Morgenausgab« Sreffag ~�46.3(i6rgang\£ 28. 3utli 1929 WM 8Än10/- »n°«r-u»ial,ll>°r. P°stdkillg und HS I�SB W H M I�s, BR B» B■ B // B 72 Psz. Poftbellellgebühren. Auilant» jfSSsid tUjwM Sj B B B BH Hl DD DD Us.--- J/ »tonn-m-nt a.— M. pr» Monat. BBS UWB» W» WU>W Oa DU WD FW LI»»«»>», l««,,«»npareillezekl, I D II W U.U.U IUI I Difr fÄKÄÄs D D ELM 4m> MW-M. H jpm -mm-I. die Lb-ndau-gnd-n siir Berlin UDi�l! WMV~S JHk\ j/ DW Stellengesuch, da, ersi, und im /sandel mit dem Titel.Lee yy_ 10«teinlf«Äf. r t.« in«' au h0" Kbenb-, SUuflrUrt, B-ilng-n.Soll �W/.?k?.n l?>e. i ÄÄSÄ'S'Ä mmIZ* m___-»»' i'SffiPT''s!""'l'"ri','S*11' Bs&ie$««A» �erimrt yi�ifywiwf«»MZZN« Js«tvawes va«a«tt-- v«ckd«»rdett«.»»oest.llt«i. yernsprecher: Dvnboff WS— 297, Telegralmn-Ldr.: Eoztaldewokrat verlw eV V»»VU» III* V« �7»«nb Beamte» Wallstr. SS. DiUmtto�Sesellschaft. Depofitenkafie Lindenftr. Zi Aepubtikschuh gefallen! Wirischastspariei sprengt Zweidrittelmehrheit. Der Reichstag stimmte am Donnerstag abend über die Verlängerung des Republikschntzgesebes ab. Für die Verlängerung des Gesetzes wurden 263» dagegen 166 Stimmen abgegeben. Vizepräsident Graes stellte fest, daß die erforderliche Zwei- drittclmchrhcit nicht crcicht und das Gesetz abgelehnt worden sei. Das Rcpublilschutzgcsctz tritt da- nach am 22. Juli ausser Kraft. * Als der dcutschnationale Vizepräsident Graes abends 9,20 Uhr verkündete, daß das Gesetz zum Schutze der Re- publik von 431 abgegebenen Stimmen nur 263 erhalten habe, die zu seiner Verlängerung notwendige Zweidrittel- niehrheit also nicht vorhanden sei, erscholl von den nationalsozialistischen Bänken der Iubelruf: „Brüder, wir sind frei!" Auf der äußersten Linken bei den K o m m u n i st e n fand dieser Ruf ein brausendes Echo, und der nächste Augenblick sah Deutschnationaie, Nationalsozialisten und Kommunisten in einem geradezu wähnsinnigen Freudentaumel vereint. Severin g, der darauf das Wort ergriff, wurde.von den verzückten Der- mischen rechts und links niedergebrüllt: der deutschnatio- nalo Vizepräsident wollte oder konnte ihm keinen Schutz ge- währen und verließ fluchtartig seinen Platz. Die Sitzung war aufgeflogen. Zehn Minuten später eröffnete Lobe sie wieder und Severin g konnte sprechen. Er kündigte neue gesetzgeberische Maßnahmen an, verwies auf die jetzt noch vorhandenen Machtmittel der Republik, die sie vollauf instand setzten, sich gegen ihre Feinde zu ver- teidigen. und schloß unter stürmischem Beifall der Sozial- demokraten. Nach einer stürmischen Geschäftsordnungsdebatte verkündete Pieck den unmittelbar bevorstehenden Sieg der Kommunisten, Strasser tat für die Faschisten das Gleiche. Beide sind sehr im Irrtum. Die Wirtschaftspartei hatte in der zweiten Lesung für das Gesetz gestimmt, in der dritten stimmte sie dagegen. Grund: es war inzwischen eine Entschließung angenommen worden, die die Vorlegung eines cheim statten- g e s e tz e s verlangt. Dafür nahm nun die empörte chaus- besitzerseele ihre Rache. Materielle Interessen niedrigster Art haben gegen das Gesetz den Ausschlag gegeben. Das Gesetz zum Schutze der Republik wurde nach der Ermordung Rathenaus am 21. Juli 1922 erlassen. Es wurde geschaffen unter der berühmten Parohp des damaligen Reichskanzlers Wirth:„Der Feind steht rechts!" Obwohl sich also das Gesetz seiner ganzen Entstehungsge- schichte nach gegen die Feinde der Republik von rechts wandle, führte das unsinnige Putschtreiben der Kommu- nisten dazu, daß es in immer stärkerem Maße auch gegen die äußerste Linke zur Anwendung kam. Uebrigens hatten auch die Kommunisten dieses Gesetz ursprünglich als eine Waffe gegen den Faschismus betrachtet, die ihnen damals gar nicht scharf genug sein konnte. Später erzwangen sie seine Anwendung auch gegen sie selbst— und von daher erst stammt die edle Blutsbrüderschaft, die sie jetzt mit den Faschisten verbindet. Eine nicht weniger seltsame Rolle spielten die Deutsch- nationalen. Sie hatten das Gesetz bekämpft, dann in ihrer Regierungszeit feine Verlängerung beschlossen, später es wieder bekämpft. Gestern oereinten sie sich in ihrem Freudentaumel mit den Kommunisten, hauptsächlich wohl des- lialb. weil damit cingesetzlichesHindernisgegen die Rückkehr Wilhelms II. nach Deutschland ge- fallen ist. Trotzdem ist wohl aus politischen und Völker- rechtlichen Gründen mit einer Rückkehr des Exkaisers kaum zu rechnen. Das Gesetz zum Schutz der Republik tritt nun am 21. Juli außer Kraft. Die Folgen davon können verschiedener Art sein. Und welcher Art sie sein werden, hangt zum großen Teil von den: künftigen Verhalten der seltsamen Brüder rechts und links ab. Darum war dieWarnungSevcrings, daß die Republik auch nach dem Fall dieses Gesetzes nicht schutzlos fei, sehr angebracht und sehr notwendig. Der Republik bieten sich immer noch gesetzliche Möglichkeiten zur Verteidigung. Sollten- sie sich als unzureichend erweisen, so würde der Druck der Volksstimmung für ihre Vermehrung sorgen. Denn letzten Endes sind es nicht die Paragraphen, die der Republik den wirksamsten Schutz gewähren, sondern es ist der W i l l e d e r Massen, sie zu schützen gegen jene, die mit brutaler Ge- walt das Terrorrecht einer Minderheit aufrichten wollen. Aus Paris.??. Zun!.(Cigenberichi.) Die Abneigung Frankreichs, die internationale Regie- rungskonferenz zur Znkrastsehung des Joung-Planes in London und unter dem Vorsitz des sozialistischen Premierministers ZNacdonald stattfinden zu lassen, hol p o i n c a r 6 tatsächlich zu einer entscheidenden Aenderung seiner bisherigen Taktik bestimmt. Außenminister P r i a n d hat schon am Mitt- woch in einer Unterhaltung mit dem engllschen votschasler Tyrell London als Verhandlungsort abgelehnt. Der französische Widerstand gegen London und damit auch gegen Macdonald als• konferenzlciter ist jedenfalls so groß, daß Poincare entgegen seinen bisherigen Absichten eine Vertagung des Konserenzbeginns bis in den August hinein in Kauf nehmen will. Damit wäre— so erklärt man hier— eine ausgiebige Vorbereitung de» Verhandlungsprogramm, gesichert und damit wiederum wäre ein rascherer Ablauf der Konferenz selbst möglich. Für einige Tage aber könne selbst Macdonald von London verreisen, um so mehr, als er eine Zeitlang die Absicht gehabt habe, nach Washington zu fahren. Mit der Verschiebung des Sonferenzbeginns hat sich Poincare seine parlamentarische Situation erschwert. Das diesem Wollen war auch das Gesetz zum Schutz der Republik geboren. Nach Rathenaus Ermordung standen Millionen in den Straßen der deutschen Städte und forderten von der Re- publik, daß sie gegen ihre Feinde stark sei. Sie wird stark bleiben auch nach dem Fall des Gesetzes, das zu ihrem be- sonderen Schutze bestimmt war. Auf dem Willen des Volkes ruht ihre Kraft! Schulde»abkommen mit Amerika muß vor dem Beginn der Konferenz ratifiziert werden. Poincare kann deshalb nicht mehr das Ar- gumenl ins Treffen führen, daß diese Ratifikation für Frankreich ungefährlich sei. weil Deutschland im Poung-Plan die notwendigen Zahlungen leiste. Cr hofft aber mit der Wucht seiner sechstägigen Dauerrede vor der vereinigten Kammexkommisiion für die Finanzen und die auswärtigen Angelegenheiten die Opp»silion gegen die Schuldenralifikalion genügend geschwächt zu haben. Zu allem llebersluh gibt ihm die Vertagung des Konferenzbeginns ein anderes Argument in die Hand. Deutschland— so argumentiert er— könne jetzt nicht mehr aus die Zwangslage Frankreichs vor dem Verfalllage der amerikanischen Handelsschuld, dem 1. August zurückgreisen. um neue Zugeständnisse hinsichNich der Räumung des Rheinlandes und der Saar zu„erpressen". Die Gefahr, in die sich die französische Regierung aus Ab- neigung gegen die englische Arbeiterregierung gebracht hat, besteht also darin, daß sie das widerstrebende Parlament zu einer Bindung aus SS Jahre gegenüber Amerika zwingen muß, bevor sich Deutschland im Poung-Plan Fraukreich gegenüber zur Reparationszahlung gebunden hat. An das de! Der heutige Tag ist ein Tag der Trauer. Zehn Jahre sind verflossen, seit in Versailles deutsche Friedensunter- Händler gezwungen waren, ihre Unterschrift unter eine Urkunde zu setzen, die für alle Freunde des Rechts und eines wahren Friedens eine bittere Enttäuschung be- deutete. Zehn Jahre lastet der Vertrag auf allen Schichten des deutschen Volkes» aus Geistesleben und Wirtschaft» aus dem Werk des Arbeiters und des Bauern. Es hat zäher und angestrengter Arbeit und einmütigen Zu» sammensteheus aller Teile des deutschen Volkes bedurft, um wenigstens die schwersten Auswirkungen des Ver- sailler Vertrages abzuwenden, vie unser Vaterland in seinem Dasein bedrohten und das wirtschaftliche Gedeihen ganz Europas in Frage stellten. Deutschland hat den Vertrag unterzeichnet, ohne da- mit anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei. Dieser Vorwurf läßt unser Volk nicht zur Ruhe komme« und stört das Vertrauen unter deu Na» tioneu. Wir wissen uns eins mit allen Deutschen in der Zurückweisung der Behauptung der alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege und in der festen Zuver- ficht, daß dem Gedanken eines wahren Friedens, der nicht aus Diktaten, sondern nur auf der übereinstimmenden und ehrlichen Ueberzeugung freier und gleichberechtigter Völker beruhen kann» die Zukunft gehört. Berlin, den 28. Juni 1929. Der Reichspräsident: von Hiudeuburg. Die Reichsregierung: Müller. Stresemaun, Groener» Eurtius. Dr. Wirth, Dr. Schätzel. Wisscll. Dr. Hilferding, Severins, Dietrich» v. Guerard. Dr. h. c. Stegerwald. tische Volk! Die Lehre der Zehn Jahre. Zum 2S. Juni 1919. An Stell« der offenen Gewalt«inen Zustand des Rechtes zu fetzen, ist der Sinn eines jeden Friedensver- träges. Das hätte auch der Sinn jenes im Spiegelsaal zu Versailles unterzeichneten Vertrages fein sollen, der vor jetzt genau zehn Jahren— für alle Beteiligten— das Siegel unter den fürchterlichsten aller Kriege, für uns Deutsche aber auch das Siegel unter die fürchterlichste aller Niederlagen setzte. Ohnmächtig, entwaffnet» nicht einmal angehört, mußte Deutschland diesen Vertrag als Diktat aus den Händen der Sieger entgegennehmen, und die Folge war, daß sich das formale Recht dieses Vertrages sachlich als das allerbitterste Unrecht gegen Deutschland auswirkte. Mit tiefstem Unwillen wurde dieses Unrecht von allen Deutschen gleichmäßig empfunden. Freilich war die Berech- tigung zu diesem Unwillen nicht allenthalben die gleiche. Hatte doch die militaristisch-nationalistische Oberschicht, die vor dem Zusammenbruch Preußen-Deutschland beherrschte, immer wieder dem Volke nachdrücklich gepredigt, daß„Macht vor Recht" gehe. Sie selber hatte noch während des Krieges von diesem Grundsatz reichlich zu ihrem eigenen Nutzen Ge- brauch gemacht: bei der Verletzung der belgischen Neutralität, bei der Nichtachtung der Rechte der Neutralen, bei den bel- gischen Deportationen, bei den Friedensschlüssen von Bukarest und Brest-Litowsk. Dieser Schicht stand es am allerwenigsten an, in moralische Entrüstung auszubrechen, als die sieg- reichen Gegner genau das gleiche taten, was die preußischen Generäle und Junker im Falle ihres Sieges mit Wonne an den anderen verübt hätten. Es ist eine durch und durch heuchlerische Komödie, wenn gerade diese Kreise sich heute als Fanatiker des Rechtsstand- Punktes aufspielen, wenn sie zugunsten Deutschlands an das Gewissen der Welt appellieren, das sie zu Zeiten ihres poincare will nicht nach London. Für Vertagung bis zum August.' Glückes steks verneint nnd verlacht haben. Die Serfönber des Grundsatzes„Mach5 geht vor Recht" wollen heute— wer lacht da nicht?— öertj deutschen Volke einreden, daß es nur eines formalen furistischen Schachzuges bedürfe, um den Vertrag von Versailles mit allen seinen Konsequenzen in ein Nichts aufzulösen— nämlich die Annullierung des sogenannten Schuldbekenntnisses. Die Idee, die Welt an einem juristischen Zwirnsfaden aus den Angeln heben zu wollen, ist so grotesk, daß ihre Absur- dität nur übertroffen wird durch die Person ihrer Urheber, die so gerne juristische Seile mit dem Schwert kappten, wo sie ihnen hinderlich erschienen. Die Sozialdemokratie sieht in dem geschriebenen Recht kein unantastbares Heiligtum. Aber nicht in dem Sinn«, daß sie an Stelle gesetzlich sanktionierten Unrechts das noch schlimmere Faustrecht setzen will, von dem die Militaristen schwärmen. Die Sozialdemokratie geht von der Erkenntnis aus, daß alles Recht vergänglich ist und um so vergäng- licher, je mehr es in Widerspruch st eh f zu den Geboten der Vernunft und zu den Bedin» gungen des Lebens. Das gilt auch vom Völkerrecht, das gilt auch vom Vertrag von Versailles. Die Sozialdemokratie hat keinen Augenblick verkannt oder daran gezweifelt, daß dieser Vertrag«in« Unzahl von Bestimmungen enthielt, die nicht nur dem Wiederaufbau Europas hindernd im Wege standen, sondern die darüber hinaus die Existenzmöglichkest des deutschen Volkes(und da- mit auch Europas) bei ihrer Durchführung vernichten mußten. Aber gerade diese Erkenntnis gab der Sozialdemo- kratie die Gewißheit, daß diese Bestimmungen nicht durch- geführt werden könnten und daher auch nicht durch- geführt werden würden! Nicht die Macht des Schwertes, Ve dem ohnmächtigen Deutschland genommen war und von der nur noch nationalistische Phantasten träumen, sondern de viel wuchtigere Macht der wirtschaftlichen Tat- fachen, der ökonomischen Wechsel beziehun- gen zwischen Sieger- und besiegten Staaten—, sie garantierte die Revision des Vertrages. Aus dieser Erkenntnis hat di« Sozialdemokratie di« Kraft geschöpft, einen Vertrag zu unterzeichnen, dessen Un- gerechtigkeit und Brutalität sie herber und schmerzlicher«mp- fand, als irgendein Nationalist. Sie hat diesen Vertrag unterzeichnet, um mit gutem Gewissen den Kampf um seine Revision»om«rsten Tage der Unterzeichnung ab führen zu können. Der Kampf um die Revision von Ver- sailles— das war die E r f üllu n g s p o l i ti k. Denn nur durch den ehrlichen, wenn auch aussichtslosen Versuch der Erfüllung konnte die Unmöglichkeit der Erfüllung aller Welt bewiesen werden. Dieser Weg war schwer und leidensvoll. Er wurde ver» lungert, seine Opfer wurden vergrößert durch die fortge- setzten Versuche der nationalistischen Reaktion, die Er- füllungspolitit zu sabotieren und an ihr« Stelle«ine Politik der Katastrophen, der nationalistischen Abenteuer zu setzen. Es bedurfte erst des von dem Nationalistenkabinett Cuno herbeigeführten Ruhreinbruchs vom Jahre 1�23, um der Gesamtheit des deuffchen Volkes die Augen darüber zu öffnen, daß diese Bankrotteurpolitik der Vorspiegelung«iner nicht vorhandenen Widerstandskraft zu weit tieferem Elend, zu weit schmählicheren Kapitulationen führen mußte, als die von den Machtpolitikern als Quelle des Elends bezeich- ncnde Erfüllung! Seit dem Zusammenbruch des Ruhr?xperiments haben die Nationalisten wohl noch in Worten und Schmähschriften die Erfüllungspolitik begeifert, aber sie haben sie nicht mehr wen. und zwar mit Hilfe der Stimme de« national- fozialistischen Ausschußmitglied«?. Ein Antrag der SPD., der die Regierung ersucht, die sächsischen Gesandtschaften ob 31. März 1930 wegfallen zu lassen, wurde gegen die Stimmen der Rechtsparteien angenommen. Rachifitzung auch in Paris. Reue Schaldenverhandlungen mit Amerika gefordert. Zu? selben Zeit, in der der Reichstag«ine Nachtsitzimg abhält, findet auch im französischen Parlament eine Nachtsitzung statt, hervorgerufen durch einen Dorstoß de» Zll-g. Franklin- Bouillon, der die Regierung ausforderte, mit der Regierung der Vereinigten Staaten neu« Verhandlungen über die ver- schiebung des Verfallstermins für die amerikanische» Kriezs- lagerfchuwen vom 1. August auf den 31. Dezember zu eröffnen. Da dieser Antrag von allen Bänken mit ungeheurem Bei- fall aufgenommen wurde, sah sich Ministerpräsident Poincare zu der Erklärung veranlaßt, daß er zu solchen Verhandlungen ü e- reit sei, wenn er sich auch wenig Erfolg davon verspreche. Er verlangte nur die Ueberweisung des Antrages Franklin- Bouillon an den Finanzausschuß der Kammer. Ein Antrag Leon Blum, am Freitag in die Lnterpellationsaussprache der Rati- fizierungsgesetze einzutreten, wurde, ohne daß die Regierimg die vkttrauenssrag« gestellt hätte, mit 476 gegen 118 Stimmen abgelehnt Die Kammer beauftragte den Finanzausschuß, so- sott zur Beratung des Franklin-Bouillonschen Antrages zusammen- zutreten. Sie selbst wird um 22 ilhr eine Nachtsitzung abhalten. um zu diesem Antrag Stellung zu nehmen. Findet er die Mehrheit der Kammer, dann wird sich Ministerpräsident Poincare zu neue» Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten bequem cn müssen. Dänische Befürchiungen. Die Folge» der Erhöhung des DutterzoNS. »openhagen. 27. Juni.(Eigenbericht.) Di« Beschlüsse des deutschen Reichstages über die Zoll- «rhöhungen für landwirtschaftliche Produkte und die Aufforderung des Reichstags an die Regierung, mit der dänsschen Regierung Verhandlungen über eine zeitweilige Einstellung der dänischen Dieheinfuhr nach Deutschland einzuleiten, haben hier große-Aufsehen erregt und in Landwirtschastskreisen große Besorgnis hervorgerufen. Das gilt vor allem von der Nach- richt über die geplante Zollerhöhung für Butter. England ist zwar Immer noch der Hauptabnehmer der dänischen Butter- Produktion. In den letzten Jahren ist aber immerhin mehr als ein Viertel der gesamten dänischen Produktion nach Deutschland ge- liefert worden. Daher spielt Deutschland als Abnehmer für die dänisch« Landwirtschast eine bedeutende Rolle. Man befürchtet des- halb, daß die Zollerhöhungen der Einfuhr dänischer Molkerei- Produkte nach Deutschland erhebliche Hindernisse in den Weg legen werden, zumal der deutsch« Derbraucher allein die durch di« Zoll- «rhöhung«intretende Preiserhöhung nicht wird tragen können. Ein katholischer Zournoiislenkongreß fand in Rom statt. Die Teilnehmer wurden vom Papst empfangen� der ihnen Gehorsam gegen di« Bischöfe empfahl und der katholischen Aktion dafür dankte, daß sie neue und gut vorbereitete Jünger für den katholischen Journalismus ausgebildet Hab«. Dauersitzung des Reichstags. Durchpeitschung vor den Ferien. In de? gestrigen Reichsicgsfitzimg erklärte Reichsfinanzmimster Dr hilserdlüg. die Regierung Hab- rsegen der Finanzlage den Antragen der Regierungsparteien auf Be- ieldungsverbefserungen nicht entsprechen können. Hauptaufgabe der Perfonalpolitit in der nächsten Zeit wird di« Unterbringung abzubauender Beamten sein, da verschiedene Stellen ein- gezogen werden. Wir erwarten hierbei die Unterstützung der Länder und Gemeinden, und wir werden dem Reichstag, sobald sich klar sehen läßt, genaue Mitteilungen machen. Beim Haushalt der Allgemeinen Finanzverwaltung spricht Abg. Ende(Komm) gegen den Antrag der Regierungsparteien, zur Deckung der erhöhten Ausgaben die geschätzten Einnahmen aus den Steuern auf Bersicherungen, Tabak. Zucker, Bier und Zünd- waren zu erhöhen. Abg. Zteybe fWirtfchp.) verlangt Beseitigung der steuerlichen Bevorzugung der Genossenschaften. Beim Kriegslastenetat fordert Abg. Goliheiner(Dnat.) als Ergänzung des Hilssprogramms West umfassende Hilfe für den Osten. Bor den Abstimmungen verllest Abg. Sloecker(Konnn.) eine längere Erklärung zur Begründung der Etatsablehnung durch seine Partei. In namentlicher Abstimmung wird mit 240 gegen 172 Stimmen(Sozialdemokraten und Kommunisten) bei 9 Enthaltungen die zweite Rat« für den Panzerkreuzer A bewilligt. Wie bei der zweiten Lesung stimmen die sozialdemokratischen Minister für die Bewilligung. Beim Landwirtschaftsetat werden auf Antrag der Re- gierungsparteien die Mittel zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion durch Beistellung von Maschinen erhöht. Gegen die ctiinmen der Sozialdemokraten und Kommunisten wird«in'Antrag auf Streichung der Zwischenzölle für Speck und Schmalz ange- nommcn, ebenso werden 3,75 Millionen zur Förderung des Getreide- transports bewilligt. Beim Berforgungs etat wird ein« Entschließung auf Wicdervorlegung des Gesetzes über die Beamten des Wartcstandes abgelehnt und im Hammelsprung di« Wiederherstellung einer Ministerialdirigentenstelle im Relchsfinanzministerium mit 202 gegen 133 Stimmen verworfen. Aus Antrag der Regierungsparteien werden 4,5 Millionen zur Deckung der Mehrausgaben für die Reichsarbeiter bewilligt. Zu einem Antrag der Regierungsparteien auf Bcwilli- gung von 6 Millionen für di« Deutschen Werke in Kiel äußert sich Abg. Gok(Dnat.) scharf ablehnend, da dies eins sozialistische Mißwirtschaft wäre. Abg. Or. Hertz(Soz.): Die Seeschiffswerften haben gegen die Bewilligung von tz Mil- lionen für die Deutschen Werk« protestiert: Herr Äok ist selbst Direktor einer Konkurrenzwerft. Er hat hier nicht in seiner Eigen- tchast als Bsrtreter des deutschen Volkes, sondern als Person- llcher Interessent gesprochen.(Lebh. Hört, Hort! links. Geschrei rechts.— Abg. Gok schweigt!) Der Antrag wird nach Ablehnung eines Antrags auf Ausschuß- berätung vom Hause angenommen. Annahm« findet«ine Entschließung Dr. Quootz(Dnat.). die di« Regierung ersucht, den Wortlaut des Pariser Abkommens und dessen Unterlagen dem Reichstag vorzulegen. Die Gesamtabstimmung über den Etat wird zurückgestellt. Die Mißtrauensanträg�c gegen den Reichsaußenminister Dr. Stresemann werden gegen die«stimmen der Deutschnationalen, der Christtichsozialen, der Hakenkreuzler und der Kommunisten abgelehnt.— Es folgt die dritte Beratung des Sperrgesetzes für Rechts« streitigkeiten über ältere staatliche Renten» Abg. Dr.«j. Lindelner-Mldan(Dnat.) bezeichnet dos Gesetz als oerfassungswidritz. Der Redner beantragt, die in der zweiten Lesung aus sozialdemokrotijchcn Antrag gestrichenen Worte, die einen Zweifel an der Derfassungsmäßigkeit des Gesetzes zulasten. in die Einleitung wieder einzufügen. Abg. Dr. wunderlich(D. B.) bezweifelt gleichfalls die Ver- iaffungsmäßigkeit des Gesetzes und wiederholt seinen Antrag ans der zweiten Lesung, Schiedsgerichtsprozeste nicht zu sperren. Abg. Landsberg(Soz.): Im Ausschuß hat Dr. Wunderlich das Gesetz nicht v« r- fassungs widrig gefunden. Die Bayerische und die Deutsche Volkepartei haben allen früheren Sperrgesetzcn zugestimmt, sogar Herr o. Lindeincr-Wildau hat nicht gegen die srüheren Sperr- gesetze gestimmt, sondern sich jedesmal der Stimme enthalten. Die Behauptung von Lindeiners, der Reichstag wolle mit diesem Gesetz eine maßgebend« Auslegung der Verfassung geben, ist unberechtigt. Das söllt dem Reichstag gar nicht ein. wir sind fest überzeugt, daß dieses Gesetz nicht verfastung». ändernd Ist. Man hat doch auch bei dem Fürstcnabfindungsgesetz. wo«ine Zw-i. brittelmehrheit vorhanden war, die beantragten Worte also ohne Gefahr in die Einleitung des Gesetzes geschrieben werden tonnten, sie nicht eingefügt, da man eben das Gesetz nicht für verfassungs- ander!» hielt. Das ist auch jetzt bei uns der Fall, wir haben gar 'leine Ursache, einen Zweifel darüber in der Einleitung des Gesetzes auszusprechen. Wir sehnen auch die Verantwortung nicht ob. son- dorn werden ruhig abwarten, wie die Gerichte entscheiden.(Bei;all bei den Soz.) Abg. Dr. Lobe(Answ.) erklärt das Gesetz als versostungswidng. Abg. Tstaslowski(Komm.): Juristische Flohknackereien werden das Volk über die Widerrechtlichkeit der mittelalterlichen Standes- hcrrenrenten nicht täuschen. In namentlicher Abstimmung werden die Antrage der Deutschnationalen und der Deutschen Nolkspartmd der Deutschen Bauernpartei gegen 170 Stimmen der Rechten und der Deutschen Volkspartci bei 6 Entlzaltungen ver- ° �Präsident Lobe stellt fest, daß das Gesetz mit einfacher Mehrheit anaenommen ist.(Rufe rechts: Also ist es nicht angenommen!) Dar- über steht dem Reichstag die Enischeidung nuht zu Aba Gok(Dnat.): Dr. Hertz hat mir vorgeworfen, ich hätte nicht als Volksv'rtrctee. sondern als Werftdirektor gesprochen. Eine solche Untustellung wäre eine Beleidigung, wenn Dr. Hertz mich über- b a u v t beleidigen könnte. Er kann mich nicht beleidigen, denn seine Unterstellung kam, nur einem völlig korrupten Hirn entspringen. l Große' Unruhe links.— R ü g e des Präsidenten.) Meiner Eigen- ickakt als stellvmretender Direktor einer Privatwerst verdanke ich nur die Sachkunde in dieser Frage. Ich bin an der Zlblehnung der Subvention weniger interessiert als Dr. Hertz an der An- nähme, denn er ist Aufsichtsratsmitglicd der Deutschen Werke. (Triumphgeschrei rechts.) Abg. Or. Hertz(Soz.): Auf die persönlichen Beleidigungen durch den Vorredner gehe ich nicht ein.(Braoo! links.— Abg. Gok: Sind Sie Aussichtsrat oder nicht?) Nicht zum erstenmal hat Abg. Gok seine Eigenschaft als Direktor einer Privatwerst vor die Eigenschaft eines Mitglieds der deutschen Volksvertretung gestellt.(Gebrüll rechts.) Die Deutsch- nationale Dolkspartei hat sich bei der S ch i ch a u w e r s t aus nationalen Erwägungen mit aller Kraft für die Hergab« von Reichsmitteln eingesetzt, für die Deutschen Werke lehnt sie das ab. Herr Gok hat in seiner Eigenschaft als Direktor einer Privatwerft gegen die Bs- willigung von Reichsmitteln für die Deutschen Werke ebenso heftig angekämpft, wie seine Partei sich für die Bewilligung von Reichs- geldern gn die Schichauwerft eingesetzt hat. Slls Nachfolger des vom Reichstag in den Aufsichtsrat der reichseigenen Deutschen Werke in Kiel entsandten Abg. W i s s e l l hat meine Fraktion nach dessen Zlus- scheiden mich mit dieser Aufgabe betraut.(Rufe rechts: Na also!) Diese Betrauung liegt etwa drei Monate zurück. Ich habe bisher nicht einen einzigen Pfennig dafür als Entschädigung erhallen. (Lärm rechts.— Zuruf: Das war aber rückständig von der Werft.) Ich werde auch in Zukunft niemals, im Gegensatz zu zahlreichen anderen MIlgNedern dieses Hauses(hörl, hört! links) und im Gegensalz zu den auch bei der reichseigenen Werft eingelrekenen Gewohnheit auch nur einen Pfennig für diese Tätigkeit annehmen, weil ich zur Bedingung gemacht habe, daß ich keinerlei materielle Entschädigung dafür erhalte.(Lebhafter Beifall links.) Präsident Löbe schlägt vor, die nun nach der Tagesordnung folgende Schlußabstimmung über das Republikschutzgesetz zurückzustellen, weil schon vorher vereinbart wurde, sie bei der Schlußab- stinrmung über den Etat vorzunehmen. Abg. Torgler(Komm.): Wir widersprechen. Es ist«in toller Kuhhandel mit der Wirtschaftspartei im Gange, um ihre Stim- men doch noch für dos Republikschutzgesetz zu gewinnen. Präsident Löbe leitet die Abstimmung mit dem Ersuchen ein, wer für die Verschiebung der Abstimmung sei...(Die Kommunisten und die Hakenkreuzler schreien minutenlang:„Schieber!") Die Mehrheit beschließt die Berschiebung, was von der äußersten Linken und Rechten mit andauerndem Schiebergeschrei beantwortet wird. Einsprüche der Hakenkreuzler Frick und Strasser gegen ihre Aus- Weisung aus der Sitzung vom 21. Juni werden ohne Debatte zurück- gewiesen. Es folgt die zweite und dritte Beratung des deutsch- estnischen Handelsvertroges. Abg. Graf Eulenburg(Dnat.) spricht gegen den Vertrag, der die Interessen der Esten zum Schaden der deutschen Minderheit und der Reichsdeutschen in Estland fördere. Abg. Schröier-Mcrseburg(Komm.) wendet sich gleichfalls gegen den Vertrag. Abg. Cnspien(Soz): Die deutsche Regierung hat von der estnischen mehr erreicht, als zu hosten war. Die Entschädigung der Reichsdeutschen ist viel größer, als die der Esten, die die gleiche Enteignung erfahren haben. Im Auswärtigen Ausschuß, wo über die politischen Zusammenhänge dieser Dinge entschieden werden sollt«, haben di« Dentschnationolen einen wütenden Vorstoß gegen die Ralstizierung unten, omm-n, weil ein Teil der Reichsdeutschen nicht ausreichend«iiischädigt werde. Wir Sozialdemokraten haben sofort uns dagegen gewendet und ebenso gegen die Verknüpfung des Handelsverträgs mit der Ent- schädigungsfrage. Dabei rief der Kommunist Stoecker mir zu, es kommt ihnen gor nicht darauf an, ob der Handelsvertrag zustande kommt. Ms der Sluswärtige Ausschuß in einer zweiten Sitzung während des Plenums endgültig über dies« Verknüpfung entscheiden sollte, war kein einziger Kommunist zugegen.(Rufe der Komm.: Weil Plenum war!) Die Kommunisten hoben der Sozial- dcmokratie überlassen, durchzusetzen, daß die Entschädigungzsrage vom Handelsvertrag getrennt wird. Nur Menschen mit einem krank- holten Hirn können uns dafür angreifen, wie es der Vorredner natürlich wieder getan hat. Die sogenanmen Alt-Reichsdentschen in Estland haben sich mit der dortigen Regierung geeinigt, die Neu- reichsdeutschen noch nicht, das find etwa drei Dutzend Leute, die erst nach der estnischen Agrarreform von 1926 die Reichsangehörigkeit erworben haben, vorher aber estnische oder russische Staatsangehörige waren. Die devlschnationale Fraktion fetzt sich vor allem fär diese zweifelhaften Reichsdeutschen ein und stellt die Interessen der deutschen Gesamtwirtschast dahinter zurück. (Lärm rechts.) Da die Entschädigungsfrage vom.Handelsvertrag oe- trennt ist. werden wir ihm zustimmen. Die Regierung wird die andere Frage, losgelöst vom Handelsoertrog, weiter zu verfolgen haben. Wenn die Kommunisten uns des Schutzes der ballischen Baron« bezichtigen, so ist das niederträchtige Verleumdung.(Beifall der Soz. Lärm der Komm.) Abg. hoernle(Komm.): Die Regierung der sozialdemokratischen Minister tritt für die ballischen Barone ein. Wir haben im Ausschuß aus das schärfste dagegen protestiert. Der Handelsvertrag wird angenommen, ebenso«ine Entschlie- ßung, daß die Regierung sich für gerechte Enstchädlgung der Reichs- deutschen einsetzen solle. Infolge andauernden Gebrülls der Kam- mi/nisten fragt Präsident Löbe sie, was für Beschwerden sie denn hätten, erhält jedoch darauf keinen Bescheid. Nunmehr werden die Zoll, und handelspolitischen Anträge beraten. Abg. Toni Sender(Soz.): Gewiß muß der Reichstag etwas tun, um Beruhigung in der notleidenden Landwirtschaft zu schassen. Aber nicht momentane Be> ruhigung kann helfen, sondern nur Maßnahmen, von denen mit einiger Bestimmtheit zu erwarten ist, daß sie dauernd wirken. Wir haben stets, auch bc! der Zollgesetzgebung von 1927 vor solchen un- zureichenden Methoden gewarnt. Sie haben auch versagt. Wir haben bewiesen, daß es ernst ist mit dem Willen, neu« Wege zu gehen, so eben jetzt in, Sachoerständigenausschuß. Diese sachliche Arbeit der Verständigung zwischen Stadt und Land wird aber von der Rechten gestört durch Szenen wie vorhin bei der Rede von Dr. Hertz. Von der Loyalität der agrarischen Mitglieder erwarten wir, daß sie mit uns daran arbeiten, die Slufl zwischen Sladl und Land zu schließen. Es braucht kein« Gegensätzlichkeit zwischen Bauern und Arbeitern zu bestehen. Die schwierige Lage der Landwirtschgst erkennen wir an. Große Restbeständ« von der vorjährigen Ernte drücken auf den Getreidepreis, aber das Brot wird nicht billiger, es folgt einer Preisbewegung nur nach oben, aber nicht noch unten.(Sehr wahr! links.) Gegen das Getreidemonopol aber wendet sich derselbe Liberalismus, der gegen die gewaltigen Industriemonopole nichts einzuwenden hat. Der Hauptantrieb dabei ist die Angst um die ungeheuren Prosite des. Zwischenhandels und der Spekulation.(Lebh. Zustimmung bei den Soz., vereinzelt auch auf der Rechten.) Die logische Folgerung müßte sein, daß die landwirkschosllichen Genosienschasten den direkte« Weg zu den verbrimchergenossenschafkeu einschlagen. Leider ist die Leitung der landwirtschaftlichen Genossen- schasten noch oft unzureichend. Wir sind entschieden gegen eine Zoltheraufsetzung. Der Bermahlungszwang erscheint uns als«in Aushitssmittel in letzter Stunde, ist aber ein Sprung ms Dunkle. Wir übernehmen für diese Maßnahmen keine Verantwortung, da wir nur in plan- mäßiger Regelung eine Gewähr für nützliche Wirksamkeil sehen. Die wahre Hilfe für die Landwirischask liegt in der Hebung der Hauskrast der Verbrauchermasjen. aber nicht in Zollcrhöhungen. Auf dem Wege der Selbsthilfe müssen Landwirtschaft und Verbraucher zueinaiiderkoniinen.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Die Kündigung des Handelsvertrags mit Schweden scheint uns in ein weltwirtschaftliches System der Ausfiihrsteigerung und der Friedenssichcrung durch engste wirtschastlich« Beziehungen schlecht zu passen. Wir wünschen dringend, daß der jahrelang« Wirtschasts- krieg gegen Polen beendet und daß die besten wirtschaftlichen Be- Ziehungen zu allen unseren Nachbarn hergestellt werden.(Lebhafter, anhaltender Beifall der Soz.) Abg. Schiele(Dnat.): Die bisherigen Methoden haben der Land- Wirtschaft nicht geholfen. Die Arbeit des Gutachter-Ausschusies ist von den bürgerlichen Regierungsparteien nicht unterstützt worden und war durch die Sorge um die Erholhing der Koalition gehemmt. Die Verluste der deutschen Landwirtschaft infolge des Andrängens des kolossalen Weizenüberschusses Amerikas können hunderte Millionen betragen, beim Roggen fast ebenso. Wenn die Mehreinnahme aus den Zöllen nicht für die Landwirt- fchaft, sondern sür soziale Zwecke verwendet wird, so ist das wieder eine rein politische Berquickung von nicht zusammenhängenden Dingen. Leider sind aus der Regelung auch Schmalz, Speck und Gerste herausgelassen. Die Viehwirtschast erleidet ungeheuere Per- lust«. Die überflüssige Einfuhr mutz gedrosselt werden. Alle beut- scheu Landwirte sind erwacht und werden sich mit allen gesetzlichen Mitteln wehren, denn sie wollen nicht untergehen.(Lebhafter Beifall rechts.) Reichsernährungsminister Dietrich: In den Verhandlungen zwischen den Parteien ist etwas herausgekommen, im Gutachter-Ausschuß nicht. Im Vergleich zur Reckitsregierung haben wir sehr viel mehr Positives für die Land- Wirtschaft geleistet. Wir hoben die karkofsel-, Butter- und Huckerzölle erhöht und> gegen aus vielen anderen Gebieten vor. Ein großes Programm für die Landwirtschaft kann ich an einen, Sonntagvorinittag machen, aber, um nur einen einzigen Punkt durchzusetzen, braucht man ein» Reichstag und eine Koalition. Zlbg. Dr. Hermes(Z.): Die große wirtschaftspolitisch« Um- stellung, die Abg. Schiele verlangte, hätte eigentlich die vorige Regierung schon beginnen sollen.(Heiterkeit.) Es ist leicht, als starker Mann den Landwirten die Sclbstisolierung zu predigen, gedeihen kann die Landwirtschaft aber nur!>, enger Zusammen- arbeit mit den übrigen Wirtschastsschichten. Wir sind nicht Gegner von Futtermittelzöllen. Zum Slnsgleich der Belastung der Ver- braucher durch die Zollerhöhungen verlangen wir einen Gesetzcnt- wurf. wonach die Zollmchreinnahmen verwendet werden sollen zur' Förderung von Bauvorhaben, sowie jur Gewährung von Mletszuschüssen an minderbemittelte kinderreiche Familien. Abg. Hoernle(Komm.): Die Vorlaaen siiib einer der schwersten Angriffe auf die Lebenshaltung des arbeitenden Volkes. Wir wer- den entschieden dagegen kämpien. Abg. Dr. Hehr(Dnot. Bp.) gibt dem Minister Dietrich die Schuld an der Erfolgiosigkeit des Sachverständigen-Aussthiisses durch stiefväterliche Behandlung und durch Bekämpfunz des Getreidemonopols. Erfreulich war die loyale Zusainmenarbeit und die Anerkennung der Notlog« der Landwirtschaft durch die Sozial- demokratie. 2lbg. Tanken(Dem.): Es ist erfreulich, daß die Sozialdemo- kraten einen Monopolweizenpreis von 2-50 M. gegen fetzt 210 M. zugestehen wollen, wobei sie annehmen, daß unter dem Monopol der Brotpreis nicht steigen würde. Die Höhe des Vrokpreiies bestimmt aber nicht der Zwischen- Handel, sonst könnten ja die Konsumvereine das Brot verbilligen.' Der Redner zieht die Preisschwankungen der freien Wirtschast weit- aus dem Monopoldiktat vor. Abg. v. Sybel(Christ.-Not. Bauernp.) begrüßt die Kündigung des Handelsvertrages mit Schweden und fordert Verhinderung der ausländischen Getreideeinfuhr. Minister Dietrich polemisiert in der neunten Abend- und elften Sitzungsstunde gegen die agrarischen Redner, besonders gegen v. Sybel, der die Demokraten scharf angegriffen hatte. Zur Abstimmung gibt Abg. Graf Westarp(Dnat.) eine Erklärung seiner Partei ob, die u. o. Bauernfeindlichkeit der Sozialdemokratie behauptet. (Minutenlange En t r n st u n g? ku n d ge b n n g e n link? gegen derartigen Mißbrauch dieser geschästsordnungsmäßigen Möctlichkeck zur Vräzisieruuq der eigenen Abstimmung hindern den Redner am Weitervorlesen.) Abg. DIkkmann(Soz.) prangert diesen Mißbrauch unter leb- hoster Zustimmung links an. Abg. Schröler-Merseburg(Komm.) gibt eine ebenso polemisch« Erklärung gegen den Antrag Hermes ab, wogegen die Rechte pro- � Vorlage über den vcrmahlnngszwang wird gegen Sozial- demokralen und Kommunisten angenommen. Dos Erwächtigungsaeseh zum Wegfall der Mehlzwischenzölle im deuisch-sranzösischen Handelsvertrag wird gegen die Kommunisten in zweiler Beratung angenommen. Die Z« n t r u m s e n t s ch l i e ß u n g auf Verwendung der Zoll- Mehreinnahmen zugunsten der Minderbemittelten, besonders der kinderreichen Familien, wird in namentlicher Abstimmung mit 255 gegen 159 Stimmen bei 25 Enthaltungen angenommen. Es folgt die namentliche Abstimmung über die Verlängerung des�epublikschuhgesehes Auf Ja lauten 2K3 Stimurcn der Regierungsparteien. auf Nein 106 Stimmen der Deutschuationalen, der Hakenkreuzler. kleinerer Rechtsgruppen, der Kommu» nisten und der Wirtschaftspartei. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht, und daS Gesetz tritt am SS. Juli außer Kraft. Das Abstimmungsergebnis wird von den Oppositionsparteien mit großem Jubel aufgenommen. Reichsinnenminister Severins, dem Vizepräsidenten Graes nun dos Wort erteilt, wird von den Lzakenkreuzlern und Kommunisten mit Rufen„Severing abtreten, Gummiknüppeldiktator" usw. enipfangen. Erst nach einigen Minuten ist der Minister zu verstehen. Er erklärt: Durch die Ablehnung der Verlängerung Ist eine Lücke entstanden, deren Ausfüllung in Anbotrocht unserer inneren Bedürfnisse unerläßlich ist. Wir sind uns clor darüber, daß es aussichtslos ist, in diesem Tagungs- abschnitt noch eine neue Vorlage einzubringen. Die Regierung wird dem Reichstag bei seinem Wiedcrzusammcn- feitt ein neues Gescg vorlegen. Unterbrechung der Sitzung. Die chakenkrcuzlcr und die Kommunisten hatten schon diese Süße fortwährend mit störenden Zwischenrufen begleitet, ihr Gc- schrei macht schließlich dem Minister dos Weiterreden unmöglich. Vizepräsident Graes, der sich gegenüber alt dem Toben passiv verhalten hatte, mußte erst durch Mahnungen der Sozialdemokraten zu einem Versuch veranlaßt werden, Ruhe zu schassen. Das gelang ihm nicht und so unterbrach er die Sitzung. Nach etliw 10 Minuten erschien Präsident Lobe, von den Links- und Rechtsradikalen mit„Aha"> Rufen begrüßt. Er eröffnete die Sitzung wieder und erklärte, daß er gegen jeden, der einen Redner am Sprechen hindere, die schärfsten Ordnungsmaßnahmen ergreifen werde.(Großer Beisall der Mehr- l)cit.) Als darauf Minister Severins wieder das Wort nimmt, machen die Kommunisten noch einige Zwischenrufe. Der Minister führt aus: Das Geseß. dessen Fortdauer soeben abgelehnt worden ist (Brono!>Rufe äußerst rechts und äußerst links) hat sich seiner Gel- tungsdoner(Zuruf äußerst links: gegen die Kommunisten aus- gewirkt!) nicht nur als wirksamer Schutz für die Republik erwiesen, sondern auch als wirksame Handhabe zur Sicherung der politischen Freiheit der Staatsbürger.(Gcgenrufe der Kommunisten. Mah- nung des Präsidenten.) Die Notwendigkeit dieses Gesetzes für die Fortführung des deutschen Erwerbslebens haben besonders auch die Vertreter der Partei erkannt, die. in der zweiten Lesung für seine Verlängerung gestimmt, heute aber geglaubt haben, gegen die Fo"- douer votieren zu müssen. Die Nützlichkeü des Gesetzes für das Er- werbslebcn ist besonders in den Inflationsjahren und in der Defla- tion hervorgetreten. Damals hat der Führer der Wirtschaftspartei, Abg. Drewitz, mich als preußischen Innenminister um verstärkten Schutz des Mittelstandes vor dem Terror der Radikalen auf den Straßen ersucht.(Lebhaftes Hört! hört! der Mehrheit.) Die Kam- munisten und die Nationalsozialisten geben offen zu, daß sie ihr« Ziele mit Gewalt erreichen wollen. Der Staat aber ist nicht machtlos(stürmischer Beifall der Mehr- heil), die Verfassung liefert ihm noch Waffen gegen den Terror. Wenn das Rcpublikschuhgcfctz fehlt, dann ist noch 2lrlikel<8 der Verfassung da. (lebhafter Beifall der Mehrheit, die Kommunisten rufen dreimal: Rot Front!) Natürlich wird man sich überlegen, den Artikel 48 anzuwenden. zumal er durch allzu häufige Anwendung abgestumpft und etwa durch nickt einheitliche Anwendung zu einer Rechtsungleichheit im Reiche führen würde. Wenn aber die Links- und Rechtsradikalen durch ihr Vorgehen die Anwendung erzwingen, dann werden Zweifel- los Reich und Länder darüber einig sein, und die einl>«illiche An- wcndung durch das Reich zur Abwehr derartiger Anschläge auf die Republik erfolgen.(Lebhafter anhaltender Beifall der Mehrheit.) Abg. Drewitz(Wirtsch.-P.) bestätigt, daß er seinerzeit Mi- nister Sevcring um Schutz für den Mittelstand ersucht hat. Dieser Schutz sei aber auch ohne Sondergcsetze möglich. D«e Annahm« einer aus Sozialisterung des Hausbcfitzcs hinauslaufenden Boden- reförm-Resolution durch die Regierungsparteien am Mittwoch und Ablehnung der vorgeschlagenen Derschiebuna der Repubkikschutz-Ab- stimmung auf Freitag veranlasse die Wirtichaftspartei, der Mehr- Keit zu zeigen, daß sie ohne diese Partei nicht- machen könne. (Lachen bei den Soz., Beifall rechts.) Abg. Pieck(Komm.): Als wir nach der Rede Severings die Eröffnung der Debatte darüber verlangten, hat der Präsident eine Abstimmung eingeleitet, und unser Antrag ist abgelehnt worden. Nun bestimmt die Geschäftsordnung, daß, wenn ein Minister außerhalb der Tagesordnung das Wort crgreist, auf Ver-. langen von mindestens SO Abgeordneten die Debatte zu eröffnen ist. Das ist hier der Fall. Präsident Löbe: Der Minister hat doch zu dem Tagesordimnzs- punkt des Rcpublikschutzgcsetzes gesprochen. Abg. Schulh-Bromberg(Dnat.): Mtt der Abstimmung war der Punkt erledigt und die Wortmeldung des Ministers war bereits außerhalb der Tagesordnung. Vizepräsident Graes erklärt aus eine Anfrage des Präsidenten, daß er allerdings nach seiner Meinung Severing das Wort außerhalb der Tagesordnung erteilt Hab«. Präsident Löbe: Nach dieser Erklärung ist die Debatte zulässig. Sie beginnt daraus mit 10 Minuten Redezeit. Abg. Pieck(Komin.) wirft Severing vor, immer nur gegen die Arbeiterklasse gekämpft und Mussolini kopiert zu haben. Mit dem Artikel 48 wolle Severing ein BlutreKime gegen die kommunistisch« Arbeiterschaft aufrichten. Abg. Dr. Bredk(Wirtschp.l— von den Sozialdemokraten mit dem ironischen Zuruf„Der Sieger des Tages" empfangen— wiederholt die Rede seines Parteiführers Drewitz. Die Wirtschafts- parte! mache nicht grundsätzlich Opposition, müsse aber verlangen, daß die Regierungskoalition auf sie die nötige Rücksicht nähme. Abg. Straffer(Nattoz.) höhnt, das Gesetz wäre heute auch ohne die Wirtschaftspartei gefallen. Der Minister habe sich hier gebärdet wie der Leiter einer Wach- und Schließgesellschast. Abg. Thälmann(Komin.) wird wegen eines unglaublich rohen Zurufs gegen Severing aus dem Saal gewiesen. Die übrigen Kommunisten verlassen mit Thälmann den Saal, kehren ober nach einigen Mimiken unter dem Gelächter der Sozialdemo- kraten zurück. Gegen 10 Uhr abends wird ein Dcrtagungsaittrag abgelehnt imd die Beratung der Steuernovetten begonnen: Was aus der Lohnsteuer über 1300 Millionen aufkommt, soll nicht mehr zur Steuersenkung, sondern für die knappschoftliche und für die Invalidenversicherung verwendet werden; Futterzucker soll steuerfrei und der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, auch den Zucker zur Herstellung von Nahnings- und Gemißmitteln von der Steuer zu befreien: die Bayerische Bolkspartei beantragt eine Aenderung des Braukontingents im Biersteuergesetz, welchen Antrag der Ausschuß abgelehnt hat. Abg. Karsten(Soz.) hält den üblichen kommunisttschen Angriffen entgegen, daß man nicht durch phrasenhafte Anträge, sondern nur dadurch de» Sozial- rcnlnern helfen könne, daß man imjüchtigen Zeitpunkt eine Mehrheit für Verbesserungen gewinnt. Selbst eine kleine Berbesserung, wie sie jetzt eintritt, ist mehr wert, als alle Propagandaanträge. Nach weiterer Debatte, in der auch Abg. SImon-Schwabcn(Soz.) über die Bierftcuer spricht, werden die Ausschußanträge an- g c n o m i» c n, der Antrag der Bayerischen Bolkspartei abgelehnt. Es folgen kleine Borlogen. Eine halbe Stunde vor Milternacht schlägt Präsident Löbe dem Hause vor, sich auf Freitag, 10 Uhr vormittags, zu vertagen. Dem widerspricht der Nationalsozialist Fr ick. Er meint, wa» Vinn« nach 12 Uhr Mitternacht die neue Sitzung, die letzte vor den Feriem anberaumen und rasch beenden. Zu erledigen sind noch die Schtußabstimmung der dritten Lesung des Etats, ein mündlicher Bericht des Ausschusses für soziale Angelegenheiten über die Kriscnfürsorge und weitere Ausschußberichte über Petttionen, Berkehrsangelegenheiten, Geschäftsordnungsangelegenheiten, ferner «in Bericht des Ausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung der Vorgeschichte des Wellkriegs. Der Deutschnationals Schultz- Brombsrg stimmt dem National- sozialisten zu und die Mehrheit schließt sich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten dem wenig würdigen Bor- schlag der Rechten an. Infolgedessen wird auch beschlossen, die Sitzung sortzusehen und dann fünf Minuten nach 12 Uhr die neue Sitzung, die letzte. anzuberaumen. Dann ergreift der Kommunist Maddaleaa da» Wort zur Krisenfürsorge und hält«ine der üblichen Schimpfreden gegen die Sozialdemokratie, aus d:e Gerlach(Soz.) kräftig erwidert. Dem Kommunisten Adler, der ihn unausgesetzt unterbricht, ruft Gerclach zu: Herr Adler, Sie mögen wohl verstehen, wie man als Lazaretthauptmann Heiligenbilder beschafft, aber von dieser Sache verstehen Sie nichts.(Große Heiterkeit.) Eine Viertelstunde noch Mitternacht erstattet Frau Böhm- Schuch (Soz.) Bericht über die Arbeit des Ausschusses zur Untersuchung der Vorgeschichte des Weltkrieges. Der Bericht ist 12.2Z Uhr zu Ende uad der Präsident Uindigt für 12.30 Uhr die neue Sitzung an. Die Freitagssitzung. In der neuen Sitzung wird zunächst das Vermahlung?- g e s e tz mit einer Verbesserung, für die auch die Sozialdemokraten stimmen, in der Schlußabstimmung gegen Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Vor der Schtußabstimmung über den Reichs Haushaltsplan gibt Mollath für die Wirtschastsportei die Erklärung ab, daß sie gegen diesen Defizitetat stimmen werde. Auf Antrag der Kommn- nisten ist die Zlbftimmung, die um%1 Uhr beginnt, namentlich. Der Etat wird mit 243 gegen 152 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Präsident Löbe schließt die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er daran erinnert, daß heute vor zehn Iahren der Vertrag von Versailles unterzeichnet wurde, dessen Artikel 231 als eine Behauptung der Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Welt- kriegs ausgelegt worden fei. Der dagegen vor zehn Iahren in Weimar erhobene Protest besteh« noch fort. Sluch im Ausland mehrten sich bei den ehemaligen Gegnern Stimmen einer gerechten Erkenntnis, die hoffentlich fortschreiten werde Schluß der Sitzung l Uhr morgens. Berantwortlick, Mr Politik:?!r. ckurt Skq«r; Wirtschaft:». Ztli»o«lhölcr; Ecwerkschaftsb-wcgung: fit. euhtn; fiemDeton: St. A. Döicher: Lokalcs und Sonstiges: Zri» ilarstadt; Änzeigcn: TH. Slock«; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Bruck: Vorwärts-Buchtruckerci und Verlagsonitalt Paul Singer u.? Dose Gemüse-Erbsen.. 0.50 Junge Erbsen.... 0.70 Junge Erbsen mineifcin 0.78 Leipziger Allerlei..0.88 Gemisch». Gemüse fein 1.50 Karotten fange, exirn Klein 1.00 Jgc. Breclibohnen I 0.95 Sellerie......... 1.10 Rote Rüben...... 0.38 '/l D05«? Senfgurken...... 0.87 Tomatenmark 0.22 Apfelmus Dose 3.60 0.75 Pflaumen ohn« siein. 0.85 Saure Kirschen... 0.85 Kalif. Fruchfsalat 1.85 Oelsardinen por,u7. ranz.Klubd. Dose Norw. Heringe>« s-n-f» 0.70 Hausmachersüfze wd 0.60 Rotwurst..... Pfand 0.85 Dampfwurst..Pfand 1.00 Landieberwurst Pfd- 1.20 Fleischwurst.. Pfand 1.20 Mettwurst 1.35 Jagdwurst.-.Pfand 1.45 Mortadella...Pfand 1.45 Filetwurst.... Pfand 1.60 Schinkenpolnische 1.60 Pökelfleisch zekodit.Pid.l.70 Landmettwurst Pfand 1.70 Feine Leberwurst Pfd. 1.80 Teewurst•...Pfand] 80 Schinkenspeck Pfand 2.05 Magerer Speck Pfd. 1.50 Küttigs traSft, RwanthslafStr, Sorltzplalz; Berlln.MettwurstPfd. 1.10 Bierwurst..... Pfund 1.60 Geflügel u, Wild Tauben fange. srack0.78«n> Gänse Junge.. Piund 1.35 o» SuppenhüfmerfmrfUom I Rehblätter..Pfand 1.35-n Xyildschweln-Blätter Pfand*** 1.10«» Käse ii. Fette Schleslscher Kümmelkäse............ Pfand 0.50 Limburger Allgaaer, hnlbfe«. Pfand 0.52 voIKett, Pfand 0.75 Holländer halbfett....... Pfand 0.72 volllclf, Pfund 0.95 Edamer hnlblell......... Pfand 0.72 vollfett. Pfand 0.95 Schweizer dHnlscher, drehiertelt, Pfand 0.78 hayr- vollfell,] 45 Pfund von Camembert sSÄ 0.23| Tilsiter volll!,�nd 0.88 u. 1.08 Blockkäse, ohne Rinde, balbletf Tilsiter Art... Pfand 0.75| Schweizer Art Pfand 1.15 Kokosfett i-Pfand-T«fci 0.62 Tafelbutter 1«- Pfand 1.82 Dänische Butter Pfd. 1.93 Kolonlaiwaren Olympia-Mehl 2��0.52 0.55 5-��.10 1.18 1.25 Eier- Schnittnudeln 0.36 Eier-Fadennudeln 0.38 Makkaroni 0.38 Weizengrieß.. Pfd. 0.21 Kaitoffetmehl.Pfand 0.22 Haferflocken.. t fand 0.23 Preis« für Flaschtt. FF@##Z ohne Gias Edelapfelweln wNd. xar Bowle... Poetko's Apfelsaft»»>>. alkoholfrei. Johannisbeerwein extrafein, fnichHg. '85 0.65 Pf. San Antonio lieblicher Thchrolweln.........| dp 1928 Qlciszefler Kirchberg kerniger Pfrircr. j BH 1928 Obermoseler Ti«fi- und Bowfenmosei...... 1.20 1928 Slefershelmer Sandberg blumiger ßheinhesse 1.40 1 926 Lte bfraumilch fhlaue Kapsel) lieb Ich, mild. 1 d> 1926 Caslillo Romero auo.dern Saulernes ahnlldi j I GO 3 sehr empfehlenswerte 1926 er Gewächse: 1926 Oppenheimer Saar»ehr huchtig, saftig.... 2.00 1926 Graves Langoiran»UOer, we.Oer Co;deaux... 2.25 1926 Riesporter Goldtröpfchen voiibiumiger Mosel 2.40 Wein vom Faß xa Extrapreisen Nr. 29?» 46. Jahrgang Freitag- 2S. Zum itS�S Vom S t'e t t i n« r Fernbahnhof fahren wir mit der Nordbahn bis Fürstenberg(Sonntagskarte 3. Klaffe 4,— TO.)- Wir haben die Mark Brandenburg verlassen und befinden uns in Mecklenburg-Strelitz, dem Lande des Ochsenkopfs. Bald hinter Mt- Lüdersdorf wird die Landesgrenze überlchritten. Dannenwalde ist die erste Station auf mecklenburgischem Boden. Kurz vorher oerläuft die Grenze mitten durch den. Kleinen Wentowsee westlich und den Großen Wentowfee östtich der Bahn. Fürstenberg ist ein freundliches sauberes Städtchen, ein« ehemalig« Residenz „Dörchläuchtings', im südlichsten Zipfel seines Reichs Mecklenburg- Strelitz. Das einstige Residenzschloß ist jetzt Eigentum der Stadt und beherbergt ein Sanatorium, wozu es mit seinem schönen Park auch wie geschaffen ist. Die Umgebung Fürstenbergs ist schön. Meilenweit« Laub- und Nadelwälder sowie drei große Seen, Schwedtsee, Baalense« und Röblinsee schaffen Landschastsbilder von außerordentlicher Abwechslung und Mannigfaltigkeit. Di« Seen meiden von der Havel durchflössen, die in der mecklenburgischen Seenplatte ihren Ursprung hat. Die Wasserverbindungen reichen bis zum Mllritzsee, Mecklenburgs größtem Landsee, der somit eben- falls zum Quellgebiet der Hovel gehört. Der Müritzsee steht aber S's* Am 3thin bei ZectiHner fflüUe. WtUkat auch durch die Elde mit der Elbe in Verbindung, so daß sein« Wasser diesen Strom aus zwei verschiedenen Wegen erreichen, durch die Havel und durch die Elde. Von 1568 bis 1582 wurde eine Schiffahrtsstraße von der Elbe durch die Elde, die Stör und den Schweriner See nach der Ostsee bei Wismar angelegt. Dadurch bekam auch die Havel durch Mecklenburg Verbindung mit der Ostsee. Die Benutzung dieses neuen Wasserweges wurde jedoch nie sehr bedeutend. Das ganze Werk soll 3 Tonnen Goldes gekostet haben, war aber zu den Zeiten des Zlijährigen Krieges teilweise schon wieder versallen. Erst in unseren Tagen wurde der alte Plan einer Binnenwasserstraße von der Nordsee zur Ostsee durch den Bau des Nordostsee-Kanals verwirklicht. Von Fürstenberg treten wir die Reis« auf dem Wasserwege an. Sind wir nicht glücklicher Besitzer eines Bootes, so besteigen wir den Dampfer, der an der Schleuse liegt. Eine kurze Strecke auf der Havel, unter der Eisen- bahnbrücke hindurch, und wir sind aus dem Röblinsee, der sich kilometerweit nach Westen erstreckt. Bewaldete Ufer säumen ihn ein: auf dem hochgelegenen Südufer ist die Villenstadt von Fürstenberg entstanden. Wenn ein steifer frischer Nordwest weht, dann wird die Fahrt beinahe ungemütlich. Starke Wellen kräuseln die Wasier- fläche, und gischtend sprüht der Schaum am Bug des Schiffes empor. Steinhavel. An der Nordwestecke mündet die Stein Havel, und hier verlassen wir den Röblinsee. Ruhig gleitet das Schiff durch die stillen Fluten. Der Wald tritt zu beiden Seiten dicht an den Fluß, das grüne Blätterdach überwölbt den Wosierspiegel, so daß wir wie in einem Dom dahingleiten. Bei der Steinhavclmühle wird das Schiff durch ein« Schleuse um mehrere Meter emporgehoben. Di« mecklenburgischen Wasseriäus« sind reich an Schleusen, wie jeder Wasserwanderer, der di«se Gebiet« befahren hat, schon zu seinem V«rdruß bemerkt haben wird. Darm geht es weiter durch die St«in- Havel. Da» linke bewaldete Ufer steigt steil an. mir ein schmal«? Landstreifen bleibt neben dem Fluß, aus dem der Treidelweg an- gelegt ist. Er bietet auch dem Fußwanderer einen prächtigen Wanderweg. Di« Höhen auf dem rechten Ufer sind unbewaldet: hier erstrecken sich weite Ack«rseld«r. Bald hinter der kleinen Sied- tung Steinförd« kommen wir zum Menow-Se«, von dem wir nur den Ostzipfel berühren. Aus schmaler Wasserstraße geht es sogleich gen Nord zum Ziernsee, der ebenfalls zum größten Teil, besonders im Westen, von Wald umgeben ist. Unter der Fleether Brück« hindurch zieht das Schiff sein« Bahn in den sich an den Ziern s«e anschließenden Ellbogens«. Wie der Name schon v«r- muten läßt, ist dieser S« lang, schmal und äußerst gewunden. Das südliche Ufer ist in seinem größten Teil bewaldet, das nördliche da- gegen waldfrei. Der Blick schwerst hier üb«r die Hüg«l des mecklen- burgffchen Landes. Am nördlichsten Punkt des Ellbogensees liegt das Dorf Priepert. Hier wendet sich der See nach Südwest. Wir haben bald sein Ende erreicht. Die Wasserstraße wird wieder schmal und bald sind wir in Strafen. Hier geht es wieder durch eine Schleuse um einig« Meter höher. Strafen liegt schön eingebettet im Grün alter Bäume, so daß vom Dorf wenig zu sehen ist. Erst wenn wir im Großen Pälitzsee sind, bietet sich ein schöner Rückblick auf des Dorfbild mit seiner Kirch«. Bald geht es in den Kleinen Pälitzsee, der wieder von Wald eingerahmt ist. Vor uns taucht Klein- Zerlang auf, das erste Dorf auf brandenburgischem Gebiet. Am Westende des Sees geht es unter der Pälitzbrücke hindurch, wir haben die märkische Grenze wieder überschritten und sind in der 9ack Xondon: (Berechtigt« üeberseizung pon Erwin Magnus). Sie war plötzlich totenblaß geworden. Ihre Hand, die die seine ergriffen hatte, um ihn fortzuhalten, und sie immer noch umschloß, bebte. Seine Finger lösten sich, und sein Arm sank schlaff herab. Sie wollte etwas sagen, irgend etwas tun, um dieser drückenden Situation«in Ende zu machen, aber nicht ein einziger verständiger Gedanke tauchte in ihrem Kopf auf. Sie fühlte nur einen fast unwiderstehlichen Lachreiz. Dieser Reiz war halb hysterisch, halb eine Folge ihres spon- tanen Humors, und wich von Sekunde zu Sekunde. Sie kam sich vor wie ein Mensch, der entsetzliche Angst vor dem Ueber- fall eines blutdürstigen Räubers ausgestanden hat und nun merkt, daß er es mit einem ganz unschuldigen Spaziergänger zu tun hatte, der nur nach der Zeit fragen wollte. Daylight hatte sich zuerst gefaßt..... „Ach, ich weiß gut, daß ich ein rechter Narr bm, sagte er.„Ich— ich glaube, ich will mich setzen. Haben Sie keine Angst, Fräulein Mason. Ich bin gar nicht so gefährlich." „Ich bin nicht bange," antwortete sie lächelnd, indem sie sich auf einen Stuhl fallen ließ, neben dem«in Nähkorb stand, der, wie Daylight bemerkte, etwas Feines aus Mull und Spitzen enthielt. Dann lächelte sie wieder.„Obwohl ich ge» stehen muß, daß Sie mich im ersten Augenblick wirklich er- schreckt haben." „Es ist wirklich komisch,' sagte Daylight bedauernd,„hier sitze ich, der ich gewohnt bin, bei Menschen und Tieren und allem in der Welt meinen Willen durchzusetzen, auf. diesem Stuhl, schwach und hilflos wie ein Lamm. Sie können wahr- haftig mit einem machen, was Sie wollen." Dede zerbrach sich vergebens den Kopf, um eine Antwort auf diese Bemerkung zu finden. Statt dessen weilten ihre Gedanken ununterbrochen bei der Frage, was es bedeuten mochte, daß er mitten in einem heftigen Antrag abschweifte und Bemerkungen machte, die gar nicht hierher gehörten. Was ihr besonders auffiel, war die Sicherheit des Mannes. So wenig zweifelte er also daran, daß sie ihm einmal gehören würde, daß er Zeit hatte, ganz allgemeine Bemerkungen über die Liebe und ihre Wirkungen einzuflechten. Sie bemerkte, daß er unbewußt die Hand in die Seiten- tasche steckte, wo er, wie sie wußte, seinen Tabak und sein braunes Zigarettenpapier hatte. „Sie können gern rauchen, wenn Sie wollen," sagte sie. Er zog die Hand so hastig zurück, als hätte ihn etwas in der Tasche gestochen. „Nein, ich dachte nicht an Rauchen. Ich dachte an Sie Was kann ein Mann, der eine Frau haben will, anderes tun als sie fragen, ob sie ihn heiraten will? Das ist alles, was ich tue. Korrekt kann ich es nicht machen; das weiß ich. Aber ich kann es mit reinen Worten sagen, und das genügt mir. Ich habe Sie wirklich schrecklich nötig, Fräulein Mason. Ich denke immer an Sie. Und was ich wissen will, ist— na ja, ob Sie mich nehmen wollen? Das ist alles." „Ich ich wollte, Sie hätten mich nicht gefragt," sagte sie weich. „Vielleicht ist es am besten, wenn Sie erst einiges er- fahren, ehe Sie mir eine Antwort geben," fuhr er fort, in- dem er die Tatsache, daß die Antwort eigentlich schon gegeben war, ignorierte.„Ich habe mich noch nie in meinem Leben mit einer Frau abgegeben, trotz allem, was man ln dieser Beziehung von mir erzählt. Was Sie in Zeitungen und Büchern gelesen haben, ist Unsinn. Es ist nicht ein Tüttelchen Wahres daran. Karten gespielt und getrunken, das habe ich tüchtig, aber ein Frauenjäger bin ich nie gewesen. Ein« Frau hat sich meinetwegen das Leben genommen, aber ich wußte nicht, daß sie mich haben wollte, sonst hätte ich sie wahrhaftig gern geheiratet, nicht aus Liebe, ich habe ihr nie den Hof gemacht, sondern nur, um sie am Selbstmord zu hindern. Ich erzähle Ihnen das alles nur, weil Sie es ge- lesen haben, und weil ich will, daß Sie aus meinem Munde die reine Wahrheit erfahren. Frauenjäger"— er schnaufte verächtlich.„Fräulein Mason, ich kann Ihnen sagen: ich habe die Weiber mein Leben lang gefürchtet. Sie sind die erste, vor der ich nicht bange bin. Vielleicht deshalb, weil sie nicht wie die anderen sind, die ich gekannt habe. Frauenjäger! So- lange ich denken kann, bin ich vor Damen ausgerissen, und ich glaube, nur meine gute Lunge hat mich gerettet und der Umstand, daß ich nie gefallen bin, nie ein Bein gebrochen habe oder so etwas. Bis ich Sie traf, habe ich nie daran ge- Ostprignitz. Hiermit haben wir die Rheinsberge« Wasserstraße, also das Gebiet des Rhins, erreicht. Durch die Schleus« von Klein-Zerlang wird unser Schiff gesenkt: es ist die dritte und letzte Schleuse auf unserer Fahrt. Durch Felder zieht sich der Kanal zum Großen Prebelowfee, der mit zu den Quellseen des Rhins gehört. Dieser märkische Fluß hat seinen Namen wahrscheinlich von seinem großen deutschen Bruder, dem Rhein. Di« ersten Ansiedler, die bei der deutschen Rückwanderung im 12. Jahrhundert hierherzogen, sollen von der Gegend des Nieders rheins gekommen fein. Durch den Tietzowsee und einen kanaüs sierten Verbindungsfluß fahren wir südlich in den Schlabora» s e e. Prächtiger Wold begleitet uns, wir spüren hier die Schön- hetten der Rheinsberger Gegend, die durch Laubwälder und Seen» reichtum ausgezeichnet ist. Aus dem Ostufer liegt Zechliner Hütte, ein beliebtes Wanderziel. Wir sind jetzt im Lande R u p p i n. Vom Schlabornsee führt wieder ein kanalisierter Veo> bindungssluß zum Rheinsberger See, an den sich der Grienericks« anschließt. Auf diesem Teil der Fahrt offenbart sich uns die Land» schaff noch einmal in ihrer größten Schönheit. Prächtiger noch als von den Landwegen zeigen sich uns die Landschaftsbilder von dal Wasserwegen. Vor uns taucht wieder R h e i n s b e r g, das Ziel unserer Fahrig mit seinem bekannten Schloß auf, und bald liegen wir am Kai fest. Die Wasserfahrt von Fürstenberg nach Rheinsberg führt uns duvchj «inen der schönsten Teile der nördlichen Mark und des aufchließat» den Mecklenburg. Die Strecke ist ungefähr 40 Kilometer lang und kostet mit dem Dampfer 2,— TO. Der Dampfer hat in Fürstenbery Anschluß an den Morgenzug von Berlin(ab 5,30 Uhr), Unsere Fahrkarte nach Fürstenberg gilt zur Rückfahrt auch von Ztheinsberg gegen 0,60 TO. NachzMung. Linzer Ausstellung 1929. An«rner der schönsten Stellen an der Dona« liegt Liirtk die oberösterreichische Landeshauptstadt. Wenn im Herbst« bi«hev das Linzer Volksfest alljähriZch stattfand, waren Tausende von Reichs» deutsche« in Linz, und es wurde nie so stark die Zusammengehörig» keit der Deutschen diesseits und jenseits der Grenze empfunden wie in diesen Tagen in der altem Stadt Linz. Von diesem Jahre ah wird das Linzer Volksfest eine Umgestaltung aus wirtschaftlichen Gründen erfahren. An Stell« de» Volksfestes werden Au»»» steltrrnge« veranstattet, mit denen ein Volksfest verbunden«st. In diesem Jahre wird unter dem Nomen„Linger Ausstellung 1929 — Wohnung und Siedlung in Stadt und Land" vom 17. August bis 15. September eine große Wohnungs- und Siedlrmgsausftellung oeranstaltet. Die Ausstellung soll gleichzeitig der Ausdruck gemein» samer kultureller Bestrebungen des deutschen und des deutschöstev» reichischen Volkes fem. Die Ausstellung sieht vor: Erste Gruppej dacht, mich zu verheiraten, und auch da noch lange nicht gleich. Sie haben mir vom ersten Tage an gefallen, aber ich hätte nie gedacht, daß es schief gehen würde. Ich kann! nicht einmal nachts schlafen, weil ich an Sie denke und mich nah Ihnen sehne." Er hiett inne und wartete. Sie hatte den Mull und dw Spitzen aus dem Korb genommen, vielleicht um ihre Nerve« ein wenig zu beruhigen, und nähte nun daran. Da sie ih« nicht ansah, verschlang er sie förmlich mit den Blicken. Er bemerkte die sicheren flinken Hände— Hände, die ein Pferd' wie Bob tummelten, fast so schnell Maschine schrieben, wie ei« Mann sprach, zierliche Kleidungsstücke nähten und zweifellos auf dem Flügel in der Ecke spielen konnten. Noch eine auhev» ordentliche weibliche Einzelheit bemerkte er— ihre Haus-, schuhe. Es waren sehr kleine Bronzeschuhe. Er hätte nie ge« dacht, daß ihre Füße so klein waren. Visher hatte er sie stets nur in Straßenschuhen oder Reitstiefeln gesehen, und die hatten ihm keinen rechten Begriff gegeben. Di« Bronzeschuhe bezauberte« chn. und sein Blick kehrte immer wieder zu ihne« zurück. Es wurde an die Tür geklopft und sie ging hin. DayligU konnte nicht umhin, daß Gespräch mit anzuhören. Es war jemand am Telephon, der sie sprechen wollte.„Sagen Sie ihm. daß er in zehn Minuten wieder anrufen möchte," hörte er sie sagen, und das klein«„er" gab ihm einen Stich vo« Eifersucht. Schön, sagte er bei sich, wer es auch immer sei, so wolle er, Burning Daylight, schon noch mit ihm fertig werden. Merkwürdig, daß ein Mädchen wie Dede nicht längst oerheiratet war. Sie kam zurück, lächelte und nahm ihr Nähzeug wied«; auf. „Die zehn Minuten sind bald vorbei," sagte er eta» dringlich. „Ich kann Sie nicht heiraten," sagte sie. „Sie lieben mich nicht?" Sie schüttelte den Kopf. i „Können Sie mich nicht leiden— nur ein ganz kleSt wenig?", Sie hob die Augen von der Arbeit und sah ihn cm* während sie antwortete: „Ich habe Sie sehr gern, aber—" Er wartete einen Augenblick, daß sie fortfuhr, und d« sie schwieg, tat er es selbst.(Forts, folgt.) j Das Stadtwohnhaus, das Etagenwohnhaus, das Einfamilienhaus, Rethen- und Siedlerhaue, das Landwohnhaus, das Ardeiterkleinhaus auf dem Lande.— Zweite Gruppe: Städtische Wohnbauren, Woh- mmgen für zwei, drei, vier, fünf, sechs und sieden Personen. Woh- nungen mit Kinderzimmer, Zweibettwohnunigen i»n Einküchenhaus, Berufswohnungen, Wochenendwohnungen, Landhauswohnungen, 21t. beiterwahnungen.— Dritte Gruppe: Der Hauseat, u. a. Küchenbetrieb, Verwerfung von Stoffen in der Wohnung, Verwendung von Elektrizität, Gas, Wasser: Hygienische Hausoorrichtungen Raumkunst: Ausstellung von Einrichwngsgegenftänden aller Art, die als Serienfabrikate hergestellt worden sind.— Vierte Gruppe: Kulturhistorische Darstellung der ländlichen Siedlung und des Dauern Hofes.— Fünft« Gruppe: Kunstausstellung. Zwei Bahnarbeiier iotgefahren. Verhängnisvoller Siurz von der Laderampe. Auf dem Verschiebebahnhof in Wustermark ereignete sich ein schwerer Anfall, bei dem der Giilerboden- orbeiter Erich Möller aus Finkenkrug den Tod fand. Möller war auf der Umladerampe beschäftigt. Als«ine Rangierabteilung herannahte, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und stürzte zwischen zwei Gür«r wagen. Die Räder gingen so unglücklich über den Arbeiter hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein anderer Unfall mit tödlichen Folgen trug sich kürzlich auf der Vorort st reck« nach Wusterhausen zu. Dort wurde der Wjährige Streckenarbeiter Bruno D o m k e aus Groß- B e ft e n hinter Grünau an der Blockbude 8 beim Derlasien der Arbeitsstelle vckn einem vorüberfahrenden Vorortzug erfaßt. D. war sofort tot. Die Leiche wurde nach der Grünauer Hall« gebracht. * Gestern nachmittag ereignete sich auf dem Tegeler See, in unmittelbarer Nähe des Restaurant» Seepavillon,«in schweres Bootsunglück. Ein vor dem Seepovillon weit in den See hinausführender B o o t s st e g, der einige Schäden aufwies, sollte ausgebessert werden. Am Ende des Stegs waren zwei Arbeiter damit beschäftigt, von einem Boot aus Versteifungen anzubringen. Aus noch nicht einwandfrei geklärter Ursache, vermut- lich aber infolge Wellenschlages eines vorüberfahrenden Dampfers, stürzte das Boot um und die beiden Arbeiter stürzten ins Wasser. Der Unfall war sogleich bemerkt worden und es wurden sofort Rettungsversuch« unter- nommen. Während es gelang, den einen der Verunglück- t e n nach kurzer Zeit zu retten, war von dem zweiten Arbeiter, dem 22jährigen Bernhard Schulze aus der Schöneberger Str. 62 in Tegel, zunächst keine Spur zu entdecken. Später wurde feine Leiche geborgen und in die Tegeler Halle übergeführt. Arilstenelend. Nicht genug, daß die Berufsnot der Artisten infolge der ständig abnehmenden Zahl der VarietSs immer größeren Umfang gewinnt, auch die wenigen vorhandenen ArbeilspiStze sind deutschen Artisten kaum mehr zugänglich. Wenn man heute di« Pro- gramme betrachtet, dann wird man feststellen können, daß von zehn Nummern ungefähr acht Ausländer find. Der schon sprichwörtlich gewordene Ausländerfimmel bevorzugte immer, was den Stempel de« Sluslandes trug. Zu diesem Punkte übrigens«in wirklich bezeichncndes Beispiel: Ein deutscher Artist von Qualität bemüht« sich vergeblich, in ersten Theatern Engagement zu finden und mußte, um nicht brach zu liegen, kleine und kleinste Plätze absolvieren. Durch Zufall erhielt«r ein Engagement nach England und mochte von dort aus hiesigen Direktoren fein« Ojserte. Und sieh« da. die Pforten jener Häuser, die ihm bislang verschlossen waren, öffneten sich ihm, der„englischen Nummer", ohne weiteres! Die Gefahr der Ueberfremdung des artistischen Berufes durch Ausländer liegt vor allem darin, daß aus- ländische Artisten, di« in Deutschland ein Engagement erhalten, nicht etwa wieder abreisen, sondern versuchen, wo immer es möglich ist, weiteren Anschluß zu finden. Sie geben sich, wenn e« nicht ander« geht, auch mit kleineren und kleinsten Bühnen zufrieden und werden von den Direktoren fast immer inländischen Nummern vorgezogen. Gerade diese kleineren Arbeitsstätten, insbesondere die Kino- Barietös, sind«e aber, die der großen Allgemeinheit der Artisten Verdienstmöglichkeit bieten. Im Juni 1924 beantragte das bayerische Stoatsministerium, daß bei Erteilung der Einreise, bzw. Aufenthaltsgenehmigung, auch für kürzer« Dauer, geprüft werden müsse, ob der inländische Arbeits- markt einer Vermehrung von Arbeitnehmern bedürfe oder nicht. Auch ein Erlaß des preußischen Innenministers ordnete an. daß Slufenthaltsgenehmigungen an Ausländer nur nach vorherigem Gut- achten des Landesarbeitsamtes erteilt werden sollten. Wenn es auch nicht angängig ist, daß zugunsten einer kleinen Gruppe von Menschen die jetzt geltenden Bestimmungen eine Aenderung erfahren, so ist es vom rein menschlichen Standpunkt immerhin verständlich, daß die Artisten mit allen Mitteln danach trachten, sich ihre Arbeitsstätten zu erhalten. Eine gerechte Arbeltsverteilung zwischen in- und ausländischen Artisten Ist es, was die in ihrer Lebens- erhaltung bedrängte deutsche Artistenschaft erstrebt. Und sie appelliert nicht zuletzt an das deutsche Publikum, sie in diesem Kampf um eine gerechte Sache zu unterstützen. Auch der Artistenberuf, der in sozialer Beziehung gegenüber allen anderen Berufskategorlen so sehr im Hintertreffen ist, der keine Mindestgagen, keine Krankheits-, keine Altersversorgung kennt, bedarf des öffentlichen Schutzes Die Slrbeitslofenziffer beträgt heute 6S Prozent. Diese Ziffer sagt vielleicht mehr als alle erläuternden Worte. Bonzo, der Sieger. Der deutsche Schäferhund ist der Lieblingshund des deutschen Volkes und namentlich der Berliner geworden. Der Ruhm dieses Hundes hat sich über den Erdball verbreitet, und in der Hauptsache kommt Nordamerika für die Abnahme der deutschen Schäferhunde in Betracht. Läuft doch kein Schiff aus deutschem Hafen aus, mit dem nicht ein paar vielversprechende Vierbeiner die Reise in ihr neue« Heimatland antreten. Der deutsche Schäferhund hat sich in den verschiedensten Verwendungsmöglichkeiten bewährt. Da gist es nun vor allen Dingen, das Erreichte zu festigen und aus- zubauen und den Ruf zu erhalten. Das allein aber vermögen nicht die gut auserprobtcn Dressurverfahren, ihnen muß, ganz bewußt, die Zucht zu Hilfe kommen. Daher möchte man die Hundeholter dahin bringen, daß nur noch Hunde, di« auf den Ausstellungen das Prädikat„vorzüglich",„sehr gut" oder„gut" erhalten haben, zur Zucht Verwendung finden. Man möchte so scharf vorgehen, daß ein Hund mit„befriedigend" schon»us scheidet. Deshalb sind die Schäferhundausstellungen als Prüfungsorte von aller- größter Bedeutung. Wie ihre Bedeutung überall anerkannt wird, geht daraus hervor, daß bei der Landesgruppen-Siegerschau, di« im „Cr hatte die Gnade nicht." Die Sachverständigen im Kriedländer-Prozeß. Nicht weniger ergreifend im Prozeß gegen Monas s«Fried- l ä n t> e r als die lauten Tränen von Bater und Mutter war di« stille Trauer des Vaters F ö l d e s'. Ihn trifft keine Schuld an dem Tod seines Sohnes, keine Derantwortung für das unglückliche Berhältnis der drei jungen Leute untereinander. Gar keine? Diel- leicht doch ein« ganz gering«. Denn seinen Rat hotte Manasse im entscheidenden Wendepunkt seines Lebens nach Beendigung der Schul« ein: er war also der einzige Erwachsene, dem der jung« Mensch sich noch anvertraute. Der Schriftsteller und Rechtsanwatt Földes durchschaut« beinahe den Itzjährigen Manasse, aber er sah nicht klar in diesem Dreieck. Eine gewisse Ahnung von drohendem Unheil beschlich ihn wohl. Manasie war ihm unsym- p achisch, und so ließ er ihn links liegen. Sympathisch— unsym- pathischl Sanitätsrat Dr. L e p p m a n n gab den Schlüssel zu diesem äußeren Verhalten des jungen Menschen, das in gar keinem Einklang mit seinem Inneren stand. Ueberempsindlich, verkapselte «r sein Gefühlsleben der Außenwelt gegenüber, schien kühl und ruhig. Es genügte aber, daß der erfahrene Seelenarzt menschliche Töne anschlug, um den jungen Menschen onier Schluchzen sein herz ausschütten zu lassen. Da fand er Wort« für sein trauriges Seelenleben, für fem« Unfähigkeit, die Mutter feine Liebe fühlen zu lassen und sich mit dem Dater auszusprechen für sein« Einsamkeit in der Welt. Dr. Leppmann legte auch die Quellen dieser Abgesondertheit von allem bloß. Sie führen zu den ersten Kindheitserlebnifsen— was versteht aber die Umgebung davon, sie ahnt kaum, daß hier die ent- scheidende Grundlag« für das ganz« ferner« Leben gegeben ist. Die Oberschulrötin Genossin Dr. Wegscheider ergänzt« das Gut- achten des Arztes. Di« Laienrichter folgten ihr unter atemloser Still« der Zuhörer. Nicht folgten st« dem Psychoanatyttker Dr. Alexander. Schade! Seine tiefen psychologischen Betrachtungen hätten es verdient, mitberücksichttgt zu werden: die Herren Psycho- analytiker werden sich aber daran gewöhnen müssen, allgemeinverständlicher zu sprechen. Ungemein versöhnlich war die Stimmung im Saale, als Dr. Leppmann auf die Frag« des Der- teidigers und des Staatsanwaltes sagte: Sine lange Gefängnisstrafe muß auf die geistige Entwicklung des jungen Menschen hemmend wirken. Di« Kunst des Richters besteht darin, das richtige Maß der Straf« zu finden. Es wird darauf antommen, ob sich em Mensch findet, der das Gut« m dem Angeklagten fördert und die Mäg- lichte! ten, di« in ihm liegen, zur Entwicklung bringt. Werni doch ähnliche« menschliches Wohlwollen auch Prot«- tarierjungen im Gerichtssaol stets zuteil würde! Die Gutachten der GachverstSndigen. Nach der Mittagspause begonnen di« Gutachten der S a ch- verständigen. Landgerichtsdirektor Ohnesorg« veranlaßt« die Familie Friedländer und den Dr. Földe». den Saal zu o e r l a s s e n, während di« Gerichtsärzte ihr« Beobachtungen an den Leichen der beiden getöteten Zungen Leute schilderten. Medi- zmalrat Dr. Dyrensurth bezeichriet« Waldemar Friedländer als einen jungen Menschen von ganz außergewöhnlicher athlett- scher Gestalt. Aus dem vbduktionstisch fiel sein muskulöser Körperbau, wie man ihn selten findet, aus. Di« Leiche wies zwei Schüsse auf, der eine war in die Brust eingedrungen und hatte die Lungen und den Herzbeutel durchschlagen. Sodann erstattet« der bekannt« Gerichtsarzt Dr. Friedrich Leppmann das psychattische Gutachten über den Angeklagten. Er hat Manasie Friedländer wiederholt untersucht. Die Untersuchung hat irgend- welche Merkmale einer Geisteskrankheit bei Manasse Friedländer nicht ergeben. Seelische Erbgüter in Gestalt von Geisteskrankheit in der Familie sind nicht zu verzeichnen. Di« Eltern waren früher reiche Leute. Er wurde verwöhnt und bekam Privat- lehrer, bei denen er aber nicht viel lernte. wie oft bei reichen Leuten, geschah alles für den Zungen, außer dem, was notwendig war. Für den Körper wurde alles getan, aber es wurde kein weg zur Seele gefunden. Eltern und Lehrer suchten diesen Weg nicht. Waldemar war ein kräftiges Kind. Er hatte nie Angst vor dem Bater, Manasie immer. De? Angeklagte blieb von Jugend auf für sich. Erster Staatsanwalt Jäger:„Wenn der Angeklagt« am Leben litt, so lag doch der Gedanke des Selb st mordes näher als die Tötung seines Bruders." Sanitätsrat Dr. Leppmann:„Diesen Weg gibt es auch, gewiß ist er aber zu feige dazu gewesen: sich das Leben zu nehmen, erfordert außer bei einer plötzlichen akuten Er- regung ein« gewisse Zeit der Vorbereitung." Als psychoanalytischer Sachverständiger erklärte Dr. A l« x a n- der vom Psychoanalytischen Institut, daß er sich der Darstellung von Sanitätsrat Leppmann im allgemeinen anschließe. Daraus erklärt« die Oberschulrätin Genossin Wegscheider, das wesentlichste Merkmal des Angeklagten sei sein angelernter Stil, in dem er spricht und schreibt: aber den Derdacht, daß er etwas zurückhält, könne man nicht ausrechterhaiten Seine Ausdruckslostgkeit, durch die ihm die Liebe der Eitern verschlossen blieb, sei ein Zeichen, daß er ein Mensch ohne Gnade sei. Daß der Junge so durchaus unsympathisch wirke, spräche nicht gegen ihn, sondern zeig« sein ungeheures Leiden. Er wäre rechthaberisch, weil ihm die Gnade versagt blieb. Sein Stteben nach einer Waffe sei ebenso wie das Streben nach Geld damit zu erklären, daß er ein« Erhöhung des Machtgefühls braucht«. Die Waffe war für ihn ein« Beruhigung. Das Schiehen auf zwei Menschen könne mir durch den gestörten Gleichgewichtssinn einer quälenden, verlängerten Pubertätsentwicklung zu erklären fein. Nachdem Medizi-nalrat Dr. Dyrensurth dem Gericht noch auseinandergesetzt hatte, daß es hier zu viele psychologische Möglichkesten gebe, als daß man sich auf«in Motiv festlegen dürfe, aber daß im medizinischen Sinn« keineswegs eine krankhafte Störung der Geistestättgkeit festzustellen sei, richtet« Rechtsanwalt Dr. Brandt an Sanitätsrat Dr. Leppmann folgende Frage: „Wie würde noch Ihren Erfahrungen eine Freiheitsstrafe auf di« seelische Entwicklung des Angeklagten wirken?" Sanitätsrat Leppmann:„Noch meiner Ueberzengung würde di« geistig« Entwicklung dieses Menschen durch eine übermäßig lange Freiheils- strafe stark gefährdet werden." Erster Staatsanwalt Jäger: „Glauben Sie, daß ein normaler humaner Strafvoll- zug läuternd auf den Angeklagten wirken würde, oder daß er sich weiter oerstocken wird?" Sanitätsrat Leppmann:„Es wird darauf ankommen, ob der Angeklagt« einen Menschen finden wird, der di« Möglichtesten, die noch bei ihm liegen, fördern und ausnützen kann oder nicht." Erster Staatsanwalt Jäger: Wäre es nach Ihrem Ermessen besser, wenn man bei dem Ange- klagten, wie es heute üblich ist, noch einer gewissen Zeit der Straf- verbüßung, bei der der Straszweck vielleicht schon erreicht scheint, die Strafe aussetzen würde?" Sanitätsrat Leppmann: „In diesem Fall« wäre diese Mechode wohl besonders ge- eignet." Nachdem der Beschluß verkündet worden war, daß dt» Eltern und die Schwester des Angeklagten nicht vereidigt wenden, wurde von allen Prozeßbeteiligten auf eine weiter« Beweisauf- nähme verzichtet. Freitag früh um 19 Uhr wird der Staatsanwalt sein Plädoyer begiimen. Das Urteil ist aen Nachmittag zu erwarten. Landes-Ausstellungspark veranstaltet wurde, sich S Schäferhund« einstellen. Das bedeutet für«ine Schau dieser Art eine Rekordziffer. Sieger blieb der Prachtkerl Bonzo v. Hetesfreud, der im Besitze des Herrn Willy Weber ist. Dieses Resultat wurde mit Genugtuung ausgenommen, weil Bonzo nicht für teueres Geld gekauft ist, sondern von seinem Besitzer selbst gezogen wurde. Merkwürdige Krediigeschäste. Zusammenbruch der berliner Äeamtenvereinigung. Die Berliner Beamtenverelnlgoog hat ihre Zahlungen eingestellt. Da» seil mehr ol» 50 Zahren bestehende und früher sehr angesehene Unternehmen war geschaffen worden, um der Beamtenschast MSglichkeil zur Der- wallung der Gehälter, zur Anlegung von Sparkonten und zur Hingabe von Darlehen zu geben. Nach den Statuten mußte jedes Mitglied der Vereinigung ein Sparkonto von mindestens 159 Mark unterhalten. Die Mitgliederzahl hat sich aber in den letzten Iahren auffallend ver- ringert, von 28 999 allmählich bis auf 15 999, und jetzt beim Zu- sammenbruch sollen nur noch 9—19 999 Mitglieder eingetragen sein. Die Ursache dieses stetigen Mitgliederrückganges dürfte nicht zuletzt in der Tatsache zu suchen sein, daß schon seit drei bis vier Iahren allerlei Gerüchte über das Geschäftsgebaren der Be- amtenvereinigung sowohl in Mitgliederkreisen wie in der Oeffent« lichkeit im Umlauf waren. Das plötzliche Ausscheiden des Direktors T z f ch o p l i k im Jahre 1925 führte zu Strafanzeigen der Be- amtenvereinigung gegen T., der aber in allen von der Staatsanwalt- schaft«ingeleiteten Berfahren nach erwiesener Unschuld sreige« sprachen wurde. Die nicht mit den eigentlichen Aufgaben des Unternehmens in Einklang stehenden Kreditgeschäfte des Vorstandes wurden in immer größerem Maße fortgesetzt. So wurden nicht weniger als 1,3 Millionen in die Norddeutschen Fahrradwerke gesteckt und eine halb« Million al« dritte und viert« Hypothek in ein Gut bei Dahmsdorf-Müncheberg, obgleich nach den gesetzlichen Bestimmungen die Spargelder mündelsicher angelegt werden muß- ten. Diese Millionenbeträg« gingen ebenso wie kleine Kredite fast restlos verloren. Wie verlautet, ist die vorgelegt« Bilanz vom Aufsichtsrat der BVV. genehmigt worden. Danach werden die Gläubiger auf einer Basis von etwa 69 bis 65 Prozent abgefunden. Weiter wird mitgeteilt, daß bisher von keinem der Geschädigten bei der Polizei ein« Anzeig« wegen bettügerischen Konkurse» eingelaufen ist. Der Ortsverein Friedrichshain des Reichsbanner» Schwacz-Rol- Gold veranstaltet am Sonntag, dem 39. Juni, im Etablissement „Schonert" am Rummeleburger See«in großes Sommerfest. Das Gartenlonzert wird von der verstärkten Reichsbannerkapclle„Fried- nchehain" ausgeführt. Die Festrede hat der Kamerad Franz Künstler übernommen. Neben dem„Berliner Ulktrio" ist für ausreichende Kurzweil, auch für die Kinder, oorgesorgt. Die Katastrophe von Preßburg. Oer Brand in der Gummifabrik. preßburg. 27. Znni. Der Brand in der Gummlwarensabrik Harnes n. Eo. war in der Mittagsstunde noch nicht gelöscht. Die Explosion entstand durch Benzoldömpse. die infolge eines Kurzschlusses zur Ent- zündung kamen. Die Uoglücksfiätte bietet einen forchtbarea Anblick. Dicke Eisenträger find völlig verbogen. Die Umgebung der Fabrik ist mit Trümmern aller Art übersät. Das Unglück brach so schnell herein, daß sich von den in der Fabrik beschäftigten Arbeite- rinnen nur wenige unverletzt retten tonnten. Acht Arbeiterinnen wurde aus der Stell« getötet und verbrannten. Bei einigen Leichen fehlen die Gliedmaßen: sie sind den Ver- unglllckten durch die Explosion abgerissen worden. Zahlreichen Arbeiterinnen gelang es, mit Brandwunden den Ausgang zu erreichen und ins Freie zu kommen. Unter einem umgeworfenen Dampfkesiel fand man die vertohlte Leiche einer Arbeiterin, die scheinbar unter dem Kessel Schutz vor dem Unglück suchen wollt«. Die durch das Unglück verursachte Erregung wurde dadurch er- höht, daß di« Telephonleitung zerstört war und Feuerwehr und Rettungsmannschaften erst durch Boten herbeigeholt werden muhten. Tragödie in einer Vankiersfamilie. Vier Mitglieder des Hauses illlmann in Erfurt durch Gas vergiftet. Die Inhaber de« Bankgeschäfts Arno Ullmcmn in E r s u r k. die Zwilliogsbrüder Arno und Benno llllmann, Frau Arno llllmann und die unverheiralete Schwester der beiden Brüder, wurden in der der Familie gehörenden Billa durch Leuchtgas vergiftet tot ausgesunden. Es scheint Selbstmord vorzuliegen. Boa geschäst'ichen Schwierigkeiten, die einen verzweifelten Entschluß voranlaß» haben könnten, ist nichts- bekannt. Eine Prüfung der Geschäftsbücher ist eingeleitet. Das Wrack der„Aumancia" gefunden? London, 27. Zoni. Der britischen Admiralität ist ein« Meldung zu- gegangen, daß ein Flugzeug de» englischen Flugzeugmutterschiffe, „Tagte" dos Wrack des spanischen Ozeanflugzeuges„Jt u m a n c i a" aufgefunden habe. Nähere Angaben über den Standort fehlen noch. Neue Botschaftsgebäude in Washington. Großbritannien, Oesterreich, die Tschechoslowakei, Frankreich, Aegypten und Japan haben in Washington neue Grundstücke erworben zur Errichtung moderner Kanzlei» und Wohnhäuser e Schule und Lugend. Gutachten, die Beachtung fordern. »Seit Iahreu ist mir die Frage ein Gegenstand ernster Sorge, ob die erzieherischen Maßnahmen und veskimmungeu an den höheren Schulen mit den Ergebnissen der Iugend- kunde, der Heilpädagogik, der Iugendgesehgebnng, der ärztlichen Wissenschast und den durch die Zugendbewegung selbst gegebenen Anregungen noch überall in Einklang sind." Dr. v ecker, Minister für Wissenschast. Kunst und Volksbildung.*) Dies« Sorg« des Ministers Dr. Becker, die wohl von allen Pädagogen geteilt wird, hat ihn veranlaßt, alle Strafakten über Sexualvergchen an höheren Schulen aus der Zeit von Oktober 1921 bis August 1S2S(552 Fäll«, davon betreffen 85 weiblich« Jugend- liche) den beiden Heroorragenden Iugendpsychologen W. H o s f- mann und W. Stern mit der Bitte um Erstattung von Gut- achten zu übermitteln. Es war zu erwarten, daß diese beiden Autoritäten auf dem Gebiet der Jugendkund« und der Jugend- erziehung die ihnen gestellte Aufgabe mit der ihnen eigenen Sach- lichkeit erfüllten. Minister Becker hat durch Herausgabe dieser Gut- achten in Buchform die wertvollen Arbeiten dieser beiden Jugend- Psychologen der breiten Oessentlichkeit zugänglich gemacht. B«ide Sachverständige kommen zu dem Urteil, daß die in Frage kommenden Schulen vorwiegend„der sexualpädagogifchen Aufgabe nicht gewachsen sind und daher keinen anderen Ausweg als die Disziplinarstrafe kennen". Die Ursache dieser bedau«rns- werten Tatsache wäre wiederum zu suchen in der Ausbildung des Lehrers und in der wissenschaftlichen Literatur; auch die medizinische Literatur entspreche ebenfalls im allgemeinen nicht den Ansprüchen des Pädagogen, da sie zu wenig die Eigenart des jugendlichen Lebens berücksichtige und die Problem« vom Standpunkt des Er- wachstnen, nicht von dem des Jugendlichen aus detrachte. So sieht Stern die Hauptaufgabe seines Gutachtens darin, zu zeigen, daß »schon durch die weitgehende Anwendung des Bcgrisfes„Vergehen" als einer isolierten Erscheinung dem wirklichen Tatbestand Gewalt angetan wird, daß es sich um etwas viel Allgemeineres handelt, teils um Ewig-Jugcndliches, teils um einen Kulturwandel in der Gcsamtjugend unserer Zeit, der— man mag wertend zu ihm stehen, wie man will— jedenfalls die Beachtung aller erzwingt, die es mit Erzielzung zu tun haben". Im allgemeinen beschränken sich die Schulen auf B e st r a- f u n g, in vielen Fällen auf Verweisung des„schuldigen" Zöglings von der Schule, ohne sich zu fragen, was denn au« diesen Menschen werden soll, und ohne zu bedenken, daß gerade ein Schüler, der gefehlt hat, in höherem Maße der Erziehung be- dürftig ist als die anderen. Diese Pflicht, zu erziehen, statt zu strafen, ist bekanntlich auch von der Justiz, soweit sie es mit Jugendlichen zu tun hat, übernommen worden. Das Disziplinar- verfahren gegen Schüler sei von der großen Resormbewegung, die in den leßten Jahrzehnten Jugendstrafrecht, Strafversahren und Strafvollzug so stark umgewandelt hat, recht wenig berührt worden. Und so stehe man vor der„Paradoxie", daß in der I u st i z der Erziehungsgedanke, in der Pädagogik ein schroffer Justizgedank« vorherrscht. Ein Jugendgericht sieht sich sogar genötigt, die Fassung des Slbgangszeugnisses eines Schülers zu beanstanden, weil es sich„mit dein Geist des Jugend- gerichtsgefestes wohl kaum in Einklang bringen lasse, da es diesem Gesetz weniger auf eine Bestrafung und auf«ine eventuell damit verknüpfte E x i st e n z v e r n i ch t u n g, als auf«ine Besse- rung gestrauchelter Jugendlicher im erzieherischen Geist ankommt". Es bezeichnet das von der Schule ausgestellte Abgangs- zeugnt» als ein„P r o s k r i p t i o n s m a l eines Gefalle- n e n"I Aus dieser isolierten, von der Refonnbcwegung der allge- meinen Jugenderziehung unberührten Stellung der Schule erkläre sich auch der Spannungszustand zwischen Schule und anderen in der Jugenderziehung und Jugendwohlsnhrt tätigen Instanzen. Nicht nur bestehe im allgemeinen kein Hand-in-Hand-Arlxiten mit diesen im Interesse der Jugenderziehung geschaffenen Einrichtungen, son- dern oft arbeitet die Schul« gegen die Entscheidung dieser In- stanzen, obwohl diese durchaus dem Geist der modernen Pädagogik entsprangen. Stern kommt zu dem praktischen Ergebnis, daß an Stelle der Bestrafung für Vergehen der Schüler die Beratung und Erziehung treten sollen, und. da die Lehrer im allgemeinen die jugendpsychoiogischcn Fähigkeiten nicht besäßen, sollte an jeder Schule mindestens«in„S ch u l p sy ch o l og e" sein, der sich der irregeleiteten und von ihren Trieben gepeinigten Jugendlichen an- nehmen müsse. Der der Not des Jugendlichen Rechnung tragende Zuspruch eines das Vertrauen der Schüler besitzenden Pädagogen müsse an die Stelle der Tribunal« der Lehrerkonserenzen treten. Und auch nicht„ethische Belehrung— weil das Sittliche noch für ihn das Selbstverständliche ist—, sondern praktische Anleitung dar- ") Aus dem Vorwort des Buches: Sittlichkeitsvergehen an höheren Schulen und ihr« disziplinare Behandlung. Gutachten aus Grund amtlichen Materials, erstattet von W. Hosfmnnn und W. Stern, herausgegeben vom Prcuhiscl)en Ministerium für Wissen- schaft, Kunst und Volksbildung. 1928. Verlag Quelle u. Meyer, Leipzig. � über, in welcher Weise die sittliche Forderung erfüllt werden kann", braucht der Jugendlickze.(Hoffmann.) Der Weg, der aus der Enge führt, ist eigentlich von der Jugend selbst gezeigt worden. Das sagt .zwar Stern nicht ausdrücklich, aber diese Erkenntnis drängt sich einem auf, wenn man seine sehr verständigen Darlegungen über den pädagogischen Wert der Jugendbeioegung und die Entwicklung der Lebensgewohnheiten der modernen Jugend liest. Wie jede große, entscheidende Bewegung sei auch diese Emanzipation der Jugend nicht mit einem eindeutigen Wertakzent zu versehen.„Aber eine große entscheidende Bewegung ist es wirklich!" Daher sei sie auch nicht mit Zuchtmitteln der Strenge oder Strafe wieder rückgängig zu machen. Di« Grenze der Jugendbewegung sei längst überschritten. Viele ihrer Ueberzeugungen und Ein- stellungen seien in viel weitere Kreise der Jugend— freilich oft verwässert und vergröbert— eingedrungen. Diesen Tatsachen einer historischen Entwicklung müsse auch die Pädagogik Rech- nung tragen. Die höhere Schule sollt« sogar das Zusammen- sein von Knaben und Mädchen mit in den Kreis ihrer erzieherischen Tätigkeit ausnehmen. Feste, Ausflüge, Aufführungen. Sport und Tanz, von mehreren Schulen veranstaltet, wären hierzu geeignet. Natürlich erfordert es viel pädagogisches Feingefühl, zu- gleich die suggestive Leitung in der Hand zu behalten, und doch dem jungen Menschen die nötig« Freiheit und das Bewußtsein des nicht schulmäßig Befohlenen zu gewähren.„Gelingt dies, dann ist die Entgiftung der Stimmung und der g ü n st i g« Ein- s l u ß auf die Schüler weit höher zu bewerten als die m ö g- lichen Gefahren, die in einzelnen Fällen daraus erwachsen könnten." Man darf wohl behaupten, daß glücklicherweise in der Lehrer- schaft Persönlichkeiten vorhanden sind, die bereits die Nutzamven- dung aus der Entwicklung der Jugendbewegung gezogen haben. Es sind ihrer aber noch her.zlich wenig«. Und die wenigen haben der großen Masse der in den veralteten Anstauungen befangenen Kollegen gegenüber einen schweren Stand. Gerade von diesem Ge- sichtepunkt aus ist die Schrift zu begrüßen. Sie wird jungen pädagogischen Kräften in ihrem Streben nach Slnerkennung wert- volle Dienst« leisten._ Max Peter«. Ermäßigung der Vergnügungssteuer. Einige Ausführungsbestimmungen. Zur Ermäßigung der vergallgungtsteuer hat die hauplsteuerverwaltung soeben die Richtlinien und die Aussührungsbestimmungea an die Bezirksämter weiter gegeben. Da bei einzelnen Lichtspieltheatern durch einen Besucherrückgang in der Sommerzeit eine Notlage«intreten kann, ist für die Zelt vom 1. Mai bis 15. September vom Amts wegen Stundung mit dem Ziele der späteren Niederschlagung der gestun- deten Beträge unter bestimmten Voraussetzungen zu gewähren: Ergibt die Gegenüberstellung der Besucherzahlen während der üb- lichen Abrechnungszeiten dieses Jahres mit den gleichen Zeiten des Vorjahres einen Rückgang von 10 bis 20 Proz., so ist ein Drittel, ergibt sie einen Rückgang von mehr als 20 Proz., so ist die Hälfte der für den jeweilig in Frage kommenden Abrechnungszeitraum fälligen Vergnügungssteuer zu stunden. Auch bei den S p r« ch b ü h n« n und Großvarietts kann durch einen Rückgang der Besucher in der Sommerzeit eine Notlage eintreten: es ist daher auch hier die gleiche Regelung durch- zuführen, wie sie bei den Lichtspieltheatern getroffen worden ist. Bei G a st st a t t« n mit Konzert oder Tanz soll die Raum- pauschsteuer grundsätzlich nicht erhoben werden. Die Ablösung der Raumpauschsteuer erfolgt wie bisher durch Besteuerung in Form der Perfonenpauschsteuer nach der Durchschnittsbcsucherzahl. verviel- fältigt mit der Mindeststeuer von 6 Pfennig bei Konzert, 15 Pfennig bei Tanz in Cafäs und Restaurants und 10 Pfennig bei Tanz in Saalbetrieben. Eine 2luslegung von Kontrollkarten an den einzelnen Tischen soll in ausdrücklich festgestellten Einvernehmen mit den in Frag« kommenden Verbänden auch weiterhin nicht erfolgen. Di« Besteuerung der sogenannten L u x u» g a st st ä t t e n ist ebenfalls Gegenstand eingehender Prüfungen der Depuation und des Magistrats gewesen. Aus Grund ihrer Beschlüsse hat bei den Lurusgaststätten zunächst eine Nachprüfung zu erfolgen, ob die bisher als Luxusbetriebe besteuerten Unternehmung«« diesen Cha- rakter noch besitzen und ferner, ob die für sie festgesetzten St«uer- kopsbeträge beibehalten werden können. Schwierigkeit«« zu überwinden haden. Vorbedingung ist die Ver- schickung gonzerKlaffen. Wenn auch die Stadt anerkenncns- werter Weife einen Derpflegungszufchuß von 1,— M. pro Tag und Kind zahlt, bleibt die Aufbringung der Restsumme für viele Eltern eine große Schwierigkeit. Dann darf nicht verkannt werden, daß die begleitenden Lehrperfonen außerordentliche Opfer bringen. Sie müssen sich vier bis sechs Wochen von ihrer Familie trennen, auf etwaigen Nebenverdienst für dies« Zeit verzichten. Sie erhalten Berliner Schullandheime. Di« Berliner Schullandheim«, über d,« hier kürzlich auf Grund eines Referats des Genossen Stadtschulrat N y d a h l berichtet wurde, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber es darf nicht verschwiegen werden, daß die Schulen bei der Organisation der Verschickung starke nicht, wie irrtümlich angegeben war, einen besonderen Zuschuß von 3,— M. täglich. Das geschieht nur für solche, die während der großen Ferien die Betreuung von Kindern aus verschiedenen Schulen übernehmen. Sonst erhalten die Lebrer lediglich freie Verpflegung und ein« geringe Entschädigung. Bei wetterer Entwicklung des Schullandheimgedankens wird es Aufgabe der Verwaltung fein, die hier gekennzeichneten Schwierigkeiten zu vermindern. Frauenireffen in Spandau. In Karlslust, auch einem der»malerischen Enden" von Berlin, gaben sich die F u n k t i o n ä r i n n e n aus allen zwanzig Kreisen ein Treffen. Mit roten Fahnen war der Garten des Lokals L o e b e l l festlich geschmückt. Genossinnen mit goldenen Partei- nadeln, und unsere Jungen, alle waren dem Ruf gefolgt. Die Spandauer Kreisleiterin, Genossin K n o t h e, dankte allen Anwesen- den für ihr Erscheinen und spcach den Wunsch aus, daß niemand die weite Reife zu bereuen habe. Die Spandauer wollten mit diesem Nachmittag den Beweis erbringen, daß man auch au» einem gemüt- lichen Beisammensein den Impuls zu neuer Arbeit gewinnen kann. Neue Arbeit erwartet die Frauen bei den bevorstehenden K o m- m u n a l w a h l e n. In der G e m e i n d e p o l i t i k hat die Frau eine Möglichkeit, wie auf keinem anderen Gebiet, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Genosse G u t h erzählte von der Entwicklung der Arbeiterbewegung in Spandau, die zuerst einen schwierigen Stand gehabt hat. Rein städtebaulich konnte man von der Straßenbahn aus schon beobachten, welchen Aufschwung die Entwicklung diese« 20. Bezirks von Groß-Berlin genommen hat. Die Spandauer Ge- nassen dürfen für sich ruhig den Ruhm in Anspruch nehmen, daß sie«inen ausschlaggebenden Einfluß auf diese Entwick- lung ausgeübt haben. Nach den Worten des Krcisleiters hörten alle Anwesenden die„Internationale" stehend an. Die Grüße und den Dank des Bezirksverbandes überbrachte die Genossin Käthe Kern. Sie sagte, daß sich der Bezirksverband beim Einberufen dieses Treffens von der Idee leiten ließ, daß die Funktionärinnen. die das ganze Jahr die Kleinarbeit machen, auch einmal bei einem geselligen Zusammensein in Ruhe ihr« Erfahrungen austauschen und sich näher kennenlernen sollen. Das eintretende Gewitter konnte die kampferprobten Funktionärinnen nicht sonderlich er- schrecken. Der Regen vertrieb sie zwar in den Saal, die Stimmung konnte aber nicht weggeschwemmt werden. Kurzweilige, geistvolle Vorführungen ließen die Zeit schnell verstreichen. Die Kinder fan- den ihr« Unterhaltung in Gemeinschoftsspielen. Zu den Klängen des Konzertquartetts R o m e i k e wurde getanzt. Zllle konnten be- friedigt den Heimweg antreten, für den man als Beförderungsmittel freilich am zweckdienlichsten Kähne benutzt hätte... » Vor den Mitgliedern des Kreise» Friedrichshain referierte am Dienstag abend in den Andreas-Feftfälen Genosse V u ch m a n n über den Magdeburger Parteitag. Die Kommunisten bekundeten für diese Versammlung ein besonders starkes Interesse. Sie versuchen, einige Leute in den Saal zu schmuggeln. Diese Versuche scheiterten aber. Die Störenfriede wurden von den Ordnern zurückgewiesen. Genosse Buchmann, der vom Kreis Fricdrichshain zum Parteitag delegiert war, gab einen eingehenden Bericht über die einzelnen Tagesordnungspunkte. Klar und prägnant erstand noch einmal vor den Mitgliedern ein Bild van dieser für die Partei so wichttgen Tagung. In den Einzelfragen gab Genosse Buchmann die Haltung der Berliner Delegierten wieder. In der W e h r f r a g e haben die Berliner sür Vertagung der Ab- stimmung über das vorgelegte Programm gestimmt. Genosse Buch- mann erklärte, auch für das sogenannte„Klassenkampf">Programm habe er nicht stimmen können, weil er gegen jede Rüstung sei. Außerordentlich interessant war der Bericht des Referenten über den Aufnrarsch der Magdeburger und der Jugend am Vorabend des Parteitages. An das Referat schloß sich eine Diskussion an, in der noch einmal zu den Einzelsragen Stellung genommen wurde. Falkcnberger Volksfest! Nachdem im vorigen Jahr« das Falkenbcrger Volksfest ausfiel, findet das diesjährige Bolksfeft am Sonntag, dem 30. Juni, statt. Die Genossen der Siedlung der Gartenstadt des Berliner Spar- und Bauvereins bereiten seit Monaten dieses Fest— Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes— vor. Wer jemals Zeug« dieses Festes gewesen ist, wird sich der frohen Stunden stets er- inner». In diesem Jahre aber soll ein kleiner Rückblick auf alles Mögliche und Unmögliche gegeben werden, so findet ein Stierkampf — Auftreten von 12 humoristischen Girls, die alt« Mode— Weider d«r Zopfzeit— gegenüb«r der heutigen Mode— Kürzer, immer Kürzer— bis nichts m«hr die lieblichen Püppchen deckt. Auch Amanullah wird sich im Festzua zeig««, der sich um 2 Uhr vom alten Gutshof in Bewegung setzt. Auf dem schönen Freigelände hinter der Siedlung wird sich dann das bunt« und fröhliche Treiben der „Funkbilder«ntwickeln. Für Kinderbelustigung ist gesorgt. Am Abend Fackeltanz. Freudenfeuer und vieles andere. Aus der Arbeit der Bezirks. Aechis und links Arm in Arm. i. Bezirk— Mitte. In der letzten Bezirksversammlung Mitte verursachte ein An- trag des Bezirtsaintes, für die Ausgestaltung der Verfassungsseier der Berliner Schulen im Lustgarten 4500 M. zur Verfügung zu stellen, eine längere Debatte. Der kommunistische Redner lehnte felbstverständlich ab. Ihm folgte der Bezirksverordnete B e e s e als Rednet der Deutschnaticmalen. Auch er lehnt« ab— teils aus lgrundsätzllichen Erwägungen, weil man den Kindern die Liebe zum Staate nich? aufzwingen könne, teils aus praktischen Erwägungen, weil man es nicht verantworten könne, die Schulkinder im Verkehrs- gewühl über die Straße zu führen, teils, weil die Feier im Freien stattfinde, sie müßte aus pädagogischen Gründen in der Aula jeder Schule abgehalten werden. Im vorigen Jahre waren zwar von dem Redner der Deutfchnationalen wesentlich mildere Töne zu hören. Da ober die Wahlen vor der Tür stehen, müssen doch den Wählern zu- liebe recht radikale Reden gehalten werden. Der Demokrat Dr. Landsberg und unser Genosse Brendel bürsteten Herrn Weese so kräftig und vornehm ab, daß die Deutschnationalen recht kleinlaut wurden. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Kommunisten angenommen.— Di« sozialdemokratische Fraktion hatte einen Dringlichkeitsantrag ein- gebracht, in dem das Bezirksamt ersucht wurde, unverzüglich Abhilfe schaffen bei den unhaltbaren Verkehrsverhältnissen am Stettiner Bahnhof. Der Antrag wurde nach längerer Aussprache, in der di« für die Neuregelung des Verkehrs bestehenden Möglichkeiten ein- gehend besprochen wurden, einstimmig angenommen. Die Bezirksversammlung fliegt auf. 5. Bezirk— Friedrichshain. Durch Zufallsmehrheit wurde in der letzten Bezirksoersammlung Friedrichshain die Nachweisung der einmaligen Anforde- rungen des Bezirks für das Jahr 1930 mit den Stimmen der Kom- muniften und der Deutschnationalen abgelehnt. Die Kommunisten, die nichts als verantwortungslose Demonstration beabsichtigten, waren über das Ergebnis verdutzt. Ihr Verlangen, durch eine zweite Lesung ihre Dummheit zu korrigieren, scheiterte an der Er- klärung des Vorsitzenden der Bezirksversammlung, Genossen K a y s e r. daß die Geschäftsordnung eine zweite Lesung für eine einmal abgelehnte Vorlage nicht zulasse. Die Angst vor einer Stäupung bei den Wahlen veranlaßte die KPD.-Fraktion nun, vor Eintritt in die Tagesordnung durch ihren Wortführer Leo O ft r o w s k y eine Erklärung abzugeben, in der sie behaupteten, daß der Vorsteher der Bezirksversammlung durch Ablehnung der beantragten zweiten Lesung geschäftsordnungswidrig gehandelt habe. Dieser Täuschungsversuch wird die KPD. vor einer Abrechnung im Wahlkampf nicht schützen. Blamiert sich die KPD., so läßt das ihre deutschnationalen Bundesbrüder nicht schlafen. Um di« Schulnot im Bezirk zu lindern, schlägt das Bezirksamt den Ankauf eines Grundstücks in der Airdreosstraß« vor. Gegen dies« von allen Seiten begrüßte Vorlage wandte sich der Redner der deutschnatio- nalen Fraktion. Genosse K l i n g l e r erteilte ihm ein« gründliche Abfuhr. Bei der Abstimmung brachte nur e i n deutschnationaler Bezirksverordneter, der„Arbeitersohn", Oberpoftinspcktor R o e st e l, hcn Mut auf, gegen die Vorlage zu stimmen. Zeigen die Deutsch- nationalen auch für eine Verbesserung der schlechten Schulverhält- rnsse des Bezirks kein Verständnis, so bringen sie um so mehr Liebe auf, d«r obdachlos gewordenen B e r o l i n a auf dem noch denk- malsfreien Baltenplatz ein Unterkommen zu schaffen. Gegen die Stimmen der Deutschnationalen verzichtete der Bezirk Friedrichshain auf die Berolina. Die Vorgänge am 1. Mai gaben den Kommunisten noch einmal Gelegenheit, di« abgedrehte Walz« zum Ablauf zu bringen. Die ziemlich zahlreich erschienenen Rotjung- srontleute wirkten mit. Trotzdem unsere Genossen die Anpöbe- lungen mit Ruhe anhörtm, konnte es nicht ausbleiben, daß das gemeinsame Spiel der kommunistischen Fraktion mit den Rotjung- front„kämpfern" zur vorzeitigen Aufhebung der Sitzung führte. Die nächste Sitzung wird sich nun wieder die Fortsetzung des Theaters gefallen lassen müssen, wenn sie sich nicht entschließt, solche kommunistischen Vorstellungen auf Kosten öffcnt- licher Mittel entschieden zu unterbinden. EheberaiungssielZe in Charwiienburg. ?. Bezirk— Charlottenburg. Die Bezirksversammlung kam endlich zu der lang hinausgescho- denen Entscheidung über die Vorlage betr. Einrichtung einer Geburtenberatungsstelle und einer Sexual- beratungsstelle. Zweimal war die Frage im Ausschuh ein- gehend behandelt worden. Wiederholt drohte sie zu scheitern, ver- geblich verfocht der Dezernent, Prof. Oettinger, seinen oppositio- nellen Standpunkt. Gegen eine Minderheit, die aus Kommunisten, dem katholischen und evangelischen Pfarrer, einigen Deutschnatio- nalen und Versprengten bestand, wurde die Vorlage, und zwar der entscheidende Kernsatz, in namentlicher Abstimmung mit 29: 27 Stimmen, im wesentlichen von Sozialdemokraten und Demokraten, angenommen. Die entscheidenden Gedanken der angenommenen Vorlage sind folgende: Die gemeinnützige Rechtsaus- k u n f t st e l l e wird für die Aufgaben der j u r i st i s ch e n und wirtschaftlichen Eheberatung ausgebaut. Die fexual-psycho- logische Beratung von Jugendlichen wird in die beim Jugendamt bestehende Jugendberatung in der Weise eingegliedert, daß diese zu einer ärztlichen Jugendberatungsstelle ausgebaut wird, bei der auch eine Aerztin hinzugezogen wird. Für die Beratung von Ehekandidaten auf ihre gesundheitliche Eignung für die Ehe(Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten) und für ihre e u g e- nische Beratung(Fragen der Vererbung), für die fexual-psycho- logische Aufklärung und Beratung von Eheleuten(Behebung von Unfruchtbarkeit, Empfängnisverhütung, Bekämpfung der Abtrei- bung), sowie für die entsprechende Betreuung von Unverheirateten wird eine Eheberatungsstelle eingerichtet.(Hiergegen stimmten Kommunisten und Pfarrer!!) Diese Stelle wird sich in Fällen fachärztlicher Behandlung der bestehenden Fürsorgeeinrich- tungen bedienen: sie wird als neues Hilfsorgan eine dem Kranken- haus Sophie-Charlstten-Straße anzugliedernde Frauenberu- t u n g s st e l l e schaffen.(Auch hier wird eine Aerztin angestellt.) Es ist zu hoffen, daß diese schwer«rkäknpfte Beratungsstelle, um die sich Genosse Jaffä besonders bemüht hat, eine wirksame Hilfe für die Charlottenburger Bevölkerung sein wird. Nachdem diese Frage erledigt war, bei der alle Fraktionen— mit Ausnahme der beiden Pfarrer— sachlich und kurz sprachen, wurde die Vorlage betr. einmalig« Ausgab en für 1930 behandelt. Die einzelnen Posten waren im Ausschuß gründlich erörtert worden und so passierte die Vorlage, die besonders auf den Straßenneubau und Neupflasterung eingeht, glatt die Versammlung. Hier stimmten sogar die Kommunisten zu, di« sich später wieder das Vergnügen machen werden, den Etat abzulehnen. Schließlich kam ein Protest gegen die Einrichtung einer Lackküche, Huttenstr. 41— 44, zur Verhandlung. Die Protestanträge der Sozialdemokraten und Kom- munisten wurden mit den Stimmen der Bürgerlichen abgelehnt! Ein matter Protest der Kommunisten gegen die gemeinsam« Ver- fassungsfeier der Schulen im Charlottenburger Bezirk wurde vom Stadtschulrat glatt abgefertigt. Sie blieben stumm und betroffen in hoffnungsloser Isolierung, diesmal nicht einmal von den Freunden auf der Rechten unterstützt. Bessert die Verkehrsverhältniffe! Tl. Dezirk- Lichtenberg. Nach schneller Erledigung einiger kleiner Dorlagen über Wahlen oon Schiedsmännern und Pflegern für Wohlfahrtstommissionen iommt der Hauptpunkt der Tagesordnung zur Beratung: Einmalige Vedarfsanforderung zum Haushalt 1930 im Betrage von 22 773 210 Mark. Davon entfallen u. a. aus Straßen und Brückendauten allem 10 906 500 M., 1 000 000 M. für den Neubau eines Verwaltungs- oebäudes, 8 800 000 M. für Schulzwecks, 100 000 M. sür Volksbildung und Kunst. Engler(Dnat.) will die Mittel für die Städtische Jugend- bühne gestrichen missen, ebensowenig gefällt ihm die Absicht, sur die Feuerwehrmannschajtcn einen Dachgarten zu schaffen. Gäbel(KPD.) bemängelt einen Posten von 15 000 M. sür die Renovierung des Hauptfitzungszimmers, auch die 350 000 M. für den Ausbau des Schlosses Biesdorf zu einem Pflegeheim für gesunde und kranke Kinder und einem Mlltterheim erscheinen ihm zu hoch. Bürger- Meister Genosse Dr. S i g g e l meist darauf hin, daß die Jugcndbühiie jetzt in einem Schulgebüude untergebracht ist und daß dadurch fünf Schulen ohne Aula sind. Der Schulhausneubau in der Schlichtallee werde in den nächsten Tagen begonnen. Genosse Schub ort stimmt für unsere Fraktion der Vorlage zu und hofft, daß die Streichungen erträglich ausfallen mögen. Nachdem noch die Stadt- räte Genosse Thurm, Genosse t i m m i n g und K o w a l k e (KPD.) zur Vorlage gesprochen haben beantragt Kraft(Mitte) Heber- Weisung an den Haushaltsausschuß, was aber abgelehnt wird. D'.e Vorlage des Bezirksamts wird angenommen. Zu einer� Petition über die Rauch- und Rußplage durch das Heizwerk in der Siegfried- straße wird beschlossen, das Bezirksamt zu ersuchen, die geplanten Kesselumbauten zu beschleunigen. Eine zweite Petition fordert die Aufftellung eines Fluchtlinienplanes für das Gebiet nördlich der Wühle. Hierzu wird mitgeteilt, daß ein derartiger Plan aufgestellt und bereits nach Berlin weitergegeben wurde. Die übliche große Verkehrsdebatte ruft ein Antrag Tetzner(Rechte) hervor, der Mißstände bei den Omnibuslinien 37 und 39 kritisiert und eine radiale Verbindung Biesdorf— Kaulsdorf— Mahlsdorf— Karlshorst— Lichtenberg fordert. Alle Redner sind der Ansicht, daß wohl kein Bezirk in Berkehrssragen so vernachlässigt wird, wie unser Osten und, vor allem Lichtenberg. Es wird das geringe Entgegenkommen des Verkehrsamtes bedauert und dringend Abhilfe gefordert. Zu produktiver Arbeit. Die Kundgebung des„O r t- V« r b a n d e s, in der Dr. L v o- v i t ch von dem letzten amerikanischen Unterstützungswerk«rzählte, gab erst wieder Kenntnis von der Anteilnahme, mit der di« Juden- heit der ganzen Welt den Jndustrialisierungsprozeß der deklassierten Juden Osteuropas zu beschleunigen sucht. Innerhalb eines halben Jahres wurden 1200000 Dollar gezeichnet. Mit diesem Geld wurden Maschin«» angeschafft, die zollfrei nach der UESR. «ingeführt werden. Diese Maschinen, di« in der Heimindustrie Ler- Wendung finden, dienen unter Umständen als Erwerbsquelle für eine ganze jüdische Familie. Diese Form von Unterstützung ist wohl die zweckmäßigste Art, die man sich vorstellen kann. Denn die Uebersührung der Bevölkerung in produktive Berufe ist nicht nur eine Angelegenheit des Judentums, sondern die ganze sozial- empfindende Welt nimmt daran Anteil.. ftckckMck mp Mw» üuälHte! Butter und Käse ABerf. dän. Butter....m. 1,88 AUerf. holländ. Butter,_ oh« Sah.................... Wl 1,88 HodifeineTafelbutter.PM. 1,45 Tilsiter K&se toih««....pm. 0,85 Vollsaft. finn.Schweiz..PM. 1,35 AUerf. eckt. Schweizer rn 1,90 limbarger roiifc«........ m 0,65 Camenmertsteuif..sdaachtd 0,58 Steinhcecker........... Pfd. 0)85 Wurstwcwen Bot- und Leberwurst..Pfd. 0,60 Landleberwurst....... p/ä. 0,88 ff. 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Um das Unglück voll zu machen, hat Braun keinen günstigen Tag, seine Improvisationsgabe scheiizt augenblick- lich auf Urlaub zu sein. Daraus singt Emmy von Stetten Lieder von Wolf, Beethoven, Händel und Haydn. Ihr Sopran, klein, aber klangvoll und gut gebildet trotz vorsichtiger Höhe, verfügt über Aus- drucksvermögen, er kann ein Bild einheitlich formen. Leider ge- lingt dies nicht Gertie O st im Nachmittagskonzert Sie singt, ob- gleich sie gutes Material hat, ausdruck-los/sie gelangt nicht zu einer künstlerischen Durchdringung des Liedes. Gut der Bariton Max K a p l i ck, dessen Stimme fast tenoralen Klang erhält. Es ist aber nicht notwendig, daß man einen Liederabend veranstaltet, wenn am Nachmittag bereits ähnliches geboten wurde. F. S. Magistrat gegen die den Kindern„drohende pädagogische und ge» sundheitliche Gefahr" tun will. Da die Anfrage geschäftsardnungs- mäßig behandelt wird, kommt sie erst nach den Stadtverordneten- ferieü zur Verhandlung, d. h. der Berfassirngstag ist inzwischen längst gefeiert!_ Eine Krone verschwindet. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, die Krone über dem Wappen am Bnistungs- geländer an der W e i d e n d a in m c r B r ü ck c sofort entfernen zu lassen.. Der„Vorwärts" Hot mehrfach auf dieses unnötige inonarchiftische Erinnerungsinal hingewiesen. Auch die R e p u b l i- konische Besch werde st elle hat nachdrücklich die Enlsernung, die ohne Kosten vorgenommen werden kann, verlangt. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donner siez, dem 27. Juni. 1. Rennen. 1. Puter(Ch. Mill?), 2. Heldin. 3. Hutschachtel Tolo: 1t: 10. Platz: 11, 12, 21: 10. Ferner licscn: stchrbcNin o. W.. Belletrist, Fad- renheit, Eudoxia, Copland, Tullia agd. Cara Bella. Nntalor, Pride the Great. 2. R e n n c in 1. Tarier(Cd. MillS), 2. Cindowlind, 3. Arnim. Toto: 13:10. Platz: 19.23,19:10. Ferner liefen: Michael, Lebemann, Lord Area, Charads o. W., Jsegrimm, Schnadahüpfl, Planet agh. 3. Rennen, t. Rondel(B. Heileitl, 2. Alarich, 3. Propeller. Toto: 31:10. Platz: 15, 20, 30:10. Ferner liefen: Kasimir, Schneepeler 2. disq., 80 Proz. Pl. zur.. Winleimärchcn, Ciniicht. 4. Rennen. 1. Semper idem(F. Mills), 2. Cordula. 3. Alabama. Toto: 16: 10. Platz: 13, 18; 10. Ferner Helen; Carol, Fechlmeister, Tr. Wagner. 5. Rennen. 1.LebenSlünstler(CH. MillS), 2. Königsadler. ,3. Morgentau. Toto: 16:10, Platz: 11, 12, 17:10. Ferner liefen: Fels, Champion Goud. Aga agh., Quitte B. C. Renne n, 1. Tilania(H. Baumgartt, 2. Adrcsie, 3. Nelly Arnold, 4. Th-olrat. Toto: 27: 10. Platz: 20, 29, 24, 33: 10. Ferner Uesen: Bieder. mann, Sclamlik, Zierde, Noblesse o. W., Max Kuser. Arizona, Mairulh, Nushaga Boy, Piaster. Heini Tussy, Haga Burlo», Sadana, 7, Rennen. 1. Arnuls II. Mills), 2. Friest, 3. Peter Ford. Toto: 97:10. Platz: 46, 40:10. Ferner liesen: Heroftratos, Norton B,, Florian. 8. Rennen. 1. Elex iI. Mills), 2. Pompadour, 3. Fallenstein a. W. Toto: 47:10. Platz: 12, 12, 11:10. Ferner licscn: Marone, Silvaplana, 'Alma Mater, Cldgaffeln, Brigitte, Sitberpäppel. 9. Renne n. 1. PiruS(Cd. Mills), 2. Ludzina. 3. Meisterstück. Toto: 78:10. Platz: 27, 35, 31:10. Ferner liefen: Flaggenlied, Heide. blume, Bcale, Kakadu I, Harsenmädchen, Hcllina. wcüerberichl der össenllichen wellerdlcnstslclle Berlin nod Umaegend. lNachdr. verb.) Wech'elnd wollig, noch vereinzelt Schauer, in den MiltagS- stunden nur wenlo höhere Temperaturen als bisher.— Für Leutichland: Im Süden vielfach Gewitterregen, sonst Neigung zu Regenschauern, besonders im Westen wärmer als bisher. Abmagerungskuren. Es ist nicht meine Absicht, ins einzelne gehende Vorschriften für die Art der Durchführung van Abmagerungskuren zu geben. Hier soll nur aus einen Punkt hingewiesen werden, der oft un- beachtet bleibt, dos ist die notwendige Vermeidung von Nerven- giften, wie Alkohol, Cosfcin und Nikotin. Jede Abmagerungskur bedeutet einen inteirsioen Eingriff in den Stoffwechsel des Orgams- inus: der Körper befindet sich in einem labilen Gleichgewicht und ist �Schädigungen leichter ausgesetzt. Bei vielen Menschen macht sich Arbeitsnnlust und Müdigkeit geltend, wobei es ein Fehler wäre, diese Müdigkeit durch starkes Rauchen oder durch Konsumierung großer Cofseinmengen zu verscheuchen. Im Gegenteil, der normale Raiichkansum ist einzuschränken und der Kojfee dur.ch c of s ei n s re i c n Kassoc zu ersetzen. Was die Ausritt-. tung der Nervengifte betriift, so werden die durch die Kur ohnedies nervös� gewordenen Menschen durch Zufuhr großer Mcnzen Evffrin erregt und es besteht Gefahr, daß sich Errcqungsziiständc einstellen, die zum Abbrechen der Kur zwingen. Da Kaffee und Tee nur um den Magen zu füllen gegeben werden, für die Kur selbst unbedeu- icnd sind, so lassen sie sich gut durch vollkommen unschädliche Ge- tränke, wie z. B. den H a g- K a f f e e, dem bei unverändertem Geschmack das Eofiein entzogen ist, ersetzen. � Bei mi- und Mnrenschmerzen bei Rheuma, Gicht, Ischias u. Erkältungskrankheiten, haben sich Togal» Tabletten hervorragend bewährt. Togal kann mit vollem Vertrauen genommen werden. Mehrere hundert Aerztc betonen neben prompter Wirkung besonders die Unschädlichkeit des Togal und über 5999 Aerzte haben sich l. notariell. Bestätig anerkennend über Togal geäußert! Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Zhren Arzt. In all. Zlpoth. Mk. 1.49. d.lb Chin. 12,6 Liih. 74,3 Acid. acet sah ad 100 Amyl. Propaganda-Tage vom 28.6.-8.7. Brauner MSdchen-Spangeosdiuh Gr. 31-55 6.90. 27-30 5 90 Kinder- Spangenschuhe in schwarz Cr 23-26 3.60, 23-24 S.SO in braun Gr. 25-26 3 90, 23-24 3.60 In Lach Gr. 25-26 4.40, 23-24 3 90 Flor-DamemtrUmpte, mit Nah) und Doppelsohle<»c Moko-Strümpfe. fester StTepasiersPrumpf...... 0.95 Kflnstl. Wasdtselde. in modernen Farben..... 1.44 Fazdasle-Herrensodten. 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Schon bisher hat die deutsche Handelspolitik deshalb nicht zu den möglichen Ersolgen gesührt, weil sie die Interessen einiger Wirtschastsgruppen, die politisch einflußreich sind und sehr laut z u schreien verstehen, zu sehr berücksichtigte. Man hat allzu oft das deutsche Exportinteresse gegenüber Sonderwünschcn zurückgestellt. Dadurch ist das deutsche Handelsoertragswerk unooll- ständig geblieben. Aber trotz aller Schwächen und Lücken hat unser ■SiandelSoertragssystem den Wiederaufbau des deutschen Exports in den Jahren nach der Inflation erleichtert und der deutschen Industrie Absatzwege im Ausland geöffnet. Der deutsche Export hat sich non lVi Milliarden Mark im Jahre 192.5 auf 12,5 Milliarden Mark im Jahre 1928 erhöht. Von dieser Steigerung cntsällt der Hauptteil auf erhöhte industrielle Ausfuhr. Auch im laufenden Jahr setzte sich die Aufwärtsbewegung des deutschen Erports fort. In den ersten vier Monaten des Jahres 1929 betrug die deutsche Gesamtausfuhr 4.3 Milliarden Mark gegenüber 4 Milliarden in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Nach einer Berechnung des Konjunktur- forschungsinstituts arbeiten von 8,3 Millionen Industriearbeitern 2,4 Millionen für den Export. Daraus geht wohl die gewaltige Bedeutung der deutschen Warenausfuhr hervor. Die Agrarparteien tun aber so, als ob das nichts besage. Das Schlimmste ist, daß von der neuen Zollaktion gerade die Handels- vertrage betroffen werden, h.e sich unzweifelhaft bewährt haben. Lei der bevorstehenden handelspolitischen Anseinaudersetzung stößt die Abänderung des M e h l z o l l e s. der im deutsch- französischen Hairdelsvertrog auf 11,50 Mark gebunden ist, auf die geringsten Schwierigkeiten, weil die Einfuhr von Mehl aus Frank- reich nach Deutschland gering ist. Das französische Mühlenkapital, das stark an deutschen Mühlen beteiligt ist. dürfte die Erhöhung des deutschen Mehlzolls auch nicht ungern sehen. Dagegen werden sich die Verhandlungen mit Schweden, Dänemark und Finnland r e cht schwierig gestalten. Darüber dürfen wir uns nicht täuschen. Ueber die Gctreidezölle wird Schweden mit sich reden lassen. Sie sind in Schweden seinerzeit auf Wunsch der deutschen Agrarier förmlich aufgedrängt worden. SäMeden wird aber bei Neuabjchluß eines Handelsvertrages mit Deutschland nicht oder nur gegen entsprechende Konzessionen auf die bisherigen Zollermäßigungen für Vieh und Fleisch verzichten. Es wird in dieser Frage nicht nur seine eigenen Interessen, sondern auch das benachbarte Dänemark oertreten. Auch die Einfuhrsperre für dänisches Vieh für die Zeit von August bis November wird noch schwer durzusetzen sein. Endlich werden Finnland und Holland gegenüber den geplanten Zollerhöhungen für Butter und Käse ihre berechtigten Interessen wahrnehmen. Dabei muß man erkennen, was für Deutschlcitd aitf dem Spiel« steht. Das geht am besten ans der Aüsfuhrentwicklung nach den in Frage kommenden Ländern hervor, die wir in folgender Zusammen- stellung wiedergeben: Land und Datum de? 1925 1926 1927 1928 Handelsvertragsabschlusses lDnitschl.n Dicstcstmencrslr. o—t. Vortrag:»Seruelle st ragen".— Slralaucr Biertel: Heim Gosslerltr. 01. Bor. trag:„Sexuelle Fragen".— Charlottcnburg: Heim Zostuenstr. 4. Bortrag: »Iugendtage.".— Mariend-rf- Alte Schule, Dorsstr. 7. Bortrag:»Tie ein. , einen Parteien in Deutschland".— Neukölln III: H-im Flughakenstr. 8». „Kerbelnndgebung für den Wiener Iugendtag."—«ritz II: Heim Chaussee. strasse 48. Bortrag:»Gott".— Neukölln IV: Heim Trcpiower Str. 08...Löns- Abend."— Falleuberg: Heim aus dem Ertshok Boriraq:„Soziale Erziehung". — Banmichul-nweg: Heim Baumschuleustr. 18. Tagespolitische Fragen.— Iohanristhal! Heim in Rathaus. Funktionärocrsammiung— Riederichöne- weide: Schule Berliner Str. 8l. Borirag:„Jugend. Elternhaus und Beruf". — Treptow: Heim Elsenstr. 8. Milgliederversammlung. Werbcbezirk Wedding: Aeltcrcngrupoe. Heim Scrichtstr. 12—18. Vortrag: .Sozialpolitik". Die Gruppen des Werbcbcz'rks hetetlioen stch Sonntag am Comm-rfest der Partei im Moabitcr Echützenhaus. Treffpunkt 14 Uhr Lee. Eck« Müllcrstrasse. Werbcbezirk Osten: Di» Teilnehmerkarten lür. Drewitz müssen unbedingt heute beim Genossen Kram« abgerechnet werden. Die Teilnehmer an der Veranstaltung in Drewitz treffen sich morgen fpäleftens IL Uhr in den Comeniussälen. Memeler Sir. 87. Fahnen mitbringen. Werbe bczirl Neukölln: Werbcaugschusssttzung Heim Böhmische Sir. 1—4 NM 20 Uhr. Jede Gruppe muss vertreten sein. Werbebczirk Re'mckendors: Werbcbezirksmitgllcderversammlung im' Heim In Tegel. Bahnhofstr. 15. Erscheint pünktlich. Das Mitgliedsbuch dient als Ausweis. SSE. Renkölln: Der Heimabend fällt au». Die Toilnehme: an der Fahrt in den Grossen Ferien treffe» sich heut- 18 Uhr bei Helga Riidahl, Weichsel- strasse 80. Werbebezlck Krenzberg: Sonntao. 88. Juni, U Uhr. im urilm- Ä M eck", Skalitzer Ecke Zeughofstrasse. Film. Matinee zugunsten des Wiener t-4 ml Iugendtages. Au« dem Pragramm: Rezitationen, Musik. Urauf. W führung de» ffilms»Brüder". Ansprache des Genossen Litke, M. d. R. " Eintritt so Pfennig. fi' Werbedezi rk Westen: Sonntag. Waidfcst der Partei, Gbarlotlenburg:„Icst d« Jugend" im Bolkspark Iunglernheidc. Treffpunkt aller Teilnehmer um 11 Uhr im Seim Rosinenstr. 4. Nachzügler 12 Uhr Wilhelmpiatz. Vorträge, Vereine und Versammlungen. ckZ» Reichsbanner„Schwarz-Nol-Gold-. DAM Geschäftsstelle: �rlin S. l4. Sebastianstt. 87/88. Hol 2 Tr. Ganvorsland. Die Gesell schaitssahrt zum Sachsrntrcffen nach Chevi. *** nstz kann leider nicht.stattfinden, weil sich nicht genügend t!ame- raden zur Teilnahme gemeldet haben.— Frcijag. 28. Juni. Lichtenberg,»am. Biesdorf. 20 Uhr Vollversammlung bri Poratd. Marzabner Cir. 8l. Pflicht. Veranstaltung.— Gounabcnd, 20. Juni. RenlSlln-Brltz. 10 Uhr?iachrichte!>zuq. sowie radsahrende Kameraden Antreten in Britz, Rudow« Allee, Buschkrng. Agitationsfahrt, 15 Kilometer.— Sonntag. 80.?«»>. Spandau. Dampferfahrt nach Ferch. Fahrpreis 1,7Z M. Abfahrt 8 Uhr Spandau, Lindenufer. Käme- raden ander« Lrtsvcreine als Gäste willkommen. Reich,kartel Republik. Sannabend. 20. Juni. Evoriplatz Fricdrichsfclde. Ab 15 Uhr Arbeitsdienst für alle angeschlossenen Ortsvcreiuc.- ösnntag, 30. Zuni. Ab 14 Uhr Mannschaftslchiesscn für alle Mitglieder aus dem Cvori- platz Fricdrichsfrlde.. Charlottenburg. Bon 10 Ubr ab Cchicsscn in Zchl-ndori. — Zu dem am Sonntag. 80. Juni, stattfindenden 2. Gau-Wertuilgsschiessen haben sich sämtlich« Auistchisper onen früh einzufinden. »»beltee.Abftinenten-Bund, Gruppe Fricdrichshain. Freitag. 28. Iu»!. 20 Uhr, veranstalten wir In der weltlichen Schule, Diesteimcnersttasse, einen Bortrag über gärungslose Fruchtsastgewinnung mit praktischen Boeküheuugen. Alle Kleingärtner und Hausfrauen sind hierzu besonders eingeladen. Bund Berlin sür Einheitslnrzschrift. Ucbung in allen Selchwindigleilrn jeden Freitag von 20—22 Uhr im Französischen Snmnastum, Reichs'oesuier 6, am Reichstagsgebäude, und jeden Dirnstag von 20— iL Uhr im Schulhause Utrechter Str. 80—81, am Bedding. Ansängeriulse sowie Aufnahme neuer Mitglieder zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Fritz Plauschinn, Berlin, Zchlcn- darf. Maldcmarstr. 8. Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaie». Bezirke Nord, Ost, Slld. Etadtpork. Charlottenburg, Zoo und Moabit. Da» für Sanntag. 8V. Juni, im Landes- auzstellnngspark. Alt, Moabit 4—10, angesetzie Eommerfest findet auch bei ungünst'gem Wetter statt. Typogravhische« Oeebest«. Direktion Gntzeit. Uebungsabende jeden Freilag, 2fsta Uhr, in Neukölln, Hcrmannstr 189 sSängerhcim jotrnnn Lauscht. Gesucht zur Berslärkung Bass. Cello. Bratsche, Trompete. Posaune. Horn. Clarinette, Fläte. Eastmitspieler erwünscht. Aufnahme später. Weitere Aua» kunft erteilt auch der Vorsitzende Johannes Schulz, Berlin-Beitz, Pintfch. all« 48. Aufgang 41, l. Aansumgenvsscnschast, 11.«bgabestelle Tembelhes. Freitag. 28..Juni. 20 Uhr, Sitzung der Agitationsiommission im Lakai Löggow, Friedrich-Zranz. Ecke Kaiser-Dilhelm-Etrasse. l'...........!l- FrifGeS FSeifw I llSlllMM...».0 0.78 MlLi'ÜSM li.MllN 1.3L NSlVSMMLl.. Pw-ä l.SS«WMöl-MMlilWo.SS cimiil�viwn.. nu-ck0.LS zeWMLlzed�-.�l.ls 8l:Wk!NL-MI!Mtl«ch 1.16 lzk?i'!ki'-«g!?llük!llel8ekl 0.S6 LestelluvZeo— mündliche,»chrilt- liche a. tele ionische — werden durch die L e b e n s m i 1 1 e I■ Besteiiannahme aufgenommen und wnnachgemilS erledigt) Preise nur Freitag u. Sonnabend/ Verkauf sowait Vorrat/ Mengenabgabe vorbehalten 9*ötu$ertomrett S66l3C!lS geeüucbeet. Phrack 0«38 SCtlOÜIiSCll gerlnchert Pfand 0a3& EtinOaSlS gerfneberl Band 0*25 neriieriiioe.. 0.3S oeisaminsn cS'ismck0.95 neoc Ria!ios-Her!Rßestcv.o.lo BlsmäVistherlngc,, Uttj Doft j : Braihorlnge'« nn: : deleeheringe I[j hH: : Kronsardinen' : DSrffier- • KnobiandersPurOm« : Bf ha DeIlicateB> ; Würstchen s Dose Dvft UNS Geenttfe liliKIl'SVl... 8S!Z!..... MOßnen... mmn____ OrOnsßupüen. Bananen... m\um... Piirsicfie... Hirscnen.. svinaiön.. � Mwde) 0.15 IKopt 010 . Bond OslO Pfund 0.15 SUfak 0*08 piund 0.44 Pfand 0.23 Pfand 0.55 Pfund 0.38 Pf und 0.2S lö{piscüe Eier ä 0.85 Wuxstwareu pi� RlellWUrSl Braunsctnr Art,.1.25 Cerueiaiworst pmid». 1.45 speck-EcKen...... 0.90 SctünKenspecK..... 1.90 LanüisMursi ä 0.98 Landieoeruiurst n.. 0.84 feine EePep«...1.25 kflsekS vfüttwurst vemptu,uvf..... 0.75 Bockwurst..,... 0.S0 Wiener 7.00 Polnische...... v.SS �oufitttre�" Msme.0.92 Müq.1.10 ßranse.. I.ß5 Ma&Blsto 1.15 \iM. U.. hito. Mm. 2 Piund .1.30 .135 . 1.35 .150 BrailruGüJ-ntormei.) Bierimshi marmGi./ Bit er ca. 2 Piund 78. KSse unb Fette Konserve« Kolonial waren Eierscüninnudein Ejsr-Faosnnoosin Eter-BrücnniaHkaroiil BECHßÖSl....... suiianlnen... Brycupois____... Auszugsmehl PQUülngpuiver.. Pfund 0.33 .0.45 .0.35 .0.18 0.95 0.45 i Piund BohneuHaiiee rV.M" 2.20 Konfitüre« 'u p hiesslna-Drops ��.1. 0.15 ElS'Bonhons gewickelt... 0. b 5 Sairnehenhenz xewiakeu 0.13 mmintfralinen.. 0.13 Behrannie manuein.. 0.23 fsaure EUnhons >/, pid 0.25 AwScrtlBin Eiaaontim vorftsilfiatte Äia««l>efa dwrcSfi Einige Beweise I— Spilztnlelsliinoeii dev Bllllakclf! Haushammer a ba j« cm lang, reit poliertem Site!«flek iW.SV Knelfxanga. f| CA schwere Austühruof o b••• Siflck%rBe#W Küchenbaii. r% cfl mit Hsttltolistiel, 81 cm I«.g,. Siflck W.ÖW Hackmcssor n cf» 28 c-n Up.:......... Stück w.öV FUchsschwanssSge« pr» n it 30 cm langem Stahlblutt.. StCck wb�V*!' Bügel» oder Spannsüse n QE mit ffO cm langem Silbcrstahlblatl, Stück VüSp** Grosser Ü8 �'•'■>»•-• t-'x/- r/* /i»!.. j-:■ 1 Lebensmittel-Verkauf Treis* nwe Freitag and Sonnaband ■{•«abgab« TaFbehaltaa Vwkaaf aosraU Tonnt Sbsi und Gemüse loimleil___ jo.lSn Aprikosen___«».36» PSrsiche_«».45» Kirschen___«».25» Johannisheeren«.48» Grone florken��s� Blanheeten....«- 58» Salat.........—* wi o» Wirsingkohl....«». 20» Zitronen___>»»38» Bananen____ �»45» Stachelbeeren»-.45» -Küie und Kette Bwtenschmotr«»78» Nargarlne........«..50» Frühst0(kskße.a-.2O» SteInhuscher."nÄ78» Thslter 82» Edamer»<»....«».95» Holinder».m»». 95» Edamer mm.. s«>. 68» HoniindetMMM.68» MuSchuemr i%.78» Blakkve?Ä!!C'�78» Kaukas-Schuelzet ToUfett................. Pta4 ywrt -Konserven _ �1°1Z tbfpMrm ,.»7?-- I 1» Apfelmus____78» 78- Süssklrschen-M... i,s 70 SOsskhscben.M-.l40 so Sanetklrsthen-«M.i» ■25 Kürbis—.........— 78» Reineclauden___ 95» iS.-!.r�78» Prelsselheeten_____ l25 Gern. Gemüse Hallt. Pfirsiche_____ l45 tjDe»* JungeEtbseo— m... 1" Sellerie Junge Erbsen Junge Erbsen Junge Erbsen Gemüseerhsen Erbsen m.»> Frisches Fleisch ps.Zdwemedsudi°d°. m I08 Pa.Schweineschülterbiatt ml18 Pa.Schv/eineschinken...... Phmdl18 Pa.SchweinekammÄÄÄ l44 Pa.Schv/einekotelett �«n 156.n Pa.kasseierKamm � Schuft pal32 Pa.Eisbein m.Soitzbei n*'S60pl Pa.RUckenfett brtUerü'olloa8ohÄ 86?r. Pa-Schmorflejsch �'��äI24 . Pfnnd l2® . Pfund l20 Pfund 90pf. 78r ••*»*«*•••••• .-Pfand ron Pa.Schabefleisch» Pa.Hackepeterg.anni Pallasch Pa.Suppenfleisch Pa.Hammelvorderfleisch Z 98.» Pa.hsmmeäkeule Rücken? I28 Kalbshaxe....................... pfmd 68• Kalbs�amm«naeiMuc«..... peauä v» 88.» Kalbsrücken od».____ pw»d �»98.» a:iin:biiuuioti!itnGniin!ii:i>:ui!iu:;:i::inniiinnnnHiimnmiiiinumiiiuiiiiuiiiuinuiiuiini£ 1 Pa. Kalbsschnitzel.......«---2°° 1 | Pa. Kalbsroulade 148| 1 Pa. ROaStbeef otuuEnoeh�Pfnad 1 88 3 1 Pa. Rlnderteber............. Pfund l24 1 Pa. Schmorfleisch.rm.KnMtawl18 Pa. Gulasch Ohne Knochen______ Pfund 88pL jpenfleisch Pf«.* u°nS8pf.» immeivorderflelschvr86a immelkeule............. pfmdl08 Pa. Hammelrücken-------«».-93� Rinderbacken«-01.. ohn* Kno«den>?». 48 pr. Rinderlunsen-�-h............ 32 � Rinderherzen irud.________ Pfund �4 fi EUter frieeh........................... Pfnnd 24 Pf. Schweineköpfe mnmti ttttb mm IiateTBnieflptck. von70?f luijeHfitoa Stack Tonii35 IlBte BäSSB Pfand Toni»30 Fr.SBPpaiiiiSlKeptd.T.1,05. Fr.Sappeclffihflerpfd.T.1.30. VQ]itbitaerg*fn,pfd.T.i.io« RtUifitlCr...............Pfund uon1|35u nach Dr. Senftncr, Roggenbrot Pf, Vtbmhnt 50» Se'rte WSlNS VVM FdSS tn unseren bekannt guten Quallttten Spesldf— ApfuftHfeln.......................... VoruUßllcbnr Erdbeerweln................ Roter Taj�aoona« Qualität II..........,..— Süsser Samos.............................. RhelnpfUlzer Welsswelni reintoniger Tischwein.............—............ 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Zum �929 Schluß mit der Zersplitterung! Appell an alle Berliner Bauarbeiter. Solange es in Verlin eine freigewertschaftliche Bauarbeiter- bewegung gibt, ebensolange gibt es schon„Aucharbeiterführer", die es für zweckmäßig erachten, neben der freigewerkschaftlichen Or- ganisation Splitterorganisationen zu erhalten, die zwar wegen ihrer zahlenmäßigen und finanziellen Schwäche bedeutungs- los find, die aber doch bis zu einem gewissen Grade die Gesamt- bewegung hindernd beeinflussen. Diese Sonderorganisationen haben den Aufstieg der freigewerkschaftlichen Bauarbeiterbewegung nicht zu hindern vermocht, noch ihren eigenen Mitgliedern besondere Vorteile erkämpft. Ihr Vorhandensein hat aber oftmals dazu bei- getragen, daß das Gros der Berliner Vauarbeiterschaft, das frei- gewerkschaftlich organisiert ist, nicht immer die Erfolge erringen tonnte, die es erzielt hätte, wenn es in einer einzigen Organisation zusammengeschlossen gewesen wäre. Inwieweit sogenannte Ruhmsucht oder rein persönlicher Egois- mus die.Führer" dieser Zwerggebilde bisher davon zurückgehalten haben, ihre Hand zur organisatorischen Einigung der gesamten Berliner Bauarbeiterschaft zu bieten, soll hier nicht näher untersucht werden. Fesi steht jedenfalls, daß die Leitung der Baugewerkschaf' Berlin des Deutschen Baugewerksbundes mehrmals— aber leider ergebnislos— versucht hat, durch Verhandlungen die gewerkschaftliche Einheitsfront aller Berliner Bauarbeiter herzustellen. Einen neuen Schritt in dieser Richtung hat die B a u- g e w er k s ch a st Berlin jetzt wieder unternommen, indem sie, wie im.Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, in ihrer letzten Beirats- fitzung am 19. Juni eine Entschließung gefaßt hat, die sich an alle Berliner Bauarbeiter wendet mit der Aufsorderung, mit der Zersplitterung Schluß zu machen und sich dem Baugewerksbund an- zuschließen. Der Haupworstand des Baugewerksbundes wurde in dieser Entschließung ersucht, allen zum Baugewerksbund zurück- kehrenden Mitgliedern die alte Mitgliedschaft und die in den anderen Verbänden erworbene Mitgliedschaft anzurechnen. welchem Ersuchen der Hauptvorstand auch nachgekommen ist. Dieser für die Berliner Bauarbeiterschaft sehr wichtige Beschluß lag am Mittwoch der örtlichen Generaloersammlung der Baugewerk- schast Berlin zur endgültigen Entscheidung vor. Der Vereinsvor- si�ende, Genosse Drügemüller, zeigte an den Leistungen der Organisation aus lohn- und tarispolltischem Gebiet. daß alles, was bisher für die Berliner Bauarbeiter errungen wurde, nur durch den Baugewerksbund erreicht worden ist, während alle Splitterorganisationen, ob sie sich nun Jndustrieverband, Syndika- listen oder sonstwie nennen, tatenlos daneben gestanden haben. Mit Ausnahme einiger Augenblickserfolge auf einzelnen Baustellen haben diese Organisatiönchen nicht den geringsten Erfolg aufzuweisen. Sie besitzen auch nicht eine Einrichtung, die sich mit den sozialen Einrichtungen des Baugewerksbundes auch nur im entferntesten messen könnte. Ihre Mitglieder zahlen wohl um etwa ein Drittel niedrigere Beiträge, als sie im Baugewerksbund erhoben werden, sehen aber auch von ihren Beiträgen so gut wie nichts wieder. Ohne selbst bekanntzugeben, wieviel sie von den Einnahmen für Kampfzwecke bisher ausgegeben haben, behaupten die.Führer" dieser Organisationen, daß der Baugewerksbund keine Kampforganisation ist, obwohl nachgewiesen werden kann, daß der Baugewerksbund im letzten Jahrfünft durchschnittlich 57 Prozent aller Ausgaben für Kampszwecke aufgewendet hat und die V e r w a l t u n g s k o st e n der Berliner Baugewerk- schaft noch um rund 10 Proz. niedriger liegen als z. B. die der Kaiser-Organisation. Wenn schon diese Splitterverbände seit ihrem Bestehen nur ein Schattendasein führen, so ist es wirklich an der Zeit, daß man die Berliner Bauarbeiterschoft mit allem Nach- druck auf die Zwecklosigkeit der Beibehaltung dieser ohnmächtigen Verbändchen hinweist und sie auffordert, endlich zu ihrem und aller Bauarbeiter Nutzen mit der Sonderbündelei Schluß zu machen. Genosse Drügemüller empfahl der Generalversammlung die An- nahm« einer Entschließung, in der der Beschluß des Vereins. beirats vom 19. Juni gutgeheißen wird und die Mitglieder der Splitterorganisationen aufgefordert werden, sich restlos dem Bau- gewerksbund anzuschließen. Allen denen, die bis zum 1. Oktober dieses Jahres ihren Uebertritt vollziehen, soll ihre alte Mitglied- schaft im Baugewerksbund und ihre Mitgliedschaft in den anderen Verbänden, wenn sie lückenlos ist, angerechnet werden. Diese Eni- schließung wurde entsprechend dem Antrag eines Generalversamm- lungsdelegierten ohne Debatte gegen eine Stimme angenommen. Verbandstag der Kupferschmiede. Llrabstimmung über die Velschmelzuna. In der Frage des A n s ch l u s s« s an den Deutschen Metall- arbeiterverband wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Generalversammlung nimmt Kenntnis von den Aus- Wirkungen des Kartellvertrages mit dem DMV. und dem Stande der Vereinigungsverhondlungen mit demselben. Sie hält nach wie vor den Zusammenschluß mit dem Deutschen Metallarveiter- verband■ für geboten und erwartet einen baldigen Abschluß der Vereinigungsverhandlungen. Unter Ablehnung aller weitergehenden Anträge beauftragt die Generalversammlung den Zentralvor- stand, nach Abschluß dieser Verhandlungen mit dem DMV., das Er- gebnis derselben unseren Mitgliedern in geeigneter Weise zur Kennt- nis zu bringen und ein« erneute Urabstimmung zwecks Vereinigung mit dem DMA. oorzunehnien. Das Ergebnis der Ur- abstimmung ist einer Konferenz der Verbandskörperschaften vor- zulegen. Im Falle der Ablehnung der Vereinigung mit dem DMV. ist die Konferenz ermächtigt,«ine Neueinteilung der Bezirke vor- zunehmen." Der Verbandsvorsitzende Jahrmarkt erklärte, daß der Zu- sammenschluß nur durch eine Urabstimmung beschlossen wer- den könne, da sonst der Verband zerrissen werde. Die Unter- stützungseinrichtungen der Verbände seien sehr verschieden: sie ließen sich nicht so einfach ändern, vor allem mache die Invalidenunter- stiitzung Schwierigkeiten. Bei den Kämpfen würden viele Schwierig- keiten wegfallen, wenn die Kupferschmiede dem Mctallarbeiterver- band angeschlossen wären. Es bestehe ja auch im Metallarbeiterver- band die Möglichkeit, S o n d e r t a r i f e für die einzelnen Gruppen abzuschließen. Entscheidend sei nur die Frage, ob das gute Or- ganisationsverhältnis der Ihipferfchmiede noch dem Anschluß be- stehen bleibe. Das sei aber sehr wohl möglich. Die Kupferschmiede hätten in ihren Kämpfen«inen besseren Rückhalt, wenn der große Metallarbeiterverband hinter ihnen stehe. Für den Anschluß sei unbedingt eine Zweidrittelmehrheit notwendig, um von vornherein MißHelligkeiten aus dem Wege zu gehen. B r a n d es vom Hauptoorstand des Metallarbeiterverbandes betonte, daß keine Vergewaltigung eintreten dürfe. Der Deutsche Metallarbeiterverband wünsche einen freien Entschluß der Kupferschmiede. Ueber die Unterstützungsfragen, ausgenommen die Jnoalidenunterstützung, komme man leicht hinweg. Bei der Vcr- schmelzung müßten die Mitglieder, die bereits Jnoalidenunterstützung beziehen, sichergestellt werden. R e i ch e l, der Vorsitzende des DMV. und Vertreter des ADGB.. wies auf die Breslau er Beschlüsse hin, durch die der Weg zum Zusammenschluß gegeben fei Er zeigte an verschiedenen Bei'- spielen, wie bei einzelnen B r a n ch e n des DMV. die Arbeitsbedingungen verbessert wurden. Nichts stehe im Wege, auch für die Kupferschmiede ähnliche Erfolge zu erzielen. Die Auffassung, daß die Vereinigung das Organisationsverhältnis der Kupferschmiede ver- schlechtere, sei irrig. Weiterbildung der Funktionäre nach der Arbeit genüge heutzutage nicht mehr: deshalb nehme der DMA. den Funktionär für Wochen aus der Tagesarbeit heraus. Das könne nur im großen Verband durchgeführt werden. Der Gesichtspunkt der BildungsarbeU dürfe nicht gering eingeschätzt werden. Komme es nicht zur Verschmelzung, dann werde eine eigene Branchen- organisation der Kupferschmiede im DMV. gebildet. Sonnenwendfeier der Gewerkschastsjugend. Das Wetter hatte ein Einsehen: der Regen hatte zwar bei Be- ginn der Feiex im Volkspark Iungfernheide nicht ganz aufgehört, aber es tröpfelte, nur so fein, daß man es selbst ohne Regenschirm «in paar Stunden im Freien aushtelt. Das Kammerorchester der Schüler von der Hochschule für Musik mußte zwar seine Darbietungen etwas verkürzen, denn die himmlische Feuchtigkeit war auf die Dauer den Instrumenten wenig zuträglich. Aber sonst verlies alles programmgemäß: Der Sprech- und Bewegungschor der sreigewerkschostiichen Jugend trotzte m seinen Gymnastiktrikots dem Wetter ebenso wie HeinzThiesens „Junger Chor" und wie Alfred Beierle, der den Hymnus„Sonnenwende" von W. Bu'aw rezitiert«. Einigung im Kohlengroßhandel. Schiedsspruch von den Unternehmern anerkannt. Wie im„Vorwärts" bereits vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, war nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem Verband Berliner 17. Mai«in Schieds- der ständigen Arbeiter m Arbeiter im gleichen prozentualen Verhältnis erhöht werden sollten, der M a nt e l t a r i f jedoch unverändert um ein Jahr verlängert werden sollte. Für das Lohnabkommen war im Schiedsspruch eine Geltungsdauer bis zum 30. April 1930 festgesetzt worden. Dieser Schiedsspruch war von den im Verkehrsbund organi- sierten Arbeitern in einer Versammlung zwar abgelehnt worden, galt aber, weil eine Urabstimmung die nicht statutarisch not- wendig« Streikmehrheit ergab, als von den Arbeitern angenommen. Da der Schiedsspruch von den Unternehmern abgelehnt worden war. hatte die Organisation die Verbindlichkeitsertlärung beantragt. In den Verhandlungen vor dem Schlichter, die gestern, Donnerstag, geführt wurden, kam noch vor der Entscheidung des Schlichters eine Einigung dadurch zustand«, daß die Unternehmer den Schiedsspruch nachträglich anerkannten. Die Nachzahlung der Lohnzulage soll möglichst noch in dieser Woche, späiesten» jedoch in der nächsten erfolgen. | Karl Kirschnick| Einen schweren Verlust hat der Zentraloerband der M a s ch i- nisten und Heizer Deutschlands erlitten. Am 24. Juni starb der Mitbegründer dieser Organisation, Karl K i r s ch n i ck, im Alter von 80 Iahren. Der Zentraloerband, der im Jahre 1892 gegründet wurde, erkor sich K i r s ch n i ck zum 1. Vorsitzenden, welchen Posten er 14 Jahre lang oerwaltete. Im Jahre 1908 übernahm er die Schriftleitung des Verbandsorgans, das er weitere IS Jahre leitete. Im Jahre 1921 trat er in den Ruhestand. Sein« ganze Kraft setzte er in den Dienst seiner Berufsorganisation. Unermüdlich war er tätig. den Gewerkschaftsgedanken in den Köpfen und Herzen seiner Be, rufskollegen zu verankern. Gerade die Maschinisten und Heizer hatten unter doppelter Ausbeutung zu leiden, einmal durch die überlange Arbeitszeit und dann durch die kärgliche Entlohnung. Hier den ersten Hebel zur Besserung der sozialen Lage seiner Berufskollegen angesetzt zu haben, bleibt das Verdien st des nun so plötzlich Dahingegange- nen. Seine Organisation dankt ihm für seine Liebe und Treue über das Grab hinaus. Tagung des englischen Generalrais. Der Generalrat der Gewerkschaften hielt am Mittwoch in Lon- don eine Tagung ab, die vor allem der Zurückziehung des im Anschluß an den Generalstreik im Jahre 1926 angenommenen G e» werkschaftsaktes galt. Wie oerlautet, haben die Gewerk- schaftsführer Zusicherungen erhalten, daß dieser Gewerkschaftsakt i n Kürze fallen wird. 3m schlesifchen Texkllkonfsikl finden am Freitag im. Reichs- ärbeitsministerium nochmals Verhandlungen statt. Es handelt sich um einen letzten Versuch, eine Einigung zwischen den Parteien her-' beizuführen, nachdem die Verhandlungen über den von den Textil- arbeitern gestellten Antrag auf Verbindlichkeitserklärung gescheitert sind. Die Entscheidung über die Schiedssprüche für den R u h r b e r g- bau und den oberfchle fischen Steinkohlenbergbau dürfte ebenfalls am Freitag fallen. �Freie Gewerkfchafts-Jugend Groß-Berlin Leute, gwitofl, 1914 Uhr, tllgc» die Gruppen: ch-rlottcnburg: Iunend» heim Eprecstr. S0. II. Abend. Erlebnisse im Betrieb.— Rechtssraee». — geppelinplah: Iuacndhcim des Bezirksamts Wedding. Turincr Ecke Eeestraßc. Bortrag:„Berufsschule, Bcruscschulbeiräte und Gcwcrkschastcn".— Lermannplatz: Jugendheim Sandcrstr 11, Ecke Lobreckitstrahe. Portrag: „Jugend im Strafrecht".— Süden, Südwesten: Eruppenhcim Wasserlorstr. 9, vorn pt. Wir besuchen den Ortsirei» im iTIu&bad ktlingenberg. Tressen um 18 Uhr am Lochbahnhof Prinzenstrahe.— Rordring: Jugendheim, Schul« Sonncnburgcr Str. 20. Bortrag:„Jugend und Arbeiterschuhgesch".— Wir spielen und baden ab 18 Uhr: Srnpp» Weihensee: Stadion am Faulen See in Weihcnsee.—«rnppe Südost: Auf dem Eportplah am Urban.— Oiikreia: Baden im Fluhbad Klingenberg.— Die Beisehung der Kollegin Hertha Schröder findet am Sonnabend, 29. guni, 15 Uhr, auf drin Fentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. Tressen um 11� Uhr an der Endhaltestelle des Auto- bufscs Nr. 19. Nachzllglcr begeben stch direkt mim Friedhof. t Zuaendaruppe deS Zentratverbanöes Ver Angestettten Leute, Freitag, finden folgend« Beranstaltungen statt: Pankaw-Nleder- schSnhausen: Jugendheim Dörschstr. 14(grohcs Zimmer)..Bortrag: „Bom Zunftgescllcn zum freien Gewerkschafter". Acfcrent: Georg Leilbrunn. — Obersprce: Jugendheim Lausener Str. 2. Spielabend im Freien.- Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Lescabend.— Südwest: Jugendheim Belle- Alliance-Str. 7—10. Anssprache Uber„Alte und neue Kunst". Rescrent: Franz Lepinlki.— Neukölln und Urban: Ab 20 Uhr Spielen aus der Spielwicsc im Neuköllner Bolkspark. Sonitei' Verkauf Auf alle Wareu-ckfsre/ CS&gaWtoesifi (nur die MaQ- Abteilung, Berufskleidung SU /Cr V&4K,(S, W. und einige Markenartikel ausgenommen) Wer wirklich sparen will beim Einkauf guier Herren- und Knabenkleidung, der geht zu: I Verbandstag der Buchdrucker. Oiswtsion über den Geschäftsbericht. In der Diskussion trat Hube- Königsberg für die Solidaritäts. aktwn der Maschinensetzer ein. während Thomas- Leipzig um Ablehnung des vom Vorredner eingebrachten Antrages ersucht. Sporn- Breslau wandte sich gegen übersteigerte Rationalisierung. Die Rationalisierung sei nur erträglich, wenn sie die Verkürzung der Arbeitszeit mit sich bringe. Die Ausführungen des Redners gegen die Schlichtungsordmmg stießen bei einem großen Teil der Delegierten aus Widerspruch. T h i e m e- Jena bemängelt die Haltung des Vorstandes in dem Lohntampf im März 1S23. Die Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches hätte früher durchgesetzt werden müssen. Alb recht- Berlin erklärte, von einem„KniesalT vor den Prinzipalen könne nicht gesprochen werden. Hätten diese die Kün- digungen nicht zurückgenommen, dann wäre das erreicht worden. was die Buchdrucker erreichen wollten. Die Maschinensetzer müßten den Weg gehen, den die Organisation vorzeichnet. Jung- Mannheim wandte sich gegen die Wühlarbett der kom- munistischen Opposition innerhalb des Verbandes. Kommunistische Dauerredner reden unsere anständigen Kollegen aus den Versamm» lungen hinaus und oersuchen, unsere Führer mit den gemeinsten Schmähreden verächtlich zu machen. Das ist keine Kritik mehr. Gegen solche Zerstörungstaktik muß Front gemocht werden.(Bravol) Stürz- Leipzig will die Kündigung bei Lohnbewegungen als letztes Mittel aufgehoben wissen. Unzweckmäßig« Kündigungen im Arbeitskampf werden zu unnützen Belastungen für den Verband. Auch W e i g e l t- Magdeburg verwirft Einzeiaktionen und ver- langt deshalb die Ablehnung des Königsberger Antrages. Am zweiten Verhandlungstag« wurde die Diskussion fortgesetzt,"' die sich hauptsächlich um die Haltung des Branden bürg i scheu Ma- fchinenfetzervereins drehte und um die Schlichtungsfrage. Die „Opposition" wurde durchweg oerurteilt. O e r t« l t- Chemnitz führte aus, wo Parterbetrieb« der KPD sitzen, werden die gleichen Schwierigkeiten auftreten wie in Solingen, Chemnitz und ander- wärts. Wir werden auch anderwärts kommunistische Streikbrecher bekommen. Dem inuh entgegengewirkt werden. Pttt den oppositionellen Tiraden ist nicht viel anzufangen. K ra u tz geht in seinem Schlußwort auf die Ausführungen der Diskusstonsredner ein. Kein Redner hat die Tätigkeit des Der- bondsvorstondes mißbilligt. Die TaMk de» verbände» kann nickst für alle Zeit, nicht einmal für den Verlaus einer ve- wegung festgelegt werden. So mußten wir das Druckmittel der Tarifkündigung im März 1928 anwenden, als es erfolgversprechend schien. Die Kündigung mußte zurückgezogen werden, als der Ar- beitsminister unter dem Druck der ungünstigen Wirtschaftslage und anderer Einflüsse den Schiedsspruch.für verbindlich erklärte. Wir wurden vor die Frage gestellt, ob wir selbst das Schlichtungswesen über den Haufen rennen und«inen Eckstein aus dem Gebäude des kollekttven Arbeitsrechtes herausreißen wollten. Der Verbands- vorstand war so in einer Zwangslage und mußte damals die ergriffenen Maßnahmen als die einzig richtigen ansehen. Das Vor- gehen der Königsberger Kollegen war ein gefährliches Experiment. Bei der Beurteilung des Schlichtungswesens darf man nicht da« vergessen, daß es früher bei freier Vereinbarung kein Mittel gab, die Unternehmer zu Verhandlungen zu zwingen; heute wirken die Ar- beitnehmer gleichberechtigt an dem Tarifvertrag mit, der allen Ar- beitern ein klagbares Recht auf den vertraglichen Lohn gibt. Daher haben wir kein Interesse, ebenso wie die Unternehmer die Beseitigung des Schlichtungswesens z« for- d e r n. Wir haben keinen Anlaß, den Unternehmern in die Hände zu arbeiten, sondern müssen den Ausbau de» Schllchtungswesen, in einer für die Arbeiterschaft zweckmäßigen Form fordern. Redner weist noch, daß m Krisenzeiten das Schlichtungswesen nützlich ge- wirkt hat und deshalb nicht ganz entbehrt werden könne. In Fällen der Kündigung zwecks Lohnabbau wird die Verbandsunterstützung gezahlt, wenn der Gauoorstand diesen Tatbestand festgestellt hat. Redner begründet noch einmal den Standpunkt des Vorstandes in der Frage des M a n t el t a r i f s. Die Gauvor stände haben sich gegen die Kündigung de» Manteltarifs ausgesprochen. Die Tätigkeit der Opposition, die Weffirngen und Diktate» einer politischen Partei folgt, die wieder ihre Weisungen aus einem Lands außerhalb Deutschlands erhält, hat in unserem Verband keinen wesentlichen Einfluß. Wo sie eine Roll« spielt, sind oft die Mit- gliedschaften selbst jchuL», die sich oft zu viel gefallen lassen odep schließlich sich nicht an Versammlungen beteiligen. Mr verbitten e» uns, daß in so schmutziger Weise die Gewert- schaflsarbeit zuschanden gemacht werden soll. wie es von der Opposition versucht wird. Die Zersplitterungs- t enden zm haben bei uns keinen sonderlichen Boden gefaßt. Das ist die Frucht einer jahrzehntelangen Arbeit. Die Einigkeit und Geschlossenheit ist bei uns nie gestört worden. Rur einig und geschlossen werden wir dem nationalen und inter- nationalen Unternehmertum mit Erfolg entgegentreten können. tLebhaster Beifall.) Nach einem kurzen Schlußwort von Schweinitz wird e i n- stimmig ein Beschluß gefaßt, der die Tätigkeit des Verbandsvor- standes anerkannt und ihm fein Vertrauen ausspricht. Der Antrag Königsberg, der sich für das Sondervor- gehen der Brandenburgischen Maschinensetzer einsetzt, wird abge- lehnt. Die Entschließung gegen eine Verschlechterung der Ar- bettslofenoersicherung brachten wir im gestrigen„Abend". Im Mittelpunkt der Nachmitteuzsverhandlungen stand das Re- ferat des Genossen Landtagsabgeordneten Prof. N ö l t i n g über „Wirtschaftspolitik im Rahmen des demokrati- fchen Gegenwartsstaates". Ein« Diskussion über den mit großem Beifall aufge- nommenen Bortrag wurde nicht geführt. Der Berbandsvorsitzende Kollege K r a u tz sprach dann über die Beziehungen des Buchdmcker-Derbandes zum Graphischen Bund, ADGB. und dem Internationalen Buchdruckersekretariat. lldergtbl man nur dem Nachwrl» de, Demschen MuIUerverband?,. Berlin. Rom. mandantrnstr 63/61. Dönhoff 327 l— 78. »elchöft,z«It S— 5. Sonntag» 10—3 Uhr. Aul Wunsch/ Bertreterbesuch T�satei', Lichtspiele usw. WM der machen JCeule Schöne 9Qeider machen Srende Freitag. 28. 6. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 162 19'/! Uhr Andrä Chenier Freitag, 28 Stadt. Oper Bismarckstr Turnus IV 199! Uhr Staats-Oper Am Pl.d.Republ. A.-V. 27 20 Uhr Nettes vom Tage Staatl. Sdiausph. am äendarmenmarki A.-V. 150 20 Uhr Staatl.Sehlllei'-Tliester.Cliarltli. 20 Uhr Treibjagd 6 utr» Zentr. 2811• üacUien erlaDl)l[{ Bon-John Jazz-Girls Scamp& Scamp, die lustigen Berliner and welter»A7ariet6-KaMlkrIiieK Sonnabend onfl Sonntag j le 2 Vorsiellangcn und � Uhr..i80 kleine Preise. Rose- | Theater, Grofjc Fronktniier Str. 1J2. rsglida 8.15 Uhr; ,„PBeiseSkera" Gartenbohne täglida: | 5,30 Uhr: Konzert and banter Tefl uhr: Die geschiedene Frau Beneo-UDiDJeMelin FreUIagc* ca. 30- 60 Mark Femer mass-anzoge lolcrdguiospicls« rncoD ca. 2t- TS M. GrossasTiüSiIap. Verlrtätte im Hause Schiff, Lankwitz Kairer-Wilhclm. Strasse 37, I Treppe Etadcndesdiaft für Hcrrcnmodca Femsprecher: Amt Uchterfelde G 3/ 5538. 8 Unr d 5 Barbarossa 9256 O'Harüon& Zambuni nnd nie weiteren ültrohtloaen Sonnabend und Sonntag le 3 Verstellungen 1" und 8 Uhr.— 3" ermäßigte Pr. iiiiininiiiii III! WM IM— ooQoeooooci— Sommer-Qarten-Theater Berliner Prater N 58, Kast.-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 CHtspItl Sushi Eter. GielM LUin in der Operette „Der ersten Liese goia'ne zeit- rette in 3 Akten(30 Mitwirk.) ...... pa- Burleske in I Akt mit Qustel Beer, • OPe 0 Per erner;„Er Ist liol» der Papa" Qretel Lilien. Dazu der gro6e neue Tarleidieil. Anfang Konzert 4.S0. Burleske u. Variet« 0 Ukl. Upercll« 6.30. leden Doanersiao oroBer Volkstao. •OOOOOOOOO I®©ö«®OGOOO Mmi THeater D.I. Norden 12310 8U� Ende gegen 11 Die FiedermaDS Musik v.Job. StrauB. Regie; Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg L. Kainer Die Komödie 1 J I Bismck. 241 4�7516 1 B'ti, Ende ßeg. IDViU. letzte Aenübniniea i Der Kanu, der seineu Namen änderte 3 Akte von Edgar Waiace. Regie: Hei nzHilpert Rennen zu ftrausberg Freitag, den 28. Juni, nachmittags 3 Dhr. Relchshalien-Theater Allan eodiidi QO um Slettiner§änger Das wundervollelBnl-Prepr nur noch bis Sonnteg] i Ah 1. lull neues Programm. Dönhoff- Brotti: Montag, I. 7. QioSe Fest- Vorstellung zur Feier des m jährigen Bestehens des Dönhoff-Brettl. gDriioer Taeater DirektHeinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. Ende lOVi U Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Volks SKlbne lüeiter amSSlmmlili 8 Uhr Berlin, wie es ureint u. lacht Staat!. Schiller- Fti. « Uhr Treibjagd Trianon-Th. Täglich 8-/. Uhr Sonntag 3>i- n. 8'U aastspiei der regern- seer r auernoliüne Nur noch bis 30. 6. Der Ehestreik Rundfunkhörer tiBlDe Preise. LuslspielhaBS Tägl. 8V« Uhr Arm wie eine Kirchenmaus Skidelsky, Flin� Berisch u. a. Rundfunkhörer halDe Preise. TbeaL it. Westens Täglich 8'U Uhr Sonntag 3'ä u. S';. Franz Lehan Welterfolg I Fneäcrlfte Lotte Carola Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Earnowskj-Eohnnn Theater in der KSaiggrätzer ttrate Täglich SVt Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich SVi Uhr Charleys Tante mit Curt Bois. Ällgem. Ortskrankenkaue Berlin.-Weifte Allgrtnrinr» n.«rttzensee. 33. Xatchlca tm den Satzungen Per' Oitatranfcnlanc Berlin» Tm{ 47, 9lbl. 2 werden die Worte ,!w Borau»" gestrichen % 47.»ds. 4 erhält folgenden gusatz: »Bon Ardeitgedern, die mii der tzahlung der Beiträge für die angemeldeten Be» schäftigte» und Hau»gewerbelreibenden länger al»»ine Woche von der Zahlung»- auisordrrung ab in Berzug find, ist ein Zuschlag su den Beitrügen in Höhe de» am Eitz» der Kasse libitchen durchschnitt' lichen Bantzin»setz«S fite Leihgelder zu erheden.- Berltn-Weihense«. den 14, Mal U». Sei Vorstand bn KOgomcincn Ortofranfonfass* Oerlin-tOeigenfce «rühmiiller»eorg Schräge Borsttzender Echristführer Genehmigt Sharlottendurg, den lg. Juni 1929, Orr Vorsthrndo de» Ovoroorficherangoamt» verlin Im Austrage: oon After (LS, Au» ertigunq B K 273« Ar, U« i Vorstehender Satznng»- Rochtrag tritt mit dem L Juli 1929 in Krall Berlin-Weißensee. den 26, Juni 1929. Oer vorstand dar kUgemeine» Oclstcanfcafasse verlia-Zveidease« »riihmülier, Vorsitzender Siisnz der Möbelffabrik„Osten" Eingetragene Genossen schaft mit beschränkter Haftpflicht vom 31. Dezember 191S. AktWa Waren-Konto......... Debitoren-Konto........ Kautions-Konto........ Maschinen- nnd Werkzeug-Konto, Bank-Konto.......... Kassa-Konto......... Verlust-Konto......... Anteil-Konto Rücklagen-Konto.. Kreditoren-Konto. Darlehns-Konto.. Reservefonds-Konto Pazoira RM 13 563,85 17 982,14 I.— 2 280,— 559,28 575.88 138,26 35 100,41 RM 210,— 1 350,— 10 465.75 16 222,50 6 852,16 35 100,41 Die Haftpflichtsumme aller Genossen beträgt 210,— RM. etreten I Ge- Ansgeschieden ist durch Tod 1 Genosse, einge nosse- Die Anzahl der Genossen ist mithin 7. Plane larinm am Zoo— Veriizi Jattbiasthilv itnC< B. 5 Barbarossa 5578. 16'/, Uhr Sternbildei dos Sommsr, IS1'. Uhr Oer Qlutboi: dar Sonn» SO1/. U. Von Pol zu Po am Sternenhimniel Tä 1 Mk, Kinder 50 PI. Mittw.; Erwachsene 50 Pf.. Kinder 25 Pf. ägl. außer Montags Mittw. Erwachs. Am 25. Juni verstarb nach kurzem schweren Leiden plötzlich unser lieber Mitarbeiter und treuer Mitstreiter um unsere Menschenrechte, der Setzer PauINcrnnann geb. 10. November 1860. Seine immer durch die Tat bewiesene wahre Kollegialität sichert ihm bei allen, die ihn kannten, ein ehrendes Andenken. Berlin, den 27. Juni 1929. Die Dclegscfaaff der PrenfjfsdiCn Drntkcrcl- und Verlags- Akfiengescllsdiaft. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 29. Juni, nachm. 41/, Uhr, von der Leichenhalle des St-Petri-Kirchhofs, Friedenstr. 91, aus statt J Verkäufe Xapcten. EjiBat, Koioniestroße 9. Marfise», Reite, Blumenkästen, Leiter- i j wagen. Teilzahlung gestattet. 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Die Beerdigung findet am Montag dem 1, Juli>3 Uhr, von der Leichen- halle der Kriedene-Gemeiitde in Nord end aus stall Rege Beteiligung erwartet vi» Orlsverinaltung Lesonaeps Kleinen Anzeige» ____ läge des Vorwärts und trotzdem m der Gezamt. Aallage billig] Leihhaus Moritzplatz 58z. Verkauf von Kavalier-Garderode. teil» auf Seide, Jackett-, Track-. Smokiitganzllae, Da dar- diuemäntel, Bauthanzllge, wr iede Tigur passend, Ertra-Angebote stir neue Dar- derobe, Pelzjacken 50.—. Pelzmantel > 95,—, Sporlvelzc 83,—, DeHpslze 100,—, ! Keine Lombardware I_______ �_ I Noieuidaleestrass« 48, l Treppe. Rühe j Hackescher Markt. Wenig getragene : KavaiieranzUg«, Paletot», Smokings. Delegenheitskoufe neuer Garderoben, alle Weiten, fabelhaft billig. SchendeL \ Wenig getragene Zackettanzllge. teil» auf Seide. 18,—. Smokinganziiue, Bauch j anzllge. Tatllenrnäntel. 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Das hatte ich schon oft getan: aber heute erschien mir das sonst gewohnte Krabbeln der angstvoll um ihre Freiheit kämpfenden Beinchen sonderbarer, es war mir ein unangenehmes Gefühl, als striche jemand mit einer harten, schmutzigen Bürste unaufhörlich durch mein« gehöhlte Hand. Ich sann kindlich darüber nach, warum mich das Sichwehren gerade des kleinen Laufkäfers so merkwürdig berührte, ja, ich gab es mir zu, mich fast ängstlich machte. Di« größeren Tier«, der Maikäser oder der Puppenräuber, die hatten ein« erstaunlich« Kraft, die bohrten mit ihren harten Köpsen zwischen den Fingern, und die klein« Hand mußte sich oft anstrengen, um ihr« Opfer nicht entwischen zu lassen. Und als man gar mal einen Hirschkäfer gefangen hatte, einen ganz besonders großen Burschen mit scharf gezähnten Kneifzangen— oha! Aber dies hier, dies winzige, häßliche Käserchen, das hatte doch so gut wie gar kein« Krast, das irrte in der Hand herum wie m einem großen, dunklen Saal, und vor solcher Wehrlosigkeit hatte ich nun Angst. Ich schalt mich feige und preßte die Finger fester zusammen. Zuweilen, während des halbstündigen Heimweges, dachte ich: „Warum läßt du ihn eigentlich nicht los? Was willst du mit dem häßlichen Dieh?" Aber dann fiel mir Onkel Karl ein und sein überlegen lächelndes Gesicht, als er mir gesagt hatte, ein richtiger Käsersammler dürfe nicht nur auf große Glieder und schön« Farben sehen, oh nein, sondern müsse alles sammeln, alles töten, alles aufspießen, jeden noch so kleinen Käfer; denn die Sammlung von Käserteichen hätte erst dann einen Wert, wenn sie vollständig wäre ... und ich behielt das verzweifelt zappelnde Etwas in der Hand, ob auch aus Angst und aus Scham vor dieser Angst mein Gesicht ganz rot wurde. Endlich war ich daheim. Und als ich den Käfer über das Aether- glas hielt, war im Eifer der sachlichen Arbeit das merkwürdig« Gefühl von vorhin geschwunden. Das Tierchen stellt« sich zunächst tot, ats ich es zwischen die Finger nahm: aber ich lachte: oh, das machten sie olle so: aber wir Menschen waren eben zu schlau, nein, mit solchen Mätzchen konnte mein Opfer mich nicht irreführen, schließlich mußte es doch dran gtaubenl Und sieh mal an: jetzt merkt es den Aether, zappelt wie wahnsinnig: die Bewegungen der Beinchen werden aber schon langsamer, zitternder, hören endlich ganz auf: das Knacken unter dem Rückenschild hört man auch nicht mehr, weil sich der Kopf nicht mehr bewegt: noch ein gang weites Auseinanderbreiten der zitternden Fühler, wie ein Tasten nach einer letzten Rettung, dann ein müdes Zusammenlegen... es ist aus. Mit einem gang feinen Knirschen durchbohrt« die Nadel den grauen Leib. Dann suchte ich aus meinen? Brett noch einem freien Platz für meinen letzten Fang, fand chn, matte kunswoll aus ein kleine« Schild:„Gemeiner Feldlaufkäfer"— und da steckt« er schon! Ich sah stolz über mein großes Brett. Wie das schillerte in allen bunten, gleißenden Farbe», der Welt! Der schlank« Goldlauf- käser mit dem gerippten Panzer, die vielen«dicken, behäbigen Rosenkäfer, die Flügeldecken hatten, so glänzend, wie der Goldschmuck am Weihnachtsbaum, und der schwarzroeißbraune Maikäfer... Mir ftet auf, daß das große Käferchen inmitten all der Pracht eigentlich störend wirkt«. Es gehörte nicht recht hierher mit seiner gedrungenen, platten Gestatt, mit seinem unscheinbaren Kleid. Es war beinah«, wie wenn Hulks Emma aus der Kellerwohnung in unserem großen, hellen Kinderzinuner mit uns spielte; wir hatten sie draußen auf der Straße sehr gern, aber im Zimmer war sie eigenttich nur ein grauer, schmutziger Fleck, der stört«. Und sie zappelt« immer so hilflos auf ihrem Stuhl herum, als möchte sie gern hinunter und dürfe nicht. Tja, in der Stube... aber unten ließ es sich gut mit ihr spielen. Sie war doch schließlich ein nettes Göhr, trotz ihrer schlechten Erziehung und ihrer Schmuddlichkett und überhaupt-- vielleicht war sie unten. Ich ging, um mit Emma Hulk zu spielen, und kgm erst zum Zubettgehen wieder hinauf, mit heißen Bocken, aß hastig, war tod- müde und furchtbar lustig, zog mich aus. Und gönnt« mir gerade noch die Zeit, rasch einen stolzen Blick auf meine Käfersammlung zu weisen. Do waren sie all«, groß und steif und stumm und schimmernd, wie die Ritterrüstungen in dem Schloß, das wir eirninal besucht hatten. Aber da— hall oh!— was war denn das? Saß, lief da eine Fliege? Da bewegte sich doch etwas? Da kroch doch etwas und kam nicht von der Stelle? Ich fühlte, wie ich leichenblaß wurde und dann jäh wieder rot, wie ich schreien wollte, und wie etwas mir die Kehl« zusammenpreßte, aber ich zwang mich, genau hinzusehen, nochmals— es mußte ja Unsinn sein, ich mußte mich doch versehen haben, wie könnt« denn auch ein« Leiche-- aber nein, aber nein! Da war der klein«, graue Käfer, den ich gefangen hatte, da war er, mit der Nadel, die ihm die Brust durchstach, fest auss Brett geheftet, und— lief, lief, setzte Beinchen um Beinchen hastig aus das Brett, daß es leise schnarrte, und kam nicht von der Stelle— d!« Nadel hielt ihn— und lies und lies— die kleinen Fühler tasteten hastig im Raum, die winzigen, schwarzen Augenkugeln sahen, so schien mir. verzweisölt auf die bunte Umgebung ringsum, der er vergeblich zustrebt«__ er lebte! Und lief... .Herausnehmen, totmachen, tottreten/ dachte ich, stichle die zitternde Hand zum Brett zu bewegen, erreichte es mühsam— da — mein blasser Finger war schon am Kops der Nadel— aber ich zögerte. Ein« wahnsinnig« Angstvorstellung sprang in mir auf. Wem, ich ihn jetzt wegnahm vom Brett, und er würde jetzt lausen können, richtig lausen, würde vorwärtskommen, mit der Nadel im Leib— immer weiter, immer nähxr— das wäre ja noch schreck- licher! Manchmal würde er vielleicht umfallen, weil ihm die Nadel zu schwer war, und sich wieder ausrichten— nein, nem. das ging doch nicht! Ich mußte ihn herausnehmen und tottreten— sofort! Ich berührte wieder die Nadel. Aber da war wieder ein Gedanke. Ein« wilde phantastische Borstellung, die mir im Nu ganz wirklich, ganz selbstverständlich mar. Wenn er herunter mar vom Brett, der Käfer, wenn er frei war, wenn auch mit der Nadel— er mußte doch furchtbar böse auf mich sein, er mußte mich doch Hasjen— dann würde er sich rächen! Ganz gewiß würde er das tun! Er würde mir behend entkommen, würde weglaufen, sich in irgend einer Eck« verstecken, und nacbts, wenn ich schlief, in mein Bett gekrochen kommen, mit der Nadel im Leib... Oder nein: vielleicht, wahr- scheinlich würde er plötzlich ganz groß werden, gang riesengroß, natürlich, das würde er— viel größer noch als der Hirschkäfer, so groß wie ich, und würde mich töten wollen, und wenn ich mich wehren würde, so würde er noch viel größer werden, so groß wie Vater-- Vater— da war Rettung! Papa! Emen kleinen Augenblick war ich glücklich, rannte zur Tür, um Papa zu rufen— und blieb wieder stehen: nein, nicht Papa— vielleicht würde er mich schlagen — aber das täte ja nichts— aber— ich schämte mich doch so! Papa-- Bater würde mich auslachen, well ich solche Angst gehabt hatte! Sicher, auslachen würde mich Vater! Oh, das hielt ich nicht aus. Ich mußte ihn eben doch totmachen, den Käser. Ich trat zum Brett zurück. Da lief er immer noch, kratzte mit den sechs wildrudernden Beinen auf dem Brett, setzte sie vor und zurück, unaufhörlich, strebt« weg von dem Schildchen, aus dem kunst- voll sein Name stand:„Gemeiner Feldlauskäser"— und kratzte so laut! Wenn er nun, wenn er nun— die andern ausweckt? Di« haben vielleicht alle bloß geschlafen oder so? Wenn der Maikäfer und der Hirschkäfer, wenn das ganz« Brett-- Nein. Die steckten alle steif auf ihren Nadeln. Nur der klein« Grau« lief und lief... Warum sah ich nur immer hin? Ich wollt« weggehen— und konnte es nicht. Wenns dunkel wäre, wenigstens dunkel— dachte ich. Ich ging vorsichtig rückwärts, di« Augen aufs Brett gerichtet, zum elektrischen Kontakt, schallet« aus, atmete aus. Dunkel— ich sah nichts mehr. Schnell ging ich zu Bett. Nun mußt« ich das vergessen. Nun konnte ich das vergessen. Ich sah es ja nicht mehr! Es ivar so unheimlich still im Zimmer. Aber nein— da— ein ganz leises Knirschen. Als ob jemand mit Nadeln auf Holz kratzt... das— das war der Käfor, bestimmt, der lief immer noch. und ich hörte es, mußte es hören.... Ich sprang wieder aus, tastet« mich im Dunkeln zum Fenster, wo das Brett stand, faßt« es vor- sichtig, zitternd an der äußersten Kante, machte den großen Schrank aus, stellte das Brett in die oberste, hinterste, dunkelste Ecke, schloß die Schranktür ab, legte den Schlüssel unter mein Kopfkissen.... Ich hörte nichts mehr. Er konnte da nicht heraus. Ich war ganz sicher vor ihm. Wieder lag ich im Bett. Lauscht« aus jedes Geräusch. Nein — nichts mehr. Oder doch? Da— nein. Unten auf der Straß«, fem, hatte etwas geklirrt. So laut kann doch kein Käfer kriechen! Aber da— von dort...? Ich steckte den Kopf unter die Decke— und betet«. Halbstundenlang.„Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm. Lieber Gott, mach den Käfer tot. Lieber Gott, nimm dem Käser di« Nadel aus dem Leib. Lieber Gott, Bater soll das Brett erst finden, wenn du den Käfer totgemacht hast. Lieber Gott, ich will nie wieder einen Käfer töten... lieber Gott, mach mich fromm--* Ich wollt« weinen. Es wurde ein trockenes Schluchzen. Mir war es heiß wie in einem Ofen. Und dabei war ich so müde.... Meine Gedanken sanken in Halbträum«. Ich ttäumte die oberste Schrankeck« vor meine Augen, das Brett darin, der Käser lief noch immer. Und kam nicht vom Fleck... Plötzlich war das Brett unser Spielzimmer gewspden, unser großes, buntes Spielzimmer. Und der grau« Käfer wak jetzt die schmutzige Emma Hulk, die saß auf ihrem Stuhl und zappäste, als wolle sie hinunter und könne nicht. Und nun sah ich auch, warn»» sie nicht tonnte: sie hatte ein« Nadel durch den Leib, eine große Nci&el wie ein Säbel, damit war sie an der Stuhllehne sestgenogelt. Dar»?, kam Bater und riß Emma von ihrem Stuhl loß, und Emma lies auf ntich zu den Säbel im Leib... da war das Spielzimmer schon wieder hps Käserbrett, und Emma Hulk der graue Käser. Der hatte sich nun doch losgemacht. Papa hatte ihn losgemacht.„Papa", rief ich, aber Papa war nicht mehr da. Der kleine Käfer kam schnell auf mich zu. wurde immer größer — nein, nicht doch: es wurden immer mehr, es waren viel« graue Käfer. Krochen alle auf mich los. Hatten alle eine Nadel im Leib. Der Fußboden rauschte leise unter ihren hostigen Deinen. Immer näher, immer näher... Keiner von den großen war darunter. Gott sei Dank: nur kleine, schwache Tiere. Aber jetzt sind sie schon bei mir. Ich fliehe, lauf«— die Käser sind schneller. Oder— was? Nein, ich kann ja gar nicht von der Etelle. Ich bin ja mit ein«. großen Nadel an den Fußboden genagelt! Die Käfer klettern an mir hinaus. Die Nadelspitzen, die unten aus ihren Leibern hervorragen, schrinnen über mein« Haut. Wie wenn einer mit einer schmutzigen, harten Bürste darüberstriche— wie heut« mittag, als ich ihn nach Hause trug.... Immer höher klommen di« Käfer— oder waren es lauter schmutzige, graue Kinder wie Emma Hulk— ich wußte es nicht.... Aber jetzt war etwas aus meinen Augen, kroch in mein Ohr, in meinen Mund, der zum Schrei offen war.... Da, als das Tier mit seiner Nadelspitze meine Zunge aufriß, da konnte ich schreien, da schrie ich geängstigt, geekelt, wild, gellend-- Dann war ich bewußtlos. Das erste, was ich wieder härte, waren die Worte unseres Arztes, der an meinem Bett stand. Es war Morgen,„lieber j standen. Kleinigkeit für so'n Kind. Vierzig Grad Fieber. Muß' sich irgendwie furchtbar ausgeregt haben..." Ich schlief wieder ein. Am Abend fand meine Mutter mich wach und weinend.„Mama/ heult« ich zwischen Tränen und Schluchzen,„Mama, im Schrank—, im Schrank steht die Käsersammlung— hier ist der Schlüssel. Mama, nimm sie heraus, und wenn sie— und wenn JW m Ordnung ist— ich will sie nicht mehr. Schickst du mal nach Emma Hulk, Mama? Sie soll sich alle großen Käfer holen. Ich will sie ihr schenken. Bloß den kleinen grauen, den soll sie wegtun.,.* ijonaitmn: 3>er tB Es geschah einmal wieder, daß die Parteien des Lande» aus nichtigem Anlaß heftig miteinander haderten. Da sandten ihre Führer Boten zu Sedif Alam, dem Weisen: er möge ihnen die Ursache ihrer scheinbar unüberwindlichen Streiffucht kundtun. Sedif Alam hieß die Abgesandten warten bis zur Vesper- stunde. Alsdann führte er sie vor einen Bäckerladen und bedeutete sie, schweigend durch das Schaufenster zu beobachten, was sich drinnen begeben würde. Es dauerte nur kurze Zeit, da betrat ein kleines Mädchen von zehn Iahren oder ein weniges darüber den Laden. Während die Verkäuferin, an den Brotregalen hantierend, dem Kinde beharrlich den Rücken zuwandte, nahm dieses einige Weißbrote vom Laden- tisch, füllte sie in ein Körbchen und entfernte sich stumm, ohne Geld zu hinlerlegen. Sedif Alam aber sprach zu den Abgesandten der Parteien: »Nun kündet mir, ihr Freunde, was ihr soeben erblickt habt?" Er hatte diese Frage kaum gestellt, als ein stattlicher Mann mit weißem Schnurrbart im geröteten Gesicht heftig losbrach:, „Da haben wir den Abgrund der sittlichen Nerwilderung, in den diese schmachvolle Revolution unser Bolk gestürzt hat. Schon die kleinen Kinder werden jetzt von den Eltern zum Stehlen ab- gerichtet. Sicherlich ist der Vater dieser im Keime angefaulten Großstadtpflanz« einer jener schnapsduftenden Volksbeglücker, die in der Kneipe gegen das fluchbeladene alte Regime wettern, wäh- rend sie den letzten Pfennig der ergaunerten Arbeitslosenunter- stützung durch die Kehle jagen. Zu Hcnise geht es dann mit dem Stock über die Kinder her, wenn sie nicht genug zusammengebettelt und gestohlen haben." „Anschaulich ist dos Gemälde, das du uns entwarfest", lächelte Sedif Alam.„Aber ihr anderen, saht ihr das gleiche?" „Ganz und gar nicht," meckerte, erregt die flach« Tolle strei- chend, ein Abgesandter mit rotem Knebelbart über wehendem Schlips.„Ich erbtickte hier vielmehr die Kehrseite einer unslttlichen Gesellschoftsordmmg, di« tn den Läden Brot anhäuft, auf den Straßen die Massen vor Hunger oerkommen läßt. Was hier ge- schah, ist die best« Kennzeichnung der großkapitalistischen Geldsack- republik, in der wir leben! Wo bleibt die berühmte Sozialpolitik, mit der man die Arbeiter zu ködern sucht? Das Kind eines Er- werbslojen, der seit Monaten ausgesteuert ist, wird durch den nackten Hunger zum Diebstahl verleitet! Di« soziale Ungerechttgkeit und Gleichgültigkeit des Staates treiben ein unschuldiges Wesen auf di« Verbrecherlaufbahn!" „Mir scheint doch", räusperte sich ein würdiger Herr in zuge- knöpftem Nock,„daß aus dem beobachteten Borfall in erster Linie die sittliche Verwilderung eines gottlos gewordenen materialisti- schcn Zeitalters zu erkennen ist. Ohne Glauben und Sittlichkeit mächst unsere Großstadtjugend heran, die Kehrseite ist das unge- gehemmt« Erliegen gegenüber der Versuchung. Ist dieses Kind über seinen Diebstahl auch nur errötet? Dachte es an das göttliche Gebot„Du sollst nicht stehlen?" Fürchtete es seines Gottes strafende Hand?— Wahrscheinlich hat es im Kino etwas Aehnliches essehen und diese Handlung triebhaft nachgeahmt. Schmutz und Schund sind die Berderber unserer Jugend." „Das geht doch etwas weit", keuchte schweratmend ein Glatzkopf, dem eine große Perle aus der Krawatte stand.„Religion-r- gewiß eine gute Sache: Aber man lasse sie bei alltäglichen Dingen aus dem Spiel. Nein, meine Herren, was wir hier gesehen haben, ist etwas ganz Anderes! Soll ich chnen sagen, was es war?—? Einfach eine Folge unserer fasschen sogenannten Humanität, unserer vielgepriesenen sozialen Schutzgesetzgebung. Warum stiehlt das zehnjährige Kind? Weil der, ach so fürsorgliche Staat ihm verbietet, durch Arbeit das Nötige zu oerdienen. Gestatten Sie mir, dieses Kind in meinen Wertstätten zu beschäftigen! Es wird mit Leichtigkeit seine 7 Pfennige die Stunde verdienen und dann nicht mehr nötig haben, Brot vom Ladentisch zu nehmen, das es mit wohlerworbenem Geld« bezahlen kann. Aber das scheint dem heutigen Staate inhuman! Gewiß, es sst humaner, das Kind zum Dieb werden zu lassen, als es mit nützlicher Arbeit zu beschäftigen!" „Seltsam," lächelte Sedif Alam, nachdem mm alle Abgesandten sich geäußert hatten.«Ein einziger Borgang hat sich hier abgespielt und dennoch sahen vier verständige Männer vier völlig verschiedene Dinge. Vielleicht könnte ich selber eine fünfte Deutung geben. Doch genug der Widersprüche! Gehen wir dem Rössel auf den Grund, folgt mir in den Laden!" So taten sie und Sedif Alam fragte alsbald die Verkäuferin: „Sähest du wohl das Kind, das sich vor wenigen Augenblicken hier im Laden zu schaffen machte?" „Gewiß," nickte die Angeredete.„Durch die Spiegel cm den Wänden überblicke ich jederzeit dm Verkaufsraum, auch wenn ich ihm gerade den Rücken kehren muh." „Aber warum"— so riefen die Abgesandten der Parteien wie aus einem Munde—„haben Sie dann das Kind, als es ohne zu bezahlen den Laden oerließ, nicht sofort angehalten?" „Angehalten— ja, weshalb denn?" fragte die Verkäuferin er» staunt.„Es war doch meine» Meisters Töchterlein, das, wie all- täglich um diese Stunde, das Vesperbrot für de» Meisters Familie holte." Da sahen die Abgeordneten der Parteien einander an und schwiegen. Sedif Alam aber trat in ihr« Mitte und sprach: „Meldet den Parteien, die euch zu mir sandten, was ihr hier erlebtet. Und tut ihnen meine Meinung mit diesen Worten tmid: Wolltet ihr euch bemühen, in euren Reden und Schriften, die Dinge erst zu erkennen, bevor ihr euer Urteil über sie fällt, anstatt daß ihr, wie e« jetzt euer Brauch sst, in umgekehrter Reihe oer- fahrt,— dann würdet ihr dem Volke weniger oft den Anblick srucht- loser Zwietracht geben."_ Da, kälteste Gebiet der Erde ist das Gouvernement Jatutsk, östlich des Lena-Flusses in Oststbirien, und hier hat wieder der Ort Werchojansk im Tale der mittleren Jana di« niedersten Winter- temperaturen, die jemals auf der Erde gemessen wurden. An besonders kalten Tagen sinkt hier die Temperatur aus fast 7v Grad, und diese furchtbare Kälte kann selbst von dem dort wohnenden Polar- volk der Jakuten nur deshalb ertragen werden, weil gerade in der Periode des strengsten Frostes völlige Windstille herrscht. Die An- nähme indessen, daß Werchojansk gewissermaßen den Kältepol unserer Erde bildet, hat sich, wie Prof. Baschin mitteilt, nicht bewahrheitet. Der russische Geologe Prof. Obrutschew hat nämlich weiter östlich in dem Gebiet des Indigirka-Flussee«in bis dabin völlig unbekanntes, mächtiges Hochgebirge entdeckt, in dessen Gegend die gemessenen Temperaturen jeweils noch 4 bis 7 Grad unter denen von Werchojansk lagen. Man neigt daher der Annahm« zu. daß der„Kältepol" der Erde sich allmählich nach Osten hin verschiebt. Theakerprogramme, die im Dunklen zu lesen find. In einigen Londoner Theatern wird zurzeit ein interessanter Versuch mit neu- artigen Theaterprogrammen, die im Duntten zu lesen sind, gemacht. Sie werden auf schwarzem Grund mit weißen Lettern gedruckt, und der„Druckenveiße"«st etwas Phosphor beigemischt. ■efiUNNENSTRl KUX ALUANCC MDTrBUSfROAMT'I v.aiiuwui.iuiukuia#m�|WWi,IW;i.i.r.� AliBCAKOERPt/ ANOOCAS .mmkmu mmwimmi. LMSiSS�-M (■«cm-KAU