BERLIN Sometttag 27. Zum 1929 10 Pf. 3lr. 296 B142 46. Jahrgang. Zugleich Sdeaduusgad« dt«.Vorwärtt'. Dezugtprei« beide Lutgabeu«Pf.?r» Woche,»FoM.»r» Monat. Redaktion»ad Cmditto»; Berlin SWW.tindeuSr.» yM)YU>W�6•• itigtuoreili CU einioaltize Nonpareille, eile Pf., KeNameieilt S M. Ermäßigungen nach Tarif. ßscheckkoato: VorwättS-Verl-g G. m.b.H.. Berlin Nr.»7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 2g? Obstruktion im Reichstag. pawle Westarp: Ohne Zoll kein Etat! „Äeln Kanitz, keine Kähne!" war die Parole der Agrarier vor dreißig Iahren. Damals wollten sie kein Geld für die Flotte bewilligen, wenn der Dorschlag des Grafen Kanitz auf Schaffung eines Monopols zugunsten der Getreideproduzenten nicht angenommen wurde. Kein Etat ohne Verabschiedung der neuen Zoll» erhöhungen, insbesondere ohne den neuen Mehlzoll— das war heute morgen die Parole des Grafen Westarp und der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Das etwas plötzlich, um nicht zu sagen ü b e r f a l l m ä ß i g in Erscheinung ge- tr:tene Ermächtigungsgesetz für den Reichs- ernährungsminister zur Erhöhung des Mehlzolles auf den autonomen Zoll im deutfch-französifchen Handelsvertrag hat in der sozialdemokratischen Fraktion stärkste Bedenken her- vorgerufen und neue Verhandlungen notwendig gemacht. Die Genossin Toni Sender beantragte infolgedessen, auf durchschlagende Gründe der Geschäftsordnung gestützt, die vorläufige Absetzung dieses Punktes von der Tagesordnung Darüber kam es oann zu lebhaften geschäftsordnungsmäßigen Auseinandersetzungen, die zu einer Unterbrechung der Sitzung auf eine Stunde führten. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen erneuerte Graf Westarp seinen Vorstoß. Da war es immerhin be» merkenswert, daß auch die Kommuni st en da- zwischensprangen und durch den Abg. S t o e ck e r sehr richtig erklärten, was die Deutschnationalen bezweckten, sei weiter nichts als ein Erprefsungsmanöoer. Darum müßte die dritte Lesung des Etats ohne Rücksicht auf deutsch- nationale Wünsche fortgesetzt und beendet werden. Zuvor schon hatte auch Genosse D i t t m a n n wiederholt in dem gleichen Sinne gesprochen und das Haus entschied auch dem- gemäß. Boshafte Leute könnten nun behaupten, die Kommunisten hätten sich für die rechtzeitige Verabschiedung des Reichs- Haushalts eingesetzt und damit eine eminent staatserhaltende Arbeit geleistet. Hoffentlich wird es ihnen in Moskau nicht allzu arg angekreidet werden, daß sie ausnahmsweise einmal auf die richtige Seite gefallen sind und etwas Vernünftiges getan haben. Die Obstruktionisten am Werk. Der Reichstag hat auch heute schon um 1t> Uhr angefangen. Ein Gesetzentwurf über die Hertunftsbezeichnttng des Hopfens wird nach kurzer Besprechung, die sich besonders mit dem Widerstand Bayerns gegen dies« Regelung befatzl, dem Ausschuß überwiesen. Nunmehr sollt« die Beratung über die Getreide- zSlle und mehrere Anträge und Gesetzentwürfe handelspolitischer Natur beginnen. Abg. Toni Sender(Soz.) erhob Einspruch gegen die Beratung einer Vorlag«, die die Regierung zur Ratifi- zierung eines deutfch-französischen Zusatzabkommens ermächtigen will. Der Einspruch wurde darauf gestützt, daß die Vorlage noch nicht im Besitz der Abgeordneten ist. Nunmehr erhoben die Kam- munisten Einspruch gegen die Beratung der Zoll- antrage selbst, weil die Drucksache darüber zwar schon in Ver- .eilung begriffen, diese aber noch nicht bis zu den Bänken der Kommunisten vorgeschritten war. Nach der Geschäftsordnung mußte diesen Einsprüchen stattgegeben werden, worüber die Agrarier in ziemliche Erregung gerieten. Nunmehr berichtete Abg. Dr. Brüningwl fl Vollmer Umkall öer Koalition WwSftU Ut li-edij. mf«es> , Dfe Afrpnl/Ifyrmfrnti» fafhfrt L' ff"' W I iJ'" ■»»»» krr%• 1 1»«*rm.W ISr**! v— NS ' I •M.Mt» liw tß t&r. i.,»»».••••>■•(• V.-vM« wtitM. M jv £«!• N,»-« .»Ä» r...-- t-t'j 3)er Wminn als Weihode, % Wir g«ben hier drei Zeitungsköpfe von heute: Oben die„Rote Fahne", links unten die nationalisti- sche„Deutsche Zeitung" und rechts schräg die„Kreuz- Zeitung". Alle drei be- handeln die gleichen Reichs- lagsbeschlüsse. Einmal„ver- teuert die Sozialdemokratie da� Brot", gibt dabei die „Zollvorlage auf der ganzen Linie preis" und die„ge- prellte Landwirtschaft" klagt Stein und Bein. Preis- rätsel: W o wird die Wahr- heit am meisten verbogen? Briand für August-Konferenz. Uoung-plan erst nach der Gchuldenratifizierung. Paris, 27. Juni.(Eigenbericht.) Außenminister Briand hat am Mittwoch in den Wandelgängen der Sammer mitgeteilt, daß die internationale Regierungskonferenz über die Durchführung des Joung-Planes erst im August stattfinden werde. Angesichts dieser Tatsache wäre es also unmöglich, daß das sranzöfische Parlament den Poung-Plan gleichzeitig mit. dem interalliierten Schuldenabkommen ratifiziere. Die Mitteilung Brkbnds scheint eine entscheidende Stellungsänderung der französischen Regierung ankündigen zu sollen. Bisher ist Frankreich für eine möglichst sofortige Einberufung der internationalen Re- gierungskonserenz eingetreten, wei(� sie das Argument der all- gemeinen Uebernahme des Poung-Planes bei der Ratifikatioas- debatte über die interalliierten Schulden benutzen wollte. Da nun aber die englische Arbeiterregierung London als Verhandlungsort für die Regierungskonferenz vorgeschlagen hat und also damit der Vorsitz der Konferenz an den englischen Premierminister Mac- donald fallen würde, scheint es Frankreich mit der Inkraftsetzung des Poung-Planes durchaus nicht mehr so eilig zu haben. Frankreich hat jedoch die Forderung aufrechterhalten, daß die inter- nationale Konferenz in einem neutralen Lande abgehalleu werden solle, z. V. in der Schweiz, da dort Poincarö als der Rang- älteste den Vorsitz führen würde. Die sozialistische Kammerfraktion hat am Mittwoch ihre Interpellation über die Ratifizierung der interalliierten Schulden zurückgezogen. Die� Radikale Partei hat sich in einer Entschließung sür die sofortige Räumung des Rhein- landes ausgesprochen. Die finanzielle Liquidierung des Krieges, heißt es in dieser Entschließung, könne erst dann ihr« vollen Frücht« tragen, wenn alle mit dem Kriege zusammenhängenden Fragen, vor allem die Besatzungsfrage, aus der Welt geschafft seien. Englische Aufforderung. Resser keine Saarverhandlungen. London. 27. Juni. „Times" berichten: Die britisch« Regierung hat durch ihre Botschafter in Paris und Berlin die französische und die deutsche Regierung um Aeußerung ihrer Ansichten über die Organisation der kommenden Reparationskonsereuz ersucht und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, in Anbetrocht der Tatsache, daß die neue Regierung soeben erst ihr Amt angetreten Hot. würde es Macdonald. Henderfon und Snowden Schwierigkeiten bereiten. London zeitweise zu verlassen, nach britischer Ansicht sei daher London der geeignete Platz für die Zusammenkunft. Gleich« Mitteilungen erfolgten an die belgische und die italienische Regierung. Die deutsch» Regierung hat. wie verlautet, bereit» aus die britische Anfrage in dem Sinne geantwortet, daß die Argumente für die Wahl London» l als Zufammenkunftsort der Konferenz nicht leicht beiseite geschoben werden könnten; die französische Antwort wird heute oder morgen erwartet. Die britische Regierung beabsichtigt, den Poung-Plan zu ratifizieren, es ist aber zu erwarten, daß sie vorher einige Fragen über seine Anwendung auswerfen wird, und zwar insbesondere über die Verteilung der Summen, die von Deutschland in die Zentralbank eingezahlt werden, sowie über die Sachlieserungen. hinsichtlich deren man hier der Ansicht ist, daß beispielsweise die Lieferung von Reparationskohle an Italien einen un- fairen Wettbewerb mit der britischen Kohle darstelle. Hinsichtlich des Saarbeckens hat Stresemann selbst sich mit Nachdruck geäußert.„Times" führen die vom Reichsaußen- minister gebrauchten Worte an und fahren fort: Die unbeschränkte Verbindung der Forderungen auf Räumung des Rheinlands und Rückgabe des Saargebietes ist bedauerlich und irreführend. Di« Möglichkeit einer Zurückziehung der Besatzung»- truppen vom Rhein vor Beendigung der Vertragsperioden war im Friedensvertrag selbst vorgesehen, und die englische Oesfentlichkeit hat auf jeden Fall seit langer Zeit die Empfindung, daß bei der endgültigen Regelung des Reparationsproblems die weiter« Bei- beHaltung der Truppen im Rheinland zwecklos und nur aufreizend sein würde. Aber die Ausbeutung der Saarbergwerke durch Frank- reich ist ausdrücklich im Bersailler Vertrage bis 1935 als Ent- schädigung für die Zerstörung der Kohlenbergwerk« im Norden Frankreichs vorgesehen, und sür den frühere» Ablauf der fran- zösischen Rechte sind keine Vorkehrungen getroffen worden. Jede Aenderung der augenblicklichen Derembarung würde daher eine Aenderung des Vertrages von Versailles bedeuten, für die voraussichtlich die Zustimmung aller seiner Unterzeichner notwendig sein würde. Wenn wirklich beabsichtigt wird, diese Angelegenheit bei der Erörterung des Sachverständigenberichts auf der kommenden Konserenz zur Sprache zu bringen, so wird da» die Arbeit der Konferenz übermäßig kompliziert gestalten. Amerika-Regierung bleibt der Weltbank fern. Washington. 27. Juni. Staatssekretär Stimson hat bei der gestrigen Pressekonferenz im Staatsdepartement noch einmal klargestellt, daß die amerikanische Regierung keine Aenderung der von ihr in der Frage der alliierten Kriegsschulden sowohl wie der Reparationen befolgten Politik beabsichtig«. Weder direkt noch indirekt würden demnach Bevollmächtigte der amerikansschen Regierung an der Einziehung der deutschen Reparationen durch Vermittlung der geplanten internationalen Bank oder an anderen Funktionen dieser Art beteiligt sein. Die Frag«, ob die Bereinigten Staaten auf der demnächst zur Erörterung des Sachverständigenberichts zusammentretenden poli- tischen Konserenz wenigstens durch einen inoffiziellen Beobachter vertreten sei» werde, wurde von Stimson nicht erörtert. Sie Reichstags-Gitzung. (Fortsetzung von der I.Seite.) Abg. Dr. Leicht(Bayr. Vp.) schlägt Unterbrechung der Sitzung vor, damit die Schwierigkeiten überwunden werden. Es bestehe sonst die Gefahr, daß man infolge unabweisbarer Einsprüche mit der Tagung noch in die nächste Woche hineinkomme. Abg. Dittmann(Soz.). Es besteht weder ein formaler noch ein sachlicher Grund zur Absetzung der Etats- beratung. Es ist kein genügender Grund dazu, wenn gewisse Parteien ohne Rücksicht auf den Etat und aus das Reich ihr« Anträge durch- drücken wollen. Eine Unterbrechung der Sitzung ist nicht nötig, man kann� die Schwierigkeiten auch während der Verhandlungen unter der Hand beizulegen versuchen. Abg. Graf Westarp(Dnat.) protestiert gegen Dittmanns Vor- wurf, der Gleichgültigkeit gegen den Staat. Nicht die Opposition sei daran schuld, daß der Etat erst kurz vor dem l. Juli oerabschiedet werden könne. Die Einsprüch« der Sozial- demotraten und der Kommunisten gegen die handelspolitischen Vor- lagen habe alle weiteren Schwierigkeiten hervorgerufen. Der schweren Rot der Landwirtschafk müsse abgeholfen werden. Die Absetzung der handelspolitischen Anträge scheine dem Wunsch entsprungen zu fein, . dieser Entscheidung überhaupt auszuweichen. Gegen die Pause erhebt auch Abg. Dr. Scholz(D. Vp.) Widern s Ipntch, sie wird jedoch mit Mehrheit beschlossen, so daß die Sitzung >«n 11 Uhr bis 12 Uhr unterbrochen wird. Wiederaufnahme der Sitzung. Um 12 Uhr eröffnet Präsident Lobe die Sitzung wieder und teilt mit, daß die abgesetzten Gegenstände u'm S Uhr nachmittags beraten werden sollen, so daß die Drucksachen inzwischen genügend studiert werden können. Abg. Stoeckcr(Komm.) behauptet, jedesmal versuche man, knapp vor Tagungsschluß arbeiterfeindliche Gesetze durchzupeitschen, so jetzt neue Hungerzölle. Wir beantragen Absetzung der Zollanträge von der Tagesordnung.— Dieser Antrag wird abgelehnt. Abg. Graf Westarp(Dnat.) wiederholt nun den Einspruch gegen die sofortige dritte Beratung des Etats. Präsident Löbe: Sie haben doch jetzt die Sicherheit, daß die Zollanträge um 5 Uhr beraten werden! Abg. Dr. Zapf(D. Vp.): So ist es. Wir können doch ruhig vorher den Etat erledigen. Abg. Graf Westarp(Dnat.) oerlangt, daß aber wenigstens die S chlu ßa b stim mu ng über das H a u s ha l t s g e s e tz erst nach den Zollanträgen erledigt werden. Abg. Stoecker(Komm.) wirst den Deutschnationalen Erpressung vor und verlangt unter Heiterkeit und Zurufen schleunige Erledigung des Etats. Abg. Dittmann(Soz.) spricht gegen das Verlangen Westarps. das dem bekannten Wort„Ohne Kunitz keine Kähne" entspreche. Der Antrag Westarps, die Schlußabstimmung und das haus- haltsgeseh erst morgen zu erledige», wird gegen die Reche abgelehnt. Die Etatsberatung wird fortgesetzt beim Reichsarbeitsmini st erium. Abg. Gräs-Dresden(Komm.) tadelt die schleppende und unzu- reichende Erledigung der Kriegsbeschädigtensachen. Abg. Goltheiner(Dnat.) bringt Beschwerden über die Ver- sorgung der ehemaligen Marineangehörigen vor. Beim Etat des Reichsfinanzministeriums verteidigt Abg. v. Troilo(Dnat.) den Stahlhelm, der die Verfassung schütze, während die Regierung die Meinungsfreiheit beeinträchtig«. Zum Beweis bringt der Redner wieder einmal die angeblich grund- lose Versetzung eines Beamten o. Hellinger von Rudolstadt nach Jena vor, wo er ohne seine Familie und viel teurer wohnen müsse. Der Redner trägt noch einige Beschwerdefälle vor, auch wegen Nicht- beantwortung einer Stahlhelminterpellation, wegen nichtbeanstan- detcr Rügen von Vorgesetzten usw. Wir aber handeln weiter im Geist von 1914. Abg. Goltheiner(Dnat.) bezeichnet es als eine Gesetzesverletzung, Mini�tcrialdirigentenstellen neu zu besetzen, noch dazu, bevor der Etat erledigt ist, was im Arbeitsministerium geschehen sei. Heimwehrbündnis mit Italien. Mussolini und Horty sollten einmarschieren. Wien, 27. Juni.(Eigenbericht.) In der„Arbeiterzeitung" werden die Enthüllungen über die Heimwehr fortgesetzt. Einem Protokoll des Bundesvorstandes über die Grenzverteidigung ist eine Denkschrift angefügt, die sich mit der Frage beschäftigt, welche Grenze im Fall« eines Krieges zu halten ist und welch- Grenz« elastisch zu sein hat. Dabei kamen verschiedene Anschauungen zum Ausdruck. Die Mehrheit schloß sich dann der Anschauung der Heimwehr der Steiermark an. daß die S ü d g r e n z e gegen Jugoslawien zu halten und Italien und Ungarn wohl- wollende Unterstützung durch Oeffnung der Grenzen zu gewähren fei Zugleich aber wurde ausgedrückt, daß die Heimwehren im Falle eines Krieges nicht nur an der Grenze sein sollen, sondern zugleich auch dem Schutzbund entgegenzutreten haben. Die „Arbeiterzeitung" stellt auf Grund dieses Schriftstückes fest, daß die Heimwehr in diesem Falle die Truppen von Mussolini und Horthy gegen Tirol und das Burgenland in Oesterreich«inmarschieren lassen will, was ein offenkundiger Landesverrat ist. Betrunkener Stadikommandant. Sin Musterschüler pilsudstis. Warschau, 27. Juni.(Eigenbericht.) Der Warschauer Stadtkommandant befand sich am Dienstag- abend in betrunkenem Zustande in einem vornehmen Warschauer Restaurant. Der betrunkene Oberst ließ vom Orchester siebenmal hintereinander den Marsch„Die erste Brigade" spielen und soll dann mit Gewalt versucht haben, eine Dame zum Tanz zu führen, die in Gefellschaft von vier Herren an einem Tische saß. Explosion einer Gummifabrik. Msher« Tote und 14 Schwerverlehte geborgen. Prag, 27. Funi. I« der Preßbwrger Gummifabrik Hoer. mes ereignete sich am Donnerstag früh um 8 Uhr ein schweresExPlosionSunglück. Ein ganzer Flügel des Fabrikgebäudes ging in Flamme« auf. Bisher wurde« acht Tote und 14 Schwerverlebte aus den Trümmern geborgen. Man nimmt a»� daß noch mehrOßferz« beklagen stnd. Die Anfräumungs- arbeiten stnd noch im Gange. Eltern, die ihre Ki Zeugenaussagen im Es war in holjem Ma�e beschämend, als der Vorsitzende heute morgen bei Beginn des Fried länder-Prozesses fest- stellte, daß trotz seines Verbots im Gerichtssaal photographicrt worden ist und in den Zeitungen Abbildungen des Angeklagten erschienen sind. Das Wohlfahrts- und Jugendamt Hot sich darüber beschwert, und es sei angeregt worden, die Photographcn in Ordnungsstrafen zu nehmen; er wolle jedoch davon fürs erste absehen. Dann konnte mit der sehr ausgedehnten Vernehmung fortgefahren werden. Charakteristisch für die psychologische Berständnislosigkeit des Staatsanwalts war seine Anregung, von der Bernehmung der Eltern des Angeklagten abzu- sehen. Mit Recht wehrt« sich dagegen der Verteidiger, Rechtsanwalt Brandt: wenn noch ein« Hoffnung bestehe, um in die tieseren Beweggründe der Tat einzudringen, meinte er, so durch Befragung der Eltern! Ehr« Vernehmung gestaltete sich leider wenig ausschluß- reich. Der Vater, ein Geschäftsmann, sah seine Kinder sehr wenig. Auch die Mutter war den ganzen Tag über im Laden tätig. Also konnte auch sie sich um die Erziehung nicht kümmern. Erziehung im richtigen Sinne gab es auch gar nicht im Haus«; es war nur Ver- ziehung und Abstoßung. und die Eltern waren für die Kinder keine Autorität, wie es auch sonst in reichen jüdischen Häusern größtenteils der Fall war. Die Lehrer sagen aus. Als erster Zeuge wurde der frühere Lehrer des Angeklagten in der Meuseschen Schule, L i o l e t t e. vernommen. Er hat keinen klaren Eindruck mehr von seinem ehemaligen Schüler. Er erteilte ihm Geographie- und Deutschunterricht. Es fiel ihm sein fremdartiges Wesen auf, Manasse benahm sich ablehnend, vielleicht weil er wegen seiner ungenügenden Kenntnisse in der deutschen Sprache und der mangelhaften Borbereitung dem Unterricht nicht folgen konnte. Dem Zeugen mißfiel auch der finstere Ausdruck im Gesicht des Knaben. Wanaste fühlte sich in der Schule nicht wohl, wurde von seinen Mitschülern viel gehönsell und konnte jähzornig und heftig werden. Die Bekundungen dieses Zeugen werden im Ver- lyuf der Verhandlung von dem Lehrer im Französischen und Englischen, dem'Prof. Engel, und der Lehrerin der Schule, Fräulein M e u s e, ergänzt. Dem Professor Engel gegenüber benahm sich Manasse stets artig und höflich. Er machte auf ihn einen onge- nehmen Eindruck: seine Leistungen waren anfangs nicht genügend, weil sein« Vorbereitung nicht ausreichend war. Später holte er das Versäumte ein: ins Examen ging er nur auf Zureden Mit den Mitschülern Halle er keine Fühlung. Sie bezeichneten ihn als recht- haberisch; auch wenn er Anrecht hatte, blieb er hartnäckig bei seiner Ansicht. Fräulein Meuse bestätigt dieses Verhältnis der anderen Jungen zu dem Angeklagten. Manasse schloß sich nur einem Bul- garen an. Man merkte, daß er nun freudiger zur Schul« kam. Daß er überhaupt einen Bruder besaß, wußte sie nicht. Oer Dater des Angeklagten. Unter großer Spannung tritt der Bater des Ange- Nagten, der Kaufmann Solomon F r i« d l ä n d e r. vor den Zeugen. tisch. Es ist ein kleiner, breitschultriger, 54 Jahre oller Herr mit grauen Haaren und einer großen Glatze. Seine Aussprache Ist ein Gemisch von Russisch, Baltisch, Jiddisch. Der Dater machte seine Aussagen mit ruhiger Stimme, durch die nur ab und zu leises Zittern geht. Erst am Schluß seiner Bernehmung bricht er in schluchzendes Weinen aus. Ueber das Leben der Kinder in Strausberg kann er nichts sagen; er weiß nur, daß sie hier den TiborFöldes kennenlernten. Dem Feldes scheint der Zeuge, wie auch sein« Frau die Hauptschuld an dem Zerwürfnis zwischen den Brüdern und au Maoasses Tat zuzuschreiben. Der Junge war sehr eifrig beim Lernen, nachdem er von Strausberg nach Verlin zu den EUern über- gesiedelt war. Das Einvernehmen zwischen den Brüdern war anfangs gut, es wurde aber durch Tibor Földes gestört. Dieser verbrachte die ganzen Tage in der Wohnung Friedländers und Eisenbahnkatastrophe bei Zttga. Vier Menschen tot, siebzehn verletzt. Riga. 27. Juui. Gestern stießen in der Nähe der Station Sachsen» Hof bei Riga zwei vollbesehte Personenzüge in Volker Fahrt zusammen. Das Unglück forderte vier Todes» o v f e r. darunter drei«ifenbahuschaffner. Siebzeh« Fahrgäste wurden verletzt, davon sieben schwer. Zwei Gepäckwagen und ein Postwagen wurden völlig z e r- lrümmerl, die Lokomotiven und ein Personenwagen schwer beschädigt. Die Lokomotwführer blieben wundetbarerweise o n- verletzt. Die Schuld an dem Unglück soll den F a h r d i e n st- leiter von Thorensberg lreffen, der die in enlgegcngefehler Richtung fahrenden Züge aus ein Gleis leitete. Ozeansegler Müller gerettet. Das Ende einer abenteuerlichen Fahrt. Räch den neuesten Meldungen ist Paul Müller, der Ozeanüberquerer im Ruderboot, nachdem er bel Johns Island Schissbruch erlitten Halle, gerettet worden. Der Deutsche Paul Müller hatte im vorigen Jahre zu einer Ozeanüberquerung mit einem kleinen Ruderboot gerüstet. Er fuhr im vorigen Sommer von Cuxhaven ab, um über den Ozean nach New Park zu gelangen. Sein Bool war etwa sieben Meter lang und hatte eine kleine Takelage. Es gelang Paul Müller nach gefährlichen Abenteuern, das amerikanische Festland bei Florida zu erreichen. Bor einigen Wochen berichteten wir, daß das Boot des Ozeanseglers an der Küste von Florida an Land ge- trieben worden wäre und daß Müller wahrscheinlich den See- mannstod gefunden hat. Diese Nachricht ist glücklicherweise nicht richtig gewesen. Aus Eharleston in Südkarolina wird be« richtet, daß Paul Müller glücklich in Florida gelandet war. Er hat dann die Fahrt weiter fortgesetzt. An der Küste entlang wollte «r New Park erreichen. Cr geriet kurz hintereinander in zwei ch w e r e Stürme, die seine sämtlichen Segel zerfetzten. In der Nähe von Johns Island mußte er sein Boot verlassen und versuchte, sich schwimmend zu retten. Um Hilfe herbeizuholen. leckte er sein Boot, bevor er es versteh, in Brand. Es gelang ihm Qpch wirklich, dadurch Hilfe herbeizuholen. Ein Deutschamerikaner namens S t r o b e l fuhr mit einem Ruderboot hinaus und rettete den schon völlig erschöpften Ozeansegler. 9 Friedlander-prozeß. hinderte Manasse bei seinen Schularbeiten. Ueber den Charakter seiner Kinder kann der Zeuge nicht viel sagen; er sah sie nur zu Mittag und beim Abendbrot. In der letzten Zeit schlief er mit seinen Söhnen in einem Zimmer. Der Dater weiß ober, daß die Brüder miteinander überhaupt nicht gesprochen haben; er hat beiden Bor- Haltungen gemacht, daß sie sich doch vertragen sollten, und Hot auch mit der Mutter darüber gesprochen. Zweimal war er Zeuge, wie Waldemar seinen älteren Bruder schlug. Das erstemal nahm er die Jungen auseinander, verabfolgte jedem«ine Ohrfeige und sagte zu ihnen:„Solange ich lebe, soll es das erste- und das letztemal ge- w es en sein." Auch hörte er öfter, wie Waldemar Manasse be- schimpfte. Waideinar fühlt« sich als der Stärker« im Haus«; die Geschwister mußten ihm gehorchen.„Haben Sie einen von den beiden Söhnen vorgezogen?" fragte der Borsitzende. „Waldemar war zulunlicher," sagte der Zeuge.„Vielleicht habe ich ihn, ohne daß ich es gewollt habe, vorgezogen." Manasse hat sich niemals richtig ausgesprochen. Der Vater de- stätigt, daß die Mutter Waldemar vorgezogen hat. Auf die Frage des Verteidigers, ob der Vater Manasse einen Vorwurf aus dem mache, was geschehen sei, und ob er für ihn nach wie vor sorgen wolle, bricht der Zeuge in ein Schluchzen aus, man hört nur einzelne Worte:„Er hat keine Schuld, natürlich soll er zurückkommen." Zum Schluß erzählt er noch, wie er Földes zur Rede gestellt habe, als dieser in seiner Gegenwart Manasse einen Idioten schimpfte. Was die Mutter berichtet: Es ist dies ein« hochgewachsen« Frau von 4Z Jahren mit nicht unschönen- Gesichtszügen. Das Gesicht sst mit einem schwarzen Schleier verhüllt, den sie auf Beranlassung des Vorsitzenden lüftet. Im Gegensatz zu ihrem Mann spricht sie in unverfälschtem russi- s ch en Akzent. Man kann sie wegen der schlechten deutschen Aus- sprach« nur schlecht verstehen, ein großer Teil ihrer Worte geht ver- loren. Immer wieder weint sie, dann versteht man überhaupt nichts. Bis zur Uebersiedlung nach Berlin herrschte in der ganzen Familie, auch zwischen den beiden Brüdern, das beste Einoernehmen. Seit der Freundschaft zwischen Tibor Földes und Waldemar wuvdc alles anders. Dieser zog die ganze Zuneigung des Waldemar auf sich, und dos Verhältnis der Brüder untereinander ging in die Brüche. War Földes dabei, so ließen er und Waldemar den Ma- nasse nicht zu Worte kommen. A Manasse war vollkommen isoliert. Sie selbst konnte sich um die Kinder nicht, viel kümmern, da sie den ganzen Tag über beschäftigt war, Sie wußte, daß die Kinder mit- einander nicht sprachen, und zwar seit einem Borfall, zu dem sie. die Mutter, gewissermaßen s e l b st Anlaß gegeben hat. Manasse war trog ihres Verbots abends ausgegangen. Als er heimkehrte, ohrfeigte sie ihn: er wollte sie zurückstoßen, Waldemar sprang aus dem Bett» wars sich üher Manasse und bearbeitete ihn derart mit Fäusten, daß er blutet« und blau« Flecke davontrug. Zwar vchsucht« sie durch Worte Waldemar von seinem Tun abzuhalten. er gehorchte aber nicht. Der Verteidiger richtet an die Zeugin die Frage, ob sie den Waldemar vielleicht d o ch' vorgezogen hat. Unter Tränen erklärt sie: Ich habe ihn nicht direkt vorgezogen, viel.- leicht war es gegen meinen Willen, ich habe ihn selbst ge- stillt. Manasse war sehr verschlossen. Vielleicht habe ich ihn nicht verstanden und krage selbst die Schuld au dem. was geschehen ist. Ich habe für ihn gesorgt wie ein« Mutter, habe ihm kräftiges Essen gekocht, ihm Früchte vorgelegt, er verhielt sich aber ablehnend.— Ob die Zeugin gewußt habe, daß ihr Sohn im Besitze einer Waffe sei. Die Zeugin weint: Hätte sie das gewußt, hätte sie sie ihm fortgenommen. Die Zeugin bestätigt, daß die Kinder oft Pistolen als Spielzeug gehabt haben. Die Verhandlung dauert bei Redaktionsschluß fort. Ein Todesopfer des Messerkampfes. Die traurige Folge alkoholischer Ausschreitungen. Zn der Rächt zum Sonnabend voriger Woche kam es. wie wir berichteten, tu der Wilhelm-Skolze- Straße im Rordosten Berlins zn einer wüsten Schlägerei, bei der die Gegner mit Messern und Dolchen aufeinander losgingen. Erst das alarmierte Ueberfallkommando konnte die Raufbolde, von denen fünf bereits schwere Stichver- l e tz u n g e n erlitten hatten und bewußtlos am Boden lagen, aus- einanderb ringen. Die Verletzten wurden ins Krankenhans am Fried- richshain gebracht. Dort ist gestern einer der Beteiligten, ein Werner K. aus der Spppenstrahe. an den Folgen tiefer Brust- und Rückenstich« gestorben. Die Gebrüder St„ die seinerzeit als die Urheber des nächtlichen Messerkampfes festgestellt werden konnten, befinden sich noch in Hast. Die Untersuchung gegen die Verhasteten wird fortgesetzt. Giiilichkeiisverbrechen in Peine. Ein fünfjähriges Kind vergewaltigt. Hannover, 27. Zuni.(Eigenbericht.) 3m Stadtpark in Peine wurde am Miilwochmitkag zwischen 1 und 2 Uhr ein schweres. Sittlichkeitsverbrechen verübt. Das fünfjährige Töchterchen eines Arbeiters wollte seinem Bater das Mittagessen bringen und wurde auf dem Wege dahin von einem Wüstling angefallen, ins Gebüsch geschleppt und vergewaltigt. Damit das wehrlose Kind keinen Laut von sich geben tonnte, hat der Wüstling es gewürgt und ihm einen Knebel in den Mund gesteckt. Dann versuchte er das Kind»u» mißbrauchen, wobei er ihm den Unterleib aufriß. Der Täter ließ sein armes Opfer liegen, dos dann später völlig entkleidet und blau angelaufen in einem Dickicht von Passanten gefunden wurde. Das Gesicht des Kindes war infolge der ausgestandenen Angst voll- ständig entstellt und unkenntlich. Dank den energischen Bemühungen der Polizei, die durch ein großes Aufgebot sofort den Stadtpark und alle Gastwirtschaften durchsuchen ließ, gelang es schon in wenigen Stunden, den Täter in einer Gastwirtschaft zu v e r h o f t Es handelt sich um einen ZSjährigen Mann, der verheiratet ist und ein Kind hat. Seine Frau steht vor der Niederkunft und liegt im K r a n k e n h a u s. Er gab feine Tat zu. Das Lied der Mafien. Die Arbeitersänger in München Zurückblickend auf die Tagung der A r b e i t c rs ä n g e r in München kann man mit den Resultaten, die sie gezeitigt hat, zufrieden sein� Sie bewies die internationale Gc- schlösse nheit der Arbeitersängerbewegung, sie zeigte ein Ansteigen der Mitgliederzahl und sie wies neue Wege zum Thorgesang. Trwöhnt muß die Rede werden, die der Ehrengast der Tagung, Professor Robert Seidel aus Zürich hielt. Er führte u. a. aus, daß er gebürtiger Deutscher, die Schweiz als neue Heimat gewählt hätte und daß sich in ihm die Internationale verkörpere, der er seit IbbK als Ardeiter, Student, Lehrer und Professor angehöre. Die Schweiz als internationaler Staat, als Hort der Freiheit, ist die älteste Demokratie Europas, und nur die Demokratie könne wahre Freiheit gewähren. Die Republik allein ist im Stand«, die großen Fragen des Friedens zu lösen. In der Schweiz leben vier Nationen beieinander und weder ein einziger Schweizer Arbeiter oder Hand- werker ist für den Faschismus zu gewinnen.„Die internationale Arbeiterbewegung ist die größte Erscheinung der Weltgeschichte. .Halten wir fest an diesem herrlichen Gedanken der Intern rtionolität des Menschentums. Der VAS. hol die große Pflicht und Aufgabe. die Arbeikersängerbewegung zu führen zum Segen unserer großen Bewegung. Eine Umgruppierung des Bundesvorstandes und des Brndes- ausschusse» muß als Vorbereitung zur Zentralisation vorgenommen Deuffchnaiionaler Volkstrauertag. .Ernste Miene, Herr Generaldirektor! Möglichst nicht oa Ruhrmillionen denken!" werten. Der Bundesvorstand wird von der ordentlichen Bundes- generalversammlung auf die Dauer von drei Iahren gewählt. Er entscheidet in allen Bundesangelegenheiten, soweit sie nicht der Generaloersammlung vorbehalten sind, mit einfacher Stimmenmehr- heit. Einstimmig angenommen wurde der Koinmissionsantretz zum zweiten Arbeiterfänger-Bundesfest. Der DAS. veranstaltet alle füns Jahre ein Bundessängerfest. In dem betreffenden Jahre darf kein Gau- und Bezirtssängerfest, auch keine Sängerreis« stattfinden. Für den Tagungsort lagen Anträge aus Frankfurt a. M., Nürnberg und Stuttgart vor. Oberbürge rmetster Luppe-Nürn- b e r g teilte brieflich mit, daß die neue Stadthalle im Jahr« l9Z3 fertig fein würde, uyd daß er es begrüße, wenn das z w e i t e Aundesfest in Nürnberg stattfinden würde. Der Kam- mifsionsantrag, das zweit« Arbeiterfänger-Bundesfest dort abzu- halten, wurde angenommen. Als Ort der nächsten Bundes- gsneralversammlung im Jahr« 1932 wurde mit großer Mehrheit Braunschweig bestimmt. Dr. G u t t m a n n sprach darauf über die Zukunftsaufgaben des Deutschen Arbeitersängerbundes. Leider ver- hinderte die sehr ausgedehnt« Diskussion eine tiefergehende Unter- suchung. In der Hauptsach« beschränkte sich Dr. Guttmann auf die größeren Richtlinien. Dr. Guttmann wies auf die unzweifelhaften großen Erfolge der Ardeitersänger hin und bat, diese Erfolge im Auge zu behalten und nicht immer wieder Ausstellungen an Etnzelaufsührungen, die gegenüber der künstlerischen Gesamthaltung kaum ins Gewicht fallen, zu machen. Die musitalischen Pläne für die Zukunft sind weitreichend. Es handelt sich darum, in allererster Linie Tendenzchöre für den gemischten Thor herauszugeben. Di« zweite Auflag« des Liederbuches für gemischten Thor befindet sich bereits Im Druck. Da der Wunsch immer lauter wird, Tendenzlieder für Männer- stimmen mit Klavierbegleitung zu veröffentlichen, ist auch tln der- artiges Lieberbuch In Borbereltung. Heitere Chöre mit Instru- mentalgefang, sowohl aus ältester wie aus neuester Zeit, werden In ven nächsten Tagen erscheinen. Für die Frauenchöre gedenkt man rin« internatlonakb Volksliedersammlung herauszugeben. Es fehlen bisher große Werte orawrischen Charakters, die textlich und musiku- lisch die Weltanschauung des Arbeiters wiederspiegeln. Darum hat man Aufträge dieser Art bereits verteilt und denkt daran, auf dem besihrittenen Weg« fortzugehen. Sangbare und liedhafte Melodien Dvoroks und Rossinis werden mit neu zugedich- teten Terten für den Arbeiterchor verwendet werden. In die Zukunft weift auch die Notwendigkeit. Arbeitermärsche in Auftrag zu geben. Dr Guttmann betonte am Schluß noch einmal die Zweckmäßigkeit, eigen« Ehormeisterturse einzurichten. Rechtsradikale Bersammlungsstörer. In einer Kundgebung der Deutschen Frledens- q« l« l l s ch a f t in den Berliner Kammerlälen. auf der die Genossen Ströbel und Kawerau sowie General von Schönaich sprachen kam es gestern zu Unruhen. Mitglieder des Jung. stahlhelms und der Hitler-Jugend veranstalteten orga- nisiert« Störungen. Nach vergeblicher Ermahnungen rief die Der- sammlungsleitung die Schutzpolizei. Di« Beamte entfernten die Ruhestörer. Wetter für Berlin: Wechselnd wolkig, nur noch einzelne leicht« Regenschauer. In den Mittagsstunden mäßig wurm.- Aür Deutsch. land: In Mittel, und Düddeutschland zahlreiche Regenfalle, im Norden noch einzelne Schauer, Eine repräsentative Galerie. Wiedereröffnung der Bildnisfammlung. Angeregt und beschlossen wurde die Berliner Bildnis- sammlung schon unter Wilhelm I. auf Betreiben seines Sohnes Friedrich lll., durchgeführt und und in dem schönen Haus der Bauakademie am Schinkel platz untergebracht erst 1913. und ihre endgültige Form hat sie jetzt einstweilen durch Iusti, den Direktor der Natianalgalerie, erhalten. Ihre Verwaltung unter- steht Professor Hans M a ck 0 w s k i, der vor ollem den überaus reichhaltigen, gediegenen und für jedermann interessanten Katalog geschrieben hat: einen für die Besucher überraschend angenehmen Katalog, denn seine Numerierung folgt Stück für Stück der An- ortnung der Kunstwerke an den Wänden. Der nachmalige Kaiser Friedrich hatte im siessten Sinne recht, wenn er, unter dem frischen Eindruck der Londoner Porträt Gallery, die Gründung eines deutschen Gegenstückes dazu betrieb. Wenn Patriotismus einen Sinn haben kann, so liegt er offenbar einzig und allein in dem Stolz auf die großen Menschen, die das Vaterland hervorgebracht hat, und auf ihr« Taten. Diesem Hoch- gefühl«ine anschauliche Begründung zu geben, dient nichts so sehr als eine Sammlung von Bildnissen. Denkmäler, vom osfiziellen Standpunkt aus errichtet, betreffen nicht immer die Würdigsten und können nicht allen Würdigen errichtet werden: sie sind außer- dem über das ganze Land verstreut und sie lassen die Gesichtszüge nicht oder nur schwer erkennen. In einer nationalen Porträt- galerie, wie sie sein soll, hat man die Blüte der Geistigkeit ganz Deutschlands aus allen Jahrhunderten geordnet beisammen. Fast ausnahmslos besitzen wir Bildnisse aller Heroorragenden Menschen von bedeutenden Künstlern, die uns einen tiefen Blick tn ihr Da- sein tun lassen und- die intensivste Ergänzung zu ihren Werken durch unmittelbare Anschauung vermitteln. Di« wilhelminische Bureaukratie hat diesen großen Gedanken Jahrzehntelang zu verfälschen gewußt. Aus der Idee Friedrichs wurde ein« armselige Repräsentation der Ritter des Ordens paur le mörite, Kriegs, und Friedensklasse sauber getrennt,«me Ver- gebung von Porträtbestellungen an sehr mittelmäßig« Maler. Diese Stücke, vor ollem die Generalsbilder, find nun in der Neuordnung entfernt worden. Außerdem sind seit 1913 etwa vier Dutzend Neuerwerbungen— Gemälde. Statuetten, Büsten, Zeich» nungen— hinzugekommen, die sachgemäß«ingeordnet wurden. Und schließlich sind die Räume der allen Schinkelschen Bauakademie, die gegen die Schloßfreiheit zu liegen, von Iusti in vornehmer und geschmackvoller Weise neu hergerichtet und durch abwechselnde Farben der Zimmer sehr gut zueinander abgestimmt worden. Es ist eine äußerst anregende und abwechse'.ungsreiche, Akzente setzende und geistige Bezirke abgrenzende Organisation des geistigen Deutsch- lands feit Luther geworden. Das Besttbül gehört den Statuen und Büsten der Männer, die Preußen groß gemacht haben, von Friedrich bis Bismarck. Das erste achteckig« Zimmer enthält nichts als Büsten größter Deutscher: Dürer, Luther, Kant, Goethe, Beethoven. Dann beginnt bie Folge der farbigen Räume, von den Forschern und Dichtern der zweiten Hälfte des 19. Jahr- Hunderts bis zur Goethezeit, dem Rokoko und der Reformation. Selbstverständlich ist noch längst keine Vollständigkeit erreicht. Das Beklagenswerte, aber durchaus Abänderungsmögliche dieser Sammlung ist ihre materiell« Unterernährung. Me Neuerwer- bungen sind in diesen 16 Jahren aus dem Etat und auf Kosten der Natianalgalerie geschehen: aber noch schlimmer ist die räumliche Beschränkung der Bildnissammlung auf einen geringen Teil der Bauakademie. Hier ist zu fordern: erstens, daß die Blldnissammlung einen eigenen Etat erhäll, aus dem Neuanschaffungen bezahlt werden. Ihr Wert als Lehrmittel für di« Schulen, als Anschauungsunter- richt aller Deutschen, ist so groß, daß hier nicht gespart werden sollte. Viel wichtiger noch ist aber die Raumfrage. Gegenwärtig enthält der schöne Schinkelbau, der erste und vollkommenste Versuch, den norddeutschen Backstein wieder der Archllektur zu erobern, das meteorologische Institut, eine politische Akademie und dergleichen nützliche und vortreffliche Organisationen, die nur nicht in dieses Museumsgebäude gehören und für die in den Schlössern in und um Berlin sehr viel bessere Existenzmöglichkeiten vorhanden wären. Materiell für eine alles umfassende Porträtsammlung ist genug vorhanden, um bald das Ganze füllen zu können. Wenn der Bau seinem alleinigen Zweck zurückgegeben sein wird, mag auch das abscheuliche und unnütze Stracksche Treppenhaus fallen, das später eingebaut wurde, und dessen Beseitigung ebenfalls längst im Programm Justiz liegt. Dr. Paul F. Schmidt. Die Nordisch-Oeutsche Woche. Individualismus statt Massenwitle.- In Kiel fand vom IS. bis 23. Juni«ine Nordisch-Deutsch« Woche für Kunst und Wissenschaft statt, deren Aufgabe«s fein sollte, die kulturellen Beziehungen Deutschlands zu den fünf nordischen Ländern— Dänemark, Island, Schweden, Norwegen und Finnland— zu betonen und auf dies« Weise unausgesprochen auch der politischen Verständigung zu dienen. Daß dies den extremen Nationali st en nicht paßte, läßt sich denken. Sabotageversuche in dem Jahr« der Vorbereitung glückten ihnen nicht. Auch ihr Der. such, nun der Veranstaltung einen völtisch-germanischen Anstrich gegen andere Kulturen zu geben, fand gar keinen Anklang. So blieben sie still. Wenn wir also die politische Seite der Nordisch-Deutschen Woche unbedingt bejahen können, so können in einer anderen Beziehung Bedenken nicht verschwiegen werden. Di« ganze Veranstaltung war eine Angelegenheit einer dünnen Schicht, vor allem der Akademiker. Di« breiten Massen, in erster Linie die Arbeiterschaft, war überhaupt nicht beteiligt;«in paar Voltsoorstellungen ändern daran nichts. Es war gewissermaßen«in Symbol, als der preußische Kultusminister Dr. Becker in seiner— sicher sehr hochstehenden und geistvollen— Eröffnungsrede das Hohelied de« Individualismus sang. Zu dem Norden, so führte er aus, habe Deutschland stets eng« kulturelle Beziehungen gepflegt. Wie Sizilien, so ist auch Island ein Pol deutschen Streben?. Und gerade in den großen Wendepunkten der Kultur, ist es.der Norden mit seinem Einfluß ge- wesen, der sich Geltung verschaffte: in der Reformation tProtestantis- mue), in der Romantik(nordische Mythologie) und heute, da nordischer Individualismus gegen die Amerikantsierung. gegen di« Massenkultur helfen soll. Dies« Verkennung der großen Idee der Masse, der Idee der Zukunft gab der Woche ihr Gepräge. Was der Kultusminister in feingeistiger Art aussprach, war plumper auch dos Kennzeichen der Festsitzung am nächsten Tage, einer Sitzung, die rein repräsentativen Charakter zeigte, und außer einem farbenfrohen Bild— Aufmarsch der Kieler und zahlreicher reichsdeutscher Pro- fessoren in ihrer bunten Amtskleidung— nicht viel bot. Der Schwerpunkt der Woche lag in künstlerischen Veranstaltungen aller Art, sowie in fünf wissenschaftlichen Vorträgen. Auch'hier kam wieder jedes der nordischen Länder zur Geltung. Völkerkundliche, kulturhsstorische, kunstgejchichtlich« Themen, di« ein breiteres Interesse voraussetzten, nur der Vortrag über Island war ganz allgemein gehatten, über Land und Leute, über Geschichte und politische Gestaltung. Wirklich Bedeutendes wurd« aus künstlerischen, Gebiet geleistet. DiebildendeKunst kam in zwei Ausstellungen zu Wort, nordische Malerei und nordisch« Volkskunst, unter der ersteren Edvard Münchs gewaltige Werke an der Spitze. Daß im Drama das große Dreigestirn, der Norweger Ibsen(Krön- Prätendenten), der Schwede Strindberg(Nach Damaskus) und der Schleswig-Holsteiner Hebbel(Herodes und Mariamne), in vorzüglichen Ausführungen mit hervorragenden Gästen aus Berlin, Dresden und Hamburg im Mittelpunkt stand, ist wohl selbstoerständ- lich. Ein dänisches Lustspiel„Paul und Virginie� von Sophus Michaelis erwies sich dagegen bei seiner Uraufführung als eindeutige Niete. Einen besonderes breiten Rahmen nahm die Musik ein. Zwei Gipfelwerke der deutschen Musik, Mozarts„Zauberflote" und Bachs Matthäus. Passion" umrahmten die Woche, beide in fast vollkommenen Aufführungen mit ersten Kräften aus dem Reich. Daß der F i l m bei modernen Kulturveranstaltungen nicht fehlen darf, ist selbstverständlich. Neben einem Film über die F a r ö e r seien besonders die beiden wundervollen Ben gt-Berg-Filme „Die letzten Adler" und„Abu Martub" genannt, zu denen der Der- fasser selbst in launiger Weise sprach. Es wurde also vielerlei geboten, darunter erfreulich viel Gute». Aber, noch einmal sei es betont, die brest« Masse war daran nicht beteiligt. Die Auswirkungen dieser Kulturtagung werden daher vor- erst nur bbgrenzte sein. Erfreulich ist nur, daß der Verstäudi»� gungsgedante sich jetzt auch in den Schichten Dahn zu brechen beginnt, di« ihm bisher ablehnend gegenüberstanden. Darin«r- blicken wir das Hauptresultat der Nordisch-Deutschen Woche in Kiel. G. Dbg. Wohnungsberaiungsstetlen. Im Kunstgewerbehaus Bslleouestraße 7 hat Wertheim ein« begrüßenswerte Neuerung geschassen: ein« Dermittlungsstell« zwischen dem Publikum, da» sich»in Hau» bauen, ein« Wohnung einrichte» möchte, und allen Instanzen und Techniken, di« dazu verhelfen. Im Mittelpunkt steht da»„Archttekten-Archio", in den, von 43 der angesehensten Archttetten Bauten und Räume im Lichtbild vor- geführt werden: hier kann man sich au» eigener Anschauung einen Baumeister wählen, di« Firma besorgt die Vermittlung. Dann sind in zahlreichen, geschmackvoll hergerichteten Räumen Materialproben aller Art. Dekorationsstosf«, Hölzer, Tapeten, Beleuchtungskörper, Türdrücker und Beschläge, Slassorten usf. und auch Einzelmöbel aus- gestellt.(Leider ist die Hälft« der Räume mst Zimmereinrichtungen in imitierten, vielleicht auch manchmal echten„historischen Stilen" vollgepfropft: eine üble und überflüssige Konzession an den Geschmack der Geschmacklosen). Das alle» wäre nun mustergültig und könnte sich zu einer waHrhoften Bau- und Einrichtungsberatungsstelle«»»wachsen, wenn «s nicht so gänzlich aus Geldbeutel und Gesinnung d«» Großbürgers zugeschnitten wäre. Motto: Geld spielt keine Roll«. Auch sind nicht einmal di« leisesten Andeutungen zu bemerken, dem wahren Geist der Zelt nur den kleinen Finger zu überlassen. Kein Möbelstück von Bauhausart(Breuer, Mies van der Rohe), keine Spur von sachgemäßer Beleuchtung: daß Architekten wie Tessenow, Roh«, Gellhorn, Scharoun im Lichtbild« Archiv mitgeführt werden, spürt man in diesen Räumen nirgends. Es ist da« gute aste Kunst- gewerb« von 1900. vermischt und verwässert durch«in paar Kon- Zessionen an di« Qualität des bloßen Materials. Wenden wir uns von diesem aufgeschwemmten Kapitalisten. geschmack ohne Hoffnung ab, so wäre dennoch di« Anregung zu ein« wahren volkstümlichen sachlichen Beratungs- stell« für Hau s e i nr i chtu ng der mittleren und kleinen Geldbeutel höchst begrüßenswert. Di« Geoxrtjchasten sollten mit ein paar wahrhast modernen Architekten einen solchen„Jnnenbau-Loden" einrichten, in dem sich jeder üb« Materialien, Möbel, Tapete� Stoffe, Teppiche usw. der besten und billigsten Art, ihre Preislagen. Qualitäten und V«kas gibt doch Krieg..." Der Rauschebart(unbeirrt):„Und w i r gewinnen ihn! Wenn das deutsche Volk wüßte, was ich weiß.(Geheimnisvoll) Ich Hab' nämlich'nen Vetter, der hat.Beziehungen zu Ludendorsf. Der steht noch heut' mit dem Generalstab in Verbindung. Ich sag' Ihnen: Di« tifteln jetzt da oben die feinsten Dinge aus, von denen sich kein Mensch'ne Vorstellung macht. Ein Giftgas... knorke! Da genügt ein« Bombe von, um ganz Paris auszuräuchern. Und dann die neuen Todesstrahlen, damit sprengen wir dem Franzmamr sein« gesamte Munition in die Luft, ehe er einen Schuß abfeuern kann. Und wenn er seine Flieger nach Essen oder Berlin schickt, dann holen wir sie mit den Strahlen einfach runter. Ja, mein Lieber, diesmal wird's anders. Diesmal hält der Engländer zu uns. Das habe ich aus bester Quelle. Der Meck Dohnald und sein Kabinett sind sehr für Deutschland. Die sind anders als unser« Sozen, diese Landesoerräter. In England, da ist bekanntlich auch der Arbeiter nattonal. Und Rußland liefert uns die Lebensmittel, das ist längst mtt Krestinski'n alles ausgemocht. Und wenn wir denn gesiegt haben, denn drehen wir den Spieß um: Denn müssen die anderen unterschreiben, daß sie an allem schuld sind,— jetzt und auch an 1914." Der Dickus:„Dann werden doch aber die Franzmänner hinterher behaupten, wie wir, daß ihnen das Schuldbekenntnis mit Gewalt abgepreßt sei." Der Rauschebart:„Wenn schon? Hauptsache ist, wir haben es schwarz auf weiß von ihnen und sind selber die Schuldlüg« los. Aber unsere Führer haben ja keinen Mumm. Hugenberg, der bläst auch nur große Tön«. Wenn ich Hugenberg wär', wissen Sie, wie ich das heut' arrangiert hä..'?— Nein, dann hören Sie mal zu! Erst der Ausmarsch im Stadion, das Hütt' so bleiben können. Aber dann, wenn man die Massen beisammen hat, zurück durch die Heerstraße, die ganz« Charlottenburger Chaussee lang, durchs Brandenburger Tor..." Der Dickus:„Aber da ist doch die Bannmeile, da steht Schupo!" Der Rauschebart(diktatorisch):„Wird einfach überrannt! Und dann alles noch dem Pariser Platz vor die französische Botschaft. Ja. das is die Hauptsache. Und nu kommt der feierliche Momang, wo der Botschafter auf den Balkon heraus muß und ich, d. h. also Hugenberg, trete vor und sag« ihm feierlich ms Gesicht:„Im Namen des deutschen Volkes! Hiermit Wird dt« Schuld- lüg« von Wersalch widerrufen. Wir sind frei von aller Kriegsschuld, wir Deutschen haben den Krieg nicht angefangen und nicht gewollt." — Und dann wird das Schandwert von Wersalch in hundert Ex«n- plaren auf einen Scheiterhausen geschichtet und vor den Augen des zitternden Franzmanns verbrannt." Der Dickus:„Jetzt, wo Sie von der französischen Botschaft reden, fällt mir plötzlich ein, woher wir uns kennen Das war m am Tag«, ehe der Krieg losging, eben vor der französischen Botschast. Wissen Si« noch, wi« wir damals demonstriert haben?" DerRauschebart:„Freilich, freilich, da war ich feste dabei. Ja, das waren erhebende Zeiten, solchen nationalen Ausschwung er- leben wir sobald nicht wieder.(Erleuchtet.) Nu Hab' ich's: Sie waren doch der blonde Student, der den Stein in die Fensterscheibe von der Botschaft geworsen hat!" D« r D i ck u s(strahlend, stolz):„Das war ich! Und Si« klopften mir aus die Schulter und sagten: Bravo, bravo junger Mann." Der Rauschebart(hingerissen):„Und dann schrien wir, daß uns die Kehlen heiser wurden:„Krieg gegen Rußland! Krieg gegen Frankreich! Nieder mtt der schlappen Zivil- regierung!"— Wissen Si« noch, wi« dann wie so'n Blitz das Extra- blatt vom„Lokalanzeiger" einschlug mit der Mobilmachung?! Da ging der Jubel richtig los, alle sangen wir„Siegerkranz", denn wir glaubten: nu hätten wir? geschafft, endlich ging's nu los! Na, ganz soweit war's noch nicht. Aber es hat doch mitgeholfen." Der Dickus(träumerisch):„5a, das waren schön« Zeiten,— anders als heute." Inzwischen hat der Zug die nächst« Straßenkreuzung erreicht Der Rauschebart tritt aus dem Glied, schwenkt den Zylinder und dröhnt: „Nieder mit der Lüge von unserer Kriegsschuld!" Jonathan. Kundgebung der Ruchdrucker. Die Arbeitslosenversicherung muß bleiben! Der 14. Verbandstag des Verbandes Deutscher Buchdr>icker in Frankfurt a. M, im Volksbildungsheim nahm folgende Entschließung einstimmig an: „Der Derbandskqg protestlerk nachdrücklich gegen alle Der- suche, die Arbeitslosenversicherung abzubauen bzw. zu verschlechtern. Der verbandslag bekundet den einmütigen Willen, in Ge- meinschast mit der gesamten Arbeiterschaft mit allen Mitteln zu v e r- hindern, daß an Stelle des Rechtsanspruchs aus Unterstützung wieder die Ledürstigkeitsprüfung eingeführt wird und etwa notwendige Reformen zum Deckmantel arbeiterfeind- licher Bestrebungen des Unternehmertum» benutzt werden." N-rantwortlich Mr dl« R-d-ktion! ifra»,«lSH».««rlitt: J8i«ei«n:«•»loch. Berlin Bcrlag: Borwärt, Verlag 15. nt b 6., Berlin. Druck: Borwärt» Bucki- druckerei und Berloasanftalt Paul Singer& Co. Berlin SW SS. Lindenlirake S. Kicrzll 1 Btilage. Theater, Lichtspiele usw. ö Donnerst.. 27. 6. Staats Oper Unter d. Linden A.-V. 161 20 Uhr iDtenezzo Staals-Oper Arn Pl-d.Republ. R.-S. 138 IBd Uhr Donnerst, 27. 6 staut. Oper Bistnarckstr Turnus IV IB.e Uhr Die sdiwarze Staad. Sdiausph. am Gendarmenmarki A..V. 148 20 Uhr Staat!. Sehiller-Tlieater.Cliarltb. 20 Uhi Gespenster scAta 8 Uhr o S Barbarossa 9256 O'Hanlon& zamhuni und die weiteren UtraKdonen PLAZA Am»»....«»«>Ura Alex. 806B— SB Tlgl.Su.B15: Intern. Variet6 Vorverkaui stets für laufende Woche inkl. Sonntag | zte I die I tag [Rose- Tbcaier, Grobe Frankiurier Sir. 132, Tagltch 8.15 Uhr; „PBeisefisen* Gartenbohne iAglida: 5,30 Uhr: Konzert und bunter Teil 8,15 Uhr: 016 se«0NlSl>0Ne Frau Vollubttline (neatn im ailovgliti 8 Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Staat). Sdiiiler-Ili. S Uhr Gespenster ■v Berliner IDeater DlrekuHelnz Herald Charloitenstraüe 00 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende lO'fj U Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Netropol-Th. fuupieie 1829 Tägl. 8-l. Uhr Sonntags S'/j u. 8V» Blaubarl Operette von Offenbach littie Sorseb L;o Slezak Plane lariiun ■ am Zoo folii;. Jodiimithiiv itntt B. 5 Barbarossa 5578. 16V« Uhr SUrnbiian ... Sommers 18V, Uhr O.r Blutt.li dar Sonn. 20-/, U. Von P.I zu Pol am St*ni.Rhimm.l Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk., Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Trianon-Th. Täglich 8-, Uhr Sonntag 31'« u. 8-l« Gastspiel der tepem- seer BauernaUDHe Nur noch bis 30. 6. Der Etiestreik Rundfunkhörer haUia Preise. Relchshallen-Thealer .ilaBeadiim|T| um �eltiner Sänöc* DaswundervollelUDl.prour nur noch b'S Sonntaal AU 1. lult neues Pmnraaig. önhotr- Brei«,; 1 Montag, 1. 7. Gioßa Fest- I Vorstellung zur Feier des ITTI jährigen «Gehens des DönhoM-Brettl. Otsdi. RMer-tli Täglich SV« Uhr: Polnisciie Wirtschaft Kleines TBeaiei Täglich 8V. Uhr diu Admneri in N&fiMtrtrodteo? Die führenden Mehlmarken n Fachkreisen: St9 n d 3 rd"Auszug „ Spezlal U 6 2)6 rS6 6"Auszug Ungaria-Auszug Wiener Auszug£01111112)23 Roggenmehl KPOIIQ Max Gräbner Berlin 034, Petersburger Strafe 26 Telephon- Königstadt 119 Obsi- u. GemOseversand cn gros und en d£iail Pharussäle und Bierhallen N 65, MUllarstr. 142 Hansa 645 Sile für Virunisloig« uit Tireitt bii 1501 PeiuD» fiutnü in den Bierhallen ieden Abend Uat.rhaltoti{smnslk 5 vcraantHitegelbaftnen vollxiand.reno vlerl Die Komödie 1 Bismck.2414/7516 '/j, Ende geg. IOVjU. Oer Slann, der seinen 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Luslsplelbtus Tägl. 8V« Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelskv, Flink Berisch u- a. Rundfunkhörer Itaine Preise. Theai. d.VesieQü Täglich 8"/« Uhr Sonntag 3-6 u. 8V« Franz Lchan WeUeriolgl Friederike Grete Finkler Telephon Steinplatz 0931 u. 5125 Bargowsky-EDbnen Fheater in O.r XSmggrätzsr 5 trade Täglich 8V. Uhr Riva 8 en Komödienhau» Täglich 81/* Uhr Charleys Tante mit Curt Bot«. Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 emspiti gbski Bett, Et bmi uiie» in der Operette •rzten liebe gold'na Zell- „Der i Operel Operette In 3 Akten(30 Mitwirk.) Ferner;„Er ISI dodl der Papa". Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer, große Gretel Lilien. Dazu der neu« TarlstdUiL Anfang Konzert 4.30. Burleske u. I Variet« 0 Ulli. Operetle 8.30. I Ieden Donnersiao oroter Volksiao. 1 66666——1666666666t WALFISCH � üffpenidfcr Slr�Edte Entfeiofer Siphon«, Ufer 60 Pf.« frei Haust Eigene Kühlanlage I Mus EM Bln.'Wllmersdorl.Tabtiiüer Str. Aufzüge Reparaturen w« Neul.eferungen .2 Ael Plalzbar ü 1 433 Großdestillationen Herrn. Habend Blsäsaer Straße 16, Ecke BergotrsBe, Elaässer Straße Ii, Ecke Ackerstraße, Linienstraße 222, Ecke Alt: Schönhauser Str. RGgcner Straße K, Ecke Swinemünder Str. lB.9 HEINRICH SCHMITZ Restaurant zum Dortmunder Schmitz Industrie-Kasino B. is) Kommandaniemh-atze 72- Kronenttratze 12 GROSSDESTILLATION (79 GEBR. BRAUER Rosenlhaler Str. 32 und Blumenstr. 101 Hochschul- Brauerei Hcinrldk Schräder Am rumer Str. 11 Moabit 8156 Jeden Donnerstag ab 7 Uhr Militär« Freikonzert (25 Musiker) der». PrenHIsd-ea NsdiHfhtrnsbtetltmg, Potsdam. 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Filiila Reinitkendorf: Pro/natnlW IZR. fiaha Badstraßi. Swinemilnder ISeseiistbaUsSiaus Inhaber: A KALLIES Säle freii Stadtbati- Friseur Rirpmele 18,5 1 Spcz: Dauerwellen— Haarfärben 20 Bedienung, f. Damen u. Herren! ■ An der Schillingsbrücke 2 Telvphon Alexander 8915 Brillen-Oase Weddingplatz, Müllerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 l®-8 Restaurant fc F.ieo feilst Zeuge Milastraße S, am Sportplatz Verkehr slokal de« RcUh�banncn Arbeilcrspcrller/ Gewcrkxchafller and Genossen der 27. Abtcllang. Bahnhofsrestaurant Witlenau-Nofiliiahnliol Mdiard Stiinlze[of.zw Vereinslokal der SPD. Holz» und Kohlenhandlung Wilhelm Sehneider Friedrich�hagen Wilhelmstrafee 39.[R.27 Lieferant sämtiirher erennniaterialien. Stolze-Schrey Die beste Snt jfdjiift. AuZfunit über iluäbildungemöglickifcilen. llebiingästäUeii. Vereide, Bücher, Zestlchriflen u!w. durch Sleno- graphenverband Stolze> Schrey, Berlin G.2, Breite SlrasteLl. Fern- ivrecher: E. 1 Serolina 0750. 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Wer «inen Radioapparat hat, dem teilte der Reporter des Ber- liner Rundfunks mit, wie das Publikum sich bei der Ankunft des Boxermatadors benommen hat: «Max Schmeling ist soeben 11 Uhr 41 Minuten auf dem Bahnhof eingetroffen. Sie hören, mein« Damen und Herren, wie er bejubelt wird." Man vernahm am Apparat ein beständiges Schreien und Ueberschreien von Hochrufen, Bravorufen und Begrüßungs- warten. Das ging gute 10 Minuten lang. Es müssen immer mehr und mehr Tausende zugeströmt sein. Dann ließ stch der Ansager wieder vernehmen: „Die Menge hat die polizeiliche Sperre durchbrochen. Sie dringt sogar über die Eisenbahnschienen vor. Einige Hundert haben den Waggon erreicht, vor dem Schnieling noch steht. Schmeling ist es endlich gelungen, zu seiner Mutter zu kommen. Er begrüßt sie zärtlich... Der Jubel ist— Sie hören es ja— immer noch grenzenlos... Einige Männer haben Schmeling auf die Schultern gehoben und tragen ihn den Bahndamm herunter... Er ist auf dem Platz vor dem Bahnhof angelangt... Man verlangt, daß er eine Ansprache halte. Sie hören, meine Damen und Herren, die Zurufe: Reden, roden, Schmeling... Schmeling hat noch nicht gesprochen... Er sitzt bereits im Auto und fährt, nach allen Seiten freundlichst grüßend, davon." Nach ein paar Minuten meldete sich der Ansager wieder. Er verkündete, daß der Bericht über die Begrüßungsszenen bei der An- kunst Schmelings sich wider Erwarten lang hingezogen habe. In- folgedesien müßten die nächsten beiden Programm- Nummern einstweilen ausfallen. Es sollte ein Beethovensches Quartett gespielt und ein Vortrag— wenn ich nicht irre— von Hans Driesch über naturwissenschaftlich-weltanschauliche Fach- gegenstände gehalten werden. Schmeling hatte Beethoven und Driesch sozusagen vor der ersten Runde k. o geschlagen. Am nächsten Tage berichteten sämtliche Berliner Zeitungen, Phase für Phase und mit reichlicher Anfügung von Stimmungs- berichten, welchen Empfang Verlin dem Nationalheros bereitet htlt«. Dann setzten die Interviews ein und an die vier Wochen wurde den Lesern erzählt, wie Schmeling seinen Aufenthalt in Deutschland ausnutzen wolle, welches seine Tagestost sei, welche Meinung er über den Sport und den Boxsport im besonderen ver- trete usw. Andere Länder machen es übrigens, wenn sie mal über so einen Faustgewaltigen verfügen, nicht bester, sondern vielleicht noch schlimmer als die Sportbcwunderer in Deutschland. Wenn das Berliner Publikum und das deutsche überhaupt einer Schmeling- Hysterie verfallen war, so haben die Pariser und fünf Achtel der französischen Bevölkerung seinerzeit einen wahren C a r p e n- tier-Beitstanz aufgeführt. In einer Iulinacht strömten an die drei Millionen Menschen nach den Boulevards, um von den Zeitungen Nachrichten über den Verlaus des W e l t m e i st e r- schaftskampfes Dempse y— C a r p e n t i e r einzuholen, dieser Weltsensation, die im Jahre 1920 in New Port vor sich ging. Gegen 2 Uhr morgens, nach Pariser Zeit, wurde bekannt- gegeben, daß Carpentier den Kampf mit einem ungestümen Angriff begonnen habe. Durch die geöffneten Fenster, von den Dächern, auf den Straßen brachten die Menschen mit Aufgebot ihrer Stimm- kräfte Hochrufe auf den schönen Boxer Georges aus. Und nun warteten sie. Aengstlich beklommen, als ob jetzt die Entscheidung über nationale und persönliche Existen.zangelegcnheiten getroffen würde. Ihre Ueberreizung erfuhr eine wohltuende Ablenkung. Es verbreitete sich das Gerücht, daß im Haus« des Kultus- Ministers Dupuis die Fenster eingeschlagen worden seien. Die Nachricht wurde stürmisch gebilligt, weil dieser verwegene Diplomat ein paar Tage zuvor gewagt hatte, den Welt- meisterschaftskampf als eine reine Sportangelegenheit zu bezeichnen. Das etwas lange Ausbleiben hat einige Ungeduldige wohl pessi- mistisch gessimmt. Sie äußerten Zweifel am glücklichen Ausgang des Matches für Carpentier. Prompt fiel die Menge über diese „Defaitisten" her und schlug ein paar von ichnen windel- weich. Dann stieg plötzlich ein Flugzeug vom„Temps" auf und umkreiste die Boulevards. Es hatte mit roten Lichtern Illuminiert, und so erfuhr Paris, dem der„Temps" zuvor die Bedeutung dieser Farbenwahl bekanntgegeben hatte, die furchtbare Kunde, daß Ge� orges den Kampf gegen Dempsey verloyen hatte. Männer und Frauen schrien, fluchten, weinten. Sie beschuldigten den Ringrichter der Parteilichkeit, stießen Beleidigungen gegen Amerika aus, zogen vor die a m e r i ka n i s ch e Botschaft und tobten sich in stundenlangen Skandalszenen aus. Zufällig kehrte um diese Stunde Madame de Curie, die Mitentdeckerin des Radiums, nach Paris zurück. Ihre Ankunft war tags zuvor von den Zeitungen avisiert worden. Sie hatte in Amerika Vortragstourneen gehalten, Anleihen und Spenden für französische Forschungsinstitute zustandegebracht und die schon mm- lich schwindende Popularität Frankreichs in den Vereinigten Staaten an ihrem Teil wiederhergestellt. Niemand, außer ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn, war am Bahn- Hof. Als sie nach Hause fuhr, war sie Zeugin des Gebarens, da, «in großer Teil der Pariser Bevölkerung wegen der Niederlage Carpentiers äußerte. Und diesen Veitstanz führte eine Stadt auß die genau zwei Jahre vorher das Einschlagen der deutschen Ge- schösse aus den Ferngeschützen gefaßt hingenommen und den letzten Offensivstoß der deutschen Armee mit Vertrauen auf sein endgültiges Scheitern ertragen hatte. Aus der Häufung so ähnsicher Vorfälle hat man ziemlich ent- mutigende Schlußfolgerungen gezogen. Der Ruhm, so ist jetzt die öffentliche Meinung, gehört heute dem Sporthelden: die geistig- künstlevisch« Großleistung, selbst die technisch«, hat fast aufgehört. Gegenstand der allgemeinen Bewunderung zu sei«. So steht es nun glücklicherweise doch nicht. Dieser Irrtum be» ruht auf der Verkennung des etwas komplizierten Charakters der Volksbeliebtheit. Die Popularität hat nicht nur Gradab- stufungen, sondern Artverschiedenheiten. Es gibt da harmo- nifche Zugehörigkeitsoerhältniste. Der Künstler, Forscher und iech- nische Schöpfer kann nicht so gefeiert werde», wie der Meister einer Muskelleistung. Für das Publikum ist es bei der Einstellung zum Gefeierten maßgebend, daß sich das Werk des geistig-künstle- rischen Produzenten von der Person des Autors sozusagen abgelöst hat und nun selbst mit der Heraus- forderung zur Stellungnahme der Oeffentlichkeit gegenübersteht. Wir haben im Grunde kein« Einstellung zu Richard Strauß oder zu Pfitzner, sondern zu ihren Opern und sinfonischen Tondichtungen: wir haben keine Urteilshaltung gegenüber Einstein, sondern zur Relativitätstheorie. Freilich, wie sehr wir ergriffen worden sind von einer Oper oder einem Drama, wie dankbar wir sind für die Eröffnung neuer Einsichten, das können wir dem Werk nicht bc- zeigen, sondern nur seinem Schöpfer. Die Begeisterung hat.sich aber dadurch, daß sie doch der objektiven Leistung gilt, im besten Sinne des Wortes versachlicht, entpersönlicht und zu einer g e i st i- gen Bekundung abgeklärt. Infolgedessen ist es bei natürlicher Aeutzerung seiner inneren Erregung hier gar nicht möglich, in die lauten, polternden und zudringlichen Huldigungen zu oerfallen, die für den oberflächlichen Standpunkt als das Höchstmaß der Popu- larität erscheinen. Gegenüber der Muskelarbelt verhält es sich anders. Da wird die Leistung nicht von der Person getrennt. Wir bewundern, vorausgesetzt, daß wir sportliebend sind, den gediegenen Boxerhieb und den gelungenen Fechterstoß, nicht aber deren versachlichten Effekt, den Niederwurf des Gegners. Wir bestaunen die gelenkigen Gliederbewegungen und die Ringkampftncks, nicht aber die 20- Stunden-Kilometer des Schnelläufers und den auf dem Körper des Gegners liegenden Ringkämpfer. Well die Einstellung hier ganz auf die Person bezogen ist und kein Distanzgefühl durch einen objektivierten Effekt geschaffen wird, kann sich die Huldigung in allen Formen der bändigungslosen Entäußerung vollziehen. Des- halb geht es natürlich zu. wenn die Enthusiasten des Sports Max Schmeling auf die Schultern heben und die Niederlage Carpentiers beweinen, und deshalb ist es sozusagen ganz normal. wenn Tausende und aber Tausende sich herandrängen, um die Nähe so eines Muskelhelden zu teilen. Es wäre aber nicht bloß eine Geschmacklosigkeit sondergleichen, sondern eine geradezu widernatür- liche Huldigungsweise, wollte man eine Madame de Curie, einen Richard Strauß oder einen Sigmund Freud auf die Schultern heben und unter Gebrüll von Zehntausenden an das Auto geleiten. An diesem Verhalten hat sich durch die Jahrhunderte nichts geändert. Immer hat es zweierlei Arten von Volkstümlichkeit ge- geben: die hemmungslos-persönliche und die distanziert-sachliche. Und diese beiden Arten galten immer den verschiedenen Leistungs- typen: dem geistig-künstlerischen und dem des sportlichen Rekords. Den siegreichen Diskuswerfer, Speerschleuderer und Marathonläufer haben die Griechen bei ihren Olympiaden auf den Schild gehoben und zu den Schiffen getragen. Ihre S a p p h o, ihren Aeschylos, Sophokles und E u r i p i d« s haben sie mit dem Lorbeer geschmückt und sich im übrigen begnügt, deren Werke im Vertrauen auf die allzeitige Gültigkeit ihrer Hoch- schätzung der Geschichte zu überantworten. Kants Biographen erzählen genuvon der Achtung, die seine Königsberger Mitbürger dem Schöpfer des„kritischen Systems" und der Weltentstehungstheorie entgegenbrachten. Sie melden uns aber nichts von Bcgeisterungsausbrüchen, die bis zu handgreiflichen Ovationen gingen. Um diese Zeit, so erwähnt die städtische Chronik, lebte ein Mann namens Karl L e p s in Königsberg. Er war so stark, daß er fünf Zentner schwere Balken tragen konnte, und es hat nie einen Ringer gegeben, der ihm gewachsen war. Wenn dieser Herkules, meldet der Chronist weiter, sich zeigte, so sammelte sich das Volk und es wurden ihrer mehr und mehr. Die Bejubelungen endeten fast immer damit, daß man den Athleten an Armen und Beinen packte, ihn hochhob und Hintrug, wo er hingehen wollte. Nun, dieses Parallelverhalten ist heute noch das übliche. Wir wissen, wie Schmeling auf dem Lehrter Bahnhof empfangen wurde. Lassen wir uns von einem süddeutschen Blatt berichten, in welcher Weise die Popularität stch gegenüber einem repräsentativen Kopf heute kundgibt:„Unbeachtet geht nach Schluß der Sitzung— von einer Tagung des Deutschen Museums in Berlin ist die Rede— ein Mann die Auffahrt hinunter, ein Mann, dessen Namen die Welt neben dem Stresemanns als den des berühmtesten Deutschen kennt. Sein schwarzer Anzug flattert, nicht sehr gut gebügell, im Wind; sein Gesicht sieht gelb und kränklich von vieler Stubenluft aus, der schwarze Schnurrbart, aus tausend Bildern bekannt, kontrastiert zum graumelierten Haar, das in dichter und lockiger Fülle unter dem verbeulten schwarten Hut hervorquillt. Der Mann geht bis zum„Knie" und drückt sich dann in den überfüllten Autobus, um nach Hause zu fahren. Der Schaffner ist der einzige, de? einen Augenblick stutzt und das Gesicht seines Fahrgastes betrachtet, che er ihm das Billdt gibt. Es ist Albert E i n st e i n." Berufsschulen als Bildungstätte In Wiesbaden fand in diesem Jahre der vom Landesverein der preußischen Gewerbe- und Handelslehrerschaft veranstaltete „Preußische Berussschultag" statt. In der öffentlichen Haupt- Versammlung stand im Mittelpunkt der Vortrag des Genossen Magistratsschulrat Taenzer, Berlin, über„Sie Werkstatt als Bildungsmittel der Berufsschule". Der Vortragende führte aus, wie feit Bestehen der Berufsschule heiß gestritten werde über Aufgaben und Ziel« derselben, wie sie sich trotz aller Angriff« weiterentwickelt habe als ein Kind unserer Zeit. Das Handwerk, das persönliche Schaffen, wie es früher war, bestimmte die Art der Ausbildung unseres gewerblich tätigen Nach- wuchses. Seit dem Mittelalter, der Blütezeit des Handwerks, fand diese Ausbildung in der Werkstatt unter der Anleitung eines selbst schafsenden Meisters statt. Das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Werk und dem Kunden wurde durch diese Lehre und das Zu- sammenleben im Hause des Meisters unbewußt natürlich entwickelt. Heut«, in der Zeit der Normung, Mechanisierung und Spezialisierung ist das Schaffen in altem Sinne zur Arbeit geworden. Tätigkeit des Arbeiters und Werk stehen nur in losem Zusammenhang, oder berühren sich überhaupt nicht mehr. Eine vollständige Umstellung des äußeren wie des inneren Menschen aller Schichten un- seres arbeitenden Volkes war die Folg«. Nur die Lehr« ist geblieben, hat sich erhalten in alter Form, trotzdem das System unserer Wirtschast egoistisch eingestellt, der Betrieb auf Produktion nach Meng« und Leistung gerichtet ist. Di« Ausbildung unseres Nachwuchses, die praktische Ausbildung, tritt dabei in den Hintergrund. Zu beobachten ist, daß die Leistungs- fähigkeit des Arbeiters nachließ, die Forderung nach einer geeigneten Berufsausbildung laut wurde. Bestimmte Wirtschaftsgruppen er- kannten dies frühzeitig. Es entstanden Innungsschulen, Werkschulen, Schulwerkstätten, mit dem Ziele, praktisch tüchtige Qualitätsarbeiter heranzubilden. Die ergänzend« theoretische Ausbildung und die Erziehupg des inneren Menschen, der Befriedigung bei der Arbelt findet, der erkennt, daß Arbeit Dienst innerhalb der Volksgemeinschaft bedeutet, unterblieb. Unterblieb, bis die Arbeiter- schaft, die Gewerkschaften, selbst für ihre Mitglieder Bildungsmöglichkeiten schufen, bis die Gemeinden die Berufsschulen errichteten. Hier ist die Erziehung zur verantwortlichen Arbeit ein Ziel, Einsicht und Fertigkeit zu wecken, das ander«. Um diese Ziele zu erreichen, ist die Einrichtung von Schulwerkstätten innerhalb der Berufsschule unbedingt notwendig. Der Lehrversuch, entweder als Arbeitsbetätigung oder als Demonstration, hat im Mittelpunkt der Unterweisung, der Erziehung zu stehen. Damit soll nicht gesagt werden, daß die Lehre ganz in die Berufsschule zu verlegen ist. Die heutig« Einstellung unserer Wirtschastsbetriebe macht aber eine Umlagerung der Ausbildung notwendig. Die Aufgaben, die in den Betrieben heute nicht mehr zu lösen sind, hat die Berufs- schule zu erfüllen. Allerding» stellt diese neue Methode des Arbeits- unterrichte» hohe Anforderungen an die Berufsschullehrer- schaft. Sie setzt voraus«ine gediegene praktische Ausbildung in der Werkstatt, eine technische bzw. künstlerische Weiterbildung als Unterbau für eine pädagogische Ausbildung und einen dauernden Kontakt mit Werkstattbetrieben, damit der Lehrende ständig auf dem lausenden bleibt. Wir können uns den die Ausbildungsfrage unserer arbeitenden Jugend vorwärtstreibenden Ausführungen voll und ganz anschließen. Gen. Taenzer ist bekannt als einer derjenigen, die verdienstvolle organisatorische Arbeit auf dem Gebiet« der Berufsausbildung in Berlin geleistet haben. Er wird trotz der eigenartigen, von wenig Allgemeinsinn, absolut egoistisch vom Geiste der Arbeitgeberschaft getragenen Einstellung des Vertreters der Handwerkskammer Wies- baden, Dr. Spitz, der in der Diskussion auch für die Industrie sprach, unbeirrt weiter arbeiten. Er kann der angekündigten be- sonderen Stellungnahme des Handwerks und der Industrie zu den angeschnittenen Fragen der Ausbildung in der Berufsschule ruhig entgegensehen. Selten sachlich und klar waren seine Ausführungen. Bor uns liegt ein Arbeitsfeld, reich und groß, das zu bearbeiten eine Freude für alle diejenigen fein muß, die an der Ausbildung unserer werttätigen Jugend beteiligt sind. Namens der Stadt Wiesbaden begrüßt« Stadtrat Dr. O st e r- Held die Versammlung mit aus dem Herzen kommenden Worten. Der Vertreter des Ministeriums für Handel und Gewerbe, Ministerialrat Prof. Dr. Ziertmann, sprach den Dank für die Einladung aus und wünschte besten Verlauf. Er konnte bestehende Spannungen zwischen Ministerium und Lehrerschaft nicht ver- schweigen, führt« aber weiter aus, daß Gegensätze nicht beständen in Fragen der weiteren Entwicklung und des Ausbaues der Berufsschule. Zu den Wünschen wirtschaftlicher Art der Lehrer- schaft und zur Ausbildungsfrage der Gewerbelehrer nahm er kaum Stellung. Der Vertreter der im Reichs oerein angeschlossenen anderen Landesverbände, Oelkrug, nahm Gelegenheit, in deutlicher Weife daraus aufmerksam zu machen, daß gerade das in Preußen an» geschlagene Tempo sich hindernd bei der Behandlung aller Fragen in den außerpreußischen Ländern bemerkbar machen könnte.. In der Vertreteroersammlung der Gewerbe- lehrerschaft wurden Fragen der inneren Organisation des Landesvereins, die Ausbildungsfrage der Gewerbelehrer. Gehalts- und Arbeitsmaßfragen behandelt Der ungerechten Behandlung der Gewerbelehrerschaft in bezug auf Ausbildung, Gehalt und Arbeits- leistungsforderung, durch die die Gewerbelchrerschaft zu einer Lehrergruppc zweiter Ordnung innerhalb der Gesamtlehrerschaft ge- macht wird, und die der Bedeutung der heutigen Berufsschule un- würdig ist, muß mit aller Enerke entgegengearbeitet werden. Es wurde eine Entschließung angenommen, aus der hervorzuheben ist, daß die Verzögerung der längst notwendigen Neuregelung der Gewerbelehierbildung für Preußen in besonderem Maße zutrifft. Trotz der Aufforderung des Landtages an das Staatsministerium, die Ausbildung der Gewerbelehrer und -lehrerinnen in bezug auf Dauer und Bildungshöhe mit der Aus- bildung der Handelslehrer m Uebereinstimmung zu bringen, ist an der rückständigen Ausbildung der Gewerbelehrer bisher nichts ge- ändert worden. Di« Vertreterversammlung kann sich nicht dem Ein- druck entziehen, daß nicht bloß Widerstände außerhalb des Handels- Ministeriums die Ursache der Verzögerung sind. Sie sieht sich genötigt, gegen die Verschleppung der Ausbildungsfrage schärfsten Einspruch zu erheben. Umrahmt war di« Tagung von den von den Berufsschulen und der Kunstgewerbeschule Wiesbaden veranstalteten Ausstellungen, di« einen Einblick in das gut organisierte und beruflich stark gegliederte Unterrichtsgebiet gestatten. Hermann Rackrz*. Copyright by Orell FüBli, Zürich (5. Fortjetzung.) (Einiße Tag« später, eiiws Morgens gegen 11 Uhr, wie Lhote nach chause kam, sah er ein« Versammlung von Leuten vor seiner Tür. Die Türe ging auf«inen schmalen Vorplatz, oberhalb einer kleinen Trepp«. Auf dem ebenen Platze standen Frauen und stritten eifrig mit großen Gebärden. Aus einmal verstummten sie. Lhote war indessen näher gekommen. Ein« der Frauen lief herbei: „Lhote. Lhote, komm nicht näher(sie oertrat ihm den Weg), komm nicht näher, Lhote.«, ist zu traurig... Laß... man wird sie ohne dich pflegen... Du wirst hören, wenn es ihr bester geht... weil sonst... weil sonst.. Er schob sie heftig zur Seite und sprang die Trepp« empor. Er hatte sofort erraten, um weg es sich handelte. Und wirtlich fand«r sein« Mutter am Küchentisch zusammengebrochen. Sie regt« sich nicht mehr. Aber sie war keineswegs tot: man las es an ihren Augen ab. die den Blick nicht verloren hatten. Die Möglichkeit bestand sogar, daß sie olles sah und hörte. Nur oer- mochte sie keine einzige Bewegung auszuführen. Ihre Seele schien begroben in ihrem Leib« wie in einem Grab seltsamer Art. Lhote stürzte auf die Knie nieder. „Mutti r rief er sie an,„Mutti!"(wie die ganz Kleinen, deren Alter er längst überschritten hatte).„Mutti, hörst du nicht? Ich bin'?!" Und er neigte sich über sie. Aber sie blieb unbeweglich: ihre Augen wandten sich ihm nicht zu. Sie schien wie eins jener Stein bilder, die man in den Kirchen auf den Grabplatten liegen sieht, freilich mit einem Herzen, und mit welcher Qual in diesem Herzen. wenn sie ihren Sohn rufen hört«. Die Frauen stießen sich mit den Ellbogen an, und ganz leise flüsterten sie: „Da Ist nichts mehr zu inachen. Es ist vollkomm«ne Lähmung." Man begegnet dieser Lähmung häufig. Es ist«in« jener ffrand heilen, die am meisten bei alten Leuten einkehrt, bei solchen, die bis auf den Grund verbraucht sind: dann reißen die große» Stränge: und man weiß wohl, daß bei Krankheiten dieser Art niemal» Mittel er- fvlgreich gewesen sind: denn dies« Krankheiten kommen von weiter h«r und von weiter oben, als wir wissen. Aus diesem Grund« schüttellen die Frauen den Kopf, als er davon sprach, den Doktor kommen zu lassen. „Wie kannst du daran denken, armer Luc. Der Doktor wird nichts ausrichten, und es kostet gleich 20 Franken!" Zweifellos sah er«in, daß sie recht hatten: er drang nicht weiter daraus. Er zog«inen Schemel an den Tisch heran und setzt« sich mit schlaffen Armen nieder. Die Greisin, die auf dem Tisch lag, blieb unbeweglich, mit ihrem alten Gesicht, das wie aus Holz geschnitzt war, mit ihren schmal ge- knisfenen Lippen, mit ihrer starken, hakenförmigen Nase, mit ihren tiesliegenden Augen. Unter den Kopf, den ein« weiße Haube be- kleidete, war ein Kissen von gewürfeltem Stoff geschoben. Man hätte ebensogut sagen können, daß sie nicht mehr atme: tzermaßen ungewiß und unregelmäßig war die Bewegung, das Auf- Hnd Ab, das ihr« Brust hob. Und das Herz? Schlug es noch? Wird es noch lange schlagen? Menschen traten«in, gingen wieder. Einige sprachen ein wenig. andere sagten kein Wort. Ob sie sprachen oder schwiegen: e» kam auf das selbe heraus. Und Lhote hatte sich immer noch nicht kxwegt. So»erging«in« lang« Zeit: man merkte, es wurde Abend. Die schweren Schuhe mit den Holzsohlen begannen über den Dorfplatz zu klappern, und di« Tür wurde aufgestoßen. Es schneite ein wenig. Es war alles grau, und ein Geruch wie von nassem Z«ug schwoll dumpf unteo der niedrigen Decke d«s Raumes.. Da schlug es vier Uhr, die Tür öffnet« sich nochmals: Braniyu trat ein. Man wunderte sich gar nicht, ihn kommen zu sehen. Man wußte um seine Freundschaft mit Lhote. Die Leute wichen zurück. damit er mühelos durchkomme. Er schritt bis an d«n Tisch, auf dem die Gressin log, und Lhote sah bei ihr. Er berührte mit der Hand Lhote» Schulter. Lhote hob den Kopf und betrachtet« Ihn mit seinen verstörten Augen, ohne anscheinend zu verstehen, was man von ihm wollte. „Lothe," sagte Branchu,„erkennst du mich nicht?" Lhote macht« ein Zeichen der Zustimmung, gleich einem Ja. Dann lieh er seinen Kopf wieder zurücksallen. Dann sah man Branchu sich der Greisin zuwenden. Er nahm ihre Hand, er hob diese Hand empor und hielt sie einen Augenblick zwischen seinen Fingern. Einen Augenblick noch schien er nachzusinnen. Er schmieg noch immer. Wie er von neuem feine Stimme erhob, da erkannt« man sie kaum wieder. .Lhvte, was würdest du sagen, wenn ich sie gesund machte?" Lhote gab noch immer keine Antwort. Aber seine schrecklich aufgerissen«« Augen verließen jetzt Branchu nicht mehr. Dann sah man Branchu noch näher an den Tisch herantreten. Er entfaltete die Arme, seine Hände öffneten sich, er hielt sie auf- getan, und langsam senkte er sie nieder. Er legte sie flach auf die Brust der Greisin. Dann lieh er si« von links und von rechts darübergleiten, anfänglich noch kaum in starker Bewegung, dann nach und nach heftiger. Sie glitten nieder, sie stiegen empor. Sie tasteten nach dem Herzen hin» Sie erreichten den Hals, dann die Wangen, dann die Stirn. Plötzlich begann er stärke? zu drücken und warf den Oberkörper zurück. Da ließ st« einen schweren Seufzer vernehmen. „So," sagt« Branchu, indem er sich zurückzog,„das ist dis ganze Kunst." Und darauf, zum zweitenmal, brach er in ein Gelächter aus. (Das erstemal hatte er so gelacht, als er sagte, er hatte fem Schild eigentlich in Rot malen sollen.) Dieses Lochen klang, wie wenn Irgend etwas in der Luft zerbrochen würde. All« traten gleichzestig näher. Und inmitten dieses Kreises ändert« die alte Marguerite nach und nach di« Farbe. Ihr« bisher starren Zlugen bewegten sich unter den Lidern. Ihr« Hände suchten sich auf dem Kleide. Man sah sie die Lippen regen, wie wenn sie sprechen woMe. Unversehens sagte sie:„Wo bin ich?" Und sie oersuchte, sich aufzurichten. „Ist es möglich?" sagten die Leute,„aber es ist möglich, sie ist aufgewacht, ist wieder erstanden." Und sie drängten sich um sie:.Lhote! Hörst du nicht? Si« hat gesprochen!" Lhote allein schien nichts vernommen zu haben. Aber die Leute strömten herbei, sie führten ihn hin. Er sah die Greisin an. sie sah ihn an. Da begann über den alten, zahnlosen Mund ein Lächeln zu huschen, das in seiner zarten Regung lieblich wie«in Schmetterling war. der sich auf ein« Blüte setzt. Dann streckt« sie ihrem Sohn die Arme entgegen. Dieser hatte bis jetzt noch immer nicht begriffen. Aber wie dieses Zeichen� kam. da ßegriff er. Man konnte nicht mehr im Zweifel sein: si« schien vollständig geheilt. Sie hatte ihren großen Sohn um den Hals gefaßt und sagte:„Bist du es. bist du es wirklich?" Und di« Frauen, di« sie umgaben, hatten schon zu sprechen begonnen und beeilten sich, ihr beizubringen, was Ihr zugestoßen sei: denn sie wußte noch nichls davon:„Ihr seid gefallen, man ist dazu gekommen, man hat Euch aufgehoben, Ihr warst wie tot: da kam glücklicherweise Branchu.." „Und er hatte nur, nicht wahr..." Aber sie kamen nicht mehr weiter, weil Lhote sich aufgerichtet hatte. Und er hob di« Hand, feierlich:„Ich weiß, wer er ist: er ist Jesus!" Ein heftiger Lärm hatte sich vor dem Hause erhoben. Ein kräftiger Stoß erfolgte. Die Tür« gab plötzlich nach und schlug gegen die Mauer. Wo kann man diese Menge unterbringen? Keine Möglichkeit, si« eintreten zu lassen. Die Menge trat dennoch ein; zu heftig stieß die Neugier, und man drängte sich förmlich um die alt« Marguerite. Man sagte zu ihr:„Ist es wahr?" Und sie antwortet«:„Ihr seht es!" Sie schien sehr zufrieden. Sie hatte ein ganz verjüngtes Aus- sehen: ihre Farbe war frisch, die Augen lebhafter als sonst. Man hatte Kaffee gemacht, man reicht« ihn ihr: sie trank ihn in einem alten Lehnsessel mit Strohsitz: da hinein hatte man sie gebettet. Und um sie herum die Nachbarinnen, die jedem neuen Ankömmling die ganze Geschichte wieder erzählten, mit wichtigen Gebärden. So wurde in dem Wirrwarr, der sich breit gemacht hatte, Lhote für einen Augenblick vergessen. Branchu war seit langem ver- schwunden. Aber plötzlich erhob sich Inmitten der Dunkelheit, die inzwischen die Küche umschlungen hatte, die Stimm« von neuem: die Stimm« Lhotes ließ sich vernehmen, und sie war dumpf und unterdrückt, wie wenn man von einer Ueberlegung und vom Nachsinnen zurück- kommt: „Er ist Jesus: er ist wiedergekommen!" Jemand stieg auf eine Bank, um die Lampe anzuzünden. Und Lhote schritt bis in die Mitte des Raumes und begann wieder: „Hört alle, die ihr da seid! Das Unheil hat ausgehört." Er war blaß bi» unter seinen schwarzen Bart. War die» der fröhliche Kamerad, der so gut zu plaudern und scherzen verstand, der Mensch mit der Lederschürze, der die Hufe der Maultiere schärst« und mit dem, der das Tier hielt, Spähe tauschte? Und er hob von neuem die Hand:„Wahrlich ich sage euch, die ihr mich hört: der Herr ist unter uns. Einst war er Tischler; jetzt ist er Schuhmacher. Aber was macht es aus, daß der Beruf wechselt? Man kennt ihn daran, wie' er Kranke gesund macht und die Toten in ihren Särgen aufrichtet!" Viele waren beinahe seiner Meinung. Andere blieben un- gläubig. Aber, letzten Endes, konnte man leugnen, daß ein großes Wunder geschehen war? Wenn andere nachfolgen würden? Man sah durch die offene Tür so viele Menschen eintreten, daß man nicht wußte, woher sie all« kommen mochten. Die Nacht nahm si« nun alle auf, weil alle zusammen Lhote folgten, der hinausging. Es gab darunter selbst mehrere Kranke, aber wo der Stern sich befindet, wußten sie wohl und welchem Stern entgegen si« sich wandten: weil Lhote ihnen voranschritt. „Vielleicht?" fragte man sich.„Ist man irgendeiner Sache sicher? Und wir haben in uns einen solchen Durst nach Glauben. Lhote schrstt ihnen voran, und er bog nach links. Es schneite leiser, ein leiser, feiner Schnee siel fortgesetzt: er kam von unten, von oben, von allen Seiten, wie immer, wenn der Wind weht und diese kalten Nadeln sich einem auf die Wimpern stürzen.(Forts, folgt.) Ovooerstog. 27..Juni. Berlin. 16.00 Prot. Dr. Erich Schmitt, Bonn: Der Kampf um die Macht in China 16.30 Dr. Ptiedrich Lether: Das neue Recht, 17.00 Konzert. I. a) J. S. Bach: PrSludinm und fuge: b) G. F. Händel: Grobschmied-Variationcn(Marie Zweit, Flügel).— Z. Pr. Schubert (Oertie Ost, Sopran).— 3. J. Massenet(Max Kapliclc, Bariton).— d. J, Brahms: a) Ballade op, 10: b) Romanze; c) Intermezzo(Marie Zweig).— 5. J. Brahms(Qertie Ost). 6. Rieb. Trunk,— 7. Rieh. StrauB(Mai Kaplick. Am Plügel: W. v. Vult Uhr oder am Nachmittag um 6 Uhr ein« Kirsch« pflück« oder«inen Kohlrabi schneide. Aber di« von der Wissenschaft, befruchtete moderne Praxis urteill anders: der frühe Morgen ist die beste Zeit zum Pflücken des Obstes: di« oft noch vom Nachllau benetzten Früchte haben dann d«n meisten Saft und das s«inst« Aroma. Bei Regen- wetter zu pflücken soll man nach Möglichkest vermeiden. Namentlich gilt dies für Winterobst, bei dem das Pflücken nicht so dringlich ist. Auch soll man bei ihm die Mittagsstunde bevorzugen. Wichtig ist, daß Fallobst rechtzeitig aufgelesen wird. In ihm lebt allerhand Ungeziefer, das bei längerem Liegen der Frucht sein« Gaststätte verläßt und zu neuen Untaten auszieht. Wenn wir nun noch hinzu- fügen, daß da» große Obst, also vor allem Birnen und Aepfel, das in veifem Zustand« abgenommen wird, seinen ursprünglichen Ge- schmack in den ersten drei, vier Tagen nicht verliert, so wird diese Mitteilung auch dem Verzehrer, dem kaufenden Publikum, wertvoll sein— der Obstzüchter hat naturgemäß das Bestreben, seine Ware so schnell als möglich abzusetzen. Nun ein paar Worte über das Ernten des Gemüses. Auch hier wird von der Wissenschaft ein deutlicher Fingerzeig gegeben, in- dem sie durch Reaktion des farblos gemachten Blattes nachweist, daß das am Abend abgeschnittene Blattgemüse mehr Stärke ent- hält als das im Laufe des Tages geerntete. Die Menge der vor- handelten Stärk« wird aus der mehr oder weniger dunklen Färbung des Blattes ersehen: wenig Stärke gibt halboiolette, viel Stärke tief- blaue Färbung. Daß di« am Abend abgeschnittene Gemüsepflanze die meiste Stärk« enthält, folgt aus der Arbeit, die das grüne Blatt ür die Ernährung der Pflanze leistet. Es nimmt aus der Luft Kohlensäure auf. zerlegt sie in Sonnenlicht und wandest sie in Stärke um. Je länger di« Pflanze das Sonnenlicht genießt— also bis In den Abend oder in die späte Nachmittagsstunde hinein—. um so wertvoller ist das Gemüse. Aufmerksame Hausfrauen werden chon bemerkt haben, daß am Abend frisch erhaltenes Gemüse sich länger frisch hält als etwaiges im Laufe des Tages erhaltene,. Selleriekultor. Sellerie ist ein Gemüse, das mit besonderer Aufmerksamkeit tultioiart werden muß. Da nun im allgemeinen em Auspflanzen unger Sämlinge im Juli nicht mehr gebräuchlich ist. so erübrigt os sich, auf di« Kulturbedingungen jetzt«inzugehen. Wohl aber sei einiges betreffs der Weiterkultur mitgeteill. Weist der Boden vor dem Pflanzen nicht genügend stark« Nahrung auf, so empfehlen Ich Dunggüsse mit Jauch« oder Nährsalzen im Laufe des Sommers: bei trübem oder Regenwetter ist auf zwei Teile Wasser«in Teil Jauche zu geben, bei trockenem Wetter entsprechend schwächer. Hat man nach den Maifrösten ausgepflanzt, so wird jetzt auch die Zwischenfrucht(meist Salat) fort sein, und man wird gründlich und mtfflUMmnwnnimiuiiuninimwiuDUMimuumuimuumwimmmiimiiimuuiimuiiiimmti häusig hacken können. ReichlichesGieße» darf nicht vergessen werden. Die Ansicht, daß die unteren Blätter zu entfernen sind, ist natürlich falsch: sie haben ihre wichtige Roll« als Träger der Nahrung aus der Luft zu leisten. Wichtig ist, was jetzt allerdings, falls versäumt, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, zweierlei: einmal verwende man nur regelrecht verschulte Pflanzchen, also solche, die tüchtig bewurzelt, schon ein Eigenleben geführt hoben, und nicht die im Saatbeet kümmerlich aufgezogene Massenware, und zweitens lasse man die Pflanzen sich genügend Nahrung suchen — ein Abstand von 40 bis 45 Zentimeter im Quadrat ist durchaus angebracht. Durch die bereits erwähnte Zwischenkultur söhnt man sich ja auch mit dieser„Platzverschwendung" aus. Nun soll man auch so pflanzen, daß das Wachstum des Selleries ein möglichst schnelles und ungestörtes ist: eventuell also erst Auspflanzen im Juni— ober auch nicht später. Und dann lasse man ihn auf dem Lande bi» zum ersten Frost, der so stark ist. daß die kräftig entwickelten Blätter die Einwirkung de» Frostes auf die Knolle nicht mehr aufheben. Gerade wie beim Kohl ist das feuchte Herbst- wetter von Einfluß auf das Wachstum, aber natürlich hält der Kohl einen stärkeren Kältepuff aus. Frost freie Ueberwinte- r u n g ist notwendig, da das Fleisch der vom Frost befallenen Knallen im Gebrauch nicht schneeweih, sondern grau und schwarz gesprenkelt wird. Sommervermehrung der Stachelbeeren. Bon Ende Juni, Anfang Juli werden dünne Triebe in einer Läng« von etwa A) Zentimeter geschnitten und bis zur Hälfte in di« Erde eines halbfchattigen Beetes gesteckt. Bei guter Feuchtigkeit der Beet« erfolgt Bewurzelung in einigen Wochen. Für den Winter bleiben die Trieb« noch am gleichen Platz, man deckt das Beet mit altem kurzen Mist ab. Im Frühjahr werden die mit Wurzeln ver- sehenen Stecklinge ausgepflanzt. Man kann aber auch Vermehrung durch Senker erzielen, indem man im Sommer die Sträucher ge» nügcnb hoch aufhäufelt. Da sich die Aeste leicht bewurzeln, gewinnt man auf diese Weis» Senker, die im Frühjahr aufgeschult werden. Schnittlauchvermehrung. Schnittlauch ist die unumgänglich« Beigabe zum»»hlbekömm- sichen Meißen Käse. Gut gepflegt, namentlich gegossen, wächst er im Sommer freudig immer wieder, so daß man ihn vielfach zu Ein. fassungen von Wegen verwendet. Die im Sommer erscheinenden Blütenköpf« müssen e n t f« r n l werden: sie würden die Stöcke schwächen. Und si« sind auch nicht notwendig, da Anzucht»»n Samen nicht nötig, daher auch nicht übktch ist. Man permehrt den Schnittlauch vielmehr durch Teilung des Stockes, und zwar kann dies beim Verpflanzen im Frühjahr oder im August geschehen. Solche geteilte Stöcke müssen solange nicht geschnitten werden, bis sie sich hinreichend gestockt haben. Für die Küche im Winter werden im Herbst Stocke mit Erdballen in Töpfe eingepflanzt. Während des Winters getrieben« Töpfe«erden gern otlouft Uhor/unc/c/hLel Arbciterfu�baller auf Reisen! Oesterreidier in Deutschland und Belgien. Oesterreichs Arbeiterfußballer haben sich für die nächsten Tage viel vorgenommen. Drei internationale Spiel« ihrer Aus- wahlniarmschast innerhalb von sechs Tagen ist eine gewaltige Leistung. Von den Spielen betrachten sie das gegen Deutschland am 28. Juni in Diele feld als das Schwerste. Beim Empfang wird Reichsinnemninister S e v e r i n g die Wiener begrüßen. Sonn- abendfrüh reisen sie nach Köln weiter. Nach einer kurzen Besichtigung der Stadt geht die Fahrt nach am selben Abend nach Brüssel, wo am Sonntag das Länderspiel gegen Belgien stattfindet. Di« belgische Mannschaft ist im Kern dem F.-E. Antwerpen entnsnunen. Man erwartet einen sicheren Sieg der Donauleute. Am Tag daraus wird die Stadt besichtigt, und der Mannschaftsbegleiter Pußendoppler wird im Kewerkschaftshaus vor dem Denkmal Matteottis einen Kranz niederlegen. Gleich am Dienstag steigt in Boom das nächste Spiel, diesmal gegen eine Auswehlmonnfchaft der Provinz Brabant, das eine sichere, vielleicht sogar hohe Sache der Wiener werden dürste. Da die österreichischen Arbeiterfußballer als Amateur« keine Zeit zum cherumbummel» haben, wird noch am gleichen Abend die cheimreise angetreten, allen- falls will man in der Tschechoslowakei nach ein Spiel gegen den ..Aussiger Verband' austragen. Damit wäre dann die reichhaltige internationale Fußballfahrt beendet und wieder einmal mehr hätte der Sport Brücken von Volk zu Volk geschlagen. Arbeiter-W asserball. Zweites Spiel der Nürnbergmanmchaft. Morgen, Freitag, findet im Seebad Weißensee, Berliner Allee 200. das zweite Spiel der Nürnberg- W a s s e r b a l l- Mannschaft stati Den Gegner stellt die erste Mannschaft der Berliner Schwimm-Union. die sicher starken Widerstand leisten wird. Bei der Nürnberg-Mannschast ist der Platz des linken Stürmers neu befetzt worden. Die Nürnberg-Mannschaft spielt in folgender Auf- slellung: Echütce lWrißenlecl Wentel lWeißenseel Schröter tWcihensee) Drömert cAella») «illine tWeihenleel Remmler IQcBai) Kr»l>n tSrog-Berlin) Das Spiel beginnt um 20 Uhr. Eintritt frei. Arbciter-Schwimmvcrcine Grofc-Berlin.- Die Mitglieder der Schwimmsparte im Arbeiter-Turn- und Dportbund treffen sich Sonntag, 20 Uhr, zum Volksfest der Saziat- demokratischen Partei im Seebad Weißensee. Der Reigen und die sonstigen Vorführungen werden gemeinsam mit dem Arbeiter- schwimmverein Neptun-Weihensee durchgeführt. Zum Fackelreigen treten alle Mitglieder an. Wer nach der Bundesregatta frei ist. geht zum Volksfest der SPD. noch Weißense«. Laßt den Bruder- verein.in Weißense« nicht in Stich, denn die kommunistischen Spalter haben auch dort wieder einen mit großer Mühe und Arbeit ausge- bauten Verein versucht zu zerschlagen. Erhöhte Aktivität in der Solidarität ist Pflicht aller bundestreuen Arbeiterschwiinmer. Die Spartenleiwng. I. 2f.: Max Schulz. Heros ge�en Polizei. Die Polizeiboxer mit 10:6 geschlagen. Des unbeständigen Wetters wegen mußten die Boxsportvereine .Heros' und.Polizei' ihre Boxmannschaftsmeisterschaft in dos Kriegervereinshau» verlegen. Leider erfuhr dos Programm einig« Umstellungen. Aon den acht Gewichtsklassen hatte cheros fünf um- gestellt, bei der Polizei änderte sich nur die Vertretung im Fliegen- gewicht. Hier war der Heros-Boxer Klemp stets der Bessere, seine größer« Ringerfohrenheit brachte ihm auch hier wieder den Punktsieg über Britz(Polizei). Kasprowitz(Polizei)— dem seine Sekundanten erst mit Pomade die vÄ>»rspenstigen Haare meistern mußten— hatte in den cheiden«Nten Runden soviel Punkte an Moehl(Heros) abgegeben, daß auch die letzte Rund« nichts ändern konnte. Den ersten Sieg für�die Polizei holte im Federgewicht Donner, er sertigte Taubense«(Heros) überlegen ab und schickte ihn nicht weniger als siebenmal zu Boden. Recht knapp war der Punktsieg von Campe I (Polizei) über Buchholz(Heros). Im Weltergewicht schlug Volkmar (Heros) dem Polizisten Groß mit einem genauen Kinnhaken k. o. Einen heftigen und ebenbürtigen Kampf lieferten im Mittelgewicht Gennat(Heros) und Thörey(Polizei), der sich nur ein Unentschieden sichern konnte. Polizeimeister Pautz scheiterte an seinen Heros- Gegner Sabotk«, der ihn bereits in der ersten Runde so zusammen- schlug, daß sein; Sekundanten das Tuch warfen. Der Schwer- gewichtskampf des jungen Volkmar(Heros) mit dem 20 Pfund schwereren Danil(Polizei) endete nach spannendem Verlauf mit Un- entschieden. Die Heros-Boxer zeigten sich der Polizei stets überlegen. Die bis zur Pause erziehlte Punktgleichheit(jede Partei vier Punkt«) wurd« nach der Pause so gesteigert, daß das Gesamtergebnis für Heros 10: S feststand.__ Heule Nacht Paolino-Schmeling. Toll ist das Getobe der amerikanischen und auch der deutschen Press« um den heute nacht<.30 Uhr(deutsch« Zeit) beginnend«» Kampf des„baskifchen Holzfällers' Paolino Uszudun gegen den Deutschen Max Schmeling. Wir haben schon mehrmals dieses Retlamegeschrei der Yankees glossiert. 5i«ute eine sachlich«'Ab- wögung der Chancen beider Kämpfer. Paolino. der in vielen Kämpfen erprobte Poutinier, betreut von seinem einstigen Entdecker Earpentier, gilt bezeichnenderweise, trotz der immer von deutschen.Fachleuten' so betonten Deliebcheit Schmeling», als Favorit. Don den großen«menkanischen Zeitungen ist nur«ine einzige, dce.New York Times', die völlig auf Schmeling schwort. Man weist in USA. ganz mit Recht auf den Alitzsieg D-mels über Schmeling hin. Geht der Komps über die Runden, dann kam, man als sicheren Sieger Schmeling erwarten, was natür- lich für den deutschen Boxsport eine Stärkung bedeutet.„Schmeling'. so schreibt ein Berliner Abendblatt,„erwartet einen vorzeitigen Schluß.' Ein« k.-o.-Niederlag« de, eisenharten Paolino wäre unter ollen Umständen«ine riesengroße Sensation. Schmeling» Chance liegt in der Halbdistanz und der Vermeidung eines Nahkamp fes. Es gibt für den Ausgang dieses Kampfes nur zwei Möglichkeiten: Paolino Sieger durch k. o. oder Schmeling Sieger nach Punkten! Zllles andere ist Ueberraschung. 1 Arbeiter-Tiirn-ii.Sportfesl Irnberg ■ 18. US 21. lull 1928__ Ihr kennt öitz otreten! Ihr könnt jetzt antreten! Sagn d Rirnberga. Sie fand mit ollem serle. De Doh(Bahn) ist mit SS Sondaziegn auch empsangs- bereit. De Stroohn und Sailn(Säle) sind voller Plakate vom Bundessesl, die Gasthaus und Kella(Vergnügungslotale) sind beschlagnahmt, dazu die Schuln für die Massenquartiern der 150 000. Da» Braut(Brot) und die Weckla(Brötchen) werden waggonweise fabriziert, damit die hungrigen aus der Stadt sich mal vollfressen kenno. Das Stadion glänzt in Pracht, Petrus hat den Rasen neu gestrichen, die Sportla werden staunen, es wird dufte und zerm (knorke). Drei Dutzend Ausschüß arbeiten seit einem Zahr im Akkord. Moh(Mann) und Frau haben die Stuben sei Hergericht sür Quartier. Zhr könnt öitz tumma. Aber sprecht richtig deitsch, net Bolina Kauderwelsch, wennsl net bayrisch kennst, hochdeitsch kenn m, olle, da wird» sein ganga. And nu kimmts olle. Trio holdrio! Frei heil! S e p p l, zurzeit in Berlin. Das„Goldene Rad" und seine Geschichte. Bor drei Jahrzehnten wurde das„Goldene Rad", das klassische Radrennen der Berufsdauersahrer, aus der Taufe gehoben, und am Sonntag, 30. Juni, wird es wiederum aus der Otympiabahn in Plötzensee ausgefahren. Die Größten und Großen stehen in der Siegerliste verzeichnet und stets gewannen die Besten der Besten. 1898 gewann Bouhours das erste lOO-Kilometer-Rennen, das Jahr darauf dominierte Walters, 1900 Eduard Taylor und 1901 wiederum Bouhours. Dann setzte der Siegeszug Thaddäus R o b l s ein, der bis 1905 serienweise den Sieg hielt. Erst 1908 gelang es seinem damals größten Rivalen Dickentman ihn zu bezwingen. Auch 1907 konnte Rodt nicht siegen, da er stürzte, so daß der Weg für Guignard srei wurde. Abex: 1908 kam er noch einmal zum Erfolg, da der Schrittmacher von Guignard reglements- widrig antrat und dadurch der Sieger Guignard distanziert werden mußt». 1909 war der Belgier Verbist über Nacht gekommen und ließ sich das klassisch« Rennen nicht entgehen. Das letzt«„Goldene Rad' in Steglitz 1910 gewann Fritz Theile. 1904 bis 1908 hatte auch Zehlendorf sein„Goldenes Rad' mit Schulze. Darragon und Robl als Sieger und 1910 lief im Botanischen Garten das gleiche Rennen, das Guignard gewann. Seitdem ist die Olympiabahn an der Reihe. 1911 war Ianke hinter Werner Krüger nicht zu schlagen. 7luch 1913 dominierte der lange Ianke. 1913 war Guignard der G'ückliche und Saldo« siegte kurz vor Kriegsausbruch. Ebenso ge- wann er auch nach Kriegsende, während 1920 Lewanow dominierte, dann der im Kommen befindliche jetzige Matador Sawall, 1922 Jean Weiß. Die Jahre 1924 bis 1928 standen wieder im Zeichen Sawolls, der auch im letzten Sommer nicht zu schlagen war, während 1927 Viktor Linart den großen Sieg errctng. Dos.Golden« Rad' ist ein Stück Berliner Radsportgeschichte und stets der Clou der Saison gewesen. Auch in diesem Jahre steht es im Mittelpunkt, da die Besetzung mit Paillard, Sawall, Thollembeek, Saldow, Maroi, nier und Möller ohne Uebertrcibung nicht übcrtrossen werden kann. » Der Vorstand des Vereins Deutscher Radrenn- bahnen hielt in Berlin eine Sitzung ob, an der außer den, 1. Vorsitzenden Paul Schwarz noch Zeiß-Frankfurt am Main, C. Wittig-Chemnitz und Winnikes-M.-Gladbach sowie F. Eggert, F. Budzinsky und M. Herrmann vom BDR. teilnahmen. Zunächst wurden Richtlinien festgelegt für die sportlich» und wirtschaftliche Gesundung und Förderung der Bahriveranstaltungen. Namentlich handelte es sich um Mahnahmen, die einen tüchtigen Nachwuchs an Fliegern, Stehern und Schrittmachern und die Hebung der wirt- schaftlichen Lage der Bahnen versprechen. Mariendorfer Motorradrennen. An Stelle her ausgefallenen klvusrennen sindet am Sonntag»in Motorradrennen auf der Trabrennbahn in Mariendors statt. Das Nennen hat in Fahrerkreisen starke Beachtung gefunden, nicht weniger als 185 Fahrer werde» in zehn Rennen starten. Da die einzelnen Rennen zwischen Lizenz- und Ausweissahrern abwechselnd und über kurze Entfernungen(bis 12 Kilometer) gehen, wird sich den Zuschauern ein interessantes, kurzweiliges Schauspiel bieten. Außer anderen prominenten Fahrern haben poch Giggenbach-Rühidors/Inn, Tennigkeii-Berlin, Heck-Berlin, Thems-Berlin». a. m. ihre Rennung abgegeben. Der bekannte Mailänder Fahrer vertu« ist bereits ein- getroffen und trainiert eifrig. Da die Eintrittspreis« niedriggehalten sind(1 M. bis 3 M.) rechnet der Veranstalter mit einem Massen- besuch. Vorverkcms ab Donnerstag, den 27. Juni, in der Geschäfts- stell» des ADAC.,«erlin SW. 48. Wilhelmstr. ll. und D«V., Potsdamer Str. 10b. Nürnbcrgtahrcr! Die Leitung des zweiten Bundesfestes in Nürnberg teilt uns mit: Wir haben festgestellt, daß oerschieden« F«slbesuch«r( darunter auch einig« Bundesgenossen) glauben, an dem 2. Bundesfest teil- nehmen zu können, wann sie eine Tageskarte lösen. Wir bitten zu beachten, daß Inhaber von Togeskorten keinerlei Vergünstigungen auf Straße nbahnsahrten, bei Besichtigungen von Nürnberger Sehenswürdig- leiten usw. haben, und daß ihnen aus keinen Fall Quartier zur Verfügung gestellt wind. Inhaber von Tageskarten müssen sich in Nürnberg mit Hotelbesitzern in Verbindung setzen, um den sür das Bundesfest erhöhten Hotelpreis vorher zu erfahren. Nur wer Bundcsfeftbeitrag(Erwachsene 5 M., Jugendliche 3 M.) bezahlt hat und so im Besitze des Bundessestabzeichens ist, e r- hält Quartier durch den Wohnungsausschuß. Der Ausschuß: E. Gellert, H. Oberle. Das Pest der KPD. Wer will den Kommunisienhautcn vollmachen? Die aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund wegen ihrer kom- munistische» Wühlereien ausgeschlossenen Vereine des 1. Kreises Verlin-Brandenburg veranstalten am kommenden Sonntag im Post- stadion ein angeblich„14. Kreissportsest' unter bisher mißbrauch- licher Benutzung des Namens„Zlrbkiter-Turn- und Spartbund". Daß es sich hierbei um ein Fest her kommunistischen Parteileitung handelt, das nur von der„Sparte Sport" der Partei durchgefühn wird, ist allgemein bekannt. Bestätigt wird diese Tatsache durch »achstehendes Rundschreiben der Bezirksleitung Ostsachsen, Abteilung Sport, KPD.: Werte Genossen! 'Am 29� uiii> 30. Juni sindet in Berlin das 14. Kreisfest des 1.(ausgeschlossenen) Kreises statt. Die ausgeschlvssenen Vereine sind die Träger dieses Festes. Dasselbe findet im Poststadion in Verlin statt und es nehmen russische, sinnische, schwedische, norwegische, französische und tschechoslowakische. Sportler daran teil. Auch sogenannte„bundestreue" Verxine und Mannschaften sind gemeldet. Es ist notwendig, daß die ausgeschlossenen Vereine durch unsere Unter st ützung zeigen, daß die ausge- schlossenen Vereine nicht isoliert dastehen(!? Red.). Unsere Genossen müssen in den Uebungsstunden, in Versammlungen und bei allen Zusammenkünften das Gespräch auf dieses Kreisfest lenken und versuchen, die Turngenossen für dieses Fest zu interessieren. Wir werden jeder Sportfraktion, wenn mir in der Lage sind, so viel wie möglich Plakate zuschicken. Am 25. und 26. Mai hat«iiie"R eichskonserenz der ausgeschlossenen Vereine in Berlin stattgefun- den. Nicht nur aus Deuftchland waren Delegierte vertreten, sondern sogar„Bundestreue'(! Red.) aus Wien, desgleichen die ausgeschlossenen Bezirke aus der Tschechoslowakei. Es machen sich aus Grund dieser Reichskonferenz Unterbezirkskonsc- renzen notwendig. Zllle Sportsraktionen beziehungsweise, Ortsgruppen werden von der Bezirksleitung verpjlichlet, diese Kon- fcrenzen zu beschicken. Es kommen olle Sportarten, auch die Samariter, in Frage. Die Unterbezirksleitungen Zittau, Bautzen und Cbersbach tagen am 8. Juni in Ebersbach. Unterbezirks- leitung Freital- und Freiberg in Freilal und llnterbezirksleitling Pirna in Pirna. Die Tagungslokale werden den llnterbezirks- leitmige» bekanntgegeben. Alle Genojiei� Hera» an die Arbeit, beschickt die Konserenzen! Es sind viele Fragen zu besprechen und wichtige Beschlüsse zu fassen. Mit kommunistischem Gruß Bezirksleitung Ostjachsen, Abt. Svnrt." Hier wird also ossen zugestanden, daß das Fest im Poststadion ein F e st der K o m m u n i st i s ch e n Partei ist. Die gläubigen Moskauer Jünger erhalten den Bejehl, an diesem Tage anstatt„Rot FronP„Frei Heil' zu schreien und der Erfolg ist gavntiert, getreu der Losung, die Dahlem aus dem Parteitag gegeben hat. Aus verschiedenen Städten, vielleicht auch aus Ländern werden einige unentwegte Teilnehmer erscheine», vor allem solche, denen daran liegt, einmal Berlin zu sehen oder innerhalb ihres Vereins oder Verbandes ein bißchen Uiiruhc zu stiften. Vundesmilglieder haben mit dieser Veranstaltung nichts gemein und die, die'an diesem Feste teilnehmen oder die Veranstalter des Festes sind, erhärte» damit die. Gefamtlnge. Recht so, um so schneller erfolgt die Klärung Fernbleiben von diesem Fest w.ird aber auch die organisierte Slrbeiterschaft Berlins: sie wird so wie bei allen andere» kommunistischen Parteillamauk die Radaumacher und Spalter unter sich lassen. Wer am Sonnabend und Sonntag Arbeiter- sportkämpfen beiwohnen will, geht zur Regattaber bnndes- treuen R'u derer und K a n u f a h r e r nach Grüna». Be- ginn Sonnabend stö Ahr, Sonntags 13 Uhr. Aus der Industrie. Die beiden ,.Adler-Favorit-Wagen'5— Sieger in der Zielfahrt nach Baden-Baden das ist das Ergebnis der diesjährigen Veranstaltung. Die beiden Fghrer starteten am Nor&uolarkreis(in Iokkmokk) und legten in den vorgeschriebene» süns Wgen die gewaltige Strecke von fast 3000 Kilometer ohne Störung zurück, iKich- dem sie vor weiteren süns Tagen die Strecke Franksurt a. M.— Jokkmokk aus denselben 8/3.VP5-Adler-Favorit-Liimisinen zurückgelegt halten. Etwa 6000 Kilometer in zehn Tage» von den Ei» regionen des hohen Nordens bis in das blühende Baden-Baden ist «ine sabelhafte Leistung für einen 8-?5!-Gebraiichswageii, um so mehr, als die meisten Konkurrenten die Fahrt nach dem Startorr per Bahn bewerkstelligten. Improvisierte Fahrten, wie die der beiden „Zldler-Favorit" beweisen, daß ein wohlfeiler Gebrauchswageu allen Anforderungen und Strapazen selbst weitester Reisen gewachsen ist und absolute Betriebssicherheit gewährleistet. * Eine Anleitung zur Ausübung s a st'a l l e r Sport, arten gibt das soeben vom SchuhhauzBL e i s e r herausgebrachte Sportbüchlein mit dem Titel..Unserer sportsrohen Jugend ge- widmet", das kostenlos an alle Berliner Gchiiikinder zur Verteilung kommt. Neben einem Borwort von Obermagistrotsrat Dr. Häusler, enthält es interessant« Beiträg» von Stadioberschulral Dr. Franz- meyer, sowie der bekanntesten Meister des Sports. Begeisterie'Anerkennungsschreiben aus den Kreisen der Berliner Lehrerschair gehen täglich bei der Firma Leiser ein. Interessenten erhalten das Büchlein auf Wunsch kostenlos in den L.eiser-Filialen. Tourist«»,«»»!«»Di«««iursrrundc', Abt. S>«sundbrunncn. Eo»ttab«>>ö u»ö Sonntag,!S..3g. Zu»i, jum Sonnenaufgang auf tum Löwcndorfer Berg. AbfaHrt!4 UI>r Anhalter?«hnI>of. flHhm: Hugo Sinn. ikreie Sch»ian»»r»roß-Wrli».»ru,,« Mitte. Die sllr Sonnlag, SO. Juni, »ngesefite Parti« sölt«ege» ter Bunbesregalia aus. Steuer Termin unr» bekanntgegeben. «rbeitcr.Ziab. und grostfabree.Bund.Solidarität",«au Bezirke 1, 2 »»d 21. Or«ogru»vc»roh Berli«.«cschilftsftelle>. Bezirk: Stöbert«othbarkl,. SW. It. Schänebcrgcr Str. 17-. Wir machen am Sonntag, Uli. Ziuni, lolgfUOr Eabrten: 1. Abt.: 5 und 12 Uhr Müggelhort kSchönmuIpei. Start Btilow- slrahe S6. i— 2. Abt.: 8 Uhr Tiserbudcr See. Start Diesfcnbochflr. 28.— 5, Abt.! 5 lind 12 Uhr Müggelhort(Dobelour). Start Landsberger Pia Ii.— «. Abt.:« Uhr Mühlenbecker See. Start Stokpifche Str. Sfi.—». Abt.: 5 Uhr Graß-Slienicker See. Start TriflNr. 8Z.— ftt. Abt.: Ii Uhr Wukeniee. Start Petersburger Str. 5.— 2. Be,.: Mefchäftastelle: Willi Brennlina. Char- lattenburg 1, Am Baltshaufe 1. Abt. adarlotte»b,rg: 6 Uhr israß.chlienicker See. Start ktanai-. Ecke Wilmerobarser Elrahe.— Abt. Schönederq: 7 Uhr ttrassinsee. Start Wigge, Stubrnrauchltr. 8o.— Abt Reukälln: ä Uhr Zeurig. Start Hohen, allernpiat,.— Abt. Ireptow-Baumschulenwcg: ü Uhr Kralsinsee Start Bahnhof Baumichulenweg.— 2l. Be,.: Geschäftsstelle: Paul Schuppau. O. 112, Riederbarnimstr. Id.— Abt. Lichtenberg: 5 Uhr Gamenfee. Start A». Frirdrichoseld« S».— Abt. 0berI«S«c»eiI>e: 6 Uhr Bähfee(Hungriger Wolf). Start Wilhekminenhofstr. 8t.— Abt. Mahlsdorf: Bodetour nach dem Störigsee. Start bei Anders.— Abt. Weihenfee-Seincrodorf: Bolksfest der SPD. Weihen. see.— Abt. Neinickendorf: 6 Uhr Mühlenbecker See. Start Proviii,str. 108.— Motorfohrrr. Abt. ilren,berg: 8 Uhr Himmelpsort: 7 Uhr Lehnihsee(Schleuse). Start Baltenplati. Abt. Ztenkölln: 7 Uhr Störihsee. Start Hohen, allen:. glati.— Abt. Zriedrickohai»: 8 Uhe Döllensee. Smrt Landsderger Plati. Adt. Neinickenborf: 8 Uhr sTllrstenberg. Start Provi»,str. 108.— Abt. Char- lottendu-g: 2». und 20. Juni: Hamburg. Start am 2S. Juni, 1314 Uhr. DorwIn.iSaroge. Darwin», Ecke QnetNnburqer Strohe.— Abt. Köpenick: 8 Uhr ssraurtrsee. Start Schkohplaj,. � töefchäfte-Jtnsriger �=> (Qezitfc Jlorden-Cften. Dachpappen-Verkauf etc. zu billigsten Fabrikpreisen Theodor Seibel Dachdeckermeister, LeiterrQstungen Bln.-Mariendorf, Prflhßstr. 26 soSuiz ÄvmnMrt Gegen Infektion In allen einschlägigen Geschäften erhältlich f R. Bauke, BandagisO Berlin C X, Slralaaer Str. So zwischen Kloster- und Neue FriediichstreSe I Leibbinden— Bradlblnder— Plattfn�elnleden Gamnilstrflinpfe[B. 35 Eigene Werkstatt Lieferant sämtl. Krankenkassen GroRgarage Nordbahnhoi J. 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In vielen Füllen genügt das Tragen einer gut angepaßten Sportbrllla, um eine Niederlage in einen Rekordsieg zu verwandeln. Ich rate allen meinen Sportskollegen, Ihre Augen Wl Optiker Trneoh, Dresdener Situ. 131 am Kotthusser Tor, daraufhin prüfen zu lassen, ob ihre Aussichten auf sportliche Erfolge durch Tragen geeigneter Sportglüsar gehoben werden können, Ich offeriere: la frisdiesfe Vollmilch in bester, fettreichster Qualität, die auf dem schnellsten Wege vom Erzeuger zum Verbraucher ohne Lagerung und Stapelung(dadurch 1—3 Tage älter) gebracht wird. 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