BERLIN Mittwoch 19. Zum 1929 10 Pf. Nr. 282 3140 46. Jahrgang. erscheint tSgltch anterSonntnz«. Zugleich Abendaurgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben Sü Pf. pro Woche. 3.K0M. pro Monat. Vledaktion und Expedition; Berlin SW 68. ZindenKr. s SfuUauigaße dßi>* l azeigenpreit: Die einspaltige Noiipareilleztil« vo Pf.. Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Schwere Eis enbahnkatastrophe Zehn belgische Arbeiter tot- Viele Verletzte. Heimwehr- Gistgas gegen Arbeiter. Die faschistischen Bürgerkriegsvorbereitungen. Brüssel. IS. Juni.(Eigenbericht.) Heute früh um 5 Uhr hat sich in Belgien wieder eine furchtbare Eisenbahnkatastrophe ereignet. Zwei in entgegengesetzter Richtung fahrende Arbeiter- züge der Linie Charleroi— Gent stießen in der Nähe des Bahnhofs von Viane-Morbcte aufeinander. Der Znsammenprall war furchtbar. Ein großer Teil beider Züge wurde zertrümmert. Man zählt bisher zehn Tote; die Zahl der Verletzten ist «och unbekannt. Ein« weiter« Mitteilung besagt folgendes: Infolge eines Erdrutsches entgleiste am Mittwoch früh die Loko- motiv« eines Eisenbahi�uges bei Moerbete in der Nähe von Gram- mont(Osts landen) und legte sich quer über die Schienen. Wenige Augenblicke später kam aus entgegengesetzter Richtung ein Zug, der Arbeiter aus Gent besörderte, und fuhr auf die Trümmer aus. Die Wirkung war entsetzlich. Mehrere Wogen wurden zerstört. Bisher konnten zehn Tote und fünfzehn Verletzte geborgen werden Schienensenkung als Ursache des Unglücks. _ Grammonl, 19. Juni. Die Ursache des Eisenbahnunglücks bei Grammont liegt in einer Senkung der Eisenbahnschienen, die sich in dem Moment ereignete, als zwei Züge darüber hinweg- fuhren. Ein« Lokomotive fiel um, die andere entgleiste und ein Wagen dieses Zuges, der mit Arbeitern überfüllt war. fuhr auf die Lokomotive auf und wurde zertrümmert. Die Senkung ist, wie man annimmt, darauf zurückzuführen, daß auf der Streck« gearbeitet wurde. Erdrutsch in Columbien. 30 Tote.— Eine Stadt fast völlig zerstört. In Kolumbien hat sich am Dienstag ein schwerer Erd- rutsch ereignet, wobei 30 Personen getötet und zahlreiche verletzt wurden. Die erste Meldung über das Unglück aus P o p a y a gibt noch kein klares Bild. Danach hat ein Landrutsch Tausende von Tonnen in den Lauf des Quileale-FlusseS verschoben, und hierdurch ist dieser über die Ufer getreten. Die Stadt Sevilla am Flusse Cauca wurde überflutet. Sevilla soll fast � völlig zerstört und die Bewohner zur Räumung gezwungen worden sein. Das Großfeuer in Moabit. Die Löfcharbeiten dauerten bis zum Morgen. Die Löfcharbeiten an der Vrandflölte in All- Moabit l 0 4 dauerten bis in die Morgenstunden hinein. Immer wieder flackerten an verschiedenen Stellen flammen aus. die aber nach kurzer Zeil gelöscht werden konnten. Gegen 23 Uhr rückte das Gros der Wehren ab, nilr«ine starte Brandwache blieb zurück. Heute früh wurden dann die Auf- räumungsarbeiten fortgesetzt, die gegen Mittag beendet waren. Das zerstörte Fabrikgebäude bietet besonders in der zweiten und dritten Etage, wo das Feuer am schlimmsten wütete, ein trost- lo s e s B! l d. Selbst von denmaschinellenEinrichtungen ist wenig übrig geblieben. Die Höse sind von großen Schutt- Haufen bedeckt, die Fassaden der Fabrikgebäude und umliegend«» Wohnhäuser hab«n unter der Hitze stark gelitten. Der Schaden ist noch unübersehbar, soll aber noch einer vorläufigen Schätzung mehrere Millionen Mark betragen. Leider ist durch die vrandkatastrophe der größte Teil der Ar. beiler. Arbeiterinnen und Angestellten arbeitslos geworden. Zu- dem haben viele von ihnen ihr ganzes Geld, das sie in ihren kästen an den Arbeitsplätzen aufbewahrten, eingebüßt. Die Garderobenräume befanden sich im Keller und blieben vom Feuer völlig verschont; zahlreiche Kleidungsstücke sind (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Wien. 19. Juni.(Eigenbericht.) Die„Arbeiter-Zeitung" seht ihre Enthüllungen über die heimwehr fort. Sie bringt eine Reihe von Dokumenten aus dem Jahre 1928. aus denen sich ergibt, daß noch im letzten Jahre die heim. wehren in Graz Handgranaten sowie vergasungs- spritzen verteilen ließen und Uebungen mit Giftgasen vor- nahmen. Als kurze Zeit vor dem heimwehraufmarsch in Wiener Reustadt, wo diese Gasgranaten verwendet werden sollten, die steyrischen Sozialdemokraten davon erfuhren und bei der Grazer Polizeidirektion Anzeige erstatlelen. hat der Stellvertreter des Polizeidirektors in Graz die Sache vertuscht und sich an die bürgerlichen Blätter gewandt, daß sie darüber nicht berichten mögen. Oemokraiie gegen Oikiaiurgelüste. Dandervelde und£öbe in Warschau. Warschau.(9. Juni.(Eigenbericht.) Am Dienstag abend fand in dem größten Warschauer Lokal die von der Polnischen Sozialistischen Partei einberufene groß« inter- nationale sozialistisch« Kundgebung statt, zu der 4999 Personen erschienen waren, während weitere Hunderte keinen Ein- laß mehr fanden. Nachdem der Vizepräsident der Polnischen Sozia- listischen Partei die Versammlung eröffnet und ein Hoch auf die Internationale in polnischer, französischer, deutscher und englischer Sprach« ausgebracht hatte, führte Vandervelde im Namen der belgischen und französischen Parteien aus: Die Unabhängigkeit Polens sei eine historische Notwendigkeit. Solange es«in d e m o- kra tische s Deutschland gebe, solange sei auch die U na b- hängigkeit Polens garantiert. Der Kampf gelte den Diktatur- gelüsten von rechts und links. Die Diktatur werde jedoch immer Die XeUungsarbeilen im brennenden Maus. kleiner. Ist es nicht erhebend, daß als Nachfolger Bismarcks, der die deutschen Sozialisten ausrotten wollte, jetzt ein Sozialist in Deutschland das Amt des Reichskanzlers verwaltet? An die polnische Arbeiterschaft richtet Vandervelde den Appell, den Kamps um die Demokratie mit allen Mitteln zu führen, denn dieser Kampf ist nicht nur ein Kampf um die Demokratie Polens, sondern um die Demokratie der ganzen Welt. Reichstagspräsident Löbe begann dann unter nicht enden- wollendem Beifall seine Rede. Voll Stolz und Ergriffenheit sei er in dieses Haus getreten. Sei er doch als s ch l e s i s ch e s Arbeiterkind in nächster Nähe ausgewachsen. Dem Rufe, in Warschau zu sprechen, sei er mit um so größerer Begeisterung gefolgt, als er in Deutschland danach strebe, die deutsch-polnischen Beziehungen zu bessern. Das andere Polen. kallowlh, 18. ZunL * Am Sonnlag fand in katlowttz eine Tagung des Vereins der Polinnen stall, bei der Wojewode Dr. G r a s z i n I k i in einer längeren Ausführung bemerkle, daß dank der bisher geleisteten Arbeil der deutsche Einfluß in Ostoberschlesien wesentlich geschwächt worden sei. Als Leweis führte er die letzten Schul- anmeldungen für die IRinderheilenschule an. Der Wojewode schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung zum Kamps gegen den deutschen Erbfeind. Krühstück für Stresemann. poincar6 erscheint erst hinterher. Paris. 19. Juni. Zu dem Frühstück, das der französische Außenminister Briand zu Ehren Dr. Stresemanns heute veranstaltet, sind außer Dr. Stresemann noch geladen Botschafter v. Hoesch, Staatssekretär v. Schubert, Staatssekretär Plender, Ministerialdirektor Dr. Zechlin. Es nehmen daran außerdem von den französischen Ministern und offiziellen französischen Persönlichkeflen teil: Außenminister Briand, Iustizminister Barthou,. FinanzmiNistcr C h e r o n, Innenminister Tardieu, Arbeitsminister L o u» cheur, Kriegsminister Painleoe, Minister für öffentliche Arbeiten Forgest, die Vorsitzenden der Auswärtigen Ausschüsse in Kammer und Senat Abgeordneter Paul Boncour und Senator Lucien Hubert. Ministerpräsident P o i n c a r e wird nach Beenbigung des Frühstücks am Quai dDrsay erscheinen. Sonniagsruhe wird abgesthaffi. Die Nkueste Sozialrefonn in der Sowjetunion. Riga, IS. Juni.(Eigenbericht.) In zahlreichen Fabriken von Leningrad wird ab 1. Juli die Sonntagsruhe aufgehoben und die ununterbrochene Arbeitswoche eingeführt. Die Sowjet- instanzen glauben dadurch nicht nur die Produktion zu heben, sondern auch die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Die Aufhebung der Sonntagsruhe erfolgt, um den Kampf gegen die„kirchlichen Einrichtungen" zu fördern und da- mit zu erreichen, daß die Arbeiter vom sonntäglichen Gottesdienst ferngehalten werden. Tie einzelnen Ar- beitergruppen sollen verschiedene Wochentage als Ruhe- tage haben. GluiweNe über New �ork. Zunahme der Hihe.- Fünf Menschen dem Hihschlaa erleben. Rew Jork, 19. Juni. . Die Hitze hat sich in den letzten 24 Stunden noch g e st e i g e r t. Am Dienstag bewegte sich das Thermometer zwischen 2S und 33 Grad Eelsius. Fünf Menschen erlitten Hitzschläge. Räch dem a'"' licheu Wetterdienst bestcht noch keine Aussicht aus Regen. Mangelhafter Feuerschutz. (Fortsetzung von der 1. Seite.) allerdings durch Wasser beschädigt worden, lieber die E nt» stehungsursache gibt es noch immer entgegengesetzte Me:- nungen und Bekundungen. Der Expedient W o y n o w s t i ist, wie bereits mitgeteilt, im Moabiter Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Brandverletzungen gestorben. Von ihm wird behauptet, datz er durch Anzünden eines Streichholzes dos Unglück verschuldet habe. Ob diese Behauptung den Tatsachen entspricht, mutz erst die k r i m i n a l p o l i z e i l i ch e Untersuchung �r- geben, die zurzeit noch im Gange ist. Die im Moabiter Krankenhaus daniederliegenden Verletzten, zwei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen, die vielleicht einige wichtige Aufschlüsse geben können, sind noch v er- nehmungsunfähig. Die Untersuchung ist fernerhin dadurch erschwert, daß eine große Zahl der in dem Unglücksbetrieb Beschäftigten kopslos n a ch H a» s e gelaufen ist und sich bisher nicht gemeldet hat. » Man schreibt uns: Es ist erstaunlich, datz die B r a n d t a ta- strophe in Moabit— wenn man ihren ungeheuren Umfang berücksichtigt— noch so verhältnismäßig glimpflich abgelaufen ist. Wohl hingen an verschiedenen Stellen des Betriebes Kleine Handfeuerlöscher, niemand dachte aber in der Panik daran, sie in Tätigkeit zu setzen. Es wäre auch ein unsinniges Be- ginnen gewesen, denn bei der rasenden Ausbreitunq des Feuers mußte jeder daran denken, zu flüchten. Nur ein Gedanke hatte di« 300 Arbeiter und Arbeiterinnen erfaßt:„Heraus aus dem brennenden Gebäude!" Die gellenden Hilferufe steigerten die begreifliche Erregung noch. Beinahe unglaublich klingt es, daß dieses Gebäude mit mehreren Ouergebäuden und Seitenflügeln nur drei Ausgänge hat, die äußer ft ungünstig gelegen sind. Die Feuerwehr ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die bestehenden Vorschriften über Brandschutz in diesen feuergefährlichen Betrieben keines- w e g s genügen. Vor allem mutz darauf gedrungen werden, daß in Fabriken, die feuergefährliche Stoffe verarbeiten, die Räume kleiner und feuersicherer ausgestaltet werden. Gerade gestern konnte der Brand in wenigen Minuten eine so unge- heure Ausdehnung annehmen, weil es sich um einen einzigen großen Arbeikssaal handelte, der sofort in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen stand. Lediglich dem todesmutigen Eingreifen der Feuerwehrleute, die mehr als einmal in Lebensgefahr schwebten, ist es in erster Linie zu danken, daß die Katastrophe nicht mehr Opfer gefordert hat. Schon der Brand in der Schönleinstraße brachte die Forderung der Oeffentlichkeit an die ver- antwortlichen Stellen, den feuerpolizeilichen Ueberwachungsdienst in gefährlichen Betrieben schärfer als bisher zu handhaben. Es ist an der Zeit, daß endlich rücksichtslos im Interesse der a r b e i- tenden Bevölkerung durchgegriffen wird. * Das Grundstück Mt-Moabit 104, dessen brandgefchwärzte Mauern von der Gewalt des Feuers zeugen, war während der Vor- Mittagsstunden das Ziel zahlreicher Schaulustiger, so daß die polizeilichen Absperrungen noch beibehalten werden mutzten. Oer Beiriebsrat der Verkehrs-A.-G. Oeter vor dem Arbeitsgericht. Vor dem Arbeitsgericht war heute der Verhandlungstermin m der Klage Deters gegen die Berliner Lerkehrs-A.-G. Bekanntlich ist Deter, weil er als Vorsitzender des Betriebsrats versucht hat— entgegen den Abmachungen der Direktion mit der zuständigen Ge- werkschaft—. den Betrieb am 1. Mai stillzulegen, fristlos entlassen. Ebenso das Betriebsratsmitglied Krüger. Vor dem Arbeitsgericht stellte sich Deter als das unschuldige Opfer parteipolitischer Machenschaften des Direktors B r o l a t hin. Der Sozialdemokrat Brolat habe ihn, den Kommunisten Deter, „in eine Situation h i n e i n m a n ö o e r i e r t", um einen Grund zur Entlassung zu finden und die kommunistischen Betriebs- ratsmitglieder loszuwerden. Dieser Behauptung gegenüber wollen wir doch einmal fest- stellen, wie die Situation war. Nachdem die Kommunisten mit Hilfe der ,r e v o l u t i o- nären Unorganisierten' einen Betriebsrat mit kommunistischer Mehrheit und mit Deter an der Spitze gewählt hatten, mußten diese„Revolutionäre" doch zeigen, was sie an„revolutionären Aktionen" leisten können. Also brachten sie einen Beschluß einer Betriebsversammlung zustande, der sich für völlige Arbeitsruhe am 1. Mai, also für gänzliche Stijl- legung des Verkehrs aussprach. Dieser Beschluß, der einer im Einverständnis init der Kewerk- schaft getroffenen Anordnung der Direktion widersprach, ist aller- dings nicht befolgt worden. Die Belegschaft hat der kam- munistischen Parole keine Folge geleistet. Deter und sein« kommu- nistischen Freunde waren isoliert. Deter spielte sich vor dem Arbeitsgericht als denjenigen auf. der durch das Eintreten für die Arbeitsruhe den gewerkschaftlichen Standpunkt vertreten habe und er behauptet, aus Aeußerungen des Direktors Brolat entnommen zu haben, daß auch dieser die Arbeits- ruhe am 1. Mai gebilligt habe. Diese Angabe konnte der Vertreter der Beklagten mit dem Hinweis entkräften, daß die„Rote Fahne" schon am 5. April berichtet hat, Brolat habe in einer Besprechung mit dem Be- triebsrat»u s d r ll ck l i ch e r k l ä r t. der I. Mai sei kein Totensonntag. der verkehr müsse aufrechterhalten werden. Das ist die bekannte kommunistische Taktik: Man bemüht sich, „revolutionäre Aktionen" ins Werk zu setzen, und wenn sie an dem gesunden Sinn der Arbeiter scheitern, dann spielen sich die kam- munistischen Maulhelden als die Unschuldslämmer auf, die gor nichts Schlimmes beabsichtigt hätten. Wenn aber di- Aktion Erfolg gehabt hätte, dann würden sie sich den Ruhm des Helden nicht entgehen lassen.— Deter hat mit seiner Maiaktion keinen Erfolg gehabt, sondern er hat sich in die Nesseln gesetzt, und nun behauptet er, Brolat habe ihn da hineinmanöveriert. Wie da- Arbeitsgericht den Fall beurteilen wird, ist noch nicht nnt. Das Urteil wird am Freitag verkündet. Landesverrat. Eine Aussprache im Deutschen Republikanischen �eichsbund. Vertreter des Reichsjustizministeriums, des Relchsinnen- ministeriums und— erfreulicherweise— auch des Reichs- lochrminlsteriums, Herren von den preußischen Zentralbehörden, der preußische Landtagspräsident und her. vorragende Vertreter der Zuristenschast sind zur Stelle: 3m Deutschen Republikanischen Reichsbund referiert der erste Reichsjustizminister der Republik. Genosse Otto Landsberg. über das Thema„Landesverrat". Der Vorsitzende, Bürgermeister Hehle in, spricht kurze Be- grüßungswort«:. dann beginnt der Referent.„Unzweifelhaft, so führt er aus,„ist der Landesverrat, wenn die notwendigen Tatbestände vorliegen, ein im höchsten Matze strafwürdiges und ver- abfcheuungswertes Verbrechen. Wir alle wünschten, daß der Landesverrat so selten wie Vater- und Muttermord wäre. Nach dem alten Strafgesetz betreffen ihn die§Z 80 ff. RStGB. Die einzig entscheidende Frage mutz aber die T a t f r a g e sein. Vor dem Kriege schon war es indessen üblich. Angehörige gewisser politischer Gruppen als Lumpen von reichsfeindlicher Gesinnung zu bezeich- nen und durch die Landesoerratsparagraphen mit Zuchthaus zu bedrohen. Während des Krieges erwies sich die Themis der deutschen Gerechtigkeit als nicht widerstandsfähig und verlor ihre Binde. Wenn die Landwirtschaft die gesetzlichen Bestimmungen umging und hinten herum verkaufte, wenn ein Oldenburg an Herrn von Löbell,«inen aktiven Staatsminister, schrieb,«r ließe 500 Morgen besten Ackers aus Zorn über die Verordnungen des Staatssekretärs im Reichsernährungsamt unbeackert, dann wurde kein Verfahren eingeleitet. War nicht übrigens auch jetzt erst Hugenbergs Amerikabrief ein« landesverräterische Hand- lung? Er möge nicht belangt werden, er möge dem Reichstag er- halten bleiben!(Heiterkeit.) Die Landwirtschaft wurde im Kriege geschont. Wer zahllose Arbeiter wurden wegen Streiks eingesperrt aus § 89 des tlStGv„ trotzdem der 8 15? der Gewerbeordnung, der dem Arbeiter die Koalitionsfreiheit gewährleistet, nicht ausgehoben war. Das Reichsgericht umging ihn mit der seltsamen Begründung, daß der Krieg ein Sonderrecht schaffe. Es kam Versailles mit seinen furchtbaren Bedingungen, und es kam der Rausch derer, die trotz unserer Wehrlosiglcit auf das Schwert hofften, trotz unserer Isoliertheit an einen R e- vanchekrieg nach dem Muster von 1813 dachten. Die Geschichte ist gewiß eine Lehrerin. Aber sie hat leider oft sehr schlechte Schüler. Das Rätselhafte aber ist, daß die phantastischen Träu- mereien der Reoancheprediger sogar auf Nlitglieder des höchsten deutschen Gerichts gewirkt zu haben scheinen. Ein Mann reinen Herzen und klaren Verstandes, wie der alte O u i d d e, saß wegen Landesverrats in Untersuchungshaft: den ganzen Widersinn erkennt man darin, datz gegen Blätter, wie das„Berliner Tageblatt", die „Frankfurier Zeitung" und der„V o r w ä r t s", Verfahren wegen Landesverrats eingeleitet wurden. Der Schutz des Gesetzes gegen den tatsächlichen strafwürdigen Landesverrat ist durch die Judikatur des Reichsgerichts entwertet worden. Wichtiger als Gesetze sind die Richter, die sie handhaben. Schlechte Gesetz« können durch gute Richter ihren Stachel verlieren. Gute Gesetze werden wertlos, wenn sie von schlechten Richtern gehandhabt werden. Deshalb scheint mir auch in der Frage des Landesverrats das Wich- tigstc zu sein. Eine Reform der deutschen Richterschaft an Haupt und Gliedern.(Stürmische Zustimmung.)" In der Diskussion sprachen die Reichstagsabgeordneten Reichs- minister a. D. Bell und Rechtsanwalt Dr. Ehlermann, sowie der Iungdemokrat Referendar Helmut Jäger und der Redakteur Dr. Karl Misch. In seinem Schlußwort wies Landsberg darauf hin, daß es noch heute Männer gäbe, die Deutschlands größte Partei, die Sozia Ldemokratie, durch den Vorwurf landes- verräterischer Gesinnung ehrlos machen wollten. Einmüliae Front oller Gesitteten hiergegen tue not. Noch einmal unterstrich Landsberg, daß nach dem englischen Worte„wen, not measurcs" (Männer, nicht Matznahmen) bei allen Behörden der Re- publik Republikaner Feder und Wort zu führen hätten. Mit einer launigen Ansprache schloß Bürgermeister Heßlein die Kundgebung. Schutz den Arbeiterinnen! Kundgebung gegen den Abbau der Sozialgesetze. bekannt. keine italieoische Demarche In London. Die Blätter berichten. oatz, entgegen den Meldungen ausländischer Blätter, die italienische Regierung bisher keinerlei Schritte bei der britischen Regierung bezüglich des Artikels Macdonalds über die Minderheitenfrage unter- nommen hat. Zapan und der Kellogg- JJakt. Der mit der Prüfung des Kellogg- Paktes beauftragte Unterausschuß des Geheimen Staatsrats hat die bedingungslose Ratifikation des Paktes empfohlen. Kür den Arbeiierinnenschuh! Zu gestern abend hatte das Frauensekretariot der Berliner Parteiorganisation die Arbeiterinnen Berlins in das Lehrervercins- Haus gerufen, um dem„Gpenr Councils", den Gegnerinnen jedes besonderen Arbeiterinnenschutzes Gelegenheit zu bieten, die Meinung der Arbeiterinnen zu den von ihnen vertretenen Forde- rungen zu hören. Genossin Wurm eröffnete di« Versammlung und erteilte der Genossin Hanna das Wort. Der Staat hat sich erst lang« nach den ersten Eingriffen in die Arbeitsbedingungen Kinder und Jugend- licher zu einer Arbeiterinnenschutzgesetzgebung aufgerafft. Man schützt« die Arbeiterin erst, als durch die Frauenarbeit di« Mutter- s ch a f t s l e i st u n g der Frau, als Quantität und Qualität des Nachwuchses gesährdet waren. Man müsse das Tempo kennen, das durch die Maschine und das Unternehmerinteresse be- stimmt werde, müsse wissen, wie die Arbeitsbedingungen, Hitze, Kälte, Staub und Näss« auf die arbeitenden Frauen wirkten. Man be- Haupte nun, die Arbeiterinnenschutzbestimmungen beschränken die Zahl der Arbeitsplätze für die Frauen, sie sei die Ursache ihrer schlechten Entlohnung und ihrer lohndrückerischen Ausnutzung als billige Arbeitskräfte. Demgegenüber müsse festgestellt werden, daß in den Ländern ohne Arbeiterinnenschutz die Ent- lohnung und die Arbeitsbedingungen für die Arbeiterschaft noch schlechter seien. So wurden in einem Betriebe Frauen in der Nachtschicht stehend bei einer Arbeil belrossen, die im normalen Arbeitsgang sitzend ausgeführt wird. Als Grund wurde angegeben, daß die Frauen sonst bei der Arbeit einschliefen! Der Grund aber für die Borenthaltung voller wirtschaftlicher und staatsbürgerlicher Gleichberechtigung der Frau sei nicht der Arbeite- rmnenschutz, sondern die jahrtausendelange Unterdrückung der Frauen und di« in ihnen selbst großgezogen« Ueberzeugung von ihrer Minderwertigkeit. All« arbeitenden Frauen seien sich darüber einig: Sie wollten keine Frauenrechte' für Aufhebung des Schutzes im Erwerbsleben eintauschen! Als zweite Rednerin sprach Miß Mollie Ray C a r r o l aus Baltimore(U.S. A.). Sie schilderte die amerikanischen Verhältnisse: Präsident Hoovek, die Gewerkschaften, sogar sozial gesinnte Arbett- geber seien sich in der Forderung de» Arbeiterinnenschutzes einig. Da tauchte plötzlich eine Frauenorganisation auf, di« die Forde- rungen des„Open Door Councils" vertrat: es waren nur wenige Frauen— aber sie oerfügten über auffällig reiche Geldmittel (Zwischenruf:„Aha!") Die ermöglichten es ihnen auch, eine äußerst geräuschvolle Agitation zu entfalten. Sodann sprach Genossin Else N i e w i e r a vom Textilarbeiter. verband. Wenn hier über Arbeiterinnenschutzgesetzgebung gesprochen werde, dann hätten die Textilarbeiterinnen wohl an allem Erreichten ihr Verdienst. Jede dritte Textilarbeiterin wäre verheiratet. jede dreißigste trage gleichzeitig die Last der EriverbsarbAt und der werdenden Mutterschaft! Fabrikarbeit und.Hausarbeit zusammen belaste die Frauen mit bis zu 14 Stunden täglicher Arbeitszeit! Ueber dies« Dinge gäbe es unter den Arbeiterinnen nur eine Meinung: Sie forderten Aus- bau, nicht Abbau des Arbeiterinnenschutzes! Genossin Licht sprach für den ZdA Die Angestellten ge- nässen noch heilte nicht den Schutz der Gewerbeaufsicht, und darum wüßten sie, was sie in so manchen Dingen entbehren müßten. Nur Arbeiterinnen dürften in diesen Fragen entscheiden— und sie lehnten jeden Abbau der Schutzbestimmungen ab. Nun sprach als Gast Lyda Gustava Heymann, um der Versammlung di« Forderungen des„Open Door Council" darzulegen: zuerst stellte sie fest: Der„Open Door Council" habe mit dem Weltbund« für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Gleichberechtigung n i ch t s z u t u n. Er sei als internationale Ver- einigung erst am IS. gegründet worden. Ihre Organisation sf, nicht gegen Arbeiterschutz an sich, sondern„nur" gegen einen Sonder- schütz der Frau, weil der eine— Bevormundung der Frau dar- stelle. Die Frau müsse die Freiheit haben, unter den gleichen Bedingungen mit dem Mann« zu konkurrieren...(Hier kam aus der Versammlung der Zwischenruf:„Die soll'n mal in die Fabrik gehen!") Sodann sprach Genossin Adel« Schreiber, Dizepräsidcniin des„Weltbundes". Durch die Erringung des Frauenstimmrechts in Deutschland und den anderen Staaten—«ine Folge des Welt- krieges— sei die Frage aufgetaucht, ob denn eine solche Organisation wie der„Weltbund" noch existenzberechtigt sei. Aber man dürfe nicht vergessen, datz in nur zu vielen Ländern die Frauenbewegung kaum die ersten Schritte zur Befreiung der Frau getan habe, und in diesen Ländern brauchten die Frauen den Rückhalt einer starken internationalen Organisation. Wertvoll sei vor allem die interparlamentarische Arbeit des Bundes. So trete er ein gegen jede Reglementierung der Prostitution, arbeite für den Völkerfrieden, habe beim Völkerbund Wi der Kommission zur Bekämpfung des Mädchenhandels tatkräftig mitgearbeitet. Die jetzig« Bewegung des „Open Door Council" habe 1926 in einer Ueberrafchunos- abftimmung bei schwach besetzter Versammlung ein« Ent- schliehung in ihrem Sinne durchzubringen. In der Zwischenzeit Hab« der Weltbund es aber nicht an Aufklärungsarbeit fehlen lassen, so datz diese Entschließung diesmal zurückgenommen werde. Die Frauen des„Open Door Councils" feien Fanatikerinnen einer Idee: Der Behauptung voller Gleichheit— nicht Gleich- Wertigkeit zwischen Mann und Frau. Und von dieser Idee ver- blendet, merkten sie nicht, daß sie lediglich die Geschäfte eines skrupsl- losen Unternehmertum» besorgten. Im kapitalistischen Staat müsse jede Frau für den Arbeiterinnenschutz eintreten! Genosiin G l a d o s ch vom Metallarbeiterverband führte aus: 16000 Berliner oerheiratete Frauen seien in der Metallindustrie! Aber nicht au»„Selbstbesreiung"— sondern gezwungen durch die wittschaftliche Not. Die Damen, die z. B. für die Erlaubnis der Nachtarbeit durch Frauen einträten, wüßten noch nicht, w'e es in den Arbeiterwohnungen aussähe, in denen kein Mensch über Tag Ruhe finden könne. Es muß für gleiche Leistung gleicher Lohn per- langt werden. Als letzte der Gewerkschafterinnen sprach Genossin Z a m m e r t vom Fabrikarbeiterverband. Der Abbau der Schutzgesetze sei ein himmelschreiendes Unrecht an den Arbeiterinnen. Man brauche mcht an eine Beschränkung der Arbeitsplätz« für di« Frauen zu denken— die Industrie könne die geschickten Hände der Frauen gar nicht mehr entbehren! In der Streichholzindustrie, wie in der chemischen Branche— in jeder Fabrik brauche man die Frau— 45 Proz. der Porzellanarbeiterschaft seien Arbeiterinnen: und jede der älteren habe ein Unterleibsleiden... Denn oft genug würden leider die technischen Erleichterungen, die sanitären Vorsichtsmaßnahmen von den Herren der Betriebe nicht angewendet. Der Schutz der Frau sei Gegenwart»- und Zukunftsarbelt zugleich. Nach einem kurzen Schlußwort der Genossin Hanna nahm die Versammlung ein« Entschließung an für den gesetzlichen Schutz der erwerbstätigen Frauen. �epublikfchuhgeseh qenehmigi. Die Abstimmung im Rechtsausschuß. Der Rechtsausschuß des Reichstages nahm am Mittwoch die Abstimmungen zur Verlängerung des Republikschutz-' gesetzes vor. Unter Ablehnung aller Aenderungsanträge stimmte der Ausschutz der Vorlage unverändert mit 14 gegen 9 Stimmen zu. Donach wird das Republikschutzgesetz um weiter« drei Jahre verlängert. Der Auzschutz einigte sich weiter dahin, noch das Sperrgefetz für Rechtsstreitrgkeiten über ältere staatliche Renten zu erledigen, dagegen wurde mit Stimmengleichheit ein Antrag abgelehnt, auch noch die Beratung des deutschnationalen Amnestteantrage» vorzu- nehmen. Weiler für Berlin und Umgebung: Heiter und warm, schwache Lustbewegung. Für Deutschland: Ueberall beständiges Sommer- weiter. Wyoming in der Welt voran. parlamentarierinnenkundgebung im Reichstag. Die Ansprachen von Parlamentarierinnen aus sieben Ländern, zu denen der Kongreß des Weltbundes sür Frauenstimmrecht gestern abend in den Plenarsaal des Reichstages eingeladen hatte, sanden «in so großes, von viel Jugend durchsetztes weibliches Auditorium, daß in einem anderen Saal des Reichstages eine Parallelversamm- lung stattsinden mußte. Di« Vorsitzende, Frau P l a m i n k o v a- Tschechoslowakei, im Rahmen des Weltbundes Vorsitzende der Ver- eine der Stimmrechtsländer, sagte in ihren Erössnungsworten, daß hier Stationen des teils erfreulichen, teils dornenvollen Weges der Frauenstimmrechtsbewegung aufgezeigt werden sollten. Zuerst sprach Marie Juchacz, die als erster weiblicher Redner in der deutschen Nationalversammlung mit lebhaftem Beifall Oeuischnaiionale Taktik. Furiwa'ngler m der Städtischen Oper „Tristan und Isolde" als Festspiel. „Immer drauf tos hauen? So sehen wir aus, als ob wir ihn leidenschastlich bekämpfen und— kriegen ihn durch! begrüßt wurde. Sic wolle nur ein Teilgebiet sür ihre heutigen Aus- führungen auswählen, nämlich den gesetzlichen Frauen- und Kinderschutz. Di« Frau hat in Deutschland damit nicht ganz von vorne anzufangen brauchen, sie braucht« nur aus dem. Wege weiterzuschreiten, den einsichtige Männer ihr vorangegangen waren. Nach einem Wort unserer unvergeßlichen Lily Braun dürfen die Frauen„niemals ruhen, solange noch«in« schwanger« Frau unter schweren Lasten keucht". An diesem Punkte soll sich die Solidarität der Frauen der ganzen Welt bewähren, wie sich auch im Deutschen Reichstag alle weiblichen Mitglieder auf dieser Linie ge- einigt haben, mu ihrer Geseggebung noch über das Washingtoner Abkommen hinausgegangen sind und dennoch ihr Wert nur als einen Anfang empfinden. Die Frauen der ganzen Welt- sind eines Willens, für die Freiheit der persönlichen Entwicklung und sür die Freiheit des ganzen menschlichen Geschlechtes zu kämpfen. Die amerikanische Abgeordnete Barth gab«ine lebendige Schilderung von der Geschichte des Frauenstimnirechts in USA. Bor 60 Iahren wurde den Frauen des Staates Wyoming das Stimmrecht gegeben. Als 20 Jahre später Wyoming sich den Ver- einigten Staaten anschlichen wollte und Washington mit Rücksicht auf ein« einheitliche Gesetzgebung die Wtederabschafsung des Frauen- stimmrechts verlangte, antwortete Wyoming durch seinen Gou- verneur, daß es lieber noch 100 Jahre außerhalb der Union bleiben als diese gerechte und bewährt« Einrichtung wieder aufgeben wolle. Wyoming hat 1924 den ersten weiblichen Gou- verneur gewählt und damit ein Beispiel gegeben, dem inzwischen drei weitere Teilstaaten gefolgt sind. Die Vorsitzende. Frau Pleminkova, teilte daraufhin mit, daß 1861 schon einmal in Böhmen dos Irauenwahlrecht bestanden hat.— Frau B i h- Norwegen llagt die Männer aller Parteien in ihrem Lande an, daß sie wohl die Angehörigen aller möglichen Berufsschichten auf ihre Wahloorschlagelisten setzen, aber keine Frauen. Dt« bürgerlichen Frauen brachten daraufhin zu den Wahlen 1928«in« Froucnliste heraus. Dadurch wurde die Frau als Wählerin entdeckt. Eine belgisch« Abgeordnete aus Brüsiel klagte über die heimischen Zustände. Nach Mrs. Rathlone, Mitglied des englischen Parlamentes, sprach eine Ukrainerin, Mitglied des polnischen Sjem. im Namen der Frauen der Minderheitsgebiet«, denen die Kinder durch ein« fremdsprachig« Schule entrissen werden. Als die Rednerin den Frauen der deutschen Minderheiten ihre warme Teil- nahm« bekundete, wurde ihr mit minutenlangem stürmischem Beifall gedankt. Danach erschien Reichstagsabgeordnete Frau Dr. Mag auf dem Plan und trug in recht unglücklich gewählter, scharf an- Nagender Form den ausländischen Delegierten Beschwerden gegen das Bersailler Diktat, die Rheinlandbesatzung und die Kriegsschuld- lüge vor. Was durch die taktvolle Art S e v e r i n g s bei seiner Begrüßung des Kongresses ollgemeine Zustimmung gefunden hatte, erweckte in der Wiederholung durch Länge und Breite und aggressiven Ton Besremdung. Die erste Vorsitzende des Weltbundes, Mrs. Corbetl Ashby und Frau Plaminkova suchten durch ihr« neutralen, die Anklagen der deutschen Delegierten mit keinem Worte berührenden Schlußworte den Eindruck wieder auszugleichen. Für den Unbeteiligten und namentlich für die Jugend, die die Arbeit dieser Frauen für den Lölkerfrieden nicht kennen, mußte so wiederum der unglückliche Ein- druck entstehen, als ob sie nicht hören wollten. Wenn die sonst so gelungene Kundgebung mit einem Mißton endete, so war das Schuld derjenigen, di« ihn wisientlich hineingetragen hatten. GonntagS'Kundgebung für den Bötterfrieden. In«ln«r Kundgebung für den Weltfrieden klingt der Iubi. läumskongreß der Frauen au». Vertreterinnen aller Länder werd-n in der Volksbühne am»ülowplotz Sonntag, den 23. Juni, 11� Uhr. ihr Bekenntnis zum Weltfrleden ablegen. Unter Mit- Wirkung unserer ersten Kräfte vom Staatstheater und unter Leitung von Albert Florath kommt ein Sprechchor„Stimmenausdem Weltall' von Eleonore Kalkowska zur Aufführung. Da die Nachfrag« zu der Kundgebung sehr groß ist. stehen Karten nur noch in beschränkter Zahl zur Verfügung. Numerierte Sitze zu 2 M.. unnumerierte zu 0,50 Mk., sind im Kongreßbureau bei Krall zu dad«. Auf der Bühne ein Aufgebot erster Kräfte, wie wir sie in Berlin seit langem nicht erlebt. Frida Leider als Isolde, Lauritz Melchior als Tristan und in den übrigen Hauptrollen Sigrid O n c g i n, S ch o r r. K i p n i s, man darf und muß es eine Fest- spielbcsctzung nennen. Man müßte es nicht, denn es wäre nicht mehr und nicht weniger als die den Ansprüchen des Hauses cnt- sprechende„erste" Besetzung, gehobene Alltagsbesetzung sozusagen—; wenn in der Führung der Städtischen Oper all die Zeit der hohe Kurs eingehalten worden wäre, in dem sich der Aufstieg des ersten Jahres vollzogen hat. Daß von diesem Kurs mehr und mehr abgc- wichen worden ist(und dos ist nicht»n erster Linie aus Gründe finanzieller Art zurückzuführen), hat schließlich den Mann, der die Mitverantwortung nicht länger tragen mochte, in die Fremde ge- trieben. Die„Bruno-Walter-Krise", die vor kyrzem die Oeffentlich- keit beschäftigt hat, ist in Wirklichkeit und ihren tieferen Ursachen noch eine Krise der Städtischen Oper gewesen, und die dauert fort. Nun also erscheint zum ersten Mal« Wilhelm Furtwängler am Dirigentenpult des Hauss. Er hat mit dem Orchester, das von Zeit zu Zeit solcher Auffrischung dringend bedarf, ausgezeichnete Arbeit getan, man spürt es und die Sänger unterwerfen sich seinem Willen. Aber er meistert di«„Tristan'-Partitur nicht mit der un- bedingte-n Ueberlegenheit, mit der etwa er eine Beethoven- oder Brahms-Symphonie inwendig wie auswendig beherrscht. Ueber dem ersten Akt lag etwas wie Uncntschlossenheit des Willens, eine Zurückgehaltenheit des Grundtempos, die sich nicht als innere Breite, sondern eher als innere Gehemmtheit zu erkennen gab, und manches klang ein wenig steif. Doch wie im Laufe des Abends die Leistung des Dirigenten und mit ihr der Gcsomteindruck der Aus- führung wuchs, so wäre gewiß.zu erwarten, daß er bei weiterer Betrauung auch innigere Vertrautheit mit den akustischen Verhält- Nissen des Raumes gewinnt. Ein anderes bleibt die Frage, ob er sich in der Oper, der er und die ihm wohl ein bißchen fremd ge- worden, nach einmal zu jener höchsten Freiheit der Persönlichkeit emporringen würde, die wir am Symphonie-Dirigenten bewundern. Heute zumindest muß ihm diese letzte Selbstverständlichkeit auch im Technischen, in der souveränen Herrschaft über die Ausdrucksmittel der Oper fehlen, die nun einmal von einem führenden Opernkapell- Meister zu fordern ist. Seine Berufung wäre ein Experiment; ist es beabsichtigt, und wie ist es beabsichtigt? Es läßt sich nicht im Nebenamt führender Opernkapellmeister sein. Und Furtwängler ist seiner Bestimmung nach Konzort- dirigent. Was die Behörde mit ihm, was er selbst mit sich vor hat, wissen wir zur Stunde nicht. Aber wir wissen noch, daß er vor ein paar Monaten, als er sich unter Verzicht auf den Posten des Wiener Operndirektors der Stadt Berlin zur Verfügung stellte, in aller Bestimmtheit öffentlich erklärt hat, Operntätigkeit tu Berlin, gar an der Berliner Stadtoper, komme für ihn nicht in Frag«. Das war gerade zu der Z«it. als die ersten Gerüchte von Walters bevor- stehendem Rücktritt aufkamen; Furtwängler wollte nichts zu tun haben mit diesen Gerüchten. Aber er wird mit ihnen zu tun haben, und das heißt zu tun gehabt haben, wenn nun, sobald sie wahr geworden, er sich anschickte, verschleiert oder offen, die Nachfolge Walters anzutreten. Offen: als Opern- direktor— oder verschleiert: als periodischer Gastdirigent. Dies Zweite scheint beabsichtigt zu sein— nicht mir mit Furtwängler; man will sich einstweilen mit großen Dirigiergästen behelfen. Aber das wäre aus der gegenwärtigen Verlegenheit ein Ausweg, vor dem, wenn es noch nicht zu spät ist, ernstlich gewarnt werden imiß. Ist es notwendig, auszuführen, was Ständigkeit der künstlerischen Führung für dos Gedeihen des Theaters eine uner- läßliche Bedingung bleibt? Ein Jahr ohne ständige Führung könnte für die Städtische Oper, deren innerer Bestand gelockert ist, ein gefährliches Jahr werden. Nicht am Abend, nicht unter den Augen des Publikums vollzieht sich in der Oper der wichtigste Teil der Kapellmeisterarbeit, sondern im Betrieb des Tages, im Proben- alitag. Zeitigt diese erzieherische, kunstorganisatorische Arbeit, diese unsichtl'are Führerarbeit so sichtboren Erfolg, daß— der Erfolg den Führer, dem er zu danken ist, sichtbar emporgeht, so ist das ein gutes Zeichen. So war es bei Walter. Von innen, von unten her, muß die Leistung, die Geltung, die Anziehungskraft des Opern- kapellmeisters begründet sein. Ein berühmter Dirigentenname, von außen, von oben her als Dekoration und Attraktion aufgesetzt,— mag das Publikum blenden: aber sein Glanz läßt sich nicht in künst- lerische Substanz umsetzen. Gewiß, hie und da ein großer Sänger als Gast in einer Star-Rolle, dos hat noch keinem festgefügten Ensemble geschadet; aber dos Dirigcntenpult ist kein Ort für Star- Produktionen. Kapellmeistergastspiel in der Oper: als Norm, auch nur Norm in der Verlegenheit, ist es abzulehnen, lind nur gaftweise könnte Furtwängler zur Verfügung stehe», dessen Haupttätigkeit ja im Konzertsaol festgelegt ist— oder, wie wir hoffen, nun festgelegt werden soll. Der Vertrag, durch den zugleich mit der Situation des Philharmonischen Orchesters die Stellung seines künstlerischen Leiters definitiv und auf lange Sicht zu regeln ist, steht, wie man hört, vor dein Abschluß; sofern er nicht an finanziellen Forderun. gen scheitert, Uber deren Höhe ein wenig phantastische Gerüchte in ilmlaus sind. Es wäre vielleicht besser, in solchen Fragen die Bil- dung von Gerüchten zu unterbinden; es wäre vielleicht richtiger, von den einschlägigen Berhandlungen die Oeffentlichkeit nicht ganz auszuschließen. Die öffentliche Hand, in die nun ein wesentlicher Teil des Berliner Musiklebens genommen werden soll, ist min einmal ein Glied des Bolkskörpers ein recht wichtiges Glied des Körpers, an dem zuletzt doch das Volk zu spüren bekommt, was in nicht-öffentlicher Verhandlung beschlossen worden ist... Der Fall Furtwängler bildet einen entscheidenden Faktor in der zukünftigen Gestaltung des Berliner Musiklebens; wir wollen ihn mit Aufmerkfginkcit verfolgen. KI»u» Pringsheim. Das Oiaghileff-Balleit. Ein Beitrag zur Berliner Kestspielwoche. Von den ursprünglichen Vorzügen des Dioghileff-Balletts ist nicht viel übrig geblieben. Vier Stück« setzte man uns gestern in der Staatsoper Unter den Linden vor:„Das Lied der Nachtigall",„Der verloren« Sohn",„Die Katze", „Polovtzer Tänze". Zum Teil sehr schöne Dekorationen, die aber stilistisch nicht immer mit den Farben und Linien der Tanzenden zusammenklangen. Prunkvolle Massencntfoltung auf der Bühne, aber keine rechte tänzerische Disziplin. Die Reihenbewegungen klappten nicht, der Ausbau der farbenprächtigen Tableaus ging schwerfällig vonstatten. Zuweilen leuchtete«in nettes choreogrophi- sches Motiv auf, um rasch hinter dem Wust dekorativer und akroba- tischer Elemente zu verschwinden. Ein paar technisch sehr tüchtige Solisten: Leon Woizikovsky, Serge Lifar, die Niki- t i n a, die D u b r o v s k a, die T s ch e r n i ch � o a. Aber nicht«ine einzige Leistung, die packle und fesselt«. Alles nur auf den äußeren optischen Eindruck gestellt, ohne Wärme, ohne Seele. Trotz allein modernen Aufputz nichts als altes Ballett. Eine Kunst, die endgültig tot ist und an der alle Wiederbelebungsversuche scheitern, notwendig scheitern müssen. Eine Kunst, über die die Entwicklung, namentlich bei uns in Deutschland, längst hinweggegangen ist. Wie konnte man auf die Idee versallen, solche Dinge im Rahmen der Berliner Festspiel« 1929 vorzusührcn? Auf musikalischem Gebiet hat man doch große und ernste Kunst geboten. Aus dem des Tanzes begnügt man sich mit Vorführungen, die zum allergrößten Teil leichtestes Unterhaltungsgenr« sind. Und einer Stilgattung onge- hören, erstorben und erstarrt, die hier mit virtuosem, aber doch nur äußerlichen Mitteln zu einem vorübergehenden Scheinleben galva- nisiert wird. Wir fragen: Kennen die Arrangeur« des Berliner Festspielprogramms keine großen und ernsten tänzerischen Werke und wissen sie nichts von der Existenz einer neuen Kunst der törper- rhythmischen Bewegung, di« das alte Ballett aus dem Sattel warf und feit einem Jahrzehnt im glänzenden Siegeszug höchsten und reinsten Zielen zufliegt? Ist ihnen nicht bekannt, daß man dieser I Kunst, die«in« deutsche Schöpfung ist, allenthalben, wo man sie erlebt, zujubelt, daß ihr« Vertreter bei allen Kulturnationen der Welt unerhörte Triumphe seiern? Sind ihnen die Namen Wigmon, Palucca, Georgy, Kreutzberg unbekannt? Es muß wohl so sein. Wie wollten si« uns anders die Totsach« erNären, daß sie sich von fernher eine geschminkte Leiche kommen lassen, statt das kraft- strotzende künstlerische Leben, das rings um sie in reicher Füll« wächst und blüht, in den Rahmen ihrer Festspiele zu schließen? Soli des Kreutzberg, Jens Keith, Edgar Frank, der Wigman, Palucca, Georgy, Skoronel, Seist, Normann, Uhlen, Gruppentänze der Palucca. der Klamt, der Trümpy, der Wallmann, Bühnentänze der Hannoverschen und Essener Oper: Was für ein Programm hätte sich gestalten lassen! Es unterliegt keinem Zweifel, daß solche Aufführungen, trotz de» Scala-Gastspiels, Glanz- und Gipfelpunkte der Berliner Festspiele gewesen wären. Und fühlten, abgesehen von allem anderen, die verantwortlichen Herren nicht die Verpflichtung, den in- und ausländischen Besuchern die neu« deutsche Tanzkunst vor Augen zu führen, um die uns die Welt beneidet? Fühlten sie nicht, wie schmachvoll es ist, diese Kunst aus Veranstaltungen, die in der deutschen Reichshauptstadt stattfinden, gänzlich auszuschließen? Nun wird allenthalben, teils hähnisch, teils klagend, der Ruf ertönen: Berlin hat wieder einmal versogt. salin 8ckilcoiv»fci. „Ja, ja, die Frau'n.. Tiiania- Palast. Dieser trotzige Wunsch, mit der Schablone Geschäfte mache» zu wollen, hat in künstlerischer Hinsicht die Krise in der Filmindustrie heraufbeschworen. Aus dieser Klemm« bringt auch keine Hal» über Kopf erfolgt« Umstellung auf d«n Tonfilm Hilfe. Denn was un« fehlt und verfangt wird, das sind Manuskripte und nochmals Manu- skripte. Diesmal— und zum wievielten Mol« eigentlich— ist Hans A l b e r s der übliche Film-Don-Iuan, der mit eleganten Manieren kokettiert und sich lässig aus Chaiselongue» und in Paradebetten räkelt. Dabei spielt er so lasch, so abgeschmackt, daß man ihm beim allerbesten Willen die enthusiasmiert« Dauerküsserei nicht glauben kann. Der Regisseur Edmund Hellberger hat nicht den ge- ringst«» Einfluß auf ihn und er brachte e» nicht einmal fertig, seinen Star vor bedenklich albernen Posen zu bewahren. Aber nicht nur der Hauptdarsteller geht sein« eigenen Weg«, auch die reichlich un- erfahrenen Mary Parker und Georgia Lind«ntgleiten der Leitung de» Regisseur,. Ihr Spiel ist ohn« Anmut, ohne Drollerie, di« unbedingt dann und wann vonnöten mär«. Zudem vermißt man «» peinlich, daß Hellberger sich nicht einmal bemüht, optisch zu wirken. Seine Anweisungen genügen für die Dilettantenbühne eines Theatervereins, ein« wahre Filmregie aber handelt nach fest- umrissenen Gesetzen, die zwar nicht in Paragraphen gefaßt sind, nach denen ein Vollblut-Filmregisseur jedoch unfehlbar aus seinem Gefühl heraus arbeitet.«.b. Zwei Denkmäler. In Königsberg hat sich ein Arbeilsausschuß für ein«„Friedrich. Ebert-Ehrung" gebildet, d«r am diesjährigen Verfassungstag eine kunstvoll ausgeführte Büste des ersten Reichspräsidenten der Stadt Königsberg zum Geschenk machen will. Es handelt sich in der Haupt- fache bei der Beschaffung der Mittel um freiwillige Spenden, di« bei der Stadtbank Königsberg in Preußen auf das Konto„Ebert-" Ehrung" eingezahlt werden können. Es ist zu hoffen, daß recht bald eine ansehnliche Summ« dem Ausschuß zur Verfügung steht. Zu dem Ehrenausschuß zählen unter anderem auch d«r Oberpräsident Siehr und Intendant Leopold Ießn«r. In Nürnberg soll anläßlich des 12S. Geburtstages des groß«» Religionsphilosophen und freien Denkers Ludwig Feuerbach ein Denkmal errichtet werden. Auch hier steht zu hoffen, daß genügend Spenden«inlaufen, um diesem Kämpfer für die Freiheit des Geistes ein würdiges Gedächtnismal-»richten zu können. Di« Gesaag«gem«iul»aft Roscbery d'Argulo veranstaltet am Freitag. dem 21. Juni 1923, 20 Uhr, im Oberlhzeum Lerltn-Neukölln, Berliner Straße 10. eine Abendfe'er. Cr« werden Darbietungen zum Tbema ihr«» Leiters, Neust) nn und Neuaeltallung de» Bolk»gesangeS und volkttanze«" geboten. Eintrittspreis Sk> Pfennige. Serichliguag Strawinskv-Konzert. In unserem gestrigen Konzertbericht ist bei der Besprechung des Strawinstg-Abends in der Republikoper infolge eines redaktionellen Versebens der Name des Dirigenten. K l e m p e r e r. nicht erwähnt ES ericheint um so gebotener, die» nachzuholen, atS für die von Klemperer erzielte Leistung kern Wort der ilnertennung und der Zu- ftünmuog ib stark wäre. Zuchthaus gegen Koalitionsrecht. Gcharfmacherei vor vierzig Jahren. Der Sturmlauf, den die Unternehmerkreise und ihre parlamen- tarischen Vertretungen gegen die Arbeitslose nversiche- r u n g ins Werk gesetzt haben, ist keineswegs, wie man vorgibt, von der Sorge um die Reichsfinanzen diktiert. Die Arbeitslosenversicherung verhindert, daß Erwerbslose als Lohndrücker wirken: also fordern die Jndustrieherren Abbau der Arbeitslosenversicherung, um so die Widerstandskraft der Arbeiter gegen Lohnduck zu schwächen. Wir haben in Deutschland Versuche, durch gesetzgeberische Maß- nahmen die Kampfkraft des Proletariats zu schwächen, schon wieder- holt erlebt. Die Form solcher Vorstöße war verschieden, der B e- weggrund blieb stets der gleiche: D i e Sorge um den Prosit! Sturmlauf der Scharfmacher. Als nach dem Fall des Sozialistengesetzes das mächtige Er- starken der Arbeiterbewegung immer deutlicher fühlbar wurde, folgte ein gesetzgeberischer Vorstoß gegen das Proletariat dem anderen. Die treibenden Kräfte waren stets die in- dustriellen Scharfmacher. Zuerst versuchte man es ver- geblich im Jahre 189l> mit der Aenderung der Gewerbe- ordnung im Sinne einer Verschlechterung des Koalitionsrechts. Der Angriff wurde im Reichstag abge- schlagen. Dann kam 1894 die Umsturzvorlage, die Straf- gcsetzbuch, Militärstrafgesetzbuch und das Gesetz über die Presse ver- schandeln sollte. Auch diese, vom Kaiser in seiner Königsberger Rede vom 6. September 1894 angekündigte Umsturzkampagne endet« mit einer schmählichen Niederlage der Dunkelmänner. Aber die Scharfmacher gaben keine Ruhe. Heftige Lohnkämpfe, die mit steigender Konjunktur einsetzten, insbesondere der Ham- burger Hasenarbeiterstreik von 1896/97, brachten den Unternehmern die Macht der organisierten Arbeiterschaft deutlich zum Bewußtsein. Eine lebhafte Agitation setzte in der Oeffentlichkeit ein, die sich immer mehr aus die Parole konzentrierte:„Schutz der Arbeits- willigen gegen die Tyrannei der Streikenden." Ganz unverblümt kamen die Absichten der Unternehmer zum Aus- druck in einer Eingabe des Zentralverbandes deutscher I n d u st r i e l l e r an den Reichskanzler. Es wurde darin offen gesagt, wenn die Gewerbeordnung im Sinne der Unternehmer ge- ändert worden wäre, dann hätte man dem Hamburger Streik, der Streikagitation rechtzeitig entgegentreten können und es wäre aller Voraussicht nach gelungen, den Ausstand im Keime zu er- sticken. Man schrie förmlich nach einer gesetzlichen Handhabe, die es ermöglichte, gegen Streikende vorzugehen. Kaiserreden und geheimes Rundschreiben. Bald wurde es merkbar, daß die Regierung dem Willen der Scharfmacher gehorchte. Wilhelm II. deckte in seiner Bielefelder Rede vom 17. Juni 1897 die Karten auf, als er sein„Programm" bekanntgab vom„Schutz der nationalen Arbeit aller produktiven Stände, Kräftigung eines gesunden Mittelstandes, rücksichtslose Niederwerfung jedes Umsturzes, und die schwerste Strafe dem, der sich untersteht, einen Neben- menschen, der arbeiten will, an freiwilliger Ar- beit zu hinder n". Am 15. Januar 1898 konnte der„Vorwärts" bereits ein ver- trauliches Rundschreiben des Reichsamts des Innern ver- öffentlichen, dos Graf Posadowsky am 11. Dezember 1897 an die einzelnen Landesregierungen verschickt hatte Darin wird zur Prüfung der Frage ausgefordert, ob sich nicht das Bedürfnis her- ausgestellt habe, bei Arbeitsaus st änden den a r b e i t s- willigen Personen gegen Vergewaltigung und Einschüchterung seitens der Ausständigen oder anderer für diese eintretenden Per- srnen einen kräftigeren Schutz als bisher zu leihen. Vor allem sollten sich die Regierungen unter Mitteilung gemachter Er- fahrungen oertraulich darüber äußern, ob nicht eine E r w e i t e- r u n g der strafbaren Tatbestände und eine Ver- schärfung des Strafmaßes geboten erscheine. Die Veröffentlichung dieses geheimen Posadowskyschen Rundschreibens war«in schwerer Schlag für die sozialpolitischen Rück- schrittler. Eine leidenschaftliche Agitation von feiten der Sozialdemo- kratie und der Gewerkschaften setzte ein, und bei den Reichstags- wählen 1898 stand die Bedrohung des Koalitionsrechts mit im Mittelpunkt der Kämpfe. Die Wahl brachte der Sozialdemokratischen Partei über 2 Millionen Stimmen und 56 Mandate, einen Zuwachs von 329600 Stimmen und 12 Mandaten. Im Bundesrat bestand nach diesem Votum der Wähler Neigung, die Sache fallen zu lassen. Das wurde aber unmöglich gemacht durch eine zweite Kaiserrede am 6. September 1808 in Oeyn- Hausen. Dort erzählte Wilhelm der Redselige, daß sich ein Gesetz seiner Vollendung nahe, wonach jeder, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern versucht, oder gar zu einem Streik anreizt, mit Zucht- Haus best rast werden solle. Damit hatte der Gesetzentwurf seinen Namen,„Die Zuchthausvorlag e", den er nie wieder verloren hat. Die Zuchihausvorlage vor dem Reichstag. Am 26. Mai 1899 ging der„Entwurf des Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" an den Reichstag. Diese Be- Zeichnung war eine Beschönigung, denn in Wirklichkeit handelte es sich dabei um eine Vorlage zur Beseitigung des K o a l i t i o n s- rechts, die den Streik, die Aufforderung zur Teil- nähme am Streik und das Streikpostenstehen mit schweren Strafen bedroht. Am schlimmsten war der K 8, der für den Fall, daß durch einen Streik.die Gefährdung der Sicherheit des Reiches oder eines Bundesstaates eingetreten oder eine„gemeine Gefahr s ü r Menschenleben oder das Eigen- tum herbeigeführt worden" ist, Zuchthaus bis zu drei Jahren, gegen„Rädelsführer" bis zu fünf Jahren verhängt. Die Begründung der Zuchthausvorlage siel recht dürftig aus. Gc- radezu jämmerlich aber war die an den Reichstag geleitete Denk- s ch r i f t über die„Ausschreitungen bei den Arbeitskämpfcn der letzten Jahre". Da wurde die Angstmeierei so weit getrieben, daß man selbst Wandinschriften in einem Klosett, wie:„Streikbrecher und Denunziant ist der größte Lump im ganzen Land" zu revolutio- nären Handlungen aufplusterte. Bei der ersten Lesung im Reichstag vom 19. bis 22. Juni 1809 erlebte die Regierung wenig Freude an ihrer Vorlage. Die sozial- demokratische Agitation hatte dafür gesorgt, daß auch die Stimmung im Lande leidenschaftlich gegen die Zuchthausvorlage gerichtet war. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel und Heine zcr- pflückten Vorlage und Denkschrift bis ins kleinste und selbst von bürgerlicher Seite kam seharfe Kritik und Ablehnung. Nur die Re- gierung und die Scharsmacher auf der Rechten verteidigten das un- mögliche Gesetz. Kurz nach der ersten Lesung wurde das Porta- ment vertagt und in der zweiten Lesung im November oersiel ein Paragraph noch dem anderen der Ablehnung, ja selbst die lieber- Weisung an eine Kommission fand keine Mehrheit. Ein unrühm- licheres Ende hat wohl kaum je eine Gesetzesvorlage gefunden. « Die Industrie gibt Geld zur Agitation. Ein interessantes Nachspiel hatte der Kampf um die Zuchthaus- vorläge noch. Die„Leipziger V o l k s z e i t u n g" konnte am 21. Oktober 1900 einen Brief des Generalsekretärs Bueck vom Zentrabverband deutscher Industrieller veröffent- lichen, der nach der ersten Lesung der Vorlage geschrieben worden war. Berlin, 3. August 1890. Das Reichsamt des Innern hat mir persönlich gegen- über den Wunsch geäußert, daß die Industrie ihm. 12 000 Wart zum Zwecke der Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses zur Verfügung stellen möchte. Ich habe diese Angelegenheit dem stell- vertretenen Vorsitzenden des Zentraloerbandes, Herrn Geh. Finanzrat Jenke, unterbreitet, der es aus naheliegenden Gründen für zweckmäßig erachtet hat, dieses etwas eigentümliche Verlangen nicht zurückzuweisen. Herr Geheinrrat Jenke hat für die Firma Krupp 5000 M. zu dem erwähnten Zweck zur Ver- fügung gestellt... Die Echtheit des Briefes konnte nicht in Abrede gestellt werden, so beschämend die darin zum Ausdruck kommende Interessensolidarität zwischen Regierung und kapitalistischen Ausbeutern auch war. Tat- sächlich ist das Geld auch in der verabredeten Weise verwendet worden. Das Zuchthausgesetz war zum Zeitpunkt der Veröffent- lichung des Brieses längst begraben, beweint von den Exponenten des industriellen Kapitals. Die Veröffentlichung des Bueck-Briefes verstärkte noch nachträglich die schwere Niederlage, die Regierung und Scharfmacher bei ihrem Vorstoß erlitten hatten. Heute wagen die Industriellen keinen Anschlag gegen das Koalitionsrecht mehr. Sie suchen sxh andere Gebiete der Sozial- gesetzgebimg für ihre Pläne aus. Aber ebenso entschieden, wie vor vierzig Iahren die reaktionären A&Gchten der Industrie vereitelt wurden, muß jetzt der Sturmangriff gegen die Arbeitslosen- Versicherung abgeschlagen werden. Die Arbeitslosenversicherung gehört zu den Grundpfeilern der deutschen Sozialgesetzgebung. an denen die Arbeiterschaft nicht rütteln läßt! b'elix k'cehendacli. Wenn Kinder„Kaufmann" spielen. Ein großer Gelddiebstahl aufgeklärt. wie ein Stück aus einem Roman mutet die Aufklärung eines großen Gelddieb st ahls an, der nach 2 Vi Jahren ans Licht kam. Im Januar 1927 verschwand in Bremervörde eine Bar» geldsendung in Höhe von 23 900 Mark auf rätselhafte Weise. Der Verdacht lenkt« sich auf verschiedene Postbeamte, doch gelang es nicht, den Täter zu ermitteln. Unter den Verdächtigten war auch der Postbeamte Heinrich Peters. Er erklärte jedoch, zur Zeit des Diebstahls auf Urlaub gewesen zu sein, und schied infolgedessen bei den Nachforschungen aus. Am 14. Juni spielten nun der Sohn Fietje Peters und andere Kinder auf dem Hofe des Grundstücks, das Peters in Bremervörde besitzt. Fietje erzählte den Spielgefährten, daß die Katze Junge habe, und die ganze Schar macht« sich auf die Suche nach den kleinen Kätzchen. Auf dem Dachboden fanden sie die Jungen zwar nicht, wohl aber lag in einer dunklen Ecke«in ganzer Haufen Papiergeld. Sofort ließen die Kinder von weiterem Suchen ab und beschlossen.„Kaufmann" zu spielen.„Bezahlen" konnten sie ja. Bis zur Abendzeit war auf dem Hofe ein lebhaftes Spiel im Gange. Als alle Zungens und TNädels nach hause gerufen wurden. steckte sich jedes soviel Scheine ein, als hosen- und Rocklaschen fassen wollten, denn am nächsten Tage wollte man das Spiel fortsetzen. Einer der Jungens legte zu Hause sein Geld in den Küchen- schrank. Dort fanden es Mutter und Schwester und fragten ihn nach der Herkunft aus. Der Junge erklärte wahrheitsgemäß, daß man es auf Peters Dachboden gefunden habe. Die Frauen hielten es für Inflationsgeld und ließen die Sache auf sich beruhen. Inzwischen war aber der Postbeamte Peters nach Hause gekommen und hatte von dem Spiel der Kinder erfahren. Er eilte von Haus zu Haus, um, wenn möglich, alle Scheine wieder- zubekommen. Einiges mußte er sogar aus dem Torfkasten herausfischen. Auch der Landjäger hatte mittlerweil« von dem „Kaufmannspiel" gehört, sah sich einige Scheine an und erklärte sie ebenfall? für" wertloses Inflationsgeld. Dem alten alten Peters mar aber gar nicht wohl zumute. In der Nacht ge- stand er seiner Frau, daß das Geld tatsächlich aus dem Diebstahl stamme und daß er der Täter gewesen sei. Es war ihm gelungen, noch am Abend des Spieltages fast alles wieder in seine Hände zu bekommen. Mit diesem Gelbe ging er am 15. Juni auf und davon. Jetzt wird er von den Strafbehörden gesucht. Für sein« Ergreifung hat die Oberpostdirektion Bremen eine Be- lohnung von 2000 Mark ausgesetzt. Das Mißverständnis m-i dem Inflationsgeld ist darauf zurückzuführen, daß es sich bei den Scheinen un, Rentenbanknoten handelte, die nicht mehr so häufig im Verkehr sind. Das Bonner Todesurteil. Or R chter zur Vegnadiaunq empfohlen. Der Gerichtshof im Bonner Wordprozeß hat beschloflen, den zum Tode verurteilten Dr. Richter zur Begnadi- gung zu empfehlen. Als das Urteil verkündet worden war. wurde der Angeklagte leichenblaß. Richter erklärte nach einer Rücksprache mit seiner Verteidigung, daß er das Ur- teil nicht annehme und Revision einlegen werde. In der Begründung des Urteils gegen Richter wird ausgeführt, daß Frau Mertens keine Selbstmordgedanken hatte. Das sei durch die Beweisausnahme voll und ganz erwiesen. Frau Mertens habe zwar öfters Aeußerungen dieser Art getan, die je- doch keineswegs auf eine ernstliche Zlbsicht des Selbstmordes schließen ließen. Gegen den Selbstmord spreche auch die unendliche Todes- angst, die sie nach Bekundung aller Zeugen auf ihrem legten Wege von ihrer Wohnung nach den verschiedenen Kliniken gehabt habe. Richter habe dennoch wiederholt abgeleugnet, Frau Mertens Strophantin verabreicht zu haben. Dies« Aussage sei durchaus unglaubwürdig. Unglaubwürdig sei auch die Aussage dar- über, wie er das Gift angeblich in seinem Berufe verwendet habe. Di« Angaben der Frau Mertens verdienten unter den gegebenen Umständen mehr Glauben als die des Angeklagten. Was Frau Mertens erzählt habe, sei durch die Beweisaufnahme durchaus als wahr erwiesen worden, während Richter in viele Widersprüche ver- wickelt worden sei. Das Motiv der Tat liege zweifellos darin, daß Frau Mertens durch die Schuld Richters krank geworden und ihm schließlich zur Last gefallen sei. Das Gericht sei jedenfalls nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme überzepgt, daß sich der Ange- klagte des Mordes schuldig gemacht habe. Scranlworllich wr d!» Ncdaition: grae» Kliibs. Berlin: ÄNiieigen: Th. Sloit«. Berlin Berlal,: Borwärts Berlnq K. m b b.. Berlin Brnel: Borwärls Bnck. druckrrei und Berlansanstatt Bau! Singer& Co Berlin 353 68 Lind. nftrnke S. öinsu 1 Beilage. !W( Ol T heulet. Lidtlspiele usw. PLAZA ■ Am K»' Plut, LAIM. 8066— 68 Tägl.Su.B15: Intern. Variete Vorverkaui stets für die laufende Woche inkl. Sonntag 8 Uhr B 5 Barbarossa 9256 O'Hanlon& Zarnbuni nnd die wefleren Atirautionen Winrer * uarrem Rose-Theater OroB« Frankfurter Str.«8. Tlglidb 8.15 Uhr. ffeiselren .ornfldle In 4 Akten v. H. A. KUn: OartenbUhns: 8.15 Uhr „0(e geschiedene Frau** Sommer-Garten-Theater Berliner Prater M58. Kast.-Allee7-9. Tel. hb. 2246 Gastspiel Gusiei Beer. Gieiel Lilien in der Operette „Dar ertten Liebe coid'ne zert- Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner:„Er Ist«Olli der Papa". Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer, Gretel Lilien. Dazu der große neue Tarletdieli. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variete 0 IIb,. Operette 8.30. ledei Donnerstag großer Volksiag. Reichshallen-Theater Allabendlldi[B] Übt Slelliner sanier u. a.i„fine flaciil iim XaUtreinkeller" sommenireisel Biiiettbe- bestellung Zentrum 11263 Dönhoff- Brottt: (Saal und Garten) variMa— Tbl«— Beciter-Koiuer! VolttsbtUine f Diäter anUlovoliU 8 Uhr Bcriln, wie es weint u. lacht Staatl. Sdiiller-Tb. 8 Uhr Der Friseur von RoOlagen Serlioer Tüeatr DirektHeinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende IOVj U. Reporter (The Front Page) EinStück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Dentsdies Tliealer D.I. Norden 12 310 8U., Endegecenll Die Fleflcrraans Musik v.|oh. Strauß. Regie: Max Reinhardt Musik. Hinrichtung E. W. Korngold. Aussfattg L. Kainer. Die Komödie I Bismck.2414'7516 Ende geg. lO'bU- Der Pann, der seilen Hainen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Lessing-Tliealer Täglich 8>,. Uhr im betrüg' Didi nur ans Liebe Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. TheaL d. Westens TäglichSV. Uhr Sonntag 3"j u. 8'/. Frans Leßors weiter- iall' Friederike Grefe Finkler Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 Sarmky-Eöbnen fheater in der XHniggrätzer Straße Täglich SV. Uhr Riva! en Komödienhaus Täglich 8V4 Uhr Charte vs Tante mit Curt Bois. Netropol-Th. Festspiele 1929 Tägl. 8 Uhr Biaubarl Operette von Offenbach IStlie Oorseb Lea Slezak Trianon-Th. Täglich SV. Uhr Sonntag Z>/- u. 8'/. üasisplei der Tepern- scer baoenUHibne Moral unterm Himmelbett Für.lugendliche nicht geeignet. Rundfunkhörer Itaiba Preise. IfsJi. Äflnstier-Th Täglich 8-/. Uhr Polnische Klüinet TDeaier Täglich 8V. Uhr NaBooeitrodten? Lucie Mannheim, Max Adal bert, Herrmann-Schaufuß, Hermine Sterlet, Fr. Holländer. Fr. FrlGdmann- ireaeriai Lustspielbaus Tägl. 8',. Uhr firm tute eine Klrchenmaüs Skidelsky, Flink Beriscn u. a, Rundfunkhörer halbt Preise.. Theausm Kotlb.ror Kottb.Str.6 lägl. 8 Uhr Elite- Sänger Dl« lanl- Stnsatlaa: „Bert d hars pralle Lost" Plane lariam —— am Zoo— Verläm.'ladiiimthilir ItraCi B.SBarbaro ssa5i78 16'/. Uhr Sterntiililei des Sommers 18", Uhr Der Glutball der Sonne 20'/. U. Von Pol zu Pol am Sternenhimmol Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf Hö<|' übel-Nolle. Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Einzel-Möbel, Küchen, Sofas, Rabebetten loch gegen 24 Monatsraten Schönlianser Allee 141 a CflocUüalin Oanzltfer Strafte) Verlangen Sic Ve rt peterbesuch. föelloge Mittwodh, 19. Juni 1929 SivMsmd StuJauLQaJße xl& IbuhlrA Die schwere Stunde Unterzeichnung im Spiegelsaal 'Wir entnehmen nachstehende Schilderung, die aus Grund einer längeren Unterredung mit Reichskanzler Ge- nassen Hermann Müller geschrieben wurde, dem Buch: Viktor Schiss:„So war es in Versailles..(Verlag 3. H. W. Biest Nachs. Nach wenigen Stunden Sch'af muhte ich am Vormittag des Z& Juni eine Füll« von diplomatischen Angelegenheiten, meist Formalitäten, zusammen mit den Herren von Haniel und Lersner erledigen. Die Vollmachten wurden übergeben und bald danach als in Ordnung befunden zurückgebracht. Man bat Dr. Bell und mich um die Ueberlaisung unserer Privatsiegel, um den Unterzeichnunzs- akt am Nachmittag zu«rleichern. Jeder Vertrag trägt nämlich nach der internationalen diplomatischen Tradition neben den Unter- schriften auch das persönliche Siegel des Unterzeichners. In diesem Fall«, so vermutet« ich, wollte man sich durch die vorherige Be- sorgung des Siegels gegen irgendwelche besürchteten Ueberraschun- gen der lestten Minute schüsten. Bald nach dem Mittagessen muhten wir uns auf den schweren vorbereiten. Das diplomatische Zeremoniell sieht für solche feierliche Gelegenheiten besondere Kleidungsvorschriften vor: Gehrock und Zylinder. Wir mußten uns also zunächst noch umkleiden. Nun war es soweit. Gegen 2.45 Uhr erschienen, wie vereinbart, vier Oberste der alliierten Armeen im Hotel des Reservoirs:«in Amerikaner,«in Engländer, ein Franzose und«in Italiener. Sie sollten unsere mili- tärische Ehreneskorte bis zum Spiegelsaal bilden. Zwei Autos warteten vor der Tür. Da dos Hotel ohnedies soft unmittelbar an den rechten Flügel des Schlosses anschließt, betrug der Weg bis zum Schloheingang höchstens 300 Meter. Die umliegenden Ströhen waren hermetisch abgesperrt. Nach wenigen Sekunden Fahrt waren wir kurz nach 3 Uhr im Schlosse. Man führte uns zunächst in den Saal Rattier des Schloßmuseums, geschmückt mit den Bildern dieses französischen Malers aus dem 17. Jahrhundert. Dort legten wir Hüt? und Mäontel ob. Dann ging es hinauf zum Spiegelsaal. Be- vor wir ihn betraten, immer von den vier Obersten begleitet, muhten wir einen Vorraum passieren, in dem dos geladene Publikum oer- sammelt war. Es waren hauptsächlich Frauen, und zwar die Gattinnen von Marschällen, Generalen, Staatsmännern und Parlamentariern In dem Augenblick, wo wir diesen Vorraum betraten, entstand unter diesen Zuschauerinnen ein« lebhafte Bewegung. Sie standen auf, die von den hinteren Reihen stiegen sogar ayf ihre Stühle, und wir sahen, wie uns diese zum Teil ebenso reifen wie geschminkten„Domen der Gesellschaft" durch ihre Lorgnetten musterten. Diese kurze und unwürdige Szene rief lebhasten Un- willen bei einem großen Teil der Anwesenden hervor. Das An- standsgefühl der Mehrheit bäumte sich instinktiv gegen diese Takt- losigkeit auf. Es«iltständ sofort eine starke Unruhe im ganze» Saale. Energische, ja wütende Protestruse wurden laut:„Msis! Assis!"„Setzen! Setzen!" Zögernd folgten die Frauen diesen Rufen. Inzwischen waren wir in den eigentlichen Saal ge- langt, der Chef des Protokolls, William Martin, der uns im Nattier- Saal empfangen hotte, geleitete uns zu unseren Plätzen. Im 5pieZeIs«nI All« alliierten Vertreter waren bereits anwesend Wir saßen an einer Ecke des Saales, zu unserer Rechten die Delegierten Japans, zu unserer Linken die Delegierten Uruguays. Kaum hatten wir uns niedergesetzt, da erhob sich in der Mitte der Ouertafel Cle- menceau und erklärte in einer ganz kurzen Ansprache fast nur sor- meller Art die Sitzung sür eröffnet. Nur der Schlußsatz betont«, daß die bevorstehenden Unterschriften„die unwiderrufliche Ver- pflichtung darstellen, alle festgesetzten Bedingungen in ihrer Gesamt- heit zu erfüllen"— offenbar ein« nochmalige Unterstreichung der Ablehnung unserer ursprünglichen Vorbehalte.„Unter diesen Um- stünden habe ich die Ehre, die deutschen Bevollmächtigten einzuladen. ihre Unterschristen auf dem mir vorliegenden Vertrage geben zu wollen." Er begleitete diesen Satz mit einer Handbewegung, die auf den kleinen Tisch hinwies, wo die Dokument« zur Unterschrist bereit lagen. Die Handbewegung demonstrierte deutlich die Be- friedigung des Regierungschefs Frankreichs über die deutsche Niederlage. Ich verzichtete auf die Uebersetzung dieser Ansprache. Dr. Bell und ich standen auf und schritten durch den Saal. In diesem Augen- blick herrschte eine feierliche Stille und wir fühlten, daß tausend * Blicke auf uns gerichtet waren. Am Tisch angelangt, zog ich meinen Füllfederhalter und unterschrieb, neben meinem bereits ganz am Ende des Blattes angebrachten Siegelabdruck. Es waren drei Unter. schriften zu leisten: zum eigentlichen Friedensvertrag, zum Rhein- landabkommen und zu einem Zusatzprotokoll. Nach mir Dr. Bell. Zurück zu unseren Plätzen. Es war vorüber. Wie die Zeitungen berichteten war die Unter.zeichnung durch die Vertreter des be- siegten Deutschlands genau um 3 Uhr 12 Minuten vollzogen worden. Mit dem Füllfederhalter verhält sich die Sache so: schon in Weimar war mir bekannt geworden, daß nach Berichten franzö- sischer Blätter beabsichtigt war, die Unterschristen mit einem be- sonder"» Federhalter vollziehen zu lassen, den die elsaß-lothrin- glichen Verbände Frankreichs und der französischen Kolonien ge- stiftet hätten Schon damals war ich entschlossen, dieser uns bewußt zugedachten Demütigung vorzubeugen, indem ich mit meiner Füll- fedcr unterschreiben würde. Dr. Bell besaß keine. Aber um sich zu sichern, nahm er aus dem Hotel einen gewöhnlichen S-Pfennig- Federhaiter mit, den er in Zeitungspapier rollte und in seine Gehr- rrcktasche steckte. Er zog ihn erst heraus, als wir aufgerufen wur- den. und damit unterzeichnete er Ob die Ankündigung der fron- zösischen Blätter den Tatsachen entsprach, weiß ich nicht. Jedenfalls lagen vor jedem Delegierten ein Federhalter und ein Tintenfaß, so daß wir auch ohne die elsässisch-lothringischen Verbände versorgt gewesen wären. Meine Füllfedergeschicht« wurde in den Berichten der Presie der ganzen Welt sorgsam registriert und vielfach kom- mentiert. Ein Pariser Blatt brgchte eine an sich recht mäßig« kari- katuristische Zeichnung, die aber mit einer zwar bo-hasten, ober wirklich witzigen Erklärung versehen war:„Das letzte Manöver der Boches � Hermann Müller unterzeichnet mit Geheimtinte"(„enere invisible".. Auf den Gedanken mar ich allerdings nicht ge- kommen... Indessen hatte der Unterzeichnungsakt seinen Fortgang ge- uommen. In rascher Reihenfolge wurden die 26 Staaten auf- gerufen, die mit uns im Krieg« gestanden hatten.(Nur China hatte am Vormittag erklärt, daß es die Unterzeichirung wegen der Entscheidung über das Schantung-Gebiet ablehnen würde.l Zunächst Amerika mit Wilson, Lansing, House, White und Blyß, dann die Vertreter Englands— Lloyd George, Bonar Law, Balsour usw.— sowie der britischen Dominien, dann die Franzosen— Clemenceou, Pichon, Tardieu, Klotz, Jules Cambon—, die Italiener, die Belgier usw. Nach der Unterzeichnung Sehr bald hatte die feierliche Stille einer allgemeinen Un- ruhe Platz gemacht. Diese Unruhe steigerte sich bis zum Wirrwarr, als einige der Delegierten auf den Gedanken kamen. Unterschriften als persönliche Andenken zu sammeln. Aus jedem Delegiertenplatz lag eine wirklich künstlerisch gestaltete Druckzeichnung, und auf diesen Blättern wurden die Unterschriften gesammelt, allerdings nur unter den Alliierten. Anscheinend trauten sich die meisten nicht, sich an uns zu wenden. Wir beobachteten diese Szene. Schließlich kam ein Delegierter auf mich zu. Es war der Vertreter Boliviens, Ismail Montes, und er bot mich und Dr. Bell um unsere Unterschristen. Wir entsprachen natürlich anstandslos seinem Wunsch. Durch diesen Erfolg offenbar erniuntert, wandten sich jetzt auch die zwei Vertreter Kanadas, Doherty und Sifton, an uns mit der gleichen Bitte. Weiter kam allerdings keiner mehr. Der Unterzeichnungsakt war unterdessen sowieso zu Ende. Er hatte kaum 50 Minuten gedauert. Clemenceau stellte fest, daß alle Unterschriften vollzogen seien und bat die Delegierten der alliierten Staaten, noch im Saale zu bleiben, bis sich die Deutschen, die von der Militärtommission in ihr Hotel znrückgeleitet würden, entfernt hätten. Wir standen aus, die vier Obersten nahmen uns an der Schwelle des Saales wieder in Empfang. Als wir den Schloheingang erreichten, durchbrachen plötzlich die Pressephotographen die Sperre und knipsten uns in einer Tour. während wir unser Auto bestiegen. Unter den mit der Absperrung beauftragten Offizieren entstand groß« Aufregung, teils weil man einen neuen Zwischenfall befürchtete, teils weil auch die Zuschauer- menge durch die durchbrochene Sperre zu laufen begann und ein allgemeines Durcheinander drohte. Inzwischen fuhren wir bereits nach dem Hotel des Reservoirs ab. Dort verabschiedeten sich mit militärischem Gruß die vier Obersten und wir begaben uns in unsere Zimmer. Jetzt löste sich die Spannung in ganz eigenartiger Weis«. Ich hatte mich seit IM Stunden außerordentlich in der Gewalt. Von deni Augenblick an, wo mich die Obersten in Empfang genommen hatten, bis zu dem, wo sie sich verabschiedeten, vor allem aber in der Stunde, in der ich den tausend Blicken im Spiegelsaal aus- gesetzt mar, hatte ich eine Maske der rein geschäftsmäßigen Korrekt- heit angenommen. Nichts in meiner Haltung, in meinem Gang, in meinem Blick, in meinen Bewegungen sollte zu irgendwelchen Deutungen Anlaß geben. Ich wollte den tiefen Schmerz des deut- schen Volkes, das ich in diesem tragischen Augenblick vertreten mußte, nicht den gierigen Blicken unserer bisherigen Feinde preis- geben. Das war mir nicht nur äußerlich gelungen— im „Temps" und in anderen Blättern wurde ausdrücklich betont, daß es unmöglich gewesen wäre, irgend etwas aus unseren Blicken und Bewegungen herauszulesen—, sondern ich hatte es bei der Durch- führung dieses Vorsatzes sogar so weit gebracht, alle inneren Regungen zu unterdrücken. Welche ungeheure Nervenanspanming diese Haltung kostete, das sollt« ich erst merken, als ich wieder allein war. In derselben Sekunde, in der ich in meinem Zimmer Hut und Gehrock ablegte, um mich umzukleiden, strömte der Schweiß aus allen Poren in einer Weise, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Das war eben die physische Reaktion, die dieser unerhörten psychischen Belastungsprobe unmittelbar folgte. Und nun erst fühlte ich. daß ich die schwerste Stunde meines Lebens hinter mir hatte. R-üdklcehr Bald danach erschien der französische Oberst Henry und über- brachte mir die Note Clemenceaus, in der die Aufhebung der Blockade für den Tag angekündigt wurde, an dem Deutschland den Vertrag ratifiziert haben würde. Von französischer Seit« wurde uns dann nahegelegt, noch die folgende Nacht in Versailles zu verbringen und erst am nächsten Morgen heimzufahren. Begründet wurde diese Anregung mit dem starken Zustrom von Fremden in Versailles, deren Heimbeförderung groß« Schwierigkeiten bereite. Ich bat jedoch dringend, noch am gleichen Abend heimzufahren. Ich war zwar sehr müde, aber ich wollte so schnell wie möglich fort von Versailles. Diesem Wunsche wurde sofort entsprochen. Wenige Stunden später erfolgte die Ab» fahrt vom Bahnhof Noisy-le-Roi. Ich hatte allen deutschen Presse- Vertretern anheimgestellt, im gleichen Sonderzuqe heimzureisen, und alle waren dieser Einladung gefolgt. Auch der Gesandte von Haniel, dem ich am Nachmittag den durch den Rücktritt Langwerths von Simmern freigewordenen Staatssekretärposten angeboten hatte und der schließlich das Angebot annahm, reiste mit uns.zurück. In der Dämmerung setzte sich der Zug in Bewegung. Als es dunkel wurde, sahen wir in den Dörfern die ersten Raketen und Feuerwerkskörper, mit denen dieser Tag— für Deutschland ein Tag tiefster Trauer, sür die siegreichen Länder ein Tag der Freude— gefeiert wurde. Plötzlich prasselten gegen die Fenster meines Wagens Steinschläge. Di« französischen und englischen Offiziers stürzten ausgeregt in den Salonwagen herein, sie wollten die Not- bremse ziehen und den Zug anhalten lassen, um die Täter fest- zustellen. Ich beruhigt« sie und bat sie, davon abzulassen. Wegen des Streiches irgendwelcher dummer Jungen sollte nicht gleich wieder ein diplomatischer Zwischenakt entstehen. DanziQ Das Gesicht einer Stadt isteht nvan aus dem Bischossberg, einem ehemaligen Fort der alten Festung, wo sich stilvolle Promenaden mit Sportplätzen und Familienetablissements jetzt nach der Niederlegung der Be- festigunaen hinziehen, dann sieht man die Silhouette einer mittel- alterlichen Stadt. Gotische Türme spießen in den Himmel, und man glaubt, daß heute noch in den engen, winkligen Gassen ketten- geschmückte Ratsherren ihre Würde spazieren führen, vor der Hand- werter oder ähnliche Plebejer ties den Hut ziehen. Ein Rothenburg, Eschenbach oder Gosler ins Monumentale getrieben, ein Hort der Romantik und besriedeter, deutscher Butzen- scheibenlyrik. lind als die ruhige, schöne mittelalterliche Stadt kur- siert Danzig in Reiseführern und in den Herzensergießungen der Lyriker und Erzähler. Da steht«in altes Kanzelhaus, da träumt ein berühmtes Memlingbild über seine durchsonnte Vergangenheit, und die prächtigen Beischläge der Barockhäuser sehen so rotsherrlich aus, als ob sie niemals gehört hätten:„Wie ist der Funk gekommen?" „Ich bin nur Geld für Dollar" und andere unsterbliche, sinanz- technische Sätze Es ist so billig, vor Denkmälern her Vergangenheit romantisch zu werden, sie nur sentimental zu betrachten, und wenn der Be- sucher gebildet genug ist. um zu wissen, daß der Freiherr von Eichendorfs, Berufsromantiker und Amtsgerichtsrat, in Zoppot, dicht bei Danzig, fein schönes Lied von dem Mühlenrad in dem tiefen Grunde dichtete, dann ist es ganz aus, dann ver- wechselt er jeden harmlosen Buchhalter mit einem Admiral der glor- reichen Hansa. Aber war denn dies« Vergangenheit so idyllisch? Wer glaubt im Ernst, daß Seefahrer vom Format eines Paul B e n e ck e, den englische und dänische Könige fürchteten, in seinen Muscstunden Rosenkränze betete oder sich mit Heldendichtungen amüsierte? Wer glaubt, daß ein Patriziat, durch Handel und rück- sichtslose Kapcrkriege reich geworden, kleinbürgerliche Idylle be- trieb, ein Patriziat, das die Herrschaft des Ordens unterminierte und den polnischen Königen nur erlaubte, sich in Danz-g mit allerlei edlen Alkoholien seiern zu lassen und niehr nicht. Eine Stadt, die bis zur Einbeziehung in das preußische Königreich immer ihre Selbständigkeit behauptete, war kein Ort beschaulicher Still«. Ein anderes Bild. Der Dampfer fährt in die Danziger Bucht. Vor den Passagieren liegt Zoppot, das Oftfeebad, mit feinen Parks, seinen Villen, seinen großartigen Kurhaus- und Kasino- anlagen, der stärkste Gegensatz zu der vcel besungenen, Mittelalter- lichen Silhouette. Entgegengesetzte Pole der Architektur, die fast symbolische Bedeutung gewinnen in bezug aus die geistige Ein- stellung, auf die ganze Lebenshgltung der Bewohner. Danzig wurde, als es dem preußischen Staat eingefügt war, eine ruhige Handelsstadt, verwurzelt in alter Tradition und Kultur, eine Stadt von bügerlich-liberaler Lebensform, nicht besonders hohenzollernwlltig, auch nicht besonders bürgerstolz und Kompro- misten nicht abgeneigt. Heber der Stadt lag der Hauch eines Dorn- röschenschlafes. die Ahnung einer S-tognation. Das Leben lief in den eingefahrenen Geleisen ohne erschütternde Auf- regungen weiter. Auf die Herrenzeit folgte das Biederme'er. Und dann kam der Verfailler Vertrag. Danzig, zur selbständigen Stadt erklärt, von einem fremden Staat umklammert, mußte auf der Hut sein, mußte seine Selbständigkeit behaupten nicht mehr mit der Waffe wie zur Ordenszeit, sondern durch mehr oder minder diplomatische Verhandlungen in Genf und in Warschau. Ein deutsch- nationaler Senat tat sein Bestes, um verheißungsvolle Keime de? Verständigung zu ersticken, und die sozialdemokratische Regierung, die jetzt Danzig hat, versucht erfolgreich die Geleise wieder frei zu machen. Aus einem Oberbürgermeister wurde ein Staatsmann, Deutsche verwandeln sich in Danziger Staatsangehörige. Man fühlt sich ver- einfamt in der Diaspora und entdeckt in sich nationalistische Herzens- wünsche, die man bis dahin nicht kannte. Die beschauliche Ruhe ist jedenfalls dahin, das Gesicht Danzigs zuckt nervös, und diese Zuckungen wurden immer stärker, je weiter die Inflation fortschritt, denn Danzig steht plötzlich im Mittelpunkt des Todes- reigens, den die polnische und deutsche Mark in schöner Harmonie aufführen. Es gibt hier keine Devisenfperrgesetze wie in Berlin oder in Warschau. Jede Valuta kann frei gehandelt werden und außerdem in jeder Höhe, und nun verändert sich das Bild der Stadt täglich. Kleine Zigarrengeschäfte werden Wechselstube. Polnische und deutsche Banken kaufen Häuser auf und etablieren sich für die Ewigkeit, eine Industrie gründet sich. Im S p! e l k l u b, vorher unmoralisch, und nachdem sich der Staat mit Kl> Prozent an der Einnahme beteiligt hat, unantastbares Heiligtum, werden die nach- börslichen Dollarkurse festgesetzt Der Dollar ist das Zeichen, in dem alles siegt, und man singt-„Ach, wenn e? doch immer so bliebe!" Was ist davon übriggeblieben? An den Schnittpunkten großer Straßen, auf bedeutenderen Plätzeiz stehen Verkehrsschupos mit ernsten Gesichtern und regeln den Verkehr, d. h. der Verkehr regelt eher ihre Bewegungen, die übrigens ebenso«rakt verlaufen wie die eines Berliner Verkehrs- dirigenten. Dasselbe Bild wie in jeder deutschen Mittelstadt: das Auto zeigt an, wohin es fahren will, und der Schupo ebnet ihm väterlich die Wege. Die Galerie schöner Jnflationswagcn ist oer- schwunden. Stolze Bankfirmen haben sich wieder in Zigarren- geschäfte, Cafes oder Papierwarenhandlunge» zurückverwandelt. Aufgestockte Gebäude der Dresdener Bank und der Di-contogesell- schaft warten darauf, daß in ihren überflüssigen Räumen sich das beliebte rege Leben entwickeln möchte. Ein phantasttfcher Traum ist durch die Einführung der Guldenwährung zerstört worden. Aber verschiedene Erinnerungen sind geblieben. Der Gulden kam zu spät. Als er im Herbst 1924 feierlich proklamiert wurde, hatte die Inflation die Verniögen guter Steuer- zahler bereits restlos aufgefressen Jetzt muß der Staat zur Strafe Unterstützungen zahlen, von denen niemand leben kann, und die Stcuerkrcft der Bevölkerung zeigt keine geschwellten Muskeln. Eine Scheinblüte in der Inflation eröffnete die Aussicht auf eine leise rosig angetuschte Zukunft, die jedoch immer inehr van Wetter- wölken verduntelt wird. Danzig war eine Handels st adt. und dem Handel fehlt jetzt das Hinterland und damit der Lebens- nerv, und selbst der Transitverkehr scheint bedroht durch den pol- nischen Hafenbau in Gedingen. Vieles wäre vielleicht besser ge- worden, wenn ein demokratisch-sozialistischer Senat in der Regie- rung geblieben und nicht von engstirnigen Nationalisten bald nach der Etablierung des Freistaats abgelöst worden wäre. Die Erinnerung an eine große Vergangenheit, die kulturelle Zusammengehörigkeit Mit Deutschland, die Aussichten, die die In- flation eröffnete, die Isolierung und die Gefahr einer allmählichen Polonisierung bestimmen die Atmosphäre dieser schönen, unver- geßlichen Stadt und schaffen eine Nervosität, die bis zum Kriege in Danzig unbekannt war. Man will einen ideellen Zu- sammenhang mit dem Mutterland, man will hier auf exponiertem Posten seine Eigenort behaupten. Deshalb die Danzig-Ausstellungen im Reich, deshalb die vielen deutschen Kongresse und deshalb auch hie diesjährige Dolksbühnentagung in Danzig. Felix Scherret. Copyright Verlag S. Fischer. Berlin (Fortsetzung) Aber jetzt sind sie wild, berauscht von Worten und dem Tanz. und der Dämon besiehlt ihnen Böses an. Er redet durch Muete- dossas Mund, der Dämon Muetedossa ist rachsüchtig: der Duntle, der draußen steht und mich umsing, hat ihn halbtot geschlagen. Nicht der Blonde, von dem sie gern ein Kind hätte, ein kluges, hellbraunes oder rostrotes mit langen weichen Haaren zum Spiel der Finger. Muetedossa sagt«:„Wir sind dreihundert, und sie sind zwei, warum sind wir so demütig? Wenn es getan ist, gehen wir fort. Niemand weiß, wer es war, der nächste Cabo ist drei Tage weit fort, und wir gehen in den Wald und bauen uns neue Hütten. Er hat mich geschlagen, weil er glaubte, ich Hülle gestohlen. Morgen wird er dich schlagen, übermorgen dich und dich und dich und dich, und wenn er das Seine ausgefressen hat und der Kasten leer ist, sagt er Dieb zu dir, nur weil du in der Nähe bist. Auch hat er schon seit Kirangazi keinen Lohn mehr bezahlt." „Wir müssen unter allen Umständen den Anstifter herausfinden," sagte Staller.„Gegen das Gebrüll von Hunderten ist schwer an- zukommen. Packt man den einen, packt man den richtigen� so sollst du sehen, wie es wirkt." „Wie Zucker wirkt es, mein Junge." schrie er.„der hat nichts zu lachen." „Wer ist es, wer ist der Meuterer," schrie er plötzlich die Frau an; er packte sie am Gelenk, die Armreifen klirrten: es war ein roher Griff, der sie zu ihm hindrehte. Sie sagte sanft:„Ich weiß nicht, Herr." Er packte ihre Schultern, schüttelle sie: sie nahm es auf wie ein Liebesspiel, gab ihm nach..Lügnerin, Lügnerin," brüllte er, ober sie sagte immer leiser:„Ich weiß nicht." Er hatte sich schon vorgestellt, wie er unter die Bande fahren würde, den Namen rufend, den Namen— welchen Namen? Aber er würde ihn herauskriegen, Himmel!—, wie sie gelähmt zurück- weichen würden in ihre Strohnester, ein lallender Haufen von Heiden. Aber das Weib sagte:.Lahiki, kahiki." „Es ist genug. Ich will das nicht länger mit ansehen," sagte Go. Da sprang ein Satz aus dem Munde des Zornigen, ein Satz, der alle Gemeinschaft zwischen ihnen zerbrach. Denn es ist nicht wahr, daß die Menschen in der Not zusammenhallen, sondern dann erst erkennen sie sich als Feinde. Ah, das war so aus schlammigen Tiefen herausgebrochen, daß es nie mehr zurückzunehmen, so voller platzendem Hohn und Haß, daß es nie mehr zu verzeihen war. Staller selbst fuhr zusammen. War das die eigene Stimme gewesen? Dann gnt. Dann bei der Stange bleiben Alles dem ins Gesicht sagen, dem Schwächling, was hat er empfindlich zu sein, wir sind hier in Afrika, mein Bester, du verstehst! Und das ist wie im Schützengraben! „Hörst du was?" Es schien, er hätte spitze Ohren, fledermaushaft. Er sprang wiederum ins Dunkel hinein, stolperte und rief dann ganz laut: Ist da jemand?.Atu have?" Er überschrie nicht seine Lästerung damit, o nein, das Gesicht des Go blieb entgeistert, und er zog die Lippen fort, die untere Zahnreihe war allein sichtbar. Furchtbare Stille. Herzklopfen. Worum geht es? Nicht um das blöde Neger- gejindel. Es geht um mich und dich. Wo sind dein« Augen. Mann? Deine Augen sind gerafft, blaues Feuer bricht daraus hervor. Habe ich endlich eine Leidenschaft geweckt? Forderst du mich heraus? Haben wir zu lange miteinander gelebt? Sind wir uns leid, haben wir es satt, es kotzt uns an, was? Sind wir zu schamlos mit- einander gewesen? Wir kennen unsere Begierden und Laster, es blieb kein Geheimnis. Dumm von uns. Aber jetzt keine Komödie der Versöhnung. Die Nacht ist schwarz wie die Pest. Unten im Lager ist's gefährlich still. „Du hast ja selbst gesagt, es ist der Regenmacher," rief er endlich triumphierend.„Wie tonnte ich das vergessen!" Keine Antwort. Wieder eine schreckliche Pause. Der Name Muetedossa lärmte ihm in den Ohren, und er wollte fort, richten, strafen. Aber auf etwas wartete er noch. — Aus einer seltsam tiefen Qual, die vielmehr eine der dürsten- den Natur war als seine eigene, welche das Verdorren der Keime in der verkrusteten Scholle, das schreckliche Welken der schon aus- geschossenen Triebe war, und auch das Dürsten der Triebe, ja der Erde selbst, die rissig war, mit einer rauh sich emporkämpfenden Stimme, hörte er den Fiebernden sagen:„Und wenn er nun wirk- lich den Regen herbeirufen könnte?" „Dann will ich Hanswurst heißen, Scharlatan, räudiger Hund," antwortete Staller. Das Weib sagte mit einem Flehen dazwischen: ..Ja, ja, er kann es." Hatte sie denn alles verstanden? In welcher Sprache hatten sie denn geredet, eben? Nun tappte er fort und ließ die' beiden allein, mochten sie unkeusche Dinge tun in seinem Rücken. Es war die verrückteste, stickigste Nacht, die er je erlebt hatte. Sie war mit Schwefel ge- laben, es schwelt« im unsichtbaren Bereich. Er fand sich im Mond- losen zurecht bis zu jener Stelle, wo der Weg, den er täglich viele Male ging, sich aufspreizte wie pine Hand. Ein Zauberduft von ' bitteren Blättern drang in seine Blindheit. Aber nichts war wie Salben, er blieb unbesänftigt, züchtigen wollte er und. meinetwegen, mr Hölle fahren. Die Lagerfeuer! Endlich hatte er sich eingetastet in jenen Paß zwischen den Hügeln, und er sah die Brände lodern unter den Hütten, täuschte sich schon ein Stimmengewirr vor, aufgeregte Reden und Schattentanz. Um hinzugelangen, mußte er durch das Fluß- bett. In früben Jahren waren die Wasser schon im Januar ab- gekommen. Nun stand im drei Meter tiefen Brunnen nicht ein- mal eine Lache. Er blieb stehen Stille nach wie vor. Er hielt den Atem an. kein Laut, nicht einmal ein Tier. Aber etwas. was feine Knie schwach machte, eine fremde, unsagbare Gewalt. Er hatte immer damit geprotzt, daß er ein heimatloser Kerl sei, der nach Afrika passe, nicht gefährdet vo.n geheimen Sehnsüchten. Das wäre ein Land, da könne man leben, zum Donnerwetter. Hatte er nicht diese vielen Zusammengebrochenen verspottet, die nach dem Vaterlande sammerten. beim, nur heim aus dem brennen- den Busch, di« in der letzten K'atte sich einaelchisft hatten, besiegt von dem Lande— und ohne Mitleid Schwächlinge diejenigen ge- nannt. d'e man hotte verscharren müsien in der Einöde: ,wei davon waren Kameraden gewesen. Warum mußte ihm das geschehen, daß er in diesem Augenblick, wo es ungebrochenen Mut galt, zum ersten Male diese tolle Verlasienhelt erkannte, und daß dies eine Nie- mandslandschaft war, ein Mondkrater, unfruchtbar, soviel er schuften mochte, unfruchtbar für ihn, dem Fremden. Den Negern wuchs ''ÄSc ihr hellgrüner Mais ins Maul, für ihn regnete es nicht einmal, verfluchter Spuk. Und di« Feuer brannten, viele— was hatte das zu bedeuten?— schwelten düster feierlich über den Kuppen auf. Ihr durchleuchteter Rauch schien sich zu vermischen mit Gewölk, selber Gewölk zu werden und verdeckte die Sternbilder mit seinen ziehenden Schwa- den. Im Osten war ein weißliches fernstes Beginnen, von dem Erlösung nicht zu hoffen war. Ueberall begannen die Trommeln zu lärmen. Die Nacht, was schwatzt si« da? Ohne Sekundenpause brüllen die Wirbel, und darunter düstere, zwingende Schläge, die nicht ad- lassen. Die Luft war kriegerisch durchbebt und bebte durch ihn hin- durch, als ob er überhaupt nicht da wäre. Er kam ins Lager, und das Lager war leer. Nur ein paar Greise und Betteln fand er, di« zurückgeblieben waren. Sie hockten neben den verglühenden Scheiten und glotzten ihn dumm-entsetzt an. Sie gaben ihm keine Antwort, und seine Stimme kam ihm fremd vor. Dennoch versuchte er es wieder und wieder. Wo ist Muetedossa? Die alten zahnlosen Münder grinsten blöde.„Ehä," sagten sie und wackelten gutmütig mit dem Kopf. Der Weiße hätte die Nachtvögel fragen können, und«r hätte mehr erfahren. Aber was konnte es sein, das sie zu so plötzlichem Ausbruch getrieben hatte: Mörser aus Holz standen herum, und in den Kesseln war trübes Wasser: Wasserpseisen, Matten, Körbe, Schalen mit Hall'gegesienem Maisbrei. Welchen oiibcrcn Weg gab es, den sie zum Hause ge- zogen sein konnten, wenn es darum war; er war doch niemandem begegnet vorhin, keinem schleichenden Schatten, und es waren ihrer viele. Mußte er um den da oben fürchten, sollte er zurück? Er hatte ihn beleidigt, wie war es nur möglich gewesen, wie gemein ich doch war. Nun, erledigt oder nicht, er mußte ihn schützen, denn er hatte hohes Fieber und war wehrlos. Und diese Frau, dies« wunderschöne Sau, was hatte er mit der angefangen, der Dummkopf, he? Zart« Reden vermutlich, und danach sie laufen lassen. Das sähe dir ähnlich. Weißt du, was ich bin? Eifersüchtig bin ich. Und müde. Durstig auch. Dennoch, diese Unruhe. „Und wenn er ihn wirklich herbeirufen könnte?" Da ist es wieder, sein Wort. Wie wäre denn so etwas möglich Gut, ich will glauben, daß es Wunder gibt. Ich will den Mann Muetedossa suchen, nicht um ihn zu schlagen, sondern ich werde von ihm für dich, für das Tal den Regen erbetteln. Du sollst vergessen, was ich dir antat: ich will unsere schwere Kameradschaft zu retten versuchen, und wenn e» auf eine Narrenart ist. Die Feuer rissen blutige Fetzen aus der Nacht. Er erkannte vor der wachsenden Flamme auf dem Hügel springende Gestalten, und blind aufwärtssteigend, quer über das Feld und von Dornen gestreift, hallten ihm aberwitzig« Gesänge entgegen. Da waren sie also und nicht beim Hause. Er geriet ins Laufen, als sei nun keine Zeit mehr zu verlieren, und langte keuchend oben an. Ja, sie tanzten. Der Wahn hatte eine unzerreißbare Kette aus ihnen geschmiedet, mit stampfenden Schritten umkreiste der Reigen langsam den Scheiterhaufen. Willenlos«, von einem übermächtigen Trieb oder Gesetz in gleichmäßiger Bewegung gehalten, waren sie den Geistern nah. Sie zu stören, bedeutet« Gefahr. Wohl sielen ihre Blicke auf den Herrn, aber das löste den magischen Kreis nicht auf. Bielleicht bemerkten sie ihn gar nicht, trunken, wie sie waren. Muetedossa war unter ihnen. Staller kannte ihn als Feld- arbeiter und, wie er glaubte, als ertappten Dieb, kannte ihn lachend oder auch winselnd, den kurznackigen Mann mit einem beweglichen und vielfältigen Gesicht. So kannte er ihn sreilich nicht, von einem Punkt vor- und zurückschnellend und ein Unsichtbares aus der kochen- den Finsternis an sich heranreißend wie schwarze Garben, und singend in schrillen Kehllauten und schweißüberströmt von der An- strengung. Es war unheimlich, aber es war auch irgendwie lächer- lich. Da wußte er, wie er den Bann zu sprengen hätte. Er griss suchend in die Taschen, richtig, es waren noch ein paar Münzen darin und ein ganzer Haufen Zigaretten. Er trug sie mehr aus Mißtrauen, daß sie in seiner Abwesenheit gestohlen werden könnten, dauernd mit sich herum als aus Notwendigkeit. Nun griff er eine Handvoll und warf sie in weitem Bogen ausholend zwischen die Besessenen, schon im voraus grinsend über das Schauspiel, das sich ihm nun bieten würde. Richtig, schon stoben sie auseinander, schreiend und mit einem Schlage herausgerissen aus dem bösen Taumel, und oersuchten jeder, etwas von dem Segen zu erhaschen. Noch einmal—, und schreiend wälzten sie sich am Boden herum, sehr wirkliche, habgierige Kerls, lachend, schimpfend, kreischend, und begehrten nach mehr. Staller lachte laut auf und dachte: Aus ist's mit der Religion. Für den Augenblick vergaß er alles andere. Nur die Trommeln unterbrachen ihr Rufen nicht: die Musikanten hockten davor mit gesenkten Stirnen, auf denen Flammenhörner wuchsen, und bewegten di« hämmernden Arm« wie rasend. Dorthin lauerte er, ob nicht noch«in verborgener Feind gegen ihn wirkte, dann, als er nichts weiter zu entdecken vermochte, keinen versteckten Blick, kein geblecktes Maul, wendete er sich dem Herenmeister zu:„Na, alter Junge. Muetedossa," sagte er vertraulich,„ihr seid ja in prächtiger Laune heute." Der An- geredete krümmte sich vor Fröhlichkeit. Stirn, Augen, Kinn, Nase, alles war plötzlich verschwunden, nur noch ein wiehernder Schlund war da. der erschütternde Gelächter ousspie. Neugierige drängten sich herbei, ebenfalls schreiend vor Vergnügen und als trügen sie groteske Masken.(Schluß.folgt.) Mittwoch, 19. Juni. Berlin. 16.00 F.ugcn Hahmann:„Die dieslährige Rennrudergeit". 16.30 Rundschau Itir Blumen- und Qartenlreunde(Lndvig Lcsser). 17.00 Das Kindermagazin. 17.30 L'nterbaltungsmnsik. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamts Berlin-Mitte. 18.46 Unterhaltung mit einem Berliner Familienvater(Hartmuth Merleker). 20.00 Wovon man spricht(Rednet und Thema werden durch Rundfunk be- kanntgegeben). 20.30 Alberl W. Ketelbey. Dirigent: Der Komponist,(Berliner Funkorchester.) 21.15 Kammermusik. 1. Feiix Woyrsch; Quartett C-Moll, op. 63. 2. Franz Schubert: Quarteltsatz C-Moll(Deraan-QuartetO. Nach den Abendmeldnngen bis 030; Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Kfinigswusterhausen. 16.00 Prof. Dr. Lampe: Veranstaltungen des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht. 16.30 Dr. Alphons Marx, Einführung: Käthe Graber, Rezitation: Dr. Karl Sonnenschein„Notizen". 17.00 Nachmittagskonzeit von Hamburg. 18.00 Dr. Treuherz: Die wirtschaftliche Entwicklung Frankreichs nach dem Weltkriege. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Dr. Gustav Manz: Heinrich Sohnrey zum 70. Geburtstag. 19.10 Rechtsanwalt Dr. Klee. Landgcrlchtsrat Dr. Siegen: Die Reform unserer Schwurgerichte. Rätsel-Ecke des„Abend «iinimiiisiiiiiifniiiiiiiiiiiiiiiumiiiiiiiiniiitiinniniinininiHiuiimifmnNiuminiiiiuiiiuiuuiuiiniiniiiuiiiiimiiuiiiumsiiiniiiiniuniiiiiiiiniiiiiimniiHimiuiiniiiniiimnniiiiiKiH! Kreuzworträtsel. W a g c r e ch t: 1. Gesangstück:.ä. Bürde: 7. Antriebsoorrich- tung: 10. Pöbel: 11. Firmenbenennung: 12. Zeiteinteilung: 14. türkischer Titel: 15. exotisches Tier: 16. auf sich beziehendes Fürwort: 17. Wurfspieß: 19. französischer Artikel: 20. Gebirge in Marokko: 22. Himmelsrichtung(abgekürzt): 23. Maß: 24. Fluß in Spanien: 25. Fluh in Deutschland.— Senkrecht: 1. Auszug: 2. Fürwort: 3. Bauwerk: 4. Auszeichnung: 5. Fläche: 6, römisches Kleidungsstück: 8 dumme Sache: 9. Gefäß: 11. Frauenname: 13. Brennmittel: 14. soviel wie schlimm: 16. Baum: 18. Abendkleid: 20. Stadt in Süd- amerika: 21. Märchengestalt. P. S. Füllrätfel. An Stelle der Punkte sind die Buchstaben a a aabbbbceeee eeeeegghhii llllllmmnorr rrrrrssss b t t ituuuuvwwfo einzuordnen, daß Wörter folgender Bedeutung ent- stehen: 1. spanische Land- schast, 2 Feldbestellung, 3. Feuerschutz. 4� Lüfter- zunge, 5 Familienangehöriger. 6. Kaufmänni ch Betrieb, 7 Nahe Ver» wandtschast, 8. Noidsee- bad. ad. Silbenrätsel. Aus den Silben: band bürg cha che dämm de de de e e e e en fee jeu g« grin hcn hin Hirsch in ta ka kaf lau lek li list lo lüb ma na m m on os pel ra rei rö si fta ste stimm tät täts ter ti tri u va ver werk xem zi zur sind 17 Worte zu bilden, die nachstehende Bedeutung haben: 1. Wild: 2. Aufgab«: 3. Tanz: 4. Versprechen: 5. deutsche Stadt: 6. Bildungsstätte-, 7. Stromerzeuger: 8. Baum: 9. Brennerei,- 10. Wagner-Oper: 11. gebrechlicher Mensch: 12. Durch- einander-, 13. Tücke: 14. Pflanze: 15. Volksgemeinschaft: 16. menschliches Organ: 17. Rätselart.* Zahlenrätsel. 123443 3 2367368 eine der wertvollsten Freiheiten im Staate. 2 3 4 8 Ueberbleibsel. 3 4 4 3 Schornstein. 4 3 6 5 3 Reinigungsmittel. 4 1 3 3 2 alte Waffe. 3 4 8 7 3 2 biblischer Frauenname. 5 3 6 3 2 Festlichkeit. 2 6 3 4 3 sagenhatie Gestalt. 3 4 13 Baum. 6 4 6 4 alte ägyptische Göttin. 7 3 5 3 Gärungsprodukt. 3 7 2 3 Moralbegriff. 6 4 3 2 Nebensluß der Elbe. 8 2 3 1 1 3 Housaufgang. ad. Verwandlung. Ein gefiederter Sänger erfreut uns in Flur und Wald, Wird mich im Zimmer gehalten, ist klein nur von Gestalt. Und streichst du«in Zeichen ihm mittendrin. Oaim hast du einen Vorort von Berlin. ab. Die fehlende Mittelsilbe. Aus den Silben bal, braun, chit, de, den, din din, düng, ein, ga, ga, ge, ge, kauf, ma, ma, m«. nen, nie, pa, pi, pra,!a, ta, len, tus, u, vor sind 14 dreisilbige Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ad. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätset aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Egon: 3. Amor; 7. Charme: 10. Anker: 12. Ton: 14. Lido: 17. Ähl«: 19. Duell: 20. Oase: 22. Ente: 25. Emu: 27. Elias: 29. Meute: 31. Rate: 32. Eger.— Senkrecht: 2. Olm: 4. Man: 5. Schal: 6 Erle: 8 Rad: 9. et: IE an: 11. Kuh: 13. Odeum: 15. Ida, 16. Ode: 17. Ale: 18. Lot: 20. Oder: 21. Ski: 23. neu: 24. Esel: 25. es: 26. um: 28 Abt: 30. eng. Kapselrätfel: Nichts halb zu tun ist Silbenrätsel: 1. Wehretat: 2. Au: 4 cedertuch: 5. Anneli: 6. Nadel: 1- Geduld: 8 Erinnerungen: 9. Wasserfarbe: 10. Ährengrund: 11. Häher: 12. RinaldinI: 13, Tur» geniew.— Was lange währt, wird endlich gut. Rösselsprung. Um Mißrerständnisse, ihr Freunde, zu ver- meiden, verständigt euch nur. wo sich eure Wege scheiden. Soweit ihr einig seid, sucht ganz euch zu verstohn, und, wo di« Grenz' an- geht, da laßt einander zehn.(Friedrich Rückert.) Zweierlei: Granada---- Granate. edler Geister Art. 3. Sarkophag: Ufi&rfla�oJfiLei Bundesregatta in Grünau 388 Ruder- und Kanufnhrer starten Im Rahmen des zweiten Turn- und Sportfestes des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Nürnberg findet in diesem Jahre auch eine Bundes-Ruder- und Kanu- Regatta statt. In Nürnberg selbst ist die. Möglichkeit nicht ge- geben, der Dutzendteich in Nürnberg ist viel zu klein und auch sonst fehlen alle technischen Voraussetzungen, die zur glatten Abwicklung einer Regatta notwendig sind. Der Bund sah sich genötigt, die Regatta in Berlin aus der be- kannten Regatta st recke in Grünau am 30. Juni abzuhalten. Die Meldungeck sind bereits abgeschlosien. Von den 17 ausge- schriebenen Rennen find 16 besetzt, davon 16 Ruder- und 6 Kanu- Rennen. Fast alle Rennen sind voll gemeldet, von einigen müssen wegen Uebermeldungen Vorrennen ausgefahren werden. Von den auswärtigen Vereinen haben gemeldet: Hannooer-Linden, Leipzig, Dresden. Pieschen, Dresden-Laubegast, Würzen, Stettin. Hof an der Saale. Karlsruhe, Rathenow, Brandenburg, Fürstenwalde. Von den Berliner Vereinen sind an der Regatta beteiligt: Vorwärts, Collegia, Butab, FTGB. Ruderbezirk, FTGB. Kanubezirt, Freie Ruderer-Dereinigung 1913, Freie Kanu-Union, Schweiffterne, Freie Wasserfahrer Köpenick, Freie Schwimmer Charlottenburg(Kanu- abteilung). 388 Ruderer und Kanusahrer aus allen Gegenden Deutschlands in 97 Mannschaften werden am Start erscheinen. Di« Regattastrecke ist durch Telephon vom Start bis zum Ziel verbunden und mehrere große Lautsprecher, die über den ganzen Platz oerteilt sind, sorgen dafür, daß die Tribllnenbesucher vom Start an über das ganze Rennen unterrichtet werden. In den Zwischenpausen werden dies« Lautsprecher die musikalische Unter- Haltung übertragen. Für sämtliche Vereine des 1. Kreise-, die dem Arbeiter- und Sportbund angeschlossen sind, besteht an diesem Tage Start- und Spieloerbot. Die Bundesregatta in Grünau wird zu einer großen Kundgebung für den Arbeitersport. Die Vorrennen finden am Sonnabend, dem 29. Juni, 16 Uhr, in Grünau statt. Die chauptregatta beginnt am Sonntag, dem 36. Juni, pünktlich 13 Uhr. Eintrittstarten sind bei allen Genossinnen und Genossen der Rudersparte sowie an der Tribunenkasse zum Preise von Z6 Pf. bis 2,— M. zu haben. Wimbledon! Zwanzig Nationen beim Tennisturnier. Die Besetzung der diesjährigen Tennismeisterschaften des All-England-Clubs auf den Grasplätzen In Wimbledon, die man als„inoffizielle Weltmeisterschaften" bezeichnet, steht hinter der der Borjahr« nicht zurück. Die Vertreter von rund zwanzig Nationen werden vom 24. Juni an um die heißbegehrten Titel kämpfen. Mit einem starken Aufgebot tritt, wie schon in Paris, der Deutsch« Tennis- Bund auf den Plan, der offiziell Moldenhauer, Prenn, Dr. Dessart und Frenz sowie die Damen Außem, Friedleben, Rost und Schomburgk entsendet, außerdem noch die Meldungen von Dr. S). Klein schroth, Kuhlmann. Nourney und Wetzel an die Veranstalter weitergeleitet hat. Frau v. Reznicek, Froitzheim und Dr. Büß müssen infolge anderweitiger Jnanspruch- nähme auf die Teilnahme verzichten. Die deutschen Spieler und Spielerinnen bestreiten vor dem Wimbledon-Turnier noch vom 17. bis 22. Juni die Veranstaltung de» Londoner Queens Club, um sich an die freinden Verhältnisse zu gewöhnen. Sehr stark ist natür- lich wieder das französische Ausgebot, bei dem man allerdings den Verteidiger der Herrenmeisterschaft, Ren« Lacoste, sowie den jün- geren Borotra vermißt. Die Davispokalmannschaften von Griechenland, Indien, der Schweiz, Kanada, Dänemark und Schweden sind gleichfalls gemeldet, auch die Amerikaner mit Hunter, Tilden und Helen Wills an der Spitze fehlen ebensowenig wie die spanische Messterin Lily d'Aloarez und die Holländerin Kea Bouman. Staatliche Beihilfen für Tennisplätze. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußisch« Minister für Volkswohlfahrt durch Runderlaß vom 6. Juni folgendes angeordnet: Wie mir bekanntgeworden ist, besteht mehrfach die Auffassung, daß die Gewährung staatlicher Beihilfen für die Anlag« von Tennisplätzen nicht möglich ist, weil der Tennissport einen Sportzweig darstellt, der nicht der Allgemeinheit zugute kommt. Diese Auffassung ist u n z u t r e f s e n d: denn gerade in den letzten Jahren ist der Tennissport aus einem Gesellschaftsspiel zu einem Volkssport geworden. Ich erkläre mich daher damit einverstanden, daß an leistungsschwache Tennisvereine im Rahmen der zur Per- fügung stehenden Mittel Beihilfen gewährt werden." Bezirksfest in Köpenick. Der 1. Bezirk im 1, Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundcs wird am Sonntag, dem 23. Juni, in Köpenick im Rahmen eines Bezirksfestes die Hauptprobe für das Nürnberger Bundesfest vor- nehmen. Neben den Massenfreiübungen zum Bundesfest werden die Ausscheidungskämpfe im Geröteturnen stattfinden. Leichtathletische Wettkämpfe, Handball- und Fußballspiele werden das Fest um- rahmen.— Die Schwimmer werden in der Städtischen Badeanstalt, Gartenstraße, mit Stafetten, Einzclschwimmen, Springen und Wasserballspiele für den Schwimmsport werben.— Die turnerischen sowie leichtathletischen Vorführungen beginnen um 3 Uhr auf dem Eiche-Sportplatz. Ab 8 Uhr vormittags auf den städtischen Sportplätzen in der Wendenschloß st ratze: Fußball- und Handballspiele. Um 1,36 Uhr wird ein Festzug durch die Straßen Köpenicks veranstaltet. Der Festbeitrag beträgt für Jugend- liche 36 Pf., für Erwachsene 56 Pf. Die freie Arbeitcr-Schach-Vereinigung wirbt. Am Dienstag, dem 25. Juni 1929, treffen sich alle Partei- genossen, Reichsbannerkameraden und Soortgenossen im Bezirk Pan- kam, die Interesse und Freude am geistvollen Schachspiel haben, um 20� Uhr im Lokal Kober, Pankow, Berliner Ecke Prinz-Hein- rich-Straße, zur Gründung der neuen Abteilung..Pankow". — Am Donnerstag, dem 26. Juni'1929, beginnt im Lokal Dollmer, Berlin, Raumerstraße 36, der Wettkampf der Nordostabteilungen, um die Meisterschaft des Bezirks. Abteilung Weißensee spielt gegen Abteilung Prenzlauer Berg.— In der Abteilung Treptow, Elsenstrahe, bei Döhling, hält am 26. Juni 1929 der Schach. freund Hamann einen Vortrag über das Thema„Philidos und seine Bauernführung". Beide Veranstaltungen beginnen um 26 Uhr. Interessenten sind herzlichst eingeladen. Der Besuch ist frei und ohne jeden Zwang. .Arbeiter-HlLmdbsll. Das zweite Spiel der Nürnbergmannschatt. Noch viel Arbeit ist nötig, damit der 1. Kreis in Nürnberg spielstark antritt. Damit die Mannschaft noch die nötige Technik und den Zusammenhalt herausarbeitet, findet heute abend ein zweites Spiel statt. Der ihnen gegenüberstehende Gegner, FTGB.- Wedding, 1. Männer, wird den Spielern recht oft Gelegenheit geben, ihr bestes Können herzugeben. Das Spiel beginnt um 19.36 Uhr auf dem Sportplatz im Humboldthain. Bei dem billigen Eintrittsgeld von 26 Pf. erwarten die Arbeiter-Hand- baller recht zahlreichen Besuch. vor Gro�flugtag in Tempelhof. Start des Kleinluftschiffes„Parscval". Zum vierten Male veranstaltet die Berliner Turn- und Sport- wochc einen Großflugtag. Während man in früheren Jahren dem Rat der Meteorologen und den Bauernregeln folgend für die Abhaltung des Flugtagcs den ersten Sonntag im September wählte, hat man in diesem Jahr« Wert darauf gelegt, daß der Flugtag auch zeitlich im Rahmen der Turn- und Sportwoche stattfindet Das diesjährige Programm hat mehr, als es sonst an Flug- tagen üblich ist, den F r e i b a l l o n s p o r t und das Klein- lu ft schiff zu seinem Recht kommen lassen. So wird der Berliner Derein für Luftschiffahrt eine national« Ballonwettfahrt veranstalten, an der acht Ballons von je 1666 Kubikmeter teil- nehmen werden. Begleitet werden die Ballons von 16666 Bricj- tauben, die von der Groß-Berliner Reisevereinigung zur Versiigung gestellt werden. Die Tauben sind fast ausnahmslos auf Strecken bis zu 666 Kilometer«ingeflogen und stammen teilweise aus Holland und Süddeutschland. Zum ersten Male wird auch an diesem Tage den Berlinern das neue Kleinluftschiff„P a r s e v a l- N a a tz L dl 2 8" von der Wasser- und Lustfahrt G. in. b. H. Seddin ge- zeigt werden. Das Luftschiff hat einen Gasinhalt von 1766 Kubit- meter, eine Länge von 39,5 Meter und einen Durchmesser von 13 Meter. Zum Antrieb ist ein 76-?L.Siemens-Motor verwandt. Das Schiff ist mit einer Gondel ausgerüstet, die für den Führer, den Motorwart und vier Fluggäste genügend Platz bietet. Den Höhepunkt des Flugtages wird ein Vergleichsfliegen der bekanntesten deutschen Kunst- und Sportflieger bilden. Besonders interessant wird dies« Vorführung dadurch werden, daß die besten Flieger hier zum ersten Male Gelegenheit haben werden, ihre neuen Maschinen der Oeffentlichkeit vorzuführen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung werden zehn Menschenfiguren mit Fallschirmen ausgerüstet, aus zwei Großflugzeugen abgeworfen werden. Den Abschluß bildet wie im Vorjahre ein Gruppenfliegen von zehn dpeimotorigen Großoerkehrsflugzeugen der Deutschen Lufthansa und ein großes Höhenfeuerwerk. Die ersten Dauerrennen auf der Rütt-Arenac Die Rennen am Freitagabend, bei denen die neuen Schritt- machermotore(Motosacoche) ihr Debüt geben, haben eine glänzende Besetzung, denn folgende fünf Steher werden den Preis von Neu- kölln(zwei Läufe über je 26 Kilometer) und den Preis vom Kreuz- berg über 46 Kilometer in einem Lauf bestreiten: Lewanow hinter Schadebrodt, S a l d c w hinter Franzmann. Bauer hinter Luycken, der Belgier Dewolf, der«in Spezialist auf den Holz- latten zu werden scheint, hinter Geppert und Koch, der im Training hervorragende Zeiten erzielte. Zwischen den drei Läufen des Dauer- rennens bestreiten drei Paare e>n Mannschaftsomnium, bei dem man diesmal neue Gesichter sehen wird. Hier tritt auch wieder ein gutes belgisches Paar in Aktion, nämlich die in letzter Zeit stark nach vorn gekommen« Mannschaft Louis Maes-Desorte. Ihre Gegner sind die auf der Rlltt-Arena glänzend eingefahrenen Kroll-Miethe und die ehrgeizigen Krüger-Funda, die Kroll-Miethe zu diesen! Match herausgefordert haben. Fußballer weißensees! Genossen, die Interesse an der Arbeiter- fußballbewegung haben, sind im Freien Bollspieloerein Weißensee jederzeit willkommen. Die Sitzungen finden jeden Freitag von 8 bis 16 Uhr bei Minge, Lothringer Straß« 32, statt. Für die Jugend jeden Donnerstag von 8 bis 16 Uhr im Jugendheim, Park- ftraß« 36. Sportplatz: Stadion, Weihensee, Buschallee. Daselbst jeden Mittwoch nach 6 Uhr Training. Tooristenverein„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin E. V. Die genauen Abfahrtzeiten der Züge zur Sonnenwendfeier am 22. Iimi ab Stettiner Bahnhof sind: 12.55, 14.65, 16.68, 17.35, 18.53 und 26.46._ Turnralsgtzu»« beule, Wi Ufir, in Soverland» gest. iSlen. Reue lsriedrichstr. ZI, wichti«« Tagesordnung.—»«»ick Temeelhaf. «ariendoif. Am Donnerstag, 20. Juni, fäll unfcr Turnabend au«. Dafür vllnltlich»in 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Pommerening. Dertiner Stratze ltX>. Vortrag:„Der Aufbau des Arbeitcr»Turn» und Sportbundcs". Referent: Oi»»off« Scholz. ffteiet Sportverein Writzrnsre. Donnerstag, 20, Juni, Versammlung bri Minge, Lolbringenstr. W. Vortrag des Genossen IZrenzel. Anfang lWt Uhr. Erscheinen aller Rilrnbergsahrcr ist Pflicht. Alle Wcitsenseer Bundestreucn und Enmpathissrrende fahren am Sonntag zum Bezlrtsfest nach Tegel. isreie Zalidaotfvhrer Berlin. Mittwoch, lg. Juni, sZunktionärversommIung, Uferstr. lZ. JJur grünen Linde", bei itemnih. Donnerstag Zusammenkunft in der Schule Weinmeisscrssr. 10— 17, pünktlich»m 20 Uhr. Vortrag de» Gen. Friedrich Wendel:„Warum Sonnenmendfsler". Sonnabend, 22. Juni, und Sonntag, 23. Juni, Stapvenfahrt: lkummersdors.it itnigsrvusterhausen. Abfahrt: 13,12 1<,42, 15,07 Uhr Siirliher Bahnhof, flkcine Rückfahrkarte.! glthrcr: Paul Jungbluth. Stappenfahrt: Storkow-Springsce tkeine Sonnrnmendseier). Ab- fahrt 15,07 Uhr Gitrliger Bahnhof szilhrer: Otto Sausmann. Ruber- unb lkann. Verein 1924 9. v. Bootshaus Nahnsdorf-Miiggelwerder. Sihung am 20. Juni im Restaurant„Zur Sonnenuhr". Am Oberbaum 3. Be- ginn 20 Uhr. Die Vorstandsmitglieder werden gebete», ein« halbe Stunde vor Beginn der Sihung zu erscheinen. 9« ssnd noch einige Bootoftände frei. Neue Mitnlirder werden aufgenommen. Berliner xck>wimm.Unl»». Sitzung der gesamten sfrauenabteilun« am Scnntag. dem 23. Juni, 13 Uhr. im Vcrcinsbad vbersprce. Jusolge der sehr wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht, pünktlich zu erscheine». Jeden Mit- mach tinden von jcitt ab die sraufrballspiel« der Aliersriegc statt Donner». tag ist vor dem Baden der Jrauen eine Snmnastikstundc für brauen ein- gelegt. Rege Beteiligung und vitnktliches Crfchcin-n ist daher notwendig isrei« Schwimmer»roh-Berlin«.«.,«ruppe vberlpree. Die Gruppe badet von jetzt ab in der Städtischen Badeanstalt Zköpenia, Garten, tröste. Triff- Punkt zum gemeinsamen Besuch de» ersten Badeabcnda Donnerstag, 20. Juni 10 Uhr. Bahnhof iköpcnick. Pünktlich erscheinen. Nachzügler kommen direkt zur Badeanstalt. Arbeiter-Turn- und Sportbunb. l. Kreis Wassersportsp-rt-. Die Reigen. -rode für Nürnberg findet am Mittwoch. 10. Juni. 20 Uhr. Iin P-stftadion statt. Jahrverbtndung bis Lehrter Bahnhof. Zehn Jahre Volksstaai. Die Verfassungsfeier am. August. Die Vorarbeiten für die Versassungsfeier haben in vollem Umfamle eingesetzt. Tausende von Reichsbanner- kameraden aus den Berliner Ortsvereinen haben ihre frei- willigen Helferdienste jllr die große Versassungsfeier in Berlin aufgenommen. Um die Oesfentlichkeit zu unterrichten, veranstaltete der Bundes- vor si and des Reichs- b a n n e r s gemeinsam mit dem G a u v o r st a n d B e r- l i n einen. P r e s s e e m p- sang, um über seine Arbei- ten zu berichten. Der Gau- Vorsitzende Stelling be- grüßte die Vertreter der Presse, der Behörden, des Handels und der Wirtschaft, die sich zu einem großen Teil 9aM Peflubseldien. bereit erklärt haben, in einen Ehrenausschuß einzutreten, dem auch der Reichskanzler Hennann Müller und der preußische Ministe:- Präsident Otto Braun angehören. Der Btindesvorsitzende Otm H ö r s i n g gab die politischen Gründe für den Massenaufmarsch in Berlin bekannt. Das Reichsbanner will in der Reichshauptsted' den Gegnern von rechts und links die Stärke und Macht b c r republikanischen S ch u tz t r u p p e vordemonstriercu. E teilt- weiter mit, daß im Reich die Begeisterung, zu einem Riücb: bannertressen nach Berlin zu komme», noch nie so groß war wi' in diesem Jahre. Selbst au� den e n t i e g et» st e n G e b i c t c n Deutschlands, aus Ostpreußen und aus der R h e! n p f a i- und besondere auch aus Bayern, werden in langen Sondcrzügen die Kameraden nach Berlin kommend Kamerad Hörsing, der i i den letzten Wochen in unzähligen Versammlungen sin Reiche g- sprachen hat und abschätzen kann, wie stark die Beteiligung iein wird, rechnete, daß mindestens 156 666 Reichsbannerleute nach Berlin kommen werden. Der Keschäftesührer R e i d H a r d t des Berliner Gaues gab dann die Einzelheiten für die Versassungsfeier bekannt, über die wir bereits im gestrigen Morgenblatt berichteten Die Berliner Reichsbannerkameraden sind eifrig dabei. Quarticu' zu beschaffen. Sic wollen den Kameraden aus dem Reiche, dn' große Opfer bringen müssen, um die Reise durchführen zu könnet'. ein gastliches Heim bieten. Das kann nur gelingen, wem, ki republikanische Bevölkerung Berlins freudig mUhilst, die Käme raden aus dem Reich unterzubringen. Da ohnehin der Vorbei- marsch der Reichsbannerkameraden annähernd sieben S t u n den dauern wird, ist sür die Hauptseier nur ein Redner vor gesehen. Kamerad Nowak teilte noch ergänzend mit, daß auch m s Oesterreich eine starke Beteiligung zu erwarten ist. Die Reichsbannerkameraden sind an �>er Arbeit, das äußerl H Wichtigste für die Veranstaltung, die Quartiere, sür die Gä': aus dem Reiche zu beschaffen. Es kann wohl kein Zweifel darüb" bestehen, daß die Berliner alles tun werden, um den Republi konern aus dem Reich und aus Oesterreich den Aufenthalt in Bei' so angenehm wie möglich zu machen. Kfemdenverkehr- die jüngste Wissenschaft. An der Berliner Handelshochschule ist, erster Versuch in Deutschland, das Forschungsinstitut sür Fremdenverkehr errichtet worden. Inhaber dieses jüngsten aller Lehrstühle ist Dr. Robert Glückemann, Professor an der ehemaligeu Hoch- schule sür Hotel- und Verkehrswesen in Düsseldorf. Das neu- gegründete Institut oerfolgt ein dreifaches Ziel, und zwar: 1. Anlag« eines Z e» t r a l a r ch i o s' und einer Zentral bücherei, die das gesamte Material unisassen soll, das'ini In- uiM Ausland« in Zeitungen, Zeitschriften, Monographien nfw. über de» Reiseverkehr der Eisen- und Straßenbahnen, Lustverkehremitiel. Fluß- und Seedampfer. Kraftfahrzeuge, über das Gaststätten-, Messe und Ausstellungswescn erscheint. 2. F o r s ch u n g c n, die das Institut selbst betreiben und durch Vereitstellung des Materials Studierenden und sonstigen Interessentc.: ermöglichen wird. Später sollen Schriften, insbesondere«ine pr riodijch erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift, herouggegeb-n werden, in der namentlich die Darstellung der Fremdenverkehrs- Politik berücksichtigt werden. 3. Lehrtätigkeit in Vorlesungen, Hebungen, Seminarcu. Daneben ist aber in weitestem Ausmaß« die Weiterbildung der Ver kehrspraktiker in Aussicht genommen. Besonders Im Wintersemestcr sollen Kurse von kurzer Dauer veranstaltet werden. Besichtiguiigc:! vo„ Ausstellungen, Echaustellungsunternehmen aller Art und Voi sührungen im Film sollen als Ergänzung des Lehrstoffes diene». Das Erkennen der wirtschaftlichen Bedeutung des Fremdenverkehrs ist eigentlich erst durch die wirtschaftliche De- pression der Kriegs- und Nachkriegsjahre so richtig in den Vorder grund getreten. Bis dahin galt der Fremdenverkehr nur als eine erfreuliche Tatsach« im Sinne der Belebung des gesellschaftliche!: Bildes im allgemeinen und des Hotelwesens im besonderen. Heilte aber ist der Fremdenverkehr ein« öffentliche Angelegen- h e i t geworden, deren Förderung Im allgemeinen I n t e r- esse liegt. Ein zwölfjähriger Ausreißer. Auf die Wanderschaft scheint ein zwölf Jahre alter Schüler Julius Hanke gegangen zu sein, der seit de m 12. I u n- vermißt wird. Der Jung«, der die Geineindeschule a in Koppenplatz besuchte, war zu Ostern nicht versetzt worden und halte seiner Mutter gegenüber wohl ein schlechtes Gewissen. Am 12. Juni ging er morgens fort, angeblich zur Schule, ließ sich aber dort nicht sehen und kam auch nicht in die Wohnung in der Acker. siraße 158 zurück. Am 14. Juni tauchte er morgens uni 5 Uhr be. Bekannten in Britz auf. Hier rc-del« man ihm zu, doch nach Haus« zu fahren Und gab ihm auch das Fahrgeld, denn Barmittel hat der Junge nicht bei sich. Den guien Rat hat der Junge abe: nicht besolgt. Jetzt sucht man ihn. Er ist 1,26 Meter groß, hat dunkles, fast schwarzes Haar und trug grünblaues Sporthemd, braune Manschesterhose, bunt« Sporistrüinpse und schirar:« Schnürschuhe. Die„gute taudbutter". Die Duisburger Strafkammer verwarf die Berufung- des Händlers Dickmami aus Wesel, der vom Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis wege» Rahrungs mittelfälschung verurteilt worden mar. Der Angeklagte hatte ein halbes Pfund echte Bauernbutter und ein halbes Pfund echte Margarine zujammengeknetet»nd die Mischung als„gute Landbutter" zum Verkauf gebracht. Erfolge in der Glasindustrie. Die Lohnbewegung in der F l a>' ch e n i n d u st r i e Hot der Keramische Bund mit Erfolg beendet. Die erreichten Lohnzulagen betragen sür den gelernten Akkordarbeiter 4 bis 5 Proz. Verdienste über 60 Mk. pro Woche erfahren einen Zuschlag oon 2 bis 3 Proz. Für die Zeitlohner find die Stundenlöhne um 3 bis 6 Pf. erhöht worden. In der Weißhohlglas-Jnduftrie find die Tarif- fchwierigkeiten noch nicht behoben. Für die Gruppe 4(Sachsen) war für die Arbeitnehmer ein nicht befriedigender Schiedsspruch ge- fällt worden, der leider trotz des Einspruchs der Gewerkschaften vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt wurde. Infolge- dessen mußten für dieses Jahr die geplanten Kampfhandlungen unterbleiben. Den Arbeitgebern sei aber jetzt schon gejagt, daß aus- geschoben nicht aufgehoben bedeutet. Für die Verbandsgruppe 1(Brandenburg) konnte die Lohnbewegung durch Vereinbarung zu End« geführt werden. 2luch hier stand der Lohnstreit bereits auf des Messers Schneide, da beide Parteien den gefällten Schiedsspruch abgelehnt hatten unS beiderseits Beschlüsse zur Durchführung von Kampfhandlungen vor- lagen. Für die Derbandsgruppe 2(W e i ß w a s s e r) wurde am Frei, tag im Reichsarbeitsministcrium über die oon den Arbeitnehmern beantragte Verbindlichkeit des ergangenen Schiedsspruchs ver- handelt. In der kommenden Woche beginnen die Lohnverhandlungen für die F e n st e r g l a s i n d u st r i e in Rheinland-West- f a l e n. Sifdmß#-Jlnseiger* föezirß f Udert-Weften. liebing-Bröt Grahambrot nach Vorschrift der Misdaznalehre 38 Roggenvollkornbrot(Kommißbrot) In allen Geschäften und Reformhäusern erhältlich. RUTT-ARENA Freitag« clen 2i. Juni, abends 8 Uhr, hinter den neuen Schrittmachermaschinen Ca&1 Rs■■ Ii IM Rs»» Dewolf, Lewanow, Saldow, Bauer, Koch. Ferner: Fliegerrenneii. 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