Morgenausgabe Nr. 283 A 143 46.Iahrgang W°ch-I»kq UPI.-u-l-tllch IM SL tm voraus zahlbar. Postbezug<22 M. «in'chließllch 60 Psz. Poftz»>tu»z». u»d 72 Pfg. Postdtstellzedühre». Buslanb» adonnemem 6.— M. pro SRanal, P«r.SoRcSrtt* crf�elU oo�tnijj. lich zweimal, konntag» und Manlag, einmal, die ilbendau»gaden füe Berlin und tm Handel mit dem Titel„Der Sdend', Illustriert« Beilogen.Poll und Zeit" und.Aindersreund'. Ferner .Unterhaltung und wissen'..Frauen- fnmme"..Technik'..Blick in die Bucherwelt" und.Iugend-Vorwirt»' floruinr( ZZerliner Vottsbla« Donnerstag 20. 3uni 1929 Groß-Verlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die ctafpatttg« ftonpareitlezcn« 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reich». mark.„Kleine Anzeigen' da» ,ettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» da» erste Wort 15 Pfennig, jede» wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Zählen für zwei Worte. Ardeitsmartt Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. 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Trotzdem die Ausspräche mit Poincarä nur etwa% Stunden dauerte, weil er und Briand zu der �gesetzten gemeinschaftlichen Sitzung des Auswar- tigen uird des Finanzausschusses eilen mußten, hat sie durch rus genügt,»m eine Einigung ln den wesentlichsten Punkten zu c-ziclen. lieber die Notwendigkeit einer allgemeinen Regelung, um den Poung-Plon in Kraft zu setzen und die politischen Konsequenzen aus der Reparationsregelung zu ziehen, die sich ans der Genfer Scptembervereinbarung ergeben, bestanden keine Meinungsverschiedenheiten. Die Frage des Zeitpunktes wurde ebenfalls erörtert. Briand hatte einen etwas späteren Termin vorgesehen, wohl ans innerpolitischen Gründen, aber er ließ sich um so leichter bekehren, als nicht nur Strese- mann, sondern auch Poincare für einen möglichst baldigen Termin eintraten. Es ist demnach die zweite Zulihälste in Aussicht genommen. In der Frage des Ortes der kommenden Konferenz einigte man sich ebenso leicht. Es gilt jetzt als ziemlich sicher, daß die konsrrenz in einem Schweizer Ort slallsinden wird. Formelle Beschlllsse konnten natürlich nicht gefaßt werden, da f>as Einverständnis Englands, Italiens und Belgiens noch auf dixiomatischem Wege einzuholen ist. Alle Schwierigkeiten dürften Picht zu erwarten sein. Die politische Tagesordnung der Konferenz ist nicht näher präzisiert worden. Es wird Schluß gemacht... Ein Aufruf und eine Antwort. Der kommunistische Parteitag hatte am Schluß seiner Berhand- sungen die Veröffentlichung eines Aufrufs an die deutsch« Arbeiterschaft beschlossen. Dieses Dokument wurde am Diens- tag auch im kommunistischen„Kämpfer" in Chemnitz abgedruckt. Es heißt darin:„Arbeiter und Arbeiterinnen! Macht Schluß mit der Partei des Arbeiterverrats und des Arbeitermordes, mit der SPD!" In der gleichen Nummer muß der„Kämpfer" aber die Antwort mitteilen, die die Chemnitzer Arbeiter und Arbeite- rinnen den Kommunisten auf die Verleumdung der Sozialdemokra- tischen Partei erteilt haben. Das Blatt berichtet nämlich in vorsich- tiger Form, daß die„revolutionären Arbeiter" bei dyi Eltern- beiratswahlen am Sonntag die kommunistische Arbeit schmählich im Stich gelassen haben. Während nämlich die sozialdemokratischen Listen im vorigen Jahre ö996 Stimmen und 12S Mandate erzielten, wurden diesmal für die Sozialdemokratie 7341 Stimmen abgegeben und 141 Man- date errungen. Leider hat dieser sozialdemokratische Gewinn nicht die großen Verluste ausgeglichen, die den weltlichen Listen durch dos Versagen der Kommunistischen Partei zugefügt worden sind. Die Kommuni st en erhielten nämlich nur 2287 Stimmen gegen 3SS1 im vorigen Jahre, sie haben also 1274 oder ZSProz. ihrer Stimmen und damit 20 Mandat« eingebüßt! Da die Sozialdemokratie nur 15 hinzugewonnen hat. ergibt sich für die weltlichen Listen ein Verlust von 5 Mandaten. Eine nähere Be- trachtung der Wohlziffer an den einzelnen Schulen zeigt, daß den Nutzen aus den kommunistischen Mißerfolgen überall die christlichen Elternocreine davongetragen hoben. So hat auch die Chemnitzer Elternratswahl gezeigt, daß die Kommunistische Partei nur noch eine Stütze der Rc. aktion ist, mit der so schnell wie möglich Schluß gemacht werden muß!»_ Gerüchte um Hindenburg. Im Laufe des Mittwochs kursierten in Berlin Gerüchte, daß Reichspräsident chindenburg. der sich.pirzeit in Ostpreußen befindet, dos Opfer eines Unfalles geworden sei. Von anderer Seite wurde behauptet, er sei erkrankt. Amtlich wird demgegenüber festgestellt, daß der Reichspräsident fich der besten Gesundheit erfreut. Daß da» Rheinlaad mit dem Znkrasllreten des Poung-Planes geräumt werden wird, steht auch bei den Franzosen außer Zweifel. Es fragt sich nur, inwieweit sie die Bedingungen der Räumung in einer Weise bestimmen wollen, die deutscherseits als b e f r i e d i- gend aufgefaßt werden kann. Die Frage der Feststellungs- und Vergleichskomnrission sowie das Saarproblem sind in der heutigen Unterredung nicht näher erörtert worden. Im großen ganzen zeigt man sich auf beiden Seiten mit dem Ergebnis der heutigen Aus- spräche befriedigt. * Dr. Stresemann hat abends die Rückreise nach Berlin an- getreten. pomcar6 spricht neun Stunden. Pari», 19. Juni.(Eigenbericht.) Am Mittwochnachmittag begann Ministerpräsident Poincarö in der Kammer mit der Verlesung seiner mit Spannung er- warteten Rede über die interallierte Schuldfrage und die Ratifikation der betreffenden Abkommen. Poincarö, der, wie schon öfters, auch diesmal durch mög- lichste Breite und Ausführlichkeit seiner Erklärungen zu überzeugen hofft, hat«in Manuskript ausgearbeitet, dessen Verlesung etwa neun Stunden in Anspruch nehmen wird, so daß mehrere Sitzungen erforderlich sind. Poincarö ist bereits im Besitz der Fragen, die seine Zuhörer an ihn zu stellen gedenken, so daß er sie gleich im voraus mit beantworten kann. Trotzdem ist natür- lich eine lebhaft« Diskussion vorauszusehen. Im Laufe der Mittwochsitzung gab Poincarö«inen historischen Ueberblick der französisch-amerikanischen Schuldenoerhandlun- gen vom Jahre 1917. Reben ihm werden Außenminister Briand und Finanzminister C h e r o n in längeren Ausführungen die Rot- wendigkeit der Ratifikation begründen. Die Offenlegung der Steuerlisten. Sozialdemokratischer Antrag. Nachdem die sozialdemokratische Reichstags- f r a k t i o n dem Reichstag einen Antrag zur Offenlegung der Steuerlisten vorgelegt hat, haben Zentrum, Demokraten und Bayerische Bolkspartei eine Entschließung eingebracht, die«in« Denkschrift über die Erfahrungen mit der Offen- legung der Steuerlisten in anderen Ländern fordert. Aus dem preußischen Gtaaisrat. OieVeratung über das Konkordat aufden2».Luni festgesetzt In einer Sitzung des Verfalsungsausschusses des preußischen Staatsrats erklärte am Mittwoch Ministerpräsident Dr. Braun, es sei wünschenswert, daß der Staatsrat das Konkordat, b a l d i g st zur Beratung stelle. Kultusminister Dr. Becker äußerte sich über den Inhalt des Konkordats. Die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft forderte, daß der Staatsrat die Vorlage erst dann beraten solle, wenn man die Wünsche der evangelischen Kirchen kenn«. Die Sozialdemokraten betonten, daß dem Wunsche einer großen Fraktion Rechnung getragen werden müsse. Darauf ent- schied man sich dahin, daß die Konkordatsoorlage nicht schon in diesem Sitzungsabschnitt, sondern« r st am 2 8. Juni im Plenum des Statsrats beraten werden soll. Am Tage zuvor wird der Ver- fasiungsausschuß die Vorlage vorberaten. Flaggenverordnung angenommen. Der Staatsrat beschäftigt« sich mit dem Entwurf einer Berord- nung des Staatsministeriums über das öffentliche Flaggen. Der Entwurf wurde mit 35 gegen 29 Stimmen bei Enthaltung der Kommunisten gegen die Stimmen der Arbeitsgemeinschaft ange- nommen. Llnterhausbeginn Anfang Zuli. Eine Thronrede wird abgeschafft. London. 19. Juni(Eigenbericht.) Die Arbeiterregierung beabsichtigt eine parlomen- tarische Neuerung insofern einzuführen, als sie die söge- nannte Iherbstsession des Unterhauses mit der Anfang Juli beginnenden parlamentarischen Session zusammenlegen will. Die Regierung läßt sich hierbei von dem Gedanken leiten, den Ber- tust an parlamentarischen Arbeitstagen, der sich durch eine neue Thronrede im Herbst zu ergeben pslegt, nuszuschalten. Die Arbeiten des Unterhauses werden also Ansang Juli beginnen. Ende Juli , wird das Parlament bis zum Herbst in Urlaub gehen, und im I Oktober seine Arbeiten wieder aufnehmen. s Arbeiislose und Parteien. Liberaler Reformeifer gegen die Arbeitslosen.— Die Erhebungen der Reichsanstalt. Die demokratische Reichstagsfraktion hat einen Beschluß angenommen, in dem der Kabinettsbeschluß, die Reform der Arbeitslosenversicherung zu oertagen, bedauert wird. Sie verlangt„Abstellung der Mißstände und Regelung der Saison- arbeiterfürsorge noch vor dem Auseinandergehen des Reichs- tags" und kündigt„entsprechende Anträge" an. Wenn der demokratische Fraktionsbeschluß prophezeit, daß sich die Lage der Arbeitslosenversicherung infolge der Vertagung verschlechtern wird, so ist das richtig. Die Ver- antwortung dafür trifft aber d i e Parteien, die die Bei- tragserhöhung abgelehnt und damit die rasche Ver- abschiedung eines wirklich wirksamen Sofortprogrammes oerhindert haben. Auch das„Berliner Tageblatt" ist mit der Vertagung der Reform auf die Spätsommersession des Reichstags un- zufrieden. Es macht dieser Unzufriedenheit in einer Aeußerung Luft, die ein bemerkenswertes Eingeständnis enthält: Es ist sehr zweifelhaft, ob in der Elle, mit der dann prozediert werden muß, und angesichts des sich häufenden Konfliktsstoffes d i s Sozialdemokratie die von ihr angestrebte, für die Arbeitslosen denkbar günstige Regelung durchsetzt. In allen gewerblichen Kreisen hat der Beschluß des Reichs- tabinetts lebhafte E nt t ä u s ch u n g. ausgelöst. Das offenbare Bestreben der Sozialdemokraten, mit den Deutschnationalen zusammen gegen Kompensationen in der Arbeitslosenfrage den protektio- nistischen Wünschen der Deutschnationalen nachzugeben, hat lebhaft befremdet. Daß die Sozialdemokratie bestrebt ist, die für die Arbeits- losen günstigste Lösung zu erreichen, trifft zu. Das ist ja auch die günstigste Lösung für die Gesamtarbeiterschaft, da erstens jeder Arbeiter von der Arbeitslosigkeit bedroht ist, die Unter- stützung also für jeden zur Schicksalsfrage werden kann und da zweitens jeder Abbau der Leistungen eine Erschwerung im Kampf um erträgliche Arbeitsbedingungen bedeutet. Zum Unterschied von der Sozialdemokratie wollen andere Parteien diese günstige Lösung nicht; denn sie vertreten nicht die Arbeiter, sondern jene Schichten, die das„Berliner Tageblatt" etwas schamhaft„die gewerblichen Kreise" nennt, nämlich die Unternehmer. Das tritt in dem Verhalten der V o l k s p a r t e i be- sonders kraß in Erscheinung. Nachdem der Plan, die Saison- arbeiter völlig schutzlos zu machen, mißlungen ist, kommt sie jetzt mit neuen Anträgen. Unter dem Vorwande, daß die Kontrolle des Beschäftigungsverhältnisses unmöglich ist, sollen die Heimarbeiter aus der Versicherung herausgenom- men werden. Man will also das Elend der Heimarbeiter ver- größern. Auch die Arbeitnehmer mit einem Verdienst bis zu 10 Mark wöchentlich, alle jugendlichen Arbeitnehmer unter 18 Jahre und alle Erwerbsbeschränkten bis zu 50 Proz. sollen schutzlos gemacht werden. Natürlich denkt man auch nicht daran, die Grenze der Invalidität entsprechend zu ziehen, obwohl das doch dann die notwendige Schlußfolgerung wäre. Nicht genug damit, soll auf dem Umwege, daß der Arbeitslose von der Familie unterhalten werden kann, die Bedürftigkeitsprüfung eingeführt werden. Die Bolkspartei hat gleichzeitig ein neues System zur Herabdrückung der Unterstützungssätze aus- geheckt. Alle Arbeitslosen, die vor Eintritt der Arbeitslosig» keit über 39 bis 51 Wochen gearbeitet haben, erhalten nur 75 Proz. der gegenwärtigen Unterstützungssätze, werden weniger wie'39 Wochen Arbeit nachgewiesen, gibt es nur 50 Proz. Unterstützung. Im letzteren Falle würde das für einen Verheirateten mit Frau und zwei Kindern in den mitt- leren Lohnklassen 5 und 6 einen wöchentlichen Unterstützungs- satz von 7,43 M. bzw.�9,08 M. bedeuten. Infolge dieser geplanten allgemeinen Herabdrückung der Unterstützungssätze ist nach Meinung der Volkspartei die Herausnahme der Saisonarbeiter nicht mehr nötig: für diese soll dann nur noch die W a r t e z e i t auf 3 Wochen verlängert werden. Bei solchen fürstlichen Unterstützungs- sätzen braucht der Saisonarbeiter in den ersten 3 Wochen über- Haupt nichts. Bei dieser Patentlösung soll auch die Ver- schiebung der Lasten auf die Wohlfahrtspflege vermieden sein In Wahrheit ist bei diesem System die Belastung der Ge- meinden noch größer, denn diese Unterstützungssätze bleiben weit unter den Richtsätzen der Wohlfahrtspflege, die Gemein- den würden also ganz allgemein ergänzend einspringen müssen. Ein Verdienst wird man den Vorschlägen der Volkspartei nicht absprechen können: sie zeigen, wohin die Reise gehen soll. Woher die Mehrheit kommen soll, die sich diese Vorschläge zu eigen macht, bleibt freilich im Dunkeln. Tatsächlich bedeuten sie eine außerordentliche Erschwerung jeder im Rahmen der Vernunft und der Menschlichkeit bleibenden Reformarbeit. Sie zeigen zugleich, wie weit dieses Problem noch von der Reife ist und wie unmöglich das Verlangen der Demokraten ist, es noch in diesem Sitzungsabschniit des Reichs» tags lösen. Nebenbei sei bemerkt, daß die Vermutung des„Verl. Tagebl.", die Sozialdemokratie wolle durch Zugeständnisse an schutzzöllnerische Wünsche eine Entgegenkommen der Deutschnationalen in der Arbeitslosenfrage erzielen, blanke Phantasie ist. Die Stellung der Sozialdemokratie zu den Agrarfragen ist durch ihr Agrarprogramm gegeben. Im übrigen beruht die Kombination des demokratischen Blattes auf der Annahme, die Deutschnationalen könnten einer den Arbeitslosen günstigen Lösung mehr guten Willen entgegen- bringen als die wirtschafts l i b e r a le n Parteien. Diese Kombination ist für Demokraten und Volkspartei nicht gerade schmeichelhaft./ Bei solchem Stande der Dinge ist es eigentlich selbstver» ständlich, daß erst das Ergebnis der von der Reichsanstalt ein- geleiteten Erhebungen abgewartet wird, bevor man entschei- dende Beschlüsse faßt. Erste Resultate werden jetzt im„Reichs- Arbeitsmarkt-Anzeigcr" verösfentlickst. Insgesamt sind über 2 Millionen(2 064 000) in der Arbeitslosenversicherung und in der Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit unter- stützte Arbeitslose erfaßt worden, von denen etwa die Hälfte(51,2 Proz.) den sogenannten Saison- berufen zuzurechnen ist. Die knappere Hälfte(48,8 Proz.) ist aus Gründen der Konjunktur oder der strukturellen Der- änderungen der Wirtschaft arbeitslos geworden. Bei drei Vierteln(rund 1 528 000) von diesen über 2 Millionen Ar beitslosen konnte auf Grund der bei den Arbeitsämtern vor handenen Akten das Arbeitsschicksal vor dem Zeitpunkt der Arbeitslosmeldung auf ein Jahr und länger zurückverfolgt werden, während für den Rest die aktenmäßiaen Unterlagen für eine lückenlose Feststellung des Arbeitsschicksals eines ganzen Jahres nicht ausreichten. Bei der Untersuchung der Frage, wie lange die 1 528 000 unterstützten Arbeitslosen vor ihrer Arbeitslosmeldung tatsächlich in Arbeit gestanden haben, ergab sich, daß fast 400 000(27,2 Proz) Arbeitslose während des ganzen Jahres vor der Arbeitslosmeldung, ferner über 500 000(35,2 Proz.) � Jahr und länger, weitere 500 000 (34,5 Proz.) über X bis zu% Iahren und 45 000(3,1 Proz.) genau'/j Jahr gearbeitet haben. Man hat über„Gefährdung der Arbeitsmoral" geklagt und Herr v. R a u m e r hat im Reichstag das niedliche Mär- chen von den Arbeitern erzählt, die 26 Wochen im Jahr ar- bciten, um sich die anderen 26 Wochen in der„Wissenschaft vom Stempeln" zu üben. Die Statistik spricht eine ganz andere Sprache, sie beweist, daß— von Einzelfällen natürlich abgesehen— jeder arbeitet, wenn er zum Ar- beiten Gelegenheit hat. Sie legt Zeugnis ab von dem Arbeitswillen des Volkes und seinem gigantischen Kampf gegen die Not. Ihm in diesen» Kampf zur Seite zu stehen, betrachtet die Sozialdemokratie als ihren Beruf, dessen Pflichten zu erfüllen sie sich durch nichts hindern lassen wird! Genossenschastspräsideni Or. Hermes. Oer genossenschaftliche Sinheitsverband auf dem Morsch. Die von den Organisationen des landwirtschastlichen Genossenschaftswesens gebildete Einigungskammission trat gestern unter Vorsitz des Präsidenten der Preuß. Zentrol-Genossenschasts- fasse erneut zusammen. Der Entwurf der Satzungen des genossen- schaftlichen Cinheitsuerbandes wurde endgültig fertiggestellt. E» wurde weiterhin Ilebereinstimmung dahin erzielt, daß die Nationali- sierungsmaßnahmen des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens unabhängig von dem jeweiligen Stand der Verhandlungen über die Konstituierung des Einheitsoerhoirde» so�igesetzt werden. Die Verhandlungen über die Besetzung der Aemter des Einheitsoerbandes wurden unter Vorsitz de« Neichsminister« für Er- nährung und Landwirtschaft sortgesührt. Vom Neichsernährungs- minister wurde de» Genossenschaftsorganisationen ein Borschlag unlerbreitet, daß der Reichsverdaiid der deutschen landwirtschastlichen Gcnossenschasten als stimmberechtigten Ehrenpräsidenten Geh. Landesökonom ierat H o h« n e g g- München stellt, zum geschäftsführenden Präsiden ten Reichs- minister o. D. Hermes, während Regierungspräsident z. D. v. Bronn und ein weiterer vom Reichsverband zu bestimmender Herr stellvertretende Präsidenten werden. Für die Gcneralanwalt- schast wurden die Herren Regierungsrot Vennes und Schmidt vorgeschlagen. Flucht aus der KPN. Sie bleibt allein mit den Unorganisierten. Leipzig. IS. Juni.(Eigenbericht.) Der Betriebsratevorsitzend» der Großen Leipziger Straßenbahn imd Mitglied des Leipziger Stadtverordnetenkollegium, Kästner, der früher der KPD. und später der Opposition angehörte, hat am Mittwoch seinen Austritt au» der KPD. erklärt und ist der So- zialdemokratte beigetreten. In einem Schreiben an den Vorsitzenden der SPD. Leipzig erklärt er wSrtllch: „Wenn für uns, die au, der KPD. ohne Gmud Hinausgewor. fenen, vor dem Parteitag in Berlin nach«in Hoffnungsschimmer vorhanden war. daß die Partei, insbesondere die Delegierten de» Parteitags erkennen werden, wo die Moistrotegi« bewußt oder um bewußt hinführen muß, so ist auch dies« Hoffnung restlas begraben. Der 12. Parteitag der KPD. hat zu Gewerkschastssrogen Beschlüsse gefaßt, die antigewerkschaft Uch e und arbeiterfeindlich« Folgen nach sich ziehen müsten. Anstatt die Einheitsfront de? Arbeiter mit allen Mitteln zu fördern, insbesondere die Un» organisierten der Gewerkschaft zuzuführen, stützt man die Un- organisierten in ihrem Verhalten de» Beiseitestehens." Köhler Finanzamispräfident. Wenig Sympathien in Württemberg. Stuttgart. IS. Juni.(Eigenbericht.) Als B r ä s i d e n t de« seit langem verweist«« Finanzamtes für Württemberg und Hohenzollcrn soll nach zuverlässigen Verlautbarungen der srühcrc Reichssinaiizminister K v h l tt in Vorschlag gebrocht werden. In parlamentarischen Kreisen l'erweist man demgegenüber darauf, daß es durchaus mög- lich sein müßte, einen geeigneteren Mann für dieses Amt ausfindig zu machen. Köhler besitzt selbst in württembergischen Zentrums- kreisen u>cnig Sympathien. Der llbekredacieur des..ttonomiischeskaja Schisuj". der amtlichen Wirtsäiaslszeilung Krumtn. der tm Jahr« IS28 als An- lläger im Schachty-Prozcß gegen die Deutschen ausgetreten war, wurde seiner Stelluag wegen seiner Angehörigkeit zur Recht»- epposition enthoben. Zu seinem Nachfolger ist Smettow ernannt morden. Deutsch für Soldatenwahlrecht. Ein Irrtum Groeners berichtigt. Leipzig, IS. Juni.(Eigenbericht.) Der bekannte österreichische Sozialist Julius Deutsch befindet sich zurzeit in Leipzig und hat der„Leipziger Doltzzeitung" zu der Erklärung Groeners im Reichstag« folgende Erklärung übermittelt: „Die ich aus den Zeitungen entnehme, hat Reichswehrminister Groener sich in der Auseinandersetzung im Reichstage über die polittfchen Rechte des Soldaten auf mich berufen. Was Groener mit dieser Berufung gemeint hat, ist mir nicht ganz klar geworden, aber soviel läßt sich aus den Berichten entnahmen, daß er ofsenbar sagen wollte, meine Erfahrungen mit dem Wahlrecht der Soldaten seien nicht ganz zufriedenstellend« gewesen. Demgegenüber möchte ich vor allem feststellen, daß es sich hier, wie mir scheint, um zwei sehr verschiedene Ding« handelt, nämlich um das Recht der Soldaten, sich Vertrauensmänner zu wählen, und um das politisch« Wahlrecht der Soldaten. Was dos erster« anbelangt, so haben wir in Oesterreich ein Wahl- system, das jedem Mißbrauch der Gewalt des Vorgesetzten die Tür offen läßt. Gegen dieses Wahlsystem, das die geheim« Wohl nicht verbürgt, und den Terror der Vorgesetzten ermöglicht, habe ich mich— was wahrscheinlich nicht verwunderlich ist— mehrmals ausgesprochen.-Dagegen Hab« ich niemal» ein Wort gegen das politische Wahlrecht der Soldaten gesagt, sondern im Gegenteil«» stets mit der größten Wärm« verteidigt. Das polittsche Wahlrecht der Soldaten erscheint mir al» ein Erfordernis der Demokratie. Eine wahrhaft demokratische Verfassung darf die Männer, die berufen sind, die Waffen zu tragen, nicht als Staats- bürge? minderen Rechts behandeln. Sie muß ihnen gber nicht ollein aus formalen Gründen die vollen Staatsbürgerrechte geben, sondern im wohwerstandenen Interesse der breiten Masten des Volkes, die durch keinerlei Scheidewand von den Soldaten getrennt werden sollen. Di« praktischen Erfahrungen, die wir mit dem politischen Wahl- recht in Oesterreich gemacht haben, sind in dieser Beziehung keines- wegs unbefriedigend. Auch eine Lockerung der militä- rifchen Disziplin war nicht zu merken. Uebrigens hat ja nicht Oester- reich allein da, Soldatenwahlrecht. Auch die Schweiz, die skandinavischen Länder und England besitzen es, ohne daß sich dort ernstere Mißstände ergeben hätten. Die Reaktion ist in diesen, wie in allen Ländern gegen jedes polittsche Recht der Soldaten, weil sie hofft, die wohllosen Waffenträger leichter zu einem willenlosen Instrument ihrer Klassenpolittk machen zu können, als Soldaten, die im vollen Besitz der Staatsbürgerrechie sind." Die Reichsreform. Die Vorschläge über die Zuständigkeiisverieilung. Im Auftrage der Unterausschüsse der Länderkonferenz haben im März d. Js. die vier Referenten Brecht, Poetzsch-Heffter, Bolz und Petersen ihre Bor schlage über die Neuorganisation des Reichs eingereicht. Jetzt wird als wichtigste Ergänzung das Referat über die Zuständigkeitsverteiluna bekanntgegeben, das Minister a. D. K o ch- Weser(vom Reich bestellt), Ministerial direkter Dr. Brecht(Preußen), Minister Dr. R e m m e l e (Baden) und der Landeshauptmann der Rheinprooinz Dr. Horton(als Sachverständiger zugezogen) gemeinsam er- statten. Nach dem Organisationsreferat sollte die p r e u ß i- sche Zentralregcerung mit der Reichsregie- rung vereinigt werden. Dieser Zentralregierung sollten überall Gebiete von der Größe der preußischen Provinzen und der größten außerpreußischen Länder gegenüberstehen, die einheitlich in einem weiteren Sinne den Namen„Länder" führen sollten. Damit waren, wie Koch-Weser sagte, gewisser- maßen Kästen aufgestellt: die Beurteilung hing davon ab, was man hineintat. Die Borschläge dafür zu machen, war Aufgabe des Zuständigkeitsreferats. Dieses Referat liegt nun- mehr vor. Es schlägt keine völlig geichmäßige Ausge- staltung der Zuständigkeit vor, sondern will für die vier Länder Baden, Bayern, Württemberg und Sachsen Sonderrechte schaffen. Darüber heißt es in den Vorbemerkungen: „Als Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung sollen also im bisher preußischen Gebiet In weiterem Umfang« als im Süden verwaltungszwelge in zentral geleiteter, unmittelbarer Staatsverwaltung(künftig Beichsverwoitung) bleiben. Landeshauptmann und— vorbehaltlich der Namensfrage— Oberpräsident bzw. Regierung sollen dort weiter nebeneinander stehen. Darüber, ob diese Beibehaltung einer zentral geleiteten un- mittelbaren allgemeinen Verwaltung auf die Dauer erwünscht ist oder nicht, sind unsere Ansichten geteilt. Reichsminister Koch- Weser und Staatsminister Dr. R e m in e l« halten««für richtig, daß die Aufgohen der allgemeinen Verwaltung möglichst voll- ständig und möglich st bald auf die Verwaltung der Länder ühergeführt werden. Ministerialdirektor Dr. Brecht und Landeshauptmann Dr. H o r i o n würden einer solchen Tendenz widersprechen: st« halten die Beibehaltung einer zentral geleiteten allgemeinen Derwoltung mit den in den Borschlägen erörtertep Modifikationen noch den Erfahrungen in Preußen namentlich zum politischen Ausgleich zwischen West und Ost und mit Rücksicht auf die Erhaltung«ine» groß. staatlichen Beamtentums für glücklich und unentbehrlich." Der Dualismus, den diese Vorschläge herbeiführen wollen, soll verschärft werden durch den Wegfall der zwölf kleinen und mittler«n Länder. Darüber bejagt die Vorbemerkung: „Für die außerpre» ßifchen Länder außer den vier größten legen wir keine besonderen Vorschläge hin- sichttich der Zuständigkeit vor. Bei allen diesen Ländern wird eine Verschmelzung mii den umliegenden Gebieten in größerem oder geringerem Umfange notwendig. um für die verschiedenen Verwaltungen leistungsfähig« Mittel- instanzen mit wirtschaftlich zweckmäßigem Zuständigkeitsbereich zu schaffen. Anerkennenswerten besonderen Bsdürfniflen und notllr» lickx-n Ausgaben kann, wi« auf dem Gebiet des Finanzausgleichs. nötigenfolls auch auf dem der Zuständigkeitsverteilung Rechnung ge- tragen werden." Die eigentlichen Vorschläge für die Neuregelung der Zu- ständigkeit unterscheiden zwischen unmittelbarer Reichsverwaltung und fs�b ständiger Landes- Verwaltung. !5nmitielbarc Reichsverwalwng. 1. bis 6. Auswärtiges, Heer und Marine. Post. Eisenbahn, Münzwcsen, Finanzoerwaltung nach dem Stande der Gesetzgebung: 7. die Verwaltung des Reichsvermögens, einschließlich des bisherige preußischen Staatsvermögens, soweit sie nicht den Ländern übertragen wird: 8. die Bauverwaltung des Reich», soweil sie nicht auf- tragsweis« den Ländern übertragen wird: 9. die Forderung der deutschen Geiaintwirtschofl. die allgemeine Regelung und Förderung des Außenhandel» sowie die grmeiilwirtichafi.'ich« Aufsicht über Kartelle, Kohlen, und Kaliwirtschasl, privnies Versicherungsw�en usw. nach Maßgabe der Reichsgesetz«: 10. die im Gesamtinteress« erforderlichen zentralen Einrichtungen auf dem Gebiet der Ar» beitsverwaltung und der Wohlfahrtspflege, also Reichsversicherung»- amt, Reichsversorgungsgericht, höchste Instanz für Arbeitsoer- mittlung usw. sowie das Schlichtungswesen; 11. die Justizverwal- tung, unter weitgehender Dekonzentration der Iuskfzverwaltung auf die Oberlandesgerichte(Minister Remmele hält diesen Vorschlag, in dem die drei anderen Referenten übereinstimmen, zwar für sehr er- wägenswert, stellt aber anHeim, sich damit zu begnügen, die Justiz» Verwaltung unter die folgend« Kategorie einzuordnen); serner. vorbehaliltch der besondereil Rechte für die vier Länder; 12. die Polizeiverwaltnng, insbesondere Sicherheitspolizei, Kriminal« polizei, Fremdenpolizei usw., soweit sie nicht den Ländern oder der kommunalen Selbstverwaltung übertragen wird: desgleichen die Luftverkehrspolizei: l3. die Hoheitsaufsicht über die Gemeinden, soweit sie nicht den Ländern übertragen wird; 14. die Gewerbe- aufsicht, soweit sie nicht austragsweise den Ländern übertragen wird; IS. die kirchlichen Angelegenheiten, die wissenschaftlichen, bisher staatlichen Anstalten und die staatlich« Schulaussicht, soweit sie nicht den Ländern oder der kommunalen Selbstverwaltung übertragen werden: 16. die Verwaltung der Wasserstraßen, soweit sie nicht den Ländern übertragen wird. Gelbständige Landesvenvaliung. (soweit nicht nach Reich s- oder Landesrecht der kommunalen Sechst- oerwolwng obliegen). 1. Die Wohlfahrtspflege einschließlich der üstentlichen Fürsorge, insbesondere Durchsührung der Fürsorgepflichtverovdmrng:% Gesundheitsfürsorge(unter Ausanmiensassung mit der Arbeit der Landesvetfichermigsonstalt auf gleichem Gebiet: 3. Jugendfürsorge: 4. Wohnungssürsorge(m Verbindung mit der Landesversicherungs- anstalt): 5. die Landesfinanzen. Die Verwaltung van Landes- abgaben kann, wie bisher, der Reichsverwaltung übertragen werben: 6. die landwirtschaftliche Verwaltung(unbeschadet der dem Reich zu- stehenden Förderung der Gesamtwirtschast) einschl. Siedlung, Melio» rationcn, Landeskulmrämtcni, soweit die Verwaltung nicht beruft* ständischen Organisationen überlassen wird: 7. die überörtliche Landesplanung. d. h. die Verteilung von Bau-, Grün, und Verkehrs- flächen: 8. dos Verkehrs- und Wegewesen, vorbehaltlich der Reiche regierung des Eisenbahn-, Luft- und Krastwageiwerkehrs: S. Denk, malspflege und Heimatschutz sowie ferner 10. olle von der Reichs» oerwottung nicht rechtens in Anspruch genommenen Angelegenheiten. für die keine ausschließlich« Zuständigkeit des Reiches gesetzlich oe- gründet ist, insbesondere auf dem Gebiet der Wirtschaft und Verkehr, von Kultur und Volksbildung. Gozialbehörben und Landesverwaltung. Die Reichsorbeitsverwaltung. die Reichsversicherung»' und di« Reichsversorgungsverwaltung sind, soweit es ohne Schädigung ihrer Aufgaben möglich ist,- in der Mittelinstanz mit der Laudesverwaltung und in der Sri- Nchen Zustauz mit den Land«' und Kommunaibehörden enger als bisher zu verbinden. Dies verhindert nicht, daß di« Eelbstverwaltungskörpcr der Versicherungsträger bestehen bleiben, und d'« ihnen zu- stehenden Enttcheidungen treffen. Diele sind ober a» s z n f ü h r e n von den Verwaltungsstellen der Länder und Gemeinden oder von Stellen, die mit ihnen verbunden sind. Das Gonderrecht der vier Länder. Die vier Länder Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg sollen ein Sonderrecht besitzen zunächst auf d:m G e- biet der Gesetzgebung. Die Vorschläge besagen Den neugcbildelen Ländern(den ehemaligen preu- ßischen Provinzen und den 12 verschiodensten Ländern) steht eine getrennt« Gesetzgebung nur zu. soweit sie' ihnen besonders übertragen wird. Di« Länder Bayern, Sachsen, Württemberg und B-iden behalten das Recht der Gesetzgebung insoweit, wie es chnen zurzeit nach der Reichsveriassung zusteht. Zu den Angelegenheiten der G r u n d s a tz gefetzgehnng des Reiches nach Art. lO RV. treten jedoch hinzu: da» allgemein« Per- wallungsrecht und der Derwallungsaufbou der Länder: da» Prüfungswefen und di« Anerkennung der Prüfungen sowie die Gomeindeverfassung. 9 Das Sonderrecht auf dem GcbietderBerwaltung besteht in folgendem: Den Ländern Bayern. Sachsen. Württemberg und Boden steht es frei, die unter Nr. 12 bis 16 genannten Lernailungszweige (Polizei, Hoheitsaussicht über die Gemeinden, Schulaufsicht, Gewerbeaufsicht, Waren st«uervcr- waltung) oder einzeln« von ihnen in selbständiger Der, Marineabrüsiung. „Die Abrüfiung kann nur von Politikern, nicht von Dkarinrfachteuten zustande gebracht werden." Noischofter Dowe«. ,m... uäh... die Onkels wollen mir mein Schiffchen wegnehmen!" waltung oder Auftragsoenvaltung zu behalten. Hierzu bedarf e» eines Beschlusses des Landtags mit einfacher Mehrheit. Auf gleiche Weise kann der Beschluß aufgehoben werden. Das Sonderrecht für die vier Länder soll durch besondere Verfassungsbestimmung gesichert rierden. Die Art dieser Sicherung soll der politischen Ent- scheidung überlassen bleiben. Offenbar ist nicht an ein Reser- rat im Sinne der alten Verfassung gedacht, wonach nur mit Zustimmung jedes einzelnen Landes eine Aenderung möglich war, sondern an das Erfordernis einer besonders qualifizier- ten Mehrheit. Zusammenfassung. Die Vorschläge führen unter Anknüpfung an die bestehen- den Verhältnisse zu einer weitgehenden Vereinfachung. Die beiden Regierungen in Berlin werden vereinigt. Die zwölf kleinen und mittleren Länder fallen fort oder verlieren ihren Sondercharakter in der heutigen unorgant- schen Gestalt. In den preußischen Provinzen fällt die Drei- t eilung, Reichsbehörden, Staatsbehörden und Provinzbehör- den fort und verwandelt sich in eine organische Zweiteilung: Reichsbehörden, Landes-(Provinzial')bshörden. Im Norden und Süden wird die gesamte Sozial- und Qohlfahrtsverwaltung vereinigt. Kleine Reichssonderoerwal- tungen fallen überall fort. Die selbständige Kulturverwoltung der süddeutschen Län- der bleibt erhalten. Der entscheidende Einfluß des Reichs in gesamtwichtigen ssragen(Wirtschaft, Gewerbeaufsicht, Kriminalpolizei, Frem- den-, Luftverkehrspolizei, Grundsätze des allgemeinen Ver- waltungsaufbaus und der Gememdeverfassung, evtl. Justiz) wird überall gesichert. Möglichkeiten weitergehender Dezentra- lisation werden der Reichsgesetzgebung gewahrt. Soweit in den Ländern eine allgemeine oder be sondere Reichsverwaltung besteht, ist sie m L g l i ch st z u d e- konzentrieren, d. h. jede oberste Reichsbehörde muß in weitestem Umfange die Entscheidungen auf die örtlichen Reichsbehörden in den Ländern übertragen. Kein Zweifel, daß diese Vorschläge die politische Lösung des Problems der Reichsreform wesentlich vorbereiten belfen. Begrüßenswert ist an ihnen vor allem die einheitliche Linie der starken Reichsgewalt. Zunächst wird nun die Lä n d e r k o n fe re nz sich nochmals mit den Dingen be- fassen, und zwar am 5. Juli. Dann hat die R c i ch s r e g i«- r u n g das Wort zu amtlichen Vorschlägen. Der Tod des Nationalsozialisten Das Snde eines Halenkreuzlerschwindels. Der Tod des Nationalsozialisten Kütemeyer ist monatelang von seinen Parteifreunden zu wüstester Hetze ausgenutzt worden. Nach der nationalsozialistischen Darstellung soll Kütemeyer, aus der Hitleroersammlung im Sportpalast heimkehrend, von„Marxisten" überfallen, blutiggeschlagen, verfolgt und schließlich im Landwehr- kanol ertränkt worden sein. Di« gestrige Gerichtsverhandlung hat die Hakenkreuzer-Legende durchleuchtet und— sieh« da jedes einzelne Glied dieser Dar- stellüng hat sich als erlogen und falsch erwiesen. Zunächst: Die„Rückkehr" Äutemeyers aus der Hitlerversammlung war«ine ziemlich ausgedehnte. Im Augenblick des Zusammen. stoße? dauerte diese 5)«imkeht bereit» in die viert« Stunde! Sie bestand in«in«r ausgedehnten Bierreise Kütemeyers und seiner Begleiter, durch die man bereits in„leicht animierte" Stim, mung geraten war. In diesem Zustand treffen Kütemeyer und seine Begleiter aus eine Abteilung Straßenarbeiter, die— um 3 Ilhr nachts— sich zu ihrer Essenspause versammeln. Der gesunde Menschenverstand wird an sich schon leicht erkennen, wer in solcher Situation mit Streitereien ansängt: der abge- arbeitete Proletarier, der froh ist, nach schwerer Nachtarbeit ein paar Minuten ausruhen zu dürfen, oder d«r müßiggehend«, angeheiterte Nachtschwärmer, dessen Hirn Bier- und Hitl«rphrasen um- nebeln?! Das Gericht hat die Frage eingehend geprüft und— auf das Zeugnis eines unbeteiligten Zeugen hin festgestellt, daß die Hitlcrleute mit Hänseleien und Tätlichkeiten be- gönnen haben. Erst hierdurch gereizt, haben die Arbeiter zu Steinen gegriffen, wobei sie noch Ansicht de» Gerichts allerdings über das«rlavbte Maß der Abwehr hinausgegangen sind. Fanatisierte„Marxisten", die keinen Hitlermann sehen kannten, ahne tätlich zu werden?— Nicht das mindeste davon! Gänzlich unpolitisch« Proletarier, die in ihrer Essenspauss nicht von wildfremden Rowdys gehänselt und gestört sein w o l l t« n! Es ist merkwürdig: sonst betonen die Herren Nazi» mit Torlieb«, daß die Sozialdemokratie durchaus nicht das Recht habe, Vi« Vertretung der g e s a m t e n Arbeiterschast zu beanspruchen, weil doch n i ch t a l l« Arbeiter Marxisten seien.... Lassen sich aber ein paar zstnz unpolitische Straßenarbeiter nicht lammes- geduldig von Nationalsozialisten venilken und prügeln, dann ist bereits ihr„Marxismus" erwiesen! Bei dem von ihm provozierten Gefecht hat.Kü»«meycr einig« Berwundungen davongetragen,' die durchaus nicht über das Maß der bei einer Schlägerei üblichen Verletzungen hinausgingen. Erst volle eineinhalb Stunden nach dem Zusammenstoß ist K. in den Kanal gestürzt. Weshalb, das weiß bis heute niemand. Es kann sehr wohl der Alkohol an seiner Benommenheit schuld ge- wcsen sein. Jedenfalls ist ein u r I ä ch l i ch e r Z u s a m m e n h a n g zwischen dem Sturz in» Wasser und der lang? Zeit vorangegangenen Schlägerei nicht erwiesen. Die Propaganda der Hakenkreuzler hat hier genau ebenso den Sachoerhalt umgedreht wie im Fall« des nor einigen Jahren bei einer Schlägerei zu Tod« gekommenen Nationalsozialisten R e n v ym Falle Renz ist durch da, Gericht völlig einwandfrei festgestellt worden, daß der nationalsozialistische Haufe, zu dem Ren, zählte, brutal und unprnooziert«in Arbeitervergnügen überfallen hat. M-hrere der beteiligten Hakenkreuzler sind w'gen Landsrirdensbruchs verurteilt worden. Daß Ren, bei der Abwehr des Ueberfalles einen tödlich wirkenden Schlag erhielt, kann nicht das mindeste an der Tatsache ändern, daß er sich unter den Angreisern befand. Trotzdem wird Renz in den Reden und parlamentarischen Anfragen der Nationolsozialitten noch heute als„unschuldig ermordet" be- reichnrl. Grnau so Kütemeyer! Renz wie Kütemeyer sind be- klaoenswert« Op'er der van den Nationalsozialisten eifrig qcpsleaien und p-opeaierten Nauflust. E, bat sich an ihnen lediglich die Er. lahrung b«wahrh«it-t. daß. wer G-sahr-n sür andere herausbc- schwört, zuweilen selber dorm umkommt. Die Angehörigen der mißleiteten jungen Leute sind gewiß tief zu bedauern: doch die moralisch« Schuld an Trauer und Tränen tragen allein die nationalsozialistischen Prediger des Rowdytums und der Gewalttätigkeit. Aegyptische Zensur der Auslandspresse.— (Bon unserem Orientkorrespondenten.) Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, daß die Ausweiskarts des Journalisten das„Sesam-öffne-dich" für olle Pforten ist. Diese Lorstellung ist jedoch relativ, denn das Zaubermittel kann auch unter Umständen, wie die folgende Geschichte zeigt, die Funktionen eines roten Tuches ausüben. Der Besitz eines solchen Talismans er- weist sich dann als die Ursache von Unbequemlichkeiten, namentlich in Fällen, wo die Wißbegier des Journalisten mit dem IDunfch einer Regierung kollidiert, Borgänge aus ihrem Machtbsreich der Oeffent- lichkeit zu entziehen. Dos augenblicklich in Aegypten am Ruder befindliche Kabinett Mohammed Mahmud Poschs scheint dos Bedürfnis hierzu in hohem Maße zu hoben. Aegypten leidet seit Jahren an einer hysterischen Furcht, durch den Bazillus der sozialen Revolution infiziert zu werden. Wie die sozial« Revolution eigentlich aussieht und wer ihre Träger sein können, darüber herrscht in Aegypten nicht gerade große Klarheit. Real drückt sich dieler Zustand in der krampshasten Furcht vor bolschewistischer Propaganda au». Die ägyptische Regierung Hot zu diesem Zweck ein« kostspielige Abwehrorganisation geschosf«», die einigen.zaristisch gesinnten Russen die Gelegenheit gibt, ein ebenso sorgloses wie idyllisches Dasein zu sichren. Schon die Tatsache, in Rußland oder Polen geboren zu sein, genügt, um selbst den Inhabern von englischen und amerikanischen Pässen bei Reisen nach und durch Aegypten die größten Schwierigkeiten.zu machen. Wie stets in solchen Fällen ist der Begriss des Bolschewis mus ein höchst dehnbarer und ein willkommener Borwand, die Ab- wchrmittel gegen die kommunistische Gefahr auch aus andere nach Ansicht der ägyptischen Regierung mißlielüge Persönlichkeiten «».zuwenden. Die Nervosität der ägyptischen Regierung ist äugen- blicklich wieder besonders groß. Trotz aller Schikanen ist es Mo- bammed Mahmud bisher nicht gelungen, der w o f d i st i s ch e n Opposition Herr zu werden. Zeitungsoerbote, direkte und indirekte Verfolgung der Anhänger des parlamentarischen Systems haben sich bisher als wirkungslos erwiesen. Seit dem Sieg der englischen Arbeiterpartei haben sich die L c r l e g e n b e i t e n der Anhänger des Systenw der vertchleierten Diktatur noch erhöht, weil ihnen die AufrechtMial- tung der Fiktion, daß die politische Freiheit in Aegypten trotz der ?lbschassung der Volksvertretung nicht im mindesten bedroht ist. immer schwieriger wird. Zu diesem Zmeck wird eifriger al» bisher versucht, die Verbindungen der Opposition mit dem Ausband« zu stören. Wie sich die politische Welt Europas in den Köpfen der ägyp- tischen Staatsmänner spiegelt, sei durch ein kleine» Erlebnis dar- gestellt. Als ich als O r i c n t k o r r e s p o n d e n t d e r SPD. im vnrigen Jahre das Bis um nach Aegypten verlangte, forderte der ägyptische Generalkonsul in Jerusalem de« schriskltchen Nachweis des deutschen diplomatischen Der- treter», daß die Sozialdemokratische Partei Deutschlands nicht ldeulisch sei mit den russischen Kommunisten. Die Beteuerung, daß die deutsche Sozialdemokratie und die englische Arbeiterpartei politisch wie geistig die gleichen Ziele hatten, genügte dem ägyptischen Oipiomalen nicht. Der deutsch« Generalkonsul war daher wider allem Brauch zur schriftlichen Bestätigung Ein Möchtegern-Muffolim im Kerker. Das Ende Prag, 19. Juni. Der ehemalige Generolstabschef Generai Rudolf Ga>da hat'« sich heut« nor dem Präger Kreisstrafgericht wegen Mitschuld an dem am 23. August 1V27 ersolgten gewaltsamen Eindrin- gen von Faschisten tn die Villa des Ministerialrats im National- verteldigungsministerium Dr. Boifel zu verantworten. Di« Ein- dringlinge wollte» sich damals eines Teil der Akte» de» Disziplinarverfahren» gegen Gajda und hanptsächlich eines Schreibens bemächtigen, weiches der Präsident der Republik an Dr. Barel gesand! haben sollte. Der heulige Prozeß ist bcrri«» der dnlte. oer in dieser Angelegenbeit gelührt wird. Im ersten. Im Johl« 1bZ7, verhandelten Prozeß wurden die unmittelbaren Teilnehmer an den, Einbruch in der Lilla verurteilt. Später wurde auf Grund von Angaben aus den Reihen der Teilnehmer gegen 13 weitere Personen ein Gerichtsverfahren durchgeführt, das im April diese» Jahres mit der Verurteilung von süns der AngeNagten zu Abenteuer. Ein Generalkonsul bescheinigt. dieser Erklärung genötigt, obwohl die politische Aufklärung von Kollegen nicht eigentlich in den Bereich seiner Tätigkeit fällt. In diesem Jahre hat sich das gleiche Spiel in noch unange- nehmerer Form wiederholt. Die Lage in Aegypten, über die selbst in die Nachbarländer nur verschwommene Mitteilungen dringen, sowie der Eindruck des Vertrages mit England aus die ägyptische Ocsfentlichkeit schienen eine Information an Ort und Stelle nötig zu»lachen. Ich setzte miä, brieflich mit drei Persönlichkeiten aus ollen Lagern der ägyptischen Politik in Verbindung und ersuchte sie um Interviews: Mit den, englischen'Obcrkommissar in Aegypten Lord Lloyd, den, Ministerpräsidenten Mohammed Plah» mud und dem Führer der Opposition, dem ehemaligen Minister- präsidente» Mustapha Nahas Pascha. Nahas Pascha er- klärte die Bereirschosi zu einer llnterredimg. Von Mohammed Mahmud kam überhaupt kein« Antwort, während Lord Lloyd höflich mit der Begründung ablehnte, daß er prin- z i p i e l l keine Interviews gewähre. Ich gab mich mit der Er, klärung des möchtigsten Mölmes in Aegypten zufrieden, da e.r noch immer so naiv ist zu glaubcir, daß an dem Wart eines Großen nicht � zu drehen und zu deuteln ist. Ich war allerdings sehr überreicht zu erfahren, daß der englische Oberkommisiar seinem Prinzip sehr schnell untreu geworden ist, da er kaum zwei Wochen noch diesem Bescheid den Vertreter de» „Berliner Lokal-Anzeiger" z» einer Unterredung empfing. die er mir als dem Korrespondenten de» SPD. verwelgerl hatte, lieber seelische Bindungen läßt sich nicht streiten, aber es läßt sich dennoch sragen, ob dem publizistischen Vertreter einer Bru- derorgcnilation der gegenwärtig in England regierenden Partei nicht das billig war, was dem Repräsentanten d-r Hugenberg-Presse recht gewesen ist. Sowohl der deutsche Gcnerolkonsul i» Jerusalem, wie der deutsche Geschäftsträger in Kairo haben sich mit dankenswertem Eifer der Sache angenommen, als die ägyptische Regierung mir schließlich die Einreise nach Aegypten ohne Angabe von Gründen »erweigerte. Ihren Bemühungen ist es gelungen, diefe un- verständliche Maßnahme rückgängig zu»lachen, ober die agyp- tisch« Regierung bestand aus einer Erklärung, in der die Enthaltung van jedem p« r s ö n I j ch e n E i n g r i f s in die politischen Ange- legenheiten Aegyptens und jeder mündlichen und schriftlichen Pro- paganda geiordert wurde. Nach l�ltägigsm Hin und Her bequemt« sich das ägyptische Ministerium de? Innern endlich dazu,«in Vi s u m f ü r c i n c n M n n a t zu erteilen. Dieses„Entgegenkommen" wurde jedoch aus prinzipiellen Gründen abgelehnt, da jeder deutsche Staatsangehörige nach den zwischen Deutschland und Aeaypten be- steheirden Verträgen des Recht hat, ein Bifum aus ein 3ahr zu beanspruchen. Das Bevlialten der ägyptischen Regierung trägt osfensichtlich den Charakter einer Sabotage, denn trotz der dringlichen Iclegraphischen und telephonischen Borsiellungei, der deutschen diplo- matijchen Vertreter in Jerusalem und Kairo ist die Angelegenheit aus nichtigen Gründen von ägyptischer Seit« immer wieder ver» schleppt worden. Die ganze Einstellung der ägyptischen Behör- den bestätigt den von Ansang an vorhandenen Berdacht. daß der Sinn dieser sinnlos scheinenden Maßregel darin bestand,«in« Fühlungnahme m t dem Chef der ägyptischen Op> Position Nahas Pascha zu verhindern. 3 bzw. 4 Monaten Kerker und dem Freispruch der übrigen endet«. Das danach abgetrennte Nerfahren jeden Gajda und Dr. Brun- zovskn wurde nun durchgeführt. Gajda wurde wegen Beihilfe zum Verbrechen der Derhcimlichung von Indizien schuldig erkannt i-nd zu 2 Monate n K e> k e r. verschönt durch Fasten, und zum Erlaß ter Gericht- Zollen iiüdedino-t verurteilt, währe-h Dr. Bwan- zovsky, der der Mitschuld an dem gemeinsamen Eindringe» i» srcmdcn Besitz angeklagt war, freigesprochen wurde. Sowohl der Stoatsonwalt wie auch der Verteidiger des Angeklagten Gajda meldeten Revision an. Der volkswlrtschostl'che Ausschuß de» Reichxlaqs beschästigt« sich om Mittwoch mit dem chesetzentwuri über den Verkehr mit unedlen ?ll«lollen. Der Ausschuß lehnte den Reoieruvpsentwurs ab und nahm statt delien einen Antroa des Abg Dr. Reichen fDn-rtl.) an. wonach die geltende gesetzliche Regelung verlängert werden soll. Die Amsterdamer Polizei verhoslele am Mittwoch sechs Personen, die in der vergangenen Woche das Derlagsgebäud« der sozialistischen Tageszeitung ,Aat er gesagt, die Sozialdemokiatie hätte aus Haß gegen das alte System die Schuld- lüge anerkannt, also wir hätten eine, nach der Meinung Dr. Rade- möchcrs das deutsche Volk schwer schädigende Behauptung aus un- sachlichen Motiven, aus Haß gegen den alten Staat, gebilligt. Tat« fache ist aber, daß der damalige Reichskanzler Gustav Bauer jene Erklärung über die Schuldlügc abgegeben hat. auf die sich alle uachfolgenden Regierungen der letzten zehn Jahre berufen hoben: Tatsache ist ferner, daß die deutschnattonale Fraktion, als in der Nationaloerjommlung zweifelhajt war, ob eine Mehrheit für den Versailler Frieden vorhanden sei. erklären ließ, sie billigten jedem, der für die Vorlage stimmen würde, die vaterländische Ge- s i n n u n g zu. Das geschah in der ausgesprochenen Absicht, eine Mehrheit für die Annahme des Versailler Friedens zu schaffen. Wer mit solcher Leichtfertigkeit Behauptungen aufstellt, darf sich nicht wundern, wenn auch seine übrige Red« nicht sehr ernst gc- nommen wird.(Sehr wahr! links.) Er darf sich besonders nicht wundern darüber, wenn er eine Fraktton vertritt, die vor fünf Jahren bei der Entscheidung über die D a w e s- Vorlage sich den Vorwurf der ganzen Oeffentlichkeit hat gefallen lasten müssen, daß sie gegen ihre Ueberzeugung aus parteipolitischen Motiven gehandelt und gestimmt hat. Dr. Rademacher hat keinen Zweifel daran gelassen, daß seine Freunde keine andere und wichtigere Aufgabe sehen, als den Ab- bau der Leistungen der Erwerl'slofenversicherung.(Wider- spruch rechts.) Dr. Rademacher hat keinen Zweifel daran gelassen, daß ihm dies« ganze Einrichtung außerordentlich unsympathisch ist, und daß er die Verminderung der Leistungen als den einzigen Weg ansieht, das Reich' und die Wirtschaft von dieser Last zu befreien. Er hat selbst gesagt, daß nach seiner Beurteilung noch für lange Zeit mit einer starken organischen Arbeitslosigkeit zu rechnen ist. Darin liegt die Erkenntnis, daß aus allgemeinen wirtschaftlichen Ursachen große Massen nicht die Möglichkeit haben, ihrer Arbeitskraft zu oerwerten,(sehr wahr! links.) Dann aber ist es eine Selbstverständlichkeil, daß die Allgemeinheit, die daraus entstehende Last übernehmen muß. Die sozialdemokratische Fraktion hat wiederholt dazu Stellung ge- nommen, und gestern hat mein Freund Keil betont, daß wir die Sanierung der Erwerbslosenversicherung als dringlich ansehen, und daß, wenn die Erleichterung der allgemeinen Finanzlage uns eine gewisse Bewegungsfreiheit gibt, wir nicht daran vorbeigehen können, daß die Erwerbslosenversicherung auch Mittel der Allgemeinheit in Anspruch nehmen muß, wenn nicht andere Weg« gegangen werden können, um die Leistungsfähigkeit der Erwerbslosenversicherung auf- rechtzuerhallen. Den persönlichen Angriffen des Abg. Torgler gegen Beamte des Finanzministeriums können wir erst dann näher treten, wenn sie mit Beweisen belegt werden.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Allgemeinen Verdächtigungen, bei denen auch nicht der Versuch gemacht wird, irgendeine Unterlage beizubringen, halten wir iür vollkommen unzweckmäßig. Vielleicht hat Herr Torgler� diese An- griffe unternommen, weil er seinen Freunden eine Schwäche gezeigt hatte: auf einen Zuruf des Abg. Dr. Bredt hat der Abg. Torgler nämlich gesagt, seine Freunde hätten viel mehr mitgearbeitet, als die Fraktionskollegen Bredts. Im letzten Augenblick muß Torgler eingefallen sein, daß sein« hohe» Vorgesetzten in Moskau darin etwas Anstößiges finden würden, und er(Jat mit einem kleinen Lächeln hinzugesetzt„daß geschieht selbst- verständlich nicht im Interesse dieses bankrotten Staates, sondern im Interesie der werktätigen Massen".(Heiterkeit.) Torgler hat dann behauptet, daß die Regierungsparteien für den Fall der Er- leichterung der Reparationslost bereits ein« Senkung der Besitz- steuern abgemacht hätten. Mir ist nicht das g e r- n g st e davon bekannt, und keiner von uns hat daran gedacht sich über eine Frag« den Kopf zu zerbrechen, deren Lösung wir nicht übersehen können.(Sehr richtig! bei den Soz.) Herr Torgler hat sich über die Ablehnung der kommunistischen Steueranträgc im Ausschuß beschwert. Auch die Sozialdemokratie hat die meisten dieser Anträge abgelehni weil sie es für unvcranj- wörtlich hält, in einer Zei« schwerster Finanznot dem Reich viele Milliarden an Steuereinnahmen zu entziehen. Die Kommunisten Hab«, beantragt die Aufhebung der Zölle und der Steuern vom Lohn, auf Tabak, Zucker, Bier, Umsatz, Hauszins Lündwaren, Leuchtmittel und Spielkarten. Das würde einen Steuerausfall von mehr als 5690 Millionen Mark im Jahre bedeuten. Allerdings beantragen die Kommunisten auch Steuererhöhungen: alle Einkommen über 35 900 M. sollen konfisziert, die Steuern auf Vermögen, Erbschaft und Gesellschaften sollen erhöht werden. Selbst wenn man hieraus für das erste Jahr«inen Ertrag von 4 Milliarden rechnet, würde der Ertrag der kommunistischen Sleueranträge ein Aussall von 1590 Millionen sein, die bei der heutigen Lage nicht zu entbehren sind. Auch ein kommunistischer Finanzministcr könnte darauf nicht verzichten(an- dauernde lärmende Zwischenrufe des Abg. Höllein), sogar wenn er Höllein heißen sollte.(Heiterkeit.— Abg. Höllein: Das überlaß nur mir, ich brauch nicht soviel wie du.) Diese kolnmunistische Steuer- Politik würde aber bald dazu führen, daß auch die Mehrsteuern keinen Pfennig mehr britigen und Fehlbeträge von ö, 6 und 7 Milliarden austreten würden.(Abg. Höllein: Du kannst dich anstellen lassen beim Dernburg, dem Bankier, als Hofhund für feinen Geldschrank!— Diese Wortexzesse werden vom Hause und dem Vor- sitzenden ignoriert.) Wer nur in der Schule das Einmaleins gelernt hat, wird in der Beurteilung der kommunistischen Anträge mit uns übereinstimmen.(Zustimmung.) Herr Torgler ist vorhin begeistert für neue Zuwendungen an die Beamten eingetreten, er wird aber damit kaum Eindruck machen, da er nicht bereit ist, die dafür erforderlichen Mittel zu bewilligen, nicht einmal die Mittel für die jetzige Besoldung unserer Beamten.(Abg. Höllein: llnserc Anträge haben wir aus dem Handbuch für die sozialdemokratischen Reich-stagswähler 1913 abgeschrieben das kannst du nachlesen.— Gegenrufe der Sozialdemokraten.— Abg. Höllein: Ja, ich habe was gelernt, ich habe noch nicht alles vergessen, was da drin steht.) Für die noch zu erwartende Rede Hölleins will ich folgendes sagen: Sie werfen uns vor, daß wir vielleicht in gewisser Hinsicht zu manchen Auf- fassungen der Sozialdemotratie In der Vorkriegszeit über die in- direkten Verbrauchssteuern heute anders denken als früher. Ich will nicht untersuchen, ob dieser Vorwurf richtig ist. es läßt sich aber sehr gut. aus den Verhandlungen der sozlaldemokrakifchen Parteilage nachrarifeil, daß die Sozialdemokratie auch in ihrer Zugendzeit nicht Miic völlige Ablehnung von Verbrauchssteuern ausge. sprachen hat. (Hört, hört!) Die Sozialdemokratie hat die Anschauung vertreten, daß, solange die Möglichkeit besteht, den Bedarf des Staates durch Steuern aus Einkommen und Vermögen zu decken, dies der indirekten Massenbelastung vorzuziehen sei. Heut« aber ist weder in Deutsch- land noch in den anderen modernen Ländern die Möglichkeit gegeben, aus indirekte Massensteucrn zu verzichten. Bei der internationalen Verflechtung der Wirtschaft kann auch nicht ein einzelner Staat daran denken, seinen Bedarf lediglich aus direkten Einkommens- und Vermögenssteuern zu decken. Gerade wir, die wir dem Staat nicht nur Polizeitunktionen zuweisen, sondern auch die Erfüllung weitgehender kultureller und sozialer Pflichten. müssen bereit sein, ihm die Mittel zu geben, die er zur Erfüllung solcher Aufgaben braucht. Im Verhältnis der indirekten zu den Besitzsteuern haben die letzten Jahre eine günstige Verschiebung gebracht. 1925 kamen noch 73 Proz. des Gesamtsteuerertrages aus den Masienstcuern auf, im letzten Jahr nur noch 63 Proz. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer stärkeren Belastung des einzelnen Steuerpflichtigen, sondern auch die Folge besserer Konjunktur und einer besseren Veranlagung in den letzten Jahren. während ober in Deutschland die Rlassensteuera in den letzten Zahren weniger gestiegen sind als die Vesitzsteuern. ist in Ruß. laod von 1924/25 aus 1926,27 die Lesitzbelastung zwar von 595 ans 842 Millionen Rubel gestiegen, die Massenbelaslung aber von 728 aus 1539 Millionen Rubel, somit aus das Doppelle(hört, hört!), die Besitzfleuern aber nur um 59 Proz. Es bestebt also auch in Rußland keine Möglichkeit, den gesamten Staatsbedarf durch direkt« Steuern zu decken, auch dort wird der Massenverbrauch herangezogen. Abg. Torgler hat uns vorcieworfen, daß wir gemeinsam mit den anderen Regierungsparteien m einer Entschließung die Prüfung der wirtschaftlichen, steuerlichen und sozialen Berhältniffe der öffentlichen Betriebe verlangen. Die Regierungsparteien sind in dieser Frage nicht eines Sinnes, aber diese Entschließung ändert nichts an unserer Auffassung, daß eine höherbesleuerung der össenklicheu Betriebe falsch und sinalo» wäre und daß wir alles tun werden, um sie zu bekämpfen. Diese Entschließung aber, zu der wir uns bekennen, will einen Weg ein- schlagen, der frei ist von allen Bedenken. Sie will nur Klarheit über die wirkliche Lage der öffentlichen Betriebe erzielen und daran sind auch wir interessiert, die eine stärkere Belastung dieser Betriebe verwerfen. Herr Torgler aber kann sich in Rußland überzeugen. in welchem Umfange dort die Derschacherung der kommunalen und. öffentlichen Unternehmungen bereits vollzogen ist.(Abg. Höllein: Wenn sie nur Dich verschachern täten!— Heiterkeit.) Das beste Steuergesetz kann keinen Ertrag liefern ohne ge- ordnete Verwaltung und gleichmäßige Anwendung. Die materiellen Ergebnisse des Buch- und Betriebsprüstingsdienstes sind von Jahr zu Jahr gestiegen. Während aber 1926 noch 82 999 Betriebe ge- führt worden sind, waren es im Jahre daraus nur 57 999 und 1928 nur noch 51 909. Dieser starke Rückgang ist auffällig, zumal die Zahl der Prüfer gestiegen und der ganze Apparat ausgedehnt war- den ist, auch bester funktioniert als vor drei Iahren. Vielleicht ist der Rückgang auf sorgfältigeie Prüfung zurückzuführen. Nach der Reichsabgabenordnung sind die Großbetriebe alle drei Jahre zu prüfen, aber das soll nur die Regel sein. Nichts hindert die Reichs- finanzverdvalwng, zu geringeren Fristen überzugehen. Forderun- gen zur wetteren Ausgestaltung dieses Dienstes, der auch die Mittel- und Kleinbetriebe prüft, werden wir wohlwollend behandeln. Wir verlangen in einer Entschließung einen Gesetzentwurf zur Offenlegung der Steuerlisten. Wir sind überzeugt, daß die Steuer- Verhältnisse in Deutschland von sehr vielen Steuerpflichtigen so lange als drückend und Ungerecht empfunden werden. solange die Meinung stark verbreitet ist, daß große leislungs- fähige Unternehmungen mit komplizierten Verhältnisse« steuer- 1 lich anders behandelt werden als die steinen Leute. In allen Ländern bestrht der Kampf der Steuerpflichtigen mit dem Fiskus: er muß ihn führen auch im Interesie aller derjenigen, die nicht die Möglichkeit haben, niedriger zu deklarieren als eine Nein« An.zahl bevorzugter Steuerpflichtigen. Das Maß der Steuerbe- lastung hängt mit von der gleichmäßigen Durchführung der Steuer- gesetze ab. Man sagt uns, wegen der großen Kapitalflucht könnte man jetzt nicht zur Ofsenleguag der Sleuerlisten übergehen. Warum sollen wir auf diejenigen Rücksicht nehmen, die der deutschen Steuergesetzgebung zu entrinnen streben?(Sehr wahrl links.) Gewiß erfolgt die Gründung vieler deutschen Unter- nehmungen im Auslande nicht allein aus solchen Gründen, sondern aus ökonomischen Erwägungen berechtigter Art. Aber angesichts der Finayznot des Reichs müsien solche Rücksichten zurückgestellt werden. Wir wünschen deshalb, daß die allgemeine Finanzresorm, die für einen noch unbestimmten Zeitpunkt in Aussicht gestellt ist, nicht nur die Steuerpolitik, sondern auch die Steuerverwaltung be- handelt, und zwar unter dem Gesichtspunkt: Wie kann der not- wendige Staatsbedarf in der mildesten Weise gesichert werden und wie können wir erreichen, daß der Leistungsfähigkeit der einzelnen Schichten auch bei der Steuererhebung Rechnung getragen wird? (Lebhafter anhaltender Beifall be! den Soz.) Abg. Nauheim(Z.) ist für Ausbau der Buch- und Betriebs- Prüfung, aber für Rücksichtnabme auf die besonderen Berbältnisse der Kleipbetriebe. Das beste Mittel zur Verhinderung der Kapital- flucht ist Steuersenkung. Werbeanzeigen für die steuerfreie Reichs- anleihe haben kleine Blätter bekommen, während große Zeitungen übergangen worden sind. Was die Volkspartei will. Abg. Dr. Eremer(D. Dp.) begründet Antröge seiner Partei auf Berschäisiung des Kontrollrechts des Reichsfinarxzministerwms und rühmt das amerikanische Vorbild im Sparen. Vor ollem muß. so fährt er fort, die offene Wund« der Arbeitsiosenversiche- r u n g geschlossen werden. Muß das Reich in diesem Winter wieder solche Zuschüsse zahlen, dann komnien wir nicht zum Etatsausgleich für 1939. Wir erkennen die große Sachkenntnis des Finon.zmimsters an, münsdien ihm aber einen stärkeren Willen zur Durchsetzung dessen, was er selbst als richtig erkannt hat. Während er nach dem Abschluß der Pariser Verhandlungen ein« Steuersenkung an- gekündigt hat, hören wir jetzt Töne, die uns nicht gefallen, und die der Zusammenarbeit der Koalition nicht förderlich sind Die Steuersenkung darf auch vor den großen Vermögen nicht Halt machen. Eine Steueramnestie wird der Kapitalslucht ein Ende machen und die Steucrmoral auf englisch-amerikaiiisches Niveau heben. Die Ausschußentschließung betrachten wir als den Ausgangspunkt ,zu einer positiven Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Kopfsteuern in den Ländern widersprechen der Reichsoerfassung. Abg. Eolosser(Wirtschastsp.): Die Deutschnationalen haben kein Recht zu Angriffen auf den Reichsfinanzminister, denn ein großer Teil des Defizits stammt aus ihrer Regierungszeit. Bei der Ausstellung des Etats wagte man nicht, die Steuern zu erhöhen, so setzte man einfach die Vermögenswerte hinaus. Unsere früher ver» lachten Sporsamkeitssorderungen haben jetzt olle Parteien übernommen. Der Mißbrauch der Zlrbcitslojenoersicheriing muß ver- hindert werden. Eine Steueramnestic für die Betrüger, die beut- jches Kapital ins Ausland verschoben haben, lehnen wir ob. Mit den Geschenken und mit dem Buhlen um die Gunst der Masien muß Schluß gemacht werden. Arbeiten und Sparen darf nicht länger unter Strafe gestellt sein, schaffen Sie den wirklichen Dolksstoat an Stelle eines Zuchthausstaates der Bureaukraten. Abg. v. Sybel(Chr.-not. Bauernp.) verlangt Herabsetzung der Einheitswerte und Senkung der Vermögenssteuer. Abg. Dr. Föhr(Z.) erklärt es für möglich, daß die Länder Senkungen der Realsteuern vornehmen, well sie sonst ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu decken oermögen. Man warte da vergeblich auf das Wunder, das das Stuervereinheillichungsgesetz bringen wird. Abg. Tantzen(Dem.) wendet sich gegen die Dcutschnationalen, denen er vorwirft, daß sie nicht die Interesien der Bauern wahr- nehmen. Diese werden mit ihren wahren Freunden gehen, die ober nicht auf der Rechten sitzen.(Beifall links.) Nach persönlichen Bemerkungen der Abgg. Föhr(Bayer. Vp.) und v. Sybel'(Chr.-not. Bauernp.) vertagt sich das Haus um 694 Uhr auf heute ll Uhr vormittags: Haushaltsgesetz, Abstimmun- gen zum Finanzetat. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Dcraniworilich Mr Politik: Dr. a»rt Wirtschaft».«li-g-rhSi«: Ecwrrkschastsbcwkaunn: Stzkor»: tzeuillelon: 8. t> DoiSer; Sotalc» urif> ccrflif»?: Ätifc karstädt; Anzeiäcn: Th. alockc-, lamll-.ch.in Berlin. Verlan: Varirnrls-Verlag G. m. b. H. Berlin. V-rwchalt»»g»»» Bifff»". Nr. 2S3» 46. Lahrgang Donnerstag. 20. Zum 1929 Berlin ehrt die Wiener Gäste. Oer große Empfang im DRaihans. 3n Gegenwart des ReichstagsprSsidenten begrüßte gestern der Berliner Oberbürgermeister Büß noch- malz bei festlichem Empfang unsere Wiener GSsie. Dr. Böß sprach nochmals den Dank der Stadt für den Besuch der Wiener Gäste aus, wobei er an den Aufenthalt der Berliner Magiftratsmitglieder in Wien anknüpfte. Dann schilderte er die sä, staken und kulturellen Ausgaben der beiden Großstädte, die sie zu erfüllen haben trotz der Wunden vom Krieg her und trotz der ! � tr.eren wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Gegen- '"irt. Juni Schluß sprach Dr. Böß von dem behaupteten Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden der deutschen Stämme Ueberall dort, wo sich die Vertreter von Nord und Süd zu gemeinsamer Arbeit, besonders auf kommunalem Ge- biet, zusammenfinden, Ist aber von einem Gegensatz oder gar ron Nichtverstehen keine Red«, sondern die großen Aufgaben werden in gedeihlicher Zusammenarbeit geleistet. Der Oberbürger- nrelster schloß mit einem begeistert oufgenominenen ch o ch auf die S'tadt Wien, ihren Bürgermeister, ihre Verwaltung und ihre Bewohner. Bürgermeister Seitz dankte für den herzlichen Empfang, den ?- und die Bertreler Wiens hier gefunden haben.„Ich greife das ?Lort auf", sagt« Bürgenneister Seitz,„von der Berschiedenheit der Stämme des deutschen Volkes. Es wäre sinnlos, sie zu leugne N. Wir empfinden sie im Lebensstil, den Bausormen. in der Pro- duktion, in der Landschaft. Aber die besonderen Eigenheiten e r- ganzen einander und ergeben eine Gesomtgröße des beut- jchen Volkes, die immer in der Geschichte der Welt ein wichtiger Faktor sein wird. Unser Besuch ist mehr al» ein kiöslichkcltsakl. Für unsere Empfindung ist er Bekundung brüderlicher Gefühle der Solidarität— für unser Denken ein Erwerb von Kenntnissen und ein Schöpfe« von Erkenntnisse«. Wie schon einmal in der Geschichte, gewinnen zurzeit die Städte immer mehr an Bedeutung. Die Macht der Staaten— wir mögen das bedauern oder nicht— wird geringer— die Macht der Städte sie igt. Sie sind die Zentren nationaler, aber damit auch internationaler Wissen- schast und Kunst. In den Großstädten vor allem werden die Entscheidungen über die künftigen Lebensformen der Menschen ge- troffen, die neuen Typen der Arbeitsberoältigung entwickelt. Der innige Verkehr der Städte untereinander ist eine eisern« Not- wendig keit, die gerade, Wien, der östlichste Punkt deutscher Siedlungen, lebhaft empfindet. Wir ersehen auch hier, bei unserm Besuch, Verschiedenheiten, di« wir geradezu al» reizvoll emp- finden. Wir haben vieles gesehen, d.is uns lebhaft Intersssiert. vieles, was wir nachahmen wollen und vieles, was wir b e- wundern, wenn wir auch wissen, daß es uns bei unseren zwar soliden und konsolidierten, aber doch sehr dürstigen Finanzen nicht erreichbar«rscheint. Es wird kaum eine große Stadt der Weit heben, die an Problemen der inneren Berwaltuirg reicher ijt als Berlin. Aber Sie werden alle diese Problem« lösen. Unser Ein- druck ist— und ich hoffe, daß bald die ganze Welt ihn teilen wird— der stärkst« Ausdruck des ungebeugten, weil un- beugsamen Lebenswllsen»der ganzen Nation ge- worden." An die Festreden schloß sich ein geselliges Beisammensein. Die gestrigen Vesichtigungen. Den zweiten Tag ihres Berliner Besuches nutzten die Wiener Gäste aus, um sich die kommunalen Einrichtungen der Stadt Berlin anzusehen. Ein« Gruppe unserer Wiener Landsleuie intcrtssierte sich vor allem für da» V e r k« h r s u n t e r n e h m c n der Stadt Berlin. Unter Führung des Direktors Genossen B r a l a l besichtigten d» Gäste den Verbindungsbnhnhos der Unter- grunddahn am Hermannplatz mit dem neuen Zugang zum Waren- haus K a r st a d t und die U-Bahnanlagen am A l« x a n d e r p l a tz. Die Wiener waren voll des Lobes über das Untergrundbahnnetz. Besonders eindrucksvoll wirkte auf sie der Untergrundbahnbau mlf dem Alexanderplatz, wo gleichzeitig drei Bahnführungen untereinander laufen werden. Die Wiener ließen sich auch von Stadtrat Weber an Hand von Plänen die neuen Straßen- d u rch b r ü ch e erläutern. Bürgermeister Seitz sah sich mit einigen Delegierten die C m n i b u s w e r k st ä t t e n der Stadt Berlin an. In diesen, mit allen modernen Hilfsmitteln ausgestatteten Bau interessierten sich unsere Freunde sehr für die automatischen Feuerlöschvorrichtungen, die auch praktisch vorgeführt wurden. Das Verieselungssystem ist so eingerichtet, daß die auf- steigenden Flammen die Wasserrohre, die stellenweise nur mit leicht schmelzbarem Metall verschlossen sind, erwärmen. Diele Pfropfen werden durch die Hitze zum Schmelzen gebracht, dadurch werden di« Wasserrohre automatisch geöffnet. Besichtigt wurde außerdem noch der Strahenbahnhof in der Müllerstraße. Eine' andere weitere Gruppe der Wiener, an der unter andern Stadtrat Speiser-und der Präsident des Stadtschulrates Glöckel teil- nahmen, besichtigte die neuen Spiel- und Sportplötze der Stadt Berlin. Stadtmedizinalrai Dr. v. Drigalski zeigte seinen Gästen den riesigen Bolkspark auf dem Tempelhofer Felde und das moderne Flußbad in Lichtenberg, das 6000 Quadratmeter Wasserfläch« und 15 000 Quadratmeter Gesamtfläche aufweist. Auch der Bolkspark Reh berge, der am Sonnlag eröffnet wird, gefiel den Wienern, die besonders darüber erfreut waren, daß auch in diesem Volkspark, der in einem Arbeiterviertel liegt, herrliche Spiel- und Sportplätze neben wundervollen Vlumen- becien zu finden sind. Frau Stadtrat Genossin Dr. W e y l über- nahm die Führung einer dritten Gruppe, die sich di« Wohl- fahrtseinrichtungen der Stadt Berlin ansehen wollte. Es wurde ihnen das Pslegeamt am Alexanderplatz, das Waisenhaus i» der Alten Jatobstraße und die Taub- stummen anstalt gezeigt. Selbstverständlich ließ sich Reichstagspräsident Genosse Lobe die Gelegenheit nicht nehmen, seine lieben Wiener Freunde zu sich einzuladen. Bei einem Frühstück, das er ihnen gab, fand er herzliche Worte für die Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühles der beiden Länder. Die Arbeit der Wiener Stadtvätcr ist von den Berlinern hnmer anerkannt worden, Bürgermeister Seitz antwortete dem Reichstagspräsidenten und betonte, daß sie all« sich gefreut haben, über die Herstichen Beziehungen, die zwischen den Wienern und Berlinern bestehen. Er dankte dem Reichstags- Präsidenten Löbe für seine stete Hingabe an den Gedanken des geistigen Austausches und Anschlusses des Ostmorklonde» an da» dsuische Mutierland. Nachmittags machten die Wiener eine DaMpsersahrt nach d e N Ha o e l sc e n. um auch Berlins Umgebung kennenzulernen und sich von den..strapaziösen Besichti- gungen im gemütlichen Kreise zu erholen. Herabsetzung der Vergnügungssteuer. Der Magistrat ha» in seiner gestrigen Sitzung den Beschluß der Finanz- und Steuerdepulation vom 14. Znni. bei der Vergnügungssteuer der Notlage der Kinotheater Rechnung zu tragen und diese Steuer bei nachgewiesenem Einnahmerückgang in der Zeit vom 1. Mai bis 15 September um ein Driliel bzw. um die hälfie herabzusehen, zugestimmt. Der Mogistrot Hai gleichzeitig diesen Beschluß, soweii er die Kinolheaier belrifst, auch auf die S p r e ch b ü h n e n und Varietes ausgedehnt. Kirche und ZUichsflagge. Kunf Monate nach der Verhandlung noch lein Llrteii Vor der 14. Zivilkammer des Landgerichts I schwebt noch immer die Feststellungsklag?, die das Vi? z i r k s a m t M i l t c gegen die Kirchengemeinden von St. Nicolai und St. Marien wegen der Beflaggung des Prob st ei- gebäudes angestrengi hatte. Der Flaggenstreit wurde dadurch hervorgerufen, daß die Stadl Berlin am 80. Geburtstage des Reichspräsidenten v. Hindenburg an dem Probsteigebäude, das städtisches Eigentum ist, dort die R e i ch s flagge hissen lassen wollte. Der Probst und die Kirchen- gemeinden wiedersprachen. Das Bezirksamt Mitte erhob nun die Festttellungsklage, daß sie als Besitzerin des Gebäudes an der Fassade Schmuck und eipe Fahnenstange nach ihrem eigenen Er messen anbringen dürfe. Die Bcrhandlung wurde mehrmals vertagt »ist» unter Zugrundelegung einer Reihe von h i st o r i f ch e n U r t u n d e n aus den K i r ch e n a r ch i v e n, die bis in die Zeit des Großen Kurfürsten zurückgingen, eine längere Beweis- erhebung angetreten. Im Dezember vorigen Jahres fand die letzte Verhandlung statt, bei der sich die Parteien bereit erklärten, mit der schriftlichen Entscheidung einverstanden zu sein. Das Urteil der 14 Zivilkammer liegt aber jetzt, obwohl inzwischen süns Monate vergangen sind und beide Parteien wiederholt aus Urteilsverkündung gedrängt haben, immer noch nicht vor. Die Entscheidung des Gerichts soll bereits seit längerer Zeit getroffen sein, die Fixierung der Urteilsbegründung scheint dem Gericht aber besondere Schwierigkeiten zu bereiten. Die Prozeßbeteiligtcn hoffen aber immer noch die notwendige Klärung wenigstens bis zum Verfassungstag im August?il erhalten. Abbruch der Spittelkolonnaden. Der Magistrat beschloß entsprechend dem Beschluß des Stodtverordnetenausschusses, zur Herstellung der neuen Fluchtlinie und Verbreiterung der Leipziger Straße auf 32 Meter die Kolonnaden aus der Südseite der Leipziger Straße zunächst abzubrechen.. Es bestehen lebhafte B e d Mi k e n, ob der Wiederaufbau an derselben Stelle bei der verbreiterten Straße und dem durch die neuen Fassaden hoher Geschäftshäuser völlig veränderten Straßenbilde aus künstlerischen Gründen möglich sein wird. Ueber den Ort der Wiederaufstellung soll aber erst später nach Fertigstellung der Gebäude aus der Südseite ent- schieden werden. Oie Wahnsinnstat der Abergläubigen. Und wieder war ein Kut Pfuscher am Werke... Stade. IS. Zuni. Die bisherigen Ermittlungen der Slaolsanwaltschaft in der Angelegenheit des horaeburger Kindermordes lassen kaum einen Zweifel darüber zu, daß e» sich um eine Wahn- sinn»tat handelte .. Im Hause fand. inan überall Wichen. eistes wahrhaft mittel- alterlichen Aberglaubens vor. Auch das Benehmen der Eheleute, namentlich der Frau Steffens, deuten zweifellos ans Wahnsinn hin. lieber die Tat selbst schwebt noch tiefe« Dunkel. Die ermordeten Kinder wiesen stark blutunterlaufene Stellen am Gesäß und am Kreuz auf. Anscheinend Ist der Tod durch Zerschmetterung der Wi'rbelsäule verursacht worden. Wie weiter gemeldet wird, war die Frau bereits seit der Geburt de» jetzt Iii Jahre alten jüngsten Kindes tuberkulös. Nach- dem sie sich zuerst einem Hamburger Kurpfuscher anvertraut hatte, erhoffte sie schließlich Rettung von ihrer Krankheit nur noch durch ein Wunder, und Ihr Sinn lenkte sich mehr und mehr auf das Mystische, womit sie auch ihren Mann bald völlig beeinflußt hatte. Sack£ondon: (BtrediÜgt« Uebersetzung von Erwin Magnus). „Aber Sie hatten die Kohlen nicht selbst gegraben. Und dennoch trieben Sie den Preis in die Höhe bis auf vier Dollar die Tonne und verdienten einen Haufen Geld daran. Das war Ihr Geschäft. Sie ließen die Armen mehr für die Kohlen bezahlen. Sie spielten wohl ihr ehrliches Spiel, wie Sie sagen, aber Sie steckten Ihr« Hand in die Taschen der Armen und nahmen ihnen ihr Geld. Ich kann ein Wort mit- reden. Ich habe«inen Kamin in meinem Wohnjzimmer in Berkeley. Und statt elf Dollar die Tonne mußte ich damals fünfzehn Dollar für Rock-Wells-Kohlen bezahlen. Sie bs- raubten mich um vier Dollar. Ich tonnte es ertragen. Aber Taufende von den ganz Armen konnten es nicht. Das nennen Sie vielleicht ehrliches Spiel, aber in meinen Augen war es recht und schlewt Raub." � � Daylight ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Das war nicht gerade eine Offenbarung für ihn. ..Schauen Sie einmal, Fräulein Mafon. Ich räume ein, daß Sie mich bei einem wunden Punkt gepackt haben. Aber Sie feh'N mich nun feit mehreren Iahren mein Geschäft be- treiben und wissen, daß ich es mir nicht zur Regel gemacht habe die Armen auszuplündern. Ich bin nach den Großen aus' Auf die Hab ich es abgesehen. Die plündern die Armen und ich plündere sie. Di« Kohlengeschichte war«in Zufall' Den Armen wollte ich gar nichts zuleide tun, sondern den Großen, und die Hab ich auch gekriegt. Die Armen kamen zufällig dazwischen und kriegten was ab Können Sie nicht sehen," fuhr er fort,„daß das nichts als Spiel ist. Jedermann spielt ja auf eine oder die andere Weise Der Landmann setzt seine Saat gegen Wetter und Markt Dasselbe tut der Stahltrust. Das Geschäft der meisten Menschen geht darauf aus, die Armen auszuplün. d-rn. Aber das Geschäft Hab ich nie betrieben. Da- wissen Sie auch. Ich Hab es nur auf die Rauber selbst abgesehen. „Ich habe mich nicht richtig ausgedrückt," gab sie zu. „Warten Sie einen Augenblick." Eine Weile ritten sie schweigend. „Es ist mir selbst ganz klar, aber ich kann es nicht recht erklären. Es gibt ehrliche Arbeit, und es gibt Arbeit, die — na ja, die nicht ehrlich ist. Der Landmonn bearbeitet den Boden und bringt Getreide hervor. Er macht etwas, das für die Menschheit gut ist. In gewisser Weise wirkt er schöpferisch, er schafft das Korn, das Hungrige söttigen kann." „Und dann plündern die Eisenbahnen und Spekulanten ihn aus," fiel Daylight ein. Dede lächelte und hob die Hand. „Warten Sie einen Augenblick. Sie bringen mich sonst wieder aus dem Konzept. Mag sein, daß er ausgeplünderi wird und schließlich verhungern muß. Jedenfalls aber ist der Weizen, den er hervorgebracht hat. noch auf der Welt. Er existiert. Verstehen Sie nicht? Der Landmann hat etwas geschaffen, sagen wir, zehn Tonnen Weizen, und diese zehn Tonnen existieren. Die Eisenbahnen holen den Weizen zum Markt, zu den Mündern, die Ihn essen wollen. Das ist ehrlich. Das ist, als ob jemand uns ein Glas Wasser bringt oder uns ein Staubkörnchen aus dem Auge holt. Es ist etwas getan, in gewisser Weise geschaffen." „Aber die Eisenbahnen sind doch die ärgsten Räuber," wandte Daylight ein. .Dann ist das, was sie tun, teils ehrlich und teils UN- ehrlich. Jetzt aber zu Ihnen. Sie schaffen nicht. Bringen Sie durch Ihr Geschäft Neues hervor? Znm Beispiel Kohle? Sie graben Sie nicht. Sie schaffen sie nicht zum Markt, Sie liefern sie nicht. Sehen Sie das nicht ein? Das meinte ich mit dem Pflanzen von Bäumen und dem Bauen von Häusern. Sie haben nicht einen Baum gepflanzt, nicht ein einziges Haus gebaut." „Ich Hab' nie gedacht, daß es eine Frau auf der Welt gäbe, die so über Geschäfte sprechen könnte," murmelte«r bewundernd.„Und in diesem Punkt sind Sie mir über. Aber ich habe meinerseits auch«in ganz Teil darüber zu sagen. Jetzt müssen Sie mich ein wenig anhören. Ich will von drei Gesichtspunkten aus sprechen. Erstens: Wir leben nur kurze Zeit, selbst die Besten von uns. und wir sind sehr lange tot. Das Leben ist ein hohes Spiel. Einige sind im Zeichen des Glücks, andere in dem des Unglücks geboren. Jedermann sitzt mit am Tisch und versucht die anderen nach Möglichkeit zu plündern. Die meisten werden geplündert. Dä- sind dt« geborenen Dummköpfe. Da kommt ein Kerl wie ich und überlegt, was er tun soll. Es gibt zwei Möglichkeiten. Ich kann mich zu den Dummköpfen schlagen, oder ich kann mich zu den Räubern schlagen. Als Dummkopf gewinne ich nichts. Selbst die Brotkrumen werden mir von den Räubern aus dem Munde gerissen. All meine Tage arbeite ich schwer und sterbe in den Sielen. Ich habe nichts gehabt als Arbeit, Ar- bett und wieder Arbeit. Man spricht soviel vom Adel der Arbeit. Ich sage Ihnen, in der Arbeit steckt nicht viel Adel. Dann kann ich mich zu den Räubern schlagen, und das habe ich getan. Ich spiele das Spiel, das mir einen Gewinn er- möglicht. Ich bekomme Automobile, gutes Essen und weiche Betten. Es ist gar kein großer Unterschied, ob man halber Räuber ist wie die Eisenbahn, die den Weizen des Land-' manns zum Markt bringt, oder ganezr Räuber und die mclnns zum Markt bringt, oder ganzer Räuber und di« hizlbes Räubertum nicht Nach meinem Gelckmack, das ist mir zu langweiliq. Dabei gewinnt man nicht schnell genug, finde ich." „Aber warum wollen Sie denn gewinnen?" fragte Dede. „Sie haben doch schon Millionen über Millionen. Sie können nicht in mehr als einem Automobil zugleich fahren und nicht in mehr als einew Bett zugleich schlafen." �„Das wird in Nummer drei beantwortet," sagte er,„und die lautet: Alle Geschöpfe sind so«ingerichtet, daß ihr Ge- schmack verschieden ist. Ein Kaninchen liebt vegetarische Kost. Ein Luchs Fleisch. Enten schwimmen: Küken scheuen das Wasser. Ein Mann sammelt Briefwarken UNS ein anderer Schmetterlinge. Dieser schwärmt für Bilder, jener für sein- Pacht, und wieder andere lieben die Ictgd aus Großwild Für den einen sind Rennen das höchste auf der Welk, für den anderen Schauspielerinnen. Sie können nichts für diesen Ge- schmack. Sie haben ihn einmal, dabei ist nichts zu machen. Ich liebe nun das Spiel. Ich liebe es, hoch und schnell zu spielen. So bin ich nun einmal. Und daher spiele ich." „Aber warum können Sie mit all ihrem Geld nicht etwas Gutes tun?" Daylight lachte. „Gutes mit meinem Geld tun! Das märe ungefähr so, als wollte ich den lieben Gott ins Gesicht schlagen uiid ihm erzählen, daß er nicht verstehe, die Welt zu regieren, die er selbst erschaffen hat. und daß man ihm sehr dankbar sein würde, wenn er ein wenig abtrete und einem eine Ehanee gäbe.(Fortsetzung folgt.) Die Schlacht in der Bülowstraße. Oer Tod des Nationalsozialisten Küthemeyer. Das Schöfscngenchl Schöaeberg verurteilte wegen der Schlägerei, die dem Tode des Nationalsozialisten Küthemeyer vorausgegangen war, die Arbeiter Löchert und S i e w e r t zu je 4 Monaten. Paul chumann zu 3 Monaten. Wilhelm Schumann zu Z Monaten und PlSnzke zu 1 Monal Gesängnis: der Angeklagte Polcyn wurde freigesprochen. Sämllich>m Verurteilten wurde Lewährungssrist bewilligt, jedoch wurden Löchert. Siewerl und Paul Schumann je ll)0 Mark Luhe, Wilhelm Schumann und Plönzke je S0 Mark Buhe auferlegt. * Der Tod de» Nationalsozialisten Küthemeyer in der Nacht vom lS. zum 17. November vorigen Zahres hat seinerzeit Aussehen erregt. Mau zog die Leiche de» jungen Manne» am Morgen de» 17. November au» dem Landwehrkanal: der Körper wie» eine grohe Anzahl Verlehuagen aus. Die Untersuchung ergab, dah die Der- lehungen von einer Schlägerei stammten und dah K. in den Land- wehrtanal gefallen sein muh. Aber vor dem Schössengericht Verlin stehe« die Strahenbauarbeiter vorcherl. Siewer», Paul und Hermann Schumann. Plönzke und P o l i g e. Die Anklage lautete auf Sörperoerlehung. Die Natimiolsozialistische Partei veranstaltet« am lö. November im Sportpalast eine Dersammlung. Hitler sprach. Die Na- tionalsozialisten Küthemeyer. Thonert und Dachrat kehrten nach Schluh der Versammlung in dem Parteilokal Ziethenstrahe ein. Zwischen und 3 Uhr kamen sie an der Strohenlxnistcllc an der Ecke Vülow- und Ziethenstrahe vorbei. Die Strahenbauarbeiter, etwa 20 an der Zahl, hatten gerode ihre Essenspaus«: sie befanden sich zum gröhtcn Teil in beiden Baubuden. Nach der Darsteflnng der Angeklagten geschah nun folgendes: Die Nationalsozialisten kamen ins Gespräch mit einigen Bauarbeitern und faselten auch etwas von der Iudenprefse. Der Angeklagte Paul Schumann sor- derbe sie auf, die Baustelle zu verlassen. Sie weigerten sich, das zu tun. Es entstand ein Wortwechsel, wobei angeblich Küthemeycr Schumann dos Brot aus der Hand schlug. Dos war das Signal zum Handgemenge. Von beiden Seiten flogen Steine, die übrigen Bauarbeiter, die nicht wußten, was los war. wurden von dem Tumult herbeigelockt und nahmen an der Steineschlacht teil. Die Nationalsoziali st en flüchteten, sehten aber das Steinewerfen fort: Küthemeyer kam zu sifall, wurde verprügelt, riß sich los,, lief in der Richtung zur Derfflingerftraße weiter, wurde hier wieder eingeholt, riß sich von neuem los. Di: wilde Jagd bewegte sich nun zum L ü h o w u f e r. In der Genthincr Straße wurde Küthemeyer gefaßt, man warf sich über ihn her. prügelt« ihn zu Boden und bearbeitete ihn hier mit Fäusten, holz- pantinen und dergleichen mehr. Küthemeyer erhob sich von selbst, lehnte es aber ab, sich van seinen Genossen nach Hause begleiten zu lassen. Was mit ihm später geschehen ist. ließ sich nicht seststellen. Man weiß mir, daß er gegen Z4S Uhr indenLandwehrtanal gefallen ist. Die Parteigenossen des toten Küthemeyer gaben von den Vor- fällen in der Nacht auf den 17. November eine andere Darstellung als die Angeklagten. Sie behaupteten, daß es die S t r a ß e n- a r b e i t e r gewesen wären, die den ersten Anlaß zum Wortwechsel gegeben hätten. Es seien, sagten sie, Schimpfworte wie „F a s ch i st c n h u n d e" und dergleichen mehr gefallen. Auch sei der erste Schlag von den Bauarbeitern ausgegangen. Man hätte im Zweifel sein können, welche von den beiden Darstellungen den Tatsachen entspricht, wenn nicht ein gänzlich unbeteiligter Zeuge den ersten Zusammenstoß zwischen den Straßenbau- arbeitern, die friedlich ihre Essenpausc abhielten, und den von Hitler aufgehetzten und vom Alkohol leicht berauschten Nationalsozialisten mitangesehen hätte und mit voller Bestimmtheit bekunden konnte, daß die N a t i o n a l s o z i o l i st e n es gewesen waren, die an- gebandelt haben. Das Gericht schenkte eben diesem Zeugen Glauben, gelangte aber ungeachtet dessen zu dem obenstehenden Urteil, das die Angeklagten hart treffen muß. Es hat fast den Anschein, als habe sich das Gericht von der Tatsache beeinflusien lassen, daß Küthemeyer im Anschluß an die Schlägerei ums Leben gekommen ist. Daß aber die bei der Schlägerei zugefügten Berlcßungen nicht so schlimm waren, bekundete der Sachverständige Professor Strauch. Er erklärte: Keine der zahlreichen Verletzungen Küthemeyers sei leben?. gefährlich gewesen. So sind für eine Schlägerei, zu der der später Verstorbene selbst den Anlaß gegeben hat, fünf Arbeiter zu Gefängnis- st rasen verurteilt— wenn auch mit Bewährungsfrist. Wieder ein schweres Vrandunglück. Sine Arbeiterin getötet, ein Arbeiter schwer verletzt Im Osten Berlin», in der Schreiner st raste 33. er- eignete sich in den gestrigen Nachmiltagsslunden ein schweres Brandunglück, bei dem eine junge Arbeiterin den Tod fand und ei» Arbeiter lebensgefährliche verleknnn»!, erlitt. Im Erdgeschoß des Quergebäudes befinden sich die Räume der Lackiererei F. Krüger. Gegen 14 Uhr war ein Arb-!t-r der 2Siährige Tischler Walter Hecke, Weidenweg 33. mit dem A»k. kochen von Schellack beschäftigt. Die Masse kochte vlöklich üb«'- und geriet in Brand. Mehrere große Stichflammen schössen durch den Raum. Hecke, der unmittelbar vor dem Kessel stand, und die SSjährige Arbeiterin Charlotte S ch n e e w o l f aus der Mirbach- straß? 33, die sich dicht daneben aushielt, wurden von den Flammen erfaßt. Ihre Kleider singen sofort Feuer und unter lauten Hilfe- rufen eilten die beiden Unglücklichen aus den hos hinaus. Ana-- stellte aus anderen Betrieben eilten hinzu und erstickten die Flam- m«n durch Ueberwerfen von Decken. Die Kleider waren beiden buchstäblich vom Leibe gebrannt. Die Feuerwehr, die in- zwischen alarmiert worden war, sorgte für die Uebersühruna der Schwerverletzten ins Krankenhaus am Friedrichshain und nahm die Bekämpfung des Feuers, das sich sehr schnell ausgebreitet hatte, auf. Nach einstündiger Löschtätigkeit war die Gefahr beseitigt. Di« schwerverletzte Arbeiterin Charlotte Schneewols konnte trotz aller ärztlichen Bemühungen nicht mehr gerettet werden, sie starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Auch das Befinden des Arbeiters gibt zu Bedenken Anlaß. «- Zu der Brandkatastrophe, von der die chemisch-pharmazeutische Fabrik der Dr. L a b o s ch i n A.-G. betrossen wurde, wird miige- teilt, daß gestern von der Verwaltung zusammen mit Sachoerstän- digen Ermittlungen angestellt worden sind, um die höhe des Schadens festzustellen. Weiter soll versucht wzrden, in irgendeiner Form einen Ersatzbetrieb einzurichten, um die Produk- tion wieder aufnehmen zu können. Die Akttengesellschaft ist durch Bersichervng gegen den Feuerschaden in hinreichendem Maß- gebeckt. Wieder ein Berliner Auwalt verhaftet. Auf Veranlassung der Charlottenburger Kriminalpolizei wurde gestern in einem Hotel in Leipzig der 32 Jahre alte Rechts- anwalt Georg Levit aus Berlin festgenommen. Levit war Syndikus des„Schuf u"(Schutzoerband für Unsallgefährdet« und -betroffene). Er unterhielt am Kurfürstendamm 205 ein Bureau, während er in Wilmersdorf feine Prioatwohnung hotte. Levit wird vorgeworfen,, Gelder, die feinen Klienten zustanden, an diese nicht abgeführt zu haben. Es soll sich um eine Gesamtsumme n»n t? 0 0 0 bis 50 000 M. handeln. Bisher haben sich acht Per innen gemeldet, die G e l d a n s p r ü ch e stellen. Der Rechtsanwalt soll oft auf Rennbahnen gesehen worden sein. Er wird der Staatsanwaltschaft III vorgesührt werden. Dollars verlieren nicht ihre Gültigkeit. Da» amerikanische Generalkonsulat teilt mit, daß verschiedene Pressemeldungen der letzten Wochen, daß die jetzige» amerikanischen Banknoten vom 1. Juli 1929 ab ihr« Gültigkeit verlieren, nicht den Tatsachen entsprechen. In Wirklichkeit werden neue Banknoten von kleinmm Format als die jetzigen in der nächsten Zeit in Umlauf gesetzt. Jedoch wird ausdrücklich betont, daß kein Z«itliment festgesetzt wird, um einen Umtausch des jetzigen Geldes in die neue Ausgabe zu gestatten. Di« alten Noten werden ihr« Gültigkeit beholten. Salzsäure statt Wein. Auf furchtbare W«is« ist gestern die 55jährige Frau Thekla Zbonalski in ihrer Wohnung, Jäger st raß« 13 m Neu- kälkn ums Leben gekommen. Frau A-. die sehr kurzsichtig ist, wollte sich ein Glas Stärkungswein eingießen Dabei griff sie ein« Flasche, in der sich Salzsäure befand. Zu spät bemerkte sie ihren furchtbaren Irrtum. Aus die Schmerzensschreie der Un- glücklichen kamen Nochbarn hinzu, die für ihre Uebersührung in» R«»lSlln«r Krankenho»» sorgten. Fra» Z. ist dort bald nach ihrer Ewtteserung gestorben, Gleiskörper für die Giraßenbahn. Sie geopferten Bäume werden wieder angepflanzt. Um die Fahrtgeschwindigkeit W Straßenbahn zu erhöhen, werden jetzt überall, wo es möglich erscheint, eigene Gleis- körper geschaffen. Nachdem bereits die Straßenbahn auch in der Greifs w'a lder Straße einen eigenen Gleiskörper erhielt, beginnt jetzt die Verlegung der Gleise in der PrenzlauerAllee in die Mitte der Promenade. Die Bäume, die zurzeit abgeholzt werden, werden nach Fertigstellung des Gleiskörpers— wie uns die Verkehrs A.-G. mitteilt— wieder angepflanzt. Die Gleis- arbeiten in der Prenzlauer Allee dürften ungefähr eineinhalb Mo- nate in Anspruch nehiAen. Zunächst wird der eigen« Bahnkörper von der Jostystraße bis herauf zum Ringbohrchos Prenzlauer Allee geschaffen. Später soll er dann bis zur Gustav-Adols-straße er- wettert werden. Wo es möglich ist, sollen neben dem Gleiskörper an einigen Stellen noch kleine Promenaden für Fuß- g ä n g e r geschaffen werden. Nach Fertigstellung der Untergrund- bahnbauten in der Frankfurter Alleö erhält auch dort dir Straßenbahn in der Mitte der Straße einen eigvn?» Gleiskörper. Auch dort werden die seinerzeit wegen der Untergrundbahnbauten gefällten Bäume wieder angepflanzt werden. Eigene Gleiskörper werden ferner in der K a n t st r a ß e geschaffen, in der Berliner Straße in Tempelhof und in den nach Tegel führenden Straßen. Boruntersuchnng Christian Stolberg vor dem Cnde. Die Voruntersuchung gegen den jungen Graf Christian Friedrich zu Stolbxrg-Wcrnigerodc, die unter dem Verdacht des Vatermordes geführt wird, nähert sich ihrem Ende. Es ist zu erwarten, dah die Voruntersuchung spätestensfin der ersten Häifle des kommenden Monats abgeschlossen werden wird. Mit dem Zwiegespräch über„Die Reform unserer Schwurgerichte* wurden wirklich„Gedanken zur Zeit* vor das Mikrophon gebracht. Vielleicht wußten im großen Publikum allerdings viele kaum, was die einschneidende sogenannte„Emmin- gersch« Reform" der Schwurgerichte bedeutete. Die Zeitungen hoben sie freilich oft erörtert: aber viele Leser pslegen ja immer nach an den Artikeln vorüberzugehen, die, wie' sie denken, nicht dos Problem ihres Alltags berühre». Aber mit dieser Aenderung der Zusammensetzung der Schwurgerichte ist tatsächlich eine grund legende Aendtrung in der Strasrechtspflege eingetreten: der Anteil des Volkes an der Rechtsprechung ist wesentlich geschmälert worden— die Buchstaben der Rechtswissenschost haben-über dos natürliche Rechtsempfinden Oberlzond bekommen. Rechtsanwall Dr. Klee zeigte das deutlich aus. Landgcrichtsrat Dr. S>« g c r t, der Befürworter der„Emminger-Resorin*. konnte nur mit schwachen Gegenargumenten kommen. Wenn man bedenkt, daß die wichtigsten Strafsachen, die Entscheidungen über Leben und Tod, vor das Schwurgericht kommen, so kann man ermessen, welche Katastrophe für die gesamte Rechtspflege wie für die einzelnen Angeklagten ein unzulängliches Schwurgericht bedeuten kann. Und daß selbst Dr. Siegerl, der gegen das alte Schwurgericht cingcstclUc Rechts- Wissenschaftler, die„Emmingcrsche Reform" für dringend reform- bedürftig hält, bewies am deutlichsten die Notwendigkeit ihres Ab- baues.— Die Unterhaltung chartmuth Merlekers„mit einem Familienvater* über Reiseziele ging leider von den Voraussetzungen eines Reiseetats aus, den nicht viele aufbringen können: nur wenige Familienväter haben«in Einkommen, das ihnen gestattet, für die 14tägige Reise einer vierköpfigen Familie 400 M. auszugeben. Dringen zu wünschen ist, daß— aber möglichst bald—«in Bortrag kommt, der dl« Reisemöglichkeiten für allertleinste Kossen niit genauer zahlenmäßiger Berechnung diskutiert.—„Das Kindermagazin*. die bunte Unterhaltung für jugendliche Rundjunkhöhrcr. traf sehr glück- lich den kindlichen Ton. Reden und Zuruf» wirkten durchaus naiv und natürlich.— Einen freundlichen Dank«oll die Funkstunde auch dafür haben, daß sie den englischen Komponisten Albert W. K e t» l« b e y einlud, einig« seiner Werke vor dem Berliner Mikrophon zu dirigieren. Di« Häver«erden gern mit setner sympathischen Unter. haltungsmuflk nähere Bekanutschaft gemacht habe». Ta«. Tragödie des Alters. Em entlassener Werkmeister greift zur Waffe. Loche«(Provinz Gelder«, Holland). 18. Jw«l.' Ei« devtscher Werkmeister, der lSager alS ei« Me«schenalter i« Holland gearbeitet hat. davo« über 20 Jahre ia de« Lochemer Lederwerken- war vor zwei Jahren bei der Betriebsumstelluag e«t« lassen worden. Er konnte Wege« seines hohe» Alters keine anderweitige Beschäftigung finde«, in seiner Verzweiflung drang er gestern in das Bureau der Lcderwerke eiu und schoß aus den erste« und de« zweite» Direktor. Beide Direktoren wurden lebensgesähr» lich verlebt. Später erschoß der alte Mann sich selbst. Die holläudischeu Behörden habe« die Leiche zu»! Bestattung in Deutschland freigegeben. v.-Zug-Llnfall bei Münster. Am Mittwoch gegen 14 Uhr entgleisten am Kilometerstein 17,4 der Strecke Münster— Osnabrück die fünf letzten Personen- wagen des v- Z u g e s 93 Köln— Altona. Drei Reisende wur. den leicht verletzt: sie setzten ihre Reise mit dem vorderen Teil des Zuges einschließlich Speisewogens nach% ftündigem Aufenthalt an der Unfallstelle fort. Das Zugpersonal ist unverletzt ge- blieben. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht geklärt. Dos Gleis Osnabrück— Münster ist für eine, dos andere für etwa fünfzehn Stunden gesperrt. Sprechchor für Proletarische Felerffaade». Donnerstag. 20., to»e« fangsfaal der Sophirnschulc, Veinrneiflerstraße 16/17, abend» IS'/, Uhr pünktlich, UebungSftunde. Die Kinder kommen um 19 Uhr. Vorträge, Vereine undVersammlungen. % Reichsbanner,„Schwarz-Rol�Sold". Berlin S. 1«. Scbastulnstr. 87/38,$of 2 Tr. D-,u»«r»tag. 20. Zuai. Trcvtow, Dclsocrein: Training der Hand» »**> dallsni.'ler in der Wuhlbeide.«nsciiliehen.d Versammlung bei Bintlcr.— Areitag, 21. Znni. adarlottenburg, Äamerodschait Nhr Vameradschaktoversammluna bei Arndt, Kantstr. 5l. Vortrag Äam. Hellmut Bernstein:.Unsere Wienfabrt". Kameradschaften Votbaus, Evree: 20 Ugr Kursus. Speerstr. 3l. Nachrichten, ng: 20 Ubr Versammlung im Zugendheim Lpreestr. 30. Kameradschaften>rpice. Ziolhanz: 20 Uhr Technischer Abend.—- Wilmersdorf. Zungbanncr: Zuacnbabende finde» jeht regelmäßig jeden(trei, tag von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Wiihclmsaue 128, Zimmer 7. siait. Trentom, Zungbanncr: IS Uhr Spiel im Treptower Part, Wiese ll. lleben der Freiübungen.— Sonaabend, 22. Zuni. Krei, Norben: 17 Uhr Antreten aller arbeitsfreien Kameraden NaMrethlirchstr.<1 in Viindeskleidimg.—- Webding, Ltrtsvercin: Bflichtveronstaltunq.>7 Uhr Antreten bei Kam. Kil» mann, Najareihkirchsir. 41. Srüffnungskeicr des Volksparks Rehberge. Lichten- der»: Bereinsheim Sportplatz. Treffen der Kameraden aller angeschlossenen Ortsvereine mit Angehörigen. Gemütliches Beisammen. Reiaickenborfr 17 Uhe Antreten am Leovoidplatz. Spielleute voll,ählig antreten. Pflichtper» anslaltung.— Veen, lauer Berg. Jugend: Iugendausmaesch nach Wandlitz— Bernau am 2g..80. Juni. Beteiligung an der Sonnenwendfeier. Tahrgelb 1 M Meidungen bis Zl. Zuni bei den Zugendleitern.— Kre«,bcrgi Vonners. tag. 20. Zuni. 18— 20'4 Ubr. Spielwiese Nr. 9 Treptower Park.— 0rt»»er-i» Lichtenberg: Freitag, 21. Juni. 20 Uhr. Kameradschaftslitzungen in folgenden !-okolen: Kameradschaft Borhoaen ausnahmsweise bei Som. Schuler. Wllhlisch- straßc 86: Troveviatz bei Scipkc. Kronprin,cn.sck>en Dnmnaüum, Reichstage vier 0. am Reichstogsgcböude, und jeden Dienstag von 20—22 Uhr Im Schul» Hause Utrechter Str. 80—81. am Wedding. Antängerkurle sowie Ausnahm« neuer Mitglieder»u jeder Zeit. Auskunft erteilt Fritz Plauschinn, Berlin- Zehlendorf. Waldemarstr. 8. Freie Arbeiter-Elpcronto.Veeeinignng. Monalsvcrsammlung Donnerstag. 20. Zuni. 20 UH-. Bortrog des Genoslcn A. Sproeck. Deutsche FriedensgeseAschast. Ortsgruppe Berli». Donnerstag, 20. Zuni. 20 Uhr. Vortrag po» Projessoe Dr. Ludwig Ouidde(Träger des SobelpttiU-) über das Thema.Poung-Abkommen und Rheinlandrölimung. Restaurant Sahlktatt. Bellr.Allionee.Str. 89 lnahe U-Bahnkof Belle.Alliance.Straßel. Lnelitb conrerssilan Club foundcd 18i8 Meetings every Fnday 8 p. rn. Caf( Josty. Potsdamer Platr. Lecturer: Mr. Fuchs on:„The Panama Canal. Guests, Ladies und Gentlemen, are welcome. wellerberichl der östenNichea welkerdlenftslelle verlin nud Umgegend. (Rachdr verb i S!och zymlich heiler und sehr wenm, schwache Winde au» wechlelnder Richtung.— Für Vevtschlaad: Im Weilen und Süden einzelne Mewitterrezen. im Osten noch meist heiter und sehr warm. mmm— mm— mm— mm— Schon wieder ein„Kathreiner"! Dieser Tag« wund« in Berlin in der Gr. Frankfurter Straß« 121 wieder eine Kathreinerstube eröffnet. Mit erweitertem Programm gewissermaßen— denn es gibt nicht nur, wie in allen andere« stathrcinerftuben— eine große Tasse Kothreiner tmit Sahne und Zucker) und ein schönes Stück Kuchen zusammen für 19 Pf., sondern euch sehr gutes Kathreinersahncneis für 19 Pf. und sogar— Eis- kothreiner mit Schiagsahnc! Baid nach der Eröffnung waren dt« hübschen Römne dicht de- setzt,«n Zeichen dafür, daß wirklich«In dringende» Bedürfnis für solch» volkssreundilchen Einrichtungen, wie sie bii Kathreinerstuben sind, besteht. er§a�2ii§ami��uMiU taitge mfaSiMw#(Mm&sj tfanmmäinetU'ati(Meldet» 1enunß'päf(it�%MMm� VBtESEMXG AXTSSESE OuJkve � �Wlaipfetf v„--------- � , ßtHHiff.......0� &fyfvav%WeisS'........ 4� Parieinachn'chien für Groß-Berlin «afeabUBsca für diese Si»ir» find Wtjpji ftrt»-» da» B«,Irk»s-krrt->ri<»t »« r l t««««. Liudexftraße». 2. H»s, 2 Treppe» recht», zu richten. 4. flrei« vreuzluuer«er«. Freie«chulgemeind«! Heut». Donnerstag, 20. Zuni, i»>4 Udr. in der Schule Danziget Sit. 23, außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Bericht vom Bundestag in Braunschweig. Unsere Folge. runoen. S.«reu Friedrichshai«. Di»«drechnung der BM-tt« von der Eonnenwend- seier muß umgehend mit dem«reietosslerer erledigt werden. EvSteflen, »i, Freitag. 21. Juni. II. Krei« Schöneder«.«er 11.»res« veraustaliei gemeinsam mit dem 1». und 12. Srei« am Sonntag, 23. Juni, im Grunewald. Aronprinzenallee 31, qegenSder der Finlenstraß«,«in waldirrsfen. Beginn Ii Uhr. Fohrver- bindnng: Linie 43, Endstation. Musik, Zugendspiele. rinze, Puppentt�otcr. llnlostenbeitrag 2« Bs.«arten nur de! den«bteilnngsleltern erhältlich. Zahlreich« Beteiligung wir» erwartet. I».«rei»«Spenick. Freitag, 21. Juni, lt\i Uhr, gemeinsame Sitzung de, Bildungeausschuffe, mit den Bertreicrn der Vereine, welch« ihre Beteili- gun» am Volksfest zugesagt hoben, im Stadttheater«dpenick, Friedrich. strotz« 6. Um pünktliche» Erscheinen wird gebeten. Heute. Donnerstag. 20. Zuni. 8.«dt. 88 Uhr Fnnkkionirversammlung bei Dornbach, früher Scheffler, Bvlowstr.«. 33.«dt. Siehe heutig« Rotij l.«res». Morgen, Freitag. 2t. Zuni. 32.«dt.«chtung!«I Uhr Borstandssitzung mit Gruppenleitern bei«romp. Hardt. Poul�Singer�tr. 4». Jede Gruppe mutz»ertreten sein.«n. schließend engere Vorstandssttzung. 37.«dt. lSVH Uhr FunktionLrsttzung bei Middeldors, Ebelingstr. 1. 53.«dt. Eharlottendnrg. ZV Uhr bei Reimer, fflilmttsdotfet Str. 21, Fünf. tionürsttzung. 7».«dt. Schöncberg. 20 Uhr des Leitlitz, Sedanstr.«o, Sitzung des engeren Borftandes mit s-imilichen BezirkskoMeeern und Revisoren. Quartals. odrechnungen müssen völligen werden. » 22.«dt. Sonnabend. 22. Znnl, IT Uhr. treffen stch die Gen-Finnen und Gl- nossen am Leopoldvlotz zur Teilnahme an der Erdffnung de» Volksparks Rehberge. Di, Vegirtswhrer müssen ihre Mitglieder«inladen. Frauenveranstaltungen. 3. Acri««MMa«. Freitag, 21. Juni, 20 Uhr, bei Pos«, floloniestr. W, Funktion!! rinnensttzun«.«De«bteilungen müssen vertreten fein. 24.«dt. Leute, Donnerstag, 20. Zuni, 20 Uhr. im«ltersheim, Danziger Straße 32,„Das Wirtschaftsgeld der Kaussrau". Referentin stlara Böhm. Schuch. M. d. R, Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Arei» Ritte! Zeltlagerteilnehmer aller Gruppelt de. Aleises kommen heute im Jugendheim in der Woisenstr. 18 um 17 Uhr zu einer technischen Besprechung zusammen. Erscheinen ist unbedingte Pflicht. Arei» Neukölln: Heute, Donnerstag, von 17—1» Uhr Sprechstunde, Baracke GanghoserlUaße.— Gruppe Jungvolk und Elbestraßc: Heute, 17 sh Uhr, Im Jugendheim Flughafcnstraß«, Besprechung. Werbeabend. Arei« ch-elottenburg: Heute, Donnerstag. 20 Juni, 19% Uhr, Helfersitzung im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gruppe Stralau! Jeden Dienstag und Mittwoch bis I. Okwber, von 1» bis 20 Uhr, spielen wir Falken auf Wies« I im Treptower Park. Jeden Freitag von 18— IfiVj Uhr Heimabend Im Jugendheim Goßlerstr. 31. Buben und Mädel find uns willkommen. J Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation f . 119.«bi. Lichtenberg. Unser Genosse Franz Dürr, Schorrstr. 32. Ist verstorben. Ehre seinem«ndenkenl Einäscherung am Freitag, 21. Juni, 1» Uhr, im Arematorium Daumschulenweg. KM i SozialistlscheArbetterjugendGr.-Verlin 1 NS Jfl Einsendungen fflr dies« lstubest nur an da» Zugendsetretsriai Bfcsi« Iier lfl Berlin«W6S, tstndenstratze 3 Bewegnngschckt: Neuaufnahmen in allen Uebungsstunden. Heute. 191h Uhr, Uebungsstunde für«nfänger und Fortgeschrittene: 20 Uhr Ueben für Wien in der Schule Danziger Str. 23. «rbriterjugend.Faltdootfabrer, die mit dem Faltboot zum Wiener Jugend. tag fahren, treffen sich zwecks gemeinsamer Einfahrt in Wien am 11. Inli, 12 Uhr, in Tulln a. d. Donau. Teilnchmermeldungen sind heilte an Walter Sommer, Friedenau. Aheinstr. 35, zu richten. Augcodtag Wien. Die Reitzahlungen müssen bi» spätesten, Freitag, 21. Juni, geleistet werden. Reue Anmeldungen erfolgen nicht mehr. Heule. Donnerstag. 19K Uhr: Rorde»! Heim Lortzing. Ecke Gvaunstraße..Wandern."—Falkplatz I: Schule Sonnenburgcr Str. 20..Tagespolitische Fragen."— Hosenheid«: Heim Wasser. lorslr. 9. Humoristischer Abend.— Aäpeuicker Viertel! Schule Wrangrlstr. 128. siritungsabend.— Südwest! Leim Lindenstr. 4.— Friedenau: Heim Offen» bochcr Str. Za.„Freunde und Gegner der deutschen Jugendbewegung."— Westend: Heim Sporiplatz Westend.„Siele und Aufgaben der Aommune."— Wilmersdors! Heim Wllhelmsaue 123.„Gemeinschaftserziehung."— Lankwitz: Gemeindeschul» Echulstvatze.„Alkohol."— ssehlendors! Rordschule, Potsdamer Straße 3—7.„Sozialismus und Religion."— Tegel: Heim Bahnhofstr. 13. „Freimaurerei."— Neukölln III: Heute letzter Tag für Wien-Restzahlungen beim Genossen Anoll. Hcrmannstr. 33.— Schönhauser Lorstadt: Schul« Sonnen- burger Str. 20.„Das Fazit der englischen Wahlen."— Lichtenberg.'Rord: Heim Gunterstr. 44. Bortrag des Genossen Engelbert Graf. Intcressserte Gr, nassen anderer Gruppen sind eingeladen. Werbcbezirl Renkölln! Sitzung des engeren W..B..Porstandes mit den Ab- teilungsleitern im Porieisekretariat, Wcichselstr. 7. Alle Gruppen müssen per- treten sein.'_____ Sport. Rennen zu Ruhleben am Mittwoch, dem lS. Zuni. 1. R e n n e n. 1. Prachtm. Tochter sNeuenfelds, 2. Heldin. 3. Siegmund. Toto: 27:10. Platz: 11, 12, 13:10. Ferner liefen: Hutichachtel. Oift CD walba. Baron Duffy, Waldschnepfe, Wenesti, Marone, Heureka, Helgara o. W.. Eudoxia. 2. Rennen. 1. Tdelgunde(Cb. Mill»), 2. Lucie Wattä, 3. Opern- länger. Toto: 88:10. Platz: 21, 24, 48:10. Ferner liefen: Selamlik. Piaster, Adresse, AlcibiadeZ, Christine, Lunaria, Pirus. 3. R« n n- n. 1. Anita Worthh(G. Kaudper». 2 Michael, 3. Dewehphine Toto: 15: 10. Platz: 11. 12: 10. Ferner lief: Arnim. «.Rennen. 1. Landäknecht(J. Mills), 2. Champignon. 3. Carol. Toto: 30:10. Platz: 11. 11, 18:10. Ferner Uesen: Dr. Wagner, Boston, Delila, Hedwig. 5. R e n n e n. 1. Arion Bingen sCh. MillS), 2. HerostraioZ, K Quin qnost. Toto: 13:10. Platz: 11, 12, 20:10. Ferner liefen: Friese, Coro Vube, Quinialne Sial Lancier. Kammerlänger. S. R« n n e n. 1. Lord Arcol Alerander, Marne, Importeur, Meister B., Flaggenlied, Paula A., Peter Harvester. Am 17. Juni, adeild» 9»/« Uhr. ver, schied uns allen un erwariet«ein« liebe Frau, meine geliebt« MuUi, Tochter, Schwiegertochter und Schwägerin Margarete Pohllng geb. ttrehlln im«Net von 29 Jahren. Paol Pobltei Dieter Pohllng Einäscherung am Sonnabend, dem 22. Juni, 1« Uhr, da Aremat-rinm Baumschulenweg. He* HelallartüteHEM VerwnltuniMtelle Berlin Todcsanzslgsn. Den MUgliedern zur Nachricht, daß unier Aolleg«, der Schlosser Richard Benke aeb. 12 Juni 1879. am IS. Juni an Ni-renieidea gestorben ist. Die Einäscherung findet Freitag, 21. Juni,» Uhr, im Arematorium Gtrichiftraß» statt. Rege Beteiligung wird«warte. Am 8 Juni starb an Areb« unser Aolläge, der Maschiaeniormer �Vittielm Rosson geb. 20. Februar 1870 Dl« Einäscherung hat bereit, statt. gesundea._ «Ii A.Juni ftarid ferner unser Aolleg,. der Metallardeiter Otto Schar» Di« Einäscherung hat bereit, statt- gesunde». Ehr» ihre««ndenkenl via Orlnoerwaikung FL« die vielen Beweise herzlicher Teilnahm« bei der Beerdigung meiner liebe» Frau unserer guten Mutter Heihrig Czernitzky sage» allen innigsten Dank Hamill CraratUkT BM AigtMili* Reulplln. Aranoidplatz 10. MMüMMM Anmigi mnnainuiBii8«8T AGillllgi «m Freitag, de«(0. Zuni 1929: Sitzung dar»iNiaran oatsaamualkung. 9U Ortaaerw a iiang. klennm--Ilsrl5liorzt vonnei-lltse,«I«n 20. Zuni, NBebmittäg» Z viir, 0«rmania..au»glatth I Theater,> Lichtspiele usw.) Donnerst., 20. 6. Staats-Oper Unter d. Linden R.-S. 8 191/. Uhr Figaros Hochzeit Staati-Oper Am PI.d.RepubI. IL-S. 144 lOli. Uhr Donnerst., 20. 6. Stadl Oper Bismarcks tr. Turnus III 20 Uhr Sastspiet Diaghliert- Baiiett Staitl.Sd»Bspb. an GesdimMninarkl A.-V. 143 20 Uhr Staati.Seiiiller-Tbeater,Ctiirltli. 20 Uhr Der Friseur tod Heßlagen /t/ Sus&i • Feinste Dessert Obstweine• ErdbeetrbowlK, süss._____ Liter IM Apfmlwmln, süss_______"-.73 Jafiannlsbcsrwsln, m-.93 Klraehweln.süss la___• f.25 Erdbesrweln, süss___" f. 43 • Echte Südweine• Tsrrmgon*. süss________..... Liter 1�5 1.HO ragi Gricchenwoin, süss, rot. Malaga dunkel, süss Jn.r el Sa mos gotd. süss,» Tasano dunkel, süss» Wermuthwein la, für Kranke—.»» Do uro Portwein, extra fein_" Pepsinwein, für Kranke— m Spirituosen '.so 1.90 1.90 1.83 Z.BO 2.60 8 Uhr 8 5. Barbarossa 9256 O'Hanlon& zambuni mid dl« weitereu snraHUoneD PtÄZA [A» PI«,,_ AI«. 8088-8* Tägl.5u.Ö's: Intern.Varietö 1 Vorverkaul stets für die m laufende Woche inkl. Sonntag! Sommer-Qarten-Theater Berliner Preler N58, Käst- Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 fi8lttpl8l 8*11(1»8,k. 818181 Uli« In der Operette LMM Boid'ne lest" ' OpeTatl* In 1 Akten"(30 Mitwitk.) Ferner:..,t 1*1 llolll der pllllll". . Burleske In 1 Akt mhOustel Beer, , Oretel Lilien. Dazu der{rolle neue Tailtlitlil. Anfan| Konzert 4.30. Burleske u. Varlet« 8 DIU. 09*1»»« 8.80. . 1*88» Dsusniai irour VoUuiag. eeeeeeeeeieeeeeeeeei »Sie haben'« gut, Meister Wlbbel— keine Hflhneraagen und brauchen auch nicht so so Isafen wie ich.- ,Na Herr Poitrat— wenn jie welter nichts haben, wozu gibt's denn„Lebewohl"! •1 Gameint 1*1 natürlich das berühmte, von vielen Aemen empfohlene"-----------— Ballen« FnBbad Sei(2 T' Wenn sis Keine cnnMuscnuiiRcn cucucn wviiwh, Sie«usdrficklich das echte Lebewohl In Blechdosen und i andere, angeblich.ebenso gute* Mittel zurück- VolKsbtthne fheitit inBIlifpItll 8 Uhr Berlin, wie es weint u. lach! StutLMilltr-Tti. 8 Uhr Der Friseur von RoBiagen Staaisoper am Platz uer BBPBOllk 71.2 Uhr CarmeD ifliioes Tleater TAglich 8Vt Uhr NHlIxutrilM Lucie Mannheim, Max Adalbert, Herr» mann-Schaufull, Hermine Sterlen Fr. Holländer, Fr. rrleimaRa-FrMeria. ■ffespeiiimar.1 änta.bttiur nur GroB-Berlin Alex ander olalz. • Spirituosen» AqusrlfsrtSportgelit 32%._ Liter 2.75 IndtASS Jdealllkör_____»*_" 3.7S- 2 Ja Feinste CdsIlikörmbisAOX i-," 6.20- 4kOS Weintnnt/ Varsthnltt"�Stas" 3.13- 2.95 Fchter Kom.gsm rein 40X__• 020" 3J25 RtinsrWeJnhmnd•""Stern»»75- 3.73 Achtung 1 1 Liter ,nt hilf MemsSr/< Uhr Stsrnbilder des Sommer* 181/, Uhr Der Blutbail dar tonn« 20,'/, U. Von Pal zu Pol *m Sternenhimmel Tägl. außer Montag* u, Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf Winter ★ CjorrGn� 8 Ußr» iniir. 1818» Rannei«rUDtzt] Bon lehn Jaxs-Olris Myron, Pearl B Ce. u. wultura VarlutA-Nuuhultunl Rose-Theater areBa Frankfurter«tr. 133. TllgUdi 8,1 f Uhn WeiseKem Komfidle In 4 Akten V. H. A. Hilm eartunbOhne: 8,15 Uhr „Die geschiedene Frau" Meichshallen-Thealer Miatzendiua|T] Uhr Sfelliner Sänger u. a.;„eine tlaihl Im XaUwelnkeller". somaierpralMl Biiiettbe- bestellung. Zentrum 11263 Dönhoff- Brottl: (Saal und Garten) — tibz-'—-- ötidi. Mer-Hi. Tiglich S' t UIV Polnische Wirtschaft Theal. d. Westens Täglich 8'/. Uhr Sonnlag 3' 2 u. B'.'t Frans Utzjirs Wslisr- Friederihc Grete Flnkler Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 Lostspleilans Tägl. SV» Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skldelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer tzalll* Preise. Metropol-Tli. Fsstspieia 1929 Tägl. 8 Uhr Blaubart Operette von Olkenbach litbll Dorsch Leo Slezak Lessing-Tbeater Täglich 8',. Uhr iübetrflg'DiA nüraasLIeDe Ein Stück mitMu- sik nach Vemeuil. Trianon-Th. Täglich SV, Uhr Sonntag 3i/> u. V/t Butißlei tir Taaam- seer üansmootuic Morel unterm Himmelben Für jugendliche nicht geeignet Rund Fun khörar tzini Preise. Sareowsky-BOlinen Theater in dsr KOnlggrltzer Straß* Täglich BVt Uhr Rival an Komödienhaus Täglich 8 � Gummimäntel ehroctänzüg«.""Jackett� ' a»utawauanzüge, kinganzi tznwtzlA�WW�W�WVWSeWSWWW Gabardinemäntel. Covezteoatpalekot», illr lebe Figur passend. Sperialität: Bauch. anzüge spottbillig. Gtsellschaflsonzllge toerden»erliehen. Halpern. Rofenthaler. straß« 4. I. Etage.» «»->! von «ig getragen, AavaNergarderob« Millionären,«erzten, Anwälten. Fabelhaki bMige Preise. Empiehl, Taillenmäniel, Paleioi«. Fracks, Smo> kinas, Sehrockanzllge, Hosen, Sport. Gehpelze. Gelegenheitskäufe in neuer Garderobe. Wettester Weg lohnend. üoihringerstraße 50, l Srevp«. Rosen. kbaler Platz. pstctick Poienimairatzev„Primisssma". Metall. betten. Auflegemairatzen. Chaiselongues. Walter. Siargarderüraße achtzehn. Aein Laden »lldelkänse* merke Aeedit »nd da, Mäbeldaw». �-.�PttileV' Beispiele: Schlafzimmer 435. Speisezimmer 045. Herrenzimmer«0. Spieaeischränke 118. Anrichietllchen 75. 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Während zu Beginn des Jahres 1328 in Berlin 33S 733 Arbeiter und Arbeiterinnen frei- gewerkschaftlich organisiert waren, wiesen die Berliner Gewerk- schaften zu Ende des Berichtsjahres 377 6S3 Mitglieder auf. Im Jahre 1928 wurden der freigewsrkschastlichen Berliner Arbeiter- bewegung also 41 95 9 neue Mitglieder zugeführt gegenüber 38 944 im Jahr« 1927. Im laufenden Jahre ging der Mitglieder- Zuwachs weiter, so daß die Berliner Gewerkschaften bis Ende 1929 voraussichtlich rund 400 003 Mitglieder zählen dürften. Von der Mitgliederzunahme um insgesamt 12,5 Prozent entfallen auf die Arbeiter 32 311, auf die Arbeiterinnen 8382 und auf die J'igenblichen 1866. Erfreulich ist die Tatsache, daß die Zunahme bei den weiblichen Mitgliedern prozentual höher ist als bei den männlichen, nämlich 13,46 Proz. gegenüber 11,9 Proz. bei den Männern und 12 93 Proz. bei den Jugendlichen. Daß dieser agitatorische Erfolg trotz der beispiellosen Hetze der KPD. gegen die Gewerkschaften erzielt wurde, ist der beste Beweis dafür, daß die Werbekraft der freien Gewerkschaften durch alle Quertreibereien politischer Wirrköpfe nicht lahmzulegen ist und immer weitere Teile der unorganisierten Arbeiterschaft Ver- trauen zu den Gewerkschaften fassen. Die günstige Entwicklung in der Mitgliederbcwegung wirkt sich natürlich auch auf die Finanzen der Berliner Gewerkschaften aus. Die Gesamteinnahmen der dem Ortsausschuß angeschlossenen Orga- nisationen stiegen im Jahr« 1928 gegen dos Jahr 1927 um 5 486 989 M. oder um 27,31 Proz. auf 25 576 915 M. Ausgegeben wurden im Berichtsjahre 21 325 791 M.. also 4 231 363 M. oder 24,75 Proz. mehr als im Jahre 1927. Der Lokalkassenbeftand der Berliner Gewerkschaften erhöht« sich im Bor- fahre um 1 255 628 M. oder 41,92 Proz.. so daß die Berliner Gewerkschaften Ende 1928«in Lokalkassenvcrmögcn von 4 251 124 M hatten. Di« von den Kommunisten immer wieder aufgestellte Behaup- tung, die Gewerkschaften seien in der Frag« der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterschaft untätig, wird am treffendsten widerlegt durch die in dem Jahresbericht des Ortsaus- fchuffes gemachten Angaben über die Lohnbewegungen und Streiks im Vorjahr«. Danach wurden im Jahre 1328 in Berlin insgesamt 899 Lohnbewegungen mit und ohne Arbeitseinstellung geführt, an denen 758 352 Personen beteiligt waren, wovon 296 747 unorga- nisiert waren. Von den 899 Lohnbewegungen führten 163 zum Streik und sieben zu Aussperrungen. Daß mehr als vier jünffel aller Lohnbewegungen ohne Arbeilseinflcllung beendet wurden, ist größtenteils auf die Stärke der Organisation zurückzuführen. Jnteresiant sind auch die Angaben darüber, wie diese Bewegungen beendet wurden. Von 867 Lohnbewegungen, über deren Abschluß dem Ortsausschuß berichtet worden �st, wurden 28 vor Tarisschiedsgerichten, 263 vor den amtlichen Schlichtunzs- instanzen und 579 durch freie Vereinbarungen zwischen den Tarif- Parteien beendet. Don 68 für verbindlich erklärten Schiedssprüchen wurden 25 auf Antrag der Unternehmer und 43 aus Antrag der Arbeiter verbindlich erklärt. Von sämtlichen Lohnbewegungen waren nur 16 mit 2852 Beteiligten infolge mangelhafter Organisationsverhältnisse er- folglos. Ueber den finanziellen Erfolg der Lohnbewegungen insgesamt läßt sich nichts Zusammenfastcndcs sagen, da die einzelnen Gewerkschaften ganz verschieden darüber berichtet haben. So haben einzelne Gewerkschaften die Lohnerhöhung pro Woche und Mitglied, andere wieder die insgesamt pro Woche erzielte Lohnzulage für alle Beteiligten, wieder ander« den Betrag pro Jahr usw. angegeben, so daß sich ein Durchschnitt schwer feststellen läßt. Die Ausgaben für Lohnbewegungen betrugen über Ich Millionen Mark. weit mehr als das Doppelte der für den gleichen Zweck im Jahre 1927 verausgabten Gelder. Daß das Gros der Berliner Arbeiter den Achtstundentag praktisch durchführt, beweist eine dem Jahresbericht beigefügte Statistik, wonach 678 928 Arbeiter und Arbeiterinnnen 48 Stunden und weniger pro Woche arbeiteten, 31 664 bis 52 Stunden und 3283 über 54 Stunden. Der 163 Seiten umfassende Jahresbericht vermittelt weiter«inen Einblick in die vielseitigen, von einem erheblichen Teil der Eewcrk- schaftsmtglieder wenig beachteten Aufgaben des Ortsausschusses, wie es zum Beispiel seine Arbeit bzw. Mitarbeit in den gesetzgebenden und sozialpolitischen Verwaltungskörperschaften der Wohnungswirt- fchaft, dem Bildungs- und Erziehungswesen, der Gewinnung und Betreuung der Jugendlichen usw. ist. Die Lektüre des Jahresberichtes kann nur jedem Gewerkschafter, besonders aber denen empfohlen werden, die die Schwierigkeiten und Hindernisse nicht sehen wollen, die sich den Gewerkschaften in ihrem Kampfe um die Befreiung der Arbeiterschaft von den kapitalistischen Fesseln entgegenstellen und die ihre Gewerkschaftspolitik rein gefühlsmäßig treiben, oder sie auf die Parolen der gewerkschaftsfeindlichen KPD. abstellen. O. Sch. * Der Jahresbericht des Berliner Ortsausschusses wurde von seinem Vorsitzenden Genossen Bredow in der Plenarwersamm- lung am Dienstag noch in einigen Punkten ergänzt und den Dsle- gierten zur Kritik unterbreitet. Die Delegiert-.- n bekundeten damit, daß sie auf jede Debatte über den Bericht verzichteten, daß sie die im Vorjahre ooni Ortsausschuß und den ihin angeschlossenen Ge- werkschasten geleistete Arbest vollauf anerkennen. Lediglich ein Delegierter der unter komnmnistischer Leitung stehenden Berliner Zahlstelle des Schuhinacherverbandcs, dem Genosse Bredow vorge- halten hatte, in der vorigen Plenaroerjonimlung über die Feier- tagsarbest in der Schuhfabrik von Leiser wissentlich die Unwahr- heit gesagt zu haben, versuchte, diesen Vorwurf als unberechtigt zurückzuweisen. Sein hilfloses Gestammel vermochte jedoch keinen der Delegierten von seiner Unschuld zu überzeugen. Der Mohr blieb eben schwarz. Auf Anregung des Genossen O r t m a n n vom Verkehrsbunid faßte die Plcnarversammlung«inen einstimmigen Beschluß, in dem den Bestrebungen auf Zerschlagung der Facharbeits- nachweise entgegengetreten und gefordert wird, daß die Fach- arbestsnachweise in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Von den Vertreten, des Vorstandes des ADGB. im Vorstand und Verwai- tungsrat der Reichsanstalt wird erwartet, daß sie in diesem Sinne wirken. Di« Wiederwahl der besoldeten Mitglieder des Vor- üa ndes sowie die Wahl der Vertreter der Industrie- ' r u p p e n im Vorstand erfolgte einstimmig, mit Ausnahme der Vertreter der Industriegruppen Lebens- und Genußmittelindustrie und der Lederindustrie, wo sich die Industriegruppen auf keinen ge- meinsamen Vorschlaq geeinigt hatten. Nach längerer Aussprache wurde für die erste Gruppe Gl-nosse H o d a p p(Schumann als Ver- treterl und für die zweite Gruppe Genosse Osten(Hoffmann) gewählt. Tarifabschluß im Glasergewerbe. Erhöhung der Stundenlöhne um 9 pfg. Die Berliner Glaser hatten, wie im„Vorwärts" bereits mit- geteill wurde, vor kurzem einen Schiedsspruch des Schlichtungs- ausschusses abgelehnt, wonach die Stundenlöhne ab 1. Juni bis 31. Mai 1933 von 1,55 M. auf 1,62 M. erhöht, der Montellarif jedoch unverändert bis zum 31. Mai 1931 verlängert werden sollte. Es war jenier in einer späteren Versammlung beschlossen worden, zunächst einige Wochen tariflos zu arbeiten und die Bewegung wieder aufzunehmen, wenn die Arbeitsmarkllage günstiger ist. Die Unternehmer hatten aber den Schlichter angerufen, um die Verbindlichkeitserklärung des unzulänglichen Schiedsspruches zu er- wirken. Dic�Parteien einigten sich schließlich in den Verhandlungen vor dem Schlichter dahin, einen vom Schlichter gefällten Schiedsspruch als bindend anzuerkennen. Durch den endgültigen Spruch des Schlichters wurhc der Schiedsspruch des Schlich- tungsausschusses dahin abgeändert, daß ab 1. Juli eine Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde und ab 1. Oktober bis zum 33. Juni 1933 weitere 4 Pf., insgesamt also 9 Pf., gewährt werden. Der Mantel- tarif soll erst am 33. Juni 193l und nicht am 31. Mai 1931 ablaufen. Mit dieser Entscheidung ist der Tarifkonflikt im Berliner Glascrgewerbc beigelegt.___ „Oamenforderungen". Wie uns die Vorsitzende der deutschen Delegation im Welt- bund für Frauen st immrccht mitteilt, hat dieser Bund mit den von uns im Dienstagmorgenblatt gekennzeichneten Forderungen des sogenannten ,£>pco door Council" auf Beseitigung der Arbeite- rinnenschutzgesetze nichts zu tun. Der Frauenweltbund wendet sich vielmehr gegen die Auffassungen des Op-n door Council und tritt für den Arbeiterinnenschutz ein. Er befindet sich somit in Ueber- cinstimmung mit den Vertreterinnen von Frankreich, Italien, Oester- reich, den Vereinigten Staaten und anderen mehr. Ltm die Arbeitslosenversicherung. Erklärung der christlichen Gewertschasten. Der Vorstand des Gesamtverbandcs der christlichen Gewerk- schaften faßte folgende Entschließung: „Bei dem gegenwärtigen Kampf um die Refokm der Arbeits- losenversicherung treten in stärkerem Maße Bestrebungen zutage. die auf eine Gefährdung der Grundlage der Arbeits- losenversicherung und auf eine ungerechte Benachteili- g u n g der unverschuldet von Arbeitslosigkeit und Not Betroffenen hinauslaufen. Insbesondere gehen auch in letzter Zeit im Reichstag gestellte Anträge über das Ziel einer Beseitigung von Miß- ständen in der Arbeitslosenversicherung weit hinaus und be- deuten eine untragbare und unmögliche Verschlechterung der Versicherungsleistungen. Die christlichen Gewerkschaften sind bereit, alle Bestrebungen auf Beseitigung von tatsächlichen Mißständen zu unterstützen, sie wenden sich aber nachdrücklichst und entschieden gegen Anträge auf Der- schlechterung der Versicherungsleistunge», deren Verwirklichung die Not der breiten Volksschichten noch erheblich steigern würde." Die Stellungnahme der freien Gewerkschaften unter. scheidet sich von der in dieser Entschließung zum Ausdruck kommen- den Stellungnahme der christlichen Gewerkschaften durch ihre Kon- sequenz. Die freien Gewerkschaften sind natürlich ebenfalls be- reit, etwaige Mißstände zu beseitigen und wenden sich gegen jede Verschlechterung der Versicherung, allein sie sind bereit, auch die notwendigen Opfer zur Erhaltung der Vcrsicherungsleistungen durch eine entsprechende Beitragserhöhung mitzuübernehmen. Lnternaiionale Llnfatlverhüiung. Wichtige Beschlüsse der Arbeitskonferenz. Die Arbeitskonferenz befaßte sich am Dienstognachmittag mit dem Ergebnis der Beratungen der Unfallverhütungs» kom Mission. Die Kommsssion legte eine Empfehlung über die Einführung unsallvcrhütender Maßnahmen in ollen Ländern vor. ferner ein Zlbkommen, das die Staaten verpslichtet, Kollis mit einer deutlichen Gewickztsangabe zu versehen, und eine weitere Empfehlung über besonder« Schutzmaßnahmen bei Motoren. Im Plenum der Arbeitskonferenz nahm die Arbeiter- g r u p p e verschiedene Verbesserungsanträge, die in der Kommission' abgelehnt worden waren, wieder auf. Es gelang ihr, die Ein- beziehung der Landwirtschast mit 63 gegen 58 Stimmen durchzusetzen. Diese Einbeziehung war zuerst von dem Deutschen Landarbciterverband in Amsterdam gefordert und dann von der Arbeitnehmergruppe der Arbeitskonferenz aufgenommen worden. Ein Arbeitgeberantrag, die Schiffahrt auszuschließen, wurde ab- gelehnt. Ebenfalls abgelehnt wurde ein Versuch des Regie- rungsvertreters der Schweiz, dereinen leitenden Posten in privaten Unfallversicherungsgesell- schaften bekleidet, die Heranziehung von Arbeitern zur Unfallvcrhütungsaussicht, die empfohlen wird, zu streichen. Sattler-, Ta»e>icier nnb PartcfevUIcr. Seutc, Donnerstag, 19 Uhr, im Gcwertschaftshaus, Engelufer?<— IS, Generalversammlung. Bericht vom Ber- bandslag. Äl>5reie Gewerkfchasts-Jugend Groß-Verltn f Soonenweudfeier der greien Sewerlschaft.jugend am Sonnabend, 22. Juni, 21 Uhr, im greilicht-Thcater des Bolksparls Iungfernheide. Mitwirkende: Alfred Beierle,„Der lunge Ehor", Dirigent Heing Tlliessen, Svrcch- und Bewegungschor der lZEI. Berlin lSprechchorwcrk.Er. löfung" von Bruno Schönlank), Schiller der Lochschule für Mufti. Un loste n- traq:.Weltliche Schule und die Religionsfragen".— Wcdding! Gruppenheim Stiidt. Jugendheim Orthstr. 10. Wir find im Jugendheim Turiner Ecke See- strafte. Bortrag:„Wie lese ich eine Tageszeitung?— Köpenick! Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 2. Kreisspielabrnd auf der Epindlerwiese.— Gesundbrunnen: Gruppenheim Jugendheim Rote Schule, Gotcnburgcr Strafte. Bortrag:„Warum feiern wir die Sonnenwende?"— Lichtenberg: Jugendheim Dostestr. 22. Bortrag:„Iugendrecht und jugendwollcn".— Südosten: Gruppen- Hein: Jugendheim Reichenberger Str. Kfi ljeuerwehrhaus). Bortrag:„Der Aufbon der ssGJ."— Tempelhof: Gruppcnhcim Lnzeum Gcrmaniastr. 4—0. Bunter Abend: Bei UNS in Tempelhof.— Schöneweide: Sruppenheim Laufener Strafte 2. oberes hinteres Zimmer. Wir besuchen die Gruppe Köpenick. Wir spielen ab 18 Uhr: Rordring auf dem Sportplaft II des Sportvlah Eantian. strafte: Reukölln-Lermannplah auf der kleinen Wiese Volkspark Hafenheidc: «reis vberspree ans der Wiese 8 im Treptower Bark.— Achtung, Gruppen- letter! Morgen, slreitag, Meldeschluft sür die l?ahrt nach Luckenwalde. Die Meldungen müssen enthalten: Name, Wohnung, Alter, Verband der Teil- nehmcr und an welcher Beftchtigung ftch dieselben beteilige». Die Anzahlung pro Teilnehmer beträgt 1 M. .�unendarupve des?entrakverbondes Ver Anaesteklten Leute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Osten: Jugendheim Litauer Str. 18. Bunter Abend.— Treptow: Jugendheim Wildcnbruchstr. SO fZugang von der Eraeftstrafte in Treptow), llortseftung des Vortrages„Das Seelenleben des Jugendlichen. Referent Arthur Rachow. � Schöneberq: Jugendheim Hauptstr. 15, Hofgebäud« lThilringenzimincr). Eing- G und Spielabend. Ans nnserera Ritten- SlridcwarcnUgert Reinwollene federleichte Jacken doppelt«estrlekt, InOerst praktisch und haltbar. In allen Farbea, auch weifl «8.50 Aernaellote Pullover Reinwollene mit ortet- Dellcn,bandee"t'ckten Mo_ tiyen woiB und farb:g: kaB&tseldenc mit farbigen Bordüren in wumlerTOller Ausführung in«U. Wetle* „15.- Wdittjer tapriCBiertfr Allwetter-Hantel in mode and dunkelblau, mit Faltenffarnicrung im Rücken, aiiffcc5etzten Ta- Bchen und Gürtel, auch in den größten Wc ten zu dem staunen- erregendcn Preise ron 25? 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Und von einer dieser Scltsamteiten, di« sich jeder lostenlo- heute und morgen und sicher auch in nochmals jünfzig Jahren ansehen kann, gehört ein Hinterhof in der Cckernsörder Straße 83. Draußen sieht man ein einfaches, nicht durch Licht verschöntes Schild mit der nüchternen Mitteilung Johannes Umlausf Naturalien Handlung und Lehrmittel. Tritt man darunter in den Hintergrund, dann thront sogleich an der Wand ein großer Büsfelkopf, dann hängt da irgendein Sceungeheuer— und hinten steht ein schmales, dreistöckiges Haus mit einem verstaubten„Kontor" im Erdgeschoß, und dieses Kontor wird regiert von einem rotgesichtigen Faktotum, das mindestens schon dreißig Jahre dort fein seltenes, phantastisches Dasein führt — und es, das Faktotum— geleitet den Besucher di« knarrenden Stiegen hinauf, schließt an einem rostigen Schloß. Man steht in einem Museum... Da sind große Tlasgehäuse, Hirsche und Zebras, Schakale und Wölfe, Leoparden und Affen starren mit ihren gläsernen Augen reglos, wie festgehalten auf Photos, umher— das Stockwerk der Saugetiere. Und dann findet man fertig präparierte Strauße und Kondore, Pinguine und Wildenten, Spechte und Adler, Eulen und Fasanen— alles was die heimische und fremdländische Fauna bietet, ist hier zu finden. Was nicht fertig steht, was„kein gang- barer Artikel" ist, oder wovon man zuviel hat, liegt in den un- zähligen Kasten und Schubladen, ausgebalgt und armselig und des Lebens entkleidet, mit offenem, kleinem Leib.-Dahinein kommt bei der einlaufenden Bestellung der künstliche Körper, und dann hat ein Museum, oder eine Schule, oder ein Jäger ei» Schaustück mehr. Aber nicht allein die Körper— auch die Skelette sind da, und zwar die seltsamsten. Sie stehen auch unter Glas, angefangen bei den Mäusen und den Hühnern, bis zu den Wirbeltieren. Weiß- gelb und ein wenig süßlich stinkend— von den Präparatione»— sind sie wieder zufoimnengestllckt. Mag es eine Giraffe oder ein Gnu, mag es ein Luchs oder«ine Eidechse sein. Knöchelchen um Knöchelchen, Knochen um Knochen � wird aufgezogen aus fernen Drähten, dos fertig« Gebilde stützt man mit Hölzern und die größeren Skelette bekommen doppelten Halt durch an der Decke be- festigte Schnüre. Wiederum in unzähligen Schränken und Schub» laden findet man einzelne Kirochen und Säcke, die des Gerüst eines ganzen Tiere», fertig, gesäubert und präpariert, für den späteren Aufbau enthalten. Die ganze Natur ist katalogisiert und systema- tisiert und Handelsobjekt, um Gebrauchsobjekt für di« Wissenschaft zu werden. Noch eine Treppe höher finden sich Schlangen und Spiritus» körperchen aller Art, einzelne Tieraugen in so und soviel Au»- kapselungen, teils ganz, teils durchschnitten zum Studium des Auf- bau»— es gibt nichts, was es hier nicht gibt! Armselige Körper sind in Spiritus gesetzt und harren des wisienschaftlichcn Be- trachters, der unter Umständen eine dicke Dissertation über Fehl- geburten bei Tieren verfassen will— selbst präpariert« Schmetter- linge, Muscheln, Seestcrne, Seepferdchen, selbst Fische, die trocken und lederartig in den Kasten der Ausbalgung warten, sind da. Man findet einen Elefantenzahn im Gewicht von zwölf Pfiind, einen Backenzahn, man sieht«inen Sägehai. dessen mörderisches Instrument allein nahezu zwei Meter mißt— ober es sind noch mindestens zwanzig einzelne Sägen dieser Viecher da, gebildet aus einer Hornart, di« ebenso hart wie Stahl ist. So sieht das aus. Es sind sogar Seetiere vorhanden, die in zweitausend Meter Tiefe in japanischen Gewässern gefunden wurden. Wurden— �denn die großen Seebeben haben das alles vernichtet, und nun ist es noch jn einer Seitenstraße St. Paulis vorhanden und Museen können es haben. Weiter— im letzten Stockwerk, einem Bodenraum, findet man drei Räume als Werkstätten. Hier sitzen ein paar Arbeiter und ziehen Muskel um Muskel die Fleischfetzen von Tieren ab, um das Skelett zu schonen, aber auch, um die Lagerung der Fasern und den anatomischen Ausbau der Tiere immer wieder zu studieren. Die wisseisschastlichen Institute verlangen heute nicht nur ein ausgestopftes Tier, sondern ein Schaustück, das der Natur getreu nachgebildet ist. Deshalb schafft man vor jeder Präparation einen Gipsabguß—» dort hinein wird ein« Pappmachä ähnliche Masse gepreßt und dieses fertige, grauweiße Tier erhält dann erst den Balg. Das Faktotum erNärt, man verlange heute vom Fach- arbeiter mehr, als mir ordnungsmäßig« Behandlung des Ma- terials— die Anforderungen der Museen machen es jedem dieser Arbeiter zur Bedingung, ein gutn, Auge für jede Kleinigkeit des Tierkörpers zu haben, damit eben die Natürlichkeit einer Stellung, eines Laufs, einer Aesung zum Ausdruck komme. Gewiß, es gäbe in Süddeutschlond noch ein paar Präparationsanstalten, doch seien die nur sür kkeinere Arbeiten von Belang. Und Umlauffs Bruder, der zweite Sproß dieser alten St. Panlianischen Familie, betreibe auch noch das gleiche Geschäft, aber er arbeite nur völkerkundlich und halte nebenher sein völkerkundliches Privat- museum am Spielbudenplatz offen,— diese Trennung sei zur Vermeidung' von Streitfällen einstmals in Güte erfolgt. Hier oben sind Waschräume, ist ein schanerlich-alchimistischer Ofen, auf dem Gips und die erforderlichen Massen bereitst und die Skelette angekocht weiden, nebenan sind Waschräume und dann ein Zimmer, wo man bereits mit den nötigen Laugen arbeitet. Das alles gor nicht riesig und imposant, und doch auf eine stark riechende, seltsame Art mittelalterlich... Wie der Betrieb läuft? Wir gehen wieder ins Kontor. Der Alte zeigt mir ein paar Briefe von Fonnern aus Austra- lien, Brasilien, Kanada, Sumatra, Japan, Indien— dann kommen Kapitän«, di«„drüben" ihre Leute haben, sich hier vor den Reifen Aufträge holen, in Ueberfe« die Bestellungen weitergeben. Es dauert ein paar Monate, bis ausgefallene Wünsche befriedigt werden— aber Umlaufs weih jedes Tier zu holen. Es gibt Leute, die für ihn nur Schmetterlinge sammeln, andere, die sich auf Affen spezialisiert haben. Seine Abnehmer wieder sind Zoologische Gärten. Universitäten, Schulen, Museen der ganzen Welt, auch Privotsammler, doch die sterben allmählich aus. Obgleich fast alle modernen Museen eigene Präpo votions» anstaltcn haben, kommen sie in die Verlegenheit, für sie uner- reichbore Gegenstände hier zu bestellen. Man denke an die japani- fchen Seetiere. Und da di« Schulen ihren Bedarf fertig auf Lager vorfinden, so senden sie nur einen Bestellzettel: 1 Adler, 1 Hühner- skelett, 1 Eichhörnchen, und einen Tag später steht das Tier auf dem Lehrerpuit. Während der letzten Jahre, meint das Faktotum besorgt, sehe man trüb« in die Welt. Der Wissenschaft fehl« da» Geld, die Mode, Tiere für Privativohnungen ausstopfen zu lassen, sei durch die„neue Sachlichkeit" im Absterben, man halte ständig ein unge- hcures Lager mit Hunderttausende» von Mark investierten Kapitals und der Umsatz bleibe weit hinter dem der Vorkriegszeit zurück. Allerdings werde die Sammeltätigkeit auf der Welt eher größer als kleiner und jedes Jahr sterbe«ine ander« Tierrasse aus. Diese zwei Punkte verbürgen nach seiner Meinung, den Weiter- bestand der kuriosen Naturalien- und Lehrmittelhandlung in einem verborgenen Hinterhof St. Paulis. Er geleitet mich freundlich zur Tür, macht eine Verbeugung und entläßt mich über den engen 5>of. Mir schwirrt es im Kopf, touseich süßliche, etwas übelmachende Gerüche haften noch an mir. Der alte Herr ist jetzt wieder allein in diesem seltsamen Haus. Ob er wohl nach und nach alle Schubladen aufreißt, um die Bälge einstmals flatternder Vögel, einstmals Wasser atmender Fische zu streicheln? Ich stelle mir vor, daß er in den vielen Stunden, da nichts zu tun ist, mit Seesternen und dem zwölf Pfund schweren Clesantenzahn krause, kindliche Bauten errichtet. In der Mitte einen Turm aus dem Wirbclknochen eines Orang-Utans. SCtrei Wellen treffen fich Auf den Türmen Berlins hockt ein grauer Sonnlagmorgen. Jn dieser Stund«— die Glocken schlagen mit frostigem Gebimmel eine nach der andern drei— in dieser Stunde, da oll« andern Lokale schließen, da in den Gaststätten di« Lichter erlöschen und späte Bumm- ler höflich vor die Tür gesetzt werden, öffnet ein kleines Kaffee im Westen der Stadt bereits seine Türen, saugt alles Nachwolk aus, dos vor dem Schlas Reißaus nimmt. Drinnen wimmeri eine Geige, faucht eine Ziehharmonika, hüpft ein« Guitarre. Kellner- gleiten mit fliegenden weißen Jacken wie Segelboote durch ein Meer von Tabaks- qualm. Dunst und Stimmengewirr von Tisch zu Tisch, bringen'm längst überfüllten, winzigen Raum immer neu« Gäste unter, schlichten hier und da«inen Wortwechsel, setzen allzu laut« Krakeeler vor die Tür. behalten im dumpf berauschenden Durcheinander mühsam ihre Gi danken beisammen. An den Tischen, vor dampfenden Kasseetassen, riesigen Portionen sjering oder Kartostelsalat finden sich friedlich zwei bezechte Welten zusammen. Friedlich sitzen gute Bürger, wohlsituiertc, gut gekleidet« Menschen neben allerlei unbestimmbaren nächtlichen Existenzen, deren grausam zerstörte Gesichter das sohle Zwielicht unbarmherzig Linie um Linie,'Furche um Furch« enthüllt. Neugierige, wohlbehütete Bürgers rauen, die hier.chas Nachtleben Berlins" studieren möchten. schicken enttäuschte Blicke van Tisch zu Tisch, lassen schlasgcwohnte, übernächtige Äuge" ausdringlich zu den gemalten Lippen- ihrer Schwestern der kleinen Dirnen einer großen Stadt, Hinüberschweisen, als müßten sich dies- Lippen endlich öffnen, zu sprechen ansangen, jene lastcrhastcn Geheimnisse enthüllen, die in der romantischen Phon- tasie einer„anständigen Frau"«in« wichtig- Rolle spielen. Die Livven aber ösfnen sich nur zu einem Lächeln, einem einstudierten trostlosen Lächeln, das die oerschmmkten Gesichter zu schmerzlichen Masken verzerrt.,. �.... -tuvden dehnen si» wie die langgezogenen seu,z«nden Klange �bbormonika durch den Raum. Die Wohlanstöndigkeit gibt sich be» AnltriÄ de* Lasters, das„Laster" achtet auf bürgerlich« Ruhe uch anständig« Manieren. Die Kellner, das Spiel durchschauend. machen von chrem Recht...sasrnt nach Empfang der Dar« zu kflsfteren" mit an den stillsten Tischen Gebrauch. Dl« Larmer haben Gctt und werden zofsten. Ein ausgemergelter Mensch bestellt m fremdem, südlichem Akzent«ine Portion Kartosselsalat.„Ader rasch, ich verreise!" Nein, er wird nicht verreisen, er bleibt noch dem Essen noch stundenlang sitzen. Er hat einfach Hunger, rasenden Hunger. kann es nicht erwarten, stürzt sich wie ein Tier mit scheuem Seiten- blick auf die Speis«, leert den großen Teller in Sekunden. Ab und zu brüllt gröhlendes Lachen auf und zerbricht miß- tönend das einförmig« Murmeln trauriger Stimmen. Traurig sind all die Menschen, die hier beisammen sitzen, traurig grüßen sie den Tag, der durch die Tür dämmert, traurig, tnnnpf und voller Ekel starren sie aneinander vorbei ins Leer«. Hocken beisammen und fühlen sich unendlich«infam, unendlich müde, unendlich überflüssig. Den guten Bürgern, die Neugierde hierher trieb, teilt sich diese heimatlos« Stimmung mit, die eigene gesicherte Position vergessend. ahnen sie etwas von der ruhelosen Lebensangst gejagter Menschen, denen nichts gehört, als der Hunger, denen Laster, Alkohol und Elend Gefährten sind. Kleine Mädchen, jung noch und müde wie Kinder, verschwinden mit zweifelhaften Kavalieren durch die Tür, schwanken gleichgültig, unüberwindlichen Ueberdrnß im Blick, der morgendlichen Straße ent- gegen. Irgendwo, vier Treppen hoch, in der Mansarde einer Miets- kaserne, gehört ihnen vielleicht ein Bett, gehören ihnen ein paar Photographien an den Wänden, eine bedruckte Decke auf dem zer- schabten Tisch. Zwei Männer beginnen sich in der Trunkenheit zu zanken,»ergessen im Augenblick die eigenen Wort« und starren mit verglasten weit offenen Augen auf di« weiß«.Hand des Geigers, der noch immer die Musik aus den Seiten streichelt. Die Gast« sitzen jetzt schweigend beisammen, als warteten sie auf etwas. Auf irgend etwas, auf den Tag oder das Glück oder di- Ruhe. Und der Tag, der Tag .ist nun wirklich heraufgedämmert. Draußen hallen feste Tritt« übers Pflaster. Ein paar junge Burschen und Mädel, Rucksäcke auf dem Buckel, derbe Wanderstiefel an den Füßen, marschieren zum Bahnhof. Summen leise, mit frischen Stimmen,«ine Melodie:„Mit uns zieht die neue Zeit, mit uns zieht die neue Zeit..." Dann sind sie vorüber.— Im Kaffee wird es von Stunde zu Stunde stiller, die Stühle leeren sich, die Kellner entsernen Speisereste und Bierlachen. Ein Betrunkener fällt polternd unter den Tisch, zwei junge Wejen in Männerkleidern mit Mödelgesichtern und seidenweichen langen Haaren sind aus ihren Stühlen vornüber gesunken und schlafen. Beilage des Vorwärls »Nr. Hehengebliebene Uhr Im Jahre 1917 ist die Uhr stehen geblieben. An einem Früh- lmgstag, genau um 2 Uhr 36 Minuten. Ich erinnere mich noch ganz gut, wie es mir, als gewohnheitsmäßigem An— ihr— Barbei- geher, eines Abends auffiel, daß um sieben Uhr erst zwei Uhr sechsunddreißig war. Doch machte das Phänomen in einer Zeit, in der diese ohnehin aus den Fugen, keinen besonderen Eindruck. Also seither stehen die Zeiger, immer ist es sechs Minuten nach halb drei, gewohnheitsmäßige Vorbeigehcr blicken gor nicht mehr bin auf die Uhr, die In diesen Tagen das Fest ihres zwölfjährigen Stillstandes feiern kann. Es ist eine sehr große Uhr, etwa einen Meter im Durchmesser, zylindrisch geformt, und rechtwinklig, in Höhe des ersten Stockwerks, an die Mauer festgeschmiedet. Sie ge- hört dem Uhrmacher, der knapp unter ihr sein Schaufenster hat. Nie setzt hinter der Glaswand dos Schwirren und Zirpen und Wispern aus, die eilende Geschäftigkeit, mit der das Uhrenkleiimolk die Sekunden aufpickt und verschluckt, indes oben die Große, die Uhr-Kuh laut und bewegungslos, seit zwölf Jahren zwei Uhr sechsunddreißig wiederkäut. Ihr Besitzer wird schon wissen, warum er sie nicht schlachtet, obgleich sie keinen Tropfen Zeit mehr gibt. Ist schon eine Uhr, die geht, ein mit Symbolwcrten behaftetes und von gemütschweren Assoziationen umdrängtes Ding, wieviel mehr ist das erst eine Uhr, die die Zeit ablaufen läßt, ohne von ihr Notiz zu nehmen oder zu geben. Jn der organischen Welt heißt ein Mechanismus, der von sich keinen Gebrauch macht: tot. Ein Zu- stand von so furchtbarer Sinnlosigkeit, daß ihn die Natur, durch ihre Praktiken der Verwesung möglichst rasch zu ändern trachtet. Don jener höchst schaudervollen Absurdität weht ein Schotten auch um di« vor zwölf Jahren stehengebliebene Uhr. Etwas Kaltes, Fatales gibt sie dem Haufe, an dem sie festgenagelt, der ganzen Straße, deren Umvahrzeichen sie ist und dessen Bewohner ihr hartnäckiges Sechs-Mimiten-nach halb drei nervös und übel- launig macht. Gleich einem Symbol kranker Zeit hängt sie da: Ehronos hat den Appetit verloren und frißt nicht. Ihr Ziffer- blatt ist ein gespenstischer Spiegel, aus dem immer das gleiche her- ausblickt, was immer auch in ihn hineinblicken mag. Unbehagen schafft sie wie jeder Leichnam, der sich obstinat im Leben behauptet. -Aber das sind nur so Spinnwebsäden der Meditation, mit denen sich, bei einiger Schreibepraxis, jedes Ding, das ist oder nicht ist, leicht überziehen läßt. Das Besondere, den Geist zum Grübeln ver- lockende solcher beharrlich nicht gehenden Uhr, ihre geheimnisvolle, tiefere Pointe steckt wo anders: nämlich darin, daß sie einmal im Tag und einmal in der Nacht, in einem einzigen bestimmten Mo- ment, obgleich sie seit zwölf Jahren keine Zeit mehr angibt, doch die Zeit angibt. Bei der Uhr, von der hier erzählt wird, geschieht das eben präzise sechs Minuten nach halb drei. In diesem Moment, alle zwölf Stunden einmal, erfüllt die Tote ihr« Lebensaufgabe, indem sie ganz genau mitteilt, wie spät es ist. Sechs Minuten nach halb drei gehorcht sie dem Willen ihres Schöpfers, wird wahr. deckt sich restlos mit der Idee, als deren Ausdruck sie in die Welt der Erscheinungen trat, fügt sich hormonisch in» Gefüge der Mittel und Zwecke, ist, was sie fein soll, vom Sinn de» Daseins mireolisch nmleuchtet.-- Die Nutzanwendung ergibt sich mühelos: Alle Uhren zeigen richtig, man muß nur im richtigen Augenblick auf sie sehen. Alle Menschen sind gut. man muß nur die Chan« haben, sie bei ihrer Güte zu ertappen. Für alles Schiefe kommt die Drehungsphase der treisenden Welt, wo es das Gerade wird. Und du bist noch so miß- trauisch gegen die Liebe, in gewissen Augenblicken, all« heiligen Zeiten einmal, darfst, mußt du an sie glauben. Ich fragte den Uhrmacher, warum er dos Monstrum nicht in Gang bringe.„Schad' um die Mühe", sagte der Mann und be- gründete seinen Spruch nicht weiter. Aber ein Satz, der so wunder- voll auf olles paßt, hat das auch nicht nötig. (Mit Erlaubnis des Verlages Ernst Rowohlt Berlin, dem Buche„Ich bin Zeuge" von Alfred Polgar entnommen.) Jtnekdole aus dein neuen 3tu$land:&1lfiri%dCV Nikolai Iwanowitsch Brjukin, Vorsitzender eines Trusts, fiihr abends im Dienstauto mit seiner Frau in die Operette... Eine gewisse Unruh« bohrte in Brjukins tiessteb Seele. Der Lichterglanz des Logenhanjes, Mustk, liebreizende Arm« und Bein« — der bevorstehende Hochgenuß all dieser angenehmen Dinge schien ihm dadurch ein wenig getrübt, daß er es als durchaus peinlich empfand, im amtlichen Dlenstauto vor dem Theater vorzujahren. „Weshalb beunruhigst du dich eigentlich?" meinte seine Frau achselzuckend.„Du brauchst ja nicht direkt vor dem Theater vorzu- sahnen. Hinter dem Theater ist eine kleine dunkle Seitengasse. Laß den Chauffeur dort halten. Bon dort begeben wir uns in ollen Ehren zu Fuß ins Theater." „Welch ein Glück, eine kluge Frau zu hoben!" wollte Brstlkin laut sagen: er verkniff sich aber lieber dies- Aeußerung und trom- melte ingrimmig an das Chauffcurfenster. Das Auto hielt in der Seitengasse. Brjukins Frau schlüpft« heraus. Hinter ihr entstieg auch Brjukin, sich scheu nach allen Seiten umschauend, dem Wagen. Derblüfst blieb er stehen. Links, rechts, vorne und zu beiden Seilen, kreuz und quer— überall standen Autos. Der schwarze Benz des BolkswiriscfyHiri-t'ts, der Mercedes der Staatsbank, die rotlackierte Fiat-Limousine der Moskauer Kommunal Verwaltung und der elegante Essex des Boll- zugkausschusses... Brjukin schmunzelte und folgt« gehobenen Hauptes mit mutigen Schritten seiner Frau. �_(„Tschudak", Moskau.) Ein felisamcs badengesch'.chttiches Ereignis hat sich im hinter, pommcrschen Oftsceküstengebiet ans der Leba-Nehning zugetragen. Hicr gibt c» ein etwa 2 güm großes Wandcrdüneniebict, die jogc- nannte Lonzker-Wandcrdüne. die ihren Namen von dem Fischerort Lon,zker hat, der vor einigen hundert Jahren von den Sandmassen der wairdernden Düne begraben wurde. Die immer noch in Bewegrmg besindliche Düne hat nun Im Weiterwondern die Ruinen von Lonzker wieder srcigegcben. und dabei hat rra» hochinteressante Funde gemacht, nach d-i'-n man das Todesjahr dic.es ..pommerschen Pompeji" etwa aus das J»hr IZZÜ jesyetzen zu können glaubt. Neben zahlreichen Gcbra'.!ck>kgcaenstänSe». Gewtz- Scherbeii usw. sind auch Geldstücke gefunden morde». d,c von der slüchtcnden Bevölkerung zurückgelassen wurden. Auch heute bot man. allen Bemühungen zum Trotz, die 50 Meter hoch vom Meeresspiegel ansteigende Düne noch nicht ausznl)alten vermocht. Was schafft das Getreidemonopol? Ein Oiskufsionsbeitrag. Di« Preisstürze auf den Weltgctreidcmärkten in den letzten Wochen haben die Frage eines Getreidemonopols wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Obgleich die Einführung eines Getreidemonopols eine alte Forderung der sozialdemokratischen Partei ist, wird auch innerhalb der Partei darüber gestritten, in welcher Form und zu welcher Zeit die Partei für die Einführung dieses Monopols eintreten soll. Ein Getreidemonopol soll bewirken- l. A u s k ö ni m l i ch e Preise für die Erzeuger: 2. einen einigermaßen st a b i l e n Preis für die Getreide- Produkte, die den Wirkungen der internationalen Getreide- spekulation entzogen werden: 3. Verringerung der Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen, die sich seit der Vorkriegszeit beträchtlich vergrößert hat: 4. infolgedessen auch ein« billigere Versorgung der breiten Massen mit Getrcideprodutten. Schließlich kann das Getreidemonopol ein Mittel werden zur planmäßigen Intensivierung und Rationalisierung der landwirt- schaftlichen Produktion überhaupt. Die Einführung eines Getreidemonopols wäre ein wichtiger Schritt vorwärts zur Stabilisierung der Produktion und zur planmäßigen Gestaltung d«r Wirtschaft. ZNarklregelnde Tendenzen überall! Die Tendenzen zur Organisation der landwirtschaftlichen Er- zeuger zum Zwecke einer planmäßigen und geordneten Verteilung ihrer Erzeugnisse sind in der ganzen Welt vorhanden. In Kanada, dem größten getreideproduzierende» Land, hat der F a r m e r p o o l, «ine Art genossenschaftlicher Organisation der Mehrzahl der kana- dischen Farmer, den größten Teil der landwirtschaftlichen Erzeugung in seiner Hand und arbeitet seit Iahren im Interesse der Farmer in wirkungsvoller Weise. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind aus das gleiche Ziel gerichtete Bestrebungen sehr stark, und gerade jetzt werden vom Kongreß in Washington diese Bestrebungen in eine gesetzliche Form gebracht. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß auch in den Vereinigten Staaten wie in Kanada «in« starke Verkaussorganisation den Getreidemarkt maßgebend be- einslußt. In dem dritten großen getreideexportierendcn Land A r- g e n t i n i e n liegt der Getreideexpokt in den Händen von wenigen Firmen, aber auch in diesem Lande sucht die Regierung, unter dem Druck der Farmer, nach Wegen, um den Getreideexport zu rcgu- lieren, gleichmäßig auf das Erntejahr zu verteilen, zu großen Ver- kaufsandrang zu verhindern, so daß bessere Preise erzielt werden können. Diese drei großen Produzentenorganisationen hätten es in der Hand, den W«ltweizenpreis entweder durch Exportdumping oder umgekehrt durch Valorisierungen und andere Maßnahmen zu be- stimmen. Besteht nicht diesen Tendenzen gegenüber die Notwendig- kcit zur Zusammenfassung der Konsumenteninteressen, d. h. der getreideimportierenden Länder durch eine starke Organisation, wie es ein vom Staat getragenes Geireidemonopol wäre? Auch in der Getreidewirtschaft ist das Gesetz des freien Spiels der Kräfte schon lange nicht mehr wirksam. Zollpolitik, Ein- und Ausfuhrförderungen und-verböte, staatliche Kredithilfen, mächtige Produzentenorgani- sation«» schaffen wirtschaftliche Machtpositionen, denen der auf sich allein angewiesene Erzeuger, Händler und Verbraucher nichts ent- gegensetzen kann. Ein Geireidemonopol in Deutschland würde nur in der Linie der Entwicklung liegen. Ein wesentlicher Vorteil der stabilen Preise als Folge eines Gctreidemonopols, sei es als Außenhandelsmonopol oder Vollmonopol, wäre, daß die Spann« zwischen Er-� ze u g e r- und Verbraucherpreisen sich wesentlich er- mäßigen könnte. Der Preis für das letzte Produkt, das Brot, ist in der Regel so gehalten, daß Preisschwankungen des Rohprodukts Getreide ihn nicht wesentlich berühren. Er enthält eine beträchtlich« Risikoprämie für die Preisschwankungen des Rohprodukts. Der Bäcker oder Brotfabrikant ermäßigt bei Preisrückgängen seinen Brotpreis bestenfalls sehr zögernd, während Schwankungen nach oben sich fast unmittelbar in Erhöhung des Preises oder Verringe- rungen des Gewichts ausdrücken. Wenn auch die konsumgenossen- schaftlichen Brotfabriken schon stark preisregulierend gerade auf diesem Gebiete wirken, so müssen auch sie die notwendigen Sich«- rungen gegen die täglichen Schwankungen im Getreid«- und damit Mehlpreis berücksichtigen. Relativ stabile Preise für Getreide werden diese einkalkulierten Risiken wesentlich verringern, und die besten und leistungsfähigsten Produktionsbetriebe werden auf Grund ihrer technischen Ueberlegenheit die rückständigen und Zwergbetriebe ent- weder zwingen, sich ebenfalls zu rationalisieren, oder durch ihre Konkurrenz ausschalten. Es ist durchaus möglich, daß bei stabilen Getreidcpreisen und Verringerung der Preisspanne zwischen Er- zeuger und Verbraucher entweder das Brot billiger wird oder zu- mindestens der Erzeuger einen höheren Preis erhalten kann, ohne daß der Brotpreis eine Erhöhung erfährt. Putzen für Getreidebau und Landwirtschaft. Ein Getreidemonopol wäre auch ein starkes und wirksames Mittel, die planmäßige Rationalisierung der landwirtschaftlichen Produktion vorwärts zu treiben. Die großen, transozeanischen Ge treideernten der letzten Jahre sind nicht nur«ine Folge besonders günstiger Wetterverhältnisse, sondern selbstverständlich auch eine Folge der verbesserten Produktionsmethoden. Die landwirtschaft lichcn Maschinen, die in weiterem Umfang die menschliche Arbeits kraft in den großen Gctrcidcgebieten ersetzen, haben nicht nur eine Verbilligung der Produktion zur Folge, sondern auch bis zu einem gewissen Grade eine starke Verringerung des Wetterrisikos durch schnelle Behandlung und Unterbringung der Ernte. Der Zeitraum von der Aussaat bis zur Einbringung der Ernte in die Getreidesilos wird von Jahr zu Jahr kleiner. Der deutsche Getreidebau wird sich gegen den Preisansturm der großen getreideexportierenden Länder auf die Dauer nicht lediglich durch Zollerhöhungen behaupten können. Es wird notwendig sein, die für den Getreidebau schlechtest rentierenden Böden allmählich anderen landwirtschaftlichen Produktionsarten zuzuführen. Die Fest- setzung der Inlandspreise durch die Monopolverwaltung könnte mit Willen so erfolgen, daß die bisher schlechtest rentierenden Böden überhaupt nicht mehr rentabel sind und daß durch planmäßige staat- liche Einwirkung die Landwirte oeranlaßt werden, diese Böden anderen landwirtschaftlichen Betriebsarten zuzuführen. Das, was jetzt planlos und zufällig durch Hilfsaktionen für die Landwirtschaft geschieht, könnte durch das Mittel der Monopolpreise planmäßig erfolgen, ohne daß in demselben Umfang wie bisher Fehlinvestitionen der Landwirtschaft Verluste bringen. Gerade auf diesem Gebiet zeigt sich der Vorteil der planmäßigen Wirtschafts- gestaltung gegenüber den Zufälligkeiten der freien Wirtschaft. Für große Flächen Deutschlands ist der Getreidebau immer noch die geeignetste landwirtschaftliche Produktion. Andererseits steht es fest, daß in weiten Gebieten Getreidebau betrieben wird, ohne volks- wirtschaftlich gerechtfertigt zu sein. Die Intensivi«nlng gerade dieser Böden könnte die Einfuhr von Butter, Eiern und Fleisch auch ver- ringern helfen. Ein Getreidemonopol darf und wird nicht die Rentabilität des Getreidebaues unter allen Umständen und auf allen Böden sichern, sondern lediglich aus den Böden, di« für den Getreidebau am ge- eignetsten sind. Gerade ein Geireidemonopol wird die E l a st i z i t S t der landwirtschaftlichen Produktion durch plan- mäßige Aenderung der P r o d u k t i o n s r i ch- t u n g c n wesentlich fördern. Zölle allein haben immer die Tendenz, auch ungeeignete Produktionsart«n aufrechtzuerhalten. Bern Meyer. Oer Konsumverein muß siegen! (Schlußsitzung der Konsumgenoffenschasten in Mannheim. Mannheim. 13. Juni.(Eigenbericht.) Die Mittwochtagung des Zentralverbandes deutscher Konsum- verein« wurde mit einem großzügig angelegten R«ferat des Vor- sitzenden des Verbandes sächsischer Konsumvereine, V oll rat h Klepzig, über Wirtschaft und Konsum genossen- schaf.ten eröffnet. Die Furcht der Vertreter d«r kapitalistischen Wirtschostswclt vor dem Sozialismus äußere sich in einer Ver- schärfung des Kampfes für die„Freiheit der Wirtschaft". Di«s«r Kampf gilt vor allem der Konsumgenossenschastsbewegung. Das ist verständlich und für die Konsumgenossenschaften erträglich. Unerträg- lich aber ist die Unehrlichkeit, mit der man der Konsumoereins- bekämpfung das Mäntelchen wirtschaftlicher Moral um- hängt, indem die Arbeit der zusammengeschlossenen Verbraucher als wirtschafts schädigend bezeichnet wird. Die konsumgenossenschaslen schädigen nicht die Wirtschaft, son- dcrn nur das Vrositstreben der einzelnen in der Wirtschaft. Die Arbeit der Konsumgenossenschaften befruchtet die wirtschafts- gcjlaltung, veredelt die wirtschastsaufsassung und schärft das Wirtschastsgewissen. Der zusammengefaßte Bedarf der Konsumgenossenschaftsinit- glicder bildet die Grundlage des planmäßigen Wirtschaftens und des planvollen Aufbaus der Güterhcrstellung. In der Planmäßigkeit des Wirtschaftens aber zeigt sich die Ueberlegenheit der ko» suni genösse nschastlichcn Arbeit. Eine besondere Stärke der konsumgcnossenschastlichen Bedarfs- deckung offenbart sich in der richtigen Anwendung der zusammengeballten �Einkaufskrast. Die Einkaufs- Möglichkeiten sind für die Konsumvereine mii ihrer gesunden geldlichen Grundlage erheblich günstiger als sür den größte» Teil des Einzelhandels. Die Konsumgenossenschaften haben sich seit langer Zeit von der Abhängigkeit gegenüber dem Großhandel freigemacht. Sie übernahmen selbst die Funktionen des Großhandels und bildeten den Großeinkauf zu ihrer schärfsten Waffe aus. Den Konsumvereinen steht als Küterbezugsquclle ihr eigenes Wirtschafts- unternehmen, di.e Großeinkaufsgesellschast Deutscher Konsumoerei« in Hamburg, zur Verfügung. Die Leistungsstärke dieses konsum- genossenschaftlichen Wirtschasisbetriebes wird von keinem anderen ähnlichen deutschen Wirtschastsuntcrnehmcn erreicht. Die finanzielle Unabhängigkeit bringt den Sonfumgenoffen- schafte» eine ständige Erweiterung ihre, Machtbereich». Die Finanzkrast der Konsumvereine ist heule stärker denn je. Für die Konsumgenossenschaften war das Wort„R a t i o n a- lisierong" niemals ein Schlagwort, sondern stets ein lebendiger Grundsatz. Nicht nur heute, sondern seit Anbeginn ihrer segensreichen Tätigkeit haben die Konsumvereine die Rationalisie- rung, also die Erzielung von Spitzenleistungen bei einem Mindest- maß von Anstrengungen, als die zu lösende Aufgabe jeglichen wirt- schaftlichen Wirkens und Wollens betrachtet. Die Arbeit der Konsum- genossenschaften galt stets dem Aufbau und dem Ausbau der Wirt- schaft. Aber sie galt und gilt auch heute noch der Beseitigung' wirtschaftlicher Unzulänglichkeit. Zu diesen wirt- schastlichen Unzulänglichkeiten gehört vor allem die in der Güter- Verteilung zu beobachtende Vergeudung, die in der Aufrecht- erhaltung eines viel zu großen Vertcilungs- apparates besteht. Der Kongreß beschloß dann gegen 13 Stimmen, die Statuten dahin zu ändern, daß der Zentroloerband deutscher Konsum- vereine in das Vereinsregister einzutragen ist. Anschließend referierte S ch w c i ck e r t von der gcnossenschoft- lichen Fortbildungsschule über das konsumgenossenschaftlich« Fort- bildungswesen. Nur von der Richtigkeit der Gcnossenschaftsidee und von ihrer praktischen Durchführbarkeit überzeugte Menschen können Wegbereiter und Träger dxx von uns geforderten Bedarfswirtschaft sein. Findet sich bei solcher Arbeit im Dienst der Verbraucher kaufmännischer Sachverstand mit organisatorischem Geschick und genossenschaftlichem Verantwortungsbewußtsein zusammen. so sind die führenden Männer und Frauen da, denen die Geschicke der Konsumgenossenschaften überantwortet werden können. Die Zahl solcher Frauen und Männer in Mitarbeiter- und Mitglieder- kreisen zu vermehren, dem jungen aufstrebenden Nachwuchs Weg und Richtung zu weisen, alle zusammen mit dem Ernst der Zeit und der Größe der genossenschaftlichen Zielsetzung zu erfüllen, das ist die wichtigste Aufgabe der zentralen Erziehungs- und Fortbildungsarbeit. Der Zentroloerband deutscher Konsumvereine und die Fort- bildungskommission begrüßen besonders die Maßnahme der Kon- sumgenossenschaften, die auf ein« besondere Belehrung der Frauen, auf Vertiefung ihres volkswirtschaftlichen und genossen- schastlichen Wissens und auf ihre Heranziehung zur Mitarbeii hin- zielen. Erfreulich ist, daß die Zahl der Araueu im Aufsichlsrat der koasumoerelne auf 91, im Genofsenfchafksrat auf SSZ und iu der Verkrclerverfamm- lung auf 1139 stieg. Auch die genossenschaftlichen Frauengruppcn, rund 23, berichten über eine sehr lebhafte, die Genossenschastssachc fördernde Arbeit. Di« Wünsche und Anregungen der Frauen müssen nach Möglichkeit Beachtung finden. Gerade die Konsumgenossenschaft bietet im Rahmen ihrer bedarfswirtschaftlichen Tätigkeit reichliche Gelegenheit für eine harmonischeZusammenarbeit o o n F ra u u n d M a n n. Obwohl Werben und Erziehen ein« Arbeit auf lange Sicht ist und die Früchte bis zum Reifen ihre Zeit gebrauchen, sind doch jetzt schon an vielen Orten gute Erfolge sichtbar, vorwärts mit allen Bestrebungen zur Schaffung des neuen, gemeinwirlschastlich denkenden und handelnden Menschen! Dann ist der weg zur neuen Wirtschaft frei. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde der bisherige Vor» stand wiedergewählt und durch Klepzig-Dresden ergänzt. Mit einem Hoch auf den Zentralverband wurde die stolze Tagung geschlossen, die mit Recht ein« Kampftagung war. Am Grabe des Reichspräsidenten Eberl wird der Vorstand einen Kranz niederlegen._ Oessauer Gas berichtet. Dividende von S auf 9 Prozent erhöht. Die Deutsch« Continentalgasgesellschast in Dessau, da, älteste und größte rein private Gasunternehmen Deutsch- l a n d s, meldet in seinem Jahresbericht eine erhebliche Ausdehnung des Geschäfts und berichtet über die bekannten Erfolge auf dem Ge- biete der mitteldeutschen Ferngasversorgung. Die gesamte Gas- abgäbe ist gegenüber dem Vorjahr von 284,4 auf 336,2 Millionen Kubimetcr gestiegen, die gesamte Eletrizitätsabgabe von 316,1 aus 334 Millionen Kilowattstunden. Obwohl es sich hier um die größte privat« Gesellschaft handelt und auch die Elektrizitätsabgabe für«in Prioatwerk ziemlich erheblich ist, hat doch allein die Stadt Berlin in ihren eigenen Werten eine um 33 Proz. größere Gasabgabe und eine um 233 Proz. größere Kraftab- gäbe als dieses rein private Werk. Auf dem Gebiete der Gasfernversorgung hat die Conti in der Hauptsach« dadurch profitiert, daß sie den besonders in der Provinz Sachsen von den Gemeinden energisch verteidigten Gedar.- ken der gebietlichen Gruppenfernverjorgung gegen die Bestrebnn- gen der Ruhrgas A.-G. in Essen förderte. Auf der Grundlage der eigens für die Ferngaszwecke erworbenen Gewerkschaft Westfalen im östlichen Ruhrgebiet konnte die Dessauer Gasgcsellschast in diesem Jahre gemeinsam mit der Stadt Magdeburg die„Großgaserei Mitteldeutschland A.-G." und die dieser angeschlossene„Gasversor- gung Magdeburg-Anhalt A.-G." zu Fernversorgungszwecken grün- den, und gemeinsam mit der Stadt Magdeburg und das der Berg- Werksgesellschaft Giesches Erben wurde die Gründung der..Mittel- deutschen Kraftwerk Magdeburg A.-G." hinzugefügt. Natürlich haben diese Gründungen die Entwicklungsmöglichkeiten der Dessauer Gasgesellschast erheblich erweitert, so daß der Optimismus des Geschäftsberichts berechtigt ist. Die Gesellschaft hat auch finanziell gut abgeschnitten. Die Gewinne aus eigenen Betrieben und Beteiligungen sind gegenüber dem Vorjahr von 3,43 auf 13,53 Millionen Mark gestiegen und aus dem Reingewinn von 7,38 Millionen wird eine gegen das Vorjahr von 8 auf 3 Proz. erhöhte Dividende verteilt. Oie iote Krediirestrittion. Keine Kreditverteuerung mehr. Der Ausweis der Reichsbank zum 13. Juni läßt auf sämtlichen Konten ein« absolut normal« Entwicklung, sogar eine relativ schwache Inanspruchnahme zur M o na t s m i t t e erkennen. Die Wechselbestände sanken um 233,2 auf 2555,3 Millionen, die Be- stände an Reichsschatzwechseln um 23,3 aus 76,3 Millionen, während die Lombarddarlehen— wie immer zur Monatsmitte— um 12,4 Millionen leicht auf 123,8 Millionen anwuchsen. Di« Gcldcr auf Girokomo verringerten sich um 23,5 auf 632,6 Millionen Mark. Dementsprechend nahm der Ilmlauf an Reichsbanknoten um 183,7 auf 4131,8 Millionen ab, so daß sich, bei unveränderten Gold- beständen, aber um 13 auf 318,5 Millionen erhöhten Deckungs- devisen, die Golddeckung gegen die Vorwoche von 43,4 auf 42,1 Proz., die Deckung durch Gold und Devisen zu- sammen oo.n 4 7,4 auf 49,7 Proz. verbessern konnte. Entscheidend für die günstige Beurteilung dieser absolut normalen Entwicklung ist die Tatsache, daß offenbar keinerlei Krc- diteinschränkungen von der Reichsbank mehr auferlegt worden sind. Daraus ergibt sich der Schluß, daß die Reichsbank keine neue Diskonterhöhung mehr vornehmen wird. Daraus ist heute wieder die zwingend« Forderung abzu- leiten, daß die privaten Banken die von ihnen zum 1. Juni durch- geführte Kreditverteuerung jetzt sofort rück- gängig'zu machen haben. weikere Besserung ans dem deutscheu Arbeitsmarkl. Der Ar- beitsmartt hatte in der zweiten Iuniwoche eine weitere leichte Ent- spannung erfahren. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung dürft« noch den Vormeldungen der Landesarbeitsämtcr bei 753 333 liegen. Weiterhin gute Entwicklung der Deutschen Reichsbahn. Der starke Vertehrsaufschwung der Deutschen Reichsbahn im April Hot sich auch im Monat Mai fortgesetzt. Dies ist uni so bemerkenswerter, well die Düngemitteltransporte zur Früh- jahrsbestellung und die Transport« landwirtschaftlicher Produkte nach der großen Kälie fast ganz aufgehört haben. Die arbeitstägliche Wagengestellung der Reichsbahn betrug im Monat Mai 163 371 Wagen und übertrifft damit die Verkehrs- leistuflgen von April noch um IL Proz. Gegenüber dem Mai 1328, also einem noch guten Konjunkturmonat, ist der Verkehrsumfang im Mai 1923 um rund 7,4 Proz. stärker. Dies ist ein neuer Beweis dafür, daß man dem weiteren Konjuntturvcrlauf optimistisch entgegensehen kann. Die gleichzeitig bekanntgegebenen Einnahmen und Au s g a den der Reichsbahn srnf den Monat April weisen bei 431 Millionen Einnahmen und insgesamt 423 Millionen Ausgaben einen Ueberschuß von 2 Millionen Mark auf. Gegenüber dem Vormonat sind die Einnahmen um 27 Mil- lionen zurückgegangen. In ihrem kürzlich gestellten Antrag aus Tariferhöhung sußt die Reichsbahn bereits aus diesem Einnahme- aussall vom April, ohne jedoch die zweifellos höheren® in- nahmen v o ni Monat Mai zu berücksichtigen. Im übrigen ist bei der jetzt schon günstigen Reichsbahnentwicklung festzustellen, daß der Verkehrsumfang im ersten Halbjahr und denientsprechend auch die Einnahmen bei der Deutschen Reichsbahn stets geringer sind als im zweiten Halbjahr