Ar. 38. Erscheint täglich auber Montag». Prei» pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 38 Psg. frei tn'l Hau«. Einzelne Nummer a Psg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage«Neue Well" ig Psg. Post-Abonnemeut: 3.30 Ml. pro Quartal. Unter Sreuz- dand: Teutschland u. Oesterreich» Nngarn 3 M., für dg« übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Stogetr. in der Post- Zeitung»- Preitlist» sur I3SS unter Nr.?«». 13 Jahrg. Jnlertious-Seduhr beträgt für die fiiiifgespallene Pelilzetle oder der«» Rai»»*') Pf., für Vereins- und Verlamnilungs- Anzeige» so Psg. Inserate für die nächste Nummer inüsie» M«« Ndr uachnliltag» in der Erpedition abgegeveu werden. Di« tfrpcdltion ist an Wochen- lagen bis 7 Ulir abends, an Sonn- und Festlagen bis 3 Uhr vormittag« geöfsnel Lernsprecher: Zimt I, Ur. lövS. scelegrainitlAdresse: „Goiialdemolernt tsertin". Verliner VolKsbkall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, Meulh-Straße 2. Sonntag, den 2, Fedrnar 1896. Spedition; SW. 19, Neuty-Straße 3. Vss Unkriokischr Zs>ossluncttkv«zcrk. Mit Trommeln und Trompeten, mit Pauken und Posaunen lärmen sie einmal ivicder darauf los im Patrioten- lagcr. Wirr durcheinander gellt es in allen Tonarten auf allen Instrumenten; die einen rufen nach einer Flotten- ucruiehrung, die anderen nach einer Vervollständigung der -t. Bataillone, aber Geld ivollcn sie es sich alle kosten lassen, das heißt, nicht eigentlich sich selbst, sonder» dem deutschen Volke, dem sie es in die Ohren schreien, seine Ehre erfordere stärkere Rüstungen zu Waster und zu Lande. Und ivenit man nun fragt, weshalb und wozu der ganze Lärm? Wozu brauchen>vir einen Mehraufwand von vier-, füilshnndcrt Millionen für die Flotte? Was hat das mit unserer Ehre zu thun? Da wird uns feierlich versichert, daß die Deutschen im Auslände unseres Schutzes bedürftig seien, daß das Deutsche Reich aber längst nicht im stände sei, diese Pflicht zu erfüllen. Und die Leute, die die Fliegen ans den höfischen Hinter treppen haben summen hören wollen, setzen gehehmnßvoll hinzu, es sei auch des Kaisers Wunsch, daß zur Flotten- und Hccrcsvermchrung tiefer in den Rcichsstenersäckcl hinein- gegriffen würde. Wenn aber der strebsame Musterpatriot die Hoffnung hegt, daß seinem staatsrettenden Eifer an- erkennender Beifall sicher sei ans höfischen Hintertreppen und darüber hinaus, wie kann man sich wundern, daß er seine Lungenkraft nicht schont! Man beobachte nur, wie das Musterbild nrteutschester Vaterlandsliebe, der Bimetallist Otto Arendt, in seine „Deutsche Wochenblatts".Posaune stößt, daß ihm Backen und Nase sich blähen zum Zerspringen:„oivw Germanus sura!•'„So einer da ivill Unglück ha», der fang es mit den Tentschen an!" und was dergleichen blecherne Kraft- Phrasen aus patriotischen Kinderfibeln mehr sind. Der Mann hat gar einen feinen Geruch, weiß wie bei Hofe der Wind weht, kennt auch den illbonncutenkreis seines Blättchens sehr genau,— der richtige Posaunenengel drum auf der Wetterfahne des Zickzackkurses. Einen eigenen Genuß ferner gewährt es, unter den Leute», die sich plötzlich für die schutzbedürstigen Deutschen im Auslände ereifern, auch der Stimme ans dem Sachsen- ivalde zu begegnen. Kein Groller mehr, die alte Raketen- kiste, kein Nörgler, dem man ratheu müßte, den Staub von den Pantoffeln zu schütteln! Bewahre! Legt sich ins Zeug dafür, daß der Kaiser Minister finden möge, die seinen Intentionen besser zn willfahren gewillt seien. Der ehe- maligc Hausmeier, der, so lange er selbst am Ruder war, von den übrigen Miuistern verlangte, daß sie nur ihni, dem Hansmeier, zn Willen zu sein, nur seine Politik zu vertreten hätten, auch gegen den Kaiser und König, hat Ein Gedonkterg. Am 28. Januar feierten die Polen überall, wo Polen sind, deren Geist sich den Ideen der Freiheit, Gleichheil und Brüder- lichkeit erschlossen hat, und die begriffen habe», daß die Wieder- geburt ihres nnglüellichen Vaterlandes nur durch den intcr- imlionalen Sozialisinus erfolgen kann, eine Trauerfeier zum Ge- dachtnih der vier Mitglieder des sozialistischen Proletariats von Pole»: Stanislaus Kunitzki, Peter Bardo>v skr, Michael O s s o iv s k iZ und Michael P i e l r u s 6) i» s k i. Sie waren in der Nacht von» 13. auf den 19. Dezember zum Tode verurtheilt ivorde». Es»var das der Abschluß eines langen Prozesses, der sich durch Jahre hingezogen hatte. Wir»vollen ihn hier nach den» „Ossiziellen Bulletin der sozialistischen Partei Polens" erzählen: I» der Nacht von» 18. a>»f den 19. Dezember 1885 saßen 29 angeklagte polnische Sozialisten in» Gerichtssaal der War- schauer Zitadelle und ivarteten auf dns Wiedererscheiue» der Richter, die sich in das Berathiuigszimmer zlirüctgezogen hatten. Bereits vier Wochen hatten die kriegsgerichtlichen Verhandlungen gedauert, die der Staalsprokurator mit 29 Todcsurtheilen ab- schliegei» wollte. Das»var sein Antrag. Unter den Angeklagten bef»»den sich Männer ans der In- tclligenz und dein Arbeiterstande; der größte Thcil bestand aus Prcl-tariern. Oben auf der Liste der Angeklagte»»var Ludivig Warynski. «in junger Mann, der über ein gründliches Wissen und viele technische Fertigkeiten verfügte. Ansfassung und Urlbeil»vare» bei ihm scharf und rasch, die Bcredsmirkeit scurig und hinreißend. Diesen geistigen Eigenschaste» entsprach die äußere Erscheinung Warynski's; er»var eine sympalhiiche. mannhafte Gestalt. Neben ihm stand Stanislaus Kunitzki, der ohne Ziveifel zu den nierkivürdiosten Gestalte» der revolutionäre» Beivegnug Rußlands und Polens gehörte. Ohne jedes Gefühl voi» Furcht, aber voll Kanipfesmuth und Kanipfeslust,»var er überall, wo es galt, dem Proletariat einen Schrill vorivärls zn helfen. Beide»varen sie, nebst ihren Genossen Bardoweki(Richter i» Warschau), Lury(Kapitän«»d Kriegsingeiiieur) und den übrige» Angeklagten in den Jahren 1882 und 1888 verhastet»vorden und halten eine lauge, qualvolle Uutersuchiiiigshaft durchs gemacht. Endlich wurde ihnen die Anklageschrist»ugestellt Termin der Verhandlung festgesetzt.. da wieder einmal eine überraschende Volte geschlagen. Aber konsequent ist er ja nie gcivcsen, oder kon- scqncnt doch nur in der Geltendmachung seiner zeit- »vcilig persönlichen Interessen. Da sieht man, was der Haß thnt. Er wird auf einmal»vieder»vie in der Kon- sliktszeit, als er nach monarchischer Deckung suchte, ein Verfechter des rein persönlichen Regiments Und er»vird's ans Haß gegen die„Kleber", die ihn» nicht ans der Schußlinie»veichcn wollen, gegen die Bötlicher und Marschall. Wittert er, daß sie in Mißkredit gcrathen sind»vegcn ihrer kühlen Bc- dächtigkeit gegenüber dem patriotischen Tamtamgerassel? Glaubt er, den Funken des Mißvergnügens zu eine»» Feuer der Ungnade anfachen zu können, das sie verzehrt»md einen ihrer Plätze freimacht für Herbert, den äußern Köller? Konsequent ist der at'le Junker auch diesmal n»ir in seinem Haß, in der Sache so»inkonscqucilt»vie je zuvor. Teiiu ivir erinnern uns gar»vohl, daß er feierlich jedivedcs Jntercsfe für die Deutschen ablengnete, die der deutschen Reichsgrcnze den Rücken gekehrt hatten, um un Ans lande ihr Glück und eine neue Heiniath zn suchen. Und jetzt stößt er in die Reichsschntzposaiine»vie nur ein Arendt oder Peters. Er thnt's ans Haß der Kleber und nicht»»»>» den Dank der Kolouialfexe. Würde man aber,»vie es bei der osfenknndigen Geschichte des Einsiedlers von Friedrichsruh ja möglich ist, das Korp der Reichs-Posannenbläser im einzelnen beleuchten können — nian»vürde überall andere Interessen als Triebfedern ciitdcckei» können. Bald ist's der Militarismus, bald der Bimetallismns, bald die Spckulantengier der Kolouialfexe, die in der Patriotenbriist ihre Spannkraft üben. Was ist denn vorgefallen,»m plötzlich ein so laut schreiendes Bedürfniß nach einein„Schutz der Deutschen im Auslände" zu erivecken. Sind irgendivo Deutsche im Ans- lande chikanirt,»nalträtirt oder auch nur benachthciligt »vorden, ohne daß es gelungen»väre, mit den vorhandenen Machtniitteln ihnen Recht zu verschaffen? Irgendivo in letzter Zeit, oder auch nur innerhalb der letzten Jahre, etiva seitdem der„Heros des Jahrhunderts" zun» Ober- Reichs nörgler gcivordcn? Heraus mit der Sprache, wenn ihr's »vißt! Uns ist davon nichts bekannt. Oder droht irgendivo eine solche Benachtheiligung der Deutschen im Auslände, die sich mit Waffengewalt, mit Kriegsschiffen rcdresfiren ließe, eine Bciiachthciligung, zu deren Abivehr oder Sühne unsere Mittel nicht ausreichen? Heraus mit der Sprache, wenn ihr's wißt! Mit allgemeinen Ncdcnsarten ist es da nicht getha», Es bedarf der Thatsachen,»im die Frage überha»ipt für eine ernsthafte Diskussion reif zu machen. Also neuere Gründe ihr Reichs-Posauueilbläscr, neuere Gründe! und der Nur gegen zive» der Angeklaglei»— Ossoivski und Pietru- schinSki— lagen Beiveisc vor, baß sie zivei Spione getödtet hatten. Ten übrige»» 27 Angeklagten konnte nichts weiter nach- geiviesen»verde»», als daß sie sich an der Agitation aktiv de- »heiligten. Die Verhandlung begann am 28. November 1885»nd fand vor einem Kriegsgerichte statt. Nur die nächsten Verwandten der Angeklagten dursten den Verhandlungen bei- ivohne». Die A>»klage wi»rde durch vier Proknratoren vertreten, die gegen säinmtliche 29 Angeklagten den Tod durch den Strang verlangten. Hierauf sprachen die Vertheidiger, die bis ans einen nicht den Muth hallen, sich i»it dem Sozialisnins zu identifizire», ja ihn wiederholt so beschimpfte», daß die Angeklagten protestirten. Stach de» Vertheidiger», ergriff Ludlvig Warynski das Wort. Er sagte u. a.: „Ich habe nicht die Absicht,»»ich zn verlheidigen. Von irgend einer Schuld kann hier gar keine Rede sein. Wir haben für unsere Ueberzeugung gekämpft. Unser Geivissen an uiiser Volk, dem»vir diente»,»verde» uns rechtfertige». Die Anklagen, die man gegen»ins geschmiedet, sind mir vollständig gleichgiltig, und ich»verde keinen Moment verlieren, um dieselben zu ein- krästen. Meine Ausgabe kann nur darin bestehen, ein richtiges Bild uiiserer Bestrebungen zu eiitiversen,»veil diese von feiten der Ankläger in einem falschen Lichte dargestellt»vurdc,». Wir sind»veder Seklirer noch Träunier,»vie die Anklage und auch die Berlheidignng meinte. Die sozialistische Lehre hat sich das Bürgerrecht in der Wissenschaft crivorben»nid die täglichen Ereignisse des sozialen Lebens sprechen nur zu ihren gunste». Ernste, große Denker habe»» ihre vernichtende Kritik a» der heutigen sozialen Ordnung geübt und sie haben uns auch die Keime der neuen, zlikünstigen Gesellschaft gezeigt,»velche sich im Boden der heutigen Lebensbedingungen entwickeln. Die Parla- menle und sogar despotische Negierungen führen gegenwärtig auf dem Wege der Gesetzgebung Resormen durch, die mit den» heute berrschende» Eigenthlimsbegriffe im Widerspruch stehen. Auch diese Palliativinittel, mit denen die Regierungen die soziale Gefahr baniie»»vollen— auch diese, sage ich, sind nur durch das Drängen der Arbeilerbeivegung geschaffen»vorden. Wir ignorire» diese Thatsachen nicht, wir erkennen sehr klar ihre Bedeulung und ibre» Nutzen für unsere Sache.— Meine Herren! Es giebt keinen Staat, der ganz unabhängig»väre von den sozialen politische Mebevlichl. Berlin, 1. Februar. Der Reichstag hatte sich heute mit der deutschen I u st i z zu beschäftigen. Wenn von der Justiz, die ja eigentlich Jnsiitia, d. h. Gerechtigkeit, heißt und weiblichen Geschlechts ist, das alte Wort gilt: Die Frau ist die beste, von der am wenigsten gesprochen wird, datii» muß es mit der Justiz nicht zun» besten stehen, denn es wird sehr viel von ihr gesprochen— und nicht viel Gutes. Und auch heute ivar nicht viel Gutes von ihr zu hören. Ja eigentlich gar nichts. Und wie hätte es anders sein sollen? War die Jnstiz doch in einer Positur, die zn keinen günstigen Reden Anlaß zn geben pflegt: nämlich auf der Anklagebank. Auf der Tagesordnnng stand der Etat des Reichs- Justizamts. Und da die Rechtspflege Landes-, nicht Reichs- fache ist, so konnte die Justiz»»icht in ihrer Gesamintheit behandelt werden, sondern nur im Zusammenhang mit der allgemeinen Reichsgesetzgebung. Und das geschah. Einige Bemerkungen des nalionalliberalen Bassermann boten Singer die Gelegenheit, die„Bransewetterei" zur Sprache zu bringen. Er zeigte die Ungeheuerlichkeit, daß ein Irrsinniger habe Recht sprechen könne»»»ind verlangte einerseits Maßregeln gegen die Wiederkehr ähnlicher Vorkonliiniisse und anderer- seits Sühne für die Opfer. Der unseren Lesern bekannte Branseivettcrprozeß, das außerordentliche Gebahren des Mannes, seine krankhafte Voreingenonimeiiheit gegen Sozialdemokraten und— schlimmste Thatsache von alle»— daß ein solcher Mann jahrelang einen» Gerichtshof Vorsitzen konnte, das»vard von unserem Genossen mit gebührender Lebhaftigkeit nnd Schärfe hervorgehoben. Der preußische Justizminister, Herr Schönstedt,»var nicht an» Platze. Der Sekretär des Reichsjustizamts Nieberding hatte die Vertheidignng zn führen, und er führte sie»vie jemand, der die Sache seines Klienten verloren giebt. Er leugnete, daß Brauseivctter schon lange vor seinem Tode geisteskrank geivcsen, er leugnete, daß die Brause- lvctter- Kammer irgend etwas Unrechtes gcthan— es war alles in schönster Ordnung, alle Verurtheiltcu waren voi» Rechts wegen verurtheilt, und folglich bleibt auch nichts zu bessern oder zn sühnen. Der Fortschrittlcr Schröder stimmte bis zu einen» gewissen Pliilkte bei, lvährc>»d die Herren Nieberding und Brauseivetter in dem Zentrumsjuristei» Schmidt cinen Rechts- beistand fanden. Singer ergriff dann nochmals das Wort, iiiid legte dar, daß allerdings das Gebahren Brauseivetter's seit dem Guminischlauch- Prozeß den Ziveifel an seiner Gcistcsgeslindhcit halte erivecken müssen. Herr Nieder- ding, der nichts zn sagen wußte, ries sehr erregt, es sei nicht eriviesci», daß Brauselvettcr schon als Richter geistes- Schichten, ans denen er sich zusammensetzt. Der Einfluß derselben ans das Staatslebe» steht im direkten Verhältniß zu ihrer Eiitivickeluiig nnd ihrer Organisation. Die Uebermacht befand sich bis jetzt»ur deshalb i» den Händen der besitzenden Klassen, »veil die arbeitenden Massen nicht organisirl»inv sich ihrer Lage nicht beivußt waren; jetzt aber,»vo das Proletariat geziviingen ist, die politische Arena z» betreten, muß es seine Organisation derjenigen der Boiir- geoisie gegenüberstelle»»nd im Namen seiner Ideale den Kanipf führen gegen die bestehende Ordnung. Dies ist die Ans- gäbe der Arbeiterpartei,»velche unter dem sozialistischen Banner kämpfe»» ivill. Sie soll ein Gegengcivicht bilden gegen die anderen soziale» Klassen,»»»» ihrem reaktionären Treiben Einhalt gebiete» z» können. Jude»» sie eine» radikalen Umschivung de»: soziale» Ordnung anstrebt, muß sich unsere Partei ans dieses Ziel vorbereiten. Sie hat das Klassenbcivußtscin der Arbeiter zu wecke», ihre Beivegmigen zu dis- zipliniren und zn organisire». Eine solche Bcivegnng ivolltcn»vir in Russisch-Polen hervorrufen. Jnwiesern uns dieS gelungen ist, das könne» Sie,»»eine Herren Richter, ans grund der Thatsachen.»velche die Untersuchllng ergab, am besten be- urlheilen. Eine lange Reihe von Zeuge» ging an Euch vorüber. Erinnern Sie sich, auf»velche Weise die Prokuratoren sie in- qilirirteii. Sie erinnern sich auch,»vas diese Zeugen aussagten: „Die Partei erstrebte die Verbesserung»»»»serer Lage; sie zeigte uns die Mittel, dieses Ziel z» erreiche n." Die Sympathie der Arbeiter ist ans unserer Seite;»vir sind stolz darauf, daß unsere Saat so tiefe Wurzeln geschlagen hat... Wir organisireii die Arbeiter für de» Kainps mit de», gegenivärtigen System. Wir organisire»» nicht d e n U in st u r z, sondern f ü r d e» N u» st n r z. Denn wir lviffeu, daß die wachsenden sozialen Gegensätze zn einem Zusammenbruch des herrschende», Systems führen müsse»». Wir»vissen auch,»vie schrecklich die Folgen sind, iven» die Volksmassen, durch die Roth zur äußersten Ver- zweifliing gebracht, gleich tobenden Elenienlen gegen die berrschende Ordniiiig sich stürzen. Eben deshalb»nüssen wir Sozialisten die Arbeiterklasse vorbereiten, zielbeimißt machen, ihre Veivegnngen disziplinircn nnd ihnen die Mittel»nd Endziele zeigen. Verdienen»vir deshalb„Verschivörer" genannt zn ivervcn, „die den geivaltso»»«» Umsturz des staatlichen, ökonomischen tind sozialen Lebens herbeiführen wolle»"?.... Mir stehen nicht über der Geschichte,»vir nnterliegei» vielmehr ihren Gesetzen. Ixwul gewesen sei— übrigens hätte das auf die Erkennt- nisse des Gerichtshofs keinen Einfluß ausüben können.' Einige gute Bemerkungen machte der Fortfchrittlcr Lenz- mann, der meinte, das was bei Brausewettcr sich als Wahn- sinn herausgestellt habe, fei der schneidigen Haltung gegen Angeklagte und Verthcidiger, wie sie neuerdings Mode geworden, so ähnlich, daß man beides leicht mit ein- ander habe verwechseln können. Er empfahl zur Verhütung solcher Vorkommnisse die Einfügung entsprechender Para- graphcn in die Jnsuznovclle. Nach Lenzmann sprach Stadt- Hage», der des näheren ans die Brausewettereien einging, dem Sekretär der Justiz vorhielt, daß seit zehn Jahren die Exzentrizitäten Branscwetter's schon notorisch gewesen, und daß sie seit vier Jahren schon dem Ministerium durch Eingaben und Beschwerden bekannt seien. Herr Nicberding rührte sich nicht. Hatte bis jetzt die Justiz der B e r u f s r i ch t e r auf der Anklagebank gesessen, so wurde nun durch Lütgcnan, der seine Jungfernrede hielt, die Justiz der G e- schwöre neu auf die Ailklagebauk gesetzt. Er entrollte das Bild des Essener Meiueids-Prozesses und entwickelte, daß in dem modernen Staat die Justiz Klassenjustiz ist, werde sie nun indirekt oder direkt ausgeübt durch die Glieder der herrschenden Klasse. Nach dem Reichsjustizamt wurde noch das Kapitel Reichsrechnungshof erledigt. Der Reichstag hatte— es war fast 5 geworden— keine Lust mehr, in die Be- sprechung der Gewerbcordnungs-Novelle einzutreten, und vertagte sich. Montag 1 Uhr erste Lesung des bürgerlichen Gesetz- buchs.— DaS preußische Abgeordueteuhanö setzte am Sonn- abend die zweite Lesung des Etats des landwirth- s ch a f t l i ch e n Ministeriums fort. Neues wurde bei den Berathungeu nicht zu Tage gefördert; immer wieder das alte Klagelied von der„Noth der Landwirihschaft". Diesmal war es der Zentrunisadgeordiiete Gras Hoensbroech, der den Reigen eröffnete und Hilfe für die Zlgrarier forderte, die sich nicht mehr mit Linsengerichten abspeisen lassen könnten. In demselben Sinne äußerte sich eine ganze Reihe von Mitgliedern, und wen» nicht die Herren R i et e r t und G o t h e i n von der freisinnigen Vereinigung in die Debatte ein- gegriffen hätten, so hätte man glauben können, daß über diese Frag« nur e r n e Meinung im Hanse herrschte. Herrn Rickert ihnt es offenbar leid, daß der Minister ihn kürzlich von seinen btockschößen abgeschüttelt hat. Und wahrlich, wie konnte jemand, der das Lob- lied dieses wackeren Volksrnannes über sich selbst niit angehört hat, auch nur einen Augenblick im Zweisei darüber sein, welche» schweren Fehler die gtegierung damit begangen hat, daß sie seine Hilfe verschmähte? Was wäre aus der letzten Militärvorlage geworden, so fragte Rickert, wenn er nicht gewesen wäre? Nach einer ironischen Abfertigung des Abg. Rickert durch Freiherrn von Hammerstein wurde die Debatte auf Monlag vertagt.— Die Erörtennig des Falles Btausewettcr in der heutigen Sitzung des Reichstages entlockte dem Munde des Staatssekretärs Nieberdiug die nachdrücklich abgegebene Er- klärung: Es sei nicht wahr, daß Herr Brausewettcr geistes- krank gcivesen, es sei nicht der geringste Beweis dafür er- bracht worden. Diese Erklärung hat innerhalb des Reichs- tagcs große Uebcrraschuug hervorgerufen und wird sie nicht minder bei dem Publikum hervorrufen, das diesen Ausspruch liest. Und doch ist die Behauptung im Munde des Staatssekretärs Nieberding nicht nur erklärlich, sondern selbstverständlich, denn gebe er zu, daß Brause- weiter geisteskrank gewesen sei, wie will nian dann es recht- fertigen, daß noch am 18. Januar als Herr B r a u s c w e t e r schon lv o ch e n l a n g vorher in der Nervenheilanstalt war und in jeneni Augenblick bereits auf der Todten bahre lag, noch m it d em r o t h e n A d l e r o r d e n vierter Klasse dekorirt werden konntes? Herr BransewcUcr in n ß t e also gesund seilt in den Augen der obersten Justizbehörden, die ihn zur Dekorirnng empfohlen hatten und wie die Dekorirnng beweist, mit Brauseivetter's Recht- sprechnng auf's höchste zufrieden waren, mag das Volk, mag die ganze Welt auch entgegengesetzter Meinnng sein. Dieser ganze Vorgang läßt aber auch den guten Rath verschiedener Redner in der gestrigen Sitzung an die Gnade der höchsten Stelle zu appclliren— ganz abgesehen von den prinzipiellen Bedenken von unserer Seite— als sehr ver- kehrt erscheinen. Erst dekoriren trotz der überraschenden Vcrnrtheilnngcn und dann die Vcrurtheilten begnadigen? Sonderbare Schivnrmer! Den„Umsturz" betrachten wir als das noth- wendige Resultat der historischen Ent- Wickelung. Wir sehen diese Zeit voraus u»d sorgen dafür, daß sie u»s nicht unvorbereitet trifft.— Ich schließe, meine Herren Richter! Wie das Urlheil a»ch ausfallen mag, so bilte ich Sie, mein Schicksal nicht von demjenigen meiner Kampfgenossen zu trennen. Ich bin früher als olle ver- hastet worden, aber das, was später geschehen, würde auch ich gethan haben, wenn ich, wie sie, noch aus freiem Fuß ge- wesen wäre. Ich habe ehrlich meiner Sache gedient und bin bereit, für dieselbe mein Leben zu lassen!" Ber der Rede Warynski's war auch General Gurko an- wesend. Nach Warynski sprachen noch mehrere Vertheidiger, denen die Prokuratoren im Sinne der Ankiageschnst antworteten. Das letzte Wort hatten die Angeklagten: Warynski:„Meine Herren Richter! Das Drama, das sich bereits einen ganze» Monat hier abspielt, nähert sich seinem Ende. Viele Fragen wurde» von Euch aufgeklärt im Laufe der Gerichtsverhandlung. Sie haben beide Seilen gehört. Indem Ihr Euch in den Verathungssaal zurückzieht, gedenket, daß politische Prozesse das Verhältniß der Regie- rung zu den im Lande vorhandenen Ueberzeu- gnngen und Parteien klären und bestimmen. Bon Eurem Urtheile wird die Richtung und der Charakter unserer weiteren Bewegung ab- hängen. Gedenket der Veraulwnrllichkeit, die auf Euch ruht, gedenket endlich, daß auch über Euch ein Urtheil ge- fällt werde» wird von der Geschichte!" Kunttzki:„Gestatte» Sie mir, meine Herren, mich von dem Schmutze zu reinige», mit dem mich die Prokuratoren beworfen haben. Man stellte mich Ihnen dar als einen blut- gierigen Menschen, dessen Ueberzeugungen als schädlich »nd dessen Handlungen als Verbrechen erklärt wurden..... Mein ganzes Verbrechen ist— meine Liebe zum Volke, für dessen Befreiung ich mein Herzblut hinzugebe» bereit bin. Nur die schrankenlose Gewalt der Negier», ig zwang uns, die Bahn des Terrorismus zu be- treten. Befreit uns von den Gewaltmenschen, die in brutaler und frivoler Weise mit Menschen- leben schachern; hört auf mit den unmenschlichen Verfolgungen, und der Kampf wird sogleich einen weniger scharfen Charakter annehmen... Sie können über n»s urtheilen, Sie können uns auch verurlheile» Wir werden sterben mit dem frohen Bewußtsein, unsere Pflicht erfüllt zu haben!" Ist» der Veschlu�iiufähigkelt des Neichstagcs sollen die Sozialdemokraten die Schuld tragen, behauptet die„Nätioual-Zeituug". Sie schreibt: „Heute soll der Etat des Reichsamis des Innern erledigt und»nit der ersten Lesung der Gewerbc-Ordnungsuovelle be- gönnen werden; indeß ist bei der jetzige» Besetzung das hohe Haus darauf angewiesen, ob diese Ordnung der Tinge der Rede- tust der Sozialdemokraten paßt; eine Anzweiflung der Beschluß- jähigkeit verträgt es nicht." Wenn es sich um agrarische Liebesgaben oder wohl gar um Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie handelt, dann lassen es die„Ordnuugsparteieu" nicht zur Beschluß- Unfähigkeit kommen und zeigen damit deutlich genug, daß der Reichstag für sie nur als Vertreter ihrer Klassen- iutercssen Werth hat. Die Sozialdemokraten vertreten nur das Gesammtiutcresse und die Würde des Reichtagcs, wenn sie die beschlußfähige Anzahl anwesender Abgeordneter für Beschlüsse des Reichstages verlangen!— Herr Kardorff war neulich sehr insolent gegen den Abgeordneten Barth, weil dieser davon gesprochen, daß die amerikanischen Silbermineubesitzer sich's viel Geld kosten ließen, die Doppelwährung und dadurch eine Erhöhung der Silberpreise zu erwirken. Er sprach von einem„infamen Lügner". Herr Kardorff forderte jedoch Herrn Barth nicht — er eriuuerte sich wohl der Hammerstein'schen Pistole—; und hätte er es getha», so wäre er auch, wie wir nicht bezweifeln, gebührend heimgeschickt worden. Jetzt druckt nun die„Nation" aus der„Vossischcu Zeitung" vom 2. Febr. 1895 einen Bericht ab, nach welchem im Klub der Land- wirthe Ober-Neg.-Rath Dr. Thiel in einem Vortrag über den verstorbenen Landes- Oekonomierath G u st a v N e u h a u ß sagte: „Die Ergebniffe seiner Fahrte» und seiner wirihschafilicheu Erfahrungen hat er in mehreren Broschüren, einer größeren Reihe von Zeitungsartikel», sowie in zahlreichen Vorlrägen niedergelegt. Hier sei als Einzelheit erwähnt, daß er wieder- h o l t d e r V e r s u ch e g e d a ch t e, die i n N o r d a»> e r i k a seitens reicher n n d einflußreicher Silber- m ä»» e r g e m a ch t w n r d e n, i h n gegen reiche Ent- s ch ä d i g» n g zu öffentlichem Eintreten für das Silber i» Deutschland zu gewinnen." Dem haben wir noch hinzuzufügen, daß im Sommer vorigen Jahres, wie in allen amerikanischen Zeitungen zu lesen war, von den Silbcrminen- vesitzern auf einer Konferenz ein Fonds von mehreren Millionen Dollars für die Silber- Agitation be- gründet wurde.— Herr Stöcker«nd die Konservativen. Nach einer von verschiedenen Zeitungen gegebenen Mittheilnng gab der Abgeordnete Stöcker in der heutigen Sitzung des Elfer- misschnsses der konservativen Partei eine Erklärung ab, daß er auf dem Standpunkte, den er in der„Evangelischen Kirchen- zeitnng" vertreten habe, beharren müsse. Er erklärte darauf seinen Austritt aus dem E l f e r- A n s s ch u s s e. Wie die„Post" gehört habe» will, beabsichtigt Herr Stöcker nun anch ans der konservativen Partei auszuscheiden und die ch r i st l i ch- s o z i a l e Gruppe zu einer besonderen Partei zu machen. Ob diese Mittheilungen richtig sind, können wir nicht benrlheilcn. Sollten die Berichte zutreffen, so sprechen wir der christlich-sozialen Gruppe unser Beileid aus. Mit dem Slöcker'jcheu Mühlstein um den Hals wird sie nicht allzu lange sich über Wasser halten können.— Anch Lord Salisbnry hat es für gcrathen gehalten, über die politische Lage sich bei einem Festesten auszusprechen. Ter chauvinistische Beigeschmack dieser Rede ist eben so stark wie an der seines 5iollegcn Chambcrlein. Aus London wird über den Inhalt seiner Rede telegraphirt: Lord Satisbury sagte, die Ereignisse in Transvaal böten ein Beispiel von H o nfe r u t e und zeigten, was in Irland stnttgeflinden hätte, falls Homerule gewähr! worden wäre und was das Schicksal der Nlslerlenie gewesen wäre, falls dieselben der Homeruleverwallung überliefert worden wären. Saliednry wider- legte dann die Aiischnimng, daß er die Monroe lehre be« kämpfte. Betreffs der Behauptung, daß die Regierung ver- pfliebtet sei, den Armeniern zu helfen, das heißc gegen den Sulla» in den Krieg zu ziehen, könne er nur sagen, sechs Mächte würden die Durchsiihrung der Reformen überwachen. Es bestelle nicht das geringste Anzeichen, daß England sich einmischen würde, um den Sultan zu zwingen, die Armenier in einer Weise zu regieren, zu welcher er nicht geneigt sei. Die Reformen erlleischlen Zeit zur Durchführung. Salisbnry be- zeichnete die Rcgiermig des Sultans als schwach, elend und un- fähig; es sei eine Phantasie, zu glaube», der Sultan habe der- Kohn:„Meine Herren! Hier vor Euch wurde soinohl von der Anklage wie von der Vertheidignng meiner Jugend gevachl Tie Prokuraloren benutzte» diese Thatsache, meine Mitangeklagten zu belasten, daß Sie mich so früh in die Bewegmig hinein- gezogen hätten, während die Vertheidignng meine Jugend als mildernden Umstand anführte. Ich will daher die Ursache an- geben, warum ich bereits in meinem 20. Lebensjahre wegen meiner sozialistischen Ueberzengiing verhastet wurde und in meinem 22. Lebensjahre ans der Anllngebank mich jbefinde.— Die große Mehrheit meiner Gymnasial- und Universitälskollegen stieße» mich ab, weil sie alles Große und Edele der„Karriere" opferlen: ihr einziges Ziel war, sich die Taschen voll zu stopfen. Tann waren es meine Erlebnisse, die mich auf die sozial- revolutionäre Bahn drängten! Der Druck, den die Re- gierung auf die studirende Jugend ausübt, läßt sich in Worten nicht schildern. Die sich oft ivieder- holenden Selbstmorde junger G y i» n a> i a st e n sind sehr beredte Thatsachen. Ans der Universität findet dasselbe statt.... Tie Regierung engl die Grenzen, innerhalb deren wir uns bewege» dür>eii, so eng ein, daß eine Ueverschreitung un- vermeidlich ist.— Meine Herren, was ist natürlicher ais der Wissenstrieb? Und doch ist es bei nns schon ein Verbreche», so harmlose Autoren wie Herberl Spencer und Job» Stuart Mill zu lesen! Wenn ich das Gymnasium oder die Universität besuche, so höre ich doch nicht aus Mensch zu sein, auf den das tägliche Lellen einen Einfluß ausübt! Konnte ich z. B. nicht das traurige Schaufpiei sehen und den Eindruck nicht auf mich einwirken lassen, wenn mir täglich hungernde, blasse Proletariergestalten begegneten, die von den Krisen unbarmherzig anss Pflaster geworie» wurden? Dies alles wirkte auf mich tief und ich wurde unzufrieden mit der bestehenden Ordnung. Ich erhielt sozialistische Bücher und lernte die Grundsätze des Sozialismus kennen. Da ich mich zu meiner Umgebung nicht passiv verhalten kann, so suchte ich mich den Männern anzuschließen, welche gegen die bestehende Ordnung kämpfen..... Es kann keine Rede davon sei», daß ich von meinen Mitangeklagte» in die Bewegung hineingezogen wurde; denn schon die bloße Erlaubniß, unter demselben Bailiier wie sie kämpfen zu dürfen, war für mich die höchste Ehre. Nach Verlauf einiger Monate wurde ich verhaftet und jetzt verlangt der Prokurator für mich die Todesstrafe. Ich werde mich nicht vertheidigen und erwarte mein Schicksal im Gefühle, meine Pflicht gethan zu haben." Nach Kohn sprach der Arbeiter Mankowski. Seine Rede, ein stolzes, mulhiges Bekenntniß eines gebildeten und ziel- bewußien Sozialdemokraten, schloß mit den Worten:„In allen Ländern Europa's ist die sozialistische Agitation erlaubt. Aber artige Grausamkeiten angeordnet, welche das Werk des F., na- tismus der Mohamedaner seien. England koimis nicht einschreiten; es besitze nicht die Vesugniß einer militärischen Besetzung' Kleinasiens; er glaube auch, keine europäische Macht wünsche das Land zu besetzen; man müsse dem Siilia» Zeit geben, ein anderer Ausweg eristire nicht; wenn man nicht mit den Großmächten handle, müsse man gegen sie handeln, da- durch würde man Kalamitäten hervorrufen, welche bei wcuem größer wären als die, welche man zu vermeiden suche. Ter Vergleich Transvaals mit Irland hinkt auf beiden Füßen. Er zeigt imr, wie sehr Salisbnry es wurmt, daß die liberale Regierung die im Jahre 1373 unter seinem eigenen Regime durch Shcpsione vollzogene Annexion des Transvaals im Jahre 1881 ivieder rückgängig gemacht hat, als die Buren sich gegen die ihnen aufgezwungene englisch? Herrschaft erhoben. Mit diesen den engtischeu Spekulanten im Transvaal von Salisbnry gespendeten Ermnntcrnngs- wortcn steht übrigens eine amtliche Handlung der eng- lischen Regierung ,n erfreulichem Gegensatz. Die Minen- Spekulanten hatten neuerdings abermals versucht, durch anonyme Telegramme an die„Times" uns ähnliche Spekulanten- Orgaue die öffentliche Meinnng in England gegen die Buren atifzuhetzc». Angesichts der Milde, die die Transvaal- Regierung selbst Jamcsou und seiner Bande gezeigt hat, tragen Behanp'tnngen wie d:e, daß die Engländer nn Transvaal gleich Sklaven behandelt würden, den Stempel der Verlogenheit an der Stirn. Jetzt wird nun aus London gemeldet: Eine amtliche Mittheilnng des Kolonial a m i c s besagt, daß während der letzleit Tage in verschiedenen Kreisen Telegramme britischer Einwohner von Jollaiinesbntg eingetroffen seieii, welche die dortige Lage als beunruhigend dar- stellen. Diese Telegramme seien beinahe alle ohne N a m e n s- Unterschrift, rührten aber augenscheinlich� von einer einzigen kleinen Gruppe von Personen her. Ter Staatssekretär für die Kolonien Chambeilain glaube nicht, daß diese Depeschen ein wahres Bild der Lage geben,»nd habe den britischen. Agenten in Pretoria telegraphisch angewiesen, sich nach Johannesburg zu begeben, um über die Lage zu berichte». Wen» derselbe»iimitlelbare Beschwerden finde, deren Abstellung möglich sei, solle er die Ans- merlsamkeit der Regierung der südafrikanischen Republik ans dieselbe lenken, welche, wie der Staatssekretär v-e- träne, im stände und willens sei, die erforderliche» Maßnahmen zu ergreife». Es könne im Rand(dem Johaiinesbnrger Minen« bezirk) eine kleine Minderheit smanziell interessirtcr Personen geben, welche Neigung besäßen, die llnrnhen wieder� ausleben zu lasse», und dies sei eine Angelegenheit, welche der Slaatssekreiär der Aufmerksamkeit der Aktionäre und anderer Interessen!. empfehle. Das ist alles sehr vernünftig. Cccil Rhodes und seine Freunde werden das Spiel aber noch nicht verloren geben, so lange der englische Chauvinismus ihnen einen so günstigen Resonuanzboden bietet.— Diese wilden Franzosen! Als Beweis dafür, daß in Frank- reich sehr unstabile Zustände sind, führen einige patriotische Blatter an, daß dort eine Präsidentenkrise bevorstehe, weil— Über den Präsidenten Herrn Fnnre allerhand ehrenrührige Gerüchte umlaufen. Da sind wir Deutsche allerdings zahmer und fester. Bei uns kann ein Hammerstein noch Parteiführer sei» ein halbes I'Hr. nachdem seine Spitzbübereien eiiidcckl sind. Uebrigens scheint's mit den Slnklagen gegen Fanre nicht viel auf sich zn haben. Taß man ihm mit Briefe» ans der Zeit, wo er noch Kolonialminister war, zu Leibe gehen wolle, hat unser Lallns-Korrespondent schon vor Monaten geschrieben.— Tie Uitlanders im Transvaal. Zu dem„Times"- Korrespondenten in Pretoria hat angeblich Präsident Krüger sich am Dienstag gelegentlich einer Zusammen- kllnft geäußert, er hätte vor der Affäre„Jamcson" die Frage erörtert, den Forderungen der llitlander zu genügeil, und er hoffe, bald in Johannesburg Schul- cinrichtnngen und eine lokale Regierung bewilligen zu können. In betreff des Wahlrechts könne er nichts versprechen; denn wolle man jedem Neitangekommenen dieses Recht zugestehen, so wurden die Biirghcrs bald in den llitlander- aufgehen. Um diese Stellungnahme Krüger's zn verstehen, muß man wissen, daß anch die Bereinigten Staaten von Amerika nicht ohne weiteres jedem„Ncnangckommenen" das Bürger- recht zugestehen, wie die Engländer es im Transvaal für sich beanspruchen, sondern erst eine Zeit der Ein« biirgcniiig von fünf Jahren verlangen. Dabei würde aber in Amerika die sofortige Ertheilung des Bürgerrechts an jeden Eingewanderten nicht im allercntfcrntesten die Ge- fahren herbeiführen, die dem T?musvaal die Einwandernnc in Warschau herrschen bei den Behörden ganz andere Ansichten; der Proknrator verlangt für nns die Todesstrafe. Wen» Sie, meine Herren Richttr, mich vernri heilen, so werde ich furchilos sterben; ich werde sterben mit der Ueberzengnng, daß ich falle im Kampfe für Wahrheit und Recht!" Zuletzt sprach O st o w s k i, Arbeiter: Meine Herren Richter! Ich bin ein Arbeiter. Von meiner Kindheit a» war ick mir selbst überlassen, ich habe mich daran gewöhnt, mir mein Bcot selbst z» verdienen und das Elend zu ertragen. Von einem Gewerbe zum andern übergehend, war ich zuerst Konditor-Lehrling und zuletzt Schndmacher. Ich Halle Gelegenheit, die Lage der Arbeiterklasse in unserem Lande, wie auch ihr Elend sehr gut kennen zn lernen. Zuletzt bin ich auch dazu gekonnuen, die Organisation der heutigen Gesellschaft zu hassen. Unter meinen Kameraden befanden sich sehr viele Sozialisle». Tie sozialistische Lehre zeigt de» Arbeitern das Mittel, sich aus ihrer gegeiiwäriige» Lage zu befreien, ich»ahm die Prinzipien der Sozialdemokratie in mich auf und wurde Mitglied des Ar- beUer-Klnbs„Das Proletariat". Die Regierung bemüht sich, die Arbeiterbewegung lahm zn legen, indem sie uns mit ganzen Legionen von Spionen nmaiedr. Sie schieichen sich in die Mitte der Arbeiter ein, demoralisiren sie, lernen die Mitglieder der Parin kennen und dennnziren sie dann, um den Lohn sür ihr niederträchtiges Handwerk zu er» halten. Das ist ihnen aber nicht genug, sie suchen anch da? Ver- traue» der Unerfahrenen zu gewinne», sie lassen sie auf ihren Rath alle niöglichen ungesetzlichen Hand- lunge» bis zuni gewallsanie» Atteulal begehe» und schließlich verkaufe, l sie ihre Opfer an die Polizei. Die Partei ist gmölhigt, sich energisch zu vertheidigen. Einer der gefährlichste» Spione war Skrzypczyiski. Ich entschloß mich, ihn zu lödlen. Und Sie, meine Herren Richter, wisse», uiiler welchen Umständen und wie ich es ausgeführt habe. Ich halte es sür nölhig, noch einmal zu wiederholen: v o n a l l e n die aitf der Anklagebank sitzen, bin ich allein für diese Thal verantwortlich. Man hat mich verhaftet. Ich bin nicht im stände, vor Ihnen hier alle»loralischen Qualen»nd alle Rohheiten, die mir während der ganzen Ulilersuchniigszeit durch den Herrn Staats« anwalt Jankiilio und den Gendarmen Siekierzynsky auferlegt wurden, zu beschreiben. Wir Sozialisten sind außer- halb des Gesetzes gestellt. Das Verhalten* der Regierung treibt uns zur Gewalt. Sie glauben vielleicht, meine Herren Richter, tcr auf die Annexion des LcmdeI durch England spetnlirettden Abenteurer bringt. Wie die Engländer selbst sich gegenüber solchen gefährlichen Einwanderern verhalten, das lehrt schlagend die Leidensgeschichte der chinesischen Einwanderer in Australien, sowie neuerdings das Verhallen der englischen Bevölkerung in Natal gegenüber den b r i t i s ch- i n d i s ch e n B e- w o h ii c r ii dieser Kolonie. Die letzteren streben schon seit lange nach voller politischer Gleichstellung mit den Eng- ländcru, die aber allen dahin gehenden Bemühungen mit der Erklärung entgegentraten, daß die Verleihung aller politischen Rechte an die Jndier diesen ein politisches llebcrgewicht in der Kolonie verschaffen würde. Dabei ist zu beachten, daß die Britisch-Jndier einige tausend Köpfe weniger zählen, als die englischen Machthaber, über diese daher kein ziffernmäßiges Uebergewicht durch Gleichstellung erlangen können. Es ist auch kein Grund vor- Händen, in Zukunft ein schnelleres Wachsen der indischen Bevölkerung zu befürchten, da die beiden Volkszählungen von 1879 und von 1891 etwa das gleiche Verhältnis zwischen beiden Arten der Bevölkerung ergaben. Gegen die Zurück- setznng der Jndier in Natal hat kein chauvinistischer Eng- ländcr etwas einzuwenden. Um so voller nimmt er die Backen, wenn es sich um die angebliche Zurücksetzung seiner eigenen Landsleute handelt. Chronik der Majcstiitöbclcidignngö- Prozesse. Aus Hamburg wird vom I. Februar gemetdel: Der Sohn eines in der Glaehüttenstrnße wohnenden Fabrikanten F. wurde von einem entlassenen Geschäftsreisenden seines Vaters wegen Majestätsbeleidigung d cnunzirt. Gestern hat bei dem beueffeude» eine'Haussuchung nach verbolcncn Schriften seitens der Polizei statt- gesunden. Das Resultat ist noch unbekannt. Eine Untersuchung ' ist eingeleitet.— •» * Deutsches Reich. — In der heutigen Sitzung des Bundes- rathes winde den» Ausschußantrage betreffend den Entnnirf eines Gesetzes wegen Abänderung des Zuckersteuer« Gesetzes die Zustimmung ertheilt. Sodann wurde dem Reichstags- beschlusse, betreffend einen Gesetzennvurf wegen Abänderung des § 2 des Gesetzes betreffend die Verfassung und Verwaltung Elsas-Lothringens vom 4. Juli 1879, sowie auch dem Reichstags- beschlusse, betreffend eine» Gesetzentwurf wegen Aushebung der dem Statthalter von Elsaß- Lothringen übertragenen außer- ordentlichen Gewalten die Zustimmung versagt.— — H e rr v. R o tt e n b ur g ist nun«ndgiltig ans dem Reichsdieuste geschieden; als sein Nachfolger wird der Geh. Ober- Regicrungsrath Rothe, Direktor im Reichsauil des Innern, ge- nannt.— — Di« Zucker st euer-Vorlage ist vom Vundcsrathe angenommen worden.— — Das unparteiische, nicht das volkspartei- l i ch e Organ des Herrn U l l st e i n. die„Berliner Abendpost", maßt sich anläßlich des letzten„Eriuitlelungs- Verfahrens gegen Unbekannt" an, uns Lehren über die Aufgabe» der Presse zu geben So wie andere Verleger ist auch Herr Ullstein neidisch aus den raschen Informationsdienst, der frei- willig unserem Blatt« geleistet wird. Daß wir dabei stets immer richtig z» beur>hcilen wußten, was echt, was Mystisikaiion ist, ist eben ein Geschick, über das in anderen Redaktionen nicht immer verfügt wird.— — Erschossen wurde in Bremerhaven, nach der „Magdeburger Zeitung", ein H a n d w e r k s b u r s ch e von. einem Gendarmen, der ihn wegen„Fechtens" verfolgte und die Schußwaffe gebrauchte, als der Handiverksbursche nicht stehen blieb. Der Gendarm wird sicherlich zu seiner Rechtserligung irgend eine„Instruktion" vorschützen lönnen.— Leipzig, 1. Februar.(Eig. Ber.) Der Feldzug gegen das sächsische ilbahlrechl ist in ein neues Stadium getreten; es ward in diesen Tagen seitens der Regierung die Veröffentlichung des Entwurfes erwartet, von dem Graf Hoheuthal in Berlin nicht einmal-eine Ahnung haben wollte. Nun ist aber dank des Eingreifens der Sozialdemokraten Sachsens die Stimmung im Volke gegen die Schill, Mehnert und Genossen schon derart aufgebracht und erregt, daß die nächsten politischen Freunde derselben schon umzufallen sich anschicken. Die Rational- liberalen D r e s d e n s haben schon den Rückzug angetreten. Der hochkonservative Vaterländische Verein in Leipzig hegt plötz- lich lebhafte Bedenken gegen die Einführung des elendesten aller Wahlsysteme; er hält sogar nächste Woche eine Protestversammlung ab— allen Ernstes. In der An- knndigung der Versanimlnng heißt es: Wir hallen es für unsere Pflicht, so lange es noch Zeit ist, warnend unsere Stimme zu erheben. Selbst die Nationalliberalen Leipzigs fühlen sich nicht mehr ganz sicher mit ihren Umsturzplänen; sie haben angeregt, an, v. Februar in Leipzig eine außerordentliche Generalver- daß die Arbeiter sich an der sozialistischen Bewegung betheiligen, weil sie durch die Gebildeten dazu herangezogen werden? Ich bestreite eine solche Aimahme aufs nachdrücklichste. Wir Arbeiter verstehen vollständig, daß der Kampf der Sozialdemokratie für unsere Interessen geführt wird; wir fetzen unsere ganze Krafi dafür ein und sind bereit, die ganze Berantwortuna sür alles zu tragen, was wir gethan haben. Es würde also von Jurer Seile eine große Ungerechtigkeit sein, wenn Sie in dem Urtacil. das Sie zu fällen im Begriff stehen, de» geringsten Unterschied zwischen den Arbeitern und den G. bildeten machen wollten. Was mich persönlich betrifft, so w il l i ch v on Jh n e n k c i n e G n a d e i •* Um 1 Uhr des Nachts(vom 18. aus den 19. Dezember) wurden die Angeklagten zur Urtheilsverkündtgung vorgeführt. Es wurde» vcrurtheilt: Zum Tode durch den Strang: 1. Peter Bardowski, Richter in Warschau, 36 Jahre alt, Russe. 2. N i k o l a» s L n r y, Hauptmann und Kriegsingenienr. Gegen beide lag kein anderes Beiveismaterial vor, als daß sie die Partei mit Geld unterstützt hatten. 3. S t a n i s l a n s K n n i tz k i, früherer Hörer am Institut sür Wege und Verkehrsmittel, 24 Jahre alt, Pole. 4. Michel Ossowski, Schuhmacher in Warschau, 22 Jahre alt. Pole. ö. Johann Pietruschinski, Weber aus Zgierz, 21 Jahre alt, Pole. 6. Joseph Schmaus, Schlosser aus Warschau. Zu 16 Jahren Zuchthaus(in Sibirien) 13 Per- soucn, darunter L. Warynski, Technolog; Heinrich Dulemba, Seifensieder; Maukowski, Tischler; I. Bloch, Weber. Zu 10 Jahren Zuchthaus: F. Kohn, 8tuä, zur. Zur Verbannung nach den entfernt« st en Gegenden Sibiriens: Die Lieuleuanls Jglstrüm und Eokolowski. Dieses Urtheil erlitt in Petersburg einige Aendernngen; endgültig wurden verurtheilt:' Zum Tode durch den Strang: Bardowski, Kunitzki, Ossowski und Pietruschinski. Zu 20 Jahren Zuchthaus: Schmaus und Lnry. Die übrigen Zuchthausstrafen wurden um 2—3 Jahre ver» ringert. Die Berurtheilten, die auch unter dem Gesängnißpersonal sammkung desnationalliberalen Vereins desKönigsreichs Sachsen in der Wahlrechlsfrage abzuhalten, und der Vorstand des Vereins ist dieser Anregung nachgekommen. Ganz verschnupft hat bei den Meistern der Reaktion das fast einstimmige Verdikt des Reichs- tages in dieser Woche; was Bios, Gröber, Schoenlank und Auer ihnen unter die Rase gerieben haben, ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Das führende Organ der Naiionalliberalen redete seinen Aerger damit weg, kein Mensch in Sachsen denke an eine Verfchlechternug des Reichstags- Wahlrechts; was aber die Sachsen unter sich macheu, das gehe den Reichstag gar nichts an; die Sachsen seien alleene helle und hätten sich nichts darein reden zn lassen. Zinn Lachen ist anch die Behauptung der hiesigen Presse, daß die Wahlrechtsumstürzler die Mehrheit des Volkes ans ihrer Seite hätten, als ob ein halb- wegs zurechnungssähiger Mensch mit seiner eigenen Entrechtung einverstanden sein könnte. Wie gesagt, die Bewegung ist in ein neues Stadium, in das der Krisis eingetreten: mau ist gespannt auf den Entwurf; viele glauben nach dem Intermezzo im llieichstag, daß derselbe weder sür die Konservativen noch für die Natioiialliberalen wohlschmeckend uud annehmbar anssallen dürfte, so daß dann die Blamage des Rückzuges von alle» Gegnern der Sozialdemokratie je zu einem Drittel getragen werden müßte.— Mülhausen i. Cts., 30. Januar.(Eigener Bericht.) An die kürzlich erfolgte Ausweisung eines Arbeiters, des schweize- rischen Posamenters Johannes Kläusler aus dem Gebiete von Eliaß-Lothringen, schließt sich heule diejenige eines Fabri- kanten. Herr Hermann N o a ck- D o l l f n s, Inhaber der Wollspinnerei Tollfns-Dettwiller zu Sausheim bei Mül- hausen, französischer Staatsangehöriger, ist durch Verfügung des Bezirkspräsideulen des Ober Elsaß auf grnnd des Artikels 7 Gesetz vom 3. Dez. 1349 des Landes verwiesen worden. Als Grund der Maßregel erfährt man, Herr Fabrikant Nonck habe auf einem dieser Tage in seiner Wohnung gegebenen Balle eine Imitation der in Belfort stehenden Reva»che-StaNie oufgestellt; ferner werde angenommen, daß er nicht ohne Einfluß gewesen sei auf das Verhalten der Mülhanser Jndnstriellen-Gesell- schaft, deren Vizepräsident er ist und welche bei der verflossenen Kaisers-Geburlstagsfeier dem Kriegerverein wohl den große» Saal in dem der Gesellschaft gehörigen Börscugebäude zu Fest- Zwecken vermiethete, sich aber in einem Briefe die Anbringung zeder äußern Dekoration am Gebäude verbat. Die Maßregel erregt in allen Kreisen der Bevölkerung das lebhafteste Aussehen. Durch das Auftreten und die beispiellosen Erfolge der sozialistischen Agitation im Elsaß eingeschüchtert, hatte die Bourgeoisie, ehemals der Hort des Protcstlerthums, zu Beginn des gegeiiwärligeii Dezemiimns augefangen, sich der Regierung zn nähern— mm macht die Regierung aus eiuem, aus einen engen privaten Zirkel beschränkien Vorgang, den nie- niaiid beachtet hatte, durch die Ausweisung eines angesehenen und persönlich hochgeachteten Fabrikbesitzers eine anfseheiierregende polilische'Aktion und gefährdet daniit selbst die ualürliche Eur- Wickelung. Ein Akt politischer Klugheit ist diese Ausweisungs- Maßregel nicht.— �vaiikvcich. PariS, I. Februar. In dem heute abgehaltenen Minister- rathe theitte der Finanzini» ister Douiner mit, daß der Budget- entwurf, der hente der Kaminer vorgelegt wird, eine Ersparliiß von 40 Millionen gegeunber dem Budget von 1396 aufweist. Der Ministerrath genehmigte im Prinzip die von der Kammer- Kommission angenommene Bestcnerung fremd- l ä n d i s ch e r Arbeiter. Miuisler Bcrihelol wird jedoch die Kommission veranlassen, bei der Einzelberalhung solche gesetz- l i ch e n B e st i in»i n n g e n nicht anzunehmen, welche gegen die bestehenden internationalen Ber- träge v e r st o ß e n könnten.— Paris, I. Februar. Ministerpräsident Bourgeoiß hat gestern eine Abordnung von radikalen und sozia- listischen Ab geordne len unter Führung Goblei's empfangen, welche von ihm verlangten, daß das Beamte w- personal durch zahlreiche Eiitlassnugen ge- säubert werde.— Monlins» 31. Januar. Das Schwurgericht ver- handelte heute gegen die Urheber der in der„France" ver- össentlichten falschen Liste der 104 augeblich in der Panamä-Ä»- gelegenheit Bloßgestellten. Die Klage hatte der in der Liste auf- geführte ehemalige Deputirle Labussiöre gestellt. Bon den An- getlagten war nur einer, der Redakleur Colville. erschienen, welcher zu 8 Tagen Eesäugniß und 100 Franks Schadenersatz verurtheilt wurde; außerdem wurde der Kläger ermächtigt, das Urtheil in 12 Zeitung«» zn veröffentlichen. Gegen die S nndern Angeklagten wurde aus Gesängnißstrafen von 4 bis 6 Monaten erkannt.— Italic». Rom, 30. Januar.(Eigener Berickt.) Crispi und H a in m e r st e i n. Die Auslieferung des Herrn v. Hammersteiii durch die italienischen Behü-den ist erfolgt und man konnte daran, daß sie erfolgen würde, angesichts der Beslinimunge» der Veriräge gar nicht zweifeln. Aber es ist eine bösartige Ironie des ScbicksalS. daß die Auslieferung Haminerstern's gerade durch das Ministerium Crispi erfolgen mußte. Was dem Herrn Freunde halten, wandten sich schrifilich an ihre Genosse» mit Ermahnungen und Belehrungen, die vor Rache-Akleu und Zorn- ausbri che» warnen. Die beste Rache sei die im e r- inii bliche Arbeit a» dem Ausbau der O r g a u i- a t i o n. K u n i tz k i' s Brief lautete: Brüder! Arbeiter t Ich bin srob, daß ich Gelegenheit habe, vor meinem Tode einige Worte an Euch richien zn tönuen. Nicht lauge, rrnd wir sind nicht mehr da, aber jede Furcht ist fern von uns. Denn wir wissen, wofür wir unser Leben lassen. Jetzt liegt's an Euch, Brüder, daßwirnicht vergeblich sterben. Much und Ausdauer! Vergessen wir nie, daß wir nur aus eigenen Kräfte» uns unsere Rechte erkämpfen können, daß wir nur in uns selbst die Kräfte suchen müssen für den Kampf, de» ,v i r führe n. Mögcn die grausamen Urtheile, die gefällt wurden, Euch nicht abschrecken. Seid vorsichtig in Euren Handlungen uud traut nicht den» erste» Beste»! Aber auch Eure Thalkraft soll nicht sinken, weichet nicht von unserem Banner! Hallet es hoch! Ihr werdet siege»! Das sind, Brüder, meine letzte» Worte, mein T e st a m e n t, welches ich Euch zurücklasse. Und»in», meine nähereu Freunde, wenn auch nur einer von Euch mir die alle Ankänglichkeit bewahrt hat, so werdet Ihr wissen, daß ich diese einfachen Worte iräiikeir möchte mit meiner ganzen Lied« sür die Sache, sür welche ich sterbe, mit der ganzen Freundschaft für Euch, meine Mitarbeiter. Ich umarme und grüße alle, die mich kennen und sich meiner erinnern. Brüderlichen Häudegruß meinen Kampf- genossen. Ich umarme Euch zum letzten Male aus ganzem Herzen. Seid glücklich! S t a n i s l a u>s Kunitzki. M. M a n k o w s k i schrieb am selben Tage au seine Genossen im Namen der Arbeiter: Brüder! Wir wissen, daß nach Durchsicht dieses Briefes ein Gefühl i» Eurem Herze» mächtig aufwallen wird: das Gefühl der Rache..... Die Rache, in eine Brüder, i st«ine jener»n e n s ch l i ch e n r!« i d e» s ch a f t e n, die wir unterdrücken, die wir aus den» m e>, s ch- v. Hammerstern zur Last gelegt wird, ist allgemein bekannt. Dagegen dürfte es angezeigt sein, die Hanptanklagen kurz zusammenzustellen, welche gegen Herrn Crispi in der nach- drücklichsten Weise erhoben und niemals widerlegt worden sind. I. Er habe von der Banca Roinana, deren Mißverwalluiig ihm bekannt war, sich jahrelang, zum Preise seines Schweigens, namhaste Summen als Darlehn auszahlen lassen und dieselben niemals zurückgezahlt. Noch zuletzt, als unter dem Ministerium Giolitti die Katastrophe über die Banca Nomana hereinbrach, habe er für eine von ihm im Parlamente sür die Bank gehaltene Vertheidigungsrede von dem Bankdireklor 60 000 Fr. verlangt, aber wegen der Erschöpfung der Kasse nur 20 000 erhalten können. 2. Er habe die Vankverwaltnug vermocht, einer sizilianischen Geschäslssirma, Gebrüder Chinradia, die später fallirt hat, nach und nach 300 000 Fr. als Darlehe» au?- zuzahlen und habe die Hälfte dieser Summe für sich behalten. 3. Er habe sich von dem französischen Spekulaiitcu Reinach 50 000 Fr. dafür zahlen lassen, daß er dein Spekulanten Herz einen hohen italienischen Orden auswirkte; nach seinem Rücktritt sei das Ordensdekret annullirt worden, die 50 000 Fr. aber habe er behalten. Deutsche Blätter haben häufig, ans Unkeiiiitniß der Verhältnisse, Crispi als den italieni- scheu Bismarck hingestellt. Richtiger würde eS sein, Crispi als das italienische, also unter glücklicherem Klima geborene Seiten- stück Haniinersleiii's zu bezeichnen. Der Vergleich stinimt auch darin, daß beide Herren noch nicht verurtheilt sind, also noch freigesprochen werden können.— Belgien. — Zum Prozeß gegen Lothaire. Einer der be- kaniitesten Advokaten Belgiens, Rechtsanwalt El eong, wird in Borna den Kapitän Lothaire vor Gericht in der Stokes-An- gelegenheit vertheidigen.— Ciiglaiid. Loudo», I. Februar. Dr. I a IN e s o n, welcher sich an Bord der„Bikioria" auf der Reise nach England befindet, wird Ende dieses Monals hier erwartet. Die Ankunft des Schiffes in Southamplon soll geheim gehalten werden.— Spanien. Madrid, 31. Januar. Die heulige Sitzung des M u n i z i p a l- rathes verlief sehr st ü r m i s ch; zwei Mitglieder desselben wurden handgemein.— Portugal. — A t t e n t a t a u f d e n König. Der portugiesischen Ge- sandtschaft in Berlin ist die Nachricht zugegangen, das der Mann, welcher vorgestern in Lissabon Steine gegen den Wagen des Königs warf, geistesgestört ist; derselbe wurde in eine Irren- austall gebracht. Also doch kein'Anarchist der Attentäter, wie gestern leichtfertig in alle Welt depeschirt wurde.— Nuffland. Petersburg, l. Februar. Wie die„Nowoje Wremja" meldel, ging dem Finaiizministeriuin ein Projekt zu behufs Er- richtung einer neue» russisch-nsiatischen Handelsgesellschaft in Rostow am Ton zur Herstellung und Pflege unmittelbarer Be- ziehangcn mit Z e n t r a l a s i e n.— — Weitere Beschränkung der Selbsiver-- waltung. Das Srnislivo des Gouvernements Twer hat beschlossen, sich an den Senat mit einer Beschwerde zu iveriden gegen den Miuister der Volksausklärimg, welcher der Stiftung eines Stipendiums zum Gedächtniß an Unkowsky eigenmächtig ein Veto eiitgegeugesetzl hat, obwohl ein Gesetz vorn Jahre 1373 bestiwwt, daß die Riinister diejenige» Petitionen der Semstows» welchen sie nicht znsliiniiien, der» Koinilee der Minister zur Eick- scheitrmg unterbreiten sollen. Eine Beschwerde beschloß das Twerer Semslrvo auch gegen den Minister des Innern zu führen, weil er dev Petition des Ecmstwo keine weitere Bewegung gab, >» welcher der Wunsch ausgedrückt wurde, daß ausschließlich der Senat und zwar nur in Fällen, wo gegen die Bestimniungen des Gesetzes verstoßen wurde, die Wahl seitens der Semstwos ihrer Beamten für nngiltig erklärt werde» darf.— — Die russische Bauernbank, welche im Jahre 1882 gegründet wurde, um der Proletarisirung der Bauernschaft entgegenzuwirken, ist jetzt durch ein neues Gesetz orgmiisirt worden. Nach der»rsprünglichen Organisation sollte die Bank den Bauern,' welche Land kaufen wollen, mit Geldzuschüssen beistehen. Da aber diese Geldzuschüsse nicht die volle Summe des Preises des gekanslerr Landes ausmachten, so touule die Hilfe der Banerubmlk nur wohlhabenden Bauern, welche Geld besaßen, um den übrigen Theil des Kaufpreises zn bezahlen, zn gute kommen. Diejenigen Bauern, ivelche das Geld dazu nicht besaßen, mußten doch noch bei Wucherern Geld aufnehmen, wen» sie rmt der Beihilfe der Bank Land a»ka»sen wollten. Diese ärmeren Käufer konnte» dann ihre» Verpflichlmigen der Bank gegenüber nicht nackkommeii und ihr Land nwße in den Besitz der Bank übergehen. Die neue Organi- sation der Bank soll solche Fälle verhüten. Die Bank soll jetzt eine aktive Rolle spiele»: sie soll selbst Länder ankanfen, siein kieineStücke zerschlagen und an Bauer» verkaufen, von deren Fähigkeit, ihren Verpflichtungen der Bank gegenüber»ach�ikvmmeu, sie sich vorher überzeugen soll. An baarei» Gelde werden die Bauern beim lichen Herzen ausjäten müssen. Die?, ausgesprochen von Menschen, die in Ketten eingescbmiedct sind, müßte Euch von Racheakten zurückhalien. Vergeudet Ihr, meine Brüder, die Kräsie nicht umsonst; beseitigt ruhig die Hindernisse, die Euch im Wege sind, uud schreitet muthig vorwärts..... Die Ver- bältnisie zwingen Euch, im Kampfe auszuharren. Ihr müßt kämpfen, aber in Eure m Kampfe soll der Ver- stand und nicht blinder Eifer EnerRalbgebcr sein... Gedenket, dah Jeder uiir da? Recht hat, sich selbst zu opfern, deshalb schonet die Verheirathete». damit Misere Kinder nicht Waisen bleiben. Ein großes, sehr großes Feld habt Ihr noch zu bearbeiten; säet fleißig, und die Ernte wird eine reichliche sein. Und wenn sie die Menschheit einst einsammelt, so wird dies für Euch und für uns der größte Lohn sein. Am 28. Dezember wird man uns die in Petersburg bc- stäligten Urlheile vorlesen, und'Auge ins Auge werden wir uns wiederum mit unseren Henkern begegnen. Wir sind froh- l i ch— s i e traurig; wir sind st o l z. daß wir der Gesellschaft unsere Schulden ehrlich bezahlt haben; sie aber sind gedehmüthigt durch ihre Niedertracht. Wer ist hier der Sieger? O, nicht sie!— Hier trinmphiren die Opfer— hier siegt die Wahrheit!... Maukowski. »-» Am 23. Januar!886 traten stolz und muthig vier Sozialilten auf das Schaffot. Kunitzki, Bardowski. Ossowski und Pietruschinski starben mit dem Rufe: Es lebe die Freiheit! Es lebe das Pro- letariat! «• ♦ Ehre den Braven! Und der Sieg kann einer Sache nicht fehlen, die solche Vorkämpser hat. Umsonst sind sie nicht gestorben. Die sozialistische Saat, welche sie ausgestreut haben, wächst und gedeiht auch in dem unter dem Zarrsmns geknechteten Polen, jeirem Laude, in dem der Tispotiemus seine scheußlichsten Verbreche» begangen hat und das da schmachtet in finsterster Knechtschaft. Nein, sie sind nicht umsonst gestorben, die Helden des 28. Januar 1886. Die Fahne, die ihnen der Tod aus der Hand gerissen, sie ist in fester Hand und wird tapfer voran, lelrrrgen. Uud die Schaar der Kämpfer wird größer nnd gröber. Märtyrer- blut ist Märtyrersaine». vorwärts, ihr polnischen Brüder. Kauf weniger als früher bezahle»»uiffeit. Die Frist, in welcher die Cchnld an die Baut getilgt werden soll, wird verlängert, so daß sie die Käufer weniger drücken wird. Die Proletarisirung der Bauernschaft wird auch durch die Bank in ihrer neuen Gestalt nicht aufgehalten werden. Einem aroßen Theil der Bauer» fehlt eS nicht nur an Land. sondern auch an todtem und lebendigem Inventar, um eine Wirthschast zu sühren, und sie sind von der Last der Steuern und der Schulden an Wucherer so gedrückt, daß sie noch dazu neue Geldsuurmen an die Bauernbank, und seien sie auch ver- bältnißmäßig gering, zu bezahlen nicht wehr im stände sind. ?luch in ihrer neuen Form wird die Bank in den meisten Fällen der sich immer schärfer herausbildenden ländlichen Bourgeoisie zu gute kommen.— Serbien. Belgrad, l. Februar. Die Regierung hat das Ansuchen »er Kaufmannschaft um Gewährung eines Moratoriums, welches sich gegen Oesterreich richtet, zurückgewiesen.— Bulgarien. Sofia, 31. Januar. Das Minister! u m hat bisher noch keine Nachricht vom Prinzen Ferdinand über dessen Entscheidung in der Frage des Ueberlritts des Prinzen Boris erhalten. Nach bester Quelle ist es entschlosse». zu d e m i s s i o n i r e n. wenn die erwartete Benachrichtignug seitens des Prinzen Ferdinand dahin lauten wird, daß der Uebertritt nicht stallfinden werde. Eine spätere Depesche meldet die Ankunft des Prinzen in Sofia. Beim Empfange war kein Minister anwesend. Die nächsten Tage müssen die Entscheidung bringen. Sollte der kleine Boris nicht umgelauft werden, dürften die bulgarischen Tage Ferdinands gezählt sein, umsomehr als damit eine Beleidigung des Zaren verbunden wäre, der sich angeblich schon zur Pathenschasl bei der Umtanfung bereit erklärt haben soll.- Kuba. F u r den A u f st a n d scheint der eutscheidende Weudepunlt gekommen zu sein. Nachdem es den Nebellen gelungen ist. inner- halb des letzten Jahres von dem östlichen bis zum westlichen Ende der Insel vorzudringen, die Hauptstadt selbst zu bedrohen und die spanische Armee cki eine so schlimme Lage zu bringen, daß der Oberbefehlshaber, der berühmteste Kriegsinann Spaniens. Martinez Campos abbernfeu werden mußte— schickt sich jetzt eine andere Macht an, auf die Bühtte zu treten: die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Daß dort Sympathien für die Aufständischen sich schon viel- fach geltend machten, ist den Lesern bekannt. Bisher fanden jedoch die wiederholten Anregungen, die Nebellen als Krieg- iiihrende anzuerkennen, keine günstige Ausnahme bei der Majorität des amerikanischen Kongresses. Vor einigen Tagen hat nun aber ein, die Majorität des Kongresses vertretender Ausschuß: der für auswärtige An- gelegenheiten, im Seiiat zu Washington formell den Antrag ge- stellt, die kubanischen Aufständische» als Kriegführende auzu- erkennen. Wie weiter mitgetheilt wird, hat dieser Antrag bc- geisterte» Beifall in alle» Theilen der Union gesunden, so daß die Annahme des Antrags sehr wahrscheinlich ist. In dem Augenblick aber, wo die Vereinigten Staaten die Rebellen als kriegführende Macht anerkenne», und wo sie dem- gemäß aushöre», ihnen die Zufuhr von Kriegsmaterial und Kriegsmannschast abzuschneiden, ist es zu Ende mit der spanischen Herrschaft über die Perle der Antillen.— Afrika. — lieber die freigelassene Besatzung von M a k a l l e und deren Heimkehr wird durch die italienische offiziöse„Agenzia Stefan»" telegraphirl: Ada-Hagamns, 31. Januar. Oberstlieutenant Galliano berichtet, daß die Haltung der Osfiziere und der Soldaten. sowohl der»veißen als auch der Neger,»velche die Garnison von Makalle bildeten, eine ganz vorzügliche war. Unter den Askari ist keine Desertion vorgekoinmen. Die eingeborenen Frauen, von denen sich etiva einige hundert in de», Fort be- sanden, beivieseu ebenfalls eine beivnndernsiverthe Haltung. Der Feind griff das Fort mit 12 Geschützen an; die Augriffe waren stets sehr kühn, doch gelang es nicht, anch nur einen Theil der Mauern niederzulegen. Tie italienischen Soldaten erbeutete» außerhalb des Forts 78 Geivehre. Die Verluste des Feindes sind sehr bedeutend, namentlich unter den Führern.?Iui italie- nischer Seite fielen 2 Unteroffiziere, 4 italienische Soldale» und 33 Eingeborene. Venvundet wurden G Italiener und 75 Eingeborene. Jllvyalerweise behielt M e n e l i k im letzte» Augenblick 10 italienische Offiziere, nämlich 7 Lieutenants und 2 Uuterlieutenanls, sowie einen Fourier- Sergeanten bei sich zurück. Mit Galliano kehrten 11 Ossiziere. soivie 107»veiße und 1V81 eingeborene Soldaten und die Ber- ivundelen, die auf Tragbahren transportirt»vurden, zurück. Das Bataillion brachte" alle Waffen, die üb»ig gebliebene Munition und die Geschütze mit je 59 Geschossen für jedes Ge- schütz zurück. So das Telegramm. Gewiß. Herr Galliano»var recht tapser und seine Soldaten auch, aber die für die Italiener er- drückende Thatsache-bleibt, daß sie nur der Großmuth der Abessyuier Freiheil und Leben verdanken. Das Handeln der Abessynier ist so sehr gegen die zivilisirte europäische Praxis, daß die Erispiblätter schon über„ Verrat h" der— Abessynier schreiben,»veil diese mehrere früher ge- sangene italienische Osfiziere nicht mit ausgeliefert haben. Und die von den Italienern geraubten abesfiinischen Prinzen? Kunst und ZDistenstii.clft. Theater-Wochcnchronik. Opernhaus. Sonntag. 2.: Carinen. Krolls Theater. Nachmittags B'/e Uhr: Das goldene Kreuz. Montag. 3.: Tannhäuser. Dienstag. 4.: Der Wasseuschmied. Phantasien im Bremer Rathskeller. Mittivoch, 5.: Die Walküre. Anfang 7 Uhr. Donnerstag, 8.: Jvanhoe. Freitag. 7.: Hansel und Gretel. Phantasie» im Bremer Nlathskeller. Sonntag, 9�: Margarethe. Krolls Theater, nachm. 3> 2 Uhr: Der Postillon von Lonjemeäu.(Herr Emil Götze als Gast) Die Puppensee. Moiitag. 10.: Die verkaufte Braut. Phantasien im Bremer Rathskeller.— Schauspielhaus: Sonntag, 2. Februar: Die kranke Zeit. 5kroll's Theater: abends 7>/s Uhr: Uriel Acosta. Montag, 3.: König Richard II. Dienstag. 4.: Die Quitzoivs. Mittivoch, 5.: Die kranke Zeit. Tonnerstag, 6.: Ein Sominernachtstraum. Freitag. 7.: König lllichard II. Sonnabend, 8.: Die kranke Zeit. Sonntag, 9.: Doktor Klaus. Kroll's Theater: Abends 7>/z Uhr: Vnsautascna. Montag., 10.: Die kranke Zeit.— Im Deutschen Theater kommt Sonntag Abend Romeo und Julia mit Frau SorNia u,»d Herrn Kainz in den Titel- rollen zur Aufführung; nachmittags»verden Die Mütter gegeben; Montag ist Hamlet mit Herrn Kainz; Dienstag geht in Verbin- dung mit Kleisl's Zerbrochenem Krug Schnitzler's Liebelei zum erste» Male in Szene, dieselbe Aufführung»vird Donnerstag und Sonntag Abend»viederholt; Mittwoch»vird Der Talisman uiit Herrn Kainz gespielt, Freitag Die Weber, Sonnabend Die Mütter; nächsten Sonntag Nachnlittag Der Kaufmann von Venedig mit Herrn Reicher als Shylock.— Jin Berliner Theater geht heilte nachmittags der Herrgottschnitzer von Ammer- gau in Szene, abends Wildenbruch's König Heinrich. Das Wilden- bruch'sche Draina wird in djeser Woche außerdem noch Dienstag. Donnerstag und So»ntag.9.Febr.. wiederholt. Montag»»idSonntag. 9. Febr.,nachm.,fi»den Wiederholungen von Raimund'sVerschtvender statt, Mittwoch und Sonnabend gehl Goethe's Faust ii» Szene. Freitag»vird Herr Hahn vom Sladttheater in Posen als F-rdina„d in Schiller's Kabale und Liebe gastiren.— In» Residenz-Theater findet Mittwoch, 5. Februar, die erste Aufführung von Georges Feydeaus Hotel ,»>», Freihafen in Verantwortlicher Redakieur: August Jacobey, Berlin. Für terr Eriöpi braucht noch einen-„großen Sieg". Freilich hat ache ihre Schivierigkeiten. Es kö»lnte auch umgekehrt komnie». Jedenfalls ist die Lage der Italiener in Afrika eine sehr gefährliche.— � VÄvlsnttenkÄvistszes. In der lctite» Sitzung der Juftizkomwissio» wurde die Beralhung bei dein§ 413 d der sttegierungsvorlage fortgesetzt. Die von de» verbündeten Regierungen neu vorgeschlagene» 413b bis mit§ 413t' gebe» nur. dem iin Wiederaus- »> a h n» e v e r s a h r e n Freigesprochenen das glechl, Ersatz des Vermögensschadens zu beanspruchen, den er durch die erfolgte Strafvollstreckung erlitten hal; ausgeschlossen soll jedoch der Ent- schädigungsanspruch sein,»venu der früher Verurtheilte jene frühere Verurtheilung vorsätzlich oder durch grobe Fahr- l ä s s i g k e i t selbst verschuldet hat. Die Komlnission lehnte den Antrag, den Froh m e und Stadthage» aus Ausdehnung der Entschädigmigspflicht auf unschuldig erlittene U n t e r s u ch il n g s h a s l ab. Zu den Ablehnende» gehörten auch die Vertreter der freisinnigen Partei. Desgleichen stimnite die Mehrheit dem Ausschluß der Entschädigungspflicht solchen gegenüber zu. die durch„grobe Fahrlässigkeil" ihre Verurtheilung herbeigeführt haben. Mithin ist eine»virkliche Entschädigungspflicht unschuldig Verhafteten oder Verurtheilte»» gegenüber den» Vorschlag der Regierung gemäß abgelehnt. Sodann»vurde zur Erörterung des H 414 der Re- gierungsvorlage,»vonach die Zuläsfigkeit der Privaiklage eriveiterl »verde» soll, übergegangen.— Die Vertreter der Regierunge» von Bayern, Württemberg und Mecklenburg sprachen sich gegen Eriveilerung der Privatklage, namentlich bezüglich des Haus- friedensbruches und der erheblichen Körperverletzung ans. Die Fortsetzung der Berathung, vurde auf Dienstag, de» 4. Februar, vertagt. Inkevtttttionnle Konferenz dev Sstzneidee�Oegonifationen. Die englische Gesellschaft der vereinigten Schneider-Organi- sationen ladet alle, die mit dem Schneidergewerde in und außer- halb Englands verbunden sind, zu einer Schneider- Konferenz ei», die in London, verbunden mit(d. h. nach dessen täglichen Sitzungen) dem Allgemeinen Int er- nationalen A r b e i t e r- K o n g r e ß, abgehalten»verde» soll. Diese besondere Konferenz»vurde vorgeschlagen: 1. um diejenige» Prinzipien des Geiverbes und der sozia- listischen Brüderschaft zu besprechen, die unserer Ansicht nach das Leben und die Handlungen der Menschheit bestimmen sollten; 2. um gemeiusam auf der ganzen Welt gegen die Siveater und das Slveatiug-System vorzugehen; 3. um solche Schritte zu lhun, die zu der praktischen Zu- sammeugliedernng(»lfiliatioi») aller Schneider-Organisationen führen, so daß ein reisender Schneider in allen Ländern, wo Schneider-Organisationen bestehen. Freunde findet; 4. nm in Erivägung zu ziehen, ob es räthlich sei. einen Fonds zur Förderung obiger Ziele zu gründen; 5. um die regelmäßige und systematische Abhaltung solcher Konferenzen in Zuknnst zu veranlassen. Wir fordern alle Organisationen auf, die beschränkten, den Charakter zerstörenden Vorurlhcile der Nationalität bei seite zu»versen und sich i» der Forderung zu einigen, daß die Arbeit den vollen Ertrag ihrer Geschicklichkeit und ihres Fleißes genießen soll. Wer nicht arbeiten»vill, der soll nicht essen— und anch keine Kleider tragen. Diejenigen Organisationen,»velche Delegirten schicken,»verde» ersucht, sofort ihre Namen und Adressen anzugeben und Anträge, die sie auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt wünschen, nicht später als bis zum 1. April einzusenden, so daß dieselben gedruckt, berathen und die Delegirten a»ge»viesen»verde» könne», »vie zu stimmen ist. Im Vertrauen, daß von allen, die niit dem Schneider- gewerbe in Verbindung sind, ernste Anstrengungen gemacht wer- den. den Erfolg dieser Konferenz zu sicher,», zeichne ich mit Brudergruß T e r e n cd A. F l y n n. Alle Mitiheilungen sind zu machen an mich, unter der Adresse: 7 Laxtou LniläivA, Bootb Street, Piccadilly, Manchester, England, P« vke i-Kttchvistzten. Tic Franc» und Mädchen i» Berliu-Moabit werde» ersucht, für zahlreichen Besuch der Volksversammlung lhälig zu sein, die nächsteit M i t t»v o ch. de» 5. Februar, abends 8 Uhr, in der Äl r e n d' s ch e n Brauerei in Moabit abgehalle»»vird und einen Vortrag des Reichstags- aigeordncten Molke nbnhr über das Thema„Der Arbeiterschntz in Theorie»rnd Praxis" bietet. Der der Uebertragung von Benno Jacobson statt. Heute gehe» Hals über Kopf und In doppelter Bekehrung zum letzten Male an einem Sonntag in Szene.— Der Spielplan des Neuen Theaters wird anch in der nächsten Woche von Bisson's Lust« spie! Ter Herr Direktor beherrscht.— Im Theater Unter den Linden geht heute Nachmittag das pantomimische Ballet Ründ>l»i Wien in neuer Einstndirung in Szene. Abends ge- langt Millöcker's Operette Der Bettelstudent zur Aufführung.— Die Ausstattungskomödie Ter Hungerleider bleibt im F r i e d r i ch- W i l h e l m st ä d t i s ch e u Theater aus dem Spielplau.— In» Bcllealliance-Theater gehen als Volksvorstellnng heute Nachmittag Schiller's Räuber mit Herrn Reßner als Karl und Herrn Bruck als Schiveizer in Szene; abends folgt die 23. Aufführung von Leopold Ell)'s Gesangs- und Balletposse Böse Buben.— Konradin, der letzte Hohen- stäufe, verbleibt bis auf»veitcres auf den» Spielplan des N a t i o»» a l- T H e a t e r s. Morgen Nachmittag geht dort als Kindervorstellung Hansel und Gretel in Szene. Das Lessing- Theater bringt am nächsten Sonntag das vieraktige Lustspiel Der Thron seiner Väter von Fedor von Zo- beltitz zur Aufführung. Der Spielplan dieser Woche ist folgender- maßen sestgesetzl: Das Lustspiel Komtesse Guckerl»vird an, Sonntag. Montag, Mittivoch. Donnerstag und Sonnabend»vieder- holt,»vährend die beiden Novitäten Untreu von Roberto Bracco und Fräulein Wittive von Ludwig Fulda am Dienstag und Freitag gegeben werden. Als Nachmittagsvorstellung gelangt am Sonntag Ernst von Wildenbruchs Schauspiel Die Hauben- lerche zur Aufführung.— Im S ch il l e r? T h e a t e r findet heute, Sonntag Nachmittag 3 Uhr. eine Aufführung von Grillparzer's Der Traum ein Leben statt; Abends 3 Uhr »vird der Widerspenstigen Zähmung gegeben. Im Bürger- saale des Nathhauses ist abends 7Vs Uhr Chamiffo- Abend. Sonntag»vird Romeo und Julia zum ersten Male»viederholt, Dienstag und Freitag gehen Victoria und Onkel Bräsig in Szene. Mittivoch und Donnerstag finde» »veitere Wiederholungen von Romeo»nd Julia statt. Sonn- abend ist die erste Aufführung von En», toller Einfall, Schivank von Karl Laufs.— In, Central- Theater»vird die Posse Eine tolle Nacht am Montag zu,», 150, Male gegeben. nn Jnieraleniheil veranlworlUch: Th.«vlocke in Berlin. Druck» Vortrag hat den Ziveck, die Mängel der jetzigen Arbeiterschuh- gesetzgebung und ihrer AuZführnng anszndecken und alle Arbd:».' rinnen' und Arbeiter zu regerer Agitation für Verbesserung dieser Gesetze anzuregen. Polizeiliches» Gerichtliches ic. — DerStadtrath in Werdau in Sachsen( n a t ü r- l i ch in Sachsen) hat einen Vortrag unseres Genossen Ätz n n- s r e d W i t t i ch über Goethe's„Faust" mit folgender Begründung verboten: Beschluß des Stadtralhs zu Werdau, Polizei-Abtheilung, vom 22. Januar 1890 zu Nr. 225 II. Da ans der Zusammensetzung und dem bisher beobachleten Treiben des hiesigen sogenannten„Lesevereins" mit Sicherheir zu schließen ist, daß denselben nicht nur rein»vissenschastliches Interesse bei der Anmeldung eines Vortrages über Goethe's „Faust" geleitet hat, vielmehr die Annahme begründet ist, daß die W i s s e n s ch a f t l i ch k e i t nur als Deckmantel für die öffentliche B e b a i: d- I u n g allgemeiner sozialer und p o l i l i- scher Fragen, also öffentliche Angelegenheiten(>v o z n das Thema hinreichenden Anhalt bietet) und zur Aufregung gegen bestehende Gesetze und die Gesellschaflsordnnug benutzt»verde» soll, somit aber als Zweck der Versammlung ist, zu Gesetzesübeitretungen und inisittlichen Handlungen auizufordern oder doch geneigt zu machen, so »vird, zumal auch die Person des einfach„Herr Wittich ans Leipzig" genannten Vortragenden vollständig im Dunklen gelassen »norde» ist, der angemeldete Vortrag auf grilud von§ 5 des Gesetzes vom 22. Noveniber 1850 verboten. Die Frage»vcgen Genehmigung zur Erhebung von Ein- trittsgeld erledigt sich hierdurch. Seidel. Der»veimarische Staatsminister Excellenz v. Goethe wird sich im Grabe umdrehen! lieber die prinzipielle Bedeutung d-s Werdauischcn Beschlusses sagt unser Zwickauer Parteiblntt sehr treffend: „Auf grnnd dieser Interpretation wäre es ja überhaupt u n in v g l, ch, über irgend ein Thema, auch das unschuldigste, zu sprechen. Damit wäre der Willkürlichkeit der Behörden eine weitere Grenze gesteckt» und könnten selbige ganz nach Belieben„miß- liebigen" Personen die„politische Mundbinde" ai»lcge,». Ganz unklar ist uns die Auslassung des Stadtraths,»reiche sich mit der Person des Vortragenden, die„vollständig im Dunklen gelassen" sei, beschäftigt. Das Vereinsgesetz ver- langt ja g a r n i ch t die Name ws nennung d e s R e f e- r e n l e n; trotzdem begnügt sich der Sladtrath nicht mit der ein- fachen Nennung des Namens, sondern verlaugt über die Person des Referenten mehr zu wissen. Was alles noch, wissen»vir nicht. Kurzum, diese neueste Gesetzesanslegung bedarf dringend der ober- behördlichen Nektifizirung; um eine solche herbeizuführen, wird seitens der damit Beauftragten Beschwerde bei der Kreishanpt- mannschaft eingelegt»verde»." GemeMMzaftlirszes. Achtung, Schuhmacher! Montag, den 3. Februar, abends 7 Uhr, Anuenstr. 18, kombinirte Versanimlung des Vereins deutscher Schuhmacher. Tagesordnung: 1. Stellung- nähme zur Arbeitslosen-Unterstütznng. 2. Verschiedenes.(An- merkung d. Red.: Als Inserat konnte die Anzeige nicht mehr aufgenommen werden.) An die Rohrleger und Gehilfen in Berlin und Nm- gcgend. Auf Beschluß der im November abgehaltenen öffeut- lichen Versammlung sind Fragebogen ausgegeben»vordeu, aus grund deren eine Statistik der Lohn» lind sonstigen Arbeits- bediiiguuge» ausgestellt»verden soll. Die dazu gewählte Kommission hat sich sofort an ihre Aufgabe gemacht, die Fragebogen werden aber leider nicht in dem Maße benutzt, als es nöthig ist, nm eine brauchbare Statistik herzustellen. Wegen der überaus große» Wichtigkeil der Sache»Verden daher die Kollegen ersucht, sich so viel»vie möglich an der Ausfüllung der Fragebogen z» be- theilige». Um die Fragebogen jedem zugänglich zu machen, sind folgende Abgabe- und Annahmestellen eingerichtet»vordeu: im Norden bei Carl Meufing, Strelitzerstr. 24; im Südei» bei Ernst Karpenkiel, Liegnitzerstr.; im O st e n bei Oscar F i c i u s, Münchebergerstr. 28 und bei Ernst R a t t k e, Zkrautstr. 48; in Moabit bei G u st a v Liebe, Bremerstr. 82; in C h a r l o t t e n b u r g bei H.e r m a n n Schesfler, Pestalozzistr. 30a. Bis zum 31. März d. I. müssen s ä m in t l i ch e Frageboge» ausgefüllt ein- gelaufen sein. Am 5. Februar, abends Ve8 Uhr,»vird im oberen Saale bei Boltz, Alte Jakobstr. 75, eine öffentliche Versammlung abgehalten,>vo der Reichstags-Abgeordnete Bueb aus Mül- hausen i. E. über die wirthschaftliche Lage und deren Besserung spricht. Es ist Pflicht jedes denkenden Kollege», in dieser Ver- sammlung zu erscheinen, damit die Meinnnge» darüber zum Aus- druck kommen. ob die Kollegen den gedrückten Verhältnissen eilt- gegentreten könne». Oskar Ficius, Vertrauensmann der Berliner Rohrleger und Gehilfen. Loßubetvegung der Holzarbeiter. Der Vorsitzende der T i s ch l e r- I n n u n g Hai auf eine Anfrage des entsandten Vertreters des Holzarbeiter-Verbaud s betreffs der Stellung der Meister zu den Forderungen der Gehilfen erklärt, er»volle dein Vorstand der Innung im Laufe dieser Woche jene Frage unter- breiten»md»veide— die Zilftimmung des Vorstandes voraus- gesetzt— eine allgemeine Bteisterversammlung einberufen, zu der die Gesellen und ihre Vertreter Zutritt und das Recht der Theil- nähme au der Diskussion haben sollen. Diese allemeine Meister- Versammlung möge die Stellung zu den Forderungen sestsetze». Die ZcitnugSscNrr London«« stehen vor dem Streik,»veil die Bilchdruckereivesitzer infolge der Einführung der Setzmafchinen einen niedrigeren Tarif einführen»vollen. Depeprszen und letzte Kttcheichken. Leipzig, 1. Februar.(B. H.) Der Termin in dem Spionage- und Landesvcrraths-Prozeß gegen de» Luxemburger Ingenieur Paul Schoren, den Ingenieur Lud»v ig Pfeiffer und den ehemalige» Buchhalter der Krupp'schen Werke Ringbauer aus Effen ffndct anfangs März vor dem vereinigten ziveiten uud dritten Strafsenat des Reichsgerichts statt. Gegen die mitverhaftet geivesenen beiden »veiblichen Angeklagten»vnrde die Anklage falle» gelassen. Dem Vernehmen nach hat Rechtsanivalt Zehine iu Leipzig die Ver» lheidigung des Hauptangeklagten Schoren übirnoinmeii. Hambilrg, 1. Februar. Im Prozeß Zander erfolgte heute die Publikation des Uilheils. Ter Angeklagte Zander(früher Prokurist der Nobel-Dynamit Akliengesellschast) wurde ivcgc» Untreue, Urkundensälschung und einfachen Bankrotts zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Ter Staats- an»valt halte 10 Jahre Zuchlhaus beantragt. Die Mit- angeklagten. 3 Fondsmakler,»vurden freigesgrochen. Wien, 1. Februar. Ei» von T a r n o p o l nach Lemberg fahrender Personenzug stieß gestern»nit ehiem ihm eutgegeu- kommenden Güterzug bei der Station Zborow zusammeu. Mehrere Wagen»vurden zertrümmert und einige Personen getödtet sowie schiver verletzt. Ter Verlehr mußte vollständig eingestellt werden. PariS, 1. Februar.(W. T. B.) Der Untersuchungsrichter ließ eine» Polen namens Sanislas Silowski verhaften. Die Ver- Haftung steht im Zusammenhang mit der Angelegenheit 5l)!ax Lebaudy. London, 1. Februar.(W. T. B.) Drei Beamte, welche beauftragt sind, für den gegen Jamefon bevorstehenden Prozeß Beweismaterial zu sammeln, sind heute von Southamptou nach Südafrika abgereist. Der neue deutsche Generalkonsul in Kap- stadt, v. Schuckmann, hat ans dem gleichen Schisse die Reise nach Kapstadt angetreteii. nd Verlag von Max Babing in Perl»,. Hierzu 3 Peilagca 1 Beilage zum„Vomiirts" Berliner VolWatt. Sonntag, den Z. Fedrnar 1896. 13. Jahrg. Ur. 38. Verrhsksg. 29. Sitzung vom I. Februar, I Uhr. Am Bundesrathstische: Nieberding. In erster und zweiter Berathung wird znncichst die am LO. September in Bern vereinbarte Z u s a tz e r k l ä r u n g zu dem internationalen Uebereinkommen über den Eise ii bahn-Frachtver kehr vom 14. Oktober 1890 erledigt. In dem Uebereinkommen ist der Beilritt weilerer Staaten nicht vorgesehen, Da sich das Fürstenthnm Monaco gemeldet bat(behufs Eintragung der im Fürstenthum belegenen Theil- strecke der Paris-Ltiou-Mittelmeer-Eisenbahn) haben die Vertrags- siaaten Deutschland. Oesterreich, Frankreich. Italien, Luxemburg, Niederlande, Nußland und die Schweiz sich über die generelle Regelung dieser Frage geeinigt. Darauf wird die zweite Berathung des Reichs« Hanshaltsetats für 1896/97 fortgesetzt mit dem Etat der R e i ch s- I u st i z v e r w a l t n u g. Bei den Ausgaben für das R e i ch s- I u st i z a m t Titel 1, „Staatssekretär 20 000 M." bringt Abg. Basscrmanu(natl.) die bevorstehende Revision des deutschen Handelsgesetzbuches zur Sprache, um dem Reichs-Justtjamt seine Wünsche bezüglich der anderweiten Ge- staltung der Vorschriften über die 5k ü n d i g u n g s s r i st u n d die jk o n k u r r e n z k l a u s e l für die H a n d l u n g s- g e h i I f e u vorzutragen. Bekanntlich habe der Reichstag bereits im letzten Jahre sich mehrfach dahin ausgesprochen, daß die Kündigungsfrist für beide Theile, Prinzipale und Gehilsen gleich sein müsse. Die Vertragsfreiheil müsse in dieser Beziehung aufgehoben und eine Minimalküiidigungsfrift eingeführt werde». So habe der Reichstag auch am 16. April 1894 beschlossen. Die Dauer dieser Frist würde am richtigsten auf vier Wochen bemessen. Die Konknrrenzklausel, das Verbot des Eintritts in ein Konkurrenzgeschäft, vielfach sogar auf langjährige Dauer und aus sehr weite Rayons, habe eine so exzessive Ausdehnung er- fahren, daö hier das Gesetz einschreiten müsse. Der Kampf um die Klausel werde ja schon lange geführt. Die Ausführungen der Sachverständigen in der Kommission für Arbeitcrstatistik hätten sich einstiinmig gegen die Konkurrenzklausel oder doch gegen deren exzessiven Gebrauch gerichtet. Geradezu als Unfug müsse bezeichnet werden. daß durch solche Verträge schon die Lehrlinge in ihrem ferner» Fort- kommen behindert werden. Der Druck dieser harten Be- stiinmungen stehe außerdem in einem schreienden Gegen- s a tz zu dem Gehalt. In einem solchen Vertrage sei ein Gehalt von 360 M. jährlich, daneben aber eine Konventional- strafe von 10 000 M. für die Verletzung der Konkurrenzklausel ausgemacht.(Heiterkeit.) Solche unerhörten Mißbräuche der Vertragssreiheit müßten verschwinden. Die ganze weitere wirth- schaftliche Existenz des Handlungsgehilsen werde durch die Kvnknrrenzklausel ruinirt oder er werde ins Ausland getrieben. Die Handlungsgehilfen unterschreiben diese Verträge, weilsie müssen, um überhaupt Be- schäftigung zu finden. Das Reichsgericht habe leider nicht nur ausdrücklich die Klage aus diesem Vertrage für zu- lässig erklärt, sondern auch den Zwang zum Austritt aus dem Konkurrenzgeschäft ausgesprochen, auch die Kon- ventionalstrafe für verfallen erklärt, wenn der Prinzipal dem Handlungsgehilfen gekündigt hat. In keinem anderen Bernse wurde so weitgehender Gebrauch von Vertrags- strafen gemacht als im Handelsstande. Darum müsse auch diese Frage nicht im bürgerlichen Gesetzbuch, sondern im Handelsgesetzbuch besonders geregelt werden; die S ch u tz v o r- schriften des Entwurfes eines bürgerlichen Gesetzbuches genüge« nicht für die Handlungsgehilfen. Bei niedrigen Gehaltssätzen sollte die Konkurrenzklausel überhaupt verboten werden. > Staatssekretär Nieberding: In der T e n d e n z bin ich mit dem Vorredner einverstanden. Zur Zeit der Berathung des Handelsgesetzbuches war der wirthschaftliche Kampf noch bei weitem nicht so entbrannt wie heute. Man muß an- erkennen, daß die B e st i m m u n g e n d e s H a n d e l s g e s e tz- b u ch e s nicht mehr ausreichen. Bei der Neuregeluiig wollen auch die verbündeten Regierungen ihre Maß- nahinen so treffen, daß beide Theile, Arbeitgeber und Arbeit- nehmer erkennen, daß ausgleichende Gerechtigkeit angestrebt wird. Zu den Verhandlungen im Neichs-Justizamt sind daher nicht nur 5kaiifleute, sondern auch Vertreter des Gehilfenstandes zugezogen worden. Alle haben in so ersprießlicher Weise an den Verhand- lungen theilgenommen, daß wir davon eine befriedigende Unter- tage für die weiteren Schritte der Gesetzgebung erhoffen können. Die zivei als besonders wichtig hervorgehobenen Punkte erkenne auch ich als solche an. Die Frage der Kündigungsfrist hat sich ja schon aus der Initiative des Hauses zu einem Gesetz- eutwurf verdichtet, dem die verbündeten Regierungeii bisher ihre Zustiminung nicht deshalb versagt haben, weil sie damit nicht prinzipiell einverstanden sind, sondern weil sie gerade mit Rücksicht auf die Jiitereffen der Handlungs- gehilsen das Ergebuiß der veranlaßten Statistik abwarten wollen. Die iiizwischen zum Abschluß gekommeneii Erhebungen haben unsere Zweifel bestärkt; es wird gegenwärtig erwogen, wieweit die vom Hause angenommenen Bestimmnngeu zu ändern und zu erweitern sein werden, um die berechtigten Interessen der Handlungsgehilfen nach allen Seiten zu wahren. Das Resultat der Verhandlungen über die Konknrreiizklausel ist, daß ein nn- bedingtes Verbot der Klausel ohne Schädigung wichtiger Handels- iuteressen ebenso wenig zulässig ist, als die sortdauernde unbeschränkte Vertragsfreiheit in dieser Hinsicht. Der Wege zur Abhilfe sind sehr verschiedene; leicht ist die Aufgabe nicht. Wir werden weiter eruslhast bemüht sein, auch hier zu einem besriedigendeu Resultat zu kommen.(Beifall.) Abg. Singer(Soz.): Durch diese Erklärung wird die Hoff- nnng aus baldige Erfüllung der sehnlichen Wünsche der Handlungsgehilfen leider stark herabgestimmt. In der Sozialresorm ist eben das Marschtempo das der Schneckenpost. Ter Bundesrath steht sachlich vollständig auf dem Boden der großen Mehrheit des Reichstages in Sachen der Küiidignngssrist; warum also nicht diese höchst dringliche Frage durch ein Rothgesetz in Ordnung bringen? Durch die ewigen Erwägungen und Erhebungen in den verschiedenen Ressorts und Instanzen ver- schleppen die Herren am grünen Tisch solche höchst dringlichen Anforderungen des wirklichen praklischen Lebens in schliminster Weise. Die armen Handlungsgehilseu, die unter diesen jämmer- lichen Verhältnissen leiden müssen, haben nicht so viel Zeit, wie die Behörden sich nehmen zu können glauben. Auch die Mißstände auf dem Gebiete der Konkurrenzllansel bedürfen der sofortigen Abstellung. Ich habe der 5koni- Mission für die Vorlage wegen des unlauteren Wettbewerbes nicht weniger wie 73 solcher Verträge zur Versttgung gestellt, welche in schanilosester Weise die Angestellten der Möglichkeit beraubt, für ihre Zukunft zu sorgen. Daß ein Verbot nicht möglich sei, muß ich durchaus bestreiten. Während aber hier der Staatssekretär wenigstens in der Hauptsache die Schädlichkeit dieser Klausel anerkennt, bringen die verbündeten Regierungen in dem Gesetzentwurf betreffend die Bekäinpsung des u n- lauteren Wettbewerbes»ine Beslimmung in Vor- schlag, welche diese Konkurrenzklausel durch kriniiuelle Strafandrohung noch v e r s ch ä r s t. Das ist ein sehr auffallender Widerspruch. Im ganzen gilt auch von diesem Theile der unerfüllten sozialpolitischen Forderungen das Wort: Ter Worte sind genug gewechselt, laßt uns nun endlich Thaten sehen! Ich habe das Wort erbelen, um die Thätigkeit des jüngst verstorbenen Landgerichtsdirektors Brause weiter zur Sprache zu bringen. Der Grundsatz: sie rnortriis nil nisi bene ist eigentlich nichts weiter als eine konventionelle Heuchelei; indessen habe ich auch keine Veranlassung, mich mehr wie nöthig mit dem Verstorbeneii zu beschästigeu, nachdem sich herausgestellt hat, daß seine amtlichen Handlungen, die vieljach im Volke als unver- ständliche Brutalitäten betrachtet wurden, in einer Ursache ihren Grund haben, für die die Person nicht verantwortlich zu machen ist. Obwohl die Sozialdemvkralie besondere Ursache hätte, über die Thätigkeit gerade dieses Herrn zu klagen, so will ich die Frage aus den allgemeinen Gesichtspunkleu heraus, bei denen alle Parteien iuteressirt sind, behandeln. In dem bekannleu G» in ni i- s ch l a u ch» P r o z e ß, der sich aus Anlaß einer Polizeialtacke gegen Arbeitslose hier in Berlin gegen die Opjer dieser Polizei- attacke abspielte, ging Herr Branseivetler mit den sonderbarsten Argumenten gegen die Bertheidiger vor. Ein Vertheidiger sagte im Laufe der Zeugenvernehmung:„Ich stelle{est". Darauf siel ihm der Vorsitzende ins Wort:„Sie können überhaupt nichts feststellen". Ein Vertheidiger prolestirte dagegen, daß ihm das Wort entzogen ist,, worauf Brausewelter bemerkte:„Ich gebe Ihnen das Wort, wenn es mir eben paßt". Bekannt ist das geflügelte Wort:„Die Oeffenllichkeit existirt nicht." Weiter:„Der Vertheidiger hat sich mit der Person des Staatsanwalts gar nicht, zu beschäftigen, sondern mit der Person seines Klienten. Ich lasse keine ülngrisfe auf den StaalSanwali zu." Die Animosität des Herrn Bransewetter ging noch viel weiter und der hiesige Anwaltsverein nahm Veranlassung, ex officio sich mit den Dingen zu beschäsligen und der vorgesetzten Behörde das betreffende Material z» unterbreiten. Schon 1892 wurde um Reklifikation des Herrn Brauseivetter gebeten, dabei wurde auf folgendes aufmerksam gemacht: Herr Brausewelter habe eine Rechtsbelehrnng an die Geschworenen mit den Worten eingeleitet:„Ich schließe mich den Ausführungen des Herrn Staatsanwalts Satz für Satz an." In einem anderen Falle sagte er zu den Geschworenen:„Keinesfalls dürfen Sie dem Angeklagten mildernde Umstände bewilligen." Ferner zu einem Angeklagten, nachdem der Vertheidiger noch kein Wort gesprochen:„Diese Ausrede des Angeklagten glaubt außer dem Vertheidiger kein Mensch."(Heiterkeit) Das sind doch alles Beeinflüssnngen der Geschworene». Einen Satz, für den ich allerdings nicht die persönliche Garantie übernehmen kann, der aber doch zur Beurlheilung des Falles vieles beitragen kann, finde ich in einem hiesigen Organ; danach soll Herr Brausewelter schon vor längerer Zeit die Aeußerung gethan haben:„Wenn ich so einen Sozialdemokraten vor mir habe, der durch einen solchen jüdischen Advokaten vertheidigt wird, wird mir immer ganz roih vor Augen." Alle diese Aeußerungen beweisen, daß der M a n n s e i t Jahren nicht mehr den A n s p r ii ch e u genügte, die an den Inhaber eines so verant- wortungsvollen Postens des Vorsitzenden einer Strafkammer gestellt werden müssen. Als Schwurgerichts-Vorsitzender hat sich Herr Brausewetter womöglich noch ärger bloßgestellt, nameiillich dadurch, daß er die Ge- schworenen nicht belehrte, sondern sie durch den direkten Au- fchluß an die Anschauungen des Staatsanwaltes zu beeinflussen fnchte. Daß Herr Braufewetter seines krankhaften Zustandes wegen schon seit Jahren die für einen Richter n o t h w e n d i g e S e l b st b e h e r r s ch u n g nicht mehr besaß, beweisen diese Auslassungen in drastischer Weise. Seine Krankheit kam im De- zemder in voller Stärkenach einem heftigen Gewitter zum Ausbruch; wenige Tage danach wurde er in eine Heilanstalt übergeführt. In der Zwischenzeit aber hatte er noch ein Gerichtsuriheil ab- gefaßt, durch welches zwei sozialdemokratische Schriftsteller, welche eine beleidigende Aeußerung gegen eiuen meiningischeu Beamten in das von ihnen redigirte Protokoll des Frankfurter sozialdemokratischen Parteitages übenioinmen halten, wegen dieser minimen Sache zu der horrenden Strafe von je 3 Monaten Gefängniß verurlheilt wurden!(Hört! hört!) Dabei ist erwiesen. daß s ch o n zwei Jahre v v r h e r d e r G e r i ch t s p h y s i k u s z u e i n e r Erklär u n g veranlaßt worden war, wonach die Hand- l u n g e n d e s Herrn Brausewetter schon damals unter einem krankhaften Einfluß g e st a n d e u haben.(Präsident v. Bnol hält daiür, daß diese ganze persönliche Tarstellnng vor den preußischen Jnstizminister gehört.) Ich habe dies anstthren müssen, um die Uulerlage für die an den Staatssekretär zu stellenden Fragen zu haben. Kann der Slaalsselrelär es zulassen, daß ein Zustand in der Slrasrechts- pflege soridauert, der das Rechtsbewußlsein des Volkes in der ärgsten Weise verwirren muß; daß II r t h e i l e rechts- b e st ä n d i g bleiben, auch w e n u sie von Geistes- k r a u k e n g e f ä l l t w e r d e n? Bei zivilrechtlichen Sachen, wie Testaiueiitserrichtuiigen ic kamt dieser Umstand zur Vernichtung der betreffenden richterlichen Handlung führen; warum hier nicht? Wirforder n ei n elexBra n sc weiter, durch welche vor- geschlagen wird, eine Revision s ä m»i t l i ch e r Pro- zesse, die unter Brausewetler's Vorsitz seit der Zeit verhandelt worden sind, wo seine G e i st e s st ö r u n g erwiesen i st. Noch sitzen hunderte, nicht bloS Sozialdemokraten, deren Verurtheilung ja eine Spezialität des Herr» war, sondern auch viele Angehörige bürgerlicher Parteien in den Gefängnissen, die vielleicht von einem genug normal besetzten Gericht ein anderes Urtheil erfahren hätten. lieber den großen Einfluß des Vorsitzenden einer Straskammer ist man allseitig unterrichtet. Es ist ein fundamentales lliecht des Volkes, daß sämmtliche Richter im normalen Besitz ihrer geistigen Kräfte sind. Ich hoffe, daß auch bei den ver- bündelen Liegierungen das Bewußtsein vorhanden sein wird, daß es ihre Pflicht ist, gegenüber diesem Vorgang in der Weise vorzugehen, wie ich es verlange. Legen Sic Werth auf das An» sehen der Justiz, dann verhindern Sie das Eintreten von Folgen, wie sie hier zu tage liegen. Urlheilc. die ein notorisch mahn- sinn iger Mann gefällt hat, müssen revisibel sein!(Beifall links.) Staatssekretär Nieberding: Der Vorredner hat persönliche Beziehungen eines verstorbenen Richters zur Begründung seiner Anfragen in die Debatte gezogen, die nicht nöthig gewesen wären. Ich werde auf diese einen unglückliche n M a n n betreffendeu Persönlichkeile» nicht eingehen, zumal er persönlich für diese einzustehen nicht geneigt scheint. Er hat es so dargestellt, als ob es sich um einen Richlcr handelt, der seit längerer Zeit geisteskrank gewesen sei und in diesem kraukhasten Zustand an der Recht- sprechung lheilgenommen habe. Ich muß die i)! i ch t i g k e i t dieser V e h a u p t u n g bestreiten.(Zwischenruf.) Das ist nicht vom preußischen Jnstizniinifterium zugegeben worden. Der Vertreter hat sich im Gegentheil dahin ausgesprochen, daß nichts vorliege, was zu dieser Annahme berechtige. Die übrigen Mitglieder dieser Straskammer sollen von der geistigen Ilm- iiachtnng Kenntniß gehabt und trotzdem weiter an der Recht- sprechung lheilgenommen haben. Ich bestreite das ebensalls. Woher weiß der Vorredner, daß es so gewesen ist. Auch der Justizmiiiister soll seine Pflicht verletzt haben, indem er ruhig diefen Zustand zugegeben hat, ohne einzuschreiten. Ich bestreite ihm das Recht, auf eine beweislose Behauptung hin der preußischen Justizverwaltung den Vorwurf der Pflichtvernach- lässignng zu machen. Die preußische Justizverwaltung hätte wohl Mittel zum Einschreiten gehabt, wenn sie es für nöthig gehalten hätte. Neuer Mittel derart bedarf es nicht, die bestehende Gesetzgebung giebt diese bereits an die Hand. Davon hätte Gebrauch gemacht werden können, wenn die Betheiligten an der zuständigen Stelle Vorstellungen erhoben hätten; anonyme Mittheilungen in den Zeitungen' sind nicht dazu geeignet. Was soll denn die Justiz- Verwaltung ansangen, da ihr ja das Recht und die Möglichkeit fortgesetzt verweigert wird, auf die Besetzung der Straskammern Einsluß zu üben." Auch in diesem Punkte muß ich die erhobenen Vorwürfe zurückweisen. Bleiben wir bei den Thatsachen, ivelche uns nöthigen, eine Aendernug in der Gesetzgebung herbeizuführen. Sollten Sprüche gefällt worden sein, bei denen eui illichter theil- genominen hat, der geistig krank gewesen ist. so giebt den betheiligten Parteien das Gesetz die Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, weil dann das Gericht, nicht vorschriftsmäßig besetzt gewesen ist, und der Weg der Revision offen steht. Sollte außerdem die Justizverwalluiiy die Ueberzeuguug erhalten. daß ein Richter nicht mehr in der Lage ist. seines Amtes aus diesem Grunde zu walten, so kann er suspendirt und ans dem Dienst entlassen werden. Die Besorgnisse des Vor- r e d n e r s sind nicht begründet. Abg. Schröder(irf. Vg): Der Fall Brausewelter, wie ihn Herr Singer vorgetragen hat, beweist, mit welchen 11 e b e r- t r e i b u u g e n man aus allein und jedem von gewisser Seite Kapital zu schlagen sucht. Man verlangt ohne weiteres, daß eine große Zahl von llrtheilen einer nachträglichen Nevisiou unterworfen wird und selbst daß der Versuch einer Spezial- gesetzgebung nach dieser Richtung gemacht wird. Ein gesetzlicher Grund für ein Wiederaufnahmeverfahren und für die Revision aller dieser Prozesse existirt nicht. Es ist unerhört, wen u gesagt wird, z e m a n d. der geisteskrank ist, sei schon früher g e i st e s k r a n k g e w e s e n.(Zwischen- ruf links.) Hier nutzen Veruiuthungeii nichts, da braucht mau erweisliche Thalsachen. Die könuen Sie nicht beibringen, weil Sie doch nicht so weit gehen werden, zu behaupten, daß die übrigen Beisitzer trotz der Erkenntniß der Geisteskrankheit ihres 5tollegen ruhig weiter ihres Amtes gewaltet hätten.(Lebhaste Zustiinniung.) Wir wollen doch gerade dem Gericht das Urtheil darüber lassen, wie die Vertheilung der Geschäfte zu erfolgen hat; wenn das große Kollegium des Landgerichts I keinen Wechsel in der Amlsvertheilung für nöthig hielt, so spricht das doch nicht sür diese Vermuthung. Gerade um die Achtung vor der I u st i z p f l e g e zu f e st i g e n, muß ich d t e s e n A n g r i s f entschieden zurückweisen. Einem einzeliieu Urtheil, einer einzelnen Amtshandlung gegenüber können Sie, wenn es Ihnen gelingt, nachzuweisen, daß der Richter in geistiger Um- nachtung gehandelt hat, Remedur aus dem Wege der Begnadigung suchen(Lachen bei den Sozialdemokraten); ja, ein anderer Weg kann nicht beschritten werden; dem Ansehen des Rechtes haben Sie damit keinen besonderen Dienst geleistet. Abg. Tchinidt-Warbnrg(Z.): Der Abg. Singer hat Kollegen von mir angegriffen, weil sie ruhig unler dem Vorsitz des Herrn Brausewelter weiter nmtirl hätten, obwohl sie seinen Zustand gekannt hätten. Dieser Vorwurf ist doch recht wenig berechtigt. Die vorgelesenen Aeußerungen kannte ich schon; ich habe sie seiner Zeit auch nicht mit Behagen gelesen, sondern mit der Empsindiing, daß es nicht angemessen sei, daß Herr Brausewetter seine persönliche Meinung über die Schuldfrage so oft in den Vordergrund stellt; nicht blos die Beisitzer, sondern die ge- sammte Oeffenllichkeit hat die Verhandliiiigen anhören und ve- urtheilen köiinen, aber niemand von Ihnen(zu den Soz.) hat sich in der Presse gerührt.und da sollen dieBeisitzer unter allenUniständen diese Wahrnehmunggemacht haben? Nein, Herr Singer, das ist de- plazirt. In derJustizkommission haben wir ja schon einen Autrag er- halten, daß daS Wiederaiifnahmeverfahren auch zulässig sein soll. wenn ein geisteskranker Richter bei der Urtheilsfällung mitgewirkt hat. Ter Antrag ist einstweile» abgelehnt worden, wird aber bei der zweiten Lesung in der Kommission wiederkomm. m. Den Entrüstungssturm über die Hindentuiig aus die Begnadigung verstehe ich nicht. Wie soll es denn gemacht werden, ivenn das Gesetz einen anderen Ausweg nicht zeigt? Sollen wir Paria- mentsjustiz inachen und diese oder jene richterliche» Nrlheile für nichtig erklären? Das geht doch nicht an. Dann muß eben die Begnadigung aiigeiiomiiien werden. Abg. Singer(Soz.): Daß der V o r s i tz e u d e e i» e r S t r a s- k a ni m e r eine» überwiegenden Einfluß ans das Gericht ausübt, hat auch der Vorredner anerkannt. Die Eiilrnstuiig über die Hiiiein- ziehung der Person des Herrn Brausewelter ist ganz uiigerechlfertigl; sie ist ein kteines Entrüstiingsschnuspiel, welches Ihnen draußen im Lande keiner glandt. Sie ivollieii damit blos oie Entrüstung abschwächen, die draußen im Volle über diese Rechlsprechmig und diese Vertreter derselben herrscht. Tie Lebendigen dürfen nicht unter dem leiden, was den Todteu mit recht zum Vorwurf gemacht werden kann. Der Staatssekretär steht im Widerspruch mit de» Abgg. Schröder und Schmidt. Er meint, die Revision stehe frei, die beiden Redner aus dem Hause uieiiie» das Gegentheil. Sollen die von den Urtheilen beiroffenen Moiiate und Jahre lang unter diesem Sireil der Jnristen weiter leiden? Nach allen Aeußerung»« medizinischer Autoritäten, die hier in betracht komineii, ist es niiumstößlich. daß das Leiden des Herrn Branseivetler schon Jahre lang vor- Händen und der plötzliche Znsammenbruch nur das Ende war. Run sagt Herr Nieberding. Zeiliiilgsliachrichteil beachten wir nicht. Der Kriegsiiiiiiister aber, sein Kollege, der beachtet sie recht ausinerksain, der läßt recht gründliche Ermittelungsverfahren auf solche Mittheilimgen hin einleiten. Uebrigens ist es falsch von anonym»« Zeitungsnachrichten zu sprechen; hinter jeder Zeitungsnachricht steht der verantwortliche Redaklenr. Die vor die Brausewetler-Kamuier Geladenen haben wiederholt Herr» Brausewetter abgelehnt, weil er das objektive Recht nicht zu finden im stände sei. Ist das auch kein Umstand, der die Aufmerksamkeit der Jiistizverwaltuiig ans diesen Vorsitzenden lenke» komite? Dann hat der Staatssekretär noch eine ganze Reihe von Ausführungen gemacht, die nur dazu dieiileu, die Ailfiiierksamkeit von den eigeiitlicheii Thatsachen abzulenken auf Nebeiinmstäiide; er hat uns milgetheilt, daß die vorgesetzte Behörde das Recht habe, einen lliichler, von dem sie glaubt, daß er geisteskrank sei, zu dispeusiren. Das habe ich auch gewußt. Ich habe den Staatssekretär gefragt, was er zu thuii gedenke, um den zu barten Strafe» durch diesen Geisteskrauken Bernrlheilten die Möglichkeit der Remedur zu geben, um eine Nachprüfung der Prozesse zu criiiöglicheu. Darauf hat er mir nicht geantwortet. Ich habe nicht behauptet, daß die Bei- sitzer iviißten, daß Brausewetter nicht geistig normal sei. sondern daß sie es wissen mußten und zwar schon Jahre lang vorher. Die Kollegen Branseivelter's in seiner Straskanimer mußten nach meiner festen Ueberzeiignng wissen, daß sie es mit einem Geisteskraiiken zu thnn hatten; das geht aus allen den Thatsachen hervor, die nach der Erkrankung und nach dem Tode Brause- welter'S veröffentlicht sind. Das Ansehen der Justiz verlangt gerade, daß hier eingeschritten wird, sonst wird diesem A u s e h e n ein l ö d t l i ch e r Schlag versetzt. Das Vol! will eine lebendige Rechtsprechung, nicht ei» starres Berufen auf Fornielkrani. Eiaentlich wäre es Ihre Pflicht als Vertreter der herrschenden Zustände gewesen, dieses Unrecht an den Pranger zu stellen und dafür zu sorgen, daß dein beleidigten Rechtsgefühl des Volkes Sühne geschaffen wird. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Nicbcrding: Der Vorredner wiederholt die Behauptung, der Verstorbene sei notorisch geisteskrank gewesen. Ich wiederhole, das ist nicht wahr. Bringe» Sie dafür die Be- meist und für alle Verunglimpfungen der Justiz. Dann sagt der Vorredner, die Beisitzer hätten wissen müssen, daß der Vorsitzende geisteskrank sei. Damit wird das ganze Richterkollegium von ll-t Richtern mit einem Vorwurf getroffen, den ich nicht ent- s ch i e d e n g e im g z» r ü d>v e i s e n kann; ich bin überzeugt, die össentliche Meinung wird sich diesen Vorwurf nicht gefalle» lassen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Lenzman»(srs. Vp.): Ganz nach meinem Geschmack ist die Art und Weise, wie Herr Singer hier den Fall vorgeführt und verwerthet hat. nicht; aber das Volk versteht in der That nicht, wie dieUrtheile aufrechterhalten bleiben können, die unter dem Vorsitz eines geisteskranken Richters gefällt wurden. Die Vorwürfe gegen die Beisitzer sind weniger gerechtfertigt gewesen. Es mag sein, daß die Beisitzer in seinem Verhalten nichts Bedenkliches gefunden haben; das liegt aber mehr an der Älrt, wie jetzt mehr als früher die lltichter u. a. auf die Vertheidigung herabsehen.(Sehr wahr! links.) Im Prozeß Heiiize war der Zweifel an der Quali- sikalion des Herrn Bransewetter in weiten Kreisen der Oesfe n tlichkeit aufgetaucht. Diese Zweifel wuchsen durch die Kenntniß von dem Gunimischlauch-Prozeß, ganz abgesehen vom Vorhandensein einer Geisteskrankheit. Herr Bransewetter wäre vielleicht ein sehr guter Zivilrichter gewesen, als Strafrichter stand er aus der falschen Stelle. Die Bteinfluffnng der Gerichte bei der Geschäfts- vertheilung wäre allerdings ein Schlag gegen die Freiheit des Volkes; das wollen wir nicht. Hier müßte aber das Präsidium selbst mit der Justizverwallung durch die Stimmen gedrängt werden, welche über das Gebahreu des Herrn Branseweltcr ver- lauteten; wenn dieser Weg doch nicht beschritten wurde, so sind jene beiden Instanzen von der Verantwortlichkeit für die Folge nicht freizusprechen. Die positive Forderung des Herrn Singer ist aber nicht zu erjülleii. Man kann doch nicht jeden Richter probeweise auf sechs Monate in eine Irrenanstalt zur Beobachtung schicken.(Heiterkeit.) Auch ein krankhaftes S t r e b e r t h u m i st eine Art Geisteskrankheit(Zustimmung.) Die Revision ist äugen- blicklich schon wegen des Ablaufs der Frist ganz unzulässig. Ein Gesetz zu erlassen, welches alle Urtheile aufhebt, unter denen der Name Brauseivetter steht, ist absolut unzulässig, damit ginge die Rechtssicherheit verloren. Der Hinweis auf die Gnadeninstanz ist ein Nothbehels, den ich akzeptire; aber dazu sollte man nur im äußersten Nothsalle schreiten, wenn die Gesetzgebung versagt. Denn bei jedem Gnadengesuch würde doch zuerst der Staats- a n w a I t zu hören sein, und der würde sich natürlich immer bona fiele sehr schwer entschließen, bei einem verurtheilten Sozialdemokraten das Gnaden- gesuch zu befürworten. Ganz so rathlos stehen wir aber nicht da. Mnnckel und ich haben bean- tragt, unter die Fälle der Wiederausnahme des Ver- fahrens auch diesen Fall zu subsnmniiren. Wir haben allerdings gehört, daß die Begriffsstimmuiig„geisteskrank" sehr schwer sei; wir haben unsere Anregung dann dahin eingeschränkt, daß grnnd zur Wiederausnahme dann vorhanden sein soll, wenn anzu- nehmen ist, daß einer der Richter zur Zeit der Urtheilsfällnng in Wahnsinn verfallen war. Der Antrag ist nur mit Stimmen- gleichheit gefallen und wird in zweiter Lesung wohl durchdringen. Gelingt uns dies, dann werden auch die verbündeten Regierungen, wie ich hoffe, dieses Novum annehmen und auch den im Falle Brausewetter vielleicht Geschädigten zu ihrem Recht verhelfen. Abg. Ttadthagen: Die Revision, auf welche der Staats- sekrelär hinwies, ist nur in einer ganz verschwindend kleinen Anzahl von Fällen überhaupt zulässig. Außerdem steht weder im Gerichtsverfafsungs- Gesetz noch in der S t r a f p r o z e ß- O r d n u n g a l s R e ch l s g r u nsd sah, daß ein Richter die normalen Fähigkeiten haben müsse, die die andern Menschen haben müssen. Insbesondere steht nicht darin, daß Richter und Siaatsauwälte geistig gesund sein müssen. Dazu tritt, daß alle diese Förmlichkeilen nur aus dem Eitzungsprotokoll nach der Strafprozeß- Ordnung bewiesen werden können. Es müßte demnach, wenn man so streng vor- geht, aus dem von dem Geisteskranken iinterzeichneten Protokoll hervorgehen, daß er geisteskrank ist. Ich glaube nicht, daß«in solcher Fall eintreten kann. Wir be- sitzen weder in der Zivil- noch in der Strafrechlspflege ein Mittel, um die von einem oder mehreren geisteskranken Richtern gefällten Urtheile aufzuheben. Ich gebe auch dem Abg. Lenz- mann zu, daß aus dem Streberthum und der krankhaften Neigung zur Kriecherei, sich allmälig eine Geistesbildung heraus- gebildet hat, die womöglich auch bei aiiberen iliichlern vor- Händen sein kann; wenn das aber möglich ist, dann wäre es nothwendig, im Gerichlsverfassungk-Gesetz eine Bestiminnng zu treffen, die Wahrscheinlichkeit dieser Erscheinung zu beseiiigen. Wir wollen nach oben und nach unten hin unabhängige Richter und jede Möglichkeit verschränken, daß die Richter- stellen mit solchen Personen besetzt werden. Deshalb haben wir nach dieser Richtung hin einen Antrag gestellt, der uns später beschästigen wird. Ich habe den Landgerichls-Direktor Brause- weiter 10 Jahre lang gekannt und stelle fest, daß der Staats- sekrelär sich irrt, wenn er glaubt, den vorgesetzten Behörden und dem preußischen Juslizministerium seien die Vor- gänge und die Thatsacheu ganz und gar unbekannt geblieben. Dieses Material findet sich in einer Fülle von Eingaben an das Justizministerium, die sich alle aus Avlehnungsgesuche gegen den Herrn Bransewetter beziehe». Schon 1839 ist darin dasjenige zum Ausdruck gebracht worden, was sich Ende 1895 so kraß be- stäligt hat, natürlich in Formen, welche eine Beleidigung aus- schloffen, aber jedem Juriste» verständlich machen mußten, was gesagt werden sollte.(Redner zitirt eine Anzahl der betreffenden Stellen aus den Eingaben.) Alles dieses ist aber auch in Zeitungen und in öfseiitlichen Versammlungen behauptet und also die Beschuldigung in aller Oeffentlichkeit erhoben worden. Daß nichts geschehen ist, das liegt in der subalternen Stellung, die heute dem Nichiersland überhaupt angewiesen ist, soweit er nicht in Präsidialstellen sich be- findet. Der Staatssekretär fordert Beweise für die Bebauplniig, daß die Beisitzer von der Geisteskrankheit des Vorsitzenden hätten Kenntniß haben müssen. Die Kenntniß aller vorgetragenen Einzelheiten mußte allerdings diese Herren darauf führen, wenn ihnen nicht entweder die Fähigkeit, das zu erkennen, mangelte, oder sie aus einer ähnlichen, wenn auch lange nicht so enr- wickelten Stimmung heraus seine Handlungsweise für durchaus unanfechtbar angesehen hätten. Wenn der Staatsselrelür die Akten des Jnstizministeriums liest, muß er zu der Ueberzeugung kommen, daß wiiiigstens der dringende Verdacht in der be- zeichneten Richtung vorlag. So lange der Staatssekretär nicht «ine genügende Antwort gegeben hat, bitte ich den Reichs- tag, da? Gehalt des Staatssekretärs nicht zu bewilligen.(Heilerkeit.) Abg. Liitgcnan(Soz.): Kaum weniger als durch die Ur- theile der Brausewetter-Kamnier ist die Oeffentlichkeit erregt worden durch das Urtheil, welches wegen Meineids von dem Schwurgericht zu Essen gegen den Bergmann Schröder und Genossen gefällt worden ist und die Verurtheilten ins Zuchthaus oder Gcsängiiiß geführt hat. Eine von unserer Partei veranstaltete Eammlnng für die Opfer dieses Prozesses und deren Angehörige hat öll llvo M. ergeben. Eine solche Opferwilligkeit tritt auch in unserer Partei nur da ein, wo die feste Ueberzeuguiig oder wenigstcus ein starkes Gefühl der Unschuld der Verurtheilten vorhanden ist. In ausführlicher Darstellung setzt Redner die befannten Vorgänge, welche zu dem Prozesse führten, dessen Verlauf und Entscheidung auseinander.(Präsident v. B u o l ersucht den Redner nicht zu tief in die Einzelheiten des Prozesses einzugehen). In dem Prozeß ist bekanntlich ausschlaggebend gewesen die Auffassung der Staatsanwaltschaft und der Geschworenen, daß die sozialdemokratischen Eidschwüre keinen Glauben verdienten, weil die Sozialdemokratie die Heiligkeit des Eides leugne. Redner will darthun, daß eine Reihe v o n U m st ä n d e n d i e s e A n s ch a u u u g völlig zu er- schütter ii geeignet sind. Nicht ein sozialdemokratisches Blatt, sondern das anarchistische eines Herrn Jeup in Elberfeld habe den politischen Meineid für gerechtfertigt erklärt. Ferner habe sich nach dem Prozesse eine Reihe von Zeugen gefunden, die trotz des Schicksals von Schröder und Genossen die Vorgänge so beschworen, wie Schröder und Genossen sie beschworen haben. Die Gelegenheit dazu boten die noch immer nicht ab- reißenden Prozesse wegen Veleidignng des Gendarmen Münter. Auch gegen einige Geschworene erhebt Redner den Vorwurf, daß sie nicht nach Recht und Gerechtigkeit, nicht nach ihrem besten Gewissen ihren Wahrspruch abgegeben hätten und sacht das im einzelnen nachzuweisen. Heute steht fest, daß Schröder und Genossen zu unrecht v e r u r l h e i l t sind und daß ihre Aussage objektiv richtig gewesen ist. Nicht die Partei, aber die Personen seien schwer geschädigt durch dieses Urtheil. Daß die Partei nicht geschädigt sei, beweise er selbst durch seine Person; er stände jetzt wahrscheinlich nicht auf der Reichstags-Tribüne, wenn dieses unglaubliche Urtheil nicht ergangen wäre. Das Essener Urtheil stelle die breiten Massen der Bevölkerung vor die Frage: Sind K l a s s e n st a a t und Gerechtigkeit bereits unvereinbare Dinge geworden?(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Etat der Reichs-Justizverwaltuiig wird unverändert genehmigt, desgleichen der Etat des R e ch n n n g s h o f e s. In die außerdem noch auf der Tagesordnung stehende erste Lesung der Novelle zur Gewerbe-Ordnuug wird wegen der vor- gerückten Stunde nicht mehr eingetreten. Schluß 4»/« Uhr. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr.(Erste Lesung des Entwurfes eines bürgerlichen Gesetzbuches.) UoltÄles. Achtuilg, 0, Wahlkreis. Den Parteigenossen bringen wir folgende Parteispediiionen bei der Lieferung des„Vorwärts", „Wahrer Jakob",„Postillou", sowie sämmtlicher Parteiliteratur in Erinnerung: Moabit. Otto Hempel, Lübeckerstr. 16, Hos pari. Wedding und Oranienburger Vorstadt, Emil Stolzenburg. Wiesenstr. 14. Gesundbrunnen, Wilh. Gaßmann. Grünthalerstr. 67.(Vom 1.'April ab, Grünthaler- straße 64.) Äiosenthaler Vorstadt, Gustav Rosenthal, Granseerstr. 6. Schönhauser Vorstadt, Karl Mars, Kastanien-Allec 96. Genossen! Es ist heute mehr als sonst am Platze, für die Verbreitung unserer Presse Sorge zu tragen. Thne daher jeder seine Pflicht!'Alle Beschwerden wolle mau iingesäumt den oben genannten Speditionsinhabern bekannt geben. Wcistcnsce. Alle Anfragen, welche die Konimnnalwahlen betreffen, sind an den Parteigenossen Hermann Karow, Langhaus- straße 159, 3 Tr., zu richten. Mittheiliingen über Mißslände und Unregelmäßigkeiten wolle man ebenfalls an diese Adresse gelangen lassen. Das Wahlkomitee. Die Parteigenossen von Ttrala« werden darauf auf- merkfain gemacht, daß die Wählerlisten zur Geineindcraths-Wahl vom 1. bis zum 16. Februar im Gemeindebnreau während der Dienststnnden ausliegen. Genossen, welche nicht die nölhige Zeit haben, die Listen eiiizusehen, wolle» ihre Adresse bei W. Buck, Dorsslr. 6, oder bei C. Seitz, Dorfstr. 46, abgeben. Auf welche Weise die Vertreter der christliche» Kirche ihre Nächstenliebe zuweilen bethätigcn, zeigt ein Vorfall, über den wir folgenden Bericht erhalten:„Am Sonntag, den 26. Januar d. Js. wurde auf dein Friedhof zu Weibensce der Parteigenosse Bäckermeister Haminelmann beerdigt. Aus Pietät gegen die Anverwandten bestellte die Willwe einen Geistlichen. Da die Beerdigung von der Leichenhalle aus geschah, hatten sich die Mitglieder des Sozialdemokralischen Arbeiler-Bercins, zu welchem der Verstorbene gehörte, zahlreich aus dem Friedhof ein- gefunden. Ein großer Kranz mit rolher Schleife und entsprechender Widmung war von obengenanntem Verein gestiftet worden.'Als der Geistliche. Namens Geiseler, erschien, war er beim Erblicken der rolhen Schleife wie versteinert; erst nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, sandte er den Inspektor zum Vorsitzenden mit dem Ersuchen, die Schleise zu entiernen, widrigenfalls er nicht sprechen würde; dieses wurde vom Vorsitzenden abgelehnt mit der Motivirnng, erst die Wittwe zu hören, wie sie darüber denken würde. Stach langem Hi» und Herreden erklärte die Wittwe, lieber auf die Rede beb Geistlichen zu verzichten, als die Schleife entfernen zu lassen. Nachdem sich der Geistliche ent- ferut hatte, trugen die Genossen den Verstorbenen zur Gruft, woselbst der Gesangverein„Freiheit" Ausstellung genommen hatte und mit einem Gravgesang den Todten empfing. Nachdem der Vorsitzende, Genosse Karow, im Namen des Vereins de» Kranz niedergelegt hatte, schloß mit abermaligem Gesang die erhebende Feier. Welchen Eindruck das Benehmen des Geist- lichen hinterlassen hat, zeigt folgender Ausspruch des alten Vaters des Verstorbenen:„Ich habe bisher geglaubt, die Geist- lichen müßte» gar nicht darnach fragen, vor wem sie predigen, ob vor Christen, Juden oder Heiden." Der Hast der meiste» Aerzte gegen die weibliche Kon- kurrenz, die ihnen— erst drohe» soll, ist allbekannt. Manche Mediziner sind gewiß vornrtheilssrei genug, sich zu sage», daß Acrzliniien eine Nothivendigkeit sind; aber»nter der großen Mehrzahl dieser Herren herrscht eine geradezu imgändige Vor- eiiigenonimenheit gegen die paar Damen, die in der Reichs- haupistadt eine ärztliche Praxis ausüben. Ties macht manches erklärlich.'Aber wir baben dennoch gegloubt, daß die Herren Aerzte durch das vollgerüttelte Maß akademischer BUVnng, das ihnen doch zu eigen sei» soll, ab- gehalten würden, ihren Haß in Ausbrüchen roher Ge« m e i ii h e i l zu entladen. In dieser Meinung sind wir bitler getäuscht worden durch ein uns überreichtes Dokument, das nach verschiedenen Seiten hin von einer geradezu erbärmlichen Niedrigkeit der Gesinnung zeugt. Es ist ein„Kouplet",„gewidmet dem A e r z t l i ch e n Standesverein der Königstadt am 28. Januar 1396". Der Inhalt dieses Konplets ist so schamlos, daß wir kaum an- deutungsweise Stellen daraus iviedergeben können. Die Zoten, an denen der Slandesverein sich amüsiren sollte, werden von einer Aerzlin vorgetragen.„Kostüm: Barrison, Deshabillö, vorn auseinander geschlagen, männliche Unterkleider, Lorgnon, Gigerlstock mit Goldknopf. Melodie: G i g e r l k ö u i g i n. Die Schweinerei beginnt: „Amerikanerin bin ich, Stndirte in der Schweiz, Doch nicht grämlich und nicht dämlich, Nicht blanstruiiivs-altjüngferlich Versteck ich meinen Reiz..." Was nun weiter in dem Kauplet der Aerztin folgt, das sieben Strophen von je vierzehn Zeilen enthält, besteht größten- iheils in den schamlosesten Anspielungen auf das sexuelle Leben. Unler anderm hautirt die'Aerzlin mit gewissen Jnstrnineutin, die bei der Heilung ekelhafter Kraulheiten in Lnweiidtuig kommen. Auch giebt sie eine Wochenschrift heraus, die „Populär wird und pikant, Dann schickt ein Riseninserat Jeder Gumiilifadrikaut. Doch genug von den Gemeinheiten, mit denen das Subjekt, das die Zoten fabrizirte, das Ansehen der Aerzte in den Schmutz zog. Welchen Erfolg das Machwerk auf dem Vergnügen des ärzllichen Standesvereins der Königstadl halte, wissen wir nicht. Vielleicht sucht eines der Mitglieder die Ehre seines Vereins in einer Znschrist an uns zu retten— wenn dies möglich ist. Ter Zwist wegen der Kviifirmaiidcnstiiiide, der schon häufig zwischen Lehrer und Prediger entbrannt ist, bringt gegen- wärlig einige Gemciiidcschnler in eine recht fatale Siinalion. Ein Pastor von der Heiligen Kreuz-Kirche verlangt, daß die eiiizusegnciiden Knaben morgens von 8—9 Uhr, also während des Schiiluiiterrichts die Konfirmaiideiistuude besuchen. Mit recht sieht die Lehrerschaft der Gemeindeschulei! in dieser Forderung eine Schädigung und Slöruiig des Schulunterrichts, der wohl auch den 18— lsjährigen Kindern noch dringend vonuötheii sein wird. Nun steht auf der einen Seite der Panor mit dem Verlange», die religiöse Vorbereitungsstunde zu besuchen. widiigenfalls er die„Einsegnung" nicht vornehmen will. Ans der anderen Seite droht der Lehrer mit Disziplinarstrafen für den Fall, daß durch die Konfirmaiidensiuiide der Unterricht ver- säuint werde. So sehr nun unserer Ansicht nach das Siecht auf der Seite des Lehrers ist, so verurtheilungswürdig ist jedoch, abgesehen davon, datz man in diesem Falle dem Kinde über- Haupt nichts eiitgellen lassen darf, die Art der Slrasvollziehung, die einer uns zugegangenen Mittheilung zufolge der Lehrer einer Gcnieindeschule an einem Schüler geübt haben soll, welcher ans dem vorhin geschilderten Grunde am verflossenen Mittwoch eine Unterrichtsstunde versäumt hatte. Ein ärzlliches Attest, das uns vorliegt, hat solgeuden In-- halt:„Heute(Mittwoch) Abend 9 Uhr kommt zu mir der l 4jährige Schüler Max B., Gräsestr. 34 wohnhaft, mit der An- gäbe, heute Vormittag von seinem Lehrer durch zahlreiche Schläge mit einem Rohrsiock mißhandelt zu sein. Bei der Untersiichung zeigt die Haut des Rückens an zahlreichen©tollen bläulich- röche Färbungen, besonders über dem linken Schullerblatt; dieselben Veränderungen der Hanl finden sich an den hinteren Flächen beider Oberschenkel bis zu den Kniegelenkeii hinab. Die beiden Hinterbacken sind geradezu blau-schwarz gefärbt. Ter p. B. klagt über heftige Schmerzen im ganzen Körper und kann nicht sitzen. Die oben beschriebenen Veränderungen der Haut sind durch zahlreiche Schläge mit einem stumpfen Werkzeug, z. A. einem Rohrsiock, hervorgebracht. Die Verletzung ist an sich nicht gefährlich, doch zeugt die Anzahl der Schläge und die Menge der gesetzten Beulen von der Rohheit des Schlagenden. Das Kind kann einige Tage die Schule nicht besuchen." Eine Beschwerde, ivelche der Vater des mißhaiidelteii Knaben an den Rektor der in Frage kommenden Gemeiudeschule richtete, ist abgewiesen worden. Selbstverständlich wird der Vater weitere Schritte nnteriiehmen, damit dies Stück Prügelpädagogik seine Sühne finde. Sehr patriotisch hat, wie uns nachträglich gemeldet wird. die Firma Zimmermann u. Sohn, Charlotlenburg, Lützowplatz 3/5, an ihren Arbeitern gehandelt. Sie ließ am 13. Januar die zum Beweise des Patriotismus erforderlichen Dekorationen an ihrem Hause anbringen. Die Arbeiter waren hierbei von 9 Uhr vor- mittags bis 2 Uhr nachmittags beschäftigt und wurden dann der hohe» Festesfreude wegen nach Hause geschickt. Als der Zahltag herankam, zog die patriotische Firma den Leuten den Lohn für die Stunden ab, die sie wider Willen am 13. Januar gejeierl hatte»! Aus dem Vcrlincr Aquarium wurden kürzlich einig. neue Arten Schildkröten gemeldet. Neben diesen flnd m der einen Abtheilung des Schildkröienteichs noch die als sehr große Seltenheit geltenden tropischen Vertreter zweier Gattungen jener Reptilieuklasse untergebracht worden, von denen die einen aus Sübost-'Afrika, die anderen ans Südamerika stammen. Die letzteren gehören einer Spezies Plattschildkröte an, welche sich nicht nur, wie der Name erkennen läßt, durch eine platte Rückenschale und einen flachgedrückten Kopf, sondern auch durch einen laugen Hals auszeichnet, der mit dem Kops seitwärts unter den Rückenpanzer gelegt und wieder vorgeschnellt werden kann, sodaß das Thier nicht mit Unrecht„Schlangenhals-Schildkröte" genannt wird. Gleich ihr besißl auch die zum ersten Mal hier gezeigte stattliche Asrikanerin zwei Kinnbärteln, indeß geht dieser, eine Art Slernothaerus, der lange Hals und das flache Rücken« schild ab, wogegen ihre Bauchschale als Besonderheit einen be- weglichen Vordertheil aufweist. In der Urania wird heute, Sonntag, der dekorative AnS- statlungsvorlrag„Vom Fels zum Meer" wieder gegeben. Am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag wird Herr P. Spies seinen Experiinentalvorirag„Photographie mit iinstchlbaren Slrabi n" halten, am Donnerstag trägt Herr Dr. Müller über „Das Hühnchen im Ei" vor, während am Sonnabend Herr Dr. Naß den Vortrag„Moderne Gasbeleuchtung" noch einmal wiederholen wird. Die in den Stadt-Ringbahnzügen laufenden zwei Wagen II. Klasse sollen jetzt endlich aus drei vermehrt werden. Die be- sondere in letzter Zeit in ungewöhnlicher Zahl ergangenen Be- schwerden der Fahrgäste über die vielfach ganz unbeschreibliche Ueberfüllung der Ringbahn-Wagen II. Klasse haben nach dein Bescheide der znstündigen Betriebsinspektion an einige Beschwerdejührer die Eiseiibahn-Verivallung veranlaßt, für jeden Zug die Einstellung noch eines drilten Wagens anzuordnen, und es sind die dazu ersorderlichen, erst neu zu bauenden Wagen jeyl in Auftrag gegeben worden. Von einem Bestreben der Direktion, die Stadlbahnwagen dritter Klasse vor Ueberfüllung zu schützen, scheint keine Rede zu sein. Und doch ist hier das Uebel noch viel schlimmer als in den Wagen zweiler Klasse. Wieviel Strafen hätte die Eisenbahn- Direktion wobl schon zahlen müssen, wenn die Polizei gleichwie an der Pferdebahn jede Ueberfüllung hälte ahnde» wollen? Auch hier heißt es aiischeiiiend: Weit» zwei dasselbe thun, so ist es iiichl dasselbe. Ei» Heldeutod. Der am 20. Januar in einer Diiellranserei schwer verwundete Assessor Wöllstein ans Rakel ist gestern in der v. Bergmanii'schen Klinik gestorben. Der LandgerichtSrath W. Collmaun ist gestorben. Er gehörte zur 8. Slraskammer am Landgericht l. Sechs Postillouc find im Ober-Postdirektionsbezirk Berlin im vergangenen Jahre durch Verleihung von Ehren-Posthöruern und 12 durch Verleihung von Ehren- Peitschen ausgezeichnet worden. Ob eine Gehallserhöhung den Beamten nicht lieber gewesen wäre? Von einem Bankier erzählt eine hiesige Korrespondenz eine bezeichnende Geschichte. Eine Dame besitzt in der Charlotten- straße 15 ein altes kleines Haus, aus das schon lange von allen Seilen spekulirt wurde. Die Dame wies aber alle Offerte» ab. Zu den abgewiesenen Leute» gehörte auch Herr F. Weyl. In« Haber eines Bankgeschäftes in der Wilhelmstrade Nr. 56. Ter Bankier aber, dem an dem Erwerb des Grundstücks außer- ordentlich viel gelegen zu sein scheint, beruhigte sich bei dem ab« weisende» Bescheide nicht. Da er auf geradem Wege nicht zum Ziele kommen konnte, so schlug er krumme ein. Dabei verirrte er sich iudesseu sehr bald. Herr Weyl wandte sich an einen Herrn, von dem ihm getagt sein mag, daß er Be- Ziehungen zur Polizei habe. Diesem machte er allen Ernstes den Vorschlag, ihm behilflich zu sein, die Besitzerin aus tbrem Hause„hiiiaiiszngrauleu." Das sollte durch die Polizei geschehen. Hinter diese möchte der Herr sich stecken und sie veranlassen, der Dame durch möglichst viele Anzeigen u'ojcu imtevlaifeiien Sch»eesege»s, wegen der Treppenbeleuchtung und ähnlicher Dinge, in denen leicht einmal etwas versehen werden kann, ihr Besitzthum zu verleiden. Für diesen sauberen Dienst„glaubte der Bankier 1000 M. in Aussicht stellen zu tuiuien", wie er sich vorsichtig ausdrückte. Verhaftet wurde der Gesaug- und Musiklehrer Graziani, S>� inundslr. 6, auf Veranlassung der Staatsanwaltschasl in Wien. Der Verhaftete, der hier, wie das„Berliner Tagebl" schreibt, eine glänzende Position einnahm, wird beschuldigt, sich in der österreichischen Hauptstadt, wo er früher ansässig war. erhebliche Darlehen unter betrügerischen Vorspiegelunoen ver- schafft zu haben. Den Namen Graziani soll er übrigens unberechtigt führen; er ist Russe. ......�"ugcS Aufsehen erregte am Freitag die Beerdigung der Nrtlstin Mieze Krüger, die sich, wie erinnerlich im Cafo National vergiftet hat. Dem Begräbnisse, das vom Kranken- hause am Urban aus, wo die Selbstmörderin gestorben war, erfolgte, wohnten etwa 100 Personen bei; die Zahl der ge- spendeten Kränze betrug 50. Ein Sängerchor begleitete den Zug; als in der Leichenhalle ei» Grablied angesliniint wurde, brachen lämmtliche Anwesenden, wie uns berichtet wird, in Thränen auS. Die�Beerdigungskosten wurde» durch eine Sammlung unter den Bekannte» der Tobten reichlich gedeckt; es kamen im ganzen 3-U M. ein. Mieze Krüger soll sich unler ihresgleichen großer Beliebtheit erfreut haben. Die beide» Baöke'sche» Kinder Eduard und Hedwig, die bei dem Versuche der Muller, sie mit Karbolsäure zu vergiften, mit dem Leben davongekommen sind, haben am Sonnabend gc- heilt das Krankenhaus verlassen. Der Vater, der Rollkutscher Baske, hat sie in seine Wohnung zu sich genommen. Die Verhaftung des Schreibers der I. Jngenienrinspektion, Vtzcfeldwebel Hoffmann, ist, wie der„Vossischen Zeitung" von zuständiger Seite mitgetheilt ivird, nicht rvegen Verdachtes des Berraths von Geheimnissen der Landesverlheidigung, sondern wegen Veruntreuung von Geldern erfolgt. Hosfmann. der Goltz- striche gewohnt hat, ist übrigens nicht im eigentlichen Dienst- gcbände lhätig gewesen und auch nicht identisch mit dem bei der Generalinspeklion beschäftigten, Kursürftenstraße wohnhaflen Registrator Hoff», an». Wcgeu Kautionöschwindcls ist der frühere Gastwirth Schmidt, Schönhauser Allee wohichaft, in Haft genommen worden. Sch. betrieb im Gastwirlhswesen eine ganz besondere Spezialität; er war der Besitzer eines Restaurants, das er stets an Büffetiers verpachtete. Ter Pächter hatte dann nicht nur säminlliche Geschäslsunkosteu zu decken und eine täglich zu zahlende Pacht zu erlegen, sondern er mußte auch noch eine Knution stellen, welche verloren ging, wenn er seine Vertrags- zeit nicht � inne hielt. Und das letzlere geschah niemals, da das Geschäft miserabel ging. Die Opfer des Verpächters sahen stets bereits in den ersten Tagen, daß sie in dem Unglückslokal nur Kopf und Kragen zusetzen konnten und rückten daher sobald als möglich, die Kaution im Stiche lassend. So verdiente der praktische Vermielher in aller Seelenruhe monatlich 4—500 M, ohne nur das geringste zu riskire» und fand immer ivieder— Personen, die ihr Geld los wurden. Einige der Geschädigten scheinen nun wohl nachträglich Grund gefunden zu haben, gegen Cchm. bei der Staatsanwaltschaft vorzugehe», und so erfolgte gestern die Verhaftung des Verpächters ivegen Kautionsschwindels. Uebcr eine» Fall entsetzlicher Rohheit, der in Nagel's Festsäle», Schwedlerftr. 23, passirt sei, brachten wir in Nr. 26 »inen Bericht aus der„Nordd. Allg. Ztg.". Hierzu theilt uns Herr Otto Kuhlmey, Frankfurter Straße 50 mit, daß er als Vor- sitzender des Vereins, der am Montag in diesem Lokal seinen Ntaskenball abgehalten habe, nichts von dem gemeldeten Vorfall wisse, obgleich er dem Vergnügen bis zur Beendigung beigewohnt habe. Jedoch solle der traurige Vorfall in einem anderen Saale desselben Lokals passirt sein, dort habe ein ihm unbekannter Verein ein„Sommersest im Grunewald" abgehallen. De» Vorfall selber betreffend wird uns noch mitgetheilt, daß etwa wegen mangelnder Kontrolle dem Wirth des Lokals in keiner Weise ein Vorwurf an der traurigen Affäre zu machen sei. Das Lokal stehe, so lange Herr Nagel Besitzer sei, bei Arbeitervereinen in gutem Ruf und werde stets von einem an- ständigen Publikum besucht. Aus Furcht vor Ttrafe war Mitte vorigen Monats der 14 jährige Sohn des Kaufmanns S. in der Franzstraße aus der elterlichen Wohnung entflohen; er kehrte auch trotz des von de» Eltern erlassenen Säulenanschlages'nicht uach Hause zurück. Der Knabe hatte nur geringe Geldmittel bei sich und mußte daher seine Flucht zu Fuß antreten. Er bettelte sich bis Hamburg durch und suchte im Hafen der Seestadl eine Stelle als Schiffs- junge. Einem menschenfreundlichen Kapitän siel der kleine Bursche auf, er behielt ihn bei sich und übergab ihn dann einem Geheimpolizisten, der dem Kleine» die Geschichte seiner Wander- fahrt auszulocken vermochte. Gestern wurde der jugendliche Abenteurer nach Berlin zurücktransportirt und der Todtgeglauble auf dem Lehrter Bahnhof den Ellern zurückgegeben. Tic Brandkatastrophe in der Bcrgmanustraste hat noch ein drittes Opfer gefordert. Frau Günther, die Mutter der Frau Franke, welche ihr Kind bei der Katastrophe verloren hatte, ist im Krankenhause am Urban den Einwirkunge» des giftigen Qualms erlegen. Der Zustand der Frau Franke hat sich soweit gebessert, daß sie aus dem Krankenhause in ihre Wohnung ent- lassen werden konnte. Ein Bild des JanuncrS. Seit Anfang vorigen Monats war der 64 jährige Kutscher Friedrich Träger aus der Johannis- straße 4 verschwunden. Ter Mann, der infolge von Krankheit arbeitsunfähig war, hatte sich von seiner Frau getrennt, um ihr nicht zur Lau zu fallen, bei einer Frau Handt in der Johannis- straße eine Schlafstelle gemiethet und sich kümmerlich ernährt. Anfang vor. Monats bekam er einen Tobsuchisanfall und lief weg. Ein Bekannter fand ihn schließlich auf dem Koppenplatze ivieder. wo er versuchte, die Häuser auszuschließen,»nd nahm ihn mit in seine Wohnung. Am folgenden Tage wurde der Mann wieder tobsüchtig und mußte min in eine Heilanstalt gebracht werde». Wctter-Prognose für Soniikag, den 2. Februar 1806. Etwas kälteres, zeilweise heileres, vielfach nebeliges Wetter mit schwachen uordwestlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t l e r b u r e a u. Vev Volubmord iu Cclforn, welcher im Anfang Dezember v. I. die dortige Einwohnersckmst in begreifliche Aufregung versetzte, fand gestern das gerichtliche Nachspiel vor dem Schwurgericht des Landgerichts II. Der Tkalbestand ist in Kürze folgender: In einem kleinen, an der Ecke der Potsdamer- und Sandstraße gelegenen Häuschen hatte der 82 jährige frühere Bahnwärter Gotilieb Schulz eine Wobnung inne, die aus Stube und Kammer bestand. Schulz war seit zivei Jahren Wittiver und beinohnte seil dieser Zeil die beiden Räume allein. Am Montag Morgen, dem 2. Dezember, fiel es verschiedenen Hausbewohner» auf, daß an der rechten Seite des kleinen Gebäudes eine Fensterscheibe eingeschlape» war. Man legte kein besonderes Gewicht darauf, sondern schöpfte erst Verdacht, als man die Wadruehniung machte, daß ivivohl die Eingangslhür wie die Wohnungsthür von Schulz aiiistand. Jetzt fürchteie man ein Verbrechen. Man rief die ieiden Tochter des alten Mannes, die beide als Will wen in Teltow lebte», herbei und ging nun in die Wohnung hinein. In der Stube, in welcher nußer dem Bett des Mannes auch noch das feiner verstorbenen Frau»and— beide durch eine Kominode getrennt— fand mau»eben dem Bett des Alien die Leiche des- selben liegen. Sie lag ans dem Rücke» und war nur mit einem Hemd bekleidet. Am Halse zeigte sie eine lieje, klaffende Wunde, die Gurgel war durchschnitte». Es ließe» sich noch vier weitere Stiche am Halse nachweise». Daß ein Raubmord vorlag, lehrte ein Blick auf die Kommode. Der Thäter hatte mittels eines eisernen Werkzeugs die oberste Platte abgehoben und dadurch konnte er in das Innere der oberen Schub- lade gelangen. Hier hatte Schulz seine Ersparnisse in Höhe von 1500 Mark aufbewahrt. Er hatte sich diesen Betrag durch jähre- lange Entbehrungen abgespart, um für seinen Lebensabend einen Nolhgroschen zn haben. Nur auf das Geld halte es der Mörder abgesehen, der übrige Inhalt der Schublade lag zerstreut in der Stube umher. Neben der Leiche fand man noch ein blutbeflecktes Taschenmesser, der Thäter hatte verabsäumt, es wieder zn sich zu stecken. Es unterlag von vorn herein keinem Zweifel, daß der Thäter mit den Verhältnissen des Angeklagten genau bekannt ge- wesen war und namentlich auch gewußt hatte, wo er das Gelb aufbewahrt hatte. Es war nun aufgefallen, daß die jüngere Tochter des Ermordeten, die Wittwe des Rieselfeldwärters Hermann, noch kurz vor dem Morde mit einem verdächtigen Menschen ver- kehrt hatte. Es war dies der Bersichernngsbeamte Karl Kurz gewesen. Derselbe wurde zwei Tage später in Nowawes ermittelt und festgenommen. Er befand sich in der Gesellschaft des Zigarrenmachers Karl Schwarz. Beide waren dw durch auffällig geworden, daß sie größere Zechen ge macht hatten; bei Kurz wurden 200 Mark baares Geld gesunden, über dessen Erwerb er sich nicht ans� weisen konnte. Außerdem wurde festgestellt, daß Kurz in der Stacht, als der Mord geschah, nicht in seiner Wohnung war und die Beschreibung, die ein in der Nähe von Teltow wohnender Gastwirth von einem Manne gegeben halte, der in der Frühe des 2. Dezember in der Richtung von Teltoiv kommend über das Feld gelaufen war, deckte sich init dem Aenßeren des Kurz. Noch am Tage seiner Berhastnng legte Kurz ein Geständniß ab. Als seinen Mitthäler bezeichnete er einen Mensche», den er nur mit seinem Vornamen„Karl" kenne. Die Annahme, daß der obenerwähnte Zigarrenmacher Karl Schwarz zn dein Morde in Beziehungen stand, hat sich indessen nicht bewahr heilet, vielmehr ist der Kutscher Adols Wohlan als Mit thäter ermittelt worden. Die Wittwe Hermann wurde bald wieder ans der Haft entlassen, da sich keine hinreichenden Ver- dachtsinomente dafür ergaben, daß sie an dem Verbrechen, sei es direkt oder indirekt, betheiligt war. Die Sitzung wird um 10 Uhr vom Landgerichtsrath Meher eröffnet. Die Anklage wird vom Ersten Slaalsanwali Dr. Lade- mann vertreten. Die beide» Angeklagten sind noch junge Leute von 25 bezw. 26 Jahren. Der Angeklagte Kurz hat eine bewegte Vergangenheit. Er ist Hausdiener, Kassirer für ein Abzahlungsgeschäft, aushilfsweise bei der Post und zuletzt als Versicherungsagent für die Lebens-Versicherungsgesellschaft „Friedrich Wilhelm" in Potsdam thälig gewesen. Der An- geklagte Wohlan hat bisher eine Art Vagabondenleben geführt, er ist zeitweise Kutscher bei einer Künstler gesellschaft gewesen und weil im Deutsche» Reich iiinher gereist. Außer wegen Diebstahls ist er vielfach ivegen BeUelns bestraft worden. Am 30. November ist er zu Fuß in Potsdam eingetroffen, wo er früher einen Dienst inne gehabt. Er hat hier de» ihm von früher her bekannten Kurz getroffen, mehrere Kneipen und zuletzt das Segebrechl'sche Tanzlokal mit ihm besucht. Kurz habe die Kosten allein be- stritten. Wie W o h l a» angiebt, hat Kurz ihn schließlich ge- fragt, ob er kein Geld habe. Auf die verneinende Antwort habe Kurz gesagt:„Dann komi» mit mir, ich weiß wo etwas zu holen ist, ich kenne einen allen Mann, der mindestens 7 bis 800 M. hat, die sind sebr leicht zu kriegen." Er, Wohlan, habe sich da- mit einverstanden erklärt. Gegen 1l Uhr hätten sie sich auf den Weg nach Novawes gemacht, wo die Braut des iinrz wohnte. Dann seien die beiden Angeklagten mit der Bahn nach Neu- Babclsberg gefahren und von hier nach Teltow gegangen. Hier seien sie gegen 2 Uhr eingetroffen. Kurz habe Mühe gehabt, in der Dunkelheit das betreffende Haus zu finden, schließlich habe er ein vereinzelt stehendes kleines Hans als dasjenige bezeichnet, in welchem der alte Mann wohnte. Kurz habe das Fenster eingedrückt nnd dann den ganzen Fensterrahmen heraus- gehoben. Sie seien dann beide eingestiegen. Der An geklagte Wohlan schildert dann die solgcnden schauer lichen Einzelheilen in einer Weise, die keinerlei Erregung verräth.„Ich klopfte an, aber niemand ließ sich hören. Dann ging ich hinein nnd der alte Man» sprang auch auf, ohne ein Wort zn sage». Ich gab ihm einen Stoß, daß er sofort auf den Rücken siel und ihm die Lust ausging. Nim kam Kurz hinein. Der alte Mann schlug sehr mit den Arme» um sich, als er am Boden lag und ich auf ihm kniete. Kurz sagte zn mir:„ich will ihm die Arme halte», nimm Dein Messer und schneide ihm den Hals ab! Ich holte mein Taschen- messer hervor, und während Kurz dem alten Mann die Arme festhielt, stieß ich ihm mein Messer in den Hals und zog es hin und her. Der alte Mann war g.»nz still und stieß keinen Schrei aus. Nun zündele Kurz die Lampe an nnd ging nach der Küche, um ein Beil zu holen. Als er mit Beil»nd Lampe zurückkehrte, sahen wir, daß der alle Mann noch nicht tobt war, er röchelte noch und bewegte den einen Ali». Kurz brach mir dem Beil die Kommode ans, entnahm der Schublade einen kleinen Schlüssel nnd öffnete damit ein kleines Spind, welches an der Wand hing. Diesem Spind entnahm er einen Lederbeutel mit Geld und dann gingen wir ivieder durchs Fenster ins Freie. Unterivegs gab Kurz mir von dem Raube 600 Mark av und dann trennte» wir lins. Ich ging allein nach Neu- Babelsberg, wo ich mich einige Stunden in der Schonung ausrnbte. Dann reinigte ich mich im Chausseegraben von dem Blut, welches ich an den Händen halle und fuhr dann mit dem eisten Zuge nach Berlin. Ich bewegte mich hier viel in Damenkneipen, nnd das Geld, welches ich nicht verzehrte, wurde mir von den Mädchen gestohlen. Als ich am 13. Dezember verhaftei wurde, besaß ich nur noch wenige Mark.— So das Geständniß des Angeklagten Wohlan.— Kreisphysikns Dr. Philipps macht daraus aufmerksam, daß die Leiche mehrere Stiche aufwies. Der Angeklagte Wohlan bleibt dabei, daß er nur einen Stich aus- gerührt habe, von dem er allerdings annehme» müsse, daß darauf eine Verblutung erfolgen würde. Er habe früher bei Schlächtern als Kutscher gedient und ihnen eine» bestimmlen Handgriff abgelernt. Es iolgt die Aernehmiing des Angeklagte» Kurz, der sich in allerhand Ansflüchle» ergeht»nd behauptet, daß er von Wohlan zum Diebstahl angestislei worden sei. Das Zengenverhör, das sich auf den Gendarm Lehma»» beschränkt, ist ohne Belang. Im Plaidoyer konrint der Staatsanwalt dahin, daß beide Angeklagte des mit Vorbedacht ausgeurhrteii Mordes schuldig zu sprechen seien. Tie Schuldfrage», welche bei beide» Angeklagten auf Raub »uter Milfnhrung von Waffen nnd inil der Folge, daß durch die angewendete Gewalt der Tod des Beraubte» cingelreien ist, lauietcn, wurden von den Geschworenen bejaht. Teingeinäß lautete das Urlheil auf die allein zulässige, nämlich die Todes- strafe. Gevilltzks��oikuttig» Zuzug ist fcruzuhalten, keil» grober Uufug. Der Zeiher „Voltsnoir" hat i» seinen Nummern 121, 124 nno 126 vom 8., 15. und 10. Oktober 1895 in einem Versammlnngsbericht nnd in sechs iinler Gewerlschnfllicheni abgedruckien Notizen dw Bernerkung »Zuzug fernzuhalten" veröffentlichl. Es wurde deshalb der Re- daklenr Genosse Henschel vom Schvsseiigericht i» Zeitz am 25. November 1895 ivegen B e r ü b» n g grobe» Unfugs z u 150 Mark Geldstrafe vernrtheilt. Das Landgericht i» Naumburg sprach H. von der'Anklage frei, da eine Beun- ruhignng des Pnblituins überhaupt nicht vorlag nnd der Angetlagte lebiglich von dem im Z 152 der Gewerbe- Ordnung geivährten Rechten Gebrauch gemacht hat, was als grober Unfug nicht angesehen werden kann. Wegen unbefugten Branntweinschank waren fünf Bor- standsmitglieder und ein Lagerhaller des Konsrimvereiiis in M arkranstädt zu je 15 M. und der Lagerhalter zu 10 M. Geldstrafe verurtherlt. Gleichzeitig war aus Beschlagnahme der»och vorhandene» Spirituosen erkannt. Das Landgericht hob die Beschlagnahme auf, weil die Spirituosen nicht Eigeiithum der Borstandsmitglieder, sondern der Genossenschast als juristische Person gehörten. Es kann somit beim unbefugten Braniitwemschank von Konsumvereinen der vorhandene B rannt- wein nicht mit Beschlag gelegt werden. VevsÄMmlungen. Der Verein der Schneidermeister für Dameukonfektion hielt eine nicht öffentliche Sitzung im Vettiir'schen Saale in der Brunnenstrabe ab, wo über den drohenden Streik der Kon- feklionsschneider das konfuseste Zeug z>lsan»»e»geredit wurde. Als Referent trat ein Herr Mayer auf, der in sehr lebhafter Weise beklagte, daß weder die Innung noch die Freie Ver- einigung Schritte gethan habe, um den Ansprüchen der'Arbeit- nehmer entgegenzulreten. Die Leute» die den Lohn- tarif in der Konsektion aufgestellt haben, besäßen»keine Ahinnrg" von der Mäntelbranche. Wen» es Zeit wäre für die Betrrebswerkslälteii, würden sie ohne die„Agilatoren" eingeführt werde». Die Kaufleilte fürchteten den Streik garnicht, da sie sich„vorgesehen" hätten. Der Redner machte zum Schluß seiner Ansführlingeii den geistreichen Vorschlag, eine» Arbeilerinne»- Verein unter Obhut der Meister zu gründen, dann würde der sozialdemokratische Schneiderverband nicht im stände sein, die Leute„nnznfriedeir zu machen". Der Referent ivtll außerde»! de» Verein der Meister i» eine reine Geiverk- schast umgestalten, damit die Meister allen Ansprüchen von feiten der Koiliektionäre nnd der Arbeiter entgegentreten können. Die famose Idee der Gründmig des Arbeilerinnenvereliis fand unter den anwesende» Meistern großen Anklang,»»r konnten sich die Herren nicht darüber einige», ob die Beiträge von den Meistern oder Arbeiterinnen bezahlt werden solle». Ter bekannte Schneidermeister V o l k nr a n n meinte, man solle gegen weiße und schwarze Juden auch vorgehen. Ein Herr Becker erklärte, er würde seine Leute alle„auf die Straße schmeißen", wenn sie am Montag anfingen zu streiken. Schließ- lich wurde eine Resolution angenommen, worin die Meister betonen, für das„Wohl" der Arbeilerinnen einzutreten. Arl>eit«r-Ki>d»»o>>Mi»Ir. Sonntag k-ln Unterricht. Tie Lesertiimie sind von co-ie Uhr vormittags geöffnet. Unterricht a n> Montag:<5 ii d o st-<5 ch» l e, Waldemarstr. 1 1: Ocffeniliche Gcsundheitspsiege.— Nord-Schnle, Miillerstrasie l7S->: Noiionalölonomte. Beginn abends 9 Uhr, Schlub lOZj Uhr. Die Schulräunre sti d z»> Benutzung der Bibliolhel und des reichhalUgenZetischriflennralerialS schon von 8 Uhr an geöffnet. Acht»»»! Utater Kirdorfs. Sonntag, den s. Februar, vormittags ll uhr, in den Bitloriaiale»: Oeffentliche Berfammlung. privat» zirraniigung»» n»d Kheat»rv-r»i»„Jasmin". Sonntag 6 Uhr, Sihung bei Wernau, Nofenthalerstr. 57. Arbeiter Krsangvr»«in„Nord". Montag, den s. Februar, abends 9 Uhr, Beteranenstr. IS bei Schulz: Monals-Sthuna. Arbeitee-Kildnngoverei» Fr iedrichsbero. Dienstag, den«. Februar, abends s Uhr, Mitgliederversammlung. prvciit der Waschiuiste». Ketzer«»d Kerufogenossen Keriins«»!» ztnrcceyend. Soumag, de» 2. Februar, nachmittags S Uhr, Orantenstr. 91: Berfammlung. Vortrag über Elekironiagnelisinus. Freie pereiniguxg der Gravenre, Ziseleur» und v«r>v. Kerns«» genoste». Versammlung am Dienstag, den i. Februar, abends 8� Uhr, in den Oranienhasten cOranienfir.«I). Tagesordnung: Vortrag des.Herrn Dr. Böhm über: Nalurheilvei fahre». � zierein der Kuchdeuiller nnd Kchriftgieljer snr Nirdvrf»nd Kritf. Heule Sonnlag, de» 2. Februar, vorm. Iis Uhr, tn den Biltociaftilen, Rirdorf, Herinannftr.«: Versammlung. Zamariter llurs«» für Arbeiter«nd Arbeiterinnen. Montag, den 3, Februar, abends 9 Uhr, Benthitr. 29 bei Cohn: Vortrag des Herrn Dr. med. Christeller über Bewubtlosigteiteu und V-rgtfrungen. Danach Uebungen im Anlege» von Noihverbänden. xir»ds»>a»»schaft der Kchlesivig-Kolsteiiier z« Keriin. Tönning, den 2. Februar, abends s uhr: Anaiomischer Vortrag des NaturarKeS Herrn Oilo Srundniann in Th. Boltz' Festsälen, Alle Jalodstr. 75, über: Ein Villi>» das Innere des Menschen.— Nachdem: chemülhliches Bei- saunnenfein und Tanz. VevmiMkes- Ein MiUln mit wenig Patriotismus ist offenbor der Ober- bürgermeisler von Bromberg, der zum 27. Januar folgenden Aus- ruf erlnssen Hut:. „Tie geehrten Milbürger wollen mit Rücksicht auf die �llu- minalio» an> 18. d. M. von einer Wiederholung derselben am 27. d. M. zu Ehren der Geburlstagüseier Cr. Majestät des Kaisers absehen und die dadurch erzielte» Ersparnisse zur Beschaffuug von Kohlen für den bedürftigen Theil unserer Mit- bürger bei der siädlischcn Hanplkasse einzahlen. Die Beriheüuug der Kohle» wird durch die Armendirektion erfolge»." Hvffeutlich bringt ein Disziplinarverfahren den Mann von seine» philauchropischen Mucken ab. Ans Lemberg meldet man der„Voss. Ztg.": Am Freitag früh stieß ein von Taruopol uach Lemberg abgelassener Personen- zug unterivegs mit einem Lastzug zusamuren, wobei uicheere Per- souen geiödtel, zahlreiche schwer verwuudet wurden. Das Unglück fcheiul durch einen Schneesturm herbeigeführt ivorden zn sei», der die'Aussicht auf die Geleise uiimüglich machte. Ans Brisbaun meldet das Bureau lllenter vom Freitag: Ein furchibarer Sturm suchte am Soiinabeud und Sonntag Toivusville heim. Verschiedene Küstenfahrzeuge werden vermißt, der Sei aden, welcher im Hafen augerichtet wurde, wird arif 30 000 Pfund geschätzt. Mau nimmt an, daß das Hochwasser beltächlliche Verluste an Menscheuleben verursachte. lieber ei» CisenbahnunglürE liegt aus Mouscron(Frank- reich) folgende Meldaug vor: Freitag Abend fand ans dem hiesigen Bahnhofe ein Zusamnieirstoß zwischen dem um 4 Uhr 51 Minuten von Touruai abgegangenen Zuge und einem Zuge der srauzösiichcn Norbbahn-Gesellschaft statt. Zeh» Reiseude wurden mehr oder weniger schwer verletzt, doch keiner lödUich. Giitc Strafrcform tu der Schule. Die„bedingte Ver- urtheilung fiudel, ivre die„Kölnische Volkszeitung" mitlheilt, jetzt in Belgien auch i» Lehrerkreise» Anklang. I» dem Ant- werpener Gymnasium Athenäum ist bereits ihr Grundsatz ein- geführt worden. Die Prosessoren»ud Lehrer ertheilen„bedingte" Nachsitzstimdeii. Die zuerkannte Strafe wird mit dem Grunde der Slrafe in daS Tagebuch der Klasse eingetragen. Führt sich der bestrafte Schüler innerhalb der von dem Lehrer seslgesetzteu Zeit tadellos, so wird die Strafe erlassen»nd im Tagebuch- ausgestrichen. Diese Neuerung hat sehr günstige Erfolge erzielt und die meisten Schüler haben durch tadelloses Verhalten die Auslöschuiig der Strafe erwirkt. Möchten deutsebe Bolksschullehrer erst zur bedingte» Aushebung der Prügelpädagogik gelnuge». Vielleicht kommen sie ans diesem Wege zu der Erkenutuiß, daß der Rohrstock seine Rolle in der Schule ausgespielt haben sollte. Briefkasten der Redakkivn. Wir bilie» dei jeder Anfrage eine Chiffre fzwei Buchstaben oder eine gnhl, an,»geben, inner der die Aniworl erlheill werden soN. Malmö. In Spielsragen können wir keine Auskunst geben. Greiz. R. Seidel, Berlin df., Brurrnenstr. 40. Ein Sch. für viele. Ist es Ihnen nicht möglich, zn uns zu kommen oder eine» Ort zn bestimmen, an dein Sie uns genauere Miltheilunge» macheu können? 61. F. l. Für solch infame, sich auf nichts gründende Au- griffe giebt es nur stillschweigende Verachtring als Antwort. Wohin"sollte es führen, wenn man jeden bübische» Angriff auf die Pnviei oder auf brkauute Parteiniilglieder einer Aulivorc würdige» wollte. Hierzu wäre der Uinfaug der„Times" nicht ausreichend. F'ir deuJuhalt der Jnsernte über «iiuiiit die Nedaktio» dem Publik»»! gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag. 2. Februar. Gixriihans. Carmen. Montag: Tannhänser. K,IianjpieIIiana. Die kranke Zeit. Montag: König Richard der Zweite. Aentsche» Theater. Romeo und Julia. Nachmittags Vä3 Uhr: Die Mütter. Montag: Hamlet. Zrlüng-Theater. Komtesse Guckerl. Nachmittags 3 Uhr: Die Hanben- lerche. Montag: Komtesse Guckerl. Kerlmrr Theater. König Heinrich. Nachmittags Vs3 Uhr: Der Herrgott- schttitzer. Montag: Der Verschwender. Zieue» Theater. Der Herr Direktor. Nachmittags 3 Uhr: Bruder Martin. Montag: Der Herr Direktor. Hiestdenz-Theater. Hals über Kopf. Vorher: I» doppelter Bekehrung. ?Zachmittags 3 Uhr: Der Raben- vater. Montag: Hals über Kops. Vorher: In doppelter Bekehrung. Fried» ich-Wilhelwstadt. Theater. Der Hungerleider. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Ilnter de» Linden. Der Bettelstudent. Nachmittags 3 Uhr: Rund um Wien. Montag: Der Bettelstudent. § chiller Theater. Der Widerspenstige» Zähmung. Nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Montag: Romeo und Julia. Adolph Ernst» Theater. Madame Snzette. Montag: Dieselbe Vorstellung. Tent rat» Theater. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kellr-AUianre-Theater. Böse Buben. ?!ach»iittags 2>/2 Uhr: Die Räuber. Montag: Böse Buben. Alrranderplah- Theater. Pitts. Hierauf: Die kleinen Lämmer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zlationai-Theater. Konradi», der letzte Hohenstaufe. Nachmittags 4 Uhr: Häusel und Grete!. Anierira»- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo» Theater. Spezialitäten-Vor' stellung. Kanfmanu'v Ll aristo. Spezialitäten- Vorstellung. Zteichshallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallner-Theater/ Sonnlag, nachm. 3 Uhr: Der Traum ei» Leben. Abends 8 Uhr: Der Uliderspenstigen Zähmung. Montag, abends S Uhr: Romeo und Julia.____ Adolph Ernst-Theater. Madame Suzetfe. Vandeville- Posse in 3 Akten von Sylvane und Ordonneau. bearbeitet von Ed. Jacobson u. I. Kren. Musik von Edmond Audran. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Ansang 7Vs Uhr. Morgen; Dieselbe Vorstellung. Centrai-Theater. Alte Ialtobstr. 30. Sonntag, den 2. Februar: Emil Ihomaa als Gast. Zum 140. Male: Eiiik tolle Nacht. Lrvße Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von lnllus Freund und Willi. Mannstädt. Musik von Julius Einödsliofer, Anfang VeS Uhr. Montag: Zum 150. Male; Eiue olle Rächt._ CoiicerthausSanssouci Kottbnserstraße 4a, Heute, sowie jeden Sonntag«ndlDonnerstag: Stettiner Sänger (Messel, Pielro, Britten, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Ans. präz. 8 Uhr.— Enlree 50 Pf. Urlcemisclies Sonntags• Ensemble- Ulk-Programm! Worgr», Wontag; Soiree in der Vietoria-Vrauere!. Anfang 7 Uhr.— Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. RunderMes �copntiit! Dienstag: Böhmisches Brauhaus. National-Theater. Trohe Frankfurterstrahe 13 Ä. Direktion: Max Samst. Volks-Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn Bans Preger vom Stadttheater zu Mainz. Ktjllrlli>!ll,i>erlchteSliheOltse. Tragödie in ö Akten von Moritz G n t m a n n. Regie: Fritz Schäfer. Nachm. 4 Uhr: Binder-Vorstellung: Hansel und Bretel. Alexanderplatz-Theater. Heute 8 Uhr: Zum 4. Male: Pitts. Operetie in 1 Akt. Text von Fritz Otto. Musik von Hans Loeweufeid. Hierauf: Zum 103. Male: Die kleinen Kammer. Vaudeville in 2 Akten von L. Varney. Von der gesammten hiesigen Presse als die beste Novität der Saison anerkannt. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Walhalla-Theater Oranieastr. 52(dicht am Moritzplatz). Eine Stunde im Zukunftsstaat. Vorher: Kneipp in Berlin. _ F"" Letzte Aufführung im Walhalla- Theater am 9. Februar.— Die aus- gegebenen Vorzngsbillcts haben nur noch bis zu diesem Tage Giltigkeit.-MZ Anfang 3 Uhr. Sonntags 7l/e Uhr. Enlree 33 Pf. Eottis Keller's Festsäle Koppeustraße 29. Grösstes n. schönstes Etablissement der Residenz. Heute, Sonntag: Humor. 8oiree der beliebten Alillmger Säuger Steidl, Böhmer, Ehrke, Harnisch Ottwald, Ehrhardt, Werner u. Müller. Ausgewählt komisches Programm. Außerdem M\m Konzert- Orchesters unt. Seit. d. Hrn. Mnsikdir. G. Grass. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Soirr'e: Großer KnU. 2 Musik-Chöre. 1#3 Apollo Theater Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Sie tolle mt Komische Pantomime, dargestellt von der berühmten Mzoikes � Troupe. Austreten von FuZenie FollZere und 30 Kunstkräften I. Ranges. Kasseneröffnung 6 Uhr. Anfang VVeNhr. Peen-Ps>ssi Burgstrasse 22. Direktion: Winklrv& Fröbel. Das kolossale Februar-Programm! Für Berlin durchweg neue Spezialitäten? Mss. Martha. Mr. Frankloff. Mr. Arve. Gebr. Francs. Familie Schenk. Lotti Romanowitscb. Harlow Trio. Rembrand n. Cläri. Marvelli Truppe. Robin n. Berat. Kolter Talaschnss, 5 Personen auf dem Thurmseil. Ein 3 nnd 6 jähriges Mädchen als Thurm- seilläuser. fS�le tolle Ziigeii!>.?Z Urkomische Pantomime von der Gesellschaft Theo. � f Sonntags 0 Uhr. Anfang �«gj�ntagg 7./. uhr. Entree 30 Pf. u n a n 1 s AllLtalt kiir volksthümllohe ktaiurkuuäe. Hin Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschalt- lichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Das Löwen-Weib.-« Allerseelen. k<*r IJpe»* Eden- Garte»!! Marionetten"VG Castan's Fanopticum. 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Programm unentgeltl. Eintritt 20 Pf. Heuer Circus. Circus Busch Sonntag, den 2. Februar: Zivti große Lorstdliiiip. Nachm. 4 Uhr(ermässigte Preise nnd 1 Kind unter 10 Jahren frei): Ein Winternaclitstraum. Außerdem: Das Apportirpferd Barbarossa, vorgeführt v. Hrn. Eschberger. Mr. Gooke als Jongleur zu Pferde. Auftreten der Clowns Gebr. Gavallini, Gebr. Duz, Mr. Veldoman it. Tom-Tom. Abends 7V2 Uhr: Ifch�ns, husWMiMjeii. Ferner: Dir. Busch m. d. bestdress. Freiheitspferden. Herr Focttit-Burg- dardt, der anerkannt beste deutsche Schulreiter. Auftreten der beliebtesten Clowns._ Montag: py Nur noch einige Male: Zschens. TIS® In Vorbereitung: �ie Ziigii luidi Drin islück. Mttrilhts.Maiir.il.zimiilerer billig speziell Ausbildung zum Polier d. ers. prakl. Lehr. in. Staalsprüf. Trift- straße5,r.p. Soiint.3— 12,Mi!tiv.8— 10. Unserm Kollegen und Genossen Waldemar Räber zu seinem 25jährigen heutigen Arbeits- Jubiläum ein Hoch. 2515b Seine Kollegen. Dicker, sei gespannt 1 Unserem Freund Waldemar Räber zum 25 jährigen Arbeitsjubiläum«in donnerndes Hoch! Seiner Frau ziim heuligen Wiegenfeste wünschen wir das allerbeste! F. L. 2495b Meine Verlobung mit Frl. Gabriele v. L 0 e b e l zu Hannover, ist bereits seit Anfang November vorigen Jahres auf- gehoben, was ich hiermit, um Jrrthümer zu vermeiden, ergebenst anzeige. VON Kaehue-Zliiikomo. Verband all. i. Handels-, Transportgewerbe beschaff. Hilfsarbeiter. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Verbands- Mitglied 75/19 Ernst Kolley Freitag, d. 31. Jan. verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 2. Februar, Nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Tresckowstr. 37, nach dem Zions- Kirchhof in Weißensee statt. Die Kollegen werden um recht rege Betheiligung ersucht. Der Verbands- Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Theilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Schwieger- sohns sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie dem Herrn Chef nebst seinen Mitarbeitern unfern innigsten Dank. Frau Tornow nebst Mutter. Die Beleidigung gegen Frau Matz- dorf, Beusselstr. 59, nehme ich zurück und erkläre dieselbe für eine ehrbare Frau. K. Gruner. 2578b Die beleidigenden Aeußerungeii, welche ich gegen den Unterstütznngsverein der Bau- nnd gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins nnd Umgegend ausgestoßen habe, sowie die persönlichen Be- leidigungen gegen den I. Vorsitzenden G a d e g a st nehme ich hiermit öffent- lich zurück nnd erkläre beide für ehren. hast. Hermann Lentner, Sorauer- straße 26. 2 Tr. 2 M. per Zahn. Garantie. Plomben 1,50 M. schmerzlos. Zahnziehen voll- ständig schmerz- los 75 Pf. 2505b Jahn-Atelier, Ritterstraste Nr. lOO. 8—8 U. Für Kassen- Mitglieder ZikWmn Prinjnßr. 91. Eingaben, Briefe u. Rath mir I,50M. Andere Schristst. billig. � Vertretung. Sprechst. Nachm. 25075 Bekauntmacliimg. An einigen Sonnabenden im März n. April ist der Saal im Tchtveizer-Garten zu Vereins- festlichkeilen sreigeworden. Gleich- zeitig wird das Etablissement zur Abhaltung von Sommerfeslen bestens empfohlen. 2433b Kartonarbeiterinnen. geübte, in und außerm Hause, verlangt Schivandt. Neue Jakobstr. 6. 2474b 43138' Tüchtige Chromo-Lithographen finden dauernde Beschäftigung. Kunstdruck Kaufmann, Kraudeulmrg a. H. Tischler-Geselleu für bessere Kasten- inöbel gesucht. 2500b Wagenknecht, Rnminelsburg, Schillerstraße 11. Herrenwest.-Arb. v. Feist. Weberstr. 43. �n/biiaa» Klempner, nachweisl. auf «.UUjlljlll Ladeniv. vl.Adalbertstr. 63. Fischbein. Werfführer für große Fabrik mit Dampfbetrieb bei hohem Lohn nach auswärts gesucht. Gesäll. Offerten S. W. 3anddecht» 1895 und frühere Jahrgänge. In Golddruck 1,— M. In Schwarzdruck 0,30 M. Der Drozeß Liebhnecht. Dritte Auflage. Verhandlungen wegen Majesiäis- beleidigung. 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Stramm, Nestaurat., Rilterstr. 123 Ter heutigen Gesammt- Auslage unseres Blattes liegt ein Prospekt der Germania- Kommandit- Gesell- schaft für Jonrnal-Lesezirkel Bessel- straste 21 bei. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblati. Ur. 38. Sonntag, de» 3. Februar 1896. 13. Jalirg. NvgeovdnokenhAtts. 10. Sitzung vom 1. Februar, 11 Uhr. Am Mimstertische Freiherr v. H a m m e r st e i n- L o x t e» und Kommissariea. Die zweite Etats-Berathung wird fortgesetzt bei dem Etat der L a n dw ir th s ch a s ts-V e r w a l t un g, Position ..Ministergehalt». Minister von Hammcrstei» stellt fest, daß der Abgeordnete Ring(k.) mit seiner neulichen Behauptung, die der Minister bezweifelt hatte, es bestehe in Amerika eine 90 tägige Quarantäne für Wiederkäuer, Recht habe. Abg. Graf Hocnöbroich lZ.): Von dem Wohlwollen des Ministers gegen die Landwirthschaft sind wir überzeugt, aber an anderen Stellen der Regierung scheint dieses Wohlwollen nicht zu bestehe». Der Antrag Kunitz und die Doppelwährung sind Forderungen, die von zedem Landwirth vertreten werden. An dem Nolhstande der Landwirthschaft krankt auch der Mittelstand und namentlich der Gewerdebetrieb. Eine schärfere Kritik als das � Wort des Ministers, er marschire mit gebundener Marschroute, läßt sich an de» Handelsverträgen gar- nicht üben. Daß die Landwirthschaft sich da nicht mit Linsengerichte» abspeisen lassen will, daß sie Umkehr der Gesetzgebung fordert, ist begreiflich und gerechtfertigt. Was nützt es, die ländlichen Produltionskosten ermäßigen, wenn man sie wieder mit den Versichernngsgesetzen belastet? Die Unfallversicherung auf d e ni L a» d e k ö n n t e m a n ruhig wieder aufheben.(Sehr richtig!) Gott bewahre uns davor, daß wir ein Industriestaat werden.(Bravo rechts.) Abg. Herold(Z.): Ich bin ein großer Freund der bäuer- lichen Bereinigungen; aber mit dem Bund der Landwirthe kann ich mich nicht befreunden. Die westfälischen Banernvereine habe» mehr geleistet, als Herr v. Plötz mit seinen Agitationen. Abg. v. Eynatte«(Z.): Ein ziffernmäßiger Nachweis über die Zahl der Mnrgarinefabrikcn, ihren Verdienst und ihren Um- sah wäre sehr erwünscht, ebenso eine strengere Strafverfolgung der Bntterfälschungen. Abg. Plcff(Z.) bittet um reichsgesetzliche Regelung des Wasserrechts in einer der Landwirthschaft vorlheilhaflen Weise. Abg. Knebel(»all.): Im Westen ist der Nothstaud um nichts geringer als im Osten und der kleine Mann leidet unter dem Preisdrnck schwerer als der große Besitzer. Wir billigen durchaus den Standpunkt des Herrn Ministers und billige» durchaus sein Programm, das auch recht große Mittel ent- hält. � Den Antrag Kunitz erachten wir für abgethan. (Widerspruch rechts.) Redner wünscht stärkere Unterstützung der Wanderlehrer und der landwirthschaftlichen Winterschulen in der Rheinprovinz. Regierungskommissar Geh. Rath Thiel: Für die Rhein Provinz sind seit Jahren erhebliche Aufwendungen gemacht worden und es werden noch erhebliche Aufwendungen gemacht; aber es müssen auch die anderen Provinzen berücksichtigt werden. Abg. Gothcin(frs. Vg.): Wir leugnen nicht den Nothstand der Landwirthschaft, aber wir halten ihn, wie er von den terren rechts geschildert wird, für übertriebe». Für die eigende Verschuldung des Grundbesitzes giebt es auch andere Erklärungen als nur den Nothstand, zum Beispiel die Aufnahme billig verzinslicher Pfandbriefe, um das Geld zu höherem Zinserlrage zu verivenden. Unser Export beträgt Milliarden, also mehr als unser gesammter Körnerbau. Wir können den Zuwachs unserer Bevölkerung nicht in der Landwirthschaft unterbringen, wir müssen die Industrie pflegen. Minister Frhr. v. Hammcrstcin: Ich muß einer Aeußerung des Vorredners entgegcntreien, wonach die strenge Absperrung den Zweck habe, unsere Fleischpreise zu erhöhen; dem muß ich ganz entschieden widersprechen. Unsere Absperrungsmaßregel» werden streng nach den Regeln der Vertragstreue gehandhabl, ihr einziger Zweck ist Verhütung der Seuchengefahr; daß sie nebenher die Wirkung einer Preiserhöhung haben können, gebe ich zu.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Der landwirthschaftliche Roth- stand muß doch in weiterem Umfange anerkannt werden, als Gothein dies gethan. Pnttkanrer's Worte über das Kapitel an Königstrene im Osten war durchaus berechtigt und könne» nn möglich Anstoß erregen.(Sehr richtig! rechts.) Nachdem Antrag Könitz und Währungsreform sich als ungeeignet lerivieseii,»i»ß darauf bedacht genomnien werde», die Leistirngsfähigkeit unserer Landwirlhschaft zu heben. Wir sehen ja heute schon, daß auf I» grotesker Faschiiigszeit leben wir gegenwärtig. Wie im tollen, verwirrenden Maskenspiel jage» die Ereignisse durch- einander; und in dem wüsten Mumnienschanz steche» die Bannerträger der Reaktion ganz besonders hervor. Sie haben nämlich schreckhafl-groteske Kostüme angethan. Ueber ihre Gesichter haben sie sratzeuhaste Larven gezogen, Larven mit weitaufgeriffeiien Mänlern, drohenden Augen und fürchterlichem Aussehe». So lausen sie umher und vollführen einen Heidenläri», geben sich den Anschein, als könnten sie, wie unheimliche iltiese», alles verschlingen, was ihnen widerstrebt; und wenn der Faschingsspuk zerrinnt und die Verkleidung von ihnen fällt, dann stehen sie bald wieder da in ihrer Dürftig- keit, wie arme, grausam verkaterte Narren. Tie Gewallprediger von heute, die wunderlichen Geschöpfe, die mit ein paar Dransgängerphrasen und energischen Fausthieben den Geist des Umsiurzes niedermachen wollen, haben, wie man wiederum in Sachsen sieht, vieles vom Opcrellengeneral Bumbum in sich. Man muß dem Gegner durch die Grimasse impouiren. General Bnmbnm braucht»ur mit dröhnenden Schritten auf- zutrete» und seine Augen blitzen zu lassen, und die Feinde lausen in Schaaren; und Geist vom Geiste des Generals Buiubnm hatte die erhabenen Häupter der sächsischen Reaktionäre erfüllt, die da auszogen, um daS Wahlrecht umzustürzen, allen voran der gewaltige Rufer im Sireite, Herr Paul Mchnert. Aber die Feinde verlrochen sich nicht»nd schlüpften nicht in die Mauselöcher und fürchteten sich nicht vor der herkulischen Grimasse. Und siehe da, der Herkules erweist sich als renom- niirender Kraftmeier. Man glaubt nicht an die Eisenfresserkrafl des Generals Bumbum; feine eigenen Truppen fangen zu zweisei» an. Helden waren sie nie; so herrscht an sich arge Be- kloinmenheit in ihren Reihen. Dies ergötzliche Schauspiel kann man zur Zeit bei den hellen Sachse» erleben. General Bumbum hat sie in seinem grotesk- kanevaliftischen Kostüm vor einigen Wochen ge- wallig aufgeregt; sie schrieen: Preugen's Landtags- Wahlrecht sei unser Ideal! Hurrah, auf gegen die Umstürzler! Nieder mit ihnen, ein für alle male! Und als sie die Lüfte damit ersckiütterten, kamen sie sich fürchterlich vor, wie die heroischen Krieger. Und heute schleicht der Katzenjammer in ihre» biedere» und tapferen Mannesseelen herum. Der Umsturz, niederträchtig wie er ist, will sich dem General Bumbum und seinem wilve» Heerbann nicht ans den ersten Anruf ergeben; und in der sächsischen treuen Bürgerbrust erheben sich die Wen» und Aber und Nationalliberale wie Konservative erheben in ihren Vereinen lebhafte Bedenken gegen das Klassenwahlsystem nach Preußens Muster. i der ganzen Linie i» der Regierung andere Grundsätze befolgt iverden, als noch im Herbste 1894. Zucker- und Margarinegesetz sind die Folgen dieser neuen Richtung. Fährt der Landwirthschasts- Minister in" dieser Weise fort, so darf er des Dankes aller ein- sichtigen Landwirthe sicher sein.(Beifall.) Minister Frhr. t>. Hammcrstcin: Ich habe mich gleich bei meinem Amtsantritt an den Kultnsminister gewendet mit der Bitte, die Forderungen für die Schule während der schlechten Zeit zu mildern.(Bravo!) Die Unfall- Versicherung drückt schwer, infolge unzweckmäßiger Organisation; hier können die Selbstverwaltungsorgane viel thun, um die Landwirthschaft zu entlaste»; überhaupt müssen Luxusausgaben für Bauten zc. vermiede» werden. Für Hebung der Landwirthschaft, der Wasserwirthschast finden Erwägungen statt. Falsch ist es, die Handelsverträge als Ursache des land- wirthschastlichen Nothstandes zu bezeichnen. Die Quarantäne wird bei uns nach Veterinären Gesichtspunkten gehandhabt; neuer- dings schweben Untersuchungen darüber, ob der freie Grenz verkehr mit g e s ch l a ch t e l e in Fleisch(bis zu 2 Kilo eingeschränkt werden kann. Abg. Plettenberg- Mehrum(k.): Der Bund der Land- wirthe steht den westlichen Bauernvereinen garnicht feindlich gegrnüber; er soll nur alle Landwirthe zu festem Zusammenstehen auseufen. Abg. Sieg(natl.) wünscht, daß die Regierung cinzelne Do- mänen selbst bewirthschastet, um zu erkennen, wie gering der Er- trag des Grundbesitzes ist. Abg. Rickert(frs. Vg.): Die neuliche Rede des Land- w i r t h s ch a f t s m i n i st e r s hat nicht lange vorgehalten; er hat einen Rückzug angetreten, der mir wehe thut.(Heiterkeil! rechts.) Er halle doch gar nicht nöihig, uns von seinen Rockschößen abzuschütteln. Wir machen keinen Anspruch darauf, Stützen der Regierung zu sein. Es hat Z e i t e n gegeben, z. B. bei der M i l i t ä r v o r l a g e, w o die Regierung uns sehr suchte. Herabsehung der Transportkosten wollen wir alle. Für Verbesserung der Produktion sind wir bereit, weil- gehende Bewilligungen zu machen. Das Kaligesetz haben wirabgelehnt, im Interesse der Landwirthschaft; über die Slasseltarife streiten ja die Agrarier noch. Ich habe sür Aufhebung der Schlacht- und Mahl stener, sür Aushebung des Chansseegeldes, für die Regelung des Heimathwesens, sür die Selbstverwaltung, sür ein besseres Jagdrecht gestimmt. Alles im Interesse der Landwirthschaft. Im Reichstage"sorgte der Abg. Meyer, mein politischer Freund, da- für, daß der Zucker leichter bei der Reichsbauk lombardirt werden konnte; auch im Interesse der Landwirthschaft. Vielleicht überzeugt sich der Minister doch, daß er uns unrecht gethan hat. Die Doniäncnverpachtung ist kein Beweis für land wirlhschaftlichcn Nothstand; man vergißt nämlich, daß die Pacht summen in den 70er Jahren von Jahr zu Jahr um 40, 50 ja 75 pCt. stiegen; was will denn da ein Rückgang von 10, 12, 15 pCt. der Pachtsumme bedeuten. Die iilgita tion des Bundes der Landwirthe schadet dem länd- lichen Kredit und raubt dem Landmann daS Selbstvertrauen Minister v. Hammerstciu: Ich habe keinen Rückzug an- getreten, wie Herr Rickerl behauptet, der sich ja so viel selbst ge- lobt hat, daß ich ihn nicht noch zu loben wage.(Heilerkeit.) Ich unterscheide zwischen dem Slbg. Rickert, dem Angehörigen der Fortschrittsparlei und Parteigenossen Richter's, und dem früheren nationalliberale» Abgeordneten gleichen Namens. Das Haus vertagt die Weilerberalhung aus Montag 11 Uhr. Schluß 4'/- Uhr._ Vevsenttmlungen. Ter Verband der in Vnchbindcreieu, der Papier-»nd Leder-Galauteriewaaren-Jndnstrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ehrte am 20. Januar in seiner gut be- suchten Generalversammlung zunächst das Gedächiniß des Mit- gliedes Martha W i n t e r f e l d in der üblichen Weise. Schulz berichtete dann, daß man in der kombinirten Sitzung beschlossen habe, dem Kollegen Bernhard die Gemaßregelten- Unterstützung zu bewilligen; nach kurzer Debatte erklärte die Versammlung ihre Zustimmung. Hierauf gab der Vorsitzende den Geschäftsbericht. In der Buchbinderei wurde vor- gegangen gegen die Werlstube von Weigert, Andreasstraße, wegen ungenügender Schutzvorrichtungen und wegen Sticht- bezahlung des Aussegens. Die Mißstände wurden ab- geändert, leider ist ein Kollege, welcher dem Ver- band augehörte, gemaßregclt werden. Infolge einmüthigen Also war es wieder nichts mit dem voreiligen Siegestauniel und der Versicherung, endlich werde der Geist des Aufruhrs im Königreich Sachsen wenigstens niedergeschmettert. Der Troubadour, Graf Phili Eulenburg, der Sänger und Ruhmredner allgermanischer Reckenhaftigkeil und derben Tugend wird freilich wenig erbaut sein, wenn er vom Katzenjammer und dem Zurückweichen der sächsischen Helden erfährt und es ist leicht möglich, daß er seine Leier zu einem Klagelied stimmt. Denn im intim-poetischen Umgang mit den Gölter- und Heldengestalten der alldeutschen Sagenwelt hat er nur Bewunderung für" die ge- sunde Kraft des Draufgängerthums»nd hat die Bedenklichen, die zu rasch entschlossener Thal nicht bereit sind, nicht achten gelernt. Wie er jungst erst zu Wien in einer Festrede ausführte, hält er die zweifelgeplagte Bedenklich- keit für den Ausfluß einer weitverbreiteten modernen Krankheit, der nervösen Hysterie. Dem modern-hysterischen Geschlecht hält er den Typus der gesundgermanischen, von keinerlei Nerven- zufällen beeinflußten Kraft entgegen. Ist der Theil des sächsischen Bürgerthums, der vor den Folgen des eingeleiteten Sturms gegen das Wahlrecht in Sachsen erschrickt, zum krnmkhast hysterischen Geschlecht zu rechnen, oder nicht? Wer von lebendigem Thaten- drang erfüllt für's frische drauf und dran ist, muß der nicht unmuthig bewegt werden, wenn er aus den vielverheißenden Beginn der sächsischen Bürgerwehr wider die Sozialdemokratie die sorgenschweren Bedeuklichkeite» von heute folgen sieht? Muß er nicht sonst im großen wie im kleinen oft genug wahrnehmen, daß eine heiß begonnene Aktion erfolglos verlänst, daß überhitzter Enthusiasmus in jähem Sprung von 'chlaffer Abspannung abgelöst wird? Das ist die Jeremiade, die zur Zeit am liebsten von wohl- gesinnten lind schwerbeküminerlen Rettern der Gesellschaft an- gestimnit wird. Festgefügt und machtvoll genug ist diese Gesell- schast, so rühmt man laut. Mit den Hetzern und Schmierfinken könnte sie rasch aufräumen, wenn sie nur wollte, wenn ihr ursprünglicher Kainpfenthusiasmus nur nicht so bald in Pflegma umschlagen wollte. Daß dies scheinbare Pflegma nichts anderes ist, als das Zurückweichen vor harten Thatsachen, das wird gerne verschwiegen. Am Wollen fehlt es nicht, am Können! Wer wäre so naiv, zu glauben, daß es der heutigen sächsischen Bürgerschaft am ehrlichen Wollen fehlte, die Volksrechte zu ver- kümmcrn? Nicht blas die„Retter der Gesellschaft» im großen Stil. auch die kleinen Lokalpatrioten sind gegenwärtig des Jammers voll und klagen, daß der Enthusiasmus nirgends sich dauerhaft erweise. Bald hier, bald dort hört man den Stoßsenszer eines Berlinischen Lokalpatrioten zu dem Thema:„Ach, daß es nicht so weiter ging, wie es sich so schön anließ!" Kürzlich wieder las ich. wie in bewegliche» Worten jemand Vorgehens wurden in der Werkstube von S i t t e n f e l d die Falzpreise verbessert. Das Vorgehen wegen Umgehung des Arbeiterschutzgesetzes bei der Firma Maurer u. D i m in i ck führte zu einem Streik, da diese Firma das Vorgehen der Ar- bciter mit einer Verlängerung des Arbeitstags um eine Stunde beantwortet hatte. Nach 14 Tagen war der Ausstand zu gunsten der Arbeiter beendet. Anzeige» wurden der Polizei in 4 Fällen wegen Uebertretung der Sonntagsruhe gemacht und in 3 Fällen wegen Ueberschreilnng der gesetzlichen Arbeitszeit. In der Kontobuch-Branche wurde vorgegangen gegen Barschall wegen Abzugs der bisher bezahlten Feiertage. Tie Sache endigte niil der Maßregelung eines Kollegen. Bei Karl Kühne Söhne wurden auf Betreiben des Vertrauensmannes Ankleideräume geschaffen. Kleine Vortheile wurden erreicht bei Riefen stahl, Weber und Z n m p e. Die Ledergalanteric- Branche war in den Sitzungen durch Tclegirte aus 27 Betrieben vertreten. In einer öffentlichen Ver- sammlung wurde„Ueber die Mißstände im Gewerbe" referirt. Eine Delegirtensitzung beschäftigte sich mit der Lohnbewegung der lokalorganisirte» Kollegen. Es hat sich nämlich in Berlin nämlich wieder einmal ein Lokalverein gegründet, der von Personen ge- leitet wird, die nur ungenügende Kenntuiß von den Verhältnissen in der Branche haben und in der Agitation sich äußerst ungeschickt bewegen. Der Vorsitzende gab die Versicherung ab, daß man die Bewegung mit Aufmerksamkeit verfolgen werde. Die Luxus- Papicr-Branche war durch Delegirte aus 18 Betrieben in vier Sitzungen vertreten. Vorgegangen wurde in Gestalt einer ösfent» lichen Versammlung gegen die Firma Priester u. Eyck wegen ungebührlicher Behandlung der Arbeiterinnen und wegen der überaus niedrigen Löhne. Ueber die Kartonbrauche wurde berichtet, daß diese wie immer sehr im argen liegt. Jedoch scheinen sich jetzt die Organisationsverhältnisse etwas zu bessern, indem von den Arbeitern einer Firma, die für Berlin ton- angebend ist, sich nach einer Werkstubenversammlung 25 dem Verband anschlössen. Für Streiks bewilligte der Verband 50 M. nach Reichcnberg(Böhmen), 30 M. sür die Lederarbeiter(Loh- und Weißgerber:c.) in Berlin und 30 M. für die Saltler in Schöneberg b. Berlin. Der Vorstand erledigte seine Geschäfte in 13 Sitzungen. Es wurden 4 Mitglieder- und 2 Geueralver- fammlungen(I außerordentliche) abgehalten. Am Schluß des Jahres 1894 Halle die hiesige Mitgliedschaft einen Mitglicderstand von 1099. Derselbe ist am Schluß des Jahres 1895 aus 1500 gestiegen.— Hierauf gab der 1. Kassirer den Kassenbericht. Die Ein- »ahme der Lokalkasse betrug 2212,22 M., die Ausgabe 850 07 M., somit blieb ein Bestand von 1302,15 M. Die Ein- »ahme der Zentralkasse betrug 3350,85 M, die Ansgabe 812,21 M., sonach können an die Verbandskasse eingesandt werden 2538,04 M. Den Kassirern wurde Decharche erlheilt. W u n s ch e ck berichtete über den A r b e i t s n a ch w e i s. Arbeitslos gemeldet waren 426 Kollegen(51 Nicht- Mitglieder) und 175 Kolleginnen(85 Nichtinitglieder( Ver- langt wurden 432 Arbeiter(und 109 zur Aushilfe bis zu einem Tag)»nd 234 Arbeiterinnen. Besetzt wurden 212 männliche Stellen, 87 Aushilisstellen bis zu einem Tag und 58 Stellen durch Arbeiterinnen. Es solgte der Bericht über die Bibliothek. Die Einnahme betrug 66,19 M., die Ausgabe 26,80 M., der Bestand am Schluß des Quartals 39,39 M. Be- nutzt wurde die Bibliothek, die gegenwärtig aus 328 Bänden besteht, von 461 männlichen und 139 weiblichen Mitgliedern. Dem Bibliothekar wurde ebenfalls Decharge erlheilt. Die R e ch t s s ch n tz- K o m m i s s i o n theilte mit, daß besondere Fälle(gerichtliche Klagen zc.) sie nicht beschäftigt haben; in fünf Fallen ist Auskunst erlheilt worden. Aus der Neuwahl des Vorstandes gingen hervor G. Schmidt als erster, S e y s a r t h als zweiter Vorsitzender, Schade als erster, Schild- back) als zweiter Schriftführer, Christa» als erster, B a u l i n als zweiter Kassirer, Schiefer, Brille und Fräulein K e t t e n b a ch als Beisitzer. Alsdann ersolgle die Neuwahl der Arbeitsnachweis- Kommission und die Wahl von II Hilsskassircrn für die verschiedenen Zahlstellen. Tie Biblioihekkvminission wurde in ihrer alten Zusammensetzung wicdcrgeivählt. Als Sievisoren wurden gewählt iß i lehn er, M o st und Günzel. Ein Antrag, den Hilsskassirern für ihre Thätigkeit eine jährliche Vergütung von 10 M. zu bewilligen. wurde nach längerer Debatte abgelehnt. Der Vorsitzende theilte noch mit, daß der Bnchbinder-Männerchor die bewilligte Siib- venlion abgelehnt hat. Tie Wahl der Vergnügungskommissio» mußte wegen der vorgerückten Zeit bis zur nächsten Versaminlniig vertagt werden. seinem Schmerz Luft machte, daß die Pflege weit- städtischer Geselligkeit nach vielverheißenden Anfängen nicht recht vorwärts rücke. Der Berliner Fasching, so weit es sich um öffentliche Bälle und Vergnügungsfeste handelt, hat nie ein farbenreiches, lebhaftes Aussehen gehabt. Er ist möglicheriveise in diesem Winter noch dürftiger als sonst; das wage ich nicht zu entscheiden. Aber zetzt ist zugleich die Hauptzeit sür die Pflege privater Geselligkeit; und da ertönt ein Wehklagen derer, die in inniger Berührung mit der Familiengesellschaft des Bürgerthums leben. Wenn man ihnen glauben darf, so sind Heiterkeit und herzliche Wärme in dieser Gesellschaft im allgemeinen dahin. Die einen bemühen sich, den Glanz bürgerlicher Herrlichkeit wider ibr Vermögen aufrecht z» erhalten. Sie fühlen sich verpflichtet. Gast- lichkcit zu üben, deren Ansprüchen sie nicht gewachsen sind. Sie laden sich Sorgen auf, und während sie ihre Gäste bewirlhen, sind sie selber nicht unbesangen froh und können unbefangen Freude nicht wecken. Die Gäste aber sehen den Mangel unter der schlecht verdeckten Ueppigkeit und schelten wohl gar noch über schäbige Noblesse. Das ist die niedcrgleitende Schicht der bürgerlichen Gesellschaft. Kein Wehklagen und keine wohlgemeinte Lehr- haftigkeit besorgter Rathgcber wird ihr die alte Geschlossenheit, die alte Daseinslust und mit ihr den unbefangenen Frohsinn, aus dessen Grund die Künste humanitärer Geselligkeit allein blühen, wiedergeben. Die anderen sind die gesättigt und übersättigt kapitalistischen Kreise. Bei ihnen ist prunkende Verschwendung zum Grundsatz erhoben, an ihr Protzenthum ist ihre Geselligkeit gebunden. Daß da wohl blendende Pracht, aber keine warme Intimität, keine edel gesellige Heiterkeit erstehen kann, wen möchte es verwundern V Das Prahlhansenthum des Geldsacks schleift seine Schätze und Kostbarkeiten herbei, um vor seinen Gästen zu demonstriren: Seht, das bin ich, der Kapitalmächtige. Unerhörte Verschwendung in Speise und Trank wird getrieben und häufig wird das Selt- same, wenn es nur kostspielig ist, dem Gediegenen vorgezogen. Den rohen Beweggründen, ans denen diese Geselligkeil ent- springt, paßt sich das Verhalten der Gäste an. Ei» Theil wird den jeweiligen Gastgeber an protzenhaftem Schaugcpränge zu überbieten trachten; der andere Theil wird innerlich verletzt sein, mag ans seinem Gesicht noch so schmeichlerisches Wohlgefalle» zu lesen sein. Und dieser Welt glaubt man durch eindringliche Predigten eine feine Geselligkeit beibringen zu können. Als ob sie irgend ein Gelüste nach ihr trüge oder fähig wäre, sie nur zu begreifen. Durch erbauliches Zureden will man den Berliner, der etwa mitten drin im Mammonismus steckt, im Handumdrehen zum Athener machen? Leeres Wähnen, wofern es nicht geheuchelter Optimismus ist. Durch die ungünstige Witterung, welche die letzte Zeit herrschte, hiirt man allgemein klagen über Nilhl, Zslhlns, Rhellmtismlls, Erkliltlülgen u. j.«i. svür diese Krankheiten dürfte wohl eine gründliche Schwitzkur d. geeignetste sein. Wir empsehlen Ihnen BIRiirisel's Zolj-Tnuttm-Kndev: Walls lr. 70. Neu-Cölln a. W. 6—3. Pankstr. 32 u. Ansbacherstr. 19, Berlin* Dieseben habe» schon Hunderte uon diesen lästigen Krankheiten, wie Gicht, Ischias, Rhenmalismus, Haut-, Blut- und Franenkrank« heilen, Magen-, Nerven-, Nieren- und Blasen- leiden geheilt. Bei veraltete» und Folgen von Sllll(!|l(()(!l!{lll£ll sind dieselben un- über- treff- lieh. Jedoch sollte man gar nichts» lange warten bis man schon krank darniederlieat. Durch öfteres Baden entfernt man die Krankheitsstoffe ans dem Körper und man fühlt sich immer wohl. Ber- suchen Sie es mit einem Probebad, welches Herr Münsel in einer seiner Anstalten bei Abgabe dieser Annonce für nur I Mark abgiebt. Die Bäder werden folgendermaßen verabreicht: Nachdem man in einer Holzwanne(Bild l) in gekochtem L.aK-l'anmN ordentlich ge- schwitzt, wird man abgeseift und in wollene Decken (Bild 2) eingewickelt, wobei man gemülhlich eine Havanna rauchen kann. Nachdem wird man massirt (Bild L), welches bei Gicht, Rheumatismus jc. sehr zu empfehlen ist. Nachdem die krankhaften Theile leise und gründlich durchmassirt sind, kommt man unter eine lauwarme Donche(Bild 4), welche dann allmählich kälter gestellt wird, um sich ordentlich abzu- kühlen. Damit man sich iedoch nicht er- nllen arm, |t»n empfehlen sich im Warteraum noch etwas aufzuhalten, um dann frisch und gestärkt nach Hanse zu lavken, ans keinen Fall aber auf okleuem Wagsn bei dieser Jahreszeit zu fahren. 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Voläsleio, Oranieustr. 123 Lederarbeiien, Popiefeuiliei�S Moutag. de» 3. Februar, abends 8-/- Uhr, bei Roll, Adalbertstr. 21■ Große Vereins-Versammlung. Tages-Ordnuug: I.Vortrag:„Macht ist Wiffen." Referent wird in der Versamm- lang bekannt gemacht. 2. Die Kollegen der Fabriken von Ad. Strune, Loth& Weinland und Kassel werden zu dieser Versammlung speziell eingeladen. 2S00b Grosse öSfentiiche Versammlung der in Sffzviftigietzeveien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen heute Sonntag, den 3. Februar, vormittags 10 Uhr» im Lonifenstädtifchen Konzerthaas, Alte Jakobstr. 37. T a g e s- O r d»» n g: Ausstand i» der Berthold'schen Offizin. Verschiedenes.-A< Der Einberufer. Rohrleger und GelMen» Mittwoch, den S. Febrnor, abends S Nhr, im Lokale von Bolh, Alte Jakobstrasze 73 �oberer S�aal): Größe öffentliche Versammlung. T a o e s- O r d ii n n g: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordnete» D u e h(Mülhausen) über: Unsere wirthickaftliche Lage und wie beseitige» wir dieselbe. 2. Diskiission. 3. Versäiiedeiics. Kollegen, erscheint Mann für Mann, um frei auSzuspreche», daß wir in einen Kampf eintreten können. Tie Versamniliiiig wird pünktlich eröffnet. 117IS Ter Vertrauensmann der Rohrleger: 0. Fieius._ Kind erwägen» Kazar Max Brinner, Jerilsalemerstr.42 am Dönhoffplatz und Brunnenstraft« 0. Großartig. Auswahl von Itinderwagen, Sporlwagen billigst. Viele Anerkennungen, bestes Fabrikal. Musterb gral. Theiizahlnnggestaltet. ;Puvve»mmgDtt. Brockhaus', Meyer's Lexikon, Brehm's Thierleben, Welt- gesdiichte», Bücher, ganze Bibliotheken kauft Antiquariat Kochstr. ö6, 1. s26 0' Mpieuicr Verci« der Thfer n. Btnisspup« (Filiale Berlin.) Dienstag, den 4. Febrnar IH»0, Abends 7 Nhr, bei Brnnittg, Rosenthalerstr. 14—12, Dcv f a m m l xt%x g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen F. Kiiuert über:„TaS KoalitionSrccht der Arbeiter«nd grober Unfug im Sinne des Strafgesetzbuches." 2. Abrechnung vom 4. Quartal 1695 3. Verschiedenes.— Gäste sind willkommen. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen pünktlich zu erscheinen. 193/9__ Ter Vorstand. Mßiii) ittt i«Kchbtarbtit«iigs-Fabriken imi) kllMMeil kcschWstc« Arbtiter««!> Arbeittrinilt« Tcutslljlliniis (Filiale Berlin I.) Montag, den 3. Februar, Abends 8>/2 Uhr, Aiidreas-Strafze Nr. 30. bei Wilke, MMgElieder-yersammlung» Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen Bogasch. 2. Gewerkschaftliches und Frage« kästen— Nene Miiglieder werde» anfgenonnnen. Um zahlreicdes und pünkt- lidzes Eischeinen biiiet__ 82/12_ Ter Vorstand. Arbeiter Rancherlmnd Kerlins nnd Umgegend. Sonntag, den 0. Febrnar 1800, vormittags 10 Nhr, im Nestaurant Englischer Garten, Alexandcrstrahe Nr. 37 c, Nutzevordentlictze WettevQl-DovsQzttmluttg. Tages-Ordnnng: I. Ve'predumg über Herabsetzung der Karenzzeit und Ausnahme von sech» neuen Klubs. 2. Festsetzung eines Zusatzparagrapden. 3. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnniig wegen ist zahlreiches Ersd, einen er- wünscht._ 2572b_ Der Vorstand. Raabe's Salon, Coldergerstrnße 23. Sonttabcud, den 8. Februar 18v«: Kro882r Viener Na8kenhaU arrangirt vom Geffinsverern.»Vordioadzk** (Mitglied des A.-S-B.). Dresse Masken-AuIxBge. Um 12 Uhr: Demaskirung. Um 1 Uhr: Kaffee-Pause. Während derselben: Humoristische Pantomime ___ und komische Vorträge. Anfang 8 Dhr."MS HC Entrer 50 Pfennig. 66/12 Das Comitee. Achtung! Achtung! Am Sonuabend, den 8. Februar 1896, findet im Lokal Brauerei Friedrichshain Grosser Wiener Maskenball arrangirt vom Terein �er Pliittcrl««e»«. vmiKiiihteii Btr«ssge«8jsen statt. Prämiirung von 6 schönsten Damen- und 6 originellsten Herreninasken. Der Ueberschnß ist zur Unterslützung kranker Mitglieder bestimmt und ladet Freunde und Gönner des Vereins freundlichst ein 221/4 Der Dorstand. m Kellen's Festsäle Kcppen- Strasse 29. Dienstag, den 11. Februar 1800, abends 8'/2 Uhr: ß-Abonnkmellts-Komert � der Freien Vereinigung der Bivii-Berntsnmsiker. Grchester: 50 Mnltker. Dirigent: G. Grass. 1 Z«r Beachtung! Es finden inSgesanimt 10 Konzerle statt nnd behalten die alten Abonueiiientskarten(ö 1 M.) Billigkeit. Billeis für Einzelkonzerte (» 25 Pf.) sind nunmehr auch im Vorverkauf zu haben; auf denselben sind die Konzerte 6— 10 nach Datum genau vermerkt. 63j10 Um geneigten Zuspruch bittet Her Vorstauel. 2. Wahlkreis. Heute Abend G'/s Uhr, bei Zubcil, Linden- Straße IGG: Geffentliche Nktsammlmig für Männer und Wnen. Vortrag des Genossen krit? ZZudeil. 211/4 äWT(Pjitrrr 10 JJf.-M« Nachdem: Gentüthliches Veisnmnrenseitt. Achtung! 4. Wahlkreis. Achtung! Mittlvold, iltil s. Ftbtllllr, llbellhs 8�2 Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a: Große öffentliche lis/h Volksversammlung Tages-Ordnung: Ans vee letzten Seit. Referent: Reichstags- ~- rd~ Abgeordneter Richard Fischer. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberafer. Achtung! 5. Wahlkreis. Achtung! Dienstag, den 4. Februar, abends prriz. 8'/» Uhr, Oeffentliche Volksversammlung in der Brauerei Friedrichshain, am Königsthor. Tnges-Ordnung: 1. Ansprache des Reichstags- Abgeordneten Rvhert Lchmiät. 2.„Die Politische Lage." Referent: Reichstags- Abgeordneter Dr. Lütgenau. 3. Diskussion. Der Einberufer. 217/6 5. Wahlkreis. Sonntag, den 2. Februar, abends G Uhr, im Lokale des Herrn Buske, Grenadierftraße 33: 214/5 IW Versammlung."WW Bortrag des Genossen rsotseel. Nachdem: Gentüthliches Sufoinnrenfein. Eutrer 10 Pf._ Drr Uertrnneusmann. Wlönnrvt Ilvnnvn! Uolks-Uersammlnng im am Dienstag, den 4. Februar, abends 8 Uhr, „Vvvlinrv Nrotrv", Kastanien- Allee Nr. 7. Tnges- Ordnung: 1. Religionsfreiheit und der Austritt aus der Kirche. 2. Frei« Dvslnjswn. 25621» I. A.: E. Menzel. Die Herrn Geistlichen der betreffenden Kirchen und Synagoge» find brieflich eingeladen.— AuslriNserklärungen sind bei den Komnussions-Ältit- gliedern zu baben und werden aus Wunsch ausgefüllt. H. Engler, Pallisadenstr. 83.| H. Jaenscb, Weidenweg 77. Ad. Hoffmann, Blumenstr. 14.| E. Lindemann, Morchstr. 9. _ E. Menzel, Strabburgerstr. 25._ SozialiienlckatWr HitatioMb ffir Den Lsteu Berlins. Kountag, den L. Februar 1800, abend» O',- Uhr: Oeffentliitze Uttsammtmig für Männer und Dränen in Albrechd's Salon, Wemrlrrstrahe Ur. 67. Tages-Ordunng: 1. Vortrag der Frau vrsltsnberg über: Das Frauenstimmrecht. 2. Diskussion. iW Nach dem Bortrag: Gesellige» Krisammenseiu und Taus."WZ __ Emree 10 Pf._ 100/11 Gtbischr Grftllschaft. Konntag, den S. Februar, abend« 6 Uhr: Kresse Versammlung im Lokal des Herrn Holßmann, AIrrandrrstroße 27c. Vortrag des Herrn vr. M/eyl über:„Das Sattessen." Nachdem: Gesellige« Keisammrnsein und Tan?. 56/15 _ Entree 10 Pf. Nach dem Vortrag haben nur noch Mitglieder Zutritt. Brauereiarbeiter. Souutag, den 3. Februar, mittags 3 Uhr, in Cohn's Festsälen/s Uhr, im Resiaurant Paasch, Alte Jakobstr. 83: Versammlung der Isilicllo IV. Tagesordnung: 125/1 1.„Florian Geyer". Referent: Paul Lilsiu. 2. Unsere Bewegung. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Filiale Verlin„Nord". fjf Mitglieder- Versammlung Dienstag, den 4. Februar 1896, abends SVe Uhr. im B. Raabe's Talon, Kolbergerstraße Nr. 23. Tagesordmiiig: 1. Vortrag des Kollegen H. Rohrlack über:„Die Zukunft der deutschen Gewerkschaften." 2. Verbandsaiigetegenheiten. 3. Verschiedenes.— Gäste willkommen. 120/8 Tie Verwaltnng. zelliral-KrMes-ll.StttbMe Ser Tischler u. tvcrtl. Vcrrrallung Scnlin sl.) Rioniag, 3. Februar, abends 3 Uhr: Mitglicütr-AtriliiilmlMg im Lokale„Siid-Ost", Walbeuiarftr. 75. Tagesordnung: 1. Abrecbnuug vom 4. Quartal 1895. 2. Besprechung über die Zablüelle Naunyustr. 83 bei K ö h n. 3. Neu- wähl eines 1. und 2. Bevollmächliglen »üb eines 2. Kassirers. 4. Verschiedenes. tSV Mitgliedsbuch legitimirt.-WM Es ist noivweudig, daß in dieser Ber- sammluug alle Mitglieder am Pl he und. 181/1 Die Grtsverivaltnng. ArbeitttveMlttt-Ltttill. Per s a m m l n n g am Dienstag, den 4. Febr.. ab. 3>/L Uhr. bei Röllig. Neue Friedrichstr. 44. Tagesordnung: 1. Jnformirung über vtechtsprechuug in den Unfall- und Juvaliditäls- Schiedsgerichleii. 2. Verschiedenes. Sämmtliche Beisitzer und deren Er- satzmänner sind hierzu besonders ein- geladen. 53/3 Gäste haben Zutritt. Um pünktliches Erscheinen ersucht D»r Uorstand. Stuckateure! Die Fachvereins- Versammlung am Montag, den 3. d. Vits, fällt aus und findet bie nächste am Montag. den 17. d. Mls.. im Vereinslokal Grenadierstr. 33, statt. 171jlS Der Vorstand. F. 91.: Iänicke, Lychenerstr. 9. Meinen Freunden und Bekaiinten theile hierdurch mit, daß ich das früher von Herrn L.. Karthun innegehabte Weiß- vllil Bllirijch-Rerloklll ani 1. Februar übernehme. 2435b Um freundlichen Besuch bittet v. Federhart, Koppstr. 4. Empfehle Freunde»».Bekannten mein Weiß- llttö Ällirislh-Bittlokäl. Bereinsziinnier mit Klavier für 80 Personen. Stugnst Vieberstein, 4214L' Lausitzer Platz 2. Wo speisen Tie? Pommersche Küche Oranisnstr. 181. Mittag mit Bier 50 Ps. Gr. Ans- ivnhl. Abendesse» von 30 Pf. an. Sonnab. u. Sonntag: Musik. Unterball. Zentralverein ber Bildhauer. Dienstag, 4. Februar, abends S Uhr, Annenstraße 16; K Versammlung» ung: 1. Wahl der Werkstattdelegirten. 2. Holz- und Stein- bildhaner-Angelegenheiten. 21/20 NE. Dienstag, de» 11. Februar: Vortrag des Herrn vr. Eon Arong. Achtung! Achtung! Cr. ößeiitlilhe Volkg-Versliiniiiliiiigeil der Schneider und Schneiderinnen am Montag, den 3. Februar ISVG, abends Punkt 8 Nhr, iu vLt,:«»»'» Krouerri, Drrllu Ureusianer Thor, und K»ll«r'» großem Kaal, Kerlin O., Kopprnstr. 89. Tagesordnung: 1 Der bevorstehende Lohnkampf in der Konfektionsbranche und die An» fertignng der Kleidungsstücke durch die Theilarbeit in der Hausindustrie. 2. Diskussion. 3. Bericht über die stattgehabte Konserenz mit den Unter» nebmern. 4. Verschiedenes. 58/7 Tic Eiuberufer. F. A.: Priese, Straßburgerstr. 132. Tcutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) krikäriedsderg-kummelsburg. Illlontag, den 3. Februar, abends BVe Uhr, im Lokal» des Herrn Meinicke, Friedrich Karlstr. II» WM" Versammlung. Tages-Ordnung: Uiifm Lohnbewegung. Diskussion. Verschiedenes. Vvsnrhe dvv DarquekktzodenleNev. Klontag, den S. Februar, abends v Uhr, bei Schöning, Stallschrei herstr. 29» Wgr Versammlung."MZ Tages-Ordnung: 61/1 Unsere Stellung zur Lohnbewegung der Tischler. _ Die Ortswerwaltunge Uerband alier im Va«i>els-«. Transpott- Grivtilie Mäst. Wlssarlieiter. Dienstag, den 4. Februar 1896, abends 8'/- Uhr: Monats- Versammlung b ei Lotts(Feuerstein), Alte Jakobstraße 75(oberer Saal). Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Gestalt und Bewegnng der Erde." Referent: Herr Urofrssor Förster von der Berliner Sternwarte. 2. Diskussion. 3. Verbanvs» Angelegen heilen. Gäste haben Zutritt, zahlen aber 10 Pf. Entree. Mäler ullil titrili. Verllfsgeitlljseil. Mittwoch, den 5. Februar 1896, abends präzise 7�/« Nhr. iu Cohn's Festsälen, Veuthstrafie 80, gesnnunte Räume(Eingang in der Durchfahrt): QeflFenUivhe Versammlung. Tages-Ordnung: 126'9 1. Bericht über die Verhandlungen seitens der Lohnkommission der Ge- Hilfenschaft mit der Lohnkomiiiission der Berliner Maleriiiniing, besiehend ans den Malermeistern Herren Bode»st ein, Sobotta, Lange. Elsasser- straße. R e t r i g, Joachimstraße, Becker und O. H a n n i g. 2. Diskussion. 3. Die Einladung der Berliner Maler- Innung an die Malergehilsenschast Berlins, zur Theilnahme an dem 50jährigen Jubiläum der Berliner Maler» Innung. Die Versammlung wird unter allen Umständen Punkt 8 Uhr eröffnet und wird»m pünklliches Erscheinen gebeten. Tie Lohiikommisslou der Maler Berlins und sämnitlicher Vororte. Dir Drrlaiumlnngeu der Filialen I, II, III und V fallen am Dmistag, de» 4. Februar, ans u»v finde» 3 Tage später stait. Verantwortlicher Redakteur: Angust Jaeobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 28. Sonntag, den 2. Februar 1896. 13. Jahrg. Die NusbeuktmgspvAkkUten der sogenannte» Adeessen-SzhveibÄMAlkrn. ?;u der letzte» Zeit war hier und da in der Presse davon die �ede, daß die Zldressenschreiber sich zu einer Lohnbewegung ausraffe» wollen. Bislang werden auch in der Arbeiterschafl nur wenige von der Existenz dieser Proletarier der Feder, ge- schweige denn von den Ausbeutungsprakliken, denen sie unter- worfen sind, näheres gewußt haben. Und doch ist wohl nächst der Konfektions- Branche kaum ein Be- ruf in Berlin vorhanden, dessen Zlngehörige schlimmer daran sind, als diese Armen. Berlin zählt, soweit wir Kenntniß davon haben, 13 Adressen-Schreibanstalte». Um die Lage der Arbeiter in ihnen zu schildern, wollen wir eine Firma, die noch zu den besseren zähle» soll, herausgreifen. In der Anstalt von August B. in der Annenstraße sind annähernd 23 Schreiber be- schüstigt. � Selbstverständlich sind nur solche Leute eingestellt, die eine vorzügliche Handschrist haben; gcivnnscht wird, daß die Ar- bester einige Kenntniß der englischen wie der französischen Sprache besitzen. Die Arbeitszeit dauert von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr nütUnterbrechmigvonl'/sStundeMiltagspause.milhinlCP/zStunde. Für Frühstück und Vesper ist keine bestimmte Zeit angegeben, man ißt sein Bulterbrot so nebenbei. Herr B. hat zu seinem Ge- brauch eine„Preisliste für Adressen aller Beruiszweige des In- und Auslandes drucken lassen, worin 3873 Bernfsziveige auf- geführt sind, hinter welchen die Preise verzeichnet stehen. Diese Pre'.stiste, welche uns im Original vorliegt, wird nur den Kunden zugesandt, im Bureau aber ängstlich verschlossen ge- halten, damit die Schreiber keine» Einblick in die Geschästs- Verhältnisse gewinnen. An Arbeitslohn werden für je hundert Koiiverts rund 25 Pfennige an den Schreiber ausbezahlt, für das Tausend also 2,50 M. Für besonders sorgfältig zu schreibende Kouverts sind 3 M. angesetzt. Die Adressen sind mit- unter so mit Titeln versehen, wie z. B.:„An Herrn General- Major z. D. R. Freiherrn von und zu G., lliitter hoher Orden. Hochwohlgcborcn, Jnsterburg,..... straße Ar....", daß ein flotter, geübter Schreiber an hundert Kouverts zuweilen U/s Stunden zu thun hat. Das wären auf den Tag bei Kst/estmidiger Arbeitszeit 1,75 M. Lohn. Die minder geübten Schreiber verdienen durchschnittlich nur eine Mark täglich! Für Adressen in fremdländischer Sprache werden 35 Pfennige für sje hundert Kouverts bezahlt, jedoch sind für die Anfertigung solcher Adressen gut zwei Stunden Arbeitszeit erforderlich. Einzelne Schreiber müsse» die Adressen in große Listen einschreiben und erhalten für hundert nur 2V Pfennige. Die Anfertigung dieser Arbeit dauert etwa zivei Stunden, mithin ist der Tagesverdienst gut gerechnet 1 M. bis 1,50 M. Die Schreiber, welche aus den vielen hundert Adreßbüchern die Adressen ausschreiben müssen, beziehen für hundert Auszüge 25 Pfennige. Manchmal sitzt so ein Schreiber stundenlang und blättert in den dicken Büchern, ohne eine einzige Adresse entdeckt zu haben. Es bekommt z. B. jemand von Herrn B. den Auftrag, alle Pfefferküchler im Deutschen Reich auszuschreiben. So, nun nimm dir ein Adreßbuch nach dem anderen und das „Welt-Adressenbuch Leuchs" vor und suche, bis du schwarz bist, und wenn du hundert Adressen gefunden hast, dann freue dich, glücklicher Schreiber, denn dann hast Du ja 25 Pf. verdient. Der Höchstlohn eines solchen Schreibers beträgt auf den Tag vierzig bis sechzig Pfennige! Ja, Brot schmeckt süß, ivenn man welches hat, und so treibt die unerbittliche Roth viele Männer und Familienväter zu diesem traurigen Berufs- zweig. Aber auch„fest angestellte" Schreiber sind in diesem Bureau beschäftigt, welche w ö ch e n t I i ch n e u n bis fünf- zehn Mark Gehalt beziehen! Doch müssen sie noch in der freien Zeit zu Hause fünfzehnhundert Kouverts beschreiben, da- mit das Geyalt herausgeschlagen werde» kann. Nach seiner Preisliste ist Herr B.„infolge der großen Abschlüsse mit seinen Lieseranten in der Lage. Kouverts, Karlen, Streifbänder w. zu billigen Preisen zu liefern". Da diese Preise nicht angegeben sind, so entzieht sich leider die Beurtheilung des Gewinnes, den Herr Br. auch bei diesem Verkauf genießt; jedenfalls ist dieser Gewinn nicht unbedeutend. Den Bedarf an Federhaltern, Bleistiften, Federn müssen sich die Schreiber von ihrem kärglichen Lohn s e I b st kaufen. Rechnet man im Durchschnitt auf den Schreiber ein Gehalt von 1,50 bis 2 M. täglich, auf die Aus- � ilfrl?.(Nachdruck verboten.) Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen. 29. Georgine ließ sich gern dazu bewegen, daß Langenberg und Palavi ssth ausbaten, das Arrangement des geplanten Festes zu übernehmen. Palavi hatte die ganze Wohnung zu Festräumen um- gewandelt. Ter Empfangssalon war zu eitlem prachtvollen Speisesaale, das danebenliegende Zimmer zu einer Bühne hergerichtet. Als die Gäste sich versammelt und Platz genonnnen hatten, zeigte sich am unteren Ende des Saales ein blendend Heller Schein. Tas buntfarbige Kuppeldach eines Tempels, vor dessen Innern noch ein Vorhang schwebte, wurde sichtbar. Auf ein Zeichen von Palavi theilte sich der Vorhang. Von blendendem Oberlicht umstrahlt, zeigte sich den ent- zückten Blicken aller Anwesenden eine reizende Gruppe. Zur Seite eines Altares stand rechts eine herrliche weibliche Gestalt, Hebe, die ewige Jugend darstellend, zum Ballspiel den Reifen haltend. Links der schöne, trojanische Knabe Ganymedcs. zum Genüsse des Weines einladend. Ilm Fuße des Altars ruhte ein würdiger, bärtiger Edelmann, der Jugendfrische und Lebenskraft hier einzuathmen schien, mit zwei seinen, reich gekleideten Pagen, welche knicend Blumen und Früchte opferten. Ter Vorhang schloß sich wieder. Nach kurzer Zeit theilte er sich abermals, um das schöne Bild nochmals zu zeigen. Tas ganze stellte im lebenden Bilde den Tcmpelbau dar, wie er im Palaste des Grasen Piompiui zu Rom in Marmor ausgeführt ist. Palavi gab ein zweites Zeichen, der Vorhang schloß sich. Ueberwältigt von dem bestrickenden Eindrucke, ergingen sich alle Anwesenden in ungelhcilten, lauten Beifalls- bezeigungen. Die Gestalten und Gewänder, die Stellung und plastische Ruhe blieben für jeden unvergeßlich. Palavi gab ein drittes Zeichen. Jetzt enthüllte der Vorhang plötzlich ein geschäftiges Treiben. Die Gestalten entwickelten reges Leben in den anmuthigsten Bewegungen lagen des Herrn B. an Tinte, Papier, Leim:c. etwa 20 Pf. für je tausend Kouverts oder Adrcssenstreifen und zieht den Gewinn des Herrn Br. an je tausend Kouverts oder Streifen in be- tracht, so muß man sich fragen, wie es nur möglich ist, daß solcher Geschäftsbetrieb bislang noch ungestört betrieben werden konnte. Nachstehend einige Auszüge aus seiner Preisliste mit Angabe der ungefähren Auslagen und des Gewiimes. Berufszweige und Anzahl. Professoren der Medizin 1250 Aerzte in Frankretch 12 000 Alpenvereine 600 Anstreicher und Maler 22 555 Bäcker in Brandinburg 3250 Bahnmeister 2400 Briefmarkensammler 3500 Damen, besser siluirt 50000 Dame» voin Ausland Drechsler 10 000 Drogenhandl. in Italien 6000 Eisen-Hochöfen in Italien 90 Feiterwchren 2460 Herr B. ist ei» sehr praktischer und berechnender Mann, der seinen Vorthcil nur zu gut zu ziehen weiß, natürlich auf Koste» seiner Schreiber. In der Küche seiner Wohnung unterhält er so nebenbei eine Art Kantine, um init Nutzen Bier und Kaffee an sein Personal verkaufen zu können. Eine Flasche Bier kostet bei ihm zehn Pfennige. Ten Kasten, enthaltend vierzig Flaschen, bezieht er für 3 Mark, folglich E e iv i n ii an jedem Kasten 1 Mark. Ter Kaffee, ein zwcifelhasles dünnes Gebräu, wird von der Frau B. zubereitet und verkauft und zwar kostet eine Tasse schwarzer Kaffee fünf Pfennige, mit Zucker oder Milch zehn Pfennige. Jeder kann natürlich so viel Bier und Käsfee trinken, wie will und wo sich Gelegenheit dazu bietet, wird sie vor allein von jungen Leute» ausgenutzt. So haben denn auch nach Abzug dieser Extra- Ausgabe» manche Schreiber bisweilen eine» Woche n lohn von z>v ei bis drei Mark baar übrig Sind durch das Versehen eines Schreibers Orts- oder Straßen namen unrichtig oder undeutlich angegeben und kommen diese Kouverts als„unbestellbar" zurück, so muß der betreffende Schreiber, falls diese Kouverts von dem Kunden an Herrn B. gesandt werden, das verauslagte Porto aus eigenen Mitteln wieder zurück erstatte». Auch in anderer Beziehung hat sich Herr B. wohlweislich gesichert. Bei seinem Eintritt in die Schreibanstalt muß jeder Schreiber eine» Kontrakt unterzeichnen, in welchem Herrn B. das 3iecht zuerkannt wird, in jedem Falle und ohne vorherige Kündigung Schreiber entlassen zu dürfen! Neben seinem Schreibebureau betreib'. Herr B. auch»och ein„Internationales Sport- Wettvermittelungs Bureau." Ferner empfiehlt er sich der„geehrten Finanzwell" zur V-rmittelung von Wetten ani Totalisator je. Und während Herr B. vielleicht Taufende gewinnt oder viele Tansende. die er sich durch de» Schweiß seiner so miserabel bezahlten Schreiber dal erwerben lasse», verliert, verblutet daheim in dnnipser enger Stube so manches Frauenherz, dessen Mann bei Herrn Br. in Arbeit und Verdienst steht, und der selbst mit Zuhilfeiiabme der Nächte kaum soviel verdient, um für sich und seine Fmnilie trocken Brot kaufen zu können. Soziale Llvbevflrszk. BernsePenoffenschastliches. Nach einer dem bayerschen Landlage soeben zugegangenen vergleichenden Ucbersicht über die Geschäflsverhällnisse bei den land- und f o r sl iv i r l h- s ch a f t l i ch e n B e r n f s g e» o s i e n s ch a f t e n d e s K ö n i g- reich s Bayern waren ca. 1 274 012 Personen versichermigs- pflichlig und es betrugen die Verwaltungskosten im Jahre 1894 170 554,10 M., während die Gesaminlausgabe a» Renlen sich auf 1 961 017,23 M. belief. Wein verborgen war) ließ Hebe einen goldgelben Strom echlcu Falernerweins hervorsprudeln. Gaynied samnielte ihn in einer blitzenden goldenen Echaale, füllte dann kclchartige Krystallgläser, welche die beiden Pagen ans silbernen Präsentirbreltcrn den erftauitten Gästen darboten. Ein würziger Weinduft durch zog das Gemach. Der bärtige Edelmann brachte ans einein niierschöpfiicheii Verstecke Unmassen von süßen Näschereien lind Gebäckivaaren, die ebenfalls herumgereicht wurden. Tie Anerkeniinng, welche man Palavi für diese lieber- raschnng zollte, war eine allgemein freudige. Er hatte sich mit gutem Geschick eingeführt und wurde bei dem nun folgenden lukullischen Mahle noch mehr beliebt, denn er wußte allerhand launige Episoden zu Gehör zu bringet,. Die Stimmllilg steigerte sich zu einer heiteren um so mehr, weil es nicht verschwiegen werden konnte, daß Clotilde und der Doktor sich verlobt. Die Unterhaltung war eine sehr belebte, besonders waren die Geladenen des Lobes voll über die köstlichen Gerichte und die ausgesucht guten Weine. Die herrschende Modclhorheit, Gesellschaftsabeude zu geben hatte sich in der Residenzstadt H. so zur Unsitte ausgebildet, daß schon mancher daran zu Grunde gegangen war. Es kamen da angebliche Freunde und Bekannte zu- sammelt, um bei gutem Essen und Trinken über andere zu reden. Jeder wollte den andern überbieten und doch war bei jedem etwas ailszusetzeli geivesen. Auch hier schmeichelte man dem Fcstgebcr und der Festgeberiii, ivährend nian ihnen sonst allerhand Böses zu- getraut, angedichtet und gewünscht hätte. Diese Menschen beobachteten scharf, um anderen Tages Stoff zu neuem Klatsch zu haben. Sie würden in Ver- zücknng gerathen sein, weiin sich ein Anlaß zu einem neuen Skandale geboten hätte. Brambach und Frau brauchten ja nur die Wahrheit zu sagen: daß sie blos, um sich zu betäubeii, Gäste eingeladen. Aber beide wußten den Schein zu wahren. Sie verabschiedeten die Festtheilhaber mit Würde und Freundlichkeit. Sie nöthigten Palavi noch zu bleiben, bis seine Zimmer wieder in Ordninig gebracht. Palavi konnte die Güte und Liebenswürdigkeit seiner neuen Wirthslcute nicht genug preisen. Als�Rckonvaleszent Ans dem Hauöhalt eines Berliner Arbeiters. Vor uns liegen die sorgfältigen Eintragungen� über lvochentttHe Arbeitsstunden und Wochenverdienst(abzüglich der üblichen Kassenbeiträge) eines Hilfsarbeiters bei Siohrlegimge», der von Anfang November 1892 bis Ende Oktober 1895 ununlerbrochen beschäftigt war, und zwar bis zum 23. Oktober 1395 auf ei» und derselben Stelle. Die genauen Zahlen folgen hier: Ans dem Altar(hinter dem wahrscheinlich ein Ohm> sei es ihm jetzt möglich, seinen Arzt, den Doktor Langem Hiervon gehen für Wohnungsmiethe jährlich ca. 200 M. oder wöchentlich 3.70 M. ab, bleiben 10,60 M. resp. 10,49 M. und 10,37 M. durchschnittlich wöchentlich verfügbar für Nahrung, Kleidung, Feuernng, Licht, Schulbücher für die Kinder, noth- wendige Fahrunkosten des ÄIrbeiters zu de» verschiedentlich gelegenen Arbeitsstätten. Die Familie besteht aus Mann, Frau und drei noch jugendlichen Kindern. Man begreift, wie unter diesen Verhältnissen die Ernährnngsweise sein kann. Das un- zureichende Einkommen suchte die oft kränkelnde Frau anfzu- bessern durch hansindustrielle Textilarbeit; das konnte jedoch nur periodisch geschehe», und sie erzielte im Jahre 1894 nur in den Monaten Juli, Angust, September einen Gesanunlverdienst von 93,80 M. oder 7,21 M. wöchentlich; im Jahre 1393 in den Monaten August, September, Oktober mit dem ältesten Kinde zilsammeii iiisgesauintt 94 M. oder 7,20 M. pro Woche. Für die Bcschästignng von Arbeitslosen bewilligte die Mainzer Stadtverordneten- Versammlung 9000 M. Die Ar- beit, die den Veschästigungslosen zugewiesen wird, besteht theils im Abtragen alter zum Abbruch bestimmter Gebäude, theils in Entwässerungs- Sirbeiten und theils in der Zerkleinerting von Steinen. Ge v uszks �Äeikmtg. Arbeitgeber- Kniffe kamen in einer Verhandlung zu tage, die am 28. Januar vor der Privatklage- Abtheilung 149 des Amtsgerichts I geführt wurde. Der Kupferschmied Aschman» arbeitete bei der Firma O. u i e l S ö h n e in Moabit. Eines Montags wurde er zu dem Geschäftsführer T w e r gerufe», und dieser eröffnete ihm, er sei entlassen. Man hätte ihm am Sonnabend in das die Löhnung enthaltende Kouverl eine Mark zuviel hineingesteckt, um zu sehen, ob er sie iviedcr- bringen würde. Unehrliche Leute könnte die Firma nicht ge- brauchen.— Die Arbeiter der Fabrik waren über das Verhalten des Direktors nicht gerade erbaut, und einer stellte Herr» Qniel selber zur Rede. Dieser erwiderte, Aschmann sei wegen Unter- schlagimg entlassen worden. Aschmann verklagte deshalb die Herreu Ouiel n. Twer ivege» Beleidigung. In der Verhandlung gaben die beiden Beschuldigten den Thalbestand im wesentlichen z», er- llärtcn aber, völlig im Rechte zusein. Die Arbeiter hätten ihnen gegenüber es stets moniert, wenn einmal zu wenig Geld in einem Kouvert gewesen wäre. jetzt hätten sie ver- suchen wollen, ob auch das Gcgcntheil moniert würde. berg, immer in der Nähe zu haben, denn dieser werde nun hier am meisten sich aufhalten.„Auch hoffe ich", sagte er zu Georginen, als er sich verabschiedete,„alle Ihre Mühen reichlich auszugleichen." Georgine verbeugte sich verbindlich und sagte:„O Sie haben uns schon durch das Fest einige fröhliche Stunden bereitet, daß wir reich belohnt und Ihnen zu Danke verpflichtet sind. Als Palavi in seinem Zimmer allein war, rieb er sich erst vergnügt die Hände, daß seine List, sich als Hausfreund in dies Haus einzuschleichen, ihm gelungen war. Dann setzte er sich und betrachtete das Bett, Chaise- longne und die Wände des Zinimers. Ein Schauer durchrieselte ihn und tiefer Ernst be- mächtigte sich seiner. Also hier hatte sein Freund und Ver- wandter seinen Geist ausgehaucht. Hier hatte der Major von Sherman einen plötzlichen Tod gefunden. Hier ivar ihm sein großes Vermögen cntivendet worden. Die Hinter- lassenen, zu denen Palavi zählte, waren hier um ihr Erbe gebracht worden. Und noch war der Verbleib des Geldes nicht entdeckt, der wahrscheinliche Mord nicht klar dar- gethan. Paalvi hatte alle Verhandlungen nachgelesen, er hielt das Urtheil für einen Justizmord. Er kannte die Ver- irrung und Verblendung des Majors Georginen gegen- über nur zu gut. Seine fixe Idee, die ihn, de» Verstorbenen, ttmiier wieder zu ihr gehen, für sie Opfer bringen ließ, um sie nur lächeln zu sehen, war ihm bekannt. Palavi sagte sich: Georgine ist die Mörderin und ihr Mann der Dieb. Tics festzustellen, scinen Freund zu rächen, das war jetzt einzig sein Thun und Trachten. Mit der äußersten Klugheit war er bisher zu Werke gegangen. Nicht einmal Langenberg wußte, daß er mit dem Major v. Sherman verwandt. Besonders Brambach und seine Frau durften nichts davon ahnen. Er wollte nie diesen Nainen nennen, wollte sich Zivang auferlegen, immer harmlos erscheinen, wollte keine Opfer scheuen. Das hatte er sich est vorgenommen. Schon fühlte er sich seinem Ziele etwas läher gerückt, er fühlte sich ruhiger, sicherer, aber er konnte ich eines unheimlichen Grauens in diesen Räumen nicht erwehren.(Fortsetzung folgt.) Sie wüßten ganz genau, daß sie gerade dein Asch- niann eine Mark zuviel eingelegt hätten, sie hätten sich ihn nnSgeslicht und gleich darauf ihren Techniker Neubarg davon Mittheilung gemacht. Neubarg bestätigte, daß die An- geklagten ihm dies bald nach der Löhnung erzählt hätten, sie hätten auch von ihm verlangt, daß er am Montage unter der Hand die Arbeiter aushorchte, ob schon etwas von dem zuviel gezahlten Gelde bekannt sei, diese Nolle hatte ihm aber nicht ge- paßt und er hätte sie abgelehnt. Aschmann selber erklärte, er habe an dem betreffenden Abend � ein Zlouvert bekommen, das 27,99 M. enthalte» sollte, und gegen die sonstige Gewohnheit hätte der Inhalt aus lauter Cilbcrstücken bestanden. Er hätte ihn oberflächlich durchgezählt und nicht zuviel gesunden. Er hätte aber auch später, nach Twer's Mittheilung, nochmals alle seine Ausgaben berechnet, und er sei der festen Ucberzeugnng, daß er nicht zuviel be- kommen habe. AscKmann's Vertreter, Nechtsanivalt Heine, wendete sich sehr energisch gegen das arglistige Verfahren der Firma. Es liege durchaus keine Veranlassung vor, den beiden Angeklagten ohne weiteres zu glauben, daß sie wirtlich die Mark in Asch- mann's Beutel gclhnn hätten, denn wer fähig sei, einen so u»- schönen, unwahrhastige» Streich gegen seinen Arbeiter zu unter» nehmen, dem könnte man auch zutrauen, daß er überhaupt die Unwahrheit spräche. Wen» die Angeklaglen aber auch die Wahrheit spreche» sollten, so sei es doch durchaus nicht erwiesen, daß Aschmann das Geld unterschlagen habe. Die Angeklagten hätte» anscheinend lauter Silbcrgcld in de» Beutel gethan, damit Asch» mann leichter hineinfalle, sie hätte» aber ihre List allzu fein angelegt, denn gerade deshalb würde jeder Mensch, dem un- beschollene» Aschmann glauben, daß er die Sache nicht bemerkt habe. Um eine Mark auf dreißig könne man sich sehr leicht irren. Die Bestrafung stelle er dem Gerichte anheim, denn dem Privalkläger käme es nur auf seine Rechlsertigung a». Das Gericht erkannte auf je drei Marl Geldstrafe gegen die Angeklagten, weil die von ihnen gebrauchte» Ausbrüche beleidigend ivärcn und der Begriff der„Wahrung berechtigter Interessen" hier keine Anwendung finden könnte. Daö Jntmssc der hiesigen Magistrats- PurcanhilfS- arbeitcr nimmt gegenwärtig ein Z i v i I p r o z e ß in Anspruch, der seit länger als fünf Jahren gegen die Stadt Berlin schwebt und in kurzer Zeit vor dem Reichsgericht zum end- giltigen Austrag gebracht werden wird. Es handelt sich näm- lich um ziemlich bedeutende Gehalts» bezw. P e n s i o n s- anspräche des ehemaligen Hifsarbciters M., welche derselbe aus§ ö6 Nr. K der Städte- Ordnung vom 90. Mai 1853 herzuleiten sucht. Dieser Paragraph besagt, daß die?l n st e l l n n g der st ä d t i s ch e n B e a m t e n ansschließ- lich nur auf Lebenszeit zu erfolgen hat. Im Gegensatz hierzu sind beim hiesigen Magistrat seit Jahren sogenannte ,,B u r e a u» H i l f s a r b e i t e r" beschäftigt, rvclche gegen eine vierwöchentliche Kündigung angenommen, nicht im Besitze eines Anstellnngspateutes sind, auch kein pensions- fähiges Gehalt beziehe». Dieselben haben jedoch ihrer Behörde de» Diensteid geleistet, serner ist ihnen zum größten Theil die Beamtenqualität beigelegt worden, auch verrichten sie in den verschiedenen Berivaltungsbureaus des Magistrats denselben Dienst, rvie ihre aus Lebenszeit angestellten ibollcge». Das hiesige Landgericht sowohl, als auch das Kammer- gericht haben den Kläger seiner Zeit mit seinen Ansprüchen abgewiesen. In der Rcvisiousinstanz steht nun am 10. d. Mts. Termin vor dem Reichsgericht an und da eine Eni- scheidung des letztere» speziell gegen die Stadt Berlin bisher nicht ergangen ist, rvird dcni Ausgange dieses Prozesses mit großer Spannung entgegengesehen. Sollte übrigens die Stadt Berlin in diesem Falle der unterliegende Theil sein, so durften dem vorliegenden weitere Prozesse dieser Art bald nachfolgen. VevsÄmInlungen. Ii« der Volksversammlnug, die am 30. Januar im Schützenhaus(Linienstraße) tagte, stand das Thema„!>teligio»s- sreiheit nnd der Auetritt aus der Kirche" auf der Tagesordnung. Zunächst theilte Adolf Hoffmann mit, daß er vom Polizei- Präsidium ein Schreiben bekommen hat, worin verlangt wird, die seinerzeit in der Versammlung bei Keller gewählte Kommission solle ein Statut einreichen. Das könne aber die Kommission nicht. iveil sie kein Statut habe und auch keins brauche. Hieraus hielt der Referent Waldeck Manasse seinen Bor- trag über das erwähnte Thema. An der Diskussion be- thciligte sich Herr Schulz als Gegner, ihm erwiderten K ö h n, Manasse, H o s f m a n n und B e r g e r.— Mit großer Mehrheit«vurde schließlich eine Resolution z» gunsten des Austritts aus der Kirche angenommen. Mitgetbeilt wurde noch, daß seit den ersten beiden Versammlungen 224 Per- soncn durch Vermittelung der Kommission ihren Austritt aus der Kirche erklärten, viele andere aber das Ausscheiden selbst be- sorgt hätten. Ferner machte«nan bekannt, daß wenn Un- bemittelte austreten«vollen, die Kommission das Erforderliche besorgen, vurde. Die nächsten Versammlungen werden ab- gehalten am 4. Februar im Prater(Kastanien-Allee) und am 0. Februar bei Gründe!(Brunnenstr. 183). Nachdem noch mit- getheilt worden war, daß Herr Schulz. Sleltinerstr. 57. seinen Saal zur Abhaltung einer Voltsversammlung verweigert hätte, wurde die gut besuchte Versammlung mit einem Hoch auf das Gedeihen der Bewegung geschlossen. Dev njinfelndo Heros. Wenn so ein Wcltrcichs-Beherrscher ins Unglück oeräth, dann kann es sich erst zeigen, was denn an wirklicher Mann- haftigkeit in ihm ist und was theatralischer Aufputz. Da setzt sich dann«vohl das hohle Phrasengedröhn eines von Größenwahn befalleneu Selbstlings in das Gewinsel einer kleinlichen Jammerseele um. So ging es mit Napoleon dem„Großen", wie ihn seine Schmeichler genannt haben. dem Heros des Jahrhunderts, als er, ein Gefangener, nach Elba abgeführt wurde. Anläßlich der Kongreß-Ausstellmig, zu der Wien rüstet und auf der auch einige Erinnerungsstucke au die Reise Napoleons I. in sein Exil auf Elba gezeigt werden sollen, bringt das ,W. Frcmdenbl." interessante Erinnerungen an die Reise. Am 17. April empfing Napoleon in Fonlainebleau die Kommissare der Regierungen, deren Geleite er sich— nicht sehr vergnügt— anvertrauen mußte. Er sah nicht eben kaiserlich aus, trug einen alten grünen Unifonnrcck mit goldenen Epanlctten, blaue Beinkleider und rothe Kappenstiesel; er war unfrisirt und un- rasirt, Reste von Schnupftabak verunzirten seine Oberlippe und Brust. Ten preußischen Kommissar begrüßte er mir deutlicher Ironie, den russischen kalt-höflich, den österreichische» freundlich, den englische» sogar herzlich und mit Komplimenten für seine Nation, die er höher als alle anderen schätze:„Ich war Euer größter Feind, ich bin es nicht mehr. Ich wollte die fran- zösische Nation auf gleicher Stufe haben; meine Pläne sind ge» scheitert. Das ist Schicksal." Bei der Messe, die der Vor» stellung der Konimissare voranging, zeigte sich Napoleon sehr aufgeregt, rieb sich mit der Hand die Stirn, steckte einen Finger in de» Mund, dann kante er unruhig an de» Fingern. Lange konnte er sich nicht zur Abreise entschließen. Zunächst wünschte er eine starke Truppenbedeckung, dann lehnte er alles ab und ver- langte nur einen britischen Kommissar zur sicheren Ueberfahrt. Schließlich kam man dahin überein, ihn durch 1500 reitende Garden bis Briare begleiten zu lassen und ihm 800 auserwäblte Grenadiere als eigene Truppen nach Elba selbst mitzugeben. Bor Elba, das man als ein ungesundes, wasserloses Eiland schilderte, beschlich alle ein liuheimliches Graue». Endlich, am 20. April, erilärte sich Napoleon reisebereit. Es war ein ansehnlicher Zug, der sich Die Berliner K ein crks ch a sts ko ist Ist i s si o n verhandelte am Freitag über ihre S t e l l»i» g zur B e>v e g u n g in der Konfektionsindustrie. T i m in schilderte den gegen- wältigen Stand der Bewegung, theilte die bekannten Forde- rungen der Schneider und Schneiderinnen mit und begründete sie. Er berührte auch die am Montag gepflogenen Unterhandlungen mit den Unternehmern der Branche, die über die durchaus ge- rechten Forderungen der Arbeiter in so höhnischer Weise hinweg- gegangen seien, und hielt eine Erörterung dieser Angelegenheit in der Gewerkschaflskommission für angebracht, da das Interesse an der Bewegung der Konfeklionsarbeiler weit über die unmittelbar betheiligten Kreise hinausgehe. In längerer Debatte, an der sich Buchdrucker Mass i» i, Putzer G r o t h n> a n n, Hut- macker L a u s ch k e, die Schneider W i e s e m a n n und Pfeiffer, Buchbinder Jahn und andere bctheiliglen, wurde die Bewegung angesichts der überaus elenden Lage der Konfeklionsarbeiler allseitig gebilligt, und den BetheiligtiN die wärmste Sympathie sowie die Ihatkrästige Unterstützung aller Arbeitcrkreise in Aus- ficht gestellt; namentlich wurde betont, daß die Arbeiter, deren Frauen und Töchter in der Konfektion beschäftigt sind, diese zur unbedingten Theilnahme an dem in Aussicht stehenden Kampfe zu veranlasse» hätten, da sie auf deren ohnehin nur sehr geringen Verdienst wohl einige Zeit verzichten könnten. Vergolder Schnorre ist ebenfalls für die Vewegnng, meint aber, da die Organisation der Schneider und Schneiderinnen nur schwach sei, hätte ei» Streik wenig Aussicht auf Erfolg; es würden sich aus den Reihen der Unorganisirten Streikbrecher genug finden, die die frei gewordenen Arbeiisslellen besetzen. Er wünscht deshalb eine lebhafte Agitation zu gunsten der Schneider, um ihnen,»venn es irgend möglich sei, den Sieg in diefem gerechten Kampfe zu sicher». T i in m erklärte diesem Redner gegenüber, daß seine Organisation sich längst über alle AIvglichkeiien dieser Bewegung klar geworden sei. Auch die Cchaiteuseilen wären genügend gewürdigt worden. Zu verlieren sei für die belheiligten Arbeiter nichts, da«veder die bis zum äußersten ausgedehnte Arbeitszeit verlängert, noch der schon so tief stehende Lohn verschlechtert werden könne. Für Streikbrecher sei auch nicht viel zu holen, da es dauernde Arbeit in der Saison- Industrie nicht gebe, und also nur eine Verschiebung der Arbeitsstellen eintrete» könne. Es«vurde darauf fol- gcnde Resolution einstimmig angenommen:„D i e B e r- l i ii e r G c w e r k s ch a f t s k o m m i s s i o n erklärt s i ch angesichts der in der Konfektions-Jndustrie herrschenden elenden Verhältnisse mit dem Vorgehen der Schneider und Schneide- rinnen e i n v e r st a n d» n und verpflichtet sich, dieselben mit allen ihr zu geböte st ehe» den materiellen und ni o r a l i s ch e n Mitteln zu unter- stützen und ihnen z u ni Siege zu verhelfen." Ein Antrag S ch e r l i n g, alle Gewerksckasten sollten zur Agitation für die Sckneiderdewegung Versammlungen veranstalten, rief eine längere Debatte hervor. Die Zweckmäßigkeit dieses Antrages wurde bezweifelt, da in der vorliegenden Angelegenheit schnelles Handeln nolhweudig sei. Scherling zog seinen Antrag zurück; ein ÄIntrag Schulz:„Ter Ausschuß wird beaustragt. die einzelnen Gewerksckaftcn zu veranlassen, mit möglichster Schnelligkeit, je nach Lage der Situation Versammlungen zu gunsten der Schiieidcrbewcgung zu veraustallen",«vurde an- genommen. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung: Antrag des Ausschusses, betreffend die Kranzspende z u m 1 3. M ä r z. M i l l a r g, I a h n. G r o t h m a n n und Schneider sprachen sich gegen den großen Luxus aus, der in den letzlen Jahren niit dem Niederlegen zum theil sehr werrh- voller Kränze auf den Gräbern der Märzgefallenen getrieben worden sei. Man solle diesem übertriebeneu Kultus der Tobten Einhalt lhnn und die fiir diesen Zweck aufgebrachten Gelder künstig im Interesse der Lebenden, namentlich der Gewerkschasts- bewegnng verwenden. Litsin vertrat die Ansicht, daß die Kranzspende doch immerhin eine«verthvolle Demonstration sei. Die einzeluen Gewerkschaften würden sich auch nicht durch einen Beschluß der Geiverksckaflskomiuission nach diesersRichtung hin be- eiuflussen lassen. Ein Antrag Schneider, der besagt, die Gewerkschaftskommission solle im Namen aller Gewerkschaften einen Kranz niederlegen,«vnrde abgelehnt. Zum dritten Punkt: Gewerkschaftliches theilte Cchristgießer R e i n i ck e.mit, daß das gcsammte Personal— 100 Mann— der Schriftgießerei von Berthold die Arbeil niedergelegt hat,«vcil der Geschäjtsiuhaber sich weigerte, mit dem Vertrauensmann über Wünsche der Arbeiter zu unter- handeln. M i l l a r g gab hierauf bekannt, daß ihm L e g i e n namens der Geueralkommission den Wunsch ausgedrückt habe, die Berliner Gcwerkschasiskomniission solle die Vorarbeiten zu dem im Mai bier stattfindenden Gewerkschaftskongreß übernebmen. Diese Zlngelcgeuheit rief eine lange und milnnter zieinlich erregte Debatte hervor, in der wegen der Gegensätze zwischen lokal und zentral Organisirten die Geister aufeinander zu platzen drohten, was der Vorsitzende G r o t h m a n n durch energisches Eingreifen zu hindern suchte. Von den auf dem Standpunkte der Lokalorganisation siebenden Rednern«vurde bervorgehoben, daß die Giwerkschaflskommissivn, in der beide Richtungen vertreten seien, ihreMiiwirkungan den Vorarbeiten zum Kongreß, von dem die lokalorgauisirten Arbeitcr ausgeschlossen, zu versagen hätte. Litfin drohte mit dem Riicklrilt der Metallarbeiter-Vertreter von der Geiverkschaftskomniission, falls diese die Vorarbeiten übernehme. In namentlicher Abstiminnng er- da durch einen guten Tbeil Frankreichs beivegte: 35 Wagen- und Reitpferde, dazu die reitenden Garden u. f. w. Tage hin- durch hatte man überdies in Foutainebleau bei Hunderl Fourpons und Packwagen mit Geld, Büchern, Meubles, Gemälden, Sta- tuen u. s.«v. vollgepackt, die der Kaiser nach Elba voranssandte, nni sein neues Heim besser auszupalteu. In den ersten Reise- stationen ging alles gut. Die eskortirende Garde beein- flußte die Volksstimniung auf das glücklichste, der Empfang des Imperators war herzlich, ja besser, als es den Kommissaren angenehm war. Kaum war nian jedoch über Revers hinaus und kaum war die Garde davvngeritten, so«var es gründlich anders. Bedenklich aber wurde die Situation im Gebiete von Avianon. Schon berichtete man Napoleon, daß der voransgesaudte Wagenzug Avignou nur passiren konnte, indem die Führer des Parks die Abzeichen der Bourbonen aiiistccklen, alle kaiserlichen Jnsignien abrissen, überall Lilien anbrachlen und mit dem Volle um die Wette den achlzehutcn Ludwig hochleben, Napoleon verwünschen ließen. A das le tyran, vivo le Eoi! gellte es an des Kaisers Ohren, als man in'liesster Nacht durch das hellerleuchrete Dorf Nornas kam. Gerade so war es in Orange. An den Thoren von Avignon ging es noch lebbaster zu.„A das le tyran, le coquin, le'ir.auvais gueux! Vive le Eoi, vivent les Ällies" schrie man. Weiber umdrängten die Kutsche des Kaisers, beschimpslen ihn, warfen ihm Sieine nach— den Leib- jäger auf dem Bocke, der das Vival auf den König vcrivcigcrle, bedrohte man mit dem Säbel. Blitzschnell fuhr der Wagen weiter. In Agcn ivar Napoleon in direkter Lebensgesahr. ,.A das le voleur, l'assassin!" tobte es; eine Strohpuppe mit Blut und Koth bespritzt, hing an einem mit Schimpsworlen be- schriebenen Galgen und eine wülbende Menge, mi« weißen 510- karden geschmückt,»mrinpte den Wagen des Kaisers, sodaß die Kommissare aus ihren Kutschen sprangen nnd Napoleon, der sich, blaß, entstellt, wortlos in eine Ecke drückte, mit ibren Leibern deckten. Kaum war man glücklich«veiler, so sprengten Boten heran, die noch Schrecklicheres für Aix, Lambesc und Marseille ankündigten. Ter Kaiser hörte entsetzt zu, ließ plötzlich halten, schmückte seineu Hut mit einer auffallenden weißen Kokarde, schwang sich auf ein ausgespanntes Postpicrd und jagte, nur von einem Reiter begleitet, bis?>i der ärmlichen Herberge„La Calade" voraus, wo er abstieg, sich der Wirlhin als Obeist Campbell vorstellte und ein Mahl snr sich und die klärten sich 30 Gewerkschaften für. 36 Gewerk« sckasten gegen die Ueber nähme derVorarbeilen seitens der Gewerkschaftskommission. Tie Ver- trcter der Zentralorganisationen erklärten, daß sie nunmehr die Vorarbeiten zum Kongreß ausführen würden. In dieser Ver- sa mmlung waren nicht anwesend die Vertreter der Backer, Dekateure, Glaser. Kupserschmiede, Maurer, Posamenliere, Schirm- macher und Schlächter. Die öffentliche Vcrsamtiilntig der Steiiiarbeiicr. die am 31. Januar im Lokale Königshos tagte, fetzte zunächst die Beralhung über die Tarisvorlage fort, nachdem die vorher- gegangene Versammlung mit der Beralhung nicht zu Eiide gelangt»var. Ueber den Tarif wurde eine Einigung erzielt. Er soll am I. März d. I. in kraft treten und für zwei Jahre Giltigkeit haben. Ter Tarifkommission wurde es überlassen, die Verhandlungen mit den Meistern zu führen. Die endgiltige Beschlußfassung bleibt der nächsten öffentliche» Versammlung überlassen. Tie Holzbildhatier hatten sich am Freitag bei Vergnev, Annenhr. 16, versammelt, um zu der geplanten Lohnbewegung der Tischler Stellung zu nehmen. Kollege Winkler schilderte den Entwicklungsgang des Tischlergewerbes und der Bildhauerei, zeigte an der Hand statistischer Zahlen, daß die Proletarisirung der in der Holzindustrie beschäftigte» Arbeiter immer schneller vorwärts schreite und kam zu dem Schlüsse, daß die Bildhauer bei der Lohnbewegung der Tischler cbensalis bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit zu erstreben suchen müßten. Coswig: Er hätte es nicht für nioglich gehalten, daß es nech Kollegen giebt, die für 10—12 M Wochenlohn bei 3Ve stiiiidigcr Arbeitszeit arbeiten. Wenn die Bildhauer in eine Lohnbewegung eintreten wollten, so müßten sie entweder vor den Tischlern beginnen oder warten, bis dieselben fertig sind. Götz warnt in eine Lohnbewegung einzutreten, da die viel» fach behauptete günstige Konjunktur nicht vorhanden ist. Tie Versammlung nimnit schießlich einsliinmig eine von Dupont eingebrachte Resolution an, nach welcher die Holzbildhauer sich schon jetzt für einen eventuellen Streik mit den Holzarbeitern solidarisch erklären. Dem Bureau wird aufgegeben, in den nächsten 14 Tagen eine große Versammlung einzuberufen mit der Tagesordnung: Sind die Holzbildhauer gewillt, in Ver- bindung mit den Forderungen der Tischler die alten Joite- rungen, Einführung 8>/2 stündiger Arbeitszeil und Lohnarbeit von neuem jetzt zu stellen? Alsdann giebt Donath den Bericht der Agitalions- koimnission. Dieselbe sei vollständig überflüssig geworden. Der Kassenbericht ergiebt einen Bestand am 31. Dezember v. I. von 143,13 M. Dem Kassirer wird einstimmig Deckarge eribeilt. Nachdem Coswig die Thätigkeit der Kom- Mission scharf gerügt hatte, beantragt W i n k l e r eine Kommission von drei MÜgliedern zu wählen. Dieser Antrag wird abgelehnt, dagegen wird ein Antrag Dupont angenommen, einen Vertrauensmann zu wählen. Otto Meyer wird gewählt. Als Revisoren werden Donath nnd Götz bestimmt. Ter dritte Punkt der Tagesordnung(Bericht des Ge- werkschaftskommissions- Mitgliedes und Neuwahl) wird auf Antrag W i n k l e r' s vertagt. Den Bericht der internationale«» Agitalionskommissioii giebt Winkler. Die Kommission, die im Juli 1395 nach der Konserenz zu Nürnberg gegründet wurde, bat eine ziemlich umfangreiche Thätigkeit entwickelt. Der Kassenbericht ergiebt am 31. Dezember 1895 einen Bestand von 335,16 M. Die Versammlung erlheilt ebenfalls Decharge. Be« sonders rügt Wi nkler noch, daß mehrere Städte trotz wieder- holler Mahnungen die Protokolle der Nürnberger Konferenz noch nicht bezahlt haben. Kollege Dupont scheidet aus der Kom- Mission aus und«vird statt dessen Otto Meyer in dieselbe gewählt. Die Kollegen Neitzelt nnd Otto Meyer geben noch in kurzen Ausführungen einen Bericht über ihre Thälig- keit als Gewerbegerichts- Beisitzer. Meyer ermahnt die Kollegen auf grund seiner Erfahrungen, Abmachungen mit dem Zlrbeirgeber nie unter vier Augen, sondern entweder schriftlich oder in Gegenwart eines Zeugen zu treffen. Dupont richtet noch die Bitte an die Gewerbegerichts-Beisitzer, ihm interessante Miitheiliingen zwecks Veröffentlichung in der„Bildhauerzeitung" zugehen zu lassen. Steglitz. Am Sonntag sprach hier in einer gut besuchten Versammlung Genosse Adolf Hoffinann unter Beifall über das nioderne Raubritterthum. Ein an die zahlreich erschienenen Frauen gerichtetes ernstes Mahnwort zur Theilnahme an dem Kampfe gegen den modernen Raub fand gute Ausnahme. Unter anderem wurden dann die neuesten polizeilichen Maßnahmen (Strasbesehle gegen drei Genossen wegen freiwilliger Teller- sammluugen) eutsprcckend gewürdigt und die Genossen von Steglitz aus die bevorstehende Geineiudevertreter-Wahl nochmals ausmerksam gemacht niit dem Ersuchen, daß jeder seine Schuldig- keit tynn möge. Ei» Hoch auf die Sozialdemokratie bildete den Schluß der Versammlung, an die sich dann noch ein gemüihliches Beisammensein auknüpste, das dp Genossen und teren Familien bei gesanglichen Vorirägen und Tanz in bester Stimmung bis zur Polizeisluiide(10 Uhr) zulammenhielt. Nachkommenden bestellte. Da Halle er aber ein unheimliches Asyl gewonnen. Wohl schien der Wirth selbst bonapartistisch, die Wirlhin aber, eine sehr lebendige Provengalin, fand nicht Worte genug, den culthronlcn Kaiser zu beschimpfe». Sie begriff gar uickt, daß man ihn nach Elba, so nahe Frankreich, bringe, und beschivor den angeblichen Obersten Campbell, sich ja nickt mit dem Tyrannen cinzuschiffc», denn man werde diese» Man» hoffentlich ganz gewiß im Meer ersäufen.„Sans dorite", erwiderte' Napoleon mit Galgei Humor. Unter einem Steinhagel erreichte» die zurückgebliedenen Wagen das Wirlbshaus. Alles respektirle das Inkognito des schwer- geprüslen Herrschers, der düster, mit thränenbenetzlem Antlitz, den Kopf in die Hand gestützt dasaß und die Kommissare angst- voll beschivor. ihn in der Rolle Campbell's zu lassen. Nur mit Mühe ließ er sich überreden, den Namen„Lord Burghers" an- zunehmen, da Campbell ja,«vie viele wußten, schon voraus- gereist«var. Napoleon's Kleinmuth hatte den höchsteu Grad er- reicht. Er zögerte zu essen, ba er vergiftete Speisen iürchtete, erschrak bei dcni geringsten Lärm, brach«viederholt in Thränen ans und wollte sogar nach Lyon zurück. Schließlich hielt er es für nothivendig, sich absolnl unkenntlich zu machen, und bat den Felbmalickall- Lievteuanl Koller, den öfter- «eichischen Generals- Waffenrcck gegen seine grüne Uniform mit ihm zu tauschen; der Adjutant des russischen jkcmmissars Cchuwalew mußte den bekannten Napalconshut und U eberrcck nehu en, un«„nölhigensalls für den Kaiser angesehen. insultirt»»d erschlagen zu«verde»". Ter Kaiser legte den Liock an, setzte zuerst Kvllcr's Hut, dann die preußische Feldkavxe des Grafen Trnchseß ans und hing den russischen Mantel Schniva- low's»m. In dieser biinlen Drapirung, eine leibhaftige Ver, lörpcrung der Heiligen Allianz, schritt Napoleon unter Vorantritt Troual's, des falschen Napoleons und Koller's durch die Menschen- masscii, die vergeblich ihre Fünf- Fiankssiücke ausaheii und dann den wirklichen Napoleonkopf suchten, zu den Wagen. In Le- Luc wurde er von seiner Echivestcr Pauline»nier dem Schutze zweier Eskadronen österreichischer Liechtensteiu-Husaren erwartet. Diese nahmen ihn schließlich in ihre Mille und ohne Anstand gelangte er zum Hasen St. Naphean, wo die zur Abfahrt nach Elba bereit liegende britische Fregatte ihm den Tonucrgruß eul- gegensaudte. tuuß noch billiger verkaufen mit b>»lier, wegen Aerlegnug meine» «Ueseliü»»»ach meiiem eigenen Haili« Sixin�nnei»»riiele«?>'». 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Die Schulräume sind täglich von 8 Uhr abends an geöffnet(Sonntags 10—12 Uhr), um den Mitgliedern Gelegenheit zur Benutzung des Zeitungs-, Zeitschriften- und Büchermaterials zu geben. Es liegen in beiden Schulen fast sämmtliche proletarischen, sowie die wichtigsten bürgerlichen Tageszeitungen, außerdem eine große Anzahl von wissenschaftlichen Revlien, Fachschriften, Ge- werkschafts- nnd Witzblättern aus. In gröberen Lokalitäten werden in bestimmten Zwischenräumen Ver- sammlungen abgehalten, in denen wichtige Fragen allgemeinen Interesses in popnlär-wissen schaftlicher Weise erörtert werden. Unter sachkundiger Leitung werden ferner wissenschaftliche, künstlerische und gemeinnützige Institute be- sichtigt, um neben der speziellen Ausbildung unserer Mitglieder auch für ihre allgemeine Bildung z» sorgen. Der Mitgliedsbeitrag, sowie das Unterrichtsgeld für jedes Unterrichts- fach betragt monatlich je 23 Pf. Aufnahme neuer Mitglieder(am besten bei Beginn jedes Semesters) sowie die Zahlung der Beiträge erfolgt in beiden Schulen und in den nachstehend verzeichneten Zahlstellen: S. Sehünlnu, Stallschreiberstr. 29. SO. Südost-Schule, Maldemarstr. 14. Schulz, Admiralstr. 40 a, SW. Grube, Mariendorferstr. 3, Windhorst, Junkerstr. 1. O. Moritz, Langestr. 65, N. 179a. Nord-Schule, Müllerstr. Gnadt, Putbuserstr. 32. Glelnert, Müllerstr. 7a. Wernau, Rosenlhalerstr. 57, NO. Beul, Barnimstr. 42. NW. Lötfler, Stendalerstr. 12. W. Werner, Bülowstr. 39. Oer Vorstand. NB. Alle Briefe, Anfragen und Znsendungen ec. sind an den Vor- sitzenden. Schriftsteller Heinrich Schulz, Berlin SO. 16, Kaiser-Franz- Grenadierplatz 7, alle Geldsendungen an den Kassirer H, Königs, Berlin S. 39, Dieffenbachstr. 30, zu richten. 5:7 Kur-Bade-Anstalt und Massage von H. Mania. Brunnenstr. 16. Dampf- und Hrißinft-Kasteubäder, Mannen- und medizinische Kader. 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