Morgenausgabe Dienstag XTfr46-3�"« W 18. 3uni 1929 .-rrÄÄSS TOI � ffffw tff'##-* � .michli.ßnch«o vfg. voftz.iw.g� m» ZM W W W�vWWW WW W f/■r 72 Pjg P-ftb-ftellgedühn».«u-l,n»» IL-�M W W Bj V kW DD W W � B M»j�— WD IfW WWW WWW W W W �■ MLäL � B.ra4rt,. � M> W U ML ÄäÄ Ml Ml W W MM/ Ät?ÄTÄ�er Bii-JP> � ML // M«°«l7's,.n�»°?��.. »«.?- aauteto£ Sl.nn� ÄS 10 w«inti mort/übe, 15«uchst"b.n �Vt- unÄbSrfr uSi-%'�-SHI'N für zw.! ffiorte. HrbtUMuntl esfi&g VeeUn«! VvttSbla« wMWZ Jentralorgan der«Sozialdemokraiifchen Kartei DeutfGtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze S Sortödrfö'BeHrtrt<5�11 6 Postl-heRonio: verlwSlvSS.- vanttomo: Sank der«rdeiter.«ngefteUi« Kernsprecher: Dönhoft N2—SS7 lelegramm-Sdr.: Sozlaldemokrai verltnV»»nd veamien Wallftr. Sö. Dittonto-Gefellschast, Depositenkasse Ltndenftr! Sofortprogramm vertagt! Zunächst Beratung des Ausschuffes.— Borlage in einer Spätsommertagung. 1 Amtlich wird mitgeteilt: Am Montag beschäftigte sich das Reichskabinett zunächst mit landwirtschaftlichen Fragen. Staatssekretär Heukamp vom Reichsernährungsministc- rium wurde beauftragt, nach Stockholm zu fahren, um angesichts der Notlage der deutschen Landwirtschast mit der schwedischen Regierung wegen Beseitigung der Schwierigkeiten zu verhandeln, die sich aus dem deuisch-schwedischen Handelsvertrage für eine Neuregelung der deutschen Agrorwirtschaft ergeben. Außerdem nahm das Kabinett zu der FragederArbeits- loseooersicherung Stellung. Es war der Meinung, daß mit Rücksicht auf die gesamtpolitische Lage, die eine Spät- sommertagung des Reichstages erfordert, von einer zweimaligen Gesetzesvorlage über die Arbeitslosenversicherung innerhalb so kurzer Zeit abzusehen ist und die endgültige Reform in der Sommer- t a g u n g zur Verabschiedung gelangen soll. Der vom Reichs- arbeitsminister einberufene Ausschuß soll bereits Ende Juli seine Arbeiten beendet haben, so daß für die Spätsommertagung der abschließende Gesetzentwurf vorliegen wird. Gerechtigkeit? Bankrott der Vergeltungsjustiz. Di« armselig« Leiche eines vierjährigen Kindes, erwürgt und ins Kaninchenloch gepreßt,— unschuldig gemordetes Leben, hat zum Himmel geschrien. Menschen haben den Racheschrei aufgenommen und als erstes Opfer der Vergel- tung den Russen Iakubowski auf Grund eines wohl- geordneten Zeremoniells, Justiz genannt, durch Abschlagen des Kopfes dem kleinen Ewald Rogens ins Jenseits nachbe- fördert. Dann kam auf, daß Iakubowski ebeBfowenig der Mörder wie der vermeintliche Erzeuger des kleinen Getöteten gewesen sei, worauf sich die Iustizmaschine nach weiteren Opfern umschaute und nunmehr auf Grund ihrer eigenen Geständnisse einen Onkel des gemordeten Kindes zum Tode, einen zweiten Onkel und die leibliche Großmutter zu lang- jährigen Freiheitsstrafen verurteilte, und außerdem noch alle drei sowie einen vierten Angeklagten des Meineides gegen Iakubowski schuldig sprach. So ungefähr sieht das Drama' Iakubowski-Rogens, mit den Augen der Vergeltungsjustiz gesehen, aus. Wir können nicht zugeben, daß durch dieses Geschehen die An- maßung kleiner Menschen, auf Erden„Gerechtigkeit zu schaffen" oder„das Recht zu verwirklichen", irgendwie er- füllt sei. Die Enthauptung Iakubowftis hat ebensowenig den Mord an dem kleinen Ewald Rogens ungeschehen gemacht, wie das Todesurteil gegen August Rogens den Justizmord an Iakubowski aus der Welt schafft. Zu vergostenem Blut wird neues Blut vergossen,— das ist der einzig sinnfällige und beweisbare Vorgang. Daran ändert sich auch nichts, weil das Gericht, das die Familie Rogens des Mordes an verwandtem Blut schuldig sprach, Schuld oder Unschuld des hingerichteten Iakubowski in der Schwebe läßt, weil es weiter von„schweren Verdachtsmomenten" gegen den Russen spricht, weil es die Aufklärung dieser Seite des Falles dem späteren Wiederaufnahmeverfahren überläßt. Denn auch dieses Gericht hat die ausgeworfenen hohen Strafen gegen die Familie Rogens damit gerechtfertigt, daß die Verurteilten zur Hinrichtung des Iakubowski durch ihre lügnerischen Aussagen beigetragen haben. Damit hat das Gericht der Volksmeinung Ausdruck verliehen, daß die Hinrichtung des Iakubowski ni« und nimmer hätte vollzogen werden dürfen, selbst dann nicht, wenn Iakubowski irgendwie an der Ermordung des kleinen Rogens beteiligt gewesen sein sollte. Denn auch in diesem ungünstigsten Falle stände Iakubowskis S ch u l d a n t e i l durchaus nicht fest. Die den Toten belastet haben, sind selbst als die Täter, — als die unzweifelhaften Täter—, ihre Eide find als Meineide entlarvt. Darf ein Mensch, der selbst alle Schuld leugnet, auf Grund solcher Aussagen und Bezichtigungen ge- köpft werden? Die Frage bedarf keiner Antwort. Die Tat- fache, daß ein auf vier Meineiden, daß«in auf den belastenden Aussagen derwirklichenTäter ausgebautes Todesurteil vollstreckt wurde, bleibt auch dann grauenhaft und erschütternd, wenn der Verdacht einer gewissen Be- Ziehung zur Tat von dem Hingerichteten nicht restlos getilgt ist. Wobei wir es den Hustädt und Müller überlassen, sich zur Rettung ihres Gewissens an diesen Verdacht als rettenden Strohhalm anzuklammern. Für den Beurteiler, der ohne das seelische Rechtferti- gungsbedürfnis der Hustädt und Müll«r an den Fall Iaku- bowski herangeht, wird es immer von ausschlaggebender Be- deutung bleiben, daß ein Mann sich schweigend hinrichten ließ, der— seine Mitschuld vorausgesetzt— durch Preisgabe seiner Mittäter seinen Kopf leicht hätte retten können. Daß Iakubowski dieses nicht unternahm, daß er wohl einen gewissen Verdacht gegen die jetzt Verurteilten äußerte, aber keineswegs eine detaillierte Schilderung ihrer Tat gab, ist der beste Beweis dafür, daß er eine solche'Schilderung nicht geben konnte, weil er kein Teilnehmer der Tat im engeren Sinne war. Soviel Phlegma, soviel Fatalismus man diesem gutmütigen Russen auch zutrauen mag,—«ine solche Selbstverleugnung ihm zuzutrauen, daß er schweigend die Schuld anderer mit dem Leben zu büßen bereit war, das hieße denn doch, einen Uebermenfchen aus ihm zu machen! Iakubowski ist tot, weder«in Todesurteil gegen die wahren Mörder noch ein Freispruch im Wiederaufnahme- prozeß ocrhilft ihm zum Leben. Die Vergeltungsjustiz und ihr vornehmstes Mittel, die Todesstrafe, müssen ihren v ö l l i- gen Bankerott eingestehen. Wer Symbole zu deuten versteht, der konnte diesen Bankerott während der ganzen Verhandlung im Prunksaal des Strelitzer Schlosses von den Wänden ablesen. Schienen diese Wände doch laut anzuklagen: „Hätte der fürstliche Erbauer dieser Prunkräum« nur«inen Teil seiner sorgenden Liebe auf die Behausungen seiner Untertanen verwandt, es hätte keine Elends- Mahnungen gegeben, in der ein Vierjähriger so sehr im Wege war, daß man sich über seine Leiche hinweg den kärglichen Raum zum Leben und zum Wohnen verschaffte." Sind erst fuirchtbare Taten geschehen, ist erst das Gleich- gewicht des Geschehens gestört, dann kommt die Justiz zu spät, die die Gerechtigkeit wieder herstellen will. Auch das schärfste Richtschwert erweist sich als stumpf für diesen Dienst. Industrie finanziert Heimwehr. Seipels Mitschuld dokumentarisch nachgewiesen. Wien. 17. 3nni.((Eigenbericht.) Die„Arbeiter zeitung" bringt(Enthüllungen über die Unterstützung der heimwehren durch die Regierung S e i p e l und bvrch die Kapitalisten. Es wird eine Reihe von Dokumenten wrössentlicht. meist Briese und Protokolle von Sitzungen der heim- wehrleitnngen, worin festgestellt wird, daß im Jahre 1327 die Regie- rung Seipel den heimwehren Geld und der seiner zeitige heere«- nünifler Walsen verjchasst hal.,Zn einem Protokoll der steierischen heimwehrverbünde. vom Ottober 1927 wird erklärt, es sei gelungen, eine Zusammenarbeit mit der Regierung Seipel anzubahnen, um so mehr, da die großzügige Finanzierung im Wege Über die Regierung durch die Sanken, die Industrie und die Grohgrund- desiher gemeinsam erfolgen werde. 3n dieser Sitzung wurde auch ein General vorgestellt, der vom Heeresministerium al» Serbln- dungsofsizler zwischen den helmwehren und dem Ministerium selbst delegiert wurde. Schließlich wird auch ein Protokoll ver- öfsenllicht. aus dem sich ergibt, daß in einer Sitzung der 3ndustrie- verbände, in der auch die Großbanken vertreten waren, der Leitung der heimwehren«in Betrag von 55 000 Schilling sofort und 4000 Schilling im Monat bewilligt wurde. 3n einem Brief des Stabs- chefs der heimwehren vom August 1928 wird festgestellt, daß der Ausmarsch der heimwehren am 7. Oktober in wiener Reustadt unter allen Umständen stättsinden solle, was nicht nur ein Wunsch der heimwehren sei. sondern auch ein Wunsch der Regierung Seipel, die sogar zugesagt habe, eine Slörnng des Ausmarsches durch die Roten mit den Mitteln des Bundesheeres hlnlanzuhallen. Todesurteil in Bonn. vr. Vichter des Nordes schuldig gesprochen. Bonn. 17. Juni. Unter ntemloser Spannung wurd« gegen 11 Uhr das Urteil in den» Mordprozeß Dr. Richter gefällt, nnd zwar wurde er wegen Meineides zu acht Monaten Zuchthaus, die umgewandelt sind in ein Jahr Gefängnis, verurteilt. Fünf Monate der verbüßten Untersuchungshaft sind auf das Urteil, angerechnet. Wege« des Mordes, begangen an Frau Mertens, wurde Dr. Richter zum Tode verurteilt und auf Lebenszeit ihm die bürgerliche« Ehrenrechte aberkannt. Wieder verhastei. Oer Londvolkfuhrer als OynamitattentSter verdächtig. Rendsburg. 17. Juni. Der Handlungsreisende Dammann, der bereits unter dem 33er- dacht mit dem Sprengstoffattentat beim Schulrot Lampfert in Hohenwcstedt in Verbindung zu stehen, verhaftet, aber wieder trnf freien Fuß gesetzt worden war, ist auf Veranlassung der Staats- onwaltschast Kiel erneut festgenommen und nach Kiel Über- geführt worden. Vetie Waffenfunde. Don Beamten der Berliner politischen Polizei sind' in der Um- gebung Hannovers größere Waffenlager be- schlagnahmt worden. Allein an einer Stelle konnten zehn M a- jchinengewehre sichergestellt werden. EineLnirige gegen Macdonald. Oer Artikel über die Minderheiten. London, 17. Juni(Eigenbericht.) Die ZZeröffenllichung eine» Artikels von Ramfay Macdonald über die Frage der europäischen Minderheiten Hot in einigen Ländern, besonders in Frank- reich, 3Seunruhigung hervorgerufen. Wie der Ministerpräsident fest- stellt, wurde dieser Artikel vor mehreren Monaten ge- schrieben. Die 3Zert)ffenllichung noch der Amtsübernahme ist ohne Wissen und Genehmigung Macdonals erfolgt Der Artikel ist da- mals durch ein Korrespondenzbureau auch auf dem Kontinent ver- breitet worden und auch in deutschen Zeitungen erschienen. Die neue Hugenberg-Akiion. Verdächtigung heißt die Parole. Die neue Hugenberg-Aktion beginnt damit, daß die Reichsregierung in der Hugenberg-Presse der nationalen Unzuverlässigkeit und der Ilnwahrhastigkeit verdächtigt wird. Der Hugenbergsche „Montag" behauptet, daß der Reichskanzler namens der Reichs- regierung auf die deutschen Sachverständigen einen Druck zur Unterzeichnung ausgeübt habe. Amtlich wird hierzu festgestellt, daß die deutschen Sachverstän- digen ihre Entscheidung in völliger Unabhängigkeit ge- troffen haben, wie sie selbst mehrfach betonten. Dieselbe Erklärung hat Dr. Kastl vom Reichsverband der Industrie wieder- halt abgegeben. » Selbstverständlich hat der Reichskanzler den Sachverständi- gen feine Auffassung mitgeteilt. Das war feine Pflicht und di« Pflicht der Reichsregierung. Schließlich ist der Reichs- kanzler eben der Reichskanzler und die Reichsregierung die Reichsregierung. Das Entscheidende ist, daß die Sachverstän- digen völlig unabhängig entschieden haben. Wir verstehen allerdings, daß die Leute von der Hugen- berg-Preffe, die nach den neuen Hugenbergfchen Linien in nationaler Verdächtigung arbeiten, sich in die seelische Ver- fassung wirklich unabhängiger Männer nicht hinein- denken können._ Die Verhandlungen im �uhrbergban. Auf OienStog vertagt. Essen. 17. 3nni. vi« heule unter dem Vorsitz des SchNchiers Prof. Brahn fort- geführten Verhandlungen über die Lohn- und Arbeilszeikregelung im Rnhrbergban konnten nicht zu Ende geführt werden. ans Dienstag vormittag veriagi. Sie wurden FlugzeugunglücküberdemKanal Sieben Passagiere tot, sechs Personen verletzt v'London. 17. Juni. Das Flugzeug ,.<£Uy o f Ottawa" der englischen Airsnail-Eompnny verunglückte über dem Kanal auf der Fahrt von England nach der Schweiz. Sieben Per» sone« sind tot, sechs verletzt. Nicht n o ch der Tat, nein, o o r der Tat war es meist an der Zeit, die Gerechtigkeit herzustellen. Solange sie nicht in den sozialen Zuständen besteht, kann die Justiz niemals sich an- - maßen, gesellschaftliche Versäumnisse wettzumachen. Sie muß sich mit der Aufgabe bescheiden, den Täter zu besiern und die Gesamtheit der Unschuldigen zu schützen. Für beide Aufgaben ober bedarf sie des Richtschwertes, bedarf sie der Todesstrafe nicht!____ Oer entrüstete Lokalanzeiger. Er hat sein berühmtestes Extrablatt vergessen? Der chugenbergsch« Lokalanzeiger ist in Tntrüstung verfallen, weil Genosse Breitscheid auf dem sozialistischen Bodensee-Treffen in Lindau gewagt Hot,— unter Betonung der R i ch tschuld des deutschen Volkes am Krieg«— auf gewiss« Kreis« in Deutschland hinzuweisen, die den Krieg gewollt haben und dafür vor der Geschichte die Verantwortung trogen müssen. Die Entrüstung des Lokalonzeiger» ist verständlich. Stand er selber doch zu diesen kriegstrciberischen Kreisen in engster Be- Ziehung, hat er sich ihnen doch als Werkzeug des infamen Plane» zur Verfügung gestellt, durch«in« Falsch- Meldung den Kriegsausbruch zu erzwingen! Wir reden von jenem berüchtigten Extrablatt des Lokal- nnzeigers, das am Vortage der deutschen Mobilmachung in Berlin verbreitet wurde. Das Extrablatt enthielt die den Tatsachen vorgreifend« Meldung, daß der deutsche Kaiser soeben dt« Gesamtmobilmachung von Heer und Flott« angeordnet habe! Tatsächlich war dies in dem Zeitpunkt, als das Extrablatt des Lotalanzeigers erschien, noch nicht der Fall. Im Gegenteil! Kaiser und Kanzler bemühten sich damals, allerdings völlig kopflos und konfus, die riesengroß drohende Gefahr des Weltenbrandes im letzten Augenblick zu bannen. Diese Bemühungen zu zerschlagen, war der Zweck des Extrablattes! Durch die Meldung der— tatsächlich noch nicht er- folgten— deutschen Mobilmachung des deutschen Heeres sollte vor allem Rußland veranlaßt werden, seinerseits mobilzumachen, mit der russischen Mobilmachung mußte aber der Versuch der deutschen Zivilregierung, den Frieden zu erhalten, automatisch scheitern. Daß das Extrablat�auf die in Petersburg ohnehin schon beschlossene Mobilmachung keinen Einfluß mehr hatte, wie die Meldung seines Inhaltes erst nachträglich in Petersburg eintraf, ist wahrhastig nicht das Verdienst der deutschen Kriegstreiber! Der Lokalanzeiger hat sich bis heutigen Tages geweigert, die Hintermänner seines Extrablattes preiszugeben. Den Grund bierfür kann man sich ebenso erklären wie die Gereiztheit de» Blattes, sobald von deutschen Kriegstreibern und d e u t- ichen Kriegsschuldigen die Rede ist! � Nochmals Herr Stefan Großmann. Weitere Ergänzungen seiner Selbstbiographie. Herr Stefan Großmann behauptet im„M. M.", der ..Vorwärts" habe von ihm verlangt, er solle den Mund holten. Das zu verlangen ist uns nie eingefallen, mag er reden, wie ihm beliebt. Herr Großmonn hat ober im„Tagebuch" in eitler Selbst- gefälligkeit erzählt, wie leicht er M. d. R. und Minister hätte wer- den können— das alles ober hat er, Charakterothlet, der er ist, ausgeschlagen, weil ihm die deutsch« Sozialdemokratie, diese„Unter- rffizierspartei", nicht gut genug war,'sie mit seiner Anwesenheit.zu beehren. Diese großsprecherischen Schwindeleien haben wir mit der trockenen Feststellung beantwortet, daß Herr Großmonn wiederholt Miaufgesordert. aber sehr eindringlich, zuletzt noch vor einigen Monaten, dsr Partei seine Dienste angeboten hat. Gegenüber den Ausredeversuchen Großmanns halten wir unsere. Feststellung vollkommen aufrecht und ergänzen sie noch in folgenden Punkten: 1. Im Herbst 1918 erschien Herr Großmann in d«n Räumen de» ll�arteivorstondes. Als er dort„Herr Großmonn" angesprochen ivurd«, bemerkt« er:„Sie köimen zu mir ruhig Genosse Großmonn sagen." 2. Herr Großmonn mar damals allerdings nicht Porteimit- alied. Er wurde es aber anderthalb Jahr« später. Damals, SS. April 1929, schrieb er in die„Vorwärts'-Redaktion an Genossen K u t t n e r:„Lieber Kollege Kuttner, ich könnte auch sogen G e- nasse, denn Ich habe nach langem Schwanken vor vier Tagen mein olle» österreichisches M'gliedsbuch hier In der Vellevuesiraße erneuert." 3..Herr Großmann scheint jedoch sehr bald wieder aus der Partei hinausgeschwankt z» sein. Denn am 23. April 192-1 titulierte er den Genossen Kuttner als„sehr geehrten Herrn". Er beglück- wünscht ihn zu seiner Arbeit an.Lachen links" und schreibt dann wörtlich:„Etwas Aehnliches habe ich ja jahrelang geplant und auch dem parteivorstond vor dem Kriege vorgeschlagen. Aber Sie machen es besser, als ich es hätte machen können."(Es berührt immerhin sr.mpathijch, daß Herr Großmann wenigstens einmal in seinem Leben, wenn auch mir in einem Privatbrief, bescheiden sein konnte.) Zusammenfassend stellen mir fest: Herr Großmann hat sich vor dem Kriege beim Parteioorsta-nd um eine Redakteurstelle beworben. Er hat mich nach dem Krieg« sich im Parteivorstand als Genosse ausgespielt, ohne es zu sein, ist dann wirklich der Partei beigetreten. hat sie bald wieder enttäuscht verlassen, und schließlich hat er noch vor einigen Monaten wieder in einem Briefe an den Genosse» Stampfer der Partei feine Dienste angeboten. Dieser Brief war der Anlaß der-wenigen Zeilen, die Stampfer an ihn schrieb. Die„Partei der Unteroffiziere" hat darauf verzichtet, sich au» ihrer Mittelmäßigkeit an der Charaktergröß« de, Herrn Großmann emporzuranken. Sie wird für ihr Verhalten überall— Herrn Groß- mann natürlich ausgenommen— Derständnis finden. Profesior Wilhelm kahl war gestern an seinem 89. Geburtstag der Gegenstand großer Ehrungen. Unter den Gratulanten waren der Reichspräsident, die Reichsregierung und die preußisch« Staat»- regierung. Der Reichstag veranstaltete eine besonder« Feier zu Ehren Kohls.(Siehe Reichstagsbericht.) Dispositionen de« Reichstag». Das Ersuchen de» Reichsauhen- Ministers, daß der Reichslog erst am Sonnabend den Etat de» Aus- wärtioen Amtes in Beratung nehmen möge, hat den Aelteftenrat veranlaßt, heute die Dispositionen sür die Beratungen in dieser Woche über den Rest der zweiten Lesung des Etats umzustellen. Das Programm für diese Woche ist danach da» folgend«: Am Dienstag Etat der allgemeinen Finanzverwaltimg, Mittwoch Etat des Finanzministeriums in Verbindung mit den Steuergesetzen, Donnerstag Haushaltsgesetz, Freitag die noch verbleibenden Reste und Sonnabend Haushalt des Auswärtigen Amts. Slresemann» Besuch In Pari» wird zwei Tage dauent. Eine Begegnung Briand-Henderson-Maedonald-Sttesemann ist einstwelle» nicht in Sicht. Das Republikschutzgesetz. Oevtschnationale Obstruktion im Plenum? Der Rechtsau sfchuß trat gestern unter dem Vorsitz des Ab- geordneten Landsberg zur Fortsetzung der Beratung über die B e r- längerung des Republikschutzgesetzes zusammen. Abg. Dell(Ztr.) erklärt« sich für die Verlängerung des Gesetzes. Die deutschnattonalen Bemängelungen des Gesetzes seien weil übertrieben. Es könne ernstlich davon kein« Red« sein, daß die Opposition in ihrer verfasiungsmäßigen Betätigung behindert werde. Kein« noch so scharfe Kritik werde durch das Republikschutzgesetz unter- bunden. Abg. Eoerllng(Dnat.) wiederhotte alle« dos, was er schon in der ersten Sitzung gesagt hatte, um die Ablehnung der Verlöikgerung des Gesetzes herbeizuführen. Dabei ließ er sich zu der Bemerkung hinreißen, daß seine Freund« einer Durchpeitschung des Gesetzes sich widersetzen und zu jeden einzelnen Paragraphen längere Ausführungen machen würden. Abg. Ehlermann(Dem.) sprach sich für die Berlängerung des Gesetzentwurfs aus, das immer noch notwendig sei, um die Republik zu schützen. Ministerialdirektor Schäfer teilt« mtt, daß aus Grund der Paragraphen des Republikschutzgesetzes, welch« Mordtaten be- strafen, im Jahr« 192�mr einzelne wenig« Berurtei- l u n g e n eingetragen seien. Dagegen seien Verurteilungen auf Grund der Zfj 7 und 8 des Republikschutzgesetzes, welche die B e- schimpfung der Republik und die geheimen staats- feindlichen Verbindungen betreffen, ausgesprochen worden: 1923: 211, 1924: 37S. 192ö: 566, 1926: 227. Auf Grund des ß 19, der die D e r a n st a l t u n g e n von verbotenen Versammlungen betrifft, feien verurteilt worden 1923: 18, 1924: 209. 192S: 24. 1926: 21. Aus Grund des Z 22, der die Herausgabe verbotener Druckschriften betrifft, seien verurteilt worden: 1923: 14. 1924: S. 1926: 1. 1926: 2 Personen. Abg. Heilmann(Soz.) wandte sich gegen die Ausführung Everlings, der, wie jetzt festgestellt sei, völlig frei erfunden habe, daß die Anwendung des Gesetzes in den letzten zwei Jahren sich gesteigert habe. Auch Abg. Eoerling l>abe zugeben müssen, daß die Deutschnationalen noch nach dem Zeitpunkt, in dem die Strafverfolgungen zurückgegangen seien, der Verlängerung des Gesetzes zugestimmt haben. Es fehle daher jeder Grund für die jetzige ablehnende Haltung der Deutschnattonalen. Es sei denn der, den sie ehrlicherweise angeben sollten, daß sie jetzt in der Opposition einen Frontwechsel vornehmen. Von einem Gesinnungszwang, der durch das Gesetz ausgeübt werde, könne keine Rede fein, da lediglich beschimpfende Aeußerunge» oerboten würden. Im Gegenteil sei bedauerlicherweise festzustellen, daß häufig Freisprechungen auch bei groben Be- schimpfungen erfolgten. So z. B. als jemand die noch Ever- lings Erklärungen angeblich harmlose Aeußerung tat:„U m Minister in dieser Republik zu werden, müsse man Zuchthäusler fein." Wenn man ein« andere Fornru- lierung der Bestimmungen üb«r di« Beschimpfung der Republik treffen wolle, dann könne nur von einer Formulierung di« Rede sein, die solch« unverständlichen Freisprüche verhindere. Abg. Ever- ling habe sich dagegen gewandt, daß dos Gesetz durchgepeitscht werden solle. So rasch, wie zur Zeit de; Bürgerblocks würde das Geletz gewiß nicht verabschiedet werden. Wenn die Deutsch- nationalen aber Obstruktion treiben fällten, so würde di« Mehrhett sich das nicht gefallen lassen.. Abg. Alexander(Komm.) trat für die Beseitigung des ganze» Republikschutzgesetzes ein. Abg. Eoerling wiederHolle zum dritten Male seine zu» Republikschutzgesetz gemachten Bemerkungen. Inzwischen war ein sozialdemokratisch«? Antrag eingegangen, durch d«n erreicht werden soll, daß bei Derbsten be» stimmte Gründe angegeben werden und daß die Reichsregie- rung Ausführungsbestimmungen erlassen soll, die das Recht geben,. in gewissen Fällen gegenüber Verboten ein« mündliche Verhandlung de» Reichspericksts zu fordern. Iustizminister v. Guörard erklärte zu diesen Anträgen, daß er grundsätzlich gegen sie kein« Bedenken Hab«. Er fürchte aber. daß, wenn Aenderungen von einer Seite oerlangt würden, auch ander« Parteien Aenderungen wünschten und daß dann das ganz« Gesetz in Gefahr gerat«. Zweck des Gesetzes sei, die Republik zu schützen, und da das geltende Gesetz seinen Zweck erfülle, bäte er um unverändert« Annohme des Gesetzentwurfes. Fortsetzung Mittwoch. Die große Säge. Teddy läßt fliegen! Ir» den leitenden Funktionen der KPD. setzt bereits jetzt ein großes Revirement ein. Di« Versöhnler sind bereits abgesägt: min» mehr kommen die ,�) a l b o e r s ö h n l e r" an di« Reihe. Das sind diejenigen, die im vergangenen Herbst bei dem Korruptionsskandsk Wittorf zunächst für Thälmanns Beseitigung stimmten, später jedoch auf Befehl von Moskau auch anders konnten. Dazu gehört« u. c. der gegenwärtige Chefredakteur der„Roten Fahne", der Reichstags- abgeordnete D e n g e l und einer der bisherigen Hauptmacher im Polbureau, der Reichstagsabgeordnete Schneller. Sie gelten Thälmann nicht als zuverlässig genug und sollen durch andere ersetzt werden. H e ck e r t ist bereits ausgeschaltet und hat die Leitung der Gewerkschastsabteilung der KPD. inzwischen an den kommunistischen Landtagsabgeordneten Merker abgeben müssen. Der Reichstags- abgeordnete Pfeiffer ist ebenfalls kallgestellt. Das gleiche Schicksal blühte dem' bisherigen Theoretiker Thälmanns, dem „Kantonheld" Heinz Neumann. Thälmanns Rachedurst ist damit noch nicht beendet. In dm nächsten Tagen wird di«„Fliegerei" sortgesetzt. Ein feiner Polizeiinspettor. Mit dem Gummiknüppel beim Stahlhelm. Bei einem Werbeumzug des„Stahlhelm" in Offenboch a. M, am 9. Dezember 1928 hat die hessische Polizei bei einer Durch- suchung der Mitglieder des„Stahlhelm" nach Waffen auch den Polizei inspektor Heiden vom Polizeipräsidium Frankfurt a. M. fest- gestellt und bei demselben eine Schlagwaffe, nämlich einen Gummi- knüppel, gefunden. Die Republikanische Veschwerdestelle Berlin wandt« sich darauf an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden und erhielt unter dem 17. Mai den Bescheid, daß Heiden durch Straf- befehl des hessischen Amtsgerichts Offenbach a. M. zu einer Geld- strafe von 29 M.(im Richtbeitreibungsfall« mit einer Haftstrafe von 4 Tagen) bestraft worden ist, weil er tatsächlich bei dem Umzug des„Stahlhelm" einen Gummiknüppel bei sich geführt hatte, ohne im Besitz des ersorderlichen Waffenschein» zu sein. Die Beschwerde. stell« hat außerdem die Einleitung eine» Disziplinarvere fahren? auf Dienstentlassung beantragt. Abschluß der Reichswehrdebatte. Sozialdemokratie und Abrüstung. Der Reichstag setzt« am gestrigen Montag die zweite Be- ratung de» Wehretats fort. Abg. Ersing: In den letzten zehn Jahren ist di« Ctatsberatung noch nie so friedlich, ja kameradschaftlich gewesen wie diesmal. (Heiterkeit der wenigen Zuhörer.) Und das soll bleiben im Interesse eines guten Verhältnisses zwischen der Wehrmacht und der Republik. lieber dse Pflege der Tradition des alten Heeres wird wohl«ine Uebereinftimmung nicht im Reichstag herbeizuführen sein, natürlich verstehen wir den Drill und Schliff, die Unterordnung der Regie- rung unter die Heeresleitung usw. nicht als gute Tradition. Die Reichswehr ist ein neues Heer, sie soll ebenso kameradschaftlich und zuverlässig sein wie das alte, aber durch und durch repu- b l i k a n i s ch! Mit der Abrüstung in Europa sieht«• traurig au». Sogar der französisch« Sozialist Paul Voncour will ja die Re> servcn nicht auf den Heeresstand anrechnen lassen. Bielleicht bringt die britische Arbciterrcgicrung die Abrüstung vorwärts. Das sozial- demokratische Wehrprogranim ist teilweise ein erfreulicher Fort- schritt: Soldaten au sschüsse und dergleichen sehen wir ober als gefährliche Einrichtung an. Dos politische Wohlrecht gewahren hieße die Reichswehr in den Parteienkompf vielleicht ziehen. Abg. Or. Leber(Goz.): Unser Wehrprogramm verwirft den Krieg. Do heute noch keine Instanz vorhanden ist, die absolute Sicherheit de» Friedens gewährt, bekennen wir uns zu der Notwendigkeit, unser« Grenz« und unsere Neutralität zu schützen. Wenn man ober zur Sicherung de» Friedens fordert, daß auch Deutschland rüsten könne, meinen wir, daß Aufrüstung niemals eine Sicherung des Friedens- und daß das Wort„Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor" eine der größten Lügen ist. Nein, wenn du Frieden willst, so arbeite für ihn! Di« gewaltigste Rüstung Hot uns nicht vor dem Krieg bewahrt. Weil Rüstung nur Gegenrüstung erzeugt, sehen wir mit großer Sorge die Entwicklung: wir be- dauern, daß Nachbarstaaten von uns rüsten, und wir bedauern, daß in Frankreich Parteigenossen von uns für die Rüstungen«ingetreten sind. Nur die Abrüstung kann Frieden und Wohlfahrt sichern.(Beifall.) Die zehn Zahre Reichswehr und Republik waren ein schwerer Leidensweg, und mehr als einmal hat die Reich-ivehr zur Vergrößerung der Unsicherheit in der Republik beigetragen. Das heißt beigetragen zu dem immer noch bestehenden Mißtrauen. Aus den immer wieder abgegebenen undeutlichen Er» klärungen„Wir stehen aus dem Boden' der Verfassung" ist dieses Mißtrauen gewachsen. Auch der Minister hat hier gesagt, di« Reichs- wehr solle ein Instrument der„verfassungsmäßigen Instanzen" sein. während er im Ausschuß vom Instrument der Republik gesprochen hat. Dazwischen lag di« Erklärung des bedingten Der- trauens der Deutschnationalen und danach die Erklärung des vollen Bertrauens der Dcutschnationolen. In seiner zweiten Erklärung hat Minister Groener das olle» klargestellt,'aber es bleibt befremoend, daß vom Reichsweh rminifterimn s« schwer Klarheit zu er- laugen ist. Ich habe nicht di« Kavallerie al» Luxus bezeichnet: aber 18 KavalleriereaimeMer bei 21 Infanterieregimentern sind gewiß zu viel. So ein« Reiterattacke im Manöver ist ja ein ganz netter Anblick, aber im Krieg ist es gewöhnlich anders, z. B. wenn Ar- ttllerieseuer in Kavalleriemassen einschlägt! Luxus scheint es dach.zu sein, wenn 199 Obersten und 299 Oberstleutnants befördert werden. Was haben denn die zu wn? Das„Niemals" des Ministers gegen manche unserer Progrommforderungen wird ihm hier wenig Erfolg bringen. Wir halten den Soldaten für den besten, der am stärksten mit dem Staat verbunden ist. also auch all« Rechte des Staats-- bürgers hat. l>err v. L e t t o w- B o r b e ck hat einen armseligen Witz gegen mich gemacht. Nun, der Witz hängt vom geistigen Niveau ab, dieses wird von der Umgebung bestimmt, und Herr v. Lettow-Borbeck hat jahrelang unter Negern gelebt.(Unruhe rechts. — Zuruf de» Abg. Laverrenz.) Herrn Laverrenz will ich gar nicht mit Regern zusammen nennen, dos wäre eine Beleidigung für die Neger.(Ordnungsruf.) Die Lehre de» Herrn von Lettow- Borbeck von der Disziplin durch die Furcht, da» ist der Geist der alten Tradition. Wir erwarten dagegen die beste Disziplin von frei- willigem Zusammenwirken. Die alte Armer war aufgebaut aus den» Klasievprinzip der Aeudalltät: oben dis�Ofsiziere, tief unten die Soldaten aus dem Volk. Diese» System hat den Zusammenbruch mit herbeigeführt. Viele alle Offizier« haben das eingesehen, aber man zieht nicht die Konsequenz daraus. Di« aus der alten Armee in die Reichswehr herüber- genommenen Generale machen auch sie zu einem Klassenheer, dessen Offizier« aus dem Adel und dem Großbürgertum kommen. Sagen Sir ov» doch, wieviel Prozent der Offiziere au» dem Kleinbauerntum und der Arbeilerschofl kommen! Ein sylcher Klassengegensatz in der Reichswehr macht sie zur Fort- fetzung des alten Systems. Di« Führender republikanischen Wehr- macht werden zum größten Teil den Ständen entnommen, die die Republik ablehnen und hassen. Ein Beispiel dafür haben jene Marine- fähnrichc in Kiel gegeben, die einen Besucher von der Besichligung ein«? Kriegsschiffes ausschlössen, weil er«in schwarzrotgoldenes Bändchen trug!(Hört, hört! links.) Wir halten die Republik für oerpflichlet, auch den Offizieren materielle Sicherheit und«in gewisses Ansehen zu geben. Boraus- setzung aber ist, daß die Offiziere sich ehrlich zur Republik bekennen. (Sehr wahr! link-.) Der Minister hat angekündigt, daß er das Aufrücken von Unteroffizieren in den Ofsizierskang fördern wolle. Wir fürchten, er wird damit an der Solidarität der Offiziere Ich e i. t e r n. Die haben schon wiederholt in solchen Fällen die dienstliche Eignung des Anwärters bestritten. Wenn sogar einig« Unlerofsiziere zu Ossizieren gemacht würden — ihre aus die Feudalilät versesieaen Kommandeure werden sie einfach nicht auskommen lassen. Wir fordern deshalb, daß ein bestimmter Prozentsatz der Ofsiziere dem Unteroffiziersstand entnommen werden muß.(Zustimmung der Soz.) Abg. Sochfenbtrg hat gesagt, der größte Teil der sozialdemo- kratischen Wähler sei national. Das ist nicht richtig ausgcbrütft, denn das Wort„national* hat durch die Taten derer, di« es mit Vor» liebe gebrauchen, so schlechten Klang, daß die Arbeiterschaft es ab» lehnt. Wenn Sie aber unter»national* die höchste Opferwilligleit für die Republik verstehen, so haben Sie recht Hätte di« Reichs- mehr in der Vergangenheit gezeigt, daß sie wirklich«in zuverlässiges Instrument der Republik ist, so wäre auch die Stellung der arbeiten» den Massen zur Reichswehr eine andere. Gewiß wird es Zahre und Zahrzehnle brauchen, bis alle« wieder gut gemacht ist. was in der Vergangenheit auf diesem Gebiet an der Repv» blit gesündigt worden ist. Wir sind daher bescheiden. Die Behauptung, wir wollten eine so» zialdemokratische Wehrmacht haben, ist eiller Schaum. Wir sind zufrieden, wenn wir überhaupt Fortschritte sehen, wie sie der Mi» nister angekündigt hat. Sehen wir diese Fortschrille, sehen wir, daß e» besser wird, so wird niemand freudiger als wir in den Ruf einstimmen:»Es lebe die Republik und ihre Wehrmacht!*(Leb» hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmidt-Hannover(Dnat.) glaubt zunächst, de» Vorredner wegen seiner Abwehr gegen Lettow- Vordeck rügen zu müssen, was Vizepräsident Esser für überflüssig erklärt: der Vorsitzende knüpft daran die Mahnung, persönliche Angriffe zu unterlassen. Schmidt fährt fort: Ueber der Wehrpolittt der Sozial» demo traten liegt verwirrend« Zwiespältigkeit. Sie pendelt zwischen Deutschlandlied und Marseillaise. Di« Maßnahmen des Ministeriums atmen unnötiges Entgegenkommen gegenüber der Linken. In der Garnisonverlegunqssrage werden die nationalpolitischen Fragen der Ostmark verkannt. Alle Maßnahmen des Wehrministerium« müssen zum Ziel haben: LockerungderFesseluvonDersailles. (Beifall rechts.) Abg. Brüninghau»(DDP.) rechtfertigt den Panzerschiffbau u. a. mit einer Aeußerung aus England, daß dieses Schiff bestimmt sei, di» Freiheit der O st s e« gegen irgendwelche Herrsch- gelüste zu sichern. Di« britische Außenpolitik der Arbeiterregierung -oerde die gleich« sein wie unter Baldwin-Chamberlain. Ich glaube, die Sozialdemokraten werden mir zustimmen, daß unsere Marin« auch weite1* von dem Geist beseelt sein möge, der sie bei der Ver- senkung unserer Flotte in Scapa Flow geleitet bat. Da« ist der Geist der Pflichterfüllung und Disziplin, die weder auf Furcht noch auf Streberei nach Beförderung beruht. Abg. KIvpenberger(Komm.) redet von erwiesenem Imperialis- mus aller Parteien bis zu.diesem Sozialchauvinisten*. Er be- l-cruptet dann unter Anführung von Namen. Fabriken usw., Geheimrüstungen, besonders gegen den Osten, nämlich— Sowjet» rußland! Wegen der Bezeichnung glasiert« Ueberheblichkeit* Dr. Lebers wird«r zur Ordnung gerufen. Der Redner verliest Briese de» Beichowehrgenerals v. Hammerstein, worin von einer Blisitärdtktalur in vorbereitendem Sinne gesprochen wird: der General wünscht Antwort in doppeltem Umschlag an seinen Diener. Abg. Künstler(Soz.): Ohne gegen die Ordnung des Hauses zu verstoßen, stell« ich fest, daß Herr v. Lettow-Borbeck am Kapp-Putich aktiv teil- genommen und die verfassungsmäßige Regierung Mecklenburgs ver- dostet, während Dr. Leber als Offizier für die Republik und die Verfassung gekämpft und gestritten hat. Herr Schmidt-Honnover bat sich verächtlich über die Soldatenrät« ausgelassen. Wenn diese auch Fehler gemacht haben, so weiß jeder, der den Rückmarsch nus Frankreich mitgemacht hat, daß er ohne die Soldatenrät« und ohne das Vertrauen der Mannschaft zu ihren selbstgewählten Vor- aeseh«en die Ossiziere niemals den Rückmarsch in Ordnung hätten durchführen können.(Sehr wahr! links.) Die Deutschnationolen sind natürlich gegen die Gewährung der Staatsbürgerrechte an di« Ioldoten, wie sie jeder modernen Forderung Widerstand entgegen- setzen. Hübsch war es, daß n gerade der Daffchlfl Lellow-Vorbeck Ordnung vnd Disziplin gepredigt bat' Sein« Behauptung, daß die Disziplin auf der Furcht de» Soldaten vor Straf« beruh«, wird in der Reichswehr nicht un» bekannt bleiben. Di« Methoden, die Lettow-Do rb eck bei Hereros i-nd Hottentotten angewendet hat, werden sich die Soldaten der Deutschen Republik sehr oerbitten. Sie stehen in einem anderen Verhältnis.zum Staat, als vor dem Ilmsturz, sie dienen freiwillig .zwölf Jahre long der Repubit, und diese hat die Pflicht, ihre kvoldakeu als gleiche und uollberechsigte Slaaksbürger fm deHandeln. Di« Sttminrechtsforberung für die Soldaten wird nicht wehr von der Tagesordnung verschwinden.(Aha! rechts.) Herr Groener hat sich dagegen auf unseren Genossen Julius Deuts ch-Men berufen, dieser hat aber in leiner Schrift..Wehr- macht und Sozialdemokratie* die politische Gleichberechtigung der Soldaten als wirksamen Schutz der Demokratie und gegen den Miß» brauch der. Soldaten zu reaktionären Maäxnschaften bezeichnet. Deshalb wenden sich auch olle Reaktionäre dagegen. Herr Groener sollte die Schrift von Deutsch doch genauer lesen!(>--ehr gut! links.) Gegenüber verschiedenen Aeußerungen in der Dobaite stelle ich fest, daß wir jederzeit für die Abrüstung«ingetreten stnd. Das tun auch unsere Richtlinien zur Wehrsrag«. Jeder weiß, daß Rot und Elend in einem Zukunstskrieg noch viel größer fein würden, als sogar im Weltkrieg. Immer mehr wächst die Erkenntnis, daß Streitfragen zwischen Ländern und Völkern nicht mehr durch den Völkermord, sondern durch friedlich« Verständigung ausgeglichen werden müssen.(Zustimmung.) Im Ausschuh hat der Minister er- klärt, daß die auf romansischen Ideen aufgebaute Feldjägerorgauisasiou im Dezember 1928 aufgelöst worden sei. Fünf Jahre lang ist dies« Organisation vom Reichswehrministerium betreut worden. Hätten wir im vorigen Jahr davon gewußt und gesprochen, so hätten wir sicher eines der bekannten Dementis zur Antwort erholten. Jahr für Jahr konnte die Verbindung der Reichswehr mft illegalen Orga» nilationen nachgewiesen werden, immer hat man sie geleugnet, so daß als festgestellt betrachtet werden kann, daß da» Reichewehrministerium bei den«kkalsdebatteu nichk immer die lautere Wahrheit gesagt hat.(Sehr richtig! link».) Wir hoffen, daß dieser Laden nicht unter einem neuen Firmenschild weitergefiihrt wird, zumal wir doch dahinter kommen und die Ausdeckung nicht unterlassen würden. Der erst« Kreisofsizier dieses Feldjägerkorps im Kreie Meseritz war der aus dem Schulz-Prozeß bekannte Leutnant Knüppel, sein Nach» solger war ein Leutnant o. David, unter dem der Küstriner Putsch begonnen hat. weswegen er dann abgelöst wurde. Die Kreisofsizier« unterstanden den Kreiskommandeuren, di« Besoldung«rfolgl« zunächst durch Landwirtschaft und Industrie mit Bei» Hilfen aus einem bestimmten Fond«. Wir fordern, daß das alles endlich aufhört. Sollfcrn wir im nächsten Iahr wiederum solche, Material vor- bringen müssen, so könnte die Stellung unserer Fraktion zum Wehretat nicht unberührt bleiben. (Sehr wahr! bei den Soz.) Beim M ü n ch- n« r S t a h l h e l m» tag hat die Reichswehr für die Stahlhelmleute Stroh geliefert. Am ? und 4. Juni haben Reichswehrfahrzeuge mit— Zivilkutschern das Stroh wieder eingesammelt! Da» Wehrministerium mag aus unserer Krück entnehmen. worauf es uns ankommt. Diese S p i e l« r e i« n. die uns außen» politisch den größten Schaden zufügen und uns fmanz.ell« Opfer auierleaen müssen aufhören, und wu verlangen, daß wir nicht mehr Äskünfte'.�alten, die mft der Wahrheit nicht vereinbar find!(Lebh. FwstwPfWp.) begründet einen Antrag, die Marinewerft Oeuffchnationale Offensive. Oer deutschnationale Parteivorstand hat eine Offensive gegen den Uoung« Plan beschlossen. Wir zeigen den gewaltigen protestnmzug der OftVP. i» Wilhelmshaven aufrechtzuerhalten, was Reichsgelder weit besser rentier«, als die lebensunfähig« Schichau-Werft. Durch die streng« Absperrung de» Truppenübungsplatzes Munsterlager gegen Zivilisten sind die umliegenden Gastwirt« ruiniert worden. Abg. Schneller(Komm.) macht die Sozialdemokratie verantwortlich für illegal« Tätigkeit der Reichswehr. Die Rote Armee des revolutionären Proletariats werde die Reichswehr zerschmettern. Abg. Hünlich(Soz.): In einer Zeft der schwersten sozialen Rot und wo wir nicht wissen, wie die Mittel zu ihrer Linderung beschafft werden sollen, wo alles über unerträglichen Steuerdruck seufzt, kann es nicht unsere vornehmste Aufgabe sein, so schnell wie möglich die allen Kriegs- schiffe zu ersetzen. Wir widersprechen Herrn Groener auch darin, daß ein rasches Tempo des Schiffsersatzes militärisch notwendig sei. Im Rahmen der Versailler Bestimmungen wird der Wert unserer Marine immer außerordentlich problematisch sein. Wenn diese Bestimmungen uns euch eine.Hochseeflotte* erlauben, so missen wir doch, daß unsere Marine gegenüber einem modern gerüsteten Gegner bestimmt unterlegen sein wird. Das bestätigt auch Herr Groener in seiner Denkschrift, warin er auseinandersetzt, daß diese Panzerschiffe gar nicht zum Entscheidungskampf bestimmt, sondern durch ihre Konstruktion de- sähigt seien, dem Kampf mit Erfolg auszuweichen. Das mag einigemal gehen, schließlich würde es aber doch zur Entfchei- dung kommen und dann wäre unser Schiffsmaterial verloren, mit oder ohne Neubauten. Die angeblich wirksame Kräftigung und Verlängerung der Landesverteidigung durch möglichst roschen Kriegs- schissbau sehen wir also nicht gegeben. Jedes dieser Schjff« soll rund 89 Millionen Mark kosten, oazu die Kosten der Indienfthal- ftmg der Kriegsschiff«, wo» zusammen mehr ausmacht als die Ge- samtkosten des Landheeres!(Hört! hört! links.) Da diese unge- Heuren Auswendungen nicht in einem gesunden Verhältnis zu dem damit Erreichten stehen, werden wir die Mittel für das bereits begonnene oder für weitere Panzerschlffe nicht bewilligen. Gerade bei der Marinepolitik ist weit mehr ein falsches Herkommen als wirttiche militärische Notwendigkeit maßgebend. Dazu haben wir aber nicht die Mittel. Der Antrag der Wirtschaftspartei geht von der durchan» un» begründeten Voraussetzung au«, daß an eine Stillegung der Werst Wilhelmshaven gedacht werde. Es ist nur sä, daß zwei Marinewerften auf die Dauer nicht erhalten werden können, weil ihnen die Beschäftigung fehll. Wenn man durch Kriegsschiffneu» bauten diese Beschäftigung herbeiführen will, so wird das nur auf kurze Zeit helfen, dann aber um so sicherer eine Katastrophe eintreten. Di« Wirtschaftspartei fordert auch ein langfristiges Marinebauprogramm zur Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Ver- sailler Bestimmungen. Das würde immenses Geld kosten. Dieselbe Wirtschastspartei kann sonst nicht laut genug äußerste Sparsamkeit auf allen Gebieten verlangen.(Sehr wahr! links.) Neuerdings scheint in der Marine wieder Sozialisten- furcht zu herrschen. Der Flottenchef höchstpersönsich vnd nach ihm die Kommandon- ken haben Reden gehalten gegen Wühler und Ketzer, denen man da» Handwerk legen mühte und die man zu greisen wissen werde. Marineoffiziere haben mir gesagt, daß irgendwelche Schwierigkeilen mit der Mannschaft nicht beobachtet worden sind. Was ist mit diesen Reden eigentliche gemei n t. die nur Beunrubigung in die Marine tragen?(Sehr richtig!) Wir wünschen Aufklärung über di« Benachteiligung Wilhelmshavens durch die Marine, di« ihren Grund darin hoben soll, daß dort ein sozialdemokra- tischcr Oberbürgermeister ist. zu dem nun auch«in so- zialdemokratischervolizeidirektor hinzugekommen ist. Die Presse behauptet seit Monaten unwidersprochen, daß dies die Ursache für das Verhalten der Marineleitung sei. Da wäre es an der Zeit,«in offenes Wort darüber zu sprechen. Ebenso fehlt noch die Auskunft des Ministers auf die Frage des Berichterstatter? nach sener merkwürdigen Anstellung eines ehemasigen Admiral» aus vrivatoerkrag mit 20 000 M. Iahresgehall bei der Marine. Schließlich stelle ich fest, daß bei den Stapelläufen von Marine- sahrzeugen die Reichsflagge so gui wie gor nickt zu sehen ist. Di« Marine könnte sich seither an die Reichsslaqge wohl schon so ge- wähnt haben, um die bei allen feierlichen Gelegenheiten zu hissen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Die Beratung wird unterbrochen, um Abssimmungen zum Per- kehrsetat zu erledigen. Dieser Etat wird in der Ausschußsassung angenommen. Ehrung Wilhelm Kahls. Der Platz des Abg. Dr. Wilhelm Kahl(Dop.) war«ms Anlaß seines 80. Geburtstages mit einem großen Rosenstrauß geschmückt. Als Dr. Kahl um 4.lS Uhr nachmittags im Sitzungssaal erschien, unterbrach Präsident Lobe die Verhandlung und während die Ab- geordneten und di« Zuhörer sowie die Mitglieder und Beamten der Reichsregierung sich erhoben, hielt der Präsident an Dr. Kohl ein« Glückwunschrede, in der er sagte: Der Reichstag ist stolz und erfreut, Sie in solcher Rüstigkeit und Frische an unserem Werk mitarbeiten zu sehen, er ist einig in dem Wunsch, Sie noch lang« mttschaffen zu sehen, an dem rechtlichen Ausbau des neuen Deutschland. Die Spuren ihrer Mitarbeit trögt die Verfassung von Weimar und ebenso ein« lang« Reihe Gesetz« und Rechtsnormen, die ein unruhiges Jahrzehnt uns abnötigt«. Und jetzt. 80 Jahr« alt, sind Sie Tag um Tag bemüht, als Führer des Strofrechtsausschusses ihre Lebensarbeit zu krönen durch das große Werk des Strafgesetzbuchs, das für immer mit Ihrem Ramen ver- knüpft sein wird. Rüstigkeit, Frohsinn und warm« Abendsonn«— das ist der Wunsch, den die Blumen Ihnen aussprechen sollen.(Lebh. Beifall und Händeklatschen im Saal und auf der Galerie.) Abg. Dr. Kohl geht zur Rednertribüne hinaus, Reichskanzler Müller schüttelt ihm gratulierend die Hand. Der Jubilar sagt mit der frischen Stimme und in der aufrechten Haltung, die ihn erheblich jünger erscheinen lassen als er ist: Den Gruß und den Glückwunsch, der Volksvertretung erkenn« ich neben den Glückwünschen des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung als die höchst« Auszeich- nung, die ich auf diesein Höhepunkt meines Leben» überhaupt er- fahren kann. Von Verdiensten sollte aber nicht gesprochen werden. Was ich hier leisten kann, dient zu meinem höchsten Sebensglück gerade in dieser ernsten Zeit unseres Vaterlandes. Ich bin nicht ins Parlament au» Liebhaberei zur Polisik eingetreten oder in dem Gedanken, daß mir auf politischem Gebiet ein besonderer Beruf oder besondere Befähigung zukomme. Ge- trieben hat mich die heiligste Liebe zum Vaterland. Deshalb bin ich in die Nationalversammlung und in den Reichstag eingetreten, in das höchste und vornehmst« Organ zur Wiederauf. richtung, zum Wiederaufbau unseres geliebten Vaterlandes. Um Nein« Bausteine daAi beitragen zu können, arbeit« ich hier Wahl» resormen allein werden nicht einen Reichstag schaffen der das beut- sche Volk wieder auf die Höhe führen kann. Ich lebe und sterbe der Hoffnung, daß es der deutschen Volksvertretung beschieden sein wird, da» deutsch« Volt wieder auf die Höh« de» Glück» zu tragen und zu bringen, so daß wir dann mit tieserenH Ernst und größerer Zuversicht al« heute sagen können:„Blüh' im Glanz« dieses Glückes, blühe deutsches Daterlandl* Die Dankesworte Dr. Kohls sind von herzlichem Beifall aller Anwesenden gefolgt: die Kommunisten hatten sich bei Beginn der Feier entfernt. All« Fraktionssührer beglückwünschten Dr. Kohl persönlich. Rumnehr werden die Abstimmungen zum Derkehrsetat fort- ibg. Dr. Ouaah(Dnat.) schiebt die Verantwortung für die Streichungen beim Luftverkehr der Mehrheit zu. Angenommen wird«in Antrag der Volkspartei auf beschleunig- tem Umbau der Wagen 4. Klasse aus die neue Holzklasse. Darauf geht die Besprechung des Marineetats weiter. Abg. Trevlrcmus(Dnat.) nennt das Panzerschiff A ein« Meisterleistung modernen Schiffsbaus, was auch die ausländische Fachkritit anerkenne. Eine ausgezeichnete Schöpfung ist das neu« Marine- archiv. Wenn die Sozialdemokraten den sittlichen Geholt de» Wehr- gedankens leugnen, so leugnen sse damit das menschliche Gemein- schaftsgesühl. Abg. Stöcker(Komn,.) greift die Sozialdemokratie wegen des Panzerkreuzers A heftig an. Der Geist Lohmann» schwebt über den Wassern. Der ganze Marineetat ist Tarnung illegaler Tätig- keit, so der Marineflugschule aus Norderney und der Depentenboote mit Torpedolancierrohren. Mg. Tanhen(Dem.): An dem Nerwaltungsapparat der Marin« könnte noch viel gespart werden. Der Etat enthält noch viel« Un- klarheiten. Reichswehr und Reichsmarin« müssen ihr« Verbunden- heit mit dem Staat auch am Versossungstog zeigen. Mit einigen Bemerkungen des Abg. Sachsen berg(Wp.) schließt die Besprechung. Da bei Beginn der Sitzuna der Abg. v. E p p(Rot.-Soz.) bestritten hatte, am Sonnabend die Notwendig- keit der Abstriche am Wehretat anerkannt zu haben, stellt Abg. Loibl Bayer. Vp.) aus dem Stenogramm fest, daß V. Epp sich tatsächlich so geäußert hat. Abg. v. Epp(Not.-Soz.) sucht dies in periönlicher Bemerkung zu widerlegen. Er kann die Richtigkeit des Stenogramm» nicht bezweifeln, meint aber unter steigender Heiterkeit des Hauses, es käme auf den Sinn seiner Rede an, und der sei eben anders gewesen. Durch allerhand Zwischenrufe der Linken wird der rednerisch sehr ungewandte Epp in aroe Verlegenheit gebracht, verheddert sich immer mehr und gibt schließlich den Versuch, weiterer Ausführungen auf. indem er den Vorsitzenden beschuldigt, ihm nicht di« nötig« Rede- sreiheit verschafft zu haben. Um 6% Uhr vertagt das Haus di« Abstimmungen zum W'br- eint aus heute, Dienstag, 12 Uhr. Sitzungsbeginn 11 l"" Finanzetat. t Damenforderungen. Gegen Arbeiterinnenschotz. Der gegenwärtig in Berliy tagend« internationale Frauenbund fordert die Aufhebung der besonderen Schutzgesetze für die Frauen zugunsten feiner radikal schillernden Forderung aus gleiches Arbeitsrecht für Frauen und Männer. Er wendet sich deshalb gegen ein« Reih« von Konventionen des Internationalen Arbeitsamts zum Schutze der weiblichen Arbeitskraft. Gegen das Verbot der Nachtarbeit der Frauen durch das Washingtoner Abkommen van 1919, d. h. in den Ländern die dies Abkonimen ratifiziert haben, wandte sich eine Amerikanerin. Durch dieses Verbot feien viele Frauen arbeitslos gc- worden, ohne daß ihnen die geringste Entschädigung gezahlt wurde. Hier handelte es sich doch wohl hauptsächlich um die durch das Ende des Weltkrieges von den zurückkehrenden Männern wieder ein- genommenen Arbeitsplätze, die während des Krieges von Frauen besetzt worden waren. Merkwürdiger aber muten uns die Argumente an, die diese Dame zugunsten der Nachtarbeit ins Feld führte. Die Nachtarbeit sei in vielen Fällen weniger anstrengend, sei von kürzerer Dauer und werde besser bezahlt als die Tagesarbeit. Die Nachtarbeit mache es außerdem verheirateten Frauen möglich. sich ganz anders um haushall und Kinder zu kümmern als die Arbeit am Tage. Offen gestanden, scheint uns das Ideal der nachts im Druckereibetriebe, bei der Eisenbahn, im Telegraphendienst, in Bamnwvllfabriken oder Dampfwäschereien beschäftigten ver- heirateten Frau, die tagsüber den Haushalt versieht und sich den Kindern widmet, nicht verlockend. Freilich, der Ehemann, der durch die Nachtarbeit der Frau arbeitslos sein würde, könnte der Frau bei der auf ihre Nachtarbeit folgenden Tätigkeit im Haus- tjalt zur Hand gehen. Di« Bleiweiß-Konvention wird als schädlich be- trachtet, da die gesundheitlichen Nachtelle bei der Beschäftigung mit Bleiweißarbeiten für Männer und Frauen gleich seien. Für die Nachkommenschost sei es einerlei, ob sie durch den mit Bleiweiß arbeiteirden Vater oder die mit Bleiweiß beschäftigte Mutter in ihrer gesundheitlichen Existenz beeinträchtigt würden. Das Arbeit soerbvt für flchwangere Frauen vier Wochen vor und nach der Entbindung wird in jenen Kreisen als eine Bevormundung der Frauen bezeichnet und zwar mit der bezeichnenden Begründung, daß keine Frau sich während der Schwangerschaft zu anstrengender Fabrikarbeit drängen werde, wenn sie es nicht nötig habe, oder wenn sie genügend unterstützt werde. Also, wenn sie keine Unterstützung erhält, soll sie gezwungen sein, auch in dieser Zeit in der Fabrik zu arbeiten. Die Sozialgesetzgebung scheint in den Heimatländern dieser Damen noch nicht weit fortgeschritten zu sein. Der Frauenbund leitet dies« uns keineswegs fortschrittlich er- scheinenden Forderungen aus seinem Programm ab, has gleiches Recht auf gleiche Arbeit, gleicher Lohn für Männer und Frauen bei gleichwertiger Arbell vorsieht. Seine Führerinnen mögen es ganz gut meinen. Doch offenbar sind keine Frauen unter ihnen, die die Fabrikarbeit aus eigener Beschäftigung kennen. Dieser osfenkundigo Mangel läßt den Widerspruch der sich hier zwischen Theorie und Praxis ergibt, zwar erklärlich erscheinen, aber nicht rechtfertigen. Die heutig« Kundgebung für Arbeiterinnen- schütz, die dos Frouensekretariat unserer Partei einberufen l�at, wird den manchestertümlichen Auffassungen der Damen über diesen Gegenstand die»nodernen Auffassungen der gewerkschaftlich und politisch organisierten Frauen entgegenstellen. passive Resistenz bei Siemens. Zur passiven Resistenz im Siemens-u.-Halske-Werner-Werk ist nachzutragen, daß die Verhandlungen des Arbeiterrats mit der Betriebsleitung nicht ganz ergebnislos verlaufen sind, sondern daß eine Erhöhung der Löhne um e'in bis zwei Pf. pro Stunde zugestanden wurde, die aber zunächst als zu ge- r i>. g von den Kolleginnen abgelehnt wurden. Die Haupt- forde rung, ein« Umgruppierung aus Gruppe V in Gruppe C des Lohntarifes, blieb unberücksichtigt. Die Drahtzieher der KPD. versuchten, um mit ihren Worten zu sprechen,„die Bewegung in ihre Bahnen zu leiten'. Die Kolleginnen hatten sich eine Somnnfid» gewählt, die die Führung des Kampfes übernehmen sollte. Diese berief am 14. Juni ein« Dersammlung im Lokal von Lange. Siemensstadt,«in. Dazu wurde von der KPD. der Oberrevokutionär Bahl» geschickt, um dl« Kolleginnen„aus den richtigen Weg' zu führen. Er brachte dies durch seine Ausführungen in dieser Versammlung so gut fertig, daß ein großer Teil der Kolleginnen eingesehen hat, daß auf solchen Grundlagen kein Kamps geführt werden kann, und sich deshalb wieder zur Arbeit gemeldet haben. Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, daß ohne gewerk- schaftliche Disziplin und ohne Gewerkschaften kein Kampf geführt werden kann, zumal nicht in der Berliner Metallindustrie.___ Die schlesischen Texiilbarone empört! Sie lehnen den Schiedsspruch ab. Breslau. 17. Juni.(TU.) „Wie der Verband schlesischer Textilindustrieller mitteilt, kam in der sehr stark besuchten Mitgliederversammlung des Berbandes die einhellige Empörung über den im Lohnstreit ergangenen Schieds- spruch zum Ausdruck, der jeder wirtschaftlichen Vernunft Hohn spreche. Die Bersammlung beschloh ohne Stimmenthaltung e i n- stimmig, den Schiedsspruch abzulehnen.' Mit welchen Mittein sie operierten. Mit welch unsagbar schäbigen Mitteln die schlesischen T«M- barone die Kampfkraft der ausgesperrten Arbester zu brechen ver- sucht haben, zeigt folgender Fall: Die Soganer Wollgarnweberei und Spinnerei hatte, um 150 Arbeiter und Arbeiterinnen entlasten zu können, Mitte Mai ein« Teilstillegung ihres Betriebes bei der Regierung in Lieg- nitz angemeldet und Derkürzung der Sperrfrist beantragt. Die Re- gierung gab dem Derlangen der Firma statt. Die entlassenen Ar- beiter meldeten sich form- und fristgemäß beim Arbeitsamt in Sa- gan erwerbslos. Was geschah aber? Der Verband schlesischer Textilindustrieller erhob plötzlich gegen die Einreihung der durch Teilstillegung ent- lassenen Arbeiter in die Arbeitslosenfürsorge Einspruch. Der Unternehmeroerband erklärte, daß die entlassenen Arbeiter als ausgesperrt zu betrachten seien und deshalb von ihren O r- ganifationen unterstützt werden müßten, da die General- aussperrung oller Textilarbeiter in Schlesien erfolgt sei und die wegen Stillegung Entlassenen auch bei regelrechter Weiterbeschäfti- gung mit ausgesperrt worden wären. Die Arbeiter riefen daraufhin den Spruchausschuß in Glogau an. Vor diesem erklärte der Syndikus des Arbeitgeberverbandes Regierungsrat Hildebrand- Grünberg, die Arbeitgeber seien bei ihrem Einspruch davon ausgegangen, daß sie alle möglich er- scheinenden Lasten den Arbeiterorganlsalionen ausbürde« müßten, um die Kampfkraft der Arbeiterschaft in der Aussperrung zu schwächen. Der Spruchauzschuß wies jedoch den Einspruch des Textilarbeit- geberverbandes zurück und sprach den Gekündigten die Erwerbs- losenunterstützung ab 25. Mai zu. Die Entscheidung erfolgte e i n- st i m m i g. Berufung ist also unzulässig, und es bleibt demnach bei der Zahlung der Erwerbslosenunterstützung. Dieser Streich der schlesischen Textilarbeitgeber setzt ihrem schon vor der Aussperrung zur Schau getragenen Zynismus die Krone auf. Zniernationale Arbeitskonferenz. Llm die Revision der Arbeitskonventionen. Genf, 17. Juni.(Eigenbericht.) Die Arbeitskonferenz nahm am Montag das von der Geschäftsordnungskommission festgelegte Aerfahren für die Nach- Prüfung und eventuelle Revision der Arbeitskon ven- Honen in der Kommissionsfassung an. Die Fassung entspricht im allgemeinen den Wünschen der Arbeitnehmer. In der R a ch m i t t a g s s i tz u n g wurde der Bericht der Kommission entgegengenommen, die aus Grund des 5j 408 des Friedensvertrages die Durchführung der ratifizierten Arbeitskonventionen nachzuprüfen hat. Die Konimission hat zum ersten Male von allen Regierungen Berichte darüber eingefordert und zum ersten Male beschäftigte sich die Konferenz mit diesen Be- richten im einzelnen. Damit ist die Kommission nach und nach ZN einer wirklichen Kontrollin st anz geworden. Während der Berichterstatter der Kammission große Rücksicht auf den Souveränitätsstandpunkt der Staaten nahm, tritt- sierte der holländisch« Arbestervertreter Eupers ungeschminkt aus Grund von Erhebungen der Amsterdamer GewerkschaslÄnternaNonale vi« mangelnde Durchführung der Konventionen in den einzelnen Ländern. In Bulgarien stünde die Ratifikation der Konventionen nur aus dem Papier, in der T s ch c ch o s l o w a k e i, die das Acht- stundcnobkommen ratifiziert hat, seien im Jahre 1927 gleich 17 Millionen Ueber stunde» zugelassen worden, zum Teil, ohne die vorgeschriebenen Ueberstunden zu bezahlen. Griechen- l a n d habe zwar die Konvention gegen die Kinderarbeit an- genommen, aber bis heute nicht durchgeführt. Der österreichische Arbeiteroertreter wies darauf hin, daß man die Staaten zwingen muß, die ratifizierten Konventionen auch in ihren Kolonien, durchzuführen. Als dritten Punkt behandelte man das Ergebnis der Kommissionsberatungen über die Zwangsarbeil der Eingeborenen. Hier liegt neben dem M-ehrheitsbericht ein Minder- heitsbericht der Ar.beitnehmergruppe vor. Die Arbeitnehmer erklärten, daß sie den Fragebogen, den die Mehr- heit entworfen hat. trotz einiger anerkennenswerter Fragen nicht gutheißen können, da die allgemeine Tendenz des Frage- bogens mehr auf eine rechtliche Regelung der Zwangs» arbeit denn auf ihre Unterdrückung, hinauslaufe. Weiter enthalte der Fragebogen sehr wichtig« Fragen überhaupt nicht, so die Frage nach der Koalitionsfreiheit der Eingeborenen. nach der Durchführung des Achtstundentages, der Zwangs- arbeit zugunsten eingeborener Häuptlinge und die Frage nach einer internationalen Kontrolle Iauhaux begründete den Bericht der Arbeitnehmer. Er be- tonte, daß die Arbeitnehmer an dem Ziel der unbedingten Abschafsung jeglicher Zwangsarbeit festhalten würden. Schon in den Mandatsverträgen des Dolker- bundes sei die Zwangsarbeit verboten. Die Regelung dieser Sache durch das Arbeitsamt dürfe nicht hinter den Mandatsverträgen zurückbleiben. Er wies ferner darauf hin. daß die Arbeitnehmer. gruppe prinzipiell für die Koalitionsfreiheit auch der farbigen Arbeiter, wie für den Achtstundentag eintrete und mahnt«"zum Schluß, daß die nationalistische Bewegung in den Kolonien nur durch wirklich fortschrittliche, demokratische und soziale Reformen in Bahnen gelenkt werden könne, die ein« Zusammen- arbeit und Verständigung zwischen Weißen und Schwarzen ermöglich«. Di« Diskussion über die Zwangsarbeit wird am Dienstag sortgesetzt., t5reie Gewerkschasts-Luaend Groß-Verlin Acute, Dienstag, ISVj Uhr, tagen die Sruvven: Spandau: Gruppe!- heim StSdt Jugendheim Lindcnuier>. Wir agitieren.— Iteptom: Srupp-nheim Schule Wild-nbruchstr. SZ— ö4 iSart, immer). Socirau; Warum IZreitiirverlultur?"— Aumboldt: Gruppenheim Jugendheim Sraun Site LorhingstraLe. MLdchenabend. Lichtfiild-rportrag:»Das prolelarii-i" Mädchen— die proletarische ssrau"— Landaber«»» Plag: Gruppeilhe I» stugendheim Diestdlaieiierstr. 5. Tiskuksiansabrnd:„Tie Demcrlichaftcn und ihre Gcgilcr."— Kranliurtc««llrr: Gruppenheim Llädt. Jugendheim Litauer Siraft« IS. Bertrag:„Betrieb»»«: und Lehrling-, � Zl«»'Licht«nI>erg! Dluppenheim Jugendheim Guntcrstr.■13. Uilterhallungaabeiid:.Dur» UNS unter uns"- Marien dor): Jugendheim Dorsstr. 7 lAlte Schule). Ausspruch:■ abend:.Unsere S-nnenwendseier-.- Licht-nber«: Jugendheim Dosicstr. 2J. Lescabrnd:.Im Westen nichts Neues".— Sir spielen ab 18 Uhr: Siidwcs! r: Auf dem Sporiplad a» der«ahbachstroße.—«harlottenb-r� Aul dein. Sportplah Chorlotenburg in der Sophie.Charlotte.Strahe.— Raabit: A», der Spielwiese des Boltsparts Rchderge.— geppeliapla» nnb«eddiag: B r baden im Plühenfe«. �oaendgruppe des ntralverbondes der Anaeflelltu Seilte, Dienstag, sind folgende Beranstaltungen: Narbwelt: Jugend> heim Lehrter Str. 18-19. Bunter Abonch- Uebu-g«-b.nd d- Sprech- und»«»»««imgschar, 30 Uhr in der Turnhalle der Schule BaruUur Strage 30. Turnkleidung und Hallenschuhe mildringeu! Berantwortlich sllr Politik: Dr.«nrt Geyer; Wirtschaft:».«lixgelholrr; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Stztorn; iseuilleton:«. v Dilcher; Loko.ee und Sonstiges: ilri»»arftädt; Anzeigen: Zh.»lacke: sämtlich lil«erli». Berlag- Borwärls-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Lorwarts-Buchdruckerci und Lerlagsanstqlt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lind-nstrgßc 3. Hier,» 1 Beilage»»d.Uaterhal«»»»»»»«iffe»". Dienstag, 18. 6. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 156 20 Uhr Gastspiel oiaghiien- Ballett Staals-Oper Am PLARepubl. R.-S. 143 Uhr- EuälilDogen Dienstag, 18. 6. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus 1 1 19 Uhr Tristan d. Isolde Staat). Sdiansph. im 6«ndirmenmarKt A.-V. 141 20 Uhr Weh* dem der lögt Staat!. Sebüler-Iheater.Ctiarlth. 20 Uhr Die Weber Winrer * Garren* S Ufer* tun. 3810» Baidua iriaem Bon John Jazx-Oirls Myron, Pearl ft Co. u. walter« Varlate-Nauhelten GSOOOOOSOOISSGOSOOOO« Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 58, Kast.-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Saitsplei Beuel Beer, fiietsl Llllsn in der Operette „Mr ersten ueM goid'ne zeit- Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner:„Er Iii floOi der Papa". Burleske in 1 Aksmit Qustel Beer, große Qretel Lilien. Dazu der neun Tarleteiell. Anfang Konzert 4.J0. Burleske u. Variet« fl DU). Operette 8.30. leflen Donnersiao orofier Tolkstai. »OOOSOOOSSIOSOSOOOGO« I scam 8 Uhr B S Barbarossa 9256 O'Hanlon& Zambuni and die weüerea utraHtlonen PI/A�a l A» P/at, *i«. aus— u Tägl.5u.8,5;lntern.Varietä Vorverkauf stets för die laufende Woche inkl. Sonntag 1 BamswskHohiieii Theater in dar KOniggrStzar Straß* Täglich S'/i Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich 8Vi Uhr CtiarleysTaiite mit Curt Bei». Thanon-Th. Täglich 8'/t Uhr Sonntag 31/» u. 8'/« Gastspiel der Tepera- seer BenrnbDiee Moral unterm Himmelbett Für Jugendliche nicht geeignet Rundfunkhörer beide Preise. Plane tanmn wv am Zoo»» Vtrllng. Jodundtalir Strah B. 5 Barbarossa 5578 16 Vi Uhr Sternbilder da» Semmers 18", Uhr Der Matball 20V, U. Van Pnt n Pal am ttarnaaklmmal Tägl. außer Montags u. Wittw. Erwachs. l Mk. Kinder SO Pt Mittw.: Erwachsene 50 Pt. Kinder 25 PI. Lessing-Theater Täglich SV. Uhr IdUMTDIdi nur aas Liehe Ein StDck mitMu- sik nach Verneuil. VICTORIA zu BERLIN ALLGEMEINE VERSICHERUNGS- ACTIEN. GESELLSCHAFT _ Bllnn» tflr daa Geaehlftalahr IPZS_ Aktiva Forderungen an die Aktionäre für noch nicht eingezahltes Aktienkapital. Grundbesitz!....... Hypotheken....... Wertpapiere....... Darlehen an Versicherte. Beieiligungen an and. Versicherungsunternehmung. Qu'haben bei Banken u.a.. Außenstände bei Agenten. Teilprämien, fällig 1929 v* g'"'*--- 1--• RM 1500 000 15 519 646 64 742 532 24 877 503 9 359 632 655 5,38 18197179 9 253 212 16 038 764 3 257 647 Paaalva Grundkapital...... Gesetzlicher Reservefonds. Prämienreserven und Ueber- träge........ Schadenreserven..... Gewinnreserven Aufwertungsreserve. Sonstiges. Ueberschud RM. 5 000 000 I 200 000 112 043 926 2 212 637 15 960 008 1877 290 .30 104.309 3 296 469 151 327 000 5 247 878 10 103 405 Rückstand. Zinsen u. Mieten Bare Kasse und Postscheck- guthaben...... 123 273 Aufwenungsfonds.... 151 327 000 Sonstiges........ 23 520.391 .338 372 322 338 372 322 Aus dem Ueberschuß wurden den mit Gewinnantefl Versicherten der Lebensversicherungs-Abteilungen RM. 9 458 978 zugewiesen; es beträgt die Dividende in der Abteilung der größeren Lebensversicherungen für die Versicherungen nach dem alten und dem Bm Gewinnplan... i",% (gegen 3'."„ und 30o in den Vorjahren) nach dem Gewinnplan Bo n....... e»ö"/o (gegen 2.5% und 2.4% in den Vorjahren) von der bedingungsgemäßen Somme der gezahlten gewinoberechtigten Prämien und in der Lebensversicherung ohne Untersuchung(0 U) 37".o der Jahresprämie(gegen 26«U und 25 in den Vorjahren). VolKsbUmie Tlititir anBilovplalt 8 Uhr Berlin, wie es weint u. lacht StaatLSdiiller-Ili. 8 Uhr Die Weber Plan snatseper am PI der Bepobllk 7"! Uhr Honmanns ErzäiHaosen Kleines TDeater Täglich SV« Uhr NafirtertreffieB? Lucie Mannheim, Max Adalbert, Herr- mann-Schaufuß, Herrn ine Sterler. Fr. Holländer, Fr. FriMaaen- FraflerlS. Berliner Theater DirekLHeinz Herald Charlottenstraße 90 A. 7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende I0Ve U. Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Reglet HeinzHilpert Dentsdies Theater D.I. Norden 12310 8U„ Ende gegen 11 Die Fleflerraans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einstud. und Lcitg. Erich Woilg. Korngold. Netropol-Th. Festspiele IBBB Tägl. 8'/, Uhr Blaubart Operette von Olfenbach Illtae Oerseh Lee Slezek Die Komödie J1 BiSmCk. 2414/7516 SV?. Ende geg. IO' zU. Der Mau. der sein» hame» änderte 3 Akte von Edgar W�lace. Regie: HeinzHilpert Brillant- Feuerwerk Raubtiere Im Globus Mittwoch MILITÄR. MUSIK (MasseTi-Konrcn) Grosser Zipfenstrilch Dtsd). Xhstiir-IlL Täglich 8' 4 Uhr; Polnisclie Wlrtschafl Rose-Theater OroB« Frankfurter Str. 432. TlgWIi 8.14 Uhr raefts«Ken Komödie In 4 Akten v. H. A. KHm «SartenbOhn«: 8.15 Uhr ..VIS gescniedeno Frau" Lnstspieltaeas Tägl. 8", Uhr Arm wie am« Kirchenmaus Skidelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer Balte Preise. Theat. o.Westens Täglich SV, Uhr Sonntag ä'h u. 8V, Prans Irtan Wellerlolg: Friederike Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 mal. an Korai.Tor Kotlb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Eiite- Shnger DU lul- Snuttno; .Earl n »ei s ante bis r Rotpeisinumi ttntD.bluur Nur Grov Berlin Aieitanderola'z ZU Dienstag, den 18. Juni nachmittags 3'/, Uhr Danksagung. (Zür dl» un« bri drr Sinäfcheruno I unsere» HedenEntschlafenen erwiefenr Teilnahme und die wundervollet: Blumenspenden sagen wir Verwand» ten und freunden, fowie.den tlUelcrn de» Hause» Reuterüraße 37, dem Deutschen s-olzardelterperband, der Abteilung SS der SPD. Neukölln und dem Berein sllr Freidenkertum illr seine wllrdepolle sseier unseren lic' empfundenen Dank. In meinem und meiner Kinder Namert l.in» MRrtaa, geb. Zornow. DnitsdierlttalMtn-lleM AdUnng! variier i Connarnlag. den 20. 3nni. nachm.«>, Ahr. In«malds Vereins. Hann. Skallher Skr. 120 Branchen-Versammlung dar 68 rtler. neateore. Hroner- sctiloster a. Klempner, Broaieare, Bronzlererinnea i.MoatiererduieD Tagesordnung: 1. Was bringt der neue Tarif 7 2. Branchenangelegenheiten und Ler» schiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird das Erscheinen jedes Branchenangehörigen erwartet und im Verdandsbuch oermerit. Adbtnngl Aehtnngl Betriebsräte I Di« Beir'edetäle. Zeitschrift Ar. 12 ift erschienen und lann gegen Borzeigung der Legitimaiionskarte des Betriebsrats-Od- manne» m unserem Bureau, Sienier 5, täglich bis 4 Uhr. Freitag» bis» 7 Uhr. entgegengenommen werden. vir Orbvernralhmg. Reichzhallen-Theatcr uukradiie QO nm Sielftner Sfinder U. a.:„ttne IIa rill im XaUtteinkeller" SaaBirprdlUI Billettbe- bestellung. Zentrum 11263 Dönhoff- Brettü (Säal und Garten) l'ftrleti— ranz— Becker-Konzert Nr. 279» 46. Jahrgang Oienöfog. 18. 3uml929 Flugzeugunglück Lns Meer gestürzt!- Paris. 17. Juai. Auf dem Weg von C r o y d e n«ach Calais ist heute mittag um tlX Uhr ein von dem Flieger Brailly gesteuertes Personenflugzeug mit P a s s a g i e» reu und 200 Kilogramm Post an Bord hinter der Höhe von Dungenest ins Meer gestürzt. Von der Imperial Airwah wird folgender Bericht herausgegeben: Das heute vormittag um 10.30 Uhr ab» geflogene Verkehrsflugzeug der Linie London» Zürich sandte Notsignale aus. als eS sich IS Meilen von der englischen Küste entfernt, über dem Kanal befand. Der Pilot kehrte um, mustte aber drei Meilen von der Küste entfernt niedergehen. Er teilte drahtlos mit, dast er längsseits eines Fischdampfers niedergehen werde, was geschah. Auf Grund der ständigen Not» standsvorkehrungen wurde» sofort nach Eingang des Notsignals weitere Schiffe an die Unglücksstelle ent» sandt. Bedauerlicherweise haben sieben Reisende ihr Leben verloren. Vier Reisende, der Pilot und der Mechaniker wurden verletzt, wie man hofft, nicht ernsthaft. Aus der Notlandung, über deren günstigen Verlauf noch am Spätnachmittag Augenzeugenberichte veröffentlicht wurden, ist da» nach ein Verkehrsunfall ersten Nanges geworden, da Schiffsunglück in den LiSA. 32 Menschen vermißt. London. 17. Jnni. Einer Exchange-Meldung aus Portland(Oregon) zufolge ist gestern der amerikanische Dampfer„Laurel" an der Mündung des Columbiaflusses bei schwerem Sturm gescheitert. Schiffe, die zur Hilfe herbeigeeilt waren, haben den ganzen Tag vergebens nach der Be» satzung von 32 Mann gesucht. Der Columbia-River fließt im Nordwesten der Ver» einigten Staaten von Nordamerika: er ist 2000 Kilometer lang und mündet in den Stillen Ozean. Ueber das Schiffsunglück wird weiter gemeldet: Der Dampfer -„Laurel" wurde von dem schweren Sturm auf die Klippen ge» warfen und brach mitten entzwei. Das Vorderschiff blieb auf den Klippen hängen, während das Hinterschiff wegtrieb imäTbic Nicht ung' Svf seichtes Waffer nahm. Die am Ufer stehend« Menge konnte durch Ferngläser 15 Mann beobachten, die sich an dem Wrack fe st klammerten. Die Seeleute, die auf dem fest» sitzenden Vorderschiff zurückgeblieben waren, sprangen, als die Rettungsboote erschienen, in die Fluten und wurden dann von den Rettungsbooten aufgenommen. Auch ein mit Holz beladener Dampfer erlitt bei dem Sturm Schiffbruch. Sein« Besatzung wurde von einem Lotsenboot nach A st o r i a gebracht. Abreise Fuads aus Verlin. König F u a d von Aegypten ver» ließ in Begleitung feines Gefolges Berlin, um sich zunächst nach . Hamburg zu begeben. über dem Kanal. - 6 paffagiere getötet. neben den sieben Toten olle weiteren Jnsaffen des Flugzeuges, vier Reifende, Pilot und Mechaniker, verletzt wurden. Ein ähnliches schweres Unglück im englischen Lustverkehrsdienst hat sich am Heiligen Abend 1324 ereignet, als ein Flugzeug kurz nach Verlassen von Croyden notlanden wollte, sich überschlug und in Flammen aufging, wobei sieben Reisende und der Pilot ihr Leben verloren. Unter den Toten befinden sich drei Frauen, drei der Ver» letzten sind Frauen. Das Flugzeu war«ine zweimotorig« Handler- Page-Maschine und führte den Namen„Gity of citana". Es war heute Vormittag um 10l4 Uhr in Croyden au f g e st i e g e n, um über Paris und Bafel nach Zürich zu fliegen, als es sich etwa über der Mitte des Aermelkanals befand, begannen die Motoren aus- zusetzen. Der Pilot sandte Notrufe aus, die in Croyden aus- gesangen wtftden, machte einen vergeblichen versuch, Land zu er- reichen, und mußte etwa fünf Kilometer südwestlich von Dungeneß aus dem Kanal notlanden. Das Flugzeug stand seit 1926 im Dienst der In, perial Airways Company und hatte den Kanal bereits mehr als tausendmal überflogen. Ueber die Ursache des Verkehrsunglücks fehlen noch alle zu» oerlässigen Hinweise. Von den Toten sind bisher nur drei an Land gebracht worden. Zweites Klugzeugunglück in England. Wie das englische Luftfahrtministerium bekanntgibt, ist in der Nähe von Netheravon ein Siskin-Flugzeug des dritten Kampfgeschwaders a b» gestürzt, wobei der Pilot, ei« Fliegeroffizier und der Beobachter getötet wurden. Vsrfsssungsksisi' des Reichsbanners! Das Reichsbanner Schwarz»Rot-Gold ver» anstaltet am 10. und 11. August in Berlin eine Bundesverfassungsfeier. zu der etwa ISO 000 Teilnehmer aus ganz Deutschland erwartet werden. Auch 1400 Mitglieder des Oester» reichischen Schutzbundes in Wien haben Ihr Erscheinen angekündigt. Das Programm sieht am 10. August eine Kundgebung der republikanischen Eisenbahner Deutschlands und Oesterreichs vor. Am Abend findet dann eine groste Verfassungs» frier statt, bei der u. a. die Reichsminister S e v e- ring und W i r t h und der Reichsminister a. D. Koch» Weser sprechen. Der Sonntag bringt am Vor- mittag eine republikanische Jugendkundgebung und dann gegen Mittag einen Gesamtaufmarsch zu Ehren der Reichsverfassung im Lustgarten und Unter den Linden. Die Bannmeile ist für diese beiden Tage vom Reichsinnenminister aufgehoben wor» den. Am Nachmittag finden Volksfeste in allen Stadtteilen statt. Ist Herbert Meyer der Täter? Widersprechende Zeugenaussagen. In der gestrigen Nachmittagssitzung der Verhandlung gegen den zwanzigjährigen Herbert Meyer, der sich vor dem Schwurgericht wegen Totschlages an dem Referendar Günther Schäffer zu verantworten hatte, wurde zunächst ein Teil der Sachverständigen vernommen. Zwei Aerzte erklärten zu der Daumenverletzung, dos; die Schilderung des Angeklagten, der sich beim Holzschnitzen den Daumen oerletzt haben will, ziemlich unwahrscheinlich aber doch nicht ganz unmöglich klinge. Obermedizinalrat Dr. Bürger erklärte zu dem Geisteszustand des Angeklagten, daß er ein normaler junger Mensch ist. Von dem Ausschluß einer freien Willens- bestimmung, im Falle, daß der Angeklagt« der Täter sein solle, könne nicht die Rede sein. Als erster Zeuge wurde der Schüler Wünsch vernommen, der mit Schäffer zusammen überfallen wor- den war. Nach seiner Darstellung war sein Freund Schäffer bei ihm im Hause Treskowallee 164 zu Besuch. Als er sich verabschiedete, wollte er ihn noch ein Stück begleiten. Als die beiden jungen Leute vor das Haus kamen, sahen sie den Demonstrationszug die Straße entlangziehen. Angehörige, die den Zug auf dem Bürgersteig be- glesteten, sahen, daß er und Schäffer das Abzeichen des Iungdeutfchen Ordens trugen. Auf den Ruf„Faschisten� Hunde", den ihnen einige Frauen entgegenschrien, stürzten sich einige Leute aus dem Zug mit erhobenen Stöcken auf sie und wollten ihnen die Abzeichen abreißen. Der Zeuge Wünsch zog sich sofort durch einen Seiteneingang in den Hausflur zurück, die Menge drängte nach und Schäffer vorlor dabei seine Brille. Während er sich bückte, schlugen verschieden« Leute auf ihn ein. Als Schäffer sich endlich im Haufe verbergen konnte und die Wohnung Wünschs betrat, erklärte er nur, daß er von einigen Stockschlägen benommen wäre. Erst als er die Jacke auszog, bemertte man, daß er voller Blut war. Von Stichen hatte er selbst nichts bemerkt. Während Wünsch nach einem Arzt telephonierte, brach Schäffer zusammen und fiel hin. Cr wurde dann in das Kranken- Haus gebracht. In dem Angeklagten will der' Zeuge einen der jungen Burschen wiedererkennen, der sich auf sie zustürzte und sie auch in den Seitengang hineinversolgte. Geschlagen hatte sich aber Schäffer nach seinem Eindruck mit einem älteren Mann in dunkler Kleidung. Von dem Zeugen wurden nun die widersprechend st en Aussagen darüber gemacht, ob der Angeklagte mit einem anderen sehr aufgeregten jungen Mann, der sehr genau beobachtet worden ist, identisch ist. Während zwei Zeugen fast mit Bestimmt- heit behaupteten und andere wieder eine große Aehnlichkeit kon- statierten, erklärte ein Geschwisterpaar, daß M e y e r a uf keinen Fall mit diesem Jüngling, der auf sie einen großen Ein- druck gemacht hat und deffen Erscheinung sie sich genau eingeprägt hätten, identisch sein könne. Die Verhandlung wurde dann abge- brachen und auf Dienstagfrüh vertagt. Oer Tod des Segelfliegers. Wie das Unglück geschah. Marienburg, 17. Zuni. Die Untersuchungen über die Ursache des Flug- zeugunglücks. dem Segelflieger Ferdinand Schulz zum Opfer fiel, haben folgendes ergeben:' Durch allzu steilen Gleitflug mit vollem Motor war die Geschwindigkeit für den A n st e l l w i n k e l der Flächen zu groß, so daß diese in starke Vibration gerieten. Beim Abfangen der Maschine ist wahrscheinlich eine Verspannung zerrissen. Die Vibration steigerte sich zum starken Flattern, dann zum Z« r- flattern in Fetzen. Größere Teile der Flächen am Rumpf kippten nach oben, um dann zur Erde zu satten, worauf der Rumpf zur Erde herabstürzte. Jnck Xondon: (Berediiigie üebersetzung von Erwin Magrais). Wild wie ein Indianer, ein Mann ohne Moral, dessen Rachdurst nie erlosch, und der alle, die sich ihm in den Weg stellten, zu Boden trat— o ja, sie kannte alle die harten Namen, die man ihm gab. Und doch fürchtete sie ihn nicht. Der Name Burning Daylight hatte eine mächtige Bedeu- tung, die auf die Phantasie jeder Frau wirken mußte, wie sie jetzt auf die ihre wirkte, als sie, durch das Gatter ge- trennt, dem ernsten leidenschaftlichen Klange seiner einfachen Worte lauschte. Schließlich war Dede ja nur eine Frau, x mit der Eitelkeit ihres Geschlechts, und ihrer Eitelkeit schmeichelte es, daß ein Mann wie er sich in seiner Not an sie wandte. Aber noch mehr regte sich in ihr— ein Gefühl von Müdigkeit und Einsamkeit. Unbestimmte Gefühle und noch unbestimmtere Eingebungen: und tiefer und dunkler flüsterte in ihr das Sehnen längst vergangener Geschlechter, das sich wieder kristallisierte und feste Form annahm— un- geahntes, unergründliches Sehnen, flüchtig und doch mächtig, Geist und Wesen des Lebens, das unter tausend Verkleidun- ' gen hinausstrebte. Mit diesem Manne durch die Berge zu reiten war allein schon eine starke Versuchung. Aber dabei blieb'es auch, denn sie war fest davon überzeugt, daß seine Lebensweise nie die ihre werden konnte. Andererseits litt ' sie n-cht an der gewöhnlichen weiblichen Furcht und Scham. Sie zweifelte nicht daran, daß sie unter allen Umständen für sich einstehen konnte. Warum also nicht? Alles in ollem hatte es ja nicht viel zu sagen. Er war ein großer Junge, dieser mächtige Riese von Millionär, den die Hälfte der reichen Leute in San Fran» zisko fürchtete. Ein richtiger Junge! Sie hatte nie gedacht. daß er so sein könnte. Wie machen die Leute es, wenn sie fich verheiraten?" ' sagte" er'„Erstens treffen sie sich: zweitens gefallen sie sich äußerlich- drittens werden sie miteinander bekannt, und viertens heiraten sie sich oder lassen es bleiben, je nachdem, ob sie sich leiden mögen oder nicht. Aber wie wir heraus» bekommen sollen, ob wir uns leiden mögen, wenn wir uns nicht selbst die Gelegenheit dazu schaffen, zum Donnerwetter, das geht über meinen Verstand. Ich möchte Sie besuchen, aber ich weiß Nicht, daß Sie in einem möblierten Zimmer oder in einem Pensionat wohnen, und da geht es doch nun einmal nicht." Plötzlich änderte sich Dedes Stimmung wieder, die Si- tuation erschien ihr lächerlich und sinnlos. Sie fühlte einen starken Drang zu lachen— nicht ärgerlich, nicht hysterisch, sondern nur lustig. Es war so komisch. Sie, die Sekretärin, er, der berüchtigte und mächtige millionenschwere Spieler, und zwischen ihnen das Gatter, über das hinweg sich seine Betrachtungen ergossen, wie man sich heiraten könnte. Dabei war es eine ganz unmögfiche Situation. So konnte es doch unmöglich weitergehen. Diese Begegnung mußte die letzte sein. Und wenn er ihr dann in Ermangelung dessen im Kontor den Hof zu machen versuchte, so mußte sie eben die sehr angenehme Stellung aufgeben, aber schließlich hatte ihr die Männerwelt,«besonders in der Stadt, nie sehr gefallen. Sie hatte nicht jahrelang fürs tägliche Brot gearbeitet, ohne einen Teil ihrer Illusionen einzubüßen. „Wir brauchen doch kein Hehl daraus zu machen," er» klärte Daylight.„Wir können ganz offen zusammen aus» reiten, und wenn uns jemand sieht, so schadet es auch nichts. Wenn man redet— schön, solange wir selbst uns nichts vor» zuwerfen haben, brauchen wir uns auch nicht darum zu kümmern. Sagen Sie ja, und Bob wird den glücklichsten Mann von der Welt auf dem Rücken tragen." Sie schüttelte den Kopf, zog die Zügel an, da das Pferd ungeduldig wurde, und blickte bedeutungsvoll auf die länger werdenden Schatten. „Es ist spät geworden," sagte Daylight schnell,„und wir haben noch keinen Entschluß gefaßt. Nur noch einen Sonn» tag— das ist doch nicht viel verlangt—, um das Weitere zu bereden." „Wir haben ja heute den ganzen Tag gehabt," sagte sie. „Aber wir haben zu spät angefangen, darüber zu sprechen. Nächstes Mal wollen wir nicht solange warten. Es wird mir bitterer Ernst, das kann ich Ihnen sagen. Also nächsten Sonntag?" Sind Männer je ehrlich?" fragte sie.„Sie wissen ganz gut, daß Sie mit„nächsten Sonntag" viele Sonntage meinen."» „Dann lassen Sie es viele Sonntage sein," rief er un» bekümmert, und ihr schien, er sei noch nie so hübsch gewesen. „Sagen Sie ja. Nur dieses eine Wort. Nächsten Sonntag am Steinbruch..." Sie nahm die Zügel in die Hand, um weiterzureiten. „Gute Nacht," sagte sie,„und—" „Ja," flüsterte er mit einem ganz leisen gebieterischen Anflug in der Stimme. „Ja," sagte sie leise, aber deutlich. Im selben Augenblick galoppierte sie davon, ohne sich umzusehen, nur damit beschäftigt, sich über ihre eigenen Ge- danken klar zu werden. Bis zum letzten Augenblick war sie entschlossen gewesen, nein zu sagen, und doch hatten ihre Lippen ja gesagt. Oder es schien ihr doch, daß es die Lippen waren. Sie hatte nicht die Absicht gehabt, ihre Zustimmung zu geben. Warum hatte sie es dann getan?« Ihre Ueber- raschung und Verwirrung über eine so vollkommen unüber- legte Handlung wich der Bestürzung, als sie sich die Folgen klarmachte. Sie wußte, daß mit Burning Daylight nicht zu scherzen war, daß er mit seiner Einfachheit und Knaben- haftigkeit doch in erster Linie eine Herrschernatur war, und daß sie sich einer Zukunft überlassen hatte, die unvermeid- lich Sturm und Drang bringen mußte. Und wieder fragte sie sich, warum sie in dem Augenblick, als es am allerwenig- sten ihre Absicht gewesen, ja gesagt hatte. * Das Leben im Kontor ging seinen Gang. Weder durch Worte, noch durch Blicke räumten sie ein, daß die Situation sich irgendwie gegen früher verändert hatte. Jeden Sonntag verabredeten sie sich zum Reiten für den nächsten Sonntag. aber im Kontor wurde nie die geringste Anspielung darauf gemacht. In diesem Punkt war Daylight durchaus ritter- lich. Er wollte sie nicht verlieren. Der Anblick ihrer Person und ihrer Arbeit war ihm eine ständige Freude. Trotz aller guten Vorsätze lag eine gewisse Heimlichkeit über ihren Begegnungen. Sie ritten nicht frei miteinander im Angesicht der ganzen Welt. Im Gegenteil, sie trafen sich stets an Stellen, wo sie sich am wenigsten beobachtet wußten. Sie ritten auch nur auf den stillsten Wegen und zogen die zweite Hügelreihe vor, wo sie höchstens ländliche Kirchgänger trafen, die Daylight wahrscheinlich nicht einmal aus den Bildern in den Zeitungen kannte.(Fortsetzung folgt> Nie Waffen im Stahlhelmhaus. Ein leichtes M.-G. und-14 Gewehre beschlagnahmt. J Brnber an Bort gegangen. Wodurch dl« Schute gekentert kst, hat sich bisher nicht herausgestellt. Von dem Bruder, der offenbar umgekommen ist, fehlt auch noch jede Spur. Durch den Dachstuhlbrand im Hause des Stahlhelmers Elfer« in 5iohcnncuendors, worüber wir im„A b e n d" bereits berichteten, ist die Polizei auch auf die Spur eines geheimen Massen. l a g e r s gekommen, vierzehn Gewehre und ein leichte« Maschinengewehr wurden beschlagnahmt. Die Munition— es scheint sich um viele hundert Schuh zu handeln, und vermutlich auch einige Handgranaten— ist dem Brande restlos zum Opfer gefallen. Das Feuer war in den frühen Nachmittagsstunden abgelöscht und im Beisein der Ortspolizei wurden von der freiwilligen Feuer- wehr Hohenneuendorf die Aufräiimungsarbeiten vorgenommen. Zwischen den Trümmern lagen unzählige Patronen- hülsen, alles Infanteriegeschosse, die durch die Hitze explodiert waren. In dem verkohlten Gerümpet stießen die Beamten plötzlich aus einen Stapel Gewehre, die zum Teil schwere Brand- schaden aufwiesen. Die Schäfte waren größtenteils verkohlt. Der ganze Fund wurde sofort beschlagnahmt. Die politische Polizei de» Polizeipräsidiums war inzwischen von dem Waffenfund in Kenntnis gesetzt worden, und Kriminalkommissar Dr. Stumm er- schien alsbald mit feinen Beamten in Hohenneuendorf. Der Bc° sltzer des Hauses, ein langjähriges Mitglied des Stahlhelms, ' und fein Untermieter, der gleichfalls dieser faschistischen Organisation angehört, wurden festgenommen und über die Herkunft der Munition und der Waffen eingehend verhört. Elfers ist vor eineinhalb Iahren von Oldenburg nach Hohenneuendorf gc- zogen, wo er das Landlzaus in der Viktoriastrahe 9 von einem Architekten taufte. Der Untennieter zog vor etwa drei Wochen zu Elfers: im Verlaufe seiner Vernehmung bestritt Elfers sowohl wie der Untennieter von dem Vorhnudensem der Handfeuerwaffen auch nur die geringste Kenntnis gehabt zu haben. Er will sich um das Gerumpel, da» in dem niedrigen Dodenverschlog umherlag, angeblich nicht gekümmert haben. Bei den vorgefundenen Waffen handelt es sich um ein leichtes Maschinengewehr französischer Herkunft, -inen belgischen Karabiner, drei Gewehre und zwei Karabiner Modell 98, drei Gewehre Modell 7l/84, einen umgearbeiteten Karabiner Modell 98 und vier modern« Kleinkalibergewehre. An mehreren Gewehren fehlen die Verschlußstückc, die wohl an anderer Stelle, wie kaum anders anzunehmen ist,„aufbewahrt" werden. Von der Ortspolizei ist gleichzeitig eine Untersuchung über die Eni- stehung des Feuers eingeleitet worden. Noch den bisherigen Er- nrittlungen ist die Ursache Selbstentzündung von Preß» kohlen, die in einer kleinen Kabuse auf dem Boden lagerten. Mordgerücht in Treptow. Das Gerücht von einem Mord« war gestern abeird in der Laubenkolonie„K l e i n b a u e r ir h o f* am Heidekompweg in Treptow verbreitet. In seiner Laube wurde dort der Maurer Wilhelm Nagel aus der Romintener Straße 48 in sitzender Stellung tot aufgefunden. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest, daß der Tod bereits vor etwa acht Tagen' eingetreten fein mußte. Bei der näheren Uirterfuchung der Leiche wurden auf dem Schädel und im Geficht Verletzungen festgestellt, die von Schlägen oder Stichen, aber auch von einem Sturz herrühren köimen. Da verschiedene Umstände auf einen gewaltfamen Tod schließe» ließen, wurde die Mordkommission benachrichtigt. Nagel ist das letztem«! am Sonntag, dein 9. Juni, gesehen worden, wo er in einer Sitzung in der Vereinslaube teilgenommen hotte. Wie weiter ermittelt wurde, hat er an diesem Abend stark dem Alkohol zugesprochen und hat in später Stunde allein den W?g zu seinem Loubengrundstück angetreten. Lsm ein neues Todesurteil. Vor dem Ende des Richter-Prozesses. Bonn, 17. Juni.(Eigenbericht.) Im Giftmordprozest gegen den Bingener Arzt Tr. Richter stellte Oberstaatsanwalt Dr. Groß» mau« nach kurzem Plädoyer den Antrag, den An» geklagten wegen vorsätzlichen und über- legte« Mordes aus A 211 RStG. zum Tode und wegen Meineides aus Z 156 folg. RStGB. zu zwei Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Vormittagsverhandlung brachte zum Abschluß der Beweis- aufnahm« die Vernehmung der G i f t s a ch o e r st S n d i g e n, die begutachten sollten, auf welche Weise Frau Mertens ums Leben gekommen ist. Die Bekundungen der Sachverständigen waren für Dr. Richter außerordentlich belastend. Professor F ü h n e r erklärte es für wahrscheinlich, daß es sich bei dem Tod« der Frau um ein durch den Mastdarm eingeführtes Gift, und zwar um Strophantin, handele. Er sagte wörtlich, Dr. Richter habe mit dem Leben der Verstorbenen förmlich gespielt, wenn er bei ihr Strophantin zur Magenbehandlung verwenden wollte. Mit einem geringen Quantum aus dem Extrakt des Herzens d/r Frau Mertens habe er eine G i f t l ö s u n g hergestellt und damit an einem Frosch experimentiert, der getötet wurde. Dr. Richter habe sicher gewußt, daß man bei Anwendung von Strophantin noch ein Gist, und zwar Kokain, hinzufügen müsse, um das Strophantin zu übertäuben. Professor M ll l l e r- H e ß sagt, daß ein normaler Tod bei Frau Mertens unbedingt nicht in Frage komme. Der Sachverständige äußerte sich eingehend übe: die Obduktion der Leiche. Im Gesicht fanden sich mehrere Kratz» wunden vor. so an Nase und Ohr. Fingerdruck st ellen wurden am Arm, am Hals und am Schienbein festgestellt. Am Dickdarm hätten sich Anzeichen eines Reizzustandes gezeigt. Auf Grund der mitroskopistlzen Untersuchung kann mit absoluter Gewißheit gesagt werden, daß Frau Mertens keines natürlichen Todes starb. Flecken und Verletzungen müssen durch wiederholte An- Wendung von Gewalt entstanden sein. Der psychiatrische Sachverständige äußert sich dahin, daß auf Dr. Richter die Anwendung des Z 51 RStGB. n i ch t in Frage komme. Der Vorsitzende plant, den Prozeh noch im Laufe der heutigen Nacht zu Ende zu führen. Der Schlußakt in Neustrelitz. Die letzten Worte der Angeklagten. L. R. Reustrelitz, l?. Zuni. sEigenberichl.) Ueber den letzten Tag im Rogens-Prozeh ist noch nachzutragen: Die letzte Sitzung im Jakubowski-Nogens-Prozeß nahm um 12% Uhr unter ungeheurem Andrang des Publikums ihren Anfang. Die Angeklagten erhielten das letzte Wort. Es zeigte sich sofort, wie unrecht das Gericht getan hat, indem es den Angeklagten dos Schlußwort bereits nach Fertigstellung des Urteils erteilte. Es konnte nach Lag« der Dinge nicht mehr berücksichtigt wer- den. Gerade aber die letzten Ausführungen der Frau K ä h l e r ver- fehlten nicht ihren Eindruck auf die Zuhörer: es war das erschütternd« Bekenntnis einer gequälten Frau. Der Vorsitzende ermahnte die Angeklagte noch ein letztes Mgl, die Wahrheit zu sagen: noch sei es Zeit, mit einem Geständnis herauszukommen, die Wahrheit zu fagen, wenn in ihren bisherigen Bekundungen etwas nicht gestimmt haben sollte:„Frau Köhler, was haben Sie noch zu sagen?" Frau Köhler erhebt sich, in der Hand hält sie ein beschriebenes Blatt PK> p i e r. Der Borsitzende bittet sie, nicht abzulesen, son, dern frei zu sprechen. Sie liest aber dag Mitgebrachte mit tränen- erstickter Stimme ab; mitunter kann sie vor Weinen kaum weiter- sprechen: sie sagt:„Ich habe der Wahrheit die Ehre gegeben: mein letztes Geständnis war richtig. Man hat mich hier als A», ftifterin hinzestellt, das stimmt nichl, das kann ich vor Gott verant- wortcn." Jetzt ist August an der Reihe. Er faßt sich kurz: „Me in ich zum Tode verurteilt werde, so ist mein Bruder Fritz mein Mörder. Ich bin nicht in P;lingen gewesen." Fritz wiederholt, nms er bereits mehrmals im Laufe der Verhandlung gesogt hat. Das Ge- richt entfernt sich- Es ist eine reine Formsache, richtiger gesagt, Sozlalisflsdic Arbeiferjugend Grob- Berlin ■bbhbhbdbei lagendöruppen des Z. D. A. Arn Sonnabend, dem 22. Jfnni 1929(am Tage der Eröffnung de* Volksparke»„Rebberge") Sonnenwendfeier im Volkspark„Rebbcrgc" Fadceleinnsartd»— Chor der ArbeUentager— Sprechdior— Ansprache— Sonnenwcndfencr— Gemeinsamer Gesang Wir treffen uns mr Veranstaltung JO'/i Uhr auf der Steinbrflcke Im Volkspark. Wir empfehlen auch die Teilnahme an der Veranstaltung des Bezirksamtes Wedding, die 15'/, Uhr beginnt— Fahrverbindung; U-Bahn Seestraße. ein« Farce. Es vergehen kaum zwei Minuten, und die Richter betreten den Saal. Der Vorsitzend« liest da» Urteil und die Begründung von dem ihm vorliegenden Manuskript ab.?lls er die gegen Frau Köhler verhängte Straf« verkündet, geht durch den Zuhörerraum ein bestürztes: er bittet, sich jeder Aeuß«» rung zu enthalten. Dann folgte die Urteilsbegründung, über die wir brichteten. Die Begründung wendet sich zum Schluß der Be< wcrtung der Meineid« und der S t r a f b e m e s s u n g zu, sie unterstreicht ganz besonders die grausige Rolle, die Frau Köhler bei der Beseitigung ihres Enkels und bei der Belastung Iaku- bowskis gespielt hat. Aus diesen Gründen sei da» Gericht über da» vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß Hinausgegongen. Nach Verkündung des Urteils, das die Angeklagten mit tief- st er Bewegtheit angehört hotten, erhob sich, wie wir schon kurz mitteilten, der Nebenkläger Rechtsanwalt Brandt und bat da» Gericht um die Begnadigung August Nogen». Der Staats- anwalt schloß sich diesem Ersuchen des Nebenklägers an. Der Zuhörerraum leerte sich nur langsam. In einer Schute eingeschlossen. Bei der Elbinsel Pagensand bei Homburg fanden Baggerarbeiter eine kieloben treibende Schute, au» deren Innerem Klopfen tönte. Mit großer Mühe wurde nach swndenlanger Arbeit mit Sauerstoffgebläsen mis der eisernen Schiffswand ein Loch herausgeschnitten, so daß der Eingeschlossene, der schon bis zum Halje im Wasser stand und kaum noch Luft zum Atmen hatte, gerettet wurde. Er hatte sich.zwölf Stunden lang in dieser La�e befunden. Angeblich ist er in der Sonntagnacht mit seinem Eine komische Idee, zur Zeit der Tanzmusik am Sonnabend abend ein mitternächtiges Spukstück mit dem schönen Titel„D a s Geheimnis von Montrouge" aufzuführen. Aber roman- tische Bahnen schlägt der Verfasser Hesse. Buri nicht ein. Im Gegenteil, er behandelt den Fall Landru, über den die Akten trotz der Hinrichtung noch immer nicht geschlossen sind. Hesse-Buri faßt Landru nicht als Lustmörder auf, sondern als einen Menschen, der Frauen tötet, um sich in den Besitz ihres Geldes zu setzen. Abgesehen von dieser Einstellung entsteht ein Hörspiel, das völlig auf akustisch« Wirkungen gestellt ist, das, zu stark im Grausigen verwurzelt, mit Spannungen und Sensationen arbeitet. Die Menschen sind ein- deutig im Plakafftil entworfen, werden mit ein paar Sätzen charak- terisiert, und vielleicht ist diese Methode schon zu einfach, ,zu billig, zu sehr der Kolportage benachbart. Außerdem wirkt es sonderbar, eine komplizierte Persönlichkeit derart gewaltsam auf einen General» nenner zu bringen. Das Ganz«: Wallace als Hörspiel. Hervor- ragend die Regie Braun», und Paul Grätz, der den Landru spielt, erweist sich als Charaktsrspieler von großem Format. R S. Die Funkreportage„Redaktionsschluß" am Montag vermittelte wahrscheinlich den meisten Hörern ein etwas verschobenes Bild von einem Redaktionsbctrieb. Mußten die Hörer nicht glauben, daß eine Zeitung herstellen in erste Linie heiße, piel Lärm und Belonglosig- keiten machen? Dem Streben nach einem bunten Hörbild war der G e i st des Redoktionsbetriebes leider geopfert worden, und nur fein Träger, di« Technik, war geblieben.— Musikalisch« Dorbietun, gen der Kapelle Dr. Otto Frederich sorgten am Abend sür leichte Unterhaltungsmusik: Ludwig Spohr, der vor beinah« 79 Jahren verstorbene Violinvirtuose und Komponist einer großen Anzahl handwerklich sehr sauberer Werke, gab dem Abend die klassische Note.�—- Daß man schlafen lernen kann, wollte Pros. Dr. med. I. H. Schultz in einem Vortrag beweisen: leider kam er diesmal noch nicht dazu und will es an einem andere» Tage nach- holen. Weshalb wurde nicht— wie es sonst bei Zyklen üblich ist von dem Ansager mitgeteilt, wann der Schlußvortrag stattfinden wird? Tes. Erdbeben in Reuseetand. Bisher S Tote— Städte schwer heimgesucht. London. 17. Zum. Nach hier eingegangenen Meldungen ist die N o r d i n s e l von Neuseeland von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden, das in den Städten Wellington, Auckland, To- k a k a und w a g a u d i Millionenschäden verursackzt hat. Unter der Bevölkerung brach eine Panik aus. Bach neueren von der Bordinsel Neuseeland» eingetroffenen Meldungen sind in ver. schiedenen größeren Städten die Gebäude wie Harten- Häuser zusammengestürzt. Alle Verbindungen sind unter- brachen. Große Verwüstungen wurden auch in den Bergwerks- distriklen angerichtet. In der Stadt Wellington kam es zu entsetzlichen Schreckensszenen. Frauen und Kinder stürzten auf die Straßen. um sich vor den Herabsallenden Mauersteinen zu retten. Das Erdbeben wird als eines der schwersten der letzten 30 Jahre bezeichnet. Bisher konnte der Tod von acht Personen festgestellt werden. Japan in Erwartung von Erdbeben. Tokio. 17. Juni.' Di« Furcht vor Erdbeben und vulkanischen Ausbrüchen hängt wieder bedrohlicher denn j« über den japanischen Inseln. Der Vulkan K o m a g a t a k e ist in der Tat bereits in Tätigkeit ge- treten. Drei angrenzende Dörfer sind fast dem E r d» boden' gleichgemacht worden. Der Verlust vieler Menschenleben wird befürchtet. Starke Erdbebenstßße, die von Eruptionen begleitet sind, haben die Eisenbahnstrecken weithin oufgerisien. Die Jnselbevölkerung ist in einen Zustand höchster Panik versetzt. Mehrere tausend Einwohner haben sich in Booten auf das offene Meer geflüchtet und treiben dort ziellos umher. Der Vulkan Komagatake ist in der Gebirgskette gleichen Namens auf der Insel Hokkaido, nördlich der japanischen Inseln, gelegen. Die Unglücksstätte befindet sich 800 Kilometer von Tokio entfernt. Vöß auf der Fraueniagung. Die Delegierten über den Berliner Empfang begeistert. Den Abschluß des ersten Kongreßtag«» der Iubiläumstagung des Weltbundes für staatsbürgerlich« Frauenz arbeit bildet« ein Rückblick von Adele Schreibert Krieger, Mitglied des Reichstages und erste Vizepräsidenten des Weltbundes' auf dem ersten Kongreß im Jahr« 1911, dem Grün- dungskongreß, der gleichfalls in Berlin stattgefunden hatte. Dia Rednerin erörterte di« einzelnen Zeitabschnitt«, in die alle großen Freiheitsbewegungen, zu denen auch die Frauenbewegung zähle, zerfallen. Der Iubiläumskongreh zeige eine Zeit der Ernte. freilich noch nicht in allen Ländern der Erb«, ja noch nicht einmal in ganz Europa. Täuschung sei der Glaube, dos Endziel erreicht zu haben, denn es fei nur ein« Etappe. Gerade die politische Der- antwortung der Finnen stelle sie aufs neue vor Lagen, di« Pionier- geist und großen moralischen Mut erforderten. Noch stünden dey Welt größte Entscheidungen bevor, die größte laute Krieg oder dauernder Friede. Am Mittag veranstalteten dann Mogiftrat und Stadtoerord< nrten der Stadt Berlin einen Jestempfang em Berliner Rot� hau», zu dem der größte Teil der aus allen Ländern Herbeu geeisten Abgeordneten erschienen waren. Am Ehrentifch sah man recht» und link» von Oberbürgermeister Dr. Boß die Führerinnen aller internationalen Ab- o r d n u n g e n. Dos festliche Bild der internationalen Fvauen, di« zum Teil in ihrer Nationaltracht erschienen toaren, wurde ergänzt durch die in englischen Polizenmisovmen erschienenen Mitglieder der englischen und Londoner Polizei. Während des Essens begrüßte Oberbürgenneifter Dr. Baß die Erschienenen mit einer mehrfach durch Bestall unterbrochenen Rede, bei der er etwa folgendes ausiführte: Die Frauen haben in dem Krieg die Macht an sich gerissen und sie haben uns Männern gezeigt, daß sie uns er- setzen können, und daß sie Achtting und Einfluß und Macht ver- dienen. Wenn ich mir vor Augen Halle, daß von der Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Berlin Dreifünflel auf die Frauen ent- fallen, und wenn ich weiter daran erinnere, daß in Hamburg ein Drittel und in Kopenhagen etwas mehr als ein Drittel aller Er« werbstätigen Frauen find, dann muß doch jeder Mann, der nach- zudenken bereit ist, einsehen, daß Dinge in der Welt vorgehen, die Sie, mein« Damen, vielleicht schon wettgehend vorgedacht haben. Man versteht es nicht, daß es heute noch Völker gibt, di« den Frauen diefenigen Rechte vorenthasten, die als selbstverständlich auf dem größten Teil der Erde ihnen bereit» gewährt worden sind, nicht zuletzt in Deutschland. Möge die große Generalversantmlung des Weltbundes, die einen so ungeheiiren Eindruck in unserer Stadt und in der Welt hervorgerufen hat, möge diese große Tagung da, zu beitragen, Freiheit und Frieden und Arbeit in der West zu fördern. Die Borsitzende des Weltbundes, Mrs. Margery C o r b c t t As Hb y, London, dankte dem Oberbürgenneifter m deutscher Sprache. Berlin sei die Stadt, die die meiste» Frauen als Abgeordnete in die Parlamente entsende, diejenige Stadt, in der die Frau am meisten Gelegenheit Hobe, in allen sozialen Angelegenheiten mitzuarbeiten. Ich danke namens aller dieser Frauen nicht nur für die großzügig« Gastfreundschaft der�Stadt Berlin, sondern vielmehr für das Mitgefühl und die Sympathie, di« ihre Männer und Frauen, die ganze Bevöl- kerung Berlins, uns gezeigt haben. Wir find hier zusmnmen- gekommen, um für den Frieden und die Freiheit in der ganzen Welt zu arbeiten._ Der Deutsche Republikanische Reichsbund. Ortsgruppe Berlin, behandelt bei der am Dienstag, dem 18. Juni, stattsindenden Aus- spräche im Saal des Demokratischen Klubhauses, Viktoriastraßc 24, das interessante Thema:„ilandesverrat." Das einleitende Referat hält Reichsminister a. D. Landsberg, MdR. Gäste willkommen! A/mjmSSx. SL 6üv'"Mxttaßy vuXv-, daA VuJtyh peWkXit! r&iSib OTlut&ß. tuüJfrt: tc£x�zwh-' tfüJhrt a&' 6» AßJhy roIMiL 'OqkaujcH e/s-uWL aPu.-LAW'ßußclßx? Aufbau im Arbeiter-Radio-Bund. Abbau der kommunistischen Gpaliungsarbeii. 3ln Jreibcnfcttjaufe lagle unter dem Vorsitz des Gen. Staat»' sekretär Laake der erweiterte Bundesvorstand des Ar. beiter-Rodio- Bundes in Anwesenheit von Vertretern aller Gauleilungen. Der Bericht des Geschäftsführers. Gen. Sega lt. zeigte, datz der Bund im Gegensatz zu allen anderen Bundsunk- organisationen eine starke Aufwärtsentwicklung, die vor allem durch den immer wesentlicher werdenden E i n s l u h in der Programmgestaltung verursacht wird., aufweist. Eine seit Jahr und Tag von einer Berliner„Opposition" betriebene Tätigkeit, die sich auch auf die Reichsorganisation erstreckt«, zwang nach longer sachlicher Aussprach« zum Ausschluß von 19 Mit- gliedern des Berliner Ortsgruppenvorstandes wegen fortgesetzter und vorsätzlicher bundesschädigender Handlungen, nachdem, wie der Re- serent Gen. Loew«nberg ausführt«, sämtliche bisherigen Ber- suche, diesem Treiben auf gütlichem Wege ein Ende zu bereiten, ver- geblich waren. Der Ausschluß erfolgte gegen die Stimmen von zwei Genossen, die, obwohl auch sie das bundesschädigend« Ber- halten erkannten, eine Bertagung des Ausschlußantrages forderten. Unter den Ausgeschlossenen dürften sich einige Kommunisten bc- finden, die nichts unversucht gelassen haben, auch ander« Mitglieder des Ortsgruppenvorstandes für«ine Spaltungsarbeit zu gewinnen. Selbstverständlich wird nun die kommunistische Presse einen schon längst ersehnten Anlaß finden, ihre 5)etze gegen den Bund und seine Führung noch wüster als bisher fortzuführen. Nach einem Bericht des technischen Reichsleiters, Gen. Voigt, über den Stand der Kurzwellensendeerlaubnis, wurden besonders die Aufgaben des Bundes als der Vertreters der werk- tätigen Rundfunkhörer auf dem Gebiete der Programm- beeinflussung beraten und Richtlinien angenoinmen, die zur Vorbereitung einer zweckmäßigen Zusammenarbeit aller soziali- stischen Kulturorganisationen bei der Behandlung von Rundfunk- angelegenheiten dienen. Dies« Aufgabe bearbeitet für den Bund Gen. Weimann, der einen reichhaltigen Bericht über seine bis- herige Tätigkeit als Leiter d«r Programmkommission unterbreiten konnte. Weitere Entschließungen verlangten die Errichtung weiterer Zwischen- oder Gl«ichwellensender. Ferner wurde der Bundesvorstand beaustragt, ein« Befreiung von Rundsunkgebühren für alle Rentenempfänger und Arbeitslose ohne besonderen Antrag und falls angängig, eine allgemeine Herabsetzung der Gebühren von neuem zu fordern. Im Interesse der Bundeszeitschrift„A r b e i t e r s u n k", die sich, wie Gen. Fla tau bewies, immer mehr geachtete Stellung in der Oeffentlichkeit errungen hat. wurden besondere Beschlüsse gefaßt. Sämtliche Vertreter betonten, daß der„A r b e i t e r f u n k" im Gegensatz zur bürgerlichen Rundfunkpress« die Programmzclt- schrift eines jeden Arbeiterhörers werden müsse. Die Tagung beschloß«in warmer Appell des zweiten Bundcsvorsitzenden H o f f m a n n an alle Funktionäre des Bundes und der Arbeiter- bewegung überhaupt auf ein immer engeres und harmonisches Zu- sammenwirkcn mit ollen Kräften der Organisation hinzuarbeiten, damit die großen Ziele des Bundes erreicht werden können. Der Mensch im Schaufenster. Je lebendiger die Reklame, desto besser! Und am lebendigen Objekt läßt sich bekanntlich am besten demonstrieren. Einige besonders„tüchtige" Geschäftsinhaber beleben darum ihr« Schau- fenster mit menschgewordenen retlamistischen Anpreisungen. So sitzt in einem Friseurladen im Zentrum der Stadt ein« geduldige Pscudo- kundin und läßt sich ihr Haar in hundert Lockenwickel wickeln, um nach geraumer Zeit«in täuschendechtes lockiges Wuschelköpfchen zu präsentieren: in einem Schreibmaschinenladen schreibt ein« flinke Stenotypistin vor den Augen der Vorübereilenden auf dem„besten aller Fabrikate", an der Äiuentzienstrahe führt«in Mannequin den Käufern bzw. solchen, die es werden sollen, die neuesten Bade- und Strandmoden vor und draußen im Lunapark sitzen vier Mägduleins von nachmittags um 4 bis nacht» um 18 aus der Schaukel, die Bein« kokett von sich gestreckt, die als Zielscheibe fürs„Ringe- werfen' dienen. Nicht weit davon entfernt, wiederum«ine auf d«r Schaukel als lebendes, lockendes Aushängeschild, im luftigen, überkurzen Eeid«nröckch«n und nackten Beinen— dies auch in den Togen, da das Thermometer tief und tiefer sank und man sich Im warmen Mantel recht behaglich fühlte. Stumme Aus- rus«r, Anreißer, Propagandisten! Ob es für die Betreffenden peinlich, ja mehr als dos. beschämend ist, sich so als Schauobjett begaffen, mit frechen Blicken betasten, oder auch verhöhnen lassen zu müssen, wer sragt danach? Die Bloßskllung der Person wird ja bezahlt._ Sautag der Kriegsbeschädigte«. In Brandenburg a. d. Havel hi«lt am IS. und IS. Juni der Gau Brandenburg des Reichsbundcs der Kriegs- beschädigten, Kriegsteilnehmer und Kr!«g«rhint«rblieben«n seinen 9. Gautog ab, zu dem die verschiedensten Behörden Vertreter entsandt hotten. Nach dem Geschäftsbericht de- Gauleiters Noelte, Berlin, sprach der Reichstagsabgeordne:« Regierungsdirektor Roß- mann, Stuttgart, über das Thema„Di« Kriegsopfer als Staats- bürger". Die Organisation, die sich zum Ziele gesetzt hat, die Rechte und Wünsche der Kriegsopfer zu vertreten, stehe vorbehaltlos «uf den, Boden der demokratische» Republik bei pari«ipolstischer Neutralität. Sie unterstütze eine auf die Er- Haltung desFriedens hinzielendeSloatspolitik, die die Sicherheit gegen künjtigc Kriege gewährleistet. Der Landrat Dr. Foth, Alt-Strelitz. sprach über Organisationsproblem« der Kriegsbeschädigtenfürsorgc.__ Tagung der Siedlung- und Kleinhausbesitzer. Die Siedler- und Kleinhausbesstzervereine hoben ssch mit Bau- sporvereinen zu einem Deutschen Siedlungs- und Derkehrsbund zu- sammengeschloffen. um össentlich Stellung zu nehmen zu dem Problem der Milderung der Wohnungsnot durch Förderung des Baues non Kleinhäusern und Gartenhelmstätten. Die Unzulänglich- ketten der heute geltenden Gesetze, besonders die überholten Bauordnungen und Baupoltzeiverordnungen und die untragbaren Anliegertosten haben diese Organi- sation veranlaßt, aus einem ersten deutschen St edlertag zu einigen Frag«n Stellung zu nehmen. Dieser erste Siedlertag wurde am 16. Juni im Lehrervereins- Haus durchgeführt. Er begann mit einer Ansprache des Bundes- Vorsitzenden Tschirpig. Nach Ihm sprach der Prioatdozent Dr. de la Porte über die kulturelle und wirtschaftlich« Bedeutung d«s Eigenheims. Der Redner war der Ueberzeuguna, daß jeder durch den Besitz eines Eigenheims in«in gewisses Unabhängigkeits- Verhältnis kommt und auch dadurch mehr das Empfinden hat,«in freier Staatsbürger zu sein. Der Generalsekretär der Deutschen Gartenstadtgesellschaft. Adolf Otto, betonte in seinem Referat, daß durch die Bevorzugung des Stockwerksbaues ein« Benach- Mgeluilig Mir Arbeiterinnensiliutz! Heute Dientfofi, den IS. Juni, IS'/, vdr, im großen Saal des Lchrervereinshauies, Alexanderplaiz. I Rednerinnen; Gertrud Hanna, M. d. Uj Else Nlviera UUftH Textilarbeiter- Verband; Frida Licht, Zentralverband der Angeln stellten; Frida Glados ch, Metallarbeiter-Verband; Anna Zam m e rt, Fabrikarbeiter-Verband.— Vom„Weltbund für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit" sind als Rednerinnen Frau Dr. Reh m, Stuttgart, und Miß Carrol, Vereinigte Staaten von oeb Amerika, angemeli Eintritt frei! Da« FranentekretariaL teiligung des Eigenhausbaues eingetreten ist. Er verlangte für den Bau von»--- allen sprechen, xmrti) �yptfierung einzelner Bauteile und der Boiiweis« muß oersucht werden, die Baukosten erheblich zu senken. Er ver- rangt« weiter, daß die Beleihungsgrundsätze der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute mehr der Finanzierung des Klcinhausboucs angepaßt werden. Auch Baugelder aus Sparkassen und St« u ermitteln müssen zu erträglichen Zinsen dem Klein- Hausbau zur Verfügung gestellt werden. Di- Straßenbaukosten und Anliegerbeiträg« inüßten nach dem Grundsatz der Aiisnutzborkeit der Grundstücke berechnet werden. In Kleinhauskolonicn sind die Straßen einfach zu gestalten. In den Bauordnungen müssen überall Ilachbaugebiet« vorgesehen iverden. Die Errichtung van Eigen- Heimen in Erbpocht ist durch steuerliche Er- l«ichterung«n zu fördern. ihr« nächste Sitzung am Die Slodlverordneien haben Donnerstag um 16� Uhr. Genosse Sellin Ichreibt unS: Zu meinem 7 0. Vebnrtttage sind mir so viel Ehrungen zuteil geworben, baß el mir nur möglich ist, allen Freunden und Gratulanten aus diesem Wege meinen aller herzlich sie n D n n k aiiSzuiPrechen. parieinachn'chten fürGroß-Nerlin Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin TW M. eiubcnftcage 3, stet» en da» Bezirk»sekretariat i. Hos, i Treppen recht», zu richten. t?. Treis Lichtenberg. Die Aerresfinnen und Geholfen»erb™ oebeien, sich an der Beranslailuna der SÄst. heule. Dien-Iog. lt. Juni. I0'4 Uhr, In Tempels Feftliüen, fftiebridisfrlbc, Prjnzennüee Vi. zu beteiligen, tzeier: Äote Jugend. Musik. IZahueneiumarsch. Sefang, Spred>chor, jsüm. u». foftenbeilrag 30 Pf. heute. Dienstag. 18. Juni. tat. und tSt. Abt. vbeeschönenxide und Riedeefchiineweide. Arn 5. Juli»er- »nftaiten die Senossiunen der beiden Abteilungen eine Dampse»fabet nach Möllensee, Möllenhorft. Teilnehmerlaete I M., für Tinber 30 Bs. Stinber unter t Jahren frei. Männer find zngelaffen. Karten bei allen Anxl- tianärinnen. lOt. Abt. Riederschöneweibe. Alle Mitalieder beteilige» srch an der RreismU- gliederversammlung im Lokal Uinflebler, Iohanui»ihal. Morgen, Mittwoch, IS. Juni. t. Ab«. Eine Beranstaliung der Abteilung findet nicht statt. Die Genossen beteiligen sich oollzähiig an der ftreismiiglikderuersamnilung in den Srminiussiilen. bt. lSti Uhr Zusammenkunft junger Parteimitglieder im Sporthau» des Solksparks Rehberg«. 4«.«bt. Schwerhörige. 20 Uhr im Jugendheim Lladenstr. 4, vorn 1 Te, Mitgliederverfammlunq. Bortrag de, Genossen Kurt»iegmann. Alle Mi,-lieber sowie Shmpatbtsierende und.Borwärt»". Leser sind eingeladen. «2. Abt. Siemenästadt. 20 Uhr bei SDJarfanbt, Ronnendammallee, Abteilunge. Versammlung. Borlrgg:„cojiqlbenialratifdje Kommunalpolitik". Referent Genosse Renebeck. 83, Abt. Steqlih. 20 Uhr de! Schellbaase. AHornftr. II»,«btellungsverfamm. hing. Bericht vom Parteitag in Magdeburg. Referent Eduard bahn. 11t. Abt. Lichtenberg. 1. Gruppe; 19H Uhr bei Ludwig, Prinzenallee IT, wichtige riahiavenbversammlung. Tagesordnung: Wahl von neuen Itt. A bt? �Reimdenbors-Vst. Die Mitgliederversammlung fällt In diese» Monat an». 5raueuveraafialkungen. 8. Ätd» Spandau, beute, Dienstag, 18. Sunt, l« Uhr. bei Löhell, Saris. luft,.Grotesken, Satiren und lustige Lieder". Boriragenber Genosse bofe- mann. 13. Strci, lernpelhof, Mariendorf. Marienfelde, Lichtenrade. Mittwoch. 10. Juni, 20 Uhr, bei Schuster, Marienfelde, Airchftr. 68, Lichtbildervortrag: »Der Sozialsmus und Kapitalismus in der Äarikawr". Referent Hanns H. klomm. Die Genossinnen werden von den Marienfelder Genossinnen um 10tS Uhr am Bahnhof Marienfelde erwartet. Nachzllgler fahren mit dem Autobus 32 vom Bahnhof Marienfelde b!-' Raiserallee. Es ist Pflicht aller Genossinnen, sich an diesem Bortrag zu beteiligen. 53. Abt. Sharlottenbnrg. Die Genossinnen treffen sich am Mittwoch. 10. Juni. zum klaffeekochen In ssinkenkrug mit Ihren Angehörigen um 14 Uhr Bahn- hos Iungternheibe. U7. Abt. Lichtenberg. Zur ssrauenkunbgebung treffen sich die Genossinnen heute, 18 Uhr, Schiller. Ecke Marktstraße. Arbeiterwohlsahrt. 3. kttri« Wedbing. Der in Verbindung mit dem Arbeiter-Sawariter.Bund stattfindende ktursu»»bans- und Wirtschaftsvflege", auf welchen bereit« vor einiger Zeit hingewiesen worden ist. beginnt am Donnerstag. 20. Juni. 20 Uhr. in der Aula der Schule Schulstr. 00(an der Reinickendorfer Straße). Saht- Verbindung: Eiraßenbabnlinien Nr. 5. 13. 31 und 132. 8. fttets Rreuzbeeg. Am Mittwoch, 19. Juni, Ifl'A Uhr, Zufammenlunst ------•»)' mg--—— «llet Keiferfinnen) de» Jugendamtes mit den so,?ald«»oir»tilchen soeg ersinnen) im ZngendHeim Britzer Sir. 27. Besprechung über Material. Jungsozialisten. «rnppe Tewprlbos.Marienbors: beute. Dienstag. 18. Juni.« Nhi. im Zugentcheim Germaniastr. 4-6. Bortrag:..Politische und wirtschaftliche ssolgen des Berfailler Friedensvertrages". Referent Hans Waldmann. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Reeis Rrcuzberg. Alle Eltern, die ihre Rinder in diesem Sommer mit den Rinderfreunden verschicken, bitten wie, unbedingt zur Eltern Versammlung am Mittwach, 10. Juni, 20 Uhr. Jugendheim Britzer Str. 0,»u erscheinen. Alle nötige Anskunit wird dart erteilt. Rrruzberg-Tempelhof; Am Donnerstag, 20. Zuni. Helferarbettsgrntetitschoft um 20 Uhr im Jugendheim Porckstraße. Geburtstage, Jubiläen usw. 104. Abt. Rirderfchönemeibe. Unsere« Neben Genossen Paul RrKg«, und seiner Gattin nachträglich herzlichste»ILckwSnschr zur Silber böchpeit. » Mittwoch, 19. Sani. �»m BAsett. Erscheinen legitimiert. � Sterbetafel der Groß> berliner Partei- Organisation� 98. Abt. Olenkilln. Am 15. Juni oerstarb unsere langjährige treur De. nossi» Hedwig Ezernitzki. Ehre ihrem Andenken! Beerdigung am Dienstag, 18. Juni. 15 Uhr, auf dem Neuköllner Semeindefriedhof, Zllarien- dorfer Weg. 1 SoziallstischeArbetterjugendGr..Verlln Einsendungen für diese Ztubttt nur an ba< Zvgendsetreiariai Derlin SW»S. TMdensieate Z Achtung, Abteilungsleiter! Die restlichen Wien-vnWMellisten mbsse» letort abgeliefert und abgrrechnrt werben! Bewegungochor! Neuaufnahmen in allen Uebungsstunden. geben Danner». tag I9!H Uhr lledungsstunde fllr Anfänger und fortgeschritten,, 20ii Uhr Neben für Wien, Schule Danziger Sir. 23. Achtung, Iugenbtag Wien! Die Restzahlungen müssen faf»rt geleistet «erden. Reue Anmeldungen werden nicht mehr angenommen! heute. Dienstag. 19X Uhr. Röllnischer P«rk: Heim Waisenstr. 18.„Bub und Wädel."— Brnanenplatz: Weltliche Schule Pont, Ecke Wiesenstraße.„Wirlschaftsdemokraiie."— ISe. Innddrunnen I: Schule Eotenburger Sir. t.„Wie baut sidi unfete Gruppen- ardeit auf?"— Schilleepark: Schule Echöningstraße.„Wir und da» Reich». danner."— Wedding R. g.; Schule BüttitHer Sir. 4.»Da« alte und neue Wien."— Wedding-Rord: Heim See- Ecke Turiner Straße. Bericht nom Wagde. burger Parteitag.— Arnowalder Platz: Heim Raftenhurger Eck, Wehlauer Strohe..Polkerfrieden Straße 82.„Dkiziplin „Sexuelle Tragen", WDWWWWW�W�WWW�WW „Das Roir Wien".— Schiinederg h Seim Hauptstr. 13.„Zreikdrperkuitur." Dahle» R. g.: Bei Wirih. Rönigin.Luise-Sir. 10.„Was ist Eozialismu»?"— Sieglitz: Heim AIhrechiftr. 47.�.„ssretkürperkuliur."— Britz I: Raihau». EHausseestr. 68,„Unsere Ardeiierbichier."— Neukölln!>': Heim Treptower Straße 06.„Bedeuiung der International«."— Rrutolln V: Keim Böhmische Liroße l-4.„Gewerkschaften."— Reukölln Vill: Schule Rüiliftraße.„Gewerk, schaiisfragen."— Kcrmsborf: Heim Roonstraße IZurnhallengebände)..Di« Sozialversicherung." Reinickenboef-Wrft: Krim Seidelstr. I..Eiiistehuitg der Welten."— Riederschönhauien: Schule Blanienbnrger Sit." Lichthilder: „Die Siadt Wien."— Bnchholzi Sdiuie Berliner Sir. 10.„Bei. nrr Humor." — Pankow Ii: Heim Göifchstr. 14.„Ernste und heitere Porte hingen." Weededezirk Schöneberg: W..B.-Porstandssttzung 10 Ubr im Heim Kauvk» straße 13. Da die Sitzung um 20 Uhe beendet fein muß. muß jeder pünktlich erschrine». Wrrbebezirk Lichtenberg: In Tempel» Iestsgien. stzriedrichofelde. Prinzenallec 45. Arier:„Roir Iugrnb". Musik. Iohnenrinmarsch, Gr, sang. Sprechchor, sslhn. Beginn Mit Uhr. Unkostenbeitrag 30 Pf. iafl.— Ernsoiaivcr«Pim inaiiunnijrgrr vine w>cr)icjurc lerfrieden— Völkerbund"- Helmholtzplatz: Seim Danziger liziviin in der SAI."— Wörtber Plag: Schule Rastanienollee?l. en", 2. Teil.— KasenHeide: Heim Wassertorftr. 0. Lichtbilder: Werbebezirk Prenzlauer Berg: Morgen. Mittwoch. 10'-, Uhr. W-B-Bor- sitzrndenlonferen, im Heim Sonnenburger Str. 20.?age«ord:»ing:„Der Wiener Ingendlag". Die Vorsitzenden und Iugrnddeiräie müssen unbediilgi«rfcheine». Am D»nner«tag, 27. Juni, kurichi der Genosse Sendewitz. sswickau, M. d. R., im Heim Danziger Lir. 62, Uber.Ardeiterlngend»nd Politik". Alle anderen Veranstaliunge» fallen an diesem Taoe aus. Partei, und Iugendgenossen aus anderen Bezirken sind eingeladen. Mitgliedsbuch vorzeigen. DDG. Reuköln: Morgen. Heim Vergstr. 20, 10 Uhr, Arbeitsgemeinschaft: .Da» Rammuniftische Maulsest". Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschättsstelle: Berlin 8. 14, Sebastianftt. 87/38. Hol 2?r. Mitte: Dienstag. 18. Juni. 10 Uhr, Saalschutz im Lehreroereins- hau», Aleranderglatz.__ Reichsbunb der Rrieqsbeschädlgien, Rriegsteilnedmer und Rttegeebinter, bliebeuen. Gau Berlin, Ottsgenppe»orben 14. Donngraiaa. 20. Juni, 20 Uhr, Miigiiederversammlung im Lokal Gliesche, Ropenhagener Eir. 74. Thema: „Sturm in der Sozialpolitik". Referent Reichstagsadgeordneter Rarl Lille. Deutscher Arbeilee-Abstinentenbund. Eonnadend, 22. Juni, 20 Uhr, Ber. fgmmlung der Bezirksgruppe Moabit im Iugendhaus Rathenower Ecke SeydUtz- sttaße. Tagesordnung: l. Referat de» Genossen Dr. Joel. 2. organisatorisches. Cerman-Knollsh-Soclely. Cafd Jugenburg, Nollendorfnlair. Berln W, 9 p. rn. Lecture:„My Early Rerninisccnces of Berlin", Miß Ethel Dyer. wellerberichl der öffentlichen wellerdlenflstelle Berlin und Umgegend. (Nachdr. nerb.) Trocken und vielfach beiler, ziemlich warm.— Jsst Deulichiand: Uederall trockenes und vieisach heitere» Wetter: Temperaturen nur wenig höher. preis: WA 2.40 und RM 4.20» V- Liter RM 6.80* Vi Liter RM 12.- Abwehrkampf der Verbraucher. Die Konsumvereinler in Mannheim. Mannhelm, 17. Juni.(Eigenbericht.) Am Montag begann in Mannheim die Tagung des Zen- iraloerbondes Deutscher Konsumvereine. Aus allen Teilen Deutschlands haben die dem Verband angeschlossenen Konsumvereins etwa Ibllll Delegierte entsandt. Als Vertreter der Behörden sind u. a. der badische Innenminister Dr. R e m m e l e. Ministerialrat Kennerknecht vom Reichsfinanzministerium, Ministerialrat L o e h r vom Reichsernährungsministerium, der Prä- sident der Preußenkossc Dr. Klepper, der Mannheimer Ober- lmrgermeister Dr. cheimerich, der Geheime Kommerzienrat K n o l l vom Vorläufigen Reichswirtschaftsrat und Direktor Donau vom Internationalen Arbeitsamt erschienen. Die Arbeiterbewegung ist u. o. durch Eggert vom ADGB., Urban von der Afa, L i n n e ck e von der Wohnungsfürsorge, R o« s n e r vom Fabrik. orbeiterverband und Scharf vom Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeitcr vertreten. Der International« Genoffenschafts- bund und die Brudcrorganisationen des Auslandes haben zahlreiche Delegationen entsandt. Am Dorstandstisch fällt der Kopf von 5,pein- rieh Lorenz aus, der jetzt noch dem Ableben des großen Genossen- schaftsmannes Heinrich Kaufmann die Tradition der„Redlichen Pionier« von Rochdale" oerkörpsrt. Jung und frisch trotz seines hohen Alters, ist er das Sinnbild der mächtigen deutschen Gcnoffen- schaftsbewegung. Unter den Delegierten sieht man, verglichen mit den vorjährigen Tagungen,«rfreulicherwelse viel Nachwuchs. Es ist die Kriegsgeneration, vom Zentralverband sorgfältig geschult und sorgfältig gebildet, die hier in die Front der organisierten Der- braucher eingeschwenkt ist. Gerade diese jungen,-nergievollen Kräfte werden der Konsumoereinsbewegung in Deutschland einen breiten und wertvollen Unterbau geben. Der diesmalige Genossenschaftstag ist auf Kampf gestimmt. Dos ging schon aus der Begrüßungsrede des Vorsitzenden Heinrich Lorenz hervor. Am Dienstag werden August Kasch und Hugo Bestlein weiteres zu diesen Punkten sogen. Man will im Zentral- verband Deutscher Konsumvereine sicherlich keinen Streit und denkt nicht im Traum daran, Zank vom Zaune zu brechen. Aber es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. In seiner Eröffnungsrede zum Genossenschaftstag führte Heinrich B r e n tz nach warmen GÄienkworten für Heinrich Kaufmann, den er den großen Lehrer der deutschen Genoffen- schaften nennt, u. a. folgendes aus: Der Umsatz der Konsumvereine des ZdK. ist von V82 Millionen Mark im Jahre 1927 auf rund 1,1 Milliar- den Mark im Jahr« 1928 gestiegen. Die Mitgliederzohl beträgt 2,9 Millionen: die Zahl von 300 000 ausgeschloffenen Popiersoldaten ist durch den Beitritt von ebensoviel neuen Mitgliedern wieder wett- gemocht worden. Es herrscht in all unseren Vereinen ein reges Leben, und viele neue Aufgaben erwachsen den Konsumvereinen und ihren Zentralen. Znsbesondere die Eigenproduttion macht erfreuliche Fortschritte: der Umsatz der Vereine an selbsthergestellten Waren betrug 303 Mil- lionen Mark, die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumverein« setzte für 105 Millionen Mark Eigenerzeugnisse ab. Der: Grundsatz der Bedarfsdeckung bildet die Basis für die genossenschaftliche Eigenproduktion: je größer der Umsatz, desto breiter wird diese Basis, um so größer und ausgebreiteter die Eigenproduktion und um so bedeutender der Anteil der konsum- genossenschaftlichen Bedarfswirtschaft an der ollgemeinen Volkswirt- fchast. Man sollte nun meinen, daß solches Streben und solche Tätigkeit die Anerkennung jedes gerecht und sozial denkenden Men- schen fände, denn je mehr sich unsere minderbemittelte werktätige Bevölkerung selbst zu helfen versucht, desto weniger bedarf sie in Notfällen fremder und öffentlicher Hilfe. Im allgemeinen Intereffe läge es somit wohl, diese Bestrebungen zu fördern, und es wäre nach unserer Auffassung Pflicht der Regierungen. Parlamente und Gemeinden. dies mhr als bisher zu tun. Nun verlangen wir ja von den Regie- rungen und Parlamenten keine materielle Hilfe für unsere Orga- nisationen, aber wir müssen doch fordern, daß unsere gemeinnützige Tätigkeit die ihr gebührende Anerkennung findet. Wenn man aber in vollständiger Verkennung des Wesens und gemeinnützigen Wir- kens der Konsumvereine uns sortgesetzt mit Steuernd«. l a st e t und noch weiter zu belasten sucht, so muß hier- gegen aufs schärfste protestiert werden. Man sollte doch endlich den klaren, durch die Rechtsprechung festgestellten Grundsatz, daß die Konsumvereine keine Gewerbebetrieb« sind und keine Ge- winne erzielen, überall und insbesondere in der Steuergesetzgebung und bei der Auslegung dieser Gesetze beachten. Die Konsumvereine sind für ihr« Mitglieder da und verteilen ihre Waren nur an diese. Wenn nun fortgesetzt versucht wird, durch in die Verteilungsstellen der Konsumvereine geschickte Spitzel da» Personal zur Uebertretung der klaren Bestimmungen zu ver- l« i t e n, so muß ein solches Gebaren als u n a n st ä n d i g, g e f e tz- widrig und unsittlich bezeichnet werden. Unter der Führung des Edeka-Berbandes deutscher kaufmännischer Genoffen- schaften und seines Generaldirektors, des Reichstagsabgeordneten Borrmann, wird eine wüste Hetze gegen die Konsumvereine geführt. Di« unzutreffendsten und albernsten Behauptungen werden trotz aller Widerlegungen immer und immer wieder aufgestellt, so das Märchen, daß die Konsumvereine keine Steuern bezahlten. 3n Wirklichkeit haben die Konsumvereine des ZDK. im Zahre 1928 etwa 14 Millionen Mark Steuern ausgebracht. Auch der Herr Reich's wirtschaftsmini st er Curtius hat in seiner letzten Reichstagsrede über Mittelstandsfragen diese Behauptung als falsch bezeichnet. Von den Reichs- und Staats- behörden sollen wir zinslos« Kredite bekommen! Den Kon- sumvereinen unseres Verbandes ist von solch wohltätigen Zu- Wendungen nichts bekannt. Die Mitgliederlisten der Konsum- oereine werden daraufhin durchgesehen, ob Handwerker, Geschäfts- leute, Beamte ufw Mitglied sind, die man dann mit allen Mitteln bearbeitet, ihren Austritt aus dem Konsumverein zu erklären. Sie sehen, daß unsere Bewegung rings von Feinden umgeben ist. Wenn wir sonst gewohnt ffnd, mit der Kell« in der Hand in friedlicher Weise am Ausbau unserer Organisationen zu arbeiten, so drückt uns doch der Kampf der Gegner gegen unsere Bewegung das Schwert der Abwehr in die Hand, und wir werden die Abwehr zu sichren wiffen, selbstverständlich mit sauberen und blanken Waffen. Unsere genoffenschaftlichen Organi- sationen bestehen auf Grund des Gesetzes und sie genießen gesetz- lichen Schutz. Alle Genossenschaften machen von der gesetzlichen Er- laubnis Gebrauch und alle nehmen die Vorteile des genoffenschoft- lichen Zusammenschluffes wahr. was allen erlaubt ist. darf den mlnderbemllkellen Volkskreifen nicht unmöglich gemacht werden, und die segensreichen Wirkungen de» genossenschaftlichen Zusammenschlusses dürfen ihnen nicht durch gesetzliche und steuerliche Maßnahmen, durch Gerichtsurteile illusorisch gemacht werden. Der Genoffenschaftstag wird, einig in der Abwehr der Angriff« und einig in dem Bestreben, weiter am Aufbau und Ausbau unserer Genossenschaften zu wirken, an die Arbeit gehen, an die Arbeit, die dem Gemeinwohl und der Wohlfahrt des Volke» dient.(Lebhaft anhaltender Beifall.) Anschließend nahm H. I. May im Namen des Inter- nationalen Genossenschaftsbundes dos Wort und führte u. a. folgendes aus:.Ach überbringe Ihnen die herzlichen Grüß« des Internationalen Genossenschaftsbundes. Seit End« des Krieges sind die alten Kanäle des Warenaustausches zum großen Teil wieder hergestellt worden, jedoch mit Hilfe neuer Methoden. Internationale Zusammenarbeit soll in Zukunft unser Losungswort sein: denn nur so können wir unsere genossenschaftlichen Ziele er- reichen und die große Organisation ausbauen, die wir geschaffen haben. In Deutschland wißt ihr, was Rationalisierung heißt. Ihr habt nicht nur. das Wort ersonnen, ihr habt auch das System mit Erfolg gekrönt. In dieser Angelegenheit wenigstens steht Deutschland, Deutschland über alles. Was wir benötigen, ist die Anwendung des Rationalisierungsprinzips auf die internationale Genoffenschaftsbewegung. In Wirklichkeit und in der Praxis ist die Rationalisierung eine Vereinigungspolitik. Der Friede unter den Völkern ist jederzeit ein wesentliches Prinzip des Internationalen Genoffenschaftsbundes gewesen und ist es heute mehr als je zuvor. Der erste Platz in unserem Programm gebührt diesem Prinzip: den« die Genossenschaft ist der Friede. Es ist unbedingt notwendig, daß das Genossenschaftswesen sich nicht nur gegen den Krieg erklärt, es muß auch jede Veranlassung zu einem Kriege auf unverkennbare Weife verwerfen. Die w i r t- schaftlichen und militaristischen Hindernisse müssen aus dem Weg geschafft werden." Dem Kongreß ist u. a.«in Telegramm des Reichskanzlers Her- mann Müller und«in Telegramm des Ministerpräsidenten Dr. Braun zugegangen. Der vorstand des Reichsverband«» der Deutschen Industrie hält am 19. und 20. Juni ein« wichtig« Sitzung ab. Thema ist der Poung-Plan, wobei außer Geheimrat Kastl, einem der Sach- verständigen von Paris, der Ersochoerständige Dr. V ö g l« r und auch Fritz Thyssen teilnehmen werden. Wegen der Wichtigkeit der Sitzung ist Berlin als Tagungsort gewählt worden und nicht Saarbrücken, das zunächst vorgesehen war. Stitlstand auf dem Arbeiismarki. Verlangen nach Arbeit größer.- Abnahme der Unterstützten gering. Die bisher einigermaßm befriedigende Entwicklung d«r Arbeits- Marktlage im Bereich« des Landesarbeitsamtes Brandenburg ließ in der Woche zum 8. Juni nach. Die Abnahme der Hauptunter- stützungsempfänger, deren Zahl sich in den letzten 3 Wochen zwischen 5000— 7000 Personen bewegte, verringerte sich in der Berichtswoche auf nur 1452 Personen. An dieser rückgängigen Bewegung hatten die Außenberufe fast keinen Anteil. Noch immer recht stark und teilweise nicht zu befriedigen waren die Anforderungen der Landwirtschaft an jüngeren l a n d w i r t- schaftlichen Kräften beiderlei Geschlechts. Gut beschäftigt, aber nur leicht aufnahmefähig, bleib die Industrie der Steine und Erden. Auch in der chemischen Industrie war der Beschäftigungsgrad günstig. Zufriedenstellend war die Arbeitsmarktlag« im Bau- g e w e r b e: während sich in der Provinz bereits Mangel an Fach- kräften bemerkbar machte, nahm durch Zuzug auswärtiger Bau- handwerter in Berlin di« Zahl der Arbeitslosen etwas zu. U n- g ü n st i g e r beschäftigt und den Arbeitsmarkt stärker belastend war die M« t a l k i n d u st r i e, die vornehmlich in der Automobil- Industrie größere Entlassungen vornahm. Sehr viel Entlassungen hatte das Bekleidungsgewerbe durch Beendigung der Frühjahrsaison. Auch das Holz- und Schnitzstoffgewerbe, die Berufsgruppe der An- gestellten und des Vervielfältigungsgewerbes trugen zur Belastung des Arbeitsmarktes bei. In der Berickstswoche stieg die Zahl der Arbeit- suchenden um 3425 auf 232 073, d. h. um 1,50 Proz., gegen- über einer Abnahme von 7702 gleich 3,26 Proz. in der Vorwoche. Die Zahl der Hauptunter st ützungseiypfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 121 030, in der Krisenunterstützung 26 895, zusammen 147 925 Personen. Von den Hauptunterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 98 361, in der Krisensürsorge 23 267. Aufwärts in der Maschinenindustrie! Die Auslandsaufträge wachsen. Der Maibericht des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten läßt ein« günstig« Entwicklung in der Maschinenindustri« erkennen. Der Austragseingang aus dem Inlande hielt sich etwa auf April- höhe: die Auslandsaufträge dagegen wiesen eine merklich« Steige- rung auf. Di« Auftragsentwicklung der letzten Monate führt« zu einer leichten Erhöhung des Beschäftigungsgrades. In diesen Worten des Berichtes erscheint die Lage der M.i- schinenindustri« aber weniger günstig, als sie tatsächlich ist. Der Be- schäftigungsgrad steigt nämlich viel langsam«! alz der Auftrags- bestand, was sicher damit zusammenhängt, daß steigende Auftrags- bestände in den rationalisierten Betrieben die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nicht in demselben Maße erhöhen wie die Aufträge wachsen. Für die ersten drei Monate dieses Jahres sind die Ziffern kürzlich in dem vom VDMA. herausgegebenen Taschenbuch be- kanntgegeben worden. Danach hat sich der Auftragseingang von Januar bis März von 70,5 auf 79,0 Proz. der Leistungs- fähigkeit erhöht. Gleichzeitig aber ist der Beschäftigungsgrad, wie er vom VDMA. errechnet wird, nur von 67,7 a u f 67,9 Proz. gestiegen. Außerdem ist zu beachten, daß schon im ganzen Jahre 1929 der Auftragseingang größer war als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Man darf also die Lage der deutschen Moschinenindustrie heute als durchaus günstig bezeichnen. Befriedigend, teilweise besser ist die Lag« für Werkzeugmaschinen, Landmaschinen, Pumpen und Kompressoren, Maschinen für Papier- Verarbeitung und Zerkleinerung»- und Aufbereitungsmaschinen. Weniger befriedigend ist die Lag« für Kraftmaschinen, Textil- Maschinen, Hütten-, Stahl- und Walzwerksanlogen und Apparate. Abschlüsse im vicloria-versicherungskonzern. Di« Victoria- Allgemeine B e rs i ch e r u ng s- A.- G. zu Berlin erzielte in dem jetzt abgeschlossenen Geschäftsjahr 1928 eine Prämien- und Zinseneinnahme von insgesamt 72,5 Millionen. Von dem Hebers ch-uß von 10,1 Mill. Mark wird den Versicherten in den beiden Lebensversicherungs abteilungen bei einer gewinnberech- tigten Prämie von 37,7 Mill. Mark als Gewinnanteil 9,4 Mill. Mark zugewiesen. Der Dividendensonds für die Bersicherten beträgt rund 28 Mill. Mark Di« Dioidendensätz« für di« Versicherten werden weiter erhöht und zwar in der großen Lebensversicherung aus 314 PrvA. und beim niedrigen Tarif aus 2,6 Proz. Der Sterblichkeitsgewinn stellte sich auf 47,1 und 55,9 Proz. der Risikoprämien. Die Prämieneinnahmen in der Unfalloersicherung betrug 6 Mill. Mark. Hier sind die Versicherungen ohne Gewinnbeteiligung abgeschlossen.— Der gesamt« Lebensversicherungs- b e stand des Unternehmers belief sich Ende Dezember 1928 aus 1081 Millionen Mark. Diesen Bestand hat die Bictoria erreicht, ohne fremde Gesellschaften auszunehmen. Der vorhandene Aus- wertungsstock beträgt 151,3 Millionen. Die Aktionär« erhalten auf die alten Aktien eine Dividende von 18 Proz. Nähere Einzelheiten gibt die im Inseratenteil veröffentlichte Bilanz. hoshizh Li»oleum. Szillat, ttoloniestrage S' Websehlee. Teppiche. Steine Webtehler Steine Webfehler ttleine Weblchler Kleine Webfehler le. Qualität Ii. Qualität I» Qualität KSrner, Berlin, bausnummer dea> 2x3 19,— Mark. 2X3 24,- Mark. 8VHX314 38,- Mark 3x4 59,- Mark. 2 X 3 38,— Mark. !HX8H 53,- Mark. 8x4 85,— Mark. - 1 26b )tfn Zeiß.Zkon, S-Iezenheitsläuf-, und an. dere Marken kameras, Prismengläser spottbillig, aus Versteigerungen ftam. mend. Pboto-Täuber, An der Span. dauer Brücke 8(Bahnhof Börse),• Lasbenhölzer, Schalbretter, RsVit. Hölzer, Latten billig. Dettenkoferstr. 4e. Lclc!eiliuny53tucke, i�szetie us* Leihhaus Morihplalt 58a. Verkauf von Kavalier-Earderove. teil» auk Seide, tzackett-, zrack». Smokinganzitge, Sabar- dinemäntel, Bauchanzüge, für lebe Kigur paffend Ertra-Angebote für neue Dar- derobe. Pelzjackcn 60.—, Pilzmäntel 95.—, Svortpelze 85.—. Sehpelze 100.—. Keine Lombard warel• Getragene Herrengaroerooe. Epeziali. tät Bauchfiguren. fpottbillig. Naß, Gor. mannstrab« 23/20. trüher Mulackstraße.' Möbel Möbelschau im ssabrikgcbäudc, in 5 gabriketagen. Schlafzimmer, Herren. zimmcr, Speisezimmer, Küchen, Einzel» Möbel sind mustergültig aufgestellt. Günstige gahlungsmeii« bis 24 Mo» naten. Möbelfachhaus Schumann, Zions- kirchstraße 88. Fabrikgebäude Näh- Kastanienalle«. MöbeNäuIee merke Kredit und bar M-telbazae, groß««»»mahl kleine Preis«! il. Beispiele Schlafzimmer 435. Speisezimmer 345, Herrenzimmer 200. Spiegelschränke U8, Anrichtelüchcn 75, Kleiderschränke 48. Holzbettftellc Teilzahlung auffchlagfret. Wochenraten. Monatsraten. Kleine Anzahlungen, Kagfl-Radatte bis zehn Prozent. Kredite bis zwei Jahre. Mäßige Zinsen. Neu. kölln. Hcrmannplaß f; Steglitz. Schloß. straße 107: Belle-All�nce-Straße 95. Untergrund-Bahnhof. Zwei Zimmer»ur 1680,—. Hell. Kirsch. baum-Schlafzimmer mit Frisiertoilette, prima Zubehör. Eichc-Speisezimmer mit Nußbaum, Zwei.Meter.Bllsett, komplett mit Tisch und 0 Polfterstühlen. Unbedingter Gelegenheitskauf! Möbelhaus Osten, Andrrasstraße 30, gegenüber Marlihalle.»». MoebelBoebel. Moritzplatz, ffabril- gebäude. liefert gediegene Schlaszimmer, Speisezimmer. Herrenzimmer, Köchen. «lobel, Einzelmöbel aller Art zu nie- drigsten Preisen. Bestchtlgung erbeten.- «ebraucht« Röbel. Speisezimmer, Schlaf-, Herrenzimmer, Küchen, Einzel. Möbel, Polstermöbel. Verkauf nur an Private. Bcrwertungsstelle, Oranien. straße 127._• Möbel Kamcrling. Kastanien-llee 5« Schlafzimmer, Ruhebetten, Metallbettcn. Riesenauswahl. Spottpreise. Zahlung». «rleichterung.' Ein Geheimnis? M 3 11 VI G f! Neue Krafll Min kennt deute nur nock Patentmatiatzen. Polsterauflaqen, 9,—. Pappelallee 12. Pankow, Schmidtstr. l, (1Okasai((med Oehelrnrit Dr. med Lihaeeu). einzig dastehende hochwertige Sexual-Erittigungsmlttel(sexuelle kleuraskhenle) Kotauiell beglaubigte Anerkennungen von zahlreichen Aerzten und tausende Danksohreiben dankbarer Verbraucher beweisen die einzig dastehende Wirkung! Trotzdem gibt '"" Wir versenden daher nochmals, ohne jede Absenderangabe, 30 000 Probcpackunsan umsonst Da« Zweifler! es»och Soeben Ist neoa Broschüre erschienen. In neuer, gediegenster Ausstattung! Mit nenem bedeutend erweiterten, hochinteressanten und belehrenden Text! Wir legen-diese Broschüre Jeder Probepacknng kostenlos bei. Bs sind lediglich iO Pt für Doppelbriel-Port» beizufügen(unverlangte Nachnahmen kennen MÄd�dÄ Beachten Sie genau! Ä Zu haben In allen Apotheken Patentmatratzeu„Primisfima'. Metall. betten, Auflegemattatzen, EHaiselongues. Walter. Stargarberstraße achtzehn. Kein Laben Ehaiielcngnc, wie neu, 20 M., Pappelallee 12. Linipiano», überaus preiswert. Piano. iobrit Link. Brunnenstraß» 35 Piano» ohne Anzahlung, neu unb ge» braucht, in großer Auswahl verkauft "icm. Brunnenstraß- 191, l Treppe, .losenthaler Platz. Langjährige Daran- tie. kleinste Ratenzahlung. Fahrräder Teilzahlung, kulante Bedingungen. Fabrikpreise, nur Oualitätsräder. Fahr. radbau-Wima". Ackerstraße breißia. Bteiifgesiiclie gahnaebitze. Platinabfälle. Lötzinn. Blei, Quecksilber, Liwerfchmelze, Gold- schmelzerei Ehristionat, Köpenickcr- straße 39(Haltestelle Adalbertstraße). Verschiedenes Schneeweiß wäscht Welke. Köpenick. Albrcchtstraße 2. Telephon 1235. Leib. Wäsche 15. trocknet im Freien. Ab. bolung täglich.' Gebraucht« Fahrräder, größte Aus- wähl. 15.-. 20,—, 25,—, 30,—, 35,—. Machnow, Weinmeisterstraße 14.» Dctcktioburcau Etaschel, Chaustee- straße 77 Fernsprecher Norden 7886 Beobachtungen. Ermittelungen. Aus» lünkte allerorts.• 16 000 Reklamezettel 3,—. Buchdrucke. cti Schmitz, Romintenerstraß« 20.• Vermietungen Wohnungen 2-, 2V,., 3-, OV-Zimmee-Neubauwob» uungeu in Hirschgarten. Rummclsburg Karlshorst und Reinickendorf. Rückzohl» barer Bauzuschuß 500 M pro Zimmcr Beziehbar Frühjahr 1929. Wohnraum. Belle. Alliance-Str. 79. Bergmann 6394 Erholungsaufenthail Sommerfrisch«. Berkenbrück(Sprcel, Gaststätte Beerenhusch, Inhaber Ludwig Hofmann, erste Bahnstation»an Für. stenwald« nach Frankfurt(Oder). Fahr, zeit eine Stunde vom Schlesischen Bahn. Hof. Eine Stunde Fußwanderung von ürstenwalde(Spree). Pro Tag 4,50 Badestrand. Große Waldungen. Unterricht Juli beginnen Bierteljahres- und Halbjahrslehrgänge zur kaufmänniidien Ausbildung. Schnellförternd« Einze!» fächer für Erwachsene: Tagesunterricht, Abendunterricht: Stenographie, Ma. fchinenschreiben, Tiktatübungen, De. batteschrift, fremdsprachliche Steno- graphie, Korrefpondeiu, Rechnen. Buch- führung für jeden Betrieb, Wechfci. lehre. Deutsch, Fremdsprachen(Deutsde und nationale Lehrkräfte).— Rackows kaufmännisch« Prioatschule W. und Dr. A Rackow. Wilhelmstraße 49(nahe Leipzigerstraßc). Tauentzicnstraße 1. Alerandcrplatz 50. �rheitsmsrkt Stellengesuche zairbBiteiMidläteriiiD auf Sommerkleid� große Pesten. Tariflohn mit Aufschlag, sucht Kampner& Co., Neukölln, Hermannstr. 257. Stellenaogeliote 1 flodeB in ftnrärti[ besteBeadltlB• Malerpoiier Et« ueht. Kenntnisse in Raum» »unmung, S-brist. Auimachunq. Außen- bezirk Berlin. Msttl. Geschäft Bi4 20 Pfg. über Tarif. Olf. rii. Angeb. bish Tätigt. u 5p. ,6» bef. Stoib. -.Berlin ED 100 OienSiag lö.�utti 1929 Unterhaltung unö ÄVissen Beilage des Vorwärts Matte SEeUerHröm: XetbCSÜbungen CT« gibt nichts, was ich so hoch schätze wi« Leibesübungen, und es gibt nichts, was ich so hasse wie Sport. Das heißt: ich schätze auch schöne Frauen und schick« Anzüge, und ich hasse auch Konkurrenten und warmen Punsch. Das gehört aber nicht hierher. Schon als kleiner Junge hatte ich Leibesübungen gern. Ich war erst fünf Jahre' alt, als ich steile Straßen hinunterrodelte. Und ich hatte kaum meinen fünfzehnten Geburtstag hinter mir, als ich auf einer großen Eisscholle den Strom hinabsegelte. Es war im Frühjahr, und die Strömung war stark. Ich bestieg die Scholle am südlichen Ufer, und als ich die erste Brücke erreicht hatte, barst das Eisstück in zwei Teile. Ich setzte auf jeden Teil«inen Fuß und segelte weiter. Die Ufer waren voll von Schaulustigen, und als ich an die zweite Brücke kam, kam«in Polizeikommissar in einem Rethings- boot angerudert, um mich zu retten. Do war die Eisscholle in drei Teile geborsten, ich stand aber mit einem Fuß auf jedem. Ich weigerte mich, mich retten zu lassen,— es war meine Absicht, erst jenseits der Stadt bei ein paar kleinen Inseln, die da lagen, an Land zu gehen. Die Zuschauer am Kai ermunterten mich mit fröh- lichen Zurufen, und als ich an die dritte Brücke kam, barst das Eisstück in achtzehn Teile, und ich fiel augenblicklich ins Wasser und ertrank. Mit sechzehn Iahren beteiligte ich mich an einem Schlittschuh- wcttrenen. Kurz bevor das Rennen anfing, fühlt« ich mich unwohl und schied aus dem Rennen aus. Es waren zehn Grad Kälte, und ich war nicht gewöhnt, in Trikots zu gehen. Am nächsten Tag schrieb die Zeitung: .,... 6. Zctterström ist schon vor Anfang des Rennens aus- geschieden... Ich schnikt diese Notiz aus und trug sie zwei Jahre in meiner Brieftasche. Als ich siebzehn wurde, gründete ich einen Athletenklub im öst- lichen Stadtteil. Ich wohnte im südlichen, also führte ich gegen die Leute meines eigenen Stadtteil, nichts Böses im Schilde. Ich war der Kräftigste im ganzen Klub, und auf dem Programm unserer großen Aufführung am zweiten Weihnachtsfeiertag stand mit großer Schrift: Gastauftreten des Amateurathleten f). Zetterström. Champion of Ost und Süd. Herr Zetterström wird eine Kugelstange von l70 Kilogramm heben. Ich war an diesem Abend verhindert aufzutreten. Mein« Mutter war im Besitz eines Schlüssels zu einer Dunkelkammer, und in der Kammer saß ich. Im Sommer vor diesem Ereignis sprang ich vom höchsten Sprungbrett in der Badeanstalt. Ich wäre nie gesprungen, wenn nicht ein gewisser Jemand, dessen Namen ich heut« noch in einem besonderen Buche notiert habe, mich gestoßen hätte. Ich fiel auf auf den Rücken, auf den Rücken eines älteren, fetten Mannes, von dem man später nichts mehr gesehen hat. Natürlich bin ich auch Rad gefahren. Auf mein erstes Rad bekam ich 150 Kronen.(Vom Pfandleiher.) Es war natürlich in der ersten Zweirodzeit. Heutzutage kriegt man keine 75 Kronen. Im Alter von 23 Jahren schoß ich viel nach der Scheibe. Scheibenschießen ist«ine ausgezeichnete Uebung. Es schärft den Blick, wenigstens bei einer Scheibe auf drei Meter Entfernung. Außerdem ist dos Schießen sehr angenehm, wenn man es in der Wohnung betreibt. Man kann so gemütlich dabei trinken. Ich habe mehrere Medaillen vom Scheibenschießen mit nach Hause ge- bracht. Sie sind sehr hübsch, und auf der Rückseite steht: Ver- gnügungspark Tivoli und dann die Jahreszahl des Schießens. Zu Haufe in meiner Wohnung schieße ich viel. Mein Beruf bringt es mit sich, daß ich«ine gewiss« Fertigkeit darin haben muß. Ich pflege meiner Frau oder meinem Sohn einen Apfel oder eine Apfelsine und ein Ei auf den Kopf zu placieren. Am drolligsten ist es, wenn ich nach Eiern schieße. Eier kämmen sich ziemlich schwer aus. Ab und zu kann es passieren, daß ich daneben treffe, aber das schadet nicht viel. Di« Pfeile gehen nie tiefer als zwei Zentimeter. Im Boxen bin ich stark. Daß ich mal unseren Meisterschafts- boxcr besiegt habe, und daß mir mal freie Fahrt nach Amerika von einem Todfeind von Amerikas erstem Boxer angeboten war, ist so allgemein bekannt, daß es an dieser Stelle nicht erwähnt zu werden braucht. Boxen ist überhaupt sehr wertvoll. Er stärkt einen selbst und schwächt die Umgebung. Natürlich lause ich auch Ski. Die Umgebung meiner Gstadt eignet sich jedoch nicht recht für diese Art Bewegungsspiel. Sie ist viel zu hügelig. Ich war vor einiger Zeit mit meinen Skiern draußen. Ich kam an einen Hügel, und da fuhr ich hinunter. Unter- halb des Hügels war«ine Ehausse«, und auf der Chaussee kam eine Droschke angefahren. Durch freundliches Entgegenkommen der Insassen wurde ich noch Hause gefahren. Ich bin auch sehr für Schlittschuhsegeln. Um ein tüchtiger Schlittschusegler zu werden, kauft man einen grauen Sportanzug. ein Paar hohe Schnürstiefel, eine Mütze, die man über die Ohren ziehen kann, ein Paar wollene Handschuhe, die bi» an die Achsel- höhle reichen, ein Paar Pulswärmer, die bis zum Handgelenk gehen, ein Rettungsseil, ein paar Eispickel, um in das Eis zu hauen, wenn man in eine Wake fällt, und ein Paar lange Wickelgamaschen, um die Beine zu wickeln, damit sie sich nicht biegen. Ein Schlitt- schuhsegel kann auch dabei sein. Es muß fünf Quadratmeter sein. Sollte es windig werden und man ollein auf einem großen See fein, dann ist es schon am besten, das Segel loszulassen und um Hilfe zu rufen. Wenn man zu zweien mit einem Segel segelt, dann richtet man es so«in, daß der ander« vorn steht, wobei man sich bei einiger Uebung sehr leicht von allem drücken und den anderen sich allein erkälten lassen kann. Rodeln ist auch nach meinem Geschmack. Besonders Rennwolf. Ich bin mal mit einem hübschen jungen Mädchen Rennwols ge- fahren. Ach! das war in meiner Jugend! Sie war blond und hatte blaue Augen, und niemand war in der Nähe. Ich beugte mich vor und küßte sie ganz l«icht auf die rechte Wange. Sie schrie, daß ich dos nicht tun dürfte, und sagte, ich solle sie sofort nach Hause zu ihrer Mama fahren. Ach! Das war in meiner Jugend! Ich fuhr weiter. Es ging mit rasender Geschwindigkeit, und ich beugte mich leise vor und küßte sie leicht auf die linke Wange. Sie schrie, daß ich das nicht tun dürste und sagte, ich solle sie sofort nacff Hause zu ihrer Mama fahren. Ich fuhr sie nach Hause. Ein Mädchen, das ich ganz leicht auf die rechte und auf die linke Wange küsse, und das doch nach Haufe zu ihrer Mama will— mit solchem Mädchen will ich nichts zu tun haben. Ja, Leibesübungen sind eine herrliche Sache. Sie sind ab- härtend, stärkend, erfrischend, nützlich und amüsant, besonders mit Grog! ablösen, also der Geburtstag des Urgroßvaters durchschnittlich rund hundert Jahre vor dem eigenen liegt. Bis zur Zeit vor Christi Geburt zurück ergibt das also 19,29 mal 3— 58 Vorväter oder Generationen. Unser 58. Vorvater kann also dabei gewesen sein, als unter Hermann dem Cherusker die römischen Legionen des Quintilius Varus im Teutoburger Walde vernichtend geschlagen wurden. Als unser 199. Vorvater aber lebte 01. Jahrhundert v. Chr.), lag ganz Germanien noch im vorgeschicht- lichen Dunkel: in Aegypten wurde ungefähr in dieser Zeit dem Könige Tut anch amon ein prunkvolles Grabmal errichtet. Und unser 299. Vorvater im 5. Jahrtausend v. Chr. genoß möglicherweise innerhalb seiner Menschenhordc besondere- Ansehen, weil er die Fertigkeit, aus Feuersteinen Werkzeuge und Speerspitzen zu schlagen, recht gut verstand. So läßt unsere Berechnung sicher für viele überrasche, ch er- kennen daß wir es innerhalb von ungefähr 299 Generationenfolgen von der Steinzeittechnit bis zum«lektrifchen Kochtopf, drahtlosen Fernsehen und Tonfilm gebracht haben. Und wie gewaltig hat sich während dieser Dorväterreihe auch die Dorstellungswell der Menschen oerändertl v.• v, Ueberrascht beim vorangegangenen Ruckblick die niedrige Zahl. so ergibt sich für eine andere Betrachtung unserer Vorfahrenreihe das Umgekehrte. �..._...,, Ein jeder von uns hat emen Vater und eine Mutter, durch diese \ zwei Großväter und zwei Großmütter, durch diese wieder vier Ur- großoäter und vier Urgroßmütter usw. Und da es immer so war, daß ein Mensch Vater und Mutter hatte, muß jede weitere Gene- rationenreihe, die wir in die Vergangenheit zurückgehen, die Zahl unserer direkten Vorfahren verdoppeln. Die sogenannte„theo- retische Ahnenzahl" schwillt dadurch in der gleichen Weise immer rascher an, wie di« Anzahl der Wcizenkörncr, die sich der indische Erfinder des Schachschiels angeblich von seinem Fürsten als scheinbar recht bescheidene Belohnung erbat: aufs erste Feld ein Korin, aufs zweite zwei, aufs dritte vier usw.: das ergab auf dem 61. Felde ein« so ungeheuer große Menge von Weizenkörnern, die beim besten Willen nicht zu beschaffen war. Di« gleiche Bcrechnung-art ergibt so für die 58. Vorsahren- generation, die ungefähr am Anfange unserer Zeitrechnung lebte, die unvorstellbar große Zahl von 391 611 Billionen Zlhnen für«inen jeden heute lebenden Menschen. So viele unseres Geschlechts hat aber unser Planet selbst durch die paar Iahrhunderttausende hin- durch nicht getragen, seit Menschen sind. Heute leben auf der ganzen Erde etwa 1,5 Milliarden, und damals ums Jahr 9 waren es sicher viel weniger: denn als Kaiser Augustus befohl, daß„alle Welt ge- schätzet würde", ergab sich eine Gesamtbevölkerung des römischen Weltreichs von rund 199 Millionen. Die germanischen Stämme um- faßten damals zusammen sicher nur einige Hunderttausende. So besteht also zwischen unserer zweifellos doch richtig berech- neten Ahnenzahl und den tatsächlichen Verhältnissen eine recht erheblich große Differenz, die wir zu überbrücken verpflichtet sind. Zwei in logischem Zusammenhang stehende Tatsachen gestatten das in völlig befriedigender Weise: Vor allem haben wir uns gegenwärtig zu halte»: unsere Groß- väter und Großmütter sind zugleich auch Großväter und Groß- mütter einer ganzen Reihe anderer, mancher wahrscheinlich sogar unbekannter Angehöriger unseres Verwandtschaftskreises. Das gilt von jeder weiter zurückliegenden Reihe im gesteigerten Maße. Trotzdem würde dieser Umstand allein nicht genügen, die Be- vechnung mit den Tatsachen auszugleichen. Wir werden vielmehr mit zwingender Konsequenz noch zu einer anderen Erklärung ge- drängt: in de» Generationen vor den Urgroßeltern müssen außer- dem, ebenfalls in immer zunehm«iid«m Maß«, Verknüpfungen zwischen den heute nicht mehr als verwandt angesehenen und nach- zuweisenden Famisien erfolgt sein. Mit anderen Worten: wenige Geschlechter zurück hat innerhalb der einzelnen Völker unbewußte Inzucht in sehr starkem Maße stattgefunden. Diese uns unbekannten Derwandtschaftsbeziehungen umschließen je weiter zurück desto größere Kreis«, zu denen die meisten der heute Lebenden in Ve- Ziehungen stehen, Für den Vererbungsbiologen ergibt sich aus dieser Berechnung eine bedeutungsvolle Folgerung: durch diese mannigfach verknüpften Verwandtschaftsbeziehungen hat jeder einzelne Menkch»vn seinem Vorfahren einen sehr umfangreichen Schatz von Erbanlagen erhal- ten. Und ein sehr großer Fortschritt für die Weiterentwicklung der Menschheit wäre e-, wenn es einst gelingen sollte aus Stammbaum- aufzeichnungen oder Erbfolgekarteien die besonders wertvollen An- lagen zu erkennen und durch geeignete Umweltsverhältnisje auch zur Entfaltung zu bringen. Dann würde das Dichtcrwort eine neue Bedeutung erhalten:„Was du ererbt von deinen Vätern hast, er- wirb es. um es zu besitzen!" Jedenfalls besteht große Wahrscheinlichkeit dafür, daß die meisten heute in einer Gegend Lebenden auf diese Weise miteinander ver» wandt sind. Vielleicht hat auch einmal ein uns unbekannter gemein- samer Vorfahr gelebt, der mir das Recht geben würde, mich von meinen Lesern und Leserinneil mit Gefühlen verwandtschaftlicher Vertraulichkeit als von Vettern und Basen xten Grades zu verab- schieden. Unter Qroflfürlten JDcr treiße Teufel' in Tteuhobelsberg Noch immer gibt der Film den Russen Berlins Gelegenheit, geschlossen zusammenzukommen. Zu einem Russenmeeting, ja zu einem gesellschaftlichen Ereignis russischer Aristokratie ist äugen- blicklich der Ufa-Film„Der weiße Teufel" geworden, der in Neu- babelsberg gedreht wird. Es ist der erste groß« Tonsilm der Ufo. jedoch soll die Sprache nur in den wichtigsten Szenen erklingen. Man fährt also nach Neubabclsberg, geht«ine halbe Stund» an gigantischen Hallen innerhalb des Aufnahmegelondes vorbei. brät dabei in der Sonne, um schließlich in einem Türloch zu ver» schwinden. Noch einige Schritte an Bühnenbaumaterial vorbei, und eine feierliche, ja drückende Atmosphäre einer großen Gesellschaft von Menschen macht sich bemerkbar. Die Szene in der Petersburger Hofoper wird gedreht. Der Eindruck�des Filni«ns ist vollständig vergessen. Kein Schreien oder Lärincn, dafür sehr schwere Musik. Viele hundert Uniformen von russischer Pracht bewegen sich zwischen den Sitzen.— In. nur einer Reihe sieht man Herren im Frack.— Ihre Träger sind aber keine Komparsen, nicht einmal Edelkoniparsen. denn weder ihr Aussehen noch ihre Bezahlung ist edel, sondern es sind ehemalige Mitglieder russischer höherer Gesellschoftsschichten, die sich begrüßen, beglückwünschen, sich einmal ,.wohl"fiihlen. Denn russisch ist nicht nur der Nimbus, sondern überhaupt alles, von den Darstellern und Operateuren au bis zur Produktionsleitung. Russisch ist die Sprache der Verständigung, russisch die Atmosphäre. Vor- wurssvoll« Blick« treffen jedes neugierige Zusehen. Kein einziges Lachen ist zu bemerken. Erkundigt man sich, so wird liebenswürdig geantwortet, wie man das von ein«m Offizier verlangt. Fast unbe- merkbar richten sich die Anwesenden nach den Angaben des Re- gisseurs. Sie sollen dem auf dem Balkon erscheinenden Zarendar- steller, Fritz Albcrti, huldigen, aber mehr als ein Hinaufschauen kann der Regisseur von den ihn treffenden müden Augen nicht verlangen. Das Durchschnittsalter der Darsteller liegt zwischen 59 und 79 Iahren. Ein Herr mit einem Gesicht aus Eis zieht nervös an seinem zu kurzen Uniformrock, wobei er ängstlich um sich schaut und murmelt.(�in«n auffallend aussehenden Herrn nagelten sich beim Hinausgehen einige Journalisten fest und wollten ihn um einige Auskunft bitten, aber seine Persönlichkeit zwang dazu, ihn nur nach seinem Befinden zu fragen: er stellt« sich dann plötzlich vor— mit seinem angenommenen deutschen Namen.— Die Uniform war sein Eigentum. Sie hat sehr viel erlebt. Während des Krieges war er als deutscher Gefangener auf dem Königstein in Sachsen interniert. Er kennt jede große Stadt der kultivierten Welt, aber in Berlin bleibt er, weil er hier die meisten Freunde hat, außerdem gefällt es ihm, und vielleicht liegt es doch auch örtlich sehr nahe, na, so vorsichtig er sich auch ausdrückte, war s«in Herzenswunsch doch zu erraten: Was er zwar als.Haßausdruck hinstellte, war nur das Verlangen, in seine Heimat zurückzukehren, nicht um zu hassen, sondern um Ruhe zu finden. Ein allgemeines Aufbrechen, wie es in jedem Theater üblich ist, beschloß diese Szene. l.«l. Die hohe Würde Früher war es auf der Universität A o i g n o n Sitte, daß man di« Doktorwürde erwerben konnte, wenn man nur zehn harte Taler dafür bezahlte. Ein junger Advokat machte in jener Zeit eine Erbschaft, ging sofort nach der Universität, legte zehn Taler rnrf den Tisch des .Hauses und erhielt prompt die Doktorwürde. Der frischgebackene Doktor lächelte, zählte noch einmal zehn harte Taler auf den Tisch und bat den Dekan mit schönen und wohlgesetzten Worten um die Freundlichkeit, auch gleich seinem Pudel, den er mitgebracht, und der dieser kleinen geschäftlichen Zeremonie beigewohnt hatte, die Doktorwürde zu verleihen. Der Dekan, ein würdiger, alter, weißbärtiger Herr, sah den Advokaten an und betrachtete dann sehr eingehend und scharf den Pudel. Dann entschied er:„Nein, der Pudel wird nicht Doktor! Wir promovieren nicht zwei Viecher an einem Tage!" Wie in Tibet gedruckt wird. Dr. Joseph F. Rock, ein amerika- nischer Asienforscher, hat in den Klöstern Tibets das Leben der Mönche studiert. Viele von ihnen sind mit dem Druck heiliger Bücher, namentlich des Kandjur mit 198 und des Tandjur mit 299 Bänden, beschäftigt. 51 Mönche müssen neun Monate lang an der Herstellung dieser 317 Bände arbeiten. Sie werden, jede Seite einzeln, von Druckstöckcn gedruckt, die aus Walnußholz gearbeitet sind. Jeder Dnickstock enthält nur eine Seite, und seine Herstellung er- fordert die viertägige Arbeit eines geschickten Lamas. Dieser be- kommt täglich etwa 29 Pfennig und daneben Naturalien von Lebens- Mitteln. Von den Druckplatten sind nur zwei komplette Satze ohne den geringsten Fehler vorhanden. Sie sind über fünfhundert Iahrq alt und ausgezeichnet erhalten. Das Papier wird von Karawanen, die elf Tag« unterwegs sind, herbeigeschafft. Die Bucher werden vom Volk in hohen Ehren gehalten, und wenn die einzelnen Blätter auf der Gebetsmühle gedreht werden, so ist dies ein höchst gott- gefälliges Tun. Erkrankt«ine einflußreiche Persönlichkeit, so wird die. große Gebetshalle des Klostsrs geöffnet: die 799 Mönche ver- sammeln sich dort und lesen innerhalb eines Tages die 317 Band», jeder einen Band für sich, laut herunter. So sorgen sie für das Wohlergehen des Erkrankten,