Abendausgabe Ttr. 302 Biso 46. Jahrgang WöchnilNa,«8 5t. monotTld; 1.80 TO. >m oorau« joljlboi Po»d«zu« 4.32 TO einschließlich 80 Ptg.Poftzeilung»» und 72 Lsg Dokdesiellgeduhnn Uutlanb» abonnemtiu 6.— TO pro TOon«. « Set.Son»«n-'«rscheim mochenlSg. lich zweimal, Sonnlag» und Mnnlag» einmal, dl, Adendaueaaden füt Berlin und im üandel mil dem Tilei.Set SIbenb" Stluftnertf Beilagen.Solf und Zeil' und.Kindersreund'. gernet „Unkerhallung und Willen»,.Frauen» stimme".Technik'.«li» in die BüchenoeU" und»Jugend-Vorwirl«' Neriinee VoWsbiatt Montag 1. 3u(i 1929 13 Pfennig Sli e i n l d o ll i g. Nonpareillezeil, SO B'ennig. Reklamezeil. 6.- Reich». >narl.Klein» Anzeigen" da» iellge» druckle Wan 2i Pienmg izulällig zw», lellgedru-tle Wane). lede» Meiler, Wan 12 Blennig vlellengetuche da? ersle Wan l» Psennig. ledee weiter» Wan 10 Blennig Wan, Ode» IS Buchliaden zählen 10» zwei Warle Arbellsmartl Feile 80 Blennig. Familienanzeigen Zeil» 40 Blennig Anzeigenannahme imF>aupt. gelchäll Lindenllraß, 8 wachenläglich oo« g'). dl» 11 Uhr. Jenttawesm» der GoziatdemoSratikchen Vavtei DeuNGNmdS Nevaktion und Verlag: Berlin SD 68. Lindenftrotze 3 Kernlvre-ber- Dönboki SK—SSTI teit(jramm»«tT.: Lvzialdemokal Berlin Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Pvstlcheckkonio: Berlin 8? SSL— Bankkonto: ttani Ott Arbeitet. flngttteUiar und Beamten ffiaDfti. 66 Tikkonto-Gelelllchalt Tevofitenkalle BinOenftr V Dokumentenfätscher vor Gericht Aus den Geheimnissen einer politischen Nachrichtenzentrale. vor dem Schöffengericht Derlin» Schöne- berg stehen heule der ehemalige russische Wirkliche Slaals- rat und Untersuchungsrichter der zaristischen Ochrona, Wladi» mir Orlofs und der frühere Leiter der besonderen Abtei- lung des geheimen operativen Teiles der Tscheta und Präsident an der Sowjetvertretung in Verlin. pawlunowsti S n- marokow. An den Händen des einen klebt Kommunisten- blul. an den Händen de» anderen Blut von Anlitommunisten. Später fanden sich aber die verwandten Seelen. Di« Anklage lautet auf versuchten Betrug und Ur» kundensälschung in einem Fall« und auf vo>lend«ten Betrug und Urkundenfälschung in einem zweiten. Der Prozeß wird sowohl in die eigenartig«» Persönlichkeiten der An- geklagten als auch in die trüben Quellen de? antisowjetistischen Nachrichtendienstes hineinleuchten. Die zur Verhandlung stehenden Fälle bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus der ver- zweigten Fälscher- und Nachrichtentätigkeit des russischen Staats- rats Orloff. Ln der onierikanischen.-Presse wnrdeudie Sc na- toren Borahd und Norris verdächtigt, von der Sowjetregierung Bestechungsgelder empfangen zu haben. Man sprach von je IM 000 Dollar. Auch Dokumente tauchten auf, die diesen Ver- dacht zu bestätigen schienen. Eine vom Senat eingesetzte Korn- mission stellt« fest, daß diese Dokumente Fälschungen seien. Der in Berlin lebende amerikanische Journalist Hubert Knickebocker versuchte dem Ursprung der falschen Dokumente nachzugehen. Ein gewisser Pawlunowski, der über gute Be- ziehungen zur GPU. verfügen wollte, erbot sich umer Bermittlung eines Barons K ü st e r und eines Herrn D a s I e>, die erforder- lichen Unterlagen zu verschaffen. Cr verlangte einen Vorschuß von 100 Mark, den er auch erhielt und überreicht« Kmckcbocker Anfang Februar zwei Schriftstücke und einen Chiffrierschlüssel dazu. Knicke- bocker taß die Schriftstück« photographieren und übergab sie dann der Polizei. Pawlunowski erklärte sich bereit, auch ein drittes Schrift- stück zu verfchasfen. Die Polizei hatte aber unterdessen die beiden ersten als Fälschungen festgestellt: es gelang ihr durch einen ganz 1 besonderen Trick, in der Wohnung Knickebockers auch vom dritten Schriftstück eine Photographie herzustellen; auch diese« war ge- fälscht. Von P. führten die Spuren zum ehemaligen Staatsrat Orloff. Die Polizei entdeckte in Orloffs Wohnung eine regelrechte ASscherwerkstatl: eine große Anzahl von Stempeln, photogrophische Apparate, Kar- teien. Photographien von russischen Kommunisten und verschiedene Dokumente, darunter angebliche Berichte des Leiters der Auslands- abteilung der GPU., Trilisser. aus denen hervorgehen sollte, daß die Borahd- und Norris-Dokumente von der Sowjetunion selbst gefälscht worden seien. Die zweite Anklage ist nicht weniger interessant. Bei dem vom Reichskommissariat für öffentlich« Ordnung verhafteten Spion Laursen fand man ein Schrift st ück, das nur durch die Untreue eines Beamten des Reichskoinmissariats jenem in die Hände gespielt sein konnte. Das Nachrichtenbureau Siewert über- nahm es. den Beamten festzustellen. Zu diesem Zweck bediente es sich P's., der sich auch in diesem Falle einen Vorschuß geben ließ. Er brachte bei Siewert eine Anzahl Briese an. di-> angeblich von dem Leiter der Außenavteilung der GPU., Trilisser, stammen sollten, in Wirklichkeit aber, wenigstens zu einem Teile, w.eder gefälscht sein lallen. Außerdem nannte er Siewert angebliche Deckadressen von Sowjetbeamten, unter denen sie postlagernd ibr« Korrespan- denz erhalten sollten. Auch diese Briefe waren von Orloff hergestellt. Die heutige Verhandlung sindet unter dem Vorsitz des Amts- gericktsrats Feldhahn statt. Die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. I a f f il und Fuchs. Der Verhandlung wohnen Vertreter der Reichsregierung, des Reichswehrministeriums und der Sowjetrcgierung bei. Oer Anaettagie Ottoff ist ein würdig aussehender Herr im Alter von 47 Jahren, mit einem langen, graumelierten Bart. Die Augen sind von einer großen Brille verdeckt. O r l o s s hat dos Gymnasium in Warschau besucht und Jura studiert. Im Jahr« 1S0S Untersuchungsrichter in Lodz. n?ar er später nacheinander Staatsanwalt, Untersuchungs- richter sür besondere wichtige Angelegenheiten(hoel;vcrratssachen) während des Weltkrieges und Untersuchungsrichter bei dar Obersten Heeresleitung. Nach der Oktober-Revolution will er aus auti- bolschewistischen Motiven heraus in den Dienst der Bol'ckewistcn getreten sein.(Fortsetzung 2. Seite.) SiundesregaUa der Arbeiler- Anderer 3)er siegreiche Renn achter des„Vum- und Sportvereins Zortschritt, 3)resden' (SSerifhle über die Xegalla in der SBellage) Joseph Wauters gestorben. Ein schwerer Verlust der belgischen und internationalen Arbeiterbewegung. Brüssel. 1. Juli.(Eigenbericht.) Zosef W a u k e r s ist in der Rachk vom Sonnabend zum Sonn- tag einer Srcbskrankheik erlegen. Er ist nur 54 Jahre alt geworden. Es ist keine leere Redensart, sondern tief gefühlte Wahrheit, wenn wir sagen, daß sein hinscheiden für den belgischen Sozialis- mus einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Wie kein zweiter war er mit allen Fasern mit der Arbeiterklasse des Landes ver- bunden, die ihm unvergleichlich viel zu danken hat. War er schon während der schweren Kriegsjahre ihr wichtigster Helfer und Be- rater, so war er es. der in den ersten Nachkriegsjahren als Ar- beitsminister dank seinem großen Wissen, seiner Hingabe und seiner unverwüstlichen Arbeitskraft das gewaltige soziale Werk voll- brachte, das das heutige Belgien so sehr von dem der Vorkriegszeit unterscheidet, Achtstundentag, Arbeitslosenhilfe, Altersrente, Arbeiterwohnungebau waren in erster Linie sein Werk. Ohne seine Tatkraft wäre der gewaltige Aufstieg der bel- gischen Arbeiterklasse zu einer gewerkschaftlichen, genossenschaftlichen und kulturellen Organisation nicht zu denken. Ihm ist es zu danken, daß Belgien als erstes Industrieland das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag bedingungslos ratifiziert hat. Er war ein unerbittlicher Feind jedes Chauvinismus. Cr war einer derjenigen, die zur Zeit schlimmster nationaler Verblendung mit größter Energie gegen die Besetzung des Ruhrgebiets protestierten. Er war es auch, der seit Jahrzehnten das Zentrnlorgan der bei- gischen Arbeiterpartei, den„P e u p l e". leitete und es zu der be. dcuienden Zeitung gemacht hat, die es heute ist. * Der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokrotis hat der belgischen Arbeiterpartei telegraphisch sein Beileid übermittelt. Genosse Arthur Crispien wird die deutsche Partei bei den Trauerfeierlichkeitcn am Mittwoch vertreten. Das neue Solkshous in yaris. Paris, 1 Juli(Eigenbericht.) Die französische sozialistische Partei ha: am Sonntag in Paris unter würdigen Feierlichkeiten ihr neues Heim eingeweiht. Zahl- reiche Delegationen der ausländischen Bruderparteien und der Pro- vinzverbändc waren dazu erschienen. Nachmittags fand ein künst- lerischer Festakt im großen Versammlungssaal des Parteihaufes statt. Unter der Mitwirkung zweier belgischer Arbeiterkapelleit schlössen die Festlichkeiten mit einem großen Bankett, an dem rund tausend Personen teilnahmen. Unter den Ehrengästen be- merkte man u. a. den Generalsekretär der Internationale, Fritz Adler, die deutschen Reichstagsabgeordneten B r e i t s ch e i d, E r i s p i e n und Toni Sender. Der Führer der französischen sozialistischen Partei, Leon Blum, benutzte die Gelegenheit zu einer politischen Rede. Er sprach vor allem über die innerpolitische Taktik der französischen sozialistischen Partei Wenn sich die Gelegenheit dazu biete und wenn die Me�r- heitsverhältnisse eine dauernde Arbeit gewährleisten, würde die so- zialistische Partei immer bereit sein, die Führung der Regierung zu übernehmen. Sie lehne es aber ab, mit den bürgerlichen Links- Parteien in eine Koalition einzutreten, denn sie wünsche ihre volle Unabhängigkeit und Handlungsfreiheit zu bewahren. Sie könne daher gegenüber einer bürgerlichen Linksregierung nichts anderes als eine Politik der Unterstützung betreiben, da sie nur bei dieser Politik in der Lage sei, in voller Unabhängigkeit sich von Fall zu Fall zu entscheiden. Aufgelöstes Kommissariat. Die lleberwachung der Ordnung gesichert. Aus der Zeit des Kapp-Putsches und der nationalistischen An- schlüge gegen den Lestand der Republik stammt das dem' Reichs- Ministerium des Innern unterstellte„Reichskommissariat sür Ueber- wachung der ösftntlichen Ordnung". Sein Leiter war bisher Oberst a. D. Kucnzer. Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten ist dieses Reichs- kommissariat jetzt aufgelöst worden. Die republikanische Staatsform hat sich inzwischen so gefestigt, daß eine besondere Reichsbehörd« für politische Ueberwachung nach Ansicht des Ministers nicht mehr erforderlich ist. Amerikanisch« kreuzerbauien. Zwei von den vom Kongreß be- willigten 10 OOO-Tonnen-Kreuzern sind in Auftrag gegeben worden. der ein« bei einer staatlichen, der andere bei einer"privaten Werii Die Bauzeit wird drei Jahre betragen. Der Fälscher-Vrozeß. (Fortsetzung von der I.Seite.) litis der Angeklagte sich ausführlich über eine gewisse Nach- richtenorganisation auslassen will, unterbricht ihn der Vorsitzende. Er kann nur soviel sagen, daß im Ausland drei bolschewistisch« Nachrichtenorganisationen existieren, erstens«ine der Komintern, zweitens eine militärische und drittens eine von der GPU. unter der Bezeichnung„Jno". Die Aufgabe der letzteren besteht u. a. in bar Desinformation, das heißt, gewissermaßen in der Verbreitung von falschen Nachrichten, die etwaige rich- tige Nachrichten durchkreuzen sollen. Der Angeklagte P o w l u n o w s k i ist 32 Jahre alt, nicht groß von Wuchs und spricht mit leiser Stimme. Das Deutsch der beiden ist sehr gebrochen: ein rusi. scher Dolmetscher muß immer wieder eingreifen. Pawlunowski schildert als erster seinen Lebenslauf Er ist als Sohn des bekannten russischen Gouverneurs K a r p o w geboren. Seine Mutter war eine russische Fürstin, angeblich ver- wandt mit dem ruffischen Kaiserhaus. Er machte den Weltkrieg bis zum Jahre 1916 mit und erhielt nach der Februar-Revolution im Jahre 19)7 den Posten eines Offiziers für besondere Austräge beim Stadtkommandanten Petersburgs. Nach der Oktober-Revo- lution will er zusammen mit einigen anderen Offizieren ein« anti- bolschewistische Organisation ins Leben gerufen haben, die sich mit einer weißgardistischen finnischen Organisation in Verbindung ge- setzt haben soll. Als Verbindungsmann fei er dann in die Allrussische Tscheka geschickt worden. Die Tscheka habe ihm den Namen Jakschin beigelegt. Später sei er dann von Moskau nach Charkow geschickt worden und habe hier unter dem Namen Sumarokow eine leitende Stellung in der Tscheka der Ukraine inne gehabt Im Jahr« 1923 sei er schließlich im Auftroge der GPU. nach Ber- lin, ausgestattet mit einem diplomatischen Paß, abkommandiert worden. Auf Veranlassung des Vorsitzenden gibt nun Pawlunowski die Erklärungen zu der ihm zur Last gelegten Aeiklag« Hugenberg will Hängemonopol. Republikanische Gegenwehr soll verboten sein. Der chugenbergsche„Montags erregt sich über die Rede des preußischen Innenministers Grzesinski in Frankfurt a. M.. ins- besondere über jenen Satz, der von den Laternenpfählen handeUe. Die Erregung geht nicht ohne eine kleine Unterschlagung ob, deshalb wollen wir den ganzen Passus dieser Rede noch ein- mal wiederholen:. � „Die unendliche und bewundernswerte Lang- m u t, die im Jahre 1918 die Arbeiterschaft an ihren Drangsa- lierern geübt hat, und die sie damals nach Lage der besonderen Verhältnisse üben mußte, diese Langmut wird nicht mehr geübt werden. Es ist im Reichstag neulich von rechts der Zuruf.An der Laterne aufhängen" gefallen. Man sollte mit so'chen Be- merkungen vorsichtig sein. Die deutsche Arbeiterschaft würde die- jenigen, die frevelhaft auch nur den Versuch machten, ihre poli- tischen Rechte mit Gewalt anzutasten und auf Kosten des Volkes eine Vorherrschaft aufzurichten, diesmal wirklich an die Laternen- pfähle aufknüpfen und sich von niemandem dabei in den Arm fallen lassen!" Den-Satz über den Zwischenruf im Reichstag hat das chugen- berg-Blast wohlweislich unterschlagen! Es ist nämlich der Ansicht. daß Putschisten Hugenbergscher Prägung wohl Republikaner ungestraft an die Laterne hängen dürfen, daß aber jede Gegenwehr der Republikaner streng verboten ist. Die Notwehr der Republikaner gegen die Feinde der Verfassung ist „brutale und gesetzlose Gewalt", der Mord der Putschisten an ver- fassungstreuen Staatsbürgern aber ist eine ehrenwerte und gesetz- mäßige Handlung—, das ist die echte chugenbera-Moral. Der Begriff des Stoatsnotstandes und der Staatsnotwehr sollte den cherren der chugenberg-Presse nicht fremd sein: haben doch ihre Freunde dem Professor Grimm, dem Verteidiger in den Feme- mordprozessen, 59 VM M. gezahlt, damit er den Begriff der Staats- Notwehr herausarbeitet. Oöbn'ch, der Bauernfchlaue. Vertretertag der„Ehristlich-nationalen" Bauernpartei. Am Sonntag tagte in Frankfurt a. M. die Vertreterver- fammlung der„Christlich-nationalen Bauern- und Landvolkpartei". Die ganze Tagung beschäftigte sich weniger mit landwirtschaft- liehen als mit politischen Fragen. Von allgemeinem Interesse ist, daß der Reichstagsabgeordnete Dö brich, der dort zur„pol:- tischen Lage" sprach, die Dolch st oßlüge wieder auf- wärmte. Er führte u. a. aus: „Die Männer, die am 9. November 1913 die Staats- gewaltansichrissen. hätten die Pflicht gehabt, das deutsche Volk zum nationalen Wider st and aufzurufen: statt dessen hätten sie aus Angst und Sorge um die neue Staatsform das deutsche Heer entwaffnet: es kam ihnen mehr auf dse Staatsform als solche, als auf JnhaE und Wert der Staats- form an." Mit diesen Behauptungen stellt Döbrich die geschichtliche Wahr- heit auf den Kopf. Als der 9. November hereinbrach, war kein nationaler Widerstand mehr möglich. Das hatte selbst Hindenburg eingesehen, der schon im September dringend bat, das Waffenstillstandsgesuch möge sofort abgesandt werden, da ftsnst die Katastrophe unvermeidlich sein würde. Das sollte auch Bauer Döbrich wisicn, wenn er von geschichtlichen Tatsachen reden will. Döbrich behauptete weiter, der deutsche Bauer habe unter allen Staatsbürgern dos geringste Recht. Nun ist erst kürzlich im Reichstag festgestellt morden, daß das deutsche Bauern- tum in der Monarchie sinanziell und moralisch niemals so stark unterstützt worhen sei, wie in der Republik. Aber das braucht'Herr Döbrich in seiner Bauernschläuc natürlich gleichfalls nicht zu wissen.. Die Tagung fand ihren Abschluß mit der Annahme einer Ent- schließung, in der„schärfster Kampf gegen Versailles und Kriegs- schuldlüge" angekündigt wird. Reichsregierung und preußische Re- gierung werden aufs schärfste angegriffen, weil sie sich am 28. Juni den nationalistischen Kundgebungen fernhielten. Es wird zu- gleich oegen den Poung-Plan gewettert. Auf der anderen Seite aber fordert diese„nationale" Bauernpartei die sofortige be- dingungslose Räumung der besetzten rheinischen Gebiete und die Rückgliederung der Saar unter Ablehnung jeglicher Kontrolle. Di« Z o l l t o pd e r u n g e n der Reichebauernsront seien dem Partei- und.Koalitionsbedürfnis geopfert worden Zum Schluß wird ein„politisch selbständiges und organisatorisch geeintes Land- volk" gefordert. Wie man siebt, nehmen es diese„Bauern" mit der Wahrheit ebensowenig genau, wie mit ihren Forderungen. Das Llnglück au GeUjames Verhalten Friedrichshafen, 1. Zull. Da» schwere Flugzeugunglück, das sich am Sonn- abend bei Bad Schachen am Vodensee ereignet und fünf Todesopfer gefordert hat. ist nach den Fest- siellungen ohne Zweifel auf einen allerdings durch besondere Umstände verursachten Bcdienungssehler des Piiloten Zinsmeier zurückzuführen. Nach Beendigung eines der üblichen R u n d f l ü g e, wie sie bei schönem Wetter täglich zu Dutzenden im Bodenseegebiet mit ein- motorigen Wasserflugzeugen ausgeführt werden, ging die Maschine über Lindau nieder und war im Ausschweben bis in die nahegelegene Bucht bei Bad Schachen begriffen, wo die Passagiere abgesetzt werden sollten. Das Flugboot bewegte sich in diesem Augenblick genau gegen die schon ziemlich tief über dem Westende des Bodensees stehende Sonne, die auf dem spiegelglatten Wasser sehr starke Reflexe erzeugte. Unglücklicherweise hatte Zinsmeier keine Sonnenbrille ausgesetzt, zumal ja die Piloten in diesem Flugboottyp in einer vollkommen abgeschlosiene» Führer- kabine unterhalb des Motors sitzen und an und für sich überhaupt keine Brille beim Fliegen benötigen. Die starken Sonnen- reflexe auf dem Bodcnsee müssen nun die Ursache gewesen sein, daß der Flugzeugführer sich in dem Absland der Maschine vom See- spiegel verschähle und mit so großer Wucht aussetzte, daß die Spitze des Flugboolrumpfes mit Motor und Fliegersih bei dem durch das plötzliche Bremsen der Maschine verursachten lleberschlag wegbrach. Dadurch mußte sich auch die Passagierkabine sofort mit Wasser füllen und so wurde das sofortige Untergehen des Flugboots herbeigeführt, während bei einem normalen Ueberschlagen, wie es bei schlechten Landungen immer einmal vorkommen kann, das Walser vermutlich erst allmählich in den Rumpf eingedrungen wäre und in diesem Fall die Insassen wohl alle hätten rechtzeitig g e- borgen werden können. Nach übereinstimmenden Meldungen soll allerdings auch hier noch Aussicht auf Rettung der Passagiere ge- wesen sein, wenn der gerade die Unglllcksstclle in kurzer Entfernung passierende planmäßige Bodenseedampfer„B ade n" sofort zur Hilfe herbeigeeilt wäre. Es bleibt völlig unverstandlich, wie der Kapitän des Dampfers trotz der energischen Aufforderungen feiner Ein Tag der Ochsenfurth, 1. Juli. Ei« gräßliches Autounglück ereignete sich nach einem W a l d f e st der freiwilligen Sanitätskolonne von Ochsenfurth in der Nähe von Hopferstadt. Als gegen 2t Uhr der Heimmarsch angetreten wurde, fuhr hinter dem Zuge ein alter ausrangierter Sanitätskraftwagen, der zum Heimschaffen der Gerätschaften und Bierfässer verwendet wurde. Ans der steilen Hopferftgdter steige versagte die Bremse und das Auto fuhr mit voller Wucht in die Menschenmenge hinein. Bei dem Unglück wurden zwei Bersouen getötet und acht schwer verletzt, von denen einer kaum mit dem Leben davon- kommen dürfte. Sieben Personen wurden leicht verletzt. Ochsenfurth ist eine Bezirksstadt im bayerischen Regierungs- bezirk Unterfranken. Drei Unglücksfälle beim Bergrennen. Landau, 1. lluli. 3m Laufe des am Sonntag am T a u b e n s u h l bei Landau abgehaltenen Bergrenueus ereigneten sich drei Unglücks- fälle, von denen einer schwerer Natur ist. Der DKW.-Fahrer S ch ä tz l e- Freiburg kam auf der infolge des anhaltenden Regens sehr schlüpfrig gewordenen Rennstrecke zum Sturz. Sein Beifahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Schätzle mußte mit zersplittertem Knie in das Laudauer Kranken- Haus gebracht werden, wo ihm noch in den Abendstunden das ver- letzte Bein abgenommen werden mußte. Die Maschine wurde schwer beschädigt. Ein zweiter Sturz ereignete sich bald darauf, als der Freiburger Fahrer Dickert kurz hinter dem Ziel mit seiner UT- Maschine zu Fall kam. Dickert erlitt leichtere Verletzungen. Während der Rennen der Sportwagen geriet der Mainzer Lancia-Fahrer S ch e l l i n g aus der Geraden in der Ebene auf der aufgeweichten Straße ins Schleudern. Der Wagen fuhr mit großer Schnelligkeit gegen einen Leitungsmast. Wie durch ein Wunder blieb Schölling selbst unverletzt, während der Wagen vollständig zer- rrümmert wurde. Explosion beim Kohleverflüssigen. Ein Toter, ein Schwerverletzter. Dulsburg-Rlelderich, l. Zuli. In dem Lekrieb der Gesellschaft für Sohleverslnssigung e x p l o- d I e r t e bei der Erprobung des Kohleverslüssigungsver- sahrens noch der bekannlea Methode vergius ein unter hohem Druck stehender Apparat. Durch den ungeheuren Lustdruck wurde der den Apparat bedienende Maun buchstäblich zerrissen, ein in der Arbeitshalle anwesender Ingenieur trug sehr schwere Verletzungen davon. Die obere Hälfte des Raumes samt dem Dach wurden aus- cinandergerissen und fongeschleudert. Unter den in der Nähe des Werkes der Kohleoerflüssigungs- Gesellschaft wohnenden Personen entstand eine P a n i k. Hundertc von Menschen umlager- ten noch spät nachts dos Tor des Werkes. Woraus die Explosion zurückzuführen ist, muß erst die Untersuchung ergeben. Zwei Tote durch Mowrradunfatl. Saalfeld, 1. Juli. Bier junge Leute aus Pößneck und Umgebung, die mit ihre» Motorrädern einen Ausflug unternommen hatten, veranstalteten auf dem Rückweg eine Renn- fahrt. Hierbei streifte ein links vorbeifahrender Fahrt- teilnehmcr ein rechts von ihm befindliches Motorrad der- art, daß beide Motorrader ungefähr Meter fest an- einandergekuppelt nebeneinander herfuhren. Der eine Fahrer wurde dann gegen einen Baum geschleudert und das Rad stürzte einen Abhang hinunter. Die Mit» f dem Bodensee. eines Schiffskapitäns. Fahrgäste und der zur Hilfe herbeikommenden Ru- derer die sofortige Acnderung seines Kurses ablehnen und, als ob nichts geschehen wäre, zunächst ruhig zur Landungsstelle in Bad Schachen fahren konnte. Als er dann von dort angesichts der Empörung des Publikums doch noch zur Unfallstelle fuhr, war es natürlich z u spät, weil das Flugboot inzwischen bereits gesunken w>rr. Wie wir hören, ist von der Reichsbahndirektion Karls- ruhe, der dieser badische Dampfer untersteht, eine Unter- s u ch u n g eingeleitet worden, um die gegen den Kapitän erhobenen Vorwürfe zu klären. Eine amtliche Darstellung. Von der Reichsbahndirektion Karlsruhe wird zu dem Verholten des Kapitäns des Bodenfeedampsers„Baden" bei dem Flugzeugunglück am Sonnabend abend folgende Darstellung gegeben: Der Dampfer„Baden" hatte Lindau sahrplamnäßig um 13 Uhr verlassen und befand sich etwa noch 3 Minuten Fahr» zeit von Bad Schachen entfernt, als sich m einer Entfernung von 299 bis 259 Metern das Flugzeugunglück ereignete. Der Kapitän, der durch Insassen eines Ruderbootes auf das Unglück aus- merksam gemocht wurde, habe nun festgestellt, daß sich an der Un- fallstelle bereits zwei Motorboote und 19 bis 12 Ruder- und Segelboote zur Hilseleistung befanden. Er(ei deshalb zu der An- nahine gekommen, daß schon genügende Hilfskräfte vor- handen waren, und daß er deshalb, well sein Schiff ohnehin mit 499 Fahrgästen schwer belastet war, im Interesse der Sicherheit seiner Passagiere diese erst in Bad Schachen hätte absetzen müssen. Zudem habe der Kapitän geglaubt, daß das Manövrieren des großen Dampischiffes, dessen Räder sehr starke Wellen erzeugen, nur die Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle behindern würde. Man wird dieser Darstellung des Dampferkapitäns wohl vor ollem mit dem Einwand begegnen müssen, daß gerade mit dem großen Schiff, das Leinen und Trossen zum Ueberwasserhalten des sinkenden Flugzeugs hätte auswerfen können, die beste u n o schnellste Hilfe gebracht worden wäre.' Auf jeden Fall zeugt das Verhalten des Schiffsführers nicht von dem notwendigen Ver- antwortungsgefühl gegenüber den verunglückten Flugzeuginsossen. fahrerin erlitt einen schweren Schädelbruch und starb alsbald. Der Fahrer wurde ebenfalls mit einem schweren Schädelbruch dem Krankenhans zugeführt, wo er auch gestorben ist. Die Fahrer auf dem zweiten Motorrad erlitten nur geringe Verletzungen. Wanderergruppe überfahren. Trier, i. Juli. Heute Nacht fuhr�ts, Personenauto In e in e Schar h« i m k e h r en der Wanderer, die vorschriftsmäßig auf der rechten Seite der Straße gingen. Das Auto hatte eine übermäßige Geschwindigkell und gab keine Signale. DreiMann der Wander- gruppe wurden schwer, zwei leicht verletzt. Eisenbahnunglück in Liverpool. 35 Personen wurden verletzt. Liverpool, L Iuli. Bei der Rückkehr eines von h u l l auf dem Bahnhof in Liver- pool einlousendeu Ausslüglerzuges kam es zu einem Zu- s a m m e n st o ß mit einem aus dem Bahnhof haltenden Zug. Da- bei wurden 35 Reisende des Ausflüglerzuges mehr oder weniger schwer verletzt. Unter den etwa 600 Personen diese» Zuge» be- fanden sich zahlreiche Frauen, die in der ausbrechenden Panik Ohnmachtsansälle erlitten. Zum Flug Ehicago-Verlin gestartet. Lleber EanaSa. Island, Norwegen. Die Chicago Tribüne hat ein großes Wasserflugzeug, da» den Namen ,.ll n t i n B o w l e r" trägt, angekauft und gestern nachmittag von Rossevelt Field au» auf eine Europareise geschickt. An Bord befinden sich die beiden Piloten Gast und Eramer, sowie der Berichterstatter des Blattes. Wood. Das Flugzeug wird nur kurze Etappen zurücklegen und über Kanada, Irland und Nor- wegen nach Berlin und zurück fliegen. Man rechnet damit, daß der Flug Ehicago— Berlin fünf Tage dauern wird. Der Flug ist nicht als eine sportliche Leistung oder als Rekordversuch gedacht. sondern soll der wissenschaftlichen Ermittlung einer geeigneten Lustlinie Amerika— Europa dienen. Beginn des Ferienreiseverkehrs. Alle Züge vollbeseht. Erst am 2. Iuli beginnen die Ferien, aber schon sc'l Sonnabend hat ein starker Reiseverkehr eingesetzt, der morgen seinen Höhepunkt erfahren wird. Heut« vormittag war besonders auf dem S t e t t i n e r, Potsdamer, Anhalter und Schlesischen Bahnhof bereits ein Massenandrang zu verzeichnen. Eine ganze Reihe von planmäßigen Fernzügen mußten durch Vorzüge entlastet werden. Alle Züge sind bis zu 99 bis 199 Proz. besetzt. Die Feriensonder. züge sind bis aus einige, die erst zu einem späteren Termin jähren. ausverkauft. Die ersten Fcriensonderzüge haben Berlin mit drin Ziel Oberbaycrn. Ostpreußen und Schworzwald schon verlassen. Morgen ist auf den Berliner Abgangcbahnhösen Haupt- r e i s c t a g. Das Personal ist zum Teil recht erheblich oerstärkt worden. Um auf alle Fäll« selbst dem stärksten Andrang gerüstet gegenüberzustehen, werden 245 Sonderzüge unter Dampf ge- halten, die im Bedarfsfälle sofort als Vor- und Nachzüge in Betrieb gestellt werden können. Sehr stark ist auch wie immer die Nachfrage nach Platz, und Schlafwagenkarten in den Reisebureaus. Hier ist es be- sonders das Mitteleuropäische Rciseburcau, das in diesei» Tagen stets überfüllt ist. I Eisenbahner zum Uoung«plan. Eine Entschließung des Einheitsverbandes. Der Vorstand des Einheitsoerbandes der Eisenbahner Deutsch- lands hat sich eingehend mit dem Doung-P'.an und besonders mit den sich daraus sür das Eisenbahnpersonal ergebenden Auswirkungen beschäftigt und ist zu folgender Stellungnahme gekommen: ,Ln der Beurteilung der sich aus der Neuregelung ergebenden bzw� erhofften günstigeren Einwirkung auf die künftige Gestaltung des deutschen Wirtschastslebens nimmt der Vorstand eine abwartende Stellung ein. Unstreitig ist hingegen, daß die Befriedung Europas eine weitere Förderung erfahren kann. Der Fortfall der Schuld- vcrschreibungen und der ausländischen Kontrolle der Reichsbahn ist als Fortschritt zu werten. Hingegen bleiben andere wichtige Bestimmungen des Young-Plans hinter den Erwartungen zurück und entsprechen keineswegs den Forderungen, die das orgoni- sicrtc Eisen bahnpersonal in Uebereinstimmung mit den nationalen und internationalen Spitzenorganisationcn der Arbeit- nehmer in dringlicher Form erhoben hat. Die Vorschläge der Sachverständigen, daß die Reichsbahn auch in Zukunft ein unabhängiger, privater Betrieb sein soll, der seine Selbständigkeit in finanziellen, wirtschaftlichen und personellen Fragen ohne Einmischung der deutschen Regierung beibehalten soll, können unter keinen Umständen die Zustimmung der Eilenbahner finden. Der Vorstand des Einheilsverbandes gibt sich der bestimmten Erwartung hin, daß die anläßlich des Inkrafttretens des Dawes- Oer Händedruck des Rektors. „Nach dem Studententrawall in der Dann- meile drückte der Rektor der Universität dem Sprecher der Studenten gerührt die Hand." Oer Rektor:.Ich Hab natürlich nur den letzten Satz gehört, wo Sie aufforderten, nun wieder an die Arbeit zu gehen. Warum soll flch'n Rccior magnificus nicht auch mal wie'n Schulbub rausreden, nicht wahr?!" planes für die Eisenbahnerschast geschossenen Ausnahmebestimmungen beseitigt werden, und daß auch sür sie die sür die übrige Arbeilnehmerschost Deutschlands geltenden Gesetz« voll zur Anwendung kommen. E» wird erwartet, daß durch eine entsprechende Besehung de» verwaltuugsrate» auch die Personal- interessen neben deu allgemeinen wlrtschosts- und ftaatspolitischeu Rotweadigkeilen Berücksichtigung finden. Der Vorstand billigt die von der verbandsleitung in Gemein- schast mit der Gewerkschast deutscher Lokomotivführer und im Einvernehmen mit dem ADGB.(Allgemeinen Deutschen Gewertschasts- bund). dem ADB.(Allgemeinen Deutschen Beamtenbund) und der 3XJ.(Internationalen Transporlarbeiter-Föderation) unter- nommenen Schritte. Unter Zustimmung der genannten Stellen wird eine unsere Forderungen und Vorschläge enthaltende Denkschrift, die bereits im Besitz der Regierung ist. auch den gesetzgebenden Körper- schoflen übermittelt werden." Gtaatssekreiär Hermann Geib. Zehn Iahre Dienst an der deutschen Sozialpolitik. Am 1. Juli blickt der Staatssekretär des Reichs. a r b e i t s m i n i st e r i u m s, De. h. c. Hermann Geib, auf eine zehnjährige Amtstätigkeit als Staatssekretär zurück. Geib ist der dienstältest« Staatssekretär, der Reichsministerien und hat eine dreißigjährige Beamtenlausbahn hinter sich Er ist von Geburt Bayer und stammt aus einer alten pfälzischen Beamten- und Gelehrtenfamilie. Vor dem Krieg war er Oberbürgermeister der Stadt Regensburg. Während des Krieges schuf er den Reichs. ausschuß der Kriegsbeschädigtensürsorge. Im März lülli wurde er zum Staatssekretär ernannt. Unter den denkbar schwierigsten Ver- hältnissen hat er den organisatorischen Ausbau des Ministeriums und der lhm unterstellten großen Sozialbehor- den durchgeführt. Die Freien Gewerkschaften und die sozialdemokratische Reichs- tagefraktlon wissen Geibs große Fähigkeiten zu schätzen. Der Rück- blick auf seine zehnjährige Tätigkeit im Reichsorbeitsministerium bietet«Ine willkommene Gelegenheit, Staatssekretär Geib sür seine Leistungen im Dienst der Svzialpolitik der deutschen Republik Zlchtung und Anerkennung zu zollen. Der Reichskanzler hat an Staatssekretär Dr. Geib im Reichsorbeitsministerium ein Glückwunschschreiben gerichtet, in dem «» heißt: „Sie haben in dieser zehnjährigen Amtszeit, die von aufreiben- der Arbeit und schönen Erfolgen erfüllt war, den organisato- rischen Aufbau des Reichsarbeitsministeriums tatkräftig ge- fördert. Darüber hinaus haben Sie vor allen Dingen zu dem mit der Gesamtentwicklung unseres Staatslebens nach dem Weltkrieg« auf das engste verbundenen Ausbau der sozialen Gesetzgebung Deutschlands durch Einsetzen Ihrer ganzen Per- sönlichkeit maßgeblich beigetragen. Ihr Name und Ihr Wirten wird daher mit diesem Werke, einem der HauptpfeUer unserer deutschen Republik, stets verknüpft bleiben. Musik für den Sommer. Gchattplaiienschau/ Von Klaus pringsheim. Orchester und Dirigenten. Die Musikwelt macht Ferien, und auch die Schallplatteniiidustrie stellt sich auf Sommer ein: es wird viel produziert, doch nicht eben viel an Wertbeständigem. Die Sinfonien Beethovens, die srci- lich olle schon vorliegen, sind es gewiß wert, immer wieder neu herausgebracht zu werden— neu: das heißt für uns nach dem gegenwärtigen Stand der Reproduktionstechnik. D. G*) beginnt mit der Ersten in sehr schöner Ausführung und in einer mufter- gültigen Ausführung: die BerlinerPhilharmoniker unter Leitung Hans P f i tz n e r s, der die Partitur mit Lieb« und mit seinem überlegenen Musikergeist durchdringt. Wir danken ihm auch ein« ausgezeichnete Wiedergabe von Webers Obervn-Ouvertüre. P. bringt Beethovens Leonoren-Ouvertüre III, von der Kapelle der Staatsoper unter Joseph Rosen st ocks Führung sehr gut ge- spielt. Nicht in gleichem Maß« gelungen ist die Zauberflöten- Ouvertüre, in der El. ein anonymes»Großes Orchester" einführt: der Klang ist ein wenig derb und undifferenziert. Aber besonders hinzuweisen ist auf die Ouvertüre zu Nicolais»Lustigen Weibern", in der das Pfälzische Landesorchester(Dirigent: Prof. E r n st B o e h«) dos hohe Gesamtniveau bestätigt, das gelegentlich seines Konzertes in der Phllharmonie allgemeinste Anerkennung ge- funden hat. Auch die weiteren Darbietungen dieses Orchesters, fest- lich« Stücke aus»Lohengrin",„Tannhäuser",»Aida",»Prophet" werden willkommen sein. Karl M u ck, der Bayrcuther Meisterdirigcnt, von dem wir schon eine Reihe ausgezeichneter Wagner-Platten besitzen, bringt nun die Holländer-Ouoertüre und das Vorspiel zu»Tristan und Isolde" (El.): wundervoll klingt insbesondere der Streichkörper des Tristan. orchesters. Sehr zu begrüßen ist. daß nun auch der Franzose D e b u s s y öfters auf der Schallplatt« erscheint; von seinen beiden „Nocturnes"(mit denen uns vor kurzem Klemperer bekanntgemocht hat) bringt T. die erste:„Wolken": dos Orchester des Pariser Konservatoriums, in dem die ersten Musiker von Frank- reich sitzen, gibt sie mit unvergleichlicher Feinheit und Geschlissenheit heit des Klangs, insbesondere der schlechthin idealen Holzbläser. Das zweite,»Nächtliches Fest", gibt dem Philadelphia- Sinfonie-Orchester unter seinem Dirigenten Leopold Stokorvski, besten Leistungen oft genug gerühmt worden sind, Ge- legenheit zu einer virtuosen Leistung; ebenso ein reizvoll gemachter orientalischer Tanz von Glazounow(El.). Slovisch-Russisches, Tänze von Borodine und Dworak, auch bei P.(Dirigent Issai D o b r o w e n). Und auch El. bringt künstlerisch gehobenste Unter- haltungsurusik:»Espana" von Emonuel Chabrier,«ine spanische Rhapsodie, national-voltstümlich, von der Stoatskapelle unter Leo Blechs Leitung mit hinreißendem Temperament gespielt. Endlich ist auf eine Folge von Platten hinzuweisen, die Griegs zweite Peer- Gynt-Suite, mit dem noch immer wirkungsvollen„Arabischen Tanz", in sehr sorgfältiger Wiedergabe bringen; das»Reue leichte Sinfonie- orchester", seltsamer Name, dirigiert G. G o o s e n s(El.). Und ein großes Militärorchester spielt zwei Ouvertüren von SuppS mit Schmiß und gutem Können(El.). Oper und Opernsänger. Auf die grundsätzlichen Bedenken, die der Versuch der sogenann- ten»Kurzopern"(D. G.) erregt, der Versuch, abendfüllende Opern im Raum von wenigen Platten zusammenzudrängen, ist hier schon hingewiesen worden; er ist immerhin mit„Lohengrin" ein wenig bester gelungen als mit der ersten Kurzoper»Freischütz"; die Szene des Brautgemachs gelangt zu relativ geschlossener Wirkung: in den Hauptrollen Beate M a l k i n und Fritz W o l f f, von dem auch mit Bruchstücken aus„Lohengrin" und„Meistersinger", ein« weitere Wagnerplatte vorliegt, eine sehr gute Platte, auf die besonders hin- zmveisen ist. Fritz Kraus,«wer unserer ersten Operntenöre, be- stätigt seinen Ruf in der Arie des Max aus»Freischütz"(O.). Boitos in Deutschland wenig bekannte Oper„Mephistopheles" bringt E. in Erinnerung, in einer Folge von drei großen Platten, die das ganze Vorspiel wiedergeben: mit dem Chor- und Orchesterapparot der S c o l a eine in jeder Hinsicht, auch akustisch volleichetc Wiedergabe; besonders zu empfehlen ist die zweite Platte, in der Razzareno de A n g« l i s, ein dramatischer Sänger von größtem Format, als Vertreter der Titelrolle besonders hervortritt. Arien aus Puccinis „Boheme" finden immer wieder ihr dankbares Publikum; die erste Arie der Mimi kann man nun von Louise Helletsgruber (Wiener Staatsoper) bei P. und von Hilda E r e v e n n a bei El. hören.? Lotte Lehmann stngt Marienlieder mit Kirchenorgel(O.): der alllxllebte Richard Tauber in seiner bekannten Art Lieder mit Orchester von Leoncavallo und Tosti: Hermann S ch e y, der misgezeichnet« Liedersänger, Balloden von Löwe(Tr.): Michail G i t o w s k y, deflen herrlich« Baßstimme unseren Arbelterhörern nicht fremd ist, russisch« Volksli«der mit ausdrucksvoll«m Ton(Ho.); Karl I ö k e n, von der Staotsopernbühn« her Mannt und geschätzt, mit seiner hellen, frischen Stimme sein Auftrittslied au» dem „Zigeunerbaron"(Tr.); Arthur Fleischer populär-volkstümliche Wiener Lieder(Ho.); und Harry Steyer, der liebenswürdige Busfotenor der Städtischen Oper, Wiener Operette(B.). Tanz und llnterhalkvnq. Spitzenleistungen der repoduzierten Amüsiermusik, es genügt beinah«, die Namen zu nennen: neue Tanzplatten von White- mann(C.): die best« seit langem in ihrer Art:..Eonstontinopel". Und neue Ja ck-Hylton- Platten bei El.: am meisten zu empfehlen ein Foxtrott»Ich kann dir nicht helfen". Reiche Aus- wähl wie immer, Auswahl an Bestem, bietet Br. Ein Foxtrott „Rate mal. wer da ist".. von den Clevelanders gespielt, ver- blüfst durch rhythmischen Elan und. durch den Reiz aparter Klang- effette. Und da sind weiter die Barsity Four mit Instai- mentalleistungen von blendender Virtuosität._„Iumping Jack" heißt eine ihrer Glanznummern— und„S i x Jump i n g Jacks" nennt sich eine Kapelle, die unseren Lesern, soweit sie Lieb- haber dieser Gattung Musik sind, schon bekannt ist: heute ist ihnen ihr lustig-freches»Pflaumenlied" zu empfehlen. Und da ist weiter das Colonial C lub-Orchester. das Ben Bernte. Orchester, Ab« Lymans Ealifornla-Orchester(oll diese bei Br.). Da ist ferner Lud Gluskin mit einer Reihe sehr charakteristi- scher Modetänz«(D G.): und Luis Betancourts Marimba- Kapelle(Br.) und Fred Birds Marimba-Band(Ho.), diese in einem amerikanisierten Straußwalzer„Mondnacht auf der Donau", den auch ein Tr.-H a w a i i a n- Orchester in seiner eigentümlichen Klangfärbung bringt. Als besonders reizvoll sind die neuen Dar- bietungen des Hanapt-Trio(Hawoi) zu erwähnen(Br.): und endlich, bravourös gespielt, die polnischen Nationaltänzc. mi! denen .Peter B l lj o s Balaleika-Orchester sich einführt.(Br.) Johann Strauß' K a i s« r w a l z e r, von der Stoatskapelle unter Leo Blechs Leitung gespielt, darf den Anspruch einer konzert- mäßigen Darbietung erheben(EI.). Strauß-Walzer sür den Tanz gebrauch liefert Jena Fesca(Ho.): Grete Ewcler, als Geigerin im Konzertsaal vorteilhaft eingeführt, sp-elt mit ihrem Kammer- orchester Wiener Tänze(Ho.): Dajos Bela Ländler von Langer und Zeitgemäßeres: altbekannt« Zigeunerweisen, für den Bedarf des Tages als„Waltz", wie sich die derzeitige Modesorm des Walzers nennt, zugeschnitten(O.): Mario Elki mit seiner lustigen Tanz kapellc amerikanische Schlager(Tr.); Geza Komor mit seinem Orchesterchen neuberliner Tanzlieder mit Resraingesang(Tr.). Eine „Originalbayerische Kapellc(El.) wahrt etwas geräujch- voll Miesbacher musikalische Belange; und das Berliner H a r- monie-Orchester(El.) erfreut das Ohr, das dafür empfäng- lich ist, mit österreichischen und preußischen Märschen. Die Glanz- nummern der„D r e i g r o s ch e n o p« r". Kanonensong und Tonga- ballade, bringt Theo M a ck e b c n, der Dirigent der Uraussllhrung, in ausgezeichneter Wiedergabe(O.): und Beat« Roos-Reuter singt daraus die BMade der eSeräuberjenny(P.). Es hat ein bißchen lange gedauen, bis man den Mut fand, dem Schallplatten- Hörer zu der Musik von Kurt Weill. die es zu unbestreitbarer Schlagerpopularität gebracht hat, auch die Verse von Brecht zu liefern. Wann wird Harald P a u l s e n im Apparat zu hören sein? Endlich genügt es, noch ein paar Namen aufzuzählen, Namen, die keiner Empfehlung mehr bedürfen: Alles und Neues von Karl Valentin und Lisi K a r l st a d t(Ho.). Elaire W a l d o s s(P). Max Hansen(DG.): Bekanntes und Unbekanntes der bezaubernd liebenswrüdigen Neger-Duettisten L a y t o n und Johnstone, zu denen die T r i x S i st e r s ein weiblich anmutiges Pendent bilden (C.). Und eine Barietöspezialität: der Tylophonvirtuose Franz Krüger; schade, daß er keine besseren Stück« spielt(Ho.). Und eine Kuriosität: zwei moderne Foxtrotts auf der Drehorgel(Ho.). Man glaubt in der Tat, wie einst, Drehorgel zu hören: dafür brauchte kein Grammophon erfunden zu werden. *) B.— Bcca; Br.— Brunswick: C.— Coluinbia: D. G.— Deutsche Grammophon; El.:= Electrola; Ho.= Homocord; O.— Odeon; P.— Parlophon; Tr.— Trierpcm. Feier der Arbeiterjugend. Oer Film„Brüder". Di« Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Klassen- kämpfe; nach dieser Wahrheit wurde der Hamburger Arbeiterfilm „Brüder" geschaffen, den die Sozialistische Arbeiter- jugend, Werbebezirk Kreuzberg, zugunsten des Wiener Jugend- tages im„Filmeck", Skalitzer Straß«, zur Aufführung bringen ließ. Der Film ist das Werk vieler Unbekannter, und gerade darum von großem Eindruck. All« Darsteller sind Leute aus dem Volke, die vorher noch nie vor einer Filmkamera gestanden hatten. Wie sie im Leben der Wirklichkeit stehen, so steht auch der Film im Leben. Er schildert Tage aus dem Hamburger Hafenarbeiterstreik 1896/97. Wir sehen das Schicksal einer Familie, und wir erleben alle die schweren bangen Tage mit, die diese Menschen damals durchmachen mußten. Sie sind Helden im düstersten Alltag. Der Film, der so oft Tatsachen verdreht, hier erbringt er einmal einen vollgültigen Wahrheitsbeweis. Die Kämpfenden konnten damals, trotz aller Zähigkeit, nicht siegen, ihre Organisationen waren noch viel zu schwach. Aber ihr Opfermut war nicht vergeblich. Durch diesen Streit und sein« Begleiterscheinungen wuchs die Einsicht für die Notwendigkeit der Organisation. Jetzt weiß man, der Zusammenschluß hat ein praktisches Ziel. Viel ist inzwischen erreicht worden, viel gill es noch zu erreichen, und dieser Film arbeitet mit für die Ideen einer straffen Organisation Er erinnert die Nur-Unzusriede- nen daran, wie es war, er zeigt den Lässigen, was sie tun müssen, und er erfüllt die Kämpfenden mit neuem Mut. Der Reichstags- abgeordnete Genosse Karl L i t k e gab noch Erläuterungen über diesen Hamburger Hafenorbeiterstreik und schloß mit wohlgemui stimmenden Worten an alle Kämpfer für den Sozialismus. e. K Oesterreicher-Tee mit Musik. Anläßlich des Besuches des Wiener Schubert-Bundcs hatten der österreichische Gesandte Dr. Frank und seine Gattin zum Tee gebeten. Hervorragend« Vertceter des musikalischen und künstlerischen Berlin, bekannt« Persönlichkeiten der österreichischen Gesellschaftskreise fanden sich sehr zahlreich in den Gesondtschofts- räumen ein und nahmen gern die Gelegenheit wahr, die Wiener Gäste vor ihrem großen Konzert, das abends in der Philharmonie stattfand, zu begrüßen. Gewissermaßen als Auftakt gaben die Sänger in Liedern von Schumann und Schubert willkommene Proben ihrer Kunst. Zu dem zwanglos improvisierten Programm steuerte Prof. Jäger inundartlich« Borträge bei, die lebhaften Beifall weckten. Und besondere Anerkennung von feiten der fach- verständigen Hörer fand das Kammerquartett des Schubert-Bundes mit seinen gewählten Darbietungen. So war im intimen Rahmen einer anregend verlaufenen Teestunde und sozusagen im voraus Gelingen und Erfolg des öffentlichen Konzerts besiegelt, das in leb- haften Ovationen für die österreichischen Sänger, im Austausch herz- lichfter Sympathien zwischen Podium und Publikum— Wien und Berlin— ausklang. T T* „Bolfchewisierung der Musik." In Moskau tagt gegenwärtig eine Konferenz der Kommunist! fchen Partei für Musikfragen. Die Konferenz soll Richtlinien der Partei auf dem Gebiete der Musik ausarbeiten. Di« Blätter weifen darauf hin, daß während im Theater und in der Literatur die Arbeiterklasse bereits feste Positionen errungen hat, die„Kon,- mandohöhen" in der Musik vielfach in„fremden Händen" sind. Auch die moderne westeuropäische Musik findet in den Augen Moskaus keine Gnade.»Jonny spielt auf" und„Wozzek" werden als„defaitistische" Musikwerke bezeichnet, die von einer der Ar- beiterklasie feindlichen Ideologie erfüllt sind. Mit Bedauern wird festgestellt, daß die Jungen russischen Komponisten sehr stark unter dem Einfluß dieser Musikrichwng stehen. Di« sagenannte»Agita tionsmustk" sei ebenfalls der Arbeiterklasse fremd. Sie spiegele die Ideologie der kleinbürgerlichen Element« des Sowjetstaates wider, die unter der Maske der»revolutionären Gesinnung" austrete. Di« Sowjetpresse tritt für eine proletarische Musik ein. die die Empfindungen und Stimmungen der Arbeiterklasse wiedergibt. Die Partei müsse den»proletarischen Flügel" der Musik unterstützen.—, Di« Leningrader Künstlervereinigung hat gegenüber der Lenin- grader Arbeiterschaft die feierliche Verpflichtung übernommen,„in ihrer Produktion den sozialistischen Ausbau und den Kampf des Proletariats gegen die kapitalistischen Element« in Stadt und Land" wiederzugeben. Oer Ausschluß der Leckmichisten Tragödie einer kommunistischen Gtraßenzette in zwei Lesarten 1. Lesart: Die Wirklichkeit. c o b ö s e. Zellenleiter. Pfifferling, Kafelowsti und P e r b a n d t(dieser als vierter Mann), alles Zellenmitglieder. fitzen um einen Kneiptisch und spielen Skat. Pfifferling hat soeben nicht Farbe bedient, weswegen heftiger Streit entstanden ist. Frobosez„Nich Farbe bekenn'— det ia Mojelei!" Pfifferling:„Nu. äh Versöhn gann emol oorgomm." Froböse:„Letrieja, jemojelt haste. Pique wa Trumps!" Perbandt:„3ck hab'n anjestoßen, deswejen hatta nich uffjepaßt." Froböse(grob):.Kiebitze haben's Maul zu halten!" Perbandt:„Spiel dir hier nich uff, du oller Dussel." Froböse:„Dussel— det sagste deinem Zellenleiter?!" Perbandt:„Du bist jenau so'n Prolete wie wir. Det is Demo- kratie!" Froböse:„Demokratie— wag det mal Piecken zu sagen odo Rundfunkschulzen. Die wean dia wat husten uff Demokratie. Det is reinstes Renejatentum!" m Pfifferling:„Nu— des jehärt in de Midiek. Hier is doch geen« Bolidiek. Hier is doch'n jemiedlicher Schgad!" Froböse(streng):„Als Zellenmitzlisder seid ihr immer mein« Untergebenen. Polletik oder Schkat, det is janz ejal. Dastehste?" Perbandt:„Da bleibt een doch de Spucke wech. Du hast wohl'n Dchel? Vorjesetzta?'n Sticke Mist biste!" Kafelowsti:.Kinda, seid friedlich! Perbandt, er kann dir doch beim ZK. und beim Pol-Büro anzeij'n. Denn liechste drin und bist die kinftje Anstellung im Sowjetstaat los." Perbandt:„Da hust ick druff. Wenn is'n det? Am 1. Mai, da solltes sind. Und wat is jewes'n? Nu homs die Fiehra uff'n 1. Aujust vaschob'n. Sollt sehn, wird noch oille mießer. Pieck redt jroße Teene iba„revoluzzionäre Straßentattik", taucht aba an de Ecke'n Jriena uff, denn is de janze Straße wie blankjeleckt." Froböse(feierlich):.Genosse Perbandt, wat de jetzt jeredt hast, det wah dein Ausschluß. Wejen Mießmacherei und Insubordinazion." Pfifferling:„Awr— Rechd hadr!" Froböse:„Pfifferling, du fliechst jleich hintaher. Und als dritten ts de Reihe an Kafelowfken." Kaselowski(ängstlich):„3ck«— ick Hab doch janischt gesacht. Lck Hab doch nur zur Versöhnung jeredt." Froböse:„Du hast nischt zu red'n, du hast dir eenfach hinta deinen Zellenführa zu stcll'n.(Auffahrend) Varäta, ick werd' euch lehrn, beim Schkat mojcln, wenn Pique Trumpf is, und denn h-ntohea nich parieren!" Perbandt(zu Pfifferling):„Iehn wa. Soll der uffjeblafene Damelack alleene Schkat klopp'n." � Froböse(hinter ihm herrufend):„Wat du bist, det wirst« morjen in de„Fahne" les'n!" Perbandt(in der Türe):.Leck mich____" Die zufallende Tür zerschneidet den Satz. 2. Lesart: Bericht der„Roten Fahne" vom nächsten Tage. Rieder mit dem Leckmlchismust kaselowski und die Pfifserlingisten ausgeschlossen! Die Hetzereien und Wühlereien der Leckmichistengruppe Pfisser- ling und Konsorten von der vierten Straßenzelle des 27. Wcddinger Bezirks l>aben gestern zum Schluß mit dieser Gesellilchaft geführt. Born Zcllenleiter Froböse vor die Aufforderung gestellt, nun endlich im Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie Farbe zu bekennen, hat Pfifferling gekniffen! Der Verräter hat durch Betrugsmanöoer vermieden, Farbe zu bekennen! Unterstützt wurde er dabei von Perbandt, der sich als Pfifferlingist reinsten Wassers entpuppt«. Echt versöhnlerisch suchte Kaselowski den überführten Pfifferling vor den Konsequenzen seiner arbeiterver räterischen Haltung zu schützen. Es nützt nichts mehr! Die Karten der Opposition sind aufgedeckt! Die durch Pfifferling und Konsorten heraufbeschworene Partei. krise erfordert eine grundsätzliche Stellungnahme. Wohlan, die KPD. ist hierzu bereit! Gegen den versuchten Arbeiteroerrat, gegen die Täuschung der Instanzen durch die Leckmichisten, die Pfifferling und Konsorten, stellen wir folgende weltrevolutionäre Situation als die wahre Ursache der gestrigen Spaltung fest: Nach den vom 17. Weltkongreß der I. A. SSR., U. T., Pol. KNAT. Prop. Prof. ausgearbeiteten und von den deutschen ZK., RK., LK., JK., Sop., Agitprop., IHk, KH., LH. anerkannten Leit- sätzen bewegt sich die Linie der kommunistischen Taktik aus der Er- kenntnis einer fortschreitenden Konzentration des revolutionären KlaffensolidaritSts-Unterscheidungsoermögens im Gegensatz zur dissoluten Pseudofestigung der kapitalistischen Kolonialerpansion im Verein mit der imperialistischen Loslösung der Nationalitäls- bestrebungen des fernen Ostens. Die Analyse der Weltsituation ergibt ein Aufflammen revolutionärer Wellen in der Perspektive der fort- schreitenden Oekonomisierung des allrussischen Sojotrusts und der wachsenden Konsolidierung der sowjetrussischen Brotrationierung. Im Gegensatz zu dieser auf der Hand liegenden Erkenntnis glaubt eine bedeutungslose Gruppe innerhalb der Partei auf Grund falscher wissenschaftlicher Analysen und einer irreführenden Statistik ein Abflauen der revolutionären Gesamtsituation mit Hinblick auf die Konsolidierung der Trustbourgeoisie durch den Sieg des faschistischen Kabinetts Macdonald in England und das weißgardistisch-schwer- großtrustkapitalistische Kabinett Müller-Hitserding in Deutschland zu konstatieren. In echtniederlagerischer Abgeseimtheit verzweifeln dies« Renegaten an dem Sieg des Kommunismus und suchen die glor- reichen Maikämpfe als individuell-ariarchistische Putfchtaktik eines syndikalistisch links orientierten Pseudokommunismus hinzustellen. Mit den gleichen Argumenten fallen sie dem Proletariat, dos zum Anttkriegstag, der größten bisher je dagewesenen weltkommunistischen Massendemonstration rüstet, in den Rücken. Ihr Treiben ist durchschaut. Das kommunistische Proletariat weiß, daß die Pfifferling, Perbandt und Kaselowski mir falschen Karten spielen! Der Verstoß gegen die ehernen Gebote parteikommunistischer Massendisziplin führt durch sein« Konstatierung automatisch zur Eliminierung dieser bürgerlich angefaulten Rene- gaten. Hinaus mit den Pfifferlingisten aus der KPD.l Es lebe die Weltrevolution! Pieck ist Trumpf! Jonathan. Auch ein Dolmetscher. Der russisch verstehende Zuhörer im Prozeß gegen Frau M a k a r o f f, die im französischen Konsulat die Schießerei veran- staltet hatte, mußte aus dem Gerichtssaal einen tief deprimierenden Eindruck mitnehmen. Mag der Richter noch so wohlwollend den Angeklagten gegenübergestanden haben, eine richtige Vorstellung von ihrer Persönlichkeit, insbesondere von derjenigen der Frau, konnte er nicht erhalten. Hätte der Dolmetscher, wie dies seine Pflicht gewesen, seinem Eide gemäß treu und gewissenhast oll das über- tragen, was er von den Angeklagten gehört, so hätte der Richter sich doch des Eindrucks nicht verschließen können, daß er eine hart an der Grenze der Geistesgefundhett stehenden Frau vor stch habe. Was soll man aber zu einem Dolmetscher sagen, der z. B. dem Gericht nicht von den wiederholten Erklärungen des Angeklagten Mitteilung macht, die Darstellung, die Kugel habe den Kopf des französischen Konsuls gestreift, könne schon deshalb nicht stimmen, weil ja alle drei Kugeln die Deck« trafen. Erst viel später, in ganz anderem Zusammenhange, auf erneutes Drängen des Angeklagten, übersetzte das der Dolmetscher. Was soll man von einem Dolmetscher halten, der den vollständig sinnlosen Satz der Angeklagten unter- schlägt:„Wenn Si« nur die Ursache wissen wollen, so guillotinieren Sie mich gleich: wenn Sie aber auch die Folgen wissen wollen, so muß ich auch über die sranzöstschen Behörden meine Erklärungen abgeben." Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden. Der Mann erklärt, er habe gewußt, daß die Frau einen Revolver gekauft hat. Die Frau schimpft auf den Mann los. Du lügst, Du hast gar nichts gewußt, Dummkopf, Idiot. Jetzt wirst Du sehen, was es gibt. Wegen unseres Kindes hättest Du nichts sagen sollen. Von alledem sagt der Dolmetscher kein Wort. Im letzten Wort spricht die Frau wieder Unsinn. Sie sagt: Wir überlassen dem Gericht den Revolver. Laß es uns die Strafe abkürzen. Auch dieser Satz wird nicht übersetzt. Und was soll man zu einem Dol- metscher jagen, der selbst die Einzelstrafcn den bereits Verurteilten falsch mitteilt. Das Gericht hatte in diesem Falle für die Bedrohung eine Strafe von sechs Wochen und für unbefugten Waffenbesitzes eine solche von drei Wochen bestimmt. Der Dolmetscher machte daraus zweimal sechs Wochen. Der Richter erwähnte in der Be- gründung— wohl in der Absicht, die Angeklagten einigermaßen mit der Strafe auszusöhnen—, daß als mildernd ihre Ueberzeugung von dem ihnen in Frankreich geschehenen Unrecht berücksichtigt worden sei. Auch das bleibt unübersetzt. Dafür aber eignet sich der Dolmetscher Befugnisse an, die ihm in keiner Wise zukommen. Er sagt den Angeklagten: Ich rote Ihnen, die Straf« anzunehmen. Das war das direkte Gegenteil von dem, was der Richter von sich aus hätte sagen dürscn. Der Dolmetscher ist aber gewissermaßen nur der sprachliche Ausdruck des Richters und der Parteien. Ein Dolmetscher, der in dieser Weise die ihm gestellte Aufgabe mißversteht, kann nicht gerichtlicher Dolmetscher sein. Der alte Herr mag seine Verdienst« in der Vergangenheit haben. Man sollte jetzt für eine jüngere Kraft sorgen. Professoren werden geprüft. Mediziner, Mathematiker und Physiker wegen mangelhafter Ideologie entlassen. Die„Säuberung" der Professorenschast der russischen Hochschulen ist in vollem Gange. In 14 Hochschulen müssen die Professoren. Dozenten und Assistenten auf besonderen Versammlungen über chre Tätigkeit und„ideologisch« Einstellung" berichten. An diesen Versammlungen, die über die Belassung des Hochschullehrers auf seinem Posten zu befinden haben, nehmen außer Wissenschaftlern auch Studenten und Arbeiter teil. In der Ersten Moskauer Staatsuniversität wurden 102 Professoren und Dozenten„geprüft". von denen nur 20 als„zuverlässig" befunden wurden. Bei dieser Säuberung handelte es sich vor allem um Mediziner, Physiker und Mathematiker. In der Moskauer Technischen Hochschule wurden 290 Professoren und Dozenten einer Prüfung unterzogen, die Ergeb« nisse stehen hier noch nicht fest. In der Leningrader Akademie der Künste werden überhaupt sämtliche Lehrstühle neu besetzt. Großes Aufsehen erregt« in Leningrader akademischen Kreisen die Haltung des bekannten Entomologen Prof. Rimfki-Korssakowo, der sich weigerte, eine öffentliche„Berteidigungsrede" zu hotten, da sur ,i. Fachleute in der Lage seien, seine Lehrtätigkeit zu beurteilen. Trohki darf nicht nach England. Die britische Regierung hat sich darauf geeinigt, daß die Einreiseerlaubnis für Trotzki nach England gegenwärtig die Verhandlungen zwischen der britischen und der Sowjerregierung beeinträchtigen könnte und daß daher die Frage seiner Einreise nach England bis zur erfolgreichen Rege, lung der englisch- russischen Beziehungen verschoben werden ntüflc. 18. kreis, Weihensee. Donnerstag. 27. Juni, verstarb Genosse Artur Weber. Trotz seiner schweren Krankheit war er noch ein eifriger Förderer unserer Partei: wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Einäscherung Dienstag. 2. Juli, llsfc Uhi� im Krematorium Gerichtstrahe. welker für Berlin: Größtenteils bewölkt mit Regenfällen und Abkühlung.— Für Deutschland: Im Nordosten noch ziemlich heiter und warm, im übrigen Reiche bewöllt mit Regensällen. Später im Süden etwas Besserung. Berantwortlich kür die Redaktion: Fra»j ltlüh», Berlin: Änzeiqen: Th. Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag s. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärt» Buch- druckcrei und Vcrlagsanlialt Paul Singer& Co., Berlin S3B 68, Lindcnstrage S. Hier,« 1 Beilage. Am 28. Juni verstarb vlöziich und unerwartet nach turzenr Krankenlager der Sassenangestellt-, Herr Karl Neumann im Alter von 59 Iaiiren. Derselbe war seit dem 80. Marz lglj bei der Sasse tätig und hat(ich stets durch treue und gewissenhafte Pflichtersüllung ausgezeichnet. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken dewahren. Bertw-Schänederg, den 29. Juni U29 Varstand, Verwaltung u. Betriebtrat der Allgemeinen Ortskrankenkasse (Cr den Verwaltungsbezirk XI ScbSnebere-Frledena i Hieotsi', ljdiKpislS usw. I !<) Montag. 1.7. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 165 I9"i Uhr Cavaiiena rustlcana Baiazzi Staats-Oper Am Pl.d.Republ R�S. 148 „u, Uhr Montag, l. 7. Stadl Oper Bismarcks tr. Qeicbiossen Staat). Stbansph. im beadarraanmark; R.-S. 47 20 Uhr Staat!. SchüMeaMarltb, iO Uhi Treibjagd VoiksbUlme riieitersnaglovglati fit Uhr Berlin, wie es weint u. lacht StaatLSdiiller-Ib. 8 Uhr Treibjagd snaiuptr am Platz dar ümmdUU 7',- Uhr Frelsdifltz Oeotidtet Theater D.I. Norden 12310 8Us Ende gegen II Die Flederipans Musik v.Joh. Strau 6. Regle: Max Reinhardt Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold- Ausstatrg. L Kalner Berliner Theater DirektHeinz Herald CharlottenstraSe 90 A.7. Dönhoff 170 8,15 U. Erde 10', o U. Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie: HeinzHilpert Die KontOdle I Bismck.2414/7516 i'/j, Ende geg. lO'MJ. Letzte ialüldronaea! üer Hann, der seinen 3 Akte von Edgar Walace. Regie: HeinzHilpert Melropot-TIi. Tägl. 8-. Uhr Sonntags 3>� u. SV« Blaubari Operette von Offenbach Kammersänger Lw Sleuk bareowsky- Bühnen Theater in dar KOniggrätzer StraBe Täglich SV* Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich SV* Uhr GbarleysTapte mit Curt Bola. Otsdi. Künstler-Th. Täglich 8V< Uhr: Polnisclie Wirtschaft T&eau d. Westen! Täglich g'.k Uhr Sonntag 3'fe u. 8'« Franz Lcban Wellerfolg I Friederihe Lotte Carole Telephon Steinplatz 0931 o. 5121 8 Ulli• Zentr. 2818» Baameo erlaubt Bon-John Jazz-Qirls Scamp a Scamp, die lustigen Berliner und wellerc Varicti-KaiuttcrÄfte Rcichshallen-Theater Abends| 8| Uhr Sieffiner Sänger Das neue, überraschende JÜLl- PROGRAMM! Dönhoff-Brettl: I.Juli Festvorstellung zur Feier des liol jährigen Bestehens! GOOGOOGOGOISDOSGOSDOO Sommer-Garten-Theater| Berliner Prater N 58, Kasc-Ailee 7-9. Tel. Hb. 2246' Sastiglal Busial Beei. Gieiai Ullta! m der Operette „Mr ersten Lleba geiifna zetr, Operette in 3 Akien(30 Mitwirk.i, Ferner:„El IN floffl flBt Papa"., Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer( Grete! Lilien. Dazu der große, neut- vaneioifil.( Anfang Konzert 4.80. Burlesken( Variet« 0 Ubi. UpptOUe 0.30., lüden Donuerstaa grober Volks ia:),, «« 90000000000 zooooo ! Berliner IIUt-TriO Noukfilln. W Tbeai.am Koitb.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8 Uhr eins- Sänger Dl« lall- Sensation; „Berlin bai's grobe Los!" Fabrik und Lager Scbeftlao tontiialer Str. 66 Speise- von 275.— an Herren- von 275.— an Schlaf- Zimmer von 360«—- an ab Grünau. Bohnsdori bis Kirchplatz Über 90 Parzelle« an Ver Schönefelder Chaussee. Bert d. Re st Parzellen qm 1 M an. Verkäufer Sonntags anwesend. C. A. 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(Beilage Montag, 1. Juli 1929 SptiUipnD StuZlauigaße lbu>t£r& Im australischen Busch Wander-' und Arbeitstage/ Von Heinridi Hemmer Wir wollten eigentlich auf Melbourne zu, bei der heißen Novembersonn«, bie herabbrannte, zogen wir's vor, den Weg durch den Busch zu nehmen, verloren dabei, wie es allen„Grün- hörnern" geht, die Richtung und gingen, als wir's merkten, un- bekümmert weiter: wir kannten die Tücken des australischen Busches nicht. Immer tiefer kamen wir waldeinwärts, immer spärlicher wurden die Spuren der Menschen, die dickstämmigen Eukalyptus- bäume mit den schmalen, senkrechten, Licht statt Regen aussaugenden Blätter schienen zum Himmel zu wachsen, das Umerholz sing an dichter zu werden und die Sonn«, die ungehindert durch die Eula- lypten brach, spiegelte sich auf den Blättern zahlreicher Schling- gewächse und Palmen. Ueber uns das Gekrächze von grünge- fieberten Papageien, weißen und schwarzen Kakadus und der Schrei uns unbekannter Bogel. Flinke Opossums, die Eichhörnchen der australischen Wälder, huschten und sprangen herum— schauerlich. menschlich erklang über allem das Gelächter des laushing �saclciss, des australischen Lachvogels. Namentlich das Pfeifen reizt diesen feisten, mit einem keilförmigen Schnabel bewaffneten jovialen Räu- ber, eine Art Falstafs der Vogelwell, zu unbezwinglichem Gelächter. Gar als Freund George das schöne Lied„Aus der Reeperbahn nachts um halb Eins" pfiff, schuckelt« sich so ein laughing Jackass in wahnwitzigem Gelächter, wobei der Schwanz einen halbver- schluckten Beutelmaus in seinem geweiteten Schnabel hin und her baumelte. Wie die Stunden verrannen, kamen wir uns immer kleiner ui«d nichtiger vor. und als plötzlich der Tag in stille, dunkle Nacht überging, zündeten wir ein Lagerfeuer an und warfen uns auf die auf den Boden gebreiteten Decken. Noch so ein Tag und immer und ewig der Wald. Unser Wasser war oerbraucht und keines zu finden: was nützt Proviant, wenn die Kehl« brennt. Unser sorgloses Wandern wurde zur eilenden Hast, zur fliehenden Angst, zum nutzlosen Herumirren. Wie olle Berirrten liefen wir im Kreise und alswiramzweitenAbend wieder auf den Lagerplatz vom Mittag zurückgekommen waren, ließ George den Kopf hängen und war nur schwer zu be- wegen, die Nacht zu durchwandern. In bitteren Gedanken taumelten wir durch den Urwald, der uns gefangen hielt: viele, die die Kunst der Auftralneger, gewiss« Bäume anzuzapfen, die Wasser in ihrem Inneren ausgespeichert halten, nicht verstehen, verdursten in solchen Fällen elend' Man findet sie, das Gesicht zu Boden, mit Blättern bedeckt, die Hände in die Erde gegraben, tot auf. Wir hatten Glück, traten beim dämmernden Morgen in ein« Lichtung, da stand ein einzelner Baum, beladen mit den schönsten Cierpflaumen, ein holder Borbote der Zivilisation. Gierig stürzten wir uns darauf » nht/ löschten den Feuerbtand in unserem Inneren mit dem käst- lichen Saft der reifen Früchtei'Was wir nicht aßen,' nahmen wir als Reserven mit— unnützerweise',"denn bald stießen wir an einen fenfe, die rohe Umzäunung brachliegenden Farmlandes und weiter an«inen Fluß: dort gab uns ein einsamer Fischer Wasser, Weg- zehrung und alle nötigen Direktiven. Acht Tage später fanden wir Aufnahme und Arbekt in B ux- ton, in den australischen Alpen, Georg« als Hausburschc in der Sommervilla eines reichen Melbourner Bürgers und ich übernahm für ein Touristenheim den Kontrakt, 11 Acker Land nach- zuroden. Mein Handwerkszeug bestand aus nichts als einer sichel- förmigen Axt, womit ich die nachgewachsenen jungen Bäum« um- schlug, die ich dann verbrannte. Ich traf kein« Menschenseele außer weckend, das ich im Touristenheim verbrachte, wo mir dann Mistreß Beehee Proviant einhändigte und für zwei Nächte ein regelrechtes Bett anwies, über das eine mich märchenhaft anmutende seidene Decke herabhing. Um das Konservenmenü der Wochentag« auszubessern, unternahm ich Lagdzüge im Busch: es gibt verein- zeltes Rotwild in diesem, im Winter beschneiten Land«, und wom- bats gebt es, klein«, wohlschmeckende Wildschweinchen, die, wie der Dachs, in Höhlen leben, aber ich ttaf in allen drei Wochen, die ich für dies Stück Arbeit benöttgte(und die mir 270 Mark ein- trug) nichts besseres als Kaninchen an. Dafür um so mehr Gift- schlangen. Rieseneidechsen und R i e s e n a m e i s e n(sogenannte pullaunts), von denen es rote und schwarze Sorten gibt, die manns- hohe Hausen bauen und einander Massenschlachten liesern, an bestia- lischer Gemeinheit alles in den Schatten stellend, was von Menschen im Pulver-, Bajonett- und Giftgaskrieg an Infamie geleistet wird. Im Wutdelirium verbeißen sich die Kämpfenden, reißen sich die Köpfe ab, zerren sich die Gliedmaßen von den Beinen, einer faßt den Feind beim Kopf, der ander« beim Hinterleib und sie reißen leinen Leib auseinander. Sie können ihre Wutumklammerung nicht mehr lösen und beißen sich die toten Feinde stückweife vom Leib. Noch nach Tagen konnte Ich beobachten, wie den Siegern m.ch cer Schlacht Köpfe und Gliedmaßen ihrer Feinde, die sich in sie verbohrt hatten, als Fremdkörper im eigenen Leib steckten, do«»erwesten oder von ihnen mit kanmb�ischer Wollust ver- schmaust wurden. Durch wandernde Buschleute hatte ich von einer unfernen Urwaldsägemühle erfahren, wo ich nach beendeter Arbell Ausnahm« fand. So eine Mühle bleibt 4 bis 5 Jahre in einem Distrikt, und wird dann abgerissen und verlegt. Der Vormann bezeichnet« uns die zu fällenden Bäume und sie wurden auf der Seite, nach welcher sie fallen— der australische Buschmann weiß dies ohne Fehl—, eingehauen und mll der Handsäge eingesägt. Da die australischen Hölzer sehr hart(härter als Eiche) find, braucht man zum Fällen ganz besonders gutes Handwerkszeug. Zu jedem Baum gehören 4 Mann, 2 und 2 lösen einander ab. Die letzten Schläge werden nach Herausziehen der Sägen mit der Axt geführt. Plötzlich wippt der Urwaldriese, neigt sich und sälll. alle» mit sich reißend, mit donnerartigem Dröhnen auf die harte Erde. Jetzt säubern, hackend und sägend, alle 4 Mann zugleich den Stamm von Aesten und Zweigen. Zwölf bis zwanzig Ochsen schleifen den mächttgen Stamm nach der Mühlbahn: dort wird er durch Hebe- zeug« auf Rollwagen gehoben, einen, zwei oder drei, und Pferde ziehen die befestigte Last zur Mühle. Bon einer schiefen Ebene rollt der Stamm direkt auf die große Säge, wird zwei-, dreimal längsgeschnitten und dann aus einer kleineren Säge in Balken zerlegt. Eine ander« Buschmühlenbahn bringt die Balken zur nahen Bahnstatton. Die australischen Eisenhölzer werden zu Brücken- und Wasserbauten, für Bergwerke und Eisenbahnschwellen verwendet— nicht ober zum Hiuserbauar. Das Materiol für die vielen austtoli- schen Holz-Eottages kommt vom entferntesten Erdenfleck: Skandi- navien und Finnland. Nordische Seeleute bringen sie auf ihren Segelschiffen, von denen sie dann gern« ausreißen— und, wie es der Zufall will, fanden einige ihren Weg just zu diesem Urwald- sägewerk. Unsere Belegschaft bestand aus vierzig verwitterten und ver- wilderten Männern, ein« Frau war selbst in � der Küche nicht vor- handen, sondern ein chinesischer sogenannter chow-Koch, der unser« derben Späße(er konnte es niemals allen recht machen, die wir ihn gemeinsam bezahtten) mit einem stereotypen asiattschen Ge- grinse quittierte. Primitive Marmschastsblockhütten sowie«in Speise- und, bitte, ein„Billardzimmer" standen in der Näh« der Mühle. Die Arbeit war hart, das Essen gut, die Ruhezeit reichlich. Wer's nicht vorzog, den Sonntag zu verschlafen, ritt(fast jeder hatte sein eigenes Pferd) nach dem fünf Stunden entfernten kleinen„Städtchen", bestehend aus Postamt, Schmiede und Wirtschaft. Aber bei Gott, das war für uns New Jork. Ja, in New Jork Hab' ich nie ein so eigenartiges, volkstümliches, faszinierendes Schauspiel mit angesehen, wie an jenem Weihnachtsfest, an dem die Holzhackermeisterschaft unseres Distriktes ausgetragen wurde. Alles hatte sich versammelt, was nur auf zwei Beinen stehen konnte: Treffpunkt: die besagt« Buschkneipe. Sieben Bewerber hatten sich gemeldet und einem jedem ging ein grauer Ruf voraus. Wochen- lang war ttainiert worden, die Aexte waren so scharf geschliffen, daß man mit ihnen die Haar« von den Armen rasieren konnte. Es wurde viel und hoch gewettet: jede Sägemüh!«(es gab einige in der weiteren Umgebung) setzte hohe Summen auf ihren Mann. Dann wurden vollkommen gleiche Holzpflöcke gebracht. Ein Signal: sieben Aexte flogen, das Holz knirschte und splitterte und das Publi- kum johlte, schrie und tobte. Als dann ein krasser ontsider(von uns) den Pflock zuerst durchgehauen hatte, und wie ein Triumphator auf die zwei Hälften wies, brach nimmer endenwollender Jubel aus. Und aus der wildbewegten Menge löste sich, hold lächelnd, ein anmutiges, wiewohl etwas voluminöses Geschöpf in reseda- farbenem Kleide: das war M a g g y, die Wirtstochter: eine große Schönheit(im Vergleich zur Schmiedin, dem Postamtsfräulein— und ihrer eigenen Mutter). Maggy überreichte dem Sieger einen silbernen Pokal, der gefüllt zu sein schien mit Whisky oder der- gleichen. Der Rest war: ein Ball. George, der auch Vieder mit dabei war und außer der„Reeperbahn" noch drei Melodien aufspielen konnte, mußte diese dutzende Male, nein hunderte Mal« wieder» holen. Das war etwas Neues, Unbekanntes, Maggy, die Distrikts» Pianistin in den Schatten stellendes, auf das nun alle 90 Mann mit den drei bewegbaren Damen tanzen wollten. Leider verliebt« sich dann George in Maggy und sie und wir tanzten zeitweilig zu einer von Eß- und Trinkwerkzeugen emanierenden, etwas disso- nanten Musik. George fand ich am nächsten Morgen unter dem Klavier liegend neben anderen am Boden verstreuten Tänzern, und ich hörte auch von einigen unprogrammäßigen Boxkämpfen, die im Zusammenhang mit der holden Weiblichkeit ausgetragen worden waren. Aber das gehört so mit zum guten Buschton und das Fest war, darüber gab es nur eine Stimme,„sehr harmonisch" oerlaufen. Wie immer. Werdegang einer Statistik Die graphisdbe Darstellung/ Das Auslodicn/ Das maschinelle Zahlen/ Die Tabellen Bon Zeit zu Zeit liest der Durchschnittsbürger in den Zei- tungen, in den Zeitschriften und Flugschriften großartige Zahlen- tabellen. An Hand dieser Tabellen versucht man ihm die mannig- falttgsten Sachen zu suggerieren. Man beweist mit Hilfe von Zahlen soziale Notlagen, gesetzesändernde Vorschläge, Abbau und Einstellungsnotwendigkeit, Wohnungsnot und vieles andere mehr. Durch die Fülle des Vcweismatcnals ist der Laie meist erschlagen, aber auch skeptisck). Woher haben wohl die zuständigen Stellen diese Zahlen? Leider nur zu leicht neigt nun der Loser dazu, mit einem verächtlichen Lächeln über diese„statistischen Lügen" zum nächsten Mordfalls- oder Diebstahlsprozeß überzugehen. Die Zahlen aber sind Wahrheit. Nackte Wahrheit! Und wieviel unendliche Mühe und Arbeit steckt in diesen Zahlen. Statistik und Statistik ist ein Unterschied. Heutzutage erfaßt man alles statistisch! Volkszählung, Benifszählung, Wohnungsnot, Arbeitslosenschicksal, Bankbilanz, und vieles mehr. Verfolgen wir einmal den Arbeitsprozeß einer solchen Statistik, um auch die Achtung vor den Zahlen zu gewinnen, die ihnen gebührt. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz soll angeb- lich versagt haben. Die Gegner des Gesetzes behaupten, es geht zu weit: die Gesctzesfreunde dagegen vertreten die Ansicht, daß außer- ordentliche Umstände wohl ein Defizit im Reichssäckel hervorgerufen haben, aber gerade dadurch werde bewiesen, wie notwendig das Gesetz an sich ist. Der Streit geht hin und her. Das Reichsarbeits- Ministerium greift ein und ordnet eine statistische Erhebung an. In kurzer Zeit werden nun Zahlen vorliegen, die als Unterlage für die 'weiteren Verhandlungen im Parlament dienen können. Zu diesem Zweck versendet nun die Reichsanstalt zuerst an jedes Arbeitsamt, statistische Fragebogen, um das Schicksal eine- jeden Arbeitslosen zu erforschen. Durch Daten und graphische Darstellungen wird das Schicksal von über 214 Millionen Menschen fixiert. Ein Stichtag wird angenommen, bis zu welchem Tage man die unterstützten Arbeitslosen erfassen will. Die Ablieferung der Fragebogen wird zeitlich genau angeordnet. Um maschinell arbeiten zu können, werden nun alle Vorgänge in diesen Fragebogen in Zahlen umgesetzt. Nachdem man nun mit Hilfskräften in fließender Bandarbeit alle die Daten und graphi- schen Darstellungen in Zahlen erfaßt und umgewertet hat, beginnt der sogenannte Lochprozeß. Mit Hilfe von Lochmaschinen überträgt man die gewonnenen Zahlen auf eine sogenannte Lochkarte, die wagerecht die Erklärung für die Bedeutung der Zahlen geben und senkrecht die Ziffern von 0 bis 13 erkennen lassen. Die Markierung geschieht durch Lochung der betreffenden Zahl Eine Loch- und eine Kontrollkraft wechseln halbstündlich, um die Nachteile der Uebermüdung auszuschalten. Man kann nun je nach Bedarf für jeden Begriff einer„Einerzahlen"- Reihe rcsp.„Zehnerdoppel"-Zahlenreihe„Hundertdreifach"-Zahlen- reihe wählen. Je nach Wunsch kann ich auf einer Lochkarte heute mit bis zu 4? Zahlenbegriffcn arbeiten. Die neuesten M a s dz i- neu werden bis 80 Zahlenreihen bearbeiten können. Diese sogenannte Lochkarte geht nun in den Zählprozeß. Hollorith- und Power-Maschinen. zählen auf maschinellem Woge die Löcher einer jeden Karte. Ein lausendes Band befördert� die einzelnen Karten durch zwei oder mehr Walzen hindurch, und" ein Bürstchen oder eine spitze Nadel löst bei einer Lochung elektrisch oder mechanisch eine oder mehrere Zählvorrichtungen aus, deren Zahlen nachher nur abgelesen zu werden brauckzen. In der Stunde schaffen die genannten Maschinen zwischen 12 000 und 30 000 Zähl- karten. Durch Kombination der senkrechten Z�hlenbegriff« kann man nun die für die Statistik notwendigen Ergebnisse heraus- holen. Eine mühselige Arbeit, ober man bekommt ein Resultat, das die Mühe lohnt. Die K o st e n einer solchen Statistik sind nicht so groß, Aber schon die Personalkontrolle, die man an Hand solcher Statistik aus- üben kann und ausüben muß, bringt meisten- soviel ein, daß die ganzen Kosten der statistischen Erhebung dadurch gedeckt sind. Nun folgende Gesetzesänderungen, Gesetzesverbesserungen, Abbau oder Einstellungen usw. find dann der Ueberschuß resp, der Verdienst der Erhebung. Die Maschinen machen auch Fehler. Das wird niemand leugnen können, aber die Fehlerquellen sind durch die maschinelle Bearbeitung auf ein Minimum herabgedrückt. Das Märchen der drei Lügen, und zwar:„der gemeinen Lügs, der Notlüge und der statistischen Lüge, gehört heute in Andersens Märchenbuch. Die Statistiken von heute haben ihre Fehler. Aber die Fehler sind so gering, daß man sie nicht nur mit in Kauf nehmen muß, sondern auch mit in Kauf- nehmen kann. Die statistischen Zahlen sind richtig und vertrauenswürdig, ausgenommen natürlich nur dic Zahlen, die nicht durch objektive Arbeit entstanden sind. Vsetterkstsztroplie in Siidslawien Die Ernle vernichtet In Serajewo, der Herzegowina und in Norddalmatien wurde durch große Unwetter die ganze Ernte vernichtet. Die Eisenbahnlinie Serajewo— Mostar wurde zerstört. Der Zug- verkehr mußte eingestellt werden. Der Sachschaden wird auf 40 Millionen Dinar geschätzt. Fährt man von der Save, die Kroaticn-Slawonien von Bosnien trennt, mit der ehemaligen„k. u. k." Militärbahn, die nach wie vor schmalspurig ist, gen Serajewo südlich, langsam bergauf, so hat man fruchtbaren und gutbestellten Boden zu beiden Seiten und viele Obstgärten dazwischen, in denen die berühmten bosnischen Pflaumen wachsen. Sie kommen als Backpflaumen auch zu uns, es sind ganz andere Kerle als die meisten nordeuropäischen Pflaumenbäume tragen.' Auch viel Tabak rreibt der Boden Bos- niens, das ja ein klassisd)es Zigarettenland ist. Und der Mais, der bei uns recht selten anzutreffen ist, hängt schwer von den Kukuruz- tolben in ihren grünen Blättern und dem seidigen Bast: dieser „türkische Weizen", in Nordeuropa nur als Viehfutter bekannt, esien südlich von Bodenbach und östlich von Kattowitz auch die Menschen mit berechtigtem Behage», denn die am Kolben in Salzwasser ge- kochten oder in Fett gebratenen Körner schmecken vortrefflich. Serajewo liegt in einem Kranz grüner' Berge, die schon recht hoch aufsteigen, und von oben kann man in der Ferne auch weiße Firne sehen. Langsam steigt die Bahn, felsiger wird das Land, Steine und Geröll verdrängen die Wiesen. Noch einmal ein Tal— M o st a r an der grünen Nnrenta, die Stadt der Moscheen und der berühmten Römerbrüche. Feigenbäume in den Felsen de- Steilufers— so schwer zu erreichen, daß die Früchte meist ins Wasser fallen. Nun aber geht's in die nackte Felswllste hinauf. Nur hier und da ein Steinhäusdzen mit einem grünen Fleck herum—, Gras für die Ziegen, ein paar Stauden Tabak, vielleidzi ein winziger Kar- tofjelacker. Seitab liegen die paar Städtchen. Ueber die Päßhöhe des dalmatinischen Gebirges dann hinunter ins Tal der Ombla und nach Grus, ehemals Gravpsa, der Station auch für Dübrovnik, früher Ragusa. Das ist schen Süddalmntien, aber ei» schmaler, stein'ger Landstreifen zwischen dem Adriameer, Hawisch Iadranska und den Bergketten, ist Dalmatien auch im Norden. Viel Ernte wird da nicht zu vernichten gewesen sein— aber genug, um die � armen Bewohner noch ärmer zu machen, die Auswanderung und die Steuerschuld der Zurückbleibenden noch zu steigern. ride. Ohne Anhalt 353 km Fahrt. Von Paris führen täglich vier Expreßzüge mit ungefähr hundert Kilometer pro Stunde Reisegeschwindigkeit nach Strahburg. Die Züge halten in Nancy, 333 Kilometer von Paris, um Wasser ein- zunehmen. Die 303 Kilometer von Paris nach Straßburg werden in etwa 6 Stunden zurückgelegt. Zum Vergleich sei angeführt. daß die gleich lange Strecke Halle— München mit dem schnellsten k'v-Zug 7 Stunden erfordert. Sie wird laut Sommerfahrplan 1929 bis Nürnberg ohne Aufenthalt durchfahren und dürfte, da sie neun Kilometer länger ist als Paris— Nancy, die längste Strecke in Europa sein, die ohne Aufenthalt durchfahren wird. Copyright by Orell Füßli, Zürich (8. Fortsetzung� Lüüc fühlte einen Schauer über den Rücken laufen. Von dem, der da kommt, habe ich übrigens nichts zu fürchten. Das ist einer, der heißt Criblet, mit Zunamen die Schlange, weil er sehr lang und geschmeidig und schlank, und auch weil«r falsch ist. Aber man weiß längst: er zählt nicht; denn bis zu tiefst ist er die schiefe Bahn des Trunkes hinuntergerollt. Und Jean Lüde: „Was willst du?" Der ander«:„Nichts." Das war zuerst alles. Dann entstand eine Pause. Der andere wird weg gehen. Aber eine spaßige Jdee� ist es wahrhaftig, bei Nacht hierher zu kommen und mich zu suchen, noch dazu in diesem Schuppen, in den mich niemand hat eintreten sehen. Eine Frage brennt auf meiner Zunge: wie kann ich ihn am Fortgehen hindern? Und letzten Endes, komme, was kommen mag, ich wage est „Sog doch, Criblet?" „Was denn?" „Wieso weißt du, daß ich hier war?" „Ich Hobe Augen." Und er ging und rief weiter, während Lüde sich mit einem Satz aufrichtete, und, ohne daß Criblet den Versuch gemacht hätte, ihn zurückzuhalten, sich von ihm weg wandte und davon floh in gerader Richtung, mitten durch die Wiesen. Am nächsten Morgen strahlt« die Sonne. Während der Nacht hatten sich die Wolken vor dem Monde zerstreut. Sie gleiten rasch darüber hin, und der Mond ist da und nützt sie ab wie der Stein ein Garn. Und wenn endlich der Morgen kommt, dann erblickt man ihn blaß und rund und einsam am blauen Himmel. An diesem Morgen war Joseph, weil er in den Wald mußte, sehr früh aufgestanden, und Heloise mit ihm. Er sagte zu ihr:„In diesem Zustand hättest du füglich im Bett bleiben können." Aber sie dacht« nur an ihn:„Das fehlte gerade noch." Es war eine liebe, kleine, gute Frau. Dann zündete sie, so sehr er dagegen war, das Feuer an, goß Wasser in den Topf, machte den Kaffee, stellte die Tassen bereit; unterdessen füllte er seine Tasche mit Eßvorräten. Zuletzt saßen sie, eines dem anderen gegenüber, am Frühstückstisch, mit der mäch- tigcn blechenern Kaffeekanne, in der man zeitweilig das leise Ge Er lachte und begann wieder:„Deine Frage kommt mir eben s rausch der Tropfen hörte, wenn sie in den Behälter niederfielen. recht; sie erleichtert nur die Angelegenheit. Er schwieg; dann begann er neuerdings:„Ich geh gern spazieren. Und ich habe eben einen Spaziergang gemacht. Ich habe mir die Steine angesehen..." „Wie...", sagte Lüde, und der Atem zerschlug sich ihm. Aber der andere schien darauf nicht zu achten.„Es gibt darunter alle möglichen Arten, große, rleines es gibt solche, die zu schwer sind, und es gibt solche, die man heben kann. Man faßt sie so... mit beiden Händen an... man zieht an..." „Schweig!" schrie Lüde. Der andere sagte:„Du siehst." Und dann begann er sehr leise zu lachen:„Ich dachte wohl, wir würdew uns verstehen." Das war klar wie Brunnenwasser. Man braucht nicht Angst zu haben, wenn man die Wayrhcit sagt. Man sagt:„Die Steine sind leicht." Und dann sagt man, was man will. Denn jetzt sagte er: .Wieviel Geld hast du zu Hause?" Lüde wehrte sich nicht. Er dachte gar nicht einmal daran, zu lügen. Er sagte ganz leichthin: „Ich muß hundert Franken haben." Und Criblet: „Gib sie her!" Die Letzten werden die Ersten sein, sagt die Schrift. Lüde fühlte, daß er nicht mehr fest auf den Beinen stand. Adele wollt« sprechen; aber er verbot ihr jeden Einspruch. Er ging in sein Zimmer;«r verbot ihr, einzutreten. Er kam zurück, sie schaute ihn an, er sagte: „Ich verbiete dir, mir zu folgen." Er nahm den Schlüssel, der an einem Nagel hing, und schloß die Türe hinter sich ab. Er betrat wieder den Schuppen; er fühlte sich andauernd sehr schwach. Criblet bewegte sich in der Dunkelheit vor ihm und hüstelte, wie wenn man sich erkältet hat. Lüde hatte das Geld aus der Tasche gezogen. Er sagte zu Criblet: „Hier die hundert Franken." „Es ist gut so", sagte Criblet und nahm sie in Empfang(man unterschied noch immer nichts und nur seine Stimme war da), und die Hände Lüdes waren leer. Und Lüde schaute hin und unter- schied immer noch nichts. Plötzlich sah man diesen langen Körper sich von neuem in der Toröffnung aufrichten: Criblet stand still und machte kehrt:„Besten Dank!" Und er hüstelte noch einmal; dann sagte er:„Wenn man nichts mehr hat, kommt man wieder." lind weg war er, das Geräusch seiner Schritte verklang. Träume Ich denn? Nein, Ich träume nicht. Mein Gott! Es ist wahr, er hält mich fest in den Klauen. Er kennt mein Geheimnis; er kann aus mir machen, was er will. Er kann aus mir machen, was er will, weil er mein Geheimnis kennt. Und Lüde sank zusammen, wie wenn man ihm die Beine weggeschnitten hätte. Aber sogleich'richtete er sich wieder in die Höhe. Er spürte, wie ein Feuer sich in ihm entzündete, und sein Blut begann zu kochen. Das war die Ungerechtigkeit selbst. Er trat hinaus, vom Zorne getrieben. Niemals hatte er sich so entschlossen gefühlt. Es fand sich, daß Criblet noch nicht weit gekommen war. Er brauchte ihm nur zu folgen. Er ging hinter ihm.„Ich halte Ihn." dachte er. Niemand war in der Nähe. Und man sah klar genug, dieses grünen Lichtes wegen, in dem Criblet schritt und Lüde ihn ver- folgte. Lüde sah auf den Nacken unter dem Hute. Auf diesen muhte er sein Ziel richten und ihn wie eine Katze mit dem ersten Schlag erreichen. Es stimmte vollkommen: er könnt« in dem Tunnel, in den er hineingctaumelt war, nicht mehr bleib«». Aber setzt ging es vorwärts. In dem Maße, wie man im Uebel fortschreitet, verläßt es uns; man macht es sich zunutze, man entledigt sich seiner. Und Lüde hatte sich jenem merkwürdig rasch genähert, ohne daß der andere eine Ahnung hatte. Er konnte sich den rechten Augenblick wählen. So heftig war der Zusammenprall, daß Criblet vorwärts fiel, und Lüde stürzte auf ihn; seine Hände ließen nicht los. Wie nur geschah es. daß Lüde einen Augenblick später unten lag, die Hände Cribl«ts um seinen Hals, das Knie Criblets Auf feiner Brust? Beide wälzten sich im Schnee, wo sie Im Sturz ein großes Loch hmeingebohn hatten, und Criblet lachte mit dem einen Mundwinkel: „Du bist nichts mehr wert, armer Lüde!" Criblet schüttelte sich wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt, und Schne«reste fielen aus seinen Ohren. „Was das nicht alles bedeutet: nicht mehr ehrbar, ehrlich sein!" Dann, mit plötzlich erhobener Stimme, schrie er: „He, chr anderen, kommt und seht, wenn euch dies Spaß macht!" Und ein Echo brachte ihm jedes setner Worte vom Dorfe wieder.'„Kommt und seht, wo das hinführt, wenn man das Gut d«s Nächsten zu sehr begehrt., Di« Lampe brannte. Er betrachtet« seine Frau: sie hatte blam geäderte Wangen. Er erhob sich. „Versprich mir, daß du dich wieder zu Bett legst, sobald ich weg bin." Sie versprach es, und er ging beruhigt. Eine Gruppe von Männern erwartete ihn unter dem Kreuz. Und sie machten sich auf den Weg, in einem grauen Nebel, den das Frühlicht um sie breitete, während in der Höhe schöne goldene Farben den Himmel füllten. Lange verfolgte Heloise hinter den Scheiben mit den Augen den kleinen Trupp. Dann dacht« sie daran, sich wieder zu Bett zu begeben, wie sie es versprochen hatte. Aber legt man sich nieder, wenn die Sonne aufsteht? Und meine Arbeit! Wer wird sie tun? Und dann, sagte sie sich, braucht es Joseph nicht zu wissen. So ging sie nicht mehr schlafen. Sie fühlte sich sehr aufgeräumt und voll Munterkeit. Sie singt alle Lieder, die ihr erinnerlich sind. Das Kind leistet ihr Gesellschaft. Manchmal gab es ihr freilich etwas wie einen Faustschlag; dann richtet sie sich wieder auf, nicht ohne ein schmerzlich«? Zucken im Gesicht. Aber gleich darauf lacht sie von neuem. Es soll sich bewegen, soll sich drehen, soll sich nur regen. So ist es gerade recht; denn das ist das beste Zeichen, daß es da ist. Sie beschaute ihren Leib und fragte sich: „Armes Kleines, hast du wohl Platz? Keine Luft hat es, kein Licht; es hört nichts,«s ißt nichts. Sehr natürlich, wenn es sich wehrt und Rache nimmt." Und ein großes Mitleid' und ein großes Glück überströmten sie zur gleichen Zeit; es bleib nichts anderes übrig als sich drein zu schicken. „Gib mir dreißig Faustschläge, wenn es dir Spaß macht; ich werde nicht klagen." Darum war sie jetzt immer so gern allein. Die Nachbarinnen fanden, sie würde stolz Zlber ich, die ich die einzig« Gesellschaft habe, die ich mag: wie kann ich da wie ehemals die Zeit mit Ge- schwätz verlieren? Niemals allein, und die Zeit geht rasch vorbei. Zehn Uhr ist's schon, eben hat's geschlagen. Sie zog die Schürze aus und hängte sie an einen Nagel. Dann machte sie sich ein wenig zurecht. Und nachdem sie einen Schal um sich geworfen und um den Kopf ein Tuch von schwarzer Wolle mit braunem Rand geknüpft hatte, machte sie sich auf den Weg zum Krämer, zum anderen, nicht zu Martin, weil dieser, wie wir gesehen haben, aus die Gant ge- kommen war. Die Sonne stand groß und glänzend am Himmel. Der gefrorene Schnee glitzert« auf dem Weg im Sonnenschein wie «in gebuckelter Kochkessel. Ueberall auf den Gattern zitterten kleine spitze Flammen, und die Dächer waren auf einer Seite blau, auf der anderen wie Silber. Sie sah, daß am Brunnen viele Leute versammelt waren; unh das kam ihr ein wenig ungelegen, weil man sie anhalten würde. Aber sie war schon zu dicht in ihre Nähe gekommen; sie konnte keinen anderen Weg mehr einschlagen. So schritt sie denn weiter, vorsichtig, mit kurzen Schritten. Sobald die Frauen Ihrer ansichtig wurden, liefen sie ihr entgegen. Und sie erzählten, daß sich Jean Lüde geflüchtet hätte. Das war die große Neuigkeit des Tages, und den ganzen Morgen durchlief sie das Dorf, daher die zusammengeströmten Menschen, und jetzt umringten die Frauen Heloise:„Denke dir nur. er ist verschwunden: seine Frau sucht ihn überall. Und es scheint, nach dem, was Criblet sagt, daß er gut tat, zu fliehen: er hat des Nachts Marksteine versetzt. Criblet hat ihn gesehen, und der Lüde bekam Angst. Und Criblet behauptet. Lüde wäre vom Teufel bc- festen. Criblet sagte, er habe nach Schwefel gerochen! So gingen und kamen die Worte. Das war ein ereignis- voller Tag. Aber Heloise bewahrte in all dem Lärm und Gerede ihre oll- tägliche ruhige Miene. Wir zwei haben einen anderen Lebenszweck, nicht wahr? Es gibt«ine Art von Selbstliebe im Glück und Un- glück. Fremde Händel ging«» sie nichts an; sie antwortete mit einem einfachen Neigen des Hauptes auf die langen Sätze, die auf sie niederprastelten. So lag der Brunnen bald hinter ihrem Rücken und sie näherte sich dem Laden. Und Bronque, der Krämär, mit seinem mächtigen schwarzen Bart(ein Mensch, der wenig sprach und der selbst an diesem Tag« den Mund nicht ouftat) hatte es eilig, ihr dos Salz abzuwägen. Dann kam das Mehl an die Reihe. Und das ergab zusammen zwei Pakete von je zwei Pfund. Sie verstaute sie in ihrem Tragkorbe. Und dann gab sie ihm die siebzig Rappen tmd ging. Es war gutes, klares Wetter. Man sprach Immer noch am Brunnen. Sie sagte sich:„Wenn ich dort vorbeigehe, wird man mich neuerdings anhalten." Und sie macht« sich auf den Heimweg durch die hinter« Gasse. (Fortsetzung ftrtgi.) WAS DER TAG BRINGT. IMMMiiMIIMMUIMIIMIiMIIMIMiMMIIMiriNIIIIINwMMMNIIiMIIMIIIUiNNiiMIIMIIIiilMilMilllNINMIMIiMIMIIiiiiMWIi Segen der Kunst. In Poris erbrachte die Versteigerung von 88 Arbeiten des be- deutenden Malers Ingres, die der Kunstliebhaber Henry Lapauze gesammelt hatte, die Summe von 3 Millionen Franken. — Wenige Tage vor der Auktion starb der Sohn Ingres, auch Maler, in tiefem Elend. An den Wänden der Mansarde, die der Sohn Ingres bewohnte, fanden sich noch einige wertvolle Skizzen des Daters, von denen sich der Sohn nicht hatte trennen wollen... Katzen vernichten den Wildbestand I In Amerika hat sich die wildernde Katze, die aus Vögel und Kleinwild Jagd macht, zu einer richtigen Landplage entwickelt, die ernste Besorgnisse wachruft. Es handelt sich dabei aber nicht etwa um das Wiederauftreten der Wildkatze, die früher, in Amerika all- gemein verbreitet war. Der neuest« Massenmörder der Vogelwelt ist vielmehr die beliebte Hauskatze, die zum blutgierigen Jagdfrevler entartet ist. Nach den Angaben von Pelzjägern im südlichen Eon- necticut hat längs der ganzen atlantischen Küste die marodierende Katze sogar den Fuchs als Jagdkonkurrenten verdrängt. Die Unter» fuchung des Mageninhalts getöteter Katzen ergab, daß die braven Haustiere denselben Geschmack besitzen und dieselben Futtergewohn- Helten angenommen haben wie die Füchse. Sie leben Zwar in der Hauptsache von Mäusen und sind in dieser Beziehung für die Land- Wirtschaft ebenso nützlich wie die Füchse, richten aber daneben in Montag, 1. Juli. Berlin. 16.00 Adolf Marcusc: Der Sternhimmel im Monat Juli. 16.30 Franz Maria Feldhaus: Die Taschenuhrindustrie in Glashütte. 17.00 Kflnstlernachwuchs(Staat), akademische Hochschule' für Musik, Berlin- Charlottenburft). Anschließend: Werbenschrichten und Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.30 Englisch für Anfänger. 19.00 Fritz Fricke, Leiter der Berliner Oewerkschaltsschnle: Arbeiterschalt und geistiges Leben. 19.30 Guido Bagier: Der Tonfilm, Seine künstlerischen und kulturellen Aufgaben. 30.00 Operettenabend. Artur Guttmann mit seinem Orchester. Mach den Abendmeldungcn bis 0.30 Tanzmusik. Wehrend der Pause; Bildfunk. % Königswusterhansen. 16.00 Englisch(kuiturkundlicb-Iiterarische Stande). 16.30 Ludwig Bäte ans eigenen Werken. 15.00 Paul Westheim: Meister der Plastik. 18.30 Min.-Dir. Dr. Badt: Ein Ferienmonat. 18.55 Dr. Neumann; Bericht der amerikanischen Studienkommissioo über die deutsche Vieh- und Milchwirtschaft. 19.30 Dr. Schwering, M. d. L.: Staatliche Kunstpflege. 26.00 Lieder. 1. Julia Kerwey(Ursina van Diemen, Sopran; am Flügel: Die Komponistin). 2. Edvard Grlcg(Ursula van Diemen: am Flügel: Ben Oeysel). 20.30„Neueres Wien". Ernste und heitere Rezitationeo von Margarete JokL 21.00 Kammermusik. 1. Paul Hindemith: Trio für Violine, Viola und VlolonceN, C.-MoJ, op. 9, Nr. 3(Streicht rio; Wolisthal, Hindemith, Fee ermann). der Vogelwelt wahre Verwüstungen an. Jedes Jahr erhält das Heer der vagabundierenden Katzen frischen Zuzug aus den über» zähligen Katern und Katzen der Farmen, Dörfer und Städte. Dazu kommt, daß in den Sommerfrischen die Familien, die dort ihre Ferien verbringen, nach Schluß der Saison gewöhnlich die Katzen zurück- lassen, die sie„zur Erholung" mitgebracht haben. Die im Stich gelassenen Tier« oerlegen sich notgedrungen auf das Wildern und kommen dabei auch reichlich auf ihre Kosten. Di« zahm« Katze gibt sehr bald ihre angezüchteten Gewohnheiten auf und wird wieder zu einem Raubtier, das beutegieriger und blutdürstiger Ist als der ungleich bester gezähmte Hund. Die Verwilderung dieses Haus» tieres ist geradezu katastrophal für das Wildgeflügel, und zwar hauptsächlich für jene Wildoögel, die sich auf dem Erdboden be- wegen und dort auch zu nisten pflegen. Ein Schwan,der seine BrutmitdemLebenbeschützt Englisch« Zeitungen berichten über einen rührenden Fall von Aufopferung eines Schwans für seine Brut. In der Grafschaft Cheshire ist ein Schwanenweibchen, das brütend auf seinem Nest am Ufer eines Weihers saß, lebendig verbrannt. In der Nähe des Nestes war in dem trockenen Unterholz Feuer ausgebrochen, das das Nest bedroht«. Das Schwanenweibchen wich jedoch nicht von der Stelle, als die Flammen herannahten, und beschützte die Eier mit seinem Leib, wobei es mit dem Nest verbrannte.— Das Männchen versuchte oerzweifelt durch die Flammen hindurch das Nest zu er- reichen und erlitt Brandwunden an den Beinen. Gackernde Eidechsen. Ein« seltsame Erscheinung in der Tierwelt bildet«ine in den Urwäldern im InnA-en von Celebes vorkommende Baumeidechse, die beim Nahen von Menschen in ein lautes Gackern ausbricht und dadurch den ahnungslosen Reisenden nicht selten In Schrecken ver- setzt. Aehnliche Gackerlaute stößt auch der ebenfalls zu den Eidechsen zählende, in Südeuropa und Asien heimische Gecko aus. Zweifellos hat man es in beiden Fällen mit Warnrufen zu tun, die, wie das Zischen angegriffener Schlangen, dm Zweck haben, den Angreifer zu Erschrecken. Land ohne Arbeitslose. In Frankreich beträgt die Zahl der Arbeitelosen gegenwäntg wenig über 1000. Die Zahl der offenen und nicht besetzten Stellen ist über 18000. Ausländische Arbeitskräfte werden mit größter Strenge ferngehalten. Da ständig mehr als ein« halbe Million Mann im Militärdienst steht, stt ein ungeheurer Mangel an Arbeitskräften namentlich in der Landwirtschaft vorhanden. Man sagt, daß im mittleren und südlichen Frankreich große Flächen brach liegen. weil niemand da ist, si« zu bewirtschaften. Zu Conan Doyle, der ein« Zeltlang Landarzt war, kam einmal«in älteres Mädchen. das sich über«in Leiden beklagt«. „Es wird weggehen," tröstete Doyle seine Patientin. „Raten Sie mal, Herr Doktor, wie alt ich bin?" sagte das Mädchen. „Ich kann es wirtlich nicht sagen," meint« Doyle,«aber man sieht es Ihnen nicht an." /; Die Bundesregatta in Grünau Hervorragender Sport bei den Arbeiterruderern und Kanufahrern. Tausende Tuschauer, der Bundesvorstand an der Spitze! Stol; und weithin sichtbar flatterte am Sonntag die Fahne de» Arbeiter-Turn. und Sportbundes über den Tribünen des Ver- liner Regattovereins: Der Arbeiter- Turn- und Sport- b u n d veranstaltete in Grünau seine erste Lundesregatta. von herlichstcm Wetter begünstigt, war sie in propagandistischer Beziehung ein voller Erfolg, der Sparte dürsten viele neue Mitglieder zuströmen. Tonsende Zuschauer hatten sich eingesunden, um Zeuge der sportlich auherordentlich schönen Wctttämpse zu sein. Eine >Blaupunkl".cauIsprecheranloge ermöglichte es, den Verlaus der Rennen vom Anfang bis zum Ende den Zuschauern mikzuteilen. von den Berliner Vereinen schnitt der Ruderoerein„vorwärts' am besten ob. von den ouswärligen vereinen waren es die beiden Dresdner Vereine und der Ruderverein Saxonia-Wurzen, die besonders gute Leistungen zeigten. Was aber immer und immer wieder gerügt werden muh. das ist das unsportliche Verhallen derjenigen Wassersportler, die es nicht lassen können, während der Rennen über die abgesteckte Regaltastrecke ZU fahren und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch die Regattamannschaslen zu gefährden. Der Verlaut der Rennen. Pünktlich um 13 Uhr begannen am Sonntag die ch a u p t» r e n n e n in Anwesenheit des Bundesvorstandes au- Leipzig. Eingeleitet wurde die Regatta mit dem Stilrudern der mann- iichen Jugend. Hier zeigte sich die vorbildliche Arbeit im Ruder- verein„Vorwärts", der mit seinen sechs gemeldeten Mannschaften die ersten sechs Plätze belegen konnte. Den ersten Riemen- vierer gewann nach sportlich schönem Kampf der Ruderoerein «w „VorwÄrf»"-&crUn siegt Im Achterrennen der Skullboote Saxonia-Wurzen vor dem Derein für volkstümlichen Wassersport. Dresden. Ein schöner Kampf war der Anfangeroierer. vom Anfang bis zum Ziel war es ein Bord-an-Dord-Kampf. Die Mann- schoft des Ruderoereins Vorwärts" kämpfte mit der Mannschaft der Freien Wasserfachrer Brandenburg a. d. S). und lief in totem Rennen durch das Ziel. Beide Mannschaften muhten nach Schluh der Re- gotta noch einmal starten, und mit zwei Fünftelsekunden war c» der Mannschaft des Rudervereins„Vorwärts" möglich, den Sieg herauszurudern. Die Rennen der Kanus gingen nur über ölXI Meter, wogegen das vierer-kajok-Rennen über 1000 Weier ausgefahren wurde. Dieses Rennen war wie immer das interessan- teste der Kanurennen: wie im vergangenen Jahre, so war es auch diesmal der Freien Turnerschaft Groh-Berlin möglich, das Rennen zu gewinnen. Während in der ersten Hülste des Rennen» die Freien Wassarfahrcr Köpenick und die Freien Schwimmer Charlottenburg in Führung lagen, war es in der zweiten Hälfte möglich, bah beide Boot« der Freien Turnerschaft Groh-Berlin die Boot« überholen konnten, um als sichere Sieger durchs Ziel zu fahren. Don den Ruderrennen war das interesianlefte und sportlich wertvollste Rennen das Achterrennen, an dem sich vier Boote beteiligten, und zwar der Ruderverein Saxonia-Wurzen, Ruderverein Coll«gia Charlotten- bürg. Ruderverein Dorwärts-Leipzig und der Ruderverein Vorwärts- Berlin. Der. Ruderverein Hannover-Linden startete außer Kon- kurrenz, konnte sich aber, trotzdem die Mannschaft in einem leichtere» Boot fuhr, nicht durchsetzen. Vorwärts Berlin ging vom Start weg in Führung und führte während des ganzen Rennens, hart bedrängt von dem Ruderverein Collegia Charlottenburg. Vergeblich versuchte Dorwärts-Leipzig zu beiden Booten auszuschließen. Mit einer halben Länge Vorsprur.g vor Cotlegm ging der Ruderoerein Lorwärts-Bcrlin als sicherer Sieger durchs Ziel. Zum ersten Mal« wurden auf der Regatta in Grünau von den Arbeiterruderern Rennen in Rennbooten ausgefahren. Allerdings blieben hier die auswärtigen Gäste unter sich. Das Rennen im Riemenviercr gewann der Turn- und Sportverein Fortschritt Dres- den-Laubegast vor dem Ruderverein Saxonia-Wurzen. Auch das Achterrennen in Rennbooten konnte der gleiche Verein vor dem Ruderverein Saxonia-Wurzen gewinnen: auch dieses Rennen war wie das Rennen der Gig-Achterein scharfer Bord-an-Bord-Kampf der Boote vom Start bis zum Ziel. Den Doppelvierer holte sich der Ruderoerein Vorwärts-Berlin mit einer knappen Länge Vor- sprung vor dem Ruderverein Vorwärts-Stettin. Den leichten Vierer gewann Dercin für volkstümlichen Wassersport Dresden gegen den Ruderoerein Vorwärts-Berlin. Auch die Rennen der Frauenmannfchaslen sollen nicht unerwähnt bleiben. Die beiden Mannschaften des Ruderoerein Collegia lieferten sich auf der Strecke, die auf 1000 Meter verkürzt war, einen interessanten Kampf. Dem Ruderoerein Saxonia-Wurzen war es nicht möglich, gegen die beiden vorzüglichen Mannschaften des Ruderoereins Collegia aufzukommen. In technischer Beziehung leistete die Frauenmannschaft Vorzügliches, an dem sich manche Männermannschaft ein Beispiel nehmen konnte. Die Begrüßungsfeier. Am Sonnabend abend versammelten sich die Rcgattateilnehmer mit ihren Angehörigen im Großen Saal des Gewerkschaftehauses zu einer schlichten Vegrühungsseier. Der Bundrsoorstand war ver- treten durch den Bundesvorsitzcnden Genossen Geliert, ferner durch die Genossen Biegcl, Schubert und Ranke. Nach kurzer Begrüßung durch den Spartcnleiter ergriff der Bundesvar- sitzende dos Wort zu seiner Festansprache. Er begrüßte den jüngsten Jubilar des Bundes, den Genossen Lehmann von der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, und kam dann auf die Bedeutung des Zusammenschlusses der Freien Ruderer im Arbeiter-Turn- und Sportbund zu sprechen. Mit einem begeistert aufgenommenen Frei Heil schloß Geliert feine Ansprache. Di« Musik stellt« die Kapelle der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, der Bewegungschor vom gleichen Verein unterhielt die Festteilnehmer auf das Angenehmst«, desgleichen, wurden von der Kreisschule die Bundesfestfreiüdungen der Sportlerinnen und Sportler vorgeführt. I»g«»drul>ein. 1. Rudervereln-Dotwärls-Berliii tLIrlb. lkischer, Schro- jähr, Äinabane, Steuer Rohnert.) 54 Punkte. 2. Runbc.rverein„Bonvarts". Berlin. Riemeuvierer. 1. Pudcrvercin Saxonia-Wurzen. iLindner, Ouandt, Wittia, Nijhler. Steuer: Riedel). L Min. l04i! Sek. 2. Verein für volks- tiimlichen Waslerlport-Dresden. L Min. IZ Eck. Doupelkajal. Klasse 2» l. Kanuklub-Döllnit, 5 Min Eck. 2. Arbeiter-Wasserspvrtvcrcin�tettin, 6 Min. ez. Sei. Ä»sä»i>«r«iercr. 1. Rudervcrctn-Vorwiirts-Berlin(Nttschkc, Malzalin, Weisel, Kartmann, Steuer: Stior) I! Mtn. 30 Sic. 2. jZrcie Wasscrfahrcr-Brandcnburg o. K. 8 Min. 30% Sek. Doppellajal f. Zusend. Klasse 5». 1. Turn- und Sportverein gortschritt-Dresden-Laubegast.(Eicht und Müller)■ MM' 28 Sek."- (Reubert,______ WWW,_ verein-Vorwärts-Berlin 8 Min. 35 Sek. Deppelkaiak Klasse 4». t. Turn- und Eporwerein Tresden-Loubesast(Zritfche und Liebscher) 5,35 H Lei. 2. Freie Turnerschaft Gross-Bcrlin 5 Min. 44% Sek. Rie»«n»ierer In Rennboot. 1 Turn- und Eportbund Fortschritt-Dresden-Laubegakt(Kirsten Siiubcrlich, Weisse u. Liiffler. 2. Ruderoerein Saronia-Wurzen. Riemennierer f. Frauen. M>M��M��MM>MMM>MM>M>MWWMMMWW-------(Paul, V-ctbse,«teuer: Rückcr) s Min. 31% Sek. 2. Freie Turnerschaft. Eross-Berlin 10 Min. 2% Sei. Einerkajnt(unbeschränkt). 1. Freie Turnerschaft(bross- Berlin(Konrad) 3 Min. 8% Eck. 2. Arbeiter. Wassersportverein Hof und Turn» und Sportverein Fortschritt Dre-den-Laubesast. Totes Rennen. 3 Min. 11% Sek. Achtee-iBisdoot. 1. Ruderverein VorroSrts-Verlin(Echeurci), ubnke, Drössler. Kohls. Michalemiez, Thiel, Schramm. Seifert, Steuer etiler. 7 Min. 38% Eck. 2. Ruderoerein Eolleala-Charlottenburss 7 Min. ~~ tver' *i W____________________|_________. 40 Sek. Doppelkajak«lasse 5». 1. Freie Evorivercinlgunil Schwelfsternc. Verlin(Koppe-Hähnel) 5 Min. 28 Sek. 2. Freie Kanu-Umon-Sross-Verlin 5 Min. 30% Eck. Doppelvierer. 1. Ruderoerein Norwätrs-Berlin.(Kube, Epior. Riemer, Elüqelmeikr, Steuer: Kramer). 8 Min. 22% Eck. 2. Freie Tnrnerlchaft. Gross. Berlin 8 Minuicn 25% Eckundcn. Kannoicrrr mit«teuermann. 1. Freie Turncrlckx, It. Gross- Berlin(Gerlach, Appel- Haus. Bchrend und Krebs, Steuer: �ellah) 4 M!n. 30% Eck, 2 Frei« Turnerschaft�bross-Verlin 4 Min. 43 Sek. Achter-Rennboot. 1. Turn, und Sportverein Fortlchrlli.Dresden-Loubeaast(Kirsten, Säuberlich, Oviss, Zimmer. mann, Clemens, Mahnert, Weisse, Lölfler, Steuer: Liepstein) 7 Min. 4% Sek 8. Ruderverein e«l»»ia>«ur,en 7»in. 20% Sek. Städtehampt im Qewditheben. Berliner und Stroltunder Arbciieraihletcn. Der„Sportlichen Vereinigung Lichtenberg-Friedrichs- felde 04", dem langjährigen deutschen Meister im Gewichtheben de« Arb«iter-Athlet«nbundes, war es gelungen, den Kreismeister des 3. Kreises(Pommern) aus Strcilsund für einen Städtekamps im Gewichtheben zu verpflichten. Dies« prächtige Mannschaft, die sich dem Berliner Derein bei einem Städtekampf Anfang Mai in Stralsund als fast gleichwertig erwies, ist heute ein« der besten, die der Bund ausweist. Beide Mannschaften be- finden sich jetzt in Höchstform, so daß auf der Bundesmeisterschaft im Oktober in Hall« der Bundesmeister in den Stralsunder Sport- genossen einen beachtenswerten Rivalen hat. Unter Führung des Kveisvorfitzenden Schröder-Stralfund starteten von den Gästen Strandt, Podack, Treffkorn, Gurfki, Piehl und Rickolei von Lichtenberg-Friedrichsfelde, der bei den Straifunder Sportfreunden eine Gastrolle gab, um deren Mannfchaftsgewicht zu vervollständigen. Die Friedrichsfelder stellten folgend« Sportler: Splicstößer, Poekern, Scholz, Jordan, Ehrhart, Wallofcheck und Meister Bruno Kehr. Die erzielten Leistungen im«in- und beid- armig Reißen und im ein- und beidarmig Stoßen hier im einzelnen zu würdigen, ist kaum möglich, daher nur die Resultate. T t r a l s u n d erzielte im einarmig Reißen 305, einarmig Stemmen 395, zweiarmig Reißen 935 und im zweiarmigen Stoßen 1230 Pfund. Der Bundesmeister erzielte im einarmig Reißen 055, im ein- armig Stemmen 1035, im zweiarmigen Reißen 1180 und im zwei- armigen Stoßen 1490 Pfund. Den Gästen, die sehr gefielen, gelang es zwar nicht, den Sieg des Bundesmeisters zu gefährden, aber das erzielte Gesamtgewicht von 4285 Pfund-- 152.8 Punkte ist mehr als ansehnlich. Die Berliner brachten es auf 5130 Pfund-- 210,3 Punkten, die heute schon für Berlin als berechtigt« Hoffnungen für die Bundes« Meisterschaft in Hall« anzusehen sind. Auch für Unterhaltung hatten die Deranstalter gesorgt, sie wurde von den Arbeiterartisten des 4. Kreises übernommen. Doginialla „Rostelli" war eine hübsche Kopie des großen Jongleurs. Die Leistungen der beiden jugendlichen Equilibristen„2 Rouvels" waren sehr gut. Um cwch den Gästen die Ringkampskunst zu zeigen, trafen im S e r i« n r i n g k a m p f die erste Mannschaft des „Sportklubs Friedrichshagen" und die erste Mannschaft von .Lichtenberg-Friedrichsfelde" zusammen. Die Friedrichshagener werden bei den demnächst wieder beginnenden Serienkämpfen nicht mehr als Außenseiter zu betrachten sein. Das Resultat war für „Lichtenberg-Friedrichsfelde" 10: 4. G. M. Graf Isolani Derbysieger. Dos grohe Rennen in Homburg. Aus dem Kampf im Deutschen Derby ging, wie erwartet, Graf Isolani unter Jockey E. Grabfch als leichtester Sieger hervor. Der aus der eigenen Zucht des Frankfurter Rennmannes M. I. Oppenheimer hervorgegangene Dreijährige, gezogen von Graf Ferry a. d. Ifadella, bewies nachdrücklichst, daß er unter seinen Alters- geführten ein« Sonderstellung einnimmt. Der Triumph des Erlen- hofer Züchters ist um so größer, als Atalante ihr- bisherig« Form weit überbot und hinter ihrem Stallgefährten den zweiten Platz knapp vor Wilfried besetzt«. Damit sielen also dem Stall Oppen- heimer, der vorher schon mit Serapis das wertvoll« Renard-Rennen gewonnen hatte, nicht weniger als 85 000 Mark von den im Derby vergebenen 100 000 Mark zu. Ergebnis: 1. M. I. Oppen- heimers Graf Isolani(E. Grabfch): 2. desselben Atalantö (K. Narr): 3. L. u. W. Sklareks Wilfried(C. Haynes). Tot.: 13. Platz: 12. 60. 14. F.: Grenadier(4). Rebell(5), Tantris(6), Antonia(7), Feldjäger(8), Balladolid, Maximus, Pellegrino. 4 Längen— Kopf— 8— 134 Längen. Schwimmen»Quer durch Berlin"'. Bei der elften Austragung des Werbefchwimmens der bürger- lichen Schwimmvereine„Quer durch Berlin", vermochte der Italiener G o m b i in 1: 02: 2.3 für die 4800 Meter lange Strecke den mehrfachen Sieger Steinhaus„Friescn"-Berlin knapp, aber sicher auf den zweiten Platz zu verweisen. Bei den Damen siegte die Weltmeistcrin Hilde S ch r a d e r- Magdeburg in 1:13:10 vor der Wienerin Gusti Fleischer, die 1: 13: 36 benötigte, f Dos goldene Rod. Wie es Sawoll gewonn. Kopf an Kopf saßen und standen gestern in der Sonnengiu: 14 000 Besucher auf der Olympiabahn und erwarteten für ein nicht geringes Eintrittsgeld Kämpfe zwischen Weltmeister Sa wall und Frankreichs Siehermeifter P a i l l a r d. Vorweg gesagt diese Kämpfe blieben aus! Der als groß angekündigte Paillard versagte, und Sawall dominierte überlegen, nur einen fabelhaften Gegner abwehrend: Maronnier! Möller wußte nichts besonderes zu zeigen, während es Altmeister Saldow einige Male gelang, bravourös seinen Platz zu halten. Thollembeck trudelte wie er wollt« und stritt dann und wann— doch ohne Bedeutung, mit Saldow. Nachdein die Amateure ihre Wettbewerb« erledigt hatten, gab es zunächst gor nichts zu sehen. Die Glocke ertönt, doch von Stehern und Maschinen keine Spur. Alles tut sehr wichtig, als ob es besondere Angelegenheiten zu erledigen gäbe. Wieder ertönt die Glocke. Endlich ist es so weit, daß die Fahrer ihre Plätze auslosen. Paillard hat den ersten vor Sawall, Maronnier, Soldow, Möller und Thollembeck. Paillard legt von Beginn an scharfes Tempo vor und geht an Thollembeck vorbei. Das ist aber auch schließlich fast alles, was der Franzose zu zeigen weih. Sawall ist auch nicht müßig ge- blieben und verdrängt schon in der 16. Runde Paillard endgültig von der Spitze, dessen wiederholte Gegenangriff« Sawall mit Leichtigkeit abwehrt. Ja, Paillard muß auch Maronnier, der vorher erst mit Saldow zu streiten hat, passieren lassen. Möller verlegt sich nur daraus, seinen vierten Platz zu halten und hält gleiche Distanz gegen Sawall, den er hinter sich hat. Bravurös zieht in der 8 8. Rund« Saldow an Thollembeck und auch Paillard vorbei. Dos Gewonnene zu halten, dazu reicht es aber nun doch nicht mehr recht. Nachdem noch Möller in der 96. Runde Paillard den 3. Platz abgenommen und Sawall in der 99. Runde den französischen Stehermeister überrundet hat, bleibt es Runde auf Runde ruhig. Da versucht in der 196. Runde Möller vorzudringen, verliert jedoch die Roll« und schwimmt schließlich so, daß er von Sawall ebenfalls überrundet wird und auch seinen dritten Platz wieder an Paillard abgeben muß. Maronnier treibt den führenden Sawall ohne Unterlaß. Beide liegen oft nur zehn Meter voneinander und dabei bleibt es bis zum Schluß. Versteht sich, daß beide Fahrer di» Ehrenrunde gemeinsam fahren. Es ver- steht sich aber nicht, bedeutet vielmehr eine Geschmacklosigkeit, hierbei nur das Deutschlandlied zu spielen! ft. Lab. G>>l!»:»es R-d von Berlin, 100 Km.: 1. Sawall 1:2A: 33,2. 2. Maronnier lz Mir.; 3. Paillard 740 Mtr. 4. Moller 3210 Mir., 5. Thollembeck 3370 Mtl.; 8. Saldow 0320 Mtr. anrllck.— Amateur. Flicacrrcnncn. Städtekampf Berlin, Breslau: 1. Berlin(Fliegel-Gongel-Iohow-Golss), 33 P.! 2. Breslau(GIpel-Hoks- monn-Bnchwald-kuss) 8 P. Porgabcfohren: 1. Stock<75 Mtr.): 2. Enzclmann (Mal): 3. Lehmann(85 Mtr.). Mannschofts-Perfolgungsrennen: I. Schulz» Schimmin», 2. Dasch-Gröning: 3. Bauers-Fimmermann. Sfra�enmeisterschaft von Berlin. Der Gau Verlin des Bundes Deutscher Radfahrer brachte am Sonntag auf der 150 Kilometer langen Strecke Spandau— Kremmen— Rheinsberg und zurück> feine Gaumei st erschuft im Einer» Streckenfahren zur Durchführung. Sämtliche 70 gemeldeten Fahrer stellten sich dem Starter. Auf dem letzten Teil der Strecke holte Rüdiger(Grlln-Weiß) einen großen Vorsprung heraus, aber der bereits aus dem Rennen geschiedene Taettwiehler führte die übrigen wieder heran. Der eingelegte Protest hatte Erfolg, Rüdiger wurde der erste Platz zugesprochen, die anderen alle um eine Nummer zu- rückversetzt, bis auf Risch. der völlig disqualifiziert wurde. Die von dem Sieger Rüdiger erzielte Zeit von 4:25:07 ist als außer- ordentlich gut zu bezeichnen. Die KPD. im Fostsiadion! Das mit einem mächtigen Aufwand inszenierte sogenannte „Kreisfest" der Oppvfittonellen rollte sich Samstag nnd Sonntag im Poststadion ab. Es läßt sich nicht leugnen, daß die 30 000, die sich versammelt hatten, zum überwiegenden Teil hinkommandierto ehemalige Rot-Front und Rote Jungsturmleute waren. Es war, um es treffend zu sagen, e i n e Generalrevüe der Kom- munistischen Partei Berlins und Brandenburgs. Weder von den„Tausenden aus dem Reich" noch von den„starken" Auslandsdelegationen war etwas zu sehen. Am Bahnhof Zoo empfing man beispielsweise am Samstag die französische Delegation: ganz« fünf Tennisspieler! Mit welch eigenartigen Mitteln man die Ausländer nach Berlin«gelockt" hat, bewies ein« Unterredung mit dem englischen Tennisspieler Burns, der noch nicht einmal wußte, daß es in Berlin zwei Arbeitersport- verbände gibt. Seine Einladung war unterzeichnet: 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes! Das äußere Bild: aus den Stadtteilen marschierten Züge an. Sin der Spitze meistens eine Sportsahne, die von einer Unmenge Parteifahnen kaum heraus- zukennen war, dahinter eine Abteilung Fichte-Sportler und dann kams meilenlang KPD. mit Kind, und Kegel. Nur vom Arbeiter- spart war nicht viel zu sehen! Dafür leistete man sich den Sport, vom„klassenbewußten Kurfürstendamm" 4 M. Eintrittsgeld für die Tribüne zu verlangen.» Ciroßer Preis von Ruhleben. Ii>l>z«r.Zi«»i>en. 1. Landsknecht(I. Mills): 2. ssoncordia: 8. Caral: T«to: 81:10. Bloss: 13, 11, 18:10. Ferner liefen: Boston, EtruÄer» Jok»ltc, Hedwlg(o. Ä.): Morcobrunner, Wysonko, Rigolctlo. Preis»on Briissei. 1. Nerv(»nöpnodrl): 2, Lustiges Mädchen: 3. To. nwtlou. Solo: 24: 10, Platz: 12, 17, 14: 10. Ferner liefen Quirin, Hella Ttmsko, Noblesse(o.».): Valencia 1, Beate. Preis von Pari». 1. Quist guass(Lemzer): 2. veroftatros: 8. Freund Edelstein. Tsts: 21:10. Platz: 10, 10:10, Ferner lietc» Lindeiuvirtia 1. «wftet Preis»<>» Ruhlcben. l. Augias lI. Mills): 2. Bonco Dukch: 3. Brilton. Toto: 13:10. Platz: 10, 11:10. Ferner liefen: Opernsänger. «erlssung»- Renncu. 1. Saga Burlo»<3. Mills): 2. Alciabiade�. 8. Niederländer. Toto: 27: 10. Platz: 12, 15, IS: 10. Ferner liefen: Kaflnrir, Mills); 2. Alciabiade»: »v.». m. V.„B. �0, x«. ,o. Ferner liefen: Kastniir, Monostalos, Propeller, Turandvk, Diana Magorvan. Prri»»SN«mfterdom. 1. Abt.: 1. Natal(Irmer): 2. Lord»reo: 8. Edrard. Toto: 86:10. Platz: 43, 33, 86: 10. Ferner liefen: Girano, Harfentnädchen, Peraktion, Hellina, Malteser, Dwillonär, Graf Dorn._ 2. Abt.: 1. L-deinon«(H. Teil): 2. Antenne: 3. Paula A. Toto: 48:50. xsatz: 16..12, 24:10. Ferner liefen: Louis, Mephisto. Mary Guy, Qillntaine Etal Lancier(o. W.), Turlddu. Quitte B., Erika. Doasu-Prei». 1. Planet0. 82 und Omnibus 14): Schwimmbad Lichter selbe„Hindenburgdamm" (Straßenbahnlinien 74, 56). Die Tanfveriragsordnung muß gelten. Llnverständliches vom Arbeitsgericht. In Deutschland gibt es ein Gesetz, die sogenannte Tarif« oertragsordnung. Gesetze sind sür jedermann bindend, Herr Müller und Herr Schulze können nicht vereinbaren, daß sür sie irgendein Gesetz keine Gültigkeit haben soll. Das trifft in besonderem Maße für die T a r i s v c r t r o g s o r d n u n g zu, weil dieses Gesetz zum Schutze der A r b e i t n e h m e r als des Wirtschaft- sich schwächeren Teils geschaffen ist. Eine der wichtigsten Bestim- mungen der Tarifoertragsordnung besagt denn auch ausdrücklich, daß die für ollgemein verbindlich erklärten Tarifverträge nicht durch Einzelarbeitsoertrag zuungunsten des Arbeitnehmers ab- geändert werden dürfen. Der Tarifvertrag für die R a d i o i n d u st r i e bestimmt, daß Probeverträge nicht länger als vier Wochen dauern dürfen, nach Ablauf dieser Frist ist jeder Arbeitnehmer als f e st a n g e st e l I t anzusehen. Eine bekannte Großfirma engagierte einen Angestellten zunächst probeweise. Nach Ablauf der vorgesehenen vier Wochen wurde ihm ein neuer B e r t r a g zur Unterschrift vorgelegt. In diesem Vertrag hieß es, die Parteien seien sich ausdrück- lich darüber einig, daß der allgemeinverbindliche Tarifvertrag keine Gültigkeit habe. Der Arbeitnehmer wurde nochmals „probeweise" mit kurzer Kündigungsfrist engagiert. Nun hätte der Angestellte den Verlrag nicht zu unterschreiben brauchen. Er hätte sicher seine A r b c i t s l o s c n u n k c r st ü tz u n g holen und im übrigen„stempeln" gehen können. Das wolllc er aber nicht. Er unterschrieb den neuen Vertrag, denn er glaubte sich durch das Gesetz hinreichend geschützt. Als nach einiger Zeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Meinungsverschiedenheiten entstanden, die zur Kündigung führten» rief der Angestellte das Arbeitsgericht Berlin an. Als Fest- angestellter hatte er Anspruch auf eine sehr viel längere Kündigungszeit als sie ihm in dem neuen„Probevertrag" zugebilligt war. Das Arbeitsgericht kam zur Abweisung der Klage� Es stellte fest, daß der klagende Angestellte keine Forderungen stellen könne, da er durch seine Unterschrift ausdrücklich auf alle Rechte aus dem Tarifvertrag, d. h: aus dem Gesetz, verzichtet habe. Womit das Arbeitsgericht in diesem Fa«- seine absolute Ge- setzesunkenntnis bewies. Reue Verhandlungen im Texiilkonflikt. Das Neichsarbeitsministerium greift ein. Morgen, Dienstag, tritt im Reichsarbeitsministerium unter vor- sih des Präsidenten des candesarbeitsamles in Arantsurt a. M.. D Engeler eine neue Schlichterkammer zusammen, die von Amts wegen eine Entscheidung über die Beilegung des schlesi. schen Textilkonsliktes herbeisühren soll. Oer kommunistische Kronzeuge. In der unter dieser Ueberschrift im„Abend" vom 29. Juni ver» öffentlichten Erklärung des Syndikus des Arbeitgeberoerbandes der Deutschen Textilindustrie E. V., Dr. Klaue, ist infolge eines Hör- fehlers bei der telephonischen llebermittlung der Erklärung ein falscher Wortlaut ins Blatt gekommen. Die Erklärung des«yndi- kus muh lauten: „Fritz Schulze ist viermal an mich herangetreten, um mir das Material gegen den Vorstand des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes anzubieten. Ich will mit einem Schulze nichts zu tun haben." Wie wir weiter erfahren, wird der kommunistischen Presse und ihrem Krönzeugen Schulze Gelegenheit gegeben werden, vor Gericht den Wahrheitsbeweis für ihre Sudeleien anzutreten. Arbeiislosigkeit nimmt weiter ab. Die Entlastung des deutschen Arbeitsmarktes hat sich m der ersten Junihälfte— allerdings in verlangsamtem Maße— fortgesetzt, wie dies schon aus den vorläufigen Berichten der Landes- arbeilsämter hervorging. Nach den endgültigen Feststellungen der Reichsanstalt betrug die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung am 15. Juni 1929 rund 743 000, also 62 000 weniger als am 31. Mai d. I. In der Krisenunterstützung hat eine klein« Erhöhung der Unterstütztenziffer— um rund 3000 Personen— stattgesunden.