Morgenausgabe Nr. 293 A 148 46. Jahrgang SSchknIllch 5Z?>, SM TL tra DOmut joljlbar. Postd-zuz«,32 M. «Inlchliebiich 60 P!g. Postzlitunz»- und ?2 VIg- Postdtpillzkbühnn. ilusland»- »bsnnemem 6.— M. fn Monat. tn.BonjjSrt»*«I4«W wochentiz- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Äbendausgaden für Beriia und im Handel mit dem Titel.Der vdend". Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit" und.Kinderfreund». Ferner .Unterhaltung und Wsien'l,.Frauen- stimme'..Technik',.Blltl in di» Süchenoell' und.Iugend-Vorwärts' f. Nerliner Vvlksblatt Jentealorgan der Sozialdemokratischen Kartei Mittwoch 26. Juni 1929 Groß.Verlin Pf. Auswärts"15 Pf. Dke ttnspattsge Nonparetllezetl« 80 Pfennig. Reklamereile 5.— Reich». mart„Kleine Anzeigen' das lettpr. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das en'le Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zadlen für zwei Worte. Arbeitsmalkt Zeile 60 Pfennig. 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Damit war der Weg für eine organische Sanierung der für die Agrarproduktion in Betracht kommenden Märkte verbaut. Die Sozialdemokratie bezweckte von Ansang an, in dieser Regelung vor allem den notwendigen Schutz für die großen breiten Verbraucher- mossen einzuschalten. Nachdem dos nicht in Form der anfänglich geplanten Maßnahmen gelang, kam es für sie darauf an, eine Verteuerung der Lebenshaltung der breiten TNasten abzu- wehren. Das ist ihr in weitestem Maße gelungen. Der Erfolg ist um so höher einzuschätzen, da die Sozialdemokratie den anderen Parteien gegenüberstand, die sich für Zollmoßnahmen festgelegt hatten. chinfichtlich der Gelreidezölle hat man sich dahin geeinigt, die Jollsätze auf die im Handelsvertrag mit Schweden vereinbarten Zwischensätze zu erhöhen. Das bedeutet, daß der gegenwärtige Zwischenzoll von 5 bzw. 5,50 M. durch den sogenannten Schweden zoll von 6 bzw. 6,50 M. ersetzt wird, chicr gelang es der Sozial- demotratie, den Plan zu zerschlagen, die a u t v n o m e n Z ö l l e (7,50 M.) auf 10 M. zu erhöhen. Die' geforderte Erhöhung der autonomen Zölle ist damit abgewehrt worden und kommt nicht mehr in Betracht. Abgewehrt wurde auch die Forderung, die Zuckcrzölle zu erhöhen. Es bleibt bei dem im vorigen Jahre iestgesetzten Preis von 21 Mart. Dazu tritt eine Unkostenvcrgütung(Report) von 15 Ps. pro Monat für die neuen Monate der Zuckertampagne. Da- nach steigert sich der Preis vom 1. Januar ab pro Monat um 15 Ps., so daß im September ein Preis von 22,35 M. erreicht wird. Bom Oktober ob tritt dann wieder der normale Preis von 21 M. in Kraft. Der Zoll für Spätkartosfeln soll von 1,50 M. auf 2 M. erhöht werden. Diese Erhöhung hat angesichts des Kartoffelüberschusses in Deutschland kaum praktische Bedeutung und dürfte sich nur dahin auswirken, die Einfuhr von Spätkartosfeln nach Ostdeutschland zu unterbinden. Bezüglich der geforderten Anpassung der Lebendoiehzölle an die Fleischzölle hat man sich dahin geeinigt, durch wirtschaftliche Maß- nahmen den Auswirkungen eines übermäßigen Viehimports nach Deutschland vorzubeugen. Der Bullerzoll wird von 27,50 M. auf 50 M. gesteigert werden Gefordert wurden hier 80 M. Der Zoll von 50 M. ist aber b e- fristet. Er soll die Wirkung eines Erziehungszolls haben. Darauf legte die Sozialdemokratie besonderen Wert, da die deutsche Butter gegenüber der ausländischen nur wettbewerbsfähig werden kann, wenn sie in ihrer Qualität verbessert wird. Der Sozialdemokratie ist es auch gelungen, die Pläne zu durch- kreuzen, die auf eine Abdrosselung der Gesriersleischeinfuhr hinzielten. Hier sollte der 8 12 des Fleischbeschaugesctzes(Einfuhr von Fleisch nur mit Innereien) ausgehoben werden. Das geschieh: nicht. Verhindert hat di« Sozialdemokratie auch die Erhöhung der F u t t e r m i t t e l z ö l l e. poincare zieht die Schweiz vor. Obgleich England für London eintritt. Paris, 25. Jsuni. Nach Beendigung seines heutigen Exposes erklärte Ministerpräsident Poinrarö in den vereinigten Kammer- ausschüssen im Hinblick ans die Besprechungen über die Wahl des Tagungsortes der bevorstehenden Ne- gierungskonferen», daß es der Wunsch der englischen Regierung sei. diese Konferenz in London stattfinden zu lassen, daß es nach seiner Auffassung jedoch zweck» mäßiger wäre, sie in einem neutralen Lande, am besten in der Schweiz, stattfinden zu lassen. Nicht ungünstige Au nabme der StresentaunvKede. Paris, 25. 3uni.(Eigenbericht.) Die französische Regierung hol Im Laufe des am Dienstag vor- mllkag abgchuUenen Ministerrates beschlossen, die Ausnahme der Verhandlungen mit den an der Sachversländigenkonsereuz be- teilizten Mächten über die Ei»berusung der diplomoli- scheu st o n s e r e n z möglichst zu beschleunigen. Damit tritt erneut zutage, wie sehr der Regierung an einer raschenErlehi. g u n g der Reparationssrage im Hinblick auf die nötige Rallsikatlon der interalliierten Schulden gelezen ist. Ministerpräsident Poincarö verfolgt immer noch di« Absicht, die Ratifikation durch Dekret vorzunehmen, obwohl kaum enzunehinen ist, daß sich in einem der Häuser des Parlaments eine Mehrheit hierfür finden wird. Die Regierung kann auf die Rati- siiflti'on der Schuldenabkommen durch die Kammer nur rechnen, wenn vorher die Annahme des Uoung-Planes durch Deutschland gesichert ist. Dr Sttesemann hat in seinen«ussührun- gen in der Reickzstagssitzung am Montag keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese Annahm« nur unter der Bedingung der RSu- m u nV eriolgen kann. Gegen die in der Red« Stresemanns«nt- batlene kategorische Ablehnung der ständigen Kontrollkommission wird in der hiesigen Oessentlichkeit kaum e r n st h a s! P r o t e st erhoben Man legt die Erklärung des deutschen Außenministers lediglich dahin au-.' daß Deutichland in eine Kontrollkommission b i s 1935 willigen würde. Wir glauben ferner zu wissen, daß die französische Regierung auch«inen etwaigen deutschen Antrag auf sofortige Lösung der Saarstage nicht rundweg»blehnen würde Sie würde allerdings in diesem Falle wahrscheinlich erheb- liche Konzeisionsforderungen stellen, die sich nicht nur auf den im Verlrag sestgelegten Rückkauf der Saargruben bezögen. sondern auch in Ersatzansprüchen für den wirtschaftlichen Nachteil, den Frankreich durch ein« vorzeitige Loslosung der Saar aus seinem Zollgebiet erleiden würde. Immerhin ist wegen der Fülle der auf der kommenden Konferenz zu erledigenden Gegen- stände kaum anzunehmen, daß dort auch bereits die Saarfrag« einer Lösung zugeführt wird Dagegen muß es möglich sein, eine bindende Zusage der französischen Negierung auf Einleitung baldiger Verhandlungen nach der Konserenz zu erhalten. Vie amerikanischen Sachverständigen in Washington Owen Boung, Morgan, Lamont und Perkins wurden gestern vom Staatssekretär Stimson in Washington empfangen und berichteten ihm über ihre Eindrücke von der Pariser Konferenz. Staatssekretär Stimson, der das Staats- departemcnt, d. h. die auswärtigen Angelegenheiten leitet, erklarte der Presse, daß di« vier Sachverständigen nicht offizielle Vertreter der amerikanischen Regierung seien und er sie daher auch nicht befragt habe, welche Schritte die Regierung unternehmen solle, um die neuen Johreszahlungen Deutschlands in Kraft treten zu lassen. Die Entscheidung hierüber liege beim Präsidenten ch o o v e r. Nach ihrem Besuch im Weißen.6ause werden die vier Delegierten auch im Schatzamt vorspreck*» und sich mit Schatzsekretär Mellon und Unterstaatsselretär Mills über die finanztech- Nischen Einzelheiten besprechen. Minlsierprozeß in Polen. pilsadstis Schatzkanzler vor dem Staats�erichtshof. Warschau, 25. Zuni. Am Mittwoch um 11 Uhr vormitkog beginnt der Prozeß gegen den ehemaligen �inanzminister Ezechowicz. Den Vorsitz im Skaatslribunal wird Snpinski. Präsident des höchsten Gerichts- Hofs, führen. Unter den von den beiden parlamentarischen Körper- schasken gewählten zwölf Beisitzern sind u. a. der frühere Minister Thngutt und General Zeligowski, der Wilna-Putschist. Als parlamentarische Ankläger amtieren die Abg. Dr. Hermann Lieb er mann(So;.). Dr. Pieracki und Vgrzykawski, während die Verteidigung Rechtsanwalt Pachalski führt. Die Presse glaubt. d«ß Marschall Pilsudski persönlich vor dem Stoalsgerichtshos erscheinen wird. Die hauplverhandlung soll drei Tage dauern. Da» Reichskabinett verabschiedete in seiner gestrigen, lausenden Angelegenheiten gewidmeten Sitzung den Entwurf eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Reichsmimster(Reichsministergesetz) und den eines Gesetzes über Zuschüsse aus Reichsmitteln für die Ansiedlung von Landarbeitern. Beide Ent- würfe werden unverzüglich dem Reichsrat zugehen. Notbehelf in Sachsen. Kabinett Vünger auf schwankender Grundlage. Von Richard Lipinski. Dresden, 25. Juni. Der Sächsische Landtag hat den bisherigen Volks- bildungsminister Dr. Bänger mit 44 von 96 Stimmen bei 12 Enthaltungen zum Ministerpräsidenten gewählt. Die durch das Urteil des Staatsgerichtshofs bedingte Neuwahl des Landtags brachte in dem proletarischen Sachsen am 12. Mai eine bürgerliche Mehrheit. Der Kommunistenschreck des Berliner Maikampfes hatte die Spießer auf die Beine gebracht. Waren im Jahre 1926 die Altsozialistcn mit ihren vier Mandaten das Zünglein an der Wage und bildeten sie eine bürgerliche Regierung, so geben diesmal fünf Nationalsozialisten den Aus- schlag für eine Mehrheitsbitdung. Der Bürgerblock suchte nun die fünf Nationalsozialisten für eine Mehrheitsbildung bei der Wahl des Ministerpräsi- deuten zu gewinnen und wollte ihnen die Verantwortung zuschieben, falls sie versagten, um sie dann nach einer Aus- lösung des Landtages niederringen zu können. Dieser Plan ist ihnen vorläufig gelungen, denn zum dritten Male wurde gestern im Landtage die Wahl des Ministerpräsidenten vor- genommen und der Deutschvolksparteiler B ü n g e r mit 44 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Für den Genossen F l e i ß n« r wurden 33 Stimmen, für den De- mokraten Innenminister A p e l t 5 Stimmen, für Heidt 2 Stimmen abgegeben, während die Kommunisten zwölf weiße Zettel abgaben. Nach Artikel 26 der sächsischen Verfassung wird der Mi»isterpräsident vom Landtag bei Anwesenheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Ab- geordneten gewählt. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten hat. Bei 96 anwesenden Abgeordneten würde die Mehrheit 49 Stimmen sein. Da aber die Kommunisten 12 weiße Zettel abgegeben hatten, die nach der Geschäftsordnung des Landtags nicht mitgezählt werden, so waren 84 gültige Stimmen abgegeben worden, die Mehrheit also 43' Stimmen, und so ist Vünger mit 2 Stimmen Mehrheit gewählt. Nationalsozialisten und Kommunisten haben Bünger, das heißt dem Bürgerblock, im proletarischen Sachsen zum Siege ver Holsen. Dieser Sieg ist aber nur ein Scheinsieg, denn nach Ar- tikel 27 der sächsischen Verfassung bedürfen die Minister zu ihrer Amtsführung das Vertrauen des Landtages. Jeder Minister muß zurücktreten, wenn der Landtag durch ausdrücklichen Beschluß, den die Mehrheit der gesetzlichen Zahl— also 49— der Abgeordneten faßt, ihm das Vertrauen entzieht oder seinen Rücktritt fordert. Da Altsozialisten und Demokraten nicht für Bünger gestimmt haben, so ist ein zu bildendes Kabinett von ihrer Duldung abhängig. Es kann mit Hilfe der Kommunisten jederzeit gestürzt werden. Dieser Abstimmung sind im bürgerlichen Lager einige Auseinandersetzungen vorausgegangen. Die Nationalsozia- listen hatten ihre Unterstützung Büngers von einer Reihe Bedingungen abhängig gemacht. Sie wollten nicht Heidt, den bisherigen altsozialistlschen Ministerpräsidenten: dem Innenminister A p e l t wollten sie das Gehalt verweigern, sie wollten einen Demokraten auch als Volksbildungsministcr nicht dulden und schließlich sollte die sächsische Regierung im Reichsrat gegen den Boung-Plan stimmen. Dem deutsch- volksparteilichen Minister Bünger muteten sie also zu, gegen das Reichskabinett, gegen Strese- mann Zu stimmen. Ob die Deutsche Volkspartei dieses Joch auf sich genommen hat, steht dahin. Wenn dennoch die Nationalsozialisten für Bünger gestimmt haben, so zeigt diese Abstimmung selbst, auf wie unsicherer Grundlage ein ge- duldetes Kabinett steht. Dazu kommen die Forderungen der Deutichnationalen auf zwei Ministerposten, Innenministerium und Wirtsck'aftsministerium, Forderungen, die durch die Ab- stimmung der Nationalsozialisten für Bünger gestützt wor- den sind. Sollte es Bünger gelingen, ein Kabinett auf die Beine zu stellen, io kann es nur ein vorübergehender Not- behelf sein. Die Regierungsbildung ist also nicht endgültig vollzogen. Die Sozialdemokratie steht seit sechs Iahren in Sachsen in Opposition. Die sozialistische Minderheits- regierung war im Januar 1923 mit Hilfe sämtlicher bürqer- lichen Parteien, auch der Demokraten und den Kommunisten, gestürzt worden. Damit war der Partei die Bildung einer Koalitionsregierung mit den bürgerlichen Parteien verleidet. Die von den Kommunisten geduldete neue sozialistische Min- derheitsregierung wurde nach dem Eintritt der Kommunisten verfassungswidrig mit Militärgewalt des Amtes entsetzt. Das von' den Demokraten danach geduldete sozialistische Ka- binett F e l l i s ch wurde nach kurzer Zeit gekürzt und von einer bürgerlichen Regierung abgelöst. Die Dssziplinlosizkeü der sogenannten Dreiundzwanzig, ihre Koalition 1924 mit den Bürgerlichen, die Bildung der Altsozialistiichen Partei. ihre Schlüsselstellung bei der Landtagswahl 1926 ließ die Sozialdemokratische Partei auch weiter m die Opposition beharren. Nach der Landtagswahl 1926 stellte die sächsische Sozial- demokratie zwar ein Regierungsprogramm auf, das oer- öffentlicht wurde, nominierte Genossen Fleißner als Mi- nisterpräsidentschaftskandidaten, lehnte aber ab, ihr Pro- gramm anderen Parteien mitzuteilen und mit ihnen zu ver- handeln. Gs kam mit den Altsozialisten eine bürgerliche Re- gierung zustande. Dieser Zustand der Isolierung wurde einem«teil der sozialdemokratischen Landtagsabgcordneten unerträglich. Die Anrufung des Staatsgerichtshofs zur Auflösung des Landtags war nur das Mittel, aus dieser Situation heraus- zukommen. Das Ergebnis der Wahl entsprach nicht den gehegten Erwartungen. Die Zunahme der nationalistischen Stimmen und Mandate wies auf den Kurs zur Diktatur und den Abbau aller früher erreichten und gebliebenen Erfolge hin. Das reifte die Stimmung, aus der Opposition herauszukommen» Der einzige Weg dazu ist nach Lage der Sache nur die große Koalition. Die Kam- muniften hatten schon vor der Wahl erklärt, daß sie eine sozialistische Regierung nicht unterstützen würden, sie haben Wort gehalten und Bünger in den Sattel gehoben. Die Sozialdemokratie hotte nur zwei Mandate ge- wannen, sie verfügte über 33 Mandate. Eine Mehrheits- bildung ohne bürgerliche Parteien ist ausgeschlossen, die vier Demokraten sind hierfür zu wenig,'also blieb nur eine Re- gierung mit Demokraten und Deutscher Volkspartei übrig. Deshalb ging das Bemühen einer Reihe Genossen dahin, die Partei über das Verhalten von 1926 hinauszubringen. Es wurde auch ein gegenüber 1926 abgeschwächtes Programm ausgearbeitet. In der gemeinsamen Beratung von Landes- instanzen und Landtagsfraktion zeigte sich aber, daß zwar die Stimmung für eine Koalition gewachsen war, die Ideologie einer sechsjährigen Oppositionsstellung aber in so kurzer Zeit nicht umzustellen war. Die Anhänger der Oppo- sition stützte sich darauf, daß die Landesversammlung im Januar die Haltung der Landtagsfraktion, also ihre oppo- sitionelle Haltung gebilligt hatte, führte die negativen Ergeb- nisse der Reichskoalition ins Feld, und so wurde dann mit 36 gegen 17 Stimmen beschlossen, Las Programm als Min de st Programm gelten zu lassen und nicht mit den Parteien zu verhandeln. Der Vertreter der Gewerkschaften hatte empfohlen, sich nicht völlig jeden Ausweg zu verbauen. Schließlich erklärte man sich bereit, mit anderen Parteien zu oerhandeln, wenn diese an die Partei herantreten. Wie schon gesagt, war das Ziel des Bürgerblocks, seinen Sieg rücksichtslos auszuschöpfen. Deshalb waren auch die Bemühungen der Demokraten für eine Koalition ergebnislos, weil die Deutsche Voltspartei sich völlig ablehnend verhielt. Das ist verständlich. Denn unter Führung des Oberbürger- meisters B l ü h e r hat die Deutsche Volkspartei den Einfluß der Ratsbureaukratie wieder hergestellt und die Gemeinde- ordnung Sachsens verschandelt. Di« Wiederher- ltcllung der freiheitlichen Gemeindeord- nung ist das Ziel der Sozialdemokratie, und hierzu will die Deutsche Dolkspartei nicht mitwirken. Die Gewerkschaften haben auf ihrer Dresdener Konferenz darauf hingewiesen, daß in Sachsen die Sozialdemokratie wieder Einfluß auf die Regierung erhalten muß, um die vorhande- nen sozialen Einrichtungen zu erholten. Zurzeit sind die Voraussetzungen noch nicht gegeben. D i e Z e i t nniß helfen, den Wandel vorzubreiten. Wie Dünger gewählt wurde. Dresden. 23. Juni.(EigeKbericht.) Bei der Ministerpräsidentenwahl am Dienstag wurden abgegeben für den bisherigen deutschvolksporteilichen Kultus- minister Bünger 44, für den sozialdemokratischen Abg. Flekßner 33, den bisherigen Ministerpräsidenten Heidt 2 und für den bis- berigen demokratischen Innenminister Apelt 5 Stimmen. Die zwölf Kommunisten gaben wieder weihe Zettel ab. Nach der Wahl erklärte der Landtagsprästdcnt, der Aeltesten- ausschuß müsse darüber beschließen, ob Bünger gewählt sei. Es bestände Unklarheit darüber, ob die weihen Zettel bei der Fest- stellung der Mehrheit mitzurechnen seien. Die Sitzung wurde kurze Zeit vertagt. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung entschied der Landtag mit 49 gegen 47 Stimmen, daß die Wahl Büngers zum Ministerpräsidenten gültig sei. Wie das Resultat zeigt, hat Bünger keine Mehrheit hinter sich. Die Einigung unter den bürgerlichen Parteien war deshalb gescheitert, weil die Nationalsozialisten erklärten, sie würden weder einen demokratischen Innenminister, noch einen dem okra tischen Kultusminister dulden. Außerdem hatten sie eine Anzahl für die bürgerlichen Parteien unannehmbare Forderungen gestellt, so zum Beispiel, daß die nächste Regierung im Reichsrat gegen den Doung-'Plan stimmen müsse. Der neue Ministerpräsident dürfte bei der Ausanunciistellung seines Kabinetts große Schwierigkeiten zu überwinden haben. Wie wir hören, erheben die Na ti o n a l o z ia l i st e n, deren Führer im Sächsischen Landtag der bekannte OE.-Mann v. Killinger ist, den Anspruch auf einen Min ist ersitz, und zwar auf das Ministerium des Inneren Wilhelm Bünger wurde 1919 Reichzanwalt und nwdmet« sich in den Reihen der Deutschen Dolkspartei der Politik. Er wurde 1929 in den Sächsischen Landtag gewählt und bekleidete dort zeit- weise das Amt des Bizepräsidentcn. Im Kabinett 4)eldt üben, ahm er 1924 das Ministerium der Justiz, behielt es auch im zweiten Kabinett Heidt und trat im Juni 1927 infolge Umbildungs- iorderungen der Deutschnationalen zurück.— Im Januar 1929 wurde Bltnger im Kabinett Heidt zum Volksbildung, mini st er ernannt. Tod in den Sielen. Genosse Weyers gestorben. Mörs. 25. Juni. sEigeitbericht.) Der sozialdemokratische Parteisekretär Eösar Weyer» gab ,n de» Parteiversommlung in Orsoy den Bericht vom Magdeburger Parteitag. Mitten im Vortrog traf ihn ein Herzschlag. Nach wenigen Augenblicken war Weyers tot. Weyers war eine der markantesten Persönlichkeiten der Parte, im Bezirk Niederrhein. Mit seinen 63 Iahren war er noch immer ein jugendlicher Fcuerkopf, der seit rund 25 Iahren der Partei als Sekretär diente. Als solcher war er tätig in Duisburg, Lübeck, Essen. Krefeld und zuletzt seit rund sechs Jahren im Ilntcrbezirk MSrs. Weyers hat sich große Verdienste um die Partei erworben. Er war Prooinziollandtagsabgeordneter und eine Zeitlang Mitglied des Preußischen Staatsrats. Ferner war er Stadtverordneter in Mörs. Parlamentseröffnung in London. Echt englische Szenen. Londou. 25. Juni.(Eigenbericht.) Dos neugewählte Parlament trat am Dienstag zum erstenmal zusammen. Der Sitzungssaal, der keineswegs samt- lichen Abgeordneten llnterkunst gewährt, war zum Borsten überfüllt. Ein Teil der Abgeordneten nahm aus den Knien ihrer Kollegen. ein anderer Toll auf dem Boden der Ouergäng« zwischen den Abgeondnetenbänken Platz. Ein weiterer Prozentsatz der neuge- wählten Abgeordneten sand auf der für die Mitglieder des Ober- Hause« reservierten Galerie Unterkunft. Vor der Eröffnung der Zeremonie der Wahl des Borsitzenden ging Baldwin auf Macdonald zu und beglückwünschte ihn vor versammeltem Hause zu seinem Wahlsieg. Diese echt englische Gest« des bisherigen koisservativen Minister- Präsidenten wurde bei den Abgeordneten der Arbeiterpartei mit einer kleinen Ovation für Baldwin beantwortet. Der ein- zige Punkt der Tagesordnung bestand in der Wahl des Speaker (Präsideitten), die dem Herkommen gemäß im Sitzungssaal des Oberhauses«rsolgt«. Die Wohl fiel auf Grund emer Dereinbom.ng zwischen den Parteien auf den bisherigen Sprecher des Unterhauses, den Abgeordneten F i tz r o y, ein Mitglied der tfinservotiven Partei. Der Vorschlag zu seiner Wiederwahl wurde formell von einem Abgeordneten der Arbeiterpartei und einem tonserva» t i v e n Abgeordneten eingebracht. Nachdom dann Macdonald, Baldwin und Lloyd George als Führer der drei Parteien die Üblichen Glückwünsche zu Wahl geäußert hatten, vertagte sich das Haus auf Mittwoch. Lloyd George betonte in seincr Glückwunschonsprache unter dem Gelächter des Hauses, daß kleine Parteien, wie feine und die Fraktionslofen, der besonderen Unterstützung des Vorsitzenden bedürfen, zumal dann, wenn sie, wie im gegenwärtigen Parlament,«in Viertel der Wählerschaft repräsentieren. Der verbleibende Teil der Woche wird der Ab- legung des S ch w u r e s durch die Abgeordneten gewidmet sein. Di« eigentliche Arbeit des Parlamentes beginnt am kommenden Montag mit der Derlefung der Thronred«, di« das Regierungsprogramm der Arbsiterrcgierunz für die Zeit vom Juki 1929 bis Juli 1939 umreißen wird. Amnestie für Autonomisten. Von der Regierung beschlossen. Paris, 25. 3tral(Eigenbericht.) Die Freisprechung de» Autonomisten Boos durch die Geschworenen in Sesan««» hat auf die französische Regierung eine unerwartete und sehr erfreuliche Wirkung ausgeübt: sie beschloß in einem Ministerrat am Dienstag, dem Parlament sofort die völlige A m n e st I e für sämtN6)e wegen autonomistischer Umtriebe bestraften Elsässer vorzuschlagen. Zur Begründung dieser Entschließung wird erklärt, daß der Spruch des Schwurgerichts als neuer Versuch zur Der- s ö h n u n g angesehen werden müsse. Zwar hätten bisher alle französischen Regierungen Versöhnungsversuche unternommen: sie seien aber immer vergeblich gewesen. Di« Regierung wolle darum noch einmal den von den Geschworenen in Besan>:on gewiesenen Weg beschreiten. Wie die Begründung mich lauten mag, jedenfalls hat die Regierung damit einen Schritt getan, der nicht nur von den Elsässern selbst, sondern von ollen Kennern der Berhältniss« des unglücklichen Grenzlandes seit langem als der einzig mögliche angesehen wird, wenn wirklich ftiichtbarc Arbeit geleistet werden soll Fortsetzung der Maroktodebatte. Paris, 25. Juni.(Eigenbericht.) Die Kammer setzte am Dienstag die am Freitag begonnen« Debatte Über die Politik der Regierung in Marokko fort. Dies- mal kamen die Vertreter der Rechten zum Wort, die in ener- gischen Ausdrücken, von links häufig imterbrochen, efire straf- fere militärische Politik in Marokko forderten, damit ciidiich Ordnung uird Ruh« eintrete. Di« Aufständischen unternähmen einen Uebersall nach dem anderen aus Kolonisten und raubten und plünderten ungestraft. Kricgsminister Painleve teilte dem Hause mit, daß die in Ayt Iakub eingeschlossenen Trup- pen mmmehr völlig befreit und die Ruhe in jeder Hinsicht wieder hergestellt sei. Knappe Vertrauensmehrheit für die Regierung. Paris. 25. Juni. In der Kammer wurde heute nach Unterbrechung der Inter- pellationsdebatte über die Borgänge in Marokko eine Interpellation über die Stellungnahme der Regierung gegenüber den am Sonntag gegen die Ratisizicrung der Schuldenabkomme» veranstalteten Kundgebungen der Frontkämpfer beschlossen. Die Nr- Heber der Interpellation, ein sozialistischer und ein unabhängiger, der Regierung nahestehender Abgeordneter, machten der Regierung vor ollem eii« tendenziös« Beeinflussung der Oeffcntlich- keit auf dem Wege über die Presse zum Vorwurf. Nach lebhafter Aussprache, in deren Verlauf Innenminister Tardien die Vertrauensfrage stellt«, wurde die Intcr- pellation schließlich mit 291 gegen 2be Stimmen, also mit einer wehrheil von nur 25 Stimmen, zurückgestellt. Oer Vertrag mit der Kurie. Beschlüsse der evangelischen Generalsynode.- Dispositionen des Landtags. Die evangelische Generalsynode hat nach dem Borschlag ihres Berfassungsausschusscs einen Beschluß zum Konkordat gefaßt, dessen wichtigst« Stelle lautet: � dieser Lage spricht die Generalsynod« die Erwartung aus, daß die gesetzgebenden Körperschaften des preußischen Staates, sofern sie die schwere Berantwortung für die Zustimmung zu dem Vertrag mit der katholischen Kirche auf sich nehmen wollen, ihn nicht genehmigen werden, ohne gleichzeitig einen die evangc tischen Kirchen be- fried ig enden Vertrag zu verabschieden. Die Zusage eines später abzuschließenden Vertrages kann den evangelischen Kirchen nicht genügen, da der Ausgang künftiger VerHand- lungen ungewiß ist. Nur di« gleichzeitige Verabschiedung beider Verträge würde den elementaren Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechen." Trotz dieses Beschlusses ist anzunehmen, daß der Staatsrat den Vertrag mit der Kurie rechtzeitig verabschiedet. Der Aeltcstenrot des Landtags hat die erste Lesung im Plenum des Landtags jür Montag, den 1. Juli vorgesehen. Die Tage vom 2. bis 4. Juli sollen wiederum sitzungsfrci bleiben, damit in den Ausschüssen dos Konkordat vorbcroten werden könne. Die zweite Lesung des Konkordats im Plenum soll am 5. Juli, die dritte Lesung am 9. Juli stattfinden. Zlm 13. Juli wird der Landtag in die Sommcrfevien gehen. lästigimge» dauerten über«in« Stunde, wobei verschiedene Hetz- reden, vor allem gegen die Juden, gehalten wurden. Sie fanden erst ihr Ende, als die zur Hilfe herbeigerufene Polizei geigen die Ruhestörer einschritt. Di« vorher beim Syndikus unternommenen Schritt« hatten keine Wirkung. Kein Wunder, dem» dieser ist seit langem als eifriger Parteigänger Hitlers bekannt. Der Rektor selbst war nirgends zu finden. Am Nachmittag empfing der Kultusminister«in« Abordnung der bedrohten Studenten. Er versprach, mit ollen Mitteln gegen die Ruhestörer vorzugehen, uin unter allen Umständen ähnliche Vorgänge wie in Wien zu oerhindeni. Reue Waffenfunde. Kriegervereinsgewehre und ein Maschinengewehr. Hannover, 25. Juni.(Eigenbericht.) Im Dorfe Eickeloh, Kreis Fallingbostel in der Lüneburger Heide, wurde durch die Abteilung Ia der Hannaoers che» Polizei ei» schweres Maschinengewehr, acht Gewehre Modell 7184, ein Gewehr Modell 71, eine Maschincngeroehrtronimel mit gegürteter Munision und etwa 699 Schuß Insanteriemunition gefiinden. Die I n f o n t c r i e- g« wehre gehören, wie inzwischen festgestellt worden ist. dem Kriegerverein in Eickeloh und sind mit amtlicher Kenntnis zum Schießen von Ehrensalven verwendet worden. Es bleibt festzustellen, wer der Besitzer des Maschinengewehrs und der Maschinengewehrmunition ist. Hakenkreuzbuben. Fsegeleien in der Münchener ünlversstäi. Mönchen. 2-5. Juni.(Eigenber.) Nach dem Wiener Vorbild versuchten am Dienstag vormittag H a k e n k r e u z st u d e n t e n im Lichthos der München«? Universität Radaukundgebungen gegen die sozialistische Studenten. gruppe zu veranstalten. Eine Gruppe von etwa 49 Hitlerianern um- nngte plötzlich die bekannten Führer der linksgerichteten Studentenschaft, bedrohten sie tätlich»nd suchten sie unter Johlen und Belchimpfungen ins Freie zu drängen, um. wie sie sogen. besser über sie herfallen zu können. Als Anlaß benutzten sie die Tot- sache, daß Ende der vorigen Woche ein Kranz der Nationalsozialisten, der an der Totentosel der Universität aufgehängt war. an der Kranz. schleife beschädigt war. Die Kundgebungen, Bedrohungen und De- Bürgerregierung in Mecklenburg. Linksregierung tritt zurück. Schwerin, 25. Zun«.(Eigenbericht.) Wie von amtlicher Seile mitgeteilt wird, wird die sozialistisch- demokratische Regierung den am Sonntag geivöhlten sechsten ordenl- llchen Landtag zum 9. Zuli zu seiner ersten Sitzung einberufen. Da» Ministerium Schröder— Asch— Dr. Möller wird, wie wir erfahren, In dieser Sitzung seinen Rücktritt erklären. Tragisches Mißverständnis. Mexiko. 25. Zuni. Ein Flieger' der Bundeskruppen entdeckte bei einem Erkundung?- flug in der Röhe vonSorrauca eine Truppenobteilung, die sich ver- schanzt hatte. ZaderAnuahme. daß«Aufständische seien. warf der Ffleger Bomben ab, ia Wirklichkeit handelte es sich uu> Bundestruppen, von denen durch die Fliegerbomben e i n Offizier und 15 Mann gelSlel und 15 Mann vernmnde» nmrden._ Reuer fozialdemokraksscher Reichslagsabgeordneler. An Stell« des sozialdemokratischen Re ichstagsabge ordneten Richard Krüg«r (Merseburg), der infolge seiner Ernemnmq zun» Polizeipräsidenten aus sein'Mandat verzichtet hat, tritt der Redakteur Albert Bergholz in Zeitz in den Reichstag en». Georges Weltruf Georges Courteline. Ans Paris kommt die Nachricht, daß der Dichter Moinaux, der unter dem Pseudonym„C o u r t e l i n«" genoß, gestern im Alter von 69 Jahren gestorben ist. Courteline. den man den«gallischsten der Gallier" nannte, war einer der popu- lärsten humoristischen Schriftsteller des heusigen Frankreich. In einer Reihe vielgespietter Bühnenwerke Hot er alle menschlichen Schwächen mit feiner Beobachtung und zielsicherem Witz ironisiert. Zwei Motive kehren bei ihm immer wieder: der Kampf des Bürgers mit dem behördlichen Amtsschimmel ans der einen, und die Borniertheit des kleinbürgerlichen Spießers auf der anderen Seite. Courtelines bekanntestes Werk ist das auch in Deutschland, z. B. an der Berliner Volksbühne, oft gegebene Lustspiel«Bon- bonroche"(1893), in dessen Titelhelden der Dichter eine überaus feine und tiefe psychologische Studie schuf. Courteline litt seit langem an einer Krankheit, die nor etwa drei Jahren die Amputation eines Beines notwendig machte. Jetzt muhte ihm auch dos ander« Bein abgenommen werden, und an den Folgen dieser Operation ist der Dichter— an seinem 69. Gcburts- lag— gestorben. Annahme des Gperrgesetzes. Die Verfaffungsttausel auf sozialdemokraiischen Antrag mit S Stimmen Mehrheit gestrichen. Der Rcichsiaq beriet am gestrigen Dienstag dos Sperr- gefetz für Rechts st reitigkeiten über ältere staat- l i ch e r Renten in 2. Lesung. Der Rechtsausschuß hat die Vorlage dahin geändert, dah Rechts- Ansprüche nein Gemeinden, Unmersitäten oder sonstigen Unterrichts- und Erstehunqsgesellschasten. Kirchengesellschasten. Unierstützungs- lassen. Waisenhäusern, Krankenhäusern oder ähnlichen gemeinnützigen Unternehmungen davon nicht betrojfen werden sollen. �eichsjustizminister v. Gusrard: Früher haben olle Varieien die Notwendigkeit dieses Gesetzes anerkannt. Das Volk ist in begreislicher Erregung darüber, daß Renten, die auf mittelalterlicher Grundloge beruhen, eine un aeheure Ausiosrtung erfahren haben. Es handelt sich um 9000 ältere Renten bei diesem Gesetz, die einen Auswand von nenn Millionen Mark erfordern, davon etwas weniger als Zwei Millionen Mar? für Stondcshsrren. In nächster Zeit ist eine gesetzliche Neuregelung der gxstimten Angelegenheit zu erwarten: die Regierung könnte es nicht verantworten, wenn vorher roch einzelne Prozesse nach dem gelinden Recht entschieden werden. '> daß sie von dem neuen Gesetz nicht berührt würden. Darum ist das vorliegende Gesetz notwendig. Als versassiingsändernd •"t man es früher nicht bezeichnet. Im Ausschuß hat Abg. Dr. Rflegcr festgestellt, daß das Gesetz die Verfassung nicht berührt. Auch nach meiner Meinung hat es nicht verfassungsändernden Eharakter. Slbg. v. Lindeiner-Wildau(Dnotl.): Die preußische Regierung will sich der Reichsgesetzgebimg bedienen, um sich der Einlösung legal eingegangener Verpflichtungen zu entziehen. lS2ä hat Preußen die Ansprüche der L a n d g r ä f e n- F a m i l i e in Hessen anerkannt. Jetzt, wo das praktische Wirkung haben soll, versucht Preußen sich davor zu drücken. Als Abg. v. Guärard noch nicht Minister war, hat er den verfassungsändernden Eharakter des Gesetzes selbst an- erkannt. Da aber eine verfassungsändernde Mehrheit dafür nicht > orhaichen ist, l>at der Minister seine Meinung geändert. Das Gesetz ist nicht nur verfassungsändernd, sondern geradezu vcr- fassungswidrig.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Wunderlich(DVp.): Die Länder haften durch ihre Ent- -'ignungsbestrebungen die Lösung dieser Frage verzögert. Wir halten das Sperrgesctz für verfassungswidrig, würden ihm aber ous kurze Zeit zustimmen, wenn es sich nicht erstreckt auf Streitig- leiten vor Schiedsgerichten, oder vor ordentlichen Gerichten, die als Schiedsgerichte vereinbort sind. Wir beantragen die Ausschaltung so'cher Streitigkeiten aus dem Gesetz. Dahn wurden auch der Streit zwischen Preußen und dem Landgrafen von Hessen nicht durch das Gesetz berührt werden. Lehnt man unseren Antrag .-b, so können wir dem Gesetz nicht zustimmen. Äbg Dr. Saht(DLp.) erklärt dos Sperrgesetz als vcrfastuizgs- widrig und verliest einen Brief des Rechtslehrers Triepel, der dos Sperrgesetz als Verletzung der?krt. lOZ und 109 der Rcichsverfosiung l niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen werden und alle Deutschen srrrd vor dem Gesetz gleich) bezeichnet und die Amwhme mit einfacher Mehrheit.als rechtswidrig verwirft. Die allgemeine Fassung des Gesetzes verhülle mir, daß man damit eine Anzahl bc- l'immter Personen pressen will,(hört, hört! recht?) Abg. Heilmann(Soz.): Der vom Vorredner geführte Beweis ist nicht schlüssig Wenn tatsachlich eine Durchbrechung der Dersassung vorläge. dann tonnte das Gesetz auch nicht mit Zweidrittel-Mehrheit angenommen werden. Nach unserer Auffassung ist es aber nicht ver. fassungsändernd. Wir beantragen die entspreckenden Worte in der Einleitung zu streichen, um das festzustellen. Man wirst dem preu- s'.ischen Staat vor, er handle unmoralisch, wenn er dem hessischen Landgrafen die Rente kürzen will. Wir finden es unmoralisch, wenn die preußische Republik heute noch dieser Landgrosensamiiie eine Zahresrnle von 7 SS 000 IN. zahlt hört, hört! links), die BisnKirck nach dein Krieg von 1966 diesen Fürsten als Lohn dafür bewilligte, daß er die antipreußische Politik lcs Hannoverschen Königshauses nicht mitmachte. Wird diese Angelegenheit nach dem Antrag der Bolksportoi ans dem Gesetz heraus- genommen, dann erhält die Landgrasensamilie. eine Vorzugsstellung rör allen anderen Staatsbürgern und auch vor den übrigen Standes- Herren, denn die Ansprüche dieser Familien werden dann bis 60 rdcr 80 Prozent aufgewertet. Solche Leistungen aus den Mitteln her Steuerzahler für einzeln« Familien sind weder moralisch noch sonst irgiiidwie zu begründen. Wahrend der Rede Heilmanns hatte Abg. Dr. Goebbels (Nat.Soz.) immer wieder dem Redner..Barmat-Schieber" und an- dcrc Schimpfereien zugerusen. Als Heilmann geschlossen hatte, gingen einige Sozioldemokroteii, darunter die Abg. K ü n st l e r und R o w a ck ous die Rechte hinüber, in die Nähe der National- lazialisten. Die Hakenkreuzler Dr. Frick und Dr. Goebbels icfen daraus angcstersüllt den Präsidenten um Schutz an.. da sie— bedroht würden! Die Sozialdemokraten erwiderten: (selglinge, die erst schimpfen und dann Angst haben! — Abg. Dr. Goebbels(Otat.-Soz.): Sic verlassen sich mif Ihren Präsidenten, der uns nicht schützt. Präsident Löbe: Ich bitte Sie, endlich Ruhe zu beux-hren. Sie haben die ganzen Zwischensälle hervorgerufen durch das dauernde Geschrei, mit dem Sie den Redner fortdauernd unterbrochen haben. Abg. Waslowskl(Kam.): Die ehemaligen Fürsten haben in den Deutschnationolen und in der Volkspartci ihre Anwälte, die das Volk für moralisch verpflichtet erklären, den Nachkommen solcher Leute Renten zu zahlen, die ihre Landeskindcr verkauft haben. Diese Renten beruhen auf Blutgeld und aus Zuwendungen an die Mai- lressen der Fürsten. Abg. Dr. Lredl(Wp): Leider ist es schon.zur Ucbung ge- worden, Versassur.gswidrigkciten mit verfassungsändernder Mehrheit ui beschließen. Die Einleitung des Entwurfs spricht noch den Zweifel an der Verfajsungsmäßigkeit aus, der sozialdemokratische Antrag will sogar diesen Zweifel streichen. Die letzte Entscheidung hat das Reichsgericht. Wir stimmen dem Antrag Wunderlich zu. Abg. Dr. Lobe(Bolksrechtpartei) erklärt den Entwurf für per- fassungswidrig. Abg. Landsberg(Goz.): Die Argumente des Abg. v. Lindeiner-Wildau richten sich eigent- [ich gegen die Aufwertungsgesctzgebung und damit gegen den da- maligen dcutschnationalcn Iustizminister.Hergt. Heute bezeichnet man als unerträglich, womit man sich bei der Auswertungsgesetz- gebung für weit längere Zeit einverstanden erklärt hat. Herr von Lindeiner-Wildau beruft sich gegenüber unserem Antrag auf die Reichsverfassung und mahnt uns, es mit ihr recht genau zu nehmen.. Er scheinr sich nicht an die richtige Adresse zu wenden. Wir sind es doch nicht, die- die Reichsverfassung zuerst bekompst, sie dann zur Erreichung egoistischer Porteiziese angewendet haben, um sie schließ- bch wieder zu bekämpfen. lSdhr gut! links.)— Zurufe de? Abg. Dr. E v e r l i n g:(Dtl) Worauf stützen Sic eigentlich die Selbst- überHebung, die Sie ständig zur Schau tragen? Ich habe das nicht ergründen können: wenn Sie sich klar darüber sind, dah Sie als der letzte das Recht haben zu einer so hoben Meinung über sich selbst. dann können Sie mir den Grund auch beibringen!(Große Heiterkeit links.) Bor dem Professor Triepel habe ich selbstverständlich die Hochachtung, die er nach seinen wissenschaftlichen Leistungen An- spruch hat. Er täuscht sich aber in mehrfacher Hinsicht. So wird in der Einleitung des Gesetzes keineswegs die Versassimgswidrigkeit zugegeben, es wird nur ein Zweifel nach dieser Richtung geäußert. Ich bedauere außerordentlich den Brauch, der sich in diesen Fragen eingebürgert hat. Eine Zweidrittelmehrheit ist nur für solche Gesetze notwendig, die unzweifelhaft die Verfassung ändern, aber nicht hei solchen, wo dos zweifelhast ist. Man kann diesen Zweifel in die Einleitung hiueinschrciben, wenn man der Zweidrittelmehrlieit sicher ist. sonst aber ist dos unzweckmäßig. Jedcirfalls hat der Reichstag selbst zu entscheiden, ob eine Ziveidritlclmehrheit notwendig ist oder nicht. Verabschieden wir ein Gesetz mit einfacher Mehrheit, das nach Ansicht des Reichsgerichts verfassungsändernd ist, so erklärt das Reichs- gericht diesen Vcsunb, wie wir das bei der Biersteuer gesehen haben. Der Zweifel in der Einleitung ist also ganz überflüssig. Ob ein Gesetz verfassungswidrig ist, dos ist lediglich aus ihm selbst zu entscheiden: die Frage, ob das Gesetz einen politischen Zweck verfolgt, ist für seine Versossungsmäßigleit vollkommen gleich. gültig. Der hier angezogene Artikel 105 der Reichsverfassung verbietet Ausnahmegesetze und sagt weiter, daß niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden dürfe. Nach der Ansicht vieler Kommentatoren ist dieser zweite Satz bereits in dein ersten eut- halten. von der Entziehung eines Rechte» kann doch keine Rede sein, wenn jemand zugemutet wird, auf die Entscheidung eine» Recht»- streiles einige INoaale zu warten. (Sehr richtig! links.) Auch Professor An schütz wird hier unrichtig zitiert. Er sagt, daß die Versassungsbestimmung über die Gleiäz- heil vor dem Gesetz die Gleichbeit vor dem Richter und Beamten be- deute. Ebenso unzutressend ist die Benisung auf meinen Freund Dr. Sinzheimer. Selbstverständlich sind die Grundrechte der Ver- sassunq außerordentlich wichtig für den Bürger, aber darum haben wir doch nicht die Feststellung zu unterlassen, worin diese Grund- rechte bestehen. Wenn wir den Zweifeisatz in der Einleitung stehen lassen, so wird das Gesetz vermutlich mir die einfache Mehrheit erlangen imd es könnte der Rcichstagsprösident das Gesetz nicht an die Reichsregiming weiterleiten. Ohne Zweifelsatz aber würde die einfache Mehrheit genügen, und selbstverständlich hat diese das Recht, ein Gesetz zu machen. Wird der Satz gestrichen, so hat der Reichstag nicht etwa mit Wirkung gegen den Richter erklärt, daß dieses Gesetz nicht verfassungsändernd sei, sondern nur. daß es nach der Meinung des Reichstags nicht verfassungsändernd sei. Da die Reichsregiernng erklärt hat, das Gesetz nicht für verfassungsändernd zu hatten, so wird sie es nach seiner Annahme auch oerkünden. Das Reichsgericht hat selbstverständlich auch dann dos Recht, die Berfassungsmäßigkeit des Gesetzes auch dann zu prüfen. Eni- scheiden muß aber jetzt der Reichstag, was sein« Meinung ist. (Beifall bei den Soz.). Abg. Dr. i)aa6(Dom): Meine Partei hält das Gesetz für ver- fossungsändenid, sie wird daher gegen den sozialdemokratischen?ln< trag, aber auch gegen den Antrag Wunderlich stimmen. Abg. Dr. Pfleger lBayr. Vp.) spricht im gleichen Sinn«. Abg. v. Lindeiner-Wildau(Dnotl.) erwidert dem Abg. Lands- bevg. Her�t sei bereit gewesen, die gesetzliche Regelung zu treffen, ober die preußische Regierung habe diesen Versuch sabvttiert. Damit schließt die Aussprache. 8 1 der Vorlage wird angenommen mit den Stimmen der Linken gegen die Deittschnationalen und die Minderheiten der D. Vp.. der Bayr. Vp. und der Wirtschastspartei. Der Antrag Wunderlich(Vp.) auf Zkuxscholtnng der Schiedsgerichtverfahren aus dem Gesetz wird abgelehnt. 8 2 des Gesetzes wird hierauf im Hammelsprung mit 197 gegen 149 Stimmen a n g c n o in m c n. Der sozialdemokratische Antrag, in der Einleitung die Bemerkung über den verfassungsändernden Charakter des Gesetzes zu streichen, wind im Hammelsprung mit 183 gegen 171 Stimmen angenommen. Mit Ja stimmten Sozialdemokraten, Zentrum und die Demokraten Lemmer, Schneider und Ziegler. Danach ist das Sperrgesetz mit einfacher Mehrheit angenommen. Abg. v. Lindeiner-Wildau(Dnotl.): Der Reichstag hat heute zum ersten Male durch Mehrheitsbeschluß gegen einzelne Regie- rungsparteien sich selbst die Verfassungsmäßigkeit feiner Beschlüsse bescheinigt. Die Deutschnationalen lehnen dafür die Verantwor- tung ab. Präsident Löbe: Dos Ist nicht richtig. Der Reichstag hat durch diesen Beschluß den dazu berufenen Instanzen die Entscheidung über die Versassungsmäßigkeit des Gesetzes überlassen. Es folgt die dritte Beratung der Verlängerung des R e p u- blikschutzgesetzes. Abg. WaslomskI(Komm.) protestiert gegen die Lerbote kom- munistischer Zeitungen auf Grund des Republikschutzgesetzes. Um« Verleugnung aller Rechtsgrundsätze wurden kommunistische Redal- teure verhastet. 2lög. Dr. Goebbels(Rat. Soz.) hält eine Rede gegen die Re- publik mit Ausfällen gegen die Sozialdemokratie, Gustav Bauer und Abg. Heilmann. Die Nationalsozialisten seien gegen politische Morde, sie brauchten kein Rcpublikschutzgcsetz, sie würden die Sozial- demokroten legal aushängen. Damit schließt ine Besprechung, die Schlußabstiinmung wird zu- sammen mit der Verabschiedung des Etats erfolgen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: H a n d e l sr> e r. träge mit Estland und mit der Schwei.z. Zustimmung zu den Empfehlungen der W e l! m i r t s ch a f t s k o n s c r c n z verlangen die Kommunisten halbstündige Redezeit, da es sich um wichtige Zoll- fragen handle. Dos Haus beschließt jedoch aus Antrag der Rechten, die Redezeit aus 10 Minuten sestzusetzen. Abg. Sloecker(Komm.) protestiert gegen diesen Beschluß, zumal d« Acltcstcnrat halbstündige Redezeit jür diesen Punkt festgesetzt habe. Abg. Diktmann(Soz.) stellt fest, daß die Sozialdemokratische Fraktion nicht für den lO-Mmuten-Antrog gestimmt Hot. Nachdem Abg. Schultz-Brainberg l Dnotl.) die Behauptung Etoeckers über den Beschluß des Aeltestenrats bestätigt hatte,«- klären die Führer mehrerer Fraktionen, nunmehr mit holbstündiger Redezeit einverstanden zu sein. Demgemäß wird beschlossen und als erster spricht 2lbg. hoernle(Komm.), der unter den üblichen Angrissen auf die Sozioldemvkratcu die Zollpolitik bekämpft. Abg. Oittmann(Soz.): Obwohl wir gemäß dein Beschluß des Acltcstennits die Fest- setzung der halbstündigen Redezeit mit herbeigeführt und vorher gegen den lO-MiiiutenAntrag gestimmt haben, behauptete Mg. Hoernle, die Sozialdemokratie wolle gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien die Zolldebatte beschränken. Dos Urteil über ein solches Vergehen überlassen wir dem Hause!(Geschrei der Kommunisten.) Abg. Feder(Rat.-Soz.) spricht für Schutzzölle und beschuldigt die Kommunisten als Schützer des Kapitals auszutreten. Abg. Simon-Franken(Soz): Der Abg. Hoernle, der sich als Sprecher der einzigen Arbeiter» partei bezeichnet, Hot hier ans einer kapitalistischen Zeitung vorge- lesen, daß die Schuhindustrie sich in g ü n st! g c r Lage besinde. Die Wahrheit, wie sie aus gewerkschaftlichen Kreisen heroorgeht. die aber Hoernle nicht beachtet, ist eine'Arbeitslosigkeit in der Schuh- industric von über 30 Prozent Im Vorjahre und noch immer übe? 20 Prozent sowie eine Kurzarbeit von ühcr 20 Prozent gegenüber 47 Prozent im Vorjahre. Könnte durch Zollerhöhung die ganze Einfuhr behindert werden, so wäre es möglich, daß 4000 Arbeiter mehr Beschäftigung finden. Man kann aber auch durch Zollerhöhung nicht die ganze Einfuhr verhindern und außerdem werden gleichzeitig durch andere Zoll- erhöhungen alle Preise gesteigert, wodurch wieder der Gesamtkonsum auch der an Schuhen, eingeschränkt wird. Die Entschließung des Ausschusses, die jür künstige Handelsverträge Zollerhöhungen verlangt, lehnen wir deshalb ab. ?lbg. Hoernle(Komm): Ich habe die Notlage der Schuharb»iter geschildert, aber auch die guten Geschäfte der Schuhkopitalisten her- vorgehobön, die sich auch aus den hohen Dividenden der Schuh- fobriken ergeben. Dem Abg. Dittmann erwidere ich, daß die Sozial, demokraten nicht für den 10'Mmuten-?lnt.rag gestimmt, aber nicht dagegen protestiert haben: einige Sozialdemokraten haben un» sogar zugerufen, wir könnten in 10 Minuten genug reden. Abg. DUlmann(Soz.) wiederholt seine vorige Erklärung: Un- s«e Fraktion hat gegen den lO-Minnten-'Antrag gestimmt. Wenn einige unserer Fraktionswüglieder, die von dem Beschluß des?lelte. ftcnrots nichts wußten, sich anders verhalten haben, so kommt es darauf nicht an. Für die Beurteilung einer Fraktion ist entscheidend, was ihre Führer und ihre Mehrheit tun. Abg. Simon-Franken(Soz.): Es bleibt dabei, daß Abg. Hoernle aus einer kapitalistischen Zeitung vorgelesen hat, der Schuhindustrie gehe es gut. Die Ausschußenischlicßmig wird gegen die Linke, die Vorlagen selbst werden mit großer Mehrheit angenommen und verabschiedet. Damit sind auch die Empfehlungen der Weltwirtschaststonferenz ratifiziert. Einige Antröge der Rechten zur Zucker- und Diersteuer gehen an den Steuerausschuß, nachdem Abg. Ende(Komm.) gegen sie und die Zölle überhaupt gesprochen hotte. Das Auslieferungsgesetz wird von der Tagesordnung abgesetzt, da eine größere Debatte darüber zu erwarten ist, die Sitzung jedoch wegen Fraktionsberatungen beendet werden muß. Gegen 7 Uhr vertagt sich das Haus aus heute Mittwoch 10 Uhr: Dritte Beratung des Sperrgesetzes, Abstimmung zum Republikschutzgesetz. dritte Lesung des Etais und Zollanträge. Zeiiproletarier Hugenberg. Hugenberg: ,Oen Seti lassen Sie diese Woche fort. Wir wollen uns im Anschluß an meine Marburger Rede darauf trainieren, eine Zeitlang als Proletarier zu lebend EXTRA-PREISE Stuben- weiss, hslbleinene» Gsntmfcorngcvcb«,. mit Jaojaacdk&nt«, e*. 100 cm lang, Stack m. 'Pt Hol Verkauf nicht an Wiederverkäufer.— Verkauf soweit Vorrat. Mengenabgabe vorbehalten. Damen-tViische Strumpfhaltergürtel 78 gut« Jscqaardqaalit&t...................................................... St&tk m Hemdhosen 95 mit Stickerei and Hohls&amgamiening.................................... Stück WM. Kunstseid. Schlüpfer 95 gnte Qualität............................................................... Stack Pf. Kunstseld.Hemdhosen i95 mit SpitzeDgarcienmg.................................................. 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Hier war es umgekehrt: der Jüngere tyrannisierte den Aclteren, oerbat ihm den Mund, be- arbeitete ihn mit Fäusten, drängte ihn, der sich schließlich in der u n s e l i g e.n Tat Luft machte, in eine angsterfüllte Abwehrstellung. Der jüngere Bruder hatte sich gegen die Vorrechte der E r st g e b u r t aufgelehnt, sein Schwächegesühl dein älteren gegenüber durch Trai- ning und Sport wettgemacht, sich von der Tyrannei des anderen befreit. Wurde er als Knabe von ihm geprügelt, so war er jetzt zu seinem Tyrann geworden. Der Erstgeborene verzieh ihm das nicht, er konnte es auch der Mutter nicht verzeihen, daß sie, die ihn, den älteren, früher vorgezogen hatte, sich nun dem jüngeren zu- wandte und sich ynt diesem gegen ihn vereinte. Minderwertigkeitsgefühle. das unbefriedigte Anlehnungsbedürsnis, Angstzustände dem Bruder gegenüber, das Bewußtsein der Ohnmacht, Gefühl der Ein- samkeit und Berliassenheit, des Abgesondert- und Ausgestoßenseins, das alles genügt nicht, um die Tat zu erklären. Die gleichen Mechanismen sind in tausend ähnlichen Fällen in Tätigkeit — wenn vielleicht auch nicht mit gleicher Intensität und unter weniger begünstigenden Verhältnissen wie hier, wo zur Verständnis- l o s i g k c i t der Mutter, die ja die Gegensätze nur noch schürte, die Passivität des Daters hinzukam. Auch die Vorliebe des jungen Menschen siir die Verbrecherwelt, die vielleicht gewisse Gedankenschrankcn um ihn niederzureißen geeignet war, die sonst Hemmungen ausgelöst hätten, reichte nicht zur Erklärung der Tat aus. Etwas in ihm mußte noch hinzukommen, damit das Unglück geschehen konnte. Dieses„Etwas" klarzustellen, bemühten sich gestern vergeblich Verteidiger und Vorsitzender. Letzten Endes steht man hier vor einem Charakter- und Erziehungsproblem. Darin liegt trotz der Abwegigkeit der Tat die Bedeutung des Falles Friedländer. Deshalb ist es gut, daß eine Pädagogin. wie die Genossin Wegscheide r, der Perhandlung als Sachverständige beiwohnt. Di« Donnerstagsitzung wird hoffentlich mehr Licht über die Person- lichkeit des Angeklagten bringen. « Eigentümlich,«vi« ruh ig Manasie Friedländer seine grausig« Tat schildert. Nur hin und«nieder««erziehen sich seil« Lippen zu tintz Grimasse. Als Waldemar ihn am verhänznisvollsn Abend mit seinen Fäusten bedrängte und gerade dabei war, noch einmal mit der Faust auszuholen, packte ihn sinnlose Wut, und er schoß. „Unablässig", sagte er— in Wirklichkeit waren es nur zwei Schüsse. Wie Waldemar stürzte, will er nickst gesehen haben. Im wichsten Augenblick kam aber schon Fäldes aus dem Eß,; immer gelaufen. Manasse sprang ihm mit vorgehaltenem Reoolver entgegen. Fäldes trat den Rückzug ins Eßzimmer an. Manasse ihm hinterher! Er stürzte über einen Stuhl, schoß, und sah Földe? fallen. Jetzt kam er zur Besinnung. Er zog einen Paletot an, steckte t>en Revolver in die Tasche, begab sich auf die Straß«, bestieg eine Tax« und fuhr zum Polizei- xeoter. Hier übergab er den Revolver und sagte: „Ich habe zwei Leute erschossen�. Der Vorsitzende will wissen, ob ihm der Gedanke, den Revolver gegen den Bruder zu gebrauchen, schon beim Kauf des Revolvers gekommen sei.„Das nicht," sagte der Angeklagt«.„Ich habe mir aber gedacht, daß ich Waldemar mit Hilfe der Waffe von mir „abhalten" und ihn kampfunfähig machen könnte."„Sie haben also mit dem Gedanken gespielt," sagte der Borsitzende. Es kommt auch noch die Zlusfage des Angeklagten zur Sprache, die er im April vor dem Untersuchungsrichter gemacht hat: Er wollte damals die Tat aus Eifersucht begangen haben. Der Angeklagte erzählt, daß ihm diese Version eigentlich von seiner Mutter s u g g e- r i e r t worden sei, und daß er in einem spateren Brief an seinen Verteidiger diese Darstellung widerrufen habe. Rechtsanwalt Brandt und der Vorsitzende. dringen immer wieder in den Angeklagten, daß er es doch verständlich mache, roes- halb er sich zurückgesetzt fühlte und wie es schließlich zu den Schüssen gekommen sei. Der Angeklagte kann nur sehr schwer darüber Aufschluß geben, er versucht noch einmal, seine Gedanken zusammenzufassen und sagt:„Das Verhalten meines Bruders mir gegenüber und meine Ohnmacht hat bei mir ein Angstgefühl her- vorgeruse««, das mich in seinen« Beisein stets erfüllte. Die Mutter hat durch ihr Verhalten den Bruder in seiner Handlungsweise mir gegenüber nur noch verstärkt, der Vater wußte, wie der Druder mit mir umsprang und schritt nicht ein. Das Gefühl der Ohnmacht hat bei mir ein« Depression ausgewirkt; in diesem Zustande werde ich wohl zum Revolver gogriffen haben." Nach der Tat. Der Kriminalbeamte Ge i ß l e r und der Reviervorsteher sckstl- dern das Benehmen des Angeklagten nach der Tat. Zu Geißler sagt« er:„Gehen Sie schnell in die Wohnung, bevor meine Ellern kommen, und helfen Sie den Beiden,«venn noch zu helfen ist." Zum Reviervorsteher nie inte er:„Sorgen Sie dafür, daß nichts in die Zettungen kommt." Die Beamten fanden Waldemar t o t vor, Fäldes röchelt« noch und bewegte sich in feinem Blute hin und her. Im Zimmer«var sine Unordnung, wie nach einem Kampf«. Als der Reviervorsteher Manaffe mitteilte, daß Bruder und Freund tot feien, fragte er:„Wie ist die Stimmuno meiner Eltern?"„Das nxrden Sie sich wohl denken können, antwortet« der Beamte. Die persönlichfeit des Angeklagten. Der Zeug« Sternbach hat mit Manasse und Waldemir Friedländer die jüdifch« Religionslehre besucht. Er war auch sehr oft bei den Brüdern zu Hause und gehörte mit ihnen derselben Pfadfindergruppe an. Für dos Verständnis des Angeklagten ist eine Episode«vohrend einer Gruppenfahrt in den Böhmer Wald von Interesse. Er weigerte sich, sein Geld in die gemeinsame Kasse zu leg«n: deshalb wurde er ausgeschlossen. Bon den Kameraden hielt er sich auch während der Fahrt fern, war verschlossen und lachte nur selten. Waldemar, der das Boxen erlernt hatte, bondette sehr gern mit allen an, liebte es, mit seiner Kraft zu protzen, und trieb es derart, daß der Zeug« sich ihm schließlich entfremdete: auch sonst wollt« er immer der E r st e sein. Erst im Herbst traten beide einander wieder näher. Der Zeuge hatte auch sonst öfter Gelegenheit, die Brüder zu beobachten. So erlebte er es einmal, wie BZaldetacir wegen einer Jtich- ligkeit dem Manasse den Mund verbot und dann den SttSnben- den schmerzhast am Genick faßte und ihn aus dem Zimmer stieß. Ein anderes Mal ohrfeigte er ihn, was von feiten Manasses nur die ein« Folge hotte, daß er sich stillschnxigend an den Schreibtisch setzte. Der Zeuge empfand dos Verhalten Waldemars zu Manasse als äußerst roh, beschämend und niederdruckend. Waldemar sagt« ihm auch einmal:„Ich kann den Manass« nicht ertrag«»." Er sprach Bekannten gegenüber von ihm nicht anders als verächt- lich: er fei ein blöder Kerl,«in Idiot, er könne nichts und taug« zu nichts. Das Verhalten Manasse Friedländers zu T i b o r war unbestätig: bald vertrugen sie sich, bald sprachen sie nicht mtt- einander. Tibvr brüstete sich auch Manasie gegenüber semer Er- folge bei den Mädchen. Der Bilderredakteur Wolga, Manasses Borgesetzter beim Kyston-Rew-Verlag rundet das Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten ab."Manasse zeigt« übermäßigen Eiser bei der Arbeit und trug sich dabei mit phantastischen Plänen. Dem Zeugen fiel es besonders auf, daß er trotz des Verbotes, nach 18 Uhr im Bureau zu bleiben, nicht nach Haufe wollte. AIS er ihn einmal zur Rede stellte, sagte Manasse: „Ich weiß gar nicht, wo ich hin soll, ich habe kein Heim," und tat dabei ganz verzweifelt. Jack Xondon: (Berediügie Oebersetzung von Erwin Magnus). Das Ergebnis, ein Roman, war ein Fehlschlag ge- wesen. Weder Redakteure noch Verleger hatten ihn auch nur ansehen wollen, und Daylight benutzte den cnt- täuschten Autor jetzt als eine Art Privatdetektiv. Jones, der gern so tat, als ob er durch nichts zu verblüffen fei, zeigte auch keine Ueberraschung, als ihm der Auftrag gegeben wurde, herauszufinden, wer eine gewisse Stute gekauft hätte. „Wie hoch soll ich gehen?" fragte er. „Zahlen Sie jeden Preis. Sie haben sie herzuschaffen, das ist die Hauptsache. Drücken Sie den Preis soviel wie möglich, um keinen Verdacht zu erregen. Dann liefern Sie das Pferd an diese Adresse in Sonoma ab. Der Mann ist Verwalter auf einer kleinen Ranch, die ich gekauft habe. Sagen Sie ihm, daß er gut für das Pferd sorgen soll. Und nachher vergessen Sie die ganze Geschichte wieder. Erzählen Sie mir nicht den Namen des Mannes, von dem Sie das Tier bekommen haben, nur daß Sie es abgeliefert haben. Savvvy?" Nach einigen Tagen bemerkte Daylight einen unheilver- kündenden Schimmer in Dedes Augen. „Ist etwas los— was?" fragte er kühn. „Mab," sagte sie.„Der Mann, der sie gekauft hatte, hat sie schon wieder verkauft. Wenn ich wüßte, daß Sie dahinter steckten--•' „Ich weiß nicht einmal, wer sie gekauft hat," lautete Dayliohts Antwort.„Und mehr noch: Ich will mir nicht den Kopf darüber zerbrechen. Es war Ihr Pferd, und was Sie damit machen, hat nichts mit meinem Geschäft zu tun. Sie haben sie nicht mehr, das ist sicher, und daß ist ein Jammer. Aber da wir gerade mal dabei sind, möchte ich eine Sache mit Ihnen besprechen. Und Sie dürfen sich nicht davon ver- letzt fühlen, denn es geht Sie eigentlich gar nichts an." Es trat eine Pause ein, in der sie ihn beinahe mißtrauisch betrachtete. „Wie steht es mit Ihrem Bruder? Der Verkauf Ihres Pferdes wird wohl kaum genügen, ihn nach Deutschland zu schicken. Und dahin muß er ja, wie seine eigenen Aerzte sagen— zu dem großen deutschen Spezialisten, der den Leuten Knochen und Fleisch herausreißt, Grütze daraus macht und sie ihnen dann neu wieder einsetzt. Schön, ich will ihn nach Deutschland schicken und diesem Wunderkerl eine Chance geben, das ist alles." „Ach, wenn das möglich wäre," sagte sie fast atemlos und ganz ohne Aerger.„Aber Sie wissen ja selbst, daß es nicht möglich ist. Ich kann kein Geld von Ihnen annehmen." „Warten Sie," unterbrach er sie.„Würden Sie einen Schluck Wasser von einem der zwölf Apostel annehmen, wenn Sie am Verdursten wären? Oder wären Sie bange, daß er unlautere Absichten hätte,"— sie machte eine abwehrende Handbewegung—„oder was die Leute darüber sagen würden?" „Aber das ist doch etwas ganz anderes", begann sie. „Sehen Sic mal, Fräulein Mason. Sie müssen versuchen, sich ein paar dumme Begriffe aus dem Kopf zu schlagen. Die Geldbegriffe sind mit das Komischste, was ich erlebt habe. Gesetzt, Sie stürzten von einem Felsen, wäre es da nicht ganz in der Ordnung, wenn ich Ihnen die Hand reichte und Sie am Arm griffe? Sicherlich. Gesetzt aber, Sie brauchten eine andere Art Hilfe— statt der Stärke meines Armes die Stärke meines Beutels? Das würde verkehrt sein. Das sagt man. Aber warum sagt man das? Weil die Räuberbanden wollen, daß die Dummen ehrlich fein und das Geld achten sollen. Wären sie das nicht, wo wären die Räuber dann? Sehen Sie das nicht ein?" Dsde weigerte sich immer noch, und Daylights Gründe wurden unangenehmer. „Ich kann mir nur denken, daß Sie sich Ihrem Bruder in den Weg stellen, weil Sie die ganz falsche Vorstellung haben, ich wollte Ihnen auf diese Weife den Hof machen. Das tue ich aber gar nicht. Ich Hab' Sie nicht gefragt, ob Sie mich heiraten wollen, und wenn ich es tue, dann werde ich mir ihr Jawort nicht erkaufen. Wenn ich die Frag« stelle, dann tue ich es offen und ehrlich." Dede errötete vor Zorn. „Wenn Sie wüßten, wie lächerlich Sic sich machen, dann würden Sie aufhören," platzte sie heraus.„Sie können mir das Leben unangenehmer machen als irgendein Mann, den ich kenne. Jeden Augenblick lassen Sie mich verstehen, daß Für die Art des Angeklagten ist es auch charakteristisch, daß er den Bruder des Direktors, der übrigens nicht 23 Jahre, sondern 28 Jahre alt ist und schon sechs Jahre in der Branche arbeitete, nicht als Vorgesetzten anerkennen wollte. Interessant war auch das Verhalten zu feinen Kollegen. Cr hatte mit nieirian- dem zu tun und tat seinen Altersgenossen gegenüber sehr über- heb lich. Dies« hänselten ihn und nannten ihn Doktor und Profe ssor. Er schloß sich nur einem buckligen Jungen an. Der Zeuge hat schon damals Manasse durchschaut. Sein« Ueberheblichkeit den Altersgenossen gegenüber und sein Großwn vor den Erwachsenen, so meint der Zeuge, sei nichts cmderes ae- wesen als ein Ueberdecken seiner Geringschätzung sich selbst gegenüber. Der Vetter des Angeklagten, der Student Ja- kob Friedländer aus Lettland, hat auch öfter Gelegenheit gehabt e beobachten, wie Waldemar seinen Bruder beherrschte und be- »impfte. Manasse lächelt« nur und sagte nichis. Waldemar«vor r Liebling der Mutter. Damit findet die Sitzung ihr Ende. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag 9 Uhr statt. Es werden die Eltern u« d Lehrer des Angeklagten vernommen werden. Kaufmann pt'nkus nichi ermordet? War es ein Selbstmord oder Llnglücksfall? Das Geheimnis um den räkfelhasieu Tode de» Berliner Kaufmannes Dr. P i n k v s ist zwar noch immer nicht ein- «vandsrei geklärt, doch gewinnt nach den letzten Ermittelungen immer mehr die Annahme wahrscheinlichkctt, daß der Tote das Opfer eines Unglücksfalle» geworden ist oder frei. willig au» dem Leben geschieden ist. Beinahe mit Sicher- heit kann omgenommen«verde», daß ein verbrechen nicht vorliegt. Inzwischen konnte ermittelt werden, daß Pinkus den Sonntag in Frankfurt a. d. Oder verbracht hat. Er hat dort Bekannte besucht und sich einen kleinen Geldbetrag für die Weiterreise geliehen. Damit ist auch der Beweis erbracht, daß Pinkus bei seiner Rückkehr aus Polen keineswegs im Besitz größerer Barmittel ge- wesen sein kann. Bei eii»er rwchmaligen genauen Durchsuchung der Taschen des Toten konnte jetzt auch die bisher vermißte Fahr- karte gefunden werden. Es ist«in Billett 3. Klasse mit Schnellzug- Zuschlag für die Strecke Frankfurt a. d. O.— Sommerfeld. Weiter wurde ermittelt, daß Pinkus den um 1 Uhr 2 Minuten von Frankfurt a. d. O. abgehenden Schnellzug, der Sommerfeld um 2 Uhr 13 Minuten erreicht, benutzt Hot. Der Zweck dieser Reise ist noch ungeklärt. Auch das Obduktionsergebnis spricht gegen einen gewaltsamen Tod. Die schweren Wunden am Hinterkopf rühren nicht von Stichen her, sondern sind beim Aufschlag auf den Bahn- körper entstanden. Außer einigen kleinen beim Sturz erhaltenen Hautabschürfungen wurden an der Leiche keine Spuren äußerer Gc- walt entdeckt. Man will sogar noch weitergehen und den Inhalt des Darmes und Magens auf das«tlvaige Vorhandensein eines Giftes oder Betäubungsmittels untersuchen lassen, da u. a. die Version aus- getaucht ist, daß Pinkus durch ein Narkotikum betäubt und aus dem Zug« geworfen ist. Die vermißte Uhr befindet sich, wie mitgeteilt wird, zux R«- p a ra t u r bei einem Warschauer Uhrmacher. Trotzdem bleibt der Tod des Kaufmannes noch äußerst geheimnisvoll. Familienbad wirkt sittlich verderbend. In Aachen lehnte die Stadtverordnetenversainmlung einen sozialdemokratischen Antrag auf Einrichtung eines städtischen F a- milienbodcs mit 2S gegen 24 Stimmen ab. Das Zentrum, drei Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft und ein Vertreter der Mieterpartei wandten sich gegen den Antrag mit der Begründimg, daß das Familienbad„sittlich verderbend" wirke und vor allem die Jugend gefährden könnte. In«inigen Tagen beginnen die Ferien, und Zchntausendc reisen in die Ost- und Nordseebäder, wo es fast nur noch das sittlich ver- derbliche Familienbad gibt. Schrecklich! Schrecklich! Sie mich nicht gebeten haben, Ihre Frau zu werden. Ich warte nicht darauf, daß Sie mich fragen, und ich habe Ihnen vom ersten Tage an gesagt, daß Sie keine Aussicht hätten. Und doch halten Sie die Drohung immer über meinem Haupte, daß Sie eines Tages die Frage an mich stellen wollen. Tun Sie es doch gleich, dann können Sie Ihre Antwort haben, und die Sache ist erledigt." Er betrachtete sie forschend mit ehrlicher Bewunderung. „Ich brauche Sie so sehr, Fräulein Mason, daß ich nicht wage, Sie jetzt zu fragen," sagte er mit so komischem Ernst in Aus- druck und Tonfall, daß sie den Kopf zurücklegte und in ein freies knabenhaftes Lachen ausbracht.„Wie ich Ihnen zudem sagte, bin ich in diesen Dingen ganz unerfahren. Ich habe noch nie einer Frau den Hof gemacht und möchte nicht gern etwas Verkehrtes tun." „Aber Sie tun ja die ganze Zeit nichts anderes." rfcf sie heftig aus.„Das ist noch nicht dagewesen, daß ein Mann einer Frau den Hof gemacht hat mit der dauernden Drohung, ihr einen Heiratsantrag zu machen." „Ich will es nicht wieder tun." sagte er demütig.„Aber das hat nichts mit der Sache zu tun. Was ich var einer Mi- nute gesagt habe, gilt noch. Sie stehen Ihrem Bruder im Wege. Was für Vorstellungen Sie sich machen, ist mir ganz gleichgültig, deshalb müssen Sie doch beiseitetreten und ihm eine Chance geben. Wollen Sie mich zu ihm gehen und mit ihm über die Sache reden lassen? Ich werde schon einen ganz geschäftlichen Vorschlag draus machen. Ich will ihm helfen. gesund zu werden, und dann kann er es mit Zinsen zurück- zahlen." 4- Daylight hatte die volle Wahrheit gesprochen, als er Dede sagte, daß er keinen wirklichen Freund hätte. Obgleich er mit Tausenden auf gutem kameradschaftlichen Fuße stand, mit Hunderten trank, war er dennoch einsam. Er hatte nicht> den einen Mann oder die Gruppe von Männern, mit denen er völlig vertraut hätte werden können. Die Stadt schuf keine Kameradschaft wie das Leben in Alaska. Zudem waren die Männer hier und dort weit voneinander verschieden. Die i Verbindung mit den ihm verächllichen Geschäftsleuten wie mit den Selfmademännern von San Franziska war ihm aus rein praktischen Gründen diktiert worden. Ihre freimütige Brutalität war ihm sympathischer gewesen, ober Achtung hat- ten sie ihm nicht einzuflößen vermocht. Sie neigten zu sehr zu Schleichwegen.(Fortsetzung folgt.) Trotzki hat es gut! Strafermäßigung und Aufhebung des Hastbefehls. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts II. unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Linde, fand gestern die Verufungsvcrhondtung gegen den Fabrikanten Friedrich Wilhelm T r o h k i statt, der vom Schöffengericht wegen des E x p l o s i o n s- Unglücks in der Schönlein st raße zu t Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Nach Beginn der Beweisaufnahme beschränkte Rechtsanwalt Dr. fferbert Fuchs im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft die Berufung des AngeNagten auf das Strafmaß, so daß von einer Beweisaufnahme über die schrecklichen Ereignisse Abstand genommen werden konnte. Die Strafkammer ermäßigte tatsächlich schließlich die gegen Trohkl er- kannte Strafe auf l Jahr 3 Monate Gefängnis. Davon wurden ihm auch noch drei Monate auf die Untersuchungehaft angerechnet, so daß nur noch ein Jahr Gefängnis übrig bleibt. Und da auch außerdem noch der Haftbefehl aufgehoben wurde, so wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis Herr Trolzki ernsthaft Be- kanntsrhaft mit einer Strafzelle macht. Achizehnjahrige und Lugendami. presse und NamenSnennnung. Zwei junge Menschen standen vor den Richtern in Moabit: Vor dem Landgericht III der ISjöhrige Kommunist Meyer, augeklagt wegen Totschlags am Referendar Schoffer: einige Säle weiter, vor dem Schöffengericht Eharlottenburg. der 2l>>ährige B. wegen des Raubübevfalls auf da, Lichtspieltheater Kanlstr. 54. Meyer ist freigesprochen worden: er wird zu seinem Vater zurückkehren, der in der Kommunistischen Partei organisiert ist, aber im Gerlchtssaal den Eindruck eines ruhigen besonnenen Menschcn gemacht hat: zur Mutter und Schwester, zu seinen Partei- srcunden und zu seiner Organisationsarbeit. Der Gerichtsoerhand- lung wohnte ein Fürsorger des Jugendamts bei. Zu welchem Zweck— war nicht ohne weiteres ersichtlich. Der 2t)jährige„Kino- Näuber* B. hat kein Elternhaus. Vater und Mutter wollen non ihiH nichts wissen. Mit Ausnahme der Frau besitzt er keinen Menschen auf der weiten Welt, der sich um ihn kümmerte, halt- und willenlos, mit traurigen Kindhsit-eindrücken belastet, bedarf er einer kräftigen, stützenden Hand, der ihn auf den richtigen Weg zu leiten imstande wäre. Seiner Gerichtsverhandlung wohnt« kein Fürsorger vom Jugendamt bei. Vielleicht war das nur Zusall: mag fein, daß freilich das Jugendamt den jungen Menschen bereits kennt. Wäre es aber nicht richtiger gewesen, wenn der Fürsorger von dem Verhalten des jungen Menschen in der Gerichtsverhandlung einen persönlichen Eindruck mitgenommen hätte? Das Gericht hat der Bitte dieses Zwanzigjährigen nicht stattgegeben, hat ihm keine B«- w ä h r u n g s f r i st zugebilligt. Der Vorsitzende erklärte bei der Urteilsbegründung, daß der Schutz der Gesellschaft ein« Sühne verlange und daß der junge Mensch zuerst im Gefängnis den B e- weis erbringen möge, daß er noch„A n st a n d im Leibe" habe. Das Gericht hat einen Umstand übersehen: Das Erlebnis der Ge- richtsverhandlung ist das stärkste pädagogische Mittel, das Richter gegenüber Jugendlichen überhaupt besitzen. Das Ge- fqngnis schwächt dieses Erlebnis nur ab. Gerade in diesem Falle konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß eine sofortig« Entlassung aus dem Gefängnis unbedingt angebracht ge- wefen wäre. Anzuerkennen ist der Beschluß des Gerichts, die Akten des jungen Menschen der Sozialen Gerichtshilfe zu über- Mitteln. Der junge Mensch scheint den ernsten Willen z» haben, sich auf redliche Weise durchs Leben zu schlagen. Deshalb bat er auch den Vorsitzenden, die Presse zu ersuchen, seinen Namen n i ch t zu nennen. Um so bedauerlicher ist es, daß diesem Wunsche nicht in vollem Um- fange nachgekommen wurde.- So hat z. B. die„Nachtausgabe" des Herrn Scherl, die ja sonst so moralisch tut und um das Wohl junger Leute sehr besorgt ist, den vollen Namen des Angeklagten gebracht und eine Zeichnung obendrein. Ein anderes Abendblatt hat sogar die Photographie des jungen Menschen ver- öfsentlicht! Oer Toie von Frohnau. Selbstmord, kein Verbrechen. Ein Bäckergeselle, der am Dienstag oormillag auf dem Wege nach hohen- Rene ndorf war, fand bei Froh- n a u, etwa 25 Weier von der Ehaussee entfernt, die Leiche eines Mannes. Der Tote lag mit dem Gesicht zur Erde, neben ihm sein Fahrrad und sein Hut. Da zunächst kein« Verletzung festzustellen war, vermutete man, daß der Mann überfahren und beiseite getragen wor- den sei. Die Mordkommission wurde gerufen. Ihre Feststellungen ergaben bald, daß ein Verbrechen nicht in Frage kommt. Als man den Leichnam hochhob, entdeckte man darunter«inen Trommelrevolver, aus dem eine Patrone abgeschosien war. Der Selbstmörder hatte sich einen Schuß in die rechte Schläfe bei- gebracht. In den Taschen fand man einen Straßenbahnfahrschein vom 19. Juni. Trotzdem der Tote also erst sechs Tage im Walde gelegen hat, war er iin Gesicht schon fast stelettiert. Das Alter läßt sich nur annähernd schätzen. Der Mann trug blauen Anzug, Mako- Hemd mit steifem Kragen und rötlichem Schlips, schwarze Strümpfe und schwarze Schuhe. Der recht« obere Eckzahn fehlt. Sein Rad ist M a r k e G ö r i ck e. Personen, die in dem Toten einen vermißten Angehörigen vermuten, können seine Kleidungsstücke bei Kriininalkommissar Rassow im Polizeipräsidium besichtigen. Sonnenwendfeier des Verbandes Volksgesundheit Der Verband Volksgesundheit e. V., Gau Berlin- Brandenburg, hielt seinen Gautag in Berlin ab. Nach eingehende? Besprechung wurden folgende gemeinschaftlich« Veranstaltungen be- schlössen. Am 26. Juni d. I. wird um 21 Uhr eine Sonnen- w e n d f e i e r auf dem Gelände des Nawvheiloereins Neukölln, Fontane- Ecke Karlsgartenstr. veranstaltet. Die Festrede des Reichs- jagsabgeordneten Gen. S o l l m a n n wird durch Gesang, Rezi- tationen, Lieder zur Laute und einen Bewegungschor umrahmt. Zu dieser Sonnenwendfeier ist die gesamte Berliner Arbeiterschaft«in- geladen. An dem vom Berliner Kartell für Arbeitersport und Körperpflege e.V. am 18. August d. I. veranstalteten Arbeiter- f p o rtto g im Bolkspark„Rehberge" beteiligt sich der Verband durch gymnastische Vorführungen im Tanzring. Dann nahm der Gautag Stellung zu dem von bürgerlichen Der- «inen für Freikörperkultur herausgekommenen Gerücht, daß die Frei- körpsrkulturfparte im Verband Volksgesundheit aufgelöst sei. Dem gegenüber steht die Tatsache, daß sich die im Verband Volksgesundheit angeschlossenen Vereine gut entwickeln und hormonisch zusammen arbeiten. Da» Arbeitsprogramm der Sparte für Lebensreform und Freikörperkultur im Verband Bolksgefundheit ist: Durch ungesund« ArbesisoerhältM e, unwürdige Wohnung««, engherzige Erziehung, veraltete Moralanschauungen wird der Mensch in seiner Selbst- achtung und seinem Lebenswillen geschwächt. Wir wollen in engster Zusammenarbeit mit der Partei, den Gewerkschaften und Genossen- schasten, durch Körperpflege, Gymnastik, Gememschaftspslege. Frei- luftsport und Spiel diese Schäden bekämpfen. Als Gauleiter wurde Gen. Wilhelm Haamgnn, Berlin O 34. Gubener Str. 47, und als Kassierer Gen. Paul Richter, Berlin SO 36, Reichenb«rger Straße 151, wiedergewählt. Ihrer Königlichen Hoheit. Vor uns liegt ein Buch, dos im Jahre 1969 erschien und unter der Bezeichnung„Aus grünen Pfaden" das schöne Thüringen be- schreibt. Der Verfasser A u g u st T r i n i u s hat sich nicht nur auf die Reisebeschre.ibung dieses schönen Landes beschränkt, sondern sein Buch in d«m vor dem Kriege üblichen Untertanengeschmack:„Ihrer Königlichen Hoheit" der Herzogin zu Sachsen-Koburg-Gotha Viktona ltanktBSnarinnSii'Ti'Gkksii! Wir laden alle Funktionirinnen(politische und der Arbeitervohlfahrt) zum heutigen Treffen mit Kaffeekocben. ab 14 Uhr, In Spandau, Lokal Loebell, Karlslusf, ein.— Berufstätige Genossinnen können nachkommen. Mulkallsche Darbietungen: Koazertqnarielt Romelke; ernste a. heilere Vorfrfigc: Schauspielerin Tränte Snlkln. ———— Ueberraschnngen für die Kinder.- Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Saal statt. Fahrrerblndnng: StraBenbahnlinien 54. SS, 75 und I5f, oder Stadtbahn bis Spandau Hauptbahnhof und von dort mit den Linien 54 und 154. Das FranesuchrefariaL Adelheid in Verehrung gewidmet." Das Werk ist außerdem mit einem Gedicht für„die hohe Frau" versehen. Andererseits findet nmn in dem Buch Ausfälle gegen die Sozialdemokratie Und gegen eine frei« Regierungsform. Von den Thüringern, die ja bekannt- lich zu einem großen Teil Heimarbeiter sind, meint der Verfasser, sie feien trotz ihrer Not und Armut so lange ein zufriedenes Völkchen gewesen, bis, wie überall, Irrlehren ihnen den Himinel aus den Herzen rissen. Da ja nun, wie schon eingangs gesagt, die erste Auf- lag« des Buches August 1909 erfolgte, erscheint der Inhalt der da- maligen Zeit entsprechend. Ganz unbegreiflich will uns jedoch er- scheinen, daß ein derartiges Buch im März des Jahres 1929 in der 9. ft ä d t i f ch e n" B e r u f s f ch u l e für Mädchen als Prä- m i s f ü r /F leih undgutes Betragen ausgehändigt werden durfte. Wenn die Berufung des übrigens längst verstorbenen Trlnius als Heimatfchildcrer auch außer allem Zweifel steht, so darf die Freude an feinen Schilderungen doch nicht so weit gehen, daß mau unserer Jugend zumutet, die unerträglichen Byzantinismen mit in den Kauf zu nehmen. Hat der Verlag keine von solchen Ge- schmacklosigkeitcn gereinigte Ausgab«, so soll man den Kindern«in anderes Buch schenken. Pslicht der Aufsichtsbehörde wird es sein, der Direktorin Hoppe den Standpunkt klarzumachen. Ein weises Urteil fällte man in Moabit gegen eine Kohlen- Händlerin aus der Schillingstraße, die beschuldigt war. ihren Kunden mehrfach statt eines Zentner» nur 90 psund Briketts geliefert zu haben. Gegen die Frau wurde auf drei Wochen Gefängnis mit dreijähriger Bewährungssrist und auf 199 Mark Geldstrafe erkannt. Der Richter gab der Meiming Ausdruck, daß jetzt ein starker Zustrom von Kunden das Geschäft aussuchen werde, da die Leute überzeugt sein würden, daß die Frau bestimmt richtiges Gewicht liefere. Si« werde das inn so sicherer tun. als sonst die Bewährungsfrist verfalle. Sport. Rennen zu Ruhlebeu am Dienstag, dem 25. Juni. 1. R e n n e n. 1. Natur lHm. Schleusener), 2. Chawbigno», Z. SlisaSeth St. Toto: lö: 10. Platz: 10, 10, 10: 10. gerner Uesen: Delila, Marcobrunner, Hagel, PerseuS. S. Nennen. 1. Almamsor(P. ginn), sZ. Lurie Watt»,+2. Passer. Toto: 16:10. Platz: 15, 17, 18:10. Ferner Uesen: Natal. Ludzlna agh., Carl Alexander, Harsenmädchen, StegeSadler, Nosensrau, Sphinx 1. Z. R e n n e n. 1. Coro Bube iIauß jr.). 2. Tralteur, 3. Kapellmeister. Toto: 36:10. Plafe: 20, 30, 15:10. gerner Uesen: Peier Harvester, Daivson Walls, Kursürst, Florian, CrassuS, Möglich, Fels, Franlet, True Fax. 4. R e n n e n. 1. Netb(Unäpnadei jr.). 2. Jlcx, 3. Heldin. Toto: 38:10. Platz: 14, 13, 11:10. Ferner liefe»: Prachtm. Tochter, Elvira, Heliotrop. Apfel o. W., Heureka, Oberstleutnant. 5. R e n n e n. 1. Lilly Dillon(Th. Retzti), 2. Heideblume. Z. Frede- gundis, 4. Mephisto. Toto: 00:10. Platz: 57, 47, 176, 67:10. Ferner Uesen: Herzog Louis, Parntenio, JugeUnde, Isegrim, Frieda Edelstein. Eitelsried. Edelst. Sobn, Regenbogen, Hellina, Morgentau. Quitte B.. Lord Aico, Edzard, Einsiedler, Meisterstück, Erbprinz jr., Eharade. Divifionär, Erija, Lebemann. 6. Rennen. 1. Leuchte(M.«schneidet) o. W., 2. WilkeS, 3. Long Albert, 4. Haga Burton. Toto: 22:10. Pjatz: 15, 18, 25:10. Ferner Uejen: Palencia I, Rujhaga Boy. Agitator, Primel. 7. Rennen. 1. David(P. Finn), 2. Arton Bingen, 3. Peraktlan. Toto: 10:10. Platz: 10. 10:10. Ferner lies: Baron Silvester. 8. R e n n e it. 1. Charlie M.(I. MillS), 2. Trumpf König, Z. Kroschel. Toto: 23: 10. Platz: 10. 10: 10. Ferner lies: Zierde. 9. Rennen. 1. Petronta(I. Kaupper), 2. Nixchen, 3. Nippsache. 4. Theokrat. Toto: 32:l0. Platz: 16, 37, 22. 17:10. Ferner Uejen: Baronetz E., Schlotzroje, Fahrenheit, Arizona, Bellelrist, Biedermann, Fehr- bellln o. W.. Natator, Hallig, Nebelkappe, Schneepter 1. dg., 80 Proz. Sieg- und Platz-W. zurück. wellerderichi der Öffentlichen Wellerdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdr. oerb.) Wolfig bis heiler, nur noch uitbedeufende Regenschauer, TageSfempcrafuren etwa» ansteigend.— Für veutschland: Ueberall lang- same Beruhigung des Wetters, am Tage etwas wärmer als bisher. Für das Nachmittagskonzcrt verschreibt sich die Funkstunde den Londoner Tenor John Armstrong. Er singt ein paar Lieder und Arien englischer Nationalität, Kompositionen, die bekannte V«r- sassernamen tragen, und er singt sie teilweise in deutscher Sprache. Diese hübschen, unproblematischen Sachen wirken an sich durch ihren liebenswürdigen, sieghasten und manchmal melancholisch verträumten Ehorokter. aber sie dürfen nicht von Schuhmanirschcn. Brahmsschen oder Rcgerschen Komposüioneu umrahmt werden. Wenn man be- denkt, daß einige dieser Komponisten auch als Symphoniker inter- nationalen Ruf gewonnen haben, so sieht es fast so aus, als ob die sentimental« Note der englischen Seele besonders ausgeprägt in den Liedern zum Ausdruck kommt. Armstrong ist ein Sänger mit viel Charme, dem eine gepreßte Tongebung wenig Abbruch tut.— Arnold Hahn liest zwei im eigenen Atelier entstandene Novellen. Er liebt«ine ilebersteigerung der Wirklichkeit ins Groteske, und diese groteske Gestaltung gelingt ihm besser in seiner dramatisch betonten Novelle„Der Sohn des Kriegsgewinnlers" als in der Novelle„Ein titanisches Radioexperiment", eine kleine Dichtung, die Hahn selbst als Groteske bezeichnet.— Abends eine Operette. Diesmal handelt es sich um Kaimans„Ein H e r b st m a n ö v e r", eine Operette, die noch Walzer und Czordas vorherrschen läßt, mit musikalischen Einfällen gesegnet ist, und außerdem in der Romantik des un- garischen Vorkriegsmilitärs lebt. Abgesehen von dem Text, oertntl dieses Werk in musikalischer Beziehung gute Operettentradition. F. S. Emsenduvgen für diese Rubrik sind Berlin SB 63, Sindenstratze 3, parieinachrichien für Groß-Nerlin stets an das Bezirfssefretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Heute. Mittwoch. 2S. Juni: s.«bt. 1914 Uhr,'Vif) lobende In folgende» Lokalen: Blaszinsli, stastonien- aliee 54. Baier, Schwedter olr. 237. Deblitz, Schtvedter Str. 227. Dobroh- law, Swinemiinder Str. II. 127. Abt. Hobenschjjnyaulcn. 29 Uhe Mitzlieberversammluna im Lokal ,.3unt Ctorchnest", Hauptstraße. Beridit vom Mapbeburger Parteitag. 135.«bt. Reinickendorf-Ost. 2» Uhr im Schüttenhau». Resibenzstr. 1, M italieber» versammlur.g. Beri>ht«rstott»na oom Zsiaadeburaer Parteitag Referent: Mar Ueich. Abteilunasanaeleqenbeiten. Alle Mitalleber rnäsien erscheinen. 137.«bt Reinickenborf.West. 20 Uhr Zahlabenbe in folgenden Lofaient 1., 2., 4., 6., 8. Bezirk: Boifohous Schornweterstr. 114. 3. und 5. Bezirf: Lokal Matter, Sid)bornftr. 94. 7. Bezirkt Heese. Berliner Str. 75. Morgen, Donnerstag. 27. Juni: 3. Abt. 18 Uhr im Eewerfschaftshous, singeluser 24—25, Saal n, rechnen sämtliche Beitragakassierer ihre Wertbestände ab. Es muß ssir jeden Bezirk abgerechnet werbien. 37. Abt. 20 Uhr Funltionärsißung bei Mibbeldors, Ebelingstr. 1. Ausweis und Parteibuch rorlegen. 71.«bt. Wilmeesdorl. 20 Uhr bei Schramm. Hohenzollernbam« 2. wichtige Borsiandssißung mit samtlichen Funktionären. Freitag, 23. Juni: 45.«bt Um 18 Uhr Abrechnen oller Brzirksfllhrer beim Ser.osien Tievers, Grünauer Str. 85. 124».«bt Mahlsbors. TiU». 20 Uhr bei Drober, Uhlandstr. 16, ffunHtonät» sißung. Frauenveranstaltung. 8».«bt. Donnerstag, 27. Zun!, 15 Uhr. stafseekochen im Boikspark Reukölln. am Flugb�fenplctz. Alle Genossinnen und Genossen nebst Kindern sind eingeladen. Arbeitcrwohlfahrt. 14. Steil Renköln. Donnerstag. 27. Znni. 1»>4 Uhr, SifcnaA der«rbeiter. wshlfahrt mit de» Helsern und Helferinnen bcc Wohlfahrts- nnd Snocub» tommissione» im Rathaus, Berliner Straße, Zimmer 13«. Jungsozialisten. Srnpp, Renk Sin. Heute, Mittwoch. 20 Uhr, im Iugenbheim Treptower Straße 96—96, Bortragt-Zölle unb Zollpolitik". Referent: Dr. Surt Menb-Io- Sruppe Baum schulen weg. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, im Jugendheim Ernst- stroße 16, lesen wir:„Sari unb«NNO". «rbeitsgemeinschast sozloldemokratischer Lehrer»nb Lehrerinnen H Deutschland»(«88.), Ortsgruppe Berlin. sZachgruppe der Lehrer»». 1 höheren Schulen. Ausfing Sountag, 30. Znni. Zrrsfpnnkt 9 Uhr vor tri dem Bahnhof«ilhcimshagru. Wanderung»der dir Büttbrrge bei f i Rahnsdorf und Besichtigung be» Rowrschuhgebiete» Stumm« Laie■ i (südlich Rahosdorf). RüÄehr über Rahnsdorf. Zührer: ve». Rögler, M SatUhotfl, U Arbeitsgemeinschaft der kindersrennde. greis Ebarlottrabnrg. Achtung! Heute, 16— 13 Uhr, im Heim Rosinen. stroße 4, Sprechstunde für bis Feriensohrt. Einzahlungen mllsien gemacht werben. Legtet Termin Mittwoch, 3. Juli. Die Sesunbheitsatteste mllsien von ben Eitern unterzeichnet werben, auch fehlen noch einige Angaben, hoher mllsien alle kommen....„... ßrnppe Zungnolk und Elbestraße. Reukölln: Ueien für den Werbeobend am Mittwoch. 26. Zun,. 1S>� Uhr. in her Singstunbe. unb Donnerstag. 27. Juni, ab 17 Uhr, im Rraignmnasium staifei.I7riebrich.ötraße. Die Sinber der übrigen Gruppen werben gebeten, sich an her Vorbereitung kür diesen Werdkabenb zu beteiligen. (Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation� 14t.«bt. Rofenthal und RieberschSnhansen Weft. Am 22. Juni ist unser Genosse Johann Lohfe nach 28jähr:»er Mitgiiebschast bläßlich verstorben. Ehre feinem Andenken. Beerdigunn cm Donnerstag.'27. Inn:. U Uhr, von der Halle des städtischen Fritb?)öses in Aosenkhal, Cchwarzer Weg. üi SozialistischeArbeiterjugendGr.-Serlia »insenbungen für diese Rubrik nur an da« Zugendsefretariat Berlin GW 58. linbenfiraße S Heute, Mittwoch, 26. Juni, 19K llhr: »rkonaplaß! Schule Eiisabethlirchstr. Ist. Vvrfrog: �iehrlingswesen".— Westen l und II: Heim Blllowstr. 83. Lichtbilder:.Der Sozialismus in der Sarifatur".— Rarden: Lorßing. Eck: Sraunstraße. Vortrag:„Zugeudver- anstaltiing fllr Wien".— Rorbosten Iii Heim Danjiger Str. 62. Portrag: .Wao wir wollen".— Schönhauser Vorstadt: Wir werben aus dem Partei» abend. Treffpunkt l»ii Uhe Arnimpiaß.— Reichend« rgor«icrtel: Seim Brißer Straße 27—30. Vortrag:.Jean Z-ure»".— Eharlottenburg. Rard:»eint Olberistroße. Bortrag:.Bub und Mädel".— Friedrichofelbc: Heim Alt- ssriebrichatelbe Ede Schloßstraße. Zwei Lichtbilbervorteäge. Genossen aus an- bereu«ruvven sind herzlich eingeladen..... SS«,«ebding: Heim Gotenbueger Str. z. Vorirag:.Russische Schulen". Ren»»-: Heim Bergsir. 29. 19 llhr Vortrag:.Das kammuniWche Manifest". Wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen aller Mitglicber ist er- forderlich. Freitag. 28. Juni. Vortrag:.Unser Parteitag". Werbebeztrf Lichtenberg: Heim Guntersir. 44. Außerordentliche Mitglieder. Versammlung � �. Gerbebe-sirk Prea/,laver Ber«: Donnersiaa, 27. Juni, Wer'bebeHi.rkm.ltaliedes. Versammlung im Altersheim Danjiger Ctr. 62. Genosse Mar Sendewift. .Zwickau. M. d. R., spricht über«Arbeiterjugend und Politik". Andere Dc?« anftaltungen fallen aus. Parteigenossinnen und.genossen sind freundlichst ein« geladen._ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäft- stille: Berlin S 14. Sebaftianstr. 57/38. Hol 2 Tr. Mittwoch, 2«. Zu»!. Zehlendorf. 20 Uhr Bollversammlung bei Schnorre. Referat des Kameraden Neidhordt über.Technik im Reidisbanner". Erscheinelt jebeo siaiperaben ist Pflicht.— Donnerstag, 27 Juni Wedbing. Ist'/. Uhr Antreten sämtlicher gameraben Bahnhof Ge» sunbbrunnen. Fahrt nach Sohenneuenborf. Prenilaner Berg Pfllchtveran. staitnng in Hohenneuenbors. Abfahrt Gesundbrunnen 19,26 Uhr. Rtiebttcho« Hai». Harn. Andreas. 20 Uhr Versammlung in SaMtd!» Sesellfchafishaus. ssruchtttr. 36. Thema:.Verkassungoseier". Steglih. Teilnahine an ber itund. «ebung de» Ortsverein» Schäneberg. Antreten ISia Uhr Echoneberg. Rudolf. Wilde-Plaß.«ilmersdori. lSir Uhr Antreten Rubolf.Wilbe.PIatz. Reue» Rat- Haus, Echöneberg, zum Ummaisch mit dem Orisverein EchSneber«. Musik und Fahnen zur Elelle. Reini-kei-darf. Demonstrationsumzug in Sohenneuenborf. Antreten 20 Uhr Bahnhof Sohenneuenborf. flam. Sermsbarf Abfahrt 19,43 Uhr ah Sermsbarf. Schöneberg-Frieden-n. Unser«amerab Gottfried Groß. 59 Jahre alt, ist verstorben. Die Trauerfeier findet heute, 16 Uhr, im Krematorium. Berliner Str. 101, statt. Um zahlreiche Beteiligung w'tb g-" beten. Eharlottenburg. Kundgebung in Schäneberg auf dem Ruboli.Wtlbe- Platt. Antreten de» gesumten Ortsverein» um I9th Uhe mit siahnen uub Musik. Treptow. Handballer. 1. Mannschaft, ist llhr Antreten bei Winkler zum Baden. 2. Mannschaft. Ab 18 Uhr Training in der Wuhlhelde Erscheinen ist Pflid».— lsreiia«, 28. Juni. Eharlottenburg. 30 Uhr Versammlung der 'ugenb im Seim Epreestr. 30. Steglif!. Sitzung des Ortsvereinsvorstandes mit ..,«<•... tm-Pi________ r 4�»?-. 1 tz>«?Rw>*n%«r4<-'JO — �r»>rtrn7 Mittwoch,' 36.'züniT W Uhr. Alle' Kameraden unier 24 Jahren treffen sich bei TIllmper, ffieusburger Str. 5», »ereiulann« ehem. Kriegsgrsa-geuer. Berlin. Süden. Donnerstag. 37. Juni. 2015 Uhr, Mitglleberverkcmmliing bei Krüger, Grimmsir. 1. �, Berliner fleecin für Einheitsturzschrist S. B. Uebungen seden Mittwoch, non 19'»— 21sz llhr, im Friebrich.Wilhclm.Snmnasium, Kochstr. 13. Berelns- heim:..Wilhelmshof",«nhaltstr. 12. Nähere Auekunst erteilt die Geschalt». stelle Berlin. Salensre. Bornimer Sir. 8. Uhland 5298. ZiLuykt r3uj-ÖrcuXci�t rnoK tfaASÜru&rfnrc&&n! fäJvrt aA-! 6a wüMc aqJw rrdJUh;* 'Bdtd&A Mittwoch 26. 3uiti 1929 Unterhaltung unö ÄVissm Beilage des Vorwärts Sin �Dichter des Proletariats Vlartin Anderien llexö mum 60. Geburtstag i. Die medijinrschc Psychologie roirö sich immer mehr der Wichtig- keit bewußt, die die Hemmungen und Lösungen der sugendlichen Psyche für dos spätere Leben bedeuten. Di« Rolle ober, die im Leben des schöpferischen Menschen und in seiner Leiistung. dem Kunst- wert, die Kindheitserfahrung spielt, ist tanm in ihrer Bedeutung erkannt. Und doch ist es so. als ob die Heftigkeit der Erlebnisse und die Unmittelbarkeit, mit der diese Erfahrungen aufgesogen werden, Urgrund bilden können für die gesamte spätere Leistung eines Künstlers. Man kann rückschließend sagen, daß in manchen Fällen nur Erlebnisse, die mit der Innigkeit und Hemmungslosigkeit der Jugendperiode erfaßt wurden, zur dichterischen Gestaltung reif werden. Bei vielen Dichtern reißt die Kindheitserinnerung das Tor zur schöpferischen Leistung auf, und die Jugendeindrücke bleiben das reichste und echteste Material. Zu diesen Dichtern gehört Martin Andersen Nexö. n. Gewiß: Nexö ist Sozialist. Ein Kämpfer für die Sache der Eni- rechteten: ein optimistischer Gläubiger an den Sieg der Gerechtigkeit. Aber Grund und Unterlage seiner Werke sind ine Erlebnisie des Knaben Nexö, die sich mit ungeheurer Heftigkeit in fein« Seele ge- schrieben haben. Die Bilder, die sein« Romane wiedergeben, sind tn tiefer Unbewußtheit erlebt und ausgenommen; mit aller Zärtlichkeit und Wärm« umhüllt, wie es das warme lebendig« Gefühl des sensiblen Knaben zu geben hatte. Der Dater Rexös war Steinmetz, der einem alten Bornholm er Bauerngeschlecht entstammte. In„Pelle, der Eroberer', dem großen Wert, das Rexös ganze Entwicklung wiedergestaltet, ist erzählt, wie der Junge— spielender Knabe und Mann zugleich, der für sich selbst aufzukommen hat— seine Erfahrungen macht; wie er sich den Schädel an den Widerständen des lebendigen und toten Objekts«inrennt, bis«r wie«in wildes Füllen lernt, ihnen aus- zuweichen; wie das Leben sich ihm zugleich kindlich zauberhast und nüchtern-sachlich darstellt; wie er den alten armseligen Dater mit der göttlichen Gloriole der Allmacht umkleidet.„Er war einfach da, stand wie eine schützend« Mauer hinter allem, was man unternahm. Er war die eigentliche Vorsehung, die große Zuflucht in Gutem wie Bösem; er konnte olles, was er wollte— Bater Lasse war all- mächtig". Der zweite Band schildert Pelles„Lehrjahre"; der dritte Bond„Der große Komps" ist nicht mehr allein Pelles Kampf und Wachstum, sondern das Ringen der Arbeiterklasse, des Proletariats. Jetzt erst dämm«rt ihm das Bewußtsein, daß es notwendig ist, die zersplitterten Kräfte zusammen zu fassen, und daß nur die geschlossen« Gemeinschaft den Sieg über die Bedrücker erringen kann. Der letzte Band„Morgenröte" gibt durch das Beispiel der Tat den ersten Sieg des vierten Standes. Nexö hat— abgesehen von einigen Versen— erst spät zu schreiben angefangen. Vielleicht hätte sich diese dichterische Kraft nie so stark entfaltet, wenn sie nicht der Sozialismus ergriffen lind begeistert hätte. Unter welch schweren Umständen Nexö sich seine Bildung erwarb, beweisen die Schilderungen semer Lehr- und Wanderjahr«. Zuerst war der schwächliche Knabe Hütefung« auf einem Bauernhof, dann vierundemhalb Jahr Lehrbub bei einem Schuster, dann Maurerhandlanger bei dein Bau von Fabrikfchorn- steinen. In den Zwischenzeiten der Arbeitslosigkeit besuchte er die Hochschulen zu Bornholm und Askow, und kam hier in einen Kreis von jungen Menschen, die dem von allen Möglichkeiten des Lebens abgeschnittenen Proletarier«in« neu« Welt eröffneten. Doch kaum, daß sich ihm das Leben zu lichten begann, da überfiel ihn Krankheit; eine mitleidige Seele pflegte den Todgeweihten, und als die schlimmste Gefahr vorüber war, reist« er mit wenigem Geld, dos man für ihn aufgebrocht hatte, nach dem Süden. Zur Heimreif« reichte es nicht mehr. Zwei Jahre oerbracht« Nexö in Italien und Spanien,'.«bte unter den Armen,„log krank in elenden Herbergen und ganz allein", ernährt« sich kümmerlich,„indem er Artikel für dänisch« Provinz- blätter schrieb, doch war die Bezahlung gering". Als Nexö«ieder in die Heimat zurückgekehrt, machte er fein Examen und erhielt eine Stell« als Lehrer für dänische Sprach«.»Hier schrieb er fem« ersten Bücher des Nachts, wenn er mit den Vorbereitungen für die Schute fertig war. Doch dies« zweifache Tätigkeit nahm seine Kräfte in so starkem Maß« mit, daß er 1901 die Lehrtätigkeit aufgeben mußte. Und seit dieser Zeit hat er ausschließlich von der Feder gelebt." m. Die ersten literarischen Arbeiten NexSs sind ohne soztellistjsche Ausblicke, wenn sie auch in ihrer Anschauungswelt voller Mitleid mit den Unterdrückten sind. „G l ü et" ist eine Legende vom traurigen Leben der Armen, wo selbst das Paradies von Schwermut bedeckt ist. Der„Tod" verheißt einem armen Steinbruchorbeiter mit vielen Kindern dos Glück und einen«einen Bauernhof auf eigener Scholle. Das Ersehnte erfüllt sich, wird von der armen Familie mit Schauern der Freude und unsäglicher Verwunderung begrüßt. Der Voter ist bei einer Sprengung im Steinbruch zum Krüppel geworden. Die' Unfalls- abfindung ermöglicht ihm zu erringen, für was feine Ahnen sich fruchtlos zu Tode geschuftet haben, ermöglicht ihm, ein Gä rtlein zu kaufen amd sein Feld zu bestellen.„Sonnentage, Reifebilder in Andalusien" zeigen die Psyche und das harte, heitere und fatalistische Sein des südlichen Menschen. In„Familie Frank" ist das Milieu grotesker und die Handlung steht auf der Grenze zwischen Komik und Tragik.„M u t t e r" und„U e b e r f l u ß", die in einer Zeit entstanden sind, da dieser von Geburt optimistische Dichter m Müdigkeit und Verzweiflung versank, sind die einzigen Bücher der Skepsis, die Nexö geschrieben hat.„S t i n e Menschen- kind" ist das weibliche Gegenstück Pelles: die passive Kömpferin um das schwere und gdirirte Leben: um das nackte, traurige Sein eines mütterlichen Weibes. Nexös Werk ist aus Erlebnis entstanden und trägt darum das leuchtende Geheimnis des Dichters in sich. Weil dies Werk das künstlerisch rein«, also wahrhaftige Erlebnis eines arbeitenden und gläubigen Menschen spiegelt, wird es immerhin echt« Empörung und echte BegeisterlMg auslösen. Kurt O f s e n b u r g. Anderien llexö: Wenn dieWot am größten In dem kleinen Fischerdorf Kaas war Schmalhans Küchenmeister; der Fang war während des ganzen letzten Jahres mehr oder minder fehlgeschlagen, und ein ehrliches Wrack gehörte nach- gerade zu den Seltenheiten. Die Seeleute waren von all dem Studium auf Steuermannsschulen und dergleichen so vertrakt klug und ausmerksom geworden; und dazu kamen noch die modernen Erfindungen: Leuchttürme und Sirenen, und wer weiß wie viele andere Einrichtungen, die fleißigen und strebsamen Leuten das Brot vom Munde wegnahmen. Man braucht« in dem kleinen Dorfe wohl noch nicht ganz und gor zu verhungern, aber zu mehr als gesalzenem Dorsch oder Hering, mit Kartoffeln gekocht und mit Mehlbrühe serviert, wollte«s eben durchaus nicht reichen. Fleisch!— Wer dachte an Fleisch in diesen schlechten Zeiten! Man wußte kaum noch, wie das schmeckte, so lange war es her, seit man im Fischerdorfe kein Fleisch gesehen hatte.— Und der Schnaps? Ja, den trank man freilich noch unten in der Fischerkneipe, aber es geschah auf„Pump", und gleichwohl drehte er sich einem im Magen um, wenn man dabei an Weib und Kind dachte. Es war wahrhaftig kein Pläsier, unter solchen Umständen Familienernährer zu sein: Denn was sollte man anfangen? Ein Boot zum Fischfang ins Meer zu lassen war unnütz und hieß nur umsonst die Geräte gefährden. Die wenigen Fische, die einst da gc- wesen waren, hatten sich anderwärts hingezogen»nd dursten nicht so bald zurückerwartet werden. Nein, das einzige Rettungsmittel war ein rechter dichter, klofterdickcr Nebel, der die Schiff« den Weg um die Landzunge verfehlen ließ. In Leset, das am Anfang der Bucht jenseits der Landspitze lag. sah es nicht besser aus. Nur mit dem Unterschied, daß man da drüben unter den Felsen geschützter hauste und eher etwas im Kachel- ofen eittbehren konnte. Auch da hatte man die Zuversicht auf sich selbst aufgegeben und sein Vertrauen auf die Vorsehung gesetzt; betete man aber in Kaas auf der Landspitze um Nebel, so betete man in Leset um einen plötzlichen Seesturm als zu der einzigen Macht, die Hilfe bringen konnte. Es schien, als sollten die Fischer in Leset zuerst erhört werden. Längere Zeit hatte ein gleichmäßiger Landwind geblasen, aber ollmählich wuchs er zum Sturm und brachte das Wasser in der Bucht tief unter den täglichen Wasserstand. Und Schiff auf Schiff kam um die Landspitze gestrichen und trieb in die Bucht hinein, um dem Sturm standzuhalten,— bis zuletzt gegen zwanzig Ankerlieger ver- sammelt waren. Die Fischer in Koos wußten so gut wie jedermann, daß dieser Wind denen in Leset binnen zwei Tagen Fleisch auf den Tisch brin- gen müsse; und der Hunger ließ sie ihren Stolz überwinden und Boten hineinsenden mit dem Vorschlag einer Beteiligung an der Dergungsarbeit, die recht beträchtlich zu werden versprach. Aber zwischen den beiden Dörfern war Feindschaft und so wies man sie ab. „Hast du den Sack verloren?" fragte man dem lieb erbringer des Anerbietens, daraus anspielend, daß er auf einem Bettelgang be- griffen sei.„Sollen wir dir einen anderen anschaffen?" Als die Leute in Kaas das hörten, wurden sie erbittert und gedachten sich zu rächen, indem sie zu den Ankerliegern hinausfuhren und sie warnten. Aber man gab es wieder auf. Es konnte doch allerlei auskommen, wenn man erst einmal in dieser Art anfing. Sie begnügten sich also damit, mißgünstige Zuschauer abzu» geben, als der Swrin ganz richtig noch zwei Togen umschlug und zu einem Seeorkan wurde. Oben auf den Anhöhen der Landzunge standen sie in Kruppen und warteten den Augenblick ab, da der Swrm sekundenlang rastete und dann plötzlich in kurzen heftigen Stößen ausbrach. Wie Explosionen schallten sie in den Felsen, bis der Sturm sich dann wieder eine Weile legt«, um zuletzt in endloses Toben zu verfallen. An Bord der Ankerlieger erwachte plötzlich eilige Geschäftigkeit. In einem Nu tummelt« sich die Mannschaft auf dem Deck, durch den Sturm peitschten landeinwärts abgebrochene Rufe, oder ein losgerissener Klang der Handspaken am Gangspill beim Holen der Anker, oder das heftige singende Kratzen der eisernen Ketten, wenn die Anker von dem Vorsichtigsten gekappt und im Stiche gelassen wurden. Man konnte an der Anspannung erkennen, daß die draußen wußten, was es gelte: die Mannschaften liefen wie Eich» Hörnchen in Wanten und Mastkörben umher, und Schiff um Schiff drehte sich ungelenk im Winde und stapfte weiter mit Wasser und Wind am Luvbug. Ein dunkler Streifen schoß von jeder Landzunge vor; die beiden Streifen stießen schräg in einer prustenden Spitze zusammen und wanderten landeinwärts, lus sie sich mehr und mehr der geraden Linie näherten. Es war Hochwasser, das den, veränderten Wind auf den Fersen folgte. Drinnen auf der Reede begegnete es dem auswandernden Wasser und bildet« Krapps«; die Schiffe schwankten heftig und hieben den Bugspriet in die Wellen, und wenn die See sie aus ihrer liegenden Stellung cmporschleuderte, schlug der Swrm in die Segel, so daß sie mit einem Krach zerrissen, dahmgen und in der Lust klatschten. Aber eines nach dem anderen legte sich wieder aus die Seite, daß die Raaen das Wasser küßten, kniffen sich im Winde fest und schlüpften um die Kaaser Landzunge. „Werden sie herumkommen?" das war die spannendste Frag« für alle die Zuschauer da oben. Dort hinüber strebten sie nämlich, weil das Land dort nicht so weit hinoueging. Und jeder Segler wurde auf seiner Fahrt um die Landspitze von vielen begierigen Blicken verfolgt. Einen Augenblick sah es aus, als wollte ein großer Dreimaster hängen bleiben: er hielt plötzlich inns, und ein Mast knickte vornüber. Eine kurze Minute wiegte er sich wie ein Schaukelpferd auf den Wellen, dann aber glitt er wester, und die Hoffnung war erloschen. Eine Woge mutzte ihn hinübergehoben haben, oder vielleicht war es der veränderte Druck auf die Segel, als der Achtermast brach, der ihn wieder slott machte. Unten m der Bucht lagen noch fünf Schifft, anscheinend in Ruhe— sie bauten auf ihre Anker. Sie lagen da und ritten auf strammen Ankertaucn, den Steven nach außen und Deck und Takcl- werk remgefegt— es kam darauf an, Wind und Wasser«inen mög- lichft geringen Widerstand zu leisten. Drinnen an der Küste bei Leset gingen die Fischer aus und ab oder standen in Hausen hinter den aufgezogenen Booten. Mit diesen „Nachzüglern" hatten sie gerechnet, und sie ließen sich nicht davon beirren, daß die Schiffe sich anscheineird gut hielten, sondern trafen bedächtig ihr« Vorbereiwngeiy um Leute und Ladung zu retten Im Kaas sprach man viele Tag« lang von nichts anderem, als van dem Fang, den die Fischer in Leset gemocht hatten. Drei von den fünf Schiffen waren Wracks geworden, und der Bergungs- lohn würde sich wohl auf einige Hundert Kronen pro Mann be- laufen. Und hier m Koos nagte man nach wie vor am Hungerwche! Aber nicht genug damit! Derselbe Sturm, der jenen Wohlstand brachte, hatte hier den einen Hafendamm zerstört, so daß es vielleicht Taufende kosten würde, ihn wieder instand zu setzen, lind dieser Hafen war für teures Geld angelegt worden, teils um Handel nach dem Dorfe zu ziehen, haupffächkich aber, um den Einwohnern von Leset in die Nase zu stechen. Und da drinnen, wo sie nicht einmal einen Bootshafen hatten und die Boote auf das nackte Ufer hinauf- ziehen mußten, da hotten sie nun drei ganze Wracks zum Knabbert: und Beißen und konnten alle Nacht Festtafel halten, während man hier hungerte! Und die Rettung, die einzige Rettung, der Nebel, blieb aus! Aber eines Mvrgens, als die Fischer sich wie gewöhnlich am Hafenplatz sannnetten, war er da und hing so dick über dem Wasser, daß man nicht von Mole zu Molen sehen konnte. All die schwern Gesichter lebten merklich auf— endlich schlug die Stund« der Vergeltung. Allerorten wurde die lärmende Arbest am Hofen untersagt, man sandte Knaben nach allen Sesteir mit dem Befehl, sich still zu ver- halten, und das ganze Dorf sprach buchstäblich im Flüsterton und schlich auf dm Socken umher, um durch keinen Laut dm Schiffen zu verraten, wo das Land sich befinde. Man stellte Wachtposten auf den äußefften Festen der Landzunge aus, und die Fischer zogen scharenweife hinauf zum Paltaesten, der Dorfkneipe, um ein wemg Borschuß auf das Glück zu nehmen. Allein der Tag verstrich und die Nacht dazu, ohne daß ein Schiff sich meldete. Selbst diejenigen, die stet» das Best« voraussahen, ver- loren den Mut, als sie am nächsten Morgen herauskamen und hörten, wie die Dinge stünden. Es konnte kein Zweifel herrschen, daß der Nebel sich vormittag» lichten würde, sobald die Sonne die rechte Macht«rhielle. Als sie jedoch am frühen Morgen am Hafen standen und dies erörterten, da ließ sich ein starkes Kratzen von Eisen auf dem Felsen vernehmen, und gleich darauf drang eine schrill« Bootsmannspfeife, von kräftigen englischen Kommandorufen gefolgt, durch den Nebel. Augeirscheinlich war es ein Dampfer, der ganz nahe herangekommen war; welche Ladung mochte er wohl führen? Jeder riet auf das, was er augenblicklich als das höchste aller menschlichen Güter betrachtete; einer hoffte fest auf Speckware, ein anderer auf Kognak. Man traf bereits Verabredungm, was man für das Freimachen des Schiffes verlangen sollte, als der Lärm starker Schläge auf Tonnen über dos ruhig« Wasser herüberdrang. Kurz darauf folgte ein durchdringender Petroleumgeruch— man war also schon dabei, sich der Deckladung zu entledigen! Rasch wurde die Diskussion ab- gebrochen und ein Boot hinausgcschickt, um Hilfe anzubieten. Allein der Kapitän, der sie mm plötzlich so leise vom Lande aus heran- kommen hörte, hatte wohl schlechte Erfahrungen mit Leuten ihres Schlages gemacht und empfing sie in schlimmer Laune. Er schimpfte und schwur, kein« Hilfe haben zu wollen, selbst wenn Schiff und Ladung in die Brüche gingen. Solche Schurken und Taugenichtse, die nicht eirrmol eine Hafenglocke läuteten, wenn e» neblig war! Aber noch ihm sollten sie sich nicht den Mund leckten! Haie und Strandräuber. die sie waren!(Schluß folgt.) Jlus der Qefchidüe der Pfeife Nachdem Nicot die ersten Tabakpflanzen im Jahre lök» in Frankreich eingeführt hatte, wurde der Tabak schon bald sowohl zum Schnupfen und Kauen als auch zum Rauchen benutzt. Die ersten Tabakpfeifen kamen gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf. Irdene Pfeifen gab es feit dem Anfang des 18. Jahrhunderts, während die jetzt so beliebten Bruyere-Pfeisen viel jüngeren Ursprungs sind. Pfeifen aus Holz waren schon lange gebräuchlich, aber erst 1854 hat ei» gewisser David in Ehaumont bei Saint Claude(Jura, Frank- reich) angefangen, die Holzwurzel des Heidekrauts dafür zu vsr- lveuden, weil diese« Holz fast unverbrennbar ist. Das Heidekraut kann nämlich außerordentlich große Wurzeln bekommen, deren Holz ungemein hart wird. Es gibt deren, die 50 Kilograim» und mehr wiegen. Zuweilen findet man Wurzeln, die 20V bis 200 Jahre alt sind. Aus dem Wurzelholz kann man je nach seiner Qualität«ine größere oder kleinere Anzahl Stücke schneiden, die zu Pfeifenköpfen verarbeitet werden. In Saint Claude ist eine große Industri« daraus entstanden, denn es gibt dort etwa 100 Fabrikanten, die 5000 bis 6000 Arbeiter beschäftigen und jährlich 45 Millionen Pfeifen- köpse in alle Welt liefern. 1914 wurden von der Weltoroduktion in Höhe von 65 Millionen 28 in Saint Claude, 17 in den Bereinigten Staaten von Nordamerika und der Rest in Deutschland, Italien, Oesterreich�und England erzeugt. Neuerdings macht aber die In- dusteie in Saint Claude eine schwere Krisis durch, weil der Gebrauch der Pfeif« abnimmt und das Zigarettenrauchen zunimmt. Das größte Fernrohr der well. Da, größte Spiegelteleskop der Welt aus dem Mt. Wilson in Kalifornien besitzt«inen Durchmesser von 2,58 Meter. Der dicke, parabolisch geschliffene Glasspiegel wiegt allein 4� Tonnen. Nachdem es sich wegen der plastischen Eigen- schaft des Glases als unmöglich herausgestellt hat, noch größere Blöcke dieses Materials mit der erforderlichen Genauigkeit zu bearbeiten und vor allem in den mathematischen Flächen auch zu erhalten. wird gegenwärtig van dem Präzisionsoptiker Ritchey am Mt. Wilson- Observatorium ein neuer Spiegel von 5 Meter Durchmesser aus ge- schmolzenem Quarz hergestellt. Quarz läßt sich nicht schwerer be- arbeiten als Glas und hat gegenüber diesem den Vorte'l, daß es gegen Temperaturändcrungen fast unempfindlich ist. Es darf wohl als sicher angenommen werden, daß dos Werk gelingt und der aftronomischen Forschung wieder einen weiteren Einblick in dte Tiefen des Weltalls vermittelt, „Enthüllungen." Makulatur gegen den Deutschen Textilarbeiterverband. Ikr Haß der kommunistischen Weltrevolutionsstrategen gegen bie„reformistischen" Gewerkschaften hat längst pathologische For- men angenommen. Er konzentriert sich in unausgesetzten Bs- schimpfungen, Verdächtigungen und Verleumdungen der Gewerk- schaftsführer, gegen die nicht mir die Gewerkschaftsmitglieder, son- dern neuerdings auch die„klassenbewußten" Unorganisierten aufzu- putschen versucht werden. Der so kläglich zusammengebrochenen jahrelangen Hetze gegen die beiden Verbandsvorsitzenden der Maschinisten und Heizer folgte in diesem Frühjahr eine kommunistische Steckbriefkampagne gegen die Funktionäre der B e r- liner Ortsocrwaltung des Deutschen Metallarbeiter- verbände?, und als die„Rote Fahne" am Sonntag wieder erschien, brachte sie ein«„Bombe" mit sechs Ueberschriftzeilen gegen die Hauptvorstandsmitglieder des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes, die sie während ihrer Verbotszeit aus ihren ver- gilbten Manuskripten ausgegraben hatte, datiert vom 2 7. September 192 6. Es handelte sich damals um eine Beschwerde des aus dem Verband ausgeschlossenen Verbandsmitgliedes Schulze an den Ver- bandsausschuß. Der Vorstand des Deutschen Textilarbeiterverbandes
/, U. Von Pol iu Pe. an Sternenhinnel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mlc. Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene 50 Pi, Kinder 25 Pf. WM MM DirektHeinr Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende lOVs U. Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie; HeinzHilpert Reichshallen-Theater illabenillldi[B] Uhr Stettiner Sänger u. a.:„Eine Tlachi km Xalewelnkeller"- soimneniKlsel Biiiett- besteilung. Zentrum 11263 �Dönhoff- Brottt: (Saal und Garten) varlBtß— Tanz— Bacaer-tionzen Theat. o. Westens Täglich 8'/» Uhr Sonntag 3>/a u. S'U Franz Lehara Wellerfolg! Meäerüse Grete Ftakler Telephon Steinplate 0931 u. 5125 Lostspieihaas Tägl. 8'/» Uhr Arm wie eine Hirciienmeus Skidelskv, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer lißllls Preise. Die Komödie 1 Bismck.2414/7516 Ende geg. IOViU. Der Mann, der seinen Barnowsky- Sühnen Theater in der KBniggrltzer Straße Täglich S'U Uhr Rival en Komödienhaus Täglich SV« Uhr Charleys Tante mit Curt Bols. 3 Akte von Edgar Walace, Regie: HeinzHilpert esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwirta" und trotzdem nbuiun i Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58. Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Gasupiel Gauel Saar. Oietel Ullan in der Operette „Oer ersten Lieds geid'ne zeit" Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner;„Er Ist tiodi der Papa". Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer, Gretel Lilien. Dazu der große neue Taiieiälall. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Varietä 8 Ulli. Uparctt« 8.30. leilea Doonsratag groDer Tolkstag. i in aal.»HI Kotts.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr Eiite- sanger Die Innl- Sensation: „Eon n dars grolle Losr Melropol-Th. Festspiele 1929 Tägl. S'/t Uhr Sonntags 3'h u. 8'', Biauban Operette von Offenbach lilbe Dorsch Leo Slezak s �Omnibus ab Grünau, Sofinsbocf bis Strdiplatt über 90 Parzellen an ber Sdjönefelbet Ghauffee. Per! d. Reflnarzellen qrn 1 M an. Set- läufet Sonntags anmefenb. C. A. Winklet Zshls idarf Mitte Teitawer Str. 8. �-Hiendorf 2228. des Thür. Waldes führender Kurort Friedrichroda auch Ihre Sommererholung Fordern Sie die illusirierte Kursdirift von der Kurverwaltung oder im Reisebureau Arbeiterbaogenosseflschaft„Paradies" zu Berlin e. G. m. b. H. Sonntag, 7. JnU 1929, vorm. 10 Uhr, Ina Reatanrani „Zaa den vier Jahreazeitcn", Bahnhofxtr. In Bohnadort: 27. ordentliche Generalversammlung Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Veriuslrechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz, sowie Beschlußfassung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes. 3. Neuwahlen: a) des Vorstandes, b) Ersatzwahlen zum Aufsichtsrat. 4. Bericht von der gesetzlichen Revision. 5. Statutenänderung. 6. Event!. Anträge der Genossen. Der Vorstand. G. Dorner. P. Schiffke. Die 27. ordentliche Generalversammlung findet nicht wie irrtümlich veröffentlicht am II. Juli, sondern am Sonnlag, dem 7. Jnli statt Martin Andersen Aexö 60 Zahre am 26. Iuni«29 Soeben erschien neu der Roman: Zm Gottesland Geh. 7.— Mark, in Leinen geb. 9 ö9 Mark Ein Kriegsbuch aus neutralem Landl In neuer Auflage erschien der Roman: Gtine Menschenkind 2 Bände, geh. 19— Mark, in Leinen geb. 13.59 Mark Das hohe Lied der Proletarierin! Ueberoll zu haben.— Prospekte unentgeltlich vom Verlag Aibert Langen in München 3lr. 293* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 26. Juni 1929 Die Agrarkrise in Ostpreußen. Die Lage nach dem neuesten Enquetebericht. X Wie wir bereits kurz mitteilten, hat der Enquete-Ausschuß den seit langem erwarteten Bericht über di« Lage der ostpreuhischen Landwirtschaft jetzt veröffentlicht. Der Bericht bestätigt im großen und ganzen das aus früheren Erhebungen bekannte Bild: tatsächlich große«irlschastliche Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, merkliche Besserung der Verhältnisse in den letzten Jahren, teilweise aber auch eine drohende schwere Krisis. Daß die Wirtschaftsergebnisse der lasrdwirtfchaftlichen Güter sich von Jahr zu Jahr bessern, zeigten wir bereits an einer statistischen Darstellung(siehe Nr. 289 des„V.*), nach der im Durchschnitt von mehreren hundert buchführenden Betrieben 1927/28 bereits wieder 4,30 M. Reinertrag pro Hektar erzielt wurden, während dies« Be- triebe 1924/25 noch einen Berlust von 41 M. je Hektar erlitten. Das ist in vier Jahren eine relativ starke Besserung. Gegenüber den Vorkriegsreinerträgen von 45 M. je Hektar bleibt auch der jetzige Stand der Wirtschaftsergebnisse noch weit zurück. Der Reinertrag ist nun allerdings noch nicht Reingewinn, sondern von ihm sind noch die Schuldzinsen des Betriebes und die allerdings sehr geringen persönlichen Steuern zu bezahlen. Die Z i n s l a st e n der ostpreußischen Landwirtschaft betragen nun durchschnittlich Z0 bis 49 M. je Hektar. Der durchschnittliche Reinertrag reicht also bisher noch nicht zur Bezahlung der Zinsen aus, in einer großen Anzahl von Betrieben müssen vielmehr Are- d i t e aufgenommen werden, um alte Zinslasten abzudecken. Die Schuldenzunahme der ostpreußischen Landwirtschaft ist daher im Gegensatz zu der westdeutschen Landwirtschast, wo die Zu- ».ahme der Spareinlagen bereits die Schuldcnzunahme überwiegt, noch nicht zum Stillstand gekommen. Insgesamt hat die Verschuldung am 1. Januar 1928 nahezu 999 Millionen Mark, das sind 386 M. je Hektar erreicht. Im Verhältnis zum Steuerwert der cstpreußischen Landwirtschaft sind dos etwa 79 Proz., im Derhöltms zum wirklichen Verkaufswert allerdings nur rund 49 Proz. Durchschnittszahlen geben ein falsches Bild. Kennt man nur diese Durchschnittszahlen der Verschuldung und Zinsbelastung, so bekommt man von der Lage der ostpreuhischen Landwirtschost ein absolut falsches Bild. Je nachdem, wie die ein- -einen Betriebe die im Kriege erlittenen Schäden während der In- s.'ation wiederguttnachen konnten, je nach dem Austand, in dem die einzelnen Betriebe von der Inflotton in di« Zeit der Stabilisierung eintraten, und je nachdem, wie schnell sich die einzelnen Betriebe aus die neuen Verhältnisse umgestellt haben und außerdem durch Un- wetter und Seuchen Verluste erlitten haben oder nicht, schwankt die Verschuldung außerordentlich stark. Selbst in Ostpreußen ergibt sich nach den Zahlen der Finanz- ämter vom 1. Januar 1928, daß neben sehr verschuldeten, ja überschuldeten Betrieben, mittel und niedrig verschuldete, ja f a st schuldenfreie Betriebe bestehen, soweit Neuverschuldung in Frage kommt. Auch in Ostpreußen kann also von einer allgemeinen Krise der Landwirtschaft nicht gesprochen werden. Nun liegen allerdings die Verschuldungsverhöltniss« in den einzelnen Bezirken und Betriebsgrößen recht verschieden. Man kann, grob gesprochen, sagen, daß der Nordosten und der Westen Ostpreußens verhättnismäßig g ü n st i g dastehen, während im Süden und vor allem im Südosten, also in den masurischenKreisen, eine erschreckend hohe Anzahl hochverschuldeter, ja über- schuldete? Bettiebe anzutreffen ist. Der unterschiedliche Stand der Verschuldung im Groß- und Kleinbetrieb tritt hier auch besonders deutlich zutage. Während in manchen Kreisen di- bäuerlichen Be- triebe höher oerschuldet sind als die größeren Wirtschaften, hat in diesem mafurischcn Krisengebiet Ostpreußens die Verschuldung der Großbetriebe einen wesentlich höheren und außerordentlich bedroh- .lichen Stand erreicht. Heber die Ursachen der Verschaldung bringt der Bericht des Enquete-Ausschusies leider nur mangelhafte Angaben. Gar nicht berührt wird beispielsweise das Problem der ostpreuhischen Kreditpolittk, die sicherlich zu der D-r- > chuldungsentwicklung ebenso wie im übrigen Deutschland das ihrige beigetragen hat. Wir möchten der Rcichsregierung empfehlen, doch beispielsweise die Kreditpolitik der„Ostpreuhischen Landwirtschaft", die im nächsten Jahre bei der Rückzahlung eine, Z9.Millionen- Amerika-Kredits mit 614 Millionen Mark Kursoerlusten zu rechnen hat. deren Deckung sie vom Reich verlangt, näher nachzuprüfen. Es icheint uns nicht ausgeschlossen, daß dieses Bankinstitut in seinem Bestreben, der Landwirtschaft billige Hypothekarkredite zu beschaffen, nicht die genügend« Vorsicht hat wallen lassen, da sie annahm, daß eventuelle Dcrlliste der Landschaft„in der Grenzprovinz Ostpreußen" doch auf jeden Fall vom Reich bezahlt würden. Daß bei der ausgesprochenen Notlag« eines nicht geringen Deiles der ostpreußischen Landwirtschaft zahlreiche Betriebe in den nächsten Iahren nur durch Zwangsversteigerung saniert wer- den können, steht außer Zweifel. Der Engurte-Ausschuh glaubt ähnlich wie die P r e u ß« n k a s s e annehmen zu können, daß rund 399 Großbetriebe mit einer Fläche von 99 999 Hektar den Besitzer wechsen müssen. Das bedeutet eine schwere Erschütterung der ost- preußischen Landwirtschaft, und man kann dem Enquete-Ausschnh nur zustimmen, wenn er empfiehlt, Vorsorge zu treffen, damit der Kreis der zusammenbrechenden Betriebe möglichst klein bleibt. Im übrigen sind allein bei der ostpreuhischen Landschaft zurzeit über WOHNUNO WE R KRAU. MjMSSSMSSMSSisSSSSMSMSK AU S« TE LLU N' «RE8I.AU««« 1B.«IUNI- 599 Zwangsversteigerungen im Gange oder in Vorbereitung. Viel- fach haben di« Gläubiger in der Furcht, mit chren Forderungen aus- zufallen, Zwangsoersteigerungen aber nicht beantragt. Aus dieser..schleichenden" Krise muß jedoch einmal eine offene Krise werden. Die zwangsversteigerten Betrieb« werden teilweise der Sied- l u n g, teilweise neuen Privatbesitzern, teilweise dem Domänenfiskus zuzuführen fein. Der Enquete-Ausschuß stellt übrigens ausdrücklich fest, daß das„Gesamtbild der wirtschaftlichen Loge der Siedler bei aller vorsichtigen Beurteilung zurzeit noch allgemein befriedigend ist*. Vernunft in den Hilfsmitteln. Die Abhilseoorschlägc des Enquete-Ausschusses sind großenteils durch das vom Reichstag im Mai verabschiedete Ostpreußenpro- gramm überHoll, das der ostpreußischen Landwirtschaft einen jähr- lichen Zuschuß von 26 Millionen und einen einmaligen Zuschuß von 32 Millionen, außerdem Kreditgarantien von 89 Millionen Mark brachte. Es scheint uns außerdem, daß der Enquete-Ausschuß seine Vorschläge ziemlich unkritisch formuliert Hot, indem er scheinbar die aus Ostpreußen gemachten Vorschläge in unveränderter oder wenig veränderter Form wiedergegeben hat. Mit allem Nachdruck unterstützen möchten wir jedoch die Forde- rung des Enquete-Ausschusfes, insbesondere für Entwässerung von nahezu zwei Millionen Hektar landwirtschasllichcn Bodens erhebliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Mit den bisher für Meliorattons- zweck« nach Ostpreußen geflosienen Geldern konnte ein großzügiges Meliorationswerk nicht durchgeführt werden. Bei vorgeschlagenen Zinsoerbilligungen, Steuerniederschlagungen usw. sollte auss schärfste darüber gewacht werden, daß diese aus Steuermitteln des deutschen Lölkes bezahllen Hilfsmaßnahmen nicht zu einer Subvention für ohnehin konkursreife Betriebe werden und ein weiteres Verschleppen der ostpreußischen Sanierung zur Folge haben. Auch in Ostpreußen muß die Gesundung der Landwirtschast grundsätzlich der Selbsthilfe überlassen bleiben Erfreuliche Ansätze hierzu sind in Ostpreußen die sehr verbesierte Milchleistung der Kühe, die Ausdehnung der Grünland- und Weidewirtschaft, di« Ver- besserung des Schweinezuchtmaterials und ähnliche beachtliche Fortschritte. Gute Reichsbanklage bestätigt. Der Wochenausweis der Reichsbank zum 22. Juni bestätigt unsere Voraussage von gestern, daß die Lag« der Reichsbank sich weiter erleichtern wird. Entscheidend für di« Dispositionen der Reichsbonk, soweit die Diskontpolitik in Frage kommt, wird natür- lich die Entwicklung zum Monatsende und die weiter« Entwicklung im nächsten ganzen Monat sein. Zum 22. Juni sind die Wechsel- bestände wieder um insgesamt 159L Millionen zurückgegan- gen. und zwar um 128,4 auf 2427,7 Millionen im Wcchselportc- feuille und um 22,6 auf 64,4 Millionen bei den Reichsschatzwechseln. Die Bestände au Lombarddarlehen sanken um 33,2 auf 92,6 Millionen. Zum Monatsultimo find vielleicht noch, da die Zinsvorteile der privaten Banken bis dahin noch fortdauern, höhere Wechsel- «inrejchungen zu erwarten. Um so stärker Tnüßte schon di« Enllastung zum 7. Juli werden, nachdem am 1. Juli die Kreditzinsen der Banken wieder herabgesetzt werden. Die fremden Gelder auf Girokonto nahmen um 23,4 auf 679,2 Millionen ab. Der Umlauf an Reichs- banknoten ging duf 4968,7, der Umlauf an Rentenbankfcheinen auf 435,5 Millionen zurück. Die Deckung des Notenumlaufes hat sich weiter verbessert: durch Zunahme der Devisenbestände um 12,2 auf 339,7 Millionen bei gleichzeitig fast unveränderten Goldbeständen mit 1764,3 Millionen ergibt sich gegen die Vorwoche eine Verbesserung der reinen Golddeckung für die umlaufenden Noten von 42,1 auf 43,4 und der Gold- und Devisendeckung von 49,7 auf 61,5 Proz., das sind wieder 26 Proz. mehr als die bankgesetzlich« Vorschrift. -15 Millionen Gold für die Reichsbonk. In London wurden gestern für 769999 Psimd Sterling(15,2 Millionen Mark) südafrikanisches Gold versteigert. Der größte Teil davon geht nach Deutschland, d. h. an die Reichsbank. Auch die eng- lisch« Bank verkoufte Gold an die Reichsbank. Der Status der Reichsbank wird damit noch günstiger. Schulden fressen Gewinne. Zum dividendenlosen Abschloß der Basali-A.-G. Der größte deutsche Pslpstersteinkonzern, die Basalt A.-G. inLinzamRhein, stellt für 1928 die Dividendenzahlung wieder ein. Im Vorjahr konnte das Unternehmen auf sein 29 Millionen Mark betragendes Akttenkopital eine Dividende von 6 Proz. zahlen. Der Ausfall der Dividende ist jedoch weniger auf einen schlechten Geschäftsgang als auf enorm« zinsenfressende Schulden, in erster Lini« teure Bankschulden, zurückzuführen. Es kennzeichnet die Lage dieses eine uferlose Ausdehnungspolitik betreibenden Unter- nehmens, daß im»ergangenen Jahr rund 839 999 Mark an Zinsen gezahlt werden mußten, während demgegenüber die gesamten Geschäftsunkosten nur 659 999 Mark ausmachten. Allein im letzten Jahr« sind die laufend en Schulden der Gesellschaft von 5,6 auf 9,6 Mill. Mark gestiegen, während sich demgegen- über die Forderungen mit 5,2 Mill. Mark so gut wie gar nicht ver- ändert haben. Di« Verwaltung klagt im Geschäftsbericht darüber, daß die völlige Drosselung der Eiscnbahnaufträge für Schottersteine und die FinanznotderGcmeinden und Provinzen d«n Absatz sehr ungünstig beeinflußt haben. Die Lag« für die Pflasterstein- industri« sei noch dadurch oerschärst worden, daß sich die Methode «n Straßenbau in letzter Zeit gänzlich gewandelt habe. Trotz dieser Klagen sind aber die Absatzziffern, die 2 gegen 1,8 Millionen Tonnen rm letzten Friedensjahr betragen, nicht ungünstig. Die Verwaltung will durch diese Klagen offenbar ihre nicht sehr vorsichtige Ausdehnungs- und Finanzpolitik vor der Oeffentlichkett rechtftrtigen. Auch der Hinweis auf den herrschenden Prcisdruck in d«r Pflostersteirnndustrie tonn nicht ernst genommen werden, denn unter Führung dieser Gesellschaft wurde vor zwei Iahren � ein Kartell, die Basalt-llnion, ins Leben gerufen, die durch ihre Ge- schlossenheit den Abnehmern die Preise diktieren kannte. »- Rheinstahl fast 100 Mittionen Llmsatz. Große Gewinne.— Rur 6 Prozent Dividende. Di« Rheinische Stahlwerke A..G., Essen, die seit der Einbringung ihrer sämtlichen Eisenbetriebe in den Stahltrust zu einem reinen Z e ch e n u n te rn eh me n geworden ist, kann für das G-zschäftsjahr 1928/29 wieder 6 Proz. Dividende zahlen. Die Ueberschüsse aus den Betrieben und Beteiligungen sind ganz erheblich von 14,5 auf 16,5 gestiegen. Hiervon entfällt auf die Beteiligungen, unter denen etw? 79 Millionen Mark Stahltrust- aktien vorhanden sind, fast die Hälfte der Gewinne. Da der deutsche Forbentrust in Frankfurt a. M.(I. G. Farbenindustrie) starken Einfluß bei Rhcinstohl besitzt und das Unternehmen daher durch langfristige Lieferverträge mit diesem Großkunden gesichert istt konnte auch im letzten Betriebsjahr die Förderung glatt abgesetzt werden. Die Steinkohlenförde- rung liegt mit 6,2 Millionen Tonnen etwas unter den Ergebnissen des Vorjahres, während sich bei der von 1,4 auf 1,6 Millionen Ton- nen angewachsenen Koksproduktion bereits die Inbetriebnahme der neuen Anlogen in Arenberg beittertbar macht. In der Bilanz wird ersichtlich, daß im letzten Jahre weiterhin rund 19 Millionen für den Ausbau der Zechen und Nebenanlagen investiert wurden. Damit hat der Konzern in den beiden letzten Jahren rund 39 Millionen in sein« Anlagen ge st eckt, die durchweg aus laufenden Betriebseinnahmen gezahtt weiten konnten. Bei diesen enormen Ausgaben fällt die Flüssigkeit der Geldverhältnisse bei Rheinstahl um so mehr auf. So konnten di« laufenden Schulden von 23,2 aus 13 Millionen Mark zurück- gezahlt werden, während demgegenüber di« Bankguthaben nur um 3,2 auf 4,8 Millionen zurückgingen. Außerdem wird die Sen- kung der Gesamtforderungen von 57,6 auf 57,1 Millionen noch durch Verstärkung der Beteiligungen um mehr als 4 auf 96,6 Millionen beeinflußt. lieber die Durchführung der Rationalisierungsarbeitcn, beson- ders die großen Betriebszusammenfassungen auf Zeche Arenberg, sagt der Geschäftsbericht, daß die n«ue Zentralkokerei allein eine Leistungsfähigkeit von 1 Million Tonnen Koks besitze gegen- über nur 839 999 Tonnen, die früher auf sämtlichen vier Schacht- anlagen des Konzerns erzeugt wurden. Die Osenleistung je Alaun und Schicht konnte von 19 aus 45 Tonnen gesteigert werden. Daß auch in den Bergwerksbetrieben die Leistungen ganz, erheblich gestiegen sein müssen, wird schon daraus ersichtlich, daß bei unwesentlichem Rückgang der Förderung und trotz der gewachsenen Kotsproduktion die gesamt« Belegschaft um rund 2399 auf 17 686 Mann zurückgegangen ist. D«r zum erstenmal bekannt- gegebene Umsatz der Zechen belauft sich auf 97,4 Millionen Mark. Europa gegen Amerika? Wegen der LlSA.-ZollpoMk. Wir haben kürzlich auf die stark hochschutzzöllnertsch« Politik der Vereinigten Staaten hingewiesen, auch darauf, daß Frankreich und die Schweiz offiziell schon auf die Gefahren dieser Politik für Europa aufmerksam gemacht haben. Der deutsche Außenhandels- verband(ein privater Verein) möchte jetzt, daß die deutsch« Regierung mit den Regierungen anderer europäischer In- dustriestaaten ernste diplomatische Vorstellungen gegen die amerikanische Absperrung-politik in Washington erhebt und so ein« europäische Einheitsfront gegen das Lorgehen Amerikas vorbereitet. Der Außenhandelsoerband schlägt auch Druckmittel vor, so die Kündigung der mit den Dereinigten Staaten von Amerika laufenden bloßen Meistbegünstigungsverträge mit dem Ziel, die Vereinigten Staaten zum Abschluß von normalen Zolltarifverträgen zu veranlassen, unter Preisgabe der bisher von USA. aufrechterhaltenen Zollautanomie. Line unbestätigte Meldung au» Washington sagt, daß gegen den Vorschlag einer Erhöhung der Einfuhrzölle von 20 Aegiervngen Einspruch erhoben worden sei. Reform der Mündelficherheit. Mündelflcherhett als DReNamernittel. Die gesetzlichen Grundlagen der sogenannten Mündelsicherhett bei festverzinslichen Papieren sollen reformiert werden. Da» Reichsjustizministcrium legt in einer den beteiligten Stellen und Interessentenkreisen zugegangenen Denkschrift die Re» formbedürftigkeit dar. Die Mündelsicherheit, die ursprünglich noch dem Sinn des Wortes nur den Schutz von Mündelgeldern wollte, sei heute eine Eigenschaft von Wertpapieren geworden, mit der auch unter dem Gesichtspunkt der Lankenreklame um «eihRriHteiKn Ftebinjer Teruudilelle, Berlin SVN ScMneberger S««««. neu un» gedtaucht, mit Herr- llcher Tonfülle, ohne Anzahlung, klrtne Rate», s�r preiswert. Longlährigt Garantie. Pianohau«,»öniggrätzer. strafte 81. FahrrabbeSe» 2,30. Schläuche 1.20. Pedale ILO. Reparaturen billig. Schön- leinstrafte 2. NsufgLsucKe �_. jebiffe, Platinabsälle, Lötzinn. Blei, Lurckjilber, Silberschmelze, Gold- schmrlzerei Ehristwnat,»öpenicker- strafte 39(Haltestelle Adalbertstrafte).- Unterricht i ÄÄÄÄrÄ Ä9t�ÄÄlun8- 8,U,H.- Schnellförbrrabe Privatzirket,»urz- schrist. Maichtnenschreiben. Buchhaltung. Bücherrevisor Aulich. Sendelstraße i Evittelmarkt. Vermietungen 2-, 2th,, 3-, Zlh-Simmer-Reubauwoh. »nnge» in Hirschgarien. Rummelzburg »arlsharst und Zieinickendorl. 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Große Walbungen.