Morgenausgabe Nr. 305 A 154 46. Jahrgang WöcheaMch L5Pf, m on�tvch S.SO TL tm voraus zahlbor. Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitung»» und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Lusland»« «bonnement 6.— M. pro Monat. Der wvonvSrts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Derlm und tm Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und„Ainderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen".„Frduen. stimme"..Technik"..Blick in die Büchenoelt" und.Iugend-Vorwärts" p- Berliner VoUSVlatt Mittwoch 3. 2uli 1929 Groß-Berlin 10 pf. Auswäris is pf. SHe etnfpotttgt NonpareillezeNa 80 Pfennig. Reklamezeile 5.— Reich»» mark.„Kleine Anzeigen� das jeUge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. AnzeigenannahmeimHaupt» gefchäft Lindenstraße S. wochentäglich von SV» bis 17 Uhr, Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Feritsprech«: Dönhoff 292—297. Telegramm-Ldru Sozialdemo kr a« vrrlw Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Poftfchrckkonto: Berlin S7bSS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, klageftellten und Beamte» Wallstr. SS. Diikonto-Gesellschaft, Depofitenkasie Lindenstr. L Programmdebatte im Unterhaus. Baldwins gemäßigie Oppositionsrede. London, S. Juli.(Eigenbericht.) Das Parlament, dos sich dem Herkommen gemäß nach Der- lesung der Thronred« vertagt hatte, trat am Nachmittag zur Debatte des Regierungsprogramms(Adreßdebatte) mieder zusammen. Der erste Tag besitzt nach der britischen porla- wentarischen Tradition den Charakter eines feierlichen Aktes. Er wurde jedoch angesichts der Vielsältigkeit der in der Thronrede aufgerollten Fragen zum Anlaß einer politischen Aussprache, in deren Berlouf Ramsey Macdonald eine groß angelegte Rede in Erläuterung der Thronrede hielte Daß die Arbeiterpartei ent- schlössen war, den politischen Charakter dieser Aussprache von vornherein klarzulegen, ging ans der Tatsache hervor, daß die beiden Abgeordneten der Regierungspartei, welche die Annahme der Thronrede dem Parlament zu empfehlen hatten,.aus die bei dieser Gelegenheit herkömmliche Hostracht— das ist Frack und Kniehose— verzichteten und damit mit einer alten Tradition brachen. Der Labour-Abgeordnete Sncll, dem die Aufgabe zu- gefallen war, als erster Redner dem neuen Parlament die Annahme der Thronrede zu unterbreiten, begrüßte die Aussicht aus eine baldige Räumnung des Rheinsandes und versicherte, daß olle von der Arbeiterpartei geplanten„guten Dinge" im gegenwärtigen Regierungsprogramm enthasten seien, lieber die Räumungefrage crklärle Snell wörtlich:„Zu großer Genugtuung gereicht es uns, daß sich die Möglichkeit zeigt. die englischen Truppen im Rheinland zurückzuziehen und einen, Volt, ml» dem wir seil mehr als zehn Jahren im Frieden leben, das heihgelieble Land zurückzugeben, das mit so vielen glanzvollen und roniantischen Erinnerungen der deutschen Geschichte verknüpft ist. Wenn dieses Ideal in Erfüllung gehen würde, so würde das' in(England wohl mit fast derselben Zufriedenheit begrüßt werden, wie in Deutschland." Diese Worte Snells lösten allgemeine Z u st i m m u n g im Hause aus, besonders beim Staatssekretär' des Aeußern Henderson, der nachdrücklichst mit dem Kopse nickte und„Hört, hört" rief. , Der zweite Redner der Arbeiterpartei, Wi l s o n, begrüßte insbesondere die geplante Wiederaufnahme der eng- lisch-russischen Beziehungen sowie die in der Thron- rede angekündigte Reorganisation des britischen Kohlenbergbaues., Wie bei dieser Gelegenheit üblich, begann der Führer der Oppo- sition, der bisherige konservative Ministerpräsident Valdwln seine Rede mit einem Glückwunsch an die beiden Vorredner, Baldwin erkundigte sich hieraus im weiteren Verlaus seiner Rede. ob die Empfehlungen der Pariser Expertenkonferenz dem Parla- ment unterbreitet würden,«he sie zur endgültigen Annahme kämen. Im Hinblick auf die geplante Unterzeichming der fakultativen Klausel des Ständigen Gerichtshofes im Haag stellte Baldwin die Frage, ob diese Klausel mit oder ohne Vorbehalten unterzeichnet werden sollte. Baldwin betonte dann, daß ein B e- such Macdono Eds in Washington in jeder Beziehung einen wichtigen Schritt darstellen würde. Beide Länder hätten darunter zu leiden, daß kein persänlccher Kontakt zwischen den Staatsmännern der englischen und der amerikanischen Nation aufrecht erhalten würde. Baldwin schloß mit dem für englische Berhältniss« bezeichnenden Satz: Er wünsche der Arbeiter- regicrung keine von parteipolitischem Geiste ge- tragen« Opposition entgegenzuietzcn. Das Land müsse regiert werden, es werde sich jedoch ein gewisses Mah f van Selbstbeherrschung auf beiden Seiten nötig machen. Anschließend sprach Ministerpräsident Zllacdonald. der in seiner Rede«ingongs betonte, parlamentarisch gesprochen sei der Unterschied zwischen seiner Regierung und der vorausgegangenen Regierung Baldwin der, daß Baldwin zwar eine Minderheit der Stimmen, aber eine Mehrheit im Parlament besessen habe, während seine Regierung außer der Minderheit der Stimmen auch eine Minderheit Im Parlament darstelle. Macdonald ging dann auf eine grundsätzliche Frage«in, deren Aufrollung, wie er meinte, notwendigerweise durch die schwierige parlamentarische Lage seiner Regierung bedingt sei. Man müsse sich fragen, inwieweit es ohn« Aufgabe der Parteigrundsätze möglich sein könne, sich im Parlament mehr als ein Staalsrak und weniger als Armeen zu fühlen. die sich zur gegenseitigen Bekämpfung gegenüberständen. Macdonald betonte, daß seine Regierung zwei große Fragen zu lösen Hobe: die Arbeitslosigkeit und das Problem des Friedens. Was die Erwerbslosigkeit anbelange,, so sei zu ihrer Ueberwindung eine Politik nötig, die die Wirtschaft fördere, den Lebensstandard der großen Massen erhöhe und Vertrauen darin schasse, daß nach allen Seiten Gerechtigkeit gewährt werden würde. Was die Frage des Friedens betrejf«, ja sei nur die Besserung der amerikanisch- englischen Verhästnsffe die grundlegende Voraussetzung. Die Re- gierung sei' entschlosstn, den Kellogg- Patt zu einer lebendigen und entscheidenden Macht der internationalen Politik zu machen. In bezug aus die Rcparationsfrag« bemerkte Macdonald, daß der Expertenbericht von der Regierung zurzeit auf das sorgfältigste geprüft werde. Die Reparationskonferenz müsse bald abgehalten werden, und seine Regierung habe London als Tagungsort vorgeschlagen. Macdonald betonte, daß der Dawes-Plan mit der Veröffentlichung des Pariser Expertenberichts nicht mehr viel länger in Kraft bleiben könne und eine neu« Vereinbarung zustande kam- m«n müsse. Hierauf stellte Macdonold mit großem Nachdruck, und sichtlich gegen Frankreich und Italien gewendet, die große Generosität der britischen Regierung g«g«n seine Alliierten und die genau« Erfüllung ihrer Pflichten fest. Groß- britannien seien Lasten auferlegt, welche nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit und im Verhältnis zu seiner Zahlungsfähigkeit ihm niemals hätten auserlegt werde» dürfen. Damit dies« Bemerkung jedoch über den Kanal hinaus nicht mißverstanden würde, betont« Macdonold. daß Großbritannien kein« der eingegangenen Vor- pflichtungen rückgängig zu machen gedenke. Nachd«m Macdonald dann noch«inen Ueberblick über die ge- planten innerpolitlschen Arbeiten gegeben hatte, betonte«r, das Land habe auf eine überwältigende Weife durch die Wahlen feiner Gegner- schaft g«gen die Industrie-Schutzpolitik Ausdruck verliehen. Die Rc- gierung werde unter keinen Umständen die Industrieschutzgesetze er- neuern, falls sie bis zu ihrem natürlichen Abiaus(insgesamt sünf Jähre) in Kraft bleiben sollten. D!« Regierung behalt« sich jedoch das Recht vor, die Jndustrieschutzgesetze zu einem früheren Zeitpunkt zu beseitigen. Aus den abschließenden Bemerkungen Macdonolds über die Frage der Wahlrechtsreform schien hervorzugehen, daß die Regierung im wesentlichen«ine Beseitigung der undemokratischen Nebenerscheinungen des gegenwärtigen Wahlrechts und weniger eine Reform des britisch«» Wohlsystems an Haupt und Gliedern plane. Macdonald schloß seine Rede, die auch auf die Opposition sichtlich stärksten Eindruck machte, unter leb- haften Beifallskundgebung«» seiner Partei. Die Sünde wider das Hakenkreuz. Hitler will mit den Roten regieren. Dresden, 2. Juki.(Eigenbericht.) Der früher« noiionolsozialistische Abgeordnete».'Mücke hat im Auftrage der Relchslcitung der Nationalsozialisten sowohl an die sozialdemokratische als auch an die k o m m u n!- stische Fraktion des. Sächsischen Landtages ein Schreiben ge- richtet, in dem gefragt wird, unter welchen Bedingungen beide Par- teien bereit feien, eine Regierung zu bilden, die gewisse Wünsche der Nationalsozialisten erfülle und demgemäß die U n t e r st ü tz u n g der Nationalsozialisten erhalten würde. Die Anfrage erfolgte mit Kenntnis der nationalsozialistischen Fraktion des Sächsischen Landioges, die erst vor einigen Togen den volksparlellichen Minister Dr. B ü n g e r zum Ministerpräsidenten Wählen halsl Und Aünger hofft noch. Dresden. 2. Juli.(WTB.) Wie zuverlässig verlautet, kann dos neue Kabinett des Minister- Präsidenten Dr. Bllngcr nunmehr als so gut wi« vollstän- d i g betrachtet werden. Dr. Bänger wird sein Kabinett am Don- nerstag dcm Landtag vorstellen und eine Rcgierungs- erklärung abgeben. Wie wester oerlautet, handelt es sich bei dem Kabinett Büngex um ein Kabinett von Fachleuten, in das auch einige der bisherigen Minister, die als Fachleute anzusprechen sind, wieder eintreten werden. Die parlamentarische Situation ist nun so: wenn Herr Bünger im Landtag keine Mehrheit oder ein Mißtrauens- votum erhält, bleibt sein Kabinett bis zur Neuwahl eines Ministerpräsidenten als geschäftsführendes Ministerium im Amte. Hottand wählt heute. Abrüstung die Hauptparole. Von Abg. J.W. Albarda(Den Haag). Am 3. Juli finden in Holland die Neuwahlen für die Zweite Kammer der Generalstaaten statt. Die Zweite Kam- mer besteht aus 10(1 Mitgliedern, welche direkt und mittels geheimer Abstimmung von den wahlberechtigten Männern und Frauen gewählt werden. Seit 1917 besteht in Holland das allgemeine Wahlrecht für Männer; seit 1919 auch das allgemeine für Frauen. Die Wähler müssen das Alter von 25 Jahren erreicht haben. Das Wahlsystem ist proportional. Bekanntlich bestehen in Holland nebeneinander eine große Zahl politischer Parteien, von denen mehrere auf konfessioneller Grundlage fußen. Es gibt nicht nur eine Katholische Staatspartei, sondern auch zwei politische Parteien von Protestanten, nämlich die„E h r i st e- lyk-.Historische Party" und die„A n t i- r e v o l u- lionaire Part y", die beide sehr konservativ sind. Außerdem bestehen noch zwei Splitterparteien auf konfessioneller Basis, welche im Parlament vertreten sind, und auch die kleine demokratische„Katholische Volks- party" hat einen Abgeordneten im Parlament. Neben einer liberalen Partes haben wir eine Partei des demokratischen Fa: eis! uns, welche sich in den Jahren des Wahlrechtskampfes von den Liberalen abgetrennt hat. Weiter gibt es eine kleine Bauernpartei, welche als ein mißlungener Versuch zur Bildung einer großen agrarischen Volkspartei zu betrachten ist. Die Sozialdem akratische Arbeiterpartei (SDAP.) besteht seit 1894; sie ist seit 1897 im Parlament vertreten: von 1897 bis 1925 war Tro elstr a ihr politischer Führer. Von den K o m m u n i st e n, die auch in Holland gespalten sind, hat nur die offizielle Moskauer Partei einen Vertreter in der Kammer. Eine Unmenge anderer kleiner Parteien bewerben sich jedesmal um Sitze im Parlament. ohnen einen zu erlangen. Vor der Einführung des allgemeinen Wahlrechts war in Holland die Regienrng abwechselnd in den Händen der Liberalen und der christlichen Parteien. Diese, die Katho- tische Staatspartei, die Christlich-historische und die Anti- revolutionäre Partei bildeten zusammen die sogenannte christ- liche Koalition. Seit Einführung des allgemeinen Wahl- rechtes kann von einer liberalen Regierung nicht mehr die Rede sein. Die Liberalen, welche vollständig konser- v a t i v geworden sind, verfügen jetzt im Parlament nur noch über 9 Sitze! Aber auch die„christliche Koalition" kann nicht inehr auf parlamentarischer Grundlage regieren. Obwohl die drei christlichen Parteien 1922 noch 59 Abgeordnete hatten, brach ihre Mehrheit schon 1923 zufolge ihrer inneren Uneinigkeit zusammen. Im Jahre 1925 wurde aufs neue versucht, eine christliche Koalitionsregierung zu bilden. Diese scheiterte aber schon im November desselben Jahres. Holland hat also schon verschiedene Male außer- parlamentarische Regierungen gehabt, die sich nicht auf eine Mehrheit im Parlament stützen konnten. Die Not- wendigkeit einer neuen Parteigruppierung wird von sehr vielen anerkannt. Trotzdem sind bisher alle Ner- suche, eine neue demokratische Mehrheit zu bilden, mißlungen. Die SDAP. hat sich schon auf ihrem Kongreß von 1918 i m Prinzip bereiterklärt, sich an einer demokratischen Regierung zu beteiligen, jedoch unter der Bedingung, daß ein Einvernehmen über ein Programm zustandekomme, das gewisse ihrer wichtigsten Forderungen genügend berücksichtigt. Im November 1925, als die christliche Re- gierung unmöglich geworden war, ist während der Kabinetts- krise der Führer des demokratischen Freisinns von der Königin beauftragt worden, ein Kabinett zu bilden. Er wandte sich an die SDAP. und an die große katholische Partei. Letztere verweigerte aber ihre Mitarbeit. Die konservativen und reaktionären Elemente in der katholischen Partei hatten die katholischen Arbeiter nnd Demokraten völlig in ihrer Hand. Die Sozialdemokratie hat 1925 ihre Parlaments- sraktion auf 24 Mitglieder— davon zwei weibliche Ab- geordnete— verstärkt. Sie ist die z w e i t st ä r k st e Frak- tion im Parlament: nur die Katholische Partei, mit 31 Ab� geordneten übertrifft sie noch. Der Mißbrauch der religiösen Losungen im politischen Kampf bewirkt eine Trennung zwischen den Arbeitern, von denen Hunden- tausende noch immer in der Meinung gefangen gehalten werden, der politische Kampf sei ein"Kampf um religiöse Interessen. Deswegen ist es in Holland für die Sozialdemo- kratie ungemein schwer, die Arbeiterklasse in einer einzigen Bewegung zu vereinigen. Dennoch gewinnt sie all- mählich größeren Anhang unter den kirchlichen Arbeitern, besonders bei den katholischen Arbeitern in den süd- lichen Provinzen des Landes. Die wichtigsten Forderungen, für deren Erfüllung die Sozialdemokratie in Holland kämpft, sind die A b r ü st'u n g und die Altersversorgung(Staatspensionierung). 1921 hat unsere Partei, nach langer und ernster Vorbereitung in Parteidiskussionen und KomnnsfionsSeröZangnl deikaatze einstimimg(nur eine Stimme erhob sich im Parteikotrgretz dagegen) die nationale Abrüstung als Programm- forderung angenommen. Die Partei ist vollständig über- zeugt, daß es für ein kleines Land unmöglich ist. sich in einem Krieg mit militärischen Mitteln zu verteidigen. Die Militärausgaben, welche ungefähr 100 Millionen Guwen pro Jahr betragen, sind nutzlos verschwendet. Die Be- wegung für die nationale Abrüstung, welche 1821 begonnen, hat im niederländischen Volke großen Anklang ge- funden, so daß bereits zwei andere Parteien im Parlament — der demokratische Freisinn und die kleine katholische Volks- partei— die Abrüstungsforderung in ihr Programm über- nommen haben. 1925 hat die sozialdemokratische Fraktion dem hollän- dischen Parlament den Entwurf einer Gesetzesvorlage für die Abrüstung vorgelegt. Der Vorschlag will dem Heere und der Flotte den Charakter von Kriegsinstrumenten nehmen. Armee und Flotte sollen eingeschränkt werden bis auf eins Sicherheits wache(Sicherheitswehr) zu Lande und zur See, zusammen nicht mehr als 3200 Mann pro Iahresklasse umfassend, und im Ganzen aus nur zehn Jahresklasien zu- sammengesetzt. Die Bildung anderer bewaffneter Korps als der gesetzlich eingesetzten, würde untersagt sein. Der Vor- schlag wurde im März 1927 von der Zweiten Kammer a b- gelehnt. Ein Drittel der Abgeordneten erklärte sich dafür, zwei Drittel dagegen. Dieses Verhältnis stimmt mit der Abstimmung bei den Wahlen von 1925 überein, als von drei Millionen Wählern ein Drittel— eine Million— ihre Stimmen jenen Kandidaten gaben, die sich zugunsten der nationalen Abrüstung ausgesprochen hatten. Auch im jetzigen Wahlkampf wird der Streit über die Abrüstung von beiden Seiten mit großer Schärfe geführt. Selbstverständlich spielen in der holländischen Politik auch die kolonialen Fragen eine große Rolle. Die SDAP. widmet den kolonialen Problemen großes Interesse. Im ..Volksraad" in N i e d e r l ä n d i s ch- I n d i e n hat sie zwei Vertreter. Unsere Fraktion im holländischen Parlament hat als Spezialisten für Kolonialfragen ein ehemaliges Mitglied des Volksraad, den Genosien Cramer, in ihrer Mitte. Die SDAP. unterstützt von ganzem Herzen die Freiheitsbestre- bungen der Bevölkerung Indiens, deren Recht auf Unab- hängigkeit sie anerkennt: sie wünscht der nationalen Bewegung des indischen Volkes freie Bahn zu schaffen: sie erstrebt die Beteiligung des Volkes an Verwaltung und Regierung Indiens: sie will den Uebergang zur Unabhängig- k e i t Indiens soweit beschleunigen, als dies mit den wirk- lichen Interessen der indischen Bevölkerung selber in Ueber- einstimmung zu bringen ist. Die Zusammensetzung der Zweiten Kammer, die am 3. Juli erneuert wird, war folgende: j Sozialdemokraten>•. Kommunisten...., Freisinnige Demokraten. Liberale....... Bauernpartei..... Katholische Staatspartei. Katholische Volkspartei.. Christlich-historische Partei Antirevolutionäre Partei. 2 andere christliche Parteien 24 Mitglieder 7 I 9 1. 31. 1. 11. 13. 2 100 Mitglieder Di« SDAP. führt den Wahlkampf mit großer Energi« und großem Idealismus, während die anderen Parteien im allgemeinen«ine gewisse Mutlosigkeit zeigen. Bestände in Holland nicht die gesetzliche Wahlpflicht, dann würde ohne Zweifel im Wahlerfolg der sozialistische En- thusiasmus sehr stark zum Ausdruck kommen. Die nieder- ländischen Sozialdemokraten hegen aber trotz Wahlpflicht die izoffnung,«inen Erfolg zu erreichen, der den Beweis liefern wird, daß auch in Holland sich die Sozialdemokratische Partei ihrem erhabenen Ziele nähert Fackelzug am Vorabend. Amsterdam, 2. Juli.(Eigenbericht.) Am Vorabend der Kammerwahl veranstaltete die Amsterdamer Sozialdemokratie einen Fackelzug durch die Stadt, an dem trotz regnerischem und kühlem Wetter 10 000 Personen teilnahmen. Tausende Menschen standen in den Straßen, die der Zog passierte. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. (Seistige Waffen der Arbeiterfeinde. Amsterdam, 2. Juli.(Eigenbericht.) Als Urheber oller faschistischen Anschläge gegen die Gebäude der niederländischen Sozialdemokratie seit April d. I. wurde der Redakteur Sinclair de Rochemont des Wochenblattes„Der Besen" festgestellt. Er hat gestanden, auch den Anschlag aus das Gebäude der Vereinigung der Arbeiter-Radioamateure in Hiloersum am 30. April mit vorbereitet zu haben. Der erste Anschlag wurde am 27. April in einem Utrechter CafS vereinbart. Mehrere ,.prominente""Faschisten nahmen an der Besprechung teil. Lim die Arbeitslosenversicherung. Zusammentritt deel Sachverständigenausschusses zur 35e« gutachtung der Arbeitslosenversicherung. Im Reichsarbcitsministerium trat gestern unter dem pcrsön- lichen Vorsitz des Reichsarbcilsministers Wissel! erstmalig der Sachoer st ändigenausschuß zur Begutachtung der Arbeits- loscnoersicherung zusammen. Der Minister begrüßte die Erschienenen und legt« in großen Zügen die Aufgaben des Ausschusses dar. Darauf behandelte Ministerialdirektor Dr. Weigert in oussühr- lichem Vortrag die einzelnen Probleme, mit denen sich der Aus- schuß zu beschäftigen haben wird. Es wurde beschlossen, die Ver- Handlungen in strengster Vertraulichkeit zu führen. Zur Vorbereitung des Arbeitsplans wurde ein Ausschuß von fünf Mit- gliedern gebildet. Aufsindung von Granaten. Di« Polizei in B e u t h e n nahm auf eine Anzeige hin auf einem von eurer Baufirnra gepachtete» Lagerplatz«in« Durchsuchung vor und entdeckt« dabei etwa 2 0 scharfe Granaten größeren Kalibers. Die Untersuchung ist eingeleitet. Das neue japanische Kabinett ist nunmehr gebildet und zwar mit Hamaguchi als Ministerpräsident, Baron Shicehara als Minister des Auswärtigen und Kenzo Adatschi als Minister des Innern. Otto Braun und die Volkspartei. Die Bedeutung des Gtaatsvertrages im Hauptausschuß. Im Haupinusschuß des Preußischen Landtags ergriff während der Beratung de» Staatsvertrags mit der Kurie der preußisch« Ministerpräsident Dr. Braun dos Wort zu einer Erklärung, in der er ausführte: Der Abg. Stendel hat, wie mir berichtet wird, gestern aus- geführt: Soll ich Herrn Braun an seine Aeußsrung«rinnern, er bekäme in seiner Fraktion kaum ein katholisches Konkordat fertig, wie solle er da ein evangelisches durchkriegen? Demgegenüber stelle ich fest: Es ist unrichtig, daß das meine Worte gewesen sind. Herr Abg. Dr. Stendel kann nur eine auf seinen Wunsch herbeigesührte Unterredung meinen. Diese Unterredung aber, zu der Herr Stendel im Auftrag seiner Fraktion erschien, hatte nicht das Konkordat, sondern lediglich die Frage der Großen Koalition zum Gegenstand. Mir ist setbswerständlich nicht jede Einzelheit der Unterredung mehr erinnerlich. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ich, nachdem Herr Stendel dieses Thema angeschnitten hatte, auch einige Sätze übe? das Konkordat gesprochen habe. In diesem Falle aber werde ich ihm nichts anderes gesagt haben als das, was ich in dieser Zeit auch«inigen anderen Politikern im oertraulichen Gespräch gesagt habe, nämlich etwa folgendes: „Die Verhandlungen mit der katholischen Kirche stehen nach langjährigen Bemühungen nunmehr endlich vor dem Abschluß. Es handelt sich jetzt ausschließlich darum, erst einmal den Staats- vertrag im Parlament zu verabschieden. Es wird mir schon schwer fallen, meine Partei bei ihrer programmatischen Stellung zu Kirchenfragen dazu bestimmen zu können, sich den staatspolitischen Notwendigkeiten, die für den Abschluß des Staatsvertrages mit der Kirche sprechen, zu fügen. Es würde mir all das aber außer- ordentlich erschwert werden, wenn wir jetzt erst einmal noch Ver- Handlungen mit der evangelischen Kirche beginnen und die Ver- pflichtung auf uns nehmen würden, Verträge mit den beiden Kirchen nur gleichzeitig zu verabschieden." Der Ministerpräsident fügte hinzu: Es war bisher unter anständigen Politikern nicht Brauch, einzelne aus oertraulichen Gesprächen herausgerissene Teile in einer für die Agitation bestimmten Weise in öffentlicher Parlamentsdebatte zu benutzen. Ich muß es nach diesem Vorfall ablehnen, mit Herrn Abg. Strudel in Zukunft Verhandlungen zu führen. Sollte es sich aus staatspolitischeu Gründen aber nicht vermeiden lassen, so werde ich einen Stenographen hinzuziehen. Im Anschluß an diese Ausführungen betonte der Minister- Präsident zur Beseitigung jeder Unklarheit noch einmal ausdrücklich, daß es die Auffassung des G e s a m t k a b i n e t t s sei, daß sofort nach Verabschiedung des Staatsoertrages mit der römischen Kirche die Verhandlungen mit den evang.« tischen Kirchen begonnen werden sollen, um eine gleichwertige Behandlung mit der katholischen Kirche zu gewährleisten. Auf eine Entgegnung des Abg. Stendel(DVp.), daß er sich für berechtigt gehalten habe, das Gespräch sogleich seiner Fraktion mitzuteilen, erklärte der Alinifierpräsidenl noch einmal, daß er seinen ersten Ausführungen nichts hinzuzufügen habe. Das damalige offizielle Gespräch habe nur der Koalitionsfrag« und nicht dem Konkordat gegolten, und es sei selbstverständlich, daß, wenn er schon über den Rahmen des Gesprächs hinaus eine Anfrage Stendels über die Konkordatsfrage beantwortet habe, dlef« Bemerkung ausgesprochen vertraulichen Charakter getragen habe. Die in schärfster Opposition zur Staatsregierung stehenden deutsch- nationalen Abgeordnet en hätten in ähnlicher Situation die Natur vertraulicher Gespräche anders verstanden. Di« Abgg. Soch-Oeynhausen(Dn.) und Dr. Kriege(DVp.) be- gründeten hierauf die ablehnende Haltung ihrer Fraktionen gegen- über dem Konkordat. Abg. Stendel(DVp.) erklärte noch zu den gegen ihn persönlich gerichteten Ausführungen des Ministerpräsidenten: Vei der vom Ministerpräsidenten erwähnten Besprechung handelte es sich zwar um die Regiorungserweiterung, aber auch um dos Konkordat. E» hat sich bei der Erklärung des ZNinisterpräsideuken nicht um eine Aeußerung gehandelt, von der irgend jemand hätte an- nehmen können, daß sie vertraulich zu behandeln war. Wir wollten die Stellungnahm« des Leiters der preußischen Staats- regierung haben. Die war uns damit bekanntgegeben, und wir waren berechtigt, ganz besonders in der Oeffentlichkeit davon Ge- brauch zu machen. Im übrigen hat der Ministerpräsident mit dem Bruch von vertraulichen Verhandlungen, die er mir jetzt zu Unrecht vorwirft, angefangen, indem er aus einer Unter- Haltung, die ich mit ihm führte, und die auf seinen Wunsch stattfand, vor etwa 14 Tagen Mitteilungen durch die Pressestelle heraus- (sehen ließ, von denen er unter allen Umständen wissen mußte, daß ie vertraulich behandelt werden sollten. Er hat sie offensichtlich mir deshalb durch die Pressestelle verlautbart, um die Volkspartei in eine schwierige politische Lage hineinzubringen. Wenn der Leiter der preußischen Stoatsregierung zu der Frage der Parität eine so unnachgiebige Haltung zum Ausdruck gebracht hat. so ist es selbstverständliche Pflicht eines Abgeordneten, von dieser unnachgiebigen Haltung auch der Oesfenttichkeit Kenntnis zu geben, zumal, wenn jetzt der Versuch gemocht wird, in mehr oder weniger verbindlichen Erklärungen eine Sicherung der Parität für die Zukunft in Aussicht zu stellen. Auf den Hinweis des Ministerpräsidenten, daß er in Zukunft mit mir nur noch im Beisein eines Stenographen verhandeln würde, habe ich nur die Bitte auszusprechen, mir dann auch das Steno- gramm zur Mitkorrektur vorzulegen. Von den veuischnaiionalen ist inzwischen der Antrag ein- gegangen, im Art. 2 des Gesetzes über den Vertrag mit dem Heiligen Stuhl einzufügen:„Dieses Gesetz tritt zugleich mit dem Gesetz zu dem Vertrage mit den evangelischen Landeskirchen in Kraft". Nachdem noch der Vertreter der Kommunisten die ablehnende Haltung seiner Fraktion begründet hatte, ging Kultusminister Dr. Becker auf die Einwendungen der Opposition ein. Die Wirtschafksparkei ließ erklären, daß sie von der Forderung der Gleichzeitigkeit des Vertragsabschlusses mit der evangelischen und katholischen Kirche nur absehen könne, wenn sie eine sichere Garantie erhalte, daß der evangelischen Kirche eine vertraglich gleichwertige Sicherstelle ng gegeben werde. Die Deutsche Fraktion ließ erklären, daß sie nur dann für das Konkordat sei, wenn gleich- zeitig der Vertrag mit der evangelischen Kirche kommt. Finanzminister Dr. höpker-Aschasf bewies darauf unter Vor- legung von Zahlenmaterial, daß die evangelisch« Kirche ein Voraus gehabt habe. Hierauf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch oertagt. Ansturm gegen die Preußenregierung. Die Mißtrauensanträge der nationalen Demagogie. Der M i ß t r a u« n s a n i r a g, den die Deuifchnationoken im Preußischen Äindtag aus Anlaß der Vorkommnisse in Berlin bei den Kundgebungen am 28. Juni, dem Tag« des Abschlusses des Dersailler Vertrages, gegen das preußische Gesamtkabinett eingc- bracht haben, wird am kommenden Sonnabend im Plenum des Land- tagcs zur Beratung kommen. Mit der Beratung verbunden werden die weiteren Anträge gegen den Innenminister und gegen den K u l t u s m i ni st e r, die von der W i r t s ch a s t s- partei und der Deutschen Fraktion vorgelegt worden sind. Außerdem liegen von denselben Parteien Mißtrauensanträge gegen den I n n c n m i N i st e r wegen seiner Frankfurter Rede vor. Ferner hat die Deutsche V o l k s pa rt c i zu beiden Punktes Große Anfragen eingebracht. Die sämtlichen Anträge sollen in einer gemeinsamen Aussprache zur Besprechung gelangen. Am Freitag der laufenden Woche wird der Landtag seine Plenarsitzung aufnehmen. Inzwischen sollen die Ausschußberawngen zum Konkordat und zur zweiten Lesung des westlichen Umgemein- dungsgesetzes erledigt werden. Die Freitagsitzung ist für die zwciie Lesung des Konkordats und des Polizeikostengesetzes im Plenum ausersehen. Beschlüsse des Reichsrais. Berufsausbildungsgeseh angenommen. Der Reichsrat nahm in seiner Vollsitzung am Dienstag«ine ganze Reihe der vom Reichstag zuletzt angenommenen Gesetz- entwürfe insbesondere über das Agrarprogramm, zur Kenntnis, ohne Einspruch zu erheben. Ein bayerisches Antrag, da» Sperrgesetz für die Standesherrcnrenten als verfassungsändernd und darum als nicht gesetzlich beschlossen zu bezeichnen, wurde mit 45 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Die Novelle zur lex Brüning und die damit im Zu- sammenhang stehende Vorlag« über Leistungen der Invalidenver- sicherung wurde noch zurückgc stellt. Angenommen wurde das Berufsausbildungsgesetz, das, wie der Referent hervorhob, schon seit langer Zeit von Arbeit- gebern und Arbeitnehmern gefordert worden ist. Da» Gesetz wird mit wirtschaftlichen und sozialpolitischen Gründen befürwortet. Berfaffungsiag-1929.. Anordnungen der Preußenregierung. Di« preußische Staatsvegierung hat zur Feier de» Verfassung». tages am 11. August 1929 eine Reihe von Anordmmgen getrvfsem Sie verweist besonders auf die Floggcnverordnung vom 29. Juni 1929. Di« Gebäude der öffentlichen Schulen sind auch an dem Tage zu beflaggen, an dem die Berfassungsfeier in der Schule ver- anstaltet wird. Zu den Feiern sind Vertreter aller Kreise der Be- v ö l k c r u n g hinzuzuziehen. Sämtliche Staatsbeamte, die staatlichen Angestellten und Lohnempfänger sowie die Vertretungen der Selbstoerwaltungskörper sind durch die Vorstände der Behörden zu den Festakten einzuladen. Es wird von den Staats- beamten erwartet, daß sie sich an den Fe st alten beteiligen. Ferner wird empfahlen, außerhalb der amtlichen Verfossungs- feier durch Anregung geeigneter Veranstaltungen in der Bevölkerung für eine möglichst volkstümlich« Feier de» Ver- fossungstages Sorge zu trogen. Vazille will nichts von deutscher Einheit und Freiheit wissen. Di« Reichsregierung beabsichtigt, zum zehnten Dersassungstag ein Gedenkbuch herauszugeben. Inzwischen hat sie den Länder- regierungen angeboten, dieses Buch gegen den Preis von 1 Mark als Prämie in den Schulen zur Verteilung zu bringen. In dem Buch sollen Beiträge des Reichspräsidenten und führender Persönlichkeiten aller Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten, sowie sonstiger bedeutender Vertreter des öffentlichen und geistigen Lebens cnt- halten sein. Die Schriflleitung liegt in den Händen des früheren württembergischen Abgeordneten Dr. Heuß. Der Titel des Buches heißt:„Deutsche Einheit, deutsche Freiheit." Der vom Reichsministerium des Innern an das w ü r t t e m- bergisch« Kultusministerium geleitete Antrag soll nach der Meldung eines Heilbronner Blattes vom Kultusminister B a. Zill« glatt abgelehnt worden sein. Ein Grund hierfür ist bis jetzt nicht bekannt geworden. Es ist jedoch wohl kaum zu be- zweifeln, daß die persönliche Abneigung des Herrn Bazill« gegen die Republik und die Weimarer Verfassung dabei erheblich mitgewirkt haben._ Bestraste Verleumder. Kommunistische Toliik: Erst verleumden, dann verschleppen. München, 2. Juli.(Eigenbericht.) Die Redakteure Rebe und S t e i n i ck e der„Roten Fahne" in Berlin und der Redakteur der„Sozialistischen Republik" in Köln, Dr. Klepper, wurden am Dienstag wegen Verleumdung des Majors a. D. Mayr zu je sechs Monaten Gefängnis ver- urteilt. � Di« Berliner„Rote Fahne" hatte vor einem Jahr« in mehreren Artikeln infame Verdächtigungen gegen dos Mitglied des Reichsbanners, Major a. D. Mayr, erhoben, den sie der bezahlten Doppelspionage im Dienste der Franzosen bezichtigte und als Abcn- teurer, übelsten faschistischen Lockspitzel und blutigsten Terroristen be- zeichnete. Mayr strengte sofort Klage gegen die verantwortlichen Redakteure Rebe und Steinicke sowie den verantwortlichen Schrift- leiter Dr. Klemer(Köln) an, der die Verdächtigungen in der„So- zialistischcn Republik" nachgedruckt halt«. Die drei Kommunisten hotten es immer wieder oerstanden, den Termin hinauszu- zögern. In der Hauptverhandlung vor dem Münchener Strasrichter am Dienstag versuchten die Angeklagten es neuerdings mit einem Ver» schleppungsmanöver. indem sie die Zeugenladung des in d»r Rormandie lebenden berüchtigten Separat! st enführers Matthes beantragten. Matthes soll sich in einem Schreiben an die KPD. bereit erklärt haben, gegen die Zusicherung freien Geleite»' durch Deutschland als Zeuge zu erscheinen. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch ab, nachdem ein« eingehende slaatsanwattjchastliche Untersuchung nicht den geringsten Anhaltspunkt für die angeblich« Spionogctätigkeit Mayr; ergeben hat. Hakenkreuzlers Laternensehnsucht. Briand verspricht Eile. Konserenztermin 5. Augusi? Der„Vorwärts" will den Bürgerkrieg! Ablenkungsgeschrei der ertappten Hetzer. Die„Deutsche Zeitung", die noch jedem Putschisten Parteigängerdienste geleistet hat, besitzt die Dreistigkeit, uns zu unterstellen:„Der„Vorwärts" will den Bürgerkrieg." Unsere Kennzeichnung des verlogenen deutschnationalen Ge- schreis über die Rede des Innenministers Grzesinski nimmt j e zum Anlaß, um zu schreien:„Der„Vorwärts" sorgt für Vlurstimmung!" Dieses Blatt schreibt: „Die Gewaltdrohungcn und cherousfordeningen seitens der Sozialdemokratie hoben sich in letzter Zeit in«incm Maße gehäuft und gesteigert, daß man ohne Uebertreibung ein System darin erblicken kann, ein System, das in seinen Auswir- kungen zum Bürgerkrieg« führen muß." Es ist das Geschrei: Haltet den Dieb! Je lauter dies Geschrei, um so mehr wird sich bei der Arbeiterschaft die Ueberzeuguno befestigen, daß der republikanische Langmut eine Grenze haben muß. Was die„Blutstimmung" anbelangt, so sorgen die Rechts- radikalen sehr kräftig dafür. Am 24. Juni sprach bei der Beratung des Auswärtigen Etats der Nationalsozialist Graf zu Revei�tlow im Reichstag: ..Ich sazs- die Kalionalsozialislische deutsche Arbeiterpartei wird. soba'ch Hft tn der Lage ist. sobald da» von ihr gelenkte Reich da ist. alle Wejemgen 21t l ni st e r und Abgeordneten, welche es jihk wagsn. für den Doung.plan zu stimmen, vor den geseh. mäßigen Staatkgcrichtshos stellen und ihre Be st rasung mit d e nz Tode sord ern. Die T o d e s a r t können sie sich selb st aussuchen." Der Graf zu Reventlow mag ein Narr für sich sein— nichtsdestoweniger enthalten diese Worte die schamloseste Mordhetze, bestimmt für die unreife Jugend, die dem Haken- kreuz nachfolgt. Wir sind der Ansicht, daß solchen Burschen gegenüber Langmut verfehlt ist— auch im Parlament! Es ist diese nationalistische Hetzdemagogie, die auch in der„Deutschen Zeitung" Orgien feiert. Dies Blatt hat die bedauerliche Tatsache, daß Reichskanzler Hermann Müller eines schweren Leidens wegen nach Mergentheiin gehen mußte, zu der Bemerkung benutzt, er habe sich schon vor Stresemann aus dem Staube gemacht... Das ist die Tonart des nationalistischen Hetzpöbels, die wir zur Genüge aus der Zeit vor dem Republikschutzgesctz kennen! Der Taktlose. Dolksparteiliche Führung in Preußen. Die volksparteiliche Reichstagsfraktion wird geführt von Herrn Dr. Stresemann, die volksparteilichc Landtagssroktion— seitdem der ingrimmige Greis von Campe als„Ehrenvorsiszender" kaltgestellt ist— von Herrn S t e n d e l. Trotz der gleichen An- iangsbuchstaben kann man Herrn Stendel nur als„Stresemann mit umgekehrte» Lorzeichen" bezeichnen, er ist dos genaue Gegenteil eines Diplomaten, die Kunst seiner etwas sprudelnd ausgefallenen Beredsamkeit besteht in der Masfenfabritation von Taktlosigkeiten. Ein gütiges Geschick versagte— zum Ausgleich hierfür— Herrn Stendel das Vermögen, die Wirkung seiner Worte auf die Umwelt abzuschätzen. Es liegt wohl üm Wesen der Taktwsigkeit, daß sie sich ihrer selbst nie bewußt wird, w&ttfegöif strahlende- Selbstzusrieben-- best die Grundstimmung dieses- etwas ausgeschwemmten ehemaligen Farbenstudenten bildet. Selten war.Herr Stendel so aus der Höhe seiner Fähigkeiten wie in der Montagssitzung des Landtag». Seine Rede war ein wohlerwogenes Gemisch von Provokationen und Indiskretionen. Dem Borsitzenden der preußischen Landtogssraktion, dem Genossen Heilmann, warf Herr Stendel„Fälschung" vor, um alsbald vor dem drohenden Ordnungsruf des Präsidenten diesen Ausdruck„ins Ob- jektivc" zu rektifizieren. Es handelte sich um die hier vom Genosse» Heilmann össentlich s-stgestellte Tatsache, daß der Volksparteiler B ö l i tz im Jahre 1922 als preußischer U n t e r r i ch t s m i n i st e r bereit gewesen ist, einer Einbeziehung der Schule in das Konkordat zuzustimmenl Gleich danach verlas Herr Stendel den Brief des Herrn Bölitz, aus dem klipp und klar hervorgeht, daß die angebliche„Fälschung" Heilmanns den Tatsachen ent- sprach. Nicht minder liebevoll behandelte Stendel das Zentrum. Als nach Schluß der Debatte der Zentrumsführer Heß in feiner lx- kannten farkastischen Art Herrn Stendel in fein« Schranken wies, da war es Herrn Stendel dank seines naturgegebenen Optimismus zunächst lange Zeit möglich, den Sinn dieser Zurechtweisung völlig zu verkennen und in das schallende Gelächter der Regierungspar- teien über die ironische Abkanzlung seinersclbst harmlos-sröhlich ei». zustimmen. Die Gesichter der Fraktionskollege» des Herrn Stendel wurden allerdings zusehends länger, denn sie begriffen rascher als Herr Stendel, daß die Worte des Zcntrumssiihrers alle.Koalition»- Hoffnungen der Volkspartci für die nächste Zelt Vernich- t e t e n. Herr Stendel, als er endlich begriff, konnte nur poltern und in«cht couleurftudentischcr Renommisterei seine Befriedigung darüber ausdrücken, daß leine Taktlosigkeiten„gesessen" hätten.— „Jawohl, sogar tief gesessen" bestätigte Herr Heß. Was das be- deuten sollte, begriff mit Ausnahme des Herrn Stendel jeder im Hause. Das Tollste aber waren wohl die Stendelschen Indiskretionen, die in der gestrigen Sitzung des Houptousschussez der Minister- Präsident Genosse Braun zurückwies, worüber wir an anderer Stelle berichten. Als Herr Stendel— jedem parlamentarischen Brauch ins Gesicht schlagend— in übersteigertem Beisallsbedürsn s einzelne Wendungen einer persönlichen Unte-'redung mit dem Ministerpräsidenten preisgab, da tonnte man sogar in den volksparteilichen Reihen einige klügere Herren verzweifelt den Kopf schütteln und die Hände ringen sehen. Man merkte, wie es ihnen eiskalt über den Rücken lief, wie der Gedanke sie innerlich verletzte, als eine immerhin ernst zu nehmende Fraktion von einem Rcpräsen- tonten plattesten Demogogentums in ftaatspolitischen Dingen oertreten zu werden. Niemand verwehrt Herrn Stendel, eine Rede gegen das Kon- kordat zu halten, wenn er ein taktisches Bedürfnis verspürt. Seine polternden Tirodcn aber wirkten schon deswegen lächerlich, weil jeder der informierten Zuhörer wußte, daß Herr Stendel— Wort für Wort, Satz für Satz— mit dem gleichen sprudelnden Pathos das G- g e n t e i l verkündet hätte, wenn ihm vorher fein Bemühen, i n d i e R e g i e r u n g z u gelangen, geglückt wäre. Herr Stendel gehört ober nun einmal zu jenen Fußballern, die totsicher« Bälle s'att ins Tor gegen die Latte knallen. Er will brennend gern in die Regierung, aber er laust sich jedesmal eine Beuie am Tür- psostcn. Er ist— mit einem War, gesagt— ein genialer Führer, und besitzt alle Anwartschaft, es auch einmal zum Ehren vor- sitzenden der volksparteilichen Landtogssraktion zu bringen. Kr, Paris, 2. Juli.(Eigenbericht.) Di« in letzter Zeit ins Stocken geratenen Bechandlungen zur Einführung der diplomatischen Konferenz sind durch den Besuch des deutschen Botschafters von Hossch bei Briand wieder in Gang gekommen. Der Botschafter ersuchte um eine endgültige Festsetzung des Datums der Konferenz. Dies gab Briand Gelegenheit zu der Erklärung, daß die französische Regierung durchaus nicht beabsichtige, den Termin des Zusammenkriils unnötig hinauszuschieben. Damit hat die französische Regierung«in Mißverständnis zerstreut, das auf Grund von Prefseäußerunzen in der letzten Zeit stark an Boden zu gewinnen droht. Es war entschieden Grund zu der Annahme vorhanden, daß man am Quai d'Orsay seitdem die Annahme der Ratifikation des Schuldenabkommens so gut wie gesichert war. feine sonderlich« Eile mehr zu haben schien, und die französische Regierung hatte selbst in ihrer Antwort auf den Vorschlag Macdonalds, die Konferenz in London abhalten zu lassen, deutlich genug zu erkennen gegeben, daß erst in der Zei' vom 1 bis 15 August ihr hinreichend Zeit zur Verfügung stände. Dazu war plötzlich in der Press« der Vorschlag a'if- getaucht: die Konferenz gewissermoß'n in drei Teile zu zerlegen. Zuerst sollt« eine vorbereitende Regiernngskonserenz stattfinden zur Festlegung der Richtlinien, dam, ein« technische Beratung von Such- verständigen und endlich eine dritte Konferenz, von der die ent- scheidenden Beschtüsie ausgehen sollten. Di« französische Regierung hat selbst in Madrid den 5. Aug» st vorgeschlagen Deutsch- l a n d hotte sich damit e i n v c r st a n d e n erklärt. Zu einer Der- schiebunq bestand kein Grund mehr, zumal in Frankreich kein ernst- haiter Politiker mehr den Anspruch Deutschlands auf«ine vorzeitige Räumung des Rheinlandes zu bestreiten wagt, vorousgeietzl, daß man sich über die Fragen der„Feststelluflgs- und Vergleichs- kam Mission" cin-gt. In dieser Hinsicht ober hat die letzte Rede Dr. Stresemanns bereits die Situation hinreichend geklärt. Deutsch- land ist lediglich bereit, in die Errichtung einer solchen Komniijsion bis zum Jahre 1935. dem eigentlichen Ablaufstermin der Besatzungesrist. zu willigen. Fraglos wird die französische Regie- rung auf der kommenden Kanferinz versuchen, ihrem Wunsche nach dauernder Kontrolle Geltung zu nerschaffen. Aber die Sehn- sucht nach einer endgültigen Beseitigung der Besetzung als eines Reichsbahn berät... ... und verhantelt mit dem?Wch über ungedeckte Mehr- ausgaben. lieber die Kölner Tagung des Verwaltungsrats der Reichsbahn oerösfenilicht die Reichslmhugescllschast folgendes Kommuniquö: Die Finanzlage der Reichsbahn wird dadurch gekennzeichnet, daß die zur Deckung der schon auss notwendigste eingeschränkten Ausgabe» erforderlichen E i n n o b m e n in den ersten sechs Mo- naten de? Jahres n i 6) t erreicht sind. Dabei waren in dem Anschlag die durch den Schiedespruch bedingten Mehrausgaben für Löhne noch nicht beriicksichtigt. Der Generaldirektor wurde beauf- tragt, die Verhandlungen mit der Reichsregierung wegen Deckung dieser Mehrausgaben fortzusetzen. Eine begründete Aussicht auf baldige Hereinnähme von neuem Kapital zur Vornahme der dringend notmendigen Verbesserungen besteht zurzeit nicht. Zur Verbilligung und mirtschostlicheren Gestaltung dss Stückgutnerkehr? genehmigte der Verwoltungsrat die Einführung eines besonderen Toris, für Sammelladungen. Gchimpsfreiheit für Republikfeinde. Was Hakenkreuzlern erlaubt ist. Der Leipziger Student Werner Studentkowski hoste in einer nationatsozialistisckien Versammlung die anwesenden Polizei- lieansten als„Polizeispitzel" und„A ch t g r o s ch e n j» n g»" und die Deutsche Republik als.Ludenrepublik, die einem Komödienhaus. Ttichots unb Mathews:„Hochzeitsreise" Drei Paare aus einem Ozeandampfer, ein altes, das die Flisterwochcn weit hinter sich hat. und zwei junge, bei denen sie eben beginnen. Lustige Einfälle und flotte Darstellung. Ein sideler Ab«nd. Reicher Beifall für den Lustigen, für Georg Alexander. Dgr. ständigen Hindernisses für di« Verständigung hat sich mittlerweile in allen an de» Verhandlungen bel-iliglcn Äindern genügend durch- gesetzt und so ist kaum damit zu rechnen, daß wegen dieser Forde- rung zuletzt noch die Verhandlungen scheitern könnten. Schwierig«? liegen die Verhältnisse bezüglich der Saar, da hier die deutsche Forderung totsächlich dem Wortlau! des Fliedensvertrages entgegensteht. Eine vorzeitige Rückgabe des Saar- gebiet» an Deutschland würde eine Revision des Vertrages be- deuien, gegen die die französische Regierung schon ans prinzipiellen Gründen sich sträubt. Die moralische Berechtigung der deut- schen Forderung nach Rückgabe der Saar ober laßt sich jedenfalls nach der Zusicherung, die die französische Regierung in L'zgonv gegeben hat. von französischer Seite kaum bestreiten. Schuidenratifizierung nur mit Vorbehalt. Paris. 2. 3uli. Der auswärtige Angschuß der Kammer hat heute über die Ratifizierung der interalliicrlen Schuldenabkommen beraten und e i n st! m m i g eine Rolisizierung ohne jeglichen Vorbehalt ab- gelehnt. Sie hat sich dann mit 15 gegen 8 Stimmen s ü r die Ralisizierung mit Vorbehalt ausgesprochen und mit dem gleichen Stimmenvcrhällnis den Zusotzartikcl des links- republikanischen Abgeordnelen S lern sich zu eigen gemacht, der lautet: „Die föhrlichcn Kredite für die Schuldenabtragungen sollen ausschließlich aus die von Deutschland zu zahlenden Raten an-- gerechne« werden." Abzeordneler Slern crläulcrte seinen Zusatzantrag dahin, daß der von ihm vorgeschlagene Text einer Sicherungsklausel gleichkäme, die Amerika nicht verstimmen könne, jedoch Frankreich. fall» e» notwendig sei. von Rußen sein werde. Stern wurde dann zum Berichterstatter in der Frage txr S chul denabk am me n ernannt. Die Finanzkommission der Kommer hat heute nachmittag beschlossen, vor Ratifizierung der Schulden abkommen nochmals Briand und Poincarä anzuhören, die sich vor allem über die vor- behalte, unter denen die Regierung die Ratifizierung beabsichtigt. aussprechen sollen. Der Soziattsl Vincent Aiiriol wird außer- dem die Minister über die Absichten der Regierung in der Frag« der Räumung des Rycinlande»-. die nach seiner Ansicht die u n- bedingte Folge der Zlnnahme des Dounz-Planes durch Deutsch. land sein soll, besrazen. I Zuchthaus ähnele", beschimpft. Das Schöffengericht in Suhl | sprach den Studenten frei. Die Republikanische Beschwerdestelle hat sich des Falles ang« nommen. Der Oberstaaatsonwalt bei dem gemeinschaftlichen Land- geeicht in Meiningen legte Berufung gegen dieses Urteil ein und teilt nunmehr mit. daß in der Hauptvcrhandlung vom 27. Juni die Bcrusung von der Große» Siraskainmer des Meininger Landgerichts verworfen worden ist. Nunmehr Hot der Oberstaatsanwalt Revision eingelegt. . Jodok Fm? gssisröen. Wien, 2. Juli.(Eigenbericht.) Der ehemalige Vizekanzler im Kabinett Renner, der christlich. sozial« Bauernsührer Jodok Fink, ein echter Vorarlberger Bauern» typ, ist im Zllier von 76 Jahren gestorben. Er war überzeugter Republikaner. In einem Beileidsschreiben der sozialdemokratischen Fraktion des Nationalratz an die christlich-sozi.alc Fraktion wird besonders hervorgehoben, daß sich der Verstorben: ganz besonders zur Zeit der Revolution als Vizekanzler der Regierung Renner in den Dienst des neuen Staates gestellt habe. Gaar-Abfoluiismus. Oer Landesrai Hai nichts zu bestimmen. Saarbrücken. 2. Just. Die. Neuregelung des Wohnungsrechts durch die Regierungs- kommission läßt die Vorschläge des Landesrats im wesentlichen unberücksichtigt, obwohl sie von zwei Dritteln der Abgeordneten gewünscht wurden. Die Regierungskommission hat noch einige bedeutungslose und nebensächliche Aböndernngen vorgenommen. doch stehen sie i» keinem Verhältnis zu dem. was die Volksvertreter gcjordert haben. Der mexikanische tkxpräsident Calle» tritt eine W« l t r e i s« an; er beabsichtigt, sich nachher m Europa niederzulassen Jubiläum der Nordwestlichen. Gegensähe zwischen Kapital und Arbeit sollen begraben werden. 2lm Dienstag tagte in Düsseldorf die Iahrasversammlung des Arbeitgeberverbondcs für den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, der sich der deutschen Arbeiterschaft durch sein« Massenaussperrung im vorigen Jahre, als Antwort aus einen für verbindlich erklärten Schiedsspruch, in unvergeßliche Erinnerung gebracht hat. cherr Ernst Pocnsgen ging vom der am 26. Oktober lllld gegründeten Arbeitsgemeinschaft mit den Gewerkschaften ans, der dann die Zentrolarbeitsgemeinfchaft folgte. Es sei bezeichnend für die damalige Stärke der freiwilligen Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern im Revier, daß sich die Gewerksckiaften trotz der bekannten Berliner Der- einbarung der Notwendigkeit nicht verschlossen, von der sofortigen Einführung des Achtstundentages in denjenigen Be- trieben Abstand zu nehmen, in denen dies aus technischen Gründen unmöglich war.„Leider fand unsere sachliche Zusammenarbeit in den Kreisen radikaler Elemente keinen Anklang. So erfolgte bald durch die freien Eewerkschasten die Kündigung der Arbeitegcmsin- schaft, die seitdem im Revier auf dag Niveau einer Tarisgemeinschoft herabsinkt. Sämtliche Tarifverträge beruhen seit dieser Zeit auf ei»enr Schiedsspruch mit nachfolgender Berbindlicherklärung. Die zerschlagene srciwillige Arbeitsgemeinschaft, die darauf folgende Politik der Schlagworte und die zu geringe Einschätzung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie die allzu große Gefügigkeit de» Staates gegenüber der Machtpolitik der Gewerkschaften bei der Regelung der Arbeitsbedingungen hoben schließlich auch den größten und bedeutendsten Arbeitskampf im Jahre tllW verursacht." Uns scheint, Herr Poensgen stellt die Dinge auf den Kopf. Für ihn und seine Zuhörer mag diese Methode angenehmer sein, richtiger wird sie deshalb nicht. Hinter der„Politik der Schlagworts", den Forderungen der Metallarbeiter im besonderen und denen der Ge- werkschasten im allgemeinen, stand nichts inehr und nichts weniger als der Zwang und der Dille der Arbeiter, ihre Existenz samt der ihrer Familienangehörigen zu fristen. Dieser Notwendigkeit setzte das Unternehmertum seine Absicht entgegen, eigenes Kapital onzu» sammeln, obwohl seine Träger bei der Liquidation der Ruhrbesetzung weit, weit vorteilhafter abgeschnitten hatten als die Arbeiter. Soweit von einer Machtpolitik der Gewerkschaften die Rede sein kann, bestand sie stets nur in der Gegenwehr gegen die Machtpolitik der Unternehmer, die sich bei der Abweisung der Ar» beiterfordcrungen nicht darum kümmerten, wie die Arbeiter sich durchs Leben schlagen. Und leben müssen sie doch wohl, wenn sie arbeiten sollen. Schließlich wären die Arbeiter dos Leben nicht wert, wenn sie sich allezeit mit den Reden über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten abspeisen und ihre Existenz dauernd auf den Hungeretat hcrabdrücken lassen würden. Auch über die angebliche„große Gefügigkeit des Staates" gegenüber der angeblichen Machtpolitik der G« w e r k- schaften wußten diese in recht vielen Fällen ein anderes Lied zu singen. Das Untrnehmertum und nicht zuletzt die kleine und um so einflußreichere Gruppe der Nordwestlichen hat es noch stets verstanden, sei es wie früher durch giitc Bezishungen, oder wie in neuerer Zeit, durch Drohungen, eine gewisse Gefügigkeit des Staates für seine lohn- und zollpolitischen Pläne durchzusetzen. Um die Tatsache, die weniger von einer Machtpolitik der Ge- werkschasten als für die Machtpolitik des Unternehmertums spricht, um den Aushungerungsversuch der Ruhrarbeiterschast in den Wochen vor Weihnachten des verflossenen Jahres, ist mit solchen Festreden nicht herum zu kommen. Der Versuch, die Wucht dieser Tatsache abzuschwächen, kann zwar nur mit Angriffen auf die Arbeiterschaft, auf die Gewerkschaften unternommen werden, bleibt aber darum erst recht aussichtslos. Herr Poensgen stellte sich dann recht vorsichtig auf den Boden der Tatsache, daß die deutsche Wirtschaft daran gehen müsse, die Lasten aus dem Sachverständigengutachten zu tragen zu suchen. Er sprach: „Das wird aber nur möglich fein, wenn alle Gegensähe zwischen Arbeil und Kapital, zwischen Unternehmer und Gewerkschaflen be- graben werden, wenn der Geist ehrlicher Arbeitsgemeinschasl. wie schon einmal in Zeilen tiefster Vol. wieder zu freier Verständigung zwischen den Parteien der Arbeit sührt." Um nicht etwa mißverstanden zu werden, bemerkte er dabei aus- drücklich, daß diese„Gemeinschaftsarbeit" nicht im Sinne einer sozialistischen Wirtschaftsdemokratie zu verstehen sei, wo der Unternehmer zum Funktionär„der Allgemeinheit herabge» drückt wird". Vielmehr ist er der Meinung. „daß die Unternehmerpersönlichkcit mehr denn je in der Heutigen Notzeit der Wirtschast gebraucht wird, daß sie im Mittel- pimkt des Produktionsprozesses' stehen muß, daß sie in ihrer heutigen Gestalt für die Winschast unenibehrlich ist. Es gibt keine Organisation, kein System, keinen Attirrn sausschuß, der die schöpferische Cinzelpersönlichkcit ersetzt. Unternehmer und Arbeiter sind auseinander angewiesen, keiner vermag etwas ohne den anderen." Nur wenn die Gewerkschaften sich zu einem ehrlichen verzickst auf Diklalurgelüste und unparitätische Machtmittel entschließen und dem Unter- nehmer dos Seine geben, wie er ihnen das Ihrig« gibt, nur dann wird sich jene echte Arbeitsgemeinschost zwischen beiden herausbilden, die von uns Unternehmern gewünscht wird, und ohne die es unmöglich ist, die Schwierigkeiten, die gerade die kommenden Jahrzehnt« dem deutschen Volke bringen werden, zu überwinden." Herr Poensgen, das heißt die Herren der Nordwestlichen. gehen hier etwas zu weil auf das patriarchalische Arbeitsverhältnis zurück, das übrig geblieben war, nachdem die Verpflichtungen ge- fallen waren, auf die es sich gründete. Der Unternehmer hat sich noch immer das Seinige genommen, dessen Ausmaß«r selber bestimmte, nach dem Grundsatz: Je mehr desto lieber. Dos Ihrige, das er den Arbeitern gab, hatte von jeher den verteufelte» Nachteil, daß es nicht aus- reichte. Das liegt nun einmal in der Unnatur der Dinge der privalkopilalistischen Mrtfchoflsordnung, und eben deswegen ist es uns unmöglich, uns den Diktatur- gelüsten der Herren zu unterwerfen, selbst auf die an sich nicht große Gefahr hin, daß sie den Wortspieß umdrehen. Um Worte geht es nicht, es geht um Begriffe, die für die von der Hand in den Mund lebende Arbeiterschaft die Gestalt von Fleisch und Blut haben. Sie z u r G e l t un g zu bringen, das wind nicht wohl möglich sein unter Verzicht auf„u n p a r i t ä t i s ch e Machtmittel". Das könnten doch nur solche Machtmittel sein, deren Anwendung die Unternehmerverbände den Gewerkschaften er- laubten. Bei der wirtschaftlichen Ueberlegenheit des Unternehmer- tums, die es bei der'letzten Massenaussperrung gezeigt hat. käme die Arbeitnehmerschnft mit„p a r i t ä t i s ch c n M a ch t m i tt« l n" offenbar von vornherein sehr weit ins Hintertreffen Nach ollem müssen wir gestehen, daß wir einer Arbeits- gerne in schaft, wie die Herren der Nordwestlichen sie auffassen, keinen rechten Geschmack abgewinnen können und so- gar im Zweifel darüber sind, ob selbst„die klassenbewußten Un- organisierten" daran Gefallen finden würden. Verbandstag der Buchdrucker. Schluß der Verhandlungen. Der letzte Verhandlungstag des Verbandstagcs der Buchdrucker in Frankfurt a. M. war ausgefüllt mit der Erledigung der zahl- reichen Anträge und der Beschlußfassung über innerorganisa- torische Angelegenheiten. Der Beschwerdekom Mission waren 25) Beschwerden vorgelegt worden, die alle entsprechend der Empfehlung der Kom- Mission vom Plenum erledigt wurden. So wurde u. a. ein Protest von 23 ausgeschlossenen Mitgliedern aus dem Betriebe der P e u- vag in Chemnitz abgewiesen, die wegen Streikbruchs aus der Organisation entfernt werden mußten. Zur Frage der In- dustricorganisotion wurde mit großer Mehrheit folgende Entschließung angenommen: Der Berbandstag stellte mit Befriedigung fest, daß die enge und sreundschaftliche Zusammenarbeit der vier graphischen Der- bände im Graphischen Bund sich bewährt hat und gibt der Ucberzeugung Ausdruck, daß diese Zusammenarbeit dem kommen- den Zusammenschluß dieser Verbände die Wege ebnen und be- sonders auch über die notwendigen Boraussetzungen bezüglich der inneren Organisationsform und der regionalen Austeilung des Organisationsgebietcs Uebereinstimmung in den Mitgliedcr- kressen herbeiführen wird." lieber die Anträge betrcssend die Mitgliedschaft in gcwert- fchaftsfeindlichcn Verbänden entspann sich im Anschluß «m den Kommissionsvorschlag eine längere Debatte. Nach nochmaliger Beratung der Kommission wurde beschlossen, den Hamburger Be- fchkuß Olks die sogenannlen„vaterländischen" verbände mit gewerkjchastsscindlichcn Tendenzen auszudehnen. Für Ver- bandsmitglieder ist mithin die Mitgliedschaft im Stahl- Helm und den„Vaterländischen" unzulässig und führt in Fällen besonderer gewerkschaftsfeindlicher Betätigung zum Ausschluß, während im übrigen durch entsprechende Aufklärung eingegriffen weoden soll. Dabei wurde festgestellt, daß es sich im ganzen Reiche um kaum ein Dutzend derartiger„Doppclorganisicrter" handelt und der Vcrbandstag mehr Gewicht auf diesen Punkt gelegt hat, als ihm zukam. Die auf die Mitgliedschait in der KPD. bezüglichen Anträge wurden unter Hinweis auf die parteipolitische Ncutrqlität des Der- bandes abgelehnt. Dem Verbandsvorstand kann fortab ein Vertreter des Bildungs- Verbandes mit beratender Stimme angehören, d«m Vorstand des Bildungsoerbandes wird dafür ein Vertreter des Bcrbandsvor- standcs augehören. Die Mitgliedschaft in Vlerksport- und bürgerlichen Sportvereinen betreffend wird in einer Entschließung zum Ausdruck gebracht, daß eine solche Verbindung sich mit freigewerkschastlichcn Prinzipien nicht vereinbart: Mitglieder des Deutschen Buchdruckerverbandes können nicht Werksportvereinen angehören. Bei dieser Gelegenheit wird an die Hamburger Beschlüsse erinnert, wodurch jeder spart- treibende Buchdrucker aufgefordert wurde, die A r b e i t e r- T u r n- und Sportbewegung zu unterstützen. Ein« weitere Entschsießung verwirft den Dorstoß des Branden- burgischen Maschinensetzervereins gegen den Verbandstagsbeschluß, der den Sparten verbietet, in irgendwelcher Form Unterstützungen zu gewöhren. Lei den Wahlen wurde Otto K r a u tz einstimmig per Akklamation zum 1. Vor- sitzenden gewählt, während als zweiter Vorsitzender Richard Barth aus der Stichwahl hervorging, die sich zwischen ihm und Otto Fiedler notwendig gemacht hatte. Die übrigen Vorstands- Mitglieder und die Redakteure wurden einstimmig per Akklamation wiedergewählt. Als Tagungsort des nächsten Verbandstages wurde S t u t t- gart bestimmt. Nach der üblichen Abschiedsrede schloß der' Ver- bandstag mit einem Hoch aus den Buchdruckerverband und mit ihm die gesamte Arbeiterbewegung. Der Ausslug der Berbandstagsleilnehmer nach Heidelberg wurde zu einer Ehrung des ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert verbunden. Dom Gcwerkschastshous aus sor- mierte sich ein Zug zum Grabe Eberls, wo ein riesiger Lorbeerkranz niedergelegt wurde. Einigung im Gieindruckgewerbe? Die Berliner Gehilfen für die Annahme des Tarifs. Die Gehilfenschofi des deutschen Lithographie- und Steindruck- gewcrbes steht augenblicklich zum zweiten Male innerhalb von sechs Woche» vor der Entscheidung über de» N c u a b s ch l u ß des I R e i ch s l a r: f v c l t r o g c s mit dem Verband Deutscher Ofslet- und Steindruckcreibesiger. Wie im„Vorwärts" vom 23. Mai bereits mitgeteilt wurde, war von den Unternehmern der Tarif zum 31. Mai gekündigt und eine ganze Anzahl von Verschlechtmingsonträge» ccsicllt worden. Nach langwierige Verhandlungen erklärten sich die Unternehmer damals bereit, den Reichstarisvertrag um ein Jahr zu verlängern, wenn die tariflichen paritätischen Arbeitsnack)- weise den behördlichen Arbeitsnachweisen angegliedert werden. Die Gegenforderungen der Gehilfe nauf Erhöhung der Löhn- und einige ander« Rerbesserungsaiiiräge waren vari den Unternehmern als unerfüllbar zurückgewiesen worden. Die unter der Gehilsenschast vorgenommen« Urabstimmung hotte die Ab- lehnung dieses„Angebots" der Unternehmer ergeben, so daß«ine tarislos« Zeit bevorstand J Am 21. Juni wurden jedoch die Verhandlungen»och einmal auf« genommen, die nach längeren Auseinandersetzungen zu einem An- gebot der Unternehmer führten, das im wesentlichen fol« genden Inhalt hat: Die U e b« r st u n d e n l« i st u ng, die bisher nicht begrenzt war, wird auf höchstens 12» Stunden im Jahr fest- gesetzt. Bei der Festsetzung der Uebcrstunden soll auf die privaten und kulturellen Bedürfnisse der Gehilfenschaft Rücksicht genomnien werden. Nach zehnjähriger Beschästigungsdauer sollen anstatt wie bisher 11 Tage ab 1. Juni dieses Jahres 12 Tage Urlaub gewährt werden. Die paritätischen Arbeitsnachweis« sollen unter Mit- Wirkung beider Tarisparteien in die behördlichen Nachweise über- geleitet werden. Eine Aufbesserung der Löhne kannte nicht durch- gesetzt werden. Der neue Tarif soll ein Jahr Geltung hoben. Die Berliner Gehilfenschaft Hot zu dem VerHand- lungsergebnis am Montag im Gewerkschaftshaus Stellung ge- nommen und ihm nach einem eingehenden Bericht des Bevollmöch- ligten Genossen Hossmann zugestimmt. Die Entscheidung der Gehilfenschast im Reiche steht noch aus. Ltm die Arbeitslosenversicherung. Im Reich-arbeitsmimsterium trat am Dienstag unter dem Bor- sitz des Rsichsarbeitsministers Wissel! der Sachverstän- digenausschuß zur Begutachtung der Arbeitslosenversicherunz zusammen. Der Minister begrüßte die Erschienenen und legte in großen Zügen die Aufgaden des Ausschusses dar. Darauf behandelte Ministerialdirektor Dr. W e i g e r t die einzelnen Problem«, mit denen sich der Ausschuß zu beschäftigen haben wird. Es wurde be- schlössen, die Verhandlungen in. streng st er Vertrau- l i ch k e i t zu führen. Zur Borbereitung des Arbeitsplanes wurde ein Ausschuß von fünf Mitgliedern gebildet. 250 000 Eisenbahner im Einheitsverband. Der Einhcitsvcrband der Eisenbahner Deutschlands überschritt am 1. Juni 15)25) mit 230122 Mitgliedern die Grenze einer B i e r t e l m i l l i o n. Die sprunghafte Auswärtsbewegung der Gewerkschasten nach der Umwälzung von 1918 brachte auch dem Vorläufer des Ein- heitsverbondes. dem ehemaligen Deutschen Eisenbahnerverband, eine Mitgliederzohl von rund 500 000. Ruhrbesetzung, Inflation. Personalabbau und dos verbrecherische Treiben der kommunisti- setzen Opposition ließ den Bestand der Organisation auf ungcsähr 130 000 Mitglieder sinken. Eine mühevolle Werbe- und Aus- tlärungsarbeit führte wieder zum Erstarken des Verbandes. Im Juni 1923 zählte er bereits 172 996 Mitglieder, im Juni 1926 waren es 206 122, im Juni 1927 226 413, im Juni 1928 242 823, und am 1. Juni 1929 zählte der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands 230 122 Mitglieder. Damit ist ein Abschnitt, aber kein Abschluß in der Mitgliederbewegung des Cinheitsverbandes erreicht. Er ist der bei weitem stärkste Verband im Organisationsgebietc der Eisenbahn.__ Ltrlaub im Gastwirisgewerbe. Jetzt ist es höchste Zeit, daß jeder Angestellte im Gastwirts- gewerbe seinen U r l a u b s a n s p r u ch bei der Betriebsleitung anmeldet. Wie lange und welch« Entschädigung zu gewähren ist, ist im Tarifvertrag sestgelegt, der täglich von 9 bis 16 Uhr, Elsasser Straße 86/88, und Montag von 19.30 bis 21 Uhr, Hasenheide 11, i» der Gastwirtschast von K n i e p zu haben ist. Besonders weisen wir auch daraus hin. daß das gostwirtschaftliche Personal der Er- frischungsräume der Warenhäuser imter diesen Vertrag fällt. Der Tarifvertrag ist anerkannt von der K o n s u m- G e n o s s« n s ch a s t, Karstadt, Werth« im, Tietz, Joseph, Jonas». Co. Zenlroloerbond der Hotel-, Restouronl- und Eafä-A» gestellten. Bekleidungsarbeiierstreik in New �ork. In New A a r k ist am Dienstag ein Streit in der Damenkonfektion ausgebrochen. Nach erfolglosen Vorhand- lungen mit den Unternehmern hat die Kleidcrarbeitergcwerksch.,tt den Streik sämtlicher 30 000 organisierter New-Uorker Kleiderarbciter beschlossen. Die Gewerkschaft fordert bessere Arbeits« und Lohn- bedingungen, ferner ein Einspruchsrecht gegen unbegründete Ent- lassungen sowie Arbeitslosenversicherung. Sie wird in ihren Forde- rungen kräftig von der American Federation os Labor unterstützt. Die Föderation hat gemeinsam mit anderen Gewerkschaften für die Streikenden einen Untcrstützungssonds von 250 000 Dollar bereit- gestellt., m Achtun». Buchdruck., d» 3. Di. �"'kk«"lommlung am > 1 Monta». dcm 8. Juli, um 19 Uhr. findet nicht mtt bt-hct jn btn £3.Äolino.zests-!l.n". Tappt l«ntt 15,(onbetn in den b.tannl.n.uuipr». |D Sefttälm", Gr.is.woldcr St.. 222, statl. # Freie Gewerkschasts-Luaend Groß-Berlin Htntc, Mittmach, lü'i Uhr, tag.» die©rupptn: g.ntrum: 2u«.»d» Tieint 3-hd.nickcr 6tr. 21-25. d.,mb.spr.chung.«ompfli-d.r.Ad.ird. Ohne zz.rhondqbiicki und K.imausw.is ltm Zutritt.— Bord«!»»: Jugendheim 6®Ül. lounTnbürS.t 6tr 20. Hmmb.sp.tchung B..band»bllck,« und Srimausm-ne mitbringen.- ffi.i»enl«:©ruppenhoim We>»rns». Port. ftroftc 36. öeimb.fpredjung.-tontrall. de. pctbnnbsbürl).�— �nmlchnltnrr.»: Iug-ndh.im TmimfckiuT.nmtg. �"Mtr. 16. Srimh.spr.chung. linttrholtungs. abend..Zutritt nur Mi! Berda-dsbuch und vrimauewris.— atrlall»: Zug.nd- heim Zl.rgs.r"g(fof) A.imb.fpr.chung. Uni.r. Kapell! spielt auf. Seim. ausm.is. und Ig.rbandrtiit�rr mitbringen.— Sil den Sübwrst-N: Stadt. Zugendheim-Ilorckftr 11'Zabrikgebäudr). Seimbesprechung Berbonbsbud). tontcoHe— Leute, ab t» Uhr. Spiel und Sport: Lanbabergee Platz uub orantlueter«Ile«! Sportplatz lZriebrichsbai».— Lick-tenberg und Reu-Lichteu. beeg: Wiese I im Treptower Pari.— Kumbalbt und Sesnubbruuuen: Spiel. Platz im Sumboldtbain.— Spandau! Sportplatz Seeburger Straße.— Zeppe. linplatz und fflabdiag:©roß. Wiese im Schillerpark. Juaendaruvpe ves?«ntralverbanpes der Anseffellten Kentr. Miltmoch. sind'o'gende DeranNaltungen:»esundbeuaueir: Jugendheim Scböpftedtstr. l lLrdioenbeiml. Zlortrog:„Sine Gericht,. perhandinng". N-ferrnt: Wilbrlm Zewinlki. Wie bekommen Besuch au, de: S-ruvpe Tegel-Zieinielendors.— Ofte»: Spielen aus dem Spaetplatz im!?neö" richohain.— Stralau: Iugeudbeim der Schule Eoßlrrstr. 6l. Gruppen, belprechuna— Reulöll»! Iugenbheim Bbhmische Str. 1—«. Wir besuchen die Werbeberirksversammlung in den„Bltrgersäleu", Beegstr. W.— efiboft- Zugendheim Wrangelstr. 128. Gruppenbesprechung, anschließend Liederabend_ Sponban; Jugendheim Lindenufer L Heimabend.— Potsdam. Rawawe«. Zugendherberge Romawes. Priesterstratze. Heimbesprechung. Berantmartlich iiir Politik: Dr. ttnel Geyer: Wirtschaft? eT«Uaa-I i.? f,,• Gewerkf-boft-beweauno: itzrieb-, Stzkorn: Teuilie'on: Vit. Zobn S-tifow«». und Sonstiges:?eitz Ba.Böbt; Anzeigen: Tb. Glocke: f5nMich?? Be?Iin Berlaa: Pp-mart-.-Z-erlag fitz rn. b. Hj., Berli». Druck: Porwärfs.B- Druckerei und ZZerlagsau-alt Po.»«mger u. So.. Berlin SW 68. Linb'nNrane z Sierzu�Beil-gea�und.Uulerhalt»»»»yd Wlfl.n« Ät f ilocktrfich« Mtne-dtasiet| Zur Gesundhaltung! FacliinBer Tersandslelle, Berlin St l| ScbSaeberger Sir. 16«. Tel.UtiowSao�i 3!r. 30«. 4«. Jahrgang*1.<�0�OrtD(irf 0 Mittwoch. 3. 3uli19Z9 Rund um Berlin vor 40 Jahren. «55 eoÄ)ÄO'3®o ?= �3 |§3 �Z7s«-k.ff?S ?.-- 1" f a" l-a° l:§sh®i*ä --Zss-. S-J «--I??." s'?ffs#s5f® e�a«!!&|t ==»«> 2 g',<5 �--= g= o? 2. �Is�'sjjgS ?.S � J#§ s*"»5 3 c®»® 5' jg 3 a _ sr 2 2.—.= S2 s. 2 3 2.5a-3 2?? "==»s©s— c � g 3=•» er V f 1 1? S S 1 3£ ,Wo fahren Sie hin? jzfMlY, 8in dnseral aus dem Jahre 1890. Um die Tntwicklung Berlins in Eile zu zeigen, bedarf es nicht umfangreicher LotalHiftorika, da gibt es einen viel kürzeren Weg: man braucht nur die„Fremdenführer" zwischen Jahrzehnten ein- mal durchzublättern und man wi:d sich dann auch in seinem eigenen Viertel nicht mehr auskennen. Zurechtfinden kbnn man sich auch nicht mehr in den„10 0 Ausflügen in die Umgegend von Berlin", die Aloys Hennes anfangs der 90«r Jahre her- ausgab. Dieses Nachfchlagebüchlein, das einige 20 Jahre iinmer aufs neue den Berlinern die Wege zu„Mutter Grün" gewiesen hat und dabei auch aufs ausführlichste auf die Magenstärkungestätten zu sprechen kam, wirkt heute nach knapp vierzig Jahren schon sclt- sam altertümlich. Ein Beweis für den ungeftümen Aufschwung, den die Weltstadt in dieser Zeit genommen hat. Mit der Oampfstraßenbahn In den Over Jahren war der Kremser da» hervorragendste Derkehrsmittel nach all den Orten, wo die Pferdebahn oder die Dampfftraßenbahn nicht hinreichte. Beschränken wir uns zunächst auf das engere Gebiet der Ausflüge. Der Fremdensührer erzählt: .Lalensee berührt man mit den Zügen, die in den Sommer. monaten vom Anhalter Bahnhos nach Slotion Grunewald fahren. Auch kann dieser Teil des Grunewalds durch die an der Horden- bergstraße beim Zoo beginnende D a m p s st r a ß e n b a h n erreicht werden." Der Verfasser beschreibt, daß Halensee in den 80er Iahren auf seiner östlichen Seite nur eine elende Bretterbude zeigte. die zu einer im See abgesteckten Badeanstalt Beziehungen hatte, aber nur für den erreichbar war, der im Hinblick auf da» Bad die Sandstrapazcn nicht scheute. Von Berlin war bei dem schrecklichen Zustand de» Kurfürstendamms kein Zustrom von Gästen zu erwarten. Inzwischen entstanden hier im weiten Umkreise die Alarkmaldscheu Spargelfelder, und mit diesen an der kurz vorher erbauten Grunewald-Choussee das klein« Restaurationsgebäude, das jetzt den Eingang zu den dahinter liegenden Herrlichkeiten bildet«. Di« Bauten der Wetzlarer Bahn mit dem großen Bahnhofsgebiet der Station Grunewald siedelten sich am See an und eine Beamten» kolonie lehnte sich in die grüne Einfassung des Waldes. Auf der nach Berlin gerichteten Seite des Halensees entstanden durch den Wirt F. W. Richter die Anfänge des heutigen„Lunaparks", sie waren vor vierzig Jahren freilich nicht mehr als ein gutbürgecliches Restaurant. Auch der K u r f ll r st e n d a m m hat durch die neue Halensee-Siedlung wesentlich gewonnen. Für das lange Verweilen in seinem ursprünglichen Zustande ist ihm sogar die Ehre zuteil geworden, die erste Berliner Dampfstraßenbahn zu erhalten. Und wie dieselbe an schönen Sommertagen von Berlin W benutzt wird, beweisen nicht nur die in den Rachmittagsstunden alle fünfzehn Minuten nach Halensee fahrenden Wagen, sondern auch die an der Abfahrtstelle unter den Bäumen angebrachten und fast stets von den wartenden Fahrgästen besetzten Bänke auf der«inen, sowie die neu« Halle auf der anderen Seite. Reu ist auch die Einrichtung, daß man bei den offenen S o m m e r w a g e n, die bei starkem Verkehr dem Hauptwagen angehängt werden, aus Querbänken sitzt, aber doch niemals rückwärts fahren braucht. Durch bewegliche Rücklehnen wird dieses bewirkt, welche nach der Stellung des Wagens den Rücksitz in einen Bordersitz verwandeln. Fahrpreis 20 Pfennig." Mit der Pferdebahn nach Weißen Zee. Wenden wir uns einem anderen„entfernt liegenden" Ausflugs- ziel zu: Weihenfee. Weißeirsee hat bereits früher eine Glanzzeit besessen, die zufällig in die Zeit der Beschreibung Hennes fällt. Es war die Zeit, als Kind und Kegel de« Berliner Nordostens nach Weißensee in einer riesigen Staubwolke hinaus pilgerte oder mit Singen und Lärmen im Kremser hinausfuhr.„Das frühere Schloß weihensce ist mit seinem den See umgebenden park in ein großartige» Vergnügungs-Etablisscment umgewandelt worden, zu welchem, um an einrm Fruerwerksabend jeder Viernot vorzubeugen, in neuester Zeit auch noch eine„Brauerei Sternecker" hinzugetreten ist. Die Pferdebahn vom Molkenmarkt führt dahin: ebenso die Linie des Nordrings durch Station Weißens«, wobei man aber noch 20 Minuten die Chaussee zu verfolgen hat. Die ersten Häuser, die man berührt, sind die von Neu-Weihensee, die jetzt in 10 Strotzen bereit» 12 000 Einwohner zählen, und zwar in Häusern, aus denen man ein neu beginnendes Berlin erkennen könnte."—„Lichtenberg im fernen Osten(durch die Frankfurter All« und Große Frankfurter Straße mit Berlin verbunden) ist an schönen Sommertagen ein Zielpunkt, den kennenzulernen bei den Sack Xondon: (Berechtigte L'ebenetzmg von Erwin Magnus)- Dann kam ein Augenblick unter den Bäumen vor dem Abstieg, wo Daylight sie hätte an sich ziehen und küssen können. Aber er war zu verwirrt über all das Neue, das sie ihm zu denken gegeben hatte, als daß er die Situation ausgenutzt hätte. Er faßt« sie nur am Arm und half ihr über die unebene Stelle.„ r „Es ist verflucht schön da oben bei Glen Ellen, Jagte er überlegend.„Ich möchte, Sie könnten es mal sehen. Als sie den Waldrand erreichten, trennten sie sich. <- Als das Fährsystem in Gang kam und es sich zeigte, daß die Fahrt zwischen Oakland und San Franziska nur die Hälfte der Zeit kostete, trat in Daylights drückender Geld- knappheit eine Wendung zum Bessern ein. In seinen Wohn- vierteln wurden Tausende von Grundstücken vertaust und Tausende von Häusern gebaut. Im Herzen Oaklands wur- den Fabriken und Geschäftsgrundstücke verkauft, und alles das hatte natürlich eine ständige Wertsteigerung seiner ge- wattigen Besitzungen zur Folge. Aber wie früher nahm er seine Chance wahr u»d nutzte sie aus. Schon hatte er be- gönnen, bei den Banken Anleihen aufzunehmen. Der fabel- hafte Berdienft an den Grundstücken wurde wieder in Grund- besitz und in neue Unternehmungen gesteckt, und statt die alten Schulden abzuzahlen, machte er neue. Wie früher in Dawson City, so ging er auch jetzt wieder aufs Ganze: aber er tat es in dem Bewußtsein, daß es ein solideres Unter- nehmen war, als eine Goldgräberstadt zu bauen. In kleinerem Maßstabe folgten auch andere seinem Bei- spiel, kauften und verkauften Grundstücke und zogen Nutzen aus den Verbesserungen, die er durchgeführt hatte. Aber das war ja zu erwarten gewesen, und die kleinen Vermögen, die sie auf seine Kosten verdienten, ärgerten ihn nicht. Auch die Arbeit an Daylights Docksystem schritt rasch vorwärts: aber es war nur eines jener Unternehmen, die riesige Summen verschlangen und nicht so schnell wie die Fähren betriebsfähig wurden. Es waren große technijche Schwierigkeiten zu überwinden. Ein unablässiger Strom von Gold floß in tausend hungrige Magen. Aber es war alles so gesund und gesetzlich, daß Daylight mit seinem klaren Weitblick nicht vorsichtiger und sicherer hätte spielen können. Auch sein einziger Vertrauter, Larry Hegan. ermahnte ihn nicht zur Vorsicht. Im Frühling aber begann eine große Panik. Als erstes Anzeichen kündigten die Banken die Kredite, für die sie keine genügende Sicherheit hatten. Daylight bezahlte prompt ohne Einwände die ersten Wechsel, die ihm präsentiert wurden, dann wurde er sich darüber klar, daß diese Mahnungen nur zeigten, woher der Wind blies, und daß einer der schreck- lichsten finanziellen Stürme, von denen er je gehört hatte, über die Vereinigten Staaten hinwegfegen würde. Er traf jede Maßregel, die in seiner Macht stand, und machte sich keine Sorge, daß er den Sturm überstehen würde. Das Geld wurde immer knapper. Zuerst machten verschiedene der größten Bankhäuser des Ostens bankrott, die Knappheit wuchs, bis jede Bank im ganzen Lande ihre Kredite kündigte. Daylight saß in der Falle, weil er zum erstenmal rechtmäßiges Spiel gespielt hatte. In alten Tagen wäre eine derartige Panik mit der dazugehörigen ungeheuren Entwertung eine reiche Erntezeit für ihn gewesen. Jetzt sah er die Spieler, die auf der großen Wohlstandswoge geritten und ihre Maß- nähme für die schlechten Zeiten getroffen hatten, sich in aller Eile in ihre sicheren Schlupfwinkel zurückziehen oder daran- gehen, eine doppelte Ernte einzuheimsen. Ihm blieb nichts übrig als festzustehen und durchzuhalten. Er durchschaute die Situation. Als die Banken ihre Gut- haben einforderten, wußte er, daß sie das Geld dringend brauchten. Aber er brauchte es noch dringender. Was er nötig hatte, war Bargeld, und wenn ihm alle ständig eingehenden Gelder zur Verfügung gestanden hätten, so wäre nichts zu befürchten gewesen. So aber mußte er um das Geld kämpfen, das er brauchte. Sein Privatkontor war beständig voll Leuten, denn alle wollten ihn, oder er wollte sie sprechen. Es gab Arbeit, Arbeit von morgens bis zum Abend, und er war der einzige, der sie zu leiten imstande war. So ging es Tag für Tag. während die ganze Geschäfts- weit um ihn her wankte und ein Handelshaus nach dem andern stürzte. Der Morgen sah ihn um acht an seinem Schreibtisch. Um zehn saß er in seinem Auto und machte die Runde bei seinen Banken. Und gewöhnlich hatte er im Auto die zehntausend jetzigen Verkehrsmitteln kein Berliner versäumen sollte. Wie Tempelhof im Westen und Pankow im Norden hat Lichtenberg schon seit mehreren hundert Iahren als eine grüne Oase in der damaligen Berliner Sandwüste gegolten. Um ober Lichtenberg kennenzulernen, fährt man nicht mit den Vorortzügen Charlotten- bürg— Lichtenberg oder Eharlottenburg— Dahmsdorf-Müncheberg dahin, denn die Bahnstation Lichtenberg hat nur für Friedrichsfelde praktischen Wert. Man müßte sonst noch eine gute Viertelstunde auf der staubigen Chaussee zurückwandern, um das Dorf zu er- reichen. Station Friedrichsberg des Novdrings(vom Alexander- platz für 10 Pf.) ist das Ziel,«m vom hochgelegenen Bahnhof auf die Frankfurter Allee hinunterzusteigen, wo links da» Dorf beginnt. Man kann aber auch mit der Pferdebahn vom Dönhoffplntz aus für 30 Pf. nach Lichtenberg fahren, was namentlich bei den großen Wagen mit Verdeck zu empfehlen ist. Von diesem hoh«n Platz aus hat man dann Gelegenheit, wahrzunehmen, wie schön sich jetzt die Große Frankfurter Straße mit ihrer Lindenpromenade ausnimmt und durch ihre Prachtbauten eine Zierde dieses Stadtteils geworden ist. In ähnlichem Glänze zeigen sich die seitwärts nach dem Zen- tralviehof angelegten neuen Straßen, wie denn überhaupt diese östliche Seite Berlins etwas ganz anderes ist, als z. B. die nach dem Landsberger Tor laufenden Strahenzüge. Man gelangt an den zahlreichen Restaurationsgärten vorbei zur Höhe hinauf, wo hinter dem großen neuen Schulhause die prachtvollen Gärten der dortigen Gutsbesitzer beginnen. Mit seinen großartige» Anlagen ist der aus kurfürstlicher Zeit stammende Dottische Park bemerken»- wert. Rechts auf der Höhe befindet sich der seit 100 Jahren be- stehende frühere Sandersche Restaurationsgarten, der aber jetzt als „Konzertgarten von Schwarz" schon beim Eintritt durchs Vorder- gebäude eine Umgestaltung zeigt, wie man solche bei einem Dorf nicht leicht erwartet."(Heute noch vorhanden!) Nein, gewiß mag sich heute niemand mehr nach unserem Freund izennes orientieren, wenn auch einige Schönheiten au» seinen Beschreibungen noch vorhanden sind. Zeit und Gelegenbeit fehlen uns, die„prächtigen Bauten" der Großen Frankfurter vom Oberdeck der Pferdebahn zu betrachte». Unsere Ausflugsziele liegen auch schon weiter draußen Und mit den Kremsern fahren wir auch nicht mehr, um die„Alte Fischerhütte" im Grunewald oder die Große Ausspannung in Friedrichshagen zu erreichen. Was mögen wohl unsere heutigen„Fremdenführer" in 50 Jahren dem Geschlecht der-r von'080 zu sagen haben? Ausflugverkehr Oänemark-Kahre. 3 Tatze tzültige Ausflugscheine Auf der deutsch-dänischen Fährstrecke Wanremünde— Gjedser wer. den vom 1. Juli ab, auf Grund einer Vereinbarung zwischen der deutschen und dänischen Regierung, besonder« Ausflugscheine ausgegeben, die eine Gültigkeitsdauer von drei Tagen haben und nur 10 Pf. kosten. Dies? Ausslugscheine berechtigen Reifende, die keinen Paß besitzen, zu einem dreitägigen Ausflug in be- stimmten Bezirken. Auf deutscher Seite wird dieser Bezirk um- grenzt von den Orten Tangermünde— Lübeck, Ratzeburg, Haaenow- land, Ludwigslust, Karow, Waren, Neubrandenburg, Stettin, Swinemünde. Auf dänischer Seit« können die Ausflüge nach den Inseln Seeland, Falster, Laaland und Möcn unternommen werden. Die Ausflugscheinc werden in der Paßstelle des Fährenbahn- Hofs sowie an Bord des um 10 Uhr ab Warnemünde verkehrenden Fährschiffes an deutsche Reichsauaehörige und dänische Staats- angshörige ausgegeben, die ini Besitz von Rückfahrkarten sind. 'Zwei viertägige GesellschastSresten durch den Die Reichsbahndirektio» Berlin veranstaltet gemeinsam mit kein Mitteleuropäischen Reisebureau(Mer) zwei viertägige Ge- s e l l f ch a f t s r e i s c n durch den Harz, die vom 4. bis 7. Juli und vom 13. bis 21. Juli stattsindsn werden. Für beide Reifen ist das gleiche Programm oorgcjehen. Die Reisen beginnen ab Pots- und mehr Dollar bei sich, die seine Fähren und Eisenbahnen am Tage zuvor eingenommen hatten. Dies Geld sollte die ärgsten Löcher stopfen. Und mit einem Bankdirektor nach dem andern wurde dieselbe Szene aufgeführt. Sie waren vor Schrecken gelähmt, und zuerst spielte er dann seine Rolle als der größte Optimist. Die Zeiten würden besser. Selbst- verständlich. Die Anzeichen wären schon da. In den öst- lichen Staaten sei das Geld schon flüssiger geworden. Haben Sie gesehen, was für Geschäfte in den letzten vierundzwanzig Stunden in Wall Street gemacht sind? Hatte Ryan nicht dies und jenes gesagt? Und hieß es nicht, daß Morgan dies und senes vorhatte? Und was ihn selbst betraf: Trotz der Panik kamen immer mehr Leute nach Oakland. In den Verkauf der Grundstücke kam Fahrt. In eben diesem Augenblick unterhandelte er über den Verkauf von mehr als tausend Grundstücken in den Vororten. Natürlich war es ein Opfer, aber es würde dsch den Druck, der auf ihnen allen lag, erleichtern und die Zagen ermutigen. Hätte es keine Zagen gegeben, so wäre es nicht zur Panik gekommen. Daylights Schachzüge waren fabelhaft. Nicht das ge- ringste entging feinen scharfen Blicken. Der Druck, in dem er sich befand, war schrecklich. Er hatte keine Zeit mehr, zu frühstücken. Wenn der Tag zu Ende war. so war er vollständig fertig, und mehr als je suchte er Schutz hinter der schirmenden Mauer des Alkohols. Er fuhr geradesweg» in fein Hotel und ging in fein Zimmer, wo er gleich den ersten einer ganzen Reihe doppelter Mart'nis nahm. Beim Essen war er schon benebelt und die Panik vergessen. Wenn er zu Bett ging, hatte er seinen Whiskyrr.u'ch— er war nicht be- trunken, aber betäubt. So ging es Tag für Tag, und die Tage wurden zu Wochen. Wenn Daylight auch nach äugen stets als der starte, kräftige Mann mit der unerschöpflichen, überströmenden Energie auftrat, so war er innerlich doch sehr müde. Und zuweilen hatte er, vom Whisky betäubt, Augenblicke, in denen er olles weit klarer sah als in nüchternem Zustand, wie zum Beispiel eines Abends, als er. einen Schuh in der Hand, auf dem Bettrande saß und über Dedes Bemerkung grübelte, daß er immer nur in einem Bett auf einmal schlafen könne. Immer noch den Schuh in der Hand, ließ er den Blick über die Roßhoarzügel an der Wand gleiten. Dann erhob er sich. den Schuh in der Hand, zählte die Zügel feierlich und ging in die beiden anstoßenden Zimmer, um die Zählunfl zu be- enden.(Forts, folgi) bomcr Bahnhof 7.20 Uhr mit der Fahrt nach Thals, da» um ILM Uhr erreicht wird. Don dort aus geht die Fahrt teil» mit Auto», teils mit der Brockenbahn durch den Südharz zum Kyffhöuser über Bord Haufen nach Schierke, zum Brocken über Rübeland, Bramloge nach Bad Harzburg und am letzten Tage über Romkerhall, Gostar, Ilsenburg, Wernigerode zurück noch Thale. Die ganze Reis«, ei» schließlich Eisenbahnsah rt 3. Klasse, Autofahrten, Uebernachtung und Verpflegung(täglich drei Mahlzeiten einschl. Trinkgeld) tostet 88 M. Anmeldungen nehmen die Mer-Reisebureaus im Potsdamer Bahn- Hof, Bahnhos Friedrichstrahe, Wertheim, Leipziger Platz und Kauf- Haus des Westens entgegen.___ Lieferauto rast auf den Bürgersteig. Vier Schwer- und drei leichtverletzte. Gestern nachNiillag ereignete sich in der Reinickendorfer Straße im Zlorden der Stadt ein schweres Verkehrsunglück. Das Lieferauto einer Berliner Schokoladenfabrik raste aus den Bürgersteig und überfuhr sieben Personen, die an der hallestelle auf die Straßenbahn warteten. Die verunglückten wurden durch die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamk ins Virchow-Krankenhaus gebracht. Der schwere Unfall hat sich folgendermaßen zugetragen. An der Ecke Neinickendorfer und F e n n st r a ß e am Wcddingplatz fuhr beim Ueberqucren der Straßenkreuzung ein Lieferauto der Schokoladenfabrik S t o l b e r g A.-G. mit einem Radfahrer, dem 2öjährigen Maschinenschlosser Max Warten- b« r g aus der E l b i n g e r Straße, zusammen. Der Chauffeur versuchte noch auszuweichen, um dem Radler nicht zu über- fahren. Das Unheil war aber nicht mehr abzuwenden, und bei dem Zufammenprall wurde die rechte Scheibe am Führersitz zer- trümmert. Der Chauffeur, ein 21jähriger Hans B. aus Reinickendorf, verlor in diesem Augenblick die Herrschaft über die Steuerung und geriet vor dem Hause Reinickendorfer Stvaße 9/10 auf den Bürgersteig. Dos Fahrzeug riß die hier befindliche h a st r a g f ä u l e um und fuhr in«ine Menschengruppe hin- ein, die an der Haltestelle auf die Straßenbahn wartete. Während es einigen von ihnen gelang, im letzten Augenblick zurückzuspringen, wurden sechs von ihnen von der umstürzenden schwere Säule getroffen und vom Auto überfahren. Die alarmierte Feuerwehr, die ihre Wache knapp eine Minute von der Unfallstelle entfernt hat, sorgte sofort für den Abtransport der Verletzten nach der Rettungsstelle lö in der Lindower Straße. Vom hier aus wurden vier der Verunglückten mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Birchow-Krankenhaus gebracht. Einem Welkmeister aus Reinicken- darf mußten beide Beine amputiert werden. Die Polizei hat sofort eine Untersuchung über die Schuld- frage eingeleitet. Wie aus den Vernehmungen zahlreicher Zeugen hervorging, scheint die Schuld den Radfahrer zu treffen, der nur unerhebliche Verletzungen erlitten hat. e- Auf dem Bahnhof in Halensee versuchte der S2jährige Arbeiter Bernhard Hermann aus der Renaler Straße 19 nuf einen bereits in Fahrt befindlichen elektrischen Stadtbahnzug zu springen. H. glitt dabei so unglücklich aus, daß er unter die Räder eines Wagens geriet. Der verunglückte wurde ins Westend- Krankenhaus gebracht, wo er bald nach feiner Einlieserung gestorben ist. Ein anderer tödlicher Unfall trug sich gestern nachmittag, in der Perleberger Straße zu. Di« 17jährige Martha K l e{fps ch m i d t aus der Lübecker Straße 45 sprang in voller' Fahrt vom Hinterperron eines Straßenbahnwagens der Linie 19. Das Mädchen kam dabei zu Fall, wurde vom An- Hänger erfaßt und überfahren. Die Unglückliche wurde sterbend ins Moabiter Krankenhaus gebracht. Gefährt des Schreckens und der Ttot. 3m Osten der Stadt, auf der Warschauer Brücke. Zwischen vier und fünf Uhr nachmittags machen hier die zahlreichen großen Fabriken Feierabend. Dann ergießt sich in der Richtung der Frankfurter Allee ein dichter, schwarzer, Menschenstrom über die viel zu schmale Eisenbahnbrücke. Alles stößt, drängt, schiebt den anderen beiseite: jeder will zuerst die breitere Warschauer Straße gewinnen. In entgegengesetzter Richtung ist fast nicht durchzukommen. Ich hatte gerade wegen zu langsamen Gehens einige kräftige Püffe erhalten, als plötzlich hinter mir eine Art Signalpfeife ertönte. Gleichzeitig vernahm man ein Geräusch, wie es die„Roller" der Kinder erzeugen. Im selben Moment sprangen alle wie auf ein Kommandowort beiseite, bildeten eine schmale Gasse und waren so ldicht aneinandergeprcßt, daß fast die Luft abgeschnitten wurde. Ich wurde unwillkürlich nritgerissen, als zu meinen Füßen«in höchst sonderbares Gefährt vorbeiflitzte. Ein Gefährt, wie ich es noch nie gesehen: Auf vier ganz niedrigen Rollen waren einige ge- hobelte Bretter befestigt: so daß sie sich höchstens zwanzig Zentimeter über dem Erdboden befanden. Auf diesem primitiven Wagen hockte ein Mensch, vielmehr der Rest eines Menschen: beide Beine fehlten. Um die Stümpfe waren Lederriemen gebunden, die den Körper am Wagen festhielten. Die Arme machten rasend schnelle Ruderbewegungen, die Hände hielten zwei komische Gebilde: ähnlich elektrischen Plätteisen, nur flacher und aus Stoff gefertigt mit holzbügeln. Mit diesen Fingern stich sich der Knippel von der Evd« ob und sauste auf diese Weise zwischen den Beinen seiner Mit- menschen dahin, alle machten Platz, all« konnten ofienbar schon den Signalpfiff. Ich hatte mich kaum von meinem Erstaunen erholt, wollte hinterher, da waren auch schon die Menschenwogen zwischen mir und dem dovonrascndcn Gefährt wieder zusammengeschlagen. In der Ferne hörte man nur noch das dumpfe Rollen. Ei» Mensch ohne Beine. Und bewegt sich doch doppelt, nein drei-, viennal so schnell durch die Straßen, wie seine glücklichen Brüder, die im Vollbesitz ihrer Gliedmaßen sind. 'eZOftOO Besucher in den Freibädern. Obwohl der Monat Mai vorwiegend kühle Tage brachte und im Monat Juni die Witterungsverhältnisse sehr schwankend waren, haben trotzdem seit der Eröffnung der städtischen Freibäder bereits 750 000 Badegäste diese Erholungsstätten aufgesucht. Das Strand- bad Wannsee steht mit seiner Besucherzahl von 272 000 an erster Stelle. Dicht darauf folgt das Freibad P l ä tz e n s e e mit 130 000 Erwachsenen und t 10 000 Kindern. Das Strandbad Müggelsee, dos durch den Brand im letzten herbst aiißerardenl- tick) aelitten hat und jetzt erst mit den Aufbauarbeiten beginnen kann, hat seit der Eröffnung Ende Mai 40 000 Badende gezählt. Die aleiche Besucherzahl weist das Freibad Westend auf, und Grünau, das erst vor einigen Monaten der städtischen Berwal- tu'ng angegliedert wurde und Umtleidebaracken von Wonnsec übernommen hat, wurde von 35 000 Berlinern besucht. In weiteren Abständen folgen dann Lübars, Tegel und Adlcrshaf mit je 30 000 sowie Oberschönewcide mit rund 25 000 Badegästen. 20 000 Amawurdelektloe. Der alljähriiich von der Berliner Kriminalpolizei ausgesetzt« lOOO-Mart.Preis für da» Auffinden dreier Personen lockt« 20 000 Amateurdetektive nach dem 5 Lahre Gefängnis für Schulz. Der MitangeNagte im Primanerprozeß freigesprochen. Das Schwurgericht lll verurteilte zw später Abend- stunde den Angeklagten Karl Schulz, der de« ISjähri- ge« Primaner Herbert Kleier erschossen hat, Wege« Totschlages z« fünf Jahren Gefängnis. Ter Mitangeklagte Räber wurde freigesprochen. Di« Tat des 24jährigen Karl Schulz fällt selbst aus der Reihe der großen Anzahl politischer Totschlagsafiären der letzten Zeit. Ohne äußeren Anlaß, ohne angerempelt zu sein, ohne vorausgegangenen Wortwechsel, versetzte der Angeklagte nach längerer Verfolgung einem der jungen Stahl- helnlleute einen Schlag und feuerte gegen den anderen den t ö d- l i ch e n Schuß ab. Es log bei ihm gewissermaßen eine stete innere Bereitschaft zur Tat vor, die bei diesen zu Zwangshandlungen neigenden jungen Menschen schließlich sast automatisch zur Aus- lösung gelangte, hinzu kam, daß er und sein Freund erst vor kurzem von Stahlhelmern verprügelt worden waren. Die Stahl- Helmleute hatten es scheinbar auf Schulz als ihren früheren Ge- sinnungsgenossen— vor seinem Beitritt zur Kommu- nistischen Jugend gehörte er der völkischen Olympia an— ganz besonders abgesehen. Sein Gesicht trug Zeichen so mancher Schlägereien. Wenigstens vier Uebersälle auf Andersgesinnte konnten ihm selbst nachgewiesen werden. Und das, obgleich er seiner Anschauung nach gegen Gewalttaten war. In seiner trankhasten Hemmungslosigkeit und maßlosem Jähzorn, den er von seinem trunksüchtigen Vater geerbt hatte— der Knabe wurde gezeugt, nachdem der Vater zweimal in Dalldorf gewesen war—, kannte er eben keine Grenzen, hinterher reute es ihn tief. Als er nach hartnäckigem Leugnen bei der polizeilichen Vernehmung schließlich zusammenbrach, riß er sich förmlich die haare aus dem Kopf. Im Polizeigefängnis versuchte er sich zu erdrosseln und wurde erst im letzten Augenblick aus der Schlinge gezogen. Seiner Braut schrieb er aus der Zelle:„Ich habe kein Verständnis für meine Tat. Ich würde mein Leben hingeben, um die Tat ungeschehen zu machen... Das nun nicht ich allein, sondern auch meine gläubige Mutter Gestrast wird... Rur einen Wunsch hob« ich, den Eltern des unglücklichen Menschen zu dienen und sie für meine ungewollte Tat zu entschädigen." Im ersten Brief an die Mutter hieß est„Ich hasse den Tag, da ich zur Welt gekommen... Den Revolver hatte ich für mich selbst angeschafft... Wenn ich gewußt hätte, daß ich diesen Menschen aus dem Gewissen habe, so säße ich nicht im Ge- fängnis, die nächste Kugel wäre für mich selbst bestimmt gewesen." Die Mutter des Zln geklagten ergänzte dieses Bild eines überempfindsamen jungen Menschen. Di« einzige Erinnerung an seinen Vater waren dessen Schläge. Di- Mutter konnte sich um den Knaben wenig kümmern, da sie Auswarteaibeiten zu besorgen hatte. Der Jung« klagte: andere Kinder haben Vater und Mutter, wir haben weder Vater noch Mutter. Der fiir den Sohn bestellte Vormund machte für ihn nichts. Allmählich erfüllt« ihn eine immer größere Verbitterung:„uns geht aber alles seht", sagte er. Im Alter von 16 Jahren fand ihn die Mutter eines Tages bewußtlos am Boden liegen, alle Gashähne waren geöffnet. Seine Braut — er hatte sich vor einer Woche im Gefängnis verlobt— ein nettes junges Mädchen, hält auch heute noch zu ihm, schluchzte im Ge- richtssaal unaufhörlich. Ihr Vater, politisch unorganisiert und ihr Schwager, Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei, tonnten den jungen Menschen, obgleich er Kommunist war, wegen seiner An- ständigkeit und gutmütigen Charakters gut leiden. Auf Ber.in- lassung seiner Braut trat er aus der Kommunistischen Partei aus, das gleiche tot auch sie einige Zeit darauf. Cr war gerade im Pe- griff, sich von der Politik abzuwenden, als das Unglück geschah. Das Gift des politischen Rowdytums war allzutiej in ihn ein- gedrungen. Sanitätsrat Dr. Leppmann bezeichnet« den Angeklagten als schweren P s y ch o p a t h en, der zu impulswen Handlungen neig«. Er bestritt aber die Bewußtlosigkeit während der Tat und wollte ihm nur oerminderte Zurechnungssähigkeit zubilligen. An- gesichts des Eindrucks, den man von dem Angeklagten erhielt und der Eigenart seiner krankhasten Persönlichkeit schien der Antrag des Staatsanwalts, der ihm selbst mildernde Umstände ver- sagte, doch zu hoch. Acht Jahre Zuchthaus!„Weshalb haben Sie Mich nicht sterben lassen", rief der Angeklagt«. Lunapark. Ein ausgesprochenes Talent war unter den vielen Suchern aber n i ch t zu entdecken. Tausend fanden den einen oder den anderen, kein Einziger traf alle drei. So wurden durch Los zwanzig Bewerber gewählt, und der Gewinn wurde zu gleichen Teilen verteilt. Zwischendurch gab es noch auf der Freilichtbühne im Garten artistische Borführungen zu sehen, und ein R i es e n- feuerwerk beschloß die Veranstaltung. Oer Außbaum ist toi. Sin Stück Alt-Berlin. Nachdem die Stadt das älleste Berliner Wirtshaus, den nach- weislich im Jahre 1567 erbauten„Nußbaum" an der Fische r- straf) e erworben und neu hergerichtet hatte, wurde der vor dem Hause stehende mehrhundertjährige Nußbaum besonders gepflegt und gestützt, damit er erhalten blieb. Leider hat aber die st a r k e Frost- Periode des vergangenen Winters den Nußbaum zu Fall ge- bracht, er ist tot und feine Aeste tragen keine Blätter mehr. Die letzten Hoffnungen der Gartenbauoenvaltung, daß der Baum sich er- holen könnte, haben sich nicht erfüllt und so wird an sein« Stelle ein neuer Nußbaum treten, um den charakteristischen Eindruck des alten Gasthauses zu erhalten. Das Haus zum Nußbaum ist übrigens bei seinem hohen Alter doch nicht dos älteste Haus Berlins, das aus den Ansängen der An- siedlung an der Spree sich bis in unsere Weltstadttag« erhalten hat. In der Petrigasse liegt ein Haus, dessen Lebensdauer man zwar nicht nach Tag und Datum feststellen kann, das aber von Fachtennern auf ein Alter von mindestens vier Jahrhunderten geschätzt wird. Dieses alte Haus gehört nicht etwa der Stadt Berlin, sondern einer Konfektionssivma, an deren Anwesen es anstößt. Diese Firma hat für eine Ausdehnung ihres Betriebes dos historische Haus dem Magistrat gerade vor der Nase weggeschnappt, ehe sich dieser zu einem Ankauf durch die Stadt entschließen konnte. In etwa zwei Iahren wird dieses älteste Haus Berlins„abbruchreif" und l>«r Spitzhacke zum Opfer fallen, wenn an feiner Stelle neue modern« Der- kaufsräum« errichtet werden sollen. Ein anderes Haus, das auch auf eine Reihe von Generationen zurückblicken kann und nach den Giebelinschriften aus dem Jahre 1658 stammt, ist gerade in den letzten Tagen niedergelegt worden. Es befand sich im hohen Stein w�g, wo an der Ecke der König- straße das neue Salamaderhaus gebaut werden soll. Bei dem Ab- bruch fördert« man noch verschiedene Antiquitäten zutage, einig« alte Säbel und auch einen Krückstock, die aber keinen besonderen Wert hatten. Der figürliche Schmuck des Hauses ging hei dem Ab- bruch in die Brüche. Es waren die typischen Bildköpse aus jener mittelalterlichen Zeit, wo man glaubte, durch abschreckende Bilder an den Häuserfronten die Teufel vom Hause fernhalten zu können. Für unsere Miehekahen. Der Deutsche Tierschutzverein, der immer praktische und notwendige Arbeit leistet, eröffnete auf seinem Gelände in Lankwitz, Dessnuer Str. 21, ein Katzen heim. Es soll in erster Linie den verreisenden oder erkrankenden Besitzern die Sorge um ihre Tier« abnehmen. Biete Großstadtbewohner sind, schon allein, um ihre Wohnung von Mäusen rcinzuhalten, auf den Besitz einer Katze angewiesen. Andere haben sich an das Tier als Hausgenossen gewöhnt, und keiner möchte, wenn er selbst nicht für sein Tier sorgen kann, es verkommen lassen-. Daher war die Errichtung dieser großen Pensionsstollung. die 80 Einzelkäfige mit je einem Auslauf ins Freie besitzt, eine Notwendigkeit. Der Pensionspreis ist möglichst niedriggehalten. Der Verein will nicht ver- dienen, aber von seinen Idealen allein können die Katzen auch nicht leben. Ist der Tierbesitzer jedoch bedürftig, werden die mäßigen Unterhaltskoste» noch herabgesetzt. Es besteht nicht die Ab- sicht,-ein Heim für alte, heimatlose Katzen zu schassen. Dies müßte nämlich unbedingt zu Masscnunterdringungen führen. die Krankheiten und Seuchen im Gefolge haben. Unheilbar krank« und überflüssige Tiere, fiir die man keine Unterkunft finden kann, müssen von sachkundiger Hand schnell und schmerzlos ge- tötet werden. Man darf sie nicht, aus falsch betätigter Tierliebe heraus, sammeln, denn bei solchen Massenunterbnngungen läßt man die Tiere«ine» langsamen, qualvollen Tode» sterben. phaniasie und WirNichkeit. Wie sich der„Zungdo" Deutschlands Zukunft denkt. Auf einem„Iungdeutschen Vortragsabend" ver- breitete sich Herr Dr. Reinhold höhn,„staatswissenschastlicher Mitarbeiter der Leitung des Jungdeutschen Ordens", über das Thema:„Krise der Staatslehre und Jungdeutscher S t a a t s v o r s ch l a g". Er stellte fest, daß die heutige Staatstheorie eine Krise durchmache, die begründet sei in einer Krise des Staates selbst. Der moderne Staat, entstanden aus dem Kampfe des Bürger- tums gegen den mittelalterlichen Absolutismus, vermöge nicht die in ihm vorhandenen gesellschaftlichen Widersprüche zur Einheit zu- sammenzufassen. Der Parlamentarismus ist die typische bürgerliche Herrschaftsform, die äußere Form der Entseelung des Staates. Um die Einheit zu schaffen, tut nach dem Rezept des jungdeutschen Referenten' not: das geheimnisvolle, vielberufene „F r o n t e r l e b n i s" der deutschen Kricgstcilneymer. das in dem Erleben, in der rein gefühlsmäßigen, von Bernunft unbeschwerten Schau, der Gemeinschaft, der Kameradschaft aller Soldaten (wahrscheinlich vom„Etappenschwein" bis zum Schützengraben- muschkoten) besteht, muß ollen Deutschen nahegebracht werden. Die Verwirklichung der Bolksgemeinschast denkt sich der jungdeutsche „Staatsvorschlag", gemacht vom Hochmeister Artur Mahr au n im„Iungdeutschen Manifest", etwa so: Einteilung ganz Deutsch- lands in„N a ch b a r sch a j t« n" zu je 50 bis 100 Personen, die sich Führer wählen. Diese Rachbarschastssührer wählen wieder Oberführer und diese in weiterer Stufenfolge schließlich einen aller- obersten Führer, der alleiniger Vertreter der neuen Gemein- ichaft ist. die, so lautet der schwülstig-tiefsinmge Satz wörtlich,>,in wahrer Integration den Rhythmus des Volkes erstehen läßt." In der Diskussion wiesen die Genossen Professor Heller und L e i t e s nach, daß die Phrasen der jungdeutschen Volkserlöser krasseste Flucht vor der Wirklichkeit bedeuten. Das Volksgemeinschaftsproblem ist in erster Linie ein ökonomisches und politisches Problem, um dessen Lösung praktisch, nicht konfus- idealistisch, die eine der großen Interessentengruppen des Parla- mcnts, die Arbeiterschaft, ringt. Ein Neubau stürzt ein. In der C y a n e n st r a h e 16 im Bötzowvicrtel wirf» zurzeit ein Zweifamilienhaus errichtet Oer Bau ist zum größten Teil fertiggestellt und vor einigen Tagen wurde längs des Hauses «in Schacht für die Rohrlegungsarbeiten ausgehoben. Gestern abend um 20 Uhr 30 stürzte«in großer Teil des Neubau» unter großem Krach plötzlich ziifammen. Da zur Zeit des Einsturzes auf dem Bau nicht mehr gearbeitet wurde, ist glücklicherweise niemand zu Schoden gekommen. Die Feuerwehr rückte aus den Alarm ./houseiirfturz" mit drei Zügen an, es mußten einige provisorische Dersteisungen angebracht werden, um ein«eiteres Einstürzen zu ver- hindern. Die Baustelle wurde sofort polizeilich g«. sperrt. Di« Ermittlungen haben ergeben, daß unsachgemäß ausgeführte Schachtarbeiten den Einsturz verursacht haben. Zn dem französischen Lehrerseminar von Ouimpcr ist es zu schweren Zwischenfällen gekommen. Das Seminar wurde vor vier Wochen geschlossen, weil die Schüler au? Protest gegen die Bc- Handlung durch den Direktor die Internationale zu singen gewagt hatten. Am Sonnabend nun sollte das Institut wieder geöffnet werden. Da ober 16 Seminaristen nicht mehr zum Unterricht zu. gelassen worden waren, packten auch die übrigen ihre Koffer und verließen die Schule. Wellerbertchk de« öffeaMchen wetterdlenstpell« Verlin und Umgegend. kNachdr.»erb> Aeitweist ausheilernd, am Tage»ärmer. Winddrebung nach äjllichen bij südostlichen Richtungen.— Zur Deutschland: Im Nordosten noch kühl und einzelne Niederschläge, in Oll» und Mitteldeutschland wolkig bis heiler, vorwiegend trocken und wärmer. Im Westen Eewitlerneigung. für cks leise Wanderungen und das Wochenend« unerläßlich Cblorodont-Zahn» paste und die dazugehörig« Chlorodont-Zahnbarste mit gezcchiuett iSoritenichr.iil jux Beseitigung fauliger, übelriechender Speisereste tn den Zahnzwi chenrmmen und zum Weißputzen der Zähne. Die ges.«esch. Chlorodont• Zahnbürste von bester Qualität, für Erwachsen« 1-26 Ca, für Kinder 70 Pfi, ist in blau» weiß-grüner Original- ClilorrfhmriiVKfitTtrt ftt eiftm frFzTrw-*x,W-roörfm«fc5'f«»TThTt«rfinltTirfL / vt >VN Für die vielen herzlichen Beweise der Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, des Gastwirts Gottlieb Grofi sage ich allen lieben Fraonden und Bekannten, im besonderen der Sosial- demotaratischen Partei Deutschlands, dem Keicbsbanner, dem Deutschen Gastwirteverband und dem Arbeiter-Tum- u. Sportverein meinen herzlichsten Denk. Berlin-Schöneberg, 1. Juli 1929. Sedanstr. 17, A�nes Grolj. Am 28. Innt verstarb nach langer Krankheit unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Iiis psssenbela» geb. Ziem, im 45. Lebensjahre. Zm Ziamin der trauernden Hinter» bliebenen Femlllc A. Di««inäscherung findet am van» nersiag. dem 4 Juli, ll� erstag, dem 4 Juli. UV, Uhr, rematorium Gerichtstraß- statt. VerweltuagsAtelle»erlln Den Mitglieder» zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinenarbeiter Paul Rose geb. 25. April 1901, am 29. an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den Z. Juli, 15'/, Uhr, von der Leichen. halle des Slisabeth.Kirchhofes.Uhland- straße 0«, statt. Juni Am 29. Zun! verschied infolge Un- falls unser Kollege, der Schlosser Willibald Schäfer geb. 28. Juni 1873. Die Einäscherung findet am Freitag, dem S.Zuli. 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraß« statt. Ehre ihrem Andenkenl Reg« Beteiligung erwartet Dl« vrt»»ern>a>tung. VoauDtttond rtutir inniniliti 8>fc Uhr MriM, wie et weist o. i teilt dtrBggetUk 8 Uhr Bein M Taut D.I. Norden 12310 8U, Ende gegen II Zum 34. Male Die Fledermaiis Musik v.Joh. Strauß, Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg, L. Rainer Statt Karten. Alle» Verwandten, Freunde» und Beiannten für die zahlreichen Be> weise der TeUnahme bei dem Hin» scheiden unseres lieben Baters sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Insbesondere danke» wir den Koller des Zenttalverdandes derMaschinif und Heizer und dem Borschenden Herrn Klebe für den innigen Ab- schiedsgruß, serner dem Genossen Hegschold al» Vertreter der 47. Ab- teilung, und Herr» Haß vom Volks- Feuerbestattungsverein für ihre trost- reiche» Worte. Zm Namen der Hinterbliebenen Marie Klrxbalck. Bärwaldftraß» 5L Znrfickgekebrt Dr. Adoll Glaser Kottbusier Damm S. Von der Reise zurück Dr. Max massur Augenarzt Bin.-Charlottenbarg, Bismsrcketr. 44 Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch. 3. 7. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 147 20 Uhr Staats-Oper Am PUd-Republ. R.-S. ISO 20 Uhr Neoes vom Tage Mittwoch, 3. 7. Stadt, Oper Bismarckstr. eefctiiossen Staat). Sdiausph. •m Gendirmenmarkt A.-V. 154 20 Uhr SlaatLSelilllep-Theater.Charltb. 10 Uhr Treibjagd Die Komüdie J1 Bismck.2414/7516 Gesdilouen. U Freitag, 5 lall. !>/. Dhr Reporter in der Besetzung des Berliner Theaters. Bidioer Tbeater DirektHeinz Herald Charlottenstraße 90 A.7. Dönhoff 170 8.15 U. EndelOt/aU. Reporter (The Front Page) Ein Stück in 3 Akten von Ben Hecht und Charles Mac Arthur Regie; HeinzHiipert in Frettao, i. lalL •V« oar: Bwonar in der Komödie TDaatHa Rona.Tor Kottb.Str.6 Tägl. 8Uhr Eilte- sanger Neaaz Prag ramm I Ab 17.-31.7. Gastspiel der 9 Original Lclpilger Fita-Wcacr-sanger TDeaLfl. Westens Täglich 81/» Uhr Sonntag SVi u.&k Franz Lebars Wellerfolg! FriederiKe Lotte CuroLa Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Plane larlnni am Zoo— laSw- kaduKtlilir itnh B. 5 Barbarossa 5578. IHVeUhr StambiUer «a» Sanmars 18-/. Uhr Dar DliitdaN der Sanne 20«/, U. Van Pal r» Pol an»taroanhimmel Tlgl.auSer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw..- Erwachsene 50 PL, Kinder 25 Pf. LislspIelhtDS Heute 8 Uhr: Premiere Revolntion bei Stern's Netropol-Tb. Tägl. SM, Uhr Sonntags 3>/> u. 8-/> Blanbarf Operette von Offenbaeh Kammersänger Leo Sleiak Barnowsky-BDhnei! Theater In der Kdaiggritzer Straße Bergmann 2110 Täglich 8'/» Uhr Rival en Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8-/2 Uhr Hodizeitiriite Sommerpreise I ab Grünau, Bohnsdorf bis Kirchplag über 90 Vamellen an der Schönefelder Chaussee. Berkd. Restvarzellenqm 1 M. an. Ber» käufer Sonntage anwesend. C, A. Winkler Zehlendarf-Mdte Teltower Str. 8. geHiendorf 2228. zur Niete W50, Ansbach erstr. 1 Rose- Theater. Graste Frankfurter Str. 113. Gartenbohne s,30 Uhr: ReanH g. B faiicMniBBtra 8,15 uhr; Die gvxvMvilvnv Frau vom 8. bis 11. Juli OrmaOe« Rowenfmwd laneBtiieiiler: Täglich 8.15 Uhn „O E AF** Winfer -Qarren� 8 Uhr» Zsotr. 2819• Randiea crlannt DerWanderknaheRobertConche, Universai-Musik-Künstler. Rojal- Peking- Trappe. Aassle, das boxende Känguruh. 8 Lancaahlre Lada. Anita Sorte und weitere Juli-Neuheiten. ReichshalleifTHcatar Abends Uhr siefflner sander .Das neue, überraschende JULI- PROGRAMM! Dönhoff- Broftl: (Saal und Garten) Varls t8— Konzart— Tanz. zn Mittwoch« den 3. Juli nachmittag&SVg Uhr Isdiias Spniai- BcDanfll] Dnrlür| sdivere Fälle hsseltlgt vomeu.H Helietioige. Bestairgoog nid Rgfmtxta. ärztlich smpMitMo. Invaiiflemiralie 10«. 9-11, 1—4. Sonntag io-u. In Rlttn. BcsBB nnfl Itain. wenn ürsiLtestgestalli IniäTignsf M.ia Kapitän* Kautabak schmeckt mir doch am besten! »•••— Mtwappaaaf Sommer-Garten-Theater ■trlinsr Prattr N 58. Käst.-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 fiasisgltl Busiti ne«, Gielsl Uiltn in der Opereue ..3bp ers'an L'cbe gc:c'ne Zell' Operette in 3 Akren(30 Mitwirk.) Ferner:„Er iii dem dtr Papa". Burleske in 1 Akt mit Gustel Beer. große Oreiel Lilien. Dazu der neue Vnrtetoiiii. Aniang Konzen 4.30. Burleske u. Variete 5»hl.('perelta 8.30. leden Donnerstag r roher Volhstag. »«»»»•♦•♦eieeeoepeeea Landbank in Berlin. i. Durch einen Vergleich ist der Protest einer Gruppe von Aktionären gegi die Abstempelung der Aktien unserer Gesellschaft von 1000.— Papiermark auf 1.— Reichsmark zurückgezogen. Auf Grund des Vergleichs haben wir die Oatbank»Up Handel und Oawarba. Barlin SW. 19, KrausenatraBe 38/39, beauftragt, sämtliche Aktien unserer Gesellschaft, die ihr bis zum Donnerstag, den 15. Aognat 1939, 15 Uhr, mit doppeltem, arithmetisch geordnetem ichnis versehen, eingereicht werden, gegen Zahl nag tos Nummernverzeichnis versehen, eingereicht werden, gegen 10 Rclehamark für nominal lOOO.— Papiermark zu übernehmen. Wir fordern hiermit die Aktionäre auf, ihre Aktien rechtzeitig bis zu dem angegebenen Termin der Ostbank für Handel und Qawarbe einzureichen. Die Aktionäre, welche von diesem Angebot keinen Gebrauch machen, werden In besonderer Bekanntmachung aufgeiordert werden, ihre Aktien zur Abstempelung auf 1.— Reichsmark der Gesellschaft einzureichen. IL Auf Grund eines mit dem Obligationärvertreter abgeschlossenen Vergleichs ist die Entscheidung der Aufwertungsstclle beim Amtsgericht Berlin-Mine vom 28. Februar 1929 betreffend unsere* 4'/s% Obligationen von 1900 und 1907 auf 10«/» rechtskräftig geworden. Der RückZahlungstermin für die Obiigationen ist durch diese Entscheidung dergestalt hinausgeschoben worden, daß je ein "'"* nd"" Viertel des Aufwertungsbetrages am 1. Januar 1932, 1933, 1934 und 1935 fällig wird. Auf Grund des. Vergleichs haben wir das Bankhaus QebrOder Arons, Berlin W. 8, Mauerstr. 34, beauftragt, die 4«/,»/« Obligationen der Landbank, welche dem Bankhause bis den IS. Angosl 1939, 15 Uhr, getrennt nach Jahrgängen Ummernverzeichnis ver- zum Donnentng,_.. und mit einem doppelten, arithmetisch geordneten sehen, mit rückständigen Kupons eingeliefert werden, zur sofortigen Rückzahlung zu übernehmen und zwa» zum Satz von T/�'o des Papiermark-Nennwertes für Altbesitz und von öVtVo des Paplermark-Nennwertes für Neubesitz. Für die Verzinsung und Tilgung der nicht Innerhalb dieser Frist eingereichten Obligationen ist die oben erwähnte Entscheidung der Aufwertungsstelle beim Amtsgericht Berlin-Mitte maßgebend. Wir fordern hiermit die Obligationäi Obligationen dem Bankhausa Gebrüder Arons rechtzeitig bis zu dem angegebenen Termin zur Rückzahlung einzureichen. Die Obligationäre, welche von dem vorstehenden Angebot auf Barablösung Keinen Gebrauch machen, werden durch besondere Bekanntgabe aufgefordert werden, ihre Stücke zur Abstempelung auf Reichsmark bei der GeseHscharts- kasse einzureichen. BerUa, d«n 29. Juni 1929. äre unserer Gesellschaft auf, ihre Landbank Der Voriland Roderwald. Dr. L o o c k. Bilanz der Berliner SlUflsmc Eicklrlzllfilswtrke Akt-fie.«. Vermögen Kasse, Postscheek n. Bank- itbaben in laufender Rechnung...... Materialien...... Wertpapiere und BeteiÜ- en. iner. Bin« bdiuldi Kapital verpflichtungskonto der Stadt Berlin... Voraussahlungen auf Versicherungen..... Interner Tilgungsfonds für die Franken-Anleihe., 333 550,72 9 833 943,08 2551 190,64 26 556 142,39 211 396 651,88 476736,07 2619 061,- 253 620 874,73 Aktienkapital..... Gesetzlicher Reservefonds 7% Franken-Anleihe v 1925 (>xit0/o Amerika-Anleihe I von 1926...... 6'/,% Amerika-Anleihe II von 1926...... Kredite von Lieferanten für den Neubau des West- kraflwerkes..... Gläubiger Rücklage für Werkerhaltung Rücklage für besondere Betriebsverbesserungen. Rücklage f. Utnschaltungen Rücklage für Delkredere. Pensionsrflcklage f. Beamte und Arbeiter..... Rückstellung f. Disagio der Amerika-Anleihe v. 1929 Reingewinn: 10«/» Dividende auf RM 15 Mili. ms Stammaktien. 1500000,— Vortrag auf neue Rechnung 459407,83 RM 15 000 000,— 1500 000,— 24 116 695,35 8 400 000,- 84 000 000,— 25200000,- 65 935 666,32 18 953 717,16 256 388.07 1200 000,— 500 000,— 3000000,— 3800000,- 1 959407,83 253820874,73 Gewinn* und Verlustrechnung derBerlf ner$f adtisdie HekfrtzliäB werke Akf.-fies Ausgaben am 31. Dezember 1938 Einnahmen Kosten für Betrieb und Strorabezug..... Unterhaltungs-und Instandsetzungskosten.... Bedienung der Straten- beleuchtung..... Umschaltungen..... Anlagen-Prumngskosten. Handlungsunkosten... Steuern.'...... Zinsen einschl. Anleihe- Zinsen Abgabe an die Stadt Berlin Sonderabführung an die Stadt Berlin..... Ordentliche Abschreibung. Rücklage f. Werkerhaltung Rücklage für Delkredere. Rücklage für Pensionen der Beamten und Arbeiter. Rückstellung f. Disagio der Amerika-Anleihe v. 1929 Reingewinn...... RM 37 172 982,53 12 216 117,20 95 621,82 3164200,56 1665297,63 6 580908,89 1 712032,97 10 470 318,73 12 898 292,08 9 007 000,— 20861 508,96 9 000 000,— 78 417,54 500 000,— 3 800000,— 1 959 40733 131 178 158.66 Stromlieferung. Wärmelieferung Bialieferung.... Vermietete Anlagen. Wohngebäude... Installationsgewinne. Gcwinn-Voroag.. RM 129171738,- 660662,13 222 705,92 4 101 682,39 506525,83 78062.05 435 790,32 181 176156,66 OHim Anzahlung. Mehrjährig» Rmtenxahlung ..-.„»r»- a n■ Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer Köchen, Polster-, Einzelmöbel Nur Brult« Straß« 7. Verkäufe verlauf« Wohnlaube. Endstatiau Linie st«. 2 Ummer, Küche, Stall. Wasserleitung, gemauerter Brunnen. Biel Beerenobst und Odstbäu««. Mg Quadratmeter. 18 M. jährliche Pacht. Brei» MO M. Offerten unter B. 21 an den Borwärfa. «»»den Z,ßo. Aren SM.__ IM. Apparats. Teilzahlung. tonheno 1.20 Sparrähtt» ..----„,._ng. Dreh» Schünleinstrake 1• BeafbtanraKTtl Deutfche» Tepvichhau» Smil Lefeor« seit 1882 nur Oranien- iteinerlei Beziehungen zur ähnlich klingenden Firma. Man achte auf Vornamen Smil.» «ochherde, eiserne. Gas. Kohle, seter Art und Grosse, Siedlung, Haushalt, Restauration(Gelegenheiten), billig- Badeeinrichtuna, Adwaschtische, Wäscherollen. Waschkessel. Ofentüren. Teil- zahlung.* Oese», eisern«, jeder Art und«rßss». auch für Säle bi, 9000 obm, Di» alt« Spezlasfabrik Temmler u. Blenderg. Dre-denerstrass« 88—100._ J Tapete». Szillai. Koloniistrasse 9. Lckiriltuhzssluciie. VsäLfhe ul w Loa Kavalieeeu wenig gelragen« und neue Iackettanzüge, Smokinganzüge, Abendanzüge. Soimnerpaletoi». iarbig und marengo, Bauchanzüge n. Paletots. kür sede Figur passend. Pelzwaren-Ge- legenheitskäuie enorm billig. Kein« Lombardware. Leihhaus Friedrichstr. 2. Hallesches Tor.* dtetaei . Sfitbel-Kaweelt! Kastanie nall«, 98. AaUeidefchrä�,,..Russdaum.. breit,»erkauft billig Tifchlerei strass« 98. 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Unter Mißbrauch eines angesehenen Namens eröffneten sie einen umfangreichen Briefwechsel mit Leuten, die ch a u s m e i st e r- oder Pförtnerstellungen suchten. Sie boten eine Stellung in einer Villa in Swinemünde an, mit der noch der Vorteil ver- Kunden war, daß der Hausmeister Zimmer seines eigenen Wohn- Hauses an Sommergäste vermieten dürfe. Angeblich sollte die Besitzerin vorausfahren und den Bewerber Im Ostseebad an einem bestimmten Tage treffen. Ehe ober der Tag herankam. schrieb die„Tochter", daß die Mutter er k r a n k t sei und von einer Reise Abstand nehmen müsie. Der Bewerber solle aber trotz- dem nach Swinemünde fahren, seine Referenzen seien so gut ye- wesen, daß man keine Bedenken trage, ihn ,511 engagieren. In demselben Briefe wurde er gebeten, ein S ch m u ck st ü ck, dos repariert worden sei, von einem Boten in Empfang zu nehmen und das Geld auszulegen. Es werde ihm in der Villa zugleich mit den Reisekosten wieder erstattet werden. Die vorange- gangenen Briefe hatten die Bewerber so in Sicherheit gewiegt, daß ste an keinen Betrug dachten. Die Kriminalpolizei, die auf das Treiben aber aufmerksam geworden war, beobachtete die Boten und stellte fest, daß sie selb st ahnungslos waren. Ihr Auf- traggeber hotte sie nach ciirem Treffpunkt bestellt, wo er dos verauslagte Geld in Empfang zu nehmen gedachte. wahrscheinlich hatte der raffinierte Gauner aber Mnd von der kriminalpolizeiiichen Beobachtung bekommen, denn er ließ sich am Stelldichein nicht sehen. Die Zahl der Betrogenen war sehr groß. Als der Stellenschwindel nicht mehr genügend zog, erdachte die Bande etwas Neues. Bei Pensionsinhaberinnen bestellte ein Mann für sich und seinen Chauffeur zwei Zimmer. Dann kaufte er ohne Bezahlung in Geschäften alles mögliche ein und ließ es nach der neuen Behausung liefern. Der Wirtin hatte er eine Zession übersandt, mit der sie die Rechnung begleichen sollte. .Sie war gebeten worden, den Ueberschutz einstwellen auszulegen. Wohlweislich war der Betrag, auf den die Zession lautete, immer niedriger als die Rechnung. Die Frauen legten aus und sahen weder den Mieter noch seinen Chauffeur jemals erscheinen. In den Paketen waren nur Lumpen oder Steine. Mit Mckstcht aus den großen Schaden, den die Betrüger angerichtet haben, hat die Kriininolpolizei alle verfügbaren Mittel aufgeboten, um ihrer endlich habhaft zu werden. Stellungsuchende, die Angebot« erhalten, sollten ste mit äußer- st er Vorsicht behandeln und sie zum Handschriftenoerglcich lieber erst bei der Kriminalpolizei vorlegen. Kriminatkonmüssar Dr. Wächter von der Dienststelle O 5 fahndet auf die Gauner. Oeffeniliches Klaggen am August. Eine Verordnung des preußischen StaatÄministenums. Auf Grund der Artikel 7 und Sl der preußischen Verfassung und in Durchführung des Flaggen- gc fetz es vom März lSZS hat das preußische Staats- niinisterium eine Verfügung erlösten, aus der wir das wichtigste wiedergeben. Die Beslaggung der staatlichen und kommunalen Dicnstgebäude sowie der Gebäude der öffentlichen Schulen erfolgt in den Reichsfarben Schwarzrotgold und in den preußischen Landesfarben Schwarzweiß. Gemeinden mit eigenen Stadt- oder Provinzfarbcn können diese neben den Reichs- und Landesfarben zeigen. Zu den Gebäuden der öffentlichen Schulen gehören auch die, an denen Religionsgesellschaf- ten teilhaben. Es ist zu beflaggen am 11. August, dem Ver- f 0 s s u n g s t a g e, a!>nc besondere Anordnung, aus besonderen Anlässen auf Anordnung des S t a a t s m i n i st e r i um s und aus örtlichen Anlässen unter Genehmigung der zuständigen Dienststellen. In allen anderen Fällen ist von einer Beflaggung 0 b- zusehen. Inhaber von Dienstwohnungen, die sich in staatlichen oder kommunalen Dienstgebäudcn befinden, dürfen von ihren Wohnungen aus nur dann, wenn das Dienstgebäude selbst beflaggt wird, und nur in den hierfür zugelassenen Farben flaggen. Von Dienstwohnungen aus, die sich nicht in Dienstgebäuden bc- finden, darf gleichfalls nur in den bezeichneten Farben geflaggt werden. Für die Art der Beflaggung gellen diese Grundsätze: Ist nur ein Flagenmost vorhanden, so ist an ihm st e t s die Rcichsflaggc Schworzrotgold ZU hissen, die preußische Flagge ist, soweit sich ein zweiter Flaggenmast nicht anbringen läßt, an bevorzugter Stelle als hängende Flagge anzubringen. Die Reichsslogge hat unter allen Umständen den Vorzug. Die Bestimmungen finden auch auf das Flaggen durch andere Körperschaften des öffentlichen Rechtes Anwendung. Bei Beflaggung von öffentlichen Straßen und Plätzen dürfen nur die im Anfang angeführten Farben zur Verwendung gelangen. Die Derordnung des Staatsministeriums entspricht durchaus den Gefühlen der Mehrheit des preußischen Volkes, die reichs- und republiktrcu ist.___ Milchfest des Waisenhauses. Das Berliner W a i s- n h a u s R u m m- l s b u r g. feierte am Montag das althergebrachte Vi i l ch? c st, das«wahrlich in den ersten Tagen des Juli wiederkehrt. Seinen Namen hat dieses Fest wohl davon, daß dabei die Kinder des Wmsenhauses mit Milch bewirtet wurden. Ein Spaziergang ins Freie hinaus wurde schon damals am Tag« d«s Milchfcstes regelmäßig veraisftallet— und bis heuie ist es so geblieben, fcoß das Milch fest ein A u s f l u a sein muß. Diesmal fuhren die.zweihundert Kinder, auf einem i-ondcr- dampser mit Musik hinaut nach W 0 l t« r sd 0 r s, das hinter Erkner an Wasser, Wold und Berg anmutig liegt. 2.er Waiicichaus- direktor Scner und die Lehrer und Erzieher führten die fröhliche Schar. Für die nötige Festtagsbeköstigung hatte die Ansta.t reich, ich gesorgt, und in Wollersdorf konnte man sich auch au einer mit leckerem Kuchen besetzten Kaffeetafel laben. Im nahen Wald ent- wickelte sich dann ein lustiges Treiben. Knaben und Madchen er- götzten sich an Reigentänzen. Bollspiel, Wettrennen.M«. Eine drallig nochgeahmte.Zirkusvorstellung" mit Clownspoßen rief m dem Ring der Zuschauer lauten Jubel hervor. Freundlich und beiter war der Anblick der Kinderschar in ihren licht-farbigcn KIci«rn, die in neuerer Zeit die Tracht der Waisenhauskinder geworden sind. Die fast düster aussehende Kleidung, die jrüher im Waisenhaus»blich war. ist abgeschaist worden. Auch das gehört zu der Wandlung. die sich in der Erziehungsweise des Waisenhauses vollzogen hat. Freundlich und heiter will man heute den Kindern das Leben im Waisenhaus gestalten. Auf Grund von Indizien. Ein Branvstister vor dem Schwurgericht. Unter der Anklage, seine Wohnlaube in einer Kolonie bei Köpenick in Brand gefleckt und damit einen Versicherungs- betrug versucht zu haben, stand der Werkzeugdreher Friedrich Riedel, der jede Slraflal energisch bestritt. Am 10. Juli 1928 brannte die Laube ob, und Riedel machte an die Feuerversicherung Ansprüche von einigen tausend Mark gellend. Es ließ sich nicht feststellen, ob der Brand z u- fällig entstanden oder absichtlich angelegt worden war. Riedel behauptete, daß feindliche Nachbarn in der Kolonie ihm dos Haus angezündet haben müßten. Der Verdacht lenkte sich aber inuner mehr auf Riedel selbst, so daß der Staatsanwalt Anklage erhob. Das Schwurgericht verurieilt« ihn nach zwei- tägiger Verhandlung zu einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr. In der Begründung hob Landgerichtsdircktor Schneider hervor, das Gericht sei gezwungen gewesen, aus der Kenntnis aller ll m- st ä n de cmen. Schluß m jüWn,. ob der Anoeklaate dxr Töter seh da eine Brandstiftung f asi i mm e t oh n e Tatzeugen geschehe. Das Gericht wäre sich der Verantwortung bewußt, daß jedes Indiz täuschen könne. Solange aber Menschen Richter seien, gäbe es keinen niothematisch sicheren Beweis, so daß der Richter nur aus seiner vollen lleberzeugung urteilen dürfe. Der Ange- klagte hätte sich während der Verhandlung in so viele Lügen ver- strickt, daß man ihm, der auch schon mehrmals vorbestraft sei, wenig Glauben schenken könne. Besonders schwerwiegend wären die Umstände, daß er den Verdacht der Brandstiswng auf alle Nachbarn, die gar keinen Grund zu so einer Tat hatten, a b- schob und daß er sein Eigentum, das nach Schätzung der Sach- verständigen nicht viel mehr als tausend Mark wert war, mit �009 M. oersichert hat. Trotz der Behauptung des Angeklagten, daß er in durchaus gesicherten Berhällnisseu leb«, sei es dem Gericht durch die Zeugen bewiesen, daß er in Armut gelebt hätte, da seine Frau auch seit langem krank und arbeitsunfähig war. Trotz schwerer Bedenken, diesem Angeklagten die Mindcststrafe von einem Jahr Zuchthaus zuzuerkennen, sei das Gericht doch nicht darüber hinansgegangen, weil die Strafe an sich f e h r s ch w e r sei. Man wird trotz dieser Begründung betonen müsten, daß jedes Urteil auf Indizien hin gefährlich und außerordentlich be- d e n t l i ch ist. Ein Aest der Alten. Am vergangenen Sonntag veranstaltete das Bezirksam! Prenzlauer Berg für feine Kleinrentner und Wohl- fahrtsempfänger im Saalfcou und Garten am Friedrichshain ein Fest. Etwa SlMX> hatten sich eingefunden, die Allen selber mit ihren Freunden, Bekannten und Verwandten. Da saßen ste bei Kaffee und Kucken im wärmenden Sonnenschein, und all die Fröh- lichkeit und Wärme taten ihnen unendlich wohl. Die wenigen Stunden halfen ihnen. Leid und Rot von Jahrzehnten ein wenig zu vergessen. Ein hübsches, abwechslungsreiches Programm— der Koslecksche Bläscrchor. Gesang, Tanz und Artistik— sorgte für die richtige Stimmung. Der Reinertrag des Festes, das in materieller, vor allem auch in ideeller Beziehung so gut abgeschnitten hat. fall zu einer sommerlichen Dampferfahrt dienen. ffccise~ �bemaemenf» 7 Unsere werten Leser, weldie wahrend Ihres Urlaubs Nadisendung des»Vorwärts" wünschen, werden Im Interesse einer pünktlichen Belieferung gebeten, die Urlaubsadresse möglichst 1 Woche vor der Jtbretse mitzuteilen, und zwar entweder der zuständigen Ausgabestelle oder der XauptexpedlUon de*.Tortvärl*', SBerUn STCfifl, Xhtdenslr. 3 Sehr richtig, Herr Minister! Eine ungeeignete?ioßbachfeier. Am 12. Mai wollten Kreiskriegervereine in Halle und Umgegend zur Erinnerung an die Schlacht bei R o ß b a ch aus dem ehemaligen Kampfgelände eine öffentliche Feier veranstalten, die vor den Schulen besonders vorgeführt werden sollte. Der Ober- Präsident der Provinz Sachsen verwahrte sich gegen einen Unter- r i ch t s a u s f a l l an den ihm unterstellten Schulen und gab einen Erlaß heraus, in dem die Erwartung zum Ausdruck gebracht wurde, daß keine Schule an dieser Veranstattung teilnehme. Ueber dieses Verbot führte ewe deutschnationale Landtagsab- geordnete in einer Kleinen Anfrage Beschwerde. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bezeichnet der preußische Kultusminister in seiner Antwort die geplant« Veran- staltung als gänzlich ungeeignet, den Schillern das geschicht- liche Ereignis dieser Schlacht so nahezubringen, wie anerkannte Grundsätze des Geschichtsunterrichts es erfordern. Die gefchlosten« Teilnahme von Schülern an der Veranstaltung kam nicht in Frage und ist vom Provinzialschullollcgium mit Recht verboten worden. Teltows neue Krastwirtfchast. Vertrag mit der Oessauer Gas. Der Kreis Tellow hat feinem gestern von uns gemeldeten Ver- trag mit den Charlottenburger Wasserwerken einen Dertrag mit der Contincntalcn Gasgesellschaft in Dessau folgen lassen, durch den auch die K r a s t w i r t s ch a f t des Kreises einheitlich und neu geregelt wird. Gemeinsam mit der Dessauer Gasgesellschaft gründet der Kreis Teltow die„Teltower Krciswerke G. m. b. H.", die die Zentrale der Kraft- und Gaswirtschast.des Kreises werden soll. Die Continentalc Gasgescllschast bringt alle Anlagen der Gesellschaft zur Gas- und Stromversorgung, die im Kreise vorhanden sind, in die Teltowcr Krciswerkc G. m. b. H. ein. Dasselbe tut der Kreis Teltow mit den ihm gehörigen, zurzeit den Berliner Elektrizitätswerken und den Berliner Vororts-Elektrizitäts- werken verpachteten Anlagen. Das Gesellschaftskapital beträgt 6,4 M i l l. M., wovon die Conti Dessau und der Kreis je die Hälfte übernehmen. Die Teltower Kreiswerke G. m. b. H. ist eine gemischt- wirtschaftliche Gesellschaft, bei der sich der Kreis offenbar den größeren Einsluß gesichert hat. Die Kapitalanteile sind zwar hälftig verteilt, in dem aus mindestens sechs Personen bestehenden Aufsichtsrot stellt der Kreis Teltow jedoch den Vorsitzenden. Dem Kreis Teltow ist auch ein entscheidender Einfluß bei der Festsetzung der Tarife und Normen für die Gas- und Strompreise gesichert. Der Kreis ist berechtigt, nach 50 Jahren die der Continentalcn Gasgesellfchaft gehörenden Anteile zu erwerben. Die Betriebs- f ü h r u n g der Teltowor Kreiswerke G. m. b. H. soll durch die Dcssauer Gasgesellschaft erfolgen, worüber noch ein besonderer Betriebsvcrtrag gefchlosten werden soll. Der Sparkassenskandal von St. Ingbert. Vor dem Schwurgericht von Saarbrücken begann heute der Prozeß gegen den.ehemaligen Leiter der S t a d t s p a r k a,j s« S t. Ingbert, Finanzrat Pircher, und den Kassierer Verwaltungs- oberinspektor O m l o r, die durch ihre Amtstätigkeit an der Stadt- fparkasse St. Ingbert den Z u s a m m c n b r u ch der Stadt St. Ingbert verschuldet haben sollen. Die Anklage lautet auf fortgesetzt« schwere Untreue im Amt und fortgesetzten Betrug sowie gegen Omlor auf fortgesetzte schwere A m t s u n t e r s ch l a g u n g in Tateinheit mit Amtsuntreue. Man rechnet mit einer sechstägigcn Dauer der Ver- Handlungen. Der Schaden der Stadt St. Ingbert beträgt etwa 33'/b Millionen Franken, von denen aber etwa ein Drittel noch zu retten sein dürfte. Mit ungenagelten Schuhen. Der 29jährig« Kaufmann Steiner und die 24iährige Trude Klein knccht, beide aus Stuttgart, die.zum Sommer- aufenthalt in Hittesau im Bregenzer Wald weilten, unter- nahmen am 28. Juni«in« Bergfahrt auf den Hohen Häderich. Da sie am folgenden Tage nicht zurückkehrten, wurde eine Streif« unternommen. Beide wurden abgestürzt und tot aufgefunden. Der Absturz dürfte in der Weise erfolgt sein, daß sie mit ihren un genagelten Schuhen im Gras ins Rutschen kamen und 150 bis 200 Meter das nicht sehr stelle, aber felsige Gelände hm- unterfielen. Omnibusausflüge während der Serien. Die Verkehrsobteilung der BVG. teilt mit, daß mit Beginn der Ferien für den Ausflugsverkehr an Werktagen folgende Maß- nahmen getroffen sind: Von Mittwoch, dem 3. Juli, an fahren bei günstigem Wetter Omnibusse täglich vom Bahnhos Zoo nach Schildhorn ab 9 Uhr halbstündlich, nach Cladaw ab 12 Uhr halbstündlich, nach Nedlitz ab 13 Uhr stündlich. Sonnabend vom Stettiner Bahnhof nach Wand- litzsce ab 12 Uhr stündlich. Sonderfahrten: Mittwochs und Sonnabends 14 Uhr ab Bahnhof Zoo nach Mellens««. Dienstags und Donnerstags 14 Uhr ab Bahnhof Zoo nach Strausberg. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt 5 M. Rückfahrt 20 Uhr. Kein Zusammenbruch der„Dcvo". In Rechtsblättern ist eine Nachricht verbreitet worden, wonach die D e v o(Deutsche Bollserhowngsheime Berlin) zusammenge- brachen sei. Dabei wurde natürlich erwähnt, daß die Devo von der Stadt Berlin einen größeren Kredit erhalten hat. Die Nachricht trifft, wie durch den Berliner Magistrat mitgeteilt wird, nicht zu. Allerdings hat das Geschäft der Devo, die mit billigen Pensions- preisen bis zu 4 M. pro Tag arbeitet, unter der schlechten Borsaison gelitten. Bon einem Zusammenbruch kann aber keine Rede sein. Bielmehr wird dos Unternehmen im Herbst 1929 in «in« Hotel- und Kurhaus-A.-G. übergeführt, die auch die Ansprüche der bisheriges Detelligten übernimmt. Entscheidungen im Kerngaskampf. Der Kampf um Hessen und seine höhere Bedeuiung. .uin 4. Juli fall die Generalversammlung der hessischen kommu- lalen Ferngasgesellschast(.hekoga) slatts!nd«n. Wenn auch, wie es scheint, an diesem Tage noch keine endgültige Entscheidung darüber fallen wird, ob man das Angebot der Ruhrzechcn für die Versorgung Hessens mit Ferngas annehmen soll oder nicht, so wird doch mindestens eine entscheidende Klärung der Frag« gesucht werden. In Hessen selbst ist man bis weit in die bürgerlichen Kreise hinein der Bedeutung der zu treffenden Entscheidung bewußt geworden. Für die ernsten Bedenken, die gegen einen Vertrag mit den Ruhrzcchen dort lebendig geworden sind, spricht eine Entschließung des Landes- ausschusses der hessischen Demokratischen Partei, die vor ganz wenigen Togen vor ü b e r e i l t e n S ch r i t t e n w a r n t. Die Entschließung verwahrt sich dagegen, die rein wirtschaftliche Betrach- tungsweise des Augenblicks ausschlaggebend sein zu lassen und spricht aus, daß dem künftigen wirtschaftlichen Zusammenschluß des Rhein- Main>(Bebi«t«s Rechnung getragen werden müsse. Gegen die ver- tragliche Bindung an di« Ruhrgas A.-G. bestünden deshalb die schwer ften Bedenken. Diese Entschließung ist gefaßt worden nach Ablauf des Verwirrungsmanövcrs, das gegen die Stadt Frankfurt als der Führerin des lommunalpolitischen Zusammenschlusses Südweftdeutfchlands in der Ferngasfrage von ein. I«ttig privotwirtschaftlich interessierten und ruhrfreundlich einge- stellten Leuten inszeniert worden ist. Man kann daraus schließen, daß man auch in Hessen erkannt hat, daß es sich um ein bewußt auf- gezogenes Verwirrungsmanöver gehandelt haben muß, das nur dazu diente, den Ruhrinteressanten das Fischen im trüben zu erleichtern. Es handelt sich um ernste Entscheidungen von allgemein volks- wirtschaftlicher Bedeutung, die in Hessen fallen. Darum wollen wir heute auch nur di« allgemein wirtschaftlichen Gesichtspunkt« behandeln, die für die hessische Frage von Be- deutung sind. Das Sortenproblem heute ein frommes Märchen. Da ist zunächst die ganz allgemeine Frage, ob es wahr ist, daß eine Gasfernversorgung von den Kohlenzechen aus zur Lösung der Krisis im Steinkohlenbergbau entscheidend beitragen kann. Die Ruhrzechen behaupten, und die Oeffentlichkeit glaubt teilweise immer noch daran, daß durch den Verkauf oön großen Ferngasmengen über weite Strecken das sogenannte Sortenproblem gelöst werden müsse. Davon ist aus einem sehr einfachen Grunde keine Rede mehr. Nicht deshalb, weil es etwa keine Kohlenkrisis gibt! die gibt es in der Tat, nur ist sie eine internationale Erscheinung und eine Folge technisch-wirtschaftlicher Veränderungen in der Wärine- und Kraftwirtschasr überhaupt. Sondern deshalb, weil es heute kein Sortenproblem mehr gibt. Es gibt heut« keine schwer absetzbaren minderwertigen Kohlensorten mehr, d«r«n Verwertung zur Schwach- gaserzeugung das Koksofengas freimachen würde und damit die Konkurrenzfähigkeit der auf dem Kohlemrwrkt verwertbaren Kohlen erhöhen könnte. Dos Sortenproblem war einmal ein Problem: heute aber ist das Sortenproblem ein volkswirtschaftliches Märchen. mit dem man sich nicht mehr zu beschäftigen braucht. Die sogenannte Feinkohle gehört heute zu den gesuchtesten Kohlcnsorten überhaupt, die Feinkohlenpreise werden heraufgesetzt, und die Nachfrage kann heute kaum mehr befriedigt werden. Die Zechen selbst sind aber ein einwandfreier Zeuge dafür, daß es kein Sortenproblem mehr- gibt, denn am 10. April d. I. hat rm' Reichskohlenrot Berghaupt- mann Bennhold ausgesprochen, daß das Problem des Kohlen- bergbauss das Absatzproblem überhaupt ist, nicht aber ein Sorten- Problem. Was heute die Ruhrzcchen mit dem Verkauf von Koksofengas auf weite Strecken wollen, ist etwas ganz anderes, und das wird auch ausgesprochen. Die Ruhrzechen suchen heute di� Möglichkeit, die Kohle nicht mehr als Brenn st off, sondern als Roh- st o f f zu verwerten, das heißt, daß man die Vorteile der Berede- l u n g der Kohle dem Steinkohlenbergbau zuführen und diese Vor- teile möglichst umfassend und fruchtbringend machen will. Dem Steinkohlenbergbau drohen aus dem in den letzten Jahren außer- ordentlich überspannten Bau von Koksöfen große Gefahren und Verluste. Von 1926 bis zum Frühjahr 1929 sind 277G neue Koksöfen �errichtet worden mit einem Aufwand von weit über einer Drittel Milliarde. Diese Koksöfenbauten, die eingestandenermaßen aus einer Fehlkonstruktion des Syndikotsvertragcs so massenhaft geworden sind, sollen für die Zukunft rentabel gemacht werden: dieser Re n t a b i l i- s i e r u n g der Koksöfen Mißwirtschaft soll auch die For- cierunz des Gasabsatzes der Zsch«n dienen. lind das ist keineswegs etwas neues. Es war vielmehr der Ausgangspunkt der Ferngas- kampagne der Ruhr überhaupt. Von hier aus entstand erst der gigantische Plan, ganzDeutschland zum Käufer von Ruhrfern- gas zu machen. Als dieser Plan mißlang, als es unmöglich schien, den Plan auf einen Anhieb, in sehr kurzer Zeit, unter Ausschließung jeder öffentlichen Diskussion durchzuführen, wie Dr. Vögler End« 1926 in Berlin es nerlongte, als der Widerstand der Städte wuchs, als die regionale Gruppenfernversorgung imnier größere Ausdehnung ge- mann, da steckten sich die Ruhrzcchen kleinere Ziele. Man begnügte sich mit Liefcrungsoerträgen von sogenanntem Spitzen- oder Zuschußga, und versprach, daß man wirtschaftlich arbeitende Gaswerke keineswegs stillegen wollte. Aber das Ziel der Ruhr- zechen ist dasselbe geblieben. Was man im Augenblick nicht schaffen kann, das will man in einer Gen«rat!onsdau«r, in einer dreißig- jährigen Frist, für die die Spitzenlieferungsvertröge abgeschlossen werden, um so sicherer schaffen. Die Monopolgefahr in der Wärmew'.rtschafl ist ernst. Nun könnte es auf den ersten Blick als volkswirtschaftlich durch- aus vernünftig scheinen, den Stcinkohlenzechen die Chance zu g«b«n. durch Vollauswertung des Rohstoffes Kohle die Rentabilisierung der Kohlenwirtschost zu fördern. Aber gerade die Volkswirtschaft- liehe Betrachtung lehrt, daß diese scheinbare Chance für den Steinkohlenbergbau keine Chance für die Volkswirtschaft ist. Alle Spitzenlieferungsoerträge, die die Ruhrgas A.-G. in Essen anbietet, find daraus abgestellt, von einem bestimmten Punkte an die Absatz- Vermehrung ausschließlich den Ruhrzcchen zugute kommen zu lassen und die industrielle Gasversorgung der Zechengasliefcrung zu rejch'- vieren mit dem Ergebnis, daß nicht nur alle technisch wirtschaftlichen Vorteile der Zukunft den Ruhrzechen allein zugute kommen, sondern daß mit Sicherheit auch späterhin die gesamte Gaslieserung der Vertragsparteien den Ruhrzechen überantwortet wird. Dazu kommt die Gefahr der vollendeten Monopdlisierung der Wärmewirlschaft überhaupt. In dem gleichen Maße, in dem die Ruhrzechen sich in der deutschen Gaswirtschnil ausdehnen, vollendet sich die privatwirtschaftliche Herrschaft auf dem ganzen Gebiet der deutschen Koksversorgung und der Nebenproduktenwirtschast. Es ist vergeblich, wenn di« Vertreter der Ruhrgas A.-G. diese Gefährdung der Gesamtwirtschaft, die in der Monopolisierung der Koks- und Nebenproduktenwirtschast liegt, abzustreiten versuchen. Die Kohle aus einem Brennstoff zum Rohstoff zu machen, hätte unter den heutigen kohlewirtschaftlichen Verhältnissen gar keinen Sinn, wenn nicht auf die Dauer die monopolistische Bewirtschaftung der ge- samten Kohlcnvcrwertung das Ziel wäre. Das Arbeiterin leressc kann keine Monopolwirkschaft wollen. Wenn man das olles berücksichtigt, so ist auch für die Berg- arbciter nicht zu erwarten, daß«ine Ferngaslicferung großen Stils von den Zechen aus di« Voraussetzungen für die Beschäftigung und die Zlrbeitsbedingungcn verbessern könnte. Das Zechen st erben der letzten Jahre, der teilweise Abbau der Belegschaften haben weiß Gott mit der ungenügenden Gasabgabe der Zechen, nachdem von einem Sortenproblem nicht mehr zu reden ist, nichts zu t'in. Das Zechenfterbcn ist eine Folge des internationalen Charakters der Kohlenkrisis und der durch die Verschiebungen in der Wärmewirt- schaft ersorderlich gewordenen Rationalisierung zum Zweck der Kostensenkung. Im Ruhrgebiet beträgt die Gesamtbelegschaft gegenüber 131? nur noch 86 Proz.: dabei ist die Ruhrkohlenförderung heute bereits absolut cbensogroß wie 1913, und auf der anderen Seite hat sich der Schichtförderanteil der llntertogearbeiter gegenüber 1913 aus 133 Proz. erhöht. Da kein Sortenproblem mehr besteht, wie im Reichskohlenrat selbst festgestellt werden mußt«, so besteht auch keinerlei Hoffnung, daß die Belegschaft durch Ferngaslieferungcn vermehrt werden könnte. Was aber durch die Monopolisierung der gesamten Kohlen-, Koks- und Nebenproduktenwirtschaft bestenfalls erreicht werden könnte, das würde sich der Kontroll« durch die Oeffentlichkeit entziehen und würde für die Rentabilisierung einer unwirtschaftlich überspannten Kolswirtschaft geopfert werden. Da aber schließlich die deutsche Gesamtwirtschaft höhere Koks-, höhere Nebenproduktenpreise und schließlich auch höhere Kohlenpreise be- zahlen müßte, würde sich auf die Dauer das von den Ruhrzechen heute über die Ferngaslieserung angestrebte Kohlenmonopol gegen die Bergarbeiter selbst richten müssen. Ist doch die R u h r g a s A.-G. in Essen heute schon eigentlich das Gassyndikat der Ruhrzech«n, ein Gaskontor, zu dessen kartcllmäßig monopolistischer Wirkung nur die ausreichende Größe des Gasabsatzes fehlt und dessen monopolistische Funktion sich in der. Zukunft mit Zechenkoks- und Nebenvroduktenkontoren in demselben Maß vereinigen würde, in dem die ganze Kohlenwirtschost monopolistisch würde. Schon heute aber leistet das Rheinisch-West- fälifche Kohlensyndikat diesem in der Ruhrgas Zl.-G. verborgenen Gassyndikat dadurch Hilfsdienste, daß bei den letzten Kohlenpreis- erhöhunger» gerade die von den lonkurcierenden städtischen Gas- werken gebrauchten Kohlensorten relativ am stärksten verteuert werden. Aber auch vom Standpunkt der Gemeindefinanzen. die unter dem Druck der Reparationen volkswirtschaftlich wahrlich nicht l«icht genommen werden dürfen, bestehen die schwersten Be- denken gegen di« Verkümmerung der öffentlichen Gaswirlschaft. Es ist heute so, und es wird in der Zukunft kaum anders sein, daß die Städte auf jene indirekten Steuern, die sie leider im Verteiler- preis für Gas«rhsben, nicht werden verzichten können. Wird eine kommunale Gruppenfernversorgung durchgeführt, so bleiben olle finanziellen Vorteile des sich erweiternden Absatzes und der tech- nischen Vervollkommnung der Gaserzeugung in der össentlicher» Hand gewahrt, und auf irgendeinem Wege kommen diese finanziellen Vor- teile den Stadt- und Gebietsverwaltungen, wo die Konsumenten sitzen, wieder zugute. Aus der anderen Seite können die Spitzen- lieserungsverträge, wie sie die Ruhr.zechen heute anbieten, zwar im Augenblick vielleicht einen minimalen Preisvorteil gewähren, dieser Preisoorteil aber, bei dem Ruhrangebot an die Hekoga beispielsweise ein halber Pfennig, wäre ein einmaliger und würde sich im Gas- preis kaum selbst auswirken. Dafür ober würden bei steigendem Absatz die Einnahmen der Städte, während sie früher absolut und relativ durch Mehrabjatz und technische Verbesserungen gesteigert werden kannten, nur noch im Prozentverhältnis der Absatzsteigerung wachsen können. Wahrend die ösfentiiche Wirtschost und damit die Städte früher in demselben Maße größere Einnahmen erzielen konnten, als die Veredelung und Verbilligung der Gaserzeugung die Kosten senkt«, werden all« Vorteil« der Kostensenkung in der Zukunft ausschließlich den liefernden Zechen zugute kommet» Dazu kommen die gar nicht absehbaren Nachteile in der Ver- sorgung der Verbraucher und der Industrie, die sich aus der wachsen- den Monopolstellung der Zechen in der Koks- und Nebenprodukten- Wirtschaft ergeben. Es scheint überdies nur so, daß bei Voll- oderSpitzen« liescrungsvertrögen für Ferngas Städte und Städteoerbände Kapital für Rohrleitungen und Kompressoren sparen könnten. Was hier ge- spart zu sein scheint, das äußert sich in dem Verzicht auf sonst sichere Einnahmen der Zukuisst. Volkswirtschastlich ist es ganz gleichgüliig, welche Stelle die Rohrleitungen baut und dafür Kapital aufwendet. Mit Sicherheit wird aber, wenn es die öffentliche Hand statt des auf inonopolistische Ziele bedachten Zechenkapitals tut, und zwar in bewußter Konkurrenz und zur Verhinderung des Monopols, ixr volkswirtschaftliche Nutzen durch die Ausrechterholtung des Kon- kurrenzverhältnisses auf allen Gebieten der Kohlen-, Koks- und Nebenproduktenwirtschast größer sein. Das Gesamlinkeresse muh entscheiden. Das sind auch die Gesichtspunkte, nach denen die Entscheidung in Hessen zu treffen sein wird. Die in Hessen jetzt zu diskutierende, von den Städten Mannheim und Frankfurt vorgeschlagene össent- liche Produktionsgcmeinschaft für das slldwestdeutsche Gebiet unter Heranziehung des Saargebietes aus wohlerwogenen politischen und gebietsnachbarlichen Gründen enthält alle Merkmale, die für eine vernünftige volkswirtschaftliche Lösung charakteristisch sind. Der eben- salls zur Diskussion stehende Lieserungsvertrag mit der Rnhrgas A.-G. enthält all« Merkmal«, die dem volkswirtschaftlichen Gesamt- intercsse heute und in der Zukunft abträglich sind. Von der Eni- scheidung in Hessen hängt«s ab, was im ganzen Rheinland, mos in Süddcntschland geschehen wird. Und so muß gehofft werden, daß nicht kurzsichtige Augenblicksüberlegungen und der Bequemlichkeils- stai»dpunkt zu einer Entscheidung führen, die verantivortunzsbewußt- Vertreter der öffentlichen Wirtschaft und des gesamtwirtschaftlichen Interesses niemals gutheißen können. Reichsbank Ende Juni. Trotz Belastung am Halbjahrsschluß 4? proz.Nottndeckung Unsere Erwartung, daß sich die weitere Entwicklung in der In- anspruchnahm« der Reichsbavk nach der erfolgreichen Beendigung der Pariser Verhandlungen sehr günstig gestalten wird, trifft in einem überraschend starken Maße zu. Die Rcichsbankbilanz zum 30. Juni ist ein« kritische Bilanz in dem Sinne, daß zum Halb- jahresschluß die Gcldansprüche der Banken und öffentlichen Stellen immer besonders stark sind. Der Zahlcnausweis der Rcichsbank ist aber so unverkennbar günstig, daß es nicht einmal eines Vergleiches dieser Ziffern mit früheren Monaten oder Ialiren bedarf. Insgesamt wurden von der Reichsbank Kredite im Betrage von 621,4 Mill. verlangt. Es wurden 415,9 Mill. Wechsel zum Rediskont eingereicht, so daß sich der Wechselbestand auf 2843,0 Mill. erhöhte. Der Bestand an Reichsschatzmechscln erhöhte sich um 103,7 auf 158,1 Mill., und die Lombardbestände stiegen um 101.7 auf 194,3 Mill. Einen erheblichen Teil dieser Krcditaniovderungen wird man aber noch auf das günstige Zinsverhältnis zurückführen dürfen, das für die Kreditnehmer zwischen dem niedrigen Reichs- banksag für Wechsel und Lombardkreditc einerfeils und den bis zum 1. Juli von den Banken erzielten erhöhten Zinseinnahmen andererseits besteht. Daß keinerlei- Geldknappheit gegen- wärtig vorhanden ist, so daß also die heute noch hohen Zinssätze auf internationale Verhältnisse zurückzuführen sind, ergibt, sich daraus, daß in ganz außergewöhnlicher Weife die unverzins- lichen Gelder der Reichsbanttundschaft auf Girokonto sich zum 30. Juni noch um 52,1 aus 631,3 Mill. erhöht haben. Der Notenumlauf ist um 769,6 auf 4836,6, der Umlauf an Rcntenbankscheinen um 25,0 auf 43ß,3 Mill. gestiegen. Die Erhöhung des Papiergeldumlaufes ist größer, als sich aus der Neuanforderung von Krediten und den Einzahlungen auf Girokonto rechtfertigt. Daraus ist der Schluß zu ziehen, daß die von der Reichsbahn in der letzten Juniwoche durchgeführten erheblichen Goldkäu fe teil- weife auch gegen Reichsmark erfolgt sind. Die bedeiitendc Erhöhung der Goldbestände ist denn auch das rvichtigste Meekmol des Halbjahrsu'.timos bei der Reichs- bank. Di« Goldbestände find um 147,0 auf 1911,4 Mill. angewachsen: gleichzeitig sind aber auch die Bestände an deckungssähigen Devisen um 29,7 aus 360,5 Mill. M. gestiegen. Dar- aus ergibt sich eine sehr erfreuliche relative Berstärtung der N o t e n d e ck u n g. Durck Gold aNein waren am 30. Juni die umlaufenden Noten mit 39,5 gegen 43,4 Proz. in der Borwache gedeckt, die Deckung der Noten durch Gold und deckungssähigc Devisen ging von 51,5 auf nur 47,0 Proz. zurück. Das Deckungs- Verhältnis bei der Reichs-bank ist heute wieder annähernd so günstig wie vor etwa einem Jahre, wo die Gold- und Devisendeckung der Noten zum gleichen Zeitpunkt 40,9 P�zz. betrug. Freilich ist dabei zu berücksichtigen, daß es wahrlich nicht nötig gewesen wäre, die Reichsbank in ein« so bedrohliche Lage hineinzubringen, wie es während der Pariser Verhandlungen bedauerlicherweise geschehen ist. Es sieht ober so aus, als ob man sich in Deutschland über die Qualität der Bataschen Schuhe nicht ganz einig ist. Don einem deutschen Gericht soll nämlich eine einstweilige Verfügung erlassen worden sein, durch die der Romeo-Schuh-A.-G,, die Bata gekaust hat und die den Bataschcn Schuhvertrieb in Deutschland durchführen soll, untersagt wird,„bestimmtes minderwertiges Schuhwerk unter irreführenden Bezeichnungen feilzuhalten". Das Gericht hält die Bor- spieg«lung falscher Tatsachen für möglich. Naia in Deutschland. Der tschechische Schuhkonzern Data scheint sich Deutschland als Feld besonderer Aktivität nuegesucht zu haben. Er will nicht nur in Deutschlond Verkaufsfilialen für feine Schuhe errichten, sondern er will mich, wie jetzt gemeldet wird, gemeinsam mit der tschechischen Strumpfsabrik Schwei rdo in Rosenthol bei Tcplitz in Deutsch- landeineStrumpffabrik errichten, die sämtliche Verkaufs- stellen Batos in Deutschland beliefern soll. Mit billigen Strümpfen scheint Bata also die Zugkraft seiner Schuhe noch erhöhen zu wollen. Handelskammern über Wirtschastslage. Allgemeine Besserung.— Hemmung durch teures Geld. Der Iunibericht der preußischen Industrie- und Handelskammern zeigt für nahezu olle Gewerbezweige gleich« Tendenzen: leichte Besserung gegenüber dem Vormonat, besonders im Auslands- geschäft, und noch vorhandene Hemmung infolge Geldknappbeit. Der Massenverbrauch läßt wegen der im Vergleich zu den Vorjahren immer noch hohen Arbeitslosigkeit den wünschenswerten Aufschwung vermissen. Im Bergbau ist ein« Zunahme der arbeitstäglichen Förde- rung gegenüber Mai von 402 517 Tonnen auf 404 214 Tonnen seit- zustellen. Wenn auf dem Inlandsmarkt die Nachfrage der Inbiistrie unsicher ist, so ist das Hausbrandgeschäst infolge der Sommer- r a b a t e recht slott. Der Absatz des Syndikats im bestrittenen Gebiet ist von 128 000 Tonnen arbeitstäglich im Mai auf 132 000 Tonnen im Juni gestiegen, da die Nachfrage auf dem Weltmarkt lebhafter geworden ist. Ein« Belebung des Inlandsmarktes der G r o ß e i s e n- i n d u st r i e hat die angespannte Lage des Geldmarktes bisher verhindert. Aber der Auslandsmarkt erlaubt bei höheren Preisen noch größere Berkäuse, besonders für Roheisen, Halbzeug, Form- eisen und Röhren. Die Lage der M a s ch i n en i n du st v! e hat sich all- gemein gebessert. Nur der Landmaschinenbau erreichte noch nicht den saisonmößig zu erwartenden Umfang. Nachfrage und Absatz in der chemischen Industrie werden als gut bezeichnet. Der e l e k t r o t e ch n i s 6>« n Industrie sind einige größere össent- liche Aufträge erteilt worden. Das Baugewerbe konnte den Ausfall der Fnihjabrsmonate noch nicht einholen, ist auch durch Finan- zieriingsschwicrigkeiten gehemmt. In der Bekleidungsindustrie ist das Sommerqeschökt zu End«. und das Wintergeschäft hat bei der Vorsicht und Zurückhaltung der Abnehmer noch nicht eingesetzt. Die Lage des Schuhhondels ist günstig.„Was die Auslandskonkurrenz betr-iit, so hielt die z». gunsten der deutschen Fabriken eingetreten« Besserung an." Das ist wichtig gegenüber den Zollforderungen der Schuhindustrie. Gegen die Tariferhöhung der Reichsbahn protestiert in einer Eiitschlicß'ing der 2'erband sächsischer Industrieller. weil gerade die sächsisch« Irdustrie als die Hcrstellerin von Fertigwaren in jeder prozentual noch so geringen Tariferhöhuna eine weitere Einschränkung ihrer ohnehin stark beschnittenen Konlurren;- sähigkeit erblicken müßte. Daß Reichstag und Reichsregierung sich gegen eine Tariferhöhung ausgesprochen hoben, wird begrüßt. Opcl will eine Gummlsabrit errichten. Di« amerikanisierte Opelsabrik hat schon bei ihrer heutigen großen Autoproduttion naturgemäß einen ricsiaen Bedarf an Giniimi und besonders an Gummireifen. In der Guinnüreifenindustrie wird die Kartellieruna und MonopoUsierimg imiiicc stärker. Das scheint Opel dazu gebracht zu haben, sich durch eigene Produktion unabhängig zu machen. Verhandlungen mit einer deutschen Gummifabrik haben sich zer- schlagen. Jetzt soll Opel Gelände gekauft haben, um selbst eine eigene Gummifabrik zu errichten. Mittwoch 3.3ufii929 Unterhaltung unö ÄVissen Beilage des Vorwärts Oienvy Melissen: jCß, fßcllH JtfSlffOnSi (Schluß.) VI. Dolores und Miguel überbrachten Don Fernando dos Tele- gramm. Selbst Donna Christina Isabella— sie stammte aus dem Hause Habsburg— hatte sich aus dem blauen Salon in den Staats- ratssaal locken lassen. Sie stand an der Seite ihres Gemahls unter Tiepolos Deckengemälde und schob das stark« Kinn, das Merkmal ihres Geschlechts, noch weiter vor. Das Telegramm war sehr lang. Don Fernando konnte darin keinen Ausammenhang finden, und Do- leres mußte es ihm vorlesen. Es enthielt eine Aufforderung der provisorischen Regierung Siloaniens, so schnell wie möglich zu kommen und den Thron zu besteigen. Es wurde nur ein« Bedingung gestellt: Don Fernando mußte versprechen, niemals an der bestehen- den Verkehrsordnung zu rütteln. Er nahm nun die Stellung ein, die fein Ururgroßvater, der große Feldherr, auf historischen Bildern hatte, und wandte sich an Dolores:. „Das ist ein großer Augenblick. Sie. Ihre Hoheit, werden selbst- verständlich wieder in die Rechte der Altavilla eintreten. Don Fernando wandte— ohne sein« Dcnkmalsstellung zu ändern— den Kopf Miguel zu: „Die Campoamor haben meinem Haus« während der Ber- bannungsjahre treu gedient. Ich wünsch« Ihrer Hoheit einen Be- weis meinsr Gnade zu geben. Haben Sie einen Wunsch, dann bringen Sie ihn vor...* Miguel, in dessen Hirn nur ein Ding Platz hatte: sein« äugen- blickliche Verliebtheit, neigte sich tief vor Donna Christina Jsabella: „Ich bitte um die Erlaubnis. Ihrer Majestät die große Kunst- lerin' vorzustellen, die sich augenblicklich in Venedig aufhält: La bella Aragona.* Donna Christina Jsabella sandte ihm einen tödlichen, aber stummen Blick, drehte sich um und schritt in einer Gangart aus dem Saal, die sie nicht angewandt hatte, seitdem sie in der Prozession der Erzherzoginnen das blanke Parkett der Burg beim Hosball gewandert war. VII. In Don Fernandos Namen sandte Dolores ein Telegramm an Siloaniens provisorische Regierung: Seine Majestär ginge auf ihre Bedingungen em und würde schon am nächsten Tage Venedig ver- lassen. Das Telegramm verschlang das letzte Geld aus dem ab- genutzten, kleinen Portemonnaie der Herzogin von Altaoillm Plötzlich erschollen Rufe vom Kanal her. Viele Gondeln legten gleichzeitig vor den umspülten Treppen des Palazzo Loredan an. Di« Herren der Weltpresse stürmten das Haus. Filmoperateure stellten ungeniert ihre Mückenbeine in dem Staatsratssaal auf. Photographen mit gewöhnlichen Kameras, die sie srech vor die Nase des künftigen Hsrrscherpaares von Silvanisn hiel.en, knipsten los. Magnesiumbomben explodierten. Die Korrespondenten schrien durch- einander, und Don Fernando sagte zu allen: .„Das ist eiu großer Augenblick!" Ps wieder etwas Ruhe im Palast herrschte, ging Dolores zum Herzog von Campoamor, Miguels Dater, hinaus, um mit ihm in seiner Eigenschaft als Oberster Hofmarschall zu besprechen, was jetzt zu tun wäre. Miguel selbst war in Richtung des„Grand Hotel" und der bella Aragona verschwunden. Es stellte sich heraus, daß das Hofzevemoniell im Hinblick auf den großen Hofstab und die reichen Mittel, die im Anfang der Verbannung im Palazzo Loredan vorhanden waren, ausgearbeitet war. Der erste Punkt des Programms war ein Tedeum und ein Dankgottesdienst in der Hauskapelle... aber Dolores hatte schon hier ihre Bedenken: Der«igcne Kaplan und Beichtvater des Hajes, der liebenswürdige Pater Pedro, war kindisch geworden und flocht das lctztemal, als er die Messe las, klein« scherzhafte Bchnerkungen über die Anwesenden ein, nannte Don Fernando Kaiser N«ro und forderte Donna Christina Isobella auf, dos Kinn einzuziehen. Man wollte sich nicht einer Wiederholung der Katastrophe aussetzen. Der nächste Punkt war eine Galatasel. In dem Keller des Palastes lag Wein, den ein« Deputation von Fernandistcn— als es welche gab— von Silvaniens Bergen überbracht hotte: Der Wein sollte erst ge- trunken werden, wenn die Stunde der 5>eimkehr schlüge. Man konnte sich jedoch nicht mit Wein begnügen. Man benötigt« auch etwas zum Essen. Dolores begriff: es mußte gehandelt werden. VIII. Zuerst telephonierte sie an den Bahnhof und bestellte einen Salonivagen, der am nächsten Vormittag an den Schnellzug über Mailand angehängt werden sollte. Dann ließ sie aus einem Geschäft am Rialto Wachslichter, gebraten« Hühner, verschiedene kalte Past«- tcn, Obst und Gebäck nach dem Palazzo Laredan schicken. Sie zog ihr einziges Abendkleid an, mit dem sie immer ins-rheotcr ging: es war schwarz, ohne Aenncl und sehr einsach... Miguel hatte sie nie darin gesehen, aber sie wußte aus der Art, womit andere Männer sie betrachteten, daß es sie kleidete. Man ging zu Tijch unter Beobachtung strenger Etikette. Zum ersten Male seit langer Zeit lag etwas in den Silberschüsseln. Don Fernando erhob beim kalten Huhn sein Glas und trank auf das Wohl des Vaterlandes. Alles war aufgestanden und trank mit, und es sah aus, als ob die Pokale mit den gekrönten Monogrammen mit bitterer Medizin gefüllt waren. Der Wein, der erst zur Stunde der Heimkehr aus den Tisch kommen sollte, hatte zu lange gelagert: er war sauer geworden! Miguel nahm nicht an der Tafel teil. Er stand in den Kulissen im„Teatro Malibron" und sog La bella Aragona» Parfüm ein, während sie nur wenige Schritte von ihm im Rampenlicht— das Lied von dem sündhaften Mädchen sang, das der Madonna Blumen bringt. Cs war ihr letztes Austreten in Venedig. Im Palazzo Loredan war man so taktvoll— noch dem kleinen, bedauernswerten Incident am Nachmittage— gar nicht zu fragen. IX. Dolores stand am Fenster und sah auf den Canale Grande hin- aus. Es war am nächsten Morgen. In dem Palast herrschte die Verwirrung des Aufbruchs. Don Fernando empfing gerade unter Tiepolos Deckengemälde den Präfekten von Venedig, der sich ver- abschieden und die guten Wünsche der Stadt für die Zukunft über- bringen wollte. Fürchterlich war die Nacht unter diesen Menschen gewesen. ?eder glaubte seinerseits, die anderen müßten außer sich vor Eni- zücken sein, während sie selbst allein Grund hätten, sich über das Schicksal zu beklagen, dos sie nun zwang, den Traum mit der Wirk- lichkeit zu vertauschen. Don Fernando willigte ein, zurückzukehren mit Rücksicht auf seine Umgebung. Seine Umgebung verließ Venedig nur mit Rücksicht auf ihn! Dolores erinnerte sich plötzlich eines Aus- fpruches in„Lady Windermeres Fächer". Sie hatte vor kurzem Maria Melato in Oskar Wildes Komödie im„Teatro Goldoni" spielen sehen:„In dieser Welt gibt es nur zwei Tragödien. Die eine besteht darin, nicht das zu bekommen, was man wünscht. Die andere besteht darin, es zu bekommen. Letzter« ist eine wirkliche Tragödie!" X. Ganz Venedig war auf den Beinen oder vielmehr in den Gon- dein, um Don Fernandos und Donna Christina Jsabcllas Abreise zu sehen. Man rief:„Evvioa!" auf dem Canale Grands. Man warf ihnen Blumen von den Balkonen der Paläste zu. Die beiden alten Leute sahen steif wie Säulen auf den verblichenen Polstern. Sie waren nicht daran gewöhnt, draußen im Tageslicht zu sein, und die Sonne stach ihnen in die Augen. Donna Christina Jsabella, die nur im Halbdunkel der Kirche zu verkehren pflegte, hatte das Gefühl, daß ihr Hut nicht ganz der Situation entsprach. Aber sie schob den Unterkiefer trotzig vor, und auf ihn lenkte man zunächst seinen Blick. Auf dem Bahnhof hatte man den königlichen Wartesaal ge- öffnet und rot« Läuser iiber den Bahnsteig bis zum Trittbrett des Salonwagens gelegt. Es waren noch ungefähr zehn Minuten bis zum Abgang des Zuges. Die Photographen arbeiteten unter Hoch- druck. Venedigs zivile und militäre Behörden hatten sich mit wehen- den Federbüschen und goldstrotzenden Epauletten eingefunden. „Das ist ein großer Augenblick," sagte Don Fernando zum Ver- treier des Königs von Italien, und gleichzeitig kam La bella Ära- gona an der Gruppe auf dem roten Läufer vorbei. Sie hatte ihr Gastspiel in Venedig beendet und begab sich jetzt nach Paris. Ihr privater Salonwagen war an den Schnellzug etwas entfernt von dem des filvanischen Königspaares angekuppelt. Dolores sah Miguel an, und Miguel sah La Bella Aragona an. In diesem Augenblick näherte sich ein Eisenbahnbeamte� mit einem Papier in der J>and: Es wäre nur eine Formalität— er grüßte militärisch—, aber man hätte vergessen, den Salonwagen zu bezahlen. Eine Kleinigkeit: 7663 Lire und 85 Centesimi. Dolores und Miguel sahen sich beide an. Don Fernando schielte ängstlich noch ihnen. Er hotte die Summe nennen gehört, und nur mit Mühe— im Hals saß ihm plötzlich ein Kloß— konnte er zu dem Kommandanten von Venedig sagen: „Dos sst ein großer Augenblick..." Donna Christina Jsabella big sich in die Unterlippe. Dos war ein akrobatisches Kunststück, das sie nur im allerhöchsten Affekt aus- zuführen imstande war. Die anderen m der Gruppe hatten nichts bemerkt. Dolores wollt« gerade stammeln, sie würde das Geld schicken, sobald sie an die Grenz« Silvaniens gekommen wären, aber der Eifenbahnbeamte hatte schon die Hand emkossicrend ausgestreckt: „Sie verstehen," sagte er,„der Salonwagen sollte eigentlich schon gestern bezahlt worden sein... Die Bestimmung schreibt vor.." als plötzlich Miguel, dessen Blick wieder zu La bella Aragona man- derte, unterbrach: „Einen Augenblick!" Er lief aus das Abteilsienstcr zu, wo die Sängerin mit dem schlechten internationalen Rus sich vobbeugt«, uen mit einem gut- mutigen Lächeln die Gruppe auf dem raten Lauser zu betrachten. „Wo kauft man überharrpt so einen Hut?" sragtc sie und nickt- fast unmerklich nach der Seide, wo Donna Chiristina Jsabella stand. Als Miguel die Bemerkung überhörte, sagte siea „Sehen wir uns unterwegs?" Und sie streckte die Hand heraus, damit er sie küssen konnte Er sah knabenhaft verliebt zu ihr auf und schüttelte den Kopf: „Wir kommen nicht fort. Wir haben vergessen, den Salonwagen zu bezahlen." „Lieber, darf ich nicht!.... Das ist d«ch eine Kleinigkeit... Tino!" Sie winkte den Sekretär zu sich heran. „Um wieviel handelt es sich?" „7665 Lire und 83 Centesimi!" Die Zahl hatte sich fest:n Miguels sonst nicht sehr ausn-chwefähiges Gedächtnis eingebrannt Der Sekretär füllte rasch einen Scheck auf die„Banca d'Jtalia" aus. Er reichte ihn der Aragona, die ihn weiter an Miguel gehen ließ. „Nichts zu danken. Au revoir, mon ami!" Miguel knüllte den Scheck ün fsiner Hand, während er wieder mit der gleichgültigsten Miene der Welt sich der Gruppe auf dem roten Läufer näherte. Der Eifenbahnbeamte stand immer noch da und fächelte mit seinem Papier. „Bitte!" sagte Miguel und gab ihm die zerknüllte Anweisung. „Und leben Sie wohl," fügte er brutal hinzu. Der Eisenbahnbeamt? verbeugte sich und verschwand. Der König und die Königin von Silvanien, von ihrem Gefolg« begleitet, stiegen in den Zug. Niemand berührt« mit einem Wort den peinlichen Auftritt mit dem Eisenbahnbeamten. Alle wußten, wer die Abreise ermöglicht hatte... keiner wollte es wissen. Aber Donna Christina Isabella sagte zu Miguel: „Sie sprachen gestern von einer jungen Künstlerin, die um ein- Audienz gebeten hatte... erinnern Sie mich daran, wenn mir zu Hause sind." Dolores stand am Abteilfenster. Sie liebte Miguel, und sie fühlte, daß dos Glück für sie darin bestehen würde, ihn nicht.>u bekommen. Aber war das Mück das Wesentliche...? Ein Signal ertönte. Der Schnellzug verließ Venedig in Richtung Silvanien. tA»» dem SSnischen Übersetzt von vieteich Dozel.) Muri Utayrr Xottrmunä Sbiehier auf Steifen Seiner Darstellung des Rheinfalls bei Schaffhausen(„Reise in die Schweiz", 1797) hat Goethe die Worte vorangestellt:„Will- kommen ist der Dichter, der durch Beschreibung in eine Gegend uns versetzt, er nwg nun unsere Erinnerung wieder beleben oder unsere Phantasie ausregen: ja, wir freuen uns sogar, mit dem Buche in der Hand, eine wohlbeschriebenc Gegend zu durchlause»: unserer Bequemlichkeit wird nachgeholfen, unsere Aufmerksamkeit wird er- regt und wir vollbringen unsere Reise in Begleitung eines unter» haltenden und unterrichtenden Gefellschosters." Poetisch fruchtbare Reisen setzten erst mit Goethe ein. Zunächst war es das Erhabene und„Wildromantische" und zugleich von der Zivilssation noch Un- berührte, das, von Rousseau zuerst bewußt verherrlicht, begeisterte Naturen anlockte. Es begann die Zeit der Waldpoesie, in der die Vorliebe für Schauriges überwog: es folgte die Schwärmerei für exotische Ge- genden, insbesondere die üppigen jungfräulichen Inseln in den fernen Weltmeeren, und endlich fanden die Wanderungen im Hochgebirge mit all ihren Abenteuern und Gefahren ihre Lobsänger. Unter diesen gedenkt man eines Solomon G e ß n e r, Albrecht von Haller, Klop stock und anderer. In der Natur zu sehen, sich nicht an Acußerlichkcitcn empfindsam zu klammern, dazu»varen dies« Dichter noch nicht fähig. Auch Werder noch nicht, wie das Tagebuch seiner Reise(1769) von Riga nach Paimboeuf an der Westküste Frankreichs beweist: es ist reich an schönen Gedanken. arm jedoch an charakteristischer Darstellung der Landschaft. Erst Goethe war es, der die Natur wirklich schaute und sie gegen- ständlich schilderte, wenn auch anfänglich nicht ohne Sentimentalität, wie„Die Leiden des jungen Wcrther" bekunden. Goethe war auch der erste deutsche Dichter, der die unvergängliche Schönheit der Schweizer Berge ohne belehrende oder rein sentimental« Neben- absichten beschrieb. Damals wurde die Schweiz, die Goethe dreimal bereifte, Modeland, und ist es bis heute geblieben. Am meisten aber hat ihm das damalige Italien gegeben, das der Dichter mit weit- weitem Blick umfaßte. Ihn fesselten vor allein die Ileberreste der Antike und die Bauten und Kunstwerke der Renaissance: ober auch die Formen der Landschaft, die Eigenarten der Pslanzen- und Tier- weit, das Leben und Treiben des südländischen Volkes beobachtete er verständnisinnig. Seine Interessen vermählten Natura und Kunst und wiesen späteren Geschlechtern den Weg. Auch für viele nachfolgende Dichter wurde der Besuch Italiens von entscheidendem Einfluß auf ihr Schassen: Gras August von Plate«, Hermann Lingg, Paul Heyse, Richard Boß und andere. Der erste deutsch« Reisende, der es wagte, Kunst und Altertum aus seinen Betrachtungen auszuschalten und nur Land und Leuten sich zuzu- wenden, ist Johann Gottfried S c u m e gewesen. Seine Betrach- tiingsweise hat Nachahmer gefunden, wie den sonst ganz anders ge. arteten Friedrich Hebbel, der sich von seinem poetischen Realis. mus leiten ließ. Heine, der Schöpser der Reise-,, Feuilletons", gab sich als reisender Dichter besonders charakteristisch. Er sah Italien mit den Augen eines Vertreters des jungen Deutschland: er machte bei der Beschreibung des Landes zugleich Propaganda für fein« liberalen Ideen. Das Zeitgenössische steht in Heines Reise- bildern im Vordergrund«: die meisten seiner Prosaschriften fmii daher der Vergessenheit anheimgefallen. Mit anderen Augen ficht sich Scheffel in Italien um: mit liebevollem Humor versenkte er sich in Sitte und Lcbcnsgewohnheiten der Italiener. Bekanntlich hat er auf Eapri seinen„Trompeter von Säkkingen" geschrieben: er gehörte übrigens schon zu jenen Dichtern, die das Reisen mit schien ständig wechselnden Eindrücken als Schaffensantrieb notwendig� brauchten. Eine für den Seelenforscher ungemein reizvolle Gestalt ist Äi- kolaus L e n a u, den sein unstetes, selbstquälerisches Temperament einem utopistifchen Ziele zutrieb, das er im„freien" Amerika zu erblicken glaubte. Grenzenlos enttäuscht kam der weltschmcrzliche Träumer aus dem Land« der ungeahnten Möglichkeiten, aber auch der rauhesten Wirklichkeit, nach Deutschland zurück. Di« Reise hatte ihn 1832 über das Weltmeer geführt, dos 5)eine bereits 1823, als er sich zur Kur in Norderney aufhielt, in seinen Nordseebildcrn mit großer künstlerischer Meisterschaft besungen hatte. Besonders die wechselnden persönlichen Stbnmungen, die der Anblick des uncnd- lichen, unruhevollen Wassers im Menschen weckt, fanden durch Heine einen tiefen poetischen Ausdruck.— Mchtensch ergebnislos war hingegen die Weltreise, die Eh amissa von 1813—1818 unter. nommen hat. Er war auf ihr ganz Naturforscher gewesen: erst viel später entstand seine Ballade„Solas y Gomez" als Frucht der ein- stigen Reife über den Ozean. Unter den modernen Poeten häufen sich die Sänger berauschen- der Schönheit tropischer Gegenden: 5)anns Heinz Ewers, Maxi- milian Dauthendey. Hermann Hesse, Alfons Paquet, Armin T. Wegener gehören zu den bekanntesten. Ihre Werk« haben den Kegenstandsbereich der Dichtung anregend erweitert. Sie verdanken ihren weiten Horizont der aufs höchste gesteigerten Technik des Reiseverkehrs, die nach Eroberung der Luft das Märchen vom Siebenmeilenstiesel verwirklicht. Jlasbiumen Ihrer ausgeschiedenen Düfte wegen kann man Aristolochien und Arazeen auch Aasblumen nennen. Im engeren Sinn« gilt dieser Name ober für die Stapelien, eine Familie der Seidenpslanzen oder Asklepiadazeen, die in Südafrika, im Kaplande, heimisch sind. Sie haben sternförmige Blüten, die sehr groß werden können, wie bei Stapelia kiranclillora. In der Blüteirsävbung herrschen schmutzig. braune, trübsleischrote oder purpurne Töne, gescheckt mit grünlich- gelb, vor: also wiederum Farben, wie sie Leichen oder Aas«igen sind. Den blumenbesuchenden Insekten(Wespen. Fliegen, Käsern) soll auch derartiges durch diese Farben vorgetäuscht werden, und dies gelingt zusammen mit dem entsprcchcirden Duft auch vorzüglich. Es kann sogar vorkommen, daß Schmeißfliegen ihre Eier auf der Blume ablegen, was sie doch sonst mir an Fleisch oder Aas tun. Große Fermvirkung haben diese trüben Farben für das Jnfektenaugc wohl nicht: um so mehr muß die Anziehung dem Aa-dust zu- geschrieben wenden, der bei manchen Arten wahrhast siirchtbor und in weitem Umkreise spürbar ist. Er gleicht dem Geruch von faulem Fleisch, foulen Fischen, faulem Tabak oder erinnert an Jauche, Kot. an sich zersetzenden Harn. Gewiß, es ist gerade keine verlackende Speisekarte, die uns hier vorgesetzt wird. Aber was unseren Rasen widerlich und abstoßend erscheint, braucht noch lange nicht gleich- wertige Empfindungen am Geruchsorgan der Infekten auszulösen, unter denen es eben auch ganz besonders spezialisiert« Gastronomen. wie die Aasinsekten. gibt. Dies« Düste«mstehen bei der Zersetzung ciweißartiger Verbindungen in der Blüte: sie enthalten als Haupt- bestandteil ein« unter dem Namen Jndol bekannte chemische Verbindung und werden deshalb als indoloide Düste bezeichnet. Schön« Stapelien-Arten werden in Gewächshäusern bei(Suphorbien und Kakteen gezogen. Manche sind aber von einem derart fürchterlichen Geruch umwobcn, daß man sie allenfalls noch im Freien, nicht aber im geschlossenen Räume halten kann. parieinachrichien dsfenbongea fttt tiefe SRubrtI find Berlin SW 6Z, Liadenftraße Z, fürGroß-Verlin stet» an da» Bezirkefelretariat 2. Hof, 2 Treppe» recht»,>» richten. Achtung, Kreisleiter Wir bitten, dem Vezirkssekrelariak. Bureau Mischer, umgehend die Lokale für die am Mittwoch, dem 10. Juli, stattfindenden Kreismltgliederoerfammlungen mitzuteilen. Der Bezirksvorstand. Z.»rei, Tiema'tk«. Donnerstag, t. Juli, 20 Uhr, bei Krüger, Puilitz» strahe 10, wichtige Sitzung der Seschäftsleitung mit den 1. Abteilungs- leitern und den Äbteilungslossierern. U. Jitei» NeuiöNn. Erweiterte Kreisoorstandssitzung in alier Zusammensetzung am Tonnerstag, 4. Juli, itzii Uhr, an betannier Stelle. 24. Abt. Die Arnppenfllhrer werden ersucht, sofort neues Markenmaterial von Ziagrodski abzuholen. l«». Abt. Wittenau. Leute, Mittwoch, Z. Juli, 20 Uhr, bei Rutsch, Oranien- burger Straße, Vorstandssitzung. Alorgen, Donnerstag, 4. Juli. 33. Abt. 20 Uhr bei Lojack, Beymestr. 8. Funktionärsitzung. ZK. Abt. 19� Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 27, Funktionärsitzung. tt4. Abt. Lichtenberg. 19�2 Uhr bei Schwarzer, Gabriel'Max-Etr. 17, Bor- ftanbs» und Funktionärsitzung. Areilag, S. Juli. 3. Abt. Ig'j Uhr im(brwertscho-tshaus, Engelufer 24—25, Saal S, wichtige sZunktionärsttzutig. Jeder Vezirk muß unbedingt vertreten sein, RS. Abt. Tempelhos. 20 Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 100, Funk- tionärsttzung. ItS. Abt. ftöpenitf. 1915 Uhr bei Stippekohl. Schönerlinder Str. 5, Funk. tionärsttzung. tlü. Abt. Lichtenberg. l9H Uhr bei Lenz, Mogdalenenstraße, Funktionär- sttzung. Wichtige Tagesordnung. 124. Abt. Mahlsdoes. 20 Uhr bei Anders, Vahnhosstraße, Funktionärsttzung. Arauenveranstaltungcn. z. Krei« Tiergarten. Vie Dampferfahrt am Dienstag. 9. Juli, gcht nicht nach Woltersdorf, sondern nach Ritdersdorf, Kalkberge, Restaurant„Glück auf". Abfahrt pünktlich 8 Uhr Bgrenbrücke, Kirchsir. 13. T-tt Dampfer legt Grobenuser noch einmal an. Karten sind zum Preise von 1 M. (Kinder die Hälfte) bei den Mteilungsleiterinnen und der Kreisleitorin All haben. U. Krei» Tempelhof. Alle Genossinnen treffen sich am Donnerstag, 4. Juli. 15 Uhr, in Tempelhof. Manteusfelftraße, im Dirkenrväldchen, zum Kon, fum-Kaffeckochen. 74. Abt. Achtung, Genossinnen! Unser Ausflug nach der Pfaueninsel find.t der Ferien wegen nicht am 4. Juli, sondern am Donnerstag, 11. Juli, statt. Treffpunkt 14 Uhr am Reuen Rathaus, Nachzügler treffen sich in Nikolskoc. Arbeiterwohlfahrt. unter Berücksichtigung der Tagung in Frankfurt a. M. 2. Aussprache. 3. Be. fprechung über die Sommerarbeit. 4. Verschiedenes. Iungsozialiften. (tzmppc-ieuicHn. Heute, Mittwoch, fällt unsere Vcronstaltung aus.?!ächste Zufoinmenkuuft erst»ach dem Wiener Iugcndtag.— Sruppc Baumfchulenweg. Heute, Mittwoch, 19'/. Uhr, im Heim Ernststr. 16, tagcspolitifcho Fragen.— Gruppe Süden. Da wegen organifalorifchcr Frage der Heitere Abend aus- orfallen ist, findet er am Donnerstag, 4. Juli, 19',p Uhr, im Jugendheim Dorckstr. 11 statt.(Säfte sind stets willkommen. Arbelksgemeiuschaft der Linderfreunde. WW of Rathaus-Reulölla.)— gleichen Ort« eine Helserbesprechnug statt, in der die letzten wich» tigen Bekanntmachnngen erfolgen sollen. De, Zelllageranzschnß. �EBl Gruppe Friedrichihagen. Freitag. 5. Juli, 15 Uhr. Treffpunkt Tunnel. Bei ungünstiger Witterung gehen wir ins Heim. Gruppe Landsberger Platz. Heute. Mittwoch, Z. Juli. Spielen auf dem Sportplatz im Friedrichsbarn, 1&— 20 Uhr. Treffen der Gruppe 1764 Uhr Lands. berger Platz.— Achtung Eltern! Während der Ferien hat die Gruppe fol- gende Veranstaltungen, Jeden Montag 18—20 Uhr im Jugendheim Diestcl- menerstraße. Jeden Mittwoch 15—20 Uhr Spielen auf dem Sportplatz im Friedrichsbain. Die Filmabende Dienstags und die Faikenabcnd« Freitags fallen während der Ferien aus.— Am 11. August, dem Geburtstag der Rc. publik, kommen etwa 150 000 Rrichsbannerkameraden noch Berlin. Wer von den Eltern in der Zage ist, vom 10. bis 11. August einen Rcichsbannennann im Quartier zu nehmen, melde sich. „Die Tragödie der sechs Matrosen von HL 4." An diesem Abend hatte der Berliner Sender seinen Gartenlaubenstil ver- loren. Endlich einmal diente diese modernste Errungenschaft der Technik wirklich ihrer Gegenwart. Zeiterlebnis zitterte durch den Raum. Es gehört Mut dazu, die Wahrheit zu hören. Mancher brave Spießbürger mag sich vor ihr die Ohren oersiopst und den sanften Kitsch so mancher anderer Radioabende herbeigewünscht haben. Sein Heldenideal stirbt mit edlem Patbus im Kriegsdienst..Kein schönerer Tod ist aus der Welt". Das Sterben der sechs Matrosen im Unterseeboot vaßt nicht in diese Vorstellung: hier ringen sechs Menschen verzweifelt niit dem Tode, in furchtbarem Kampf gegen den Wahnsinn ihres Sterbens, Meter über ihnen warten die Welt, der Somnicr, die Liebe. Kriegswahnsinn und Gewohnheit bat sie auf das Unterseeboot getrieben. Die ganze Sinnlosigkeit ihres Kriegsdienstes aber geht ihnen im Sterben auf, in das durch Radio wie grausigster Zynismus von der Oberwelt die Kunde dringt, daß gerade jetzt das neue Floltenbauprogramm bewilligt wurde. Die Aufführung war von stärkster Eindringlichkeit, die Sprecher schienen ini Innerste» mit ihren Rollen verwachsen. In lückenloser Knapp- heit rollte sich das Drama ab. Die Regie war meisterhafk. Kein überflüssiges Beiwerk, kein falscher Ton minderten die Wucht der Tragödie. Vortrag am Nachmittag:.�ilfel Ertrintungs- g e f a h r!" Erich Marx vom Zlrbeiter-Wasserrettungsdienst wies eindringlich auf die Gefahren hin. die das Wasser dem des «chwimmens Unkundigen bietet. Wer nicht als Schwimmer wirklich sicher ist, sollte deshalb auch kein Boot besteigen. Der Dortrogende forderte mit Recht, die Ausbildung im Schwimmen als Pflichtiach im Schulunterricht einzuführen. Tcs. | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation| 25. Abt. Unser lieber, verehrter Genolfe Hermann Hoffmann, Lippehner Straße 25, ist infolge Herzschlages im Alter von 58 Zahren plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenke». Einäscherung am Donnerstag, 4. Juli. 18H Uhr, im«rcmatorimn Gcrichtstroße. �DSoziaWscheArbetterjugendGr.-Verlm | Sinsen düngen für diese Rubrik nur an da« Zugendsekretorlai | Berlin SW68. Ltnvenslraße 3 Achtung, Kassierer! Heute Ausgabe des IuIi�Iugend voran" und dee „Arbtitcr-Iugend" zwischen 17 und 19 Uhr. Abrechnung der Beitragsmarken« Bezirksvorstanda-Sitzuug heute, pünktlich 19V: Uhr, im Heim Lindenstr. 4» heule, tg'o Uhr. Abkeilungsmitgliederverfammiungen: Rrtrnaplotz: Schule Elifabethkirchbr. 19.- Westen 1: Seim Bulowstr. 85. — Aedding! Heim Turincr Ecke Secstraße.— Petersburger«lertel! Heim Tilsiter Str. 4.— Rcirbenbcrger Viertel: Heim Britzer oft. 80.— Ehar« lotteuburg.Rord: Heim Olbersstratze.— Spandau: Heim Lindenufer 1.— Tempelhos: Heim German iastr. 4—6(anschließend Bunter Abend).— Falten» berg: Gutshof Eartenstadtstraße.— Friedrichshagea: Heim Friedrichstr. 87. Friedricksfelde: Seim Alt-Friedrichsfelde 43.— Lichtenberg.Mltte: Heim Scharnweberstr. 29. Erscheinen aller Mitglieder ist wegen Neuwahlen Pfllcht, — Reu-Lichtenberg: Heim Hauffstraße. Vorträge,Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„SchitJarz-Rok-Gold". Keschältsstelle: Berlin S 14. Tebaftianstr. 87/88. Hol 2 Tr. Mittwoch, 3. Znil. Tiergarten. Kam. Stephan. 20 Uhr Kamerad- schaftsoersammlung bei Schlesinger. Lübecker Str. 8. Vortrag Kam. Eberl,«renzderg. Zug 2 bei Krepp, Planufer 75. Zug 8 bei Adam, Lübbener Straße 80. Vortrag. Schoneberg. Friedman. Kam. Friedenau. 20>,h Uhr Ver. sammlung bei David, Bornstr. 5.— Donnerstag, 4. Znli. Treptow(Dtts- verein). Handbollspirler ab 17 Uhr Training in Wuhlheibe. 2. Mannschaft fvielt von 19—20 Uhr gegen Reinickendorf 2. Wittenau(Kameradschaft). 20 Uhr außerordentI!ck>e Mitgliederverfammlnng bei Albert Schulz, Wittenau, Haupt. straße 56. Vorstandswahl, Einquartierung, Verschiedenes. Erscheinen Pflicht. — Freitag, 5. Juli. Tiergarten. Kam. Arminins. 20 Uhr Versammlung bei Schmidt, Wielefstr. 17. Prenzlauer»erg. 19«. Uhr Antreten Bahnhos Gesund. drmme». Pslichtreranstaltnng in Reinickendorf. Krenzberg. Versammlungen um 20 Uhr: Zug 1 bei Seehak. Willibald-Alexis-Str, 5. Zug 6 bei Leuschner, Dieffenbachftr. 54. Rrukölln-Britz. 2. Kameradschaft, Gruppe Rudow. 20 Uhr Versommlung bei Krüger. Rudow. Bendastr. 71. Regr Beteiligung der 2. Käme. radschaft erwünscht. Retniikenders(Ortsverein). 196< Uhr Antreten Schweden. Ecke Ebrtstianiastraße zum Umzug in Reinickendorf. Pflichtneranstaltung. Di« arbeitsfreien Kameraden sammeln sich um 17 llhr am neuen Ttraßenbahnhof, Müllersiraßr. zur Grundsteinlegung des Friedrichs- Ebert-Hofes. Die Mitglieder, Versammlung der Kameradschaft Reinickendorf-Oit. fällt aus. KameraMchast Hermsderi. Abfahrt 19,03 Uhr ab Bahnhof Hermsdorf. Marineabteilung. 20 Uhr Schwimmen, Bootshaus Tegel. Uferstr. I.— Lichtenberg. Achtung! Die Funkt'onärversammlnng am Tonnerstag. 4. Juli findet nichjt statt. Neuer Termin wird noch bekanntgrgeden. Drntlcher Arbeitcr-Mandoliniflen-Bund, Ortsgruppe Moabit snarm. Man- dolincn.Klub Eiern). Uebunasabende jeden Donnerstag von 20—28 Uhr. Ar. 177 t Z> r r- � e»?' v«-s.'w.- 7. �/ 0. 1?./ C-l I sm a v* /TT � V» 4 � wartet der Porstand. Reichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegrrhinter. blieben». Osten 5. MiKwoch, 3. Juli. 20 Uhr, Vereinslokal Schmidts Gesell. schaftshaus, Fruchtftr. S6a, Vortrug:„Die Heilwunder drr Erdheilkunde�. ..tinglish Co irersational Club iounded 1878." Meetings every Friday p.8 m- Cafd Josty. Potsdamer Platz Lccturcr: Mr. Fuchs on: Japan". Qucsts, Ladies i Gentlemen, are welcome. Jumper seide, mitGfirteL fe aus kein gestreifter Kunstseide, mit Gürtel, fesch verarbeitet... Stück UlActcm arm«llos- WCftiCiB aus Tricolctte, mit Gürtel n. Täschchen, gute Passform, Stück 490 5� Stalsaren-Biusen Handarb�Yordertcil n.Aermel reich bestickt,Si. Kittel und IdeTdchen 1»« aus weissemn. farbigem Bipe, für ca. 1-4 Jahre, St. 1 Waschkleider �„.nS75 verschied. Ausführungen, für ca. 5- 12 J., Stück Backfisch-Mäntel 7» imprägniert, hübsche Karomuster..... Stück m Smen-Mjdll Voile-Kleider...2" Vollvoile-kleider..... 375 Tricolette-kleider... 550 Frauen-Kleider s-s 975 Kleider I lcot Charmeuse»...»11�� Voilvoile- Q5 Bordüren..........................Meter �WFt. 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