdige Feier einen eindrucksvollen Ausklang. Gleiches Recht für atte. Sozialpolitische Korderungen der Landarbeiter. Das sozialpolitisch« Programm des Deutschen Land- arbeitöroerbandes ist auf dem Kieler ZZerbandstog durch eins nom Derbandsvorstond vorgelegt« Entschließung, die von K w a s n i t im einzelnen begründet wurde, neu skizziert worden. Es fordert die sozialpolitische Gleichstellung der Landarbeiter mit ollen übrigen Arbeitern. Im einzelnen wird verlangt: Einbeziehung der Landwirtschaft in das Arbeitsschutzgesetz, in das Berufsausbildungsgesetz, in das Gesetz über Arbeits« Vermittlung und Arbeitslosenversicherung(mit Ausnahme der im§ 70 genannten Persanenkreise), cherousnahme der Land-' und Forstarbeiter aus der Sonderregelung der Arbeitsloser»- Versicherung bei berufsüblichcr Arbeitslosigkeit, strengste Beachtung der arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkte bei der Zulassung ausländischer Arbeiter, Fortsall der Aus- nahmebestimmimgen für die Landwirtschaft im Betriebsräte« g e s e tz und Berechnung der Rente Unfallverletzter Land- und Forst- orbeiter nach dem tatsächlichen Arbeitsvcrdienst. In der Aussprache über den Geschäftsbericht wurde vor allem noch auf die Unhaltborkeit der jetzigen Lohn« Verhältnisse, auf die Schädlichkeit der Beschäftigung von Kindern und auf die Notwendigkeit verstärkten Schutzes der La n d a r be i t e rf ra u« n hingewiesen. Bei der- Abstimmung wurde die Entschließung des Borstandes zur Sozialpolitik ein- st immig angenommen. Weiter wurde eine Reihe von An- trägen angenommen, die verstärkte Bildungsarbeit, Vermehrung der Zahl der technischen Aufsichtsbeamten, Wahlrecht und Mit- bestimmungsrecht der Landarbeiter in den Landwirtschastskammern fordern. Dem Verbandsoorstand und Kassierer wurde Entlastung erteilt. Ueber die„Stellung des Verbandes zu der wirtschaftlichen Lage der land« und forstwirtschaftlichen Betriebe"' sprach der Berbands- Vorsitzende Reichstagsabgeordncter Georg Schmidt. Die Auf- fofsung des Verbandes über das Wirtschaftsproblem der Landwirtschaft deckt sich mit dem Agrarprogramm der Sozialdemokratie. Di« Ber- osfentlichungen der Landwirt« und ihrer Organisationen müssen mit Skepsis aufgenommen werden. Ihre Buchführung ist nicht objektiv. Interessant ist die Haltung der Landwirte g«genüber der Profit, Wirtschaft der Kaliindustri«. Kein Landwirt macht Fornt dagegen! In der Lohnfragc nehmen die Regierungsstellen und vor allem die Schlichter die Behauptungen der Unternehmer viel zu sehr für bare Münze. Aus dem Schuldenproblem wird mehr gemacht, als daran ist: wir richten deshalb, betonte Schmidt, an den Ab- geordneten und Landbundpräsidenten Schiele die Frage, ob er dann, wenn er unter Eid stände, die Behauptung wiederholen würde, daß die landwirtschaftlichen Betrieb« allmonatlich«inen Berlust von 180 Millionen Mark aufweisen. Wenn der Landbund versichert, seine Auffassung sei die oller bürgerlichen Parteien, so ist das eine starke Uebertreibung. Die landwirtschaftlichen Unternehmer haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Der Verband ist bereit, in der Absatzfrage tatkräftig mitzuwirken, vor ollem hält er eine Verkürzung des Weges vom Erzeuger zum Verbraucher für dringend notwendig. Die hohen Zollforderungen Hollen die Landwirte wohl selbst nicht für erfüllbar. Die eigentlichen Träger der landwirtschaftlichen Produktion sind die Landarbeiter, und die Landwirte müssen sich daher endlich daraus besinnen, daß sie auf diese Träger Rücksicht zu nehmen haben. In der Aussprache über die mit Beifall aufgenommenen Aus- führungen Schmidts wurde der Lebensaufwand eines großen Teils der Landwirte scharf unter die Lupe genommen und betont, daß dieser Aufwand in keinem Dcrhältnis zu den ewigen Klagen stehe. Dr. Samberg kritisiert« den vorliegenden preußischen Entwurf über die Umgestaltung der>L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r n. Die vom Reichswirtschaftsrat empfohlene Drittelung der Kammern werde stark verwäsiert. Den Organisationsvertretern werde keine Möglichkeit der Mitwirkung in diesen Kammern gegeben. Den Schluß des zweiten Berhandlungstages bildet« das Refe- rat des Gauleiters Säuberlich. Frankfurt am Main über den Prager Internationalen Landarbeiterkongreß. VI« neuen Löhn« der Rohrleger treten nicht, wie infolg« eines Druckfehlers in der heutigen Morgenausgabe des„Vorwärts" be- richtet wurde, am 1. Juli, sondern bereits am l. Juni in Kraft. Einsetzer! Wegen Differenzen fft der Bau Lerche u. N i p- p e r t, Schöneberg', Rubensstroß«(50— 68, Aufgänge 1— 4, Tischlermeister Halle, Bad Freienwalde, für Einsetzer gesperrt. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Dom englischen Wahlkampf. nährend die TKÜHer sieh sur Abgabe ihrer SUmme ins nahtlokal begeben haben, bemuttert JSobby, der englische 3>oliaei- mann, ihre Xleinetu Streit auf dem Schlachthof. Die Oarmarbeiter fordern tarifliche Arbeitelbedingungen. Seit Jahren schon sträubt sich der„Verein selbständiger. Darm- kutscher", die Lohn- und Arbeitsbedingungen seiner Arbeiter tarif« lich zu regeln.„Wir schließen einen Tarifvertrag ab, wenn Sie uns dazu zwingen können, sonst nicht," lautete der Ausspruch eines der führenden Unternehmer. Im Frühjahr dieses Jahres beantragten die Arbeiter in den Darmschleimcreien erneut den Abschluß eines T a r i s v e r t r a g c s. Da sich inzwischen das Organisationsver- hältnis der Arbeiter grundlegend geändert, das heißt gebesiert hatte, waren die Unternehmer bereit, dem Antrage zu entsprechen. I n mo'natelangen Verhandlungen hat man die Arbeiter hin- gehalten und zum Schluß ein völlig unannehmbares An« gebot in der Lohnsrage„als letztes Wort" gemocht. Am 30. Mai wurde den Arbeitern dieses„Angebot" unterbreitet und von ihnen ein st immig abgelehnt. Am folgenden Tags wurde durch eine Urabstimmung ebenso einstimmig der Streik beschlossen und am 3. Juni van allen in Frage kommenden Arbeitern geschlossen die Arbeil niedergelegt. In den Darmschleimereien Berlins ruht die Arbeit. Streikbrecher haben sich nur wellige gefunden. Bon Interesse ist es. daß unter diesen wenigen sich ein gewisier K. G o l d a ck befindet, der einst der geistige„Führer" der kommunistischen Opposition im alten Fleischer« verband war und nun auch als geborstene Säule betrachtet werden kann. Trotz zweimaliger Aufforderung, die Solidarität zu wahren, hat er treu und brav bis zum Feierabend seine Arbeit verrichtet. Er findet eben den Weg zurück, den er gekommen ist, zu den Gelben. Der Zusammenhalt der streikenden Arbeiter ist gut. Ver- schieden« Firmen haben die Forderungen des Tarifvertrages bereits unterschriftlich anerkannt. Die Fleischversorgung Berlins wird durch diesen Streik nicht in Mitleidenschaft ge- zogen._ Ein Scharfmacherbluff brichizusammen Frieden in der Ziegeleiindustrie Westfalens. Der Kampf in der Z i e g e l i n d u st r i e Westfalens ist durch eine Vereinbarung beendet worden. Sie erfolgte auf der Grundlage des Schiedsspruchs, der eine Stundenlohn- erhöhung von 3 Pf. ngrfah. 2 Pf. werden sofort gegeben, der dritte Pfennig ab 1 August. Ferner ist für die II e b e r st u n d e n- abgeltung l Pf. mehr bewilligt worden, d. h.. wenn eine Ileberstundc geleistet wird, dann wird pro Arbeitsstunde 1 Pf. mehr gezahlt. Di« Neuregelung gilt bis zum 30. April 1930. Der Ar- beitgeberoerband wollte nur 2 Pf bewilligen und forderte eine Laufdouer bis zum September 1930. Der A r b« i t g e b e r v e r b a n d, der mit der Aussperrung gedroht hatte, bekam es, nachdem die Belegschaften einer größeren Anzahl Ziegeleien am Montag in den Streik getreten waren. schnell mit der Angst zu tun. Der Bluff mit der Aussperrung fft ihm übel bekommen. Als die Unternehmer feststellten, daß die Ziegler dank der Initiative des freigewerkschaftlichen Kerami. schen Bundes zum Kampf bereit waren, setzten sie olle Hebel in Bewegung, um so schnell wie möglich mit den Gewerkschoften wieder verhandeln zu können. Da verschieden« Ziegelei besitzer ihren Belegschaften die vom Schiedsspruch vorgesehenen neuen, Lohnsatze anboten und die Ausspcrrungsparole nicht beachteten, machte der Arbeitgeberverbond aus der Not eine Tugend und gab den Ziegeleien freie Hand für örtliche Abmachungen. Der Syndikus des Ber- bandes kam sogar ins Streiklokal, um mit der Streikleitung Der- haudlimgen anknüpfen zu können. Anscheinend hat er auch beladen Schlichtungsbehörden um gut Wetter gebeten und aus Beschleuni- gung neuer Verhandlungen gedrägt, um aus dem Schlamassel her« auszukommen.'_ Wetter für verlin. Nach klarer und sehr kühler Nacht am Tags langsame Erwärmung, zeitweise heiter, Windobnohmc. Für Deutsch- land: Ueberoll leichte Besserung, Aufhören der Niederschläge und etwas Erwärmung. Seränwortllch kllr dl- Redaltlon: F-o», Sliftf, S-tlin; Anjil«»: Td. SUft. Sic I in. Beclag: Vorwiirt» B-clag S. m. b. S.. Berlin,»ruck: LnrwSrl» Bu». drucke ril und Berlaasanlialt Paul Singer& Co., Berlin 63B 58, Lindenltraßr». gienn 1 Beilege. Winter * Qarren* 18 Uttr• tenlr. 2819» Ramtaa criaodtl Bon John ion-GIrls, Bob Flsbor singt Sonny boy, Antonot A Boby. Die berühmten Clowns und weltoro VaHotA-| Neuheiten. Rose-Theater QroBe Frankfurter Str. 133. Taglicb 8,15 Uhr: Spiel imSchloss. aartonbOhne: Tisllch 5,80(Sonntaj 5 Uhr) Konzert und Bunter Teil Täglich 8,15 Uhr Elm» WaalzeerSrcaunra Gr. Operette in 3 Akten v. Bltar Straas. stai-A 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 O'Hanion& zamDuni nnd die weiteren AttraKtlonen PLAZa Xm ai«. uai Tägl. 5 u. 81 s; I ntem.Varietä Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag J die■ ■ag W RelchshallcifThealer Aiiabenan«[B] um Stcttlncr sanfter u. a-:„Sine Tlarlil Ilm UtaltirelnkeUer". Stommerpreise: 80 PI bis X M. �Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) VarletA— Konsort— Tanz. CASINO-THMTEB Lothringer Urafce 57. ..WWddwr. eanan and ein erstklassiger banter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für i— 4 Personen Fauteuil nur 1.15 Sessel 1.65 Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Tbester am Noliendorfplati Tiglich 8V. Uhr Die manner dar fflanon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetre meal. fl. Westens Täglich 8-,. Uhr Sonntag 3>/, u. SV« Frau lekors Weiler- folg] Friederike Tel. Steinplati'5121 Renaissance-Theater Hardenbergstr. 6. Tel.: Stenn):. C 1. 0901 und 2513/84. I8V< Uhr Beute TOB 23. Male 8 Vt L'hrl Die hemge Fiammef Regie: Gustav Härtung. Barnowskj-BOhDen Theater in dar KOeiigrltisr StrsBa Täglich 8'/» Uhr Rival en Komddianhaua Täglich 8 Ende geg. I01« Dia Betangane Schauspiel von Edouard Bourdet Regie; Max ReinhardL Kunmerspiele D I. Norden 12310 S'hU Ende nach 10 Aufgang nur rar Harrschafton Kleine Komödie von Siegfried Geyer Hennann Boroinanfl Baumschulenweg Baumschulenstr. 89 Ecke KielholistraBe 184 Tel: Obersprce(F3)I527 Bitte auf die Edic in adUcal Berliner Bürgcrbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reicbsbannerlokal Die Komödie 1 Blsmck.2414/7516 [Vi, Ende geg. lO'feU. Der Ridb, der sei in Hann änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regle: HelniHilpert KleiDBi Tleatir Täglich«V. Uhr NaHedtrtrotoB? n«4 hz teiribebd» von Frank Green. Musikalische lllusL Fr. Holländer. Regie: f r.FrlsdmasB- FrtfltrlB. Lustspielhaos Tägl. 8V, Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink, Berisch u.a. Rundfunkhörer kalkt Preise. Lessing-Theater Täglich 8V» Uhr imliemiß vim nnr aosliebe Ein Stück mit Musik nach Vemeuil. Theal.am Roltt.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Ellte- Singar Dh lautin; _8in aisis sroBaLasr m t I Planelartam —■» m ZOO ferÜM JwOmhier Unk B. 5 Barbarossa 5578 16"« Uhr SUrnöildtr In Sommers 18V« Uhr Dar Olatkatl Oer Sann» 20'.U. Ve» PM zu Pol »oi Xtornoiihlmmol Tägl. auBer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. Otoeh. Uootlor-Th. 8V« Uhr Prosit eipsy Operette v�iilben Agnes Esterfaoxy Frltx SdinU Rundfunkhörer (itlkt Preise Thalla'Tlieater Jrasdsur Str. 72-73. 8 Vi Uhr MaMdie Donnerstag, den 6. Juni nadunlttago 5 Uhr Einhelfi verband der Ebeabahner Deotodilands Ozbgroppe Berlin Todesanselge. Unseren Mitgliedern de» Rtlchr- dahnauobkiserungewerfe» Zempelqo: und fonftigen Freunden und Be- lannfe» zur Ztachricht, daß unser Mitglied, der Schloger Alknecl I�ueka dm Sonmag. dem 2. Zun«, an Zud« fnlose nornorden tlt. Ehr« feinem Andenkenl Bie ElnZscherung findef Donner». tag, dem 5 Zunl. 1880 Uhr. in Rrematorium»erichlslrohe statt. Rege Beteiligung wünscht Die Ort»verw»Unng. älelYogc Mittwoch, 5. Juni 1929 SprAbniD ShnbiukQaße dsi Hermann Wendet: Der Aufstand der Nationen Der tschechische Politiker, der unter sein Boll tritt, ist nicht, wie es bei den Deutschen sehr häufig der sroll ist, ein einer wirtschastlich und sozial höheren Schicht entsprossener, dem Denken und Fühlen der unteren Schichten fremd gegenüberstehender Volks- genösse, sondern er ist ihr eigen Fleisch und Blut. Kleinwächter.„Der Untergang der öfter- r«ichisch-ungaris6,cn Monarchie". Am I. September ISIS schlich sich ein junger Mann mit einem Handköfferchen in der Nähe des böhmischen Städtchens Asch durch dichtes Gehölz über die österreichisch-bayeriscb« Grenze, um von Deutschland mit einem Pah, der auf Miroslav S i ch a. Ge- schäftsreisender in optischen Instrumenten, lautet«, nach der Schweiz zu entweichen. Als er bald danach zu Paris im fünften Stock der Rue Leopold Robert in einer richtigen Studentenbude sein Quartier aufgeschlagen hatte, zog er, der Narr,«in Taschenmesser und begann mit dessen Korkzieher ein gepanzertes, grohmächtiges Kl-Millionen-Reich anzubohren. Und siehe I Kaum drei Jahre später war das Sl-Millionen-Reich rettungslos am Sinken, und der junge Mann, der sich mit 12<1 Franken im Monat durchgeschlagen, für 1�0 Franken zu Mittag gegessen hatte, sah als Gleichberechtigter, als Minister einer provisorischen Regierung in Versailles unter den Großkopfeten Europas, den Clemenceau, Lloyd George, Sonnino, Foch und sagte das seine zu den Waffenstillstands- bedingungen, die den in die Knie gebrochenen Mittelmächten auf- zuerlegen waren. Dieser junge Mann hieß Eduard Venesch. und was sich in seinem Gesichtskreis und durch seine Mitwirkung in jenen ereignisträchtigen Jahren begeben hat,« davon sprechen seine Erinnerungen, die, trefslich von Camill ch o f f m a n n verdeutscht, unter dem Titel„Der A u f sta n d der Nationen", bei Bruno Ca ssirer, Berlin, erschienen sind. Das Buch ist, insofern es den gleichen Geist atmet, ein Seiten- stück zu T. G. M a s a r y k s„Die Weltrevolution", aber zugleich erscheint es. auf seine Melodie hin angesehen, als Antithese zu ch a s« k s„Bravem Soldaten Schwejk", der auch ein Stück von der Epopöe des tschechischen Volks zwischen 1914 und 1918 umsaht. Den» der„Ausstand der Notionen" ist stockernst unfr humorlos mit nüchterner Amtstinte geschrieben. Immer kommt uns Benrsch darin offiziell und zugeknöpft: nie redet er vertraulich in Hemdsärmeln zu uns: kein einziges Mal zwinkert er uns zwischen den Zeilen zu. Er verliert sich weder an kleine menschliche Züge und Lächerlichkeiten, die auch der größten welthistorischen Bewegung anhaften, noch gibt «r charakterisierende Anekdoten oder Momentaufnahmen �ber Staatsmänner und Generale, mit denen ihn feine Vcrfchwörcrtätig- keit zusammenführte. Auch rpos sein Privates angeht, ist. er feine gesühlsarm«. wohl aber eine bekenntniskarge Natur. Nur gelegentlich lüftet er den Schleier, von den Stunden der Sorge und den Augenblicken der Freude, und einer leiner Mitarbeiter muß schon wi« Stefanik unter der Erde modern, um Benesch das Bekenntnis zu entlocken:.„Ich habe ihn geliebt," oder auf so ragender Warte stehekl wie M a s a r y k, um auch mit echt mensch- licher Wärme als„Symbol, Inkarnation und wahrer Repräsentant llnserer nationalen Revolution", als„letzter unserer großen Er- »vecker" gefeiert zu werden Aber wie es-ine Still« gibt, die zu tönen beginnt, so ist dieses Buch farbig und bewegt durch lauter Nüchternheit und Sachlichkeit, denn die Tatsachen, die es aneinanderreiht, sind von allzu drama- tischer Wucht, als daß sie selbst im Eiskeller objektivster Betrachtung ihr« zündende Glut ganz verlören. Eine Summe von nerven- zerreibender Arbeit steckt in dem Werk, das solches Gelingen krönte. Zwar kann nur platte Ahnungslosigkcit über die Motor« der Historie Männer wie M a s a r y k und B e n e s ch gegen die marxistisch« Geschichtsauffassung ausschlachten, weil sie den tschecho- slowakischen Staat..geschasfen", aus dem Nichts hervorgezaubert hätten, denn in Wahrheit waren sie nur die sichtbarsten Exponenten eine» ökonomischen und sozialen. kulturellen und politischen Ealwicklungsprozesse«. der mehr als ein Jahrhundert umspannt und das Erwachen des feit der Schlacht am Weißen Borge geschichtslosen tschechischen Volke» heißt: in ihren formenden Fäusten bolll« sich die Kraft von Millionen, die, des Habsburgischen Gängelbandes übersatt, ihre Ge- schichte endlich einmal selber leben, ihre Geschäfte unter eigener Firma machen wollten. Dennoch welche Entwürfe, welche Pläne, welche Mühen, welche Nachtwachen, welche Sorgen, welche Eni- täuschungen, welche Opfer, bis das Erstrebte unter Dach und Fach war! Welch gigantisch« Leistung auch der Individuen! Denn für die hohen Herren der Entente war auch ein B e n e s ch. als er mit seinem Handkösferchen und seinem Idealismus in Paris austauchte, nur ein, mit unser aller Liebling B ü l o w zu reden, Schnorrer und Verschwörer. Lächeln solgte ihm in manchem Kreis, wenn er seine Losung— Austriarn esse delendarn!— ausbreitete, sintemalen man van den Tsdzechen und gar den Tschechojlowaken so gut wie nichts wußte und vielfach auch nichts wissen wollte. Frankreich träumt« von Elsaß-Lothringen, Rußland von Konstantinopcl. England von der Aufteilung der Türkei, Italien von Dalmatien und Albanien— sie rissen sich gerade ein Bein aus für die Errichtung des tsche-- des tfchccho-- wie hieß es nur gleich? Des tschechoslowakischen Staates! Daß die Tschechoslowoken mit den Südslawen verwechselt würden, kam vor: der russisch« Botschafter in London starrte zum ersten Male während des Weltkrieges verblüfft auf«ine Nalionalltätenkanc Oesterreich-Ungarns. und wie. der Italiener Sonnino als Kon- seroatioer und Legitimist zu den revolutionären Bestrebungen der Slawen der Donaumonarchie ein saures Gesicht zog, so hatte auch da- zarische Regime für ihre suspekt«, weil subversive Tätigkeit nicht viel übrig. � CcgZflmi(oftlichen Prinzipien gearbeitet worden wie an der kleinen sast anonymen Front der tschechoslowakischen Emigration: es war wirklich politischer Realismus, aus Flaschen gezogen, was Benesch zu bieten hatte. Nicht nur lieferte er aus M a s a r y k s philosophischer Werkstatt der Entente eine brauchbare Kriegsideologie: Demokratie gegen Absolutismus! nicht nur verknüpft« er di« Landsleut« in allen fünf Erdteilen zu einem engmaschigen Netz, sondern, Feind leerer Formeln und zweck- loser Theörien, stets sachlich vorgehend, Tatsachen an Tatsichen reihend und Uebertreibungen meidend, sucht« er mit allen Mitteln die Tschechoslowakei in den großen Strom der Weltereigniss« einzu« schalten und den Schicksalsmächten die Möglichkeit zu geben, sich zü entfalten, damit die Frage, die für ihn die Frag« der Fragen war, nicht mehr unter den Tisch fallen konnte. Ein Gedanke bohrte un- ablässig Himer dieser klugen Stirn:„Wir müssen so stark werden, daß es das Interesse der Alliierten selb st verlangt, uns nicht zu übersehen." Vom ersten Augenblick seiner Tätigkeit an fanatisch daraus au», zu tun, was irgend zu wn anging,„um nicht allen alliierten Versprechungen, Berpflichtungen und Erklärungen zum Trotz bei den entscheidenden Friedensverhandlungen über Bord geworfen zu werden", arbeitet« er bis zuletzt zäh und zielbewußt daran, all« politischen und. diplonm- tischen Erfolge auf festen'Grund zu stellen, eine Anerkennung durch eine ander« zu untermauern und„für die Alliierten«ine Situation zu schaffen,, in der ff« sich auf keinen Fall und unter keinen mili- tärischen und politischen' Umstünden zurückziehen konnten". Damit packte er's und orreichte, daß das anfangs mißachtet« tschecho- slowakische Problem am Schluß nnker allen Nebensragen des Wellkrieges die Hauptfrage war. Ein nicht geringes Mittel dstsser in jedem Betracht aktiocn Politik war die Aufstellung einer tschechoslowakischen Nationalormee aus kriegsgefangenen Oesterreichern und Ungarn tschechischer, und slowakildjer Volkszugehörigkeit.' I n Rußland gab es schon im September 1914 eine solch« Truppe. di« sich zu einer Brigade, dann zu einem Armeekorps auswuchs, schließlich gegen die Bolschewiken an der sibirischen Bahn kämpfte und mit der Anabasis nach Sibirien ihre Abenteuer endete. Auch an der Italienischen Front standen tsched)oslowakische Frei- willigenformationen im Feuer der k. und k. Geschütze. Auf s r a n- zösischem Boden wurden die tschechoslowakischen Schütz'en- regimeMer Nr. 21 und 22 im Oktober 1918 in den Kämpfen östlich von Vouziers eingesetzt und verloren an Toten neun Ossiziere und 194 Mann, an Verwundeten mehr als das Vierfache. Zahlten st« im Vergleich zu den Riesenverluftziffern des Weltkrieges also durch den Zwang der Umstände nicht allzu verschwenderisch mit ihrem BlM, so fiel doch die Tatsache, daß sich in den verschiedenen Ländern insgesamt 150 909 Tschechen und Slowaken unter di« Fahnen der Entente gemeldet hotten, entscheidend ins Gewicht. Daß B e n e s ch nicht nur durch die Organisierung der Frei- willigenarmee. sondern auch mit seiner Furcht, der Waffenstillstand möge„vorzeitig", nämlich vor dem vollen Zusammenbruch der Habsburger eintreten, Sriegsverlängerer war, rückt seine Erscheinung ins leicht Problematische. Denn der als Student demokratischen und sozialistischen Lehren Ohr und Herz ge- öffnet halle, war auch bei Durchführung seiner großen Aktion kein Feld-, Wald- und Wiesendemokrat, dem es auf einen Kratzfuß vor Imperialismus und Machtpolllik nicht ankommt, sondern als echter „humanitärer Demokral" von der Heiligkeit jedes Menschenlebens durchdrungen. Bei dem Mann, den zum Kampf gegen Wien und Budapest ein kategorischer Imperativ, ein sittliches Gebot aufgerufen hatte, gab es auch keine machiaoellistischen Ausflüchte vor sich selber: wie in seiner Seele die Ueberzeugung wurzelte. daß der Weg der Wahrheit, Geradheit und Ehrlichkeit auch der Weg des nationalen Interesses sei, trennte er Moral und Politik keinen Augenblick. Dazu war und ist er Gegen- pol eines blindwütenden Chauvinisten,„guter Europäer", dein di« Nation kein Ziel bedeutet, sondern nur„Vorsaal der Hu- m o n i t ä t" ist. Und doch ging, wenn er dafür stritt, das Morden nicht„vor der Zeit" enden zu lassen, die Rechnung in feinem Innern glall auf, denn er hielt dafür. daß di« vrobleme des welkkrleges. halb gelöst, ein noch furcht- bareres völkerrlngen in Bälde heraufbeschwören würden. In diesem Züsammenhang gehört die Episode der acht tschech i< slowakischen Freiwilligen/ die im Frühjahr 1918. bei ihm eindrangen, bittend, drohend, heischend, er solle für ihre Versetzung aus der französischen Fremdenlegion, in die sie S'A Jahre zuvor die Be> geisterung getrieben Halle, in die tschedioslowakisch« Nationalarmee sorgen, denn sie witterten, daß may di« Legion als wertlosestes Kanonenfutter an den gefährlichsten Fleck der Champognefront stopfen wolle. Benesch sah den annen Jungen in das verzweifelte Gesicht, redete ihnen gut zu, redete und redet«, und nach drei Stunden zogen si« ergeben ab, gingen in die Gräben und keiner kehrte zurück, ein einziger ausgenommen, der aus der Hölle der Schlacht tobend ins Irrenhaus geschafft ward.„Ich denke nock) immer an diesen traurigen Zwischenfall zurück � gesteht Benesch, aber wenn Bismarck in nachdenklicher Stunde am Kaminfeuer von Varzin den tieferen Wert der eigenen erfolggek'önten Politik bitter anzweisell«,— 89 999 Menschen unter die Erde gebracht, Väter, Mütter, Brüder, Schwestern und Witwen in Trauer gestürzt, und wozu?—, so ist dem tschechoslowakischen Staatsmann sicher nie der Schatten eines Zweifels über die Seele gehuschl, ob die Gründung chne? Staates auch nur den Tod jener sieben armen Teufel aus der Fremdenlegion aufwiegt. Denn bei allen Tugenden fehlt Benesch eine: die Skepsis. Er glaubt unbeirrbar an sich und seine Sache. Dieser Glaub« hat ihm geholfen. Kinder malen... Und was der Verstand der Großen nicht sieht, das findet I gestalten. Ein neuer Entwicklungsprozeß setzt ein, in dessen Ver« in Einfalt ein kindlich Gemüt. lauf von dem ehemaligen„Künstler" nichts mehr übrig bleibt. Die Die Bilder, di- wir hier sehen, stammen von Kind«rn. Keines Persönlichkeit hat sich in ganz anderer Richtung entwickelt. von ihnen hat das vierzehnte Lebensjahr überschritten. Stände Und doch: Ware es n.cht gut. dem Kinde über dre Pubertät unier diesen Bildern der Name bekannter Künstler- wieviele hsnaus sur[cm späteres Leben etwas von i-m-r Intullwn, von würde es geben, die sich dem Zwange dieser Suggestion entzögen? s-i»« blinden Sicherheit hinüber ö" retten? Lerdet n.chtger�e Wer weih'« unsgre Zell an der Skepsis des kritischen Verstandes, an jenem Zweifel an allem, an einem Zweifel, der alle Werte über den Haufen wirft? Ist diese Zweiselsucht, dieses Bemühen, eine Sack)«, Aber Aevermann, der uns diese Bild«r zur Verfügung g«stellt hat, protestiert dagegen, diese ftleinen als Künstler zu bezeichnen. Wir müssen ihm recht geben. Er hat überzeugend darauf hin- gewiesen, wie in der Zeit der Pubertät, in jener Zell, in der Ge- schlechtsl«b«n und kritischer Verstand in den Prozeß des allmäh- lichen Heranreifens treten,«in Bruch eintritt, der sehr häufig den scheinbar künstlerisch außergewöhnlich Begabten über den Haufen wirft und ihn unfähig macht, das, was er bisher, aus' der Intuition, aus dem Unbewußten heraus gestaltet hat, bewußt zu ehe man ans Werk geht, nach ollen Seiten hin bis ins kleinste durch- zurechnen, um den sogenannten Zufall nach Möglichkeit auszu- schallen, nicht oft ein Hemmnis dafür, das Richtige zu tun? Raubt nicht diese Zweifelssucht, die sich— sei es in der Natur, in der Persönlichkell des Menschen, in dem Verkehr von Mensch zu Mensch bemüht, das Geheimnisvolle zu streichen und in dem Große« das Kleine und Kleinliche zu finden, einen guten Teil der Lebens» freud«? Es ist erfreulich, die Bilder dieser Kleinen anzusehen. Ei« wären nicht entstanden, wenn ihre Urheber sich des Schaffens- Prozesse» und»der Schwierigkeit der Aufgabe bewußt gewes»'' wären. Uu�enaennnenui�cn vcn Copyright BSeherkrets ans ,ViemiännerbDCh" (4. Fortsetzung.) Den Baseler Mist muß man kennen. Das ist ein« Welt für sich. Hart ay der Landesgrenze liegt er, bei Burgfelden, ein wahrhaftiger Berg, und Tag für Tag kommen die Abfallwagen der großen Stadt und bringen neue Zufuhr. Und ein Eestont von Armut und Ver- brauchtheit liegt hier in der Luft: ein Gestank, den man sein ganzes Leben nicht mehr los bekommt, wenn man ihn einmal in der Nase gehabt hat. In der Dunkelheit fahren die schweren Müllwagen an. Die Rosse keuchen die Höh« hinauf. Der Dampf ihrer heißen Leiber mischt sich mit dem Dampf des großen Abfallhaufens. Die Peitschen knallen, zerbrechende Glasscherben klirren, die Müllkutfcher schreien und fluchen, und alles hört sich recht fuhrmannsmäßig an. Ist aber die Dunkelheit verwichen, und die Sonne fällt«in, so glänzt sie m Regimentern von Scherben, in diamantig zerbrochenem Glas, in Blechbüchsen und im Tau, der auf dem Schutthaufen liegt. Alles ist dann vom besten Maler gemalt, eine verwunschene Welt, die erst später wieder grau und gewöhnlich wird, wenn von allher die Lumpensammler kommen und mit ihren Stöcken in dem neu ange» fohrenen Müll wühlen, wie die langhälsigen Aasgeier in den Ein- geweiden eines verendeten Tieres. Auf diesem Mist also hatte sich der Martischang seine Hütte gebaut, in der Mitte dieses Scherben» und Trümmerlande», das er von da aus beherrschte, wie eine Spinne ihr Netz. Bier Pfähle hatte er in den weichen, willfährigen Boden ge- rammt, und das Dach und die Wände, au, zufammengeftohlenen Kistenbrettern bestehend, waren mit dem Blech« alter Oelikanister bekleidet. Manches glänzte metattisch neu» dos meiste aber war an- geleckt von blutbraunem Rost In den verschiedensten Tönungen. So sah die Hütte von fern großartig gescheckt aus. mit viereckigen, schiefen Flicken, wie ein Fastnachtsnarrenkleid. In diesem Gehäuse lebte der Martischang unangefochten, ge mieden von Gott und der Welt. Nicht einmal wir Kinder, die wir doch oft genug mit leisem Grauen um seine Hütte herumschlichen, wußten, ob er daheim in seinem Fürstentum war oder nicht. Nur zuweilen kräuselte sich blauer Rauch aus dem verbogenen Ofenrohr, das aus der Flanke der Hütte herauswuchs wie eine rostige Warze und das den Kamin vorstellen sollte. Wehte diese Rauchfahne, dann hottender Lumpensammler im Gerede der Leute seinen feisten Tag und sott sich ein Pfund Stockfische oder kochte sein Hemd aus, was aber jeden Karfreitag nur einmal vorgekommen fein soll. Manche behaupteten auch, wenn sie den Rauch sahen: „Aha. setzt hat der Martischang wieder«inen gemurksten Hund im Topf!" und schüttetten sich bei dieser Aussage, einen gesunden Ekel im Hol». Doch erweisbar waren solche Dermutungsreden nie. Es kamen zwar viele Hund« im Ort hehlings um die Ecke, besonders im Herbst, wenn's auf den Winter zuging und die knurrenden Bellas schön Speck an den Rippen hatten und auch sonstwo recht feist waren. Aber diese abgängigen Vierfüßler, die zumeist noch tagelang hinterher in der Zeitung durch wehmütige Inserate ersucht wurden, ihren Astralleib mit festerer Konsistenz zu vertauschen, die konnten genau so gut von den Arbeitern der chemischen Fabriken umgelegt und verspeist worden sein, von jenen armen Teufeln, die den ganzen Tag an den giftigen Farbmühlen stehen— der ungesundesten Ar! beit, die je für einen Menschen erfunden worden ist— und die früh sterben müssen, des Giftes wegen, das sie einschlücken, und die den Aberglauben haben, Hundefett sei gut« Medizin für ihre ange- fressenen, brestigen Lungen. Eines Tages nun, als beim Martischang Holland besonders in Rot war, strich er mit begehrlichen Augen um den Holzhof des Bürgermeisters herum, um etwas Brennbare» in seinen Sack zu lotsen. Solches Fischen am Land verstand er vorzüglich. Eben hatte er seine Hand mtt dem krummen Stock gezückt, um durch den Zwischenraum im Lattenhag ein Stück Balken näher an sich heranzuziehen, als er in diesem Geschäft durch ein Mädchen ge- stört wurde. Es war die schöne Ielli, die Bürgermeisterstochter, die in ihr« Klaoierstunde ging. Als der Martischang sie erblickte, wurde er bleich, als hätte er ein Gespenst gesehen und ließ einen Krummstock mit der bereits ge- spießten Beute fahren: denn die Ielli, die er da sah, dos war niemand anders, als die junge, braune Bachstelze vom Rheinufer her. wo sie gar machmal gebadet und ihm so gut gefallen hatte. Durch dies« unverhoffte Begegnung trat ein Wendepunkt in seinem Leben ein. Von da ab folgte er dem Mädchen, als ob er dessen Schatten wäre. E» war das so ausfällig, daß die Leute die Köpfe zusammen» steckten deswegen, und einmal stellte der Bürgermeister den Lumpen- sammler aus ossener Sttoße und drohte ihm, wenn er nicht auf- höre, der Ielli nachzustreichen, so würde er ihn durch dt« Gen- d armer! e stehenden Fußes verhaften und nach Hüningen ins Loch hinunterführen lassen, wo er bei Wasser und Brot über seine Un- Verschämtheit nachdenken könne. Der Martischang fuhr zwar ab, wie einer, den man beim Stehlen erwischt hatte, sagte aber zuvor noch:„Herr Bürgermeister, die Straß« ist so gut mein, wie euer oder euer Tochter. Ins Loch könnt Ihr mich nicht sperren lassen, wie ihr gerad Lust habt, nein, das vermögt ihr nur, wenn ich etwas tu, was nicht recht ist. Und selbst dann schießen nicht einmal die Preußen so schnell, sie müssen erst geladen haben. Wo. Herr Bürgermeister, ist also eure Handhabe?� Der Maire sagt« daraufhin nichts weiter, sondern biß sich nur »oller Zorn aus die rotlächten Schnauzhaar«. Der schmierige Lumpensammler war zweifelsohne im Recht. Er hatte nichts getan, was strafbar gewesen wäre. Er hatte sich dem Mädchen nie in den Weg gestellt, er hatte sie nie angeredet, er hatte sich ihr nie aufge- drungen. er hatte sie nur immer angeschaut mit seinen Augen und war ihr nachgezottelt, wie ein etwas tollpatfchiger Neufundländer oder Bernhardiner. Der Lumpensammler würde froh gewesen sein, wenn sich die Ielli einmal umgedreht und Ihn gescholten oder gar fortgejagt hätte. Da hätte er ihr doch in» Gesicht schauen können, statt nur immer in» Genick. Da hätte er sie wenigstens reden hören können, statt sich nur immer damit begnügen zu müssen, den Tritt ihrer Sckpch« und da» Geräusch ihrer Röcke einzuschlingen., Die Bürgermeisterstochter aber kümmerte sich um fein« ver- wegenen Wunschgedanken nicht. Sie tot, als sähe sie ihn einfach nicht. Er war ihr weniger als ein Hund. Er war für sie über- Haupt nicht vorhanden. Was sollte sie sich da noch groß die Mühe des Wegjagen» machen? Doch sorgte ihr Vater dafür, daß sie von dieser Zett ad eine Begleitung mitbekamt, wenn sie auf die-Sttaße ging. Die Sucht, dem Mädchen nahe zu sein, trieb allmählich den Martischang so weit, daß er nicht mehr in seiner Hütte nächtigte, sondern in Loubys Holzhof. dicht neben der Main«. Die Fabrikler. die frühmorgens nach Bafel hinein an die Arbeit mußten, haben ihn gar oft gesehen, wie er schnarchend zwischen den Dielen lag, als Kopfkissen seinen gewalligen Lumpensack. Diesem krampfhaften Verliebtsein Martischangs verdankt die schöne Ielli Haut und Leben: denn als in der Dreikönigsnacht der entwichene Zuchthausbruder Speinin aus Rache Feuer an das. Bürgermeisterhaus legte und das so schnell abbrannte wie ein Hausen Zelluloid, in den mit vollen Backen der Wind pfeift, da war der Martischang der erst«, der von Loubys Holzhof aus den roten Schein sah und daraufhin so gewaltig sein„Firio! Firio!* rief, daß es den Leuten die Läden aufsprengte. Zwar der Bürgermeister und seine Frau und die Köchin ynd sein Schreiber Valladä, die kamen noch alle rechtzeitig heraus aus dem Brand, wenn auch nur barfuß und im Hemd und am ganzen Leibe zitternd vor Kälte und Schreck- angst. Die Ielli aber in ihrer Mansardenkammer, die war einge- schlössen wie ein Tier im Käfig, zu dem niemand die Tür weiß. Di« Frau konnte nichts tun und nichts sagen, ihr hatte der Schrecken die Sprach« und die Nerven verschlagen. Im Bürgermeister aber hüpfte das Leben Hachaus. Doch wie der auch schrie und die Hände erhob und den Umstehenden sein ganzes Vermögen anbot, wenn sie ihm die Tochter retteten, es rührte sich keiner von allen im Kreis, und bis die Feuerwehr da sein konnte und mit der Leiter am Dach, war alles zu spät, so schnell fraß der Brand. Da warf der Martischang seinen Lumpensack, den er überall mitschleppte, als ob er die größten Schätze darin zu Hütten hätte, auf die Erde in den Graben und sagte zum Bürgermeister: Jjöri auf mit dem Plärren, ich will sie euch holen!' Alle, die dabei waren, hielten den Atem an, als sie den Martsschang in den Brand hineinsteigen sahen, und selbst Lieni der Schmied, der doch sicher ein beherzter Mann ist und sich nicht ein- mal vor einem durchgehenden Pferd scheut, sondern ihm couragiert in den Zügel fällt, selbst der sagte:„Gottsknochen, Leute, den sieht niemand wieder!" und vor Verwunderung über des Lumpen- sammler« Wahnwitz vergaß er ganz an seiner Gipspfeife zu ziehen, die ihm sonst nie kalt wurde. Der Schmied behielt diesmal nicht recht mtt seinem Ausspruch, trotzdem man sonst auf seine Prophezeiungen etwas geben tonnt«. Nach zwei, drei Minuten, die aber allen als zwei, drei Ewig- ketten erschienen, war der Martischang.,, wieder da, das gerettete Mädchen vor sich hergestreckt auf den Armen, so hoch und schwebend, als ob es gar kein« Last sei für ihn. Eben, als das Freudengeschrci der Leute aufstieg, die ihn schwarz, silhouettenartig wie einen Riesen aus dem Feuer steigen sahen, eben in diesem Augenblick fiel ein durchgebrannter Deckenbalten nieder, mit seinem wüsten Aufkrach noch das Geschrei der erschreckten Zirschauer übertönend, und dem Martischang, der eben den Fuß auf die oberste Hausstaffel setzte, das Hirn einhauen». Er fiel um, klotz, wie ein mtt Dynamtt gesprengter Fabrik- schornstein, nach vorn hin, und die I«M, die sowieso ohnmächtig war, rollte, als ihr Retter stürzte, aus seinen Armen übers Trottoir, gerade vor die Füße ihres Vaters, der von alldem so stumm war und so erschlagen, als hätte der Balken, der verdammte, ihn mitge- troffen und nicht nur den Lumpensammler. Kein Wort mehr konnte der Bürgermetster sagen, nein, rem nichts, ganz im Gegensatz zu ein paar Minuten vorher, wo er so heftig geschrien hatte, daß das Prasseln der Flammen ganz klein daneben war. Er stand da, wie eine biblisch« Salzsäule und erst, als der Doktor Wallart dazu kam, gab's Leben, der ließ nämlich alle von dem Brandort wegführen in Speiterts warme Stube hinein. Ja, dann rückte auch die Feuerwehr an. zu spät natürlich, wie's bei einem Unglück immer der Fall ist. Am Martischang, der am Bordstein lag, vom Brande flackernd überschienen, konnte der Wallart nichts mehr flicken, da war all« Doktorkunst vergeblich. Drei Tage später henkte sich der von der Gendarmerie verfolgte Zuchthäusler und Brandstifter Speinin an einem Kirschbaum am Kanal. Zur selben Stund« fand Martischang» Begräbnis statt. So etwas Gewaltiges hatte der Ort noch nie gesehen. Alle Zeitungen im Lande waren vollgeschrieben gewesen von der Tat de» Lumpen- sammlers und von seinem Absterben, und von überall her, selbst aus den entlegensten Gegenden, waren Leute hergekommen, um iiftn die letzt« Ehr« zu geben Diele, viele Gesichter, die man sonst nie hier sah, nicht einmal an den Iahrmarktstogen. Ein mächtiger, nicht endenwollender Leichenzug. Der Sarg war unter einer Last von Blumen vollkommen ver. schwunden. Bier Rappen zogen den Totenwogen und alle vier waren feierlich mtt schwarzen, silberbc�dierten Decken behangen. An der Spitze des Trauergeleitcs gingen die Ielli. ihre Mutter und der Bürgermeister. Alle hatten ihre weißen Tücher an den Augen und heulten in einem fort, als sei ihnen einer aus der nächsten Ver- wandtschaft gestorben und nicht Burtisens Rachsolger, der verrufene, Lumpen sammelnde Einsiedler vom Baseler Mist, an den bei seinen Lebzeiten niemand ein freundliches Wort gehängt hatte. Und hinter den Bürgermeistersleuten folgten die Schulkinder im Sonntagsstaat mit ihren Lehrern. Was da war cm Schulkindern, hatte sich angeschlossen, von den Kleinsten angefangen, bis hinauf zu den Größten.— Sie hatten alle schulfrei bekommen und fühlten deutlich die Besonderheit des Tages. lFortj. folgt.) AUttvoed, 5. Juni. B e r t i a. 16.00 Inzenieur J. Boehmer; Technische Wochenplaaderei. 16.30 Dr. Kort Zitlenilger: Kopfe der modernen Wirtschaft. 17.00„Der Schals Im Silbersee". Errlblont ans dem Wilden Westen von Karl May(SchlnD). Als Hörspiel bearbeitet von Dr. Qlnther Bibo. 17.30 Unterbaltnntsmnsik des Saloaquartetta Hans Rane. AnscblieBend: Mitteilungen des ArbelUamtea Berlio-Mitte. 19.00 Direktor Richard Cmondts: Entwicklung and Zukunft der Teilgahlungv (inanziernng in Deutschland. 19.30 Dr. Erleb Marens: Unterhaltung reit einem, der Entdedrangea liebt. 30.00 Joh. Strant(gest. 3. Jnni 1899), Dirigent: Braue Seidler-Winkler. (Berliner Ennk-Orcbester.) 31.00 Berliner Festspiele. Nach der Pause: Oeslnge des OrienU, op. 77. vea Richard StrauS(Uraufführung.(Koloman Pataky von der Staatsoper, Wien. Am EiSgel: Der Komponist.) Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Taniantik(Kapelle Otto Kermbaeh). Wahrend der Pause: Bildfunk. KOaigavaatcrhtaaaa. 16.00 Min.-Dlr. Dr. Jahnke: Plaudereien«her die deutsche Sprache. 16.30 Walther Hiricbbetg: Hugo Wolf. 18.00 Dr. M. Palyi: Amerika als Geldgeber Curopat. 18.30 Spanisch für Anlanger. 18.66 Franz Fromme: Vlamen und Niederlinder. 19.30 Dr. Elias Hirwicz: Prakliseha Völkerpsychologie Rät sel= Ecke des„Abend", Kreuzworträtsel. W a o« r e ch t: 1. Infekt; 8. Schutzbestandteil der Haut: 6. Aus- aeld; 8. Nebenfluß des Rheins: 9. Farbe: 12. Sport: 15. Eigen- schaftswort: IS. Korb zum Fischfang: 18. Singstimme: 20. Ueberreste: 22. Furch«: 24. Erfrischung: 25. Teil des Auges: 28. Wind: 30. Brennmaterial: 33. Angestelltengewerkschaft, abgekürzt; 34. Inselgruppe im Großen Ozean; 37. Fisch: 38. Himmelsrichtung: 39. Geschlechts- wort: 41. Vorsteher eines Mönchsklosters; 43. Gegenteil von„nah": 41 Dosselbe wie Welle; 45. Wollstoff.— Senkrecht: 1. Fisch; 2. Hülsenfrucht: 3. europäische Hauptstavn 4. lateinisch:„ich"; 7. griechische Sottbett: 10. Tanzsest: 11. lateinisch abgekürzt„usw.": 13. Haustier; 14. geographische Bezeichnung(im Berggebist): 15. berühmter Astronom: IS. französische Stadt: 17. Heidekraut: 19. Vorort von Berlin: 21. Futtermittel: 23. Wellsprache: 27. Blut- tanal: 28. Monat; 29. Badeort in Wiesbaden: 31. Raubfisch; 32. Farbstoff: 35 Hauptschlagader des Menschen: 3S. Ort in Südwest-. afrlka: 40. wie 24: 42. französisch:„gut". aic. Silbenrätsel. Aus den Silben: os ba b« b« bei» bel bal cht ein cm di di die dow« e e«« el er ga g« gen gi gru ha hol i t i tz kai tal kar kos ti la li li lo mu na na na n« n« n« nes no now pa qui ra rau r« rent rent ri ris sa scha sel so sor ta tar ten ti u u um ve sind 28 Wörter zu bilden, deren End- und Anfangsbuch. stoben, beide von unten nach oben gelesen,«inen Spruch von Chamisso ergeben. Di« Wörter bedeuten: 1. Unkraut: 2. Teil de» Auges: 3. Insel im Mtttelmeer: 4. bekannter deutscher Billchauer(Denk- mäler): 5. deutscher Maler; 6. nordomerilanische Stadt: 7. Frauen. nam«: 8. Gaststätte; 9. Desinfektion: 10. Land in Asten; 11. biblische Gestall: 12. russischer Erlaß: 13. Diener: 14. Erdhöhlung: 15. Mun- dungsarm der Oder: 18. Gerichtsperson: 17. Stadt in Italien: 18. Hafenstadt in Italien: 19. Stadt in Italien: 20. Stadt In Schlesien; 21. Metall: 22. geographischer Rom«: 23. Stadt in Westfalen: 24- Stadt in Japan: 25. Geröhrt; 26. Europäer; 27. südaustralisches Säugetier: 28. biblische» Boll. p». Efganzungelrätsel. 1. Purpur— Haut 6 Nord— Bad 2. Bier— Stein 7. Dorf— Stelze 3. Halb— Reich 8. Post— Mann 4. Männer— Gesang 9. Sommer Licht 5. Gast— Tür 10. Fleisch— Geld Anstatt der Striche ist je ein Wort zu setzen, das sowohl mit dem vorangehenden als auch mtt dem nochfolgenden ein neues Wort bildet. Die Anfangsbuchstaben der Ergänzungswörter, von oben nach unten gelesen, nennen ein Geldinstitut. ad. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1. Wilddieb: 2. Eberesche: 3- Ganzleinenband: 4. Maina«: 5. Zdrosee: 8. lerrier: 7. Dauerlauf: 8. Engadia: 9. Rienzi: 10. valencicnnes: 11. Enkel: 12. Riaoletto: 13. Damaskus; 14 Jlnni; 15. Magdeburg: 16. Marek: 17. lagare: 18. Erbsbrei: 19. Normalzeit.—„Weg mtt der verdommten Bedürfnislosigteat." Spiralen- Kreuzworträtsel. Waaerecht: 1. er; 3. Lea: 4. Toga; 8. Staat: 7. Enzian: 9. Dreieck: 10. Trommler: 12. Regenfoß; 13 Rhabarber. Senkrecht: 2, Ar: 3. Lot: 5. Tara. 8 Sonn«; 8. Karton: 9. doppell; 11. Schiller: 12. Redakteur. Worträtsel: Bruder. Ruder. Drei Silben: e— Hering— Ehering Sleichtlang: ernst»- Ernst. UfV3rfuncl Kilometer und 1 Stunde bestritten die Sieher Maronmer. Möller. Saldow, Sawall und Dhollembeek. Der Besuch war sehr mäßig. Der 2ö-Ktlometer-Lauf bildete eine ruhig« Angelegenheit. So- wall besetzt« die Spitze vor Saldo«, Möller, Maronnier und Thal- lembeek. Nachdem Saldow seinen zweiten Platz an Möller abge- treten und einen zähen Angriff Maronnlers energisch abgewiesen hatte, sollt« sich nichts weiter ereignen. S o« a l l beendet« ganz sicher dieses Rennen als Sieger, irgendwelche Ueberrafchungen gab es allerdings auch im Franz-Krupkat-Erinnerungslauf über 1 Stunde nicht. Auch dieses Rennen ging wie das erste bei fliegen- dem Start vor sich. Hatte Sawall im W-Kilometer-Louf den ersten, Möller dagegen den fünften Platz gelost, so war jetzt das Verhält- nis umgekehrt. Dock, bald konnte sich der Weltmeister noch vorn durcharbeiten, vier Minuten hatte er nnr-noch seinen Rivalen Möller vor sich. Ein Motvrdefekt bei Möllers Schrittmachermaichin« in der 10. Minute vernichtete die ganzen Kampfesaussichten, Möller fiel weit zurück und vermoch'e auch fein« späteren Angriffe auf Sawall nicht durchzuhalten. Hübsche Momente lieferten noch Sal- dow und Maronnier in einem Aweikamps in der 21. Minute, in dem der Altmeister sich tapser schlug. Schließlich konnte der Fran- zose doch vorgehen, zumal Saldows Schrittmochermaschin« aussetzt«. Ehrgeizig setzte Maronnier die Fahrt fort und endete als einziger in gleicher Runde mit dem Sieger Sawall. Saldow stieg vorher aus, Möller und Thollembeek wußten nichts weiter auszurichten. Anschließend fand ein« kurz« Gedenkfeier am Denkmal des vor zwei Jahren tödlich gestürzten Franz Krupkat statt. Sawall legt« einen Kranz nieder, Altmeister Willi-Arend sprach ehrende Wort«. Resultate: 2S Kilometer: 1. Sawall 22:08,2: 2 Möller 120 Meter; Z. Saldow 300 Meter; t. Maronnier 310 Meter; 5. Thollembeek 500 Meter zurück.— Franz-Krupkat- Gedenken 1% Stunde: 1. Sawall 69,400 Kilometer; 2. Maronnier 69,330 Kilometer: 3. Thollembeek 67,100 Kilometer; 4. Möller 63,310 Kilometer: Saldow aufgegeben R. Seh. Schachspieler in Luckenwalde. Zehnjähriges Bestehen der Ortsgruppe. Kürzlich feierten die Arbeiterschachspieler Luckenwalde» irn zehnten Gründungstag ihres Vereins. Sie hatten dazu die Ver. eine des 1. Kreises des„Deutschen Arbelter-Schachbundes� zur Teil- nähme aufgefordert. Trotz des unbeständigen Wetters waren die Berliner dieser Einladung in überaus großer Zahl gefolgt, da sie ja bei Ausübung ihres Sporte« weniger, von den Launen eines unberechenbaren Wettergottes abhängig sind als die änderen Sport- veisn. So.entwickelte sich denn bald e-n reges Treiben in den schönen Räumen des„Bürgerhos". Um 10 Uhr kamen die Abteilungen der „Freien Arbeiter-Schach-Lereinigung Groh-Berlin" an, von den Luckenwalder Genossen am Bahnhof herzlich empfangen. Von der Front des Spiellotals grüßten schon von weitem rote Fahnen, da« Banner der Republik und die Stadtfarben Luckenwalde». Um den Rest des Vormittags, der noch spielfrei war. auszu- nützen, stellten sich 4 Meisterspicler zu einer Simultanvor- st e l l u n g zur Verfügung. Gegen Berlin spielte der Schachfreund Karg« 9:1, Engler gewann gegen Luckenwalde 10:9, Karl spiell« gegen Rowawes 6�4: 3% und der Schachfreund Richter-Luckenwalde konnle den Kampf gegen«ine Berliner Mannschaft 6�5: 3�4 für sich entscheiden. Während dieser Zeit zeigten Luckenwalder Spieler den mitgekommenen Angehörigen der Berliner einige Sehenswürdig- keilen des Städtchens. So wurden dos neu« Krankenhau» und die Badeanstalt besichtigt. Nach der Mittagspaus« formierten sich die Teilnehmer zu einem Demonstrotionszug, der unter Voran- tritt der Turnerkapelle sich durch dos Arbeiterviertel bewegte. Ob- wohl am gleichen Tage die klasienbewußten revolutionären Unorgani- sierten ein„Rotes Treffen" in Luckenwalde veranstalteten, verlief die Demonstration ohne jede Störung. Im Spiellokal wieder angekommen, nahm der joprtliche Teil des Tages seinen Anfang, an 49 Brettern wurde scharf gekämpft. Berlin spielle gegen Luckenwalde, Nowawes und Brandenburg kombiniert und gewann 23: 3. Außerdem wurden Abteilungsiämpfe improvisiert, die mit folgenden Resultaten endeten: Wedding II gegen Mitte, Kreuzberg und Weißens«« kombiniert 4Va: 614: Treptow gegen Westend 7: 1: Humboldthain gegen Grünau 214: 114. Bei fröhlicher Unierhaltung verging der Rest des Abends sehr schnell und bald mahnt« die Uhr zum Aufbruch. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß dies« Veranstaltung sich würdig den früheren anschließt und wieder Zeugnis davon ablegte, daß die Arbeit der bundestreuen Arbeiter«Schachspieler weitere Fortschritte macht. ♦ Abendsportfest auf dem Cxer. Sollt« es mit dem Wetter etwas besser werden, so wird heute abend das Sportfest des Sfr b« i t e rs p o rt-» a r t e l l» Prenzlauer Berg zu einer guten Werbeveranstattung werden. Das Meldcergednis ist überaus gut, so daß jedem geraten werden kann, die Veranstaltung zu besuchen. Es beteiligen sich außer den Kartelloeeeinen der„Sportverein Moabit" und die Sportabteilungen FTGB. Ostring. Wedding und Südost-Treptow. Do« Hauptinteresie wird sich wieder den Stafetten zuwenden. und zwar wird bei der 4X100-Met«r-Staffel der Männer der Haupt- kämpf zwischen Ostring und Nordring sein. Bei den Frauen dürft» der Kampf zwischen Norden I, Wädding und Moabit und bei der Jugend zwischen Ostring und Moabit sein. Die Männer laufen außerdem eine ZXlOOO.Meter-Staf-tte. bei der Ostring vor Nord- ring und Südost an der Spitze liegen wird. Zwischendurch finden Mannschaftskämpfe Im Speerwerfen für Männer. Weitspringen für Jugend und Kugelstoßen der Frauen. lOO-Meter-Läuf« für Turner und Spieler, 60-Meter-LSufe für Frauen und andere Kämpfe statt. Zum Schluß dann noch die sehr interessant« lOXSA-Meter-Stafett« der Männer, die Nordring gewinnen sollte. Eingeleitet wird das Fest durch den allgemeinen Aufmarsch und gymnastische Hebungen, so daß sich auch das Auge des Zuschauers erfreuen kann. Anfang 18M Uhr. -ARBEITER. WSSEALL Neukölln I gegen Auswahlmannschaft. Kaum sind die Meisterschaftsspiele beendet, da rüstet Berlin schon wieder zu Städtespielen. Am 16. Juni findet in Leipzig ein Spiel der Städtemannschaften Leipzig gegen Berlin statt. Um nun eine spielstarke Mannschaft festzustellen, findet am Sonnabend 18 Uhr auf dem Sportplatz in der Kynaststraße am Bahnhof Stralau-Rummelsburg ein Spiel der voraussichtlichen Berliner Städtemannschaft gegen die Vereinsmannschaft Neuköllns statt. Die Auswahlmännschaft steht hler vor einer schweren Probe. Die Neuköllner stellen eine Mannschaft, die wohl mit zu den spiel- stärksten in Berlin angesehen werden kann. Die Hinterleute ver- fügten über ein« Abwehrtaktik, gegen die schwer anzukämpfen ist. Hinzu kommt eine ausopferungssreudige Läuferreihe und ein schuß- freudiger Sturm. Die Auswahlmannschaft, die allerdings in ihrer Zusammensetzung noch einiger Aenderung bedarf, wird in folgender Aufstellung antreten: Grubcrt(Weißens«) Köbe(Weißens«) Schlossaucr(Luckenwalde II) Israel(Tiche-Kipenick) Licht(Luckenwalde II) Hlrthe(HLeißenfee) Rücksorth Klatetzll Scharnitzky Weidauer Röß (Weißens«)(Germania)(Spandau 25)(Lichlenberg I) ISulab) Als Ersatz sind folgende Spieler vorgesehen:' Iudrign, Lichten- berg 1; Loose, Butab; Ermigkeit, Germania-Pankow. Vor diesem Spiel treffen sich die Iugendmannschaften von Lichtenberg II und Saxonia 28. letzten Arbeiterhandballsplele. Der Regen machte einen Spiel« zunichte. So fiel auch das Werft«fest des Kartells Die Teil der. Prenzlauer Berg" aus� Rur vier Mannschaften waren unentwegt: FTGB.-Norden III und Wilmersdorf ll trennten sich 1:1(0:1) und FTGB.-Nordost I gegen Wilmersdorfs III brachem das Spiel mit 1: 1 nach der Paus« ad. Zossen und FTGB.-Korlshorst konnten bis zur Pause kein Tor erobern. Erst in der zweiten Halbzeit ge- lang es Zossen drei Tore zu buchen. FTGB.-Stralau verlor in Ederswalde mit 5:0(2: 0). Freie Schwimmer Berlin 12 und Frfedrichsthal spielten nur 2mal 20 Minuten, 7:2(2:1) lautete das Resultat für Friedrichschal. Bei den 2. Mannschaften gewannen die Schwimmer 3:1(2:0). Nowawes 1. Frauen und FTGB.- Wedding II brachen das Spiel beim Stande von 0: 2 ab.— Jugendresultate: FTGB.-Süden gegen FTGB.-Adlershof 3:6(1:2); FTGB.-Spandau 1 gegen Köpenick II 8:1(5; 0) und Nowawes gegen FTGB.-Weddi'ng 0: 6(0: 4). Arbelter-Radfahrer-verein Groß-Berlin. Sonntag, 9. Juni, 5 Uhr, Steinfurt bei Neu-Zittau. 13 Uhr Strandschloß Müggelsee. Spielabend Donnerstag 20 Uhr, Plänterwald, Eichbuschweg. Start: Waldemarstraß« Eck« Mariannenplatz. Gäste willkommen. Freilustboxen der vereine.UJesten" und Polizei. Die am Mon- tag infolge schlechten Wetters abqefaglc Veranstaltung der Verein« „Westen und Polizei wird Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr, auf dem „Grützmocher", Ehausseestraße 96?97, abgewickelt. Eintrittspreis« von 50 Pfennig an. „Der Bücherkreis" bittet uns, den Arbeitersportlern mitzuteilen, daß demnächst in seinem Verlage ein Buch„Arbeitersport" von Fritz WUdung erscheint.„Der Bücherkreis", der bekanntlich eine sozialistische Buchgemeinschoft ist, gibt mit der Herausgabe dieses Buches zu erkennen, welche Bedeutung er dem Arbeitersport als Glied der gesamtsozialistischen Kulturbeweguna beimißt. Der Ver> fasser des Buches leitet seit mehreren Jahren die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege und war daher, wie wenig«, dazu berufen, dieses Buch zu schreiben. Es ist die erste zusammenfassende Arbelt über dieses Thema. Das Buch umfaßt 180 Seiten und ist mit über 60 Bildcrbeiaaben ausgestattet. Näheres durch alle Parteibuch- Handlungen und durch den Verlag des Ärbeiter-Turn- und Sport- bundes, Leipzig, Fichtestr. 36. Reigenprode für »beS ber 9 SUigcafchviametiBncn L ftteis, SLeaierasaheee. Die Rei<. Jüitnbetg findet Donnerstag, 6. Juni, 20 Uhr, im Bereinsbad ber Treten Schwimmer Kroß-Terlin, Nluiölln, Drenzallee, statt, ssahrverbtndung bis Bobnliof Nalfer-Friebrlch-Straße und Autobus 30. Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. Auch die Erfaßleute müssen erscheinen. Aenne Wolter. Freie«»»».Uni,»„»roß-BerliK». Abteilung Tegel. Bootshaus in Tegel, am Tegeler See. BootsstLndc ssnd noch frei. Sitzung: Donnerotag, S. Juni, 20 Uhr, bei Sninntold, 9i. 65, ftammmet Str. 19. Anschrift: Walter Siklotat, Berlin ZlO. 65, Prenzlauer Allee 202.— Abteilung 6«««. Botehau» in Erkner, Bootswerft Lindemann. Sitzung: lsteitag. 7. Juni, 20 Uhr, Restaurant Zur Eiche, Neukölln,«aiser-ssiedrich- Ecke Saalestrohe. Anschrift: Georg De. wald, Berlin SO. 36.«iefhaliistr. 16.— Zu ollen Si Mitglieder werden ausgenommen. AT»». Rännerturnworte und Be,iek«tech»itee. in der Schule Weinmeisterstratze. U 1. stunde: Donnerstag Srdß.Birlin, Rcuk bringen. ringen Kiiste willkommen. Sitzung heute. 19,30 Uhr, Bädernoi in Berlin. In der Industriestadt Verlin sind Bade- und Schwimm- gelegenheiten ein« besonder« Lebensnotwendigkeit, besonders für die arbeitend« Bevölkerung. Diesem Bedürfnis wird leider immer noch zu wenig Rechnung getragen. Wenn es sich um vor- beugende Mittel zur Erhastung der Gesundheit handelt, ist nur wenig Geld im Stadtsäckel. Desto mehr muß dann für Krankenhaus- bauten da sein, denn hier gibt es kein Wenn und Aber. Wir haben bereits wiederholt mit Freuden konstatiert, daß die Krankenkassen in steigendem Maße aus der Rolle des reinen Medizin- und Arzt- lieferanten herauszukommen suchen und sich der vorbeugenden Gc- sundheitspflege zuwenden. Erholungsheime, Land- und Seeaufenthalt sind vorzügliche Mittel. Sollte die Stadt Berlin nicht ein gleiches können? Di« Freibäder frage ist erfreulicherweise in Floß gekommen— durch Selbsthilfe der Bevölkerung. Wanderer und Ausflügler badeten, ohne Erlaubnis und trotz angedrohter Strafen, an allen Seen und Flüssen. Durch viele Unglücksfälle und sonstig« Unzuträg- lichkeiten wurde dann die Stadt gezwungen, amtliche Einrichtungen zu schaffen. Ein gleiches Bedürfnis ist für die beliebten und gesund- heitlich wertvollen Sonnenbäder vorhanden, und zwar gemeinsam sür beide Geschlechter. Tausende suchen sich sonntäglich ein verstecktes Plätzchen, weil dos Nacktbaden behördlich verboten ist. Mehrere größere Bereinigungen haben sich in der weiteren Umgebung bereits Gelände gepachtet, um das Luft- und Sonnenbaden in geregelte Form zu bringen. Die Stadt Berlin würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie es hier nicht zu den gleichen Uebelständen kommen läßt wie beim Freibäderwefcn. Am ungünstigsten liegen die Badeverhältniss« natürlich im Winter. Di« städtischen Badeanstalten, besonders die Schwimm- hallen, können den Bedarf nicht im entferntesten befriedigen. Die Schwimmvereine sind in ihrer Entwicklung direkt gehemmt. Das Stadtamt für Leibesübungen hat sich mit dieser Misere wiederholt beschäftigt und dringend Abhilfe verlangt. Eine kürzlich heraus- gegebene Statistik des Stadtamtes gibt einen interessanten Einblick in den gegenwärtigen Stand de» Bäderwesens, der eine weitere Oeffentlichkeit interessieren dürfte. Bade zu Hause! Dieser hübsche Spruch soll zunächst auf seine Durchführbarkelt geprüft werften. Im engeren Berlin haben nur 15 Praz. aller Wohnungen Ladeeinrichtung, die Bewohner von 85 Proz. sind aus Bädeanstatten angewiesen. Am günstigsten steht der Bezirk Tiergarten mit 24,7 Proz., am ungünstigsten die Bezirk« Fnedrichshain(10,4 Proz.), Wedding(10,5 Proz.), dann folgen Mitte(IIB Proz.), Kreuz berg(11,9 Proz.), Prenzlauer Berg (20,7 Proz.). In den Außenbezirken ist da» Bild wett besser. Die niedrigst« Bäderzahl haben Weißens«(18,7 Proz.), Köpenick (21,5 Proz.), Spandau(22,3 Proz.), Neukölln(24,1 Proz.), Lichten- berg(24,5 Proz.), Reinickendorf(26,8 Proz). Die höchst« Zahl an Badeeinrichtungen hat Wilmersdorf mit 65,8 Proz., dann folgen Steglitz(56,6 Proz.), Zehlendorf(55,5 Proz.), Schöneberg(53 Proz.), Tempelhof(44,6 Proz.), Charlottendurg(44,3 Proz.), Pankow (35,7 Proz.). Treptow(30,7 Proz.). Insgesamt berechnet sind im engeren Berlin 551 557 Wohnungen ohne Badeeinrichtungen, in den Außenbezirken 349 891, insgesamt also fast 900 000 Wohnungen. Rechnen wir auf jede Wohnung nur drei Personen, so sind 2 700 000 Personen ohne eigene Badegelegenheit, also auf öffentliche Bade- austasten angewiesen. Diese Zahl ist aber sicher zu niedrig gegriffen. Zur Deckung dieses Bäderbedarfs sind im engeren Berlin 6 Warmbadeanstallen mit 9 Schwimmhallen vorhanden. Der Bezirk Mitte ist bisher ohne Badeanstalt; im Bau begriffen ist die seit Jahren geplante Anstast in der Gartenstraße mit Schwimmhalle Der Bezirk Tiergarten hat 2 Badeanstalten mit 2 Schwimmhallen, 1 Hallenbad am Unionplatz ist geplant; Wodding 1 Badeanstalt mit 2 Schwimmhallen, die dritte Schwimmhalle ist geplant; Prenzlauer Berg T Badeanstalt mit 1 Schwimmhalle, Friedrichshain und Kreuz- berg je 1 Badeanstalt mit 2 Schwimmhallen. In den Außenbezirken leiden die Arbeiterbezirke naturgemäß am meisten unter der Bäder- not. Weißens«« ist mit„drei kleinen Anlagen im Dienstgebäude" registriert, Köpenick hat eine klein« Anstalt In Friedrichshagen ohne Schwimmhalle, Reinickendorf zwei kleine Anlagen in Tegel und Rosenthal, ohne jede BadeansWll ist der Bezirk Pankow, der sich damit trösten muß, daß ein Hallenschwimmbad geplant ist. Da- gegen hat Chorlottenburg 2 Badeanstalten und 1 Schwimmhall«. dl« zweite ist geplant, Wilmersdorf dos Lunaparkbad mit Schwimm- halle, 1 Hallenschwimmbad ist außerdem geplant, Steglitz 1 Bade- anstalt mit Schwimmbad. Der Bezirk Ze Hiendorf ist zurzeit eben- falls noch ohne Badeanstalt. Vorstehende Angaben zeigen die Bädernot, vom Standpunkt der Gesomtbevölkerung aus gesehen. Ein« Ergänzung durch die Sportorganisationen und Vereine würde das Gesamtbild vervoll- ständigen und dem Bäderausschuß weiteres wertvolles Material an die Hand geben. In der Vorkriegszeit ist soviel vernachlässigt worden, daß bei der jetzigen allgemeinen Finanznot dringendes Erfordernis nachgewiesen werden muß, um«ine beschleunigte Besserung herbei- zuführen. Auch im Znkeresfe de. Schulschwimmen» ist der Bäder- � frage besondere Beachtung zu schenken. Der heutige intensive" Arbeitsprozeß fordert abgehärtete, kräftig« Männer und Frauen. Die besten Mittel zu diesem Zweck sind Baden und Schwimmen. Bundes- und Sportschule des Reichsbanners Da, Reil�sbanner hat in immer stärkerem Maß« neben der orgapisatorischen Zusammenfassung seiner Mitglieder aus dl« geistig« Schulung, vor allem der Jüngeren, Wert gelegt. So werden in diesem Jahr« wieder Kurse stattfinden, in denen jugendlichen Reichs- bonnermitgliedern Staatsbürgerkunde und Verfassungswesen gelehrt werden. Daneben werden in Schulungskursen Führer herangebildet, die dan Iugendgruppen vorstehen sollen. Um diese Arbeit intensiv betreiben zu können, hatte der Bundssvo-stand Im vorigen Jahr« beschlossen, in Magdeburg eine Bundes- und Sportschule zu er- richten. Dieser Plan hat sehr schnell fest« Gestalt gewonnen und in diesem Jahr« schon«ist am Ausbau dieser Schule gearbeitet worden. Der Bundesvorstand hat in der Nähe von Magdeburg an der Chaussee nach Berlin ein 60 Morgen großes Grundstück und ein Sommerrestaurant gekaust. Das Restaurant wird zurzett renoviert und soll dann seinem Zweck, eine Boltserholungsanloge zu sein, zugeführt werden. Auf dem Gelände wird eine Sportanlage er- stehen, die mustergüllig« Spiel- und Sportplätze enthalten wird. Inmitten dieses Geländes liegt, ein»15 Morgen großer Teich, der zu einem Freibad umgebaut wird. Zw«! Pumpwerk« schafften in diesem Frühjahr fünf Tag« lang pro Minute 10000 Liter Dosier aus dem Teich, der dann ausgebaggert wurde. 40 000 Kubikmeter Erde werden au» dem Teich abgefahren und zum Bau des Stadions verwandt. An der«inen Seite des neuen Bode», das an dieser Stell« fünf Meter tief sein soll, werden die Tribünen für das Frei- bad aufgebaut. Nach der anderen Seite verliert der Teich allmählich an Tiefe, so daß auch Nichtschwimmer und Kinder baden können: «in großer Badestrand mit Schmuckanlagen schließt das Freibad ab. Neben dem Freibad entstehen Spielplätze, eine Freilichtbühne. Handball- und Tennisplätze. Das Stadion erhält«in« vorschriftsmäßige 400-Meter-Kampfbahn und die Sprungbahnen für Hoch- und Weit- sprung. Ein« Tribüne, die 1000 Sitz- und 17 000 Stehplätze ent- halten soll, umrahmt da« Stadion. Alle Sportplätze liegen in der für Ausübung des Sport» günstigsten Richtung vom Norden nach dem Süden. Ein Wohnhaus, das im Gelände liegt, ist gleichfalls vom Reichsbanner aufgekauft und wird zu einer Zugendherberge umgebaut; in der Nähe des Badestrandes werden 100 Wochen end- hänser zur Ausstellung kommen. Die Bundes schule wird in einem gesonderten Gebäude untergebracht. Der zweistöckig« Bau enthäst im Erdgeschoß den Vortragssaal und die Wohnzimmer für die Lehrer, und im Ober- geschah 20 Zimmer sür die Schüler. Jedes Zimmer kann drei Per- sonen ausnehmen, so daß die Kurs« mit 60 Mann besetzt werden können. Die ganz« Anlog« wird 114 Millionen kosten, die Bau- arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß Stadion und Freibad beretts im nächsten Jahr eröffnet werden können. Im Winter wer- den die Wasserflächen für Eislauf- und Eishockcywettkämpse her- gerichtet. Die ganze Anlage wild durch den Architekten Schu- macher geschaffen. Das Reichsbanner will mit dieser Anlage etwas Vorbildliches schaffen. Naben der geistigen Schulung kann die Jugend dort den Körper stahlen, kann sie nach Stunden geistiger Arbeit den Körper im erfrischenden Bad« odex im sportlichen Spiel auffrischen. Die Erziehung der Jugend zum republikanischen Staatsbürger wird die Republik über die Dauer der heutigen Deneration für alle Zeit fastigen. s- � SMWss-JhtSiiger* t&ezivfo füden-Weften. Kenner trinken[o. f.47 „Danex=Tee" Zu haben in allen Konsum-Fillalenj Freitag, den 7. Juni, 8 Uhr abends VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schwei Banlage für graph Maschinen, Rotations-, Tiefdruck- und Otfsetmasch nen Umzüge kompletter Druckereien r«i Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Te!.: F 1, Mpl. 153 87.— Nachtanruf: G 3, Sßdrlng 323 und F 2. Neukö In 4659. 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