Morgenausgabe Nr. 263 A 133 46.Zahrgang «Sqrnllich SS PI, monatlich Z.S0 Z». im voraus zahlbar. Poftdizug«LZ M. «inschliefjlich 60 Pfg. PostzelwngS' und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnement 6.— lR.»r» Monat. Per.Porwirts» erscheint wochentig» lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Ter Abend". Illustrierte Beilogen.Volt und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wisjen"..Frauen. stimme"..Technik"..Blick in die Lücherwelt" und.Jugend. Vorwort»" Vevttnev Vottsbßatt Sonnabend 8. 2unl 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dt»» t« f p alttg» NonporetNezeN, 80 Pfennig. Reklame �eite S.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' das feltge» driutte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmoik» Zeile 80 Pfennig. Fomilienanzeigen Ze i» 40 Pfennig. 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Als olle Delegierten und zahl. reiche Pressevertreter in dem historisch gewordenen ßonserenzsoal des Hotels Georg V. um 5 Uhr zu dem feierlichen Akt Alersammett waren, stellte sich heraus, dost der Bericht, an dessen Aertig- stellung die ganze liacht und den Morgen hindurch gearbeitet wor. den war, noch nicht zur Stelle wor. Gleich daraus geriet infolge kurzschlust bei einer der mächtigen Jupiterlampen der ßino- operoteure ein Vorhang in Brand. Die Sachverständigen ver- liesten insotgedcssen den Saal. Als dos Aeuer gelöscht und die Delegierten zusammengetreten waren, konnte endlich der feierliche Untcrzcichnungsakt beginnen. Der amerikanische Vorsitzende Owen D. F o u n g leitete ihn mit einer kurzen Ansprache ein, in der er den nun vorliegenden Bericht als ein ßomprowih zwischen den Forderungen der Gläubiger und den wirtschaftlichen Notwendig. keilen des Schuldnerlandes charakterisierte. Nach ihm sprach der französische Delegierte M�» r e a u. der Owen D. young den Dank der Konferenz für seine kluge und taktvolle Vermittlertätigkeit ausdrückte, hieraus folgte die Unterzeichnung. 3m französischen Text fungiert an erster Stelle Deutschland, im englischen Belgien. Die Sihung fand alsdann mit einer nochmaligen kurzen An- spräche Owen V. poungs ihren Abschluh. der den einzelnen Dele- gotionen den Donk für ihre mühevolle Tätigkeit ausdrückte. Wie der Dawes-Plan, so gilt auch der Naurig-Plan alz ein Ganzes, er kann nur als Ganzes angenommen oder ab- gelehnt werden. Damit scheint seine Annahme ohne lange Verhandlungen zwischen den Regierungen gesichert, denn es läßt sich kaum vorstellen, daß eine von ihnen die Verant- wortung für die Vernichtung des Pariser Revisionswerks auf sich nehmen wollte.� Am wenigsten kann man sich dos von der deutschen Regierung vorstellen. Denn ihre Weigerung, den Poung- Plan zu unterzeichnen, würde zunächst nichts anderes be- deuten als die Erklärung ihrer Bereitschaft, weiter den Dawes-Plan auszuführen. Da der Poung-Plan gegen- über dem Dawes-Plan unzweifelhafte Erleichterungen bringt, müßte«ine deutsche Regierung, die eine solche Be- reitschaft erklärte, von Sinnen sein. Die Deutschnationalen freilich meinen, die deutsche Regierung sollte weder nach dem Dawes-Plan noch nach dem Poung-Plan— sie sollte überhaupt nicht zahlen. Dieses Richtzahlen würde dann den völli- gen Zusammenbruch des deutschen Kredits, jene Wirtschaft- liche Katastrophe herbeiführen, die Herr Thyssen braucht. Danach müßte man freilich wieder verhandeln, und ob man dann nicht bei verringerter Leistungsfähigkeit die unvermeidlichen Lasten noch schwerer tragen würde, steht dahin. Das Ergebnis von Paris gibt keinen Anlaß zu Jubel- gelängen, aber es bedeutet einen.Schritt vorwärts. Politisch gesehen zeigt es, daß gegen Deutschland in der Welt kein Vernichtungswillcn mehr besteht und daß man bereit ist, die Vernunft zu Wort, kommen zu lassen. Ein-offenkundiger Beweis, daß Deutschland den Dawes-Plan nicht ausführen kann, war noch nicht erbracht, und man hat es wohlweislich bi» zu diesem Beweis nicht erst kommen lassen. Deutschlands Zusammenbruch wäre für die anderen ein schlechtes Geschäft. Ist aber diese Einsicht erst vorhanden, so wirkt sie auch weiter und muß auch in Zukunft Anwendung finden. Die internationale Schulden- und Reparationssrage ist endgültig aus dem akuten Stadium des Kampfes in das Stadium der Verständigung hinübergetreten. Das ist es. was bei aller Schwere der noch zu tragenden Lasten entscheidend bleibt. Der Doung-Plan unterscheidet sich vom Danzes-Plan vicht�nur' dadurch, daß er die Endsumme fixiert und die Iahreszahlungen herabsetzt, sondern er ersetzt auch den be- stehenden komplizierten Mechanismus durch einen anderen, nicht weniger komplizierten. Dfe Souveränität Deutschlands wird im wesentlichen wieder hergestellt, eine internationale Reparationsbank wird geschaffen, die keine politischen sondern nur wirtschaftliche Funktionen hat. � und in deren Leitung Deutschland mitvertreten sein wird. Auch der Fall einer Zahlung sunfähigtci.t Deutschlands soll rem sacklich rein wirtschaftlich behandelt werden— wobei Deutsch- irnd wiederum ein eminent wirtschaftliches Interesse bot. nicht fahrläjfigcrweise in Verzug zu geraten. Wie dieser ganze komplizierte Apparat arbeiten wird, läßt sich nicht vor- aussehen, und darum kann auch kein Mensch sagen, daß er immer so bleiben muß, wie er ist.. Mit der schiedlich-friedlichen Regelung der Reparations- frage schwindet der letzte Grund zur Aufrechterhaltung der Besatzung. Man darf also voraussehen, daß die Räumung der zweiten Zone, für die die Frist ohnehin schon in einem halben Jahre abläuft, und der d r i t t e n Zone, die sonst noch fünfeinhalb Jahre dckuern würde, nun zur Tatsache werden wird. Mit der Räumung wird aber auch das gegenwärtige Regime an der Saar unhaltbar: die Ablösung dieses Proviso- riums durch ein sriedensmäßiges Definitivum kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Erst noch Erledigung dieser Kriegsreste wird die Bahn wirklich frei für eine Politik der Friedenssicherung durch ein dauerndes Zusammenwirken Deutschlands und Frankreichs. Für die Freunde dieser Politik in Frank- reich wird jetzt bald die entscheidende Stunde schlagen. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich vom Tage des Kriegs- endes an zu dem Gedanken bekannt, daß die Welt vor einer Wiederholung einer solchen Katastrophe nur durch die Schaffung eines Verhältnisses zwischen Frankreich und Deutschland geschützt werden kann, das für alle Zeit einen Konflikt zwischen den beiden Völkern ausschließt. Es hat Zeiten gegeben, in denen es schwer war, eine solche Politik zu vertreten, weil es den Anschein hotte, als ob der große Gedanke, der ihr. zugrunde liegt, auf der anderen Seite kein Verständnis fände. Ihm über alle Krisen der letzten zehn Jahre hinwegzuhelfen war nur möglich, indem man mit un- beirrbarer Zähigkeit an ihm festhielt. Der.Tag, an dem Rhein und Saar wieder frei werden, wird ihn der Verwirk- lichung um ein gewaltiges Stück näherbringen. Darin liegt die Bedeutung dieses Tages nicht nur für Deutschland und Frankreich, sondern für die ganze Welt. Der Bericht des Sachverftändigenausschusses über die Rcpara- tionsfrage zerfällt in zwölf Abschnitte: Der erste handelt von Ernennung. Austrag und Zusammensetzung des Ausschusses, der zweite von den Sitzungen des Ausschusses, der dritte schildert die Einstellung des Aussrhusscs. Es wird ausgeführt, daß die Sachverständigen in gleicher Weise wie die Mitglieder des Dawes-Komitees als Geschäftsleute an ihr« Aufgabe herangegangen und das unvollständige Werl der früheren Konserenzen durch eine Umwandlung der Reparations- schuld aus einer politischen in eine kommerzielle Verpflichtung zu fördern versucht hätten. Dabei sei man zu dem Ergebnis ge- kommen, daß es mchl möglich sei, eine Lösung auf rein wirtschas:- lichcr Gnindlage zu sinden, weil sich die Sachverständigen gewissen finanziellen und politischen Notwendigkeiten gegenüber gesehen hätten, deren Berücksichtigung nicht vermieden werden konnte. Die Entscheidung hätte daher nicht nur aus wirt- schoftlichen Erwägungen ausgebaut werden können, man Hab« viel- mehr bis zu einem gewissen Grade auch politische Zweck- mästigkeitsgründe berücksichtigen müssen. Wenn man sich auch über die grundlegenden Schtustfolgerungen und Borschläge des Berichts einig geworden sei, so bedeute dies»och nicht, daß der Wortlaut des Berichts in jedem einzelnen Punkte die genaue Schattierung der von den einzelnen Mitgliedern oder Länder- gruppen vertretenen Meinungen wiedergebe. Man habe gemeinsam versucht, eine Einrichtung zu schaffen, die im Wege freimütiger Zu» sammenarbcit auf internationaler Grundlage dazu dienen solle, die Reste der aus der Kriegszeit herrührenden Vorurteil« und Reibungsflächen zu beseiligen.. Prüsunfl der deutschen Wirtschaftslage. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich eingehend mit der gegen- wältigen Wirtschaftslage und den Zukunftsmöglichkeiten Deutsch- lands. Insbesondere wurde ausgeführt, daß die„Betrachtungen, die Die Regierung Mardonald. Sidney Webb, Kolonien.— Krau Rondfield, Arbeitsminister.— Tom Shaw, Kriegsminister. London, 7. 3uni.(Eigenbericht.) Die am Freitag veröfsentlichle ossiziellc Liste de, kabi- nett, Moedonald enthalt eine Reihe von Ernennungen, die der Oessentlichkeit vollkommen überraschend kommen dürsten. Die Besetzung des Schatzamtes durch Philipp S n o w d e n stand bereits fest, ebenso die Ernennung von Thomas zum Groß-Sieget- bewahrer, ein Minlstcrposten ohne Portefeuille, der jedoch infolge feiner Verknüpfung mit der besonderen Aufgabe eines Ministers für Arbeitsbeschaffung, den wichtigsten Kabinett-poflen im zweiten Kabinett Macdonald darstellt. Die Ernennung h e n d e r- f o n# zum Außenminister wird ebenfalls bestätigt. Di« erst«'große Ueberraschung aus der Kabinettslist« stellt die Ernennung des großen Theoretikers der Arbeiterpartei, Sidneq Webb, zum Minister für die Dominien und Kolonien dar. Da Webb unter Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter wäh- rend der vergangenen Wahlen auf«ine Kandidatur für dos Unter- Haus verzichtet hatte, ist sein Einschluß ins Kabinett rnv durch sein« Ernennung zum Lord und aus dem Umweg'über seine Zugehörig- keit zum Oberhaus nwglich. Lordpräsident und Führer des Hauses der Lords, damit der Vertreter der Regierung'Mardonald im Ober- hait�, wird Lord Parmoor«. Als Lordkanzler ist der oberste Richter des Appellationsgerichtes, Lansbury, bestimmt. Innenminister wird der Führer der Fabrikarbeiter, Clynes. Eine Ueberraschung stellt ferner die Ernennung ches Verhältnis- mäßig jungen ehemaligen liberalen Minister WedgewoodBenn zum Minister für Indien dar, der Posten, der wegen der Schwierigkeiten in Indien besondere Bedeutung besitzt. Er war in der ersten Regierung Mardonalds in den Händen von Lord Olivier. Die Nicht- einbeziehung Lord Oliviers in das Kabinett hat in London eine große Sensation erregt. L u f t m i n i st e r wird wiederum Lord T h o m- son, K r i c g s m i n i st e r der internationale Sektetär der Textil- arbeitet und ehxnralig« Sekretär der sozialistisehen Arbeiterinter- nationale Tom Shaw, der dem vorigen Kabinett Macdonald als Arbeitsminister angehört hotte. Dos A r kre k-t s m' n ist e r i u m übernimmt Frau Bond'field, die im letzten Ministerium als Staatssekretär im Arbeitsministerium tätig wor. Ihr« Ernennung zum UrlBritsministtr mit Kobinettsrang stellt eine Neuerung van historischem Ausmaß dar, da Frau Bondfield damit zum ersten weiblichen Kabinettsminister in der Geschichte Großbritanniens er- nannt wird. Minister für Volksgesundheit ist Artur Green- w o o d, der Chef des Forschungsinstituts der Arbeiterpartei, der sich während der Debatte um die Reform der britischen Lokalverwaltung einen weit über sein« Partei hinausgehenden Namen geschaffen hat. Ackerbauminister wird wiederum B u x t o n, Unterrichts- minister wie im Jahre 7924 Sir Charles Trewelpan. Das Handelsministerium übernimmt William Graham Erster Lord der Admiralität wird der führende britisch« Genoffen'chastler 21. V. Alexander. Eine weitere interessante Ernennung ist die Berufung des jungen Sir Oswald M o s l e y zum Kanzler für das Herzogtum Lancafter. Dieser Ministcrposten ohne Portefeuille war in den letzten Jahren mit der Völkerbundstätigkeit eng verknüpft. Masleys besondere Ausgabe wird es jedoch fein, dem Minister für Zlrbeitsbeschöfsung Thomas, in Gemeinschaft mit Lansbury bei der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit beizustehen. Diesem Trio Thomas, Lansbury und Mosley ist die wichtigste und schwie- rigste Aufgabe im Kabinett Macdonald übertragen. Eine weitere interessante Ernennung, die von der gesamten Arbeiterpartei freudig begrüßt werden wird, ist die Berufung Morrisons, des Präsi- deuten der Arbeiterpartei zum T r a n s p o r t m i n I st e r. Seinem Portefeuille wird eine wichtige Aufgabe bei der Reorganisation des britischen Berkehrswesens zufallen. Die beiden juristischen Mi- nisterposten gehen an den zur Arbeiterpartei übergetretenen Rechts- anmalt I o w i t t und an den Rechtsanwalt M e l v i l l e über. Mi- nister für Pensionen wird Roberts. Rechtsanwalt I o w i t t, der als Liberaler gewählt wurde, zur 2lrbeiterpartei übertrat und dem Kabinett als oberster Staatsanwalt angehören wird, Hot an Ramsay Mardonald«inen Brief gerichtet, in dem- er seinen Uebertriti zur Arbeiterpartei vollzieht und zusagt, ein loyales Mitglied der Partei zu fein. Der Brief enthält folgenden bezeichnenden Satz: „Die Liberalen Radikalen müssen nttmnehr die Frage an sich richten, ob es nicht ihre Pflicht wäre, der Arbeiterpartei ihre aktive Unterstützung zu gewähren. Di« Labour Party ist heute bas e i n z i»g e wirksam« Instrument zur Durchführung jener Reformen, die das Land ersehnt." von den deutschen Sachverständigen in den zahlreichen Erörterungen des Ausschusses und in Veantwortung der an sie gerichteten Fragen angestellt worden seien, die Schlußfolgerungen des Ausschusses dauernd und nachhaltig beeinflußt hätten."' Während die nichtdeutschen Sachverständigen zu der Ansicht ge- kommen seien, daß die Fähigkeit Deutschlands, jährliche Summen in der Größenordnung des Darves-Planes im Wege i n n e r m? B e- ft e u e r u n g oder Anleiheaufnahme aufzubringen, nicht ernstlich in Zweifel gezogen werden könne, hätten die deutschest Sachverstän- digen die Auffassung vertreten, daß das ausländische Kapi- tal, das in den letzten fünf Jahren nach Deutschland geströmt sei, die steuerliche Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nur vor- - übergehend gesteigert habe und daß die tatsächlich wäh- rend dieses Zeitraums erhobenen Steuern zu einem beträchtlichen Teil aus der Substanz bezahlt worden seien, so daß es sehr zwei- f e l h a f t erscheine, was Deutschland überhaupt aus Ueberschüssen seiner Wirtschaft zahlen könne. Demgegenüber kam der Ausschuß in seiner Gesamtheit zu dem Ergebnis, daß„wieweit auch immer die Unsicherheit über die Steuerfähigkeit als in der Zwischenzeit beseitigt angesehen werden mag, jedenfalls hervorgehoben werden müsse, daß er nicht in der Lage sei, aus der tatsächlichen Entwick- lung der letzten vier oder fünf Jahre«inen endgültigen Schluß auf die wirkliche Transferfähigkeit Deutschlands zu ziehen. teils weil es sich um eine Uebergangsperiode gehandelt Hab«, die erst den normalen Gang de» Wirtschaftslebens habe wiederherstellen müssen, teils weil das Transferpeoblem durch den starken Zufluß ausländischen Kapitals verschleiert worden sei". Es folgen dann Angaben über die ausländische Kapitaleinfuhr nach Deutschland, aus deren Höhe die deutschen Sachverständigen den Schluß zogen, daß die K a p i t a l b i l d u n g in Deutschland den vorhandenen Bedarf nicht gedeckt habe und auch in Zukunft nicht decken könne und daß daher die Forderung der Bezahlung regelmäßiger Annuitäten der im Dawes�Plan vorgesehenen oder auch wesentlich niedrigeren Beträge von der fortdauernden Fähigkeit Deutschlands, im Auslande zu borgen, abhängig sei. Dies aber bedeute eine mittelbare Leistung aus der deutschen Substanz. Di« nichtdeutschen' Sachverständigen hätten demgegenüber betont, daß es sich bei den vergangenen Jahren nur um eine Uebergangs- Periode gehandelt habe und daß der in ihr durchgeführte Wieder- aufbau der deutschen Wirtschaft erheblich höhere- Werte als die von Deutschland geborgten Summen geschaffen habe. Diese Uebergangs- Periode sei nunmehr abgeschlossen und man sehe jetzt«inen langen Zeitraum entgegen, in dem der deutsche kapilalbedars verhältnismäßig niedrig sein und die wiederhergeslellle deutsche Produktionskrast eine ständige Ausdehnung des Exports ermögliche« werde. Auch werde man mit einer wesentlich größeren Stabilität der deutschen Wirtschaft rechnen können als bisher. Wie dem auch fei, jedenfalls sei eine endgültige Feststetzung der deutschen Schuld, die Deutschland unter Ausschaltung des vorhandenen politischen Mecha- nismus auf Grund seiner eigenen Verantwortlichkeit zu zahlen habe, für seinen Kredit und die Entfaltung feiner Kräfte zweifellos von Borteil. Mit dem Ergebnis der Konferenz glaube man allen Be- dürfnissen Deutschlands gerecht geworden zu sein, zumal auch für die Zeit vorübergehender Schwierigkeiten durch die Möglichkeit eines Transfer- und eines Aufbringungsaufschubs Vorsorge getroffen worden sei. „Der vorgeschlagen« Plan von Annuitäten, die beträchtlich g e- r i n g e r als die Dawes-Berpflichtungen und die mit neuen und an- pasfungssähigen Bedingungen ausgestattet sind, ist nach unserer Meinung im Vergleich mit dem gegenwärtigen Transferschutz mit seinen halbpolitischen Kontrollen, sein« Beeinträch- tigung der deutschen Initiativ« und seinen möglichen Rückwirkungen auf den Kredit die sicherste Lösung, die mit einer Abtragung der deutschen Verpflichtungen zu vereinbaren ist. Der Plan bedeutet hin- sichtlich der inneren Belastung, die von dem jährlichen Steuer- aufkommen getragen werden muß, eine wesentlich« E r l« i ch t e- rung: er paßt sich eng dem Charakter geschäftlicher und finanzieller Verpflichtungen an:«r bringt die erstrebt« Freiheit von Ein- Mischung und Ueberwachung mit sich und ist ausgestattet mit an- gemessenen Schutzklauseln gegen jede Deutschlands Wirtschaftsleben gefährdende Kritik." f Gang der Verhandlungen. Der fünfte Abschnitt gibt ein Bild über die wesentlichen Ein- zclheiten des Verhandlungsganges. Ueber den Abschluß der Kon- fereirz wird gesagt, daß man sich schließlich vorbehaltlich gewisser Einzelheiten, zu denen auch die belgische Markfrage gehöre, auf ein« Durchschnittsannuität von 2l)Sl>,6 Millionen Goldmark ge- einigt habe, die die Basis für die ausgearbeiteten Dorschläge des Ausschusses �>ilde. Bank für Internationale Zahlungen. Alsdann wird im Abschnitt 6 näher aus die neu zu gründende internationale Bank eingegangen, die angesichts des finanziellen Charakters des Reparationsproblems für die Durchführung der zahlreichen mit ihn, verbundenen bänkmäßigen Aufgaben«rforder- lich sei. Bereits bei der Prüfung der Frage der Ersetzung der gegenwärtigen Einrichtungen und Kontrollen des Dawes-Planes durch eine finanzielle, unpolitische Stell« im Auslande hatte sich alsbald die Notwendigreit eines Treuhänders«geben, von dem die Verteilung an die zuständigen Empfänger durchzuführen wäre." Seine Funktionen sollen nunmehr auf die Bank übertragen werden. Eine Bank, die bestimmt ist, diese Aufgaben zu erfüllen, rechtfertigt solgerichtigerweise die Liquidation all« politischen Kontrollen und sieht dafür einen Apparat vor, der im wesentlichen finanziellen und kommerziellen Charakter hat und der alle die Vor- teile gewährt und gleichzeitig alle die Verantwortlichkeit enthält, die geschäftliche Verpslichtungen mit sich bringen. Um«in« möglichst große Wirkung zu«zielen, ist es ofsensicht- lich wünschenswert, die Aufgaben der Bank nicht ungebührlich zu beschränken. Wir nehmen an, daß sich die Bant bei verständiger, gegenseitige Konkurrenz möglichst vcrmeidendcr finanzieller Entwicklung als eine nützliche Einrichtung für die Erschließung neu« handelsgebiete erweisen wird, sowohl was das Angebot als auch was die Nach- frage betrifft, und so zur Lösung des besonderen deutschen Problems beitrogen wird, ohne dabei die Tätigkeit bereits bestehender Ein- richtnngen zu beeinträchtigen." Di« Kontrolle über die Geschäftsführung der Bank solle in ständen der Zentralbanken der beteiligten Länder liegen, deren Präsidenten von Amts wegen Mitglieder des Ver- waltubgsrats der Bank werden sollten. Durch die Ernennung je eines weiteren Mitgliedes von seiten jedes Landes und der Eni- lendung je eines besonderen d ritt en Vertreters von Frankreich und Deutschland werde die Zahl der Mitglieder des Verwaltungs- rats zunächst bis zu 16 betragen. Dies« hätten ihrerseits das Recht, sich durch Zuwahl weiterer Mitglieder S Mitglieder zu ergänzen. Das Stimmrecht soll von dem Besitz der Anteile losge- Die Kolgen für die Politik. Der Dank an Schacht. Namens d« Reichsregierung richtete der Reichskanzler nach- stehendes Schreiben an Reichsbankpräfldent Dr. Schacht: ./Sehr verehrter Herr Reichsbankpräsident! Es ist mir ein auf- richtiges Bedürfnis, Ihnen, Herrn K a st l und Herrn Melchior namens der Reichsregierung für ihr« aufopfernde Arbeit im Jnter- esse der endgültigen Liquidierung des Krieges und seiner Folgen unseren besten Dank auszusprechen. Ihre vom höchsten Der- antwoxtungsgefühl gegenüber dem deutschen Volk getragenen De- mühungen mögen uns helfen, die politischen Ziele zu«- reichen, die neben der Verwirklichung der in Paris gefundenen Lösung erst eine wahre und dauernde Befriedung Europas gewähr- leisten. Mit dem Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung ihr sehr er- gebener gez. Müller." l ö st sein und in verhältnismäßigem Umfange den Zentralbanken der Länder zustehen, in denen die Emissionen der Anteile durch- geführt worden sind. Der Einfluß der Form auf die Annuität. Für die Bemessung der Höhe der Annuität ist nicht maßgebend gewesen, daß in Deutschland' wie in jedem anderen Lande zchit- w e i l i g e Schwierigkeiten entstehen können, sondern die Beurtei- lung geht von normalen Zeiten aus. Andernsalls wären die Vorschläge für klie Gläubiger nicht annehmbor gewesen. Der Ansicht der deutschen Sachverständigen, die eine Haftung dafür, daß die Gesamtoerpflichwng innerhalb der deutschen Leistungsfähigkeit läge, nicht übernehmen wollten, ist dadurch Rechnung getragen worden, daß für schwierige Zeiten die Möglichkeit eines Transferauf- s ch u b e s gegeben ist. Die Sachverständigen der Hauptgläubiger- mächte halten die Annuitäten in voller Höhe für aufbringbar und übertragbar, aber nur durch die Einlegung eines ausschied- baren Teils ist es den deutschen Sachverständigen möglich ge- worden, die Gesamtlösung anzunehmen. Das System der S a ch l i e s e r u n g« n ist für eine be- stimmte Uebergangszeit von 10 Iahren beibehalten worden, um wirtschaftliche Erschütterungen Deutschlands zu vermeiden. Die Annuitäten. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Plans und des Außerkrafttretens des Dawes-Planes soll durch die Regierungen festgesetzt werden. Die Sachverständigen gehen davon aus, daß der Dawes-Plan am 31. August 1329 außer Kraft treten und der neue Plan am 1. September 1929 in Kraft treten soll. Die Berechnungen im Plan sind auf der Grundloge vorgenommen, daß für die Leistun- gen Deutschlands als Stichtag auch dann der 1. September 1929 maßgebend sein soll, wenn die Regierungen einen späteren Zeitpunkt für das Inkrafttreten vereinbaren sollten. Bis 1384 sind dann etwa 1,6 Milliarden z�. zahlen. Die Iahreszahlungen laufen bis 1987 und erreichen 19753/3 mit 2,4 Milliarden ihren Höhepunkt. Die in fremder Währung zahlbare Annuität zerfällt in zwei Teile: einen in halbmonatlichen Raten zahlbaren un- aufschiebbaren von 660 Millionen Mark jährlich(einschließlich des Anleihedienstes aus der Dawes-Anleihe von 1924) und den rest« lichen in monatlichen Raten zahlbaren Teil, für den ein Ueber- tragungsaufschub und teilweise auch ein Aufbringung?- aufschub zugelassen ist.. i. Nicht mehr enthalten sind in den Annuitäten die Kosten für die fremden Kommissionen und die B« so tz u n g s k o st« n, da diese nur bis zu einem von den Regierungen gleichzeitig mit den Abmachungen über die Annahme des Plans zu vereinbarenden Zeit- punkt zu zahlen feien. Zusammensetzung der Annuität. Quellen und Sich«heilen. Die Annuität fließt aus zwei Quellen, dem Reichshaushalt und der Deutschen Reichsbahn- g e s« l l s ch a f t. Für die Reparationsleistungen wird die Haupt- sicherheit nunmehr in der feierlichen Uebernahme der Der- pflichtung durch die deutsche Regierung gesehen, die durch keine andere Garantie verstärkbar ist. Demzufolge empfiehlt der Aus- schuß den Gläubigerregierungen, das Erforderliche zu veranlassen, um alle noch bestehenden Kontrollen, besonder« Sicherheiten, Pfänder oder Belastungen freizugeben und anzuerkennen, daß durch die Annahm« der von der deutschen Regierung seierlich über- nommenen Verpflichtung sämtliche zurzeit vorhandenen Sicherheiten, Pfänder, Belastungen oder Kontrollen ersetzt werden. Vorspiel zum Parteitag. Verhandlungen der KPO.-Zentrale mit der Polizei. Unter der höhnischen Ueberschrift„3ch wills nicht wieder tun" berichtet der linkskommunistische„Volkswille": Die KPD.-Zentrale Hot in diesen Tagen mit der Polizei und dem Innenministerium über das Wiedererscheinen der„Roten Fahne" verhandelt. Es paßt zur.Linie", daß man sich kurz vor der„nahe bevorstehenden revolutionären Situation" noch an die Polizei wendet, daß sie gnädig st das Verbot der „Roten Fahne" aufgebe. Aber schließlich kommt es auf den Erfolg an, und den haben die ZK.-Vertreter gehabt. Sie haben gestattet erhalten, daß während des Parteitage» ein Ersatzblatt herauskommen darf, und daß auch„Der Rote Wähler", da» Mitteilungsblatt der kommunistischen Reichstagsfraktion, wieder er- scheinen darf, und zwar dreimal die Woche. Wir fragen bescheiden an: Was hat die KPD.-Zentrale durch ihre Unterhändler den Instanzen der Polizei und des Ministeriums versprochen, daß diese Zugeständnisse erreicht wurden? Haben sie vielleicht zugegeben, daß sie die„nahe bevorstehende Revolution" noch etwas weiter hinausschieben werden?» Ob die Provinzpresse der KHv. jetzt vielleicht schreiben wird. daß„unter dem Druck der Massen" die Polizei ge- zwungen war... usw.? Die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Meldung in ihren Einzelheiten müssen wir dem zitierten Blatt über- lassen. Totsache ist jedoch, daß die KPD.-Zentrale über die Herausgabe eines Mitteilungsblattes mit der Polizei ver- handelt hat und daß diese Verhandlungen Erfolg hatten. Die unentwegten Helden der Weltrevolution, die Verherrlicher des bewaffneten Aufstandes haben mieden„entmenschten Arbeiterschlächtern" von der Polizei ganz menschlich geredet, und haben auch bei ihnen menschliches Verständnis gefunden. Gleich darauf aber hat Herr Pieck im Reichstag wieder über die„Bluthunde" getobt, was er mit seinen Freunden auf dem Parteitag recht kräftigt fortzusetzen gedenkt. Das wird ihn natürlich nicht hindern, den Weg zum Älexanderplatz zu finden, wenn er wieder etwas braucht. Die„Weltrevolution" weiß schon, wohin sie im Bedarfsfalle zu marschieren hat! Die Reichsbahnodligatione» fallen fori und eben- so die bestehend« Mitwirkung von Ausländern m der Verwaltung. Die Reichsbahn soll lediglich für die Dau« von 37 Iahren eine direkt« Steuer von 660 Millionen Mark jährlich, deren Ertrag von der deutschen Regierung gewährleistet wird, auf Grund der deutschen Gesetzgebung zahlen, und entsprechende Zertifikate der Bank für internationale Zahlungen Übergebeu. Die Steuer wird von den Bruttoerträgen der Bahn erhoben und hat den Rang hinter den Personalausgaben, steht im gleichen Rang mit den Ausgaben für Material und laufende Erneuerung und Im Vorrang vor etwaigen anderen Steuern sowie vor Hypotheken und sonstigen Reichsbahnoerbindlichkeiten. Zahlung erfolgt auf dos Konto der Internationalen Bank bei der Reichsbank. Der private und unabhängige Charakter, die autonome Verwaltung nach wirtschaftlicher, finanzieller und personeller Seite soll gewahrt bleiben. Die bisher erhobene Beförderungssteuer unterliegt der sreien Verfügung des Deutschen Reiche». Die Industriebelastung fällt als internationale Belastung fort. Ansteigende Annuität. Der Wohlstandsindex des Dawes-Plans ist fortgesallen. Die vermutete Wohlstandssteigerung gilt durch Ansteigen der Annuitäten abgegolten. Der Teil der nicht ausschiebbaren Annuiläk ist mit 860 Millionen Mark im Interesie des deutschen Kredits vorsichtig bemessen. D« Teil der ausschiebbaren Annuitäten ist dazu bestimmt, einer Lag« Rechnung zu tragen, die in einer Zeit besonderen wirtschaftlichen Notstandes entstehen könnte. " Schuhmahnohmen. Deutschland ist aus eigener freier Entschließung berechtigt, bis zur Höh« de» aufschiebbaren Teils der Annuität nach drei Monate vorher erfolgt« Anzeige einen Transferaufschub zu verlangen. > Liquidierung der Vergangenheit. Um so schnell wie möglich eine allgemeine Abwicklung der durch den Krieg und den Bersailler Bertrog aufgeworfenen sinan- ziellen Fragen und dadurch in Europa endgültig wieder normale finanzielle und wirtschaftliche Zustände herbeizuführen, empsiehlt der Ausschuß den Regierungen einen Ausgleich im Geiste gegen- seitigen Entgegenkommens mit dem Ziel,«inen endgültigen Strich unter die Rechnungen der Vergangenheit zu machen. Um das für das erfolgreiche Arbeiten dieses Planes unerläßliche ollgemeine Vertrauen zu gewährleisten, empsiehlt der Ausschuß den Regierungen, von ihrem Rechte, Güter, Rechte und Interessen der deutschen Reichsangehörigen oder der von ihnen abhängigen Ge- scllschaften zu beschlagnahmen, zurückzubehalten und zu liquidieren, soweit sie nicht bereits liquide oder liquidiert sind oder soweit darüber nicht endgültig verfügt worden ist, nicht mehr Gebrauch zu m a ih e n. Kommerzialisierung und Mobilisierung. Ratschläge über den Zeitpunkt der Ausgabe von Bonds und über ihre Bedingungen können nicht erteilt werben. Rur der Rah- men für solche Maßnahmen wird gegeben. Die entsprechenden Bestimmungen befinden sich in ein« Anlage. Sie sehen in erster Linie vor, daß eine Schuldbescheinigung der Deutschen Regierung über diese Annuitäten, ähnlich wie im ge- wöhnlichen geschäftlichen Verkehr gebräuchlich, bei der Bank hin.» t e r l e g t wird. Ueber die geschuldeten Annuitäten liefert Deutschland der Internationalen Bank, als dem Treuhänder der Gläudigermächte ein Schuldzertifikat aus. An ihm befinden sich zwei Gruppen von Zinsscheinen, die eine üb« den unaufschiebbaren, die andere über den aufschiebbaren Teil. Beide Gruppen sind gleichrangig außer im Fall des Inkrafttretens eines Transferaufschubs. Auf Verlangen der Internationalen Bank hat Deutschland Bonds auf den Namen des Reichs unter Garantie des Reichs und seiner Länder über ein Kapital auszustellen, durch das«in Teil der Annuitäten kapitalisiert wird. Unter bestimmten Voraussetzungen hat die Bank dieses Verlangen an Deutschland zu stellen, wenn ein Gläubigerstaat eigene Anleihen auf diese Weis« zu kon- vertieren wünscht. Bestimmte von Deutschland zu bezeichnende Zölle und Ge- brauchsabgaben sollen ein negatives Pfand für da» Schuld- Zertifikat und die ausgegebenen Bonds bilden. Die Bedeutung des negativen Pfandes besteht darin, daß die Einnahmen nur mit Zu- stimmung der Internationalen Bank anderweit verpfändet werden dürfen und zwar nur mit dem Range hinter den Reparo- tionsverpflichtungen.. Gegenüberstellung ties neuen Plans und' des Dawes- Plans. Unter Anerkennung der Dienst«, die der Dawes-Plan geleistet hat, werden die Gründe für seinen Ersatz durch den neuen Plan angegeben. Der Herabsetzung der Verpflichtungen Deutschlands steht eine Steigerung des inneren Wertes der Leistungen in- folge der Möglichkeit der Kommerzialisierung und Mobilisierung gegenüber. Dazu treten die psychologischen Wirkungen der neuen Regelung in finanzieller und wirtschaftlicher Beziehung. Insbesondere werden folgende Aenderungen hervorgehoben: Der neue Plan enthält ein« bestimmte Zahl der Anrnti- täten und eine feste Höhe der Annuitäten. Der Wohlstandsinder ist beseitigt und zwar zu- gunsten Deutschlands. Die finanzielle Unabhängigkeit Deutschlands ist wiederhergestellt. Das bisherig« Kontroll- und Transfersystem war kreditschädigend und verhindert« dadurch«ine Mobilisierung. Der Transfer� und' Zahlungsaufschub bietet Deutschland Schutz, ohne die Nachteil« des bisherigen Transfersystems in sich zu schließen. Die Sachlieferungen sind al» Uebefgangsmaßnahme beibehalten. Di« Mobilisierung ist nunmehr für den ungeschützten Teil möglich. Die bereits im Dawes-Plan begonnene Ueberlestung der Reparationszahlungen aus dem politischen in das wirtschaftliche und geschäftliche Gebiet und die Zusammenarbeit der Gläubiger und des Schuldners werden fortgesetzt durch die den Gläubigern und dem Schuldner gemeinsame, auf rein finanzieller Grundlage arbeitende Dank. Zusammenfassend wirb ausgeführt, daß die Reparationsschulb nunmehr llichts anderes sei wie eine sonstige durch international« Abkommen geregelte Schuld, daß damit der Umfang der Verpflich- tungen genau sestgesetzt sei und jede Unsicherheit ausgeschaltet werde. Schlußbcstimmungen. Der Ausschuß spricht unter besonderer Hervorhebung der Verantwortlichkeit für die Erklärung aus, daß die finanziellen Der- pflichtunMN innerhalb der Zahlungsfähigkeit Deutschlands liegen, aber er macht einen Vorbehalt. Alles hängt. von der künftigen Haltung der betelligten Völker ab. Die Lösung de» Problems ist nicht nur«ine Aufgabe Deutschlands, sondern eine gemeinsame Ausgabe von� Gläubigern und Schuldnern. Der Erfolg ist durch gegenseitiges Vertrauen bedingt. �. Die Gpreugaitentate. Warnung des Oberpräsidenten. heillgeahasen(Holstein), 7. Zuni. Auf dem Slödtetag kam OberprSsideat Kürbis auf die t> Ulligen Ereignisse und die verschiedenen Sprengstoffe anschlage zu sprechen und führte aus: Ein Teil der schlesiolg. holsteinischen Bevölkerung, irregeführt durch Elemente, die nicht in Schleswig-Holstein wurzeln, und durch politische W i r r t S p s e. gefährdet seit geraumer Zeit die ruhige Entwicklung in schwerster und unverantwortlichster weise. Meine Hoffnung, das) der gesund« Sinn unserer Bevölkerung diese unsinnigen schädlichen Verbindungen und Bewegungen ausscheiden würde, hat sich leider bis heute noch nicht erfüllt. Mit Empörung haben wir in der letzten Zeit wieder Gewalttaten erlebt, die sicher- lich aus das bps hetzerische Treiben jener Elemente zu- rückzuführen sind. Boch einmal möchte in meine warnende Stimme erheben, weil ich die Hoffnung nicht ausgeben kann, daß der besonnerc Teil der ve- rölkerung doch noch zur Einsicht gelangt und sich dem unheilvollen. vernichtenden Einslutz entziehen wird. Durch politische Attentate kann niemals eine Besserung herbei- geführt werden. Itur wenn Meinungsverschiedenheiten in anständiger Art ausgetragen werden, wird es der Staats- rcgierunq möglich sein, sich wie bisher für die Entwicklung der schleswig-holsteinischen Städte einzusehen. Hiilerleute pöbeln in München. Dringlich ist ihnen Ritualmordhetze. München, 7. Juni. Alz Vizepräsident Auer(SoZ.) bei der Beratung des Kultus- etais eine von den hakenkreuzlern verlangt« Aussprache über „N i t u a l m o r d" nicht zuließ, weil hierüber erst beim zweiten Abschnitt des Etats gesprochen werden könne, erhoben die„National- sozialisten" stürmischen Widerspruch. Vizepräsident Auer ließ ab- slimmen. Gegen die Nationalsozialisten wurden die Vorschäge des Vizepräsidenten genehmigt. Der hakenkreuzler Dr. Hellmuth sagte, die Aeutzerung des Kultusministers, daß die Juden deutscheVolkpgenossen feien und daß ein modexner Mensch an Ritualmord nicht glauben könne, zwing« des Redners Fraktion zur Ablehnung des Ministergehalts. Der Vizepräsident unterbrach den Redner mit der Bemerkung, dah hierüber«ine Debatte nicht zugelassen sei, worauf großer Lärm der hitlerianer und große Un- ruhe auf der Linken entstand. Al» Abg. Dr. Schar na gl(Bayer. Vp.) den Hitler-Leuten vorwarf, daß sie fortwährend die Würde des Parlaments aufs gröbste verletzen, folgten heftige Zwischenrufe und der Vizepräsident konnte sich minutenlang trotz andauerndem Schwingen der Glocke kein Gehör verschaffen. Erst allmählich legte sich der Lärm. Der Geschäftsordmingsousschuß beantragte, den kommunistischen Abg. Dressel der Staatsanwaltschaft zur Strafverfolgung frei- zugeben. Dressel hatte im März sich an die Spitze eines Demon- stratiönszuges von Erwerbslosen gestellt und soll zum Widerstand gegen die Polizei aufgefordert hoben. Bei der Demonstration hatte es mehrere Verletzte gegeben. Die Reichseinnahmen-1928. Endgültige Ziffern. Amtlich wird mitgeteilt: Im Rechnungsjahre 1928, dessen endgültiges Ergebnis nunmehr vorliegt, betragen die Einnahmen des Reiches an Besitz- und Ver- kehrssteuern 6146,8 Millionen Mark, an Zöllen und Verbrauchs- abgaben 2 877,6 Millionen Mark, mithin insgesamt 9 024,4 Mil- lionen Mark. Das Haushaltssoll von 8 862,0 Millionen Mark ist also um 162,4 Millionen Mark überschritten worden, und zwar bei den Besitz- und Verkehrssteuern um 86V Millionen Mark und bei den Zöllen und Verbrauchsabgaben um 7S,6 Mil- lionen Mark. Bemerkenswerte Mehreinnahmen find bei der Einkommensteuer(+ 209V). der Körperschaftssteuer(4- S8V), der Kraftfahyzeugsteuer(+ 21,4), der Tabaksteuer(+ 90V), der Zuckersteuer(+ 18,2), der Biersteuer(+ 26,9) und dem Spiritus» Monopol(-si 27,0) zu verzeichnen. Dagegen zeigen beträchtliche Mindereinnahmen die Bermögenssteuer(— 69,2), die Erbschaftssteuer(— 26,5), die Umsatzsteuer(— 49,9), die Kapitaloer- kehrssteuern(— 64,0) und die Zölle(— 95,4). An dem Mehraufkommen sind hauptsächlich die Ueberweisungs- steuern beteiligt.» Die Länder haben infolgedessen, wie bereits gelegentlich der Veröffentlichung der Einnahmeübersicht für den Monat März 1929, die zugleich das vorläufige Jahresergebnis enthielt, im einzelnen dargelegt worden ist, im Rechnungsjahre 1928 insgesamt 198V Millionen Mark mehr an Anteilen aus den Ueber- weifungssteuern erhalten, als sie nach dem Haushaltsanschlag 1928 erwarten konnten. Diesen Mehrüberweisungen an die Länder(für sich und ihre Gemeinden) in höhe von 198V Mil- lionen Mark steht nur die obenerwähnte Gesamtmehretnnahme des Reichs in höh« von 162.4 Millionen Mark gegenüber: den Unter- schisdsbetrag muß das Reich aus den ihn zustehenden Steuerein- nahmen decken. Das Reich schließt also im Etat 1928 auf der Ein- nahmeseite bei den Reichsstcuern mit einem Fehlbeträge von 35,9 Millionen Marl ab. Ernste Beratung im Haushaltsausschuß. Der Ausschuß für den R e i ch s h a u s h a l t beriet am Freitag die haushalte der Allgemeinen Finanzverwaltung und der Kriegs- lasten. Die Deutschnotionalen hatten angekündigt, sie würden eine allgemeine Debatte herbeiführen über die Reparationsfragc. Die Debatte verlief jedoch als harmlose» Geplänkel und man beschränkte sich in der hautpsache darauf, wieder einmal, wie schon so ojt, die ,4ragc der Schuld an der schwierigen Kassen- und Finanzlage zu untersuchen. Nach Ansicht der Deutschnationalen hergt und Dr. Q u a a tz hat der.gegenwärtige Reichsfinanzminister nicht das genügend« getan, um die großen Schwierigkeiten in Paris bekannt- zumachen und davon hätten wir jetzt den Schaden. Es wurde dem Reichsfinanzminister Dr. h i l f e r d i n g nicht schwer, in seinir streng sachlichen Antwort diese Behauptungen in allen Punkten zu wider- Die Aussprache leitet« Abg. Keil(Soz.) ein, indem er u. a. ausführte' Der Fehlbetrag von 155 Millionen im ordentlichen Haus- halt für 1928 erinnert an die großen Fehler der Finanzpolitik der vergangenen Jahr«. Der Etat für 1929 wird, nach den g«. faßten Belchlüsien ausgeführt, zu einem etwa gleich hohen Fehlbetrag führen Die Oeffenllichkeit hat Anspruch darauf, klaren Wein«in- geschenkt zu erhalten. Die Regierungsparteien sind es ihrer eigenen Gewissenhaftigkeit schuldig, aus die Mängeldes Etats hinzuweisen I man muß jedoch entschlossen sein, sie rechtzeitig abzustellen. Sollte die kossnunq auf Entspannung de» Elats durch Verminderung der Reparalionslasten sich nicht erfüllen, bliebe kein anderer Weg. als in einigen Monaten mit E t e u e r c r h ö h u n g e n den Ausgleich herbeizuführen. Tritt Oer Traum der Schwerindustrie. »Diese Krise brauche ich jetzt.* (Iritz Thyssen bei der Besprechung in Villa Hügel). Wie schön, wenn die pariser Verhandlungen mit einem solchen Chaos in Deutschland geendet hätten! Ratskampf um die Minderheiten. Briand bremst.- Oer Engländer kann nicht verhandeln.— Oreierberichi von Deutschland nicht angenommen. Madrid. 7. Juni. Die allgemein« Aussprach« über den Bericht des Dreierkomitees zur Minderheitenfrage ist heute vormittag 11 Uhr vom Rats- komite« begonnen worden. Als erster Redner erklärte der kanadische Delegiert« Dandurand, daß er mit dem Bericht des Dreier- komitees nicht einverstanden sei. Er beantragte die Der- t a g u n g der Frage auf die cherbstwgung des Bölkerbundsrates. Der deutsche Vertreter Staatssekretär von Schubert legte in längeren Ausführungen die grundsätzliche Stellungnahme Deutsch- lands zu dem vorgelegten Bericht dar und brachte zum Schluß seine Auffassung dahin zum Ausdruck, daß der vorliegende Bericht keine geeignete Diskussf..onsgrundlag« darstelle. Er regte an, daß das Ratskomitee einen n e u en Bericht aufstellen möge. Es komme im Bericht die Auffassung zum Ausdruck, als ob der Schutz der Minderheiten nicht ein« der großen Ausgaben des Bölkerbundes sei, sondern als ob es sich um eine sekundäre Aufgabe handele, die nur zufällig in dem Tätigkeitsbereich des Völkerbundes Platz gefunden habe. Di« Garantiepflicht des Völker- bundes soll« sich nach Ansicht der Mitglieder des Dreierkomitees darin erschöpfen, daß der Völkerbund in Aktion trete, wenn ein Ratsmitglied ein« bestimmte Beschwerde eingebracht hat. Diese Auffassung wies der deutsche Vertreter als im Gegensatz stehend mit dem Wortlaut und dem Geist der Verträge selbst, des offiziellen Begleitbriefes Clemenceaus und der offiziellen Erklärung im Völkerbundsrat bei Uebernahm« der Garantie mit allem Nachdruck zurück. Er erklärte, daß Deutschland an der von Dr. Strefemann auf der dritten Tagung dargelegten Auffassung festhalte, daß dem Völkerbund die Pflicht obliege, sich dauernd davon zu über- zeugen, daß die vertraglichen Leskimmungen von den Staaten eingeholten werden. Er wie« auf ähnliche Verpflichtungen des Völkerbundes gegenüber der Stadt D a n z i g hin und unterstrich di« deutsche Auffassung, daß die allgemeine Garantiepflicht notwendigerweife zur Einrichtung einer ständigen Minderheitenkommission führen müßte. Hinsichtlich der Prozedur bei Behandlung von einzelnen Be- schwerden erkannt« der deutsch« Vertreter an, daß Ansätze für eine wirksamere Gestaltung der Garantie im Bericht enthalten sind. Auch in der bon Dr. Strefemann erhobenen Forderung nach Abänderung des Beschlusses, den der Bölkerbundsrat kurz vor dem Eintritt Deutschlands in den Dölkerbund faßte, wonach die stammver- wandten Böller von der Teilnahm« an der Vorprüfung von Petitionen ausgeschlossen ssnd, hält di« deutsche Regierung nach wie vor.fest. �.... Im Gegensatz zu der Erklärung des deutschen Vertreters wies Briand auf die Gefahr der Schaffung eines neuen völkerbuadsorgans in Form eines Minderheitsausschusses hin. Briand wiederholte da- bei sein« alt« These, daß durch ein solches Organ eine Füll« von Schwierigkeiten und Reibungen entstehen würde, durch die dem Dölkerbund und dem Frieden in keiner Weife gedient wäre. Durch die Minderheitenanträg« fei den Minderheiten ein Minimum von Schutz garantien zugesichert worden, wobei es ab«r nicht dahin kommen dürs«, daß dadurch di« Souveränität der durch die Friedensverträge geschaffenen neuen Staaten b e e i n- t r ä ch t i g t werde. Der englisch« Ratsdelegierte Sir George Graham gab die Erklärung ab, daß er von seiner Regierung die Weisung«rhalt«n hob«, im allgemeinen aus der Grundlag« des Be- richt» des Dreierkomitees zu verhandeln. Sollten aber neue �Fragen entstehen, so stünde sein« Regievung vor einer neuen Sachlage und er müsse erst neue Instruktionen«inholen. die Reparations«ntlastung ein, so muß sie selbstverständlich in erster Linie zur Deckung des Etats oerwendet werden. Alle anderen Ansprüche müssen zurücktreten hinter die dringende Notwendigkeit, die Finanz- und Kassenlage des Reichs in Ordnung zu bringen. Erst wenn wieder das Vertrauen in die deutsche Währung ge- f-stiqt worden sei und dringlich« soziale Pflichten crsülll sind. z. V. kleinrenlnersürsorge. darf man von Steuersenkungen sprechen. Bis dahin muß die Wirtschaft sich mit der p s y ch« l o g i s ch e n Entlastung begnügen, die sich aus der Neuregelung der Reparationen ergibt. Solid« öffentliche Finanzen sind di« Voraussetzung einer geordneten Wirtschast. Auf Fragen wegen der Ansprüche der Länder an das Reich erwidert Reichssinanzminister Dr. HNserding. daß dieser ganze Fragenkomplex, der sortgenommenes Staatseigentum, wie Eisenbahn und die Post, betrilft, nur im Wege der G e s e tz- g e b u n g geregelt werden kann. Die Ansprüche Bayerns und Württembergs auf die P oft a b f i n d u n g sind dem Grunde nach anerkannt, der Höhe nach strittig. Dieser Betrag wird den Reichsetat nicht belasten, sondern von der R c i ch s p o st, die hierzu bereit ist, gezahlt werden müssen. Bei der Eng« des Kapitalmarktes wird man auf die Wieder. ansammlung eines Betriebsmittclfonds nicht verzichten können. Die sozialdemokratischen Anträge im vorigen Reichstag, die Finanzlage durch die Etatisierung nach außen hin klarzustellen, sind abgelehnt worden. Als Minister habe ich die Finanz- und Kassenlage des Reichs stet, in vollkommenster Offenheit dargelegt, was allein schon aus dem Ueberblick zum Etat hervorgeht. Das 'A u s l o n d ist über die Lage genau informiert gewesen. Ich wollte einen innerlich ausgeglichenen Etat vorlegen, und bin dazu auch vor Steuererhöhungen nicht zurückgeschreckt. Diese Steuer- serhöhungen und das ungedeckte Extraordinarium in Verbindung mit dem Kassendefizit haben für jeden Kenner die tatsächlich e Lage Deutschlands genau beleuchtet. DeuIsch-TIchechischer Handelsverttag. Ueber die Fortführung der deutsch-rschechoflowakischen Handelsvertragsoerhandlungen ist bei einer Besprechung zwischen den Führern der beider- s«it!gen Delegationen in Aussicht genommen worden, daß die Delegationen Anfang Juli, in Berlin zu einer kurzen Tagung zusammenkommen, Oie Internationale besucht Polen. £6be, Blum, Dandervelde, Kalnin delegiert. Warschau. 7. Juni.(Eigenbericht.) Zur Veranstaltung sozialistischer Kundgebungen in Warschau, Krakau und Lodz wird eine Delegation der zweiten Internationale in Warschau erscheinen. Reben anderen Mit- gliedern werden ihr der deutsche Reichstagspräsident L ö b e. der frühere belgische Minister Dandervelde, der französische So- zialistenführer Leon Blum, der lettische Reichstagsprösident Kalnin und ein Engländer angehören. Der Besuch bedeutet«ine Solidaritätserklärung der Jnternatio- nale mit der polnischen sozialistischen Partei und eine Desavouie- rung der sozialistischen Spaltungsfraktion, deren Politik auf eine direkte Unterstützung des Pilsudski-Logers hinaus käust. Oer?Si)-Mllionen-E>check. Was Mussolini in bar dem Papste zahlte. Rom. 7. Juni. Der Austausch der Ratisikationsurkunden zmn Lateranoertrag samt Annexen ist heute vormitag von Mussolini und Kardinal- Staatssekretär G a s p a r r i vorgenommen worden. Mussolini be- trat bei dieser Gelegenheit den Vatikan zum erstenmal. Mit dem Austausch der Rafikationsurkunden treten nunmehr auch die neuen Grenzlinien der Ciit» Baticana in Kraft: die bisher noch bestehen- den Eingänge werden geschlossen. Bei dem Austausch der Ratisikationsurkunden überreichte der italienische Finanzminister dem Kardlnalstaotesekretär einen Scheck auf die Bant von Italien über 750 Millionen Lire. Da» Gtftga»abkommen. in dem di« Verwendung von Gistgajen, bakteriologischen Mitteln usw. im Kriegssalle untersagt wird, ist nun. mehr auch von Finnland ratifiziert worden. Das Protokoll ist außer- dem bisher ratifiziert von Oesterreich, Belgien, Aegypten, Frankreich, Deutschland, Italien, Liberia, Polen, Rußland und Benezuela. Reichsanstalt und Reichsfinanzen. Schnelle Hilfe— doppelie Hilfe! Die interfraktionellen Beratungen cet Koalitions- parteien über das„Sofortprograinm" für die Arbeitsloseuverfiche- rung sind am Freitag abgeschlossen worden. Zur Klärung der beiden Hauptstreitfragen des Programms: Beitragser- h ö h u n g und E a i s o n a r b e i t e r u n t e r st ü tz u» g treten am tanimenden Dienstag die Sozialpolitiker zusammen. Man rechnet jetzt in parlainemarischen Kreisen zuversichtlicher damit, im Laufe der kommenden Woche zu einer Lösung der brennendsten Frage des Augenöliiks, der B e i t r a g s f r a g e zu kommen. Erst »nit der Sicherung der Beitragserhöhung hat das„Sofortpro- gramm" Wert! ohne sie wäre es nur eine taube Nutz. Wer schnell gibt, gibt doppelt. Wer Helsen will, hilft sofort. Fm Augenblick steht nur die F i n a n z r e f o r m der Reichsanstalt zur Debatte, die mit der van den Gegnern der Arbeitslosenver- sicherung geforderten großen Reform nichts zu tun bat; denn alle Sachverständigen sind sich darüber klar, daß mit der Ausräumung von Mißständen keine wirkliche Entlastung für die Reichsanstalt geschaffen werden kann. Wem es mit dem Arbeitslosenschutz und den Reichsfinanzen Ernst ist, der muß mindestens z» einer vorüber- gehenden Beitragserhöhung für ein halbes Jahr bereit sein. Es »väre unverantwortlich, die kostbaren Sommermonate un- genutzt oerstreichen zu lassen. Die Frage der Niederschlagung der Darlehen kann später er- örtert werden. Auch die Klärung der Frage der Sonderregelung für berufsübliche Arbeitslosigkeit kann nicht im Handumdrehen ge- löst werden, weil hierfür erst die Ergebnisse der großen Erhebung der Reichsanstalt über die Arbeitslosenfrage vorliegen müssen. Es gibt im Augenblick nur. e! n Problem, das sofort gelöst werden kann und muß, und das ist die Beitragsfrage. Wir verstehen, wenn das Zentrum nur ungern sich mit einer Beitragserhöhung abfindet. Aber auch die freien Gewerkschaften und die sozialdemokratische Reichstagsfraktion treten für vorüber- gehetz.de Beitragserhöhung nur ein«, weil es keinen anderen W e g zu einer raschen Sanierung grtit. Es wäre doch ein Schild- bürgerstreich schlimmster Sorte, während des Sommers tiefgründige F. F: BtcsIou, 7. Juni.(Bon unserem Sonderkorrespondenten.) Die irreführenden Nachrichten, die von den Unternehmern über die schlesische Textilarbeiteraussperrung in der Presse verbreitet werden, oeranlaßte den Deutschen und den christlichen Textilarbeiter- verband, die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, am 7. Juni die Vertreter der Presse zu einer JnformationsbesprechunF nach Breslau einzuladen. Wieniewski vom Lorstand des Deutschen Textilarbeiterverbandes gab eine übersichtliche Darstellung der Entwicklung des Lohnkonflikts. Der Lohntarif wurde vom Verband fchlesifcher Textilinhustrielter zum 30. April gekündigt. Au? Zrdeckmößigteitsgründen kündigtest darauf die Arbeiterverbände den Manteltarih damit über beide Verträge gemeinsam verhandelt werden konnte. Die Arbeiter forderten Erhöhung der Facharbeitergrundlöhne von 50,3 auf SS Pf., Verbesserung des Akkordzuschlogs von 10 bis 20 auf 30 Proz.: die Frauenlöhne sollten von 75 auf 80 Pro.z. der Männerlöhne gebracht werden. Im Monteltarif wurden Verbesserungen der Ferien und Arbeiterschutzbestimmungen verlangt Di« Unternehmer dagegen forderten Verlängerung des gegenwärtigen Zu- standes um 2�4 Jahre und Abbau der ohnehin sehr niedrigen Löhne derLeinenspinnereien um 15Proz. In den freien Verhandlungen kam es zu keiner Einigung. Ein Lohnfchiedsspruch kam nicht zustand«. Es trat also ein tarif- loser Zustand ein. Die Gewerkschaften gaben Weisung, daß trotzdem weitergearbeitet werden sollte, bis eine Einigung erzielt -würde. Vom Streik war keine Rede. Da beschlossen die Unternehmer, ohne durch irgendeine Kampf- Maßnahme der Gewerkschaften dazu veranlaßt worden zu sein, am 25. Mai die Aussperrung für die gesamte schlesische Textilindustrie. von der fast 50 000 Textilarbeiter betroffen werden. Obwohl in den Verhandlungen vor dem Schlichter die Unternehmer jede Lohn- erhöhung abgelehnt und 15 Proz. Lohnabbau für die Leinen- spinnereien gefordert hatten, erklärten sie ihren Arbeitern durch An- schlag und ber Oeffentlichkeit durch die Presse, daß sie bereit ge- niesen wären,„gewisse Lohnzugeständnisse' zu machen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, als hätten die Gewerkschaften angebotene Lohnerhöhungen abgelehnt. Das ist eine grobe Irreführung der öffentlichen Meinung. Ebenso verhält es sich mit der Unternehmerbehauptung, daß die Forderungen der Arbeiterschaft„maßlos' seien und SO bis 7 0 Proz. betragen würden. Auch dies« Behauptung ist nichts anderes als die übliche Stimmungsmache zu sehr durch- fichtigen Zwecken. Die Unternehmer stellen die Lage der Textilindustrie immer als besonders schlecht dar. Ein Vergleich zwischen den Jahren 1912 und 1925 ergibt bei 5ßstündiger Wochen- Iniernationale Einheit. WirtschastSdemokratie auch in polen gefordert. Warschau. 7. Juni.(Eigenbericht.) Auf dem polnischen Gewerkschaftskongreß in Warschau ist eine bemerkenswerte Resolution gesaßt worden, die eine Demokrat!- s i« r u n g des Wirtschaftslebens in Polen verlangt. Die polnische Wirtschaft, so heißt es in der Resolution, mache immer wieder schwere Krisen durch, die ihren Ursprung in der kapitalistischen Einstellung der Wirtsehaftskreise, in gleichem Maße wie der Re- gierung haben. Auch auf die staatliche Budget- und Steuerpolitik besitzen die Industrie- und Finanzkreise ausschlaggebenden Einfluß, zum Schaden der Arbeiterklasse. Die Wirtschaftspolitik der Privätinduftrie und der gewaltigen Kartelle und Organisationen werde unter Ausschluß auch nur der geringsten Kantrolle,.der Oeffentlichkeit geführt. Die Rationalisierung der Industrie erfolgt in Polen vollkommen einseitig auf Kosten einer Steigerung der Arbeit und der Ausbeulung der Atbeilerklasse, bei gleichzeitiger Herabsetzung der Reallöhne. Dei� Gewerkschaftskongreß fordert baber die Arbeiter zum Kampf um die Demokrat!» sierung des Wirtschaftslebens und eine Besserung ihrer j Erörterungen und Untersuchungen über die Arbeitslosenversicherung anzustellen und dann auf einmal im Herbst vor dem Kladderadatsch zu stehen. Die S a i s o n a r b e i t e r s r a g e ist im Augenblick nicht akut. Eine Beseitigung der Sonderregelung der Saisonarbeiter- »nteZfiützung kann nicht in Frage kommen. Das ist allmählich auch viele» Kritikern der Arbeitslosenunterstützung tla-- geworden. De Sonderregelung« war ein Experiment, das auch nn Einverständnis mit den Unternehmern oorgenoinmen worden ist und das für normale Verhältnisse bestimmt genügt. Wer mit ihm nicht ein- verstanden ist, kann die Sonderregelung verbessern. Das Entscheidende ist, daß der Arbeitslosenschutz der Saisonarbeiter bei der Re- formierung nicht in die Binsen geht. Das Bestreben, das Reich von den Lasten für die Unterftügnnq der Saisonarbeiter zu besreien, ist an sich verständlich und begreiflich. Aber wie macht man das, ohne daß dabei der Arbeitslosenschlitz Schaden leidet? Die Rezepte zur Reformkerung der Arbeitslosenversicherung gehen bereits in die Dutzende, abir ihre Qualität läßt viel zu wünschen übrig. Neuer- dings wird z. B. vorgeschlagen, zu erwägen, ob nicht ein« b e r n f s- mäßige Gliederung der Arbeitslosenversicherung, ähnlich wie bei der Unfallversicherung, und eine Staffelung der Beiträge nach Gefahrenklassen das Richtige ist. Eine berufsmäßige Gliede- rung ist völlig unmöglich: sie steht mit dem Grundprinzip de- sozialen Ausgleichs in scharfem Widerspruch. Auch eine berufliche Beitragsstaffelung ist unmöglich. Will man für jeden Beruf eine besondere Versicherung schaffen? Beitraosstafselung nach Wi r t- schaftsprovinzen ist grundsätzlich im Gesetz bereits vorge- sehen. Sie kann natürlich nicht erfolgen in einer Zeit, wo infolge allgemeiner Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt der Höchstbei- tragsfatz gezahlt werden muß. Fruchtbare Arbeit in der Arbeitslosenfürsorge kann, wie man sieht, im Augenblick nur durch die Sicherung der Beitragser- h ö h u n g geleistet werden, weil hier ein Aufschub nicht verant- wartet werden kann. Die übrigen Fragen müssen noch etwas zurückgestellt werden. arbeitszeit in beiden Dergleichsjahren, daß 1912 in Deutschland ohne Elsaß-Lothringen 875 908 Beschäftigte in der Textilindustrie waren, während im Jahre 1925 diese Ziffer auf 1212 437 anstieg. Das spricht nicht gerade für einen Niedergang in der Textilindustrie, ganz abgesehen von der Produktions st eigerung durch Rationalisierung. Die Löhne der schlesische» Textilsach- arbeiter lagen weit unter dem Beichsdurchschnitl der Cöhnc ungelernter Arbeiter in anderem Industrien. Nach einer 1927 abgeschlolienen Aebersicht des Reichsstatistischelt Amies betrüg der Reichsdurchsehnitt für u n.» gelernte Arbeiter in dtr Metallindustrie S9,7 Pf., Holzindustrie 92,7 Pf., Buchdruckereihilfsarbeiter-91,3 Pf., Papierindustrie 87,7 Pf. Dagegen ist der Facharbeitergrundlohn der schlesische« Textilarbeiter 1929 nur 58,3 Pf. Der Lohn des ungelernten Ar- beiters liegt noch 5 bis 6 Proz. tiefer. Die schlesische« Textil- löhne liegen 25 bis 30 Proz. unter den Löhnen der Textilarbeiter im Reich. Genosse Wieniewski betonte zum Schluß: dke Arbeiterschaft sei bereit zur Verständigung, ober wenn die Unternehmer unnachgibig bleiben, dann sind die Arbeiter entschlosien, den Kampf durchzuführen. Dazu sind si« durch die unerhörte Notlage gezwungen. Ein Vertreter des christlichen Textilarbeiteroerbandes schloß sich diesen Darlegungen an und betonte nochmals, zugleich auch im Namen des Hirsch-Dunckerschen Vertreters, daß der Kampf von den Unternehmern vom Zaune gebrochen sei: in keinem Stadium der Verhandlungen hätten die Tertilindustriellen Zugeständnisse angeboten. Wie zu erwarten war. llnternehmersolidarität in der Texiilindustrie. Die Textilindustriellen verbreiten folgende Meldung:„Die zu einer Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbandes der deutschen Textilindustrie in Berlin versammelten Vertreter der gesamten deut- schen Textilindustrie nahmen Stellung zu dem in der s chl e s i s ch e n T e xt il i n d.u st r ie au-gebrochenen Lohnkampf. Sie billigten einmütig die bisher getroffenen Maßnahmen und beschlossen, die schlesischen Arbeitgeber in ihrem Existenzkamps weite st gehend z u u n t e r st ü tz e n.' Etwas anderes hat kein Mensch vom Arbeitgeberoerbond der deutschen Textilindustrie erwartet. Die Textilindustriellen marschieren an der Spitze der Preistreiber, der Großverdiener, der Lohndrücker und der Scharfmacher. Die schlesischen Textilindustriellen sind ihnen ein Vorbild. materiellen Lage aus und verlangt von der Regierung �die Einberufung einer Obersten W i r t s ch a f t s k a m m« r mit entsprechender Teilnahme der Arbeiterklasi« und der Konsumenten, die Einführung einer Kont-roll« der Großindustrie, und zwckr vor allen der Kohlen-, Petroleum- und Zuckerindustri«, ferner eine Kontrolle der Produktions- und Kalkulationsmethoden in den übrigen Industriezweigen, sowie«ine Reihe weiterer Maßnahmen, die der Arbeiterklasse«ine Vertretung in den die Wirtschaftspolitik bestimmenden Körperschaste» sichern sollen.-- Die Lohnerhöhung der Reichsarbeiter. Grundsähliche Einigung. Die neuen Verhandlungen im Reichsfinanzministerium über die Neuregelung der Löhne der Reichsarbeiter hoben nunmehr eine Plattform geschossen, aus der eine Einigung mög- l i ch ist. Der endgültige Abschluß der Beratungen erfolgt am kam- wenden Dienstag. Die Grukldlinien, nach denen die Lohnerhöhungen vorgenommen werden sollen, sind am Freitag in einer persönlichen Aussprache der Organisalionsvertreter mit dem Reichs- finonzminifker bereits festzdegl worden. | Verbandstag der Sattler. Einführung der Invalidenunterstühung. Dresden, 7. Juni.(Eigenbericht.) Der Verbandstag beschloß am Freitag die Einführung der Invaliden unter st ützüng. Die Begründung der Einführung gab der Verbandsvorsitzende Blum. Er betonte, die Einführung' der Jnvalidenunterstutzung sei keine neue Forderung des Verbandes: sie sei längst durch seine Geschichte begründet. Alle nahestehenden Verbände hätten die Jnvalidenunterstützung bereits eingeführt. Durch die Invaliden- Unterstützung winden die Mitglieder sich sester an den Verband gebunden fühlen. Das bedeute zugleich mehr Kampfkrait bei der Durchsetzung der gewerkschaftlichen Forderungen. Die techni- schen Fragen der Jnvalidenunterstützung besprach der Verbands- kassiercr Riedel. Um keine Ueberlastung des Verbandes herbei- zuführen, müsse die Höhe der Unterstützung vorsichtig bemessen werden. Das Unterstützungsprogramm schließe sich im großen und ganzen dem des Holzarbeiterverbandes nn. Gegen die Ein- fühning der Jnvalidenunterstützung sprachen nur die Delegierten van Offeubach und ein kommunistischer Delegierter aus Geraberg. Die Zl n g e st« ll t e n g e h ä l t e r bleiben, da«ine von einer Kommission ausgearbeitete Aenderungsvorlage mit>7 gegen 13 Stimmen abgelehnt wurde, vorläufig dieselben. An Stell« von Blum, der infolge seines Alters— er ist 66 Jahre alt— von seinem Amt zurücktrat, wurde der bisherige zweite Vorsitzende, Gerhard, mit großer Mehrheit zum Verbnndsvorsitzen- den gewählt. Den Posten des Zweiten Vorsitzenden übernahm Blum: seine Ernennung erfolgte ebensalls mit großer Mehrheit. Der Verbandstog dankte ihm i» herzlicher Weise sllr sein« snicht- bare Tätigkeit. Kassierer Riedel und Redakteur Engel sowie die Beisitzer und Revisoren wurden einstimmig wiedergwählt. Damit waren die Arbeiten des Verbandstages abgeschlossen. Der nächste Berbandstng findet in drei Jahren in S tu t t g a r t statt. Wochenlohn A2ZV60 Mark. Chikago, 7. Juni.(Eigenbericht.) Der Konstriiktionsarbeiterstreik im Tiefbaugewcrb« ist bc- endet. Die Forderungen der Arbeiter wurden nahezu völlig be- willigt. Als neue L o h n b a s i s wurden 13 Dollar T a g'e s- lohn festgelegt. Der größte Teil der Arbeiterschaft Hot die Arbeit bereits wieder aufgenommen.(In Schlesien aber werden die Textil- arbeiter ausgesperrt, weil sie zu ihren Elendslöhnen ein paar Pfennige Zulage haben wallen. Die„hohen" Löhne der Arbeiter sind für die Textilindustriellen„untragbar'.) Arbeitszeiwerkürzung infolge Nationalisierung. halle, 7. Juni. Wie bekannt wird, sind jn der Ammoniakwerk GmbH.(Leuna- werk) in Merseburg insolge Beendigung von Mamagearbeiten und infolge Umstell u n g e n im Betriebe Arbeitskräfte freigewordjfn. Um eine Entlassung dieser Arbeitskräste nach Möglichkeit zu ver« hindern, wird sllr einen Teil der Tagschichtbetriebe bis auf weiteres die bisherige werktägliche Arbeitszeit von neun Stunden auf acht Stuizhen herabgesetzt.'(Hofsenttich ist mit der Arbeitszeitverkürzitiig auch ein Lohnausgleich verbunden.)--- Verständigung im bulgarischen Tabakarbeiterstreik? Sofia, 7. Juni. In Beantwortung'eines- Anfrage des fozilisissischen Abgeordne» to Sakasosf in der Kammer über den Streik der Asdeiter in den privaten Tobaklagerhäusern Südbulgariens, erklärte Minifterpräsi- dent Liaptsehess, es bestehe Aussicht, daß der Streik durch ein Köm- promiß beendet werde. Wenn, so fügte er hinzu, die Arbeiter den Kampf nur auf wirtschaftlichem Gebiet rühren und dem Einfluß der kommunistischen Hetzer widerstehen, werden sie Erfolg haben. Die Pharus-Lichljpiele, Rliillerstr. 142, sind, wie uns die Orts- Verwaltung des Deutschen Musikerverbandes mitteilt, für organisierte Musiker ge sperr«. Das Orchester der Pharus-Liehlspiele ist gekündigt worden. Die sozialen Errungenschaften und Löhne sollen von der neuen Gesehöstsleitung abgebaut werden. Die Goschäflsleitung erklärte den Vertretern des Verbandes, daß sie gar nicht daran denke, organisiertes Personal zu beschäftigen. Die Erwiderung der Direktion, die am Theatereingang als Antwort auf die vom Verband verteilten Flugzettel angebracht ist, entspricht nicht den Tatsachen. Die Direktion weigert sich, die Forderungen des Deutschen Musikerverbandes anzuerkennen. # Freie Gewerkschasts-Jugend Groß-Verlin Heute, Connabent. ist folgende HeranftalNing: s»reils> mW Bewqn»»«»- *01: Sprechchorprobk um 18 Uhr im cool 11 des Sewerkschastshaule», Cnflclufcr Cl— 25, Lualgrdäude. Eingang Hof parterre rechts. Berontmortlich für Politik: Dr. tont Aeqec: BirifchofI:«. ttlingelstöfer: Sewerkichaitsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Ä. H. Döfcher; Lokales und Sonstiges: Frj'g Aarstädt; Anzeigen: Zh. chlocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäris-Berlag®. IN. b. S.. Verlin. Druck: Vorwärls.Buchdrnckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. So.. Verlin SW. S8. Lindenstraije 3. Hierzu 2 Beilager, und.lluterhaltuog und Wiflen*. I| Ziehung vorn 12. bis ia Juni 19291 Adike'' große Volhswohi- Lotterie 46098 Gewinne u.2 Prämien Im Gesamtwert von �ÜOOOOS sasfl soooo: »cmigsnirD Py tST» «Dt lin Einzello!««W t&PfLPWjr N [.'SÜOO OOO ü wä ssoooo: "rSüSu. SBOOOOU lose zu �RM. DoppeHoseSRM Porn c, Stwlanliiti 35 Pt. la illio darci NM!« Isaitl.f irUctutilU«« UbpcIi G. Disdilails& C@, Berlin E 2 KönigslraBe 51 Postscheckkonto Berlin 6779 Sämtliche Gewinne auf Wur.sch SG/o bar"VL§5 Oer Kampf in Schlesien. Die niedrigsten Löhne im �eich. Itr. 263» 46. Jahrgang Sonnabend, S. Juni �929 siattUiAl�! yinrexpzngr Has Potsdam, aber auch SSerlitt angehl! Gehört Potsdam schon zu der Weltstadt Berlin? Nur der eingefleischte Lokalpatriot kanir diese Frage verneinen, und mag Herr Oberbürgermeister Rauscher auf noch so viel« Müllkästen das Wort„Residenzstadt" pinseln lassen— die Tatsache, daß ein« große Zahl Potsdamer in Berlin ihr Brot findet und daß Potsdam auf dem täglichen Berliner Bergnügungsprogramm nicht nur der Fremden, sondern auch der Einheimischen steht, berechtigt uns, auch Potsdams hier zu gedenken. Schon wiederholt ist die Industrialisierung der Straßen der Havelstodt beklagt worden: auf den Häusern, deren Architektur noch aus einer Zeit stammt, wo Baumeister und Bauherr nicht schnelle Dutzendwar« lieferten, fällt das schreiende Reklameschild doppelt unangenehm auf. Es mag fein, daß der Potsdamer Geschäftsmann in dem Gefühl, er müsse nicht nur die Konkurrenz am Ort schlagen, sondern auch die Abwanderung der Kauflustigen nach betji„Borort Berlin"(von Potsdam aus gesehen!) verhindern, begreiflicherweise etwas dicker aufträgt, als an sich geboten wäre... Aber das ist gerade dos Unglück unserer industriell gewordenen Kultur:«in Drücker wird auf den anderen gesetzt, und das Allzuoiele übt doch nicht die ersehnte Wirkung aus. Das künstlerisch Einfache hat immer die größte„vornehme" Wirkung für sich. Man nehme unsere Blumen- lüden! Wer oft an ihnen vorbeigeht, wird sich sagen: ach, das habe ich ja schon alles gesehen, nicht einmal, sondern dutzendmal. Die Dielsxitigkeit der Auslage kann durch häufigen Wechsel des Aus- gestellten erreicht werden— man achtet dann mit größerem Inter- esse auf das, was geboten wird. Die wilhelminischen Aus- wüchse In der Parkgestaltung Potsdams sind glücklicherweise korrigiert worden, so weit dies möglich war— der vor einigen Jahren' in einer Gartenfreundeversammlung gehaltene Vortrag eines Fachmannes zeigte den ftauncndon Zuhörern, welcher Arbest es bedurft hatte, um die ohne Rücksicht auf Einordnung in den Cho- rakter des Ganzen getroffenen Kunst- und Natur-„Derschönerungen" zu beseitigen. Für die Zurückführung der Reklame auf ein künst- lerisch wirksames, aber die Harmonie des Bauwerkes nicht störendes Maß bleibt noch allerhand zu tun, und zwar nicht nur in Pots- dam, sondern auch— in der Weltstadt Berlin. Telephon und Teilnehmer! Daß Telephonieren in Berlin nicht immer zu den An- nehmlichtesten gehört, ist bekannt. Der Ursachen dafür gibt es mehrere: eine davon ist die zu geringe Zahl der Beamtinnen,«ine Folg« der Sparsomkeitstendenzen der Post. Die Nervosität vieler Teilnehmer, die an eine Unterlassungssünde der bedienenden Dam« glauben, bringt diesen oft zu den sonstigen techsiischeo Aufgaben noch eine Belastung durch einseitige Reden— den Beamtinnen ist bekannt- lich das Sprechen mit den Teilnehmern untersagt—> denen sie meist nur dadurch ein Ende machen kömien, daß sie dem Ungedul- higen melden:„3ch werde Sie mit der Beschwerdestelle verbinden", worauf meist— nicht immer— Beruhigung eintrist. Sehr komisch macht sich die oft gehörte Aufforderung von Teilnchmern an die Beamtinnen, mehr Personal einzustellen— was ungefähr die Wirkung hat, als ob ein Radiohörer in seinen Lautsprecher hineinruft: Hören Sie mal, Herr Kapellmeister, Ihr erster Geiger spielt falsch... Aber es gibt noch aicher« Quellen der Uebelstände bei der Verbindung zwischen dem Anrufenden und dem Verlangten. Man findet bekanntlich jetzt im Gegensatz zu früher im Telephonbuch v' lfach zwei Nummern angegeben, wobei die zweite in Klammern angeführte Nummer das Amt und die Nummer bezeichnet, die für den Teilnehmer maßgebend ist, sobald er an ein zurzeit noch nicht in Betrieb gesetztes Selbstanschlußamt angeschlossen sein wird. Geht ober der Name des alten Amtes auf das spätere Selbstanschluß. amt über, so steht bei der zweiten Nummer nur ein Buchstabe und die Nummer in Klammern. Ueber die Buchstaben gibt ein Ver. zeichnis Auskunft, ober wie es so geht, findet sich ein großer Teil der Teilnehmer in diesem Uebergangsstadium nicht zurecht, und es entstehen leicht Irrtümer. Meldet sich nämlich die erste Nummer nicht, so glaubt der Anrufende, durch die Wohl der zweiten Nummer zu seinem Ziele zu gelangen— eine vergebliche Hoffnung, da sich bei dieser Nummer«in ganz anderer Teilnehmer meldet. Auch dies wird dann den Beamtinnen zur Last gelegt. Berlin gibt den Fremden in einer Reihe von Festtagen einen Begriff von der Lebenstrast der Weltstadt. Es ist z» hoffen, daß die Post es sich rn dieser Zeit zur höchsten Ehre schätzen wird,«inen rei- bungslosen, schnellen Verkehr sowohl auf den Post- ämtern als auf den Telephonzentralen«inzurichten. Dazu gehört freilich nicht die äußerste Ausnutzung der Arbeitskraft der Beamten und Beamtinnen, die nameMlich im Telephondienst schon heute das Mögliche leisten, sondern«in« verständige Vermehrung der lebenden wie leblosen Verkehrsorgane. Denn es muß z. B. auch einen Fremden wenig angenehm berühren, wenn er wegen einer 8-Pf.- Marke für die Absendung einer Ansichtskarte„S ch l a n g e st« h e n" muß. An der SOprozentigen Heraufsetzung der Postgebühren haben das Gewerb«, der Handel, aber auch das Publikum schwer genug zu tragen: man hat wohl«in Recht, bei der Post das größte Entgegenkommen zu finden. tin£ob, aber auch eine— Jlnregung! Da es der Zweck der Mitteilungen dieser Rubrik ist, auf vor- handene Mißstände hinzuweisen(Kritik) oder Gedanken Ausdruck zu geben, die vielleicht nicht nur im Kopf des sie Aussprechenden vor- Händen sind, sondern auch in vielen anderen Köpsen schlummern(An- regung), so wird für ein Drittes: Lob!— nur selten hier der richtige Platz sein. Aber das M-Pfennig-Buch: der Ausslugsführer der BVG.(Berliner Verkehrs A.-G.) verdient ein Lob. Und es an dieser Stelle nicht zu sagen, wäre ein Unrecht namentlich gegen das Publikum, dem hier ein Ausflugsmaterial für einen so geringen Preis geboten wird, wie ihn nur das Bestreben, propagandistisch zu wirken, erzeugen kann. Der Untertitel ist denn auch:„Hinaus aus der Stadt" und er findet seine Ergänzung in den Worten: „Mit Straßenbahn, Omnibus, U-Bahn." Alle vier Hiimnels- richtungen sind berücksichtigt, soweit die genannten Verkehrsmittel dahin führen: Winke sür an die Fahrten sich anschließende Wan- dcrungen sind in reichlicher Zahl vorhanden und schließlich sind die Sonderfahrten in die Mark, die Ueberlandsahrten nach Rheinsberg, Fürstenberg, Chorin, Buckow, Spreewald usw., rächt nur erwähnt, sondern auch in Karten l: 100 000 dem Verständnis der Ausflugs- lustigen nahe gebracht. Ja, die Karten: es sind 16 Stück, die der näheren Umgebung meist im Maßstabe 1:.S0 000 gehalten. Eine schätzenswerte Beigabe, die man nur in den besseren Spezialsührcrn findet, deren Preis sich aber von 2 bis 6 Mark stellt. Mit ihnen zu konkurrieren lehnt der„Ausflugsführer" ausdrücklich ab, da er natur- gemäß keine Vollständigkeit bieten kann und will. Aber so wie er ist, zeigt er eine solche praktische Auffassung in der Bewältigung seiner nicht leichten Ausgabe, daß man es begreiflich finden würde, wenn die Berliner Hotelbesitzer, die Mitropa usw. jedem ihrer Gäste ein Exemplar in sein Gemach(zum Gebrauch und zum Mitnehmen!» legen würde— eine bessere Reklame für das„in der sandigen Mark gelegene" Berlin ist gar nicht denkbar. Und„draußen" würde dos nahezu 100 Seiten füllende Buch(ohne die 16 zum Teil doppcl- scitigen Karten) gewiß den Wunsch erregen, dieses idyllische Berlin auch kennen zu lernen.— Aber etwas Kritik sei gestattet: Es wäre notwendig,«ine noch innigere Verbindung zwischen Text und Karten herzustellen. Wenn es z. B. im Titel heißt: Wandlitz, so wäre es unseres Erachtens praktisch, gleich anzufügen: siehe Karte 11. Das andere betrifft einige der Karten selbst: so sind zum Beispiel Karte 3 und Kart« 4(je 1; 40 000) in dem unteren Teil von 3 und dem oberen von 4 identisch, es wäre, da sie dicht auseinander folgen, kein Fehler, wenn der obere Teil von 4(und zwar beträgt er etwa 12 Zentimeter von im ganzen 19 Zentimeter Höhe) fortfiel« und dafür die Karte 4 unterhalb der Stadt Teltow entsprechend erweitert würde. Der in den Karten nicht so reich behandelte Südwesten würde diese Umgestaltung gewiß freudig begrüßen. Bei Karten 8 und 14, wo Fürstenberg zweimal erscheint, wäre vielleicht eine Ueberiragung von 14 auf die zweiseitige 8: Fürstenberg— Rheinsbcrg— Zechlin möglich: 14 kommt hauptsächlich für di« östliche Tour: Fürstenberg— Lychcn in Frage(die westlichen Touren befinden sich aus 8) und dieses ver- hältnismäßig kleine Gebiet ließe sich wohl als Nebenkarte auf 8 unten rechts anbringen. Dadurch wäre dann eine ganze Seite für «in anderes Ausflugsgebiet frei. Die Erzählungen v. Waldows. Oer„Zunior" soll sich allein arrangieren. 3m weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung des Stinnes- Prozesses schildert v. Waldow sehr anschaulich und charakte- ristisch seine Verhandlungen zunächst in Paris mit Eugen Hirsch und Schrandt. Schränkt habe immer von Beziehungen zum Reichs- k o m m i s j a r in Paris gesprochen, wo man sich jederzeit erkundigen könne. Er habe auch versichert, daß er mit dem Kommissar über das fragliche Geschäft eingehend gesprochen habe. Der Kommissar hätte sich sehr günstig über das Geschäft geäußert. Vors.: Es wäre nun richtig gewesen, wenn Sie sich selbst beim Kommissar er- kündigt hätten, v. Waldow: Dieser Vorhalt ist durchaus berechtigt. In der Unterlassung dieser Erkundigung liegt meine größte Schuld. Ich bin eben auf die Art, wie Herr Schrandt unser Vertrauen gewann, hereingefallen. Der Angeklagte schilderte seinen Besuch bei dem Schweizer Geschäfts- freund, auf dessen Namen das Geschäft g«h«n sollte. Dieser habe aber erklärt:„Tür solche Geschäfte des„Junior" möchte ich meinen Namen lieber nicht hergeben. Der„Junior" soll sich nur allein mit den Banken arrangieren." Nach entsprechendem Bericht an Stinnes fuhr v. Waldow dann nach London, wo nun d«r Ankauf der Stücke erfolgen sollte und wohin auch Stinnes 250 000 Mark überwies. In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g schilderte der Angeklagte v. Waldow s«ine vergeblichen Bemühungen, di« französischen An- melder selbst kennenzulernen. Immer habe man ihm von einer Zu- sammenkunft mit ihnen abgeraten, weil sie angeblich deulschfeiit blich seien, was sich nachher als vollkommen unwahr herausstellt«. Damals wäre er allmählich mißtrauisch geworden, zumal ihm Schrandt jeden Einblick in das Geschäft bis zuletzt oerweigerte. Als Bevollmächtigt« für die Einreichung bei der französischen Vermittlungsstelle im „Credit Mobilic" hätten zuerst Schrandt und später der Abgeordnete Ealmon fungiert,«s habe aber längere Zeit gedauert, bis v." Waldow di« Lagerscheine erhielt und damit nach Hamburg fahren konnte. Stinnes, der sehr wenig Zeit hatte, weil damals die Verhandlungen über di« große amerikanische Anleihe für den Stinnes-Konzern im Gang« waren, habe er nur einen kurzen Bericht erstatten könner den Stinnes sich mit halbem Ohr angehört habe. Zu seinem Er- staune» habe er, v. Waldow, dann«ines Tages gemerkt, daß man gar nicht Kriegsanleihe, sondern Konsols kanste, doch habe ihm Eugen Hirsch«rklärt, daß das ganz egal sei. Die Stücke hätten Stempel jüngeren Datums getragen und schon daraus gehe hervor, daß er, o. Waldow, gar nicht die Absicht gehabt habe, Neubesitz als Altbesitz zu präsentieren.� Schrandt habe ihm dann telegraphiert, daß„sein Freund" jedes Stück nehmen werde, auch gestempelt« Stucke. Mit „mein Freund" habe Schrandt den Sonderkonnnissar in Paris ge- meint, wenigstens nach der damaligen Auffassung v. Waldows, denn Schrandt habe immer behauptet, er sei mit dem Kommissar sehr befreundet. Die Verhandlung wurde nach der Vernehmung v. Waldows auf Montag vormittag 10 Uhr vertagt. dach JCondon: (Btredtügit Uebersetzung om Erwin Magnus). „Als die Aerzte mich aufgaben, ordnete ich meine An- gelegenheiten und gab meinerseits die Aerzte auf. Das ist jetzt fünfzehn Jahre her. Als junger Mann habe ich in den Universitätsferien hier gejagt, und als ich nun so herunter war, bekam ich Sehnsucht nach dem Landleben. Da ließ ich alles stehen und liegen und baute mich hier im Mondtal an — das ist der indianische Name für das Sonoma-Tal, wissen Sie. Im ersten Jahre lebte ich in dem kleinen Anbau: dann errichtete ich die Blockhütte und ließ mir meine Bücher kommen. Ich habe früher nicht gewußt, was Glück und Ge- fundheit ist. Und nun schauen Sie mich an! Wagen Sie zu behaupten, daß ich nach siebenundvierzig Jahren aussehe?" „Ich würde Sie höchstens für vierzig halten," gestand Daylight. „Aber als ich herkam, sah ich fast wie ein Sechzigjähriger aus, und das war vor fünfzehn Iahren." Sie sprachen weiter, und Daylight lernte die Weit von ganz neuen Gesichtspunkten betrachten. Der Mann hier war weder bitter noch zynisch, er verlachte die Städter und nannte sie Narrenhäusler: er strebte nicht nach Geld, und seine Herrschsucht war längst erstorben. � � Aber was machen Sie denn jetzt? fragte Daylight. ''Sie müssen doch Geld haben, um Kleidung und Zeit- schrif't'en zu kaufen?"„,._, Ich arbeite eine Woche oder einen Monat, wie es sich gerade trifft, pflüge im Winter, pflücke Trauben im Herbst. und im Sommer gibt es immer irgendwelche Arbeit bei den Ansiedlern Mein« Bedürfnisse sind nicht groß, viel brauche ich also nicht zu arbeiten. Die meiste Zeit vertreibe ich mir mit Nichtstun. Ich könnte gelegentlich für Zeitschristen und Zeitungen schreiben, aber ich ziehe vor, zu pflügen und Trauben Au pflücken. Sie brauchen mich nur anzusehen um zu wissen, warum. Ich bin hart wie Stein. Und ich liebe die Arbeit. Aber ich sage Ihnen, man muß sich daran ge- wöhnen. Es ist etwas Großes, wenn man gelernt hat, den ganzen lieben Tag Trauben zu pflücken und dann abends mit einem glücklichen Gefühl von Müdigkeft heimzukehren, anstatt immer vor einem körperlichen Zusammenbruch zu stehen. Dieser Kamin— diese großen Steine—, ich war damals ein schwächlicher, kleiner Kerl, bleichsüchtig und vom Alkohol degeneriert, ein Hasenfuß, mit nicht mehr als einem Prozent Ausdauer, und einige von diesen großen Steinen zerbrachen mir fast das Rückgrat. Aber ich hielt durch und gebrauchte meinen Körper, wie die Natur es bestimmt hat — nicht über dem Schreibtisch liegend oder Whisky saufend... und, na ja, hier bin ich, ein anderer Mensch als zuvor, und da ist mein Kamin, schöl� und gut, nicht wahr? Und nun erzählen Sie mir von Klondike, und wie Sie es fertiggebracht haben, bei ihrem letzten Kampf ganz Fran- zisko auf den Kopf zu stellen. Sie find ein tüchtiger Streiter, wissen Sie. und Sie fetzen meine Phantasie in Bewegung. wenn ich mir auch bei näherem Nachdenken sage, daß Sie ebenso ein Narr wie die anderen sind. Herrschsucht! Das ist eine furchtbare Krankheit. Warum sind Sie nicht in Ihrem Klondike geblieben? Und warum reißen Sie sich nicht los und leben ein natürliches Leben wie ich zum Beispiel? Sie sehen, ich kann auch Fragen stellen. Nun sprechen Sie und lassen Sie mich«ine Weile zuhören." Erst um zehn Uhr verließ Daylight Ferguson..Als er im Sternenlicht fortritt, kam ihift plötzlich in den Smn, das Gehöft auf der anderen Serie des Tales kaufen. Er dachte nicht daran, sich je dort niederlassen zu wollen. Sein Spiel hielt ihn in San Franzisko. Aber das Gehöft gefiel ihm. und sobald er wieder in sein Bureau zurückgekehrt war, wollte er mit dem Besitzer Verhandlungen anknüpfen. Uebrigens gehörte die Lehmgrube dazu, und das gab ihm dann die Oberhand über Holdsworthy. wenn er sich einmal mausig machen wollte. � Daylight spielt« weiter: aber sein Spiel war in eine neue Phase getreten. Die Triebfeder war jcht die Rache. Hinter viele Namen in San Franzisko setzte er ein schwarzes Kreuz, das dann gelegentlich durch einen blitzschnellen Angriff ausgelöscht wurde. Er bat nie um Pardon, gab aber auch keinen. Alle Welt fürchtete und haßte ihn, außer seinem Rechtsanwalt Larry Hegan, der fein Leben für ihn ge- geben hätte. Aber auch San Franzisko nahm Daylight gegenüber jetzt eine andere Haltung ein. Er hatte die Leute schon ge- lehrt, daß es am besten war, den schlafenden Löwen nicht zu wecken. Viele versuchten sich bei ihm einzuschmeicheln, seine Freundschaft zu gewinnen: Selbst die Zeitungen— mit Ausnahme einiger, die versucht hatten, Geld von ihm zu er- pressen— hörten auf, ihn zu beschimpfen, und behandelten ihn fast mit Ehrerbietung. Kurz, man betrachtete ihn als einen gefährlichen Grislybären aus der nordischen Wildnis, dem man am besten aus dem Wege ging. Nach seiner Pllln- derung der Schiffahrtsgesellschaften war die ganze Meute auf ihn losgefahren, aber da hatte er kehrt gemacht und sie in der erbittertsten Schlacht, die San Franziska je gesehen, zu Boden geschlagen. Der Streik der Seeleute, der die Verwal- tung der Stadt den Arbeiterführern in die Hände gespielt hatte, war noch nicht vergessen. Die Vernichtung Charles Klinkers und der California und Altamont Trust Company war eine gute Lehre gewesen. Dede Mason war noch bei ihm. Er hatte keine weiteren Annäherungsversuche gewagt und weder über Bücher, noch Grammatik mit ihr diskutiert. Seine Energie wurde restlos von den endlosen Kämpfen verbraucht, aber trotzdem kannte er jedes Lichtspiel in ihrem Haar, jede ihrer schnellen, sicheren Bewegungen und jede Linie ihrer Gestalt. Mehrmals hatte er ihr in etwa halbjährlichen Zwischenräumen Gehaltszulage gegeben, so daß sie jetzt neunzig Dollar monatlich hatte. Höher wagte er nicht zu gehen, tat aber sein möglichstes, ihr die Arbeit zu erleichtern. So behielt er, als sie aus den Ferien zurückkehrte, ihre Stellvertreterin als Mitarbeiterin. Dann mietete er«in neues Kontor, in dem jedes der beiden jungen Mädchen«inen Raum für sich hatte. Sein Blick hatte sich für alles geschärft, was mit Dede Mason zusammenhing. Längst hatte er ihre stolze Haltung. bemerkt. Er verglich sie mit der Assistentin, mit den Steno- typistinnen in anderen Geschäften und den Frauen, denen er auf der Straße begegnete.„Sie weiß, was sie wert ist," sagte er bei sich:„und sie versteht sich zu kleiden und ihre Kleider zu tragen, ohne dabei eingebildet zu sein." Aber das alles hatte zur Folge, daß sie ihm immer unnahbarer wurde. (Fortsetzung folgt.) Unterschlagung oder Raub? Buchhalter mit Lohngeldern der BVG. verschwunden. Die Berliner Kriminalpolizei ist zurzeit mit einer Unter- suchung gegen einen Angestellten der Berliner Verkehrs A.-G. beschäftigt. Der angestellte Buchhalter, der 24 Jahre alt« Max Krüger aus der Krumme Straße zu Charlottenburg, ist mit 8950 Mark Lohngeldern verschwunden. Er bekam gestern früh den Auftrag, von der Haupttasse des Betriebsbahnhofs in der Elsen- straße zu Treptow den Betrag abzuholen und ihn der Versuchswerk- statt in der Stralauer Alle« 48 zuzuführen. Dort ist er jedoch nicht eingetroffen. Der Werkmeister forscht« nun in seiner Wohnung nach, aber auch dort war Krüger nicht erschienen. Ob er mit dem Geld« geflüchtet ist, oder ob es ihm gestohlen wurde und er sich nun nicht zurücktraut, bedarf noch der Auf- klärung. Man traut in seiner Arbeitsstelle Krüger um so weniger eine Unterschlagung zu, als er ein Sohn begüterter Eltern aus einem entfernteren Vorort ist. Liebesdrama in der Trunkenheit. Die Braak erschoß den Liebhaber. Dem seltsamen Abschluß einer Liedeslragödie ist die Zuspektion A der Kriminalpolizei ans die Spur gekommen. Am 16. März d. I. wurde im Grunewald unweit der Kronprinzen-Allee und der Pllcklerstraße, etwa 50 Meter in den Wald hinein, dicht bei einer Selterbude, ein junger Mann mit einer Schuhwunde in der rechten Schläfe tot aufgefunden. Es war ein 24 Jahre alter Chauffeur Udo B. Die Waffe lag dicht bei der Leiche. Er war am Vorabend seines Todes mit seiner Braut, der 18 Jahre alten Verkäuferin Käthe G. in den Grunewald ge- fahren. Die G. hatte am 16. in seinem Stammlokal erzählt, daß ihr Bräutigam sich im Grunewald erschossen habe. Im Laus« der Zeit stiegen der Kriminalpolizei über den Sachverhalt aber doch Bedenken auf. Es war bekannt geworden, daß der Tote beim Auffinden die recht« Hand in der Manteltasche gehabt hatte. Zeugen bestätigten dies und jetzt war man überzeugt, daß die Tragödie sich aus andere Weise abgespielt haben mußte. Das Mädchen wurde wieder herbeigeholt und blieb zunächst bei der ersten Darstellung, daß ihr Freund oersucht habe, sie zu erschießen, nach dem Versagen aber mit einer zweiten Kugel sich selbst entleibt habe. Als sie auf die Unwahrscheinlichkeit aufmerksam gemacht wurde, legte das Mädchen schließlich ein G e st ä n d n i g ab. Das Paar kannte sich seit Januar d. I. B. trank viel und die Braut hatte mitgehalten. Seit einiger Zeit, war der Chauffeur arbeitslos und des Lebens überdrüssig. Am 15. März traf sich das Mädchen abends mit seinem Bräutigam und beide unternahmeck eine kleine Kneiptour. Von dem Rest des Geldes kauften sie eine Flasche Tarragona und fuhren in den Grunewald hinaus. Beide waren angetrunken. Udo B. erklärte, daß er nicht mehr die Nerven habe, sich zu er- schießen und forderte Käthe auf, die Tat auszuführen. Im Rausch nahm das Mädchen die Waffe und jagte dem Geliebten eine Kugel in die rechte Schläfe. Durch den Schuß und den Anblick des Toten erschreckt, wurde sie von Grauen gepackt, warf den Revolver zur Erde und stürzte davon. Käthe G. wurde, da kein Fluchtverdacht vorliegt, nach dem Geständnis vorläufig wieder aus der Haft entlassen. Oer Mann im Schrank. Er wurde durch das Knarren der Tür verraten. Durch das Knarren der Tür des Kleiderschrankes wurde am Freitag morgen kurz nach 5 Uhr ein Gast in einem größeren Hotel im Westen Berlins geweckt. Als er gleich darauf in seinem Wohn- zimmer auch ta st ende Schritte hörte, schlug er Lärm. Das Hotelpersonal eilte herbei und erwischte einen Mann, der den Korri- vor entlang zu flüchten versuchte. Er wurde der Polizei übergeben, die ihn als einen 35 Jahre alten früherenrussischenOber- l e u tna n t Paul Karras aus Odessa feststellte. Er war als harmloser Gast vor zwei Tagen im Hotel abgestiegen, hatte aber ein falsches National« angegeben. Mit zwei Taschenlampen, einem Schrauben- und einem Vierkantschlüssel ausgerüstet, hatte er sich zur Nachtzeit in das Zimmer des anderen Gast es ge- schlichen und sich im Kleiderschrank versteckt. Als er den anderen fest schlafend wähnte, kam er hervor, um nach Beute auszuspähen. Die knarrende Tür verriet ihn aber. Karras war erst am 11. Mai dieses Jahres aus einem Zuchthaue im Rheinlandent« lassen worden, nachdem er in Köln beim Taschendiebstahl abgefaßt worden war. Schon 1926 setzte man ihn in Berlin fest, weil er systematisch in den Kleiderablagen der Theater nach Schluß der Vor- stellung die Besucher zu bestehlen suchte. Da er beim Taschen- diebstohl anscheinend zuviel Pech hatte, wollte er jetzt Hoteldieb werden. Ob er seit seiner Entlassung noch anderswo mit oder ohne Erfolg aufgetreten ist, wird noch nachzuprüfen sein. Der Fest. genommene wurde der Dienststelle C. 1 übergeben. Iakubowski nach der Verurteilung. Oas Guiachten des Sachverständigen. Das Urteil in dem Kreuzverhör-Prozeß. Nach beendetem Kreuzverhör begaiinen die Plädoyers; der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gesängnis, während der Ver- teidiger nicht für erwiesen hielt, daß der Angeklagte bei der Ausgabe der Wechsel diese als von seinem Vater stammend bezeichnet bab«. Nach kurzer Beratung folgte das Schöffengericht den Dar- legungen des Verteidigers und sprach den Angeklagten auf K o st e n der Staatskasse frei. Chemisch gereinigt! Die Führungen durch Wirtschaftsbetriebe der Reichshauptstadt anläßlich der Berliner F e st s p i e l e, die vom Fremden- und Verkehrsamt veranstaltet werden, haben sich bis jetzt gut bewährt. Die Werke, die ohne Angst vor Spionage sich zur Verfügung ge- stellt haben, werden es hoffentlich nicht zu bereuen haben. Es ist natürlich bedauerNch, daß den Werktätigen für derartige Be- sichtigungen, die für sie von besonderem Interesse sein müßten. einfach die Zeit fehlt. Wer sich aber freimachen und mit zu Spindler fahren konnte, wird es sicher nicht bereut haben. Vertrauensvoll bringt man ja die, ach so' entstellten Sachen in ein« der 78 B e r- liner Annahme st ellen und erhall nach geraumer Zeit eine Kart«, daß man sich die selben Sachen wieder abholen kann. Man erkennt seinen eigenen Besitz oft kaum wieder, wenn er zu Jugend und neuem Ansehen gelangt ist. Wege zu Kraft und Schön- hell. Das rieine Einmaleins der Reinigung ist ja jeder Hausfrau geläufig, aber bei schwierigen Verstößen gegen die Reinlichkeit ver- sagen die bewährtesten Mtttelchen. Wa« Spindler dann tut, erscheint ganz einfach. Die eingelieferten Gegenstände werden geordnet und dann in großen Trommeln, die Benzin enthalten, um und um gewälzt. 200 000 Liter Benzin ist der tägliche Konsum in Spindlers- selb. 2000 Arbeiter und Angestellte bemühen sich in langwierigem /■ L.R. Neuslrelih, 7. Juni.(Eigenbericht.) Der Aufmarsch der Zeugen dauert noch an. Der frühere Mann der Frau Rogens, Köhler, ihre Stiefmutter und Schwester machen vön ihrem Zeugnlsverweigerungs- recht Gebrauch. Die übrigen Zeugen erinnern sich alle an irgendein Gespräch, in dem Frau Rogens die Unschuld Iakubowskis beteuert hat. Einer Frau Nagel gegenüber hat sie geäußert: E» würde ihr leid kun, wenn Zakubowski hingerichtet würde. Sie traue ihm die Tat nicht zu: wenn er nicht so dumm gewesen wäre und besser alles gesagt hätte, so wären auch die anderen dran gewesen. Iakubowsti wird wohl feine Hand im Spiele gehabt haben, ganz und gar habe er es aber nicht getan. Dem Zeugen Keller, einem ihrer Freund« — Frau Rogens hatte damals viel« Freunde—, soll sie gesagt haben, daß Jakubowski unschuldig geköpft worden sei. Als der Zeuge Groth, der mit I. zusammen im Gefängnis Neu- strelitz faß, ihr von diesem einen Gruß überbrachte, und in dessen Auftrag ihr mitteilte, daß er unschuldig sei, soll sie geäußert haben: Ich glaube das jetzt auch beinahe. August Rogens soll dem Zeugen Groth von Kreuzfelds und Blöckers Schuld erzählt haben. August meint jetzt, daß dies möglich sei. Zu erregten Szenen kommt es anläßlich eines Aus- fpmches, den August Rogens im Gefängnis getan haben soll. Er hat an sein« Mutter«inen Brief geschrieben, in dem er sie »m einen Anzug und Geld bat. Frau Rogens schrieb ihm zurück, er möge nicht wagen, nach Palingen zu kommen, da er Jakubowski in der Gerichtsverhandlung entlastet habe. August soll in diesem Zusammenhang gesagt haben: Ich gehe doch nach Palingen. Selbst wenn ich und d-e Mutter ins Zuchthaus kämen. Frau Rogens bestreitet anfangs, einen derartigen Brief geschrieben zu haben, um es schließlich doch zuzugeben. Auch August leugnet, einen solchen Brief erhalten zu haben, gibt dies aber auf Vorhall des Rechtsanwalts Brandt doch zu. In gleicher Weis« gibt er nach langem Leugnen zu,«inen derartigen Ausspruch getan zu haben. Als Dr. Brandt wifsen will, weshalb er sich in dieser Weife ge- äußert habe, ruft er erregt:„Das ist meine Angelegen- heit." August Rogens Verteidiger gibt darauf«in« Crttärung ab, aus der hervorgeht, daß die Drohring mit dem Zuchthaus auf eine andere Straftat der Frau Rogens Bezug haben soll. Der Zeuge Rötling bekundet aber, daß August ihm gegenüber gefagt hat: Mein Schwager tut mir leid, meine Mutter, das Aas, der Deibel, die vors Beil.— Unter großer Spannung macht der Ge- fängniswochtmeister Redlich seine Aussage. Er halte drei Stunden gebraucht, um Jakubowski das Todesurteil versländlich zu machen. J. erhob gegen verschiedene Teile des Urteils Einspruch. Die Gerichlsschreiberei von Altstrelitz schickte ihn jedoch zweimal zurück, als er seinen Einspruch zu Protokoll geben wollte. Erst nach langem Hin und Her setzte ein Mitgefangener ein kurzes Protokoll auf. Der Zeuge war anfangs gleichfalls von der Schuld Iakubowskis überzeugt. Als aber Rechtsanwalt Koch ihm mitteilte. daß Ministerialrat Pagel nicht an seine Schuld glaube und als er sah, daß der zum Tode Verurteilte nicht nur im Hofe, sondern auch außerhalb des Gefängnisses beschäftigt wurde, da wurde er in seiner Neberzeugung schwankend. Als aber dann Jakubowski ihm gegen- über immer wieder sein« Unschuld beteuerte, da schenkte er lhm schließlich Glauben. Eines Tages sagte er zu Jakubowski: Wenn du als Russe nach Deutschland gekommen bist, hier Kinder in die Welt gesetzt hast, um sie umzubringen, so oerdienst du nichts Besseres. Wenn du aber unschuldig bist, so nenn« die Täter und dann soll dir das gleiche Recht geschehen wie jedem Deutschen. Jakubowski erzählte ihm daraus die bereits bekannt« Geschichte von Kreuzsetd. der ihm geschildert haben soll, in welcher Weise Vlöcker den kleinen Ewald zuerst erhängt und dann ertränkt habe. Die Sicher- heit, mit der Jakubowski auf alle im Zusammenhang mit dem Morde des kleinen Ewald an ihn gerichteten Fragen antwortet«, bestärkte ihn nun in seiner Ueberzeugung von dessen Unschuld. Unter anderem erzählte auch Jakubowski, daß das Verhältnis zwischen Kreuzfeld und Frau Rogens sich nach dem Verschwinden des kleinen Ewald sich sehr sreundschoftlich gestaltet habe. Als I zur Nicht- st ä t t e geführt werden sollte, verabschiedete er sich von den Gefangenen, gab ihnen die Hand und bedankte sich dafür, daß sie es mit ihm so gut gemeint-hätten. Unter anderem wurde auch der frühere Fürsorgezögling U t e ch vernommen, der seinerzeit dem Kriminalrat Gennat gegenüber geäußert hat, Fritz Rogens habe ihm gesagt, der Russe sei unschuldig. Professor Aschasfenburg- Köln erstattete sein Gut- achten hinsichtlich der angeklagten Familienmitglieder Rogens. Was die Einsichtfähigkeit des zur Zeit der Tat 15jährigen Fritz Rogens betrifft, so müsse der Umstand in Betracht gezogen werden, daß in der Familie Rogens ganz ruhig und sachtlich von den grausig st en Dingen gesprochen wurde. Trotzdem ist bei der großen Intelligenz des Fritz ein. Verständnis der Straf- barkeit der ihm zur Last gelegten Tat anzunehmen. Ebenso wird er auch die Fähigkeit gehabt haben, dieser Einsicht gemäß zu handeln. Ueber die Glaubwürdigkeit der drei Rogens sagt der Sachverständige, daß er nickst ein endgültiges Urteil darüber fallen möchte. Jedenfalls erscheint Fritz schon als der Glaubwürdig st e; ganz trauen würde er ihm auch nicht.» Unter allen Umständen wissen sie wohl mehr, als sie eingestehen. Der Zeuge K r e u z f e l d hat sich im Gerichtssaal gewissermaßen „tot angestellt" und alle Fragen mit einem Rein beantwortet. Als er, der Sachverständige, Fritz gefragt habe, ob Kreuzfeld immer so still sei wie in. der Verhandlung, habe er laut herausgelacht. Die Zeugenvernehmung konnte heute nicht zu Ende geführt werden: sie wird Sonnabend fortgesetzt. Der 75jährige Max K r e tz e r las am Nachmittag aus eigenen Schriften. Einst war der Name Max Kretzer ein Programm. Meister Timpe, das Gesicht Christt und einige andere Romane zeigten Kretzers starke Gestaltungskraft, die freilich in seiner umfangreichen Produktion nicht immer zutage tritt. Die ungleichwertige Qualität seiner zahlreichen Romane hat die Bedeutung Kretzers etwas ver- wischt— mit Unrecht: denn er hat genug Wertvolles geschrieben. Sehr sympathisch berührte es, daß der 75jährige nicht den Ehrgeiz hatte, sich selber mit Lorbeer zu bekränzen und ganz einfache Sachen las. Selbstbiographisches, in dem wohl Dichtung und Wahrheit gemischt war.— Oberbürgermeister B ö ß machte die Honneurs zur 7. Berliner Turn- und Sportwoche.— F. F. Schwarzenstein empfahl als Wochenendziel Lochen. Cr gab übersichtliche Ratschläge für diese Wochenendfahrt. Aber gut wäre es gewesen, wenn der Vortragende in seinen Ausführungen alles vermieden hätte, was nach Reklame für irgendein Unternehmen aussah.— Die Ueb ertragung von Richard Strauß' Oper„Elektro" aus der Städtischen Oper Charlottenburg war technisch einwandfrei. Aber stärker noch als beim Spiel auf der sichtbaren Bühne trat für den Nur-Hörer die Monotonie der Ekstase in Erscheinung. Te s. Verfahren, den ingerichteten Schaden ungeschehen zu machen. Mit der Anschaffung von Kleidungsgegenständen allein ist es nicht getan, sie lange zu erhalten, ist die Kunst. Gkeleiifund in Thüringen. Oos Opfer eines ungefühnten Verbrechens. Einen grauenhaften Fund machten Arbeiter, die kürzlich aus dem Mittelberg bei Apolda eine Ruhebank setzen wollten. Al» sie die zum Einrammen der Pfosten«rforderlichen Löcher aus- hoben, stießen sie in etwa cho Zentimeter Tiefe auf ein mensch. liches Skelett, das in hockender Stellung dort lag. Der Fund wurde dem Institut für gerichtliche Medizin an der Universität Jena zugeführt. Dier stellt« man fest, daß man ohne jeden Zweifel da» Opfer eines alten Verbrechens gesunden hatte. Dos Skelett, das vollkommen entfleischt war, muß mindestens 5 bis 7 Jahr« im Walde vergraben gelegen chaven. Das Stirnbein war zertrümmert. Die hockende Stellung er- klärte sich daraus, daß der Ermordete, der ein Mann von 45 bis 55 Iahren gewesen sein muß, nach dem Tode gewaltsam In«ineß Sack hineingepreßt und so an die Fundstell« gebracht wurde. Man fand dort beim Aufgraben Reste«in«s groben sackartigen Gewebe». Bisher sind alle Bemühungen, die Persönlichkeit de» Toten fest- zustellen, daran gescheitert, daß man nur wenig Anhaltspunkte Hot. Ein Merkmal kann vielleicht dazu dienen, ihn zu rekognoszieren. Der Ermordete muß«in Mastn von 1,65 bi» 1,70 Meter Größe geitesen sein. Er war auffallend kräftig gebaut. Trotz der vor- geschrittenen Jahre war das Gebiß noch fast vollständig. Es fehlen nur der linke äußere Schneidezahn und der zweite rechte Backzahn. Alle übrigen Zähne sind vollkommen gesund und. nie in ärztlicher Behandlung gewesen. Man hofft, daß auf diesem Wege«in Finger- zeig über den Ermordeten zu finden sein wird. Aus der Gegend stammte er nicht. Es kann sich also um einen Reisenden,«inen Händler oder einen Touristen handeln. Kabarett der Komiker. Da ist vor allem Ilse Avis» die als Primadonna der Festspielparodi« wieder eine Prob« ihres ganz starken Talents gibt. Als Madame Butterfly trippelt sie singend durchs Geschehen, als kesse Dompteuse meistert sie naturgetreu ihr Bestienpoar„Siemens und Halsk«", dann ist sie eine lustig» Massary-Witto« mit allem Charme de, Originals und schließlich „brechtelt" sie den parodistisckien Rekord einer Dreigroschenoper- szene. Ihr würdig zur Seite steht Edna Covey, ein Ziegfeld-Girl, nicht au» der Sorte jener zwar, die den Dollargewaltigen die Köpfe oerdrehen, sondern ein kesser, kleiner Pummel, aber«in Charlie Chaplin d«r Tanzkomik. Wie sie den sterbenden Schwan„hinlegt" — In des Wortes tiefster Bedeutung— mit Purzeln, Stolpern und mühseligstem Gewatschel, das müßt« selbst der Pawlowna Spaß machen. Die zwei Buxtons demonstrieren mit prächtiger Komik den Werdegang einer akrobatischen Nummer. Hermes und Cortez unterhalten durch witzige Enthüllung der Tricks. Lotte Werkmeister und Oskar Sabo verkörpern das Urberlinertum in der Posse„Der möblierte Herr". Das Ganze serviert Wolsgang von Schipinski in seiner sympathischen Witzelei._ Bootsunglück aus der Itter. Vier Personen bei einer Strombesichtigung ertrunken. Am Freitagnachmittag ereignete sich bei der amtlichen Flußbereisung durch die Ulmer Flußbaubehörde auf der Itter ein schwerer Unfall. Der mit 13 bis 14 Personen besetzte Kahn kam an der Jller-Brücke bei Qberkirchberg, wohl infolge des hohen Wasser» standes, mit einem Brückenpfeiler in Berührung und kenterte. Alle Insassen sielen inS Wasser. Bis- her konnten vier Tote geborgen werden. Einige Verunglückte werden noch vermißt. Bei den Toten handelt eS sich um den Baurat Köhler, den Fluß- arbeiter Joseph H ö f e l e, den Wasserbaureferen- t e n aus Stuttgart, dessen Name noch nicht feststeht und um einen ebenfalls noch unbekannten Herrn aus München. Bundesverfasfungsfeier des Reichsbanners. Der Zehnt« Geburtstag der Weimarer Verfassung am 11. August diese» Jahres wird vom Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold mit seiner Bundesversassungsfeier am 1 0. u n d 1 1. A u g u st in Berlin begangen werden. Der Bundesvorstand des Reichs- banners hat 12 Gaue von den insgesamt 32 Gauen der Organisation zur Teilnahme an dieser Veranstaltung verpflichtet. Das Interesse an diesem Aufmarsch, der zur größten republikanischen Kundgebung, d!« bisher überhaupt stattgefunden hat, ausgestaltet werden soll, ist aber so groß, daß nicht nur die Pslichtgaue aufmarschieren werden, sondern dereits schon jetzt auch aus den anderen Gauen und aus Deutsch-Oefterreich starke Abteilungen gemeldet sind. Man rechnet mit einem Aufmarsch von ungefähr 150 000 uniformierten Reichs- bannertameraden. Di« Berliner Organisationen des Reichsbanners arbeiten bereit» an der Beschaffung der erforderlichen 100 0 00 Privatquartier«, in denen die Kameraden aus dem Reich gastfreie Aufnahme finden sollen. vundesgründungsfeier des Charlottenburger Reichsbanner». Am Sonnabend, dem 8. Juni 1929, begeht der Orteverein Charlotten- bürg de» Reichsbanners sein fünfjährige» Gründungsfest im Tier- gartenhof(neben Bahnhof Tiergarten). Die Festansprachen haben die Reichstagsabgeordneten Philipp Scheidemann und Oskar Mayer übernommen._ Ein Lump endlich gefaßi. Gr schwindelte Arbeiterwitwen das Geld ab. von besonderer Gemeinheit zeugte das Treiben eines Schwindlers, der seit geraumer Zeit von den Kriminalbehörden gesucht und seht in Al truppin endlich un- schädlich gemacht werden tonnte. Der Gauner suchte älter« Witwen auf, die ihre Ehemänner durch«inen Unfall verloren hatten und sich nun von der Rente kümmerlich durchschlugen. Ihnen las er von einem den Frauen amtlich erscheinenden Schriftstück vor, daß sie nach Paragraph Soundso ein« höhere Rente zu beanspruchen hätten und daß für zwei oder drei Monate sogar Nachzahlung bewilligt sei. Ge- schickte Fragen nach den persönlichen Verhältnissen taten ihm dann kund, wieviel Bargeld wohl die Witwen gerade im Hause hatten. Er fertigte dann zum Schein lang« Schriftsätze an und ließ sich zum Schluß 10 bis 30 M.„Gebühre n" zahlen. Bisher sind dem Festgenommenen 30 Betrugsfälle in Berlm allein noch- gewiesen. Es ist ein 31 Jahre alter Kaufmann Bernhard Christof- fersen, der früher einmal bei einer Lebensversicherung angestellt war. Dort wunde er wegen Unregelmäßigkeiten ent- lassen._ Beköstigungszwang für Krankenhausperfonal. In der Stadtverordnetenversammlung hat die sozialdemokratisch« Fraktion folgenden Antrag«in- gebracht: „Trotzdem die Stadtverordnetenversammlung sich wiederholt mit großer Mehrheit für die Aufhebung des Kost- zwange« de» beamteten Pflegepersonals in den Kranken-, Heil» und Pflegean st alten ausgesprochen hat, ordnet« der Magistrat eine Verschärfung des Kostzwanges an. Die Stadtverordnetenversammlung wolle daher beschließen: Der Magistat wird ersucht, den Kostzwang mit sofortiger Wirkung wieder aufzuheben." „Plaza". Das große Variete im Ostbahnhof hat sich auch im „Sommer'monat Juni ein hervorragendes Programm zusammen- gestellt. Der männliche Partner der 2 E l l e m s spielt Tylophon mit vier Hämmern, nach unserem Wissen eine Leistung, die noch nicht öffentlich gezeigt wurde. Die Dame bedient ein neuartiges Röhren. glockenspiel. Den„besten Springakt der Well" bringen Williams Bona. Ihr« Parterresaltos sind durch Ganzdrehungen de» Körper« kompliziert gemacht. Gedankenlesekunst in verblüffender Vollendung demonstriert Afra. Die Dam« errät schnellstens einfach alles, was ihrem Manager Im Saal an Schriftstücken, Auswelsen, Aufzeich- nungen in die Hand gegeben wird. Ein kleiner Rastclli ist Sil- oestri, der Balljongleur. Sein Talent gleicht dem des großen Vorbildes, sein Können dürfte durch Uebung zu steigern sein. Alfred Kling mit dem Wunderschimpansen und Hamilton-Conrads mit 100 dressierten Tauben vertreten würdig die Tierdressur. Karl N a p p, der Komiker, hat es mit Luftballons und Hanomags. Was der Mann darüber für Witze produziert, grenzt an— Körper» Verletzung.«Alles in Trümmer" schlägt die M a ck w e y C.o m. p a n i e. die am Schluß ihrer tollen Szene sogar die Kulissen herunterreißen._ Spori. Rennen zu hoppegarlen am Freitag, dem 7. Juni. 1. R e n n e n. 1. Feldjäger(Rastenberger), 2. Alexandria. 3. Sigmar. Toto: 25:10. Plad: 11, 13, 11:10. Ferner liefen: Augapfel. Fleiß, Groß. admiral. Georg RetmerS. 2. 31 e n u, n. 1. MetrodoruS(D. Schmidt). 2. Favorit, 3. Postmeister. Toto: 15:10. Platz: 10. 18: 10. Ferner lies: Tonkurent. 3. R e n n« n. 1. Gradipa0. Platz: 22, 14, 37: 10. Ferner liefen: Tenerisse, Griland, Wanderer, Polydor, Atttta. 7. R e n n e n. 1. RadameS kW. Prlnten), 2. Stilicho, 3. Tuntor. Toto: 47:10. Platz: 16,29,35:10. Ferner liefen: Hella X. Aurora, -?andlult, Othello,«isjlwg, Sdelstetn. Eervilla. K-Uschale, Kurzschluß. jfürGroß-Verlin stet««» da» Bezirkssekretariat 2. Hof, S Treopea recht», zu richte». parieinachn'chien/J� AbieilungSleiierinnen für Agitation! ngsleiterinnen, die un» auf unser Rund- nicht mitgeteilt haben, an welche Stelle die 'ollen, werden gebeten, die» umgehend f 5086/38) zu tun. Da» Frauensekretariat. Diejenigen Abteilu schreiben Nr. 10 noch Flugblätter gesandt werden sollen, wer (eventuell telephonisch Dönhoff 7. strei« Shartoitenburg«ad Spandau. '' lunt. von 17—" li>ch«na»»tritt! Zuristische Sprechstunde heut«. Sonn. abend.« Juni, von 17—1« Uhr, im Jugendheim Aoflnenstr. 4.»el�eu. deit zum stirchena«»»»itt!- R firei*«ilmerodors. Montag, 10. Juni, 20 Uhr, bei Menfeld, UHIand» ' Ecke Slln�elstratze, Sitzung de» engeren streisvorstande» Mit den Ab» 1»«rei» Änl"«. Die Senosstnnen und Genossen de» 10. streike, beteiligen ' sich am Sonntag. 0. Juni, an der Bannerweihe»es. Reichabunde»»er «rieaibcschädigten im Lolal Sirauchwiese, im Schloßvarl Niederschvn» dauken Die Abteilungen mllsfcn ihre Banner um 14 Uhr stellen. i»«r«>«»eluickendars. Montag, 10. Juni, 10 Uhr, Im kleinen Sitzungssaal de, Bathause» ,u Wittenau, Sitzung de» erweiterten streievorstand««. heute, Sonnabend. 5. Zuni. e,»d» Unter Weg" ist»am Genossen«resstn, PuIIItzstr. 15«, adzuholen. 17.«dt! Die Bezirkosllhrer werden gedeien, die Monaisschrift.Unser Weg" zz«dt �Die�»"rd�m!id«��unltloni!rsttzung fällt heut« au». Di« Bezirlo» '' kllbrer rechnen bestimmt dl» zum 22. Zun! beim Genossen Reugedauer ab. 2««dt. Unser Weg" kann umgehend vom Genossen Walter, Metzer Str. 07, ' abgeholt werd-n. Morgen, Sonntag. S. Zuni. 4»•• Ä' t f***«auchfaug-werd«». Iteff. 37.«U. «uB*iao"«S» Baul»». Srektpuntt 13 Uhr am ffiledOnaplatz In«teder. Hausen statt. Zungsoziallsten. «ertede»Irk«est«»: Montag. 10. Juni, 20 Uhr, spricht Genoslin«Nim Haetoch llber.Dieskau und der Sozialiamua" im Jugendheim Charlotten. �druvve gbarlottenburg: Heute, Sonnabend, 20 Uhr, im Jugendheim «vOnenllr 4 Noctsetzung der Diskusston über da» Reparatronsproblem. Rese. ?�t G-Ich Hohessel. Anschließend Besprechung über da. ssest der Jugend i» Ro'Ijuotf» der auch die Gruppe«chöneder, eingeladen ist. '«»»»». B»dn»dors: Leute, Sonnabend, tressen wir UN» bei Heünanit. »«ÄSi« lä; tn ckitarbeit« b» Znftaads.tzung der Ädlioth«. «eulOR»! 17 Uhr Görlitz«! Bah Gruppe Zeit dors. Treffpunkt'TUh'r Bhf n5°st�' >s.M--i< Sonnabend, Fahrt nach stlein-störi». Trekkounkt lariendars: Sonntag, 9. Juni, Fahrt nach Rangs. " Mariendorf. Feldflaschen mitbringen. Arbeitsgemeinschaft der kiaderfreunde. strei» streuzderg: Sämtlich, Feltlagerteilnehmer treffen sich heute 15 Uhr Belle-Alliance.PIatz zur Fahrt nach Birkenwerder. Fahrgeld 00 Ps. und Ber. pfleoung ist mitzubringen. Tiergarten, Gruppe August»edel: Alle Feltlagerteilnehmer treffen sich am Sonnabend. 8. Juni, um 15>z Uhr im Kleinen Tiergarten zum Probezeltlager hrt>. Essen und 05 Ps. Fahrgeld mitbringen. Alle in Birtenwcrdcr I anderen Jung, und Kleinen Tiergarten. WWW.-! Gharlottenburg: Achtung! Am Diensiai straße 4, Elternversammlung. Es spricht i W strei» Weihensee: Gruppe Weißensee trifft ssch zur Fahrt in» Probezeit. Rote Fallen: Trefspunkt Sonntag, 0. Juni, 7 Uhr, im 40 Pf. Fahrgeld mitbringen. .... Ii"" Zun!, Im Jugendheim Rostncn. enosse Dr. Siegfried Bernfeld. lager am Sonnabend um 15 Uhr im Jugendheim Parkstr. 30. Ghnapf, Trink- becher und' Löffel mitbringen. Reinickendorf! Wir treffen UN» zur Fahrt in» Probezeltlager heut«. Sonn. abend, ITA Uhr. am Bahnhof Schönholz. Sterbetafel der Groß» Berliner Partei-Organisation. 4. Abt. Die Einäscherung unseres verstorbenen Genossen S e r n d t findet ntag, 10. Juni,' 00. Abt. Neukölln. am Montag >0 nn. 1744 Uhr, im strematorium Gerichtstrahe statt. Am 5. Juni verstarb unser Genosse, der Architekt Wilhelm Ulttzfch, im Alter von 74 Jahren. Ehre seinem Andenken I Beerdigung heute, Sonnabend, 8. Juni, 14 Uhr, auf dem Alten Iakobi-Friet- Hof, Neukölln, Am Rollkrug. W SozlalistischeArbeiterjugendGr.-Verlin Ginsendungen filr diese Rubrik nur an bat Zügen dsetreieriai DerIK SWOO. Ttndenstraße J Heute letzter Zag tii, 13 Uhr) ,»,«»Meldung für Sien. heute. Sonnabend: _____» irt Tiefensee. kosten 2 M.- Reukölln lz Reutervlatz.—«euköll» V: Treffpunkt 18 Uhr Wriezener Bahnsteig. Un- ohrt Königswusterhausen. Treffpunkt I! ' WM--—-hs. Reuköll . atz.-«euköll» V: Fahrt. Treffpunkt 4744 Uhr Bhf. Neukölln. Un. kosten 75 Pf.— W!l»«r»darf: Heim PÜIhelmsaue 128.„Die deutsch« Presse."— Werbebezirk Mitte: Zusammenkunft aller Wienteilnehmer 1044 Uhr im Fahrt Königswusterhausen. Tref Fahrt. Treffpunkt 1744 Uhr Bhf : Leim Wilhelmsaue 123.„Die de 19. Heien Elifabethkirchstr.. SSG.«renzlauer Berg: Heim Danztger Str. TSG." Referent Gerd Bothur. Morgen, Sonntag: 02. 20 Uhr: J3A3. und Fulkplatz N: Fahrt Bernau— Krumm« Lank«, fundbrunnen.— Schönhauser Borstadt: 044 Uhr Nordring.- Rrulöll» lll: Jährt Bhf. Neukölln. Unkosten 50 Pf.— Reutolln VIII: Treffpunkt 0 Uhr Bhf. G«. «Häuser Borstadt: Fahrt Erkner— Werlfee. Tresfpunk! - r(s"— Neu-Kamerun. Treffpunkt 0 Treffpunkt 0 Kosten 50 Pf.— Lichtenberg- Fahrt. Treffpunkt 044 Uhr Stralau-Rummelaburq. Serbebezirk Schöueberg: Montag, 19 Uhr, Probe für da» Waldfest Im Heim Hauptstr. 15. Vorträge, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". SefchStt-Nelle: Berlin S 14. Eebastianftr. 37/38. Hot 8 Tr Sonutag, 0. Zuni. Pankow: Die Kameradschaft Süd und die Zungkomeraden treten um 12 Uhr Gustav-Adols-Strosse Ecke Prenz- lauer Promenade an 13 Uhr Antreten aller Kameraden Marktplatz, Breite Straße. 1344 Uhr Abrücken zur Bannerweihe de» Reichsbunde» der Kriegs. beschädigten. Nachzügler 15 Uhr im Restaurant Strauchwiese. Weißensee: Antreten der Kameradschaften Prenzlauer Promenade Ecke Heinersdorfer Straße.' — Montag, 10. Zuni. Steglitz(Kameradschast): 20 Uhr bei Schulz, Birkbusch- straß« 90, Monatsversammltlng. Referent Kam. Stadtrat Herme» über„Gibt es eine Krise de» Parlamentarismus?" ReukLlln-Brltz, 2. Kameradschast: Funktionärversammlung bei König, Böhmische Str. 43— 44, Ecke Echudoma- slraße, 20 Uhr.- Ruh'' nach Tegel. Rnderrieg«: Sonntag, 7 Uhr, Bootshaus zur Cladtsahrt R«Ich»kart«I Republik, Kleiulaliber-Schützenucrei», Ortsuercin Kreuzberg. Sonntag, 0. Juni,»on 944 bis 1244 Uhr schießen auf den Schießständen i» Friedrichsfelde. Treffpunkt 844 Uhr Echlesifches Tor und Wiener Ecke Grünauer Straße. FrelrellgtSfe Semeiude. Sonntag, 11 Uhr, Poppelallee 15, Bortrag des Herrn E. Witthauer:„Die Gottesidee in der Gegenwart". Harmonium: Lied aus„Ptquc-Dame"). Gäste willkommen. Sereia ber Thüringer, gegr. 1801, Fweiaverein des Thllringer-Wald-Ber- ein». Sitzung mit Fidelitas am 8. Juni IN den Bismarck-Festsälen, Neue Grllnstr. 28, ad 2044 Uhr. Landsleut« und Angehörige willkommen. Republikanisch« Rebuerpereiuignug. Moniag, 20 Uhr, Vortragsabend mit Diskussion im„Alten Askanier", Anhaltstr. 14. Arbeiter-Samariter-Bund, t. B. Mvnatsversammlungen der Abteilungen: Moutag, 10. Zuni: Abt. Echöneberg, Ebersstr. 00, Rofcnthal. Abt. Köpenick: Schönerlinder Str. 5, Stippekohl. Weißensee: Charlottenburger Str. 5. Starte. Neukölln: Kirchhofstr. 44, bei Schilling.— Dienstag, u. Juni: Abt. Friedrichs- Hain: Tilsster Str. 27, bei Busch. Kreuzberg: Grimmstr. 30. Hermsdorf: Roonstroß«. Schule.— Donnerstag, 13. Znni: Abt. Pankow: Kisssngenstr. 48, Jugendheim. Treptow: Graetz- Ecke Wildenbruchstraße. Tiergarten: Bredow- Ecke Wiclefstraße, bei Lausch, Eharlottenburg: Rossnenstr. 4, Jugendheim.— Freitag, 14. Zuni! Steglitz: Lichtcrfelde, Noonstr. 39, de! Schmidt. Tcmpelhof: Rathau»- Ecke Königstraße, bei Lindisch. Lichtenberg: Weserstr. 20, bei Heers. Montag, 10. Juni, 20 Uhr, Kondi» 114 fKnie), Klubzimmer. Vortrag und Kabe, zwei Esperanio-Klassiker". Reichsbund der Kriegsbeschädigten, striegsteilnehmer und strtegcrhiater- bliebenen, vrt»gruppe Westen: Bezirksvcrsammlung Dienstag, 11. Juni, 20 Uhr, im ssahnärzlehau», Bülowstr. 104.— Bezirt Wedding: Mitqliederver. sammlung am 11. Juni, um 20 Uhr, im Lokal Patzenhofer, Chaufsecstr. 04. Wellerbericht der össeuNichen wekterdlenststelle Berlin und Umgegend. sNachdr. Verb.) SinfangS noch Neigung zu leichten Regenschauern, dann zunehmende Ausbelterung, tagsühcr wärmer, abflauende W-nde.— Für Deulschlond: Im Süden teils heiter, Icils wollig und am Tage ziemlich warm, im Norden anfangs noch etwas unbeständig, dann etwas Aus- heiterung und geringe Erwärmung am Tage. fciAt öer Bär? % FESTSPIELE [ik.ma»- a5>or > J 4 J > ' Braunlage! BianKenburg. Harz (254 m mittlere Höhe) Luftkurort, mildes Gebirgsklima Kurverwaltung A G. Telephon 625 Besucht Bad Oppelsdort b. Zittau I. 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Zum �929 Deutschlands Zahlungsbilanz 1928 Erheblich kleinere Reuverschuldung- Deutsche Kapitalausfuhr wächst Die feit dem Kriege erfreulich stark ausgebaut« moderne Wirt« schaftsstatiftit bietet durch die Aufstellung von Zahlungsbilanzen «inen viel genaueren Einblick in dje Verflechtung einer Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft, als dies bis vor wenigen Iahren noch möglich war. Die Zahlungsbilanz gibt Auskunft über sämtliche Schulden und Forderungen, die im Laufe eines Jahres von einer Volkswirtschaft gegenüber anderen Volkswirt- fchaften. d. h. gegenüber dem gesamten Ausland entstanden sind. Sie bietet also«in Vild über die jährliche Bewegung, noch nicht ober über den Stand der Schulden und Forderungen, die ein Land gegenüber dem Ausland hat. Die Zahlungsbilanz erfaßt grundsätzlich den gesamten Iahresverkehr an Waren und Kapitalien über die Grenzen. Ein besonders wichtiger„Derkehrs'posten sind die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, d. h. alle Ausgaben, die von Ausländern im Laufe eines Jahres in einer Volkswirtschaft gemocht werden. Sie wirken nämlich in gleicher Weis« wie die Aus- fuhr von Waren. Einzelne Posten der Zahlungsbilanz sind nur mit großen Schwierigkeiten statistisch zu ermitteln. Für einen der wich- tigsten Posten, den Warenverkehr, wurde durch die gründliche Reform der Außenhandels- statistik im vorigen Herbst, von sicher nicht sehr bedeutenden. aber unvermeidlichen Fehlern abgesehen,«ine ziemlich genaue Grundlage geschassen. Schwieriger sind die meisten übrigen Posten der Zahlungsbilanz zu ermitteln. Zwar besteht auch für den Kapitaloerkehr, der durch Nehmen oder Geben von langfristigen Anleihen entsteht, eine hinlänglich genaue Statistik. Viel ungünstiger ist«s mit dem Verkehr der kurzfristigen Gelder, mit dem Ankauf und Verkauf von deutschen Wertpapieren durch Ausländer und von ausländischen Wertpapieren durch Deutsche. Schwierig ist auch die Erfassung der Frachteinnahmen bzw. der Ausgaben für Frachten. Das Statistisch«' Reichsamt, dos vor einigen Tagen die Zahlungsbilanz für dos Jahr 1928 veröffentlicht hat, hat die Methoden weiter vervollkommnet, wobei der hauptsächlichste Ausbau in einer besseren Erfassung des Verkehrs in kurz- srsstigen Geldern und in Wertpapieren zu bestehen scheint. Die Veränderungen im Jahre 1928. Dir Ergebnisse zeigen einig« besonders bemerkenswerte Der- Lnderungen im Vergleich zu den Vorjahren. Die Passivität (Mehreinsuhr) im Warenverkehr ist von rund 3 Milliarden im Jahre 1927 auf rund 1,3 Milliarden Mark im Jahre 1928 ge- simken und stellt damit, wenn man von dem Krisenjahr 1928 mit feinem Ausfuhrüberschuß absieht, die gering st e Passivität seit der Stabilisierung dar. Eine bedeutende Veränderung weist das Zinskonto mit dem Ausland auf. Während im Jahre 1924 nach Abzug der Zins- Verpflichtungen noch rund 109 Millionen an Zinsen aus dem Aus- land eingenommen wurden, hat sich seitdem infolge der auf- genommenen langfristigen und turzfrsstigen Schulden das sehr ge- ändert. 1928 hatte Deutschland nach Abzug der Zinseinnahmen fast?«. Milliarden Mark Zinsen(735 Millionen) an das Ausland zu zahlen, gegenüber X Milliarde im Jahre 1927, 399 Mil- lionen im Jahre 1926 und 119 Millionen im Jahre 1925. Dabsi Hot nach Annahme des Statistischen Reichsamts die wachsende Zins- last Deutschlands— insgesamt 1928 über 1 Milliarde— seit 1925 nicht durch wachsende Zinseinnahmcn Deutschlands gemildert werden können. Der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben im „Dienstlelstungsoerkehr"(Schiffsverkehr, Versicherungsgeschäfte, Löhne ausländischer in Deutschland tätiger Arbeiter, Reisendenvertehr usw.) hat sich nicht geändert(rund 399 Mill. Mark). Dagegen sind die Reparationsleistungen, die ein« starte Belastung der Zahlungsbilanz darstellen, im Kalenderjahr 1928 von 1584 Mill. Mark auf 2 Milliarden angewachsen. Nimmt man alle Posten der Waren-, Dienst- und Reparations- leistungen und der Wanderungen zusammen, so hat Deutschland im Jahre 1923 Z,7MillIardenmehrausgegebenalsver- einnahmt(gegenüber 4V Milliarden im Jahre 1927). Da Deutschland-- hauptsächlich bei der Reichsbank— außerdem im Jahre 1928 seinen Gold- und Devisenbestand um 931- Millionen ver- größert hat— im Jahre 1927 fand eine Verminderung um 452 Millionen statt—. waren im ganze« für 4.6 Milliarden Mar? Deckung zu beschaffen. Wie ist das geschehen? Eine Zahlungsbilanz muß immer ausg«. glichen sein. Man spricht zwar von einer„aktiven" und �passiven' Zahlungsbilanz: dabei ist jedoch unier..Passivität" zu verstehen, daß ein Land in einem bestimmten Jahre gezwungen war, zur Beftrertung seiner Mehrausgaben Kredite im Ausland aufzunehmen, während„Aktivität" der Zahlungsbilanz bedeutet, daß ein Land in der Lage war. an das Ausland Anleihen und Kredite zu gewähren, also neue Aktiven im Ausland zu schaffen. Die Deckung kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch bk Aufnahm« langfristiger Anleihen im Ausland, durch ander« langfristige Kredite. durch Verkäufe deutscher Wertpapiere und anderer deutscher Sachgüter an das Ausland„ � und durch Aufnahme kurzfrtstlger Schulden. Zur Deckung der hohen Passivität des Jahres 1928 ist. wie auch jN den vergangenen Iahren. von all diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht worden. Die langfristigen Anleihen und die Verkäufe deutscher Werte an das Ausland sind ihrem Umfang nach ungesähr gleich geblieben Die Aufnahme kurzfrsstiger Schulden ist noch den FeststtSange» de- Statiftijchen Reichsawts zwar von 1,9 auf rund 1,6 Milliarden gesunken; es möchte also zunächst scheinen, daß es gelungen wäre, die Passivität des Jahres 1928 trotz ihrer Steigerung gegenüber dem Vorjahr in einem größeren Umfang durch lang- fristige, d. h gesünder« Verschuldung zu decken, als ini vergangenen Jahr. Dies dürfte jedoch nicht der Fall sein, da das Statistische Reichsamt einen Restposten von 1,3 Milliarden(im Jahre 1927 nur 799 Millionen) nicht weiter ausgliedern konnte und man annehmen muß, daß mindestens die Hälfte dieses Posten- auf kurzfristige Der- schüldung, die andere Hälfte auf Efsektenverkäuse usw. entfällt. In einem entscheidenden Punkte besteht allerdings eine starke Veränderung gegenüber dem Vorjahr: die Passivität des Vor- jahres von 4,8 Milliarden war zu einem kleinen Teil(rund 19 Proz.) durch Abgabe aus deutschen Beständen an Gold und Devisen gedeckt worden, im Jahre 1928 hingegen ist, wie bereits erwähnt, die Passivität durch Ankauf von Gold und Devisen um fast ein Viertel vergrößert worden. Die deutsche Zahlungsbilanz 1324 bis 1328(in Millionen Mar?). Di« wachsende Verflechtung Deutschlands in die Weltwirtschaft wird erst deutlich, wenn man die Posten der Kapitalbewegung näher aufgliedert. Dabei zeigt sich, daß auch Deutschland schon wieder erhebliche Kredite an das Ausland gibt. Soweit die Kapitalbewegungen nachweisbar waren— ein Teil steckt in der„Nicht aufgliederbaren Kapitalbewegung"—, sind zwar im Jahre 1928 sür rund 2,3 Milliarden deutsche Effekten von Aus- ländcrn erworben worden; andererseits haben aber auch Deutsche sür 1,8 Milliarden Effekten im Ausland gekauft! Gleichzeitig sind im Jahre 1928 von deutscher Seite mehr als 899 Millionen kurzfristige Kredite an das Aus- land gegeben worden. Die deutsche Kapitalausfuhr hat gegenüber dem Vorjahr bedeutend zuge- n o m m e n: Die von deutscher Seite gegebenen kurzfristigen Kredite haben sich um rund 359 Millionen vermehrt: die Zunahme von Käufen ausländischer Effekten durch Deutsche war noch weit- be- deutender: sie stieg von 73 Millionen auf 1V Milliarden! Auf der anderen Seit« hat sich auch die Anlage ausländischen Geldes in Deutschland durch Käufe deutscher Effekten mehr las verfünffacht. Bilanz der Bilanz. Im ganzen ist die Zahlungsbilanz für 1928, wenn sie auch keine unvorhergesehenen Ueberraschungen bietet, recht interessant. Sieht man von dem Zufluß von Gold und Devisen ab, so wurde die Passivität trotz der Steigerung der Reparationszahlungen geringertt Dies war möglich infolge der starken Ausfuhrstelgerung, die sicher lich nur in geringem Umfang dem inländischen Konjunkturrückgang in der zweiten Hälfte des Zohres zu verdanken ist. Im übrigen ist diese Zahlungsbilanz ein neues Zeichen für die wachsende Ver- flechtung der internationalen Geld- und Kapitalmärkte, die, je nach den Zinsmöglichkeiten und manchmal ohne Rücksicht auf die Be- dürfnisse der eigenen Wirtschaft, die Kapitalien hin und her wirst. dem Krieg Stark- und Schwachstromprodukte aller Art, doch wurden die Aktien bei Kriegsausbruch beschlagnahmt, und als dann eine Umgründung in eine rein englische Gesellschaft erfolgte, wurde in den Stowten ausdrücklich festgelegt, daß nicht mehr als 25 Proz. des Aktienkapitals in ausländischen Händen sein dürfe. Bereits im vergangenen Jahre kam jedoch eine neue Amräherung zustande. Nunmehr scheint ein Interessengemeinschaft s- vertrag zustande zu kommen. Ueber die Vorverhandlungen hier- zu konnten wir bereits vor einigen Monaten berichten. Am 31. Mai fand nun in London die Generalversammlung der Siemens Brothers u. Co. statt, auf der der Präsident Lord Queenborough u. a. die Mittellung machte, es sei im vergangenen Jahre mit zwei großen Auslandskonzernen verhandelt worden und ein Interessengemein- schastsvertrag stände bevor, sobald einige Punkte der Satzung der Gesellschaft geändert würden. Insbesondere sollen die Worte van „Feindstaaten" gestrichen werden. Aus dieser Bemerkung geht her- vor, daß mindestens der eine dieser beiden Konzerne eine deutsch« Gesellschaft sein muß— wobei natürüch nur die Siemens u. Halske A.-G. gemeint fein kann. Dagegen soll eine Kapitalüberfremdung auch in Zukunft nicht stattfinden. Ein solcher Interessengemeinschaftsvertrag bedeutet für den Siemens-Konzern eine Stärkung seiner W eltstell u n g. für die Siemens Brothers wahrscheinlich eine ver- besserte Finanzlag«. Ihr Reingewinn hatte 1927 357 999, dagegen 1928 nur 336 999 englische Pfund betragen, d. h. etwa 6,7 Millionen Mark. Dieser Gewinnrückgang ist eingetreten, obwohl sich der Um- satz bedeutend erhöht hatte— ein Zeichen der verschärften Kon- kurreßzlage insbesondere in der Uebersee. Wenn sowohl durch die Gründung der Protos Electric als auch durch den Vertrag mit Siemens Brothers der Siemens-Konzern wieder stärker in England Fuß fassen will, so ist das ein An- griff aus der Verteidigung. In den letzten Iahren zeigt die deutsche elektrotechnisch« Ausfuhr nach England eine rückgängige Entwicklung: und während 1913 etwa 11 Proz. der deutschen Elektro- ausfuhr nach England gingen, sind es gegenwärtig nur etwa 7 Proz. Andererseits hat sich der amerikanische Einfluß auf die englische elektrotechnische Industrie o e r st ä r k t. Da gegenwärtig in England ein großzügiges Elektrifizierungsprogramm durchge- führt wird, das riesige Aufträge an die elektrotechnische Industrie mit sich bringt,' so will Siemens offenbar auch an dem hier zu er- wartenden Geschäft beteiligt sein.— b Siemens in England. Die„protos" Sleciric-Gründung- I- G.'Verirag mit Siemens Brothers Co. Aus London kommen ziemlich gleichzeitig zwei Meldungen, die davon zeugen, daß der Siemens-Konzern daran arbeitet, in Eng- land wieder festen Fuß zu fassen. Zunächst auf dem Start st romgebiet(wobei bemerkt sei, daß man unter Storkstromerzeugnissen elektrische Maschinen aller Art, Transformatoren. Glühbirnen usw. oersteht, während man Telephon- und Telegraphenaxparate, Radiomaterial, bestimmte Metz- apparate usw. als Schwachftromerzeugnisse bezeichnet). Die Sie- mens-Schuckert-Werke. d. h. der starkstromtechnssche Flügel des Kon- zerns, gründete dieser Tage in London eine Untergefellschast unter dem Namen„P rotes Electric Ltd.": diese Gesellschaft soll nicht nur Produkte des Siemens-Schuckert-Konzerns in England ab- fetzen, sondern als Zweck des Unternehmens wird auch eigen« Fabri- kation angegeben. Was die Schwach st rominteressen betrifft, so scheint sich das Verhältnis der Siemens- u. Halske.A..G. zu der englischen Firma Siemens Brothers u. Co. Ltd. wieder sehr eng zu gestalten. Die Gründung der englischen Siemens-Gesellschaft liegt mehr als 75 Jahre zurück, es war das erste Zweigunternehmen der deutschen Siemens-Gesellschaft. Dies Unternehmen produzierte vor Kariellkämpfe im Waggonbau. Starker Außenseiterblock gegen Verbandsbildung. Die deutsche Waggonbauindustrie war bisher nur zur Durch. führung der Reichsbahnaufträge in einem Verbände, der Deut» schen Wagenbauvereinigung, zusammengeschlossen, da» gegen existiert« ein allgemeines W a g g o n k a r t e l l zur Re- gelung des gesamten Geschäftsverkehrs nicht. Diese Lücke soll jetzt durch die kürzlich erfolgte Gründung der„D e u w i"(Deutsche Waggonbaumdustrie) ausgefüllt werden. Die„Deuwi" stellt ein Kartell dar, in dem sämtliche in- imd ausländischen Waggonaufträge mit Ausnahme der durch die Wagen- bauvereinigung geregelten Reichsbahnaufträge quotenmäßig auf die einzelnen Werk« umgelegt und durch die Ausschaltung der Kon- kurronz sta b i l e P r e i s v e r h ä l t u i f f« geschaffen werden sollen. Der bisherige Gründungserfolg muß jedoch noch als recht bescheiden bezeichnet werden, da bis jetzt im Höchstfall« 65 Proz. der deut- schen Waggonwerke dem Kartell beigetreten sind, also ein starker Auhenseiterblock vorhanden ist. Die Existenz dieses starken Außenseitertums hängt mit den schon längere Zeit währenden Konflikten zwischen den einzelnen Straßenbahnverwaltungen und der Waggonbauindustrie zusammen. Die kommunalen Regieverwaltungen im Verkehrswesen stehen mit Recht einer K a r t e ll i e r u n g des Straßenbahnge- schäfts mit größtem Mißtrauen gegenüber, da nach ihren früheren Erfahrungen die Kartellpolitik übersetzte Preise für Straßenbahnen zur Folge hat. Aus diesem Grunde haben größere Kam- munen wie Halle und Frankfurt auch schon erwogen, ihren Bedarf an Straßenbahnwagen in eigenen Werken zu decken. Inzwischen haben sich eine Reihe Straßenbahn- und Kleinbahn- Verwaltungen in einem Konsortium zusam menge- schlössen und mit drei Waggonwerken, der H a w a(Hannoversch« Waggonfabrik), der Christoph u. Unmack A.-G. Niesky und der Waggonfabrik Uerdingen, also mit drei Außenseitern der Deuwi, einen langfristigen Liefervertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag, der über 5 Jahre läuft, sichert den drei Werken 5 9 Proz. der gesamten Austräge, welche dag Konsortium der Auf- trgggeber in diesen 5 Iahren zu verteilen hat. Die Zugestärndnisse der somit reichlich versorgten Werke sind wohl in erster Linie in billigen Preisen zu suchen. Ob sich das neue Waggonkartell gegen die Außenseiter wird durchsetzen können, erscheint um so fraglicher, als zu diesen auch der Westdeutsche Waggontrust(Ver Westdeutsche Waggonfabriken A.-G. Düsseldorf) gehört, der nach Linke-Hofmann das stärkste deutsche Waggonunternehmen ist. Da die Deutsche Reichsbahn aus Rationallsierungsgründen ein großes Interesse an dem neuen Kor- tell hat, so wird für die weitere Entwicklung in diesem Konflikt ihre Haltung von entscheidender Bedeutung sein. Der Großhandelsindex für den Rlonalsd-urchfchnilt Mai. Di« für den Monatsdurchschnitt Mai berechnete Großhondelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegen April von 137,1 auf 135 5 gesunken. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für A g r a r- st o f f e um 1,9 Proz. und die Indexziffer für Kolonialwaren um 1,2 Proz. zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Roh- st off« und Halb waren lag um 1,4 Proz. niedriger als im Vormonat, während diejenige für industrielle Fertigwaren um 9V Proz. nachgegeben hat. kräftige Entwicklung der Melallwalzwerke. Aus dem jetzt ver- öffentlichten Börsenprospekt des großen westfälischen Melallwalz- werkkonzern Berg-Heckmann-Seloe wird die schnelle Eni- Wicklung der deutschen Metallindustrie in den letzten Iahren erficht- lich. Das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 1925/26 rund 53,6 Millionen Mark um, im foigenden Jahr 69,6 Millionen Mark, und im letzten Betriebsjohr 1927/28, für das auch auf das 16 Mil- lionen Mark betragende Aktienkapital wieder die erste Dividende von 6 Proz. gezahlt wurde. stiegderUmsatz sogar auf 89,3 Mil- lionen Mark. Die Belegschaft in sämtlichen Betrieben belauft sich zurzeit auf 4399 Arbeiter und Angestellte. Der Bcschäftigungs- grad im laufenden Jahr hält sich auf der Höhe des Vorjahrs. Reue Vaugefellfchafl der christlichen Gewerkschaften. Di« christ- Nchen Gewerkschaften, u. a. der Gesamtoerband der christlichen Ge- werkschaften Deutschlands, der Zentralverband christlicher Bau- arbeiter, der Deutsche Versicherungs-Konzern usw., hoben eine neue Baugesellschaft unter der Firma DeutscheHeimbau gemein, nützig« A.-G., Berlin, mit 159900 M. Grundkapital errichtet. RepublikanischeSffensive-mVerfassungSlag GoNmanns Forderung im Reichsiag. Ler Reichstag setzte mn Freitaqnachmitwg di« Ctatsberatung beini Sdeichsmmisterium be* Innern fort. Abtz. v. Sardorsf(D. Vp.): Die übergroßen Wahlkreise bedeuten die Gefahr einer gewissen Erstarrung des politischen Lebens. Das englische Wahlsystem oder die zum Kuhhandel zwin- enden Stichwahlen wünscht man in Deutschland nicht. Der Proporz ordert allerdings di« Splitterparteien. Eine Verfassungs- r s f o r m ist notwendig, die Regierung muß stabiler gemacht weroen. Die Reichsverwaltung ist äußerst schwach, da di« wichtigsten Der- woltungen Landessache sind. Der Ausweg liegt darin, daß der Reichspräsident auch preußischer Staatspräsident ist. Preußen hat nur noch«ine Aufgabe: Im Reich aufzugehen. Wir wollen freies Berufs, und nicht Parteibeamtentum. Es folgen die Abstimmungen zum Wirtschaftsetat. Der Etat wird bewilligt, der Antrag der SPD. aus Einsetzung eines öffentlich-rechtlichen Organs zur Kontrolle der Eisenwirtschaft wird agf Antrag Dessauer(Z.) einem Ausschuß überwiesen. Nunmehr wird die Etatsberatung fortgesetzt. Abg. Gollmann(Soz.): Haushall gegenüber Darunter haben auch Wir erwarten, daß bei einer finanziellen Entspannung dieser Haushalt wieder reicher aus- gestattet wird. Die 5)eraHsehung der Ausgaben für die Technische R o t h i l s e von 2� Millionen auf 1 Million danken wir dem Minister, der im Gegensatz zu feinen Vorgängern hier energisch abbaut. Wir hoffen, daß dies der Ansang vom Ende dieser Einrichtung ist. Die Entwicklung der letzten Jahr« mit den großen Aussperrungen z. B. im Rubrgebiet zeigt, daß eher ein« Reichsnothilke gegen das Unternehmertum not« wendig wäre, als eine Technische Nothilse, di« bei der wiedererlangten i-noeitschaftlichen Disziplin überflüssig ist.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Alle wissenschaftlichen und sonstigen kulturellen Aufgaben unterstützen wir. Der Reichsinnenminister soll mehr und mehr zu einem Reichskulwrwart werden. Noch immer zeigt sich im deutschen Bildungswesen der Klassencharakter unserer Gesell- schaft. Nur 1,2 Pm. der Studenten stammen aus Arbeiterfamilien. Die Hilfe für Studierende aus besitzlosen oder verarmten Schichten muß besonders gepflegt werden. Wir bekennen ups auch zur Deutschtumsarbeit in den Grenzgebie'ten und bei den Auslandsdeutschen. Wer sich sprachlich und kulturell mit dem deutschen Volkstum verbunden fühlt, darf nicht zurückgestoßen werden. In dieser Arbeit müssen aber alle Akkorde des deutschen Geisteslebens wiederklingen, es dürfen sich darin nur Menschen be- tätigen, die das V e r t r a u e n der verschiedensten Parteien genießen. Es war ein schwerer Mihgrisf, Reichsgelder durch die Hände des Putschisten Major Pabst gehen zu lassen. Die Verantwortung dafür trägt das Reichsaußenmimsterium. Mir erwarten, daß dies ein Einzelfall bleibst (Zustimmung bei der Mehrheit.) Der Stahlhelm hat soeben aus seiner Münchener Tagung den Exkronprinzen Rupprecht als „allerhöchsten, rechtmäßigen bayerischen Landesherrn" begrüßt und di? Reichsregierung als„internationale Gesellen" be- schimpft. Die Musik spielte:„Heil unserm König!" Diese Tagung ist' auch von einer sehr hohen Stelle der Republik tele- graphisch begrüßt worden. Die Republik versünd'gt sich gegen ihre Staatsmoral, wenn sie weiterhin gestattet, daß Beamte der einen sozialistischen Staatsmann gestimmt hatten. gründet die Entlassungsstrafe Republik in einer Organisation sich betätigen, die den Haß gegen di« Republik predigt und die Beamten zur Untreue gegen ihren Versassungseid verleiten will. Im alten Staat wurden Beamte schon entlassen(Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 10. März 1914), wenn sie bei der öffentlichen indirekten Landtagswahl für 7'' Das Urteil be- damit, daß mit dem Treueid dos Ein- freien für eine Partei unvereinbar sei, die di« bestehende Staats- form bekämpf«.(Abg. B e r n d t(Dnat.): Na, war das nicht richtig? — Große Heiterkeit links.) Noch diesem Zuruf wird wohl Herr Berndt nachher bean- tragen, daß all« Beamten entlassen werden, die dem Stahlhelm usw. angehören.(Sehr gut! links.— Abg. Berndt: Damals hatten wir doch noch nicht die Weimarer Verfassung!— Stürmisch« Heiterkeit links.) So Intolerant wird die Republik nicht sein, aber di« Staatsauloritäl gebietet, daß die Republik omteu und der...... antirepublikanischen Slahlhelmhehe liehen Strich zieht. icn ihren Be- einen beut- Im 1. Mai hat er unternommen. Der Rotfront Was der Minister im Anschluß an die Unruhen der er/ten M a i t a g e getan hat, billigen wir. Der Rotkrontkämpfer- b u n d hat schon auf seiner Berliner Gaukonferenz am 18. November 1928 zum bewaffneten Ausstand aufgefordert. A einen entsprechenden Versuch unternommen. kämpferbund hat sich also die folgen selbst zuzuschreiben. An der Berliner Polizei nachträglich und vom sichern Port aus Kritik zu üben, lehne ich ab.(Gegenrufe der Komm.) Die Ver- a n t w o r t u n g für die schuldlosen Opfer fällt aus die K o m- m u n i st« n.(Widerspruch der Komm.) Di« Polizei wird sich be- mühen müssen, Mittel zu finden, die mehr ein polizeiliches als ein militärisches Vorgehen gegen solche Unruhen ermög- lichen, damit möglichst vermieden wird, daß unbeteiligte Bürger zu Schaden kommen. Notwendig ist die baldige Vorlegung des Beamtenver- tretungsgesetzes, der Beamtendienststrafordnung. des all- gemeinen Beamtenrechtes und des Ministerpensionsgesetzcs. Der Gesetzentwurf über die Feuerbestattung sollte endlich wieder ausgegraben werden, um die grundsätzliche Sieichberech- t I g u n g der beiden Bestattungsformen zu verwirklichen. Jede Iensurgesetz gebung irgendwelcher Ark lehnen wir ab. Das Schund- und Schmutzgesetz halten wir. für einen Versager. Es ist fast nur belangloses Zeug verboten worden und die eine oder andere homosexuelle Winkelzeitschrift, die ohnehin von allen normal veranlagten Menschen abgelehnt wird. Im Ausschuß ist mit einigem Lob auf die Kulturpolitik der südeuropäischen Diktg- turen hingewiesen worden. Di« Zensurbestimmungen für Italien (die der Redner verliest) zeigen, daß damit jedes Theaterstück oerboten werden kann. Auch das Christentum darf nicht außer- halb der Kritik stehen. Seine Bekenner führen es auf göttliche Offenbarung zurück. Ein sehr großer Volksteil erblickt aber in der Religion Menschenwert und muß das Recht haben, diese Meinung frei zu äußern. Wenn sich die christlichen Bolksgenossen über di« Karikaturen von George Groß entrüsten, die u. a. Christus in Gas- maske und Kommißstiefeln darstellen, so sollten sie logischerweise daraus diesen Schluß ziehen: Der christliche Heiland ist nicht als Militarist, nicht einmal als Krieger zu denken. Mithin l ä st« r t den christlichen HeUand und den christlichen Gott, wer Krieg führt o$tr gar den Krieg verherrlicht, wer kriegerische Fahnen weiht, wer Waffen segnet und für den Sieg der Waffen betet.(Sehr gut! links.) Diese Karikatur trisft nicht das Christen- tum, sondern di« Stahlhelmpfaffen, die eine Karikatur des Christentums sind. Wir fordern, daß im Rundfunk auch sozialistischer Geist zu Worte kommt. Persönlich halte ich den Sozialismus nicht für eine Weltanschauung, aber er ist vielen Menschen Religion. Jedenfalls ist der Sozialismus viel mehr als eine Partei. Es ist«in« Gesellschaftslehre und eine von hohem Ethos durchglühte Gemeinschaft. Diese Vewegung nimmt auch ihr Recht auf den Rundfunk in Anspruch. Immer noch fehlt ei» Ausführungsgesetz zu dem Artikel 48 der Reichsverfassung. Dieser Diktatuvariikel kann in der Hand eines zu Abenteuern neigenden Reichspräsidenten— was von dem jetzigen Träger dieses hohen Amtes nicht gesagt werden kann— zu einer Gefahr für di« Freiheiten und Grundrechte des deut- scheu Volkes werden. Den Tendenzen, die Macht des Reichspräsidenten noch zu ver- stärken, sehen wir unseren Willen entgegen, gerade bei der Aus- Wirkung des Artikel» 48 die Befugnisse des Reichspräsidenten entscheidend einzuengen. Besonder» muß auch bei jedem Ausnahmezustand die Reichswehr stets und immer der Zivilgewalt des Staates unterstehen. Das ist Voraussetzung für ein demokratisches Staats- wesen.(Sehr wahr! links.) Es wäre ein schweres Manko der jetzigen Reichsregierung, wenn es ihr nicht gelänge, dieses Aus- führungsgesetz einzubringen. Es zeugt von unserem Ver- trauen zu dem jetzigen Innenminister, weny wir von ihm erwarten, daß«r allen Schwierigkeiten zum Trotz diese Aufgabe lösen wird. Für weniger dringlich halte ich die Wa h l r e f o r m. Die daran geknüpften Erwartungen werden sich nicht erfüllen. Die Wahl- beteiligung In Deutschland mit Listen und Proporz ist kaum geringer als in England mit den Einzelwohlkreisen. Auch die vtelgeschmähieu großen Wahlkreise haben Ihre Vorzüge. Sie Hinbern die Kirchturmspolitik und machen unmöglich, daß, wie im Kaiserreich, Deutschland geradezu in Parteiqebiete ausgeteilt wird: hier rot. dort schwarz und dort schwarzweißrot. Jetzt haben die größeren Parteien Abgeordnete aus dem ganzen Reich. Per- sonell und fraktionsmäßig sind sehr starke Veränderungen auch unter dem Listenwahlrecht eingetreten. Der Fehler unsere» politischen Systems ist die Erstarrung der Partelen zu politischen Kirchen. Dies Entwicklung ist aber lang« vor dem Listenwahlrecht vorhanden gewesen. Die Partei, die zuerst ihr« Engherzigkeit aufgibt, wird den Zustrom neuer und wertvoller Kräfte erhalten. Wie ist es denn jetzt? Wer da glaubt, seine national« Gesinuung stark betonen zu müssen, hält jeden international orientierten Volks- genossen für einen lumpigen Landesverräter. Der Internationale dagegen wittert bei jedem Chauvinismus, der etwa mit Karl Vröger bekennt:»Land, mein Land, wie leb' ich tief aus dir!" Der Christ hält den Freidenker für ein sittlich minderwertiges Individuum und der Freidenker oft genug den Christen für einep Heuchler oder einen Unwissenden. Der Pazifist schätzt jeden, der noch Landes- Verteidigung für notwendig hält, als einen Barbaren«in, und der hundertprozentige Patriot jeden Pazifisten als einen Feigling oder ein vom� Ausland gekauftes Subjekt. So blüübt der giftige Fanatis- mus bis zu tierischen Roheiten, so kämpfen nicht inehr Gesinnungen, sondern Apparate gegeneinander. Unser Magdeburger Parteitag hat gezeigt, wie die Sozialdemokratie aus dem Wege ist, in Freiheit und Toleranz die Partei des ganzen deutschen Arbeitervolkes zu werden.(Murren der Schimpsporteien.) In den Fragen der Reichs- reform ist die Initiative des Reichsinnenministers fühlbor...rotz »nserein Drängen nach dem Einheitsstaat sind wir von Illusionen srei Eine dieser Illusionen ist. daß Preußen in das Reich auf- gehen werde, ehe eine allgemeine Neugliederung er- folgt. Jede Reichsreform hat von der ehernen Tatsache aus- zugehen, daß wir nicht mehr ein Bundesstaat sind, sondern nur Länder. Teilgebiete des Reiches. Wir kennen auf deutschem Gebiet nur«inen souveränen Staat: das Deutsche Reich. Letzte und höchste Instanz In den Fragen der Neugliederung ist das Deutsche Volk. Die Reichsverfassung hat ausdrücklich den Volks- entscheid für Moses Ziel vorgesehen. Di« Herren aus Bayern, die von einem Volksentscheid in dieser Frage nichts wissen wollen, hoben, als C o b u r g durch Volksabstimmung bayerisch wurde, zuerst von der Volksabstimmung profitiert. Dl« süddeutschen Länder würden übrigen» wahrscheinlich bei einer Rengliederung die wenigsten ierritorlaien Verluste erleiden. Es ist die geschichtlich« Ausgabe der Republik, die Hindernisse niedeo. zureißen, die durch die Selbstzucht der deutschen F ü r st e n in Jahrhunderten zivischen deutschen Gebieten ausgerichtet worden sind. Erst im Rohmen der Republik kann sich das deutsche Volk zu einer Nation entwickeln. Wir erwarien, daß der Reich»miaisler des Zanera eine republikanische Offensive erössaet. Gelegenheil dazu wird das zehn- jährige Geburisfest der Republik am Versassungsiag« dielen. Wir wollen nicht vergessen, daß die Republik von unseren armen und ärmsten Volksgenossen gegründet worden Ist. daß die arbeitenden Waffen diese Republik mii Leib und Leben geschützt haben, und dieses Arbeilsvolt allein bis zu dieser Stunde Lieb« für die Republik ausbringi. Die Republik, die ans dem Volke erwachsen ist, muß im Volke ver- wurzelt werden durch Dienst am Volke und durch Arbeit für das Volt.(Stürmischer Beifall der Soz.) Abg. Berndt(Dnat.): Di« Berfassungsfeier, eine rein republika- nische Demonstration, hat kein« Berechtigung, denn das republika- nifche System hat sich zum schweren Schaden für Reich und Volt ausgewachsen. Der Parlamentarismus ist nicht nur unfruchtbar, sondern auch sehr unehrlich. Die Macht st ellungdesReichs- Präsidenten muß gestärkt werden. Di« heut« Herrschenden sind von ihrer Republikanisierung so besessen, daß sie gegen alle Landesverräterei blind sind. Di« Beamtenpolitik des Ministers ist verfassungswidrig. Wenn das Streben des Stahlhelms nach einer anderen Staatssorm strafwürdig ist, dürste auch kein Beamter Sozial- demotrat sein. Severing Jzat im Rundfunk am 9. November die Republikschutzgesetzes (Gelächter links.) Abg. Dr. Schreiber(Z.): Nicht nur außenpolitisch ist Völker- Verständigung nötig, sondern auch innerstaatlich ein Ausgleich. Das Zentrum wird stets hinter eine Regierung treten, die mit aller Energie einer Wiederholung solcher Aktionen wie am 1. Mai vor- beugt. Daneben gibt es einen stillen Bürgerkrieg, eine planmäßig« Erschütterung der Staatsautorität. Die haßbotschafl des Stahlhelms ist eines der.traurigsten voku- menie der Racykriegszeik. Zustimmung.) Es ist Pflicht jeder selbstbewußten Regierung, einer hleichenden Brunnenoergiftung entgegenzutreten. Man Mobilisierung aller Volksgenossen zur Pflicht- e r f ü l l u n g. Verkleinerung der Wahlkreise ist anzustreben. Auch wir erwarten schnelle Einbringung der Beamtengcsetz«. Die Feststellungen de» Rechnungsausschusse» von Etalsüber- ichreitungen berechtigen ia keiner Weise auch nur zur leisesten Anzweiflung der llaantastbarketi de» Beamtentums. Etatsrecht und Etatswirtschaft sind im neuen Reich b« s s e r als im alten. Mit großer Sorge beobachten wir di« steigenden Angriff« auf das Christentum und die Kirch«, die dem Art. 135 der Reichs- Verfassung über die Glaubensfreiheit widersprechen. Wer kann di« tausendjährige Verbundenheit des Christentums mit dem deutschen Volk« leugnen? Undeutsche Methoden de» Kampfe» gegen das Christentum be- drohen unsere Kultur. Da» Reich hat sich zu schwach erwiejeu. eine kuliurpolltische Schulgesehgcbung durchzuführen: die Folge ist zunehmende siiiliche Erkrankung und Aushöhlung des Volke». Je mehr wir uns außenpolitisch konsolidieren, desto mehr fordern wir diese Schulgesetzgebung. Di« Kultursragen leiden, die Mitglieder des Bildungsausschusses im Reichstaa sind gewissermaßen erwerbs- los.(Heiterkeit.)— Nach weiteren Ausführungen ruft der Redner Deutschö st erreich den Wunsch nach staatlicher Vereinigung mit dem Reiche zu..(Lebh. Benall.) Abg. Pieck(Komm.): Die Angst vor der KPD.(Große Heiter- teil) hat das Maioerbot hervorgerufen. Zörgiebel hat es mit der Gefahr von Zusammenstößen begründet, aber solche hat es nirgends gegeben, wo die Demonstration nicht verboten war. Vor dem Krieg demonstrierten die Sozialdemokraten so, wie am 1. Mai 1929 die Kommunisten.(Als Pieck von sozialdemokratischem Schwindel redet und Künstler Piecks Behauptung, daß die SPD. ein Blutbad am 1. Mai gewünscht habe, als Schwindel bezeichnet, empfiehlt Präsident Lobe, statt dessen doch lieber.L r r t u m" zu sogen.— Große Heiter- teil.) Die Barrikaden waren lediglich Notwehrokte gegen die An- Näherung der schießenden Polizeiautos. Die KPD. läßt sich auch durch Verbote nicht provozieren: um ste auf legalem Wege zu beseitigen, will Severing das reaktionäre Vereinsgesetz durchsetzen, das unter der Luther-Regierung SPD. und KPD. gemeinsam ver- eitelt haben. Das Demonstrationsverbot ist nur ausgehoben, damit der Stahlhelm am 28. Juni, dem Tag von Versailles, demonstrieren kann. Die ganze Politik Severing» dient dem Sozialfaschismus, die Sozialdemokratie ist der Dienstbote der Bourgeoisie, die KPD. will die Massen dagegen mobilisieren. Es lebe Rotfront!(Händeklatschen der Komm.) Abg. Dr. Bredt(Wp.): Der große Gegensatz, der heute ausgekämpft werden müsse, ist der zwischen Sozialismus und Privatwirtschaft. So betrachtet, ist die wirlschaftsparlei der schärfste Gegenpol der Sozloldemokrakie. Di« Notwendigkeit einer Aenderung der Weimarer Verfassung wird vielfach betont. Die Reformprogramme von Hugenberg und dem Stahlhelm lausen daraus hinaus, daß die Minister nicht mehr vom Vertrauen des Parlaments abhängig sein sollen und der Reichspräsidenk die größte Machtfülle erhalten soll. Wir brauchen endlich eine fest« Regierung. Wir stellen uns auf den Boden der Verfassuna. Es ist noch vieles zu verbessern, aber es kommt weniger an auf eine Aenderung der ge- schriebenen Bestimmungen als der parlamentarischen Praxis. Um 8V* Uhr wird die Weiterberatung auf heute, Sonnabend, 12 Uhr, vertagt.- »niito-DntmtliliHgiiui» du Stiiidnikn nd Litbogr phe» u Berliii. Generalversammlung Areilag, den l« Zani lSAhr.imSaal I bta Dnverrfchastshaus», dngelufer 24 25 Tageiordnung: 1.®eflunn,au»schu!ses. d> Abnahme der Zahrearechnung 3. Ergiin,una»wahlen»um Vorstand. 4. Wahl pe» Nechnung»prllsungs-Au»- lchliflez. S. Verschiedenes. »e«itft S i? der Sofetna ist jede» Mit alied der ZnaaUden-Unterfrühunastasse -MUgliedsnummern I-4 ,) berechtigt, an der itzeneralaersammlung teilzunehmen. ver vorstood " n g o A I b r ech l. l Borfteher. Waldparzellen 1200,—, herrlich See, kleine Animblung. Wagner. W lijtfcc, Etolzenhagenerstraße. am and. BcXt-niutigsifiirkr. Was-'h' von iiavalieren wenig getragene und neu« Zacteitanzllg«. SmokinganzUge. Abends nzllge. Sommerpaletol«. farbig und Marens». Bauchan, llge u. Valetai», für jede Figur passend. Velzwaren.®». iegenheiisräuse enorm billig. keine Lombardware. Leihhaus FrlrorlihIK. 2, Halleichc» Tor.' Wenig getragene Iackettanzllge. teil« auf Seide. W.—. Smotinganzuge. Bauch- anzllge. TatllenmSnte! Valetöl».(lau. nenb billig Gelegenheitekäul« In neuer berrengarderobe Leihhaus Vosenlhaler Tor. Llnlenftraße 20V-Z04. Scke Solen. �halerktrahe Keine Lombardware Verkäufe babardinemäniel. Cover lcoalpaieiol». iicbe lsigur passend. 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Dann klapperten die Wagen auf dem holprigen Pflaster und holten Futter für die menschenfressende Bestie Guillotine. Und über das Schreien der Gefesselten, über das Jammern der Frauen und Kinder sang dl« Trommel ihr dröhnendes Lied: rumpel-rumpel- rumpelrum. Aber stärker, mächtiger und andauernder als der Trommelklang lag ein sonderbares Murren und Murmeln über der Stadt. Kam von den tiefsten Kellern und kroch an den Mauern empor, erklomm die Kirchentürm« von Notre-Dam« und bracht« sie zum Singen. Und die Glocken der Stadt mischten in das ausreizende Murmeln ihren Ruf:„Erwacht! Fürchtet nicht TrommelNang und Guillotine! Wacht auf!" Und sie erwachten. Sie kamen au» ihren finsteren Löchern, kamen aus Kellern und Scheunen und schrien. Tausendfältig war ihr Schrei. Keiner konnte die Wort« verstehen, keiner den. Sinn. Auch st« wußten es kaum, was sie schrien. War es: Hunger! oder Brot? Oder war es Rache! oder Flucht!? Aber es war wie der Schrei eines Raubtiere» nach Blut. Am ersten Frühlingsmond des Jahres III(20. Mai 1795) hatten die Revolutionär« die Revolution satt bekommen, weil sie selt Monaten nicht satt zu essen hatten, und die Augen der hungern- den Weiber und Kinder weckten ihre Wut. Sie hatten den König zum Teufel gejagt und nicht die Soldaten gefürchtet, sie wollten den Konvent in alle Wind« zerstreuen, wenn man ihnen nicht genug zum Essen gab. Und so zogen sie zum Konvent. Simon Ribeaud ging mit. So stürmten sie den Konvent. Simon Ribeaud stürmte mit. Einer von taufenden, einer von denen, die au» Hunger schrien und nicht wußten, was sie schrien, und deren Schrei wie:„Blut!" klang. Er stürmte mit. War nicht einer der ersten, die die Deputierten niedermetzelten, war nicht einer der letzten, die hinter den Säulen Sicherheit suchten, um dann„Sieg. Sieg!" zu rufen. Nein, er war immer in der Mitte, bei Bürger Schuster und Bürger Schneider, so wie er bisher gelebt hatte. Simon Ribeaud, der Schmied. Konnte er etwa» dafür, daß die halbwahnsinnige Menge den jungen wackeren Ferrand für den gehaßten Deputierten Freron hielt und ihn niedertnallte wie einen tollen Hund? Konnte er etwas dafür, daß sie da» blutig« Haupt auf eine Hellebord« steckten, um ihm wie einer Fahne zu folgen? Konnte er etwas dafür, daß feine Riesengestalt aus der Menge ragte und daß die Spion« des Konvents sich sein alltägliche» gutmütiges Gesicht ein- prägen konnten? Er war nur ein Wassertropfen in diesem stürmischen Meer, ein haltloser, einzelner Wassertropsen, der dem Strom der anderen folgen mußte, die Woge zog ihn an. riß ihn empor und mit sich. Und doch wurde der Schmied Simon Ribeaud vom Gerichts- tribunal zum Tode verurteilt, weil er der Führer und Leiter des Aufftandes gewesen, wurde zum Tode verurteilt, als mehrfacher Mörder, Brandstifter, Plünderer und Dieb. Auf die Frage der Richter, ob er gestehen wolle, hatte er nur ein paar Wort«: ,Lch war dabei!" Und alle Zeugen, mochten sie seine Freunde sein, Kämpfer an den Barrikaden wie er. oder mochten sie Spione und Diener der Diktatoren sein, alle sagten, bezeugten und mußten bezeugen:„Er war dabei!" Das brachte ihm den Tod. Keiner wagte zu denken, daß dieses ,Lch war dabei!" der Schrei der Tausenden von Hungernden war, von so vielen, die dabei waren, daß die Gericht« und Hinrichtung». Maschinen ihrer niemals habhaft werden konnten. Don so vielen, daß ganz Paris ausgerottet werden müßte, denn ganz Paris war „dabei" gewesen, So verurteilten sie ihn zum Tod«, weil sie die anderen doch nicht oll« verurteilen tonnten, weil er hochgewachsen war und sein Haupt aus der Menge ragte und sich die Spion« des Konvent» sein alltägliche», gutmütiges Gesicht merken und einprägen konnten. Dorum wurde er verurteilt. Rumpel-rumpel-rumpelrum! wirbelten dumpf die Trommeln, Dumpf dröhnt« auch der Schritt der Soldaten, klapperte der Kasten- wagen auf dem Pflaster. Simon Ribeaud wurde am dritten Früh- lingsmond zum Richtplah geführt. Da waren die Menschen wieder. Bürger Schuster und Bürger Schneider und die ganze schreiende Menge und dos Murren und Murmeln, das tief von unten kam und dann das Läuten der Glocken. Zuerst oerweigert« die Masse den Durchzug. Da konnten sie die Soldaten noch langsam. Schritt für Schritt, zurückdrängen. Als aber die Schergen Ribeaud«rgristen und zur Guillotine schleppten, schrie ein« Frau aus. Es war nicht Simons Weib, war keine seiner Derwandten und keine Freundin. Es war«ine von den taufenden, die den Konvent erstürmten und für die jetzt Simon Ribeaud sterben sollte. Und der Schrei flog üb«r die Menge, wurde von ihr ausgenommen und getragen und klang wie„Blut"! Die Wächter erstarrten, die Trommeln verstummten. Die Binde flog von den Augen und die Fesseln von den Händen. Simon Ribeaud war frei. War frei und bald in Sicherheit. Aber das Denunziantentum schlich durch die Gassen. Da saht« man einen, der ihn beherbergt hatte, dort«inen, der bei seiner Befreiung geholfem Wieder arbeitete der Henker. In jedem Hause lauert« der Spion. So hauste er in Kellern, aus Bauplätzen und Trümmerftätten. in Kanälen. Er war frei und doch gefesselt. War lebend und mußt« täglich sterben. M Einmal mußt« er wieder zu Haus« sein. Sein Weib küssen und seine Kinder. Di« Wohnung sehen, Möbel und Bilder, seinen Amboß und den alten schwarzen Kater. Er kam hin und sah. Alles war unverändert und doch so verändert. Er wohnte ja nicht mehr hier. tonnte nicht mehr hier wohnen. Hatte kein Heim mehr und keine Familie. Sie hotten all- nur Angst und den einen Wunsch,«r möge bald gehen Sie fürchteten für ihn und fürchteten für sich. lind so ging er. Und kroch auf» neue von Unterschlupf zu Unterschlupf, hungerte, bettelt« und stahl. Und wurde umlauert,»erfolgt und gehetzt wie ein Fuchs, auf dessen Fährt« die Meute liegt. So kam er am Konvent vorbei. Sah, daß die Tore erneuert, die Fenster wieder verglast waren. Die Trümmer weggeräumt und die Blutspritzer aufgewaschen. Er blieb stehen. Hatte sich die Welt erneut? War vielleicht alle» nicht wahr? Ein Traum? Di« Leute sahen ihn erstaunt an:„Flieh doch, die Polizisten kommen!" Er schüttelte den Kopf. Warum? Wozu? Dann kamen die Soldaten. Cr fuhr auf, sah sich umstellt. Mit «in paar schnellen Schritten war er am Tor de» Konvents und flog die Treppe hinauf. Schon hörte er die schweren Tritt« der B«r» folger. Er«rfteigt den Giebel, erklimmt die Kuppel und klammert sich dort an. Der Offizier rief ihm zu, er möge sich ergeben. Er schüttelt« den Kopf. Warum? Wozu? Eine Salve vom Platze. Biel« Kugeln gingen fehl, ein paar trafen. Trafen die Hände, die sich anklammerten, die Füße, die sich feststemmten, trafen den Körper, der langsam und dann immer schneller, wie eine Lawine, die zum Tale rollt, abwärts glitt. Aus vielen Wunden blutend, ohnmächtig und mit zerbrochenen Rippen und zerschmetterten Gliedern fand man ihn. Fand ihn, ließ ihn untersuchen, und als der Arzt noch eine Spur Leben fand, führte man ihn zum Tode. In der Rocht, durch die leeren Straßen klapperte der Wagen, tönten die stampfenden Schritte der Soldaten, wirbelten dumpf die Trommeln. Niemand kam, um den Halbtoten diesmal dem Henker zu«nt- reihen. Niemand gab ihm das Geleite. Er war allein. Bürger Schuster ging schon gestern den Weg. Bürger Schneider wird ihn morgen gehen. Auf einer zerrissenen Matratz« lag der zerbrochene Riesen- körper, in einem blutigen Korbe der alltägliche, gutmütige Kops. So starb Simon Ribeaud in Paris am 16. Frühlingsmond des Jahres III. Er starb für Paris und die©tadt schlief. Rur die Trommeln sangen: Rumpel-rumpel-rumpelrum. <«iN»rlK»rte Ueteisetzuns»vir P. H. DIUck«nann.) Waldemar&onf eis: S�SiS Cid* Ist e»' Wahrheit und in dieser Welt möglich, daß sich Morgen für Morgen die Sonne so strahlend am Horizont erhebt, als wären Nebel und Wolken Sagengebilde einer versunkenen Borzeit? Der Nil ist das Himmelswasser, der spendende Gott, der Ernährer diese- Landes, bekannt und gerühmt wie kein anderer Strom der Welt, solange wir vom Wort des Menschen aus der Erde etwas wissen: er ersetzt den Segen der Wolken. Die Sonne ist die Schöpferin alles Großen, was dies Land von Urzeiten her auszeichnet, im Rhythmus des Lichts, im Gleichmaß und der Wohltat der Wärme, im Hochamt der Himmelsklarhsit erblühte die Leibes- und Geiste-- kultur dieses Bolkes, dos ganz einmalig, ohne Vorbild und Beispiel in der Weltgeschichte dasteht. In der Magie des Sonnenwesens, in den strömenden Fluten des Nils und in der Freiheit der Stern- bilder, sichtbarer und wirtsamer als in jedem anderen Lande, schlummert da» Geheimnis der hohen Bildung, der Bildung in einem zweifachen Sinn. Da»„Tal der Könige", die Gräberstätte der großen Toten aus dem„Neuen Reich", der achtzehnten bis zwanzigsten Dynastie (1500— 700 v. Chr.). hat sich unseren Blicken geöffnet. Ein ödes Wüsten- und Felsental von unerhörten Ausmaßen, vom Nil durch eine schroffe Felswand getrennt, birgt in seiner glühenden Stille die Toten, deren Namen und deren Kulturkrei» jetzt bedeutungsvoll über die Welt hallen. In diese Epoche fallen die Tempelbauten von Luxor und Karnak, die Memnonskowsse von Theben, die einsam und mächtig aus der Ebene ragen. Thutmosis III. hat das Weltreich begründet, ihm folgte Amenophis III., Echnaton verlegt die Hauptstadt des Reiches nach Tell el Amarna. und unter seinem und seiner Mutter Teje Einfluß entwickelt sich der vielleicht höchste Kunststil Aegyptens, der unter dem Namen Amarnakunst heute die ganze Welt entzückt und begeistert Der unwirklich farbige Himmel, an den Rändern der grell be- schienen«« brauen Felsen fast schwarzblau vor Ties«, wölbt sich, die zornigen Feuer der Sonn« in die Schlucht entlassend, wie ein« blauglühende Kuppel über die blendend helle Staubwüste des �al- pfades. Selbst die ausdauernden Esel ermüden in der dritten Stunde. Kein Baum, kein Gekraut, kein Grashalm, nichts Leben- diges außer uns Kleinen, Berittenen atmet in der furchtbaren Ein- öde. Aber die Verlassenheit im Glanz dieser Lichtorkan«,.hie Totenstille der Felswände, ihre gewaltigen Ausmaße ergreifen bis zur Erschütterung. Die Eide zeigt ein ganz neues, nie gesehenes An- gesicht: aller Halt, den Erinnerung und Erfahrung gewähren, ver- sinkt, der Geist begreift den titanischen Aufschwung der Völker dieser Regionen und Landschaften, dem Tod mtt unerhörtem Willen zu Form. Gestalt und Dauer entgegenzutreten. Die Schlucht führt in einen mächtigen Kessel, ins Tal der König«. Schwarz von Schatten, ein rechteckiges hohes Loch, öffnet sich der Eingang zum jüngst' gefundenen Grabe Tutenchamuns. Der Felsengang in die Tiefe scheint endlos, kein Winkelchen, kein noch so kleines Stelneckchen der Wände, das nicht mit Figuren oder Inschriften ausgemeißelt oder bemalt wäre. Der Blick in die Dämmerung der Grabkammer ist unvergeßbar. Das goldene Bildwerk der königlichen Gestalt auf dem Sarkophag, die gekreuzten Atme, di« Szepter u»d Geißel halten, hoch über der Brust, unsäglich einfach und göttlich erhaben ruht die Gestalt im Herzen des Gebirges. Blinkt es nicht von weißen Tüchern im Winkel, und ist der schwere Dust nicht Hauch des Lebens? Es ist, als wäre die Stein- kammer erst gestern hinter dein Toten geschlossen worden, vier- tausend Jahre sind ein Schmetterlingsslug, der aufblinkt und dem Sinn entschwindet, und das alte Wort wird Wahrheit:„Tausend Jahre sind wie ein Tag." Acht geöffnete Gräber nehmen uns auf und entlassen uns wieder in die Sonne. Noch sind nicht alle gesunden, tief in der Felsennacht schlummert noch manches Geheimnis, noch manches Werk herrlicher Kunst und Weisheit, das. der Zelt entrückt, der Ewigkeit zugedacht, zwischen Bergessen und Erinnerung wunderbar gebettet ist. Aber das Lebenswerk der großen Toten strahlt draußen in der Sonne unserer Tage. Unvergeßlich bleibt der Hathyr-Tempel von Dendera aus der Ptolomäerzeit, etwa ein Jahrhundert vor Christus. Daß fast drei Jahrtausende zwischen den Pyramiden von Giseh bei Kairo und diesem düsteren, machtvollen Säulenprunk liegen, lehrt den Zeit- lauf noch ganz neuen Maßstäben messen, der g�vohm« Stunden- und Iahresschritt verhallt, Kulturen, die über unser Europa dahin- zogen, werden zu raschen Episoden, die Menschheitsgeschichte scheint sich zu ganz neuen Gebieten der Schau und Begriff« zu wandeln. Ein dunkles, aufstörendes Lächeln voll sanften Hohn« über unseren Wahn von Maß und Dauer sagt das erbebende Herz in rattose Unbeständigkeit. Wenn der Schritt, unwillkürlich gehämpft, die Sonnendämm«- rung der vierundzwanzig gewaltigen Säulen der Borhalle durch- mißt, die ganz vollendet und völlig erhalten ist, unter dem immer wiederholten Haupt der Hathor, erdrückt die Allmacht dieses wahr- sagerischey Immerwieder wie«in göttliches Gebot. Und doch wird die Demut der heraufbeschworenen Zustimmung zur lichten Er- Hebung, wie denn alle» groß und erhaben Sedachte und Vollendete die Seele befreit, gleichviel, welchen Namen sie ihrer Gottheit gibt. Wenn etwas in der neuen Welt unserer eigenen Vorstellungen und Empfindungen dem erhabenen Geist dieser Tempelruhe und Nacht, Ihrem Heldischen, ihrer Trauer, ihrem Twigteitstrachten und ihrem Licht zu vergleichen ist, so ist e« das Werk des alternden Beethoven. Ich kann es schwer tn kurzem begründen, die Zusammenhange weben noch Im Schatten, aber ich habe den ganzen Tag an ihn ge- dacht, und die Beziehungen der Musik zur Architektur und Plastik lassen mich nicht ruhen. Das Reich des Satrapen Ptolomäus und seiner Dynastie däm° mert in diesem Tempelwerk auf. Alexanders Herrschaft Ist verstm- kcn, und zu neuer und letzter hoher Blüte, zu raschem Verfall er- hebt sich in den Monumenten von Dendera, Edfu und Philo« noch einmal der titanische Wille zur Form, der das Sgyptssche Volk aus- zeichnet, in herrlichen Bauten. Bis Antonius in den Fesseln Kleo- patras Oktavian erliegt und Rom das versinkende Reich in seine Provinzen einschließt. Wir langen erschöpft und vom Wüstenstaub gepudert wieder beim Dampfer an. der am seichten Nilstrand liegt, ohne Brücke oder Kai, mit Pflöcken im Crdgrund vertaut. Der heiter« Kampf mit den Treibern, die langsam innner schwärzer werden, ist be- eiz�et, mein Esel, der Whisky-Soda heißt, schnauft geduldig aus. Da meine Nationalität seinem Besitzer nicht deutlich geworden ist, Hot er diesmal für sein Reittier einen Namen gewählt, der Neu- tralität und allgemeines Wohlwollen bekundet. Sonst heißt der ge- wählte Esel, je nach der Heimat seines jeweiligen Retters, Wilson, Chamberlain, Poincare oder Bismarck. Strefemanns Ruhm ist noch nicht in die Wüste gedrungen, er ist noch nicht eingereiht. Die braunen Sklaven an Bord, blendendweiß gekleidet, wedeln uns beim Eintritt den Staub von den Rettsttefeln, gemächlich, als strichen sie sie an. Der karusselartige Etagenbau des bunten Damp- fers, der Gong, der zum Tee ruft, die Glasveranden, heiß wie Treibhäuser, und das Flitterwerk von Komfort und Genäsch muten an, als wäre man im Traum jählings aus den dunNen Hallen eines Doms in ein wirre» Karnevalstreiben gestoßen. Erst die Nacht, die rasch über den ockerroten Westhimmel sinkt, die Stimmen des großen Ntts, dessen braune Gewässer tröge nach Norden strömen, und die Himmelsfreiheit der Sterne über die fahlen Ebene der Libyschen Wüste geben die Ruhe innerer Schau zurück. Da» sanft orgelnde Gewimmer der Wasserräder und Ziehbrun- nen, von Menschenhand oft bis tief in die Nacht hinein betrieben. mischt sich mit dem Quarren der Kröten an den feuchten fruchtbaren Uferbänken, auf denen im Nilschlamm Bohnen blühen und Korn sprießt. Di« Reiher haben die Sandbänke verlassen und schlafen auf den Felskämmen der fernen Berge. Der Schlaf sinkt mit dem Glanz der Sternbilder und herrlicher Kühle in die weit offene Ka- bine, deren Borhang der dunkle Wind bewegt. Gegen Morgen, noch In der Dunkelheit, lichtet der Dampfer die Anker, man fährt, der Sandbänke wegen, ungern bei Nacht, wenn der Mond nicht scheint. Ueber der arabischen Wüste, wie von den Milliarden Gefährten im All verlassen, hart über der Ebene am Horizont, steht ein roter Stern, groß wie eine kleine Sonne, so strahlend, daß der Sinn lange zweifelt, ob nicht ein ganz neues, nie gesehenes Gestirn über dem Gesichtsfeld des Erdreichs aufge- gangen ist. In dieser Totenstille der Weltweite tönt keine Antwort. Wieviel wäre sie wert? Itarum der Slefani mii den Ohren mackeU In der Natur geschieht nichts ohne Zweck, selbst belanglose Dinge, wie die lebhaft« Bewegung der Elefantenohren zu bestimmten Zellen, haben ihren Sinn. Prof. Richard Hesse hat hierüber einige Beobachtungen angestellt und berichtet darüber in der„Zeit- schrist für'wissenschaftliche Zoologie". Ihm siel es auf, daß ein großer Bulle des indiichen Elefanten bei erhöhter Außentemperatur ssne viel lebhaftere Ohrenbewegung zeigte als sonst und daß bei dem viel kleineren Weibchen sowie bei einem jungen Elefanten die Bewegungen geringer waren. Da nun die Elefanten keine Schweißdrüsen oder andere Einrichtungen besitzen, um bei zu großer Wärme sich Kühlung zu verschaffen und ihre Körpertemperatur herabzusetzen� schließt Prof. Hesse, daß die beweglichen Ohren die Rolle eine» Wärmereaulator» spielen. Diese Erkläruna ist«in- leuchtend, wenn man bedenkt, daß auch viele andere Tiere nicht in der Lage sind, sich etwa durch Schwitzen eine gewisse Abkühlung zu oerschaffen, und daß sie dafür andere Möglichkeiten besitzen, ihre Temperatur zu senken. So sei nur an den Hund erinnert, der ja auch nicht schwitzt und zum Ersatz die Zunge«ett au» dem Maule heraushängen läßt. „Tiara" hieß urjprünqlich die Kopfbedeckung der persischen Könige. Später wurde diese Bezeichnung auf die Popstkron« übertragen: die pästlich« Tiara entstand aus der im S. Jahrhundert ge- bräuchlichen mützenartigen Kopfbedeckung des römsschen Bischofs, carnelaucum genannt. Im 13. und 14. Iahrhundret trat an die Stelle des eameiaueum die einfache Zockenkrone, Tiara genannt: Papst Bonifaz VIII. fügte einen zweiten Reisen hinzu. während die dreikromge Tiara fett Benedikt XII. gebräuchlich ist Ihre jetzige Form(dreifache Krone mtt zwei sich kreuzende- Schlüsseln an der Rückseite) dotiert seit dem 16. Jahrhundert TertrelerUladivels für uanz Dentsmiand dardi dos Werk NBrnherg Veilieler für Berlin t Wilhelm Bach, Bcrlln-Charlottenbnrü. LcOmlaatraf« 97 Alfred Bok& Co., Bcrltn, Herrn annplalz 7 Carprow£ Co., Berlin, Potodamer Strafe IN Moforradhao*»Qedü-, Berlin Sw 11, KOnldgrltacr Strafe 51 Sdienndien& Rnrfli. BerDn. SdUftlerslr.B(Näke Alesanderplab) Frllx Schmidt, Berlln-Welfenjee, Heiaendorfer Strafe 5» L. F. ScfaorU, Berlin- Cbarlottenhnrg, Blrmardcatrafe IS Otto ThOnni, Berlin, Oaelaeaatutrafe 102 Georg Znckalck, Berlin-Moabit, Bondcsraisofer 5 I TUe&lee. Lichlspiele usw. 1----"IV"" Sonnabend. 8. 6. Slaats-Oper Unter d. Linden A--V. 147 20 Uhr OerBarbierfon Sevilla Staats-Oper Am Pl.d.RepubI. A.-V. 20 Wt Uhr lileoes vom Tage Sonnabend, 8. 6. Stadl Oper Bismarckstr. Turnus l io-a Uhr Filio Staat!. Sdiansph. am Cenlarmenmartl A-.V. 135 20 Uhr Statit].SeliiIIer-Tiieater,Cliariti). 20 Uhr Gespenster 8 Uhr 8 5 Barbarossa 9256 0'Hanion& zambuni und tue weiteren UirnBtionen Sonnabnnd und üonntaw Ja 2 Vorst*llun««n V und 8 Uhr.— 1» ermSSIgtc Pr. Winfer ck Qarton* a Ui• Zentr. 2B1B» Baaitn•niati| Bob Fisher singt;„Sonny Boy" Bon lohn Jan-Clrls, Antenet A Baby und | VarleM-Neuhaltan, Sonnabend nnd Soi Je 2 TorsleUnndcn y und 8 Uhr. i"1 kleine I ßsi erlscbll my Boy"! ' Wolter# I onnPXZ iden| »e Preise. M Renaissance-Theatsi1 Hardenbergstr. 6» Tal.; ttamoL G 1. OUl und 2513/84. IS'/. Uhr IBglia Die nelllga Flamme Regie: Gnstav Härtung. 513/84. I SV. Uhr! mmel Voiiu&ttline fliiitti lüBUivplit: 8 Uhr Trojaner Tballa-Tfieater 8'/» Uhr Ptarrhaus- komodie PtAZA ''tnls Am Küsti Alst. TSqfichS.Biä Sonnlag 2. 5 8" INTERNAT. VARIETt Vorverkanl stets fOr die lautende Woche Inkl. Sonntag Rose-Theater Broa« Frankfurtor Str. 128. Täglich 8.15 Uhn Spiel imSchloss# aartonbQhnoi Täglich 5�0(Sonntag 5 Uhr) Konzert und Bunter Teil. Täglich 8.15 Uhr Ein ÜV«alz ergrau an Gr. Operette in 3 Akten v. Oscar Stnat. CAS1N0-THEATER Lothringer Strafe 37. tlnwiderrnfl. nur noeb bis 15. Juni „Wlütgg�r rau>»«N»g«- Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 hü, Sessel 1455 M* Sonstige Preise: Parkett u. Rang OSO M. AiisbeBina(¥] lui Sfetüner Sänger u. a.:„eine'nacht im 3tatsn>einheller~. Sommerpreise: 60 PI. bis 2 M. , Dönhoff- Broti (Saal und Garten) VarlaM- Konzart— Tanz. Staat!. StJiiller-Tli. 8 Uhr fiespenster meafer am SAIflhanerdamm. Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper Itter. Valettl, sinket LTon"' weil!« lies!« Täglich 8V. Uhr NaDottriroikeB? ud Im Innibslida eon Frank Green. Musikalische lllust. Fr. Holländer. Regie; fr JTMBan frrtärtBL Otsch. KD.stlar-Tk 8i/. Uhr Prosit flipsy Operette vXillbert Agnes Esterbazr Fritz Schnlz Rundfunkhörer Mlbt Preise Netropoi-Th. FMUDlelg Ifta TägLff/.Uhr Blanbarl Operette ron Offenbach KKbi Dorsch Loa Slezsk 145 M3 ICO StraparteneaBtü*....... 05 PL Seidenflor � �.1" Künstl. Waschseide i- fainrnsseblg. modernes Farbsortlment....................■ „Hertie-Seide"sK»2 Künstl. Seide ää Iterren-Sochen Dacquard_____ 78. Baumwolle s.srr/95n Seidenfior... 1 Eies. Fantasiesocken i- mit bssonden verstärkter Sohle...............■ Reine Wolle Damen-Hut modJttombinationTonStroh- spitze und �Geflecht, apart« xweilarbigeBandgarnlcTiuij Lc�zlper Z», IIiuBderplatz, Frankforlir Allee. Bene-Alljaece-Str., Brannenalr, loltboser Demm, Wilmersdorfer Sir, Andreesstr. NAPARK SlBdllt M« CXL Norden 12310 T'kU, Ende geg. II Zum ersten Male Dis nedenpaos Komische Operette In 3 Akten. Nenbearbeitet ron Carl Rössler und Marcellus Schiffer. Musik v.Joh.StrauB. Regie: Max Reinhardt. Musik.Ltg.und Ein- stnd. Erich Wolfg. Korngold. Bühnenbilder und Kostüme: Ludwig Kainer.— Tänze; Grete Wlesemhal. Kammerspiele D.I. Norden 12310 S'/sU Endenach 10 Aufgang nur rar Herrscti alten IG eine Komödie von Siegfried Geyer Die Komödie II BisMCk.241 4/7510 S'b, Ende geg. IO'/jU. Der Rui, der seinen HiDen Werte 3 Akte von Edgar Walace. Regie:HeinzHiIperi Jarnowsky-ilta Thsstsr Is der KBnlgirltisr XtraSt Täglich e>li Uhr Rivalen Komödienhaus Täglich Pli Uhr cnarleysTante mit Cur« Bels. Trianon-Th. Täglich 8'/. Uhr Sonntag 3'h u. SV. aaitiplti der Tegern- usr tumsnmaäne ma 8 Dorlhentgen Ein toller Sch wank Preise: 2.3,4,5Mk. usw. Rundfunkhörer hält] Preise.* Lessing-Tiieater Täglich 8>,. Uhr Idi betrug' Didi nor ans Liebe Ein Stück mltMu- slk nach Verneuil. "Theuer am lillendorrplalz Täglich 8'/. Uhr Die manner ner manon Operette in 3 Akten v. Walter W- Oo«ue BerllQ« Tfieaift DirektHelnr Herald Chariottenstraße 00 A7. Dönhoff 170 8'/.. Ende 10V. Uhr. Ulilt Vorsielianaenl Die{tut Frankfurter von Carl Rössler Regle: EaB«n Bttätt Dlmug.dtn 11. Inl Zum ersten Male Reporier (Te Front Page) Regie: HeinzHilpert Loslspielbsas Tägl.SV. Uhr Arm wie eine Kircnentnaus SKidelsky, Flink, Berisch u.a. Rundtankhörer klttl Preise. Planeiartnm >—• am Zoo 1 1 fu:!»».■mümltiiS trifc B. 5 Barbarossa 5578 10'/» Uhr StaraaiM« des Senuners 18". Uhr Oer Bluthell 2ö�a Von* Pol zu Pol am SUreeahlmmol Tägl. au Oer Moniags u. Mittw. Erwachs. Mlc. Kinder SO Pf. Mittw.; Erwachsene «Pf, Kinder 29 PL Tbeai d. Vesteos Täglich 8'/» Uhr Sonntag 3'(i u. 8'/» Frau LiBars Wtlttr- SW Friederike Telephon Steinplau 0031 u. 7180 Tknuam Kottn.Tor Kottb.Str.O Tägl. 8 Uhr Eilte- SAnger Sie loa)- Sinsetian: .i.en n Bin BrofitLotr Thalia-Theater Jresdener Str. 72-73. 8'a Uhr Ptarrliaasiioinidle Duittungs-.RibBM- a.RekiamemtrkeB gegen Nachahmung gesetzt, gesch. lenlgt seit 48 Jahr als Spezlallllt. Conrad H Oller Lcipiit■ Scükeudili Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-0. Tel. Hb. 2240 Gr. Anssattungs-Revue-Operefie Wie einst Im Mai von Bemauer und Schanzer. Musik von Walter Kollo. Ausserdem; Gr. 8»«»» und Varlftd. Anfang Konzert 4.30. Skefsch und VarietO 6 UBr. Uperttl« 8.30. Deutsdie Lederwarenfabc Zentrale Alt-Moabit 130 Kotthus erDimm7S Grolf ssralder Str. 2 Androoti'rsBo 40 Sc-Bg., Harbcrtctr. 4 InvslidomtrsBol Chart, Bitmarckstr. 78 Chants«ettr.W-(2 Spand., Bahnhofttr. 4 Neoeröffnel unser Wareahaos Roseathalcr Strafe 98 Oeotsöier KlüsIIsüieüei-wiiSiilj Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige. ®«i Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Atdelter Albert Zierke geh, 29. Januar 1870, am 5. Juni 1929 gestorben ist. Ehre seinem«nhenlen! Die Cinüidjerung findet am Montag. dem 10. Juni, I5>/, Uhr im Kre- malar.um Bertchlstrage statt. Rege Betetilgung erwartet VI» Otlsocrnaltang. Herzlichen Da,>I oüzn Freunden und Denoilen lür Itebenoüe Teilnahme an der TraueHehc meine, geliebten Manaeo Ernst Ron. Zn lieiee Trauet Panlln« San. s SoS"* Batten man«»» Z Kinder berters Polster, SAU(r»nmier. Chatse- •m tonques an Private. RAtenzaKip. Rataioq 267 ird sEtsoomoteiaorW sum nnorj Mein Kapitän Kautabak schmeckt mir doeb am besten!