BERUH Zreitag 21. Juni 1929 10 Pf. Nr. 286 B 142 46. Jahrgang. Erscheint tS,ltch«uterGennt-s«. Zugleich Abendausgabe de< ,Dor«ärtt'. BezugSprei« beide Autgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWes.Lindenür.s jjVyftoiOdb l «letgenpret«: Die einspaltige No»pareille>eil« SO Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkont»! VorwSrtt-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Getreidemonopol abgelehnt. AachWung des Gachverständigen-Ausfchusses. I» der gestrigen Sitzung des Sachverstandigen» ausfchnsses für die Agrarfragen, die sich bis' in die späten Nachtstunden erstreckte, ist der Plan eines Getreidehandelsmonopols, von dem wir im Morgenblatt berichteten, mit K gegen S Stimmen abgelehnt worden. Gegen ihn stimmten die Per- treter der Demokraten, der Deutsche» Volkspartei und des Zentrums. Aber auch die Vertreter der Sozialdemo. lratie, die grundsätzlich mit' der Schaffung eineS Getreidemonopols einverstanden waren, stimmten schließlich gegen die Vorlage, weil die darin festgelegte PreiShöhe ihnen als für die Verbraucher un» erträglich erschien, und weil weiter durch den Reichs» getreiderat keine genügende Sicherheit gegen Preissteige. rungen für die Zukunft gegeben ist. Bei den Beratungen deS Sachverständigenausschusses wurde es allen Beteiligten klar: daß auch da» System der starren Zölle der Landwirtschaft auf die Dauer keine Besserung ihrer Lage garantieren kann. Tie Ver» Handlungen über die Agrarhilfe werden von dem Zach- verständigenauSschnß in einer weiteren Sitzung, die heute nachmittag um 3 Uhr beginnt, fortgesetzt werden. Wirrwarr in der Zollpolitik. Deuisch-schweizerischeS Zusatzabkommen gefallen. Im Handelspolitischen Ausschuß deS Reichstags stand am Freitag vormittag das Zusatzabkommen zum deutsch. schweizerischen Handelsvertrag zur Be> ratung. Bei der Abstimmung zeigten sich die Schwierig» leiten der ungeklärten Stellungnah�ne der Parteien und der Reichsregierung zu den schwebenden Fragen der Zoll» und Handelspolitik. Das Zusatzabkommen wurde mit S gegen« Stimmen bei 13 Stimmenthaltungen abgelehnt. Für daS Abkommen stimmten lediglich ei« Teil deS Zentrums, die Deutsche Volkspartei und die Demokraten, gegen daS Ab» kommen die Deutschnationalen und die Kommunisten. während sich mit den Sozialdemokraten auch die Abgeordneten der übrigen Mittelparteien der Abstim- mung enthielten. Offenlegung der Gteuerlisten. Ein(Schritt auf dem Wege. Der Reichstag hat am Donnerstag die zweite Beratung des Finanzetats erledigt. Unter TTen zahlreichen Anträgen, die dazu gestellt waren, spielt der über die Offenlegung der Steuer» l i st e n die größte Rolle. Solche Anträge waren von der Sozial- demokratie und von den Kommunisten eingebracht. Wie in früheren klahren, so haben auch diesmal alle bürgerlichen Parteien gegen diese Anträge gestimmt, obwohl sie nur eine Aufforderung an die Reichs- rsgierung enthielten, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Lediglich ein bürgerlicher Abgeordneter, der Demokrat Georg Bernhard, stimmte dem sozialdemokratischen, Antrag zu. Während in früheren Iahren die bürgerlichen Portelen die sozialdemokratische Forderung nach Ossenlegung der Steuerlisten rundweg ablehnten, haben sie das diesmal nicht gewagt. Die Fraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei hatten vielmehr eine Eni- s ch l i e h u n g eingebracht, durch die die Reichsregierung ersucht wird, eine Denkschrift vorzulegen, die eine Uebersicht gibt, in welchen Ländern und in welchen Formen eine Offenlegung der Steuerlisten erfolgt, welche Erfahrungen damit gemacht und welche Sicherungen in diesen Ländern geschassen sind gegen eine zweckwidrige und kopitalsluchtsördcrnde Wirkung der Offen- legung der Steuerlisten. Diese Entschließung wurde a n g e n o m- men, obwohl die Deutschs Volkspartei mit chili« der Deutsch- nationalen den Versuch gemacht hatte, durch eine Ueberweisung des Antrags an den Steuerausfchuß eine Verschleppung durchzusetzen. Wenn auch durch diese Entschließung der drei bürgerlichen Mittclparteien die Annahme der sozialdemokratischen Entschließung verhindert worden ist, so stellt sie doch einen Fortschritt dar. Di« Beharrlichkeit der Sozialdeniokrati« hat einen kleinen, wen» auch bescheidenen Anfangserfolg erzielt. „Open door"- Council. Diese Krauenorganisation kämpft zur Kreude der Kapitalisten für Beseitigung der Krauenschutzgesetzgebung. »Die sind für Frauen-Nachtarbeit. Oie treten wohl noch nicht, wie ich, schon den ganzen Tag über Maschine." London oder Lausanne? Oer Kampf um den Konferenz-Vorsitz. Paris, 5}!. Juni.(Eigenbericht.) Das vlall Loucheurs weih mitzuteilen, daß die internationale Regierungskonserenz in O u ch y bei Lausanne statlsinden werde. Sie werde voraussichtlich 19 bis k? Tage dauern. Das„Echo de Paris" dagegen läßt sich aus London melden, daß die englische Arbeiterregierung aus den Konserenzort London bestehe, und zwar aus dem einsochen Grunde, weil sie Macdonald als Vorsitzenden der Konserenz sehen wolle, wenn die Konserenz in einem neutralen Lande stattfände, würde P o i n c a r 6 als dem Rangältesten der Vorsitz zufallen. Selbstverständlich fänden die Wünsche der englischen Arbeiterregierung die volle Unterstützung Deutschlands. Zm übrigen teilt das„Echo de Paris" mit. daß der englische Außenminister henderson gestern die Erklärung abgegeben habe, England treffe setzt schon seine Mahnahmen, um seine Truppen am 1. S e p t e m- der aus dem Rheinland zurückzuziehen. Leon Blum erklärt heute im„Populaire", es wäre weder loyal noch anständig von Frankreich, wenn es die Rheinland- räunmng verzögern wollte. Rur weil es die baldige Räumung erwarte, habe Deutschland den �Joung-Plan unterzeichnet, dessen finanzielle Bestimmungen es für außerordentlich schwer ansehe. Wie einst der Londoner Zahlungsplan die Räumung des Ruhrge- blets so müsse auch jetzt der Poung-Plan die Räumung des Rheinlandes automatisch nach sich ziehen. Es wäre eine glänzende Geste, wenn Frankreich von sich aus die Z n i t i a t v e zur Räumung er- greisen wollte, denn dann könnte es die ganze Ehre und den ganzen vorteil dieser sowieso notwendigen Maßnahme einheimsen. Einheitsfront für Standesherren. Von Ehlernmnn bis Lindeiner. Der Rechtsausschuß des Reichstags beriet am Freitag unter dem Vorsitz des Abg. Landsberg(Soz.) den Gesetzentwurs über die Aussetzung von Rechts st reitigkeiten über älter« staatliche Renten, das sogenannte Sperrgesetz, das bis zum 31. März 1930 gelten soll. Abg. Dr. wunderlich(D. Vp.) beantragte, folgende Vorschrift hinzuzufügen:„Diese Bestimmung finde, keine Anwendung auf Streitigkeiten, die nach Inkrafttreten der Auswer- tungsgesetz« von Schiedsgerichten anhängig sind, auch wenn deutsche Gerichte zu Schiedsgerichten bestellt worden sind." Der Redner will es damit unmöglich machen, daß z. B. der vor dem Reichsgericht schwebend« Prozeß üb«r den Vergleich mit Hessen einseitig etwa durch Einwirkung von Preußen sistiert werde. Preußischer Ministerialrat Dr. Meyer nennt die Befürchtungen des Vorredners unbegründet. Man verwechsele hier das Speer» gesetz mit dem Hauptgesetz. Er wolle sich indes mit seinem Minister noch einmal wegen der Anträge besprechen. Das Sperr- gesetz gehe nach seiner Auffassung nicht über das Hauptgesetz hinaus. Nehme man e i n Fürstenhaus aus, dann würden alle F ü r st e n- Häuser denselben Wunsch äußern. Von einer weiteren Ver- zögerung der Angelegenheit seien Hunderte von Pro- z e s s e n zu befürchten, Wirkungen, die sowohl für Preußen als auch für die Rentenberechtigten unerwünscht seien. Auch politisch sei ein solcher Schwebezustand höchst unerwünscht. Die Wogen der Erregung wendeten sich gegen die Gerichte, wenn nicht eine feste Grundlage geschaffen werde. Abg. Dr. Ehlermann(Dem.) pflichtet der Auffassung des Abg. Dr. Wunderlich im wesentlichen bei. Reichsjustizminister v. Guerard ersucht um Ablehnung aller vorliegenden Anträge. Abg. Dr. Schelter(Z.) erklärt, der Vertrag mit Hessen sei 1925 nach Regelung der Aufwertung geschlossen und stellte sich als ein Vergleich dar. Er drehe sich ausschließlich um die Rente und bestimme, daß diese durch Schiedsgericht festgesetzt werde. Seiner Auffasiung nach würde auf diesen Vergleich das kommende Haupt- gesetz nicht abgewendet werden können. Der ganze Fall Hessen sei also aus dem Sperr- und Lzauptgesetz auszuschließen Abg. Dr. Pfleger(Bayer. Vp.) begründet einen Antrag, wonach die Vorschriften dieses Gesetzes nicht für Rechtsstreitigkeiten über die in den Artikeln 138 und 173 bezeichneten Staatsleistungen oder über Raturalrenten oder über Renten, die an öffentliche Körperschaften, Erziehungsanftalten, Waisenhäuser. Krankenhäuser und ähnliche ge- meinnützige Unternehmungen gewährt sind, gelten sollen. Wg. v. Lindeiner-wildau(Dnat.)«rklärt. daß seine Fraktion gegen das Sperrgesetz stimmen werde.(Bors.: Auch bei Annohme Ihres Antrages?) Nach den Beschlüssen hier muß ich meiner Fraktion Bericht erstatten. Ich kann Preußens Vorgehen nur ver- urteilen. Wenn es nicht fiskalische Hintergedanken hat, kann er dem Antrag« Dr. Pfleger zustimmen. Abg. waslowski(Komm.) behauptet, das Rechts- und Volks- empfinden, von dem man immer spreche, habe man bei der Aus- Wertung dem Volke nicht gezeigt, mir gegenüber den Stande»- Herren. Das Volk empfinde diese Renten als ein« Ungerechtigkeit. Riesenwaldbrand in Pommern. 6000 Morgen Wald in Flammen. Stolp, 21. Juni. Im 11 000 Morgen großen Ponickeler Forst im Kreise Rummelsburg(Pommern) wütet seit den ersten Nachmittagsstunden ein Riesenwaldbrand, der sich infolge der Trockenheit mit rasender Schnelligkeit ausbreitet. Nach den bisherigen Schätzungen stehen über6000 Morgen Wald in Flammen, ohne daß die Möglichkeit besteht, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Die an Ort und Stelle anwesenden Feuer- wehren aus den umliegenden Ortschaften müssen sich auf den Schutz der Dörfer beschränken. Das Dorf Neu Hof bei Treblin war zeitweise in größter Gefahr. Der Brand, der sich auch auf die benachbarten Forsten auszudehnen scheint, ist weithin sichtbar. Wald brennt auch bei Briefen. Zwischen Briefen und R e u b r ü ck wütet ein großer Wold- brond. weit über 100 Morgen Baumbestand sind bereits ver- wüstet. Das Feuer ist noch nicht gelöscht. 100 Kranke verbrannt. Aenzinexpwsion im Kantoner Krankenhaus. London. 21. Zuni. In zwei Gewölben, die unter einem Teil des East Bond- Krankenhauses in Kanlon liegen, ereignete sich eine furchtbare Explosion, durch die der Hauptteil des Krankenhauses vollkommen zerstört wurde. Der Explosion folgte sofort der Ausbruch von Feuer. Hundert Personen, darunter Z0 Kranke, sind ums Leben gekommen. Mehr als 400 Kranke konnten durch die ver- einigten Anstrengungen des Roten Kreuzes, der Polizei und des Militärs gerettet werden. Beim Eintrefsen der Feuerwehr stand das ganze mehrstöckige Haus in Flammen. Die Feuerwehr hatte ihre sämtlichen Kräfte mobilisiert und hielt Sprungtücher auf, damit sich die Kranken durch Abspringen aus dem brennenden Haus retten tonnten. Es erfolgte dann eine Explosion durch die Entzündung von Benzin und Spiritus. Das ganze Haus ist vollkommen niedergebrannt. Kranke, die aus dem Fenster gesprungen sind, haben schwere Verletzungen erlitten. Drei Chinesen starben durch das Ab- springen am Herzschlag. In dem Hospital lagen auch zwei chinesische Diplomaten, die sich in Hongkong einer Operation unterziehen wollten. Die Ursache des Brandes ist bis jetzt noch ungeklär' Heimwehr- Industrie— Maschinengewehre. Neue Dokumente über österreichische ÄürgerkriegSvorberei- tungen. Wien, 21. Juni.(Eigenbericht.) Die„Wiener Arbeiter-Zeitung" setzt ihre Enthüllungen über die Heimwehr fort und teilt heute den Inhalt eines Rundschreibens mit, in dem darauf hingewiesen wird, daß Ersatzteile für deutsche Gewehre aus Bayern bezogen werden könnten und dabei Schwierigkeiten an der Grenze zu überwinden wären. Außerdem wird ein Schreiben an die Schwerindustrie wiedergegeben, in dem zur Lieferung von Waffen ersucht wird. Schließlich ver- ösfentlicht die„Arbeiter-Zeitung" noch einen Brief des bekannten Majors Papst, nach den, 1000 Maschinengewehre zur Verfügung stehen sollen. Verfaffungstag— Feiertag. Hessen Preußen voran! Darmstabt, 21. Juni. Der Hessische Landtag hat gestern die Regierungsvor- tage, den Verfassungstag zum staatlich auer» kannten Feiertag zu erklären, gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Giudenienkampf für Vivisektion. Krawalle in Westminster. London, 21. Juni. In Westminster kam es gestern abend zu schweren Aus- schreitungen und Tumulten. Etwa 300 Studenten der medizini- s ch e n Fakultät, die mit Sandsäcken, Stinkbomben, Radauinstru- menten usw. ausgerüstet waren, versuchten die Jahresversammlung der englischen Vereinigung zur Aufhebung der Vivi- s e t t i o n zu sprengen. Es mußten etwa 200 Polizeibcamte zu Hilfe gerufen werden. Da die Studenten der Polizei Widerstand entgegensetzten, ging diese mit Gummiknüppeln vor, wobei zahl- reiche Studenten verletzt wurden., Die Ruhe konnte erst nach längerer Zeit und nach Vornahme vieler Verhaftungen wieder her. gestellt werden. Oer Großindustrielle als Hochstapler. Zahlreiche Berliner.prominente" geschädigt. Wien, 21. Juni. lEigenbericht.) Die Nachprüfung der Hinterlassenschaft des vor wenigen Tagen durch Selbstmord aus dem Leben ge- schiedene» bekannten österreichischen Textilindustrielleu Felix Eisenhammer ergab, daß der Industrielle schon seit Jahre« das Leben eines Hochstaplers geführt hat. der ohne jedes eigene Vermögen hohe Beträge seinem Bekanntenkreis zu entlocken gewußt hat. Unter den Geschädigten befindet sich u. a. die Schauspielerin Maria Orska mit 20 000 M.. eine Baronin Wedel aus Berlin mit 68 000 M. und der Seniorchef des Banthauses Bleichröder mit noch höheren Beträgen. Außerdem sind noch andere Persönlich- keiten der Berliner und Wiener Künstlerschaft, Wissenschaft und Aristokratie betrogen worden. Die inzwischen von den Gläubigern angemeldeten Forderungen belaufen sichauf über eine Million Schilling. Irgendwelche oerfügbaren Werte stehen dem nicht gegenüber. Geldschrankeinbruch im Bahnhof. 10 000 Mark Lohngelder erbeutet. Gestern nachl machten Geldschrankeinbrccher am Lehrter Bahnhof reiche Beute. Unbemerkt gelangten sie, trotzdem das Grundstück bewacht wird, auf den Zollpackhof und dort in ein zu ebener Erde gelegenes Kontor. Der Geldschrank ist zwar noch durch eilerne Traillen gesichert, die Knacker bewältigten ihn aber doch auf„kaltem Wege" und stahlen daraus 10000Mari in bar, die zur Lohn- ' ouszahliing für den Freitag bereitlagen. Mitteilungen zur Aufklärung nimmt die D i e n st st e, l« B 6 de» Polizeipräsidiums entgegen. Keueralarm bei Karstadt. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, wurde heute gegen 14 Uhr die Feuerwehr nach dem W.a r e n h a u s Karstadt am Hermannplatz, dessen Eröffnung heute statt- findet, alarmiert. DreiLöschzüge rückten aus 3. Alarm aus. Es war bis zur Stund« nicht festzustellen, ob es sich um einen Kabelbrand oder einen Probealarm handclt. Sie Arbeilslosigkeil in Sotvjeirnßlani». Ltrfache und Wesen—Llmfang— Arbeitsvermittlung— Erwerbslofenunterstühung Voraussichtliche Entwicklung. Die völkischen Studenten an der wiener Universität ver- onstaltcten große Krawalle. Sie versuchten wiederholt die Vorlesungen zu stören und verlangten schließlich von dem Rekior in uliimativer Form die Amtsentsetzung des Kanzleidirektors der Universität, die Aufhebung der Relegierung und den Abzug der Polizei, welche die Rampe der Universität besetzt hält. Die Arbeitslosigkeit bildet schon seit geraumer Zeit für die Sowjetregierung ein überaus sorgenvolles Problem. Es ist für die gegenwärtigen Verhältnisse in Rußland kenn, zeichnend, daß die Sowjetregierung, trotz aller in ihren Händen vereinten politischen und wirtschaftlichen Macht, nicht imstande ist, die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Die Arbeilslosigkeil in Rußland ist allerdings insofern besonderer Arl, als sie in erheblichem Maße auf die ungewöhnlich große BevSlkerungsvermehrung in Rußland zurückzuführen ist. Bekanntlich ist die Landwirtschaft seit jeher in Rußland bei weitem der wichtigste Erwerbszweig der Bevölkerung, ober infolge der Extensität, mit der die Landwirtschaft betrieben wird, ist sie nicht in der Lage, der stark zunehmenden Bevölkerung ausreichend Arbeits- Möglichkeiten zu bieten. Infolgedessen ergibt sich die Notwendigteit einer erheblichen Abwanderung in die Städte ader in die wenig besiedelten Gebiete Sibiriens und Mittelasiens. An dieser Lage hat die Besitzergreifung der Ländereien des Großgrundbesitzes durch die Bauern bei Ausbruch der bolschewistischen Revolution im Spätherbst 1917 nichts Wesentliches zu ändern vermocht, well erstens die Ländereien der Großgrundbesitzer ihrem Umfang nack, nicht so bedeutend waren, daß durch sie eine wesentliche Erweiterung der landwirtschaftlichen Anbaufläche der Bauernwirtschaften bewirkt worden wäre und weil es ferner einem großen Teil der Bauern an dem notwendigen landwirtschaftlichen Inventar mangelte. Mit dem Wiederaufleben der industriellen Tätigkeit um die Mitte 1921 vollzog sich daher eine schnell« Rückwanderung derjenigen Bevölkerungsteile, die infolge der Stillegung der In- dustrie während der Jahre des Bürgerkrieges zeitweilig im Dorf Zustuckst gefunden hatten, und seitdem gibt das stäche Land fort- gesetzt Arbeitskräste an die Industriegebiete ab. Größtenteils find das allerdings Saisonarbeiter oder Arbeiter, die nur die Zeit des Jahres in Industriebetrieben tätig sind, welche für landwirt- schaftliche Arbeiten nicht in Frage kommen. Aber die Zahl der- jenigen, die sich dauernd als Industriearbeiter in den Städten niederlassen wollen, wird von Jahr zu Jahr größer. Diese Erscheinung ist, wie gesagt, abgesehen von der Extensität der Landwirtschaft, dadurch bedingt, daß die Bevölkerungs- Vermehrung in Sowjetruhland ein« viel bedeutendere als in samt- lichen Ländern Westeuropas ist. Im Jahresdurchschnitt für 1920/24 erreichte die Geburtenhäufigkeit in Sowietrußlond 40,9 auf 1000 Einwohner, während sie in Deutschland beispielsweise nicht viel mehr als die Hälste, 21, l aus 1000 Einwohner, betragen hat. Diese große Geburtenhäufigkeit hatte zur Folge, daß trotz einer sehr erheblichen Sterblichkeit Sowjetrußland z. B. im Jahre 192? bei weitem an der Spitze aller Länder hinsichtlich der natürlichen Bcvölkerungsvermchnmg stand. Es liegt auf der Hand, daß nur bei einer sehr intensiven Entwicklung der Landwirlschasl und der Industrie dieser jährliche Zuwachs der Bevölkerung aufgenommen und fortdauernd beschäftigt werden kann. Aber weder die Land- Wirtschaft noch die Industrie hat eine der Bevölterungsvermehrung entsprechende starke Entwicklung in Sowjetrußland erfahren. I n- folgedessen hat die Erwerbslosigkeit einen Um- foWg angenommen, der eine schwere Wirtschaft- liche und soziale Belastung des Landes darstellt. Die sowjetrussischen statistischen Angaben über den Umfang der Er- werbslosigkeit sind für die richtige Bewertung dieses sozialen Uebels nur von sehr geringem Wert, denn sie bringen längst nicht die gesamte Erwerbelostgkeit zum Ausdruck. Allenfalls kann man sie zur Veranschaulichung der Bewegung der Arbeitslosig- keit heranziehen. Hierüber bringt der„Trud"(Nr. 58) folgende Angabein im Jahresdurchschnitt für das Wirtschaftsjahr 1927/28 betrug die Zahl der unerledigten Arbeitsqesuche bei den Arbeitsbörsen rund 1 414 300. Im November 1928 stellte sie sich auf 1 561 000, davon waren 984 200 Gewerkschaftsmitglieder und 715 100 Frauen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Zahl der nichtgewerkschaftlichorganisiertenArbeitslosen, die nach dieser Statistik sich nur auf 500 000 bis 600 000 belaufen würde, tatsächlich sehr viel größer ist, denn ein großer Teil der ArbeitsucheiGen, die vom flachen Lande in die Städte kommen lind hier von Fabriktor zu Fabriktor wandern und ihr« Dienste anbieten, wird von den Arbeitsbörsen gar nicht erfaßt. Schätzung?- weise beträgt die Gesamtzahl der Bollerwerbslösea rund 3 Millionen. Außerdem wird von der Uebersiedlungsbehörde die Zahl der über- schüssigen Arbeitskräfte allein in der Landwirtschast des großrussischen Gebiets auf 10 Millionen geschätzt. Alle bei den Arbcitsbärsen nicht eingetragenen Erwerslosen erhalten keinerlei Arbeitslosenunterstützung, die in Sowietrußlond aus Mitteln gewährt wird, die der Staat und die Unternehmungen aufzubringen haben(für das Wirtschaftssahr 1928/29 nur 129,1 Millionen bei rund 1,5 Millionen Vollerwerbslosen). Aber auch die Erwerbslosen, die ein« Unter st ützung von durchschnittlich 15 Rubeln monatlich, was der Kaufkraft nach nickst mehr als 15 Mark ausmacht, im Laufe von höchstens sechs Monaten erhalten, bekommen diese Unterstützung vielfach sehr unregelmäßig ausgezahlt, weil bis Unlsr- nehmungen mit ihren Beiträgen meist sehr im Rückstand sind. Ein Vergleich der Größe der Arbeitslosigkeit in Sowjetrußland und in Deutschland ist Infolge des Mangels an einer vollständigen Statistik in Sowjetrußland allenfalls für einzeln« Städte möglich. Für Moskau wird gegenwärtig die Zahl der Arbeitslosen, die an der Börse registriert ist, mit 317 000 angegeben, was ungefähr ein Sechsiel der Gesamteinwohnerschail (rund 2 Millionen) ausmacht. Kennzeichnender aber als die absoluten Zahlen ist sür das Wesen der Arbeitslosigkeit in Sowjetrußland die Tatsache, daß zurzeit keinerlei Aussicht besteht, ihren Umfang zu ver- t i n g e r n. Der„gespannte Zustand der allgemeinen Wirtschafts- läge", heißt es in der Moskauer Zeitschrift„Woprossi Truda" (Arbeitsfragen)(Rr. 11/1928),„der in den Scbwierigkeiten. auf die der weitere?lusbau der Industrie stößt, im Mangel an Rohstoffen und in den Hemmungen, die der Export zu überwinden hat. zum Ausdruck kommt, wird natürlich weitere ungünstige Auswirkungen aut den Zustand des Arbeitsmarktes zeitigen. Die fortschreitende Rationalisierung der Industrie und des Verkehrswesens wird, ungeachtet der Zunahme einer industriellen Produktion, einen Zuwachs an beschäftigten Arbcttskrästen nicht bewirken." Wie ungeregelt die Verhältnisie auf dem Arbeitsmarkt sind, geht u. a. aus einem Bericht hervor, den der..Trud"(Nr. 98) aus Kasan erhalten hat. Es heißt daselbst u. o.:.Ln letzter Zeit kommen in großer Zahl arbeitslose Mitglieder des Bergarbeiterver- bandes In unser Gebiet, trotzdem es bei uns keinerlei Berg- bau gibt und der Bergarbeitcroerband in unserem Gebiet auch keinerlei gewerkschaftliche Organtsationkn besitzt." Infolge der ganz u».ui«lch«nden Beherrschung des Arbeitsmorttes durch die Ar- beitsbörsen bilden sich in den Städten, auf den Eisenbahn- stationen und in den Hasenplätzen immer wieder riesige Ansammlungen von Veschäsfigungslosen. von denen der größte Teil keinerlei Erwerbslosenunterstützung be- zieht und sich daher genötigt sieht, sein« kümmerlichen Ersparnisse. die größtenteils in Deinen Lebensmittelvorräten bestehen, auszuzehren. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß alljähr- lich ein« erhebliche Zahl dieser planlos in die Städte Zuwandernden als Vagabunden und Landstreicher enden. Aus alledem ist ersichtlich, daß weder auf dem Gebiet der Rege- lung des Angebots von Arbeitskräften, noch in bezug auf die Unterstützung der Erwerbslosen die Sowjetregierung irgendwelche be- achtenswerten Errungenschaften zu verzeichnen hat. » Dr. R. von Unijern-Sternberg. - Abschied der Wiener Gaste. Die Besichiiqunqen des letzten Tages. Heute vormittag wurden unsere Wiener Gäste noch in die Krankenhäuser und in die Städtischen Werke geführt. Die Wiener Delegierten, die mit der ernsten Absicht nach Berlin gekommen sind, die neuen Einrichtungen Berlins zu st u d i« r e n und von ihnen zu lernen, interessierten sich vor allem auch für die Erfahrungen, die Berlin mit seinen neuen Schöpfungen gemacht hat. Die Eindrücke der Wiener Teilnehmer sind durchweg sehr gut. Die Stadträt« der einzelnen Wiener Derwaltungsgruppsn planen, die Erfahrungen, die ihnen hier übermittelt wurden, in Wien zu verwerten, soweit dies nach den anders gearteten Wiener Verhältnissen möglich ist. Heute abend beschließt der größte Teil der Wiener Reiseteil- nehmer seine Berliner Studiensahrt. Bürgermeister S e i tz fährt um 18 Uhr vom Anhalter Bahnhof ab. Aur vorübergehende Trübung. Schönes Wochenende wahrscheinlich. Die gestern abend«ingetretene stark« Bewölkung, die Regen und etwas Abkühlung mit sich brachte, ist nach einer Mitteilung des Wetterdienstes keineswegs die Einleitung zu einer Schlechtwetterperiode. Schon für Sonnabend ist wieder mit heiterem Wetter zu rechnen. Das in der letzten Nacht über Verlin aufgetretene Gewitter wurde durch den Einbruch etwas kühlerer Luft hervor- gerufen, die auf der Westseite einer Druckstärung herankam. In Westdeutschland machte sich das Vordringen der kühleren Lust nur in vorübergehender Bewölkungszunahme und etwas Abkühlung bemerkbar. In Mitteldeutschland, und zwar am Main. in Thüringen und abends auch zwischen Elbe und Oder, kam es zu G c w i t t e r b i l d u n g. die mit leichten Regenfälleit verbunden war. Die Temperaturen flnd in Berlin besonders stark gefallen. Gestern mittag wurden noch 3011 Grad Wärme gemessen, heute morgen waren es nur noch 15 Grad. In Ost- preußen und Schlesien ist es heute morgen noch warm und heiter gewesen, doch wird sich Bewölkung, Abkühlung und Regen auch dort im Lause des Tages einstellen. Kräftiger Druckanstieg im Westen deutet aber aus baldige Besserung. Die Bewölkung wird morgen abnehmen und die Temperaturen werden infolge der Sonneneinstrahlung wieder langsam steigen Die Temperaturen be- trugen gestern in Deutschland durchschnittlich 30 Grad, Karlsruhe und Frankfurt a. M. hatten 31 Grad, Magdeburg 32 Grad und Breslau 30 Grad Wärme_ Ein Todesopfer der Booisexplosion. Oer Booisführer erlag seinen Verletzungen. Die schwere Zstotorboolsexplosion aus der Spree in Treptow hak leider ein Todesopfer gefordert: der Zöjährige Boolssührer Gustav Riemer aus Caseburg auf Usedom, der schwere Brandverlehungen am ganzen Körper erlitten Halle, ist im Lause der Rächt im Bekhanlen-Kransenhcms g e st o r b e n. Auch das Befinden des Ibjähngcn Schiffsjungen Karl Schulz aus Swincmünde gibt nach wie vor zu Bedenken An- laß. Di« U r s a ch c der Explosion mit ihren schrecklichen Folgen konnte noch immer nicht weiter geklärt werden, da der jugendlich« Schiffsjunge von der Kriminalpolizei bisher nicht vernommen werden konnte. Das Boot war mit 80 000 M. versichert, der Proletarier ist tot. Zieht der Besitzer aus diesem Tatbestand Folgerungen, wird er wenigstens angemessen die Hinterbliebenen versorgen und ent- schädigen?_ Ein zweiter Fall Iakubowski? „Ich bin unschuivia." Warschau, 2L Iunl. Die polaischeu Vlätler verössenllicheu einen Brief, den der In Landsberg a. d. w. im Mai wegen Mordes zum Tode ver- str'«i(fi> polnisch« Arbeiter Klinika an seine Ellern in P o i c u gcrichle. hat. In diesem B.Ies c.klä l Klimka, er sei unschuldig und bittet. Schritt« zu seiner Rettung zn unternehmen, womöglich unter Vermittlung der polnischen Slaalsbehörden. Der Brief sp icht die Hoffnung aus. daß„Golk dem Herrn Reichspräsidenten ein gnädiges herz geben möge", damit der klimka begnadige, der„von der deutschen Republik ein Todesurteil nicht verdient Hot". In ihren Kommenlaren zu diesem Brief spricht die polnisch« presse von einem„zweiten Fall Iakubowski". / Eine kostenlose Sommerreise. Mit Auto und Braut durch Deutschland. Eine ausgedehnte Reise hat ein 22 Jahre alter Mo. torschlosser Ernst West mit seiner zwei Jahre jüngeren Braut am IZ. Mai angetreten und vorgestern unfreiwillig In Falken. see beendet. West.verbrauchte" während der Fahrten nicht weniger als sechs Autos. Alle waren gestohlen. Eigentlich wollte das Pärchen sich Ansang Mai das Leben nehmen, besann sich aber eines Besseren und beschloß, vor dem Tode noch eine Auto- reise zu machen. Am Abend des 13. Mai stahlen sie einen Wagen Ein vierzehnjähriger Iftese. Vor einiger Zeit brachte.Der Abend" eine Abbildung des größten Schülers von London, der inmitten seiner Klassenkame- raden auf dem Schulweg dargestellt wurde Unser« Leser dürft« vielleicht dos heutig« Bildchen auch interessieren, das ihnen den l.....: ,■'«o-»' i'-x;. größten und einen der kleinsten Schüler an der „Arbeiter-Berussschule" in Neukölln zeigt. Unter den neu eingestellten Jugendlichen ragt« wie ein Tuirm aus dem Gewimmel seiner Mitschüler Willi Sch. hervor. Er ist Jahre alt und 2,03 Meter groß. Hönde und Füße sind von solchen Dimensionen, daß sie aus weiteres Wachstum des ganzen Kerls schließen lassen. Gutmütig, wie die meisten Riesen, läßt er sich von seinen Mitschülern necken und häniÄn....Aus die..Kage, warum er bei den Großeltern im Borort wohne, sagt er treuherzig: .In Berlin bei der Mutter sind die Stuben zu klein." >md blieben die erste Nacht in der Tegeler Heid«. Am nächsten Tage verkauften sie ein Reserverad, erwarben dafür Lebens- mittel und fuhren weiter. Schließlich fanden sie so sehr Geschmack an diesen Fahrten, daß sie sich weiter und weiter von Berlin e n t- f e r n t« n. Nach und nach schlachteten sie den Wagen aus und lebten von dem Erlös. In Celle bei Hannover war die Freude zu End«. Sie kehrten mit der Bahn nach Berlin zurück und besorgten sich ein n e u e s A u t o. So stahlen sie in Berlin allem fünf Wagen, mit denen sie kreuz und quer durch Deutschland fuhren. Sie besuchten Stettin, Hamburg, dos Rheinland und die Pfalz, Bayern vom Süden bis zum Norden, durchquerten das Fichtei- gebirg« bis zur tschechischen Grenze und versäumten nicht einen Besuch m Leipzig und Dresden. Bis zum polnischen Korri- dor dehnten sich die Reisen aus, ihn zu durchfahren, scheuten sie sich. Außer den landschaftlichen Schönheiten trugen heitere Er- l« b n i s s« zur Abwechslung bei. In einem kleinen Ort im Fichtst- gebirg« hatten sie Zechschulden gemacht und wollten heimlich verschwinden. Der.N a ch t r o t", der noch nicht viel« Autos ge. sehen hatte, packte hinten die Stoßdämpfer und wollte aus dies« Weise die Zechpreller f« st h o l t e n. West wt ihm zunächst den Gefallen, ganz langsam zu fahren, so daß der gute Mann sich wie ein R i« s.« vorkam. Al, aber noch andere.starke Männer" sich einfanden und ebenfalls zusoßten. gab West Gas, und die ganze Gesellschaft überkugelte sich auf der Strohe. In Bayreuth nahm ein Polizeikraftwagen die Versolgung auf, weil West auch dort wegen Zechprellerei gesucht wurde. West wendet« und fuhr mit 80-Kilometer-Tempo direkt auf den Polizeiwagen los, der, um nicht gerammt zu werden, schleunigst auswich. In Stettin mußte er emen gestohlenen Wagen im Stich lassen, weil er nicht mehr tauglich mar. Das Pärchen fuhr mit Bahnsteigkarten nach Berlin zurück und wurde au der Sperr« natürlich angehalten. Er.verpfändete" seine Braut, stahl wieder ein Auto, verkaust« daraus den Starter, kam flott vor dem Bahnhof vorgefahren und löste sich und sein« Braut aus. In Falkensee hotte die Reis« schließlich ein Ende. Ein Brotkutscher, den er einmal beschwindelt hatte, erkannte ihn, als er sein Auto im Schlepp hatte, und übergab ihn der P o l i z e i. Die Affäre Levii. Der Rechtsanwalt ist auf freiem s?uß. Unbeschadet der Tatsache, daß von dem Erlaß eines Hast- b e s e h l s gegen den aus Grund mehrerer Anzeigen festgenom- inenen Berliner Rechtoanwaü Dr. Levit abgesehen worden ist, geht gegen ihn das Ermittlungsverfahren vorläufig weiter, um die in den Strafanzeigein behauptete Unter- schlag ung von Mandantengeldern nachzuprüfen. Levit hat auch bei seinem Verhör vor dem Dernehmungsrichter in Ehar- lottenburg jegliche strafbare Handlung entschieden bestritten und bleibt dabei, daß es sich lediglich um zivilrechtliche An- sprüche von Gläubigern handele, die er im übrigen befriedi- gen wolle. Ob die Anwaltskammcr gegen ihn ein Ehr enge- richtsversahren einleiten wird, steht im Augenblick noch nicht fest und dürft« von dem Ergebnis der Ermittlungen der Unter- fuchimgsbe Hörden abhängen. Die Gehnsucht nach dem Seriösen. Von Hans Bauer. Der Stinnes-Prozeß gehört längst nicht mehr zu den Aktualitäten des Tages. Verwaist stehen die Pressetisch« in Moabit Die Zeitungsspalten sind dem Stoff unzugänglich geworden. Aus einem Sensationsfall ist eine komplizierte Materie mit schwierigen juristischen Fragestellungen geworden. Mit Recht zeigt sich die Oesfentlichkeit desinteressiert an dem kriminellen Tatbestand, über den verhandelt wird. Aber jenseits der Frage, wieweit die Angeklagten Erlaubtes, Halberlaubes, Verbotenes taten, bleibt reizvoll genug die Seelen- landschast, in der all die Dinge sich begaben, die zur Anklage sührten. Friedrich Nietzsche hat der Welt vor einem halben Jahrhundert sein System einer Umwertung aller moralischen Werte vorgelegt: Gut und Böse bekamen einen anderen Sinn. Auch bei den Sftnnes- Menschen sind die Wert« umgewertet. Beim Christentum wars der demütige Mensch, der gefordert wurde, bei Nietzsche der starke, machtwillig«: die Kausleut« vom Schwurgerichtssaal 253 wiederum, bekennen sich zum seriösen Menschen. Der seriös« Mensch läßt keine Wechsel platzen, ist unter allen Umständen und jederzeit für mindc- stens 100 000 Mark gut, hat ungehinderten Zutritt zum Privatkontor eines Direktors der v-Banken, bleibt den Angestellten nicht das GeHoll schuldig. Gegensatz des seriösen Menschen: der kleine Pinscher. Gar nicht zu beschreihen, wie die Anklagebank diese Sott« Menschen verachtet und mit welchem Nachdruck sie vor Verwechslungen mit ihnen warnt. Unmoralisch gehandelt zu haben? das will sie wohl anerkennen, sogar strafsällig geworden zu sein, ist sie unter Um- ständen bereit, zuzugeben. Aber keinessalls will st« mit dem Makel belastet werden, sich schnorrenhaft betätigt zu haben. Wie werden Finanzgeschäft«, die großen, die wirklichen, gemacht? Der Laie kann es sich nicht abgewöhnen, an bebrillt« Herren zu denken, die über Konfunkturturven büffeln und sich von den be- rühmten„volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten" leiten lassen: Di« Schreibmaschinen klappern... Die Prokuristen flitzen... Di« Akten- moppen pendeln... Die Konferenzen steigen... Die Ehrbarkeit dampft... In Wahrheft ist das alles ganz anders. Di« wirtlich guten Geschäft« werden außerhalb der Bureaus entriert, abends beim Glase Wein, nachmittags beim Mokka. Schneid hat sehr schön und sehr anschaulich geschildert, wie er zur Zeit der Einleitung des Anleihegeschäftes als Ebenbüttiger mit anderen Finanziers, feinen Leuten, die noch heute sehr viel in der Finanzwelt gelten, nachmittags beim Mokka im Hotel Bttstol saß und wie man da die Möglichkeu-.», die das Auswertungsgesetz bot, durchgesprochen hat. Aus zweierlei kam es an: a) auf die Herausknobelung eventueller Gesetzeslücken, b) aus die seriösen Verbindungen, die man sür die Durchführung des Geschäftes einspannen könnte... Aber die seriösen Verbindungen war das Wichtigere..Können Sie mich nicht mtt I. zusammenbringen... Ob denn nicht einmal eine Besprechung mit D zustande zu bringen wäre... Globen Sie, daß Z sich mit mir bekannt machen läßt?"...-Das waren die Problemstellungen, die in diesen Finanzierkreisen an der Tagesordnung waren. Dos Zusammenbringen, die Besprechung, das Bekanntmachen: Das war der Kern der Sache. Worüber man mit 1 oder A sich im Detail besprechen wollt«, das war im Moment noch schleierhaft, aber es würde einem zu gegebener Zeit schon einsallen. Zu Hundetten laufen sie herum, die Herren Projektemacher und Geschäfteentrierer. Sie zahlen höchste Preis« jedem, der ihnen Eintritt in das Kontor des Direktors des Internationalen Elek- trizitätskonzerns, der Kontinentalen Lersicherungsgesellschaft, der Deutsch-Amerikanischen K on s« rvenvertrieb szentrale verschafft... Es kann auch der Chef der Gemeinschaftspropaganda deutscher Kohlen- Händler oder der stellvertretende Leiter der Europäischen Bodeöfen- Allianz sein: Hauptsach«, daß es ein seriöser Herr ist und daß man ein wenig orientiert ist, wie er angepackt werden muß. Das Ge- schüft, das ste vorzuschlagen haben,- ist die volkswirtschaftlich über- flüsstgste Sache der Welt, ei» ausgelegter Leerlaus, noch nicht einmal eine Seifenblase. Man schlägt Geschäft« vor, bloß um„ins Geschäft zu kommen", man lebt nicht von Geschäften, sondern von der Technik des Geschästemachens. Jeder Fabrikarbeiter leistet m einer Arbeits- stunde Positiveres, Nützlicheres, Gültigeres, als die Leute in ihrem ganzen Wichtigmacher-Leben. Sie hin, als ob sie täten und wenn sie gar mft Stinnes Konnex bekommen haben, so verschlägt es chnen nichts, daß dieser Konnex in der Gemeinsamkeit der Anklagebank bestanden hat. Einmal wird der Geschäftemacher sterben. Aus bürgerliche Achtung legt er so wenig Wert wie aus proletarische. Auf seinem Grabstein soll geschrieben werden: Er ist eine allzeit seriös« Person- lichkeit gewesen. (Städtisch« Oper. Da» zweit« Programm, das uns die Russen gestern in der Städtischen Oper vorfühtten, konnte den Eindruck des ersten nicht wesentlich modifizieren. Man gab drei Ballett«:„D e r Dali",„Apollo M u s a g e t e s" und„F r Ü H l! n g S w e i H e". Glänzend« Technik. Zweifellos. Wer diese Technik ist mft nicht tänzerisch. Sie ist rein akrobatisch, hat im Grunde mit Tanz nichts zu tun. Könnt« wohl gelegentlich In den Dienst eines choreographischen Werkes gestellt werden. Als bescheidenes Mittel, das der Zweck heiligt. Ist den Russen aber Selbstzweck. Daher stehen diese Ballette dem Variete und der Zirkusmanege näher als dem Kunsttanz. Als Nummern eines Battetöprogramms wären zum Beispiel die Tänze des„Apollo Mufagetes" durchaus genieß- bar. Als Bestandteft« eines dramatischen Tanztunstwerks sind sie «in« Mose, kulturverlassen« Barbarei. Dazu kommt, daß das Diaghllesj-Bollett sich jetzt osfenisichllich um den Anschluß an den neuen deutschen Tanzstil bemüht, den man den abstrakten nennt. An sich ein löbliches Streben. Aber auf die Art, wie die Russen es versuchen, geht es nie und nimmer. E- findet hier nicht ein« organische Kreuzung statt, sondern man mischt beide Stilarten mechanisch durcheinander. Nach dem Prinzip: Hettng schmeckt gut. Schlagsahne schmeckt gut! Wie gut muß Hering mit Schlagsahne schmecken. Dabei findet man, wie fern der moderne Stil diesen Leuten liegt. Es ist alles total unettebt und seelenlos. J- s- Arbeiter und die Kunst. Die Künstler- Selbst Hilfe, eine Organisation der bil- denden Künstler hauptsächlich Berlins zur Befreiung von den kapi talistifchen Fesieln bürgerlicher Auftraggeber durch eigene Kraft und gegenseitige Hllse, wendet sich jetzt an die Arbeiterschaft mit einem Aufruf zu genosienschaftlicher Mitarbeit. „Die Künstler werden", wie der Aufruf sagt,„ihre Zugehörig- keil zu der sozialistischen Masse nicht allein empfinden, sondern nun auch beweisen. Sie werden ihre Plätze in den Reihen des kämpfen- den Proletariats einnehmen." Sie erhoffen davon eine Durch- dringung des ganzen werktätigen Volkes mit Kunst: sie wollen nicht mehr nur sür ein« kleine Anzahl Besitzender schassen, sondern als Glied des Volkes für alle. Praktisch gedacht ist diese Gemeinschast von Arbeiter und Künstler von der Künstler-Selbsthilse auf dem Wege der Per- mittlung des Allgemeinen Deuischen Gewerk- schaftsbündes. Seine Mitglieder sollen gegen einen Monats- beitrag von 60 Pf. Teilnehmer an den Darbietungen der Künstler- Selbsthilfe werden und dafür folgende Leistungen erhallen � 1. Eine monatlich erscheinende Zeitschrift„Kunst der Zeit", 24 Seiten stark, Kunstdruckpnpier. mit zahlreichen und wirk- lich repräsentativen Abbildungen und entsprechendem Text. 2. Eine Iahresgabe in Form einer handsignierten Orl- ginalgraphik von den bedeutendsten Künstlern Deutschlands. 3. Freien Zutritt zu modernen Kunstausstellungen. die ständig in den Gewerkschaftshäusern veranstaltet werden. 4. Freien Zuttttt zu besonderen Kun stabenden, bei denen die Künstler selbst über ihre Kunst und über ollgemein« Kunstprobleme sprechen werden. Das erste Heft der neuen Zeitschrift ist als Propagandaheft erschienen und enthält u. a mit zahlreichen sehr guten Illustrationen versehene Aufsätze über Ebett-Bildnisie(P. F. Schmidt). Berlin in der Malerei(Brattskowen), Der Maler und die soziale Stellung (R. Breuer). Im Vorstand sitzen u. a. die bekannten Künstler Bei- ling, Pechstein. Iäckel: der geschäftliche Leiter ist I. I. Ottens. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn gleich von Anfang an die Cinzeichnung möglichst zah'reicher Genossen bei den Gewerkschaften der großen und zukunftereichen Sache, der Eiicheft zwischen Künst- lertum und Proletariat, den entscheidenden Schwung geben würde. Es handelt sich um die wertvollsten Güter der Menschheit; der pekuniäre Einsatz ist äußerst gering, das Gebotene bedeutend. Dr. Paul F. Schmidt. Den oifiziellea Ztbscklvß de» Fravenkongresse» bildet am Sonntag, vor- mittag llft, Uhr, eine öffentliche Feierstunde in der BoltZbühne. Das Masko der Schiffe im Aemifee. Der Kaiser Caligulo. dieser typische Vettreter des Cäsarenwahn- sinns, hat nach 1900 Iahren Mussolini noch einen Streich gespielt. Sein«„Prunkgaleercn", die im Remis« versenkt waren, erweisen sich nämlich jetzt, nachdem man den See mit ungeheuren Kosten abge- lasten hat. als ziemlich uninteressant« Holzschiff«, und von den wundersamen Schätzen, mit denen der verrückt« Kaiser die Schiffe beladen haben sollt«, ist nicht das mindest« zu finden. MustoUni hat die Freilegung dieser Schisse, von deren Wundern man schon seit Jahrhunderten nmnkelte und die tereits früher kostbarer Ornamente und Beschläge beraubt worden waren, als eine„nationale Ehren- Pflicht" betrieben und sein Volt aufgefordert,„dem See die glor- reichen Zeugen unserer kaiserlichen Größe" zu entreißen. Nunmehr ragt das«ine Schiff soweit aus dem Wasser heraus, daß man sein« ganze Gestalt sehen kann. Die Kunde davon flog durch die ganze Welt, eine Fahne wurde am Mast befestigt, aber die Besichtigung wurde für das Publikum nicht freigegeben, und es herrschte ein gewisses betretenes Schweigen unter den Eingeweihten, die ihre Enttäuschung vergebens zu verbergen suchten. Erst jetzt ist die Besichtigung einigen Berichterstattern gestattet worden, die sich zwar in verschiedenen Tonatten äußern, aber doch erkennen lassen, daß auf diesen Schiffen, die dem italienischen Staat so schweres Geld kosten, nicht viel zu holen sein wird. Da gibt es keine Statuen und kein« Bronzen, kein Gold und lein Silber und keine kostbaren Stein«: es sind nur verhältnismäßig gut erhaltene Schiffsrümpse, die ein gewisses Interesse für das Studium der antiken Nautik bieten. Die Blcischicht, mft der die Schifsswänd« überzogen waren, ist im Wasser angefressen worden und on manchen Stellen ganz verschwunden: nach der Entfernung des Schlamms er- scheint das Holz in recht gutem Erhalttmgs.zustand: die„Galeeren" find breite /Und sehr flache Schiff«, die man eher Barken nennen könnte. Man hat eine Anzahl von Ziegeln und anderen Gegen- ständen gefunden, die auf Aufbauten schließen lasten, die jetzt verschwunden sind. Man sucht sich damit zu trösten, daß man vielleicht im Innern noch etwas finden wird, aber die Aussichten dafür sind gering, und auch der Vergleich mit den Witingerschiffen, die in Skandinavien gefunden wurden, hält nicht stand, denn diese wunder- voll gearbeiteten Schiffe bargen einen kostbaren Inhalt, der von einer Kultur bettchtete, von der man vorher wenig wußte. Londoner Theater gegen den Tonfilm. Aus einem Diner der Londoner Theaterleiter wurde mitgeteilt, daß ein« Reihe englischer Theaterunteniehmer in diesem Herbst daran gehen werde, die Inneneinrichtung ihrer Theater zu.modernisieren, um dem Ansturm des Tonfilms zu begegnen. Dabei kam auch zur Sprache, daß man das Abonnementssystem einführen und vor ollem auch den Preis der Plätze herabsetzen will, um das Pu- blikum wieder dem Sprechtheoter zuzuführen. Von den für London in diesem Jahre neu projektierten 10 Theatern werden 8 neben der Einrichtung der Sprechtheater auch Tonsilmapparattiren einbaue» lasten. Zutunstsphantasien vor Jahren. Das Berliner Antiquariat I. A. Stargardt stellt einen Band des „Breslauer Erzählers" vom Jahre 1838 zum Verkauf, in dem be- sonders eine Novelle von Gustav Roland„Breslau im Jahr 1938" von Interesse ist. Der Verfasser stirbt, wird nach 100 Iahren von Rübezahl erweckt und durch die Stadt geführt:«r berichtet von tech- nischcn Neuerunge», wie Eßwaren- und Zeitungsautomaten und elektrischen Zigarrenanzündem: die Straßen sind gegen Regen ge- schützt, nach Berlin fähtt man mit dem Dampfwagen in fünf Stunden, und sogar Flugzeugverbindung besteht. Wch sonst nähert man sich paradiesischen Zuständen: In den Dergnügungslokalen er- Höft man das Eintrittsgeld, statt es zahlen zu wüsten, und die Kriege sind unmöglich geworden. An anderer Stelle der Zeftschrift werde» Phonograph und Schreibmaschine vorausgeahnt. Eine Schanfpleler-Zlochtvorslellunji von„Die Fledermaus' in der Inszenierung von Max Reinhard mit der Premierenbeiedung findet am Sonnabend, dem S2. Juni, nacht» 12 Ubr, im Deutschen Tyeater statt. Div Gesamtreinertrog flieht den Wohltartskaflen der Biihnengenossenschat! Karten im Bezirttverband Keithstraße 11, Zimmer IS. Ohne Buddeln. Kabellegung nach einem neuen Äersahren. Die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke(Bewag) jdben vor einiger Zeit, zunächst oerjuchsweise. ein« neue Mo- schine iij Betrieb genommen, die das Auigraben der sogenannten Ueberweg« überflüssig macht. Die Ueberwegc cntsteben an den Straßenkreuzungen, bei denen die Habel, die ja normalerweis« unter den Bllrgersteigen verlegt werden, den Fal>r- damin kreuzen. Für den Verkehr ist es natürlich überaus lästig, wenn durch die Bauarbeiten das Strahenpflaster ausgerissen wer- den muß, und die Straße jeweils zur Hälfte auf einige Zeit für den Verkehr gesperrt ist. Die neue Maschine vermeidet alle diese Mißstände vollkommen. Sie arbeitet nach folgendem Prinzip: Der Kabelgraben wird auf beiden Seiten bis an die Straßenkreuzung herangeführt, dann wird auf der einen Seite die Maschine angesetzt die durch Oeldruck einen Stempel unter der Straße durch bis auf die andere Seite drückt. Im äußersten Fall können auf diese Art Ueberwege bis zu 18 Metern Läng« hergestellt werden Beim Zurückziehen des Stempels werden dann gleichzeitig von der an- deren Seite aus Rohr« eingeschoben, die mit dem Stempel durch den entstandenen Hohlraum zurückgezogen werden In diese Rohre werden später die Kabel eingelegt. Die Herstellung eines normalen Ueberweges wird jetzt nach dem neuen Verfahren in 5 bis 6 Stun- den erledigt, ohne daß irgendwelche Arbeiten am Pflaster erforder- lich sind. Reben allen sonstigen Vorteilen werden durch die Ver- Wendung der neuen Maschine die Kosten durch den Fortsall der Arbeiten für das Aufreißen und Wiederherstellen der Straßendecke erheblich herabgesetzt. Reinickendorf. In dem Bericht über die Kreismitaliedcr, Versammlung, in der Genosse Künstler über den Magdeburger Partei- tag referierte, war durch einen technischen Uebermittlungsfehler gc- sagt, daß der Referent sich als grundsätzlicher Gegner der Koalitions- politrk bekannte. Das Gegenteil ist natürlich richtig. Künstler er- klärte, kein grundsätzlicher Gegner der Koalitionsoplitik zu sein; jedoch müsse im Falle, daß Koalitionen notwendig werden, die June- Haltung der Kieler Richtlinien durchgesetzt werden. 33. Abteilung, Zahlmorgen. Unser treuer Genosse Karl B ö i t- cher(Ullstein-Betrieb) ist verstorben: Einäscherung heute abend 18lA Uhr im Krematorium Baumschulenweg. Alle Genossen beleiii- gen sich. ?crantwortliil> flir die Redaktion: Franz iklüh». Berlin: Anzeigen: Th. Stocke, Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m d£>.. Berlin. Druck: Vorwärts Bückt- druckcrei und Berlagsanttalt Baus Singer& Co Berlin TW 6S. Lindenstrab« 3. Hierzu 1 Beilage. | The Tltealer, Lidtlsptele usw ta.v____. �_____----- jc. Freitag. 21. 6. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 158 Wa Uhr Andrä Chenier Staats-Oper Am Phd.Republ. R.-S. 136 20 Uhr Diktator. Das aahalme Königreich. Schwergewicht. Freitag, 21. 6. staut. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Gastspiel Olaghiiett- Ballett Staat). Sdiausph. im Gendarnunntarkl A.-V, 144 20 Uhr Florian Geyer Staat). Sehiller-Ttieater.CtiapItb. 20 Uhr Gespenster SCAM 8 Uhr b 5 Barbarossa 9356 O'Hanlon& zambuni und die wetteren Attraituonen Sonnabend und Sonntag Je 3 Vorstellungen S*1 und• Uhr.— S» ermäßigte Pr. PLAZA Am K«»"1-«' AIei. 80«8— 68 Täglich 5, 8<5 Sonntag 2. 5 81* INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag 1 B unr» Zeatr. 2819» Uaumen ertaubt Bon lohn Jaiz-Girls Myron, Pearl& Co. | ii. weitere VavioM-Neuheltan Sonnabend nnd Sonnlad |e 2 Vorslellnngen 3» und 8 Uhr. kleine Preise. S»SS»SSS»»ISPS»»GSGDS Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kasb-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Eastsplsl Gnsttl Beer. Gietel Ultea in der Operette „Der ersten liebe gold'ne zeit" Operette in 3 Akten<30 Mitwirk.) Ferner:„Er in dodi der Pnpn". Burleske in I Akt mit Gustel Beer. Gretel Lilien. Dazu der große neue Verteidiell. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variete 0 Ulli. Operette 8.30. leden Donnersiao oroBer TotKsiag. I SSS»SS««SSIOO«»S»»SO8 Relchshallen-Theater äliabendltdi|T| Ohr Sleiliner Sänger u. a.:„eine fladtl •Xlm Xalgnelnkeller". /ersf semmerpreisei Biiiettbe- bestellung. Zentrum II 263 (Dönhoff- Brette (Saal und Garten) Variete— tanz— Deokar-Honzert Samowsliy- Bühnen Theater in dar Kßniggritzar Straße Täglich 8','. Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich S1« Uhr Charleys Tante mit Cur! Bois. Wim Ttieaier DirektHeinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende lOVj U. Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Lessing- Theater Täglich 8>/. Uhr KU betrag* Dim nnr ans Liebe Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. Rose-Theater GroBa Frankfurter Str. 132. TägUdi 8.14 Uhr: Komödie In 4 Akten r, H. A, Kllm CartenbUhnc: 8,15 Uhr „Die geschiedene Frau" VolKsofUine DieaHr.ainfiäloaplzli 8 Uhr serlin, wie es weint u. lacht Staat). Sdiiller-Tli. 8 Uhr Gespenster Slnnlsopdr am Plan ueroepabllt 8 Uhr Diktator Das geReime Kßnigre.ch SonuiergeuiiOht D.I. Norden 12310 8U„ Ende gegen II Die FiederiDaHS Musikv.Joh. Strauß. Regie; Max Reinharde Musik. Einrichtung E. W. Komgold. Ausslattg L. Kainer. Die Komödie II Bismcl*Mft7SI6 S'/t, Ende gainu'nU. Der Kann, der ainen Hainen ankerte 3 Akte von Edgar Walace. Regie; HeinzHilpert Lnstspielhaus Tägl. 8Vi Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer hdlbd Preise. I Trianon-Th. Täglich 8»/« Uhr Sonntag 3% u. 81/: fiastspldldcr Teoern- setr BauernbUbne Moral unterm Himmelbett Für Jugendliche nicht geeignet Rundfunkhöre r halbe Preise. Tbaat.ani Kottb.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sänger Ole luoi- Sensation: „BerLn bal'S 85086 LOS!" Thea), o. Westens Täglich S'u Uhr Sonntag S'la u. 8>/, Franz Lebars Welter lOlfl' Friederike Grete Finkler Telephon Steinplatz 0931 u. 7180 Metropol-Th. Festepiaie 1929 Tägl. 8 Uhr Bl&ubart Operette von Offen bach Kilbe Dorsch Leo Slezak Plane tanum —* am ZOO'mmm VirliDi. jMdtimilluler Slrah B. 5 Barbarossa 5578 Wii Uhr Sternbilder des Sommert 18-/, Uhr Der Olutball der Sanne 20-/, U. Von Pel zu Pel am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf- Kinder 25 Pf Die Mafsabteüung von PEEK&(lOPPENBURG liefert In drei Tagen ganz leichte Hochsommer-Anzüge aus Fresco- und Tropenstoffen Pre IS 1 90- RM. 634 Stempel- 'r.« Hecht Inh.: Alfred Schneller Berlin Si4.« Annenstr. 10 �Fernruf F 7 Jonnowit23618 lefert Stempel jeder Art Spezial- BebaaOi. nnr IBr ur flotten, Gesas nnü Bein, wenn BrzU.lsstoesitlli In lilaaen sind sdumeraileoeseiilin worden. Unamastbars Hellertolge. Bestatlouno nnd Beterenien. ärztlich empfohlen. invaildenstraSe'06. 9—lt,i—«. Sonntai 10— 12. lacnbT. Otsii. ItBost'iSr-Th. 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Hauptstr. 30 Das Mödei auf der Schaokei mit Lledfkc Das Phantom der Oper mit Chancy Aähncnschau Titania füu Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Der Herr vom Finanzami Im lUmpcolidil mit Esther Ralston Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Die geheimnisvolle Macht mit Harry Fiel Der Spion von Odessa W/ V7 ff � •••-•Sv-"i'- Die Berliner Kruppen der Raten Falken der Arbeitsgemsin- schajt der Kindersreunde bereiten eifrig ihre Kinderrepublik auf der Insel Namedy im Rhein für die großen Ferien vor. Mehrere Treffen aller Gruppen auf dem Kinderland Birkenwerder sollen diesem Zwecke dienen. Pfingsten waren es 300 Teilnehmer. Im letzten Probelager kamen schon weit über 400 Berliner Rote Falken zusammen. Und sie wollen noch mehr Teil- nehmer für ihre Kinder- republik werben. Ihr Ziel ist, daß Berlin mit min- bestens 500 Roten Falten in das Zeltlager einzieht. Im Probelager erklang Sonntag früh das Signal eines Hornisten und alle Falken sprangen aus den Betten. Gruppe um Gruppe lief zum Sportplatz, um den Körper bei g y m- nastischen Uebungen für die Tagesarbeit ge- lenkig zu machen. Ein Bad in der Briese ließ auch die Verschlasensten endgültig erwachen. Nach gemeinsamem Frühstück stellten sich die Gruppen zu einem Demonstrationszuge auf. Voran große rote Fahnen und eine Musikgruppe mit Geigen und Klampfen marschierten die Roten Falken in eineni gut geordneten Zuge nach Birkenwerder. In der neuen Turnhall« Birkenwerder- wurden noch vorbereitende Proben für den E i n m o r s ch und Empfang i n Köln am 6. Juli durchgeführt, und dann ging es zum Krankenhaus Birkenwerder. Freudig erklangen die kampfessrohen Lieder als Gruß denen, die durch Krankheit und Siechtum sich dort aufhalten müssen. Der Nachmittag fand die Roten Falken bei wichtigen A r b e i- t e n. Zelte wurden ausgebessert. Strohsäckc und andere Materia- lien genau auf Festigkeit geprüft und mit Namen und Erkdnnungs- zeichen verschen. Notizen wurden gemacht über das, was noch fehlt und beschafft werden muß. Bald werden ja bereits die Zelte, Goulafchtanonen und Zubehör verpackt und in einem Gepäckwagen nach Andernach gesandt. Noch 3 Wochen und ivir marschieren in Köln ein und unsere roten Fahnen leuchten zwischen taufenden blauen Kitteln hervor, war der Gedanke, den jeder Rote Falke hatte, als Sonntag abend das Lager abgerissen und"der Weg nach Berlin wieder angetreten wer- den mußt«. In so einem Zeltlager gibt es allerhand Erlebnisse. Einige Rote Falken haben sich daran gemacht, sie zu schildern. Wir geben einige Proben: Es war im ersten Probezeltloger der Roten Falken in Birken- werder. Das Lagerparlament, das aus den Vertretern der Roten Folkengruppen gebildet wird, hatte die Gruppe Schöneberg auf einige Fehler an den Zelten aufmerksam gemacbt. Sofort wurde noch Hammer und Spaten gegriffen, um die Fehler zu beseitigen. Nach einer halben Stunde kräftigen Arbeitens waren wir fertig und die Gruppe ging sich gemeinsam waschen. Al» sie zurück kam, saßen die anderen Gruppen bereits im Gemeinschaftsring beim Effen Und als die Gruppe über den son» digen Zeltdorfplotz rannte, gab es natürlich einigen Stagb. Das veranlaßte nun«ine Gruppe, die Gruppe Schöneberg Mit dem Sprechchor:„Wir brauchen noch mehr Staub, Schöne- berg heran!" zu empfangen. Da nun aber die Schöneberger auch nicht auf den Kopf gefallen sind, so antworteten sie mit dem kräftigen Sprechchorrus:„Ihr habt euch ja nicht ge- waschen; zackig, zackig, zackig!" L»>-rauf die anderen Gruppen nichts mehr sagen konnten und platt waren. Diese kleinen Sprechchörc arteten natürlich nicht zu Feindschaf- ten aus, im Gegenteil, sie trugen zur allgemeinen Belustigung bei, und schon am selben Abend saßen die Gruppen wieder olle zu- (I. //� sammen und sangen gemeinsam Lieder. Seit diesem Abend g4ng sich das ganze Lager vor dem Essen„Händewaschen". ...... Fnmldschaft!- Max W. ** * Wer zum ersten Male im Zelt der Kinderrepublik übernachtet. kann nicht schlafen. Und die Falkennachtwache muß sehr hinterher sein, daß von diesen Neulingen keiner stört. Die verschiedensten Mittel haben sich als brauchbar erwiesen, um jeden Lärm des Nachrs rasch unmöglich zu machen, so daß die anderen Zeltrepublikaner ruhig schlafen können. Ein Roter Falke der ersten Nachtwache berichtet: ,Au, Max, das wird ja'ne Sache, kann ich dir sag«n, wir beide schieben Nachtwache." Richtig, wir zwei beide und Heinz macht noch mit. Ja, ja, na, da ist die richtig« Korona zusammen. Ich werde Heinz gleich unterrichten, der wird bestimmt damit «inverstanden sein. Er stimmte also auch zu. Nach langem Hin- und Hergercde kamen wir zu oem Entschluß, auch noch die zweite Wache mitzumachen. Aber die Uebereilung war größer als die eigentliche Kraft. Die Zeit, wo unsere Wache beginnen sollte, kam wie eine Schnecke herangekrochen. Jeder Falke der Wache bekam eine rote Bind« um den Arm. Uns wurde es gar nicht früh genug dunkel, als es dann glücklich b Uhr war, nah- men wir den Gong und schlugen zur Lagerruhe. Alles strömte den Zelten zu. Einzelnen, denen es noch nicht Zeit schien, ins Zelt zu verschwinden, hals die Wache höflich oder unhöflich nach. Um 10 Uhr ertönte der Gong abermals und an jedem Zelt hörte man den Ruf: Licht aus! Zcltruhe! So wurde Nachtruhe hergestellt. Nur eine Gruppe, die zum erstenmal ein Zeltlager mit- machte, Itörte die anderen durch Gelache und lautes Sprechen. Auf einmal vernahm ich neben mir einen Ruf:„Schnell ein paar knorke Rote Falken der Wache her und die Störenfriede aus- geräuchert!" Na, ich also hin. Fix öffneten wir das Zelt, und diejenigen, die man am meisten gehört hotte, wurden vor das Zelt gehoben. So begann ein Bei- teln und Brummeln und Jammern. Aus einer Ecke rief einer:„Laß mich doch erst mal meine Jacke anziehen, meinste, ich will zu Knack- käse frieren?" Als die Randalierer abgekühlt waren, ließen wir sie wieder schlafen gehen, und die endgültige Ruhe war hergestellt. Wir drei ober, die wir uns zusammengetan hatten, verspürten keinerlei Lust. die zweite Wache noch durchzuhalten und wurden dann auch bald abgelöst! Freundschaft! Gilbert L. JameS Watt Das Leben eines Erfinders An einem Augusttage des Jahres 1736 machte ein« jung oer- heiratete Dam« mit ihrem Gatten einen Ausslug per Segelboot von der kleinen Haienstadt Greenock nach Steindowe. Aus der Rückreise waren sie beide Zeugen eines Unglücks. Zwei andere Fahrzeugs hatten sich tüchtig gerammt und bei diesem Auseinanderstoß war das eine Boot so stark beschädigt worden, daß seine Insassen sich in das andere hinüberrettcn mußten. Zwischen den Bemannungen beider Boote kam es zum Streit und zu einer wüsten Schlägerei. Die Messer blitzten, jemand feuerte«inen Schuß ab. Drei Tote wurden an das User gebracht. Das Ehepaar aus Greenock mußt« zusehen, ohne helfen oder beschwichtigen zu können. Die Gattin hatte sich furchtbar aufgeregt und es passierte ihr nun, daß sie vorzeitig nieder- kam. Der Sohn, den sie so gebor hieß James Watt. Er war so schwach, daß er noch mit fünf Iahren nicht selbständig zu gehen vermochte. Eltern und Hausarzt erwogen, ob es überhaupt geraten fei, diesem Kinde eine„höhere Erziehung" ongedeihen zu lasten, denn alle taxierten seine Lebensfähigkeit auf etwa zehn Jahre und wenn es hoch käme auf zwölf Jahre. Da beobachtete fein Vater, der ein tüchtiger Mechaniker war, den Sohn bei der Anfertigung von ganz neuartigen Spielzeug- Maschinen. Nun war es klar, daß James das väterliche Talent geerbt hatte und mochte sein« Lebensfrist so kurz bemessen sein, wie es sollte, jetzt mußte nachgeholt werden, was ihm an Schulbildung fehlte. Der kleine James lernte als achtjähriger Knabe schreiben, lesen, zeichnen; aber er lernte in einem Monat, was Gleichaltrige erst in einem Jahr bewältigen konnten. Lernen und Denken taten ihm wohl. Es war so, als ob der Geist den Körper stützte und ihn mit Kräften versorgte, die dieser selbst nicht mitbekommen hatte. Mit zwölf Jahren war James ein gesunder Junge. Der Drang des Forschers und Erfinders in ihm war grenzenlos. An allem, was er beobachtete, entzündeten sich Probleme, knüpften sich Verbesserungsvorschlägc an. Der kleine Watt hat in seinen Zeichnungen gelehrt, wie man Windmühlen vervollkommnen könne; er hat die Konstruktion der Sattel im Modell abgeändert und sogar Pläne zur Verbesserung, d. h. zum bequemeren Tragen der männ- lichen und weiblichen Kleidung entworfen. Iseber e i n Experinient geriet seine Tante ganz aus dem Häus- chen. Stundenlang beobachtete er einen wastergesüllten und dem Hcrdfeuer ausgesetzten Teekessel, ohne vorerst zu wissen, welche Beobachtungen ihn so nachdenklich stimmten. Mit einem Mal« kam er auf die Idee eines Experimentes: Was wird geschehen, wenn ich den Ausguß verstopfe, so daß der Dampf keinen Abzug nach vorne hat? Natürlich begann der Deckel des Topfes auf und nieder zu tanzen. Es äußerte sich die Steve- rungskrast des Dampfes. Und diese Feststellung, verbunden mit dem im Geiste James Watts entstandenen Gedanken, daß eine solche Kraft sich menschlichen Zwecken verwertbar machen lassen müsse, war die(öclmrtrssnnds einer ILelirevolutiön. Im Prinzip war die Dampfmaschine erfunden. Mit 17 Iahren verlor der jung« Gelehrte und Erfinder seine Mutter. Im Schmerz über diesen Verlust bekam er zu fühlen, daß er mit einem Körper von leicht zu erschütternder Gesundheit be- hastet war. Monatelang war er krank, ohne daß ihm etwas Bestimmtes fehlte. „Die Krankheit ist im Ausbruch begriffen, sie wird sich schm noch melden," äußerte der Arzt. Der Vater warnte und verlangte von James, daß er sich schone. Bei dieser Gelegenheit erzählte er ihm, weshalb er von Hause aus mit so schwachen Körperträften versehen sei. Eine seltsame Wirkung übte diese Mitteilung auf seinen Sohn. Er verfiel in M e l a n ch o- l i e und unter dieser Melancholie hatte er zeitlebens zu leiden gehabt, mitunter so schwer, daß er sich mit Selb st mordgedanken plagte. Er wurde Jahrzehnte von Träumen heimgesucht, in denen jene verhängnisvoll« Streit- und Kampfszene auf dem Meere un- heimlich auflebte. Er sprach dann, ja er schrie aus dem Traume. Das blieb auch, als er sich auf Anraten des Arztes verheiratete. Der gute Doktor hatte gemeint, Träume dieser Art und Melancholie würden sich dabei verlieren. Sie verloren sich nicht und Frau Watt mußte noch sehr oft ihrem erinnerungslos erwachenden Mann er- zählen, wie er sie mit seinen Beschwichtigungsversuchen und Hilfe- rufen, mit seinem Schrei:„Sie zielzen die Messer"—„Es fallen Schülie" aus den: Schlaf geschreckt habe. Ueber diese Melapcholie half sich James Watt mit seiner erfinderischen Arbeit hinweg. Nach jahrelangen Studien über die Natur und Verwertungsmöglichkeit des Dampfes, die er bei italienischen und französischen Vorgängern, eigentlich mehr Vor- ahnern seiner Erfindung betrieb, glückte ihm die Herstellung der ersten Dampfmaschine. Nun, meinte er, hätte er es geschafft, wäre er bereits«in weit- beglückender Mann geworden, denn er erkannte sehr wohl die umge- ftaltende Bedeutung seiner erfinderischen Tat. Die Welt lachte zunächst über seine Beglückungspläne und manche Zeitgenossen schlugen allen Ernstes vor. ihn für geistesgestört zu erklären oder ihn den Prozeß wegen Teufelsbünd�istes zu machen. So erhielt die Melancholie neue Nahrung. Sie wäre sicher seines Geistes Herr geworden, wenn nicht im letzten Augenblick vor dem Hereinbruch der Katastrophe ein geschäftstüchtiger Spekulant die Bedeutung feines Werkes erfaßt und ihm„jede pekuniäre und moralische Unterstützung" zugesagt hat:«. Das richtete Watt auf und er glaubte den Gipfel seines Ruhmes erklommen zu haben, als ihm 1769 Potent« für seine Dampfmaschine und mit Dampf betriebene Spinnmaschine zugebilligt wurden. Watt erlebte arg« Enttäuschungen an diesem Helfer. Doktor Roebuck, so hieß der„Mäzeyat". kaufte ihm mit 1000 Psund das„Zweidrittel- intereste an der Ausnutzung der neuen Erfindung" ab und legte ihn hinterher i»it prozestualen Angelegenheiten herein. In der höchsten Not fand Watt seinen Retter in dem Fabri- kanten Matthew Boultvn. Er übernahm den Vertrieb der Dampfmaschine und nun bürgerte sich die neue Erfindung ziemlich rasch ein: in den Bergwerken, in der Seilerei, in der Spinnerei, in den Mühlen lernte man rasch die Dampfmaschine in den Dienst wirt- schastlicher Zwecke zu stellen Do gab es einen Rückschlag. Watt hatte Zeichnungen für die Verbesserung der Dampfmaschinen ausgearbeitet. Diese Zeich- nungen stahl ein Fabrikarbeiter und vertäust« sie an eine Firma. Der Arbeiter wurde bestraft. Es gab aber einen jähre- langen Prozeß über die Streitfrage, ob die Firma die Zeichnungen verwerten dürfe oder nicht, und als die letzte entscheidende Instanz der Firma dieses Recht aberkannte, waren die Zeichnungen„spurlos" verschwunden. Da wurde James Watt abermals schwer krank. Zur Melancholie gesellten sich die Anfänge der verfolgungssuch». Er wähnt« sich von Dieben umgeben, bezichtigte seine Umgebung kleiner und großer Entwendungen und war von dem Wahne schwer abzubringen, daß man ihn ermorden wolle Es geschah fast ein Wunder, als es Watt gelang, diese seelischen Erkrankungen zu ül�er- winden. Denn nun war der Mann, den die Eltern be' seiner Geburt kein Jahr Lebenssrist zugetraut hatten, auch schon fünfundsünfzig geworden. Freilich war er durch die letzten Erschütterungen körpcr- lich so heruntergewirtschaftet, daß es buchstäblich seine Feinde er- barmte. Er hatte solche unter den Arbeitern, die in der Dampf- Maschine ihren wirtschaftlichen Ausschalter fürchteten und in einer Reihe von Kollegen, die halt nicht so glücklich in ihren Erfindungen waren wie James Watt. Wenn sie ihm begegneten, so fluchten sie gar nicht mehr, höhnten gar nicht mehr wie früher, sondern zuckten nur noch mitleidig die Achseln. „In einem Monat, spätestens in einem Jahre ist der Mann tot." Watt aber lebte noch 28 volle Jahre über dies« Nöte und Krankheiten hinweg. Er erlebte noch den Einbau der Dampf- Maschine in die Schiff« und vernahm auf dem Totenbette noch die Kunde von der Ankunft des ersten transatlantischen Dampfers „Saoannah" aus der amerikanischen Stadt gleichen Namens. Die Idee tauchte auf, Dampfmaschinen aufSchienen laufen zu lassen. Mit Begeisterung hat der 83jährig« Walt diese Idee begrüßt: zu schwach, um an ihrer Verwirklichung mitzuwirken, aber voll der Zuversicht, daß die Eisenbahnen dereinst den Planeten durchrasen würden. Dr. Gierlich«. Copyright by Orcll FüBIi, Zürich 1. Kapitel. Es ging auf 7 Uhr, als er ankam. Es war noch sehr hell, denn man befand sich mitten im Sommer. Er war mager, klein, und es hatte den Anschein, er hinke. Auf dem Rücken trug er einen Sack von grober grauer Leinwand. Dennoch verursachte seine Erscheinung, als sie ihn daherkommen sahen, kaum Erstaunen bei den Frauen, die unter sich vor den Häusern plauderten, und die Männer, die in den Scheunen oder Gärten geschäftig waren, hoben kaum die Köpfe: kein Zweifel, es mußte ein Landarbeiter auf der Suche nach Arbeit fein, wie man deren all« Tage vorbeiziehen sah. Die einen tragen«in« Sense geschultert und am Halmende baumelt ihr Wäschebündel: andere haben ihre Schuhe um den Hals gehängt. Unter dieser Gattung Menschen gibt es alte, junge, große, kleine, mittlere, dicke und magere. Welcher Art sie immer sein und woher sie auch kommen mögen, man weiß hinlänglich: schwer wiegen sie nicht. Immer dieselbe böse Brut: Säufer, Faulenzer, Rauf- bolde. Unzugänglich, wetterwendisch sind sie, und auf ihrem Mund steht's zu lesen: sie sind der Auswurf aller ehrbaren Menschen. Einer mehr von dieser Sorte ging vorbei und damit basta. Das Wetter war sehr schön, ein rosiger Hauch lag in der Luft: man darf schon sagen, an diesem Abend schwellt« Zufriedenheit alle Herzen. Bei der anhaltend guten Witterung kündete sich das Jahr als ein gutes an, prahlte mit besten Aussichten: die Weinberge unten gediehen herrlich: man hatte bereits Gras in Ueberfluß: das Heu konnte nicht mißraten, und das Getreide erst, das bereits die Farbe zu wechseln begann: selten hatte man es so dicht, so prachtvoll stark, so kräftig in den Halmen gesehen. Gründe genug also, sich zu freuen, nicht wahr? Gleichwohl darf man nicht allzusehr den Dingen trauen: aber das Gegenteil wäre vielleicht noch schlimmer, und vieles Mißtrauen entmutigt. Man sah die Leute von den Feldern heimkehren. Sie blieben beieinander stehen, die Pfeife im Mund«, oder sie riefen sich von weitem an, tauschten Scherzwort«, und um den Brunnen herum standen die Mädchen und brachen jeden Augenblick in Gelächter aus. Der Himmel war grün geworden. Klein« Wolken schwebten drüber hin. Hundert oder zweihundert Häuser, die sich um die hohe Kirche mit dem viereckigen Turm scharen, so liegt alles auf einer Stuf« des Hanges vereint. Sieben- oder achthundert Eingesessene sind's im ganzen, die zwar ein wenig abgelegen hier oben wohnen. Aber sie sind gegen die Nord- und Südwinde gut geschützt durch zwei gleich laufende Felsketten: dazwischen streckt sich ein Tau aus, dos sie beherrschen. Das Dorf hatte eine Verfassung wie alle Dörfer: ein Ammann, drei oder vier Gemeindebeamte, ein Gemeinderat, ein Gemeindeschreiber,. ein Schullehrer, ein Pfarrer. Es gab zwei Wirtschaften, zwei Kramläden. Vor der Kirche breitete sich groß genug ein freier Platz aus, auf den alles nach dem Gottesdienst zusammenströmte. Alle Kamine rauchten: ein jeder wußte, was das bedeutete. Wenn an den mächtigen Felsstirnen oben am Berge ein rosiger Hauch steht und unten die Kamine qualmen: dann ist die Stunde für die Abendsuppe nicht mehr fern. Man gewahrte es übrigens deutlich. Auf allen Feldwegen kamen Menschen daher und wandten sich dem Dorfe zu. Auch die Dorsgassen waren voll Volk: nicht wenig Maultiere trieben vorüber. In der Ruh« eines schönen Abends, wenn selbst die Gartenzäune mit ihrem ausgetrockneten Holz aufzuwachen und wieder Säfte zu treiben scheinen, verspürt man froh all dieses Kommen und Gehen, den Geruch des Abendessens, der aus den geöffneten Türen strömt, das Hantieren der Frauen, die sich in der Küche über den Herd beugen. Der Fremde hatte das Wirtshaus betreten. Die Gaststube war leer. Er nahm Platz an einem der Tische im Hintergrund. Seinen Sack hatte er unter die Bant gelegt: dann wartete er mit auf- gestellten Ellbogen, daß man komm«. Roch einer Weile kam der Wirt selber; er hieß Simon. Er sprach zu dem Wartenden: „Was wünschen Sie?" „Geben Sie mir«inen Holben Wein," sagte der. „Und ich möchte auch gern etwas essen." Er macht« nicht lange Umschweife, wie ihr seht. Auch Simon nicht. Er ging und holte Brot und Käse, brachte alles mit dem Halben Weißwein auf einem Teller. Eine mächtige Messinglampe hing an der Decke: sie brannte »och nicht. Es begann zu dämmern. Der Fremde aß ohne Hast, wie man zu tun pflegt, wenn man keinen besonderen Hunger hat: aber man muß doch essen, wenn Essenszeit ist. Er hustete ein wenig, «r schien heiser. Gemächlich ließ er seine Kiefer unter seinem kurzen Bart arbeiten. Cr trug einen Bart, der am Kinn nicht länger war als auf den Wangen: seine Farbe war schwer zu unterscheiden. Es sah so aus, wie wenn der Gast graue Augen hatte: aber ganz sicher konnte man nicht sein, denn sie waren klein und lagen sehr tief. Immerhin nahm man wahr, daß seine Ras« schief saß. Und was man gleichfalls bemerkte, das war seine Haut, die in dicken Falten an seinem Hals, an seinen Händen und in seinem Gesicht hing, und die weniger eine Haut als vielmehr ein fvnderbares, andersartiges Gewand fein mochte, das er zugleich als Fleisch trug, und das er ganz gut hätte ablegen können, wie man seinen Rock auszieht. So hatte seine Erscheinung etwas Befremdendes: aber er schien sich darüber keine Rechenschaft zu geben oder Verlegenheit zu empfinden. Ganz im Gegenteil: sein Auftreten war sicher, sein Aussehen vollkommen ruhig. Er war einer von den Menschen, die überall zu Haus« zu sein scheinen, wie wenn sie sich ein für alle Mal« gesagt hätten:„Man wird mich nehmen, wie ich bin." Und er lrank und aß weiter, big sein Teller und der Schoppen leer waren. Darauf stopfte er sich eine Pfeif«. Und dann brach wirNich die Nacht an. In diesem Augenblick tiat Simon wieder ein. Er zog einen Schemel unter einem der Tische hervor und stieg hinauf. Er rieb ein Zündholz einmal, zweimdl an seiner Hose. Man sah das Feuer langsam an dem schmutzigen Dochte empor- lecken, und die kleine Flamme mühte sich redlich und lange Zeit, bis sie den Brenner umkreist hatte. Kongolampen nennt man sie: man findet sie in ollen Dörfern. Der Schirm ist von weißem, billigem Porzellan, der Messingbehälter hat in der Mitte ein Loch, durch das der Luftzug streicht und die Flamme unterhält. „Ihr habt hier das Elektrische noch nicht?" sragte der Fremd«. Simon blies in das Glas, bevor er es wieder an den Brenner steckte. „Nein," gab er zur Antwort,„noch nicht. Und man braucht's ja auch nicht." „Es ist wahr," sagte der Fremde,„mit diesen Erfindungen macht man sich das Leben nicht leichter. Es ist wie mit den Eisen- bahnen: ich habe meine Beine immer noch lieber, sie tosten mich weniger." Und er begann zu lachen. Simon lacht« nicht mit. Denn sein« Art war mißtrauisch und zurückhaltend, vor allem Fremden und Unbekannten gegenüber. Inzwischen ging die Tür auf und es traten, einer nach dem anderen, drei Männer«in. Sie schauten sich um, und sahen, daß jemand da war; aber sie taten, als hätten sie nichts gesehen, und, nachdem sie Simon den Abendgruß geboten, setzten sich alle drei an denselben Tisch in der anderen Ecke des Zimmers, so weit entfernt wie möglich von dem Fremden. Simon war in den Keller ge- gangen, ohne daß sie ihm hätten sagen müssen, was sie bestellten: er kannte ihre Gewohnheiten. Und schon versank der Raum nach und nach in ein bläuliches Dunkel, das immer tiefer und tiefer wurde, und der Schein der Lampe erschien darin bleicher und ihre Flamme schmaler, wie ein kleines Auge. Andere Gäste waren hinzugekommen. Von allen Pfeifen flog ein schwerer, dicker Rauch auf, von jener Art, wie ihn diese scharfen, ein wenig feuchten, grob gehackten Tabake der Dorfläden verströmen: das Päckchen kostet zehn Rappen und man sieht daraus das Bild eines schönen Soldaten in steifer Uniform: er steht aufrecht da, Ge- wehr bei Fuß. Die Zeit verstrich, die Gespräche nahmen ihren Lauf. Nachdem Simon die letzten bedient hatte, hatte er sich an einen der Tisch« gesetzt: auch er begann zu trinken. Bald verstand man kein Wort mehr, weil die Stimmen nach und nach lauter wurden. Man redete hin und her, man stritt beinahe. Von Zeit zu Zeit ließ einer die Faust auf den Tisch donnern: darauf folgte Stillschweigen. Aber bald erhob sich der Lärm von neuem. Der Fremde mochte sich eine der Pausen zunutze:„Verzeihung, ihr Herren," und alle drehten sich nach ihm um. Man hatte ihn vergessen: er war plötzlich wieder unter ihnen. Er hatte seinen Platz nicht verlassen, wo sein, leerer Schoppen und sein leerer Teller standen. Man sah ihn neugierig an. Aber er schien sich nicht darum zu kümmern: es störte ihn gar nicht, daß ihn alle anschauten. „Verzeihung, wenn ich störe. Aber ich möchte gern eine kleine Auskunft haben." Man sah wohl, er wußte, was sich gehört. Und die Verlegen- heit ergriff mehr sie als ihn. Und sie möchten ihr wahrscheinlich kaum entronnen sein, wäre nicht Lhote, der Hufschmied, da gewesen,. der sich glücklicherweise besser als sie alle zu benehmen und aus- zudrücken verstand. „Sprechen Sie nur frei heraus; vielleicht kann man Ihnen bTo gewünscht« Auskunft geben." „Ich danke sehr," sagte der Fremde. Dann, mich kurzem Nachdenken: „Sie wundern sich vielleicht. Ich komme von weit her, Sie verstehen, und Sie kennen mich nicht. So lange schon bin ich Straßen hin gelaufen, daß ich mich kaum mehr aller Länder er- innere, die ich durchquert habe. Und in der Mehrzahl der Fälle geht's so: komme ich in einen Ort, so ist's zu keinem anderen Zweck als gleich wieder wegzugehen. Aber heute, an diesem Abend, wi« ich hier hinaufstieg, da hat mich etwas angerührt, ich weiß nichk was. Und ich sage mir: wenn du dich ein wenig ausruhtest? Du bist so lange gelaufen: du beginnst deinen Atem zu verlieren: du wirst älter. Warum versuchst du es nicht, dich hier im Lande nieder- zulassen?" Er sprach gesetzt, ein Wort noch dem anderen. Er brachte die Worte heraus, wie man Geldstücke hinzählt, wenn man eine Schuld zu begleichen hat. „Haben Sie vielleicht hier bei Ihnen einen Schuhniacher nötig?" Der Vorschlag überraschte; man merkte es deutlich dem Schweigen an, das ihn empfangen hatte. Es kommt nicht jeden Tag vor, daß der erste best« Wandersmann einfach austritt und er- klärt, daß er sich hier niederlassen möchte. Von diesen Menschen weiß man weder ihren Voter noch ihr« Mutter, man weiß selbst ihre Namen nicht. Man spuckt zur Seite wenn man sie kommen sieht: sie gehen weiter, man hat ausgespuckt und dabei bleibt es. Aber dieser hatte etwas an sich, was die anderen nicht hatten. Warum denn nicht am End«? dachten sie. Und sie schauten sich an und warteten, daß Lhote spreche. Und Lhote würde bei jeder anderen Gelegenheit ohne Zweifel geantwortet haben:„Gehen Sie Ihres Weges!" Aber er sagte das gerade Gegenteil. lFottsetzung folgt.) Freliac, 21. Juni. Berlin. 16.00 Dr. Viktor Enielhardt: Der Geist der Völker in ihren Bauten Islam. 16..*) Hans Bollmann; Die Sportschan des Monats, 17.00 linterhaltunesrnnsik. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.40 Dr.-Ing. 0. Wendt:„Als Eisenbahn-Ingenienr in SOdamerika", 19.05 Kurt Oroßmann:„Das Wanderungsproblem". 19.30 Otto Vetter:„Stadt und Kloster Lindoor". 20.00 Abendunterhaltung. 20.45 Orchesterkoniert. Dirigent: Ernst Mehlich. I. Glinka; Ouvertüre.— 2. Debussy: Nachmittag eines Pauns.— 3. Wcber-Weingartner: Aufforderung gnm Tanr.— 4. Ravel: Alborada del Qrasioso.— 5. Borodin: Polowetier Time(Berliner Punk-Oichester). Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. Königs Wusterhausen. 16.00 Ob.-Stud.-Dir. Dr. Johannesson: Buch und Kind. 16.30 Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung in Sonate und Sinfonie. 17.00 Nachmittagskomert von Leipzig. 18.00 Dr. Kurt Neu: Die internationale Krise des Kohlenbergbaues. 18.30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. Kurt Krause: Blumen and Insekten. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Thema und Name des Dozenten werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben. 20.00„Dies ist die Stunde, die Frühling und Sommer trennt", eine Kantate tür jirei Sprechstimmen von Paul Claudel(deutsch von Roman Wocrner). als kammerhörspiel bearbeitet von Hans Oeser. Laeta; Fansta; Beata. Regie: Hans Oeser. Anschließend: Uebertragungen von Berlin. VK4S DER TAG BRINGT. ....................................................................................................................................... Hollands BIumenzwiebel'Ausfuhr. Nach einer soeben im Haag veröffentlichten Statistik wurden im Jahre 1928 94 798 759 Pfund Blumenzwiebeln ausgeführt, deren Wert auf 7l>9Z