Morgenausgabe Vonnerstag . ▲xavAvAvAx Vf 27. 3um 1929 ssÄsatss �WH si%f mm �ws,is"pf' einschließlich 00 Pfg. Postzeitung»»»nd m�x■■ Hb gf 72 Pfg. Pofwestellgebühre». Ausland»« �HHI �->�H! Bb WM f-- �onn.merntl-m.pn.JJbn.t>W fMj M M M MMM MM M�)M Di IL uVenn'l'SVK�fd *{ Hl■ W■! �BL■Lk�Kl H H W Pf■B°™fr"* �«w««»chtntt«. B B �U�B> M» M j L Ilch öwktmal. Sonntog« und M°nt°g. I �fll � � W ,Z hs.nnlg. St.K.ng.luch. d°- k, -mm-il. dir vdnid-iu-gad-n sür S�iii''''>7 SBorl 15 Pfennig, jedes wettere W und im Handel mtt dem Ittel �>lr"X �B l 10 Pj-nnig. Worte üd-r IS Buchslod »» Silagen.Volk zählen für zwei Worle. Arb.ll-mo "I!»,StU?- ferner'*-*m mm Zeile so Pjennig. Famillenänzeigen Z< SWZs berliner VvVKbßM»»M- Jentralovgan der Go»iawem»era«sGen Partei Neutschtands Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postlcheckkonlo: BerNn S7KZS.— Bankkonto: Bank d« Srb-it«.«ngestelllen und Beamten Wallstr. SS. Ditkonto-Delellschaft, Depositenkasie Lindenstr. i Labour-Regierung für London. „Vaily Herald" seht die Gründe auseinander. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 iHrniihecher Tönhoft 292—297 Telegramm-Adr.: Eoztawemokra« Berlin London, 26. Juni. Reuter erfährt, daß die britische Negierung den anderen beteiligten Regierungen mitgeteilt habe, sie sei für eine Abhaltung der Regierungskonferenz i n London, weil sie ihr Amt eben übernommen habe und das Parlament im Monat Juli tage. Die Gründe der Labour-�egierung. London. 26. Zunl. fEigenberichl.) Oer.Daily herald" schreibt in einem unverkennbar von amtlicher Seite veronlaßten Leitartikel zu der Frage des Tagungsortes der kommenden Reparationskon- f e r e n z, die Gründe für die Wahl des Landes lägen auf der Hand. Die Mitglieder der neuen Regierung könnten in den ersten Epochen ihre Regierungszeit und in den ersten Wochen eines neuen Parlamenls England nicht verlassen. Aehnliche Schwierigkeiten bestünden für die Vertreter Frankreichs. Deutschlands, Belgiens und Italiens nicht. Falls London nicht gewählt würde, so sei eine hinausschiebung des Zeitpunktes der Konserenz als unvermeidlich zu betrachten. Demgegenüber habe es heute nicht mehr den Anschein, als ob die Konferenz so leicht und glatt ver- "Klüsen würde, wie es ursprünglich ausgesehen habe. Reben ge- wissen finanziellen Schwierigkellen— der„Daily herald" denkt hierbei wohl an die Meinungsverschiedenheiten zwischen Lon- don und Rom— gebe es auch politische Schwierigkelten. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat am 26. Juni 1929 an den Reichskanzler und an den Reichsfinanz. minister das folgende Schreiben gerichtet: „Jnnhcrhalb weniger Wochen sollen die im Joung-Plan vorgeschlagenen Orgcmisationskomitecs zusammentreten, um das Sach- verständigengutachten in Einzelheiten auszubauen. Es handelt sich bierbei wieder um Fragen, die auch die Interessen der Arbeitnehmer- schast weitgehend berühren. Für die Reich sbahngesellschast wird im Vl>ung-Plan sogar ausdrücklich auf die Regelung der Per- sanalangelegenheiten hingewiesen. Ebenso sehr sind die Arbeitnehiner an der neuen Fassung des B a n k g e s e tz e s sowie den anderen von den Organisationskomitees zu bearbeitenden Fragen interessiert. Zu den Verhandlungen in Paris sind Gewerkschasts- Vertreter trotz unseres ausdrücklichen Wunsches nicht hinzugezogen worden. Es konnten deshalb in den Noung-PlaN Bestimmungen ausgenommen werden, die für die Arbeituehmcrschast besonders ab- träglich sind. Um so dringlicher ist jetzt die Hinzuziehung von Ge- werkschaslsvertretcrn. damit M der Abfassung der Aussührungs- besllmmungen wenigstens diese Fehler, soweit möglich, wieder aus- geglichen werden können. Wir müssen um so mehr auf der Berücksichtigung unserer Forde- rung bestehen, als der Arbeitnehmerschaft jetzt anscheinend auf anderen Gebieten Opfer zugemutet werden sollen, die ohnedies tiefe Erregung in ihren Kreisen auslösen." Das Arbeiislosenproblem. Die Zusammensetzung des Sachverfländigenausschusses. Der Sochverständigenausschuß zur Untersuchimg des Arbeitslosenproblems tritt am 2. Juli im Reichsorbeits- Ministerium zu seiner ersten Sitzung zusammen. Er besteht aus 22 Vertretern des Reichstages, der Zlrbeitgeber, Arbeitnehmer und öffentlichen Körperschaften, sowie aus 22- Stellvertretern. Dazu kommen dann noch als Mitglieder des Zlusschusses Dr. S y r u p, der Präsident der Reichsanstalt Dr. Dersch, der Präsident des Spruchscnats für Arbeitslojenfragen Professor G ö tz- B r i e f s. Stadtrat Fischer- Nürnberg und Professor o. d- h e y d e. Die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagssraktion im Ausschuß sind Graßmann und Aufhäuser, die Vertreter der freien Gewerkschaften S p l i e d t und Dr. Bäcker vom ADGB. Ihr« Stellvertreter L ö h r k e vom Landesverband und Dröge- m u l l e r vom Baugewerksbund. Der Vertreter des AfA-Bundes ist Fritz Schröder, sein Stellvertreter Dr. C r o n e r. In der ersten Sitzung wird sich der Ausschuß nach einem Bericht des Vertreters des Reichsarbeitsministeriums, Ministerialdirektor Dr. Weigert, zunächst mit der Abgrenzung sesties Arbeitsprogramms und zwar hinsichtlich der Rheinlandräumung angesichts der wachsenden französischen Opposition gegen die sofortige Räumung, hinsichtlich der Kontrollkommission im Rheinland und hinsichtlich der Saarfrage, falls Deutschland beabsichtige, diese Frage auf der Konferenz auszurollen, wie es den Anschein habe. Der Artikel des»Daily herald" schließt mit der Feststellung, daß alles für die Abhaltung der Konferenz im Z u l i und nicht im August spreche. Es sei zu hoffen, daß die besonderen Umstände. in denen sich die britische Regierung befinde, die anderen Regie- rungen veranlassen werde, ihre Vertreter nach London zu ent- senden. poincares Gechstagerede. Paris, 26. Juni.(Eigenbericht.) Poincare fetzt seine Erklärungen vor den vereinigten Kommissionen der Finanz und des Auswärtigen über die Schulden und die Räumungssrage unermüdlich fort. Am Mittwoch sprach er über Reparationen und V o u n g- P l a n. Im Laufe des Donnerstags wird Poincarc zur ZZerantwortung des ihm von der auswärtigen Kommission gestellten Fragebogens gelangen. Aus ihm figurieren, drei Hauptfragen: ob die Möglichkeit der Ein- sührung einer sogenannten Sichern ugsklnusel in das Schuldenabkommen mit Amerika besteht, welche Druckmittel Deutschland gegenüber angewandt werden können, wenn das Reich seine Zahlungen längere Zeit einstellt, und endlich, ob auf alle Fälle zeitlich die Ratifikation hinter der Annahme des Doung-Planes durch die beteiligten Regierungen erfolgen kann.� zu besaßen haben. Die Ausgabe des Ausschusses lautet nach dem Vorschlag der Regierung: Welche Maßnahmen sind zur endgültigen Reform der Arbeitslosenversicherung notwendig, um die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung finanziell leistungsfähig zu erhalten, ohne daß dadurch ihre sozialen und wirt- schaftlichen Aufgaben gesährdet werden? Neuregelung der Krifenfürsorge. Der Reichsarbeitsminister beabsichtigt, den Personenkreis und die Dauer der K r i s e n u n t e r st ü tz u n g neu zu regeln, weil die bisherige Regelung mit dem 29. Juni 1929 abläuft. Da jedoch die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung des Berwaltungsrats der Reichs- anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Neuregelung erst in dieser Woche erfolgen kann, soll z u n ä ch st die Geltungsdauer des bisherigen Erlasses noch um eine Woche» bis zum 6. Juli 1929., verlängert werden. Die neuen Bcstiminungen werden am 7. Juli 1929 in Kraft treten. Genatorenwah! in Hamburg. Hamburg, 26. Juni.(Eigenbericht.) Die Hamburger Bürgerschaft wählte am Mittwoch als Nach- folgcr des demokratischen Senators E o h n und des sozialdemokra- tischen Senators Mendel den Sozialdemokraten Ehrenteit mit 93 und den Demokraten P l a t c n mit 88 Stimmen. Vor der Wahl verlas ein Kommunist die üblichen Schimpfereien gegen die Sozial- demokratic. Echwedenvertrag gekündigt. Zum 15. Februar 1930. Stockholm, 26. Juni.(WTB.) Im Auftrag seiner Regierung kündigte der hiesige Vertreter Deutschlands den deutsch-schwedischen Handels- vertrag, wodurch dieser vom 13. Februar 1636 ab außer Kraft gesellt wird. Der Schritt wurde von der deutschen Regierung mit den Wunsche begründet, in Anbetracht der schweren Lage der deutschen Landwirtschaft freie Hand hinsichtlich be- stimmter durch den Bertrag festgesetzter Zollsätze für landwirtschaftliche Produkte zu bekommen. Gleichzeitig mft der Kündigung gab die deutsche Re- gierung der Hoffnung Ausdruck, daß Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag baldmöglichst eingeleitet werden können und daß ein vertragloser Zustand zwischen den beiden Reichen auf diese Weise vermieden werden könne. praktische Parlamentsreform. Sin Borschlag für künftige Statsberatungen. Von Hugo Heimann. Nach den gesetzlichen Bestimmungen soll der Entwurf des Haushaltsplanes dem Reichsrat spätestens am 1. No- vember, dem Reichstag spätestens am 5. Januar vor Beginn des Rechnungsjahres, für welches er gelten soll, zur Beschluß- fassung vorgelegt werden. Das Rechnungsjahr läuft vom 1. April bis 31. März. Spätestens in den letzten Märztagen muß also der neue Haushaltsplan verabschiedet und publiziert sein. Die in den genannten Grenzen liegende Zeitspanne mochte, gemessen an den früheren Verhältnissen, zu einer gründlichen Durchberatung des Etats genügen. Heut ist sie selbst bei normalem Lauf der Dinge äußerst knapp. Im letzten Jahrzehnt gelang es nur dreimal, unter dem äußersten Druck der Sozialdemokratie, den Etat rechtzeitig zu oerabschieden. Es könnte hier nun grundsätzlich eingewendet werden, daß die Haushaltsberatung im heutigen Staatswesen nicht mehr die gleiche Bedeutung für das Parlament habe, wie das im alten Obrigkeitsstaat der Fall gewesen ist. Im letzteren sei die Bewilligung oder Richtbewilligung von Geld- Mitteln die einzige Machtquelle des Reichstags gegenüber der sonst von ihr ganz unabhängigen Regierung gewesen. Heute liege die ganze Macht bei der gewählten Volksver- tretung, die über zahlreiche Machtquellen verfüge.-So ver- liere die Etatsberatung an Bedeutung und könnte ohne Schaden zusammengedrängt werden. Eine solche Argumentation ginge an der Tatsache vorbei. daß gerade im heutigen Staatswesen der Reichshaushalt eine überragende, von Jahr zu Jahr steigende Wichtigkeit erlangt hat. Nicht nur bildet er die finanzielle Grundlage der öffentlichen Wirtschaft von Reich, Ländern und Gemeinden, sondern, dunst den Gang der Ereignisse ge- zwungen, muß das Reich immer neue staatliche Funktionen an sich ziehen. Das führt zu stetem Anwachsen und immer größerer Kompliziertheit des Etats. Je größer und kompli- zierter aber der Etat, um so größer die M a ch t f ü l l e der hohen Bureaukratie, die ihn handhabt. Eine mög- lichst gründliche Durchberatung des Etats und Kritik der Ver- waltung ist daher heut genau so wie früher, ja mehr denn j c Aufgabe und Pflicht des Reichstags. Es kommt hinzu, daß die Kontrolle wie die Verwaltung mit den bewilligten Mitteln im abgelaufenen Jahr gewirtschaftet hat, d. h. die sogenannte Rechnungsprüfung, um die früher kaum ein Mensch sich gekümmert hat, durch die Initiative der Sozialdemokratie jetzt mit der Haushalisberatung vereinigt ist und eine stetig höhere Bedeutung und größeren Umfang erlangt. Die für die Beratung des Haushalts zur Verfügung stehende Zeit wird also, selbst wenn der Entwurf fristgerecht dem Reichstag zugeht, inimer knapper und unzulänglicher. Beim Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1929 führten die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung und die katastrophale Lage der Reichsfinanzen dazu, daß der Ent- wurf erst am 8. März dem Reichstag, vorgelegt wurde. Der in sich ausgeglichene Regierungsentwurf, der die Deckung des ungeheuren Defizits teils durch Kürzungen, teils durch neue Steuern erreichen wollte, stieß auf den Widerstand der Deutschen Volkspartei, die sich gegen j e d e S t e u e r- erhöhung erklärte. Die Situation erschien hoffnungslos. Da setzten sich die Finanzsachverständigen der in der Regie- rung vertretenen Fraktionen zusammen und schlugen' in außerordentlich mühsamer und verantwortungsvoller Tätig- keit eine Brücke, die zu einer Arbeitsgemeinschaft der Fraktio- nen führte. Aber die Brücke war schwankend und vertrug nicht die geringste Erschütterung. Als die Beratungen im Haushaltsausschuß schließlich Mitte April aufgenommen wer- den konnten, lag der zu gehende Weg genau abgesteckt vor. Und nicht nur das. Spätestens Ende Juni mußte der Etat verabschiedet sein, da das Notgesetz nur bis zum 39. Juni befristet war. Diese Zwangslage führte im Ausschuß dazu, wichtige Fragen wiederum ganz zurückzustellen und die so notwendige Kritik an der Verwaltung trotz lang ausgedehnter Sitzungen mit der Stoppuhr in der Hand zu üben. Die be- deutungsvolle formale Etatskritik und Etatsbereinigung fiel vollkommen unter den Tisch. Die„gegenseitige Deckungsfähigkeit von Titeln", dieses Kreuz für jede parlamentarische Kontrolle, ist in 1929 noch bei einer Gesamtsumme von 283 Millionen Mark(gegen 329 Millionen in 1928) bewilligt.„U e b e r t r a g b a r" sind insgesamt in 1929 noch 1129 Millionen Mark(gegen 1113 Millionen Mark in 1928), davon kraft ausdrücklicher besonderer Ermächtigung in 1929 698 Millionen Mark(gegen 378 Millionen Mark in 1928) usw. Diese wenigen Ziffern werden genügen, um zu zeigen, welch reiches Feld für parla- mentarische Kritik hier noch vorhanden ist. Alle diese Nachteile und Unannehmlichkeiten könnten stillschweigend getragen werden, wenn die Gewißheit oder auch nur die Hoffnung bestünde, daß sie das Ergebnis einer einmaligen Zwangslage seien und sich nicht wiederholen werden. Solche Hoffnung er- scheint aber reichlich optimistisch. Der Poung-Plan wird, so angenehm die materielle Entlastung empfunden werden wird, «.....•.....•■.>-> Gewerkschasten und �oung-plan. Forderung aus Beteiligung an den Organisationskomitees. das deutsche Volk vor das schwierige innenpolitische Problem der Verwendung der freiwerdenden Beträge und der Lasten- Verteilung von bisher international gebundenen Aufgaben stellen, bei denen Deutsche Volkspartei und Demokraten nach ihrer bisherigen Haltung wahrscheinlich Ziele verfolgen wer- den, die diametral denen entgegengesetzt sind, die die Sozial- demokratie verfolgen muß. Werden diese Probleme nicht vor der nächstjährigen Etatsberatung gesetzgeberisch gelöst, was immerhin zweifelhaft erscheint, so wird diese aller Vor- aussicht nach sich noch schwieriger gestalten als die diesmalige. Unabhängig vom Noung-Plan liegen weitere große Finanz- und sonstige Probleme vor, die Reich, Länder und Gemein- den betreffen und' einer Lösung entgegengesührt werden müssen. Eine gründlichere und glattere Etatsberatung als in 1929 ist daher für die kommenden Jahre kaum zu erhoffen. Liegen die Dinge so, wie hier angenommen, so entsteht für alle, die«ine sorgfältige, nicht überstürzte Etatsberatung auch im heutigen Staatswesen für eine der vornehmsten Pflichten des Reichstags halten, die Frage, was zur Siche- rung einer solchen geschehen kann. Eine Vorlegung des Termins für die Einreichung des Etatsentwurfs beim Reichsrat und Reichstag wird kaum durchzuführen sein. Die Verhandlungen zwischen dem Reichs- finanzminifterium und den einzelnen Reichsressorts, die jeder Etatsaufstellung vorausgehen, sind schwierig und zeitraubend, und schon heute beginnen diese Arbeiten bald nach der Ver- abschiedung des laufenden Etats. Es bleibt also nur eine weitere Kürzung der Beratung im Ausschuß oder im Plenum. Daß das Schwergewicht jeder Etats- beratung und jeder Etatskritik in der allgemeinen Aus- spräche und Einzelberatung des Ausschusses liegt, wird nicht zu bestreiten sein. Hier also kann nicht abgestrichen, sondern es müßte im Gegenteil größerer Spielraum gewährt werden. Geschieht das, so könnte eine Aenderung der Plenar- beratungen wohl erwogen werden. Heute ist die zweite Plenarberatung eines Einzelhaus- Halts, die fast stets im unmittelbaren Anschluß an die betreffende Beratung im Ausschuß erfolgt, nichts anderes als die genaue, etwas unsachlichere Wiederholung der letzteren. Wer die Ausschußberatung oerfolgt hat, weiß bis zum Tipfelchen auf dem i, wie die entsprechende zweite Plenarberatung. vor sich gehen wird. Die Frage ist: Steht die Zeitspanne, die die zweite Plenarberatung erfordert, in einem richtigen Verhältnis zu dem erzielten Nutzen oder kann die durch den eventuellen Fortfall der zweiten Lesung im Plenum ersparte Zeit zweckentsprechender für die Ausschuß- beratung verwendet werden. Es wird auf solche Frage, die an einem alten guten Brauch rüttelt, viel dafür, viel dawider zu sagen sein. Ihr Zweck wäre erfüllt, wenn sie irgendeine Lösung, gleichviel welche, der aufgezeigten Schwierigkeiten zeitigte. Von der Notwendigkeit einer Parla- mentsreform ist schon oft gesprochen worden. Geschehen -st bisher nichts. Aber die Sicherung rechtzeitiger Verab- schiedung und gründlicher Beratung des Haushalts ist«ine Aufgabe, die der Reichstag im Interesse seines Ansehens und seiner Stellung nicht auf die lange Bank schieben dürfte, son- dern sobald als möglich durchzuführen hätte. Kinderspeisungen. Ein sozialdemokratischer Erfolg.— Kommunisten schimpfen, aber stimmen zu. Bei der Beratung des Etats des Reichsernährungsministeriums hotten die Kommunisten den Antrag gestellt, für die Kinder. s p« i su n g fünf Millionen Mark einzusetzen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Entsprechend ihrer früheren Haltung hatten alle bürgerlichen Parteien erklärt, daß Kinderfpeisungcn keine Angelegenheit des Reiches feien, mit dem Etat des Reichs- ernährungsministeriums nichts zu tun haben, und daß im Jahre 1927 den Ländern durch den Finanzausgleich die Mittel zur Durch- führung der Kinderspeisungcn bewilligt worden seien. Tatsächlich weisen deshalb auch in den letzten Jahren die Etats der Länder und vieler Gemeinden die Beträge für Kinderspeisungen auf, die früher im Reichsetat enthalten waren. Immerhin gibt es auch he»te noch eine ganze Reihe von leistungsschwachen Bezirken, in denen Kinderspeisungen besonders notwendig sind, aber wegen Mangels an Mitteln nicht durchgeführt werden können. Um auch in diesen Bezirken die Kinderspeisung zu einer dauernden Einrichtung zu machen, hat die sozialdemokratische Reich st ags- fraktion zur dritten Lesung des Etats des Reichsorbeitsminists- riums folgenden Antrag«ingebracht,„den Herrn Reichsarbeits- minister zu«rsuchen, bei der Verwendung der 49 Millionen Reichsmark, die auf Grund des Z 7 des Gesetzes über Zolländcrungen vom l7. August 192,? der Invalidenversicherung überwiesen werden, die Londesversicherungsanstalten anzuweisen, im Rahmen der Maß- nahmen zur Förderung der Gesundhcitssürsorg« besonders zur Be- kämpfung der Tuberkulose einen angemessenen Betrag für Zwecke der Kinderspeisung zur Verfügung zu stellen. Die Mittel sollen den Landes- und Provinzialstellen über- wiesen werden, die bisher die Kinderspeisung durchgcjührt haben und dazu dienen, in leistungsschwachen Bezirken die Durchsührung der Kinderspeisung zu erleichtern. Ueber die Verwendung der Mittel und über die Richtlinien zur Durchführung der Kinderspeisung sst ein Einvernehmen zwischen den genannten Stellen und den Landes- Versicherungsanstalten herzustellen"'. Der Reichstag hat gestern diesen Antrag angenommen. Bor der Annahme verlas die kommunistische Abgeordnete Frau Arendsee«ine lange Erklärung gegen den sozialdemokratischen Antrag, den sie ein„s o z i« l r e a k t i o n ä r e s Manöver" nannte. Die Erklärung schloß mit der Ankündigung, daß die Kom- munlstcn f ü r den sozialdemokratischen Antrag stimmen würden. Was geschieht nun mit der kommunistischen Reichstagsfraktion, die sozialreaktionär« Manöver unterftutzt? Das„sozialreaktionäre Manöver" wird bewirken, daß künftig die Kinderspeisungen hinreichend durchgeführt werden können. Oer neue Polizeipräsident von Oppeln. Personalveränderungen in der preußischen Verwaltung. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist das Mit- glied des Preußischen Staatsrats, Waldemar Offowski, zum kommissarischen Polizeipräsidenten in Oppeln ernannt worden. Der bisher kommissarisch tätige Polizeipräsident non Magdeburg, Landrat Dr. B ä r c n s p r u n g, wurde endgültig in ter Stelle des Polizeipräsidenten bestätigt. Der bisherige Regierungspräsident von Merseburg, G r ü tz n e r, ist zum Senatspräsidentcn beim preußischen Obch-verwal- lungsgericht ernannt worden. pilsudsti in sei Oer alte Ton— auch vo Warschau. 26. Juni.(Eigenbericht.)' Bor dem Staatsgenchtshof begann der Prozeß gegen den früheren Finanzmimster Czechowicz wegen Ueber fchrei- t u n g des Budgets um ein« halbe Millionen Zloty. Das Gerichtsgebäud« war von einem starken Polizeiaufgebot bewacht. Der Angeklagte Ezcchowicz betonte, auch in Frankreich, England und Deutschland werde das Budget häufig überschritten, wobei jedoch niemand auf den Gedanken komme, den Finanzminister vor Gericht zu zitieren. Die Anklage stell« ein Unikum dar. Die beiden ersten Zeugen, Innenminister General S k l a d> kowski und Handelsminister Kwiatkowfki, sogen aus: Pil- fu df ki als Ministerpräsident habe die Beziehungen zum Sejm geregelt. Der Morscholl habe geäußert, er übernehme bei der Budgetüberschreitung jede Verantwortung. Nun folgte die Vernehmung von Marschall Pilsudsti. Er erklärte, dos Gesetz, auf Grund dessen der Minister zur Bernnt- wortung gezogen werde, sei lächerlich und stelle einen Rekord von Dummheit dar. Ueberhaupt sei Stahlhelm Ade! Statt des Volksbegehrens eine Liste. Die Erklärung des Herrn von Freitagh-Loringhoven, daß der Stahlhelm sein Volksbegehren zugunsten des Hugenberg-Volks- begehren? zurückstelle, wurde in ganz Deutschland mit Hohngelächter ausgenommen. Das Lachen— Bestätigung der kompletten Stahl- helmpleite— ging den Herren auf die Nerven. Herr von Freitagh- Loringhoocn wollt« nichts gesagt haben, obwohl die Hugenberg-Presse die Authentizität seiner Worte bestätigte, die Stahlhelmleitung aber schwieg. Nach langem Kopfzerbrechen hat sie nun«in Mittel gefunden, um den Armen im Geiste glaubhaft zu machen, daß das Stahlhelm- Volksbegehren dennoch lebe. Sie veröffentlicht eine Liste des Aus- schusies für die Durchführung des Stahlh'elm-Volksbegehrcns, dem sie den schönen Namen gibt: Reichsausschuß für das deutsche Volks- begehren. Wenn schon kein Volksbegehren, so doch wenigstens eine Lifte! Aber die Regie ist schlecht. Die Liste beginnt: Graf v. Alvenslebcn-Neugattersleben. A p p u h n, Major a. D., Darmstadt. Graf Arnim- Boitzenburg. v. Arnim, Landrat a. Dr., Ragow. Und so geht es weiter, wobei neben den Grafen und Freiherr,, die Generale, Obersten und Majore a. D. den Vogel abschießen. Volksbegehren der a. D.'s! Volksbegehren adel Linter sich lassen! Wie sie gegen die Kriegsschuldlüge kämpfen. Die Rechtsverbände gedenken am 28. Juni«inen regelrecht dcutschnational-schwarzweißroten Rummel zu veranstalten, um die Hugenberg-Aktion gegen die Kriegsschuldlüge zu beleben. Wie sie die Kundgebungen vom 28. Juni auffassen, dafür zwei Beispiele: Herr Dr. jur. Dorath eus Kracker von Schwartzeit. f e l d t. Kaiserlicher Gesandter a. D.. Vorsitzender des Vereins „Kaiserdnnk", veröfscnllicht zum 28. Juni«in« Erklärung für Wil- helmvonDoorn. Die„Höllische Universitätszcitung" vom 1. Juni schreibt: „Wenn also das deutsche Volk in seiner Gesamtheit zu einem Reich vereinigt ist,. wenn dos geeinizpe deutsche Volk dann gemeinsam eine große außenpolitische Tat voll- bringt, wenn es sich in siegreichen Kriegen den nötigen Lebensraum erkämpft.. dann wird sich auch bei ihm das Bewußtsein der Kraft imd dasselbe Herren- bewnßtsein einstellen, das den Franzosen und Russen eignet, von den Engländern ganz zu schweigen." Diese Sorte von Kämpfern gegen die Kriegsschuldlüge läßt man am besten unter sich!_ Hervorragende Sachkenntnis. i. In Kaiserslautern werden Reichsbannerleute von einem Trupp Nationalsozialisten überfallen und geschlagen. Di«»Rote Fahne" bemerkt hierzu:„Für die erlittenen Mißhondtungen können sich die Reichsbannerleute bei ihren sozialistischen Ministern bedanken." Kaiserslautern Kegt m der bayerischen Pfalz.», II. Das Dortmunder Kommuniftenblatt, der„Desisölische Kämpfer". läßt sich aus Magdeburg berichten: »Unser BruberMatt, die kommunistische.Tribüne", ist heute vom sozialdemokratischen Oberpräsidenten Hörsing abermals verboten worden... Di« Artikel(folgt Aufzählung) gaben Herrn Blut-Hörsing den gewünschten Anlaß zum Verbot. Mit dem neuen, durch den Reichsbanner- g« n e r a l H ö r f i» g ausgesprochenen Verbot soll usw. usw----" Genosse Hörsing ist vor mehr als Jahresfrist von seinem Amt als Oberpräsident der Provinz Sachsen zurückgetreten. Der jetzig« Oberpräsident von Sachsen ist Genosse Wäntig. III. Mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird, hat vor einigen Jahrhunderten der schwedische Kanzler Oxcnstierna bestaunt. Lebte Oxenstierna heute, so würde«r sich baß darüber chundern, mit wie wenig Verstand kommunistisch« Zeitungen redigiert werden. Oie Austösung der Kamiliengüier. GesetzentwurfzurAenderung derergangenen Bestimmungen Auflösung ver Fiveikommisse bis 1. April 1935. Das preußische Staatsministerium hat auf Grund eines Be- schluffes des Landtags vom 12. April d. I. dem Staatsrat einen Gesetzentwurf über Aenderungen der zur Auflösung der Familiengiiter und der Hausocrmögen ergangenen Gesetze und Ver- ordnimgen zugehen lassen. Wie dem'Amtlichen Preußischen Prcsiedicnst von unterrichteter Seite geschrieben wird, sollen durch das in Aussicht genommene Gesetz die Mängel behoben werden, die bei der Durchführung der durch Artikel 153 der Reichsversassung angeordneten Auflösung der nem Element. dem Staatsgenchtshof! die gesamte polnische Verfassung das Werk von Pfuscher». die Anklage gegen Czechowicz sei tnik einem Rilnolmord zu vergleichen. Man habe dadurch nur ihn. Pilsudski, treffen und beleidigen wollen. Die acht Millionen des Dispositionsfonds des Ministerpräsidenten, dessen Uederschreitung dem Finanzminister vor ollem vorgeworfen werde, habe e r auf sein« eigene Verantwortung genommen. Den Sejm-Leuten— so fuhr Pilsudski— fort, sei der Verstand ver- dunkelt. Sie ähnelten einer Spielsache, die er einmal gesehen habe: einem Männchen mit zw-i Oeffnungen, einer vnter der Rase und einer auf der hlnterseite. aus beiden kommen Laute, doch da» Männchen drehe sich so schnell, daß man nie sagen könne, von weicher Seite die Laute kämen. Wenn ein solches Männchen zu sprechen anhöbe, so könne man den Namen von Vater und Mutter vergessen. Den Abgeovdn«ten,An- klägern erklärte Pilsudski wörtlich:»Meine Herren, meine Hände sind rein und stinken nicht so wie die Ihrigen/' Fideikommlsse hervorgetreten sind. Zur Beseitigung des hauptsächlichsten Mangel», der darin besteht, daß sich die Auflösung nach dem geltenden Recht zulange hinzieht, schlägt der Entwurf vor, daß spätestens am 1. April 1935 sämtliche fideikommissa- rischcn oder sonstigen im Interesse einer Familie bestehenden Bin- düngen von Gütern erlöschen sollen. Nach dem Stichtag werden somit in Preußen keine Familienfideikommisse, Erb- stammgüter, Lehen und Hausvennögen(Hausgüter) mehr de- stehen, während es bei der jetzigen Regelung zwei Menschenolter bis zur Beseitigung sämtlicher gebundenen Vermögen dauern würde. Geldfideikommisse sollen bereits beim Inkrafttreten des neuen Gesetzes, das für den I. Oktober 1939 vorgesehen ist, erlöschen. Auch soll das Familienschlußverfahren wesentlich vereinfacht wer- den, so daß zu erwarten ist, daß auch von den übrigen gebundenen Vermögen eine große Anzahl noch vor dem Stichtag freiwillig aufgelöst wird. Zettinim gegen Verfassung. Lehrreiche Abstimmung im württembergischen Landtag. Slulkgart, 26. Juni.(Eigenlbcricht.)'' Anläßlich der Beratung des Etats der Universität stellte diö Sozialdemokratische Fraktion im Württembergischcn. Landtag den Antrag, daß die Regierung„für eine Durchdringung des Unterrichts in allen Schulen und Hochschulen des Landes mit dem Geiste der in den Berfasfun gen des Reich«» und der Länderniedcrgelegten staatsbürgerlich«» Grund- sätz«" Sorg« tragen soll. Für den Zlntrag stimmten außer den Sozialdemokraten nur die Demokraten, der Christliche Volksdienst. die Volksrechtspartei und der Zentrumsabgeordnete Andre. Di« Rechtsparteien, das Zentrum, die Deutsche Bolkspartei, der- Nationalsozialist und die Kommunisten wirkten einträchtig zusammen, um den Antrag zu Fall zu bringen. Treffender konnte insbesondere das württembergssch« Zentrum feine reaktionäre Einstellung gegemiber der Rspublik nicht zum Ausdruck bringen. Beschönigung eines Mordversuches. Durch das elsofsische Flüchttingsorgan. In der Nr. 23 der„E l s a ß- L o t h r in g i sch e n Mit, t e i l u n g c n", dein Intcressciiorgan der ausgewiesenen Elsaß. Lothringer, finden wir folgende Meidung: „Der Prozeß gegen den Bürgermeisterssohn B e n o i t, der im Zusammenhang mit dem Colmarer Autonomsstenprozeß vor Per Wohnung des Generalstaatsanwalts Fachst blindlings einig« Schüsse abgab, von denen einer die Bauchfettfchicht des Herrn Fachst leicht oerletzte, findet am 4. Juli vor dem Schwur- gericht in Poris statt." Der Bürgermeisterssohn Benoit, der angeblich blindlings einige Schüsse abgab, ist ein Opfer der klerikalen Hetz«. Um den Gcneralstaotsanwalt Fachst zu treffen, reift« Benoit nach Paris und lauerte dort mehrere Stunden vor dem Wohnhaufe Fachst auf. Ais er endlich Einlaß fand, gab er mehrere Schüsse auf Fachst ab. Si« trafen nicht die B a u ch f e t t f ch i ch t, sondern verwundeten de» Staatsanwalt so, daß er wochenlang zwischen Leben und Tod schwebte. Ob das Organ der ausgewiesenen Elsaß-Lothringer gut beraten war. die Tat eines Verhetzten so qucisi als ein rlsässschez Kirmesvergnügen hinzustellen und dos Opfer zu bespötteln, ist aller- ding» Geschniacksache; ganz bestimmt ab«r ist«»«in« poli» tische Taktlosigkeit, die sich ein politisch neutral sein wollen- des Blatt im Interesse der Ausgewiesenen hätte schenken können. Nichts Hot im übrigen der autonomistischen Bewegung so sehr geschadet wie dieser sinnlose Anschlag. Alle Autonomistcnführcr und -blotter sind von dieser Tat entrüstet abgerückt. Es blieb dem i n Deutschland erfcheinenten Organ der Allelsässer vorbehalten, diese Mordtat zu beschönigen und als etwas Komisches hinzustellen. Diese Witzeleien erinnern stark an die Kommentare rechtsstehender Blätter zu dem Revoloeranschlag auf Crzberger in Moabit im Winter 1921 sowie an die berüchtigte Kennzeichnung des Mord- anfchlages auf Scheidemann durch die„Deutsche Tageszeitung* als ein„Attentat mit der Klyftierfpritze". Oeuisch-österreichisches Strafrecht. Die deutsch-österreichische Konferenz zur Angleichung des Straf, rechts findet vom Sonnabend, dem 29. Juni bis Montag, dem 1. Juli, in München statt. An der Konferenz werden, wie üblich. Vertreter des Deutschen Reichstags und des österreichischen Parlaments sowie deutsche und österreichische Rcgi«riing°vcrtret«r teilnehmen. Der Skrasrechlsausschuß des Reichslage» hat sich nach Abschluß der Beratung des Abschnitts„Körperverletzung" des Allgemeinen, Strafgesetzbuches vertagt. Der Ausschuß'wird voraussichtlich vier Wochen vor dein Beginn der Herbsttagung. also etwa Anfang Oktober, wieder zusammentreten. Die Zenlrumssroklion des Reichslag» beschloß, die Wohl de» Froktionsoorstandes(is zum Herbst zu vertagen. Sollten während der Sommerpause irgendwelche Verbandlungen notwendig sein, s, ist mit deren Wahrnehmung der Abg. Dr. Brüning von der Fraktion betraut. Die Kstverorönungen im Landiag. Dlihschlag wahrend der(Sihung. Auf d«r Tagesordnung der Mittwochsigung des Preußischen Landtags standen die drei Notverordnungen der Staats- regierung über die Verlängerung der Grundvermögens-- st euer, der Hauszins st euer und der Gewerb« st euer um ja ein Jahr. Bcfamltich war die Verabschiedung der Notverord- nungen durch den Ständigen Ausschuß notwendig geworden, weil die nereinigta Obstruktion der Oppositionsparteien von rechts und links die Verabschiedung der Steuergeseße im Landtag unmöglich machte. Für die Obstruktion der Opposition waren weniger sachliche Gründe maßgebend, als vielmehr dos Bestreben, der Regierung nur jede erdenkliche Schwierigkeit zu bereiten. Dabei kam es den Rechts- Parteien nicht darauf an, die Etats der Kommunen, die bereits uus- gestellt waren, in Unordnung zu bringen. Gegenüber diesem durch die Verantwortungslosigkeit der Opposition geschaffenen Notstand blieb der Regierung kein anderer Weg, als die Stsuergesetze durch Notverordnungen und Ständigen Ausschuß zu verlängern. Die Aus- führungan der Redner der Rechtsparteien kritisierten denn auch weniger den materiellen Inhalt der Gesetze als die nach ihrer Ansicht unzuläsiig« und verfassungswidrige Verabschiedung durch den Stän. digen Ausschuß. Die Deutschnationaien haben inzwischen Klage heim Staatsgerichtshss«rhvben und hoffen ans Ungültigkeitserklärung der Verordnungen. Eine größere Debatte entwickelte sich lediglich bei der Beratung der Verordnung über die Verlängerung der Hauszinssteuer, in der der sozialdemokratische Abgeordnete Meyer-Zoling«n den Vorwörfen der Rechtsparteien entgegentrat, di: gerade diese Steuer als unsittlich bezeichneten, da sie auf Inslatiansgewinnen beruhe. Er wünschte noch mehr solcher Steuern, die die Inflationsgewinn« er- fassen und damit zweifellos viel mehr für die durch die Inflation verarmten Vevölkerungsschichten tun können. Würden nach den Ge- setzen der freien Wirtschost Wohnungen geballt, so wären weite Be- völkerungsschichten nicht mehr in der Lage, die hohen Mieten zu zahlen. Es war sicher ein Verdienst, hervorzuheben, daß es ohne diese angebliche Finanzdiktatur der Regierungskoalition in Preußen nicht möglich gewesen wäre, ohne die Hauszinssteuer di« Bautätig- keit in diesem Jahre fortzusetzen. Dabei zog er einen scharfen Trennungsstrich zwischen der wirklich gemeinnützigen Bautätigkeit »nd einer solchen, die sich nur so nennt, um ihre dunklen Prosit- absichten zu verschleiern. Di« drei Verordnungen wurden schließlich dem Houptaus- f ch u ß zur weiteren Beratung überwiesen. Das Hans beschäftigte sich außerdem noch mit cinein deutsch- nationalen Antrag aufAufhebung des D i s z i p l i n a r ge- setzes für richterliche Beamt«. Dabei handelt es sich um die Bestimmung des Gesetzes vom 31. Juli 1922, wonach auch Richter diszipliniert werden können, die insofern ihre Pflichten verletzen, als sie Bestrebungen auf Wiederherstellung der Monarchie oder gegen den Bestand der Republik durch Mißbrauch ihrer anitlichcn Stellung fördern. Der deutschnotionale Redner Dr. Kaufmann, der den Antrag begründete, stellte sich auf den Standpunkt, daß die Be stimmungen des Disziplinargesetzes für richterliche Beamte von 1851 völlig genügten. Abg. Kutt» er(Soz.) trat ihm mit dem Hinweis entgegen. daß dieses Gesetz von 1922 kein Ausnahme-, sondern ein Aus- iegungsgesetz sei. Vorkommnisse der allerletzten Zeit, wie dos be- rühmte'..Kuhfladen- II rteil', hätten zur Genüge bewiesen. daß der Staat«in Interesse daran haben müsse, seine Existenz durch eine solch« Art von Rechtsprechung nicht unterg'-aben zu lassen. Die Toleranz des Staates müsse ihre Grenze haben gegenüber der In t oleranz seiner Gegner. Der Antrag der Deutschnotionalen wurde denn auch abgelehnt. Eine ausgedehnt« Debatte entspann sich bei der Beratung der Ausschußanträge über die Notlage der O st Provinzen über die Ausstellung eines Grenzlandprogramms Das Staatsminist.-rium soll ersucht werden, bis zu 19 Millionen für Schlesien, für die Re- ai«rungsbezirke Frankfurt an der Oder und Küstlin bis zum Txrbst flüssig zu machen und auch an die Reichsregierung zur Bereitstellung weiterer Mittel heranzutreten. Die Ausschußanträge wurden an- oenommen. Zum Schluß sordertc noch der Nationalsozialist Ku b e zur Geschäftsordnung, daß am Donnerstag«in Antrag seiner Freunde auf die Tagesordnung gesetze wies, der die Regierung er- sucht, vor der Verabschiedung des Konkordats Stellung zu dem Urteil des Staatsgerichtshoss wegen der Mandatsverteilung bei den preußischen Landtagswahlen zu nehmen. Nacy seiner Meinung stände zwar hinter der Regierung«ine Mehrheit der Mandat«, ober nicht eine der Wähler. Wichtige Gesetzesvorlagen könnten vor einer Revision der Mandatsoerteilung nicht verabschiedet werden. Ihm trat der Abg. H e i l m a n n(So z.) entgegen, der ganz entschieden bestritt, daß ein Urteil des Staatsgerichtshoss wegen der preußischen Mandatsverteilung ergangen sei. Die preußische Re- gierung solle sich lediglich bis zum 39- September darüber erklären. Es sei nicht Sache des Landtags, darüber zu besinden. sondern dieses Recht stehe nach der Verfassung dem Landeswahlleiter und dem Wahlprüfungsgericht zu. Der Antrag verfiel der Ablehnung. Während Heilmanns Rede ging der B l i tz s ch l a g eines vorüber- ziehenden Gewitters in den Ableiter des Landtagsgebäudes nieder und durchschlug mit bläulicher Flamme auch die«Sicherungen der Loutsprecheranlagen des Sitzungssoales. Dos gab dem National- soziallsten Knbe Veranlassung, den Sozialdemokraten zuzurufen: Auch bei euch wird's bald einschlagen! Dieser Geistesblitz des Herrn Kube schlug jedoch nicht ein! Die nächste Sitzung findet am Donnerstag, dem 27. April, statt. Trothas Angst vor der Wahrheit. Willfährige Aemter. Das Gutachten, da? der früher« Deckofstzier, später« Marine- sekretär Alboldt vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstags über den Zusammenbruch der kaiserlichen Marin« erstattet hat. ist bekanntlich als Sonderdruck unter dem Titel„Die Tragödie der alten deutschen Marine" erschienen. Jetzt soll dies Buch ins Spanische und ins Englische übersetzt werden, um in Nord- und Südamerika verbreitet zu werden. Aus Angst vor der Wahrheit hat sich der frühere Vizeadmiral v. Trotha nun hinter dasAuswärtigeAmt und das Reichswehrmini st cri um gesteckt, um die Herausgabe des Buches in spanischer und englischer Sprache zu hintertreiben. Der Nerleger des Buches, der Verlag für Politik und Geschichte, der in seinem Vertrage mit dem Reichstage das Uebersetzungsrecht hat, wendet sich an den Untersuchungsausschuß des Reichstags, um eine Art politifch-moralischer Rückenstärkung zu erlangen gegenüber dem vom Auswärtigen Amt und dem Reichswehr- Ministerium ausgeübten Druck, die Beröfsentlichung zu unterlassen. Am Dienstag wußte weder der Vertreter des Zluswärtigen Amts noch der Dertreter des Reichswehrministeriums, wcsl)alb sich die beiden Aemter gegen die Beröfsentlichung gewendet hoben. Deshalb wurde di« Sitzung aus Mittwoch vertagt, um den Herren Gelegenheit zu geben, sich zu erkundigen. Oer Büngerblock in Sachsen. A Ä I *§ Ä I •■4 Wie weit wird er auf dieser Basis kommen. Die feindlichen Ministerpräsidenten Heldi gegen Nünger.- Siaatsgerichishof hilf! Dresden. 2S. Juni.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische„Dresdener Volkszeitung" schreibt zu der Wahl Büngers zum Ministerpräsidenten: „Durch die„Wohl" des Herrn Büngcr ist die Unsicherheit in Sachsen eher größer als geringer geworden. Der Rechtsboden des neuen Ministerpräsidenten ist sehr zweifelhaft. Die sächsische Verfassung bestimmt, daß ein Ministerpräsident die Mehrheit aller bei der Wahl abgegebenen Stimmen haben muß. Nun steht zwar in der Geschäftsordnung des Sächsischen Landtages, daß bei Wahlen weiße Slimmzettcl mm zur Feststellung der Beschluß- sähigtcit mitzuzählen sind, aber es spricht viel für die Anschauung, daß diese Geschäsls- ordnungsbestlmmung für die Ministerpräsidentenwahl keine Gültigkeit Hot.«eil sie dem Wortlaut der In?rage kommen- den verfasfungsbestimmung entgegensteht. Es sollen auch Gutachten von Regierungsjuristen vorgelegen haben, von denen der Standpunkt vertreten wird, daß die zwölf weißen Zettel der Kommunisten bei der Feststellung des Abftimmungsresultats mitgezählt werden mühten. Der bisherige Ministerpräsident Heidt ist mich der Meinung, daß die Wahl Büngers trotz des Bejchlusszs des Landtages ungültig ist. Er hat ebenso wie der der Auf- wertungsporte: angehörende bisherige Justizminister von Fumcrti mit her Linken gegen die Gültigkeit der Wahl Büngers gestimmt. Der Landtagsbefchluß, der die Wahl Büngers für gültig erklärte. konnte nur zustande kommen, weil Heidts Parteigenosse, der frühe:« sächsssche Ministerpräsident und sozialdemokratische Reichstagsabge- ordnete Buck mit der Rechten stimmte, sonst wäre die Gültigkeits- erklärung mit 48 gegen 48 Stimmen abgelehnt worden. Ueber das Berhaltcn Bucks soll in der ZlSP. große Unzufriedenheit herrschen. Obgleich heldl glaubt, daß er eigentlich noch Ministerpräsident ist und nicht Büngcr, wird er doch das Feld räumen. Es ist aber keineswegs ausgeschlossen, daß die Wahl Bänger» durch eine klage vor dem Slaolsgerichtshos angefochten wird. Auch politisch fehlt Bänger noch die notwendige Grundlage. Zu einer Mehrheitsbildung braucht er sowohl die Demokraten wie die Nationalsozialisten, und es ist oorläusig nicht abzusehen, wie diese beiden Gruppen unter einen Hut gebracht werden sollen, hie Nationalsozialisten wollen weder einen demokratischen Innen- noch einen demokratischen Kultusminister dulden und stellen noch ander« Bedingungen, die aber nicht nur für die Demokraten, sondern auch für die Deutsche Volkspartei unannehmbar sein dürsten, wie z. B. die, daß die sächsische Regierung im Reichsrat gegen den Doung-Plan stimmt. Außerdem dürften sich noch andere Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung ergeben. So verlangt dos sächsische Land- voll für sich dos W i r t s ch a f t s m i n i ft e r i u m und außerdem fordern die D e u t s ch n a t i o n a l e n noch das Justizministerium. Sollte Büngcr versuchen, mit einer Minderheitsregierung vor den Landtag zu treten, so würde ihn möglicherweise recht bald ein Mißtrauensvotum ereilen. Müßten doch die National- sozialistcn einem von der Linken kommenden Mißtrauensvotum zu- stimmen, wenn ihre Bedingungen nicht erfüllt werden. Es sei denn. daß sie, die den Mund so voll genommen hoben, einen recht jämmerlichen politischen Rückzug antreten wollen." Schon jetzt muß man fragen: Wie kommen das Auswärtige Amt und das Reichswehrministenum dazu, sich für die alle kaiserlick)« Marine einzusetzen, für die der Reichswehnninister Dr. Geßler seinerzeit mit vollem Recht jede Berantwortung abgelehnt hat? Im übrigen wird sich dieser Bcvsuch, die Verbreitung des Albaldt'schen Buches im Auslände zu hintertreiben, als die beste Reklame dafür aus- wirken. Oer Vermahlungszwang. Dom handelspolitischen Ausschuß beschloffen.' Der handelspolitische Ausschuß des Reichstages beriet gestern Antröge über Getreide- und Futtermittelzöll«. Berpslichtung der Mühlen zur Vermahlung inländischen Getreides und«in Antrag betr das Getreidemonopol. Ein Antrag der Abgg. Dr. Zopf einborung zu de in dentsch-sranzöjischen Handels- abkommen vom 17.'August 192? für die Dauer von 9 Monaten vorläufig in Kraft zu setzen. Dieses Gesetz soll mit dem Tage der Berlündung in Kraft treten und bis zum 31. August 1929 in Gel- tung bleiben. Mit 17 Stimmen wurde dann der eingangs mitgeteilt« Antrag der Abag. Dr. Zapf, Dessw-er und Tongen angenommen. Der dritte Gegenstand der Tagesordnung, der das Getreide- Monopol behandelt, wurde auf Wunsch der Antragsteller zu- r ü ck g e st c l l t. Am Donnerstag wird der deutfch-estländische Handelsvertrag behandelt. 3,75 Millionen zur Bewegung der Grnte. Die Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Volksportei, der Demokraten und der Boperischen Volkspartei hoben zur dritten Be« ratung des Haushalts des Reichsernährungsministeriums einen An- trag eingebracht, wonach zur Förder iiiig der Bewegung der Getreideernte für die erste Hälft« des Jahre» 1929/1939 3 759 999 Mark in den Etat eingesetzt werden sollen. Im Hausholt 1939 soll für den gleichen Zweck ein Betrag oon 7.5 Millionen zur Verfügung gestellt werden. Oer deuisch-estnische Handelsvertrag. Dom Auswärtigen Ausschuß genehmigt. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags setzt« unter dem Vorsitz des Abgeordneten Scheidemonn(Soz.) die Beratung über den deutsch- estnischen.Handels- und Schiffahrtsvertrag fort. Noch längerer Aussprache wurde der deutsch-estnische Vertrag vom Auswärtigen Ausschuß genehmigt. Hierbei wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: Der Reichstag erwartet von der Reichsregierung, daß sie in Fortführung der bisherigen Berhairdlungen mit allein Nachdruck die Interessen der geschädigten Reichsdeutschen in Estland vertritt. Der Deutsche Lehrerverei» teill mit. daß die Vorstände des Tonne abweichen, und damit ferner die B r o t p r e i s e nicht über Der Deutsche Lehrerverein teu« mit. daß-»-«ontanw res den Durchschnitt der zwölf Monate Juli 1928 bis Deutschen und des Preußischen Lehrervereins«ine Entschließung Juni 1929 steigen. g«gen das Kvnkordat gefaßt haben. Ein Schreiben von William Green Zum Thema der wiffenschastlichen Reiriebsführung. In den Tagen vom 19. bis 23. Juni wurde in Paris der 4. Internationale Kongreß für wissenschaftlich« Organisation der Arbeit abgehalten, an dem sich etwa 1190 Delegierte, darunter 30 deutsche, aus 35 Ländern beteiligten. In der Schlußsitzung wurde ein Begrüßungsschreiben des Präsidenten des Amerika- nischen Gewerkschaftsbundes, William Green, ver- lesen, das nach den«inleitenden Begrüßungsworten lautet: „Da die Anwendung der Methoden wissenschaftlicher Betriebs- führung gerade die Arbeiterschaft so direkt angeht, sind wir dex Ueberzeugung, daß dieser Gelegenheit gegeben sein sollte, vor Annahme derselben alle Ausklärungen beizusteuern, welche sie aus ihrer Erfahrung in bezug auf deren Ausführbarkeit und ihren Einfluß auf Wirtschaftsethik und Produktion geben können. Die Arbeiterschast hat ein lebhaftes Interesse an d«r Steige- rung der Produktion, denn nur gesteigerter Wirtschafts- ertrag kann ein« fortwährende chebung des Lebensstandards herbei- führen. Die Gewerkschaftsbewegung ist daher bereit, an den Be- strebungen zur Hebung der Wirtschaftlichkeit in der Produktion mitzuwirken, sofern L o r s o r g e gctrossen ist, um die G e- rechtigkeit und Billigkeit dabei sicherzustellen. Die Zlmerikanischen Gewcrkschaftsvereinigung anerkennt die Totsache, daß die Interessen der Lohnempfänger innigst verwoben sind mit den Interessen aller anderen Gruppen, die in den Produk- tionsbctrieben zusammengefaßt sind, und daß der Fortschritt der Arbeiterklasse zusammenhängt mit dem Fortschritt der Gesamtheit und des Staates. Soll Industrie di« Produktion aufrechterhalten, soll Bolks- und Staatswohlsahrt dauernd erholten bleiben, so ist es erforderlich, daß sowohl Lohnempfänger wie auch die anderen Gruppen dauernd bei Kaufkraft erhalten werden Insolange die Industrie in Massenproduktion eine große Anzahl von Lebenserfordernisscn und Luxusartikeln auf den Markt bringt, wird sich ein Allzuviel ansammeln, welches zur Wirt- s ch a s t s k r i s e führt, sofern nicht die Massen der Bevölkerung Geld zum Sausen und Zeit zum Verwenden haben. Mit wachsendem technischen Fortschritt werden die Derant- wortlichkeiten der Industricführer immer schwerer. Die Hauptverantwortung für Ausschaltung der Vergeudung in der Produktion liegt auf den Schultern der Betriebsfüh- rung, ebenso die Verantwortung für die Sicherstellung dauernder Beschäftigung der Arbeitnehmer. für stete» Ansteigen der Löhne im Einklang mit dem Ansteigen der Wirtschaftlichkeit, für Vor- und Fürsorge für die Arbeitnehmer, welche durch Maschinen- einsührung und sonstige technische Verbesserungen überzählig werden. Aber auch die Arbeiter selb st tragen eine Verant- wortlichkeit für dies« Fragen, die sie durchihre Gewerkschaf- t e n behandeln können, sosern nur di« Mittel und Wege zur indu- striellen Zusammenarbeit eingerichtet sind. Die Arbeiterschaft gibt sich Rechenschaft, daß die große Gelegenheit für konstruktive Tätigkeit in dem Augenblick eintritt, wenn mechanische Kraft und Maschinenausrüstung die Werkzeuge für größeren Arbeitseffekt beistellt und es ermöglicht, daß eine höher« Stufe von Tüchtigkeit eintritt, die größere Anforderungen an Ausbildung und Urteil stellt. Jede Gruppe in der Wirtschaft muß Schritt halten mit der Richtung und der Geschwindigkeit des Fortschritts, wenn sie nicht zum Hemmnis desselben werden soll. Die Arbeiter sollten daher aufgefordert werden die Wirtschaftsführung teilhaftig werden zu lassen ihre» gesunden Urteils, ihres Rates und ihrer Erfahrung, die sich auf industrielle Probleme beziehen, welche von gegenseitigem Interesse sind. Nicht nur sollte ihnen weiteste Ge- legenheit zur Leistung kollektiver Dienste gegeben werden, sondern auch Gelegenheit zu kollektiven Vorschlägen. Der- artige Methoden sollte die Betriebsleitung begünstigen. Urquell des Fortschritts ist geistige Kraft. Den größten Schrstt vorwärts wird die Wirtschaft erst machen, wenn die schöpfe- rischen Kräfte aller ihrer Mitarbeiter in Arbeit entbunden sein werden." Der Vorsitzende des Kongresies begrüßte dieses Schreiben als ein Zeichen für das Interesse, das die Gewerkschaften Problemen entgegenbringen, denen sie solange abweisend gegenübergestanden hätten. Worum und weshalb, dos geht aus Greens Ausführungen mit aller Deutlichkeit hervor. Verbandstag der Buchdrucker. Aus dem 14. Verbandstajj der deutschen Buchdrucker, der seit Montag im Volksbildungsheim in Frankfurt a. M. tagt, gab nach den Begrüßungsreden der Vertreter der Behörden, der befreun- deten Verbände und der ausländischen Bruderorganisationen der Verbandsvorsitzcnde, Genosse K r a u tz, den Geschäftsbericht für die Zeit feit dem letzten Verbandstage im Jahre 1926 in Berlin. Dom 1. Januar 1926 bis zum 31. Dezember 1928 ist die Mitglicderzahl von 79 340 auf 83 908 Mitglieder gestiegen. Die Organisation zählt jetzt rund 15 000 Mitglieder mehr als in der Vorkriegszeit. Die L e h r l i n g sä b t e i l u n g weist für die gleiche Berichts- Periode eine Zunahme von 11 330 auf 1 7 327 Mitglieder auf, woraus hervorgeht, daß etwa 85 Proz. aller im Buchdruckgewerbe tätigen Lehrlinge im Buchdruckeroerband organisiert sind Zusammen mit den Lehrlingen hat der Deutsche Buchdruckerverband jetzt über 100 000 Mitglieder. Bei der Berichterstattung über die Lohn- und Tarif- bowegungcn in den letzten Iahren wies Krautz besonders auf die Lohnbewegung im Frühjahr 1928 hin, die bekanntlich mit der Verbindlichkeitserklärung eines u»genügen- den Schiedsspruches beendet wurde. Durch einen Streit trotz der Lcrbindlichkeitserklärung wäre zweifellos der Tarif- und Schlichtungsfeindschaft des Gesamtuntcrnehmertums in die Hände gearbeitet worden. Das durste nicht geschehen, weil das Schlichtungswesen nicht nur eine Sache der Buchdrucker oder einer Einzelgewerkschas: ist, sondern eine die gesamte Gewerkschaftsbewegung berührend» wichtige soziale und wirtschaftspolitische Frage. Bei dem Kampf gegen das Schlichtungswesen geht es um eine Position der Arbeiter und nicht um eine Position der Unternehmer, was sich am besten bei dem Ruhrkampf im vorigen Jahre gezeigt hat. Durch die Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts ist ohnehin eine gewisse Krise im Schlichtungswesen herbeigeführt worden. Starke Gewerkschaften können es wohl ertragen, daß nur noch ein Mehrheitsschiedsspruch für verbindlich erklärt werden kann, weil dadurch ihre Handlungz- freiheit erweitert wird. Für weite Schichten der Arbeiterschaft jedoch liegen die Dinge wesentlich anders. Sie sind auf die Zwangsschlichtung an- gewiesen. Gelänge es der großen Industrie, den Schlußstein aus dem Gebäude des Tarifrechts, die Verbindlichkcitserklärung, zu be- seitigen, dann würde es mit dem Abschluß von Kollektivverträgen durch die Verbände bald vorbei sein und der von den Unternehmern gewünschten Rückkehr zum individuellen Arbeitsvertrag oder zum Werkvertrag Tür und Tor geöffnet werden. Die Arbeiterschaft hat jedenfalls alle Ursache, am Schlichtungswesen fest- zuhalten und seinen weiteren Llusbau zu betreiben. Der Berichterstatter wandte sich dann gegen di«„Reform"vor- schlage der Unternehmer zum Schlichtungswesen, sowie gegen die Anträge, die mit den Forderungen der Unternehmer auf radikalen Abbau des Schlichtungswesens teilweise konform gehen. Er betonte, daß man sich in Deutschland nicht den Luxus dauernder Erschöpfungs- kämpfe leisten könne, sondern die Hilfeleistung des Staates beim Abschluß von Kollektivverträgen auch als ein Wegzeichen auf der Straße zur Demokratisierung der Wirischost betrachten müsse. Auf die lohnpolitischen Erfolge der Organisation eingehend, wies Genosse Krautz nach, daß es seit der Zeit der Iammerlöhne im Jahre 1924 gelungen ist, die tarif- lichen Durchschnittslöhne um 21,9 Proz. zu heben, während die Steigerung des Lebenshaltungsinder 10,3 Proz betrage. Der Real- lohn ist also, wenn auch die amtliche Lebenshaltungsziffer kein richtiges Spiegelbild der Lebenshaltung gibt, ohne größere Kämpfe ge- stiegen. Die große Spanne zwischen den Löhne» der ein- zelnen Berufsgruppen hat aber zu einer organisatorischen Spannung geführt, in deren Zusammenhang auch die Bewegung der Handsetzer steht, di« aus eine endgültige Zusammenfasiung zu einer Sparte drängen. Diese Frage wird im Verlauf des Verbands- tages noch durch eine» Beschluß erledigt werden. Gegen die Ein- richtung besonderer Unter st ützungskassen der einzelnen Sparten müsse der Hauptvorstand sich nach wi« vor energisch wenden. Der Redner behandelte dann die aktuellen Fragen der Sozialpolitik, besonders die zurzeit wichtigste Frage der Arbeitslosen- Versicherung. Die gesamte Arbeiterschaft wird an der Arbeitslosenversicherung nicht rütteln ui»b sich die Frucht des langen Ringens und die gesetzliche Ver- sorgung der Opfer der Rationallfierung and der kapkkaftstkfchsn Profitwirtschaft nicht wieder entreißen lassen. Der Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes sieht auch für das Buchdruckgewerbe unzählige Ausnahmebestimmungen vor. Die Organisation wird ihr möglichstes aufbieten, um dem Gesetzentwurf die Gistzähne auszubrechen. Krautz schloß seinen Bericht mit einigen Dankesworten an die Funktionäre der Organisation und der Aussonderung, eine ties- gründige, schließlich auch scharfe ober berechtigte Kritik zu üben. Der Verbandskassierer Schweinitz teilte u. a. mit, daß das Verbandsvermögen Ende 1926 insgesamt 4 324 691 M. oder pro Mitglied 53,74 M. betrug, Ende 1928 dagegen Hot das Verbandsvermögen 8 336 964 Al. betragen, ist also auf 9 9,36 M. pro Mitglied gestiegen. Dem Verband ist es nach dem Zusammenbruch der deutschen Währung in kurzer Zeit wieder gelungen, das Unter st ützungswesen wieder in vorbildlicher Weise aufzubauen und der Organisation ein starkes wirtschaftliches Rückgrat zu geben. Erfolg der Köln-Bonner Eisenbahner. Köln, 25. Juni.(Eigenbericht.) Der Lohnkonslikt der Köln-Bonner Eisenbahner, bei dem etwa 1000 Arbeiter in Frage kamen, ist am Montag den späten Abend- stunden von dem Schlichter durch eine Verständigung beendet worden. Donach werden die Löhne mit Wirkung vom 1. Juni an allgemein um 4 Pfennig, in der Sonderklasse um 5 Pfennig erhöht. Am 1. April 1930 folgt ein« weitere Zulage von 1 Pfennig. Das Abkommen läuft bis Ende Dezember 1930. Eine überfüllt« Versammlung der Eisenbahner hat die Vereinbarung angenommen. Der Erfolg der Arbeiter'kt um so bemerken?- werter, als die Verwaltung der Köln-Bonner Eisenbahnen ursprüng- lich nicht mehr bewilligen wollt» a's der Schiedsspruch für die Reichsbahn vorgesehen hat. Aus der Tagung der Exekutive der Bauarbeilerinlernationole in London ist u. a. auch die Möglichkeit internationaler Tarif- o e r t r ä g e erörtert wanden. Die Exekutive beschloß die finanziell» Unterstützung des jugoslawisch«« Bauarbeiterver- ba n des, der unter der Diktatur schwer zu leiden hat. Der Manleltaris für das Berliner Glasergewerbe läuft nicht, wie kürzlich im„Vorwärts" infolge eines Druckfehlers mitgeteilt wurde, bis zum 30. Juni 1931, sondern genau wie der Lohntarif bis zum 30. Juni 1930. Der deutsche W erkmeisterverband, Bezirk X, Berlin, Kurfürsten- straße III, hat die Telephonnummer B 5, Barbarossa 2542— 43. Sie war im gestrigen Morgenblatt falsch angegeben. W ArttdrichOh«!»! beute, IDVi Uhr, in Schmidt» iZestlalcn. s=:i lZruchtstr. S6-. Versammlung aller SP?.-Genossen. Tagesordnung: f=i t. Referat des Genossen E. Zachert Über„Demokratisierung- der Ver. H wastung". 2. Aussprache. 3. Neuwahl des zraktionsvorstandes. Rege Beteiligung erwünscht. Der Aralti»n»»orftand. »�m'e Gewerkschafis-Zugend Groß-Berlin f: beule. Donnerstag. lS'i Uhr, tagen die Gruppen: Rpabii: Stadt. Zugendheim Lehrter Str. 18— 19. beute haben unsere Mädels das Wort.— Wedding: Städt. Jugendheim Orthstr. 10.«nr,referate:„Unser Berus".— Lichtenberg! Jugendheim Hauffstrahe, an der Lessingltrahe. Lieder- abend.— Tempelhos: Gruppenheim, Liueuni Germaniastr. 4—6. Vortrag: „Gnmnastik und.Odrperlultur".— Südosten: Gruppenheim Reschenderger' Straße fiti ssseuerwehrha»»). Lichtbildervortrag:„Die Vogelwelt in der Mari Brandenburg".— Köpenick: Jugendheim, Grünauer Str. 5. Musik- und Lieder- abend.— Sch»»eweide: Jugendhelm Bbeischäneweid«, Laufener Str. 2(oberes hinteres Zimmer). Liederabend.— Gesunbbrungen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburqer Straße. Vortrag:„Rationalisierung der Arbeitersehast".— Wir treiben Sport ab 18 Uhr: Srnpp« bumboldt und Gesundbrunnen: Ans der Spielwiese im Kumboldthain.— Gruppe Reukölln-bermaunplat,: Auf der kleinen Wiese im Volkspark Sasenheide.— Jirei» vberspree: Auf der Wiese 8 des Treptower Parks. @Iuaenvaruppe de«l?entralverbanl»es der Anaesiellten beute. Tonnerstag. sind solaende Veransialttngent Ofteit: Jugendheim Litauer Str. 18. Vortrag:„Wandern und Schauen". Referent: Werner Tecker.— Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. 53(Zugang von der Graeh. strafte in Treptow).„Wilhelm. Busch-Abend".— Schöueberg: Jugendheim Sauvt- strafje 13, Sosgebäude(Thüringen, immer). Lichtbilderoortrag:„Eine Reise durch die Sächsische Schwei,". Reserent: Erich Bredow. Verantwortlich sllr Politik: Dr. Uhr nedueitttti n der Heepl-Eipeditien du Vonrjrti, Liadentnle 3. ehgegebeii«erdee.Dinelbc iituedmUfieeenenins l'Mlthr bii nidiei. 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IumilSTY Gewitter ü Lteberschwemmungen Gefiern nachmittag law über Berlin ein starkes Gewitter zur Entladung, das»an einem wolkenbrochartigen und mehrere Stunden andauernden Regen begleitet war. Au einigen Stellen. u. a. auch im Preuhischen Landtag, schlug der Blitz an der Dcstseite des Gebäudes ein. Eine der schweren Sandstein- vasen, mit denen der Dachfirst des Hause» geschmückt ist, sauste krachend in die Tiefe. Der Blitz, der einem riesigen Zeuerstrahl glich, fuhr an den Fenstern des Gebäudes vorbei in einen Baum, der schwer beschädigt wurde. Zuerst befürchtete man, daß der Blitz auch im Innern des Landtags Schäden angerichtet Hab«. Diese Annahme stellte sich jedoch schnell als irrig heraus. Bei der Berliner Feuerwehr Hersäste von 18 Uhr ab Hochbetrieb. Aus allen Stadtteilen, vornehmlich aus dem Westen, Spandau und den westlichen Vororten, wo das Unwetter besonders heftig tobte, liefen unaufhörlich Hilferufe wegen Ueber- fchwemmungen ein. In knapp einer Stunde niußten die Zug« der verschiedenen Wachen 40- bis SOmal ausrücken. Noch um 21 Uhr war die Feuerwehr an 20 Stellen mit der Beseitigung der Wasser- mengen, die Straßen und zahlreiche Keller überflutet hatten, be- fhäftigt. Der niedergegangene Regen war stellenweise so erheblich, daß die Gullys die Waffermengen nicht mehr auszunehmen vermochten. Außerdem sind durch den plötzlichen Wasserdruck mehrfach die Ab- flußrohre geborsten, so daß die Regenmossen keinen Abfluß mehr fanden, sich auf den Fahrdämmen zu Seen stauten, die Bürger- . steig« überfluteten und in die Keller eindrangen. Am S ch o l tz- platz in Witzleben, in nächster Nähe der Ausstellungshallen, wurde das Holzpflaster des Fahrdammes durch einen Sturzbach auf ' viele Meter aufgerissen. Der Berkehr mußte umgeleitet werden. Ein ähnlicher Vorgang spielt« sich am S p a n d a u e r Berg ab. Das Straßenpflaster wurde unterspült und einzeln« Steine wurden von dem Wasserstrom meterweit mitgeführt. Besonders gefährlich ber Berlin. in allen Stadtteilen. war die Situation in der Neuen König st raße Ecke Alexander st raße. Ein Abflußrohr, das durch den U-Bahn- schacht führt, riß auseinander und die ausströmenden Wassermassen überfluteten die Grube in weitem Umfange. Der mit Bohlen belegt« Fahrdamm und der Bürgcrfteig senkten sich, so daß die Polizei vor- sichtshalber Absperrungen vornehmen mußte. Die Keller der Häuser Alexander st raße 46, 47 und 48 drohten zu ersaufen, das Wasser hatte fast«ine höhe von etwa 75 Zentimetern erreicht. Das geborstene Rohr konnte einige Zeit später abgestellt und so ein weiteres Ausdringen des Wassers verhindert werden. Die Feuer- wehr war an dieser Stelle mit den Abfaugearbeiten mehrere Stunden lang tätig. Auch an der Ecke D i r ck s e n- und Gruner st raße senkte sich der Fahrdamm insolge Unterspülung in so bedrohlicher Weis«, daß die Polizei den Verkehr umleiten muhte. Ein eigenartiger Unfall trug sich auch in der Frankfurter Allee Ecke Thaerstraße zu, wo ein Pferdefuhrwerk in den Schacht der Untergrundbahn gestürzt war. Anscheinend hatte sich hier infolge des Regens dos Erdreich und die Absteifungen ge- lockert, so daß der Wagen in die Tiefe stürzte. Es dauerte geraume Zeit, bis Pferde und Wagen wieder gehoben werden konnten. Großer Wasserrohrbruch in Lichtenberg. Durch herabflutende Wassennassen wurde in der Baugrube der im Bau befindlichen U-Bahn an der Kreuzung Möllendorff- st raße und Frankfurter Allee ein Hauptwasser- r o h r freigelegt. Das Rohr barst plötzlich auseinander und ein starker Wasserstrahl sprudelt« an die Oberfläche. In kurzer Zeit war«in Teil der Baugrube überschwemmt. Die Straßenbahngleise nwrden unterspült, so daß der gesamte Verkehr in Richtung Berlin umgeleitet werden mußte. Das schadhafte Rohr wurde abgestellt und eine Arbeitertolonne der Städtischen Wasserwerke nahm die Auswechselung des gebrochenen Rohres vor. Oer neue Straßenbahnwagen. Zur Besichtigung der neuen Straßenbahnwagen mit Schützen- steuerung, die in einer Zahl von 366 noch in diesem Sommer in Verkehr gestellt werden, hatte die Berliner Verkehrs- A.-G. geladen. Auf einer Probefahrt nach Tegel konnte man sich von den Borzügen des neuen Wagentyps überzeugen, über den Gc- nasse Dr.-Ing. Majewczlk schließlich noch interessant« Einzelheiten mitteilte. Durch Einbau der Schützensteuerung, auch Fernsteuerung genannt, ist es möglich, daß mehrere der zu einem Zug« zusammen- gekuppelten Triebwagen von einem Führerstond« aus gefahren werden können. Bisher bestand«in Dreiwagenzug der Straßen- bahn aus einem Motorwagen und zwei nicht motorisierten Bei- wagen. Riumnehr wird man einen Dreiwagen, zug aus drei Motor- wagen mit Fernsteuerung zusammenstellen. Das Ergebnis ist: b«- deutend« Steigerung der motorischen Leistung (von 70 Kilowatt auf 240) und infolgedessen Erhöhung der Reise- geschwindigkett(von 16 Kilometer pro Stunde auf IS Kilometer). Bekonnttich eittfällt die hälft« der von den öffentlichen Ber kehrsmitteln Berlins beförderten Personen(1S28: 1800 Millionen) auf die Straßenbahn. Jeder Fahrgast oevb rächte im Jahre 1928 14 Minuten durchschnittlicher Reisezeit auf der Straßenbahn. Wird diese Reisezeit auch nur um eine Minute verkürzt, so bedeutet das für die Berliner Bevölkerung«ine Ersparnis von 15 Millionen Stunden jährlich. Im Vergleich mit Omnibus und U-Bahn weist die Straßenbahn die größte Rentabilität auf. Schon aus diesem Grunde ist die Berliner Verkehrs-A.-G. auf Verbesserungen der Straßen- bahn bedacht, um die ständig wachsenden Verkehrsleistungen bewältigen zu können, denen gegenüber die Einnohnien sowohl für den einzelnen Fahrgast wie für den Wagenkilometer ein« sinkende 9acfc Xondon: (Beredtligit Debtrsetjung pon Ermin Magnus). In dieser modernen Welt war etwas Geschriebenes mehr wert als das Wort eines Mannes, und selbst dann mußte man sich noch gut vorsehen. In den alten Togen am Dukon war es anders gewesen. Da bedurfte es keiner schriftlichen Abmachungen. Ein Mann sagte, daß er soundso- viel hatte, und selbst beim Poker wurde sein« Schätzung ohne weiteres anerkannt. Larry hegan, der den schwersten Anforderungen ge- nügte, die Daylights Operationen an ihn stellten, der nur geringe Illusionen besaß und kein Heuchler war, hätte sein Freund sein können, wäre er nicht so verschroben gewesen. Ein eigenartiges Genie, ein Naooleon im kleinen, mit einer visionären Kraft, die sogar nocy größer war als die Day- lights, mit dem Daylight aber außerhalb des Geschäfts nichts gemein hatte. Statt wahrer Freund« besaß Daylight nur Zech- und Spielgenossen. Und als nun die sonntäglichen Ausritte mit Dede vorbei waren, verfiel er jenen immer mehr. Anhaltender als je baute er an seiner Cocktailmauer. Das große rot« Auto war ständig im Gebrauch. In seinen ernsten Tagen in San Franzisko hatte es Ruhepausen zwischen den geschäft- lichen Unternehmungen gegeben: die letzte jedoch, die größte von allen, hielt ihn unaufhörlich in Atem. Cs mußte Monate dauern, bis seine riesigen Landaufkäufe ein Resultat zeitigten. Jeder Tag brachte neue Probleme, und wenn er sie auf feine überlegene Weise gelöst hatte, verließ er das Kontor in seinem großen Automobil mit einem Seufzer der Erleichterung bek dem Gedanken an den dopvelten Martini, der ihn erwartete. Sechs Wochen verstricyen. ohne daß er Dede außerhalb des Kontors gesehen hätte, und die ganze Zeit war er fest ent- schloffen, keine Annäherungsversuche mehr zu machen. Am siebenten Sonntag aber wurde die Sehnsucht in ihm über- mächtig. Es war ein stürmischer Tag. Ein heftiger Südost weht«, und ein Regenschauer nach dem anderen ging über Tendenz zeigen. Und zwar erstens durch die dauernde Zunahme der Monatskarten, die für die einzelne Fahrt, eine sehr geringe Ein- nahm« ergeben: zweitens durch die Tatsache, daß der immer größer werdende Umsteige- und Uebersteigverkehr die Reisekänge des«in- zelnen Fahrgastes erhöht. S>er Führer hat keinen abgeteilten Stand. die Stadt nieder. Er tonnte sie sich nicht aus dem Sinn schlagen, und immer wieder stand das Bild vor seinem Geiste, wie Dede am Fenster saß und nähte oder sonst eine unnütze weibliche Beschäftigung vorhatte. Als der Zeitpunkt kam. da ihm sein erster Martini ins Zimmer gebracht wurde, trank er ihn nicht. Bon einem kühnen Entschluß erfüllt, schlug er in seinem Notizbuch Dedes Telephonnummer nach und rief sie an. Zuerst war die Tochter der Wirtin am Apparat, aber einen Augenblick später hörte er die Stimm«, nach der er sich so sehr gesehnt hatte. „Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich Sie besuchen werde/ sagte er.„Ich wollt« nicht kommen, ohne es Ihnen gesagt zu haben— das ist alles/ „Ist etwas vorgefallen?" klang ihre Stimm«. „Das sage ich Ihnen, wenn ich da bin/ wich er aus. Er ließ den roten Wagen zwei Ecken vorher halten und kam zu Fuß bei dem hübschen dreistöckigen, schindelgedeckten Hause in Berkeley an. Er wußte, daß das, was er jetzt tat, durchaus im Widerspruch mit ihren Wünschen stand, und daß er sie in eine schwierige Situation brachte, wenn er sie zwang, den bekannten und berüchtigten Multimillionär wie«inen gewöhnlichen Sonntagsbesucher zu empfangen. Andererseits war„dumme Zimperlichkeit", wie er sich ausdrückte, das letzte, das er von ihr erwartete. Und er wurde nicht enttäuscht. Sie kam selbst an die Tür, um ihn zu empfangen, und schüttelte ihm die Hand. Er hängte Hut und Regenmantel in der geräumigen Diele auf und wandte sich zu ih�. „Drinnen sind sie beschäftigt," scwte sie und zeigte nach dem Wohnzimmer, aus dem die Stimmen iunger Leute tönten: durch die angelehnte Tür konnte er mehrere Studen- ten sehen.„Wir müssen also schon in mein Zimmer gehen." Sie führte ihn durch die Tür rechts, und drinnen blieb er verlegen, wie angenagelt stehen und starrte das Zimmer und sie selbst an, obwohl er sich die ganze Zeit bemühte, nicht zu starren. In seiner Verwirrung sah und hörte er nicht, daß sie ihn aufforderte, Platz zu nehmen. So wohnte sie also! Die Vertrautheit und die Art, wie sie ihn ohne Aufhebens hereinführte, war verblüstend, aber eigentlich hatte er es nicht anders von ihr erwartet. Es waren gewissermaßen zwei Zimmer: das eine, in dem er sich befand, war ihr Wobn- zimmer, das andere, in das er hineinsehen konnte, ihre Schlafkammer. Aber außer einem eichenen Toilettentisch voller Oie Schüffe im französischen Konsulat. Keine politischen Motive. Die Untersuchung gegen das russische Ehepaar 7ll a r a k o s f wegen des RevÄserckaschlages, den die Frau gestern im französischen Sa», svlal in der ZNatthäi- kirchslraße Z. verübte, wurde zunächst von der Abteilung I A des Berliner Polizeipräsidiums gtssührt. da die Möglichkeit bestand, daß es sich um ein pctliö.sches Attentat handelte. Es stellte sich dann aber heraus, iwß hierfür keine Anhalts- pmikte vorlagen, daß vielmehr lediglich die Berzrveistungstat einer in Not befindlichen Fron vorlag, die an d«.-n französischen Staat Schadenersatzfvrderungen zu hoben ginubte. Infolge- dessen wurde die Angelegenheit von der Politischen Polizi an die Kriminalpolizei zur weiteren Vearbeitung abgegeben. Bis jetzt ist man sich noch nicht ganz darüber im klarerl, wie die Marakvffs ihre vorgeblichen Ansprüche gegen den französischen Staat begründen wollen. Die Frau behauptet, daß die an ihr nach dem schweren in Paris erlittenen Unfall in einem staatlichen französischen Kranken- Haus vorgenommene Operation erst zum völligen Verlust des Beines geführt habe, zumal man sie als eine Art„Versuchs- kaninchert" für ein« neuartige Behandlung benutzt habe. Auch die Prothese, die sie in Frankreich erhalten hat, sei nicht vrdnungs- gemäß gearbeitet und behindere sie am Gehen sehr stark. Angeb- lich soll man sie auch mit ihrem erst 35 Tage alten Kind aus Frankreich abgeschoben haben und sie habe nun durch dies« Ver- zweiflmiysint den französischen Behörden auf die ihr zuteilge- wordene Behandlung und aus ihre schlechte Lage lenken wollen. Sie sowohl wie ühr Gatte, der allerdings später noch in der Erregung gegen den Konsul ein« nicht mißzuvsrstehende Drohung ausge- stoßen haben soll, bestreitet, daß sie auf Konsul Bin et selbst hätten schießen wollen. Die weiteren Ermittlungen müssen ergeben, ob es sich tatsächlich nur mehr um eine Demon- stration als inn einen Anschlag handelt. Im ersten Falle dürsten die Russen lediglich ein Versahren wegen versuchter TOtignng und Bedrohung zu gewärtigen haben. Großreinemachen im Keller. In der Wilsuacker Straße 39 hat ein bald 7lhährig«s Fräulein seit 16 Jahren eine Kellerwohnung inne. Alte Leutchen werden schrullig. Fräulein I. war nun mal gar nicht fürs Reine- machen.„Warum den Staub und Dreck entfernen, wo doch immer wieder neuer dazu kommt/ hieß ihr Grundsatz. Und so blieb alles, was einmal da war, da: es wurde nichts gesäubert und nichts fort- geworfen. Abfälle, Konservenbüchsen, zerbrochenes Geschirr, Stuhl- beine, mottenzerfressene Gardinen, alle- blieb an Ort und Stelle. Und das wuchs und wuchs, türmte sich zu Pyramiden und füllte Stube und Küche bis, zum Rand. Und in all dem Moderzcug haust« die Alte, selbst fast ein Bestandteil dieses Gerumpels, um- geben von Katzen und Hunden, ihren einzigen Freunden. Die Stadt zahlte die Wohnung, und was zum Lebensunterhalt notwendig war, das wurde aus Märkten und von mitleidigen Nachbarn zu- sammengebcttelt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit konnte man die Alte bettelnd aus der Straße treffen und immer brachte sse Abfälle oller Art mit. Damit setzte sie sich dann vor i-hr« Tür und macht« dos Zeug für ihre kleinen Freunde zurecht: was die dann übrig ließen, das wurde wisderum dem Wohnungsinventar einverleibt. Und all der ständig wachsende Unrat stank aus dem Keller mächtig gen Himmel, wobei er auch die Nasen der Haus- bewohner passieren mußte. Boschwerden liefen von allen Seiten ein. Eines Tages wurde die Alte aufs Revier befohlen, man wollte feststellen, ob sie etwa geistesschwach und für ihre Handlungen nicht verantwortlich sei. Dies war jedoch nicht der Fall und sie konnte ungehindert in ihren Augiasstall zurückkehren. Voriges Jahr brannte es in ihrer Wohnung, sie hatte unvorsichtig mit dem Licht hantiert. Bei den Löscharbeiten mußten sich die Mannschaften übergeben: die Atmospäre war selbst für den kräftigsten Mann zu stark. Bon da ab hatte man scheinbar ein schärferes Auge auf die Alte ge- warfen und gestern fuhr im Lastauto«ine Reinemachkolonne von Kämme, Bürsten und zierlichen Kleinigkeiten deutete nichts darauf hin, daß es als Schlafzimmer benutzt wurde. De breite Diwan mit einer altrosa Decke und einem Berg von Kissen mußte wohl das Bett sein, wenn er auch nie etwas gesehen hatte, das einem zivilisierten Bett so unähnlich war. Nicht daß er in diesem ersten peinlichen Augenblick viele Einzelheiten gesehen hätte! Er hatte einen ganz allgemeinen Eindruck von Wärme, Behaglichkeit und Schönheit. Einen Teppich gab es nicht, aber auf dem Parkettboden sah er mehrere Wolfs- und Coyotenfelle. Dann aber wurde fein Blick gefangen, einen Augenblick gehalten von einer halb- sitzenden Venus auf einem Steinwayflügel vor einem Hinter- grund von Berglöwenfellen an der Wand. Dede selbst aber machte den stärksten Eindruck auf seine Sinne. Er hatte sich stets gefreut, daß sie so weiblich war— die Linien ihrer Gestalt, ihr Haar, ihre Augen, ihre Stimm«, ihr vogelartiges Lachen, alles hatte dazu beigetragen: wie sie aber hier in einem weichen Kleide, das sich eng um ihr« Gestalt schmiegte in ihrem eigenen Zimmer stand, war der Eindruck ihrer Weiblichkeit geradezu überwältigend. Er war nur gewohnt, sie in hübschen Schneiderkleidern und Blusen oder in ihrer Reittracht aus Samtcord zu sehen. Auf diese neue Offenbarung war er nicht vorbereitet. Sie erschien ihm jetzt viel weicher, anschmiegender und zarter. Sie war ein Teil dieser Atmosphäre von Ruhe und Schönheit. Sie paßte ebenso herein wie in die nüchtern« Kontoreinrichtung. „Wollen Sie nicht Platz nehmen?" wiederholte sie. Er kam sich wie«in Tier vor, das lange nichts zu fressen bekommen hatte. Das Verlangen wallte in ihm auf, und ihm war, als muffe er über den leckeren Bisten vor ihm herfallen. Hier gab es weder Geduld noch Diplomatie. Der kürzeste Weg war ihm nicht zu schnell, und es war doch— wenn er es gewußt hätte— der unglücklichste, den er wählen konnte. „Hören Sie/ sagt« er mit einer Stimme, die von unter- drückter Leidenschast bebt«,„ich möchte nicht im Kontor um Sie anhalten. Darum bin ich hier. Dede Mason, ich muß Sie besitzen, ich muß." Während er so sprach, war er auf sie zugetreten mit einem flammenden Ausdruck in den schwarzen Augen und mit brennenden Wangen. Der Angriff war so schnell gekommen, daß sie kaum Zett hatte, einen kleinen erschreckten Schrei auszustoßen und zu- rückzutreten. Gleichzeitig ergriff sie seine Hand, da er sie in seine Arme zu schließen suchte.(Fortsetzung folgt.) 6 Man« vor. Da wurde denn gründlich'«lsgerSinnt und aller Schutt, Dreck und Abfall aufgeladen: ein Auw reichte nicht aus, es mußte ein zweites geholt werden. Schwer beladen schwankten die Wagen davon, begleitet von den Devwünschungen der Alten... Plan eines neuen Tierparks. Da die Berliner außerordentlich tierliet» sind, der Zoologische Garten einem großen Teil unserer Bevölkerung aber leider nur am„billigen Sonntag* offensteht, hat sich ein„Berein zur Schaffung und Förderung eines Volkstierparks* gegründet. Der Osten Berlins soll dies Gelände stellen. Die Bevölkerung ist in dieser Gegend so dicht, daß der neue Park sich halten könnte, wenn auch nur die nächstgelegenen Stadtteile und Bezirke die Besucher stellen. Die Gründer des Vereins möchten sich .München als Beispiel nehmen, wo der Einwohner-Hilfsverein, eine Tierpark A.-G. schuf und die Gründung des Parks durchsetzte. Ein Teil der Aktien wurde dort von der Stadt übernommen, für das zur Verfügung gestellte, im Eigentum der Stadt gebliebene Gelände. Außerdem wurde eine Lotterie veranstallet. Aehnlich plant der Verein auch in Berlin vorzugehen und er möchte gern auf die Stadt dahin einwirken, ihm ein Gelände für feine Zwecke auf 99 Jahr« in Erbpacht zur Verfügung zu stellen. Dielleicht könnte der Park im Anschluß an schon bestehend« Voltsparks errichtet werden. Der geplante Park ist nicht als Konkurrenz des Zoolo- gischen Gartens aufzufassen. Der Zoologische Garten djent in erster Linie der Wissenschaft. Der Park aber soll gerade in größeren Massen jene Tier« beherben, für die das Volt sich de- sonders interessiert.' So plant man in freien Gehegen und Gattern einheimische Wildorten zu halten, Giraffen, Zebras, Antilopen, Gnus und Strauß« gemeinsam zu beherbergen, Eisbären und Robben in möglichst natürlich anmutender Umgebung zu zeigen und ein Affenparadies zu schaffen. Der Part soll für«inen ganz niedrigen Eintrittspreis dem Publikum zugänglich sein. Verkehrsgefahren und Kinderschuh. Die zunehmende Gefährdung von Kindern durch den Straßen- verkehr hat in Berlin vor einiger Zeit dazu geführt, daß auch die Schule sich in den Dienst des Schutzes der Kinder stellte. Eine Bereinigung„Schul, und Bertehrswacht* fördert diese Bestrebungen und bietet für die Belehrung der Schulkinder über den Straßenverkehr und seine Gefahren die nötigen Anschau- ungsmittel. Zu dem in Berlin-Ost in der Gemeindeschule Koppen- straße eingerichteten ersten Musterzimmer für den Ber- kehrs Unterricht, das die Schul- und Berkehrswacht bisher hatte, ist jetzt ein zweites derartiges Zimmer in Berlin-Nord in der Gemein de schule Lütticher Straße hinzugekommen. Alles, was ein Großstadtkind vom Straßenverkehr wissen muß und beachten soll, ist dort zusammengestellt. Kriegsrente und Arbeitslosenversicherung. Zum„Sofortprogramm*, zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, hat die Deutsche V o l k s p a r t e i dem Reichstag einen Antrag zugeleitet, in dem verlangt wird, daß Rente, die der Arbeitslose auf Grund des Reichsversorgungsgesetzes, des Altrentnergesetzes und früherer Militäroersorgungsgesetze erhält, aus die Arbeitslosenversicherung n gerechnet werden soll. Rur die Zusatzrenten sollen nicht Angerechnet werden. Bon der Rente soll lediglich ein Betrag von 15 M. monatlich von der Anrechnung frei bleiben. Auch bei Zusam- mentreffen von Rente und Zusatzrente soll der anrechnungssreie Be> trag im Monat ebenfalls 15 M. nicht übersteigen. Der dem Reichs- arbeitsministerium angegliederte Reichsaus fchuß für Kriegs- beschägidtenfürforge hat in seiner Sitzung vom 25. Juni m einer vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten vor» gelegten,«instimmig angenommenen Entschließung gegen diese Pläne die stärksten Bedenken geäußert und nachdrücklich vor ihrer Weiterversolgung gewarnt. Es würde dem in der Arbeitslosenoer- sicherung anerkannten Grundsatz der Leistung und Gegenleistung direkt widersprechen, wenn bei gleicher Beitragsleistung die Kriegsbeschädigten schlechter gestellt würden als die übrigen Arbeitnehmer. Die bisherige Fürsorge für die Kriegs- beschädigten beruht in erster Linie auf dem Grundsatz, dem Kriegs- beschädigten Sicherheit im Berufsleben zu geben. Zu diesem Zweck ist auch das Schwerbeschädigtengesetz geschaffen worden. Es ist nicht richtig, wenn angenommen wird, die Kriegsbeschädigten belasteten die Arbeitslosenversicherung besonders. Richtig ist vielmehr, daß die Arbeitslosigkeit aus Grund der Wirkung des Schwerbeschädigten- gesetzes bei ihnen viel niedriger ist als bei den gesunden Arbeit- nehmern. Der Reichsausschuß ersucht die Reichsregierung und den Reichstag dringend, es bei der bisherigen Regelung zu belasten. Gefangsfeft i« Beeskow. Der Himmel war mit der Auswahl des nette« Städtchens Beeskow als Feststadt für das Gesangsfest des XIII. Bezirkes des Arbeitersängerbundes nicht recht einverstanden. Aber die fröhliche. zielbewußte Gesangskunst unserer wackeren Arbeitersänger lieh sich nicht beirren. Das Programm für das Gesangssest des XIII. Bezirkes in Beeskow wurde vorschriftsmäßig abgewickelt, und zwar im Garten und Saal des Schützenhauses. Vormittags erfreuten einige der besten Vereine die Insassen des Krankenhauses mit einem jubelnd aufgenommenen Ständchen. Der imposante Umzug fand auf dem Marktplatz seinen Ruhepunkt, wo unter der Leitung des Bezirks- chormeisters Koch Wagners„Wach aus* und„Der Gesang der Völker* erklangen. Vor den Vegrüßungsworten des Bezirksvor- sitzenden Schmidt(Fllrstenwalde) improvisierte Landtagsabge- erdneter Drügemüller eine launige Ansprache, die mit seinem Humor seine Rede als einen Ersatz für die sehlenden Begrüßungen durch die städtischen Behörden anbot. Das Konzert selbst war offen- bar die Frucht tüchtiger und energischer Arbeit. Sehr neuzeitlich gab sich die Vortragsfolge nicht. Außer zwei Schlußchören von Lendoai und Eschbach, die für die zwei möglichen Proben der Gruppenchöre viel zu schwer waren, war nur Klau» Prings- heims„Arbeiterlied* aus Tollers„Maschinenstürmer* aus dem Programm. Ein einfaches, russisch beeinflußtes Lied, das aber durch seine originell stimmliche Anordnung und die dauernde leise Be- aleitung der Pauke den schauerlichen Reiz seiner hohen Quarten und leeren Quinten große Wirkung erzielen kann. Die Höhepunkte des Konzens waren das wunderbar zart ausgedeutete„Volkslied* von Uthmann(Gemischter Gesamtchor unter K o ch).„Der Festgesang der Künstler* litt stark unter der ungünstigen Aufstellung der Sänget und der massigen Unnachgiebigkeit der begleitenden Blas- ii.strumente. Seine schwarz weißroten Schülermützen! Die R e p u b l i k a- nisch« Beschwerde st eile Berlin hatte festgestellt, daß noch immer die Schülermützen des Realgymnasiums in N a u e n nnt einem Ichwarzweißroten Band oersehen sind, obwohl der p reu» ßisch« Mimster für Wissenschast, Kunst und Volksbildung dies oer» boten hat. Auf T Beschwerdestelle ein ichwarzweißroten Streifen nicht mehr getragen wenden. HU" >10(lÜ �/Jnregungr tvnöt Sierliher JMeralur. An Romanen, die Berliner Leben schildern, fehlt es nicht: realistische, phantastische, historische, moderne und übermodern«— man hat die Auswahl. Aber die eigentliche Berliner Literatur, also die Schilderung der Stadt, ihrer Vergangenheit und Gegen- wart, hat nicht allzu viel« Federn in Bewegung gesetzt. Wenn man z. B. die Angaben des Katalogs der Stadtbibliothek mit den Verzeichnissen über Pariser oder Londoner Literatur vergleicht, so steht man deutlich, wieviel noch zu tun ist, um das Stadtbild und die Wesensart der Bewohner, die Stätten ihrer Freuden und Leiden, für die kommenden Geschlechter festzuhalten. Und wieviel gibt es doch selbst in einer kleinen Großstadt an charakteristischen Zeichen der Zeit. Wer mit eigenen Augen die Entwicklung Berlins ver- folgen konnte oder aus der Lektüre von Zeitungen älterer Zeit das Wachsen kennen gelernt hat, wird zu der Ansicht kommen, daß Berlin erst seit dem Kriege von 1864 ein schnelleres Tempo in seinem Auf- blühen zu verzeichnen hat. Die Geschäftswelt witterte Morgenluft: die blutgedüngt« Saat mußte, da die Kriege Sieg«, d. h. Zuwachs an Macht und Geld brachten, herrlich ausgehen. Der Zustand des alten Berlin, das noch um 1809 und m der Biedermeierzeit„schön* genannt werden konnte, war in den Jahren der politischen Der- blödung, die unter den beiden letzten Friedrich Wilhelm eingetreten war, recht fragwürdig geworden. Es galt, Straßen, Häuser, Parks, Ausflugsorte neu herzurichten, für die Vergnügungslust und Ver- pflegungsanfprüche einer auf ihren Reichtum pochenden Gesell- schaftsschicht zu sorgen: 1861 kam die Patti zum ersten Male nach Berlin, und 1864 eröffnete Hiller sein„vornehmes* Restaurant „Unter den Linden*. Es leben noch genügend Berliner, die den Aufstieg von der Million zur vierfachen Zahl erlebten, aber klein ist die Zahl derer, die hierüber berichtet haben. Man wird diese Unterlassungssünde nur dadurch gutmachen können, daß man von städtischer Seite tatkräftig eingreift. Nicht etwa durch ein oder mehrere Preisausschreiben— das hieße doch zu sehr Raubbau mit der literarischen Kraft unserer Zeitgenossen treiben. Wohl aber könnte die Stadt bestimmte Themata an ihr geeignet erscheinende Autoren vergeben und die Werke an die Oeffentlichkeit bringen. Der Pflege der Kunst von feiten der Stadt würde so ein« Pflege der Literatur zur Seit« gestellt werden, die den Vorteil hätte, daß die Werke nicht nur dem eigentlichen Berliner, sondern dem weiteren deutschen Volke, und darüber hinaus der ganzen Kulturwelt zugute kämen. Auch für die Propaganda des Fremdenverkehrs böte dieses Vorgehen bedeutende Dorteil«. Wo Straßen fich Schneiden. Straßenkreuzungen haben fast immer etwas höchst Prosaisches, hier ein Rechteck, dort ein Rechteck, und auf der anderen Seite das gleich«. Ist die«ine Straß« breit, so mildert sich diese Prosa, aber bei zwei engen Straßen wäre eine Belebung des Schnittpunktes durchaus erwünscht. Man hat nun neuerdings runde Eck- fronten eingeführt. Doch scheint uns dies bei den Durchschnitts- straßen keine sehr glückliche Form— der Bogen wirkt etwa» majestS- tisch und bedarf daher einer genügend großen Fläche, um sein« Existenz zu rechtfertigen. Aber im älteren Berlin, i» den Straßen um den Alexanderplatz, sind wir einer Ecklösung begegnet. die freilich, da sie Abgabe einer Baufläche an die Stadt in sich schließt, vielleicht nicht immer der den heutigen Bauherren zu er- zielen ist. Man denke sich die vier Ecken abgeschrägt, so daß aus der quadratischen Bodenfläche des Schnittes(bei gleicher Straßen- breite) ein Achteck wird, das nahezu Platzcharakter erhält. Auf Fahrten in märkischen Kleinstädten findet man auch eine interessante Lösung der Eckkonstruktion, die freilich, an allen vier Ecken wieder- holt, den Reiz der Einzellösung ins Gegenteil verkehren würde. Man steht nämlich eine schräge Abtrennung des Parterre- geschosses, während das obere Stockwerk sich erkerartig über den leeren Trottoirraum schiebt, womöglich noch durch eine Säule ge- stützt. Da Berlin die stets romantisch wirkende Anordnung der Laubengänge an den Häusern nicht kennt, ist es schon notwendig, für die Eckpartien nach Lösungen zu suchen, die das öde Einerlei im Straßenbild« mildern. 3)ie 3>oU /par<. Ist Berlin Weltstadt oder vielmchr nicht hier und da noch ein Krähwinkel? Die Frage ist berechtigt, wenn man sieht, daß die große Ausstellung am Kaiserdamm ohne eigenes Postamt ist. Sie war natürlich mit einem solchen beschenkt worden, aber seit kurzem sind die der Post zur Berfügung gestellten Räume verwaist. Daß es da täglich schmerzliche Ileberraschungen gibt, ist sewstverständlich. Den Grundsatz, daß man um des Prestige willen gelegenttich Opfer bringen muß, scheint die Postoerwaltung sich nicht zu«gen zu machen— ein« etwas befremdliche Anschauung, zumal wenn sie auf einem für den Fremdenverkehr so wichtigen Gebiet, wie die großen Ausstellungen es sind, zum Ausdruck kommt. Daß die Personalbesetzung in dem Postamt eines Warenhauses so gering ist, daß da» Publikum Schlange steht, mag noch hingehen—- die eigene Post der Ausstellung zu nehmen, ist aber kein Schön- heitsfehler, sondern ein wirklicher Fehler. Was der Straßenbahn noch feftlf. Der jüngste diskutierte Plan, nach dem Vorbilde der Vadestadt Wiesbaden unsere Straßenbahn durch Omnibusse zu ersetzen, ist hier schon zurückgewiesen, worden. Aber man kann dem einen der von den Bahngegnern angeführten Grunde wohl nachgehen, da er geeignet ist, die Leistungsfähigkeit der Straßenbahn zu echöhen und den schweren Dienst der Wagenfahrer zu erleichtern. Es betrifft da» Weichenstellen durch den Fahrer, wobei naturgemäß nicht nur meist doppeltes Halten, sondern auch oft ein Vor- und Zurückrückcn eintritt. Würde diese, ein« ziemliche Kraftanstrengung des Fahrers auslösende Arbeit ihm abgenommen und auf einen extra gestellten Weichensteller abgeladen, so wäre ein großes Verkehrshinder- n i s beseitigt. Früher gab es wenigstens einige Weichensteller: sie scheinen olle verschwunden zu sein. Bei glattem Durchfahren aller Weichen hätte der Fahrgast da, Bewußtsein, in einem wirklich modernen Verkehrsmittel zu sitzen..„ und die„Bahn als Der- kehrserfchwerung* wäre dem Arsenal der Bahngegner entschwunden. Oos verschwundene(Schulschiff. Oer Atlantik hütet das Geheimnis der„Oübenhavn'. Di« Mitteilungen, da» dänisch« Schulschiff„KSben- Haan*, ein« Fünfmasterbark, sei von dem englischen Dampfer „Helesius* in gestrandetem Zustande an der Küste der Insel Tristan da Cunha im Atlantischen Ozean beobachtet worden, stellt sich als eine Mystifikation oder zum mindesten als ein Mißverständnis heraus. Der Kapitän des Schiffe» dementiert neuer- dings die Mitteilung und behauptet nur, daß die Bewohner der Insel ihm, als sein Schifs vor der Insel Anker geworfen Halle, er- zählt haben, sie hätten das Schulschiff die Insel passieren sehen. Wenn die Inselbewohner dos Schiff richtig identifiziert haben sollten, dann wäre dies die erste Mitteilung, die nach dem Verlassen von Buenos Aires von der„Köbenhavn* eingetroffen ist. Ermutigend ist diese Mitteilung aber keineswegs, denn sie würde »«r beweisen, daß man bisher in den letzten Wochen an einer ganz verkehrte» Stell«»ach dem Schulschiff gesucht hat. Jnzvrtschen aber ist das auf die Nochforschungsexpedition ausgesandl« große dänische Motorschiff„Mexiko* bi» zu der Jasel Gough vor- gedrungen und hat die Küste dieser Insel genau abgesucht, ohne wrackleile vorzufinden. Gleichfalls hat man eine Landung auf der unbewohnten Insel vorgenommen und dabei ebenfalls entdeckt, daß die Mannschaft der„Köbenhavn* nicht auf dieser Insel gewesen sein kann, da das für Schiffbrüchige ausgelegte Nahrungsmitteldepot an der Ostfeite der Insel völlig unberührt war. Die„Mexiko* ist darauf nach der Insel Tristanda Cunha weitergefahren, die etwa 229 See» meilen südöstlich liegt, um diese Inselgruppe abzusuchen.— Von der dänischen Regierung wird mitgeteilt, daß auf vielseftige An. forderung hin eine amtliche Untersuchung der Verhältnisse „Die Opernfreunde* waren im Programm als ein„neu- artiges Funkspiel* angekündigt. Wieso die Veranstaltung zu diesem Ehrentitel kam, blieb unklar. Was man an Texten zu hören bekam, war ein sehr flaches, langweiliges und überflüssiges Geschwätz. Das musikalische Programm der Veranstalwng war dagegen sehr er- freulich vor allem durch die Mitwirkung von Berta Kiurina und Joseph Schmidt.— Am Nachmittag sprach in der Stunde„Frauen- fragen und Frauensorgen* Pearl Violette Metzelthin, New Dork. über das Thema„Weshalb gibt der amerikanische Haushalt der Frau mehr Möglichkeit zur Erholung?* Die Ausführungen, ob- gleich sie sich im wesentlichen auf Crnährungssragen beschränkten, überragten erfreulich das Durchschnittsniveau der Vorträge in diesem Zyklus. Die Bortragend«, die die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Amerika wirklich kennt, gab keine papierenen: n» befolgbaren Ratschläge, sondern sie begnügte sich damit, den Tage». lauf der amerikanischen»Hausfrau zu schildern und überließ es den Hörerinnen, Nutzanwendungen— soweit es möglich war— für den eigenen Haushalt daraus zu ziehen.— Durch das Nachmtttags- Programm machte das Gewttter einen Strich. Die Vorträge fielen zum größten Teil«ms. Tes. de» Schulschiffe» durch Sachverständige de» dänischen Marin«, und des Seefahrtsministeriums stattgefunden hat. In einer langen Er- klärung wird hierin alle» geschildert, wa» bisher über den Verlauf der Reffe und die Beschaffenheit des Schiffe»„Köbenhavn* bekannt geworden ist. Di« Sachverständigen kommen zu dem Ergebnis, daß „Oestasiatisk Kompagni*, die Reederei, der die„Köbenhavn* angehört, nichts unterlassen hat, wa» zur Aufklärung des Rätsels des Verschwinden» beitragen kann. Ctalcatana» kB* Mete««teil fi»d Cetil« SB 88,»wde»straß» 3, sürGroß-Berlin stet»»o da» CeiMefcftttariat t. Hof, 2 Xttpptn rechte, z» richte». Dezirksvorstand. Gouuabeud. 29. Juni. 18 Uhr, Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes i» Konferenzzimmer der„Vorwärts*'» Redaktion. Liudeustr. 3. Alle Kreise müsse» vertreten sei»._ M. tele Heattla.«enodhrn« unt Senoffe«. die dereit lind,, wieder abzugeben, da große Rachsrage vorhanden ist. Fahroerbindung: I. Eisenbahn bi» Bahnhof ffriedrichshagen, dann Fußweg 80 Minuten. 2. Straßenbahn ab Borckstraß»<8 Uhr früh) Linie SS bi»«öoenick, Lindenstraße. Weiterfahrt mit Linie 84 bi» Endstation. sLeßtcr Anschluß für die Besichtigung vormittag s,14 Uhr a Sven ick. Lindenstraße.) Nach» zllgler und Gäste ab 14 Uhr Restaurant Freibad Müggelsee. Fraueuveronstaltung. 88.«dt. Schioebera. Unser Frauenadend findet umständehalber am Freiiaa, 28. Juni, 18 Uhr, wie verabredet im Luftbad statt.„stSrverpflege" mit gnmnastischen Uebungen. Bortragende Genossin Lotte Baetow. Arbeiterwohlsahrt. 8. Ueei» Webding. Sitzung de» erweiterten streisausschusse» am 28. Juni. ISZH Uhr, im Ledigenheim Echönsledtstr. 1, V. Stock. Tagesordnung: 1. Bericht der Fachgruppen. 2. Aussprach« über da» Arbeitsgebiet. 3. Berfchiedene«. Alle Mitglieder de» flreisausschuffes und die Abteilungsleiter der Fachgruppen werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. Arbeiksgemeinschaft der Sinderfreunde. stelllager Namedy.<» fehlen noch Teilnehmerlisten»»« Rowowee, Wildau, Sewing and Renk 48». Sie sollen««tholten: Name und Sebnetetag«on Roten Falke»»nd Helser» sowie Rom«»o« geU und«reis. Unterstreich« die Namen derjenigen, die später«» de» Rhein fahee». 8» welchem»reis gebärt da» Seit.Paris" mit de, Helferin Olga Becker? Meldung an Schmidtbaurr. Renkill», Lanbrstr. 10. «chtaagl Bi« Eltern der Finder, bi« nach Westerland fahren, müsse» dt, Freiwg, 28. Zunl, ,» Friede! Warmuth. Eharlotttnburg. Am Badnhof Westend 2. I. Vortal,»ittrilen: Ranu und Stand de» Batrr» res», der Mutter. Agrarfragen Im weiteren Verlauf der gestrigen Reickietage-debatte über die Zollfrogen teilte Präsident Lobe mit, daß der vom Minister erwähnte Antrag der Regierungsparteien zurückgezogen worden ist. Auch ohne diesen Antrag bleibt, sofern der deutschnationale Antrag nicht an- genommen wind, die zollsreie Einfuhr von SOOOl) Tonnen Gesmer- sleisch bestehen. Der ursprüngjiche Ausschußantrag will diese Einfuhr durch Wiederherstellung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes erschweren, wonach Gefrierfleisch nur mit den Innereien zusammen eingeführt werden dürste, was praktisch auf gänzliches Unterbleiben der Einfuhr hinauslaufen würde. Abg. Dr. horlacher(Bayr. Vp.f fetzt den Entrüstungssturm der Rechten gegen die Asußerung von Dr. Hertz über die Rückständigkeit der Bauernwirtschait rednerisch fort. Abg. Freybe(Wp.) spricht für die schon erwähnte Einfuhr- crschwerung, woran das deutsche Fleischergewerbe interessiert sei. Abg. Stubbendorf tDnat.) verlangt höhere Kartosfelzöllc, bc- sonders gegen Holland und Polen. Reichsernährungsminister Dietrich sagt außer der schon im„Abend" berichteten Polemik noch: Wären die Baueren hier auf die Vertretung ihrer Interessen nur durch die agrarischen Gruppen angewiesen und hätten sie nicht ihre Vertretung in den großen polstischen Parteien der Mehrhett, dann wäre für die Landwirtschaft wenig zu erreichen.(Lebhafte Zustimmung der Mehrheit, Geschrei rechts.) Die jetzt von der Landwirtschaft be- kämpften Bindungen im schwedischen und foon.wsischen Handels- vertrag sind aus Verlangen uirserer Landwirtschast eingeführt worden. Das hat Minister Dr. E u r t i u s ausdrücklich festgestellt.(Hört, hört.) Gemocht hat das die zweit« Regierung Luther," während wir ein umfassendes Hilssprvgramm auf lange Sicht für die Landwirt. fchaft ausgestellt und uns mit größtem Eifer für die Wünsche der Bauernschaft eingesetzt haben. Wenn Sie(nach rechts) das leugnen, so erwarten wir, daß der gesunde Sinn der Bauernschaft n i ch t a u s das hereinfallen wird, was Sie aus Pypularitötshafcherei und politischer Agitationssucht predigen.(Lärm rechts, Beifall links.) Abg. Dergmann(Soz.): Der Ausschußantrag, daß die Regierung gleichzeitig über den Versand von Fleisch Bestimmungen treffen kann, enthält die Gefahr, ein« Ausnahmebestimmung gegen das ausländisch« Fleisch und gegen die Freizügigkeit zu sein. Das würde den Handelsverträgen zuwider- laufen. Die Technik ist noch nicht soweit, um die Einfuhr von Gefrier- fleisch zusammen mit den Innereien zu ermöglichen. Die Wieder- cinführung des§ 12 des Fleischbeschaugesetzes würde die Gefrier- fleischeinfuhr verhindern. Die Einfuhr von halben Tierkörpern würde wegen der schlechten Ausnutzung des Schiffsraums die Transportkosten gewaltig steigern. Die Landwirtschaft verlangt Gleichstellung der Untersuchung van in. und ausländischem Fleisch. Dabei ist die Untersuchung in ausländischen Schlachthöfen vielfach besser als in Deutschland. In den 14 Iahren der Gefrier- fleischemfuhr sind Flesichoergiftungen dadurch überhaupt nicht vor- gekommen.(Hört, hört, links.) Dieselben Rechtsparteien, die mit aller Kraft die Arbeitslosen. Versicherung zu verschlechtern suchen, wollen auch die Lebens. Haltung durch Zollerhöhunge« und Elosuhrverbote verschlechtern. Die Angriffe de« Abg. Horlacher auf Dr. Hertz sind unaufrichtig. Die starke Rückständiqkeit der deutschen Landwirtschaft ist doch in der landwirtschaftlichen Presie oft genug hervorgehoben worden. Wenn aber ein soziaS>enwkratischer Redner im Reichstag dasselbe sagt. dann ertönt hier ein künstlicher Entrüstungssturm, der aber natürlich an den Tatsachen nichts ändert.(Sehr gut! links.) Am 13. Mai hat Abg F r e y b e hier behauptet, daß die.�Hamburger Produktion" mehrer« Schlächtermeister bankrott gemacht habe. Unter den an- gegebenen Adressen sind dies« Schlächtermeister nicht zu finden. Soweit sie ermittelt worden sind, hat sich ergeben, daß sie seit Zu- laffung der Gesriersleischeinsuhr domst gehandelt haben Auf Behauptungen der Mrtschastspartei wird man nach dteser Wahrheitsprobe in Zukunft nicht viel gebeu können. (Sehr gut! links.) An höheren Zöllen haben wir kein Interesse. Wir haben auf dem Parteitag in Magdeburg unser« Stelluno dazu klargelegt. Un- richtig ist, daß die von der Viehgenossenschaft Berlin angeführten Zahlen über in- und ausländisch« Schlachtungen auf Hamburg zu- treffen. Einen Vergleich kann man aus dieser Grundlage nicht ziehen. Wir werden bei den Abstimmungen noch den Interessen der Konsu- menten und nach den wahren Interessen der Landwirffchast ent- jchefden. Die Abstimmungen. D«r Ausschuß« ntrag aus Wiedereinführung des D 12 Flerfch- befchaugefetz wird in namentllcher Abstjmmuug mit 24S Stimmen im Reichstag. nderspeifung gehen weiter. der Sozialdemokraten, Kommunisten und einer Anzahl Mitglieder der bürgerlichen Regierungsparteien gegen 162 Stimmen der Deutsch- nationalen, der Wirtschaftspaitei, der Hokenkreuzler und der beiden Bauerngruppen und bei vier Stimmenthaltungen abgelehnt. (Pfui-Rufe rechts.) Angenommen wird die Bestimmung, daß der Händler Gefrier- fleisch als solches zu bezeichnen hat, den Preis aber nicht mehr auszeichnen muß. Das Viehseuchengesetz wird unter Wlehnung eines sozialdemokratischen Antrags angenommen, desgleichen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten die Erhöhung des Kartoffelzolls. Die Butterzoll- erhöhung wird mit der gleichen Mehrheit beschlossen, ebenso ein Antrag Hamkens(D. Vp.), mit Dänemark über die E i n st e l l u n g der Rindereinfuhr in den Sommermonaten zu verhandeln. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten werden schließlich auch die Zollerhöhungen für M o l k e r e i p r o- d u k t e und Zucker angenommen. Alle diese Beschlüsse werden sogleich in dritter Beratung bestätigt. Es folgt die dritte B e- rotung des Etats für 1929. Ein Zwischenfall. Auf der Publikumstribüne erhebt sich ein Mann und hält mit lauter Stimme eine Ansprache, in der er erklärt, die Bauern würden sich nicht länger betrügen lassen. Die Sitzung wird aus Z Minuten unterbrochen und der Tribünenredner abgeführt. • In der Etatsberatung spricht junächst Abg. Dr. Reichert(Dnat.). Er fragt den Rcicysfinonzminister, wo dos vom Reichstag verlangte Gutachten über Erspornismöglich- keiten bei allen Ressorts bleibe, und fährt fort: Die Sozialdemokratie sabotiert die Reform der Arbeitslosenversicherung. Der sozialdemokratische Finanzminister hat geradezu einen Rekord in Anleihen ausgestellt und mit seiner steuerfreien Anleihe ein klägliches Fiasko erlebt. Wir bezweifeln, daß Dr. Hilferding der rechte Mann für die kommenden großen Aufgaben der Fmanzpolitik ist. Deutschlands Gesamtschulden, Doung-Plan und kommerzielle Schulden werden 50 bis 75 Milliarden betragen. Die deutsche Delegation in Poris ist von Berliner Stellen in einem Sinn beeinflußt worden, der den Interessen der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volke? abträglich ist. Abg. Schmidi-Stettin(Dnat.) behauptet, die Regierung und die Mehrheit hätten die der Beamtenschast gegebenen Versprechungen nicht erfüllt. Abg. Grai Reventlow(Naffoz.) verliest unter dem Gelächter der Mehrheit Foroenmgen gegen die Juden, wie z. B., daß die Juden äußerlich kenntlich gemacht werden sollen. Abg. Külz(Dem.) erwidert mit dem Wort Friedrichs III.: „Dieser Antisemitismus ist die größte Schmach des Jahrhunderts." Damit endet die allgemeine Aussprache; es folgt die Einzel- beratung der Etats für die Reichsministerien. Abg. Berh(Komm.) beschwert sich über Mißbrauch, der für die Technische Rothilse bewilligten Mittel zugunsten von Privat- Unternehmern. Abg. Gok(Dnat.) bekämpft einen Antrag der Mehrheit, 6 Mil- lionen Mark als Beihilfe für die Deutschen Werke in Kiel zu bewilligen. Abg. Frau Arendsee(Komm.) spricht unter heftigen Angriffen auf die Sozialdemokratie über die Kinderspeisung. Abg. Gerlach(Soz.): Da diese Vorwürfe von Wortbruch und Verrat in jeder Sitzung mindestens einmal wiederkehren, will ich darauf ein- gehen. In der zweiten Lesung hat unser Froktionsmitglied ivraü Böhm- Schuch schon betont, daß unsere Stellung zur Kinderspeisung genau dieselbe ist wie früher. Wir lassen uns natür. lich weder den Zeitpunkt noch die Richtung unserer Politik und unserer Maßnahmen von den Kommunisten vorschreiben.(Geschrei der Kommunisten.) Ihre Torheit, diese Frage mit dem Reich»- ernährungsministerium jzu oerbinden, weil dort früher einmal die Ueberschüsse auf der Reichsgetreidestelle für die Kinderspeisung ver- wendet werden sollten, sind wir doch nicht verpslichtet mitzumachen. Wir stellen unsere eigenen Anträge und haben auch jetzt wieder eine Entschließung zugunsten notleidender Kinder eingebracht.(Lärm der Kommunisten.) Ich kann mir ja denken, daß es Iftnen nicht angenehm ist, wenn wir Ihre Agitationspolitik bloßstellen. Wir unterscheiden uns dadurch von Ihnen, daß wir den praktischen Weg suchen und eine Mehrhest zu gewinnen streben, um für die Kinder- speisung etwas herauszuholen. wir verlangen ln unserer Entschließung, daß Mittel au» den Zolleinnahmen zur weitersührung der öffentliche» Kinder- speisung verwendet werden. Sie aber laufen bestenfalls hinter uns her. Als wir im Rheinischen Provinziallondtag 156 000 M. für die Kinderspeisung beantragten, kamen die Kommunisten und verlangten 1 Million(Heiterkeit. Lär- mende Zwischenrufe der Kommunisten. Ordnungsruf sür Höllein, der den Redner einen„aufgeblasenen Frosch" genannt hat.) Wir wünschen, daß von den 40 Millionen, die aus den Zalleinnahmen den Landes« Versicherungsanstalten zufliehen, ein ausreichender Betrag für die Kinderspeisungen ausgesetzt wird. Wir wissen, daß bei der Zu- sammensetzung des Hauses dies die einzige Möglichkeit ist, für die notleidenden Kinder wirklich etwas zu schaffen. Der natürlich weitergehende kommunistische Antrag würde auch trotz unserer Unter- stützung abgelehnt werden. Wir erwarten daher, daß die Kommu- nisten für unseren Antrag stimmen, wenn sie nicht verantworten wollen, daß für die Kinderspeisungen überhaupt nichts geschieht. Aus meinen Erfahrungen als Dezernent für die Kinderspeisung in der Rheinprooinz kann ich ihre Notwendigkeit nur auf das drin- gendste befürworten. ein Sladtarzt In Gelsenkircheu in einem amtlichen Gutachte» die kinderspeisung als überflüssig erklärt (Hört, hört! links), so kann man darüber nur staunen, zumal er eine Unterernährung der Kinder bestreitet. Ebenso ist es mit der Behauptung, daß Unterernährung nur«in modernes Schlag- wort fei, und daß in einer Volksschule nach der Frühstückspause körbeweise das Frühstück eingesammelt werden müßte, das die Kinder liegengelassen hätten.(Entrüswngsruse links.) Aus amt- lichem Material geht hervor, wie dringend notwendig die Kinder- speisung ist. Das Düsseldorfer Gesundheitsamt berichtet, daß von 20 000 untersuchten Kindern 27 Proz. in völlig ungenügendem Er» nährungszu stand waren, ebenso der Stadtmedizinalrat in München- Gladbach. In der Arbeiterstadt Ronsdors sind mehr als 5 0 Proz. der Schulkinder unterernährt. Dos Bezirksamt Berlin, Prenzlauer Berg, berichtet, daß 315 Kinder ohne erstes Frühstück, 180 ohne zweites Frühstück zur Schule kommen und 847 Kinder kein Mittagessen erhalten. Ein Berichterstatter de« „Vorwärts" hat die grauenhaften Zuständo ln dep weberbezircken 00» Lange». Oldau. Calau usw. geschildert. Ganz ähnlich sind die PerMtmsie in Walde»- bürg. Am allerschlimmsten ist«o dtrt, wo netn« Arbeitergemeind« infolge der Arbeitslosigkeit überhaupt nichts für die Dolksgefund- heit und Kinderfürsorge tun können, so in Schlesien, in Trier, i» den Saargängerbezirken, in der Eise! usw. Wenn auch die Kinder- speisungen nach der Fürsorgcpslichtverordnung den.ßän&ern und Gemeinden obliegen, muß doch sclbstverständlrch das Reich ihnen .zu Hilfe kommen. Der preußische Wohlsahrtsnünffter H irtsieser hat im Landtag, da Preußen nur eine Million dasür verwenden kann, einen Appell an das Reich gerichtet. Wir dürfen diese Hoffnung nicht enttäuschen. Nehmen Sie unsere Entschließung an. damit unsere Jugend und die Zukunft uisseres, Volkes nicht körperlich und damit auch geistig verelendcn!(Lebhafter Beifall der Soz.) Abg. Frap Arendsee(Komin.) hält abermals eine Red« gegen die Sozialdemokratie und behauptet, Minister Severing habe in einer Denkschrift die Notwendigkeit der K7n dz /speisung bestritten. Abg. LipinskI(Soz.): Bei der zweiten Lesung ist infolg««ine» Irrtums über ihre Bedeutung eine Entschließung abgelehnt worden. die die Vorlegung des Rcichsheimstättengefetzes fordert. Da dieser Gesetzentwurf fertig ist und der Reichsarbeitsminister ihn einbringen will, so wie der Reichstag es wünscht, haben wir dies« Entschließung nochmals vorgelegt und bitten um ihr« Annahm«. Abg. Raedel(Komm.) übt scharfe Kritik an der Arbeitslose»- Versicherung, die schlechter sei als die früher« Erwerbslosenfürsovg«. Abg. Dr. Zörissen(Wp.) spricht gegen ein Wohnheimstätten- gesetz, ebenso auch Abg. Winnefeld(D. Dp.), während Abg. Tremmel(Z.) für die Entschließung eintritt, die keineswegs die Sozialisierung des Hausbesitzes beabsichtige. Daraus werden die Etats der einzelnen Ministerien, des Reich»- Präsidenten, des Reichstags usw. angenommen, ebenso Anträge Koch-Weser(Dem.) auf Vorlegung eines Reichsangehörigteitsgefehe» und mögftchßl baldige Beseitigung der Enklave». Die Entschließung auf Vorlegung eines Wohnheimstättengesetze» wird mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Demo- traten und des Zentrums angenommen, ebenso die sozialdem»- kratische Entschließung aus Weiterführung der Kindeifpeisungen, nachdem Abg. Frau Arendsee(Komm.) eine länger« Schimpferei gegen die Sozialdemokratie oerlesen und mit der Ankündigung geschlossen hatte, daß die Kommunisten für die sozialdemokratisch« Entschließung stimmen werden.(Lebh. Heiterkeit.) Eine Anzahl Etats werden am heutigen Donnerstag erledigt. Beim W e h r e t a t verlangt Abg. Schöpslin(Soz.) eine Erklärung zu der Behauptung, daß das Ministerium Millionen für unbrauchbar« Sättel ausgegeben und Werkspionage gefördert habe. Ein Vertreter des Reichswehrminister» erwidert, die Vorgänge lägen weit zurück, die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, aber schon jetzt lasse sich sagen, daß die Vorwürfe übertrie- b e n seien. Nach 7 Uhr abends vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 10 Uhr, außerdem Getreidezölle und kleinere Vorlag«». Cre&cr Praktische REISEMÄNTEL aus Stoffen englischen Art, ganz auf mk 49- 39.- ÄJ- Fesche MANTEL fc aus feinen Her Pen Stoffen, aanzaufkunstseideQ� hx 59.- 49.- 0*7 JACKENKLEIDED sportliche Formeaaus Stoffen engl. Anh Jacke auf Kunstseide MkA9.- 39.- BLUSEN ausToile de soie in hellen Farben 17.« 12!5 Mk Aparte___ JACKENKLEIDEB aus Kieingemusherten Herren- Stoffen, JaOoeaKunstseiC 69- 59- ELESANTE KLEIDER aus bedrucktem Crepe dechme sehraparte form, mit t» 54. 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Trotz dieser prinzipiellen Einigung Konnte der Ausschuß jedoch der Reichs regierung— die gegenwärtigen politischen Verhältnisse standen entgegen— keine befriedigenden Dorschläge machen. Es ließ sich über die Preisfestsetzung und die Zusammen- setzung des Reichsgetreiderots keine Einigung erziel m und vor ollem hatten die liberalen Koalitionsparteien starke politische Bedenken gegenüber dem Getreidemonopvl. Das Monopol ist damit zum mindesten vorläufig unmöglich gemacht. Durch die Arbeit m dem Getreideausschuß ist jedoch mit eindeutiger Klarheit bewiesen, daß eine laudwlrlschaflsseindllche Einstellung der Sozialdemokratie nicht existiert. Der im Reichstag wieder mit großem Geschrei erhobene Vorwurf der Slgrarseindlichkeit fällt damit ein für allemal restlos in sich zusammen. Nach dem Scheitern de» Monopol» wollten dl« agrarischen Parteien die unsinnigsten Zollforderungen durchsetzen: sofortige Erhöhung der Brotzölle auf den Schwedensotz I von 6,50 M. für Weizen und 6 M. für Roggen, baldigste Kün- digullg des Schwedenvertrages und Erhöhung der dann in Kraft tretenden autonomen Zölle auf 10 M. Auch die Futtergetreidezöll« sollten auf ein Vielfaches erhöht werden. Zwar wurde im Handels- politischen Ausschuß die autonome Zollerhöhung auf 10 M. abge- \ lehnt. Mit einer baldigen Inkraftsetzung der Schwedensätz« für Brotgetreide ist dagegen leider zu rechnen. Auch die Kündigung des Schwedenvertrages ist jetzt erfolgt. Die Sozialdemokratie lehnt die Verantwortung für höhere Getreidezölle ab. Wir sind nach wie vor der Meinung, daß die alte starre Zoll- Politik der Landwirtschaft zu Zeiten niedriger Preis«, wie wir sie jetzt l>«ispielsw«se haben, keinen genügenden Schutz bietet, daß sie andererseits nach knappen Ernten und bei ohnehin hohm Preisen zu einer brutalen Belastung der Verbraucherschaft werden muß. Das würde sich auch jetzt wieder zeigen. Wenn die Ernteaussichten in Deutschland und in der Welt weiter günstig bleiben, ist es sogar nicht ausgeschlossen, daß trotz Zollerhöhung die kommende Ernte zu ungewöhnlich niedrigm Preisen verwertet werden muß. Be- kommen wir dagegen in einem der nächsten Jahre ungünstigere Der- holtnisse, so würde wiederum eine übermäßige Belastung der Der- brqucherschaft ohne Nutzen für di« Landwirtschaft bleiben. Zwar ist zu hoffen, daß die Mittelparteien so vernünftig sein werden und der ErhöhWg de'r'Getreidezälle nur ihre Zustimmung geben, wenn sie auf die'Zeitev�änormal niedriger Preise befristet wirb. Die Sozial- demokratie wird aber auf jeden Fall gegen diesen Rückfall in die sinnlose starre Zollpolitik vergangener Zeiten aus das schärfste Ein- spruch erheben und jede Getreide zollerhöhung ablehnen. Ebenso wie ein höherer vrotzoll muß die herauffehung des Zuckerpreises abgelehnt werden. Es ist zuzugeben, daß die Verwertung der letztjährigen Zucker- ernte der Zuckerwirtschaft nicht ausreichende Erlöse gebracht hat. wie sie das veränderte Zuckerzollgefetz vom Jahre 1928, dem auch die Sozialdemokratie nach Einschaltung eines Verbraucherschutzes zugestimmt hat. erwarten ließ. Der Höchstpreis von 21 M. entspricht einem möglichen Durchschnittsverkaufspreis im Inland von 20,25 M., in Wirklichkeit sind di« Auckerpveise jedoch dauernd unter 20 M. geblieben. Weiter wurde der Erlös der Zuckerwirtschast dadurch vermindert, daß infolge der tschechischen Zuckereinfuhr und der ungewöhnlich guten AuckerausbeUte 1928 große Mengen Zucker mit Verlust exportiert werden mußten. Auf den deutschen Zuckerkonsum umgelegt, entstand hier der Zuckerwirtschaft ein Verlust von etwa 1 M. je Zentner, so daß ins- gesamt der Zuckererlös um etwa 1,50 M. unter dem bei Wegfall der Ausfuhr eventuell möglichen Verwertungspreis lag. Bei der zu erwartenden langsamen Verbrauchssteigerung, dem völligen Wegfall ausländischer Zuckereinfuhr wird es im nächsten Jahre aber kaum notwendig sein, Zucker zu exportieren. Auch bei Fortbestehen des bisherigen Höchstpreises würden sich die Zuckererlöse sicherlich um mindestens ILO M. verbesiern. N Die Einführung von monatlich um 15 Pf. steigenden Zu- schlügen zu dem Auckerhöchstpreis, wie sie gestern gegen die Sozialdemokratie angenommen wurde, bedeutet nun aber einen durchschnittlichen Höchstpreis von etwa 21,75 M., d. h. also praktisch eine Erhöhung des bisherigen Höchstpreises um ILO M. j« Zentner.. Für die Verbraucherschaft entsteht hieraus eine Mehr- belastung von rund 50 Millionen Mark, während für die Zuckerwirtschast entsprechende Mehreinnahmen auf di« Dauer nicht zu erwarten sind: denn der überhöhte Zuckerpreis erzeugt die Gefahr einer übermäßig starken Ausdehnung des Zuckerrübenbaues und dawit erhöhter Exportoerluste, und außerdem wird die fo not- wendige Rationalisierungsbewegung in der Zuckerindustrie hintan- gehalten. Auch die Erhöhung des Sartoffelzolles kann wirtschaftlich nicht begründet werden. sondern ist lediglich ein Agitationsmittel der agrarischen Parteien. In reichen Kartoffesjahren liegen die Kartoffelpreise infolge des starken inländischen Angebots mit oder, ohne Zoll fo niedrig, daß eine wesentliche Einfuhr aus dem Auslande kaum möglich ist. Es ist eine unsinnig« Vorstellung, den durch inländisches Angebot ver- ursachten Preisdruck durch Zölle mildern zu können. Umgekehrt kann in armen Erntejahren die von 1,50 M. auf 2 M. gegen die Stimmen der Sozialdemokratie angenommen« Kartoffelzollerhöhung zu einer unsinnigen Verteuerung des Kartosfelverbrauchs nicht nur für die städtische Verbraucherschaft, sondern auch für das kartoffel- »erarbeitende Gewerbe werden. In solchen Iahren können aus der Kartoffelzollerhöh mg Verbraucherbelastungen von 30 bis 40 Millionen Mark entstehen. Auch die Annahme, durch Erhöhung des Butterzolls der bäuerlichen Landwirtschaft eine wesentliche Verbesserung der Rentabilität bringen zu können, ist irrig. Zwar soll die angenommene Zoll- crhöhung den Charakter eines E r zi e h u n g s z o l l s, der nach einigen Jahren wieder wegfällt, haben. Es ist jedoch bekannt, wie gering die erzieherische Wirkung von Zöllen gerade in der Landwirt- schaft ist. Viel wichtiger wäre es daher, entscheideiche Rationali- sierungsmahuahmen der Milchwirtschaft durchzuführen, für die die Sozialdemokratie bereit ist, erhebliche Mittel zu bewilligen. Während der jetzt angenommene Butterzoll in der Hauptsache nur für den Teil der landwirtschaftlichen Betriebe, die ihr« Milch zu Butter oerarbeiten, eine Preiserhöhung von 0,75 Pf. pro Liter bringen kann, läßt sich durch Rationalisierung die Milchproduktion ganz allgemein um mehrere Pfennige pro Liter verbilligen. Für die Verbrauchers chast bringt jedoch auch der Butterzoll, obwohl er sich kaum erzieherisch auswirken wird, eine Belastung von jährlich einigen Dutzend Millionen. Schlimmste» gelang e» zu verhindern. So bleibt die bisherige Einfuhr von Gefrierfleisch, die die agrarischen Parteien völlig unterbinden wollten, weiter be- stehen. Auch die Einfuhr von Leber zur Herstellung billiger Massenleberwurst bleibt bestehen. Für die bäuerliche Landwirtschaft schließlich hat die Sozialdemokratie es durchgesetzt, daß der deutschnationale Anschlag auf di« Futtergetreidezölle, der zu einer schweren Be- lastung der landwirtschaftlichen Deredelungserzeugung geführt hätte, abgeschlagen wurde. Beim Getreide hat die Sozialdemokratie ein: Erhöhung des autonomen Zolles verhindert. Die Forderung, den Butterzoll auf 80 Mark zu erhöhen, wurde durch den Widerstand der Sozialdemokratie auf«ine Zollerhöhung von 50 Mark, die nach einigen Jahren abgebaut werden soll, reduziert. Die Debatte über die Neugestaltung der Viehzöll« wurde bis in den Herbst verschoben. Wenn es auch der Sozialdemokratie gelungen ist, die Zollfordc rungen der agrarischen Parteien stark abzuschwächen, so bleibt doch bestehen, daß bereits die bisher gegen die Sozialdemokratie bewillig- ten und größtenteils absolut sinnlosen Zollerhöhungen«ine neu. Belastung der Verbraucherschaft bringen. Keinesfalls kann die Arbeiterschaft sich eine solche Kürzung ihres Reallohnes gc- fallen lassen. Mit verstärkter Energie wird sie daher bestrebt sein müssen, die Kürzung ihres Einkommens, wo sie fühlbar wird, durch Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen wieder gutzumachen. Wettkartell für Sttckfioff. Friede zwifchea Natur- und Kunstsalpeter.— Oentfchland, England und Ehile verbünden sich. Der Ankündigung auf der Generalversammlung des I. G. Farbentrustes, es werde zwischen dem Chilesalpeter und dem synthe- tischen Stickstoff eine Verständigung gesucht, ist rasch die Verständi- gung gefolgt. Verhandlungen zwischen I. G. Farben für Deutschland. dem englischen Chemietrust(Imperial Chemical In- d u st r i e s Ltd.) für England einerseits und dem chilenischen Finanzminister andererseits sehen ein enges Zusammen- arbeiten dieser drei wichtigsten Stickstosferzeuger der Welt vor, aller- dings unter Ausschluß der Produktion und des Marktes der Ver- einigten Staaten van Nordamerika. Die Zusammenarbeit erfaßt zunächst nicht eine Beschrön- krmg oder Kontingentierung der Produktion bzw. des Absatzes, auch sind noch keine Abkommen über den Marktschutz nationaler Ge- biete der einzelnen Industrien getroffen worden. Dagegen soll die Propaganda für die Steigerung des Stickstoffvsrbrauches gemeinsam vorgenommen werden und weiter sollen die großen Produzenten- gruppen mit dem Preis« gegenseitig nicht unterbieten, worin für den Augenblick wohl die wichtigste Vereinbarung zu erblicken ist. Die Gründe für diese Weltoerständigung der wichtigsten Stickstofferzeuger und für die Ausschaltung der Konturrenz zwischen Rawr und Kunststickstosf dürften doppelter Natur sein. Einmal hat sich gezeigt,— wir haben schon mehrfach aus diese Gefahr hinge- wiesen—, daß di« Wetterzeugung von natürlichem und künstlichem Stickstoff heute schon die Nachfrage erheblich übersteigt. Sodann hat sich erwiesen, nachdem Chile teilweise unter Inanspruchnahme von Staatshilfe durch Zusammenfassung und Rationalisierung seine Pro- duktionskosten erheblich gesenkt und di« Konkurrenz des Chile- salpeters selbst in Europa zugleich erheblich verstärkt hat, daß im Augenblick kaum eine Aussicht besteht, daß der künstliche Stickstoff di« chilenische Konkurrenz los werden wird. Selbst in Deutschland hat sich von 1926 bis 1923 der Derbrauch von Chilesalpeter, obwohl Deutschland das Heimatland der künstlichen Stickstvfserzeugung ist, versechsfacht. Es ist auch zu berücksichtigen, daß sowohl für Natur- als auch für Kunststickstoff bereits sehr große unverwertet« Vorräte lagern, die zu einem scharfen, preisdrückenden Konkurrenzkampf sehr bald führen müssen. Dem Vorhandensein dieser Vorräte wird man es auch zuzuschreiben haben, daß die drei Kontrahenten der Well- Vereinbarung für künstlichen und für Naturstickstoff gemeinsam eine Preissenkung um 5� Pf. je Kg. vorgenommen haben, von der man sich eine sofortige Steigerung des Absatzes versprechen dürfte. Für dasdeutsche Stick st offsyndikat, dos übrigens den Vereinbarungen beigetreten ist, wird für das am 1. Juli be- ginnende Düngerstchr eine Herabsetzung der Düngerpreise im Ausmaß von 5— 8 Progent bekanntgegeben. Es ist selbstverständlich, daß die Weltoerständigung der großen Stickstosfproduzenten von sehr großer Bedeutung ist und einen neuen wichtigen Schritt in der Kartellierung und Monopol i s i«rung im Weltmaßstabe darstellt. Auslandskapital strömt zu. Weg mit der Beratungsstelle. Die glücklich abgeschlossenen Pariser Verhandlungen haben den ausländischen Kapitalmarkt für Deutschland wieder geöffnet. Das wird alle Tage deutlicher. Jetzt ist der gestern mitgeteilten Kalianleihe von 60 Millionen Mark ein sechsjähriger Auslandskredit von 3 Mil- lionen Dollar für die Ruhr-Chemie A.-G. gefolgt, in der bekanntlich unter Führung der Vereinigten Stahlwerke 26 Montanunterneh- mungen zur Stickstoffgewinnung auf Kokeosengasen vereinigt sind. lieber eine Reihe weiterer Anleihen, privater und öffentlicher, wird verhandelt. Auch den letzten Reichskredit von 210 Millionen Mark darf man ja zu den Auslandskrediten zählen. Zweifellos ist die Wiedereröffnung der ausländischen Kapital- markte für die Belebung der deutschen Wirtschaft von größter Be- deutung. Es wird deshalb auch Zeit, daß sich die potllischen Instanzen des Reiches und der Länder darüber oerständigen, daß die Beratungsstelle beim Reichssinanzministerimn, die überflüssigerweis« noch immer besteht, so schnell als möglich beseitigt wind. Arbeitsmarkt in der dritten Zuniwoche. Der Arbeitsmarkt war in der Berichtswoche gekennzeichnet durch eine überaus lebhafte Bewegung: im ganzen fetzte sich noch ein weiterer schwacher Aufstieg durch. In Brandenburg, Bayern. Süddeutschland und Pommern war die Belebung«was stärker aly in der Vorwoche, sie wurde hauptsächlich von einer er- neuten Aufnahmefähigkeit der Außenberufe getragen. In West- fal e n, das bereits«inen günstigeren Stand ckls zur gleiche» Zeit des Vorjahres erreicht hat, ging die Arbeitslosigkeit gleichmäßig weiter zurück. Die Schätzung der Vor- mache, daß die Zahl der Hauptunterstützungsenipfänger in der ver- sicherungsniähigen Arbeitslosenunterstützung am 15. Juni»ah« an 750 000 lag, hat sich bestätigt, inzwischen dürfte sie um weitere 10 000 gesunken sein. Die pariser Episode im Bankgeschäft. Zu den Monotsbilanzen der Banken für Ende Mai. Jetzt find auch die Monatsbilanzen der Banken für Ende Me! veröffentlicht. Wenn man sie mit den Veränderungen zum Endc April gegenüber Ende März zusammenhält, so zeigt sich, daß di' Pariser Reparationsverhandlungen im ganzen docz einen sehr st arten Einfluß auf das gesamte deutsche Ban! geschäst gehabt haben. Für Ende April mußte zum erstenmal eir mindestens 4prozentiger Rückgang in dem bis dahin in geradc' Linie aufwärts zeigenden Geschäft der deutschen Banken festgestclll werden. Es kann kaum ein Zweifel darüber sein, daß neben de: Verschärfung der Geldoerhältnisse am New Forker Markt di. Wirtungen des Schacht-Memorandums mit den bekannten Kolonial forderungcn, da dieses den Ausgang der Verhandlungen sehr Zweifel hast macht«, die internationale Finonzwell beunruhigt und so zu einer internationalen Kreditrestrittion auch für di: deutschen Banken geführt haben. Im Monat Mai wirkten sich dir Berhältmss« auch auf die Währung und die Reichsbant aus, und die Reichsbant selbst mußte mit einer innerdeutsche» Restrittion folgen. Die Auswirkungen dieser Dinge zeigen sich deutlich in den Monatsbilangen für End« April und für Ende Mai. aus denen wir folgende charakteristische Zahlen für di« Berliner Großbanken wiedergeben wollen. Ende März April Mai (in Mill. Mari— in Klammern sämtl. prio. ftredlltanlen; Gesamt-Kreditoren.. 10,40(13L9) 10,04(13,22) 9,66(12,90) Akzepte..... 0,44{ 0,63) 0,46( 0,65) 0,49( 0,68) Wechsel....... 2,64( 3,31) 2,35( 2,99) 2,13( 2,78) Vorschüsse auf Waren. 1L3( 1,88) 1,49( 1,85) ILO( 1L9) Debitoren..... 5,01( 7,00) 5,01( 7.02) 4,90( 6,89) Börsenkredite... 0,66 0.64 0L4 Auch im Monat Mai ist danach insgesamt noch ein Rückgau n des Bankgeschäftes festzustellen. Die gesamten Kreditoren br, den Berliner Großbanken gingen von 10,04 auf 9,66 Milliarde» zurück(bei sämtlichen Privatbanken von 13,22 auf 12,90 Milliarden). Die Geldbeschaffung durch Bankakzept« ist im Mai ebenfalls wir schon im April leicht gestiegen, und zwar zu End« Mai von 0,46 aui 0,49 Milliarden(bei sämtlichen Banken von 0,65 auf 0,68 Milliarden). Bei der Verwendung der Gelder zeigt sich ein entsprechender Rückgang: bei den Wechselbeständen von 2,36 auf 2,13 Milliarde» (entsprechend bei sämtlichen Banken von 2,99 auf 2,78 Milliarden). Di« Vorschüsse auf Waren sind mit ILO(1,89) gegen 1,49(1,86) Milliarden nur leicht gestiegen. Die Summe der gewährten Kredite. di« von März bis April unverändert geblieben war, hat sich zu Ende Mai von 5,01(7,02) auf 4,90(6,89) Milliarden verringert. Die für Börsenzwecke gewährten Kredite sind unverändert geblieben. Die Einwirkung der geschilderten Umstände ist in diesen Ziffer» unverkennbar. Glücklicherweise aber ist die Pariser'Periode mii einem Erfolg abgeschlossen worden, die ungünstige Einwirkungen auf die internationalen und deutschen Geldmarktverhältnisse sind be seitigt, und schon bis Ende Juni wird man wahrscheinlich in de» Geschäften der deutschen Banken wohl wieder einen Ruck nach oben feststellen können. Deutsche Sank stellt Belebung der Konjunktur fest. Im Gegen setz zu den pessimistischen Prognosen des Instituts für Konzunktursorfchung spricht di« Deutsche Bank in ihrem Monats bericht von deutlichm Anzeichen einer konjunkturellen Be lebung in der deutschen Wirtschaft. Die Ruhrkohlenförderuim zeige vom S. Mai bis 8. Juni ein durchschnittliches Mehr va» 12 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Die arbeitstägliche Leistung in der Roheisenerzeugung sei gestiegen, die Wagen-gestellung bei de: ReichÄmhn war von April bis Mai um 10 Prozent höher als.in Vorjahre. Die Deutsche Bank sagt sogar, daß schon e r b e b l i- früher solch« deutlichen Anzeichen vorhanden gewesen seien, d- aber während der Reparationsverhandlungen und infolge der Währungsverteidigung durch die Reichsbank erstickt worden seien. Der Zugabeunfug im Reichswirtschastsral. Der Reichsjustv minister und der Re ichsw i rtfcha ftsmi n i ster haben de» Reichswirt- schaftsrat mn di« Erstattung eines Gutachtens über die wirtschaj- liche Wirkung des Zugabewesens gebeten. Insbesondere soll' d e Wirkung auf die Herstellung, den Handel und die Verbraucher jene-- Verkaufswaren untersucht werden, bei denen Zugaben in Frag' kommen. Der Reichswirtschaftsrat soll sich auch darüber äußern. welche gesetzlichen Maßnahmen er zur Regelung des Zu- gabewesens für richtig hält. Aus der Partei. J. IN. Wtbaul, ein Dorkämpjer der holländischen Arbeiter- bewegung, hat am 23. Juni sein siebzigstes Jahr vollendet. Er hat alle offiziellen Feiern abgelehnt. Er hat, wie er zu Freunden sagt«, das Gefühl, jetzt erst recht mit dem, was er am liebsten arbeite, anzufangen, mit der Arbeit aus ökonomischem Gebiet. Er gibt einzig zu, daß er jetzt jchon zur„reiferen Jugend" gehöre. Und er hat recht, denn niemand kann bei seiner ganz erstaunliche» Frische und Arbettskrast ihm seine siebzig Jahre glauben. Von 1914 bis ,zum Bürgerblocksieg des vorigen Jahres leitete Wibaut einen der wichtigsten Teile der Stadtverwaltung Amsterdams. Sei, Jährzehnten gehört er dem Parlament an. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Znkernationale wird am 28. und 29. Juli im Volkshans Zürich ihr« Halbjahrssitz-.mg abhalten. Voran geht am 27. Juli eine Sitzung des Bureaus. Donnerstag 27. Zum 1929 Unterhaltung unö Wissen Deilage des Vorwärts Wenn die I am größten (Schluß.) Sie mußten also mwerrichteter Dinge heimkehren! und späterhin am Vormittag, als die Sonne den Nebel zerstreut hatte, war von dem Engländer nichts mehr zu sehen, als eine Rauchsäule in der Ferne. Aber das Meer floß in den prächtigsten Farben und auf der buntscheckigen Oelsläche schaukelten zahlreiche Faßdauben leise auf und nieder. Da sank auch die Stimmung in dem kleinen Dorfe bis weit unter den Nullpunkt, und über die schmalen Gesichter legte sich etwas von dem Schrecken derjenigen, die da fühlen, daß sie gegen das un- «rbittliche Schicksal selbst ankämpfen. Hier blieb nichts anderes übrig, als den chosenriemen immer enger und enger zu schnallen, je mehr der Magen abnahm, und ruhig den Tag abzuwarten, bis der Hunger sich an die Gedärme selbst machte. Was war sonst zu tun? Die Vor. sehung selbst war ja zu kurz gekommen, als sogar der Nebel fehl- schlug!— Und viel« Tage hindurch beugte man sich vor dem Unabändcr- lichen und ließ den Kopf hängen. Allmählich aber erwachte die zähe Natur in einem lind dem anderen, und man begann nachzudenken, ob es nicht das beste sei, das Ding selbst in die Hand zu nehmen. Und in einer schönen Nacht, als der Mond im letzten Viertel war, brachte man eine rote und eine grüne Laterne in Abstand einer Schiffsbreite voneinander an den äußersten Felsen der Landzunge an. Es standen Wachen draußen, die die Laternen auszulöschen hatten, sobald diese ihr« Wirkung getan hatten, und dos Experiment wurde Nacht für Nacht wiederholt. Eines Nachts saßen im„Paltaesten* einige Fischer beisammen und hiellen.Wachstube'. Es war spät geworden, aber sie mochten nicht heimgehen und die hungrigen Mienen der Frauen und Kinder mitansehen, überdies hatten sie Fieber im Blut und konnten nicht schlafen. Es zog sich hinaus mit dem Experiment da draußen in den Felsen, und mtt jeder Nacht, die resultatlos verlief, wurden sie nervöser. Vor dem Tischende saß Tran- Jakob, ein riesengroßer Fischer mit grauem, struppigem Haar und rollenden Augen. Er trug diesen Namen, weil er aus der Leber des Dorsches Tran kochte und mit diesem sein Haus einschmierte; im Sommer, wenn die Sonne schien, schmolz der Tran und verbreitete einen unleidlichen Gestank. Er ging Sommer und Winter ohne Weste und Wams und mit offener Brust. Neben ihm saß ein kleiner Fischer, wegen seiner großen Häß- lichkeit„Doppeltschön' genannt, und an dem langen Tische verstreut saßen noch verschiedene andere. Sie schliefen mehr oder minder alle; hie und da erwachte einer, leerte seinen Bittern oder seinen Seifen- grog und sank wieder zusammen. Der Wirt schlich mtt frommer Miene ein und aus, sorgte, daß etwas in den Gläsern sei, und notierte. Ein Fischer hob den Kopf..Wird- schon gehen,' sagte er, viel- leicht als Fortsetzung eines Traumes. Der Wirt zog tief! bedauernd die Schultetn hinaus, als wolle er sagen, daß er seine Hände in Un- schlttd wasche, worauf der andere sein Glas leerte und den Kopf wieder auf die Arme fallen ließ. Beim ersten Tagesschimmer wurde die Tür aufgerisien, und Marthas Jung« stürzte mit dem Rufe„Ein Wrack! ein Wrack!' ins Zimmer. Da kam Leben in jeden einzelnen Fischer..Wo siegt es?'— „Ist es groß?'—.Kann es in den Hafen hinein?' scholl es von verschiedenen Seiten. „An der Landspitze! Es ist eine Brigg! Mutter meint, Jakob brächte es wohl in den Hafen!' erwiderte der Junge atemlos. Man zweifelte ein wenig daran, daß selbst Jakob imstande wäre, eine Brigg in den ziemlich seichten Hafen zu bugsieren, indessen hatte nian doch großen Respekt vor Marthas Worten; sie hatte bei ver- schiedenen Anlässen mehr Scharssinn bewiesen als selbst die alten er- fahrenen Fischer. Die Frage war von großer Wichtigkeit. Konnte die Schute in den Hafen gebracht werden, so hieß es, sie um jeden Preis flott machen, um das Möglichste aus ihr herauszuschlagen; im entgegen- gesetzten Falle mußte nian lieber ein Augenmerk daraus richten, daß sie recht solid feststände, damit nicht etwa ein Dampfer sie aufpackt« und zu einem größeren Hasen hinbugsierte, der dann den Löwen- anteil an dem Gewinn für sich in Anspruch nehmen würde. Man sah daher Jakob fragend an und dieser erwiderte: »Entweder wir kriegen sie in den Hasen oder die See soll sie kleinhacken und die Iungens die Scherben aufklauben.' .Ja. aber die Verantwortung, die Verantwortung?' wandte der Mrt ein. Er hiell zweimal wöchentlich Bibelstund« ab und gehörte zu den „Erweckten'; übrigens war er selbst stark an dem glücklichen Ausgang der Sache beteiligt und hatte ihnen auch eine Laterne geliehen. Jakob verdroß diese unzeitige Einwendung.„I was!' schrie er und schlug mit der Faust auf den Tisch,„man schaut nicht rechts und links und rutscht durch, so gut es geht!' Das war sein Ausdruck für die golden« Mittelstraße der Moral. Dann ging es in geschlossenem Trupp mtt Jakob an der Spitze zum Hafen. Draußen aus den unterseeischen Klippen der Landspitze stand«ine Brigg, dtn Vordersteven bedeutend höher als den Hintcrsteven. Die Fockstange war geknickt, als dos Schiff auf den Grund stieß, und hing über das Takelwerk; sonst schien die Schute nicht besonders viel Schaden gelitten zu haben. Aber man war sich bald klar darüber, daß sie genommen werden mußte, solange Hochwasser war. Sank erst das Wasser, so würde es nicht möglich sein, sie ohne Hilfe eines Dampfers flott zu machen— geschweige sie denn in den Hafen zu bringen. Während dieser Erwägungen ruderten Jakob und ein paar andere Fischer hinaus und krabbelten an Bord. Der Kapttän stand an den großen Mast gelehnt und weinte, der Steuermann und ein paar Matrosen waren eben dabei, das Takelwerk von dem geknickten Masttopp zu befreien, und der ganz junge Küchenjunge saß in der Tür seiner Kambüse und stopfte mit sorgloser Miene Strümpfe. Es war eine Stetttner Schute, die mit einer Ladung Weizen heim sollte, und Jakob, der des Deutschen mächtig war, mußte die Verhandlungen leiten. Er schwur darauf, daß nirgends ein Rettungs- dampfer zur Stelle zu schaffen sei(es lag drüben auf der anderen Sette der kleinen Insel) und schlug die Hilfe der Fischer vor. � Der Kapitän sah ein, daß die zweitausend Kronen, die die Fischer für Heben und Befördern der Schute in den Hasen verlangten, im Verhältnis zu dem. was ein Rettungsdampfer kosten würde, eine sehr geringe Summe sei, und gmg auf den Vorschlag ein. Auf seine besorgte Erkundigung, wie tief der Hafen sei, fragte Jakob höhnisch, wie tief wohl sein.Vollschifs' stecke, und ob er denn glaube, daß er in einen Rinnstein hinein solle. Der Kapitän war beruhigt, und seine gute Laune kehrte wieder. Es zeigte sich beim Pumpen, daß die Schute nur ein unbedeutendes Leck erhalten hatte. Einen Teil der untersten Schiffsladung mußte man ja wohl losschlagen, so gut oder schlecht es eben ging; dos übrige dagegen hatte dagegen fast gar nicht vom Wasser gelitten. Sobald die Leckage untersucht war, konnte man die unbeschädigte Ware wieder laden und heimbringen. Die Kosten des Untladens waren wie sie sagten, hier nicht so groß.» Als eine Stunde später die vier Boote, jedes mtt drei Leuten bemannt, anlangten, lud der Kapitän die ganze Schar an Bord und traktierte sie mit Wein und Zigarren. Vierundzwonzig Stunden wurde hart und ohne Ablösung ge- arbeitet, und am nächsten Vormittag war das Schiff so weit gelockert, daß man es durch Auswerfen einiger Anker ohne große Schwierig- ketten aus dem Grunde hob. Der Wind half mit; Jakob selbst stand am Steuer, und hinein ging es in den kleinen Hafen.»Wir haben zu viele Segel, Mann! Wir fahren ja mitten in dos Dorf hinein!' schrie der Kapitän, den die rasche Fahrt beunruhigt«. „Nein, never mind!' erwiderte Jakob ruhig und hielt mitten im Einlouf inne. „Hol's der Teufel, mir scheint, es scharrt auf dem Grunde!' schrie der Kapttän wieder. Aber Jakob hatte schon das Steuer aufgelegt. Der veränderte Druck auf die Segel legte das Schiff auf die Seite und machte es minder tiefgehend, und mtt einer flotten kleinen Settenbewegung legte es sich dicht an die Schiffslände. Ihr steuert flott,' sagte der Kapttän bewundernd..Aber was zum Kuckuck ist das'�' und er zeigte auf das Kielwasser, wo Schlamm und Tang sich auf die Oberfläche emporwälzten wie kochender Brei. .Niederer Wasserstand,' oersetzte Jakob, ohne zu zwinkern. Der Kapitän lugte zu den Molen hinüber; es war kein Merk- zeichen eines früheren höheren Wasserstandes zu sehen, es mußte also eine Lüge sein. Aber er war eine friedliche Natur, und nun logen sie einmal da. Es zog sich mit den Reparaturen hin, die Schiffszimmerleute im Dorf waren nicht die tüchtigsten, und man war auch gar nicht versessen darauf, die Schute loszuwerden— es fiel ja doch ein wenig Verdienst an die Geschäftsleute und Wirte ab. Und als sie endlich so weit waren, die Ladung wieder herein- zunehmen und der Kapitän Tiefmessungen im Hafen anstellen ließ, da zeigte es sich, daß man unmöglich mit der Ladung an Bord aus- laufen könne. Draußen in der Tiefe die Ladung abermals mtt Hilfe der Boote einzunehmen, konnte sich aber nicht rentieren: es war schon zuviel von dem Wert der Ladung aufgezehrt worden, und dies würde ihn vollends fressen. So mußte sich denn der Kapitän, so ungern er es tat, ent- schließen, über dos Ganze Auktion zu hallen und zu nehmen, was zu bekommen war. Daß es nicht viel wurde, wußte er von der Auktion über den havarierten Teil der Ladung her; Käufer waren damals zwar genug zur Stelle, aber es schien ein Uebereinkommen zwischen ihnen zu herrschm, keiner wollte das Angebot steigern. Und genau so ging es auch jetzt. Beim nächsten Hochwasser halfen die Fischer dem Kapitän edel- mutig aus dem Hafen Henaus, und er stellte den Kurs heimwärts. gerupft und ausgezogen. In Kaas aber tafelte man. raus Andersen-NerS, Bornh»lm«r SJoocBtn(gtt. J,75 SU,«it ckrlavd» nis des Derlagcs I. H. W. Dietz Nachf.) 3t.3rance: 3)ämonifche fliegen Di« Behauptung, daß die Menschen sich nach ihrem Tod« in Fliegen verwandeln, klingt wie ein schlechter Scherz. In Wirklich- keit aber ist nur eine kleine Uebertreibung dabei insofern, als nicht der ganze Tote geflügelt ins Leben zurückkehrt, sondern nur die Körper der Begrabenen von Fliegen aufgezehrt, den Kreislauf zurück ins sonnige, lebenssorgenbeschwerte Dasein zurückfinden, auf einem Umweg, der grausig, unheimlich, zunächst abscheulich erscheint, aber dann doch wieder, wenn man die ganzen Zusammenhänge kennt, großartig, seltsam ergreifend, in den letzten Gedanken fast mystisch erhaben. Angenehm, abstoßend, heilig und grauenvoll, aber das sind Mcnschenbegrisf«, aus dex. kleinen-Well.unseres Gefühlslebens als Verbindungsfädeu gesellschaftlicher.„Zusammenhänge geschassen: sie haben keinen Sinn dem WeltgesetztgegenÜber, das in heiligem Ernst, mit der Wucht des Wirtlichen dasteht und vor dem es nur die Anpassung, die Unterwerfung und Anerkennung gibt: es ist so und wir, hineingerissen in geheimnisvoll über uns waltende Kreise müssen es hinnehmen. Wir können diese Zu- sammenhäng« nicht ändern, uns den Wirklichkeiten des Natur- gofchehens nicht entziehen, das Einzige, war wir dürfen und sollen, ist: die Tatsachen und Gesetze ver st eben»u lernen. Dann mag es uns vielleicht gelingen, den Menschenkopf an den harten unbegreiflichen Bau der Weit anzupassen. Wenn uns etwas Natürliches schrecklich vorkommt, um so schlimmer für uns. Die Naturgesetz« lassen sich durch uns nicht ändern. Mit dieser Einsicht ausgerüstet sehen wir dem schrecklichsten Er- eignis ins Auge, das es sür den Menschen gibt: dem Tode. Es Hilst nichts, sich vorzustellen,«in geliebter Mensch werde auch in seiner letzten Ruhe die sympathischen Züge behalten, die gewohnte Gestalt das ganze äußere Wesen, dos uns als Spiegel seines Innern nur zu vertraut und liebwert war— Wirklichkeit ist anders. Unerträglich ist das und auf zwei Wegen suchte der Menschengeist über dieses Unerträgliche hinwegzukommen. Einmal naiv, ober mit einer rührend verzweifelten Geste der Lieb« und Angst, die Geliebten nicht ganz zu verlieren, durch Einbalsamieren der Leichname, im ägyptischen Kulturkreis zu einer Kunst gesteigert, die schaudern macht, wenn man ihre Einzelheiten kennt und— deren Ergebnisse nicht weniger traurig stimmen, wenn dann eine der so liebevoll und kostbar gehegten Mumien ans Tageslicht tritt und nichts ist, als ein geschwärzter Klumpen zusammengedörrten Fleisches, gräßlicher anzusehen als ein Skelett und himmelweit entternt von allen'Vor- stellungen der Dauer von Schönheit und' Bedeutung. Da ist schier noch die unfaßbar barbarische Sitte der Papuavölker,! im fernen Schwarzinsellond erfolgreicher, die die geliebten Toten wochenlang im Rauch besonderer Hütten dörrt und die Köpfe mit Lehm bunt bemall, mit eingesetzten Muschelaugen in drohende Gespenster ver- wandelt, mit einem künstlich aus Baumrinden und Palmbast ge- formten Leib vor die Behausung stellt, als dämonischer Ahn«, der Tradition hütend und mahnend, jeden Schritt des ihm nachfolgen- den Lebens überwacht. Unheimlich und schreckhast ist das, aber, man kann es nicht leugnen, nicht ohne tiefen Sinn. Aber uns doch unerträglich gleich allen Einbalsamierungen. mögen sie auch wie die künstlich lebensähnlich erhaltene Mumie Lenins am Moskauer Kreml noch so wachsfigurenhast erscheinen. Um so schrecklicher, sagt höchstens dazu das ethische Feingefühl, das sich hier mit dem ästhetischen verbindet. Und darum sich lieber zu dem heroischen Entschluß aufrang: dann lieber ganz auf das Bild der Toten verzichten und der reinigenden läuternden Flamm« alles übergeben, was sterblich ist am Menschen. Wir sind eben ein heroisches Geschlecht; kein Wunder, daß gerade unter uns der Gedanke der Feuerbestattung, ein uralter, vielleicht ältester der Menschheit, wahrhaft magische Werbekraft entfaltet, wie es die Zu- nahm« der Feuerbestattung beweist. Das Allerunerträglichste scheint uns das Walten des un- gestörten Naturgesetzes zu sein: der tägliche und stündliche Verfall des toten Leibes, die Auflösung eines Menschen in seine Umwelt. Es ist auch zunächst grauenhaft, dies« Verneinung von allem, was ein Herz an Schönem und heiligem Gedenken nur in sich hegen mag Dieser Schrecken hat nur eine einzige Entschuldigung und Recht- fertigung: es ist der Weg der Natur. Der einzige, der den Menschenleib der Welt zurückgibt, aus der er hervorging. Mit welchen Augen wird man auf die Fliegen blicken, wenn man erfährt, daß sie es find, durch die der Weg dieser Umwandlung geht? Die Fliegen und Geistchen, die uns umstimmen und um- schwirren, goldgrün, grau und stahlblau oder schneeweiß, tägliche Genossen des Alltags, sind mit einigen Gefährten die Boten der Natur, welche göttlichem Gesetz zufolge die Umwandlung der Toten besorgen müssen. Es gibt eine Friedhofsfauna, die sehr genau studiert ist. In ihr stehen Fliegen in erster Reihe. Der gedankenlosen Redeweise, der Mensch sei der Fraß von Würmern, hat schon eine richtige Be- obachwng zugrunde gelegen, nur hat man die in den Gräbern um- herwimmelnden Fliegenmoden und Insektenlarven mit ganz wenig Ngturkenntnis sür Würmer gehalten. Ein französischer Zoologe, P. Megul�i, hat sich der Aufgabe unterzogen, die Fauna des Friedhofes von Iory bei. Paris, also eine der allgemein üblichen Begräbnisstätten, zu untersuchen und hat uns folgendes Bild ent- warfen. Zunächst schützt weder ein Holz-, noch ein Metallsarg, noch auch der Sarkophag der.eigenen Gruft' davor, daß eine Leiche von Insekten oerzehrt werde. Die Fliegen sorgen schon während der Stunden der Aufbahrung dafür, daß ihre Eier mit in das Grab gelangen und alle Mühe, sie abzuhalten, scheint vergebens zu sein. Fünf Arten von Fliegen, zwei' Käferchen, zwei Arten von Spring- schwänzen, eine Tausendfußart. das ist zu Myriaden vervielfacht. die Tierwelt der Gräber. Die große blaue Brunimfliege, die jeder- mann kennt, fehlt dabei niemals, eine ganz kleine schwarze buckelig« Fliege, welche die Wissenschast P h o r a nennt, ist ein typisches Grobtier, ebenso ein winziges, eigenttich in seinem rostroten Panzer allerliebst anzusehendes Käferchen, das man sonst eigentlich gar nicht kennt. Seine wahr« Heimat scheinen eben die Särge zu sein und der kleine„Wurzelesser', wie man ihn deutsch nennen könnte, ver» irrt sich in die Oberwelt nur gelegentlich Er lebt immer in der Erde und findet eben Mittel und Wege, um von da aus in die Särge einzudringen. Hält ihn ein außerordentlich gut gefügter Metallsarg ab, dann haben eben die Fliegenmaden ein um so un- gestörteres Mahl. Zu dieser„Trias des Todes' gesellen sich aber noch viel« andere Tiere in dem Maß«, als ein Kadaver unter natür- lichen Umständen verwest. Die goldgrün schimmernden Fliegen, der Speckkäfer, die schwarzen Totenkäfer-fehlen wohl niemals, die Larven der kleinen Stutzflügler sind ebenso emsige Gvabarbeiter wie die Leichenfliegen. Die kleinen Pelzfresser, die als„Geistchen' des abends fliegen, verzehren alles, was Haar heißt und feinere Haut. Sie alle zusammengenommen oerzehren alle Weichteile, welche die Verwesungsbakterien nur vorberettet haben: im Sommer ist ein größeres Heer namenttich dieser dämonischen Fliegen tätig als im Winter und Geschlecht um Geschlecht hält da unten im Dunkel der Gräber ihr unheimliches, aber üppiges Mahl, bis in etwa zwei Iahren das Vermögen aufgezehrt ist. Daun liegen nur mehr Knochen unten und auch die werden allmählig braunrot und ver- morschen zu einem dunklen Staub. Einzelne,— bekanntlich die Oberschenkelknochen, auch der Schädel halten ja länger Stand, das letzt«, was verschwindet, sind die Zähne. Unter günstigen, d h. der Verwesung feindlichen Umständen kann freilich auch«in Menschen- gerippe die Jahrtausende überdauern, sonst wäre ja der Mensch der Eiszeit uns niemals bekanntgeworden. Unter normalen Umständen aber ist die soeben geschilderte Reihenfolge der dunkle Weg, auf dem unser Leib zur Natur zurück- kehtt Di« Einäscherung beschleunigt das eigentlich nur— auch auf dem natürlichen Wege ist Asche das letzte, was übrig bleibt. Das Krematorium schattet nur die schrecklichen, dem Gefühl so zuwideren Vermittler aus dem Insektenrrich aus und danach möge jedermann sein« eigene Stellung zur-Frage dar.Leichenbestattung' wählen. Eigentlich gibt es da keine Wahl und es ist bloß eine Frage der Zivilisation. Die uralt« Erdbestattung ist nichts anderes, als ein Ueberbleibsel primitiver und barbarischer Zeiten. Die größten Wetthäsen sind New Port mit einem Verkehr von lS,7 Millionen Netto-Registertonnen, London(17,2 Millionen), Antwerpen(17 Millionen), Rotterdam(16 Millionen), Hamburg (15,3 Millionen), Schanghai(15,2 Millionen), Liverpool, Buenos Aires(je 12,3 Millionen) und Cherbourg(16, g Millionen. Die höchste höhe des Dogelfluges ist durch die neuesten Unter- suchungen auf zirka 2666 Meter jestgestellt worden. Interessant ist dabei, daß kein Vogel über die Wolken hinaus fliegt. Er bleibt stets unter den Wolken, auch'wenn dies« nur 86Y bis 1600 Meter hoch sind. SozjaWscheArbetterjugendGr.-Verlm awsendongk!, fär Meff Subrif nur an da« JujoiWeJretarial Setiin<5X163, iindenOrost 3 BcoegtmgaiiBt: SIcuoufnnfrmen in allen llcfmnasftuniien. ßeuic, 19H U�e, Jleben für-Ülnfängei; und �origeschrijicne. 2014 Uhr lieben für Wien, Schule TaNZizer Tie.£3. heule. Donnerstag. 27. Juni, 19 K Uhr: Slothea; Heim Lortzing. Ecke Graunstraße. Varirag:.Marx und feine rühren".— Sallvlatz I: Lchule Gonnendurger Str. 20. Vortrag: �ic lese ich rine Wanderlorie?"— Schiinhauier Baestadi: Schule Sonn.'nburger Str. 20. Ireffpunkt tvc Werbebe,:rfsm igliederversammlung um lg Uhr am Arnim. vlah. Ndpeuickar Viertel: Schule Wrangelstr. 128. Bortrag de, Genosten kurt Biging.— Rctibuflce lor: Heim Vriger Str. Zi>. Vortrag:..Gemein» fchaft,er>iehuna�, 2Y Uhr.— Südmeft: Keim Lindenstr. t. Vortrag:..Berliner Hnmoe".— Westend: Erortplah Westend. Vortrag:..Was iordern mir von her Kommune?"— Wilmeredarf: Heim Dilhelmraue l2Z. Vortrag:..Gie erste lfalienbewegung".— Laalmih: Eemeindelchule Schulstraße. Vortrag:.Die llZiener flvlikilmvfe 1827".— Stkgliti: Heim Alhrechtftr. 47. Vortrag: Unsere fserienfohrt durch Oesterreich".— Rculölln I: Heim Flughafen. Funküonar- fitzung und Wienfadrer. SS«rbeBe»itI Prenzlauer Berg: Werbedezirksmiigliederverfammlung im Vlteroheim Ganziger Str. 82. Vortrag:..Arbeiterjugend und Volitlk". Ziese» rent: Genrife Eendewih. M. d. R. Andere Veranstaltungen fallen aus. Varteigenoflinnen und-genossen sind herzlich eingeladen. Werbebezirk Lichtenberg: Heim Gunterstr. 4t. Fer'enfahrt-Vorhefvrechung. ffierbcbezlrt Reinickendorf: Morgen, Freitag. 1944 Uhr, Siegel, Heim Bahn. hoffte. 15. Werbebezirksmitgliederverfammlung. Erscheint vitnktlich. Mit. glieddbuch dient als Ausweis._ Vortrage/Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schroarj-Rol-ffiolb". Gefchllltsstelle: Berlin E. l4. Sebastianstr. 87sZZ, Hat 2 Zr. Freitag, 28. Zum. Tierqarten. 20 Uhr Funktionärversammlung de, Ortsvereins in den Moabiter Bierhallen, Kirchstr. 13. Tages» Ordnung: Vortrag:„Auimarsch am 11. August". Referenten: Kam. Nomack und Gr. Mischle'r. Pflichtveranstaltung. Schäneberg.Friedenau. Kam. Iitsrl. 20 Uhr Kameradleimftsversammlung«olonneustr. 43, Restaurant Scheßler.— Sonnabend, 29. Juni. Prenzlauer Berg. Achtung, Iungbanner! Treffpunkt 19 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Bahnsteig l). Fahrt nach Wandt!!!. An. schließend Sonnenwenbfeier. Fahrkarten bis Rosenthal Ibsen. Rückfahrt Son». tagabend von Bernau.— Reinickendors.Vest. Tonnersag. 27. Juni, 18% Uhr, Antreten im Bereinslokal zur Fahrt nach Hohenneuendorf. Bolkschor.Südosten", MdDAS.. Ober., Niederfchbneweide, Johannisthal, Männer, und gemischter Thor, Gonnerstag, IS>4 Uhr, Bolkspark„Wuhlheide". Freikonzert. Der Chor übt Donnerstags oon 19V4— 2244 Uhr in Oberschonemelde. Eiemensstr. 1, im Lokal von Bressau<,.Fum kühlen Grund"l. Dirigent: Siez. fried Güniher. Sangesiustige Damen und Herren herzlich willkommen. Reichsbund iSdiicher Feantfolbaten. Bezirke: Nord. Oft. Süd. Stabipark. Ehariotienburg.?oo und Moabit. Sonntag. 30. Juni, in den Parkanlagen sowie Getamtsalen des Landesausstellungsparkes Alt-Moadit 4—10 und In. validenstr. 83. großes Sommerfest. Reichsbnnd der Kriegsbefchädigten, Kriegsteilnehmer und Hinterbliebenen. Orlsgruppe Westen. Ausflug am Sonntag. 30. Sunt, nach Bahnhofsrestaurant Grunemaid lWurzbacher). Treffpunkt daselbst ab 10 Uhr. Freie Arbeiier. Schach. Bereinigung Sroß-Berlin. In der Abt. Treptoto. die leden Donnerstag ab 20 Uhr im Lokal von Dilhling, Elkenstr. 100. spielt, hält am 27. Juni der Schachfreund Iungnitfch einen Vortrag über das Thema:.Die richtige Kombinatian in der Partie". Gleichfall» am Donners. tag, 27. Juni, beginnt in der Abt. Prenzlauer Berg ein Vorragszykln». Es wird damit alle» Sckiachinteressenlen Gelegenheit gegeben. In da» Stylen einer richt'g aufgebauten Sckiachpartie einzudringen. Der Befuch ist frei und tin. verbindlich. Sviellokal der Abt. ist Vollmer. Raumerftr. 30. ..Lnslisb Eo voriolionoi Uud tvuiided 1878." Meetings every Friday 8 p m CafdJosty.PotsdamerPlniz Lecturcr:Mr Schautuson:.T ravelling lixpcriences*. Guests, Ladies& Qentlemen, arc welcome. wellerberichl der öffentlichen Wetterdienststelle verlin ond Umgegend. (Nochdr. verb) Wechielnd hcwölft und am Tage mäßig warm. Noid- tvesliiche Winde— Zur Deulfchiand: Im Norden und Osten nach per- önderlich, im Süden zeitweije heiter, überall am Tage mäßig waim. 109 Stunden So mmerp reife. Es ist nichts so preiswert, als daß nicht»och eine weitere Perbilligung möglich wäre. Dies wlll der Echuhhot in 190 Ler. kautsstunden vom 28. Juni bis 9. Juli deweisen. 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Regie: HeinzHilpert R®se- | Thealer, Gro�e Fran Wörter Str. 1 5 3t. r&glld) S.15 Uhr; .raeiseKb u. gVe aasKgltP dsr leoer n se.-r üansrnlitthns Nur noch bis 30. 6. Der Ehestrelk Rundlunkhörer MlSa Preise. Otsl(Haste"Iii. Täglich 8V. Uhr; Polnische Wirtschaft 8 l'hr B5 Barbarossa 9256 0'Hanion& zambuni und die weiteren Utraktlonen Am K«»trlaep Alu. 8098—88 Tägl.5u,8": Intern. Varietö Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag '�ospelsimani (tut n.liiUic? Nur GroS-BertSn Alexa« H a*7.. Kleioes Beater Täglich 8>/< Uhr Max Adamen in Na9<""trod{eo? Sommar-Qarten-Theater Berliner Prster N 58, Kast-Ailee 7-9, Tel. Hb. 2246 Gastspiel cusmi Beer, Gieiei Ulleo in der Operette „Der ersten Liebe goia'm ran" Operette in 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner:„Br Ist cmb dar Papa". Burleske in 1 Akt mit Qustel Beer, Grete! Lilien. Dazu der große neue VatlelAlell. Anfang Konzert 4.30. Burleske u. Variete B tibi. Operetle 8.30. ladea Donnersiao grcBer TolKsiag. i «,unr. Zeiir. iBlS» Baadiea eriaebi Bon.John Jazz.Oirls Scamp& Scamp, die lustigen Berliner ond sreitcre V«rlet4-Kanrflcr8 Blaubarl Operette von Ottenbach Käthe ScrscS Lea Slezak TbeaLam XoiD.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr kitte. s&nger Die laa!- Sensatioe: „Terl n dal! grolle Los!" Inserate im A Vorwärts lichern Erfolg! neic�»I,ansa-Vkearer Aiialleaiinai OQ unr SfeftSner Sdnäer Daswandervollefanl-Proyr nur noch b s Sourlagl .Ab 1. lull neacs rmgraam. riönhotf- Brfttti: Montag. 1. 7. Große Fest- Vorstellung zur Feier des MI jäkriLen Bestehens des Dönholt-Brettl. ♦ Fernst« Dessert Obstweine• Crdbeerbowfo. süss-------- Liter 1.2S Apfelwein, süss............."**75 «ohannisberrwein, süss____-»SS Kirschwein, süss la..........- 1.25 Erdbeerwein, süss____________* 1*5 • Echte Südweine• Tsrragono. süss.............. 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Juni,>8 Uhr. im Krematorium Baumfchulenweg statt Don Kranz. spenden bitten wir abzusehen Mdw Metallariteiler-yeriiai Verwaltungsstelle Berlin Todesameige. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Dau'chiosser Gtto geb. 13. April 1905. am 29. Juni an Tuderlulofe gestorben ist Ehr« feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn» abend, dem 29. Juni. 144'. Uhr. von der Leichenhalle de» Ieniraliriedhofe» Friedrichsselde au» ital». Rege Beteiligung erwarlet Die Otlsoccroaltuag. Am Sonnabend, dem 22 Juni, abends 10 Uhr, verschied nach langen, schweren Leiden meine Inniggeiiebte Frau und herzensgute Mutter Ottilie Schumann im 40. Lebensjahr. In tie'ster Trauer Paul Schumann und Tochter Die Einäscherung findet am Freitag, 28. Juni, abends 6 Uhr, im Krematorium Cerichtstraße statt IST W « 9§äm Morgen beginnen die 100 Stunden an 10 V erkaufstagen. Wir werden in dieser Zeit neue Beweismittel für unsere tatsächliche Leistungsfähigkeit schaffen. Diese Leistungsfähigkeit ist das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit mit besten deutschen Herstellerfirmen, die sich mit allen neuzeitlichen Mitteln auf unser zielbewußtes Programm eingestellt haben. Durch dieses Programm waren wir bekanntlich immer in der Lage, für Schuhe von guter Beschaffenheit die Verkaufspreise nach unten zu beeinflussen. Wenn es möglich ist, Schuhe billiger zu verkaufen, so werden wir dies zuerst können. Prüfen Sie selbst einmal jeden einzelnen Preis vom2S.7uni bis 9.7ufi Linkstraße 11/ Wilmersdorfer Straße 117 Turmstraße 45/ Spandau, Breite Straße 22 Zentralverband derMasdilnlstcn and Heizer sowie Berufsgenossen Deutsdilands, Sitz Berlin Unseren Mitgüedein und Freunden zur Nachricht, daß unser lieber Kollege und Mitbegründer unseres Verbandes Karl Kirschnick im 80. Lebensjahr am 24. Juni nach kurzem Leiden verstorben ist. Der Verstorbene war uns in seiner 33 jährigen Mitgliedschaft als Vorsitzender und Kedakteur stets ein treuerMitarbeiterund Berater. Sein vorbildliches Wirken wird uns stets in Erinnerung bleiben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, dem 28. Juni, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral-KrtnkeD-llDiers'.fltznnss- rerela der Schmiede. Zahlstelle Berlin 9. Den Miialieben» zur Nachricht,| baß der Kollege ML Ferdinand Scbwemmer gestorben tft. Die Einäscherung findet am Freitag. 1 dem 28 Iunt nachmittag« 54, Uhr. im Krematorium Derichistraße statt Rege Be:eiiigung erwartet Dt« Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten.! den Genossen und Genossinnen der I 8. Ableitung dee«PD. den Sange». brudern vom Berliner Sängertor und dem Genossen H, Wäger danken wir derllickist für die dielen Bewei e] der Teilnahme on äßlich de. Hin», scheiden» meiner lieben Frau, unjerer guten Muller. Wilhelm Rambow] and Söhne Berlin, den 25 Juni 1929. Am 23. Juni verstarb nach kurzem schweren Leiden plötzlich unser lieber Mitarbeiter und treuer Kampfgenosse, der Setzer Hermann Thiele geb. 13. Juli 1862 Sein goldiger Humor und echt kollegialer Sinn wird allen, die ihn kannten, unvergeßlich sein. Berlin, den 26. Juni 1929. Die Belegschaft der Preußischen Dracherei- and Ver ngi- AkHeagcselltcfaatt. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 28. Juni. nachm. 44, Uhr. von der Leichenhalle des Luisen- Friedhofs, Bahnhof Westend, aus statt J Aus Anlaß des Ablebens meines lieben, herzensguten Mannes, unseres treusorgenden Va ers, Großvaters und Schwiegervaters, des Geschäftsführers Max Ccruhl sagen wir auf diesem Wege allen, die an unserem Schmerze Anteil genommen, unseren herzlichsten Dank. Insbesondere gilt dieser Dank der Kollepenschaf des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes, den Genossen der SPD und den Herren, die mit dem Verstorbenen in den einzelnen Kommissionen freundschaftlichst zusammen gearbeitet haben., Im Namen der Hinterbliebenen Helene Grubl