BERLIN SieiXtag IS. Zum 1929 10 Pf. Nr. 280 B 139 46. Jahrgang. erscheint tSglich a»terG»nnt«g«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bciuzsxrei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. s.soM. pro Monat. Kedaition und Expedition; Berlin SW SS, Lindenßr.S ffVrtutwffa Snieigenoret«! Die einspaltige NonpareiHejeil« So Pf., Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkont».: Vorwärts-Verlag G. m. b.H« Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Hilferdings Etatsrede. Die Anleihe hat Kassenfchwierigkeiten des Meiches überwunden. Wiener Stadtrat in Berlin. Im Reichstag wurde heute mit der zweiten Beratung des Haushalts der Allgemeinen Finanz Verwaltung be- gönnen, Neichsfinanzminister Or. Hilferding Der von mir von Anfang an vertretene Grundsatz der vollen Ctatodeckung ist bei allen Parteien auf Billigung geswtzen. Mit Ausnahme der Deutschnotionolen, deren Redner den Mut zum De- sizitetat hotte. Wäre ich diesen gefährlichen Weg gegangen, dann wären als Folgen davon die Reichsfinonzen völlig in Unord- n u n g geraten.(Lebh. Zustinrmung bei den Reg.-Parieien) Ich . wußte den Etat in Ordnung bringen durch Einschränkung der Aus- gaben und durch. Kürzungen der Ueberweifungen an die Länder. Dann blleb� immerhin noch ein Defizit, däs durch Steuern gedeckt werden konnte. Mit weiteren Kürzungen der Airsgaben hotte ich mich einverstanden erklärt, wenn diese Streichungen wirtschaftlich zulässig uird sozialpclitisch tragbar wären. Seinerzeit ging ich be! meinen Borsehlögen von der Voraussetzung aus. daß noch gewisse Reserven vorhaichen waren, die im Falle der Not herangezogen werden konnten. Der Reichstag hat hier einen anderen Weg yn- geschlagen. Er hat durch Streichung den Etat eingeengt und die vorhondensn Re- serven restlos benutzt, um die Deckung des Etat» zu ermöglichen. Alle Bedenken meinerseits mußten zurückgedrängt werden, weil ich ja berücksichtigen konnte, daß im Laufe des Jahres eine Korrektur möglich sei durch Einbringung eines Nachtrogsetats, nicht zuletzt ober auch als Folge der Pariser Reparotionsverhandlungen. (Sehr richtig! liuks.) Der ursprüngliche Fehlbetrag machte.t79 Millionen- Mark aus. Davon wurden IlO Millionen Mark durch Steuern gedeckt. Don den übrigbleibenden 263 Mit- liancn Mark sind 177 Millionen Mark durch Abstriche an den Aus- gaben, Millionen Mark durch Erhöhung de� Einnahmen gedeckt. Die gestrichenen Ausgaben in Höh« von 177 Millionen Mark ver- teilen sich auf all« Ressorts, und Zwar wurden im Rechswehretat 27 Millionen Mark, im Hausholt des Arbeitsministeriums 36 Mil- liansn Mark, bei dem des Derkehrsministeriums 34 Millionen Mark gestrichen. Dazu kommen prozentuale Abstriche bei den sachlichen Berwaltungskosten. Eine weitere Veränderung wurde dann durch das besondere Ostpreußcnprogramm hervorgerufen. Es bleibt noch ein Fehlbetrag von 22 Millionen Mark zu decken. Außerdem wird es nötig sein, einige Ausgaben wieder hinzuzusetzen. Es handelt sich da um Ausgaben, die im Laufe des Etats- jahres entstanden sind, wie z. B. durch die Verzinsung der auf- genommenen Kredite und d« Lohnerhöhungen für Reichsarbeiter. Dies« Ausgaben werden bei der dritten Lesung noch ihre Berücksichtigung finden müssen. Ähre Deckung wird möglich sein. wie ich schon jetzt sagen kann, weil die nunmehr mögliche Uebersicht über den Haushalt des vorigen Jahres uns jetzt ein« gewisse Klar- heit gibt. Dringend« und groß« Probleme der Finanzpolitik müssen in nächster Zeit zur Lösung kommen. Zunächst einig« Wort« über die K a s s e n l a g«. Di« auf diesem Gebiete entstandenen Schwierig- keiten sind zurückzuführen auf die monatlichen recht erheblichen Uitimoau«gaben, die sich nicht von Ansang an übersehen liehen. Es handelt sich da auch um Ausgaben außergewöhnlicher Art, die sonst durch Anleihen gedeckt zu werden pflegen, ein Weq, der»ns verschlossen war. Dazu kamen die hohen Darlehen an die Arbeitslosenversicherung, an die infolge des außerordentlich scharfen Winters ungewöhnliche Ansprüche gestellt wurden. So wurde die Kassenlage im Mai außerordentlich schwierig. Wir kamen über die Krise himpeg und köirnen wohl sagen, daß jetzt bereits, nicht zuletzt als Folge der inzwischen ausgelegten Anleih«, große Erleichterungen zu verspüren, sind.(Hört? Hört! links.) Heber diese Anleihe möchte ich einige Wort« sprechen, weil in der Oeffentlichkeck die ganze Frage nicht genügend geklärt worden ist. Der international« Geld- markt war äußerst angespannt. Dieser Zustand hatte ein« starke Rückwirkung auf den deutschen Geldmarkt, vor allem deshalF, weil dieser ja sehr stark von dem amerikanischen Geldmarkt abhängig ist. S« bestand damals die Besorgnis, daß große Beträge aus Deutschland zurückge- zogen werden konnten. Der Abbruch der partser Verhandlungen drohte. Anzeichen einer Panik In Deutschland zeigten sich. Sie waren eine Folge der ganz verantwortnngslosen Agitation, dt« otm gewissen Kreisen in der Oeffentlichleit getrieben wurde. Eine Studienreise von Kommunalpolitikern Wiens. Die Beziehungen zwischen den Gemeindeverwaltungen von Berlin und von Wien knüpfe« sich enger und fester. Ver- liner Kommunalpolitiker haben /Wien besucht und von der erfolgreichen sozialen Arbelt der sozialistisch geleiteten Gemeinde Wien starke Eindrücke empfangen. Jehl kommen führende Persönlichkeiten der Gemeinde Wien nach Berlin, um die Einrichtungen der Stadt kennenzulernen. Unsere Wiener Gäste trafen heute früh vor 9 Uhr in Berlin ein. Unter den Teilnehmern der Reise sind Bürgermeister S e i y, Bizebürgermeister E m m« r l i n g, Vizebürgermetster Haß, Land- tagspräiideni Dr. Danneberg, Amtssührender Stadtrat S p e«» s e r, Amtssührender Stadtrat Weber, Präsidprst Vlockel vöijj Wiener Stadtschulrat, Stadtrot K u n s ch a k, Stadträtin Dr. Matzla, mehrere Gemeinderätc, mehrere Beamte der Gemeinde- Verwaltung. Aus dem Anhalter Bahnhof hatten sich von der Berliner Stadtverwaltung u. a. eingefunden Oberbürgermeister Bäh, Burgermeister S ch o l tz, Stadtverordnetenvorsteher Haß, Stadt- schulrat N y d a h l, Stadtmedizinalrat Prof. Dr. von D r i g a l s t i, Stadtbaurat Dr. Adler, die Stadträte Czeminski, Schlich- t i n g und B e n e ck e. Auch der österreichische Gesandte Dr. F r o rt k und der Geschäftsführer Dr. M i s ch l e r vom Oesterreichisch- Deutschen Voltsbund und verschiedene Vertreter der österreichischen Kolonie Berlins waren erschienen. Nach kurzer Begrüßung wurden die Gäste zu ihrem Quartier im Hotel Excelsior hinüber- geleitet. Das Hotel hatte geflaggt in den Forben der österreichischen Republik, der deutschen Republik und der preußischen Republik. * Besichtigen werden die Gäste au» Wien besonders die Werk« der Stadt Berlin, unsere jetzt sich sehr flott entwickelnden Berkehrsunternehmen, unsere S ch u l e n, die manchen sehr beachtens- werten Fortschritt auszuweisen haben, unser« Spielplätze, Badeeinrichtungen, Krankenhäuser und Wohl- fahrtseinrichtungen, auch die bisherigen Ergebnisse der Wohnbautötigk« it, die Siedlungen. Auch Besuche der Ausstellung„Gas und Wasser', der Städtischen Oper und anderer Theater sind geplant. KpO.-Mann alsSprengstoffaiieniaier. Festfiellungen der Polizei in Hannover. Hannover. 18. Jnni.(Eigenbericht.) Die Hannoversche Polizei ist de» Sprengstoff» attentäter«, über die wir berichtete«, ans der Spur. Sie hat inzwischen festgestellt, daß die bei der„Roten Hilfe" abgegebenen Spreng st ofse(Ammonit und Chlvratit) auS einem Steinbruch im Deister bei Springe gestohlen worden sind. Festgestellt ist weiter. daß der angebliche Unbekannte, der die Sprengstoffkist, bei der„Roten Hilfe" abgegeben hat. eingeschriebe- nei Mitglied der KPD. ist. Es ist die gleiche. Person, die wahrscheinlich für den Sprengstoffan- schlag auf die Borschuß-Bereinsbank in Frage kommt. Die Polizei hat den vermutlichen Täter jedoch »och nicht ermitteln können, da er seit Freitag mittag flüchtig ist. Es scheint festzustehen, daß die KPD. in direktem Znsammen hang mit dem Spreng- stoffattentat steht. Das Polizeipräsidium Hannover teilt, amtlich mit:' Es ist festgestellt worden, daß die in der„R p t e n Hilf e" gesunkenen Sprengstoffe Ammorrit und Chloratit aus dem Steinbruch der Hannoverschen Kalk- und Mergelwerke in Springe stammen. Dort ist im Juni vorigen Jahres ein Einbruch in den Pulverraum verübt worden, bei dem etwa zehn Kilogramm Spreng- stofs gestohlen worden sind. Der angeblich Unbekannte, der die Kiste in der Gastwirtschaft untergestellt hat und auch als Urheber des Sprengstoffanschlages auf die Vorschuß-Vereinsbank in der Kanalstraße in Betracht kommt, gehört der kommunistischen Partei al» TNitglied an. Er ist seit Freitag mittag flüchtig. ch"•J Eine Negerin bei der präfldeniin.. Entrüstungssturm in den Südstaaten. Washington, 18. Juni. 7 Zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist.. eine Negerin offiziell im Weißen Hause eingeladen worden. Frau Ho o ver, die Gattin des Präsidenten, hat am Sonntag die Frau des neugewählten Negerabgeordneten De Priest aus Illinois zum Tee«ingeladen. Das hat im ganzen Süden der Vereinigten- Staaten lebhafte Proteste hervorgerufen, die in Entschließungen der gesetzgebenden Körperschaften von Texas und Florida zum Ausdruck kommen. Di« Bewegung hat jetzt auch auf Washington übergegriffen und Senator Blease(Demokrat) hat � eine Entschließung«ingebracht, in der die Präsidentin aus- gefordert wird, daran zu denken, daß ihr„zeitweiliger Aufenthalt im Weißen Hause' auch den südlichen Staaten zu verdanken fei. (Lebh. Zustimmung bei den Regierungsparteien, Unruh« bei den I Deutschnationalen.) Di« Rcichsbank mußte Diskonterhöhungen vornehmen und andere Maßnahmen tresien. Die kurzfristige Ausnahme einer Anleihe wurde deshalb in Deutschland fast unmöglich. Es blieb nur der Weg einer langfristigen Anleihe. Nun wurde mir damals vor- geworfen, daß wir uns bei den Banken nicht durchsetzen konnten und uns mit der kommisfiansweisen Uebernahme durch vi« Banken zufrieden gaben. Die Banken konnten einfach nicht anders, denn wenn sie die Anleihe auf eigene Rechnung über- Nammen hätten, dann hätten ihre Käufer schlechtere Bedingungen gehabt als die Zeichner, weil ja die Steuersreiheis der Anleihe sich nur auf die Zeichner bezieht. Die Banken selber aber konnten gar kein Interesse für die long- sristige Anleihe hoben, weil diese ihnen die Gelder aus dem Konto- ksrrentkonto entzog. Das Resultat der Anleihe hat gezeigt, daß in Deutschland zurzeit dos Kopital nur sehr schwer flüssig ge> macht werden kann. Trotz ihres nicht befriedigenden Ergebnisses hat die Anleihe aber ihre wesentliche Mission erfüllt. Denn die Bonken haben nur daraufhin der Reichsregierung einen Vorschuß gegeben. Durch diesen Vorschuß konnten alle Ausgaben des Reiches Ultimo Mai erfüllt werden. Di« Lage auf dem internationalen Geldmarkt ist jetzt weniger angespannt. Di« Reichsbank hat bewiesen, daß die deutsche Währung absolut gesichert ist, sie kann jetzt daran gehen, die Restriktionsnlaßnahmen einzuschränken oder gar aufzuheben. Die Verbindung des deutschen mit den ausländischen Geldmärkten ist wiederhergestellt. Weitere Maßnahmen werden dazu führen, drß eine weitere ausreichende und dauernde Entlastung geschaffen wird. Angaben, die auf keiner wirklichen Kenntnis der ganzen Verhältnisse beruhen, können das Reich in seinem Kredite nur schädigen.(Sehr richtig bei den Regierungsparteien.) Wenn' in dem Blatt eines Mitgliedes der deutschnationalen Fraktion ge- sagt war, daß das Deutsche Reich bankerott sei, so kann man das nur als völlig verantwortungslos bezeichnen. (Lebhafte Zustimmung bei den Regierungsparteien, große Unruhe bei den Deulschnaiionalen.) Es handelt sich ja bei uns nicht um wachsende Ausgaben, sondern um solche in einer ganz bestimmten Höhe, die al»»�Folge ei n er vergangenen Zeit gemacht worden sind. Die Sanierung unserer Finanzen bleibt die Voraus- setzung für eine gesunde Finanzpolitik. Jede Wiederholung der letzten Ereignisse muß da vermieden werden.(Sehr richtig links und in der Mittet) Nun zur Frage des Betriebsmittelfonds. Der be- stehende Fonds ist aufgelöst und in den Etat eingestellt. Pas ge- jchah unter der Voraussetzung, daß äue normale Geldlage bald vorhanden sein würde unö> Anleihen den Gelbbedcirf des Reiche» decken würden. Diese Erwartung hat getäuscht, und es ist nicht an- -zunehmen, daß bald auf diesem Wege für uns ein Zugang zum Geldmarkt zu erwarten ist. Deshalb muß wieder ein Betriebs- mittelfonds angeschafft werden. Wenn die in Paris von den Sach- verständigen geführten Verhandlungen nach den Auseinander- sctzungen zwischen den Regierungen erst beendet sind, dann muß ein Teil der Minderausgabcn dazu verwandt werden, um einen Betriebsmittelsonds in gewisser höhe anzulegen. Es ist ja so, daß«in Ergebnis in den Reparationsfragen sticht nur einen entscheidenden Punkt in der Außenpolitik bedeutet, sondern auch die Innen-, die Finanzpolitik beeinslußt. Beim Finanz» Programm steht in erster Linie die Frage der Klärung der Etats- läge. Nach dem Etatsgesetz muß im Jahre 1330 ein Defizit van 150 Millionen Mark gedeckt werden. Dieses Defizit ist aber nicht 1928 erst entstanden, es rührt aus den Vorjahren her und ist zum Teil auf Besatzungskosten zurückzuführen. Wenn erst das positive Ergebnis der Reparationsverhandlungen vorliegt, dann sollt« schon au- diesem Ergebnis dieses Defizit von 1.50 Millionen Mark gedeckt werden. 'Was nun den Etat des laufenden Jahres anbelangt, so sind auch hier gewisse Beträge flir notwendig« Korrekturen einzubehalt«n. Der Etat ist ja durch Streichungen außerordentlich eng geworden. Es ist durchaus notwendig, daß die Ressorts die erforderliche Krankreich nimmt den �oung-plan an. Einstimmiger Vefchluß der pariser Regierung. Paris, 18. Juni. Der französische Ministerrat prüfte die Frage der Kriegsentschädigung und auswärtigen Schulden. Poin- ear«, Briand und Cheron gaben einen allgemeinen Ueberblick über die Gesamtlage. Tie Negierung beschloß e i n st i m m i g, die Vorschläge des Sachverständigen- ausschuffes bezüglich der Negelung der Zahlungen zu genehmigen und die Ratifizierung zusammen mit den übrigen beteiligten Negierungen zu verfolgen. Ter Kabincttsrat einigte sich dann über die Erklä- rungen, die am Mittwoch vor dem Finanzausschuß und dem auswärtigen Kaisimerausschuß abgegeben werden sollen. Briand erstattete schließlich Bericht über die Madrider Völkerbundsratstagung. Eine Bedingung für die Räumung? Paris, IS. Zuni. Die vereinigten Kammerausschüsse für answärtige Angelegenheiten und für Finanzen treten am Mittwoch zu einer gemein- samen Sitzung zusammen, in deren verlaus Poincarö über das Problem der Ratifizierung der Schuldenabkommeu sprechen wird. Die„Echo de Paris" erfahren haben will, wird Poincarö aus die Ratifizierung dieser Abkommen vor dem 1. August bestehen, jedoch nicht auf die Ratifizierung des s)oimi-Abkommens. die er bis zum herbst aufschieben will. Die Tagesordnung, die die Inter- pellalionsdebalte, die am 25. Zuni beginnen soll, abschließt, wird zum Ausdruck bringen, daß die Kammer der Regierung für die kommenden internationalen Verhandlungen das erforderliche ver- trauen entgegenbringt und dadurch iwplicit« die Genehmigung zur Unterzeichnung des Poung-Plackes gebe. 3n der Tagesordnung wird nach dem gleichen vlalt auch die Rheinlandränmung erwähnt. Als Bedingung für hieRäumung werde gefordert werden. daß zuvor mit der Mobilisierung der deutschen Schuld be- gönnen werden müsse. Vorsicht in ihren Ausgaben wall«n lassen. Wir haben ihnen vorgeschlagen, durch Aenderung der Haushaltsordnung unsere Kompetenzen zu erweitern. Leid«r ist«in«ntsprechendes Gesetz nicht fertiggestellt worden. Aber durch«inen Initiativantrag der Parteien werden nun ausreichend« Bestimmungen in die Haushalts- ordnung eingefügt, hosfentlich nicht nur mit Gültigkeit für die Gegenwart, sondern auch für dauernd. Und es ist zu wünschen, daß auch weitergehend« Anträge auf diesem Gebiet Annahme finden. (Sehr richtigl bei den Soz.) Wenn es nun gelungen sein wird. durch Sanierung der Kassenlage, durch Beseitigung der Fehlbeträge aus den Jahren 1928 und 1329 Ordnung zu schaffen, dann muß im ZahrF 1930 bei Etat eine Reuregelung unserer gesamten finanziellen Verhältnisse erfolgen. Die Senkung der Gesamt- steuerlast ist eine dringende Rolwendigkeit (lebhafte Zustimmung bei den Regierungsparteien und rechts). Vor» aussetzung ist ab«r, daß von der Regierung und vom Reichstag das jetzige Prinzip der Sparsamkeit aufrechterhalten wird. Das gilt auch für Länder und Genieinden. Ueberhaupt ist ja die Belastung durch die Realsteuern, die den Ländern vorbehalten sind, viel größer als die durch Reichssteuern.(Sehr richtig links.) Nötig ist eine allgemeine Regelung des Verhältnisses zwischen Reich und Län- d e r n. Im Wege der Gesetzgebung muß auch Ordnung auf dem Gebiete der Ansprüche der Länder geschaffen werden. Im Zusammenhang damit steht di« definitive Erledigung des Finanzausgleichs. Im einzelnen lehn« ich es ab, schon jetzt einen Plan ük>«r die künftige Gestaltung der Finanzen zu geben. Denn dieses ganze Gebiet ist abhängig von der Entscheidung über den Aoung-Plan. Ich muß mich deshalb darauf beschränken, Ihnen ein erschöpfendes Finanzprogramm erst dann vorzulegen, wenn ich völlige Handlungsfreiheit habe. Regierung und Reichstag stehen vor einer großen Verantwortung. Alle die Fragen, die ihrer Lösung harren, müssen Im Sinne der höheren Produktivität unserer Gesamtwirtschaft gelöst werden. nicht zuletzt auch im Sinne der Steigerung unserer Sozlalg«letz- g e b u n g. Denn wir können nur dann die Steigerung unserer Produktivität erreichen, wenn auch der Arbeiter weiß, daß für ihn gesorgt wird, wenn er gesteigerten Anteil am Ertrag hat. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Nach der Rede des Reichsfinanzministers spricht für die Deutsch- nationalen Abg. O u a a tz. Räch einer Red« des Sozialdemokraten keil wurde die Be- ratung unterbrochen, um die Abstimmungen zum Wehretat vorzunehmen. Dabei wurde der Antrag, den Angehörlgender Reichswehr und der Rcichsmarine da» aktive und passiv« wahlrech» zu geben, mit 226 gegen iß Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. weitere namentliche Abstimmungen werden über die zweit« Baurale für den Panzerkreuzer A und über eine Baurate für den Kreuzer „Köln" entscheide«. Nachwort zum Das leßie Wort— in In dem Prozeß um di« Ehrenrettung des Hingerichteten russischen Kriegsgefangenen Iakubowski wollte es zuweilen scheinen, als habe man um des toten Iakubowski willen die lebenden und(eidcnden Sünder auf der Anklagebank vergessen. Neben dem vollstreckten wird jetzt noch ein Zweites Todesurteil ver- hängt gegen August Rogens, Gefängnis für Fritz Rogens und Zuchthaus für die Mutter Rogens Das Todesurteil gegen August Rogens wird zwar nicht vollstreckt werden. Aber auch die Begnadigung zu lebens» länglichem Zuchthaus angesichts einer Tat, an der er als Neunzehnjähriger beteiligt war, die nicht seinem Hirn entsprang und die, wie das Urteil feststellt, nicht er ausgeführt hat, würde den Umständen kaum gerecht werden. Ein« befristete Strafe würde ein« ausreichend«„Sühne" sein. Fritz Rogens war zurzeit der Tat 15 Jahre all. Es gab niemanden im Gerichtssaal, der nicht der Ansicht gewesen wäre, daß aus diesem jungen Menscheck noch etwas werden könnte. Wenn das Gericht über das vom Staatsanwalt sür ihn beantragte Strafmaß hinausging, so bleibt das unverständlich, hätte man nicht dem Ersuchen seines Verteidiger» Folge leisten und ihm B«» Währungsfrist zubilligen sollen? Zweieinhalb Jahre Gefäng- nis, die er nach dem Urteil erst verbüßen muß, bevor er Be- währungssrist erhält, dürsten unter Umständen das Gute, dos in ihm ist, vernichton. Gegen die Mutter Rogens hotte der Staatsanwalt 6 Jahre Zuchthaus beantragt. Dem Gericht genügte das nicht, es ging wesentlich darüber hinaus. Das letzte Wort der Aizge- klagten, der letzte Schrei einer gequälten Kreatur vor der Eni- scheldung ihres Schicksals, hatte auf das bereits fertig« Urteil keinen Einfluß mehr! Das Gericht hatte sich ober die Auffassung des Klägers und Nebenklägers zu eigen gemacht, daß di« Mutter die Hauptschuld an dem Fehlurteil Iakubowski? treffe Des- halb sollt« sie scharf angefaßt werden. Und es blieb die Frage unberücksichtigt, ob nicht das Verbrechen mehr der sittlichen Ver- wahrlosung infolg« des Elends der heidekat« geschuldet war, als die Einzelmenschen. Hugenberg macht Dampf. „Mehr Schwung, mehr Offensivgeifi' LeSen Tag eine neue Bombe gegen die Regierung! Denken Sie an Marschall Koch: Angreifen- angreifen- angreisen!" Die weibliche Polizei marschiert. Frauen dürfen Vorgesetzte von Männern sein. Gestern abend fand im Lehre roereinshaus ein« öffentliche Abendversammlung über weibliche Polizei statt. Der An- drang war so groß," daß wegen Ueberfüllung der Saal gesperrt werden und eine zweite und sogar dritte Paralleloersammlung ab- gehalten werden mußte. Staatssekretär A b« g g wollte die Frauen auf Grund der Verfassung nicht schematisch überall gleichgestellt sehen, sonder» auf Grund ihrer Eigenart ein Begriff, der frei- lich noch von Vorurteilen und Charakterwirkungen der Unter- drückung gereinigt werden muß, im Staatsleben verwenden. Im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, biete sich für die Frau in der Polizei des Voltsstaates ein reiches Tätigkeitsfeld, denn heute will die Polizei helfen, stützen und heilen. Bei besonderen Leistungen einer Frau besteht kein Hindcruiigsgrund, sie zur Borgesehlen von Männern zu machen. Miß A l l« n, die Schöpferin der weiblichen Poliz«i, betont. daß ihr Wirken in Köln unmöglich gewesen wäre ohne die ver- ständnisvolle Mitarbeit der deutschen Frauen und der deutschen Kölnischen Oeffentlichkeit. Sie legt vorläufig wenig Wen auf«in« möglichst große Zahl weiblicher Beamter, sondern vor ollem aus Qualität, damit di« auch in ihrer Heimat noch bestehenden großen Vorurteile überwunden werden. Nicht nur bei Abtreibungen, Sittlichkeitsverbrechen, Kindesmord usw. hat sich die englische w«ib. liche Polizei bewährt, sondern auch seit Jahren im Schutz der Oesfent- lichteit und sogar bei Verhaftung von männlichen Verbrechern. Die weibliche Polizei ist in England keine Fürforgeeftirich. tung, sondern mit der männlichen Polizei in bezug auf Befug- nisse und Uniform gleichgestellt. Mit Recht werden in England und Deutschland strenge Vorbedingungen für den Dienst gestellt. Zum Polizeidienst gehören: Takt. Anpassungsfähigkeit. G«rcchtig. kett und Sinn für Humor. Mrs, L a t h r o p, USA., berichtet« aus ihrem Lande, daß die Verhältnisse dort sehr uneinheitlich feien, da nicht nur die an- geschlossenen 48 Staaten, sondern auch die Kommunen weibliche Polizei einstellen, jede unter anderen Bedingungen und der Freude an Experimenten. Zurzeit haben etwa 200 amerikanische Städte diese Einrichtung, darunter viele Großstädte. Die erste weibliche Polizistin in USA. war Alice Stebben Wells, die den Bürger» meister von Los Angele» aus ihrem sozialen Gefühl heraus um ein« Falle Rögens. den Wind gesprochen! Die Strafprozeßordnung gewährleistet den Angeklagten das Recht, nach Schluß der Beweisaufnahme, vor Fällung de« Urteile, noch«inmal gehört zu werden. Durch die Art, wie der Frau Kähler-Nogens und den anderen Angeklagten das Schluß» wort erteilt wurde, hat der Vorsitzende, dessen Prozeßleitung sonst Anerkennung verdient, sich für einen Augenblick auf die Ebene be- geb«n, auf der Justizirrtümer wie derj«nige im Falle Iakubowski «ntstchen. Der tz 257 der Strafprozeßordnung läßt keinen Zweifel darüber, daß die letzten Ausführungen des Ange« klagten, auch wenn er einen Verteidiger hat, b« i der Urteilsfällung mitb«wert«t werden müssen, hier aber lag das Urteil bereits fertig vor. das Schlußwort der An- geklagten wurde somit zur Farce! Nicht länger als zwei Minut«n brauchte das Gericht, um nach Anhörung dieses Schlußworts in den Gerichtssaal zurückzukehren. Dabei hatten die Zlusführungen der Frau Rogens zur Folge gehabt, daß d«r Neb«n- kläger an si« eine Frage richtete, der Staatsanwalt um Aufklärung über einen gewissen Punkt bat, und der Vorsitzende den Fritz Rogens der Mutter noch gegenüberstellte. Das hatte doch gcwissermaß.m ein Wiedereintreten in die Beweisaufnahme bedeutet. Trotzdem war das„letzte Wort" der Angeklagten buchstäblich in den Wind gesprochen. Solche Handhabung des„letzten Wortes" der Angeklagten stellt in großen Prozessen nicht«in«n Einzelfall dar. Besonders unbe- greiflich mußte es aber in diesem Prozeß erscheinen, da der Vor- sitzend« sich noch im letzten Augenblick an die Angeklagten mit der Mahnung wandt«, wenigst«»» jetzt der Wahrheit die Ehr« zu g«b«n. Wa« wäre geschehen, wenn Frau Kühler plötzlich mit irgeird- einem neuen Geständnis herausgerückt wäre? Dann wäre sowohl die Beratung als auch das bereits serttge Urteil hinfällig ge- word«n. Die Strafprozeßordnung oerbürgt dem Angeklagten ge- wisse Rechte. Das Nichtrespektieren dieser Rechte durch das Gericht ist es in erster Linie, was zu Fehlurteilen, wie im Falle Iaku- bowski führt. Um so befremdlicher war es, daß der Abschluß dieses Prozesses, der den Justizirrtum an Iakubowski gut machen sollte, mtt einer solchen Mißachtung des Rechtes der Angeklagten ausklang. Anstellung gebeten hatte. Aus cin«r Sensation wandelte sich chr Entschluß zu einem Vorbild. In USA. hat die weibliche Polizei eine stark fürsorgerisch« Ein- stellung.— Noch stärker ist dies der Fall in Holland, wie aus dem Bericht von Frl. Dr. Bergsma hervorging. Dort, gibt«s 23 weibliche Beamte In 7 Städten, im Haag stehen die weiblichen Beamten auch unter weiblicher Leitung, in Amsterdam wirkt eine Insp«ktorin bei der Sitt«npolize>. hauptgebiet ist die Kinder- Polizei, für die es einstweilen doch kein« besondere Berufs- ausbildnng gibt, sondern zu der man Frauen aus der Wohlfahrts- arbeit heranzieht Sie steht unter selbständiger Verwaltung. Kri- minalkomnitssarin Freudenthal berichtete für Deutschland, daß si« während ihrer Ausbildung ein«n hohen Begriff von d«r Mensch- lichkeit und Fürsorge unserer Polizei bekommen Hab« und daher dieses Gebiet durchaus als eine Frauenangelegenheit b«- trachten müsse. Die weibliche Polizei ist aber nur dann berechtigt, wenn sie neue Wert« schafft. Vor dem Kriege gab es in Deutstbländ lediglich seit 1903 die ehrenamtliche Polizeifürsorge. die eine Stütze In der Abolitionlstischen Föderation fand. Zehl gibt es 38 weibliche Kriminalbeamte, davon 46 allein in Berlin. Mit dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und seinem fast rein pflegerischen Charakter wurde die Polizeifürsorge wieder aus der Polizei verdrängt. Die entstandene Lücke schließt jetzt die weiblich« Polizei, die recht glück- lich den F ü r f o r g e g e d a n k e n mit der kriminalistischen Aus- bildung vereinigt. Die Einrichtung hat sich in Deutschland gut be- währt, ganz besonders bei den schwierigen Kindervernehmungen. herzlicher Dank gebührt den Behörden und der verständnisvollen Unterstützung der männlichen Kollegen. Ein Film, der die Ber- liner weibliche Polizei an der Arbeit zeigte, gab ein anschauliches Bild von ihrer Wirksamkeit. 310000 Mark verschwunden. Großunterschlagungen im Deutschen Sängerbund. Dieser Tage ist der Deutsche Sängerbund, der sein Zentralbureau in der Potsdamer Straße 123 hat. durch eine Revision auf größere Unterschlagungen seines frühere» Bundesfchahmeisters. des Gerichtsassessors a. v. 3o- hanne» R.. gekommen. Die veruntreute Summe beläuft sich. soweit bisher einwandfrei ermittelt werden konnte, auf 370 000 ZN a r k. Der Deutsche Sängerbund erleidet keinen Schaden, da R. der Organisation mehrere Patente aus kinotechnischem Gebiete, die einen hohen Wert präsentieren, übereignet hat. Es ist deshalb auch wahrscheinlich, daß der gegen R. erlassene Haftbefehl wieder aufgehoben wird. Auf der Heidelberger Tagung wurde Johannes R.. der 9H Jahre ehrenamtlich als Bundesschatzmeister des Deutschen Sängerbundes fungierte, verabschiedet. Bald darauf stellten sich bei der Revision der Kassenbücher Unstimmigkeiten heraus und bei der darauf sofort vorgenommenen genauen Prüfung der Kassenbelege stellte sich ein Fehlbetrag von 370 000 Mark heraus. Der Haupt- ausschuß beschloß darauf in einer Sitzung am 16. Juni, gegen R. Strafanzeige zu erstatten Der Slaatsanwalt ordnete darauf- hin die Verhaftung des ungetreuen Schatzmeisters, der in ser Berliner Straße in Charlottenburg wohnt, an. R gab seine Ver- sehlungen zu. Seine Vernehmung erbrachte einige interessam« Ausschlüsse über den Verbleib der veruntreuten Gelder. R.. ein Gerichtsassessor a. D., ist vor vielen Jahren aus dem Gerichtsdienst ausgeschieden. Er nahm eine Stellung bei Siemens an und brachte es im Verlauf von 12 Jahren durch mehrere gu:e Erfindungen zu einem kleinen Vermögen Sein Erfinder- drang war so stark, daß er ständig neue Versuche und Experimen'e besonders auf tinotechnischem Gebiet unternahm, die zum großen Teil auch erfolgreich waren. Sein Vermögen schmolz dabei aber immer mehr zusammen, bis er sich eines Tages an den chm an- vertrauten Geldern des Sängerbundes vergriff Im Laufe oer Jahre erreichten die Unterschlagungen eine höhe von 370 000 Mark. R. ha» im In. und Ausland zahlreiche wertvolle Pa» t e n t e laufen und durch ihre Uebereignung an den Deutschen Sängerbund dürft« der Schaden in vollem Umfange gedeckt sein. Die britisch« Einreiseerlaubnis für Irohki ist noch nicht erteilt. Kulturbilder von 1929. Die zerfallene Schule. Im pmnmerschcn Kreise Bublitz liegt die Gemeinde Grumsdorf. die ein weltabgeschiedenes Dasein sristet. Natürlich hat das Dorf auch eine Schule. Sogar eine zweiklassige. Aber nach dem Zu- stand dieses Kulturinstituts soll man lieber nicht fragen, denn man wird wenig Erfreuliches davon hören. Ein Freund unseres Blattes sendet uns die Photographie, die wir hierunter wiedergeben. Die völlig zerstörten Schulbänke reden eine allzu deutliche Sprache. Im übrigen aber erfahren wir noch folgende Einzelheiten über das Schulidyll, das sich in den Bildern widerspiegell: Hier ist nicht etwa eine Granate hineingefahren, sondern die Bildchen zeigen eine friedlich zerfallene Schulklasse in Grumsdorf, Kreis Bublitz— natürlich in Hinterpommern. Diese Schulklasse hat nur eine benutzbare Bank! Die Kinder sitzen im Unterricht zum Teil aufPrioatstühlendesLehrers. Geschrieben wird in dieser Klasse nicht mehr. Die Fenster sind seit vielen Monaten zum Teil mit Pappe oernagelt, da die fehlenden Glasscheiben trotz vieler Schreibereien nicht er- setzt werden. Der Putz fällt von den Wänden und von der Decke: es ist geradezu lebensgefährlich in diesem Raum. Die zweite Klasse ist seit drei Jahren in einer Küche (Zementfußboden) untergebracht. Das ist nun unsere zweiklassige Bolksschule im Jahre 1S2Sl Verhandlungen wegen eines Neubaues schweben seit Jahren. Seit etwa einem Jahre ruhen sie allerdings. Solche Schuloerhällnisfe lasien die Arbeit der Lehrer zu einer zermürbenden und schier hoffnungslosen werden. Es paßt durchaus in den Rahmen, daß die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung vor einigen Tagen auch die A n s ch a f f u n g einer Reichsflagge erneut ablehnte. Vielleicht findet das Kultusministerium Zeit, sich einmal um die Dinge zu bekümmern, wenn die Provinzialschulbehörden nicht die Kraft haben, Abhilfe zu schaffen. Oer erschlagene Referendar. War der Notfronimann wirklich der Tater? In der Verhandlung gegen den ZCIjahrigen Roksronk- mann Herbert Meyer, der den Referendar Günther S ch a f f e r. der Mitglied des Zungdeut fchen Ordens war. in Karlshorfl anläßlich eines Demonstrationszuges g e- tötet haben soll, wurde heute die vewetsausnahme sortgeselzt.• Es wurde eine ganze Reihe von Tatzeugen vernommen, die den U e b e r f a l l der Passanten und RotsronAeute auf Schafser und seinen Freund Wünsch beobachtet hatten. Der Angeklagte wurde jetzt von keinem Zeugen wiedererkannt. Dagegen beschrieben alle einen untersetzten Mann mittleren Alters in einer Windjacke, der unrasiert und niit wildflatterndem Haar durch seine drohenden Gesten allgemein ausfiel und das Haue, an dessen Ein- gang die Tat geschehen sei» muß. als Letzter verlassen hat. Während gestern einige Zeugen diesen Täter mit dem Angeklagten identi- frieren wollten, wurde heute allgemein erklärt, daß er mit dem An- geklagten nlchtdie geringste Aehnlichkeit aufweise. Ein Zeuge wollte in diesem Täter den Zeugen Lehmann, einen Nationalsozialisten, mi: Bestimmtheit wiedererkennen. Lehmann wurde gestern kurz über«inen unwesentlichen Punkt als Zeuge vernommen. Der Angeklagte Meyer hatte einmal die Vermutung ausgesprochen, daß Lehmannn, mit dem er verfeindet war, den anonymen Brief unter Nachahmung seiner Schrift geschrieben haben könnte. Heut« Nachmittag werden Sachverständige ihr Gutachten über diesen Briet und den wahrscheinlichen Verfasser abgeben. Wieder ein Todesurteil in Moekau. Manski,„aktives Mitglied einer russischen monarchistischen Organisalion", deren Zentrale sich in Lettland befindet und die jahrelang terroristische Akte in der Sowjetunion vorbereitet haben' soll, ist vom Obersten Gerichtshof wegen Militärspionage und terroristischer Tätigkeit zum Tode ver- urtellt worden. Manski soll in enger Verbindung mit jener Terroristengruppe gestanden haben, die im Jahre 1327 das Bomben» attentat Im Geschästsklub in Leningrad organisierten. Die Festkonzerte der Woche. Noch einmal: Arbeiterchorkonzert. Das große Festkonzert des DAS., von dem hier berichtet wurde, ist gestern in der Philharmonie wiederholt worden: dasselbe Programm, das gleiche Gelingen, der gleiche Erfolg. Das Programm dieser Berliner Festkonzert«, darauf ist hier jüngst hingewiesen worden, ist wesentlich unter dem Gesichtspunkt der Berliner Repräsentation entworfen: es gilt, vom Musikleben der Reichshauptstadt in bedeutsamste» Beispielen ein möglichst um- fassendes und niöglichst vorteilhaftes Gesamtbild zu geben. Daß in diesem Bild der Anteil der Arbeiterschaft, der Arbeiterchörc,. nicht fehlen darf, scheint uns freilich nur selbstverständlich zu sein. Aber daß diese schöne Selbstverständlichkeit auch von der Festspielleitung anerkannt wird, das dürfen wir als bedeutsames Symptom mit hoher Befriedigung vermerken: als einen Akt der Bestätigung, daß die langsame, planvolle, zielbewußte Gemeinschaftsarbeit von Jahren gewiß nicht vergeblich gewesen ist. Gerode zur rechten Zeit ist in diesen Tagei�, auch von weiten Kreisen seit langem mit Ungeduld erwartet, die neue Männer- chorsammlung des DAS. herausgekommen, die sich seinen bis- herigen Veröffentlichungen würdig anreiht. In zehn Abteilungen — Arbeit und Kampf, Hoffnung und Sieg, Trauer und Trost, Fest und Feier, Aelter« deutsch« Volkslieder, Neuere deutsche Dolkelieder, Ausländische Bolkslieder, Aeltere Meister, Neuere Meister, Scherz, Kanon, Fuge und Unfug—, in der sorgfältigsten Auswahl, zweck- mäßigsten Zusammenstellung von 230.Vcappells-Chorstücken wird diese mit der hohen Gewissenhaftigkeit und Sachkenntnis ihres Herausgebers, Dr. Alfred Guttmann, betreute Sammlung der deutschen Arbeitersängerbewegung nsuen Auftrieb geben, und das proletarische Musikleben, dem sie neue Kraftquellen erschließt, Ist um ein Dokument von bleibendem Wert bereichert. Strowinsky-Abend in der Republikoper. Der Fall Strawinsky hört nicht auf, die musizierende, musik- interessierte Menschheit zu beschäftigen und zu fesseln. Es gibt in unserer mit Problemen und Problemlöiungcn verschwenderisch gesegneten Gegenwart heut« keine Richtung, keine Entdeckung oder Errungenschast, die nicht irgendwie auf den Russen Igor Strawinsky zurückzuführen wären. Die Fruchtbarkeit dieses immer regen, über- wachen Kunstverstandes ist unerschöpflich. Das moderne Orchester, um nur davon zu reden, dieses fast streicherlose Orchester mtt der harten, grellen Bläserfarbe, hat Strawinsky geschaffen: in der ..Russischen Bauernhochzeit"', deren Jnstruincntalopparat nur aus vier Klavieren und Schlagzeug besteht, treibt er«s auf die unwahr- schelnlichste Spitze. Aber während in aller Welt Jüngere und Aeltere van der Errungenschast dieses Strawinsky-Orchesters, jeder aus seine Art, Besitz ergreifen, schreibt er, 1327, seine Lallettniusik „/l pol Ion mussgetc" nur für Streichorchester: aber es ist nicht nrehr der„schöne" Streicherklang der Romantiker: von dem Hot er sich, wie durch ein« Radikalkur, in jahrelang geübter Eni- Haltung freigemacht. Wir haben Strawinskys„.�polion mussxete", der im Gefühls- mäßigen die persönliche, das heißt die gewollt unpersönliche Note seiner letzten Arbeiten unverkennbar aufweist, schon vor ein paar Monaten von Klemperer gehört. Stärker als diese erst« ist in der Wirkung die zweite Nunimer des Abends, das Klavierkonzert, dessen solistischen Part der Komponist am Flügel init wohrhast phänome- naler Beherrschung seiner Schwierigkeiten gibt. Aber der Eindruck steigert sich ins Unerhört«, Unbeschreibliche im zweiten Teil des Programms, der als Neuheit für Berlin die„R u s s l s ch e Bauernhochzeit" bringt, ein« Art volkstümlicher Kantate. Farbe, Rhytmik, Dynamik und, nichts für ungut. Erfindung— das Werk schlägt ein mit der elementaren Kraft eines Naturereignisses. Strawinsky erwärmt nicht, werfen ihm seine Gegner vor. Aber er zündet: und das Haus rast vor Begeisterung. Es wird darüber noch mehr zu sagen sein, am Ende der Strawinsky-Woche, zu der dieser Abend in der Republik-Lper den großartigen Auftakt bildet. Bruno Watter als Gast. Für einen Konzertabend in der Philharmonie ist Bruno Wolter gewonnen. Programm: Gustav Mahlers„Lied von der Erde". Es durste— in dieser Gestaltung— im Rahmen der Festspiele nicht fehlen. Das symphonische Vermächtnis Mahlers zu pflegen, ist eine Aufgabe der Zeit: an der Erfüllung dieser Ausgaben hat unter deutschen Musikstädten Berlin den stärksten Anteil. Und kein deutscher Musiker ist durch inneres und äußeres Erleben dazu berufen wie Walter, lind vielleicht in keinein anderen Werk spricht er, aus innerster Berbundenheit, sein Bekenntnis zu Mahler so tief und überzeugend aus. Diese Aufführung— mit dem Philharmonischen Orchester, mit Sigrid Onegin und Urlus—, beinahe schon„klassisch" geworden, ist für unser Musikleben repräsentativ in jedem und im höchsten Sinn. Ein unzerstörbarer Besitz sozusagen, aber nur aus den Bedingungen der Stunde läßt «r, immer wieder, sich erneuern. KUus Pringsheirn. �Oie reichste Krau der Welt." Ufa, Kammerlichtspiele. Einmal, und zwar in„Regine", kam Lee Parry zu einer Leistung von Bedeutung, sonst ober hat diese Darstellerin in schau- spielerischer Hinsicht noch nie befriedigt. Daher versprach man sich auch diesmal, obwohl der Film in zwei Weltteilen spielt, nicht allzu viel. Einen solchen Reinsall jedoch hatte man trotz der vorgerückten Spielzeit nicht erwartet. Laut Manuskript wird Lee Parry. um ihre Familie zu retten, die Gattin eines unermeßlich reichen Bankiers. Er erfüllt ihr jeden Wunsch, er liebt sie ausrichtig, aber Madam« ist nicht zu- frieden. Als sie allein nach Aegypten reist, sammelt sie dort eine Musterkollektion übelster männlicher Nichtstuer um sich, bis der frühere Jugendfreund auf der Bildfläch« auftaucht, mit dem sie zu- sammen lebt. Da erscheint der Gatte, und Madame verzichtet auf Mann und Geliebten und fährt, in dichte Trauerjchleier gehüllt, zu ihrer Mutter. Lee Parry spiest diese Rolle unter unaufhörlichem Weinen. Da» Premierenpublikum weinte zum Schluß auch, denn da» an- dauernde Lachen hatte ihm die Tränen aus den Augen getrieben. M a x u d i a n und Jean M u r a t fühlten sich in diesen erkünstelten Llebeskrisen nicht recht wohl und machten Gesichter, daß die un< schuldigen Zuschauer befürchteten, verschlungen zu werden. M. N a»- d a l und Ch. D e l a c haben neben allen den schon so oft beobachteten Fehlern der französischen Spielfilmregisseure(schlechte Beleuchtung, schlecht gestellte Möbel, kein filmgeeignetes Spiel der Darsteller) überhaupt kein Gefühl für die Stimmung einer Landschaft und einer bedeutenden Architektur. Wie könnten sie sonst in Aegypten, an Stätten alter, hoher Kultur, Lee Parry, als Madonna mit dem Geldsack, die neuesten Kleidcrmodelle spazieren trogen lassen, e. d. Die Tegernseer im Tn'anontheaier. »Moral unterm Himmelbett.". Drei Männlein sitzen unten in der Gaststube, die Augen in die Zimmerdecke gebohrt, und warten. Worauf warten sie mit zäher Geduld? An der Decke hängen Glöckchen, die lieblich zu tönen beginnen, wenn sich die Schwägerin des Wirts in ihrem Himmelbett über der Gaststube bewegt, und heute soll außerdem der Bräutigam, der reiche und saublöde Tammerl dort sein« Tätigkeit aufnehmen. damit die Bande fester halten, denn die hübsche Cmmerenz hat schon seit einem Monat ein folgenschweres Intermezzo mit dem Groß. knccht hinter sich. Und dann tönen die Glöckchen in trauter Harmonie und in immer wilderem Rhythmus, aber im Bett liegt der andere, der Herzensbuo, der durchaus Großbauer werden will. Das alles wird mit einer so harmlosen Naivität»nd Frische ge- bracht, daß kein Moralenthusiast daran Anstoß nehmen kann. Die Berfasser Richard M a n z und Afra Schulz nennen ihre„Moral unterm Himmelbett" eine Satire, und das ist sie auch, trotzdem die Stiche nicht tödlich verwunden, sondern eher sanft kitzeln. Jedenfalls sieht man, daß die Landbewohner alles andere eher als von innerer sittlicher Festigung sind, und je mehr Geld ausgehäuft wird, desto mehr torkelt die innere Festigung. Hinzu kommt, daß die Tegernseer prachtvoll echt spielen. Man gloultt, daß die vierte Wand einer bäuerlichen Wirtschaft zu- fällig abhanden gekommen ist, und daß man so zum unsichtbaren Zeugen intimer Familienvorgänge wird. Diese ungeschminkte Wahr. heit läßt sogar vergessen, daß Typen wie der Mehner, bei dem der Düsterer aus dem G'wisssnswurm" Pate gestanden hat, im Laufe der Zeit ihre Farbe verloren haben. P. S. „Die Liebe der Brüder Roti." Marmor haus. Olga Tschechows hat leider die großen Erwartungen, die sie anfange erweckte, nicht erfüllt. Sie ist immer sympathisch, sie ist immer im Aeußern gewinnend, aber tiefere Anteilnahnie erweckt sie kaum. Auch in diesem brav geinachten und gut photographicrten Durchschnittsfilm nicht. Gartenlaubenhcrrlichkeit wird hier erneuert. Die junge Teresa liebt den einen Bruder, muß aber den anderen heiraten, weil der Seemann verschollen ist und der Schwiegervater einen gefälschten Totenschein ausspielt. Der erpresserisch« Winkel- advotat wird von ihm erschossen, und er selbst stürzt tödlich ab. Gerichtsoerhandlung: Teresa wird von dem auf ihr lastenden Mordverdacht freigesprochen, der zurückgekehrte Enoch Arden ver- zichtet und die treue Ausdauer des Mannes wird belohnt. Der sehr dramatische Berlauf wird erfreulicherweise durch schöne Alpenlandschaften und interessante Bilder aus dem Leben der Arbeit (Holzsällerei usw.) unterbrochen. Erich Waschneck weiß filmisch dem Stoff mancherlei abzugewinnen und gute Darsteller aus- zuwerten. Paul H e n ck e l s gibt einen prachtvollen Baueriyp: den schlauen Vater, der aber doch«in Opfer des ganz gerissenen, von A. B o n d i r e f s famos charakterisierten Baucrnadvokaten wird. Den Seemann verkörpert Ekkehard Arendt sehr lebendig, während I. Thomas den gelasseneren Bruder zwar nicht im Ausdruck, wohl aber in der Erscheinung verfehlt. r. 10S Lände Weltkrieg. Di« Historische'Abteilung der Carnegie. Stiftung bereitet ein« Gesamtgeschichte de» Wellkrieges vor, in der jedes Land einzeln Berücksichtigung findet. Der Direktor der Stif» tung, Dr. James T. Shotwell. erklärte nun, daß über zwei Drittel, genau 108 Bände, vollendet seien. Abgeschlossen ist die Geschichte Belgiens, die 7 Bände umfaßt, die Hollands mit 9. Schwedens mit 8 und die Norwegens, Dänemarks und der Türkei mit je 1 Band. Erich Engel wurde von den Direktionen Max Reinhardt und DiNor Varnowsky für die nächste ,Spielze!l al« Regisseur verpflichte!. Ein Reslroy-Venkmal In Wien. Sonntag wurde unter zahlreicher Be- telligung der Schauspieler und Schrlslsteller Wien» das Denkmal für den Wiener Dichter Johann Nestroh enthüllt. Oer Kampf gegen die Malaria. Di« Malaria war wahrscheinlich«ine Hauptursach« für den Untergang des altrömischen Weltteiches, aber auch noch heut« wer- den weite Gebiet« unserer Erde von ihr verwüstet oder unbewohn- bar gemacht. Nach dem neuesten Bericht des Londoner Roß-Jnfti- tutes für Tropenkrantheiten habe» die beiden Gelehrten Malcolm Watfon und Lockwood Stevens das Auftreten der Malaria in Indien und Ceylon erforscht und dabei neu« furchtbore Tatsachen fest- gestellt.„In Europa hat man keinen genügenden Begriss von der Wichtigkeit des Kampfes gegen die Malaria," heißt es hier.„In Ceylon find% dieser schönen Insel tatsächlich unbewohnt und un- bewohnbar wegen dieser Seuche. In Bengalen sind dicht bevölkerte Städte zu öden Dörfern zusammengeschrumpft. Große Häuser wer- den nur noch von wilden Schweinen und Leoparden bewohnt, da all« früheren Insassen der Kranthett erlegen sind. In der einen Stadt Birnagar ist die Bevölkerung in wenigen Jahren durch die Malaria von 80 000 auf 2300 vermindert worden. Noch 13 Jahre, nachdem die Quelle dieser Gefahr in den Moskitos erkannt und ein Mittel zur Ausrottung gegeben wurde, leiden in Indien Zahl- lose an dieser Krankheit." Die Eindämmung der Krankheit bringt große wirtschaftlich« Borteile mit sich: so wird auf der maleiischen Halbinsel der Kautschuk um 25 Prozent billiger in den von Malaria befreiten Gegenden gewonnen al» in den arideren. Mit der Be- kämpfung der Malaria nehmen auch die anderen Krankheiten ab. Eine Expedition zum Studium de» Gorilla. Um die Rätsel des sozialen Lebens der Gorillas zu lösen, hat sich der amerikanisch« Zoologe Harold C. Lingham nach dem Oberlauf de» Kongo be- geben und dort für längere Zeit sein Zelt ausgeschlagen, um im Auftrage der Nal«-Unwersität und des Carnegie-Jnstitut» diesen menschenähnlichsten, so überaus scheuen Affen aus möglichster Nähe zu beobachten. Infolge der Berheerungen, die dl« Jäger angerichtet haben, gibt es heute größere Gorillaherden nur noch an zwei Stellen Afrikas. Im belgischen Kongo ist ein G o r i l l a» S ch u tz g e b I e t von 400 Quadratkilometer Ausdehnung geschaffen worden, und hier macht Bingham gemeinsam mit seiner Frau seine Studien: er ist sonst nur �on einigen eingeborenen Trägern begleitet, die Im Lager zurückbleiben sollen, während er ssch den Gruppen der Berggorillo- nähern will, um ihr Leben bei Tag und bei Nacht zu verfolge»� und genaue Einzelheiten über das Gemeinschostsl�ien dieser Tic kennen zu lernen. Volkspark Ziehberge. Die Vollendung des schönen Werkes. In Berlin-Nord, km äußeren Teil des Derwaltungs- beziris Wedding, ist nahe der Iungfernheide eine der größten deutschen Volksparkonlagen noch mehr- jähriger Arbeit jetzt fertig geworden. Der Volkspark Reh- berge, der aus wüsten Sanddüner» geschaffen wurde, soll am 22. Juni mit einer feierlichen Veranstaltung von Spiel und Sport eingeweiht werden. Wer vic Rehbergo früher gesehen und nicht die Entstehung de? Dolksparkes in seinen einzelnen Abschnitten verfolgt hat, wird«ine starke und freudige Ueberrofchung erleben, wenn er vor das fertige Werk hintritb Volkspark Rehbcrge ist eine Anlage geworden, auf die Berlin st o l z s e i n kann. In ein grünes Paradies Hot der Gartenkünstler die Sonddünen verwandelt. Das Bezirksamt hatte schon im Jahre lf>22, im ersten Jahr noch der Ausammen- sassung der einheitlichen Großgemeinde Berlin, einen Entwurf für einen auf dem Rehbergegelände anzulegenden Volkspork aufgestellt. Eine Stätte nicht nur zur Pfleg« von Spiel und Sport, sondern auch zur Erholung der werktätigen Bepöl- k e r u n g sollte hier geschaffen werden.$\t Rot. die in den Jahren schlimmster Geldentwertung über un? kam Und auch die Arbeit der Gemeindeverwaltung lähmt«, verhinderte die sofortige Ausführung des schönen Planes. Erst im Februar 1928 konnte mif dem ersten Abschnitt begonnen werden. Dann aber wurde unter Heranziehung von Erwerbslosen, die dabei den langersehnten-Verdienst ianden, die Arbeit flott gefördert. Geräumige Sportplätze, weit« Wiesen- gelände, mit Bäumen und Büschen bestandene lzügel bieten sich jetzt dem Auge des erstaunten Besuchers. Im ganzen wurden mit diesem Volkspark rund 100 che k t a r neue Grünflächen geschaffen. Sie enthalten unter anderem lOtKlOl) Quadratmeter Schulübungsplätze. 40 000 Quadratmeter Sportanlagen, 70 000 Quadratmeier Lagsrwiesen. Für die Kleinsten ist durch Kinderspielplätze gesorgt. Dem Wintervergnügen dienen die auf Hügeln eingerichteten Rodel. Hahnen. Ein paar Planschbecken werden noch gebaut. Auch eine M» st« r da u c r k o l o n i e mit 440 Kleingärten und Wohnlauben gehört zu dem Volksparkgelände. An den Bolkspark schließt sich der Wassers partplatz Plötzenjee an, der schon früher fertig wurde. In der Gesundheitspolitik der Stadt Berlin lx- deutet die Vollendung des durch die Bemühungen des Bezirksamtes Wedding zustande gekommenen Dolksparks Rehbcrge ein Ereignis, dem die schaffende« Bevölkerung dieses Außenbezirkes mit freudiger Erwartung entgegengesehen hat. Reich an Parkanlagen, an Spiel- Plätzen una Sportstätten ist der Wedding bisher wirtlich nicht ge- wesen. Aber gerade hier sind solche der Volksgesundheit dienenden Anlagen besonders nötig, weil die 3ö0 000 Einwohner des Bezirkes. darunter 38 000 Schulkinder größtenteils in engen und schlechten Wohnungen zusammengedrängt leben. Der Voltspark Reh- berge am Rand des.Häusermeeres soll, sagt dos Bezirksamt Wedding in der zur Einweihungsseier herausgegebenen kleinen Festschrift, ein Wahrzeichen des neuen Berlin sein. Er ist der Bevölkerung gewidmet zur Erholung noch des Tages Last und Mühe, der Jugend zur Kräftigung und Freude. Oer Tod im Waffer. In den letzten Tagen sechs Personen ertrunken. Das schöne Weiler der letzten Tage brachte den Freibädern in der Umgebung Berlin» einen Massenzusirom. Sech» Menschen sind beim Boden ums Leben gekommen. In Wonnsee war die Zahl der Badegäste geradezu be- ängstigend, und auch die Freibäder an der Spree und in Tegel waren außerordentlich stark besucht: sogar das Freibad Rongsdorf hatte eine Besucherzahl von 15 000 Personen aufzuweisen. An den sogenannten wilden Badestellen herrschte wieder.Hochbetrieb, und auf ihr Konto kommt die Mehrzahl der tödlichen Ladeunsäll«. Im Müggelsee, etwa 300 Meter westlich des Freibades, geriet der 17jährige Arbeiter Siegfried Armbrust er aus der Eldinier Straße 55 plötzlich an eine tiefe Stelle und versank. Rettungsversuche waren ohne Erfolg, An derselben Bade- stelle, dem sogenannten„Wilden Freibad�, ereignete sich kurz» Zeit darauf abermals ein Unfall. Die Itzjährigc Erika Beyer aus dep Zorndorser Straße 38 ging vor den Augen zahlreicher Mit- badender unter und crtrynk.— In her P l a n f ch e ck« in Eö pen ick. unweit Schmetterlingshorst, ertrank Im Langen See der Njohrige Schlosser Willi Vogt aus der Bornholmer Straße 88. Im Seddiner See an der Ssddinpromenade ertrank der 23p»hrig« Werkschlosser Friedrich L o b e t e r aus der Görliyer Straße 60. Die Leiche wurde geborgen und nach der Hall« in Friedenau gebracht. Beim Baden im Plötzensee ektrank der 22iährigc Arbeiter Ernst S t a h l b u s ch aus der Zwinglistrahe 28. — Ein seltsamer Unfall ereignete sich am Sonntag im Stößen- s c e. Dort schwamm der lOjöhrige Schüler Franz Hausknecht aus der Boyenstraße 25 ein Stück hinaus und geriet dabei zu dicht an ein vorübersahrendes Motorboot. Der Jung« wurde vom Schrauben st rubel ersaßt und von der Schraube schwer verletzt. Es gelang, den verunglückten Schüler zu bergen: er mußte in dcks Augusta-Hospital gebracht werden. Der Arbeiter. Samariterbund bat gestern im Bereich des Tegeler Sees in 83 Fällen Hilfe geleistet. Drei Transporte wurden. vorgenommen, und in einem Falle tonnte ein Ertrunkener durch längere Wiederbelebungsversuche gerettet werden. « An der M o l k e n b r ü ck e. in Neukölln stürzte der achtjährig? Werner S« l d i ch aus der Thomasstroße.38 beim Spielen die Böschung hinab und fiel in den T e l t o w k a n a l. Ein P o f j o n t. der den Vorfall beobachtet hatte, sprang sofort nach und holt« das verunglückte Kind ans Uicr. Die inzwischen alarmierte Feuer- wehr nahm Wiederbelebungsoersuche vor, die jedoch ohne Erfolg blieben. Kartell für Arbeiterspart und Körperpflege Berlin fi. Tl. Nächste Kartellven'ammlung am 10. Juni 1929 bei Müller, Weißensec, Lindenallee 4. Anfang 20 Uhr. Die Hihekaiasirophe in Amerika. Noch mehr Opfer. Dt« beisplellose Hitze in den nordotlantischeu Staaten Amerikas hält an. Die Zahl der von Hitzschlag gelrossenen Menschen in den großen Slödle« ist weiter angewachsen. Ein Wechsel der Witterung ist vorläufig nicht zu erwarten. Der Frauenmord von Tchildhorn noch ungeklärt. Der Frayenmord bei Schildhorn ist noch immer u n geklärt. Trotz zahlreicher Zeugenaussagen und Bekundungen schwebt über die Persönlichkeit der ermordeten Frau noch völliges Dunkel. Unter den zahlreichen Spuren, die in den letzten Tagen von der Mordkommission nachgeprüft wurden, schien auch eine auf«in« 16 j ä h r i g e Ell! P. zu führen, die seit Ansang Mai von den Eltern vermißt wird. Sic ist geistig etwas zurückgeblieben und war schon einmal in einer Anstalt. Das junge Mädchen sollte am 4. Mai eine klein« Besorgung in der Nachbarschaft machen, und von diesem Ausgang ist sie nicht mehr zurückgekehrt. An verschiedenen körperlichen Merk- malen konnte gestern einwandfrei festgestellt werden, daß die Vermißte mft der Toten von Schildhorn nicht identisch ist. Dienstag, 18. Juni. Berlin. 16.00 Dr. Alfred Kuhn: Deutsche Kunstausstellungen im Auslände. 16.30 Fremdsprachliche Vorträge. C. M. Alfieri: Italienisch. 17.00 Ein Tag der Freiheit. Novelle von Gerhart Pohl(gelesen vom Antor). 17.25 Unterhaltungsmusik der Kapelle Emil Roösz. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamis Berlin-Mitte. 18.40 Stunde mit Büchern. Eltern und Kinder. 19.10 Mathias Schumat-her, Vorsitzender des Gewerkvereins der Bolzarbciter Deutschlands: Die Entwicklung des Tarifvertraggedankens in Deutschland. 19.35 Dr. Hans Reiohenbach: Einführung in die Naturphilosophie der Gegenwart. 20.00 Aus dem Konzerthaus.$tettln: Konzert. 21.00 Zcituugsglossen. Vortrag und Leseproben: Dr. Kurt Pinthus. 21.30 Klavier Vorträge. 1. Fr. Schubert; Großes Rondo, op. 107. 2. W. A. Moziftt: Soncte für zwei Klaviere K. V. 448.(Lotte Birnbaum und James Simon, auf zwei Flügeln.) Anschließend; Presse- Umschau des Drahtlosen Dienstes. Nach den Abcndmeldungen Bildfunk. Königs Wusterhausen. 16.00 Rektor Schütte*. Scbülerwandem im Geiste der ArbeiKscbule. 16.30 Dr. Heinrich Hofer: Die neapolitanische Oper bis zum Jahre 1730. 17.00 Nachmittagskonzert von"»Leipzig.* 18.06 Prof. Dr. Hans Mersmann: Volksliedanalyscn. 78 V Französisch für FortgescbHttene. 18.53 Paul Westhtim: Meister der Plastik. 19.20 Dr. Schwering; Staatliche Kunstpflegc. Verantwortlich fUr die Redaktion: Franz ftlithi, Scriht; Anzeigen: tt. Stocke, Berlin. Lcrlaa: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärt« Buchdruckerei und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 523 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. umtuen Reiserolle in guter und praktischer Aus- tffe führung........... 1.75 und Schwammbeul el A AC 0.05 und W Eau de Cologne (aromatisch und eniLSchend) große Flasche Laven delseile(mild und fetthait:g) \ Stück ca. 150 Gr. S.Cck 0.55.. 8 Stück Kopfmassagebürsten At Stück 0.85 und JleisesAeükel Jcoüiecsloffe für Bademäntel, Capes und Laken, aparte Muster, groB« Auswahl, O 140 cm breit Meter 4.80 3.00 150—170 cm breit . 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M cm........,, ä«— Badeanzug»chwarz___ Badegurtel fa,b!gez 0.45 Trikot mit Volants und weiß Gurnm, Mit Schnalle.... 6� �. Krtuaeistoff. � »» J* Jaquard, m. efnfarb. Garnierung M chM a Bademantel gepaspelt, Größe 40 Herrentrikot»chwarz Katnmgarr.Wo lc,Ungc ca-SCcm Herrentrikot sportiorm,__ Ä weiß fnkot, schwarze Hose extra /I � Hu Länge ca 80 cm..... Badehose schwarz Trikot A Größe 4......... VaOW Badeschuhe schwarz Leinen mit uummisohle.. Badeschuhe Gummi mit Spang«•••»»». Kräusels'oif, farbig gestreift � 4 mit gerüschtem Kragen..»>»»*0 Badetuch Kriuseistoa, C 7 � farbig Jaquard, QröBe 100X1« WS• Badetuch Rriuscistoft, SS kSA Kariert, Graß« 140X180... W«** W Badelaken farbig, Jacquard, 140X200 J 75 S�Hdarfig's�ftof1� 3.95 OiUfiS HtviHMHfcytt' JvtfH' Mch- Crepe de Chine- Strandtasche„u 117? 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Man kennt auch hier die große Schärfe des Partei- gegenfatzes in Deutschästerreich-, die Teilnahm« der Oppositiönsver. treter zeigt den Wandel der Dinge. Als die Christlichsozialen noch Wien beherrschten, bis zum Umsturz, bestand in Wien ein Ge- meinderr-cchlrecht, dos die Opposition bedeutungslos mochte, obgleich die Parlomentswahl langst ihre Stärke offenbart hotte. Die Christ-. lichsozialen regierten kontrollos.„Sozialdemokraten und Deutsch- nationale stell« ich nicht an!" hatte der christlichsoziale Bürgermeister Dr. Karl L u e g e r verkündet, und danach wurde gehandelt. Einer der ersten sozialdemokratischen Volksschullehrer, die wegen ihrer Ge- sinnung strafweise entlassen wurden, war— Karl S e i tz. Ein zweiter gemaßregelter Lehrer, Otto Glöckel, ist heute Präsident. des Wiener Stadtschulrates und gilt in der pädagogischen Welt als einer der ersolgreichften Reformer, der das Wiener Schulwesen zum «isrig besuchten und vielgelobten Studienobjekt gemacht hat. Die Sozialdemokraten haben unter gerechtem Wahlrecht fast die Zwei- drittelmehrheit ini Gemeinderot, aber sie lassen die christlich- soziale Opposition an allen Körperschaften und an allen Arbeiten der Gemeindeverwaltung teilnehmen, denn sie hoben nicht? zu oerbergen. Berlin begrüßt die gesamte Wiener Abordnung ohne Unter- schied der Parteirichtung mit der gleichen Herzlichkeit. Zw Bewußt- sein de? deutschen Volke? diesseits und jenseits von Pasiau find die beiden deutsche» Republiken längst eine. Ein gewaltiger Strom reichsdeutscher Besucher flutet alljährlich nach Deutschösterreich. Durch die Presse, durch Vorträge, durch den Rundfunk, auch aus den Berichten über die fortschreitende Angleichung des Rechts und der Verwaltung weiß man heute in Deutschland viel mehr von Wien als noch vor zehn Jahren. Alle die bürgerlichen und proleta- rischen Organisationen, die an Kongressen und Festen in Wien teil- genommen haben, wissen die Herzlichkeit ihrer Aufnahm« nicht genug zu rühmen. In den Zeiten der Inflation haben österreichische.Kinder in Deutschland, nachher reichsdeutsche Kinder in Oesterreich innige S4adlra< AtUon Weber Gastfreundschaft gefunden. Die Gemeinsamkeit ist Dolksbewußtsein geworden. Nicht als Fremde, nicht als Ausländer, als Freunde begrüßt die Bevölkerung Berlins die Wiener Gäste. Wir aber, wir Berliner Sozialdemokraten, heißen die führenden Wiener Genossen erst recht willkommen. Karl S e i tz ist der Vor- sitzende der Sozialdemokratie Deutschösterreichs. Von seinen Reise- gesährten ist der Wohnungsstadtrot Anton Weber der frühere Zentralporteisekretär Wiens: Dr. R o b e'r t Danne- b e r g, der Präsident des Wiener Landeages. Steuer- und Mieter- fchugreferent der Nationalrotsfraktion," stt seit über zwanzig Jahren einer der Houptmitorbeiter an der vorbildlichen Organisationsarbeit unserer Bruderpartei: Stadtrot Karl Richter, dem wichtige Zweige der Stadtverwaltung unterstehen, ist einer der Hauptorgani- sotoren des Arbciterbezirks Ottakring, und jo hoben alle sozial- 3Hlrgermefglf-r 3tarl Seil* demokratischen Mitglieder der Abordnung ihre großen Derdienste um die Partei. Die Wien verwaltet wird. Ein Wort über die österreichische Gemein deverfassung mag hier angebracht sein. Der Bürgermeister und die Stadträte werden aus der Mitte des Gemeinderotes gewählt, müssen vorher selbst vom Volk in den Gemeinderat gewählt sein, und ihr Amt endet mit der Wahlperiode. Sie gehören auch als Bürgermeister oder Stadtrat dem Gemeinderat an, sind also gewissermaßen parlo- mentarische Minister. Der aus Beamten bestehende Magistrat ist der Dcrwaltungsapparat, der dem Bürgermeister und den Städträten untersteht. Wer nicht im Gemeinderat ist, kann nicht Stadtrat od« Bürgermeister werden. Diese Gemeindcvcrsassung ist nicht etwa erst in der Republik geschassen worden, sie besteht in ganz Alt- österreich schon seit 30 Iahren. Mag sie nach der Meinimg reichsdeutscher Kommunalfächleute den Nachteil haben, daß mit jeder Gemcindewohl der Gemeinde kurs geändert. werden kann, so zeigt.. sie die Männer an der Spitze der Gemeinde doch in vi«l« n ge re r Verbindung mit der Wählerschaft als die norddeutsche Städteverfassung. Die Republik Hot Wien zum Bundes l a n d gemacht, den Ge- meinderat zum Landtag, den Bürgermeister zum Landes- Hauptmann. Er ist dadurch dem Bundespolizeipräfidenten über- geordnet. Di« lieben Gäste sind nun die Führer jener„Rathousmarxisten", gegen die eine wüste Hetze nicht etwa nur in der Wiener Oppo- sitionspresse, sondern auch in zahlreichen reichsdeutsche« und ausländischen Blättern getrieben wird. Von den positiven Leistungen der roten Gemeinde liest man da natürlich nichts, desto mehr Lügen über Terror, Mißbräuche und dergleichen mehr. Dabei kontrolliert ein eigenes unabhängiges Ueberwachungsamt in Wien die gesamte Verwaltung auf das strengste! Dos Werk der„Rathausmarxistcn" aber liegt klar vor jedes Besuchers Auge. 1918/19— fürchterlicher Zusammenbruch, ungeheure lieber- välkerung Wiens jchon während.des Krieges und nun erst recht, wo die Nachfolgestaaten die deutschen Beamten mit ihren Familien verjagen. Schwerste Krise, düsterste Zukunst für die Stadt, die Zentrale eines Wirtschaftsgebietes von 30 Millionen Menschen war und nun die Hauptstadt eine» Landes von 6,5 Millionen ist, dabei selbst 1,8 Millionen Menschen umsaßt! Die Wiener Industrie ob- geschnitten van chren Rohstoss- und Absatzgebieten, das Geld eNt- werlet! Mit hohen Zollmauern sperren sich die Nachbarstaaten ab. ungeheure Arbeitslosigkeit söllt dem bettelarmen Lande zur Last. Das Schlimmste ober die Gewißheit, daß dieser verkümmerte Staat, auf sich allein gestellt, überhaupt nicht leben kann. Das Werk der Wiener Sozialdemokratie. Da sprangen die Sozialdemokraten in die Bresche. Gestützt aus die einig« Masse der Arbeiter und Ange- stellten, denen die Parteispallung erspart geblieben ist, und ntit einer gewissen Kühnheit, die im österreichischen Volkscharakter cm Ausgleich für die geringere Entwicklung der unablässigen und an- haltenden Zähigkeit ist, nehmen sie dos große Werk in Angriff. Die äußerst niedrigen Wohnungsmieten, durch die Inflation tief herab« gedrückt, ermöglichen die Erhebung einer progressiven Wohnbou». st euer, ohne darum die Mieten für das verarmte Volk unerschwinglich zu machen. Aus der Wohnbausteuer baut die Gemeinde Bolkswohnstätten mit Zentralwaschküchen, Kindergärten, Vortrags sälen. Sie schafft den Erdarbeitern, Maurern, Zimmerern, Malern, Töpfern, Schlossern, Installateuren, Dachdeckern, Glasern Arbeit. Sie gibt der Industrie und dem Gewerbe Beschäftigung, sie hält die Arbeitslosigkeit dauernd unter der Höhe, die sie außerhalb Wiens annimmt. Die vorher schwer vernachlässigte Fürsorge für die Volks- gesundheit und für die Kinder wird gewaltig ausgebaut. Di« Kinderübernahme st elle der Stadt Wien für Kinder, die in Gemeindepslege übernommen werden müssen, hat die Bewunde- rung der Aerzte und Fürsorger aller Länder gesunden. Neue Parks, Planschbecken und Kindersreibäder, riesige Sportplätze erstehen. Die seit 1916 wegen Kohlenmangels stillgelegte Stadtbahn wird von der Gemeinde übernommen und elektrisch betrieben. Jede in Wien heimatberechtigte Frau, die ein Kind zur Welt bringt, erhält eine Säuglingsausstattung.— Genossinnen bringen das Paket„mit einem schönen Gruß vom Herrn Bürgermeister". Die Gemeinde fördert die Exportindustrie durch die städtische Ausfallgarantie für Rußlandlieserungen. 30 000 Wohnungen hat das rote Wien gebaut, 6000 kommen jährlich dazu. Inzwischen ist Wien auch kreditwürdig geworden. Berlin und Wien können voneinander lernen und tun es auch seit Iahren durch gegenseitige Besuche von Referenten, Ausschüssen und Betriebsräten. Manche Einrichtung wird in einer Stadt von vier Millionen größer sein als in einer von IL Millionen, ober manche kann wohl in der kleinen Großstadt b c s s er sein als 3)r. Stöbert üanneberg in der anderen. Darüber werden Böß und Seitz schon einig werden. Was uns speziell angeht, so wissen wir im Namen der Million sozialdemokratischer Wähler Groß-Berlins zu sprechen, wenn wir die Wiener Genossen um die so viel größere Einigkeit der österreichischen Arbeiter, um chre berühmte O rg a n i s a t i o n und um all das beneiden, was die Sozialdemokratie schaffen kann, wenn die Arbeiterschast geschlossen hinter ihr steht. Das Beispiel des raten Wien sollte den arbeitenden Massen oller Länder zu denkest geben.. r. bn. Alt-Oesterreich. Die„Budweiser Zeitung" veröffentlicht Auszüge aus alten Regimentskomninitdobesehlen: 1. Am 14. April d. I. nachmittags 4 Uhr findet die Einweihung des ne�en Soldatcnsriedhofs statt. Di« Leiche hierzu stellt dos zweite Bataillon. 2. Derjenige, der auf dein Pionierübungsplotz diejenige Tafel, auf der gestanden hat:„Hier darf nichts ins Wasser geworfen werden!" ins Wasser geworfen hat, soll sich freiwillig inelden, weil er erkannt wurde. 3. Befördert wird der Einjahrig-Freiwillige MeÄMier aus Staatskosten Joses T o u s s i g zum Einjährig-FreiwilliD«» Medi- ziner aus Staatskosten Titulargesreiten. 4. Zum sonntäglichen Kirchengong versammelt sich tSe Mann- schaff vor der Kirche hinter der Kirche, noch der Kirch« vor der Kirche. 5. Oberleutnant Freiherr v. Saze«Hofen gestattet sich, dem Ossizieriorpe seine Vermählung ergebe nst anzuzeigen. 6- Morgen 9 Uhr vormittags findet der Austausch der Bettwäsche statt. 7. Der Offiziersdiener Jakob Lau.secker des Herrn Haupt- monns. Pommer wird sofort abgelöst, weil er die Köchin des Herrn Hauptmanns gekitzelt und auf die Frage „Wo?" wissentlich die Unwahrheit gesägt hat. 8 Bestrast. wird der Korporal Oestermoyer der dreizehnten .Kompagnie mit fünf Tagen Einzelorrest. weil er die Stimme seines Bataillonskommandanten nachahmte und wie ein Ochs brüllte. 9. Der Einjahrig-Freiwillige Titulorkorporal Moritz Hecht hat so lang« Kasernenarrest, bis er das rechtzeitige Nachhäusegehen gelernt hat. 10. Nachdem sich herausgestellt Hot, daß der Wallach„Pri- mus" eine Stute ist, Heiß4 er von morgen an„K a t i l i u a". 11. Bestrost wird der Infanterist Wenzel Asmcier der zweiten Kompagnie, weil er den Tod s-lner Tante als den seiner Mutler ausgab, denselben zwei Jahre zurückverlegt« und dadurch vier Tage Urlaub hercusfchund. 12. Destraft wird der Gefreite Georg Rotgerber derselben Kompagnie, weil er ausreizende Lieder jonq, wozu ich auch t«s Lied rechne:„So lange der Bauch in die West« paßt, wird keine Arbeil angefaßt" 13. Der Vortrog des Herrn Stabsarztes Dr. Eisenschimmel über das Thema:„Wie bleibe ich immer gesund?" muß wegen Erkrankung des Herrn Stabsarztes abgesagt werden. In einem Miljtärspital ging noch alles streng militärisch zu. Der Kanonier hatte strengen Befehl, im Bette liegen zu. bleiben. Aber da kam sein« Braut zu Besuch, und als sie fortging, ist Seidl aufgeswnden, hat sie hinausbegleitet und auf der Stiege von ihr Abschied genommen. Dos hat aber der Herr Stabsarzt gesehen. Am nächsten Tag ist schon im Besehlsbuch gestanden:„Bestraft wird der Kanonier Seidl mit einem strengen Verweis, weil er mit einem Frauenzimmer auf der Stiege stehend statt im Bette liegend angetroffen wurde." Solche Regimentsbefehle können jetzt in Budweis Nicht mehr vorkommen, denn seit zehn Iahren ist ja— die Militärjprache tschechisch! Ein Erzieher vom alten Schlage. Auf dos merkwürdige Tagebuch eines schwäbischen Lehrers, dos im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen.von 1820 veröffentlicht wurde, wird in Recloms Universum hingewiesen Dieser Pädagoge hatte olle die Arten und Ziffern der Schulstrofen, die er in einer fünfzigjährigen Lehrtätigkeit verabreicht hotte, sorgfältig auf- gezeichnet. Die Ausstellung gewährt«inen Einblick in früher« Formen der Erziehung, die Schauder erwecken. Do werden folgende Zahlen angeführt: Kopsnüsse 1113 800, Handschmisse. 176 716, Klapse und Knipse 20 989, Maulschellen 10 233, Ohrfeigen 790, Stockschlägc 1572, Rutenhiebe mit der Haselgert« 124 010, kräftige Mahnungen 22 763: unter diesen„kräftigen Mahnungen" oder „NötabencS", wie er sie nennt, sind Klopse mit Bibel, Gesangbuch oder Katechismus zu»erstehen, die damals noch ziemlich schwere Bücher waren. Di« Rute solange mit erhobenen Armen hochhalten zu lassen, bis Hände und Kniee zitterten, hiell er 1707 mal für an- gebrocht. In 777 Fällen mußten ungezogene Iungens auf Erbsön und in 636 Fällen auf der scharfen Kante eines Holzstückes knien. Die Strafe, aus dem Esel zu reiten und zum Gespött der Mitschüler zu dienen, wurde von ihm 3001mal verhängt. Alles in ollem hat der fleißige Pädagoge 1480 983 Strafen ausgeteilt, aber wie- viel Bildungsstoss er den Kindern auf diese Weise übermittest und welchen veredelnden Einfluß er auf ihren Charakter ausgeübt hat, darüber schweigt die Buchführung dieses Schustyronnen, der vor 100 Iahren wolsi noch nicht zu den Sestenheiten gehörte. Abteilung türSozialrech tanderKölnerUni versi tSt. Am Forschungsinstitut für Soziolwissenschoften in Köln ist die Abteilung für Sozialrecht(als dritte Abteilung) begründet worden Zu ihrem Direktor wurde Professor Dr. Th. Brauer, der zuletzt a« der Technischen Hochschule in Karlsruhe gewirkt hat, ernanm -opyright Verlag S. Fischer. Berlin ..Glaubst du. daß der Regen noch kommt?" „Es ist noch immer möglich. Aber es müßte heute nacht sein." „Und wenn nicht?" „Dann ist eben Schluß." Sie sahen sich lang« an. Staller und der lange Go. sie warteten aufeinander. Einer sollte das Wort sagen: Ich hoffe: oder etwas Schamloses, eine Gotteslästerung, etwas, was diese Frucht zerfetzte. Sie waren die letzten beiden von fünf Mann, und das nach drei Jahren und einem halben, und nun schienen sie auch an der Reihe zu sein. Sie unterbrachen das wortlose Kartenspiel, kraftlos ent- blätterten sich die Asse und therzen und Trumps« ihren Händen. To hatte alle Damen des aufgegebenen Spiels vor sich liegen. Schließlich sagte Staller:„Go. du siehst schlecht aus, du mußt Fieber messen." Er sagt« nicht messen: er sagte: pimern. Sie gebrauchten vermantschte Negerwort« in ihren Gesprächen über Pflanzung, Gott, Welt, Weiber. Verwildert« Dialoge, die kein anderer mehr verstanden hätte außer ihnen,»nd es gab auch keinen anderen.. Sie trugen auch Negerkleidung, zerfetzte Hemden und Shorts, ihre Beine waren nackt, behaart, verschärft. Ihre Nahrung seit Monaten Negerfraß, Mahogowurzeln, Mais, Bohnen, Fleischfetzen. lind auch mit dem Fleisch wurde es jetzt problematisch: denn die Patronen waren knapp, und kein Schuß durfte umsonst sein. Oben- drein war das Wild verzogen, den fernen Regen zugewandert, die ihm anderswo für frische Weide sorgten. Hier waren ein paar un- genügende Tropfen gefallen,»die dazu verführt hotten, die Saat in den Boden zu bringen, die nun nicht aufkeimen konnten, oder, wagte sie sich zartgrün hervor mit dem Tau, von der Glut des Mittag» zusammengekrüllt wurde wie Tabakstaub. Und dabei war es schon spät im März, normalerweise gegen Ende der Regenzeit: ein verfluchtes Jahr der Dürr« und«in verfluchtes Tal, in dem sie saßen. Wetterleuchten. Go zuckte zusammen. Sein Gesicht, das schmale, durchsichtige der blondesten nördlichsten Rasse, entspannte sich dann zu einer Art von Lächeln, und Staller dacht«: So hat er früher, so hat er als Knabe ausgesehen, und: Nerven? fragt« er. Er rollte sich eine Zigarette selbstgebauten Tabaks aus der vorigen Ernte, die auch schlecht gewesen war. Er wollte ihn aufputschen:„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht verzweifelt." Na, der Scherz war matt. Der Blonde holte das Fieberthermometer aus der Achselhöhle und suchte lang« im Schein der schlecht abgeblendeten Lampe die Quecksilbersäule: seine Augen, groß und unwahrscheinlich blau, schienen dann zu erstarren: er sagte aber nichts mehr, zuckte mit den Achseln und pfiff Takte eines Schlagers, der drei Jahre zuvor in den Hotels an der Riviera Mode gewesen mar; Takte aus einem Europa, das, schloß er nur die Augen, aus dem Acker der Träume wuchs wie der Busch nach dem Regen., „Wieviel?" „Ich habe kein Fieber," sagte Go. Da schoß es ihm feuerrot in Stirn und Wangen, Staller sah, daß es eine Lüge mar. Aber er machte keine Bemerkung darüber. Es kam ihm nur lächerlich vor, daß der Mann da wie ein Mädel errötete, zumal es sonst Dinge gab, so schamlos wie nur etwas, in denen sie sich nichts vormachten. Aber vielleicht verstand er«s doch. Der Hund, unter dem Tisch in mütterliche Finsternis gekauert, schlug an. Er war von einer Gefahr aufgewacht, die in seinem Tierschlaf strahlte. Staller sprang auf und ergriff die Büchse, die an der Bambuswond lehnte, er entsicherte. Leoparden, dachte er; er dachte: Chui, er dachte in der Negersprache und den Gedanken der Wildnis. „Was ist?" rief Go. Aber als er aufstehen wollte, strömte ihm das Blut aus dem Hirn fort: er tastete nach der Tischplatte, Nacht vor den Augen und ein Brausen im Ohr wie fernwandernder Regen; er legte den Kopf aus die Arme und dachte: Was ist das nur? Staller sah es nicht, er stand auf dem Platz draußen und starrte in die Finsternis. Langsam tastete er sich vor, es war wie in einem Tunnel. Di« Sterne leuchteten für sich selber, ihre Helligkeit verströmte Im Raum. Er spannte alle Sinne an und witterte: es war etwas ums Haus herum: kein Flüstern, kein Kichern, ober es war bestimmt etwas da. Cr hielt den Hund fest aus Angst, das Raubzeug könnte ihm etwas antun:«r liebte ihn, es war gut, einen Hund zp haben, wenn man allein war. Dielleicht war er bald allein. Er spürte den Körper, der in der Nähe war; er fühlte sich umschlichen. Oder war es ein Mensch? Die Stille war betäubend. Eine Patrone, dachte er, kostet drei Pence. Aber wenn er nicht kommt, ist das gleich: dann ist doch alles aus. Er legte an gegen das Sternbild des Skorpions. Der Schuß krachte ins Leere. Eine Hyäne heulte auf, unter dem Hang, zwischen dem Lager der Arbeiter und dem Weg. Und plötzlich war ein erregtes Zischeln an seinem Ohr. Er packte zu und fühlte einen weiblichen Körper; er sah schimmernde Zähne vor seinem Gesicht.„Was willst du?" fragte er grob. Er oerstand die Ant- wort nicht. Aber sein Geschlecht glaubte er zu verstehen. Kennen wir uns? Zum Teufel, schön, schön. Nein, wir kennen uns nicht. Er zog sie in den Lichtkreis der Baraca: sie war die schönste Negerin, die ihm bis heute in die Quere gekommen war, ein zähne- blitzendes Tier mit hohen Schenkeln und ohne Fett: keins, das man streicbelt, sondern dem man auf die Flanken klopft, Grausamkeit in die Zärtlichkeit mischend. Die Augen waren groß wie bei Hufern, das Profil zart wie das der Aegypten» Nofretete, einer Königin, von der Staller nie gehört hatte, aber Go vielleicht. Auf den drängte sie hin. die sich sträubte wie ein« Katze. Er lag noch immer über den Tisch, als ob er weinte. Aber dos tat er natürlich nicht. Er hob den Kopf. Seine Blicke hatten jenen furchtbaren Ernst, den so viele von denen bekommen, die sich in Afrika herumschlagen müssen. Sah er die Frau oder sah«r sie nicht? Er war auch nicht verwundert.„Spare doch die Patronen," sagte er dann. „Ist etwas geschehen?" Angestrengt schien er zu lauschen; aber Staller hört« nicht, was der Go hörte; seine Ohren waren wohl wenifler fein. Dafür hielt er das Weib an den Schultern fest, die er, ob- wohl sie ganz stillehielt, und den Blick auf den kranken Nordländer gerichtet, von seiner Berührung fortstreben fühlte. Plötzlich gab er sie frei. Es war ein gräßlicher Stillstand gewesen, wie wenn «in Fluß zu fließen auMrt. So sehr wohnten sie im Aeußersten der Erde, daß nichts mehr von allem Geschehen zu ihnen dringen konnte, und der Totenfluß ist reißend, aber laullos. Nicht ohne Erstaunen sah er, wie sie zw dem Freunde ging und ihm das Haar streichelte, das ihm gelb und wirr in die Stirne hing. Es ist nicht die Art der schwarzen Weiber, und ihre Lieb- kosungen für die geschorenen Wollköpfe ihrer Männer sind wohl anders. Ruka, die Hündinn, eifersüchtigste aller Springerinnen, sprang an dem Blonden hoch und warf ihm ungestüm ihr« Pfoten aufs Knie. Ihn lieben sie, dachte Staller, ich kann gleich weggehen. Aber es ist doch nicht sein Verdienst, daß er hell und gut ist, und daß er Dinge hört, die ich nicht hören kann. Ein Phantast ist er, ohne ihn säße ich nicht in dieser Klemme. Und er will nicht, daß ich die Neger schlage, als ob diese Burschen etwas anderes er- warteten, wenn sie faulenzen und mich betrügen wollen. Er nur hat mich ocrfjihrt, mich in diesem Tal anzusiedeln, seinem oer- fluchten lyrischen Tal, aus dem wir nicht mehr heil herauskommen werden— ich wette. Es gefiel ihm, er behauptete, der Boden ser hervorragend für Baumwolle, hielt« Wasser, redete von Saug- wurzeln, ach, ein Dreck, Saugwurzeln! Fetter und doch lockerer Boden, yes, Sir, tliat's my baby, aber die Dudus? Weißt du, Go, die Löcher in den Kapseln, wie wir sie zum erstenmal sahen? Krampf! Wir haben Fehler gemacht, mein Lieber. Wir haben alles auf ein Jahr gestellt. Und nun, wo wir's noch einmal versucht haben mit dem schäbigen Rest, spielt der Himmel nicht mehr mit. Die Karre ist endgültig verfahren. Und du bist auch schuld, du warst nicht energisch genug gegen die Nigger, du hast mir ins Handwerk gepfuscht, ich hätte mehr aus den Viechern herausgeholt, du negro- philer Jüngling! Was habt ihr da miteinander zu flüstern. Verrätst du mich, he? Zwischen weiß und schwarz gibt es kein« Geheimnisse. Der Weiße ist Herr, der Schwarze Sklave, basta. Nicht basta, es ist kein Pfennig Geld mehr da. Unseren Kredit haben wir uns grllnd- lich versaut, hundert Pfund schulden wir dem Inder, und ohne Kapital kann man nicht einmal Sklavenhändler werden. Kapital, Kapital! Es sind keine Aussichten mehr. Gebt mir tausend Pfund, und es sind Aussichten. Ein Hektar tostet mich vierzig Schilling, mittlerer Busch, ohne Stubbenroden. Aber man muß dahinter fitzen. den Kerls die Hölle heiß machen; sie sollen einen nicht lieben, sondern fürchten. Fürchten nämlich ist nur so eine Abart von lieben. Ja- wohl, das Alte Testament! Ist das nicht wie im Alten Testament, Not, Finsternis, Plage, Strafgericht. Alle Geschichten stehen schon drin. Wie oft wurde das hier erlebt, und niemals endete es gut. Seine Gedanken rasten sich wie die eines gefährlich Betrunkenen in eine Wut hinein und in vollkommene Verzweiflung. Er kehrte zurück und sagte:„Ich will wissen, was los ist." „Sie sagt, daß sie unten im Lager beraten. Sie planen einen Streich heute Nacht. Sie sagen, wir wären schuld, daß der Regen ausblieb«, weil du Muetedossa geschlagen hast, den Mann, der ihn rufen kann." Seine Stimme war hell, klingend, als fei das Fieber überwunden. Aber die Augen hatten den stumpfen Glanz von Tieren, gefangenen, die kein Futter annehmen und mit ge- sträubtem Fell zu sterben beginnen. „Regen rufen," höhnte Staller.„Und ich sehe dir an, du glaubst daran." Etwas ruhiger fuhr er dann fort:„Sie werden es nicht wagen. Sie sind feig." .Laß! Ich werde selbst hinuntergehen und mit ihnen reden" „Ja, reden wirst du, wie ein Missionar, und sie werden dich hinter deinem Rücken auslachen: nein, ich werde die Sache ins reine bringen. Aber ich nehme die Peitsche mit." „Das wirst du nicht! Die Frau wußte, warum sie mir und nicht dir berichtete, was da geschieht. Ich bitte dich, bleib' und bewache das Haus." „Du bist wahnsinnig, mit dem Fieber in den Knochen kloppst du unterwegs zusammen, oder du kannst dich nicht wehren, wenn sie dich angreifen!" „Sie greifen mich nicht an, Staller."— Er stand auf. Wie er gegen diese hundssöttifche Schwäche in den Gliedern ankämpft«. Nie hatte dieser Knabe so entschieden gesprochen. Der Partner, immer noch im Dunkeln vor der Baraca, die Hände auf die Bambus- brllstung gestützt, schwieg. War e? Erstaunen? Die Frau, die Verräterin der Ihren, stand abseits. Sie verstand die Wechselreden nicht, aber sie hörte die gehärteten Stimmen. Ihre . Nüstern witterten den Streit, ihre Augen aber blieben ruhig. Es waren Augen, die im Finster» sahen, die den bleichen Weg zum Flußbett dämmern sahen und die verkohlten Baumstämme und die Grasstapel und die scharfen Steine und all die Dinge, die sich finster jenen Weißen entgegerüürmten, diesen Hilflosen der Nacht. Die ahnten nichts davon, wi« die Ginsterkatze unter dem Bambus schleicht, sie erschrecken vielleicht vor dem leisen Nagen eines Rattenzahns. Was ist's jetzt mit ihrer Zauberei, der eine ist mildherzig, der andere ist grausam, aber sie sind jetzt beide ganz wie Tiere, denen man die Lichter ausgestochen hat. Was ist's mit ihrer Zauberei, ihre Kraft hat sie verlassen, wie die Sonne das Tal verlassen hat. Und die Kraft ist, bis der Morgen graut, in dem eigenen, in dem schwarzen Volke. Das wiederum wird sanftmütig und gehorsam mit dem Licht. Bis dahin werden sie alles vergessen haben, lachend nehmen sie die Axt und schlagen den Busch für geringen Lohn. während ihre Weiber, gebückt, das Kind auf den Rücken gebunden, mit dem Eisen die Erde auskratzen.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. inTraiiniiiiniiiiimimnniniiniiiiiiinmiiiiimiininaimBiiiiiuuliiiniiiiiTmnuitiiiiiMiiiiinimDiniiiniinniiiiiiiiiiiiiiiiiininuiiiiiiniiiiiiiiiiiiiuiimiimMiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiimiiiifliiim Landerschließung aus der Luft. Das Flugzeug und die Filmkamera übernehmen jetzt die Stelle des Planwagens und der Maulesel, mit denen man früher die „weißen Stellen" aus der Landkarte von Kanada zu erforschen suchte. Der moderne Pionier erschließt so Landgebiete in einem Monat, für die man früher ein Menschenaltcr brauchte. Zugleich mit der Eröffnung des neuen Schienenweges nach Port Churchill an der Hudson-Bay verlieh«in Flugzeug Ottawa zu einem Er- kundungsfluge, der über 11000 Kilometer unerschlossenen Landes führt. Diese„wüsten Gebiete" Kanadas werden auf diese Weise nach wertvollen Metallen, Petroleum und Stellen, die sich zur An- läge von Wasserkraftwerken eignen könnten, untersucht. Der Flug, der«in Jahr lang sorgfältig vorbereitet worden ist, dauert dreißig Tag«. Di« überflogenen Flächen werden mit der Filmkamera auf» genommen, so daß man die Bilder nachher in aller Ruhe studieren kann. Das Gelände, durch das die neu« Eisenbahnlinie geht, ist reich an wertvollen Mineralien, wie Gold und Kupfer, deren Ausbeutung bereits 1911 unternommen, aber durch den Krieg unterbrochen wurde. Technische Selbsthilfe in Rußland. Aus Moskau wird uns geschrieben: Der Mangel an Fabrik- waren und deren unerschwinglich hoher Preis hat in der Sowjet- union recht eigenartige Erscheinungen hervorgerufen. Die Der- braucher suchen nach Möglichkeit alles, was sie benötigen, zu Hause herzustellen- Die Bauern tragen Kleider aus selbstgewebten Stoffen, Spindel und Webstuhl haben daher in den Bauernhäusern wieder ihren alten Ehrenplatz eingenommen. Schwieriger ist es mit Stahl- und Eisenwaren, aber auch diese werden vielfach mit Hausmitteln hergestellt. So werden Nähnadeln aus Draht angefertigt: die Nägel besorgt der Dorfschmied, der dazu all« passenden Stücke alten Eisen» verarbeitet. Recht umständlich ist das Gerben des Schuh- leders, es wird aber auf dem Lande in großem Umfang betrieben, da das Leder ein seltener und sehr kostspieliger Handelsartikel geworden ist. In den Städten ist die Selbstversorgung viel schwieriger. Schon die engen Wohnungsoerhältnisse bieten hier ein fast unüberwindliches Hindernis. Es hat sich aber ein« ziemlich weitverzweigte Hausindustrie entwickelt, die die nötigen Waren unter Vermeidung des offenen Marktes liefert. Sie kann aber naturgemäß nur einen Bruchteil des großen Bedarfs befriedigen. Außerordentlich verbreitet ist die heimliche Branntweinbrennerei. Da der staatliche Monopolbranntwein jetzt überall zu haben ist, wird sie nur betrieben, um an dem Preis zu sparen. Der Verkauf des Monopolbranntweins wird aber dadurch wenig beeinträchtigt; er hat eine enorm« Höhe erreicht. Dr. P. S. Das Alter der Fische. Die Fische erreichen mitunter geradezu„biblijche" Alter. Las höchste schätzt man aus 600 Jahre. Karpfen können 500 Jahre alt werden, und die früheren Aquarien des russischen Zaren rühmen sich, mehrere dieser urallen Tier« zu besitzen. Schon der gewöhnliche Goldfisch kann weit über 100 Jahre all werden. Im Mannheimer Museum wird ein Hecht aufbewahrt, der 1497 bei Kaiserslautern gefangen wurde. In seinen Kiemen hing ein Ring mit der In- schrift:„Ich bin der erste Fisch, der am 5. Oktober 1230 von dem Beherrscher der Welt, Friedrich den: Zwellen, in diesem See aus» gesetzt wurde." Dieser Hecht war, als er gefangen wurde, also wenigstens 267 Jahr« alt. Ein Toter, der um sein Leben kämpft. In Santo Rosa in Kalifonnen führt ein Mann namens Thomas R. Smith mit dem Amtsschimmel«inen verzweifelt«« Kampf um sein Leben. Nach der amtlichen Verlustliste ist er im Weltkrieg gefallen— Idlled in action. Erfreulicherweis« für ihn war dos ein Irrtum, Herr Smith lebt und ist gesund. Aber die Behörden ändern keine Eintragungen, und so ist Smith für sie seit zehn Jahren ein toter Mann und Luft. Smith wird die Sache allmählich zu dumm, und er will jetzt die Hilfe der American Legion in Anspruch nehmen, um endlich einmal sich richtig lebendig zu fühlen. Eine amtliche Anerkennung dieser Tatsache hält er nun einmal für not- wendig. Das Schönste ist, daß die Behörden auch noch unbedingt zehn- tausend Dollar loswerden wollen an die Schwester von Smith, die dieser als Lebensversicherungssumme zustehen— nach Auffassung der Behörden. Aber die Schwester hat sich bisher standhaft ge- weigert, dieses Geld anzunehmen, da sie sich mehr auf ihre fünf Sinne verläßt als auf die Klaue des Amtsschimmels. Sklavenhandel in Arabien. Daß es heute noch wirkliche Fäll« von Sklavenhandel gibt, ist oft geleugnet worden; auch die Arbeiten des Völkerbundes, der sich mit dieser Materie schon öfter beschäftigt hat, haben wenig Konkretes in dieser Richtung ergeben. Jetzt ist in Jerusalem«in Bericht von Dr. Meizan, einem Bulagen, der der Völkerbundsunion angehört, und von Dr. Wolfgang v. Weisel eingetroffen, In dem auf Grund persönlicher Untersuchungen festgestellt wird, daß in aus- gedehnten Teilen Arabiens sowie im Sudan und Abssinien imm«r noch ein ausgedehnter Sklavenhandel besteht. Im Sudan, Abes- sinien, Hedschas, Nedschd, Pemen und Transjordanien sollen, dem Bericht zufolg«, jedes Jahr nicht weniger als 2000 Sklaven verkauf! werden, die aus Afrika kommen. Im Hedschas sei der Sklaven- hand«l von der Obrigkeit, die für jeden angeführten Sklaven«ine Abgabe von 40 Mark erhebe, offiziell anerkannt. In dem Hasenort Dschiddah sei der Sklavenmarkt in unmittelbarer Nähe des Sitzes der Konsulat« der europäischen Staaten. Weibliche Sklaven werden mit etwa 2000 Mark bezahlt, während für junge Mädchen noch höher« Preise erzielt werden. Der Preis für männliche junge Sklaven beträgt etwa 1200 Mark, ältere Leute sind entsprechend billiger und werden mit 400 bis 800 Mark bezahlt. Ibn Saud, der König des Hedschas, unterhält eine persönliche Leibwache von Sklaven, die gelegentlich auch zu Erdarbeiten usw. verwendet wird. Im Uemen ist die Sklavenhaltung so verbreitet, daß die Zahl de: Sklaven ungefähr gleich hoch ist wi« die Zahl der freien Männer. Fast jeder Moslem hat in diesem Lande«inen Sklaven, reicher« Moslems bis zu fünf. Die Lage der 40 000 Juden im Temen, die offiziell nicht als Sklaven gelten, soll so sein, daß sie sich kaum von Sklaven des Machthabers Jmam Uahia unterscheiden. L. h. Mencken der bekannt« amerikanisch« Kritiker, wurde von einem jungen Autor um Prüfung eines von chm erschienenen Buches gebeten. Als der junge Autor sich nach Wochen nach dem Urteil des Kritikers erkundigte, meinte Mencken: „Ihr Roman ist in einer Beziehung sehr wertvoll.. „In welcher Beziehung?" fragte der Autor gespannt. Meiicken erklärt«: „Ich hatte neulich«ine schlaflose Nacht, da nahm ich mir Ihren Roman vor, las ein Kapitel— und schon war ich eingeschlafen." Tristan Bernard „Was sag«» Sie dazu," sagt« ein Journalist zu Tristar Bernard,„daß der Schriftsteller M. D. eine viel ältere Frau ge- heiratet hat?" .Macht nichts," bemerkte Bernord,„vorläufig ist sie älter, mit der Zeit wird sie sicherlich jünger werden." Uhof/üno/oJ/Zlkl Neue Bundeshöchstleistungen. Im ATSB.. Bezirk Stettin. Der Stctffner Bezirk im pommerschen Kreis« des Zlrbciter-Turn- und Sportbundes trug am Sonnabend und Sonntag seine leichtathletischen und turnerischen Ausscheidungskämpse siir das Nürnberger Bundesfest aus, bei denen von neuem der Beweis er- bracht wurde, daß die Stettiner Leichtathletikbcwegung mit an führender Stelle im Bund steht. Trotz der recht schwachen Felder— nur die Teilnehmer für Nürnberg starteten— wurden in allen Kon- kurrcnzen recht gute Zeiten erzielt. Besondere Beachtung verdient, daß mehrer« Bundesleistungen erheblich verbessert werden konnten. So unterbot di« 3X1000-Meter-Stafette der Freien Turnerschaft Stettin in der Besetzung Lanomack, Birkholz und Gülle den von ihr selbst mit 8:14,3 Minuten gehaltenen Bundeerekord auf 8:06,2 Minuten. Die Zeiten der einzelnen Läufer waren: Langmack 2:45 Minuten, Birkholz 2:42,2 Miuten und Gülle 2:39 Minuten. Aehnlich erfolgreich schnitt die Genossin Diedrich(Freie Turnerschaft Stettin) ab, indem sie im 1000-Meter-Lauf ihre eigene Höchstleistung von 3:29,9 Minuten aus 3:21,1 Minuten oerbesserte. Auch di« als zweite einlaufende Genossin Neils(Freie Turnerschaft Bredow) unterbot die frühere Höchstleistung, indem sie di« Strecke in der guten Zeit von 3:26,4 Minuten zurücklegte. Di« wetteren E r- gebnisse sind: 20 0 Meter: Höwler(FT.-Stettin) 24,1 Se- künden: 400 Meter: Höfs 5S,9 Sekunden? 800 Meter: Gülle 2:06,3 Minuten, Höfs 2:12,5 Minuten: 1500 Meter: Gülle 4:21,5 Minuten, Langemack 4:49 Minuten; Olympische Stafette:(Birkholz, Just, Höwler, Gülle) 3:47 Minuten; Kleine Olympische Stafette der Sportlerinnen: 57,8 Se- künden: Speerwerfen der Männer: Vormelker(Stolzenhagen) 37,50 Meter, Höfs 36,07 Meter. Nach diesen Ergebnissen werde» die Stettiner Leichtathleten besonders in den längeren Laufstrecken mit recht guten Aussichten nach Nürnberg fahren. Einig« weiter« Ausscheidungskämpse werden noch im Laufe dieser Woche ausge- tragen. Vorbildlich waren die Leistungen der Turner. Sämtliche Klassen waren durch ihre Gipfelturner besetzt. Ergebnisse: Siebenkampf:!. Julius(FT. Podejuch), 26 Jahre, 234 Punkt«. Siebenkampf für Turner über 40 Jahre: 1. Stange(FT. Podejuch), 48 Jahre, 218 Punkte. Siebenkanips für Jugend (16 bis 18 Jahre): Radllnz(FT. Podejuch) 209 Punkte. Turne- rinnen: Siebenkamps �-Klasse: 1. H. Becken(FT. Bredow) 119 Punkte; 2. K. Becken 115 Punkte. Die Pslichtpunktzahl« für Männer und Jugend ist 190, so daß sämtliche Bewerber die Probe bestanden haben. Für Turnerinnen find 105 Punkte notwendig. Da bei den Turnerinnen noch die leichtathletischen Wettkämpse aus- stehen, sind sie gleichfalls für die Wettkämpfe berechtigt. Aihlctik-Sporiclub Berlin: Amateure Leipzig. Der Athletik-Sportklub spielte am Sonntag mit zwei Mannschaften in Leipzig gegen die dortigen Amateure. Im Spiel der ersten Mannschaften konnten die Leipziger Amateure 1:0 siegen, dank ihrer sehr guten Stocksicherheit und einem sicheren Torsteher. Auch sonst führten sie ein flüssiges Spiel vor. Beim ASC. war die Verteidigung, einschließlich Torwächter und Läufer, sehr gut, während der Sturm sehr zu wünschen übrig und insbesondere an Schußsicherheit fehlen ließ.— Die zweite Mannschaft der Amateure Leipzig siegte 3: 1 gegen Athlet? k-Sportklub II. Die Resultate entsprechen dem Stärkeverhältnis vollkommen. Der ASE. hat di« Verhinderung einer größeren Niederlag« feiner guten Hiirtermannfchaft und be- sonders der Läuferreihe zu verdanken.-er. 25 Jahre«Freie Schwimmer". Die Entwicklung des größten Schwimmvereins. Dieser Tage waren auf dem neuen Badeplatz der Freien Schwimmer Groß-Berlin, Ortsgruppe Neukölln,«ine statt- liche Anzahl Mitglieder zu einer schlichten Feier versammelt. Vor 25 Jahren, am Sonntag, dem 12. Juni, wurde im damaligen Rixdorf, in der längst nicht mehr bestehenden Stolzenburgschen Bade- anstalt, eine Abteilung des Schwimmvereins Vorwärts gegründet, aus der dann später der Arbeiter-Schwimmverein Neukölln hervor- ging. Im Jahre 1920 entstand dann durch Vereinigung mit dem Schwiinmklub Undine der Verein Freie Schwimmer Neukölln, der sich nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Reiche und darüber hinaus einen guten Ruf errungen hat. Sein« Kampfmannschaft, die überall im Reich bekannt ist, brachte manchen schönen Sieg nach Hause. Schon seit Jahren treten die Neuköllner für eine weitgehende Zentralisation der Arbeiterschwimmerbervegung Berlins ein und im letzten Jahre wurde ein weiterer Schritt hierzu getan, indem der Verein nochmals seinen Namen änderte und die„Freien Schwimmer Groß-Berlin' gründet«. Schon vorher hatte?? sich in Lichtenberg und Iriedrichshoin Gruppen gebildet, die sich damals den FS. Neukölln anschlössen. Jetzt besitzen die Freien Schwinuner Groß- Berlin Ortsgruppen in Neukölln, Lichtenberg. Friedrichshain, Sie mens st adt, Mitte und Ober- s p r e e. In allen Gruppen herrscht reger Badebetrieb und guter Sportgeist. Die Gruppe Neukölln mußte in diesem Frühjahr ihr Sommer- bad aufgeben, die Untergrundbahn brauchte den Platz. Jetzt besitzt die Gruppe einen sehr schönen Badeplatz an der Grenz- alleebrück«. Hier herrscht jetzt täglich reges Leben rmd Treiben. Schwimmer üben, Nichtschwimmer werden von staatlich geprüften Schwirrvneistern ausgebildet, Faustballspiele finden statt und Medizinball- und sonstige Spiele sorgen für Unterhaltung und Kräftigung des Körpers. Ein schöner Garten lädt zum Sitzen imd zum Einnehmen von Erfrischungen ein., Der Leiter der Neuköllner Gruppe, der selbst vor 23 Iahren der Kinderabteilung des Vereins beitrat, entrvarf bei der Feier in einer kurzen Ansprache ein Bild der Vereinzentwicklung und die Mitglieder gaben mit einem kräftigen Frei Heil das Gelöbnis ab, weiterzuwirken, u?n die Ziele, die der Arbeiter-Turn- und Sport- bund sich gesteckt hat, zu erreichen. Er weihte dann die neue Fahne. Arheiter-Hockex. Die Nürnberg- Mannschaft gegen eine Auswahl" mannschatt. Di« noch Nürillxrg fahrenden Vertreter Berlins uxrdcn am kommenden Sonnabend, 22. Juni, auf dem Sportplatz im Humboldthain«in roeiteres Uebungsspiel gegen«in« stark« Auswahlmannschaft austragen. Es treten an: Nürnberg- Mannschaft: Basendowsti(ASE.), Puiahl (Nordring), Traxel(Oftring), Wegener und Keding?(ASE.), Schin- delrveg(Nordring). Hinze und E. Bethge(Nordring). Leuthold(Moa- bit), Wiedernmnn(Nordring), Ewald(ASC). Auswahlmannschaft: Wadewitz(Nordring). Ward!» (Nordring). O. Wolfs(ASC.), E. Schlag(Nordring). Knorr(Ost- ring). Oskar Müller(Nordring), R. Bethge. Martini, Zahn. M. Bcthg« und Naujocks, olle Nordring. Di« Nürnberg-Mannfchaft dürfte wohl das Beste dar- stellen, was Berlin herausbringen kann. Aeußsrst stark und gut ist di« Läuferreihe. Aber auch die Verteidigung wird gefallen, ob- wohl der link« Verteidiger nicht genug Spielerfahrung mitbringt. Die Stürmer mühten bei einigem guten Berstehen eine schuhfreudig«, schnelle Angrifsspartie machen. Die A u srvahl ma n n fchaf t ist nicht ganz auf dieser Höhe zugeschnitten. Sehr gut besetzt ist die rechte Sturmseite und der Linksaußen. Die Läuferreihe wird gegen den Nürnberg-Sturm reichliche und schnelle Arbeit leisten müssen. Es ist ein sehr interessantes Treffen, das weit über den Rahinen Berlins hinaus Bedeutung hat. Beginn WA Uhr. Bahnoerbindung: Bahnhof Gefundbrunnen: Straßenbahn: 5, 24, 35, 36, 41, 99 und 199. Bezirkstest in Tegel. Das Bezirtsfeft des 2. Bezirkes im 1. Kreise des Arbeiter-Turn- und Sportbundes steht ganz im Zeichen der Vorarbeiten für �das Bundesfest in Nürnberg. Es findet Sonntag, 23. Juni, in Tegel statt und beginnt mit seinem reichhaltigen Programm bereits ain Sonnabend mit einem Bühnenschauturnen im Strand- schloß. Der Sonntag bringt die Probe der Bundesfestsreiübungen. Alle Wettpämpfer für Nürnberg müssen antreten,' da hier die Aus- jcheidungskälnpse vor sich gehen Wer daran nicht teilnimmt, wird in Nürnberg nicht zu den Wettkämpfen zugelgssen. Um 13 Uhr treten alle Vereine mit Fahnen ain Bahnhof Tegel zum F e st z u g e an Eine besondere Note erhält dieser Tag durch die 30-Jahr.Feier des gastgebenden Vereins. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle Mit- glieder des Bundes im 2. Bezirk. D«r Festbeiirag ist 50 Pf., für Jugendliche 30 Pf. Sämtliche Meldungen und die Festbeiträge gehen an Georg Gradtke. Berlin-Weißensee, Metzstraße 86. Arbciter~Handball. FTGB.-Osten 1. Männer hatte in Hohenschönhausen, Sommer- straß«. FTGB.-Ponkow als Gegner. Ost«n hatte Anwurf und trug den Ball schnell vor. Einige Minuten lang wurden von beiden Mannschaften Fehler über Fehler gemacht. Das erste Tor fiel in d«r 8. Minute, weitere vier Tor« in kurzen Abständen folgten; alle wurden schlecht oder gar nicht abgewehrt. Das sechste Tor war ein verwandelter Freiwurf, der wegen unberechtigter Fußabwehr ge» geben wurde. Erst der Torwächterwechsel In der zweiten Halbzeit brachte einen Vorteil für Pankow, denn Osten konnte nur noch ein- mal«insenden. Kurz vor Schluß bucht« Pankow noch das Ehrentor, so daß das Endresultat 7:1 für Osten stand. Unsportlich war das Verhalten d«s Pankower Torhüters, der keine Abwehr anwandte, dageg«n Im Feldspiel gute Leistungen zeigte. Die Verteidigung fiel aus, alle Schüsse kamen hauptsächlich von der rechten Seite. Gut war der Mittelläufer, der flink die richtige Verbindung herstellte D«r Halblinke hatte den Ehrgeiz, alle Tore allein zu schießen, was ihm natürlich nicht gelang. Im Zusammenarbeiten hätten sich die Pankower ihren Gegn«r als Vorbild nehmen sollen, Osten zeigte ein schnelles und genaues Zuspiel. Da, bessere Resultat schien Ost«n nervös gemacht zu haben.— Osten Männer und Vorwärts- Hennigsdorf II trennten sich 4:0(3:0). Osten spielte sehr auf- geregt, während es Hennigsdorf zu empfehlen wäre, von Anfang bis End« zu spielen. Itaier Spiel- und Sportplatz in Lichterfelde. Im Rahmen der 7. Berliner Turn- und Sportwoche fand am Sonntag die Einweihung des vom Bezirksamt Steglitz ge- schaffenen Spiel- und Sportplatzes an der Berliner Straß« in Lichterfelde statt. Vom herrlichen Wetter begünstigt, nahm die Veranstaltung mit dem Einzug sämtlich«« bürgerlicher Turn- und Sport- verein« ihren Anfang. Anschließend daran wurden Ansprachen vom Bezirksbürgermeister S e m b r i tz k i, von Stadtmedizinalrat Prof Dr. v. D r I g a l s k t als Vertreter des Oberbürgermeisters Böß und vom Bezirksverordnetenvorsteher Schwarz geholten. Die Redn«r führten an, daß«s endlich nach großen Mühen gelungen sei, einen so schön«» Platz für Sport, Turnen und alle körperlichen B«tätiguNgen zu schaffen. Es sei nun Sache d«r Sportler, diese neue Körperübungsstätte auch ganz auszunutzen. Die Ansprachen endeten mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Bei der Besichtigung des Platzes fielen die große gedeckte Tribüne und die modernen, sehr geräumigen Garderobenräume besonders auf. Es folgten dann ein« Reih« turnerischer und sportlicher Vor- führungen, Fußballspiel« und Leichtathletikkämps«, an denen sich auch Frauen und die weibliche Jugend stark beteiligten. Zum Schluß fand ein« Verteilung der vom Oberbürgermeister Böß und anderen Freunden und Gönnern gestifteten Preis« statt. Der Platz war in den Farben des Reiches, Preußens und der Stadt Berlin reich geschmückt.___ Steher-Rennen bei Rütt! Am kommenden Freitag werden auf der Rütt-Arena Steher-Rennen zum AI?«trag gebracht. Fünf Steher sollen am Start«rscheinen. Rütt hat hierfür am Sonntagabend auf der Olympiabahn Lewanow verpflichtet, der dort bekanntlich ein Rennen wie in seinen besten Togen fuhr, keinen geringeren als Weltmeister Salvall sicher im Schach hielt und da,„Große Handicap' aller Wahrscheinlichkeit nach gewonnen hätte,?v«nn ihm nicht zlvanzig Runden vor.Schluß ein tückischer Reifenschoden unterlaufen wäre. Lcivanows Gegner lverden u. a. der mehrmalig« deutsche Meister Saldo w und der kleine, zähe Bauer sein.„Karl der Große" hat in letzter Zeit besonders in Berlin ganz große Rennen geliefert, so daß man ihn sogar für das„Goldene Rad" verpflichtete. Die Teilnahme der drei populären Stehcr-Kanonen Lewanow, Ealdow und Bauer garantiert bereits prächtige Kämpfe in den vier über je 25 Kilometer führenden Läufen, zumal zu dem Berliner Terzett noch zwei iveiter« gut« Daucrsahrer hinzukommen. IfSichtatirietUc- Kämpfe. Der ASC. gewann die Stafetten in Rathenow. Das kr«isoffene Sportfest des Turnvereins„Freiheit", Rathenow, hatte eine gute Besetzung zu verzeichnen; fast olle bundestreuen Berliner Verein« beteiligten sich an der Beran- staltung, die mit einern Umzug durch die Stadt, der etwa eine Stunde währte und große Anteilnahme bei der Bevölkerung her- vorrief. Die Hauptkämpfe begannen vor einer stattlichen Zujchauerzahl mit den Entscheidungsläusen über 100 Meter. Der Laus der-5-Klaise Krachte die besten Sprinter des 1. Kreises zum erstenmal in dieser Saison zusammen. Die beiden Ersten waren durch einen Frühstart leicht begünstigt und der Kampf lag daher nur zwischen diesen, den Heidt(ASC.) in 11,4 Sekunden vor Traxel(Ostring) gewinnen konnte, izuwe(Ruhlsdors) zeigt« sich im 1500-Meter- als auch im 3000-Meter-Lauf als der beste. In beiden Laufkonkur- renzen legte er sich von Beginn an in Führung und wurde infolge seines gleichmäßigen Laufes niemals- gefährdet. Mit einer guten Leistung im Hochsprung wartete der junge Görsch(ASC.) auf. Leicht bewältigte er die Höhe von 1,74 Meter. Vielleicht gelingt es ihm schon am nächsten Sonntag, anläßlich der Zlusscheidungs- kämpfe siir Nürnberg in Köpenick, 1,80 Meter zu erreichen. Im Kugelstoßen der L-KIasse waren die Durchschnittsleistungen besser als in der �-Klasse. Fritze(Rathenow) stieß die Kug«l 10,57 Meter weit, Leingau(Novdring) 10,45 Meter. Die 4X100-Met«r-Stafette der.-X-Klasje brachte die erwartete Placierung. ASC. gewarm sicher in 45,9 Sekunden vor Ostring, der 47 Sekunden benötigt«. In der Olympischen Stafette wiederholte der ASC. seinen Erfnlg. D«r 800-M«ter-Läus«r lief dem Feld ein gutes Stück davon, so daß das Rennen schon hier entschieden war. Ostring lief etwa 60 Meter dahinter ein, knapp vor der II. Mannschaft des Siegers. Die bei den Jugendlichen erzielten Zeiten im 100-Meter-Lauf sind als gut zu bezeichnen. In der /r-Klasse(Jahrgang 11/12) siegte der?>eranlagte Bugge(Rathenow) in 12,1 Sekunden vor Seidel (Wedding), der auch nur 12,3 Sekunden benötigt«. Im Jahrgang 13/13 war Lehmann(FTGB.-Ostring) vorn. Das 1000-Meter-Laufen wurde erst in den letzten Metern entschieden. Müller(FTGL.- Nordring) war hier der erste vor Dusiska(Ostring), der sich zu spät vom Rudel loslösen tonnte. In der 4XI00-Meter-Stafette(Jahr- gang 12/13) siegte Ostring sicher vor Wedding.— Gauklubkämpfe im Freien Kegler-Bund. Am letzten Tage der Berliner Turn- und Sport woche setzte der Gau Berlin des FKBD. mit seinen Muhkämpfen ein. Neben diesen ging gleichzeitig ein Pokaltegein vonstatten. Geschoben wurde auf den Bahnen der Sporthallen„Südende" und„Wilhelrnsaue" und zwar bei den Klubtämpsen mit 150 Kugeln lZwairgsaussatz) pro Mitglied, bei den Pokalkämpfeu mit 100 Kugeln pro Mitglied in die vollen. Be! Wertrmg der fünf Besten eines jeden Klubs wurden nachstehende Ergebnisse er- zielt: Gau I. Klirbkampf(Wikhelmsaue) 1. Gaswerke(1. Mannschaft) 5379, 2. Einer steht 5338, 3. Lust. Brüder Tegel 5310 Holz. Bester Kegler: Hubert(Einer steht) 1107 holz. Pokaikampf(Süd- end«) 1. Bötzow 3578, 2. Linke Ecke 3541 Holz. Bester Kegler: Robert Baschke 724 Holz. Gau II. Klubkampf(Südcnde) 1. Olympia 5438, 2. Harmonie 5369, 3. Lorbas 5341 Holz. Bester Segler: Jul. Wieland(Olympia) 1102 Holz. Pokaikampf(Wil- helmsaue) 1. und 2. Sechs Kalte und Bück Dich mit je 3717 Ho4z. Bester Kegler: Zahlmann 758 Holz. Schulsporttag hleukolln. Am Soirnabtni), dem 22. Juni, findet ber Neuköllner Echulsvortwa statt. Die Schulen beteiligen sich in diesem Safitc in besonders starkem Maße an diesen Veranstaltungen. Der Tag nimmt solgenden Verlauf: 8,30 Uhr: Boll»» türnlicher Dreikampf und Ctafselläuse der Höheren stnadenschulen und der Nnoben.Mittelschul« auf dem Eportplah des Turnverein» Jahn, Neukölln, Mahlower Straße.— 8,30 Uhr: Polkotllmlichsr Dreikampf und Staffelläufe der ktnabenvolksschulen auf dem städtischen Sportplatz Grensallee.— 8,30 Uhr: VoU«tS»lIih«r Vierkampf und Stasselläuse sämtlicher Mädchenschulen auf dem Uebungsplatz 2 im Neuköllner Sportpark, Tempelhofer Feld.— 4,18 Uhr: Fußballspiele Rrutölluer»»abeafchulen auf den ssußballplätzen im Neuköllner Spott- park, Tempelhostr sfcld.— 5,10 Uhr:!ZreiUbu»gen und Spiele der Neuköllner Mädchenschulen. ISeräfestbungen der Neuköllner Jt nabelt- und Mädchenschulen, sowie Spiele der Neuköllner Höheren Knabenschulen und der Mittelschul« im Volkzpark Tempelhofer geld, auf der großen Spielwiese und ffreilichtbllhne. Jedem Neuköllner Bürger, vor allem aber den Eltern der Schiller und Schülerinnen soll Gelegenheit gegeben werden, einen Blick in die Arbeit unserer Schulen auf dem Gebiete der Leibesübungen g» tun. Der Eintritt ZU allen Beranstaltungrn ist frei.__ Mittwoch Kampftag in der Bodebrauerei. Der ftampftog im gedeckten Garten der Bockbrauerei in der Mdieinstraße findet diesmal ausnahmsweise am Mittwoch, t«. Juli, 2(>>4 Uhr, statt. Das Programm ist ein vorzüglich internationales. Da» absolut höchste Interesse beansprucht die Begegnung der starken deutschen Sossnunq Jakob Domgörgen mit dem Brüsteier Louis Saerens, den Punktsteger Uber unseren Meister Aeppel. In dem Tschechen Tommy Pötsch, dem Gegner des Weltergewichtlers IZritz «rocht, fernen wir einen interestanten Gast kennen, der für den deutschen Boxsport dadurch Interesse erlangt hat, daß er in Prag den Grmeister Surs»» in der Z. Runde ausknockte. Henrik Baumgartner an» Budapest ist verpflichtet gegen ssritz ltühn anzutreten._ Die Meldungen zum Sezirksfporlfeft der Arbeitersportler und zu den Zlusscheidungskämpfen für Nürnberg find sehr zahlreich ein- gegangen. Ueber 300 Elnzelkümpser sind gemeldet. In den Kurz- streckenläufen sind überall Vor- und Zwischenläuse notwendig, um die besten für den Endkampf festzustellen. Auch alle Sprung- und Wurf- konkurrenzen haben sehr gute Teilnehmerzahl aufzuweisen. In d«n verschiedenen Stafftln werden 64 Mannschaften ihre Kräfte messen. Auch Mittel- und Langstrecken haben gute Besetzung gefunden. Der 1000-Meter-Lauf der Jugendlichen muß wegen der großen Teil- nehmerzahl in mehreren Läufen ausgetragen werden. Meldungen für die leichtathletifchen W«ttkämpfe können keine Berücksichtigung 'mehr finden. Arbeitersportkarlell— werbeveranstallung in Weißensee. Sonn- tag, 23. Juni, 14 Uhr, Kartellsportfest im Stadion am Faulen See: Turnen, Leichtathletik, Tennis, Radfahren. Ein Fußballspiel Prag gegen Weißensee vervollständigt das Programm. Eintritt 0,50 M. Die Arbeiterschaft ist zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Zuschuß für die Internationale Rennwoche. Der Magistrat Berlin hat sich entschlossen, der Stadtverordneten-Verßmrmlung zu empfehlen, der Gewährung eines Zuschusses von 25000 M. für die Internationale Berliner Rennwoche zuzustinnsten. Die international« Woche bringt in der Zeit vom 14.— 21. Infi vier Renntage aus den Bahnen Grunewald, Hoppegarten und Karls- Horst, zahlreiche Nennungen aus Frankreich. England, Oesterreich und Pole» liegen dazu vor.• Kein Ausnahmerecht bei Scherl Hilgenberg vom Neichsarbeitsgericht verurteilt. Dem Offsctdrutfer Sj. bei Scherl wurde am 3. August 1S28 zum 10. August gekündigt. Der Verlag hielt sich berechtigt, chn noch dem Buchdruckertarif zu behandeln, während der Gekündigte eine 14tägige Kündigungsfrist beanspruchte, die ihm nach dem Tarif seines Wer- bandcs der Lithographen und Steindrucker zustand. Er forderte des- halb den Lohn für die ihm verweigerte Arbeckswoche. Das Arbeits- gcricht und das Londesarbeitsgericht Berlin nujßten anerkennen, dah der Kläger aus die Bedingungen des für Offsetdrucker geltenden all- gemein-verbindlichen Tarifvertrags der Lithographen Anspruch hat und sprachen ihm den Wochenlohn zu. Der Scherl-Beriag gab sich damit nicht zufrieden, so daß das '»teichsarbeitsgericht entscheiden mußte. Hugenbergs Rechtsberater begründeten den Einspruch gegen das Urteil damit, daß in den Echerl-chugenberg-Betrieben etwa 2000 Leute beschäftigt seien, die noch dem Buchdruckertaris entlohnt würden. Bon diesen Beschäftigten kämen nur 20 Offsetdrucker in Frage, die nach dem Tarif der Litho- graphen und Offsetdrucker entlohnt sein wallen. Auch rechtliche Rüo�n wurden vorgebracht. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision als völlig u n- begründet zurück. Die Offsetdruckerei der Beklagten sei eine eigene Abteilung, wo nur Lithographen, Offset- und Stein- drucker beschäftigt sind und für diese käme der Lithographen, und Offsetdruckertarif in Anwendung. Alle anderen Rügen rechtlicher wie materieller Art. mußten ebenfalls zurückgewiesen werden. Der Scherl-Bcrlag müßte wissen, daß für Lithographen und Offsctdrucker nicht der Tarifvertrag des Verbandes der Buchdrucker giß. sondern der Tarifvertrag des Verbandes der Lithographen. Er weiß wohl jetzt auch, daß er mit allen juristischen Einwendungen da« gegen nichts ausrichten kann, sondern sich wie jeder andere Verlag damit abzufinden Hot. Er bleibt seiner Haltung treu. Ein Standpunkt, der nichts tostet. Der Arbeitgeberverbond deutscher B e r sich« r u n g s- Unternehmungen teilt der Presse mit, daß die Schlichlerkammer am 14. Juni folgenden Schiedsspruch verkündet hat: „Mit Wirkung vom 1. April 1920 ab werden die nach Teil II des Reichstarifvertrages seit dem 1. April 1928 in Geltung ge- wesenen geldlichen Leistungen um 3 Proz. erhöht. Er- klärungssrist bis zum 20. Juni 1929." Dazu sei bemerkt:„In Uebereinstimmung mit seiner bis- her eingenommenen Haltung zu der Frage weiterer Erhöhungen der Tarifgehälter unter den gegenwärtigen Verhält- nisten Hot der Arbeitgeberverband deutscher Vcrsicherungsunter- nehmungen die Ablehnung des Schiedsspruchs erklärt." Run, die Angestellten hatten nach der ganzen bisher ein- genommenen Haltung dieses Arbeitgeberverbandes gegen Gehalts- erhöhungen sicherlich nichts anderes als die Ablehnung von ihm erwartet. Oer Streik der indischen Vaumwollspinner. Die Lage im indischen Baumwollspinnereistreik scheint sich ver- schärst zu haben. Der Gouverneur von Bombay wird nach seiner am Dienstag erfolgenden Ankunft mit verschiedenen Volksvertretern Besprechungen abhalten. Tarifabschluß im Malergewerve. Endgültige Entscheidung des HaupttarifamteS. Der Reichslohntorif für das Malergewerbe ist npnmehr abge. schloffen worden. Die Unternehmer hotten erst den Vorentscheid des Tarifamtes, wonach die Stundenlöhne ab 1. Itini bis 30. April 1910 um 6 Pf. erhöht werden sollen, abgelehnt. In«inigen Städten des Reichsgebietes, so auch in Berlin, war der Vorentscheid auch von den Arbeitern abgelehnt worden. � Die Mehrheit der Gehilfen im Reiche hott« jedoch dem«chieds- spruch zugestimmt. Bei den Verhandlungen vor dem Haupttariiamt beantragten die Unternehmer, daß die Aulagc von 6 Pf. in zwei Etappen gezahlt werden soll Das Haupttarifamt lehnte aber dieseiz Antrag ob und erklärte den Dorentscheid des Tarifamtes für ver- kindlich, so daß mit dem 1. Juni in Berlin die Erhöhung der Stundenlöhne aus 1,49 M. in Krast getreten ist. Die Versammlung der organisierten Berliner Maler, in der am Freitag im Gewcrkschaftshaus über den Abschluß der Lohn- bewegung berichtet wurde, gab dem Filialvorltand die Vollmach'. mit den Berliner Unternehmern nunmehr auch über den Abschluß eines Leistungsnormtarises zu verhandeln. Die Anwerbung von Arbeitnehmern Ins Ausland ist gc» nehmignngspslichtig. Da diese Bestimmung in der letzten Zeit in Ver- gessenheit geraten ist, macht die Reichsanstalt für Arbeitsvermiit- lung erneut auf sie ausmerkjam. Di« Genehmigung mutz bei dem Landesarbeitsamt nachgesucht werden, in dessen Bezirk die Anwerbung erfolgen soll. Vetter für Berlin: Heiter und am Tage msist schwache Lust. bewegung,—.Für Deutschland: Trocken und vielfach heiter mit rasch ansteigenden Tagcetemperatüren. IsiSOtes, l-iditspisls usw. Rose-Theater CroSa Frankfurter Str. 132. TSgUda 8.15 Uhr; [ KomOdle In 4 Akten t. H. A. Kllm Gartenbühne: 8,15 Uhr „Die geschiedene Frau" ßüGfintSOFC»trhin Iii« II« KIEI8EII IHIQGn DcSUDuClS ioilartaimMiflin hjllinl Ks.fankfe" int tnhtio nlcnrdatliik Ulliiy I 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 O'HanEsn& zamDuni und die weiteren Aiaroktionen Relchshallen-Theater Allabrodlldi[Tj utir Slelflner sanier u. a.:„Sine tladil ihn Stalairelnkeller". SommerDrslsel Biiieube- bestellung. Zentrnm 11283 .Dönhoff- Bro tti: (Saal und Garten) VarlMS— Tain— Beober-Konrert Sommer-Garten-Theater Berliner Prater Msa, Ka5t.-Anee7-9. Tel. Hb. 2246 Gastspiel fiosiel Beer, Gietel Ullen in der Operette „Oer erden Liebe soid'ne Zelt" Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner:„er Ist Hotb der Papa". Burleske in 1 AktmitGustel Beer, Gretel Lilien. Dazu der große neue Tarteldcil. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variet« 0 III», ßperelte 8.30. ledeo Donoerstag greller Volksiag. VoiKsbttlme rtuater in BQIowglsli . 8 Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Staad. Sdiiller-Th- 8 Uhr Die Weber Staaisaper an Plan der Bapabllb 7' j Uhr Hoffmanns Heute Volksfag Nur 60 PL 1 Kind frei 2fltlraktionen gratis Brillant- Fauerwark Raubtiera Im Globus Mittwoch militAr-musik (Massen-Konzert) Grosser Zaplenstreich Mittwoch, den 19. Jnni nachmittags Z Uhr D.I. Norden 12310 SU- Ende gegen II Dia Fledarmans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik- Einstud. und Leitg. Erich Wolfg. Korngold. Die Komödie I Bismck.2414/7516 ' � Ende geg. lO'/aU. Oer MaiD, der seinen (lamen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Lessing-Tlieater Täglich 8>/. Uhr im betrog' Dim nuransLiaiie Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. Deotsdier TeitilarlieMM Verwaltung Berlin. Mm Sonntag, dem 15. Juni 1929, verschied unser Kollege, der Sebct Julius Schultze Dir Sectbigung findet om Mittwoch. dem 19. Juni 1928. von der Leichenhalle de» Bai IhoIomLuo- Kirchhofe«. Weiheniee, Foifenberger Strohe, nach- mittag» 3'h Uhr. statt Stege Beteiligung erwartet Die OrtsoersiaXtuag. r— Orioiflal-Beleioa— 1 Neu I DreMeü I Ein Grifi• ein Best Deutsches Reichspatent 458 204 mit doppelseitiger Patent-Matratze Painnt-Mairätken u. Buhebeilen mit Bet ima- Federung sind ge- ■äuschleis und liegen sich nicht ein. 2 1 I Garantie, eherall erhältlich Beii. Pcder-Mair.-Fabrtb. lappenstr. 29 auch bis zu 18 Monats-ßaten MaMufz Berlin W66. Leipziger Strafte 122/123 Ingenieurschule B2dSu]za|Thür. Höhere Tcchn. LchranMalt, Maschinenbau, Elektro technik, Automobil- und Flugtechnik, Gas- und Wasscrtcchnlk, Chemie. Programm irci Q| Di« AHtivcnUn erhalten dae Zeugnis der mittl. Reife J lltsi. Rustin-TlL Täglich SV- Uhr: Polfllsche Wirtschaft Trianon-Th. Täglich 8>(« Uhr Sonntag d'/i u. S'/i Gastspiel an Tegern- seer BaierabBluie moral unterm Himmsiben Für Jugendliche nicht geeignet. Run d fun khöre r halbe Preise. Metropol-Th. FUlSPltla 1929 Tägl. 8''< Uhr Blanttari Operette von Ofscnbach littae Dorsch Lea Slezak gamowskj-BOliiien Theater ia dar Klaifgrätzar StraB» Täglich 8V. Uhr Rival en Komödienhaus Täglich S1/* Uhr CharlefsTame mtt Cur» Bot». Lostspielbaus Tägl. 8'. Uhr Sonntag 3 i u. 8'/« Fraai Ubers Welier- iab Frledsritt? Telephon Steinplau 0931■ u 7180 Plane tarlnni —— am Zoo— Viritnt ludiienttiilei Unit B. 5 Barbarossa 5578 16'/, Uhr Starnbiieer de« Sommers >8". Uhr Oer aiuthell der Senne 20", U.*oo Pel ru Pol am Starnaehimmal Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder 50 Fi Mltrw.; Erwachsero 50 PL, Kinder 25 Pf © sa Potsdamer Strafe 38 Der Graf von Monte Chrisio (II. Teil) mit LU Dagovcr Im Lande AmanullaVs Jugendliche haben Zutritt Rhcinstra�e 14 �.xlc!.-) Der König der Bernina mit Camilla Horn Der Student mit Basier Keaton Odeon, Potsdarper Str. 75 Das indisdbe Grabmal ff. u. N. Teil) mit Mia May, Conrad Veldi I Turms tra�c 12 Die Hose mit Jenny Jngo, Werner Krenh Sdiatten der Naeht(7 spann. Akte) Aicxanderstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet Ein kleiner Vorschub auf die Seligkeit mit Dina Graila Wem gehört meine Frau? (6 lustige Akte) E ScHaneHews"h Alhambra BfgI�hrsu Schöneberg. Hävptstr. 30 Casanova mit Iwan Mos/uUn, Jenny Jugo Grobes Beiprogramm Böhnenscbau Titania(ut« S�hOneberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 630 Uhr Ich Müsc Ihre Hand, Madame mit Liedtke Da* gröhtc Opfer mit Pefrovidi Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Was eine Freu im Frühling träomt Flacht der Deila Sdilütcr-Theatcr Schlüte rstr.-l7 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 4 U Der Jaz»anger mit AI Jolson (mit Toneinlagen) 5 O 5., Schilf In Not ■«teall«.■ Tiiania-Palast Steglitz, Schloßstr.5. Ecke Gutsmuthsstr. Ja, Ja, die Frau n sind meine schwadic Seile Auf der Bühne: Prof. Balogh-Trio. Sprlnging Fool V Uchterec'de-Weatp Uä I{ Wochentags 630, 9 Uhr ni'L.1 gtg. s, 7, 9 U Stg. 3 U. J.-V. Hindenburgdamm 58a Die longtran von Orlean« Wem gehört meine FraoT mit F. Kampen Bühnensdtau ��>_Südwe»ten___>p Flim-Pa'.ast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Grobstadtfugend mit Harry Liedtke Wächier des Glücks Jir Martendorf Mariendorter Lichtspiele Chau$seestraßc 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Die Tochter Napoleons mit Lya Maro Der neue Weltmeister mit Fairbanks Bühnenschau Süd an Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 430 Uhr Geechminkte Jugend mit Tony t. Byk Maddsenedien mit Harold Lloyd Filmeck Beginn: Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Mahl. Zimmer mit Hans Albere Wae kostet Liebe mit Margot Landa (rate Böhnenschea Urania-Thealer Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7. 9 Uhr Drei Mädel und ihre Freier Polnische Wirtschaft Internationale Böhne Primus-Palast Hermannplatz Varielä mit Emil Jennlngs, Lya de Pntti, Mall Deladiait Auf der Bühne: .Nach der Schale* mit ZvQllngsbrader Nenmann Lya a. Wolf, eleg. Trapezakt — MO—— M—«— Ui MI—— W Nledamchöwwldd U Blysium GiwSm*) Hasselwerderstraße 17 Der weihe Harem mit Evelyn Brent Das große Beiprogramm Gate Böhnensch an Q_ Weinensee � Schloßpark FOm- Bühne Berliner Allee 205—210 Der Saab der Sehincrinnen Harry Biels schwerster Sieg Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentg. ab 7 U-, Sonntag ab 5 U Das große Doppelprogramm-. Absdiledswalxer (Chopins letzte Liebe) Die Kosaken mit John Gilbert und das neue Tontilmprögramm Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 12) Der Mann der lacht mit C Veldl, Mary PhUhtn Hoppla, Vater siehfs Ja midü mit Laora la Plante Große BOlwensdiaa Concordia-Palast Andreasstriße 64 Der Graf von Monte Chrialo II Bröuil' am auf Kredit Bühnexucfaau Kosmos-Lichtspicle Lichtenberg, Lückstraße 70 Tagebuch e. Jonggeaellea mit Schünrrl Rutschbahn mit Heinrich George Rühncnsdhau Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Die Vierte t. rechts mit O. Oswalde Der Bett eis tndent mit Harry Liedtke > Mordoafn W „Elysium" Prenzlauer Allee SS— Film und Bühne Die wunderbare Löge der Nina Petrowna mit Br. Helm Bühne: L. Morgenstern Grobe Bühne neehap Morel an Skala-Lichtspiclc Schönhauser Allee 80 Glanz and Elend der Kurtisanen Ariadne In Hoppegarten mit A. Abel CollOSSCUm Böhncmsdhan Schönhauser Allee 123, Die Fraa nach der man sieh sehnt Im Lande Aman Ullahs Böbnenschao Alhambra MÖllerstraßc, Ecke Seestrabe Wae kostet Liebe T Beiprogramm Bübaeuschau Forhma-T ageskino Müllerstraßc\Zc Beg. 10 U. Vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt Produktion Mctro-Palast Chausseesrraße 30 Die Dame in Schwärs mit L. Haid Quartier Latin(Stadt der Liebe) Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5. 7, 9 Uhr Stg. 3 U. Jugend v. Das Kcdit der Ungeborenen Seine größte Liebe mit Aljr. Fryland ssRialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Das grohe FUroprogramm Die gute Böhnenscbaa Ballsdunicdcr- Lichlsp. Badstraße 16 Vh warzwal dldnder mit A. Steinrück Unsere Liebe war Sünde m. Glbsou Grobe Bühaensebao Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die Dome In Schwärs mit Liane Haid Ihre zweite Ehe Beiprogramm Große Böhnensch«n Palast-Theater Breite Straße 21 a Gannerliebchen Fraa Sorge(nach Sudermann) „Alhambra' Badstraße 58* Schneetdbahbandlten Die Nichte einer schönen Fraa Grobe Böhncnschaa Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Fat o. Patochon am Nordseesirand Sönderln Weib mit Maria Corda Böbnenschao Film-Palast Blankenborger Straße 4 Ihr dunkler Punkt mit Lilien Har.ey Oer Fönt yon Pappen beim > BnlnlcKnnctore-Ost R Bürgergart cn-Lichtsp. Hauptstraße ii Gefangene dea Meeres Der Schi anberger