Morgenausgabe Mittwoch ... Wf 12. 3uni 1929 ■ �\, H Groß-Serlin 10 Pf. «Sch�mch»P,. m°°«mch z.som. Lg WW Wss Wff �Hf IBk�KxLÄL T., tmDDrou.�bibar.«oftb H w Ms M � W W M W Ms-*■ Auswärts �5 Pf. .michl,,»!,»«) P'q.?°i,z,«un«,. m.» BH LM9 W M W MW M MM M // Mr1 7! Pfg. Posibcsikllgebuhrtn Su,Iand»- ��Km\ Il-JKo W> Hl �z)>M BH IH WkV 9| � D> MWV r-- obonnfmtm 6.— SDt pro SRonat BB» WW HD W»>> H) HR 1 X' Die•(l l.rti jmeimol. eonncj» unb TOomao. H Ml! � M 7/H| fygtbnKMe 8Bott� ,-d»->.!l«. ffion einmal, die ÄbenSausgoben lür Berlin nn 5 il�St da, eeil, vnb IN, 5>anbel mil bem Tilei.Der®nrl 16 Ps«ni"g. t«d-« roftterf ffiorl Kbenb-, SUuftrim.«eiiazen.So« � V/»'"J"' 12,®u,'?"'ll"P unb�eit-mib Sinberireunb" Rem», ▼/ ,-i,ien für zwei Worte. Slrbeitsmoitl SSSBiS SWJSM Zentsawvsan der SozialdemoSvattsthen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW K8. Lindenstraße 3 VurtUUritt-Rerlaa fö ttl 6 ft"»offf«anderen Zwecke verwendet werden! So hört man es seit Monaten aus dem Munde der Steuersachverständigen de? Demokraten und der Volksparteiler, zum Teil auch der Deutschnationalen, so liest man es tagtäglich in ihrer Presse. Nachdem nunmehr Paris ein positives Ergebnis gebracht hat, wird der innerpolitische Kampf um die Eni I a st u n g in aller Schärfe entbrennen. Mit der Ratifizie rung des Uoung-Planes werden von den 2!� Milliarden, die Deutschland auf Grund des Dawes-Planes im Etatjahr 1929 zu zahlen gehabt hätte, rund 509 Millionen frei, im Etat- jähr 1930' verringert sich die Reparationslast um rund 800 Millionen. Ginge es nach den Wünschen der Anwälte des Großbesitzes, so würde bereits am 1. September dieses Jahres eine Senkung der Besitzsteuern um jene 500 Millionen und am 1. April 1930 um weitere 800 Millionen pro Jahr in Kraft treten. Eine merkwürdige Sinnesart läßt diese Kreise die These aufstellen, daß die Entlastung, die einem besiegten und tribut- pflichtig gemachten Volke gewährt wird, nicht etwa den not- leidendsten, sondern den r e i ch st e n Schichten zugute kommen müsse. Sie haben jedoch ihre Pläne schon ein wenig zurück- schrauben müssen. Nach Aeußerungen, die in der letzten Finaazdebatte im Hauehalfsausschuß des Reichstags fielen, ryollen sie gnädigst die bis zum 1. April 1930 freiwerdenden Beträge dem Reiche belassen. Von da ab aber soll die Ent- lastung restlos der Steuersenkung dienen. Kein Pfennig neuer Ausgaben dürfe mit Rücksicht auf die Re- parationserleichterungen beschlossen werden, verkündete der Redner der Demokratischen Partei. Aehnliche Anschauungen hörte man aus dem Munde des Vertreters der Deutschen Volkspartei. Es war eine erfreuliche Erscheinung, daß die Redner fast aller übrigen Parteien dieser Auffassung ent- schieden widersprachen. Die Sozialdemokratie hielt mit allem Nachdruck an der Auffassung fest, die sie seit Monaten itnmer wieder vertreten hat, daß die erste und dringlichste Aufgabe die Sanierung der Reichsfinanzen und der Reichskasse sei. Als eine ungeheuerliche Frivolität würde es von der er- drückenden Mehrheit des deutschen Volkes empfunden wer- den, wenn nach den finanzvolitischen Erfahrungen der letzten Monatx und Wochen die erste Folge der außenpolitischen Ent- lastung nicht die Sanierung der Finanzen, sondern eine Steucrmilderung für den Besitz wäre. Die Finanzen des Reiches sind seit geraumer Zeit in bedenklicher Verfassung. Von den Finanzsachverständigen der Parteien des verflösse- nen Bürgerblocks ist der gegenwärtigen Regierung bezeugt morden, daß sie ein Verschulden an dieser Finanzlage nicht trifft. Aber die Finanznot besteht. Der Etat für 1928 hat, wie von der Sozialdemokratie bei seiner Verabschiedung vor- ausgesagt worden ist. ein Defizit von 155 Millionen gebracht. Der Etat für 1929 ist so knapp bemessen, daß er gleichfalls zu einem Defizit führen müßte, wenn er unverändert ausge- führt würde. Unter den Abstrichen, die an den Ausgaben dieses Etats vorgenommen worden sind, befinden sich zahlreiche größere Positionen, wie Kanalbauten, Erstellung von Verwaltungsgebäuden usw.. die im nächsten Jahr wieder- kehren und den Etat belasten werden. Man spricht von weiteren großen Hilfsmaßnahmen zugunsten der Landwirt- schaft, man stellt Anträge auf Schaffung eines Kleinrentner- gcsetzes. man will Eisenbahnen in den Grenzgebieten bauen, inan diskutiert über den Bau eines großen Straßennetzes durch ganz Deutschland für den Kraftwagenverkedr. Wie diese und viele andere hinzukommende Ausgaben finanziert werden sollen, ohne auf die Reparationsentlastung zurück- zugreifen, ist einstweilen noch das Geheimnis der Träger dieser Pläne. � Hinzu kommen die großen K a s s e n i ch w> e r i g- keile n der Reichsfinanzocrwaltung. Der Versuch, einen Teil der kurzfristigen Kredite, die bisher in Anspruch gc- nommen werden mußten, mit Hilfe der steuerfreien Reichs- anleihe in langfristige zu verwandeln, ist schlecht gelungen. Das mager- Ergebnis dieser Anleihezeichnung hat den Reichs- finanzwinister von den Kassennöten nicht befren. In arieh- barer Zeit kann der Versuch, eine innere Anleihe aufzu- nehmen, nicht wiederholt werden. Der Kapitalinorkt des Au-landes wird für die Zwecke der Deut'chen RelchsdahK und für andere große Aufgaben so stark in Anspruch gc- nommen werden, daß auch auf diesem Wege eine Milderung der Kassennäte«idst erreichbar ist Unter diesen- Umständen blc'bt nichts anderes übrig, als auch die Kass-mtage mit Hilfe Äcr lanzlam anwachsenden Reparotionsnoch'ässe in Ordnung England für. Achtstundentag. �aiifizierung in Genf angekündigt. Genf. It. Zum.(Eigenbericht.) Aus der Arbeitskonserenz wurde am Dienstag von dem englischen Regierungsverlreter die Stellung der britischen Regierung zur Zrag« des Achtstundentages bekannt gegeben. Der eng- tische Regierungsoertreter erklärte:„Zch bin autorisiert, mitzuteilen, daß die englische Regierung die Absicht hat, die notwendigen Maß- nahmen zu ergreifen, um baldigst die Ratifikation des Washingtoner Abkommens über die Arbeitszeit vorzunehmen." Diese Ratifikation wird, wie der englische Re- gierungsvertreter erläuternd fortfuhr, vorbehaltlos fein. Sie wird sich bezüglich der umstrittenen Punkte des Washingtoner Ab- kommen» an die Vereinbarung der Arbeibsminister vom Zahre ISZS hallen. Zm übrigen kündigle der Vertreter der britischen Regierung die Ratifikation des Abkommens über die winde st löhne und über die Anheuerung der See- l e u t e an.— Die Arbeilergruppe der Konferenz sandte Mac- d o n a l d und dem englischen Arbeitsminister Jiau J ondficld ein Telegramm, in dem das versprechen der baldigen Ratifikation unterstrichen wurde. vi« englische Delegation ließ versichern, die britische Rotisika- tion brauche nicht durch das Parlament zu erfolgen, fondern könne vom Kabinett auf dem Verordnungswcge vorgenommen werden. Umstritten dagegen fei die Frage, ob dos Parlament erst da» von Macdonald angekündigte Arbeitszeitgefeß erledigen werde. bevor die Verordnung über dos Washingtoner Abkomme« erfolge. Aber auch für dieses Arbeitszeilgesetz rechne man aus eine sichere Mehrheit im Unterhaus. Zm übrigen ist aus der Debatte vom Dienstag ein starkes B e- k e n n t n i» des Vertreter» der dänischen Regierung, de» sozial- demokratischen Finanzminsslers vramnaes, zur internationalen Sozialpolitik bemerkenswert, vramnaes betonte, daß die Soziallasten keine wirkliche Belastung der Wirsschast bedeuten, sondern nur eine andere Verleitung der Wirsschastsproduktion. Der Teil des Einkommens, der für Soziallasten aufgewendet würde, diene In Wirklichkeit zur Stärkung der Produktivität der Gesamlwirlfchaft. Mit dieser ersten Regierungshandlung hat das Ka- binett Macdonald den Treubruch der konservativen eng- tischen Regierung wieder gutgemacht. Noch bis zum letzten Augenblick hat der konservative estglische Arbeitsmimster Steel Maitland versucht, das Abkommen von Washington zu Fall zu bringen und die kommende Arbeiter- regierung vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Die Rati- fizierung durch England zieht unweigerlich die Ratifizierung durch D e u t f ch l a n d nach sich. Frankreich hat bereits ratifiziert unter dem Vorbehalt der Ratifizierung durch Eng- land und Deutschland. Belgien hat vorbehaltlös ratifiziert. Minderhetten-Kompromiß. Besprechung Stresemann— BriaUd.— Schuberts Vorarbeit. Madrid. 11. Juni.(Eigenbericht.) Di« Umwandlung des Völkerbundsrotes in ein„Ratskomitee" zum Studium der Minderheitenfrage hat die zu bedauernde Mög- lichkeit geschassen, eines der wichtigsten Probleme unter Aus- fchluß der Oeffentlichkcit zu verhandeln. Diese Methode hat alle Nachteile der Gcheimdiplomatie, oder keinen Vorteil. Die Zahl der offiziellen Personen vom Bölkerbundssekretariat und den Delegiatonen, die an dieser Gehcimtagung teilnehmen, gehl in die Hunderte, so daß man doch indirekt erfährt, was geschehen ist. Außerdem gibt ein ausführlicher Bericht des Völkerbundssekretariats den Sitzungsverlauf im wesentlichen wieder. Aber der Bericht- erstotter, dem die Pflicht obliegt, die Ocffentlichkeit zu unterrichten, mußte den Vorbehalt vorausschicken, daß er nicht u n m i t t e l- bare Eindrücke weitergeben kann, sondern auf Mitteilungen aus zweiter Hand angewiesen ist. In der Dicnstügsitzung des Ratskomitees hatte Dr. Strefe- mann die schwere Aufgabe, nachzuholen, was die deutsche Abordnung vor seiner Ankunft unterlassen hatte. Der Rcichsaußenministcr erkannte an, daß im Verfahren gewisse Verbesserungen angebahnt sind, andere Verbesserungsvorschläge Deutschlands sind dagegen bis- her nicht berücksichtigt worden. Zu den grundsätzlichen Fragen, den Aufgaben und Pflichten des Völkerbundes gegenüber den nationalen Minderheiten, schlug Stresemann vor: Vertagung der Ent'- scheidung oder Einholung eines Gutachtens des ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag über Aufgaben und Pflichten des Völkerbundes gegenüber den Minderheiten. Nur so könnte man der well da» Schauspiel der Uneinigkeil des Rales in dieser wichtigen Frage ersparen, zumal es üblich sei, daß man sich einmütig einem solchen Gut- achten des Haager Gerichtshofes unterwerfe. Mit aller Entschieden- heil erklärte Stresemann, daß er dem„Londoner Bericht"— des Dreierkomitees Chamberlain, Adatfchi, Ouinones de Leon, der in London revidiert pnd als Grundlage der bisherigen Madrider Be- ratuugcn vorgesehen wurde— nicht zustimmen werde. Stresemanns Rede, die frei und lebhaft vorgetragen wurde, soll nach dem Bericht von Zuhörern einen starken Eindruck gemacht haben, doch zeigt der weitere Verlauf der Diskussion, wie schwierig Stresemanns Po- sition im Ratskomitee geworden ist. Briand, dessen Antwort in der Form zwar höflich, i» der Sache aber recht schärf war, hatte ziemlich leichtes Spiel. Er wiederholte mehrfach, daß das Komitee vor Strcs/manns Ankunft— also mit Zustimmung v. Schuberts— beschlossen hatte, den Londoner Bericht zur Diskussionsgrundlage zu nehmen, wobei es jedem freistehen sollte, Vorbehalte über die grundsätzliche Seite des Problems zu"machen. Adatfchi sei beauftragt worden, einen Schluß- bcricht auszuarbeiten und die heutige Sitzung hätte nur de» Zweck gehabt) diesen Bericht endgültig gutzuheißen. Briand wandte sich gegen.eine Vertagung, die neue Unruhe und neue Treibereien hervorrufen könnte. Aber auch den zweiten Vorschlag Stressmann», die Einholung eine» Gutachtens de» haager Gerichtshofes lehnte Briand ab. und zwar mit der unhaltbaren Begründung, daß dies gewissermaßen als ein Mißtrau« n s o o t u m für die ganze bisherige Tätigkeit des Völkerbundsrates in der Minderheitenfrage gedeutet werden könnte. Komme es nicht zur Einigung im Rat, dann bedeute dies zu bringen. Zu dieser Sanierung gehört aber auch die Schaffung eines neuen Betriebsmittelfonds, obne den die Finanzverwaltung an jedem Quartalswechsel von der Gnade der Großbanken abhängig sein würde. Die peinlichen Situationen, in denen sich der Reichsfinanzminister in den letzten Monaten wiederholt befand, hatten nicht zuletzt ihre Ursache darin, daß unter seinen Vorgängern Köhler und Reinhald olle Fonds und Kassen geleert worden waren. Diese Fehler müssen jetzt gutgemocht werden. Für die Erfüllung all dieser Zwecke werden die Minder- ausgaben an Reparationen aus lange Zeit hinaus gebraucht werden. Hinzu werden neue wichtige soziale A.u f- gaben kommen, an denen das Reich nicht vorbeigehen kann. Auch wenn die augenblickliche Krise der Arbeitslosenversiche- rpyg ihre Lösung findet, muß damit gerechnet werden, daß das Reich für die Versorgung der Arbeitslosen in Zukunft gemisse Garantien zu übernehmen hat. Aus volitischen, wirtschaftlichen und sozialen. Gründen ist Reich verpflichtet, den Folgeerscheinungen der Industrialisierung, der Rationalisierung, des wachsenden Tempos im Auf und Ab der Konjunktur zu begegnen. Erst wenn nach Befriedigung all dieser Bedürfnisse die Reichsfinanzen Ueberschüsse onf- weifen. kann an eine Steuerfenkung gedacht werden. Diese Steuersenkung darf dann aber selbstveisständlich nicht heginnen' bei den leistungsfähigsten Schichten' sondern muß in erster Linie den A e r m st e n zugute kommen. Kapitalbildung ist gewiß, wie Karl Marx schon festgestellt hat, in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung eine unbe- dingte Rötwendigkeit. Die. Kapitalbildung in Deutschland seit der Stabilisierung der Währung ist auch durchaus tvcht so kleinen Umfangs, wie es die Befürworter der Steuer- senkung hinstellen mächten. Allerdings sind die breiten Massen an der Kapitalbildung nur in geringem Maße be- teiligt. Dieser Tatsache muß bei einer, künftigen Ncugestal- tung des Steuerwesens Rechnung getragen werden. Eine demokratische Republik, die sozialen G c i st atmen iolt, darf nicht der kleinen Oberschicht ihrer Bevölkerung das Pri- vileg der Kapitolbildung einräumen, sondern muß es den breiten M-a s s e n ermöglichen, sich an der Kapitalbildung zu beteiligen. Die Aufgabe der Sozialdemokratie muß daher in der nächsten Zukunft sein, zunächst einer voreiligen Steuersenkung entschieden zu widersprechen, und später, wenn eine solch- Senkung verantwortet werden kann,-dafür z,i sorgen, daß sie der finanzpolitischen und sozialen Gerechtigkeit und staatspyli tischen Vernunft nicht Hohn spricht, Sie Rückkehr zum Zustmid vorher, und dann würde die ganze Arbeit des Dreierkomitees vergeblich gewesen sein. Stresemonn erwiderte, daß er die Gewissenhaftigkeit der Arbeit dieses Dreierkomitees nicht bezweifelt habe, daß er ebenso sehr wie jeder andere die Einmütigkeit im Rat erstrebe, daß aber durch eine Vertagung sich neue Möglichkeiten ergeben wür- den, die jetzt fehlende Einmütigkeit zu erreichen. Ebenso würde«ine Anrufung des chaager Gerichtshofes in keiner Weise dem Prestige des Rates Abbruch tun. Der Kanadier Dandurackd, der noch am Freitag für die Vertagung eingetreten war, ohne jedoch von Schubert unterstützt zu «erden, trat jetzt für den Antrag Adatschis ein, der zwar nicht alle kanadischen Anregungen berücksichtigte, aber immerhin einig« Verbesserungen enthält. Die weiteren Redner Adatschi, Titulescu und schließlich Scialoja als Vorsitzender des Komitees, versuchten aus Stresemann den stärksten Druck auszuüben, sagten immer wieder, daß man sich ja am Sonnabend eigentlich schon über die Fragen des Verfahrens geeinigt habe. So wurde immer noch Schubert gegen Stresemann ausgespielt, was die Lage Stresemanns nicht gerade angenehm gestaltete. Di« Abendsitzung war überraschend kurz und ergab eine vorläufige Klärung der Situation im Sinne eines annehmbaren Kompromisses. Adatschis Bericht wurde in endgültiger Form vorgelegt. Durch die neue Fassung wird der ursprüngliche Londoner Bericht, der für Deutschland unannehmbar war, aufgehoben. Nach einer kurzen historischen Einleitung werden die einzelnen Verbesserungsvorschläge für das künftige Verfahren in Minderheitsfragen aufgezählt. Die prinzipielle Seite bleibt offen, aber die Sitzungsprotokollc des Rats- komitees werden als offizielles Material veröffentlicht und allen Mit- gliedstaaten zugestellt, ebenso das Protokoll der Ratssitzung am Donnerstag, in der die einzelnen Delegationen ihre Zustimmung zu dem Bericht begründen und erläutern werden. Stresemann will in dieser Sitzung den deutschen Standpunkt nochmals mit allem Nach� druck darlegen. Es ist zu erwarten, daß auch die Vertreter anderer Länder, besonders Polens und der Kleinen Entente ebenso scharfe Gegenerklärungen abgeben werden. Es besteht daher die Gesahr, daß man sich am Donnerstag in der öffentlichen Plenarsitzung so gründlich auseinande�redet, daß das Kompromiß vom Dienstag wieder auffliegt. Unter diesem Vorbehalt kann man das Ergebnis vom Dienstag als einstweilige Erledigung des Minderheitenproblems b«.. trachten. Stresemann hat sich zu diesem Kompromiß bereitgesundcn, da die Vertagung nicht mehr durchzuführen war und sogar der Kanadier Dandurand an ihn appellierte, eine Lösung nicht zu oer> hindern, die Verbesserungen zugunsten der Minderheiten enthalte. Diese Verbesserungen entsprechen zwar nur einem Teil der deutschen und der kanadischen Vorschläge, aber der Reichsaußenminister hat geglaubt, daß er nicht die Verantwortung übernehmen könne, den Minderheit«« die Dorteile dieser Verbesserungen noch auf Monate hinaus zu entziehen. Die prinzipielle Seite des Minderheiten. Problems bleibt ossen für eine Wiederaufrollung in einer späteren und günstigeren Zeit. Der Dienstagnachmittag brachte die erste Unterredung Briand-Stresemann. In der dreioiertelstündigen Unter- redung wurden— wie beide erklärten— alle die beiden Länder betreffenden Probleme erörtert Begegnung Briand-Stresemann. V. Sch. Madrid. ll.#Ouni.(Eigenbericht.) Die am Montag verschobene erste Begegnung zwischen Briand und Stresemann hat bereits am Dienstag nach- mittag um Uhr in Briands Hotelzimmer stattgefunden. Sie dauerte zwar nur dreiviertel Stunden, weil sich beide Minister zu der für 6 Uhr angesetzten Abendsitzung des Ratskomitees begeben mußten, aber es werden ihr bestimmt weitere folgen S t r e s e- mann, der am Abend die deutsch« Presse empfing, war unter Berufung auf eine Vereinbarung mit Briand ziemlich wortkarg und bekannte nur, daß die Aussprache durchaus freundschaftlich war und den anläßlich aller Ratstagungen üblichen Meinungsous tausch über die schwebenden außenpolitischen Fragen gebildet hätte. Zum Glück ist Briand, der zur selben Zeit die französischen Pressevertreter empfing, etwas ausführlicher gewesen. Auch er stellte die Unterredung als eine Selbstverständlichkeit hin. zumal nach den lßereinbarungen mit Hermann Müller im September 1928 ein bestimmtes Aktionsprogramm aufgestellt'worden war, von dem eine wichtige Etappe durch dl« Unterzeichnung des Sachverständigen- berichts bereits erzielt worden sei. Andererseits betonte Briand die Schwierigkeiten, regelrechte Verhandlungen über dieses Pro- gramm in Abwesenheit eines der Kontrahenten, nämlich der eng. lischen Regierung, zu führen. Äber Stresemann habe keine Der. Handlungen eingeleitet und weder die noch ungelöst« Frag« der Feststellungs- und Vergleichskommission noch die Saarfroge angeschnitten. Auch Briand betonte die Herzlichkeit dieser ersten Begegnung und verbroitete sich sodann über die Kompromißaussichten in der Minderheitenfrage, die er als günstig bezeichnete. Aus diesen verschiedenen Erklärungen gewinnt man den Ein- druck, daß Briand durchaus gewillt zu sein scheint, in privaten und unverbindlichen Besprechungen mit Stresemann die Frage der Ein- berufung der kommenden Reparation»- und Räumungskonferenz ausführlich zu erörtern. Es ist jedenfalls charakteristisch, daß in französischen Kreisen die Einberufung«in�r solchen Konserenz, auf der alle Probleme des Septemberprogramms gleichzeitig erörtert werden sollen, nunmehr als selbstverständlich bezeichnet wird, wäh. rend noch vor acht Tagen Stimmung dafür gemocht wurde, daß Deutschland zuerst auf einer reinen Reparationskonserenz die Expertenbeschlüsse annehmen sollte, bevor man über die Räu- mung verhandle. Dieser Standpunkt ist offenbar inzwischen aufgegeben worden «od die baldige Einberufung einer ollgemeinen Reparations- und Räumungskonferenz stehe außer Zweifel. Als Ort sei Lo ndo n als sehr wahrscheinlich und als Zeit die zweite I u k i h S l f t«. Zwei Helden. Oder die immunisierte Uniform. varmsiadt. 11. Juni.(Eigenbericht.) Im Hessischen Landtag erschienen am Dienstag z w« i t o m- ..lunistisch« Abgeordnete in der Uniform des Roten Fronkämpferbundes. Erst auf Grund einer Auf- fovderung des Londtagspräsidenten setzten sie ihr« Mützen ob. Da der Rote Frontkämpferbund in Hessen verboten ist, brachten die beiden Abgeordneten ihre Uniform in einem Koffer verpackt mit in das Landtagsgebiiude und kleideten sich hier um. Ihr Fasinochtsscherz erregte allgemeine Heiterkeit. Oer neue Abtreibungsparagraph. Milderungen der ursprünglichen Vorlage erreicht.- Einjährige Verjährungsfrist. Der Strasgesetzausschuß des Reichstags beendete gestern di« Beratung der Abtreibungsparagraphen. In der Erörterung führte Frau Abg. K u n e r t(Eoz.) als letzte Rednerin der Fraktion aus: Noch vor dreißig Iahren habe die katholische Kirche den Willen zur Unfruchtbarkeit und bestimmt« Verfahren zur Kleinhaltung der Familie ausdrücklich gebilligt. Wenn das Zentrum sich heute einer Erweiterung der Indikation des Arztes widersetze, so werde die Be- wegung gegen die Abtreibungsparagraphen draußen im Lande über dies« überlebten Auffassungen hinweggehen. Im„Münsterischen An- zeig«", einem Zentrumsblatt, sei im vergangenen Jahr« zu lesen gewesen:„In der heutigen schwierigen Zeit ist es für«ine Nation jedenfalls besser, weniger Kinder zur Welt zu bringen, denen besser« Ausbildungsmöglichkeiten zugewendet wer. den können, als«in uferloses K in de r p r o l« t a r i a t zu züchten." Das feien Zeichen der Zeit. 'Immer mehr werde die Geburtenregelung zu einer brennenden internationalen Frage nicht nur in Europa, sondern bis in di« Länder des fernen Ostens, die Länder der großen Kinderzahl und der entsprechend großen Kindersterblichkeit. Japan nehme jähr- lich um% Millionen Menschen zu. W o h i n m i t d e m M e n s ch e n- Überfluß? Auswanderung ist erschwert durch die Einwände- rungsbeschränkungen der anderen Länder. Es bleibt als letztes Mittel nur der Krieg zur Erob�ung von Siedlungsland. In«ine solch« Sackgasse kommen übervölkerte Länder schließlich bei unkontrollierter Geburtenzahl. Auch Deutschland sei ein übervölkertes Land. Wie groß würden Not und Elend werden, wenn jährlich nur eine halbe Million Menschen mehr geboren würden, deren Entstehung heute verhindert würde? Bei der Abstimmung wurden die sozialdemokratischen Anträge auf Streichung der Strafbarteit der Abtreibung von allen bürgerlichen Parteien, bei Stimmenthaltung der Demokraten, abgelehnt. Der Ablehnung oersielen auch sozialdemo- k ratische Strafmilderungsontröge, wie andererseits verschärfende deutschnational« und Zentrumsonträg«. § 253 wurde schließlich In der Form des Antrage» Ehlermann (Dem.) angenommen, der in zwei Punkten eine Verbesserung gegen- über der Vorlage bringt: 1. gemäß einem sozialdemokratischen Autrag die Einführung einer einjährigen Verjährungsfrist 2. die Bestimmung, daß in besonder» leichten Fällen, auch bei vollendeter Abtreibung(nicht nnr bei versuchter) dos Gericht von Strafe pbsehen kann. Damit sind wenigstens einige Milderungen der Regierungs. vorlag« erreicht. Der Z 253 Hot nunmehr folgend« Fassung: Abtreibung. „Eine Frau, die ihre Frucht im Mutterleib oder durch Ab- treibung tötet oder die Tötung durch einen anderen zuläßt, wird mit Gefängnis bestraft. Ebenso wird ein anderer bestraft, der«in« Frucht im Muttev» leib oder durch Abtreibung tötet. Der Versuch ist strafbar. In besonders leichten Fällen kann das Gericht von Straf« absehen. Die Strafbarteit erlischt für eine Frau, die diese Handlung an sich selbst vorgenommen hat oder h«ü vornehmen lassen, wenn seit der Handlung ein Jahr vergangen ist. Wer di« im Absatz 2 bezeichnet« Tat ohne Einwilligung der schwangeren oder gewerbsmäßig begeht, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer einer schwangeren ein Mittel oder einen Gegenstand zur Abtreibung der Frucht gewerbxmäßig oerschastt." § 254(ärztlich gebotene Unterbrechung der Schwangerschaft) wird mit 18 gegen M Stimmen in folgender Form genehmigt: „Eine Abtreibung im Sinn« dieses Gesetzes liegt nicht vor, wenn ein approbierter Arzt eine Schwangerschaft unterbricht, weil es nach den Regeln der ärztlichen Kunst zur Abwendung einer ernsten Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter erforderlich ist. Eine Tötung im Sinne dieses Gesetzes liegt nicht vor, wenn ein approbierter Arzt aus dem gleichen Grund« ein in der Geburt begriffenes Kind tötet." Die sonst hierzu vorliegenden Anträge wurden abgelehnt.— § 255 handelt von der Ankündigung von Abtreibungsmitteln. Dazu gehen eine Reihe� mündlicher Anträge ein. Um dies« drucken zu lassen, wurde die Beratung auf Mittwoch vertagt. Eine notwendige Maßregel. Ostpreußenhilfe und Landwirtschastsverband. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die preußische Staatsregierung hat im Einvernehmen mit der Reichsregierung den Oberprastdenten der Provinz Ostpreußen be- austragt, dem Londwirtschastsoerband Ostpreußen folgende E r- öffnungen zu machen: Die Reichsregierung hat, nachdem bereits 48,5 Millionen Mark als zweite Hypotheken im Rahmen der Ostpreußenhilfe verteilt wer- den konnten, auf Vortrag des Oberpräsidenten der Landesbank der Provinz Ostpreußen für den gleichen Zweck 29 Millionen Mark zur Verfügung und weitere 19 Millionen Mark in Aussicht gestellt. Der provinzielle Kreditausschuß hat über die Verwendung der Mittel bereits entschieden. Di« oiy der Reichs- und Staatsregierung in Aussicht genommenen Hilfsmaßnahmen für die Provinz, besonders die Kredithilfen, können sich aber nur zum Vorteil der ostprqußischen Landwirtschaft auswirken, wenn sie von einem Vertrauens- vollen Zusammenwirken aller Kreise der Landwirtschaft und ihrer Organisationen mit der Reichs- und Staatsregierung getragen werden. Di« Durchführung und die Wirkung der Hilfsmaß- nahmen wird aber gefährdet und beeinträchtigt durch das Borgehen des Landmirtschastsverbandes, der auf seiner 19. Der- treterversammlung Beschlüsse gefaßt hat, die als ein« Aufforde- rung zum Käufer st reik und zur Produktionsein- fchränkung aufzufassen sind und die sogar vor dem verwerflichen Mittel dsr Berrufserkiärung gegen Berufsgenossen zur Durchstidrung dieser Beschlüsse nicht zurückschrecken. Di« Verwirklichung dieser Pläne der Londwirtschastsoerband«» würde di« Ver- bundenheit der ostpreßifchen Wirtschaftskreise zerreißen und Handel, Gewerbe und insbesondere die Landwirtschaft auf da» s ch w e r st e schädig e n. Die verantwortlichen Kreise des Landwirtschafts- verbandes sind auch in der Folgezeit, trotz entschiedener Einwirkung des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, von der auf der Ver- treterversammlung bekundeten Austassung nicht in einer für chre Anhänger erkennbaren Weise abgerückt. Die Reichs- und Staats- regierung kann, solang« der Landwirtschastsverband an seinem Wirtschaftsschädigenden Vorgehen festhält, nur bei den Landwirten helfend eingreifen, die nicht hinter diesen vom Landwirtschasts- verband beabsichtigten Maßnahmen stehen. Agrarische„Not"kundgebung. Mit Freibier und Räuberzivil. Am vergangenen Sonnabend fand in Instexburg ein« Dersamm- lnng de» Kreiswirtjchaftsoerbandes statt, die sich mit der Regie einer agrarischen„Notkundgebung" beschäftigte, di« demnächst in Königs» berg stattfinden soll. Der Kreisgeschäftsführer Sauoant umriß die Forderungen der Großagrarier: völlig« S t« u e r b e f r« i- ung und stark« Heraufsetzung der Agrarzöll«. Für die samose Notkundgebung wurden folgend« Anordnungen getroffen: Es ist oerboten, im Sonntagsrock zu erscheinen, da- gegen sind lange Stiefel erwünscht! Damit soll eine„not- Mauereinfiurz beim Funkturm. Vier Arbeiter verschüttet. Auf dem Scholtzplatz i« der Rühe des Fuutturrns am Kaiserdamm stürzte bei Bauarbeiten gestern kurz vor Mitternacht eine Mauer ein. Bier Arbeiter wurden verschüttet. Drei von ihnen wurden von der Feuerwehr nach längeren«e- mühungen geborgen; sie hatte« schwere Berletznn» gen davongetragen, an der Bergung des vierten Ber- schütteten wird noch gearbettet. dürstig« Kleidung" erzielt werden! Es ist untersagt, zu dieser Kundgebung im Auto zu erscheinen, denn wenn„mehrere hundert Autos aus dem Demoaslraüons- platz ausfahren, gäbe e» kein gutes Bild von der Not der Land- Wirtschaft", sagte Herr Sauoant. Lokale dürfen nicht besucht werden; denn „es steht zu besürchten, daß einige Herren, begeistert von dem wuchtigen Aufmarsch der Kundgebung, dem Alkohol ein wenig zuviel zusprechen", begründet« Herr Sauoant diele Maßnohme. Essen sst mitzubringen, denn einige Herren könnten in begreiflichem Verlangen nach der gewohnten Kost feudal« Restaurants aussuchen und so den Eindruck der Notkundgebung hinfällig machen! Auch Alte. Greise. Krüppel und Kranke solleu an der Kundgebung teilnehmen, um zu zeigen, weiche Folgen die �tot der Landwirtschaft" gezeitigt hat! Schon aus der Hinfahrt gibt es in den Zügen Freibier, noch der.Kundgebung in einem Gartenreftäutant Freibier und Mittag, essen. Notkundgebung! E» ist ein« widerliche Komödie, die von den Draht» ziehern des Landwirtschaftsoerbandes unter der Firma„Ruttund- gebung" arrangiert wird._ Oie Labour-Siaatssekreiare. Bewährte Sozialisten auf wichtigen Posten. London. 11. Juni.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Ramsay Macdonald hat vor seiner Abreise noch Schottland noch 21 Aemter neu besetzt. Die meisten Ernennungen betressen Posten, die nach kontinentalen Begrissen nicht Minister- posten im engeren Sinne des Wortes sind, sondern politische» Staatssekretären und Unterstaatssekretären entsprechen, ie» doch Ministerrang besitzen. Staatssekretär im Außenamt wurde Dr. D a l t o n, Abg. Pethick Lawrence Staatssekretär im Schatz- amt. Das ebenfalls äußerst wichtige Amt eines Staatssekretärs im Ministerium sür Volksgesundkeit wl»rde Frau Suzanne La- m r e n c e übertragen. Interesse verdienen ferner die Berufung des ehemaligen Staatssekretär» im Außenamt P o n s o n b y zum Staatssekretär im Kolonialministerium und des Gewerkschaftsführers S h i n w e l l, ehemals Schneider im Osten von London, als Staats- sekretär im Kriegsministerium. Shinwell war in der ersten Re- gierung Macdonald Bergbauminister. Der ehemalig« liberale De- sundheitsminister Dr. Addison, seit einigen Iahren Mitglied der Arbeiterpartei, hat aus besonderen Wunsch Macdonalds den Posten des Unterstaatssekretärs im Ackerbauministerium angenommen. Solidarität aller Arbeitenden. London, 11. Juni. Der Bergarbeiterführer Cook ist der Unabhängigen Arbeiter. partei, der er 199« angehörte, wieder beigetreten. Cook, dessen kommunistisch« Tendenzen starken Widerstand begegneten, erklärte:„Macdonald und seine Kollegen brauchen alle Mit- arbeit und Hilfe, die ihnen gegeben werden kann." Zalout im Reichswehrsold. Erklärung der tschechoslowakischen Regierung. Prag, 11. Juni.(Eigenbericht.) Im Senat führte Ministerpräsident und Wehrminister U d r z o l über den Spionagefoll Falout aus: Falout war seit 1924 als Kapi- tön in der Hilfskanzlei der Operationsobteilung des Generolstabs beschäftigt. Unter dem Druck von Schulden hat er sich End« Sep- tember o. I. einen Auslandspaß verschafft, ist damit nach Berlin gefahren, hat dort der Nachrichtenabteilung de« Reichswehrministerium» seinen �Dienst angeboten. 1000 W. Vorschuß und weitere Zustruktionen erhallen. Später ist er.wiederholt, sofern er das nötige Material beisami�en hatte, per Dahn und Flugzeug nach Deuischland gefahren. Falout soll nach seinem Geständnis außer seinen Reisespesen vom Deutschen Nachrichtendienst etwa 4990 Mark als Honorar erhalten haben. Cwerts Anklage. Oer„Versöhnler* auf dem kommunistischen Parteitag. Das längst Erwartete, Dienstag nachmittag ward es Ereignis: Artur Ewert, eines der chäupter der„Versöhnler", bekam auf dem kommunistischen Parteitag das Wort in der Diskussion. Es wurde ihm sogar eine halbstündige Redezeit zugebilligt, was, am Sechsstunden res erat Thälmanns gemessen, freilich nicht viel war. Vorher hatten noch einige Delegierte aus den Bezirken im Reiche gesprochen und fast immer endeten sie mit der Forderung, daß mit den„Versöhnlern" endlich Schluß gemacht werden müßte. Zu poli» tisch belangvolleren Ausführungen kam es nur bei Ulbricht und Dahlem, auf die wir noch zurückkommen werden. Was wollen die„Versöhnler", was sagte Ewert? Fassen wir kurz zusammen. Ewert machte der kommunistischen Führung zum Vorwurf,.daß sie durch ihre„neue Taktik" die Partei von den Massen isoliere und sie zur Ohnmacht im politilschen Leben, wie im Heben der Arbeiterbewegung, verurteile. An mehreren Beispielen zeigte er das im einzelnen auf. Früher habe die Kom- munistische Partei die Taktik versolgt, möglichst viele Posten in der Kewerkschastsbewegung zu besetzen", um von da aus auf die der Kommumstischen Partei noch fernstehenden Gewertschastskollegen ein zuwirken. Heute dagegen verbinde man sich mit Unorgoni- sierten, gebe den„Reformisten" einen billigen Anlaß, die„revo lutionäre Opposition" loszuwerden, und' schalt« sich dadurch selbst von den Entscheidungen aus. Denn die Tatsache steh« doch fest, daß die Gewerkschaften bei ollen großen wirtschaftlichen Bewegungen die Führung in der Hand haben und daß ihr Ausgong nicht von der Opposition oder gar" von den Unorganisierten, sondern von den Gewerkschaften bestimmt werde. Ein ähnliches Bild zeige sich bei den anderen Massenorganisationen der Arbeiter ichast, wie bei den Sportlern und bei den Freidenkern. Usberoll Rückgang des„oppositionellen", dagegen Stärkung des„refornnsti jchcn" Einflusses. Aehnliches sagte Ewert über die M a i- E r eig ni sse in Der- lin. Es fei die größte Dummheit gewesen, zum Boykott der Gewerf scha ftsve rsammlu Ngen auszurufen. Er hütete sich freilich, in der Oefsemlichkeit Kritik an der Putschtoktit der Parteileitung zu üben. Wer aber genauer hinhärte, und das taten die Delegierten, der wußte schon Bescheid. Auch hier habe es sich gezeigt, was von dem Gerede, die Kommunistische Partei habe schon die Mehrheit der Arbeiterschaft hinter sich, zu halten sei. Wenn das wirtlich irgendwo wahr wäre, dann müsse man klar erkennen,„daß die Linie, die die Partei jetzt entwickelt, dahin führt, daß wir nahe daran sind, die Mehrheit zu verlieren". Falsch sei es auch, einen Kampf gegen den Faschismus zu führen, den es in Wirklichkeit in Deutschland gar nicht gebe. Man könne höchstens sagen, daß die Form der Demo- kralie in der Deutschen Republik nur die verkappte Herrschaft des Finanzkapitals sei. Deshalb fei es auch ein« irrig« Einstellung, die Zusammenstöße in Berlin als einen Ausfluß des angeblich bereits in Deutschland herrschenden Faschismus zu betrachten. Ewert hat das nicht ganz so deutlich gesagt, denn sonst hätte ihn wohl bald ein Sturm der Entrüstung vom Rednerpult vertrieben. Aber seine Gedankengänge waren doch so, daß sie von den Dele- gierten als„reformistisch", also als verhältnismäßig vernünftig, empfunden werden mußten. Ewert bedient« sich zwar noch der kom- munistischen Phraseologie, aber er rückt doch schon ganz offen von der putschistischen Taktik der gegenwärtigen Parteileitung ad. Er oerlangt, noch«in wenig verschleiert, daß auch die Kommunisten sich auf den Boden der realen Tatsachen stellen und im Rahmen der republikanischen Stoatsform und mit verfassungsmäßigen Mitteln für ihre Bestrebungen kämpfen sollen. Zum Schluß seiner Rode erklärt« er, daß er einige im Januar ausgestellte Thesen fallen lasse. Er versprach weiter, die Beschlüsse des Parteitages und der Kommunisti- schen Internationale getreulich durchzuführen, verlangt« aber das Recht für sich und sein« Freunde, im Rahmen der Organi- sation sein« Meinung frei äußern zu können. Nach ihm erhob sich jedoch sofort ein Leipziger Delegierter, um den Partei- tag noch einmal vor den„Dersöhnlorn" zu warnen. Er schwang ein Papier, das die genaue Darstellung des Fraktionsausbaues der„Per- söhnler" enthalten soll. Danach dürft« deren Schicksal wohl de- siegelt' sein. Aus der vorangegangenen Diskussion ist noch zu erwähnen, daß Ulbricht, der gegenwärtig« Verbindungsmann zwischen Berlin imd Moskau, den M a i p u t f ch als ein« Art Generalprob« stfr den reoolutionä ren Endkampf seierte. Die Mai- kämpfe hätten den Beweit erbracht, daß die Schutzpolizei nicht un- llberwindlich sei: die Kommunistische Partei habe daraus gelernt, wie ihr« Kampfesmethoden noch zu steigern seien. Dahlem kündete an, daß die Kommunisten jetzt zur Schaftung eigener Organisationen in der Sportbewegung schreiten wür- den. Das in Berlin, Halle und einigen anderen Bezirken bereits durchgeführt worden sei, die Loslösung der reooluttonären Sport- genossen vom Bunde, müsse auch in den anderen Bezirken nach- geholt werden, dann wolle man diese Splitter zusammenfassen und einen neuen Sportbund gründen. Aehnliches soll in der Frei- denkerbeweg ung geschehen, wo man dem jetzigen großen Bund« eine eigen« kommunistische Kulturorganisation entgegenstellen will. Schließlich soll jetzt darangegangen werden, die sozialen Organisationen, in denen der konnnunisttsch« Einfluß bisher gleich Rull war, zu spalten und unter dem Protektorat der Kam- munistischen Partei neu« Organisationen zu schaffen. Diese Mitteilungen sind deswegen bemerkenswert, weil die kam- munistische Parteilung es bisher abgeleugnet hatte, daß die„Opposi- rion" in den Massenverbänden der Arbeiterschaft nur der Vor- imreitung für eine neue Spaltung der Arbeiterklasse dienen sollen._ Freisprechung in Oppeln. Zeilungshehe gegen das Polengastspiel vom Gericht verneint. Oppeln, 11. Juni. Das Schöffengericht verhandelte gegen Dr. Knaack, den Haupt- schnstleiter der„Oberschles. Tagesztg.", wegen Verstoßes gegen den 8 130 StGB. Dr. Knaack hatte als verontwortlichcr Redakteur gegen die vom Magistrat erteilte Genehmigung einer polnischen Theateraufführung Stellung genommen und die Stadtverordneten- oersammlung ausgefordert, den Magistratsbeschluß aufzuheben. Erster Staatsanwalt Scholz beantragt« einen Monat Gefängnis mit Vewährungsfrlst in Anbetracht des jugendlichen Al- t e r s des Angeklagten. Nach kurzer Berowng verkündete das De- richt die F r e i s p r e ch u n g. Wie die Urteilsbegründung ausführt. hat das Gericht verneint, daß hier«in Anreiz auf die Be- völkerung ausgeübt worden fei. Di« Deröffentlichung-sei auch nicht geschehen in einer den öffentlichen Frieden gejährdenden Weis«. Der Angeklagte Hab« lediglichdieStimmederBevölterung- wiedergegeben, auch habe ihm das Bewußtsein gefehlt, den öffentlichen Frieden zu gefährden, Cura�ao. Es gärt in der Flasche! Die preußenfrage. Was wollen die Demokraten? Di« Demokratische Landtagssraktion veröffentlicht eine Mit teilung, die besagt, daß sich die Demokratische Fraktion in ihrer Donnerstogsitzung mit den Verhandlungen beschäftigen werde, die zwischen dem Ministerpräsidenten Braun und der Deutschen Voltspartei wegen der Regierungserweiterung in Preußen gepflogen worden sind. Die demokratische Landtags- fraktion vertrete den Standpunkt, daß zu solchen Bebhandlungen nur der Ministerpräsident berusen sei. Deshalb Hab« sie den Nach- richten über„Verhandlungen zwischen einzelnen Abgeordneten der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Voltspartci keinen großen Wert beigelegt." Einen Zusammenhang zwischen den Koaiitionsverhondlungen und der Entscheidung über das Kon- kordat erkenn« die demokratisch« Landtagssraktion nicht an, sie sei für Wiederherstellung einer Großen Koalition in Preußen und auch bereit,„zu den n o t w e n d i g e n Op s er n beizutragen." Den eigentlichen Sinn dieser etwas dunklen Sätze erfährt man aus einem längeren Kommentar des„B. T". Aus diesem spricht ein« deutliche Verstimmung darüber, daß Braun der Deutschen Volkspartei das" oon dem Demokraten Schreiber oerwaltete Handelsmini st erium angeboten habe und daß in den er- wähnten interfraktionellen Besprechungen auch noch über andere Posten gesprochen worden sei, angeblich auch über einen zweiten, der Deutschen Dolksportei zu überantwortenden Sitz im Kabinett, womit wohl das Unterrichtsministerium gemeint ist. In diesem Ausammenhang stellt das„B. T." die Frage, ob es tatsächlich angängig sei, in dieser Weise über die Besetzung wichtiger politischer Aemtcr mit voltsparteilichen Kandidaten zu »erhandeln und zwar über Aemter, deren gegenwärtige Inhaber einer anderen Partei nahestehen und sich bewährt hoben. Man muß hiernach wirklichufragen, wa» die Demotraten in Preußen eigentlich erreichen wollen. Aus der einen Seit« sind sie e» gewesen, die seit Jahren am stärksten von den drei Koafittons- Parteien die Hineinnahm« der Deutschen Voltspartei in die Koali- tion fordern und sich— wie auch in der oben zitierten Beröffenf ttchung— zu Opfern bereit erklären. Auf der anderen Seite aber fühlen sie sich brüskiert, sobald da» Opfer konkrete Form annimmt. Wie ist die Log« in Preußen? Bei 21 Mandaten hat die Demokratisch« Partei im preußischen Kabinett 3. M i n i st« r(unter Hinzurechnung de» zwar nicht parteimäßig bei ihr»ingeschriebenen, aber ihr nahestehenden Unterrichtsministers Becker).» Die Sozial- demokratt« stellt bei 13« Abgeordneten im Kabinett 2 Mjnister. Es kommt also aus je sieben demokratische Abgeordnet«, da- gegen erst auf je s I e b e n z i g s o z i a l d e m o k r a t i sch e Ab- geordnete«in Minister! Daß dies Demokratie sei, wird die Demo- kratisch« Partei selber nicht behaupten wollen. E» ist daher ebenso selbstverständlich, daß bei einem eventuellen Eintritt der Volk». partei in da, Kabinett die Demokraten die Opfernden sein müssen, wie umgekehrt die Sozialdemokratie als gerechte Kompensation bei einer solchen Rechtserweiterung endlich die ihr nach ihrer Stärke im Ministerium zustehende Vertretung fordert. Die Sozialdemokratie wird sich von dieser gerechten und notwendigen Forderung auch dadurch nicht abhakten lassen, daß eine gewisse demokratische Presse setzt sämtlich« demokratischen Minister zu Genies befördert, während sie hervor- ragend« sozialdemokratische Parlamentarier, die sie al» deren Nach- folger fürchtet, al»„Nullitäten" und„Subalternitäten" abtun möchte. Wir betonen ausdrücklich, daß diese Kritik nur den Teil der demokratischen Presse betrifft, die sich bei ihrem Eintreten für den Unterrichtsmintster Becker in dieser gehässigen Weise gegen den Genossen König wandten. Im Gegensatz hierzu hat die„Vossische Zeitung" bereits eingesehen, daß dies« Propaganda des„B. T." und der„Franks. Ztg." im Effekt lediglich dem Volkspartei. ler Boelitz die Wege zur Rückkehr ins Unterrichtsministerium ebnet. Aus Beckers Reich. Aus den Kreisen der sozialdemokrattschen Lehrer wird un» noch geschrieben: Obwohl Herr Minister Becker seit 14 Tagen selbst mit einem Wechsel im Kultusministerium rechnet, hat. er ohne Wissen der sozialdemokratischen Landtagssraktion in der letzten Woche folgende Veränderungen vorgenommen: Das Mitglied der oppositionellen Deutschnationalen Dolkspartei, Herr Oberregierungsrat K o h l b a ch,. wurde zum Ministerialrat ernannt, obwohl die stärkste Partei Preußens ständig gegen seine Ernennung protestiert hat. Ebenso wurde der jetzige Demokrat und Neffe des srüheren deuffchnationalen Ministerialrats Leist zum Ministerialrat befördert. Gegen den ausdrücklichen Protest unserer Partei wurde die bisher von dem ehemaligen Volksschullehrer Ministerialrat Dr. Karstadt in der Volksschulabteilung verwaltete Stelle abgetrennt und in die Universitätsabteilung gegeben. Die Volksschulabteilung behält so noch einen einzigen ehe- maligen Volksschullehrer und Sozialdemokraten unter etwa zwanzig Räten. Herr Minffter Becker hat in seiner langen Tätigkeit noch kein« Gelegenheit gefunden, auch nur einen einzigen sozialdemokratischen Ministerialrat in sein« Volkeschulabteilung zu berusen. Dielleicht fft auf unserer Seite darin die„notorische Un- tüchtigkeit" schuld, die jeden Menschen in dem Augenblick besällt. in dem er sich freimüttg zur Sozialdemokratie bekennt. Es mutet eigenartig an. daß ein Minister in dem Augenblick, in dem er selbst nachweislich schon mit seinem Rücktritt gerechnet hat, noch solche Veränderungen vornimmt. Das Urteil überlassen wir getrost der Oeffentlichkeit, die sicher weniger hinter Herrn Minister Becker stehen dürfte, als demokratisch« Zeitungen es behaupten. In diesem Zusammenhang erscheinen die Angriffe verschiedener Universitätsprosesioren im„Tagebuch" gegen unseren Genosien König in einem seltsamen Licht. Man spricht vom Volksschullehrer und meint den Sozialdemokraten, der allerdings der Schule der breiten Volksmasien geben würde, was ihr gehört. Unser Genosse König ist wegen seiner Zielsicherheit und Charaktersestigkeit, wegen seiner politischen Zuverlässigkeit und seines Könnens wiederhall als Verhandlungspartner vom Minffter Becker besonders gelobt worden. Becker weiß, wie König zweimal aus persönliche Beförderungen ver- zichtet hat, weil ihm die Schulpolitik zur Herzenssache geworden ist. Wahrscheinlich würde Herr Minister Becker unter anderen Umständen König selbst als«inen der geeignetsten Kandidaten bezeichnen. tetr hätten es daher im Interesse oon Herrn Minister Becker selbst begrüßt, wenn er zu seinen Freunden gesagt hätte: „Ich kann es nicht hindern, wenn Ihr mich durch Euer Lob hallen wollt. Ich oerwehr« es Euch aber, daß Ihr das dadurch zu er reichen sucht, daß Ihr den von mir bisher sehr geschätzten vermeint- lichen Nachfolger herabsetzt." Sicher ist, daß Beckers Verbindungen ausgereicht hätten, in Frankfurt a. M. und in Berlin solche Wirkung zu erzielen. « Die sozialdemokratische preußische Landtagssraktion tritt am Mittwoch nachmittag um 6 Uhr zusammen, um zu dem Staats- vertrag zwischen Preußen und Kurie Stellung zu nehmen. Volksparteiliche Steuerpolitik. Kopfsteuer für die Minderbemittelten- aber Steuer« fenkung für den Besitz.» Der Houptausfchuß de« Preußischen Landtag» beschäftigte sich gestern mit einem»olksparteilichen Antrage, auf die Reichsregierung einzuwirken, daß eine etwaige Senkung der Reparationslasten in erster Linie zur Senkung der Real steuern benutzt wird. Natürlich waren auch die Deutschnationalen dafür zu hallen. Dazu beantragten sie aber noch die Einführung eines Ge» meindelastendeitrages. Der Gemeindelastenbeitrag soll in einer Höhe von 3 Mark monatlich von jedem Gemeinde» einwohner entrichtet werden, der mehr als 3000 Mark Ein- kommen hat, und soll die Hälfte davon betragen, sobald das Ein- kommen weniger als 3000 Mark beträgt. Abgabepflichtig soll sein jeder über 21 Jahre alte Gemeindeeinwohner, der selbständig auf eigen« Rechnung lebt bzw jeder 18jährlge Ge- meindeeipwohner, sofern er im Haushalt der Eltern oder sonstiger Verwandter lebt und ein selbständiges Einkommen hat. Dieser Bei- trag soll sich erhöhen, wenn die Gemeindezuschläge zur Gewerbe- steuer über 400 Proz. oder dj« Grundvermögenssteuer über 200 Proz. beträgt. Also eine Kopffteuer in der plumpsten und unsozialsten Form. Der Antrag ist gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Wirtschaftsportei und der Deutschen Volkspartei abgelehnt worden. Endlich freigelassen wurden die drei Bautzen«? Ausflügler, die am Himmelfahrtstag in Böhmen al« Spione oerhastet wurden, weil sie Soldaten mit dem billigeren böhmischen Bier frei- gehallen hatten! Reichsanstalt für Beitragserhöhung Aoch in dieser Session.— Rur noch ZW 000 Unterstützte. Der D«rwoltungsrat der Reichsanstalt teilt mit: Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beschäftigte sich am It. d� HJ. mit der Finanzlage der Reichsanstalt. Im Laufe des ani 31. März d. I. abgeschlossenen Haushaltsjahres verfügte, wie Prösi- dent Dr. Syrup mitteilt«, die Reichsanstalt an eigenen Mitteln über 838 Millionen Mark. Die Ausgaben betrugen in der gleichen Zeit 1034 Millionen Mark: es ergab sich somit ein Fehlbetrag von 103 Millionen Mark, zu dessen Deckung Darlehen in entsprechender Höhe vom Reiche in Anspruch genommen wurden. Hierzu kamen im laufenden Haushaltsjahr weitere Darlehen in Höhe von 33 Millionen Mark im April, 18 Millionen Mark im Mai, so daß die Verschuldung der Reichsanstalt beim Reick)« zurzeit 273 Millionen Mark beträgt. Anfang Juni ist die Zahl der Hauptunterstützungs- empsänger auf 737 000 zurückgegangen, so daß für Juni weitere Darlehen vom Reich seitens der Reichsanstalt nicht benötigt werden. Zur S o n d e r f ll r s o r g e für die berufsllbliche Arbeits- losigkeit mußte das Reich im letzten Haushaltsjahr rund 94 Millionen, für die Krisenunterstützung 99 Millionen Mark aufwenden. Die Gemeinden trugen zur Krisenfllrsorge 25 Millionen Mark bei. Für Darlehen an Träger von Rotstondsarbeiten und dergleichen wendeten das Reich und die Länder im letzten Haus- haltsjahr je rund 123 Millionen Mark auf. Nach eingehender Aus- sprach« nahm der Verwaltungsrat folgende Entschließung an: „Die finanzielle Lage der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zeigt, daß das Beilragsauskommen und die L e i st u n g e n der Reichsanstalt jedenfalls zur- zeit nicht miteinander in Einklang stehen. Der Derival- tungsrat der Reichsanstalt fordert deshalb mit allem Rachdruck, daß Reichsregierung und Reichstag unverzüglich gesetzgeberische Maßnahmen treffen, die geeignet sind, das finanzielle Gleichgewicht der Reichsanstalt wieder herzu st ellen. Damit sich die zu trefsenden Maßnahmen noch rechtzeitig auswirken können, hält es der Der- wattungsrat für unbedingt erforderlich, daß der Reichstag die not- wendigen Sanierungsgesehe nach Anhörung de» Berwallungsrate« der Reichsanstalt noch in dieser Sess'on, nicht etwa erst in einer Herbsttagung, beschließt." Nach Erledigung einer Reihe von Verwaltungs- und Haushalts- fragen beschöfiigte sich der Verwaltungsra» noch mit den Plänen für den sachlichen Ausbau der Arbeilsoermittlung, der als eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit betrachtet wird. * Im Vermaltungsrat der Reichsanstalt sitzen Unter- nehmer-, Arbeiter- und Behördenvertreter. Außer dieser paritätischen Zusammensetzung zeichnet sich der Verwaltungs- rat durch eine sozusagen natürliche Sachkenntnis und, seit der Gründung der Reichsanstalt, durch eine weit- schauende Sachlichkeit aus. Wenn der Verwaltungsrat jetzt die Erhöhung der Beiträge als die d r i n g e n d st c, vom Reichstag noch in dieser Session zu beschließende Maßnahme erklärt, so wird niemand diesen Beschluß miß- achten können. Denn daß die Beseitigung oller wirklichen oder angeblichen Mißbräuche mit der Arbeitslosenversicherung deren Finanzlage nicht beeinflussen kann, weiß jeder Sach- kenner und wissen vor allem die Mitglieder des Verwaltungs- rats der Reichsanstalt, die die b e st e n Sachkenner sind. Regierungsparteien für Beitragserhöhung. Rur die Bottspartei bockt. Die Besprechungen des Reichsarbeitsminister» mit den Vertretern der Regierungsparteien in der Frage der Arbeits- lofenverstchernng wurden im Laufe des Dienstag wieder aufge- nommen. Die Deutsche Volk-partei steht einer solchen Er- höhung nach wie vor vollkoinmen ablehnend, gegenüber. Tie ist der Auffassung, daß ein« durchgreifende Reform der.Ver- sicherung eine Beitragserhöhung überflüssig machen würde. Demgegenüber sind die Vertreter der übrigen Regierungs- Parteien, Sozialdemokraten, Zentrum, Demokraten und Bayerische Volkspartei, zu der Ansicht gelangt, daß man sich auf die Daner einer Beitragserhöhung nicht werde verschließen können. Diese Parteien würden bereit fem, einer Beitrags- erhöhutlg, wenn auch nicht um 1 Prozent, so doch u m Vi Prozent z u z a st i m m e n. Daneben ist man bestrebt, znr Beseitigung von Mißständen und Mißbräuchen eine bestimmtere Formulierung der Begriffe Arbeitgeber und Arbeitsloser in das Gesetz hineinzubringen. Weiter sollen künftig die Versicherungsleistungen abgestuft werden nach der Dauer der ununterbrochenen �Arbeitstätigkeit. Bis zum Herbst soll dann die Regierung ein um- �fassendes Reformprogramm für di� Arbeitslosenversicherung vor- legen. Die Besprechungen werden am Mittwoch fortgesetzt. Kür die ausgesperrten Textilarbeiter. Beschluß des Beiräte« des Textilarbeiterverbandes. Eisenach. II. Juni.(Eigenbericht.) Der Beirat des Deutschen Textilarbeiter-Ver- band es, der gegenwärtig in Eisenach tagt, faßte zur Slussperrung der schlesischen Textilarbeiter e i n st i m mö g folgende Entschließung: ..Der Beirot des Deutsche» Textilarbeiter-Verdandes spricht den 50 000 ausgesperrten schlesischen Textilarbeitern und-arbeiterinnen feine volle Sympathie aus. Er verurteilt das rücksichts- lose Vorgehen der Leitung der Unternehmer in diesem Kampfe. Der Beirat erwartet von der Schlichtungsinstanz� die jetzt eingreifen soll, daß sie den berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft Rechnung trägt und daß nicht nur die Tariflohnsätze, sondern auch das be- stehende Lohnniveau eine entsprechende Erhöhung er- iahren." Schutz den Ortskrankenkassen! Kommt endlich ein Sperrgeseß? Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat zur Eindämmung der Ilmuiigskrantynkassengründerei ein Sperrgesetz gefordert. um wenigstens bis zur Vereiicheitlichung der Sozialversicherung durch die Neuregelung der Reichsversicherungsordnung der Gründerei einen Riegel vorzuschieben. 2lm kommenden Freitag wird der sozml- politische Ausschuß des Reichstags sich entscheiden müssen. Klare Verhältnisse sind notwendig. In Preußen hat bisher der W o h l f a h r t s m i n i st e r den Standpunkt vertreten, er könne gegen das Ueberhandnehmen der Innungskrankenkassen nichts tun, da ihm gesetzlich die Hände ge- b u y d e n seien.„Ist die Neugründung von Krankenkassen" so erklärte der Wohlfahrtsminister am 23. Februar d. I. im Preußischen Landtag—,„wie sie sich jetzt den gesetzlichen Vorschriften gemäß ge- staltet hat, tatsächlich einer ersprießlichen Durchführung der Sozickl- Versicherung hinderlich und allgemeinen Interessen abträglich, so ist es Aufgabe der Reichsgesetzgebung, den bestehenden Vor- schristen eine andere Fassung zu geben." Aus der anderen Seite erklärte im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags Ministerialdirektor G r i e s e r vom Reichsarbeits- ministerium, alle Länder häjte» sich die in dem Rundschreiben der Reichsregierugg bezüglich der Zwergkrankenkasien vertretene Auf- fastung zu eigen gemacht und entsprechend gehandelt. Nur das preußische Wohlfahrtsmini st erium habe Schmie- rigkeiten gemacht. Bei der Genehmigung der Gründung von Jnnungskrankenkassen sei nicht allein die gesetzliche Bestimmung heranzuziehen, sondern auch die Frage aufzuwerfen: was hat der Gesetzgeber gewollt? Der eine sagt also: Ich bin durch das Gesetz gebunden, und der andere: Es ist keine Gesetzesönderung notwendig, sondern nur eine richtige Auslegung des Gesetzes. Diesem unerträglichen Zustand muß ein E n d e genmcht werden. Reue Vorstellungen bei den Länderregierungen stellen keine ausreichende Sicherung dar. Der Gründerei von Zwergkassen und Jndustrieinnungskassen muß ein Riegel vorgeschoben werden: denn der Zweck dieser Gründerei ist, wie man an dem Remscheider Bei- spiel zur Genüge sieht, nur die Schädigung der Ortskranken- lassen. Der deutschvolksparteiliche Abgeordnete Moide nhsluer hat zwar im sozialpolitischen Ausschuß erklärt, die Jnnungsgegen- gründung in Remscheid sei eine Folge von Mißständen bei der Ortskrankenkasie. Worin diese Mißständ» bestehen, hat Moldenhouer aber dem Ausschuß nicht mitteilen können. Wenn er recht hot'e. dann wären nicht in Remscheid die Gewerkschaften aller Richtungen f ü r die Ortskrankenkasie eingetreten. Auch der Zentrumsabgeordnete Slieseler hat besont, daß Ordnung geschassen werden müsse, wenn es auch dem Zentrum nicht angenehm sei. gegen den preußischen Wohlfahrtsminister Hirtfiefer S ellunxj nehmen zu müisen. Die Forderung der sozialdemokratischen Reichstogsjraktion bedeutet für Parteien, die d�m Unfug der Jnnungskrankenkassengründerei entgegentreten wollen, nichts Außer- gewöhnliches: denn das Sperrgeseg soll ja nur gelten bis zur Neu- regelung der Reichsversicherungsordnung, die bereits im Herbst in Angriff genommen wird. Wem es mit dem Schutz der Ortskranken- lassen ernst ist, muß der sozialdemokratischen Forderung zustimmen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird jedenfalls alle Hedel in Bewegung setzen, um der Zerstörung der Ortskrankenkassen Einhalt zu tun. Tagung der Nergarbeiiermiernaiionale. Das internationale Kohlenabkommen. London, II. Juni.(Eigenbericht.) Die Exekutive des Internationalen Bergarbeiterverbandes er- örterte am Dienstag den Bericht des Wirtschaftskomitees des.Bölker- bundes über die Genfer Sachverständigenberatungen. Die Kohlenuntersuchungen des Völkerbundes sollen im Herbst durch eine g t- m e i n s a m e Konferenz von Vertretern der Unternehmer, der. Bergarbeiter und der Regierungen fortgesetzt werden, so daß sich die Exekutive vor allem auch mit dieser Konferenz zu befassen hatte. Bon den einzelnen Vertretern wurde betont, daß für die Berg- arbeiter die Vereinheitlichung der sozialen Bedingungen ebenso wichtig sei wie die der Marktvereinbarung. Bei der Marktvereinbarung wünschen die Bergarbeiter gleichberechtigt mitwirken zu könne». Sie erwarte», daß der Völkerbund ihnen dabei behilflich sein wird. Außerdem wurde die weitere Ausgestaltung des feit Be-- ginn dieses Jahres erscheinenden internationalen Bergarbeiterorgans besprochen. Die besiegten Spalter. Unaufhaltsamer Bormarsch im Metallarheiterverband. Ueber ein in agitatorischer und tarispolittscher Hinsicht erfolg- reiches Geschäftsjahr konnte der Bevollmächtigte der Ber- liner Metallarbeiter, Genosse U r i ch, in der Generalversammlung am Montag berichten. Mit 89 930 Mitgliedern begann die Organi- sation das Jahr 1928 und mit 8 0374 beschloß sie es. Mehr als 10000 neue Streiter wurde» in dem verflossenen Jahr für die Organisation gewonnen. Der Zustrom hat angehalten. Am 30. Mai d. I. musterte die Berliner Ortsverwaltung bereits über 8 3 000 Mitglieder und der Verband 95741 2 M i t g l i e- der. Daß dieser agitatorische Erfolg trotz der Hetze gegen die Ge- werkschasten durch die KPD. erzielt wurde, ist der beste Beweis für die Gesundung der deutschen Arbeiterbewegung. Das Erstarke» der Organisation ist auch aus die T a r i f b e w e- g n n g e n nicht ohne Einfluß geblieben. Von den 349 im Borjahre geführten Lohnbewegungen konnten 281 durch sreie Verein-' b o r u n g e n beendet werden. 38 Lohnbewegungen wurden durch Schiedssprüche und 43 Bewegungen noch, einem Streik zum Abschluß gebracht. Die große Zahl von freien Vereinbarungen zeigt deutlich, daß ein erheblicher Prozentsatz der Unternehmer es sich wohl überlegt, mit einer so starke» Organisation die Kräfte zu messen. Die wichtigste Lohnbewegung war zweifellos die für die Facharbeiter und-arbeiterinnen der Betriebe des Verbandes Ber- liner Metallindustriellen(BBMJ.), die mit der Beseitigung des seit vier Iahren bestehenden tariflasen Zustandes endete. Die Finanz« n der Ortsoerwaltung haben sich gleichfalls er- heblich gebessert. Der Lokolkassenbeitand erhöhte sich im Lauf« des Berichtsjahres u m 4 7 2 8 3 3 M. a u f 1 0 8 9 9 0 0 M. ' Zum Schluß feines Berichtes behandelte Genosse Urich noch aus-- führlich die Spaltungsaktion in der Rohrleger- b r a n ch e, die Niederkirchner und seinen Hintermännern der KPD. nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Bis zum Tage des Tarif- abschluifes für die Rnhrlegerbronche haben 1200 Rohrleger der Orts- Verwaltung ihre Verbondsbücher eingeschickt und damit zum?Ius- druck gebracht, daß sie der Ortsverwaltung weiterhin die Treue holten wollen. Es gehen jetzt noch täglich etwa 5 0 Verband?-. buch er ein, so daß für die Ortsverwaltung die„Aktion" Nieder- klrchners erledigt ist. Die Ortsverwaltung wird diejenigen Rohr leger, die sich zu ihr bekannt hoben, gegen alle Terrormotz. nahmen der Riederkirchner-Anhänger zu schützen wissen. Mit ähnlichen Spaltungsabjichten, die jetzt von der Branchenleitung der Dreher verfolgt werden, wird die Ortsver- waltung ebenso fertig werden wie mit denen Niederkirchners. Der anhaltende Aufstieg in der Mitgliederbewegung zeigt am besten, daß die Arbeiterschaft für solche sinnlosen Experimente heute nicht mehr zu haben ist. Wie üblich, stimmten die Kommunisten gegen die Entlastung des Kassierers und die Vorschläge zur Neuwahl der turnusmäßig aus- scheidenden Ortsverwaltungsmitglieder. Mit großer Mehrheit wurden die Mitglieder der Ortsverwaltung Ilrich, Wilhelm Schmidt, Grail, Großmann und Köhler wiedergewählt. An Stelle des Genossen Bernhard Krüger wurde Genosse Otto Schmidt in die Ortsoerwaltung, sowie G u t s ch e als Sekretär des Bevollmächtigten Eckert gewählt. Verbandstag der Arbeitsinvaliden. Die Organisation Ver Leidenden. Der 4. Verbandstag des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, der in der Zeit vom 9. bis 13. Juni 1929 in Kiel stattfindet, wurde am Sonntagvormittag mit einer außerordentlich wuchtigen und ein- drucksvollen Kundgebimg, die von der Norddeutschen Sendergruppe durch Radio übertragen wurde, in der Novd-Ostsee-Halle eröffnet. Der Berbairdsoorsigende, Reichsragsabgeordneter Karsten, hob in seiner Eröffnungsansprache hervor, daß der Zentralvevband in der kurzen Zeit seines Bestehens einen beispiellosen Auf- schwung genommen habe. Während zu Anfang des Jahres 1924 nind 43 000 Mitglieder gezählt wurden, beträgt die Mitgliederzahl heute bereits über 300 00 0. Di« proktifche Arbeit des Verbandes habe bewiesen, daß auch die Arbeitsinvaliden durch ihre Organisation Erfolge zu erringen vermöchten. Im demokratischen Deutschland muß der Gesetzgeber ganz anders, als es früher der Fall war, mit einer solch starken sozialen Orgomjotion rechnen, wie es der Zentralverband ist. Seit der Inflation ist iniolge fünfmaliger Erhöhung der Invalidenrenten die Iahresrentenausgabe van 348 Millionen Mark im Jahre l924 aus 982 Millionen Mark im Jahre 1928 gestiegen. Auch aus den Gebieten der Unfall- Versicherung»nd der Fürsorge war es dem Verbände mög- lich, eine Reihe von Erfolgen zu erringen. Der Verband ist die Organisation der Leidenden, der von der Jugend Zurück- gestoßenen, eine Vereinigung der Annen. Wenn auch das Dosein des Verbandes eine'Anklage an die heutige Gesellschoit ist, so ist er dach zugleich auch ein Kusturfaktor im wahrsten Sinne des Wortes. Der augenblicklich« Kampf um die Erhöhung der Invalidenrente ist außerordentlich langwierig und schwer. So sehr aber die Invaliden di« finanziell« Not des Reiches sehen, so sehr fühlen sie auch togtäglich chre eigene bittere Not. Solange im deutschen Vaterlande eine Oberschicht alles Begehrens- werte genießen kann, solange haben die Menschen, die ihre Arbeits- kraft bis zum Letzten verausgabt haben, ein unbedingtes Reckst auf eme ausreichende Lebensexistenz. Als Vertreter des Reichsarbeitsministers begrüßte Ministeriol- direktor Dr. G r i e f e r den Berbandstag. Er anerkannte die fach- liche und erfolgreiche Arbeit des Verbandes und vertrat den Standpunkt, daß die Invalidenversicherung auch in der Zukunft weiter ausgebaut werden müsse. Für den Reichsbund der Kriegsbeschädigten sprach dann'Frau Ehrhardt, Wilhelm S t ä h r sür den AfA-Bund und Böttcher und Schweizer sür die Kieler Arbeiterorganisationen. Als Ber- treter der französischen Arbeitsinvaliden sprach M a r c e t (St. Etienne) und für das Saargebiet Becker. Zur Sozialpolitik wurde darauf ein« Entschließung ein- stimmig angenoinmen, in der es heißt: „Während die Mehrheit des Reichstages bislang vor lauter Erwägungen und Bedenken noch zu keinem Entschluß über hie Rentenerhöhungsanträge gekommen ist, find auf der anderen Seile auch in diesem Jahre wieder erhebliche Mittel für überflüssige Militärspielereien, Subventionen an Industrielle und Großagrarier ausgeworfen worden. Die Pensionen der höheren Beamten und Militärs sind in imverminderter Höhe geblieben und die Feinde der Republik zehren immer noch an der Staatslrippe. Die Arbeitsinvaliden haben ihre Kraft und chre Gesundheit ihr ganzes Leben lang in de» Dienst der Wirtschast und des Volkes gestellt und oerbraucht. Trotzdem verweigert die Mehrheit des Reichs- tages gemeinsam mit den Wirtfchaftsgewckltigen den Invaliden die Mittel zur Bestreitung selbst eines bescheidenen Lebensumerhaltes. Wir fordern vom Reichstag, daß er fein« sozial« Pflicht gegenüber den Jnvalidenrentnern erfüllt._ Blume, nicht Blum. Infolge eines Hörfehlers bei der lieber- tragung berichteten wir in unserer Nummer vom 8. Juni, daß der Verbandstag der Sattler zum 2. Vorsitzenden des Verbandes Blum gewählt habe. In Wirklichkeit wurde der 1. Bevollmächtigte der Berliner Ortsverwaltung, Genosse August Blume, gewählt. Der wiedergewählte Kassierer heißt nicht Riebel, sondern Riedel. tftreie Gewerkftbasts-Lugend Groß-Nerltn Heute, Mittwoch. Uhr. tooen hie Gruppen:»«»tielchtüe»»«»: Sruppenhcim, Iugenlcheim. ErnNftr. 16. Ahendwanderung.— Zentruni. Gruppenheim, gvgcnhheim. Aehdeniiter Str. Z4— A. Lichtbilheroortraz: „Unser®alb".— Weihensee: Sruppenhrim Weihense«,?>eirorastr. It. Liederabend.—»eutäl«: Sruppenheim. Jugendheim, �ergstr. LS iHoi». Vor. trag:„Ncoolutionärc Lyriker".— Zierdring: Sruppenheim, Jugendheim. San, ncnburgci Str. 20. Literarischer Abend. Miirkische Saaen und Spukgeschichten. — Heute Spiel, und Sportabend ab IS Uhr: Franklnrter Allee und Land». berger Plag: Sportplah im ffriedrichahain.—«„.Lichtenberg»nd Lichten. berg: Auf der Spielmiese I im Z>eptower Park.— Spandau:«poriplan Spandau. Seeburger Straße.— Wcdding: Aus der großen Wiese im SchiScr. park.— Humboldt»nd Gelnndbrnnne»: Spielwiese im Humbo.'dihain. Iuaendgruppe des ZentralverbandeS der AnoefleNten He»«». Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: G»su»»bi»na„: Jugendheim Sehiinstedtstr. l tLedigenheim). Bunter Abend.— Osten: Achtung! Sie Gruppenabende sind auf Donnerstag verlegt. Mittwochs Spielen auf dem. Sportplaß im griedrichsbain.— Stralau: Zugendheim der Schule Goßlerftr. til. Vortrag. Rckerent: Otto Palemann.— Zteukätln: Jugendheim Vöhmische Str. l-s. Bnnler Abend.— Südost: Jugendheim Brangcistr.>25. Aussprache iidcr..Iugend und Mode".— Spandau: Jugendheim Linbenuier 1. Wir sind im Zreien!— P»t,d«m: Iuoenddeim Rowawes. Prieitcrstraßc. Die Tagesordnung wird in der Sruppe bekanntgegeben. Verantwortlich silr Politik: Dr.«urt Geyer: Wirtschos«: S.»liugelhäsee: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton:#. S. Däscheel Lokale, und Sonstig»,: Fei»»arftadt: Anzeigen: Ih. Gischt: samtlich in Perlin. Verlag: Larwärts-Verlag G. m. b. H.. Verlin. Druck: Borwürts-Buchdruckerei und Verlagsonftalt Paul Singer u. So.. Berlin SB. b«. Lindenstraße Z. Hier»« 2 Beilage»»nd„Uuteehaltusg und Wissen". Nr. 269- 46. Jahrgang 1 Mittwoch 4!. Zum 1929 Oer Oberstaatsanwalt hat gespwchen. Er beantragt Todesstrafe gegen August Rogens. ??eustrelik. It. Juni.(Eigenbericht.) Nach mehrstündigen» PlLdoher stellte Lberstaats- anwalt Weber am Dienstag nachmittag im I a k n- b o w ski-Rogens-Prozeß folgende Strafanträge: Gegen August Rogens wegen gemeinschaftlichen Mordes die Todesstrafe, wegen Meineides züm Nach- teil Iakubowfkis zwei Jahre Zuchthaus, austerdem dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Gegen Fritz Rogens wegen gemeinschaftlichen Mordes in Mittäterschaft, aber unter Berücksichtigung deS JugendgerichtSgefetzeS zwei Jahre Gefängnis, wegen Meineides zum Nachteil JakubowstiS ein Jahr Gefängnis, zusammengefaßt in eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren. Gegen Frau Kähler-Nogens wegen Beihilfe zum Morde füufJahreZuchthaus, wegen schweren Meineides in der leichteren Form deS K 137. aber mit Rücksicht auf die Niedertracht drei Jahre Zuchthaus, zu- fammengezogen in eine Zuchthausstrafe von sechs Jahren. sowie Ehrverlust auf zehn Jahre. Gegen B l ö ck e r wegen schweren Meineides die Mindeststrafe von drei Jahren Zuchthaus, ferner fünf Jahre Ehrverlust und dauernde Entziehung der ZeugniSfähigkeit sowie Erlaß eines Haftbefehls wegen Fluchtverdachts. « Schon um 7 Uhr morgens fanden sich di« ersten Schau- „nd chorlustigen vor dem Schlosse ein, um �-10 Uhr begann der Einlaß. Der Zuhörerraum war im Nu gefüllt. Auf dem Wege vom Uuiersuchungxgefüngnis im Landgericht zum Schloß stehen die Neugierigen an— selbst Frauen mit Kinderwagen—. um die An- geklagten zu sehen. Um%\0 Uhr traten diese einzeln m größeren Zwischenräumen aus dem Tor. Frau Nogens und August sehen heute besonders bekümmert aus: aus dem Munde des Staats- anwalts sollen sie ja heut« hören, was ihrer harrt. Schnell erfolgt noch die Verlesung einiger Schriftstück«. Der Lebenslauf der Frau Nogens führt noch einmal das Elend der cheidekate auf, ihre Not mit den vielen Kindern; sie belastet Iakubowski schwer und schildert mit grausiger Ruh«, wie aus den Versuchen, die Kinder unterzubringen, eine Beseitigung des kleinen Ewald wurde. Endlich um?»11 Uhr die Rede des Oberstaatsanwalts Weber. Er geht ohne Umschweife auf die Sache selbst ein. schildert in schmuckloser Sprache die Bevsiiche der Frau Nogens, die Kinder unter- zubringen, und kommt auf die Ge st ä n d n i s s e der drei Angeklagten zu sprechen. Er prüft die Stichhaltigkeit, indem er ihr Z u- st a n d e k o in m e n darstellt. Der Staatsanwalt gelangt.zu dem Ergebnis, daß die Geständnisse den Tatsachen entsprochen haben und so zur Grundlage für die Beurteilung der Beteiligung der Mitangeklagten an der ihnen zur Last gelegten Tat gemacht werden können. Sehr inleressant war e, zu hören, wie der Oberstaaksanwall die Begründung des ersten Urteils zerpflückte. Dies erscheint um so anerkennenswerter, als der Oberstaais- anwalt Weber, der jetzige Ankläger, seinerzeit als Unter- s u ch u n g s r i ch t« r die Voruntersuchung gegen Iakubowski geführt hat, die in ein« Mordanklage gegen Iakubowski und Ver- urteilung zum Tode geführt hat. Nur dem reichen Stoff war es zu verdanken, daß das Z'.4stündige Plädoyer mit gespannter Aufmerksamkeit, ohne Ermüdung, bei lautloser Stille angehört wurde. Die Methode, derer sich der Ankläger bediente, war richtig gewählt. Er stellte zuerst die Schuld der drei angeklagten Familien- Mitglieder Rogens fest und warf dann die Frage auf: Wer muß noch dabei gewesen sein? Blöcker jedenfalls nicht; Kreuz- feld möglicherweise als Mitwisser oder Berater, jedoch nicht als hauptsächlichste Triebkraft. Das konnte auch' Frau Nogens nicht gewesen.�ein; dagegen spricht ihr Verhalten vor und noch der Tat. War es ober Iakubowski? Und der Staatsanwalt, der eben erst festgestellt hatte, das erste Urteil sei in vielen Punkten un- richtig, kommt zu dem Schluß, daß die Ergebnisse der zweiten 3)er gefährdete Schulhof Vor einiger Zeit mußte das Haus Belziger Straße 31 von sämtlichen Bewohnern geräumt werden, da Einsturzgefahr besteht. Das Haus grenzt mit seinen Brandmauern direkt an den Schul- Hof der Hohenzallern- Oberrealschule, der natürlich dadurch aufs äußerste gefährdet ist. Zwar sollen sich Schäden schon seit etwa zehn Iahren zeigen; aber wer auf den Schulhof stehend die tiefen Risse in der einen Giebelwand sieht, erkennt ohne weiteres die unmittelbare Gefahr. Der Schulhof ist denn auch in unmittelbarer Nähe des Gebäudes für die Schüler gesperrt. Ob damit aber wirklich aller Gefahr begegnet ist, scheint fraglich. Die vergrößerte Einsturzgefahr soll von dem Bau der neuen großen Bade- a n st o l t Schönebergs herrühren, die einige hundert Meter em- ferick im Entstehen ist. Die umfangreichen Ausschachtungen haben den Druck der Sandmossen vermindert, so daß die Pfahlrosten, auf denen das Haus steht, nachgeben. Die Untersuchungen über die Ursache her Schäden sind noch nicht abgeschlossen, doch wird angenommen, daß durch Grundwasser- scnkung die Pfähle morsch geworden sind. Man hofft durch NeufundameNtierung das Gebäude zu retten. Hanptverhandlung sich in ihren H a u p t t e i l e n mit denen der ersten decken. Allein Ialubowski hatte genügend Ursache, die Be- seitigung des kleinen Ewald zu wünschen, in seinen Händen be- fanden sich sämtliche Fäden der£at. Der Oberstaatsanwalt scheint aber gute Witterung zu haben. Er will nicht alle Brücken hinter sich abbrechen und erklärt in gleichem Atemzug, daß er sich wohl vorstellen könne, das Gericht werde Iakubowski nur für einen Mitwisser halten. Wenig verständlicher scheint es,.daß der Ankläger es sür nötig befunden hat, in seiner Rede die Schuld an der Vollstreckung der Todesstrafe Frau Rogens zuzuschieben, die er als F u r i e bezeichnete. Er hat wohl vergessen, daß es Ans- gäbe einer kunstgerecht geleiteten Voruntersuchung ist, die wahren Zusammenhänge aufzudecken und sämtliche Täter vor Gc- richt zu bringen. Es ist immer noch das gute Recht des Täters gewesen, d:e Behörden irrezuführen, und noch immer die Pflicht der Behörden gewesen, die Täter der Tat zu Über- führen. » In seinem Plädoyer führte der Oberstaatsanwalt Weber aus: Ain undurchdringlichsten sind die Fülle von Geständnissen und Widerrufen bei August Rögens, der sich zunächst nach den Be- kundungcn des Kriminalrats Gennat als der Geständnis- j r e n d i g st e gezeigt habe»nd dessen Hauptgeständnis nach einem schweren seelischen Zusammenbruch erfolgt sei. Damals habe er zugegeben, daß Fritz ihn zur Ausübung der Tat bestellt hätte. Diese Geständnissx, so fährt der Oberstaatsanwalt fort, feie» das A und O der ganzen Anklage, sie seien das seste Fundament, auf das sie sich auch jetzt noch stütz«. Das Ergebnis aller dieser Geständnisse sei im großen und ganzen trotz mancher Unglaub Würdigkeiten überein st immcnd.> wenigstens könne man den Gefländnissen wohl insosern Glauben schenken, als sich die Angeklckglen damit selbst belasteten. Der Oberstaatsanwalt wendet sich nach der Erklärung, daß ein Zusammenwirken von mehreren Personen bei der Tat für ihn außer Zweisel steht, dann einigen Teilen des Urteils gegen Iakubowski zu. Er betont dabei, daß die Feststellung wegen der Fußspuren für ihn keine Rolle mehr spiele und daß auch das Indiz des Kinderfchreiens wegen seiner U n w a h r s ch c i n l i ch k c i t ais Beweismittel für ihn nicht in Frage komme. Der Oberstaatsanwalt sucht des näheren nachzuweisen, daß ein so wilder Fahrer wie August sehr wohl noch am Nachmittag des 9. November in Palingcn eingetroffen sein könnte. Auch habe sich August selbst zu verplappern begonnen. Von großer Bedeutung sei die Frage, ob K r e u z s e l d und B l ö ck e r als Täter auszuscheiden hätten oder ob sie viel- leicht an die Stelle der jetzt hier sitzenden Angeklagten gehörten. Der Zeuge Paul Kreuzfeld sei besonder: wegen des von ihm in der Nähe der Leichenfundstelle aufgefundenen Notizbuches in V c r d a ch t gekonimen. Nach sachverstülidigein Gutachten stehe aber fest, daß er dieses Buch tatsächlich schon längere Zeit v r dem Morde verloren haben müsse. Gewiß habe Kreuzfeld bei seiner Zeugenaussage u n- verschämt gelogen. Immerhin stehe in dem Wirrwarr positiv fest, daß Kreüzseld nicht am Tatort geweilt haben kann. Der Oberstaatsanwalt wendet sich dann der Person JakubowstiS zu und erklärt, er sei vor der Frage, ob Iakubowski etwa vollkommen ausscheide, nicht zurückgeschreckt und Hab« geprüft, ob und in welchem Grade Iakubowski etwa ausscheiden könnte. Er habe ernsteste Bedenken gegen die Annahme einer Mitbeteiligung Jakubowskis, fei aber andererseits von dessen Mitwisserschaft überzeugt und halte dies! auch für erwiesen. Sicher sei Iakubowski im Bilde gewesen. Besonders wichtig sei die Frage, ob Iakubowski etwa deswegen ausscheiden könnte, weil 9 ach Xondon: (Bereditlgie Uebertetzung oon Erwin Magnus). Er mußte«ine Methode finden, die das blitzartige �erumwirbeln oerhinderte. Er mußte das Pferd anhalten, ehe es herum war. Der Züael allein genügte nicht. Auch die Sporen nicht. Dann blieb nur die Peitsche. Aber wie sollte er es machen? Er war in dieser Woche recht oft nicht bei der Sache, wenn er auf seinem Bureaustuhl faß. Er bildete sich ein, auf dem wundervollen kastanienbraunen Pferd« zu sitzen und es an dem unerwarteten Herumwirbeln zu hindern. Ein solcher Augenblick von Geistesabwesenheit erfolgte gegen . Ende der Woche mitten in einer Konferenz mit Hegan. fjegan, der ihm einen blendenden neuen Traum unterbreitete, wurde gewahr, daß Daylight gar nicht zuhörte. Dessen Augen wa-en glanzlos geworden, als sähe er etwas in seinem inneren Hab' es!" rief er plötzlich.„Hegan, gratulieren Sie mir. Es ist so einfach wie nur was. Ich brauch ihm bloß einen tüchtigen Schlag auf die Nase zu geben." Dann erklärte er dem verblüfften Hegan. um was es sich handelte und hörte nachher wieder gut zu, obgleich er es nicht lassen tonnt«, hin und wieder vor Freude und Befriedi- aunq laut zu lachen. Sein Plan war folgender: Bob wirbelte immer rechts herum. Schön. Er wollte die Peitschenschnur doppelt zusammenlegen und im selben Augenblick, wenn Bob zu wirbeln begann, ihm eines über die Nase geben. Das Pferd das nach der Lettion angesichts der doppelten Pest- schenschnur noch einmal wirbeln würde, war noch nicht ge- �"Iit dieser Woche fühlle Daylight mehr als je. daß er weder soziale noch menschliche Berührungspunkt« mit Dede hatte Er konnte nicht einmal die einfache Frage an ste stellen ob sie nächsten Sonntag ausreiten wollte. Das war -in- Schwieiigkeit neuer Art in seinem Verhältnis als Chef zu einem hübschen jungen Mädchen. Er betrachtete sie oft während der Arbeit, und die Frage, die er nicht stellen konnte. brannte ihm auf der Zunge— ob sie nächsten Sonntag reiten würde? Diese sechs Tage zwischen den beiden Sonntagen dachte er sehr viel an sie, und allmählich wurde ihm eines völlig klar; Er wollte sie besitzen. Und so sehr wünschte er dies,' daß seine alte Furcht vor den Schürzenbändern ganz schwand. Er, der sein ganzes Leben vor den Weibern ge- flohen war, wurde nun so tapfer, daß er daran dachte, sie zu oerfolgen. Früher oder später mußte er Dede eines Sonn- tags in den Bergen treffen, und wenn sie dann nicht mit- «inander bekannt wurden, so war es, weil sie sich nichts aus der Bekanntschaft mit ihm machte. So fand er unter den Karten in seiner Hand noch eine, die der wahnsinnige Gott ihm ausgeteilt hatte. Wie wichtig diese Karte werden sollte, ließ er sich nicht träumen, aber er kam doch zu der Erkenntnis, daß es eine wirklich gute Karte war. Dann wieder zweifelte er. Vielleicht war es nur ein Trick des Glücks, um Unglück und Verzweiflung über ihn zu bringen. Gesetzt, daß Dede ihn nicht haben wollte, und gesetzt, daß er sich immer mehr und immer heißer in sie verliebte? Seine Furcht vor der Liebe wurde wieder lebendig. Er er- innerte sich aller unglücklichen Liebesgeschichten von Män- nern und Frauen, di« er je gehört hatte. Alte Erinnerungen schreckten ihn. Wenn es ihn erst richtig packte und Dede Mason ihn dann nicht wollte, dann war es beinahe so schlimm, wie wenn ihm alles, was er hatte, von Dowjett, Letton und Gugaenhammer geraubt wor- den wäre. Würde sein wachsendes Verlangen nach Dede ge- ringer gewesen sein, so hätte seine Angst vielleicht jeden Ge- danken an sie erstickt. So. wie es stand, tröstete er sich damit, daß einige Liebesgeschichten auch gut ausgingen. Und er konnte ja nicht wissen, ob das Glück ihm nicht solche Karten gegeben hatte, daß er gewann. Vielleicht war er ein solches Glückskind, das nicht verlieren konnte. Der Sonntag kam, und Bob benahm sich draußen in den Piedmont-Bergen wie ein Engel. Seine Liebenswürdigkeit war zuzeiten etwas un- ruhig und zappelig, aber sonst war er so fromm wie ein Lamm. Daylight hielt die zusammengelegte Peitschenschnur in der rechten Hand bereit und wartete nur darauf, daß er ein einziges Mal herumwirbeln wollte, aber Bob wollte nicht, sein Benehmen war geradezu aufreizend tadellos. Doch von Dede war nichts zu entdecken. Vergebens ritt er Hügel- auf und-ab. Am Nachmittag setzte er den steilen Hang hinab und über die Wegscheide nach der anderen Bergkette hin- über, und von dort aus ritt er ins Maraga-Tal hinunter. 1 1 Und gerade, als er den Fuß des Abhangs erreicht hatte, hörte er den Hufschlag eines galoppierenden Pferdes hinter sich. j Wenn das Dede war? Er wandte Bob und begann im Trab zurückzureiten. Wenn es wirklich Dede war, so war er ein Glückspilz: denn die Begegnung hätte nicht unter günstigeren Bedingungen erfolgen können. Sic ritten beide in derselben Richtung, und da sie Galopp ritt, so mußte sie ihn gerade dort einholen, wo der steile Ausstieg sie zwang,>m Schritt zu reiten. Sie hatte keine Wahl, als mit ihm zum Gipfel hin- auszureiten, und wenn sie oben waren, zwang der steile Ab- stieg auf der anderen Seite sie wieder, im Schritt zu reiten. ' Der Galopp näherte sich, aber er ritt ruhig weiter, bis er das Pferd hinter sich im Schritt gehen hörte. Da blickte er über die Schulter zurück. Es war Dede. Das Erkennen war schnell und ihrerseits mit Ueberraschung gepaart. Was war natürlicher, als daß er sein Pferd wandte und wartete, bis sie ihn eingeholt hatte, und daß sie dann nebeneinander den Hang hinausritten? Er hätte erleichtert seufzen könne». Es war geschehen, und so leicht! Sie hatten sich begrüßt und nun ritten sie Seite an Seite in derselben Richtung. Er bemerkte, daß sie sich mehr für das Pferd als für ihn selbst interessierte. „Oh, was für ein schönes Tier!" rief sie bei Bobs An- blick. Ihre Augen strahlten, und ihr Gesicht leuchtete vor Freude. Er konnte kaum glauben, daß sie dasselbe junge Mädchen war, das bei ihm im Kontor war, das junge Mäd- chen mit den ruhigen beherrschten Zügen. „Ich wußte gar nicht, daß Sie reiten," war eine ihrer ersten Bemerkungen.„Ich dachte, sie wären mit ihren Schnellfahrmaschinen verheiratet." „Ich habe gerade angefangen," antwortete er.„Ich wurde stark, wissen Sie, und mußte mir daher Bewegung machen." Sie sandte ihm einen schnellen Seitenblick, der ihn vom Scheitel bis zur Sohle maß und seinen Sitz im Sattel prüfte, und sagte: .Lliber Sie haben doch früher schon geritten?" Er dachte, daß sie sich auf Pferde und alles, was damit zusammenhing, verstehen müßte, und erwiderte: „Seit vielen Iahren nicht mehr. Aber als Knabe in Oregon habe ich mir eingebildet, ein gewaltiger Reiter zu fein. Ich schlich mich fort vom Lager, um mit dem Vieh hin- auszureiten und Mustangs zu dressieren und dergleichen.' (Fortsetzung folgt.) die drei Nog«ns allein ohne ihn den Pian ausg«h«ckt haben könnten. Der Oberstaatsanwalt hält eine solch« Annahme für durch- aus unwahrscheinlich. Dah die Frau Kähler-Nogens den entschlossenen Willen zur Tat g«habt habe, halte er für positiv widerlegt. Sie sei ganz offensichtlich in die Sache hin» eingeschliddert, und man könne ihr auch nicht widerlegen, dah sie die Abreise nur auf die Drohungen hin vorgenommen habe. Sie könne auch nicht gut die Anstifterin ihrer beiden Söhne zu der Tat gewesen sein. Zn dem Todesurteil?egen Zakubowfki seien verschiedene An- nahmen unrichtig. Denn er sei nicht der natürliche Vater Ewalds gewesen, wie es das Urteil angenommen habe, und es treffe auch nicht zu, daß er sich lieblos zu seinen Kindern verhalten habe.— Unter lautloser Stille im ganzen Saal verkündete der Oberstaatsanwalt nunmehr die Strafanträge. Di� Angeklagten nahmen die Anträge ohne größere Rührung' auf, dagegen war Bewegung im Zuhör«rraum zu vernehmen, namentlich bei Verkündung des Antrages gegen Frau Kähler-Nogens. In der Begründung dieser Anträge weist der Ober- staatsanwalt besonders auf die Schwer« der geleisteten Mein- ei de hin. die erheblich dazu beigetragen hätt«n, daß das Todesurteil gegen Zokubowski überhaupt vollstreckt worden sei. Die An- geklagte Frau Kähler-Nogens habe sich Iakubowski gegenüber wie «ine Furie benommen und seinen Tod auf dem Gewissen.(Be- wegung im Zuhörerraum.) Der Mittwoch bleibt sitzungsfrei: am Donnerstag werden nach dem Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Dr. Brandt, die Verteidiger der Angeklagten das Wort nehmen. Waldow wird weiter vernommen. Widersprüche in seinen Aussagen. Im Stinn«s-Proz«ß wurde am Dienstag die Frag« d«r Vernehmung des in Paris wohnenden Zeugen Schränkt erörtert. Schränkt hat sich nur bereit erklärt, nach Aachen zu kommen, sich ab«r geweigert, in Berlin an Gerichtsstelle zu erscheinen. Der Vorsitzende stellte f«st, daß weiter nichts übrig bleib«, als Schränkt in Aachen kommissarisch zu vernehmen. Die weitere Vernehmung des Herrn v. Waldow zieht sich ungewöhnlich lang hin. Das Gericht demüht sich, die Widersprüche, die sich zwischen den Aussagen seiner ersten Vernehmung und seinen jetzigen Aussagen ergeben, auszu- klären. Staatsanwalt: Herr o. Waldow, haben Sie nicht wahrend Ihrer Haft aus dem Untersuchungsgefängnis, und zwar noch vor dem ersten Geständnis wörtlich in einem Brief geschrieben: Ich wünschte, daß Hetr Stinnes auch einmal hier säße, damit er wüßte, wie das tut. o. Waldow: Das habe ich in meiner größten Verzweiflung geschrieben. R.-A. A l e b e r g: Ist es richtig, daß man Ihnen die Haftentlassung in Aussicht stellte, wenn Sie Stinnes belasten würden? v. Waldow: Der Untersuchungsrichter Brühl sagte wörtlich: Entweder Sie müssen sitzen oder der Junior. Rechtsanwalt G o l l n i ck: Als man Stinnes hatte, kamen v. Waldow und Nothmann sofort frei. Staatsanwalt: Ich verstehe nicht, daß Sie auch nach Ihrer Entlassung aus der Haft noch monatelang Stinnes be- lasteten. Wie kam das, da der Druck d«r Hastpsychose doch fehlte? v. Waldow: Das ist mir unerklärlich. Staatsanwalt Berliner richtete dann noch weitere Fragen an Herrn v. Waldow, aus denen hervorging, daß Waldow seinem Verteidiger gegenüb«r anfangs auch behauptet hatte, daß er Stinnes von dem unreellen Charakter des Geschäftes schon im November 19 2 6 und nicht erst im Mai 1927 Mitteilung gemacht habe. S ta a t s- « n w a l t: Aus welchen Gründen hoben Sie nun Nothmann be- lostet? vl Waldow: Wenn ich das wahrheitswidrig getan habe, so nur, weil man mir gesagt hatte, daß Nothmann mich belastet hätte. Staatsanwalt: Ihre Freundin, Frau Grofch, hat aus- gesagt, daß Sie ihr im Dezember 1926 gestanden hätten, Sie seien in«inen Betrug verwickelt, v. Waldow: Das hat Frau Erosch gesagt, nachdem der Untersuchungsrichter ihr gesagt hatte, ich hätte das selbst eingestanden. Staatsanwalt: Wollen Sie damit . sagen, daß der Untersuchungsrichter Frau Grosch zu einer falschen Aussage bestimmt hat? o. Waldow: Herr Staatsanwalt, in Ihrer Amtssprache nennt man so etwas: Den Einen gegen den Anderen ausspielen. Staatsanwalt: Herr v. Waldow, Sie erheben hier schwere Vorwürfe gegen Beamte der Voruntersuchung. Wann kam Ihnen diese Erkenntnis zuerst? v. Waldow: Sobald ich aus der Untersuchungshaft heraus war. Ich bin der Ueber- zeugung, daß alle Beamten nach einer klar erkennbaren Linie haben handeln müssen. Staatsanwalt: Sie behaupten also, daß man Sie langsam mürbe gemacht und Ihr Geständnis erpreßt hat? Sie behaupten also, daß das Ganze ein System sei? v. Waldow: Aus der ganzen Situation war ein« Kette von Verhältnissen erwachsen, die mich zermürbten. Mein« Mutter war krank, mein Hof oersiel, Stinnes, so sagt« man mir, verriet mich: mein erster Verteidiger kümmerte sich um nichts, so kam es zu meinem Zusammenbruch. Staatsanwalt: Also zerplatzen Ihre Vorwürfe gegen Beamte der Vorunter- suchung völlig? v. Waldow: O nein, diese Vorwürfe halte ich bis zu einem gewissen Grad« ausrecht. Di« Sitzung wurde auf Mittwoch, 9 Uhr, vertagt. Oa6 Opfer des Schachteinsturzes gestorben. Auf dem Hos der Kindl-Brauerei wurde gestern, wie wir mit- teilten, der 29jährige Erdarbeiter Felix G o l e m b o w s k i aus der Kleinen Andreasstraße bei Schachtarbeiten verschüttet. Acht Stunden muhte der Unglückliche in seiner furchtbaren Lage ausharren, bis er nach angestrengten Bemühungen der Feuerwehr noch l«bend geborgen werden konnte. G. hatte jedoch so schwere innere Quetschungen erlitten, daß er gestern im St.-IosefsKranken- haus in Tempelhof g e ft o r b e n ist. • In der Ehristlaniasiraße wurde der 14jährige Schlosser- lchrling Paul Peter aus der Emdener Straße S von einem Radfahrer angefahren und zu Boden geschleudert. Mit schweren Kopfverletzungen wurde der Junge Ins Virchow-Krankenhaus gebracht, wo der T o d infolge Schädelbruchs eintrat.— Ein schwerer Straßenunsall mit tödlichen Folgen trug sich gestern vor dem Hause Skalitzer Straße 54 zu. Der 31jährigs Arbeiter Willi K u n st aus der L y ch e n e r S t r a ß e 8, der sich mit seinem Fahr- rade auf dem Wege zur Arbeitsstätte befand, wurde dort von einem Auto überfahren und schwer verletzt. Man schaffte den Ver- unglückten zur nächsten Rettungswache, wo der Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Der völkische Agitator kneift. Am 26. Oktober 1928 fand in B ö s d o r f eine Versammlung einer Ortsgruppe der Deutschvölkischen Freiheits- parket statt. Der bekannte völkische Agitator Hasselbacher trat als Redner auf. In seinen Ausführungen brachte er unerhörte Schmähungen gegen führende Staatsmänner, gegen den preußischen Ministerpräsidenten, gegen den preußischen Innenminister, gegen den Reichsauhenminister usw. vor, die geeignet erschienen, diese Persönlichkeiten in der öffentlichen Meinung h e r a b z u- würdigen. Außerdem war seine Rede durchsetzt von geradezu unglaublichen Schmähungen gegen die republikanische S t a a t s f o r m. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, wurde von der Staatsanwaltschaft gegen Hassclbacher Anklage wegen Vergehens gegen§ 8 des Republikschutz- Die Barrikadenkämpfe im Norden. Sieben von zehn Angeklagten verurteilt. vor dem Großen Schöffengericht weddtng, unter Vorsitz von Landgerichlsdireklor vöhmerl. fanden am Dienstag Im Schwurgerichtssaal drei Strafprozesse wegen Landfriedensbruchs und Aufruhr statt, in denen Kommunisten wegen der Vorgänge am 1. und 2. INai in der Kösliner Straße, am Nettelbeckplatz und in der Reinickendorfer Straße angeNagt waren. D«r erste Prozeß richtete sich gegen z«hn Angeklagte, die sämtlich behaupteten, sich in keiner Weis« schuldig gemacht zu haben, obwohl bei einem von ihnen Waffen gefunden worden sind: sie sagen sämtlich aus, daß sie während d«r Schießerei und der Polizeiaktion in dieHäuser geflüchtet seien, um Schutz zu suchen. Mit den Vorgängen selbst hätten sie nichts zu tun gehabt, sie seien gerode aus dem Kino oder von anderen Vergnü- gungen gekommen. Bei der Durchsuchung der Häuser seien st« dann festgenommen worden. Nach ihrer Behauptung hätte die Polizei sie dann ohne weiteres in brutalster Weise mißhandelt. Der erste Zeuge, Polizeimajor Bläll, der die Polizeiaktion in senem Aufruhr- gebiet leitete, gab eine anschauliche Darstellung über den Verlauf der Dinge. Im Dunkel der Nacht sei plötzlich von unbe» kannten Tätern das Straßenpflafter aufgerissen und Barrikaden errichtet worden. Frauen und Männer, die in den dortigen Straßen wohnten, hätten die Polizei, zum Teil weinend, um Schutz geb«ten, weil sie an den Barrikaden nicht vor- beikommen könnten, ohne beschossen zu werden. Darauf habe er den Befehl gegeben, die Barrikaden zu räumen. Nun sei die Polizei von den Kommuni st en zuerst beschossen worden und Hab« daraufhin dos Feuer erwidert. Rechtsanwalt Dr. Artur Samt«r behauptete,' daß die konzentrisch gegen die Barrl- kaden. eingesetzten Polizeikröfte sich gegenseitig beschossen hätten. Der Zeuge bezeichnete das als völlig ausgeschlossen Der Verteidiger be- hauptet« weiter, daß die Polizei gar nicht hätle feststellen können, daß von seiten der Kommunisten zuerst geschossen worden sei, weil sie die Leute, die geschossen haben, gar nicht hätten sehen können. Die Polizei habe blindlings in das Dunkel geschossen. Polizeimajor Bläll erklärte demgegenüber mit Entschiedenheit, daß Dach- schützen festgestellt worden seien, daß man auch das Mündungsfeuer und die Einschläge der Schüsse von den Dächern und aus den Fenstern beobachtet Hab«. Der Veneid'ger beantragte nunmehr die Ladung der Minister Severing und Grzesinski, des Polizei- Präsidenten Zörgiebel und zahlreicher sozialdemokratischer Partei- funktionäre. Diese Beweisanträge wurden jedoch vom Gericht ab- gelehnt. Das Schöffengericht Wedding verurteilte den Hauptangeklagten Jacobs wegen schweren Landfriedensbruchs. Aufruhr, Schuh- Waffenbesitz und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 1 Jahr Gefängnis. Es wurden weiter oerurteist ein Angeklagter zu zehn i Monaten Gefängnis, einer zu neun Monaten, drei zu sechs Monate Gefängnis und einer wegen einfachen Landfriedensbruchs zu drei Monaten Gefängnis: der letzter« erhielt Bewährungsfrist und wurde unter Schutzaufsicht gestellt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Der Haftbefehl gegen Jacobs wurde aufrechterhalten. g e s e tz e s und Z 186 des Relchsstrafgesetzbuches erhoben. Am Dienstag, dem 11. Juni, stand vor dem Schöffengericht In Stendal Termin gegen Hasselbacher an, der Angeschuldigte war jedoch nicht erschienen. Das Gericht hat hierauf gegen Hasselbocher Haft- b e f e h l erlassen. Fünf jugendliche Autodiebe. Hundert HrivatautoS von der Straße wegqestohlen. Den Ruhm, über hundert Prlvalaulos, die unbeaufsich- ligt auf der Straße standen, gestohlen zu haben, hakte das Haupt einer Bande von halbwüchsigen, 18- bis Illjahrigen Burschen für sich in Anspruch genommen. Als er sich jetzt vor dem Schöffengericht Schöneberg mit seinen Spießgesellen zu verantworten hatte, schränkt« der Film- vorführungsgehilf« Karl Wesselvwski diesen Rekord aber da- hin ein, daß ihm mehr Fäll« als das Dutzend etwa, das die An- klage festgestellt hatte, nicht nachgewiesen werden können. Bier weitere Angeklagt« hatten einfach Privatautos be st legen und waren davongefahren: solange der Benzinvorrat reichte, fuhren sie in Berlin umher. Dann ließen sie das Auto stehen, um ein neues aufzugreifen. Unterwegs wurden Zubehör- teile und Decken, die sich in den Wagen befanden, zu Geld gemocht. Als Kavaliere fuhren die jungen Burschen vor Tanzlokalen vor und luden sich Mädchen zur Mitfahrt ein. Um da» vornebme Leben fortführen zu können, erbrachen sie mit Nachschlüsseln Fernsprech- automaten und beraubten sie ihres Inhalts. Einer von ihnen war im Besitz eines Schlüssels. Wenn der Schlüssel nicht paßte, rissen sie den Geldkasten einfach ab und erbrachen ihn unterwegs auf der Fahrt. Die Arbeit verrichteten sie in der Weise, daß sie mit ihrem eleganten Auto vor Lokalen vorführen, und daß zwei von ihnen hineingingen, um ein Gespräch in der Z«lle zu führen. Aus diese Weis« schöpfte niemand gegen di«„vornehmen" Gäste Verdacht. Sämtliche Angeklagten sind vor kurzer Zeit w«g«n Banden- diebstahls bereits vorbestraft worden. Die Bewährungsfristen, die sie damals erhalten hatten, wurden setzt vom Gericht widerrufen. Wesselowstt erhielt als Hauptführer ein« Gesamtstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, ein weiterer Angeklagter 1 Jahr Gefängnis, zwei wurden zu je 9 Monaten und der fünfte zu 7 Monaten Gefäng- ms verurteilt. � Selbstmord eines Polizeimajors. Gestern hat der 43jährige Polizeimajor Politschny, der an der Höheren Polizeischule in Eiche als Lehrer tätig war, Selbstmord durch Erschießen verübt. Der Major wurde im Arbeitszimmer seiner Wohnung in Potsdam, Lennä- st r a ß e 11, mit einem S ch l ä f e n s ch u ß, den er sich au» seinem Dienstrevoloer beigebracht hat, von seiner Wirtschafterin tot aus- gefunden. Major Politschny lebte seit zwei Iahren von seiner Frau getrennt. Einer Scheidung setzte sie fortwährend Schwierigkeiten in den Weg. Es wird deshalb vermutet, daß P., des ewigen Streites überdrüssig, in einem Anfalle von Schwermut zur Waffe ge- griffen hat. König Fuads Besuch in Berlin. Der König von Aegypten legte gestern nachmittag am Ehrenmal des Zeughauses einen Kranz zu Ehren der deutschen Gefallenen des Weltkrieges nieder, besuchte dann die Staatliche Porzellan manusaktur und war abends im Relchskanzlerpalais Gast der Reichs- regierung. Zun mkffi Schnappschüsse— so lautet der Titel des Abendprogramms— bedeuten Momentaufnahmen. Darüber klärt Alfred Braun den Hörer aus und beruhigt neugierige erregte Nerven. Es handelt sich also um Augenblicksbilder. Skizzen, Impressiomn. Der englische Schriftsteller Jack Hellrier verfaßt ein paar dieser Sächclchen, und die Einstellung aus den Moment geht sogar so weit, daß er in dem ersten nur in einzelnen Worten und nicht in Sätzen sprechen läßt. Jedenfalls versteht Hellrier, gut zu pointieren, hat ausgeprägten Sinn für wirtsame und prägnante Situationen. Reizend, wenn auch etwas hergebracht, ist der Stessch„Hilf«, Einbrecher!" von Richard Wild«, der allerdings»her eine einzige Situolion breit ausmatt, als daß er zusammenballt und aneinanderreiht. Die Auf- tührung mit dem prachtvollen Paul Grätz ist sehr amüsant. Nach langer Zeit endlich wirNich ein netter unterhallender Abend. Offiziell erinnert die Funkstunde am Nachmittag durch«in Schall- Plattenkonzert noch einmal an das Gastspiel der Italiener. Man spielt allerdings dieselben Platten, die in letzter Zeit öfter« zu Gehör gebracht wurden. Trotzdem hört man Stimmen wie die Gigti» oder Pcrtiles immer wieder aerne. Walter Schrenk spricht anläßlich des 65. Geburtstages von Richard Strauß über das dramatische Werk des Komponisten. Keine kritiklose Lvbeshymn«, sondern der Versuch einer objekttven Wertung und Analyse. F. S. Oer Leichenfund bei Gchildhorn. Beachtet das Plakat an den AnfchlagsZuken! Der Leichensund bei Schildhorn gibt der Kriminalpolizei schwere Rätsel aus. Trotz der zahlreich einlausenden Meldungen über vermißte Mädchen usw. ist man in der Feststellung der Persönlichkeit der Ermordeten noch nicht weitergekommen. Heute sind nun an den Anschlagssäulen die bekannten roten Mordplakat« erschienen, deren Wortlaut das Publikum zur Mitarbeit ausfordert. Es ist gelungen'den Kopf der Toten einigermaßen wiederherzustellen. Ein Lichtbild wird auf dem Plakat wiedergegeben sein. Für die Ermittlung des Täter» und für die Feststellung der Persönlichkeit der Ermordeten ist, wie wir meldeten, ein« Belohnung von lyva Mark ausgesetzt, die ausschließlich für Personen aus dem Publikum be- stimmt ist. Oer Gonnenburger Zuchthausprozeß. Strafmilderung in der Berufungsverhandlung. Franksurl a. d. O„ 11. Juni. Die Sensatton, die im Februar die erstinstanzliche Verhandlung des Prozesses gegen das Aussichtspersonal der Strafanstalt Sonnen- bürg brachte, hat strafrechtlich wenig ergeben, denn von den 14 Beamten, die ursprünglich unter Anklage gestellt waren, sich wider- rechtlich an den zur Umarbeitung nach Sonnenburg gelieferion Reichswehrbeständen bereichert zu haben, mußten alle bis flüf einen Fall freigesprochen werden. Lediglich der Oberwachtmeister Naumann, besten Verfahren von den übrigen abgetrennt werden mußte, ist jetzt vor dem großen Frankfurter Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis wegen Untreu« verurteill worden, nachdem sich auch gegen ihn die Anklage der Amtsuntcvschlngung nicht hatte ausrecht erhalten lassen. Bravo! Sin heller Berliner Lunge. Dank der Aufmerksamkeit eines zehnjährigen Zungen konnte gestern ein Warenschwindler und Urkuadenfälscher unschädlich gemacht werden, den die Kriminalpolizei seit einiger Zeit suchte. Ein 22 Jahr« alter Kaufmann H e l m u t h K war eine Weile im Geschäft seiner Mutter tätig, die im Osten Berlins Bürsten, Pinsel und ähnliche Waren in einem Laden vertreibt. Dann paßte ihm die Arbeit nicht mehr, und er ging seine eigenen Wege. Di« Namen der Lieferfirmen und einiger einschlägiger Geschäjte waren ihm bekannt. Daraus baute er seinen Plan. Bei Großhond- lungen rief er unter dem Namen seiner Mutter t e l e p h o n i s ch an und bestellt« für einige hundert Mark Waren, die er einem Boten, den er schicken werde, auszuhän! igen bat. Dieser Bot« war ein ahnungsloser zehnjähriger Junge, den sich der Schwindler herbeigeholt hatte. Der Junge, der sich freute, in den Ferien ein paar Groschen extra zu verdienen, nahm den Aufttag gern an. Aus der Straß«, z. B. aus dem Lands- berger Platz, erwartete Ihn K., nahm ihm die Waren ab und oerkaust« sie umgehend für seine Tasche. Er beging nun die Dummheit, bei einer Droßsirma, di« er schon einmal de- trogen hatte, gestern zum zweitenmal anzurufen. Man schöpft« Verdacht und ließ den kleinen Bolen, als er erschien, durch einen Angestellten der Firma oerfolgen. K. merkte das al�r und macht« sich beizeiten davon. Der Junge wurde nun f e st g«- n o m m e n. weil man vermutete, daß er mit dem Schwindler unter einer Deck« gesteckt habe. Das war nicht der Fall, und er wurde alsbald wieder entlasten. Der Junge hatte sich aber mächng geärgert und beschloß, aus eigene Faust den Mann zu suchen der ihn hereingelegt hatte. Er durchwanderte die Straßen und sah auch bald seinen„Auftraggeber" vor sich. Der Junge blieb ihm hartnäckig auf den Fersen, bis er an einen Schupobeamlen kam. Diesem vertraut« er sich an, und K. wurde festgenommen. Er wird wegen Warenbetruges und Urkunden- f ä l s ch u n g dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. „candeeverral", so lautet das Thema der Aussprach«, die der Deutsche Republitanische Reichebund, Ortegruppe Berlin, am Dicns- tag, dem 18. Juni, abends 8 Uhr, Im Saal de« Demokratischen Klubhauses, Viktoriostr. 24. veranstattet. Referent ist Retchsminitter a. D. Dr. L a n d s b« r g, M. d. R., außerdem werden sprechen: Reichsminister a. D. Dr. Bell, M. d. R., Rechtsanwalt Dr. Ehler- mann, M. d. R., Referendar Hellmuth Jäger. Redakteur D''. Misch, anschließend geselliges Beisammensein Gäste willkommen! Geschäftsstelle: Bemburger Straße 18, III(Telephon: Kurfürst 5490). Die Republikaner sind wach! Weihe eines Ebert- Brunnens in Zehdenik. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat in Zehdenick mit Unterstützung der republikanischen Verbände einen Springbrunnen errichtet, der eine Bronzeplakette mit dem Bildnis desReichspräsidentenEbert trägt. Dies« vom Regierungs- baumeister Rohr geschmackvoll geschaffene Erinnerungsstätte wurde am Sonntag mit einer weihevollen Feier der Stadt Zehdcnick vom Reichsbanner übergeben. Aus der Stadt und den umliegenden Dörfern war die Bevölkerung zu Tausenden, von Berlin waren Reichsbannerkameraden auf sechs großen Lastwagen zur Feier herbeigeeilt. Auch der republikanische Motorrad- klub beteiligte sich an der Feier. Auf S0 Motorrädern waren J>:e Kameraden nach Zehdenick gefahren. Als der Festzug sich formierte, umsäumten Tausende die Straßen und marschierten zu beiden Seiten des Auges mit. Biels Geschäftshäuser und alle Behörden hatten geflaggt. Am Marktplatz begrüß'« Oberbürgermeister Thurau die Festteilnehmer und marschierte dann mit seinen Beamten an der Spitze des Zuges zum Festplatz. Der Ebert-Brunnen steht inmitten einer herrlichen Grünanlage. Als der Festzug am Denkmal eintraf, waren die Straßen ringsherum schon von der Menge besetzt. Nach einem Gesangvortrag der Zehdenicker Schulkinder vollzog Genosse Arno Scholz mit einer Gedenkrede an den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert die Weih« des Denkmals. Friedrich Eberts Werk wird in seiner Größe erst heute erkannt. In Friedrich Eberts Geists arbeitet das Reichsbanner, wenn es alle Kräfte für den Ausbau der Republik zu einem sozialen Volks st aat einsetzt, in der nicht nur politische, sondern auch wirtschastliche Gleichberechtigung garan- ticrt ist. Der Ortsvereinsvorsitzende Hilgert übergab dem Ober- bürgermeister den Brunnen, der ihn mit den Worten übernahm: Wir denken nicht nur an Friedrich Ebert, wir danken ihm auch für sein Wert. Er sei allen ein Borbild. Mit einer Ansprache eines Vertreters des Regierungspräsidenten von Potsdam schloß die Kundgebung. Das Reichsbanner läßt sich nicht ärgern! In dem uckermärkischen Dörfchen H-sinersdorf bei Schwedt besteht seit über einem Jahr eine Ortsgruppe des Reichs- banners; eine kleine Schar hat sich zusammengeian und ficht für die Republik mit Opfermut und Zähigkeit. Seit der Gründung der Ortsgruppe ist den Gegnern kein Mittel zu schlecht, um die Aus- breitung aufzuhallen. Es wurden die Führer verleumdet, die Kameraden gemaßregelt, aber„sogar" Freibier und der scharfe Druck für den Stahlhelm brachten keinen Rückgang, sondern eine Zu- nähme der Bewegung. Innerhalb eines Jahres war es gelungen, die Mittel für ein neues Banner zusammenzusparen. Am 2 Juni wurde es würdig bei reger Anteilnahme der Ortsgruppen aus der Umgegend geweiht. Die Heinersdorser Kameraden hatten alles getan, um den Gästen einige angenehme Stunden zu bereiten. Vor allem war der F e st p l a tz schön gesäubert und ein« Redner- t r i b ü n e ausgebaut worden. Die Heinerdorfer Kameraden freuten sich über die Arbeit. Aber es sollte anders kommen, sie hatten ihre Rechnung ohne den Gutsbesitzer gemacht. Neben dem Fest- platz ist ein Dorfteich, im Volksmund I a u ch k U t e genannt. Am Rande dieser Jauchkute liegen seit über 100 Jahren große, dreckige, kantige Steine. Am Sonnabendnachmittag kamen nun plötzlich mehrere Arbeiter mit Pferden und Ketten, die Steine wurden mit Ketten umspannt und auf den Festplatz geschleift. Ueber 40 Stein« wurden kreuz und quer hingelegt. Der Festplatz gehört der G e- meinde, aus ihm steht auch das Denkmal der im Kriege Gefallenen; selbst vor dem Gittertor wurden die größten der Klamotten hin- belonciert. Wollte man den Kameraden Steine in den Weg werfen, damit diese den für die Gefallenen gestifteten Kranz nicht niederlegen können? Die Kameraden sagten:„Der Herr Gutsbesitzer ist doch sehr auf das Reichsbanner bedacht; ein Teil der Kameraden hat einen weiten Marsch hinter sich, und nun wollte der Herr Gutsbesitzer für die Ermüdeten eine Sitzgelegenheit schaffen, deshalb die Steinet — Nicht um uns zu ärgern, sondern aus Mitgefühl!"— Hereingefallen, Herr Gutsbesitzer! Straßenkundgebungen des Reichsbanners. Seit der Aufhebung des Demonstrationsverbotes zeigt« sich gestern abend zum erstenmal wieder das Reichsbanner in den Straßen Berlins. Die Kreise Süden, Osten und W e st e n marschierten durch die Stadtbezirk« Neukölln, Lichtenberg und Wil- mersdorf. In Neukölln trafen sich die Kameraden am Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße und durchzogen die Hauptstraßen Neuköllns und Kreuzbergs bis zum Görlitzer Bahnhof. Ueberall wurde der 1500 Mann starke Zug von der Bevölkerung herzlichst begrüßt. Die Kundgebung im Westen schloß am Witten- bergplatz mtt einem außerordentlich starken Aufmarsch der Ka- meraden ab. Di« Kundgebungen verliefen ungestört. Die Krau mit der Mauerkrone. Ein Berliner Stückchen. Es sind gegenwärtig drei Angelegenhellen, die die Aufmerksam- kell der Bevölkerung Berlins in Anspruch nehmen. Das ist einmal die ständig zunehmende Verhäßlichung unserer Straßen durch radikale AbHolzung aller Bäume, zweitens das Schicksal des volkstümlichsten Berliner Denkmals, der B e r o- l i n a, und drittens die drohende Vernichtung eines schönen alten Berliner Baudenkmals, der Kolonnaden in der Leipziger Straße. Wenn die letztere Angelegenheit der Bevölkerung als nicht' so sehr wichtig erscheint, so eigentlich nur deshalb, weil sich jahrzehntelang niemand um dieses Denkmal gekümmert hat und weil man es geduldet hat, daß es verwahrloste und oerkam. Anders aber mit der Berolina. Die stattliche Frau, die unser Berlin verkörpern soll, trägt, was bisher nicht beachtet wurde, eine sogenannte Mauerkrone auf dem Haupt. Das ist das uralt« Symbol derfreien Stadt im Gegensatz zu der Krone der Fürsten und Könige und Kaiser. Daß dieses Symbol auch heute noch seine große Bedeutung hat, geht daraus hervor, daß die sämtlichen Fahrzeuge der BVG. neuerdings nicht nur mit dem Berliner Bärenwappen schlecht. hin geschmückt werden, sondern daß dieses Wappen wiederum das Symbol der freien Stadt, die Mauerkrone trägt. Es scheint uns demnach keineswegs gleichgültig zu sein, daß das Denkmal, das immer noch als einziges bisher die frei« Kommune symbolisiert, sang- und klanglos verschwinden oder kallschnäuzig irgendwohin gestopft werden soll, während die Dutzende von höchst überflüssigen und gleichgültigen Denkmälern der ebenso gleichgültigen Dynastien unangetastet auf ihren bevorzugten Plätzen bleiben sollen. Mitten in Berlin, auf dem Leipziger Platz, stehen z. B., der Republik und allen Republikanern zum Hohn, die Denkmäler jener Männer, die die 48er republikanische und deutsche Einheitsbewegung in Berlin abwürgen halfen, der Graf Brandenburg und der G e n e r a l W r a n g e l. Der letztere wurde In einem Flugblatt jener Zeit, das vom Demokratischen 5Nub und dem Demokratischen Verein der Königstadt ausging, offen als Volksverräter bezeichnet. Mögen immerhin der Berolina keine sonderlichen künstlerischen Qualitäten innewohnen. Wenn man sie mit dieser Begründung versckwinden lassen wollte, könnten in Berlin Dutzend« von Kirchen und Denkmälern und Tausende von Häusern verschwinden. Will man sie aber durchaus nicht auf den Alexanderplatz zurückkehren lasten, dann soll man sie, so wie sie ist, auf einem anderen repräsen- tanven Platz aufstelle», weiterhin allen Berlinern und allen Fremden als Symbol einer großen und freien Stadt. Verschwinden aber könnten wohl endlich und schnellstens vom Leip- ziger Platz die Herren Wrangel und Brandenburg, oerschwinden könnten vielleicht— und mit einigem guten Willen— die pompösen Kaiserkronen von der Brücke am Schiffbauerdamm und ver- schwinden könnten schießlich eines Tages dann die Gespenster aus der Siegesallee. Neue Zeiten brauchen neue Symbole, und so steht dem nichts im Wege, daß sich die Stadt Berlin für das alte Unmoderne ein neues Zeitgemäßes sucht. Die Künstler und Kunstschriststeller, die jetzt die alte Berolina verschwinden lassen wollen, sollten Vor- schläge machen, wie man eine Stadt wie Berlin in modernen Aus- drucksformen versinnbildlicht. Frau Berolina mit der Mauerkrone aber gebührt ein ehrenvoller Platz, nicht in einem Außenbezirk, sondern dort, wo die Berliner selbst zu Hause sind. Briese, die man aus Versehen öffnei. Oer Kavalier zahlt alles. Eine angebliche Verletzung des Briefgeheimnisses lag einer Privatklage zugrunde, die vor dem Amtsgericht Berliu-Mitte zur Verhandlung stand. Die Tänzerin Rita Adler-Anderfen hatte gegen den Hotelbesitzer Louis Adlon eine Strafanzeige er- stattet, weil er Briefe von ihr geöffnet hätte; sie war aber auf den Weg der Prioatklage verwiesen worden. Infolgedessen stand jegt Louis Adlon als Pnvatbeklagter der Tänzerin gegenüber. Die Klägerin war für das Hotel als Voriänzerin mit einem sehr langen Vertrag verpslickiet worden. Neben- her stand sie aber, wie auch von beiden Seiten zugegeben wurde. zu dem Beklagten in freundschaftlichen Beziehungen. Es kam dann zu einer Entzweiung. Die Tänzerin behauptet, daß sie plötzlich ohne rechtlichen Grund entlassen worden sei. Die Ursache waren zwei Briefe, die die Klägerin an einen Freund, den sie kurz vorher auf einer Reise in Wien kennengelernt hatte, gerichtet hatte und die wegen ungenauer Adresse an die Abscnoerin, die im Hotel wohnte. zurückgekommen waren. Diese Briefe hotte Adlon ge- öffnet und gelesen. Den Inhalt der Briefe hatte er ihr dann vorgehalten und sie Knoll und Fall weggeschickt. Nach der Behauptung der Klägerin soll es aus Aerger über ihre Untreue geschehen sein. Die Klägerin hat nebenher einen Zivilprozeß wegen Schadenersatz angestrengt, ist aber vom Landgericht abgewiesen word-m. Der Prozeß schwebt ledoch nocb vor dem Kammergericht. Der Beklagte bestritt, die Briefe absichtlich geösfnet zu haben, es sei aus Versehen geschehen, da sie unter den Briesschasten des Hotels gelegen hätten. Als der Vorsitzende dann den Vorschlag machte, daß Herr Adlon sein Bedauern über die Oeffnung der Briefe ausspreche, die G e r i ch t s k o st e n und auch die Anwalts- kosten, die übrigens nicht unbeträchtlich sind, da die Klägerin sich einen der teuersten Anwälte Berlins genommen hatte, trage, er- klärte Herr Adlon mit einer chevaleresken Handbcwcgung:„Ich unterschreibe alles." obwohl sein Rechtsbeistand Dr. Adolf Hamburger unter großer Heiterkeit ausrief: Lchtäte esntchtl' Das Verfahren wurde darauf eingestellt. Elf Opfer einer Zelluloidexplosion. Kinderarbeit im faschistischen ItaUen... Mailand, 11. Juni. Ja einer Zelluloidfabrik entstand heute, wahr- scheinlich infolge Selbstentzündung. Feuer, das rasch um sich griff. Unter den vielen in den Magazinen beschäftigten Arbeiterinnen und Kindern brach eine Panik aus. Neun Arbeiterinnen wurden schwer ver- letzt, von den Sanitätsmannschaften erlitten zwei bei der Rettung von Verunglückten schwere Brandwunden. Ein Kind wird vermißt, es dürfte in den Flammen umgekommen sein. Zwei Zugkatastrophen. Aei Madrid und in Kolumbien(Südamerika). Ein von Avila kommender Zug entgleiste infolge falscher welchenstellung bei der Einfahrt in den Madrider Nord- b a h a h o f. Der dritte Wagen des Zuges wurde völlig zer- lrümmert. Zwei Reisende waren sofort tot. zwei weitere wurden schwer verletzt. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Um l Uhr morgens war die durch den Unfall hervorgerufene Der- kehrsstörung beseitigt. wie„Associated Preß" aus Bogota(Kolumbien) meldet, ist bei Javier ein Eisenbahnzug der Girardot-LInie entgleist. Bier Personen wurden getötet, 25 verletzt. Da das Unglück aus übermäßige Geschwindigkeit beim Passieren einer gefährlichen Stelle der Strecke zurückgeführt wird, wurde eine behördliche Untersuchung eingeleitet. „Sverige" zweimal umgekehrt. Reykjavik, II. Juni. Das schwedische Transozeanflugzeug„Sverige" startete heute früh um 4 Uhr 10 Min. nach sorgfältiger Prüfung der Wetter- Verhältnisse zum Weiterfluge nach Jvigtut auf Grönland, kehrte aber nach 45 Minuten in den hiesigen Hafen zurück, wahrschein- lich infolge zu schwerer Belastung. Um K Uhr 35 Min. stieg die „Sverige" abermals auf und nahm Kurs auf Jvigtut. Sie kehrte jedoch gegen 9 Uhr erneut zurück. Und wieder gestartet. Die„Sverige" ist kurz nach 16� Uhr abermals in Richtung Svigtnt ge st artet. Drei Ertrunkene in Meißen. Aus Meißen wivd gemeldet: Nach den polizeilichen Fest- stellungen ist nunmehr als sicher anzunehmen, daß das verunglückt« Fährboot„Forelle" außer dem Fährmann von sieben Per- s a n« n zur Ueberfahrt benutzt worden war. Demnach hat das Fährbootunglück drei' Todesopfer gesondert. Di« Leichen der beiden Vermißten konnten noch nicht geborgen werden. kunstwissenschaftliche Fahrt nach Dresden. Das Bottsbildungs- amt Wilmersdorf veranstaltet bei genügender Beteiligung am Sonntag, 16. Juni, eine kunstwissenschaftliche Fahrt nach Dresden unter Führung des Kunstmalers Ferdinand Krog- mann. Neben einer Führung durch die Gemäldegalerie fft die Besichtigung des Zwingers, der H o f k i r ch e. der Frauenkirche, des Palais im Großen Garten und anderes vorgesehen. Die Abfahrt erfolgt am Sonntag. 16. Juni, vom An- Iiattcr Bahnhof mit dem D-Zug 8.01 Uhr, Ankunft in Dresden 11.12 Uhr, die Rückfahrt abends ebenfalls mit den: D-Zug ab Dresden 19.23 Uhr, Ankunft in Berlin, Anhalter Bahnhof, 22.25 Uhr. Die Teilnehmergebühren sowie der Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt einschließlich der D-Zugzu-schläge betragen ins- gesamt nur 13,20 M Anmeldungen zur Teilnahme an dieser Fahrt unter Einzahlung des gesamten Betrages nimmt das Volts- bildungsamt Wilmersdorf. Kaiserallee 1—12(Stadt- lzaus, Zimmer 15), werktäglich von 8 bis 15 Uhr, bis spätestens 12. Juni entgegen. Lunapark-Kaborelt. Auch das Iuniprograinm hat unter dem Wettergott allerhand zu leiden. Schade, denn es mühen sich wirklich verschiedene gut« Kräfte um das Gelingen eines fröhlichen Klein- kunstabends. Ina Neubauer singt mit sympathischer Stimme, die Harvey Sisters meistern mit H"mor und Können allerlei Musikinstrumente, und Carl S t ö h r ist ein überaus launiger Schnelldichter. Die Lachmuskeln versteht das Duo Otto Hoppe- Ferdinand Grünecker in einer wirtlich humorigen Gerichts- szene in Bewegung zu versetzen. Wenn dann zum Schluß Paul West ermeier seinen Abstecher noch dem Orient macht, um sich dort mit heimischem Wesen und Humor die„arbeitslose" Odaliske Vicky Werkmeister für wenig Geld zu erstehen, bleibt kein Auge trocken. William B e r n e r konferiert mit liebenswürdiger Witzelei, und eine gute Tanzkapelle sorgt für das notwendige musi- kalische Geräusch.__ Soldeve Hock zeit seiern beute die langjährigen Abonnenten und elsrigea Leier des.VorwarlS' Scklosier Emil Z i e g l e r und seine Ebcsia« Ida, geb. Loop, in Berlin X., Dronthetmer Str. 7, vorn I, im Kreise von Kindern und Enkellindern. 3m Auslrog de» L«ztrk»amle» NenlSHo singt derFreie Männerchor, M. d. DASB., am Sonntag, dem tS. Juni,>5 Uhr, im Neuköllner Volk«» park, auf dem Platz zwischen Aller- und Oke str. preis: RM 2.40 und RM 4.20* Ys Liter RM 6.80* Vi Liter RM 12.— Sport. Rennen zu Karlshorst am Dienstag, dem 11.)uni. 1. Rennen 1, Pralcr»Pinter), 2. Freier Wille, 3. Siegberte. Toio: 25:10. Platz i 18, 25:10. Ferner liefen; Merkur, Emigrant. 2. Nennen. 1. Ludwig Thema lHaufer), 2. Mohunglück, 3. Dnbina. Toto: 18:10. Plafe: 11,14, 11: 10. Ferner liefen: Sonnenkönig, Fechterin, Lancade. Zaubeiflöte. 3. Rennen. 1. Oberjäger kv. Saldcrn). 2. Favoritin, 3. Banditi. Toto: 31: 10. Platz: 15, 20, 33; 10. Ferner liefen: Seif, Stummer Teufel, Atout König. Greif an. � 4. Rennen. 1. Riß(Wolf), 2. Tod und Leben. 3. Curayao. Toto: 50:10. Platz: 24. 21. 33: 10. Ferner liefen: Vcfeda, Graziella, Fehrbcllin, Finsteraarhorn, Rinaldo, Patacca, Pfnchc, Mnnin. 5. Rennen. 1. Mac Rdam(Lt. v. Holten), 2. Falter, 3. Räuber- bauvlmonn.?o!o: 284: 10. Platz: 25, 17, 13: 10. Ferner liefen: Myron, Le Cballengc, Werden, Rofenpr na. 6. Rennen. 1. Rapbnel(Pinter\ 2. Starofte. 3. Krautjunker. Toto: 47:10. Platz: 10, 10. 23: 10. Ferner tiefen: Beluga, Simulant, Gladiator, Trutzig. 7. R e n n e n. 1. Donau(Gehrke), 2. iFloj, 3. Katufchka. Toto: 138: 10. Platz: 24, 10, 15:10. Ferner liefen: Schlotzuhr, Talius, Belvet, Servatius. Einsendungen für diese RubrU sind Berlin SW«3, Linden ltratze 3, parieinachnchten�M� fürGtoß-Berlin stet, an da« Bezirkasekretariat 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten. 1». tireie Iehtendels. Mittwoch, 12. Juni, IS Uhr. D-zirk-oerortn-tenfltzung im Neuen Rathaus. 13. Äreis Tempelhof. Unsere Arbeilsbücherei wird mährend der Sommer- monatc geschlossen. Legier Ausleihctag ist Freitag, 14. Juni, von 19 bis 21 Uhr. bei Niendorf. Chauffeestr. 19. 1». Kreis Treptow. Freitag, 11. Juni, 20 Uhr, in Niederschönemeid«, Bcr. lincr Etr. 39. Kreisoorftandssihung mit allen Bbteitungeteiter».— Dien� tag, 19. Juni, 20 Uhr, im Lokal Einsiedler, Johannisthal, Krcismltglicdcr. Versammlung. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. 20. Kreis Rcinickendorf. Am Dienstag, 19. Znnl, 20 Uhr, im Volkshan», Zkei. nickevdors.West. Scharnwebcrstr. in, Sitzung sämtlicher Bildungsansschutz. Mitglieder des Kreiie». Erscheinen notwendig. Heule. ZNittwoch, 12. Juni. 1. Abt. Abrechnung der rest!ick>en Beitrags- und Maimarken mutz spätesten, am Mittwoch in der Versammlung erfolgen. gz. Abt. 191, Ubr Fablabende bei Olto, Nigaer Str.»z. Bombe, Boigtstr. 2». Guc/tlowfti, Schreincrstr, 39. Schule, Samoriterstr. 20. 30. Abt. 191« Uhr Fahlabcudc. 1. Gruppe: Busch, Tilsiter Str. 27. Bortrag: „Medizinversorgung und Arbeiters-bafl". Referent: Alfred Herlitz. 2. Gruppe: Frank, Forndorser Eal>-mn«.»ellogg.Pakt, und Reparati-ncn". Bollzähliges Erscheine» Pflicht. Gäste willtommen. Werbebezirk Westen. D-nner-t-g. 13. Juni, 191« Uhr, spricht Genosse Sendew:tz anläßlich einer Beranstallnng der Sozialistischen SchMergemewschast Westen über„Kriegsgefahr. Faschismus, Völkerbund". Der Lortrag findet IN der Aula, Eharlottenburg, Sybelstr. 2, statt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Zkltlagerhelser«rotz.Berlin. Di- Felilagerbesprechung findet am Donner,. tag, 13. Juni, nicht im Rathaus, sondern in Neukölln. Z. Mädchen-Mitte.. schule, Donaustr. 23-27 lGesanassoal), statt.(Nähe Scrmannplatz.) Beginn 20 Uhr. Abteilung Treptom. Di« Gruppe spielt wieder Donnerstags von 17 bis 19 Uhr auf der Wiese Nr. 8. Trefspuistt 1614 Uhr Wildcnbruch. Ecke Graetz- stratze. Feltlogerausschutz. Nächste Sitzung am Freitag. 14. Juni. 20 Uhr, in der Zentrale, Lindenstr. 3. Alle verantwortlich«« Senoffea weich«» Ai dringend gebeten, zu erscheinen. Grnpp» Landsberger Platz. Donnerstag, 13. Juni, 18 Ubr. im ZuAeud- heim Dicstelmeverstratze-(Schule), Eltern Versammlung. Freitag, 14. Juni, Roter Falkenabend im Iuqendheim. l8?-20 Uhr. Eonniag, 10. Juni. Gruppe». fahrt nach Eichwalde. Tressen 014 Uhr Landsberger Platz. Kosten 40 Pf. Ende 20>4 Uhr. Alle Eltern lommcn mit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 0. Abt. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Genosse Richard Wanste, ssehrbelliner Str. 52. verstorben ist. Ehr« feinem Andenken Em- äfcherung am Donnerstag. 13. Juni, 11 Uhr. im Krematortum Gerichtstratze. 101. Abt. Treptow. Alle» Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Genosse Walter Kußner, Beermannstraße, im Alter von 54 Iahren verstorben ist. Wir werden dem treuen Genossen ein dauerndes Andenken bewahren. Die Bccrdiqvna hat bereits stattgefunden.......... l37. Abt. Reinickendors.West. Am Sonntag verstarb unser langsahrtger und treuer Genosse Heinrich Schiller. Seit über 83 Jahren stand er in den Reihen der Partei. Ehre seinem Andenken. Beerdigung am Donnerstag, 13. Juni, 151a Ilhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes, Humboldtstraße. SozialiUcheArbeiterj«gendSr.-?erIi» Sinsen tnmaen füe diese Rnbetk au. ov back Fugendstkretarlat Seelin GIB 68, Ltndensseaße S Karten»om Raijugendtag sind noch von verschiedenen Abteilungen ab. zurechnen. Wien. Sammellisten müssen sofort abgerechnet werden. Heule. Aliltwoch. 19� Uhr: «rlonaplatz: Schule Elisabethkirckssir 19. Bortrag:„Marschroute der SAI." — Källuischer Park: Tagcspolitischer Arbeitskreis, außerdem Spielen auf dem Sporipkatz. ausrllstui -leim Lindcnüser � lO-RinuIen-Rcs-rate.• Dahlem: MitiSiKcrvcrsamm. lung der Partei. Bortrag:„Jugend und Partei".— Tempclhost Lnzeum Ger. maniostr. 4—0. Bortrog:„Flegeljahrc".— W-uns-k! Schule Chariottenstratzc. Mitgliederversammlung.— Friedrichsscld«: Heim Alt-Frirdrichsheldc 43. 10- Minuten. Referate.— Reu-Ltchtenberg: Heim Hauifftratzc. Vortrag:„Dos Arbeitsrecht des Jugendlichen". Werbebezirk Prenzlauer Berg- Alle Gcitoffen. die nach Wien auf Ferien. fahrt gehen, kommen heute zur Besprechung im Heim Sonnenburgcr Str. 20. Zimmer 2, zusammen SSG. Wcdding: Heim Galenburger Str. 2. 18 Uhr Auzsprachcaliend. SSG. Neukölln: Heim Bergstr. 29. 19 Uhr Bortrag:„Partei, Ecwcrk. schaft, Genossenschaft"._ Vorträge, Vereine undVersammbmgen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". GesSäktsstelle- Berlin S>4 ScbastianNr. 37Z3Z. Ho' 2 Tr. Mittwoch, 12. Juni. Rcnkolln.Britz. Schutzspartahpnd auf dem Platz 7. Sportpark Neukölln.— Donnerstag. 13. Sunt. Wilmersdorf. Kameradlchast„Ziord". 20 Uhr Kameradschaitsabend bei Schramm. Hohen. zollerndamm. Neukölln. Britz. Zungdannrr. Mitgliederversammlung um 20 Uhr bei Balewlki, Boddinstr. 57. Borträge über Sowietrvtzland und Mi-tcilungcn zum 14. August. Sanitätsabteilung«reis Norden-vsten. Antreten 19 Uhr Lichtenberg. Siegfrird» Ecke Herzdergstrasie.— Freitag, 14. Juni. Wilmersdorf. 20 Uhr Iugendabend im Fngendheim Wtlhelmsane. Zimmer 7. Bortrage de» Kameraden Wiewieorsky über„Wien l'nd der Schutzbund". Tempelhof. L-rls. verein Svielmannszva. 20 Uhr im Birkenwäldchen Uchungsabcnd unter neuer Leitung Ortsverein Oranienburg. Monatsversammlung bei Stcrnburg, Bahn. dosstratzc, um 20 Uhr.— Sonntag, 10. Znni. Kreuzbcrq. 7B5 Uhr ELrlitzer Bahnhof Treffpunkt zur Sprecwaldsahrt. Sonntagsrückfahrkarte 4,30 Mark. Meldungen sofort an die Zuglcilcr._ Ukrainisch«, Wisscnschastlich«, Institut in Berlin. Freitag, 14. Juni, 20 Uhr. sindet im Lörkaal 47 der Universität spt. rechts)«in Bortrag in deutscher Sprache mit Klavierdemonstration statt:„Die wichtigsten Entwick. lungsvdasen der ukrainischen Musik". Vortragender: Dr. Nestor Nvzaniiwskvj. Freie Arbeiter Elperanto-Bereiniguag Berlin, Gruppe Osten. 20 Uhr im Jugendheim Am Ostdahnhof 17, Donnerstag. 13. Juni. Gruppe Zentrum. 20 Uhr Kastanienwäldchen. Kastanieuallco 03, Freitag, 14. Juni. Sprachgcnosscn, besucht unsere Zusammenkünfte. Neichskurzschristvcrein Berlin. Moabit. Donnerstag, 20-22 Uhr, Anfänger.. Fortgeschrittenen.. Redeschrift.Lehrgange. Nathenowcr Str. 8s. Auskunft bei S. Gagern, Berlin NW. 21, Wiclefstr. 21. Oermar-Enoilsd-Socieiy. Cafck Jagenburg, Nollendorfplatz, Berlin W, 9. p. m. Musical and Elocutionary Evening. wellerberichl der öffentlichen weklerdienffstell« VerNn und Umgegend. INachdr. rerb 1 Heiter und trocken, wärmer, Ichwache Lniibewegung.— Für l'eulichland: Foilbestand des heiteren und trockenen Wellers mit weiterem Temperaturanilieg. Die diesjährige Ttrnmpfrechnung! Wenn die Hausfrau einmal ausrechnen würde, wieviel Geld sie im Jahr insgesamt nur für ihre Strümpfe ansgidt— sie würde diese Summe selbst kaum für möglich hallen. 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Juni 1929 Severins antwortet den Kritikern. Die Kuliurdebatie.— Thyssens Aeußerung wird bestritten. Im Neichsto'g erklärte zu Beginn der Dicnstagssitzung Ab�. klönne(Dnat.) die Wiedergabe der Aeußerung T h y I s« n s. „Diese Krisis brauche ich jetzt" usw. durch Abg. Bernhard(Dem.) am fi. Juni sowie dessen Mitteilung über den Grund der Reise Dr. Voglers von Paris ins Ruhrgebiet für unrichtig. Diese Aeuße- rung sei völlig frei erfunden. An Bernhard liege es, seine Gut- gläubigkeit durch Nennung seiner Gewährsmänner zu beweisen. (Abg. Wels(Soz.) fragt in Anbetracht der Abwesenheit des Abg. Bernhard, ob Klönne Bernhard die Abgabe dieser Erklärung vorher mitgeteilt habe.—(Klönne schweigt.— Zuruf links: So anständig ist er nicht!) Darauf wird die zweite Beratung des Etats des Innern und die erste Beratung der Verlängerung des Republikschutzgesetzes fori- gesetzt. Abg. vlenkle(Komm.) spricht gegen die Verfolgung der kom- munistischcn Jugendbewegung, besonders die Zensisrung eines Jugendweihcbuches, worin sogar der Schluß von Friedrich Engels' „Lage der arbeitenden Klassen in England" und anderes von der Zensur verboten wurde. Weiter bespricht er Mißstände in den Berufsschulen. Der Berliner Sportverein Fichte erhält keine Fahr- Preisermäßigung bei Iugendfahrten. Abg. v. Slrathmann(Dnat.) polemisiert gegen die gestrige Rede Dr. Moses, dessen Kritik an der Notgemeinschast der deut- schcn Wissenschast nicht aus wissenschaftlichem Geist erfolgt sei. Das Verlangen, nur„praktische" Wissenschast zu fördern, verkenne das Wesen der Wissenschast. Ebenso wie die Natur, müssen auch die Geisteswissenschosten gefördert werden und in diesen auch die Gc- schichte des Christentums, mit dem äußere Kultur aufs tiefste ver- bunden ist. Die Leitung der Notgemeinschaft durch Dr. Schmidt-Ott ist so wertvoll, daß alles abzuweisen ist, was seine Arbeitsfreudig- keit beeinträchtigen konnte. Das Verbot des Lampelschen Stücks „Giftgas" Hot so verderbliche Aufführungen wie„Verbrecher",„Re- volte im Erziehungshaus" u. a. m. nicht gehindert, von denen ein Strom von ethischem Nihilismus ausgeht. Ist sich der Reichs- tun st wart nicht zu gut, für Georg« Grosz einzutreten in einem Prozeß, der mit Grosz Verurteilung wegen Verbreitung un- sittlicher Schriften endete? Von Amerika her empfiehlt man die ..Kameradschaftsehe". Was soll da aus unserem Volke werden? Der Minister scheint ober mehr parteipolitisch als an diesen große» Fragen interessiert zu sein.(Beifall rechts.) Abg. Alpers(Hann.) verbreitet sich über das Berhäftnis der Länder zum Reich und tritt für die Errichtung eines Landes Nieder- sochsen ein, wofür sich auch der Provinziallandtag Hannover aus- gesprochen habe. Abg. Dr. Dessauer(Z.) stimmt der Kritik des Abg. Dr. Moses an. der Notgemeinschaft nicht.zu. Die von Dr. Moses beanstan- Veten Arbeiten haben von den 16 Millionen Reichsbeihilfe nur lischt) Mark in zwei Jahren erjordert. Auch sachlich geht die Kritik fehl. Die Notgemeinschast wirkt auch segensreich durch ihre Unterstützungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. ' Zkichsinnenminister Severins: Auf die Frage des Abg. Strathmann, ob ich der Entschließung des Preußischen Landtages gegen Schund und Schinutz folgen wolle, erwidere ich, daß diese Entschließung die preußische Regierung zu eüier entsprechenden Einwirkung auf die Reichsregierung aus- gefordert hat. Eine solche Einwirkung ist aber nicht erfolgt, denn die preußische Regierung ist mit mir der Meinung, daß zur De. lämpfung wirklicher Ausschreitungen die bestehenden Gesehe vollauf genügen. (Sehr gut! links.) Wenn das Stück„Verbrecher'" wirklich eine Verhöhnung des geltenden Rechts und die Verzweiflung an der Rechtspflege äußerte, so würde nicht ein Richtervcrein seine Mit- glieder zum Besuch dieser Aufsührung aufgefordert und würden nicht die Juristen und Polizeibeamten bei der Hessischen Polizei- wochc sich gerade dieses Stück angesehen haben. Das Buch von der .„Kameradschaftsehe" wird gewiß sehr viel gelesen, hat ober gar keine Verheerungen angerichtet, unsere jungen Leute lehnen die .Anwendung dieser Lehre ab. Die Worte Strathmanns von einer moralischen Durchseuchung des deutschen Volkes muß ich von dieser Stelle mit aller Schärfe zurückweisen.(Beifall links.) Er hat auch kein Recht, dos Bestreben der Künstler gegen eine Wiedereinsllhrung der Zensur ei» hnsteriiches Geschrei zu nennen. Mit solchen Worte» vergiftet man die Diskussion.(Sehr richtig.) Herrn Strathmann würde ich auch bitten, seine Behauptung zu b e- weisen, daß meine Amtsführung besonders aui die Stärkung der Position meiner Partei gerichtet sei!(Sehr gut! links.) Wenn gewünscht wurde, daß die g c i st i g e R c p r ä s e n- t a t i o n Deutschlands von Preußen auf das Reich übergehen solle, so hat doch Preußen in seinen Museen. Universitäten, Theatern und Schlössern Mittel dazu, die das Reich nicht besitzt. Auch die mangelnde Stabilität in der Politik ist ein Hindernis dafür. Seil dem Februar lSlg bis heute hat es 13 Reichsinnenminister, aber nur 3 preußische Kultusminister gegeben. Die Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Reich und Preußen aui diesem Gebiet bedeutet natürlich nicht die Hegemonie Preußens, sondern ist ein Versuch der Zusammenarbeit. Was dep„B e r e ch t i g u n g s f i m m« l" anbelangt,. so sollten wir zunächst im eigenen Haus anfangen. Bei den Lauf- bahnrichtlinien werde ich versuchen, die hier vertretenen Grundsätze durchzusetzen. Die Durchführung eines Rcichsschulgesetzes würde S0 bis W) Millionen Mark kosten, wovon 36 Millionen auf das Reich fallen würden. Woher soll das Reich jetzt diese Mittel nehmen? Die großeu Gefchgebungswerke im herbst— Außenpolitik, wirtschaslspolitik, Sozialpolitik— werden große parteipolitische Gegensätze aufrollen: daneben auch noch ein Reichsschulgeseh in Angriff nehmen, wäre so aussichtslos, daß es gar kft-en Sinn hätte, es zu tun. Vor allem ober entscheidet die Kostensrage in diesen Notjahren. Die Deutschnationalen behaupten auch, nur durch Gswatt- androhung und-anwendung halte das Reich seinen Besitzstand auf- recht. Haben wir denn die Initiative gegen den Roten Front- kämpscrbund oder die Stahlhelmbeamten ergriffen, oder war es nicht vielmehr die Hetze, dieser Leute gegen die Republik, die uns zur Abwehr zwingt?(Stürmische Zustimmung links.) Sind nicht Erzberger und Rat Henau von Organisationen ermordet worden, gegen die das Republikschutzgesetz nur notwendige Abwehr ist? Würde der Stahlhelm nur den Wehrgedanken im Volte aus- rechterhalten wollen, so könnte man vielleicht zweifeln, ob das not- wendig ist, es wäre aber kein Grund für die Behörden, gegen ihn vorzugehen. Aber seine Haßgesänge gegen die Republik, bald For- tissimo, dann wieder— wenn es brenzlig wird. Piano— zwingen uns zur Abwehr. Seitdem der Jungdeutschc Orden sich von den Gewaltmethoden des Stahlhelm abgewendet(höhnische Zurufe der Nat.-Soz.) kann er vollkommen ungehindert arbeiten. Die Aufsorde- rungen des Stahlhelms zum Sturz des Varlamentarismus werden wir uns nicht gefallen lassen und der Gewalt setzen wir Gewalt entgegen.(Lebhaste Zustimmung links und in der Mitte.) Man hat behauptet, daß der Stahlhelm gerade in Rheinland-Westfalen eine besondere Zunahme in der letzten Zeit auszuweisen hätte: nichts leichter, als mit den Geldern reicher Industrieller Man- turcn anzuschaffen und Paraden zu veranstallen! (Sehr gut! links.) Auf diesen Paraden wird immer angekündigt, wenn das Vaterland rufe, würden noch gan,z andere Massen er- scheinen. Nun, in einer wirklich ernsten Stunde würden erheblich weniger kommen, als zu solchem Sonittagsklimbim.(Sehr wahr! links.) Die Fürsorge für die Grenz länder vernachlässigen wir nicht. Wenn wir auch infolge der Finanzlage zunächst nur die Ostpreußenhilse einleiten konnten, so berät das Kabinett doch auch über eine ausgiebige Hilfe für den Westen und Norden. Der beste Grenzschutz besteht nicht in der Aufstellung von Reichswehrregi- mentern, sondern darin, eine zufriedene Grenzbevölkerung zu schaffen.(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Der Ton, in dem Abg. Blenkle gesprochen hat. war so. daß einem die Diskussion mit ihm freuen kann.(.Hefterkeit.) Sachlich kann ich ihm aber nicht entgegenkommen. Er verlangte, daß die Kommunistische Jugendbewegung die gleichen Begünstigungen er- halte, wie die anderen, denn ngch dem Gesetz seien alle Deutschen gleichberechtigt. Wie paßt es dazu, daß die Kommunisten bean- tragen, die Sportbeibilfe des.Reiches um ä Milliarden zu erhöbep, das Geld aber nur Arbeiterspartvereincn zu geben?(Zurui von den Komm.: Die anderen' sollen es�fich selbst bezäblen.h Dft Leute, die sich in neutrdlen Sportvereinen oder in der Deutschen Turnerschaft zusammenfinden, unten'cheiden sich in materiellen Wohlstand durch- aus nicht von den Mitgliedern der Arbeiter-Sportveteine.(Sehr wahr!) Unterwerfen Sie(zu den Komm.) sich den Bestimmungen des Reichsausschnsses der deutschen Jugendver- eine(Gelächter der Komm.), dann erhalten Sie die gleichen Be- günstigungcn. Die Herren von der Notoemeinschaft der deutschen Wissenschaft müssen selbst unbcrechtiote Kritik ertragen können. Die öffentlichen Erörterunaen über die Arbeit der Notgemeinschait haben als Antrieb zur Bewilliaung der Mittel für sie gewirkt. Allerdings wollen wir ein Kontrollorgan schaffen, bestehend aus anerkannten Wissenschaft- ltchen Autoritäten, und eilte Verbindung zwischen der Volksvertre- tiing und der Notgemeinschast. Das wird wohl auch ein gewisser Schutz für die Notpemeinschaft sein. Die Selbstverwaltung der Notgemeinschait soll in keiner Weise beeinträchtigt werden. Die von Frau Dr. S t e g m a n n verlangte Denkschrift über das Impf wesen ist in Arbeit und wird in einiaen Wochen vorgelegt werden. Im übrigen' bin ich ein Geoner ministerieller Dro- grammreden, denn es kommt nicht auf das Versprechen an, sondern darauf, zu tun, was den Forderungen der Zent entspricht und was bei der Finanzlage ausgeführt werden tonn. Seien Sie überzeuot, daß die Reichsreaierung einmütig so zu handeln entschlossen ist. (Lebh. Beifall der Mehrheit.) Abo. Zoos(Z.) unterstreicht den Ernst des Geburtenrückgangs in Deutschland und verlangt nioralische Gegenwirkung. Außerdem klagt er als Vater zahlreicher Kinder darüber, daß iedes Jahr neue Schulbücher einoesübrt werden, also die jüngeren Geschwister nicht die Lehrbücher der älteren benutzen können und gerade kinderreiche Eltern mit besonders hohen Schulbücherkosten belastet werden. Abg. Straffer(Natsoz.) spricht gegen das Republikfchutzgesetz. Ilha. Frau Dr. Matz(D. Np.) bebt dir gesvndhoitliche Bedeutung der Leibesübungen hervor und bespricht das Auswanderungswssen. Abg. Sparrer(Dem.) bespricht die Krage des Einheitsstaates, demzuliebe man aber den Ländern auch nicht alle Rechte nehmen könne. Auseinandersetzung Bernhard- Klönne. Abg. Bernhard(Dein.) erwidert auf die Erklärung des Abg. Klönne vom Sitzlingsbeginn: Herr Klönne hat mich über feine Er- klärung nicht vorher unterrichten lassen, ich hätte sonst sofort er- widern können. Herr Klönne hat zugegeben, daß beim Frühstück auf der Villa Hügel über die Möglichkeit einer Reparationskrisc ge- sprachen worden ist und daß Dr. Schacht Herrn Thyssen die schweren Folgen davon geschildert hat: jedoch soll— nach Herrn Klönne Dr. Thyssen nicht gesagt hoben:„Diese Krise brauche ich jetzt". Zch holte meine Angaben In vollem Umfang ausrecht. Bereits mehrere Tage vor meiner Rede am 6. d. M. habe ich die ?leußerung Thyssens in der„Vossijchen Zeitung" berichtet. Dr. Thyssen hat aber bisher sich nicht dazu geäußert, sondern sich der -Immunität des Abg. Klönne bedient, der sich zum Sprachrohr persönlicher Verdächtigung gemacht hat. Wünscht Dr. Thyssen Klär- heit, so kann er die„Voss. Ztg." verklagen, und dann werde ich von meiner Immunität keinen Gebrauch machen, oder kann mutig öffentlich die Behauptungen seines immunen Mandatars wiederholen, dann werde ich ihn verklagen. In beiden Fällen wird durch die eidliche Vernehmung der Teilnehmer an den Essener Zu- sammenkünstsn die Wahrheit festgestellt werden— jedenfalls besser, als durch die einseitige Erklärung eines Abgeordneten, der die— von mir gar nicht angegriffene— Ehre der Schwerindustrie höher stellt, als die Ehre der Mitglieder dieses Hauses. Abg. klönne(Dnat.) behauptet. Bernhard verschiebe die Sache. Cr, Dr. Klönne, habe Bernhard schwere Schädigung der deutschen Interessen vorgeworfen(Stürmische Rufe links: Hugenberg!) und Bernhard Gelegenheit gegeben, sich von diesem Borwurf zu reinigen. Bernhard habe diese Gelegenheit jedoch nichr benutzt. Abg. Bernhard(Dem.): Ich habe diese Gelegenheit so benutzt, wie ich es für nötig gehalten habe. Es bleibt bei dem, was ich ge- sagt habe. Ob Klönne und Hugenberg mich für einen Schädiger des Vaterlandes holten oder nicht, ist mir vollkommen gleichgültig. Präsident Löbe: Abg. Klönne zur persönlichen Bemerkung— (Abg. Klönne: Ich verzichte!) Um IV* Uhr wird die Weiterberatung auf heute Mittwoch 11 Uhr vertagt. Aus den Neichstagsausschüffen. Der Geschäftsordnungsausfchuß beschäftigte sich am Dienstag mit Genehmigungen von Strosversohren U. a. wurde mit Mehrheit beschlossen, in sechs bis sieben Fällen die Vorführung und Verhaftung des nationalsozialistischen Abg. S t r a s s e r zu genehmigen, der in Gerichtsterminen, die wegen Beleidigung durch die Presse angesetzt waren, unentschuldigt ausgeblieben ist. Der Handelspolitische Ausschuß wollte sich am Dienstag mit den Anträgen auf Erhöhung der Mehl- und Fleischzölle, der Getreide» und Futtermittel» zölle, des Butter- und Kartoffelzolls beschäftigen. Do aber gegenwärtig auch die Beratungen des von der Reichs- regierung berufenen Sachverständigenausschusses stattfinden, so per- tagte sich der Ausschuß für Handelspolitik, bis Borschläge der Soch- verständigen vorliegen. Der Handelspolitische Ausschuß dürfte da- her erst End« dieses Monats übet die Zölle beraten. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß-, der die Be- l i e f e r u n g der Wirtschaftszentralen den genossenschaftlichen Zen- tralverbände mit Kohlen behandelte, nahm folgende Anträge noch längerer Aussprache an: Zunächst wurde ein sozialdema- krati scher Antrag angenommen, der dem§ 63 der Ausführungsbestimmungen zum Kohlenwirtschastsgesetz folgende Fassung gibt:„Der Reichskohlenverband sorgt dafür, daß die Vereinigung der Verbrauchsgenossenschasten die von ihnen benötigten Mengen.zu den gleichen Preisen und Lieferungsbedingungen erhalten wie der Handel: die Einhaltung von Mindestpreisen dürfen chnen nicht auf- erlegt werden."'Alsdann wurde noch folgender Zentrumsan- trag angenommen:„Die Reichsregierung wird ersucht, dahin zu wirken, daß 1. den Wirtschaftszentralen der genossenschaftlichen Zentraloerbände von den Syndikaten der Kchlenwirtschaft die Mengen an Steinkohlen und Braunkohlenbriketts zugeteilt werden, die zur Deckung des eigenen Bedarfs der angeschlossenen Genossenschaften erforderlich sind, sofern nicht durch Minderproduktion eine Kürzung erfolgen muß: 2. daß die Gleichstellung der genannten Wirtschafts- zentralen mit dem privaten Großhandel restlos durchgeführt und denselben für ihre Bezüge an Stein- und Braunkohlenbriketts für gewerblich« Zwecke der Industriepreis eingeräumt wird." 11. August Feieriag in Hessen. Deutsche Volkspartei stimmt dagegen. Darmstadt. 11. Juni(Eigenberich:). Der Gesetzgebungsausschuß des Hessischen Landtages hm mit den Stimmen der Regierungsparteien gegen die Stimmen der Deutschen Voltspartet und des Landbundes folgenden Gesetzentwurf der hejsischen Regierung angenommen: Artikel 1. Der Ve sassungstag(11. August) ist staat- lich anerkannter Feiertag und Festtag im Sinne des Artikels 139 der Reichsversassung sowie der sonstigen reichs- und landesrechtlichen Vorschriften. Artikel 2. Am Lerfassungstage stich alle öffentlichen Gebäude in den Reichsfarben zu beflaggen. In allen Schulen sind für Lehrer und Schüler verbindliche, der Be- deutung des Tages entsprechende Feiern zu veranstallen. Fällt der Vexfassungstag in die Schulferien, so sinden diese Gedenkfeiern frühestens acht Tage vor Schluß oder spätestens 14 Tage nach Wiederbeginn des Unterrichts statt. Artikel 3. Das Gesetz tritt mit seiner Lerküichung in Kraft. 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Die Kämpfe um die Organisation einer Ferngaswirtschast, die immer stärker zu einem Kampf zwischen öffent- licher und privater Wirtschaft werden, sicherten den Tagungen des Verbandes im letzten Jahr das steigende Interesse der Oeffentlichkeit. Die Borträge der Iubiläumstagung gaben im Zusammenhang mit der großen gegenwärtigen Berliner Ausstellung einen deutlichen Einblick in die Probleme. Entwicklung und Bedeutung der Gaswirtschaft umriß Oberbau- direktor Dr. Ludwig von der Berliner Städtische Gaswerke A.-G. Seit 1859 ist im Lauf« von 70 Jahren in Deutschland der Gas- verbrauch von 45 auf 3660 Millionen Kubikmeter gestiegen: 128 Millionen Mark Arbeiterlöhn« werden In den an sich nicht arbeitsintensiven deutschen Gaswerken gegenwärtig aus- gezahlt. Di« Zukunft der Gaswirtschaft liege nicht mehr im Leucht- zweck, sondern auf dem Gebiet der Wärmeerzeugung sür Hau» und Industrie. Die Absatzsteigerung in dieser Richtung mache die Technik der zweckmäßigen Verteilung, den Kundendienst und die Verbesserung der häuslichen und gewerblichen Gasgeräle zu wichtigen Zukunfts- ausgaben. Di« Brounkohlenverschwelung und ihre praktische Durchführung in der Gewerkschaft Friedrich und der Braunkohlen- schwclkraftwerk Hcssen-Frankfurt a. M. A.-G.. von dxr man trog vorübergehender Verluste immer noch einen vollen Erfolg erwartet, behandelte ein Betriebsdirektor dieser Gesellschast. Das Ziel ist die völlige Veredelung der Braunkohle in einem Betriebsprozeß, wobei Teer, das Hauptprpdukt und die Verkuppelung der Teer- erzeugung mit der Erzeugung elektrischer Kraft charakteristisch seien. Rebenprodukte sind Schwelgas für Heizzwecke und eventuell zur Gasversorgung. Benzin und Grudekoks. Es ist bekannt, daß mehrere prioatkapttalistifche Unternehmungen, darunter auch die AEG., bei ähnlichen Versuchen zunächst erhebliche Verluste zu verzeichnen hotten und es wäre zu wünschen, daß die Versuche Hessens und der Stadt Frankfurt endgültig erfolgreich wären. Die sehr wichtige Frage der Entgiftung des Gases wurde von Dr. Kemmer von den Berliner Städtischen Gaswerken behandelt. Eine interessante Statistik der Berliner Gaswerke zeigt, daß in Groß-Berlin im Jahre 1927 bei Tötungen durch Un- glücksfäll« von rund 1800 Tötungen 122 durch Einatmen von Leucht- und Kochgas erfolgten, und daß von insgesamt 1ö3öS«lb st morden 589 durch den Gastod erfolgten. Natürlich, daß angesichts so hoher Prozenziffern die Entgiftung des Gases ein ernstes Problem ist. Die Entgiftung des Gases sei technisch nun zwar durch Verflüssigung des giftigen Kohlen- o x y d s möglich, die wirtschaftliche Lösung des Problems erfordere aber noch sehr umfangreich« und kostspielige Versuche, so daß man sich über die praktische Durchführbarkeit der Entgiftung zunächst noch kein« Illusionen machen dürfe. Die Frage des Gaspreises, der Gastarise und ihres Zusammen- hange? mit der Absatzsteigerung behandelte der in den Fachkreisen sehr geschätzte Direktor Dr. Nübling von Stuttgart. Die heutigen Durchschnittserlöse pro Kubikmeter schwanken zwischen 9,2 Pf. in Gevelsberg und 34,2 Pf. in Wollin Die Schwankungen sind also sehr beträchtlich. Berücksichtigt man aber nicht die Zahl der Gaswerke, sondern die abgegebene Gasmenge, so komme man zu einem Durchschnittserlöe von 15 bis 18 Pf. je Kubik- meter. Je kleiner die Gaswerke, desto schlimmer für den Kon- sumenten. Das sei die Lehre. Der Krundgebührentarif(für die festen Kosten) neben dem Arbeitstarif sei heut« bei 66 Prozent der Gaswerke«ingeführt. Die Senkung der Gaspreise müsse nach dem Grundsatz steigender Umsatz und kleinerer Nutzen das Ziel fein. Die finanziellen Abgaben der Werke an die Kommunen ielen in dem Sinne eine Gefahr, als sie die Ausdebnung de» Gas- Verbrauchs und der bequemeren Heiz- und Wärmewirtschaft behindert. Die katastrophale Kälte diese, Winters hat die Frage, wie Rohrbrüch« und Gasentweichungen verhindert werden können— behandelt von Direktor Schäfer-Jngolstadt—. wieder aktuell gemacht. Neben sorgfältiger Rohrverlegung Verwen- dung geeigneten Materials und der planmäßigen Prüfung der Leitungen auf Dichtigkeit und Sicherheit sei die dauernde Information aller Interessenten, die den Straßenkörper nebeneinander zur Leitungsführung benötigen, erforderlich.(Unterirdische„Grundbücher".) Nur wenn jedem Interessenten das Ausmaß und das Bild der unterirdischen Straßenbenutzung durch andere bekannt sei, könnten jene Bodenverlagerungen vermieden werden, die oft die Ursache für Gasentweichungen seien. Der dritte Tag der Tagung ist insbesondere wassertechnischen Fragen gewidmet, die sür die Versorgung der Großstadtbevölkerung heut« von immer größerer Bedeutung werden. Elektro-Amerika als Wettmacht. Aus Owen �oungs und Pierponi Morgans Werkstatt. Seit etwa drei Jahren hört man Monat für Monat von neuen Eroberungszügen des amerikanischen Finanzkopitals in der Elektrizitätswirtschaft aller Erdteile. Ueberall kaufen amerikanische Kapitalgruppen Elektrizitätsgesellschoften aus, bald in Argen- t i n i e n. bald in Brasilien, bald in Peru, bald in Mittelomerika, bald in China. Auch an einer Reihe europäischer Elektrizitätsgesellschaften hat sich amerikanisches Kapital in der letzten Zeit immer stärker beteiligt, vor allem an italienischen, französischen und englischen Gesellschaften. 3n diesen Eroberungszügen liegt ein System. E» sind nicht irgendwelche Spekulationsgruppen, di« sich hier rentable Anlagewerie sichern wollen, sondern es handelt sich um amerikanische Finanzierungsgesellschasten, die durchweg den führenden Unternehmungen der amerikanischen Elektroindustrie sehr nahestehen. Die Hauptrolle fällt dabei der Electric Bond and Share Co. zu sowie deren Untergesellschast, der American and Foreign Power Company(Amerikanische und ausländische Kraft» gesellschast). Der Sinn dieser Beeinflussung ist es, der Elektro- industri« der Vereinigten Staaten die zu erwartenden großen Aufträge der ausländischen Elektrizitätsgesellschaften zu sichern. Dier ersten Früchte dieser Eroberungszüge liegen offenbar jetzt schon vor, obwohl di« inzwischen verstrichene Zeit noch recht kurz ist und die amerikanischen Erwerbungen eine Polttik aus lange Sicht bedeuten. Aber ganz zweifellos hängt«s mit der erwähnten Jnteressenausdehnung bereits zusammen, wenn der amerikanische elektrotechnische Export im ersten Vierteljahr des Jahres 1929 den des Vorjahrs um nicht weniger als 40 Proz� übertroffen hat. Während die Vereinigten Staaten in der Zeit vom Januar bis zum März 1928 für 23,5 Millionen Dollar Elektroprodukte ausführten, waren es in derselben Zeit dieses Jahres berests 35,7 Millionen Dollar. Das würde einer Jahresaussuhr von fast genau 600 Millionen Mark ent- sprechen. Was diese Ziffer bedeutet, wird klar, wenn wir hinzu- fügen, daß der amerikanisch« Export etektrischer Maschinen und Apparat« im letzten Vortriegsjahr nur etwa 112 und im Jahr« 1925 etwa 350 Millionen Mark betragen hatte. Nun ist die Lieferung elektrischer Maschinen ein Geschäft, das sich von sonstigen Ausfuhrgeschäften erheblich unterscheidet. Zur „Elektrifizierung", d. h. zur Anlegung von Kraftwerken und Fernleitungen, zur Umstellung von Eisenbahnen aus elektrischen Be- trieb, zur Anlegung und Modernisierung von Telephon- und Tele- graphenanlagen, zur Umstellung des Telephonwesens auf auto- matischen Betrieb usw. gehört Kapital, über das die meisten übrrseeischen Länder nicht in ausreichendem Maße verfügen. Indem amerikanisches Kapital diese Elektrifizierungsarbeilen sinanziert und ermöglicht, sichert es nicht nur der amerikanischen Elektroindustrie die entsprechenden großen Austräge, sondern verschafft zugleich den Amerikanern zumeist einen dauernden Einfluß auf diese lebenswichtigen Unternehmungen im Ausland. Die Grobmachl General Electric Company. Hauptsächlichster Führer und zugleich Nutznießer dieser Ent- wicklung ist der' größte Elektrokonzern der Vereinigten Staaten, nämlich die amerikanische General Electric Company. Diese Gesellschast arbeitet mit einem Kapital von 180,3 Mil- Honen Dollar Stammaktien und 42L Millionen Dollar Vorzugs- aktien, zusammen also über 223 Millionen Dollar oder rund 940 Mil- lionen Mark. Außerdem verfügt der Konzern über«inen„Surplus", d. h. ein« Reserve in Höhe von 132,7 und über eine fernere„gesetz- liche" Reserve von fast 34 Milliotten Dollar. Das Arbeite- kapital der Gesellschaft Überschreitet somit bei eit«« anderthalb Milliarden Mark. Besonders in der letzten Zeit ist die Steigerung des Auftragseingongs der General Electric Co. auffallend groß gewesen. Die Aufträge betrugen im Jahr« 1926 rund 327 Mil- lionen Dollar, sanken 1927 auf 310 und hoben sich 1928 auf fast 354 Millionen Dollar; und während Im ersten Vierteljahr 1928 für fast 80 Millionen Dollar Aufträge«inliefen, waren es im ersten Vierteljahr 1929 bereits mehr als 101 Millionen Dollar. Ganz offenbar hängt dies« vermehrt« Beschäftigung bei der General Electric mit der oben von uns genannten Steigerung der amerika- Nischen Elektroausfuhr aufs engste zusammen. Dies ist jedoch erst der Anfang der zu erwartenden Ent- wicklung. Die General Electric beschränkt sich nämlich keineswegs darauf, nur in den Vereinigten Staaten zu fabrizieren, sie verfügt über ein großes Netz ausländischer Zabrikationsgesellschaften und Beteiligungen, deren Umsätze in den genannten Ziffern nicht enthalten Md. So kontrolliert zum Beispiel di« General Electric in Frankreich die Thomson-Houston-Gesellschoft, den größten elektrotechnischen Konzern Frankreich», in England ist sie beteiligt an der Associated Electrica! Industrie,, ebenso auch an der englischen General Electric, d. h. den beiden größten elektrotechnischen Kon- zernen Englands. In Deutschland verbindet di« General Electric ein enges V e rt r a g s v e rhäl t n i» mit der AEG. Ferner ist sie auch an italienischen und japanischen elektrotechnischen Großunternehmungen beteiligt. Und vor kurzem erfolgte der Abschluß eines Jnteressengemeinschafts- Vertrags mit dem Elektrotrust der Union der Sowjet- r e p u b l i k e n. Eine Aufzählung sämtlicher sür die amerikanische General Electric in der ganzen Welt arbeitenden Fabrikatton»- und Vertragsgesellschaften ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn e» handelt sich um eine Liste von nicht weniger als 50 Firmen. Der A r b« i t e r z a h l nach ist di« General Electric etwas kleiner als der Siemens-Konzern, und möglicherweis« ist der Siemens-Konzern auch heute noch hinsichtlich seiner Produktion größer als ihr amerikanischer Konkurrent. Andererseits sseht hinter der amerikanischen Gesellschaft«In« unvergleichlich größere F i n a n z m o ch t. Die General Electric ist von jeher mit dem Bankhaus I. P. Morgan u. Co. aufs engst« verbunden ge- wesen. Und für all« Expanstonsmaßnahmen der Gesellschaft selbst wie auch der erwähnten großen Finanzierungsgesellschaften stehen Geldmittel in jeder gewünschten Höhe zur Verfügung. Hochbetrieb bei den Horchwerten. Die Horch-Automobilwerke in Zwickau, die schon in den letzten beiden Jahren einen bedeutenden Ausschwung genommen haben, konnten in den ersten sieben Monaten des lausenden Ge- schäftsjahres 1928/29 ihre Umsätze um rund50 P roz. gegenüber der entsprechenden Zeit de» Vorjahres st e i g e r n. Diese Ent- wicklung sst angesichts der durch die Kälte verspätet eingetretenen Frühjahrssoison besonders bemerkenswert. Wie die Verwaltung noch mittellt, hat die Rationalisierung in den letzten Monaten iveitere Fortschritte gemacht, so daß mit dem Abbau der teueren Nachtschicht begonnen werden tonnte. Auch der gegenwärtig« Ein- gong neuer Austräg« ist durchaus befriedigend. Fast 6 Milliarden Spareinlagen in Preußen. Das preußisch« Stattstisch« Landesamt meldet für da, erste Vierteljahr 1929 eine Zunahme der Spareinlagen um 578,2 Millionen Mark: da» ist gegenüber dem letzten Quartal 1928 eine Steigerung um 11 Proz. Die sechst, Milliard« ist damit allein für Preußen beinah« erreicht. Verlin«Gubener Huikonzern. In ffinfIattren 130 proz. des Kapitals verdient. Di« Klagen der deutschen Hutindustriellen über die wachsende Verteuerung der Arbeit und ihre schweren Opfer beim Export stehen in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Blüte dieser Industrie. So kann die Berlin-Gubener Hutfabrif A.-G., der stärkste Hutkonzern in Deuischland, für das Betriebsjahr 1928 wieder 16 Proz. Dividende wie in den beiden Vorjahren zahlen und hast sich mit seiner Rentabilität nach wie vor an der Spitze der gesamten deutschen Textilindustrie. Die Gewinne, die dieses Unternehmen seit der Stabilisierung der Mark in den letzten fünf Jahren erzielte, kommen aber in den Dividenden nur sehr unvollkommen zum Ausdruck. Seit 1924 wurden Jahr für Jahr von dem ausgewiesenen Reingewinn Rückstellungen für Sonderabschreibungen, Sonderreserven und sonstige Fonds vorgenommen, die insgesamt mindestens 1,33 Millionen ausmachen. Das Unternehmen hat in den letzten fünf Jahren nur an dem in der Bilanz ausgewiesenen Reingewinn gemessen, der vorweg schon durch geheime Abschreibungen gekürzt ist. rund 130 Proz. seines gesamten Kopitals von 6.2 Mil- lionen verdient. Dieser Ertrag entspräche einer jährlichen D u r h- ! schnittsdioidende von 26 Prozent. Außerdem war die Gesellschaft in der Lage, die gesamten Kosten 1 sür die Umstellung der Werke und Erneuerung des Maschinenparks aus lausenden Gewinnen„über Betrieb" zu be- zahlen. Auch der im Jahre 1925 ausdrücklich zur Finanzierimz der Betriebsumstellung eingerichtete Disposstionsfonds, der aus zu- rückgestellten Gewinnen bis auf 500 000 M. aufgefüllt wurde, braucht« mit keinem Pfennig in Anspruch genommen zu werden Weiterhin ist der gesamte Maschinenpark, der vor der Rationalisierung der Betriebe im Jahre 1924 mit 1,17 Mill. M. bewertet wurde, jetzt trotz des bedeutenden Wert- zuwachse» durch die neuen Maschinen bis auf eine Mark heruntergeschrieben worden, so daß auch an dieser Stelle ein« sehr krästig« Polsterung vorgenommen wurde. Die Direktion dieses blühenden Unternehmens hätte also alle Ursache, in di« üblichen Unternehmerklagen über die soziale Belastung und Lohnhöhe n i ch t mit einzustimmen. Da sie dies aber in ihrem sonst sehr dürstigen Geschäftsbericht sehr ausgiebig besorgt, wird sie sich auch nicht wundern können, wenn ihre 3500 Mann starke Beleg- schaft ihr durch kräftigste Wahrung ihres Klasseninteresses die ent- sprechende Antwort gibt._ Gute Konjunktur bei Harpen. Icierfchichten nicht mehr notwendig. Di« Harpen«? Bergbau A.-G., das größte reine Z«chenuntern«hmen in Deutschland, hat in der gestrigen General- Versammlung die Heraussetzung des Aktienkapitals um 10 auf 110,3 Millionen Mark beschlossen. In seinem Geschäftsbericht für 1928, der im April verösf«ntlicht wurde, hat di« Gesellschast die Lage des Ruhrbergbaus schwarz in schwarz gemalt und die Dividendenzahlung d e m o n- st ratio ausfallen lassen. Jetzt war von der Berwallung schon eine ander« Tonart zu oernehmen. So erklärte der Leiter des Konzerns, Generaldirektor Fickler, daß die Zechen zurzeit so gut zu tun hätten. daßkttneF«ierschichtenmehreing«legt zu werden brauchen. Die allgemeine gegenwärtige Lag« im Bergbau sei günstig«? zu beurteilen als zu gleicher Zeit de» Vorjahres. Berücksichtigt man hierbei, daß dl« Konjunktur im deutschen Bergbau im Früh- jähr 19 28 noch verhältnismäßig stark war und erst an.einigen Stellen abbröckelt«, so kann man demnach gegenwärtig von einer recht kräftigen Kohlentonjunttur in Deutschland sprechen._ Mißstände im Kreditwesen. Di« Hermes-Kreditver. sicherungsbank A.-G. Berlin macht in ihrem Geschäftsbericht für 1928 beachtenswerte Ausführungen über die im Kreditwesen eingerissenen Mißstände. Zunächst weist der Dorstandsbericht darauf hin. daß viele Zusammenbrüche und Zahlungseinstellungen privater Unternehmungen in der letzten Depressionszeit dztrch die eigene Schuld der Unternehmer ent standen sind. Viel« Firmen hätt«n es nicht verstanden, ihre auf großen Umsatz ein- gestellten Betriebe rechtzeitig den Erfordernissen ,d«r abflauenden Konjunktur anzupassen, so daß schwere Verschuldung die Folge war. Auch sei der alte kausmönnisch« Grundsatz von Treu und Glauben vielfach in bedenklicher Weis« ins Wanten g«. raten, was sich in jahrelang falsch aufgemachten Bi- tanzen und der Herumerwirtschastung alter Unternehmungen zeig«. Besonder» sei daraui hinzuweisen, daß die höchst g e s ä h r- lichen Gefälligkeitswechsel in der letzten Zeit einen beängstigenden Umfang angenommen hätten Di« Ueberspannung de» Warenkredites habe dazu geführt, daß die Ver- käitser Bankiers ihrer Kunden geworden seien, ohne jedoch die Vorsichtsmaßregel eines Bankiers zur Sicherung des Kredites anzuwenden.— Das Unternehmen zahlt aus einem Reingewinn von 0,42 gegen 0,35 Millionen Mark wieder 12 Proz. Dividende wie im Borjahr. Do» Treiben gegen den Sachverständigenausschuß sür die Getreidewirtschaft, der vom Reichskabinett kürzlich eingesetzt worden ist, wird fortgesetzt. Der Sochverständigenausschuß hat in seiner Sitzung am 10. Juni einen Antrag, Mitglieder aus den Kreisen des GetreiV«hand«ls und der Müllerei zuzuwähien, ab- gelehnt. Daratft haben der Verband der Getreide- und Futtermiitel- Vereinigungen Deutschlands, der Reichsbund des deutschen Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und der Berein deutscher Handelsmüller protestiert. Sie erklären, daß sie zwar die vor- gesehene Vernehmung von Sachverständigen aus ihren Kreisen nicht ablehnen werden, daß aber jedes Ergebnis der Ausschuß- beratung dem Vorwurf der Einseitigkeit begegnen wurde. Diesen Jnteressentenvorwurs werden Reichskabinett und Goch- verftändigenausschuß wohl mit Würde zu ertragen wissen. Das internationale Zinkkartell aus ein Zahr verlängert. Das europäische Zinkkartell. dessen Vertrag am 30 Juni diese» Jahres ablaust, hat auf der in Paris abgehaltenen Kartell- sitzung den Vertrag um ein Jahr verlängert. Die ver- einbarte Produktionsdroiselung wird soweit gemildert, daß bei Ucberschreiten des Zinkpreises von 2? Pftind Sterling(540 M.i die Vroduktionsbeschränkung fortfällt. Sie tritt jedoch wieder in Kraft, wenn entsprechende Preisrückschläge auf dem Weltzinkmarkt eintreten oder wenn die europäischen Zinkoorräte die 30 OOO-Tonnen- Grenze überschreiten. Das GesundheS's- wasserl Fiehinger Versandstelle, Berlin SV il SebOneberger Str. Ii«. Tel. Lfitzow 8260-41 Mittwoch 12. 3uni 1929 Unterhaltung unö AAissen Beilage des Vorwärts Stam Sranck: JßcbCtl (Schluß.) Während der Nacht— seine Tochter Daraja war, den Schlaf de» Baters zu hüten, als einzige im Jnnmer— beschrieb Genera! P. die Sch cksalsblätier, faltete sie, warf sie in die Urne. Gegen Morgen oersiegelte er die Urne mit eigener Hand. Nachdem er sich sorgsam vergewissert hatte:„Bier!" Eine Stunde später riß den Präsidenten der Schrei:.Einen erschießen! Hört doch: Nur einen!" aus dem Schlaf. Er stützte sich hoch. Griff nach seinem Herzen. Sank hintenüber. Als die Aerzte auf Damjas Rufen aus dem Vorzimmer ans Bett gelaufen kamen, tonnten sie zum Beginn und zum Beschluß ihrer in sämtliche Windrichtungen auseinanderstiebenden Reden alle nur'das gleich« Wort sagen: Tot!-- Nicht am Mittag dieses Tages, wie General P. bestimmt hatte. wohl aber eine Woche später, fand die Auslosung des einen Ver- schwörers statt, der den tödlichen Dolchstoß durch den Verlust seines Leben» büß«n sollte. Vor der Wand des Serichtsgebäudes war eine Tribüne errichtet, welche Soldaten von dem Volk abtrennten, das rielhundertköpfig auf dem Marktplatz wogte. Nach Verkündigung der letztwilligen Verfügung des einem sllichwürdigen Verbrechen zum Opfer gefaNenen Präsidenten trat ter Aeltcste der Verschwörer an die Urne, deren Staatssiegel vor der Oeffnung von sämtlichen Amtspersonen auf der Tribüne un- ta'elig befunden wurde, zog sein Los, gab das Blatt dem obersten Richter; der entfaltete es und rief über den Markt hinweg:.Lebenl" Der Zweitälteste zog—:„Lebenl" Der dritte—;.Leben!" So war dos Urteil gefallen. Für den Jüngsten lautete es:.Tod!" Man bedeutete ihm, daß er zu der Urne gehe und sich von dem letzten darin befindlichen Blatt bestätigen lasse, was er, was jeder seiner Richter, was das Volt wisse: Tod! Carriazzo— so hieß der jüngste der Verschwörer— blieb stehen, schüttelte den Kopf: Wozu noch lesen, was er gleich allen wußte? Damit sein imabänderliches Schicksal sich schnell erfülle, winkte er den Soldaten, daß sie zur Tribüne heraufkämen und an ihm vollbrächten, was man ihnen befehle. Aber im selben Augenblick, da er freien Willens zur Wand schreiten wollte, vor der«s galt, als Letztes den Satz:„Es lebe die Freiheit!" auszurufen, rief aus der Menge herauf eine Frauen- stimme:.Liehen!" Und während dies« Frai�nftimme— silber- umschäumt wie sonnbeglänzte Möwenflügel— sich aufschwang, höher, immer höher stieg, im Blau verschwand, in die Himmelshelle «inging, rief in Carriazzo, dem todgewillten, jede Fiber:„Geben!" Obwohl es unsinnig war— denn Tod. noch und noch Tod enthielt sie für ihn— ging er doch auf die Urne zu, griff hinein, riß das letzt« Blatt heraus, entfaltete es, und zur selben Sekunde jauchzte sein Mund:...Leben!" Er lief mit dem Blatt zum obersten Richter. Der mußte bestätigen: Leben! Di« anderen Richter stellten fest: Leben! Alle auf der Tribüne, zuletzt die drei Mitoerschwörer, stellten fest, bestätigten, jauchzten: Leben! Man prüfte die Urne— leer! Man prüft« die Blätter der anderen drei Verschwörer— Leben! Von der Hand des toten Präfidenten geschrieben: Leben! Also hatte General P. in der Todesnacht seinen Willen geändert und als letztes Wort aus seinem Strrbezimmer das Gnadenwort Leben hervorgehen lasten? Aber wann je hatte General P. seinen Willen verworfen! Mithin blieb nur die Erklärung: Betrug? Aber das Staatssiegel war— Dutzend« von Augen hatten es festgesteltt— unverletzt gewesen! Da erinnerte man sich, daß jemand in der Menge, als der Jüngste sich weigerte, an die Urne zu treten, .Liehen!" gerufen hatte. Aus wessen Mund kam dies« Stimme? Di« Ruferin— denn aus einem Frauenmund war sie hervor- gegangen— konnte das Rätsel lösen. Sie allein! Wer hatte .Liehen!" gerufen? Wer? So stand bald hernach neöen dem jüngsten der Verschwörer— Angeklagte und Verteidigerin zugleich— Daraja auf der Tribüne und bekannte: Während des Schreibens habe ihr Vater sie plötzlich gefragt, wieviel Blätter schon in der Urne lögen. Drei wären es gewesen. Sie habe jedoch„Zwei!" antworten müsten. Vor einer Woche hätte sie nicht gewußt, warum sie gegen ihren Willen Handel«. Seif ihrem Schrei über die Köpfe der Menge hin aber wisse sie um den geheimen Sinn ihres Tuns. Nicht: Tod! sei der Sinn des Lebens, sondern: Leben! Als ihr Vater— wie sie nun erkenne: vor Erschöpfung, nicht, wie sie in der Nacht geglaubt: vor Müdigkeit— eingeschlafen sei, habe sie eines der fünf Blätter, das, auf welchem von seiner Hand„Tod!" gestanden hätte, au» der Urne genommen und vernichtet. Der Himmel sei mit ihr im Bunde gewesen. Am Morgen vor der Versiegelung habe der Vater nur gezählt: Merl ohne die Blätter zu entfalten. Darum habe sie, als der jüngste unter den vieren gezaudert hätte, sein Los aus der Urne zu nehmen, ruf«n müssen:.Liehen!" Denn sie glaube und oll«, dort unten— hoffe sie— würden mit Ihr glauben: Nicht auf eigenes Geheiß, nicht aus Vermeflenheit habe sie gehandelt, sondern als gehorsam« Dienerin ewigen Willens. Trotz dieses Anrufes bezeigten die Richter nicht übel Lust, nun, da der letzte Will« des ermordeten Präsidenten, das Verbrechen an ihm durch Tod zu sühnen, nicht in der bestimmten Form ausgeführt werden tonnte, zur Durchführung d«r einwandfrei ange- ordneten Sache alle vier Verschwörer an die Wand zu stellen und niederknallen zu lassen. Doch sobald das Volt aufschäumte wie sturmgcpeitschtes Meer und sie gewahrten, daß mit den Verschwörern sie selbst verloren seien, bestätigten sie den Spruch der Urne: Alle vier durch handschriftliche Anerkenntnis des verewigten PrSsi- denken P. begnadigt. Als diese Worte vom Jubel des Volkes zerfetzt waren, ging Carriazzo auf Daraja zu, nahm sie bei der Hand und schritt mit ihr durch die Menge hin. Di« tat sich vor ihnen auf, die schloß sich Himer ihnen, wie sie überoll vor, hinter ungemeinem Geschick sich geöffnet, geschlossen hat. Da man,«inen Monat später, in gedachter südamerikanischer Republik die Vorbereitung der Dahl de» neuen Präsidenten begann, rief«» viele:„Carriazzo! Carriazzo!" Aber alles Rufen war umsonst. Carriazzo wußte nicht mehr um Präsident und Republik, um ver- rottung Verwaltung, um Öffentliches und nichtöffentliches Wohl, um Unterdrückung und Aufstand, um Unrecht und Selbsthilf«. Sein Leben hatte nur noch einen Sinn: Leben! 71. Aranyosi;£*iii UHuseum int drrenltatise Tief ist die menschlich« Seele und unerklärlich ihre Geheimniste. Und zahlreich sind die wissenschaftlichen Werke, die uns einen Blick in die Berirrungen und Wirrniste der Seele gewähren wollen. Man sagt, diese wissenschaftliche Forschungsarbeit hätte unserem Ver- ständnis den erkrankten Menschengeist und die Ertrankung der Seele nähergebracht. Und doch, die drei Zimmerchen, die in dem Irren- hause von Angyalföld, einem Vorort von Budapest, vor kurzem als Museum«ingerichtet worden sind, aus der Sammlung des Chefarztes des Jrrenhauses, Dr. Ar päd Selig, geben uns mehr Aufschluß über das Leben und Treiben der Geistesgestörten als ganze Bibliotheken von Theorie. Eine neue und grausame Welt eröffnet sich dem Besucher in den Glasschränken, di« den Querschnitt dessen enthalten, was sich hinter den gelben Mauern und Gitterstäben, in den Zellen der Kranken abspielt. E» befinden sich darin Gegenständ«, auf den«rsten Blick unerklärlich und uninteressaM: Schlüssel. Schlüsselabgüsse, Scheren, Sägen, Meißel, F«ilen. Messer, Schneiden, mühsam aus einem Lösfelstiel gefeilt. Man würde sie kaum eines Blicke» würdigen. wenn die erklärend« 2lufschrist an ihnen uns nicht sagen würde, wozu sie gedient haben. Diese lächerlich harmlosen Gegenständ« wurden plötzlich gefährliche Waffen, mit denen die Kranken sich oder anderen zu Leib« gehen wollten. Wie sie in ihren Besitz gekommen sind, tonnte nie ermittelt werden. Meist wissen selbst dl« Kranken nicht, wo sie sie hergenommen haben. Auf jeden Fall nimmt der Mordgedante ein« wichtige Stelle in dem Leben der Kranken«in. Diejenigen Irren, die sich mit den Fluchtmögiichkeiten beschäftigen, haben noch eine schwache Erinne- rung an die Außenwelt, die sie nicht in Ruhe läßt Sie haben Ver- langen nach ihr, ob sie nun gut oder schlecht zu ihnen war. Und unter tausend Gefahren versuchen sie immer wieder und wieder di« Flucht. Manchen gelang es auch: die Bettlaken hatten sie zu einem Strick gerollt, zusammengeknüpft unh durch das Fenster das Weite gesucht. Jetzt kommt man zu einem Schrank, wo man unter kleinen Taschenmessern und rostigen Nägeln die Schmuckgegenstände der Irrsinnigen sieht. Sie muten sonderbar an. Man erinnert sich plötzlich an die Kaiser und Könige der Irrenanstalten, die man bis jctzl eher nur vom Hörensagen gekannt hat. Hier sind nun ihre „Kronen" ausbewahrt. Aus kleinen Knochenstückchen auf einem Faden aufgereiht,«in Kranz au» Hasenwirbeln, den der.Lerrfcher" immer auf dem Kopfe trug. Die Wände sind voll von Zeichnungen und Gemälden. Ein« ganze Kollektion von den Arbeiten de» verstorbenen, schicksal- geschlagenen ungarischen Malers Joseph Nemes-Lamperth wurde zu- lammengestellt, des ungarischen van Gogh der zu seinen Lebzeiten die größte Verheißung de» ungarischen Expressioni-mu, war. Jedes einzelne Gemälde Ist eine Sensation. Nichte zeugt an ihnen dafür, daß ihr Schöpfer vor ein paar Jahren«in unheilbarer Insasse diese, Instituts war daß viele von diesen Kunstwerken in dem Irren- Hause gemalt worden sind, und daß dieser geniole Irr« kurz nach ibrer Fertigstellung einem letzten Anfall erlag. Auch andere Kranke verbringen ihr« Stunden mit Zeichnen und Malen. Unter chne» auch«tu Buda pester Rechtsanwalt, der in seinem Geistes- und Seelenfieber sonderbare neue Formen und Farben fand. Ein dritter zeichnet« sentimentale Federzeichnungen in Biedermeierart, ein vierter, ein Patriot auch in seiner Krankheit, träumte bei dem Malen eines seiner Gemälde von dem großen ungarischen Erwachen Ein in dem Irrenhaus« gepflegter Astronom träumt sein ganzes Wissen in seine zum Denken zwingenden Zeichnungen hinein. Geisterhaste Bilder von dem Saturn, von den sonderbaren Gewässern des Neptun und der wundersamen Flora de» Mars sollen uns die fernen Erscheinungen der Sternenwelt offenbaren. Arabische Schriftzeichen unter ihnen deuten die Astrologie früherer Jahr- tausend« an.— Ein Marineoffizier beschämt mit seinen Schiffs- riefen alle Phantasie der modernen Technik. Auf seinen Gemälden bereist er märchenhaste Gegenden, die nur In seinem Gehirn existieren.— Ein kranker Arbeiter dämpft auf seinen Kr«id«zeich- nungen das Feuer der Kessel und mit seiner Handfläche deckt er die Oeffnungen der Fabrikschornstein« zu. Was er damit gemeint hat, was in seinem arw«n Gehirn vorging, fällt wohl nicht schwer zu analysieren.— ein anderer Künstler streut die nächtlichen Straßen und Kirchen mit Geistern voll, der Himmel sprüht Flammen, über Erden jagen Orkan« und grinsend« Furien, und irgendwo im Hinter- grund fechten zwei gepanzert« Ritter auf bulldoggenköpfigen Pferden einen furchtboren Kampf au». Und hundert und aber hundert andere Gemälde und Zeich- nungen sprechen hier von dem Leben des Irrenhauses und den Ge- danken und Gefühlen seiner Bewohner. In einer Ecke, sorgfältig aufbewahrt, liegt ein eigenartiges Flickwerk, ein schlichter Bretterrahmen mit Nägeln vollgeschlagen, von denen Bindfäden herunterhängen. Ein Polizist fand ihn in den Händen eines Mannes der am Ufer der Donau saß. Er bildete sich ein und wiederholte es immer: er hätte den vollkommenen Taucher- apparat erfunden, man sollte nur genügend Oxygen in die Bindfäden pumpen, und er könne ein Jahr damit unter Wasser bleiben.- Künstlerische Handarbeiten von geisteskranken Frauen ergänzen diese sonderbare Sammlung. Kleine Leinenläppchen mit Phantasie- gebilden, Häuschen und Vögeln vollgestopft, Figuren und Gruppen- bilder von zerkauten Papieren. Brotkrumen und aufgelesenen Lumpen geformt—, wüßte man nicht, wie sie entstanden sind, so würde man spielerische» Schaffen ernster Künstterhände vermuten. In dem letzten Zimmer sind die weißleuchtenden, anormalen Knochenschädel verstorbener Geistesgestörter aufgestellt. Daneben ärztlich« Präparate und eine lange Reihe von Epiritusflöschchen mit den darin aufbewahrten zerschnittenen, kranken Gehirnen. Zum Schluß erlebt man noch in einigen hier ausgestellten Rekonstruktionen und graphischen Darstellungen die eigenartig« Dehandlungsweise der Irrsinnigen in den vergangenen Zeiten. Es Ist gar nicht so lange her. daß man während eines Anfalls den tkronken an«inen Pfahl angebunden hatte. Noch früher hatte man ihn an die Bank eines tarussellartigen Gerüstes gebunden, das dann solang« mit wachsender Geschwindigkeit gedreht wurde, bis der„vom Teufel Besessene" in Ohnmacht siel, während der ihn„der böse Geist verließ". Aus dem Hof« de» Irrenhauses kehren stille Kranke die Wege de» Park«». SloffrcedifelsEenlrum im Gehirn Die beiden deutschen Professoren Grünthal und Gräfe haben bei ihren Gehirnforschungen«in« Entdeckung von npH nicht zu übersehender Tragweite gemacht. Es ist ihnen gelungen, im Zwischen- Hirn ein Zentrum für den wichtigsten Stof�oechsel aufzufinden. Schon fett Jahrzehnten ist bekannt, daß das Gehirn nicht nur der Sitz des Denkens und Fühlens ist. sonhern auch für den Stoffwechsel des Körpers ein« große Bedeutung besitzt. Bahnbrechend auf diesem Gebiete war der französische Physiologe Claude Bernard, der nicht nur die zuckerbercitende Tätigkeit der Leber und andere wichtige Swffwechselvorgänge entdeckte, fondern auch als erster durch ein« Verletzung des vierten Hirnventrikels auf künstlichem Wege Zuckerharnruhr hervorrief, wodurch er bewies, daß das Gehirn einen bis dahin ungeahnten Einfluß auf manche Stoffwechfelvor- gänge im Körper besitzt. Im Laufe der Jahrzehnte wurden in dieser Beziehung noch andere Feststellungen gemacht, die die Bedeutung des Gehirns für Fettverbrennung, für Körperwärme usw. betrafen, aber für den wichtigsten Stoffwechsel, insbesondere für die Menge des verbrauchten Sauerstoffes und der ausgeschiedenen Kohlensäure war«in Stosswechselzentrum im Gehirn trotz der umfassendsten Ver- suche nicht gefunden worden. Bei ihren Tierversuchen gingen die deutschen Forscher von dem Grundsatz au», ganz bestimmte Abteilungen im Jwischenhirn zu ver- letzen, um den Einfluß dieser örtlichen Stellen auf die wichtigsten Stoffwechselvorgänge, hauptsächlich auf die Gewebsaimung, zu prüfen. Sie benutzten dabei eine neue Methode, die sie bei ihrer Arbeit unterstützt«, indem sie nicht operativ vorgingen, sondern mit Hilfe von Höllensteinlösungen vom Gaumen aus AetzUngen der ver- schiedenen. Partien des Zwischenhirns vornahmen. Nach den vor- liegenden Berichten wurde dabei durch diese Höllensteinbehandlung stets nur die von den beiden Forschern beabsichtigte Verletzung der Zwischenhirnteile erzielt, so daß«ine Untersuchung der Folgen dieser Eingriffe mit völliger Sicherhett erfolg«» konnte. Dabei stellte«s sich heraus, daß das lange gesuchte, wichtigste Zentrum für d«n Stoffwechsel, nämlich di« Gewebsaimung, im Hinteren Teil des Zwischenhirns liegt, da durch«ine Verletzung dieser Partien «ine einschneidende Aenderung der wichtigsten Stoffwechselvorgänge hervorgerufen wurde. Durch langondauernde Messungen, die die verbraucht« Sauerstoffmenge und die ausgeschieden« Kohlensäure betrafen, wurde festgestellt, daß diese Funktionen um ein Drittel oermirchert waren und blieben. Durch di« Verminderung des gesamten Stoffwechsels, der eine Verringerung der Verbrennung hervorruft, wurde in zahlreichen Fällen bei den Versuchstieren eine krankhaft« Fettentwicklung fest- gestellt. Seit langer Zeit weiß man, daß dafür wichtige Organe im Körper, wie z. B. di« Schilddrüse, verantwortlich sind, ebenso, wie man weiß, daß für die Entstehung der Zuckerharnruhr eine Erkran- kung der Bauchspeicheldrüse als Ursache angenommen werden muß. Di« neuen Untersuchungen haben aber dargetan, daß auch das Gehirn für den gesamten Stoffwechsel des Körpers von größter Bedeutung ist. E» ist also«in innerer Zusammenhang der Tätigkeit des° ganzen Organismus festgestellt worden, der auch auf die bisher noch ziemlich wenig geklärte Frag« der krankhaften Fettbildung viel- leicht großen Einfluß haben dürfte. Es scheint, daß durch die neuen deutschen Forschungen ein neuer Weg für di« wichtigste Frage des Organismus, nämlich feinen gesamten Stoffwechsel, gefunden worden ist.___ Wuhdünger- yndiem Wohle Obgleich Indien soviel Kohl« erzeugt, daß es bereits eine gewisse Ausfuhr betreiben kann, wird doch im alltäglichen Leben dieser Brennstoff nur wenig verwendet, sondern der Hindu bedient sich sett altersher des getrockneten Kühdüngcre, der ihm reichlich zur Verfügung steht. Gibt es doch in Indien ISl) Millionen Kühe, von denen die meisten im Freien herumlaufen und sich sogar mitten im dichtesten Straßengewühl bewegen. Niemand darf diese Tempel- kühe fortjagen, denn sie gelten für heilig, und es wäre ein großes Derbrechen, wenn ein Hindu auch unabsichtlich ein« Kuh töten würde. Infolge dieser Verehrung der Kuh bringt soft die Hälfte des indischen Rindviehbestandes keinen Gewinn, und man hat den Verlust, den da» Land dadurch erleidet, auf 2% Milliarden Mark geschätzt. Wenn aber der Hindu auch die helligen Kühe nicht in seinen Dienst stellen darf, so kann er doch wenigstens das Erzeugnis benutzen, da» sie ihm freiwillig liefern, nämlich den Dünger, und fo dient er denn überall als Brennstoff. Professor Edmund Graes«, der dieser seltsamen„Kohle Indiens" einen Aufsatz in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" widmet, schreibt darüber:.Luerst siel mir diese Verwendung in Madura auf. Hier klebten an vielen Wänden groß« dunkle Fladen, die ich in getrockneter Form auch an den Verkaussständen aufgestellt sah; es war Kuhdünger. Eifrig wird das kostbore Material ge- fammell, mit den Händen geformt und an die Wände der Häuser geklebt. Bei der intensiven Sonnenbestrahlung trocknet der Kuhmist bald, wird in Haufen aufgestapelt und kommt zum Verkauf. Ueberall sieht man«ntoeder im Freien, wo z. B. ein Barbier In einer Pfanne Kuhmist verbrennt, um ein Schälchen mit Rasierivasser zu wärmen, in den Oesen d«r Wohnungen oder in den im Freien betriebenen Werkstätten die helleuchtenden Feuer dieses Brenn- stoffes. Es muß sich um gewaltige Mengen handeln." Nach den Untersuchungen Graefes ist der Kuhmist gar kein schlechter Brenn- stoff: er verbrennt vollkommen geruchlos und fast rauchlos. Der Heizwert kommt etwa dem des vollkommen lufttrockenen Torfes nahe. Der Kuhdünger behält übrigens, auch wenn er verbrannt wird, doch sein« Helligkeit: er wird nicht nur als Asche für Heil- mittel benutzt, sondern die Asche ist auch in den großen Tempeln in Gefäßen ausgesteM, und die Gläubigen reiben sich beim Vorbei- gehen davon etwas auf die Stirn. Manche begraben sich sogar mit dieser heiligen Kuhdüngerasche den ganzen Körper. Die Ikudeisprlße in der vlüle. Ein« mertwürdige Einrichtung findet sich in den Blüten verschiedener Schmetterlingsblütler, wie z. B. im Hornklee und in den Lupinenblüten. Sie besteht darin, daß in diesen Blüten die in sog.„Schiffchen" übereinanderliegen- den Staubbeutel den Pollen in der Weise von sich geben, daß, sobald man das Schiffchen nach unter zieht, die Masse des Blüten- staube» wie aus einer Nudelspritz« aus der Spitze heraustritt. Wenn ein Insekt eine Lupinenblüte befliegt und dabei das Schiffchen herabzieht, so wird durch«inen inneren, wie eine Pump« wirkenden Druck die Masse de» Pollens aus der..Nudelspritze" herausgedrückt und bleibt an der Unterseite de» Inscktenkörpers haften. Ist der Pollenvorrat erschöpft, so stellt di« Nudelspritze ihre Tätigkeit«in, und nun erscheint an der Spitz« des Schiffchens die empfangsbereitc Narbe, die jetzt befruchtet werden kann. Feinfarb ser Damen-Spangenschuh mit KBschweifttm Absatz, eleganter Nachmittassschulj Herren- Sportsiiefei •chwarz, mit Poppf Isohle Derselbe In Braun 10,00 Soweit Vorrat! Die Vergnügunssplätze, die wir während der Kinder- Woche in allen unseren Häusern geschaffen haben und auf denen sich die Kleinen in Begleitung Erwachsener belustigen können, bleiben bis einschl. Sonnabend, den 15. d. 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Tiglidi 8.15 Uhr; Deiitsdies Tlieater D.I. Norden 12310 8US Ende gegen 11 Die Fledermaas Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musilc Einstud. und Leitg. Erich Wolfg. Korngold. Komödie in 4 Akten v. H. A. Kilm Oartehbühne: Täglich 5,30 Konzert und BunterTei! 8,15.Uhr Ein«Votlxerdrausn Kammerspiele D.I. Norden 12 310 6"!U. Endenach 10 Leut« Auliahronoeii l Aulgang nur dir Herrschanen Kleine Komödie von Siegfried Geyer Die Komödie J1 Bismck. 2414/751 6 B1�, Ende geg. lO�U. Ger Kann, der sem 3 Akte von Edgar Walace. Regie:HeinzHilpert Renaissance-Theater Hardenbergstr. t. Tel.; StempL C 1. 0901 uml 2583/14. »>/. Uhr TSdIUD S'i, Uhrl iDie heilige Flamme I Regie: Gustav Härtung. ufr CASINO-THEATER 8V* Lothringer Strohe 37. Unwiderrufl. nur noch bis((.Juni ..niUddeir van laauda' FDr unsere Leser; Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel IA5 M. Sonstige Preise: Parken u. 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Uhr Blaubart Operette von Offenbach läthe Dorsch Leo 510188 BANK OER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN.! BERLIN 814. WALLSTRASSE IS diu 5 UJ IS tu FILIALEN, BOCHUM/ BREMEN/ BRESLAU /DRESDEN FRANKFURT AM MAIN/ MAMBURG II Bamowsliy-Bten Theater in der XSniggriltzer Straße Täglich SVa Uhr Rivalen Komödienhaus Täglich Pk Uhr Charieys Tante mit Curt Bols* Theat. d. Westens Täglich«>,» Uhr Sonntag 3'h u. 8'/. Frau Leber« weitet- tolsi Friederike Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 Berliner Theater Direkt-Heinz Herald Charlottenstraße 90 A. 7. Dönhoff 170| 8 15 U. Ende 10i:U. Reparier (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie:HeinzHilpert Lustspielhaas Tägl. 8Vi Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skldelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer halbe Preise. Trianon-Th. Täglich ff/« Uhr Sonntag 3>- u. 8''. Gastspiel der Teoero- seer UauernDOhnu Die 3 Dormemgen Ein toller Schwank Preise: 2,3, 4, 5 Olk. usw. Rundfunkhörer balhe Preise. Thea),«in xotib.ror Koltb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sänger Ute lunl- Scnsatlon: „«er! n nai'i orale las r Kieinet Theater Täglich 8V« l�hr NaßoueMromen? Lucl�Mannheim. Max Adalncrt, Herr- mann-Schautuß, Hermine Sterlcr, Fr. Holländer, Fr. Friedmann- FredertdL Otfch. KUmtler-Tii. 87« Uhr Prosit etpsy Operette v.Qilbert Agne* Etierhozy Fritz Scfaulz Rundfunkhörer halbe Preise Planelarlnni — am Zoo— ViriZnz. Itadinittule;lrjl« 8.5 Barbarossa 5578 16'/, Uhr SternbiUer des Sommer« 18V, Uhr Der Glutball der Sonne 20>, U. Von Pol zu Pol am SUrnenhimmei Tägl.außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder SO PI. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. 90! u. billig 7 Nur GroB-Bcriin A,exanylffrt8,a,'7. Reichshallen-Theater ällabendlldi|T| Ohr Sleiliner Sönöer u. a:„tUte tlartil Im Jtalsirclnkeller". Sommerpreise: 60 PI. bis 2 M. Dönhoff- Brett" (Saal und Garten) Varlatä— Konzert— Tanz. �-Cinnitiusfö� ab(Stütutu, � Sofmsboti b:e Rirdjpiaa übet 90 Parzeilen an der Schbneieidee Chaussee. Bert b. Reflpaijellen qm 1 M an' Ber» iäuser Sonntags anwesend. C. A. Wlnklcr ZeMe darf Mitte Ttitower Str. 8. ySebltnbotf 2228� Inserieren hrin 91 Ertolpl Am Sonntap. dem 3. Juni, verstarb nach schwerer Krankheit mein lieber Gatte, der Gastwirt Heinrich Schiller Die trauernde Gattin Schil,er Bin-Keinickondorl-'Wesc Antonlenstr. 10 a Die Beerdig/ung findet am Donnerstag. dem 13. Juni, nachm. 3'/, Uhr. von der Halle des Städt Friednofes Reinickendorf, Humr boldt�tr., aus statt.