BERLIN Mttwoch 2S.ZIIM 1929 10 Pf. Nr. 294 B146 46. Jahrgang. erschel»t tS«ltch«»ßerGeantig«. Zugleich Zlbeudausgab« de«.HSmeirti'. Bejuggprei« deide Ausgaben SS Pf.»»Woche, S,soM. pro Monat. Viedaktion und E»edition; Berlin SWSS.Linbenftr.S n\Jofiow� l a,et«e»»rei«i Dt« einspaltige Nonpareille, eil, «o Pf.. Reklamejeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkont«: VorwärtS-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7 MS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Zölle, nichts als Zölle... Die Agrarierforderungen im Michsiag/ Sozialdemokratie lehnt ab. Sozialisten gegen Dauerkontrolle. Die Reichstagsdebatte über die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft hat heute vormittag einen stürmischen Anfang genommen. Die Vertreter der sogenann- ten Reichsbauernfront, die einer nach dem anderen die Rednertribüne bestiegen, wetteiferten in der Schärfe ihrer Angriffe auf die Mittelparteien, denen sie vorwarfen, mit Rücksicht auf die Sozialdemokratie von ihrer ursprünglichen Stellung zurückgewichen zu sein. Als dann der Vertreter der Sozialdemokratie, Abg. Dr. Hertz, das Wort nahm, richtete� sich die ganze Wut der Agrarier gegen ihn. Sie steigerte sich zu wildem Lärm und wüsten Beschimpfungen, als Hertz von der Rückständigkeit der deutschen Bauernwirtschaft zu reden wagte. Die Herrschaften waren aber dann doch verdutzt, als Hertz ihnen nachwies, daß diese R ü ck st ä n d i g- keit von ihnen selb st dutzendmal zugegeben worden ist und daß die Sozialdemokratie wirklich wirk- s a m e n Hilfsmaßnahmen ihren Zustimmung nicht ver- weigere. Sie werden sich mit der Tatsache abfinden müssen, daß die Sozialdemokratie eine ganz wesentliche Milderung der schutzzöllnerischen Pläne erreicht hat, und daß sie das, was von ihnen übriggeblieben. ist, ablehnen wird. Der Reichstag ist heute schon um � 10 Uhr zusammengetreten. Zunächst wird die Neuregelung von Lebens- mittelzöllen beraten, über die wir heute früh berichtet haben. Zur Beratung stehen auch verschiedene agrarische Anträge, davon ein deutschnationaler, dos Einfuhrkontingent an Gefrierfleisch über- Haupt zu beseitigen. Ein Antrag der Kommunisten auf Absetzung dieser Gegenstände von der Tagesordnung wird abgelehnt. Abg. hörnle(Komm.) wettert gegen die schon bestehende Ein» schränkung der Gefrierfleischeinfuhr. Dafür sei die SoziaUtemokrat�e durch ihre Minister mitverantwortlich. Ernährungsminister Dietrich: Die Regierung will an dem jetzigen G e f r i e r s l e i sch k o nt i ng e n t nicht rütteln lassen und hat die Regierungsparteien hiervon unterrichtet. Die Ab gg. Lindl(Dnat.) und Dr. Fehr(Bayer. Bauernb.) sprechen für die agrarischen Anträge. Nachdem auch noch Abg. hepp(Chr.-Nat. Bp.) für die�Anträge der Rechten eingetreten war, die Zölle über das Kompromiß der Regierungsparteien hinaus zu erhöhen, sprach Abg. Or. Hertz(Soz.): Wir lehnen diese Anträge ab. Die Beratungen über das Getreidemonopok haben, im Gegensatz zu den Aus- führungen der Vorredner, bewiesen, daß wir uns bei dieser w-.ch- tigen Entscheidung nicht von Gegnerschaft gegen die Landwirtschaft leiten lasseq.(Lärmendes Gelächter rechts.) Sie müssen Ihrem Lachen sehr große Beweiskraft beimessen, denn die Tatsachen führen dach eine ganz andere Sprache.(Geschrei rech!».) Wenn die Getreidezollfrage auf der Tagesordnung steht, dann wird man auf die VerhandlurHcn dieses Sachverständigen- ousschusses eingehen und dann werden ganz andere Herren als meine Freunde bekunden, daß die S o z i o l d e in o- f rotte bei dieser für die Landwirtschast entscheidenden Frage das größte Verständnis bewiesen hat.(Gelächter rechts.) Lm vergangenen Jahr ist eine Neuregelung der Zu-terwir:'- s ch a f t beschlossen worden, die zwar den Zoll, aber den Preis nich: so heraufsetzte, daß die Konsumenten schwerer belastet worden wären. Wir haben dieser Vorlog« unsere Zustimmung gegeben und damit bewiesen, daß wir Maßnahmen billigen, die wirklich die Produk- tivität der Landwirtschaft heben, ohne den Konsumenten unerträgliche Lasten aufzuerlegen. Wir können auf diesem Wege vielleicht eher mitgehen alz diejenigen Partei, die durch die Interessen des Handels sind ähnlicher Zwischenschichten in ihrer Be- wegungssreiheit für die Landwirtschaft gehemmt sind.(Hört, hört.) Abg. Hepp hat von einer Bauernseindlichkeit de» Staates gesprochen. Das kann man nur, wenn man an der Tatsache vor- beigeht, daß der jetzige Staat ein vielfaches von dem für die Hebung der Lage der Sauern zur Verfügung gestellt hat. was früher dafür ausgegeben wurde. (Andauernder Lärm rechts.) Wenn es den Bauern heute schlecht geht, so liegt das nicht an mangelnder Fürsorge des Staates, die (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Die Meinlandaufficht ist überflüssig. Paris, 26. Zum. Die französische Presse fährt fort, sich mit der Reichstogsrede Dr. Strefemanns zu beschäftigen. 3m„Populaire" schreibt der Ab- geordnete Leon Blum: Wenn man sich verständigen will, so kann man mit Deutschland in einer raschen Verhandlung das Mittel für eine Befriedigung der Forderungen von Senf finden. 3ch glaube, daß di« Reichstogsrede Dr. Strefemanns das Mittel ist. eine an- nehmbare Lösung im Rahmen der Locarno-Verlräge zu finden. Aber jede Initiative, die darin besteht, die Räumung von der Schaffung einer besonderen und ständigen lokalen Kontrolle abhängig zu machen, wird heute zu unlösbaren Schwierigkeiten führen. Vitil na« Sozialisten betrifft, so glaub« ich erklären zu können, daß dt« Sonteolle uns nicht mehr iniereffierl. Man darf alfo nicht mehr mit unserer Unterstützung für diesen Punkt der Regierungssorderungen rechnen.-- poineare für Schuldenstreichung. Sin Zugeständnis an die Zniernationale. Paris, 2b. 3uni.(Eigenbericht.) Sei seinem gestrigen Vortrag in den Kammerkommissionen be- stäkigte der Ministerpräsident poincare, daß die englische Re- gierung den Antrag gestellt habe, die internationale Regierung»- konferenz zur Durchführung des Doung-Planes in London ab- zuhalten. Er selbst, fügte Poincare hinzu, ziehe einen Ort in der Schweiz vor. doch sei vorläufig noch keine Entscheidung getroffen. 3n dem gleichen Vortrag hat sich Poincare einige interessante Geständnisse entschlüpfen lassen. Er b e d a u e r e es. erklärt er, daß er im Jahre 1924 gegen den Londoner Zahlungsplan gestimmt habe. Er habe damals geglaubt, deu Verhandlungen zwischen Mac- donald und Herriol in Ehaquers mit äußerstem Mißtrauen begegnen Oer Admiral der Lust. „Um gehören die Himmel Italien« und Suropa«." (Mussolini bei Heimkehr de« ital. Flug,eugg«schwader«.j Wilhelm:„Genau so hals bei mir angefangen, Lch ernannte mich zum Admiral des Atlantischen Ozeans!" ZU müsseo. Darin habe er sich getäuscht, wie er später anhand des Protokolls dieser Besprechung festgestellt habe. Weiler erklärte Poincare, daß er die Entschließungen der So» zialistischen Internationale über tue Annullierung der Kriegsschulden und Reparationen gar nicht als so sehr revolutionär ansehe. Der sozialistische Abgeordnete Vincent Auriol unterbrach hier den. Ministerpräsidenten:„Aber wie können Sie heut« für die Entschließungen eintreten, die Sie früher aus das energischste bekämpft haben?" Poincare erwiderte, daß er gerade dadurch seine Unparteilichkeit zeige:„Im übrigen, fügte er in plötzlicher Nervosität hinzu,„wenn Sie meinen Platz haben wollen. bitte, ich trete ihn gerne ab." Steine Marotto-Llntersuchung. KamMerMehrhstt für die„Ordnung" in den Kolonien. '. Paris, 26. Juni.(Eigenbericht.) Die Marokko- Debatte in der Kammer, die mit einem Ver- traucnsvotum für die Regierung zu Ende gegangen ist, bracht« m der Nachtsitzung zunächst eine kurze Erklärung de« Außenministers Vriand, der vor allem betonte, daß Frankreich den Frieden in Ma- rokko wünsche und sich aus dieser Friedenspolitik durch keine Zwischenfälle herauslocken lassen wolle. Der sozialistische Abgeordnete Re n a u d e l hielt dem Außenminister entgegen, daß gerade die Hetzkampagne der reaktionären und kapitalistischen Presse mehr als genügend beweis«, daß die Militärs und die großen Profitmacher sich einig seien in der Absicht,„in Marokko Ordnung zu schassen". Auch Paul Vonconr betonte, daß man im Interesse der kolonialen Ausbeutung und einiger ruhmgieriger Militärs nicht einen einzigen französischen Soldaten opfern dürfe. Die beiden sozialistischen Redner wurden von dem radikalen Parteiführer D a l a d i r r auf das«nergilschste unterstützt. Trotzdem lehnte die Kammer mit 347 gegen 207 Stimmen den sozialistischen Antrag arif Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchung s- kom Mission ab und sprach der Regierung durch Handaufheben ihr Vertrauen aus. Vielleicht ist es nur ein Zufall, daß man gerade heute auf Umwegen über Marokko erfährt, daß der kommandierende General im Ibn-Sektor versetzt wo«den ist, unbekannt, wohin. Hugenbergs �oung-Gefchäste. Heimlich Wein, öffentlich Wasser! Kürzlich wurde bekannt, daß ei«« der Hugeuber>- Banken ehr« Kunden zum Kauf von Aktien«neffordort, weil der Young-Plan der deutschen Mrtschast aus Jahr« hinaus Erleichterungen bringen werde. In der Oesientlichkeit hat diese Tatsache, daß Hugenberg als deutschnationaler Partei- führer politisch i la baisse spekuliert, die Kunden einer ihm nahestehenden Bank aber i la Hausse beraten werden, größtes Aufsehen erregt. Al« im Reichstag der sozialdemokratische Redner, Abg. Breit- scheid bei der Debatte über den Etat des Auswärtigen Amte» auf dies« Politik des„Prvletarier," Hugemberg zu sprechen kam, wurde ihm aus den Reihen der Deutschnationalen zugerufen, Hilgenberg sei aus dem Ausiichtsrot der.F>«utschen Credit-Venein A.-G." längst ausgeschieden". Darauf ist von den Sozialdemokraten sofort geaat- wartet worden, daß merkwürAigerweis« das Handelsregister über diesen Austritt Hugenbergs aus dem Aussichtsrat der Deichchen Credit-Verem A.-G. noch nichts melde! Nunmehr liegt die Eintragung im Handelsregister vor. Sie berichtet über die Veschlüsse der Deutschen Credit-Verein A.-G. vom 5. Zum 1929. Zu unserem größten Erstaunen ist dabei scstzichelleii, daß zwar ein Ausiichtsrot Dr. Sch u m a ch e r- Berlin aus- geschieden ist. Aber von Hugenbergs Austritt ist nichts veröffentlicht. An Stell« des Herrn Schumacher ist Dr. Freundt, ein weiterer Mann der Hugenberg-Inleressen in den lflussichtsrat eingetreten. Freundt war bisher schon Aussichtsrat in der Ufa, in der Norddeutschen Buchdruckerei- und Berlagsanstalt A.-G. und in der Wilhelm-Greve-A.-G. Wir sind gespannt, welches Datum diejenige Eintragung ins Handelsregister hoben wird, die den Austritt Hugenbergs aus dem Aussichtsrat der Deutsche,» Ecobrt-Versm A.-Q. mitteilt. \ Oer Zollkampf im Reichstag. (Fortsetzung von der I.Seite.) größer ist als se vorher, sonpern an der Veränderung in den Weltmarktpreisen und an einer gewissen Rückftändigkeit der deutschen Vauermvirtschast.(Stürmische Protest- und Pfuirufe rechts, dem Redner werden allerhand Schimpfworte zugerufen, er kann minutenlang nicht weitersprechen.) Natürlich schwebt mir bei diesem Ausdruck nichts anderes vor, als was Sie selber in Ihrem Antrag über den Butterzoll sagen. Sie wollen darin einen Zoll festsetzen, der im nächsten Jahr sinkt, also einen Erziehungszoll, der zur modernen Eni- wicklung der Bauernwirtschaft beitragen soll. Damit erklären Sie doch selbst, daß die technische Entwicklung dieser Wirt- schaft noch nicht aus der Höhe ist, also dasselbe, was wir sagen. Nur, daß wir diesen Mangel durch Hebung des landwirtschaftlichen Bivungswesens und andere Maßnahmfen, aber nicht durch über- mäßige Zollerhöhungen beseitigen wollen!(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wie ungerecht der Borwurf der Bauernseindlichkest ist, zeigt auch die Tatsache, daß im Etat, auf fünf Jahre berechnet, 100 Mill. Mark lediglich zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung in Kleinbetrieben eingestellt sind. Regierung und Reichstag sind sich vollkommen bewußt, daß eine deutsche Bolkswirtschast nicht möglich ist, wenn diese breite, nach Millionen zählende Bauern.sch.ift in Rot versinkt. Gerade dieser Gedanke ist die Grundlage des 1S27 beschlossenen sozialdemokratischen Agrarprogramms. Sie haben uns vorgeworfen, wir wollten damit Bauerndemagogie treiben, wir haben nun fast den Eindruck, als ob Sie Angst davor heben, daß den Bauern ein Licht aufgehl.(Sehr gut bei den Soz.) Wir lehnen die Anträge der Rechten auch deshalb ab, weil sonst unsere handelspolitischen Beziehungen zu den Nach- barländern schwer geschädigt werden könnten. Deutschland kann seine 65 Millionen Bewohner nicht ernähren und beschäftigen ohne Auslausch mit den Nachbarländern. Es ist vielleicht bedauerlich, daß für eine halbe Milliarde Butter jährlich nach Deutschland eingeführt wird, aber sie stammt zum größten Teil aus Ländern, die zu den stärksten Abnehmern unserer Industviewaren gehören. So bezieht Holland deutsche Jndustrieerzeugnisse für 786 Mill. Mark und Dänemark für 286 Mill. Mark im Jahr. Das sind bei Holland rund 8 Proz. der gesamten deutschen Ausfuhr. Darauf müssen wir doch auch bei unserer agrarpolitischen Gesetzgebung Rücksicht nehmen, denn sonst könnten Handelskriege, wie wir ihn feit vier oder fünf Jahren mit Polen führen, und schwere innere Störungen die Folge sein. Wir müssen alles vermeiden, was zu solchen Rück- Wirkungen führen könnte.(Sehr wahr! links.) Wir begrüßen den Antrag, den die Regierungsparteien heute morgen eingebracht haben und die Erklärung des Reichs- ernährungsministers, daß das Gesriersleischkonliagenl von 50 000 Tonnen unvermindert nach Deutschland hereinkommt. Bei den Preisen unserer Agrar- erzeugnisse und bei den allgemeinen Lebensverhältnissen der nnnder- bemittelten Bevölkerung ist die Gefrierfleischeinfuhr unentbehrlich. Wir würden außerordentlich bedauern, wenn Anträge, die leider im Ausschuß eine Mehrheit gefunden haben und die sich gegen diese Einfuhr richten, auch hier angenommen würden. Gegen die Ausdehnung der Frist für die Einfuhr von Früh- k a r t o f f e l n haben wir kein erhebliches Bedenken, wohl aber gegen die Zollerhöhung für Spättartoffeln von 1,50 auf 2 M. Das kann bei einer ungünstigen Kartoffelernte sich sehr stark bemerkbar machen. Beim Butterzoll sind wir in jeder Weise bereit, der buttererzeugende» Landwirtschast zu helfen. Wir fürchten aber, daß eine Erhöhung des Butterzolls nicht dazu geeignet ist und vielmehr unsere handelspolitische Situation erschwert. Em« Erhöhung des Butterzolls würde denjenigen Landwirten, die die Milch ver- kaufen und nicht verbuttem, keinen nennenswerten Borteil bringen. Die Butterwirtschaft muß durch Rationalisierung gehoben werden, und wir sind bereit, dazu erheblich« Mittel im Hanshalt zur Verfügung zu stellen. Wir wollen ober nicht die Landwirtschast in eine ungesunde Subveulionswirtschasl hineinziehen. sondern ihr ermöglichen, in kurzer Frist ihre Betrieb« zu rationali- sieven. Wenn Sie nun die Zuckerpreisregelung wiederum ändern wollen, so erschüttern Sie das Bertrauan, denn es ist seinerzeit erklärt worden, daß diese Neuregelung nicht sobald abgeändert werden solle. Ohne Vertrauen ist ober die Zusammenarbeit der- jenigen Partei« nicht mögLch, die in erster Linie für die prob» zierenden Stände eintreten, dabei aber auch an die Millionen der Berbraucher denken. Es wäre zweckmäßig gewesen, sich mit der damals getroffenen Regelung, die den Landwirten ausreichende Hilfe. der Zuckerindustrie einen ausreichenden Preis gebracht hat, zu de- gnügen. Der Zuschlag von monatlich 15 Pf. wird sich wohl kaum im Kleinhandelspreis auswirken. Trotzdem wäre es besser gewesen, diesen Zuschlag der Landwirt schaft und nichtdemHandel zugute kommen zu lassen. Wir halt« die Anträge der Rechten nicht sür Maßnahme», die eine wirksame Hilfe für die Landwirtschast briagen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. T außen(Dem.): Wir bedauern, daß das, was heute hier besprochen wird, nicht schon vor fünf Monaten beraten werden konnte. In einer aus fünf Parteien bestehenden Koalition ist die Verständigung natürlich nicht so schnell zu erzielen. Die politische Vertretung der Bauerninteressen ist geschädigt worden durch die Gründung besonderer Bauernparteien, weil dadurch in den politischen Parteien die landwirtschaftliche Vertretung geschwächt wird. Daß nicht alle Wünsche der Landwirtschaft erfüllt werden konnten, ist angesichts der widerstreitenden Interessen der ver- schiedenen Wirtschaftsschichten selbstverständlich. Abg. Diez(A.) gibt zu, daß im landwirtschasllichen Betrieb noch manche Vervollkommnungen möglich sind, aber der deutsche Ackerbauer brauche den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen, auch nicht mit den Farmern der Vereinigten Staaten. wenn Abg. hepp dle Republik bauernfeindlich nenn«, so beweist er. daß er sich nlchl vom Inieresse der Landwirlschaft, sondern von poli- tischen Zwecken leiten läßt. Nach einigen weiteren Rednern spricht nochmals Reichsernährungsmüstster Dietrich. Er hält mit aller Entschiedenheit seinen Standpunkt ausrech!, daß das bestehende Recht und damit die zollfreie Einfuhr von 50 000 Tonnen Gefrierfleisch nicht angetastet werden dürfen. Roch so heftige Angriffe und noch so starte Wort« würden ihn darin ebensowenig beirren, wie die schimpfenden Zuruf« von der Rechte« und die demagogischen Ausführungen des'Abg. Hepp, der unter anderem die Verhandlungen mit Schweden, die das zweite Kabinett Lucher geführt hat, der jetzigen Regierung zur Last legen will. Bei Rsdaktwnefchkuß spricht der Minister noch. Ein jugendlicher Bandenführer. Er gibt 7 Brandstistungen und 11 Oiebstähle zu. Erst kürzlich wurde eine Kolonne junger Burschen dingfest gemacht, die planmäßig mit gestohlenen Aula» in Berlin umherfuhr. Auiomaien und Schaufenster plünderte und von der Beule lebte. Eine zweite Bande, deren ZNilgliedcr in derselben Gegend wohnen, ist jetzt hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Der Führer, ein 17 Jahre aller Schlosser Hans Kunze, Ist ein schmaler, hochaufgeschossener Zunge mit blondem haar und gescheitem Gesicht. Er macht durchaus keinen blöden oder geistig minder- werligen Eindruck. Die Untaten, die er begangen hat, lassen aber berechtigte Zweifel an seinem normalen Geisteszustand zu. Er ist der allgemeinen Sicherheilspolizei übergeben worden, die ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen wird. Kunze ist der Sohn einer Witwe, einer ehrbaren Frau, die mit Aufwartestellen ihr Leben fristet. Er sagte der Mutter, daß er auf Arbeit gehe, während er sich in Wirklichkeit umhertrieb. Anfang Juni kamen in der Kulmstraße kurz hintereinander verschiedene Kellerbrände aus. Der Verdacht richtete sich gegen K., die Polizei konnte ihm aber nichts nachweisen. Kurze Zeit darauf ent- zweite er sich mit einem Freund, einem Monteurlehrling H. Dieser wurde herbeigeholt und erklärte, daß er nur durch Kunze ,.ver- pfiffen" sein könne. Jetzt wolle er aber„auspacken". Durch seine Angaben wurde die erste Annahme, daß Kunze der Brandstifter sei, vollauf bestätigt. Als Häuptling einer Bande von Zugendlichen hatte er, je nachdem die anderen Zeit hatten, bald den einen, bald den anderen mit auf Tour genommen. Sie plünderten Schau- f e n st e r, erbrachen Boden- und Kellerverschläge und verübten ge- legentlich auch einen Wohnungseinbruch, wenn es gerade so paßte. Im Hause Luitpoldstraße 2 hatte Kunze sogar für 10 M. monatlich einen Keller gemietet unter der Vorgabe, daß er dort eine Werkstatt eröffnen wolle. Der Keller diente aber nur vis Unterschlupf und Versammlungsort der Bande. Hier wurde auch das Diebesgut gelagert. Die Kriminalpolizei, die ihn jetzt durch- suchte, fand darin Fahrräder, Bücher und andere Dinge, die zusammengestohlen waren. Mit kleinen Diebstählen begnügte sich Kunze aber nicht. Um seinen Freunden gegenüber eine Rolle zu spielen, erzählte er, daß er eins*„dicke Nummer bei der Feuerwehr" habe. Er lege Brände an, rufe die Feuerwehr und beteilige sich tatkräftig am Löschen. Sicher werde er noch einmal Feuerwehrhauptmann w?r- den. Sein größter Brand, den er anlegte, war der D a ch st u h l- b r a n d, der vor sieben Wochen im Hause Habsburger Str. 7 an der Ecke der Hohenstaufenstraße auskam. Weiter verursachte er den Brand einer Tischlerwerkstatt und verschiedene Kellerbrände. Bor drei Wochen stieg er durch ein Hosfenster in die Lagerräume einer Möbelsirma ein und zündete auch hier ein Feuer an. Aus Ruhmredigkeit hatte er von all diesen Schandtaten berichtet. Auf die Bekundungen des H. wurde er jetzt wieder von der Dienststelle C. 4 festgenommen und räumte nun sieben Brandstiftungen ein. Auf sein Konto kommen aber vermutlich noch mehr Brandlegungen. Jetzt erinnern sich auch viel« Zeugen seines eigentümlichen Berha!- tens bei Bränden. Sobald die eFuerwehr erschien, rannte er ge- schäftig hin und her, hüpfte von einem Bein aufs an- d e r e und gebärdete sich wie unklug. Cr selbst gibt zu, daß ihn» nicht nur die Brandlegung, sondern auch das Anfahren der Feuer, wehr mit ihren Signalen und der Trubel an der Brandstätt« Ber- gnügen gemacht hätten. Er hatte eine Vorliebe für die llnisormen der Reichswehr. Ohne seiner Mutter ein Wort zu sagen, ließ er sich eine Ossiziers- uniform anfertigen und sich in dieser auch photograph-eren. Er fertigte sich ferner Stempel an mit dem Umdruck„Reichswehrkam- mando",„Heere-fachschule, Abtellun» Berlin".„Offiziersschule Jüterbog" u. a. m. Er schrieb dann Briefe an sich selbst und ver- sah sie mit den Stempeln. Seine Freunde staunten nicht wenig über seine glänzenden Verbindungen. Außer den militärischen Stempeln hat der Junge auch solche mit dem Umdruck Kriminal- Polizei Berlin gefälscht. Mit so versehenen Schriftstücken trat er a's falscher Kriminalbeamter bei den Pfandleihern auf, bei denen Freunde von ihm„Tore" oersetzt hatte» und„beschlagnahmte" die Waren. Bisher sind ihm und seiner Kolonne 11 Diebstähle nachgewiesen worden. Explosion im Gaswerk. Zwei Arbeiter schwer, sechs leicht verletzt. heule früh gegen S Uhr ereignete sich in der Städtischen Gasanstalt Donziger Straße ein schweres Explosionsunglück. bei dem zwei Arbeiter schwer und sechs weitere leichlere ver- lehungen erlitten. Durch den heftigen Luftdruck wurde das Dach eines benachbarten Hauses in TNitleidenschofl gezogen. Zu der Explosion, die von einer heftigen Detonation begleitet war und den Bewohnern der Umgegend zu übertriebenen Befürch- tungen Anlaß gab, wenden folgende Einzelheiten bekannt. Im Gas- werk befindet sich eine größere Zahl von sogenannten R e i n i- g u n g s t ö st e p, die etwa zehn Meter lang und fünf Meter hoch sind. Diese Kästen werden von Zett zu Zeit geöffnet, um die festen Massen, eine Art Schlacke, die sich auf dem Boden bildet, zu lockern. Diese Masse ist stark schwefelhaltig. Als heute früh eine zehn Mann starke Arbeiterkolonne mit dem Oeffnen eines Reinigirngs- kastens beschäftigt war, erfolgte plötzlich unter großen Getöse eine Explosion. Stichflammen durchschossen den Raum und ver- letzten acht Arbeiter, zwei von ihnen schwer. Die beiden Schwerverletzten, der 47jährige Wilhelm INielke aus der Straß- birrger Straß« 106 und der 63jährig« Johannes Schütlenberg aus der Donziger Straße 92 mußten ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Die übrigen Leichtverletzten konnten nach An- leguug von Notverbänden auf der Rettungsstelle 9, Danziger Straß«, in ihre Wohnungen entlassen werden. Gelbstentzündung und Stichflamme. Die Städtischen Gaswerke gebe» bekannt: Heute vormittag gegen 8 Uhr ereignete sich im Reinigerhaus des Gaswerks Danziger Straße der Berliner Städtischen Gaswerke A.-G. ein« Selbstentzündung von Reinigermassen. Einer der Reinigerkessel war zur Auswechselung der Reinigermasse ge« öffnet worden. Bei der Selbstentzündung, entstand ein« Stich» flamme, durch die zwei Arbeiter mittelschwere Brand- wunden erlitten. Die beiden Verletzten, M i e l k e und Schütte nberg, haben im Kmnkenhaus'Friedrichshain Auf- nähme gefunden. Ein dritter Arbeiter erlitt einen leichten Nerve nchok und wurde nach feiner Wohnung gebracht. Der Be- trieb wird durch den Vorfall in kerner Weife beeinflußt. Auch ist Materialschaden nicht entstanden. Roch unseren Informationen sind nicht drei, sondern acht Per- sonen verletzt«vorden. Zu einer leichten Explosion kam es um 10.30 Uhr vor- mittags in der Berliner Belvetfobrik in der Köpenicker Straße 18 in dem dort im Erdgeschoß gelegenen Arbeitsraum beim Mischen von Farbstoffen. Eine Anzahl Fensterscheiben gingen hier- bei in Trümmer: Personen /amen nicht zu schaden. Meerwaffer im Bergwerk. so japanische Bergleute eingeschlossen. London, 26. Juni. Wie aus Tokio gemeldet wird, sind durch den Ein- bruch von Meereswasser 48 Bergarbeiter in der Grube Kyushiu eingeschlossen worden. Eine Rettungs- abteilung, deren Stärke nicht genau bekannt ist, wurde infolge des Nachgebens der Sicherheitstüren gleichfalls von der Außenwelt abgeschlossen. Tie Hoffnung, die Eingeschlossenen lebend zu berge«, ist aufgegeben worden, da der unter dem Meere liegende Teil der Grube vollständig überschwemmt ist. Die Arbeitslosenversicherung. Beginn der Ausschußsitzungen. Amtlich wird milgeleill: Die Sachverständigenkommission zur Begutachtung der Arbeitslosenversicherung tritt am Z. Zuli im Reichsarbeilsrninisterium zu ihrer ersten Sitzung unter dem Vorsitz des Reichsarbeilsministers zusammen. Sie besteht aus Vertretern des Reichstages, des Reichsrals, der kommunalen Spitzen- verbände, der Arbeilgeber und Arbeitnehmer und aus Vertretern ver freien Sozialpolitik. Die Kommission soll sich nach dem Vorschlage der Regierung mit der Frage befassen, welche Maßnahmen zur endgültigen Reform der Arbeilsloseuversicherung notwendig sind, um die Reichsauslall sür Arbeilsvermitllung und Arbeitslosenversicherung, finanziell leistungsfähig zu erhalten, ohne daß dadurch ihre sozialen. und wirtschaftlichen Aufgaben gefährdet werden. Schüsse im französischen Konsulat. In den Räumen des französischen Konsulats in der Matthäikirchstraß« Zb spielte sich heute mittag ein am- regender Vorfall ab. Gegen H2 Uhr erschien dort die lettische Staatsangehörige Agathe M a k a r o f f mtt ihrem Mann« und ihrem Kinde, um dort Ansprüche gegen den französischen Staat geltend zu machen. Frau M. hatte in Paris einen Unfall erlitten und es mußte ihr ein Bein amputiert werden. Auf der Heimreise sprach sie des- halb im Konsulat vor und stellt« Schadensersatzansprüche. Als man der Frau erklärte, daß man in der Angelegenheit nichts tun könne, zog sie ein« Pistole hervor und feuerte zwei Schüsse ab. Glücklicher- weise wurde niemand verletzt. Di« Schützin wurde von Beamten des herbeigerufenen Ueberfallkommandos festgenommen. Abgeordneter Ulitz, gegen den am Donnerstag die Anklage wegen Beihilf« zur Entziehung vom Militärdienst verhandelt werden sollte, hat wegen einer Blinddarmoperotton die Vertagung des Prozesses beantragt. Sidney webb als Lord. Kolonialminister Sidnei, Webb ist in den erblichen Adelsstand erhoben worden. Er wird den Titel eines Lords Paßfielid of Paßfield führen. Die klassenfremde Kreundin. Selbstmordepidemie in der russischen Arbeiterjugend. Moskau, 26. Juni. Mit großer Besorgnis bespricht das Organ des Kommunistischen Jugendbzzndes".Zkomsomolskaja Prawda" die wachsende Selbstmord- cpidemic in der russsschen Arbeiterjugend. Bereits im Frühjahr hätten in der Industriestadt Tagil im Uralgebiet 12 junge Ar- b e i t e r nacheinander Selbstmord verübt. Auch jetzt laufen immer wieder Meldungen über neu« Selbstmorde ein. Das Blatt gibt ofjen Zu, daß diese Selbstmorde auf anonym« Denunziationen in der lokalen Sowjetpress« zurückzuführen sind. Besonders kraß sei der Fall der kommunistischen Jugendbündlerin Simarewa und des jungen Arbeiters L eb e d e w, eines Mitgliedes der Kommunistischen Partei. In der Tagiler kommunistischen Zeitung erschien ein« anonyme Notiz, in der daraus hingewiesen, wurde, daß die junge Stmareiva„k la ss« n fremde" Verwandt« habe, und zwar wurden besonders die Mutter, der Bruder und die Schwester des Mädchens auf das schärfste Gigegvisfen. Das Blatt oerlangt« gleich. zeitig den Ausschluß der Simarewa aus dem Kommunistischen Jugendbund. Gleichzeitig oerösfentlichte das Blatt eine anonym« Deiumziation gegen Lebedew, der in der Druckerei der Zeitung de- schäfttgt war. Di« einzig« Beschuldigung, die dabei gegen Lebedew hervorgebracht wurde, war die. daß er„das klassenfremd« Mädchen liebt". Der Zufall wollte es, daß Lebedew die beiden Notizen setzen mußte. Noch vor Arbeitsschluß verließ Lebedew die Druckerei und erschoß sich gemeinsam mit seiner Freundin. Am Tag« darauf verübte ein anderes Mitglied des Kommunistischen Iugenddundes. ein hochbegabter junger Schlosser, der sich zum Ingenieur ausbilden wollte, aus ähnlichen Gründen Selbstmord. Er hinterließ«inen Brief, der nur den Satz enthiett:„Ich kann es nicht mehr aushalten!" Die„Komsomosskaja Prawda" oerlqzigt, daß die Provinzpresse.proletarische Härte mit Feingefühl gegenüber dem Klassenkameraden" oorbind«. Hinter dem Wust von Papier müsse man den Menschen sehen. Zeitungsverbot in Schleswig-Holstein. Der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstem hat auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik das Erscheinen der in Itzehoe herausgegebenen Tage?. Zeitung„Das Landvolk" für den Ilmfang der Provinz schleswig-Holstein auf die Dauer von drei Wochen vom 24. Juni bis 14. Juli einschließlich wegen eines Artikels„Schleswig- Holsteinische Kämpfer in Sachsen' oerboten. Oer schimpfende Pfarrer. Beleidigt die Republik, meint sie aber nicht. Endlich, nachdem zwei Termine wegen Jläcfjterfchdncns des Angeklagten abgejeht werden muhten, konnte Mittwoch vormittag die Verusungsverhandlung gegen Pfarrer Krieger aus E s ch w e g e vor dem Landgericht in Moabit durchgeführt werden. Pfarrer Krieger hotte im vorigen Jahre dem Oberleutnant a. D. Schulz einen Brief ins Gefängnis geschickt, mit dem er dem Gefangenen„T r o st zusprechen" wollte. Er glaubte es nicht anders tun zu können, als in feinem Briefe fortgesetzt die Republik zu beleidigen. Als Motto feines Briefes hott« er den Spruch ge- nommen:„Die Helden ins Loch.— Die Schieber auf den Thron. — Das ist in Neudeutschland die Staatsraison." Im Briefe felbjt sprach er davon, daß die Republik auf Meineid und Hochoerrat aufgebaut sei und daß sie jämmerlich wäre. Diesen Brief veröffentlichte Pfarrer Krieger, nachdem sich das Unter- suchungsgefängnis geweigert hatte, Schulz diesen Brief zu übergeben, im„R e i ch s w a r t" und im„Völkischen H« r o l d". 3n der ersten Instanz wurde Pfarrer Krieger zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er und auch die Staatsanwaltschaft legten gegen das Urteil Berufung ein. Zur heutigen Verhandlung erschien der Angeklagte mit dem Der- teidiger, Justtzrat Dr. H a h n. Wer geglaubt hätte, einen aufrichtigen Nationalsozialisten, der zu seinen Worten und Taten steht, kennen zu lernen, sah sich schwer getäuscht. Der Herr Pfarrer hat Zwar Die Republsik beleidigt, will sie aber nicht gemeint hoben. Er erzählte ein« Geschichte: Er wäre gegen die Behörden, weil sie für von ihm festgestellte Greueltaten in Rumänien kein« Sühne verlangt hätten. Er wäre ober nicht etwa gegen die Republik, er hätte sogar schon 1916/17, wo diese Greueltaten passiert wären, gegen die Monarchie gekämpft. Er hat sich vom Kardinal Faulhaber bestätigen lassen, daß dieser das Wort„Die Revo- lution war Meineid und Hochverrat" wirklich gesagt hat. Ob- wohl er an Stelle des Wortes Revolution geschrieben hat:„Die Republik ist aufgebaut auf Meineid und Hochverrat", will er doch nur zitiert haben. Auch die anderen Ausdrücke semes Briefes sollen angeblich Zitate sein, obwohl nirgends diese Aeußerungen der- art gekennzeichnet sind. Er betont Immer wieder in feinen Ausführungen, er hätte absolut nichts gegen die Republik. Das Wort „jämmerliche Republik" erklärt er auf ganz besonder« Art, und zwar gibt er an, er hätte jämmerlich nicht etwa in dem Sinn« wie kläglich angewandt. Er leitet das Wort von Jammer her und meint, die Republik wäre nach einer jammervollen Zeit ausgebaut worden. Diese Redereien und das wenig mann- liche Verhalten„als aufrechter Deutscher", als„Pfarrer und Christ" wirkten natürlich reichlich lächerlich. Rechtsanwalt Dr. Hahn plädierte für F r e i f p r u ch, mit dem Hinweis, daß Pfarrer Krieger nur die Revolutionszeiten habe an- greifen wollen, die Republik aber nicht. Eine kleine Sensation bringt dann noch das letzte Wort des Angeklagten. Mit erhobener Stimme erzählt er, daß nach der ersten Verhandlung auf dem Ge- richtskorridor ein Mann an ihn herangetreten wäre, der sich als Führer der SPD. von Berlin und Brandenburg vorgestellt hätle. Diese hätte ihm sein« Hochachtung ausgesprochen für seinen Kampf um Wahrheit und Recht und ausdrücklich betoM, daß sie zwar links ständen, ihn aber trotzdem hochachten müßten. Sie würden, weil sie Pfarrer Krieger nicht angreifen wollen, über seinen Prozeß nicht berichten. Der Vorsitzende K i ch e l d o r f ver- kündete daraus: Das Strafmaß wird auf 1 Monat Gefängnis er- mäßigt. Die Gciängnisftrafe wurde umgewandelt in eine Geld- ft ra f e von 690 M. Nochmals die Maiopfer. Unser« Feststellungen in Nr. 271 und 2L5 des„Vorwärts" haben dem„Berliner Tageblatt" immer noch nicht die Zunge gelöst Auch die„Welt am Montag" nimmt nochmals„Stellung", natürlich gegen den„Vorwärts", der bereits in seinem ersten Bericht die Dinge so darstellte, wie sie in Wirklichkeit waren. Wir wiederholen, daß Koppen und R ö p n e r vom Wohlfahrtsamt Neukölln ohne Prüfung das erhielten, was sie forderten. Mit den Entschädigungs- onsprüchcn hat dos Amt gar nichts zu tun. Es konnte nur auf Grund der FürsorgepfliHt helfend eingreifen, wenn«Msprechende Anträge gestellt wurden. Dos ist aber nur im Fall« Köppen nach Wochen geschehen. Eine Pflichtverletzung liegt demnach nicht vor. Daß die Angaben im„Vorwärts" der Wahrheit entsprechen, wird uns im Schreiben eines„Borivärts"-L«sers bestätigt. Unser Ge- nosse schreibt: „Da ich ein Malergeschäft betreib« und der Ehemann Köppen Molergehilse ist, teilte ich ihm mit, daß er bei mir in Arbeit treten könnte. Seit Montag, den 17. Juni, ist Köppen bei mir tätig und ich bin mit ilzm in jeder Hinsicht zufrieden. Aus meine Fragen teilte mir Köppen mit, daß die Versicherung 1909 M. und die Krankenkasse 180 M. gezahlt hätte. Außerdem hat er von anderer Seit« 300 M. erhalten. Vom Wohlfahrtsamt hat Köppen einen grauen Sommeranzug,«in Paar Halbschuh«, die ich gesehen habe, und 20 M. bekommen." Dazu ist zu bemerken, daß das Wohlfahrtsamt totsächlich einen dunklen Anzug angewiesen, Köppen aber«inen grauen ver- langt hat. Tatsache ist ferner, daß Röpner immer noch keinen Antrag beim Wohlfahrtsamt gestellt. Köppen erst kurz vor der Presiepok seinen Antrag eingereicht hat. Oer Textilarbeiter-Wehrminifier. Tom Shaw in Lodz. Marschau. 26. Juni.(Eigenbericht.) Der neue englische Kriegsiirinister Tom Shaw trifft in den nächsten Tagen in Lodz ein, wo er an einer Tagung der Textilarbeiter-Internationale teilnehmen wird, deren Generalsekretär er lange Jahre hindurch war. Der Nachfolger Macdonalds im Vorsitz der Arbeiterpartei, Ab- geordneter C r a m p, der kürzlich zusammen mit Löbe, Sander- velde und Crisplen in Polen weilt«, hat sich kürzlich im„Dolly Herold" recht kritisch über seine hiesigen Eindrücke geäußert und wird deswegen in der polnischen Rechtspresse ebenso ang«. griffen wie Löbe, dem wegen seiner Warschauer Rede der Vor- wurf gemacht wird, daß er einer Stellungnahme zur Frage der heutigen deutsch-pvlnischen Grenze ausgewichen sei. Oie letzte Festspielwoche. Musitumschau/ Bon Klaus pnngsheim. Kanada für Fakullalivklausel. Die kanadisch« Regierung gibt offiziell bekannt, daß sie bereit ist, die FakultativNausel, Aie für in. lemationale Streitfragen die Entscheidimg des Ständigen Welt. gerichtshofes vorsieht, zu unterzeichnen. ver direkte Fernsprechverkehr zwischen Rom und London ist er- Sssnet worden. Italienische Oper Unter den Linden. B u s o n i s„Doktor F a u ft"— in der Lindenoper(unter Leo Blech: mit Scharr, Soot, Janssen) eine sehr schön«, des hohen, ernsten Werks würdige Ausführung—: damit war dos offizielle Festspielprogramm abgeschlossen. Ein feierlicher— mehr noch feierlicher als festlicher Ausklang. Run Hot sich, als Festspiel-Nachspiel, dieses G i g l i- Gastspiel angehängt: einmaliges Auftreten des be- rühmten Tenors als Eavaradossi in„Tosca". Benjamin Gigli ist kein Stimmphänomen wie Lauri Volpi: wenigstens nicht nach der quantitativen Seite. Aber, wie Volpi neulich im Konzertsaal ein wenig enttäuschen mußte, so hat Gigli auch auf dem Podium der Philharmonie als GesangskünsUec aller- höchsten Ranges bestanden: seit Bapttistms ist keiner zu uns ge- kommen, der die Kunst des Singens, diese italienische Kunst des schönen Singens in solcher Vollkommenheit meistert. Doch er hat nichts von„Meister"' an sich, in seiner jugendlich-frischen Art, in der einsach-natürlichen Liebenswürdigkeit seines Auftretens, die im Theater wiederum ein Teil feines Erfolges, wenn auch nicht der ent- scheidende, wird. Freilich, Leben und innere Glaubhaftigkeit gewinnt sein« Darstellung nur, soweit sie vom Gesang getragen, sozusagen von der Ausdrucksintensität der Stimme gespeist ist. Als Bühnen- figur ist diesem Cavardossi der Scapria well überlegen, den Moriano Stabile, auch er berühmter Gast, wir kennen ihn, er war Tos- camnis Falstaff— mit schauspielerischer Virtuosität gestaltet. Und Mafalda S a l v a t! n i, singt und spricht nicht nur die Sprache, sie hat als Tosca auch den Stil und dos Niveau des großen italienischen Ulartin Andersen flexö, der bekannte dänische Dichter des schaffenden Lölkes wird heute 60 Lahre alt. Opernabends, der uns Unter den Linden zugedacht ist. Mit haib- deutsch, halbitalienisch gesungenem Text wird es immerhin kein Saal- ereignis: und alle Eindrücke des Abends überragt der Gipfel gemeiner Geschmacksverkommenheit, den der zweite Akt dieser Puccini-Oper erreicht. Mozart-Abend. Zehntes Sinsonie-Konzert der S t a a t s o p e r Unter den Linden— Programm:„Titus" von Mozart. Sein« letzte Oper, aber in konzertmäßiger Wiedergabe: auf der Bühne des Operntheaters, aber ohne Bühne, ohne Szene. Mit Unrecht viel- leicht, doch nicht ohne Grund verschließen sich unser« Opernbühnen gemeinhin dieser Oper. Die SchAäche des zugrundeliegenden Textes bleibt als Hindernis für die Wirkung unüberwindlich. Dieses Ränke- und Intrigenspiel, dessen einziger Zweck ist, den römischen Kaiser Titus, um dessen Thron es sich spinnt, im wilden Glanz« seiner großmütig verzeihenden Güls strahlen zu lassen, vor zweihundert Jchren als höfisches Festspiel, Huldigungsspiel für großmütige Fürsten ersonnen— wir wissen damit in der Tot nichts mehr onzu- fangen. Ader wenn das Interesse, das die Handlung weckt, nicht für einen Theaterabend ausreicht, noch viel weniger vermag diese Folge von 26 Opernnummern sich für den Konzerthörer zu einem zwin- gcnden Gesamtbild zusammenzuschließen. Es ist für Mozart keine Herzenssache gewesen, diese Musik zu schreiben, er hat, anläßlich irgendeiner Königströnung, den Auftrag dazu übernommen und zwischen wichtigeren und drängenden Aufgaben, die chn innerlich beschäftigten und erfüllten, in kürzester Zeit, in weniger als drei Wochen, ausgeführt. Unter solchen Umständen solch eine Opern- Partitur, dos konnte freilich nur diesem Mozart gelingen, der sich auch hier nicht verleugnet: einzelne Stücke, wie das Final« des ersten Aktes, sind bester Mozart, die Nachbarschaft der„Zauber- flöte" und des„Requiem", in der die.T�tus"-Partiwr entstand, ist deutlich zu spüren. Die Ausführung mit den Kräften der Lindenoper ist von Kleiber sehr sorgfältig vorbereitet: im Solistenensemble über- ragend M.a r i a M ü l l e r. In Neineren Partien treten Tilly de Gorma und Paula Lindberg vorteilhast hervor. Fritz Wolfs, als Mozart-Sänger ein wenig gehemmt, gibt den Titus: er gibt sein Bestes, wo die Oper ihrer Bestimmung am nächsten kommt: im Dramatischen. Strawinsky-Woche. Die letzte Festspielwoche stand im Zeichen Strawinskys. Dem Konzertabend unter K l e m p e r e r, über dessen ereignishaften Verlauf hier berichtet worden ist, ließ die Republikoper ihren szeni- schen Strawinsky-Abend folgen:„Oedipus Rex" und«Die Geschichte vom Soldaten": die ,.Vorwärts"-Leser, die Volksbllhnenmitglieder wissen Bescheid. Und die Russen des Diaghileff- Balletts brachten von Strawinsky nicht weniger als drei Werk«, um deren Entstehen übrigens sie einiges Berdienst haben:„Das Lied der Nachtigall",„Apollon Musagäte" und„Frühlingsweih«". Drei Werke, dl« den schöpferischen Musiker von verschiedensten Sellen, doch jedes auf der Höh« seiner Bedeutung zeigen. So erneuert und befestigt sich das vielsettig« Blld des Komponisten, der zum Gesamtbild der heutigen Musik, schaffend und anregend, am meisten unter allen Lebenden beigetrogen hat. Aber, das war kein Zusall, diese Strawinsky-Schau m einer Woche, dieser Eindruck einer nicht voll- ständigen, immerhin planvollen Uebersicht, zu der die einzelnen Dar- bietungen sich zusammenschließen. Es ist also möglich in Berlin wie ofi haben wir s gefordert—, die zersplitterten Kräfte des Musik- lebens zu einem gemeinsamen Ziel zusammenzusossen: wir danken diese Feststellung der Leitung der Berliner Festspiel« und das ist nicht der einzig« Gewinn, aus dcn wir am Ende von fünf Wochen zurückzublicken haben. Bilanz der Zestjp»e»c. „Den Höhepunkt der Berliner Festspiele bildete das Flöten konzert Friedrichs des Großen im Charlottenburger Schloß", schreibt „Hackebeils Illustrierte". Das ist eine vernichtend« Kritik, der wir nicht zustimmen können. Viel des Außerordentlichen ist geboten worden in diesen fünf Festspielwochen. Wenn auch die Gipfelhöhe der Toscanini-Woche nicht wieder erreicht worden ist: der Anlaß hat unfern Opernhäusern gut getan, der Anlaß, alle Kräfte zu- sammenzunehmen— und dos hieß vor allem schon: zu- sammenzuholen—, um ein möglichst vollkommenes, auch in der Qualität vollkommenes Bild ihrer Gesamtleistung und Gescunt- leistungsfähigkeit zu geben. Große Künstler, große Sänger, große Dirigenten, aus Deutschland, aus dem Ausland, hoben sich zu einer Art von Wettbewerb zufommengefunden: in solcher Atmosphäre steigern sich alle Kräfte, auch die einheimischen, auch die schlummern- den, auch die verschlafenen: das vermag dem gesamten Musikleben der Reichshauptstadt neuen Auftrieb zu geben. Mancherlei blieb wohl noch zu bemängein:, ober es war ein erster Bersuch für Berlin, und wir dürfen als Ergebnis summarisch feststellen: die Idee dieser Festspiel« hat sich bewährt. Es war eine Idee des Oberbürgsr- meisters Böß. Wir verdanken ihm die Inlliative, und wir verdanken vor allem dem Leiter der Organisation, Dr. Paul Eger, das Ge- lingen der Durchführung. Wenn in der Tal der Plan besteht, diese frühsommerlichen Festspiele in Berlin zu einer ständigen Institution zu machen, auf veränderter und oerbrelleter Grundlage: es könnte für unsere Musikwelk ein dauernder Gewinn rverden. „Wenn der weiße Glieder wieder blüht". Tiiania-palast. Der Film ist genau so titschig, wie der Titel vermuten läßt. Im Manuskript behandelt man mal wieder Probleme, mll denen das deutsche Volt sich ganz bestimmt nicht beschäftigt. Zwei Männer sind für die Tochter eines Generals in Liebe ent- flammt auf den mehr oder minder berühmten ersten Blick. Offiziell wirb sie als Tochter des Hauses unter dem Namen Else von einem reichen Bankier geliebt. Inoffiziell, als Zufallsbekanntschaft liebt sie unter dem Namen Liefe, einen jungen Mann. Beide Liebes- gegner triefen vor Edelmut. Darum auch verzichtet am Hochzeits- tag« der Bankier und überläßt die Braut dem andern. Und das Publikum kann beruhigt schlafen gehen, der in Frage kommende junge Mann ist märchenhaft reich. Vera Schmitterlöw ist dank photographischer Kunst sooo schön geworden, daß, als die Gefeiert« auf der Bühne erschien, das Publikum beinahe etwas enttäuscht war. Sie spielte(sie ist keine Darstellerin von Format), gemessen an ihrem Können, gut. Der Regisseur Robert Wohlmuth oersteht es eben, sie zur Geltung zu bringen. Oft hat er in seiner Regie recht drollige Einfälle, aber er kann ja nicht über' das gefühlsduselige Milieu hinwegkommen. Walter G r ü t e r s, der glücklich werdende junge Mann, ist frisch und jung und wirkt daher wohltuend im Gegensatz zu einem Teil unserer etwas überreifen Liebhabergeneration, aber als Schauspieler ist er nicht reif genug. Gaston Iaquet, der Bankier, erinnert an Menjou. Hat er nun Aehnlichkest mit diesem Darsteller oder nimmt er sich ihn als Vorbild? Die Texte fielen auf, brachten sie doch mehr als einmal falsches Deutsch. e. d. Kestaufführungen in Mannheim. Zum TSO jährigen Theaterjubiläum. Die schönsten Stunden des Mannheimer Theoterjubiläums wurden in Theater verlebt, wo„Die Räuber" in neuer Inszenierung von Heinz Dietrich K e n t e r aufgeführt wurden, ein festliches Erlebnis von stärkster seelischer Jntensstät. Die Schau- spieler waren besessen von der Aufgabe und das Publikum lobte und litt: echtes Theater. Wenn trotz einiger Mängel die Aufführung ein ergriffenes Haus zeigte, so war das der Erkenntnis zu danken, daß Schillers Kampf gegen das Unrecht, wie er aus seinen „Räubern" spricht, auch heute noch ein Ziel ist, für das sich zu kämpfen lohnt. Nach 150 Jahren ist die alt« Fragestellung Gut oder Böse, Recht oder Unrecht noch die gleiche.— Ein großer Abend, würdig des Geistes Schiller, um dessen Denkmal die Jugend der Schillerschule sich sammelte. Fritz Droop hämmerte der Jugend dos Vermächtnis Schillers ein und rief sie auf zur Nachfolge. In Liedern huldigten die Volksschüler dem Dichter der„Räuber". Wie diese Schülerseier, wie die ganze Anteilnahme des in den Straßen um das Theater und bei dem nach der Theatervorstellung im Rittersaal von der Stadt Mannheim gegebenen großen Empfauzs um das Schloß sich drängenden Menschen bezeugten, ist dieses Mannheimer Theaterjubiläum kein« Angelegenheit Weniger, sondern ganz Mannheim feiert mit. Ein seltsames Band, gewebt aus Liebe zur Kunst, umschlingt hier Publikum und Theater. Diesem Gefühl der Verbundenheit suchte Laban Ausdruck zu geben durch eine große Volksfeier im Stadion„Alltag und Fest", in. der ein Chor von 500 jungen Menschen durch Tanz und Körperspiel auszudrücken suchte, daß Wandlung der Sinn alles Theaters und olles Leben» ist. Durch die Ungunst des Wetters blieb ein großer Teil der Wirkunz aus, doch spürten die Tausende von Zuschauern, daß mit diesem beweglichen, aufgelockerten Spiel eine Lösung gebundener innerer Kräfte versucht wird. Wflrfk Eine Ehre, die keine Ehre ,ft Fritzi Mossary hat Herrn Schiller samt seinem Ewigkeitssatz: „dem Mimen flicht die Nachwell keine Kränze" glänzend sck sbsur. dura geführt! Sie klagt sich augenblicklich mll dem Konoersations-. Meyer, der es sich nicht nehmen ließ, die große Künstlerin sei».'m Nachschlagewerk einzuverleiben. Da es bekanntlich bei einer B'v- graphie nicht gut ohne Geburtsdaten abgeht, so hat Herr Meyer die große„Frechheit" besessen, eine Zahl zu nennen, mit der die große Fritzi absolut nicht einverstanden ist. Er(Meyer) tippt« auf das Jahr 1874, sie(Fritzi) hingegen auf das Jahr 1881. Dazwischen liegt also ein« böse, lehr bös« Sieben! Wer hat nun Recht? Netür lich doch die Dame! Wie auch der edle Streit enden maa. am k" Fall pfeift scheinbar die gute Fritzi aus solch rühmlichen Gedenkst.'>- dessen Fundament aus peinlichen Indiskretionen" zusammengeiüc' ward. Kampf um Kolonnaden. Ein neuer Agiiaiionsstoff für Geistesarme. Das tofe Berlin oecnidjlei geschichtliche Bauten! So schreibt ein deulschnolionales Blatt aus Anlaß des Stadlverordnetenbeschlusses über das Schicksal der Spittelkolonnaden in der Leipziger Straße. Beschlossen wurde, dem vom Magistrat vorgelegten Verlrag zuzustimmen, den die Stadt Berlin mit der preußischen Regierung wegen des Abbruchs der Spittelkolonnaden schließen soll. Bedeutet der Abbruch dieses Bauwerkes die Vernichtung? Um einer Legendenbildung vorzubeugen, wollen wir den «tadtoerordnetenbeschluß hier unverkürzt wiedergeben. Er lautet wörtlich:„Die Versammlung erklärt sich mit dem Abschluß eines Vertrages mit dem preußischen Staat über die Beseitigung und den Wiedercufbau der Spittelkolonnaden der Leipziger Straße nach Maßgabe des der Magistratsvorlag« vom 16. Mai 1929(Druck- sach« 599) beigefügten Vertragsentwurfs einverstanden und bewilligt die durch die Ausführung des Vertrages zunächst entstehenden Ab- rißkosten in Höhe von 30 099 Mark aus gemeinsamen Vorbehalts- mittel» für 1929. Die Versammlung ersucht den Magistrat, alles daran zu setzen, die Kolon- naden an der jetzigen oder an einer anderen Stelle zu erhalten." Der Beschluß ist zustande gekommen mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten. In ihm wird ausdrücklich gesagt, daß man die Spittelkolonnaden nicht vernichten will. Klar und bestimmt wird der Wunsch ausgesprochen, daß dieses Bauwerk mindestens an anderer Stelle wieder a.uf- gebaut werden soll. Und auch die Möglichkeit wird ins Äug« gefaßt, die Spittelkolonnaden sogar an ihrer jetzigen Stelle noch zu erhalten. Doch die Deutschnationalen brauchen einen neuen Agitationsstosf, und den müssen jetzt die Spittelkolonnaden liefern. Gegen dos„rote Berlin" sind ihnen alle Mittel recht. Deutsch- nationale verstehen aus allen Blüten Honig zu saugen. Aber vielleicht bedeutet schon das eine„Vernichtuno" der Spittelkolonnaden, daß sie aus ihrer jetzigen Umgebung herausgenommen werden sollen? Wissen möchten wir, was wohl Gontard selber, der Schöpfer der Spittelkolonnaden, zu dem Anblick sagen würde, den heute die Leipziger Straße mit den Kolonnaden bietet. In der Zeit des alten Fritzen standen in der Leipziger Straße niedrige Häuser. Die Kolonnaden schlössen die Straße gegen den Festungsgraben ab, über den sie hinwegführte. Hintergrund war der blaue Himmel über dem Festungsgraben samt den grünen Bäumen der benachbarten Hausgärten. Und heute? Man gehe hin und sehe sich die neben und auf dem Gelände des früheren Festungsgrabens errichteten Hauskolosse an, die jetzt Hinter- grund der Kolonnaden sind und sie erdrücken. Ein Kunstwerk, das auf offener Straße steht, kann bei so durchgreifender Aenderung des S tr a ß e n b i l d e s aufhören, noch als Kunstwerk zu wirken.„Vernichtet" werden die Spittelkolonnaden durch die Nachbarschaft, die man im 19. und im 20. Jahrhundert ihnen gegeben hat. Wahrscheinlich würde heute Gontard selber fordern, daß man seine Kolonnaden aus der Leipziger Straße wegnimmt und sie an geeigneterer Stelle wieder aufbaut. Er griff im Streit zur Pistole. Und schoß seinen Untermieter tot. heule früh spielte sich in der 5 r u ch l st r a ß e 46 ein blutiger Vorfall ab. Nach einem vorangegangenen Streit schoß dort der 44jährige Händler Franz w i l l k o p seinen Untermieter, den Sljährigen Kellner Hermann Galt, nieder und verletzte ihn tödlich. Zwischen Willkop und seinem Untermieter, der schon längere Zeit mit ihm die Wohnung teill, ist es m letzter Zeit häufig zu erregten Auftritten gekommen. Erst vor wenigen Tagen gab es zwischen den beiden Männern wieder einen so heftigen Streit, daß Mieter fürchteten, es würde etwas passieren. Heute morgen um K Uhr gerieten Willkop und Gall abermals in einen Wort- Wechsel, der bald in Tällichkeiten ausartete. Willkop eilte darauf in die Küche, holte aus einer Schublade eine Pistole hervor und feuerte auf seinen Widersacher einen Schuß ab. Gall wurde so unglücklich in den Kopf getroffen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die alarmierte Polizei nahm den Schützen fest und übergab ihn der Kriminalpolizei. Bei seiner Vernehmung behauptet« er, in Notwehr gehandelt zu haben. Ob seine Angaben stimmen. wird die weitere Untersuchung ergeben. Sternbergs Millionen. Alter Bekann,< Uhr: Polnische Wirtschaft SCaDA 8 Uhr B 5 Barbarossa 9256 O'Hanlon& zambuni lud die weUeren ouraKdoiien plAza Am flmtm Alex. 8066— 68 Tagt. 5 u.B'5: Intern. Varietö V o r v e r k a u I stets für die laufende Woche inkl. Sonntag I Rose- ThcAtcr, Gro�c Frankfurter Sir. IS2. Taglicfa 8.15 Uhr; »• GartenböKnc täglich t 5,30 Uhr: Konzerl und bunter Teil 8.i5 uhr: Die gBscniedene Frau Tbeai. fl. Westens Täglich SV. Uhr Sonntag 3l/i u. S1* Franz Lehars Wellerfolg! Friederihe Grefe Ffnkler Telephon Steinplatz 0931 u. 5125 Lustspielhaas Tägl. 8 V« Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flink Berisch u. a. Rundfunkhörer haltt Preise. Barnowsky-Slltinen Thut.r in dar Kinlggritx.r Str.B. Täglich 8V« Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich S'/i Uhr CParlevsTflote mit Curt Bois. Oeotsdies Theater D.I. Norden 12310 8U., Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. StrauB. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer. Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 8Vj, Ende geg. lOVeU. Der Matn, der«inen Hamen änderte 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Bertioer Theater DirektJleinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende IOVj U. Reporler (The Front Page) Ein Strick in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Plane lariom — am Zoo VerSa;. Jothimltiln Unit B. 5 Barbarossa 5578 16V» Uhr Stwnbilder du Sommers 181.'. Uhr Oer Qlutball der tanee 20", U. Veit Pol zu Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mlttw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene SO Pf, Kinder 25 Pf. Winker * Qcirren* U Uhr• Zestr. 2810• Baodieo erlaubt| Ben-John Jazx-airis Scamp& Scamp, die lustigen Berliner 1 und weitere Vorlete-Koeulkriiie I Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kasc-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 fiaitSDlel«6,161 86er. Girtel UiUo in der Operette „Der ersten Liebe goio'ne zeit" Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner: ,.Br Iii 60» der Papa", Burleske»n I Akt mit Gustei Beer. Grete! Lilien. Dazu der große neue Verl 6161611. Anfang Konzert 4.80. Burleske u. Variet« B Uhl. 0per«tl8 8.30. ledee Dmnenieg pro her Volk, leg. BBBBBBBMBMMMMBBB Reichshallen-Theater Aliebenoilib[T] Uhr Sletüner sanier u. a.;„Sine Tlsdil im Xaiswelnkeller- sominenirelMi Biiiett- bestellung. Zentrum 11 263 .Dönhoff- Brotti: (Saal und Garten) «ariMd- T6>i-■eeMf-Konzwi Metropol-Th. Feeupteia 1820 Tägl. 81» Uhr Sonntags 3Vj u. 8V» Blaubart Operette von Offenbach litbe Dorsc'j Leo Slezak nett 661', am Rotth.Ter Kpttb.Su.O Tägl. 8 Uhr Elite- Sänger 818 leol- 866,61166; .Bertie gro86l63r Donnerstag, 27. Jnnl nachmittags 1 Uhr Vellage Mittwoch� 26. Juni 1929 BprAttmO SjtoJntilfn&a 4* l£iWa*A Die Mordtat des Prinzen Vonaparte Skandale des Kaiserreichs als Wegbahner der Republik/ so« Hermann Wendel Daß weithin hallende Kriminalskandale in den sogenannten höchsten Kreisen zu Vorläufern politischer Umwälzungen werden, gilt sür alle Staaten, aber Frankreich weist ein paar besonders berühmt« Fälle auf wie vor 1789 die chalsbandaffäre, durch die Marie Antoi nette bloßgestellt wurde, oder vor 1848 die Abschiachtung der Herzogin von Choiseul-Praslin durch ihren Ehegatten, die man die„Halsbandaffäre der jüngeren Linie" genannt hat. Auch das Ende des zweiten Kaiserreichs gehört zu jenen großen Ereignissen, di« ihren Schatten in Gestalt einer „Affäre" vorauswerfen: es war die Ermordung de» Journalisten Viktor Ztoir durch den Prinzen Pierre Bonapart«, die der Geschichts- schreiber der dritten Republik, Alexandre Z ä v a e s, in einem Bändchen der von der Librairi« Hachett«, Paris, heraus- gegebenen„Recks d'autrefois*(Berichte von einst) auf Grund der Zeitdotument« anschaulich darzustellen weiß. Als Sohn Lucien Bonapartes, eines jüngeren Bruders des großen Napoleon 181S geboren, also gerade in dem Jahr, das den Bankrott des ersten Kaiserreichs besiegelte, schlug sich Pierre Bonaparte schon früh als echter und rechter Abenteurer mit brutalen Urtrieben durch die Welt. Unter dem Nachfolger Bolioars. Santander, haschte er erst in Kolumbien noch Waffenruhm. Als er, in seinen Geburtsort Rom zurückgekehrt, aus dem Kirchenstaat ausgewiesen werden sollte, schoß er zwei der ihn zur Grenze geleitenden Polizisten über den Hausen und wurde zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Begnadigt, ging er nach Korfu, um gleich bei einem Iagdausflug an die epirotische Küste durch Tötung zweier Albaner zu zeigen, wie wenig ihm ein Atenschenleben galt. In der Folge trieb er es nicht bester. Nach der Februarrevolution warb er, ats feuriger Republikaner auftretend, um die Stimmen seiner korsischen Landsleute, aber als Mitglied der äußersten Linken der konstituierenden Nationalversammlung fiel er lediglich durch rohe Tätigkeit gegen einen greisen Kollegen auf. Minder forsch benahm er sich im folgenden Jahr« als Offizier der Fremdenlegion in Algier, sondern wurde seines Dienstgrades«nt- kleidet, weil er im kritischen Augenblick die Trupp« verließ, um sich nach Frankreich zu begeben. Als sich dann sein Vetler Louis durch den Staatsstreich vom Dezember 18Z1 auf den Kaiserthron schwang, pfiff auch Pierre auf allen Republikanismus und«nt- brannte als„kaiserlicher Prinz" in leidenschaftlichem Haß gegen seine Gesinnungsgenossen von 1848; in besondere Wut brachte ihn „La Revanche*(Die Rache), ein Blatt, das auf Korsika, im „Adlernest" der Familie- B on a p a rt«, mit Mut und Geschick die republikanischen Grundsätze zu verfechten wagte. Da dieser Bravo Ende 1869«inen offenen Brief voll der un- flätigsten Beschimpfungen gegen seine politischen Widersacher losließ, fühlte sich der Pariser Korrespondent der„Revanche". Paschal G r o u s s e t, in seiner Ehre getroffen und schickte dem Prinzen, um ihn zum Zweikamps herauszufordern. feine Kartellträger. Der eine war der Publizist Ulrich d« Fon- oiell«, früherer Offizier, der sich im italienischen Krieg die Ehren- lcgion geholt, dann Garibaldis.Lug der Tausend" mitgemacht. endlich im amerikanischen Sezessionskrieg auf der Seite der Nord- ftaaten gefochten hatte. Der zweite. Yoon Salmon. führte den Schriststellernamen B i k t o r N o i r. Der erst Einundzwanzigjährige. ein Uhrmachersohn aus dem Vogesenstädtchen Mirecourt, hatte sich durch Fleiß und Begabung vom Handwerk seines Vaters zum Zeitungsschreiber emporgearbeitet und war durch sein« gut« Laune und seinen weißen Filz in allen Bohemekneipen des Montmartre bekannt. Neuerdings betreut« er in Rocheforts„dlarseillaise" die Rubrik„Boulevards und Faubourgs" und fühlt« sich hier, stürmisches Oppositionstemperament, das er war, sehr am Platze. Denn Henri Alarqui» von Rochesorl, «in politischer Heißsporn von vielen Graden und elegantester Fechter gegen das Kaiserreich, war dank seiner Volkstümlichkeit, die damals ihren Gipfel erttomm, die stärkst« republikanische und revolutionäre Macht Frankreichs. Da er sich, ohne Marxist zu sein, einen Sozialisten nannte, und sein seit kurzem in gewalliger Aufjag« er- scheinendes Blatt die Beschlüsse des Baseler Kongresses anerkannte, betrachteten die Anhänger der Arbeiter-Jnternationale die„Marseillaise* auch als ihr Organ. Nichts Böses ahnend, steigt Viktor N o i r, den nur acht- »ndvierzig Stunden von seiner Hochzeit mit«mem liebenswerten Mädchen trennen, mjt seinem Gefährten di« Treppe des Hauses Rue d'Auteuil 59 hinauf, in dem hundert Jahre zuvor der berühmte Philosoph Heloetiu» aus seinen Dienstagsdiners die offensten Köpse und witzigsten Zungen der Zeit um sich versammelt hat. Der Bonaparte tritt, die Rechte in die Iakett-Iasche versenkt, den beiden Republikanern entgegen. Ein Sich-Alesfen mit finsteren Blicken, kurzer Wortwechsel. Schüsse! Getrossen taumelt V i t t o r N o i r zur Tür hinaus, bricht draußen, die Hand auf die Brust pressend, zusammen und verröchelt, der muntere gutmütig«, liebenswürdige Bursche von der Statur eines Riesen,'ehe ein Arzt nach seinem Puls greift. Es ist kurz nach ein Uhr mittags am 10. Januar 1870. Als bald danach der Kaiser, von Saint-Cloud kommend, von der Untat seines Vellers erfuhr, lief er im Gesicht grünlich an. und mit Recht! Denn bei der Kunde von diesem Verbrechen eines Bonapart« fegt« der Sturmwind der Revolte über Paris Aus den Herzen Unzähliger, di- das Kaiserreich ver- fluchten und die Republik ersehnten, war gesprochen, was Roche. fort sonder Gottes- und Menschenfurcht in seiner„Marseillaise* über die Familie schrieb, bei der Mord und Hinterhalt zur besten Ueberlieferung gehöre: Achtzehn Jahre ist Frankreich letzt in den blutbefleckten Händen dieser Strauchdieb«, die. nicht zufrieden dam.t, die Republikaner auf der Straße niederzukartatjchen. sie in schmutzig« Fallen locken, um sie daheim abzuwürgen. Französische» Volk. findest du nicht, daß jetzt«irklich goag ist?* Was nützte es, daß auf der einen Seite Pierre Bonaparte verhaftet und dem Staatsgerichtshof überwiesen, auf der anderen Seite die„Marseillaise" konfisziert und ein Strafverfahren gegen Roche fort eingeleitet wurde— am 12. Januar, Tag der Be- «rdigung ViktorNoirs, marschierte in seinem Wohnort Neuilly, vor den Toren der Stadt, das ganze revolutionäre Paris auf. Zwar fehlten die respektablen Republikaner vom Schlag der Gambetta, Ferry, Favre, Pelletan und Simon und verschafften sich damit bei den Massen wahrhaftig keinen Stein im Brett, aber sonst, trotz endlos eisigen Regens, kamen sie alle, die republikanischen Studenten vom Quartier Latin, die Proletarier aus den Vorstädten Menilmontant, Bellevill« und Saint-Antoine, von weiterher die Arbeiter aus den Fabrike» von Saint-Ouen, Saint- Denis, Pantin, Courbevoiex und Jvry, die Anhänger der Jnter- nationale so gut wie die Jünger des ewigen Putschisten B l a n q u i, der, obwohl von der Polizei gesucht, aus seinem Brüsseler Exil herbei- geeilt ist, um seine Stunde nicht zu verpassen. Nicht Tausende, nicht Zehntausende, Zweimalhundertlausend sind zusammengeströmt, den Gemordeten, in dem sie mit Recht den für eine Idee Gefallenen sehen, zu Grabe zu geleiten. Ja, nicht nur das! Vielen zuckt es in den Fäusten, die Pferde des Leichenwagens aus der Richtung Friedhof Neuilly in die Richtung Paris zu drehen und, mit dem Sarg an der Spitze, zur Schlacht gegen das Regime anzutreten. Ein Wort, ein Wink von R o ch e f o r t, und es geht los!„Bürger R o ch e f o r t, gib das Stichwort, wir folgen!" Aber in der vergangenen Nacht hat sich Paris in ein Heerlager verwandelt. Im Tuilerien-Garten haben Garde-Zuaven und Garde-Grenadiere die Gewehre zusammengesetzt: aus der Involiden-Esplanade und in den Champs-Elysees warten sechzehn Schwadronen Husaren und reitende Jäger neben ihren Gäulen aus das Signal zum Auffitzen: di« Kürassiere von Saint-Germain-en-Laye decken die Militärschule: drei Bataillone Linien-Infanterie kampieren im Hof des Kammer- gebäudes, von den bereit gehaltenen Batterien ganz zu schweigen. So gut wie unbewaffnete Masten gegen diese Streitkräfte führen, heißt, wie Varlin, einer der leitenden Franzosen in der Jnter« nationale es ausdrückt,„die besten Soldaten der Revolution aus die Schlachtbank liefern". Gerade weil der Sieg der allen heiligen Sache nicht mehr fern sein kann, heißt es heute abwiegeln. Zwei Männer, in hohem Ansehen beim Volk, von denen der eine als polftisch Verurteilter die Fieber- Hölle Cayenne schon hinter sich hat, der andere noch vor sich hat, Delescluze und R o ch e f o r t, mahnen vom Balkon der Wohnung Viktor Noirs zur Ruh«, zur Vernunft, zur Geduld. Murren, Kopfschütteln, Zwischenrufe, dann setzt sich, während der Sturmvogel des Marseiller-Lieds aufsteigt, der Zug doch unter den Rache! Tod den Bonaparles! Hoch die Republik! nach dem Friedhof Neuilly in Bewegung. Nur als di« Vielen in die Stadt zurückströmen, reitet auf den Champs-Elysees di« Kavallerie in sie hinein. Ende März steht Pierre Bonaparte unter der Anklage des Mordes........ ,,» vor dem Slaaksgerichlshof in Tours. Da er behauptet, von Viktor Noir geohrfeigt worden zu sein, redet er sich mit Notwehr heraus. Es kommt zu Zwischenfällen und einer Verurteilung. F o n v i e l l e nämlich, durch das dreiste Leugnen des Angeklagten außer sich, springt auf eine Bank und ruft ihm zu:„Sehen Sie mir ins Gesicht und wagen Sie zu sagen, daß Sie ihn nicht feige ermordet haben. Mörder! Mörder!* Dafür erhält er zehn Tage Gefängnis wegen Ungebühr vor Gericht. Den Prinzen hingegen finden d>e roten Talar« jeder Schuld ledig! Aber ist der Bonaparte freigesprochen, die Bonapartes sind gerichtet. Kein halbes Jahr später ist das Kaiserreich gestürzt, die Republik ausgerufen, und wenn die Niederlagen von Metz und Sedan dazu auch das meiste beigetragen haben, den Boden bereitete die Ermordung �>es jungen Zeitungsmannes aus dem Departement Vosges.„La Cloche*(Die Glocke) behielt recht, wenn sie in jenen erregten Ianuartageu ahnungsvoll meinte:„Die Kugel, die Viktor Noir getötet hat, wird sehr weit zurückprallen!" Velchuluny der Richtgclcrntcn m Gegenteil: seine Werkstatt war nie leer. Man leistete ihm gerne Gesellschaft, weil er Geschichten erzählte, und auch weil er es verstand, den Erzählungen anderer zuzuhören. Immer machten es sich in feiner Werkstatt fünf oder sechs Per- joncn bequem, nicht immer dieselben. Und Branchu klopfte sein Leder und zog seinen Pechdraht, und sein« Miene wußte gar nichts von den Gerüchten, di« über ihn im Umlauf sein mochten; Auge und Blick waren lebhast, die Zunge nicht weniger lebendig, die kleinen grauen Augen blitzten, und sein« Hände waren so unglaublich ge- wandt, daß seine Arbeit, die er in wenigen Stunden erledigte, etwas Rätselhaftes an sich hatte. Er wußte so ortig zu plaudern; inan vergaß darüber, daß er da war. Und plötzlich hallte aus der Ferne die Stimine von Luc, schwach anfänglich und wie unterdrückt. Aber noch und nach wurde sie stärker. Und dieselben Worte kehrten wieder:„Blindheit, Fluch, Unglück über euch" und alles übrige. Man wurde aus seinen Träumen gerissen, und eimge sagten ungeduldig:„Er hält uns zum Narren, der alte Kerl." Aber Branchu ließ sich gar nicht stören. Sein kleiner platter Hammer hob sich weiter. „Ach was," sagte er,„was kann das euch ausmachen? Und wie kann euch so etwas berühren?" Er legt« seinen Finger be- deutungsvoll an die Stirn«:„Er ist ein Unglücklicher, das ist alles." „Gewiß ja," beeilte man sich zu antworten,„uns berührt dies alles nicht, aber Sie!..." „Macht gar nichts.. und Branchu guckte di« Schultern und hatte sich schon wieder in seine Arbeit gemächt. In diesem Augen- blick erschien Luc. Er war keineswegs jurchtjam. wahrhaftig nicht. Daß er allein und sie ihrer sieben oder acht waren, ließ ihn nicht zurückweichen. Hoch ausgerichtet vor der Werkstatt, den alten Bart verwildert, die Augen sprühend von Feuer, wie wenn man Stahl aus Stein schlägt, rief er: „Schämt ihr euch gar nicht, alle miteinander? Die anderen sind taub und blind; aber ihr weigert euch wissentlich, zu hören und zu sehen... Verräter nenne ich euch und Ueberläufer und die eigenen Urheber eures Unterganges.. Und seine Stimm« wuchs fortwährend: aber er wurde unter- brachen. Irgend jemand hatte plötzlich ein Fenster aufgerissen: ein mächtiger Stein fiel in den Bach. Und Luc verschwand, von Kot- spritzern bedeckt, alle brachen in ein Gelächter aus, Branchu wie jeder andere auch; aber«s schien, er lachte, ohne es zu wollen. (Fortsetzung folgt.) r�o�r fVo Mittwoch, 26. Jani. Berlin. 16.00 Injenieur Boehraer: Technische WochenpUuderei. 16,30 Felix StöSinxer:„Die europäische Einheit.— Traum von Dich ern und Denkern." 17.00 Juxendbühne(Unierbaltunxsstunde): Für die QröBcren. 17.30 Unterhaltunxsmuaik. AnschlieBend; Mittcilunxen des Arbeitsamtes Bertin-Mitte. 18.45 K. Haumann, Leiprix:..Besueh eines iunxen Wanderfreundes." 20.00 Wovon man spricht.(Redner und Thema werden durch Rundfunk be- kanntxexeben.) 20.30„Die Operntreunde", Funkspiel von Dr. Erich Urban unter Verwenduns von Ausschnitten aus Opern. Nach den Abendmeidunxen bis 0.30 Tanzmusik.- Wahrend der Pause: Bildfunk. Käsiiswusterhausen. 16.00 Min.-Dir. 0r. Jahnke: Plaudereien über die deutsche Sprache. 16.30 Geor; Maria Hofmann: Leo Sternberx. der Dichter dea Westerwaldes. 17.00 Nachmiitaxskonzert von Hamburx. 18.00 Dr. Bartens: Die internationale Zuckerkrise. 18.30 Spanisch lUr Anfänger. 18.55 Dr. Elias Hnrwicr; Praktische Völkerpsycholotie. 19.10 Clara Bohm-Schoeh, Maxdaleaie von Tillng. Dr. Külz: Ist das Gesetz jexen Schmatz und Schund ein wirksamer Schutz der Juxend? 20.30„Mafalda Salvatizi." Lieder und Arien.(Am Flüxel: Bruno Seidler. WinkJer.) 21.00 Kammermnsik. 1. Beethoven: Trio Es-Dur. op. 1. Nr. I— 2. Tschai» kowsky: Trio op. 50.(J. Schwarz. Fiaxel: Boris Schwarz, Violine: A. Schuster, Cello.) Rätsel-Ecke des„Abend". uniiiiiiiuiiuiiununinimuuumiuiniiniuiiiwnmflHiumimuoamminninnuutB Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Winterbekleidungsstück: 6. Fluß in Italien; 7. biblischer Stammvater: 9. Fürwort: 19. geistige Begabung: 12. germanischer Gott: 1Z. Garten: 14. Gespinst(Mehrzahl): 16. iranzösische Insel; 17. Getränk: 18. französischer Artikel: LI. Stadtverwaltung.— Senkrecht: 1. Reitinstitut: 2. abgekürzt Numero; 4. Ausruf: 3. kleines Stück Holz; S. Teil der Hofe; 7. Siadtoberhaupt; 8. Gesichtsausdruck: 10. Wassersahrzeug: 11. Männerspitzname: IS. Hülsenfrucht(Getreide): 19. Firmen- bezeichnung: 29. Flächenmaß. pz. Silbenrätsel. Aus den Silben a a al anz bar b« der bürg char de deck di duis e e«i en frei ge ge ger i is te lach lau laub lei li li lit ma ma mai ms na nau n« n« neu neu now nu nue o o on org pik ra ran ro schar see si sin stra ta tag tat ten thil ti ton tra ul ur ve ver wal werk sind 26 Wörter zu bilden, deren Ansangsbuchstaben von oben nach unten der deren Endbuchstaben von unten noch oben gelesen ein Zitat von Schiller ergeben(ch und ck--- 1 Buchstabe, ue--- ü). Die Wörter bedeuten: 1. Deutscher Freistaat; 2. Breite Straße in Frankreich; 3. Weinsort«: 4. Schloß im Bodensee: 5. Bündnis: 6. Richtteilnahme; 7. Italienischer Komponist; 8. Südfrucht; 9. Insel vor der Elbemündung: 19. Stadt am Rhein; 11. Tierprodukt; 12. Russisches Zarengeschlecht: 13. Weiblicher Vorname: 14. Tochter des Oedipus: 15. Schwanken der Erdachse; 16. Weißsisch; 17. Ge- wicht; 18. Epische Poesie: 19. Ammonsolpeierspreiagstofs: 29. Er- holungszeit: 21. Halbinsel in Asien; 22. Männlicher Vorname; 23. Roter Teersarbstoff: 24. Gattung der Stachelfloffer: 25. Kirch- sicher Feiertag: 26. Weiblicher Vorname. tir, lannimmniniiramiimmtxiiNmnwaiuiuiiuiiiuiiiiiumimuiiM Oiamanträtsel. Die Punkte in nebenstehender Figur sind so durch Buchstaben zu ersetzen, daß jedes Wort aus den Buchstaben des vor- ,. hergehenden unter Hinzufügen oder Strei- ..... chen eines Buchstabens gebildet wird Die . Wörter bedeuten: 1. Konsonant, 2. Spa- ..... nischer Artikel. 3. Seemännisch« Dezeich- . nung, 4. nicht voll, 5. Schmuckgegenstand, 6. osteuropäischer Fluß, 7. Richtschnur, 8. Fluß und Stadt in Böhmen, 9. Dasfe, 19. Fürwort, 11. Bokal. dl Äuchstabenrätsel. Aus den Buchstaben a. a, a. b. d. e. e, e. g. h. i, k, t, k. l. l, l. m. m. m, m. n, o, o. r. r.», s, t. u, u, u, y sind 11 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden deren Ansangsbuchstaben aneinander- gereiht den Namen eines Theoretikers des wissenschaftlichen Sozialis- mus ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Rind. 2. Dergwies«. 3. Europäisch« Hauptstadt. 4. Anerkennung. 5. Erholung. 6. Nor- bischer Gott. 7. Stadt in Süddeutfchland. 8. Teil de? Monat». 9. Sohn Noahs. 19. Zligenleder. 11. Münze.—kr.— (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Ai: 3. Arno; 4. Flegel; 5. Nelson; 7. Eid: 3. Gin: 19. Ulme: 11. Leer; 12. Narr: 13. Adel; 14. non: 15. Traube: 19. Goethe: 29. Niel.— Senkrecht: 1. Ares: 2. Ingo: 3. All: 4. Federn; 5. Nimrod: 6. Tiedg«: 7. Elan; 8. Glaube; 9. Reer; 15. Ton; 16. Reiz: 17. Atem: 18. Uhl.— Im Mittelquadrat (wagerecht und senkrecht gleichlautend): 1. Muse; 2. Usus; 3. Suso; 4. Csau. Silbenrätsel: 1.(Lrodno: 2. Uhlenhorsl: 3. Import; 4. Selen«: 5. Engel: 6. Polo; 7. Privileg: 8. Ernoni; S. Vater: 19. Ell; 11. Retord.— Suiseppe Derdi: Rigoletto. Defizit-Aufgab«: Menage. Remise, Kamin, Leiter. Kleie. Rausch, Meter, Zeug. Renntier, Tour, Panier, Anklage, Traube, Brauch, Staude, Trost, Leiter, Gras, Raum, Reede, Lagune, Herta, Lende, Lied, Pforte, Pfosten, Ulme, Rasten, Tongermünde, Wust, Stumpf, Geier, Rubin, Koralle, Maid, Reif, Pfand.(Am meisten Unkraut traegt der fettste Boden.) Mensch und Stadt: Friedrich— s— Hagen— Friedrich, ha gen. UfiorJünolcZ/ZLel Arbcitcr-Hockcy. Der Krcismannschafl zweiter Sieg. (Scflenüfxr dem ersten Probespiel der Kreismannschaft gegen die Nürnberg-Spieler wurde das zweite Tressen sür die Nürnberg-Els unter erschwerten Umständen ausgetragen. Die lNannschaft hotte insofern«in« Schwächung erfahren, als der Mittelläufer nicht mit- wirkte, der Linksaußen dagegen war sehr gut ersetzt. Zudem hatte sie diesmal«inen bedeutend stärkeren Gegner erhalten. Haupt- sächlich in der ersten halben Stund« sah es für die Auswahl-Els recht kritisch aus: ihr Sturm hatte wohl einige gut« Chancen, spielte aber zu zerfahren, um zum Ziel zu gelangen. Di« tombi- nierte Nordring-Els konnte ebenfalls verschiedene verheißungsvolle Moment« nicht ausnutzen und gab so ihrem Gegner Zeit und Ge- legenheit, sich zu entwickeln. Der Doden war reichlich glatt und manch guter Ansatz wurde durch Hinsollen des Spielers im Keim« erstickt. Nachdem sich beide Mannschaften mit dem Boden einigermaßen abgesunden hatten, begann das Spiel interessanter zu werden. Die Verteidigung hatte auf beiden Seiten schwer« Arbeit, der rechte Verteidiger der Kreis- Mannschaft zeigt« sich sedoch jeder Situation gewachsen: er hatte einen außergewöhnlich guten Tag. Ein schneller Durchbruch brachte den einzigen Erfolg in der ersten Spielhälst«. Nach Wiederbeginn lief die Stürmerreihe zu besseren Leistungen auf. Der Linksaußen zeigte fein Können in sehr guten Flanken, die soft immer mit Rück- Handschlägen«ingesandt wurden. Mehrere Strafecken brachten beiderseits nichts ein. Bei einem Gedränge fiel der zweite Treffer, >dem die Nordring-Spieler kurz nachdem einen entgegensetzen konnten. Ihr Widerstand war jetzt schwächer und nachdem nunmehr auch die Läuferreihe mit besseren Leistungen aufwartete und den Sturm mit verwendbaren Vorlagen oersorgte, war die Möglichkeit zur Er- zielung eines sicheren Sieges gegeben. Der Erfolg waren weitere drei Tore, die in kurzen Abständen erzielt wurden. Mit dem Re- sultot 5:1 konnte die für Nürnberg auserwählte Els die Oberhand beholten. Trotzdem nicht alle guten Spieler Berlin in Nürnberg gegen die Städtemonnfchaften von Leipzig und Wien vertreten können, gehen die Hockeyspieler trotzdem mit sehr guten Aussichten auf die Reif«. Di« Hiesigen dürften in technischer Beziehung nicht zu er- reichen fein. An die Motorradfahrer! Organisiert euch bei«Solidarität*. Der Arbeiterad- und Krastfahrerbund„Solidarität- trägt dem sich auch in Arbeiter, und Angestelltenkreissn immer mehr aus- breitenden Motorradsport schon lang« Rechnung, indem neben den Radfahrer, auch Motorradfahrerabteibmgen in den Ortsgruppen gebildet wurden. Als neue Motorradfahrerabteilung innerhalb Berlins kommt jetzt Pankow in Frage. Um nun noch recht vielen Gelegenheit zum Eintritt in diese Abtellung zu geben, findet morgen, Donnerstag, 20 Uhr, im Sporthau» Franz. Pankow. Kaiser-Friedrich-Straß« 65,«ine Werbeversammlung statt. Um Interesienten aufzuklären, geben wir noch die Borteile bekannt, die den Motorradfahrern des Bundes gewährt werden. Der viertel- jährlich« Bundesbeitrag beträgt 2 M., wozu noch ein minimaler Zuschlag von der Ortsgruppe resp. von der Abteilung erhoben wird. Dafür gewährt der Bund den monatlich einmal erscheinenden ..Arbeiterrad- und Kraftfahrer-, Unsollunterstützung und Rechtsschutz. Doneben hat der Bund eine Hastpslichtversicherung bei einer Jahres- Prämie von 24 M. für Motorräder ohne Beiwagen und ZV M. mit Beiwagen. Darum sollte sich jeder Arbeitermvtorsohrer im eigenen Interesse dem Bund anschließen. Die Anschrift der neuen Abteilung lautet: Orto Knaok, N. 113, Schonenschestraße 6. Außerdem gibt Auskunft für Mortorradfahrer Ernst Lemke, 0. 17, Laskerstr. 2. Für Rod- und Motorradfahrer die Bezirksleiter: 1. Bezirk, Robert Rothbart, SW. 11, Schöneberger Straße 17s: 2. Bezirk, Willi Brennling, Charlottenburg 1. Am Volkshause 1: 21. Bezirk, Paul Schuppan, O. 112, Niederbornimstraße 10. Zu diesen drei Bezirken gehören sämtliche Berliner Abteilungen. Faltbootfahrer Charlottcnburgs. Heute, Mittwochabend, öffentliche F o lt b o o t f a h r e r- Werbeversammlung der Freien Schwimmer Charlottenburg bei Kriesche, Charlottenburg, Kaiser-Friedrich-Straße 13, Ecke Grün- straß«. Dortrag des Bundeskanutechniters über„Die Entwicklung des Kanusports, vom Eskimokajak bis zum Schweden- und Falt- boot-. Auskunft über olle den Faltbootfport betreffenden Fragen und Lennittlung von guten und billigen Faltbooten wird dort erteilt. Freund« des Arbeitersports, Gewerkschaftler und Parteigenossen sind herzlichst«ingeladen. verlins Sportpalast wird neu hergerichtet. Im Winterheim des Berliner Sports find die Ilmbauarbeiten im vollen Gange. Das Haus wird ganz neu hergerichtet, zweckent- sprechend umgestaltet und auch mit neuer Bestuhlung versehen Werden diese Arbeiten bis Mitte August sertig, dann ist geplant, den Sportpalast noch im August mit einer große,, Boxveranstaltung zu eröffnen. Für 25. August haben sich bereits die Radfahrer den Sportpalast für ihre Saalmeisterschaften gesichert, und dann wird im September noch«ine Hunde-Au-stelluiig im Sportpalast ver- anstaltet, ehe der sportlich« Betrieb im großen Umfange auf- genommen wird.____ Die für gestern geplanten Rennen aus der Rutt-Arena mußten infolge der ungünstigen Witterung abgesagt werden. Erst am 5. Juli werden die nächsten Rennen vor sich gehen. Bundesobendrennen bei Rull. Der Gau Berlin des Bundes Deutscher Radfahrer bringt Freitag. 28. Juni. 20 Uhr. auf der Rütt-Arena eine Anzahl gut besetzter Rennen für Bundes- amateure zum Austrag. Zur Berliner Meisterschaft über ein Kilometer haben alle namhaften Fahrer der Reichshauptstadt gemeldet. Ein weiteres Houptrennen des Abends ist das Sv-Kilo- meter-Maiulschostsfahren mit fünfzehn ausgesuchten Paaren. Eine AnAchl weiterer Rennen vervollständigt da» Programm. Die Bauernfänger gestellt! Die Benutzung des Namens« Arbeitcr-Turn- und Sportbund" gerichtlich verboten! Die ausgeschlossenen Arbeilersporller des 1. Kreises haben sich bisher nicht gescheut, die Hamen des ArbeiterTurn- u n d Sportbundes weiterzuführen, trotzdem sie beim Ausschluß aus dem Bund aus das Falsche ihrer kiandlungen aus. merksam gemacht worden sind. Die Ausgeschlossenen haben Gewalt vor Recht gehen lassen. Sie haben der rechtmäßigen Kreisleitung des 1. Kreises, sowie dem Kartellverband die diesem gehörenden Räume beseht, Rlöbel, Einrichtungen, Inventar usw. einbehalten und weiter benutzt. Mit den Drucksachen des Kreises haben sie ge- glaubt, den Eindruck zu erwecken, als seien sie die rechtmäßigen Mit- glieder des Arbeiter-Turn. und Sporlbundes. Sogar Vereinsnamen der bundestreuen vereine wurden mißbraucht, um so mit den ver- waltungen anderer Städte in Verbindung zu kommen. Sie haben ein« Aufforderung erlassen, wonach der fällige vundesbeitrag von bundestreuen Vereinen an die Ausgeschlossenen gezahlt werden sollte? Schriftliche hinweise aus Unterlassung der mißbräuchlichen Benutzung des Hamens haben nichts gefruchtet, so daß nunmehr die rechtmäßigen Träger des Hamens zur gerichtlichen Feststellung schreiten mußten. Im Be- rvfungsversahren hat das Landgericht I Verlin anerkannt, daß die Ausgeschlossenen den Hamen Arbeiter- Turn- und Sportbund zu Unrecht führen, daß ihre Zeitungen nicht mehr diesen Hamen am Kops führen dürsen, und daß serner das Fest der Ausgeschlossenen am 29. und 30. Zun! n i ch t ein„14. Kreis- fest- darstellt. In der„Roten Fahne" und der„Welt am Abend" heuten jetzt die Oppositionellen wegen dieser Maßnahmen und behaupten, es seien Mittel, die bei jedem ehrlichn Arbeiter ungeteilte Verachtung finden müßten. Ganz recht, jeder ehrlich denkende Arbeiter wird sich abwenden von der mißbräuchlichen Benutzung des nur dem Arbeiter-Iurn-und Sportbund und d«n ihm angeschlosienen Vereinen zustehenden Namens. Und wenn es wahr ist, daß sich jeder politisch denkende Arbeiter abwendet von der Anrufung der bürgerlichen Gerichte, dann werden die Ausgeschlossenen gewiß nicht versäumen, baldigst ihren Mitgliedern aufzuzählen, wi« oft sie selbst bürgerliche Gerichte in Anspruch genommen haben, um Verfügungen verschiedenster Art zu erwirken. Ja, die Moral der Ausgeschlossenen hat doppelten Boden! �OUYidUOCÜLV Die nächsten Probespiele. Auch die Frauenmännschaft. die den 1. Kreis beim Bundesfest in Nürnberg vertritt, beginnt am Mittwoch mit den Uebungsfpielen. Außer den Arbeitersportlerinnen von Wedding spielen noch mit E. Knappe, E. Schultheiß, I. Dnauk und G. Tousin von FTGB.- ?!«ukölln und U. Meyer uni> M. Aschendors vom Sportverein Moabit. Das Spiel findet mn 20l4 Uhr in Tegel, Graf-Rödern- Korso, gegen die Tegeler Frauenmannschaft statt. Um 19 Uhr spielt dort Tegel 1 gegen FTGB.-Süden. Die Stödtemannschaft und die Nürnbergmannschaft des Kreises haben am Donnerstag ihr zweites Zusammenspiel. Di« Nürnberg- Mannschaft wird jetzt im Zusammenspiel besser sein. Das Spiel findet um 19 Uhr auf dem Urbanplatz statt. Eintritt 20 Pf. Der Voxkamps am Donnerstag. Der ausgezeichnete belgische Weltergewichtler A r t l e f, der am Donnerstag in der Freilustarena in der B o ck b r a u e r e i, Fidicinstraße, gegen den Derbykandidoten Otto Lauer anzutreten hat, wird gleich seinem Landsmann Louis Saerens«inen hochinteressanten schönen Kampf liefern. Auch eine zweite Paarung des Abends ist geeignet, allgemeines Interesse aus- zulösen. Der junge vielversprechende Gleiwitzer Emil Koska hat sein entschieden reelles Können gegen den alten Ringprottiker Eugene A l o n z u unter Beweis zu stellen. Zwei weitere gute Kämpfe ver- vollständigen das Programm. Beginn 20.15 Uhr. Neue Bücher. „Rüstzeug für das Ivochenende und den Schulausjlug." So bc- titcl sich eine 70 Seiten starke, von der staatlichen Stelle für Natur- denkmalspslege herausgegebene von Oberförster Mudra geschriebene Schrift, die im Verlag Neunwvn, Neudamm, erscheint. In dieser Broschüre geht der Versasser auf all« den Naturschutz berührenden Fragen ein. Er führt die verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen an, ohne dabei in den Ton des„Polizisten' oder des Strasrichters zu verfallen. Vielmehr bemüht er sich, die Dinge vom Gesichtspunkt des warmherzigen Naturfreundes zu behandeln. Nach seinem Wunsch:„Vor Beginn einer großzügigen Förderung der Wander- und Wvchenendbewegung durch die Behörden, hätte»ran die Möglichkeit der Durchführung mit den passiv am stärksten Be- leiligten der Land- und Forstwirtschaft genügend erörtern müssen, um die Bewegung in geordnete Lahnen zu lenken" ist wohl immer schon von Arbeiterorganisationen gelxmdelt worden. Leider hatten nicht allerorts diese Stellen das genügende Verständnis sür die Wünsche der großstädtischen Arbeiter aufgebracht. Und sür die Untaten einzelner unverantwortlichen Eingänger kann man Organisationen 'chwer verantwortlich machen. Di« Schrift ist im übrigen in jeder Beziehung aufschlußreich, alle gesetzliche» Bestimmungen wi«: Bürger- liches Gesetzbuch, Reichsstrasgesetzbuch, Bogelschutzgesetz, Jagd- ordnung, Forstdiebstahlgesetz, Feld- und Polizeigesetz, Allgemeines Landrecht, Fijchereig«setz, Provinzialgesetz, die verschiedenen Polizei- Verordnungen und Verordnungen der Regierung, die Naturschutz- polizeioerordnung bringt Mudra, soweit es die Fragen des Natur- 'chutzes berührt. Ferner ein Verzeichnis der Naturschutzgebiet« der Provinz Brandenburg sowie Verzeichnisse der unter dem Naturschutz stehenden Tiere und Pflanzen. Das Büchlein ist für alle Jugend- pfleg« treibenden Organisationen wie überhaupt für Arbeiter- organisationen, die sich mit Fragen des Wochenend beschäftigen, ein unentbehrlicher Ratgeber. Dos Büchlein kann deshalb nur empfohlen werden, es kostet im Einzelbezug 1 Mark, bei Partiebezug verbilligt sich der Preis bedeutend.?k. Wochenendfahrten der„Halurfrennde". Das Reisebureau des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Berlin N., Johannisstr. 14/15, bittet uns, noch einnial an die Wochenendfahrt in den Ober- spreewald am 6. und 7. Juli zu erinnern. Treffpunkt der Teilnehmer am Sonnabend, 0. Juli, 14 Uhr, im Wartesaal 3. Klasse des Görlitzer Bahnhofes. Teilnehnierkarte» zum Preise von 12,25 Mark inkl. Eisenbahn- und Dampferfahrten sind erhältlich in der Geschäftsstelle. Geöffnet Montag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr, oder bei Schmidt, W. 50, Rankestraße 30: Walter. Neukölln, Sieg- friedstraße 55; Meckelberg, Treptow, Graetzstraße 50: Sinn, N. 20, Stettiner Straße 30: Thomas, N. 65, Luxemburger Straße 1.— Am 14. Juli führt eine Wochenendfahrt nach Fiirstenberg in Mecklenburg. Teilnehmerkarten zu 6,30 Mark ebenda.— Die Reichsleitung der„Naturfreunde" hat für ihre Ferienreisen eine illustrierte Broschüre herausgegeben, die gegen Einsendung von 40 Pfennig in Briefmarken von der Reiseobteilung des Vereins, Nürnberg, Sllndersbühlstraßc 5, oder vom Berliner Reisebureau, Iohannisstraße 14/13, bezogen werde» kann. Teilnehmerzusammenkünsle sür die Halurfreunde-Ferienreise» nach der Insel Bornholm finden statt an> Mittwoch, 26. Juni, 19 Uhr, sür die Schwarzwaldreise Freitag, 28. Juni, 20 Uhr, und für die Fahrt in die Sächsische Schweiz Montag, 1. Juli, 19 Uhr, im Sitzungszimmer des Toilristenvereins„Die Naturfreunde', N. 24, Johannisstr. 14/15. Einige Teilnehmer können sich noch an diesen Reisen beteiligen. Anfragen an das Reisebureau des Touristenoereins„Die Naturfreunde-, Berlin N. 24, Johannis- straß« 14/15. Arbeiter-Radfahrverein, Groß Berlin. Sonntag, 3V. Juni, 5 Uhr, Pätz' Restaurant Riesenberg, Preissahrr. 13 Uhr Eichwalde, Wicherts, Gesellschaftshaus. Donnerstag, 20 Uhr, Spielabend, Plänterwald, Eichbuschweg. Start Waldemarstr., Ecke Mariannen platz. Gäste willkommen. Das große Tennisturnier in Wimbledon hat begonnen. In den Vorrunden blieben die Deutschen Moldenhauer, Prenn und Wetzel Sieger. Ave. K»ck«ii. Sitzung Mittwoch, TS. Jfuni, TO Uhr, bei Wrgner, iZronl- furtft Allee 3S«. 5T®®..®iibK..VItaminbret[b. 01 vom Berliner Bioch. Verein/ Tel.: Weißensee 100 Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiffbauerdamm 15 Sä mtl. Elektromaterial Spezialitat: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf nur an zueela.sene Installateure BeUenhaus luilus Henntä! Bln.N, WelBenburger Str. 78. Fernsp. Humboldt S121 Charlottenburg:« Kaiserin. 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