BERLIN Sonnabend 8. Juni 1929 10 Pf. Ar. 264 B131 46.Iahrgang. SrsSeint tislich a»ter S»»aL«s«. Zugleich Abeudausgabe de«.vorwSrtt'. Beplg«rrei« beide Ausgaben SS Pf. pr» Woche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWSS.LilldenKr.» aleigenorei«! Die einspaltige Nonpareilleteil« so Pf.. Reklameteile s M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. S).. Berlin Nr. S7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die Hoffnungslosen. Zum Parteitag der KPD.— Der Rückschritt zum Putschismus. 5000 Krauen jährlich geopfert. In Berlin beginnt heute abend der kommunistische Parteitag. Es wird kein Parteitag offener Selbstkritik werden, wie es u n s e r Parteitag in Magdeburg gewesen ist. Die Kommunistisch« Partei besindet sich wie immer auch jetzt in einem Spaltungsprozeß. Sie hat erst die linke Gruppe der Trotzkisten. dann die recht« der Brand- lerianer ausgeschieden und besindet sich zurzeit mit der letzteres in lebhaftem Kampf. Die Front dieses Kampfes verläuft nicht in gleicher Linie mit der Gruppenscheidung, sondern sie geht durch die chauptpartei mitten durch. Außer den Linken, den Rechten und den Offizielle» gibt es noch«ib« vierte Gruppe, die der Versöhnler. der man geheime Sympathien mit her Rechten nachsagt, und sicher gibt«« auch heute noch in der offiziellen Partei Leute, die wie Brandler denken, wenn sie es auch nicht für opportun halten, wie er zu sprechen. Denn da» ist das Merkwürdig« und geradezu chumo- ristisch« an der Sache: »irgends gibt e» mehr Opportunismus als gerade tu dieser Partei, die mit Worten jeden Opportunismus grundsätzlich verwirst. Die Kommunistische Partei Deutschlands kennt kein geistiges Eigenleben. sie ist vollständig abhängig von den Strömungen, die jeweils in Rußland die Oberhand gewinnen, und was in Moskau als Tragödie spielt, wiederholt sich gleichzeitig in Berlin als Farce. So paßt sich auch keineswegs die kommunistische Taktik den Verhältnisien Deutsch- lands an, sondern sie beruht auf Spekulationen über die Taktik in Rußland, die natürlich von ganz anderen Umständen bestimmt ist. Man spekuliert m Radikalismus auf Hausse oder auf Baisse, und wer richtig spekuliert hat, wird Fühöer. während die falsche Spekulation mit dem Ausschluß aus der Partei bestraft wird. Nie hätten die Brandler, Frölich, Thalheimer und Konsorten sich so weit vorgewagt, wenn sie nicht auf den Sieg der Rechten in Moskau spekuliert hätten. Sahen sie die Entwicklung in Rußland richtig voraus, dann war T h ä l m a n n geliefert, und st« rückten an die Spitze. Die Linksschwenkung Stalins besiegelte auch ihr Schicksal, sie flogen aus der Partei hinaus. Nur diese völlige Unselbständigkeit des deutschen Kommunismus erklärt die Entwicklung der letzten Zeit. Was lag nach dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung näher als eine Wendung der KPD. zu einer— wenigstens scheinbar—„legalen* Opposition? Daß die Koalitionspolitik, die sie zu treiben gezwungen war, die Sozialdemokratie in manche unbequeme Situation bringen würde. war leicht vorauszusehen, für eine legale Arbeiteropposition bot sich somit«in verhältnismäßig günstiges Feld der Betätigung. Um- gekehrt bot die Lage in Deutschland für eine Rückentwicklung zum Pulschismus nicht den allergeringsten Anlaß. Die famose, Theorie vom„vor- abend einer akut revolutionären Situation*, an dem man sich be- finden wollt«, ist erst nachträglich erfunden worden, um einer Taktik, deren Unsinnigkeit jedes unverbildete Gehirn vo» vornherein er- kennt, nachträglich eine Art von„prinzipiellem* Hintergrund zu .geben. Um die luftig«„Dorabend*-Theorie besser zu fundieren, hat man die These von der zunehmenden �Radikalisierung der Arbeitermassen dazu erfunden. Diese„Radikalisierung* drückt« sich keineswegs aus in einem Wachstum der kommunistischen Partei- organisation— sie sollte sich vielmehr innerhalb der sozialdemo- kratisch gesinnten und sozialdemokratisch bleibenden Arbeiter» Massen selbst vollziehen. Man erwartete also die revolutionäse Zuspitzung komischerweise gar nicht von einer Zunahme der eigenen organisatorischen Macht, sondern von einer Verlagerung der„Rich- tungen" innerhalb der großen und starken Sozialdemokratie, die man damit unfreiwillig als die eigentliche Arbeiterpartei Deutschtands anerkennt. Zugleich versichert man freilich auch, daß dfe„linken* Sozialdemo. k'-aten die schlimmsten von allen seien. Auf einen Widerspruch mehr o�er weniger kommt es nicht an. Als Ergebnis solcher rheoretischer Hirngespinste und sinnloser taktischer Manöver hat sich ein voll- kommenes Fiasko eingestellt. Mutwilligerweis« hat sich diese Partei. deren ganze Theorie auf Gewaltanbetung beruht, in eine Situation begeben, in der ihr« vollständige Ohnmacht sinnfällig geworden ist. Wie peinlich die Kommunisten diese Lage selbst empfinden, zeigen ihre possierlicken Versuche, ihrem noch ver- bliebenen Rest von Anhängern eine Macht vorzutäuschen, die nicht vorhanden ist. So konnte man dieser Tage in«in'gen kommu- niltischen Zeitungen lesen. Zörgiebel hätte aus Angst vor der KPD. das Verbot von Kundgebungen unter freiem Himmel wieder aufgehoben. Andere freilich meinten wieder, die Aufhebung dieses Verbots sei weiter nichts als eine verruchte Intrige und Provokation, verübt von der dreimal oerfluchten SPD (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Kolgen des Abtreibungsverbois. Im Strafgesetzausschuß des Reichstags sprach zu den Be- stimmungen gegen die Abtreibung der Präsident des Reichsgesund- heitsamtes Dr. H a r» e l über die Untersuchungen, welch« sein Amt in den letzten 10 Iahren gemacht hat. Er kam dabei zu dem Er- gebnis, daß jährlich mindestens 4000 bis 5000 Frauen infolge Unterbrechung der Schwangerschaft durch Surpfuscher sterben. Nach femen Ausführungen ist die Unterbrechung der Schwanger- schaft, wenn sie in Kliniken vorgenommen wird, nahezu g e- f a h r l o s. Dr. Hömel ist gegen Freigabe der Unterbrechung der Schwangerschaft, haupsächlich aus bevölkerungspolitischen Gründen. Abg. Toni Psüls(Soz.) betonte, daß die angeblich sitt- liche Forderung der Gebärpflicht ihre Grundlage in der U« b ers ch ä tzu n g der Bedeutung der Volks z a h l� hat. Die» hat einmal vielleicht Berechtigung gehabt, solange die Selbstbehaup- tung der Völker im Krieg und ihre wirts chastliche Entwicklung von GestaUen im Jakubotrfki&rosteß Paul Kreuzfeldt sagt gegen Frau Rogens aus. der großen Zahl in starkem Maße abhing. Di« modern« Krieg- führung hat aber ein« Verschiebung in der Bedeutung der großen Zahl durch die Entwicklung der Technik ergeben und auch in der Wirtschaft ist die Bedeutung der Zahl durch die Verselbständigung der Produktion der U e b e r s e e länder, durch die Beschränkung des Absatzmarktes der europäischen Länder, vor allem aber durch di« Rationalisierung gesunken. Für die Zukunft liegt das volkspolitische Zdeal nicht in der Zahl, sondern in der Qualität der Menschen. Di« Last des Bevölkerungszuwachses haben di« herrschenden Schichten in der Hauptsach« der Arbeiterklasse zugeschoben: dies« hat sie getragen auf Kosten ihres Kulturbedürfnifles. Wo aber bleibt die kulturelle Selbstbehauptung eines Volkes, wenn zwei Drittel davon in ein kulturwidriges Leben gezwungen sind? Die Abtreibung ist uns kein Ersatzmittel für sozialpolitisch« Mahnahme«: die Abtreibung ist unerfreulich als soziales Symptom und in ihrer Wirkung auf den mütterlichen Leib gefährlich. auch wenn der Arzt sie vornimmt, wir wünschen aber die Opfer der sozialen Situation, die den wen der gebildeten Stände zur Verhinderung der Mutlerschast nicht kennen oder nicht offen haben, von Strafe freigestellt zu haben, wenn sie dasselbe tu» wie die Besitzenden. Wir wollen nicht als Gesetzgeber, die wir zum größten Teil in sozial gesicherten Verhältnisjeii leben, mit strafrechtlichen Bestim- mungen sittliche Forderungen an die wirtschaftlich Schwächsten stellen, di« höchst bestreitbarer Art sind.„ Frau Abg. Weber(Z.) sprach gegen die weltanschaulichen Darlegungen der Genossin Pfülf, die unbegreiflichen Pessimismus im Hinblick auf die Entwicklung der Menschheit zeig«.— Abg. E h l« r m a n n(Dem.) ist zwar prinzipiell für Bestrasung der Ab» treibung, tritt jedoch für Milderung des Entwurfs ein. Schließlich führt noch Frau Dr. S t e g m a n n(Soz.) aus: All« Uebelständ«, die man von unseren Anträge» befürchtet, sind heute schon vorhanden: sie werden durch die Freigabe der Ab- treibung sich bessern, nicht verschlechtern. Das ungeborenc Kind ist gewiß mehr als ein Bestandteil des mütterlichen Körpers, aber die Natur legt der Mutter die Verpflichtung aus, neuir Monate lang ihr ganzes Sein dem werdenden Wesen zu geben. Da " muß sie selbst darüber befinden können, ob sie die Kraft dazu hat. Manchmal stößt di« Natur die Frucht spontan aus. Es gibt dafür keine Stras«. Zu den anerkanntesten medizinischen Jndika-ionen fiehört das unstillbare Erbrechen der Schwangeren. Wir Psychologen ind der Ansicht, daß dies Erbrechen ein Ausdruck ist für eine un- bewußt« unüberwindliche Abneigung der Mutterschaft. Dasselbe ist der Fall bei der Mehrzahl der natürlichen Aborte, beim körperlichen Abort ist nur das verschieden, daß die Mutter nicht u n m i t t e l» bar mit seelischen Vorstellungen den Körper beeinflussen kann, son« dern zu den Mitteln der Außenwelt greisen muß. So unsicher wie sie geschildert werden, sind die Resultate der Eugenik nicht, z. V. liegen über di« Entartung der Nachkommen durch Trunksucht der Eltern wichtige wissenschaftliche Ergebnisse vor.— Zu einer Abstimmung über die Anträge kam der Aus- schuh n o ch n i ch t. Die Beratung wird in der kommenden Woche sortgesetzt._ Wahlrechisdebaiie im Reichstag. Külz über angebliche„Oligarchie". Der Reichstag setzt heute die innerpolitische Debatte zum Etat des Innenministeriums fort. Abg. Dr. Sülz(Dem.): Die Eifersucht zwischen den deutschen Ländern ist noch stärker und hemmender geworden. In der deutschen Republik ist aber nicht Raum für E i n z e l st a a t e n. Die Reichs» bllrgerschaft muß eingeführt, das Vielzuviel an Vorschriften verein» facht werden. Das Wahlrecht muß verbessert werden, um das politische Interesse des Volkes zu heben. Es ist O l i g a r ch i e, daß 500 Wähler eine eigen« Liste aufstellen können.(Abg. Sollmann: Aber zur Wahl braucht man 60000 Stimmen!) Dieses System fördert die unerwünschte Zersplitterung. Die Liste entpersön» licht die Wahl. Ein Beamter, der dem Staat ehrlich dienen will, kann keiner staatsfeindlichen Bewegung oder Organisation angehören. Unser« eigen« Minderh«itenpolitik müßt« Reichssache sein. Das Interesse für die eigenen Volksgenossen in anderen Städten ist nicht eine Einmischung in dessen innere Angelegenheiten. Im November 1918 hat Mussolini im„Populo d'Jtalia* Demo» iratie und freie Selbstverwaltung für die deutschen Südtiroler verlangt. Den Mussolini von heute erinnern wir daran.(Haken» kreuzler Stöhr schreit:.Durch di« Lügen Ihrer Presse über Musso». lini hat er sich geändert.*)— Präsident Löbe ruft den Rufer zur Ordnung und teilt mit, daß andere Parteien sich beschwert haben, weil die Hakenkreuzler von Plätzen dieser Fraktionen au» ihre Zwischenruf«».machen. Abg. Dr. Leicht(Bayer. Vp.): Den politischen Willen des VolkeA gibt kein Wahlrecht unverändert wieder, mag es sein, wie es will. Wer soll denn nach dem Wunsch des Herrn o. Kardorff den identischen Reichs- und preußischen Staatspräsidenten wählen: sollen wir Bayern etwa den preußischen Ministerpräsidenten wählen? Das kann man uns nicht zutrauen.(Heiterkeit.) Herr S o l l m a n n hat verlangt, daß das Reich seine Rechte nicht preis» gebe, sondern a u s s ch ö p f e: von ebensolcher Wahrung der Länder rechte, die die Verfassung gewährleistet, hat er nicht gesprochen, Di« Länder wollen ihre Existenz erhalten und vor allem nicht vo, außen her zu ihren Ausgaben gezwungen werden.. , Der Staat hat die Pflicht und das Naturrecht, seine Existenz gegen den Umsturz zu verteidigen. Das Bestehen der verschieden«, „Wehrverbände* aller Richtungen ist ein Zeichen der Schwäche. Die Hoffnungslosen. (Fortsetzung von der I.Seite.) .4uf gewerkschaftlichem Gediet ist das Fiasko der jtPD. womöglich noch vollständiger als auf politischem. Die geniale Stra» tegie, deren Grundgedanke es war, die Unorganisierten gegen die Gewerkschaften zu mobilisieren, hat den zu erwartenden Erfolg davongetragen. Wohl hat sie bei den Betriebsratswahlen da und dort zu kurzlebigen Triumphen verholfen— aber wo es hart auf hart ging, siegt« die Organisation und die Disziplin der Organi- sation. Der Erfolg war, daß die Gewerkschaften geschlossener da- standen als je, und entschlossener denn je, den kommunistischen Spalt- bazillus auszuscheiden. Auch hier also nichts als Versagen, bewiesene Ohnmacht nach lächerlicher Aufplusterung. auch hier nichts als kreischende Impotenz. Diese Impotenz wird in diesen Tagen weiter zetern und drohen, und sie wird desto lauter schreien, je mehr sie sich im stillen ihrer Ohnmacht bewußt ist. Der westeuropäische Kommunismus im all- gemeinen und der deutsche im besonderen ist ein hoffnungsloser Fall. Jedermann weiß heutzutage, daß die Arbeiterbewegung west- lich der Sowjetgrenze nach anderen Gesetzen lebt und sich entwickelt als östlich von ihr. Es gibt nur noch einige, die es nicht zugeben wollen, und die nennen sich Kommunisten. Dies« Partei, die der «abrheit nicht ins Gesicht sehen kann, ohne sich selbst aufzugeben. ist zur Verlogenheit verurteilt. Aber da ihre Lügen außerhalb ihres engsten Kreises kein Gehör «ehr finden, kann sie nichts mehr als sich selbst belügen. Und das wird sie auch aus ihrem Parteitag nach Kräften tun. Mit polizeilicher Genehmigung. Da die Polizei bekanntlich das Verbot von Kundgebungen unter freiem Himmel aufgehoben hat, wollen die Kommunisten heute abend von verschiedenen Sammelplätzen aus nach dem Sportpalast mavschieren. Auch in bezug auf die Presse ist die Polizei den Kom- munisten entgegengekommen, indem sie ihnen auf Grund von Ver- Handlungen, über die wir schon berichtet haben, die Herausgabe eines Informationsblattes erlaubt hat, das über den Parteitag aus- führlich berichten soll. Der Bericht über das Zentralkomitee wird von Heckert, H ä b i s ch und O o e r l a ch gegeben werden, über die politische Lage wird T h ä l m a n n reden und über den„revolutionären Kampf gegen den imperialistischen Krieg" Remmele. So zeigt sich, daß die demokratische Republik auch für die Kommunisten ihre Vorzüge hat. Trotz der von ihnen verübten Verbrechen dürfen sie auch heute schon wieder für ihre sogenannten Ideen werben, und niemand wird sie dabei stören, wenn st« sich nur bequemen wollen, die sehr weitherzigen Gesetze der Republik zu achten. Wäre Deutschland wirNich„faschistisch" regiert, so ginge es ihnen erheblich schlechter. Werden wir zahlen können? Sine Betrachtung zum �oung-plan. Für die Deutschnationalen ha« der Reichstagsabgeordnetr Q u o a tz in der Hugenberg-Press« jüngst»ine sehr einfache Parole ausgegeben:. Ob wir jährlich 2500 Millionen oder nur 2000 Millionen zahlen, sei eine ganz überflüssige Frag«, denn wir könnten nicht einmal 1000 Millionen jährlich aufbringen. Ob dies außerhalb Deutschlands irgendwer glauben wird— schon angesichts der Tat- fache, daß Ikin Vielfaches dieser Summe jährlich in Deutschland für Alkohol und ebenso etn Dielfaches für Tabakivaren umgesetzt wird, lassen wir dahingestellt. Rur steht der Doung-Plan für die ersten Jahre tatsächlich eine Ermäßigung der Jahresrate bis auf rund 1700 Millionen vor, dafür übersteigt er im Jahre 1940 die zweit« Milliarde, um dann bis auf ziemlich 2400 Millionen hochzuklettern. So willkommen die Er- leichterung der ersten zehn Jahre für uns ist, so kann sich natürlich der verantwortliche Politiker für die spätere Zeit nicht mit einem achselzuckenden„Wer leben wird, wird sehen" begnügen. Die Frage ist: Werden rmr nach zehn Iahren über 2 Milliarden aufbringen können? Prophezeiungen über den späteren Stand der deutschen Wirtschaft sind heute ein mühiges Spiel. Wie es in zehn Iahren wirtschaftlich bei uns aussehen wird, wissen selbst die klügsten Sachverständigen nicht, weshalb wir auch in dem jetzigen Poung-Plan nicht ein unabänderliches und starres Axiom zu erblicken vermögen. Dennoch kann man eine Erleichterung, die von einer bestimmten Seite her eintreten wird, heute bereits voraussagen. Wir gehen davon aus, daß unsere Militärlosten durch die Enttvassnunz Deutschlands schon heute viel geringer sind als vor dem Welt- krieg. Die Kosten für die Reichswehr sind Im neuen Etat unter 700 Millionen jährlich heruntergedrückt worden, d. h. sie betragen fast 1 Milliarde weniger als die Kosten für das stehende Vorkriegsheer(mit Flotte). Bedenkt man nun, daß die Vorkriegs- mark der heutigen Mark an Kaufkraft mindestens um das ändert- Halbfache überlegen war, so kann man den Kostenunterschled zwischen Reichswehr und Vorkriegsheer im heutigen Geldivert sogar auf etn» IM Milliarden Mark veranschlagen. Dies« Summe würde, wie man sieht, schon beinahe ausreichen, um die Iahreszahlungen der ersten Jahr«(rund 1700 Millionen) wenigstens nach innen hin. etatsrechtlich betrachtet, zu decken. Leider aber steht uns diese Summ« nur theoretisch zur Verfügung. Praktisch wird sie netto aufgezehrt durch die Ver» sorgung der Kriegsopfer und der Angehörigen der alten Wehnnacht, die im jetzigen Etat rund 1S00 Millionen Mark er- fordern, davon entfallen auf die Versorgung der Offiziere und Be- amten des alten Heeres 235. der Kriegsopfer 1360 Millionen. Man kann also sagen: dl« Ersparnis infolge der Abrüstung wird ganz, ja noch darüber hinaus durch die Versorgung der Ueberbleibsel des alten Heeres«vettgemacht. Nun ist diese Versorgung aber keine ewige. Sie mindert sich mit der Zahl der Uoberlebenden. Zum Teil nimmt sie sogar automatisch ab. Dies ist z. B. bei den K r i« g s w a i s e n der Fall. Wir haben jetzt etwa noch U Millionen Ganz, und Halbwaisen von Kriegsgefallenen zu versorgen. Da die Versorgung bis zum 13. Lebensjahr geht, so mästen 19 Jahre nach Kriegsschluß(unter Einschluß der Nachgeborenen), also im Jahre 1937. die letzten Waisen aus de? Versorgung herauswachsen. Sicher wird es in zehn Jahren, wenn die Doung-Lasten erheblich steigen, kein« ver- sorgungsberechtigten Kriegswasten mehr geben. Ebenso muß dann die Zahl der versorgung-berechtigten Kriegseltern, heute noch etn» M Million, ganz gering geworden sein, da theoretisch dann das Gros der Kriegseltern das 70. Lebensjahr überschritten haben muß. ein Alter, das nur von einem Fünftel der Menschen erreicht wird. verhältnismäßig wenig dagegen wird in den zehn Jahren die Zahl der Kriegsbeschädigten und der Krieger- witwen(heute rund% Millionen bz». 360 000) abnehme g, da Ist Zakubov Vor den Plädoyers Reustrelifj, 8. 3 um. Der letzte Tag der Beweisaufnahm« begann mit der Lei- nehmung der Sefängnisbeamten, die Iakubowski während der vielen Monate in der StrafanstaU Attstrelitz als Mensch und Gefangenen kennengelernt haben. Der Strafanstaltsbeamte Hin- r i ch s hat mit ihm nach seiner Verurteilung gesprochen. Iatu- bowski weinte. Ob er krank sei, fragte ihn der Beamte.„Nein," antwortete er,„können glauben, Wachtmeister, meine Hand nicht gemacht, meine Hand Kind nicht töten, mein Schwager August und Blöcker es gewesen, hat sich Kreutzfeld gesagt. Mein Junge mutz weg, ich Frau nehmen, Bude leer." Hinrichs fragte Iakubowski, weshalb er das früher nicht gesagt habe:„Ich Staatsamvall sagen, er sagen Lüge, wa» nochmal sagen, geglaubt süns, sechs Iahre Zucht- Haus, das absitzen sür meine Schwiegermutter." Der Zeuge hat früher diese Gespräche nicht ganz so dagestellt, jetzt bleibt er aber bei seiner Schilderung. In ähnlicher Weise hat. sich Iakubowski einer großen Zahl von Strafanstattsbeamten gegenüber ge- äußert. Seine Darstellung über die Ermordung des Kindes durch Blöcker hat er auf Veranlastung der Beamten schriftlich niedergelegt und den Brief an den Rechtsanwalt Koch geschickt. Koch hat aber diese Mitteilung der Staatsanwaltschaft nicht weitergegeben, sie ist bei seinen Handakten liegengeblieben. Der Strafanstallsoberwachtmeister K r a g e r brauchte mitunter 10 Minuten, um Iakubowski irgendein Wort aus dem Urteil klar- zumachen. Iakubowski erzählt ihm u. o. auch von dem Diebstahl, wegen besten er bestraft worden war. Er sagte:„3ch nicht gemacht, nur aufgepaßt, abgesesten sür meinen Schwager." Dies« Be- hauptung Iakubowskis ist insofern interessant, als er über seine Tellnahme an der Ermordung des Knaben stets erklärte:„Ich nicht gemacht, mein Kind nicht ermordet." Der Zeuge Krager war auch anwesend, als der Oberstaatsanwalt am Tage vor der Hinrichtung Iakubowski davon Mitteilung machte, daß sie be- vorstehe. Oberstaatsanwalt Müller fragte Iakubowski, ob er noch einen leßten Wunsch habe. Iakubowski verstand nicht, was er mit dem Wort„W u n s ch" meine. Der Oberstaatsanwalt fragte ihn, ob er noch etwas e s s e n lnöchte. Iakubowski gab durch Mund- bewegung zu verstehen, daß er nun wisse, was das Wort Wunsch bedeute. Als der Oberstaatsanwalt die Zelle verlosten hatte, schickte er den Wachtmeister, Iakubowski die Hosenträger abzunehmen. Als dieser das tat. sagte Iakubowski:„Ich nicht aufhängen, ich mein Kind nicht ermordet." Cr fragte den Beamten wieder, was das Wort es sich hier um Personen handelt, die bei Kriegsende meist in der Vollkraft ihrer Iahre standen. Aber auch hier ist— trotz des immer noch erfolgenden Neuzugangs an versorgungsberechtigten Kriegs- beschädigten— ein anfangs langsamer, dann schneller»erdender Rückgang infolge wachsender Sterblichkeitszisfer sicher. Daß an dem Pensionsetat der Offiziere viel gespart werden könnte, menn für arbeitsfähige und verdienende Ossiziere, die es in großer Zahl gibt,«ine entsprechende P« n s i o n s- k ü r z u n g durchgeführt würde, ist von der Sozialdemokratie oft betont worden. Naturgemäß muß auch dieser Auegabeposten sich in zehn Iahren durch den natürlichen Todesabgang, namentlich der älteren(und gleichzeitig höheren) Offizier« stark vermindern. Es kann daher mit Sicherhett gesagt werden, daß die aus der Versorgung des alten Heeres und der Kriegs- opfer sich ergebende innere Kriegslast in zehn Iahren um mehrere hundert Millionen abnehmen und im Verlauf der folgenden zehn Iahre sich weiter stark vermindern wird. Auch wenn ein Teil der Ersparnis— was durchaus zu wünschen,«väre— dazu verwandt wird, um das heute sehr kärgliche Los der Kriegsbeschä- digten und Witwen aus dem Mannschaftsstand wenigstens für die Ueberlebenden zu verbessern, so könnte selbst hiernach noch ein Betrog flüssig bleiben, der aller Wahrscheinlichtett nach ausreichen würde, die Steigerung der Jahresbilanzen auszugleichen. Voraussetzung ist natürlich zweierlei: erstens ein gesunder und kräftiger Zustand der deutschen Wirtschaft, der wenigstens die Zahlung der geringeren ersten Jahresraten aus Ueberfchüsten er- möglicht und der die Transferierung innerer Ersparnstse nicht zur Unmöglichkeit»nacht. Zweitens, daß die Ersparnist« nicht etwa für milltärlsch« Rüstungen oder sonstige unprodukttve Ausgaben verwandt«Verden. » Die D a u e r der Zahlungen— bis 1987— ist nur für den eine Ueberrafchung, der nicht gewußt hat. daß England, Frankreich, Belgien, Italien und andere europäische Staaten bis zu dem gleichen Zeltpunkt an Amerika ihre Kriegsschulden zurückzuzahlen haben. Der Grundgedanke der Pariser Einigung besteht darin, daß Deutsch- land soviel an die europäischen„Sieger" zahlt, wie diese an Amerika zurückzuerstatten haben, zusätzlich einer Leistung für den Wieder- aufbau der zerstörten Gebiete. Das sind die„politischen Not- wendtgkeiten", von denen der Bericht spricht, und die mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands in Einklang zu bringen waren. Der Gegenwartswert der von Deutschland zu über- nehmenden Schuld beträgt etwa 30— 35 Milliarden, je nach dem Zinsfuß, den man der Berechnung der Verzinsung zugrundelegt. Die Schuld, die Deutschland in der Nachkriegspsychose des Londoner Ultimatums auferlegt wurde, betrug 132 Milliarden. Um etwa 100 Milliarden hat sich also die dem deutschen Volt und der arbeiten- den Klasse Deutschlands von außen aufgebürdete Kriegslast ver- mindert. Gin falscher Verlrauensarzi. Sittlichkeitsaftentat au? eine SZiäbrige. Ein fast unglaubhasl erscheinender Vorgang, ein Sill- lichkeitealtenlal ans eine SZjährige Greisin, stand heule vor dem Großen Schöfsengerlcht Berlin-TNille zur Aburteilung. Der Angeklagte ist der 5Zjährige Schuhmacher Karl Hart- mann, ein Mensch, der schon 13 m a l vorbestraft ist, darunter wiederholt auch wegen Sittlichkeitsverbrechens. Sein Opfer war als Zeugin vor Gericht geladen. Das alt« zitirige und schon zusammengeschrumpfte Mütterchen, eine Witwe, mußte von ihrer Nichte ge- stützt werden. Eines Tages begegnete ihr der Angeklagte auf dem Flur ihres Hauses und sprach sie an. Er bezeichnete sich als Ver- trauensarzt des Wohlfahrtsamtes, der sie wegen Erhöhung ihrer Rente untersuchen solle. Das alte Mütter- chen war darüber hocherfreut und nötigte den„Herrn Doktor" in ihr Stübchen Dort wurde der Wüstling sofort zudringlich, und als d'e Greisin sich sträubte, würgte er sie am Halse. Die alte Frau wehrte »sti schuldig? im Rogens-Prozeß. „Wunsch" bedeute. Als der Wachtmeister es ihm verständlich machte, sagte Iakubowski: „Noch mal kleines Kind sehen." Das war der letzte Wunsch, die letzt« Bitte vor der Hinrichtung! Der Beamte teille diesen Wunsch dem Inspektor mit. Dieser meiitte aber, der Oberstaatsanwalt sei schon weg, das könne nicht mehr gemacht werden. Der Zeuge bestätigt auch, daß dem Begnadigungs- gesuch Iakubowskis ein gutes Führungszeugnis der An- st a l t beigefügt worden sei. Der Polizeiwachtmeicher P a ch o l k e schilderte Iakubowski als höflichen, freundlichen und steißigen Men- schen. Er habe nie vor sich hingegrübelt, als wäre er schuldbeladen. Am Tage vor der Hinrichtung hatte der Zeug« Wache vor Iaku- bowskis Zelle. Iakubowski befand sich in bester Stimmung. Nach- dem der Oberstaatsanwalt ihm von der bevorstehenden Hinrichtung Mitteilung gemacht hatte, sah er ihn mit dem Gebetbuch in der Hand. Der Zeuge Adler hat acht Monate lang mtt Iakubowski die Zelle in der StrafanstaU AltstreUtz geteilt. Iakubowski hat sich mit ihm immer wieder von der Tat unterhalten und seine Unschuld beteuert. Er hat erzählt, wie gut er zu den Kindern gewesen sei. Wenn er Ewald hätte umbringen wollen, so hätte er dazu mehr als einmal Gelegenheit gehabt. Als der Kleine verschwunden war, wurde ihm von verschiedenen Seiten nahegelegt, zu fliehen. „Ich aber nicht gemacht, ich nicht fliehen." Auch während der Außen- arbeiten in den Strosanstallen wurde ihm von Gefangenen gesagt, „laufe davon, sonst wirst dii deinen Kopf doch los".„Ich nicht ftiehen, ich nicht gemacht." Er fügte hinzu:„wenn Herren herz im Leibe gehabt, hätten mich zu lebenslänglich verurteilt, dann Wahrheit festgestellt." Iakubowski bezeichnete in seinen Gesprächen Blöcker, Kreutz- f e l d und. A u g u st als die Täter. Von Bedeutung ist die Aussage des Zeugen, daß er den Gefangenen«inen Zettel herumgezeigt hat, auf dem geschildert war, wie B l ö ck e r den Neinen Ewald am Moor getötet haben soll. Es sei möglich, sagt der Zeuge, daß auch A u g u st, der zu jener Tat im Gefängnis Attstrelitz gesessen habe, den Zettel gelesen habe. Der Oberstaatsanroall legt darauf großen Wert, weil sich auf diese Weise der Umstand erklären würde, daß August die gleiche Darstellung von der Ermordung des Kindes gegeben hatte wie Iakubowski. sich noch Kräften und schrie laut um Hilf«. Als dann Leute kamen, wollte der Angeklagte entfliehen, wurde aber festgenominen. Vor Gericht entschuldigt« er sich damit, daß er Alkohol zu sich genommen hatte und nicht viel vertragen könne. Man hatte Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten, und daher war Medizinalrat Dr. Ewers als Sachverständiger geladen worden. Der Angeklagte ist während seiner Gefängnisstrafe auch schon infolge vorübergehender epileptischer Bewußtseinsstörungen in Irrenanstalten gewesen und entmündigt worden. Nach den Gut- achten ist er zwar ein minderwertiger Mensch, aber sür sein« Hand- lungen verantwortlich, so daß§ 51 für ihn nicht w Frage kommt. Das Schöffengericht Mitte beschloß, auf Antrag von Rechts- anwatt Dr. Anderssen zur Klärung der sexualpathologischen Seit« dieses ungeheuerlichen Falles noch ein Obergutachten über den Angeklagten einzuholen und vertagte daher die Verhandlung. Der Staatsanwalt hatte gegen den Angeklagten 1 Jahr 9 Monate Gefängnis beantragt. Die Kinderleiche am gelben Brink. Das Opfer des Harzer Kindermörders gesunden. Wernigerode, 8. Juni. Wie der Vertreter der TU. erfährt, ist es de» Bemühungen der Landeskriminalpolizei gelungen, die Leiche des am vergangenen DieuStag abend erschossenen zehnsährige» SohneS des Maurers Reims aus Magdeburg am Tatort am gelbeu Brink des Brockenmasstvs aufzufinden. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Ltm einen Ooppelmörder. Unruhen in LimogeS. Pari». S. Zuul.(Eigenbericht.) In Llmoge, kchn es am Freilog im Anschluß an die Urteils- oerkündung in einem Mordprozeß zu schweren Zwischen- fällen. Angeklagt«var der Industriellen-Soh« D a r a l a u d. der seineu Freund, mit dem er sexuelle Beziehungen unterhielt, und einen Schausseur ermordet haben soll. Die Geschworenen hatten die Schuldfrage bejaht, billigten dem Angeklagten i jedoch mildernd« Umständ« zu. Das Urteil lautete auf lebenslängliche Zwangsarbelt. an- statt, wie die über den Prozeß stark erregte Meng« erwartete, auf Todesstrafe. Der Verurteilte mußte unter starker milttärischer Bedeckung in das Gefängnis zurücktransportiert werden, wo die Meng« den Versuch machte, das Gefängnis zu ftürmem Die Polizei mußte drei Attacken gegen die Demonstranten retten. Bis spät in die Nacht hinein mußten zahlreiche P a- trouillen die Ruhe in der Umgebung des Gefängnisses sichern Die Zahl der Verletzten beträgt 37. Weiter wird uns aus L i m o g e s gemeldet: Vor dem Gefäng- nis entwickelte sich ein regelrechter Kampf zwischen der Polizei und der Menge, die sich mit herausgerisicne» Gitterstangen bewaffnet hatten. Drei höhere Polizeibeamte. 14 Polizisten und zahlreiche an den Tumulten beteiligte Zivilpersonen haben Der- lehungen davongetragen. Es wurde daraufhin Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung mtt herangezogen und ein Pa- trouillendienst in den Straßen eingerichtet. Promenadenkonzert im LportparkTempelhofer�eld Am Sonntag, dem 9. Juni, finden zwei Konzerte statt. Der Musikverein„E ch o", N e u k ö ll n. hat sich unter Leitung des Chor- dirigenten, Herrn Refchke, in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, ein Frühkonzert zu veranstalten. Das Konzert beginnt um 7 Uhr und endet gegen 9 Uhr. In den späteren Vormittags- stunden, um 11.30 Uhr, veranstaltet dann die„Typogrvphia" 'Mitglied des ASB.) ein Ecsangskonzert. Zum Vortrage gelangen eine Reihe schöner Volkslieder. Die Konzerte finden auf dem Rechteckplag am Mittelweg zwischen Oker- und Allerstraß« statt. Regierung der Persönlichkeiten. Starker Eindruck der neuen englischen Regierung. London, 7. Juni.(Eigenbericht.) Obwohl die offizielle Ministerliste erst spät abends in London betanntgemacht wurde, kann schon jetzt sestgestellt werden, daß die Zusammensetzung des Kabinetts auch auf bürgerlicher Seite st ä r k- sten Eindruck gemacht hat. In konservativen Kreisen wird zu- gegeben, daß das zweite Ministerium Macdonalds nach seiner Per- sonenseite hin nicht nur das erste Kabinett Macdonalds bei weitem übertrifft, sondern aus unvergleichlich st ä r k e r e n Persönlichkeiten zusammengesetzt ist als sein konservativer Vorgänger des Kabinetts Baldwin. Es ist für die englischen Verhältnisse überaus bezeichnend, daß der Uebertritt des bekannten Rechtsanwalts und liberalen Abgeord- neten I o w i t t zur Arbeiterpartei und seine sofortige Berufung auf einen Ministerposten auf konservativer Seite als ein in e i st e r- hafter Zug Macdonalds gegen die Liberale Partei gewatet und als eine ausgesprochene Stärkung des Kabinetts bezeichnet wird. Weder auf konservativer noch liberaler Seite, aber auch in den Kreisen der Arbeiterpartei scheint niemand daran ernstlich Anstoß zu nehmen, daß ein Mann, der noch vor einer knappen Woche als Liberaler seinen Sitz im Unterhause erkämpft hat, sofort nach seinem Uebertritt zur Arbeiterpartei mit einer der höchsten Dertrauensstellen, welche die sozialistische Arbesterpartei zu vergeben hat. bedacht wird. Lediglich die Einbeziehung Georg Lansburys ins Kabinett, die Arthur Jienderson ist von Macdonald zum Außenminister seines Kabinetts be- stimmt worden. Henderson entstammt dem Arbeiterstand und ist seit 1903 Unterhausmitglied. 1915 wurde er Unterrichts- minister und war in Lloyd George» Kriegskabinett Minister ohne Portefeuille. Dem ersten Kabinett Macdonald gehörte er als Innenminister an. die Erfüllung eines ausgesprochenen Wunsches der Arbeiterpartei darstellt, wird in bürgerlichen Kreisen als«ine Belastung der neuen Regierung betrachtet. In den Kreisen der Arbeiterpartei hat die Zusammensetzung des Kabinetts begeisterte Aufnahme gefunden. Der»Dasty Herald", das Blatt der Arbeiterpartei, schreibt in seinem Leitartikel vom Sonnabend früh:„Das Kabinett werde weitgehendstes Der- trauen einflößen. Es sei von«inem Kaliber, das sowohl für den Mann spreche, der es zusammengestellt habe als auch für die Ar- beiterpartei selbst, die eine derartige erstklassige Zusammen- s e tz u n g des Ministeriums ermöglicht habe. Das neue Kabinett ist'kleiner als sein Vorgänger, da Mac- donald dem Postminifter und dem Minister des Herzogtums Lan» caster keinen Sitz im Kabinett gewährt, um die Arbeitsfähigkeit des Ministerium» zu erhöhen. Die neuen Männer werden Sonnabend um 11 Uhr im Schloß Windsor dem König vorgestellt werden, wobei die feierliche Uebergabe der Amtsstegel erfolgt. Räumung— unbedingt! Keine Kontrolle gerechtfertigt. London. Z. Juni. „Manchester Guardian" schreibt in einem Leitartikel zur Rhein- landfrage: Das äußerste, was die Deutschen bisher haben in Er- wägung ziehen wollen, Ist eine Kontrolle bis 1935. Es ist schwer, ein System auszudenken, das viel wert wäre, aber eines, das nur sechs Jahre dauert, erscheint ganz zwecklos. Nicnond hat sich hieraus festgelegt und England zum mindesten kann kein Interesse daran haben Die Anwesenheit britischer Beamter, Vertreter oder Agenten im Rheinland zu Spionagezwecken wäre eine einer befreundeten Nation zugefügte Kränkung. Sie würde ein Zeichen kleinlichen Mißtrauens sein, das einer C aßmack-t unwürdig ilt. Es gibt einen schnellen, gesunden und ein'achen Weg, den Rheinlandstreit zu erledigen, nämlich die so- sorlige völlige und unbedingte Räumung des Rheinlandes. Schiedsspruch für Oberschlesien. Erhöhung der Bergarbeiterlöhne um 4 Prozent. «leiwih. 8 Jintt. Di» Verhandlungen zur Beilegung de» Lohnkonflikt» im ober- schlesischen Kc-hlcnbergbau, die am Freitag in Gl-lwitz unter Hinzu- zichung des früheren Schlichters für Oberfchlesten. Regierungsrat Prof. Dr. B r a h n. stattfanden, führten um lpälen Abend zu einem Schiedsspruch, demzufolge die Löhne der Bergarbeiter um 4. Proz. erhöht werden sollen. Der Vertrag soll bis zum 31. Oktober 1930 Geltung haben. Die Partelen haben stch bis zum 12. Juni über Annahme oder Ablehnung de, Schiedsspruchs zu er- klären. Die Verhandlungen zur Beilegung des Lohnkonflitt» im Erzbergbau wurden vertagt. Berliner Festkonzerte. Beethoven-Keier. Zwei programmatische Ideen, noch nicht ganz klar geschieden, konkurrieren in den Festspielen: dem Fremden sollen Berliner Attraktionen, dem Berliner fremde Sensationen geboten werden. Also es gilt erstens, durch die Reiz« der Theater- und M«siksta.dt Berlin Geld und Besucher aus dem Ausland heranzulocken, und zweitens, durch außerordentliche Veranstaltungen auch aus den besitzenden Kreisen der Stadt etwas zu holen. Rund eine viertel Million Mark mag das Berliner Publikum für die sechs Scalo- Vorstellungen aufgebracht haben— eine respektable Leistung. Sollte in der Tat dieses Publikum zur Finanzierung seiner Opernbedürf- niss« aus die Summen angewiesen sein, die ihm, als staatlicher Opernzuschuß, jährlich aus Steuermitteln zufließen? Aber nun heißt es vor allem, auswärtigen Gästen zu zeigen, was es an Be- sonderem in Berlin zu sehen und zu hören gibt. Was kann ihnen gezeigt werden? Berliner Oper, wie st«— nicht immer ist, doch sein kann und sein sollte. Und Alltag des Berliner Konzertwinters, konzentriert und gesteigert vielleicht: Alltag sozusagen, wie er nicht all« Tag«, wie er nur an besonderen Abenden erreicht wird. Im Ausland, in aller Well ist es«in künstlerisches Ereignis, wenn die Philharmoniker unter ihrem Dirigenten für ein oder zwei Konzerte kommen, wir dürfen es mit Genugtuung vermerken. Nun sind sie von ihrer Tournee, die sie in sieben Wochen weit in Europa herumgeführt hat, heimgekehrt und geben an diesen beiden Beethoven-Abenden so AußerordenUiches nicht nur an Differenzie- rung des Klanges, sondern an Durchgeistigung und Beseelung des musterhaft disziplinierten Zusammenspiels, daß... daß man viel- leicht das nächste Mal die Mitwirkung des Orchesters nicht in gar so kleinem Druck ankündigen sollte. Allerdings, die stärkst« An- ziehung geht vom Dirigenten aus. Furtwängler als deutscher Symphoniegestalter, Beethoven-Jnterpret— seine Leistung ist heute in der Well gültig, anerkannt, beinahe wie die Toscaninis in der Berdi-Oper. Aber Oper ist nicht Symphonie, Beethoven ist nicht Bevdi. Dessen im Volkstümlichen wurzelnde, elementar-unkompli- zierte Musik läßt„subjektiver" Deutung wenig Raum. Was den Beechoven-Rachschaftenden ausmacht, das spüren wir bei Furt- wängler: geistiges Eindringen und Sich-Versenken des Gefühls tief in den schöpferischen Willen. Innerste Freiheit der Persönlichkeit, die sich dazu berufen weiß: Legittmität dieser Freiheit, doch auch, hie und da, ihr« Gefährlichkeit. Er erliegt nicht der Gefahr, aber er streift sie: die Gefahr, sich zu übersteigern» die Forderungen des eigenen Willens zu überbieten. Als Dirigent der abgeklärten-Extas« wird Furtwängler sein höchstes Künstlerziel erreicht haben. Hohenzollern-Spuk. Außerordentiiches zur Rechtfertigung außerordentlicher Preis«: m der Goldenen Galerie des Charlottenburger Schlosies sollt« es den Besuchern geboten werden. Doch das Außerordentlich« war eben dieser Rahmen des Gebotenen. Di« Beranstaller wollen die einst königlichen Räum« für gesellschaftliche Zweck« nutzbar machen, der Volksstaat tritt in sein« hausherrlichen Recht«, und das ist in der Ordnung. Nur, man kann in Verlln Musik— ebenso gute Musik in ebenso guter Ausführung und in einem akustisch nicht weniger günstigen Saal— für einen Bruchteil des Eintrittspreises hören, der hier gefordert und bezahlt wird— bezahlt wofür? Der Appell an den reakttonären Snobismus der Besitzenden ist eindeutig, er ist verstanden und erhört worden. Der Besucher hat für sein Geld das Recht erworben, sich zwei Stunden lang im Schloß ein bißchen zu Haus« zu fühlen, er sitzt da im Schein der Kerzen und sühlt sich wie von Menzel gemalt, er lauscht den Klängen der Musik, es ist, just zu seinem Ergötzen aufgesührt, ein« Komposition des Hausherrn— ein Flötenkonzert des Preußenkönigs Friedrich II. (den auch die Republik den Beinamen„der Große" führen läßt). Im Ernst, war das nötig? Ist der jungen Republik dos Zeil- aller der Hohenzollern schon so fern, daß solch«in Akt der Huldi- gung nur noch als historisches Erinnern wirkt und eben nicht— als Huldigung? Es ist mehr als hundert Jahr« her, daß Beechoven sein«„Neunte" einem Hohenzollernkönig gewidmet hat. Wir denken, Gottseidank, nicht an Friedrich Wilhelm III.» wenn wir die Sym» phoni« erleben. Aber wir denken vielmehr an den musizierenden Monarchen Friedrich, als wir auf feine Musik hören— auch wenn sie uns, wie hier, von einem erlesenen Kammerensemble(nnt dem Philharmoniker Albert Harzer als Soloflötisten) in ausgezeichneter Wiedergab« geboten wird. Dies« Arbeiten eines gewiß nicht un- begabten Musikliebhabers— man sollte sie, wenn überhaupt, am wenigsten am„geschichtlichen" Ort eines friderizianischen Schlosies ausführen. Die Mitte des Programme?, breitesten Raum nimmt eine Tee- pause ein, den gesellschaftlichen Charakter des Abend» betonend. Nach der Paus«: zweit« Aufführung der fünf neuen Lieder von Richard Strauß. Vor der Paus«: die Uraufführung. Also, man hat die Lieder, deren gesanglich« Schwierigkellen Kolomann v. P o> ta ty(von der Wiener Oper), ohne stimmlich zu blenden, mühe- los überwindet, zweimal hintereinander gehört: der Komponist begleitet selbst am Flügel. Mehr ein repräsentatives als ein künst- lerisches Ereignis: der Wert dieser Lieder, die eher mit der linken als mit der rechten Hand, der Hand eines Meisters freilich, gemacht scheinen, liegt weniger im Kompositorischen als im Persönlich-Doku- mentarischen. Es klingt kein neuer Ton daraus, den wir von Strauß nicht kennen. Aber der Fünfundsechzigjährig« schreibt Li«. der beinahe, die er in jungen Jahren hätte schreiben können, er nimmt Gedichte, die auch den Jüngling inspiriert hätten, lyrisch. hymnische Vers«, wie. sie immer sein« Sache waren, hier mit einem Einschlag orientalischer Ueberschwenglichkeit, und er komponiert di«se Text« mit dem Schwung der Melodik, um die er nie verlegen war. Er hat die Größe, sich tt«u zu bleiben, sich und seiner unmodischen Art. Er hat das unerschütterlich« Selbstbewußtsein eines Lebens- werks, das sich nicht auslöschen läßt, mag der Tag noch soviel Neuer bringen. Klau» Pringsheim. , /Herzblut einer Mutier". primus-palast. Hört man den Titel» dann ist man auf ein« Katastrophe mit unkenntlichen Massen gefaßt. Doch so schlimm wird es nicht. Das alte Enoch-Ardenthema spukt in diesem englischen Film herum. Der Verschollene tritt allerdings nicht mit einem langen Weih- nachtsmänerbart in die Erscheinung, sondern in Lack und Frack, und außerdem denkt er nicht im mindesten daran, auf die Frau zu verzichten, die er als angetraute Gattin eines anderen, nämlich d«s keuschen Jugendfreund«?, wiederfindet. Nun kann niemand diesem Herrn verübeln, daß er sich in den Armen eines dunkelhaarigen Vampirs von den langweiligen Strapazen seiner blonden Ehe abwechselt und daß er die Lammes» geduld und die Tränenbereitschaft sein«s Eheweibs reichlich über hat. Das angelsächsische Madoimenideol mit seiner Fadhell ist für einen Mitteleuropäer unerttäglich, und der Ehemann scheint ver- nünstigerweise nichts von' dem verlogenen Puritanism.is seiner Landsleute zu halten Schade, daß er am Schluß erdolcht wird. Schließlich muß die- aber sein Los werden, damit das glückliche Ende mit dem feucht seligen Augenausichlag in Szene gehen kann. Di» Songw«iligt«ll darf nicht unterliegen, und man denkt mit Schaudern daran, wie prächtig normiett die neue Ehe verlaufen wird. Das Ganze ist Kitsch, aber ein holder Kitsch,»in prächtig auf- gentachter KUsch und der zaghafte kriminelle Einschlag gibt so etwas wie eine gepfefferte Tunke dazu. Jane Novak wirkt wie das englische Posttartenideal des unberührten Girls mit den angenehm verbrachten Liebesnächten. Ja. da ist so viel verlogen, und trotzdem verfügt der Film über künstlerische Qualitäten. Und da ist ein kleiner Junge, der mehr kann als mancher Star In Großaufnahme und der viele Mängel der anderen oergesien macht. P. S. Das ärmste Land. „Das Recht der Ltngeborenen." Beba-palast»Atrium". Ob der Film überhaupt in der Lage ist, Probleme wie dieses zu erörtern, mit Argumenten zu behandeln, dos ist die Frage. Ab«r so weit ging der Ehrgeiz in diesem Fall« gar nicht. Man benutzt das Thema des Z 218 mehr als Aushängeschild, um einen Gesell- schaftsfilm mehr zu lancieren. Von Rechts wegen müßte der Film heißen: der Schrei nach dem Kinde. Nur daß ihn«in Mann aus- stößt,«in reicher Mann, der eine schöne Sängerin heiratet und gleich am ersten Tage seiner Eh«, da er ihr das bereit» vorgesehene Kinderzimmer zeigt, erfahren muh, daß sie im Jnirnsie ihrer Kunst keine Kinder wünscht. Als aber der Keim doch sprießt, läßt st« ihn beseittgen und verliert dadurch Stimme und beinahe auch Eheglück Aber schlleßllch wird si« reif zum Kinde, und«in von ihr gespieltes Wiegenlied kündigt Umschlag und Versöhnung an. Als Kontrast wird eine gehobene Arbeitersomilie gezeigt, di« mit Kindern ge» segnet ist und einen neuen Zuwach, nicht erträgt, ß 218 wird ge- streift, aber ein Unfall rechtzeitig eingeschoben, so daß das Recht auf Abtreibung nur angeschnttten wird. «ufklärungcwert hat der Film höchstens für Hinterwäldler. Unterhaltungswert ist aber anzusetzen, da Adolf Trotz flott« Regie führt und gute Darsteller verwendet. S ch l« t t o w stngt das hohe Lied de» Vaterglücks, Fritz K a m p e r s und Eva S p e y e r stnd»in prächtiges Ehepaar. Mary D«lschaft zeigt als Sängerin wenig Ausdruck. Dortteffliches Beiprogramm: fünf Abels und Miß Nor«« als akrobatische Tänzerin. r. Arabien, ein Stück Erd«, da» dem vierfachen Flächen�ebiet des Deutschen Reiches entspricht, hat nur«in« Einwohnerzahl von der ungefähren Größe Berlin«. In diesem Gebiet, über da» Dr. Wolfgang von Weist, der Korrespondent der„Vossischen Zeitung" in Jerusalem am Donnerstag in der Loge sprach, liegen nur zwei bis drei Kilometer von der internationalen Schissahrts- route des„Roten Meeres" entfernt di« größten geographischen Rätsel ungelöst. Der Schleier unentfalteten Träumens ist noch darüber ausgebreitet, ein letzter Schimmer des Mltt«lall«rs, ver- Kunden mit der Urwüchsigkeit eines einstmals stark produktiven Voltes.— Was wüßten wir ohne die Araber von den Griechen!— Heute ist das Volk degeneriert und in viele Zweig« zersplittert. Don dem ursprünglich rein semllisch-aristokratischen Typ lassen sich heute nur noch geringe Spuren entdecken. Landfremde Neger und Beduinen gewinnen das Uebergewicht. Unter persischem Einfluß, aber mit landeigenen Elementen erbaute Städte zeigen den ficht- baren Verfall der immerhin noch erkennbaren Kultur. Als Gegen- gewicht tritt uns ober in der Religion des Landes, des Moham- medanismus, eine Macht und ein Geist entgegen, den wir kaum erfasien können. Mekka, der Mittelpunkt, der Name bedeutet nicht Hauptstadt, also materielles, strategisches Zentrum, sondern Herz, was dem Araber viel mehr ist. Sein Gott Ist getragen von einer tiefen inneren Ruhe, genährt durch das Monoton« der Umgebung, ei: drückt sich aus im Geboren des täglichen Lebens. Von diesen Dingen verstand es Herr von Weisl, ein farbiges, von viel Liebe getragenes Bild zu entwerfen. Da sein Vortrag ober das heutig« Arabien behandeln wollte, ist es nicht verwunderlich, wenn zum Schluß Araber und andere england-feindliche und-freundliche Zuhörer ein« heftig« Diskussion eröffneten. Der Vortragende hatte sich gehütet, ftinc persönliche Meinung über den Wirrwarr der dortigen politischen Verhältnisse vorzutragen. Er holte das aber in Ruh« als Entgegnung auf die temperamentvollen Einwürfe nach und schildert« die sehr durchsichtige englische Politik, die bewußt olles Modern-Europäisch« ausschließt. Schade, daß die Diskussiyn abge- brachen wurde, als die Parteigänger Arabiens, von tiefster Leiden- schast getragen, Ihre Angriffe gegen di« imperialistisch« Politik Englands z. B. durch den Hinweis auf di« Kurden- und Beduinen- frage zu dokumentieren begannen. l. Kabarett der Komiker. „Die Frechheit" heißt der Titel des Programmheft«« des d«n Göttern d«r Freude und des Humors gewidmeten Rundtempels am Lehniner Platz. Da» ist die richtige Bezeichnung für das ganz« Programm. Nur daß es schalkhaste, graziöse, witzige, saftige und derbe Frechheit ist, eine parodielustlge Frechheit, die in allen Tonarten parodiert wird. Wie Iis« Bot» die Berliner Festspiele in immer neuer Mast« und immer künstlerisch verultt— göttlich ist ihre Massary—, das ist hinreihend. Edna Eovei), ,»der wirkliche Star der Ziegfeld-Follies", ist ein« Grotesttänzerin, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Wie sie d?« oft malträtierten„sterbenden Schwan" hinlegt, und den ganzen klassischen Tanz verschandelt, das ist direkt polizeiwidrig(Mitnehmen von Lachmasken gegen Kieferkrampf zu empfehlen! Di« dritte Kanon« ist �>ermöbli«rt« Herr", den Lotte Werkmeister und Oskar S a b o exekutieren. Hier bekommt man zu dem Klamauk noch einen Schnelltursus im richtigen Berlinisch. Eine Nummer für sich ist der Conferencier S ch i p i n s k t, der ein wahrhafter Charakterdarsteller ist. Und so ist das ganze Programm: jede Nummer schlägt ein und aus: Grotesttänzer und Zauberer usw. 6. Gustav Mahlet»„Lied»an der Erde' wird unter Leitung von Viuno Walter nm 10. Juni in der Philharmonie mit de« Philharmonische» Orchei'.e »« Sehör lammen. Höhlen des Grauens. Kahrien durch deutsches Wohnungselend. / Der Deutsche Verein für Wohnungsreform hat soeben unter dem Titel„Die Wohnungsnot und das Wohnungselend in Deutschland" eine Schrift herausgegeben, die als ein Dokument der Unkultur unserer Zeit anzusprechen ist. Eine spätere Generation wird es kaum sür möglich halten, dah in der Blüte der Technik, von der auch die Wohnungskultur stark befruchtet sein müßte. Zustände im herzen des Deutschen Reiches, ja in der Reichshaupt- stadl selbst, herrschen, die aller Zivilisation hohnsprechen— von der Kultur gar nicht zu reden. Diese Schrift berichtet über wahrhaft grausige Verhältnisse, und die Wahrheit ihrer De- richte ist verbürgt, nicht nur durch das Ansehen, das der Herausgeber— der Deutsche Verein sür Wohnungsreform und dessen Geschäftsführer Bruno Schwan— in der Fachwelt genießt, sondern auä) durch das unerschütterliche Zeugnis des Lichtbildes. Der knappe Raum, der hier zur Verfügung steht, läßt nur die Wiedergabe einiger Proben zu aus den Berichten über die B e- sichtigungs fahrten ins niederfchlefische(waldcn- burgische) Kohlenrevier, ins Erzgebirge, ins Mosel- gebiet und Eifel und durch Berlin, und zwar aus der Feder de« Genossen Bictor Noack. Ueber den tvaldenburgischen Bezirk heißt es: Was man dort zu sehen bekam, war in der Tat erschütternd und steht doch nicht vereinzelt da. Es ist das Elend, das man in Deutschland nach den Kriegs- und Inflationsjahren, von Jahr zu Jahr wachsend, nahezu überall findet: in verfallenden Häusern Wohnungen, die durch den Mangel an baulicher Pslege während vieler Jahre durch Uebersüllung mit Menschen so verkommen sind, daß sie kaum noch als Wohnungen bezeichnet werden dürfen. Unter dem harten Zwange der Not leben Familien in einer so wilden Wohn- und Schlafgemeinschast, daß allmählich, aber mit tödlicher Sicherheit nicht nur die Gesundheit, s o n- dern auch alle sittlichen Hemmungen verloren gehen. Fast noch düsterer— heißt es im erzgebirgischen Bericht — als im niederschlesifchen Kohlenrevier zeigt sich das Wohnung s- elend in den Gemeinden des Erzgebirges. Die Folge solcher Wohnungsverhältnisse ist sittliche Anarchie. Im M o s e l g e b i e t und in der Eifel werden die gleichen für das Individuum wie für die Sozialgemeinschaft außerordentlich gefährlichen Verhältnisse fest- gestellt und in eindringlichen Bildern geschildert. Jedoch scheint es, daß hier die wirtschaftliche Armut den höchsten Grad erreicht. Der Raummangel verbietet es uns, auch nur einige der ergreifenden Einzelschilderungen wiederzugeben. Lediglich aus dem vierten, dem Berliner Bericht, wollen wir ein Bild geben, um zu zeigen, wie in der Reichshauptstadt Menschen leben, die durchaus nicht etwa zum Lumpenproletariat, sondern zur ehrlichen Arbeiterschaft zu zählen sind. Wir geben dem Berichterstatter selbst das Wort: Ueber etwa zehn, nach vorn geneigten Stufen hinab in den Keller. Nur tastend findet man die Tür der Wohnung. Ein triefend-nasser und dunkler Raum. Wirklich eine Gruft. Dielen verfault, zerborsten, mit großen Löchern, überfüllt mit wild durcheinandergestelltcm Hausrat. Die Luft kalt, feucht und modrig. Kein Ofen ist hier. Die Fenster siegen tief im Fensterschacht. Sie werden nie geöffnet. Die Scheiben sind vom Straßenschmutz dick überzogene hier„wohnt" eine ZAjöhrige Wäschereiarbeiterin, und sie bezahlt für dieses abscheuliche verließ monatlich l4,50 W. vlicle. Ein Schrank ist hier nicht unterzubringen. Ihre Kleider hängen über einer durch die Stube gezogenen Leine. Ein Sofa steht mitten im' Raum, darauf und darum steht all ihr Hab und Gut. Wäsche liegt auf den Stühlen. Küchengeräte bedecken den vermorschten, zer- borstenen, durchlöcherten Fußboden. Ueberm Bett an der triefend- nassen Wand ein Bild. In der Dunkelheit ist nicht zu erkennen, was es darstellt: aber der Rahmen ist mit Tannenreis geschmückt. Ein Christbaum steht inmitten des wüsten Durcheinanders.„Weshalb schaffen Sie den Baum nicht raus? Er nimpit Ihnen doch nur Licht und Raum."„Ach nee— den möchte ich nich hergeben, wenn's gar so kalt und duster is, dann steck' ich ihn mir immer noch an, ich kann mir doch wenigstens die Finger dran wärmen und es ist dann auch «in bißchen freundlicher hier. Nur die verdammten Ratten fressen mir die Lichter an. Die Biester schleppen mir überhaupt alles weg. Sie kommen mir noch bis ins Bette." Es war an einem der unge- wöhnlich strengen Frosttage des Januar 1929. Wir sahen Ratten- löcher unter den Pfosten der Wände und in den Dielen. Der Bericht schließt: Nur 15 Berliner Wohnungen haben wir geschildert. Wir könnten 70 N, ja 7000 ähnliche, darunter vielleicht schlimmere noch darstellen. Kellergeschosse sollen nach der Berliner Polizeioerordnung vom 19.- Januar 1924(die allerdings 1927 nicht erneuert worden ist) und nach der neuen Bauordnung von 1925 nicht bewohnt werden, jedoch„Not kennt kein Gebot", Wir hätlen, wenn es nur technisch möglich wäre, ganze Häuser- reihen im Lichtbilde festhalten können, wo Haus für Haus auch die tief st en Keller von Familien bewohnt sind, hier nistet ein Elend, schlimmer als alles, was wir im waldenburgischen, im Erzgebirge, in der Eiset gesehen haben— schlimmer, weil es in- mitten der Steinwüste Berlin sich befindet, fernab von der Natur, fernab von Berg, Fluß und Wiese— schlimmer auch darum, weil der Weltstädter nervös, zermürbt, aufgepeitscht, viel leichter dem Gift des Wohnungselends erliegt als die Menschen dort draußen. Es erübrigt sich wohl, diesem Bericht noch ein Wort hinzuzufügen. Hannemann, geh' Du voran! Kommunistische Betriebsräte als Streikbrecher. Die von der Kommunistischen Partei anläßlich der Maikrawalle ausgegebene Generalstreikparole ist bekanntlich nur in den Berliner Zigarettenfabriken von einer nennenswerten Zahl von Arbeitern und Arbeiterinnen befolgt worden. Man sollt« meinen, daß sich an einem von der Kommunistischen Partei ins Werk gesetzten Streik in erster Linie die kommunistischen Funktionäre beteiligen würden. Aber die kommunistischen Betriebsratsmitglieder von Manoli und Iosetti versicherten vor dem Arbeitsgericht, wo sie wegen ihrer Entlastung als Kläger auftraten, daß sie den Streik weder propagiert noch beabsichtigt hätten, ihn mitzumachen. Dielmehr hätten sie sich, nachdem ihre Kollegen in Betriebsversammlungen den Streik beschlossen hatten, den Be- triebsleitungen zur Verfügung gestellt. Es sei wirklich nicht ihre Schuld, daß sie an den beiden Streiktagen nicht gearbeitet haben. Wenn ihnen die Betriebsleitung Arbeit zugewiesen hätte, dann würden sie natürlich gearbeitet haben. Diese kommunistischen Funktionäre wollten nämlich bei dem von ihrer Partei propagierten Streik nichts riskieren. Als Betriebsratsmitglieder sind sie ja im allgemeinen gegen Entlassung geschützt. Aber ein« Betelligung an dem politischen Streit würde ihre Entlassung begründen. Deshalb also waren sie so vorsichtig, sich, ihrer eigenen Versicherung nach, dem Unternehmer zur Der- fügung zu stellen, während die Arbeiter und Arbeiterinnen, die der unsinnigen Streikparole folgten, ihr« Existenz aufs Spiel setzten. Doch diese vorsichtigen Betriebsratsmitglieder waren nicht vorsichtig genug gewesen. Das Gericht nahm durch Zeugen- aussagen als erwiesen an, daß die Betriebsratsmitglieder vor den Fabriktoren die Arbeiter und Arbeiterinnen von der Annahm« der Arbeit abgehalten hatten. Die Klagen wurden abgewiesen, aber der grundsätzlichen Bedeutung wegen für berusungssähig er- klärt. Mehrere Zigarettenarbeiterinnen, die ebenfalls aus Anlaß des Streiks entlasten wurden, fochten ihre Entlassung als un- billige Tzärte an. Auch diese Klagen wurden abgewiesen, weil das Gericht für erwiesen hält, daß die Klägerinnen am Tage nach der Beendigung des Streiks passive Resistenz ausgeiibt haben, um die WiedekeinsteSung der entlassenen Beiriebsratsmitglieder durchzusetzen.■'-s Die Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu bedauern, die von den Beauftragten Moskaus in einen sinnlosen Streit gehetzt wurden und nun ihre Handlung mit dem Verlust der Ar- b« i t s st e l l e büßen müssen.. Abkommen oder Empfehlung? Internationale Arbeitszeitregelung der Angestellten bedroht Genf, 8. Juni.(Eigenbericht.� Die Schaffung eines internationalen Arbeits- z e i t a b k o m m e n s für die Angestellten ist ernsthaft bedroht. In der zuständigen Kommission der Arbeitskonseren.z wurde am Freitag noch langen Kämpfen ein Antrag der Unternehmer ange- nommen, der die Wahl zwischen Abkommen und einer bloßen Empfehlung an die Regierungen, die Arbeitzeit der Ange- stellten zu regeln, offenläßt. Im übrigen versuchte man eine be- friedigende Definition des Begriffs Angestellter zu finden. Ein Redaktionskomitee soll auf Grund der vorftegenden An. träge oersuchen, eine einheitliche Formel zu finden. Diesem Komitee gehört u. a. der Afa-Delegierte Dr. Pf irrmann an. Keine Lockerung des Meierschuhes. Den andauernden Bemühungen, die Dohnungszwangs- Wirtschaft zum Schaden der Btieler immer mehr zu lockern, tritt die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung mit folgendem Antrag entgegen: „Der preußische Minister sür Volkswohlfahrt hat dem Preu- ßischen Staatsrat den Entwurf einer Verordnung vorgelegt, durch welche insbesondere auch für Verlin eine weiter« Lockerung der Wohnung-zwangswirffchaft erfolgen soll. Di« Stadtoerordnetenver- sammlung erblickt in der Tendenz, die Wohnungs- Zwangswirtschaft zu lockern, ein« groß« Gefahr für die Berliner Wohnungswirtschaft. Sie ist der Auffassung, daß derartige Maßnahmen zu bedeutungsvot sind, um sie dem Ermessen eines einzelnen Ministers zu überlassen. Sie verlangt deshalb, daß in Zukunft durch eine Aende- rung der gesetzlichen Bestimmungen für alle Maßnahmen, die«ine Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft bedeuten, der Weg dek ordentlichen Gesetzgebung vorgeschneben wird. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht deshalb den Magistrat, diese Stellungnahm« zur Kenntnis der zuständigen Stellen zu bringen." Theater der Woche. Vom 9. bis 30. Juni Volksbühne. Theater am Bülowplah: Berlin wie e« weint und lacht. Theater am Schifshauerdamm: geschlossen. Thalia-Thrater! Pfarrhauskomödie. Oper am Plah her Slepnblik! g. Sannen. 14. Di« heimliche Ehe. fNur sür Inhaber von Overnzusatzkarten Nr. 2821— 4230.) 16. Neue» vom Tage. Staatslhealer. vver Unter den Linden: 9. grau ohne Schatten.— 10. Der Barbier von Bagdad. 11. Egnvtische Helena. 12. Feftvorstellung. 13. gitelio. 14. Madame Butterfln. 15. Andre Genier. 16. Carmen. 17. Cavallcria, Bajazzo. Oper am Platz der Republit: 9. Carmen. 10. Don Giovanni, ll. und 16. Neues vom Tage. 12. Der fliegende Holländer. 13. Hosfmanns Erzählungen. 14 Die heimliche Ehe. 15. Der Freischütz. 17. Einsoniekonzert(Siramiusttj. Abend).. Etiidtis-be Oper: 9, und 14. Die schwarze Orchidee. 10. Geschlossene Bor» stellung. 11. Tiefland. 12. Orpheus und Eurydike. 13. Der Freischütz. t5. Boheme. 16. Die Entführung aus dem Serail. 17 Piguc Dame. Setanlpielhaus am Gendarmenmarlt: 9.. 10., 12., 16 und 17. Störungen. 11. Wallenstein» Lager, Piccolomini. 13. Figaros Hochzeit. 14. Die Weber. 15 Floran Gcncr. Schillcr.Theater: 9., 10., 13., 16. und 17. Der Friseur von Roßlagen. 1. Zaungäste. 12. Maß für Maß. 14., 15. Gespenster. Theater mit festem Spielplan: Di« stomtzdie: Der Mann, der leinen Namen änderte. Theater am Rollendorsplatz: Die Männer der Manon.— Theater in der RSnigoratzcr Straße: Rivalen.— Aomkd'enhauo: Charleits Tante.— Theater de» Kesten«: Friederike.— Lustspielhans: Arm wie eine Kirchenmaus.— Lelstag-Theater: Ich betrüg Dick, nur aus Liebe.— Theater in ber Behrenstraße: Welche war's? — Metrapal-Theater: Blaubart.— Kleine» Theater: Naß oder trock-n?— Renaistanec.Tbeater: Die heilige Flamme.— Role-Tbeatcr: Meisekrn.— Kalinn. Theater: Mütter von heute.— SDloßpark-Theater Steglitz: Spiel im Schloß. — Wintergarten, Seala, Plaza: Internationales Variete. Theater mit wechselndem Spielplan. Deutlck«, Theater: 9. Die Gefangen«, 10, bis 17, Die Fledermaus,— Kawmersniel«: Ausaana nur-ür He'rs-baften Ab 16. gescklosten.— DeatWc»,, »«nstle-.Lheater: Prosit- Gipfy. Ab 14."PoMche Wirts-ba't.-«erline!� Theatera Die fünf-Frankfurt«. Ab 12. Reporter.— Die TribSne: Die Saä>«u Mäkropulos. Ab 14. Osterfericn.'„ Nachmittagsvorsteilungen. Volksbühne. Theater am BSlowplatz: 9., 16. 23., 30, Trojaner,— Theater am Schiffbauerdamm: 9. Helten.— Thalia-Theater: 9. und- 16. Psarrhaus. komödic. Erstaufführungen der Woche. Rontag. Rose-Thcater: Rrportcr.-» Dieustag: Berliner T t, e a t e r: Reporter.— Freitaq. Tribüne: Osterfericn.— Deutsches Künstler'Theater: Polnische Wirtschaft»— Sonnabend. Staats» opct Unter den Linden: Andre Cchenier. ..Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der Kindersreund" liegen der heutigen Postauflage bei.' Weiler für Berlin und Umgebung: Wärmer und zeitweise heiter, aber Gewitter. Für Deutschland: Allgemein« Erwärmung, im Westen vielfach Gewitter, im Nordosten Besterung. Verantwortlich für die Redaktion: Fraa,«liih», Berlin; Anzeigen: Th.»lott«, Berlin. Verlag: Borwärts Perlag G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärt» Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraß- 3. Hierzu 1 Beilage. liieatsl', Lichtspiele usw. Sonnabend. 8. 6. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 147 20 Uhr DerBarbira Sßtiiia Slaals-Oper Am Pl.d.Republ. A.-V. 20 19-/- Uhr Neues vom Tage Sonnabend, 8. 6. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus 1 19'/- Uhr fidel Staat). Sdiausph. am Gendarmenmarkt A.-V. 135 20 Uhr Staat). Sebiller-Theater, Mit. 20 Uhr Gespenster Übe CÄSINO-THEATER»'"V*" Lothringer Strafe 37, ünwiderrull. aar noch bis 16. Juni wm»n Für unsere Leser; Cutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 JA, Sonstige Preise; Parkett u. Rang OVO M. Renaissance-Theater fei | 6'-« Uhr Hardenbergstr. 6. StemD. C 1,0901 ,nd 2583/84. raoinn »'/< Uhrl |Die heilige Flamme| Re"ie Gustav Hartun". SCAI-Ä 8 Uhr BS Barbarossa 9256 O'Hanlon ft Zambuni nnd dl««eueren AtlraKUoaen Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 3» und 8 Uhr.— 8" ermäßigte Pr. Alei. 8066—68 TSqlich 5, ist5 Sonntag 2, 5 8iä INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die lautende Woche inkl. Sonntag ReichshalleifTheater illobondlid) sZZ Dar Sieffiner sanier u. a.:„Sine tlarhi ilm Xalsttelnkeller". Sommerpreise: 60 PI bU 2 M. �Dönhoff- Bratti' (Saal und Garten) Varlet*- Konsart— Tanz. Trianon-Th. Täglich 8V« Uhr Sonntag 3'/» u. 8V« Gastspiel der leoern- seer dauernDimne Die 3 Dorlheiligen Ein toller Schwank Preise: 2.3.4.5 51k. usw. Rundfunkhörer taue Preise. Theater am Sdilllbanerdamm. Norden 1141 u. 281 Täglich 8 Uhr Drelgrosdien- Oper Nobor. Valetti. Uagao. imskr, NAPARK Winfer * Qarrem 18 Uhr» Zeatr. 2618• Haomen erlanotl Bob Fisher singt;„Sonny Boy"] Bon John Jazz.GIrls, Antonet& Boby und weitere| Varletb-Neuhelten. Sonnabend nnd Sonnlad I |e 2 Vorslellunden M und 8 Uhr..1® kleine Preise. DeatsdiK Theater D.I. Norden 12310 7'/-U, Ende geg. II Zum ersten Male Die Flßflermaos Komische Operette in 3 Akten. Neubearbeitet von Carl Rössler und Marcellus Schiffer. Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt Musik. Ltg. und Ein- stud. Erich Wolfg. Korngold. Bühnenbilder und Kostüme: Ludwig Kainer.— Tänze: Grete Wiesenthal. Kaminersplele D.I. Norden 12310 8'/-U. Ende nach 10 Aufgang nurrur Herrschalten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Die Komödie II Bismck. 2414/7516 8'/-, Ende geg. lO'/aU. !l seinen 3 Akte von Edgar Walace. Regie:HeinzHilpert Thaiia-Theater Qresdenor Sir. 72-73. 8>/j Uhr Berliner Thealer DirektHeinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8>/.. Ende 10'/« Uhr. letzte Vorslellongenl Die tun) Franktorter von Carl Rössler Regie: Gegen Beben. Dlensiag.denll.lonl Zum ersten Male Reporter (Te Front Page) Regie: HeinzHiipert Lostspleibans Tägl.SV« Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink. Berisch u. a. Rundfunkhörer Halbe Preise. Planelarlom —_ am Zoo Vir II»,, Judiimsttilir Stnb B.5 Barbarossa 5578 Wk Uhr StemBiiatr ätt Sommer« IN/, Uhr Der Blutbill der Senne 20V, U. Von Pel zu Pol am Sternenhlmnel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mlc. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL, Kinder 25 PI Theat. d. Westens Täglich 8'/, Uhr Sonntag 3'/, u. 8'/, franz Lebars Weller- lolgi Friederike Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 f•••••••!••••••••» Sommer-Garten-Theater] Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gr. Aussattungs-Revue- Operette( Wie einst Im Mal j von Bernauer und Schanzer. I Musik von Walter Kollo.< Ausserdem:£r.tlielsdl und Torletd.< Anfang Konzert 4.30. Sketsch und, Variete 6 Uhr. Operette 8.30.<_ •eeeeeeeeweeeeeeee Lessing-Tbeater Täglich 8-/. Uhr idmeirfio'Didi nur ans Liebe Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. Tbeat.ani Koitb.ror Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Ellte- Sanger Die Innl- SeasatlOB: .Gerl n bar« grabe Lot r Baniowsky-Üiteii rheeter in dar KOniggritzee StraBe Täglich SV« Uhr Rivalen Komödionhau* Täglich 8'/« Uhr Charleys Tante mit Cur« Bote. VoiUsbUline ltiMter inNlivgliti 8 Uhr Trojaner Thalia-TAeater 8'/- Uhr Pfarrnaus- KomOdie Staat!. Sdiiller-Ib. 8 Uhr Gespenster Otach. KOnetler-Tl). N/e Uhr Prosit aipsy Operette v.Giibert Adncs Eeterbaay Flitz Scholz Rundfunkhörer Haida Preise Theater am Holleüdorfplalz Täglich BVt Uhr Die mannender manon Operette in 3 Akten . Walter W.Ooette Rose-Theater CreB« Frankfurter Str. 132. TBglidi S.15 Uhr: Spiel imSchToss. GartenbUhne: Täglich 5,30(Sonntag 5 Uhr) Konzert und Bunter Teil. Täglich 8.15 Uhr Ein WBBlZeB-lB-BBBBBn Gr. Operette in 3 Akten v. Oscar Slraos. KleiDes Tbeater Täglich 8V, Uhr NaBodertroOtgn? ■uk km tnrikuiukn vpn Frank Green. Musikalische Illusf Fr. Holländer. Regie: Fr.Frlednianii- FrederldL Metropol-Tli. Festspiele 1929 Tägl. 8'/, Uhr Blanbarl Operette von Offenbach lilhe Dorsch Leo Slezik L-�rS Größte NVohnzeltfabn Sport i Beruf Oeutsdie Ledarwarenfabr. Zentrale Alt-Moabit 130 KottdusierOammTS Broiftwzldor Str. I AndrUM>raBa40 Sclibg., Hdrbarktr. 4 Inraiidenstraße 7 CharL. Biamarckatr. 70 ChauaaMatr.90-91 tpand., Bahnhof atr. 4 Neueröffnet nnaer Worenboaa Rooentholer Strohe HA (Beilage Sonnabend, 8. Juni 1929 VivAblmA §ialaxil0al%& A uf australischer Farm Erlebnisse im Victoriagebiet/ Von Heinrich Hemmer Das ganz aus Holz erbaute V a r r a h g l e n ist ein so freund- liches, in frisches Grün eingebettetes Provinzstädtchen und Klein- farmzentrum, wie man es im großen, sonngedörrten Australien nur in einem kleinen, relativ wasserreichen Viktoriagebiet finden kann, das Erinnerungen bald an England, bald an Schweden wachruft und auf alle Fälle das europäifch-grünste und-duftendste Stück Erde ist, das man außer Tasmanien und Neuseeland da unten im Süd- meer antrifft. Wir waren, ich und der Hamburger Kaufmannssohn George, eine Tagereis« weit von Melbourne herüber gefahren, einer modernen Wolkenkratzer-Großstadt, wo man sein Geld auf genau so leichte, angenehme und diverse Weise loswerden kann wie hier in Berlin: der Fahrschein war denn auch das Letzt« was wir dort noch erwerben konnten. Jetzt leisteten wir uns noch einmal den Luxus eines reinen Pensionsbettes, aßen ein letztes reichliches Hafer- grützen- und Hammelkotelette-Frühstück, legten unser letztes 3-Pence- Stück auf ein gemeinsames Glos Vier an und schntten, unsere swags, die Reiserolle, darin alles Nötige eingewickelt war, auf dem Buckel, aufs Geratewohl auf der nächstbesten Straße ins Land binein. Nach einer Stunde oder zweien hatten wir die Kleinfarmen hinter uns zurückgelassen und befanden uns im Gebiet der stations. Station— das austrdlische Wort für raiige, rancbo— ist eine Viehzüchter-Großfarm. Es gibt Schaffarmen von der Größe ein paar deutscher Läuder in Inneraustralien, wo die Qualität durch die Ouanlität des Bodens ersetzt wird: andererseits gehen die Bestrebungen der Arbeiterregierung schon lange dahin, die Monstrebesitze zu parzellieren. Dies war'ein Rindviehdistrikt: zu beiden Seiten der staubigen Landstraße dehnten sich erstaunlich grüne Weiden ins Un- endliche— erst am späten Nachmittag erreichten wir das erst« öettiement. Das mit dem unvermeidlichen australischen Wellblech gedeckte Wohnhaus, die Nebengebäude,?a6docI-s, alles machte einen wohlhabenden, gepflegten Eindruck(obwohl nach unseren europäischen Begriffen eine australisch« Farmlandschaft immer ein Bild wüsten Durcheinanders präsentiert)... wir schritten unbe- kümmert durch die offene Holzgittertür(an der man beileibe nie die Worte:.Eintritt verboten!" lesen wird) und standen vor einem Mann, der Holz hackte und seinem Aeußeren nach der Farmkoch zu sein schien. „Got a Job, male?* sagte ich, und«r wies mich mit meiner Frage um Arbeit an den boss, der gerade mit ein paar Farm- arbeiten« über den Hof kam.�vsn denen er sich(so reich er war) in Kleidung, Sprache und Manieren in nichts unterschied außer seiner besonders prominenten Art zu fluchen.(Auf dem großen Mel- bourner Pferderennen freilich, das auf der Welt nicht seinesgleichen hat, wird er wesentlich anders aufgetreten sein.) Aus die Frage, ob wir zu reiten und zu melken verstehen, mit einem herzhaft ausgesprochenen.Natürlich!" antwortend, waren wir angestellt: 2 Pfund die Woche, Kost und Logis. Ich werde Cowboy. Am nächsten Morgen, Uhre fünf, bekamen wir zwei Pferde aus dem l'aääoclc zugewiesen. Freund George, als er sah, wie ich mich in den Sattel schwang, gab sich einen Ruck und schwuppdich saß auch er auf dein Gaul. Leider hielt er sich außer am Zügel a n der Mähne fest: das Pferde ging vorne hoch und George hinten runter. Nach ein paar weiteren Versuchen war es klar, daß George auf dem Pfevderücken nichts tauge, und er kam in den Melkstall. Aber auch ich, der ich glaubte, mit meiner Reitkunst den Gaul meistern zu können, befand mich in einem großen Irrtum. Es mar ein sogenanntes stock-horse, auf dem ich da ritt, ein Pferd, dos jahraus, jahrein zum Küheeintreiben verwendet wird. Es waren an die tausend Kühe jeden Morgen und Abend einzutreiben, und damit waren ich und ein paar bessere Reiter jedesmal auf 1 bis 2 Stunden beschäftigt. Die.Kühe kamen, in dem Wunsch, ihre Milch loszuwerden, die ihnen Unbehagen verursachte, von selbst aus den Weiten und Tiefen der Domäne in die Nähe des«ettle- ment: das war soweit ein Trost. Und ich muß auch sagen, daß mein Brauner Hektar in allen das Kuhtreiben betreffenden Dingen vor- züglich Bescheid wußte: das war ein weiterer Trost. Auch ließ ich Hektar, der sein« eigene Meinung darüber hatte, welch« Herdenteile er bei einer gegebenen Abrundung noch mitnehmen und welche er sich bis zum nächsten Eintrieb aufsparen wollte, vollständig freie Hand, respektive freien Fuß. Was mich an Hektar entsetzte, war seine Art, durch H eck e n oder Gräben vorgeschriebene Umwege dadurch zu vermeiden, daß er, ohne auf meine Lenkversuche zu reagieren, glatt über jedes Hindernis hinwegsetzte. Ich hatte dabei das Gefühl, als sprengte ich auf einem Gummiroh über den Himalaya. Dann war die Sache mit der Peitsche. So ein« 5tock-«vbip besteht aus einem kurzen Griff mit drei, vier Meter langem Rie- men die schwingt man über dem Kopf und reißt sie zurück. Das knallt mächtig, aber wenn das Riemenend«, wie es anfangs passieren mag, einem über Backe und Lippen schlägt, so brennt es wie Feuer. Und zu Hause wird man mit boshafter Neugier gefragt, was denn geschehen sei und ob man sich mit den Ochsen geklopft habe. Beim Metten. Die zu melkenden Kühe werden vorerst in einen Dackdoek getrieben: das ist ein kleiner umfriedeter Raum innerhalb der großen umfriedeten Farmdomän«. wie man ihn auch für Pferde, Schlacht- vieh, verkaufte Herden und alle Tiere anlegt, die man bei der Hand haben will. Nach dem Eintreiben mußte ich in den Melk- st ä l l e n mithelfen, die zwei Reihen a 22 Stück faßten. An der Wand läuft«ine Leitung, durch die die Milch abgesaugt wird. An jedem Kuhstand hing«in Schlauch mit vier Saug stellen herunter, die am Euter angesetzt werden, sich festsaugen und auto- matisch abfallen, wenn die Kuh zu 30 Pro,, leergesaugt ist: die rest- lichen 10 Proz. werden mit der Hand abgemolken. Die frische Milch geht nach Melbourne: Freund George fuhr sie jeden Morgen und Abend zur Bahn und pfiff dabei einen Hamburger Gossenhauer. Nach dem Melken(das ich nur etappenweise begriff— ich konnte vorher keiner Ziege Milch abzapfen) kam die. schöne, die Früh- stückstunde. Erst der landesüblich« Dorrige- Hafergrütze, einen großen Suppenteller, d. h. ein kleines Waschbecken voll, dann zwei bis drei Eier und Schinkenschnitten oder ebcnsooiele Hammel- toteUtUu ist bat oBttminbefk. Was bedeutet auch ein Ei, ein Huhn, ein Hammel für einen australischen Großfarmerl Er weiß oft nicht bei hundert ja bei tausend Kopf seine Herde einzuschätzen. Das Zählen und Brand- marken ist eine Prozedur, die nur in großen Abständen vor- genommen wird und immer Ueberraschungen zutage fördert. Wie das selbständig gewordene Jungvieh mit glühendem Eisen das Farmzeichen in dos Fell eingebrannt kriegt— ich bekam es zu sehen— ist«in ebenso grausiger wie erstaunlicher Bor- gang. Die Geschicklichkeit der australischen F a r m b o y s, die in vollem Galopp vom Pferde Stieren und Rindern in die Hörner springen, dies« mit einem Ruck zu Boden werfen und solange fest- halten, bis die Stampiglie des bosses eingebrannt ist, das sieht sich mehr wie ein Zirkusstück als wie eine Farmarbest an. Borbet sind die„romantischen" und nur von australischen Dichtern(für geringes Honorar) noch immer besungenen Zeiten der busbrangers, der Diehräuber, deren obskures Gewerbe es mar, ungebranntes und auch gebranntes Jungvieh, das sie geraubt oder ge- stöhlen, mit einem neuen Stempel zu versehen. Denn man kann einem Farmer zwar nicht ein I für ein U, aber sicher ein A für ein O vormachen und ihm so sein eigenes Bieh zum Kauf anbieten. Einmal kam ein Nachbarfarmer und kaufte wilde, unein- gebrochene Pferd« von uns, an die 50 Stück. Wir sprengten aus der Farm herum, er suchte sich aus, was ihm gefiel, bis die Stückzahl voll war und die bezeichneten Tiere wurden von uns abgetrieben. Di« Zauntür stand offen und wir trieben die Pferde auf die Land- straße, dort dachte ich, würde sie eine berittene Schar von Form- boys in Empfang nehmen— ober es stand nur ein einsamer Gaul da, ein L e i t p f e r d von der Nachbarsfarm Nachdem wir die Zauntür hinter den Pferden geschlossen hatten, überließen wir sie sich selbst, der fremde Farmer ging zu unserem Farmer auf ein« Whiskyrunde, die sich wie immer in die Länge zog und abends («oenn er nicht doppelt gesehen hat) wird er schon die richtige Stück- zahl zu Hause angetroffen haben: denn seine Zauntür hat ebenfalls offengestanden, und die Pferde, die, von Reitern getrieben. Aus- brechungsversuche unternehmen, sind dem Leitgaul willig in das neue Heim gefolgt. Am Sonntag. Die Hauptreltertunftstücke bekam ich am Sonn» tag zu seh««, wenn zum allgemeinen Gaudium die widerspenstigsten Pferd«, die buekjumpers, eingefangen und geritten«verden. Bon vier bis fünf Mann geholten, werden die wildesten Tiere gesattelt und im Augenblick losgelassen, wo sich der Reiter hinaufgeschwungen hat. Im Nu beginnt der Kampf zwischen Reiter und Pferd. Der Gaul bockt vorne und hinter«, macht Katzenbuckel, schiebt die Beine zusammen und schnellt sie auseinander, daß der Reiter, der sich nicht vorsieht, wie ein Gummiball in die Luft fliegt. Wenn alles nichts nützt, versucht der buckjumper(der für seine Wildheit in der Um» gegend einen Namen hat, wie der Reiter für sein Geschick) den lästigen Mann auf seinem Rücken dadurch loszuwerden, daß er sich auf der Erde wälzt. Der Reiter hat aber rasch ein Bein zu Boden gesetzt, das Tier spürt das Gewicht nicht mehr, springt auf und im selben Moment hat es wieder den verhaßten Menschen auf dem Rücken. Wutentbrannt rennt schließlich das Pjerd gegen«inen Baum oder Zaun und versucht den Reiter einzuquetschen. Aber auch mit der großen stock-vvbip, der langen Lederpeitsch«, lassen sich effektvoll« Kunststück« ausführen, wie sie Douglas Fair» banks im Kino zeigt: man knallt zum Beispiel jemand auf vier Meter Distanz die Zigarette aus dem Mund. Der boss war mit drei Schwestern von schlvach ausgesprochene? Schörcheit beglückt, die sich, wie all« anderen Leute auf der Farm, an der Arbeit, namentlich der Melkarbeit, beteiligten und eine, namens Gwendoline, befaßte sich zu ihrem Privatvergüngen mit der in Australien wenig populären Schweinezucht. Nach sieben Wochen schon verließ ich mit meinem treuen Freude George die„Farm der tausend Kühe" nach einer Rauferei, die weder mit den Formtöchtern noch mit uns beiden einen de» sonderen Zusammenhang hatte, uns aber unsere Schwäche im Boxen und die Folgen klar vor Augen führte. Wir packten unsere swags und wanderten abermals ohne Fragen und Planen in die Welt hinaus: diesmal dein Busch zu, dem australischen Urwald. Kteinwinzers Not Hunsrück und Eifel umrahinen das Moseltal, welches die Biel- gestaltigkeit geschichtlicher Vergangenheit mit reizerider Umgebung paart. Jeder Reisende ist entzückt von den Flußtälern mit den Weinbergshängen, Wiesen und Wäldern. Der Glanz der Außen- weit verdeckt aber dem Wanderer die Not der Bewohner. Auf ihre ländlich« Weise fristen sie gleich dem Stadtproletariat ein karges Leben. Im Weinbau der Mosel und ihrer Nebenflüsse ist die stärkste Beslsizersplitterung vorhanden. Von den 12 Ml Weinbaubetrieben im Regierungsbezirk Trier besitzen zum Beispiel 30 Proz. bis 2000 Stock, d. h. rveniger als ein Biertel Hektar Fläche mit einem Durchschnittsertrag von weniger als 1 Fuder (1000 Liter). 32 Proz. 2000 bis 4000 Stock, also bis zu zoxi Fünftel Hektar mit einein Durchschnittsertrog von 1 bis 2 Fuder. 11 Proz. 4000 ksts 5000 Stock, bis zu einem halben Hektar mit einem Durchschnitlsertrag von 2. bis 214 Fuder. ' Die 8760 Kleinwinzer des Mittelmoselgebietes leben in unsagbar großer Armut, da sie lediglich auf den Weinbau angewiesen sind und keine weiteren Einnahmequellen haben. Zu dieser großen Schar gesellen sich noch all die W e i n b e r g s a r b e i t« r. die noch nicht einmal wenige Stöcke als Besitz nachweisen könne». Eine klar« soziale Scheidung ist nicht vorhanden, da alle Kleinwinzer, die nur bis zu 5000 Stock Besitz haben, als Weinbergsarbeiter gehen, um etwas bares Geld zu verdienen. Die Löhnung ist gering und entspricht nicht im mindesten der Arbeitsleistung. Vor dem Kriege lag der Tagesverdienst nicht über 2,50 M. Als nach der Revolution die freien Gewerkschaften eingriffen, konnten (und auch nur strichweise) Spitzenlöhnc von 45 Pf. pro Stunde erzielt werden. Die Kellerarbeiter, die schon 60 Pf. erreicht haben, sollen nur erwähnt werden. Direkt katastrophal ist aber die Eni- lohnung für das Düngerauftragen im Winter, wenn der Kleinbauer und Kleinwinzer keine Arbeit haben. Alan begnügt sich mit einem Stundenlohn von 15 bi» 25 Pf. Wie soll da eine Familie, die durchschnittlich mehr als sechs Köpfe hat, bestehen können? Der Ertrag des eigenen Wachstums kommt in den seltensten Fällen der Lebenshaltung zugute, da der Kleinwinzer infolge der schlechten Lage seines Besitztums(die gute befindet sich durchweg in den Händen der Kirche und des privaten Großbesitzes) keine Markcnweine, londern nur K o n s u m w e i n e auf den Markt bringen kann. Der Spitzenwein ist eine internationale Handelsware von besonderer Eigenart und Werthöhe geworden, daß für ihn der Feind des Konsumweins, die ausländische Konkurrenz, allgemein weder aus den Absatz noch die verteuert« Frachtlage Einfluß aus- üben kann. Der Großbetrieb ist quantitativ und qualitativ dominierend und kann schlechte Jahre überwinden. Anders der Kleinwinzer, der zugleich Weinbergsarbeiter ist. Ein schlechter Herbst vernichtet nicht nur den Erfolg mühseliger Arbeit, sondern belastet ihn mit Schulden. Ein guter Herbst bringt ihm die Möglichkeit, die laufenden Spesen zu decken, an Rücklagen kann er aber nicht denken. Eine Besserung der Lebenshaltung schaltet aber in jedem Falle aus. Nach Erhebung«» de» Wnzerverbandes für Mosel, Saar und Ruwer sind in einer bestimmten Anzahl von ihm statistisch erfaßter Moselgemeinden durch die Inflation 6 695 000 M. zwange- entschuldet worden. Bei den gleichen Winzern(es handelt sich«vor» wiegend um Kleinwinzer) haben die 10 Monate des spanischen Handelsprooisoriums eine Schuldenlast von 6 188 000 M. gebracht. Das Elend ist des Kleinwinzers treuester Gast. Zn sechs Wochen z. B. wurden In 79 woselgemelnden 1979 Pfändungen, 2693 Roloerkäuse und 104 Notverkäuse von Canb- parzellen vorgenommen. Um den Schwierigkeiten dieser Menschen wirksam zu begegnen. sind von Reich, Staat und Provinz umfangreiche Mittel zur Ber- fügung gestellt worden. Die Einsicht gewinnt allmählich unter den Kleinwinzern auch Platz, daß der Staat in seiner Notlage das tut was er tun kann. Die Versammlungen sind dafür der best« Grad- messer. Daran ändert auch nicht die mit billigen Argumenten arbei- tende Aufputschungstaktik der Deutschnationalen, die erst in jüngster Vergangenheit entfaltet wurde. Die Not ist tatsächlich sehr groß und hat schon bestanden, als der Freiherr v. L ü n i n g k, der Präsident der Rheinischen Landwirtschaftskammer, sie„entdeckte" und als Vorspann ausnutzen wollte. Von dem schmalen Einkommen soll nun die Familie erhalten werden. Wenn auch Frau und Kinder mitarbeiten, teils Lohn» ausgaben vermeiden helfen, teils bares Geld als Tagelöhner ein- bringen, so kann trotz alledem kein erträgliches Lebensniveau erreicht werden. Kulturelle Bedurfnisse, die der Industriearbeiter, wenn auch in bescheidenem Maß«, befriedigen kann, scheiden überhaupt aus. Nur zu oft ist das Mittagessen eine blanke Kartoffelsuppe. Wenn der Chronist uns überliefert hat, daß die Nahrung aus Kar- toffeln, rauhem Brot mit Butter oder weißem Käse besteht, und weiter erzählt, daß wenig Fleisch gegessen wird, die Speisen mager und schlecht zubereitet werden, dann hat er nicht übertrieben. Denn was einstens galt, ssb heute noch kein« Seltenheit geworden. Das Wohnen gleicht dem Essen. Behausungen sind in den Weinorten anzutreffen, die kein Industrie- arbeiter bewohnen würde. Die Versuch«, gerade die schlechten Wohnverhältnisse abzustellen mißlangen. Ein Beispiel aus einem bekannten Moselorte lehrt das Warum. Mit Hilfe öffentlicher Mittel hat man Wohnungen für Weinbergsorbeiter errichtet. Der Mietzins gestaltete sich so, das. nahezu die Hälfte des monat- lichen Verdienstes hätte bezahlt werden müssen. Kein einziger Weinbergsarbeiter konnte daher die für ihn errichtet« Wohnung beziehen. Diese Not der Kleinwinzer ist uralt, periodisch wiederkehrend. Hier mag Karl Marx, der Trierer Iuristensohn. lange bevor er englische Verhältnisse kennen lernte, die ersten aber gründlichen sozialen Studien gemacht haben. Di« einzige Möglichkeit, um dem Einerlei des langen Arbeits- tages zu entgehen, bietet die Auswanderung. Was seit den siebziger Jahren in der niederrheinischen Industrie Aufstiegsmöglich- leiten suchte, richtet jetzt seine Wege nach der Saar und Lothringen nach dem Wurmgebiet und von dort nach Hollands Kohlenbecker Viel« kommen aber wieder zurück. Denn die Arbeitstraft ist kei gestrchte War« mehr. Waldemar Wob (7. Fortsetzung.) „Ja, eines hundsgemeinen Igels wegen, ihr vorlauten Schnösel! Und das wird euch begreiflich sein, wenn ihr die Geschichte erst im Ohr habt; vielleicht sickert sie von da aus nach dem Gehirn durch, falls bei cuch noch eins vorhanden ist. Also: eines Sonntagsabends waren wir zwei nach dem Bergsee gegangen. Da ist es so schön, al» sei hier noch ein Restchen vom Paradies abgesplittert und aus Versehen bei den Badensern hängen geblieben. Da stehen die hahen Tannen wie Einsiedler auf dem Oelberg herum und benehmen sich genau wie die cherren Trappisten, reden kein einziges Wort! dos Herz geht dir auf bei fo was, und du könntest meinen, noch kein Leitgenosse hätte seinen Schweißsuß in die dortige Landschaft ge- hängt, so schön ist das. Als dann zum Ueberfluh noch der Mond schien, dieser Schwindler, und mit seinem Mondsilber, seinem ver- logenen, kilometerweit die weiße Straße pflastert«, kam es Heiland« mäßig weich über mich, so die richtige Romanstimmung, wie maivs manchmal in den Zeitungen unter dem Strich liest, und ich, nickst faul, nahm mein« geliebt« Paula und schleckte sie ab, just, als wäre ihr Gesickit Zuckerkant oder die Innenseite eines Honighafens. Sie hat stillgehalten selbstverständlich und sich nicht gemuckst. Je mehr, desto besser! wird sie gedacht haben. Aber vor lauter Rührung und seelischer Ergriffenheit ist sie in der Kniekehl« eingeknickt und hing mir wie ein Klotz am Hals, immer schwerer und schwerer werdend.. So eine breithüstige, bärenmäßig« Göttin Hot schnell ein Gewicht beieinander, müßt ihr wissen. An die zwei Zentner sind ' da nicht zu viel geraten. Ueberdem schliefen mir die Arme ein. Das ist ein verflucht widerwärtiges Gefühl, wenn so die ganzen Muskeln pelzig werden, und ich überlegte gerade, wie ich am besten von meiner Last los werden könne, ohne ihre Empfindlichkeit zu ver- letzen, da sah ich kaum ein paar Schritte von uns entfernt etwas Schwarzes über die versilberte Straße laufen, ein kugliges, schwer- fälliges und doch behendes Ding, wie ich so eins noch nie gesehen. Da wurde die Neugier in mir Meister über den verliebten Kater, ich ließ meine Paula Paulo sein, setzte sie etwas unsanft ab, und rannte dem schwarzen Dings nach, das sich endliche als ich bei ihm war, als«in Igel erwies, der sofort Halt macht« und sich einkugelte. Wie gesagt, hatte ich so ein Vieh mein Lebtag noch nicht gesehen, deshalb interessiert« mich dieser Stachelheinrich besonder», Ich band ihn in mein Nastuch«in. knüpfte es an allen vier Ecken zusammen und kam mit meiner lebendigen Deute freudestrahlend zu Paula zurück. Die teilte ober mein« Begeisterung nicht im minbesten, sondern war voller Hacken und Widersetzlichkeit und Sitflichkeit und schlechter Laune: denn außer dem Sterbenmüssen und außer dem Mtw«rden können die Weiber nichts mehr hassen, als wenn man ' ein angefangen«? Lied bei ihnen nicht zu End« spielt. Na, schließlich wußte ich sie doch wieder umzustimmen, denn den Worten erliegen die Langhärigen meist schneller als den Tatsachen, und die Ber- söhnung sollte durch einen herzhaften Kuß besiegelt werden. Na, es wäre der ganzen Anlage nach bestimmt ein recht nachdrücklicher Kuh geworden, ober ich Mvrdstrümmel hatte ganz meinen Igel ver- gefsen, den ich noch immer im Nastuch eingebunden in der rechten Hand trug. Als ich nun mein« breithüftige Paula umschlang, um ihr meine Liebe zu beweisen, drückte ich ihr im Vergeh die Hand mit dem verdammten Igel so kräftig an ihre Hinterfroirt, daß mir die Jgeistacheln ganz grauenhaft die Hand zerstachen und ihr nicht minder den Hintern! O, Schmerz, laß nach! Die schöne Paula stieß ein derart furchtbares Geschrei aus, als ob sie die gesamten Spieß« und Hellebarden der Schlacht von Sempach in ihrem rückwärtigen Menschen stecken hatte und nicht nur ein paar winzig« Igelsnadeln, und sie entlies mit einer Behendigkeit, als ob Mövder hinter ihr wäro und sie um ihr Leben renne. Wie ich selber auch Dampf auf- setzte, ich habe sie nickst mehr einholen können. Weder diesen Abend. noch je. Den Igel, diesen verwunschenen Waldbruder, nahm ich leider mit heim. Da führte er sich aber in der Nacht derart un- gattig und schweinemäßig auf, daß mich die Hauswirtin am nächsten Morgen entschlossen und schwungvoll hinauswarf, ohne auf ein« Kündigung zu achten. So ein« Schweinerei dulde sie nicht in ihrem Hause, sagt« sie, und al» ich ihr klarmachen wollte, daß ja gar nicht ich der löter und Sünder sei, sondern der Igel, da lachte sie ihr ränkevollstes Lächeln, wie das nur Zimmervermieterinnen fertig bringen und m«inte, diesen Igel möchte ich gefälligst einer Dümmeren ausbinden, aber nicht ihr. Die Geschichte ist damit noch nicht zu End«, ihr Lauser. Sie kostet« mich außerdem noch zehn Mark, die ich in die Armenkasse blechen muhte. Ich hatte nämlich der Breithüftigen einen Abschiedsbrief geschrieben: wenn sie wirk- lich ein so dämliches Wesen wäre, mich, den Burtisen, eines blöden Igels wegen aufzugeben, so wünschte ich ihr nur, daß ihre Nach- kommenslbast, die sie zur Welt zu bringen bestimmt sei, so zahlreich werden möge, wie d«r Sand am Meer, und jeder einzelne von ihnen sollte mit einem Igelpelz befleidet zur Welt kommen, und die Mamsell sollte sie sämtlich wider den Strich gebären müssen! Ja, lacht nur, ihr zukünftigen Teufelsbraten! Diese Anwünschung. so hübsch sie auch klingt, hat mich tatsächlich ein Goldstück gekostet, aber das ist immerhin noch bedeutend wohlfeiler, als die drei Jahre Enfisheim, di« mir die nächste Hexe eingebrockt hat." „Was, Burtifen, ihr habt noch eine dritte gehabt? Nicht möglich!"* ..Nicht möglich! sagen gewohnlich die Baurenmenscher in ihrer Hochzeitsnacht. Und es ist doch möglich Ja, ihr Burschen, mit eurer gütigen Erlaubnis, ich habe noch eine Dritte gehabt. Die stammte aus der Gegend, wo das Maultier auch im Nebel seinen Weg findet, vorausgesetzt, daß es von einem ortskundigen Italiano am Halsterband geführt wird. Hm. alles, was recht ist. schön war auch die. ich könnt mit der Zunge schnalzen, wenn ich dran denk! Und scharf, wie ein Rasiermesser!' Wo die ihr« Augen hinwarf, war Feuer im Bau. und selbst die härtesten Mannsherzen konnte sie weich sieden wie Makkaroni und sie ebenso lang ausziehen und um den Finger wickeln. Bei mir hat sich dieser duickelhäutig« Satan «der verrechnet, gründlich sogar. Als ich merkte, daß sie willen- war, mir ein Geweih von ganz gewaltigen Ausmaßen aufzusetzen. wißt ihr, was ich da gemacht habe? Nein, ihr wißt's nicht? Na' dann will ich's euch sagen denn von allein würdet ihr ja nie auf einen solchen Gedanken kommen und wenn ihr zu eurem eigenen Spiritus noch ein paar Liter fremden dazu taufen würdet. Das Hab ich gemachi: Ich Hab sie auf mein Zimmer gelockt und Hab ihr mal eine ans Kinn gegeben, daß sie umgetürmelt ist wie eine besoffene Flieg«. Dann Hab ich sie gebunden und geknebelt, ober nicht zu knapp: ich steckte ihr ein Stück von ihrem eigenen sündigen Unter- » rock ins Maul. Dann Hab ich gewartet, bis sie wieder zu sich ge- kommen ist. Dann Hab ich sie an ihrer teufelsschwarzen Perrücke gepackt und in den großen Meiderkasten gesteckt. An den Augen, die sie gemacht hat, hob ich ihr angesehen, daß sie meinte, ich wolle sie umbringen. Nein, mein Schatz, weit gefehlt! Merkt euch, ihr Herren, der Burtisen sagt euch, kein Weibsbild ist wert, daß ein Mann ihretwegen etwa ein Messer wetzt oder den Zeigefinger krumm macht, um einen Revolver abzudrücken. Nein, die Langhaarigen sind das fließende Blut und den Schnitt im Fleisch gar nickst wert. Laßt diese Ware an sich selber verfaulen! Da hob ich ein viel besseres Mittel erfunden, um solch einem reißenden Tiere die Klauen zu stutzen und die Zähne auszubrechen. Wißt ihr, Burschen, was ich da gemacht Hab? Verschiedenfarbig« Tuschen Hab ich mir da ge- lauft, dazu ein paar Hohlnadeln und kleine, spitze Messerchen. Wieder zu Hause, Hab ich das italienische Luder an ihren Haaren aus dem Kasten gezogen, Hab sie aufs Bett geschmissen, Hab ihr die Bluse und die Röcke und das Hemd in Fetzen heruntergerissen, bis sie so splitternackt dalag,*>ie sie aus ihrer Mutter Leib gekommen ist. Da lag sie nun wie ein Haufen hündischen Unglücks und winselte mit den Augen um Gnade. Ich wußte, was sie mit diesem Augen- rollen bezweckte. Da ich aber ihren Mechanismus und dessen Ab- lauf kannte, Hab ich mich nicht rühren lassen, nicht im mindesten. Warte, Hexe, dachte ich, ich werde dir die Möglichkeit nehmen, durch deine schöne Fassade je wieder einen Mann ins Unglück zu führen! Dann Hab ich meine Messer und meine Hohlnadeln und meine Tuschen genommen und Hab das Luder von oben bis unten in allen Farben tätowiert, so daß sie nach acht Tagen, als sie einigermaßen abgeschwollen war, aussah, wie ein bemalter Häuptling der Apachen oder der Sioux auf dem Kriegspfad. Was, ob's ihr nicht wehgeton hat? FreUich hat's ihr wehgetan. Hoffenttich hat's ihr wehgetan. Dafür sorgte ich. Sie hat sich, wenn ich ihr die Farbe mit meinen Instrumenten unter die Haut brachte, auf dem Bette gewälmelet, wie ein Aal, der von einer Köchin lebendig gehäutet wird. Hat ihr aber nichts genützt, dieses Muskel- spiel. Ich hörte nicht eher auf mit meinen Mosaifltichen, bis auch kein Quentchen Haut mehr an ihrem Körper war, das ich nicht ver- ziert gehabt hätte. Jeden Ouadratzentimeter nützt« ich aus. Sogar die Zehen! Die Fußsohlen Hab ich so schön gestriffelt, daß sie nach- her aussahen, als ob sie aus Gummi seien. Ich kam jeden Tag in«hr in Feuer bei meinem Werk. So muß es wohl einem Künstler zumute sein, denke ich mir: wenn die Geschöpfe, die sein Hirn aus- dachte, nun unter seinen Händen zur Wirklichkeit werden. Rur die Sttrne hotte ich als weiße Fläch« bis zuletzt aufgespart. In di« ritzt« ich nun deullich lesbar ein:„Hure!" Damit war mein« Arbeit abgeschlossen. Dann Hab ich ihr eins von meinen alten Hemden ge- geben und Hab« sie laufen lassen. Richtig geraten, ihr erster Gang war zur Polizei und die holte mich, eh ich einen Tag älter war. Macht« mir nichts, meine Rache war resflas gesättigt. Ich hatte ein« wirklich« Schönheit zu einer nicht minder wirtlichen Vogelscheuche verwandelt. Die konnte nicht mal mehr einen Hund vom Ofen her- vortocken, geschweige denn noch einem Manne gefährlich werden. So- mit war meine Mission beendet. Schade nur, daß ich damals keinen Spiegel auf n, einem Zimmer hatte.' Das Gesicht von ihr hätte ich sehen mögen, als sie zum ersten Male wieder ihr Ebenbild im Glase vor Augen bekam. Ja, ja, die Herren vom Gericht haben die umfangreichsten Ge- setzbücher gewälzt und doch nichts gefunden, was aus meinen Fall hätte passen können, und wiederum haben sie nichts tun können, als nur ihre dicken Köpfe schütteln. Der Staatsanwalt hat's aber schließlich doch geschafft: Freiheitsberaubung, Nötigung. Körperver- letzung, tätliche Beleidigung. Mißhandlung. Roheit im Quadrat, was weiß ich noch alles! Sie haben das r«cht hübsch in Gesätzlein gebracht und dick mit Paragraphen gespickt und mir daraufhin RätsehEcke Kreuzworträtsel. Wogerecht: 1. Meinungsäußerung: 4. Grundgedanke: 7. Fluß im Harz: 8. deutscher Ingenieur und Erfinder+; 10. Zweig der Kunst: 11. Ort im Spreewald: 13. Prophet: IS. chemischer Grund- srosf: 16. Vogel: 18. Nutz- und Zierpflanze: 20. Ort in Dalmatien: 22. Weissagung: 24. deutsche Tennismeisterin: 2S. lateinisch über- trieben.— S e n t r e ch t: 2. sagenhafte Insel: 3. Europäer: 5. männ- licher Aorname: 6. Oper voft Puccini; 9. Fisch: 10. Erzieher; 12. Reformator: 14. Gebirge auf Kreta: 17. griechische Sagengestall: 19. Geistlicher: 21. Gewässer: 23. Berg in Oesterreich. ll. 8. Rösselsprung. gnädigst drei Jahre aufgebrummt, trotzdem die Tochter des Orangen- landes und der feuerkotzendcn Berge aus dem Stegreif heraus in einer gewaltigen Rede meine Köpfung beantragt hotte. Ich wäre auch damit einverstanden gewesen: denn ich hatte mein Leben ge- lebt und di« Tat getan, derentwegen ich eigentlich in die Welt gesetzt bin. In bundert Iahren vielleicht wird einer kommen und begreifen, lvas ich» da getan habe, ich, der Burttsen! Lacht nur, ihr Wasser- köpse, lackst nur! Darin gleicht ihr dem Olm und dem Maulwurf. ihr habt Augen, ihr, und seht doch nicht! Ja, drei Jahre sind eine verflucht lange Zeit! Drei Jahre, das sind 1096 Tage, einer mehr als gewöhnlich: denn es war ein Schaltjahr dazwischen. Aber di« Zeit ist mir nie lang geworden beim Dütentleben, nein, nie, wenn ich cm den gelungenen Streich dachte. Rur mein Kopf, mein armer Kopf, in dem zuweilen noch di« Wolken segeln, wißt ihr, noch von der Affäre mit der Mutter Gottes her." „He, Blind, noch einen Liter I" Der brachte chn aber nicht, sondern zeigte mit dem Finger nur auf die Uhr, da stand der Zeiger beänstigend weit über die Polizei- stunde. Es gab ein crregetes 5iin und Her. Wir von der Iungmann- jchoft brausten auf wie Selters, wenn der Berschluß abgeht. Burtisen. der Kämpe, war bedeutend ruhiger, aber auch massincr. Er machte Krach. Nutzlos: denn man schmiß ihn hinaus ohne langes Federlesen. Uns selber gleich danach. Wir waren noch nicht recht im Rinnstein gelandet, da hörten wir den Burtisen von ferne brüllen:.Prächtig ist Berlin!" Aha, jetzt war er vor dem Hause des Polizeilommissars. (Fortsetzung folgt.) Sovosdoock, 8..Juni. B e r I i«. 16.00 Dr. Herbert Rosenleld: II Asien in der Literstnr. 16.30 Ciicb Rnbn: Jiu-Jitsu in Deutschland. 17.00 Jun»es Kabarett. Vortras: Wollcang Bardach. Proben: Eva Oottjetreu. 17.30 UnterbaliunEsmusik Kapelle Emil Rodsz. AnschlleBend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Milte. 19.00 Dr. Georg Zebden; Medizinische Planderei. 19.30 Doegen: TOrens» ürdlgkelien aus der Lautbibliothek. 20.00..Reisinger contra Reisingei", ein Hörspiel von Auditor. Regie: Alfred Braun. Nach den Abendmeldungcn: Eden-Hotel(Kapelle Marek Weber). Wlhrend der Pause: Bildfunk. 0.30 Nacht-Musik, Königswusterbaasei. 16.00 Felix Lampe: Aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 16.30 Reg.-Rat Hesse: Rationalisierung in der Staalasvlrtschalt. 17.00 Konzert von Herrburg. 16.00 Der soziale Staat und die evangelische Arbeiterschaft. 18.30 Französisch liir Anlanger. 18.66 Dr. K. Harter: Können Fische hören? 19.20 Stud.-Rat Dr. Schwerint, M. d. L.: Staatliche Kunstptlege. 20.00 Die Slnnde des Landes. 21.00 Konzert. I. a) Mezart: Variationen(K.-V. 360); b) Brehms: Son«:e«sutz C-MoII(Prof. Issay Barmas, Violine und Susanne KiB-Qottiried, Flügel). — 2. a) Rubinstein, b) Tschaikowsky(�.hwartz, Bariton).— 3. a) Bach: Adagio C-Moll: b) Alt-Franz: Gavotte und Musette; e) Dont-Barmas: Caprice G-Dur.— 4. a) Mussorgsky; b) Borodin.— 6. Mozart: Variationen. Sonntas, 9. Juni. Berlin. 6.30 Frühkonzert. 8.66 Stiindenglockenspiel der Potsd. Gatnisonkirche. 9.00 Morgenfeier. Uebertiagung des Oloekengelints des Berl. D» 12.00 Miltagskonzert. 14.00 E. Nebermann: Schacbfunk. 14.30 Für den Landwirt. 15.30 Märchen(erzählt von Friede! RothgieBer). 16.25 Jubiläums-Spertfest des VBAV. Anschließend Tee-Musik Hotel Kaiserhol. 19.00 Ministerialrat Dr. Richter:„Staat und Jugendpflege"(12). 19.30 Hauptmann Hans Robde;„Aegypten, Land und Leute". 20.00 Orchesterkonzert. Dirigent Dr. Heinz Unser. AnschlleBend; Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. AnschlleBend bis 0.30; Deutsche Tanzmusik. Käaigs Wusterhausen. 16.30 Major a. v. Max Gehler: Die Oedankenwelt Friedrich Nietzsches. 10,26 Dr. J. Simon: Das Symbolische in der Mnaik. des„Abend". KHBBimmmnwMHiniuuinuiminmnunmioimimmnuuaiwnHnmiiuiniitiiiniB Silbenrätsel. Aus den Silben a a a a bae bär ber buch ea et dant der dvn dri e e e ei» het im in ke kalb li lo me me mi nähr ne nen ner no non ran rauch rat r« rei soh« s« see sens fi stoff tan ten thyst tiz the weih wald sind zwanzig Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Bezirksstadt in Tirol: 2. Stadt in Italien; 3 Merkbuch für kurze Aufzeichnungen: 4. Nahrungsmittel; S. Naturerscheinung: 6. Arzneipflanze: 7. Imitation: 8. kirchliches Räuchermittel: 9. Baum: 19. Bienenzucht: 11. Kartenspiel: 12. Unsinn; 13. Halbedelstein-, 14. Baum: IS. deutscher Dichter; 16. junger Seehund; 17. Theater. leiter; 18 Forst: 19. weiblicher Vorname: 20. Raubtier. Die End» und die Anfangsbuchstaben(Endbuchstaben zuerst), von oben nach unten gelesen, nennen ein Zitat aus Goethes Tasso. Bei Nr. 3 ist ch ein Buchstabe. ad. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Renate, Johannes, Oder, Weihnachten, Seve» ring, Hongkong. Schottland, Erholung, Deputat, Tischrond, Heim- lichkeit, Hessen, Trauring sind je drei auseinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergefügt das bekannte Werk eines beut- schen Klassikers und seinen Namen nennen. ab, (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Wespe: 5, Haar; 6. Agio: 8, Alb: 9. rot: 12. Ski: 15. gut: 16. Reuse: 18. Abt: 20. Asche: 22. Rille-, 24. Eis: 25. Lid; 26. Samum: 30. Kohle: 33 ZdA; 34. Samoa: 37. Aal; 38. Ost; 39. der; 41 Abt: 43. well; 44. Woge: 43. Satin.— Senkrecht: 1. Wal; 2. Erbse: 3. Paris: 4.(Ego) ego: 7. Zeus: 10. Lall: 11. etc.: 13. Kuh: 14. Tal: 15. Gauß: 16. Reims: 17. Erika: 19. Tegel: 21. Heu: 23. Ida: 27. Ader: 28. Mai: 29. Ems; 31. Hai: 32. Lack: 35. Aorta: 36. Otawi; 40. Eis: 42. bon. Silbenrätsel: 1. Nessel, 2. 3rii, 3. Elba, 4 Schabe», 5. Holbein, 6. Eincinnati, 7. Zrene, 8. Lokal, 9. Karbol, 10. China, 11. Elia». 12. Ufa«, 13. Lakai, 14. Grub«, 15. Dievenow, 16. Notar, 17. Udine, 18. larent, 19. Sorrenk, 20 Sarau, 21. Zridium 22. Ebene, 23. Hagen, 24. Nagasaki, 25. Equipage, 26. Belgier, 27. Emu, 28. Israeliten.— Nur eine Mutter weih allein, was lieben heißt und glücklich sein.(Ehamisso.) Crganzungsrötsel: Reichsbank. 1. Rot: t. Eck, 3. Insel; 4. Chor: 5. Hau«: S. See: 7. Bach: 8. Amt: 9. Rächt; 10. Kost. Nr. 264 W IM RL 5oiu»aden«i 46.1aIu-gaoH W MlS� � M» M W� Ml M"M� Die 5ckleuse bei kürstenberö. Ein eindrucksvolles technisches Bauwerk ist an der Mündung des Oder— Spree.Kanals in die Oder in Fürstenberg vollendet worden: Die neue-Zwiiiingsschachtschlense, die den Höhenunterschied von jUB Meter mit einem einzigen Arbeitsgang ausgleicht. Diese neue Schleuse wird die bisher bestehenden hintereinander- liegenden drei Schleusen am Ende des Oder— Spree-Kanals ersetzen. Di« Anlage dieser gewaltigen Schleuse wurde durch die Zu- nähme des Schisfsverkehrs erzwungen. Di« Mundung des Oder— Spree-Kanals in die Oder bei Fürstenberg ist zweifellos ein« der wichtigsten S6)iffahrtspunkte Ost- deutschlonds. Schon vor dem Kriege erreichte hier der Verkehr bis zu 4,5 Mill. Güter-Tonnen jährlich. Bei der Entwickbing unserer Industrie und vor allem auä) bei dem starken Wachs- tum Berlins ist mit einer weiteren Verkehrssteigening zu rechnen. Schon seit langem war die alte Schleusen- anlage des Spree— Oder-Kanals den zu stellenden Anforderungen nicht mehr gewachsen. Hinzu kam, daß sich auch baulich« Schäden zeigten, die nur mit großen Kosten beseitigt werden konn- tcn. So entschloß man sich denn, an Stell« dieser drei Schleusen eine ein- zige zu erbauen. Der Spree— Oder- Kanal läuft südlich um Fürstcnberg in einem weitsn Bogen herum. Zum Bau der neuen Schleuse wurde e i n neuer Kanal angelegt, der auch den Schissahrtswcg etwas oerkürzt. Gleichzeitig wurde etne neue Mün- düng geschaffen und die dadurch über- flüssig werdende Strecke des Kanals Wirde als Winterhafen ausgebaut. Die neue Schleus« besteht aus zwei Schleusenkammern, die völlig aus Beton hergestellt sind. Ric- fige Betonblöcke wurden genommen und so aneinandergefügt, daß ein ein- hsitliches Bauwerk entstand, das auch Temperaturspanmingen gut ertragen kann. Umfangreiche Anlagen mußten zur Beseitigung des Grundwassers vorgesehen werden, bevor mit dem eigentlichen Bau der Schleuse be- gönnen werden konnte. Der Höhenunterschied, der init dieser Schleuse zu überwinden ist, beträgt bei n i« d r i g st e m Wasser- stand 14,28 Meter, bei Mittelwasser 12,37 Meter und bei höchstem Hochwasser 9,07 Meter. Die Wassertiese der Schleuse selbst beträgt im Durchschnitt 3,5 Meter. Di« für die Schiffahrt einzunehmende Länge der Schleuse beträgt 130 Meter bei einer Breite von 12 Meter. Bei diesen Maßen ist es möglich, entweder«inen 1000-Tonnen-Kahn oder zwei Plauer-Maß-Kähne von 05 Meter Länge oder sechs Finow-Kähne gleichzeUig in einer Kammer zu schleusen. Eine Schleusung wird dann ungefähr 25 bis 30 Minuten Zeit erfordern. Die größte Tagesleistung wird bei IS-Stunden-Betrieb auf 30000 Gütertonnen angenommen. Da die Schleuse als Zwillingsschleuse ausgebildet ist, wird sie im Betrieb sehr wirtschaftlich sein. Bei dem starten Schiffahrtsverkehr, der hier zu bewältigen ist, wird man die von der Oder kommenden Schiffe auf die Wasserhöhe des Kanals heben und gleichzeitig die vom Kanal kommenden zu dem niedriger liegenden Niveau der Oder hinablassen können. Bei der Schleusung selbst wird der Wasserspiegel in den beiden Kammern durch Der- bindungstanäle ausgeglichen, die an den Enden der Kammern ein- gebaut sind. Danach wird dann die eine Kammer nach der Oder zu entleert und die andere vom Kanal wieder aufgefüllt. Die Schleusenkammern werden am„Oberhaupt" durch K l a p p t c r e verschlossen. Diese Tore legen sich beim Oeffnen gleichsam auf den Boden der Schleuse und die Schiffe gleiten über sie hinweg. Am„Unterhaupt" werden die Schleusenkammern durch H u b t o r e von 12,7 Meter Breite und 13,5 Meter» Höhe ver- schlössen. Jedes dieser Tore wiegt 150 Tonnen und ist an Seilen ausgehängt, die seitlich besestigt sind. Gewaltige Gegengewichte, die nichr als 90 Prozent des Gesamtgewichtes ausgleichen, erleichtern das Oeffnen und Schließen dieser Tore. Di« Tore sowohl als auch die Bsntilc, durch die die Schleusenkammern gegeneinander ab- geschlossen werden können, haben elektrischen Antrieb. Auch das Hereinschleppen der Kähne in die Kammern erfolgt durch eine neu- artige elektrisch betriebene Seilzugvorrichtung. Zwischen den ge- wältigen Hubtoren ist der K o m m a n d o st a n d, die sogenannte Zentral st eueranlage zur Bedienung der Schleuse unter- gebrackst. Hier oben wird ein Beamter stehen, der beide Kammern gut übersehen kann. Wie auf der Kommairdobrücke eines Ozean- dampfers finden wir hier zwei Befehlsteiegraphen, durch die einzelne Kammandos elektrisch übermittelt werden können. Der Betriebsleiter kann die Bewegung der Tore und Schützen durch Schaubilder und farbige Signalbilder jederzeit oerfolgen. Jedes Kommando wird nun zu einem Schleusengehilfen geleitet, der seinen Platz vor einem Schaltpult hat und von hier aus nun die einzelnen Maschinen durch Fernsteuerung bedienen kann. Auch er hat die Möglichkeit, die richtige Ausführung der Kommandos und das ein- wandfrei« Arbeiten der Anlage durch Schaubilder und Signal- lanrpen zu«kennen. An verschiedenen Punkten der Schleusen- Plattform sind außerdem Gefahrmelder montiert, durch die der Betriebsleiter und dor Schaltwärter rechtzeitig gewarnt werden können Endlich sind sowohl am Ober- und Unterhaupt der Schleus« Schalter angebracht, die genau so wie die Notbremse bei der Eisen- babn an Ort und Stelle betätigt werden können, und die durch Plombierung besonders geschützt sind. Hier lasten mechanisch be- wegte Zeiger die jeweilig« Stellung der Berschlüste erkennen. Ein« wesentlich« Neuerung ist in den Schleusenkaminern zum Festmachen der Kähne eingobaut worden. Neben den sonst üblichen sesteingebauten Haltekreuzen, an denen das Fahrzeug so festgelegt werden kann, daß es bei dem strömenden Wasser nicht seinen Ort verändert, gibt es bewegliche Haltekreuze, die innerhalb der Schleusenmauern auf Schwimmern besestigt sind, die nun ihre Lage mit der Höhe des Wasserstandes verändern. Diese Neuerung wird Unfälle verhindern, die dadurch entstehen können, daß ein Seil nicht rechtzeitig'gelöst wurde, so daß ein Schisf festgehalten wird, und dabei bei steigendem Wasserstand unter die Wasteroberfläche ge- drückt wird oder hängen bleibt. Längssdinitf durch das Schleusenbauwerk in Kammerachse. 2 Maschine* r*um, b Mort f 2 geschieh t, c Schützschächfe, d Durchfihrf, c K2heleinführung und Meßnum, f Oclsfalter, g TT2nsform*tor, h RoUkeil*Sdiäfz*ntriebet i ffar/ernum, k Ab\ertigung, l Untertrete" räum, m Cegengew{ditssch2cht, n Pegehchacht, o Fahrstuhl. Grundriß des Schleusenbauwerks. Der Strom zur Betätigung der Maschinen und Einrichtungen wird von den Märkischen Elektrizitätswerken als Drehstrom ent- nommen und in Gleichstrom umgeformt. Mit den Erdarbeiten für den Umgehungskanal wurde bereits im Fabruar 1919 begonnen. Die umfangreichen Betonarbeiten für die Zwillingsschleuse wurde im Oktober 1925 aufgenommen. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage wird in diesen Tagen erfolgen, nachdem auch die übrigen Schleusen des Oder— Spree-Kanals bei K e r sd o r s, Fürstenberg, an der Großen Tränke und bei Wernsdorf so ausgebaut sind, daß die Plauer-Maß- Kähne in einer Länge von 65 Meter durchschleusen können. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß das Wasser zum Odek— Spree-Kanal durch eine Pumpanlag« von der Spree zur Kanalhöhe emporgcschasst wurde. Infolge des ungeheuren Wasserverbrauchs der Großstadt Berlin ist man jetzt dazu übergegangen, eine Pump- anlage an der Oder zu errichten um dos durch Versickerung und Verdunstung verloren gegangene Wasser aus der Oder zu ersetzen. Willy Möbns. 110 km Stundengeschwindigkeii. Berlin elektrifiziert seine Bahnen. In Mitteldeutschland, Halle- Leipzig-Bitterfeld-Magdeburg, besteht bereits ein Netz elektrisch be- triebener Strecken. So strahlt nicht nur Berlin Entwicklung aus, sie kommt auch von außen zu uns. Nächste Zlussicht: Leipzig und Halle als künftige Vororte. Als Trennendes steht heute nur da- zwischen die Messe-Rioalität und eine sprachliche Gaumenschranke, die Weiches nicht mit Hartem oerbinden will. Sonne liegt auf den Feldern. Im jagenden Eiltempo gleitet der elektrische Zug aus den glatten Schienen dahin. Fast unmerkbar, geräuschlos. Man fährt wie in einem Drahtkäfig, so stürzen die Hochspannungsdrähte mit ihrem kastenartigen Zuleitungsgewirr den Fahrenden entgegen.� Ein leises Schwanken in den Kurven, fast unmerklich die Verringerung der Geschwindigkeit. Dann zeigt die Skala vor dem Stand« des Fahrers, daß der Antrieb wieder von 90 Kilometer auf 100 und 110 Kilometer zurückgekehrt ist. Je schneller das Tempo, desto ruhiger die Fahrt. So- gar die Stöße und Gegenstöße bei Ueberfahren der Gleisverbin- düngen sind fast nicht wahrnehmbar: der Zug schwebt gewissermaßen bei dieser außerordentlichen Geschwindigkeit. Man hat logischer- weise bei dieser Verminderung der Nebengeräusche das Gefühl der absoluten Sicherheit: außerdem bereitet es auch ein hohes ästhetisches Vergnügen, auf dieser klaren Fahrt in dem gläsernen Wagen nicht durch Staub und Kohlenruß belästigt zu werden. Die Ausblicke wirken wie schnell abrollend« Filmbänder, so schnell gleitet die Landschaft am Auge vorüber. Schwarzweiß zeigen sich die Felder in dieser Jahreszeit, leicht ankoloriert mit einem schmutzigen ins Grün spielende Broungelb. * Schachtanlogen linker Hand. Das ist Leipzig-Wahren, das als Unterwerk die Strecke speist. Schkeuditz und andere Orte fliegen heran, monotone gleichgültige Gebilde, die bis in die Eingeweide ihres menschlichen Daseinszweckes blicken lasten. Und doch ist ein Etwas da, dos sich in dieser flächigen Oede versteckt, eine Hand, die schwarz und verkrampft aus den Rübenfeldern wächst, die Braun- kohle im Boden. Zum Betrieb der mitteldeutschen Strecken wird die Braunkohle des Bitterfeldcr Reviers herange- zogen. Das bahneigene Kraftwerk, das die mitteldeutschen Strecken mit Bahnstrom(einfacher Wechselstrom mit niedriger Periodenzahl) versorgt, liegt in der Näh« von Bitterfeld bei Muldenstein. Es besitzt eine Leistung von 16 500 Kilowatt in fünf Turbodynomos. Der mit 3300 Volt Spannung in den Maschinen erzeugte Strom wird zur Herabminderung der Uebertragungsverluste für die Fern- leitung auf 60 000 Volt heraufgesetzt. Mit dieser Spannung wird der Strom durch«ine etwa 100 Kilometer lange Fernleitung den drei Unterwerken Wahren, Marke und Gommern zugeführt. In den Unterwerken wird der Strom durch ruhende Transsormaioren auf die Fahrleitungsspannung von 15 000 Volt herabgesegt, mit der die Fahrleitungen gespeist werden. Die Transformatoren der Unter- werke sind mit den Fahrleitungen über selbsttätige Oelschalter ver- Kunden, welche im Falle einer Störung den betreffenden Strecken- abschnitt sofort abschalten, ohne daß der Betrieb auf den übrigen Streckenabschnitten in Mitleidenschaft gezogen wird. Die neuen Schnelltricbwagen sind vierachsige Wogen mit zweiachsigen Drehgestellen. In ihrer äußeren Erscheinung sind sie de» D-Zugwcgen sehr ähnlich. Sie sind in hellen Farbtönen gehalten. Auch ausi eine gefällige Innenausstattung ist großer Wert gelegt, jedenfalls sind sie räumlicher und sauberer als die sonstige» Reichsbahnwagen. Die gesamten elektrischen Triebeinrichtungen sind unter dem Wagenkasten oder in den Drehgestellen eingeordnet, so daß der gesamte Raum des Wagenkastens den Reisenden und dem Gepäck zur Verfügung steht. Jeder Triebwagen ist mit zwei Fahrmotoren von je 160 IV? Dauerleistung ausgerüstet. Je ein Fahrmotor treibt über Zahnrad- vorgelege die Achse eines jeden Fahrgestells an. Da die Regelung der Fahrgeschwindigkeit durch Veränderung der den Fahrmotoren zugeführten Spannung erfolgt, so ist der Transformator so einge- richtet, daß ihm an mehreren Klemmen verschieden hohe Spannungen entnommen werden können. Auf diese Weise gestaltet sich die Steuerung der Wagen außerordentlich einfach. Es ist nur nötig, den Fahr- moiorenstron, kreis nacheinander mit den verschiedenen Spannungs- stufen des Transformators zu verbinden. Zur Herstellung dieser Schaltverbindungen wird aber nicht der Fahrschalter unmittelbar benutzt, sondern es dienen dazu besondere Schalter, die unter dem Wagenfußboden angebracht sind und von dem Fahrschalter aus auf elektromagnetischem Weg« betätigt werden. Es ist ohne weiteres möglich, mehrere zu einem Zuge verbundene Triebwagen von einem Fllhrerstande aus zu steuern. Die Fahrkurbel des Fahrschalters ist mit einem sogenannten Totmannsknopf versehen, welcher ständig niedergedrückt werden muß. Beim Loslassen des Knopfes(bei Unfall oder Versagen des Führers) wird der Fahrstrom selbsttätig unter- brachen. FVieckricb Natterotli, Hodilcistungssdialter ohne Oel. Ueber«inen bedeutsamen Fortschritt in der Elektrotechnik be- richtete kürzlich der Chefelektriker der AEG.-Transformatorenfabrik, Oberingenieur Biermanns, im Elektrotechnischen Berein Berlin. Er sprach über iieue Möglichkeiten der Abschaltung großer elektrischer Leistungen mittels neuer Schalter ohne Oel». f ü l l u n g. Nach einer Erfindung des Professors R u p p e l, Frankfurt a. M., die gemeinsam mit der AEG. ausgearbeitet und vervollkommnet wurde, erfolgt die Abschaltung, der elektrischen Leistungen in besonders ausgebildeten Druckt u.ft- k a m m« r n. Versuche, die im Verlause von etwa zwei Iahren in der Transformato.renfabrik der AEG. durchgeführt wurden, haben die praktische Brauchbarkeit dieser vielseitig geschützten Erfindung er- geben. Die AEG. hat daraufhin bereits die Herstellung einer ersten Serie dieser neuartigen Schalter in Angriff genommen. Der in der Abbildung dargestellte dreipolige Druckluftschalter be- ansprucht keinen größeren Platz als normale Hochleistungsölscholter. Er ist ausgelegt für eine garantierte Abschaltleistung von 300000 KV.�., schaltet aber auch einwandfrei und sicher Kurzschlußleistungen von 500 000 lcV'.�. Die außerordentliche Bedeutung dieser Luftschaller liegt darin, daß zur sicheren Abschaltung größerer Leistungen die Verwendung von Oel voll- kommen in Fortfall kommt. Dadurch wird die Betriebssicherheit von Schaltstationen, Abnehmerstationen und ähnlichen Anlagen sehr erheblich erhöht. Eine größere Anzahl neuer Schalter wird dein- nächst dem praktischen Betrieb in großen Elektrizitätswerken übergeben werden. zJh&rfc�djuel Bei Rüti hais geregnet! Schnelles Ende der Abendrennen. M!t Rütts sprichwörtlichem Wetterpech h�tt» das, was sich pestern auf der Arena in der Hasenheide abspielte, kaum etwas zu tun. Der Verlauf der Veranstaltung war folgender: k. Einige Weit- bewerbe, 2. Regenhusche, 3. Absage und Verlegung des Rennens auf Sonntag und 4. ein schönes Pfeifkonzert. Zuerst die Rennen: Die„Armbinde" mußte Bufe nach 19 Runden an Schön abgeben. Dann folgte der„Große Preis der Rütt-Arena", der fünf Dreierläufe über je 4 Runden mit der Be- setzung Martinetti, Falck-Hansen, Fricke, Rütt und Schömberg vorsah. Den ersten Lauf sicherte sich überlegen Martinetti vor.Fricke und Rütt. Falck-Hansen wußte den zweiten und dritten Lauf— einmal vor Fricke und Schamberg und ein andermal vor Martinetti und Riitt— zu gewinnen. Dewolf— Tietz sollten einen Herausforde- rungskampf über 20 Kilometer hinter Tandemführung in zwei Läufen zu je 19 Kilometer bestreiten. Lange lagen beide Fahrer zusammen, bis Tietz Reifenschaden hatte, zurückfiel und seine äugen- blickliche Führungsmannschaft Evert-Buse ohne ihren„Stehsr"-Ver- lust zu bemerken, vergnügt weiterfuhr. Der Belgier gewann den Lauf in 12: 23: 4 mit 49 Meter Vorsprung.„Die deutsche Meile", ein Wettbewerb der Amateure, gewann Dasch mit 12 Punkten vor Palzak, 12, Eggert, 4 und Regd 4 Punkte. Kaum hatte dann der zweite Lauf des Herausforderungskampfes Dewolf— Tietz begonnen, als eine Regenhusche niederging. Ehe aber der letzte Besucher die Tribüne geräumt hatte, war es mit dem Regen vorbei— und auch mit dem Rennen! Rütt setzte das Rennen aus, verlegte es auf Sonntag und teilte mit, daß die Besucher am Sonntag oder auch bei der Veranstaltung am Freitag darauf freien Eintritt hätten. Ein Pfeiskonzert der wenigen Besucher setzte ein und wurde Minuten- lang mit aller Lungenkraft durchgeführt. Was Rütt nicht hinderte, aus seinem eigentümlichen Standpunkt zu bleiben. Ob er sich damit gedient hat, wagen wir zu bezweifeln! � R. Sch. &4LndJocWL' Die Spiele am Sonntag. Außer dem Probespiel der Städtemannschaft gegen die Rürn- berg-Mannschaft am heutigen Sonnabend um 18',4 Uhr auf dem Urbanplatz spielen noch FTGV.-Karlshorst 1. Männer gegen FTGD.-Reukölln II um 19 Uhr aus dem Kartellplatz in Karlshorst, Treskowstraße. Vorwärts-Hennigsdorf hat um 19 Uhr in Hennigs- darf, Waldfportplatz, FTGB.-Pankow als Gegner. Am Sonntag spielt FTGB.-Mitte um 15 Uhr in Strausberg. Kemeindesportplatz. gegen Freie Schwimmer Strausberg. Eiche- Köpenick ist init allen Mannschaften auf dein Vereinssportplatz in Köpenick. Marienstraße, beschäftigt. Um 13 Uhr spielen die 2. Jugend gegen FTGB.-Osten II. um 14 Uhr die 1. Jugend gegen FTGB.- Wedding, während sich um 15 Uhr die gleichen Frauenmannschaften und die 1. Männer gegen Eberswalde um 16 Uhr gegenüberstchen. Freie Turnerschaft Kaulsdorf und FTGB.-Südost treffen sich um 17 Uhr in Kaulsdors, Köpenicker Chaussee. FTGV.-Karlshorst spielt in Karlshorst auf dem Gemeindesportplatz in der Treskowstraße um 16 Uhr gegen FTGB.-Stralau. Schönrath schlägt Stief k.o. Der„Ständige Boxring" hat sein Quartier neuerdings in der Berliner Bockbrauerei aufgeschlagen, wo gestern bei gutem Besuch ein interessantes Programm abgewickelt wurde. Leider enttäuschte gerade die Hauptnummer, denn der Berliner Schwergewichtler Egon Stief zeigte sich dem Krefelder Schön rat h in keiner Weise ge- wachsen und mußte nach mehreren Niederschlägen bereits in der 4. Runde für die Zeit zu Boden. Völlig ausgeglichen erwiesen sich dagegen die Gegner in den drei Rahinenkämpfen, denn die Treffen Heise-Hannover gegen Hermannson-Franksurt a. M., Bolze-Duisburg gegen Bernaseoic-Ungarn sowie Kündig-Hamburg gegen Schulz-Königsberg wurden sämtlich unentschieden gegeben. Alle 10 Almuten ein Sonderzug! Das 2. B u n d e s f«st des deutschen Slrbeiter-Turn- und Sportbundes vom 18. bis 21. Juli in Nürnberg deutet darauf hin, das größte arbeitersportliche Geschehnis der Welt zu werden. Nürnberg muß sich auf 199 999 Teilnehmer aus dem Reich und Ausland einrichten. Die mit der deutschen Reichs- bahn abgeschlosseneu Verhandlungen ergeben, daß 88 Sonder- z ü g e die Teilnehmer aus den entfernter» Gebieten Deutschlands und aus dem Ausland nach der Feststadt bringen werden. Am 18. Juli wird alle 19 Minuten ein Sonderzug in Nürnberg ein- fressen. Nürnberg wird wahrend der Festtage völlig im Zeichen des Arbeitersports stehen. D>i die Veranstaltung nahe bevorsteht, häufen sich die Anfragen und Wünsch« bei der Festleitung. Für alle Anfragen, Wünsche und Geldzahlungen, außer Wanderfahrtenangelegenheiten, ist nur der Arbeiler-Turn- und Sportbund, Leipzig 8 3, Fichtestraße 36, zu- ständig. Nach Nürnberg an die Festausschüsse gerichtete Ersuchen und Zahlungen unterliegen der Gefahr, verspätet oder nicht erledigt zu werden. Nur Wandersahrtenangelegenheiten werden in Nürn- bcrg bearbeitet. Anschrift: W. HüHnerman, Nürnberg, Sünderbuhl- straße 5. Wie die Leitung des Lettischen Sport- und Schutz- bitndes mitteilt, steht nun endgültig fest, daß am 13. Juli von Riga 19 Männer und drei Frauen abfahren zum 2. Bundessest des deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes, vom 18. bis 21. Juli in Nürnberg. Unter ihnen wird sich auch der Buudesvorsitzend« Bruno Kalnin-Riga befinden. Sie reisen iiT einem Auto und mit 9 Motorrädern mit Beiwagen. Die Beteiligung an den Wettkämpfen in Nürnberg ist zugesagt für Leichtaihletik. Tennis und Boxen.____ Selbstlos! Wir berichteten unlängst, daß der Ar b e i t« r- W a s s e r- r e t t u n g« die n st im Jahre 1928 im Reiche 577 Ertrinkende mit Ersolg aus den Fluten rettete, leider aber von Behörden und öffentlichen sozialen Einrichtungen nicht die ihm gebührende Unterstützung erfährt. Auch in diesem Jahre sind die Rettungsmannschaften des Arbeiter-Wasserrettungsdienstes wieder auf dem Posten. Die Düsfeldorjer Wachen holten am 26. Mai, einem besonders heißen Sonntag, zwei männliche und drei weibliche Personen aus dem Rhein, die mit dem Tode rangen. Durch gemeinschaftliches Bemühen mit Arbeiter-Samaritern wurden die Geborgenen am Leben erhalten. Einige Wochen früher retteten die Düsseldorfer Arbeiterschwimmer zwei Schwimmunkundige, die durch Bootsunfall dem Tode nahe waren. Lin Sportfest in Budapest. Deutsche Arbeitersporller siegreich. Die von Deutschland zum internationalen Arbeitersportfest nach B u d a p e st entsandten Leichtathleten gingen aus fast.allen vyn ihnen belegten Konkurrenzen siegreich hervor, obwohl festgestellt werden konnte, daß sich die ungarischen Sportler in den letzten Jahren sehr gut entwickelt haben. Allerdings ist das Aufblühen des ungarischen Arbeitersports durch die Horty-Regierung stark gehemmt, denn sämtliche größeren Veranstaltungen und Demonstra- tionen von Arbeitersportlern werden von vornherein untersagt. Auch hat man es den Arbeitersportlern nicht genehmigt, einen eigenen Arbeiter-Turn- und Sportbund ins Leben zu rufen, so daß dadurch der ganze Arbeitersport ein ziemlich loses Gebilde darstellt. Der erste Sieg für Deutschland war das 5999-Met.er- Laufen, beschickt durch Wolfer, Nürnberg, den dieser nach zähem, grandiosem Kampf in der sehr guten Zeit von 15 Minuten 58,8 Sek. von Galantos, Budapest, mit etwa 29 Meter Vorsprung für sich ent- scheiden konnte. Beim Speerwerfen überschritt Naumann, Leipzig, erst beim letzten Wurf die 59-Meter-Grenze, so daß auch diese Konkurrenz mit 59,58 Meter vor Mandalic, Budapest, mit 47,79 Meter einen weiteren Erfolg für Deutschland darstellte. Fuchslocher, Stuttgart, erreichte im Kugelstoßen 12,25 Meter. während d:r Ungar Schön nur 11,26 Meter erzielte. Einen sehr guten Mehrkämpfer haben die Budapester in ihrem Csefoy, der das Weitspringen mit 6,33 Meter vor Naumann, Leipzig, 6,98 Meier und den Dreisprung mit 13,41 Meter für sich entscheiden konnte. Auch im Diskuswersen war Naumann, Leipzig, mit 36,68 Metern erfolgreich. Während man für den Sonnabend eine erstklassig her- gerichtete Lausbahn auserwählt hatte, benützte man bedauerlicher- weise für die restlichen Endkämpfe am Sonntag eine weit schlechtere Bahn, so daß naturgemäß die erzielten Zeiten darunter sitten. Im Anschluß an eine größere Kundgebung vor dem Stadion, an der sich etwa 2999 Arbeitersportlerinnen und-sportler beteiligten, wurde das.Fest eröffnet. Da man keine direkte 199-Meter-Bahn hatte, wurde der Start in die Kurve verlegt; trotzdem siegte Heldt, Berlin, in der Zeit von 11,6 Sekunden mit 2 Meter vor Gäl, Budapest, während der 499-Meter-Lauf von einem recht jungen Ungarn Vertes in der sehr guten Zeit von 52 Minuten 2 Sekunden gewonnen wurde. Heldt griff leider zu spät in den Endkamps ein. Walser, Nürnberg, siegte dann noch im 1599 Meter-Laus vor Rözsa, Vuda- pest, in der. Zeit von 4 Minuten 15,6 Sekunden. Auf der Rückfahrt von Budapest unterbrachen die deutschen Leichtathleten in Wien ihre Reise und nahmen hier noch an einem Abendsportfest auf dem bekannten Sportplatz Hohewarthe teil. Trotz der langen Reise und der vielen Kämpfe in Budapest gelang es ihnen auch hier, einige Konkurrenzen für Deutschland zu entscheiden. So konnte Heldt, Berlin im 199-Meter-Lauf in der Zeit von 11,1 Sekunden vor Hoch, Wien, als erster das Zielband zerreißen, während er im 299-Meter-Lauf von Freudmann, Wien. im Ziel abgefangen wurde. Zeit hierfür 23,2 Sekunden. Wolfsr, Nürnberg, lief nochmals 1599 Meter und gewann vor Ertinger, Wien, in 4 Minuten 19,4 Sekunden. Im Kugelstoßen verbesserte Naumann, Leipzig die bisherige Bundeshöchstleistung um 6 Zentimeter aus 12,52 Meter. Auch das Diskusroersen brachte Naumann, Leipzig, mit 35,28 Metern an sich, während Fuchslocher, Stuttgart, mit 35,11 Meiern und Salaquade, Wien, mit 34,46 Metern dif nächsten Plätze belegten. Schulze, Weihwasser, konnte im Speerwerfen mit 49,59 Metern als erster hervorgehen, während Paukert, Wien, mit 48,25 Metern ebenfalls eine recht achtbare Leistung erzielte. Zum Schluß liefen die Deutschen noch gegen eine kombinierte Wiener Mannschaft«in« 4Xl99M«t«r-Stafette, die die Wiener mit 2 Metern Vorsprung in der Zeit von 46,4 Sekunden vor den Deutschen gewannen. Immerhin ist der von den Deutschen belegte zweite Platz sehr anerkennenswert, da sie ja keine offizielle Mannschaft hotten, z Rund um den Sport. Die Reaktionäre haben die feine Phrase vom„oaterlän. dischen" Sport erfunden; sie nutzen sie weidlich aus und ver- suchen in alle Sportdisziplinen hineinzukommen.— Neuerdings wird wieder recht lebhaft für den Deutschen Hochseesportverband „Hansa" propagiert, der angblich der Erweckung des Seefahrts» gedankens bei der Jugend dienen soll. Vorsitzender ist,— wie könnte es anders fein— Herr von Trotha, kaiserlicher Vize» admiral a. D. Dieser vaterländische Verband hat bereits eine Reihe von Zweigstellen und Pachtschulen gegründet, er steht auch in enger Verbindung, mit der Verkehrsfliegerschule, der Bayerischen Studentenschaft«ind anderen Organisationen. Aengstlich ist man bemüht, keinen Unberufenen eindringen zu lassen. Nicht nur die mit der Ausbildung verbundenen hohen Kosten verhindern auf das- sicherste das Eindringen proletarischer Jugendlicher, zur Vorsicht ist in die Bestimmungen auch noch aufgenommen, daß nur junge Leute mit mindestens Obersekunda-Reife für würdig befunden werden. ★ Im bürgerlichen Sport ist seit geraumer Zeit eine Abart des „Berufesportlers" Mode geworden. Sie ist vom Stand- punkt des Sports noch verwerflicher wie das Verhalten jener Sportler, die sich ihren Amatcurismus bezahlen lassen. Gemeint ist in diesem Falle der Brauch, daß Inhaber von Sportgeschäften Funktionen im bürgerlichen Sport bekleiden, und diese mehr oder minder offen dazu ausnützen, ihr Geschäft zu machen. Einen drastischen Fall kennzeichnet das„Hamburger Fremdenblatt" Es läßt sich über einen der Führer der bürgerlichen norddeutschen Fußballbcwegung berichten, daß dieser, Herr Fromme, als„In- haber eines Sportartikelgeschaftes Nutzen aus seiner Stellung, die er beim Verband bekleidet, ziehe. Wer die Verhältnisse gerade in Hannover, dem Wohnort des sraglichen Herrn, ein wenig kennt. kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Anschuldigungen sehr wohl zutreffen können. * Der Länderwettkampf Oesterreich— Italien hat bekanntlich zu Wutausbrüchen vernarrter Nationalisten in Italien geführt. Die Vorgänge, die nach dem Spiel nicht nur die Fußballwelt beschäftig. tcn, hat viele doch der Erkenntnis näher gebracht, daß die Diktatur auch im Sport nichts Ersprießliches ist. Zur Bekräftigung dieser Meinung ist es sicher nützlich, an einen Vorfall aus einem anderen — mit der Diktatur beglückten— Lande zu erinnern: An U n- g a r n. Die Unzarn spielten vor einigen Monaten gegen Frank- reichs Spieler. Die ungarische Mannschaft wurde vorher aufge- hetzt; jeder der. Spieler erhielt einen Brief, in dem er ermahnt wurde, nicht zu vergessen, ,chaß ihr in Frankn-eich spielt. Vergeht nicht, daß es zu Trianon war, wo man euer Land zer- stückelte, und deshalb sollt Ihr in Paris die Stärke der Magyaren kundtun."— Das schrieb der offizielle Vertreter des Verbandes. Es wird das Geheimnis jener Herren bleiben, was solche nationa- «istische Verhetzung noch mit Sport zu tun hat. kb. Die Ittrche paht sich an! Kirchliche Ordiuationsblätter in Böhmen führen Klage darüber. daß die Zunahme des Sportes sich auf den Gottesdienst auswirke. Taufende. Sportler und Ausflügler können Sonntag die Kirche nicht besuchen. Es wird daher empfohlen, wie schon in etlichen Gegenden durchgeführt, daß in Kirchen nahe den Bahn- Höfen frühzeitig vor Zugabgang Messen gelesen werden und daß i» Ausflugs- und Sportzentre» bei Ankunft der Fremdenzüge Messen stattfinden sollen, um so den Katholiken den Kirchenbesuch zu ermöglichen.__ FT»».. Sejirf Cfcorlatttnbut«. Sonntag. 9. Juni, B-t-iligung an Sport, fest in Drewitz. Trefipunlt 10� Uhr Bhf. Charlottenburg. Berliner Schwimm. Union tSlZ. Versammlung heute Sonnabenb. 20 Uhr. im Vereinssommcrbad Obcrsprce. Für das Sommerhalbjahr hat nachstehend« Jeden Sonntag, ab Ui Uhr, Wafferballspicle. Reigen der Frauen und Puthball. spiele. Laut Beschlutz der Generalversammlung hat jedes Mitglied mindesten» einen Uebungsodend in der Woche zu besuchen. Gäste und Freunde sind»u jeder Zeit herzlichst willlommen. Freier F-tzballverein Rcutäln I. Die Badepartic morgen fällt-u» wegen der angesetzlen Spiele. Alle Mitglieder treffen sich heut-, 1« Uhr, Sportplatz Stralau. Rummelsburg, Kilnaststratze, an der Tribüne zur Besprechung. Jeden Dienstag und Donnerstag, I8>- Uhr: Training Sportplatz Reukälln, Verlängerte Steinmetzstratze, Platz«. Umlleidelolal: Söiroeder, Steiwnetzstr. lB. Freie Schwimmer Charlotteuburg»4 S.V. Dienstagy N. Juni, 30 lXht4 Monotsveriammlung bei Sauer, Yaiser-Friedrich-Etr. 13. «artell Charloltenburg. Delcgiertcnoersammlung Montag, 10. Juni, 20 Uhr» Adlerklause. Kaiser-Fricdrich-Etr. 98. Kartell für Arbeitersport.'20. Verwaltungsbezirk, Montag, 10. Juni, 20 Uhr» Bolkehaus, Scharnwedcrsir. IIb: Rartellsitzung. „Tenais-Rot*, Abt. Rculölln. Dienstag, 11. Juni, 21 Uhr: Sitzung im Cafe Reinhardt, Hasenheide 57. Paddlers Wochenende! SEeU JCag erleben der 3aU booi und Wanufahrer bei Ciadon: an der Wäret.