BERLIN Sonnabend is.Znni 1929 10 Pf. Nr. 276 B 137 4b. Jahrgang. Srschetattislich anßerSoantaz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Dezugsrreis beide Ausgaben SSPf. pro Woche, S,60M. pro Monat. Redaktion und Trpedition; BerlinSW68.LindenKr.S Anietgenrrei«! Die einspaltige Nonpareillejeil« so Pf.. Reklameieile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkontoi Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr.»7S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Bingen um die Reichswehr. Die Sozialdemokratie sordert Staatsbürgerrecht für Soldaten. Der„Gelbe Vogel" gelandet. Die 7. Ozeanüberquerung von Westen nach Osten. Der Reichstag hat heute vormittag zunächst das Zusatz- abkommen zum deutsch-schweizerischen Handelsabkommen dem Hon- delspolitischen Ausschuß überwiesen und das international« Opiumabkommen verabschiedet. Es folgt« sodann die zweite Beratung des Haushalts des Reichs wehrministeriums. Abg. Stückten(Soz.) berichtet über die Ausschußberatung. Reichswehrminister Groener: Wie haben sich die Verfechter eines idealen Völkerbundes die Lösung des Wehrproblems gedacht? Militärpolizeiliche Kräfte zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern und kleine, hochmoderne Truppenkörper als Gliedarmeen des Völkerbundes.'Die Wirklich- keit ist von diesem Idealbild weit entfernt. Von einer Abrüstung öder auch nur Rüstungsbeschränkung ist bei den Sieger- mächten keine Rede.(Sehr wahr!) Unsere Nachbarstaaten verfügen über 76 Divisionen, Deutschland über 10 Divisionen. Man hat dieses Mißverhältnis leugnen wollen, man hat sogar behauptet, die Stoß- traft des deutschen Heeres gehe weit hinaus über das, was seiner zahlenmäßigen Stärke entspricht. Diese Behauptung wird schon allein dadurch widerlegt, daß uns all« wirksamen moder- ne n G r o ß k a m p f m i tt e.l. s e h l e n. In den Nachbarstaaten werden gewaltige Reservearmeen ausgebildet, die uns fehlen. Man sprich auch davon, daß wir ein Führerheer hätten. Dabei wird aber verschwiegen, daß ein Führerheer ohne große Reserven und ohne gute Waffen nichts machen tonn. Die Militärfliegerei fehlt uns ganz, und Deutschland ist gegen Lustangrisse schutzlos. Da man Deutschlands Entwaffnung nicht mehr leugnen kann, hilft man sich mit dem Wort von Deutschlands„potentiel de guerre" (Rllstungsmöglichkeiten). Es wird auf die groß« Menschenzahl und die leistungsfähige Industrie hingewiesen, die Deutschland schnell für den Krieg mobilisieren könnte. Tatsächlich würde aber eine solche Umstellung der Industrie und der Menschen auf den Krieg bei uns viel« Monate in Anspruch nehmen, wäh- rend die Siegerstaaten neben den militärisch ausgebildeten Reserven über eine stets auf den Krieg vorbereitete Rüstungsindustrie ver- fügen. Wir können uns nicht auf den potentiel de guerre verlassen, sondern stützen uns auf den potentiel de paix, auf unser vertrag- lichss Recht auf allgemeine R ü st u n g. Ich bin nicht von der These überzeugt, daß ein kleines modernes Berufsheer die alleinige Wehrorganisation der Zukunft sein werde. Der französische Sozialist Paul Boncour hat meines Er- achtevs das Problem richtiger erkannt. Als alter Soldat und Forscher auf dem Gebiet der Kriegskunst kann ich der französischen Organisation der Landesverteidigung meine Bewunderung nicht versagen. ohne damit sagen zu wollen, daß diese Organisation auä) für jedes andere Land geeignet ist. Für uns sind das nur theoretische Erwägungen, denn der Umfang unserer Wehrmacht ist ja durch den Dersalller Vertrag bestimmt. Es wird nun die Frage aufgeworfen: Warum unterhalten wir überhaupt diese kleine, im Kampf gegen die großen Militärmächt« doch nicht brauchbare Reidfs- wehr? Ich antworte: Weil sie wenigstens verhindert, daß freund- liche Nachbarn in unseren Grenzgebieten nach Gefallen schalten und walten und daß kriegführende Nachbarn über unsere Neutralität ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen können. Im Ausschuß hat Abg Leber die Kavallerie für überflüssig und veraltet erklärt. Ich meine, daß über die Verwendbarkeit der Kavallerie, namentlich in den östlichen Gebieten, das letzie Wort noch nicht gesprochen ist. Auf die Marine können wir nicht ver- zichten denn sie bedeutet einen wesentlichen Kraftzuwachs für das Landheer. Ich bemühe mich bei der Marine um planmäßigen Erfatz des veralteten Schiffsmaterials. Was die innere Verfassung der Reichswehr betrifft, so sind alle Parteien darin einig, daß die Reichswehr rein staatlich eingestellt und ein unbedingt zu- verlässiges überparteiliches Instrument in der Hand der ver- fasfungsmäßigen Gewalten sein muß. Jeder verficht ober unter dieser staatlichen Einstellung etwas anderes. Aufaab« des Reichspräsidenten und des Reichswehrininisters muß es sein der Reichswehr ihre Stellung über den Parteien zum uneigennützigen Dienst an Volk und Vaterland zu erhalten. (Beifall.)...„ Trotz aller Kritik muß ich dankbar anerkennen, was die Reichs- wehr geleistet hat in pflichttreuer Arbeit äußerster politischer Zu- rückholtung und Hilfsbereitschaft gegen jedermann.(Beifall.) Kritik begrüße ich: aber eine Kritik, die nur herabsetzen will, lehne ich rundweg ab. Ich habe der S p a r n o t w c n d i g k e i t große Zugepändllljle gemacht, habe sogar aus Manöver verzichtet, Das französische Flugzeug„G e l b e r Vogel" ist bei Camillas, in der Nähe von Santander, an der Nord- tüste Spaniens gelandet. Wie der„New Bork Herald" weiter meldet, bestätigt es sich, daß sich an Bord des Flugzeuges ein blinder Passagier eingeschlichen hat, der nun den Flug über den Ozean mitmachte. Wie dem„Matin" aus Santander gemeldet wird, war die Ueberquerung des Ozeans schwierig. Cs herrschte starker Nebel, Wind, Regen und vier Stunden lang Kälte. Außerdem zwangen ver- schiedentlich Stürme die Flieger, von der Linie, die die Dampfer verfolgen, abzuweichen und Kurs nach Süden zu nehmen, um an der portugiesischen Küste einen Lan- dungsplaß zu suchen. Bei den Fliegern Assolant und Lefevre, handelt es sich um junge Fliegerunteroffiziere. Assolant ist 24 Jahre alt und seit sechs Jahren Flieger. Er hat an verschiedenen Langstreckenflügen teil- genommen. L e V e V r e, der erst einige Monate vor seiner Abfahrt nach Amerika sein Pilotenexamen ab- gelegt hat, ist 2K Jahre alt. Der dritte Insasse des Flugzeugs, Lotti, ist der Sohn eines Pariser Hotel» besißers; er besitzt ebenfalls das Pilotenzeugnis. Die Funkstation von Le Bourget erhielt im Laufe der Nacht ein Telegramm der Station von Santander, daß der am Freitag gegen 23 Uhr gelandete„Gelbe Bogel" am Sonnabend, 7 Uhr, nach Paris weiterfliegen und gegen Mittag in Le Bourget eintreffen wird. Nach Blättermeldungen haben die Flieger>n Santander 500 Liter Benzin für ihren heutigen Flug bestellt. Es bestätigt sich, daß ein vierter Fluggast, der junge A r t u r Schreiber, an dem Flug von Old Orchard nach Santander teil- genommen hat. Diese Gewichtsvergrößerung zwang Assolant und Lefevre, nach dem Start etwas Brennstoff abzulassen, damit der„Gelbe Vogel" über dem Ozean an Höhe gewinnen konnte. In der französischen Oesfentlichkeit herrscht große Genug- t u u n g über das Gelingen des Fluges Amerika— Europa, da der Atlantische Ozean zum ersten Male von einer französischen Mann- schast überflogen wurde. Groß war die Enttäuschung nur auf dem Flugplatz Le Bourget, der seit den frühen Nachmittagsstunden des Freitags das Ziel von Tausenden von Parisern war. Um 10 Uhr hatten sich über 20 000 Personen auf dem Flugplatz angesannnelt, und immer kamen neue Wagen mit Schaulustigen an. Der Flug des„Gelben Vogels" stellt die siebente Ueberquerung des Atlantischen Ozeans in west-östlicher Richtung dar. Die Flieger haben rund KZOO Kilometer in etwa 29 Stunden bei sehr ungünstiger Witterung und mit einer Durchschnitts- stundengeschwindigkeit von 189 Kilometern zurückgelegt. Aufgeschobener und verbotener Ozeanflug. Die schwedischen Atlantikfliegcr haben die Fort- setzung ihres Fluges um 1t Tage verschoben. Sie erwarten in R e i k j a v i k die Ankunft eines deutschen Ingenieurs, der Ersatz- teile und einen neuen Motor bringen soll. „Havos" meldet aus Sevilla: Auf eine von der spanischen Regierung aus Antrag der französischen Regierung erteilte Weisung ist das Flugzeug, mit dem die französischen Flieger Condouret und M a r i l l o n trotz des bestehenden Rekord- versiichs-Verbots des französischen Luftfahrtministcriums einen Ozeanflug unternehmen wollten, beschlagnahmt worden. Die Flieger werden am 17. Juni nach Paris zurückfliegen, und zwar wird ihnen nur die zum Fluge Sevilla— Paris notwendige Menze Benzin zur Verfügung gestellt. Frühere Ozeanüberquerungen. Die ersten Versuche, den Atlantik im Flugzeug zu überqueren, wurden bereits im Jahre 1920 unternommen. Der amerika- nische Marineflieger Read wagte zum ersten Male den Flug von Neufundland nach Lissabon.— Im gleichen Jahre vollendeten die Engländer A l c o ck und Brown den ersten Flug Neusundland— Irland ohne Zwischenlandung, nach einer Flugzeit von 16 Stunden. — Im August 1924 gelangten drei Amerikaner in Etappen von England über Island nach Grönland und von dort nach Amerika.— Der erste Flug vom amerikanischen Festland bis nach Paris wurde von Lindbergh im Mai 1927 ausgeführt.— Einen Monat später, am 7. Juni 1927, landete der amerikanisch« Flieger Chamberlin mit seinem Fluggast L e v i n e in Kottbus. — Der Nordpolforscher Major B y r d unternahm den gleichen Flug mit mehreren Passagieren. Es gelang ihm, am 1. Juli morgens das franzöfisdi« Festland zu erreichen.— Das einzige Flugzeug, dem es gelang, den Ozean von Ostwest zu überfliegen, war das deutsche Iunkersflugzeug„Bremen" mit den Fliegern Köhl. Hühnefeld und Fitzmaurice. Oer Propeller schlug ihm den Arm ab. München, IS. Juni. Auf dem Flugplatz Tchleißheim ereignete sich gestern abend ein schwerer Unfall. Dem Flugzeug- führer Krüger wurde vom Propeller eines rollenden Flugzeuges der rechte Arm mit solcher Wucht ab- geschlagen, daß der Arm zehn Meter weit wegflog. Der Schwerverletzte wurde«ach München ins Kran- k e n h a« s gebracht. aber jedes Zugeständnis hat sein« Grenze, soweit das feste Gefüge der Armee dadurch erschüttert wird. Es ist eine Staatsnotwendig- keit, die dem Reiche gebliebene Verteidigungsmöglichkeit aufrecht- zuerhalten.(Beifall.) Abg. v. Lettow-vorbeck(Dnat.): Zur Erhaltung der Schlag- fertigkeit der Armee müssen auch die politischen Parteien beitragen. Wir begrüßen die Forderung des Abg. Schöpflin im Ausschuß nach völliger EntPolitisierung des Heeres, aber die Magdeburger Richt- linien enthalten neben der Anerkennung der Landesverteidigungs- Pflicht auch andere Gedanken, sind sie doch ein Kompromiß zwischen fast unvereinbaren Gegensätzen. So wird dort Demokratisierung des militärischen Strafrechts gefordert, aber gerade bei den plötzlichen Anforderungen, die an den Soldaten herantreten gegenüber den Erschütterungen, denen er im Kampf auf einmal gegenüberstehen muß. kann die unbedingt notwendige Disziplin nur durch die Furcht vor Strafe aufrecht erhalten werden.(Stürmischer Widerspruch links. Ordnungsruf für Abg. Müller-Hannover fKomm.j) In anderen Ländern, besonders England, ist man im Krieg viel schärfer vorgegangen als bei uns. Die Reichswehr muß Ellenbogenfreiheit für ihre Erziehungsarbeit haben, man darf sie nicht zu sehr durch Vorschriften und Paragraphen von oben her hemmen. Wir wollen den Geist der Wehrhastigkeit im deutschen Volk pflegen, erhalten und vererbt sehen. Der Bezirk Kreuzberg hat abgelehnt, einen Platz für ein Denkmal m Ehren gefallener Pioniere zur Verfügung zu stellen(Pfuirufe rechts): der Redner polemisiert schließlich gegen den General a. D. Schönaich— ohne ihn zu nennen — wegen seiner abfälligen Beurteilung der Tat Schlageters. Abg. Schöpflin(Soz.) bedauert zunächst das notgedrungen überhastete Tempo der Etats beratung. Die Unübersichtlichkeit des Etats, besonders des W e h r e t a t s, erfordert gründlichste Durchsicht und Beratung. Die Ersparnisse am Wehretat wird unsere Fraktion im nächsten Jahr durchaus- aufrechterhalten, das betone ich gegenüber der An- kündigung des Ministers, daß er im nächsten Jahr die Aufhebung dieser Abstriche fordern werde. Die Reichswehr muß das, was sie zur Ausbildung braucht, haben, aber das läßt sich bei Vermeidung gewisser Ausgaben, die durchaus nicht notwendig sind, auch mit geringeren Mitteln er- möglichen. Wir wollen der Reichswehr nicht vorenthalten, was sie haben muß, um ihr« Aufgabe gemäß den Dersailler Vestim- mungen zu erfüllen. Aber es lagen sich noch weilgeheude Ersparnisse erzielen. Saargebiei soll bei Frankreich bleiben! So wünschen französische Industrielle. pari», 15. Juni. Der Verband frcmjojijdjcr Industrieller und Saufleute(Fideration des industriels et des commer?ants frangais) veranstaltete unter Vorsitz seines Vizepräsidenten Legouez eine große Propagandakundgebung„zur Verteidigung der französischen Interessen im (Saargebiet*. Der frühere Vorsteher der sozialen Fürsorge der fran- zösischen Grubenoerwaltung im Saargebiet, Emile F l e u r y, hielt einen Vortrag über das Saarproblem und die sran- zösischen Interessen. Cr legte das Hauptgewicht auf die Forderung, daß Frankreich die im Jahre 1S35 stattfindende Volksabstimmung mit allem Nachdruck vorbereiten müsse, um eine Wiederanglie- d e r u n g des Saargebiets an das Reich zu verhindern. Eine solche Wiederangliederung müsse nicht nur im Interesse Frankreichs, sondern auch im Interesse des Saarlandes selbst oermieden werden. Lothringen mit seinen Erzen und das Saarland mit seinen Kohlen- schätzen würden sich gegenseitig ergänzen und könnten nicht ohne eine Schädigung ihrer Volkswirtschaft auseinandergerissen werden. Fleury machte es den versammelten Industriellen und Kaufleuten zur patriotischen Pflicht, ihre Wirksamkeit und ihre An- strengungen im Saargebiet zu steigern, um dieses Land dem sieg- reichen Frankreich zu erhalten. Fleury machte der französischen Regierung den Vorwurf, sie habe bisher in der Saarangelcgenheit zu wenig getan. Als zweiter Redner erklärte der Vorsitzende der französischen Saarvereinigung(.Association frangats de la Sarre) und der Rationalen Vereinigung der ehemaligen Kriegsteilnehmer R o s s i g n o l: Für die Kombattanten handele es sich bei der Saarfrage vor allem um ein Problem der nationalen Sicherheit, das in dieser Hinsicht ebenso wichtig wie die Rheinlandbesetzung und die Wieder- gewinnung von Elsaß-Lothringen sei. Die ehemaligen Kriegsteil. nehmer fürchten, so führte Rossignol aus, daß bei einer Wieder- angliederung des Saarlandes an Deutschland dieses Gebiet früher oder spater zu einem neuen Einsallstor der deutsche» Armeen werde. Deshalb müsse alles unternommen werden, uw zu verhindern, daß das Saargebiet wieder an Deutschland zurück- falle. Die ehemaligen Kriegsteilnehmer und die französische Saar- Vereinigung hätten in ihren Bemühungen nicht nur die moralisch« Unterstützung der öffentlichen Meinung, der Regierung und der französischen Industrie, sondern vor allem auch materielle Hilfe. Es handele sich hier um Opfer, die reichlich vergolten würden, und um eine nationale Tat, die Frankrcid) vor neuen schweren Prüfungen bewahren könne. Amerikas Druck auf Zrankreich. SchuISenabkommen ratifizieren oder zahlen! Paris, 15. Juni. Poincare hat die Hoffnung derer zerstört, die annahmen, daß die französische Regierung eine Hinausschiebung des Zahlungstermins für die am 1. August fällig werdenden 400 Mit- lionen Dollar, die Frankreich für die nach dem Kriege angekauften amerikanischen Heeresbestände zu zahlen hat, zugebilligt erhallen könnte. Poincare erklärte, das amerikanische Schatzamt sei in dieser Angelegenhell durch Gesetz gebunden. Es sei daher besser, wenn die französische Kammer die Regierung ermächtige, durch Dekret im geeigneten Augenblick die Schuldenabkommen zu ratifizieren, als selbst zu einem bestimmten Zeitpunkt darüber ab- zustimmen. Wenn da» Parlament der Regierung diese Dollmacht gebe, dann würden die Vereinigten Staaten das als eine vor- läufige Ratifizierung betrachten können. Da das Dekret erst nach Abschluß der Beratungen über den Poung-Bericht unterzeichnet werden kann, könne Frankreich der Verpflichtung, die 400 Millionen Dollar am 1. August zu zahlen, nur auf diese Weis« aus dem Wege gehen. Ansturm gegen das Schutzgesetz. Everling und Maslowski Hand in Hand. Der Recht sausschuß des Reichstags beschäftigte sich mll dem Regierungsentwurf zur Verlängerung des Republik- schütz gesetzes. Von der deutschnationalen und kommunistischen Fraktion lagen Ablehnungsanträge vor. Abg. Everling(Dnat.) beschwerte sich darüber, daß die auf Grund des Republikschutzgefetzcs erfolgenden Bestrafungen sich verschärft hätten. Das Gesetz beein- trächtige die Opposition in ihren verfassungsmäßigen Funktionen und müsse deshalb fallen. Abg. M a s l o w s k i(Komm.) führte darüber Beschwerde, daß vor allem die Kommunisten auf Grund des Republikschutzgesetzes ver- folgt würden. Es könne zugegeben werden, daß Minister- beleidigungen und Beschimpfungen der Republik strafbar sein müssen. Seine Freunde kämpften nicht gegen diese Bestimmun- gen, sondern gegen sene Vorschriften, die als Mittel zur Klasiensustiz gegen das Proletariat dienten. Gegen links werde das Gesetz häufiger und schärfer angewendet als gegen rechts. Abg. R o f e n f e l d(Soz.) erklärte, daß die sozialdemokratische Fraktion die Verlängerung für notwendig halle. Wenn wirklich das Gesetz gegenüber Rechtsradikalen, die die Republik unterwühllen, in letzter Zeit schärfer angewendet sein sollte, so wäre das nur zu begrüßen. Herr Everling scheine auch Morde und Tötungen zu den„verfassungsmäßigen Funktionen einer Opposition" zu rechnen. Solange die Opposition sich im Rahmen der Gesetze halle, und dieser Rahmen ist sehr weit gesteckt, könne sie chre Ausfassung schon zur Geltung bringen. Völlig unverständlich seien die Bemühungen, Verstöße gegen die ersten Paragraphen des Ge- setzes, die einen Mord voraussetzen, als harmlos hinzustellen. Im übrigen sei doch der Führer der Deutschnationalen, Graf Westarp, der erste gewesen(im Jahre 1926), der seinen Namen unter den Antrag auf Verlängerung des Republllschutzgesetzes gesetzt habe. Den Kommunisten zeige die Bekämpfung des Gesetzes durch die Deutschnationalen, daß es ein geeignetes Mittel zum Schutze der Republik vor Monarchisten sei. Wenn es wirklich mehr gegen links als gegen rechts angewendet werden sollte, so seien daran die Kom- munisten nicht unschuldig, die sich oft einer Sprechweise bedienten, die sie selber nicht ernst nehmen. Abg. I ö r i s s e n(Wp.) erklärt sich gegen alle Aus- nahmegesetze, höchstens könne das Gesetz bis zum 31. Dezember 1930 verlängert werden. Reichssustizminister von Guirard hebt hervor, daß auch der vom deutschnationalen Abg. Hergt unterzeichnete Strafgesetzentwurf dieselben Bestimmungen enthalte, die der Deutschnationale Everling so scharf bekämpft habe. Als es sich 1926 um die Verlängerung des Republikschutzgesetzes gehandell habe, seien die Deutschnationalen sehr schnell berell gewesen, der Verlängerung zuzustimmen.(Abg. E v e r- ling: Wir sind gezwungen worden.— Zurufe links:�Wer hat Sie denn gezwungen? Everling: Es war mll der Kündigung der Regierungskoalition gedroht. Zuruf links: Also nur um die vier Ministersessel haben Sie zugestimmt?— Heiterkeit.) Weiterberatung am Montag. Die Abstriche, die der Reichstag vorgenommen hat, werden vr draußen schon gegen das Parlament ausgebeutet. Im Zeug- .i m t Spandau, das überhaupt eine besondere Nummer ist, eine Pflanzstätte hakenkreuzlerischer Elemente, worüber die Klagen nicht abreißen wollen, waren Arbeiter entlassen worden. Sie riefen das Arbeitsgericht an und dort erklärte der als Vertreter des Zeug- amtes erschienene Offizier, die Entlassung sei die Folge der A b st r i ch e, die der Reichstag am Wehretat gemacht habe Dem Leutnant war das natürlich von seinen Vorgesetzten so auf- gegeben worden, die sich aber einer bodenlosen Unverschämtheit gegen den Reickistag schuldig gemacht haben.(Sehr richtig, links.) In den Wandelgängen wird unter dem Siegel tiefster Der- säiwiegenheit erzählt, daß man auf den Rechnungshof einzuwirken suche, er möchte doch solche unliebsame Druckerzeugnisse nicht mehr herausgeben wie einen seiner letzten Berichte, worin er dem Reichswehrmloislerium bescheinigt hat, daß seine Etatsgebarung alles andere als gut und lobenswert sei. Vor derartigen Bestrebungen ist zu warnen. Wie ein geordneter Staat eine gute Justiz haben muß, so auch bei seiner großen Macht- fülle eine solide Bilanzgebarung und gewissenhafte Kontrolle. Wir hoffen, daß der Rechnungshof alle derartige Versuche abweisen wird. lSchr richtig! links.) Die Zahl der höheren Kommandostellen bei der Reichswehr ist immer noch viel zu groß. Wir werden im nächsten Jahr gründlich zu prüfen haben, ob die elf Truppenübungsplatztom- Mandanten und die neun Standortskommandanten mit allen möglichen Nebenbehörden wirklich notwendig sind. In Berlin haben wir jetzt neben dem Stadtkommandanten auch noch einen Komman- danien des Bendler-Blocks. Wer ins Reichswehrministerium kommt, Briand wartet auf poincare. Ministerrat am Dienstag— dann Zusammenkunst mit Stresemann. Paris, 15. Juni.(Eigenbericht.) 3n den heutigen Madrider Verhandlungen zwischen Briand und Stresemann dürfte Briand dem Reichsaußenminister den Vorschlag machen, auf seiner Rückreise in Paris Station zu machen und am Quai d'Orsay vorzusprechen. Briand wird schon am izächsten Montag in Paris eintreffen und am Dienstag früh an einem außerordentlichen Ministerrat teilnehmen. Er dürfte dann zu feiner Zusammenkunft mit Stresemann über die Absichten der französischen Regierung sowohl hinsichtlich der Ratifizierung des poung-plane» als auch der Rheinlandräumung genau unterrichtet sein. Damit wäre nach Ansicht der pariser kreise erst die nötige Grundlage geschassen, um das verhandlungsprogramm für die nächsten Wochen und Monate endgültig festzusetzen. sieht dort angeschlagen, daß er sich so und so anzumelden hat, unter- zeichnet:„Der Kommandant des Bendler-Blocks."(Heiterkeit link«: Zuruf unter Hinweis auf die Ministerbank:„Da steht er ja!") Was hat denn dieser Herr zu kommandieren? Man hat den Ein- druck, daß die Reichswehr für ihre vielen Offiziere, die sie nicht im Heer beschäftigen kann, neue Aemter schafft.(Sehr wahr! links.) Ohne Unterschied der Partei wird wohl der ganze Reichstag den Rückgang der Soldatenselbstmorde aufrichtig begrüßen. Dagegen ist es sehr auffällig, daß Minister Groener heute ganz anders und mit erheblich weniger entgegen- kommendem Ton als im Ausschuß gesprochen hat. Es scheinen inzwischen irgendwelche geheime Kräfte am Werk gewesen zu sein. Auch die Rede des deutschnationalen Sprechers stand in einem starken Gegensatz zu den sachlichen Darlegungen seines Vorgängers von Schulenburg. Das Wort Republik hat Herr' Groener zwar im Ausschuß ausgesprochen, hier ober vermieden. Wir Sozialdemo- traten lehnen es grundsätzlich ab, das Heer im demokratischen Staat zu einer Parteiwehr werden zu lassen. Wir wollen die Reichswehr politisch neutralisiert sehen, denn als Spielball der Par- teien wäre sie kein Schutz für den. Staat. Sie soll nicht nur zur Verteidigung des Staates, sondern zu einem zuverlässigen Instrument in der Hand der Gewalten der Republik, des demokratischen Staate», ganz gleich, wie er ist, erzogen werden. Zweisellos ist ein Fortschritt in den letzten Iahren zu oerzeichnen. Seitdem Herr Groener das Reichswehrministerium leitet, sind Anzeichen vor- Händen, daß«r oersucht, Dinge zu oermeiden, die draußen im Volk zur Kritik Anlaß geben. Ich habe kein Recht, dem Reichswehr- minister zu bestreiten, daß er sich Mühe gibt, die Reichswehr zu einem wirklich zuverlässigen Instrument der bestehenden Staats- gewalt zu machen. Wir werden im nächsten Jahr uns bemühen, das Subven- tionswesen an private Rüstungsfirmen abzuschaffen. Wir glauben, die Dinge in Deutschland sind so weit gediehen, daß man den Soldaten das Wahlrecht geben kann. Bei der Schaffung des Wehrgesetzes habe ich die Erteilung des Wahlrechts an die Soldaten wegen der. damaligen großen Unsicherheit und Der- wirrung bekämpft. Heute sind wir überzeugt, daß die Republik vollkommen gesichert ist. Dann müssen wir aber auch den Soldaten, die zwölf Jahre treu dem Staate dienen, die Offiziere sogar 25 Jahre, da» volle Staatsbürgerrecht geben. Leider sieht man die Soldaten vielfach noch als Söldner an, die nur gegen Geld das Waffenhandwerk treiben. Mit der Erteilung des Wahlrechts, mit der Bekundung des vollen Vertrauens zu diesen Männern, mit ihrer Gleichberechtigung als Staatsbürger würde diese verbitternde Meinung verschwinden und dadurch das Ansehen und.auch das innere Selbstgefühl der Reichswehr ge- hoben werden.(Beifall links.) Wir verlangen Beseitigung des Bildungsprivileg» der Offiziere und eine andere Handhabung der Rekrutierung. Gegen die Worte des Herrn von Lettow-Dorbeck glaube ich die Reichswehr in Schutz nehmen zu sollen, daß die Disziplin nur durch die Furcht ausrecht erhalten werden könnte. Wenn das richtig wäre, dann müßten wir ja den alten Obrigkeitsstaat mit der Patrimotiialgerichtsbarkeit usw. wieder einführen. Wir aber wollen in der Reichswehr, für die wir so große Summen ausgeben und von der wir hoffen, daß sie in einer Stunde der Not und Gefahr, die hoffentlich nicht wiederkehrt, auf dem Posten sein wird,- freie Männer in der Reichswehr haben, die in freiem Geist erzogen sind und nicht aus Furcht vor Straf« ihren Dienst tun. (Sehr gut, links.) Die Reichswehr darf auch in ihrer inneren Ge- staltung nicht den Charakter und das Ansehen haben, als ob sie ein Staat im Staate zu werden beginnen wollte. Erst wenn die Reichs. wehr durch die Reformen, die ich erwähnt habe, wertvoll ergänzt ist, wird es inöglich fein, ein gutes Verhältnis zwischen der Reichswehr und dem deutschen Volke herbeizuführen, dos auch wir Sozialdemokraten wünschen und das wir Im Interesse des inneren Friedens dauernd erhalten wollen.(Lebhafter Bei- fall der Soz.) Preußen laßt nicht köpfen. Wieder ein Todesurteil aufgehoben. Das Potsdamer Schwurgericht verurteilte seinerzeit den SSfährigen Arbeiter Willi Schmidt aus Branden- bürg wegen Anstiftung zum Morde an dem Brauerei- besttzer Freydank-Brandenburg zum Tode. Auf Beschluß des preußischen Staatsministeriums ist Willst Schmidt jetzt zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Kirchenöffnung in Mexiko. Gottesdienste beginnen wieder. Mexiko. Eily. 15. Zunt.(Eigenbericht.) Auf Grund der Vereinbarungen des mexikanischen Staatspräsidenten mit den kalholischen Bischöfen werden die bisher ge- schlosienen Sirchen am Sonnlag wieder geöffne l. Streit um Georgien. Moskau bedauert anttpolnifche Kundgebung in Tiflis. Warschau, 15. Juni. Nach Schluß von antipolnischen Kundgebungen vor dem polnischen Konsulat in TIslis ist es zu Zwischenfällen gekommen. Mehrere hundert Versammlungsteilnehmer drangen unter Schmäh- rufen gegen das Konsulat vor und eröffneten gegen das Gebäude ein S t« i n b o m b a r de m e n t. Die Kundgebung soll die Folge davon sein, daß Polen den russischen Einspruch gegen die Teilnahme polnischer Beamten an der Unabhängigkeitsfeier für Georgien als«ine unzulässige Einmischung zurückwies Auf diese Nachricht hin hat der polnisch« Gesandte in Moskau. Patek, im Namen der polnischen Regierung energisch Protest beim Kommissariat für aus- wärttge Angelegenheiten eingelegt. Der stellvertretend« Außen- kommisiar Karachan sprach das tiesste Bedauern der Sowjet- regierung wegen des Zwischenfalles aus: Die„Tribüne" beschlagnahmt. Di« Staatsanwaltschaft Magde- bürg hat die Ausgabe der kommunistischen„Tribüne" wegen einiger Aufsätze, die olfen zirm Umsturz im Sinne der kommunistischen Weltrevolution ausfordern, beschlagnahmt. Die Beschlagnahme ist um. so bemerkenswerter, als die„Tribüne" erst vor kurzem auf drei Wochen verboten worden war. Kolonialdebatte in der Kammer. Zeatralafrika— Zndochina— Marokko. pari», 14. Juni.(Eigenbericht.) Die Kammer begann mit der Diskussion der Interpellationen. Hauptinterpellanten sind der sozialistische Abgeordnete Rouellet und der Kommunist Doriot. Sie fordern von der Regierung Auf- klärung über die unmenschlichen Methoden, die nament- lich in Zentralafrtka die Konzessionäre bei der Rekrutierung von Eingeborenen für Zwangsarbeiten anwenden. Die Niederlage französischer Truppen in Mo- r o k k o wird den Gegenstand einer besonderen Debatte bilden. Die Sozialisten sind entschlossen, diesmal von der Regierung Rechen- s ch a f t über ihre Marokko-Politik zu verlangen. E» wird immer deutlicher, daß entgegen dem Regierungsoersprechen wieder einmal eine militärische Aktion unternommen wurde, die über den Rahmen der zur Befriedung des Landes notwendigen Maßnahmen hinausging. Der sozialistische Abgeordnete R e n a u d« l for- derte bereits in einer Versammlung in Lille, daß der verantwort- liche General streng bestraft werde. Wieder Zelluloidbrand! ' Wie«. 15 Ziixt. Eine folgenschwere Explosion ereignete sich i» der Zelluloidfabrit Gottesmann in Bösen- dorf, der zwei Menschenleben zu« Lpfer fielen. Aus bisher noch nicht bekannter Ursache gerieten einige Film- rollen plötzlich in Brand. Innerhalb weniger Augenblicke stand alles in Flammen. Eine ungeheure Explosion erschütterte das ganze Fabriktcrrain. In anderen Teilen der Fabrik beschäft'gte Arbeiter tonnten sich noch rechtzeitig ins Freie retten, sie wurden aber durch den starken Lustdruck zu Boden geschleudert und verletzt. Die 41jährige Hilfsarbeiterin Barbara K o v a r wurde von einer Tür ins Freie geschleudert. Ihre Kleider hatten aber bereits vorher Feuer gefangen, so daß sie bewußtlos, mit brennende» Kleidern, liegen blieb. Der Arbeiter W e i n l i ch war in ein-» brennenden Raum eingeschlossen worden. Alle Versuche, ihn zu retten, scheiterten an den fortwährenden kleineren Explosionen. Weinlich ist bei lebendigem Leibe verbrannt. Seine Leiche wurde vollkommen verkohlt aus den rauchenden Trümmern hervorgeholt. Auch die Hllfsarbciterin Kovar hatte so schwere Brandoerletzungen erlitten, daß sie kurz nach ihrer Ein» lieferung ins Krankenhaus starb. Nächilicher Messerkampf in Berlin O. Fünf Personen schwer verletzt. Za der Wilhelm- Stolze- Straße kam es ia der vergangenen Nochl gegen Z Uhr zu einer schweren Schlägerei, in der die Gegner mit Messern und Dolchen auseinander losgingen. Dabei wurden süuf der Raushelden schwer verletzt. Zwei Bruder St. kamen leicht angetrunken die Straße entlang, als sie von einem gewissen Alexander H. gehänselt wurden. Es kam sofort zu einem Handgemenge, in dessen Ver. lauf H. zu Boden geschlagen wurde. Der Kampf, der natür- lich nicht lautlos verlief, halte drei andere junge Leute, die des Weges kamen, angelockt. Sie mischten sich in die Schlägerei und zogen ihre Messer. Als das zu Hilfe gerufene ileberfallkommando erschien, lagen bereits fünf der Raufbolde mit tiefen Messerstichen in Kops, Brust und Rücken blutüberströmt am Boden. Die Ver- letzten wurden ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, einer von ihnen ist in L e be n s g e f a h r. Alfred St. wurde als Polizeigefangener ins Stoatskrankenhaus überführt. Die Untersuchung zur völligen Klärung des blutigen Zwischenfalles ist von der Kriminalpolizei eingeleitet. Llm die Gpittelkolonaden. Sie sollen erhalten bleiben. Der Stadtverordnetenausschuß zur Vorberatung der Vorlage über die Spitteltolonaden hat in seiner heutigen Sitzung, der der Oberbürgermeister beiwohnte, die Vorlage über den Abschluß eines Vertrages mit dem preußischen Staat wegen des Abbruchs der Spitteltolonaden angenommen. Nach dissem Bertrage ist die Stadt Berlin verpflichtet, dem preußischen Staat für den Fall des Verzichts des Wiederaufbaues der Kolonaden den mit 1A1000 Mk. angenommenen Wert dieser Vau- werk« zu erstatten. Die Vorloge sieht zunächst den Abriß der auf der Südseite befindlichen Kolonaden vor, besten Kosten auf ZOOM Mk. geschätzt werden. Der Ausschuß nahm dann mit großer Mehrheit«ine Entschließung an, nach der der Magistrat er- sucht wird, alles daran zu sehen, die Spittelkolonaden an der fetzigen oder an einer anderen Stelle zu erhallen. Eine fchwarzweißroie Niederlage. Man schreibt uns: An der Handelshochschule Berlin hat sich unter dem irreführenden Namen„Allgemein« Stu» dentenschaft� ein Verein gebildet, der die Interesten der völkisch-nationaten Freistudenten und der Korporationen vertritt. Er kämpft g�gen die republikanische preußische Staatsregierung »nd ganz besonders gegen die sozialdemokratischen Studenten. Dieser Tage rief er zu einer„Wahl" auf, an der sich aber nur Zl Proz. der Studierenden beteiligten und die folgendes Ergebnis zeigte: 1929 1928 1. Deutsche Fintenschaft.... 138 197 2 Nationaler Ring...... 103 131 3. Deutsche Gruppe...... 95 163 4. Nationalsozialisten..... 90 86 War schon während der letzten Jahre ein Rückgang der reaktionären Gesamtstimmen von 760 aus 684, auf 627 und jetzt auf 426 zu verzeichnen, so ist der Rückgang der Korporationen(Listen 2 lind 3) dieses Mal besonder» groß. Dank der wirksamen Tätigkeit der Vereinigung sozialdemokratischer Studieren- der ist an der Handelshochschule Berlin die nationalistische Vor- Herrschaft gebrochen. Wie skandalös es die völkischen Agitatoren treiben, beweist ihre Anschuldigung gegen die Sozialdemokraten, eine ihrer Eintragungslisten am 3. Wahltage entwendetzu haben, wo- durch auch das mitgeteilt« Ergebnis nicht ganz vollständig sei. In Wirklichkeit und nach der eigenen späteren Aussage der Herren von der„Allgemeinen Studentenschaft" hat ein Korporationsstudent die Listen ergaunert. Man darf annehmen, daß es geschah, um die Wahlniederlage zu vertuschen. Es hat in der Tat mehrere Tage gedauert, bis sich die„A. St." unter dem Druck der Kritik bereitsand, ihr blamables Er- g e b n i s zu veröffentlichen. Stellt Warnungstafeln auf! Mon schreibt uns aus Anwohnerkreisen: Vor kurzem ereignet« sich gegen 12H Uhr an der Ecke Voigt- und Rigaer Straße ein schwerer Zusammen st oß zwischen einem Radfahrer und einem Geschäftsauto. Die Schuld- frage zu klären, bleibt dem Gericht überlasten. Tatsache ist, daß der Radler mit schweren Verletzungen dem Krankenhaus übergeben werden mußte. Durch den Bau der Untergrundbahn in der Frankfurter Allee wird der Dagenverkehr zu einem beträchtlichen Teile durch die parallel verlaufende Rigaer Straße abgelenkt. Ihre Querstraßen, die Pettenkofer, Voigt-, Samariter-, Proskauer. Zelle- und Liebigstraße, haben mehr oder weniger starke»«efälle zur Frankfurter Allee. Diese Eigenart der Straßen- züg» verleitet leider manchen Radfahrer zu hemmungslosem Ge- brauch seiner Maschine, so daß Unfälle schlimmster Art stets zu befürchten sind. E, wäre darum für die Zeit bis zur Beendigung der Baulichkeiten In der Frankfurter Allee durchaus Gebot, wenn an den Straßenkreuzungen Warnungsfchilder für die Radfahrer auf- gestellt werden. Oeuischer Tag in Chikago. Schwarz->iot'Go?v im Auestande. End« Mai fand In C h i e a g o die diesjährige Feier des„Deut- schen Tag«»", verbunden mit einer Karl-Sehurz�hning, statt, wozu sich etwa 60000 Deutschamerikaner«ingefunden hatten. Unter den historischen Gruppen siel besonders die von dem Reichsbanner Schworz-Rot-Sold gestellte..Der Wiederaufbau Deutschlands unter den Farben Schwarz-Rot- «« l d" und die neu« Germania(Republik) auf, die bei dem Einzüge in dos Stadion stürmisch begrüßt wurden. Im Gegensatz zu den früheren Feiern stand der diesjährig« „Deurfche Tag' unter dem Zeichen von Schwarzrot- g-ild. Er dürfte den Beweis bringen, daß auch die Deutsch. -merikaner unter der neuen Reichsslagge ihrer alten Heimat die Lieb« bewahren werben._ DJetl« für Berlin: Vorübergehend etwa» stärker« Bewölkung, sonst heiter und mäßig warm, südwestliche Winde. Für Deutschland: In Nord- und Mitteldeutschland zeitweise heiter, im Westen starker bewölkt, im Süden noch Neigung zu NiederMägen. überall maßig «arm. Wilhelm Kahl. Zu seinem achtzigsten Geburtstag./ Von Gustav Radbruch. „So vieles uns auch voneinander trennt, es gibt doch erfreu- licherweise auch Dinge, in denen wir übereinstimmen, und dazu gehört die Verehrung des Verehrungswürdigen/' Mit diesen Worten begann in der Reichstagssitzung vom 21. Januar 1927 Otto Landsberg seine Antwort aus die große Rede, in der Wilhelm Kahl den Entwurf des Strafgesetzbuchs eingeführt hatte. In dieser Gesinnung ehren auch wir heut« hinweg über den Gegensatz der Weltanschauung und Parteistellung, die uns von ihm trennt, den achtzigjährigen Wilhelm Kahl. Es gibt Menschen, in denen gleichsam die Altersform ihres Wesens bereits vorgebildet ist und denen deshalb das höchste Alter erst volle Erfüllung ihres Wesens bedeutet. Solcher Art war Theodor Fontane, solcher Art ist in ganz anderer Weise— so verschieden wie seine erztönig« Rede von Fontanes leichter Ironie— Wilhelm Kahl. Gewiß war Kahl in jungen Jahren als Kenner des Kirchenrechts schnell emporgestiegen, auch wohl als nationalliberaler Politiker hervorgetreten, aber noch gehörte er nur der Wissenschaft, vielleicht auch der Partei— noch nicht dem ganzen deutschen Volke. Einmal freilich stand er bereits im Mittelpunkte des öffentlichen Interesses. Heute ist uns de« Lippesche Thronfolge st reit von 1896 eine Duodezanyelegenheit, damals aber gehörte ein ganzer Mann dazu, um als Berliner Profestor das Recht des„Biester- felders" im Gegensatz zu einem eigenwilligen Herrscher, der damals auf dem Höhepunkt setner Macht stand, und zu dem Juristen, der fast ebenso uneingeschränkt die deutsche Staatsrechtswissenschaft be- herrschte, zu Paul Laband, durchzukämpfen. Aber der Platz im deutschen Volte, den er heute einnimmt. gewann Kahl erst, als er nach der Revolution in die Verfassung- gebende Nationalversammlung eintrat. Er hat gegen dieselbe Der- fastung, für die er im Derfassungsausschuß wertvolle Arbeit geleistet hatte, in der Volloersammlung mit seiner Partei seine Stimm« ab- geben müssen. Aber nach guter Iuristenart hat er sich für dieselbe Verfassung, die er bei ihrem Entstehen verworfen hatte, als sie Gesetz geworden war, mit der vollen Kraft seines Wesens eingesetzt. Wenige haben für das Ansehen der Weimarer Verfassung bei denen, die ihr ursprünglich ablehnend gegenüberstanden, so viel geleistet wie er. Schon während der Kämpfe um das Republikschutzgesetz hat er sich einen„verfassungsmäßigen Republikaner" genannt. Auf der denkwürdigen Weimarer Tagung deutscher Hoch- schullehrer im April 1926 hat er dieses Bekenntnis mit starten Worten unterstrichen: „Wie kann und muß Staatsgesinnung sich konkret darbieten und auswirken? Ein anderes Zeichen gibt es nicht als recht und schlecht die ehrliche Anerkennungeiner ober st«n ge> meinsamen bindenden Norm, der Verfassung des Reiches. Die Verfassung als solche ist der feste Sammelpunkt des Volkes um seinen Staat, sie muß auch der Sammelpunkt der Universitätslehrer aller politischen Richtungen sein." Und wie er damals die Universitätslehrer für die Verfassung zu gewinnen suchte, so hat er in jüngster Zeit sich die Versöhnung der Kirchen mit dem neuen Staat angelegen sein lassen: aus seine Anregung ist der Beschluß des Eisenacher Kirchen- ausjchulses zurückzuführen, der den Kirchen zum 11. August dieses Jahres die Veranstaltung von Versassungsfeicrn empsiehlt. Als Mann des Rechts hat Kahl den Weg zur Verfassung ge- funden. Als Mann des Rechts war keiner wie er berufen, die erste Stelle im R« ch t s a u s s ch u ß des Reichstages einzunehmen. Er wurde der zum mindesten ebenbürtige Nachfolger Spahns, der lange Jahre hindurch mit Güte und Klugheit, mit ssiner leisen Greisenstimme, die noch leiser wurde, wenn er es klug fand über- hört zu werden, und feinem feinen Gehör, das ebensogut zu über- hören wie zu hören verstand, in allgemein geachteter Autorität den Vorsitz im Rechtsausschuß geführt hatte. Zwei grundverschiedene Männer— aber jeder von ihnen ein Meisterl Mit der nächst dem Reichsjustizministerium repräsentativsten Stelle der deutschen Gesetzgebung verband aber Kahl den sichtbarsten Platz innerhalb des deutschen Juristenstandes. Viermal Hot er Iuristentagen Vorsitzen dürfen, und mit seinem Fonngefühl oielhundertköpfige Versammlungen zu geformter Einheit gestaltet, mit der Kraft und Güte seines Wesens das Herz sedes einzelnen unter ihren Teilnehmern gewonnen. Möchte Kahl in gewohnter Frische mit seiner großen zelebrierenden Kunst(der große Kirchen- rechtler möge den kirchenrechtlichen Ausdruck entschuldigen) auch dem nächsten Iursstentage— in Lübeck— vorstehen. Zur großen Lebensaufgabe aber wurde für Kahl die Straf- rechtsreform. Seit im Jahre 1902 durch jenen berühmten Ertlärungsaustausch zwischen ihm und dem großen Franz v. Liszt der kriminalpolitische Schulenstreit ausgeschaltet und der Weg zur Strafrechtsresorm frei gemacht worden war, hat er. auf fast jeder Stufe an der nun schon über mehr als ein Vierteljahrhundert sich erstreckenden Reformarbeit tätig teilgenommen, bis seine Arbeit ihre Krönung fand in der Leitung des letzten Abschnittes des Reformwerks. im Vorsitz des Strafrechtsausschusses zweier Reichstage. Wir wissen, daß wir Kahl an seinem achtzigsten Geburtstag keinen will- kommeneren Wunsch darbringen können als den, daß es ihm be- schieden sein möge, die Strafrechtsreform zur Vollendung zu führen. Keine Frage der Strafrechtsreform aber ist mit seinem Namen so fest verknüpft wie die Frage der Todesstrafe. Auf dem Wiener Iursstentage im Jahre 1912 hatte er gegen Liepmanns stürmischen Angriff auf die Todesstrafe ihr« Verteidigung geführt. Er hatte sich die Formel Labands zu eigen gemacht,„die volks- tümliche Rechtsanschauung sei die einzig«, aber auch vollkommen genügende Rechtfertigung der Todesstrafe", sich damit aber zugleich für den Fall einer Aenderung der Volksüberzeugung eine ver- änderte Stellungnahme zur Todesstrafe vorbehalten. Die ungemein taktische Klugheit, die bei Kahl immer wieder in Erstaunen setzt, hat sich auch hier bewährt. Sie ermöglichte es ihm. dem Druck der zunehmenden Gegnerschaft gegen die Todesstrafe im Volke schritt- weise zu weichen, und wenn es bei dieser Strafrechtsreform gelingen wird, die Todesstrafe zu Fall zu bringen, so wird keinem daran ein größeres Verdienst zufallen als Wilhelm Kahl. Er ist Jahr- zehnte hindurch unter den Anhängern der Todesstrafe die reprä- ssntativst« Gestalt gewesen. Seine Umstellung, die sich aus seiner früheren Haltung durchaus folgerichtig ergibt, muß die Umstellung vieler seiner Gesinnungsgenossen nach sich ziehen. So feiern wir heute ein achtzigjähriges Leben, das in den Er- eignissen des Tages so tief verflochten ist wie nur irgendein jüngeres Leben, das köstlich ist, weil es noch heute Mühe und Arbeit fast im Uebermaß ist. Wir neigen uns vor einem jener alten National- liberalen, bei denen der Ton nicht nur auf dem ersten Teil, sondern mindestens so stark auch auf dem zweiten Teil des Parteinamens ruht. Wenn Liberalismus die Achtung vor jeder Ueber- z u g u n g ist, dann ist Wilhelm Kahl«in bis ins Innerste fernes Wesens libergler Mann. Wer fremd« Ueber- zeugungen achtet wie er, den zu ehren ist auch Vertretern einer andern Ueberzeugung Psticht und Freud«. Triumph des Arbettergesanges. Berliner Festspielereignisse. Internationale des Volksliedes. Ereignis der Woche: Konzert des Deutschen A r b e i t�e r- sängerbundes im Rahmen der Berliner Festspiele. So wenig es Zweck unserer Bemühungen ist und sein darf, die Arbeitersänger- schaft geradeswegs in den bürgerlichen Konzerts«il. In die bürgerlich« Konzertwelt eindringen, und gor. sie darin ausgehen zu sehen: es ist gut, wenn hie und da die Klassenschranken, die das proletarische vom bürgerlichen Musikleben scheiden, ausgehoben werden, und«s war viel wert, die Leistungsfähigkeit unserer Chorkräft« einmal wieder an der traditionellen Stätte der großen bürgerlichen Konzerte zu erproben— im großen Saal der Philharmonie» der glänzend besucht war, wenn auch nicht von den Fachoertretern der bürger- lichen Presse—, zu erproben vor einem vorwiegend bürgerlichen Publikum. An dem außerordentlichen, ehrlichen Erfolg halten alle mitwirkenden Chorvereimgungen— Berliner Bolkschor, Berliner Sängerchor, Männerchor Fichte-Georginia, Typographia und ihre Dirigenten, Dr. Ernst Zander, Philipp Heid, Wilhelm Knöchel, Dr. Hugo Strelitzer— vollen Anteil. Ein paar Tage zuvor gab es im gleichen Rahmen ein Konzert des Lehrergesangvereins und der Liedertafel, also bürger- licher Männerchöre. Daß insbesondere der Lehrerchor, was Aus- wähl der Stimmen betrifft, dem Durchschnitt unserer Arbeiteroer- bände weit überlegen ist. dürfen wir nicht verkennen, und es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß hier unter der ständigen Füh- rung eines Chormeistcr wie Prof. R L d e l ein sehr hoher Grad musikalischer und gesanglicher Kultur erreicht wird. Doch welch ein Unterschied der Programme, welch ein Unterschied der künstleri- schen Weltanschauungen, der sich in den Programmen dieser beiden Abend« kundgibt. Di« bürgerlichen Ehör«, mit Werken zeigenössi- scher Komponisten zum größten Teil, hielten sich wesentlich in den herkömmlichen Grenzen gehobener Liedertafelei:«ine 16stimmige Kantate von Walter Moldenhauer„Abend. Rocht und Morgen" fesselt immerhin durch interessante allerdings ein wenig anspruchs- volle Arbeit. Programm des DA'�.-Abends:„Stimmen der Döl- ker". Deutsch«, französische, italienische, russische baskische, böh. mische, norwegische, griechische Volksweisen. Internationale de» Volksliedes— keine präsentaüver« Idee hätte sich für dos Pro- gramm dieses repräsentativen Arbeiterchorkonzerts finden lasten. Alte Volkslieder in neuer Bearbeitung: alle THorfätze waren den Sammlungen des DAS. entnommen. So gab das Programm, das in stattlicher Reihe die Namen der Bearbeiter, Musikernamen von bestem Klang, wie Siegfried Ochs, Alfred Guttmann, Robert Kahn. Felix Molden, aufwies, zugleich ein imposantes Bild von der literarischen Arbeit des DAS. und seiner kulturell aufbauenden Wirksamkeit. Internationale Musik und Arbeitergesang. Und noch einmal hat der Anlaß der Berliner Festspiele den Arbeitersängern Gelegenheit zu bedeutsamem Hervortreten geboten. „Musik für Arbeiter", heißt die letzte Nummer im Konzertprogramm dr„Internationalen Gesellschaft für neue Musik", Es sind vier Chöre von Hanns Eisler, die gelegentlich der Urauf» führung im„Vorwärts" eingehend gewürdigt worden sind: dar- unter die Männerchöre„Lied der Arbestslofen" und»Bauernrevolu» tion". Roch einmal dürfen wir mit Genugtuung feststellen» daß eine Musikergruppe, deren Streben der Förderung des musikalischen Fortschritts dient, dem Fortschritt der Arbeitermusik ihren Respekt bekundet. Diese„Bauernrevolution" hat nun auch vor einer Hörer- schaft der Musikfachwelt als Elementarereignis eingeschlagen: sie mußte zweimal gesungen werden, es war der große Erfolg des Abends, und die prachtvolle Lesstung unseres Schubert-Ehors unter der unwiderstehlich mitreißenden Leistung seine« Dirigenten Karl Rankl, hat bei den Kennern, die den Saal der Singakademie füllten, aufrichtige Bewunderung, in die sich fast ungläubiges Staunen mischte, erregt: ein großer, glänzender Sieg der Berliner Arbeitersänger. Im Programm, das als Erstaufführungen Kompositionen von 5)indemith und Iarnach brachte, stand ein bißchen kurio» in unmittel- barer Nachbarschaft dieser Arbeiterchorstücke— ein Quintett von Hans Pfitzner, wie mau weiß, einem erbitterten Gegner der ganzen Ar- beiterchorbewegung, die für ihn wohl gleichbedeutend mit Derpöbe- lung der Musik sein mag. Gibt es eine heutige Strömung, die dem Reaktionär burgerlich-bornierter Deutschtümelei noch verhaßter ist als die unsere, dann ist es jene, der die„Internationale Gesellschaft für neue Musik" ihren Namen oerdankt. Doppelt kurios, daß es just dieser Gesellschaft vorbehalten blieb, den Komponisten Psitzner anläßlich seines 60. Geburtstages durch eine öffentliche Beranstal- tund in seinem Werk zu ehren— nachdem, seltsamerweise kein? unserer Operninstitute den Anlaß wahrgenommen hat, den be- deutenden Musikdramatiker in einer repräsentativen Opernauffüh- rung zu Wort kommen zu lassen. So wird denn auch diese tammer- musikalische Psitzner-Feier— dank der Mitwirkung von Schnabel. chindemith, Wolfsthal, Feuermonn, eine künstlerische Leistung von höchstem Rang— zu einer Begebenheit von einigermaßen sensatio- nellem Reiz. Xlaus prin�zbeim. Kinderkomödie. Tribüne:„Osterferien�. In Romain Coolus' Komödie„O st e r s e r i e n" knistern sexuelle Probleme, aber nur von weitem. Der Berfasser greift sie vorsichtig auf und läßt sie sogleich wieder fallen. Darüber sind wir nicht weiter unglücklich. Wenn so, wie sie Romain Coolus sieht, interessieren sie höchstens unsere Großmütter. Wie stellt sich der Junge zu den Liebschaften seiner Mutter? Das ist hier die Frag« Der Klein« ist zu den Osterferien au; seiner Pension ins mütterliche cheim gekommen und sieht sich da einer ver- wirrenden Menge von Liebhabern gegenüber, von denen ihm die einen sympathisch, die anderen unsympathisch sind. Wie das so geht, ist ihm der am widerwärtigsten, den seine Mutter am meisten liebt, und er erwischt die beiden in einer Kosestunde. Da verdunkelt sich da» Idealbild, das er sich von seiner abgöttisch geliebten Muttex gemacht hat und er bekommt prompt eine Rervcnkrise, was der Mutter äußerst peinlich ist: denn dadurch fällt ein eb«n verabredetes Schäferstündchen mit dem Geliebten ins Wasser. Dem Jungen stürzt seine Welt nicht deshalb zusammei', weil ihm die Lieb« zwischen Mann und Frau etwas Unbegreifliches ist, sondern weil ihm gerad« dieser Liebhaber nicht paßt. Nachdem der Verfasser also ein wirk- lich interessantes Problem unbearbeitet hat liegen lassen, wundern wir uns auch nicht mehr, wenn der Junge nunmehr dafür sorgt, daß die Mutter mit einem anderen eine Liebschaft beginnt, der ihm sympathischer ist. Erst gegen den Schluß des 2. Aktes wacht der Zuschauer aus der Lethargie auf, in die ihn die bedächtig dahinplätschernden Bühnengespräche gewiegt haben. Da erst wird nämlich die Mutter in klasi-anli ertappt, und die Nuance, daß es nicht wie in sonstigen französischen Gemeinden Komödien durch den Ehemann, sondern durch den minderjährigen Sohn geschieht, entschädigt nicht für die bis dahin verzapfte Langeweile. Wer Sinn für 5)umor hat, freut fickx über die mütterlichen ErZiehungsküiiste, die der Verfasser übri- gens bitter ernst meint. Trotzdem ist das Publikum bei der Erstaufführung entzückt, vor allem über Alma S e i d l e r, die die Bombenrolle des Jungen auf herzig anlegt. Man merkt ihr zwar die Frau auf 10 Meilen gegen den Wind an, aber sie ist so frisch, beweglich, luftig und flege'haft wie ein richtiger Junge. Die übrigen Darsteller— Annemarie Site I nsi eck, Martha A n g e r st e i n, Hugo Werner- Kahle, Egon von Iorgan und Artur S ch r ö d er— leben nur in ihrem Schatten, obgleich sie ebenso nett, aber weniger aufdringlich spielen. lernst Degner. ,/Oie Weber" als Festspiel. Staatstheater. Als dieses Elend des webender» Proletariats, dieser Schrecken der Vergangenheit, den Ießner einstmals so schlicht und eindring. lich aufgebaut hatte, wieder jammert« und rebellierte, begab sich etwas Merkwürdiges: die Leute im dünn besetzten Parkett und auf den verwaisten Rängen blieben kalt. Sie waren beinahe entrüstet, daß ihnen soviel tragische Wahrheit zugemutet wurde. Schon diese eindeutig«, gar nicht übertriebene Unglücksbotschaft schaffte ihnen Unbehagen. Sie schienen sich nach dem Riesenspektakel der Zirkus- regisseure zu sehnen und hatten vergessen, was Ießner alles in den letzten Jahren leistete, als er den Bildstil und Sprachstil der moder- neu Bühne vereinsachte. Sie erinnerten sich nicht mehr daran, daß Ießner es war, der die Romantik dch Theaters ausrottete, die immer etwas muffig und rückständig gewesen war. Ießner schüttete gewiß manchmal zuviel kaltes Wasser auf die tropischen Genies, doch er hielt sich immer in den Bezirken des Geistes. Es ist nicht wahr, daß er«in Theatermann der politischen Konjunktur gewesen ist, er war nur ein Theatermann, der den Zusammenhang mit unserer realistischen Zeit nicht verlieren wollte. Dos Gelddefizit unseres Staatstheaters ist nicht von Pappe. Viel bedenklicher ist icdoch der Mangel an Berständnis, mit dem all« echten und verkappten Kultur- reaktionäre jetzt über Iesiner herfallen. dl. H. „polnische Wirtschast." Die Erinnerung an di« rauschenden Operettenerfolge der Väter- zeit liegt unseren Direktoren immer noch kitzelnd in der Nase. Schließlich, was vor zwanzig Iahren die Welt entzückte, kann doch heute noch nicht ollen Reiz verloren haben. Also versucht man es getrost und holt die alten Textbücher wieder vor. Diesmal war es die„Polnische W i r t s ch a f t", die im D e u t s ch e n Künstler- t h« a t e r dran glauben mußt«. Man gab sich redliche Mühe, den früheren Erfolg wieder zu erringen, aber die alten Operettenbeine «ollen doch nicht mehr so recht mit. Zwar zündet die ehedem so populäre Musik Jean Gilberts immer noch, aber Text und Situation sind doch schon reichlich angestaubt. Wenn der Abend trotzdem nicht ganz verloren ging, so war es der ausgezeichneten Darstellung zu danken. Allen voran West ermeier, an Stelle des verstorbenen Rieck. Neben ihm quecksilbern Iunkermann und der ausgezeichnet tanzende Fuß über die Bühne. Die H e ch y gefällt als aufgewecktes Berliner Mädel, ihre polnische Rivalin. Hertha o. Walter könnte um einige Grade temperament- voller sein. Trotz des warmen Beifalls der vergangenen Generation konnte man das leise beklemmend« Gefühl»ich/ los werden, daß hier ein Stück altes Theater zu Grabe getragen wurde. W". J. Das Weib des Gardisten. Beba-Palast- Atrium. Wollt ihr wisien, was der stumme Film für Augengenüsse bereiten kann, so s«ht euch diesen neuen Russenfilm an. Aus einem Mosaik von vielen, vielen quicklebendigen Einzelheiten ist er zusammengesetzt. Die Regisseure Stri schal und D. Posnan- s k! j haben die Kunst ihrer Vorgänger, den Augenblick und das bezeichnende Detail«inzufangen— soviel die Wimper hält— womöglich noch weiter entwickelt. Das russische Dorf lebt im Ver- laus der Jahreszeiten vor uns auf. Der Frühling öffnet seine Augen, das reifende Korn wirft seine Wogen, Gewitterstürme brausen einher, der Herbstwind fegt die letzten Blätter weg. Und dann die Menschen bei der Arbeit: beim Spinnen und Weben, beim Waschen und Kornschneiden. Ein unerschöpfliches Bilderbuch, das immer n«ue Ueberraschungen bietet. Die Photographie beherrscht in gleicher Vollendung die Stimmungen des Himmels wie die der engen, dunklen Stuben. Ach, wenn der deutsch« Film es doch auch verstünde, die Bauern und Arbeiter zu entdecken! Die Handlung steht natürlich im Dienst« Sowjets. Die junge kraftvolle Frau, die wider Willen einen rohen Bauern hat heiraten müssen, erfährt während des Krieges das Glück echter Liebe mit einem österreichischen Kriegsgefangen«n, den sie in Dienst nimmt. Noch der Revolution geht er zu den Roten über und verläßt Frau und Kind um der Sache willen, kommt aber nach zwei Iahren zurück an der Spitze der Roten. Der Mann der Bäuerin, der di« Weißen befehligt, erschießt ihn heimtückisch und fällt dann selber der Rache der Roten zum Opfer. Kurz war dos Glück der jungen Frau. Sie wird für di« Sache ihres Geliebten weiter kämpfen. Die Darstellerin Emma Zesskarskaja wird dem Wunsch des Kino- besuchers, einen sympathischen und womöglich auch schönen Menschen im Mittelpunkt der Handlung zu sehen, in hervorragendem Maße gerecht Sie ist ein« Prachtgestalt mit großen, faszinierenden Augen und klugem Ausdruck. Sie ist der idealisierte und heroische Typus der freiwerdenden russischen Frau. Der Kriegsgefangene, so gut er verkörpert wird, verschwindet zeitweise daneb«n. Die Bauerntypen bieten, wie immer bei den Russen, eine Fülle echter, markanter Gesichter._ r. Chaplin in„Abenteuer". Alhambra. Zwei kleine, alt« Grotesken, gedreht, lange bevor Chaplin an „Goldrausch" oder„Zirkus" dachte, sind zu einem neuen Film»er- schmolzen worden. Man hat sie bereits gesehen vor Iahren in den Beiprogrammen, als Chaplins Name für Deutschland gerade am Horizont austauchte. Verglichen mit den Großfilmen sind sie naiv, unbelastet, aber sie zeigen bereits die ganze Technik und den ganzen Aufbau der. späteren Werke. Im„Goldrausch" läßt Chaplin eingangs eine Goldgräber- karawan« durch die Schneefelder Alaskas stampfen, ein realer Auftakt, eine sicher« Fundierung.«he die Dinge ihr merkwürdiges Eigenleben führen und ehe der groteske Cancan beginnt, der durch Ueberspitzung der Logik die vernünftige Ordnung des Lebens in ihr Gegenteil verkehrt. Auch hier in„Zlbenteuer" zuerst zwei Szenen. die aus jedem Gesellschaftsdrama stammen könnten: das Bordleben auf einem Schnelldampfer und auf einem Auswandererschiff- Zwei kurze Aufnahmen, und sie beleuchten schlaglichtartig sozial« Gegen- sätzc, reißen den Abgrund auf, der Begüterte und Enterbt« trennt. Man steht auf realem Boden, mitten in der Wirklichkeit, die Melodie ist angeschlagen, und man zweifelt nicht mehr an dem Folgenden. Vielleicht sind diese Grotesken in ihrer ursprünglichen Form zehn Jahr« alt, vielleicht noch älter, aber Chaplins Kunst wirkt unverwelkt. Der geniale Gestalter ist hier genau so Meister wie in den späteren Schöpfungen, und so bedeutet dieser Film trotz aller Primitivität ein Erlebnis, köstlich und schlackenlos, wie wir es selten genießen dürfen. L. Ießner auf weitere 5 Jahre Theaterintendant. Das Rätselraten um ein weiteres Verbleiben Ießners in seinem Posten als Generalintendant der Berliner Staatstheater hat nun, mehr sein Ende gefunden. Der neue Vettrag ist vom preußischen Finanzminister unterschrieben und dem Kultusministerium übergeben worden. Ießner, der ursprünglich die Absicht hatte, auf einem zehn- jährigen Vertrag zu bestehen, hat sich nunmehr auf die Zeit von fünf Jahren eingelassen, da ihm durch Erhöhung seiner Bezüge um fast 50 Proz. finanzielle Konzessionen gemacht wurden. Gasmasken für Automobile. Die Stadtbehörd« New Porks hatte einen Wettbewerb veranstaltet, in dem die Aufgab« gestellt war, durchführbar« Vorschläge für di« Reinhaltung der New-Porker� Stadüuft zu machen. Ein Ingenieur, der aus Grund eingehender Studien festgestellt hat, daß den Houptanteil an der Verschlechterung der Stadtluft die Auspuffgase der Automobile haben, hat einen sehr einfachen Vorschlag gemacht. Er regt an. in den Auspufstopf des Automobils einen Filter, wie er in den Gasmasten während des Krieges gebräuchlich war, einzubauen, der Entgiftungspatronen für die Verbrennungsgase enthält. Ein Porträt oon üarl Marx erschien im Verlage der Wiener Volksbuch- Handlung. ES ist im Viersaibendrucl dcigcstcNl und vom Maler Otto Friedlich auSgcsührt. Ter Preis des Kunstblattes, Papiergröste 60X75 om, Bild- gröhe SIXSKem, wurde mit Rm. 3.— testgeiebt. Bestellungen übernebmen alle Buchhandlungen, sowie der Verlag Wiener VoltSbuchhandlunz, Wien Vl. Gumpendorserstraize 18._ Theater der Woche. Vom-16. bis 24. Juni Volksbühne. Theater am Bülamplatz: Berlin, wie es weint und lacht! Theater am Echissbauerdamm: Die Dreigroschenoper. Thalia-Theater: IS. Die Pfarrhauskomödie. Ab 17. geschlossen. Staatstheater. ßpet am Platz der Revutlit: IS. und 22. Neues vom Tage. 17. Svmvbonie. koniicr! iStrawinski-Abendt. 18. und 24. Soffmanns Erzählungen. 19. Oodivus Rex. 20. Carmen. 21. Diktatur. Das geheim« Königreich. Echwergewilyt. 23. Iphigenie auf Tauris. Oper Unter den Linden: 1k. Carmen. 17. Caoalleria. Baiapzi. IS. und 19. Gastspiel Diaghilesf. Ballett. 20. ssigaros Hochzeit. 21. AndrS Chenicu, 22. 10. Enmphonietonzert. 23. Dr. Jaust. 2t. Titus. Städtische Oper Charlottenburg: lk. Die Entführung aus dem Serails 17. Piguc-Dame. 18. Tristan und Isolde. 19. Othello. 20. und 21. Gassspiel Diaghilesf. Ballett. 22. Die schwarze Orchidee. 23. Boheme. 24. Madame Butterfln. Schauspielhau» am Gendarmenmarkt: 1«., 17., 19., 20., 22. und 24. Störun» gen. IS. Weh dem, der lügt. 21/ Tlvrian Gcner. 23. Napoleon. Schiller. Theater: IS.. 17., 19.. 20., 22. und 24. Der Krisrur von Roßlade n, 1«..Di« Weber. 21. und 23. Sespensler. Theater mit festem Spielplan: Deutsch«, Theater: Die Kledermaus.— Die Komödie: Der Mann, detz seinen Nomen änderte.— Theater am Nolrudarsplatz: Die Männer der Manon. — Theater ia der Köaiggrätzer Straße: Rivalen.— Komadlenhaus: Eharlen» Tante.— Theater des Beftrns: Kriederile.— Deutsches Künstler-Theater: Polnische Wirtschast.— Lustspirlhau«: Arm wie eine Kirchenmaus..— Lrsfiag» Theatrr: Ich betrüg dich nur aus Liebe.— Metropal-Theater: Blaubart.— »erliuer Theater: Reporter.— Die Tribüne: Osterferien.— Kleine» Theater: Nah oder trocken?— Nenaissance-Theater: Die heilig« Klamm».— Plaza, Wintergarten, Srala! Internationales Variete.— Reichshalleu-Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottbusser Damm: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Irianon-Theater: 1k. Die drei Dorfheiligen. Ab 17. Moral untrem Himmel bett.— Rase-Theatrr- Meiseken. Sartenbühne: lk. Sin Walzertraum. Ab 17. Die geschiedene Frau. Nachmiitagsvorstellungen. Volksbühne. Theater am Bülomplatz: 1k., 23. Trojaner. Thalia-Theater: IS. Die Pfarrkauskomödie.— Theater de» Westens: IS., 23. Kriederile.-» � Plaza: Internationales Barieie.— Wintergarten, Seal»: IS., 22., 23., Inte» nationales Variete. Erstaufführungen der Woche. Montag. Trio non- Theater: Moral»ntrrm Himmelbett.-4 Donnerstag. Schlotzvarl. Theater: Das große ABC. Verantwortlich für die Redaktion: Franz Klüh», Berlin! Anzeigen: Tb. Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m b. s.. Berlin. Druck: Borwärt» Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW SS. Lindenftraße 3. Hierzu 1 Beilage. ( ( (> Lichtspiele usw. Rose-Theater GroB« Frankfurt«« Str. 132. ragUcfa 8.14 Uhr. ]*leis«Ken KomSdlc In 4 Akten r. H. A. KUm Oartenbahne: 8,15 Uhr ein«Valz«rSn-aun Ab Montag, den 17. Juni ..vi» geschiedene Frau" stAl-a 8 Uhr 6 5 Barbarossa 9256 O'Hanion& zamöuni und die weuerea ittraktleiied Sennabend und Sonntag Ja 2 Verstellungen J» und• Uhr.— S® ermäßigte Rr. pJiAza l Am PtmtB Mtl. I Täg'ich S, 81' Sonntag 2, 5 8" INTERNAT. VARIETE U mersN sollst, neues Prouramm Vorverkaut stets für die laufende Woche inkl. Sonntag WinNjr ★ Gorren* I Silin» Zentr. Mio. Baaditr.erlantil Beb FUher singt:„Sonny Boy" Bon John Jezn-Olrls, Antonot A Boby und Wolter« I Varlotd-Nouholton. Sonnabend nnd Sonntag le 2 TonleUnngen J* und 8 Uhr. V kleine Preise. Volks btlbne tluit« iiBlltv)lifi * 8 Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Thalia- Theater S'h Uhr Ptarrhaus- homMie StaatLSdiiller-Ib. 8 Uhr Thealer an SdUtibaBerdamm. Norden 1141 u.281 Täglich 8 Uhr Der«rSchte Erfolg der> alion Drelgrosdien- Oper Otsl iMstln-Th. Täglich 8Vi Uhr; Polnische Wirtschaft Norden 12 310 Ende gegen 11 D.I. 8U„ Die Musik v.Joh. Strau B. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einstud. und Leitg. Erich Wolfg. Korngold. Thaiia-Theater Imdcasr Str. 72-73. S'h Uhr Deatsdiei Tbeater Kammerspiele D.I. Norden 12 310 80» U- Ende nach 10 Zum letzten Male: Autgang nurtdr Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Die Komödie 1 Bismck. 2414/7516 "», Ende geg. lO'hU. Oer Hann, der seinen 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Lessing-Tbeater Tägi ich 81/. Uhr imbetrfig'Didi aar aas Liehe Ein Stück mit Musik nach Verneuil. Tbentr am Rollendorrplalz Täglich 8'/. Uhr 9ie manner der manen Operette in 3 Akten v, Walter W, Coeue Barnowsky-Bottnen Theater in der KBnlggritzar ffriB» Täglich 8'/. Uhr Rivalen Komödienhaus Täglich SVsUhr Charieys Tante mit Curt Bois. Kleines Tlieater Täglich SV. Uhr NaBxtrtrodien? Lucie Mannheim, Max Adalbert, Herrmann-Schaufuß, Hermine Sterler, Fr. Holländer, Fr. Frlciiaiaan- Frederia. TheaL d. Westens Täglich 8i/« Uhr Sonntag ßih u. 8'/. Frau Ußan Weiler- folg Friederike Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 Trianon-Th. Täglich SV. Uhr Sonntag ä'/J u. SV. Gastspiel der Tnern- ster änacrnDDPiie Die 3 Dorthdiigen Ein tolierSchwank Preise: 2,3, 4.5 Mk. usw. 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Es war damals im Besitz der Brüder D i e r i g, die die rebellierenden Weber von Peterswaldau und Langenbielau durch ihr« Knechte und Kommis mit Knütteln von ihrem Haus« wegtreiben ließen. Eine andere ihrer Niederlassungen wurde dann am nächsten Tag zerstört. Hier in Langenbielau kam es am 5. Juni 1844 zum Zusammenstoß mit dem Schweid- nitzer Militär. Elf hungrig« Weber blieben tot liegen und 24 waren schwer verletzt. Das war im Jahr« 1844. Und heute nach 83 Jahren stehen die Weber wieder im Kampf gegen die Fabritherren. Die D i e r i g 21.-Ä. ist inzwischen der b e d e u- t e n d st e schlesische Textilbetrieb geworden, und der 2lusbeutungstradition der vierziger Jahre ist man treu geblieben. 2lber heute stehen den Fabrikherren nicht mehr willenlose 2lrbeitssklaven im Kamps gegenüber. Nicht mehr in blinder Zerstörungswut tobt sich die Erbitterung der notgepeitschten Masse aus. Der Gedanke gewerkschaftlichen Zu- sammenschlusses hat längst Boden gefaßt. Rund 80 Proz. der Arbeiterschaft sind hier am Ort organisiert, Eine Versammlung der Ausgesperrten. Vor den Fabrikelngängen stehen in Gruppen die Streikposten. Ruhig und eindringlich reden sie den wenigen Wochenlöhnern zu, die zur Aufrecht- «rhaltung de» Versandes noch beschäftigt werden, Solidarität zu üben. Nirgends kommt es zu Zu- fammenstößen. Die Straßen sind heute besonders stark belebt. Ein« Versammlung der Ausge- sperrten ist angesetzt. In kleinen Trupps kommen die Textilarbeiter, Männer, Frauen und Mädchen, und streben dem Versammlungsraum zu. Der Saalistvielzu klein, die Tausende zu fassen. Die Versammlung muß im Freien abgehalten werden. Di« Stühle überläßt man den Frauen, die Männer stehen dicht gedrängt, Kopf an Kopf. Helle Sonn« beleuchtet die schmalen Gesichter, käsige, bleiche Webergesichter, oft genug mit welker Haut. Tiefe Stille, gespannteste Aufmerksamkeit liegt über der Masse, sobald der Redner zu sprechen beginnt. Die Frauen sitzen andächtig lauschend, wie in der Kirche. Nur dann und wann kommt Erregung in die Versammlung, wenn von der Willkür der Fabritherren die Rede ist. Da werden dies« sonst so stillen Menschen lebendig. Leidenschaftliche Zurufe gellen auf, die die ganze Erbitterung oerraten, von der sie alle hier erfüllt sind. In der Dis- erbärmlich wie in Petcrswaldou und in Reichenbach. Beim Besuch von Textilarbeiterwohnungen treffe ich traurige Elendsbilder. Sechs, acht, sogar zehn Personen in einem engen Raum! Der Hausrat ist meist, den schlechten Einkommens- Verhältnissen entsprechend, denkbar primitiv. Da wohnen Eltern mit vier Kindern im Alter von 10 Monaten bis 8 Jahren in einer kleinen Stube. Zum Schlafen haben sie nur eine Wiege und zwei Betten. Eine andere Familie, Eltern mit 7 Kindern richtet sich so ein: Drei Personen in einem Bett, im anderen zwei: tde die fabrikherren nohnen. Villa eines Direktors der Die r ig A.-G. in Langenbielau. kussion schickt die KPD. ihr« Redner vor. Sie verteidigen ihre Geld- sammlungen, ihre Aktionen für und mit den' Unorganisierten und stoßen aus stürmischen Widerspruch. Sie sind ein hoffnungsloses, kleines Häuflein und wagen nicht einmal, von ihren Kampfleitungen zu sprechen, die sie in Langenbielau auch nicht zustande bringen konnten. Ein alter, weißhaariger Weber spricht. Schwer kommen ihm die Worte von den Lippen. Mühsam formt er die Sätze. Aber erbittert spricht er von den erbärmlichen Löhnen.„Es ist eine Schmach und Schande, daß wir Uns mit solchen Bettelpfennigen abspeisen lassen!" Stürmisches Echo findet er in der Versammlung und noch leidenschaftlicher wird die Zu- stimmung, als sich der Alte gegen die Aktionen der KPD. wendet. „Wir brauchen den Bettelsack nicht zu schwingen. Dmmit wird nur der Eindruck erweckt, als habe der Verband nicht die Mittel, den Kampf aus eigener Kraft zu führen!" Immer wieder kommt der feste Wille zum Ausdruck, fest zusamnienzustehcn und den schweren, ausgezwuiWenen Kamps zu einem siegreichen Ende zu führen Mit einem begeisterten Hoch auf die internationale Textil- arbeiterorganisation schließt die machtvolle, von leidenschaftlichem Kampsgeist erfüllte Versammlung. Langsam entfernen sich die Textil, arbeiter, gehen wieder in ihre grauen Häuser und ihre engen Wohnungen zurück. Binder des Elends. Vor der Aussperrung waren hier 4000 Textilarbeiter be» schäftigt, davon fast drei Viertel in Kurzarbeit. 2000 waren arbeitslos. Die Löhne find in Langenbielau ebenso So nohnen �exlilarbeiler, t Familien(5 Per Jonen) auf. 22 am.■Hie Hecke muJUe abqefletft werden, da einfluragefahr befiand. die beiden jüngsten sind in einer Wiege und einem Korb unter- gebracht. Mit 23 Mark(bei Vollarbeit) muß diese neun- köpfige Familie eine Woche leben. So viele Wohnungen ich auch besuche, immer das gleiche Bild: Eine Stube, zu klein für die vielen Menschen, unzureichende Bettenzahl. oft Lungentuberkulöse mit Gefunden im engen Raum. Und zu alledem die völlig unzureichenden Löhne, die durch Kurzarbeit noch ins Un- erträgliche bis auf 18 und 16 Mark in der Woche gesenkt werden. Wer die traurigen Wohnungsverhältniss« bei den TeM- arb eitern nicht selbst gesehen hat, möchte kaum glauben, daß solch Elend auf die Dauer ertragen werden kann. Die Menschen sind hier oft so eng in einen Raum zusammengepfercht, daß die Ge- meindeverwaltung i n 164 Fällen feststellen mußte, die Bewohner seien wegen U eberfüll ung der Wohnung, wegen g e- sundheitlicher und sittlicher Gefährdung der Familien dringend anderweitig unterzubringen. Ebenso ist es mit 33 anderen Wohnungen, deren baulicher Verfall ihre Räumung not- wendig macht, und mit weiteren 32 Wohmmgen, in denen T u b« r- k u l ö s e und Personen mit anderen ansteckenden Leiden die übrigen Mitbewohner gefährden. Aber die notwendigen Wohnungen sind nicht da und können auch nicht von heute auf morgen erstellt werden, zumal die Stadt eine Schuldenlast von 3,3 Mil- l i o n e n hat. Das sind fast 300 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung. Hier muß aus Staatsmitteln geholfen werden, denn dieses Zusammenwohnen im engen Raum ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht ist eine wahre Kulturschande, die beseitigt werden muß! Sieht man dann die prächtigen Villen der Fabrik- Herren und Direktoren, in denen eine einzige Familie über zehn und mehr Zimmer oerfügt, dann rechnet man sich unwillkürlich aus, wieviel Weberfamilien hier wohl Platz finden könnten. Hungerlöhne und Kinderelend. Die Folge der schlimmen Wohnverhältnisse und der entsetz- lichen Hungerlöhne sind Unterernährung und schlechter allge- meiner Gesundheitszustand, vor allem auch starke Ausbreitung der Tuberkulose. Am meisten leiden unter dem Elend die Kinder. Vielen ist ihr Elend ins Gesicht geschrieben. Man braucht nicht erst aus schulärztlichen Berichten zu erfahren, daß Körperbeschasfenheit und Ernährungszustand unter der Norm liegen und daß' sich häulig graziles Knochengerüst und wenig geräumiger Brustkorb finden. Nur 40 Proz. der Schulkinder hatten 1928 cmen zufrieden- stellenden Gesundheit?- und Ernährungszustand und 27 Proz. waren blutarm. Auf mein Ersuchen haben die Lehrer von zwei Schulen eine Befragung der Kinder durchgeführt. Hier das Ergebnis: Zahl der erfaßten Kinder......... 4l2 Kein er lt es Frühstück........ 88 Kein zweites Frühstück........... 98 Ohne erstes und zweitesF ruhstück. 44 Kein Mittagbrot............ 14 Kein Hemd........ 1 Unzureichendes Schuhwerk........ 82 Mit noch einer Person im Bett schlafen.... 241 Mit noch zwei Personen im Bett schlafen.... 8 Oie„Tibi" der Fabritanten. Die Unternehmer jammern der Oesfentlichkeit und den Be- Hörden in allen Tönen ihre«Rot* vor. von der man allerdings bei ihrem persönlichen Aufwand nichts merkt. Sie be- haupten, die Löhne seien gegenüber der Vorkriegszeit um weit mehr als 100 Proz. gestiegen! Wenn das wahr ist, wie jämmer- lich müssen dann die Löhn« 1914 gewesen sein! Das beliebteste Argument der Fabrikherren ist die Behauptung, daß die schlesischen Textilarbeiter weniger leistungsfähig feien, als die in anderen Bezirken. Die Löhne könnten deshalb nicht erhöht werden, ohne die Konkurrenzfähigkeit zu gefährden. ZLenn dos zutreffen würde, dann wäre der logische Schluß daraus: Mit unterernährten. schlecht bezahlten Arbeitern wird die Konkurrenz- sähigkeit und Arbeitsleistung nicht gehoben. Aber in Wirklichkeit sind ja die schlesischen Textilunter, nehmungen deshalb weniger leistungsfähig, weil sie es verabsäumt haben, ihre Betriebe rechtzeitig und umfassend zu modernisieren! Im übrigen hatten aber die schlesischen Textil- betriebe vom Herbst 1926 bis 2lnfang 1928 eine Hochkonjunktur, wie sie in der Textil- industrie kaum je erlebt worden war. Die Arbeiterschaft hat aber von dem daraus fließenden Millionensegen so gut wie nichts gehabt. Die Langenbielauer Firma Meyer Kaufsmann Textilwerk« A.-G. hatte 1927 einen Betriebsgewinn von 1 930 000 M.(Reingewinn 600 000 M.), also einen so starken Aufschwung, daß vorhergegangene Verluste vollständig gedeckt und außerdem noch 7 Proz. Dividende verteilt werden konnten. Im Jahre 1928 ergab sich ein Betriebs- gewinn von 1 600 000 M.(Reingewinn 283 000 M.). Allein in den letzten beiden Geschäftsjahren konnte das Unternehmen rund eine Million für Abschrei- bungen auf seine Anlagen verwenden! Das bedeutendste Unternehmen D i e r i g A.-G. in Langenbielau hatte in der Konjunkturzeit 1926 bis Anfang 1928 eine noch reichere Ernte. Damals war der Betrieb eine Familien-G. m. b. H. un!? hat deshalb seine Bilanz nicht veröffentlicht. Sein erster Abschluß als Aktiengesellschaft ist leider noch nicht bekannt, dürfte aber entsprechend dem vierfach größeren Betrieb noch weitaus g ü nst k- g e r sein, als bei Meyer Kauffmann. . In. den. Geschäftsberichten finden sich immer wieder Klagen der Unternehmer über mangelnde Kaufkraft der breiten Käuferschichten. Aber die Herren sträuben sich beharrlich, die Kaufkraft ihrer eigenen Arbeiter durch Lohnerhöhungen zu steigern. Herr D i e r i g hat sogar behauptet, 90 Proz. der schlesischen Textil- arbeiterschaft wolle überhaupt nichts von den Forderungen der Ge- werkschaften wissen. Das GegenteU ist richtig. Ich habe im Aus- sperrungsgebiet eine prächtige Kampfstimmung vorge- funden, und überall, zuletzt in der Versammlung in Langenbielau, den überzeugenden Eindruck gewonnen, daß die Arbeiter.» schaft geschlossen hinter den Gewerkschaften steht. Recht interessant ist aber, wie mir zuverlässig berichtet wird, daß der Aussperrungsbeschluß der Unternehmer nur mit einer Mehrheit Sireikpoften vor dem Betrieb der Dierig A.-O. in Langenbielau. von zwei Stimmen zustande kam. Die Hälft« der Unternehmer, die gegen die Aussperrung war, hat also mit'ihrer Abstimmung zum Ausdruck gebracht, daß eine Lohnerhöhung sehr wohl zu tragen wäre. Autoreifen als Schuhe. Für abgenutzte Autoreifen hat man jetzt eine neue 2)er- Wendungsmöglichkeit gefunden. Man fabriziert Sandalen aus Pneus. Diese moderne Methode scheint vor allem in Griechenland ihre Freunde gesunden zu haben. Ein Fabrikant bringt die so- genannte„Pneu-Sandale" itt den Handel. Diese originelle Schuh- bekleidung soll nur den dritten Teil des Preises einer Ledersandale kosten, und viermal so lange halten als die bisher übliche. Die Menge der gebrauchten Autoreifen Griechenlands genügt schon nicht mehr den Anforderungen der neuen Industrie, so daß Materiol«in- geführt werden muß. In Frankreich allein wurden in der jüngsten Zeit 300 000 gebraucht« Autoreifen von griechischen Industriellen aufgekauft. Da»„Viermännerbuch", aus dem die Sundgaugeschichten von Oskar Wöhrle entnommen sind, ist jetzt im Verlag„Der Bücher- kreis" erschienen. Außer Wöhrle find Borth el, Jung und Scharrer die 2luwren dieses Buches. Kürt'Heusers Er- Zählung.Sterbe» auf. einer Pflanzung" beginnt am Dienstag.- (13. Fortsetzung.) Oer pfiff im Theater. jjjjel), dnmols, als das passierte, und die ganz« Stadt am »ihcintnie in Aiisregnng versetzte, da war ich noch ein schwarz. paariger, schmächtiger Seidensärbergesell, in langen braunen Man- chesterhosert, mit breitem rotflanellenen Leibgurt, mit einer Kra- matte, in der sich der Wind fing wie in einer knatternden Seiden- sahne und mit einem Samthut noch wuchtiger und noch verbeulter als die die für gewöhnlich die beohrringten Hamburger Zimmer- leute tragen, wenn sie nach Feierabend, ausschreitend wie See- icutc, durch die Straßen flanieren. Ja, so sah ich aus, halb garibaldimäßig, halb wie einer, der aus Kunsttrieb Leinwand be- kleckst. Aber das Aussehen trog, ich hantierte weder mit ge- ladenen Pistolen, noch mit Palette und Pinsel, sondern ich stand leben Tag van morgens um sieben bis abends um sechs hinter meinem Trog in der Färberei Schetty in Klein-Basel und half mit, auf die Seid« im Bad die sieben Farben des Regenbogens zu legen und noch ein paar hundert Schattierungen mehr, je nach dem vorgelegten Muster. Es war«in nasses Handwert, das weiter von meinen Gaben nichts anstrengte, als die Augen und gewisse Muskel- Partien des Oberarms, und so ist begreiflich, daß am Wochenende, wenn der Zahltag gefaßt war, immer noch eine gut« Portton un- genützte Kraft übrig blieb. Aber wohin damit? Denn damals wäre, gemessen am Heute, noch unerhört geruhige Zeiten. So saß ich einmal Sonntags mit meinen Freunden Paula? und Jtterle zusammen, keinen Seidensärbern notaben«, sondern Burglibemer Bürgersföhnchen, die in Bafel die höhere Schulbänke drückten und die ebenfalls nicht wußten, wohin mit ihrem über- schüssigen Auftrieb. Das seien einmal elendige Zeilen, murrten sie, alles und alle wären nivelliert wie ein ausgewalzter Nudelteig, nur noch Fläche, keine Gipfel mehr, die Epoche des Heldischen (dabei knackten die Gelenke!) aus ewig dahin; man wäre dazu ver- tammt, in diesem Geschlechte rühriger Phäaken pflichtgemäß mtt- zuvegctteren, und schließlich sänke man in die Grube, ohne je Ge- legenheit gefunden zu haben, seinen Namen irgendwie in dem Marmor der Geschichte einzugraben. Schon aus der Geschwollenheit dieser Redensarten ist zu schließen, wie jung die Herren Gespröchsführer gewesen sein müssen. Na, war meine Gegenrede, so schlimm sei die Sache denn doch nicht. Es gebe selbst jetzt noch, in diesen verschimmelten Zeitläufen, allerlei Gelegenheit, seinen Mann zu stellen, wenn es darauf an- käme, und persönlichen Mut zu zeigen. Und das wäre?* Wenn zum Beispiel einer hinginge und im Theater, weim alle anderen klatschten, pfiffe. Das gäbe ein Verhältnis von 1 zu £00, und das erfordere immerhin Mut. ,,Und dos würdest du tun?" fragte der lange Jtterle. Warum nicht. '„Wellen wir?" Ja, wetten wir! Damit waren die Würfel gefallen. Ich mußte nun, wenn ich nicht vor mir selber als seiger Hund dastehen wollte, im Theater pfeifen.-Eigentlich ohne besonderen inneren Drang, lediglich aus einer Berhoppasserei heraus. Doch kriegte ich auf der Stelle Genickstärkung; denn Paulus, von meiner Courage gewärmt, sagte, er würde mittun. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Wir umschlichen die Theaterzettel, wie Panther ihre Beute. Eines Abends wurde.Die geschiedene Frau" gegeben; das schien der rechte Brocken zu sein. Wir kauften die Korten und setzten uns in Erwartung der kommenden Dinge hinauf in den Olymp. Das war, wie sich später zeigt«, ein schwerer taktischer Fehler. Denn das eine ist sicher, hätten wir Logenplätze gehabt, die gewohnte Niederlassung der kapitalkräftigen Leute, würde es der Polizei schwerlich eingefallen sein, uns, wie nachher geschah, einfach am Bändel zu nehmen. Richtig, wir hatten uns nicht verrechnet, im zweiten Akt geschah etwas, an dem wir ohne weiteres Aergernis nehmen konnten. Für die Zuschauer war's Nougat oder noch was Besseres; denn die wieherten geradezu vor Beifall, wir zwei Sittenrichter pfiffen aber durch die Finger, als gelte es. einen ausgerissenen Bern- hardiner zurückzuholen! Hei, wie das schallte. Ueberraschend, wie so ein Schrillton wirken kann! Beinahe hätte es eine Panik gegeben, solchen Schrecken löste unser Pfiff aus. Das Klatschen hörte auf einmal auf, als sei es mitten durchs gespalten. Den Sängern und Sängerinnen gefror der Ton am Munde. Eine sekundenlang« oollkonnnene Stille fiel ein. Alle Gesichter drehten sich zu uns hinauf. Die Szene hatte eben blitzschnell gewechselt. Nicht mehr die .nif der Bühne waren die Akteure, sondern wir da oben. Inzwischen hatte sich das Publikum erholt. Bon neuem brach der Beifall los, viel stärker als zuvor.. Aber sofort zerschnitten wir ihn wieder mit unseren Pfiffen. So noch ein paar Mal. Es gab ein Duell zwischen Beifall und Mißbilligung. Schließlich blieben wir erster Sieger; denn die unten auf der �uhiie wußten in ihren Holzschuhen und in ihrer Verzweiflung nichts anderes zu tun, als, ritsch!, den Vorhang herunter zu lassen. Die Lichter flammten auf im Theater, es wurde hell wie am Tag, und schon zertellte händeschlenkernd ein Landjäger die auf» geregten fleischernen Wogen der Zuschauergesichter und fahndete nach den unverschämten Pfeifern Prompt meldeten wir uns und trwrden ebenso prompt adge- kührt. Ueberflüssigerwcise machte ich einen Buckel und sagte:„Wir protestieren!" Aber als Antwort hieß es:„Du wirst dir bald eins Faust ins Genick protestiert haben, du Wackesl" Und richtig, meine Manchesterhose, der breite rote Flanellgurt, die fliegende Krawatte, die langen Haare, die müssen wohl etwas Herausforderndes und Aufreizendes an sich gehabt haben, wenigstens bekam ich unterwegs ein paar ganz respektable Polizeitnüffe und Püffe ins Gestänge, ohne daß ich dagegen etwas machen konnte. Schließlich nach vielem Treppab landeten wir im Bureau des Theaterdirektors. Da war schon eine ansehnliche Menge Bühnen- colls versammelt, das über uns hersiel mit neugierigen, spitzigen Schnäbeln. Geschnatter wie bei einem Teich im Frühjahr, wenn die Enten zum erstenmal das freie Wasser sehen. Alle wollten wissen, wer uns Zum Pfeifen angestiftet habe, Wir sagten, niemand anders als unser guter Geschmack. Wir haben aus eigener Machtvollkommenheit und aus eigenem Antrieb gepfiffen, weil wir nicht mehr mitansehen und mitanhören konnten, was für ein Dreck da serviert wird. Ist das noch ein Theater, mit Verlaub! Nein, das ist ein Stall. „Ha," schnaubte der Bühnengewaltigc,„ha, ihr Burschen, diese Injurie wird euch beim Eid teuer zu stehen kommen!" Der Mann kannte das Leben und seine Mechanik, daher hatte er leicht zu prophezeien. Der Spaß kostete uns wirklich allerlei. Paulus kam noch verhältnismäßig glimpflich weg. Ihm hängten sie bloß die silberne Ilhr ab und beschlagnahmten die zwanzig Franken, die er bei sich trug, dann war er entlassen. Ich aber, der ich als Seidenfärbergeselle noch keine Gelegenheit gefunden hatte, zu einer silbernen Uhr und zu zwanzig Franken dauerndem Kassen- bestand zu kommen; ich befand mich, wie sich rasch zeigte, als minder finanzkräftig, bedeutend im Nachteil; denn ich hatte infolgedessen das Vergnügen, eine Nacht im Lohnhof zubringen zu dürfen. Am nächsten Morgen gegen zehn Uhr kam meine gute Mutter und löste den verlorenen Sohn aus, indem sie 25 Franken deponierte. Sie zerfloß schier in Tränen; denn drinnen im Wireau hatten ihr verschiedene Sachkundige klargemacht, daß es mit nur nicht mehr richtig hinter der Stirnhöhle sein könne. Denn ein Mensch, der im Theater pfiffe, wenn er ein paar hübsch gewachsene Mädchenschenkel sehe, statt zu kloffchen, der gehöre schleunigst in die Friedmatt, und zwar von Rechts wegen. Der möge dann die Welt und ihren Um- trieb von der Gummizelle aus anschauen und das Gitter am Fenster für durchbrochene Damenwäsche halten, Richtung Burgfelden! Zu Hause angekommen, gab's eine väterliche Predigt, die so eindringlich und von so durchschlagenden Argumenten begleitet war. daß ich die Haupt- und Kraftstellen daraus noch heute Herfagen kann, und zwar auswendig, falls es gewünscht wird. Einige Wochen später stieg dann in Basel irgendwo in der Mllnstergegend die Gerichtsverhandlung. Der bewußte Landjäger trat als Zeuge auf und bekundete, wir beide hätten so scharf ge- pfiffen, wie die Milchinannen, die frühmorgens die Milch vertragen und die Dienstmädchen und die Mamsellen und die Madamen heraus- pfeifen, damit sie sich die Kannen füllen lassen. „Gepfiffen wie die Milchmannen!" damit waren wir genügend charakterisiert. Da brauchte weiter kein Heu abgeladen zu werden. Was drunten war, langt«! Unsere Verteidigung bewegte sich in sehr einfachen Linien. Keineswegs hätten wir Unfug stiften oder gar Skandal machen wollen, wie es uns die Anklage vorwerfe, sondern wir hätten ui�, lediglich über das minderwerttge Stück entrüstet, das ein Schmarren sei und nichts weiter. Mit dem Kauf der Eintrittskarte hätten wir uns ein Recht auf freie Meinungsäußerung erworben. So gut es den einen gestattet sei, Geräusche zu machen durch Zusammenschlagen ihrer Hände, genau so wenig könne es uns oerwehrt werden, Ge- rausch zu machen,«indem wir einen Luffftrom nachdrücklich durch die gespitzten Lippen streichen ließen. Ja, meinte der Vorsitzende, wenn uns das Stück nicht gepaßt hätte, warum wir dann nicht einfach aufgestanden und davon- gegangen wären, als stille Musterbürger. Ja, sagten wir, diese lautlose Form der Mißbilligung wäre uns nicht nachdrücklich genug erschienen. Wir wollten uns daraufhin noch ein langes und breites aus- Rätsel-Ecke nMiniiiiiiiiumiiiiiiiiiiiiiiuimnuiiiitniiiiiimiiiinunnuiiiinitiiniiiimMuiaMMi Kreuzworträtsel. W a g e r e ch t: 1. männlicher Vorname: 3. Gott der Lieb«; 7. Anmut; 10. Schisfsgerät; 12. Erdart; 14. Badestrand; 17. Hand» werkszeua; IS. Zweikampf: 20. fruchtvch-er Wüstenlandstrich: 22. Wasservogel; 25. Straßenart; 27. Prophet; 29. Hetzhunde; 31. Abschlagzahlung: 32. Stadt.— Senkrecht: 2. Molch; 4. Insel; 5. Halstuch: 6. Baum; 8. Teil des Wagens; S. Fremdwort sllr„und"; 10. Verhältniswort; 11. Tier; 13. Tonhalle; 15. weiblicher Vorname; 16. Gedichtart; 17. Getränk; 18. Richtblei; 20. Fluß; 21. Schneeschuh; 23. Gegentell von„alt"; 24. Tier; 25. Fürwort; 26. Verhältniswort; 28. geistlicher Würdenträger; 30. Gegenteil von„breit"(ch«in Buchstabe)., Nl. L. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Vernichtung, Drahtseil, Erhaltung, Abzug, Weltuntergang. Distel, Redlichkeit, Ergänzung, Kleister, Bttterkle«. Wartburg sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergefügt ein Zitat aus Wielands Oberon nennen, et». Silbenrätsel. an ähr au be dcl der di duld« er ew far ge ge gen grund hä her in ko le Ii na nal ne ne ni ni vhag ri ren ru sor ser tat tur wes wehr.— Vorstehende Silben ergeben, richtig zusammengesetzt. 13 Wörter folgender Bedeutung, deren An- fangsbuchstaben, von oben nach unten, deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, ein altbekanntes Sprichwort ergeben (ch—«in Buchstabe): 1 Kostenüberschlag: 2. grüne Wies«; 3. Grab- mal: 4 Reinigungsmittel; 5. abgekürzter Mädchenname; 6. Gebrauchs- und«chmuckgegenstand; 7. Tugend; 8. Vergangenes; g. Mittel zum Wändestreichen; 10. Landschaftsausschnitt: 11. Vogel; 12. Räuber; 13, russischer Dichter; ph, lassen über die Grundrechte eines Theaterbesuchers, aber einer der Herren Hinter dem Tisch riß uns den Faden unserer Rede glatt ab durch die Bemerkung, so ein gedoppelter Pfiff vor versammeltem Publikum sei eben unerhört: wenn uns das Baseler Theater und seine Darbietungen nicht zusage, so sollten wir gefälligst draußen bleiben in unserer Großstadt Burglibre mit ihren zwölfhundert Ein- wahnern, die zweifellos Wertvolleres zu bieten in der Lage fei, als das rückständige Basel. Auf diese Rede hin lachten die zahlreichen Zuhörer im Saal ganz unbändig, und sogar der Zeuge Landjäger verzog sein strenges Amtsgesicht in heitere Querfalten und langte schnell nach dem Ras- tuch, um sich für«ine Weile unsichtbar zu machen. Der Vertreter der Anklage ließ sich aber von der allgemeinen Lustigkeit nicht anstecken, sondern beantragte frisch aus der breiten Brust heraus und strengstimmig eine ganz exemplarische Bestrasunz, um so exemplarischer, als doch feststehe, daß 27 Jahre lang im Zu- schauerroum des Basier Stadttheaters nicht gepfiffen worden sei. Wir, die Angeklagten, hätten also mutwillig den guten Ruf dieses Kunstinstituts zu stören versucht. Das Urteil fiel aber gelinder aus, als man es dieser Brandrede nach hätte erwarten sollen. Wir wurden dazu verknackst, je einen Franken an den entstandenen Gerichtskosten zu bezahlen, um dannt auszudrücken, daß wir nicht gänzlich freigesprochen seien. Von einer eigentlichen Buhe wolle man angesichts unserer Jugend absehen; wir seien ja bestrast genug: der eine durch den ausgestandenen«chrecken bei der Sistierung, der andere durch die Nacht auf dem Lohnhof. Schluß, sehr zur Verwunderung des Landjägers. Paulus bekam seine Moneten und die silbern« Uhr wieder und ich die von meiner Mutter deponierte Summe, abzüglich den einen Franken. Herrgott, war ich auf einmal schwer geworden! Vier- undzwanzig Stein stark! So reich war ich noch nie zuvor gewesen. Nicht mal am Zahltag. Damit könnt« die Pfisfgeschichte eigentlich aus sein, sie ist's aber noch nicht. Sie war späterhin Gegenstand einer jllufrage im Kroßen Rat der Stadt und wirbelte dortselbst noch mächtig Staub auf. Uns stach das nicht mehr. Weder in die Nase noch sonstwo. Die Haupt- fache war, wir hatten zu zweit unsere Wette gewonnen und dem. Itter!« gezeigt, daß man sich selbst in verschlammten Zeiten noä, auf die Z«hen stellen kann. Freilich, in die„Marmortafeln der Geschichte" hatten wir unsere Namen nicht eingraben können, aber doch hatten die Redaktoren von fünf Zeitungen unseretwegen ihr« Federhalter eintunken müssen! Zwar flog ich, als die Sache ruchbar wurde, aus meiner Seiden- färberei in einem hohen Bogen hinaus.„Spinner" könne man in «in«m solchen Betrieb nicht brauchen, hieß es. Paulus hat sich von jenem Gerichtstag ab auf seiner Gimmel«- dank nicht mehr wohlgefühlt. Er ist später, einem Hinausschaß zuvorkommend, durch nach Amerika, allwo er seinen Auftrieb an Wolkenkratzern und ähnlichen Zeitauswüchsen konstruierenderweise austobt. Nur der Jtterle, der lange, der die Wette blechen mußte, ist die ihm vorgestreckte Bahn getreu zu Ende gegangen, ohne weiter nach links oder rechts zu gucken. Sein Ausharren ist auch belohnt worden; denn er amtiert heute an einer Schule in der Landschaft. Das Weltgeschick hat ihn also dazu ousersehen, seinen Schülern etwaige heldische Regungen gebührend und rechtzeitig abzuknicken: wenn es nicht anders geht, mit roher Gewalt. Daher der Name Steißtrommler, mit dem der scharfsichtig« Paulus ihn schon damals belegte. Jetzt, nachdem nahezu zwanzig Jahre und ein Weltkrieg über diesen Pfiff im Basier Theater hinweggcrauscht sind, hört sich die Geschichte von ehedem wie«in ziseliertes Scherzo an. In Wirklichkeit war's aber halb und halb so was wie eine Tragödie, eine Tragödietta. Di« Götter lassen sich eben nichts ab- handeln. Sie haben beschlossen: an jedem Schritt, der hinausführt über die Grenze des gewohnten Herkommens, klebt eine Portion Angstschweiß. So lang der fließt, ist dem Betreffenden nicht wohl. Ist er versiegt, mag man drob lachen.(Schluß folgt.) „Abend". HnmuiiNmiiiiHRuiniiuuiiimnniniiiHitriiDnKuuiiniimHim» Rösselsprung. Zweierlei. Mit„da" in Spanien eine Stadt, Mit„te" ein Ding, das Sprengstoff hat.—-Kr.— (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 5. Estland; 6. Man; 8. Ohr; 10. Agent; 13. Leib; 14. Anis; 15. Elias; 16. Sohn; 17. Saum; 18. Dohle; 21. Reh; 22. Aga; 23. Okarina.— S e rM- r e cht: 1. See; 2. Steg; 3. Mann; 4. lloo; 7. Anemone; 9. Heizung; 10. Abend; 11. Erich; 12. Tasse; 19. Dran; 20. Leim; 22. Aar. Veränderung: Basel, Vase. Silbenrätsel: 1. Drina; 2. Esr!; 3. Mazedonien: 4. Vonziers; S. Osseten; 6. Lupe; 7. Kairo; 8. Eden; 9. Gelsenkirchen; 10. Igel; 11. eangenberg; 12. Tasse; 13. Sichel; 14. Wiesbaden; 15. Erich; 16. Nandu; 17. Niederwald; 18. wann«.—„Dem Volke gilt's wenn wir zu spielen scheinen!" Rösselsprung. Du darfst ja wohl Gefühle haben, doch muht du sie in dich begraben. Wer Seele zeigt, der sündigt sehr; was Seele sei, versteht nicht mehr die Zeit, die wohlerzogen spricht:„Was? Du wirft rot? Schämst du dich nicht?"(Hans Brennert, Die yeue Moral.) � 1 Sonnabend 46. Jahrgang|B �MDW M IS. Juni 192? ?eehnih in der I�andvvirisehakt. diene dlasdnnen— dlecksnisiernng. Aum ZZ. Male wurde di« von M a x E y t H ins Leben gerufene große Wanderversammlung der DLG. auf der Theresienwiese in München veranstaltet. Sie hat aus allen Kreisen der Landwirt- schast und der mit ihr verbundenen Industrien eine überaus reich- liche Beschickung erfahren. Die immer weiter fortschreitende Me- chonisierung des landwirtschaftlichen Betriebes machte sich gerade auf dieser großen Schau durch die starke Weiter- cntwicklung der verschiedenartigen Landmaschinen und Landgeräte geltend. E i n G a n g d u r ch d i« A u s st« l l u n g war besonders interessant, weil hier die neuesten Er- sindungen des vergangenen Jachres den letzten Stand der Entwicklung der Landmaschinen erkennen ließen Die Schau begann mit einigen M o t o r p s l ll g« n, deren Prüfung bereits abgeschlossen ist. Dem S0pierdig«n Kettenschlepper der Linke-Hoffmann- Busch-Werke, Breslau, und dem neuen Radschlepper der Hannoverschen Maschinenbau-A.-G., Hannover- Linden, konnte die höchste Auszeichnung der DL®.. die Silberne Denkmünze, verliehen werden. An die Motorpslüge schlössen sich eine ganze Anzahl neuer Anhängegeräte an. deren Verbesserungen be- sonders in der Vereinfachung der Bedienung bestehen. Bemerkenswert ist es. wie die komplizierten Einrück, und Aushebevorrichtungen im Laufe der Entwicklung immer einfacher und übersichtlicher ge- worden sind. Auch der bäuerlich« Besitzer wird unter den Neuerungen auf dem Gebiete der Bodenbearbeitungsgeräte eine ganze Anzahl interessanter Verbesserungen finden. Das V e r- teilen des Kunstdüngers durch Maschinen ist trotz zahlloser Versuche bis heute noch nicht restlos gelöst. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn in jedem Jahre neue Düngerstreuer zur Prüfung angemeldet werden, die eine bessere und gleichmäßigere Verteilung des Düngers als die alten Maschinen für sich in An- spruch nehmen. Diesmal sah man eine gänzlich neue Verteilungs- Vorrichtung, die aus Grund der bisherigen Erfahrungen vielleicht einen Fortschritt bedeutet. Unter den zahlreichen Neuerungen an Drillmaschinen erregte ein« 6 Meter breite Maschin« besondere Aufmerksamkeit. Sie ist für den Großbetrieb bestimmt, wird von Motorschleppern gezogen und hat eine Stundenleistung von zwei bis drei Hektar. Die Derbesserungen auf dem Gebiet« der Hackmaschinen erstreckten sich ebenso wie bei den Anhänge- pflügen besonders auf die Vereinfachung der Konstruktion und die Erleichterung der Bedienung. Eine Hackmaschine zeigte für den Steuermann einen Sitz, der unmittelbar hinter den Rädern des Vorderwagens angebracht ist. Der Dedienungsmann steuert di« Maschine und bedient auch gleichzeitig die Pferde. Bemerkenswerte Vereinfachungen besonders für den bäuerlichen Betrieb zeigt« eine Drillmaschine, die in kurzer Ze.t in eine Hackmaschine umgewandelt werden kann, und mehrere Kartosfc/stflanzlochmaschinen, die ohne Umstellen auch als Zudeck- und Häufelmaschine zu benutzen sind. Auf dem Gebiete der Erntemaschinen erregten zwei Binde- mäher besondere Aufmerksamkeit. Der erste,«in sogenannter Zapfwellenbinder, der vom Motorschlepper aus durch eine besondere Welle angetrieben wird, konnte nach einjähriger Prüfung mit der Silbernen Denkmünze ausgezeichnet werden. Die zweite Maschine, die noch nicht geprüft ist, zeigte eine neuartige Vorrich- tung, die das Mähen von starkem Lagergetreide ermöglichen soll. Di« Konstruktion dieser Vorrichtung erinnert an die Konstruktion der sogenannten Stabräder für Kartoffeln. Das lagernde Getreide wird durch besondere Arme unterfaßt, ausgerichtet und d«m Schneidebalken zugeführt. Hingewlesen sei auch auf zwei kleiner« Grasmäher, die von einem kleinen Motor angetrieben werden und sich nach An- gäbe der Erfinder für alle Verhältnisse, besonders auch für bergiges Gelände eignen solle». Daß die Entwicklung der Dresch- Maschinen noch nicht abgeschlossen ist, zeigte eine sogenannte Ganzstahlmaschin«, die, wie ihr Name sagt, aus Stahl hergestellt ist und alle modernen Vorrichtungen sür die Arbeitsersparnis und Arbeitserleichterung aufweist. Ein« grundsätzliche Neuerung, die in Fachkreisen viel Aufmerksamkeit erregte, ist eine ebenfalls ganz aus Stahl gebaute Dreschmaschine, deren Dreschprinzip von dem bisherigen ganz abweicht. Das Getreide wird nicht mehr zwischen Trommel und Dreschkorb, sondern in einem stillstehenden Zylinder mit rotierenden Armen gedroschen. Die Maschine liefert stets zerrissenes Stroh. Die Prüfung, die im Lause dieses Jahres durchgeführt wird, muh erst zeigen, ob die Maschine auch für deutsch« Verhältnisse geeignet ist. Wohl die interessantesten Maschinen sind die Mähdrescher, amerikanische Erntemaschinen, die von einem Schlepper gezogen, in einem Arbeitsgang das Getreide mähen, dreschen und in Säcke füllen. Sie waren in vier ver- schi«denen Typen vertreten. Es wird zurzeit geprüft, ob diese in Amerika bereits viel benutzten Maschinen auch für europäische Ber« Xegenanltme. hältnisse in Frage kommen oder welche'Aenderungen und Verbesse- rungen vorgenommen werden müsien. Ein Zeichen, daß auch in de» Mittel- und Kleinbetrieben motorisch angetriebene Gerät« von Nutzen sind und auch häusig verweitdet werden, sind die zahlreichen Typen von Motorgrasmähern, die vor allem da von Be- deutung sind, wo man mit dem G-spcmn schlecht hinkommen kann. z. B. an Hängen. Von den Dreschmaschinen wär« vor ollem die auch zur Prüfung angemeldete Achsialdrefch- majchin« zu nennen. Sie ist noch ganz neu- artigen Grundsätze» gebaut, besitzt im Gegensatz zu den üblichen, mit querliegender Trommel ausge- rüsteten Maschinen«ine solche in Längsrichtung, die mit sedenrden Schlägern besetzt ist und hierdurch eine Art Dreschslegekoirkung erzielt. Die beson- deren Vorteile sind ein sehr reiner Ausdrusch und die gleichzeitig erfolgende Zerkleinerung des Strohes, di« so weit gesteigert werden kann, daß eine Zerfaserung eintritt. Besonders für Futter- zwecke ist das so ausgeschlossene Stroh sehr wertvoll. Aussallemd ist ferner die ausschließlich« Verwendung von Metall zum Bau der Maschine, während bis- her sehr viel Holz benutzt wurde. Zur Bewältigung der beim Dreschen anfallenden Strohmengen waren zahlreiche Strohpressen ausgestellt. In letzter Zeit werden aber auch zur unmittelbaren Beförde- rung sowohl von Stroh als auch von Garben und Heu Gebläse verwendet. Diese Geräte sind neuer- dings sehr vervollkommnet worden. Sie fielen auf den verschiedenen Ständen durch ihre Rohre mit sehr großen Weiten auf. Ein Anziehungspunkt waren auch die Regen- anlagen, die aus großen Düsen das Wasser aus sehr groß« Flächen verteilen. Zu erwähnen ist ferner eine Maschine, die, ebenfalls durch eine» Schlepper gezogen, zur Reinigung oder auch zum Ausheben von Entwässerungsgräben dienen soll. In sumpfi- gen» moorigen Gegenden ist die Länge der Gräben oft sehr beträcht- lich und ihre Instandhaltung, meistens durch Handarbeit, sehr kost- spielig. Die G r a b e n r e i n i g u n g s m o j ch i n e soll hier helfend eingreifen. Auf einem großen Stand zeigte der F a ch» o r m e n a u s- schuß für landwirtschaftliche Maschinen und Ge- rät«, wie weit die Dereinheitlichung-arbeiten bisher gediehen sind. Zum Schluß möge noch ein Meiner Einblick in die großartige Reuschöpsung der Wanderausstellung, das E l e k t> o d o r f, ge- geben werden. In Scheune und Stall gingen mit Hilfe des Wun- ders der Elektrizität alle Arbeiten wie am Schnürchen vor sich, die von der Vorbereitung des Saatguts bis zur Bergung und Aus- wertung der Ernte den Bauern in Anspruch nehmen. Im Stall werden die Kühe elektrisch gemolken, die Pfebd« mit dem Staub- sauger von allem Staub und Schmutz befreit: di« Schweine drängen sich nach den warmen Kartoffeln, di« soeben dem elektrischen Kar- tosseldämpfer entnommen werde». In der Waschküche begegneten wir verschiedenen Systemen der elektrischen Waschmaschine in vollem Betrieb. Im Hofe des Anwesens arbeitete der elektrisch betriebene Dveschsatz nebst Strohpresse. In einem schmucken Forsthause spiegelte sich das Walte» der Hausfrau wider, die hier das Leben nicht mehr als Plackerei«mp- sindet, sondern durch Anwendung der Elektrizität die Behaglichkeit des Lebens kennen lernt. Ohne nennenswerte» Stromverbrauch treibt der kleine Küchenmotor, je noch Bedarf. Fleischhacker, Kaffee- mühle, Reibemaschine, Frucht- und Saftpresse, Bohnenschneider, Messerputzer n. dergl. mehr. Auch das Badezimmer, das sich auch im ländlichen Haushalt immer mehr einbürgert, war praktisch ein- gerichtet. lne. Alfred Nanck. ifeireidemtther hei der Arbeil. ■ Doppelimprägnierung von Holz. Die Bemühungen, die Lebensdauer des Holzes durch künstliche Schutzmittel zu verlängern, reichen bis ins früheste Altertum zurück. Di« Aegypten verwandten für ihre Mumiensärge präpa» riert« Hölzer, die sich jahrtausendelang gut erhalten habe»: die Römer tränkten ihr Schiffbauholz mit Teer und Oel, und ähn- liches gilt von anderen seefahrenden Völkern. Bis in die neueste Zeit hielt man sich aber recht konservativ an die von altersher be- kannten Konservierungsmethoden, und erst mit den Fort- schritten der Chemie und Bakteriologie wunden auch mf dem Gebiete der Holzimprägnierung wesent- liche Fortschritte erzielt. Freilich hielt di« technische Ent- Wicklung mit diesen Neuerungen nicht gleichen Schritt. Wohl kennt man Jmprägniersalze von hervorragender Wirksamkeit, aber es fehlte an zweckmäßigen technischen Einrichtungen zu ihrer Ver- wendung. Augenblicklich sind im wesentlichen drei Jmprägnierarten im Gebrauch, die sich mit gewissen Verbesserungen seit der Mitte des 19 Jahrhunderts erhalten haben, nämlich 1. dos Kreosol- verfahren(Kesseldruck-Teerimprägnierung): 2. das Kyani. jierv�rfahren(Tauchimprägnievung in verdünnter Sublimat- lösungH und Z. die Impfimprägnierung nach Bouche. r i e Alle diese Verfahren sind mit größeren oder geringeren Nach- teilen behaftet: keines entspricht in jeder Hinsicht den Anforderungen der Praxis. ein neuer Versuch der»oirilonservierung. Der in Berlin wohnhaft« Ingenieur E. F. Ostrowfky hat sich daher die Aufgabe gestellt, durch Vervollkommnung und Vereinigung zweier in vieler Hinsicht wertvoller Verfahren die Möglichkeit für eine wirklich einwand- freie und dabei wirtschaftliche Holztonservie- rung zu schassen. Hierbei ging er von der Impfimprägniernng nach Boucherie aus und verbesserte dies« in verschiedener Hinsicht (durch die Wahl einer geeigneten Jmpfsubstanz und die Konstruktion einer wirksameren Impfoorrichtung). In dieser Form kombinierte er dann das Verfahren mit einer gleichfalls verbesserten Teeröl- Imprägnierung. An Stelle einer dünnen Hohlnadel benutzt Ostrowsky eine massive, am Stichende nach Art einer Messerspitze ausgebildete Nadel, di« durch die Mitte einer sinnreich konstruierten Druckdiise zwischen die Holzfasern bis auf 100 Millimeter Tiefe in das Holz eingeführt wird. Die hierbei entstehende Schlitzöffming füllt sich automatisch mit der Impfflüssig- teit, dem sogenannten O st r o h y d. Erst nach vollkommener Füllung der Schlitzösfnung schließt sich die Druckdüse automatisch: sie wird dann ohne Verletzung der Holzfaser vom Holz abgehoben und hier- aus wird der Impfprozeß durch eine automatische Transportoor- vichtung in gleichmäßigen Abständen wioderholt. Sobald aber dieser Hergang vollendet ist, gelangt das Holz automatisch in ein Gefäß, das mit einem zweiten Präparat, dem sogenannten Osmoteerol, gefüllt ist. Mit diesem Stoff wird es dort gründlich durchtränkt, hierauf selbsttätig aus dem Behälter entfernt und vonden Arbeitern g e st a p e l t. Osmoteerol ist ein Teeröl, das die gleichen Chemika- lien enthält wie Ostrohyd.» Das Impfpräparat Ostrohyd enthält eine verhältnismäßig sehr bedeutende Meng« von F l u o r k a l i u ni. das infolge feiner leichten Löslichkeit in beliebigem Prozentsatz einem Konservierungs- mittel zugesetzt werden kann, und zwar im Gegensatz zu dem bisher für den gleichen Zweck verwandten Fluornatrium. Durch Diffusion der Lösung verteilt sich das Impspräparat sehr weitgshend im Holz. Außerdem enthält Ostrohyd eine Kreosoloerbindung, die gegen die Angriffe von Schädlingen sehr wirksam ist. Ein glücklicher Gedanke des Erfinders war es ferner, an Stelle des sonst zum Ausschlemmen und Lösen denutzten Wassers ein« Kali- seifenlösung zu verwenden. Hierdurch wird die Konsistenz der Mass« sehr günstig beeinflußt und die Verarbeitung des Impf- stoffes erleichtert. Schiiehlich ist im Ostrohyd eine gewiss« Menge arseniger Säure«nthaiten, deren Gistwirtung bekannt ist. Mittels einer automatischen Transportvorrichtung wird der Jmpfvorgong in stets gleichbleibenden Abständen aufs neue wiederhoit. Die osmotischen Eigenschaften des Osmoteerol». das sich iin Holzkärper in tiefer geschlossener Ringschicht schnell verbreitet, beschleunige» auch die Diffusion der Impfflüssigkeit sehr erheblich. Vorteile der neuen LrLndung. Di« wichtigsten Borteile des neuen Imprägnierverfahreiis sind folgende: Während das Kcsseldruckoerfahreir nur in Imprägnier- werken ausgeführt worden kann, erfolgt eine Imprägnierung nach dem Ostroverfahren im Walde, auf dem Holzplatz oder am Ver- wenvungsort mittels eines kleinen präzis« gearbeiteten Apparates. Die Kosten betragen bei dem Ostroverfahren nur einen kleinen Bruchteil der b«i den üblichen Verfahren erforderlichen Beträge. Ferner kann das Ostroverfahren in jedem Stadium des Holzes zur Anwendung gelangen, und zwar bei lagertrockenem sowohl wie bei frisch geschlagenem Holz. Es läßt im Gegensatz zur Kesselimprägmerung di« Holz- poren vollkommen offen, so daß Licht, Luft und Nässe desinfizierend hindurchströmen können. Ein besonderer Dorteil ist auch die Möglichkeit, das neue Imprägnierverfahren an bereits eingebauten Hölzern zur Anwendung zu bring«», z. B. auch angefaulte Hölzer von ihren Fermenten zu befreien und ein Weiter- greifen der Fäulnis zu verhindern. Ein« vergleichende Kosten- berechnung zeigt die groß« Wirtschaftlichkeit des neuen Verfahr«»?, das nur einen kleinen Bruchteil der bisher erforderlichen Koste» bedingt. Dr. A. Gradenwitz. (JfijarfunolQjfiLel Die«Frau im Sport". Wie sie der Bürger sieht. 2» anläßlich der Berliner Frauen-Turn- und Sporttagung im Plenarsaal des Reichswirtschaitsrotes ab- gehiiltenen Sitzungen brachten am Freitag verschieden« Themen von grundsätzlicher Bedeutung sür die gesamte Frauensportbcwegung. Frau Oberstudiendirektor Dr. Matz referierte über das viel- umstrittene Thema„Die Frau im Wettkamp f". Sie ging von den Erfolgen der Frauen in Amsterdam aus, stellte den Rekord in Amsterdam dem Rekord des Turnfestes in Köln mit seinem Massenaufgebot gegenüber, bejahte den sportlichen Wettkamxf der Frau als Streben und Willen der heutigen Jugend mit seinen„a u s- gleichenden sozialen Momenten" und verlangt« mehr Frauenveranstaltungen als bisher bei sorgsamster Ueberwachung des Mädchensports durch Frauen. Auch auf eine angemessene,„n i ch t zu kurze Kleidung" ist Wert zu legen. Weiter wurde eine verbindliche sportärztliche Untersuchung der Mädchen und Frauen durch Aerztinnen gefordert. Insgesamt kam zum Ausdruck, daß eine gute vielseitige körperliche Ausbildung den Typ der Frau der Zukunft bildet. Wettkämpfe für Frauen und Mädchen sind zu unterstützen, nicht aber herauszustellen als Schaustücke und Sensationen. „Ausgleichende soziale Momente" sind den Arbeitern im Laufe der Jahrzehnte schon bei vielen anderen Gelegenheiten als Köder gezeigt worden; die Arbeiterschaft war klug genug, sie abzulehnen und einen gesunden Klassenkamps vorzuziehen, auch— oder besonders — wenn die ausgleichenden sozialen Momente von volksparteilichen Reichstagsabgeordneten hervorgehoben wurden. Zum andern: Ueber „nicht zu kurze Kleidung" haben früher schon Pfaffen geeifert. Arbcitersportlerinnen ziehen leichte Trikot den perversen Bade- nnzügen von Generaldirektorengattinnen vor. 'MMdJoOdSü Spiele am Wochenende. Die Arbeiterhandballer sind am heutigen Sonnabend nur durch FTGB.-Osten 1 gegen"FTGB.-Pankow beschäftigt. Das Spiel findet um 18'/!- Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstraßc, statt. Am Sonntag spielen die Freien Schwimmer Strausberg gegen FTGB.-Stralau um 18 Uhr in Strausberg. Die Freie Turnerfchaft Friedrichsthal 1 spielt um 16.10 Uhr in Friedrichsthal bei Oranienburg gegen Vorwärts-Hennigsdorf. Um 16 Uhr spielt die zweite Mannschaft gegen FTGB.-Südost 2. Die Freie Turner- schaft Zossen absolviert mit Ihrer Männer- und Jugendmannschaft je zwei Spiele: Um 10 Uhr spielt die Jugend von Zossen gegen FTGB.-Süden, um 11 Uhr die Männer gegen Süden 8 auf dem Urbanplatz: am Rachniittag um 17 Uhr spielen die Männer gegen Tegel in Tegel, Kraf-Rödern-Korso, und die Jugend um 13 Uhr. Auf deni gleichen Plqtz spielen auch um 16 Uhr die Tegeler Frauen gegen Velten. Im Volkspark Jungfernheide spielen um 15 Uhr Freie Schwimmer Eharlötienburg 1 gegen FTGB.-Südost 1. FT�GB.-Rosenthal hat um 16 Uhr in Rosenthal, 5)auptstraße, Eiche- Köpenick als Gegner. FTGB.-Oberspree spielt uin 17 Uhr in der Wuhlheide gegen Freie Turnerschajt Kaulsdorf. Köpenick-Frauen svielen um 16 Uhr in Köpenick, Maricnstraße, gegen Freie Schwim- vier Berlin 12. Vom Reisebureau des Touristenoereins„Die Ralursreunde" wird mitgeteilt, daß die Wochencndprospckte erschienen sind. Näheres über Termin, Ziel und Kosten der Wochenendfahrten ist aus diesem Sonderprospekt zu ersehen, der aus Wunsch durch das Reisebureau N. 24, Iohannisstr. 14/13, zugesandt wird. Lerlmer Sonnia�ssport. Im Arbeitersport steht das Fußballspiel des Stet- tiner Kreismeisters Ballspielklub 1919 gegen Lichtenberg 1 in der Kynaststraße in Rummelsburg um 17 Uhr an erster Stelle.— Di« Handballer.spielen auf bekannten Plätzen.— Das Deutsche Traber-Derby in Ruhleben ist das Ereignis des Tages. Mie mit 50 000 M. ausgestattete Prüfung der Dreijährigen dürfte auch diesmal ihre Anziehungskraft nicht verfehlen, zumal ein span- nender Kampf um das„Blaue Band" zwischen so erprobten Pfer- den wie Peracampos, Signal, Hubertus, Turteltaube. Banco Duffy und Adam in Aussicht steht.— Nicht weniger als 10 Dauerfahrer starten auf der Olympia bahn: Sawall, Lewanow, Benoit, Toricelli, Ehmer, Meyer, Dobe, Olböter, Carpus und Jürgens, die verschiedene Handicaps bestreiten.— Zum Abschluß der Berliner Turn- und Sportwoche findet am Sonntag um 11.30 Uhr„Eine Morgenstunde bei Kroll" unter Mitwirkung der Meister- turnschule Hannover, Leitung von Loges, statt.— Aus dem Tegeler See hält der republikanische Deutsche Wassersportver- band seine Regatta ab. Um 10 Uhr starten die Segler, um 12 Uhr die Schwimmer und um 16 Uhr finden die Wettfahrten der Ruderer und Kanufahrer statt. Treffpunkt für Zuschauer Nestau- rant Seepavillon Tegel. (xlossen um den Sport. Herr B ü l o w, der frühere Manager Schmelings, läßt sich wieder einmal vernehmen, denn der„Schmeling-Rummel" ist ja immer noch aktuell. Für ihn schlägt Schmeling alles, was sich ihm in den Weg stellt. Hat Herr Bülow vielleicht den Zigeuner Daniels vergessen, der in der zweiten Runde Max„k. o." schlug? In einem Brief an eine der Kölner Zeitung erklärt er die Männer der deutschen Boxsportbchörde für„Idioten". Na, er muß es ja wissen. Ein anderer Fall, aus dem man nicht recht klug wird, ist der des Finnen N u r m i. Amateur— Nichtamatcur! Dann mal wieder„Nurini geht in den Berufssport für 100 000 Dollar!" Bei keinem von beiden will er jetzt verweilen. Er will heim, angeblich soll er sich in den nächsten Tagen wegen eines Bcinleidens nach Finnland begeben, um den Sport endgültig zu begraben. Ein un- erwartetes Ende eines großen Sportphönomens!— Dr. Diem und Herr Lewald, die beiden Amerikareisenden, werden in den näch- sten Tagen wieder in Hamburg eintreffen. Das genaue Studium der Arbeitsmethoden im Arbeitersport hätte diese 50prozentige Ver- gnügungsreise überflüssig gemacht.— Die deutsche bürgerliche Leichtathletik hat bisher eigentlich trotz großer Aufmachung kläglich begonnen. Erhoffte Zuschauermengen blieben aus. Be- merkenswert waren aber die ungeheuren Zuschauerniassen bei dem Langlauf Potsdam— Berlin' vor zwei Wochen. Diese Mannschafts- kämpfe haben die Zukunft. Anläßlich der Werbewoche des Arbeiter-Rad- und kraflfahrer- bunde»„Solidarität" veranstaltet die Ortsgruppe Charlottenburg eine Werbe Versammlung sür Motorradfahrer am 18. Ium. 20 Uhr, bei Reimer, Wilmersdorfer Straße 21. Am 19..Juni treffen sich die Radfahrer Charloitenburgs, die in„Solidarität" ein- treten wollen im gleichen Lokal zur gleichen Zeit. Der Bund gewährt während der Werbezeit weitgehende Eintrittserleichterungen. Zum vundestressen des Arbeiterrad- und Krastsahrerbundes „Solidarität" am 6 und 7. Juli richtet der Quortierausfchuß an alle Berliner Genossen, Freunde und Gönner der Arbeitersport- bewegung die Bitte, sür die auswärtigen Teilnehmer Privat- quartiere zur Verfügung zu stellen. Unkosten werden vergütet. Ouartieraumeldungen und alle Anfragen in Quartierangelegenheiten an den Obmann des Ouortierausschusses Oskar Rother, Berlin- Frisdrichsfelde, Walderseestraße 69a, Telephon Norden 4460— 4461. Die Rennen bei Rütt. Moeskops, der Mann des Tages. Der„Große Preis von Berlin" für Flieger, der von jeher«in zahlreiches Publikum angelockt hatte, verfehlt« auch diesmal nicht seine Wirkung. Die ausgezeichnete Besetzung des Rennens hatte der Rütt-Arena zum ersten Male in dieser Saison«in volles Haus gesichert. Aus der großen Schar der Bewerber schälten sich schließlich M o e s t o p s- Holland und Falck Hansen- Dänemark heraus, die das Ende unter sich ausmachten. In den Vorläufen waren Knappe über Dewolf, Steffes über Fricke, Schamberg über Rütt, Falck Hansen über Joksch, Engel über Frach, Oszmella über Wette, Schilles über Lorenz und Moeskops über Kühl siegreich geblieben, in den Zwischenläufen Falck Hansen über Oszmella, Moeskops über Stesses, Schamberg über Schilles, Engel über Knappe. In der Vorentscheidung unterlag Engel gegen Falck Hansen mit 1 Länge, Schamberg gegen Mocskops mit 1 Länge. Im Kampf um den dritten Platz triumphierte Engel über Schamberg, in den Endläufen der Ersten erwies sich Moeskops als der Bessere, der zwei von drei Läufen gewann. Ergebnisse: Mannschasts-Om- nium: 1. Lshmann-Wissel 10 P.: 2. Kroll-Miethe 8 P.; 3. Schön- Kroschel 3 Punkte. Großer Preis von Berlin für Flieger: 1. Moeskops; 2. Falck Hansen; 3. Engel: 4 Schamberg. Armbin de-Rennen: Schön halt Bassi nach 17 Runden. A m e- r i k a n i s ch e s H a u p t f a h r e n: 1. Dewolf; 2. Knappe; 3. Bern- hard. Runden-Rekordfahren: 1. Schilles 15,1 Sek.; 2. Engel und Schömberg je 15,2 Set. 5 0- K i l o m e t e r- M a n n s ch a f I s- Rennen: 1. Fricke-Oszmella 1:12:43; 40 Punkt«; 2. Kroll-Miethe 22 P.; eine Runde zurück: 3. Rütt-Joksch 20 P.; 4. Kühl- Wette 12 P.; 3. Lorenz-Frach 9 Punkte. Deutsche Meile sür Amateure: 1. Fliegel(BRC. 89); 2. Patzack; 3. Schulz. Per gestrige Boxabend. Der gestrige Kampsabend des Ständigen Boxringes brachte als erstes Paar Erwin Z i n n d o r f(62,3) und Hans Kruse- Ham- bürg(64) in den Ring. Z i n n d o r f siegte bereits in der zweiten Runde durch einen rechten Haken entscheidend. Willi Simon- Berlin(78,2) fertigte nach einem sloiten Kampfoerlaus Emil K o s k a- Gleiwitz(76,5) überlegen nach Punkten ab. Der Haupt- kämpf des Abends zwischen Franz B o j a- Dortmund(72) und Georges G e e r a e rt s- Belgien(70,9) endete unentschieden. In den ersten Runden hatte Boja kleine Vorteile, die der Belgier zum Schluß jedoch aufholte und sogar einen knappen Punktvorsprung hatte, der zum Siege jedoch nicht ausreichte. Schließlich boxten noch Otto Lauer- Saarbrücken(67) und Willi Bolz- Berlin(65,3). Lauer, der eine große Angrifssfreudigkeit zeigte und mächtig vom Leder zog, war leider zu ungenau, um seinen Gegner entscheidend zu treffen! Der Saarbrückener siegte nach Punkter». Eine der größten Meisterhofsnungen im deutschen Boxsport, der Kölner Jakob Domgörgen, der Nesse des Meisters Hein, wird in der nächsten Woche, in der ausnahmsweise am Mittwoch. 19. Juni, der Kampftag des Boxringes in der Bockbrauerei. Fidicinstraße, stattfindet, gegen einen der reifsten Ringtechniker der Welt, den Belgier Louis Saerens, kämpfen; die Begegnung ist geeignet, das weiteste Interesse der gesamten Boxsportgemeindc wachzurufen, zumal auch das übrige Programm ein wirklich erst- klassiges und internationales ist. Alterstlirncr»nd.sportler, l. ftrm! Männer und Zrnur»! Schwimm, und Sportnb.'nd Sonnabend. 6. Juli, ab 18 Uhr. Badrvlah»et!rS