BERLIN Soimetttag 20. Zum 1929 10 Pf. Nr. 284 B141 46. Iahrgan.z. erschei«ttSin Brand geraten. Dichter Qualm, der den Tunnel schnell erfüllte, und die hervor- schlagenden Flammen verursachten unter den Fahrgästen eine Panik. Etwa 60 Personen wurden verletzt, mehrere von ihnen lebensgefährlich. Annähernd 100 Fahrgäste erlitten schwere Rauchvergiftungen. Eine andere schwere hochbahnkatastrophc ercig- net« sich am 30. Juli vergangenen Jahres auf der New-Dorker Hochbahn. Infolge Kurzschluß war ein Zug mitten auf der Strecke, völlig in Dunkel gehüllt, stehen geblieben, auf den ein nachfolgender Zug mit großer Geschwindigeit ausfuhr. Drei Wagen wurden zer» trümmert. Drei Personen wurden getötet, 16 Per- s o n e n erlitten zum Teil leb-nsgesährliche Verletzungen. Die Wagen waren hauptsächlich mit Ausslllglern besetzt. Hunderte von Todesopfern! lleberschwemmvngskatastrophe in Indien. Nach Meldungen aus Afsam find mehrere hundert Menschen bei großen Ueberschwemmungen in Assam lNordindien) ertrunken. Tausende von Ein- wohnern sind obdachlos. Viele retteten sich dadurch, daß sie auf Bäume kletterten oder ihre Hausdächer durchschlugen, um zum höchsten Punkt des Hauses zu gelangen. DO Proz. des gesamten Viehbestandes sind verloren. Ein großer Mangel an Nahrungsmitteln ist eingetreten. Kampf um den Näumungsbeginn. Frankreichs Rechte für Bargeld./ Die Linke begnügt sich mit deutscher Llnterschrist London. 20. Zuni. lieber die Verhandlungen zwischen Dr. Stresemann und Briand verössentllchen die vlorgenbläller ausführliche Berichte, die sich aber im allgemeinen aus die Wiedergabe der Vorgänge beschränken. Nur in einem pariser Bericht der„Time»' wird darüber hinaus daraus hingewiesen, daß mit der dringend gewordenen Frage der Rhein- landräumung und Einberufung einer Konserenz die alte Doppelsrage der Sicherung der deutschen Zahlungen und der Sicherheit der französischen Grenzen wieder auftauche. Al» die in den meisten Kreisen vorherrschende Ansicht, die die Unterstützung aller Parteien finden würde, verzeichnet der„Times'-Korrespondenl die Forderung, daß die Räumung abhängig gemacht werden sollte von der Mobilisierung der ersten Zahreszahlung des Zoung- Plan», poinrarö würde leicht eine parlamenlsmehrheit für die Räumung auf da» bloße deutsche Zahlungsversprechen hin finden können, aber dann würde sich die Mehrheit vorwiegend au» der bisherigen Opposition zusammensetzen müssen. poincare- der Referent. Sine Darlegung über drei Tage. pari». 20. Juni.(Eigenbericht.) Der Ministerpräsident Poincarä hat gestern vor den vereinigten Kammertommissionen für die Finanzen und die auswärtigen An- gelegenheiten seinen großen Vortrag über die Reparationen und die interalliierten Schulden begonnen. In vierstündiger Rede be- handelte er gestern lediglich das Schuldenabkommen mit Amerika. Er kam dabei zu dem Schluß, daß dieses Abkommen Frankreich lange nicht volle Befriedigung gebe, daß aber nichrs ÄeuffchnationaleRegiemngssehnsucht „Erst wenn klar ist, da» unser Volk da« System Stresemann-Lreitscheid nicht weiter tragen will, werden wir kommen...!" Oeutschnat. Abg. Quaatz im„£o».-An,." ,GS dauert nur so verdammt lange, bis das Volt uns ruf!!' B e s s e.r e s zu erwarten sei. Er übernehme die volle Verantwortung für diese pessimistische Erklärung. Er wird heute über das Schulden- abkommen mit England und morgen über den Doung-Plan sprechen, dann werden sich die Kommissionen auf nächsten Dienstag oertagen, damit Poincorä dann einen Vergleich zwischen dem Voung- Plan und dem Dawes-Plan liefern und am Mittwoch endlich aus osn Fragebogen der Kommissionsmitglieder antworten kann. Da dann aber noch Briand und der Finanzminister zu Worte kommen sollen, werden die Kommissionsberatungcn noch die n ä ch st e W o ch e ausfüllen. Die große Interpellationsdebatte im Plenum der Kammer über die Reparationen und die interalliierte» Schulden, die am 23. Juni beginnen sollte, wird unter diesen Umständen um acht Tage vertagt werden müssen. „Friedliche Durchdringung". Vorposten werben vorgeschoben unb bann Straßen gebaut. Paris, 20. Juni.(Eigenbericht.) Der Kriegsminister P a i n l e o e gab vor der Heereskommission der Kammer eine Erklärung ab über die blutige Niederlage der französischen Marokkotruppen bei Ait Jacub. Er bezeichnete diesrs Ereignis als einen reinen lokalen Zwischenfall. Durch diese Schlappe seien die„Pottzeioperationen" in Marokko keines- wegs gestört worden. Es sei unbedingt notwendig, auch die letzten Schlupfwinkel der Aufständische» aufzuheben. Dazu gebe es zwei Mittel: entweder einen Kolonialkrieg oder die friedliche Durch- d r i n g u n g. Die französische Regierung habe sich für die zweite Methode entschlossen. Sie werde in der Weise gehandhabt, daß noch ausgiebiger propagandistischer Vorarbeit die Vorposten- kette vorverlegt und daß gleichzeitig nach dem Hinterlande feste Straßen gebaut würden. Dabei tonne es natürlich zu Zwischenfällen kommen. Aber nach der Niederlage von Ait Jacub sei heute die Situation wieder vollkommen hergestellt. Wiener Gäste in Britz. Besuch der Wiener in Berlins Groß-Sieblungen. Unsere Wiener Gäste wollten selbstverständlich neben den kommunalen Einrichlungen Berlins vor allem die neuen wohnbaulen besichtigen. Da sie selbst aus diesem Gebiete vorbildliche Arbeit geleistet haben, interessierte es sie, zu sehen, wie Berlin die Wohnungsnot zu bekämpfen sucht. Stadtrat Genosse C z e m i n s k i, der das Wohnungsdezernat oerwaltet, zeigt« den Gästen, die unter Führung des Genossen Seitz erschienen waren, heute vormittag zunächst die Groß-Siedlung Britz, die von der G e h a g errichtet worden ist. Diese Bauten der Selbsthilfeorganisation der Gewerkschaften gefielen den Wienern außerordentlich. Der Geschäftsführer der Gehag, Genosse Franz G u t s ch m i d t, begrüßte die Gäste am Hufeisen der Groß-Siedlung und gab ihnen einige Erläuterungen. Die Wiener bekundeten großes Interesse für die Wohnungen, die ihnen gern gezeigt wurden. Die Bewohner waren auch den Wienern gegenüber voll des Lobes über die Wohnbauten. Außerordentlich gut gefielen unseren Freunden die Architekturen der Häuserfronten und vor allem das um einen Teich gebaute Hufeisen. Fast alle Wohnungen haben einen kleinen Garten, der in das Gesamtbild der Garten- und Hausarchitekturcn einge- lagert ist. Gerade die Verbindung des Cigengortens mit dem sonstigen Grünschmuck der Siedlung erregte die Aufmerksamkeit der Gäste. Von der Groß-Siedlung Britz fuhren unsere Wiener Landsleute nach den Siedlungen am Tempelhofer Feld und von dort nach Schöneberg. Ein Teil der Gäste besichtigte dann noch die Groß-Siedlung in Zehlendorf. Lastauio bei Dirschau verbranni. Dirschau. 19. Junl. Mittwoch ereignete sich unweit Dirschau bei Czarlin aus der Chaussee Virschau-Mewe ein schrecklicher Autounfall. Das Eheorelol-Lastauto des Fuhrhaller» Teofil Ewerlowski aus Neumark befand sich aus einer Fahrt zum wochenmarkle nach Danzig. Unweit der wegegobelung bei Czarlin fuhr das Last- aulo plötzlich gegen einen Baum. Der ganze vordere Teil des Last- autos wurde vollständig eingedrückt. Bei dem Anprall e x p l o- dlerle der Benzinlank. Zm nächsten Augenblick stand der wagen in hellen Flammen. Der wagcnbesiher, der selbst steuerte, und der Händler Tomaschewi-z au» Lübau wurden in den Trümmern s e st- geklemmt. Tomaschewicz konnte befreit werden, während Ewerlowski bis zur Unkenntlichkeit verbrann le. Mißtrauensantrag abgelehnt. Oeutschnational-kommumstischer Vorstoß gegen Hitferdmg. Der Reichstag begann seine heutige Verhandlung unter dem Vorsitz des Präsidenten L ö b e um 11 Uhr mit der zweiten Beratung der Abänderungsgesetz« zum Einkommen-, Vermögens- und Wechselsteuergesetz. Bei der Einkommen st euer sollen die Verluste berücksichtigt werden, di« im vorangegangenen Steuer- abschnitt erlitten worden sind. Bei der Vermögenssteuer soll als Anfangsvermögen das nach den Vorschriften des Steuervereinheit- lichungsgesetzes festgestellte Vermögen in Betracht kommen. Das Wechselsteuergesetz soll in zwei Punkten geändert werdein erstens die Ermäßigung der Steuer für Wechsel, die vom Ausland auf dos Inland gezogen werden und zweitens die Aufhebung der erhöhten Steuer für langfristige Wechsel. Die erste Maßnahme dient der Hebung des Außenhandels, die zweite hat praktisch nur geringe Bedeutung, weil die Arbeit, die mit der Einrichtung und Kontrolle der erhöhten Steuer verbunden ist, in keinem Verhältnis zu ihrem Ertrage steht. Abg. höllein(Komin.) behauptet, daß mit diesen Vorlagen den besitzenden Äassen Sondergeschenke zugewiesen werden sollen, während die besitzlosen Klassen steuerlich benachteiligt würden. Der Reichsfinanzminister Hilfevding suche sich die Gnade der Bank- Herren auf Kosten des Proletariats zu erwerben. -Abg. Dr. Hertz(Soz): Diese Vorlagen bilden einen Teil des Kompromisses, das bei der Vorberatung des Etats beschlossen worden ist» und dem auch die Sozialdemokratie zustimmt. Um kein Mißver- ständnis aufkommen zu lassen, muß einiges über die Ursachen gesagt werden, warum die Sozialdemokratie ihre Zustimmung dazu geben konnte. Zunächst die Aenderung des W e ch s e l st e u e r g e s« tz e s. Es handelt sich nicht um eine Beseitigung dieses Gesetzes, sondern um zwei Abänderungen, die sich im Lauf« der wirtschaftlichen Entwick- lung als notwendig herausgestellt haben. Durch die höhere B e- steuerung der Wechsel in Deutschland sind sehr viele von ihnen nach dem Auslande abgewandert, und wenn wir jetzt di« Gebühr dafür ermäßigen, so ist zu erwarten, daß die Kredit- und Geldoerhältnisse in Deutschland dadurch günstig be- einflußt werden, ohne daß eine erhebliche Verminderung des Ein- kommens eintreten wird. Noch bedeutungsloser ist die andere Aendc- rung, von der nur ein ganz kleiner Teil der Wechsel betroffen wird, nämlich die, die nach ihrem Ablauf verlängert werden. Wie man sagen kann, daß damit ein Geschenk an das Bankkapital gemach: wird, ist unerfindlich. Denn die Tatsache steht doch fest, daß die Wechselsteuer nicht von den Bankkapitalisten, sondern von denen getragen wird, die eine Schuldverpflichtung eingehen. In bezug auf die B e r m ö g e n s st e u e r hat sich der Stand- punkt der Sozialdemokratie in keiner Weise geändert. Seit vielen Iahren wird in Deutschland über die Besteuerung des Vermögens- Zuwachses diskutiert, und es sind viele Gründe dafür geltend ge- macht worden, daß der Teil des Vermögenszuwachses, der n r ch t auf eigener Arbeit beruht, sondern auf der Arbeit des ganzen Volkes, für den öffentlichen Bedarf in Anspruch genommen wird. Wir vertreten nach wie vor diesen Standpunkt, aber durch die Veränderung des Geldwertes infolge Inflation sind bei der Berechnung des Beginnens des Vermögenszuwachses große technische Schwierigkeiten entstanden, und nur in Berücksichtigung dieser Schwierigkeiten stimmen wir der Vorlage zic Wenn die Boraussetzungen für die Feststellung des Beginnens des Der- mögenszuwachses wieder gegeben sind, werden wir nach wie vor mit Entschiedenheit für unseren früheren Standpunkt eintreten. Die Vorlagen werden in zweiter und dritter Lesung an- genommen. Darauf werden die Haushalte der allgemeinen Finanzverwaltung und des Reichssinanzministeriums nach den Beschlüssen des Haus- Haltsausschusses angenommen. Das Haus setzt dann die Beratung des Etats beim Gesetz über die Feststellung des Reichshaushaltsplans für 1929 fort. Bei der Abstimmung wird der von den Deutschnationalen eingebrachte Mißtrauensantrag gegen RelchsfinanzMinister Dr. h i l f e r d i n g gegen die Stimmen der Deutschnationalen. der christlich-nationalen Bauern, der Nationalsozialisten und Komma- nisten abgelehnt. Die„offene Tür" wirbt um Eintritt. Eine Abrechnung mit Fanatikerinnen Der„Opcn-ckoor'.Council, diese vom Weltbund für Frauen- stimmrecht abgesplitterte Organisation, hatte gestern abend zu einer öffentlichen Versammlung im Meistersaal eingeladen, um ihre Ziele darzulegen. Die Vorsitzende, Mrs. Mac M i l l o n, teilte mit, daß bereits Gruppen aus 21 Ländern sich angeschlossen hätten, darunter Mitglieder aus allen Parteien, auch Männer und viel katholische Frauen. Das Ziel ist die Beseitigung des Verbotes der Frauennachtarbeit, des Schwangerenfchutzes und überhaupt jeder Schutzbestimmung, die sich auf das Geschlecht des Arbeitenden und nicht auf die Art der Arbeit stützt. In der Sozialdemokratie, die zu ihrer gestrigen Kundgebung auch Vertreterinnen des Open- lloor-Standpunktes geladen hatte, achten sie den ehrlichen Gegner. Lyda Gustava Heiymann stellte die ungeheuerliche Behauptung auf, daß die führenden Frauen in den Gewerkschaften und am Jnter» nationalen Arbeitsamt sich nur halten könnten, wenn sie sich dem Willen der Männer fügten. Mme. Eraene-Belglen leitete di« Notwendigkeit der Beseitigung des Mutterschutzes von der Mangel- haften R e n t e ab, die die Frau innerhalb der Zeit erhielte, wo ihr die Arbeit gesetzlich oerboten ist. Die temperamentvolle indische Dichterin Naidu glaubte die sentimentalen Schutzab.- sichten der Europäer für die indischen Frauen ablehnen zu müssen. Mme. Luisi-Uruguay bezeichnete die Frauenschutzgesetze als eine Falle, während eine Griechin behauptete, wer so lange unter Sklaverei und Bevormundung gelebt habe, habe jedes Gefühl für menschliche Würde verloren. Rur drei Rednerinnen des Abends brachten einige vernünftige und beachtliche Einzelfälle vor, wo viel- leicht einmal ein- nachteilige Wirkung zu strenger Schutzbestimmungen aufgetreten ist. Das kann der Fall bei einer Schutzgesetzgebung fem. die ihre Berechtigung herleitet aus de» traditionellen Arbeitsteilung, die dem Manne den Beruf und der Frau das H e i m zuweist Genossin Hanna rechnete im Namen der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften mit den Fanatikerinnen von„Open- door* ab. In Europa haben wir fast vierzig Jahre lang die Aus- Wirkungen des Arbeiterinnenschutzes studieren können und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß nicht Abbau, sondern Ausbau not- wendig ist. Die Erwerbstätigteit der Frauen ist trotz Schutzgesetz. gebung dauernd gestiegen und die s ch l e ch t e st e n Arbeitsbedm- gungen für Frauen herrschen dort, wo es k e i n.e Schutzgesetze gibt. Auch wir wollen Gleichberechtigung, aber nicht auf Kosten von Leben und Gasundheit der Frau, die nun einmal für die Schädigungen der industriellen Arbeit empfänglicher ist. I Eine raffinierte Z�ennschiebung. Vorher erkundete französische Wetten. Die Berliner Kriminalpolizei verhastcle einen gewissen S t a n h o l z, der mit zwei Komplicen, einem w u d t t e und einem henske, zusammengearbeitet hat. wudlke und Henske sind noch flüchtig. Die drei haben Telephon- leilungen und Funkverbindungen abgehört und dadurch französische W e t t e n früher anzubringen gewußt als deutsche Buchmacher sie ausgeben konnten. Sie haben durch ihren Trick viele Tausende von Mark auf hohe Wetten erbeutet. Durch das Geständnis des Stanholz hat man Einblick in eine einzig dastehende Organisation von Wettschiebungen er- halten. Um sich nicht nur auf kl«ine Beträge beschränken zu müssen, wurhen als Kapitalisten ein hiesiger Schlächtermeister und ein Fuhrunternehmer beteiligt. Der„Betrieb" wickelte sich folgerchermaßen ab: Stanholz wurden von Wudtke Lokale zu- gewiesen, in denen er sich zu bestimmten Zeiten aufhalten mußte. Durch den Fernsprecher rief ihm dann Wudtke die heimlich abge- hörten Resultate der Rennen zu. und Stanholz eilte nach der nächsten Nebenstelle, um rasch noch höh« Wetten anzulegen. Allmählich ging die Gesellschaft auch dazu über, dos System noch zu verfeinern. Ein weiteres Mitglied war in der Person des Henske dazugekommen Stanholz saß scheinbar harmlos wartend in einer Nebenstelle, während Henske jetzt die Aufgabe zufiel, den Zwischen- mann zu spielen. Der Schlächternxister saß im Lokal. Ihm wurde der Name des siegreichen Pferdes t e l e p h o n i s ch zugerufen, er übermittelte seine Kenntnis dem Henske und dieser schrieb so groß wie möglich das Wort auf den Rand einer Zeitung. Mit dem Blatt in der Hand ging er langsam an der Wettannahmestelle vor- über, und der am Fenster sitzende Stanholz las mühelos das Wort ab und erledigte umgehend fein Geschäft. Der findige Kopf des Wudtke aber war noch nicht zufrieden. Er erbachte«inen neuen Plan, um auch die Gewinne, di« der Schlächter und der Fuhrunternehmer erhalten hatten, wieder in seine Hand zu bringen. Als Stanholz eines Tages eine Wetiftelle verließ, erschien plötzlich Henske, nahm ihm die Z:itel ab und ging hinein, um das Geld abzuheben. Kaum hatte er die Straße be- treten, so wurde er von zwei„Kriminalbeamten" fest gen om- men und abgeführt. Die vermeintliche Festnahme, die ctanholz veranlaßte, schleunigst zu verschwinden, war in Wirklichkeit ein Manöver des Wudtke, die Beamt«n waren falsch. Wudtke er- klärte nun dem Schlächtermeister und dem Fuhrherrn, daß ein umfangreicher Prozeß bevorstände, an dessen Finanzierung sie sich wohl oder übel beteiligen müßten, wenn sie nicht mit in die Sache verwickelt sein wollten. Im Lause der Zeil schröpste er die beiden Wänner, die nicht hervorzutreten wagten, um alle die Summen wieder, die sie durch ihn gewonnen hatten. Endlich wurde aber dem Schlächter die Geschichte doch zu bunt und er machte Anzeige. Daraushin wurde Stanholz festgenommen, während Wudtke und Henske noch gesucht werden. Auf der Suche. Die Nachforschungen nach den flüchtigen Wettschiebern Wudtke und Henske werden fortgesetzt. Bisher ist es noch nicht gelungen, «ine Spur von ihrem Aufenthalt zu finden. Wie es Wudtke mög- lich gewesen ist, di« von Paris hergefuntten Rennresultate abzuhören und seine Kenntnis!« zu verwerten, ist noch ein Rätsel. Die Aussagen des festgenommen«» Stanholz wurden zunächst von der Kriminalpolizei mit einigen Zweifeln aufgenommen. Die lotsächlichen Rennresultale aber bestätigen zum großen Teil seine An- gaben. Es läßt sich nur so erklären, daß Wudtke als wilder Funker nach vielen Versuchen di« GeHeimwelle abgefangen hat. Wo diese Funkstelle gewesen ist, wird noch untersucht. Einmal hatte Wudtke seinen Kompagnons erzählt, daß er in der P o r ck st r a ß e wohne. Sie sahen ihn dort auch aus einem Haus« herauskommen. forschten aber nicht nach, ob er tatsächlich dort eine Wohnung habe. Wie sich jetzt ergeben hat, ist es auch nur ein« Finte gewesen. Glanzstoffbekennlnis zur Sieuerflucht. Deutscher Ltnternehme»patriotismus. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß die Auswanderung des Glanz st offkonzerns nach Holland rein steuerlichen Motiven entspringt. Ein ofsenes Geständnis dieses Sachverhalts veröffentlicht jetzt der Handelsteil des„Lokal-Anzeiger" vom 20. Juni, der schreibt: Die entscheidenden Gründe für die Konstruktion des neuen Konzern» sind steuerlichen Charakters. Von z u st ä n- digerSeite(d. h. von der Leitung der Vereinigten G l a n z st o s s A.- G. Red. d.„D.") wird uns in aller Ofjen- h e i t erklärt, daß man es dem In einem steuerlich privilegierten Lande lebenden niederländischen Anteilbesitzer nicht habe zumuten können. seinen Anteil an einem bkühenden niederländischen Unternehmen an eine unter deutscher Steuerhoheit neu zu bildende Gesellschaft oder sonstige juristische Person hinzugeben mit dem sicheren Er- folg, daß der Ertrag seiner Papiere schon von vornherein, und zwar mit Rücksicht auf die durch die hohen Reparations- und anderen Lasten außerordenllich hohen deutschen Steuer- belastungen(Einkommensteuer 20 bis 30 Proz.), gekürzt wird, bevor er in den Besitz des Ertrages seines Anteils gelangt. In Holland besteht nur eine Dioidendenbelastung von 9,0S Proz. Auf Grund der niederländischen Gesetze bleiben die Erträgnisse, die von Glanzstoff an die Aku fließen, und zwar in Form von Di- videnden, von der erwähnten niederländischen Steuer von 9,05 Prozent zum größten Teile befreit. Der springende Punkt für die Gründung des Konzerns mit dem Sitz in Holland war also die gebotene Rücksicht auf die niederländischen An- teilbefitzer. „Gebotene Rücksicht aus die niederländischen Anteilbe- sitzer"... in diesen Worten drückt sich der Patriotismus eines deuffchen Unternehmers aus. So schreiben— und handeln!— ganz ungeniert die gleichen rechtsparteilichen Kapitalmagnaten, di« der Sozialdemokratie und der Arbeiterschaft dauernd„Mangel an Nationalgefühl" vorwerfen. Dies druckt ein deutschnationales Hugenberg-Blatt ohne' jede Schamempfindung, ohne jede patriotische Aufwallung ab! Geschäft vor Patriotismus! Glanzstoff. Ms Wilhelm seinen Glanz verlor'n, Floh Anno 18 er nach Doorn. Jetzt bringt die Zeitung uns die Mär, Der Glanzstoff flüchtet hinterher. Ob gutes oder böses Zeichen: Sie mögen sich die Hände reichen. Wir woll'n ihr Handeln nicht verdammen: Solch Glanz und Stoff gehör'n zusammen. _ Saab. Bekenninisse der Einsali.' Quaah geht nicht nochmal nach Kanossa.— Das offene Visier der Deutschnationalen. Ii»„Lokal-Anzeiger" führt der deutschnationale Abgeordnet« Q u a a tz, Hugenbergs volkswirtschaftlicher Sancho Pansa, mit mehr Eifer als Geschick die von seinem Meister befohlene Offensive gegen den Poung-Plan. Er hat hierfür sogar eine neue Dolchstoßlegende erfunden(die wievielte?), nämlich den„Dolchstoß des„Vorwärts" gegen die deutschen Sachverständigen". Besonders erhesternd wirkt Herr Quaatz in einer Polemik gegen den Zenirumsabgeordneten Dr. Brüning, der— in etwas unzarter Erinnerung an vergangene Dinge— bemerkt hatte: nach Er- ledigung des Boung-Planes und seiner Auswirkungen würden sich die Deutschnationalen wohl wieder um den Eintritt in die Regierung bemühen. Dieser Tritt aufs deutschnationale Hühneraug« versetzt Herrn Quaatz in helle Wut. Der Schildknappe Hugenbergs poltert los: Herr Dr. Brüning übersieht, daß wir in der Koalition von 1927 ein« Menge gelernt hoben. Unnütz, zu leugnen, daß diese Lehre uns teuer zu stehen gekommen ist____ Selbstverständlich wollen die Deutschnationalen zur Wacht. Politik ist Kamps um die Macht. Aber wir werden keine Borspanndienste mehr für das System der Milte leisten. Erst wenn klar ist, daß unser Volk das Sy'tem Strefemann-Breitscheid nicht weiter tragen will, werden wir kommen, nicht wenn«s in das Schautelspiel der Mittelparteien paßt. Kommen wir aber, Herr Dr. Brüning, so wird es keine Richtlinienpolitik geben! Won geht nicht zum zweiten Wale nach Kanossa. Daß ein deutschnationaler Reichstagsabgeordneter die deutsch- national« Richtlinienpolitik von 1927 öffentlich verdammt und als „Gang nach Kanossa" bezeichnet, ist immerhin originell. Herr Quaatz hat denn auch ein leises Gefühl für die Komik der Situation, indem er fortfährt: Welche Simplizitätl werden Sie ausrusen. Ja— jeder kämpft mit den Waffen, die ihm gegeben sind. Wir fechtrn mit offenem visier. Mit offenem Visier— und oerdeckten Stimmzetteln — wie bei der berühmten Dawes-Abstimmung! Doch eins wollen wir uns immerhin merken: Herr Quaatz schwör» in dem Artikel jede künftige Koalition der Deutschnationalen mit dem Zentrum ad. Damit begräbt er offenbar die Hoffnung, daß di« Deutschnaria- nalen jemals aus parlamentarijchem Wege zur Macht gelangen könnten. Gleichwohl vermeidet er das Bekenntnis zur Diktatur. Das liegt ofsenbar an dem„assenen Visier", mit dem Herr Quaatz ficht. Wie sagt Herr Quaatz so schön?„Jeder kämpit mit den Massen, die ihm gegeben sind." Stimmt! Kopf ab! Ais dahm: Offenbarunqseld... Aus den„Nationalsozialistischen Briefen"(Herausgeber Wge- ordnet er Strasser) Nr. 22 vom 15. Mai 1929: „Die kommende Revolution kann und wird nichts anderes als «ine nationalsozialistische sein, lieber die Schwere des Kampfes läßt uns Adols Hitler nicht im geringsten im unklaren, wenn er' sagt:„köpfe werden in diesem Kampfe inden Sandrollen, entweder die unseren oder die anderen. Mso sorgen wir dafür, daß die anderen rollen." Aus den„Mittellungen der Industrie- und Handelskammer zu Königsberg(Preußen): Haftbefehl« zur Erzwiirgirno de» Osfenbarun gs- eides: Amtsgericht Königsberg(Preeißey). 1. Nationalsozialistische deutsche Arbeiter- parte!, Ortsgruppe Königsberg(Pr.), Hinter Roßgarten 14 Wir begreifen das dringend« Interesse der Nazis an der bald:- gen Herankunst des dritten Reiches, in dem es so lästige Dinge wie Ossenbarungseid und Haft gegen Offenbarungsscheue(offenbar jüdische Erfindungen) sicherlich nicht mehr geben wird. Denn: lieber Köpfe rollen als Fingerchen heben! Motorbootexplosion an der Abtei. Schiffsführer und Schiffsjunge lebensgefährlich verbrannt Heute mittag, kurz nach 1 Uhr, ereignete sich auf der Oberspree. unmittelbar an der Abteil, ein schweres Explosionsunglück. Am Loadungssteg halle dort die Wolorjocht des Som- merzienrols G r ä h festgemacht. Aus dem Boot bcsaad lich außer dem Führer ein lSjähriger Schiffsjunge. Beim An- werfen des Wotor» entstand plöhNch ein Vergaserbraa d, der eine Explosion des Benzintank« zur Folge hatte. Zm Augenblick stand das ganze Boot in Flammen. Der Führer und der Schiffsjunge, die von den Flammen erfaßt worden waren, etfte». lichterloh brennend, ans Land, wo sie bewußtlos zusammen- brachen. Au» dem brennenden Boot schösse« meterlange Stich- stammen nach allen Seiten hervor und sehten die Holzveranda der Abtei in Brand. Lei Redaktionsschluß sind mehrere Löschzüge noch an der Brandstätte tätig. Die Wotorjacht wurde völlig vernichtet. Die Schwervcr letzten wuBen durch die Feurwehr wo Krankenhaus gebracht. Oer Volkspark Rehberge. Großes Spiel« unk» Sportfest am Sonnabend. Das Dezirksamt W e d d i n g hat, wie das Nochrichtenamt Berlin meldet, mit Rücksicht daraus, daß die Neuanlage des Volks- parks Rehberge allen Teilen der Bevölkerung dienen soll, der am Sonnabend stattfindenden Einweihungsseier den Charakter eines V o l k s f e st e s gegeben. Schon von den frühen Bormittagsstunden ab wird die Umgebung des Voltsparks durch die von den Schulen veranstalteten Staffelläufe belebt. Am Nachmittag werden 20000 Schulkinder in vier großen Zügen unter Musikbegleitung zum Festplatz ziehen. Um 15� Uhr wird der Spiel- und Sportbetrieb auf den Wiesen einsetzen. Für die kleineren Kinder wer- den Gesellschaftsspiele und volkstümliche Belustigungen stattfinden. Die größeren Kinder werden auf den verschiedenen Spielwiesen Turnspiele, Bolkstänze und gymnastische Uebun- gen vorführen. Wettkämpfe aus allen Gebieten des Sportes werden ausgetragen. Im Tanzring wird ein Mundharmonika- or che st er konzertieren. Außerdem werden einige Laienspiele vor- geführt. Wer große Musikkapellen werden zur Unterhallung beitragen. Alle an der Deranstaltung teilnehmenden Kinder erhalten durch die Bereitstellung einer Spende des Oberbürgermeisters Milch und Keks. Die feierliche Einweihung des Platzes erfolgt um 18 Uhr am Sporthaus. Die Schulkinder und die Sportvereine werden dazu in der Kampfbahn Aufstellung nehmen. Ansprachen werden gehatten vom preußischen Wohlfahrtsmini st er, vom Oberbürger- m e i st e r und vom B ü r g e r m e i st e r des Verwoltungsbezirks Wedding. Der Koslecksch« Bläserchor wird den künstlerischen Teil der Feier bestretten. Fünfhundert Sänger werden von 19� bis 203� Uhr Volkslieder vortragen. Bei Eintrttt der Dunkelheit wird C.&dtamtis, detten Roman ,Das Regiment des Böten" mir am Freitag abzudrucken beginnen, nimmt unter den Sdimeizer Diditern mie in der zeitgenössischen Literatur überhaupt eine Sonderstellung ein. Seiner Abstammung nach Welsdisdiroeizer, schreibt er seine Werke französisch. Art und Inhalt seiner Dichtungen zeigen dagegen durchaus jene Sdimeizer Prägung, die ohne deutschen Einfluß nicht deutbar märe. Es ist notmendig, bei ihm von einem Stilproblem zu sprechen. Seine Sprache unterscheidet sich, durch ihre Eigenart von der anderer Autoren.. Sie ist zu gleicher Zeit von höchster Einfachheit und von außergemöhnlirher Ausdruckskraft. In ihrer bedrückenden Wucht gleicht sie den Bergriesen, inmitten derer er lebt. Die Alpen und ihre Bemohner sind auch der Gegenstand seiner Dichtungen. Die Anmut und die selbst durch die Schmermut durchklingende I�bensfreude eines C. F. Meyer oder Gottfried Keller sind in ihnen nicht zu finden. Sie stehen außerhalb der Bürgerlichkeit Sie sind proletarisch. Das Leben der Bergbemohner in seiner niederdrückenden Schmer e, ihre Abhängigkeit von einer alles eher als freundlichen Natur tritt uns in düsteren Farben entgegen. Wenn Knut Ramsum einem seiner Werke den. Titel„Segen der Erde" gab, müßte man über das Gesamtmerk Ramuz das Motto„Fluch der Erde" setzen. Das große Grauen in den Bergen, nach dem Ramuz einen seiner Romane bemannte, gespenstert— oft ins Mystische gesteigert— immer wieder durch seine Werke, handele es sich nun um den Nooellenband„Die Sühne im Feuer" oder um die Romane„Ein Dichter kam und ging",„Es geschehen Zeichen" und ff Das Regiment des Bösen it (Grell Füßli-V erlaß, Zürich-Lcipzig-Berlin). Schon im„Regiment des Bösen", dem ersten Roman, den Ramuz schrieb, prägt sich die Eigenart des Dichters ganz aus. Wie hier der Fremde, der sich als Schuster im Dorf niederläßt und die Dorf bemohner unheiloerbr eilend in seinen Bann zwingt, allmählich zum Symbol des Bösen, zum Abbild des Teufels wird, das ist so gestaltet, mie es nur Ramuz oermag. Die Uebersetzung des Romans murde von Emil Wied n er unier Mitwirkung von 4 Iber t Baur besorgt. etn Riesenfeuerwerk abgebrannt. Mit einem Fackelzug der Schüler nach dem Leopoldplatz findet dann die Feier ihren Abschluß. Kinderfest im Volkspark Tempelhof. Die bereits traditionell gewordenen Kinderfeste des Bezirks- jugendamtes Neukölln erfreuen sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit. Auch das diesjährig« erst« Fest hatte, obwohl der sonst üblich« historische Festzug ausfiel, Massenandrang. Tausende von Kindern und Erwachsenen belagerten die große Spielwiese, und fröhliche Scharen tummelten sich unter Aufsicht erfahrener Spiel- leiter. Auf der großen Freilichtbühne zeigt« die Kindergruppe aus der Ballettschule Betty Zabekow hübsche, einfache Tänze. Drei Kasperletheater waren stundenlang umlagert und hielten die Kinder im Bann. Ein Freikonzert erfreute die Massen mit fröhlichen Weisen. Bei Eintritt der Dunkelheit marschierte ein Zug von Stock- lorernen hinter der Musikkapelle. Das Riesenfeuerwerk beschloß den Tanz, der noch lange in den Herzen unserer Kleinen nachwirken dürfte._ Münchener Generalversammlung der Arbeitersänger Bei der Generalversammlung des Arbeiter-Sängerbundes gaben die Münchener Arbeiterchöre zwei Konzerte mit außer- gewöhnlichem Erfolg. Madrigal« Chorwerk«, Chöre von Lendvai und Och», sowie Beethovens Neunte Symphonie standen auf dem Programm. Beschlossen wurde, 1933 in Nürnberg«in zweites Bundessängerfest abzuhalten, in dem proletarische moderne Musik vorherrschen soll. Die Interessengemeinschaft zwischen dem Deutschen Sängerbund und dem Reichsoerbond gemischter Chöre wurde (gegen 9 Stimmen) sanksioniert. Die Tagung, die Dienstag nachmittag beendet wurde, nahm«inen harmonischen, durchaus erfreu- lichen Verlauf._ H. ficine Geheimsthungen mehr. Der amerikanische Senat nahm mit 60 gegen 9 Stimmen eine Entschließung an, wonach in Zukunft die Senatssitzungen immer öffentlich sein müssen. Geheimsitzungen sind künftig verboten. Diese Entschließung ist gefaßt worden, weil vor einiger Zeit der Vertreter einer amerikanischen Nachrichten- oaenwr einen vollen Bericht über eine Geheimsitzung von einem Senator erhalten hatte. Var dem Obersten Gerichtshof hatte er sich geweigert, feinen Vertrauensmann zu denunzieren. Bund Deutscher Mieter e. V. verband Berlin*, v. Am Donnerstag, dem 20 b. Mt«.. findet im Restaurant �Engelhardt', »rückenftraß« 6 d(an der Jannowchbrucke), abends 8 Uhr. eine Fvnktionärveriammlung statt. Tagesordnung: Bericht von der To- «prng des Landesverbandes Preußen in Bielefeld. wetker für Berlin: Bewölkungszunahme und etwas Gewitter- Neigung mit nur geringem Temperaturrllckgang. Für Deutschland: Im Osten weiterhin trocken und sehr warm, rm Westen und Süden strichweis, Gewitter mtt vorübergehender geringer Abkühlung. Brasilianisches Leben. Zu Aluizio Azevedos Roman„Ein brasilianisches M'eihaus". Um einen Hof, auf dem unzählige Waschfrauen ihr Wesen treiben, hat ein kühnes spekulatives Genie Mietkasernen errichtet. Zusammengepfercht wie das liebe Vieh wohnen hier gegen hohe Verzinsung die Arbeiter des Steinbruchs, der Gummi- und der Ammoniak-Fabriken. Früh um 5 Uhr gehen die Männer zur Arbeit, während die Frauen sich wie die Besessenen auf ihre Wasch- zuber stürzen, um den kargen Verdienst der Eheherren wenigstens etwas aufzubessern. Es ist eine West, wie man sie. in Berlin, Paris oder London kennt, die sich von diesen nördlichen Regionen nur durch ihr südländisch blühendes Temperament unterschsldet. Am Sonntag hört man nicht Grammophone und Lautsprecher Steps oder Walzer krähen, sondern die Männer begleiten auf ihren Gitarren brasilianische und argentinisch« Tangos, die mit mehr oder minder Talent von den Frauen als pikante Ankitzelung gewisser Nerven im Unterleib ausgeführt werden. Die Siedlung liegt nicht weit von den großen Avenue» Rio de Ianeiros, wo man genau so wie in Europa die großen Sänger und Filmstare bewundern kann. Es handelt sich also um ein exxotifches Milieu, um das Wunderland der Amazonas, das letztens ein Deutscher als das Dorado verschollener Romantik pries. Wir Europäer sind gewöhnt, Latein» amerita, das ja zum größten Teil in der tropischen Zone liegt, nur als das Land kühner Abenteuerlichkeiten zu betrachten. Daß es in Mexiko beispielsweise auch anders zugeht, hat der Deutsch-Mexi- kaner Travcn in einer Reihe von Romanen geschildert, die den Zauber der Ferne, den romantischen Dunst restlos zerstören. Jetzt liegt in der Serie„Romane der Welt'(Knauer-Verlag, Berlin) ein Werk des brasilianischen Schriftstellers Aluizio Azevedo „Ein brasilianisches Miethaus' vor, das Brasilien ebenfalls völlig entromantisiert. Wie schon gesagt, man tnfst hier ein Milieu, das ebenso trost- los ist wie das europäische der Lohnarbeiter, nur daß hier ein« leichtere Gemütsart die Probleme, um die sich nördliche Völker bc- mühen, nicht zu lösen versucht. Man versucht den Dingen die liebenswürdige Seite abzugewinnen, man lebt mehr in den Tag hinein Für den Außenstehenden allerdings erscheint dieses Dasein ebenso elend wie das in East End, das Jack London in seinem „Menschen der Tiefe' schilderte. Wie überall stehen auf der anderen Seite die Ausbeuter, die mit der Kurzsichtigkeit der Enterbten Geschäfte machen. Den Kam- plex der Mietkasernen hat in diesem Roman ein Portugiese er- richtet, der sich selber nicht den geringsten Lebensgenuß gegönnt hat, sondern der nur eins kennt: von morgens bis abends un- ermüdlich schuften und betrügen und jeden erübrigten Milrei- aus die Bank tragen. Moralische Hemmungen sind ihm völlig unbe- kannt, und vielleicht existieren diese überhaupt nur in den nörd- licheren Bezirken, wo es der Verstand leicht hat, über ein dünner gewordenes Blut zu triumphieren. Und plötzlich erfährt das Leben dieses wackeren kapitalistischen Kleinbürgers eine entschiedene Wand- lung. Sein Nachbar, Großkaufmann und gehörnter Ehegatte, hat sich eine Pairswürde erkauft, und von diesem Augenblick an findet der kleine Krämer keine Ruhe, bis er selbst zu der Geldaristokratie Rios gehört. Je weiter er nun auf der gesellschaftlichen Stufenleiter steigt, desto mehr verschwindet der letzte Rest sittlicher Haltung in diesem strebsamen Zeitgenossen. Aeuherlich von tadelloser Korrekt- heit wird er seelisch immer verkommener, aber dank dieser boden- losen Schuftigkeit heiratet er in eine vornehme ansässige Familie hinein. Ist es wirklich Brasilien? Könnten diese Vorgänge nicht auch in europäischen Metropolen spielen? Merkwürdig, wie sich die Menschen gleichen, wenn man da- bißchen Nationalfarbe abkratzt. Und merkwürdig ferner, wie in der ganzen Welt der Geist einer Zeit gleiche Erscheinungen schafft, denn Azevedo könnte seinem ganzen Stil und seiner künstlerischen Gestaltung nach ebensogut in New Port oder Moskau residieren wie in der Hauptstadt Brasiliens. Die Romantik vor ungefähr einem Jahrhundert zog in den Be- trachtungskreis der deutschen Literaturen ein, die bis dahin»nbe- kannte? Land bedeuteten und uns heute zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Wie damals der Deutsche übersah, daß neben der eigenen Literatur und der Antike Gleichwertiges in anderen«uro- pöischen Ländern wuchs, so vergißt man heute ebenso leicht, daß die Riesenreiche anderer Weltteile eine Literatur und Kunst ge- schaffen haben, die vielleicht die Problematik der europäischen nicht kennt, die aber, abgesehen davon, dieselbe Einstellung hat und ein starkes Eigenleben führt, dos uns seltsam verwandt berührt. Wie lange ist es her, daß man die Vereinigten Staaten nur als dos Land der Dollarmilliardäre, Wolkenkratzer und laufender Bänder ansah? Wie lange kennt man denn einen Upton Sinclair, Jack London. Sinclair Lewis, John Dos Passos, Dreyser oder Zone Grey? Allgemein kann man sagen, daß der literarische Betrieb der Vereinigten Staaten auch dem nicht enzlisch sprechenden Europa heute teilweise erschlossen ist, aber von den literarischen Schätzen Lateinamerikas weiß man hier trotz Pub'ikationen in Fachzeit- schriften so gut wie nichts. Der Brasilianer Azevedo wird daran er- innern, daß es auch in jenen Ländern Setzerkästen und Rotations- Maschinen gibt und einen Geist? der diese Apparate souverän regiert.„Ein brasilianisches Miethaus' ist eine Milieustudie und ein Choraktergemälde, dazu ein sozialer� Querschnitt von einer fach- lichen Gestaltungskraft, die jede Konkurrenz mit den Sachiichkeits- fanatikern in Europa und in den 11. S. A. ausnehmen kann. F. S. Anion Schnack: Tag für Tag. Du hörst plötzlich von der Straße herauf das dumpse, rollende Geräusch eines Wagens. Noch ist es nicht ganz morgen, aber durch den Vorhang ani Fenster und durch die schmlaen Ritzen des her- untergelassenen Ladens dringt der Schein und der fahle Schimmer von Licht und Helle. Decke dich noch zu, Schläfer von dreißig oder zwanzig Iahren, du hast noch Zeit. Das ist die schönste und glücklichste halbe Stunde deines Tages, die Zeit zwischen Erwachen und Aufstehen. Diese halbe Stunde ist der große Traumflug deiner Seele, deine einzige Abenteuere!, da ist es dir erlaubt, die Wunder und phantastischen Dinge, die zwischen Himmel und Erde locken und glühen, zu er- leben. Mit ungebrochener frischer Einbildungskrost— du weiht es, daß der Tag sie dir lähmen und erdrosseln wird— segelst du aus geheimnisvollen und fernen Meeren umher, schweifst du durch weiße verschneite Wälder auf verwegene Jagd. Eine Hand klopft an deine Türe, die Stimme deiner Hausfrau, von der du ein Zimmer gemietet hast, sagt die Zeit, zu der du auf- zustehen gewohnt bist. Du wirst dich waschen, du wirst dich ankleiden, du wirst frühstücken, alles in Eile und hastig, ohne davon entzückt zu sein, ohne dich mit heiterer Sorglosigkeit an dein Frühstück ge- nießend hinzugeben. Vielleicht kam der Briefträger mit Briefen für dich, vielleicht l)at er dir ein paar neue Bücher ins Haus gebracht, in denen du mit nervösen Fingern schnell herumblätterst, vielleicht ist unter den Briefen einer, den die Hand deiner Geliebten an dich gesandt hat. Alles dies ist noch schön und spannend, denn es verbindet dich ge- heimnisvoll und seltsam mit der Welt, mit den großen bedeutenden Städten, mit der verlorenen Ferne deiner Heimat, mit dem Hause deiner allen einsamen Mutter oder mit dem schönen Garten, den deine Geliebte vielleicht soeben durchschreitet. Aber vielleicht hatte der Briefträger gerade an diesem Morgen nichts für dich, dann wirst du wohl einen Augenblick traurig sein, eine Sekunde vielleicht nur oder auch länger, je nachdem du mit mehr oder weniger Sehnsucht Briefe und Bücher erwartet hast. Und schon hast du dich verspätet, du nimmst deinen Mantel vom Haken und deinen Hut vom Halter, steckst dir eine Zigarette an, wünschst deiner Hauefrau wie immer Guten Morgen, eilst die Treppe hinab und bist auf der Straße. Du hast nicht weit zu deiner Arbeitsstätte, du kannst sogar auf verschiedenen Wegen zu ihr kommen und olle hast du sie schon ab- wechselnd gegangen, denn es war dir so eintönig, jeden Morgen die gleichen Häuser zu sehen und die gleichen Schilder zu lesen, die an- zeigten, daß hier der Schneidermeister Friedrich Eines wohnt oder dort der Bäcker Cmanuel Meyer oder daß da Heringe verkauft wer- den und dort Schuhe. Aber manchmal hast du Glück, wenn du die Straße entlang- gehst, da dir eine Frau entgegenkommt, die dir öfter schon begegnet ist und mit der du immer einen heimlichen und lächelnden Gruß ge- wechselt hast. Aber an diesem Tage siehst du ste nicht, dein Blick bleibt an der Türe haften, aus der sie immer herauskam, doch die Türe geht nicht auf und hoffnungslos und bedrückt trottest du deinen Weg wetter. Und da dir dein Weg heute besonders trostlos und long- weilig erscheint, so sängst du wie schon öfter an, deine Schritte zu zählen oder die Zigarettenstummel, die aus dem Trottoir liegen und wenn es mehr als zwanzig sind, die da weggeworfen und verbraucht am Häuserrond liegen, so freust du dich und glaubst etwas Besonderes erlebt zu haben. So kommst du vor das große Hmis mit den fünf Stockwerken und den zweihundertundzehn Türen. Die achtundsiebzigste Türe ist die Türe deines Zimmers. Du machst sie aus wie jeden Morgen, trittst hinein in den grauen öden Raum, ziehst deinen Rock aus und schlüpfst in dein« Arbeitsjoppe. Aus dem Nebenzimmer klappern die Schreibmaschinen, eine heisere und knarrende Stimme diktiert einen Geschäftsbericht, wie sie schon Hunderte diktiert hat, und dann kommt auch schon der Burcaudiener zu dir mit einem Stoß von Akten, die das Signum des Chefs tragen.„Nr. C 28 240 a soll sofort erledigt werden'. So beginnt dein merkwürdiger Tag, junger Mami von dreißig oder zwanzig, jahraus, jahrein, Sommer wie Winter, Frühling wie Herbst. Aber in der Well fahren Schisse von Insel zu Insel, Frauen werden entführt, an verwucherte mrh ewigbtühende Küsten braust Tag und Nacht die Brandung, über schneeumfegte Grate klimmen Bergsteiger und sehen unter ihren Füßen Süden und See, durch Wüste und Sand schnaubt eine phantastische Kamelkarawane, in einem wilden abenteuerlichen Nest wartet eine gluläugige Schön« auf einen Mann, der sie küßt und um die Gelenke nimmt. Du aber, dem das Blut noch nicht verkalkt ist und das Herz noch nicht erschlafft, mußt das Aktenfoszikel Nr. C 28 240 a sofort erlsdigen. Emil Rolde im Kronprinzen-palais. Mäßig unterrichtete Kritiker und Künstler haben sich schon öfters an der Ankaufs- und Ausstellungspolitik des Direktors unserer Nationalgalerie heftig gerieben. Jdealzuständ« zu schaffen ist aber für einen durch zentnerschwere Kommissionen und einen dünnen, ganz dünnen Etat gehemmten Museumsleiter wie Ludwig Iusti eine sehr unbillige Forderung, ihre kritische Ausschlachtung bringt allzu billigen Ruhm. Man sollte sich daran halten, was er unter den schwierigsten Umständen wirklich vollbringen kann. Ich habe persön- sich auch mancherlei Wünsche, die ich im Kronprinzenpalais noch immer nicht erfüllt sehe. Aber ich bin geneigt zu glauben, daß sogar diese im Laufe der Zeit sich erfüllen werden, wenn ich die neueste Erwerbung des Museums betrachte: den Nolde-Saai. Bis vor kurzem bildete der Mangel an würdiger Vertretung der Noldefchen Malerei einen der schwersten Angrissepunkte gegen Iusti. Es ist einfach nicht wahr, daß er den nordischen Maler nicht schätzt, es war ihm nur durch Umstände und Personalpolitit, die eine eiserne Mauer bildeten, nicht möglich, einen Lieblingswunsch zu er- füllen. Die Widerstände sind gefallen, wir haben im Obergeschoß im Kronprinzenpalais, im Mittelpunkt des Traktes gegen die Haupt- wache einen herrlichen und unübertrefflichen Nolde-Saal; großen- teils freilich erst in Leihgaben. Mit einem Mal! An den Seiten- wänden köstliche Landschaften aus seiner schleswigschen Heimat, stimmungsschwer und dramatisch, und aus der Südsee: Stilleben, Figurenbilder. Die ganze Hinterwand nimmt die große neunteilig« Passions- darstellung ein mit dem Gekreuzigten als Mittelpunkt: ein er- schütterndes Dokument aufgewühlter Zeit, eines der ganz wenigen Kunstwerke unserer Epoche, das aus wirklich erlebter Religiosität beruht, das nicht durch Krampf, sondern durch die ungeheure Ein- dringlichkeit seiner farbigen Form auf uns wir« und uns die Distanz zu dem Mythos vor 1900 Iahren völlig vergessen läßt, weil fein Erleben unmittelbar und menschlich geformt wurde und darum jeden angeht, der den Namen Mensch mit Recht trägt. vr. Baal F. Schmidt. Gastspiel Glan. Im Anschluß an die Berliner sieslspiele 1929 gibt Dienstag, den LS. Juni. Bensamin Kiglt ein eigenes Gastspiel in der StaalSoper Unter den Linden Sr singt den Cavaradossi in PucciniS „TaScaV Die ToSca singt Mafalda Salvatini. Dirigent: Leo Blech. Da» Leiiinglheater beendet die diesjährige Spielzeit am Sonntag, dem 23. Juni. Die Wiedereröffnung findet Mitte August statt. Geburtenregelung oder Krieg! Ein amerikanischer(Soziologe über das Wettgebaren. TheaL d. Westens Täglich SV» Uhr Sonntag 3>, u. 8>-i Franz Lehars Weller- lolgi Friederike Grete Finkler Telephon Steinplatz u93I u. 7180 Trianon-Th. Täglich 8V» Uhr Sonntag 3>,, u. SV« Gastspiel der Teoani- seer BanerndaPne Moral unterm Himmeihett Für Jugendliche nicht geeignet. Rundfunkhörer bolhe Preise. Otsdi. Konstler-Th. Täglich SV. Uhr: Polnische Wirtschaft LDstspieihaos Tägl. 81/» Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer Halde Preise. Plane tanuni mmmm am ZOO Verilng. Joadiimsthaler Siraki B.5 Barbarossa 5578 löVi Uhr Sternbilder des Sommers IS1/« Uhr Der Qlutfaali der Sonne ZVUU. Von Pol zu Poi am Sternenhimmel T ägl. au ßer Mon tags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk.. Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PU Kinder 25 Pf Kleines Ttieaier Täglich 8V. Uhr KaB»<■» froren? Lucie Mannheim, Max Adalbert, Herr mann-Schaufuß, Hermine Sterler, Fr. Holländer, Fr. Frledm&nn- Frederldi. Lessing- Theater Täglich 8V. Uhr imuetrüo'Did] nur aus Liebe Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. rneai.Qm Kottb.rcr Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Eilte- Sanger Dl«|UDl- Scnsaiion; „Herl o dal's große Los!" Freitag, den 21. Juni nachmittags 3 Uhr TREFF® aller Werktätigen q.f.ik Zur Alten Niihic Ecke Star garder Str Prenzlauer Allee ecke st"r Verkehrslokal der organUicrten ArbcitcrsdjaÖ Albert maao Prenzlauer Allee 232 Vereinszlmmcr frei. TREFF® der organix.Arbeiterschait Ernst Prenzlauer Allee 239 tQ,Fi54 — Famllienheim— PAUL KROLL N. 65, Utrechter Strafe 21 Verkebrslokal der 1G.F.I54 organisierten Arbeiterschaft tfwinemOnder GesellsdialfshaiMl Inhaber: A KALLIES Säle frei! Zum Südwest-Afrikaner WoistoiKOP Lichtenberger Str. 12. Ecke NvlUCIlöCv, Slraßburgitraße Tel-f.92 Veretnszlinnier I. Ver*nmin onüen and FestiutiKeiten. franz. Bit ard Wilhelm Peters Verlange in HarzKäse „Garhoizumerlst das Bester „N. S. tadellos!** L-Juergens Alexanderplatz 'Neue Königstr, // auch bis su 18 Monats- Raten föaMßtfo Berlin W66. Leipziger Strasse 122/123 Die organisierte Arbeiterschaft verkehrt bei Stempel-Fabrik Robert Heclll Inhaber: Alfred Schneller Jetzt: Berlin sia.Annenstr.lo Fernruf: F 7, Jannowitz 3618 Bierhaus Gudrunstr. 7: Am Zentralfriedhof BtlliOste Bezugsquelle für PEioioapparafe Marken-Kameras stets Gelegenheit Photo- Schlesinger er. Frankfurter»fr. 11 rB.2s Großdestillatian Hadfepeier Eigene Thür. JVorstfabrika lon Adolf Schrapel[g.f.19. Grünthaler Str 13 Ecke Bellermann ir »» tt Grcitswaider Str. 193 Bettfedern/ Daunen/ Inlette tertige Betten/ Bettstellen Bettväscbe ✓ Daunendecken Bettfedern« Reinigung Rcinlguosazclt täglich 9 bis 7 Uhr Alfred PutlitZStr. TO.(G.F-193 Zum ideinen GewerKsdiaflshans Stettiner Strahe 52 10.F.155' Yerkahrslokal der Partei, Reichsbanner und Arbeitersportler Vereinszimmer noch einige Tage frei BalUdimidt, Frfedemtr. 90 Telephon: Kgst 3030. Sottsi A. HäfflitZ Buttel Oderberger Str. 53. Eckhaus der Kastanienallee; Schivelbeiner Straßo 17. Ecke der Driesener Straße; Bornholraer Str. SO. B.19| an der Driesener Straße. ANODEN Klafse-Batterien. fabritirifch m. Ditterreibe. 80 Volt nur M. 3,25 1 120 Volt nur Dt. 7.60 100 Volt nur., 5,00 s 150 Volt nur.. 9,50 Genaue Volluhr, 6 120 Volt, Dt. 5,90. Per anb gegen Nachnahme Ueberland.RadioHextnr, Berlin N 54, Weinbergsweg Nr. 24. Filiale Reinidtandorf; ProozstraBe 120. nahe Badstrale. Bierhaus Wilhelm Brunn ta jzu Licnieiuiarn. Tarrscitmiditir. 40 Ynhbrs'tkil dir orcaniiierten Irbeitcrsdult VerKebrslohal der Partei u. des Reichsbanners Wilhelm Burg Prenzlauer Allee 189 g. f iöi Restaurant G F 196 August Lux Huttenstrafle 26 Arbeitarverkehrslokal ScriinerillK-TnO Maukölln. Lsbiu:r.74'7it GERMAN1A-PRACHTSKLE , CAHL RlCriTEK———— dsrlln N 4, Caaussees r. t iO>: Korden tiü u.-OdC Säle für Festlichkeiten, Kongresse usw. bis 1200 P.rsonen fassend zu den günstigsten Bedingungen R Oute Küthe s:-eofleate Biora«i SoUde Prei**- Inhaber iitto Sdiüfei a7iitio: KeflillB Treflpankt aller semtitlggB 18? föeilogc Donnerstag, 20. Juni 1929 HwASiPiiD ShnJauifaä« Ali tovWwi Franz Karl Jacob! Ein Abenteurer der Reaktion Die Politik hat zu keiner Zeit der politischen Abenteurer ent- raten zu können geglaubt. Besonders treten diese Charakter« in den reaktionären Perioden aus, in denen man gegen das Staats- bürgerooll mit allen Mitteln polizeilicher Ueberroachung vorgeht. D�s neunzehnte Jahrhundert kennt eine ganze Reihe solcher zweiselhaster Kreaturen, angefangen von der Zeit Metternichs und der Verfolgung Jahns bis gegen das Ende hin. In den fünfziger Iahren spielt« in den Kreisen der preußischen Polizei ein gewisser Dr. Franz Karl Iakobi eine bedeutend« Rolle. Wie alle Leute seines Schlages hatte er«inen starken Wandel seiner Ansichten durchgemacht oder gab doch vor, daß es geschehen sei. Zuerst ganz unter dem Einfluß denwkratischer. ja revolutionärer Ideen stehend, wechselte er insgeheim frühzeitig in das Lager der Reaktion hinüber, wo ihm pekuniäre Vorteile zu winken schienen, spielte. aber nach außen hin weiter den Demo- traten. Im Jahre 1813 von jüdischen Eltern geboren, besuchte der offenbar hervorragend begabt« junge Mensch das Kömgsberger Kneiphösische Gymnasium, um dann von 1830—1833 in Berlin Philosophie und Philologie, vornehmlich aber jüdische Theologie zu studieren. Das Jahr 1830 nimmt ihn mit seinen revolutionären Ereignissen ganz und gar gefangen, und seine damals entstanden« satirische Schrift:„Zustände und Bilder aus Berlin' erregte großes Slufsehen. Di« Demokraten begannen sich für den jungen Revolutionär zu interessieren, und er selbst glaubte wohl noch aus Ueberzeugung in diesen Bahnen weitergehen zu können. Zn Leipzig, wohin er sich dann wendete, beginnt aber sein wandet, der die ganze innere Haltlosigkeit und Unlauterkeit dieses später so gefährlichen Mannes dartut. Er selbst behauptete von sich: Längere Beschäftigung mit politischen Fragen h�che ihn von dem bisher verfolgten Pfade ab- und den Bersechteru der Legitimität zugeführt. Es kann aber gar keinem Zweifel unterliegen, daß Iakobi sich an die Reaktion verkaufte und seine Ueberzeugung verleugnete. Es hat den Anschein, als seien die pekuniären Derhältnisie Iakobis nicht die besten gewesen, so daß er daraus sann, wie er sie verbessern könne Ob ihm die Erkenntnis ausgedämmert ist. daß die Reaktion die Herrschaft in Preußen noch durch Jahrzehnte führen werde? Er besaß eine starte Intuition, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre als der Spißeldienste, denen er sich um des Gelderwerbs willen ergab. Im Jahre 1834 lernte er den Minister von Rochow kennen: dieser glaubt«, die vielfachen Talente und Anlagen, die Iakobi besaß, und„die mannigfachen Berbindungen mit den excnlrischen Teilen der deutschen Schriftsteller und Journalisten' für seine Zwecke gebrauchen zu können. So erhielt Iakobi denn mehrfach politische Aufträge nach Süd- d« u t s ch l a n d und der Schweiz, die er zur vollen Zufrieden- heit des Ministers ausführte. So eng waren diese Beziehungen, daß er jährlich 400 Taler festes Gehalt b«kam: dafür lieferte er„politische und kirchliche Berichte' über„Vorkommnisse der Zeitgeschichte und Literatur', schrieb aber auch literarische Aus- säße für öffentliche Blätter. Sein« Bemühungen, die öffentliche Meinung durch diese schein- bar aus unparteiischer Quelle stammenden-Bericht« und Mitteilungen zu beeinflussen, blieben allerdings nicht lange verborgen. Man schöpft« bald in den journalistischen Kreisen gegen ihn Verdacht, besonders als er mit jener Sendung nach der Schweiz betraut worden rbar. Der Sammelplatz des journalistischen Berlins bildete das „Rote Kabinett" in der Stchelyschen Konditorei. Charlotten- straße 33. Iakobi konnte hier ungehindert weiter verkehren, da zunächst niemand ihm mißtraute, ja auch seine Erstlingsschrist noch in guter Erinnerung stand. Seine Reise nach der Schweiz aber wurde nicht mit Unrecht als im amtlichen Auftrage erfolgt be- trachtet, und als«ines Tages Iakobi wieder in dem Roten Kabinett erschien, wurde er mit Zischen empfangen, so daß er das Lokal verlassen mußte. Man hatte in ihm den Polizeispitzel erkannt. Ein Glücksumstand rettete ihn auf einige Zeit wieder. Das Attentat des Spandauer Bürgermeisters Ischech hatte Iakobi zu einem Artikel veranlaßt, in dem er eine Bibelltell« anführte. die Ischech in seinem Prozeß selbst gebraucht hatte. Die darauf aus Beranlasiung des Ministers von Arnim eingeleitet« gerichtliche Verfolgung wegen Majestätsbeleidigung führte 1847 zu seiner Berurteilung zu zwei Jahren Festungshaft von denen er aber nur drei Monate in Kolberg verbüßt«. Ganz Zweifel. los lag ein Fehlurteil vor, denn Iakobi hatte sich in diesem Falle nichts zu schulden kommen lassen, als daß er Bericht erstattete. Der Bericht des Polizeipräsidenten von Bardeleb-m(11, August 1848) läßt darüber keinen Zweifel. Aber dieser Prozeß, den eine übereifrige Gerichtsbarkeit ihm machte, rettet« ihn für eine Zeitlang bei den liberalen Journalisten- Cr durfte nueder in ihren Kreisen im Roten Kabinett verkehren. Und weitere Angriffe scheinen gegen ihn nicht vorgekommen zu sein. Ob man seine schmachvolle Beschäftigung nicht gekannt hat. ist nicht ersichtlich. Ministes' von Arnim wollte aber nichts von feiner weiteren Beschäftigung im Polizeidienst- wissen, obgleich die Berliner Polizeipräsidenten immer erneut seine Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit im Spitzeldienste rühmten: er habe, so heißt es in einem dieser Berichte, die Aufträge des Ministers von Rochcgv In der Schw-'iz an Ort und Stelle ausgeiührt und gewisse Borlomm- nisse ausgeforscht und aufgeklärt. Seit Minister Arnim leine Dienste abgelehnt habe, sei er wieder für die Presse tätig, könne aber nicht oifen für die preußisch« Regierung eintreten wegen der Heftigkeit der demokratischen Presse. Iakobi sei durchaus nicht feindselig gegen die Regierung, wenn er auch z. B. verurteilt worden sei. Er habe nur die Bibelstell« angeführt, die das Publikum auf den König angewendet habe. Das Ministerium habe sich selbst für ihn ver- jveudet. und Iakobi sei stets ein treuer Anhänger des Königtum». Aus steinen Berichten spreche immer eine große Ehrerbietung für den König. Durch seine Bekanntschaft in der literarischen Welt habe er dem Fürsten Wittgenstein große Dienste geleistet. „Die Erhaltung des friedfertigen Zustandes trotz der revolutionären Umtriebe geht auf seine Mitteilungen zurück. Er hat ein waches Auge auf solche Umtriebe und tritt in der Presse dem entgegen." Der Erfolg dieser vielfachen Bemühungen des Berliner Polizei- Präsidenten war die Wiederbeschäftigunq Iakobis im Staatsdienste. Er erhält im Berliner Polizeipräsidium die Stelle eines literarischen Mitarbeiters mit 600 Talern Gehalt. Und als im Jahre 1833 seine„groß« Brauchbarkeit' erneut bescheinigt wird, erhält er den Titel als Kanzleirat, da der eines Archiorats wegen seiner Vorbildung ihm nicht verliehen werden kann. Dann steigt er zum„Geheimen Kanzleirat' auf, mehrere, auch ausländische Orden werden ihm verliehen, ein Beweis, daß seine geheimen Aufträge ihn mit diesen Staaten in Verbindung gebrocht hatten. Größere Geldzuwendungen bleiben nicht aus und wie es in jenen Zeiten bei den höheren Bs- amten üblich war, wird er selbst nicht müde, solche zu erbitten. Fast nie vergeblich. Er weiß aber auch seine Verdienste ins rechie Licht zu setzen. Als er im Jahre 1838 erneut um 200 Taler Zuschuß bittet, erwähnt er, daß«r„kostspielige Verbindungen unter- halten" müsse, daß er auch für das Königliche Kabinett arbeite: Man fei„dort von allem unterrichtet, von der Stimmung der Höfe, von den Plänen der Demokraten, von der Agitation der Zeitungen. Das Wichtigste und Geheimste ist vorausgesagt und zwar zu einer Zeit vorausgesagt wo anscheinend die tiefste Ruhe herrscht Ein ganz vollständiges Bild der Stimmung und sogar der Ansichten liegt den höchsten ilnd hohen Stellen tagtäglich vor. Daß ich dazu immer außerordentlicher Kräfte und Hilfsmittel bedurfte und bedarf, zumal es sich auch um direkte Einwirkung auf die Zeitungsredaktio- nen handelt, dürfte klar lein". Offener kann sich ein Polizeispitzel kaum selbst schildern. Das ganze geheime Ueberwochungssystem jener Zeit wird hier offenbar. kurz darauf aber bricht endlich über diesen charakterlosen Menschen das Verhängnis herein. Bereits in den„Siloesterphantasien" von Herrmann vom 31 Dezember 1839 wurde Iakobis in höhnendster Weise gedacht, und im„Schweizer H a n d e l-s k u r i e r' vom 18. Dezember 1860 erschien ein Artikel:„Joel, auch ein Berliner Polizeischurkr". Joel war Iakobis Borname, als er noch Jude war. Fast gleich- zeitig gingen anonyme Anzeigen beim Berliner Polizeipräsidium über Iakobi«in, in denen er beschuldigt wurde, von Berliner Redaktionen und Verlegern Geschenke anzunehmen. Zwar stellten zwei vernommene Verleger zunächst in Slbrede. daß dies geschehen sei, auch hatte Iakobi in kluger Boraussicht den Schweizer Angrifs-artikel selbst seiner Behörde vorgelegt. Wie es scheint, deckte nun ihn diese dann auch. Man wies daraus hin, daß das Schweizer Blatt das entfchiedendste der Revolution sei und daß man es im Präsidium selbst halte. Die Polizei mußte ihren Spitzel ja auch bis zum äußersten decken, wenn sie nicht selbst aiifs schlimmste bloßgestellt werden wollte. Aber die weiteren Vernehmungen der Buch- Händler D u n k« r und A. H o f f m a n n ergaben doch, daß Iakobi von ihnen regelmäßige Zuwendungen erhalten habe. Sie erklärten jedoch, es bestünde kein Zusammenhang zwischen ihnen und Jakob's amtlicher Tätigkeit. So kam es, daß das Verfahren eingestellt wurde. Der Ausgang war also noch glimpflich genug, denn wenn man bedenkt, daß Iakobi dauernd in Geldschwierigkeiten war, wird es bei seiner Natur verständlich, daß er Geld nahm, wo er es her- bekommen konnte und sich von jenen Kreisen hatte Geldzuwen- düngen machen lassen, die er selbst überwachte. Iakobi scheint gesundheitlich unter diesen Schlägen stark ge- litten zu haben; denn er klagt« wiederholt über seinen schlechten Gesundheitszustand(er sagt, er sei von Gram und Krankheit nieder- gebeugt), aber das hindert« ihn nicht, auf einen höheren Titel anzutragen. Plötzlich stirbt er in Karlsbad, wohin er sich zur Kur begeben hatte(29. Mai 1863). Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser Tod kein natürlicher gewesen sei, denn nichts deutet darauf hin, daß seine Krankheit so schwer ge- wesen sei. Sein« Feind« hatten wohl keine Ruhe gegeben, und Iakobi hatte zu fürchten, daß die ganz« Niedrigkeit seines Lebens und Treibens offenbar werden würde. Das Leben präsentiert schließlich doch immer die Quittung. Tatsache ist, daß Iakobi«in auegesprochener politischer Schurke war,«in Polizeispitzel, der sein Leben um des Geldes willen in den Dienst der Reaktion gestellt hatte und sich in das Vertrauen seiner Mitmensckzen schlich, um sie dann seinem Geldgeber, der Polizei, zu verraten. Dr. K. Müller. Die Tendenz/ Förderin der Kunst Von Lotar Holland Es wird heute viel um den Tonfilm geredet, geschrieben und gestritten. Man setzt ihn in Beziehung zum stummen Film, weis- sagt diesem sein nahe» Ende und seinem tönenden Konkurrenten eine große und vielseitige Zukunft. Wie sich die Dinge in Wirk- lichkeit entwickeln werden, ist kaum vorauszusagen: denn der Blick in die Zukunft der Kinematographie ist durch den Block des Kapi- tals verbaut, der sich in dem Hand-in-Hand-Syst«m von Produzent, Verleiher und Kinobesitzer zu dem bestimmenden Machtsaktor zu- sammengeschmiedet hat. Entscheidend für die künstlerische und kul- turelle Entwicklung des Films sind nun nicht mehr sein« künst- lerischen und kulturellen Wirkung?- und Entfaltungsmöglichkeiten, die von einzelnen Filmschaffenden und Filminteressierten gefördert werden könnten, sondern die Geschäftsinteressen des Kapitals. Da- mit ab«r ist jeder objektive Ausblick, der sich auf die Qualitäten des tonfilmischen Materials und Handwerkszeuges stützt, unmöglich gemacht. Betrachten wir aber dieses Problem im Zusammenhang mit der uns junge Generation intensivst interessierenden Verbin- dung von Politik und Kunst, dann erscheint es in einem wesentlich günstigeren Licht— allerdings diesmal unter der Vor- ousfetzung: daß die Indifferenz der politischen Faktoren uns nicht einen Strich durch die Rechnung macht, indem sie an der Kine- matographi« mit der gleichen Gleichgültigkeit vorbeigehen wie an dem Rundfunk bisher. Die dreißigjährige Filmpraxis hat uns gelehrt, daß auch noch so ernsthast gemeint« künstlerische Absichten im deutschen Film von keinem günstigen Schicksal begleitet waren. Sie stellten ein- malige Standardwerte dar: Wegweisungen, Borbilder ohne Nachhall auf die weitere Produktion. Zufollserscheinungen vergleichbar. Man denke an„Golem",„Das Kabinett des Dr. Call- gari",„Der müde Tod",„Sylvester",„Die Abenteuer des Prinzen Achmed" und eine Reihe anderer Werte, die den Rut des künst- lerischen deutschen Films im Ausland begründeten. Jede künst- lerische Absicht— sollte ein« solche heut« noch bei der Industrie auftauchen— muß notwendigerweise von den Kauslcuten in ge- schäftlichem Sinne beeinflußt, beeinträchtigt m«rden, weil das Kino, der Abnehmer der Produktion, das Signum einer lasziven Unter- haltungsstätt« erhalten Hot. Und was die Filmindustriellen unter Unterhaltung verstehen, liest man bequem aus den Titeln ihrer Werke. Auf diese Weise fehlt dem Filmschaffen ein höherer geistiger Antrieb, eine höhere Zweckmäßigkeit, die ihrerseits gesteigerte An- forderungen an die Qualität der Filme stellen würde. In der gleichen Situation wie der stumme Film befindet sich auch der Tonfilm. In dieser einen Beziehung können wir seine Zukunft ziemlich klar überschonen. Wir werden Tonfilme haben wie heute stumm« Bilder: Tonfilme mit mehr oder weniger zwe!deutigen Witzchen, geistlosen oder llberästhetisierten Dialoge», Geräuschen und Musik. Je nachdem, wie der Filmkaufmann die Konjunktur abschätzt. Es wird sich gegenüber dem heutigen Kino kaum etwas ändern: das Publikum wird sich an die schnarrenden Nebengeräusche ebenso ge- wöhnen wie an die Loutsprecherwiedergaben des Radios, an die Plattheiten im Tonfilm wie heute an die Verlogenheiten und Ver- kitjchungcn i,n stummen Film. Die heutige Aufregung um den Tonfilm ist nur eine rein natürliche, selbstverständliche Unruhe, wie bei jeder Geburt einer stofflich neuen Erscheinung. Wie lall aber dos neugeborene Kind ungeahnte, umwälzende Wert« mit sich zur Welt bringen und entfalten können? Man schaue sich sein« Eltern an. die es gezeugt haben und in deren Milieu«s aufwächst. Es wird seinem älteren Bruder, dem stummen Film, qualitativ und gesinnungsgemäß aufs Haar gleichen. Denn es ist kein An» trieb vorhanden, den Tonfilm zu höherer Wirksamkeit als nur zur bloßen Kinounterhaltung zu steigern. Auch in' ihm werden zweifellos einzelne künstlerisch fruchtbare Kompositionsver- fuche zu Tage treten, aber von den Geschäftsinteressen des Kauf- mannes gebeugt werden, und das Ergebnis ist die allgernein« Nivel- lientng der Produktion aus das berüchtigt« Schema des sogenannten Publikumschlagers. Der Satz, den am Anfang vorigen Jahres«ine Abteilung der führenden deutschen Produktionsfirma mir gegknüber brieflich dokumentierte: ..... Wir haben aber augenblicklich nur e i n Interesse, nämlich zu zeig«n, daß die„Ufa"' in der gegenwärtigen Produk- tion richtig«, gute, handfeste Geschäftssilme machen kann, damit Verleiher, Theaterbesitzer und Publikum eine Freude haben, damit Geld verdient wird und die Aktionäre eine Divi- d e n d c kriegen..." � hat auch heut« noch seine Gülligkeit und wird sie erst recht für die kommende Tonsilmproduktion bewahren. Richtige, gut« und hond- feste Geschäftssilme, von deren Erlös die Aktionäre eine Dividende kriegen: dos ist die Zukunft des deutschen Tonfilms. Und nicht anders. Dieser Uebelstand hat sein« Ursachen weniger an den einzelnen Filmschaffenden, sondern in dem System der kommerziellen Filmproduktion. Er ändert sich aber in dem Augenblick, wo dem Film ein über die bloße Unterhaltsamkeit hinausweisendes Ziel gegeben wird, wie es in den tendenziösen oder politischen Werken der Fall ist. Allerdings sind hier die deutschen Aufklärungs- filme von vornherein auszuschalten, da an ihnen der vorgetäuschte tendenziöse Inhalt lediglich ein Lockmittel für das Publikum fein soll. Dagegen bietet uns der russische politische Film das typisch« Beispiel für den unbedingt qualitätsteigernden Einfluß der Tendeirz auf das Werk. Die Forderung einer überzeugenden, mitreißenden Wirkungskraft des Films zwingt die Filmschaffenden in Verbindung mit der solchen Stoffen an sich bereits innewohnenden gesinnungs- gemäßen Dynamik zu einer gewaltsamen Poten,zierung des filmt- sehen Ausdrucks. Flach und auf reine Unterhaltsamkeit eingestellt« Filmkonsektionsarbeit ist hier von Grund auf wertlos. Und an- dererfeits ist es an und für sich auch als ein oorteilhafres Zeichen anzusehen, wenn die Russ«n zum Beispiel in der Schasfung reiner Unterhaltungsfilm« derart oersagen, wie wir es an ihren letzthin bei uns erschienenen Mittelsilmen erfahren mußten. Sie müssen darin versagen, weil die Zweistundenware des Ramschkinos nichts mit Kunst zu tun hat. Di« Forderung an die vom Kapital noch einigermaßen freien Filmschaffenden wie an die tätigen Interessierten der deutschen Kine- matographie lautet: Gebt dem Film und insbesondere der neu«n Kunst des Tonfilms— sofern man als solchen alle abseits der stum- m«n Filmproduktion liegenden filmischen Versuche mit Ton- und Geräuschoerbindung bezeichnen will— Ziele und Zweck«, die über dem Strich des Straßenniveaus liegen. Der Zweck formt die Mittel, die er zu seiner Erfüllung benöfigt: die Tendenz ist das Aktivitätsmoment des künstlerischen Schaffens in der Gegenwart. Di« Kunst ist politisch geworden— politisch insofern, als in un- serer Zeit jedes Problem, handle es sich auch um das intimst« Eigen- «rlebnis einzelner, irgendwie in die Politik des geistigen und körper- lichen Existenzkampfes der Volksglieder einbezogen worden ist. Im bürgerlichen Zeitalter war die Politik die Diplomatie des Mochtwillens, heut« ist sie im wahrsten' Sinne des Wortes nichts weiter als das Flehen um Befriedigung des Existenzhungers. Dar- um brauchen wir den politischen Film, nicht zu fürchten— was fit der Inhalt selbst der parteipolitisch krassen russischen Filme: Sol-� daten und Volk haben Hunger und können nicht anders als auf gewaltsamem Wege sich Nahrung verschaffen.— Uneheliche Kinder sind Menschen aus Fleisch und Blut wie jeder von uns und ringen um ihre Berechtigung.— Di« primitive Einfalt einsacher, natürlich unkomplizierter M«nschen wird von Lebensroutiniers mißbrauM und kann sich nur durch einen revolutionär korporativen ZujammeiH- schluß vor der Ausbeutung schützen— und was war schließlich, „Sturm über Asien' anderes als ein nationales Filmepos gegest f die Vergewaltigung eines Volkes durch außen- und innenpolitische Fremdmächte? � In der Kinematographie liegt ein meites kulturelles und künstlerisches Brachland für die Qualitätssteigerung durch gesinnungs- starkes Schaffen offen. Im politischen Film ist die Zukunft der Kinematographie— von den Möglichkeiten des Amateurschrn"--' abzusehen— bogrundet. Copyright Verlag S. Fischer. Berlin (Schluß.) Wie eine groß« Seuche, wie Pest oder Cholera, war das Lachen über sie hereingebrochen, niemand konnte sich dagegen wehren. Ich krepier', dachte Staller, warum brüll' ich mit? Wie ein bersten- der Schmerz fuhr es aus seinem Leib, er konnte nicht einhalten, und das Schreien war auch um ihn herum. Sie hielten sich den Bauch wie in Wehen, sie sprangen umher, wackelten mit dem Steiß, ihre Zähne waren blank und spitzgefeilt, und es wollte ihn von innen heraus zerreißen, ihn unter den dämonischen Tieren. Sie oer- wandelten sich in Echsen, Spinnen, Schlangen, die Nacht malmte vor ihm, und eine Angst vor dem Wahnsinn packte ihn an. Nach Luft schnappend japste er:„Na.. Tun.. hahahohaha, tun.. die Prügel, die Peitsche.. hohahahahaho! noch weh?" „HeHeHeHeHe," jaulte der Zauberer und ließ, wirbelnd vor dem Feuer, die Striemen aufglühen,„ahjel hehe, nauvereche, hehe, noch weh!" Und in seinem Aug' war was, war was Undeutliches. Und ob es noch Lachen war, oder Stöhnen, oder Knurren? Der Weiße war erschöpft, das Unheimliche hatte allen Atem gefressen und seine Lungen umgestülpt, und er fühlte sie wie schlaffe Säcke in einer hohlen Brust. Er fühlte, wie es stille wurde vor ihm. Nun erwarteten sie etwas: er stand zwischen Raunenden, blind und taumelnd, wie vergiftet durch ein grausames und grundloses Ge- lächter. Muetedosso, das merkte er, stand neben ihm und faltete seine Stirn in Demut und fragte:„Herr?" Wie unerträglich er stinkt, dachte er und sagte mühsam:„Du kannst den Regen rufen?" „Wir rufen ihn heut Nacht," antwortete er,„und merkst du nicht, Herr, daß er kommt? Hast du nicht Maleikas Stimme und sein zuckendes Auge gesehn?" „Habt ihr nun aufgehört, zu rufen?" „Es ist nicht gut, wenn du dabei bist, Herr." Schon wieder fuhr dieser unvernünftige, jähzornige Trotz in seine Stirn. Warum soll ich nicht dabei sein? Ist ja doch halun- kerei, Berbotenes wollt ihr hier tun, Götzendienst.— Und verachtende Ungläubigkeit: Ist ja doch alles Schwindel. Der Neger prt'ite genau sein Mienenspiel, aber als ein zögern- ver Blick, hinter Kern das Blut schwoll, ihm begegnete, blickte er fort. Nie kann ein Schwarzer den Blick des weißen Mannes ev° trogen, und das ist seine Ohnmacht. „Wenn ich hierbleibe, kommt dann dein Regen nicht? Zieht er dann vorbei?" „Es ist der Wille des Gewölks," sagte der Zauberer furchtsam. Diese Furchtsamkeit war Schein oder ging schnell vorbei, als die Leute in feinem Rücken wieder zu fingen begannen: he he he, he he he, mvula, muihane, mvula, he-he. Aber wer hätte ihm nach- weisen können, daß es Hohn war, der fein wulstiges Maul zucken machte. „Eine Schlange, Herr!" schrie er. Sie standen neben einem un- versengten Baumstamm, da kam sie pfeilschnell herabgeglitten, ge- panzert in ein schillerndes Grün. Der Schrecken des Weißen war wie ein elektrischer Schlag, aber er war zu langsam. Sie krümmte sich und schnellte auf seinen Arm, züngelte kalt herauf bis� an sein« Wange, als wolle sie ihn küssen. Der Neger floh, die anderen in ihrem Rausche schienen es nicht zu bemerken. Stillholten wäre gut gewesen: aber von einem eisigen Grauen erfüllt, wollte er die Geliebte abschütteln. Da küßte sie ihn, ohne Schmerz und Schärfe, aber er fühlte es ganz genau. Dann verließ sie ihn und entkam in fließender Nacht. Der Gebissene ertastete sein Ohr, und zum Zeichen fand er zwei winzige Blutmale abgedrückt auf die Handfläche. Er dachte nicht lange nach, sondern riß das Messer aus dem Hüftgurt und schnitt sich das Ohr ab. Das Messer war nicht so scharf, wie es sein sollte, und der Schnitt tat sehr weh. Aber die Angst vor dem Sterben chloroformierte ihn. Dann stürzte er, halb von.Sinnen und einem inneren Kompaß solgeitd, in der Richtung des Hauses davon. Der Lärm hinter ihm verging in einem all- gemeinen Rauschen, die Gesänge: vielleicht war es auch Triumph- geheul. Das Rauschen kam vom Blut. Die Feuchtigkeit, die er den Hals herabrinnen sllhlte, war wohl auch Blut. Aber wie war das: Wie konnte auch die Stirn benetzt sein? Ah, der Schweiß, der aus dem gehetzten Körper strömt. Aber wie denn, es glitt die Haare hinab, über die Schultem, und etliche Tropfen gerieten ihm auf die Lippen, und dahinrennend erfuhr er: Es ist nicht salzig. Es ist nicht Blut, es ist nicht Schweiß, und was da braust, ist weder Negerlärm noch verwundete Pulse. Er ist gekommen, doch noch gekommen! Der Regen! Er stürzte herab über die Haut eines Fühllosen, herbeigerufen oder nicht, und hinkrachend liefen die oielhändigen Blitze vor ihm über den Weg, während das metallene Gewölb die Wunde beschrie. Augenblicklich entfesselten sich die Brodem und Düfte aus der langen Gefangenschaft des Staubes, und die Wasser kamen so herab, daß die Erde sie nicht schnell genug schlucken konnte. Dunkle Windstöße galoppierten durch das Tal wie uneiniges Hengstgespann, und mit zerschmetterten Fittichen stürzten Nachtfchwalben ab. Er lief noch, als gäbe es eine Flucht noch, wenn das Gift schon in seinen Adern kreise. Die Verwirrung eines solchen Mannes war beschämend, aber es waren keine Augen auf ihm Es ist nicht einmal unmöglich, daß es nicht nur Schweiß und Bluk und Schweiß und Blut des Himmels waren, was sein Gesicht netzte, nein, über- flutete. Tränen können dabei gewesen sein, der Schmach, der Angst. der Verlassenheit, aber gut. es waren keine Augen auf ihn. Er hatte nur das dumpfe Gesühl, daß er fliehen und sich verbergen müsse, und dazu war das Bambushaus noch gut. oder um gekauert den Tod abzuwarten. Dies alles war um Morgengrauen, und da endlich lag die Hütte, eingesponnen in die Umdämmerung. Der Jubel der Neger kam noch einmal von oben herab wie eine ferne Schlacht über Hügeln. Dann bekamen die Fluten ihre Stimme, und sie war lauter als alles andere. Der Hund kroch Staller entgegen, und dos brachte chn zur Be- stnnung, daß die Zuflucht erreicht sei. Die Hand auf die Wunde gepreßt, stieß er mit dem Knie an den Verbandskasten, riß dann ein Stück Mull heraus, um sich zu verbinden. Er streifte Go nur mit einem Blick, der lag über dem Tisch und schlief. Er wird sich freuen, wenn er aufwacht. Regen! Nun wird alles gut werden, die Saat wird sich hinaufsprengen ans Licht. Er suchte die Waschschüssel, um Blut und Schmutz abzuwaschen, da war jedoch nirgends Blut. Er dachte nicht darüber nach, sondern warf sich, am Ende seiner Kraft, auf das Feldbett. Er schloß die Augen und spürte keinen Schmerz, und es war ganz wunderbar kühl um ihn: er spürte sich liegen wie ein Keim in der Furche, der durchtränkt wird, daß sich das Mineralische und Feste löst, und ein Wachsen und Sichoerwandeln der Glieder, und wie etwas aus seinem Herzen entsprang und emporrankte, und fühlte es knistern in sich wie von zusammengerollten Blättern und Stengeln, die es gelüstete, sich bald zu entfalten. Der Regen dröhnte ganz dicht an seinen Schläfen. Er tastete' nach dem Ohr, seltsam, es war da. Etwas anderes und Lebendiges spürte er neben sich, und er wußte, bevor er versank, es wäre seine Frau, aber nicht seine Mutter. Dann schlief er lange, sehr lange, und wußte nichts davon, daß eine Trauernde neben seinem Lager kauerte und in sich hinein- schluchzte, und es geschah ja auch nur ganz leise, und draußen war gewaltig jenes klingende Rauschen. Manchmal vergaß sie sich eine kurze Weile und fiel in die wiegende Klage nach der Art ihres Volkes, wenn sie einen Toten beweinen, aber dann wieder be- wegten sich nur flüsternd die Lippen, und allein im Heben und Senken der ebenholzfarbenen Schultern war die Erschütterung»n- gebändigt. Auch dies war wie ein Tanz. Vor der Tür aber geschah schon nichts anderes als die Auf- erstehung. Sie geschah durch die Gnade des Wassers und in der Ver- borgenheit ihres Fallens. Als aber nach Stunden, wenn auch dieser Tag wie ohne Zeit und Sonnengang war, die Regenstürze lichter und silberner wurden, schallten neue Stimmen aus dem Lande, vielfältig und reich. Niemand hörte, niemand sah zu. Wie Seen entstanden, waren in den Senken rudernde, rufende Frösche darin und die wimmelnde Kreatur der Larven und Käfer. Wie es geflügelt aus allen Ritzen und Spalten des Bodens auf- schwirrte und gleich sich suchte und fand, der Hochzeitsschwarm der Termiten und die Libellen über den Teichen, verhakt zum Doppel- flug, andere Beute suchend und selbst wieder Beute. Wie die bro- delnde Luft erfüllt war von Gesängen der Vögel, der Zikaden, der Kröten: wie die Stummen ihre Leiber badeten und wollüstig atmeten. Ja, wie mit einem einzigen Schlag das Land sich begrünte, das gehekmnisvnlle-Pflanzenreich emporstieg aus dem dunklen Kelch eines Iahresschlummers, mit einer zarten und dennoch Steine zersprengen- den Kraft, ja, wie toter und seelenloser Stoff sich wandelte zu lebendigem in der geheimnisvollen Chemie Gottes und jedes Ding wieder so wurde, wie es geplant war und wie es sich stets wieder- holt. Selbst in den toten Hölzern regte es sich noch. Zaunpfähle schlugen aus und Schemel, es war eine ungeheure Verschwendung von Farbe, Licht und Formen, und im geringsten Keim drängte es und wollte geboren sein, um selbst wieder fruchtbar sein zu können. Es war alles notwendig so und kein Zweifel am Sein, und die Träume zerflossen vor dieser größeren Zauberei. Der Mann erwachte und hatte keine Erinnerung mehr an den Alp der Nacht. Verwundert sah er seinen Kameraden am Tisch. Das Weib war heimlich fortgegangen.„Go," rief er,„er ist ge- kommen, doch-noch gekommen! Ein mächtiger Regen, hast du denn gar nichts gemerkt?"— Er schüttelte ihn: dann ließ er ihn auf einmal los und versuchte, sein Gesicht aufzuheben, aber da wußte er es schon: es war ein glückliches Gesicht, aber ein verloschenes. Er fühlte einen Schmerz in sich emporsteigen, aber schon war er wieder so, daß er ihn sich nicht eingestehen wollte. Denn er war doch nicht anders geworden, so plötzlich ändert sich doch kein Mensch. „Armer Go," sagte er.„Es wird nun doch sicher eine reiche Ernte geben in diesem Jahr!" Er rief den Hund zu sich her. um das Gefühl der Einsamkeit besser überwinden zu können. Dann ging er über das Feld und sah, daß alles gut begann. Dornierstax. 20. Juni. Berlin. 16.00 Dr. G. Kunz:: Lcichtcnde Tiere. 16.30 Dialoc zwischen Vilrna Mönkeberg and Herbert Ihering. 17.00 Konzert. Orlenberg. Violine; Nowogrudsky. Violincell; Helene Clsner- Renner. Soprzn: Flügel: J. Ehrlich. 1. G. F. HJndel; Passaciglia.— 2. Brahnis, Richard StrauB, Weingartner: Lieder.— 3. C. Bachrich: Duo. — A. Löwe, KoB. Renner: Lieder.— 5. Mozart: Triö Q-Dnr(K.-V. 456). 18.00 Ansprachen von Führerinnen des Weltbundes für Franenstirnrnrecht. Ver- bindende Worte: Adele Schreiber. M. d. R. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamts Berlin-Mitte. 18.40 Dr. med. Fiakenralh: Hautkrankheiten der Kinder. 19.05 Dr. C. Kaßnet: Vcm Blitz und Donner. 15.30 Der Liebhaber-Photograph(Prof. Menle). 20.00 Stenographen-Fernweltschreiben des Stenographenverbandes Stolze-Schrcy. 20.15..Ist Mr. Brown zu verurteilen?" Hörspiel von Viktor Heinz Fuchs und Georg Wolf. Regie: Alfred Braun. Nach der Abendveranstaltung bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Otto Kermbach). Während der Pause Bildfunk. G Königs Wusterhausen. 16.00 Dr. Erika Holtmann: Spiel und Arbeit in ihrer allgemeinen Lebens-: bedentung. 16.30 Dichterstunde. Otto zur Linde. 18.00 Paul Köhler; Deutsche Mitarbeit am Aufbau der Vereinigten Staaten. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. Hermes: Der internationale AgrarkongreB in Bukarest. 19.20 I. Mollath: Die Bedeutung des deutschen Kaufmannes im Auslände. •• FÜR DEN KLEINGÄRTNER. iiiinuiiuniniiiHiHiiiiiiiiniiiiiiiiiniininiiiiiuuiiiiiiiuimiiiioiiminiiiiiiiiuiiiiiiiiuiimiiiiaiiminüiiniuiiiiuiinuiiniuiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiwiiiiiiiiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiiniimmiinnnniiiniiiimiiniiii Der Komposthaufen. Man hat ihn wohl scherzhaft die„Sparkasse" des Landmannes genannt und zweifellos verdient er diese Bezeichnung, wenn man bei der Aufftapelung aller verweslichen Abfälle der Wirtschaft sach» gemäß verfährt. Wer allerdings den Komposthaufen als das ge- eignete Land für den Anbau von Kürbissen ansieht, wer üppig wachsendes Unkraut auf ihm emporschießen läßt, oder wer ihn so anlegt, daß er den ganzen Tag über von der Sonne beschienen wird— der handelt nicht weise, weil die eben genannten Dinge der neu sich bildenden Düngererde einen großen Teil ihrer Kraft ent- ziehen. Düngererde— in diesem Ausdruck spricht sich die Bedeu- tung des Komposts aus, und er leistet dementsprechend für die Düngung des Landes neben reinem Stallmist und Kunstdünger wert- volle Dienste, die um so höher anzuschlagen sind, als die Herstellung dieses Düngers fast gar nichts kostet(außer Arbeit). Allerdings wird der Kompost im allgemeinen erst nach Jahren gebrauchs- fertig, was um so mehr als Mahnung zu beachten ist, sofort mit der Anlage eines Komposthaufens zu beginnen, falls es noch nicht geschehen ist. Für die Anlage des Komposthaufens wähle man einen etwas schattigen ebenen Platz. Alle Abfälle, Unkraut, Lmib, Erde aus Töpfen, Asche, Kalk, Blut, Küchenabsälle, Kehrricht, Torfmull usw. werden verwendet. Da aber diese Stoffe eine bald schnellere, bald langsamere Zersetzungsdauer besitzen, so empfiehlt sich, um die zur Anwendung allein brauchbare völlig zersetzte Masse zu ge- Winnen, bei der Anlage- mit Absallschichten von etwa ein Viertelmeter Dicke und dünnen Schichten von frisch gebranntem Kalk abzuwechseln. Dem gleichen Zwecke dient auch das Aufbringen von der Jauche, sowie der festen Abortmasse. Ferner muß darauf geachtet werden, daß der Kompost nicht zu sehr sich erhitzt, bei Regenmangel gebe man Jauche oder Wasser. Damit die Flüssigkeit nicht zu schnell ab- läuft, macht man die Oberfläche muldenförmig. Ein„Verbrennen" findet leicht bei lockeren Abfällen statt, die man daher auch zweck- mäßig durch eine schwache Erdschicht„abdeckt". Will man dem Komposthausen noch besondere Kraft verleihen, so kann man ihn entweder durch Kunstdünger mit Kali und Phosphorsäure bereichern, oder man bringt auch gewisse Tierdünger, wie den an sich nicht sehr wertvollen Schweinedünger, aber auch den sonst am besten in Wasser- lösung den Pflanzen zuzuführenden Geflügeldung in die Abfall- masse. Eine notwendige Bedingung zur Erlangung des Ziels wird sehr oft außer Acht gelassen: der Komposthaufen soll nicht höher als etwa Wt Meter aufgeschichtet werden. Daß er durch„Umsetzen"(Durcharbeiten der Masse) an Gleichförmigkeit gewinnt, ist offenbar, aber auch die Zeit, in der der Verwesungs- prozeh beendet ist, wird durch öfteres(zwei- bis dreimal im Jahre) Umsetzen verkürzt. Von den obengenannten Zlbfallstofsen ist das samenreise Un- kraut auszuscheiden, da sonst der Komposthaufen zu sehr Nährboden für Unkraut wird. Ganz wird sich frellich der Unkrautsamen nicht unterdrücken lassen, und deshalb ist es nicht ratsam. Komposterde auf den Rasen zu bringen, den man doch möglichst untrautfrei hoben will. Aber für Land, das mit der Hacke bearbeitet werden dann oder durch rechtzeitiges Mieten vom Unkraut befreit wird, ist guter Kompost eine Bereicherung allerersten Ranges. Späte Erbsen. Die Erbse ist mit dem Spargel zu den am frühesten erscheinen- den Gemüsen zu rechnen und Anfang Mai kann man. falls der Winter nicht so streng war wie der letzte, aus kalten Kästen ernten. Daß man im Sommer keine frühen Erbsen zieht, hat seine Ursache darin, daß solche Sommererbsen in hohem Maße dem Befall von Mehltau ausgeliefert sind. Wohl aber haben späte Erbsen gute Aussicht, ohne solche Schädigung zur Ernte zu kommen. Da die Erbsen 6— 8 Wochen zur Ausbildung gebrauchen, so wird Ende Juli der allerletzte Termin für die Saat in unseren Gegen- den sein. Zweckmäßigerweise mache man in Abständen von etwa einer Woche einige Saaten und verwende auch, wenn möglich, zwei oder drei Sorten. Der Anbau ist der gleiche wie der im Frühjahr: da man nur niedere oder Zwergsorten wählt» fällt das Stapeln fort. Hat man frische Saat, so braucht man sie nicht in Wasser zu quellen, wie dies bei alter Saat empfehlenswert ist. Gequellte Erbsen müssen natürlich jofort ausgelegt werden. Als Sorten seien Bayern, kultivierten Rettiche als Spezialität, man sollte aber das lange frühe niedere Sorten. Beim Bereiten des Bodens dünge man mit 40 Proz. Kali, auch eine leichte Stickstoffdüngung hat vor der Blüte gute Wirkung. Daß die Erbsenschaien in der Kriegszeit, nachdem die innere Haut der Schalen entfernt worden war, zur Streckung der Erbten mitgekocht wurden, wird noch vielen in Erinnerung sein. Die Erbsenschalen haben natürlich einen Nährwert, aber man wird sie heute, wie vor dem Kriege, als Viehfutter verwenden. Wo bei Feld- anbau von Erbsen und Lieferung an Konservenfabriken große Mengen von Schalen frei werden, ist eine Trocknung der Schalen in Trockanapparaten angebracht. Hierbei bleibt auch das Blattgrün erhalten. Ein Trocknen der Schalen auf natürlichem Wege in Sonne und Wind läßt sich weniger gut bewerkstelligen. Vermehrung der Erdbeeren. Wenn die Erdbeeren uns ihre Früchte geliefert haben, beginnt gleich die Vermehrung, zumal wenn schon Ausläufer sich an den Ranken während der Ernte Im Beet angesiedelt haben, was nach der Ernte bekanntlich sehr schnell geschieht. Es ist nun ratsam, nur die zuerst gewachsenen Ausläufer zur Vermehrung zu nehmen. Ja man muh bei starkem Ranken die schwächeren Ranken von der Mutterpflanze abschneiden und ebenso die weiteren an den Enden der Ranken stehenden Ausläufer. Die stehengebliebenen Ausläuier wurzeln nun im Beet an und werden von der Mutterpflanze ab- getrennt und auf ein möglichst halbschattiges Beet gepflanzt, wo sie sich zum pflanzwüidigen Sämling weiter entwickeln. Nur solche gut behandelte Pflänzchen tragen, auf sorgsam vorbereitete Beete gebracht und gegen den Winterfrost durch Streu- und Mistauflnge geschützt, schon im nächsten Jahre. Di« billig angebotenen, von der Ranke abgerissenen Ausläufer vertragen die Winterkälte schlecht und wachsen sich, sofern sie überhaupt am Leben bleiben, erst im zweiten Jahre zur richtigen Erdbeerstaude aus. Geht es nicht anders, und hat man nur von der Ranke abgeschnittene Pflanzen zur Verfügung, so kann man wohl die eben geschilderten Nachteile durch eine sehr sorgsame Pflege wettmachen, aber dazu gehört Zeit und die hat weder der Berufsgärtner noch der Kleinsiedler übrig. Der Maulwurf. Man soll den Maulwurf nicht töten, doch macht er sich oft durch seine Wühlarbeit namentlich in Mistbeeten oder Saatbeeten lästig. Cr entwurzelt Pflanzen, die er zwar nicht frißt, aber zum Vertrocknen bringt. Nur selten wird man einen unterirdischen Wall von Steinen bei den Mistbeeten machen: meist genügt es, ihn durch Petroleum-, Karbolineum-, Stinköl- usw. Lappen, die man in die Gänge steckt, zu vertreiben. Durch Verzehren der Engerlinge(Mai- käferlaroen) und der Maulwurfsgrille-macht der Maulwurf sich sehr nützlich. UhorAinolQ/hJkL Das Fest der FS.- Charlottenburg. 25 Jahre Arbeiter- Sdiwimm-Verein. Es werden der Vereine immer mehr, die im Arbeiter-Tnrn-- und Sportbund auf ein LSjähriges Bestehen zurückblicken können. Vor einigen Iahren erst hatten die Neuköllner Schwimnier ihrer Gründung gedenken können, und jetzt find es die Charlotten- b u r g e r. die Sonnabend, 22. Juni, auf den Tag genau ihr 2 5 jähriges Bestehen festlich begehen werden. Am Mittwoch, 22. Juni 1904, fand im Volkshaus in Charlottenburg«ine Zufam- menkunft statt, in der der Grundstock zu dem heutigen Verein gelegt wurde. Wechfelooll waren die Schicksale des Vereins. Langsames An- steigen der Mitglioderzahlen in der Vorkriegszeit in stetem Kampf gegen Reaktion und Bürgertum, vollständiger Niedergang während des Krieges— nur einig« Frauen hielten das Banner ausrecht—, neues und starkes Wiederaufblühen nach dem Kriege, bis die Mos- kauer Söldner kamen und mit den ihnen eigenen Kampfesweisen der bürgerlichen Sportbewegung den Gefallen taten und die Aus- wärtsbcwegung des Vereins unterbanden. Bis beinahe zum Zu- fammenbruch geführt, zogen es dann die Herren Revolutionäre vor, zu oerduften, und überließen es anderen, aus dem Tohuwabohu wieder einen Verein aufzubauen, der imstande war, feinem Zweck nachzukommen. Dos dürfte gelungen fein. Heute herrscht wieder frisches Leben in den Reihen der Charlotten- burger Schwimmer, und sportlich wie gesellschaftlich steht der Verein auf anerkennenswerter Höhe. Beweis dafür dürfte die Feier am Sonnabend, 22. Juni, werden, die mit chrem wechselvollen Programm jedem gefallen wird. Die Festrede wird von, Sekretär der ZK., A. B u ck, gehalten. Daran schließen sich in bunter Reihe artistische Vorführungen bester Kräfte des Arbeiter- Athletenbundes, gymnastische Uebungen der FTGB.. Couplets des Berliner Ulktrios und Vorträge der Sängerin F. Klix. Den Abschluß des ersten Teils und Uebergang zum Festball bildet ein von den ..Freien Schwimmern"' ausgeführter Lampionreigen. Eine gute Kapelle wird den zweiten Teil des Festes genau so unterhalt- sam und erfreulich gestalten, wie es der erste ist, so daß ein jeder mit dem Gefühl der Befriedigung nach Haus« gehen wird. Festlokal ist das Restaurant„S e e f ch l o ß P i ch e l s b e r q e", Beginn -'221 Uhr. Arbeitersport in der Provinz. Der RAST in Michendorf. Der kürzlich vom Sport- und Kulturkartell Ca- p u t h in Michendorf oeranftallete Reichsarbeitersporttag wurde zu einem vollen Erfolg für den Gedanken des Arbeitersports. Trotz- dem ein Arbeiterturnverein in Michendorf nicht vorhanden ist— der Verein, der bisher hierfür in Frage gekommen wäre, führt unter seiner kommunistischen Leitung ein mehrmals bescheidenes Dasein, nachdem die radikalsten Mitglieder zu dem bürgerlichen Turnverein abgeschwenkt sind—, waren die lßerein« der Umgegend zahlreich der Einladung des Sport- und Kulturkartells gefolgt. Vom Michendorfer„Volkshaus" ging es in stattlichem Zuge hinaus zum neuen Sporplatz, auf dem die Fahnen der beteiligten Vereine neben dem roten Banner der internationalen Arbeiter- bewegung und der schwarzrotgoldenen Fahne der Deutschen Re- publik lustig flatterten. Glühende Sonne, nur gemildert durch einen erfrischenden Windhauch, lag über dem Platze, als die Veranstaltung durch Gesangsvorträge des Gemischten Chors„Eintracht". Michen- darf, und des Volkschors Caputh«ingeleitet wurde. Eine Begrüßung der Erschienenen schloß sich an. Von den gezeigten vielseitigen sportlichen Vorführungen seien besonders die hübschen Volkstänze der Mädchen, die Freiübungen und die Darbietungen der Arbeiterathleten Caputh genannt. Besonderes Interesse erweckte der Fußballkampf Potsdam— Caputh, der mit S: 3 für Potsdam entschieden wurde. Auf dem Sportplatz hatte sich ein richtiges Volks- fest entwickelt, so daß am Abend nur schwer Abschied genommen wurde. Der Rückmarsch nach dem„Volkshaus" fand jedoch noch eine interessante Unterbrechung. Als der Zug sich vor der Schneidemühle in der Potsdamer Straße befand, rückte plötzlich die Freiwillige Feuerwehr heran, die Alarm zu einer Uebung:„Kessel- crplosion in der Schneidemühle" bekommen hatte Mit Unterstützung der hiesigen Landjäger sperrten Feuerwehr und Arbeitersamariter die Straße ob, bis die Schlauchleitungen verlegt waren. Mit Gas- masken ausgerüstet, drang man sodann in das Innere des Kessel- Hauses, aus dem bald die ersten„Verwundeten" geborgen wurden, um draußen von den Arbeitersamaritern sachgemäß verbunden zu werden. Auf dem Hofe der alten Schule begutachtete sodann Herr Dr. Leoy, Michendorf, die Verbände und wies auf den Nutzen ausgebildeter Samariter gerade in den kleinen Orten hin. ILommuaisten als Bauernfänger. Die wegen der Vorstöße gegen die Bundesbeschlüsfe aus dem Ar- beiter-Turn- und Sportbund ausgeschlossenen K. P. D.- Sportler Berlins führen widerrechtlich die Firma: 1. Kreis im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Damit soll die Mitgliedschaft im Bund vorgetäuscht und Verwirrung In die Bundesmitgliedschaft ge- tragen werden. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund läust in Gefahr, von der Oeffentlichteit, die das wirkliche Organisationsverhältnis nicht kennt, verantwortlich gemacht zu werden für die Taten der Ausgeschlossenen im Bereich seines 1. Kreises Berlin-Brandenburg. Um sich dagegen zu schützen ist beim Landgericht I Berlin eine Ver- fügung erwirkt worden, nach der es demLeiterderBerliner Ausgeschlossenen, Nitzschke. und dem Schriftleiter des Ä. P. D.- Sportblattes„Sport und Spiel" ver- boten ist, dieses Blatt zu führen unter dem Namen: „Offizielles Organ des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund." Die Reklame der kommunistischen Parteisportler für das Kon- kurrenzunternehmen des 2. Bundesfestes in Nürnberg geht unter derselben rechtswidrigen Firma: 14. Kreisfeft des 1. Kreises im Ar- beiter-Turn- und Sportbund am 28. uckd 29. Juni in Berlin. Auch dagegen war der Bund genötigt, gerichtlich vorzugehen. Die De- teiligung von Bundesmitgliedern an der K.P.D.-Sportveranstaltung widerspricht den Bundesbeschlüssen und ist unverein- bar mit der weiteren Mitgliedschaft im Arbeiter-Turn- und Sport- bund. Körperschulung der Frau! Nachtrag zur»Frauen-Turn- und Sportagung in Berlin". Vom 12. bis 16. Juni fand in Berlin unter Leitung der volksparteilichen Reichstagsabgcordneten Frau Dr. M a tz eine Tagung statt, die in mehreren Referaten Stellung zur Leibeserziehung der Frau nahm. Zu dieser Tagung müssen die Arbeitersportler Stellung nehmen. Frau Dr. Matz wiederholte in ihrem Schlußwort pathetisch ein Wort, das wir schon öfter gehört haben: der Sport ist das vorzüglichste Mit- t«l zur Ausgleichung sozialer Gegensätze. Was ist denn bisher auf dem Wege zur Ausgleichung dieser Gegensätze getan worden? So wie der sportliche Geist sich heute in der bürgerlichen Sportbewegung zeigt, wird er nie soziale Arbeit leisten kännnen. Der bürgerliche Sport wird nie auf seilte Mitglieder pädagogisch so einwirken können, daß sie in der Sportgenossin nicht die Bürger- oder Proletarierfrau, sondern den Menschen sehen. Diese Solidarität hat bisher nur die Arbeiterfportbe- w e g u n g gezeigt. In der Debatte wurde die Frage des Weit- kampfsportes der Frau behandelt. Zwei Richtungen waren wieder deutlich zu beobachten. Die einen— zumeist die jüngeren— Sport- führerinncn traten für uneingeschränkte Beibehaltung des Wettkampfsports der Frau ein. Ein anderer Teil empfahl den Frauensport„mit Maß und Ziel". Stärker intereffiert« die Meinung der ersteren, zu denen sich im Schlußwort auch Frau Dr. Matz be- könnt Hai. Wir Arbeitersportler sind ebenfalls stets für die kämpfe- rische Erziehung der Frau eingetreten, weil wir wissen, daß ohne die Mithilfe der Frau ein Vorwärtskommen, der so- ziale Aufstieg des Proletariats unmöglich ist. Aber uns liegt weder an der Herausbildung eines Gretchen- noch eines Brunhildentyps. Wir wollen für die Frau außer der allgemeinen Körperschulung(neuzeitliches Turnen oder Gymnastik) auch den Kampfsport: was wir aber aufs schärfste ablehnen, und das ist der Hauptunterschied gegenüber dem bürgerlichen Sport, ist die Sucht nach dem Gewinn, der Rekords port. Wohin er besonders bei der Frau führt, hat man ja beim 800-Meter-Endlauf in Amsterdam gesehen, wo außer den beiden Siegerinnen auch die übrigen h y st e r i s ch e Anfälle und Krämpfe bekämen. Die bürgerlichen Frauensportführerinnen sehen das auch ein und wollen darum—" mit Frau Dr. Matz— den Sport als Mittel zur Aus- gleichung sozialer Gegensätze erkannt haben. Dann muß man aber auch daraus die Konsequenzen ziehen und versuchen, die Mit- glieder der Bewegung zu beeinflussen und einen gesunden Sport- geist schaffen. Bleibt die bürgerliche Frauensportbewegung bei der Beibehaltung de- Rekordgedankens im Kampfsport, dann blüht ihnen, was uns ja auch recht sein kann, das, was der Begründer der modernen olympischen Spiele Pierre de Coubertin in seinem Buch „Sportliche Erziehung" sagt:„Der schlimmste Feind des sportlichen Geistes sind der Wunsch des Gewinnes und der Uebertreibung des Trainierens. Das sind deutliche Zeichen sportlicher Dekaden.;, des Verfalls. Der Sport wird zum Schauspiel, die Sportfeste zum Jahrmarkt, wo nur noch„Neues",„Sensationelles",„Aufreibendes" der entnervten, lärmenden Menge-etwas geben können. D i e athletische Religion verliert ihre Gläubigen; sie hat nur noch Kunden." Die Losung auch für die Frauen im Arbeitersport, der die von Coubertin aufgezeigte Gefahr früh erkannt« und bekämpfte, kann nur heißen:„Kämpferischer Massensport— aber kein Kampfrekord!" Das in kurzer Zeit in Nürnberg stattfindende 2. Bundesfest der deutschen Arbeitersportler wird den bürgerlichen die Kraft und Stärke der Arbeitersportbewegung zeigen. K. R. tARBEHER. r Spiele am 23. Juni. Fußballspielen bei 25 Grad Wärme, ist das nick/t äußerst ge- sundheitsschädigend? Die Leitung der Spielvereinigung im 1. Kreis sollte es sich reiflich überlegen, ob es sich mit dem Gedanken der Arbeitersportbewegung vereinbaren läßt, die Spieler einer solchen Kur(oder ist es ein Vergnügen?) zu unterziehen. Da die erste Serie fast abgeschlossen sein dürfte, würde es sich doch empfehlen, die Fort- setzung der Spiele im Herbst vorzunehmen. Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: Branden- bürg gegen Ruhlsdorf: Luckenwald« III gegen Luckenwalde V; Eiche-Köpenick gegen Lichtenberg I(10.30 Uhr): Hertha 11 gegen Eiienspalterei: Weißensee gegen Karow: Neukölln gegen Lucken- walde II: Butab gegen Treuenbrictzen: Spandau 25 gegen Vor- wärts. 2. Mannschaften: Rathenow gegen Werder 77; Rathenow 3 gegen Nowawes: Neukölln gegen Brandenburg: Ober- spree gegen Tempeihof: Herzseide gegen Lichtenberg I; Oderberg gegen Vorwärts: Reinickendorf gegen Lichtenberg II; Neukölln"3 gegen Weißensee.— Jugend: Brandenburg gegen Spandau: Werder 77 gegen Kladow: Weißensee gegen Lichtenberg II; Eiche gegen Saxonia.— Beginn der Spiele: 1. Mannschoften 17 Uhr, 2. Mannschaften 15.15 Uhr, Jugend 10.30 Uhr. Sonnen�vendfeier der FTGB. Die greikörperkultursparte der FTGB. veranstaltet ihre diesjährige Sonnenwendfeier Sonnabend, 22. Juni, 23 Uhr, auf dem Jugendgelände Birkenheide bei Kallinchen am Motzener See. Die Teilnehmer treffen sich zum gemeinsamen Abmarsch um 22)4 Uhr am Nordeingang des Dorfes Kallinchen. Festbeitrog wird nicht erhoben. Quartierbestellungen(Strohlager, Einzelzimmer) sind bis Freitag, 18 Uhr, an die Geschäftsstelle, NO. 18, Lichtenberger Straße 3(Telephon Königstadt 3656). zu richten. Quartiere zum 6. Juli Am 6. Juli treffen 2000 Arbeiterradier— Teilnehmer an den Deutschen RadsportmeisterschaJten— in Berlin ein. Wir benötigen für sie Quartiere. Wer ein Freiquartier oder ein billiges Zimmer für den 6. Juli zur Verfügung stellen kann, gebe seine Adresse an: O. Roiher, Bln.-Fi1edrl€h«felde, Waldeneeiir. 69a. Telephon; Norden 4460. Freunde des Arheitersports. üb! Solidarität! Ein neues Naiurtreundeheim. Magdeburg, die Stadt der letzten großen Heerschau der Sozial- demokratie, wird am kommenden Sonntag erneut Zeuge sozialistischer Tot und kultureller Schaffenskraft fein. Die Ortsgruppe Magde- bürg des T o u r i st e n v e r e i n s„Die Naturfreunde" hat bei Biederitz, in nächster Nähe Magdeburgs,«in Ferien- und Wanderheim errichtet, das am kommenden Sonntag eröffnet wird. Fast alle Arbeiten in und am Haufe wurden in freiwilliger, uneigennütziger Arbeil geleistet. So kommt zu den mehr als 300 Naturfreundeheimen wiederum ein neuer Stützpunkt für die wandernde Jugend hinzu. Aber das Biederitzer Haus, in einen lichten Birkenhain nahe der Ehle hineingestellt, ist zugleich ein Ferienheim für die erholungsbedürftige Arbeiterfchast und wird besonders von den Magdeburger Arbeiterfamilien in Anspruch ge- nommen werden. Die Absicht der Naturfreunde, der minder- bemittelten und am meisten erholungsbedürftigen Bevölkerung zu dienen, indem solche allgcmeinnlltzlichen Wachenend- und Ferien- Heime errichtet werden, ist nicht hoch genug anzuerkennen. Als Aus- takt zur Feier veranstalten die Magdeburger„Naturfreunde" in der Nach! jzom Sonnabend zum Sonntag ein« Svmenwendfeier. Zu beiden Veranstaltungen ist zahlreiche Beteiligung der Berliner�. „Naturfreunde" und Parteigenossen erwünscht. Die Berliner fahren am Sonnabend, 22. Juni, 14.05 Uhr(Personenzug) und 15.50 Uhr (Eilzug) und am Sonntag früh 6.45 Uhr(Personenzug) nach Magde- burg-Biederitz. Nähere Auskunft und Anmeldung zur Teilnahme er- beten bis Donnerstag, 20. Juni, an die Geschäftsstelle des Touristen- verein?, Johannisstraße 15. J. Domgörgen von Saerens geschlagen. In der Bockbrauerei gab es gestern Abend mehrere schöne Box- kämpfe zu sehen. Leider war der Besuch auffallend schwach, ein Teil der Boxgemeinde scheint dem„Ständigen Boxring abtrünnig geworden zu sein. Auf dem Programm standen einige gute Paarungen der leichteren Gewichtsklassen, die oas hielten, was von ihnen versprochen worden war. In ausgezeichneter Verfasiung stellte sich der belgische Leichtgewichtler Saerens vor, der gegen den etwas untrainiert wirkenden Kölner Ja eob Domgörgen ständig im Vorteil war und sicher nach Punkten gewann. Nach län- gerer Zeit erschien auch wieder einmal Domgörgens Landsmann, der frühere Leichtgewichtsmeister, E n s e l, in einem Berliner Ring. Der wieder im Kommen befindliche Kölner, der jetzt im Weltergewicht kämpft, punktete in einem schnellen Treffen den Berliner N i t s ch k c glatt aus. Ebenfalls nach Punkten siegte Baumgartner-Ungarn über Kühn-Hitschberg, während es dem Prager Poetsch gelang, Kracht- Hamburg schon in der 1. Runde entscheidend abzufertigen. Kracht fing einen schweren Magenhieb ein, der ihn über die Zeit auf die Bretter brachte. Renntahrer in„Solidarität"! Der Werbcmonat des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- bundes„Solidarität" gibt mich der Berliner Rennfahrer- a b t e i l u n g zur Werbung neuer Mitglieder erwünschte Gelegen- heit. Bekanntlich sind Arbeiterradfahrer, die im Juni ihren Beitritt zum Bund erklären, vom Eintrittsgeld bereit, so daß sich die An- Meldung in„Solidarität" auch schon aus finanziellen Gründen in diesem Monat empfiehlt. Um Irrtümer zu vermeiden, sei daraus aufmerksam gemacht, daß in Berlin nur eine Rennfahrerabteilung des Bundes besteht; sie hat ihre nächste Sitzung heute. Donnerstag, 20 Uhr, bei Schultheh, Stallschreiberstraße 20. Die Sitzungen finden regelmüßig jeden ersten und dritten Donners- tag im Monat in diesem Lokal statt. Auskunft und Beitritts- erklärungen für die Rennfahrerabteilung bei R. Schreiber, Lach- mannstraße 4, E. Bell, Steglitzer Straße 3 und R Meincrt, Brücken- straß« Sd. Gründung einer tzugendabteilung des Berliner Fußballklubs „vorwärts" Ivedding. Jugendliche von 14 bis 18 Jahren, die Interesse am Fußball im Arbeiter-Turn« und Sportbund haben, werden zu der heut«, Donnerstag, 20 Uhr, stattfindenden Sitzung eingeladen. SAI.-, FGJ.- und ZdA.- Jugend ist besonders ein- geladen. Jeden Dienstag, ab 18 Uhr, Ucbungsabend Sportplatz Rchberge. Für alle Mitglieder heute, Donnerstag, 20 Uhr, Sitzung bei Grunwald, Kameruner Straße 19. Alle Auskünfte bei Erich Dabbert, N. 20, Wiefenstr. 31. Der„Republikanische Motorradklub Deutschland e. v.", Orts- gruppe Berlin, wird die am Sonntag, 23. Juni, 1�12 Uhr statt- findende Gedenkfeier für Walter Rathenau zuni Anlaß nehmen, das Andenken des ermordeten Staatsmannes durch, eine Vorbeifahrt an der Mordstelle sowie durch die Niederlegnug eines Kranzes zu ehren. loatifttnoctfin„Di« Äatnrfrtunbe", Zentrale Wien. Oclsfl nippe Berlin: Sonuabtnb, 2i Juni, Sonncnwendtrier ouf dem Vercinsqelandc am Ueder- see bei Eteinsurth. Sprech- und Brwegungschor Gleisner, Chorgesanq(300 Siinaer). Walddornquartett, Ansprache Dr. tzrana Rothenselder, Lampion- reigen der galtdootfahrer. Acuitation, Eonnenroendfener. Beginn 24 Uhr. Teilnedmerkarte SO Pf. ans dem tzeftplatz. Abfahrt der Züge ab Stettincr lZernbahiidos bis ixberswolde 12,35. 14,00, 16,00, 17,35, 18,20, 20,30. Anschlug ob Eberswalde mit Kleinbahn oder Kraftpost.— Abt. Ebarlottenbnrg: Frei- tag, 21. Juni, 20 Uhr, Eprcestr. 30, Distusliondabend.— Abt. Siiboft: grei- tag, 2L Juni, 20 Uhr, Beiger Str. 27,«ortrag.— Abt. Treptow: zreilag, 21 Juni, 20 Uhr, Slsenstr. 8, Bunte» Allerlei.— Abt. Reptolln: Jreitag, 21. Juni, 20 Uhr, Jlugliafensir. US, Lonnentoenden.— Faltbootabteiluag: fsreitog, 21. Juni, 20 Uhr, Briper Sic. 27, Bortrog: sslora und Eauna der niärkischen Gewiisser.— PHotogemeinschaft: Montag, 24. Juni, 20 Uhr. Große Jranlsurter Str. 16, Saal,«ortrag:„Soziale Ausnahmen".— Abt. Beiß: Montag, 24. Juni, 20 Uhr, Ehausseestr. 48, Stegreifspiele.— Jitncnb- gruppe vftrn: Montag, 24. Juni, 20 Uhr, Scharnwcberstr. 20, Gefchllftliches. — Maltunstgemelnschost: Montag. 24. Juni, 20 Uhr, Wassertorstr. 8, Mal- technisches. gTGV. Sttirabergiahrrr! Zur SonderporfUhrung des Dereins llelmitgs- abende: Aordbezirfe: Turnhalle Pankstr. 18. Montag, 24. Juni, Norboft- und Ostbezirke: Turnhalle Lichtenberg, Holteistraße. Dienstag, 26. Juni. Jllr Südost. und SUddezirle: Turnhalle Neufdlln, Lesfingstraße. Mittwoch. 26. Juni, 20 Uhr. Jeder besucht den ihm am nächsten gelegenen Uebunaoabend. Turne» rinnen,«orsllhning gut lO-Iahr-Krier ebenfalls anwesend sein.— Bezirk ReinlSendorf vst turnt jeßt Donnerstag» von 20—22 Uhr im Eginnasttim Berner Straße. Aebeltee.Aap. pn» Krastsahrcrbnad.Solidarität", Ortsgruppe Groß-Ber- lin, Gau 9, Vezirf 1, 2 und 21. Geschäftsstelle Robert Rothbartli, EW. 11, Schllnebergcr Str. 17». Sonntag, 23. Juni, peranstalten wir folgende Fahrten: 1. Abt.: 6 und 12 Uhr Gorinsee. Start: Vülowstr. 66.— 2. Abt.! 6 Uhr Lienewißsee. Start: Diefsenbachstr. 3«. Jeden Ercitag auf dem TempelHofer lleld, Nähe Saupteingang islughafen. Spielabend 18Vj Uhr.— 5. Abt.: 5 Uhr Krosflnsee. Start: Landsberger Plaß.— 8. Abt.: 3 Uhr Gosen, Schweinecckc. Start: Stolpische Str. 36.— 9. Abt.: 5 Uhr ffaltensee. Start: Triftstr. 63.— lg. Abt.: 6 Uhr Liebcnbcrger Muhle. Start: Wittschuß, Petersburger Str. 6. —«bt. dbarlottenbura: 6 Uhr floltemcc, Start: Kanal- Ecke Wilmersdorfer Straße.— Abt. Reukölln: 3 Uhr Dämerlßsee. Start: Sohenzollernplati.— Abt. Treptow-Baumschulenwea: 6 Uhr Gorinsee. Start: Bahnhof Baum- schulenweg. 614 Uhr Bahnhof Treptow.— Abt. Lichtenberg: Sonnabend. 22. Juni, lö'L Uhr. Buckow, Märl. Schwei». Start: Alt-lZriedrichsselde 93.— Abt. Weißense«. cheinersdorf: 22. bi, 23. Juni, 20 Uhr, Sonnenwendfcier, Reh- berge. Start: Weißense«.— Abt. Reinickendprs: 6 Uhr Bogensee. Start: Proomistr. 108.— Rotorfahrer. Abt. Kreutberg: 6 Uhr Wcrbellinsee. Zorst, haue Luhertusstock. 7 Uhr Rahmet See. Start»: Baltenplatz..- Abt. Rrieb- rlchobnin: 6 Uhr Werbellinfee. Start: Landaberger Platz.— Abt. Lichtenberg: V Uhr nach Bugt. Start: Jungstr. 29.— Abt. ZteutiUI»: 7 Uhr Lotscho See. Start: Soheniollernplatz. Säst«*u allen ssahrlen her: lich willkommen.— Ab. ckharlottenburg, Rotorsahrer: 29. und 30. Juni nach Samburg. Start: 29. Juni, 134- Uhr. Darwingaroge, Darwin- Ecke Quedlin- burger Straße. Freie Kann-Union„»roß-Bcrlin", Abteilung Erkner. Bootdhau» in Erkner, Bootswerft Lindemann. Sitzung ssreitag. 21. Juni, 20 Uhr. IM Restaurant.„Zur Eiche". B-rlin-Reukölln. Kaifer-ssriedrlch- Ecke SaaleNraße. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen. Anschrrft: Georg De- wald, SO. M. Kiesholistr. 40...„,,.„ gn der Sonnenwendfeier de, Touristcnpereine„Die Ratnrsreunbe am Sonnabend, dem 22. Juni, fährt die Abteilung Mitte ab Stettiner Bahnhor um 16 08 und 20,40 Uhr mit Sonntagoriickfahrkarte di» Eberswalde. /F fäezivß JloFden-Cften. Wochenende- Auf!- Hinaus! vorher: Landsgemeindehaus Berlin-Mitte, Neue Schönhauser Str. 8 Berlin-Spandau, Potsdamer Str. 38-39 Oer Norden kauft nur Kohler-Brote ■■ W R.25 Lindow Berlin N 65. Chaussee tr. 68. DI, NoHen ltl49-5i Eisenwaren »rot Das gute H.>K.>Vltamlnbrot[b.?> iotn Berliner Bloch. Verein/ Tel.: Weißensee 100 Golz& Banz Metallwarenfabrik["% NO IS. Palisadensfr. 83 Itlercedes-ZPalasl Wedding Utrechter Straße Skino tarfele Neukölln Hermannstraße Möbel-Kamerling KastanienaSlee 55 Sed. Speise,.,«leg. Schtasz.. oorn cietrenj., apacf. 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