BERLIN Sienstag 11. Zuni 1929 10 Pf. Nr. 268 B133 46. Lahrgang. Erschtiat tSzlich»uterSonotag«. Auzleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8sPf. proWoche. Z.60M. pro Monat. Kedaktio» und Eiredition-, Berlin SW es, LindenKr.S ozetgeopretsiDie einspaltige Nonpareillezei!« «o Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkoato: Vorwärts-Derlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7üZ6. Fernsprecher: Dönhoff 2g2 bis 20? Kinder ohne Betten. Die Not der schlesifchen Weber.— Nationale Llnternehmermethoden. ?.?. Lande shuk. 11. Juni. Don den 4500 Textilarbeitern im Landeshuter Bezirk nxiren vor der Aussperrung rundIVOO erwerbslos, teils durch Betriebs- «inschränkungen, teils durch Stillegung'von Spinnereien. Die übrigen 3S0l> arbeiteten fast durchweg mit verkürzter Ar- beitszeit. Die meisten 32 Stunden in der Woche, andere sogar muH Stunden! Der Bollarbeiter, den es hier nur in ver- einzelten Exemplaren gab, würde im Zeitlohn 24 bis 25 M., im Wtord 27 bis 28 M. in der Woche oerdienen, die weiblichen Arbeitskräfte 29 bis 22 M. Die Ungelernten stehen mit ihren Löhnen noch 5 Pröz. unter diesen Sätzen, von denen übrigens tu jedem Fall noch die Sozialbeiträge abzuziehen sind. Seit über Jahresfrist kennen die Leineweber aber die Dollarbeit nicht mehr. In der Kurzarbeit verdienten sie vor der Aussperrung nur 17(Akkord 19) M., die Frauen 14(Akkord 16) M. Das sind Löhne, die eine gesunde Ernährung unmöglich machen: an Neuanschaffungen darf der Leineweber gar nicht denken. Mit einem Monatseinkommen von 80 M. kann ein« Familie von vier oder gar sechs Köpfen nicht leben. Das Wohlfahrtsamt »ußt« deshalb bei kinderreichen Weberfamilien mit einer Zusatz- VexlilarbeHer„Wohnung' in tReichenbadi 8 Ertvaehfene und 2 Minder(2 Samflien) bewohnen einen Saum und eine Bödenkammer ton xufammen 20 qm. Unterstützung helfend eingreifen. Eine ganze Anzahl der in Landeshut Beschäftigten wohnt auswärts und verliert dadurch noch — je nach der Entfernung— wöchentlich 2 bis 4,50 M. für die Eisenbahmvochenkart«. Wie die Leineweber trotz allem ihr Leben fristen können, ist in manchen Fällen geradezu rätselhaft. Dos Hungern ist hier im Riesengebirge zu einer hohen Kunst entwickelt worden. So schlimm die Derhältnisse auch im benachbarten Walden. burgischen Bergland liegen, mancher Leineweber sieht neidooll hinüber zu den Kumpeln von Waldenburg. Die Methoden dei� Unternehmer. Die Leinensabrikanten des Landeshuter Bezirks klagen in be- «egten Worten über die Notlage ihres Industriezweiges. Wenn auch uiemand behaupten will, daß die Lag« der Leinenindustri« zur- zeit glänzend ist, so muß doch manches als Uebertreibung bezeichnet werden, was die Unternehmer in die Welt rufen. Bor allem ober sind die Fabrikanten selbst nicht frei von Schuld. Sie weigern sich beharrlich, ihre Betriebe zu modernisieren: sie wollen auch nichts davon wissen,- ihre Produktion auf einen anderen Artikel umzustellen. So„national' die Landeshuter Fabrikherren sich auch immer gebärden, wenn es um ihren Prosit geht, ist ihnen Be- tätigung nationaler Gesinnung höchst wurst. Sie behaupten, die Frauen und Mädchen a u s B ö h m e n hätten„traditionelles Finger- gefühl' und seien für gewisse Spezialarbeiten nicht zu entbehren. In Wirklichkett werden(25 Proz. aller weiblichen Arbeitskräfte) die Textilarbeiterinnen aus der Tschechoslowakei geholt, weil sie fügsamer und noch bedürfnisloser sind als die Schlesier und sich bei Gelegenheit als Lohndrücker verwenden lassen. In Landeshut haben ein« Anzahl Fabrikanten ihr« Leinen- fpinnereien stillgelegt und damit die eingesessen« Arbeiterschaft brotlos gemocht. Zugleich aber erwarben sie in der T s ch e ch o- slowakei Spinnereien, um dort mit billigeren Löhnen produzieren zu lassen. Ob dabei dem Steuerfiskus noch«in Schnipp- chen geschlagen wird, wäre einer besonderen Untersuchung wert. Grauenhaftes Kinderelend. Inzwischen steigt die Not und das Elend unter den Landes- huter Leinewebern. Immer mehr wird Männerarbest von Frauen- arbeit verdrängt. Aber selbst wo der Mann arbeitet, muß die Frau vielfach mitverdienen. Die schädliche Wirkung auf die Entwicklung der Jugend bleibt nicht aus. Di« Lungentuberkulose hat einen guten Nährboden in den halbverhungerten Körpern. Die heranwachsende Jugend bleibt in ihrer körperlichen Entwicklung zurück, und die menschenunwürdigen Wohnungsverhält- nisse, die man hier bei den Leinewebern antrifft, sind für die Entwicklung der Jugend in jeder Hinsicht gefährlich. Die Ziffern der letzten Erhebung, die in denSchulendesLandeshuter Kreises durchgeführt wurde, sprechen«ine furchtbare Sprache. Es wurden 2400 Kinder erfaßt. Dabei wurde unter anderem festgestellt: Sein eigenes Bett hatten.......... 1465 In Wohnungen aus einem Raum ohne Küche oder Kammer leben.......- 79,1 prz. Ohne Arühflück kamen zur Schule...... Zlw Nicht regelmäßig warmes Mittagessen haben... 119 Nur e i u Hemd besitzen.......... 142 Nur ein Paar Schuhe haben.. 1165 Seine wollene Unterwäsche haben 550 Keinen Mantel haben........... 572 Im vorigen Jahr wurde festgestellt, daß von 6000 untersuchten Schulkindern 3000 unterernährt waren! In den Kinder- gärten ergab sich: Schwer rachitisch waren An Blutarmut litten. 16 Proz. 52„ Dies Kinderelend ist nur eine Folge der menschenunwürdige» Zustände, unter denen hier das Proletariat seit langer Zeit leidet. Staatliche Stellen müssen hier zupacken und groß- zügig ans Werk gehen. Und ein Stück vorwärts wird es auch gehen, wenn es den Gewerkschaften gelingt, das Lohnniveau der Leineweber zu heben. Das Wohnungselend. Die Arbeiter wohnen hier Im Bezirk zum allergrößten Teil in Wohnungen, die nur einen Raum umfassen. Biele davon sind übervölkert. Man trifft Fälle an, wo zwei Familien in Hakenkreuz-Katzenjammer. Das Fiasko der nationalsozialistischen Bauernhehe. Kiel. 11. Juni.(Eigenbericht.) Den vorübergehenden Erfolgen der Nationalsozialisten in den agrarischen Gebieten des Nordens der Republik ist eine nicht un- beträchtliche Ernüchterung gefolgt. In Anbetracht der kurz auf« einanderfolgenden Bombenattentate in Itzehoe, Hohenwestedt und Oldenburg eine scheinbar paradoxe Feststellung, deren Richtigkeit sich indessen leicht nachweisen läßt. Gewiß ist die Sprache der Landvolkblätter nicht sanfter ge- worden. Im Gegenteil: sie überbietet im Schi»rpston selbst die Kommunisten. Gewiß hat auch die Agitationstätigkeit der Rechten nicht nachgelassen. Im vergangenen Monat fanden allein im Westen Holsteins nicht weniger als 49 nationalsozialistischeVer- sammlungen statt. Aber diese Versammlungen halten keinen Vergleich mehr aus mit denen des Winters und zeitigen Frühjahrs. Sie sind der S ch w a n e n g e f a n g des Recht sbols che- wismus. Schlechter als schlecht besucht, ohne Debatte: nach dem „Referat' gehen die wenigen Bauern still nach Hause. Dos entschiedene Vorgehen der republikanischen Behörden ist nicht ohne Wirkung geblieben. Dazu nimmt die angestrengte Arbeit auf dem Felde dem Bauern die Lust zu Revolten, die am Ende ja doch nur-seine Situation verschlechtern. Hitlers goldene Zeit ist vorüber, trotzdem seine Agitatoren und Zeitungen sich die erdenklichste Mühe geben, wenigstens den Deutschnationalen so viel als möglich Abbruch zu tun. Die Nationalsozialisten kennen hierzulande nur zwei Gegner: Die Deutschnationalen und die Juden. Wenn morgen der Regen aus- bleibt, sind die Juden schuld, und wenn übermorgen die republika- nischen Behörden erklären lassen, daß sie gegen die Attentats- Propaganda mit allen Mitteln einschreiten werden, die Deutsch- nationalen. Obersohren, der einstige Held im Kampfe gegen den Marxismus, ist ein toter Mann. Sein Name ist so verpönt wie höchstens noch der des sozialdemokratischen Oberpräsidenten. Die Landvolkzeitungen rempeln die Deutschnationalen in so derber Weis« an, daß die deutschnationalen Blätter nicht mehr mit können. Sie erklären öffentlich, auf jeden weiteren Angriff von national- sozialistischer Seite nicht mehr zu antworten. Trotzdem— es geht zu Ende mit der nationalsozialistischen Herrlichkeit! Unwiderruflich: sie fühlen es selbst. Was jetzt noch ge- schieht, sind Resultate der Verzweiflung.„S-e elender Strolch!' schreibt ein Rechtsradikaler an den sozialdemokratischen Ober- Präsidenten,„an Itzehoe und Hohenwestedt sehen Sie, daß wir aus dem Posten sind. Aber dap ist erst der Ansang, es kommt noch ganz anders... Für Sie schamloser Lump ist schon der Strick gedreht, der Dolch geschärft und dke Pistole geladen...' usw. Man kennt den bolschewistischen Umgangston. Ob er rechts oder links geübt wird, er bleibt sich gleich. Aber glauben, daß diese Kraftmeierei Kraft sei, wäre Unsinn. Zu Attentaten, zur Zerstörung behördlicher Gebäude reicht sie ja gerade noch aus. Aber es gibt nur noch wenige Bauern, die in- tellektuell dahinterstehen und das Verbrechen billigen. Jeder Revolte folgte der Kotzenjammer. Und was jetzt!n Itzehoe, Hohenwestedt und Oldenburg geschah, sind vergebliche An- strengungen der Drahtzieher, die tote Bewegung künstlich neu zu beleben. Selbstverständlich braucht damit die Reihe der agrarischen Bombenottentate durchaus noch nicht abgeschlossen zu sein. Aber ob morgen noch das Finanzamt in Husum oder das Landratsamt in Ixstadt in Trümmer geht,■ an der Tatsache, daß die national- sozialistische Hochflut im Verschwinden begriffen und ihr Vor- handensein in kürzester Zeit vergesien sein wird, ändert das gar nichts. Hitlers agrarische Periode In Schleswig-Holstcin ist vorbei. Und zwar für immer! einem Zimmer Hausen. Ich habe ein« Reihe Textilarbeiter- wohnungen ausgesucht und entsetzliche Zustände angetroffen. Da wohnt eine Familie von fünf Köpfen in einem IS Quadrat- meter großen Raum! Die Mutter, ihre Tochter mit ihrem Mann und zwei Kinder. Es find nur zwei Betten und ein Kinder- bettchen da. In einer Stube von 25 Quadratmeter Flächeninhalt haust eine Familie von s i e b« n K ö p f e n. Es sind nur drei Betten da. Der Vater hat eine offene Tuberkulose. Trotzdem schläft fein dreijähriges Mädchen bei ihm im Bett. Es ist ein Parterre- zinnner, der Fußboden ist verfault, in den Wänden sitzt der Schwamm. Eine andere„Wohnung'. Es ist eine Stube von 3v Qua- dratmeter. Die Eltern wohnen dort mit zwei Kindern. 316 und 6 Jahre alt. Die Wände sind feucht. Von der Decke dringt bei starkem Regen Wasser ein. Der Raum hat kein F e n st e r ins Freie oder auch nur auf den Hof. Ein Oberlicht und ein Licht- So wohnen Textilarbeiter. SSatifUUge XMtuer In Xelehenbach schacht geben spärlich ein wenig Hell«. Wenn das Oberlicht geöffnet werden soll, damit«Ine wenig frische Luft in den Raum kommt, ist ein Spaziergang auf den Speicher notwendig. Nur von dort aus kann die Luftklappe geöffnet werden. Der Mann hat eine offene Tuberkulose und ist seit langem arbeitslos. Das sechsjährige Töchterchen ist bereits tuberkulös. Das andere Kind wird es unter diesen miserablen Wohnverhältnissen wohl auch bald werden. Der Familie kann keine andere Wohnung beschafft werden, weil die Hausbesitzer sich wegen der langen Arbeitslosigkeit und Krankheit weigern, sie aufzunehmen. Man bemüht- sich, dem Wohnungselend durch Neubauten zu steuern. Aber die verfügboren Mittel sind beschränkt. Die neuen Wohnungen sind ein Tropfen auf einen heißen Stein. Billig sind di« Neubauwohnungen. Ein« Zweizimmerwohnung mit Küche kostet im Monat nur 21 Mark! Für die meisten Leineweber ist das aber ein unerschwinglicher Betrag. Nur solche Familien können sich die begehrte neue Wohnung leisten, in denen Mann und Frau verdienen und wo höchstens ein Kind da ist. Oer Kampf steht gut. Obwohl hier im Bezirk der Prozentsatz der Organisierten nicht so groß ist wie im Eulengebirge, herrscht eine glänzende Kampf. stimmung. Die Kommunisten, die vor Jahren hier im Textilarbeiter» verband regierten, haben die Organisation geschwächt. Aber als sie abgewirtschaftet hotten, wurde zähe Aufbauarbeit geleistet, und heute ist der Verband auch hier wieder stark und kampfkräftig. Natürlich haben die Kommunisten ihre„revolutionären Kamps- leitungen' gebildet, vom Verband die Unterstützung der Unorgoni- sierten aus Derbandsmitteln(!) gefordert und gar noch das An- sinnen gestellt, in di« Streikleitung sollten auch Unorganisierte als„Berater"(l) ausgenommen werden. Die Dampfleitung' besteht zwar noch weiter, aber niemand hört und sieht etwas von ihr, und kein Mensch achtet auf ihre Parolen. Die Ausgesperrten stehen zum Deutschen Textilarbeiter-Derband. Unter der Maske der Internationalen ArbeKerhilfe schwingt die KPD. den Bettelsack für die Ausgesperrten und veranstaltet„Wohltätigkeitskonzerte' und Filmvorführungen. Wo der Ertrag dieser Veranstaltungen hin- wandert, werden die Textilarbeiter wohl nie erfahren. Vrückeneinsturz auf dem Main. Ein Zimmermann getötet, mehrere andere verletzt. Bei den Arbeiten an der Staustufe Klingenberg in der Gegend von Miltenberg brach bei Rammarbelten ein Brückenbogen infolge zu großer Belastung in der Mitte durch. Beide Teile des Bogens stürzte» ins Wasser. Hierbei wurde ein Zimmer» man« sofort getötet» der Schachtmeister» der die Arbeite» leitete» sowie zwei Arbeiter wurden verletzt. Bei dem Einsturz sind auch die Licht» und Telephon» leitungen zerstört worden» so daß eine Reihe von Orr» schaften jenseits des MainS ohne elektrische« Strom und ohne Telephonverbindung find. Vereinsrecht und Reichsverfassung Eine Vorlage zur Beendigung der Rechisunsicherheii Aus dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts ist da- durch ein« gewisse Rechtsunsicherheit entstanden, daß Teil« des Reichsveremsgefetzes von 1908 währeiÄ» des Wellkrieges auf- gehoben wurden und die Reichsverfasiung von 1919 neue Grund- sStze aufgestellt hat. Dieser Zustand der Rechtsunsicherheit ist für die Behörden und die Bevölkerung unerträglich und nach der Auf- fasiung der Reichsregierung„eines Rechtsstaates nicht würdig". Der Reichsinnenminister Severing hat daher zur Beendigung dieses Zustandes den„Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Vereins- gesetzes" dem Reichstag vorgelegt. Im Paragraphen 3 wird bestimmt, daß„zwei Wochen nach der Gründung eines politischen Vereins di« Satzung und das Verzeich- nis der Mitglieder des Vorstandes der für den Sitz des Vereins zuständigen Polizeibehörde einzureichen sind" Als bloße Ord- nungsoorschrift ist dieser§ 3 mit der Versasiung vereinbar. Die Gründung politischer Vereine wird dadurch nicht behindert. Wie die Begründung btr Vorlage ausführt, muß sich die Polizei über b«- stehend« politische Vereine, ihre satzungsmäßigen Zwecke und die verantwortlichen Personen auf dem laufenden halten, da sie sonst ihr« Aufgabe nicht erfüllen könne.„Es ist besser, daß dies im Wege der eigenen ordentlichen Mitteilung des Vereins g«- schieht, als wenn die Polizei grundsätzlich gezwungen wird, auf anderem Weg« Kenntnis zu suchen." Der§ 7 besagt:„Wer eine Versammlung unter freiem Himmel veranstalten will, hat hiervon mindestens 4L Stunden vor dem Beginn der Versammlung unter Angabe des Ortes, der Zeit und des Verhandlungsgegenstandes bei der Polizeibehörde A n- zeige zu erstatten. In besonderen Fällen ist die Polizeibehörde befugt, von der Einhaltung der 48stündigen Frist abzusehen. Versammlungen unter freiem Himmel kann die Polizeibehörde bei unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit oerbieten." Dieser Paragraph entspricht dem Artikel 123 der Reichsverfasiung. Die Begründung führt dazu aus, daß die Polizeibehörden ein absolutes Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel nur zur Abwendung einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit erlasien dürfen. Di« Polizeibehörde soll prüfen, ob sie diese Gefahr nicht dadurch abwenden kann, daß sie bestimmte Bedingungen für diese Abhaltung aufstellt(zum Beispiel verhindert, daß sich gleichzeitig Demonstrationen entgegengesetzter Richtungen begegnen). Damit die Veranstalter gegen die willkürliche Auflage von Bedingungen, die entweder in keiner unmittelbaren Beziehung zur öffentlichen Sicherheit stehen oder über das erforderliche Maß hinaus- gehen, geschützt sind, können sie die Erteilung eines begründeten Bescheids verlangen, eines Bescheids, der nach den allgemeinen Bedingungen angefochten werden kann Die obersten Landes- behörden können außerdem allgemein bestimmen, daß die ö f f e n t- liche Bekanntmachung die Anzeige an die Polizei ersetzt. Henderson fordert Vertagung. Minderheiiendebatte erst im Herbst. Paris, 11. Juni.(Eigenbericht.) »Petit parisiien" meldet aus Madrid, daß die englische Regierung telegraphisch um Vertagung der Mlnderheilendeballe ersucht habe. Dieser Schritt werde damit begründet, daß es der Arbeiterregiernng bisher nicht möglich gewesen sei. sich genügend In die Materie einzuarbeiten. Es wird, betont der„Petit Parisien", sehr schwierig sein, diese» Antrag abzulehnen, zumal ihn auch Stresemann unterstützen dürste. Besprechungen um die Räumung. Paris, 11. Juni. Der nach Madrid entsandte Sonderkorrespondent der„Chikago Tribüne" meldet, daß der französische Außenminister Briand Reichs» außenminister Dr. Stresemann habe mitteilen lasien, daß er mit ihm«ine private Begegnung verabreden wolle unter zwei Be- dingungen. Einmal wünsche er, daß keinerlei Entschei- d u n g über die Zurückziehung der alliierten Truppen in Abwesen- hell eines für derartige Verhandlungen besonders beglaubigten Vertreters der neuen englischen Regierung gefällt werde. Der englische Botschafter Sir George Graham sei lediglich nominell der Vertreter der englischen Regierung. Briand wolle, daß man das Eintreffen der Vertreter der englischen und der belgischen Regierung abwarte, bevor man Entscheidungen treffe. Zweitens empfehle er eine internationaleKonferenzim Juli oder August, ohne einen Verhandlungsort vorzuschlagen. Frankreich würde mit L o n- don einverstanden sein, wenn die englisch« Regierung diesen Vor- schlag machen sollte. Man erwarte, daß außer Deutschland, Front- reich, Belgien, Italien und Japan folgende Länder Delegierte ent- senden werden: Polen, Rumänien, Südslawten und warscheinlich Oesterreich und Ungarn, da Fragen betreffend die Nachfolgestaaten zu regeln seien. Die amerikanische Regierung werde ebenfalls eingeladen werden und mit Rücksicht auf sie scheine die Wahl Londons als Verhandlungsort besonders günstig. In der Zwischenzeit würden Pläne für die Zurück- ziehung der alliierten Besatzungstruppen vorbereitet werden, so» daß das deutsche Gebiet entsprechend dem Poung-Plan, falls er an» genommen weiche, am 1. September von fremden Truppen befreit fein könnte. Amerika und Macdonalds Reise. Washington. 11. Juni.(Eigenbericht.) Di« amtlichen amerikanischen Kreise äußern sich zunächst zu dem Vorschlag des englischen Ministerpräsidenten, dem omerikani- schen Staatspräsidenten Hoover einen Besuch abzustatten, nicht. Immerhin zeigt man sich in offiziösen Kreisen über den Plan über» r a s ch t, ohbe jedoch di« Zweckmäßigkeit einer persönlichen Aus» spräche zwischen den beiden Staatsmännern Englands und Amerikas zu verkennen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Senats B o r a h steht dem Plan Macdonalds durchaus sympathisch gegenüber und versicherte Pressevertretern gegenüber, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen Hoover und Macdonald in der Entwajf- nungsfrage gute und zufriedeiistellemte Ergebnisse zutage fördern würde. Offiziell hat sich zu den Plänen Macdonals inzwischen auch die Regierung von Kanada geäußert. Sie erklärt sich zu jeder Mitarbeit bereit, falls Macdonald in Amerika erscheinen sollt«. Macdonald an die Arbeiiskonferenz. Reue Instruktionen an den Reaierungsvertreter. Genf. 10. Juni.(Eigenbericht.) Macdonald hat dem Präsidenten der Arbeitskonfereoz Dr. Brauns telegraphisch die Grüße der englische» Arbeiterreglerung übermittelt. Zn dem Telegramm heißt es u. a, daß die neue englische Regierung von dem großen wer» des Werke» der internatio nalea Arbeltsorganisation überzeugt sei und mit ganzem herzen au den weiteren Arbeilen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft teilnehmen werde. Dr. vrauns beantwortete da, Telegramm mit der Versicherung, daß nicht nur die Konferenz, fou- dern die ganze Welt den wert der warmen Grüße der neuen eng- lischen Regierung an die Konferenz und den Werl ihrer Mitarbeit zu schätzen wisse. Zu Arbeiterkreisen wird versicher«, daß dem englischen Regierungsvertreter inzwischen neue Instruktionen zugegangen sind. Man erwartet deshalb, daß der engllsche Delegierte in der allgemeinen Aussprache über den Bericht des Direktor» auf Grund der neuen Instruktionen das wort ergreifen wird. Die Arbeiterpartei im Außenamt. London. 11. Juni.(Eigenbericht.) Das B e r g b a u Ministerium wird dem bewährten Führer der Textilarbeiter Ben Turner übertragen werden. Es kann außer dem als sicher gelten, daß Dr. Hugh Dalton als Staatssekretär im Außenministerium und nächster Mitarbeiter Hendersons ins Foreign Office berufen werden wird. Der Abgeordnete der Arbeiter. Partei Philipp Baker. Professor de« internationalen Rechtes und Völkerbundssachverständiger, dürste den sachUch wichtigen Posten eines parlamentarischen Sekretärs des Außenministers erhalten. Die Eni- scheidung über diese Besetzung ist jedoch noch»ich» gefallen. Außer Macdonald und Henderson dürsten Dr. Dalton und im Falle seiner Ernennung Professor Baker vorwiegend mit Dölkerbundsfraqen befaßt werden. Die Arbeiterregierung legt im übrigen den größten Wert darauf. daß Großbritannien bei allen wichtigen Gelegenheiten in Genf durch den Ministerpräsidenten oder den Außenminister vertreten sein wird. Sachverständigenberatungen über die Getreidezölle. Der von der Reichsregierung eingesetzte Sachverständigenausschuß zur Prü- sung der Frage einer Neuregelung der Getreidezölle hielt am Montag im Reichstag seine ersten sachlichen Beratungen ab. Di« Verhandlungen, die vertraulich sind, sollen etwa bis zum 20. Juni zu Ende geführt werden. Ihre Ergebnisse werden dann in einem Kommunique veröffentlicht werden. Das Booisunglück auf der Elbe. Sind wcitere Opfer zu beklagen? Meißen. II. Zuni. Es steht noch immer nicht einwandfrei fest, wieviel Personen sich während der Uebersahrt aus dem Fährbool„Forelle' be- fanden, da» gestern mittag von dem Eilfrachtdampfer„Pirna" der vereinigten Elbe-Schissahrtsgesellschaft gerammt und über- rannt wurde. E» dürsten jedoch nach Zeugenaussagen acht bis zehn Personen im Augenblick der Katastrophe aus dem Fähr. bool gewesen sein. Gerettet wurden der Fährmann, der schwimmend das Ufer erreichen konnte, sowie vier Fahrgäste. Eine SS Jahre alte Frau v e r st a r b. nachdem sie au» dem Wasser gefischt war, im Krankenhaus. Bestimmt vermißt werden weiter ein Stein- s e tz e r aus Gollma bei Leipzig und ein Kaufmann aus Meißen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß das Unglück noch ein oder zwei weitere Opfer gefordert Hot, deren Pen» sönlichkeit noch nicht feststeht. Nach dem Bericht von Augenzeugen wurde durch den Swß des stromabwärts fahrenden Dampfers die Bordwand de« Fährbootes vollkommen eingedrückt. Alle an Bord befindlichen Personen steten oder sprangen unter Schreckensrusen in» Wasser. Von allen Seiten eilten sofort Boot« zur Hilfeleistung herbei, so daß die Verunglückten, soweit si« nicht sofort untergegangen waren, geborgen werden konnten. Das Fährboot„Forelle" wurde später durch Meißner Fischer gehoben und geborgen. Die Versuche, die vermißten In- fassen oder deren Leichen zu bergen, wurden bis in die späten Abendstunden ergebnislos fortgesetzt. Schweres nächtliches Motorradunglück. In der vergangenen Nacht ereignete fich in R e l n i ck e n- dorf-west ein schweres vlotorradunglu bei dem eine Person den Tod fand und zwei weitere erhevllche Verletzungen erlitten. Belm Ausweichen vor einem Fußgänger fuhr gegen 12 Uhr der Motorradfahrer Otto Mohr aus der Schönhauser Mee äOn vor dem Hause Scharnweberstr. 104 in vollem Tempo gegen ein aus entgegengesetzter Richtung kommendes Lastauto. Mohr wurde auf das Straßenpflaster geschleudert, wo er mit z e r t r ü in- inertem Schädel bewußtlos liegen blieb Sein« Begleiterin, die auf dem Soziussitz saß, sowie ein Passant, ein Tegeler Ein- wohner, der vom Rad ersaßt worden war. erluten stark blutende Fleischwunden. Der Motorradfahrer ist im Krankenhaus gestorben. Lugendliche Lebensmüde. In der Wohnung ihrer Eltern in der Schwarzburgallee fs vergiftete sich die 17jährige Lotte Relzewitz durch Sa». Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren ohne Erfo g. Liebeskummer ist nach den polizeilichen Ermittlungen da» Motiv zur Tat. Aus noch nicht bekannten Gründen versuchte sich die 17sährig« Hausangestellte Olga S ch. in ihrer Wohnung in der Wallstraße zu Eharlottenburg mit Gas zu oergiften. Die Tat wurde aber rechtzeitig entdeckt, so daß die von der Feuerwehr angestellten Wiederbelebungsversuche von Erfolg waren. Die Lebensmüde wurde in da« Westend-Krankenhaus gebracht. Stalin und die Linksopposition. ?iadeks Moskauer Verhandlungen.- Oie Zerschlagung der trotzkistischen Opposition.— Neue Verhastungen. Moskau. IL Juni. Kars Rodek ist in diesen Togen mit Erlaubnis der Parteileitung in Moskau eingetroffen. Gerüchtweise verlautet, dah auch Smilgo nach Moskau kommen wird� In diesem Zusammenhang finden in Moskau Besprechungen über die Wiederaufnahm« Rädels in dt« Partei statt. Nach den in den letzten Wochen erfolgten neuen Verhaftungen unter den Trotzkisten scheint es der GPU. endgültig gelungen zu sein, die illegale Tätigkeit der trotzkistischen Oppo- sition nahezu vollkommen zu unterbinden. Aus jeden Fall erscheinen seit Wochen keine trotzkistischen Flugblätter mehr. Es wird behauptet, daß in Moskau nacheinander vier trotzkistische Zentralleitungen verhaftet wurden. Noch jeder Verhaftung bildete sich immer wieder eine neue Zentral- leitung. Nach der Verhaftung der letzten, vierten, Zentralleitung soll angeblich kein« trotzkistische Leitung mehr organisiert worden Patriot Hilgenberg „Keinen roten Heller in der Tasche" Macdonald erzahlt sein Leben. „Schreiben Sie weiter, meine Herren Journalisten: veutsch- land ist nicht für einen halben Eent gut! Wer Deutschland Kredit gibt, gehört unter Kuratel. Deutschland wird nie einen Pfennig zurückzahlen!— Das gilt selbstredend alles nur, solange i ch noch nicht Diktator bin. st in, da es an entsprechenden Personen fehlt«. Auch in Charkow ist dl« trotzkistische Organisation vollkommen liquidiert. Der bekannte Sowjetwirtfchaftler und Trotzkist Preobashenski, der im Auftroge Rodek«, Smilgag und des früheren Postkommisiars Smirnow nach Moskau gekommen war und die Wiederaufnahme in die Partei betrieben hatte, ist wieder abgereist. Während nach den einen Gerüchten feine Verhandlungen in Moskau von Erfolg ge- krönt worden sind und«r demnächst wieder in die Partei auf- genommen wird, wollen andere Gerüchte wieder wissen, daß es zu keiner Einigung gekommen isL Preobrashenfki soll verlangt haben. daß die Parteileitung denjenigen trotzkistischen Führern, die sich im letzien Jahr um den illegalen Kampf und an der Herausgab« von Flugblättern sowie an der unterirdischen Propaganda nicht beteiligt haben, gestattet, zu einer legalen Sitzung zusammenzutreten, um sich auszusprechen und eventuell kollektive Be» schlüss» zu fassen. Gleichzeitig soll Preobrashenskii verlangt haben, daß diejenigen Persönlichkeiten, die entschlossen sind, wieder in die Partei einzutreten, sich loyal von ihren bisherigen Genossen politisch verabschieden dürfen. Die Parteileitung soll diesem Wunsche nicht stattgegeben haben, was auch der Grund der Abreise Preobmshenskiz gewesen sein soll. Der KpO.«parieiiag. ES wird diskutiert. Die heutige Vorimttogssitzung des kommunistischen Parteitages begann mit einem Referat der R ei chstagsab geordneten O v« r n a ch. Sie wandte sich heftig gegen die sozialdemokratische Partei, die den Frauen ein« Art bürgerlichen Wohllebens bringen wolle. Die KPD. schlepp« in ihrer Frauenagitation noch dos Erbe sozialdemo- kratischer Traditionen mit. Daher erklär« es sich, daß fast jede Frauenkundgebung gegen den Abtreibungsparagraphen 218 pro- testiere. Dann wurde die Diskussion über Thälmann» Refe- r a t eröffnet, die geschlagen« 16 Swnden dauern soll. Eine Frau aus Hennigsdorf berichtet« zuerst über den Streik der Arbeiter des dortigen Walzwerkes. Di« Gewerkschaften hätten bei dieser Gelegen- heit schmählichen verrat verübt. Unter einem dreifachen Rot-Front konnte die Frau abtreten. Ein Berliner wirft der Parteileitung vor, daß sie organisatorisch nicht genügend auf die Zusammenstöße mit der Dourgeoisi« am 1. Mai vorbereitet gewesen sei. Em oft- sächsischer Delegierter erklärt die Niederlag« der Kommunisten bei den sächsischen LandtogRvahlen u. a. damit, daß ein Teil der Wähler durch die M o i« r g e b n i s s« in Berlin ab« geschreckt worden sei. Ein badischer Delegierter billigt die neu« Taktik, wonach wirtschaftlich« Kämpf« zu entfachen seien, ober sie bereit« den Arbeitern noch vielfach Bauchschmerzen. Auf dieser Linie bewegt« sich die Debatte weiter. Die Versöhnler sind bisher noch nicht zu Worte gekommen. Als James Ramfay Macdonald, der jetzt zum zweitenmal bc- rufen ist, die Geschicke des britischen Weltreiches zu leiten, zuerst »ach London kam, hatte er nicht einmal den sprichwörtlichen„Taler" in der Tasche. Ueber seinen langsamen, nur durch größte Spar- samkeit und Energie erreichten Aufstieg erzählt er selbst in einem Londoner Sonntagsblatt:„Ich wurde zu Loffiemouth einem kleinen Dorf im Nordosten Schottlands, geboren. Es war ein Dorf mit nur 2000 Einwohnern, auf der einen Seite von Fischern, auf der andern von Ackerbauern bewohnt. Ich kam von der Londmannsseite. Meine Schultoge verliefen in der üblichen Form. Es gab schön« Wälder, um darin herumzustreifen, prächtige Felstn, um sich in ihnen zu verstecken, und ich glaub«, daß wir Jungens damals zu den„schlimm- sten Lausbuben" gehörten. Von früher Kindheit an hatte ich Jnter- esse an der Politik. Der ganze Teil von Schottland, in dem ich geboren wurde, war radikal, und so schien der demokratisch« Geist von Anfang an stark in uns verwurzelt. Infolgedessen blickten wir von jeher mif die Leute, die sich„feine" nannten, herunter und hielten uns selbst für ebensogut, ja, für ein gut Teil besser als sie. Nach meiner Schulzeit mußt« ich irgendwie mein Leben selbst ver- dienen, und ich versuchte das zunächst beim Ackerbau. Ich ging also ein« Zeitlang aufs Feld und fand die Arbeit des Landmanns prächtig und niemals zu anstrengend. Ich hatte damals die schön« Tätigkeit eines Pflügers und lebte mit den andern Pflügern glücklich zu- fammen. Jeder von ihnen kannte seinen Burns ebensogut auswendig wie die Vibel. Daneben versuchten sie sich alle darin, ihre eigenen Lieder zu machen, und im Herbst schien das ganze Land erfüllt von dem Pfeifen und Singen der Pflüger. Man konnte sie hören von Feld zu Feld, wie sie fröhlich bei ihrer Arbeit waren. Ich unterschied mich darin von ihnen, daß ich mir nicht mein« Lieder selbst verfertigte, und da mein Schullehrer mit meiner Feldarbeit nicht zufrieden war, sondern mich zu etwas Besseren berufen hielt, so nahm er mich zurück in die Schul«: ich hals ihm beim Unter- richten und sollte Schullehrer werden." Doch Macdonald blieb nicht lange in der Schul«, sondern ging als Privatsekretär zu einem Herrn nach Bristol, bei dem er sich nicht wohl fühlte, und so machte er sich denn auf den Weg nach London, wo er kaum jemand kannte.„Ich verbracht« meine Tage damit, nach Arbeit zu jagen," erzähll er,„denn als ich ankam, hatte ich mcht den sprichwörtlichen Taler in der Tasche.' Ich wäre froh ge- wesen, wenn ich ihn gehabt hätte, denn ich hatte keinen roten Heller. Meine erste Stellung bekam ich als Adressenschreiber mit einem Gehalt von 10 M. die Woche. Aber das war kein« dauernde Arbeit, und ich habe damals erfahren, was es heißt, durch London zu lausen, ohne einen Pfennig in der Tasche, mit Schulden beloster und ohnc Arbeit. Ein dauernde Stellung erhielt ich zuerst in einem Waren- Haus als Schreiber mit IS M. in der Woche. Davon lebte ich nicht nur, sondern ich sparte noch Geld, fuhr zu den Ferien nach Schott- land, unterstützt« meine Mutler und bezahlte die Vorlesungen, die ich an der Londoner Universität und an anderen Instituten hörte. Wie ich das anstellte? Zunächst einmal kaufte ich mir, was ich an Essen brauchte, selbst in den billigsten Geschäften oder ließ es mir von Hause schicken, wofür ich natürlich bezahlte. Kaffee oder Tee konnte ich mir nicht leisten, ich fand aber, daß heißes Wasser ebenso- gut war wie Tee und daß es sogar ebensogut schmeckt«, weim man sich daran gewöhnte. Die Hauptmahlzeit am Mittag nahm ich in einer billigen Garküche und gab dafür niemals mehr als 15 bis 25 Pf. aus: sie bestand gewöhnlich aus Beessteak-Pudding, aber freilich mit sehr viel mehr Pudding als Beefsteak, das sich nur irgendwo versteckt in der Ecke fand. Meine Ernährung kostete mich im ganzen nicht mehr als 55 bis 65 Pf. pro Tag, und so hatte ich es leicht, zu sparen. Nach einiger Zeit rückte ich«ine Stufe auf und kam in die Buchhaltung mit 20 M. in der Woche. Bald danach beschäftigte mich ein Freund in seinem Laboratorium mit chemischen Arbeiten. Daher konnte ich mein« Stelle aufgeben, hatte nun nichi mehr viel zu tun und arbeitet« zu Hause den ganzen Tag über und die Nacht. Ich war so eifrig, daß ich davon trank wurde Sobald ich mich erholt hatte, mußte ich mit der Arbeitsuche von vorn an- fangen. Der erste Sekretär des liberalen Nationalklubs erzählte mir, daß' Thomas Lough einen Sekretär brauch«. Ich wollte esyentlich nicht, ober ich nahm doch die Stellung, weil mir nichts anderes übrig hlieb. Als ich sah, daß es nicht gut war, fein Interesse zwischen Wissenschast und Politik zu zersplittern, und als Krankheit mich daran hindert«, eine Prüfung abzulegen, wie ich beabsichtigt hatte, beschloß ich, mich gan.1 der Politik und dem Journalismus zuewidmen. Ich blieb vier Jahr« bei Lough, bis ich soweit war daß ich von meiner journalistischen Tätigkeit leben konnte. Donach beschäftigt« ich mich dann viel mit sozialistischer Schriststellerei. Ich war der sozialistischen Partei beigetreten, sobald ich nach London kam, obwohl sie damals recht unbedeutend war. Einer der ersten Männer mit denen ich zusammentraf, war John Burns. In den Anfängen der„Gesell- Ichast der Fabier" traf ich auch häufig mit Bernard Shaw zusammen, an den ich mich aus damaliger Zeit als einen rottöpsigen Mann erinner«, den niemand kannte; er schrieb für Frau Besants„Monat- liche Ecke" und sein« Witze galten allgemein als schlecht." Macdonold trat dann in der Arbeiterpartei immer mehr hervor und bracht« es allmählich zum Führer. Die vmtcmfe«m Trondhjem. Die Ichon vo» der erfien Kammer angenommene Vorlage, wonach die Stadl Irondhjem wieder ihren alten Namen Nidaros annehmen soll, ist heute auch »an der zweiten norwegischen Kommer mit 20 gegen 18 Stimmen angenommen worden. Der Beschluß wurde gefaßt, obwohl«Ine Abstimmung unter den Bürgern der Stadt sich gegen die Umtause ausgesprochen hatte. Di« Mehrheit In beiden Kommern vertrat die Ansicht, daß es sich um eine nationale und nicht um ein« lokale Frag« handle, und daß es Pflicht des Parlaments sei, der Stadt ihre» ursprünglichen Namen zurückzugeben. Ein Schilderer des alten Berlin. Vor wenigen Wochen ist der Maler Julius Jacob in Berlin, wo er am 26. Oktober 1342 geboren war, gestorben: bis zum Ende mit fabelhafter Frische seiner Leidenschaft hingegeben, da» alte Berlin und seine Umgebung zu malen. Der Akademie hätte es vor allem wohl angestanden, eine ganz umfassende Gedächtnisschau in ihren Räumen zu veranstalten: es steht zu hoffen, daß das bald einmal nachgeholt wird. Auf der köstlichen Retrospektive der„100 Jahre Berliner Kunst" ist Jacob wenigstens mit neuen vorzüglich gewählten Bildern oertreten. Dann hat sich das Märkische Museum, rasch entschlossen, in sehr dankenswerter Weise für eine Ehrenausstellung«ingesetzt. Man sieht dort in vier Sälen eine größere Anzahl von Oelgemälden, Skizzen und Aquarellen von ihm, die«inen guten Begriff von seinem Wesen geben, vor allem natürlich von seiner Schilderung-- kunst, soweit sie das alte Berlin betrifft. Man kann jedem Berliner, dessen Herz an seiner Vaterstadt hängt, nur dringend raten, dies« Ausstellung zu besuchen. Er wird dort, je nach seinem Alter und seiner Dorliebe, Erstaunliches sehen; Dinge, die unseren Vätern noch geläufig waren, und die die wilhelminische Aera in ihrer barbarischen Pictätwstgkeit radikal ausgerottet hat, Schönheiten der allen Stadt, die entweder ganz verschwunden oder so schmerzlich isoliert sind, wie etwa die Spillelkolonnaden in der Leipziger Straß«, um deren Er. hallung heute ein erbllterter Kampf tobt. Man steht Berlin in Jacobs Aquarellen mit ganz anderen Augen an. Was war es noch in der 80er Jahren für ein« schöne Stadt! Mühlendamm, Schloßapotheke, Friedrichsgracht. Kreuzberg, Heiligegeistkirche, Kohlhasenhaus. die Alte Post und die alle Börse, Spandau« Straße, Schl«usengraben und Tempclhofer Bockmühle: alles dahin, für immer beseitigt oder unter dem Wust unerträglicher Plattheiten von Bauunternehmern verdorben!- Man kann aber nicht nur im Anblick für immer verlorener Stadtschönheiten melancholisch werden, sondern auch gegenüber der Tatsach«, wie man einen solchen ausgezeichneten Maler eigentlich schon lange vor seinem Tode hat begraben können. Ich habe immer, wo ich Bild« von ihm antraf, mll Nachdruck auf ihre sehr hohen Qualitäten gewiesen; habe gewartet, ob nicht irgendwo einmal eine Ausstellung seiner außerordentlichen, stillen und vornehmen Kunst gewidmet würde, und Hobe vergebens gewartet. Diese gut ge- meint« Retrospektive im Märkischen Museum ist es wahrhaftig nicht, darf«s nicht sein. Abgesehen von der Schwierigkeit, in der ständigen Dämmerung dieser furchtbaren pseudomittelalterlichen Rümpel- tammer etwas wirklich zu sehen: was dort alles nicht da ist von Julius Jacob, darauf kommt es an. Run haben wir zu unseren Lebzeiten einen so ausgezeichneten Künstler besessen, der die seltene Gabe hatte, das Anschauenswert« liebenswürdig zu gestalten, das Sellen«, Vergängliche noch köstlicher und dazu unvergänglich zu machen, nämlich zum reinen'Kunstwerk zu erheben: und wo ist seine Wirkung? Wie wenige sehen sich sein« Gedächtnisschau in den Dunkelkammern de» Märkischen Museums an: wie wenige wissen um den Besitz dieser Kunst! Dr. Paul F. Schmidt. Das deutsche Bach-Kest in Leipzig. Bei diesem 17. deutschen Boch-Fest der Neu«n Bach-Gesell- schast ertrank man in Musik, und kaum ein ander« als der universal« Bach hätte bewirken können, daß man nach drei Tagen, an denen e« je drei, meist über zweistündige. Konzert« gab, noch om letzten Abend fröhlich und erquickt Musik hört«. Das Fest, in jeder Beranstaltung glänzend besucht, durch viel auswärtig«, auch ausländisch« Gäste ausgezeichnet, hall« zwei lokal« Anlässe, die ihm besondere Bedeutung gaben. Am Sonnabend wurde die renovi«te Grabstätte Bach, in der Leipziger Iohanniskirche der Bach-Gesellschaft übergeben. Am Montag feierte man, die Festtag« damit beschließend, ein 200jShrig«s Jubiläum: am IS. April 1720 ist in der Leipziger Thomastirch« die Matthäus-Passion durch den Thomaskantor I. S. Dach zum überhaupt ersten Male aufgeführt worden. Daran erinnert« eine ungekürzt« Aussührung der Passion an der nämlichen Stätte durch den Thomaskantor Karl Straube, den Hill« der Bach-Tradition, den gefeierten Hauptletter des Festes. Daran erinnerte auch die Eröffnung einer Ausstellung im Stadt- geschichtlichen Museum: Die Thomastantoren. Den Eroffnungs- gasten zuliebe beging man ohne stichhalligen Grund einen Fehler: man ließ die angekündigt« öffentliche Turmmusit mll historischen Stücken im Saale blasen. Di« auf dem Marktplatz versammelten Leipzig« nahmen solche Isolierung Bachs sehr übel Es gab sonst nur noch einen Fehler, die Wahl eines durchaus ungenügenden Fest- redners für den Vortrag über„Werden und Wirken der Matthäus- Passion", der den weltumspannenden Bach für«in« klein« Gemeinde monopolisieren wollte. Alles andere verlief mll bestem Gelingen: die berühmte Motette mit seltenen vorbachischen Werken: der Kantatenabend: das Orchester- konzert mit der Uraufführung eines frischen Violinkonzerts von Divoldi, dem wichtigen Zeitgenossen Bachs und entzückenden Opftn- und Konzertarien von Johann Christian Bach, den für den bedeu- tendsten von Bachs Söhnen zu hallen man heute geneigt ist: das Orgelkonzert: die zwei Kammermusiken, mll der Uraufführung einer jüngst entdeckten Violinsonate Bachs, und endlich die großartig«, technisch überlegen« Darbietung der Passion durch die Chorver- einiguttg des Gewandhauses und das Städtische Orchester. Unter den nicht durchweg gleichwertigen Solisten, die zu dem abwechslungs- reichen vorbildlichen Programm in Meng« benötigt wurden, ragten hervor d« Sopran Lotte Leonards, Rudolf Serkm, prachtvoller Interpret der Goldberg-Bariationen. der unvergleichliche Bach-Geig« Adolf Busch und Karl Erb als«in Evangelist von letzter Feinheit und Erfühltheit. 1k. W. Tanzfestzug der Gewerbe in Wien. Dieser Tage fand im Rahmen der Wiener Festwochen der Fest- zug der Gewerbe stall, den Rudolf v. Laban entworfen hatte. Der Festzug. der ungefähr fünf Stunden dauert«, wurde von einer Reih« von Lautsprecherwagen begleitet, durch die während des ganzen Zuges die Musik auf mechanischem Weg« übertrogen wurde. Di« Metall, und Zinngieher eröffneten hinter den Bannergruppen den Festzug und tanzten an ungefähr 20 Stellen einen Glockenreigen. E» folgten die Feinzeug, und Messerschmied«, die Kupferschmiede, die Huf- und Wagenschmied«, die noch alten steyrischen und französischen Schmiederhythmen einen Schmiedetanz vorführten. Hint« dem zweiten Lautsprecherwagen kamen die Scharfschleifer, die Elektro- techniker, die einen Tanz der Blitz-Girls ausführten, die Karosserie- und Wagenbauer, die Uhrmacher mit ihrem Tanz.Lebendes Ziffe?> blatt", die Kürschner, Kleidermacher, Kamm- und Fächermacher. Dt« ganz« große Reihe der anderen Gewerb« folgte und gab dem Festzug eln.lmposantes farbenprächtiges Bild. Deutsche Kunstausstellung in Paris. In der Paris« Nationalbibliothek wurde am Sonntag nach- mlltag durch den deutschen Botschafter von Hoesch und den fran- zösischen Unterstaatssekretär für schöne Künste Franqoi» Poncet.«Ine Ausstellung mooerner deutscher Graphit eröffnet. Sie ist als Gegen- stück der im März d. I. In der staatlichen Kunstbibliothek in Berlin vercmstalleten Ausstellung moderner sranzösischer Graphit gedacht und führt von Liebermann und Korinth bis zur jüngsten Gegen- wart. Ihre Organisation liegt in den Häyden des Direktors der staatlichen Kunstbibliothek, Prof. Glaser d« von den Beamten der Nationalbibliothek unterstützt wurde. Die Ausstellung vereinigt mehr als 300 Werk« deutscher Künstler und gibt«in Bild der verschiedenen Kunstrichtungen. Auch Altmeist« wie Hans Thomo und Slenogt kommen zu Wort. Cbenso die bekanntesten deutschen Bildhauer Grarchiter, die Dresden« Schule und Käthe Koll«!tz. verichtiguug. In unser« Operreferat« über„Neues vom Tage" und„Die schwarze Orckidee" haben sich ein paar sinnstörend» Druck- sehter eingeschlichen, die zu oerichtiaen sind. Nicht„Wagner-Ber- einiguna", sonbern„Wagners Verneinung" klingt aus dem Orchester Hindemiths. Und Hans Fidessers Einbrecherkönte sollte nicht als „prahlender", sondern als..strahlend« Mittelpunkt� der Ausführung gekennzeichnet werden. Mitschuld oder Unschuld? Aach der Beweisaufnahme im Aogens-Prozeß. L. R, Jteuffretifj, 10. Juni.(Eigenbericht.) Der kriminalistische Beobachter hatte es in dieser Gerichts- perHandlung nicht leicht. Er mußt« sich in seinem Mitgefühl mit dem Schicksal Iakubowskis Beschränkung auserlegen, sich von jeder vorgefaßten Meinung über dessen Schuld freimachen, gegen Anfechtungen des Unterbewußten, das ihn in eine Trotzstellung gegen die Neustrelitzer politische Justiz drängt«, ankämpfen. Nur so war er instand gesetzt, ohne Voreingenommenheit an die Erforschung der Wahrheit in dem so unendlich verwickelten Fall Jakubowski- Rogens heranzutreten. Zu welchen Ergebnissen mag er gelangt sein? Di« Thse von der Alleinschuld Jakubowski» ist unter allen Am- ständen erschüttert. Mar er aber etwa Anstifter? Oder hat er die Tat als eigene gewollt, ohne die Hand mitangelegt zu haben? hat er gewußt und geschwiegen? Ist er schließlich völlig unbeteiligt? Sieht man von allem anderen ab, so sprechen gegen Jakubowski zwei seiner Aussprüche:„Ich will niemand verraten", sagt« er zu dem Gefängniswachtmeister, als dieser ihm kurz noch seiner Berurteilung zuredete, seine Lag« durch Nennung der wahren Schuldigen zu erleichtern. Und zu Pastor Buhre:„Es wird eine Zeit kommen, und alles wird klar sein." Der Pfarrer zog daraus den Schluß, daß Jakubowski nicht ga yz u n s ch u l d i g' sei. Beide Aussprüche lassen auch eine andere Erklärung zu: Tat und Täter können Jakubowski auch nach dem Verschwinden Ewalds bekannt geworden sein: er Hot gewußt und geschwiegen' Das war Begünstigung. Die einzigen Jakubowski wirklich schwer belastenden Aussagen stammen aus dem Munde der Angeklagten im heutigen Prozeß. Diese Aussagen allein können nicht als Grundlage für die Schuld Iakubowskis dienen, sagte Kriminalrat G e n n a t. Trotzdem sind die Berliner Kriminalbeamten der Ueberzeugung, daß Jakubowski der A n st i f t e r zur Tot sein müsse: allein bei ihm finden sie ausreichende Motive. Zu einer entgegengesetzten Auffassung gelangten Regierungsrat S t« u d I n g und der Münchener Kriminalpsychologe von hentig. Steuding ist es gewesen, der im Auftrage der Mecklenburg-Strelitzer Regierung im Frühjahr vorigen Jahres die ersten Nachforschungen an- stellt«. Mehr als drei Jahre waren seit der Tat ins Land gegangen. Die Wunde, die Iakubowskis Hinrichtung in Palingen geschlagen hatte, blutete noch. Der Kindesmord und dos Todesurteil hatten keinen Augenblick aufgehört, die Familie Nogens und die Einwohner- fchaft um den heidekaten zu beschäftigen. Man glaubte hier nicht an die Alleinschuld Jakubowski». man bezweifelte seine Schuld. Augusts Zusammenbruch nach der Berhaftung durch Steuding. Blöckers Meineidsgeständnis brachten ein gänzlich unerwartetes Ergebnis: der eine wie der andere nannten nicht Jakubowski, sondern Paul Kreutzfeld als Anstifter. Er habe vor dem Verschwinden Ewalds von d«"BeseitiglMg des Kinde, gesprochen� -und" noch dem Verschwinden gefordert, daß die Schuld La k u- b o ms k i-z-u g e s ch o b«n werde- Er habe g e d r oh t, für-. den � Fgll, daß seinen Wünschen nicht nachgegeben würde. Frau Rogens schwieg aus Furcht vor Kreutzfeldts Rache. Kreutzfeldt selbst versprach, alles zu sagen, weinte und sagt« nichts. Steuding ünd hentig waren dann gezwungen, die Untersuchung abzu» brechen. Oberstaatsanwalt Müller erschlich bei August einen Widerruf: er setzte sowohl ihn als auch Blöcker und Kreutzfeldt auf freien Fuß. Die Familie Nogens hatte nun Zeit genug zu Ver- abredungen. Als die Berliner Kriminalbeamten die Familien- Mitglieder Nogens erneut verhaftteten, war plötzlich Jaku- bowskl der Anstifter. Kreutzfeldt blieb aus dem Spiel. Weshalb? hätten sie nicht gerade Kreuzfeldt, den sie alle haßten, in den Mittelpunkt chrer Vereinbarung stellen müssen? Hatten sie Grund, den lebenden Kreutzfeldt zu fürchten oder wollten sie ihn etwa schonen? Oder glaubten sie, daß der tote Jakubowski ihnen nicht mehr schaden, und sie ihm nicht mehr nützen konnten? Trotz aller Widerrufe blieben sie in ihren Geständnisien bei Jaku- b o w s k i als Anstifter. Zwischendurch fiel auch immer wieder der Name Kreutzfeldt. Und so ist es heute: sie belasten einmütig Jakubowski und machen verlegene Gesichter bei der Nennung des Namens Kreutzfeldt. Dieser aber, Verkörperung des bösen Gewissens, setzte im Gerichtssaal allen Fragen ein starres„Nein" entgegen. Er konnte nicht vereidigt werden: er wußte, daß ihm nichts drohte. So bewegt sich die Lösung des Geheimnisses jenes November- abends 1924 zwischen Jakubowski und Kreutzfeldt. Dieser wie jener hatten Grund zur Beseitigung de« Kindes. Dieser wie jener konnten in irgendeiner Form an der Tat be- telligt sein. Die Persönlichkeit Kreutzfeldts aber läßt ihn als in« tellektuellen Anstifter erscheinen. War Jakubowski mit- beteiligt, so wird er den Einflüssen der heidekate er- legen sein und schließlich seine Einwilligung zur Tat gegeben haben. Das hin- und herpendeln der Angeklagten zwischen beiden wird verständlich aus der Beteiligung beider. Di« Behauptung von der Unschuld Iakubowskis durch Frau Nogens und August findet ihre Erklärung in der Tatsache, daß nicht Jakubowski der eigentliche Täter war. Für den Justizpolitiker steht aber unerschütterlich fest: Das Urteil gegen Jakubowski ist ein Fehlurteil. Di« Vollstreckung des Urteils kommt einem Justizmord gleich. Man sah vor Gericht die Väter jenes Urteils und seiner Voll- streckung. Da war der Oberstaatsanwalt Müller, ein ver- knöcherter Jurist und verkalkter Greis, dessen Un- tersuchungsmethoden das Gericht auf das Glatteis eines Fehlurteils führten. Da war der Gerichtspräsident von Buchka, besten Urteils- begründung den Studenten in den kriminalistischen Seminorien der Universitäten als abschreckendes Beispiel richterlicher Leichtfertigkeit vorliegen müßt«: da war ein Staatsminister a. D-, der, wenngleich 13 Jahre Richter, behauptet«, daß das Reichs- gericht die Revision eines Todesurteils nicht verworfen hätte, wenn es nicht von der Schuld des Berurteillen überzeugt gewesen wäre, und für den die Begnadigung nicht eine Persönlichketts-, son- der» Tat frage war. Das Gericht in der Neustrelitzer Vorhand- lupg hatte ckein?' Aehnlichkeit mit- dsm Schönberger Gericht, das das TodeSurteU' gegen'Jakübowfki gefällt höt Ihm ist es"einzig ''tön die WaistheitsfinduNg zp tun.-Ist es�aber notwendig, daß ein Mensch hingerichtet wird, damit ein Gericht sich seiner Pflichten bewußt wird— wie im Fall« Jakubowski? Die Todesstrafe ist gerichtet! Oer Deutsche Landarbeiterverband. Die Wandlung in der Stellung des Landarbeiters. Unter dem Titel:„Die Landarbeiter und ihre Ge» we rk scha f t e n". ist im Verlag des Encke-Haufes in Berlin eine kritische Studie erschienen über das Landarbeiterleben, den Wechsel der Beziehungen des Landarbeiters zwischen seinem„Brotherrn" und dem Industriearbeiter im Laufe des letzten Jahrhunderts, sowie den Einfluß der sreigewerkschaftlichen Landarbeiterorganisationen auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschast. Der Derfoster Dr. sc..-pol. Franz Hering schildert zunächst die Verhältnisse der deutschen Landwirtschaft, wie sie zu Ansang des vorigen Jahrhunderts lagen und weist dann geschichtlich nach, wie sich erst nach der sogenannten Bauernbefreiung allmählich aus einem Teil der früher hörigen Bauern das Landarbeiter- Proletariat bildete, das heute etwa IX bis 2 Millionen Menschen zählt. Obwohl man in Deutschland ungefähr 50 Jahre früher ein Landarbeiterproletariat kannte als«in Jndustrieproletariat, konnte die moderne Arbeiterbewegung in den Kreisen der Landarbeiter erst viel später und schwerer Fuß fassen als in den Städten. Der Verfasser weist an einem reichhaltigen Ouellenmaterial die Gründe dafür nach, die nicht nur in der geistigen Zurückgebliebenheit der Landarbeiter infolge der mangelhaften Schulbildung, sondern vor allem in der Eigenart der landwirtschasllichen Verhältniste und der gutsherrlichen Machtverhältniste. zu suchen sind. Wenn heute das Leben der Landarbeiter zwar im Verhältnis zu dem des Industrie- arbeiters immer noch wenig beneidenswert, aber immerhin gegenüber der Vorkriegszeit bedeutend menschenwürdiger ist. so ist das lediglich der unermüdlichen und zielklaren Arbeit des freigewerkschaftlichen DeutschenLandarbeiterverbandes zuzuschreiben. Der letzte Teil der interessanten Broschüre gewährt dem Außen- stehenden einen Einblick in das organisatorische Getriebe des Deut- jchen Landorbeiterverbandes, sein Wirten und sein Programm, das nicht nur auf die kulturelle Hebung der Landarbeiterschaft, sondern auch auf die grundlegende Aenderung der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsform abgestellt ist. Wer sich über die Landarbeiteroer- hältniss«, die Entwicklung und das Schaffen des Deutschen Land- arbeiteroerbandes Aufschluß verschassen will, wird die Broschüre mit Nutzen lesen._ 0- Sch. Ausstieg in Hottand. Der Niederländische Gcwerkschaftsbund hat dieser Tage einen Mitgliederstand von 230000 überschritten. Er nähert sich damit der Äfser. die er kurz nach Kriegsende in den Tagen des Mastenzustroms zu den Gewerkschaften erreicht hotte. Die Zu- »ahme eines einzigen Vierteljahres betrug 6800 Mitglieder. Am stärksten ist die Zunahme beim L a n d a r b e i t e r v e r b a n d: sie beträgt 2200 Mitglieder, dann folgen Metallarbeiler und Bmiarbei- ter. Der Zentraloerband der Transportarbeiter hatte am 1. Mai mit rund 25 000 Mitgliedern wieder den Stand seiner Hochkonjunktur von 1919 erklommen. Der Fabrikarbeiterverband hatte im April eine von ihm bis dahin noch nicht erreichte Zunahme um 1753 Mit- glieder zu verzeichnen: er zählt jetzt 22 000 Mitglieder. Der Ge- werkschaftsbund steht mit seinen 230000 Mitgliedern an der Spitze der verschiedenen holländischen GWerkfchäftsrichtungen, die ohne ihn''zusämMeti'stv't'?napp« IZstOOO Mitglieder zählen. Verantwortlich für die Ziedaltion:?ra», KlSd,. Berlin: Änzeigcn: Zl«.«locke. Berlin. Verlag: Vorwärt» Verlag G. in l>. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckcrei und Vcrlagsanstalt Bau! Singer& Co.. Berlin SW 18, Linden strafte 8. Kicr,n 1 Beilage. 8 Ubr B S, Btrbarosn#25« O'Hanlon ft Zambnnl ■Ml ate wettere* Aitrexiloaea Morgen 3X neifimUtags Sonder-Vor Stellung für Jung und Ali so besonders ermäßigten Preisen von 0.50 bis 3 Merk des volle Abendprogremm In der Penset Keffee mit Kuchen für SO Pf. vlAza [ VolKsbtUine ldttt« inllleviliti 8 Uhr Berlin, wie es weint». lacht Thalia-Theater 8-t, Uhr PtarrhaiiS' komOdie Staat). Sdiillii-Tb. 8 Uhr Zaungäste Theater an iffllfthanerdanm Morden IUI u. 281 Tiglich 8 Uhr Vegen des gr. An- Iranges kurze Zeit verlängert Drelgrosdien- Oper Oentsdies Tüeater D.I. Norden 12310 8U., Ende gegen 11 Die Fledermans Musik v.joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt Musik. Binstud. und Leitg. Erich Wollg. Korngold. Kammersplele D.I. Norden 12310 S'nU. Endenach 10 KU» lunatininaen I Autgang nur Nif Herrsehatfen Kleine KomOdie von Siegfried Geyer Die KomSdie I Bismck. 2414/7816 >*, Ende geg. IOViU. Oer Kaoi, dar seimn Hamen änderte 3 Akte -on Edgar Walace. 'egie: HeinzHilpert Am Plet,» Atel. MM-M Tägl.5u.81B: Intern.Varietd 1 Vorverkau' stets für die I laufende Woche inkl. Sonntag I Thener tm .iollendorfpl»tz Täglich 8V4 Uhr oia mannarder Manon Operette in 3 Akten v. Walter W.Qoeoei Lessiog-Mr Täglich «V, Uhr imhBirtfl'Diö nuransIMe Ein StQck mitMu- sik nach Verneuil. Netropol-Th. FMtsBW« ma Tägl. 81/« Uhr Blanbarl Operette von Offenbach Kilbe Dorsch Leo Sleuk Dtsek. KlHttor-Tk. 8>/« Uhr Prosit aipsy Operette v.Gilbert Agnes Eftrrhszy Frtts SdmU Rundfunkhörer MIM Preise Kleiaes THeater Täglich SV« Uhr NalNwtrodHni? Lude Mannheim, Max Adalbert, Herr- mann-Schaufuß, Hermine Sterler, Fr. Holländer, Fr. rrttflmano- Fttoerlik. Berlioer Tdeaier DirektHeinz Herald Charlottenstraße 00 A.7. Dönhoff 170 Vh Uhr Vh Uhr Zum ersten Male Reporlcr (The Front Page) Ein StOck in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie; HeinzHilpert Luslspieibaas Tägl.8V« Uhr Arm wia oioe Klrchanmaus Skidelsky, Flink, Berisch u. a. 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Juni vom■sesaa«*' Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. So nötige Preiset Parkett v. Rang 080 n- Theat.«.Westens Täglich 8'/. Uhr Sonntag 3>Ä u. 8V» Franz Leban Wsltsr- loigi Friederitte Telephon Steinplatz 0031 u. 7180 Banovsky- Bohnen Theater in der KOalggritier Straße Täglich 8>/« Uhr Rivalen Komtfdienhaue Täglich SVdUhr Charleys Taute mit Curt Bois. Trianon-Th. Täglich 8V4 Uhr Sonntag 3>tz u. SV» Sistsplfli der Togeni- seer ttaaeraDüäoe Die 3 Dorlhclligen Ein toller Schwank Preise: 2,3, 4.5 Mk usw. Rundfunkhörer lUIIM Preise. jeder Art leiert prelswe r 1 Paul Golletr. norm. Robert Meyer MariumeiulraOe 8 Ecke JiaiinmitlroMr Amt Morigpt 103 03 Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, KaSL-Allee 7-0. Tel. Hb. 2245 Gr. Ausstattungs-Revue-Operette Wie einst Im Hai| von Bernauer und Schanzen Musik von Walter Kollo., Ausserdem: Gr. Sktlsa unß VattetO. Anfang Konzert4.30. Sketsch und Varietd 8 Ubr. Operette 8.30. eeeeeeeeeeieeeeeeeee illatenaUB QQ übt Siettiner Sänder u. a.:„eine flacht Im ytmtirelnkeller" Sommerpreise: OO Pf. bu Z M. �Dönhoff- Brettl (Saal und Garten) Verleta— Konaert— Tanr, Heute, Dienstag Volkstag Sonderkenzert „Wiener Meister" Gastdirigent: Eugen Donath, Wien. Brillant- Feuerwark. Zum 1. Mal in Deutschland: Der sensationelle Dressurakt RAUBTIERE IM GLOBUS Eintritt nur 00 PfgT* 2 Attraktionen frei. 'Mecan- stau». 5 Holz- DiSIItsn mitratzen * Kinderbetten, Polster, Schlafzimmer, Chafce- :anlc. RAtata 267' suhl(Thflr m* longues an Private. RatenzaKlc- KataJog 267 Im sElsenmObeltabriK Suhl(Thflr.) TMat.am Konb.Tor Kottb.Str.O Tägl. 8 Uhr Eiite- sanger Dia iunl- Scnsailon: ..Sari a Dai's aniBaiosr Planetarium mmm Bin ZOO Virilit Judimlnalir ilnfc B. 5 Barbaro ssa 5578 lOV« Uhr Sternblldei das Sommer» IS1', Uhr Der Qlutbali der Senne 20V, U. Von Pol zu Pol am Sternonhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk.. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf. 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RM 3 000 000 I 650 000 910 646 200 000 3 175 945 2 326 933 75 91t 682 532 1 12 021 968 RM 5 005 000 695 524 I 801 76t I 338 058 550 000 1 488 522 715 577 425 523 12021 968 - Groffc Trauring-Fabrih verkauft fugenlote Trauringe direkt an Private 1 Ring 333 gestempelt aar 8 bis 8 Mk 585 585 585 900 900 900 eicht 8.so mittel'2.— schwer<4.80 leicht 16.50 mittel 21.50 schwer 28.— Itlileg intis i Hermann Wiese, Berlin Ges geschützt.„ �Nilerws5. 3® ✓ w, Passaucr Sir. 1 2 GTanüctchHn. GraTieren WrwKn aofori um Münchm w. (ßella&e Dienstag, 11. Juni 1929 LprÄbimö StiÄJauiQaJlt Am VrtväHl Der Chirurg spricht! Heilung der Lungentuberkulose durch Operation Sic hier veröffentlichte Arbeit ist ein Auszug aus einem Vor- trag, den Prof, Di, ss, Sauerdruch im ärztlichen Standes. verein de» Bestens Berlins gehalten hat. Der schwierige und mühevoll« Weg, den die Entwicklung der operativen Behandlung der Lungentuberkulose genommen hat, ist erfolgreich abgeschloflen. Die Erfahrungen, die wir in der Zeit- spanne von 20 Iahren sammeln konnten, lehren mit überzeugender Eindringlichkeit, dah heule einseitige Lungentuberkulose als heilbar anzusehen ist: heilbar in dem Sinne, daß der ffronke arbeitsfähig wird und Zeichen eines aktiven tuberkulösen Lungenprozesses nicht mehr bietet. Frei- lich zeigt die anatomische Untersuchung, daß bei der Ausheilung restloses Verschwinden aller Krantheitsspuren nicht zu erwarten ist. Die Herde vernarben, die Kavernen schaffen, bedarf noch eingehender Prüfung. \ �uuctuJ�innenui�eti wn, OskxPhlökjiz Copyright BQcherkreis aus„Vierminnerbuch, (9. Fortsetzung� .Us Thorska ober herauskroch aus seiner Echusterhöhle, da ging unter den Gleichaltrigen ein Geschrei und eine Kanonade des Worts los:«Na, hat er dich gnädigst laufen lassen, dein Herr Lllter? Hat er geruht� dich nicht gänzlich hinzumachen, sondern noch ein wenig leben zu lassen? Was? Paß auf, Dickkopf, rothaariger! Nächstens haut er dir ein Ende Rückenmark ein oder bricht dir die Röhre! Wie lang« lässest du dir das bieten? Simpel, warum setzest du ihm lclbst nicht cimnal nachdrücklich genug die Faust auf die Nase, auf !.ie versoffene? Groß und stark genug wärst du dazu!" Dieser Vorschlag stach sich ein in Thorskas Gehirn. Da pickelte er darauf los mit den allerschärfsten Instrumenten wie �in Bergmann im Bergwerk, pickelte sich immer tiefer«in in den Fels über- licfeitten Herkommens und brach daraus riesige Stücke aus. Die Wirkung dieser Minierarbeit zeigte sich bald. Ms am nächsten Samstagabend nach dem Zahltag der Krach von neuem losging, da setzte sich Thorska jählings und entschieden zur Wehr. Ein Erstaunen stieg hoch in den Augen des betrunkenen Vaters, steiler kann kein Felsufer aussteigen aus der Fläche des Meeres. Sein Zorn wich einen Augenblick lang zurück, wie ein verscheuchter Hund, kam aber nachher gesammelt wieder. Ein scharfes Schustermesser,«inen Knippen Holle der Alle aus der Werkstatt, fuhr damit auf Thorska los in seiner alkoholischen Wut. Der nahm als Antwort den eisernen Schürhaken vom Küchen- hevd, schwang ihn wie eine Keule um den Brand seines Haars und schrie:.Noch einmal rühr du mich an, du besoffener Satan, dann schlag ich dich hin mit dem Dings da, daß du dich streckst und dich nicht mehr rührst!" Da ging Seltsames vor mit dem Alten. Trotz Wut, trotz Zorn, trotz Trimlenheit hatte er den Sinn in Thorskas Ausruf vollkommen begriffen. Konnte aber diese Rebellion, diesen gänzlich unerwarteten Aufstand nicht fasten. Seine Augen zogen sich auseinander zu schmalen blinzelnden Spalten, als wehrten sie sich gegen eine herein- brechende schmerzende Helligkeit. Dann ließ er plötzlich das scharfe Schustermesser fallen, so jäh und unvermittelt, daß es sich mit der Spitze tief in die Diele einbohrte, dort stecken blieb, und der dünne, bläulich angelaufene Stahlschaft noch bange hin- und herzllterte. Dieses Vibrieren des Messers war dos Letzte, was Thorska sah, als er die Türe hinter sich zuschlug. Er ging fort. Es folgte ihm niemand, es Holl« ihn keiner. Cr ging vor sich hin, ohne zu wissen, wohin. Seine Füße be« wegten sich rein automatisch. Das, mas man Seele nennt, das war fort, well fort, auf irgendeiner inneren Wanderschaft, in Bezirken, die fremd sind dem Denken der Stunde, fremd dem Denken des Tags. Als er wieder zu sich kam und mit großer Verwunderung seinen Körper spürte und die Welle feines Blutes, und feine Augen wieder die Gegenstände der Erde erfassen konnten, fand er sich am Rande der Hardtlache sitzend, unter den hundertjährigen Akazienbäumen, die ihre Blütentrauben über ihn hingen und einen Duft hersandten, wahrhaft betäubend. Er beachtete das nicht. Er hatte das Auge nach dem Hüninger Kanal gewendet, dessen glatte Fläche aus den braunen Feldern herausglänzte, wie die Klinge eines Stahls. Bei diesem Anblik fiel ihm unwillkürlich das Schuftermester mit dar blanken Schneide ein, das, der Hand des Betrunkenen entfallend, sich in die Diele cingefpießt und wie in heimlichem Leben hin- und hergezittert hatte. Nun hatten seine wirbelnden Gedanken einen Punkt, um den sie kreisen konnten. Sie kamen nicht mehr los von diesem verdammten Master! So oft er sie auch wegriß und in eine andere Richtung schickte, es war wie ein Verhängnis, dämonisch kamen sie immer und immer wieder und wirbellen um den scharfen Stahl. Ja, sagte sich der in die Ferne stierende Thorska unter den Mazienbäumen, wenn du kein elender Feigian wärest, dann nähmtest du diesen Knippen und stießest ihn dem Alten in den Hals, gerade dort zwischen die dicken Adernknoten hinein. Das wird ihn lüpfen, wie einen Stier, der im Schlachthaus vom Halsstich gefällt wird. Gegen einen solchen Stich gibt's keine Rettung. Er kann sich nicht wehren. Wenn so etwas unversehens kommt, dann nützt chn auch die viehmäßig« Kraft seiner Arme nichts. Er wird tot fein, bevor er Zeit gefunden hat, auch nur die Faust zu ballen. Nachher, wenn's vorbei ist, haben alle Ruhe, du und auch die Mutter und die Geschwister, die sonst bei seinem Wüten scheu und verschüchtert in die Ecken kriechen, um nicht von dem ersten Sturm getroffen zu werden. Er soll dann aus seinem Sarg heraus jemanden prügeln, wenn er kann, der Hund! Aber du, Thorska, was wird nachher aus dir selber werden? Wirst du dich der Polizei stellen? Meinst du nicht, die werden dich oufs Schwurgericht schleppen, nach Mülhausen hinunter, und dir den Prozeß machen? Frag nicht, wie der ausgeht. Es tostet Kopf und Kragen. Der Meder hat seine Frau umgebracht, du kanntest sie doch, das läufige Tier, schmerzlos erschossen hat er sie und überdies war er im Recht und trotzdem haben sie den Henker Siller aus dem Württenibergischen kommen lassen und hieben ihm den Halswirbel durch! Und der Scharrl! hat lebenslänglich bekommen, weil er dem Zanke eins zwischen die Rippen gab! Lebenslänglich! Bruder, weißt du, was das ist?! Dielleicht dreißig Jahre oder vierzig oder noch länger. Das wird ja zum Irrsinnigwerden sein, wenn einem da Tag für Tag die gleichen verbotenen Gedanken durchs Gehirn springen! Aber trotzdem, mag nachher kommen, was will, es muß doch sein! Einer von uns beiden muß hin! Er oder ich! Die Schüstel ist übervoll, es hat nichts weiter Platz darin, nicht ein Tropfen! Er hat zuviel in mir umgebracht, zertrampelt, zer- prügelt, verwüstet! Er gehört ausgejätet und verbrannt! Von Rechts wegen, wenn ihm alles abgegollen würde, müßte er eigenttich hundert Tode sterben und nicht nur den einen! Thorska krampst die Hand zusammen, als ob er ein Messer drin hätte. Thorska stoßt zu! ?r tötet den Mten In Gedanken. Der schwere, betrunkene Mann lällt hin auf den Boden. Das warme Blut schießt aus der Wunde �und feuchtet Thorskas verkrampfte Finger. Ms der jung« Mensch aufwacht aus seinen Blutgedanken, ist es tiefe Nacht geworden. Vom nahen Hüninger Kanal sieht man nichts mehr: er ist Im schwarzen Sammet des Abend« versunken. Di« Lichtsignale vom Basler Rangierbahnhof, die leuchten genau so llunmerig daher, wie die Sterne zu seinen Häupten. Und vom Ort herüber winkt der gelbe Flackerschein des Gaslichts. Thorska geht nach Hause. Langsam. Gemächlich. Er weiß, was er will. Cr hat keine EU«. Ein Mädchen, das ihn gut kennt, ruft ihn an. Er hört die Lockstimme des Lebens gar nicht. Er schreitet unbewegt weller. Da liegt das Haus. Kein Licht mehr in den Zimmern. Sie sind alle schlafen gegangen. Im Hausgang steht Thorska einen Augenblick still, lauscht. Es rührt sich nichts. Er klingt die Küchentüre auf, vorsichtig, um kein Geräusch zu machen. Es bleibt alles nihig. Er tostet langsam den Boden ob. Da steckt noch das Messer in der Diele. Niemand hat es für nötig befunden, es herauszuziehen. Nun, dos soll seine Arbeit sein! Er tut's, reißt es jäh an sich. Er faßt den schmalen, feingeschliffenen Schusterstahl und prüft sorgsam Spitze und Schneide. Ja, scharf genug sind sie! Ans Werk! Im Schlafzimmer disselt er auf den Zehen, langsam, ohne Hast, Schritt um Schrttt. Die alten Fußbodendielen knarren und knirren unter seinem Gewicht und machen hunderterlei Geräusch. Die Mutter erwacht davon, richtet sich im Bett auf und fragt in das unheimliche Dunkel:„Ist. jemand da?" Thorska schweigt und steht ohne Regung. Nur sein Herz klopft bis zum Zerspringen. Aber ist das eine Antwort? Der Dater fängt zu schnarchen an. Die Mutter legt sich in die Kisten zurück. Nach einer Viertelstunde spürt Thorska: jetzt ist die Mutter wieder«ingeschlafen. Ties, ruhig, unbeschwert geht ihr Atem. Ganz im Gegensatz zu dem des Voters. Der jagt unnihig, gehetzt, gepreßt, als ob er spüre, daß das Messer über ihm stehe. Thorska stößt endlich an die Betttade. Er tostet sich noch dem Körper des schnarchenden Alten. Seine Hand, die das Messer hält, wandert am Saum des offenstehenden Hemdes über die sich hebende und sich senkende Brust bis hinauf zur Mitte des Halses. Du ist es, da! Da hat er die Stelle, die er treffen muß! Jetzt Hütt er einen Moment still, holt tief Atem, weitet die Brust, sammelt alle Krastl Mit dem Ausatmen stößt er zu! Mit einem entsetzlich gewalti- gen Stoß! Der schwere Körper des tödlich Getroffenen bäumt sich noch einen Augenblick auf wie rasend. Aber da der Hals durch das Messer an die Matratze gespießt ist, fällt der Körper dumpf wieder zurück �Die Arme des Allen schlegeln konvulsivisch im Todeskampf. Wieder spürt Thorska Blut über feine Hand rennen, warmes, feuchtes Blut, genau so wie in seiner Vision im Akazienwald dieses Abends. Daher kennt er das Gefühl und ist gor nicht verwundert darüber, daß es wirkliches Blut ist, Blut feines Vaters, und kein Traumblut. Jetzt ist's aus, das Röcheln und das Schlegeln. Der Körper des Erstochenen hat misgebluteti er regt sich nicht mehr. Die Atem- zöge der nebenan schlummernden Mutter gehen genau so gleich- mäßig und tief, wie zuvor. Sie hat den über ihr schattenden Fittich des Todes nicht gespürt. Thorska hat das Haus verlosten. Er steht mitten auf der Straße. Er wartet, bis Götz, der Polizeidiener, auf seinem zweiten Rundgang hier vorbeikommen wird. Und als er schließlich bei ihm steht, sagt er ihm ruhig und ohne Aufregung:„Götz, geht Und meldet der Gendarmerie, ich habe meinen Vater erstochen!" Der Götz will etwas sagen. Im zackernden Schein der Laterne, die vor der Apotheke steht, ficht man, wie er seinen Mund aufmacht, die Kinnladen weit auseinanderreibt, wie zum Schreien. Aber es kann kein Ton heraus. Was er gehört hat, ist derart außer allem Landlauf, daß es khm, weiß Gott, die Stimme verschlagen hat. Bis sich die Schreckstarre gelöst hat und er„Mordio!" schreien kann und die nächsten Nachbarn ihre Läden aufmachen, ist Thorska schon lange auf und davon, im Nachtdunkel verschwunden. Und wie er dahinschreitet auf dem Milchweiß der Landstraße, fröstelnd die Schultern hochgezogen, die Hände tief in den Taschen, da fällt ihm wieder das zerrissene Leben seiner Jugend ein, jene grauen Tage des Elends, wo der betrunkene Vater schlimmer hauste und sinnloser, als das wildeste Tier. Da sind, wieder Prügel das erste, auf das er stößt, wenn er zurückdenkt. Prügel zu allen Zeiten: am Morgen beim Ausstehen, am Mittag beim Essen, am Abend beim Schlafengehen. Prügel bei jeder Gelegenheit: beim Fortgehe», beim Heimkomme», beim nichts- ahnenden Verweilen, beim Dasitzen. Prügel in jeder Form: mit der Hand, mit der Faust, mit dem Absatz des Schuhes. Prügel mit dem Schusterriemen, Prügel-mit dem abgeschnittenen Waschseil. Prügel mit dem Stecken, mit dem Besenstiel, mit dem Teppichklopfer. Prügel m jedem Ausmaß: Ohrfeigen, Knüffe, Püffe, Knüller und Rippenstoß, Tritte in den Hintern,«in Durcheinander von Schlägen und Mißhandlungen, in dem die Besinnung schwindet, so daß man die Schmerzen schließlich nur noch abgedämpft wie aus weiter Entfernung empfindet. Ader nachher das fürchterliche Aufwachen! Soweit Thorska zurückdenken kann: nichts als Prügel! Ein Jugend- Horizont voller Schrecken. All« Vorkommnisse des Lebens stehen als drohende Vorwände für Prügel da! Nein, wirtlich, Thorska möchte nie mehr Kind sein! Nein, nicht einmal mehr Mensch! Er braucht es ja auch nicht. Er hat die beengende Mauer zer- brachen und eingerissen. Jetzt hat er den Weg in die Freiheil. Jetzt ist alle Mühsam zu Ende, die Quelle des Unglücks und des Leides verstopft. Jetzt haben die fürchterlichen Mißhandlungen endgültig aufgehört. Er hat ja dafür gesorgt, daß die verwilderte, brutale Hand nicht mehr zuhauen wird! Und die Schläge, die etwa die anderen austeilen könnten, ha, die werden ihn nicht mehr treffen. Er wird für ni«ntonden mehr erreichbar sein. Nicht umsonst hat seine Hand das Messer geführt, das ihn von allem trennt, was in der Welt ist. Thorska schreitet mächtig au», er muß sich tummelnz denn schon hat sich das erste Band des aufsteigenden Tages dicht an die Tüllinger Höhe gelegt. Quallig« Nebel zähen und streifen. Der Rhein kann nicht mehr weit ob sein. Schon schallt dumpf ins Ohr sein unruhiges Guttern und Rauschen. Tausend Schritt weiter, da wird es lauter und lauter. Durch die Pappeln an der Sandgrube streift eine Hampsel badischer Wind. Das Blattwerk regt sich. Eine Amsel im Wipfel fährt unruhig auf. Nicht zu verkennen, der Tag ist im Anmarsch. Thorska eill. Da liegt er im Zwielicht, brcitslächig, herrlich,' der Rhein! Thorska. läuft auf ihn zu. Aus voller Kraft. Als ob er Angst hätte, zu spät zu kommen. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. mrniniiiuimiiiiiimwnimniuinimiiimiiHiiiinuininiiiiiiaunnntiiiiiimuiiiiiiiniiiflnnuiinnnniifliiiuiiiiiiiiiiiniiiiniimniiiiimiiniiiiiimuiuiiiiiniiiiiiuiminiiiniinimiiiiiniii 10000 amtliche Veröffentlichungen jähr lieh. Die reich? deutschen amtlichen Druckschriften, die während des Jahres 1928 erschienen, werden zum erstenmal in einem V«r- zeichnis zusammengestellt, aus dem Wilhelm Frels im Buchhändler Börsenblatt interessante Mittellungen über die Ausdehnung diese» amllichen und halbamtlichen Schrifttum» macht. 2950 Titel von selbständigen Schriften, Serien und Zeitschriften sind verzeichnet, und da unter dem Titel einer Serie oft zahlreiche Einzelveröffent- lichungen zusammengefaßt sind, so dürfte die Gesamtzahl der Der» öffenllichungen etwa 10 000 betragen. Von den 2071 Einzel» Veröffentlichungen entfallen 1065 auf das Reich, 769 auf die Länder und 237 auf die Großstädte. Fast die Hälfte der Druckschriften ist vom Reichstag und dem Reichsamt für Landesaufnahme veranlaßt worden. 830 Behörden gaben amtliche Druckschriften heraus oder unterstützten halbamtliche Erscheinungen, und zwar 186 Reichs- behörden, 504 Behörden der Länder und 140 Behörden von Groß» städten. Unter den Ländern fällt natürlich Preußen der Löwen- anteil zu, während Bayern an zweiter und Sachsen an dritter Stell« stehen. Der Inhalt dieses amtlichen Schrifttums ist höchst mannigfalliger Art, und aus den Titelhinweisen des Register» Olenstakl, l l. Juni. Berlin. 16.00 Dr. Leo Matthias: Kreta. 16.30 Dr. Karl Wünburger: Vom neuen Sinn der Kauieradsehait. 17.00 Aut dem Bach-Saal; 0. F. Hlndel; I. Orgelkonzert Nr. 7 B-Dur:.— 3. Aus dem Orgelkonzert Nr. II O-MoII.— 3, Aus dem Orgelkonzert Nr. 16 F-Dur(Walter Drwenskl). 17.30 Schallplattenkonzert(Künstler der Festtpielwochen). 13.00 Unveröffentlichte Briefe. Bnsoni; Rilke.(Qelesen von Sibylle Busse.) AnschllcDend Mitteilungen des Arbeilsamtes Berlin-Mitte. 18.40 Stunde mit Büchern(Am Mikrophon: Prof. Dr. Eduard Erltes, Leipzig.) 19.10 Prof. Dr. Oeorg Wegen er:„Die Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff. 19.35 Walter Schrenk:„Richard Strauß und sein dramatisches Werk". 20.00 Schnappschüsse. Jack Hellrier. Uhler Mitwirkung der Lewis Ruth-Band. Anechileßend Presscmr, schau des Drahtlosen Dienstes, Nach den Abendmeldungen Bildfunk. Könlgswusterhauseti. 16.00 Rektor Schütte und Rektor Spfelhaten; Sehülorwandern im Oeiste der Arbeitsschule. 16.30 Dr. H. Noter: Die französische und die deutsehe Oper Im 17. Jahrhundert. 17.00 Nacbmittagskonzert von Leipzig. 18.00 Prof. Dr. Hans Mersmann: Volkslied anaiyseu. 18.30 französisch für fortgeschrittene. 18.55 Ob.-Reg.-Rat Paetsch: Wem gehört die Straße? 19.20 Panl Emst liest aus unveröffentlichten Novellen. 20.00 Violinvorträge. I. Rieh. Strauß: Sonate für Violine und Klavier, Es-Dur. op. 18.— 2, C. Saint Seins: Havanaise(Hans Bassermann, Violine, und M.(lurlitt. Flügel). 20.40 Shakespeare-Lieder(Herbert Heyner. Bariton; Flügel; Ben Ceysel).' 213)0 Unterhaltungsmusik. Kapelle Marek Weber. lassen sich diejenigen Gebiete erkennen, denen die meisten Ver- össentlichungen galten. Da stehen Industrie, Handel und Gewerbe mit 281t> solcher Titelhinweis« an der Spitze; dann folgt die Wohl- fahrtspflege mit 2498, allgemeine Verwaltung und Polizeiwesen mit 1867, Land und Forstwirtschaft mit 1794, Verkehrswesen mit 1766, Finanzwesen mit 1659. Kultur- und Wifsenschaftspfleg« sind mit 799, Rechtspflege mit 546, auswärtige Angelegenheiten mit 307. Wehrmacht mit 153 Titeln oertreten. Im Vordergrund« des omt- lichen, Interesses stehen also wirtschaftlich« Fragen, wobei die der Landwirtschaft und der Wohlfahrtspflege gewidmeten Schriften er- kennen lassen, daß die Arbeit wegen der schwierigen Verhältnisse aus diesen Gebieten besonders eifrig und umfassend ist. Schreckensnacht zwischen den Eisbergen. Das Knistern und Krachen von Eisbergen, die wie Gespenster im Nebel auftauchten, rief den 400 Passagieren der„Pennland", die kürzlich wohlbehalten in New Park«intraf, di« furchtbare Äata- strophe der„Titanic" in Erinnerung. Di« Passagiere der„Penn- land" verbachten einß furchtbare Nacht. Das Schiff befand sich bei den großen Neufündlandbänken und fuhr longsam im dichten Nebel, als man deutlich das Getöse hörte, das die abtreibenden Eisberge hervorbrachten, di«, aneinanderprallend, mit donnerähn- lichem Krachen, das an Geschützfeuer mahnte, zerschellten. Riesige Massen von Eissplittern gingen aus das Schiff und die Passagiere nieder. Nur der Umsicht des Kapitäns war es zu danken, daß eine furchtbare Katastrophe vermieden wurde. Auf die Anwesenheit von Eisbergen war man in dieser Zone um so weniger vorbereitet, als di« Logbücher der diesen Kurs haltenden Schiff« nie etwas von solchen verzeichnet hatten. Als das Getöse der zusammenbrechenden Eisberg« immer lauter wurde, ließ der Kapitän das Schiff, um auf jeden Fall vorbereitet zu fein, stoppen und die leichten Dampf- bartasien ins Wasser. Dies« fuhren als Lotsenboot« dem Dampfer langsam voraus und geleiteten ihn-solange, bis das Schiff aus der Gefahrenzone heraus war. Notbremse aus Sportbegeisterung. Der Zug, in dem der Engländer Lord Eastword saß, fuhr an einem Sportplatz vorüber, auf dem gerade der Endkamps eines Fuhballmatchcs ausgetragen wurde. Kurz entschlossen zog der Lord die Notbremse, um den Ausgang des Spieles abzuwarten. Als er 100 Schilling Straf« bezahlt hott« und der Zug sich wieder in Bewegung fetzt«, war das Spiel noch nicht zu End«, worauf der Lord di« Notbremse noch einmal zog. Lächelnd bezahlte«r jetzt den doppelten Betrag, brauchte zum drittenmal d�i Zug ober nicht zum Stehen zu bringen, da unterde, das Endergebnis des Spieles bekannt war. Balzac wurde einmal von einem Gläubiger gemahnt. „Ich mache Sie darauf aufmerksam," rief der Gläubiger,„daß ich nicht länger warten kann. Ich Hab« morgen«in« dringend« Schuld zu bezahlen." Balzac sah seinen Gläubiger erstaunt an und entgegnete: „Was sagt man dazu.— Sie machen Schulden— und ich soll sie bezahlen?!" Arbeitersport überall! Das Gubener Arbeiter-Eporlkartell, das schon am Sonntag seinen Rost abhielt, hatte sich auch«ine Ringermann- schaft aus Berlin für die dortige Mannschaft de» Alhletikvereins Sparta 1898 verpflichtet. Wer den imposanten Aufmarsch von etwa 2099 Turnern, Athleten, Schwimmern, Radsahrcrn miterlebte, der nahm die Uederzeugung mit. dah die Gubener fest zur Arbeiter- Sportbewegung stehen. Nach einem imposanten Ilmzug durch die Stadt standen sich auf der Matte des Spartplatzes, beobachtet von 6900 Besuchern, folgende Mannschaften gegenüber: Aus Guben: Tainzack, Kratz, Wünschmann, Kolack, Stabach, Schulze und Leh- mann: von Lichtenberg-Friedri.chsfelde: Borcherl, Splie- stötzer, W. Binder, Treuber, P. Binder. Walloscheck und Krecklow. Die statt ausgetragenen Kämpie ergaben das Resultat: Fliegen- gewicht: Borchert(L.-F.) kann verschiedene Kopfzügc und Schulter- schwinge anbringen, bleibt Sieger nach 4.32 Minuten. Bantam- gewicht: Beide Gegner sind sich vollständig gleichwertig, doch die vorzüglich« Brückenarbeit rettet stets vor der Niederlage. Nach 19 Minuten unentschieden. Federgewicht: W. Binder gehl in seiner bekannten flotten Art los und siegt nach 2 Minuten durch Armzug. Leichtgewicht: Kolack-Guben, jung und draufgängerisch, kann in den ersten Minuten mit Treuber nicht allzu viel ansangen. Doch nach 7.39 Minuten gelingt ein glänzender Schulterschwung, der Treubner auf die Schultern befördert. Leichtmittelgewicht: Hier stehen sich in Stobach-Guben und P. Binder-L.-F. zwei Techniker gegenüber, wie man sie nicht oft sieht. Durch Eindrücken der Brück« gewinnt Binder nach 8.44 Minuten. Im Halbschwer- und Schwergew'cht waren die starken Berliner Walloscheck und Krecklow-hren Grgneni überlegen und gewannen entscheidend. Gesamtresultat: 11:3 für L.. F. 9 4. * Es sei darauf hingewiesen,' dah die„Sportliche Vereinigung Lichtenbcrg-Friedrichsfelde 94 E. V." am Sonnabend, 29. Juni. In Tempels Festsälen, Friedrichsfclde, Prinzenallee 43. die S! r a l- s u n d e r Hcbermannschaft verpflichtet Hot. Die Stralsunder brennen darauf, ihre am 3. Mai erlitten« Niederlage im Heben wieder wettzumachen. Der seinerzeit erlittene Punttverlust wird sicher die Stralsunder Sportgenossen in der Zwischenzeit zum eifrigen Tca>- ning veranlaßt haben: somit ist damit zu reckznen, daß dem Publikum ein ganz besonderer sportlicher Genuß geboten wird. Handball FTGB.-Mitt« 1 weilt« in Strausberg bei den dortigen � Schwimmern. Strausberg hotte Anwuri. Der Ball wurde jedoch soiort abgenommen und von der Mitte in flottem Tempo weiter- geführt. In der ersten Halbzeit führte Mitte durch die bessere Technik noch mit 2: 9. Erst der Wechsel der Seiten in der zweiten Halbzeit bracht« für Strausberg die Vorteile, so daß sich das End- refultat unentschieden auf 2:2 stellte. FIGB,-Karlshorst spielte am Sonnabend gegen FTGB.-Neukölln II und verlor mit 2: 5 (1: 2). Die besseren Techniker konnten auch hier das Spiel sieg- reich beenden. Am Sonntag hatten sie FTGB.-Stralau als Gegner. Die Stralouer, die nur mit neun Mann antraten, hatten das Spiel vollständig in der Hand. In der ersten Halbzeit nutzte Karlshorst noch die volle Stärke aus und konnte das Resultat bis.zur Pause noch unentschieden 2: 2 stellen. In der zweiten Halbzeit war aber der Sturm der Stralauer sehr angriffssreudig und konnte das Schlußresultat auf fünf Tore stellen, während Karlshorst nichts mehr buchte. Die Karlshorster Berteidigung ersüllte nicht die Hoffnungen. • Bon gutem Wetter begünstigt sand am Sonntag das Sportfest der„Freien Turn- und Sport-Vereinigung Dre- witz' statt. Erfreulich war die Beteiligung der Drudervereine: Brandenburg, Bornstedt, Nowawes, Schenkendorf, und was befon- ders anerkennenswert ist, die Berliner Vereine F. T. G. B Ostring, Spandau und Eharlottenburg halfen an dem vollen Ersolg dieses Festes. Berlin wird sich so langsam seiner Pflicht gegenüber der Provinz bewußt. Am Vormittag spielten die Iugeiid-Handballer Bornstedts gegen Nowawes. Das beiderseitige harte, körperliche Spiel gewcmn Bornstedt 4: 1. Der Festumzug, mit 139 Aktiven in Sportkleidung, erregte bei den Einwohnern von Drewitz begreif- liches Aufsehen. Die Wettkämple aus dem Gemeindesportplotz. hatten eine für Drewitz sehr gute Zuschanerzohl angelockt. In flotter Folge wurden die einzelnen Disziplinen geübt und sehr gute Ergrbnisie erzielt Der Sportplatz, aus einer Wiese bestehend, vcr- hinderte bessere Leistungen. Hossmann-Ostring gelang es, im Weit- spning 3,83 Meter zu erreichen: während der Jugendliche Bing- Nowawes die Kugel 19,73 Meter stieß. Den 199-Meter-Laus, der auf der Chaussee ausgetragen wurde, konnte Trarel-Ostring in der gewiß guten Zeit 11,6 Sek. gewinnen. Für das Handballspiel warben die Spiele Spandau— Bornstedt und Drewitz— Ostring. Es ist zu erwarten, daß das Sportfest seine Werbewirkung nicht ver- fehlt hat, und daß es der Freien Turn- und Sport-Vereinigung Drewitz, wie überhaupt dem Arbeitersport, recht viele n«ue Mit- glieder zuführt. Die Wettlämpse hatten.folgende Ergebnisse: RL»»«?. vinlampf! 1. Soifmann IZTGB., Ostringt»ZK Pimltr: 2. Bnort Dftring) 3S1 Vunltr: 3. Seifer(Stantenbiitfl) 321 Punkte.— ?»gend, Dreikamps: I. Bing(Nomawest 271 Punkte: 2. Singer iNowawest SKS Punkte: 3. Soffie>?ralit>e»l>urg) 345 Punkte.— Frauen, Dreikamps: 1. 31. Hufeloft tDrewisi) 537 Punkte: 2. Eckert(Svandgu) 233 Punkte: 3. S. flaburg iTTeroitj) 224 Punkte.— Pesteelultpte. Männer: Weitsprung. Kofi. mann(Ostring) Z.3Z Meter.~ Schleuderball, flnott tOstring) 47 Meter.— 133.Meter.Laus. Trarel tOstring) 11.« Sekundrn.— Jugend: Sochsprung. Name tBrandenburg) 1,32 Meter.— Bugelstosten. Bing tNowawe») 13.73 Meter.— IVN.Mrter.Lauf Dre, �Ostring) 12,4 Sekunden.— Frauen: Weit. sprung au« dem Stand.?. Siele lDrewitz) 2.35 Meter— Ballweitwersen. R. fiafetoff tDrewiz) 55,43 Meter.— 73.Meter.Lauf. Fichrr(Spandau) 11,4 Sekunden.— Handball: Bornfted! tSpanda«) 7:4: Drewitz tOstring) 2:4. « Die Freie Turnerschast Groh-Berlin hält durch den Bezirk Tempelhos-Mariendors im dortigen Ortsteil für alle Freunde der Leibesübungen Uebungsstunden für Männer, Frauen und Spielmannschasten ab. Als Funktionäre sind erprobte Leiter tätig, so daß unsere Gewerkschasts- und Partei- freunde die Gewähr haben, unter sachgemäßer Anleitung Turnen, Spiel und Sport zu treiben. Wer Wert daraus legt, als Mitglied des Zlrbeiter-Turn- und Sportbundes sich im Kreise Gleichgesinnter zu tummeln, besuche folgende Uebungsstunden: Mantag, im Franckepark ad 13 Zldr di, Dunkelheit Frauengnmnaftik. sllr Männer Faustdallfpiele. Dienstag Männertiirne» ab 23 Uhr Turnhalle Schule am Alarichplatz. Donnerstag gemeinsamer Turnabent ad 23 Uhr Turn- Halle am Alarichplatz. Freitag Leichtathletik ab 13 Udr aus dem Sportplatz ktaiferin-Augusta-Strahe Sonnabend Hockeyobteilung ab 17 Uhr aus dem Lockepplatz im Bolkspark Mariendorf. An den 1., 3., Z. Sonntagen im Monat: 3-13 Uhr im Franckepark Fanstboll, Trammelball. Schlagball. Am 2. und 4. Sonntag: 14 Uhr di» Dunkelheit MBC.. Platz im Balkspark Maeiendors. Jede weitere Auskunst erteilt FTchB..cheschäft«stelle. Berlin Z!0. 13. Lichten. berger Str. 3 sam Landsberger Platz), stönigstadt 3313, und der Vorittzend« sstr Tempelhos-Mariendors Emil Zlämmerer. Berlin-Temprlhof, Stolbergstr. 5. « Der Weihe und d«r Uebergabe der Bundesschul« des Arbeiter- Turn- und-Sportbundes in Leipzig zu ihrer Zweckbestimmung vor drei Jahren ist am 8. Juni in aller Stille die Uebergabe des Bundesschulsportplatzes gefolgt. Der Platz ist für Lehr- .zwecke auf dem Gebiete d«r Leibesübungen erstklassig eingerichtet. Er liegt nur 19 Minuten von der Bundesschulc entfernt an einem schönen Waldrand. Die Herstellungskosten belaufen sich auf 173 999 Mark. In Anwesenheit der Bundesoorstandsmttglieder fand die Uebergabe des Platzes an die technische Leitung des Bundes statt. Junge Boxer im Ring. Erstlings-Turnier bei Heros. In der Heros-Sporthalle Scharnhorststrahe veranstaltete der Branbenburgisch« Boroerband sein diesjähriges Erstlings- Box- turnier, das mit über 91 Meldungen eine überaus gute B.'- fetzung gesunden hat. Zum erstenmal sind di« schweren Gewichis- Nasien, vom Mellergewicht auswärts, stärker vertreten als die leich- teren Klassen. Mit einer Berspätung von mehr als einer Stunde wurden die ersten von den 24 Kämpfern gestartet. Da mir„Erst- linge� antraten, ist«in« technisch« Wertung noch nicht recht ange- bracht. Trotzdem gefielen bereits einige mit guten Anlagen aus- gestattete Boxer, die recht beherzt ihr Bestes gaben. Den einleitenden Kampf im Bantamgewicht gewann«chulz (WTE.) durch Ausgabe vor Grieswald(Heros). Leichtgewicht: Lück (Sparta) verschafste sich erst in der letzten Runde den einstimmigen Punktsieg über Teemet((Post): durch gleichen Richterspruch gewann H-uschack(BSD.) über Schulz(Hermes). Die sichere Siegesoussichj von Melchan(Hermes) zerstörte Wilde(Sparta) noch in der letzten Munde. Schiele(Tenn. Bor.) gab gegen Pickny(ABT.) bereits nach der ersten Runde auf und Papensuh(WFE.) siegte über Greiser (Heros) durch Disqualifikation). Köck« ,(PSB.) überließ Kühne (Hermes) den Punktsieg. Der einleitend« Dorkampf im W e l t« r- gewicht ging an Weiße(Hermes) durch technischen t. o. über Butscher(Gutt.). Keller(Hellas) erhielt den Sieg über Schmicsii (Sparta) zugesprochen, da dieser dreimal ohne Schlag am Boden Zuflucht suchte. Den Gegnern des Boxsports gab der Kampf Niclschkc(ABE.) gegen Korsch(Hermes) stark« Argumente, es war ganz unverständlich, daß der Kampsleiter diesen„Kamps" nichl abbrach, da beide Gegner, zum Schlag nicht mehr sähig, ausgepumpt über die Runden muhten. Eggert(ABE.) begann gegen Ianitschte (Gutt.) sehr aggressiv, letzterer verlor durch k. o. in der zweiten Runde. Kühn«(Westen) erhielt über de Bries(Tenn. Bor.) den Punktsieg zugesprochen._ „Versierte" Opposition! Unsere„Opposition" ist auf der Höhe, oder drücken wir uns'ge- hildei aus: versiert! Sie will uns auf dem Nürnberger Bundessest besuchen, sogar schon in den Sonderzügen Gesellschaft leisten und hat fleißig di« Massengymnestik geübt, damit alles gut kloppt. Um die Teilnahme recht zahlreich zu gestatten, wird sogar in den Gc- wertschosten agitiert. Im Nachrichtenblott der Berliner Maschinensetzer findet sich folgende bescheidene verschämte Notiz: Arauengymnastik. Die auf dem Gebiete der Gymnastik äußerst versierte Frau eines Kollegen ist bereit. Frauen und schulentlassenen Töchtern von Kollegen m Kursen, die in einer städtischen Turnhalle am Rinabahnhof Schöneberg stattfinden. Unterricht zu erteilen. Ein Klavier ist vorhanden. Die Kosten betragen für zwei Stunden in der Woche monatlich 1 Mark. Aus Wunsch auch sportliche Be- tätigung. Meldungen zur Weitergabe an den Vereinsvorstand zu richten. Um Irrtümer zu oermeiden, teilen wir mit, daß es sich im l'-- vorstehendem um eine oer st eckte Agitation für die aus dem A r b e i t e r- T u r n- und Sportbund ausge- schlössen«- sogenannte Opposition handelt. Da die Buchdrucker mit ihrer Opposition gerade keine guten Ersahrungen gemacht haben, möchten wir auch bei der„Sport-Opposition" einige Vorsicht empfehlen. Wie wäre es, wenn der Borstand der Maschinen- setzer die bundestreuen Bereine empfehlen würde? Arbeiter-Radrennen. Solidarität auf der Siredee. Am Sonntagfrüh hatten die Rennsahrer des Arbciterrvd- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" ihr Straßenrennen aus der Streck« Waßmannsdorf, Klein-Ziethen, Glasow, Dahlewitz, Klein- Kienitz, Brusendorf, Tollkrug, Selchow, Waßmannsdorf. Für die Jugend ging das Rennen über 5 Kilometer, während die Hauptklass« zwei Rennen über 24 und 39 Kilometer bestritt. Es wehte ein heftiger Wind, der besonders auf der Hinfahrt den Fahrern sehr stark zusetzte, so daß es nicht möglich war, beachtenswerte Zeiten herauszuholen. Trotzdkm gab es auf der Strecke heftige Kämpfe um die Spitze: angefeuert durch die Zuschauer, die auf der ganzen Rundfahrt mit großem Interesse den Fahrern folgten, setzten die Kämpfenden ihr ganzes Können ein. In der Jugendklasse über 3 Kilometer konnte der Ehar- lotlenburger Schwan mit mehreren Radlängen sich vor Hildebrandt und Kirchherr placieren. Die 24-Kilometer.Gruppe hatte di« Rund- streck?«iimral zu umfahren. Niischke, Schlichting, Robert Uhlemonn und Hans Rübekohl legten gleich ein flottes Tempo vor, dicht gesolgt von Rehm und Michaelis. Bei Glasow mußte Rübekohl seine Ge- nossen ziehen lasten, da Herzkrämpfe ihn behinderten, doch dank der schnellen Hilfe durch die Arbeitersamariter hatte er sich schnell wieder erholt, so dah er die Bersolgung wieder ausnehmen konnte. Nitschke und Schlichting gingen denn auch in dieser Reihensolg« durchs Ziel vor Uhlemonn und Rübekohl. Bei den Wulstfahrern war Reiß der Sieg nicht zu nehmen. Das Hauptinteresse beanspruchten jedoch die 59.Kilometer-Fahrer. Auch hier legte das Feld gleich ein strammes Tempo vor in der Absicht, schwächere Fahrer gleich abzuhängen, was jedoch zuerst noch nicht gelang. Besonders vom Pech oerfolgt war Seite, zweimaliger Reisenschaden zwang ihn, das Rennen auszugeben: auch Werner Reichenbach mußte bei Dahlewitz wegen Gabelbruch die Weiterfahrt einstellen. Der kräftig wehende Wind blieb aber nicht ohne Wirkung, denn bei Beendigung der ersten Runde lagen nur noch Köllner, Reinholz, Hans Reichenbach und Schwarz vorn, die übrigen Fahrer, darunter auch Floerke, Kowalke, Erwin Uhlemann, Zimmermann, Heinz Rübekohl, sielen zurück. In Dahleutttz stürzten Schwarz und Hans Reichenbach, ein« Gelegenheit, die Köllner und Rsinholz benutzten, davonzujagen. Glücklicherweise war der Sturz glimpflich abgelaufen und unerschrocken setzten sie den Ausreißern nach mit dem Erfolg, daß sie bereits hinter Brusendorf diese wieder erreicht hotten. Am Ziel entspann sich ein heftiger End- kämpf, aus welchen Köllner, Schwarz und Hans Reichenbach hervor- ging, die in dieser Reihenfolge dicht gedrängt über das Zielband gingen. Arbeitersamariter sowie die Mitglieder der Ortsgruppe Millenwalde sorgten in vorzüglicher Weise für die Sicherheit der Fahrer. Hugeubergs Sportfest. Das Jubiläum des VBAV. Am Sonnlag hatte die bürgerliche Leichlathletik ihr Jubiläum: sportsest. Bor 23 Jahren wurde der BBAV. lVerlxind Branden- burgischcr Leick/tathletik-Vcrcine) au» der Taus« gehoben, und znwr zunächst als lokale Berliner Organjsation. Damals waren es acht Vereine mit 399 Milgltcäern, jctzr werden 179 Vereine mit 39 999 Mitgliedern angegeben, darunter allein beim Handballspielbetrieb 398 Mannschaften mit 4099 Spielern. Am Stassrltaus„Potsdam— Berlin" beteiligten sich 1929 112 Mannschosten mit rund 3999 Teil- nehmern. Haupchiel des BBAB. ist die ,.B r e i I e n a r b e i t", d. h. die Heranziehung der Masse zum sportlichen Wettkamps. Diese Zahlen wie das Hauptziel sind imposant, so daß sich auch das Jubiläumssportfest eine Besprechung oerlohnt. Jedes bürgerliche Sportfest muß einen Protetior haben. Beim BBAV. ist es»och alter Tradition der Scherl-Verlag. Auf dem Wege zum Stadion winnnelte es von Hugenbergs Tag- und Nachtverkmisern. Die„Nachtausgabe" hatte auch ein P r e i s a u s- schreiben veranstaltet:„Was sagt Krause?" wobei dieser Herr in lächerlicher Karikatur erschien. Mit Rücksicht aus den Vorstand hätte wohl ein anderer Name gewählt werden können. Aber wir wissen ja, daß Hilgenberg in diplomatischen Dingen Pech hat. Sein Stern ist offenbar im Erlöschen, auch beim Sport. 1924, bei der Zwanzigjahrfeier, brachte die Kompognonschast Scherls noch«in volles Haus— 49 999 Zuschauer. Diesmal war es leer, noch nicht einmal der siinste Teil, so daß eins der kleinen Stadien auch genügt hätte. Dieses Fest war überhaupt sonderbor ausgezogen, denn die Mitglieder traten weder aktiv noch passiv in Erscheinung. Es war lediglich ein Verbandswetttampf. Die Prominenten von fünf Verbänden starteten, die Mitgliedschaft war weder beim Aufmarsch, noch bei den Weitkämpsen, noch auf den Tribünen zu sehen. Das ist da- Eharafterifche. Der VBAV. gibt 39 900 Mitglieder an. Das hätte ein gewattiger Ausmarsch und ein volles Stadion werden müssen. Aber an den sporttichen Wettkämpfeu nahmen mir sllnfzehn Sportler vom VBAV. teil, serner einige Mannschaften beim Hand- und Faustballspiel, sowie ciimnd- fünfzig Sportler aus den anderen deutschen Sportverbänden. Am Aufmarsch waren cbeniall- nur Delegationen beteiligt, so daß es recht dünn aussah. Den gleichen Eindruck der Schwäch« machte die Umrahmung des Stadions mit ihren etwa 8999 b i s 7999 Z n- schauern. Die einzige„M a s s e n a u f s ü h r u n g" wurde v-ou einer Kompagnie der Reichswehr gezeigt: Gymnastische Hebungen mit Mcdizinball, Kugel und Rundgewicht. Alles andere waren Produktionen der au-gesuchten Primasportler, an denen effenbar die Sportlermasse nicht besonders interessiert war, denn sie blieb zu.Hause. Die vielgerühmt«„Dreitenarbeit" wird also wohl noch durch eine„Ticfenarbcit" ergänzt werden müssen, wie sie im Arbeitersport üblich ist. Da» Hauptinieresse konzentrierte sich wie üblich auf die Läufe, die in einigen Minuten einander folgten, so daß Sprung- und Wurf- Übungen kaum beobachtet werden konnten. Die Sportlerinnen waren nur an einem 19X199.Meter°Lauf beteiligt, in dem sie mit 2:8,4 Min. einen neuen deutschen Rekord aufstellten, ferner an einem Faustballspiel. Bei den Sportler war beim 199-Meter-Lauf Ionath-Norddeutschland erster mit 19,7 Sek., beim 1399-Meker-Lauf Boltze-Norddeulschland mit 4:3,4 Min., beim 3999.Mcter.Lauf wurde der mehrfache deutsche Meister Kohn- Eharlottenburg abgehängt, erster wurde Helber-Süddetttschland mit 13:24,4 Min. vor Petri-Norddeutschland. Bei der Olympischen Staffel wurde Mitteldeulschland Sieger mit 3:39,3 Min. Bei den anderen Wettkämpfcn blieb e« bei den üblichen Leistungen. Das Handballspiel Zlachen— Berlin zeigte alle Feinheiten trotz scharfen Kampfes. In der ersten Spielhätite hotte Berlin nur eine geringe Ucberlegenheit, nach der Pause fielen die Aachener aber gänzlich ab, so daß Berlin mit 12: 4(3: 2) Sieger blieb. Der Humor kam durch die KyackhanaStasfel als Mannschaftolaui zu seinem Recht. Vier Flugzeuge überflogen das Stadion, von einem wurden vier Stasettenstäbe abgeworfen, Sportler liefen damit zum Sprungturm, dann Absprung vom Dreimeterbrett, Schwimmen, Lauf vom Bassin zum Rasenplatz, Hineinkriechen in eine Tonne und Lauf mit der- selben, 39-Meter-Sackhüpfen, Dreibeinlausen.zweier Läufer, Kaffee- trinken und Lauf über schräggcstellte Leitern, Laufen mit Selbst- kahrer und Roller und zum Schluß vier Autobahnrunden. Dieser humoristisch« Laus fand wie immer ein vergnügte» Publikum. Der Verbandswettkampf endete mit einem Siege des BBAV mit 43 P., der durch sechs erste Siege im 299-Meter-, 899-Meter-, 1399.Meter-, 119-Meier-Hürdenlauf. 4X199-Meter-Stasett» und im Hochsprung gesichert war. Westdeutschland erhielt 37, Mitteldeutschland 38 und Süddeutschland 34 Punkte. Norddeutschland war nur in einigen Kämpfen, bei besonderer Wertung gestartet. Der Sieges- und Wanderpreis der Stadt Berlin fiel somit an den VBAV. Als Ganzes gesehen, zeigte das Fest des VBAV. den großen G e g e n s a tz z u ni A r b e i t e r s p o r t. Wo Volkssport betrieben wird, muß die Masse auch in die Erscheinung treten, was keines- weg» Höchstleistungen ausschließt, die aber nicht Selbstzweck sein dürfen. VÄkssport ist in der Republik mich kaum mit dem Protektorat Hugenbergs oereinbar. Damit ist für jeden organisierten Arbeiter die Linie gegeben. Der Arbeitersport bleibt In Reih und Glied. Beachtung zu scheuten ist aber der Zusammenarbeit mit den Behörden, die man nicht nur bei Bedarf an Turnhallen und Sport- Plätzen suchen sollte. Al« Arbeitersportler haben wir die Pflicht, die Republik, die Gemeinden und ihre Institutionen für uns zu er- obern. Der Sportbekried In den Schulen, die Zusammenarbeit mit der Lehrerschaft sind wichtige Ausgaben des Arbeitersparts. In dieser Beziehung können wir noch manches von. dem bürgerlichen Sport lernen._ Die deutsche Radsahrer-Union veranstaltet heute, Dienstag, 19 Uhr, auf der Olympiabahn einen Renntag. „wo» der Wassersportler wissen muß!" In dem Auffotz ist bei der Behandlung der Lichtersühninq ein Fehler unterlaufen. Es muß dort heiße», daß Ruder- und Paddelboote ein mattes weißes Hecklicht führen müsien(kein helles weißes, wie irrtümlich an- gegeben).' Ueiae»schi»i»»«r 1. Svei». Z!iin>bekg!»heee: Mittwoch. Ii. Jan!, 23 Udr, im Poftstodion, Lehrter Straße, Reigenprode fitr Nitrndera. Die Mitaliei«. dilcher al» A>i»wei» milbrinaen. Treffpunkt Beretn««eIIe FTGB. FZSB., Suderbezirk. MItgliederversommiuna 13. Juni in Riederschüne- weide. Berliner Str. 97—08, Bestaurant Ernst Schmidt. Arbeiter-Schwimmnerei».Kella«'. Dien, tag, u. Sun!, Zly- Uhr.»it. gliedernerfammlung bei Steuer(Waldhütte) in PIBHenfee. Alte»turne» und.sportle»! Faustballspieler 1.«»ei«. Nächster Spieltag Sportplah Evblerftraße, Beginn 3. iZticht im ssriedrich-hain!) Alle Nürnberg fahr« mit Ifen pünktlich und vollzählig zur Stelle fein. Freie«anu-Union Sroh Berlin. Abt. Spandau. Vootshaus in Spandau,' Betlkeftrohe, Zootsuierft Fleischer. Bootstände sind noch frei. Sihung: Dienstag. 11. Iunl, 23 Uhr. bei Reimer. Eharlottenburg, Wilmersdorfer Ecke«ana' straß«. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen. Anfchrfft: Richard Beck. Berlin R. 23. Bodstr. 12. FT SV. Da»«tnderdiatt de» Vereins kann ab heufe von der GesthäN-i stellt abgeholt werden. Im Juli erscheint das«rnbrrblatt nicht. i. Schutz den Sozialversicherungen! Oer Tätigkeitsbericht der Berliner Ortskrankenkaffe für �92S. „Während die deutsche Sozialversicherung nach Weltgeltung strebt, wird im Innern ihr Ansehen durch das Schlagwort von der „sozialen Last" gefährdet. Das Schlagwort zeigt nur die Schatten- feite der Sozialversicherung— den Beitrag— und übersieht die Lichtseite, die Leistungen für die Kranken und Verletzten, die Berufs- und Erwerbsunfähigen, die Mütter und Hinterbliebenen." Diese Worte, die dem Bencht über den Sozialetat im Reichs- tage 1 928 vorausgeschickt waren, kennzeichnen die Situation, in der wir uns gegenwärtige befinden, wo wieder einmal von Arbeit- geberoerbänden und Rechtsparteien gegen die Sozialoersicherungen der Arbeiterschaft Sturm gelaufen wird. Welche Aufgaben allein im Kranken versicher ungs- wesen einer einzelnen großen Ortskrankenkasse erwachsen, die doch nur einen Bruchteil der Reichsoersicherungen darstellt, zeigt der Jahresbericht der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin für 19 28, der als stattl'cher Band von 243 Seiten Stärke soeben erschienen ist. Das Studium des Be- richts wäre besonders jenen Obrenbläsern zu empfehlen, die nicht nur auf gegnerischer Seite, sondern mick leider innerhalb der Krankenkäsienmitg'ieder selbst zu finden sind und nickts anderes verstehen, als bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit auf die Kassen zu schimpfen. Um einige Zahlen an? diesem Tätigkeitsbericht zu nennen: die durchsckmittliche Mitgliederzahl betrug 457 057. davon waren 56 195 erwerbslos. Der Krankenstand hotte im Jahre 1928 wiederum zugenommen, trotzdem er schon 1927 außerordentlich hoch war. An Krankengeld wurden im Be- richtsiahr 20 466 765.87?N. gegen 16 442 984,77 M. im vorhergehenden Jahre, also 4 Millionen Mark mehr, gezahlt. Die Kosten der Krankenhaus- und fieilstättenpflege stiegen von 7 933 989 M. auf 8 653 898 M Für Arzneien und Heil- mittel, einschließlich der ärztlichen Sachleistungen, wurden 19 435 184 M. verausgabt, wobei»och'» bedenken ist, daß die be- deutenden Mehrausgaben bei einem Mitgliederoerluft von 15 812 gegenüber dem Borjahr entstanden sind D'e Beitrageleistungen wurden 1928 von 6 auf 7 Proz. erhöht. Eine Mehreinnahnce e-gib sich weiter aus der Erhöhung der Löhne der Versicherten. Die Kasse batt« einschlieblich der Ausgaben für die Familienanaehörigen eine Ausgabe für Arznei, Heilmittel Sachleistungen der Aerzte und anderer Heilperionen von 72,85 7H. v r o Kopf der Vcrsicher- ten zu verzeichnen: 1925 betrug diese Durchschnittszahl nur 11,41 Mark, mithin haben sich diese Ausgaben in drei Jahren verdoppelt. Sehr stark ist auch die Beanspruchung der Kaue für Kranken- geld, das bei Arbeitsunfähigkeit gezahlt wird. Im Durchschnitt wurden 29.26 Tage Arbeitsunfähiakeit auf jeden Krankheitsfall errechnet. Insgesamt wurden in 319 297 Fällen van Arbeitsun- fäh'gkeit 9 076 525 Unter st ützungstage gewährt. Hiervon entfielen auf die erkrankten männ'ichen Mitglieder 2 359 139 Tage, nus die weiblichen Mitglieder 5 726 186 Tage. Hierzu zäMt ebenfalls die Krankenhausbebandlung mit 1 199 917 Tagen. Die Zahl der K r a ii k e n h a u s f ä> l e und der Kurtage ist wiederum ge- stiegen, und zwar uni 3795 Fälle und 58 967 Kürtanz Die durchschnittliche Behandlungsdauer erstreckt sich auf zirka 23 Kurtage. Welche Anforderungen der Kasse an Spezialbcliandlun- gen. Genesenden-, Kinder-, Wohnungsfürsorge ii. a. erwachsen, sowie ihre Beanspruchung bei plötzl.ch auftretenden Epidemien, ist ein Kapital für sich, das sich hier nicht weiter aus- führen läßt. Rur ein großer Apparat kann diese Arbeit bewältigen, out di« der Bersicherte stolz sein kann. Z. B. um aufzuzeigen, wle der Versicherungsschutz auf Nebenerscheinungen der Sozialfürsorge sich auswirkt, sei bemerkt, daß die Kasse in 6 5 2 1 Fällen W o ch e n h i l f e gewährte, und zwar 4823 Nilichtvcrsichcrtcn und >698 freiwilligen Mitgliedern. Die Kasse zählte am Schluß des Jahres 1928 insgesaritt 42 550 freiwillige Mitglieder, darunter 36 441 weibliche und 5999 inännlickie. Die genannten irei- willig versicherten Wöchnerinnen sind ein Beweis dafür, daß Ner- ständnis und Interesse für die Krankenversicheruna bei der Be- völkcrung wachsen. D'e Heilversahren der Kasse zur Bor- beugung von Arbeitsunfähigkeit oder zu ihrer Befeitigunm haben in den letzten Jahren durch Bereitstellung mustergültiger S a n a t o- r i e n und anderweitiger Einrichtungen eine sehr erwünschte Zu- nähme und Verbesserung erfahren. Die Berliner Ortskrankenkaffe besitzt eine Reihe eigener schöner Heil statten. Die Heil- statte M ü l l r o s e gilt speziell als Lungenheilstätte, ebenfalls das Sanatorium Waldfrieden in Buckow, während die anderen Genesungsheime in Bad K u d o w a, Bad F l i n s b e r g, Bad Doberan, das Ostseekurheim Swinemünde und das Gene- sungsheim Ober-Schreiberhau den verschiedenen 5ieilzwecken dienen. Außerdem besitzt die Kasse noch zwei Kinder« r ho- lungsheime in Luisenthal in Thüringen und Georgen- t h a l. Der Bencht könnte in vielem noch ergänzt und in seinen ein- zelncn Abschnitten ausführlicher behandelt werden als es in dieser kurzen Uebersicht möglich ist. Wichtig jedoch ist, daß der Versicherte, wie es das hier an einem Einzelbild von einer Kasse gezeigte Bei- spiel lehrt, allgemein zu einem vernünftigen Standpunkt gegenüber den von ihm selbst geschaffenen Sozialversicherungen gelangt. Di« Sozialversicherung hat Anspruch daraus, daß sie nicht bloß gegen unsachliche und ungerechtfertigte Angriffe geschützt, sondern auch öffentlich anerkannt wird. Gelig sind, die guien Willens sind! Aus Indien hat sich In unseren'Tagen wieder ein Prinz aufgemacht, um der Welt Frieden und Erlösung von ihren Kämpfen zu bringen. Er stammt aus dem gleichen Landstrich, aus dem vor 2'A Jahrtausenden sein größerer Vorgänger Gautama Buddha her- vorging, aus Nepal. Aber der Radjah Ja! Prithvi Bahadur S i n g h sucht die Welt in moderneren Formen zu Frieden und Eintracht zu bekehren: Er gründet einen Klub der Menschlichkeit, und durch Vortragsreisen durch Indien und Europa sucht«r An- Hänger und Jünger zu gewinnen. Rabindranath Tagor«, der seit Jahren mit ähnlichen Absichten in Europa und Amerika umher- reist, ist Ehrenmitglied dieses Klubs. Auch in Berlin verkündete der indische Prinz seine Heilswahr- heiten, eingeladen von der„Liga M i r a m u n du n>", einer in weiten Kreisen unbekannten internationalen Organisation, die sich geheiinnisooll„D ie Große Gemeinschaft" nennt und ihre Mitglieder in den sogenannten Spitzen der Gesellschaft hat. Sie gibt vor. auch für den Frieden und die Verständigung der Völker zu arbeiten, aber unter Wahrung der deutsche»„Delange". Der bayerische Ministerpräsident Held ist übrigens auch Mitglied dieser Liga und wirkt dort wahrscheinlich für die Verständigung zwischen Preußen und Bayern— Der Vortrag des Herrn I. P. Bahadur Singh fand nun am Freitag statt. Wo? Natürlich nn Hotel Esplanad«. denn in ein gewöhnliches Versammlungslokal hätten sich die Mitglieder der „Liga Miraniundum" nicht begeben können. Das Publikum bestand zur Mehrzahl aus beschäftigungslosen Damen und seriösen älteren Herren.„Völkerverständigung?"„O, wie apart!" Zu Friedenskundgebungen trägt die Dam« duftige, helle Sommerkleider aus Bembergseide... Elegant und europäisch sah auch der indisch« Maharadjah aus. Er verkündet«, daß der Krieg«in schreckliches Uebel sei(wer wußte das schon vorher?) und nur von der Dummheit der Menschen komme. Alle müßten guten Willens sein und sich liebe»: die politischen Parteien seien mitschuldig an dem allgemeinen Völkcrhaß: ja sie seien erst durch den Weltkrieg entstanden. In einem Hest, das der Adjutant Seiner Hoheit verteilte, stand in einer Red« des Prinzen zu lesen, daß der Mensch allen Behauptungen der Wissenschasl zum Trotz eine unsterbliche Seele habe, die ein Teil des allmächtigen Wellgeistes sei. Diese interessanten Neuigkeiten werden nicht verfehlen, großen Eindruck auf Europa zu machen. Sie haben uns und besonders noch der Arbeiterschaft gefehlt, die allerdings die Ursachen von Krieg und sozialem Elend besser kennt als der Nadja Iai Prithvi Bahadur Singh. Wenn die Aemter sparen Massenentlassungen beim Statistischen Landesamt. Auch beim Preußischen Statistischen Landesamt ist man dahinter gekommen, daß gespart werden muh. Zu diesem Zweck hat man nicht etwa die Autos abgeschafft oder die Direktoren- gehälter oder gar den Spesenaufwand heruntergeschraubt, man hat auch nicht etwa«inen Teil der gerade hier stark bevorzugten un» produktiven Arbeit eingestellt, sondern man hat 2 34 Angestellten gekündigt. Hiervon waren 92 mit ihrer Kündigung einver« standen, da das Landesamt entsprechend der Beschäftigungsdauer sogenannte Abgangsentfchädigungen zahlt. Von den nicht mit der Kündigung einverstandenen Angestellten wurde«in Teil dann später wieder eingestellt, die übrigen mußten das Arbeitsgericht an- rufen. Von den Klägern wurde vorgetragen, daß die Entlassungen eine unbillig« Härte bedeuten, denn es gebe beim Stotistffchen Landesamt nach wie vor ausreichend Arbeit für die gekündigten Angestellten. Zum Beweis Wirde darauf hingewiesen, daß das Landesamt außerordentlich viel Haus- und Heim- arbeit vergebe. Das mußte das Statistische Landesamt zu- geben, zugleich aber gab es in einem neun Folioseiten langen Schriftsatz eine Erläuterung des Begriffs„Haus- und Heimarbeit". Danach ist Hausarbeit solche Arbeit, die das Landesamt seinen An- gestellten mit nach Hause gibt, da die Dienststunden zur Erledigung dieser Arbeiten nicht ausreichen. Mit anderen Worten: das Landes- amt entläßt wegen angeblichen Arbeitsmangels oder aus Gründen der Sparsamkeit einige hundert Angestellte und beschäftigt die im Dienst bleibenden mit U e b« r st u n d e n, die selbstverständlich be- zahlt werden. Als Heimarbeit bezeichnet dos Amt solche Arbeiten, die außerhalb des Bureaus von den Familienmitgliedern der Angestellten ausgeführt werden, also auch von den Ehefrauen. Aus Sparsamteitsrücksichten züchtet also das Statistische Landes- amt Doppelverdiener. Vor dem Arbeitsgericht versucht« das Landesamt, vertreten durch den preußischen Fiskus, lang und breit darzulegen, wezl>olb das Amt 234 Angestellt« auf die Straße setzt und der Erwerbslosen. fürsorge überläßt, gleichzeitig aber Ueberstunden und Heimarbeiter bezahlt. Es ist eine sonderbar«„Sparsamkeit", wenn man anstatt wie bisher 1999 M. Gehälter unter drei Angestellten, in Zukunft unter zwei Angestellte verteilt. Auch dem Arbeitsgericht leuchteten diese„Sparmethodcn" nicht ein und so wurde denn das Landesamt in den zunächst verhandelten Fällen verurteilt, die Kläger weiter zu beschäftigen oder besondere Abgangsent- schädigungen aus Grund des Betriebsrätegesetzes zu zahlen. Streit der Hamburger Kraftdrofchtenfahrer. Hamburg, 11. Juni. Heute früh haben die dem Deutschen Derkehrsbund angc- hörenden Droschkenfahrer Hamburgs den Dien st ausgesetzt. Die vereinzelten Kraftdroschken, die man heute in Hamburgs Straßen sieht, werden von den Besitzern oder von ihren Söhnen gefahren. Auch In Altona und Wandsbek haben die Fahrer die Tag- schickst nicht angetreten. Heute vormittag findet im GewerkschaflS- haus eine Versammlung der Fahrer statt, die entscheiden wird, ob zum alten Lohn weitergefahren werden soll. Kuad in Tempelhof. König F u a d von Aegypten besichtigte heute noch einer Fahrt durch den Tiergarten' die Anlage» des T e m p elh o f e r Flu g- h a f e rl s. Zür Begrüßung hätten sich Reichsverkehrsminsst�r Stegerwald und Vertreter der Berliner Flughafengesellschott eingefunden. Nach einer kurzen Begrüßung fand eine Führung durch Stadtbaurat Adler statt. Darauf begab sich der König zum Frühstück beim Reichspräsidenten. Ironsitkarten sür Auswanderer. Eine vom Völkerbund einbe- rufene europäische Konferenz zur Ansorbeitung eines internationalen Uebereinkommens betr. Herausgabe von Transitkorten für Aus- Wanderer wird am nächsten Montag in Gens zusammentreten. Es nehmen daran Vertreter aus vierzehn Staaten, darunter auch Deutsch- land, teil. (ür die Zeit vom II. bis 13. Juni OG Potsdamer Strafe 35 Das göttliche Weib mit Greta Garbo Verirrte Jagend mit Hanny Reinwald Rheinstrabc 14(An Kais.-Eiche) Meineid jEin Paragraph, der Menschen tötet) ienschen ohne Gewissen mit Vivian Gibson Odeon, Potsdamer Str. 7 5 Vererbte Triebe mit Weiter RUU Der rasende Tentel mit William Fairbaaks Turmstrabe 12 Diane mit Olga Tschechen Die Zwillingsschwcster mit Constance Talmadge Alexandcrstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet: Der Held aller MädchentrÄume mit Harry Lledike Wo die Alp nrosen blOh'n mit Gritia Ley c Schöneberg Alhambra BegfatÄ,5L' Schöneberg, Hauptstr. 30 Spione Bdhnenscfaaa Titania(vt. Saneberg) MauptstraSc 40 Beginn ab 6J0 Uhr Hotelgehelmnlsse mit Magda Sonja Irrwege der Leldentdkafi O-T A F E Br Welt-Kino Alt-Moabit W Seine grobe Liebe Fronen, die man oft nicht Artthl mit Lya Mara W Chnrlottemsurg"T| Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 O, S. ab 4 U. Affentheater mit Syd Chaplin Das Geheimnis der Carlion-Dank ■ StCflllt«» Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Die Kcgimcntsloditer Aul der Bühne: Willi Roten. Collanl, Flip n. Jin Hi I 1 Wochentags ft.30, 9 Uhr rU-l-I stg. S. 7, 9 U. Stg. 3 U. J.-V. Hindenburgdamm 58a Meineid (Ein Paragraph, der Menschen tötet) Rivalen in A'aslca Bühnenschau ■ Film-Palast Kammersale Teltower Str. 1— t Beginn 6 U. Fori, der große Afrika-Film Die W ander det Filmt (mit Vortrag) Jugendliche haben Zutritt c Msriandorf ad» I i Marieodorier lia-L>l Lichltplele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Die Dame in Schwarz mit Liane Haid Hau Nr. 17 Bühnen cntdtaa Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Der Geiger von Florenz mit Elisabeth Bergner Die letzten Tage von Pompefi W Südosten D Filmeck Beginn: Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Begierde mit Lissi Arna Lockendes Gift mit Panl Richter Gute BGhnenschaa Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr D. Liebesleben d. schönen Helena 3 Lastspiele u. 3 V arlcii- Altrakt. > HeukSlln j Primus-Palast Hermannplatz Spione mit Rudolf Klein-R"gge, Willy Frltscfa— Regie: Fritz Lang Auf der Bühne: Siegfred Basterdalf Kopenbagencr Tanz-Rcvae Elysium Hasselwerdcrsträße 17 Geschminkte Irgend mit Toni v. Byk Solistenrevue; Lachgas Ober Berlin Gate B&hncnschad Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205-210 Die Zirkupriczeuin mit H. Liedtke Republik der Dadcfisdic mit K. t, Nady Vdriett Ostan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Das große Lustspielprogramm: Der Held de* Tage* mit Gleit Tryon Carmen mit Charlie Chaplin Beiprogramm Variri«schau Jugendliche haben Zutritt Wochentg. ab 7 U., Sonntag ab 5 U. Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Lllö(Der Sittenrichter) lx, der König der Verbrecher Internationales Variete Concordia-Palast Andreasstraße 64 Cagliostro mit Hans Stüwe Vcr Achter des Todes mit Harry Picl BGhnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Engel der Strafe Mädchens dbaa mit Harold Lloyd BGhnenschaa c FricdrlchsFelda Kino Busch Begs»ÄM5' Alt-Friedrichsfclde 3 Die blase Maos mit J. JagOp H. Halm Der gröH.e Gaaner d. Jahrhunderts „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Arladne in Hoppegarlea Verlängert: Revue: Die vcrflUie Liebe Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Rivalen in Alaska Der Scheidangsgrand BGhnenschaa Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Der Jazxslngcr mit AI JoUoa Beiprogramm Dahnens chou Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nar Spitzenfilme der Wclt- prodaklion Mctro-Palast Chausseestraße 30 Der lastige Witwe/ mit H. Liedtke Der König der Bernina milC. Horn Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5. 7,9 Uhr Stg. 3 U. Jugend v. Durchs Brandenburger Tor Die Pantherkatze mit Dol. dcl Rio „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Anaa Boleya mit H. Porten Da* vcrschw, Drillanfcnkollier Bühne Scböahelf.konkarreasi Mi9 Wedding wird gesucht aMunribrunnei E3 Alhambra" Badstraße 58 RWalen Groge* Beiprogramm Bühne: Am HoducUamorte« PRO G RAM für die Zeit vom 11. bis IS. Juni Ballschmicder- Lichtsp. Badstraße 16 Die Heilige and Ihr Narr mit Dleterle Der rote Kreis mit Lya Mara Gro�e BGhnenschaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Zwei Qroßfilme; Da* Tagebuch einer Kokette So 1*1 Pari* Groge Dfibnenadiaa Palast-Theater Breite Straße 21 a Bin Ich Ihr Typ? mit Clara Bow Ein Bandit von Ehre mit Fr. Thomson Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Der Leidensweg einer Sechzehn« f&hrigen Bühne: Die große Arlckin-Revoe Film-Palast Btankenburger Straß« 4 Diane mit Olga T*d>e Bürgcrgartcn-Liditsp, Hauptstraße 51 Cxbldilen an* dem Wiener Wald Da» Müdel vom Zirka*