Morgenausgabe �r. 287 A 145 46.Iahrgang Wöchentlich SS Pf» monatlich S.SVM. im voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einsch'ießlich 6 ganisationskomitee folgende Forderungen: 1. Di« rechtliche Gleichstellung der Arbeiter und Beamten der Deutschen Reichsbahn mit den übrigen Arbeitnehmern Deutschlands ist wieder herzustellen. 2. Die Behördenstellung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschoft ist aufzuheben. 3. Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschoft ist durch Personawertreter zu er- ganzen. 4. Der deutschen Regierung ist ein größerer Einfluß auf die Perstmalwirtschaft sowie die Betriebs- und Wirtschaftsführung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschoft zu sichern. Die Funktionär- konferenz erwartet von der deutschen Reichsregierung und dem Deutschen Reichstag weitestgehende Unterstützung dieser Forderungen, für die auch wichtige staatspolitisch« Gründe geltend gemacht werdrn müssen.' Marotto-Oebatte in Paris. Schwere Anklagen gegen die Gewalipolitik der Militärs. sichten? Bis jetzt mittelmäßig. Ob er auskommen wird? Das müßte doch sonderbar sein, wenn es nicht ginge: eine Zinsbelastung von 16 bis 18 Mk. pro Morgen ist tragbar. Zu Hause, an der Ems, hat er weit mehr tragen müssen. Im übrigen: er kann arbeiten, er, seine Frau, seine Jungen, seine Mädel. Man glaubt es ihm aufs Wort, wenn man die Reihe der schweigenden Niedersachsen hinunterschaut. Wir rechnen mit ihm weiter durch: das Tut hatte früher insgesamt 120 Stück Rindvieh und Pferde. Die neuen Bauern haben bis jetzt 220 Rinder und 77 Pferde. Man hofft, in«in paar Iahren das doppelte an Milchkühen, also viermal soviel wie die Gutsoerwaltung halten zu können. Früher 200 Schweine, heute weit über 300, in Zukunft gewiß das Mehrfache. Etwa 1000 Legehühner sind als Anfang da. 1500 Obstbäume hat die Siedlungsgesellschaft geliefert. An Korn hofft man auf Grund der letzten Ernte wesentlich bessere Er- träge als bislang, an Hackfrüchten mindestens ebensoviel wie vorher zu erzielen. Alles in allem: hierstehtzummin- desteneineglatteVerdoppelungdesTefamt» crtrages gegenüber dem alten Betrieb in sicherer Aussicht. Gerade aber diese hohe zusätzliche Produktion ist die stärkste volkswirtschaftliche Rechtfertigung der Geldopfer, mit denen die Allgemeinheit die Siedlungs- arbeit der Republik in Bewegung gebracht hat. Siedlung ist, wenn man so will,«in Stück produktiver Erwerbslosen- siirsorge, teuer, aber von größter Rentabilität, auf weite Sicht gesehen. Der Reichstag hat eben in diesen Tagen die neuen Richt- linien für die Vergebung der Siedkungskredite genehmigt. Die Vorlage, eine hervorragend sachkundige und sozial emp- fundene Leistung der Siedlungsabteilung im Reichsarbeits- nnnisterium, bedeutet einen wesentlichen Forffchritt gegen» über der bisherigen Siedlungspraris, die von der Sozial- demokratie während der letzten Jahre fortgesetzt scharf kriti» siert worden ist: stärkere Bindungen gegenüber den groß». agrarisch orientierten provinziellen Siedlungsgesellschaften,' Siedlungsmöglichkeiten auch für den besitzschwachen Klein» bauern und Landarbeiter— nebenbei: für die Landarbeiter- siedlung ist ein besonderes Gesetz in Borbereitung—, Bildung vorwiegend kleiner Stellung in Größe eines Familien- betriebes, Anliegersiedlung zur Vergrößerung lebensunfähiger Zwergstellen. Wir erwarten jetzt aufs bestimmteste, daß das Reichsfinanzministerium die zugesagten Kredite in Verbin- dung mit der Rentenbankkreditanstalt und der Preußischen Staatsbank flüssig machen wird, damit eine verhängnisvolle Stockung der ganzen Arbeit oermieden werden kann. Der Bauer tritt im Osten das Erbe der Junker an. Bester: die Republik bahnt ihm den Weg zu feiner Scholle zurück, um die dereinst Herren und Fürsten seine Väter be- lrogen hatten. Späte Sühne alter Sünden. Gestalten und Gedanken aus dem Bauernkrieg werden lebendig, wenn man das junge Leben im Osten sieht. Jeder Herrensitz, der dort verschwindet, ist ein Stück Mittelalter weniger, ist ein er- vbertes Bollwerk der zähesten Gegner des Bolksstaates. Das ist die staatspolitische Seite der Siedlung. Ge- rade sie darf von uns nicht unterschätzt werden! Hugenberg, der Proletarier auf Zeit. Er lehrt: Sozialismus ist Erwerbslosigkeit. Eine Sondervorstellung de« deutschnationalen Parteivorsttzenden Alfred Hugenberg vor Marburger Studenten, von seiner TU. Pflicht- cisrigst auf 300 Zeilen berichtet, enthält so schöne Solopartien, daß wir unseren Lesern den Genuß nicht vorenthalten möchten. Hugea- berg begann, indem er seine, des Sechzigers, geistige Verbindung mit den Zwanzigjährigen hervorhob, wobei er allerdings kaum an den zwanzigjährigen Alfred Hugenberg gedacht -baben dürfte, der revolutionäre Lyrik veröffentlichte! Nach dem üblichen Geschimpfe auf den Parlamentarismus(Hilgenbergs eigenes Parlamentariertum ist natürlich„ganz was anderes"), begann dann Hugenberg, fein Menschheitsideal zu entwickeln. Und er predigte den staunenden Studenten: Wenn nicht Besitz und Eigenhaus das Ziel des jungen Menschen bildet, sondern ein eigentümliches G e- m e i n f ch a f t s i d e a l, in dessen Mittelpunkt das Wort„Pro- letarier" steht, so entwickeln sich furchtbare, die Kraft des Menschentums und damit Volk, Wohlstand und Zukunft zerstörende Herdenbegriffe. Sie sind um so gefährlicher in einem Volke, wie dem deutschen, dessen Neigung und Erziehung zur Bureaukratie und Vielregiererei, zur kartothekhasten Betrachtung . der Dinge ohnehin so groß ist. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist Sozialismus. Sozialismus ist Erwerbslosigkeit. Aus diesen Sätzen darf man wohl rückfolgend schließen: Nationalismus ist Gehirnlofigkeit. Immerhin möch- tcn wir gern die Gesichter erlebt haben, die die Herren Studiosen zu dem..Besttz-und-Eigentums'-Ideal des Herru Hugenberg gemacht haben, sie, von denen heutzutage dreiviertel in den kümmerlichsten Verhältnissen leben und nur durch die dreimal oerfluchten Gemeinschaftseinrichtungen ihr Leben fristen! Aber' wahrscheinlich hat es Herr Hugenberg nur auf dos besitzende viertel abgesehen. Dieses Viertel für das deutschnationale Volksbegehren gegen den Young-Plon zu„keilen'(Hugenbergs eigener Ausdruck), war der eigentliche Zweck der Bauernfängerei. Hugenberg ließ zu diesem Zweck die Wirtschaftsführer in bengalischem Licht erstrahlen, namentlich Thyssen und Vögler. „Mit ihnen— so rief er aus— sind wir in dem Gedanken völlig einig: Lieber zusammen mit dem gesamten Volk« eine Zeitlang, bis die Stunde der Freiheit kommt, Proletarier fein, als gegen unser Volk, Fronvögte und Nutznießer auswärtigen Kapitals! Wie dieses schwcrindustrielle„Proletariertum auf Zeit' aussieht, das wissen wir aus dem Ruhrkampf: als die„Stunde der Freiheit', nämlich der Abzug der Franzgsen, herannahte, da ließen sich die Herren Schwerindustriellen das Mehrfache ihres wirklichen Schadens, nämlich 760 Millionen Reichsmark in bor und vor allem anderen aus der Reichskasse auszahlen, während Angestellte und Arbeiter bescheiden auf Vergütung ihres Schadens warten mußten. Dann schlössen die„Proletarier auf Zeit" mit den„Erbfeinden' in Frankreich das Stahl- und Eisen- kartell, als dessen„F r o n v ö g t e' sie den Ruhrarbeitern den Achtstundentag raubten und noch im Jahre 1028 durch die bekannte Maffenaussporrung den Lohn zu drücken suchten! Aber Hugenberg weiß offenbar, was er deutschnationalcn Studenten bieten kann. Die haben von diesen Dingen keine Ahnung, ' auch wenn sie— Nationalökonomie studieren! Die nächste Volkszählung in Amerika. Präsident Haover lzal eine Gesetzvorlage unterzeichnet, welche die olle zehn Jahre statt- nndende Volkszählung auf den Mai 1030 iestsegt und eine neue Verteilung der den Staaten zukommenden Sitze im Repräsentanten- haus vorbereitet. Pari». 21. Juni.(Eigenbericht.) In der Kammer begann am Freitag mittag die durch die kürz- liche Niederlage französischer Truppen bei Ayl Pacoub veranlaßte Debatte über die Politik der Regierung in M a r o k t o. Hierzu liegen nicht weniger als zehn Interpellationen vor. Der kommunistische Interpellant erinnerte daran, daß es dem französischen Imperialismus, der vor 25 Iahren Hand auf Marokko gelegt habe, noch nicht gelungen sei, Marokko zu beherrschen. Bis zum Riftriege seien 12 635 Mann gefallen, während dieses Krieges mehr als 10000 und seither noch viele Taufende. Man wolle den Atlas erobern, weil er nicht nur wegen feiner Naturreichtümer schon seit längerem begehrt werde, sondern weil er auch den Durchgang für die Trans- Sahara. Bahn bilden soll, die die rasche Beförderung von Truppen vom Niger nach Frankreich ermöglichen soll. Namens feiner Gruppe verlangte der Redner die Räumung Marokkos von französischen und algerischen Truppen. Der sozialistische Abgeordnete Ri viere bestrstt die von der Regierung ausgegebene Erklärung, der Zwischenfall von Ait Jakub sei nur örtlicher Natur. Er sei aber in Wahrheit die Folge einer gewollten und vom General st ab vorbereite- t e n P o l i t i k. In französischen Kressen in Marokko herrsche die Meinung vor, die Militärs suchten den Konflikt. Der radikal« Abgeordnete valadier findet in dem Kampf van Ait Jakub den Beweis für eine Gewaltpolitik, die von Rlisitärs und Geschäftsleuten begünstigt werde. Man wisse, daß die Besitzer von Gruben und Ländereien Kein(Schuh für chinesische Arbeiter. Zn den fremden Riederlassunaen gibt es keine Sozialpolitik. Genf, 21. Juni.(Eigenbericht.) In der heutigen Schlußsitzung der Arbeitskonferenz wurde die chinesische Frage besprochen. Die Abstimmung über die chinesische Entschließung'für die Gleichstellung farbiger und weißer Arbeiter in Gebieten ausländ!- schen Rechts versetzte die Kolonialregierungen in höchst« Verlegen- heit. Der chinesische Regierungsdelegierte erklärte. daß sich fein Anirag gegen die Schutzloflgkeit der chinesischen Arbeiter in den cxterritarialcn Unternehmungen der europäischen Niederlassungen in China richte. Er wies ferner darauf hin, daß schon die Washingtoner Konferenz vor 10 Iahren beschlossen habe, bei den kolonialen Regierungen vorstellig zu werden, um die Sonderrecht« der ausländischen Fir- men in China aufzuheben. Bisher fei aber nichts geschehen, und es fei der chinesischen Regierung unmöglich, ein Arbeiterschutzgesetz zu erlassen, da sie keine Macht und kein Recht habe, es bei den ausländisch en Betrieben in China und in den«uro- pässchen Pachtungen Chinas durchzuführen. Der chinesische Regie- rungsvertreter forderte schließlich im Namen der Mensch- l i ch k« i t urnd der Menschheit, daß man dem neuen China erlaube, den chinesischen Arbeiter zu schützen. Im Namen der deutschen Regierung schloß sich Minifterial- direktor Weigert dem chinesischen Antrag an. Er betonte, daß die deutsche Regierung von allen politischen Erwägungen absehe und nur vom sozialpolitischen Standpunkt aus der chine- fischen Entschließung zustimmen werde. Es sei unmöglich für einen Staat, interntionale sozialpolitische Verpflichtungen einzugehen und durchzuführen, wenn die sozialpolitischen Gesetze, die dieser Staat erlasse, für ein« große Zahl wichtiger Unternehmungen keine Gel- tung habe. Die chinesische Entschließung halte sich durchaus im Rahmen der Aufgaben der internationalen Arbeitsorganisationen und lasse dem Verwaltungsrat alle Bewegungsfreiheit, um sich im Rahmen seiner Zuständigkeit zu hallen. Anderer Meinung waren die meisten anderen Regierungen unter Führung Frankreichs, Japans und Englands. Sie erklärten, daß die Entschließung«ine politische Frage berühre, für die sie keine Anweisungen ihrer Regierungen hätten. Die Frage berühre außerdem Verhandlungen zwischen China und anderen Staaten und die Konferenz sei nicht kompetent, über diese Entschließung ab- zustimmen. Demgemäß enthielten sich die meisten Regierungen der Stimme, so daß bei der namentlichen Abstimmung 5 3 Stimmen, darunter die Stimmen sämtlicher deutschen Vertreter und die meisten Arbeit- einen großen Feldzug wünschten, der die Sicherheit der Gegenden, in denen sie ihr« Spekulationen entwickeln wollen, garantier«. Das seien Ergebnisse der Politik des früheren Generalresidenten Steeg, aber nicht die Politik der Regierung. Außenminister Vriaud antwortet«: Die Polllik Steegs, wie die- jenige des jetzigen Gouverneurs S a i n t s wurde nach Anweisungen der Regierung ausgeführt, die sich niemals geändert haben. Der Sozialist Lafont bezeichnet den Kriegsgeist als die Hauptursache aller Mißerfolge in Marokko. Der Redner erinnerte daran, daß ein Vertreter Frankreichs sich aus den Märkten Füße und Hände küssen Heß. die Schließung einer Moschee anordnete und erNärte, Äi« Berber müßten Christen werden, da sie Weiße seien. Der Redner wies noch auf verschiedene Mißstände hin und forderte die Kam- mer auf, eine ernstliche Untersuchung der Zustände in Marokko an- zuordnen, da die bisher von der Regierung befolgen Methoden Schiffbruch erlitten hätten. Abgeordneter L o c q u i n(Soz.) übte besonders Kritik daran, daß zahlreiche Offiziere in der Tagespress« und in Zeisschriften sich für triegerssche Maßnahmen eingesetzt hätten. Die Heereskommission müßte eine Untersuchung ein- leiten, um jedes Blutvergießen in Marokko auszuschalten. Die Forssetzung der Aussprache wurde auf Dienstag vertagt, wäh- rend die Kammer am Freitag der kommenden Woche in die Bera- wng der Interpellation über die interalliierten Schulden eintreten wird. nehmerstimmen, für China abgegeben wurden und keine Stimme dagegen. Da dadurch die zu einer Beschlußfassung nötige Stimmen- onzahl nicht erreicht war, erklärte der Präfident der Konserenz die chinesische Entschließung.weder für angenommen noch abgc- lehnt'. Es sst bezeichnend, daß die meisten kleinen Staaten, z. B. die Skandinavier, sich ebenfalls der Stimme enthielten, und zwar mit Rücksicht auf die Großmächte und wohl auch auf die Niederlassungen ihres Kapitals in den englischen und französischen Häfen Chinas. Der chinesische Regierungsdelegierte bedauerte, daß die Konferenz nicht den Mut gehabt habe, sich offen für oder gegen die chinesische Forderung auszusprechen und dankte Deusschlano für sein Eintreten für die Gleichberechtigung des chinesischen Volkes. Es ist zu er- warten, daß China seinen Kampf gegen die Sonderrechte bei der nächsten Gelegenheit im Völkerbund fortsetzen wird. Gperrgeseh angenommen. Ein volksparteilicher Sabotageantrag abgelehnt. Der Rechteausschuß des Reichstags nahm am Frei- tag das S p e r r g e s e tz zur Aussetzung von Rechtsstreitigkeiten über ältere Renten— dos bis zum 31. März 1031 gelten soll mit 17 gegen II Stimmen an. Der Schluß des Para- graphen 1 lautet folgendermaßen: „Die Vorschriften dieses Gesetzes gellen nicht für Rechts- streiligteiten, über die in den Artikeln 138, 173 der Verfassung be- zeichneten Staatsleistungen oder über Naturalrenten, deren der- zeitige bezugsberechtigte Gemeinden, Universitäten oder sonstige Unterrichts- oder Erziehungsanstalten, Kirchengesellschaften, Unter- stützungskassen, Waisenhäuser, Krankenhäuser oder ähnliche gemein- nützige Unternehmungen sind.— Als Renten im Sinne dieses Ge- fetzes gellen alle Verpflichtungen zu regelmäßig oder nicht regel- mäßig wiederkehrenden Geld- und Sachleistungen.— Als Aufgabe von Gegenständen im Sinne dieses Gesetzes gilt auch der Verzicht auf ihren Erwerb.' Paragraph 2 erhall folgende Fassung:»Die Rechtsstrelligkeiten. die zwischen dem Verpflichteten und Berechtigten bei deutschen Ge- richten, Aufwertungsstcllen oder Schiedsgerichten anhängig sind anhängig werden, sind auf Antrag einer Partei bis zum Inkrafttreten einer reichsgcsetzlichen Regelung auszusetzen.— Diese- Vorschrift findet keine Anwendung auf Verfahren nach � 916 bis 945 CPO.:§ 926 der CPO. findet in diesem Fall« keine Anwendung.' Ein Antrag des volksparteilichen Abgeordneten Wunder- l i ch, der praktisch auf die Sabotage des ganzen Sperrgeseftes hin- auslief, wurde abgelehnt, obwohl sich der demokratische Abgeordnete Dr. E hl ermann dafür erklärte. Abgelehnt wurde ferner ein Antrag des deutschnalionolen Abgeordneten Dr. Hannemann auf Streichung des grundlegenden Z 1 des Gesetzes. Wahltag in Mecklenburg. Das Land Schwerin muß neu wählen. Zu den Ländern, die durch Entscheidung des Staats- Gerichtshofes über die Ungültigkeit gewisser Bestimmungen der Wahlgesetze zu Neuwahlen ihrer Landtage genötigt wurden, gehört auch der Freistaat Mecklenburg- Schwerin. Es ist im Zeitalter der staatlichen Einheits» bestrebungen leider immer noch nötig, den Gegensatz zu Meck- lenburg- T t r e l i tz hervorzuheben, nachdem es bisher nicht einmal gelang, ein e i n h e i t l i ch e s Mecklenburg zu schaffen. Die Neuwahlen in Mecklenburg-Schwerin finden am Sonntag, 23. Juni, statt. Sie sollen die Entscheidung bringen, ob weiter wie seit zwei Jahren etwa eine sozialdemokratisch» republikanische Regierung die Geschicke des Landes leiten, oder ob wieder der Jnteressenklüngel des Agrarier- t u m s im Bündnis mit den Scharfmachern der wenigen Städte auf das Volk losgelassen werden soll. Noch immer trägt Mecklenburg seiner Struktur nach im wesentlichen länd- lichen Charakter. Nur wenige Städte von größeren Aus- maßen sind vorhanden. Die Wahlen zum Landtage zeigten bei den drei letzten Wahlgängen folgendes Bild. Es erhielten Stimmen und 0 Mandate: 1924 1926 1927 «ozialdemokraten. Kommunisten.. Deut chnationalc. Völkische.... Volkspartei... Demokraten... Landpartei... Nationalsozialisten. Mieterpartei.. Wirtschaftspartei. 74 924(IS) 44 76S(9) 95176(19) 63 511(13) 23 962(5) 11738(2) 4 550(0) 112 404(20) 18 463(3) 63 237(12) 28 160(5) 23 430(4) 8 475(2) 4 607(0) 7 287(1) 16146(3) 126 844(21) 15 018(3) 68 349(11) 17 783(3 24 633(4' 8 987(2! 5 575(0) 10 028(2) 33 266(3) Die stetige und rege Wahlbeteiligung bei den vielen Landtagswahlen, die Mecklenburg seit der Revolution zu er- ledigen hatte, ist ein sehr erfreuliches Zeichen für die starke Politisierung der Wählerschaft gerade in einem Lande, das bis zum November 1918 keinerlei Landtag hatte. dem durch junkerliche Borniertheit jede eigene Volksvertre- tung verwehrt war. Zwar hat es bei den verschiedenen Wahlen seit 1918 auch in Mecklenburg Schwankungen ge- geben, aber seit die Schrecknisse der Inflationsperiode— deren Auswirkungen Anfang 1924 eine Rechtsregierung ans Ruder brachten—, überwunden sind, hat die Wählerschaft in immer stärkerem Maße der Sozialdemokratie ihr Vertrauen ausgedrückt. Seit 1926 ist eine sozialdemokratisch- demokratische Regierung unter Leitung unseres Genossen Schröder am Werke. Die schwankenden Mehrheitsver- bältnisse haben es allerdings möglich gemacht, daß das Ministerium und einzelne Minister gelegentlich durch Miß- trauensvoten gestürzt wurden, aber sie wurden bald darauf wiedergewählt und hätten bis zum ordentlichen Ende der Wahlperiode amtiert, wenn nicht der Entscheid des Staats- Gerichtshofes im Prozeß gegen Sachsen auch den Schweriner Landtag hätte geraten scheinen lassen, sich selbst aufzulösen. Im Mittelpunkt des gegenwärtigen Wahlkampfes steht die Finanzpolitik des sozialdemokratischen Finanzministers Asch, der seinerzeit ein mit hohen Steuern belastetes Budget von seinem deutschnationalen Vorgänger hatte übernehmen müssen und heute— trotz großer Steigerung zwangsläufiger Ausgaben— mit einem Etat arbeitet, der weniger Steuern vorsieht, als der deutschnationale von 1926! Unsere Genossen haben sich in dem agrarisch-bäuerlichen Lande starke Positionen geschaffen, die von stillem Fleiß ihrer Organisationen und von der nüchternen Arbeitsamkeit ihrer Politik Zeugnis ablegen. Die Rechtsparteien, einschließlich der Volkspartei, haben für diesen Wahlgang einen Ein- h e i t s b l o ck geschaffen, von dem sie sich Wunderdinge er- warten. Unsere Genossen sind jedoch der Ansicht, daß auch dieser Einheitsblock ihren Weg in die Zukunft nicht versperren kann. (Siaaisrat und Siaaisregierung. Beratung des Staatsvertrags mit der Kurie am 11. Juni. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Der preußische Ministerpräsident hat am 20. Juni dem Herrn Präsidenten des Staatrats ein Schreiben zugehen lassen, in dem er, von seinem Recht auf Grund Artikel 38 Abs. 1 der Preußischen Dersossung Ge- brauch machend, verlangte, daß der Staatsrat noch vor dem 27. Juni zu einer neuen Tagung zusammentreten solle. Das Schreiben des Ministerpräsidenten ist jedoch erst zu einer Zeit im Staatsrat eingegangen, als dessen Mitglieder bereits auseinander- gegangen und zum Teil abgereist waren. Um dem Staatsrat seine gutachtliche Arbeit zu erleichtern und um eine Verzögerung evtl. auch über den 27. Juni hinaus zu verhindern, hatten sowohl der Minister- Präsident Dr. Broun wie auch der Kultusminister Dr. Becker sich zu jeder informatorischen Auskunft an den Staatsratsausschuß bereit erklärt. Inzwischen ist nun aber bereits die Tagesordnung der gemein- schaftlichen Sitzung der Versassungs- und Hauptausschüsse des Staats- rats für Donnerstag, den 27. Juni, erschienen. Sie enthält als einzigen Punkt den Entwurf eines Gesetzes zu dem Vertrag de? Freistaates Preußen mit dem Heiligen Stuhl. Unter diesen Umständen darf damit gerechnet werden, daß die Staatsrotsaus. schösse noch am Donnerstag den Vertrag fertig bc- raten, so daß Freitag, den 28. Juni, das Plenum die Vor- läge beraten und verabschieden kann. Die Staatsregienrng könnte sodann noch am Freitagabend die Vorlage an den Sandtag gehen lassen, so daß sie dort Sonnabend zur ersten Lesung auf die Tagesordnung der Plenarsitzung gesetzt werden könnte, an die sich sofort die Ausschußberotung anschließen müßte. Bei einer so beschleunigten BeHandlungsweise könnte sich die Staalsregierung mit der Staatsratsverhandlung am 27. Juni absinden, weil ja der einzige Zweck des Schreibens des Ministerpräsidenten an den Präsidenten des Staatsrats der gewesen ist, Verschleppungen vorzubeugen und die Vorlage mit dem Gutachten des Staatsrats so rechtzeitig an den Landtag zu brin- gen, daß dieser unbedingt noch in seiner Sommertagung dos Gesetz durchberaten und je nach seiner Stellungnahme verabschieden kann. Man darf erwarten, daß der Staatsrat den hier gewisse- nen Ausweg benutzt, um die Verabschiedung der Vorlage über den Vertrag noch vor Eintritt der Sommerferien zu ermöglichen. Der Kampf um die Leiche. Das angekündigte Volksbegehren gegen den tzonng- plan dient dazu, um unbemerkt da« Stahlhelm-Volks- begehren gegen die Ziepubli» verschwinden zu lassen. Llnd sie trugen einen Toten hinaus, und- der-- war- stumm! Das Republikschutzgesetz. In zweiter Lesung angenommen.— Widerliche Flegeleien nationalsozialistischer Abgeordneter. Die Freitagssitzuna des Reichstags wurde um 1 Uhr vom Präsident Lobe eröffnet. Auf der Tagesordnung steht zuerst die zweite Beratung des Gesetzentwurss über den Verkehr mit unedlen Metallen. Dieses Gesetz war in der Inflationszeit geschaffen worden, um dem Diebstahl von un- edlen Metallen entgegenzuwirken. Roch der Stabilisierung haben sich die meisten Bestimmungen dieses Gesetzes als überflüssig er» wiesen. Jnsolgedessen will die Regierung die gesetzlichen Vor- schrfften nur soweit bestehen lassen, als sie den heutigen Verhält- nissen noch entsprechen. Im Ausschuß hat man jedoch den Re- gierungsentwurf abgelehnt und die einfache Verlängerung des alten Gesetzes beschlossen. Abg. Brandes(Sog.) beantragt die Wiederherstellung der Re- gierungsvorlag«, da zu einer Bevorzugung bestimmter Händler- kreise keine Veranlassung vorliege. Abg. Schröler-Mcrseburg(Komm.) lehnt sowohl den Regie- rungsentwurf wie die Verlängerung des bestehenden Gesetzes ab. Der sozialdemokratische Antrag mrf Wiederher- stelluna der Regierungsvorlage wird gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien und der Kommunisten abgelehnt, da- gegen die Ausschußfassung in zweiter und dritter Beratung angenommen. Das Haus stimmt ferner einer Entschließung des volkswirffchaftlichen Ausschusses zu, wonach die Bestimmungen des geltenden Gesetzes in die nächste Aenderung der Reichsgeroerbc- ordnung Und in dos neue Reichsstrafgesetzbuch übernommen wer- den sollen. Es folgt nun die zweit« Beratung des Entwurfs eines Gesetzes zur Verlängerung des Gesetzes zum Schutze der Republik. Den Bericht über die Berhandlungen des Rechtsau-Schusses gibt Abg. Bell(Z.). Abg. Dr. Everllng(Dnat.) erklärt, die Sazialdemotraii« habe kein Recht, anderen Parteien Inkonsequei� vorzuwerfen. Sie rede vom sreiesten Fteistaat der Welt und feiere mit viel Flaggentuch die Verfassung, um sie gleichzeitig zu brechen und die wesentlichen Grundrechte auszuheben und zu Privilegien der Republikaner zu machen. Die Monarchie habe ein devortiges Schutzgesetz nie nötig gehabt. Schon die Erwähnung von Nutznießern der Revolution wurde als Ministerbeschimpsung verfolgt. Das Republitschutzgefetz ist das Einsallstor für die Politisierung der Justiz. Di« Opfer des Gesetzes sind einfache Leute, Arbeiter und Mittelstand, Provozierte und Denunzierte. Das Gesetz habe nur«ine Vergiftung der poli- tischen Atmosphäre hervorgebracht. Die Monarchie Hab« kein Aus- nahmegefetz zu ihrem Schutze gebraucht Unter der Regierung Braun seien mehr Beleidigungsklagen anhängig gemacht worden, als in der gangen Regierungszeit des letzten Kaisers. Abg. Blaslowski(Komm!) fordert die Aushebung des Republik- schutzgesetze?, das sich in seiner praktischen Wirkung lediglich gegen links richte, während die Putschisten von rechts geschont wurden. Reichsjustizminister v. Guörard erwidert dem Abg. Dr. Everling, die Mitglieder der vori- gen Regierung, in der auch die Deutfchnationalen vertreten waren, hätten die Notwendigkeit der von Dr. Everling bekämpften Bestimmungen des Repudlioschutzgesetzes anerkannt. Das ergebe sich daraus, daß in dem Entwurf jener Regierung für die Strasrechtsrsforin dieselben Bestimmungen enthalten waren. Einem Denunziantentum wolle auch die jetzige Regierung nicht Vorschub leisten. Abg. Wagner(Ratsoz.) wendet sich gegen das Republikschutz- gesetz. Die Deutschnationalen hätten freilich keinen Grund zur Ent- rüstiing, deim sie hätten wegen ein paar lumpiger Ministersttze der Verlängerung dieses Gesetzes zugestimmt. Abg. Dr. Best(Volksrechtspartei) lehnt die Verlängerung des Republikschutzgesetzes ob. Abg. Or. Rosenfeld(Soz.): Als das Republitschutzgefetz im Jahre 1922 geschossen wurde, war es ein Ergebnis der tiefen Empörung, die durch das deutsche Volk nach der Ermordung Rathenaus ging. Es wurden eine Reche gesetzlicher Bestimmuirgen beschlossen, um die Republik vor den Mördern zu schützen. Der Ernwrdung Rachenaus war ja auch der Mord an Erzberger vorangegangen. Heute spielt sich Herr Everling als Fürsprecher jener Mordburschen aus. die Erzberger und Rachenau ermordet haben. Die Deutschnationalen waren im Ausschuß von so blindwütigem Eifer beherrscht, daß sie gegen olle Anträge gestimmt hatten. Di« Kommunisten haben die Aushebung des ganen Gesetzes beantragt, ohne daran zu denken. daß das auch die Aufhebung jener Bestimmungen bedeuten würde, die dem Reich die Möglichkeit geben, den früheren Kaiser fernzu- halten. Wie wollen Sie das denn sonst verhindern? Es ist richtig, daß das Gesetz gegen links viel schärfer gehandhabt wird, als gegen rechts. Aber macht man nicht die gleichen Erfahrungen bei ledem Gesetz, das es in Deutschland gibt.? Die Argumentation der Kam- munisten trifft also nicht das Republitschutzgefetz, sondern die Handhabung dieses Gesetzes. Durch' dieses Gesetz hat kein Kommunist eine härter« Strafe zu erwarten, als sie durch andere Gesetze ausgesprochen werden kann. Man zeige ein Urteil, da,«in anderes Strafmaß festgesetzt hätte, wenn das Republik- schntzgesetz nicht existieren würde! Die Argumentation der Kon» munisten bezieht sich aus jene Zeit, als das Republikschutzgesetz noch Zuchthausstrafen angedroht hatte. Nachdem es durch unsere Ini- tiative gelungen ist, die Zuchthausstrasen daraus zu entfernen, hat das Republitschutzgefetz viel geringere Bedeutung. Wenn in einem Urteil sowohl das Republikschutzgesetz wie ein anderes Gesetz heran- gezogen werden soll, dann wird das Straimaß lediglich gesunden auf Grund des anderen Gesetzes. Die Deutschnationalen haben ein« sehr eigenartige Stellung zu diesem Gesetz eingenommen. Als es im Jahr« 1922 beraten wurde, erklärten sie,«s sei nur ein Feigenblatt iür die Knebelung der nationalen Opposition. Am 27. Februar 1924 sagte Herr Hergt, das Gesetz mute einen ganz vorsintflutlich an. Noch im Jahre 1925 und zuletzt am 18. Mai t926 sind die Deutschnationalen für die Auf- Hebung des Gesetzes eingetreten Als ober Herr v. Keudell in der Regierung saß, kam ein völliger Umschwung. Am 13. Mai 1927 beantragt« die Regierung die Verlängerung des Gesetzes um zwei Jahre. Herr Everling, wo waren Sie damals? Am 16. TNai wurde eine gemeinsame Erklärung des Zentrums, der Deutschen und der Bayerischen Bolksparlel und auch der Deukschnationalen abgegeben, worin es hieß, daß aus staats- politischen Gründen der wegsall des Gesetzes nicht möglich sei. Es enthalte auch eine Reihe von Vorschriften, die dauernde Be- dcutung hätten, und die in die ordentliche Gesetzgebung eingegliedert wenden müßten. Daher stimmten diese Parteien für die unveränderte Verlängerung des Gesetzes. Das klang ganz anders, als wir es heut« von Herrn Everling gehört haben. Warum diese vor- schiedenartige Stellungnahme der Deutschnationalen? Weil die Deulschnalionalen im Jahre 1927 vier Minister in der Regierung hatten, hoben sie damals alles verbrannt, was sie vorher angebetet hakten. Sonn man es noch ernst nehmen, wenn dle Deulfchnaiioalm heule das Gesetz als unsittlich und als eine Drohung für die Freiheit bezeichnen, während die vor zwei Jahreu dafür gestimmt haben? Man Hot uns zum Vorwurf gemacht, daß wir auch der An- drvhung der Todesstrafe zustimmen. Dazu erklären wir: Wir sind grundsätzliche Gegner der Todes st rase, aber die Aus- Hebung dieser Bestimmung im Republikschutzgesetz würde bedeuten, daß ein Ausnahmcrecht zugunsten der rechtsradikalen Mörder ge- schaffen wird. Dem Hause liegt sein längerer Zeit unser Antrag auf Aufhebung der Todesstrafe vor. Sie brauchen nur dafür zu stimmen, dann fällt auch die Androhung der Todesstrafe in diesem Gesetz. wir bedauern es. daß ein solches Gesetz heule noch notwendig ist, aber wir sind der Aufsassung. daß es nicht straflos bleiben darf, wenn Mordtaten gegen die Republik unternommen oder unterstützt werden. Handelt es sich?twa um harmlose Dinge, die hier unter Straf« gestellt werden? Was ist das für Menschenmaterial, das von diesem Gesetz bedroht wird, und für das sich Herr Everling so sehr einsetzt. Gehört dazu der Mann, der den Ministerpräsidenten Braun be- schuldigt hat, er habe sich für 5 Millionen M. von den Juden kaufen lassen? Wir wissen, daß das Bestehen der Republik nicht von diesem Gesetz abhängt, sondern von der Arbeiterschaft, die die Republik mit Erfolg verteidigen wird, auch wenn dieses Gesetz nicht existiert. Herr Everling hat gesagt, daß die Monorchie ein Gesetz zu ihrem Schutze nicht gebraucht habe. Aber das ganze Strafgesetz war nichts anderes, als ein Schutzgesetz für die Monarchie, und das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie war doch auch nur dazu bestimmt, die Monarchie zu schützen. Meine Freunde sind dazu be- reit, dieses Gesetz zu verlängern. Uns ist es klar. daß durch Strofbestimmungen die Liebe zur Republik nicht ge- wonnen werden kann. Aber wir wollen daran arbeiten, daß die heutige Republik umgewandelt wird in eine sozialistische Republik. Und in diesem Kampfe um die soziale Ausgestaltung der Republik können wir auf gewisse Strafbestimmungen noch nicht verzichten.. Im Interesse der Republik werden wir deshalb für dies« Vorlage stimmen. Abg. Drewitz(Wirtsch.-P.) führt aus, daß ein Staat unab- hängig von der Staatsform niemals aus den gesetzlichen Schutz seiner Autorität verzichten könne. Allerdings könne man durch ein« Novelle zum Strafrecht das erreichen, was man brauche. Der Redner legt einen Antrag vor, wonach das Gesetz nur bis zum 3t. Dezember 1930 verlängert werden soll. Abg. Alpers(D.-Hann.) lehnt die Verlängerung ab. Abg. Dr. Bell(Z.): Man sei von diesen' Gesetz niemals erbaut gewesen, sondern man habe ihm nur aus der Not des Reiches her- aus zugestimmt. Nicht der Schutz der republikanischen Idee sei in dem Gesetz festgelegt, sondern der Schutz der republikani- scheu Verfassung und der Einrichtungen des Staats. Die letzten Ausführungen des Abg. Dr. Rosenfeld ver- pflichten uns nicht: wir erklären ausdrücklich, daß wir diese Ber- fassung schützen, aber nicht die künftige sozialistische Republik. Es soll kein Ausnahmegesetz gegen eine bestimmte Richtung oder Partei geschossen werden, hier handelt es sich nur um ein Sondergefetz. Wir werden dem Antrage der Wirtschaftspartei zustimmen, wonach das Gesetz nur bis zum 31. Dezember 1930 zu verlängern iit. Abg. Dr. Sülz(Dem.) stimmt gleichfalls dem Antrage der Wirt- schajtsportei zu. Abg. vöbrich(Chr.-Nat.) lehnt die Vorlage ab. Die Abstimmung über einen nationalsozialistischen Antrag auf Aufhebung des Gesetzes ist zuerst zweifelhast. Im Hammelsprung wird er mit 244 gegen 123 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmt mit den Regierungsparteien auch die Wirtschastspartei. Mit der- gleichen Mehrheit wird der Antrag der Wirtschaft»- Partei angenommen, das Gesetz nur bis zum 31. De- zember 1030 zu verlängern. Zu namentlicher Abstimmung wird dann die Vorlage mit ZSö gegen 124 Stimmen in zweiter Lesuna angenommen. Die dritte Beratung soll später vorgenommen werden. Es folgt die erste Lesung des Gesetzes zur Verlängerung der Pachlschuhordnung um ein halbes Jahr bis zum 31. März 1930. Abg. Tempel(Soz.) gibt folgende Erklärung ab: Die sozialdemokratische Fraktion gibt ihrem lebhaften Bedauern Ausdruck, datz die Vorlage eines Gesetzentwurfs zur endgültigen Regelung des Pachtrechts crineut um ein halbes Jahr hinausgeschoben werden soll. Die Fraklion erteilt ihre Zustimmung nur unter der Voraussetzung, datz der Gesetzentwurf dem Reichstag nunmehr recht- zeitig genug vorgelegt wird, damit eine weitere Verlängerung des jetzt geltenden Provisoriums vermieden werden kann. Das Levens- interesfe von mehreren Millionen bäuerlicher, und zwar ganz über- wiegend kleinbäuerlicher Betriebe erfordert ebenso wie das Jnter- esse der Gesamtwirlschast eine möglichst beschleunigte Dauerregelung der Pachtverhältnisse in Deutschland. Die Fraktion erwartet ferner, daß das neue Pachtrecht den neuen sozialen Anschauungen der Gegenwart in weitestem Matze Rechnung tragen wird. Abg. putz!ier.df«i»r im Zlockspark Nelibcrgc. Die TcUnehmer treffen gch 20!2 Mir auf drr Brllckr. Prrantmnilicki für?a!!l f:?r. Kurt(Scrrr: ffl'.rtffiaft:(8. Klingrlhöfcr; Tcwcrf'ckaü-bcwraunsn fit. Cijlotn; ITcuiUcton; ft. S Dclchcr: tofalca und Sonftiftoa: Ktiß Sotfuidl; Auzoigon: Th. Klacks: iäwlüch in Zirlin. Berlaa: Lorwärts.Psrlag ffl. rn. b. H. Bsifin Druck: Z?orwärts.Bul!:druck-rri und Lerlagsanstalt Vau! EUigrr u. Co., Berlin CW 6«. Lludenftrajjc 3. Hierzu 1 Beilage und.Unterhaltung und Wiftea*. Nr. 287* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 22. Inn! 4929 Murhmger$erg und Q>ardum Sine Sahrl ins Havelland. Wer jemals auf dem tjarluttger Berg gestanden hat, wer je durch Parduin geschritten ist, der wird zu- geben, daß auch die Mark wunder- bare Aussichtspunkte und bemerkens- werte alte Kulturstätten hat. Aber wo ist Parduin, wo Harlunger Berg. Kommen Ei« mit zum Potsdamer Bahnhos: Mit Sonntagsrückfahr- karte fährt man für drei Mark zehn noch Brandenburg an der Havel. Von dem geräumigen Bahn- hofeplaß nach Osten schreitend kom- men wir in das große, von den Brennabpr- Werten der Ge- brüder Reichste in beherrschte In- dustriegebiet. Man hat vieles von dieser Fahrradfabrik gehört: aber das Aeußere sieht nicht sehr ein- ladend aus. Alles unorganisch und stillos ohne große weitschauende Baugcdanken nebeneinander ge- schachtelt. Die vollendete Geschmack- losigkeit zum Teil noch aus der b«- ruchtigten Gründerzeit nach dem Krieg von 1870/71. Das Aeußere verrät auch das Innere, den Geist, der in diesem ganz in Familienbesiß befindlichen Betrieb« herrscht: 800 .zum großen Teil unerhött kläglich besoldete Angestellte müssen jetzt um ihre Existenz kämpfen. Ueber eine Brücke, die den Kanal überschreitet, der den Südosten der Stadt umzieht, betreten wir die Neustadt. In der St. Annenstraße befindet sich das stattliche Verlagshous unseres parteigenössischen Verlages S i d o w, der die„Branden- bürge r Zeitung" herausgibt, aber auch, worauf sogleich cmp-, fehlend hingewiesen sei, ein ausgezeichnetes und unentbehrliches Wanderbuch durch die weitere Umgebung Brandenburgs: Fahr- ten ins Land betitelt. Und nun stehen wir vor dem neben dem Altstädtischen Rathaus wichtigsten Denkmal, dem Roland, dem Sinnbild der alte» städtischen Gerichtsbarkeit, die ursprünglich vollkommen unabhängig von Gerichten und der Rechtsprechung der Fürsten war. Das ist einer der„wirklichen" alten deutschen Roland«. wie man sie noch in Stendal, Buch in der Altmark, Halberstadt und Bremen findet. Der Berliner Roland ist„nachgemacht". Die Sand- steinfigur ist 8,53 Meter hoch und stammt au» dem Jahre 1474. Aus dem Haupt trägt sie ein grünes Krönchen von Hauslauch(wenn es ihm nicht im letzten Winter erfroren ist). Das stattliche Haus, vor dem er Wache steht, ist das Reustädiische Rathaus, ein gefälliger Bau, dessen schönster und ältester Teil aber der hmiergiebel ist, den man erreicht, wenn man das Rathaus durchschreitet. Gegenüber ein wuchtiger Bau mit prachtvollem Ziergiebel, Surfürstenhaus ge- nannt, aber feit alten Zeiten immer in Privatbesitz gewesen. Ber- folgt man die Annenstraß« weiter, so kommt man durch die von lebhaftem Geschäftsverkehr durchpulste Hauptstraße zu der setzt im Umbau befindlichen Langenbrück«, deren Neubau im August zum Verfassungetag eingeweiht werden soll. Rechtwinklig zu der Ann-n- straß« aber stößt auf das Rathaus die Sleinstraße. die man gerne alf die Rate Straße bezeichnen möchte, denn hier liegt das Volks- Haus, der gesellschaftliche Zentralpunkt des sozialistischen Branden- burgs, hier liegen Filialen des großartig entwickelten Konsumvereins, hier sind die Zahlstellen und Bureouräume der Gewerkschaften. Das großartigste Baudenkmal der Neustadt aus alter Zeit ist die Salharinenkirche. Mit Recht sagt der Führer von Brandenburg: Das Aeußere der Kirche überbietet an Schmuck alles, was der Back- steinbau jemals geboten hat. Der Kunstfreund wird stundenlang vor und in dem schönen Haus verweilen könne». Ein entzückendes Maler- und Photoidyll befindet sich im sogenannten St. Pauli-Winkel Wurfürflenhaus— rechts der Stoland. bei der gleichfall- so genannten Kirche, die auch in der Neustadt liegt. Aus dem einzigen freien Platz, der sich in der Neustadt befindet, dazu auf ziemlich schwierigem Gelände, errichtet die Stadt jetzt ein großartiges kommunales Bauwerk, das Wohlsahrlssorum, das eine Schwimmhalle, eine Volksschule und das Gebäude der Krankenkasse umfassen wird. Mit dem Neubau der langen Brücke hofft man auch diese Neubauten am Verfassungstag einweihen zu können und be- obsichtigt, auf diese zweifellos sehr würdig« und eindrucksvolle, da- bei den Zeitumständen angemessene schlichte Weise zugleich auch das tausendjährige Bestehen der Stadt zu feiern. Jetzt aber nähern wir uns dem eigentlichen Brandenburg, der Stätte der urältestsn Siedlung. Die Altstadt, die wir betreten, war früher neben der Neustadt eine selbständige Stadtgemeinde, und der olle halb drollige, halb spießige Bürgergeist kommt auch heute noch darin zum Ausdruck, daß sti ein richtiger Altstädter nicht daran denkt, über die Brücke zu gehen und seine Einkäufe in der Naustadt zu machen. Das ist sogar soweit gegangen, daß verschiedene Ge- schäfte und Banken, denen an der Kundschaft der Altstadt lag, dort Filialen einrichten mußten. Das Alkstädter Rothaus ist ein Juwel märkischer Backsteinbaukunst. Friedrich II., der Groß« genannt, hatte es nach der im Jahre 1718 erfolgten Vereinigung der beiden Städte zu einer Barchentfabrik degradiert. Die Stadt hat es aber 1011 für ein paar tausend Mark endlich zurückerworben und das alte Wahr- zeichen städtischer Macht in glücklicher Weise wieder herstellen lassen. Es dient heute städtischen repräsentativen Zwecken. Hinter dem Rat- Haus liegt der Orlsieil Parduin, ein uralter slawischer, fast geheim- nisvoll klingender Name, hier und in dem weiter gelegenen Kietz darf man die ersten Siedlungsstellen der Altstadt vermuten. Aber Urbrandenburg ist auch diese Stätte noch nicht. Wir erreichen sie, wenn wir aus der Altstadt, die übrigens von überraschend schönen Anlagen auf den allen Wällen umgeben Ist, hinausgehen zum Grillendamm. Der führt uns zunächst in das allerneueste Branden- bürg, in den am herrliche» Veetzsee gelegenen Sportplatz mit Seebad und dem vor dem Badehaus stehenden Brunnen mit der popu- lären Figur des Angler» Fritze Vollmann. Wer Brandenburg an heißem Sonntag aufsucht, der soll die Sehenswürdigkeiten am Bor- mittag genießen und den Nachmittag in diesem prachtvollen Seebad beschließen. Die Paulskirche der Mark. In wenigen Minuten kommt man vom Sportplatz nach Ur° brandenburg. richtig vom Brandenburg oder kurz Dom genannt. hier auf einer großen Havelinsel lag die erste angeblich Brenna- bürg oder Brendenburg genannte Ansiedtung, die 928 von Hein- rich VIII. erobert wurde. Der Dom, das Hauptgebäude, kann mit wenigen Worten nicht beschrieben werden. Er ist mit der Katharinen- kirche eines der großartigsten Kunstdenkmäler der Mark Branden- bürg. Biete Geschlechter haben an ihm gebaut. Man könnte ihn aber auch mit leiser Ironie als die Paulskirche der Mark bezeichnen, denn vom 27. November bis zum 5. Dezember 1848 tagte hier die preußische Rationalversammlung. Am 9. November 1848— der es offenbar in sich haben muß— hatte die preußische Nationalver- sammlung von dem neuen Ministerium des Grasen Brandenburg, dessen Standbild den Leipziger Platz heute noch ziert, die Nachricht bekommen, daß sie nach Brandenburg verlegt sei. Am 27. November versammelte sich hier im Dom die Rechte. Am 1. Dezember er- schienen auch 100 Mitglieder der linken Opposition, um gegen die Verlegung nach Brandenburg zu protestieren. Der Protest nützte nichts mehr. Am 5. Dezember erfolgt: die verkündung des könig- Nchen Dekrets, das die Auflösung der Rasionalversammlung ver- fügte. Damit wurde mit einem Würgegriff die junge preußische Demokratie an derselben Stelle erdrosselt, die als die Urzelle Brandenburg-Preußens bezeichnet werden kann. 1412 betrat bei Brandenburg der erste hohenzoller brandenburgisches Land. Die Stadt huldigte ihm und erwies sich als treuer Freund des Mon- archen. So ganz selbstlos aber war man nicht. Man hoffte im stillen, die hohenzoller» würden die Stadt zu ihrer Residenz erheben. Der zweite hohenzoller aber, Friedrich II., erhob 1451 Berlin-Cölln zu seiner Residenz. Von diesem Jahr an datiert der Niedergang Brandenburgs und der Aufstieg Berlins. Brandenburg hat sich nie- mals von dem Schlag erholen können, nennt sich aber heute noch stolz in der Erinnerung an uralle Zeiten Chur- und Hauptstadt. Wo aber, so wird man fragen, bleibt der harlunger verg. Nun, das schönste kommt zuletzt. Westlich von der Altstadt liegt der Rlarienberg, der ein stilistisch zwar schauderhaftes Kriegerdenkmal trägt, das den Vorteil hat, als Aussichtsturm ein« großartig« Fern- ficht zu vermitteln, die bis Potsdam reicht. In uralten Zeiten war der Berg als der harlunger Berg in der germanischen Urbevölke- rung und den späteren slawischen Gastvölkern weithin bekannt. Hatten hier die Germanen auf dem Berg ein Heiligtum ihrer Göttin .?ricka verehrt, so bauten die slawiicben heveller(das sind die Männer de- Havellandes) ihrem dreiköpfigen Götzen Triglav dort oben ein Heiligtum. Christliche Zeit stürzte das Heidenbild und baute eine pompöse Marienkirche. Aber auch die mußte weichen. Branden- bürg hatte offenbar zu viel Kirchen. Die Marienkirche auf dem alten Harlunger Berg verfiel und verkam. Und als dann ein branden- burgischer Oberst dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. einblies, in den Fundamenten der Kirche befänden sich riesige Schätze, da fackelte der ehrenwerte König und fromme Christ nicht lan�e und ließ die ganze Kirche abreißen. Aus den Siemen erbaute er das heute noch stehende Waisenhaus in Potsdam. Einen Schatz fand er natürlich nickt. Um diese märkiiche Düne, also harwnoer Berg geheißen, weht der Atem Jahrtausende aller Geschichte. An ihrem Nordabhang hat die Stadt ein großartiges Krematorium erbaut, das zwar die schönen Formen der märkischen Backstcinbauten auf- weist, aber merkwürdig genug ein Verputzbau ist.' Man glaube nicht, haß damit alles Sehenswerte erschöpft ist. Der von dem eurlieimischen Chronisten und Historiker Friedrich Grassow verfaßt« offizielle Führer gibt weitgehende Auskunft. Wenn eine Neuauflage..das rote Brandenburg" mehr berück- sichtigen würde, würde der Verfasser damit auch in unseren Kreisen Freude erwecken, denn der Einfluß der Sozialdemokratie in dieser Stadt ist nahezu beherrschend. Unsere Partei hat 22 von 44 Stadt- verordnetenmandoten. Die Kommunisten haben nur 8. Vorsitzender der Fraktion ist Reichstagsabgeordneter Friedrich C b e r t, der Sohn des Präsidenten, der zugleich der Leiter des Brandenburger Parteiorgans ist. Auch der Oberbürgermeister Dr. Fresdorf ist Sozialdemokrat. In der letzte» Reichstagswahl hat unser« Partei mit 82 Prozent aller abgegebenen Stimmen die ab- solute Mehrheit erlangt. (Berechtigte Uebersetjung von Erwin Magnus). Er starrte sie bezaubert an. Sie hatte«ine so freie, knabenhafte Art, den Kopf zurückzuwerfen. Und ihre Zähne entzückten ihn immer wieder. Sie waren nicht gerade klein, aber regelmäßig stark und tadellos, und er war überzeugt, daß es die gesundesten/weißesten und schönsten Zähne waren, die er je gesehen. Erst als sie aufgehört hatte zu lachen, konnte er fort- fahren. „Das Fährsystem zwischen Oakland und San Franziska ist der elendeste Einspännerbetrieb in den ganzen Vereinigten Staaten. Sje benutzen die Fähre ja täglich, sechsmal in der Woche. Das macht vierundzwanzig Tage im Monat, oder mehr als dreihundert im Jahr. Wie lange brauchen Sie jedesmal dazu? Wenn Sie Glück haben, vierzig Minutrn. Ich will Sie in zwanzig Minuten übersetzen. Wenn das nicht zwei Minuten wachsen lassen heißt, wo früher nur eine wuchs, dann will ich mir den Kopf abhauen lassen. Ich will Ihnen jedesmal zwanzig Minuten ersparen. Das heißt, vier- zig Minuten täglich, mal dreihundert, gleich zwölftausend Minuten jährlich— nur für Sie, für«inen einzigen Men- schen. Das sind rund zweihundert Stunden. Und nun denken Sie, daß wir-Tausenden von Menschen ebenfalls diese zwei- hundert Stunden ersparen— das lohnt sich doch, nicht wahr?" Dede konnte nur atemlos nicken. Sie ließ sich von seiner Begeisterung mitreißen, wenn Sie auch noch nicht verstand, wie diese groß« Zeitersparnis erzielt werden sollte. „Kommen Sie," sagte er.„Lassen Sie uns auf diese An- höhe reiten, und wenn ich Sie oben habe und Sie etwas sehen können, will ich Ihnen die Geschichte erklären." Ein schmaler Pfad führte zu dem trockenen Bette des großen Canjons hinab, den sie überschreiten mußten, ehe sie den Aufstieg beginnen tonnten. Der Abhang war steil und mit dichtem Gestrüpp und Buschwerk bedeckt, durch das die Pferde mühsam stolperten. Bob, der solche Verzögerungen nicht leiden konnte, wandte sich plötzlich um und versuchte, an Mab vorbeizukommen. Die Stute wurde seitwärts in das dichte Gestrüpp gedrängt und wäre beinahe gestürzt. Die Schenkel beider Reiter wurden zwischen die Pferde ge- klemmt, und als Bob nun den Hügel hinunterjagte, wäre Dede fast abgeworfen worden. Daylight zwang sein Pferd auf die Hinterhand und zog gleichzeitig Dede wieder in den Sattel. Zweige und Blätter regneten auf sie herab, und sie kamen aus einer Klemme in die andere, bis sie schließlich, stark mitgenommen, aber glücklich und froh erregt, den Gipfel erreichten. Hier oersperrte kein Baum die Aussicht. -Der Hügel, auf dem sie standen, sprang aus der Reihe her- aus, so daß sie nach drei Seiten freie Aussicht hatten. Auf dem Flachlande zu ihren Füßen lag Oakland, und auf der anderen Seite der Bucht war San Franziska zu sehen. Zwischen den beiden Städten tonnten sie die weißen Fähr- boote auf dem Wasser erblicken. Zu ihrer Rechten befand sich Berkeley, und links lagen die verstreuten Dörfer zwischen Oakland und San Leandro. Gerads vor ihnen war Piedmont, dessen Häuser zwischen Aeckern verstreut lagen, und von dort wogte das Land bis nach Oakland hinüber. „Sehen Sie," sagte Daylight mit einer umfassenden Armbewegung.„Hunderttausend Menschen wohnen dort, aber warum sollte nicht eine halbe Million dort wohnen? Da haben wir die Möglichkeit, fünf Menschen wachsen zu lassen, wo jetzt einer wächst. Das ist in wenigen Worten mein Plan. Warum wohnen nicht mehr Leute in Oakland? Weil die Verbindung mit San Franziska schlecht, und, neben- bei, weil Oakland eingeschlafen ist. Leben kann man dort viel besser als in San Franziska. Gesetzt, ich kaufe jetzt alle Straßenbahnen in Oakland, Berkeley, Alameda, San Le- andro und den übrigen Orten— brächte sie unter einen Hut, unter eine tüchtige Leitung? Gesetzt, ich verkürze die Fahrzeit nach San Franziska um die Hälfte, indem ich einen großen Damm fast bis nach Goat Island hinausbaute und ein Fähr- system mit ganz modernen Booten einrichtete? Nicht wahr,» die Leute würden sich daran gewöhnen, auf dieser Seit« zu wohnen? Sehr schön. Dann brauchen sie aber auch Grund und Boden. Augenblicklich ist der Boden noch billig. Warum? Weil es hrer noch keine Eisenbahnen, elektrische Bahnen oder andere schnelle Verbindungen gibt, und weil keiner ahnt, daß sie bald kommen werden. Ich will sie bauen. Das wird die Preise für den Boden in die Höhe schrauben. Sobald die Leute dann die oerbesserten Führen und andere Verkehrserleichterungen sehen, werden sie kaufen wollen, und dann verkaufe ich ihnen die Grundstücke. Sie sehen, ich mache den Boden wertvoll, indem ich die Bahnen baue. Der Verkauf der Grundstücke bringt die Aus- lagen wieder herein, und dann habe ich noch die Bahnen, die die Leute hin und her transportieren und viel Geld bringen. Ich kann nicht verlieren. Es sind Millionen daran zu ver- dienen. Ich will mir Grund und Boden am Strande sichern. Bielleicht zwischen dem alten Damm und der Stelle, wo ich den neuen bauen will. Da ist das Wasser seicht. Ich kann es zuschütten und Docks für Hunderte von Schiffen anlegen. Die Reede von San Franziska ist überfüllt. Kein Platz mehr für Schiffe. Wenn Hunderte von Schiffen auf dieser Seite ge- rade an der Eisenbahn laden und löschen, werden hier Fa- briken entstehen, statt drüben in San Franzisko. Das be- deutet Fabrikbauplätze. Das bedeutet, daß ich Fabrikbau- plätze aufkaufe, ehe ein Mensch eine Ahnung davon hat, daß die Katze aus dem Sack ist, und noch weniger, wie sie springen wird. Fabriken bedeuten Tausende von Arbeitern mit ihren Familien. Das bedeutet wieder mehr Häuser und Grund- stücke, und das heißt wieder für mich, daß ich da sein werde, um ihnen die Grundstücke zu verkaufen. Und Tausende von Familien bedeuten Tausende von Groschen täglich für meine elektrische Bahn. Die wachsende Bevölkerung bedeutet mehr mehr Läden, mehr Banken, von allem mehr. Das heißt für mich wieder, daß ich mit Grundstücken für Geschäftshäuser und für Privathäuser zur Stelle sein werde. Was meinen Sie dazu?" Ehe sie antworten konnte, war er schon wieder mitten darin, denn seine Seele war erfüllt von dem Gedanken an diese neue Traumstadt, die er in den Alabama-Bergen an der Pforte zum Orient erbaute. „Wissen Sie— ich Hab' es selbst untersucht—, daß der Firth of Clyde, wo die meisten stählernen Schiffe gebaut werden, nicht halb so breit ist wie die Bucht von Oakland, wo all die alten Holzschiffe liegen? Warum ist sie nicht ein Firth of Clyde? Weil der Magistrat von Oakland seine Zeit damit vergeudet, über Pflaumen und Weintrauben zu disputieren. Was not tut, ist ein Mann, der sich um die Sache kümmert, und danach eine Organisation. Ich bin der Mann.(Fortsetzung folgt.) Das Turmhaus< Eröffnung\ Am gestrigen Nachmittag hat der imposante Hochhausbau des Sarstadk-Hauses am hermannplatz. Neukölln, dem Publi- tum seine Pforten geöffnet. Ein mächtiger Riese, schlank > gegliedert und wohlproportioniert, dessen Umfang die Der- bindung zweier Straszenzüge herstellt. Menschcnmassen scharten sich um das steinerne Riesenhaus. Die mächtige Front der sieben Geschosse wird von zwei Tür- wen unterbrochen. Die Türme find keine Ecktnrme, sondern architektonische Stützen: zwischen ihnen ziehen sich die vielen Ge- schösse zu je drei Fenstcrreihcn verbunden, kunstvoll in die höhe. S6 Meter beträgt die Gcsamrhvhe des jüngsten Wolkenkratzers. Prächtige Lichteffekte erhöhen die überaus plastische Wirkung des Baues. Sieben Stockwerke bergen riesige Warenmassen und so- gar das Kellergeschoß ist nach englischem Muster als Ver- kaufsraun, eingerichtet, hier werden in der Hauptsache Konsum- artikel verkauft, die stark verlangt werden und keine allzu lange Lebensdauer besitzen. Zur raschesten Kun-denabfertigung sind hier wie auch in verschiedenen andern Abteilungen Registrierkassen ein- geführt worden. Es wird also direkt über den Ladentisch verkaust, und die Verkäuferin ist berechtigt, für die Ware sofort das Geld anzunehmen. Am laufenden Band, über Rolltreppen, gelangt man in die übrigen Stockwerke. Außerdem sorgen l Z F o h r- st ü h l e für die Beförderung der Kunden: durch die bunten Glas- dächer der Lichthöfe dringt eine gewaltige Lichtflut, so daß der Käufer die Ware bei richtigem Tageslicht sehen und wählen kann. Die Einfassung entlang ziehen sich unauffällig Abzugskanäle, durch welche die verbrauchte Luft entweicht. Den inr 1. Stock gelegenen Frisier- und Rasiersalons ist als Neuerung ein sogenannter Steril- räum angegliedert, ein weißgekacheltcr Raum mit riesigen Dampf- kesseln, hier werden die Frisicrrequisiten sofort nach jedesmaligem Gebrauch entkeimt. Eigene Bäckerei, Konditorei und Speiseeisbe- reitung sorgen für das leibliche Wohl des Kunden. An die Er- frischnngsräume schließt sich eine groß« Sporthalle mit allen möglichen Gerätschaften. Das Reich der Hausfrau, die Lebens- mittelabteilung, ist eine Flucht von Räumen in peinlichster Sauber- Abreise unserer Wiener Gäfie. Sie sind, über ihren Verliner Aufenihalt des Lobes voll. Vor der Abreise der Wiener Gäste empfingen am Freitag nachmittag der österreichische Gesandte Dr. Frank und sein« Gattin den Wiener Bürgerineistcr S e i tz sowie die übrigen in Berlin weilenden Vertreter der Wiener Stadtverwaltung. Sämtliche Teilnehmer an der Berliner Studienreise hatten der Ein- ladung Folge geleistet. An dem Empfang nahmen Oberbürgermeister Böß, ferner zahlreiche Vertreter der Berliner Stadwer- waltung sowie eine Reihe deutscher Parlamentsvcrtreter und zahl- reiche hohe Beamte der verschiedenen Reichs- und preußischen Mini- sterien teil. Alle Wiener Gäste äußerten sich ihren Berliner Gast- gebern gegenüber außerordentlich befriedigt über die bei den zahlreichen Besichtigungen empfangenen Eindrücke sowie besonders über die herzliche Art der Gastfreundschaft, mit der sie m Berlin von allen Seiten aufgenommen worden waren. Am Abend verließen die Wiener Stadtväter vom Anhalter Bahnhof Berlin, um heute früh wieder in Wien zu sein. m Hermannplay ei Karstadt. keit und geschmackvollster Anordnung'all der gastronomischen Herr- lichkeiten. Da leuchten blutrote Kirschen aus ihrem Strohhäuschen, goldgelb quillt es aus den Butterfässern, zartes, grünes Gemüse türmt sich in Bergen vor dem Auge des Beschauers. Eine Bestell» kasse ermöglicht es hier den Kunden, die gewünschte Ware ohne eigene Wahl bei der hausfraulich geschulten Verkäuferin zu be- stellen. Die Bestellung wird ausgeführt, die Ware verpackt und auf schnellstem Wege der Kundin zugestellt. Alle Verkaufsräume zeichnen sich kumch eine geschmackvolle, ruhige Linie und gute Heber- ficht der ausgestellten Waren aus. Und während man in Gedanken den praktischen Sinn des Innenarchitekten lobt, erfährt man. daß die gesamten Innendekorationen vom Personal entworfen und her- gestellt wurden, nicht aber etwa von den künstlerischen Beiräten des Hauses, sondern vom Verkaufspersonal. Ein richtiges Preis- ausschreiben mit Geldprämien für die schönste und zweckmäßigste Innendekoration hatte stattgefunden und so entbrannte unter den Beteiligten ein edler Wettbewerb, dessen Resultat als wirklich ge- lungen bezeichnet werden kann. Ueber dem ganzen lebhaften Getriebe der Verkaufsräume dehnt sich ein D a ch g a r t e n mit einer Fläche voll über 30lX1 Quadratmetern; für 3000 Personen ist hier Platz zur Rast und Kühlung, und prachtvoll breitet sich dos Großstadtpanorama vor den Augen des Beschauers aus. Zwei mächtige Türme, das Wahrzeichen des Hauses, flankieren den Dachqarten, von hier aus kann man bei klarem Wetter weit über die Müggclberge blicken; wie ein« Puppen- stube präsentiert sich die Straße aus der Vogelperspektive. Ein direkter Zugang von der Nordsudhahn(Bahnhof Karstadt-Hakls) löst das wichtige Verkehrsproßlem/ den Masicnverkehr von der Straße zu nehmen. Jeden Morgen müssen in der kurzen Viertel- stunde vor Arbeitsbeginn allein 4000 Angestellte des Hauses den Bahnhof passieren. * Bei der gestrigen Alarmierung der Feuerwehr noch dem neuen Haus handelte es sich um das Schmelzen der Sicherung eines Feuermelders, hervorgerufen durch Warmlaufen eines Dentilatormotors, Die Wehr konnte sofort wieder abrücken. Lm Schaltwerk Halensee. Die elektrischen Stadt-, Ring- und Vorortbahnen. Die Reichsbahngescllschofl hak im Direkttonsbezirk Verlin die E l e k k r i s i e r u n g. de r Skadt-, Ring, und Vorort st recken zu Ende gebracht. Seit Rlitte Mai läuft im Betrieb dieser Strecken keine Dampstokomotive mehr. Wie die Stromversorgung geregelt ist, darüber konnten wir bei einem Besuch des Reichsbahnschaltwcrkes .halenfce uns unterrichten. Der zum Beineb der elektrisierten Strecken verwendete Gleich- ström von 800 Volt wird durch Umformung aus Drehstrom ge- wonnen, den die Eivag(Clektrowcrlc) und die Bewag(Berliner Elektrizitätswerke) liefern. Die Ewag führt Drehstrom aus ihren Kraftwerken Zschornewitz und Trattendors mit 110 000 Volt Spannung nach Berlin zu den Schaltstellen der Bewag in Charlotten- bürg und' Rummclsburg, so daß aller Strom über die Bewag geht. Von Charlottenburg und Rummclslnrrg wird der Strom cmf 30 000 Volt abgespannt, zu zwei Uebernahme- stellen der Reichsbahn weitcrgeleitct, zu dem Unterwerk Markgrafendamm im Osten und dem Unterwerk H a l e n f e e im Westen. Diese beiden Unterwerke versorgen das ganze Stadt-, -- Ring- und Vorortbechnnetz, das für die Dersorgungsregelung in eine Osihälfte und eine Westhälfts eingeteilt ist. Bei Störungen in einem der beiden Werke kann auch jedes Wert allein die Versorgung des ganzen Bahnnstzes übernehmen. Von den Unterwerken Mark- grofendamm und Halcnsee wird der Drehstrom durch Kabel über das?anze Bahnnetz von 230 Kilometer verteilt und den übrigen an den Bahnstrecken angeordneten 49 Unterwerken (3ö auf Stadt- und Ringbahn, 14 auf Vorortbahnen) zugeführt. Diese Unterwerke formen den Drehstrom in Gleichstrom von 800 Volt um und speisen die einzelnen Stromschienenabschnitte. Die Unter- werke H a l e n s e e und Martgrasendamm sind die beiden Dauptstützpunkte der ganzen Stromversorgung. Sie und die Unterwerke Ebersstraße und Böttgerstraße sind mit Wärtern besetzt und steuern in Fernbedienung die nicht mit Wärtern besetzten anderen Unterwerke der Stadt- und Ringbahn. Das Unterwerk Halensee konnten wir eingehend besichtigen. Im Mittelbau ist die Schaltwarte eingerichtet, ein großer Saal, vun dem aus alle Schaltkommandos gegeben werden. Störungen, die irgendwo im Versorgungsgebiet auftreten, melden sich sofort an die Schaltwarte und werden von dort aus schleunigst behoben. Die Schaltwarte mit ihrem Apparat von Schalttafeln, Schaltpulten, Schalthebeln usw. ist für den ganzen Versor- gungskörper das Gehirn, das ihn regiert. Die Vorteile des elektrischen Betriebes der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen sind in der Bevölkerung rasch erkannt worden. Man fährt noch der Elektrisierung nicht nur schnelkbr, man fährt auch chesser. Vom Mai 1928 bis zmn Mai 1929 haben dieVerkehrs- störungenfichum 22 Proz. vermindert. Außerordentlich sind im Bezirk Berlin die Ansprüche, die an die Stromversorgung gestellt werden. Pro Tcg sind durchschnittlich 600 000 Kilowatt- tuenden erforderlich, am Sonnabend 700 000. Am zweiten Pfingst- seiertag dieses Jahres stieg der Bedarf sogar«kf 920000. Erschlichene Wiiwenpension. Wie die Oberpostbehörde„rechtmäßig" geprellt wurde. Ein rechtlich sehr verwickelter Fall unterlag gestern der Entscheidung des Großen Schöffengerichts Eharlottenburg unter Vorsitz von Landgerichlsdircktor Schmitz. Wegen ge- meinschoftlichen Betruges waren Frau Johanna Fischer und der Kaufmann Vinzenz v. O e r h e n angeklagt. Frau Fischer ist die Witwe eines Postdirektors und hatte am 3. November 1923 den Mitangeklagten geheiratet. Vor der Ehe- schlicßung hatte sie bei der Oberpostdirktion sich erkundigt, ob sie ein« Abfindung bekommen könnte. Das wurde ihr verneint und ihr auch eröffnet, 1>oß dos Witwengel? W der Wiederverheiratung fortfalle. Am J. Dezember batie sie aber noch ihre Pension ab- gehoben und mit„Johanna Fischer" unterschrieben, obwohl sie jetzt v. Oertzen hieß. Erst nach dieser Abhebung sah sie sich genötigt, ihre W i �d e r v e r h e i r a-t u n g anzu.;c!gen. Nun hatte das junge Ehepaar aber kein Geld Wie der Staatsanwalt gestern aus- führte, hatte v. Oertzen nichts als den klangvollen Namen, die Frau dagegen die Wittvenpension und einen recht gewöhnlich klingenden Namen. Das Ehepaar kam nun überein, auf eine recht rasfinierte Weise sich wieder in den Besitz der Witwenpension zu setzen. Es wurde eine Anfechtungsllage eingereicht und mit Scheinbehauptungen und Scheinmitteln erreicht, daß die Ehe für nichtig erklärt wurde. Beide Angeklagten leben aber auch heute noch zusammen. Durch die Nichtigkeitserklärung der Ehe kam die Zlngeklagte als Poftdirektorswitwc wieder zu ihrer Pens! in. Die Staatsanwaltschast sah hierin einen Betrug und bei Frau Fischer sogar wegen der Abhebung am 1. Dezember noch einen zweiten Betrug. Staatsanwaltschassrat Schwicger beantragte gegen sie ein Jahr Gefängnis, gegen v. Oertzen neun Monat Gefängnis, je drei Jahre Ehroerlust und Auirechterhaltung eines Haftbefehls. Der Verteidig? stellte nicht in Abrede, daß die Nichtigkeitserklärung nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei, er vertrat aber den Standpunkt, daß es darauf nicht ankomme, denn nach dem Eherecht bestehe die Ehe eben nicht und Frau Fischer sei berechtigt gewesen, die Witweirpension weiterzubeziehen. Das Schöffengericht mußte den Standpunkt der Verteidigung im all- gemeinen anerkennen. Durch die Nichtigkeitserklärung der Ehe sei ein öffentlich-rechtlicher Zustand er- wirkt worden. Damit wurde aber der Vorteil, den Frau Fischer sich rechtswidrig erschlichen hatte, ein rechtmäßiger. Mit der Annullierung der Ehe war Frau v. Ocrtzel wieder Witwe Fischer geworden und somit pensionsbercchtigt, deshalb mußten beide Angeklagten von dieser Anklage freigesprochen werden. Dagegen hatte Frau Fischer bei der Dezemderzahliung den Vorsatz gehabt, durch Verschweigen ihrer Heirat den Staat zu betrügen. Wenn sie auch durch die nachträgliche Nichtigkeitserklärung Anspruch auf die Auszahlung erhallen hat, so lag doch mindestens ein ver- Die musikalische Abendlinterhaltung war sommerlich anspruchslos. Trotzdem brachte sie in ihrer Art hochwertige Darbietungen. Das gilt besonders für das Mirus-Gesangsquartett, das ganz bauerlich ausgemachte„Tanzlied" war eine nicht nur technisch,� sondern auch künstlerisch wirklich gelungen« Leistung. Der Mund-' harmonikavirtuos« Luciano,«in Meister aus seinem Instrument, schien sich noch besser als sonst auf das Mikrophon eingestellt zu haben. Jedenfalls hörte man kaum noch den störenden Zlnsatz-Hauch. Auch der Kunstpfeiser Guido Gioldinr macht« seine Sache aus- gezeichnet.— Generalmusikdirektor Ernst M e h l i ch leitete«in Konzert des Funkorchesters. Man möchte glauben, daß das Pro- gramm mit im wesentlichen russischen und sran.zösischen Werten einer besonderen Neigung des Dirigenten entsprach, so zärtlich und hingebungsvoll arbeitet« er jede Nüanc« heraus.— Fijr ein wohl. gelungenes, sehr sympathisches Nachmtttagskonzert sorgte die Kapelle Dasos Bela.— Otto Vetter cmpfah� als Wochenendziel Stadt und Klöster Lindow. Seinen Ausführungen nach muß dieses märkische Städtchen'-— von dem Theodor Fontane sagte, es sei so schön wie sein Name— geradezu ein Paradies sein, auch für Wochen- endler mit schmalem Beutel. Zes. sucht« Betrug MC. Da« Gericht imurtritti fftat fttfchet daher W 500 9t Geldstrafe, davon wurden 200 M. auf die UnterfuchungShaÄ angerechnet und der Hastbefehl gegen sie wurde aufgehoben. Oer angezweifelte Rembrandt. Holländische gegen deoffche jSutachiea., Vtil einem eigenartigen Bilderhandel befchäfiigl sich zur- zeit wieder die Kriminalpolizei. Im Oktober v. I. wandte sich ein rheinisches Ko«. sortium an einen Berliner Herrn mit der Bitte, ihnen ein wert» volles Gemälde, am liebsten einen allen Meister, zu beschaffen. Der Berliner bot aus Privatbesitz einen echten Rembrandt an und für die Summe von 150 000 M. ging das Werk in die Hände der Rheinländer über. Gutachten hiesiger Sachverständiger be- slätigten die Echtheit. An dem Gemälde deuteten verschiedene Merk- mclle daraus hin, daß es früher schon im Kunsthandel gewesen sein mußte. Im Gegensatz zu den Berliner Gutachtern haben nun holländsicha Kenner die Echtheit angezweifelt und erklärt. das Gemälde stamme nicht von Rembrandt selbst, sondern von einem seiner Schüler. Das rheinische Konsortium suhlte sich deshalb betrogen und erstattete Anzeige bei der Berliner Kriminalpolizei gegen den Verkäufer. Die Ermittlungen des Kriminalkommissars Thomas und seiner Beamten haben nun ergeben, daß das umstrittene Gemälde vor 1K Iahren bereits in Berlin für den Preis von 6000 Mark angeboten wurde, aber keinen Käufer fand. Dann ging es nach Wien und Warschau und war dort angeblich im Familienbesig. Von diesem letzten Besitzer, der noch nicht ermittelt ist. wurde es an den Verliner Herrn als echter Rembrandt weitergegeben. Es stellt die heilige Familie in einem Stall dar. Ob dem Berliner Verkäufer tatsächlich eine strafbare Handlung nochzuweisen ist oder ob die ganze Angelegenheit auf einen K u n st. st r e i t hinauslausen wird, kann erst die weitere Untersuchung zeigen. Dem holländischer. Gutachten stehen zwei deutsche gegenüber. Die„Gropius-Stadi". In einer vom Bund der technischen Angestellten und Beamten (Butab) einberufenen Mitgliederversammluna sollte. Ausklaiung über das neue Projekt von Gropius und Ftjcher erfolgen, das ein- G r o ß s i e d l u n g o o n 5 0 0 0 W o h n u n g c n im Südwesten vor den Toren Berlins vorsieht. Dipl.-Ing. Fischer glaubt, die Wirtschajtlichkeit seines Unter- nchmens allein mit der Anwendung rationalisierter B au- und Betriebsmethoden zu begründen, um deren Em- .sührungsmöglichkciten sich im übrigen in erster Lim« die sozialen Baubetriebe verdient gemacht haben. Er übersieht jedoch, daß er allein hiermit nicht di« Wirkung des heutigen� hohen Zinsfußes auf dem Kapitalmarkt aus der Welt schaffen kann. Nach dem Projekt soll es sich im Serien- und Reihenbau vornehmlich um Stahlhöuser handeln. Kanalsiaiions- und Kabelvcrlegungen sollen t>ei der neuen Planung sich von vornherein auf ein Minimum dessen beschränken, was sonst di« Kommunen hierfür ausgebe» müssen. Eigene Elektrizitätserzeugung würde angeblich den Strompreis auf 7 bis lO Pf. pro Kilowattstunde reduziere». Diese Ausführungen wurden als Entgegnung auf eine sachliche Kritik vorgebracht, die Genosse Lustig vom Butab als langjähriger Fachmann im gemein- nühigen Siedlungsbau in Wort und Schrift vertrete» hat. Erst in der Diskussion kam Man aus den finanziellen Hintergrund der Dinge zu sprechen. 8 5 Millionen sind für das Projekt her- ausgerechnet worden, eine Zahl, die von den Fachleuten als zu niedrig angesehen wird. Durch ein System der Eigenbewirt- s ch a s t u n g der Stadt, vor allem des Warcnkanjums. will man di« Verzinsung und Amortisation ermöglichen, indem man die hier erwarteten Gewinne vgn 40 bis 50 Proz. des Umsatzes auf die Mieten abschreibt. Genosse Lustig wies den Gründer» nach, daß ihr« Berechnungen solsch sind. Lustig rechnet nur mit zwei Möglichkeiten: entweder muß das Gesamtauskommen an Miete um 1,19 Millionen M., also um rund 22 Pro.z. gesteiaert werden, oder das Durchschnittseinkommen der Mieter muß über 5000 M. pro Jahr liegen, damit Umsatz und Gewinn der Vcrsorgungsbctriebe de» Ausgleich schaffen können. Das ganze muß unter den augenblicklichen nürtlchaftlichen Verhältnissen als ein sehr gewagtes Experiment erscheinen. In der Masse der Wohnungshungrigen werden Hosfmmgcn erweckt, die vor. läufig gar leine Aussicht auf Erfüllung haben. Vertehrsförderung am Scharmützelsee. Man Hot geglaubt, daß der Schar mützelsec südlich Fürslciiwalde in der Gunst des Publikums absolut gefestigt ist. Zwei merkwürdige Umstände haben dazu beigetragen, daß dies« Gunst sich äußerst fühlbar gewandelt hat. Nachdem nämlich die Automobilisten die Chausseen rings um den Tee total zerfahren hatten, suchten sie sich' andere Gefilde aus. Die Wanderer aber meiden den See, weil sie annehmen, daß leine Ufer mir von feudalen Villen umsäumt seien, die für Wandererwegs keinen Platz ließen. Inzwischen hat der Kreis B e c s k�o w- Storkow nahezu 20 Kilometer E h a�u s s c c vom Forstfiskus, Gutsvcrwoltungen und Gemeinden i? eigene Regie übernommen und sie mit einem Aufwand von 400 000 M. durch den Kreisbaumeister Krummbiegel auhbaucn. lassen. Eine setzt vor- genommene Probesohrt ergab, daß sich die Straßen in tadetlosem Zustand befinden. Auch mit der Bebauung ist es nicht so arg, daß nicht auch die Wanderer ihr Ergötzen finden. Der Norden des Sees bis einerseits nach Pieskow herab und andererseits über Saarow bis nach Silberberg hinab ist allerdings in festen Händen. Aber eine amerikanische Terraingescllschast bei Silberberg sorgt in erfreulicherweise dafür, daß unterhalb ihrer Gundsmcke ein Ufer« weg bleibt; ebenso hat sie einen Badestrand mit regulärem Badebetrieb eingerichtet. Um den Touristenverkehr zu heben, hat die Kreisgesellschaft Beeskow-Storkow neben ihrem Motorbootverkehr auf dem See auch eine Kraftauto- b u s l i n i e eingerichtet, die Fürstenwalde mit dem See und dem Südende des Sees, dem Bahnhof S ch a r m ü tz e l s e e, ver- bindet. In einer Zusammenkunft in Fürstenwalde, zu der die Berliner Presse geladen war, erläuterte Landrat Dr. W i s t o t t die Arbeit des Kreises, die einmal dem moderne» Landstraßenverkehr und zum anderen dem beschaulichen Wanderer- und Touristenleben gewidmet ist. Im Kreistag, in dem unsere Partei mit acht Ab» geordneten vertreten ist, haben es sich unsere Genossen angelegen sein lassen, diese gemeinnützigen Berkehrszieie zu fördern. Teutsch-däiischer KiuderauStausch. In den letzten Tagen hat der dänische Folkechingsadgeortmet« Genosse I. P. Nielsen sich in Berlin aufgehalten, um den Aus- tausch deutscher und dänischer Ferienkinder zu ordnen. Gegenüber „Socialdemokraten" erklärte er, daß vorläufig 200 bis 30» deutsche Arbeiterkinder zu ihren früheren Pflege- eitern nach Dänemark kommen. Weiter ist ein Ueberein» kommen zwischen deutschen und dänischen Gymnasiasten getroffen morden, daß 50 dänisch« Gymnasiasten In ihren Ferien nach Deutsch» land reisen und eine gleiche Anzahl deutscher Gymnasiasten nach Dänemark. In Ermelunden wird«in Ferienlager für 500 deutsch«. Zlrb»it«rkl»d«r«mgLrichtet. 5m uSchst» Iah« sollen ebensoviel« Dänische Arbeiterkinder Deutschland einen Ferie» besuch obstotien. E» liegen außerdem privat« Einladungen an IM dänische Ferientinder zum Aufenthalt bei deutschen Familien vor, die in der Inflationszeit ihre Kinder in Dänemark hatten. Gegen den Abbau des Mieierschuhes. Sine Tagung des Reichsbundes Deutscher Mieter. Der Landesverband Preußen im„Reichsbund Deutscher Mieter e. V." hielt am 13. und 16. Juni 1929 seine Tagung auf dem Johannisberg in Bielefeld ab. Der Aorliftends Frig Dzieyk. Berlin, eröffnete den Mietertag und gedachte der in den letzten Jahren verstorbenen Mieterfreunde, wo- bei er das Schaffen und Wirken des verstorbenen Reichstags» abgeordneten Silberschmidt besonders hervorhob. Im Geschäfts» bericht wies Dzietzk auf die schädlichen Wirkungen der preußischen Lockerungsvcrordnung hin. Die Mictpreisbil- düng, die entgegen den ursprünglichen Wünschen des preußischen Miniiters für Volkswohlfahrt und dem Drängendes organi- fierten chausbefitzes in erträglichen Bahnen gehalten wer- den tonnte, droht auch weiterhin heftigen Kämpfen ausgesetzt zu sein. Eine zehnprozentige Mieterhöhung bedeutet aber eine B c- l a st u n g der deutschen Wirtschast von 500906606 Mark pro Jahr. Der Taktik des cherrn Wohlfahrtsministers„im Interesse des weiteren planmäßigen Abbaues der Wohnungszwangswirtschaft" eine Verordnung zu erlassen, um den Mieterschutz illusorisch zu machen, muß von seilen der deutschen Mieterschaft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten werden. Der Schatzmeister des Verbandes, Herr Schnabel, gab den Kassenbericht, der gesunde Kassenoerhältnisse zeigt. Die Kasscnprüfer bestätigen die Ausführungen und beantragten, dem Kassierer Entlastung zu erteilen. An der Aussprache beteiligten sich eine Reihe von Delegierten, die dem Vorstände den Donk für seine Arbeiten aussprachen. Herr Plank, Magdeburg, hielt dann einen Vortrag über dos System der„M ietberechtigungskartc". Reichliches Material war vom Vorstand gesammelt worden. Unterlagen des Deutschen Städtetages und anderer Stellen bewiesen die Gefährlich- keit dieses Systems für die Mieterschaft. Eine B e n a ch t e i l i- gung kiyderreicher Familien. Lungenkranker, Kriegs» beschädigter, wirtschaftlich Schwacher und Räumungsschuldncr war überall" festzustellen. Einzelne Städte sind darum dazu über- gegangen, dieses System wieder zu beseitigen. Die von einzelnen Orten berichtete Vereinfachung im Geschäftsgang der Wohnungsämter steht in keinem Verhältnis zu den finanziellen und seelischen Schäden, die die durch dieses System betroffenen Mieter erleiden. Die anwesenden Vertreter der Mieterschast Preußens legten schärfste Verwahrung gegen weiter« Einführung dieses S y st e m s ein. Durch die Einführung der Mietberechtigungskorten haben sich in den betreffenden Orten die vorausgesagten Härten und Slyäden für die Wohnungsuchenden gegenüber dem früheren Brauch der Einzclzuweisungen der dringlich Vorgemerkten prompt eingestellt, und zwar: 1. Bewuchcrung der Wohnung- suchenden: Z Benachteiligung der kinderreichen Familien, sowie der lungenkranken, zahlungsschwachcn und zahlungsunfähigen Mieter; Z. Schwierigkeiten in der Unterbringung der obdachlos gewordenen Mieter und der Räumungspflichtigen. Die nersammellen Vertreter richteten in einer Resolution an den Minister für Volkswohlfahrt die Aufforderung, seinen Rund- erlaß hinsichtlich der weiteren Ausdehnung dieses Systems rück- gängig zu machen. Dzieyk brachte anschließend einen Bericht über die Höhe de? Gemeindezuschlägc zur Grundvermögenssteuer. Aus Antrag der ReolsqrHi wurde sowohl dem Kassierer wie dem Gesamworswnd Entlastüng erteilt.' Die Neuwahl des Vorstandes konnte noch der erfolgreichen Arbeit' des bisherigen Verbandeworstandes schnell er- ledigt werden, indem der alle Vorstand einstimmig wiedergewählt wurde. In einer Reche von Resolutionen wurden die Forderungen de» Reichsbundes festgelegt. Als nächster Tagungsort wurde Magdeburg bestimmt. De?.Funkturm wieder ia»ollem Betrieb. Nach Beendigung der in den letzten Tagen durchgeführten Reriisionsarbeiten am Funkturm ist nunmehr der beschleunigte Fahrstuhlbetrieb im Turm in vollem Umfange wieder ausgenommen worden. Der IS. Srel» welhevsee veranstaltet am Sanntag. dem 30. Juni, am User des AeihenfeeZ auf dem Gelände de» einst berühmten.Slernecker* ein E o m m e r f e st, das in bezug auf Darbietungen wie Schauplatz da? Auster eine» proletarischen Eommerfeftc» zu werden veripricht. Ein große» Bloeorchilter befreundeter Gesang- und Sportvereine, BerusZartisten. ein Voltstanzkreii der KAI., ein Tchwimmer-BIumenreigen auf dem See werden klugen und Obre erfreuen. Im Park wird der Film.WpZ wir schufen' gezeigt werde». In einem prächtigen Feuerwerk wird da» Ganze seinen Au»- Hang finden. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 1t Uhr, Pappel-Allee 13, Portrag des Herrn 11- Domdeh:»Pazifismus öl» Bellanschauung.' Harmonium: SWS.Geisha'(Jones). Sport. Rennen zu Ruhleben am Freilag, dem 21. JunL 1. Rennen. 1. Heurela(®. Lautenberger), 2. Puter, 3. varonek E., 4. Theotrat. Toto: Sv:10. Platz: 13. 11, 16, 14:10. Ferner liefe«: Pindar. Drama, Fahrenbeit, Helgara, Waldschnepfe, Baron Duffh, Nixchen, Natator, Fehrbcllin o. W,, Occasion, Primadonna, Efperanza, Mai sine, Olan. 2. R e n n e n. 1. FredegundiS(I. MillS), 2. Lebemann. 3. Frieda Edel- stein. Toto: 21:10. Platz: IS, 22:10. Ferner liefen: Schnadahüpfl, Varon SUvester, Flaggenlied, 51 Sennen. 1. Erbprinz jr. CJauk! fr,), 2. Einsicht, 3. Baron Gabler, 4. Erster Seehofer. Toto: 21:10. Platz: 13, 37, 18, 27: 10. Ferner liefen: Chrviolitb, Freiberg. Turandot. Diana Magowan, Echneepeter, Qnmteffenz, Alarich, MonoftatoS, Wmtcrmärchcn. Gondel. Dante o, W., Nufhaga Boy, Dolman, Kasimir, Leuchtturm, Eulenfpiegel, Niederländer, Dolerit. 4, Nennen. 1. Brition(Großmann), 2. HeroftratoS, 3. Eckstein. Toto: 27: 10. Platz: 12. 10. 16: 10. Ferner liefen: Freund Tdelflew. Ba- rometer, Königsadler, Franlet, True Fox. 5. R e n n c n. 1. Alabama(Grohmann), 2. Fata Morgans, 8. Elisabeth K, Toto: 12:10. Platz: 11, 14,13:10. Ferner tiefen: Wyfanka, Feuerlllie, Marcobrunner, Eppi, Hagel, Mary Druien. S. Nennen. 1. Lebeiislünstler(Eh. MillS), 2. Ouifl quasi, 3. Fels. Toto: 13: 10. Platz: 16, 10:10. Ferner Uesen: Florian, Dawson Watts, Flamingo agh. 7. R c n n e n. 1. Heideilume(E. EliaS), 2. Herzog Louis, 3. Einsiedler. Toto: 25: 10. Platz: 14,14,48:10. Ferner liefen: Hellina, Effi. Goudster jr., Morgentau, Eilly Dillon, Meisterstück, Mephisto, Mentor I. Isegrim. 8. Rennen. 1. Banco Duffy(Jaust jr.). 2. Harsenmädchcn, 3. Sieges» adler. Toto: 13:10. Platz: 14, 23, 18:10. Ferner liefen: Lombardei o. D., Lunaria. Noblesse 3. disq., 80 Proz. Pl. zur., Aeschhlo», PiruS. 9. Rennen, fl. Raphia(Jaust jr.), fl. Trumpf König(P. Ftnn), 3. Opernsänger. Toto: 14, 8:10. Platz: 14, II, 12:10. Ferner liefen: Zierde, Nonne, Eidgaffeln, Silberpappel. Tote« Rennen. .»EemeinlÄast�. am Sonnabend uu> Bahnhof Lanpoberger All». Unkosten 1 M. Kein Essen mii» bringen, nur Trinkbecher. Alle Rheinlandfahrer lassen ihre Decken in Birken» werder. Allken und Iungfalkcn treffen sich.ebenfalls um 17 Uhr am Bahn. Hof. Alle Eltern find am äonniag zur Bcsiäfiigung unseres Lager, herzlichst eingeladen. Fahrt bis Birlcnwerdcr. Reinickendorf-Ost: Wir treffen uns zur Fahrt nach Birkcnwerder am Sonn- abend um 1« Uhr am Bahnhos Schönholz. Rrei, Eharlottcnburg: Treffpunkt zur Sonnenwendfeier heut« um W/i Uhr Bahnhof Zungfcrnhcide.«0 Pf. sind mitzubringen, ebenso Essen sllr de» ganzen Tag, Trinkbecher nicht vergessen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW BS, Lindeustraße 3, parieinachnchien für Groß-Berlin stet» an ba» Bezlrk»sekret»riot 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten. 7. Rrei» Eharlottcnburg und Spandan. Juristische Sprechstunde heut». Sonn. abend, 22.(suni, von 17—13 Uhr im Jugendheim Rosinenftr. 4. Selegen. heit znm tUrchenanstritt. 1»., IL, 12. ftrei« Ichlcndorf, Schöncberg, Steglitz. Ale Se nassen attbttt mit ihren Familien zum Waldtrrfse» am Sonntag. 23. Zuni, herzlichst ein. geladen. Beginn t» Uhr im Srnnchoald,»ronprinzenallee. gegenüber der Fi-kcnstraße. Fahrperbindung: Linie«3 und 71 bi» Endstation. Stich. tnngsweiser beachten. Musik, Jugendlpiele. Tön,«. Pnppeathe-trr. Fockcl- zug u. a. Verpflegung durch die Konsumgenossenschaft. heute. Sonnabend. 22. Juni. 18. Abt. Di« Bezirksfsthrer rechnen die Marken und Maimarken bestimmt bi» zum 23. Juni beim Genossen Kemnitz ab. 24. Abt. Di« Gruppenführer werden ersucht, sofort die Einladtrugsjettel zur Mitgliederversammlung vom Genossen Ragrodski abzuholen. Morgen, Sonnlag. 23. Zuul. Jnngsozialislen. Gruppe Tempelhol-Maeiendorf. Wir beteilige» un» heute, Sonnabend, 23. Juni, an der Sonnenivendfeier im Bolkspark Rehberg«. Treffpunkt 20 Uhr Kaiserin. Augusta-Strahe. Gruppe Schönebrrg: Am Sonntag, 23, Juni, beieiligen wir UN« am Wald- fest der Partei. Treffpunkt 15 Uhr in Dahlem, Endhaltestelle der Linie 43. Arbeitsgemeinschaft der hinderfreunde Groß-J) erlin. Krei, Mitte: Kinder aller Gruppen des Kreises, einschließlich Zeltlager. teilnphmcr.» die a» der Lonnenwentseier der Kinderfrcunde Groß.Berli" teil» nehmen, lresfcn sicki um l't'A Uhr Stcttinrr Pororlbahnhos zur Fahrt nach Birtcnwcrdcr. Eltern sowie Gäste sind zur Feier herzlichst eingeladen. Krei» Krcuzbeeg! Alle Küken und Iungsalke» der Gruppen und die Zelt. lagersahrer treuen sich heute, Sonnabend, 22. Juni, 15 Uhr, auf dem Belle- Alliance-Psatz zur Sonneuwcndfeier nach Birteneoceder. gg Ps, und Trink» bcchce mitbringen,— Gruppe Bergm-nnstratzc: Wir treffen uns Sonnabend II'. Uhr Ecke Porck» und Bellc-Allmnee-Slratzc zur Fahrt nach Birkcnwerder. Trinktopf, Esse» und 80 Pf. sind mitzubringen. Eltern für Sonntag herzlich eingeladen. Schöncberg-Friedenau: Alle Iunglalken und Kllken. die zur Sonnenwend- feicr fahren, treffen sich Sonnabend um 13 Uhr am Bahnhof Schöneberg. Kreis Wcdding: Bei der Einweihungsfeier des Volksparks Rehberge treffen sich alle Kinder, soweit sie nicht an den Veranstaltungen der Schulen teil- nehmen, aus der Slldwiefr Abends beteiligen wir uns am Fackelzug der Sozialistischen Arbeiicr-ssngcnd Treffpunkt 20' � Uhr am Steintor, Die Eltern werden gebeten, recht zahlreich zu erichtincn.— Alle Helfer finde» sich um 1714 Uhr am Escintor zum Ordncrdicnst ein. Tiergarten, Gruppe August Bebel, Jung- und Rote Falke.»: Wir treffen uns am Sonnabend, 15?t Uhr, IM Kleinen Tiergarten. 70 Pf. Fahrgeld mit- dringen. Prenzlauer Berg. Gruppe Blktor Adler: Iunqfalken, welch« Sonnlag früh nach Birtenwerdcr fahren, treffen sich um 3 Uhr Ecke Danziger und Greifs- nnilder Straffe.— Anträge auf Zuschüsse für Zeltlagertcilnebmer und Brodten- sohrer sind dnrch die Gruppen bis spätestens 23, Juni an Genossen Siegler, Weiffbachstr. 7. zu richten.— Kommissionssitzung zur Prüfung der Anirägr am Freitag, 28. Juni, 13 Uhr, Danziger Str. 32, «reis Weitzenfee, Gruppe WciffäMskc: Wir trefscn uns zur Fahrt in, Probe. zrlllogcr Birkcnwerder I Sonnenwendscier) Eonnabend um 15 Uhr Anwnplotz. Trinkbecher nicht vergessen. Eltern, die am Sonntag nachkommen, warten um 10 Uhr am Bahnhof Birtenwerder. Sie werden dort von einem Helfer und den Kllken abgeholt. Am Montag, 24. Juni, IL Uhr, tu: JugendheiU! Parlstraffc 33. Kreishclsorsitzun«. Erscheinen der Helfer tst 3. Abt. Am 19. Zuni verstarb unsere treue Genossin Helene Rambrw im Alter von 53 Jahren. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Montag, 24. Zuni. am dem Friedho! der Luther. Gemeinde in Lankwitz um 13'.� Uhr statt. Um rege Beteiligung bittet die Ab- tcilungsleltung. 30. Abt. Arn 18. Zuni verstarb unser Genosse Salin Erabowski, Dappelollee 12—13. Ehre seinem Andenken! 31. Abt. Frtedcnan. Unser langjähriger Genosse Max Gruhl ist am 19. Juni nach langem schweren Leide» verstorben. Ehre feinem AndenkenZ Einäscherung am SDlontag, 24. Zuni, 18',4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraffe. I�Sozia!istischeArbeiterjugendGr..Verlin Einsendungen säe diese Ztubrtl nur an do4 Zugrndselietarlal Gerlln GW 53. Tlndensirabc 3 vi««rbeitsgemeinschafi Abraham tagt Montag, 19'4 Uhr, Im Zugentheim Lindenstr. 4. Heute. Sonnabend: Treffpunkte für die Sonnenwendfeier im Bolbspark Rehberge. Schönhauser Dorstadt: 2l> Uhr Arnimplatz, anschlieffcnd Fahrt nach Tegel. 13 Uhr ffunrtionärversammlnng Nordkap. Ecke Driesener Straffe.— Südwest: 19 Uhr vor dem Borwärts-Gebäude. Nachzügler Rehberge.— Steglitz: 19�4 Uhr Rathansplatz.— Tcmpclhof: 19!4 Uhr Bhf, Tempelhof. Rote Fahnen mit» bringen.— Dahlem, R. F.: 19V4 Uhr U-Bhf. Thielplatz. AnfchNcffcnd Fahrt. Werbcbezirt Prcuzlaner Berg: 19 Uhr Schönhauser Allee Ecke Danziger Straffe sRormaluhr). Tombourkapcllc 1891 Uhr vor dem Altersheim, Danziger Straffe.(Montag ist Ucbungsabcnd, Danziger Etr. 23, Turnhalle.) perbcbezirk Tchöneberg: 17 Uhr und 19', 4 Uhr auf dem Kailer-Wilhelm- Platz, SSS. Reukölln und Wedding: Wedding 2014 Uhr Eingang Rehberge: Reu- kölln 2014 Uhr U-Bahn Dcrgstraffe. Wir gehen anschlieffcnd auf Fahrt. Fahr- «eld 35 Pf. Jedes Mitglied beteiligt sich an der Feier. Werdebeziri Westen: Anfchlieffend an die Eonnenwendfeier Rachtwanberung. Alle Teilnehmer müssen vor Beginn der Veranstaltung in den Rehbergcn sich beim Wcrbcbezirkslcitcr melden. Decken sind mitzubringen. Morgen, Sonntag: Südwest: Fahrt ins Zeltlager Birkenwcrdrr. Treffpunkt 8 Uhr Stettineö Bahnhof.— Rrnkikln II: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Neukölln. Serbebezirk Schönebcrg: Beteiligung am Waldkest der Partei in Dahlem. Anschließend Weih« unserer Fahnen. Treffpunkt 14 Uhr Kaiscr-Wilhelm-Platz. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Seschilftsstelle: Berlin S 14. Cebaltianstr. 37/33, Hof 2 Tr. Marinrabtcilung: 17 Uhr mit Fahnen bei Hcilmann. Nazareihklrch» straffe 41. Ortsgruppe Reucnhagcn, Hoppegarten, Birkenstetu: Ausmorfch der Kameradschaft. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Hoppegarten. An» schließend Miigliederversanimlung, Nachdem geselliges Beisammensein mit Damen.— Sonntag, 23. Juni. Gauvorstand. Olchtung! öpiclleute, die für die Bcrfassnngsfeicr von Groß. Berlin ausgesucht sind. Antreten am Dienstag. 25, Zuni, 20 Uhr, Obcrschöncwcidc, Eicmenssir. 1,„Zm kühlen Grund", zur gemeinsamen Ucbnng, Krei« Westen: Pflichtvcranstaltungl Orlsvercinc an» treten zur Rathenou-Grdenkscicr mit Musik und umflorten Fahnen. Ehar- tottcnburg ll Uhr Bahnhof Salensrc: Wilmersdorf 1014 Uhr Fehrbclliner Platz: Steglitz 10 Uhr Dllppclplatz: Zehlendorf 10 Uhr Bercinslokal, Potsdamer Straffe 3: Spandau: 10 Uhr Bahnhof Spandail-West. Kameradschaft Rcinicke». darf. West: S Uhr Antreten der technischen Funltionäre lGrupv.'nsllhrer), lldrig« Kameraden 12 Uhr Dercinslolol, Nachzügler 12.27 Ubr Bahnhof Eichborn straffe. Abfahrt nach Hennigsdorf. Marineabteilung: 7 Uhr Abfahrt von Tegel noch Scnnigsdorf mit drei' Booten.— Montag, 24. Zuni. Prenzlauer Berg, Zugend: 20 Uhr wclllichc Schule, Sonnenburgcr Straffe, Hof, Zimmer 17, Zugendvsll» Versammlung. Thema:»Unter Zngcndanstnarlch. Erfckicinen Pflicht. Krei, Süden: Alle Ortsvercmc antreten 10 Uhr Bahnhof Niedcrfchöncwcide zur Rathenaii-Gcdächtnisfeier. Krcnzbcrg, Zngend I: Filmadcnd fällt aus. An- treten 19 Uhr Bnndeskleitung Bahnhof Niedcrfchönrwcidc. Ortavercine Kreuz- berq, Reuköll«, Tempelhof, Treptow: Antreten aller Kameraden 19 Uhr Bahn- Hof Nicderfchöneweide znr Rathcnau-Fcier.— Friedrichshain, Zungbanner und Cchutzfporiler: Sonnabend, 22. Zuni. 19 Uhr. Fcidwandcrung nach Birken. werder. Treffpunkt Stcttiner Vorortbahnhof. Zelte und Badezeug mitbringen. — Wedding: Sonntag. 23. Juni. 7 Uhr, Treifpunft technischer Funktionäre Bahnsteig Bahnhof Gesundbrunnen. Fahrt nach Heiligcnfee, 1 24, Uhr Treffpunkt sämtlicher Kameraden Bahnsteig Bahnhof Gesundbrunnen. Fahrt nach Hrnnigsdorf. Berliner Gesellschaft für Psychologie und Eharaktcrologi«. Ordentlich« Sitzung Donnerstag, 27; Zuni, 20 Ubr, Knrfllrstev.domm 45. Herr Dr. Kandkr: ,Die Graphologie, eine wissenschaftlich« Methode der Eharakteriunde".> De« Iunge Ehor. Milwirknng bei der Sonnenwende der Freien Gewerck- schattsingcnd am Sonnabend, 22. Juni, im Freilicht-Thcaier Volksvark Zung- fernheidc. Treffpunkt 2014 Uhr am Bahnhof Iungfernheide. Nach dcr Ber- onsialtung findet eine Wanderung statt. Der Freundln Rat!„Schade um die schöne Seide, um die Mllhe mit dem Kleide"— sagt betrübt di- junge Frau.—„Noch der Wäsche,'s ist zum Weinen— sieht es aus wie grobes Leinen.— ohne Glanz, farblos und grau."— Die Freundin hört die bittre Klage— und gibt der jungen Frau den Rat:„Zum Waschen bunter Seidenstoffe— L»r-Seifenflockeu sind probat!"— Lur-Eeifen flocken sind das bekannte Produkt dcr Sunlicht-Gefellschalt Mann» Helm. Will».«!» W« �clrwi rMicli «ieixXiixiJLS leisten, ÄtSZö Automobil zubesitzenl TiVJeiiel Standen des lag» arbeiten Sie tatsächlich produktiv— und wieviel Standen sind Sie„unterwegs"? Ist Zeit nicht Geld!! Wie oft leiden Sie tanfer den Unbilden der Witterung und unter d Mängeln der öffentlichenVerkehrsmittel? Igt Ihre Gesundh nicht Ihr wertvollstes Gut]? Wie öS beurteilen Sie nicht selbst dieTuditigkett und die Erfolg Ihrer Mitmenschen danach, ob sie ein Auto haben oder nicht 5 Bringen Ansehen und Kredit nicht'auch IHNEN Zinsen!! Wie oft haben Sie schon jeneGlücklichenbeneidet,dienachdesTage3 Mühen am Steuer ihres OPELmit Frau und Kind ins Grüna Oer schwäbische Wald. Zeme westlichen Berghäng» stohen g«ge» de» Neckar- liccken zwischen Stuttgart und chetlbronn var. wäh- rcnd sich die östlichen Berggrenzen bis gegen Bayern hinziehen. Während dos Kalkgebirge der Schwäbischen Alb fat schroffen, senk- rechten Felsen abstürzt, haben wir in der Keuperberglandschast des Schwöbischen Waldes die weichen und gerundeten Bergformen, welche vielfach an den Schwarzwald erinnern. Durch die kaum zählbare Meng« hier entstehender und obfliehender Gewässer ist das ganze Berggebiet von vielen Tälchen und Schluchten durchzogen, so daß«s in eine Menge von Höhenrücken. Bergkuppen und Berg- zungen aufgelöst ist. Die Höhen liegen häufig mehr als 600 Meter über dem Meer und erheben sich da und dort bis nah« an 000 Meter. Das ganze Höhengebiet ist zum größten Teil mit Herr- liehen Wäldern bedeckt. Im westlichen Teil herrscht der Laubwald vor, während im Welzheimer und Mainhardter Wald, in den Ell- wanger und Limpurger Bergen auch weite Nadelwälder sich hin- ziehen. Ein« große Zahl kleiner Ort« liegt in den Wrfdlücken, nur in den größeren Tälern konnten sich auch größere Orte entwickeln. Wo die Höhen gegen das umgebende Borland abfallen, sind sie häufig mit Weinbergen und Obstgärten bestanden und machen im Wechsel mit dem Wald einen anmutigen und lieblichen Eindruck. Um die obere Jagst her zwischen dem Virngrund der Crailsheimer Hardt und den Ellwanger Bergen spielt der Schwöbisch« Wald in anmutigen Hügeln, daran freund- lich die Dörflein und Höfe hängen und die wegen ihrer Kunstschätze besuchenswerte Stadt Ellwangen selbst mit Schloß und Kirche auf fr«ier Höhe. Gegen das Remstal vor stößt der dunkle Tann des Welzheimer Waldes mit den hochgelegenen Sommerfrischen Welzheim, Kaisersbach und Althütte, als Eckpfeiler Mimenden, über dem Mixrhardier Wald mit dem Städtchen Murrhardt als Mittel- Punkt liegt seit mehr als ein«m Jahrtausend der Glockenklang der Wolderichskapelle und als wichtige Zugangsplätze zu ihm das industriereich« Backnang und Sulzbach im tiefm Murrtal, das Oertchen Oberbrüden am Berghang. Jenseits des Remstales, in das der Luftkurort Buoch herabsieht und darin das an Kunst- schätzen reiche Schwäbisch-Gmünd, das seine berühmten Gold- und Silberwaren über die ganze Erde sendet, Lorch mU seinem tausend- jährigen Kloster, Waldhausen, Schorndorf, der Eingangspunkt zum Welzheimer Wald, Schnait mit seinem feurigen Wein und dem Silcher-Museum und Waiblingen ruhen, erhebt sich der Schurwald. Gegen dos Reckarland und die Hohenlohener Ebene bauen die Löw«nst«iner Berge, der Mainhardter Wald, die Waldenburger Berge und die Limpurger Berge schön« und lebhaft« Bergzüge auf. Hier liegen als besuchte Sommerfrischen Löwenstein mit dem Teusserbad, Moinhordt, Untersteinbach, da? weit in» Land schauend« Waldenburg, Fichtenberg, das Oberamtsstädtchen Gall- darf, Nntergröningen und Abtsgmünd im oberen Kochertal, der aussichtsreich« Einkorn als landschaftlicher Abschluß der Romantik vyn Schwäbisch-Holl. In den obgÄegenen Talgründen im Innern des Wald- und Berglandes gehen einsame Mühlen, liegen verlassene Höfe und Weiler und träumen hinein In die Still« de» Schwäbischen Walde«, her so recht geeignet ist zur Erholung weit abseits von der Plag« und Unrast d«? Berufes und der Städte. Aach Schlesien. Schlesien ist ein herrliches Reiseland. Es besitzt nächst Ober» Kammgebira« von l0 bis 1600 Meter. Das Jsergebirge em Woldgebirge, das Riesengebirg« alpin. Altvatergebirge ihm ähnlich, Glatzer Gebirge an den Schwarzwald Süddeutschlands erinnernd, Waldenburger. und Eulengebirge mit Thüringen zu vergleichen. Allenthalben erheben sich Burgen und Burgruinen, altertümliche Städte und Klöster, auch im Vorgebirge und in der Eben«. Sehr reizvoll sind das Bober- kotzbachgebirge und das Zobtengebirge(nur eine Bahnstunde von Breslau) über 700 Meter hoch. Im Tiefland entzückend uralt« Laub« mälder, romantische Seen, deren es auch mehrer« im Gebirge gibt. Die fchlesischen Städte weisen viel« Sehenswürdigkeiten auf, so namentlich die alten fchlesischen Herzogsstädte, an ihrer Spitze Breslau, die größte, bedeutendste und schönst« Stadt Ostdeutschlands, mit seinem alten Rathaus, den alten gotischen und Barockkirchen mit herrlichen Grabdenkmälern und Kunstwerken deutscher und italienischer Meister, den alten Patrizierhäufern, dem Barockprunk- bau der Universität, den köstlichen Promenaden und Parten und den monumentalen Bauten der Neuzeit: der Jahrhunderthalle mit der zweitgrößten Kuppel und Orgel der Welt, dem Mesiehof, dem Aus- die große Ausstellung„Wohnung und Werkraum* statt. Do» Rathaus, das herrliche Stadtbild der Sand- und Dominsel, der Auf- enthalt auf der Jahrhundertterrasie stehen einzigartig da. Da» Leben ist gemütlich und billig. Ueber weitere Einzelheiten unterrichten die Werbeschristen„Da» schöne Schlesien*, die vom Derkehrsbüro Breslau, Am Hauptbahn- Hof 1 I und in allen bedeutenden Verkehrs- und Reisebüros, wie am nach dem Riesengebirg« und am 4 Luli nach dem Slatzer Gebirg« verkehren. Die Fahrkarten hoben zwei Monate Gültigkeit. Der Zug fährt nur bei genügender Beteiligung. E»«st daher unbedingt notwendig, die Karten bald zu lösen. Ferienheim Neumühle. Die Neumühle bei Stadtroda im Zeitzgrund ist Eigen- tum der Leipziger Gewerkschaften. Sie liegt mitten im Walde, fern von jedem Fahrverkehr und ist so recht geeignet für Großstadt- menschen, die ausspannen wollen. Di« Umgebung ist die echte Thüringer Landschaft. Wald, Wiesen, stark ansteigende Hügel, Teich«, ein idyllisch gelegener Waldse«, für Freunde der Natur eine schöne Stätte. Das Heim hat 34 Zimmer mit 63 Betten. Gastzimmer, einen Saal für 100 Personen. Wannenbäder. Waschraum mit fließendem Wasser für Touristen, Dunkelkammer. Lesezimmer und Bibliothek. Außerdem ist in jedem Zimmer Dampsheizung und elektrisches Licht. Die elektrisch« Kraft wird selbst erzeugt. Eine schöne, neuzeitlich eingerichtet« Jugendherberge, die etwas abseits vom Hauptbetriebe liegt, dient der wandernden Jugend zur Unter. kunft und zum Aufenthalt. All« Auskünfte werden gern erteilt. Zuschriften und Zimmerbestellungen bitten wir an den Allgemeinen Deutschen GewertschastSbUnd. Ortsausschuß Leipzig, Leipzig El. Zeitzer Str. 32, zu richten. Gpreewaldfahri. In Lübbenau angekommen, merkt man sofort, daß man sich im Spreewald befindet. Außer den landschaftlichen Reizen ist der Spreewald und im besonderen Lübbenau nämlich durch den Gurkenanbau weithin bekannt. Kaum dem Zug» entstiegen,«erden bereits die heimischen Produkte„Saure Gurken* mit lauter Stimm» angeboten. Ein kurzer Spaziergang vom Bahnhof durch die Stadt Lübbenau(ursprünglich eine alte Wendensiedlung) und man ist in wenigen Minuten am„städtischen Hafen*, dem bequemsten Ab- fahrtspunkt zu allen Sebenswürdigkeiten de» Spreewaldes. In bereitstehenden Kähnen, die sechs Personen außer dem Fährmann tragen, beginnt die eigentliche Wasserfahrt. Die Schönheit der Landschaft ist von so ausgeprägter Eigenart, daß kein« andere Gegend in Deutschland ein Vergleichsobjekt bletet. Der Besucher wird nicht durch den Anblick der wilden Romantik einer Berglandschaft gefesselt, aber ungemein liebliche Ausblicke über im saftigen Grün prangend« Wiesen, bestanden mit Stranchpartien oder Bauminseln, erquicken und sättigen das Auge. Nach 15 Minuten Kahnfahrt wird da» Lagunendorf L e h d e, das Epreewald-Venedig, da» 300 Landwirt- schaft und Viehzucht treibende Einwohner zählt, erreicht. Hier hat sich das alte Wendentum mit seiner auffälligen Frauentracht, seinen Sitten und Gebräuchen, geschützt durch die Eigenart der Natur, noch erholten. Der Ort besitzt keine Fußwege, die Bewohner sind kerckstesten, kunstvoll Lbereinandergefügten Stämmen aufgebaut und mit Schilf gedeckt sind. Die Verbindung mit dem Nachbargrund- stück ist durch eine schmale, hohe Brücke, die sogenannte Bank, her- gestellt oder nur mit dem Kahn zu ermöglichen. Von seinem Kahn ist de? Sproewälder unzertrennlich. Der Kahn führt das Kind zur Tauf« und zur Schule, die Mädchen und Burschen zur Spinte (Spinnstube) und zum Tanz, den Hochzeiter zum frohesten Fest seine» Leben». Er trägt auch den alten Wenden zur letzten Ruhe Weiteren Genuß bietet die Kahnfahrt vom Spreewald-Venedig Lehd» nach dem idyllisch gelegenen Waldhotel Wotschofska. Von hier an den Forsthäusern Schützenhaus, Kannomühle, Eiche vorüber über die Polenzschenke nach dem Spreewalddorf L e i p e und zurück nach Lübbenau. Majestälischer Hochwald mit himelanstrebenden schlan- ken Erle» und Eichen bieten die nötige Abwechslung. Wer eine solche Fahrt nicht mitgemacht hat. in weltentrückter Waldeinsomkei! unter dem Schatten mächtiger Baumriesen auf einsamen Fluß- laufen in langsam gleitendem Kahn dahingefahren ist, kann die Größe de» Naturwunder» nicht ermesien, das uns hier im Spree- wald» erhalten ist. Die freigewerkschaftlich organisierten Fähr» leut«. die im Ortsausschuß des ADGB. vertreten find, bitten. bei geplanten Spreewaldbesuchen sie bei Fahrten in Anspruch zu nehmen. Es wird kostenlos Auskunft in allen Angelegenheiten er- teilt, wie über die amtlichen Fahrpreise. Zuweisung von zuver lässigen Fährleuten, Uebernachtungen, Ausarbeitung von ein- und mehrtägigen Touren usw. Zweckmäßig sind Anfragen an den Orls ausschuh de» ADGB. zu Händen des Vorsitzenden A. Barchmaiin. Lübbenau, Neue Reklinstr. 4, zu richten. Baden-Baden, der Zentralpunkt des nördliche» Schwarzwaldes. Wer jetzt in diesen schönen Bolljrühlingstagen in Baden-Baden weiU, hat mehr als zu jeder anderen Zeit Lust, von hier aus den Schwarz- wald mit seinen Burgen und Ruinen kennenzulernen. Man hat es so bequem, von hier aus die Runde durch den nördlichen Schwarz wald zu machen. Nach allen wichtigen und sehenswerten Punkten und Stätten kann auch der leicht gelangen, der nicht über ein Auto MWWMtz ftt I.>(!»>... überall hin. Erst neuerdings wurde das ohnedies sehr dichte Netz oerfügt. Di« MBMWIU Gefells chafts-WWWDWWWWIW R e i ch s p o st führen rasch und aus den schönsten Bergstraben und Kurswagen der t allen ihren Hantierungen auf den Kahn angewiesen. Wie ihre Vorfahren, so leben st« noch heute in ihren Blockhäusern, die aus rin gerichtete Kraftwagensahrt Aussicht auf die Rheineben«, rite der Markgräfin Sybill dieser von Baden-Baden ausgehenden Ausflugslinien um ver- schieden« neue Linien erweitert. Ueber die 700 Meter über deni Meer hoch gelegene Rote Lache gelangt man jetzt schnellstens nach Forbach im berühmten Murgtal, da» von jeher eines der beliebtesten Ausflugsziele von Baden-Baden aus war und durch das jetzt die neue Eisenbahnlinie nach Freudenstadt führt. Die weiter kurzlich über das Jagdhaus, mit seiner hübschen nach dem berühmten Lustschloß„Fovo- arkgräfin Sybille wird gerne benützt. Aber auch, die größeren Ueherlandfabrten können auf Postkurslinien ahsoloien werden: bis nach Fveivurg und Karlsruhe werden demnächst Post traftwagen verkehren, dl« besonder» bequem und freundlich au»- gsstallet sind und in ihrer Bauart auf den Wunsch der Fahrenden Rücksicht nehmen, die prachtvolle Aussicht vvn den Höhen des Schwarzwaldes zu genießen. Ja Lad«ltheide lSchlefieu) ist die Saison i« Gans«. Jeder Tag brütet neue ftuMOfte, deren Zahl 4550 bereits übersteigt. Tie wachsende Erkenntni« von der au»ge»etchn«t«n Heilwirkung der Lltheider Kohlen säure-Sprutelbäder bei Herj-, Nerven- und Konftttutiontkrankheiten ver- anlaßt die Hautärzte immer neu» Patienten»ach Mtbeid« zu schicken. bat neden s«,nen h-ilkraftiaen Quellen und de» Moorbädern«ine land schch, Uch ideal« Lag« hesitt. Eingebettet in sanft ansteigend« bewaldete Hobe«, stehen de» Kr-mlen weite ebene Wege zu Geländekuren«jr »erfügung. Neben den täglichen Konzerten der Kurkapelle bietet bot- i täglichen ___...... StodHMei.. WU. und Lverette. Bor kurzem kannte unter Beisein de» Autor» da» Lust spiel.Trio* von Leo Lenz zum dritten Male aufgeführt werden. Tic Preise für Unterkunft und Berpflegung sind mäßig und wird auch jeder «in seinen Wünschen entsprechende« Unterkommen finden. Prospekte und Lutkünst« erteilen dl« Reisebueraut und die Badeverwaltung«ltheide Bad Orb erfreut sich in diesem Jahre«ine» sehr regen Besuches '~ lllltifl'..... W--------"' im rtel als anderen Ende der Stadt 3r W«(--" I diesem Jahre ein« Die stark« Bautätigkeit der letzten Jahre sowohl auch in der umfangreichen Siedelung am and wirken sich für die Aufnahme der Kurgäste sehr lebhaft auf. Es sind ein« Reihe von Hotel« und größeren Pensionen vorhanden, gefragt wird aber immer wieder nach guten, erstklassigen Sanatorien. Es wäre er wünscht, daß et gelänge, privates Kapital für die Gründung eine: größeren, uinfangceichen Haufe» zu interessieren. Di« Kurverwaltuiig f-Ibsi verfügt Über eigenes Gelände und würde jedem ernsthaften Reflektantcn großes Entgegenkommen zeigen: Da nicht nur die Badekur, sondern auck die Trinkkur für die ganz« Dauer des Jahres zur Verfügung stehen, ist zu erwarten, daß die Hauser auch über die eigentlich« Kurzeit hinan- «« Betrieb gehalten werden können. Der 10 000. Kurgast in Bald Ealzuflr»! Das«mporblühende, immer stärkere Inanspruchnahme findende lippisch« Bad meldet mit dem 11. Juni bereits das Eintreffen fc«S 10 000. Kurgastes. Wetterbericht der istenllicheu Wetterdienststelle Lersia uod Umgegend lNachdr. verb.) Teils hetter, teils wollig, nachts kühl, am Tage El- wännuna.—?flr Veullchlond: Ueberall teils helleres, teils wolkiges Wetter, stellenwetfe Rcgenfölle, im ganzen kühl, am Tag- langsam« Wieder- erwärmung., mit den KöiiigsbcMÖ»s«rn Neuech wanstein und Hohenschwanonu— Bayerische Alpen. HokMlcttknrort— 800 m— mit den»chfeutaa Nitnrbidern Deutecb- lud«. fuüUaaUd n. ßpielplitten./ Jilwlw Sommerrnftathilt./ Btnllch« Vu- danageh bMU«T>d««u9nn./ilBfai« Hocbtairm.— Aoakuafte o. Proepekte d. d, Stadt,»opfc» hf»rm FBÜieH I. AIIeNe,— Poaltaeb 40. Sltzendorf tonwirzsui. Thür. Wald, 10 Min. von Schwarzbunt. Freundliche Lage, von nadelwald reichen Bergen umgeben, Bahn- und Posl- statlon, Arzt. Preiswerte und gute Verpflegung in Gasthäusern und Privat. AanUunft«rtHlen der Verkebreveroln and dt« CaaUUUten aclbit. Boiei «nrntcl« —II MWÜ - Boiei- lemmelpeter Nordseebad Biisnm i-mpf. hcrrl. gel. Zimmer. 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Schlesien* In Refsebureaus und � r Schrift.Das schöne SonderrugssAaltem. ö Wanderheim Öberkietzmühle Bad Frsienwalde, Oder»»»» ■ mitten Im Walde amTeufelesee gelegen, empfiehlt für die Ferien, Zimmer mit u. ohne Verpfleg ung. Angenehmer Aufenthalt, gute Verpflegung. Pension 5 Mark. �»»WWWMWWWV Fritz Schuekar Pension Schloßbern inh. Genosse Grieh 650 Meter Höhe in TtaDtsbergObentlair Volle Pension pro Tag 4,—. Ideale Lage.waldr.Qegend Bekannt' pflegung. Ute Ver rosp.frci O und zur Erholung nach Herrliche Walder.BergeJäler. "Bad BlankenburgihürWoid Sonnabend 22. 3um 1929 Unterhaltung unö �Vissen Beilage des Vorwärts Jlndreas JCatmko: IM Es ist das eine ungelöste Preisfrage, auf allen ausfahrenden Dampfern das Thema endloser Tifchgespräche, ob es unerläßlich notwendig fei für den Europäer, mit einem farbigen„Boy" be- lastet, Indien zu genießen. Für den Engländer existiert das Pro- biem natürlich nicht, denn es ist„üblich", einen eingeborenen Diener zu haben, der in der Eisenbahn und in den Rasthäusern das mitgeschleppte eigene Bettzeug des Masters ausbreitet und mcr- gens wieder zusammenschnürt,— und was„üblich" ist, wird kein Engländer versuchen, abzuändern. Weit renitenter ist der Deutsche, der ja schon Italien im Drachenblut des Mißtrauens gebadet be- sucht, und der grimmen Ambition, sich kein falsches Kupferstück an- bängen zu lassen, oft ein Großteil der lange ersehnten Reise- sreuden zum Opfer bringt. Es widerstrebt seinem Ordnungssinn, eine längst entlarvte, gor nicht mehr verschleierte Gaunerei stillschweigend zu dulden. Oer vollkommene 7!arr. „Der Kerl hält mich wohl für einen Trottel, und lacht mich hinter dem Rücken noch aus!"— lautet die Formel, die falsch ist, weil sie in der falschen Voraussetzung wurzelt, es gäbe irgendeine Möglichkeit für den Europäer, von seinen farbigen chilsskräften nicht ausgelacht zu werden!—— Kann es denn einen voll- kommeneren Narren geben, als den mit Torheit geschlagenen Master, der aus dem herrlichen Europa, wo olle Menschen ein un- rrschöpsliches Scheckbuch haben, Armut, Tropenhitze, Infekten, Giftschlangen und Raubtiere unbekannte Begriffe sind, freiwillig in das Land der hungrigen Kulis herüberkommt? Schon die mangelhafte Nachbildung der europäischen Pracht, die man auf cen Dampfern und in den großen chotels von Bombay und Kalkutta zu sehen bekommt, entzündet lodernde Sehnsucht nach dem para- diesischen Erdteil, das die närrischen Weißen ohne Zwang verlassen, um unter der ungewohnten chöllenglut der Tropen mehr als der letzte, nackte Hafenkuli zu leiden! Wer so, trotz aller Oualen, in Eisenbahnabteile und enge Schiffskojen gepfropft Tage und Nächte durchrast, zerfallenen Palästen, alten Tempeln, schmutzigen Basaren und andexen alltäglichen Anblicken zuliebe, für die der dümmste Eingeborene nicht zehn Schritte weit ginge,—— ja, muß der nicht mit Narrheit geschlagen sein? Die einzige Entschuldigung, die für dieses sinnlose Treiben geltend gemacht werden kann, ist der fürchterliche Reichtum, der aus icdem weißen Sahib lastet, und ihn zwingt, im Schweiße seines Angesichts Geld auszugeben, wie der arm« Kuli sich plagen muß. eines zu verdienen. In dieser Gegenüberstellung liegt der ver- sühnende Ausgleich, man bemüht sich, dem geplagten Master an die Hand zu gehen, ihm das Vergeuden noch Kräften zu erleichtern, und die gutmütige Belustigung artet nur in gehässige Verachtung aus, wenn der Sahib in unbegreiflicher Verblendung die ehrliche Bemühung seines Dieners sabotieren, und das Befreitwerden von seiner Geldlast durch lästige Kontrolle und Rechnerei verzögert. Am hitzigsten werden die AiHelsachsen, ganz besonders die round the world-Reisenden aus Amerika umworben, die von Thomas Cook verfrachtet, willenlos ihr Programm absolvieren, und natürlich auch ihre» Boy von Cook beziehen. Wen Cook empfiehlt, der muß erprobt und verläßlich sein. Diese Sicherheit ist eine Art Narkotikum, der Reisende ist gegen dos Verschwinden seiner goldenen llhr und seiner Gepäckstücke garantiert, hat aber ohne Widerrede dem erfahrenen Diener zu gehorchen, der bei jedem leisesten Emanzipationsoersuch auf das fettige Paket seiner„amtlich be- glaubigten" Zeugnisse klopft. Wie ohne jährlichen Poirschub die zahllosen Viscounts. Lords und rigth honourables aufgebracht werden können, die mit ihren prunkvollen Unterschriften für die Vortrefflichkeit sämtlicher in Indien zirkulierenden Reiseboys ein- stehen,— bleibt ein unlösbares Geheimnis. Sicher ist jedenfalls. daß alle diese Boys im Reisefach ergraut, dreißig, fünfzig, oder noch mchrmal durch ganz Vorder- und Hinterindien gekollert sind, und ihren Sahib mi: der Präzision des Fordschen Systems an allen Sehenswürdigkeiten vorbei, und durch alle Kaufläden hindurch in den Abfahrtshofen bugsieren, lieferbar gegen Quittung, in Form eines weiteren begeisterten Attestes. Nicht aus Tücke gegen den unbekannten Nachfolger werden dem„treuen" Boy alle Tugenden angedichtet,— der schlichte Mann aus Illinois oder Connecticut fühlt fein Gehirn kunterbunt mit Erinnerungen und Eindrücken tapeziert, genau wie feine Koffer mit den Reklamezetteln der besuchtem Gasthöfe beklebt sind, und die hohen Kosten der Fahrt scheinen ihm nur Gewähr für Qualität und Quantität des Ge- nosienen.--- Oer weiße Paria. Für den Mitteleuropäer, der seine Route selbst ausgearbeitet, Quellenwerke studiert, und die Spesen vorauskalkuliert hat. ist diese Art des Instradiertwerdens unerträglich. Bleibt ihm also nur die Wahl, entweder sein ganzes Gepäck einem Farbigen anzuvertrauen — oder einfach ohne Diener zu reisen. Wer kennt nicht jene Commisvoyageure der eigenen Tüchtig. keit, die, wo man sie auch trifft, überall in Selbstlob reisen, und immer alles bedeutend billiger, besser, gründlicher besichtigt haben wollen, i als jeder andere Reisende?— Sie rühmen sich trium- phicrend, ohne einen Boy ganz Indien durchquert zu haben, was durchaus keine besondere Geschicklichkeit, nur de» vollkommenen Ver- zicht auf höfliche Bchandlung voraussetzt. Ein Sahib. der sich selbst m!t den Kulis herumzankr, eigenhändig sein Bett bereitet und ver- — ist eben kein Sahib! In der Vorstellung des Eingeborenen figuriert der Europäer, der zugreift, statt zu kommandieren, als weißer Paria. Er kann in seiner Heimat nur einer unausdenkbar niedrigen Kaste angehören, jeder bessere Hotelmandur fürchtet sich was zut vergeben, wenn er die Berührung mit Leuten von so gc- ringer �Herkunft nicht scheut.— und die mitreisenden Europäer ver- achten' den Schädling erst recht, der die„Belange" seiner Haut- färbe nicht respektiert. Au» dieser Klemme, olles zu überzahlen oder veraamich zu werden, rettet- uns Benjamin, ein achtzehnjähriger, gertenschlanker Singk>a'lesenjunge, der im glänzenden Speisesaale des'Queens Hotel zu K.andy unsere Teller wechselt«. Den Sarrong um die Hüsten, darüber ein weißes Leinenjäckchc», genau wie alle sein« Kollegen, stach er dennoch von den anderen ab, wie wir später erst begriffen: weil er Chtist war und darum die Haare geschoren und wie ein Gymnöisiast hochgekämmt trug, statt zum Knoten geschlungen und mit eiiiKm Schildpattkamm hochgesteckt. Sein helles Knabengesicht gefiel üns, wir wollten keinen„erfahrenen" Reisemarschall, nur einen Handlanger,— und so barst über dem jungen Servier-, nein, nur Tellerkuli, der Himmel auseinander, er stieg von der untersten Stufe der sozialen Leiter über Dutzende von Zwischcnkasten hinweg in schwindelnde Höhe, durch Türen mit tausendjährigen Vorhäng- schlössern, die er aus eigener Kraft niemals hätte sprengen können! Aufstieg. Erst wankte er auf seinen breitgetretenen nackten Füßen, zu schwach für die Bürde solchen nie erträumten Glücks,— ober nach zwei Tagen kommandierte er schon wie ein General den Gänse- marsch unserer Gepäckträger, empfing herablassend die Huldigungen weißbärtiger Kutscher, Führer i�id Tempelhüter, und sah mit un- nachahmlicher Würde auf seine höchsten Vorgesetzten von gestern hinab. Alter, Wissen, Erfahrung, Leistungsfähigkeit wirken sich nur aus innerhalb einer und der selben Kaste, in die unmittelbare Gc- fulgschaft des weißen Sahib emporgehoben, zum Mittler seines ge- heiligten Willens ernannt, rangierte der achtzehnjährige Benjamin himmelhoch über dem Grautopf des gelehrtesten Mandurs. Trotz dieses berauschenden Aufstieges erfüllte er glänzend alle unsere Erwartungen, bewachte mit seinen gefletschten weißen Zähnen wie ein schorfer Hund unsere Gepäckstücke, trug würde- voll wie ein Hohepriester Kamera und Stativ, verjagte die Zudringlichen, und hielt bei allem Diensteifer die großen Rehaugen immer weit geöffnet, oerschlang gierig das Kauderwelsch der Führer, um in der nächsten Stellung bereits als richtiger„Boy" seinen Master belehren und leiten zu können. Nur Basare waren ihm gefährlich, sofort winselte er hartnäckig um„kleinen Vorschuß", und erschien alsbald glückstrahlend mit den unsinnigsten Gegenständen, die er wenige Stationen weiter mit 99 Proz. Verlust verschleuderte, um neue Schätze erstehen zu können.— Als er in Rangoon, nach drei- monatiger Dienstzeit, tränenüberströmt von uns Abschied nahm, trat er sofort mit einem jovialen alten Amerikaner die Rückfahrt an, dieselbe Route, die er mit uns gekommen war, und feine Augen funkelten schon in froher Erwartung all der Bestechungsgelder, die er auf Grund seiner angeknüpften Bekanntschaften mtt Führern, Chauffeuren und Kuffchern unterwegs einzuheimsen gedachte! Nur den Kanchinchinga und den Mount Everest, die Himmel- hohen Firne des Himalaja dürfte sein neuer Master niemals er- blickt haben, wenigstens mit in der Gesellschaft Benjamins, den bestimmt niemand ein zweitcsmol in das„schlechte Land" hinauf- zwingt. Nur den Sarrong um die Hüfte und das dünne Leinen- jäckchen über dem Oberkörper, hatte er in Kalkutta vertrauensvoll den Zug bestiegen, und der Basar von Darjeeling war nicht reich genug an wollener Unterkleidung, um seinen verwöhnten Leib vor der oerhaßten Kälte zu schützen. Einen ganzen Monatsgehalt baute er in wärmenden Hüllen an, wo man hinsah, lugten unter der heimatlichen Kleidung die spaßigsten Stutzen, Sweater und Unter- jäckchen hervor,— ja er ließ sich sogar überreden, die geheiligte Tradition seiner stolzen, neu eroberten Kaste zu brechen, und schlief im Wohnzimmer, vor dem Kamin, statt vorschriftsmäßig auf dem Korridor, vor unserer Schwelle zu schlafen? Man muß die komplizierte Unerbittlichkeit der indischen Kasten- Vorschriften kennen, um die ganze Trogweite dieses Opfers zu be- greisen, das den armen, frierenden Benjamin um alles Ansehen hätte bringen können. Kein noch so hohes Geldgeschenk, kein drohend erhobener Reitstock wird für gewöhnlich den Inder zu einem Ver- stoß gegen die Gepflogenheiten seiner Kaste, zu einer kleinen Dienst- leistung, die nicht in sein Fach schlägt, bewegen können!— So wenig gesellschaftsfähig die nachfolgende Episode sein mag, sie ist so außergewöhnlich charakteristisch für den lähmenden Einfluß der in- dischen Arbeitsteilung, daß der Leser über dem aufschlußreichen Einblick das Anstößige vergessen, und aus diesem einen Beispiel be- greifen wird, warum auch der bescheidenste Haushalt eines weißen Unterbeamten eine farbige Dienerschaft von wenigstens zehn bis zwölf Köpfen beschäftigen muß. Oas große W. Wir hatten eine kleine Expedition an den Fuß des Mount Everest organisiert, drei Togesritte hin, drei zurück, mit fünfmaligem Uebernachtcn in den Rasthäusern, die für inspizierende englische Offiziere errichtet, auf schriftliches Ansuchen beim Gouverneur auch europäischen Zivilisten zur Verfügung stehen. Sechs Männer aus Nepal trugen das Futter für unsere drei Reitpferde, andere drei wieder die Nahrung für die sechs Haferträger.— und so fort! Die Betten, das Heizmaterial, alles mußte mitgenommen werden, so daß insgesamt 27 Kulis hinter uns drei Europäern einhermarfchier- tcn, unter Führung des tibetanischen Koches, der verantwortlich für die ganz« Unternehmung zeichnete. Verzweifell meldete er am Ende des ersten Marschtages schon, daß einer seiner Kulis unterwegs desertiert sei. Uns schien die Sache nicht schlimm, waren doch sechs- undzwanzig andere da, aber es stellte sich heraus, daß einzig der Deserteur der Kaste der„Sweeper"(Reiniger, Kehrer) angehört hatte, und also ein Ersatz nicht möglich war! Für diese Kaste ist hinter jedem Landhaus, jedem Gouverneurspolast und jedem noch so pröchttgen Hotel Indiens eine Art Galerie entlang der Rückfront des ganzen Gebäudes angelegt. Dort stehen bei Tag und Nacht die mehr oder weniger zahlreichen Sweeper und harren ihres Amtes. das etwa der Wirksamkeit des Wassers in unseren mit W. C. be- zeichneten Nebenlvkaljtäten entspricht. Dieses große W. also war aus unserer Expeditton ent- sprungen,— und es geschah das unvorstellbar Komische, daß nach unserer Rückkehr eine zweite kleine Expeditton aufbrechen mußte von Darjeeling, ein Mann aus der Kaste der Sweeper eigens den Sechstagemarsch antrat, gefolgt von vier anderen Kulis, die wieder die Nahrung und das Heizmaterial für ihn und sich selbst auf den Schultern tnigen!— Drei Tage hin und drei zurück marschierten fünf Menschen durch die ungastlich kalte Wildnis der Himalaja- wälder, weil unter den sechsundzwanzig anderen, Heu, Holz, Matratzen oder Konserven schleppenden elenden Kulis keiner sich hatte verlocken lasten, seine Kastenoorschriften zu übertreten. Auch der bescheidene, von unserer Gnade aus dem Nichts gehobene Ben- jamin erklärte lieber sterben zu wollen! Denn: Schläge waren bald verschmerzt. Und Geld?— Was frommte ihnen auch das fürstlichste Geldgeschenk, wenn sie es nicht in Gesellschaft von Ihresgleichen vertrinken konnten, ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Heuträger oder Pferdewärter, für nicht standesgemäßes Benehmen,— wie man in Europa entlarvte Defraudanten nicht mehr kennt! frtia'.ßilfing: dltMf Cfdl ScIllCfldl Glücklich zog er in dieses Zimmer, dessen Fenster die Blicke auf das Bahngelände führte. Nun war er dem Bekanntsein, der Eng- Herzigkeit und dem Tratsch der Kleinstadt entflohen. Und wie er frohlockt« über die Großstadt, in der ein Menschenmeer durch die Straßen wogt und flutet, in der Verkehrsmittel stündlich, minutlich, ja, in jeder Stunde die Menschenwllnsche nach der Ferne realisieren, wo das Haus, in dem er wohnte, so voller Bewohner steckte, daß alle Einwohner einer Kleinstadtstraße glatt in ihm verschwunden wären. Er tauchte unter in dem mächtigen Strom. Er war ich, endlich ich. Er begegnete weder dem Lehrer noch dem Pfarrer, brauchte weder dem Freunde seines Vaters noch irgendeiner wohl- meinenden Tante Rede und Antwort zu stehen. Er brauchte nicht mehr zum Leben zu kommen, das Leben kam zu ihm, es kam in seine Stube, den» Wasserglas und Waschschüssel klirrten, wenn die Züge vorüberbrausten. Selig sah er auf den Fahrplänen nach, wohin die Züge fuhren. Bald kannte er ihr« Wege auswendig, im Rhythmus seines Alltags stand ihre Fahrgeschwindigkeit. Doch nach dem anfänglichen Glück, eine Beschäftigung zu finden, lernt« er sie bald kennen— die Arbeitslosigkeit. Und die Schwermut seiner Stimmung, sie zog auch in sein Zimmer ein. Wie dunkel dock) dieses Zimmer war, mit dem einen Fenster, diesem Lustloch nach dem rauchverpesteten Bahngelände. Die Stadt war für ihn erfüllt mit tausend Neuigkeiten, aber jeder Schritt in der Großstadt kostete Geld. Er durfte die Sohlen seiner Stiesel nicht unnötig strapazieren, er durfte kein Fahrgeld ausgeben. Wenn auf der Straße die Licht- füll« eines Sonnentages lag, dann dacht« er mit Schrecken an dos ewige Zwielicht seines Zimmers. Und einmal stand er vor dem Schaufenster einer Vogelhandlung, in der drei blaue Aras saßen. Sie fraßen Mais, der in einer blankgeputzten Aluminiumschüstel lag. Blau die Vögel, gelb der Mais, silbern di« Schüssel,«r prägte sich diese drei Farben ein, um in seinem Bewußtsein etwas Leuchtendes mit in die stumpf« Dumpfheit seines Zimmers zu nehmen. Ein Farbenfleck sollte über dem ewig schwarzen Anblick des Bahn- geländes stehen. Jeden Tag suchte er nach Arbeit, jeden Tag machte er ver- gebliche Wege. Und kein Mensch kannte ihn, keiner bequemte sich zu einem freundlichen Wort. Die Leute hatten nicht einmal Zett zu einem Lächeln, die Hast fraß sie auf. Er hungerte nach Menschen und man speiste ihn ab mit ein paar gleichbleibenden Worten, mit nichtssagenden Vertröstungen, mit schroffen Ablehnungen Zu der Knappheit an Geld gesellt« sich jetzt die Armseligkeit seines eigenen Lebens. Das Leben kam nicht zu ihm und er konnte nicht zum Leben kommen. Er war eingemauert in sein Zimmer, das in einem Haufe klebte, das nahezu auf dem Bahngelände stand. Da draußen war das Leben, aber das Leben machte für ihn die Pforte nicht auf. Er war«in Nichts, dem selbst«in Wunsch schon strafbar dünkte. Er hatte nur noch eine Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem Aus- spannen von dem zermürbenden Feierabend der Arbeitslosigkeit. Die Großstadt, die ihn erst so scheinbar freundlich aufnahm, sie hatte ihn jetzt zurückgeschleudert in das Schneckenhaus eines möblierten Zimmers. Er hat Weh nach einem Menschen, der ihn versteht, aber all« sind sie schroff, fühllos, eingekapselt in sich selbst, um eigenes Leid nicht offenbaren zu müssen. Unaufhörlich jagen an seinem Fenster vorbei di« Züge in unbekannte Fernen, aber sein Schicksal hat sich wie eine Barrikade ihm über den Weg gelegt. Schließlich waren Verlangen. Furcht, Verzagen, Zorn für ihn an diese Züge geknüpft. Und eines Tages, da lag er auf den Schienen und ein Lokomotiv- fühver bremste vergebens. Eine ungemütliche Wohnung. Die ungemütlichste Wohnung dürste zweifellos der Krater des Vesuvs fein. Dort hat Prof. Malladro, der Direktor des Dulcanologischen Obseroatorimns sein Heim aufgeschlagen, und von dort aus hat er auch seine Meldungen über den letzten jüngsten Ausbruch des Vesuv in die Welt gesandt. Er ist während der letzten Ausbrüche stets aus seinem Posten ge- blieben, zum Unterschied von seinem Vorgänger, dem Prof. Matteucci, der sich mehr als einmal in die Zwangslage oersetzt sah, den Elementen zu weichen. Bei dem großen Ausbruch des Jahres 1996 blieb der Professor 79 Stunden im Observatorium, ob- gleich das Gebäude von Strömen glühender Lava blockiert war. Leute, die von sicherer Stelle aus das Haus beobachteten, waren überzeugt, das er ein Opfer seines wissenschastlichen Interesses geworden war. Als die Gefahr vorüber war, trat der Professor er- schöpft, aber unversehrt aus dem Hause, glücklich über die Bc- obochtungen, die er während der gefährlichen Stunden hatte ver- zeichnen können. Er war glücklicher als der älter« Plinius, der be- kannttich bei dem Versuch, seine Wißbegierde zu befriedigen, bei dem ersten bekannten Ausbruch des Vesuvs fein Leben einbüßte. 44 Operationen an einem Mann. Ein Kriegsverletzter ist erst jetzt geheilt nach der Heimat, zurückgekehrt, nachdem er in ver- schiedenen Krankenhäusern 44 Operationen hat durchmachen müssen. Es ist d«r Major James Gillies von dem kanadischen Hilfskorps. Er kam Anfang 191S nach der Front und wurde sechsmal schwer verwundet. Die letzt« Verwundung erhiett er bei Cambroi, wo ihm die untere Kinnlade vollkommen fortgeschossen wurde. Cr kehrt jetzt mit einer neu«n Kimilade nach Kanada zurück. Während der letzten 11 Jahre war er in vier verschiedenen Krankenhäusern, und die schwierigste» Operationen wurden an ihm ausgeführt. Nach- dem zahlreiche Hautüberpflanzungen vorgenommen und ihm schließlich eine künstliche Kinnlade eingesetzt worden war, fühlt er sich wieder ganz„der �lte".„Ich hätte niemals gedacht, daß man all dos mit einem Menschen vornehmen könitte,"� erklärte er. „Aber nun fühle ich mich wie neugeboren. Da einzig Schlimm« ist, daß ich den Winter über nicht in Kanada bleiben kann, weil die große Kälte, die n«ue Haut beschädigen könnte. Ich mutz also jed«n Winter nach England zurückkehren." Entstehung der Eigennamen. Geschlechts- und Eigennamen fanden erst im zwölften Jahrhundert bei dem niederen Adel und drei Jahrhunderte später bei den Bauern Eingang. Sie wurden meist d«n Wohnorten, Berufen, körperlichen oder geistig«« Eigenschaften entnommen. Bei d«n alten Deutschen gab es noch keine Geschlechts- und Eigennamen: nur ein paar besonders ausgezeichnet« Gejchlechter führten solche, so bei den Markomannen und Quaden di« Geschlechter der Tuder und Marbode, bei den Langobarden und Thüringern die Anawat, Kuginger, Kaupen, Bausen und Beles. Während der Geschlechtsname auch nach s«in«r allgemeinen Ein- ffihrung wenig in die Erscheinung trat, führte schon in ältesten Zeiten i«d«r einen vom Vater gegebenen Rufnamen. Analphabeten im Osten. Eine neue internationale Statistik ver- gleicht die östlichen Städte Europas in bezug auf die Analphabeten, die in ihnen wohnen Kiew kann die traurige Ehre für sich in Anspruch nehmen, mit 44,6 Proz. an der Spitze zu marschieren Es folgen Lodz mit 31,9, Bukarest mit 23,6, Moskau mit 22,4, Warschau mtt 17, Leningrad mit 13,8, Budapest mit 4,8, Wien mit 2 Prozent, während Prag mit% Prozent bei weitem am günstigsten abschneidet. Handels-Imperialismus in USA. System der Absperrung/ Amerika als Exportmacht/ Gefahren für Europa. Z!ach einer lchicn Meldung hol auch der schweizerische Bundesrat durch eine Note in Washington aus die schweren Aolgen der amerikanischen Zollpolitik hingewiesen. Amerika wird voraussichtlich bis zum Herbst«in neues Zoll- gesetz mit solchen Zollv«rschärfung«n besonders für Fertigwaren haben, daß die amerikanischen Zollmauern einer Absperrung vom Ausland gleichkommen werden. Diese Tatsache hat große weltwirtschaftliche und weltpolitische Bedeutung, und auch die deutschen Arbeiter haben allen Anlaß. sich über Sinn und Auswirkung der neuen Zollpolitik klarzu- werden. Schon deswegen, weil ja Amerika viel enger als srüher mit der übrigen Weltwirtschaft verbunden ist und weil stets Schutz- Zollerhöhungen in einem Land die Schutzzöllanhtinger auch in anderen Ländern zu größerer Aktivität ermuntern. wie die amerikanischen Schuhzölle wuchsen. An sich sind für die Dereinigten Staaten Schutzzölle nichts Neues. Die Entwicklung nahm 18(51 ihren Anfang, als der Morill- Tarif in Kraft trat. Die nächsten Jahrzehnte brachten bald Er- höhungen, bald Herabsetzungen, in der ganzen Linie aber ein« wachsende Vermehrung der Industriezöll«, so insbesondere ItzlXI den MacKinley-Tarif, der schon damals als ausgesprochener Hoch- schutzzolltarif bezeichnet wurde. Während des Krieges wuchsen In den Bereinigten Staaten in fast beispielloser Aufschwungsentwicklung neue Industrien em- por, der Import industrieller Erzeugnisie aus Europa schrumpfte zusammen, Amerika wurde der größte Lieferant vieler europäischer Staaten, auch auf den überseeischen Märkten gewannen ameri- konische Waren leicht Boden, die Nachfrage war ungeheuer und der Produktionsapparat mußte diesen plötzlich entstandenen Absatz- Möglichkeiten angepaßt werden, d. h. er erhöhte sich m den meisten Industrien auf das Vielfache der Vorkriegszeit. Das war für das Industriekapital der Vereinigten Staaten eine einzigartige, konkurrenzlos«, profitreiche Periode. Mit der Wiederherstellung weltwirtschaftlicher Verbindungen, mit dem Wiedererstarken der Produktion und der Ausfuhr der europäischen Länder mußte ein Rückschlag eintreten: die Krise der Jahre 1S2l) bis 1922. Diese Krise war einerseits für das ameri» konische Industriekapital Anlaß zu gesteigerter Ra t i o n a l i s i e- rung, andererseits zur Durchsetzung eines neuen Zollgesetzes. Am 21. September 1922 trat der Fordney-MaeEumber-Tarif in Kraft. Teilweise waren in diesem Zollgesetz neu« feste Zollsätze, teilweise aber auch Wertzölle festgesetzt worden, d. h. Zölle, deren Höhe vom Wert der betreffenden Erzeugnisse abhängt. Besonders hoch wurden vor allem bestimmte chemische Erzeugnisse, Farbstoffe, Teerfarben-Zwischenprodukte usw. belastet: hier gingen die Zoll- sätze bis zu 49, 4S, 55 und sogar 60 Prozent des Wertes. Ferner wurde damals bestimmt, daß jede eingeführte Ware eine Her- kunftsbezeichnung tragen muß. und der Präsident der Bereinigten Staaten wurde ermächtigt, von sich aus, also ohne irgendein« Befragung des Parlaments, die Zollsätze zu erhöhen, wenn er feststellen sollte, daß trotz der Zollbelastung die Unter- schied« in den Herstellungskosten nicht ausgeglichen seien. Das war«ine Maßnahme gegen den Wettbewerb insbesondere derjenigen europäischen Länder, in denen dit Herstellungskosten in- folge Inflation besonders niedrig waren. Die Vollmachten des Präsidenten dieser Art sollen übrigens nach dem jetzigen Entwurf noch verstärkt werden. Schnell wachsender Export. Die folgenden Jahr« brachten eine fast ununterbrochene neue Steigerung der Aussühr, andererseits eine schwankende Einfuhrentwicklung. Im Jahre 1923 betrug die Wareneinfuhr 3,79 Milliarden Dollar, sie stieg unter Schwankungen bis 1926 auf 4,43 Milliarden, sank 1927 auf 4,18 und 1928 auf 4,09 Milliarden Dollar. Die Warenausfuhr, die 1922 3,77 Milliarden Dollar betragen hatte, stieg 1927 auf 4,76 und 1928 sogar auf 6,03 Mil- liarden Dollar. Den stärksten Anteil an dieser Ausfuhrsteigerung hotten industrielle Fertigerzeugnisse. Prozentual be- tbug nämlich ihr Anteil an der gesamten Zlusfuhr in den Dor- kriegsjahren etwa 30, 1922 etwa 34, 1927 fast 42 und 1928 sogar 43 Prozent Dem Ausfuhrwert nach stieg die Fertigwarenaussuhr von 654 Mllionen Dollar im Durchschnitt der letzten fünf Dorkriegs- jähre auf 1,95 Milliarden Dollar 1927 und auf 2,26 Milliarden Dollar 1928. Diese Ziffern sind ein beredtes Zeugnis für die Entwicklung der Vereinigten Staaten als Exportland. Und doch ist diese Ent- wicklung erst nochein Ansang. Die gewaltige Nachfrage des Inlandes auf fast sämtlichen Industriegebieten hat dazu geführt, daß auch in den letzten Iahren der Produktionsopparot unausgesetzt erweitert worden ist. Bisher war der Anteil des Aus- landabsatzes am Gesamtabsatz der amerikanischen Industrie nach ver. hältnismäßig klein, dennoch aber schon ihrem gegenwärtigen Um- fang nach groß genug, um die Konkurrenz auf dem Weltmarkt er- heblich zu verschärfen. Jetzt ist bereits für eine Anzahl amerikani- scher Industrien der Punkt errcicbt. wo die Nachfrage des inländi- sehen Marktes einigermaßen gesättigt ist, so z. B. für Automobil«, vielerlei Moschinen, elektrotechnische Erzeugnisse. ChemikaNcn usw. Die Welt hat daher mit erheblich gesteigerten Exportanstrengungen der amerikanischen Industrie in naher Zukunft zu rechnen. Und Europa? Di« Tatsache, daß die europäischen Länder einerseitz von Amerika Rohstoffe und Lebensmittel kaufen müssen und außer. dem auch mit einer Anzahl amerikanischer Jndustrieerzeugnisie überflutet werden, daß sie aber andererseits, z. T. infolge der hohen amerikanischen Zollbarrierrn, gehindert sind, ihrerseits entsprechende Mengen nach Amerika auszuführen, kommt in der Außenhandels- entwicklung der Vereinigten Staaten deutlich zum Ausdruck. So hat z. B. im Jahre 1923 Deutschland nach den Vereinigten Staaten für 992 Millionen Mark Waren ausgeführt, Amerika aber nach Deutschland für 1924 Millionen Mark eingeführt. Rechnet man zu der amerikanischen Warenaussuhr noch die Ausfuhr von Gold und Silber hinzu, so ergibt sich für 1928 sogar eine amerikanische Ge- samtausfuhr nach Deutschland in Höhe von 2,13 Milliarden Mark. In anderen Woxten ausgedrückt: der deutsch-amerikanische Außen- Handel war 1928 für Deutschland um mehr als 1,2 Milliarden Mark passiv. Durch den neuen Zollgesetzentwurf wird dies« Lage noch verschärft. Insbesondere für Lederwaren (Felle, Häute, Sättel usw.), dann für eine ganze Reihe ch e m i- scher und pharmazeutischer Produkte für Roheisen, Baum- wollwaren und Lebensmittel, dann für eine Reihe anderer Industrieprodukte, wie Glas und Porzellan, Bau- stofse, verschiedene Maschinen und Instrumente usw. werden erhöhte Zollsätze vorgeschlagen. Die Begründung dieser Zollcrhöhungen. daß nämlich in den europäischen Ländern der Lohnanteil an den Produktionskosten viel niedriger sei als in den Vereinigten Staaten, daß es sich bei diesen Zöllen also auch um einen Schutz des hohen Lebenshaltungsniveaus der amerikanischen Arbeiter handelt, geht darüber hinweg, daß infolge der weitgehenden Mechanisierung und Rationalisierung, trotz hoher Löhne amerikanische Erzeugnisse in immer größerem Umfang auf dem Weltmarkt abgesetzt werden können und daß in dieser Hinsicht kein Land der Erde in an- nähernd ähnlichem Tempo seine Konkurrenzfähigkeit hat steigern können wie'gerade Amerika. Schon daher wäre auch eine Hoff- nung, daß durch diese Zölle die amerikanischen Lebenshaltungs- und auch Produktionskosten gesteigert und die Konkurrenzaussichten Amerikas vermindert würden, durchaus falsch, ganz abgesehen da- von, daß ja gerade in Amerika umfassende Ausfuhr- orgonisationen existieren, die ausdrücklich van der Antitrust- gesetzgebung befreit sind. Gerade weil der Anteil des Inlands- absatzes für Amerika so groß ist, ist der Auslandsabsatz zu Schleuder- preisen um so leichter zu finanzieren. Zum Schluß sei noch eine besonders interessante Auswirkung des neuen amerikanischen Zollentwurfs vermerkt: Am 7. Juni be- schloß in Paris eine gemeinsame Tagung französischer Handelskammern und anderer Wirtschaftsgruppen, die fran- zöfrschc Regierung solle mit den Regierungen der übrigen«uro- päischen Nationen bei der Washingtoner Regierung«inen gemein- somen Schritt zur Verhinderung dieser Zollpolitik hin, unter gegenwärtigen Umständen Jet eine gemeinsame Aktion der europäischen Länder unerläßlich. Dieser Beschluß ist eins der Zeichen, daß sich das Verhältnis Europa— Amerika zuzuspitzen beginnt. Deutscher Außenhandel bleibt stark. Einfuhrüberschuß im Mai weiter verringert. Der Gesamtumfang des deutschen Außenhandels im Monat Mai ist zwar mit 2,29 gegen 2,48 Milliarden im April zurückgegangen. doch übertrifft er den Umfang vom Mai 1928 mit 1,98 Milliarden noch um 15 Proz. Das Anwachsen des Außenhandels im Vergleichs- monat April war noch stark durch Saisonbewcgungcn beeinflußt, was bei den Maiziffern zu berücksichtigen ist. D i e Einfuhr im reinen Warenverkehr beträgt im Mai 1121 Millionen, die Ausfuhr einschließlich der Reparation- lieserungen 1176 Millionen Mark. Unter Ausschaltung der Sach- lieserungen auf Reparationskonto in Höhe von 77 Millionen, ver- bleibt«in kleiner Einfuhrüberschuß von 24 Millionen Mark. Dieser Einfuhrüberschuß ist der geringste seit dem Dezember 1926. Einfuhr tg2g Ausfuhr INS Warrngruppen Mai April � Mai April 1. Lebrnde Tirrr........ 11661 2. iedensmiltel und v«tränke... 300 074 3. Rohstoffe und haldsertige Waren. 613 482 4 Fertipe Waren....... 196 4i7 in 1000 RM 12 389 2100 1 647 350820 79 510 83.>83 691 802 260 132 1 69 5(4 199 890 834 074 876 261 Reiner«-r-n-erlehr..... 1 121634 1 254 901 davon Reparation»- Sachlieferungen—— 5.«old und Silder....... 1l770 1153» 4 175816 1231010 77 3! 2 66 822 3 290 936 610 gufanmen: 1133 404 1 286 459 1179106 2167 620 Gegenüber dem Vormonat sind also im Mai sowohl Einfuhr wie auch Ausfuhr zurückgegangen, die Einfuhr jedoch mit 133 Mil- lionen weitaus stärker. Den größten Rückgang hierbei weist die Lebensmitteleinfuhr mit 50,8 Millionen auf. An der um rund 78 Millionen verringerten Rohstoffeinfuhr sind fast ausschließlich TextilroHstoffe mit 36 Millionen und Oelfrüchte sowie Oelsaaten mit 37,6 Millionen beteiligt. Der Ausfuhrrückgang um 55 Millionen entfällt überwiegend auf Fertigwaren. Im«in- zelnen sind Textilfabrikat« um 11,4 Millionen gesunken, während der Rest sich auf eine große Anzahl Posten verteilt. Unverändert ist die Ausfuhr von Maschinen. Walzfabrikaten und Eisenwaren geblieben. Die chemische Ausfuhr ist um 4,2 Millionen ge- stiegen. Di« Fertigwarenausfuhr blieb aber mit 834 Millionen(ein- schließlich Sachlieferungen) außerordentlich hoch. Konjunkturelle Veränderungen lassen sich aus der Entwicklung des Außenhandels im Mai nicht erkennen. Immerhin ist bemerkens- wert, daß die Rohstoffeinfuhr, die für den inländischen Produktionsumfang kennzeichnend ist, sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit 1,3 Milliarden auf der Höhe der ent- sprechenden Vorjahrsmonat« hält, und daß im letzten Quartal, also von März bis Mai, sogar eine Steigerung um rund 50 Millionen gegenüber den Dergleichsmonaten 1928 festzustellen ist. Der Fertigwarenexport, der schon im vergangenen Jahr «ine sortlaufende Steigerung zu verzeichnen hott«, ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit rund 3,8 Milliarden weiterhin um 10 Proz. gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres gestiegen._ Die Gtahlkonjunkiur hält an. Günstige Produktionsziffern der Stahl« und Walzwerke im Mai. Schon in der letzten Woche bei der Veröffentlichung der Roh- eisenproduktionszisfevn der deutschen Hochöfen i m M a i hoben wir auf die bemerkenswerte Stärk« der gegenwärtigen Eisenkonjunktur hingewiesen. Di« jetzt von der Zeitschrist„Stahl und Ersen" mitgeteilten Produktionsziffern der Stahl- und Walzwerke be- stätigen dies« Annahme im vollM Umfang«. So stieg die Rohstahlproduktion gegenüber dem schon sehr guten Aprilmonat noch von 1,41 auf 1,42 Mill. Tonnen, wogegen die Er gebnisse vom Mai 1928 mit 1,25 Mill. Tonnen erheblich zurück bleiben. Die arbeilstägliche Leistung in den Stahlwerken betrug im Berichtsmonat 56 842 gegen 56 648 Tonnen im Lormonat und 50 010 im Mai 1928. Die Stahlwerke haben also im Verichls- monat eine Steigerung der arbeitstäglichen Leistung von 13,5 Proz. gegenüber Mai 1928 auszuweisen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres stellte sich die gesamt« Stahlproduktion aus 6,89 gegen 6,62 Mill. Tonnen in der entsprechenden Zeit des Dar- jahres. Der arbeitstägliche Durchschnitt in diesem Zeit- abschnitt stellt mit 55 143 gegen 52 601 Tonnen im Vorfahr eine Steigerung von 7 Proz. dar. Die Produktion der Walz- und Preßwerke belief sich im Verichtsnionat auf rund 959 000 Tonnen gegen 974 000 im Vrr- monot, während im Mai 1928 rund 897 200 Tonnen produziert wurden. Die arbeitstägliche Leistung im Mai ist mit 38 364 Tonnen gegenüber um ein« Kleinigkeit zurückgegangen, liegt aber Denlsciier Texkllarbelierverband. Ortsverwaltnno Berlin Am 19. Juni, abends ö1/? Uhr, verstarb nach längerem schweren Krankenlager unser lieber Kollege und erster Geschäftsführer Max Gruhl im vollendeten 62. Lebensjahre. Er uar uns in seiner ZOjährigen Tätiskeit in der Bertiner Onsverwaltung stets ein treuer und pfüchteitriger Mitarbeiter und Freund, dessen Andenken wir immer in Ehren halten werden. Die Gaoleüung und die Orts ver■wraUunjJ Berlin des Deutschen T exMIarbellerverbandes. Die Trauerfeier findet am 24. Juni 1929, abends 6V, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37 38 statt Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwallang. WM Metallarbeiter- VeM Verwaltungssteile Berlin Todesanzeige. Sfn RlitflUchem j\ur Nacht ich!, dab unfec Kollege, der DrUcker Fritz Kottke geb. 36. Nooember 1903 am 19. Juni an Lungenteidin gestorben ist. Die Einäscherung findet am Montag, dem 24 Juni. 17 Uhr. im Krematorium Baumschuienweg. Kiesho zsiraße, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. »«acbru». Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Albert Kalkbrenner geb. 30. 3uli 1867. am 19 Juni an Herzleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenten. vi» Oelavcnsallnna. Roch arbeitsreichem Leben und kurzem, schwerem Leiben entichiiel sanft am 19. Juni 29, nachm. 6 Uhr, mein inniggeliebter Mann, unser ireusorgender Bater. Sroßvater. Schwiegervater. Bruder und Onf-t Johann Treske im 89, Lebensjahre. Tiefgebeugt Anna Treske, geb. Gflirow Emmi Treske Bellv Malzdorf, geb. Treske Erleb Matzdorf Rudolf Treske ßllnler Malzdorf Berlin SM. 19. den 21. Juni 1929 An der Jerusalemer Kirche 2. Die Einäicherung findet am Montag, dem 21 Juni. 14'/, Uhr<20- Uhr nach- mittags), im itremalorium Baum- schplenweg, Kieshoizstraße, fialt. ' POlStOT : Stahl Matratzen ä «Metall- und Holzbetten, Schlafzimmer r- an Private. Ratenzahlung. Kiiileg 267(ni. s HsenmöDenabPiK suni CThüpj Am Mittwoch, dem 19. Juni, abends>/,7 Uhr, entschlief nach langem, schweren Leiden mein Innigst- geliebter,»reusorgender Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Gewerkschaftssekretär Max Gruhl im vollendeten 62. Lebensjahr. In tiefer Trauer Frau Helene Gruhl und Kinder. Die Einäscherung finde» Montag, den 24 Juni. V>7 Uhr abends, im Krematorium Gerichfstr. statt Qalttangs-.RabBtt a. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzt. Besch. fertigt seit 45 Jahr als Spezialität. Conrad Httller Leipzig■ Schkeuditz Inserieren brindt Brioift! s KLEINE ANZEIGEN s Jedes Wort 12 Pf. Das fettgedruckte Wort 25 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte). Stellengesucbe das erste Wort(lett) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte Uber 15 Buchstaben zählen doppelt. Anzeigen, welche fßr die nächste Nummer bestimmt sind, müssen blsl' tUhr nachmittags In der Kaunt- expedition des Vorwärts, Berlin SW, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Dieselbe Ist von morgens 3'. Uhr bis nehm. 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Bergmann 6394 Erholungsaufentnait Sommerfrische. Berkenbrück(Spree), Gaststätte Beerenbusch. Inhaber Ludwig Losmann, erst« Bahnstation oon Für- stenwalde nach Franksuri(Oder). Fahr- zeit«ine Stunde vom Schlestlchen Bah::- Hof. Eine Stund« Fnffwanderung von Füestenwald« lSpree). Pro?a>z 4.50 !ark. Badestrand Groffe Waldungen. Luftkumet Wieueob«(data). Sommer. »äste finden gute Aufnahme bei Frau L. Minstetf. Forstweg 137.«altj direkt am Haufe.» gW�fotts erheblich über den arbeitstägNchen Ziffern vom Mai vorigen wahres mit SSSSS Tonnen. Die Gefomtprodultion der deutschen Walz- und Preßwerke von Januar bis Mai dieses Jahres ist mit rund 4,7 Mill. Tonnen gegenüber dem Borjahr« st a b i l geblieben. Dagegen ist die arbeitstägliche Leistung auch hier von 37 441 auf 37 580 Tonnen leicht gestiegen. Dies« Zahlen sind für die Beurteilung der gegenwärtigen Kon- sunktur überaus bedeutungsvoll. Zeigen sie doch, daß die Wider» ftandskräfte in der deutschen Konjunktur nicht nur stark genug waren, die aus der Kälteperiode erwachsenen Schwierigkeiten zu über- winden, sondern daß sich darüber hinaus bereits starkbelebend« Momente in der Schwerindustrie durchsetzen tonnten. Amerikabericht über deutsche Wirtschaft. Der Bericht des amerikanischen chandelsattachäs in Berlin an das chandels-amt erklärt, daß sich im Gegensatz zu den akut ungün- stigen wirtschaftlichen Berhältnissen, die in Deutschland Ende April b�rrschten, die Aussichten zurzeit merklich gebessert hätten. Der erfolgreiche Ausgang der Rcparationsverhandlungen in Paris dibc wesentlich zur Wiederherstellung des Vertrauens beigetragen und das Haupthindernis auf dem Wege der weiteren Entwicklung beseitigt. Die gegenwärtig« günstig« Tendenz einer Besserung der Lage der deutschen Industrie spiegele sich in dem hohen Niveau der Kohlen» und Stahlproduktion,, im regen Güterwagenverkehr, in der Rekordaussuhr von Fertigfabrliaten und dem Rückgang der Arbeits. losig keil wider. „Vortreffliches Geschäft" bei Daimler-Benz In der Generaloersammlung der Daimler-Benz A.-G. wurde gesagt, Im lausenden Jahre Hab« das Geschäft sich bisher vortresflich gestaltet. Wenn man heuty auch bei Automobilfirmen immer etwas an ihren öffentlichen Mitteilungen abziehen darf, da alles auf gute Reklame ankommt, so liegt bei Daimler-Benz doch gegenüber dem Borjahr« in den ersten sünf Monaten eine Steigerung des Umsatzes von 47.5 auf 53,5 Millionen vor. Für die Liquidität spricht die Mitteilung, daß ein zu Jahresbeginn aiisgenommener 3!4-Million«i,-Kredit zwei Monate vor Fälligkeit zurückgezahlt worden sei. Sleigend« ManoNgewinve. Di« zum Reemtsmo-Konzern ge» hörend« Berliner Zigarettenfabrik Manoli A.-G. Hot ein sehr gutes Geschäftsjahr Hintsr sich Bei bedeutend erhöhten Umsätzen konnte«in Reingewinn von sast 241) 000 M erzielt werden, der das Borjahreergebnis um etwa 45 Pr o z. über- r r i s lt. Im Geschäftsbericht weist die Verwaltung daraus hin, daß sie infolge von Abmachungen mit bcsreundeten Werken eine stabile Preispolitik durchführen konnte Die jem ein- getretene Entspannung im Konkurrenzkampf der Zigarettenindustrie Hobe die allgemein« Lage zwar verbessert doch sei infolge steigender Rohtabakpreise und der zunehmenden Konzentration der Nachfrage auf einige wenige Hauptmarken noch un- übersichtlich. Trotz des erhöhten Reingewinns bleibt die Dividende mit 7 Proz. unverändert. Glänzende Geschäfte in der Photochemie. Welchen Aujichwung die phototechnische Industrie in den letzten Jahren genommen hat, zeigt der jetzt veröffentlichte Börsenprospekt der M i m o s a A.-(il. in Dresden. Diese Gesellschaft konnte ihre Umsätze von 5,3 Millionen im Jahre 1026 ans 7.3 Millionen im folgenden Jahr und 1028 weiterhin auf rund 8,3 Millionen steigern. Die D i v i- dcnd« im letzten Geschäftsjahr betrug 18 Proz und nach dem bisherigen Berlaus des Geschästsiahrcs 1920, in dem die Umsätze erheblich gesteigert werden konnten, ist mit m i n d c st e n s dem gleichen Ergebnis für 1020 zu rechnen. Di« Gesellschaft, die eine Belegschaft von etwa 600 Mann beschäftigt, produziert in der Hauptsache Photopapiere und Filme. � Tltealer, Lidtlspiele usw. j Sonnabend.22 6. Staats-Oner Unter d. Linden 20 Uhr 10. Sinfoniekonzert staats-Oner Arn Pl.d.Republ. A.-V. 26 20 Uhr Nenes vom Sonnabend�2.6 Stadl. Oper Bismarcks tr. Turnus III l#Vi Uhr Die sdiwane Ordiidee Staat), toansph. un Eeodannenmsrkt A.-V. 1« 20 Uhr Staatl.SeliillEr-TiiejtEr.Cliarllh. 20 Uhr Der Friseur tod RoBlagen 8 Uhr B S. Barbarossa 9256 O'Hanlon& zamhuni and die wetteren uiraKdonen Sennabend und Sonntag Je 3 Verstellungen J" und 8 Uhr.— 3» ermäßigte Pr. Ke»trlaer AI». SSM— SS Täglich 5, B'5 Sonntag 2, 5 6" INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets ffir die laufende Woche inkl. Sonntag —•••••••lARRRRARAAg Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater M 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gastspiel Gestel Beer. Bictel Lilien in der Operette „Dar ersten Liebe fioid'ne zair Operette in 3 Akren(30 Mitwirk.) Ferner:„Er Ist dofli der Papa". Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer, Gretel Lilien. Dazu der große neue Varfeltlell. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variete 0 III». Operette 8.30. ledss Donnerstag großer Volks lag. »OSO»S«SOSI«««»»»SS»« 3 Uhr• Zentr. 2819» Bandten erlanbi i Bon John Jazz-Glrls Myron, Pearl a Co. | u. waltara VarlatA-Nauheltan Sonnabend und Sonnlad te 2 Torslellnnden 3* und 8 Uhr. y kleine Preise. Oeutsdie Lederwarenfabr. Zentrale Alt-Moabit 130 KottbusserDsmixTS QrelfswalderStr. 2 Andreititrsde 49 Schbj., HerSertstr. 4 InvalldwistrsBe 7 CherL, Bismirckstr. TS Cheutseettr. 90-92 Spsnd., Bshnhof«tr. 4 Neoeröffnrt muer Warenhan« Ro�nthaier Straff 98 VolüsbUtme lheatsr imBaiovplsti 8 Uhr Berlin, wie es weint n. lacht Staatüdiiller-Ili- 8 Uhr Der Friseur von RoBlagen DüDfJdies TDeeler D.I. 8Un Norden 12310 Ende gegen II Die Flßdermans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg L. Kainer, Die Komödie II Bismck. 2414/7516 8'h, Ende geg. IO'/sU. Zum 50. Male Ger WaiD, der seinen Damen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regle: HeinzHilpert LEssing-TtiEatEr Täglich 8'(i Uhr Idibelrflo'Didi nur ans Liebe Ein Stück mitMu- sik nach Verneuil. Theat d. Westens Täglich 8-1. Uhr Sonntag 31/i u. SV» Frau Lsbars Voller Mai Friederike Grete Flnkler Telephon Steinplatz 0931 u. 5125 Lustspieihaos Tägl. 8V« Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer PalbS Preise. Metropol-Tli. Fesispieie 1828 Tägl. 8V» Uhr Blaubar! Operette von Offenbach Kälhe Dorsch Leo Sleztk Otsd). Ronstler-Th. Täglich 8V» Uhr: Polnlsclie Wlrtscliaft Kleines IheBier Täglich 8'/« Uhr Max Adaiben in NaQoao'lrodteD? Tbbbt.am Koitb.Tcr Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Eilte- sanger Dlo lonl- Seosatloo: „Esn.o bat's grobe Los 1" Plane tariom — am Zoo— ferlii;. JudiimtUiir Sink B. 5 Barbarossa 5578 I6V< Uhr Starnäilder des Sommers 18»» Uhr Der aiutball der Sonne 20«/» U. Von Pel zu Pol am Starnenhlmmel Tägl. außer Monugs u. Mittw. Erwachs. I Mk., Kinder 50 PI. Mittw.: Erwachsene 50 PL, Kinder 25 Pf ZEHN Kunstseide-Spezialisten raten Ihnen:„Waschen Sie mit Lux Seifenflocken." Hören Sie, warum diese berühmten Fabrikanten und Verkäufer Lux Seifenflocken empfehlen:— Bemherg:„ Der feine Schaum der Lux Seifenflocken umhüllt die Schmuts- teilchen und entfernt sie, ohne die zarte Gewebefaser anzugreifen." Chr. 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