Morgenausgabe Nr. 289 A 146 46.Iahrgc>ng SBSdjenffld) 859t. monmllch 5,60 5*. tm Dorou« joölbor, Postbezug«LZ M. «tnfchlieblsch 60Pfg.PostzeitunZb. und '2 Pfg, Postdcstellgebühren, Suslonb» obonnemtnl 6,— M. uro Monat. * Ter„Sormärts* erschein! wochentig. lich zweimal, Sonntag» und Montag, einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Gondel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Kindersreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen- stimme"..Technil"..Lli» in hie Bücherwell" und.Iugend-Borwört»" Berliner Sslssblatt Sonntag 2i. 3um' 1929 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 pf. Die einspaltige NonpareMezeN» 80 Pfennig. Reklamezeile S.— Reich». mark.„Kleine Anzeigen' das iettge- druckt» Wort 25 Pfennig(zulässig zrvet fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» dag erst» Wort 1ö Pfennig, jedes weitere Wort Ii) Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt» gefchäst Lindenstraße 3. wochentäglich von S'/z bis 17 Uhr, Jentealorgan der Sozialdemokratischen Kartei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fern spie Heil Dönhoss 282—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Bostscheckkonto: Berli» Z7 WS.— Bankkonto: Bank der»rdeiter, Angestellte» und Beamten Wallst*. SS. Diikonto-Gesellschaft, Depositenkasie Lindenstr. 2 Dr. Ztoos freigesprochen! Abschluß des Prozesses von Besan�on. V e s a n � o n. 22. Juni.(Eigenbericht.) 3tn Zlutonomistenprozeß gegen Dr. Raas wurde am Sonnabend das Urteil gefällt. Es lautet auf 5 r e i f p r u ch. Dr. Boos wurde sofort in Areiheil gesetzt. Das Urteil wurde im Saal mit ungeheurem Jubel aufgenommen. -» Der heutige letzte Tag des Prozesses Roos brachte die Plädoyers der Verteidigung. Als erster sprach Rechtsanwalt Klein, stell- nerkretender Bürgermeister von Stratzburg, der den Prozeß als eine politische Mache verurteilte, die Legende vom Komplott geißelte und den Freispruch forderte, weil dadurch dem Bruderkampf ein Ende bereitet und dem Elsaß der Friede wiedergegeben werden würde. Seinen Ausführungen folgte Beifall im Zuhörerraum. Tzierauf piadicrte der Pariser Rechtsanwalt Fourrier, der schars kritisierte, daß das ganze Komplott auf Grund der Berichte von zwei Polizeikommisiorcn, Bauer und Becker, ausgetmut werde. Ihnen, so sagte Fourrier, glaube man, man glaube aber nicht den Vertretern des Elsaß, nicht den Senatoren und Abgeordneten, die als Zeugen erschienen seien. Man glaube zwei Polizisten, die auf Berichte von Polizeispitzeln hin eine für das Elsaß und für Frank- reich verderbliche Arbeit leisteten. Dr. Roos hatte, bevor die Geschworenen sich zur Beratung zurückzogen, noch einmal die eidesstattliche Derfichcrung abgegeben, daß er niemals daran gedacht Hobe, das Elsaß von Frankreich zu trennen und daß er niemals mit deutschen Kreisen in Verbindung gewesen sei. • Dr. Roos war mitangcklagt im Colmarer Prozeß gegen Nicflüt, Rosse und die anderen clsäßischen Autonomisten- führer. Er mar jedoch rechtzeitig in die Schweiz geflüchtet und infolgedessen nur in Abwesenheit verurteilt worden. Durch seine freiwillige Rückkehr in das Elsaß hatte er eine Wiederaufnahme seines Prozesses erzwungen. Freilich hatte er nicht damit gerechnet, daß die französischen Behörden das unsinnige Attentat gegen den Anhänger im Colmarer Pro- zeß, den Generalstaatsanwalt Fachst zum Vorwand nehmen würde, um den neuen Prozeß anstatt in Colmar nach Besan�on, also vor innerfranzösischen Geschworenen, zu ver- legen. Indessen hat der gesunde Menschenverstand dieser fran- zösischen Geschworenen über den Verfolgungswillen der Be» Hörden gesiegt. Die Beweisaufnahme in Besan�on nahm den gleichen Vertauf wie vor einem Jahr in Colmar: Trotz der Bekundungen verschiedener Polizeispitzel ergab sie nicht den geringsten Beweis für die Existenz eines„Komplottes" und noch weniger für die behauptete finanzielle Unterstützung der Autonomistenbewegung durch Deutschland. Das freisprechende Urteil der Geschworenen von Besan<,'on ist aber vor allem auf die Erkenntnis des u n g e- Heuren Schadens zurückzuführen, den die französische Sache im Elsaß durch das Colinarer Urteil erlitten hatte. Während Regierung und Kammermehrheit nicht begriffen hatten, daß sie durch Schaffung von Märtyrern dem Autono- mismus nur einen großartigen Aufschwung verliehen, und die Torheit sondersgleichen begingen. Ricklins und Rosscs Mandate zu kassieren, waren die Volksrichter von Bescmoon besser beraten. Sie haben durch ihren Freispruch die Mög- lichkeit geschaffen, die vergiftete Atmosphäre im Elsaß zu rei- nigen und den inneren Frieden wieder herzustellen. Es ist im Laufe dieses Prozesses das Wort gefallen, daß Besanyon zum„Locarno des Elsaß" werden müßte. Dieses Wort scheint auf die Geschworenen einen starken Ein- druck gemacht zu haben. Als am Dienstag der anerkannte Autonomistenführer Ricklin als Zeuge vernommen wurde, erhob sich ein Geschworener und richtete au ihn die Frage: „Glauben Sie, daß es noch eine Möglichkeit gäbc� den Frieden im Elsaß wiederherzustellen und würden Sie sich verpflichten, dazu beizutragen?" Der Sinn dieser Frage war jedem klar und Dr. Ricklin antwortete unter atemloser Stille:„Jawohl, die Möglichkeit liegt in einem F r e i s p r u ch des Ange- klagten und in einer Tilgung des Schandfleckes von Colmar— dann verpflichte ich mich ehrenwörtlich, mich mit allen Kräften für den Frieden im Elsaß einzusetzen!" Dieser Zeugenausspruch Ricklins dürfte den Ausschlag bei der Gefchworcnenberatung gegeben haben. Es fragt sich nur, ob die Regierung aus diesem llrteil die notwendi- gen Konsequenzen ziehen und eine Wiederaufnahme des Col- marer Prozesses betreiben wird. Ob das rechtlich über- Haupt mögliä) ist, ist eine sehr schwierige Frage, aber es be- steht kein Zweifel daran, daß es politisch unbedingt not- wendig ist, wenn das Gelöbnis Ricklins erfüllt werden soll. , Wir begrüßen den Freispruch von Roos nicht aus Sympathie für ihn oder die anderen Autonomisten, sondern als Borboten einer Entspannung im Elsaß, die sich auch auf die gesamten deutsch-französischen Beziehungen günstig aus- wirken müßte. Eine Verurteilung Dr. Roos' hätte eine neue Welle des Autonomismus links des Rheines und neue törichte Hoffnungen bei den Nationalisten rechts des Rheines erzeugt. Nur die Gegner einer ehrliches Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich hätten Anlaß gehabt, sich über eine Neuauflage des Eolmarer Fehlurteils zu freuen. Die Zollfragen. Parteiführerbesprechungen erst heute. Die ursprünglich für Sonnabendnachmittag vorgesehene Be- sprechung der Parteiführer mit dem Rcichsernahrungsminister über die Frage der Zollcrhöhungen ist auf Sonntagnachmittag 5 Uhr verschoben worden. In der Besprechung mit den Parteiführern, die je einen Sachverständigen ihrer Fraktion mit- bringen, soll über den Gesamtkomplex der Zollfragen verhandelt werden. Es handelt stch außer um die Erhöhung der Getreidezölle auch um die Zölle für Vieh und Fleisch, für Milch und Milcherzcugnisse sowie für Kartoffeln, ferner u, a. um die S ch u h z ö l l e. Am Montag. vormittag soll sich bereits das Kabinett mit den, Ergebnis dieser Parteifllhrerbesprcchung beschäftigen. Der Sachverständigcnausschuß für die Frage des Getreide- Monopols setzt« am Sonnabendnochmittag seine Verl�ndlungen fort. Die Verhandlungen werden am Montag mit der Anhörung von Vertretern des Müllereigewerbes zur Frage des Mahlzwanges fort- gesetzt.(Siehe auch Wirtschaststeil.) Chauvinisten gegen poincare. Die französische Negierung und die Fronlkämpfer. Paris, 22. Juni. Der heute virfmittag abgehalten- Ministerrat beschäftigte sich mit der für Sonntag geplanten Kundgebung van Organisationen ehemaliger Frontkämpscr gegen die Ratifizierung der Schulden- abkommen, die mit der Ueb-rreichung einer Adresse on den Minister- prösid-nt-n ihren Abschluß finden sollte. Die Regierung hat be- schlössen, die Abordnung, die diese Adresse überreichen will. n i ck, t z u e m P j o n g e n. weil die in der Presse bereits nerofsent- lichte Kundgebung der Frontkämpferverbändc durch..beleidigende" Wendungen auf die Beratungen und die Entschlußfreihest der Re- gvrung einen Druck auszuüben versuche. Den Frontkämpservereim- gungen, die vorher um Genehmigung einkommen, soll lediglich ein kurzerAufmarsch und eine Kranzniederlegung am Grabe des unbekannten Soldaten gestattet werden. Jede weitere Zkund- gebung bleibt verböte>r. Die nationale Frontkämpfervereinigung hat zu dem Beschluß des Ministerrats nach dem.Temps" beschlossen, über den Beschluß der Regierung hinwegzugehen, also die Kundgebung ab- zuhalten.__ Oer Religionsfnede in Mexiko. Erste Folgen des Vertrages. ZNexiko-Eity, 22. Juni.(Eigenbericht.) Die Regierung hat im Zusammenhang mit der Beilegung des Kirchenkonfliktes die sofortige Inventura uf- nähme aller Kirchen und kirchlichen Gegenstände zwecks Uebergabe der kirchlichen Gebäude an die kirchlichen In- stanzen angeordnet. Das Episkopat ist seinerseits bereits eifrig bemüht, die versprengten und zum großen Teil außerhalb Mexikos weilenden Pfarrer in ihre Sprengel zurückzuführen. Die allgemeine Wiederaufnahme des Religionskultes wird für Ende Juni erwartet. Es handelt sich bei dem ganzen Kompromiß zunächst nur um die Beilegung der letzten Phase des Kirchenkonfliktes. der an sich bereits seit 1850 andauert. Die Probleme der Nationalisierung des Kirchcnbensitzes und andere schwierige Fragen sind mit dein Kom- promiß nicht aus der Welt geschafft. Sie dürsten vielmehr schon in allernächster Zukunft beiden vertragschließenden Seiten eine hart« Nuß zu knacken geben. Im übrigen wird erwartet, daß die Der. einbarungen zwischen Staat und Kirche in hiesigen reaktionären Kreisen auf Widerstand stoßen. Immerhin ist die Regierung über- zeugt, daß durch die Verständigung mit dem Episkopat im Innern eine wesentliche Beruhigung eintritt und die christlichen Rebellen sicki beruhigen werden. Hochpolitischer Hochsommer. llnd Hilgenbergs Sommertheater. Noch im Laufe dieser Woche wird der Reichstag den! Etat für 1929 mit einiger Verspätung endlich und endgültig verabschiedet haben. Dann geht er auf einige Wochen in die Ferien. Aber im Gegensatz zu früheren Iahren, in denen mit dem Auseinandergehen der Abgeordneten auch das politi- sche Leben einen gewissen Stillstand erfuhr, werden wir dies- mal einen hochpolitischen Sommer erleben, reich an schweren Kämpfen, an aufregenden Situationen und an schicksalsschweren Entscheidungen. Die innerpolitischen Pro- bleme— Arbeitslosenversicherung, neue Schutzzolloffensive— werden trotz ihrer Bedeutung besonders für die Arbeiter- klaffe eine Zeitlang in den Hintergrund treten, weil die internationale Politik in Deutschland und in allen führenden Ländern der Welt das Feld beherrschen wird. Schneller noch, als man es vor kaum vierzehn Tagen für möglich gehalten hätte, wird jene große internationale Regierung? konferen z zusammentreten, deren Auf- gäbe es fein wird, nicht nur über das Pariser Sachverständi- genprogramm für eine endgültige Reparation?- r e g e l u n g zu oerhandeln, sondern auch und zugleich die Räumung des besetzten Gebietes zu beschließen, sowie die Erledigung des komplizierten Saarproblcms in die Wege zu leiten. Mit anderen Worten: jene„Ge- samtlösung" der ungelösten Rachkriegsprobleme, die Briand und Strefemann vor nahezu drei Jahren in T h o i r y ins Auge faßten, dürfte, wenn nicht alle Anzeichen trügen, noch in diesem Hochsommer gefunden werden. * Wir täuschen uns nicht über die Schwierigkeiten, die einer befriedigenden Lösung noch entgegenstehen, über die Heftigkeit der parlamentarischen und sonstigen Kämpfe, die sich in j e d e m Lande um die außenpolitischen Entscheidungen entbrennen werden. Die Nationali st cn Frankreichs und Deutschlands rüsten zu einer Verzweislungsschlacht gegen die Regierung ihres Landes, weil sie wissen, welche Katastrophe für sie die endgültige Liquidierung des Krieges bedeuten würde. Die französische Regierung wird es dabei nicht leichter haben als die deutsche, sondern eher schwerer: Die Zustimmung zum Doung-Plan setzt nämlich eine höchst unpopuläre Maß- nähme voraus, gegen die sich jahrelang nicht nur die Rechte, sondern auch die Linke, einschließlich der französischen Sozia- listen, auf das Heftigste gesträubt haben: die Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Amerika. Selbst die Autorität Poincar�s vermag den Proteststurm der Frontkämpferver- bände, des französischen„Stahlhelms", nicht zu beschwichtigen: jetzt muß sogar ein Poincar6 den Vorwurf über sich ergehen lassen, daß er die Interessen seines Landes„verrate". Die Linke dürfte, trotz heftigsten Widerwillens gegen Zahlungen an die einstigen amerikanischen Bundesgenossen, die sie viel- leicht nicht zu unrecht als unmoralisch empfindet, sich mit dem Unvermeidlichen abfinden. Auch unsere französischen Partei- freunde sehen ein, daß dieses Ueberzeugungsopfer notwendig ist*, um die endgültige politische und finanzielle Liquidierung dcks Krieges in Europa nicht zu gefährden und um die deutsch-sranzösische Verständigung nicht zu verzögern. Darüber hinaus werden die Chauvinisten in Frankreich alle Hebel in Bewegung setzen, um die politischen Kon- sequenzen aus der Reparationsregelung hinauszuschieben. Auf die Regierung Poincarö-Briand wird bereits ein starker Druck ausgeübt, damit sie die Räumung nicht zugleich mit der Einigung über den Doung-Plan bindend verspreche. In- wieweit sich die französischen Unterhändler von diesem Feld- zug werden beeinflussen lassen, bleibt abzuwarten. Vermut- lich werden sie versuchen, zur Besänftigung ihrer„nationa- len" Opposition alle möglichen Fragen in die Debatte zu werfen, die der kommenden Konferenz manche unangenehme Momente und vielleicht sogar manche krisenhafte Zuspitzung bereiten werden. Dazu gehört die„Feststellungs- und Ver- gleichskommission" für das Rheinland, und auch bei der Saarfrage wird es an Schwierigkeiten nicht fehlen. Wenn aber die französische Regierung gut beraten ist, dann wird sie erkennen, daß die europäische Verständigung nicht durch Zugeständnisse an die eigenen Nationalisten erreicht werden kann, sondern nur im Kampfe gegen den« i n he;- mischen Chauvinismus. V* Das Gleiche gilt selbstverständlich für die deutsche Regierung. Aber vielleicht sind unsere Minister insofern etwas besser daran als ihre französischen Ge- genspieler, als der-Feldzugsplan der Deutschnationalen ausgesprochen dämlich ist. Worin besteht er eigentlich? Der zügellose Kampf gegen den 3) o u n g- Plan, den die Hugenberg. Thyssen und Genossen eingeleitet haben, ist im Grunde mit einem Worte zu erledigen: die Herren ziehen also den Dawes-Plan vor! Sie würden es lieber sehen, wenn Deutschland weiter mindestens 2,5 Milliarden jährlich aufbringen müsse als im Höchstfälle 2.075 M i l- liardcn. Sic würden es namentlich außerordentl!ch be- Die Arbeitslosenversicherung. Ergebnis der inierfrakiionetlen Besprechung. dauern, wenn in den nächsten Iahren Deutschland durch- schnittlich rund 800 Millionen jährlich weni» ger bezahlen müßte, als nach dem mit ihrer entscheidenden Hilfe.zustandegekommenen Dawes-Plan. Es ist eigentlich sehr schade, daß die Gesetzesvorlagen, die man zur Inkraftsetzung des Joung-Planes zu verabschie- den haben wird, im Gegensatz zu den Dawes-Gesetzen von 1924 keiner verfassungsändernden Mehrheit bedürfen. Denn dann würde man entweder das gleiche Wcstarperle-Theater erleben wie an jenem denkwürdigen 29. August 1924 oder es käme dann zur Auflösung und zu Neuwahlen: und d i e Dresche, die die Deutschnationalen unter der genialen Füh- rung Hugenbergs bestimmt Erleben würden, wenn sie vor das Boll mit der Parole träten„Gegen den Doung- Plan— für den D a w e s- P l a n!", die wäre ihnen von Herzen zu gönnen> Allerdings haben die Deutschnationalen noch eine andere Kampfparole ausgeklügelt. Etwas ganz Neues, kolossal Auf- regendes, mit dem sie wie mit einem Zauberschlage ihre bereits davongelaufenen und weiter davonlaufenden Wähler von ehedem wieder um sich scharen würden: Kampf der Kriegsschuldlügel ♦ Man fragt sich verwundert, in welcher geistigen Isolie- rung die deutschnationalen Führer von den großen Massen des deutschen Volkes leben, wenn sie glauben, mit diesem ver- staubten Ladenhüter noch irgend jemand locken zu können. Der Deutsche hat längst aufgehört, sich über die Kriegsschuld- lüge aufzuregen, und zwar aus vielerlei Gründen: 1. Weil kein ernster Politiker in der Welt mehr an die alleinige Schuld Deutschlands glaubt. 2. Weil durch die begeisterte Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vor drei Iahren und die anerkannte Großmachtstellung Deutschands die ebenso unwahre wie un- sinnige Behauptung des Artikels 231 offenkundig preisge- geben worden ist. 3. Weil jeder Wähler, der kein politischer Analphabet ist, weiß, daß wir auch bei einem förmlichen und feierlichen Widerruf des Artikels 231 durch die Siegermächte keinen halben Pfennig weniger an Reparationen zu zahlen hätten als nach dem Poung-Plan. 4. Weil mit Ausnahme einiger alter Weiber in Pots- dam, München und Doorn an die völlige Unschuld Deutsch- lands am Kriege niemand glaubt. 5. Weil die Zurückweisung des Artikels 231 bereits vor zehn Iahren— ja, heute genau vor zehn Iahren in Weimar— aus sozialdenr akratische m Munde so eindeutig und feierlich erfolgt ist wie seitdem noch nie durch irgendeinen bürgerlichen Kanzler oder Minister. 6. Weil auch jene Deutschen— und die gibt es namenl- lich auch unter den Sozialdemokraten—, die sich einst über den Artikel 231 aus historischen und moralischen Gründen besonders aufregten(vielleicht sogar mehr als es wert war), längst erkannt haben, daß der Kampf gegen diesen Artikel ausgeartet ist, in einen höchst geschichtswidrigen und un- moralischen Versuch, das mit Recht verflossene kaiserliche Regime reinzuwaschen und für die Hohenzollerndynastie Pro- paganda zu machen. 7. Und endlich, weil das ganze Verhalten der Deutsch- nationalen beweist, daß der Kampf gegen die Kriegsschuld- lüge ihnen keine Herzenssache, sondern ein wider- wärtTges politisches Saisongeschäft ist, Denn es muß ja allmählich auch dem Dümmsten auf- fallen, daß die Deutschnationalen ihren Kriegsschuld-Laden- Hüter nur dann hervorziehen, wenn sie in der Opposition sind. Zweimal waren sie in den letzten fünf Iahren führende Regierungspartei, einmal zehn, das andere Mal fünfzehn Monate lang: sie haben weder unter Marx-Schiele-Schlieben, noch unter Marx-Hergt-Keudell einen ernsthaften Versuch getan, eine große außenpolitische Antikriegsschuldaktion vom Stapel zu lassen. Aber jetzt, wo sie wieder in der Opposition sind, geht der Rummel abermals los: Volksentscheid! verkündet Freytagh-Loringhoven. Nebenbei bemerkt: d i e Gesetzesvorlage möchte man sehen, in die die Kriegsunschulds- aktion der Hugenberg-Partei bei einem Volksbegehren ge- kleidet werden müßte! Wüßte man nicht nach dem kommu- nistischen Panzerkreuzertheater, daß solche Scherze M i l» l i o n e n an Reichsgeldern kosten, man müßte nur wünschen, daß die beiden Volksentscheide endlich steigen: der„ver- tagte" des Stahlhelm auf Verfassungsänderung und der vom ehemaligen Russen Freytagh-Loringhoven in Sachen der Kriegsschuld. Kinder, wären das Pleiten! »!> Daß die Deutschnationalen als Regierungspartei nichts für die Beseitigung des Artikels 231 getan haben, erinnert daran, daß sie ebensowenig getan haben, um die Kriegslasten Deutschlands zu mildern und die frühere Rhein- landbefreiung ,zu erreichen. An Geschrei gegen den Dawes-Plan und gegen die Besetzung hat es freilich nicht gefehlt— obwohl dieses Geschrei wesentlich gedämpfter war. als sie vier Ministerposten innehatten. Aber der erste positive Schritt für die Milderung der Dawes-Lasten erfolgte erst nach den Wahlen vom 20. Mai 1928 unter der jetzigen Linksregierung. Der erste k o n- trete Vorstoß für eine frühere Rheinlandräumung ist durch den sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann Müller unternommen worden. Das Genfer September- Programm nähert sich seiner Erfüllung. Die Deutschnatio- nalen. die einst als stärkste Regierungspartei in diesen Fragen ganz kuschee waren, kläffen heute um so lauter. Sie und ihre Gesinnungsbrüder in Frankreich können zwar mit ihrem Lärm vorübergehend die Ohren betäuben. Aber die Hauptsache ist, daß die Staatsmänner sich durch dieses Gebell nicht nervös machen lassen und an sich schwierige Verhandlungen nicht unnötig komplizieren und durch über- flüssige Hindernisse erschweren. Die Völker wollen die endgültige Liquidierung des Krieges. Darauf allein kommt es an. Deshalb wird die Verständigung kommen, und zw6r noch in diesem Sommer 19?9 versassungslaler. 2(n ir ,■>. oes diei-jäjngm Verfassungstages werden".un erj.'-n Male amtliche Denkmünzen herausgegeben. T'- Stücke, die in den Werten von drei und siinf Mark e"!.;■■ ürften, sollen auf der Vorderseite den ftapf des Nelchkprästt u ir.igen. Das Bild der Rückseite steht noch nick»-ndgültig sejt, da die Verhandlungen hierüber zwischen den gen Reichsministern noch nicht abgeschlossen sind. Der Ent- >>cr Münze wird van dem bekannten Bildhauer, Professor �• ngesertigt. l...i.ark-verhandlungen. Der belgische Unterhändler für die Mart-Berbaudlungen. Herr Kuli, ist am Sonnabend nach Brüssel zurückgereist. Die Verhandlungen werden dort am 27. Juni weiter- geführt werden, Die angekündigte Besprechung der Regierungsparteien über die Fragen der A r b e i t s l o j e n v e r s i ch e r u n g hat gestern stattgefunden. Es wurde beschlossen, daß der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags späte- stens am 15. August zur Beratung dieser Angelegen- heit zusammentreten soll. Oemokraien für Abbau. Unter Führung des Bundesoorstehers des Gewerlschaftsbundes der Angestellten, Schneider, Berlin, hat die demokratische Reichstagsfraktion einen Antrag eingebrocht, der die Arbeits- losenversicherung so gründlich abbauen will, daß eine Sanierung der Reichsanstalt ohne Beitragserhöhung möglich ist. Räch dein demokratischen Zeitungsdienst soll die Berückslchtigimg dieser Vorschläge eine Ersparnis von l-ZO bis 150 Millionen Mark ermöglichen. Die Saisonarbeiterfürsorge wird in der Weise gelöst, daß erstens die Anwartschaftszeit von 26 auf 36 Wochen verlängert wird. Da- durch würden nach der letzten Erhebung der Rcichsanltalt schätzungs- weise die Hälfte der Saisonarbeiter keine Unter- stützung erhalten. Im letzten Winter wären das 650 000 Ar- beitelose gewesen, für den Normalfall würden rund 400 000 Arbeitslose havon betroffen. Die zweite Einsparung bei' den Saison- arbeitem soll durch d!e allgemeine Verlängerung der Wartezeit von sieben auf vierzehn Tage erzielt werden. In den ersten zwei Wochen erhält also niemand Unterstützung. Die dritte Einsparung soll durch einen ollgemeinen Abbau der Unterstützungssätze er ielt werden. Der Höchstunter- slützungssatz ist für einen V erheirateten ohne Kinder, gleichgültig wo er wohnt, 14,85 M. in der Woche, für einen Verheirateten mit zwei Kindern 18,15 M. in der Woche. Damit dieses Schlemmerleben nicht zu lange anhält, soll viertens die Dauer der berufsüblichcn Arbeitslosigkeit vierzehn Wochen nicht überschreiten. Gemeint ist wahrscheinlich die Dauer der Unterstützung. Wenn es nämlich nach den Arbeitslosen geht, ist die Dauer der berufsüblichen Ar- beitslosigkeit gleich null. Die weitere„Reform" der Arbeitslosenversicherung soll darin bestehen, daß Ehefrauen, die in häuslicher Gemeinschaft mit ihrem Ehegatten leben und ganz oder überwiegend von ihnen unter- Nieder mit den Vierzigjährigen! Hilgenbergs neueste Theorie Herr Hugenberg hat den Marburger Studenten ausein- andergesetzt, daß und warum die Zwanzigjährigen und die Sechzig- jährigen zusammengehören, während die Vierzigjährigen trennend zwischen ihnen stehen. Er hat diese Entdeckung der politischen Wissenschaft mit folgenden, dem bürgerlichen Borftellungskreis entnommenen Ausführungen erläutert: Wenn der Mensch jung, unverheiratet und ohne Kinder ist, fühlt er die Macht der materiellen Dinge noch nicht so wie der Vierzigjährige, der im Interesse von Frau und Kindern mitd'erNotdesLebenzringt. Der Sechziger pflegt, wenn sein Leben nicht fehlgeschlagen ist, dies Ringen über- wunden zu haben. Der Junge und der Alte haben also eines ge- meinsam: ihr Blick ist nicht so sehr, wie das Auge des Vierzigers, aus die Sorgen des Tages gerichtet als auf die bleibenden Güter. Das ist das Bindeglied zwischen uns Alten und Ihnen, der wirklichen Jugend. Die„Pommersche Tagespost", die seit dem Sturz Schlanzes gänzlich verhugenbergt ist, hat es übernommen, die Theorie des Meisters zu popularisieren. Die Deutschnationalen, meint sie, müßten wieder aufs Ganze gehen. Es sei„betrüblich, wenn das viele, allzu viele nur deshalb nicht einsehen wollen— weil sie entweder nicht mehr zwanzig oder nicht sechzig Jahre alt, entweder nicht mehr Student oder noch nicht Ge> h e i m r a t sind." Nicht zuletzt auch„bei uns Deutschnationalen kennt man schon dey leisetretenden, wispernden und tuschelnden G e- schäftemacher, der«ine bannige Angst davor hat, diesem aus den Schlips zu treten oder es mit jenem zu verderben." Seinen „vielleicht(!!) wohlgemeinten, aber verderblichen Einfluß" habe die Deutschnationale Partei schon genugsam zu spüren bekommen. Man wird sich also nicht wundern können, wenn ün der Deutsch- nationalen Partei- eine Verfolgung der Vierzigjährigen ausbricht. Dann werden verschiedene deutschnationale Abgeordnete, die als Gegner Hugenbergs gelten, nichts zu lachen haben. So Herr H ü l s e r, der Vater der Spandauer Entschließung gegen die Sozialreaktion, der 42 Jahre alt ist, Herr Lambach, der Zweifler am Monarchismus, der 44 Lenze zählt, Herr v. Lindeiner- Wildau mit seinen gepflegten 46. Herr Schlange- Schöningen, der Dreiundvierzigjährig«, und Herr T r e v i- r a n u s, der sich mit seinen munteren 38 Iahren auch schon dem gefährlichen Alter nähert. Hält man sich diese Liste vor Augen, so bemerkt man ohne weiteres, daß Hugenbergs neue Theorie auf gründlichen statistischen Studien beruht. Die praktische Nutzanwcn- dung wird freilich erst dann gefunden sein, wenn es einmal einem Anti-Stainach gelingen wird, die Zwanzigjährigen ohne llebergang sofort in Sechzigjährige zu verwandeln. Wie wäre es, wenn inzwischen der Rundfunk eine Diskussion zwischen Max H ö l z und Alfred Hugenberg veranstaltete? Es wäre amüsant, den Theoretiker der Gehirnverflüssigung mittelst Gummiknüppel und den prinzipiellen Gegner aller Vierzigjährigen miteinander plaudern zu hören! Er ist sich zu schade! Hugenberg und die Zieichstagstribüne. In seiner Marburger Studentenrede hat Alfred Hugenbera— außer den hier schon wiedcrgegebenen Glanjstellen— sich auch noch folgende Sätze geleistet:> Ich Jjabe seit langen Iahren die Tribüne des Reichstages nicht mehr bestiegen. Darin habe ich auch seit meiner Wahl zum Vorfitzenden der Deutschnationalen Dolkspartei keinen Wandel eintreten lasse». Ich lehne die parlamentarische Mit- arbeit nicht ab. Aber mein politisches Gefühl gebietet mir durch mein Verhalten zu betonen: Ich will mit dieser Art von Parlamentarismus nicht verwachsen sein, will als Grundauffassung bekunden, daß es aus Arbeit und Tat ankommt, nicht aus das Geschwätz! Recht! Ein großer Mann hat es nicht nötig. Ein vornehmer Herr hält für untergeordnete Handreichungen seine Bediensteten. Ein Hugenberg hält für das„Geschwätz" seinen Grafen Cuno Westarp! i halten werden, nicht versicherungspflichtig sind. Danach münde dos Riesenheer verheirateter, erwerbstätiger Frauen nicht au? Not, sondern aus Vergnügen zu? Arbeit gehen. So sehen gerade die Löhne in der Textilindustrie beispielsweise aus. Zlber der Antrag enthüllt nach mehr Rätsel. Soll etwa ein Familien- kataster bei jedem Arbeitsamt angelegt werden, dos Auskunft dar- über gibt, in welchen Fällen der Ehegatte den Unterhalt ganz oder überwiegend betreibt? Aber auch die übrigen Versicherten werden des demokratischen Refonneifers teilhaftig. In den ersten vier Iah ren der ver- sicherungspflichiigcn Beschästigung soll ganz allgemein die Warte- zeit verlängert und die Unter st ützungsdauer ver. kürzt werden und zwar: im ersten Jahr 19 Tage Wartezeit und 12 Wochen Bezugsdauer, im zweiten Jahr 15 Tage Wartezeit und 16 Wochen Bezugsdauer, im dritten Jahr 11 Tage Wartezeit und 20 Wochen Bezugsdauer,. im vierten Jahr 9 Tage Wartezeit und 24 Wochen Bezugsdauer: vom fünften Jahre ab soll es dann beim gegenwärtigen gesetzlichen Zustand bleiben. Die Zugehörigkeit zur Lohnklassc, noch der sich der Unter. stützimgssatz errechnet, soll sich nicht mehr danach richten, was der Arbeitslose im Durchschnitt der letzten drei Monate seiner Arbeit- nchmermögljchkcit, sondern'. m Durchschnitt der letzten nenn Monate bezogen hat. Von allem anderen abgesehen, auch dieser Antrag ist verwalttmgstechnisch eine ungeheure Erschwerung, was den Demokraten jeder Praktiker hätte sagen können. Der Antrag der Demokraten fordert zum Schluß die Auf- Hebung der allgmeinen solidarischen Haftung, si» soll ersetzt werden durch Bildung von Gefahre nk lassen. Besonders werden genannt: Sandwinschaft, Baugewerbe, Lohnarbeit wechselnder Slrt und Angestellte. Das läuft also auf eine berufsständische Arbeitslosenversicherung oder im Endergebnis auf die völlige Auflösung der R e i ck) s a n st a l t hinaus. Bon beso.idcrcm Reiz ist dabei, daß für die ersten drei Berufsgruppen, Landwirtschaft, Baugewerbe und Lohnarbeit wechselnder Art, erst eine Ausnahmeregelung als Saisonarbeiter hinsichtlich der Lcistun- gen getrosfe» wird und dann die Lastendeckung außerdem besonders erfolgen soll. Aber auch den Demokraten kommt es offensichtlich nicht aus sozial vernünftige Lösungen, sondern auf den Abbau der Arbeitslosenversicherung an. Oer Siahlhelm-Block. Die bürgerliche Einheitsliste in Mecklenburg. Für die heute stattfindende Landtog-wahl in Mecklenburg hohen sich die Rechtsparteien zu einer sogenannten„Einheitsliste nationaler Mecklenburger" zusammengeschlossen. Es ge- hören dazu: Deutschnotionale, Deutschvölkisch«, Deutsche Dolkspartei. Wirtschaftspartei. Die höheren Weihen erhält dieser Block durch den Stahlhelm, dessen Landesführer, Graf von Soden, diesen Block mit besonderer Genugtuung begrüßt. Es muß namentlich für die Deutsche Dolkspartei eine ganz be- sondere Ehre sein, unter der Botmäßigkeit des Stahlhelms zu stehen!_ Lager Lechfeld. Oer Stahlhelm drillt Netruteu. München. 22. Juni.(Eigenbericht). Di« erste Tat des bayerischen Stahlhelms, dem zur Werbung von weißblauen Mitgliedern erlaubt wurde, theoretisch ein Eigen- leben zu führen, ist ein Befehl des Führers von Lenz, in dem die Errichtung eines bayerischen Stahlhelmlagers auf dem Lechfeld vom 4. bis 13. August bekannt gegeben wixd. Das Lechfeld ist der große südbayerische Truppenübungsplatz aus der alten Militärzeit und dient mit seinen vielen Baracken und militä- rischen Gebäuden heute auch der Reichswehr. An diesem Lager sollen teilnehmen:„Alle körperlich leistungsfähigen Iung-Stahl- helmer nicht unter 16 Iahren und jüngere Ring-Stahlhelm- kameraden". Das bedeutet also einen Kursus für die mili- tärisch noch nicht ausgebildeten Mitglieder des bayerischen Stahlhelms. Zweck des Kursus ist„mehr sportliche Ausbildung". Als Kleidung ist vorgeschrieben die vorschriftsmäßige feldgraue Windjack« mit Bundesab.zeichen, Stahlhelmmütze, Koppel und vollbepackter Tornister. Da der Befehl den Vermerk enthält „Unterkunst in Baracken, Verpflegung mit Hilfe großer Kochkessel" liegt die Vermutung nahe, daß«ine Verständigung mit dem bayerischen Wehrkreiskommando der Reichswehr vorausgegangen ist, und zwar mit dem Ergebnis, daß den Stahl- helmern Reichswehrbaracken zur Berfügung gestellt wurden. In Münchener Stahlhelmkreisen spricht man auch offen davon, daß das Entgegenkommen der Heeresverwaltung in der liebenswürdigsten Form vor sich gegangen sei. Jeder Teil- nehmer an dem wehrsportlichen Kursus erhält täglich eine Mark Löhnung genannt Berpflegungsgeld. Als sogenannte Sport- lehrer wurden für den Kursus eigens zehn ehemalige Ossi» ziere angestellt._ Oynamitkommunist verhastei. Oer Attentäter von Hannover gefaßt. Hannover, 22. Juni.(Eigenbericht.) Der Polizei ist es gelungen den Hauptbeschuldigten an dem Spreng st osfattentat gegen die Vorschußvereins- dank, den Kommunisten Buchholtz, zu verhasten. Buchholtz war nach der Tat nach Berlin geflüchtet, von wo er am Freitag nach Hannooer zurückkehrte. Er wurde sofort von der Polizei in Empfang genommen. Professoren rüffeln Giudenien. Oie Wiener Völkischen abgewiesen. Wien, 22. Juni.(Eigenbericht.! Der Senat der Wiener Universität befaßte sich am Freitag m,t dem„Ultimatum" der völkischen Studentenschast und stellte fest, daß die in letzter Zeit an der Universität zu verzeichnenden Exzesse aus universitätsfremde Elemente zurückzuführen seien. Der Senat sprach gleichzeitig dem Rektor und dem Kanzleidirektor der Universität, deren Rücktritt von den Völkischen verlangt worden war, sein Vertrauen aus. Zur Lage in Ostpreußen. Untersuchungen des Enqueteausschusses.- Masurifche Krisengebieie. Der jetzt von der Enquete veröffentlichte Ost- preuhenbericht kommt, wie so ziemlich nll« Arbeiten der Enquete, viel zu spät, um die Beratungen im Reichstag über die Lstpreußcr<)!lfe zu beeinflussen. Dos ist zu bedauern, denn der Bericht liefert wertvolles Material: er besaht sich u. a. mit den aus den Gebietsveronderungen entstandenen Folgen für die oft- preußische Landwirtschost, mit den Produklions- und Absagverhast- Nissen, mit Steuer- und Krcditsragcn, mit der Rentabilität der oft- preußischen Landwirtschaft und schlägt darüber hinaus Mohnahmen zur lleberwindung der Notlage der oslpreußischen Landwirtschaft vor. Am wichtigsten sind wohl die Angaben über die Betriebs- ergebnisse und die landwirtschaftliche Verschul, du n g. Den Betriebsergebnissen stehen wir, wie allen anderen land- wirtschaftlichen Buchführungsergebnissen, skeptisch gegenüber: trotz. dem ergibt sich aus mehreren hundert untersuchten Betrieben seit l?28 eine deutlich fortschreitende Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Für den Hektar berechnet, sind fol- gcrde Ertröge bzw. Verluste festzustellen: gm Jahre Zahl der untcrinihtra Deiriehl?!«merta e n werde. Zum Schluß sagt« Slowek wörtlich:.Die Verfassung wird geändert werden. Die Autorität Marschall Pil- sudskis könnte auch u m st ü r z l e r i s ch« Experiment« vertragen. Wir haben nicht das Recht, zu warten und die Verfassung so zu lassen, aber auch die Gesellschaft muß den notwsn- dige.n Druck auf die Herren Abgeordneten ausüben." Auch der be» kannte Satz, daß es besser sei, einigen Abgeordneten die K n, o ch e n Z u z« r b r« ch e n, als Maschinengewehre auf die Straße zu bringen, findet, sich im offiziellen Text der Rede, Ausmetskarten für Auswanderer. Die Konferenz, die beauftragt ist sin internationales Abkommen über Durchreisetarten für Aus. wänderer von Europa nach Uebersee auszuarbeiten, hat ihr« Ar- betten abqeschlosscn. Es soll für die Auswanderer, die sich in ihren Häfen einschiffen wollen, eine Karte geschaffen werden, Sie wird den beteiligten Schiffahrtsgesellschoften zum Selbstkostenpreis ab- gegeben, und die Gesellschaften stellen die Karten den Auswanderern bei. Antritt der Reise unentgeltlich aus. Die Konferenz hat einem bestimmten Muster für diese Karte zugestimmt. Das ausgewechselie Volksbegehren. v�l Herein, zum Stahlfiel VoIKs- beQebfen. Ein Jahr lang hatte der Stahlhelm für sein Volks» begehrengegen dieReichsverfafsung getrommelt, aber das Publikum war Abend für Abend ausgeblieben. Va erschien der großmächtige Hugenberg und sagte zum Stahlhelm:„Leute, geht mal da weg mit Euerm Mist! Ich kann das viel besser machen." Mit aller Krast schlug nun Hngenberg die pauke für ein Volksbegehren gegen denssoung-plan, und Herr Qua atz stand ihm mit volkswirtschastlicher Logik zur Seite. Es kam aber noch immer niemand. „Merkwürdig," seufzte Hugenberg.„Sonst lasse ich meine Schreibkulis immer über die Begehrlichkeit der Massen schimpfen. Und jetzt, wo sie auf meinen Wunsch wirklich mal begehren sollen,— da begehren sie nur auf!" Weltbund für Krauenstimmrecht. Oer Abschluß der Verhandlungen. Der letzte Verhandlungstag brachte einen Bericht des Aus- fchusses� für Frauen st immrecht Ständer, in dessen Rahmen die Delegierten der betreffenden Länder die heimischen Ver- Hältnisse darlegten. Durch alle Berichte hindurch klang die Klage von mangelnder Berücksichtigung der Frauen auf den Listen der politischen Parteien, von dem mangeln- den Interesse der gewählten wenigen Frauen für spezifische Frauen- fragen und ihrem Aufgehen in Parteiarbeit. Die Gründung besonderer Franenparteien, in Norwegen bereits ver- wirklicht, liegt auch anderweitig in der Lust und wurde ein Antrag vorgelegt, ihre Zweckmäßigkeit zu prüfen. Sowohl was die Zahl der Parlamentarierinnen als ihre Arbeit für Frauenangelegenheiten betrifft, steht Deutschland an der Spitze. Ein von der englischen Delegation vorgelegter Zln'.rag, zu erklären, daß bis zur Herstellung der völligen Gleichberechtigung das Fortbcstehen über- parteilicher Frauenverbände auch in Frauenstimmrechtsländern no:- wendig ist, würde angenommen. Gemäß einem weiteren Beschluß sollen die Verhältnisse in den Ländern ohne Fraucnstimmrechl durch die Kommission dauernd studiert werden, um die Erringung les Wahlrechts auch dort zu fördern. Mehrmals wird aus der Ver sammlung der Wunsch laut und auch zu einem Antrag formuliert, daß der nächste Kongreß sich ausschließlich mit dem Frauenstimm- recht in der ganzen Welt beschäsiigen möge, An wichiigen Ausschußberichten des Kongresses tragen wir noch nach den des Ausschusses über„Familienzulage n". Die Vorsitzende legt dar, daß es drei Systeme sür Fainilienzulagen gäbe: Den Zuschlag zum Lohn oder Gehalt des Mannes(in Deutschland für einige Berufskategorien verwirklicht), freiwillige industrielle Ausgleichskassen(Frankreich, Belgien) und Zuschläge aus ösfent- lichen Mitteln(Australien, Neuseeland). Eine holländische Delega- tion sprach gegen Familienzulagen und strikte Durchführung des Grundsatzes, gleicher Lohn sür gleiche Leistung, allenfalls Zahlung von Kinderzulagen direkt an die Mutter. Dsr Kongreß befürwortete mit einer Entschließung die Familienzulage als geeignetes Mittel des Lastenausgleiches, lehnt aber jede Verbindung mit Lohn oder Gehalt des Mannes ob, da dadurch dem Familienvater das wirt- schaftliche Fortkommen erschwert würde, während die beiden anderen Systeme je nach den Besonderheiten des Landes und seiner Wirt- schaft empfahlen werden, Gleiche Arbeitsbedingungen. Der Ausschuß sür gleich« Arbeitsbedingungen für Mann und Frau bedauert den in vielen Ländern einsetzenden Rückschlag hin- sichtlich der Frauenarbeit, ganz besonders der Arbeit der ver- heirateten Frau. Gesetzliche Einschränkungen der Frauenarbeit wer� den mitgeteilt aus Irland, Bulgarien, Schweiz, Deutschland, Süd» afrita, Holland. Großbritannien und Australien, während in anderen Ländern solche Versuche im Gange sind, die bisher nur durch den Widerstand der Frauenbewegung erfolglos geblieben sind, Auch die Bezahlung der Fronenarbeit steht immer noch hinter der der Männer zurück, abgesehen von den holländischen Be- amtinnen. Der Vorstand des Weltbundes hat sich an dos Jnter- nationale Arbeitsamt gewandt, um den Grundsatz der gleichen Bezahlung wie er. im Vertrag von Versailles nieder- gelegt worden ist, durchzusetzen. � In der Frage des A r b e i t e r i n n e n s ch u tz e s ist infolge der innerhalb der Kommission herrschenden tiesgehendcn Meinungs- Verschiedenheiten noch keine Einigung erzielt worden. Der Aus- schluß schlägt vor, solange die Arbeit gegen jede Sonder- schutzgesetz gebung fortzusetzen. Der Ausschuß legte dem Kongreß drei Entschließungen vor, von denen die erste die ange- schlosienen Verbände ersucht, bei ihren Regieningen und Berufs- oerbänden die Forderung gleicher„Lohn für gleiche Leistung" durch- zusetzen. Diese Frage soll auch in der internationalen Arbeits- konferenz erörtert werden, um ein internaiionales Uebercinkommen zu schaffen. Die zweite Entschließung, deren Material an De- amtinnen und Lehrerinnen gerichtet, aus Fragebogen stammt, stellt mit Bedauern fest, daß in einigen Ländern Bestrebungen bestehen, durch gesetzliche und ungesetzliche Mittel das Recht der ver- heirateten Frau auf Berufsarbeit einzuschrän- k e n. Der Weltbund soll diese Bestrebungen bekämpfen und sich da- sür einsetzen, daß der verheirateten Frau in allen Berufen das Recht auf Arbeit erhalten bleibt Da über die Frage des Zl r- beiterinnenschutzes die Meinungen noch stark auseinander- gehen, wird vorgeschlagen, für die nächsten Kongresse Material zu sammeln. Jedes Land soll zwei Sachverständige ernennen. die die Frage prüfen. Ferner wurde ein griechischer Antreg, der sich mit der besseren Berufsausbildung der Mädchen, der Regelung des Mindestlohnes und der Organisationssreiheit der Arbeil beider- lei Geschlechts beschäftigt, einstimmig angenommen, Das Problem der unverheirateten Mutter. Für den Ausschuß für die unverheiratete Mutter und ihr Kind berichtete dessen Vorsitzende Adele Schreiber. Obgleich aus Deutschlaii-d, England, Frankreich. Gricchinland, Australien und Finnland Verbesserungen in der Lage des unehe- lichen Kindes gemeldet werden, ist doch im allgemeinen icine Lage noch recht traurig. In Spanien und Italien ist heute noch die �ftachsorschung nach der Vatersckaft verboten. Noch immer ist die Sterblichkeit der unehelichen Säugli'ge trog allgemeinen Rückganges der Säi-glingssterblickkeit viel höher, nämlich bis zum Doppelten und Dreifachen der ehelichen Zahl, Wichtiger als der Kampf um soziale Fürsorge und bessere Gesetze ist der K a in p f gegen den sittlichen Makel der Unehelich keit. Wirtschaftliche Unabhängigkeit der Mutter durch Berufsarbeit soll ihr die Möglichkeit gebbn, für ihr Kind zu sorgen, während gemäß einer Entschließung des Kongresses an den möglichen und praktisch erprobten Systemen der Alimentationspflicht des Vaters bei Zweifel- basier Vaterschaft dasjenige empfohlen wird, das der Mutter ein Aliment durch den Staat gewährleistet, der sich seinerseits an. den in Frage kommenden Männern schadlos hält.„K indes- recht steht über Mannesrecht." Die deutsche�Delsgation empfiehlt auf Grund ihrer Erfahrungen deS deutschen Systems die Berufsvormundschafi. Die Ursachen der höheren Sterblichkeit von unehelichen Müttern uiid Kindern sollen vom Ausschuß erforscht werden, Reue Verwicklung in China. Zeug ruft eine nordchinesische Republik aus Peking. 22, Juni.(TU.) General Feng Hot am Freilog in der Stadt Hsingan in der Provinz Scheust eine neu« nordchinesische Republik ausgerufen Feng erklärte, daß sich die Provinz Schensi, Hönau, Schanfi und Chmesisch-Turkesten seiner Regierung unterworfen hätten. Die neue nordchinesische Republik werde ein m i l i- tärisches Bündnis mit M o s k o u abschließen, um gemeinsam gegen Nanking zu kämpfen. Seine Regierung werde halb kommunistisch, halb demokratisch sein. Zum Vorsitzenden seiner Re- gierung ist dos aus China ausgewiesene Mitglied der KuorMntang, Wanschinwei, ernannt worden, der durch Rußland noch China ob- gereist ist, Feng erklärte, daß die Ausrufung einer neuen nord chinesischen Republik deshalb notwendig geworden sei, weil dir Diktatur des Marschalls Tschiangkaischet zum lintergang Chin-' führe. Die Stimme des besehten Gebietes Einmütige Forderung der Freiheit von �hein und Saar. Nach tttr Rede des Reichsfinanz Ministers Hilferding über den Kriegslasten haus halt und den Sachverständigenplan trat der Reichstag in die Aussprache ein. Abg. Böckler(Soz.): Ich möchte nur einiges Wichtige über die Verhältnisse im be- feisten Gebiete sagen. Dem Ministerium für die besetzten Gebiete. das seit Monaten den Eindruet der Flügellahmheit macht, möchte ich münfchen, daß es baldmöglichst einen Jwang zu intensivster Arbeit erhält. Wir begrüßen den Entschluß der Reichsregierung, den ?)oung-Plan anzunehmen und hoffen, daß der gesamte Kampier der aus dem Krieg« resultierenden Fragen ungesäumt erledigt wird. wir erwarten, daß in den kommenden Verhandlungen die Frage der Rückführung des Saargebieles zum Multerlonde mit aller Energie angestrebt wird. Diese Rückführung ist aus wirtschaftlichen Gründen unerläßlich, denn die Durchführung des Noung-Plancs ist nur möglich mit starken, geschlossenen Wirtschaftsgebieten. Per Vorzug, daß wir Rheinländer von der Besetzung befreit wurden, die Saarländer ober nicht, würde uns Rheinländern außerdem sehr peinlich sein. Sehr erhebliche Teile der Pfalz und große Teil« des Regierungs- bszirks Trier haben noch unter der Besetzung zu leiden. Diese Ge- biete haben ebenso wie das Saargebiet nicht nur den Wunsch, bald frei zu sein, sonder» auch den, recht bald beitragen zu können zur Abtragung der Reparationslasten. Den völlig ausgebluteten Be- zirten wird allerdings zunächst einmal neues Blut zugeführt werden müssen, um neuen Lebensmut und neu« Unternehmungslust in jene fo schwer betroffenen Gebiete zn lenken. Dem Herrn Minister möchte ich recht viel Resolutheit wünschen, wenn es sich darum handelt, hier die Mittel flüssig zu machen. Zn nächster Zeil muh ein möglichst starker Strom von Aufträgen ! an die Industrie des bescßken Gebietes geleitet werden, und i das wird unter starker Mit Wirkung auch der wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft geschehen müssen. Nur mit Hilfe dieser Organisationen wird es möglich sein, die Ver- kehrswcge zu verbessern, Auiforstungcn vorzunehmen, die riesigen Gelände wieder der landwirtschaftlichen Bemitzung zuzuführen. Di« durch die Besatzung arbeitslos Werdenden müssen wieder untergebracht werden. Dazu gehören rechtzeitige Vorbereitungen. Abg. Schreck-Boden(Komm.) behauptet, daß die Besetzung zur zügellosen nationalistischen Hetz« ausgenützt werde, und daß die Be- Zatzungslosten restlos auf das werktätige Volk abgewälzt würden. 2)i« revolutionäre Arbeiterschaft werde von den deutschen wie von den Besatzungsbehörden bespitzelt. Die Arbeitsämter in Baden hätten zwangsweise Erwerbslose nach Elsaß-Lothringen verschickt, wo sie zu Streikbrechcrlöhnen arbeiten iollten. Als sie die Arbeit verweigerten, fei ihnen empfohlen worden, in die Fremdenlegion ein- tzutreten. Bei der Rückkehr nach Deutfästand habe man ihnen die Unterstützung entzogen. Abg. hosmann-Ludwigshasen(Z.) bedauert, daß auch beim Etat der besetzten Gebiete große Abstriche unvermeidlich gewesen feien. Die Saargängerhilfe müsse in derselben Weise fortgeführt werden wie im vorigen Jahre, Mihbräuche dieser Hilfe dürften aller- dings nicht geduldet werden. Es sei zu begrüßen, daß der Soor- ousichuß demnächst wieder zusammentrete. Zur Gesamtliquidation der Kriegsfolgen gehäre die schleunig« Rückgabe des Scwirgebiets. Das geplonke Westgrenzprogramm werde vor allem die furäst- barc Wirtschaftsnot der Westgrenze berücksichtigen müssen. Im Aachener Gebiet seien in letzter Zeit ü? Betriebe mit IZOOO 'Arbeitern und Angestellte» stillgelegt worden, ähnlich liege es im übrigen besetzten Gebiet. Statt der Siedlimg sei eine Entsiedlung zu beobachten. Erschreckend groß sei in der Pfalz die Zahl der ssrngen Leute, die sich in den franzostlcheu Kasernen zur Fremden- tegion anwerben ließen. Im vorigen Jahre seien es 538 Mann (Hört! hört!) gewesen. Ueber das Jahr kW hinaus dürfe unter keinen Umständen irgend ein« ausländische Kontrolle zugelassen werden, mich dann nicht, wenn sie den schönen Rmnen„Ausgleichs- und Verfohnungskammisston" führe. Abg. Mrich-Hessen(Soz): Wir bedauern es außerordentlich, daß die allgemeine Finanzloge des Reichs mich zu Abstrichen am Etat für die besetzten Gebieie geführt hat. Wir befanden uns im Ausschuß in einer sehr un- angenehmen Situation, aber aus leeren Taschen können wir keine Gelder herausnehmen. Wie entscheidend die Finanzlage für unsere Beschlüsse war, das zeigt der Etat selbst. Es muß alles daran- gesetzt werden, um die Ausgaben für kulturelle Zwecke zu erhöhen, damit nicht unsere Kultur unter dem Drucke der Besatzung zugrunde geht. Für die Verbreiterung der Mainzer Brücke sind 100 000 Mark eingesetzt worden. Das reicht aber nur aus, um die ersten Arbeiten durchzuführen. Wir müssen schon jetzt daraus aufmerksam machen, daß Nachforderungen unvcr- meidbar sind. Wenn die Arbeiten erst angefangen sind, dann können sie nicht mehr eingestellt werden. Wir bedauern es sehr, daß nicht mehr für Theater, Kunst und ähnliche Zwecke in den besetzten Gebieten ausgegeben werden kann. Wenn die entsprechenden An- träge vorgelegt werden, dann muß eine gründliche Priifung vorgenommen werden. An die Spitze aller Forderungen muß die schleunige Räumung der befehlen Gebiete gestellt werden. Leider haben wir bisher nichts davon gehört, wie diese Frage in Paris erörtert worden ist. und wie man in der Regierung darüber denkt. Kein anderes Land hat unter der Besetzung so viel zu leiden, wie Hessen. Mehr als 40 Proz. des Landes ist besetzt. Wenn man sich das vorstellt, dann begreift man den Mißmut, der im Lande herrscht. Diese Tatsachen muß man sich vor Augen führen, um zu finden, was geschehen muß und zwar schnell und gründlich geschehen muß. Alles, was bei uns geschieht, steht unter der Kontrolle der sronzösischen Besatzung. Dos muß das seelische Empfinden der Bevölkerung niederdrücken. Im Lau'c meiner Amtstätigkeit babc ich die llebcrzcugung gewonnen, daß diese seelische Niedergeschlagenheit viel schlimmer ist, als es die meisten außerhalb des Landes wissen. Hunderte von Betrieben sind einfach nicht mehr existenzsähig, sie müssen auf- gegeben werden. Tausende von Arbeitern sind gezwungen worden. ihre Arbeitsstätte aufzugeben. Am meisten hat wohl unter diesen Verhältnissen der Weinbau zu leiden, denn er ist abgeschnitten van einem großen Teil seiner srüheren Abnehmer, Wie sich das auswirkt, zeigt der mangelhafte Eingang der Steuerzahlungen. Die Frage entsteht nun: Was soll denn werden, wenn die Räumung wirklich vollzogen ist? Optimisten meinen, daß sie schon am l. Dezember beendet sein wird. Das Ministerium hat noch nichts darüber gesagt, was dann geschehen soll. Wir werden dann noch schwere Lasten zu tragen haben, rujnierte Schulen, Ztigrundc gerichtete Straßen, usw. müssen wieder erneuert werden. Es muß auch Rücksicht auf die Veränderungen in den Eigentums- Verhältnissen der Gemeinden genommen werden. Das Reich muß hier helfen, es muß aber auch daran denken, daß die Gemeinden eine Menge von Verpslichtirngen zu erfüllen haben. Wir sprechen die Hosfmtng aus, daß das Westprogramm recht ergibig für die besetzten Gebiete sorgen wird.(Lebh. Beifall.) Abg. Royersdörser(Bnyr. Vp.) spricht dem Minister Dr. Wirth das Vertrauen der Bayerischen Volkspnrtei aus. Der Amtseintritt des Ministers habe sich allerdings unter ungünstigen Aussichten voll- zogen, denn man stehe vor dem nicht befriedigenden Ergebnis der Pariser Verhandlungen und vor einer Finonznot, die wirksame Hilfsmaßnahmen erschwere. Die schleunige Räumung der besetzten Gebiete dürfe nicht an irgendwelche Bedingungen getnüpst werden. Z�eichSminister für die besehten Gebiete Or. Wirth begrüßt die Einigkeit der Parteien in der Forderung einer schnellen Räumung der besetzten Gebiete und der Rückgabe des Snargebictes. Die Mitteilung des„Lokal-Anzeigers" von Kompctcnzstrcitigkciten zwischen ihm und dem Reicheaußenminister sei frei crsunden. Zu Kompctenzstreitigkeiten ist nicht der mindeste Anlaß vorhanden. Mit den Streichungen im Etat mülsen wir uns abfinden, wenn wir sie auch bedauern. Es ist nicht einmal so leicht, die für den Straßenbau im Grenzgebiet verfügbaren Mittel auszugeben, denn von uns au« wird gedrängt, aber von den in Mitleidenfchaft gezogenen Geineinden gebremst. Bei den Vorbereitungen für ein Grenzland- Programm stehen wir in enger Fühlung mit den leitenden Perfön- lichkeiten der beteiligten Länder. Wir verfolgen mit Sorge die Notlage der einzelnen Städte, aber wir müssen zu einem systematischen Programm aus mehrere Zahre kommen, wenn wir die Hilfsmittel nicht zwecklos verzetteln wollen. Wir können ein solches Programm nur aufstellen in lebendiger Zusammenarbeit mit den übrigen Stellen des Reiches und der Länder. Nachdem das Reichskabinett seine Zustimmung zur Ausstellung eines solchen Programms gegeben bat, wird nunmehr in Berbindung mit den Reichs- und Länderressorts das Programm in Angriff ge- nommen werden. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß nichr jeder einzelne Wunsch herausgegrissen werden kann, sondern das Ganze im großen Zusammenhang betrachtet werdcn muß. Abg. Krau Schiffgens(Soz.) spricht den Wunsch aus, daß das vom Minister der�besetzten Gebiete angekündigte Westprogramm in»'cht allzulanger Frist Wirklichkeit werden wird. Wir stellen mit Genugtuung fest, daß unseren seit langem geäußerte» Wünschen entsprechend systematisch und organiscl) vorgegangen werden soll. Auch�ineinc Parteifreunde denken nicht daran, an dem System der S a a r g ä n g e r u n t e r st ü tz u n g rütteln zu lassen. So lange in den Grenzgebieten die ivirtscha?t- lichen Berhältnisic noch so wie jetzt sind, muß die Unterstützung in der bisherigen Höhe weitergezahlt werden. Wenn die Summe im Etat dafür nicht ausreicht, dann muß in einem Nachtragsetat eine weitere Summe eingesetzt werden. Der Abg. Schreck(Komm.) hol den Fonds von 400 Millionen Mark zur Verwendung für besonder« Zwecke als„Spitze'.sonds* bezeichnet. Es wäre von Interesse, zu ersahren, welche Mittel sür solch«„Spitzelsonds" in Rußland aus» gegeben werden., Besondere Rot herrscht im Aachener Gebiet. Es ist nicht das erstemal, daß ich gezwungen bin, diese Dinge hier vor, zutragen. Durch die neue Grenzziehung, rtbcr ofcch durch die verkehrspolitischcn Verhältnisse ist diese außerordentliche Notlage des Aachener Wirtschaftsgebiets entstanden. Die bei den Verhandlungen mit der Reichsbahn erzielte Tarisverbesserung ist erst ein Tropfen auf einen heißen Stein, wir erwarten, daß darüber hinaus noch wesentliche Tarifverbesscriingen eintreten. Der Minister l)ot selbst erklärt, daß das, was für das Aachener Gebiet bisher geschehen ist, nur ein Anfang war. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Notlage des Bezirks immer weiter sortschrcitet. immer mehr Betriebe kommen zum Erliegen. Für die Bevölkerung des besetzten Gebietes sprechen wir die Erwartung aus, daß kalsächlich die Röu- mrng in absehbarer Zeit zur Wirklichkeit wird, nicht nur. we>I die Souveränität darunter leidet, sondern weil wir auch der Ausfassung sind, daß die Bcseßung eines Teiles von Deutschland eine Gefahr für das Berhällnis zu anderen Völkern wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Pallmann(Wirtschastspartei) weist darauf hin, daß die Landwirtschaft der Pfalz durch die Grenze zum Saar- gebiet in ihren Absatzmöglichkeiten lehr hsschränkt sei. Die pfälzischen Handwerker bekänun zu wenig Aufträge der Behörden, die Regie» ning müsse besser die Ausführung ihrer Anordnungen kontrollieren. Alu,. Dr. Vockius(Z.) begrüßt es. daß das Kabinett sich mit einem umsassenden Hilssprogramm für die Westgrenze einver- standen erklärt habe. Besonders schwer leide Mainz unter der Be- setzung.— Damit ist die Aussprache über den Haushalt der besetzten Gebiete beendet. Der detitsch-englische Ausliesernngsvertrag für aewisse Mandats- gebiete wird dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen, der Gesetzentwurf über einen Notenwechsel zum deutsch-französsschen Handels- abkommen wird in ollen drei Lesungen ohne Aussprache verab- schiedet.— Gegen 4 Uhr vertagt sich das Haus aus Montag vormittag 10 Uhr: Fortsetzung der heutigen Aussprache. (l�ewcrkschaftlirhcs siehe 3. Beilage.) Dcrantwortlich sür Politik: Pr. Kurt Scrcr: Wirtschaft: K. Mingrlliösrr; Drwrrkschaftsdewrgung: gr. Ktzkora: Zruillreon: g. A. Döscheri Lokale» un!> Sonstiges: Arjz Sarstodt: Anlieioen: Th. Nlockc: sämtlich in Berlin. Berlag:?ormSit».Berlaä T. m. l>. H.. Rerli». Druck: Vorwörts-Buchdruckerei unä Berlagsonstalt Paul Singer u.?o.. Berlin EW. Ktt, Lindcnslrage 3. Sierjn 3 Beilagen.»Uotcrholtung und Wissen� und»Blick in die BLlhermlt*. 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Juni 1929 Berlin:-„am Ende der Welt" Wenn zu jener Zell, Äa unsere Großeltern noch kleine Jungen und Mädchen waren, jemand, sich gc wissermaßen entschuldigend, vorgestellt hätte:„Ich wohne m Fran- zösisch-Buchholz oder in Britz", so wäre dem anderen sicher der Aus- ruf entschlüpft:„Ach, Sie Aermster — also am Ende der Welt!" Nur Sonderlinge, zu denen auch die Naturfreunde zählten, oder Leute nrll schr beschränkten Mitteln, gehörten damals zu den Pionieren der„in Windeln ruhenden" Welt- stadt, und aus Fontanes Lebens- erinnerungen wissen wir, daß auch die Zeit der ,drei siegreichen Kriege" die ganze Nachbarschaft noch bäuerlich einschätzte: er schildert den„in hohen Schmierstiefeln und mit dem Knotenstock in der Hand von Rixdorf hereinstapelnden Erwin Bauer" als einen, der„nicht bloß Bauer hieß, sondern auch Bauer war". Wer als Berliner seine Sechzig oder Siebzig auf dem Buckel hat, wird ermessen, wie die Dinge in den verflossenen zwei Menschenaltern sich nach allen Richtungen gewandelt haben. k�suls See" in Hohenschönhausen. Spandauer Stadtforst— Hohenschönhausen Wenn man in den Besitz des„Ausflugsführers" und des„Der- kehrsplans" der BBG. gelangt ist, wird man unter Aufwendung einiger einfacher mathematischer Kenntnisse sich ausrechnen hönnen, daß bei Benutzung der Straßenbahnen 154 und KS für 20 Pf. die oben genannte Verbindung quer durch Berlin, etwa 30 Kilometer, in einet Fahrtdauer von etwa 2 Stunden zurückgelegt werden kann. Als Stehpasfagicr zweifellos kein Bergnügen,, aber vom Standpunkt des frühaufstehenden Ausflüglers eine lockende Niöglichkeit. Nun soll damit nicht gesagt sein, daß die glücklicherweise ebenfalls mit frischer Luft gesegneten Bewohner Hohenschönhausens alle sofort sich auf die Strümpfe machen sollen, um im Spandauer Stadtwald ihre Frühstückspakete zu verzehren, aber das ist unser Wunsch: mög- lichst viele Bewohner Berlins, die sich in den Straßen mit den vier- stockigen Häusern ausholten müssen, nach einer der Richtungen fahren zu sehen. Und ganz gleich nach welcher: beide Endpunkte sind von der Natur bevorzugt, und es wird daher das beste fein, nach und nach beide zu besuchen. Und daß die Leute im Norden und Süden iu gleicher Weise sich an diesen Entdeckungsfahrten beteiligen können, lehrt ein Blick auf den Berkchrsplan: die Mühe, sich die 2l)-Pf.- Tour nach der Lage seiner Wohnung zusammenzustellen, ist nicht zu beschwerlich. Bei den meisten großen Verkehrslinien„klappt es". ver Straßenbahnweg nach Spandau ist doppelter Art: die alte Charlottenburger Linie durch den Tier- garten geht jetzt weiter über die Heerstraße, während unsere Nr. 154 ihre Fortsetzung vom Knie an übernimmt und Spandau über Westend, Schloß Ruhwald und alte Havelbrllck« erreicht. Während die Charlottenburger Hauptstraße im ganzen noch denselben Anblick wie vor dreißig Jahren darbietet, auch noch eine Anzahl ganz netter eingeschossiger Häuser besitzt, wird der modern« Beirieb in Sport, Siedlung, Technik um so bemerkbarer, je mehr man sich der Havel Am Endpunkt der„154"(Spandauer Stadtforst). nähert. Spandauer„Bock" und„Zibbe" grüßen den Borbeieilendcn: Zibbe hat sich modernisiert: die Zeiten aber, da für den Berliner eine.Landpartie" zum Bock ein Fest bedeutete, sind wohl nicht mehr zurückzurufen. Hat man die Havelbrück« überschritten, so gelangt man gleich in das Herz der Stadt Spandau.— Das alte Rathaus, das traditionsgemäß am Markt war, ist endlich nieder- gerissen; über den Bauplatz hat man einen Einblick in die alte Architektur der von der Straße aus noch ganz respektabel aussehen- den Häuser, die der Erneuerung aber doch wohl dringend bedürfen- Hoffentlich werden die Neubauten ohne protzenhafte Ueberheblich- keit ausgeführt— im allgemeinen hat Spandau in seinen privaten Neubauten guten Geschmack bewiesen, und auch die neuen Siedlungs- quartiere sind durch geschickte Raumverteilung und reiche Grün- flächcnonordnung vor Banalität bewahrt. Am Markt ist Rendezvous aller Straßenbahnen— wir bleiben sitzen und biegen rechts nach Norden ab: Die Neustadt nimmt uns auf, und an der Schönwalder Allee grüßen uns schön«, gartenumgebene Wohnhäuser und die An- lagen des Stadtparkes, der sich als südlicher Teil der Spandauer Stadtforst darstellt. Unser Endziel trägt die Bezeichnung„J o- Maulbeerplantagen, für Gewinnung der Seidenkokons, waren dort, UNd mancher behäbige Bürger hatte in jener Gegend fein Sommer- Haus. Noch heute erinnern Namen der Nebenstraßen wie Flieder-, Wein-, Blumenstrahe, Grüner und Weidenweg an jene paradiesi- scheu Zeiten. Aber die Namen der Straßen, die die Landsberger Straß« schneiden, leiten sich von verdienten oder stiftungsbereiten Bürgern her: so Büschingstraße und-platz von dem berühmten Bcr- fasser der„Erdbeschreibung": die Gollnowstraß« ist nach einem Stadtverordneten, die Lietzmannstraße nach einem Bürgermeister, die Waßmannstraße nach einem Zimmermann genannt. Die neu« Zell schließt sich dort an die alte, wo der Friedrichshain erreicht wird. Die Frieden st raße und weiterhin die T i l s i t e r Straße sind moderne Boulevards. Bald kommt der Zeniral- viehhos, dann wird es ländlicher: Laubenkolonien auf beiden Seiten. Di« Landsberger Allee geht schließlich in die Chaussee über, wir biegen links ab und erreichen durch die Hohenschönhausener und Berliner Straße erst das neue und dann dds alte Hohenschönhausen, letzteres noch von dörflichem Charakter um die alte Kirch« geschart. Hier waltete einst das Geschlecht der R o e b e l, das die ganze Gegend von Buch besaß. Das moderne Hohenschönhausen erstreckt sich nach Weißensee hin, und hier liegen auch die d r e i S e e n, die Schmuck und Stolz dieser alt-neuen Siedlung sind. Wenn wir, aus der 66 herauskommend, links einen noch in Arbeit befindlichen Weg beschreiten, der uns an einer echten Holländermühle vorbeiführt— wohl der einzigen, die in dem Groß-Berlin sich noch vorfindet—> so kommen wir zur Kolonie Fauler See, erreichen diese durchschreitend bald den See, ein romantisch-idyllisches Gewässer, das als Naturschutzpark Am Endpunkt der„KS"(Hohenschönhausen). hannesstift" nach der dort im Walde gelegenen Erziehungs- anstalt, die aus Korrektionshäusern entlassene Knaben und Mädchen durch Beschäftigung in ihren eigenen Werkstätten ausbildet. Auch Altersheime enchält das Stift, und man sieht die Alten auf den Bänken an der mitten im Walde gelegenen Endhallestelle' der Straßenbahn sich sonnen und ein Schwätzchen machen. Di« Chaussee wird zwischen Haltestelle und Stift von dem Strange der Bötzower Kleinbahn durchschnitten: auf dieser Bahnlinie läuft auch die sich an Linie 134 anschließende Linie 120, die als„Benzolbahn" betrieben, insofern nicht in den Straßenbahnkonzern gehört, als sie nur nach Lösung eigener Billetts benutzt werden kann. Sie führt durch den Stadtforst nach Nieder-Nenendorf an der Havel und Hennigsdorf. Ist so für bequeme Leute alles aufs beste bereitet, so steht dem Wanderlustigen eine Fülle von Ausflügen zu Gebote. Die Wälder ziehen sich westlich bis Falkenjee, überschreiten nördlich den Nieder- Neuendorser Kanal und kommen zum altberühmten Schwanenkrug. Brieselang, Bütenheide sind leicht erreichbar, während von dem nördlichen Hennigsdorf Velten zind der Krämer nicht zu weit abliegen. Hohenschönhausen! Der— man möchte sagen— einzige Weg nach Hohenschön- Hausen führt durch die Landsberger Straße und Landsberger Allee. Letztere ist ein Kind des beginnenden 18. Jahrhunderts, als mit dem Einzüge des neugebackenen ersten Königs Friedrich l. durch die ge- nannte Straße das Königliche über das Kirchliche der Gegend trium- phierte. Borher war der hl. Georg der Schutzpatron dieser Gegend: der Georgenkirchhof erinnert noch daran— aber nun wurde aus dem Georgentor das Königstor und aus Georgenstraße die König- straße. Die Landsberger Straße lag, ebenso wie die benachbarte Frankfurter, so recht im Grünen; Gärten und Weinberg«, auch gehalten wird. Von hier kommen wir zu dem eleganten O b e r s« e mit schönen Anlagen und dann gleich an den O r a n t e s e e, dessen ilfer Baden und Restaurieren gestattet. Alles sehr modern, sauber gehalten, die Hguser, sowohl die Einzel- oder Doppelhäuser wie die' großen Quartiere so prächtig in die Landschaft hineinkomponiert, daß man unwillkürlich Vergleiche mit Westgebieten zieht, die zugunsten dieses Ostens ausfallen. Etwa 12 666 Einwohner zählt der Bezirk, auf den Groß-Berlin stolz sein kann. Vo» Orankesee führt die kurze Orankestraße wieder auf die Linie 66. Ilnsere Rundfahrt ist beendet. Neue Verbreiterung der Gertraudtenstraße. Als vor einigen Jahrzehnten die Gertraudtenstraße aus einem gefährlichen Engpaß in einen nach damaliger Meinung breiten Ver- kehrsweg umgewandelt wurde, mag mancher geglaubt haben, daß nun für ein Jahrhundert oorgesorgt worden sei. Aber die E n t- Wicklung des Berliner Verkehrs vollzieht sich in einem so stürmischen Tempo, daß die einschneidensten Maßnahmen, von denen man durchgreifende Verkehrserleichterungen erwartete, schon nach kurzer Zeit sich wieder als unzulänglich herausstellen. Jetzt kommt der Magistrat mit dem Projekt einer neuen Ver- breiterung der Gertraudtenstraße auf der ganzen Strecke zwischen Friedrichsgracht und Breite Straße. Damit der Abbruch neuer Geschäftshäuser und geschichtlich wertvoller Häuser, die auf der Südseite der Gertraudtenstraße stehen, vermieden werden kann, will man den Verkehr in zwei E i n b o h n st r a ß e n von je 26 Meter Breite um die Petrikirche führen. Zunächst ist die Festsetzung der neuen Fluchtlinien erforderlich. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenversammlung um ihre Zu- stimmung zu dem von ihm vorgelegten Fluchtlinienprojekt. s?siis Federn... nund 95 p« Fertige Betten Federn..._ 2.30 graurot Iniott mit grauen Federn Weiße Halbdaunen. 5.60 Ober bett............ 7.35 Schleißfedorn.... I SO Unterbett............ 6.15 Daunen........-. 5.75 Kissen.............. 2.65 FerlUc Inielle, Bettwäsche. Danncndecken, SleppdecKen, nelallbellsleiien, wcihiacKmöftei Aufarbeitung und Reinigung von Betten, Bettfedern und Daunendecken Seit1886. lusim PHnzen-stn Seb ECKE astioen* D/e ausgezeichnete Beitfü! lung: Echt chincs. f Wort?, ges.gresch.) IWI�ÄerSlr QHderBi.�marcK {■.W//A t»/ ////«« wr{J/ L£. trOW /,/ nr.m—" Uvionopol-Halbdaunen Der Wedding weiht den Volkspark Ein großes Volksfest als Eröffnungsfeier. Der volkspark Rehberge, der im vermal- iungsbezlrk Wedding geschaffen worden ist, wurde gestern mit einem grohen Volksfest ein- geweihl und eröffnet. Flaggen in den Farben der Deutschen Republik und der Stadt Berlin grüßten vom Park her. und auch Wohnhäuser der Nachbarschaft hatten geflaggt. In Scharen strömte die Bevölkerung des Stadtteils nach dem neuen Park, um an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Die angefammelie Menge, die inmitten des Parkes in der Umgebung des Sportkampfplatzes sich aufstellte, dürfte mit 150000 Personen nicht zu hoch geschätzt sein. Auf der Terrasse des Sporthauses vor dem Kampfplatz fah man viele Per- sönlichkeiten aus der Gemeindeverwaltung, Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, des Bezirksamtes Wedding und der Bezirksversammlung, der Bezirkeämter und Be- zirksversannnlungen anderer Bezirk«, auch Vertreter von Reichs- und Staatsminist�ien. LOOOO Iu n g e n und Mädel aus den Schulen des Bezirks Wedding waren am Nachmittag mit Musik unter wehenden Fahnen zum Volkspark gezogen. Sie erfreuten mit Spielen, Volkstänzen und Wettkämpfen die Zuschauer. Gegen Abend wurde die Weihe des neuen Volks» partes mit einem F e st a k t vollzogen. In feiner Festrede er- innerte Oberbürgermeister Böß an den früheren Zustand dieses Geländes, das eine Sandwüste war. Mancher habe geglaubt, daß hier doch nichts wachsen werde. Aber nachdem dieser schöne Park Ein gefährlicher Zugenderzieher. Zwei Jahre Gefängnis als Strafe. Die bedenklichen Erziehungsmethoden in der Knaben- und waisenerziehungsanstali Slein-Glienicke bei Potsdam, in deren Kuratorium der deulschnationale Rechl-anwalk Dr. Aoerdung- Potsdam sitzt, befchäs- tigte erneut ein Potsdamer Gericht. Angeklagt ist der Iugenderzieher und Leiter Paul Heller von der Knaben- und Waisenerziehungsanstalt Klsin-Glienicke. Vor einigen Wochen verhandelte das Potsdamer Schöffengerichts in öffentlicher Sitzung gegen diesen Angeklagten, dem Sittlich. keitsverbrechen aus§ Iii Abf. 1 und 176 Abf. 3 zur Last gelegt wird.§ 174 1 RStGB. bestraft mit Zuchthaus oder— bei mildernden Umständen— mit Gefängnis Geistliche, Lehrer und Erzieher, welche mit ihren minderjährigen Schülern oder Zöglingen unzüchtige Handlungen vornehmen. Die gleiche Straf- androhung steht im§ 176 Ziffer 3 für Menschen, die mit Personen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vornehmen oder dieselben zur Verübung oder Duldung unzüchtiger Handlungen ver- leiten. Aus den beiden gesetzlichen Bestimmungen heraus hatte die Staatsanwaltschaft seinerzeit das Hauptverfahren gegen den Angeklagten beantragt. Das Urteil lautete damals wegen Mangels an Beweisen auf Freisprechung. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft legte B e» r u f u n g«in. In der ersten Schösfengerichtsverhandlung kam zur Sprache, daß dieser Leiter die ihm anvertrauten Waisen zum Teil in schändlichster Weise seelisch verdorben hat, indem er sich unsittlich an ihnen verging. Der Angeklagte wurde, lrohdem er wegen Sitllichkeilsverbrechens schon mit 8 Monaten Gefängnis in Darmsiadl verurleili ist. auf Empfehlung eines Potsdamer ka- lastersekretärs, der ebenfalls im Glienicker heim tätig ist, empfohlen und engagiert. Die Vorgänge im Heim und auf den Ausflügen in den Sprcewald find nicht wiederzugeben. Unter den Kna- ben wählte sich der Angeklagte bei Ausflügen eine sogenannte O r- d o n n a n z aus, die mit ihm Zimmer und Bett teilen mußte, wäh- rend die anderen Knaben in einem Massenquartier lagen. Die Potsdamer Strafkammer verurteilte den Angeklagten wegen Sittlichkeitsverbrechens in neun Fällen zu 2 Iahren Ge° ä n g n i s. Dem Angeklagten wird bedingte Strafaussetzung auf Jahre gewährt mit der Auflage, daß er nicht mehr als Erzieher geschaffen wurde, werden hier Gesundheit, Frohsinn und Volkskraft wachsen. Der Oberbürgermeister gedachte der B e- mühungen des Bezirksamtes Wedding um das Zustandekommen der neuen Parkanlage, der Ar- beit aller Beteiligten. Was hier getan wurde, sei getan worden zum Wohl des Volkes und damit des Vaterlandes. Dann nahm Bürgermeister Leid vom Bezirk Wedding das Wort. Er schilderte die Entstehung und Ausführung des Planes, auf dem Gelände der Rehberge einen Park anzulegen, der eine Stätte nicht nur zu Spiel und Sport der Jugend, sondern auch zur Erholung der ganzen werktätigen Beoölte- r u n g werden sollte. Dieses Werk sei Arbeit am Volk und an der Dolksgesundheit, sei Kulturarbeit im besten Sinne des Wortes und ein Ausdruck der dem Volkswohl dienenden Po- litik des neuen Berlin. Möge die Bevölkerung, schloß er, diesen schönen Park hegen und schützen, möge er ihr zum Nutzen und zum Segen sein. Dem Festakt folgten. Sportkämpfe der Lehrer von Berlin, Hamburg und Leipzig. Das Festprogramm brachte auch Gesangsvorträge von Chören. Selbst Feuerwerk und Fackelzug waren vorgesehen. Heber die Parkanlage selber ist im„Vorwärts* schon berichtet worden. In der Menge hörte man überall Ausdrücke der Freude über die Schönheit der Erholungsstätte, die hier geschaffen worden ist. Die Stadt Berlin kann stolz sein aus diese neue Parkanlage, auf den Dolkspark Rehberge. nnd L eiler einer Anstatt lälig fein darf. Monatelang haben diese Zustände im Glienicker Heim geherrscht. Das Wichtigste ist, daß dieser„Erzieher* unter keinen Umständen jemals wieder auf Jugendliche losgelassen werden darf. Die Auioopfer von Gaiow. Oer schuldige Fahrer stellte sich. Das schwere nächtliche Unglück auf der Ehaussee bei Gatow, über das wir im„A b e n d" ausführlich berichteten, konnte bereits gestern nachmittag zum größten Teil geklärk werden. Um 14 Uhr lief auf dem Polizeipräsidium eine Meldung ein, daß in der Nacht zum Sonnabend ein stark beschädigtes Auto in eine Garage in der Vorbergstraße eingefahren fei. Eine halbe Stunde später teilte auch schon das 173. Polizeirevier in Schöneberg mit, daß sich der Besitzer des Wagens, ein 38jähriger' Kaufmann Wilhelm R i e ck e aus der Merseburger Str. 1ö, selbst gestellt habe. R. wurde ins Polizeipräsidium gebracht und einem längeren Verhör unterzogen. Nach seiner Dar- stellung hatte er mit einem Freunde und zwei Damen ein« Fahrt nach Gatow gemacht. Gegen 23 Uhr wurde die Rückfahrt nach Berlin angetreten. An der Unglücksstelle, der gefährlichen 8-Kurve, sei er mit 50 Kilometer Geschwindigkeit gefahren und habe plötzlich einen Stoß verspürt. Er minderte darum das Tempo auf 20 Kilometer herab, da er annahm, daß es sich um S t e i n w ü r f e von Wegelagerern handle. Gegen Mitternacht sei er in Berlin an- gekommen und habe das Auto nach der Garage in der Balberg- straße gebracht, sei dann nach Hause gegangen und habe sich schlafen gelegt. Inzwischen war der beschlagnahmte Wagen, eine Jnneiffteucr- limusine, von Sachverständigen untersucht worden. Ihre Fest- stellungen lassen die Erzählung des Automobilisten völlig unglaub- würdig erscheinen. Zwei Fensterscheiben waren zertrümmert, das Innere des Wagens war mit zahllosen Glassplittern übersät. In der hinteren oberen Ecke des Fensters wurden noch Haare und Gehirnmasse gefunden. Dies ist ein Zeichen dafür, mst welcher Gewalt die Ueberfahrenen gegen den Wagen geschleudert wurden. Nur so erklärt es sich auch, daß der Schädel der Frau gespalten war. Cs habe« sich au verschiedenen Stelle« auch Spur« gezeigt, daß der Versuch gemacht worden ist, die Blutflecke a b z u w i s che u. Mit Bestimmtheit ist anzunehmen, daß die Getöteten laut aufgeschrien haben. In der Stille der Nacht kann Riecke diese Schrei« unmöglich überhört haben. Gestern abend konnten auch die Begleiter des R. herangeholt und im Polizeipräsidium über ihre Wahrnehmungen befragt werden. ' Die neue Welleneinieilung. Ab 30. Juni. Am 30. Juni tritt im Rundfunk nunmehr endgültig die neue Wellenoerteilung nach den Beschlüssen der Prager Funkkonferenz in Kraft. Da in Prag, wie auch aus der bisherigen Veröffentlichung hervorgeht, die Wellen im wesentlichen nur nach Ländern verteilt worden sind, hat es vor endgültiger Zuteilung der für den deutschen Rundfunk in Betracht kommenden Wellen auf die einzelnen Sender zunächst noch verschiedener Ermittlungen bedurft, die jetzt abgeschlossen sind. Die deutschen Hauptsender werden vom 30. Iuin ah aus folgen- den Wellen betrieben: 183,5 kH 1635 m Deutschlands ender, 563 kH 533 m München, 635 kH 473 m Langenberg, 716 kH 418 IN Berlin, 770 kH 390 m Frankfurt(Main), M6 kH 372 w Hamburg, 833 kH 360 in Stuttgart, 923 kH-323 m Gleiwitz, 1085 kH 276 m Königsberg(Pr.), 1157 kH 259 m Leipzig, 1184 kH 253 m Breslau, 1256 kH 239 m Nürnberg. 1319 kH 227 m Köln. Für die deutschen Zwischensender sind folgende Wellen vorgesehen: 527 kH 572 m Freiburg(Br.), 536 kH 560 m Au gsbu rg-Haimo v e r. 662 kH 453 m Aachen-(Danzig), 887 kH 339 in Bremen, 941 kH 319 m Dresden, 1058 kH 283 m Berlin 0-, Stettin, Magdeburg, 1112 kH 270 m Kaiserslautern, 1220 kH 246 m Kiel. Kassel, 1283 kH 234 m Münster(Wests.), 1373 kH 218 kH Flensburg. Wie ersichtlich, ist es bei der Verteilung der Einzelwellen mög- lich gewesen, den Deutschlandsender sowie die Sender München, Langenberg, Gleiwitz, Königsberg(Pr.) und Nürnberg annähernd auf ihren bisherigen Wellen zu lassen. Die Verlegung des Berliner Senders aus seiner Nähe von Langenberg entspricht einem dringenden Bedürfnis. Berlin ist damit auch dem Einfluß von Daventry entzogen, der künftig auf Welle 752 kH 399 m erscheinen wird und somit auch von Langenberg abgerückt ist. Für die Sender Frankfurt(Main), Hamburg und Stuttgart wecr es wegen der Trennung von Frantfurt(Main) und Stuttgart erwünscht und nach der ausländischen Nachbarschaft auch zweckmäßig, die alte Reihen- folge bestehen zu lassen, zumal die eintretenden Wellenänderuiigen für diesen Sender nicht sehr erheblich sind. Wesentliche Aenderungen � dringt hie neue Wellenoerteilung unter BerücksichtjguiH) dieser Umstände für die Sender Leipzig, Breslau und Köln. Mit der Aende- rung der Leipziger Welle ist der Vorteil verbunden, daß die zurzeit bestehende starke Beeinträchtigung des Empfangs dieses Senders durch einen ausländischen©ender in Wegfall kommt. Für Breslau und Köln muß berücksichtigt werden, daß in den betreffenden Sende- bereichen zurzeit zwei Einzelwellen liegen, von denen eine mit er- höhter Sendertcistung betrieben wird. Freispruch im Schaffer-Prozeß. Nach fünfstündiger BeNrjung oerkündete das Schwurgsricht in der Verhandlung gegen den 20jährigen Herbert Meyer, der am 19. Dezember den Referendar Schaff er, ein Mitglied des Jung- deutschen Ordens, anläßlich einer Rot-Front-Kämpfer-Demonstration in Karlshorst erstochen haben soll, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. In der Urteilsbegründung erklärte Landgerichtsdirektor Ohnesorge, daß die Beweisausnahme trotz schwerwiegender Berdachtsgründ« gegen den Angeklagten nicht ausreichte, ihn der Tat zu über- sichren. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Berliner Kinos schließen nicht. Der Verband der Lichtspieltheater Berlin-Brandenburg hgl auf Grund der Stellungnahme der Finanz- und Steuerdeputation beschlossen, von einer Schließung der Lichtspieltheater am 1. Juli abzusehen und auf dem Wege der Verhandlung die Ziele des Verbandes weiter zu verfolgen. Die Sladloerordnelen haben ihre nächste Sitzung, die letzte vor den Sommerferien, am Donnerstag um 16$t Uhr. dack JCondon: (Dcrechügte Uebersetzung von Erwin Magnus). Die, Ophirgefchichte habe ich nicht umsonst gemacht. Und wenn es erst losgeht, wird das fremde Kapital schon von selber kommen. Ich brauche nur die Geschichte in Gang zu bringen.„Meine Herren," werde ich sagen,„hier sind alle Bedingungen für eine große Hauptstadt gegeben. Die Allmacht hat selbst die Voraussetzungen geschaffen und hat mich hergesetzt, um sie zu erkennen. Wollen Sie Ihren Tee und Ihre Seide von Asien hier landen und weiter nach dem Osten schicken? Hier sind Docks für Ihre Dampfer, und hier find Eisenbahnen. Wollen Sie Fabriken haben, von deNen Sie Ihre Waren direkt zu Wasser und zu Lande verschicken können? Hier ist der Baugrund, und hier ist die moderne Stadt mit den neuesten Einrichtungen für Sie selbst und Ihre Arbeiter." Dann haben wir hier Wasser. Ich werde schon dafür sorgen, daß die meisten Wasserkräfte mir gehören. Warum nicht auch die Wasserwerke? Da liegt Geld— Geld überall. Alle Räder greifen ineinander. Jede Verbesserung erhöht den Wert der anderen. Sehen Sie hin. Sehen Sie nur hin. Sie könnten gar keinen besseren Platz für eine große Stadt finden. Es fehlt nur noch die Bevölkerung; in zwei Iahren will ich einige hunderttausend Menschen herschaffen. Und was mehr wert ist, es wird kein Swindel sein. In zwanzig Iahren wird eine Million Menschen auf dieser Seite der Bucht wohnen. Und dann will ich Eukalyptusböume, Mil- lionen Eukaliptusböume auf diesen Höhen pflanzen.* „Aber wie wollen Sie das alles machen?" fragte Dede. „Sie haben doch nicht Geld genug für alle Ihre Plane?" „Ich habe dreißig Millionen, und wenn ich mehr brauche, kann ich den Boden oder andere Werte beleihen. Di« Hypo- thekenzinsen werden längst nicht die Wertsteigerung der Grundstücke verschlingen, und ich werde ja auch immer schon welche davon verkaufen." I In den folgenden Wochen war Daylight stark in An- spruch genommen. Die meiste Zeit oerbrachte er in Oakland und kam nur selten ins Bureau. Ep dachte daran, das Bureau nach Oakland zu verlegen, mußte aber erst, wie er zu Dede sagte, den heimlich vorbereiteten Feldzug zu Ende gebracht und den Boden aufgekaust haben. Sonntag auf Sonntag sahen sie bald von diesem, bald von jenem Gipfel auf die Stadt und ihre noch ländlichen Vororte hinunter, und er zeigte ihr seine letzten Erwerbungen. Zuerst waren es ver- streute Ländereien, aber mit den Wochen wurden die Grund- stücke, die ihm gehörten, immer seltener, bis sie schließlich wie Inseln dalagen, die vyn allen Seiten von seinem Grund und Boden umgeben waren. Es hieß schnell und angestrengt arbeiten, iden Oakland und Umgebung begannen natürlich bald das riesige Aufkaufe» zu spüren. Aber Daylight hatte bares Geld, und schnelles Handeln war immer seine Art gewesen. Ehe die anderen et- was von dem bevorstehenden Aufschwung ahnten, hatte er in der Stille schon vieles vollbracht. Während seine Agenten Eckgrundstücke und ganze Häuserblocks im Herfen des Ge- schäftsviertels aufkauften, hatte er sich gleichzeitig von der Stadtverwaltung Privilegien erteilen lassen, die beiden ruinierten Wasserwerke und die acht, neun unabhängigen Straßenbahnlinien beschlagnahmt und seine Hand nach der Bucht von Oakland und dem Strande für seine Docks aus- gestreckt. Als Oakland dann endlich, durch diese unerhörte Tätig- keit in jeder Beziehung aufgerüttelt, erregt fragte, was das zu bedeuten habe, kaufte Daylight im geheimen die maß- gebende republikanische Zeitung und das Hauptorgan der Demokraten und übersiedelte kühn nach Oakland in sein neues Bureau. Das war natürlich in großem Stil eingerichtet und nahm vier Stockwerke in dem einzigen modernen Gebäude der Stadt«in— dem einzigen Gebäude, das, wie Daylight sagte, später nicht abgerissen werden sollte. Hier gab es Ab- teifung über Abteilung, ganze Haufen von Abteilungen, und Hunderte von Handlungsgehilfen und Stenotypistinnen. * Monatelang vergrub Daylight sich in die Arbeit. Die Ausgaben waren ungeheuer, und vorläufig hatte er keine Einnahmen. Außer mit einer allgemeinen Steigerung der Bodenwerte hatte Oakland nicht auf sein unerwartetes Auf- I treten auf der Finanzbühne reagiert. Die Stadt wartete ab, ! was er tun würde, und er verlor darüber keine Zeit. Die besten Köpfe wurden von ihm für die verschiedenen Arbeits- zweige angeworben. Mit Leuten, die die Sache verkehrt an- griffen, hatte er kein Mitleid, und er war fest entschlossen, auf die rechte Weise anzufangen. So engagierte er Wilkinson, indem er sein an sich schon hohes Gehalt verdoppelte, holte ihn sich aus Chikago, damit er die Organisation der städti- schen Eisen- und elektrischen Bahnen übernahm. Tag und Nacht wurde in den Straßen gearbeitet, und Tag und Nacht rammten die Arbeiter mächtige Pfähle in den Schlamm der Bucht von San Franziska. Der Pier sollte drei Meilen lang werden, und die Berge von Berkeley wurden ganzer Euka- lyptuswälder für die Pfähle beraubt. Gleichzeitig ließ er die Wiesen vermessen und nach den besten modernen Methoden in Baustellen, Boulevards und Parks einteilen. Breite, gut planierte Straßen mit Abzugs- kanälen und Wasserleitungen wurden angelegt und mit Steinen aus seinen eigenen Steinbrüchen gepflastert. Die Bürgersteige wurden zementiert, so daß der Käufer nichts zu tun hatte, als Grundstück und Architekt zu wählen und zu bauen. Die schnelle Beförderung mit den neuen elektrischen Bahnen machte die Umgebung von Oakland unmittelbar zu- gän'glich, und lange, ehe noch die Fähre in Gang war, be- fanden sich schon Hunderte von Wohnhäusern im Bau. Sein Verdienst an den Grundstücken war riesig. Mit einem Schlag? hatte er kraft seines Reichtums freies Feld zu einem der besten Wohnviertel der Stadt umgeschaffen. Aber das Geld, das auf diese Weise hereinfloß, wurde sofort wieder in andere Unternehmungen gesteckt. Der Bedarf an Straßenbahnwagen war so groß, daß er eigene Werkstätten für ihren Bau einrichtete. Und selbst zu den steigenden Preisen fuhr er fort, Fabrikgrundstück? und Bau- platze zu kaufen. Auf Wilkiirsons Rat wurden fast alle be- reits im Betrieb befindlichen Straßenbahnlinien geändert. Die leichten, unmodernen Schixney ipurden herausgerissen und durch die schwersten erfetzt, die fabriziert wurden. Eckhäuser an scharfen, engen Straßenbiegungen wurden aufgekauft und ohne Gnade geopfert, um der Straßenbahn Kurven für die Schienen und größere Fahrgeschwindigkeit zu schaffen. Dann machte er sich an die Hauptlinien, die zu seiner Fähre führten und den Verkehr von ganz Oakland, Alameda und Berkeley mit durchgehenden Expreßzügen bis zum Ende des Piers besorgten.(Fortsetzung folgt.) Iniellekiuelle und proleiariat. Professor Marck bei unfern Studenten. In einer gut besuchten Slodeokenversammluag, einberufen durch die Vereinigung sozialdem». kralischer Studierender, sprach prosesfor Siegfried Marck- Breslau über den Gegensah zwischen Intellektuellen und Proletariat. Die Intellektuellen, die zur Arbeiterbewegung stohen, so führte er aus, werden von zwei Seiten mißtrauisch betrachtet: von den Gegnern, die im Sozialismus eine reine Handarbeiterbewegung sehen, und von den Arbeitern s e l b st, die in den Intellektuellen zunächst den U e b e r l ä u f e r aus der anderen Klasse sehen. Bebels Worte, die von ihm im Zusammenhang mit der Revisionismus- debatte gebraucht wurden:„Seht euch jeden Genossen an, aber seht ihn euch doppelt an, wenn er ein Akademiker ist" kann man auch heute noch hören, allerdings werden sie heute auf die r a d i- kalen Intellektuellen bezogen. Der Gegensah zwischen £)and- und Kopfarbeitern hat sich bereits �bgeschllsfen, die(Einordnung der Angestellten in die Arbeiterbewegung vollzieht sich. Schwieriger ist es schon bei den Beamten. Auch die' Akademiker beginnen sich einzuordnen. Der Akademiker ist heute e n t- kapitalisiert, er übt sein Amt nicht mehr auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Besitz aus, seine akademische Ausbildung ist nicht mehr allgemein, sondern spezialisiert, er bezieht Gehalt und wird entlassen wie jeder Angestellte und Arbeiter. Der Gegensatz zum Proletariat ist hier nicht mehr groß, aber er spitzt sich zu bei den wesenhasten, nicht auf Grund irgendeiner Borbildung, sondern durch ihre Persönlichkeit Intellektuellen. Hier entstehen die Gegen- s ä tz e zwischen Tagespolitik und Endziel, Massenträgheit und revo- lutionärem Elan. Zwei Typen des wesenhaften Intellektuellen können sich niemals in die Massenbewegung eingliedern. Der radikale bürgerliche, sektiererische Intellektuelle, der nur von der Vernunft bestimmt Politik machen will und leicht zum Typus des radikalen Kleinbürgers neigt. Er hat zwar mit mancher Kritik an der Massenpartci recht, bleibt aber eine hoff- nungslos private Natur. Der andere Typ ist der un- politische Romantiker, der heute zu den Anhängern des Faschismus gehört, er läuft aus übertriebenem Intellektualismus zur antiintellektuellen Bewegung. Der Intellektuelle ist nicht nur Träger, sondern auch Schöpfer von Ideen, und hier entsteht die Spannung zwischen Jhee und Interesse. Dieser Gegensatz zwischen Geist und Wirklichkeit tritt besonders hervor in der kapitalistischen Epoche, der Sozialismus hat hie Aufgabe, die Spannung zwar nicht aufzuheben, aber zu mildern. Aber der Gegensatz zwischen Intellektuellen und Proletariat wird im Sozialismus aufgeho den: denn der Sozialismus hebt die Intellektuellen als besondere Schicht wie das Proletariat als Klasse auf._ Zwei kommunistische Redakteure verhaftet. Zwei Redakteure der zurzeit verbotenen„Roten Fahne", Fritz H a m p e l(Slang) und Werner Hirsch, sind auf Veranlassung des Oberreichsanwalts verhaftet worden. Gegep die Vsr- hafteten schwebt ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat.___ 3m neuen Programm der„Plaza", das mit Darbietungen der„3 Cartellas"— Zeitvertreib im Künsllerheim— gut eingeleitet wird, lernen wir Hans Beetz und Partner als zwei Equilibsisten großen Formats kennen. Die„Siegust Sisters" zeigen in ihrem Melangcakt«tne stotte Arbeit, die allgemeine Anerkennung findet. Karl R a p p ist„verlängert" worden, d. h., die„Plchza" behält diesen launigen und sympathischen Humoristen auch für dieses Programm. Die„Barbette" ist auch wieder da. Dieser vielseitige Künstler ist für Berlin nicht mehr die großartistische Sensation wie einst vor Iahren: aber man frischt gerne alte Bekanntschaften auf. Waltons Marionetten-Theater vermittelt Kleinkunst, wie sie schöner kaum zu denken ist. Die Revuegirls und Boys, Sängerinnen und Pianisten und schließlich die getreu kopierte Josephine Baker— alle marschieren in bunter Reihmolge auf und wissen das Parkett zu begeistern. Gute Akrobatik zeigen die 4 R o s e t t i s" und die Truppe Bande Velde u. Co. Schließ- lich sei noch des Wiener Le o p o l d i erwähnt, ein kleines beweg- liches Männchen, das sich am Flügel zum Vergnügen aller betätigt. Sommerabend im„Berliner Praler". Ein buntes Kaleidoskop aller möglichen Belustigungen ist es, das sich an schönen Sommer- tagen im Garten des Berliner Praters in der Kastapienallee dreht. Von 4 Uhr nachmittags an gibt es Musik und Tanz im Freien: aus der Gartenhühn« zeigen Akrobaten und Dresieure gut« artistische Arbeit, aber den Vogel schießt eben doch der Elown Willy ab, wenn er mit gemehller Visage und Purpurneese seine drolligen Kapriolen und Kaskaden schlägt.' Dann hallt der Garten von vielstimmigem Kinderlachen. Dann steigt ein« lustige Verwechslungsgeschichte„Er ist doch der Papg", damit auch das Zwerchfell der Großen Arbeit kriegt. Und zum Schluß gibt es eine Gilbertsche Operette„Der ersten Liebe gold'ne Zeit": ein paar handfeste Schlager und was Süßes von der Lieb« sichern der lustigen Handlung Erfolg, an dem das fröhliche Darsteller-Trio Gustl Beer, Greil Lilien und Philippin« Born-Brunn den größten Anteil hatten. In den Zwischenpausen konnte man an der Glückstrommel und beim Buchstechen Frau Fortuna einen Besuch abstatten. Und Dame Fortuna ist hier ganz tief ins Irdische herabgestiegen, sie spendet Würstchen, Eier und andere gastronomische Nützlichkeiten. SozjalistischeArbetterjugendGr.-Verlin Mnsviduneen für diese Ziudrii nur an Zuzendseieeiarlar Zerlin SWS«, vndeuftrat»> Die Arbeitsgemeinschaft Abraham tagt morgen ISlb Uhr im Heim Linien. 4. Singlrris: Die Uebungsstunden fallen vorläufig aus. heule. Sonnlag: TSdwest! ZahiN' ins Zeltlager Birienwerder. Treffvpnkt 8 ijhr Eteltincr R-biibol— Sieinickendors-Weft: Heim' Eeidelstr. 1. Heimabend.— Dahlem, Ii. F.: Tresfpunlt zum Waldfest der Partei IS Uhr Endhaltestelle der Straßen. Wcchebcz�rt"schönebera! Beteiligung am Waldskst der Partei in Dahlem. Treffpunkt 14 tzhr«aiser.Wilhelm-Plah. Anschließend Weihe unserer ssahne». Morgen, Monlag. 19'/' Phr: Moabit n: Seim Lehrter Str. IS— IS.„Entstehung des Volksliedes".— r-llvl-ii I- Schule Sonnenburger Str. 20...Kameradschaftsehe/'— Falk. olafcll- Schule Sonnenburger Str. 20.„Magdeburger Parteitag."— Rorb- vsten u- Seim Danziger Str.«2, B. 3.„Die Iugendintcrnalionale."— S-t onb-ui»««-rstadt- Schule Sonnenburger Str. 20. Heinz-Darthel-Abend.- «ranliurt-r«iertcl: Helm Litauer Str. 18.„SAJ. und Kirche."— Hallisch«» "or- Seim Porästr II. Z. S.„Erst, Einfiihrung in die Sedankcnwelt des Eo>ial'i-inus"— Eharloiteuburg-Slord: Seim Olbcrsstraße.„Eine Italien. fahrt"- Banko» Uli R. Seim Dörfchstr. 14..Sexuelle Fragen." Werbebezirk Mitte: W..P.>Funrt!onärsitiung 20 Uhr im Seim Waisenstr. 13. Wcrbebezirk Prenzlauer Berg: Ueben der Tambourlapelle. Turnhalle Dan. 2lr"3 Donnerstag. 27. Juni, spricht Genosse Seydewih, M. d. R., itb-r Arbeiterjugend und Politik" im Leim Danziger Str.«2. All- anderen Beran'stattungen fallen an diesem Tag- aus. WOH NUNO W£: R IC R A U jWiszsssszsM-MMsWM AU 8S TE LtU» BRESLAU 18 1B.OUN.�SE „Schützer der Pietät." Friedhöfe dienen Oeutschnationalen als Hehvorwand. Dis vom Magistrat und von der Stadtverordnetenversammlung vor kurzem beschlossene Ausweisung mehrerer im Bezirk Kreuzberg gelegener Friedhöfe als Freiflächen ist von den Deutsch- nationalen als Anlaß zur Entfesselung einer wütenden Hetze benutzt worden. Es handelt sich um die von der Bergmann-, der Iüter- boger, der Golßener und der Züllichauer Straße begrenzten Fried- Höfe der Dreifaltigkeiiskirche, der Friedrichswerderschen Kirche, der Jerusalmer Kirche, der Neuen Kirche und der Luisenstädtischen Kirche. Für dieses Gelände sind Straßen- und Baufluchtlinien fest- gelegt worden gegen die Golßener- und die Züllichauer Straße im Oktober 1928, gegen die Bergmann- und die Illterboger Straße bereits durch Kabinettsorder von 1862. Die jetzige Ausweisung der Friedhöfe als Freiflächen hat der Magistrat für nötig gehalten, weil verhindert werden müsse, daß sie einmal bebaut werden. In seiner Vorlage vom 5. März hat der Magistrat das erklärt und er hat hinzugefügt, daß er hie Friedhöfe mit ihrem herrlichen Baum- bestand später zur Förderung der Bolksgesundheit erhalten zu sehen wünscht. Deutsch nationale Zeitungen dagegen haben die Angelegenheit so dargestellt, daß ihre Leser den Eindruck haben mußten, es sei eine baldige Schließung der Friedhöfe und ihre Zerstörung beabsichtigt. Jeder Kenner der Dinge weiß, daß die Ausweisung eines Gebietes als Freifläche eine Schutz Maßregel ist, die nicht auf Zerstörung, sondern gerade auf Erhaltung abzielt. Die Friedhöfe bleiben auch nach dieser Mahregel zunächst weiter Friedhöfe und werden als Friedhöfe so lange weiterbenutzt wenden dürsen, wie das mit Rücksicht auf die Nähe bewohnter Stadtteile zulässig ist. Wird nach den bestehenden Vorschriften es nicht mehr für zulässig gehalten,' dann muß das Polizeipräsidium, nicht der Magistrat, die Schließung der Friedhöfe anordnen, unbekümmert darum, ob sie als Freiflächen ausgewiesen sind oder nicht. Sind sie nicht als Freiflächen ausgewiesen, dann kann noch erfolgter Schließung und nach Ablauf der Liegefrist die Ausschlachtung des Geländes zu Baustellen be° ginnen. Nur die Freiflächenausweisung macht solche Aus- schlachtung unmöglich und bietet eine Gewähr, daß für alle Zeiten einer Zerstörung vorgebeugt wird. Den Lesern deutschnationaler Blätter ist erzählt worden, die Ausweisung der Friedhöfe als Freiflächen sei eine Verletzung der Pietät, ein Attentat auf die Gräber der liebe» Toten, gegen das man in flammendem Protest sich zur Wehr setzen müsse. In der schlecht unterrichteten Bevölkerung finden solche Hetzereien den ge- wünschten Glauben. Der E n t r üst u n g s st u r m ist glücklich zu- stände gebracht worden— und nun hat die deutschnationale Presse wieder eine Möglichkeit, durch Beröffentlichung der Protesterklärun- gen die Hetze neu zu beleben und fortzusetzen. Das ganze Treiben läßt deutlich genug erkennen, daß es den Drahtziehern darum zu tup ist, die Werbearbeit für die kommenden Stadt- verordnete nwahlen in Berlin zu fördern. Aus einem Aufruf, der zur Einzeichnung in Protestsisten mahnt,' teilt ein deutschnationales Blatt mit:„Wir wehren uns aufs äußerste da- gegen, eine uns heilige Sache zum Kampfobjekt der politischen Par- teien zu machen. Für uns ist die Pflege der Gräber eine Sache der Menschheitskultur, die nicht abhängig gemacht werden darf pon den jeweiligen politischen Machtverhältnissen." In Wirtlichkeit macht gerade die jetzt gegen die Stadtverwaltung entfesselte Hetze d i e heilige Sache des F r i e d h o f s chu tz e s zu einem Kampfobjekt politischer Parteien. Die Pietät wird in- den Dienst deutschnationaler Wahlagitation ge- stellt. Sollen wir übrigens daran erinnern, wie oft früher in Berlin alte Friedhöfe, well damals ein Schutz für sie fehlte, zu Baustellen ausgeschlachtet worden sind? An vielen Punkten in Alt-Berlin wohnt man auf ehemaligem Friedhofland, und bei Neubauten werden immer wieder in den Baugruben noch Reste von Toten ge- funden. die einmal hier zur angeblich ewigen Ruhe gebettet wurden. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde an der Linienstraße ein alter Militärfriedhof, die Ruhestätte der Mannschaften, nicht der Offiziere, rücksichtslos vom Militärfiskus zur Bebauung überlassen. Es wird Leute geben, die Aehnliches auch bei Kirchengemeinden und noch heute für möglich halten. Daß die Freiflächenausweisung es für alle Zeiten unmöglich macht, gilt uns als ein Glück. Deutsch- nationale schreien da über„Zerstörung" und toben gegen eine Maß- regel, die totsächlich die Friedhöfe vor Zerstörung schützt.' Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". GefibSktskell»: Berlin E 14. Gebastianftr. 87/38, Hak 2 Tr. Montag, 24. Juni. Tiergarte», Kameradschaft Arminius: 20 llyr Turnhalle Cchlcswiger Ufer, Uebung. Moabiter Kameradschastent 20 Uhr Antreten Turnhalle Schleswigcr Ufer, Pflichtpcranftaltung. Nentölln- Brih, Iungbanner: 18(4 Uhr RIngbhf. Neukölln zur Rathenau-Fcier. Köpenick, Ortsscrein: Ziathcnau-Feier. Abmarsch Ig Uhr Linden. Ecke Bahnhofstraßc niit Tambourkorps.— Dienstag, 25. Juni. Kreuzberg: Erweiterter Vorstand, Funkioniirc 20 Uhr bei Gruhl, Ritterstr. 126(Ersatzwahl), Renlölln-Britz: 20 Uhr I. Kameradschaft 3. Zug Zugversammlung bei Ziathgeber. Kaiser- Friedrich-Str. 212. Vortrag Kam. Behrc:„Berlin als Hafenstadt". Jung- banner: Quartiersstzung A> Uhr bei Dolewski, Boddinstr. 57. Prenzlauer Berg: Einäscherung des Kam. Neriich l» Uhr Krematorium Gcrichtstrassr. Ehar- lottenburg: 20 Uhr Kqmeradfchgftsversammlung Wittenbeifa im Rollendorf- kassnp, Kfcistfir. 41. Nekerrnt Kam. Dr. Cchlltzinger. SInderrieg«! Jeden Dienstag und Donnerstag ad 18 Uhr Uebungsabcnd im Bookshaus Wenden. schloß. Beginn eines neuen Anfängerkursus. Rarineabteilung: 19(4 Uhr Turne» und Schwimmen.— Mittwoch, 26. Juni. Neukölln, Britz: 20- Uhr I. Kameradschaft Zugpersommlung de! Grommeck, Sanderstr. 19. Barirag Kam. Rektor Schulz:„Schulpolitik", l. Kameradschaft 2. Zug, Zug. und großer Republikanischer Tag bei Schonert, Kynaststraße, am Rummelsburoer See. Festrede Kam. Frgnz Künstler, M. h. R. Eintrittskarten für 50 Pi. find bei den Funktionären sowie beiM Kam. LSwenberg, Blumcnstr. 61 und im Gaubureau zu haben.'_ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umoegend. kNachdr. verb i Zunächst trüb« und regnerisch, im Laus« de« Tages Heber» gang zu wechselnd bewölktem Wetter, nur noch vereinzolt etwas Ziegen. Wenig Temperatur änderung, Irische Westwinde.— Zür Deutschland: Im Süden ünb Osten meist regnerisch, im Nordwesten und in Mkiteldeutschland Uebergana zu wolkigem Wetier. nur noch vereinzelt etwas Niederschlag. 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So gut wir uns vorbereitet hatten— »• einen derartigen Andrang konnten wir nicht erwarten. Wir haben aber alle Vorbereitungen für die nächsten Tage getroffen und werden uns sehr bemühen, j eden unserer KundLen restlos zufriedenzustellen» Wir sprechen die höfliche Bitte aus: Kommen Sie, wenn möglich, in den Vormittags- stundent Es wird sicherlich Ihr Vorteil sein/ KARSTADT Hermannp latz WERTHEIM Leipziger Str.(Vcrsand-Abt.) Kcnigstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz BERLINER FESTSPIELE ScblulVvorslellung Dienstag. 25. Juni. Staatsoper U.d. Linden Gastspiel Gig Ii-Stabile InTosca Tl\eaterkasse Werll\eim Großer Ferien-Verkauf Blusen SpOli-PulloVCr Kunstseide mit Baum- �pa wolle, weiß mit farbigen Blenden Tennis- Jumper weiß Panama... 390 gestreifter, kunstseidener Toile, r|__ mit langen Aermeln und Kragen JumpCr weiß Vollvoile, Handhohlsaum Mädchen-Kleidung Kinderkleid ZetMr Lä»leä«rS 95 Pf. 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Um die Frage, Getreide Monopol oder nicht, ist in dem vom Reichskabinett«ingesetzten Sachverständigencmsschutz hart gekämpft wanden. Landwirtschastsvertreter uird Derbraucher waren grund- sätzliche Anhänger des Monopolplans. In den letzten Tagen zeigten sich aber erhebliche Gegensätze zwischen den beiden Gruppen. Dennoch hat der Ausschutz gestern noch einmal über die Behebung dieser Schwierigkeiten oerhandelt. Eine Einigung konnte jedoch wieder nicht zustande gebracht werden, da sich die Gegensätze nicht verringert hoben, sowohl in der Preisfrage als auch in der Frage der Zusammensetzung des Reichsgetreiderats. In beiden Fragen wäre nach den Plänen der landwirtschaftlichen Vertreter der Der- braucher zu kurz gekommen. Es soll nunmehr dem Reichskabinett ein Bericht über die bisherigen Verhandlungsergebnisse vorgelegt werden, in dem sowohl der Standpunkt der Mehrheit als auch der Minderheit zu Worte kommen soll. Die Arbeiten des Getreideausschusses sind im übrigen auch. nachdem eine Einigung über das Monopol nicht erzielt werden konnte, noch nicht abgeschlossen. Ueber verschiedene Fragen der Getreidewirtschaft soll in den nächsten Tagen weiter beraten wer- den. Am Montag ist eine Verhandlung über die Frage des Vermahlungszwanges vorgesehen. Nach einem vom Zentrum unterstützten Reichstagsantrag der Volkspartei sollen nämlich die Mühlen verpflichtet werden, neben ausländischem Getreide auch einen bestimmten, noch festzusetzenden Anteil inländischen Getreides mit zu vermählen. Man erwartet von diesem Vermahlungszwang eine stärkere Nachfrage nach deutschem Weizen und ein« entsprechende Preissteigerung. Zahlreiche Sachverständige sind zur Vernehmung in dieser Sitzung geladen. Datz bisher eine Einigung über das Getreidemonopol zwischen Erzeugern und Verbrauchern nicht erzielt werden konnte, ist sicher bedauerlich. Es ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber der bisherigen althergebrachten starren Zollpolitik und dem ständigen Kampf zwischen Stadt und Land gewesen, datz einmal ,in einem Ausschuß Vertreter der landwirtschaftlichen und Verbraucher- , Parteien zusammengearbeitet haben, um das Getreideproblem in einer Weise zu lösen, die nicht nur den Erzeugern einm gerechten und die Produktionskosten deckenden Preis garantiert, sondern auch die Verbraucherschaft vor übermäßigen Preissteigerungen schützt. Recht bald hat sich unter den meisten Mitgliedern des Getreide- ousschusses die Ansicht durchgesetzt, daß solch eine vernünftige Ver» siändigung nicht durch starre Zölle, auch nicht durch ein« Preis- ousgleichsgebühr, sondern nur durch ein Getreidemonopol geschaffen werden kann. Die Furcht der Unternehmerparteien vor dem „sozialistischen" Monopol und die Gewinninteressen der privaten Getreidehändler, also klassenpolitische und Erwerbsinteressen, standen aber einer vernünftigen agrarpolitischen Lösung entgegen. Der gegenwärtige Stand der Verhandlungen läßt die Aussicht auf ein Zustandekommen des Geireidemonopols vor der neuen Ernte nicht mehr als sehr groß erscheinen. Damit würden zunächst auch die Stabilisierungspläne für die Getreidepreise fallen. Es kann kein Zweifel sein, daß nunmehr von agrarischer Seite und auch von einem Teil der bürgerlichen Mittelparteien eine starke Zollcrhöhung nach altem Schema gesordert wird. Nun sind die Getreidezölle im schwedischen Handelsvertrag für Weizen auf 6„50 M. je Doppelzentner, für Roggen auf 6 M. je Doppel- zentner und für Futtergerst« und Hafer auf S M. je Doppelzentner gebunden. Um diese Zölle in Kraft treten zu lassen, müssen die zurzeit geltenden Zwischenzollsätze von 5 M. je Doppelzentner Weizen, Roggen und Hafer und von 2 M. je Doppelzentner Futter. gerste außer Kraft gesetzt werden. Selbst wenn sich für die Außer- kraftsetzung der Zwischenzollsätze für Roggen und Weizen im Reichstag eine Mehrheit finden sollte, so kann doch bereits jetzt ge- sagt werden, daß diese Maßnahmen, wenn die Ernteaussichten weiter gut bleiben, ein« Verwertung der deutschen Ernte 1929 zu Preisen, die die Produktionskosten decken, nicht sicherstellen können, daß andererseits diese Zollerhöhung bei Veränderung der Weltmarkt- Verhältnisse zu einer schweren Bedrückung der städti- schen Lebenshaltung werden muh. Dies« Bedrückung muß um so unerträglicher sein— ohne Nutzen für die Landwirtschaft—, wenn die Schwedensätze wesentlich überschritten werden sollen. Um die Getreidezölle über die im Schwedenvertrag festgesetzte Höh« hinaus steigern zu können, sind bereits Verhandlungen mit der schwedischen Regierung über Aenderung des schwedischen Han- delsvertrags eingeleitet. Bisher sind sie ergebnislos. Sollten sie nicht noch zu einem Erfolge führen, so werden die agrarischen Par- teien zweifellos ein« Kündigung des schwedischen Handelsvertrages am I. Juli zum 1. Januar 1930 fordern. Es muß jetzt schon darauf hingewiesen werden, daß solch eine Kün- digung imd Zollerhöhung ab 1. Iamiar 1930 nicht nur die Ver- Wertung der kommenden Ernte kaum verbessern kann, da dann bereits der größte Teil der deutschen Ernte verkauft ist, sondern daß mit dieser Maßnahme auch schwere handelspolitische Schädi- gungen der deutschen Wirtschaft verbunden sein können. Wie Amerikas Farmerhilfe aussieht Deutschland kann daraus lernen. während In Deulschland um die Gelreidezölle gekämpft wird, hak USA. eine syslemalische Absahregelung mit Slaatshilse beschlossen. Repräsentantenhaus und Senat der Dereinigten Staaten von Amerika haben vor wenigen Tagen nach langem Kampf das Farmer- Hilfsgesetz verabschiedet. Hoooer hat das Gesetz bereits unterzeichnet. lim die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu heben, die durch Produktionskostensenkung, Produktionssteigerung in Amerika und Weltmarttkonkurrenz nicht ebenso gestiegen sind wie die Preise industrieller Erzeugnisse, und damit das Einkommen der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu steigern, sind in Amerika in den letzten Jahren verschiedene Gesetzesvorschläge gemacht worden. Zu. nächst wollte man den Export des im Inland nicht verwendbaren Getreides subventionieren und die Kosten dieses Exportzuschusses auf die Landwirtschaft umlegen. Man erhoffte dadurch eine Erhöhung der Inlandpreise über das Weltmarktniveou um den jeweiligen Zoll- betrog. Am Widerstand des damaligen Präsidenten Coolidge ist dieser Plan gescheitert. Das in den letzten Monaten in den Dereinigten Staaten be- ratene Farmerhilfsgesetz sah sogar noch ein« weitergehend« Subvention für die Landwirtschast vor. Auch in diesem Gesetz sollte die Ausfuhr prämiiert werden. Die Ausfuhrverlust« sollten jedoch nicht auf die Former umgelegt, sondern aus der Staats- k a I s e getragen werden. Nach Berechnungen des damaligen Staats- sekretärs, jetzigen Präsidenten Hoooer hätte diese Subvention dem amerikanischen Staate jährlich etwa 150 bis 200 Millionen Dollar, also 600 bis 800 Millionen Mark gekostet. Wahrscheinlich hätten sich diese Kosten noch gesteigert, weil eine Erhöhung der inländischen Preis« zur Produktionscrweiterung angeregt und damit auch wieder die verlustbringenden Exportüberschüsse vergrößert hätte Der Plan der mit den Exportprämien verbundenen Einsuhrscheine(Lxport. debentures), wenn sie auch nur in halber Zollhohe, aber nicht nur für Getreide, sondern auch für Schweine, Tabak, Baumwolle, Reis usw. gewährt werden sollten, ähnelt sehr den deutschen Einfuhr- scheinen, nur mit dem Unterschied, daß die au» ihnen dem Staat erwachsenden Kosten in einem Exportland wie Amerika wesentlich größer sein müssen als in einem hauptsächlich auf Import eingestellten Land wie Deutschland. Hoooer hat von vornherein die Einfuhrschein« abgelehnt. Schließ- lich haben sich auch Senat und Repräsentantenhaus dazu entschließen müssen, das Farmerhllfsgesetz unter Weglassung derExport- Prämien zu verabschieden. Damit ist der Charakter des Farmerhilfsgesetzes ein voll stand ig anderer ge- worden als ursprünglich geplant. Der für die europäische und ebenso für die kanadische und argentinische Landwirtschast bedrohliche Dumping-Cxport großer amerikanischer Getreidemengen, die Gefahr der völligen Preisverwirrung auf dem Weltmarkt und die besürchteie Verteuerung der amerikanischen Lebenshaltung ist damit beseitigt. Was nunmehr noch in dem Gesetz enthalten ist, sind nicht mehr Subventionen und Exportdumping, sondern durchaus vernünftige, mit amerikanischer Großzügigkeit durchzuführende Ratio nalisie- ru n g s m aß n a h m e n des landwirtschaftlichen Ab- satzwesens und vor allem des genossenschaftlichen A b s o tz e s. Hauptziel des Jarmerhilsegefetzes ist Erziehung des Landwirts zum genosseuschafllichea verkauf seiner Waren, Bildung von landwirlschastlichen Genossenschaften. Unterstützung des Baues von Elevatoren. Lagerhäusern, Wasserstraßen. Ein eigenes kederai-karm-Loerd(Bundes-Landwirtschastsaml) soll neben dem Londwirtschastsministerium eingesetzt werden, um die landwirtschaftlichen Absatzverhältnisse zu studieren, um landwirtschaftliche Ueberproduktion und damit verbundene Preisstürz« zu verhüten. Als weitere Aufgabe wird das Ziel, die Landwirt- schaft auf unrentablen Böden aufzugeben, be- zeichnet. Also auch stark In die Produktionsverhältnisse soll das Bundes-Landwirtschaftsamt eindringen. In erster Linie soll es mit allen Mitteln aber eine Rationalisierung des Handels, eine Verkürzung der Wege der Waren vom Erzenger zum Verbraucher anstreben, und nicht zulehk soll das Landwirtschaflsamt Maßnahmen' zur Slabiii- sierung der landwirtschaftlichen preise durchführen. Man sieht, eine Fülle von großen Aufgaben, zu deren Be- wältigung ein Kredit von 2,1 Milliarden Mark in dem Gesetz vorgesehen ist. Zwar soll dieser Kredit verzinst werde». Immerhin werden die Zinsen vermutlich so niedrig gehalten sein, daß sie den landwirtschaftlichen Genossenschaften eine entscheidende Ueberlegenheit im Handel mit Agrarerzeugnissen sichern. Man muß in der Tat staunen über das Maß von bewußter Planwirtschaft, das aus der amerikanischen Farmer-Bill spricht. Man kann daraus auch für Deutschland lernen. Nach dem Wegfall der Export-Prämiierung bleibt allerdings, wenn man das Einkommen der Landwirtschaft erhöhen will, ohne die Derbraucher- preise in die Höhe treiben zu können, nichts anderes übrig, als die Zwischenhandelsspanne zwischen Erzeuger- und Ver- braucherpreisen abzubauen und durch äußerste Absatzrationaliflerung der amerikanischen Landwirtschaft erhöhte Erlöse für ihre Waren zuzuführen. Es wäre wünschenswert, wenn die deutsche Land- Wirtschaft mehr als bisher diesem Beispiel Amerikas: Erhöhung des landwirtschaftlichen Einkommens nicht durch Verteuerung der Lebenshaltung, sondern durch Rationalisierung folgen würde. Herren im Hause! Von der Generalversammlung der I. G. Farben. Der größte Ehemietrust der Welt, die Deutsche I. G. Farben- industne, hat immer aus dein Standpunkt gestanden, daß die deutsch« Oeffentlichkeit nicht danach zu fragen hat, wie der I.©. Farbentrust sich entwickelt und welche Politik er betreibt. Die Frage der größeren Publizität war auf der gestrigen Eenerolver- scrmmlung, wie schon alljährlich, wieder ein Diskussionsthema, aber über alle Selbstoerständlichkeiten und allgemeine Andeutungen hinaus Hot man nicht viel erfahren. Wieder hat sich Geheimrat Duisberg darauf berufen, daß die böse Konkurrenz durch ein« größere Publizität Dinge erfahren könnte, die der Gesellschaft schädlich sind. Das geschieht trotz der zunehmenden Amenkamsiening des I. G. Farberrtrusts, und wir sind begierig zu wissen, ob di.c I. G. Farben für ihre Stiederlassungen in den Vereinigten Staaten auch solche Geheimniskrämerei gelten lassen kann« die drüben längst zu den Ladenhütern der Geschästspolitik gehört. Ganz allgemein wurden einige sehr interessante und auch sehr Bei nervösen Störungen, Erregungsiuifänden, unruhigem Schlaf, Schlaflosigkeit hilft Ihnen Baldrameni Reichel, die natürliche Ncrvenmedizln. Fl. M. 1.50 u. 2.50, In Drogerlen und Apotheken, »onsl durch Otto Reichel, Berlin 43, SO, Eisenbahns trabe 4. Von Jokkmokk nach Baden-Baden ZIELFAHRT BADEN. BADEN I.PREIS! Zwei serienmäßig hergestellte 8/35 PS ADLER-FAVORIT-wagen legten die 6000 km lange Strecke Frankfurt o. M.. Jokkmokk(Iwm} Baden-Baden in 10 Tagen ohne Störung zurück Diese hervorragende Leistung zeigt, daß die Adlerwerke auch bei ihrer neuesten Schöpfung dem alten Grundsatz:„Gediegene Arbeit und höchste Qualität des Materials" treu geblieben sind. Der billige Preis und die niedrigen Unter haltungskosten sollten auch Sie veranlassen, dem ADLER-FAVORIT erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Sie dienen sich damit selbst am besten! 8/35 ADLER-FAVORIT van rm 4950 on ADLERWERKE VORM. HEINRICH KLEYER A. G, FRANKFURT A. M- FUJole: Berlin. Bdk-Mlonce-Str. 6/ Unh d. Und«« 13/15 wichtige Dinge angedeutet. Vor allem scheint m Aussicht zu stehen, daß die Konkurrenz zwischen künstlichem Stickstoff, dessen Produktion in der Hauptsache auf I.®. Farben patenten beruht, und natürlichem Stickstoff, den der chilenische Salpeter darstellt, beseitigt werden soll. Jedenfalls laufen Besprechungen der I. G. Farben mit der chilenischen Regierung und den Salpeterinteressenten, die mit der Absicht fortgesetzt werden, die großen Gemeinschoftsfragen der S t i ckst o f f i n d u st ri e mit der chilenischen Salpeterindustrie zusammen zu behandeln. Ebenso wurde mitgeteilt, daß denmächst der Abschluß eines Vertrages über ein Zusammengehen mit der Standart Oil Company von New Jersey erwartet werden kann, dem wohl wichtige Fragen der synthetischen Benzinerzeugung verbunden mit der Ueberlassung von Patenten an die Standard Oil zugrunde liegen. Wenn gesagt wurde, daß die Geschäfftslage der I.©. Farben durchaus günstig sei, so mag das die Spekulanten in Chemie- trustaktien interessieren; für die oolkswirffchaftliche Beurteilung der I.®. Farben wird damit nichts gewonnen. Interessant fft, daß die I. G. Farbenverwaltung den sich hartnäckig erhaltenden Ge- rächten, daß die Kohleverflüssigung in Leuna kaum als Erfolg anzusehen ist, glaubte entgegentreten zu müssen. Es wird versichert, daß die Arbeiten planmäßig fortgeführt worden seien, daß die bisherige Benzinproduktion weiter gesteigert würde, daß der Absatz des Leuna-Benzins sich glatt vollziehe und sich auf dem Brennstoffmarkt auch eines sehr guten Rufes erfreut. Diese Be- hauptungen sind zunächst nichts als Behauptungen. Wenn man Ziffern gäbe..brauchte inan nicht so viele Worte machen. Hier könnte eine größere Publizität, wenn die Behauptungen stim- m-rn, der I. G. Farben in der Tat nur nützen. Eine Mitteilung von Taffachen, die aber auch im einzelnen nachzuprüfen wäre, ist folgendes: Innerhakb der I.®. Farben und des Leuna-Werkes feien im Jahre 1928 rund 348 Millionen an Löhnen und Gehältern gezahlt worden. An gesetzlichen sozialen Lasten seien 18, Z, an freiwilligen Wohlsahrtsausgaben 28,7 Millionen gezahlt worden. Das entspräche 13,58 Proz. der Lohn- und Gehaltssumme oder 433,90 M. auf den Kopf der Durch- fchnittsbelegfchast. In diesen Dingen scheint der Publizitätswille überraschend groß. Müssen wir noch sogen, warum gerade hier? Russische Zündholzeinsuhr wächst. Ueber die Konkurrenz russischer Zündhölzer in Deuffchland und -die Abwehrabsichten des Schwedentrusts wurde in den letzten Wochen heftig diskutiert. Jetzt zeigt die russische Außenhandelsstatistik, daß sowohl die nffsische Gesamtausfuhr an Zündhölzern als auch ins- besondere die russische Zündholzeinfuhr nach Deutschland in den ersten fünf Monaten des neuen russischen Exportjahres stark gewachsen sind. Von Ottober 1928 bis Februar d. I. ist die russische Zündholzausfuhr insgesamt gegenüber der gleichen Zeit des Borjahres von 2797 Tonnen auf 6226 Tonnen g e st i« g e n. Die russische Zündholzeinsuhr nach Deutschland erhöhte sich in den ver- glichenen Zeiträumen von 456 Tonnen(Wert 141 000 Rubel) auf 3836 Tonnen(Wert 1,48 Millionen Rubel); d. h. also mengen- mäßig auf rund das Achtfache und wertmäßig auf mehr als das Zehnfache. Schacht spricht über Varls. Reichsbantpräsident Dr. Schacht wird am 28. Juni auf der in München stattfindenden Hauptausschuß- sitzung des Deutschen Industrie- und Handelstags den ersten persönlichen Bericht über die Pariser Konferenz erstatten. IS Millionen für den Brand der„Europa". Das vor einigen Monaten durch einen großen Brand teilweise zerstörte 46 M0- Tonnen-Schiss„Europa" des Norddeutschen Lloyd war natürlich gegen Brandschäden versichert. Die Bersicherungslast haben in der Hauptsache englische Bersicherungsunternchmungen zu tragen. Die Londoner„Times" berichten von einer Regelung, nach der der Nord- deutsche Lloyd aus den Brandschäden eine Forderung von rund 900 000 Pfund Sterling, das find 18 Mil» Honen Mark, an die englischen Be rs i che r n ng s» gesellschaften haben wird. Spareinlagen wachsen langsamer. Zum erstenmal zeigt sich in der Zunahme der Spareinlagen ein langsameres Tempo. In den preußischen Sparkassen waren Ende April dieses Jahres 4933 Mil- lionen reine Spareinlagen enthalten, was einem Zuwachs von .585 Millionen in den ersten vier Monaten des Jahres 1929 ent- spricht. Berücksichtigt man aber, daß bis Ende April 1929 135 Mil- lionen, in den vier ersten Monaten des Vorjahres dagegen nur 86 Millionen gutgeschrieben worden sind, so ergibt sich für 1929 ein reiner Einlagenzuwachs von nur 450 Millionen gegen 48 0 Millionen in den entsprechenden Monaten des Borjahres. Im Monat Mai sollen die Abhebungen ebenfalls den bisherigen Zuwachs petlangjamt haben. Deuksch-kschechischer kohlenvertrag verlängert. Seck 1925 bestand zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei ein Kohlenabkommen, wonach Deutschland die gleiche Menge Steinkohlen und Koks nach der Tschechoslowakei ausführen darf, die der von dort eingeführten Braunkohl« dem Heizwerte nach enffpricht. Dabei werden zwei Tonnen Braunkohle gleich 1 Tonne Steinkohle gerechnet. Die Berlängerung dieses Vertrages bis zum 31. Dezember 1929 fft das Ergebnis vo» Berhand- lungen, die in der vergangenen Woche in Prag zwischen den Be- auftragten der beiden Länder geführt worden sind. „Der Zoung-Plan" mit seiner Einleitung über seine Enfftehung und mit einer kritischen Würdigung seiner wirtschafflichen Bed«ltung ist von der Frankfurter Sozietätsdruckerei(120 Seiten 2,50 M.) in den Buchhandel gebracht worden. NsiSs Zalms: Gblorodont Aus der Partei. Wirtfchastskunde und Arbeiterbewegung. Es ist einer der allgemein anerkannten Grundgedanken der so- zialistischen Bewegung, daß die genaue Kennwis der Wirtschaft zu den wichtigsten Borbedingungen einer erfolgreichen Arbeit in der Bewegung gehört. Demzufolge nimmt der volkswirtschaftliche Unterricht sowohl in der politischen wie in der gewerkschaftlichen Bewegung einen der wichtigsten Plätze in der Schulungsarbeit ein. Die Fülle der hier auftauchenden Probleme wie auch die Bielge- staltigkeit der Bewegung und der ihr dienenden Organisationen zwingen jedoch mehr und mehr zu einer Zusammenfassung und Systematisierung der proletarischen Schulungsarbeit auf volkswirtschaftlichem Gebiete. Den Versuch zu einer solchen Zusammenfassung unternimmt der bisherige Leiter der Heimvolks- Hochschule Tinz Dr. Alfrod Braunthal in seinem umfangreichen Artikel„Die Volkswirtschaft in der Arbeiterbil- d u n g", der in dem soeben erschienenen Iuniheft der„Sozia- l i st is ch e n Bildung" veröffentlicht ist. Bon sonstigen Beiträgen der Nummer seien genannt: Paul A. Pist:.Arbettermusirtult«?�, Frttz NofenfÄd:»De« „neutrale" Kulturfilm". Simon Katzenstem:„HalbbU» d u n g" Prof M. H. Baege beginnt in dieser Nummer eine sehr instruktive Artikelserie über die„Richtung und Strömun- gem in der modernen Psychologie und Adolf Ja- hannesson gibt eine Neihe Vorschläge für die Ausgestaltung der diesjährigen Perfassungsfeier. Im Iuniheft der„Sozialistischen Erziehung", der ständigen Bei- läge der„Sozialistischen Bildung" schreibt Dr. Kurt Lowenstem über die„Aufgaben der diesjährigen Zeltl a g e r Hermann Lücke über den„Klassenkampf um die schule, Helmut von Bracken über die„Seelische Befreiuung der Kinder". Aus der Nummer der„Bücherwarte" sei besonders auf die Besprechungen der neuesten volkswirtschaftlichen und swatswissen- schaftlichen Schriften verwiesen. Die„Sozialistische Bildung" mit ihren Beilagen„Bücherwarte und„Sozialistische Erziehung" ist zum Preise von 1�50 M für das Vierteljahr durch die Post, die Buchhandlung I. H. W. Dietz Nachf., SW. 68. Lindenstr. 2. und durch alle..Vorwärts"�Speditionen zu beziehen. Einzelnummern kosten 75 Pf. WocKenprogramm des Berliner Rundfunks. Konigswusterhausen. Sonntag, 23. jnni: 6.30: Frühkoniert. 8. SS: Stunden docken spiel der Potsderner Oarnison- kirche. 9: Morjenfeier. U: FOr den Landwirt. 12: Blasorchester-Konzert. 14: Kinderstande. 15.06: Uebertragane Roderregatta Langer See bei Ormian. 17: Unterhaltnngsmnslk. 19: Popnläres Konzert. 20: Sendespiele:„Johannis- fener'* von Sodermann. Danach: Tanzmusik. Montag, 24. Jon!: 12.16: Wettenneldungeii«r den Landwirt. 16-30: Genies,«Be keine waren. 16: Die Fürsorge nnd Wohlfahrtspflege als Qesellschalts- and Wirtschafts- problem. 16.30; Sprachliche Plaudereien. 17: KOnstlernachwnchs— Konzert. 18.30: Englisch für Anfänger. 19: Berliner DiplomatenkSpfe. 19-30: Der Ton- Ulm im Atelier nnd Kino. 20: Hngo von Hofmannsthal. 20-30: Uebertragnng Wien— Orchesterkonzert. Danach; Tanzmusik. Dienstag, 25. Juni: *12.30: Die Viertelstunde fflr den Landwirt 16: Der Tag des Staatsanwalts. 16.30: Jod als Lebenselement 17: Konzert. 18: Arnold Hahn liest aas seinen Werken. 18.40; Stunde mit Büchern. 19.10: Mosikaliscbe Anekdoten. 19.35: Einführung in die Naturphilosophie der Gegenwart 20: Sendespiele:„Ein Herbstmanfiver", Operette voo Kaiman. Mittwoch, 26. Jnni: 12.15: Wcttcnncldunecn für dco LAadurtrt. UL30: Weshalb tfbt der tmerf- kanische Haushalt der Frau mehr Möglichkeiten zur Erholung? 16: Technische Wochcnplanderci. 16.30: Die europäische Einheit— Traum von Dichtern und Denkern. 17: Jujendbühne. 17.30: Unterhaltungsmusik. 18.45: Wohin reisen wir? 19.10: Gedanken zur Zeit. 20: Wovon man spricht. 20.30:..Die Opern- ircunde". ein neuartiges Funkspiel. Danach: Tanzmusik. Dcutschlandsender: 20.30: Lieder und Ariep. 21: Kammermusik. Donnerstag, 27. Juni: 12.30: Die Viertel stunde für den Landwirt. 16: Der Kampf um die Macht in China. 16.30: Das neue Recht. 17: Konzert. 18: Grotesker Humor. 18.40; Räuber in der Mark. 19.05: Der Liebhabcr-Photograph. 19.30: Rundfunk- musik für Alle? 20: Mit dem Mikro auf Reisen. 20.30; Gesanjsvorträge. 21: Unterhaltungsmusik. Danach: Tanzmusik. Etwa 2 Uhr nachts: Uebertragnng New York: Endausscheidung um die Weltmeisterschaft im Boxen. 20; Klaviervorträge. Dentscfalandsender: Freitag, 28. Juni: 12.15: Wettermeldungen für den Landwirt. 15.30: Die unverheiratete Frau auf Reisen. 16; Unsere Mutter Erde. 16.30: Schling- und Kletterpflanzen und ihre Verwendung. 17; Unterhaltungsmusik, 19: Schätze des Meeres. 19.30: Das Wochenende. 20: 1919— 28, Juni— 1929. Der Versaillcr Friedensvertrag. Deutschlandsender: 25: Konzert. Sonnabend, 29. Juni: 12.16: Wettermeldungen für den Lnndwirt. 16.30; Vom Elobamn zum modernen Ozeanriesen. 16: Ferienkolonien. 16.30: Medizinisch-hygienische Plauderei. 17: Heitere halbe Stunde. 17.30: Unterhaltnngsmusik. 19: Das Florida Kleinasiens. 19.30: Anfba» nnd Aufgaben der Berliner Zentralverwal- tnng. 20:„Plagiat", eine KoIIektrvkomfidje ans„Mein" und„Dein". Danach; Tanzmusik. Die Abfahrt eines Dampfers vom Stettiner Kai nach Finnland wurde am Nachmittag übertragen. Alfred Braun stand am Mikro- phon. Er weiß seine Augen zu gebrauchen— darin liegt das Ge- heimnis seiner anschaulichen Reportage. Er steht den Dingen mit einer manchmal fast überraschenden Naivität gegenüber. Kleinigkeiten, scheinbare Selbstverständlichkeiten, aber müssen berück- sichtigt werden, wenn sich das Hörbild anschaulich runden soll. Wer gegen dieses Erfordernis verstößt, wird nie imstande sein, lebendig vor dem Mikrophon zu konferieren. Braun— das fei noch einmal festgestellt— versteht es glänzend.— Ueber„M ä r k i s che Seen und Seeufer" sprach Dr. Klose, Kommffsar für Naturdenk- malpflege in Brandenburg. Besonders wichtig an seinew Ausfüh- rungen, die der Landschaftspflege galten, waren die Hinweis« aus das Verbauen der Seeufer. Leider ist es immer noch möglich, das Terraingesellschasten sich der Seeufer bemächtigen und sie par- zellieren. Damit wird den großen Scharen der lufthungrigen Groß- stadtausflügler der Genuß der Seeufer entzogen.— Dr. Ti cha u4 r sprach sehr allgemeinverständlich über die.International« geistige Zusammenarbeit" und hob vor allem die Bedeu- tung der Zusammenarbeit auf dem Gebiete des Erziehungswesens, der Rechtspflege und der Hygiene hervor.— Am Abend gab es «ine schöne Uebertragung aus der Lindenoper, die— ganz im italienischen Stil gehaltene— Oper„T i t u s* von Mozart. Tes. Sonntag, 23. Juni: Ab 6.30: Ueberuagnng aas Berlin. 18.30: Da» isländische Vofksfied. 19: Deutscher Festspiclsommer. 19.30: Martin Andersen NexO znrn 60. Geburtstage. Ab 20: Uebertragnng.ans Berlin. Montag. 24. Juni: 10: Französisch(kultnrkundlich-Uterarische Stande). 16.30: Elsissische Dichter. IT: Uebertragung ans Berlin. 18: Nene Strömungen in der Philosophie. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.56: Weidegang der Milchkühe. 19.20: Meister der Plastik. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft Ab 30; ■ Uebertragnng aus Berlin. Dienstag, 25. Juni: l(>: Schüler wandern im Geiste der Arbeitsschule. 16-30: Die Barockoper. 17: Uebcrt-agung aus Leipzig. 18: Musikverstehen. 1 8.30; Französisch für Fortgeschrittene. 18.55: Die Nordfriesen. 19.20; Staatliche Kunstpflege. 19,-53; Wetterbericht für die Landwirtschaft. Ab 20: Uebertragung ans Berlin. Mittwoch, 26. Juni: In: Plaudereien über die deutsche Sprach«. 16.30: Leo Sternberg, der Dichter des Westerwaldes. 17: Uebertragnng ans Hamburg. 18: Die intet- nationale Znekerkrise. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.56: Praktische Völker. Psychologie. 19.10: Uebertragung aus Berlin. 19.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Uebertragung ans Berlin. 20.30: Dcutschlandsender: Lieder und Arien. 21: Kammermusik. Donnerstag. 27. Juni: 16: Erziehungsberatung. 16.30: Hymnen eines Steinmetzen. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Weltpolitische Stunde. 18.30: Spanisch für F ort- geschritteiie. 18.55: Genossenschaftliche Absatzregelung in den Naclihar. «ändern. 19.20: Europäische Staatsmänner der Gegenwart. 19.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlandsender: Klaviervorträge. Anschließend: Uebertragung ans Berlin. Freitag, 28. Juni: 16: Buch und Kind. 16.30: Musikverstehen. 17: Uebertragnng ans Leipzig. 18: Staatliche Fxnortpflege in Deutschland. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 19: 10 Jahre„Versailler Vertrag". 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Deutschlundsender: Konzert. Sonnabend, 29. Juni: 16: Ein Besuch durch österreichische Schulen. 16.30: Zwiegespräch über die Praxis im modernen Strafvollzug. 17: Uebertragung aus Hamburg 18: Freie nnd gebundene Wirtschaft. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.55: Blumen und Insekten. 19.20: Praktische Volkerpsychologie. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft Ab 20: Uebertragung ans Berlin. kCfemstdRalcteL vom. �ßj�raclwtt4ct!�ci4U�Cichictaj>xit� „vi Niederlagen mit ReparaturwerkstStte In Berlin: Gr. Frankfurter Str. 83 Oranlenstr. 12T. •;r Am 19 Juni verstarb der I. Geschäftsführer der Zahlstelle Berlin des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes Max Cxruhl Er war viele Jahre Delegierter zu unserer Plenarrersammhing und in den letzten Jahren stellvertretendes Vorstandsmitglied. Wir verlieren in ihm einen treuen, bewährten Mitarbeiter, dessen Andenken stets in Ehren gehalten werden wird. Der Vorstand des Orlsausschussei Berlin des A. D. G. B Roch längerem, schweren Leiben ent- schiies sonst ont 19. Jnni. nachm. 5 Uhr. meine liehe Frau, unsere gute Mutter Helene Rambow geb. Löscher Wilhelm Rambow Heinrich u. Wilhelm Rambow Die Beerhlanng findet am Montog. dem 24. Jnni. nachm. 4'/, Uhr, an' dem LutI>er-Friedhoi, Bln.-Lantw:tz, Morlenfelder Strohe statt. Am 22. Juni, morgens 4' i Uhr verstarb mein lieber Mann dustsv Hannemann im 62. Lebenssohre. In Hauet Klara Hannrmann, Treptow, Boucheftr 23 Eind'cheruna findet am Dienstag, dem 25. Inn!, I7>/, Uhr, im Kremo- turtum Boumschulenweg statt. Arn Mittwoch, dem 19. Juni, verschied sanft nach kurzem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und GroOvater, der frühere Molkereibesitzer Fritz Passow im 69t Lebensjahr. Berlin-Friedenau, Rheinstraße 21 III. Dorette Passow, geb. Lindstedt, Hedwig Schweriner, geb. Passow, Karl Passow, F. W. Schweriner. Suse Passow, geb. Werner nnd Enkelkinder. Man bittet von Beileidsbesuchen abzusehen. Die Versammlung des Trauergefolges und die Uebcrführung findet am Montag, dem 24. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des Alten Zwölf- Apos'el-Kirchhofes, Berlin.-Schöneberg, Kolonnen- straüe 24/26, nach der Kapelle des 1. Städtischen Friedhofes, Berlin-Schöneberg, Maxstraße, statt Daselbst Trauerfeier 5 Uhr nachmittags f Oer üeltömmllMe Kaulabah* ist Kapitän, 15 u.20Pfg. Vkf. K Fordern Sie in den Geschäften ausdrücklich diesen' Nach kurzem, schwerem Krankenlager entschlief am 21. Juni vormittags mein lieber, guter Mann, Vater und Schwiegervater, der Gastwirt Gottlieb Groß im 59. Lebensjahre. Agnes Grob Else Hundt, geb. GroS Wilhelm Hundt. Schöneberg, Sedanstraße 17. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 26 Juni, 16 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101, statt bis 24 Monate Tellzahlung. Beamte, Festbesoldete erhalten ohne Anzahlung im altrenommierten Mö-beihaus Berlin SO. OranienstraO* 1 I Boditmlmti.I OnuUaiätniBg I A-Sieim Am 20. Juni, morgens 2.45, per- schied nach schwerem Leiden meine s liebe Frau, unser« gute Mutter Ann» Büttner geb. Okrnsdi im Alter pon 47 Jahren. In tiefster Trauer Reinhold Bötfner Kart BQflner Heinz büttner Berlfn-Drunewald, d. 20. Juni 1929. Winflerstrabe 29. Die Beerdigung findet am Mantag. dem 24. Jnni, nachmittags 245. auf dem Waldfriedhaf Wilmersdorf in Stahnsdorf statt. Spritzpumpen f|l irtiuer, StMiidv m. Krflger I Zi Laiben fuzpäniahii» llrai Friabid- striklüS 107 1 Mb. f. Ett- JjiDiwitjbiätkr GGGGO Blumenspendeu jeder Art liefert prei«wert Panl Gollctz norm. Robert Meyer Marianncnstrafic 3 Cdt Naunynfttage Ami Mortstpl 108» Javabraun Boxcalf Kerbrand Goodyear- Weh Mode mliS,. 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Da e» sich um wichtige Fragen Hanhelf. muß jeder Beirieb vertreten lein. Di« Funftionärinnen fönnen organisierte Kolleginnen als Gäste einführen. Siensfog, ben 30. Znni. nachm. 5>, Ahr. in«malöo varain» hau«. Stalltet Skr. 126 Branchenuersammiung der metaiidrocher und Pollerer Tagesordnung: 1. Bericht. 2. Berbandsangelegenheiten und Verschiedene». Wegen der Wichiiglelt her Tagesordnung erwarten wir. daß alle Kollegen erscheinen. Di- Bertrauenslente steh verpstichrrt. für einen guten Besuch Sorge(U Itagen. Oicaalag. ben 25. 3onl. nachm. 5 Ahr. im Lakai»an Onslao «relfcnbctger. BlkrerRraHe SS (äSeßpalaft) Versammlung der Goidschmiedo-fiemnen Tagesordnung: 1. Berichterstattung üb« die Äntwort der Goitschmi«de»Innung betr. ,!>. schluß eines Tarifverttage». 2. Diskusstan. 3. Branchenangelegenheiten. Alle Kolleginnen und Kollegen nwrden ersucht, in bteser wichtigen Zersammlung bestimmt»u : erscheinen. llliffmod). ben 26. Znnl. abend« 2 Ahr. im Pactecccfaal bes verbanbshaase», ClntenftraHe 83/85 BrencheihVersemmiung oller in der Eiacahanslraktlon. Fahr- «tahl-, Kran- and Aafsagbaa bc- «dUittgtea Mooteore nnd Heller Tagesordnung 1 Stellungnahme zu den Auswirkungen unserer tariflich vereindarten Löhne. 2. Branchenangelegenheiten und Per- ichiebene«. Ohne Milgliebsduch kein Kulritt Ballzähliges Erscheinen ist dnngend nolwenbig Di» am Donveretag.»ew 27. Zun,. alli?« Bertranensmävnerko» erea,:ällt in Anbetracht der Branche»«rsonimliivg Zpielplsn unser«»nttarnbfailnng. In d« Sache vom 24. di« 30. Inni: 1. Eisbrecher«rassln. Z Technischer Film. 3. Humaresle. In der Sache vom 5 di» 11. August: 1. Brand in Kasan 2. Technisch« Film. 3. Humoresfe. Zu der Sache aom 12. bi» 18. August: L Der leben de Leichnam. (Räch dem Nomon von Tolstoi) 2. Technisch« Film. 3. Humoreske. Zu h« Sache vom 19. bis 35- August: 1. Ber irrte Jagend. 2. Technischer Film. 5 Humoreske. Anfragen wegen Ueherlassung und Besuch d«Adf«)ung'"—' nd telephonlich oder schrisi- (ich an hie' Kutturadteilung(Bureau: Liuieuftr. 83:85, Zimmer 20) zu richten. Zu der Zelt vom L Sali bi» 4. August ist uns«» ihtUucohicUung geschlossen. Sietotttöffuuug am 5. August. Die OrtsverwaUang. Cafe Schöneberg BiarhaaM— Caii— Conditorel— FestsSle JVaupfsära/Je 23-2% lab.: Wolf gang Orange Telephon: Stephan 8618 4 Verbaadskegelbabnen 4 Verbaadskegeibahaeu Täglich erstklass. Künstlarkoaxert. Traffpuaki dar Scböaabarzar Bürger Hotel Pv�Alcinr Berlin EigantOrn.: Curt Eltthner WWW| W\aw I■<* ändeltae Bahnhof Größtes Hotel des Kontinents 600 Zimmer/ 800 Betten/ Zimmer M. 8.— an Inklusive (keine Zuschlige, keine PrwenteJ/ SttzfWche för ce. 2000 Pe�. Sehenswürdigkeit Berlins Russisch-Römische Bäder/ Heiib?der direkter Zugang vom Hotelzimmer Nr. 259* 46. Jahrgang 3 Beilage des Vorwärts Sonntag, 23. Juni 4929 Entwurf des Hausgehilfengesetzes Wann wird er Gefeh? Der in ben Iahren 1921/22 vom Vorläufigen Reichswirtfchaftz- rat beratene und von der Reichsregierung dem Reichsrot vorgelegte Entwurf eines Hausgehilfengefetzcs ist infolg« der damaligen schwierigen Wirtschaftslage nicht erledigt worden. Inzwischen haben die Fortschritt« der Gesetzgebung, insbesondere die Entwürs« eines Arbeitsschntzgesetzcs und eines Berufsausbildungsgesetzes, weit- gehende Zlenderunge» auch des Hausgehilfengefetzes notwendig gemacht Diese sind in einem neuen Entwurf zusammen- gefaßt, der in Heft 18 deg Reichsarbeitsblatt«? vom 6. Juni 1928 als Refcrentenentwurf veröffentlicht wurde. Die daran anknüpfenden neuen Erörterungen haben zu nochmaliger Ueber- arbeitung geführt. Nunmehr ist der Entwurf als Aenderungsantrag zum früheren Entwürfe dem Reichsrat zugegangen und wird nebst Begründung in Hgft 18 des Reichsarbeitsblattes vom 25. Juni veröffentlicht werden. Sonderdrucke des Entwurfes nebst Begründung können schon jetzt vom Bureau des Reichsarbeitsblattes, Berlin NW. 40, Scharnhorststraßc 35, zum Preise von 50 Pf. bezogen werden. Von dem vor Jahresfrist bekanntgegebenen Referentenentwurf unterscheidet sich der endgültige Entwurf fast nur der Form nach. Insbesondere bringt er eine schärfere Trennung des Vertragsrechtes vom Schutzrcchte, beschränkt die behördliche Aussicht und die Strafdrohungen auf wenige, bestimmt um- grenzte Tatbestände und verleiht den zwingenden Ver- tragsvorschristen eine Normenwirkung, wie sie den Tarisoevtragsbsstimmungen eigen ist. Sie gehen in alle Arbeitsverträge ein und können nur zugunsten der Arbeit- nehmer abgedungen werden. Die Aenderungen gegenüber dem Entwürfe von 1921 sind wesentlich. Der Geltungsbereich ist erweitert, er umfaßt nicht nur die sogenannten Dienstboten, sondern auch die höheren Hausangestellten, und nicht nur die in die häusliche Ge- meinfchaft aufgenommenen, sondern auch die nur zu häuslicher Arbeit eintretenden Arbeitnehmer. In der wichtigsten Streitfrage, der Regelung der Arbeitsdauer, verzichtet der Entwurf auf eine positive Begrenzung der Tätigkeit und sichert nur eine Mindest ruhe- zeit von neun, für Jugendliche von zehn stunden. Der als Ersatz für die wegfallenden Dienstbücher ver- langte Personalausweis ist nicht allgemein vor- geschrieben, sondern die Länder haben die Befugnis, ihn für solche Hausgehilfen und Hausangestellte, die in die häusliche Gemeinschaft aufgenommen werden, in Großstädten einzuführen. Für die Durchführung des Gesetzes knüpft der Entwurf an den im Reichstage liegenden Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes an, die dort vorgesehenen Arbeitsschutzämter sollen auch die Ein- Haltung der wenigen Schutzvorschriften sichern: aber nicht durch ständige Uebcrwachung der Haushaltungen, sondern nur durch Eingreifen auf Anruf Beteiligter, wenn eine Ver- letzung der Schutzbestimmungen vorliegt. Verantwortlich für die Einhaltung des Gesetzes soll in erster Linie die Haus- f r o u sein. Wenn auch an der Ordnung des bürgerlichen Rechtes, wonach der Ehemann der Arbeitgeber ist, festgehalten wird, so wird doch die Ehefrau als Haushaltsleitcrin mit feiner Vertretung beauftragt. „Die Löhne nicht mehr tragbar". tZchiedsspruch für die Süß«, Back- und Teigwarenindustrie Eine Funktionärversammlung der im Verband der Nahrung;- mittel, und Getrönkearbeiter organisierten Arbeiter und Arbeite- rinnen dieser Industrie befaßte sich mit dem neuen Lohnschiedsspruch, den Prof. Lutz-Richter. Leipzig, gefällt hat. Die Unternehmer forderten einen Abbau der Löhne um 5 Proz., da die jetzigen Löhne für die Industrie nicht mehr tragbar seien. Da die Herren offenbar nicht danach fragen, ob die Löhn« für die Arbeiter tragbar sind oder nicht, müssen die Arbei- t.-r ihnen klar machen, daß die Löhne noch sehr verbesserungsb«- dürftig find und deshalb nicht nur keine Kürzung vertragen, son- dem eine Erhöhung erfahren müssen. Der Nahrungsmittel- und yetränkearbeitcroerband fordert«? daher eine Lohnerhöhung um 10 Proz. Ueber das Ergebnis der Verhandtungen berichtete Genosse H e tz f ch o l Während die Unternehmer früher stets angaben, hie Schwierigkeiten für ihre Industrie beständen darin, daß es zu viele Betriebe gebe, schützten sie jetzt als Beispiel für die angebliche Notlege der Industrie den U-mstand vor, daß die Z a h l der nicht mehr lebensfähigen Betriebe zunehme. Die Lahmlegung der unrentablen Betriebe bildet den besten Beweis für einen Gesundungsprozeß der Industrie. Da die Herren aber immer noch schwer an der L o h n s ch e u kranken, konimen sie kaum zu der Ueberlegung, wer schließlich ihre Produkte konsumieren soll, wenn alle Unternehmer die Löhn« abbauen wollen, anstatt sie zu erhöhen. In der Aentralausschußsitzung in Gotha wurde der L o h n a b- bouantrag der Unternehmer abgelehnt. Die Unterneh- mer forderte» darüber eine» Schiedsspruch des Thüringer Schlichters, während die Arbeitervcrtretcr, die Entscheidung dem Frankfurter Schlichter zugewiesen wissen wollten. Schließ- lich wurde das Reichsarbeitsminfterium angerufen, das den Schlich- ter Prof. Lutz-Richter mit der Abgabe eines Schiedsspruchs be- trauke. Der am 14. Juni gefällte Schiedsspruch läßt die geltenden Löhne unberührt bis 31. August 1930. Sie können erstmalig zum 31. Dezember 1930 gekündigt werden und dann vierteljährlich zum Schlüsse eines Vierteljahres. Die Erklärungsfrist läuft am 28. Juni ab. In der Aussprache wurde der Schiedsspruch, der LutzLUchter heiße, scharf kritisiert. Die Funktionäre beschlossen ein- st i m m i g, den Schiedsspruch abzulehnen. Tritt der Haupt- vorstand diesem Beschlüsse bei, dann sind die Mitglieder der Branche nicht mehr an die alten Löhne gebunden. Die Funktionäre wollen cn der Lohnforderung von 10 Proz. festhalten. Sie sindjich jedoch darüber klar, daß mit revolutionären Phrasen oder minder Führung einer 50prozentig kommunistisch revolutionären unorgani- sierten Belegschaft, wie im Surotti-Betrieb im letzten Jahr«, ein gc- wcrkschaftliches Vorwärtskommen nicht möglich ist. Sie Situation ist ernst! Darum rufen die Funktionäre der gesamten Belegschaften der Süßwarenindustrie Berlins hiermit auf, sich der sreigewerkschafllichen Organisation anzuschließen. Bolle muß zahlen. Oer Lohnschiedsspruch für verbindlich erNäri. Für die Arbeiter der Meierei Bolle war am 16. Mai ein Schiedsspruch gefällt worden, wonach die Löhne der Hand- werker ab 1. April von 52,19 M. aus 54,50 M., die der Kutscher und Schwerarbeiter von 48,38 M. auf 50,50 M., der Leichtarbeiter von 45.13 M. aus 47 M., der Schwerarbeiterinnen von 33,95 auf 35,90 M. und die der Leichtarbeiterinnen von 30,18 M. auf 31,50 M. erhöht werden sollen. Di« Löhne der männlichen Jugendlichen sollen je nach der Altersklasse um vier bis fünf Mark pro Woche und die der weiblichen Jugendlichen um vier bis sieben Mark aus- gebessert werden. Das Lohnabkommen soll bis zum 31. Mai 1930 gelten. Die Funktionäre der Meierei Bolle hatten diesem Schiedsspruch zugestimmt, während ihn die Meierei Bolle mit der Begründung ablehnte, daß die allgemeine Wirtschaftslage sowie die Lage ihres Unternehmens die Lohnerhöhung„untragbar" erscheinen lasse. Vom Verkehrsbund war daraufhin die Verbindlichkeitserllä- r u n g des Schiedsspruches beantragt worden, die vom Schlichter am Mittwoch auch ausgesprochen wurde, so daß damit der seit fast einem Vierteljahr schwebende Lohnstreit endgültig bei- gelegt ist._ Die Deutsche Buchgememschast. Oie ihren Angestelltenrat gemaßregelt hat. Nach den Ausführungen, die der Vertreter der Deutschen Buch- gemcinschast vor dem Arbeitsgericht machte, soll der Angestelltenrat dadurch Grund zur fristlosen Entlassung gegeben haben, daß er „aufhetzcüde Kundgebungen gegen die Firma" erlassen und dadurch den Bctriebssriede» gestört habe. Im Dezember vorigen Jahres soll der Angestelltenrat, besonders dessen Vorsitzender, die laut Tarif zulässigen Ueber stunden verweigert haben. Der inzwischen neugewählte Angestelltenrat soll— nach Angabe des Firmenvertreters— zu Ostern eine Kundgebung erlassen haben. worin die Firma schwer beleidigt wurde: ein die Ange- stellten aufhetzender Artikel in der„Roten Fahne" soll durch den Angestelltenrat ausdrücklich gebilligt worden fein, und das soll schließ- lich den Anlaß zur Entlassung gegeben haben. Der die Sache der Kläger führende Vertreter des ZdA. führte demgegenüber aus, daß die Firma sich weg«n der Ueber- stundcnverwcigerung im Dezember nicht auf den Tarif berufen könne, weil sie damals noch nicht Mitglied des Arbeitgedcrverbandes, also nichtTariskontrahent war und überdies bestritten habe, ein Betrieb zu sein, auf den der Tarif überhaupt zutreffe. Nachdem die Firma dem Arbeitgebcrverbande beigetreten war, seien die tariflich zulässigen Ueberstunden nicht mehr verweigert worden. Die Osterkundgebung sei ein Werk des alten Angcstclltenrats, Verhetzend sei sie nicht. Wenn darin von dem Elend der An- gestellten der Firma und von Hungerlöhnen die Rede sei, so entspreche das den tatsächlichen Verhältnissen, denn das durchschnittliche Monatsgehalt von 350 An- gestellten betrage nach den Angaben der Firma 165 M., nach de» Feststellungen des ZdA. aber nur 154 Mark. Das mache für die Stunde 80 Pf., während doch schon eine Waschfrau 65 Pf. Stundenlohn erhalte. Trotzdem die Firma seit Mitte Dezember dem Tarif unterstehe zahle sie nicht den Tariflohn, denn die Angestellten wurden fast ausnahmslos in eine niedrigere Gehaltsstufe ein- gereiht, als es ihrer Arbeitsleistung nach der Fall sein müßte. Auf diese Verhältnifs«, die mit Recht scharf kritisiert werden müssen, beziehe sich die Osterkundgebung und der Artikel der„Roten Fahne", der übrigens von dem neuen Angestelltenrat(den Klägern) nicht gebilligt worden sei. Der Angestelltenrat habe nur erklärt, daß die tatsächlichen Angaben des Artikels der Wahrheit«nt- sprechen. Habe doch auch Frau Dr. Fuchs, eine höhere Ange- stellte der Firma, erklärt, das Peinlichste an der Sache sei, daß die tatsächlichen Angaben des Artikels zutreffen. Nach alledem könne also dem Angestelllenrat nicht der Vorwurf gemacht werden, daß er durch unwahr« Angaben die Angestellten verhetzst und den Frieden im Betriebe gestört habe. Vergleichsversuch«, die der Vorsitzend« des Gerichts machte, blieb«» erfolglos. Das Urteil soll am 25. Juni ver- kündet werden. Der Arbeitslose mit dem Auto. Wie gegen die Arbettslosenoersiiherung gehetzt wird, zeigt folgen- der Fall: Unter der Ueberschrift:„Der zahlungskräftig« Arbeitslose" wurde vor«inigen Tagen«in« Nachricht ver-- breitet, wonach in einem Dorfe bei K o l b e r g ein arbeitsloser Tischler für 1650 M. ein Auto ersteigert habe. Die Nach- forschungen hatten, wie amtlich mitgeteilt wird, folgendes Ergebnis: Das Auto gehörte dem selbständigen Reinhard Lischner, dem es zwangsweise versteigert wurde. Lischner schickte zur Ver- steigerung als Strohmann seinen Bruder Martin, eben jenen arbeitslosen Tischler, und dieser bekam den Zuschlag. Der Wag«n wird jetzt nach wie vor von Reinhard Lischner benutzt, während Martin nach zweimonatigem Bezug der Arbeitslosenunterstützung bereits seit dem 6. April wieder in Arbeit ist. Die Streikbewegung in Bulgarien. Sofia. Ä. Juni.(Eigenbericht.) In Südbulgaricn stehen noch immer über 200 OS Tabakarbeiter im Ausstand. In Haskowo, wo vor acht Tagen eine Einigung erziell worden war, besteht neue Streikgesahr, weil einige der Fabrikanten das Lohnabkommen durchbrochen haben. Zurzeit finden in Philippopcl Verhandlungen statt: ihr bis- heriger Verlauf war verhältnismäßig günstig, so daß mit«iner baldigen Beendigung des Streiks gerechnet wird. Die Streikwelle hat unterdessen auch andere Berufe erfaßt. So sind in Sliwen 3000 Arbeiter, darunter 2000 Textilarbeiter, in den Streik getreten. Sie verlangen«ine Lohnaufbesserung um 30 Proz. Ebenso ist unter den Eisenbahnern eine Lohnbewegung im Gange. Ministerpräsident Liaptschew tut nichts, um die Streikwelle nicht noch weiter anwachsen zu lassen. Er erklärte in der Kammer, die Streiks interessierten ihn nicht. Er Hab« sich nur um die Aufrechterholtung der Ordnung zu kümmern. Die Arbeiter- presse wirft dem Ministerpräsidenten verbrecherische Svr.g» l o s i g k e i t vor. � Die Pharus-Lichtspiele, Müllerslrghc 142, sind wegen Differenzen vom Deutschen Musikerverband, Ortsverwaltung Berlin, für organi- sierte Musiker gesperrt. Die Bergarbelkerorganisationen des Saarqebiekes unter Führung des freien Bergarbeiterverlmndes haben bei der französischen Berg- Werksdirektion die gleiche Lohnerhöhung durchgesetzt, wi« sie die französischen Bergarbeiler kürzlich erhalten haben. Im Durchschnitt bekommt jetzt ein Hauer 2,10 Franken Schichtlohn mehr. Bktr!cb«fraltii>» der bei der Sezialdcmekratischcn Partei»raaaistertr» Arbeiter, Anaeftellten und Beamten beim Bezirieamt Ebarlattenbura. Dien». 103, 25. 3UU1, 20 Uir. im Lokal von Aiiliria, Echlobstr. 45, Perfammlung. „Wobisahrts, und Iugendpsteee der Siadt Berlin. Aescrentin Genossin Stadl. rätin W-nl. Der Knaltionanarstand. Wrrdcanaschnb der Post-»nd Telearaphenbeamte» und Anwärter. Lcr- sammlunn morgen. Montag, 20 Ullr. im Iugendheiml„Unsere Arbeiten und die anderen." Zablrcichcr Blsuch wird erwartet. Parteiauswci, mitbringen. Verband der Kcmcindc. und Etaatsarbeilcr, Zilialc Berlin, Bejirt 15. Montag, 24. Juni, 19 Ul>r, im„Einsiedler", Johannisthal, Sterndamm 4, Bezirksmitglicdcrvcrsammlung. t�reie GewerksckaKs-Lugend Groß-Berlin Morgen, Montag, 19«2 Udr, Sprcchchorprobe im Caal U des Gewerk- schaftshauscs, Engcluser 24-25. Luaendqruppe des Zentralvertandes der Anaeflellten Morgen Montag, sind folgende Vcranstallungen! Tegel-Reinickendors: Jugendheim iZ'einickendorf'Oft. Lindauer ölrosie, Baracke, Aussvrachc. abend:„bahrten einst und jeht".— Wedbing: Jugendheim Turincr Ecke Ecestrasie.„Bunter Abend" mit de» Gruppen Zieinickendorf und Gesund- brunnen.— Sbrden: Jugendheim ilastonienallec 81. Vortrag:„Hermann Liins". Rcfcrent Nurt Sckaefer.— Lia Irnberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Vortrag mit Lichtbildern:„Tos Rote Äinif. Referent Georg Heilbrunn.— Urban: Jugendheim Hobrecht- Ecke Eanderstrasic.„Lustiges Durcheinander" Tcmpelhos: Jugendheim Ecrmoniastr. 4—8.„Lustiges Monatsende". lottenburg! Jugendheim Rosinenstr. 4.„Wandern und Echaucn". Berliner Gewerkschaftsschule. Achtung. Arbeiter, und Angestellten-Betriedsriilc! Der lehte Arbeitsrecht. liche Iniormationsabcnd fllr Betriebsrate vor den trommerferien.ist am Dienstag, 25. Juni, 19 Uhr, im Lagt z des Gcwcrlschaftsliause», Engcluser 24—25. Leitet dcs Abends ist Genosse Dr. Bröcker vom Vorstand des ADGB. zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Die Teilnahme ist kostenlos. Ehar- Cittfcttbmtgen für diese Rubrik find V« r H» SB 68, Lindenstraße 3, G Parieinachrichien/Mii fürGroß-Nerlin stetg an da» B«zlrk»sekretariat 2. Hof, 2 Treppe« recht», z» richten. 2. lkrei» Tiergarten. Dienstag, 28. Juni, 20 Uhr, Sitzung der Btldungs« kommission bei HUbner, Wilsnacker Str. 34. Z. Are!» Weddiua. Montag. 24. Juni, 19 Uhr, bei Wende, Äoloniestr. 147, otfcimg des Vorstandes mit allen Abteilungsleitern. 8. Krei» Friedrichshain. Kreismitgliederversammlung am Dienstag, A. Juni, 19� Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. 1. Berichterstattung vom Magdeburger Parteitag lGenosse Buchmann). 2. Diskussion. 7. Kreis Eharlottenburg. Voranzeige! Nächsten Sonntag, 30. Juni, Wald- fest und Fest der Jugend im Volkspark Iungfernheide. Gemeinsamer Abmarsch 12 Uhr vom Wilhelmplatz. Plaketten zu 20 Pf. sind bei allen Abteilungsfunktionärinnen zu haben— Bezirksverordnetenfraktion mit fämmchen DUrgerdeputierten Montag, 24. Juni, 19� Uhr pünktlich, Rat- Haus Eharlottenburg, Sitzungszimmer 1. Kret» Schöueberg veranstaltet gemeinsam mit dem 16. und 12. Krei» ein Waldtrefken im Grunewald heute, Sonntag, 23. Juni, 15 Uhr. Krön- prtnzenallee, gegenüber der Finken strafte. Fahrverbindung: Linie 43, End- A�ufik. Iugendspiel, Tänze. Puppentheater usw. Unkostendeitrag 20. Pf. Karten nur bei den Abteilungsleitern erhältlich. Um rege Be. teiligung wird gebeten.— Mittwoch, 26. Juni, 16?� Uhr, Fraktionssitzung mit Bürgerdeputierten im Neuen Rathaus. Zimmer 144. IZ. Kreis Tempelhof. Fraktionssitzung Montag, 24. Juni, 20 Uhr, in Tempel- Hof, Doxfstr. 42. 14. und 18. Kreis Reuknllu und Treptow. Alle beim Arbeitsamt Berlin-Südoft beschäftigten Genossinnen und Genossen müssen an der konstituierenden Fraktionsversammlnng teilnehmen am Mittwoch, 26. Juni, 1vl4 Uhr, im Ideal-Kasino, Neukölln, Weichselstr. 8(Untergrundbahn Rathaus und Linie 95). Es ist eine wichtige und dringende Tagesordnung zu erledigen. 17. Kreis Llchtenberq und Außenbezirke, Arbeitsgemeinschaft ,soz. Lehrer uud Elternberräte. Dienstag, 2«. Juni, 19% Uhr. im Schulgarten der 34. Volks- schule. Ruschestraße. gegenüber Normannenstraße, Versammlung aller soz. Lehrer und Elternbeiräte. Mitgliedsbuch legitim'ert. Iß, Kreis Pankow. Am Mittwoch. 26. Juni, 20 Uhr. be! Meier, Türkisches Zelt, Breite Str. 14, Kreisvorstandssitzung. Wichtige Tagesordnung. henke, Sonntag, 23. Juni. '<• Abt. Zehlendorf. Wald fest im Grunewald. Kronprinzcnallce, geaciliibcr der Finkenstraße. Die Genossen und Genossinnen treffen sich um 15� Uhr am Festplatz. Der gemeinsame Hinmarsch fällt aus. Morgen, Montag, 24. Juni. it. Die Funktionärsitzung fällt aus. it. 20 Uhr: Funktionärfitzung bei Bure rirk« fährer rechnen 1 Stunde vorher ab. Burg, Prenzlauer Allee 189. Die 24. Abt. Die 29.«dt. 20 Bezirk» führ........___________....... 34. Abt. Die Quartalsabrechnung erfolgt am Montag beim Abteilungskasfierer. 3«. Abt. Achtung Bezirksfllhrerl Abrechnung mit dem Kassierer 19 Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 27. Markenbestäude mitbringen. Bei Verhinderung Vertreter schicken. «2. Abt. 20 Uhr: Abrechnung der BezirksMhrer bei Höhlke. Sämtliche Mai. marken mit abrechnen. 43. Adt. Die Bezirisfiihrer laben zur Abteilungsversammlung am Mittwoch. den 20. Juni, bei Rabe, Fichtestr. 29. ein. Bortrag: Wirtschaftsfragen. Referent: Genosse Willy Rogge. 54. Abt. Eharlottenburg. Die BezirksMhrer laben zur Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 20. Juni, im Jugendheim. Rossnenstr. 4, ein. Vortrag be» Bezirksverordncten Genossen Mickler: Eiedlungsprobleme. Stellung nähme zur Kandidatenfrage der Stadt, u. Bezirksverodnetenwahlen. 80. Abt. Rariendorf. 20 Uhr: Funktioniirfitzung bei Niendorf, Chausseeftr. 19. Dienstag, 25. Juni. 10. Abt. 19% Uhr: Mitgliederversammlung bei Krllger, Hussstenstr. 34, Ecke Scheringstr.. Vortrag: Kommunale lssesundheitspflege der Stadt Berlin. Ref.: Stadtärztin Gen. Dr. Käthe Frankenthal. 47. Abt. Bezirksführer können ab Dienstag Marken und Maimarken beim Genossen Mazanke abrechnen. 80. Adt. Mavienbors, 87. Abt.' Marleufelbe. 20 Uhr: Mitgliederversammlung, Aula der Schule Königstratze in Mariendorf. Bericht vom Parteitag in Magdeburg. Berichterstatter Gen. Richard Hille. 137. Abt. Reinickendors-West. 20 Uhr: Funktionärsitzung im Bolkshaus. Schorn. weberftratze 114. Erscheinen aller Funktionäre unbedingt Pflicht. 27. Abt. Die Mitgliederversammlung fallt diesen Monat au». Sonntag, den 30. Juni. Ausflug nach Schulzendorf. Lokal Sommerlust. Treffpunkt: Mtllionenbrücke. 8 Uhr. 54. Abt. Eharlotteoburg. 8. Gruppe. Mittwoch, den 20. Juni, 20 Uhr, Zahl- abend beim Gen. Schulz. Wollftr. 99. Lichtbildervortrag:„Das rote Wien." Zrauenveranstaltungen. 2. I»»I» Tiergarten. Montag, den 24. Juni, 19% Uhr. in den„Spreeholleir", Kirchftr. 13:„Das deutsch« Volkslied". Vortragender: Dr. Mar Brie. 17. Kreis Lichtenberg. Dienstag, den 25. Juni,»affeekochcn im.Strand schlaft", Oberfchöneweide. Treffpunkt zum gemeinsamen Spaziergang durch die Wuhlheide nach dem„Strandschlaft".; nachmittags 2 Uhr Karlshorst, Hegemeislerweg Ecke Treskow-Allee. Fahrgelegenheit mit Linie 70 dt, Königsplatz lOberlchöneweide), dort Umsteigen in die Linie 87, 187, 95 bis Etrandfchloft. 20. Suis Reinickendorf. Die Funktionärinnen treffen sich zum Ausflug nach Spanbau am Mittwoch, den 20. Juni, nachm. 2%. Uhr an der Dampfer. anlegestelle Tegel. Der Dampfer fährt bereits um 2% Uhr ab. Nachzügler •ttlSfm sich im Lokal Karlshorft. Fabrverbindung stehe Annonee des Frauenfekretariats. Frauenveranstalkungen, ZNonkag, 24. Juni. 2. A»b 3. Abt. 19>/e Uhr im Saal 3 des Sewerkschaftshaufes, Engelufer. „England, Land und Leute". Referent Paul Bernstein. Genofssnnen. die sich am Dienstag an der Besschtigung de» Reichstages beteiligen, müssen unbedingt erscheinen.. 4. Abt. 19% Uhr bei Brandis, Stralauer Str. 19:„Kameradschaft in der Ehe". Refercntkn Dr. Judith Grllnseld. i. Abt. lO'ch Uhr im Rosenthaler Hof, Rosenthaler St». 11/12:„Da« Recht des unehelichen Kindes". Referentin Elfe Echeidenhuber. 4. Abt. 19'ch Uhr bei Dvbrohlaw, Swinemünbcr Strafte 11: Diskufstonsabenb. Anfchlieftsnd frohes Beisammensein. ?. Abt. 19% Uhr bei Arendt, Schröderstr. 2: ,Lily Brauns Leben und Wirken". Referentin Margarete Schenkalowskn. 9. Abt. Für die Dampferfahrt am 9. Juli lind noch Karten bei Eisfelder, Klopstoctstr. 9 und bei HUbner, Wilsnacker Str. 34, zu haben. 14. Abt. 19% Uhr im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemündcr Str. 42: Weitere« au» der schönen Literatur". Vortragender Henry Reiff. 15. Abt. 19% Uhr bei Obiglo. Stralsunder Str. 11:.Lustiges aus Alt' Berlin". Vortragender Hein, Barthcl. 22. Abt. 1914 Uhr bei Borkowski, Brüsseler Str. 43:„Das Recht des unehe» liehen Kindes". Referent Dr. Martin Seligmann. ruNfttlMSrllBNMto'«??«!, IV Wir laden hiermit alle Funktionärinnen(polltische und der Ar- belterwohlfahrt) ru dem Treffen mit Kaffeekochen am Mittwoch, dem 30. Jiml, 14 Uhr, In Spandan, Lokal LocbeU* KarUlxul ein Für Unterhaltung und Beschäftigung der Kinder ist gesorgt Fahrrerblndong; StraBenbahnlinien 54, 58, 75 und 154 oder Stadtbahn bis Spandau Happtbahnhof und ron dort mit der Straßenbahn Linien 54 und 154. Das FraaeasekretariaL 25. Abt. Der Frauenabend findet am 1. Juli statt. Nähere Mitteilung er. folgt noch. 20. Abi. 30 Uhr bei Reche. Metzer Str. 30:„Grotesken, Satiren und lustige Lieder". Vortragender Genosse Aofemann. 27. Abt. 1g>h Uhr bei Reetz. Sonnenburger Str. I:„Ernstes und Heiter«". Vortragender Genosse Puggi Muck. 38. Abt. 19% Uhr bei Pohst. Stargarder» Ecke Lychener Str. 105:„Heiterer Abend". Referent wird am Montag bekanntgegeben. 34. Abt. Im Lokal Gubener Strafte 19:„Die Erfolge der Sozioldemokratie auf kommunalem Gebiet". Referentin Minna Todenhogen. 35. Abt. loia HUr bei Otto, Rigaer Str. 85 Ecke Proskauer Str.„Erziehung zum Friedenswillen." Referent Adolph Adter. 30. Abt. 19% Uhr bei Busch, Tilstter Str. 27.„Reparationsfragen." Referent Ernst Neumann. 37. Abt. 19,4 Uhr bei Jerafch, Ebertpftr. 19 Ecke Kochhannstr.»Kampf um Arbeiterinnenschutz." Referentin Gertrud Hanna M. d. L. 38. Abt. 19V4 uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88.„Lustiges au» Alt-Berlin." Referent Hanns S. Kamm. 49. Abt. 29 Uhr bei Böttcher, Hagelberger Str. 9.„Der Befreiungskampf der Frau." Referentin Margarete Hartig. 42. Abt. 19% Uhr bei Höhlke. Borgmannstr. 09.„Körperpflege"(mit gym- nastischen Uebungen). Vortragende Genossin Lotte Paetow. 43. Abt. 19% Uhr bei Krepp. Plan-Ufer 75-70.„Die Frau im Wirtschafts. leben." Referentin Mathilde Wurm M. d. R. 45. Abt. 19% Uhr bei Brüfchke, Reichenberger Str. 98.„Moderne Frauen- berufe und der Weg dazu." Referent Kurt Kietzmann. 40. Abt. 19% Ubr bei Adam. Lübbener Ecke Görlitzer Str.„Kommunal, volltische Probleme." Referent WiNi Wolff. 57. Abt. Eharlottenburg. 19% Uhr im„Goethe-Eck", Gocthe- Ecke Leibnizstr. Frauenabend. Wegen wichtiger Tagesordnung ist das Erscheinen aller Genossinnen Pflicht. Neukölln.«1. Abt. 19% Uhr bei Lübbecke, Fontane- Ecke Karlsgartenstrafte. „Union Sinclair-Abend." Bortraaender Arthur Reiihardt.— 97. Abt. 19% Uhr bei Kutzkl. Hermann- Ecke Leinestrafte.„Menschenökonomie«nb Bevölkernngsvolitik." Referent Wilhelm Miethke. 9». Abt. Britz. Montag, den 24. Juni. 15% Ubr Kaffeekochen der Genossinnen im Lokal John. Ehausseestr. 59. in Buckow. Treffpunlt der Britzer Ge- uossinnen 15 Uhr Rathaus Britz. Nachzügler fahren mit der Straftenhahn Linie 29 bis zur Endstation und gehen eine kleine Strecke zurück. Die Genossinnen von Buckow lleteillgen sich auch an der Zusammenkunft. 191. Abt. Treptow. Unser Frauenabend findet nicht mehr im Lokal Kiefholz- strafte 21, fondern im Lokal„Elsen-Eck" Kiefholz- Ecke Elsenstr. statt. Nächster Abend Montag, den 24. Juni, 19% Uhr.„Proletarische Festkultur" (mit ernsten und heiteren Rezitationen). Vortragender Genosse Oswald Mudrack(Schauspieler). 180. Abt. Iohannislhal. 19% Uhr bei Botha. Swbenrauchstr. 12-13.„ Er- ziebuna in Familie und Schule." Referent Hans Kunstmann. Lehrer. 139. Abt. Tegel. 19% Uhr im kommunalen Jugendheim, Scköneberger Str. 3. „Die Frau der neuen Generation." Referentin Käthe Kern. Arauenveranstalkungen, Diektslag, 25. Juni. 19. Abt. 19% Uhr bei Tillner, Koloniestr. 42 Ecke Zechliner Str.„Arbeiter- bichtuna." Vortragender Genosse Lipinfki. 20. Abt. 19% Uhr bei illner, Koloniestr. 42 Ecke Zechliner Str.„Arkfeiter- bichtuna." Bortragenber Genosse Lipinikl. 23. Abt. 19% Ubr bei König, Otavistr. 37.„Kameradschaftsehe." Referentin Genossin Mennicke. 44. Abt. Dienstag, den 25. Juni Ausflug mit Kaffeekochen der Genossinnen nach dem Valkspark Neukölln. Treffpunkt 15 Ill>r Admiralsbrllcke.— Gäste willkommen. 47. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Dafür beteiligen wir uns am Kaffee- kochen der 44. Abteilung im Volkspart NeukäNn. Treffpunkt Dienstag, den 25. Juni, 15 Uhr. an der Admiralsbrllcke vor dem Grimmvark. 58. Abt. Eharlottenburg. Der Frauenalleud fällt in diesem Monat aus. DaMr treffen sich die Genossinnen in der Laude der Genossin Seigewasser zum Kaffeekochen. Treffpunkt 14% Uhr Sophi»Charfotte-Platz. 89. bi» 72. Abt. Wilmersdorf. 19% Uhr Tavunasort wird am Dienstag be- kannfaeqeben.„Körperpflege"(mit gymnastischen Uebungen). Vortragende Genossin Latte Paetow. 121. Abt. Sarlsborst. Die Genossinnen treffen sich Dienstag, den 25. Juni. nachm. 2 Uhr am Hegemeisterweq Ecke Treskow-Allee zu einem gemein- famen Spaziergang durch die Wuhlbeids noch dem Lokal„Strandfchloft" in Oberfchöneweide. Kaffeekochen. Musik. Gesang und.Heitere Rezitationen" Fahrnerdindung: Linie 79 bis Königsvlatz- Oberschönsweide, dort um- steigen in die Linien 87. 187 und 95 W«„Strandschloft" sahren. Genossinnen anderer Abtellunoen sind herzlich willkommen. 131. Abt. Riederschönhausen. 19% Uhr in der Gemeinschaftsschule Bismarck- strafte.„Ernstes und Heiteres" Vortragender Genosse Hanns L. Kamm. 137. Abt. Reinickendorf-West. 19% Uhr im Volkshaus Ccharnweberstr. 114. „S-itere Borträae" des Genossen Pugai Muck. 439a Abt. Tegel— Freie Scholle. Unser Frauengbend, findet nickt am 24., sondern am Dienstag, den 25. Juni, 29 Uhr, im großen Sitzungssaal Freie Scholl» statt.„Erziehnngsfragen der Segenwart." Referent Lehrer Otw Faust. Arauellveranstalluugen, Mittwoch, 26. Juni. 94. Abt. Rcutslla. Die Genossinnen treffen sich am 28. Juni früh 0% Uhr, Schillerpromenade Ecke Eteinmetzstrafte. 141. AbL Rosenthal. Die Denofsinnen beteiligen sich, am Mittwoch, den 20. Juni am Kaffeekochen der Funktwnärtnnen In Spanbau. Treffpunkt 13 Uhr, Hauptstr. Endswtton der Linie 15. Der Frauenabend am 27. Juni fällt aus. Fraurnveranstaltungen, Donnerstag. 27. Juni. 08. Abt. Halenfer. 20 Uhr bei Sandmann. Westfälische Stt.<2.„Alt-Berliner Hnmor." Referent Hanns H. Kamm. A rbeiterwohlfahrt. 2. Kreis Tiergarten: Montag, 24. Juni. 18 Uhr, Funktionärinnensitzung bei Kentzke. Kirchstr. 13. 9. Kreis Wilmersdorf. Wir laden ein zur Besichtigung des Gefundhriis, Haufe» Kreuzberg, Am Urban 10—11, zu Dienstag, 25. Juni, 17% Uhr. im Lesesaal, 2 Tr. Führung: Stadtarzt Dr. Joel. Alle interessierten Genossen und Genossinnen sind herzlich und dringend eingeladen. Fphrverbindung: V-Bahn Hasenheide. JnngfoiiaNstifche Vereinigung. Gruppe Eharlottenburg: Montag, 24. Juni, Lieder- und Leseabend, Be- sprechung für das Waldfest, an dem alle Mitglieder der Gruppe sich beteiligen müssen. Es wird gebeten, pollzählig zu erscheinen. Beginn 20 Uhr. Jugend- heim Rosinenstr. 4. Gruvpe Bohnsdorf: Dienstag. 25. Juni, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Wocktelftt. l. Referat des Genossen Waldmann:„Die politischen Folgen des Friedensvertrages von Versailles". Vereinigung sozialdemokratischer Studierender. Montag, 24. Juni Sozialtvissrnschaktliche Fachschaft. Thema:„Die Plan. Wirtschaft".— Dienstag, 25. Juni. Philosophische Fachschaft. Arbeitsaemein. rt über politische Jdeenkreise. Thema:„Katholizismus".— Freitag, Juni. Juristische Arbeitsgemeinschaft Thema:„Kortellprobseme". Die Arbe-togemeinschatten finden Im Bund. Albrecktftr. 11, um 20 Uhr(tat.— Die Medizinische Facksschatt veranstaltet am 29.i30. Juni eine Fahrt nach«lein- Köris. Stadtrat Schneider spricht über das„Jugendherbergswesen". Ueber. nachten in der Iugenbberberge Klein-Köri».— Spvttgruppe der BSG.: Dien«. tag von 7%— 8% Uhr Schwimmen und Freitag von 7—9 Uhr Leichtathletik im Poststadion. nahe Lehrter Bahnhof. Arbeilsgemeinschast der Kinderfreunde Groß-Verlin. Freitag, den 28. Iu»i, Vorftanbssttzuug i» der geutr-le. ftrei» Tiergarten. Jung- uud Rote Falle-: Dienstag, 25. Juni. p»n 17% bis 19% Uhr Falke nvollversammlnng im Seim Waldenserstrafte.«Sken: Mittwoch, 2». Juni, von 17— I» Uhr Seimabend im Seim Waldenserstrafte.— Alle Jung- und Rote Fatte» am Mittwoch, 20. Juni. Treffpunkt 17% Uhr Wald- Ecke Wiclefstrafte zum Baden. Donnerstag von 18—20 Uhr Spielen auf dem Sport- platz Bremer Strafte.— Tiergortea-eiid: Dienstag von 17%— 19% Uhr Seim- abend im Heim Bülowstr. 88. Freitag von 17%— 19% Uhr Spielen im Großen Tiergarten(Rosengarten). Treffpunkt 10% Uhr vor dem Heim. Svielnachmittag i» der Schuldavacke Dingelstädter Straft« ausser Siedlung Weifte Taube. Donnerstag, 27. Juni, Rote-Falken-Sruv«„Gemeinschaft". Alle Roten- und Iungfolkcn treffen sich pünktlich 17 Uhr Oranl«. Ecke Berliner Strafte. Wir gehen ins Freibad Orankesee. 10 Pf. mitbringen. Krei» Mitte: Montag, 24. Juni, im Heim Zehbenicker Str. 24—25, Kreis- helfersitzung. All« Gruppen müssen bestimmt vertreten sein. Geburtstage. Jubiläen usw. 90. Abt. Renköll». Unserem stellvertretenden Abteilungsleiter Genossen Karl Rimmrich zur Bollendung des 85. Lebenslahres die besten Glück- wünsche. Möge«r uns noch lange als Mitstreiter erhalten bleiben. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 09.«bi. Wilmersdorf. Räch langem schweren Leiden perstarb unser Kebcr Genosse Fritz Preuft im 56. Lebensjahre(Wilmersdorf, Holsteinifcke Strafte 00). Ehr« seinem Andenken! Einäscherung am Dienstag, 25. Juni, 17 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Str. 191—103. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, dem 22. Zum. 1. Rennen, t. Sternkunde(stränzlein), 2. Doktor, 3. Balaton. Toto: 144:10. Platz: 13, 18, 13:10. Ferner Uesen: Harrald. Rofenmontag, Fonta gek.. Latz fein gef. 2. Rennen. 1. Stermat(H. Lewicki), 2. Der Zukünftig«. 3. Astrid, Toto: 100:10. Platz: 21, 13, 25:10. Ferner liefen: Feldblume, Attilla. Pgtacca. Maid, Kind der Siebe, Theano gef.. Genousss, Musa. Bea. 3. Rennen. 1. Leichte Ifabcll(Böhlke), 2. Norge, 3. F'oreitan. Toto: 30:10. Platz: 1-, 15. 1g:l0. Ferner liefen: La Piave, Al'ler« blümchen, Cleopatra, Sonnenlicht. Logarilhinus, Der Muck, Erinnerung. 4. R e n n e ii. l. Opponent(Epcrjessy), 2 Politlet, 3. Euterpe. Toto 73:10. Platz: 34. 15: 10. Ferner liefen: Lancade, Latz lein. 5. Rennen. 1. Laokoon(Oertel), 2. Ardoriiin, 3. Staffelstein. Toto: 82:10. Platz: 18, 17:10. Ferner liefen: Lebenswonne, Fechterin, Toga gef. 6. R e n n e n. 1. Eafier Ltltz(Werckiann). 2. Frigga II, 3. Cinderella. Toto: 55:10. Platz: 18. IS. 54:10. Ferner liefen: Periander. Grifettche», Elothilde, Schlagbaum. Tarnbelm. Monist, Sturmbraut, Felfenfpitze, Bulgarin, Norjana. Dar es Salaam, Sirius. 7. R e n n e n. 1. Malkasten: Staudinger), 2. Alsterstern, 3. Lobredner. Toto: 15:10. Platz: 12, 16:10. Ferner liefen: Aufllärung, Eoriolan. Oauererholung am Krüpeijee. In der langen Seenkette der Dahme bildet der Krüpelse« seit Jahren ein besonders bevorzugtes Ausflugsziel. Vom Frühling bis in den Herbst fliegen allfonntaglich Taufend« hinaus nach dem jedem Berliner bekannten„Neue Mühle", von wo sich der Strom an den landschaftlich reizvollen Ufern des Krüpel- und Lankenfees verteilt. Seit einiger Zeit ist nun di« Bahn dafür frei, daß das Krüpelfeeparadies nicht mehr nur ein von Zeit zu Zeit an freien Sonn- und Ferientagen zu genießendes Ausflugsziel ist. sondern für jeden die Möglichkeit besteht, sich dauernd dort niederzulassen. Auf zwei nahe beieinander liegenden Geländen bietet das Schrobs- darf unternehmen Parzellen als Wochen end- oder Dauerwohnsitz zum Verkauf. In Senzig wird ein Block, der zwischen der Hauptchaussee und dem See liegt, erschlossen. Der neu« Siedler findet bereits fertige Straßen vor: die Gemeinde ist dabei, ein Seebad mit 3S0 Meter Wasserfront herzurichten; die Benutzung dieses neuen Seebades steht dem Siedler frei; der Siedler erwirbt weiter mit dem Grundstück die Berechtigung zur Benutzung eines Bootssteges, für den monatlich nur ein« Ueberwachungsgebühr von I M. an die Gemeinde zu zahlen ist. Am gegenüberliegenden Ufer des Sees, in Zernsdorf, liegen die Dinge ähnlich. Auch hier findet der Siedler fertige Straßen vor, auch hier erwirbt er gleichzeitig die Seebad- und Bootsftegberechtigung, auch hier genießt er täglich von neuem die Schönheiten des vor ihm liegenden Krüpel- fees. Direkt auf dem von Schrobsdorff vergebenen Gelände liegt hier der Bahnhof und die Postautostation, von denen aus man die bequemsten Fahrtverbindungen hat. Nach und von Königewuster- Hausen verkehren hier täglich etwa IS Züge, dte stets von und zu den Vorortzügen nach Verlin Anschluß haben. Dies« fahren zum Gär- litzer Bahnhof direkt in Abständen von etwa zwanzig Minuten. Im. Sommer oerkehren von Berlin(Görkitzer Bahnhof) aus dst-ekte Züge: über Königswusterhaufen— Neue Mühle— Zernsdorf nach Scharmützelsee. Auf den Stadtbahnhösen und dem Görlitzer Bahnhof in Berlin erhält man durchgehende Fahrkarten, die bis Zernsdorf auf Siedlertarte nur 3Z Pf. kosten. Zwischen dem Bahnhof Kön-'gs. Wusterhausen und Zernsdorf besteh! außerdem ein ständiger Postaut»- oerkehr, dessen Endhaltestelle, wie bereits gesagt, direkt auf dem Siedlungsgelände liegt.___ Di« fchäaen Ssmpiertapr, die reizvollen Wschenend-Ausilllge lassen Sie veraessen, daft für kalte Herbst- und Winteinächte wärmende, weiche und mollig« Betten nötig sind. 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Di« Altstadt, die hinter der Mauer des Jafsatores beginnt, scheint zuerst wie in einer tiefen Höhle versunken. Da ist die neue Hauptstraße mit ihren geputzten Fremdenläden, den Selterbuden, den europäischen Geschäften, wo sich das Leben der kleinen Bürger in harter mühsamer Arbeit ab rollt. Und auf ossenem Platz, vor der Post, wo sich vor den Schaltern Araber mit weißen Kopstüchern, uniformierte Engländer, junge Juden in der Arbeitermütz«, verschleiert« Frauen, Pilger, Mönche, amerikanische Reisende drängen, ragt hart, quadratisch nüchtern der weiße Uhrturm aus, der mit seiner europäischen Zeit die orien talische Muße und Träumerei zerschlägt. Jerusalem, heilig« Stadt, bist du es wirklich, hat sich dein Gesicht so verändert, nach dem man sich au» der phantastischen Vorstellung der Kinderjahre wie nach einer mystischen Offenbarung sehnt«? Man ist zuerst verwirrt, ja» beklommen. Nickst ein erhabene, Antlitz, sondern verschiedenst« Gesichter starren aus diesem Labyrinth. Denn immer noch bauen die drei Religionen und zahllos« Völker an dieser Stadt, immer noch meißeln alle Sprachen, alle Rassen, vom hellsten Weiß bis zum tiefsten Schwarz ihre Züge in den schrosfen Stein. Dicht neben dem italienischen Hospital steht der wuchtig« Bau des Abefsinierhauses, das sich die freie Negerrepublik errichtet hat. Bunt und golden funkeln die Zwiebcltürm« des Russenplatzes hin- über: auf der Straße nach Bethlehem befinden wir uns plötzlich in einer deutschen Kleinstadt, der deutschen Kolonie, die mit ihren ge- pflegten Wegen und den grünen Oasen ihrer lieblichen Borgärten in das nordisch« Europa zurückführt. Hier dieser mathematisch klar« Platz im Stil sirenger Sachlichkeit ist von jungen Ziowsten erbaut und bewohnt, und hinter dem Wohnviertel der christlichen Araber aufsteigend glänzt auf dem Hügel die jüdisch« Dillenkoloni« Talbiot. So stößt auch in dem neuen Jerusalem aus engem Raum ein« West dicht an die ander«, jede hat sich starr und untermischt in ihrer Art erhalten und sondert sich von der fremden ab. Hier breitet sich ein Jnselreich von zahllosen Landschaften der Sitte und de» Blutes aus, ein kleines Abbild von Palästina, das heute noch immer die vcr- schiedensten und widerspruchvollsten Elemente umschließt. Dennoch, die Häuser des neuen Jerusalem haben trotz aller Gegensätzlichkeit etwas Gemeinsame», das felsenfest Starre und Herbe des gelbbraunen Urgestein«, in das sie bei der Abenddämmerung ties zu verfinlen scheinen. Dies« Gebirg-stadt, fast tausend Meter hoch gelegen» ohne Bäume, ohne grüne Schatten, über die morgen« und abends der Wind jagt, über die jeden Mittag die Sonn« wie ein Feuer niederfällt, sie ist ohne Zärtlichkeit und Sanftmut. Jerusalem rfte-nbart erst langsam seine wirkliche Schönheit, die nur eine inner- tiche» völlig eine Schönheit der gespannten und hingerissenen Seele ist. Dann beginnen diese Steine zu flüstern, zu weinen, ja. zu singen. Mag es die fanatische Verzückung irgendeiner religiösen «iiekt« sein oder ist es, ün neuen Jerusalem vielleicht am reinsten sichtbar, der Crlösungswille der jungen zionistischen Pionier«, ist« aus ihrer uralten Heimat«in neue» Heim des Friedens und der Gerechtigkeit für ihr Volk aufbauen wallen, immer ist es die grenzen- lose Hingab« für eine Idee und die wilde unerbittliche Kraft des menschlichen Opfer». Zwar auch hier steht eine geistig« Welt fre-nd und feindlich Gegen die andere, und sei sie vom gleichen Blut«. Die christliche Grabeskirch« wird allein von sechs Sekten, den Kopten, den GriechischiDrthadaxen, den Römisch-Katholischen, von Griechisch-Ka- tholischen. Armeniern und Abessiniern bewohnt, die in verschiedenen Kapellen beten und sich oft an den großen Festen bitter befehden. Die christlich-arabische Welt hat sich von dem mohammedanischen Brudcrtum abgewarstst. Nicht zuletzt aber kämpft der zionistisch« Messianismu» der Tat und Wirklichkeit gegen den Messianismus der religiösen Träum«. Denn was verbindet noch den orientalischen Juden im Kastan. der die Stein« der Klagemauer streichest, mit dem jüdischen Einwanderer in der Arbeiterbluse, der die Stein« hart mit seinen Fäusten packt, um sie zum Neubau zu türmen? In der Altstadt. Gehen wir doch diesen beiden ehrwürdigen Juden in die Altstadt noch» und wir werden von der Neuzeit in das Mittelaster zurück- gezaubert werden. Sie schreiten langsam, mit aufrechtem fürst- lichem Gang, trotz der Hitze in prunkend« Sammetmäntel von leuchtenden Farben gekleidet, aus dein Haupt« rund« pelzbesetzte Sammetbarett», leibhaftig wandelnde Bilder Rembrandt. Ihre Ge- sichter sirch von der Arbest tiefer Gedanken gezeichnet. Tief ver- funken in geistige Gespräche gehen sie durch das wuchtige Iaffator, die schlüpfrige Basarstrah« hinunter, hören nicht das laute Geschrei der Händler von den offenen Gemüseständen, lpüren nicht den beißenden Geruch der Fäulnis, der durch die Straßen schleicht. Die Gaste, eng wie ein Schlauch, schwillt über von Menschen. Ein arabischer Wasserverkäuser, den schön geschmiedeten Krug an der Hüfte, schlägt in klingendem Rhythmus sein« beiden Master- schalen gegeneinander. Dicht hinter ihm setzt ein Esel vorsichtig Hus vor Huf, auf ihm reitet ein alter blinder Bettler, der sein« beiden Hände wie Teller ausstreckt und den Namen Mohammeds flüstert. Zerlumpte Kinder spielen zwischen den, Gedräng«, lesen Abfälle aui. kreischen und betteln. Eine unverschleierte Fellachin, eine arabische Bäuerin im verschmutzten, aber prächtig gestickten Gewände, das ihr bis auf die Füße niederfällt, trägt den schweren Korb voll Gemüse auf dem Kopf, ohne zu straucheln. M» sie zwei Deduinen überholen hast sie scheu ihr Tuch vor den Mund, um sich vor den fremden Männern zu verhüllen. Plötzlich tönt ein dumpfes Klopfen auf dem Stein, die Menge drängt zur Seite. Eine Prozession von Priestern in schwarzen Rährenhüten und düsteren Talaren stoßen ihr« lanqen Stäb« auf den Boden, um für da« Heiligtum, da« sie traaen Ehrfurcht und Raum zu schassen. In welchem Jahrhundert leben wir? Niemand würde erstaunen, wenn«in« Schar von Kreuz- rittern aus ein« Seitengaste sprengte, mn � den„Ungläubiges zu kämpfen. Immer noch tönt dieselbe arabische Musik, bu nun aus serner Flöte zwischen bunten Seidenfetzen der zunge Basar- Verkäufer spiest, wüstenhast monoton, melancholisch und doch aus- xeizend bis zur Ekstase. In solchen Augenblicken möchte man fast die Europaisierung ver- wünschen, die zweifellos diese bunte Phontastik des Orients ver- Züschen, ja. vielleicht völlig vsmichten wird. Aber der Durchgang dukth die europäische Zivilisation ist notwendig und-mabwendbar. Dieser Zauber von Tausend und einer Nacht ist nur noch der zer- schlissen« Prunk einer vergangenen Kultur. Denn wer tiefer blickt. gewahrt hinter der malerischen Pracht den Schmutz und die Ver- wahrlosung, hinter dem romantischen Frauenschleier die Sklaverei, durchschaut hinter der schönen Gebärd« des Orientalen den ver- hängnisvollen Fatalismus und Aberglauben. Ein« zwölfjährige Mutter. Dom Basar führen stockfinstere übelriechende Gänge in die hinteren Höf«, wo sich eine Wohnhöhle an die ander« reiht. Auf dem nackten Boden ein«? kellerartigen Raumes liegt ein Säugling, bei einer Hitze von dreißig Grad in dicke Wolldecken verschnürt, die kleinen Arme fest an die Brust gebunden. Fliegen kriechen über die wunden Augen, das schmutzverklebte Gesicht. Neben dem Kinde kauert die kleine zwölfjährige Mutter, die zweite Frau eines siebzig- jährigen Greises, der sich genug erspart hatte, um das Mädchen von ihren Eltern durch sein« Brautgab« zu kaufen» und der am Tage stundenlang ün arabischen Kaffeehaus über die Wasterpfeif« brütet. Diese kindhafte Mutter mit schönen dunklen, tierhaft sanften Augen, preßt zärtlich das Kind an sich und hüllt es noch fester in seine Lumpen. Hier ist Armut, die nichts von sich weiß und in den gleichen Gasten lebt sogar aufgehäufter Reichtum, der das Geld geizig in der Erde versteckt, zu unwistend, um es sinnvoll zu g«< brauchen. So dämmert das arabische Bolk, das heute noch die Mehr- zahl der Bevölkerung Palästinas bildet, im Analphabetentum ohne Erziehung dahin. Die Herrenschicht der reichen Effendns aber— gebildet« kultiviert« Leute— hat kern soziales Empfinden für die Stammesbrüder, auf die sie meistens verächtlich herabblickt. Da» einzig« Bestreben dieser Kaste ist, die Formen des feudalistischen Systems aufrechtzuerhalten. Welchen Gegensatz bildet dazu die soziale Tätigkest der Zionisten im neuen Jerusalem. Säuglingsheime nach modernstem Muster, Kindergärten. Schulen sind entstanden. Neben der Arbesterkranken- taste hat sich ein Organisattonszentrum für Hygiene und Gesundhests- pflege, die Hadasta, geblidet, die auch der arabischen Bevölkerung Rat und Hilf« gewährt. Diese soziale Arbeit gleicht der mühsamen Urbarmachung des Bodens. In den Armenvierteln der orientalischen Juden muß man noch gegen älteste Vorurteile, wie die frühe Kinderheirat, ja, die Kinderarbeit ankämpfen und die Mütter zur Kinderpflege erziehen. Bisweilen gibt es wunderbare Ueberraschungen. Als man den jemenitischen Jüdinnen Heimarbeit verschossen wollte, brachten st« köstliche Stickereien von berauschenden Farben und sinnvoller Orna- mentik au« ihren Schubläden hervor. So entfaltet« sich unter der Anleitung von europäischen Frauen«in junges jüdisches Kunst- gewerb« von berückender Eigenart. Auch die soziale Arbeit der Missionsschulen lindert unermüdlich da« Elend: nur ist sie leider nicht frei von dem Fehler konfessioneller Einseitigkeit. Da» Gesicht des Propheten. Jerusalem, die Stadt der unsichtbaren seelischen Schönheit, hat auch ihren Jahrmarkt der Religionen, wo die Erlösung in billiger Münze verhandest wird. Dicht vor der Klagemauer sind Bettlerinnen wie Lumpenbündel aufgereiht, vor der Grabeskirche werden Kerzen, Ostereier und Kreuze seilgeboten und nah« der Omarmosche« wnt mißtönend da« Bokschisch. der Bettelruf der Kinder. Aber dann, mitten aus dem Gewühl, taucht plötzlich ein Gesicht auf mit dem brennenden Glanz visionärer Schönheit: dreimal erschien«s auf unserem Wege. Es leuchtete in den Zügen eines singenden Chor- knaben, es loderte in den schwarzen Augen eine« mohammedanischen Büßers und ersirahtle christiushaft im Antlitz eines rotblonden Ghettojuden, der sich vor der Klagemauer wiegt«. Immer ist es dasselbe Gesicht des gottbegeisterten Propheten, der nur hier zwischen diesen öden Steinen wachsen konnte. Di« Gaste scheint zu Ende, wir stehen vor dem Tempelplatz, und als wir ihn betreten, weitet sich die schmutzige Eng« zu strahlen- der Weite. Da« Mittelalter versinkt und ein« steinern« Ewigkeit reißt den Raum aus. Dieser Platz mit den riesigen Steinquadern hat die gigantischen Dimensionen einer göttlichen Schöpfung. Di« grün- blau schimmernde Kuppel der Omarmoschee scheint sich auf seiner Mitte wie eine exotisch« Blume zu wiegen, am Rande stehen die Wölbungen der kleinen Kuppeln wie Knospen, und die schön ge- schwungenen Säulen und Treppen sind nur ein zitterndes Ranken- werk, das der Tempelplatz bis in die Unendlichkeit durchbricht. Hier stand der Tempel Solomons, von hier ging da« Urlicht der mono- theisttschen Religionen, das Keimblatt menschlicher Echik au«. Don hier sieht man weit über die kahlen Hügel Jerusalems. Der Blick wandert von dem chrisllichen Oelberg und seinen Klöstern zum Nachbarhügel, dem Skopus mit dem edlen Bau der hebräischen Universität. Er schweift von dem Kidrontal auswärts zu den zahl- losen Grabsteinen am Abhang, dem jüdischen Friedhof, einer ganzen Stadt von Toten und von dort hinüber zur Stadt der Lebendigen, Jüngsten, dem neuen Jerusalem. Aber aus der Höhe dieses unsterblichen Platzes verschwimmen alle Rasten und Religionen. Jugend und Alter. Leben und Tod in «in einziges Gewimmel» m das eine vergängliches Menschengeschlecht, das bald hier, bald dort wie dünnes Gras ausspneßt, verwelkt und immer wieder neu zu keimen beginnt. Steins Xiepmann: 3)ie große StilflofigkeH An dem Tage, an dem«r Anm bei einer Heidewanderung kennengelernt hatte, war es geschehen, daß sie ihm die Arme um den Hals legte, ihn auf den Mund küßt« und sagte: Ich glaube, man kann dich sehr gern haben." Dieser einfach« Satz verwirrte ihn dermaßen, daß er sast zusammenbrach vor Liebe und plötzlicher Zärtlichkeit. Und als an diesem Abend das Geschäft, in dem er Lehrling war, ein« Nein« Feier veranstaltete, hatte er in seiner groß- spurigen und unbegreiflichen Weise ein« Schuld von 9l> Mark ge- macht, eine Schuld, von der er genau wußte, daß er sie unter normalen Umständen nicht zurückzahlen konnte. Er hatte das Geld in gemeiner Weise verjubelt, indem er dem ganzen Personal andauernd Schnap» und Liköre spendierte, und hinterher war ihm das alles ganz unbegreiflich, unverständlich, rätselhast gewesen. Er hoffte von Tag zu Tag aus irgend«ine Aenderung, ein Ereignis, einen Zufall, der es ihm ermöglichen würde, wenigstens einen Teil seiner Schulden abzubezahlen, und in dieser ihn stets erregenden Hoffnung schleppten sich die Wochen und Tag« hin. Die furchtbare Angst— denn wenn Onkel Herbert es erfahren würde, würde er ihn bestimmt in eine Erziehungsanstalt geben— hing nun seit Wochen über jeder Freude, jedem Lachen und jedem Ausruhen. Es schreckte ihn in jeder Stund« auf. Wenn der Geschäftsführer, Herr Meyer, ihn ernst ansah, meint« Martin, er wisse alle« und alles sei verloren, und wenn die Klingel In seiner Wohnung ging, schoß ihm dos Blut zu Kopf, und er glaubte, sein Onkel käme und alle» sei aus— selbst aus seinen Träumen schrak er empor und tonnte in den schwarzen Nächten bis gegen Morgen nicht mehr einschlafen— so daß er ausstand und einen endlosen Roman zu schreiben begann, ohne jede Absicht und Zweck, nur aus Not, und jeden Tag zerriß er, was er am vorigen geschrieben hatte. An einem dieser Abende fuhr er nach Dortmund— rt ist nur eine Station mit der Eisenbahn— und ging in die Straße, die man ihm als Bordell bezeichnet hatte. Er betrat diese klein« müde, geschäftige Gass«, in der rote Laternen brannten, mit wildklopfendem Herzen und einer großen Verzweiflung, und doch wollte er irgendeine Erlösung finden. Di« Mädchen standen in den Türen und öffneten die Mäntel, wenn er vorbeikam, und er sah, daß sie unter dem Mantel fast nackt waren. Andere lagen in den Fenstern, die Brüste quollen wie Berge heraus,— sie lachten und flüsterten und lockten:„Kleiner. Kleiner, Bubi, Liebling,— komm', ich muh dir etwas sagen,"— da sah er aus, und er sah in dies« uralten, aufgedeckten Gesichter. In dieser Offenheit der Antlitze fehlte aber etwas, sah er, was Frauen haben: nicht die Nase, nicht der Mund, irgend etwas ganz andere»—--, die groß« Hilflosigkeit schlug über ihm zusammen wie«in brausender Strom: das waren keine Menschen, die man begehren konnte, in deren Annen man still liegen wollte, bei denen man an seine Mutter denken konnte und auch an Anni— das waren ja Apparat«, uad das Fleisch, fett und locker, quoll über die Rutztcile der Maschine hinweg— er konnte sich nicht Helsen— er schrie, er lief, man sah sich nach ihm um— eine Laterne erlöschte— er rang nach Atem wie toll, bis er draußen war aus der Straß«. Verloren, alles verloren und verlogen und vorbei. Er rannte wie befesten durch die nächtlichen Straßen, erbrach sich immer wieder vor Ekel und Entsetzen urtf» betete zu Gott wie«in Kind und weinte zugleich, daß sein Gesicht naß war, aber er merkt« es gar nicht. In dieser Nacht kam er nicht nach Haus«, es war ihm ein Wunsch aufgetaucht, ein« große Begierde,«ine kleine Hoffnung, ein Ge- danke: Ruh«, Ruhei Vor wenigen Wochen war er Jahre alt geworden. Di« Be- griff« verwirrten sich. Er sagte sich: ich bin ein Kind, ich müßte eigentlich lächeln und fröhlich und unschuldig, und«in wenig ein Lausejung« sein und dumme Streiche machen, aber nun hol mir Gott diese Zeit beschert, die ich mit mir herumtrage wie ander« Leute einen Buckel oder ein kürzeres Bein. Ich stehe nun hier und bin ein Dieb und«in zwiefach Verlorener durch ein Bordell und den kleinen Verrat eines Mädchens. Ich habe viele Roman« gelesen von Kindern und ihren Müttern, von Sonn« und Birkenwäldern, aber ich Hobe in meine-' ganzen Leben noch keinen Freund gehabt, und das ist kein Vorwurf, den ich mir machen kann. Ich bin zu allen gekommen, und ich habe gesagt:„Seht, hier bin ich, ich lieb« euch, und ich bin jung, und ich weiß noch von nichts, lehrt mich, liebt mich, nehmt mich hinl Ich will nichts als daH Gute! Ich sehne mich nach nichts wie nach Verstehen und nach Würde!" Man hat mir gesagt: Du bist«in Kind der Kriegszeit: du kannst nicht verlangen, daß du es bester habest als die anderen Kinder, die früher denken mußten als ihr« Estern: warum willst du es bester haben? Deine Eltern sind ja nur„auch" am Kriege g«- storben. Du hast als kleines Kind keine liebevollen Tanten und sonnigen Gasten und See und wilde Spiele und still« Abend« ge- sehen, nein, dein« erwachenden Augen sahen Jubeln über zigtausend Tote.— du lerntest lesen und aßest täglich mit dem Essen den Bericht über Stellungskämpfe, Sturmangriffe, Gasangriff«, Gaskrieg. Tote, Erwürgte, Erstickte, und man jubelte: du hast nicht» zu fressen be- kommen als Not und Steckrüben. Was willst du eigentlich? Bei jedem Sieg habt ihr in der Schule Hurra schreien dürfen.— Was?! Ihr hattet Hunger?! Ihr wart nicht lustig?! Eure Eltern hat der Krieg wahnsinnig gemacht und zersetzt? Nun schön, ihr seid allein zurückgeblieben und wißt nicht, daß eure Eltern gut waren, denn sie haben auch mitgeschrieen... Was? Ihr glaubt nicht an Gott? nun, dann glaubt doch an die Steckrüben und an dl« Mittelstandsküchen und die alten Männer, die auf den Straßen Kohlen aufsammelten! Männer habt ihr nicht gesehen, Väter, die gut und ernst waren? Wozu denn auch? Genügten euch nicht diese grauen, dreckigen Helden, dl« einmal auf acht Tage im Morden ein« Paus« machten, um bei euren Müttern in der Heimat zu schlafen? Saht ihr denn nicht die Gier, wenn sie kamen? Ihr habt doch alles gesehen, mit offenen Augen, was wollt ihr denn mehr? Ja, habt ihr nicht l»i« Gier nach euren jungen Leibern gefühlt, als die Männer knapp wurden? Habt ihr diese wundervolle, entsetzliche Hilflosigkeit nicht in euer Blut eingeimpft bekommen,— Trvmmeln gehört und Musik, Fluchen und Fluchen und Fluchen... „Wir haben ja niemals gelacht. Mein Gott, wir waren doch Kinder!!!" lAu» bem hebtn im Maldrm.Nerlaz. W.-n, erschein?" bei Ron«".MIchte eints alten»tnS««".)_ Bahnsteigkarten New Jork— Hamborg. Die führenden New- Porter Schiffahrtsgesellschaften hatten vor einiger Zeit beschlossen, kein« sogenannten Quai-ttcket». die zum Betreten de» Schiffe« kurz vor der Abfahrt berechtigen, also gleichsam Schiffs-Bahnsteigkarten waren, mehr ouszugeben, da die Unordnung zu groß wurde. Bei der Abfahrt des Dampfer«„Leviathan" stellte sich nun heraus, daß l2 Platze unbenutzt blieben. Die Aufklärung erfolgte jetzt vor einigen Tagen: Einige Rew-Porker Millionärssöhn« hatten diese Karten gelöst, um ihrem nach Europa fahrenden Freunde das Geleit bis aufs Schiff geben zu können. s.meneh>: Anonymer Stuhm In diesen Tagen jährte sich zum hundertsten Mate der Todestag eines Mannes, der einst— in der Goethezeit— zu den bekanntesten, gefeiertesten und meistgespielten Bühnenschriststellern Deutsch- lands gehörte, nämlich Adolf Müllners. Dieser hundertste Todes- tag ist in aller Stille vorübergegangen, und es gab keinen, der aus diesem Anlasse dieses einst so berühmt gewesenen Dichters gedacht hätte. Adolf Müllner ist in das Schattenreich des Vergessens so tief hinabgestiegen, daß nicht einmal versucht wurde, ihn durch ein Iubiläumsgeläute einer spät-ren Nachwelt in Erinnerung zu brin- gen. Und doch hatte Adolf Müllner einst mit seinen Theaterstücken die deutsche Bühne beherrscht. Er war der Schöpfer des deutschen Schicksalsdramas und hat als solcher keinen Geringeren als Franz Grillparzer beeinflußt. Alles dies schützte ihn vor der Vergessenheit nicht. Schon vor ungefähr sechzig Iahren nennt ein deutschr Literaturhistoriker Adolf Müllner einen„mit Recht vergessenen Dichter". Damit ist wohl das Urteil der Nachwelt gesprochen. Wenig« Jahrzehnte noch seinem Tode war der letzte Rest seines Ruhmes dahin. Doch ist Wolf Müllner bis auf den heutigen Tag der winzig« Teil einss anonymen Ruhmes geblieben. Noch heute kann man öfter die Worte zitiert finden: Erkläret mir. Graf Oerindur, Diesen Jwiespalt der Natur! Dieser geflügelte Satz stammt aus Müllners Schicksalsdrama„Die Schuld". Dieses Drama war eitles der besten und meistgespielten Bühnenstücke Adolf Müllners: heute ist es völlig verschollen und vergessen. Einzig der erwähnte Satz hat sich aus dem Drama los- geschält und sich eigenständig und dauerhaft bis in unsere Jett er- halten. Das eben ist es. was den anonymen Ruhm ausmacht: irgendein schöner Gedanke, ein Gesicht, der Vers eines Liedes oder auch nur die gut geprägt« Wendung aus einem Satzgefüge setzt Flügel an und wandert durch die Jetten. Es verschlägt dabei nichts, daß der Verfasser unbekannt bleibt: sein Wort lebt. Niemand, denke ich, braucht sich der Lücke in seiner Bildung zu schämen, wenn er offen eingesteht, den Verfasser de? nachstehen. den Zweizeilers nicht zu kennen: Zwei Seele« und em Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag. Dieses schöne, einprägsam« Wort stammt von Friedrich Halm lEligius v. Münch-Bellinghausen). Halm gehört durchaus nicht zu den ganz Vergessenen. LUervrische Feinschmecker lesen ihn noch heute gern, und es soll vorkommen, daß eines seiner berühmten Stücke, mit denen er wahre Triumphe gefeiert hotte, wie„Grisel dis",„Der Sohn der Wildnis" oder«Der Fechter von Raoenna", noch heute an der einen oder anderen deutschen Bühne aufgeführt wird. Wer aus allen Werken Halms hat doch nur der erwähnte Zweizeiler seinen unbedingten Dauerwert erwiesen. Selbst in un- seren Tagen wird der aus dem Dran«„Der Sohn der Wildnis" stammend« Satz häufig genug zittert. Außer in der obligatorischen Literaturstunde, wer erfährt heute noch etwas von dem alten Gottfried Seum«, dem einst allbekannten Trinklied für SSeUler Wie dumm und luftig eure£ieder find. Jch habe heut ein andres Jßied erlaufchl und bin feilher für alles taub und blind. trinkt nur allein. Jch bin vom£ied berauscht... das fang ein Jlind in einem dunklen Stofe. Sin fchmales Sing, das fingend betteln ging; es fang verstagl des JCiedes einss'ge Strophe, während fein Auge an den Zenflem hing. 3)enkl euch ein JCied, das jemand hungrig fingt, voll armer Furcht, es ginge feinen Ohren der helle Jilang, wenn eine Wlünste fpringt, die jemand warf, in feinem Sang verloren... ißei dem Geklirr, das nicht aufklingen wollt', beim£ied der Ulünsten, das fo emfig fchwieg die Wlelodie vom unbarmherzigen Gold, das nicht einmal als Qrofchen niederflieg, fucht' ich ein Geldftück fiebernd im Gewand. bettelnde Augen irrten hin und her. hakten fich hoffend fefl an meiner Stand- lind meine Warrenhand blieb nacht und leer.., Ton diefem Slendslied bin ich beraufcht berauf cht von Sommer und beraufcht von SPeht. Jch habe nur dies kleine£ied erlaufchl und brauch nicht euren Wein zum Trunkenfein. Sturl Jutin. Spaziergänger nach Syrakus? Wer auch ihm warb ein Te« von anonymer Unsterblichkeit beschieden. Wer de« sinnigen Spruch: Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, Böse Menschen haben keine Lieder, zitiert, der hat, freilich ohne es immer zu wissen, den Geist des alten Gottfried Seume heraufbeschworen. Das Gedicht, worin sich dieser Ausspruch befindet, ist 1804 erschienen, das Wort ist also länger als ein volles Jahrhundert lebendig geblieben. David Kalisch, der Kladderadatsch-Kalisch, hat diesen Satz sehr hübsch parodiert: Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, Bös« Menschen haben nie Zigarren. Gerade an dieser Parodie können wir die Be schaff erchett de» ano- nvmen Ruhmes erkennen. Den Seumeschen Spruch kennt jeder- mann, aber nicht jeder weiß, wer ihn gedichtet hat. Ganz anders oerhält es sich jedoch bei der verulkenden Nachdichtung: damtt ist Uta uiMHiymer Ruhm zu ernten. Denn wer die Parodie kennt, der keimt auch ihren Berfasser. In seinem Buche„Was bleibt?" untersucht Eduard Engel das Bleibende und Vergängliche in der Weltliteratur: er legt an dis großen Werke den höchsten, das will sagen, den strengsten Maßstab an. Dagegen erkennt er vorbehaltlos dasjenige an, was wir als anonymen Ruhm bezeichneten. Engel ist mit dem Kleinsten zu- frieden, so es nur seinen Dauerwert bewiesen hat, und bringt in seinem Buche mehrere Beispiele von Liedern, Sprüchen und Versen, die geblieben sind. Wer hat das Lied gedichtet: Es kann ja nicht immer so bleiben Hier unter dem wechselnden Mond. Wer ist der Verfasser der Strophe: Wir sitzen so fröhlich beisammen lind haben einander so lieb. Beides stammt von Kotzebue. Mehr als hundert Werke ver- fchiedenster Art hat August v. Kotzebue geschrieben: alle sind ver- funken: einzig sein Lied„Trost beim Scheiden", dem die erwähnten Ders« entnommen sind, ist geblieben. Wenig? Nein, gerade genug, um eines bescheidenen Maßes an Unsterblichkeit teilhaftig zu wer- den. Wer hat folgende Verse geschrieben: Sei hoch beseligt, oder leide: Dos Herz bedarf ein zweites Herz, Geteilte Freud' ist doppelt Freude, Geteilter Schmerz ist halber Schmerz. Christoph August Tiedge ist der Verfasser. Tiedges Ruhm hat einst den Goethes und Schillers überstrahlt, seine„Urania" war einst das meistgelesene Buch in Deutschland.„Der gefeierte Mann samt seinem großarttgen HauKjherk, ja samt seinem Namen, ist versunken: geblieben aber sind diese vier kurze Zeilen",— so schreibt Cduard Engel. Ja, dem einst so berühmten Mann ist nur ein winziger Teil anonymen Ruhmes geblieben. Als den höchsten Grad anonymen Ruhmes kann man es be- zeichnen, wenn irgendwelche Verse eines �Dichters einem anderen größeren oder gar dem größten Dichter zugeschrieben werden. So kann man öfter die Verse: Das Innere der Natur, Dringt kein erfchaff'ner Geist. Glückselig! wem sie nur Die äuß're Schale weistk als Ausspruch von Goethe zitiert finden. Nein, diese Verse hat kein Goethe gedichtet. Der Sinnspruch findet sich wohl unter Goeches Gedichten, stammt aber nicht von ihm, sondern von dem Physiker und Dichter Albrecht v. Haller. Goethe zitiert diese Verse in seinen Gedichten, um den darin ausgesprochenen Gedanken von der Be- grenzchett des menschlichen Geistes entschieden abzuweisen. Goethe, der sein Leben lang bestrebt war, die Statur ihrer Geheimnisse zu entschleiern, wollte sich nicht durch einen noch so schönen Sinnspruch das Innere der Natur verrammeln lassen. Und so trat er denn in zwei Gedichten„Allerdings" und„Ultimatum", worin eben der er- wähnte Ausspruch angeführt wird, der Hallerschen Auffassung«nt- gegen. Überall begleitet Sie ELECTROLA Ei ist erstaunlich, wis leicht und handlich das KoffeHnstnimant ist. Trotz seines bescheidenen Preises so tonstark, so kiangrein! Vorspiel der verschiedenen Modelle gern ohne Kaufewang. Prominente Künstler betrauen „Electrola" mit der Wiedergabe ihrer Kunst. Das„Electrola',-Kottsrlnstnjment kostet bei Barzahlung......... 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