Morgenausgabe Nr. 281 A 142 46.Iahrgang DöchenStch SSV?» monatlich S�YA. lm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Psg. Pcstzeitung»» und 72 Pfg. Postbestellgebühreu. Auslands« abonnemem 6.— M. pro Monat. Der„VonvSrts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Kinderfreund-. Ferner "merhalnxng und Wissen"..Frauen« mme"..Technik"..Blick in die ücherwelt" und.Iugend'Vonvcirts* Berliner voltsvlan Mitiwoch ?ly. Juni 1929 Groß-ÄeNin IT pf. Auswärts i Z ps. Die etnspattlge'Nonpareillezeil» LO Pfennig. Reklame'eile 5.— Reich». mark.„Kleine Anz�igen� da» ellge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässlg zwe» fettaedruckte Worte), sede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erst» Wort 1.Ü Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsma,?« Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt- geschast Lindenstraße S. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Jentrawesan der Gozialdemosvatifchen Partei DentfchlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratz« 3 g«rnlprech«r: Dönhofl RS— 2S7 Telegrmnm-Sdr.: Soztalde«okia« verli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Vostlcheckkonto: Berlin 57 5ZS.— vanklonto: Bank der Arbeiter, Ängestellien »nb Beamte» Dallstr. KS. Diikonto-Eelellschaft, Depositenkalle Lindenstr i Die Abrüstung zur See. Macdonald und Oawes laden alle Geemächie ein. London, 18. Juni.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Ramsay Macdonald und der nord- amerikanische Botschafter D a w e s haben Erklärungen zu ihrer Be- sprechung über die Frage der Abrüstung zur See abgegeben. Macdonold sprach auf einem vom Stadtrat seines Geburtsortes Lossiemouth(Schottland) veranstalteten Bankett. Er begann mit den Worten. Freund und Feind könnten nicht leugnen, daß die Arbeiterregierung keine Zeit verloren habe, um die Dinge in Angriff zu nehmen. Er habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß das Problem der Beziehungen zu Amerika für ihn im Vordergrund der zu lösenden Fragen stehe. Die Unterredung mit Botschafter Dawes habe bewiesen, daß sie beide dieselben all- gemeinen Auffassungen über den Frieden besäßen...Wir sind", so betont« Macdonald,„nicht zusammengekommen, um ander« See- mächte zu bedrohen oder zu beherrschen, noch um eine Allianz oder einen Pakt zu schließen. Wir wollen nicht die anderen Nationen vor eine vollendete Tatsache stellen. Wir hoffen, Besprechungen um den runden Tisch zustandezubringen, an denen auch die anderen Nationen im Geiste gemeinschaftlicher Zusammen- gehörigkeit teilnehmen können. Ihr Gefühl der Sicherheit soll in Zukunft nicht aus Waffen, sondern aus dem Fehlen von Waffen beruhen. Macdonald sprach schließlich die Hoffnung aus, daß weder die großen noch die Neinen Staaten irgendwelche Zweifel an dem all um- fassenden Charakter dieser englisch-amerikanischen Besprechung hegen mögen. Die mächtige Republik(USA.) wünsch« in keinerlei europäische Bindungen oder Allianzen einzutreten, aber niemand dürfe irgendeinen Zweifel an ihrem Willen hegen, dem gemeinsamen Interesse des Friedens und der Demokratie zu dienen. Gewiß Schwierigkeiten zu überwinden sei die große Ausgabe der gemein- samen Besprechung. Macdonald schloß mit einem Appell an die Nation, ohne Rücksicht auf die Parteipolitik bei dieser Arbeit mit- zuwirken, um den Staatsmännern zu ermöglichen, das Werk zu einem erfolgreichen Abschluß zubringen. Auf seiner zur gleichen Stunde aps einem Bankett in London gehaltenen Rede erklärte Botschafter Dawes, daß der nord- amerikanische Kongreß den Präsidenten ermächtigt habe, das bereits bewilligte Schifsbauprogramm zu suspendieren, falls ein internationales Abkommen über die Abrüstung zur See zustande käme. Dawes unterstrich, daß ein Abkommen über die Verhandlungsmethode von Anfang an alle interessierten Seemächte belressen und keine teilweise, sondern«ine Weltzustimmung besitzen müsi«. Dawes wog in längeren Ausführungen die Aufgabe der technischen Sachverständigen und Marinefachleute und der Politiker gegeneinander ab und betonte, daß von Zusammenkünften der> Marinesachoerständigen keine Einigung zu erwarten sei. Schließlich erklärte Dawes. das Scheitern der Seeabrüstungskonferenz von 1927 sei nicht aus ein Versagen der einzelnen Mitglieder dieser Kom- Mission, sondern der Verhandlungsmethoden zurück- zuführen. Frieöensrede Henderfons. Auf dem Pilgrimbankett entbot Staatssekretär Henderson dem Botschafter Dawes den Willkomm. Henderfon betonte, daß dies auch fein erstes öffentliches Auftreten bei sehr beschränkter Vertrautheit mit seinen neuen Pflichten im Auswärtigen Amt sei. „Heute kommen Sie", so erklärte der Staatesekretär,„in unsere Mitte als der Botschafter eines großen und freundschaftlichen Nachbarn. Ihne Nation hat eine wichtige Rolle im Kamps für die Freiheit gespielt, und sie ist dazu berufen, eine bedeutsame Rolle in der Sache des Friedens zu spielen, indem sie die Nationen dazu führt, nicht auf Gewalt, sondern auf moralisches Recht und Völkerrecht zu vertrauen. Die Demokratien, die Sie und w i r vertreten, sind während eines langen Zeitraumes in kameradschaftlichem Einvernehmen Seite an Seite marschiert. Das gegenseitig« vertrauen besteht zwischen ihnen weiter fort, ebenso wohlb«gründete gegenseitige Achtung und geineinschastliches Streben sind die wesentlichen Bestandteile wirklicher Freundschaft und ersprießlicher Zusammenarbeit. Beide Nationen werden von den gleichen Idealen des Friedens und der menschlichen Wohlfahrt beseelt. Sie find eins in dem Wunsche, den Krieg au» der Sphäre der ioier- nationalen Beziehungen zu beseitigen und da» mächtige Friedensgefühl der Völker in praktische Friedensmahnahmen umzuwandeln. Was Unheitstister und Wichtigtuer, wo immer sie sich befinden mögen, auch Gegenteiliges sagen mögen, ich behaupte ohne Zögern und ohne Einschränkung, daß dos britische Volk aus die vereinigten Staaten und aus a t> e anderen Nationen nur mit Freude in seinem herzen blickt. Wir wünschen die Ideal« des Friedens verwirklicht zu sehen: wir wünschen, daß der Frieden erhalten bleibe als ein dauern- des System der menschlichen Beziehungen, das sich auf die Zusammenarbeit der Nationen ausbaut. Die Völker der Welt wünschen den Frieden: sie sehnen sich nach jener Freiheit, die nur möglich ist, wenn es keinen Krieg mehr gibt. Die Welt braucht Abrüstung, die Völker sehnen sich danach, die Regierungen würden sie begrüßen. Die Völker der Welt sind der Ansicht, daß die Zeit zum Handeln gekommen ist. Sie erwarten, baß ihre Regierunge» entschlossen die Schwierigkeiten in An- griff nehmen, und sie auf das Hochplateau des Friedens, der Freundschaft und der Zusammenarbeit führen werden, das zu er- reichen sie sich während langer Generationen bemüht haben." Ltm die Kenten der Siandesherren. Deutsche Volkspartei gegen das Sperrgeseh. Ueber die Frag« der Abfindung der Standesherren fanden gestern im Reichstag Verhandlungen der Vertreter der Regierungs« Parteien mit dem Reichsjusfizminister v. Guerard statt. Die Rc- gierung wünscht, daß die schwebenden Prozesse durch eine Sperre unterbrochen werden, um Raum für eine gesetzliche Regelung zu schaffen. Wie wir hören, sind die Parteien des Zentrums, der Demo- traten und der Sozialdemokraten dem Wunsch« der Regierung ge- neigt, während von der Deutschen Bolkspartei Be- denken erhoben worden sind. Ein Ergebnis ist in den heutigen Verhandlungen nicht erzielt worden. Aus der pariser Werkstatt. Warum die Einigung beschleunigt wurde. Clinton(New Port), 18. Juni. O w�n D. P o u n g, der zum Ehrendoktor des Hanrilton-College ernannt vRirde. sagte, eine Bcrständigung in Paris hätte grundsätzlich Anfang Juni erreicht werden können. Es wäre aber möglich gewesen. daß die Verhandlungen noch lange ohne Endergebnis hätten weiterdauern können. Daher habe er den Delegierten den Wunsch ausgesprochen, die Verhandlungen zu beschleunigen, da er Mitte Juni bei der Hochzeit seines Sohnes und bei der Verleihung des Ehrendoktorats anwesend sein wollte. Die Reparationsdelegrerten hätten dann, seinem Wunsche Rechnung tragend, sich beeilt, die Verhandlungen zu einem raschen Ende zu führen. USA. am Uoung-Plan nicht beteiligt. Präsident H o o v e r erklärte auf eine Anfrage, die Regierung der Vereinigten Staaten sei am Young-Plan nicht beteiligt und werde daher dos Abkommen der anderen Regierungen nicht pntcrzeichnen. Die einzige Ermächtigung, die die Regierung vom Kongreß zu erbitten habe, sei die Zustimmung zu der E r- m ä ß i g u n g der deutschen vertraglichen Derpslichtungen auf Grun5 von Entscheidungen der gemischten Kommission sowie bezüglich des Neinen Teils der B e s a tz u n g s k o st e n. Paul Lobe in Warschau. Die Hoffnung auf die Arbeiierregierung. Warschau, 18. Juni.(Eigenbericht.) Reichstagspräsident Paul Lob« ist bei seinem Eintreffen von zahfa-eichen Pressevertretern ausgefragt worden, besonders über feine Meinung zum Umschwung in England. Er äußerte die Zuoersichl, daß die britische Arbeiterregierung die Abrüstung endlich vor- wärt»bringen werde. Löbe betonte den ehrlichen Friedenswillen oller Dölker, auch des deutschen und des polnischen, die das lebhafte Inter- esse an politischer und wirtschaftlicher Verständigung hoben. Am Abend spricht Löbe in einer sozialistischen Versammlung über„Demo- kratie»der Diktatur", wobei er natürlich die inneren Verhältnisse P o l en z nicht erörtern wird. Von den angekündigten Gegenkund- gedungen der Renegaten, die sich„PPS.-Revokutianäre Fraktion' nennen, war tagsüber nichts zu merken. Oer Verirag mit der Kurie. Besprechung im Verfassungsausschuß des Staatsrats. Der Dersassungsausschuß des Preußischen Staatsrate- wird am Mittwochmittag zur Besprechung des Vertrags mit der Kurie zu- sammentreten. Es werden in dieser Sitzung voraussichtlich Minister- Präsident Braun und Kultusminister Becker das Wort nehinen. Erst nach der Sitzung wird die Entscheidung darüber fallen, ob der Staats- rat selbst noch in diesem Sitzungsabschnitt oder erst Anfang nächsten Monats die Borlage beraten wird. Oer Kampf geht weiter. Zur Vertagung des Sofort-Programms. Von S. Aufhäuser. Der Vertagungsbeschluß des Reichskabi- n e t t s zur Arbeitslosenversicherung bedeutet nicht nur eine terminmäßige Entscheidung. Er besagt vielmehr, daß die Mehrheit der Regierung nicht gewillt ist, das„Sofortpro- gramm" losgelöst von der notwendigen Neuregelung der Beiträge und der Saisonarbeitslosenunterstützung als isolierte Vorlage den gesetzgebenden Körperschaften einzubringen. Diese Kabinettsentscheidung entspricht insofern der von der sozialdemokratischen Reich tags- fraktion eingenommenen Haltung, als damit die Frage der Sanierung der Reichsanstalt wiederum in den Mittelpunkt aller Maßnahmen gestellt wird. Es muß daran erinnert werden, daß die finanziellen Schwierigkeiten der An- stalt den Ausgangspunkt der ganzen Erörterung gebildet hatten. Auch die wiederholten Ankündigungen der Reichs- regierung, noch vor den Sommerferien ein Sofortprogramm vorlegen zu wollen, standen stets mit dem Ziel im Zusammen- hang, das Reich vor einer übermäßigen finanziellen Be- lastung für Darlehen an die Arbeitslosenversicherung frei zu machen. Die Beitragserhöhung zählte somit von Ansang an mit zu den vordringlichen Maßnahmen. Die Sozialdemokratie war bereit, auch die tatsächlichen Mißstände im geltenden Arbeitslosenversicherungsgesctz durch eine vor den Neichstagsferien zu verabschiedende Novelle zu beheben. Diesem Zwecke sollte die vom Reichsarbeitsminister dem Kabinett im Mai gemachte Vorlage eines Sofortpro- gramms dienen. DieSozialdemokratie weißsichmit derArbeiter- schaft einig, wenn sie Sicherungen zu treffen bereit ist, wo etwa die Arbeitslosenunterstützung mißbräuchlich und damit zum Schaden der wirklich notleidenden Erwerbslosen in Anspruch genommen werden kann. Es hat sich freilich gezeigt, daß gegen Mißbräuche eine straffe Verwaltung das wirksamste Mittel darstellt. Es war auch jedem Sachkenner bekannt, daß das Sofortprogramm, das sich auf die Beseitigung dieser technischen Mißstände beschränkt, im Höchstfall eine Ersparnis von 25 bis 39 Millionen Mark, also in keinem Falle etwa die Sanierung der Versicherung bringen kann. Der Reichsarbeitsminister hatte deshalb schon im Mai zu- sammen mit dem Sofortprogramm die Beitragser- höhung im Kabinett mit in Vorschlag ge- bracht. Ebenso hatte er die Verlängerung der am 1. Ok- tober ablaufenden Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeits- lofigkeit in Vorschlag gebracht. Auf die Kabinettssitzung vom 31. Mai waren dann Verhandlungen der Regierungsparteien gefolgt, bei denen die sozialdemokratischen VerHändler auf einer gemeinsamen Verabschiedung der drei zusammen- hängenden Fragen(Sofortprogramm, Beitragserhöhung und Saisonarbeitslosenunterstützung) bestehen mußten. Die Ver- Handlungen waren an dem beharrlichen Wider st and der Deutschen Volkspartei gegen jede, auch be- fristete Beitragserhöhung, gescheitert. Diese Opposition gegen eine notwendige Beitragserhöhung bedeutet, daß der Reichs- anstall die in den Sommermonaten möglichen Mehrein- nahmen versagt bleiben, sie also außerstande gesetzt wird, für den kommenden Winter einen ausreichenden Notstock anzu- sammeln. Die Absicht, durch eine Steigerung der Finanz- schwieri�keiten für den Herbst die Arbeitslosenversicherung „abbaureif" zu machen, war zu durchsichtig, als daß ihr die Sozialdemokratie als Verfechterin einer Erhaltung der be- stehenden Versicherung etwa hätte nachgeben dürfen. So hat sich aus dem Streit um die sofortige Beitrags- erhöhung der Kampf um die Erhaltung der Ar- beitslofenverficherung entwickelt. Dieses Ringen wird im September weitergehen. So dringend also auch sachlich die Verabschiedung der erwähnten dreigliedrigen Re- form noch vor den Sommerferien gewesen wäre, so konnte die Sozialdemokratie nicht bereit sein, sich für eine bewußte Verschleppung gerade der Finanzfrage mitverantwortlich machen zu lassen. Aber auch in der Neuregelung der Saison- arbeitslosenunter st ützung haben sich bisher in den Verhandlungen sehr scharfe Gegensätze gezeigt. Die gegen- wärtige Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit ist keine Ideallösung und erfährt auch in den Kreisen der Saisonarbeiter scharfe Kritik. Es darf auch ausgesprochen werden, daß der Reichszuschuß von 85 Millionen Mark für diese Gruppenfürsorge, wie er im letzten Winter notwendig geworden war, für die Dauer als ungewöhnlich hoch be- zeichnet werden muß. Ebenso hat sich die Bedürftigkeits- Prüfung in dieser Sonderfürsorge als überflüssig erwiesen, denn bisher war überhaupt nur bei 6 Proz. aller Saison- arbeite? die Bedürftigkeit bejaht worden. Es lohnt sich dem- nach, über den Einbau der Saisonarbeiterunterstützung in die Arbeitslosenversicherung zu diskutieren. Wenn aber bei den Verhandlungen Kürzungen der Unterstützungssätze für die Saisonarbeiter bis zu 60 Proz. der Normalsätze verlangt wer- den, so dürfte auch hier der entschiedene Widerstand der Sozialdemokratie als selbstverständlich gelten. So bedauerlich also im ganzen die Vertagung ist, so un- ausbleiblich war sie. um nicht die Bahn fiir den von gewissen Kreisen gewollten Abbau der Arbeitslosenversicherung im Herst geradezu zu ebnen. Wenn mit der Vertagung auch die Beitragserhöhung zunächst unterbleibt, so mögen ihre Gegner wissen, daß die Sozialdemokratie nicht geneigt ist, rm Herbst diesen Einnahmeausfall an Beiträgen durch Abbau aus- gleichen zu lassen. Die Folge kann vielmehr nur sein, daß in wenigen Monaten neue Reichsdarlehen gewährt werden müssen, die durch eine rechtzeitige Beitragsregelung vermeid- bar gewesen wären. Wie sehr auch die politische Zerreißung der Arbeiterschaft wiederum die Pläne der Sozialreaktion be- günstigt, mag daraus hervorgehen, daß eine sofortige parla- mentarische Aktion zwecks Beitragserhöhung an der EinHeils front von Deutschnationalen, Deutscher Volkspartei. Wirt schaftspartei. Demokratischer Partei und K o m m u n i st i- scher Partei hätte scheitern müssen. Die Sachverständigen kommission, die nun- mehr bis zur Septembertagung des Reichstages ihr Gut achten herstellen soll, wird beweisen, daß das Geschrei über Mißstände der Arbeitslosenversicherung unbegründet war. Die Einsetzung einer besonderen Kommission ist aber in diesem Fall nicht eine Ausflucht, sondern eine Notwendigkeit, um endlich der Hetze gegen die Arbeitslosenversicherung ein Ende zu bereiten. Die Sozialdemokratische Partei hat in wochen- langen Kämpfen gezeigt, daß sie nicht gewillt ist, an der Ar- beitslosenversicherung, als einer der größten Errungenschaften der Nachkriegszeit rütteln zu lassen, und daß sie e n t schlössen ist, durchzuhalten. Die Entscheidung ist vertagt, der Kampf geht weiter. Die Arbeitslosenversicherung wird erhalten bleiben. Die Lage in Sachsen. Ergebnisloser Verlans der Ministerpräsidentenwahl. Dresden, 18. Juni. In der Landtagssitzung stand di« Wahl des Minister» Präsidenten aus der Tagesordnung. Es wurden 94 gültig« Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf F l e i ß n e r(Soz.) 34, Dr. Blüher(D. Bp.) 13, Dr. Eberle(Dnat.) 9, auf den Abg. Kaiser (Wirsschastsp.) 1l, Buck(Altsoz.) 1, auf den gegenwärtigen Minister Präsidenten Heidt(Altsoz.) 2, den Innenminister Dr. Apclt(Dem.) 4, Bolksbildungsminister Dr. Bänger(D. Bp.) 1 und auf den Abg. Schreiber(Landbund) 5 Stimmen, während 17 weiße Zettel abge> geben wurden. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht bat, so ist die Wahl ergebnislos geblieben. Sie soll in der nächsten Sitzung am Donnerstag wiederholt werden. Nach Schluß der Sitzung erhob stch auf den Tribünen ein un- geheurer Tumult. Die Tumulsszenen setzten sich auch noch auf der Straße fort. Oer Pazifistenkrieg. Berliner Zriedenögesellfchast. Di« Pazifisten der Friedensgesellschaft liegen sich in den Haaren. Der Vorstand der Berliner Gruppe oer- sendet an die Mitglieder ein von Oberstudienrot Direktor Schöne» beck und Pastor Frank« gezeichnetes Rundschreiben, in dem es heißt, daß die von Küster im Nomen des Präsidiums der Friedensgeselljchaft veröffentlichte Erklärung, die Berliner Orts- gruppe fei aufgelöst, weder satzungsgemöh noch sachlich berechtigt sei. Sie habe also kein« Gültigkeit. Der bisherig« Vorstand der Berliner Ortsgruppe bleibe bestehen. Er werde bemüht sein, den Mitgliedern durch pazisistische Arbeit Anregung und Förderung zu bieten. Im Notsall werde die Ortsgruppe, um weiteren Störungen vorzubeugen, sich ol» Berliner Friedensgesellschaft konstituieren und damit von einer Zentrale unabhängig machen, die rür die Schwierigkeiten der Arbeit in der Großstadt kein Der- ständnis besitze. Bemerkenswert ist, daß der früher« Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, Professor Q u i d d e, der dem System Küster weichen mußte, am Donnerstag in einer Mitgliederversammlung der angeblich aufgelösten Gruppe einen Vortrag hält. Preußen und Bayern. Zur Regelung der Postabfindung Bayerns. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Di« Korre- spondenz der Bayerischen Volkspartei wirft der preußischen Re- gierung eine kleinliche Haltung vor, weil sie gegen eine Vorzugs- messe Abschlagszahlung an Bayern auf seine Postabfindumg in Höhe von 20 Millionen Mark Einspruch erhoben hat. Die preußische Re» gierung hat lediglich verlangt, daß für die Regelung der Postabfin- dung der im§ 13 des Reichspostsinonzgesetzes vorgeschriebene Weg eingehalten wird, wonach die Zustimmung des Reichsrats vorher eingeholt werden nniß. Bayern, das sich gegen jede Umgehung der gesetzlichen Rechte des Reichsrats besonders nachdrücklich zur Wehr zu fetzen pflegt, sollte für diesen Standpunkt Verständnis haben, den die Reichsregierung übrigens als berechtigt anerkennen mußt«. Die Amiahme der Korrespondenz, daß der Chef der preußischen Regierung„keinen besonderen Wert auf die Pflege eines bundes- neundlichen Verhältnisses zu den süddeutschen Ländern lege", ist ab. wcgig. Im Gegenteil hat sich die preußisch« Regierung bereit er» klärt, einer anderweitigen entgegenkommenden Hilf« des Reiches nicht widersprechen zu wollen, obwohl feste Verabredungen über ein« gleichzeitige Regelung der finanziellen Entschädigungzfragen dv Länder bestanden. Feier des Verfaffungstages-1929. Bezirksjugendtreffen am 11. August. Der preußische Minister für Bolkswohlfahrt Hot schon vor längerer Zeit in einem Erlaß vom 3. Januar 1929 auf di« Bedeu- tung einer würdigen Feier des Dsrsassungstages hingewiesen und angeregt, am 11. August 1929 im Rahmen der sonstigen Feiern Bezirks- oder Kreisjugendfeste bzw.-tresfen abzuhalten. Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, kann nach den vorliegenden Berichten der Regierungspräsidenten damit gerechnet werden, daß in den meisten Regierungsbezirken am Verfassungstage Bezirks-Iugendtreffen. die von Sportveranstal- t u n g c n eingerahmt werden, stattfinden. Der Siedlungsausschuß. Der Reichstagsausschuß für laudwirtschaftliches S i e d l u n g s w e f e n und Pacht» s ch u tz s r a g e n beschloß am Dienstag, den Zinssatz für die im Höchstfall zweijährigen Z w i s ch e n k r« d I t e an die Siedlung?. Unternehmer auf sünf Prozent festzusetzen. In diesen fünf Pro- zent sollen sämtliche Kosten für die Siedler enthalten sein. Der Exekutioausschuß der Zulerparlameolarischeu Frledensunlou tagt in Paris unter dem Vorsitz de» Kammerpräsidenten Bouisson. Deusschland oertritt Dr. Eduard David. Hoffnung auf den Staatsgerichtshof Ein voreiliges deutschnationales Schreiben. Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Land» tags hat an den Landeswahlleiter, das Wahlprüfungsgericht und an das Staatsministerium folgendes Schreiben gerichtet: „Durch die Entscheidung des Staotsgerichtshoscs vom 22. März 1929 ist rechtskräftig festgestellt worden, daß die Bestimmung eine» Landeswohlgesetzes nichtig ist. welche die Bewertung der auf ein« Partei entfallenden R« st st i m m e n bei der Verteilung der Mandate auf der L a n d e s l i st e davon abhängig macht, daß diese Parte: nur dann ein Mandat auf der Landesliste erhallen kann, wenn und soweit ihr ein Mandat in einzelnen Wahl- kreisen zugefallen ist. Der Staatsgerichtshos sührt ein- gehend und überzeugend aus, daß eine solche landesrechtüche Bestimmung im Widerspruch mit der Reichsversassung steht. Unter Bezug- »ahme auf diese Entscheidung des Staatsgerichtshofes beantragen wir, daß dies« grundsätzlich« Entscheidung des Staatsgerichtshofes seitens des Wahlprüfungsgerichts bei der demnächst zu erfolgenden Nachprüfung der Mandate, welche auf die Landesliste entfallen, Berücksichtigung findet. Wir sind der Auffassung, daß dos Wahl- Prüfungsgericht an diese Entscheidung des höchsten Gerichtshofes gebunden ist." Vor etwa Jahresfrist haben die Nationalsozialisten beim Staatsgerichtshos Klage eingereicht, weil ß 81 Abs. 2 des preußischen Wahlgesetzes im Widerspruch mit der Verfassung stehe. Eine Entscheidung des Staatsgerichtshofs über diese Klage ist noch nicht gefällt, dürfte auch in den nächsten Mo- naten noch nicht gefällt werden. Das deutschnationale Schreiben ist deshalb zum mindesten voreilig. Die Hoffnung der Deutschnationalen ist. daß ein Urteil des Staatsgerichtshofes zugunsten der Kläger die preußische Koalitionsmehrheit schwächen würde. ß 31 Abs. 2 des preußischen Wahlgesetzes lautet: „Einem Landeswahlvarschlag kann höchstens die gleiche Zahl der Abgeordnetensitze zugeteilt werden, die auf die ihm angeschlossenen Kreiswahloorschläge enssallen sind." Diese Bestimmung des preußischen Wahlgesetzes ist wärt- lich dem Z 32 des Rcichswahlgcsetzes vom 27. April 1920' entnommen, der unverändert in das Reichswahlgesetz vom 6. März 1924 übernommen wurde. Das Reichswahl- gesetz vom 27. April 1920 ist von der verfassunggebenden Nationalversammlung beschlossen worden, übrigens mit Zwei» drittelmehrheit, ist also durch ein Urteil des Staatsgerichts- Hofes nicht antastbar. -142 Millionen nacherhobene Steuern. Durch die Arbeit der Buchprüfer. Die von den Landesfinanzänttern beauftragten steuerlichen Betriebs- und Buchprüfer arbeiten mit wachsenden Erfolgen. Nach einer Mitteilung des Reichsfinanzministeriums hat sich das Ergeb- nis der steuerlichen Nachprüfungen 1929 gegenüber dem Dorjahr um 16 Prozent oerbessert. Es handelt stch dabei um sehr respektable Summen: um nicht weniger als 121,29 Mil- l ion e n R e i ch s st e u e rn.(davon 56,45 Mill. Einkommen-, 34,46 Mill. Körperschasts-, 12,88 Mill. Umsatz-. 5.28 Mill. Ber- mögens- und 12,20 Millionen sonstig« Reichssteuern), ferner um 20,90 Millionen Landes- und sonstige Steuern. 2,89 Millionen Mark Geldstrafen mußten verhängt werden. Angesichts dieser günstigen Ergebnisse des Buch- und Betriebs- Prüfungsdienstes muß die Reichsfinanzoerwaltung den weiteren Ausbau des Buch- und Betriebsprüfungsdienstos fördern. Die Zahl der Buchprüfer muß weiterhin vergrößert werden. Ihre Anstellungsverhältnisse müssen so geregelt sein, daß diese wichtige Beamtenschicht nicht den Verlockungen der Privatwirtschaft unterliegt und alle Kräfte hergibt, um die Veranlagung mif einen möglichst günstigen Stand zu bringen. Von der sozialdemokratischen presse. Ihre Verbreitung im Osten. Am vorigen Sonntag waren in D a n z i g etwa 40 Vertreter der sozialdemokratischen Presse aus dem deutschen Osten versammelt, um wichtige Fragen der geschäftlichen und redaktionellen Praxis zu besprechen. Aus Stettin, Stralsund, Köslin, Stargard(Pommern), Danzig, Elbing und Königsberg nahmen an der Kanferenz etwa 40 Personen teil, Geschäftsführer. Redakteure und Buchhändler. Di« Verhandlungen wurden von dem Vizepräsidenten des Donz'ger Senats Gehl geleitet. Der Letter der Konzentration, der Dach- gesellschaft der sozialdemokratischen Parteibctriebe, Rupprecht- Berlin, hielt zuerst einen Vortrag über„Die Entwicklung der sozial de in akratischen Parteipress« in Deutschland". Er gab aufschlußreiche Mitteilungen über die Verbreitung und die Bedeutung der Parteipresse und zog daraus die notwendigen Fol- gerungen für die weitere Arbeit. Ueber die Werbekraft der Parte ipresfe sprach P r a g e r- Berlin. Sein besonderes Augenmerk richteie er auf die Modernisierung der sazialdemokrati- schen Tageszeitungen. An die beiden Vorträge schloß sich eine leb- haste und anregende Aussprache. Zum Schluß berichtete Ol brich- Berlin über.Di« Entwicklung des Parteibuch- Handels". Zeiiungsverboi. Die kommunistische„Tribüne" auf 3 Wochen verboten. Magdeburg. 18. Juni. Die kommunistisch« Tageszeitung.I>ie Tribüne" ist vom Ober- Präsidenten abermals, für die Zeit vom 18. Juni bis 8. Juli, wegen Verstoßes gegen � 7 Ziffer 4 des Republikschutzgefetzes(Vorbereitung zum Umsturz des Staates) o e r b o t e n worden. Zlnloß zum Verbot gab der Artikel„Kampf gegen den Krieg strafbar" in der Sonntagsnummer und die Wiedergabe der Rede des Vertreters der Kommunistischen Internationale auf dem kommunistischen Parteitag. Strafanträge gegen die»Tribüne". Di« kommunistisch«„Tribüne" verbrettet seit«inigen Tagen sensationell ausgemachte Meldungen über angebliche Milliarden- schiebungen verschiedener deutscher Minister. Finanzminister Hilf er ding und mehrere ander« Minister, die ebenfalls ange- griffen warben sind, haben gegen das Blatt Strafantrog ze- stellt._ Oer Auionomistenprozeß. Spitzelei und Erzchauvinismus. Bestraxou über Paris, 18. Juni.(Eigenbericht.) Im Raas- Prozeß behauptete der frühere Autonomist D ums er, daß das Elsässer Volk bereits 1919 regionale Selbst- Verwaltung gefordert habe. Um„die Hand Deutschlands" darin zu erkennen, müsse man das wissenschaftliche Forschungs- i n st i t u t für Elsaß-Lothringen in Frankfurt a. M. und den Deutschen Schutzbund nennen. Das Institut propagiere den Gedanken, daß der Vertrag von Versailles'ungültig sei und Deutsch- Staatsoper Linter den Linden. Gastspiel des Oiaghileff-Lalletts. Die Leitung der Berliner Festspiele oerhängt« gestern über uns einen Dioghileff-Abend in der Lindenoper. Fast drei Stunden lange Welle. Das Publikum blieb kühl. Rur einige Tänze der R i t i t i n a und des Lifar fanden lebhafteren Beifall. Es wird über dieses Ereignis noch zu sprechen sein. I. S. land nicht auf Elsaß-Lothringen verzichte. Für diese Propaganda habe das Institut 250 000 Franken ausgegeben. Essässischen Ab- nehmern der Deröffentlichungen seien 50 Proz. Rabatt gewährt worden. Der Autonomistenführer Abbö Goldschmidt habe 6000 Kilogramm Bücher aus Deutschland, die Zeitschrist „Zukunft" und der Heimatbund deuffches Geld erhalten. Der Adbä Faßhauer habe jeden Monat zum Geldempfong den Professor Hardt in der Schweiz getroffen und von einem Dr. Scherer 70 000 Franken sür die Gesellschaft„Erwinia" erhalten. Aus den Zeugenaussagen über die Ursprünge der auto- nomistischen Bewegung oerdient besonders die Aussage des Colmarer Abg. Haus Interesse, der sich gegen die Legende wandte, daß das Deutsche mit Gewalt nach 1870 im Elsaß einge- sührt worden sei! Die Elsässer hätten immer deutsch gesprochen. seien ober im Herzen doch gute Franzosen. 1918 habe das Elsaß sein« ganzen Kräfte Frankreich geweiht, aber man habe«inen Miß- griff nach dem anderen begangen. Taufende von jungen Elsässern, die vor dem Kriege unter der deutschen Herrschaft gelitten und sich nach ihrem wahren Baterland zurückgesehnt hätten, seien in Frank- reich geradezu als Verräter behoichclt worden. Oie Mieienfrage in Oeutschösterreich. Neuregelung durch das Parlament. Als ein Zeichen der Milderung des Parteigegensatzes>n Deutschösterreich fett dem Rücktritt Dr. Seipels wird man die par- lomeiUarische Erledigung der Mictcnoorlagc im Nationalrot und im Bundesrat ansehen können. Jahrelang hatte die sozioldemokrot'- sch« Opposition durch Obstruktion verhindert, was nun— freilich in stark verbesserter Form— Gesetz wird. Es trttt eine geringe Er» höhung der Mieten ein. ober zugleich wird der Ausgleict�sonds g?- schaffen, der den Mietern alter Häuser die Reparaturkosten mildert. da sie von den Bewohnern neuerer Häuser, die noch nicht so aus- besjerungsbedürstig sind, mttgetrogen werden. Die Gemeinden er. halten das ihnen bisher fehlende Enteignungsrecht und können da- durch manches Bauhindernis beseitigen. Der Ertrag der Mieten» crhöhung dient großenteils zur Finanzierung ö s s e n t- l i ch e r Wohn bauten des Bundes. Diese Mieterhöhung aber beträgt im Durchschnitt in Wien fiir eine Arbeiterwohnung monatlich 1,50 S.(90 Pf.!), für größere Wohnungen 4 50 S. (2,70 Mk.). Diese Neuregelung für dx e i Jahre bringt den Hausbesitzern und ihren Anwälten ungleich weniger ais die Vorlage Seipels ihnen geben wollte. 1931 ist wieder Parlomentswahl, das Volk wird dann über die Weitergestaltung der Mietensragc selbst bestimmen. Eine gewiss« Lockerung haben die Sozialdemokraten zugelassen, weil ohne Sicherung öffentlichen Wohnbaues, ouch außerhalb von Wien, der Mieterschutz bei dem dringenden Wohnungsbedürsnis der vielen Tausend jungen Ehepaare nicht zu halten wäre. Den Sozial- demotraten ist es auch gelungen, olle mtt der Wohnung vermieteten Gärten bis 120 Quadrattneter unter der Zwangsmiete zu lassen: der Gemüse- und Kartoffelbau der Armen in den Kleinstädten und Dörfern wird also nicht verteuert. Empfindlich benachteiligt wird die Prov-inz in der Höhe des Mietzinses und in der Zulassung„freier" Mietzinsvereinbarungen. Di« Folgen werden stch bis 1931 genügend klar gezeigt und der Bürgerblock wird sie zu oerantworten haben. Auch ausschlußreif? Klara Zetkin in Deutschland. Der linkskommunistffch«„Volkswille" teilt mit:„Bor einigen Tagen fft Klara Zetkin, die in den letzten Jahren ständig in Sowjetrußland gelebt hat, wieder in Berlin«ingetros- sen. Es heißt, daß ihr« Abreise aus Moskau ernst« Konflikte mit Stalin und der Leitung der Kommunistischen Internatia- nal« vorausgegangen waren. Klara Zetkin steht bekanntlich bei den Brandlerianern. Ob sie noch Mitglied der Komintern bleibt, steht dahin." Strefewann hat in Madrid, die deutsche Oberrealfchule besucht. dann die Ausstellung in Barcelona und ist von dort nach Paris gefahren. Staatssekretär v. Schubert hat sich die Ausstellung in Sevilla angesehen. Arbeikerkämpfe zwischen Weißen und Schwarzen haben in Durban(Südafrika) einem Europäer und vier Eingehorchen das Leben gekostet, zehn Europäer und 41 Eingeborene wurden schwer verletzt. Auch ein europäischer Geheimpolizist soll getötet worden sein. Die Gesamtzahl der getöteten Eingeborenen wird mit 14 ange- geben. Der Pelroleumkönig Dekerding soll mtt dem venezolanischen Diktator G o m e z eng befreundet sein und ihm Millionen zu» wenden, wovon auch die Gomezleut« profitieren. Gegen ihre blutige Schreckensherrschaft soll der Putsch auf Willemstad gerichtet ge> wescm sein. Horlhy- Helden. Unter 2500 neuernannten ungarischen.Helden" sind Iwan Hejjas, der Massenmörder von Orgovany, reaktionäre Generäle, Oberst Gero«, der noch vor dem Krieg im Austrage der Regierung die Abgeordneten auseinander jagte, und — H o rthy I Michsfinanzen und �oung-plan. Die große Debatte im Reichstag. In der gestrigen Retchstagssitzung sprach noch dem Neichssitwnz- minister der Abg. Dr. Ouaah(Dnot.): Der Einnohmevoranschlag ist nach immer nichr genau festgestellt, auch sonst enthält der Etat viele Un- klarheiten. Ein bloßes Kassen deficit kann nicht die gewaltige Hohe unseres Defizits annehmen. Es ist gefährlich, dem Ausland vorzutäuschen, daß wir durch normale Steuern unser Defizit aus- gleichen könnten. Man muß dem Ausland sagen, daß unsere Wirt- schaft mit Steuern überlastet ist, aber trotzdem das Defizit nicht ausgeglichen, auch Anleihen nicht untergebracht werden können. Daher sollen wir uns nicht selbst in die Taschen lügen, sondern eine «vesentliche Herabsetzung unserer Tributleistungen verlangen. Der in Paris uns vom Ausland ausgestellte Wechsel vou 230 21111- lianeo auf die Reichsbahn ist ein frivoler völkerrechtswidriger Akt. der uns nicht die mindest« Erleichterung bringt. Es est unklar, ob die Herabsetzung der Iahresraten uns«in« wirkliche Entlastung bringt. Da Deutschlaitd nur aus erborgtem Geld bezahlt hat, ist die winzige Erleichterung ohne praktische Bedeutung. Das deutsch« Volk, das die Lasten aufzubringen hat, muß schweigen, bis der letzte Diplomat den letzten Tintenstrich unter dos Dokument gesetzt hat, das uns und unsere Nachkommen auf 70 Jahr« in Schuldknechtschaft bringt. Dann wird die Drutfsache vorgelegt, und nach ein»aar Tagen wird der Tributvertrag angenommen durch ein« R«ichstagsm«hr- heit obne Verantwortung.(Beifall rechts.— Unruhe links.) Das Etatsdefizst übersteigt ein« halb« Milliarde. Man spiegelt dem Ausland«in« Leistungsfähigkeit vor, die Deutschland nicht hat. Ein Reklelpfennig ist uns in Pari» hingeworfen worden. Wir übernebmen die Staatsschulden der Dertragsgegner und müssen in fremder Währung bezahlen. Das können wir nur aus erborgtem Geld tun. Wie hoch sollen denn Deutschlands Schulden steigen, bis einmal die Reichstagsmehrheit sagen wird:.bis hierher und nicht weiter".(Zuruf vom Zentrum: Daran ist Ihr« Finanzpolitik schuld!) Ich beneide Sie um die Simplizität Ihres Geistes, der immerm die Deutschnationalen verantwortlich macht.(Dizevräsident Esser ersucht, die parlamentarischen Formen zu wahren.) Es ist mir neu, daß„Simplizität" unparlamentarisch ist. Der Redner iraqt zum Schluß den Finanzminister, ob der Reichskanzler mit Wissen der Reichsregienmg den Sachverständigen in Paris geschrieben habe, man müsse au» politischen Gründen unterzeichnen, auch wenn Wirtschaft- liche Gründe dagegen sprechen. Donach wäre d!« Reichsregierung für die Pariser Dereinbarung verantwortlich.(Veitall rechts.) Die Deutschnationalen beantragen«in Mißtrauens- votum gegen den Reichssinanzminister. Abg. Keil(Goz.): TM Bilanz der letzten drei Jahre ist niamand zu ziehen be- nstener, als die Partei des Porredners. Er bat in seiner Rede das Sachliche ersetzt durch Impertinenzen und Entstellungen(Unruhe rechts, Rufer Ist das parlamentarisch?) durch Gesten, durch er- künstelte Tonstei gerungen und ähnliche Mätzchen. Er Hot krampfhaft nach Möglichkeiten gesucht,«ine finanzielle Mißwirtschast der gegen- wärtigen Regierung zu beweisen. Der Erfolg ist ihm versagt ge- blieben, er hat eine solche Mißwirtschast der gegenwSrtigen Regierung nicht zu beweisen vermocht. Die Devlschnatioualen stßen ihre Hoffnung auf die Zukunft, die i nach ihrem Willen uns die Höchstleistungen de» Dawes- Plans wieder auferlegea jgllt(EntrUbingsrufe. rechts). Die Angst.- daß dich« Hoffnung nicht tu Erfüllung gehl, scheint det Haupt- grvnd dafür zu fei», daß den Veutschnalionalen die Reuregelunq in Part» uusympathifch Ist. t Zuruf rechts: Da» ist nnpertinentl) Herr Quaatz hat die UnsAstgkeit des deutschen Bolke?, die neuoereinbarten Lasten zu tragen, mit aller .Lebhaftigkeit betont, uns ober keinen Weg gezeigt, auf dem in ab- sehbarer Zeit ein« bessere Regelung möglich wäre. Da dies aber nicht möglich ist. zieht nach nnserer 11 eberz engung die große Mehrheit des deutichen Volke» die Zahlung von 2050 Millionen im Zahre, durchschnitt und 1700 Millionen im nächsien Jahr der Dawes-Velastnng von 2500 Millionen vor. (Sehr wahr! bei der Mehrheit.) Wir werden die neue Dereinbarung annehmen, ohne im voraus«in sicheres Urteil darüber zu haben, ob der neue Mechanismus in ollen Teilen funktionieren wird, und ob diese Dereinbarung auf sechs bis sieben Jahrzehnt« sich so wie sie vorliegt, durchführen lassen wird. Uns genügt für absehbar« Zeit, das Maß von Erleichterung erreicht zu haben, das im Augenblick erreichbar ist. 450 Millionen sind in den Augen des deutschen Volkes kein Bettelpfennig.(Lebh. Beifall der Mehrheit.) Vermutlich auch in den Augen derer, deren ganz« Sehnsucht auf eine Steuer- crmäßigung gerichtet ist. Niemand bestreitet, daß der Etat 1920 angespannt ist. Di« gegenwärtig« Reaieriina ist aber nicht verantwortlich dafür, daß 1929 die Höchstleistung an Reparationen eingetreten ist; will mgn die Schuld daran feststellen, so kann man die Deutschnationalen nicht übergehen, die 1924 die Annahme der Dawes-Dorloge er- müglicht haben. Verantwortlich sind auch die Regierungen, die in den vergangenen Jahren jede Vorsorge für das Jahr der Höchst- zahlung unterlosien und«inen verschleierten Defizitetat aufgestellt haben. Der Etat 1323 war als reell gedeckler Etat nur aufzustelleu. wenn erhebliche Sten er erhö Hungen, wie sie die Regierung vor- geschlagen halte, beschlossen wurden. Dafür ist tn diesem Reich»- lag eine Mehrheit nicht vorhanden. Um den Etat 1929 ins Gleichgewicht zu bringen, ist allerdings der Verzicht auf vorzeitige Steuererleichterungen Voraussetzung.(Sehr wahr! bei den Soz.) Dieser Verzicht ist um so notwendiger, als noch alt« Sünden gut zu machen und neu« Aufgaben zu erfüllen sind. Der Etat 1928 hat Kasiennest« von 15S Millionen Mark aufgebraucht und alle Kassen und Fonds geleert. Di« steuerfrei« Reichsanleih« hat die Entlastung der Reichskass« nicht gebracht, der Betriebsmittel» sonds der Reichssinanzoerwaltung ist in den vergangenen Jahren ausgezehrt worden, und neuerdings treten gewisie Verschuldungen gegenüber den Versicherungsträgern ein. All' das muß gut gemacht werden, bevor«ine Steuersenkung erörtert werden kann.(Sehr richtig! bei den Soz.)........_ Unter den Neuaufgaben steht voran die Frag« emer Der» besserung der Versorgung der Kleinrentner Wollen die Parteien, die in den letzten Notjahren Gesetzentwürfe zugunsten der Kleinrentner eingebracht haben, obgleich d!« Mittel dafür fehlten, nun eine Steuersenkung verlangen? Die Arbeitslosenversicherung muß saniert werden. Der dazu von der sozialdemokratischen Fraktilm vorgeschlagen« Weg ist abaelehnt worden, die Sanierung ist bi, zum Herbst verschoben. Ergibt sich dann die Unfähigkeit der Arbeitslofeiwersicherungsanslalt. ihre Verpflichtungen zu erfüllen, so tritt im nächsten Winter wieder die Darlehenspflicht des Reiches in Kraft. Es liegt durchaus nicht so fern daß da» Reich den Auswirkungen der wachsenden Jndu- strieallsierung der Rationalisierung, des beschleunigten Auf und Ab in der wirtschaftlichen Konjunktur mit ��n ftnan�iellen Leistun- gen zu begegnen versucht. Dar» ist die Plicht de» Ruches, Es muß vorsorg« getrosten«erde» für dl« schuldto» w Rot| geratene» vottsgateffen. Fortdauernde Ausgaben ergeben sich aus der Agrarkrise, Dazu kommen die Aufwendungen für die besetzten�Gebiet« auch in einer Zeit, wo sie bereits geräumt sein werden. Sofort nach Erledigung der Neuregelung der Reparation muß die vollständig« Sanierung der Reichsfinanzen durchgeführt und damit das unverbrüchlich« Vertrauen in die deutsche Währung wieder hergestellt werden. Ein« gewiss« Propaganda für Entlastung der großen Vermögen und großen Einkommen hat sich sogar in den Bericht der Pariser Sachverständigen verirrt: er spricht davon, daß die Befreiung Deutschlands von fremder Einmischung und lieber- wachung und die Erfüllung der neuen Lerpilichtungen unter der eigenen Verantwortung Deutschlands die Aufhebung der angeblich allzu hohen Industriebesteuerung ermöglichen könnt«. Da der Bericht von den Ententesachverständigen formuliert ist, kann dieser Satz nur darauf beruhen, daß die deutschen Vertreter die übrige» Sachverständigen von der RotwendlgteU einer solchen Steuermilderung überzeugt haben. Wie aber kommen die deutschen Vertreter dazu, ein« Teil- frage der innerdeutschen Lastenverteilung Ausländern zur Be- urteilung zu unterbreiten?(Sehr wahr! links.) Der Dawes-Plon hat doch auch die Derbrauchssteuern gewaltig erhöht. Wenn in Paris auch deutsche Sochoersiündige aus dem Lager der Arbeiter- schaft gewesen wären und sie eine Senkuno der deutschen Der- brauchssteuern empfohlen hätten— was würden dann die Befür- worter der Steuerermäßiguna dazu sagen? Zur Stärkung des inneren Marktes wäre es aber sicherlich gerechtfertigt, so manch« Verbrauchssteuern zu«mäßigen. Der Hauptgesichtspunkt ist jedoch die Wahrung der deutschen Souveränität, und ich wunder« mich, daß Herr Ouaatz nicht gerade in diesem Punkt den Sachverständigen- bericht angefochten und diese Einmischung in innerdeutsch« Verhält- niste nicht auf dos schärfste zurückgewiesen hat,(Sehr wahr! links.) Die Deutschnationalen haben dazu wohl kein« Zeit, weil ihr oberster Führer all« Hände voll zu tun hat, um die deutsche Republik im Ausland herabzusetzen,(Sehr wahr! bei der Mehrheit.) Wir sehen dem Finanzreformprogromm mit Interesse entgegen und erwarten von ihm, daß es großzügig sein und den Gedanken der Sparsamkeit in den Vordergrund stellen wird. Wir erwarten nicht einen Entwurf, der die egoistischen Interessen der- jenigen bevorzugt, die zuletzt«inen Anspruch auf Milderung ihrer Lasten hoben. Auch wir wünschen den Zeitpunkt herbei, an dem die Steuer- Milderung möglich ist. Dann wird aber in erster Linie die Lohnsteuer herabzusetzen sein, die bei uns weit höher ist, als in anderen Ländern, besonder« Eng- lond. Auch die Zuckersteuer kommt in.Frag«, serner die Land- und Gemeindesteuern, unter denen auch noch mittelalterlich anmutende Kopssteuern zu finden sind. Die Reugestaltung unseres Finanz- wcsens muß auch auf die Kapitalbildung Bedacht nehmen, die übrigens trotz oller ungünstigen Umitände in den letzten vier bis fünf Iahren gestiegen ist. Die Finaiureform darf nicht nur den Oberschichten die Möglichkeit der KapitalbiLiung schassen. Di« deutsche Finanzpolitik muß das Ziel haben, das Fundament zu ver> breitern und zu festigen, die Masten an der KapitolbiLning teil- nehmen zu lasten,(Sehr gut! bei den Soz.) Wer diese- Gedanken ablehnt, darf nicht von Volks- gemeinschaft sprechen und nicht gegen ander« Volksschichten den Vorwurf erheben, daß sie dem Klassenkampfgedanken huldigen, der doch übrigens nicht frei erfunden ist von einem spekulierenden Gehirn, sondern der eine Tatsache seit Jahrhunderten«st,(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Reform muß den Glauben an das deutsche Vvlk- festigen, sie muß unser« Fi»anznürtschast befreien von den Röten und Sorgen besonders der letzten Monate, sie muß dem deutschen Volk die Freiheit bringen, die«» befähigt zur Erfüllung neuer großer Aufgaben der Volkswirtschaft und der Kultur.(Lebh. Beifall der Soz.) Di« Verhandlung wird für die Abstimmungen zum Wehretai unterbrochen. Der Antrag, den Angehörigen der Reichswehr und der Reichsmarin« das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren, wird in namentlicher Abstimmung mit 226 der bürgerlichen Parteien gegen 153 Stimmen der Sozialdemokraten und der Kormnimisten abgelehnt. Gleichfalls in namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Kommunisten auf Streichung der zweiten Bourote für den Panzerkreuzer A. mit 229 gegen 153 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen abgelehnt; die sozialdemokratischen Minister geben zum Unterschied von der sozialdemokratischen Fraktion die rote .,Nein"-Kart« ob. Ein kommunistischer Antrag, die Schlußrate für den Kreuzer„Köln" zu streichen, wird mit 334 aegen 44 Stimmen der Zlntragsteller, das kommunistische Mißtrauen gegen den Reichs- wehrminister gegen Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Konrmunisten wird eine Entschließung der Deutfchnotionalen onaenommm. den Städten Züllichau, Ramslau, Mtlitfch und Leobichütz ihre Garnisonen zu belassen. Angenommen wird eine Entschließung auf Beschaffung von Wohnungen für ou»gss
en« Wehrmänner, sowie ein Antrag der Wirtschaftsvartei auf Vorlegung eines Marinebauprogramms auf länger« Sicht. (Dies gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten.) Der Wehr» etat selbst wird gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen, und darauf die Kinanzdebaite fortgesetzt. Abg. Dr. Brüning(Z.): Wir wollen nicht, wie Abg. Keil, das Pariser Ergebnis annehmen unbeschadet der Prüfung, ob es für unser Volk tragbar ist und die Sicherheit unserer Währung ge- währloistet. Wir können auch nicht mit Abg. Keil von einer finanziellen Mißwirtschaft der letzten vier Jahre sprechen. Das Defizit ist entstanden aus dem ungedeckten Arbeitsbeschaftungs- Programm von 1926 und aus der Arbeitslos enoerstcherung. Wir begrüßen die Ankündigung einer Finanzrcform und halten«ine Steuersenkung besonders der Realsteuern für notwendig, die Länder müssen dazu instand gesetzt werden. Während das Reich in Düffel- darf ein Finanzamt nicht bauen kann, wird dort aut Reichskosten ein preußisches Polizeipräsidium erbaut. An den Polizeiausgaben läßt sich noch sparen. Merkwürdig war die Zinserhöhung der Banken gerade während der Zeichnuugssrist der Reichsanleihe und da» unterschiedliche Zeichnungsergebnl» bei den einzelnen Banken. Eine Steuererhöhung ist ausgeschlossen. Auch von den Reparation»' erleichtermigen dorf man«ine Beseitigung der Kastennot nicht er» warten.(Reichsfinanzmimster Hilferding nickt zustimmend.) Man braucht ein« Reserve für unvorhergesehne Fälle. Abg. Ende(Komm): Jede fünfte Stunde ist in Berlin ein Selbstmord aus Not fällig. Wir verzichten auf Anträge zu diesem Etat, die doch abgelehnt werden. Während die Massenbelastung dauernd gewachsen ist, sind die Kapitalisten gsschant worden.— Ausgiebige Beschimpfungen der SPD. füllen die übrig« Zeit des Redners aus. Abg. Dr. Sulenkampfs(DDP.): Diejenigen, die immer den Forderungen der ehemaligen Feinde nachzugeben geneigt find, sollten erkennen, daß die Ueberspannung der Tribute den Zwang zur Zurückdrängung anderer Notwendigkeiten zur Folge haben muß, wobei man schließlich vor dem Arbeitslohn nicht halt machen kann. Je mehr Tributlasten wir aus uns nehmen, desto mehr muß die Lebenshaltung des Volkes sinken. Neu« Ausgaben dürfen unter keinen Umständen bewilligt werden. Auch vor der Geiahr der Un- Popularität darf man nicht zurückschrecken. Der Hauskalt muß ein Minimum darstellen, nicht ein Maximum. Er darf nicht nach dem Grundsatz zur Aufstellung gelangen, wie für fürte Sicht den lautesten Bevölkerungsgruppen nachgegeben werden könnte. Kein Pfennig der in Paris ersparten Au-goben darf anders verwandt werden, als zur L a st e n s e n k u n g. Vor ollem allerdings Sanierung der.Kassenlage! Die Deutsche Dolkspartei wird eifern an ihrer Forderung festhalten: Anhalten und Senkung der Lasten, wenn es fein muß mit rigorosen Mitteln, in der festen Erwartung, daß dadurch die Belebung der deutschen Wirtschaft erreicht wird� Abg. Leicht(Bayer. BP.) empfiehlt Zollerhöh nng auf Ländwirtschaftsprodukte. Das wäre ein« Einnahme sür das notleidende Reich, und das Ausland macht es auch so. Die Reichsschulden könnten vermiindert werden, indem man den Lä n d e r n gibt, was ihnen zusteht, so Bayern die Vostabsinduug. Das Reich Hüft doch auch der Schichau werft, ohne ihr vertraglich verptlichtet zuUxm.. �....... Abg. Wollath(WP.1: Dem Abg. Keil sage ich. daß die voll- ständige Räumung des besetzten Gebiets eine unerläßliche Bedingung für die Annahme des Doung-Planes sein muß.(Lebh. Zust. rechts.) Unterstützungsempfänger, denen Arbeit zugewiesen wurde, drücken sich davor durch falsch« Borspiegelung von Krankheit und selbst unter Verzicht aus die Unterstützung. Die Erlvarnis an Reparation muß zur Steuersenkung verwendet wenden. Der Mittel- stand ist organisiert und läßt sich nicht mehr ausbeuten. Abg. Feder(Natsoz.) kritisiert die Finanzwirtschast unter heftigen Ausfällen gegen die Republik und den Finanzminister. Während der Dawes-Plan 80 Milliarden bedeutete, vervflichtet uns der Poung-Plan, 100 Milliarde» zu.zahlen, nur auf länger« Zeit oerteilt. Abg. v. Sybel(Chr.-nat. Bauemp.) erkennt an. daß der Finanz- minister.zum großen Teil der Erbe früherer Finanzlünden ist. Der Redner klagt den Finanzminister an, in einer Steuerirog« einen Reichstagsbeschluß verletzt zu haben. Abg. Dr. Best(Aufw.-P.) sieht in der Enteignung der deutschen Gläubiger durch die Inflation den Antrieb zur Enteignung Deutschlands durch die Gläubigerstaaten und in dem Mißtrauen infolge der ungerechten Auswertung die Ursache des Mißerfolgs der Reichsanleibe. Nachdem noch Abg. Gern»(Dnat.) über die Belastung der Landwirtschaft ge- klagt hatte, vertagte das Haus die Weiterberatung aus heute, Mitt- woch, 11 Uhr vormittags. Wie die Alien sungen... Wie doch das Kind zum Vater schlägt: Der Große sägt, der Kleine sägt! i
Die Verhandlungen im Vuhrbergbau. Schiedsspruch soll heute abend fallen. Esse«. IS. Zuai. jjie Verhandlungen der Schlichlcrkammer über den Mankellaris und der Urbeilszeil sür den Ruhrbergbau sind am Dienstag bis VA Uhr nachmittags durchgeführt worden. Sie werden aus Wunsch des Schlichters Pros. Dr. B r a h m erst Mittwoch nachmittag Z Uhr sorlgeseht. Voraussichtlich ist mit einem Schiedsspruch für Mittwoch abend zu rechnen. Zniernaiionale Arbeitskonferenz. Die Zwangsarbeit in den Kolonien. Genf, 18. Juni.(Eigenbericht.) Di« Aussprache über den Fragebogen, den eine Kommission der Arbeitskonferenz für die Zlbschoffung der Zwangsarbeit den Re- gierungen vorlegen will, wurde am Dienstag beendet. Abgestimmt wurde nur über eine Anzahl Fragen, über die Einigkeit herrschte. Die Abstimmung über die strittigen Fragen dürft« erst am Donnerstag vorgenommen werden. Es ist nicht zu erwarten, daß man der Zwangsarbeit ernsthaft zu Leibe rückt. Der chaupteindruck der Debatte ist, daß das Arbeitsamt den sozialpolitischen Problemen der Kolonien ebenso hilflos gegenübersteht, wie der Völkerbund dem Kolonialproblem im oll- gemeinen. Die Arbeiterführer der Kolonialmächte sind sichtlich nur mit halbem Herzen bei den an und für sich sehr milden Forderungen der Arbeitnehmergruppe. Die Ein- geborenenvertreter wagen teilweise nicht zu reden, da sie sich sogar in ihrem Hotel in Genf von Geheimagenten der Kolonialoerwallungen überwacht fühlen. Andererseits bemühen sich einige Regierungen, den For- derungen der Arbeitnehmergruppe soweit entgegenzukommen, daß man den Minderheücnbericht in Kompromißsorm mit dem Mehr- hestsbericht zusammenfassen kann. Das gilt von England, gilt aber auch von dem deutschen Regierungssachverstin. d i g« n. dem früheren ostafriksnischen Gouverneur Rechenberg, der in einer sehr zurückholtenden Rede am Dienstag indirekt zugab, daß der Arbeit der Konferenz sehr enge Grenzen ge- zogen seien, daß aber innerhalb dieser Grenzen ein Eingehen auf die Arbeiterforderungen durchaus möglich sei. Auf der anderen Seit« zeigte«ine Rede des Eingeborenenvertreters Hollöndisch-Jndiens. daß bei den erwachenden Rassen des Orients ein derartiges Maß von ausgesprochenem Rationalismus und haß gegen Europa vorhanden ist, daß man zweifeln kann, ob sich die Emanzipation der Farbigen überhaupt noch regulieren läßt. Der Javaner konnte seine ungemein aggressive Rede nur hallen, weil der schwedische Gewerkschaftsführer Thormann ihm als Vizepräsident volle Redefreiheit ließ. Der Javaner vxirs den Konferenzteilnehmern vor, daß die ganzen Verhandlungen von der„Minderwertigkeit der farbigen Rasse" ausgingen. Er zitierte die Nachricht über das Massensterben der Eingeborenen im Kongo und in den westasrikanischen Kolonien Frankreichs, und oerhöhnte die Europäer, die aus einem Zustand der Barlxiret her- aus eine Kultur des Krieges und der Eroberung entwickelt hätten. Auf den in diesen Tagen gemeldeten Erfolg marokkanischer Eingeborenen gegenüber französischen Truppen eingehend wies er darauf hin, daß die französischen osfiziellen Meldungen von einer Bande Rebellen sprachen, während man bei ähnlichen Vor- fällen in Europa von Reaktionären, Autonomisten oder Frei- heitskämpfern zu sprechen pflege. Ausdrücklich betont« er, daß die farbigen Rasten nicht an die Gnade Europos appellierten und schloß mit den Worten:„Heute ist Europa noch die herrschende Macht, aber überall erwachen die farbigen Rasten. Von Zeit zu Zeit schwindet der Respekt und die Macht Europas in den orientalischen Gebieten. Die Farbigen wollen nicht mehr den Frieden und die soziale Gerechtigkeit aus dei�?änden Europas entgegennehmen, sondern suhlen sich solidarisch verbunden, um selb st ihre Freiheiten zu erkämpfen." Ver�arbeitersireik in Polen. Warschau, 18. Juni.(Eigenbericht) Im So'snowicer Kohlenrevier sind 5 0 0 0 Berg- leute in den Streik getreten. Die Grubettdirektion Hot nur 7 0 Prvj. der Löhne ausbezahlt. Sie will die Be- Zahlung der übrigen 30 Proz. ratenweise erledigen. Die Vharus-Lichtspieie. Müllerstraße 142. sind wegen Differenzen vom Deutschen Musikerverband, Ortsverwaltung Berlin, für organi- siertc Musiker gesperrt. Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug in der am 10. Juni zu Ende gehenden Woche 1112 800, d. h. 12 673 mehr als in der Vorwoche und 37 143 weniger als im Vorjahre. fftfeie Gewerkfchasts-Lugeno Groß-Verlin Heute, Mittwoch, 1S!Z Uhr, tagen die Grupven: Reulölln: Jugendheim Bergstr. 23, Hof. Dortrag:.Die freien Gewcrlschatten und die anderen Gewerkschaften".— Süden. SSdwestcn: Etädt. Jugendheim Yorckftr, U , Ausfprochcadend:„Unsere Sonnenwende".— Baums�ule»- weg: Iugenddeim Daumschulenweg. Srnslstr. 16. Dortrag:„Die gelben Gr» werkschasten und wir".— Weihensce: Grupvcnheim Wc Ernsee. Parkstr. ZV. Bortrag:„Scruellc Ziagen".— Zentrum: Sruppcnherm Jugendheim Zcbdenickrr «Straac 24— 2ö. Dci UNS sprudelts.— Rordring: Gruppenhcim Schule Sonnen. burger Str. 20. Wir lesen von der Indischen?schungeln.— Wir spielen ab 16 Uhr: Humboldt und Eesuudbrunnen im Humboldthain! Kranksurter älUcc und Landsberger Platz: Sportplatz Zriedrichshain, Platz 3: Lichtenberg uud S!cu»Lichtenberg im Treptower Park, Wiese I: Epandan auf dem Sport. platz Spandau, Secburgcr Strotze: Wedding auf der grotzen Wiese im Ecklillcr. park. §Iuaendqruppe des Zentralverbandes ver Anaeflellten Leute. Mitlrooch. sind folgende Deranstaltungen:«esundbrunnc»: Jugendheim Echönstedtstr. 1 sLcdigenheim). Zragc. und Antwortabcnd. Leiter: Werner Decker.— Osten: Spielen ab 18 Uhr auf dem Sportplatz im Zriedrichshain.— Stralau:.Jugendheim der Schule Gotzlerstr. 61. Satirischer Abend.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— I. Bortrag:„Die internationale Arbciterjugendbewcgung". Referent Ludwig Dicderich.— Südost: Jugendheim Wrangclstr. 128. Bortrag:„Die Sonnenwende" Reserent Sein, Mann.— Spandau: Jugendheim Lindenufcr 1. Wir sind im greien!— Pol«. dam: Jugendheim Rowawes. Priesterstratze. Die Tagesordnung wird in der Gruppe bekanntgegeben.___ Berantwortlich für Politik: Dr. Surt Seger: Wirtschaft:®.«lingelhöser: Dcwerkschaktsbcwegung: Re. Ehkoru: Rcucsieton: Ä. S. Döichc«: Lokale» und Sonstiges: Rritz«arstädt: Anzeigen: Th. Slockc: sämtlich In Berlin. Bcrlag: Borwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdruckerci und Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW 68. Lindcnstratzc Z. Hierzu 1 Beilage»ad„Unterhaltung»ad Wissen". 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ILO Salzgefäß........ 1.20 Rosenthal-Porzellan Kaffee- und Tafelgeschirr(Maria-weiß) -ii Extrapreisan Hartsteingut miLkC™V:,?.r Salatleren, Tassen, Milchtöpfe, Teller usw. 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Deckel, QK elfenbeinfarbig S70Pf- Glaswaren Garnitur„Gerda", mit goUlodilerter Kante Rotwein glas.... 0.38 Rheinweinglas... 0.38 Portweinglas.... 0.35 Likörglas........ 0.34 Pre�glasservice„Hansa" Kompottschalcn 0.38 ws 0.80 Kompotteller.... 0.09 Kuchenteller z>. 0.93 17, LAS >VJI iiiiiiiiiiiiil Steingut Speiseteller 0.25 Dessertteller. mit ooid 0.19 Kompotteller. mit ooid 0.18 Schokolade-Kanne Teekanne bunt für 6 Personen 0.70 0.80 13 Teile, mit Ho'r- JQ Salatschalen 6nSQCi l5'?* weiß, Salz 0.95 1.45 Tafelservice lür 6 Petsonen, 23 Teile 1 I•wL/ 26 Teile, cobaltblau mit Linie 2,, 50 Küchengarnituren 22 Teste 9.75 11.50 Küchengarnitur 13 Teile, mit H( gestell, elfenbcinfarbig Wassereimer. elfenbcinfarbig, groß, mit Böge' TL Wasserkanne elfenbeinfarbig, groß 0.T5 Waschschüsseln eltenbeinlarblg 0.85 bis 3.55 tarblg.... 0.95 dl» 2.50 Glaswaren Zitronenpresse... 0.10 Weißbierpokab«u 0.45 Kompotteller gepres: 0.08 Käseglocke gepreu;.. 0.55 Kompottschälchen 0.08 Römer mit grOnem Stiel, gl»«1 0.20 Bierbecher.nora*... 0.16 Wasserbecher t?h'em 0.10 Likörbecher 0.16 Käse- o. Buttergiocke n qc geschliffen Zwiebelglocke geschiifi. 0.55 Globus ohne -/. Llr. L(r.'/, Ltr. 1 Ltr. Ring 1',, Ltr. 2 Lti eng 0.30 0.32 0.34 0.3o— weit— 0.36 0.38 0.40 0.42 10 Gummiringe eng 0.30 weit 0.40 EinkOChapparat komplett, mit Thermometer.. 0.48 5.50
Nr. 281» 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 19. Juni 1929 Brandkatastrophe in Moabit. Chemisch-pharmazeutische Fabrik niedergebrannt/ Schreckensszenen im brennenden Gebäude. Ein gewaliiges Grohseuer. wie es in diesem Ausmaße in den letzien Jahren in Berlin nicht mehr zu verzeichnen war. wükele gestern nachmittag in der chemisch. pharmazeutischen Fabrik der Dr. L a b o s ch i n A.'G. Alt-ZNoabit 104 stundenlang mit elementarer Gewalt. Mehrere Seitenflügel und Ouergebäudc des ziemlich modernen Betriebes brannten vom 2. bis zum 6. Stock- werk völlig aus. Die Brandkatastrophe, die ihre Ursache in einer Explosion hat. die im 2. Stockwerk des zweiten Ouergeböudes er- folgte, hatte in knapp 10 Minuten solche Ausdehnung angenommen. daß zahlreichen Arbeitern, in der Hauptsache aber Arbelterinnen. der Weg ins Freie durch Flammen und Oualm abgeschnitten war. Etwa 25 Personen wurden im lehlen Augenblick durch die. Feuer- wehr gerettet. Einige wagten den Sprung in die Tiefe, die anderen muhten, zum Teil schon völlig erschöpft, über mechanische Leitern in Sicherheit gebracht werden. Troh der heillosen Verwirrung und Panik, von der die Belegschaft erfaßt worden war, sind bis zur Stunde glücklicherweise Todesopfer nicht zu beklagen. Dagegen haben drei Arbeiter und eine junge Arbeiterin schwere Brandwunden erlitten oder sind beim Sprung in die Tiefe schwer zu Schaden gekommen. Ueber die Brandkatastrophe werden folgendc Einzelheiten mitgeteilt: Die Aktiengesellschaft Dr. Laboschin hat ihre Fabrikations-, V.'r- sand und Lagerräume in einem umfangreichen sechsstöckigen Gebäude, das sich über zwei Höfe erstreckt und aus zwei Seitenflügeln und zwei langen Quergebäuden besteht. Die Firma befaßt sich mit der Fabrikation von Medikamenten, Tabletten und Pillen. Vor einiger Zeit wurde als Nebenabteilung auch die Fabrikation von Parfümctien aufgenommen. Außerdem befindet sich im selben Hause die„h a g o d a", eine Handelsgesellschaft deut- scher Apotheker und noch ein dritter chemisch. techni- scher Betrieb. Alles in ollem sind in den Gebäuden über 300 Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellte beschäftigt. Zur linken Seite auf dem Nachbargrundstück befinden sich Maschinenbetrieb«, während zur rechten die Bolle A.-G. mit ihrem Gebäudekompler Cegt 14,30 klhr Explosion— Nette sich wer kann? Im zweiten Stockwerk des zweiten Quergebäudes, das mit einer Front nach dorn zweiten Hof und mit der anderen Front auf freies Gelände mündet, wurde gestern vormittag in Gegenwart von Beamten der Zollbehörde, der für die Parsümerieherstellung be- nötigte Spritvergällt. Es wird vermutet, daß hierbei S p i r i- tusdämpfe entwichen und aufgestiegen sind,' die sich in dem lang- gestreckten Raum, in dem annähernd 4g Arbeiterinnen saßen, zu einer Wolke verdichteten. Es mögen noch andere Dämpfe von ötherifchen Oelen oder Fetten hinzugekommen fein, denn um 14,30 Uhr gab es plötzlich eine Explosion, die, wie Arbeiter be- richteten, nur von einer auffallend schwachen Detonation begleitet war. Das war der Beginn zu der in ihren Ausmaßen nicht vor- auszuahnenden Brandkatastrophe. Eine gewaltige Stichflamme durchschoß den Raum. Entsetzte Hilfeschreie«rtönten und schon jagten die Arbeiterinnen mit schreckerfiillten Gesichtern dem Ausgang zu. Während es der Mehrzahl gelang, die rettende Treppe zu gewinnen, wurde der 28jährige Expedient W o y n o w s k i aiis der Rostocker Straße 14 von der Flamme erfaßt. Seine Klei- der fingen im Nu Feuer und lichterloh brennend eilte er die Treppe hinunter ins Freie. Auf dem Hof brach der Unglückliche bewußt- los zusammen. Inzwischen hatten die Flammen das gesamte zweite Stockwerk in einer Länge von 70 Metern und einer Tiefe von etwa 15 Metern ersaßt. Die Einrichtungsgegenstände, Spiritusvorräte, Qele und Fette boten dem Feuer allzureiche Nahrung. In allen Etagen waren die aus den Fenstern herausschlagen- den Stichflammen sofort bemerkt worden. Der Notruf„Feuer" hallte gellend von Raum zu Raum. Viele konnten das Freie recht- zeitig gewinnen, anderen wieder wurde der Weg durch einen beißen- den undurchdringlichen Rauch und die starke Hitze abgeschnitten. Die in höchster Gefahr befindlichen Personen eilten in die oberen Stock- werke hinauf, denn hier bestand Hoffnung auf Rettung. Inmitten der Massenflucht rückte die Feuerwehr an. Erst der Moabiter Zug, dann in ununterbrochener Folge unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp 10 weitere Löschzüge, zwei Schlauchwagen und das Feuerlöschboot II, das im Westhasen stationiert ist.. Oer Sturz in das Sprungtuch. Eine große Qualmwolke hüllte das ganze Gebäude ein. An Löscharbeiten war zunächst gar nicht zu denken. Alles mußte daran gefetzt werden, um die in dem brennenden Ge- bände Eingeschlossenen, von denen einige bereits an den Fenster- simsen hingen, zu retten. Sprungtücher wurden in aller Eile herbeigeholt, süns Personen wagten den Sprung aus den oberen Stockwerken in die Tiefe. Dabei schlugen der Arbeiter Otto Lu- d o l f aus der Waldstraße 00, der Arbeiter Max Hänseler aus der Mcmeler Straße 44 und die 23jährige Arbeiterin Lotte M i ck e r aus der Blankestraße in Reinickendorf, auf Mauervor- spränge auf und landeten mit schweren Verletzungen im Sprungtuch. An anderer Stelle wurden sieben Personen über mechanische Leitern völlig unverletzt nach unten geholt. Inmitten dieser Rettungsaktion erschollen aus dem 0. Stockwerk des ersten Hofes abermals v c r- zweifelte Hilfeschreie. Das ganz« Personal der Mützen- s a b r i k von Lubstcin war in den Räumen rings von den Flammen eingeschlossen. Auch hier konnte noch rechtzeitig Hilfe gebracht werden. 12 Angestellte, darunter der Inhaber, fast dem Erstickungs- tode nahe, wurden im letzten Augenblick gerettet. Die Bergungs- aktion war so in vollem Umfange geglückt, jetzt konnte auch an die wirksame Bekämpfung des Feuers herangegangen werden. Aus den zahlreichen Schlauchleitungen wurden ungeheure Wassermengen in das Flammenmeer geschleudert, um 10,30 war die Macht des ent- fesselten Elementes gebrochen. Die weiteren Lösch- und Aufräuinungs- a beiten dauerten bis in die spät« Nacht hinein. I Anfänglich wurden eine größere Zahl von Arbeitern und Arbei- terinnen vermißt und man befürchtete Schlimmstes. Später konnte jedoch festgestellt werden, daß in den Flammen niemand umgekommen war und die Vermißten in ihrer Aufregung davon- gelaufen waren. Bestimmtes über die Ursache des verheerenden Brandes steht noch nicht fest. So wird behauptet, daß der im zweiten Stockwerk beschäftigte Expedient Woynowski ein Streichholz entzündet habe, um damit seinen zwischen Alkoholkesseln gefallenen Bleistift zu suchen. In denselben Augenblick entzündeten sich auch schon die aus dem Kessel emporsteigenden Altoholdämpfe, der Kessel flog in die Luft und spritzte den brennenden Alkohol im weiten Umkreise in die Arbeitsräume, wo überall leicht brennbares Material und Behälter mit Flüssigkeiten auf den Arbeitstischen standen. Eine ungeheure Menschenmenge hielt die Umgebung der Brand- stelle, die von Schupo abgesperrt war, dicht besetzt. Der Verkehr mußte mehrer« Stunden durch die Nebenstraßen umgeleitet werden. Frühere Fabrikgroßfeuer in Berlin. Die gestrige Brandkatastrophe ruft die Erinnerung wach an den entsetzlichen Fabrikbrand in der Schönlein st raße 5, bei dem am 18. Dezember 1928 annähernd 10 0 P e r s o n en in höchster Lebensgefahr waren. Ein einstöckiges Gebäude brannte völlig aus, 5 Tote forderte die Katastrophe, 29 Schwerver- letzte lagen monatelang im Krankenhaus. Der Inhaber der Radiofabrik, der Kaufmann Trotzki, der alle Sicherungs- maßnahmen außer acht gelassen hatte, ist bekanntlich erst kürzlich gerichtlich abgeurteilt worden. Einen Tag zuvor brannten in der Neuen F r i e d r i ch st r a ß e 30 am Vormittag vier D a ch st u h l e einer Galanterie- und Spielwarcngroßhandlung nieder. Die Angestellten hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können.— Kaum drei Tage später wurde in der Stralauer Straße 0 ein Fabrikgebäude zum größten Teil ein- geäschert. Es handelte sich um ein altes Gebäude aus dem Jahre 1793, das in feuertcchnischer Hinsicht zu schwersten Bedenken Anlaß gab. Ueber 100 Arbeiter waren zum Feiern gezwungen.— Erwähnt sei noch das gefährliche Grotzfeuer in dem Groß- filmkopierwerk der„A f i f a" A.-G. in T e m p e l h o f am 25. September. Der Brand kam abends zum Ausbruch, als die Nachtbelegschaft in Stärke von 150 Mann mitten in der Arbeit war. Die Flammen griffen rasend um sich, trotzdem konnten alle Arbeiter und Angestellte dos Frei« gewinnen. Auch hier waren 450 Menschen 8 Tage lang ohne Arbeit. * Wie uns kurz vor Redaktionsschluß mitgeteilt wird, ist Woynowski gegen 23 Uhr im Woabiter Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Mord aus Aberglaube. Zwei Kinder von ihren fanatischen Eltern erschlagen. Hamburg, IS. Juni. wie ein Ereignis aus dem sinstersten Mittelalter mutet eine Tat an, die aus Horneburg an der llnlerelbe gemeldet wird. Die Bewohner des Forsthauses aus dem Rilterguts- besih von Duering in der Horst wurden nachts durch laute Schreie aus dem Schlaf geweckt, die aus der Wohnung des 5iüuslings Steffens drangen. Als man nachforschte, sand man die beiden ein und drei Jahre alten Kinder der Eheleute Stessens erschlagen aus. wie es heißt, soll die Tat der Ausfluß eines hercnglaubens der Eltern fein. Bei den Eheleuten Steffens handelt es sich um jung« Leute un Alter von 24 Jahren. Im allgemeinen glaubt man, daß der Mann die Tat im religiöse» Wahnsinn begangen hat. Als man die Frau, bei der am Abend der Wahnsinn zum Ausbruch kam, auf der Straße in Schutzhast nehmen wollte, rief sie laut den Himmel um liilse für ihre beiden ermordeten Kinder an. Jnsolge dieses Ausrufes wurde sofort die Steffensche Wohnung durchsucht, wo man den Ehemann b'e i den er- mordeten Kindern vorfand. Er saß, eine Zigarette rauchend, vor dem Bell, auf dem die kleinen Leichen lagen. Die Köpfe der letzteren waren durch Schläge und Schnitte säst bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Als Mordwerlzeuge kommen wahrscheinlich Gummiknüppel und Scheren in Be- tracht, von denen man eine ganze Anzahl im Hause vorfand. Am Waschkessel hingen fünf Gummiknüppel und zehn Scheren ver- schiedener Größen— offenbar Instrumente zur Teufels- a u s t r e i b u n g. Ms man die Frau an den Tatort zurückführte. sielen die beiden Ehegatten vor dem Bett der Kinder nieder und riefen, daß die Ermordeten Opfer d. e s„h e x e n g o t i e s" geworden seien. Der Mann war ein ruhiger Mensch und zärtlicher Vater. Di« Frau soll schon früher oft Merkmale geistiger Verwirrung gezeigt haben. Bekannt ist weiter, daß beide Eheleute einer Sekte angehören. Sicherlich hat der Aberglaube bei der Tat eine Rolle gespielt. 9ack JCondon: 59] (Berechtigte Uebcrsetzimg von Erwin Magnus). Auf diesen ununterbrochenen Ritten lernten sie sich kennen. Sie sprachen meist über sich selbst. Während er von den arktischen Reisen und den Goldminen sprach, er- zählte sie ihm ausführlich von ihrem Leben auf der Ranch, von Pferden und Hunden, Menschen und Dingen, bis er ihre ganze Jugend, ihren Werdegang gleichsam vor sich sah. Er erfuhr alles, bis zum Bankrott und Tod ihres Vaters, wo- durch sie gezwungen worden war. die Universität zu ver- lassen und eine Anstellung im Kontor zu suchen. Auch von ihrem Bruder erzählte sie, von ihrem jahrelangen Kampf, um ihn wieder gesund zu bekommen, und ihre immer mehr schwindende Hoffnung... Daylight fand, daß man viel leichter klug aus ihr werden konnte, als er gedacht hatte, obwohl, wie er immer wieder gewahr wurde, hinter und unter ollem, was er von ihr wußte, das geheimnisvolle, ver- wirrende Geschlecht stand Hier war, wie er selbst demütig einräumte, ein unendliches Meer, von dem er nichts wußte, auf dem er sich ohne Seekarten und andere Hilfsmittel, so gut es ging, zurechtfinden mußte. Dede zu Pferde. Dede auf einem sommerlichen Hange Mohn pflückend— das war alles sehr verständlich. Aber die Dede, die so schnell die Stimmung wechselle, die sich energisch weigerte, mit ihm zu reiten, und dann plötzlich ja sagte, in deren Augen das goldene Licht ständig kam und ging und Dinge flüsterte, die nicht für seine Ohren bestimmt waren, die Dede kannte er nicht. In alledem sah er die schimmernde Tiefe des Geschlechts. Er spürte seine An- ziehunqskraft und nahm sie als etwas Unbegreifliches hin. „Der Winter kommt bald," sagte sie eines Tages be- dauernd und ein wenig herausfordernd,„und dann ist es vorbei mit unseren Ritten." „Aber ich muß Sie sehen/ rief er hastig. Sie schüttelte den Kopf. „Es war sehr schön," sagte sie und sah ihn offen an. „Ich erinnere mich noch gut Ihres törichten Arguments, daß wir uns kennenlernen müßten, aber es führt ja zu nichts, kann zu nichts führen. Ich kenne mich selbst zu gut, um nicht zu wissen, daß ich nicht irre." Ihr Gesicht war ernst und fast bekümmert, als wollte sie ihn nicht kränken, und sie schlug die Augen Nicht nieder, aber in ihnen leuchtete das goldene, flammende Licht— der Abgrund zwischen den Geschlechtern, den er jetzt nicht mehr fürchtete. „Ich bin doch wirklich sehr brav gewesen," erklärte er. „Sagen Sie selbst, ob das nicht wahr ist. Und ich kann Ihnen sagen, daß es mir nicht ganz leicht geworden ist. Denken Sie mal darüber nach. Ich habe nicht ein Wort von Liebe zu Ihnen gesagt, und dabei habe ich Sie die ganze Zeit geliebt. Dos will etwas heißen bei einem Mann, der gewohnt ist, stets seinen Willen zu bekommen. Ich will, daß Sie mich heiraten. Aber habe ich das je mit einem Wort berührt? Ich habe Sie nicht gefragt, ob Sie mich heiraten wollen. Ich frage Sie auch jetzt nicht. Sie kennen mich gut genug, um zu wissen, was Sie wollen." Er zuckte die Achseln.„Ich weiß nicht recht, und ich möchte jetzt nicht den Versuch machen. Sie sollen sich völlig klar darüber sein, ob Sie glauben, es mit mir wagen zu können oder nicht, und deshalb spiele ich ein so langsames, ruhiges Spiel. Ich möchte nicht verlieren." Das war eine Art von Verehrung, die Dede noch nicht kannte. Es lagen Nüchternheit und Kälte darin, die sie kränkten, aber das Gefühl verschwand, wenp sie sich der Leidenschaft erinnerte, die sie tagein, tagaus in seinen Augen gesehen, in seiner Stimme gehört hatte. Dazu rief sie sich ins Gedächtnis, was er ihr vor vierzehn Tagen gesagt hätte: „Vielleicht wissen Sie, was Geduld ist", und dazu hatte er ihr erzählt, wie er am Stewart-River, als er und Elijah Davis am Verhungern gewesen waren, Eichhörnchen ge- schössen hatte. „Sie sehen also," fuhr er fort,„daß wir uns im Winter treffen müssen, allein schon, damit das Spiel gleich ist. Sie haben selbstverständlich Ihren Entschluß noch nicht fassen können—." „Doch," unterbrach sie ihn.„Mein Glück liegt nicht auf diesem Wege. Ich habe Sie gern, Herr Harnish, aber mehr kann es nie werden." „Das kommt wohl daher, daß Ihnen meine Lebens- weis« nicht zusagt," meinte er, und dabei dachte er an die sensationellen Zeitungsberichte über sein ausschweifendes Leben und war gleichzeitig gespannt, ob sie tun würde, als wisse sie nichts davon. Zu seiner Ueberraschung antwortete sie indessen offen und ohne Vorbehalt:„Rein, das ist es nicht." „Gewiß, ich bin unvorsichtig gewesen," begann er sich zu verteidigen.„Und ich Hab mich auch in bedenklicher Ge- sellschaft herumgetrieben—." „Das meine ich nicht," sagte sie,„obgleich ich auch davon gehört habe und nicht sagen kann, daß es mir gefallen hätte. Aber es ist Ihr Leben im allgemeinen, Ihr Geschäft. Es gibt sicher Frauen genug in der Welt, die einen Mann wie Sie heiraten und glücklich werden können, aber ich könnte es nicht. Und je mehr ich einen solchen Mann liebte, desto unglücklicher würde ich sein. Und wenn ich unglücklich wäre. so würde das ihn natürlich auch wieder unglücklich machen. Ich würde einen Irrtum begehen und er selbst einen ähn- lichen, obgleich er nicht so schwer an den Folgen seines Irr- tums zu tragen hätte, da ihm ja immer noch sein Geschäft bliebe." „Geschäft!" Daylight schnappte nach Luft.„Was ist Schlechtes an meinem Geschäft? Es ist ehrliches Sviel, was man von den meisten Geschäften nicht sagen kann. Ich spiele ehrliches Spiel und brauche nicht zu lügen, zu betrügen oder mein Wort zu brechen." Dede war erleichtert über die Wendung, die das Ge- spräch genommen hatte, und b�iutzte die Gelegenheit, um ihm ihre Meinung zu sagen. „Im alten Griechenland," begann sie lehrhaft,„wurde ein Mann als ein guter Bürger angesehen, wenn er Häuser baute, Bäume pflanzte--." Sie vollendete ihr Zitat nicht, sondern zog schnell den Schluß. „Wie viele Häuser haben Sie gebaut? Wie viele Bäume gepflanzt?" Er schüttelte den Kopf, sagte aber nichts, denn er wußte nicht, wo sie hinaus wollte. „Sehen Sie," fuhr sie fort,„vorletzten Winter machten Sie einen Corner in Kohlen—." „Eine rein lokale Angelegenheit," er lächelte, als er daran dachte,„rein lokal. Ich nutzte den Wagenmangel und den Streik in Britffch-Columbia" aus."(Forts, folgt.)
Die kommunistische Kronzeugin. Sensationelle Aussage im Mordprozeß Gchäffer. Sensationell gestaltete sich in der Nachmittagssitzung der Schwurgerichtsvcrhandlung wegen des Todes des Referendars S ch a s s e r die Vernehmung der 15jährigen Arbeiterin Erna K.. die als e i n z i g e g c s c h e n h a b e n will, wie der Angeklagte Herbert Meyer mit seinem Dolche Schasfer erstach. Erna K. wurde erst in den letzten Wochen als Zeugin herange- zagen. Sie war anläßlich der Maiunruhen festgenommen worden, weil sie sich an einem Sturm auf ein Polizeirevier in Neukölln be- teiligt hatte. Einem Kommissar fiel auf. daß ihm telephomsch ein junges Mädchen beschrieben worden war, das in Aussehen und Kleidung auf Erna K. paßte. Als der Kommissar fragt«, was sie von dem Ueberfall im Dezember in Karlshorst gesehen Hütte, erklärt- sie, daß sie dabei gewesen wäre, wie Herbert Meyer einen jungen Menschen mit einem dolchartigcn Messer erstochen hätte. Vor ihrer Vernehmung in der gestrigen Verhandlung wurde zuerst ihre Stief- mutier und eine Tante über den Leumund des jungen Mädchens gehört. Die Stiefmutter und die Tante der jungen Zeugin sagten unter Eid aus, daß sie bei dem Ueberfall gar nicht dabeige- wesen sein könne, da sie während des ganzen Demonstrationszuges zwischen den beiden gegangen und nie fortgelaufen wäre. Darauf wtttd« Erna K. in den Saal gerufen.. Sie wurde, da sie noch nicht eidesfähig ist, von dem Vorsitzenden besonders eindringlich zur Wahrheit ermahnt. Sie erzählte, daß sie öon dem Bürgersteig den Ruf:„Kommt doch heran, ihr Hunde!" gehört und darauf mit an- deren auf die andere Straßenseitc gestürmt sei. Ein junger Mann wäre geschlagen worden und flüchtete dann in den Hauseingang. Vors.:-Wen kannten Sie von den Leuten, die in den Hausein- gang rannten?" Zeugin: Herbert Meyer. Vors.: Haben Sie gesehen, was er machte? Zeugin(nach langem Schweigen): Er war nicht allein, er hat mit den anderen geschlagen. Später sah ich nur, daß er einen Dolch in der Hand trug. Ich bekam dann Furcht und lief zurück zu meiner Tunte. Kommissar Dr. Braschwitz gab bei seiner Vernehmung an, daß Fräulein Erna ihm detaillierte Angaben über den D o l ch st i ch gemacht hätte. An ihrem eigenen Körper hätte sie gezeigt, wo der Stich hingegangen sei. Bei einer Fahrt nach Karls- Horst, die er mit ihr unternommen hatte, gab sie auch genau den Tatort an. Sie hatte auch zuerst behauptet, mit Herbert Meyer und einem Rotfrontkämpfer Lehmann vom Zuge weg auf das Haus zugelaufen zu sein. Der Vorsitzende wandte sich darauf nochmals an die jugendliche Jeugin: Haben Sie dos dem Kommissar so ge- zeigt und erzählt? Zeugin: Ja und so ist es auch richtig. (Große Bewegung.) Vors.: Sie haben den Dolchstich mit eigenen Augen gesehen? Zeugin: Jawohl! Die Zeu- gin widerrief dann ihre ganze vorherige Aussage und bestätigte die Wahrheit des Protokolls. Auf die Frage, warum sie gelogen hätte, erklärt« sie, daß sie aus Furcht vor den Drohungen sich nicht getraut hätte, die Wahrheit zu sagen. Die übrigen Zeugen werden am Mittwochnachmittag vernommen werden. OieFrauen als Helfer zum Völkerfn'eßen Tagung des Welkbundes der Frauen. Auf der Tagung des Weltbundes für Frauenstimmrecht begrün- deten am Dienstag Madame de Reuß und Madame Malaterre die vorgeschlagen« Entschließung, wonach der Weltbund die Staaten, die das Frauen st immrecht noch nicht eingeführt haben, mit allem Nachdruck ersuchen soll, dieses Recht endlich einzuräumen. Eine Ent- schließung des Kongresses, macht es allen Frauen zur Pflicht, an der friedlichen Verständigung der Völker mitzuarbeiten. Madame Mala- terre-Sellier ging dann noch besonders auf die Stellung der Frau zum Kriege ein. Die Männer hätten seit Jahrhunderten ihre Klugheit für militärische Zwecke und nicht für den Frieden verwandt. Die Frauen müßten mit ihrer Abscheu gegen den Krieg den Völkern helfen und die Ueberwindung der internationalen Schwierigkeiten anbahnen. Madame Courd berichtete dann über die Beziehungen des W-lt- bundes zum Internationalen Frauenbund und erörterte die Möglich- keiten einer Zusammenarbeit. Nach eingehender Aussprache entschied sich die Mehrheit für die Ablehnung einer Vereinigung der beiden Weltbünde. Eine Grundlage für gemeinsame Arbeit solle jedoch von dem Ausschuß gefunden werden. Untat eines Zustizobersekretärs. Er wollte feine Familie umbringen. Zn der Prinz. LouisIerdi«and. Straße spielte sich gestern ei» aufregender Vorfall ab: der ZSjährige Zustizobersekretär Sari Krüger drang aus seine gleichaltrige Frau mit einem Küchenmesser ein und brachte ihr einen tiefen Stich in die linke v r u st s e I k e bei. der die Lunge verletzte. Durch das Dazwischentreten von Hausbewohnern, die auf die Hilferufe der Frau hinzueilten, konnte weiteres Unheil verhütet werden. Bei seiner polizeilich«!» Vernehmung gab K. unumwunden zu. daß er die Absicht hatte, seine Frau und sein Kind zu töten. Dann wollte er selbst seinem Leben ein Ende machen. Das Motiv zu der beabsichtigten Tat scheint in«insm E r- mittelungsversahren zu liegen, das zurzeit gegen K. schwebt. Im Amtsgericht Neukölln waren mehrere Akten verschwunden, und man hatte den Obersekretär im Verdacht, daß er sie beiseite geschafft habe. Gleich nach dem Verschwinden der Akten wurde K. gefragt, ob er über deren Verbleib etwas wisse. Er stritt zunächst, gab aber dann, nochmals ins Gebet genommen, zu, die Akten an sich genommen zu haben. Cr gab zu, daß er in em«n Falle versucht hat, sich mit einem Mann«, gegen den ein Zwangs- voll st reck ungsverfahren schwebte, in Verbindung zu setzen, das Geschäft sei aber nicht zustande gekomnien. Weitere Versehlungen konnten ihm bisher nicht nachgewiesen werden. An- scheinend Hot K. über seine Verhältnisse gelebt. Di« genaue Untersuchung wird weitere Klarheit bringen. K. befindet sich in Haft. Das Zehlendorfer Wohnungsbauverbot. Wie das Bezirksamt Zehlendorf den Wohnungsbau der Gehag erschwert, haben wir vor einigen Tagen(am 14. Juni in Nr. 273) gezeigt. Jetzt hat das Bezirksamt sich dazu bequemt, wenigstens die über die Gehag- Baustätte am Fischbächtal verhängte Inhibierung der vorbereitenden Arbeiten wieder aufzuheben. Das Bezirksamt hat den Beschluß ge- saßt, daß für den neuen Bauabschnitt der Siedlung die schon be- gonnenen Ausschachtungen, gegen die das Bezirksamt sogar die Polizei mobil gemacht hatte, nun doch fortgesetzt werden dürfen. Dieses Zugeständnis geht aus von der Er- Wartung, daß es demnächst gelingen wird, für den erforderlichen Schulbau die Mittel flüssig zu machen. Die Ausfchachtungsarbeiien waren übrigens, weil mit einem Rückzug des Bezirksamtes gerechnet wurde, schon am Sonnabend unter vorläufiger Zustimmung des Bezirksamts wieder aufgenommen worden. Zu dem Rückzug, auch da» Verbot der Bau arbeiten aufzuheben, hat dos Bezirksamt Zehlendorf sich noch nicht zu entschließen vermocht. Wird nicht auch dieses Berbat aufgehoben, jo bleibt die Wirkung bestehen, daß der Wahnungsbau erschwert ist. Di« Ausschachtungsarbeiten allein genügen ja nicht, auch die Maurerarbeiten müssen mindestens bis zur Kellersohlc baldigst sertgigestellt werden. Vielleicht will das Bezirksamt Zehlendorf es sich noch ein Weilchen überlegen, ob vor der Oeffentlichkeit angesichts der drückenden Wohnungsnot diese den Wohnungsbau erschwerenden Maß- nahmen zu verantworten sind. Neukölln...«strahe lO-t. Aus dem G e i e r i k o p f bei- Lützelsachsen im Bereich des Amtes W e i n h e i m fand. man im dichten Wolde einen Mann erhängt auf. Nach der fortgeschrittenen Verwesung kann der Tod schon vor drei bis vier Monaten eingetreten sein. Ohne Zweifel handelt es sich um einen Selbstmord. Die Be- Hörden vermuten in dem Toten einen Berliner Touristen, denn unter seinen Sachen fand man eine Postkarte mit der nur noch teilweise leserlichen Adresse:„Neukölln,...Straße 10 4. Der Selbstmörder war ein Mann von etwa 30 bis 45 Jahren und 1,75 bis 1,78 Meter Größe. Er l)otte dünnes, blondes Haar, niedrige Stirn, lückenhafte Zähne und trug Touristenkleidung. Obwohl er versucht hatte, einen Teil seiner Habe vor seinem Tode zu ver- brennen, fand man noch eine silberne Remontoiruhr mit feingliedriger Doublekett« und ein Taschenmesser mit dunkelbraunem Holzgriff. Mitteilungen zur Feststellung der Persönlichkeit nimmt in Berlin die Vermihtenzentrale des Polizeipräsidiums entgegen. Die Wiener Gäste im Raihaus. Die so herzlich von der Stadt Berlin empfangenen Delegierten der Wiener Gemeindeverwaltung waren gestern mittag ins Berliner Raihaus geladen. Oberbürgermeister B ö ß entbot den Gästen den ersten mannen Freundesgruß. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Berliner den Wienern angenehme Stunden bereiten werden und daß beide sich als Freunde fühlen werden, wie Menschen, die sich als einheitliches Ganzes wissen. Bürgermeister S e i tz sagte in seiner ebenso herzlichen Erwiderung: Als wir die ehrwürdige Halle des Berliner Rathauses betraten, crgrisf uns ein« tiefe Be- fcheidenheit vor der Größe Berlins, dessen Herz in diesem Hause schlägt. Aber schon das erste Wort, das wir hier gehört, machte, daß wir uns heimisch fühlen. Man sagt uns Wienern nach, daß wir so gemütlich seien. Ich sehe aber schön in den wenigen Stunden nach unserer Ankustst, daß man hier ebenso gemütlich kein kann. Bsl aller-!kcrschied«nl)«it.des Wesens der. deutschen Stämme bilden sie doch«ine E i n h e i t. Diese Einheit zu festigen, ist ja vor ollem auch der Zweck unseres Besuches. Nachher unternahmen die Teilnehmer eine Rundfahrt durch Verlin und besichtigten den Funkturm, sowie die große Aus- stellung„Gas und Wasser", auf der ja auch die städtischen Werke Wiens imposant vertreten sind. Die Hihewelle in den Vereinigten Staaten. Di« beispiellose Hitze in den nordatlontischen Staaten Amerikas hält an. Die Zahl der vom Hitzschlag getroffenen Menschen in den großen Städten ist weiter angewachsen. Ein Wechsel der Witterung ist vorläufig nicht zu erwarten. Zugzusammenstoß in polen. Bei Zdolbunow in Polen sind am Dienstag zwei Güter- zü g e infolge salscher Weichenstellung zusam menge st oßen. Einige Wagen wurden zertrümmert. Drei Personen waren auf der Stell« tot; zwei Eisenbahnbeamte erlitten Verletzungen. Zeitungsglossen nannte Dr. Kurt Pinthus seinen Vor- trag, der den Zeitungsleser in die Technik der kleinen amüsanten Plaudereien„unter dem Strich" einführen sollte. Denn nur der unpolitischen Glosse, dem sogenannten„Feuilleton", galten sein« Darbietungen. Dr. Pinthus zeigte, wie sich aus dem Spiel, dem Jonglieren mit Worten, Form und Inhalt der Glosse bilden, wie die Feder vom Hundertsten zum Tausendsten abirrt, aber nur, um desto klarer den eigentlichen Kern hervortreten zu lassen. Die Glossen aus der Feder von Dr. Pinthus, von ihm vorgelesen, hatten die Eigenschaften, die er selber von der gelungenen Glosse gefordert hatte: Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung.�— Leider nicht ganz einwandfrei in der technischen Uebertragung waren die Darbietun- gen aus dem K o n z e r t h a u s Stettin. Besonders die Chöre klangen ziemlich verschwommen. Sehr schön— und dabei auch zu einer musikalisch wenig geschulten Hörerschaft unterhaltend— war das Konzert auf zwei Klavieren mit Werken von Schubert und Mo.zart, das zum Schluß der Abenddarbietungen von Lotte Birn- bam und James Simon aufgeführt wurde.— Gerhard Pohl las am Nachmittag eine eigene Novelle..Ein Tag der Freiheit".„Die Geschichte eines. zu sieben Iahren Gefängnis Verurteilten." öerjtach fünfjähriger Haft durchbrennt und einen Tag lang um seine Frei- heit ringt. Ohne Pothettk oder Sentimentalität, fast lüstern sachlich, aber aeradc darum so überzeugend, ist dieses verzweifelte Streben geschildert, das jäh hochschnellt, um in resignierter Dummheit zusammenzusinken. Wir holen noch die gestern auegesallcne Kritik des Sonn- tagsprogramms nach. Granichstädtens Operette„Der Or- low" wurde als Sendespiel" gebracht. Es war eine saubere, gut durchschnittliche Unterhaltung, auch die Regie recht geglückt. Frei- lich hätten erstklassige Sänger die Auffübvung noch aus em wesent- lich höheres Niveau bringen können. Doch es gab ein lustige», buntes Hörbild.— Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch sprach vorher über den Tons Ilm, dem er eine recht günstige Entwicklung prophezeite. Doch er hätte,«g vermeiden sollen, besondere Reklame für einen bestimmten Tonfilm. zu machen, der augenblicklich in in einem großen Filmtheater läuft. Tes. Vuikanausbruch in Japan. Disher 30 Tote und 70 Vermißte.- Tausende sind flüchtig. Tokio, 18. Zun!. Der Vulkan Somogaiake brach Dienstag erneut aus. Zwei weitere Dörfer, zusammen also fünf, sind durch Lavaströme veruichlel worden. 30 lote sind von der Reltungscxpeditiou bisher geborgen. Ungefähr 70 Persauen werden vermißt: man bc- sürchle«. daß sie olle tot sind. Eine Abteilung von sechs japanischen Rletcorologen. die zur wissensihastlichcn Erforschung des Vulkans gestern ausstiegen, scheint umgekommen zu sein, verschiedene schwere Erschütterungen, begleitet von den Ausbrüchen des Vulkans, haben die in der Nähe befindliche Eisenbahnlinie schwer beschädigt. Die Bevölkerung ist von einer Panik ergriffen. Tausende von Personen haben in Booten aus dem Meere Zuflucht gesuchk. 45 Todesopfer bei dem Erdbeben in Neuseeland. Nach weiteren Meldungen aus Wellington ist die Zahl der Todesopfer bei der Erdbebenkatastrophe in Neuseeland auf 15 gestiegen. parteinachnchten fürGroß-Berlm Einsendmlken für diese Rubril sind «« r U« SS«8, Llndenstr-je 3, stets an da» Bezlrtssekretnrint 2. Sief, 2 Treppen rechts, zu richten. S. strei» Tiergarten. Leute, Mittwoch, II Juni. 20 Uhr. i» den «rminiushalle», Klemer Str. 73—74,«reismitaliederrrrsammluaa. Be- M richt vom Partcitaa iu M-odeburp. Sicferentiuuru! Mathilde Wurm, N M. d. R. nnd Dc-irksversrdnctc ilnna Zerdaa. Mitniiedsbnch legi» I timiert.— Achtunp, Bildungelommission! Dnnnerstaz, 20. Juni, r-s 20 Uhr, Sitzung kirr Obleute der Dildungskommisiidn bei Strllger. Put-: j litzsir. 10. g 7. strri, Sharlottcnburg. zeiiungslonimisstonssidung am Donnerstag. 20. Juni, 20 Uhr, im Jugendheim Rosincnstr. 4. Die Spediteure sind hierzu eingeladen.— Poranz-ige! Waldsest nnd IZest der Jugend a» Sonntag, 20. Zuai, im Vollspart Zuagfcrnhcida. Eemeinsam- Spiele, besondere Spiele der Jugend, Schlußlnndgcdnnft.(Sasseekochen.) SLZ.! Bbinars-H ll>» Uhr»am Jugendheim Rosincnstratze zum Wilhelmslutz.— Gemeiusamer Zldmarsch 12 Uhr»am Wilhelmplatz. Plniettc» 20 Ps. bei allen Ableiluagsfuuttionäre» erhältlich, gnr Siachziigler Fahrgelegenheit Mit Antodns nach Zlorlshaf ab Dilhelmplatz bis Volkspart. F i<1!.::-j-t: t R-RU 1 r r' 10.»reis Zchlendork. Sente, Mittwoch,>0. Inai, 20 Uhr, im Lokal M HZ Lindenpart. streismitglied-rnersammlaag. Bericht«om Parteitag in 1 , Ragbebarg. Referent Richard Kille, vortragt„Ardeftrrfport»nd.: t-l SPD." Referent Adolf Buck. ~ S II.»reis Tempclhof. Der Voltschor Tcinvelhof. Mariendorf(Mitgl. d. DASB.) veranstaltet am Freitag. LI. Juni, igZH Uhr. ein Freiluftkonzert im Reuen Park, an der Bofestratze in Tempelhof. Die Genossinnen und Genoffcn werden gebeten, zu erscheinen. ff? 20. Kreis Reinickendorf. Leute, Mittwoch, 10. Zuui, 30 Ahr, im W Lokal Pergfchlotz, Waidmannsluft, am Bahnhof, streisnntgliedervcr-, � fammluag. Bericht»om Parteitag in Magdeburg. Rcfcreut Franz H flünfilet, R. d. 9t.«nsfprache. Verfchicdrnes. iy & Heute. Mittwoch, 19. 3anL 16. Abt. Der Ausflug nach LvhrnfchSpping findet am Sonntag, 31. Juli, statt. Iii. Abt. Die Abteiluirgsfunktionärsttzung fällt im Juni au». 4». Abt. Schwerhörige. 10ia Uhr Mitglied« roerfannalnng im Zngendheim Lindenftr. 4, vorn 1 Tr. Vortrag:..Altnelle Rechtsfregeitt. Referent»nrt ttietzmaua. Alle Mitglieder sowie Sympathisterrnde und.Vorwärts-, Lcfcr find eingrladen. lö. Abt. Reutölln. Zu dem am Sonnabend. 22. Juni, im Lindenpark in Rudow /stattjindonden Sommerpergullgen sind Ginlatzkarten in 60 Pf. bei ettfN Vezirtsftibxexn zu haben, 162. Abt. Vai-mfchulcnwog. Alle Genolsinnen und Genossen treffen sich zum gemeinsamen Spaziergang pllnktiich lg Uhr Vaumschulenstrotz« Sek, Heide. kampwcg. Spiele in der stönigshcitc. Nachzstgler Wiese Lehmann, an der Ziiinigsheide. 136. Abt. Reinickendorf-Ost. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich heute an der Kreismllalicdcrversammlung in Waidmannslust, Lokal Berg. schloß. Morgen, Donnerstag. 20. Juni. 57. Abt.«harlottenburg. 1. Gruppe: 19>4 Uhr bei Arndt, Lantstr. A, wichtige Sitzung der Bczirksfllhrer. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Frauenveranstaltung. 1Z4» Abt. Mahledv es. Süd. Freitag. 2l. Juni. 20 Uhr, bei Draber. Uhland. straßc 16.»Lohn- und Preisgestaltung.- Referent Georg Raible. Arbeiterwohlfahrt. 7. strri» ckharlottenburg. Am Freitag, 21. Juni. 20 Uhr, i« Rathaus Ghor- lottenburg, Zimmer 3, Sitzung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Ge» noss«n'' Kremaiorium Gerichlltraße. Pianos, neu und gedrauchl, mit Herr. li-per Tonfülle, ohne Anzahlung, klein. Raten,(ehr preiswert. Langjährig' Earanile. Pianohau»,«Sniggräger. strahe 81. Radio Attoden 8,30. Aeru 32» Svarrödret IchO. Apparate Teitzahlung. STeh' konbens 1.20 SchSnieinitrahe 2 Pankow. Schmidt- «ckletdüptisslti�liej Nasrlir uaw; Bon Oaoallerea wenig getragen» und neue Iackettanzilge. Smokinganztjae. Abenbanzüg». Sommervaleiol».'luina und marrng». Bauchanzllg» u. Paletots, für jede Figur palsenh. Peizwarrn-D'. legenheiistäufe enorm billig Seine Lomdarbware. Leihhan, Frtedrichstr 2. Hallesche« Tor.* Möbel Potentmntrakrn.PtimlfDma*. Metall. Herten. Snslegematrajten. Chaiselongues. Söller Siaraarberftroß» achtzehn«ein Laben__• •iWllänfet merk, Rnkil nob bat Möbtlbazat, ankc Auswahl Ileitt« P-eiiel «eiwiele: Schlafzimmer 435. Speisezimmer 845. S-rrenzimmer 200. 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