BERLIN Freitag s.M 1929 10 Pf. Nr. 310 B 154 46. Jahrgang. erscheint täglich auterGonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezuzsprei« beide Ausgaben 8üPf.»ro Woche, S,«lM. pro Monat. Slcdaktion und Tkredition; Berlin SW es, Lindenßr.s «»eisenpreit! Die einspaltige Nonpareilleleile so Pf., Reklamezeilt SM. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkonto: Vorwürts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. Z7SSS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Oer WeiHenseer Krauenmörder Em polnischer Arbeiter geständig./ Bruder der Getöteten enthastet. Die Wetterkatastrophe im Süden. Zwei Berliner Primaner im Chiemsee ertrunken. heute vormittag.'st es der Berliner Kriminalpolizei gelungen, den wirklichen Täter des Weihenseer Frauenmordes zu verhaften. CEs ist ein 2Zjahriger wohnungsloser Pole Marian Przybylski. Der Mörder wurde In der Behausung seiner Freundin in Malchow ermittelt.( Man sagte ihm die Tat aus den Kops zu und unter der Wucht des gegen ihn vorgetragenen Beweismaterials legte er sofort ein Geständnis ab. Przybylski hatte in einem Restaurant von einem anderen Manne im Lause eines Gespräches erfahren, dah die Händlerin Ssnger über größere Darmittel verfüge, die sie in ihrer Wohnung aufbe' wahrt halte. Die beiden kamen schließlich überein, ein„Ding zu drehen� und das Geld zu rauben. Przybylski wollte den Raub aber allein ausführen und hielt sich in der Mordnacht längere Zeit in der Nähe des Grundstücks auf. Er ist auch der Mann, der von dem Führer eines Sprengwogens beobachtet worden war. Der Täter hielt sich dauernd im Schatten eines Hauses auf. Er hatte auch allen Grund dazu, denn fein Gesicht ist über und über mit Sommersprossen bedeckt und er hat g r e l l r o t c s Haupthaar. Schon das allein hätte genügt, um auf Grund einer Personalbeschreibung«on etwaigen Zeugen schnell aus seine Spur zu tonunen. � Nach seinen Angaben schlug er sein �Zpfer mit dem Pflasterstein nieder, durchwühlte die Behältnisse und er- beutete äl>0 Mark. Mit dem Gelde suchte er dos Weite und taufte sich am anderen Morgen in der Nähe des Schlcsischen Bahn- hols neue Kleidung. Bon dort begab er sich nach dem Friedrichs- Hain, wo er in einem Gebüsch seine alten abgerissenen Kleider mit den neuen wechselte. Einen Teil des Geldes will er in Gastwirt- schoflen verjubelt hoben. Der Töter wird wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tages dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Der bisher im dringenden Verdacht der Täterschaft stehende Druder der Ermordeten. Alfons S e n g e r, der bis zur Stunde immer wieder seine Unschuld beteuert hatte, obgleich die Indizien schwer gegen ihn sprachen, ist auf Veranlassung der Kriminalpolizei von der Staatsanwaltschaft sofort auf freien Fuß gesetzt worden. * Wie weiter mitgeteilt wird, ist die Polizei durch den Mann, der mit Przybylski die Unterhaltung geführt hatte, auf die richtige Fährte des Mörders gekommen. Der Mann, der selbst völlig unbeteiligt an dem Raubmord ist, erschien bei der Polizei und gab eine genaue Personalbeschreibung des Polen. Gestern abend wurden aus diesem Grunde zahlreiche Gastwirlschaften abgesucht, ohne daß es gelang, den Gesuchten aussindig zu machen. ?n Malchow konnte jedoch der Aufenthaltsort des Mörders aus- sindig gemacht werden, wo er dann auch verhaftet wurde. Wie die Tai geschah Bei der Schilderung seiner Tat gibt Pr. an, daß er von einem Hausen Pflastersteine, die in der Schönstraße ausgestapclt waren, einen Stein an sich nahm. Er mußte längere Zeit vor der Laden- lür warten, denn der Sprengwagensührer kam immer wieder vorbei. Dann schlüpfte er unter der halb hochgejchobenen Jalousie hindurch und betrat leise den Laden. Die Kasse war aber wider Erwarten leer. Durch die Gardine, die die Stube von dein Laden trennte, sah er das elektrische Licht schimmern und schlich sich in dos Zimmer. Fräulein Senger war auf der Bank halb sitzend, halb liegend, eingeschlafen: sie erwachte aber von den Schritten des Pr. und wollte aufspringen. Da packte er seinen Stein fester und hieb damit auf den Kopf der Frau ein bis sie regungslos von der Bank fiel und auf t�m Fußboden liegen blieb. Mord an einer prostiiuierien. Eine Bluttat in Oor.'mund. Dortmund. 5. 2uli. Gestern mittag kurz nach 12 Uhr wurde in Dortmund eine furchtbare Bluttat verübt. Aus dem Hause Linienstraße 1. das nur von Prostituierten bewohnt wird, hörte man am Fenster gellende Hilferufe und sah eine unbekleidete Frau, die aus einer klaffenden halswunde stark blutete. Sie versuchte, aus dem Fenster zu klettern, brach aber zusammen, ehe sie ihr Vorhaben ausführen konnte. Als man wenige Minuten später in das Zimmer eingedrungen war, fand man die Frau t o t am Boden liegen. Einige Meter von der Leiche lag der Mörder, der ebenfalls aus einer großen Schnittwunde am hals blutete und bereits tot war. Bei dem Mörder handelt es sich um den Arbeiter Franz h u ck s ch l a g aus Menden-Holzen, die Frau ist die prostituierte Luise w e i t j ch e l au» Lochum. Währeich heute morgen zunächst nur ollgemeine Nachrichten über den Wirbelsturm in Süddculschlond vorlagen, werden jetzt von allen Seiten Einzelheiten gemeldet, aus denen hervorgeht, daß das Unwetter in der Tat viel verheerender war, als man ur- sprünglich annahm. Schwer gelitten haben die O b e r p s a l z, das Ehiemseegebiet und das Bodenseegebiet.'Aber selbst der Freistaat Sachsen und die Gegend um L i e g n i tz sind schwer mitgenommen worden. Leider sind eine Anzahl Menschenleben zu beklagen und viele Verletzungen zu verzeichnen. Allem Anschein nach haben bei einem Bootsunglück auf dem Chiemsee zwei Berliner Primaner ihr Leben lassen müssen. Schweres Vootsunglück auf dem Chiemsee. M ü n ch e n. 4. Zu«. Wie aus Priem am Chiemsee gemeldet wird, ging am Donnerstag nachmittag V26 Uhr ein Sturm von unerhörter Wucht, aus Bordwesten kommend, über dem Chiemsee nieder. Das Unwetter sehte unvermittelt rasch ein, so daß eine Anzahl der Segelboote, die sich in dem unter normalen Verhältnissen ziemlich geschützten Znseldreieck Fraueninsel-Sroulinsel-Herreninsel besanden, nicht mehr rechtzeitig an Land kamen. Es waren zwei 40-Oua- dratmeter. Schärenkreuzer und vier Zollen der in Stock ansässigen hanseatischen Zachtschule, die von einem Ausslug aus die Fraueninsel zurückkehrten. Während es den beiden großen Booten gelang, unter Segel Land, und windschuh zu ge- Winnen, mußten die vier Zollen das Tuch reffen. Die Zollen trieben zunächst ohne Segel vor wind aus die Südostspihe der Herreninsel zu, und es war anzunehmen, daß sie unbeschädigt das Land er- reichten, was folgte, steht in der Geschichte des Segelsports fast einzigartig da. Trotz eingeholten Tuches brachte ossenbar eine der vielen aus dem See sichtbaren Wasserhosen die vier Boote zum k e n l e r n. Der ausgewühlte See verhinderte die Mannschast, sich an den wälzenden Booten festzuhalten. Die Leute muhten l mm er wieder los lassen, um nicht in das Tauwerk ver- wickelt zu werden. Zehn von der zwölf Mann starken Besatzung der Zollen konnten sich unter Ausbietung aller Kräste so lange halten. bis die Boote in Landnähe trieben. Sie wurden zum kleineren Teil von Ruderbooten ausgesischt, die übrigen bekamen Boden unter die Füße. Dagegen ist das Schicksal der beiden Primaner Bruno Dewitt- Berlin und C r n st S ch e s s l e r. B e r l i n bis zur Stunde noch nicht bekannt. Letzterer wurde vom Boot abgetrieben und von seinen Sameraden nicht mehr gesehen. Dewitt wurde-in Stück von seinem Bordkameraden geschleppt, verlangte dann aber selbst, losgelassen zu werden und wollte schwimmend das abgetriebene Boot wieder erreichen. Das ist ihm nicht gelungen. Die gekenterten Boote trieben später unbemannt in den sogenannten Weitsee. Die Bergung konnte bei dem noch lange stehenden Seegong noch nicht vorgenommen werden. Eine Anzahl von Ruderbooten, die sich beim Eintreten des Gewitters noch aus dem See besanden. wurden glücklicherweise von den noch unterwegs befindlichen Dampfern gesichtet und die Znsassen meist in letzter Minute gerettet. Auch die Oberpfalz heimgesucht. Die bayerische O b e r p f a l z ist ein in Norddeutschland ziemlich unbekanntes Gebiet: es wird vom Fichtelgebirge, dem Fränkischen Jura, vom Böhmer Wald und der Donau begrenzt. Mitten hindurch sührt die hauptbahnstrecke Berlin— München. Auch dieser Teil Bayerns, ein für die Touristik noch unerschlossenes Stück Deutschland, ist von dem Unwetter schwer heimgesucht worden. Ein über den Bezirk Nabburg niedergehendes Hagel- w e t t e r vernichtete in der Gemarkung Glaubendorf die Hälfte der Ernte. Das nach dem vorjährigen schweren Brandunglück wieder neu aufgebaute Dörfchen Luhe hatte stark unter dem Hagel- schlag zu leiden. Viele Dächer wurden zerstört. Hagelschäden wer- den noch aus den Städten W i l d e n a u und Vohenstrauß gemeldet. In Vohenstrauß hauste das Unwetter erbarmungslos. Die auf dem Felde befindlichen Landleute trugen Verletzungen da- von und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auch die Tierärzte hatten alle Hände voll zu tun. In Vohenstrauß selbst wurden die auf der Westseite gelegenen Gebäude schwer beschädigt. Kein Fenster ist dort unversehrt geblieben. In einem Nabburg passierenden Schnellzug wurden fast olle Fenster zertrümmert. Auch über die Gegend von Sulzach und Rosenberg in der Ober- pfalz ging ein schweres Gewitter mit katastrophalem hagelschlag nieder, hühnereigroße Hagelkörner, wie man sie seit Menschen- gedenken nicht mehr beobachtet hatte, zerschlugen Dächer und Fensterscheiben. Auf den Straßen von Sulzbach und Rosenberg liegen die Dachziegel in großen Hausen. Manche Häuser wurden völlig abgedeckt. Die Schloßen verletzten aus Wiesen und Feldern befindliche Personen. Der Schaden ist sehr groß. Viele Einwohner, denen das Unwetter in den Dachwohnungen die Decke fortgerissen hat, sind obdachlos. Salzburg in Wirbelsiurm- Todesopfer. Wien, 5. Juli. Stadt und Land Salzburg sind am Donnerstag von einer furcht- baren Wirbelsturinkatastrophe heimgesucht worden. In Salzburg verdunkelte sich plötzlich der Himmel. Staubmassen wurden vom Sturm in die Luft getrieben, so daß man nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Don den Dächern wurden Ziegel gerissen, von den Fenstern Rolläden auf die Straße geschleudert. Die Fußgänger mußten sich an die Bäume klammern, um nicht umgeworfen zu wer- Sludenien rummel gegen SPoli Die nationalistischen Studenten der Berliner Universität versuchen seit einiger Zeit regelmäßig, die Bann- meile zu durchbrechen. Sie kommen dabei begreiflicherweise in Konflikt mit der Polizei, die mehrfach gc- nötigt war, den Gummiknüppel an- zuwenden. Unser Bild zeigt die gestrige Demonstration der Couleur- studenten Unter den Linden. den. Binnen einer Mertetstunde winden Wsroll ungeheure Verwüstungen angerichtet. Im Mirabellgarten, wo viele Bäume umgeworfen wurden, tötete ein stürzender Baum den Professor Dr. Franz Fiala. Auf dem Bahnhof in Ischl wurde ein Beamter durch einen herabstürzenden Leitung?- draht schwer verletzt. Aus Ischl werden noch zwei weitere Todesopfer gemeldet. Auf dem Wege nach Lindau wurden zwei junge Holzarbeiter von einem umstürzenden Mast der Stromleitung getroffen und waren sofort tot. Auf dem Königs- see wird ein Boot vermißt, in dem sich ein unbekannter Mann mit einem Kinde befunden hat. Auf dem Salzburger Flugplatz standen zwei Flugzeuge zur Abfahrt berest, als der Sturm einsetzte! sie mußten von je acht Mann mit Seilen gehalten werden. Trotzdem wurde das eine Flugzeug vom Sturm hoch emporgerissen und zehn Meter fortgeschleudert, konnte dann aber von der Mannschaft wieder festgehalten werden. München, 5. Juli. Das Unwetter am Donnerstag hat auch die unterwegs befind- liehen Eisenbahnzüge stark mitgenommen. Viele Fensterscheiben wurden eingeschlagen, darunter an einem Berlin— Münchener Zug allein etwa 75. In München eingetroffene Meldungen sprechen von insgesamt 33 verletzten Reisenden. In der sogenannten nieder- bayerischen Kornkammer ist die Getreideernte zum großen Teil voll- ständig vernichtet� Dresden, 5. Juli. Ein außerordentlich heftiges Gewitter, das sich hier nachmittags entlud, hat beträchtlichen Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde in fast 30 0 Fällen alarmiert, da zahlreiche Keller bis zu zwei Meter hoch vollgelaufen waren. Einzeln« Straßen glichen vorübergehend einem See. Mächtige Kastanien- bäume wurden entwurzelt und auf die Oberleitung der Straßenbahn geworfen, die dadurch an vielen Stellen zerstört wurde. Auf der Vogelwiese wurden zahlreiche Buden umgeworfen. Konstanz, 5. Juli. Aus der Schweiz kommend, ging Donnerstag nachmittag über dem ganzen Bodenseegcbiet ein schweres Un- wetter mit Hagelfchlag nieder, wie es seit Menschengedenken nicht mehr zu verzeichnen war. Auf der linken Rheinseite bot die Landschaft ein geradezu winterliches Bild. Aehnliche Verheerungen werden aus dem ganzen Bodenseegebiet gemeldet. Donzig, 5. Juli. In der vergangenen Nacht zwischen 1 und 2 Uhr ging über dem Gebjet der Freien Stadt Danzig ein wolkenbruchartiger Regen mit einem ungewöhnlich heftigen Gewitter nieder. Der Wolkenbruch richtete hauptsächlich in Langsuhr großen Schaden an. Die Feuerwehren hatten die ganze Nacht mit dem Auspumpen der Kellerwohnungen und Kellerräume zu tun. Die tiefer gelegenen Straßenzüge weisen teilweise Schlamin- und Geröllschichten von 20 bis 30 Zentimeter Höhe auf. Liegnitz, 5. Juli. Am Donnerstag abend zog über die Stadt Liegnitz von Nord- westen nach Südosten eine Windhose, die insbesondere in der nördlichen Stadt schweren Schäden anrichtete. In dem berühmten Llegnitzer Palmenhain wurden zahlreiche Palmen umgeworfen. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Gegen 9 Uhr abends brachen über Liegnitz schwere Gewitter los. die von wolkenbruch- artigen Niederschlägen begleitet waren. Ganze Straßenteile wurden überschwemmt und zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Das Krankfurier Einsturzunglück. Sin zweiter Arbeiter gestorben. Frankfurt a. M., 5. 3uli. Zu dem Unglück auf dem Neubau des ZG.- Farben- Verwaltungsgebäudes teilt die Bauleitung ergänzend mit, daß ein Arbeiter sofort getötet und von den vier Verletzten einer alsbald seinen Verletzungen erlegen ist. Das Unglück geschah in einem Augenblick, in dem die einzelnen Eisenteile wegen der im Gange befindlichen Montage noch nicht end- gültig vernietet werden konnten. Die ausführende Konstruktions- firma ist, so besagt die Mitteilung der Bauleitung weiter, eine er- probte und bedeutend« Fachfirma des rheinisch- westfälischen Industriegebietes. Der betroffene Teil des Gebäudes stellt in seinem Umfang nur zwei Prozent des Gesaintstahlgerüstes dar, das in seinem übrigen bisher montierten Test unversehrt geblieben ist. Der Fortgang der Arbeiten an den übrigen Teilen des Gebäudes wird durch den beklagenswerten Unglücksfall nicht in Mitleiden- fchoft gezogen.' Reue Vernehmungen in Gchenkendorf. Schickt Berliner Kriminalbeamten! TZie aus Schenkendorf gemeldet wird, hat die Potsdamer Staatsanwaltschaft Anordnungen ge- troffen, d«ch alle Personen, die sich in der Zeit vor dem ver- schwinden der SZjährlgen Witwe Frau wilhelmine Steffens in Schenkendorf mit dieser zusammen waren oder sie nach dem angeblichen Verschwinden gesehen haben wollen, zu ver- nehmen. Eine Anzahl Personen find jetzt vernommen, darunter der Schwiegersohn der Verschwundenen, seine zweite Frau, ver- schiedene Gastwirte, Dienstmädchen«ms dem Gasthof usw. Diese Vernehmungen nahmen der Amtsvorsteher von Drewitz, zu dem Schenkendorf gehört, und der Oberlandjäger P i t t a k aus Sputen- darf vor. Diefe Herren haben auch die früheren Ermitt- lungen geführt. Nachfragen in Schenkendorf haben ergeben, daß einstimmig behauptet wird, daß Streitigkeilen zwischen dem Schwiegersohn, seiner Schwiegermutter und der zweiten Frau an der Tagesordnung waren. Es ist auch zu T ä tl i ch t e i t e n gegen die Greisin gekommen. Ein neuer auffallender Punkt kommt hinzu: Das Verschwinden der Greisin ist dem Oberlandjäger nicht am selben Tage von dem Schwiegersohn gemeldet worden, sondern erst eine ganze Zeit später. Die Stimmung in Schenkendorf und auf den umliegenden Riesel- gütern geht hahin: Schickt Berliner Kriminalpolizei Herl Das Berufsausbildungsgefeh. Verabschiedung durch den Neichsrat. Der Reichs rat hat den Entwurf eines Berufsgusbil- dungsgesetzes verabschiedet. Der Entwurf wird nunmehr schnellstens dem Reichstage zugehen. Der Entwurf regelt die Berufs- ausbildung Jugendlicher, und zwar aller, mit Ausnahme derjenigen, die in der Landwirtschaft beschäftigt werden. Es handelt sich um ein Rahmengesetz. Vorgesehen ist weitgehende berussständische Selbstverwaltung aus Grundlag« der Gleichberechtigung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Regierungskrise wegen Räumung. Sozialistischer Vorstoß gegen poincares Rechtskabineti. Paris, 5. Juli.(Eigenbericht.) Der Streit um die französischen Vorbehalte bei der Ratisizie- rung der interalliierten Schuldenabkommen hat sich am Donnerstag derart gesteigert, daß die Gefahr einer akuten Regierungs- krif« durchaus gegeben ist. In diesen Vorbehalten will Frankreich apsdrücklich festlegen, daß es an feine Gläubiger nicht mehr zu zahlen willens ist, als es von seinem Schuldner Deutschland erhält Die große Streitfrage war bisher, w i e man diese Vorbehalte aus- drücken könne, ohne die französischen Gläubiger zum Widerspruch zu reizen. Die Finanzkommission der Kammer hat nun am Donnerstag auf Borschlag des radikalen Abgeordneten Palmade mit den Stimmen der Linken veschlossen, diesen Vorbehalten eine geradezu aggressive Form zu geben. Mit diesem Beschluß ist die Re- gierung Poincare in eine verzweifelte Zwickmühle geraten. Die Linke hat nämlich keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie sich zu dieser aggressiven Schärfe deshalb entschlossen hat, weil die Regierung Poincarä ihrer Anficht nach hinsichtlich der Inkraftsetzung des Noung-Planes eine schikanöse Politik betreib« und weil sie noch keine bindende Zusage über die Räumung des Rheinlandes abgegeben habe. Sowohl der sozialistische Parteiführer Blum wie auch die beiden radikalen Führer H e r r i o t und D a l a d i e r erklären in ausführlichen politischen Artikeln ihrer Parteipresse, daß vor der Ratifizierung der interalliierten Schuldenabkommen in London und Washington die Gewißheit für die Inkraftsetzung des Poung-Planes und die Räumung des Rheinlandes gegeben fein müsse. Von der augenblicklichen Regierungsmehrheit aber, die sich zum größten Teil aus den Rechtsparteien zusammensetzt, ist zumindest ein Widerstand gegen die Rheinlandräumung zu erwarten. Dann aber wäre die Inkraftsetzung des Poung-Planes gefährdet, weil Deutschland die Räumung als unerläßliche Bedingung bezeichnet Hot. Alle drei Führer der Linksparteien sind sich daher einig in der Forderung, daß Poincare ebenso wie Wacdonald van der Tribüne des Parlaments die Rheinlandräumung zusage. Die französischen Rechtsparteien wollen in diesem Vorstoß der Linken, der ausschließlich im Interesse einer klaren Friedenspolitik erfolgt ist, nichts anderes als ein innenpolitisches M: n ö v e r sehen. Sie bestätigen damit nur von neuem, daß die widerspruchsvolle Stellung Poincares, der feine Innenpolitik mit Hilfe der Rechten, fcine Außenpolitik mit Hilfe der Linken treibe, nicht mehr länger tragbar ist. Die große Jnformationspresse, die sich heute in der Molle des neutralen Beobachters gefällt, glaubt angesichts des neu- erwachten Kampfes zwischen Rechte und Linke ihnen für heute den Sturz des Kabinetts Poincare als schlimmste Möglichkeit voraus- sagen zu können. Labours Delegation in Genf. Macdonald— Henderson— Cecil. London. 5. Juli. 3m Unterhaus erklärte Außenminister henderfon in Leant- worlung einer Frage über die Delegation der britischen Regierung aus der kommenden Völkerbundsoersammlung, daß sie bestehen werde aus dem Premierminister, der allerdings nicht die ganze Zeit über in Genf bleiben könne, dem Präsidenten des Handelsamts Gra. harn, dem Präsidenten der englischen Völkerbundsgesellschast, dem der konservativen parle! angehörenden Lord C e c i l— die Rennung dieses Ramens löste lebhafte Beifallsrufe bei der Arbeiterpartei ans—, Sir Cecil hurst, dem juristischen Berater des Foreign Office, dem parlamentarischen llnterstaalssekretär für auswärtige Angelegenheiten D a l t a n, Rlrs. S w a n w i ck, der Abgeordneten für Blackburn Rlrs. Hamilton, dem Abgeordneten für Daveniry Baker, und henderfon selbst. Lord Eecil habe sich aus Ersuchen der Regierung bereit erklärt, Großbritannien in der vor- bereitenden Abrüstungskommis'fion des Völkerbundes im herbst zu vertreten. Ein Rlilglied der Arbeiterpartei bemerkte, die Zusammensetzung dieser Delegation gebe zum ersten Wale dem Hanse eine Hoffnung, daß etwas getan werden wird. Kroschko, der große Unbekannte. Tritticher-Briefe und pawlonowskis Begleitschreiben. Die Sensation der heutigen Worgensihung, die Vernehmung des Herrn S i e v e r t, siel aus: sie ist aus den R a ch m i t t a g verschoben. Rechtsanwalt Dr. Fuchs gab die Anregung, daß dieser Zeuge von der Stoatsanwallschast und der Verteidigung in ein Kreuzverhör genommen werde, der Oberstaatsanwalt erklärte aber, daß er keine Veranlassung dazu sehe: einige Minuten später korrigierte er sich dahin, daß er sich die Sache bis zum Nachmittag noch durch den Kops gehen lassen wolle. Rechtsanwatt Fuchs ersuchte da» Gericht, den Zeugen Sievert unvereidigt zu lassen. da er, falls überhaupt eine strafbare Handlung vorliegen soll«, als Provokateur mitschuldig sei. Rechtsanwalt Dr. Joffe machte dem Gericht die Mitteilung, daß er die Beschwerde beim preußischen Ministerium gegen den Berliner Polizeipräsidenten bereits eingebracht habe. Als dann im Laufe des Vormittags ein Schreiben an das Gericht einlief, in dem er ein« Aussagegenehmigung dem Kriminalkommissar Heller früher in Aussicht stellte, sofern der Gegenstand, zu dem sie ver- nommen werden sollen, genannt würde, erklärt Rechtsanwalt Iaffe, daß er das bereits ausführlich in seiner Beschwerdeschrist gc- tan habe. Was ist mit de,k Tnllicher-Nnefen? Das Gericht fuhr nun in der Verlesung der Pawlonowjkischen Begleitschreiben zu den �rillicher-Briesen fort. Briese und Begleitschreiben bieten interessante Einblicke in das Treiben der verschieden gearteten Geheimagenturen. Wie bereits berichtet, will Pawlonowski die Briefe von O r l o w erhalten und sie an Sic- vert weitergegeben haben; Orlow habe sie von Kroschko empfangen. Kroschko ist gewissermaßen der große Unbekannte in diesem Prozeß. Wie aus den Begleitschreiben Pawlonowskis hervorgeht, unterhielt dieser Kroschko, der sich auch im Dienste der GPU. befand, eine regelrechte Geheimagentur. Bon ihm sollen auch die Trillicher- Briese stammen, die die Staatsanwaltschaft für gefälscht, die Verteidigung für echt hält. Diese fragt: Wie will die Staats- anwaltfchast beweisen, daß die Briese gefälscht seien? Weshalb hat sie sie nicht Trillicher selbst vorgelegt? Di« Briese beziehen sich alle auf Mai und Juni 1926. Es wird in ihnen d!« Tätigkeit der Agenten der Komintern an der Grenz« Polens, in Ostpreußen, in Oberschlesien erwähnt, es wird da vom Reinfall des Berliner Polizeipräsidiums gesprochen. Es werden auch Summen genannt, die zur Beleuchtung der Tätig- keit des Ministeriums des Äußeren, des Polizeipräsidiums usw. ausgeworfen worden seien. Interessanter sind die Begleitschreiben Pawlonowskis, die er unter Orlows Diktat geschrieben haben will. Sie haben in der Hauptsache den Zweck, gewisser Trillicher-Briese, die sich auf den ungetreuen Beamten im Reichskommissariat sür öffentliche Ordnung beziehen sollen, zu erläutern. In diesen Briefen wird zuerst von der Forderung Moskaus gesprochen, einen Beamten im Reichskommissarial für öffentliche Ordnung anzuwerben. Es wird auch der bereits angeworbene Beamte eingehend be- schrieben, und schließlich wird auch die Summe genannt, die die Agentur sür die erfolgreiche Erfüllung ihres Auftrages, nämlich für die Herbeischafsung der Beweis« der Untreue des Beamten im Reichskommissariat, für sich verlangt. Es sind dies 10000 Mark. In einem weiteren, Brief beklagt sich Pawlonowski bei Sievert über unberechtigte Vorwürfe semer vorgesetzten Behörde. Wenn es so weiter geht, so würde er sich der Sowjet- Vertretung zur Bersügung stellen. Die Entscheidung darüber überlasse er Sievert und seiner vorgesetzten Kehörde, 10 000 Mark pro Monat für eine Agentur, die aus vier Personen besteht, inkl. Reisespesen, sei nicht zu viel. Eine besondere Forderung von ZOOS Wart sei unter solchen Umständen nichts Uebernatürliches: Engländer und Amerikaner würden für die Agentur bei einer derartigen honorierung nicht arbeiten. Wenn sie dies tun, so ausschließlich aus Gründen»er politischen Ideologie und ihrer Deutschenfreundlichkcit Der Vorsitzende will wissen, wen Pawlonowski unter diesen vier Personen gemeint und wer die 10000 Mark monatlich erhalten habe Pawlonowski erklärt: Natürlich Kroschko und dessen Agenten; ihre Namen kenne er nicht. Der Angeklagte Orlow bestreitet nach wie vor, Pawlo- nowski die Briese diktiert zu haben. In einem derselben glaubt er Sieverts Handschrist entdeckt zu haben. Mit anderen Worten: Er deutet den Verdacht an, daß Sievert selbst bei der Herstellung dieser Briese seine Hand ün Spiele pebabt habe. Man wird ja Sievert am Nachmittag hören! GrzefinsN deckt Zörgiebel. Unmittelbar vor der Mittagspause traf die Antwort des preußilchen Innenministers aus die Beschwerde des Rechtsanwalts Zasse ein. Der preußische Innenminister weist sie zurück und tritt der Anordnung des Polizeipräsidenten in vollem Umfange bei, der seinen Beamten keine Genehmigung zur Zeugenaussage schlechthin, sondern erst nach Bekanntgabe der Tatsachen, über die sie vernommen werden sollen, erstattet habe. Der preußische Innenminister erNärt ferner, daß dem Regierungs- rat Lartel die Aussagengenehmigung erst nach Bekanntgabe der Tatsache, über die er aussagen soll, erteilt würde. Rechtsanwalt Joffe erklärt, daß er die Tatsachen, über die Regierungsrat Bartels aussagen soll, bereits in seiner Be- Ichwerdeschrist genannt habe. Oberstaatsanwalt Traut- mann beruhigt den Bertetdiger, indem er die Ansicht vertritt, daß eine Formulierung der Fragen nicht erforderlich sei: es ge- füge, wenn die Tatsachen im großen und ganzen ge- nannt werden. Der Ozeanflug nach Berlin. „Llntin Bowler" in Kanada. Dos amerikanische Seeslugzeug.A n t i» V o w l c r", das ln Rupert-Hause(Kanada) zum Weiterslug nach Norden gestartet war. kehrte wegen schlechter Sichtverhältnissc bald wieder zurück. Die Ozeanflicger Gast und Parker Crom er sind am Mitt- woch nachmittag in Chikago mit einem Land- und Wasserflugzeug aufgestiegen, um einen Streck« nflug bis Berlin durchzu- führen. Beide Piloten, die noch«inen Journalisten mitgenommen haben, kennen die nördlichen Gebiete in Labrador und Grön- land von ihrem vorjährigen Spitzbergen-Flug. Sie haben sich darum auch entschlossen, die nördlich« Strecke zu stiegen, um über Kanada, Labrador. Grönland, Island nach Ltopenhagen und B e r 1 i n zu gelangen. Schon am ersten Flug- tage unternahmen die Flieger die erste Zwischenlandung in M i l- waukee. Di« zweite Landung in Remise« erfolgte gleichjalls ohne Störungen. Gestern haben die Flieger die Strecke R c m i s e e — Rupert-Hause in Kanada zurückgelegt. Dort scheint aber das Wetter so schlecht geworden zu sein, daß sie nach ihrem Start zum Weiterslug« wieder umkehrten. Nach einigen Meldungen sollen sie gestern nachmittag noch einmal gestartet sein. Von dem Marineamt in Ottawa wird aber angenommen, daß die Flieger nur ausgestiegen sind, um Wettermeldungen abzuhören. Die Flieger haben nur kurze Wasserstrecken zu durchfliegen. Auch die Strecke über den Ozean ist verhältnismäßig kurz, etwa ein Drittel der Flugroute der..Vremen"-Al>eger. Di« Flieger hofften zunächst schon Ende der Woche in Berlin landen zu können. Von den in Frage kommenden deutschen Instanzen werden schon die notwendigen Vorbereitungen für den Empfang der Amerikaner getroffen. Die D e u t j che L u f t- Hansa hat in Verbindung mit der Zentrale sür Flugsicherung dafür gesorgt, daß den Ozeansliegern, falls diese Wetternachrichten erbitten, umfassende funkentelegraphisch« Beratung zuteil wer- den kann. Für den Einflug nach Deutschland, der von Kopenhagen her erfolgen soll, wexden F ü h r u n g s k l u g z e u g e von den in Frage kommenden norddeutschen Flughäfen bereitgestellt. Vor Verlin wird ein Geschwader von Lusthonsainaschinen die„Untin Bowler" erwarten und zum Flughalen Tempelhofer Feld geleiten. Antwort an Hitler. Keine Verhandlung über„glatte Gelbstverständlichkeiten". Dresden, 5. Juli.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat in ihrer Sitzung vom Donnerstag sich mit dem Angebot der National- soziallsten beschäftigt, zwecks Bildung einer Linksregierung mit der Nationalsozialistischen Partei die Fühlung aufzunehmen. Dazu wurde einstimmig folgender Beschluh gefaßt: „Die sozialdemokratische Landtagsfraktion lehnt es ob. ein politisches Bündnis einzugehen mit einer Partei, die nach ihrem Programm und ihrem Wesen zu den ausgesprochenen Feinden der sozialistischen Arbeiterschaft und der demokratischen Republik gehört. Die von Herrn von Mücke aufgestellten Forde- rungen über Meinungsfreiheit und politische Gleich- berechtigung sind für die Sozialdemokratische Partei so glatte Selb st Verständlichkeiten, daß em Berhandeln darüber Terror! Zu den Gwdentenkundgebungen in der Sannmeile! Schmuggel und Schmuggler. Bon Kurt pinczower. Grenzen und Schmuggel, unlösbar mit einander verknüpft« Be- griffe, an denen auch Zollbeamtenheer« nicht rütteln können. Das wissen sie auch selbst ganz genau. Sie schnappen die Masse der Kleinen, die Großen gehen ihnen nur selten ins Garn. Das ist überall so. Mit dem Begriff Schmuggler war für uns in der Schulzeit etwas Unheimliches, fast Gespenstisches verknüpft, etwas Gewinngierigcs, Abenteuerliches, Blutrünstiges, das meistenteils über dunkle Gebirgs- wege hinwegschlich. Jugendschmöker und die Oper„Carmen' ver- dichteten unsere Phantasie. Dies ist nun schon lange her und komisch, ähnlich wie wir es uns damals erträumt, allerdings in Technik und Taktik der heutigen Zeit angepaßt, ist das Schmugglerleben. Trotz der starken Grenzbewachungen wächst die Zahl der Schmuggelbanden täglich. Größtenteils ist es aber nicht Abenteurer- lust, die die Menschen dazu verführt, täglich ihr Leben zu gefährden, fast immer sind es wirtschaftliche Motive. Die in der ganzen Welt herrschende Arbeitslosigkeit hat dazu geführt, daß sich Familienväter, jugendliche Erwerbslos« usw. aus menschlich durchaus begreiflichem Selbsterhaltungstrieb dem Schmuggel ergeben haben. Meistenteils sind diese Leute zu arm, um auf eigen« Rechnung zu schmuggeln, es finden sich dann in den Grenzgebieten immer wieder Leute, die Schmuggelkolonnen organisieren und finanzieren. Dies« Schmuggel- Unternehmer, dies Wort klingt ein wenig grotesk, aber wie soll man diese Manager sonst nennen, beuten ihre„Angestellten' resttos ans, rücksichtsloser als mancher Wirtschaftskapitän. Und doch ist auch dieser„Beruf" überlaufen, denn all die kleinen Leute, die sich zu ihm drängen, haben ja außer sich selbst kaum etwas zu verlieren und immerhin größere Chancen zu Geld zu kommen als in ihren ursprünglichen Berufen— die Gefahr, ja, lauert die denn nicht überall, auf dem Bau— in der Grube, der Hütte, der Maschinenfabrik... ist sie da geringer? Schließlich wird man ja beim Schmuggel auch nicht immer gleich erschossen. Außer diesen„Alllagsschmugglern' gibt es noch die Stars, die großen Schmuggler, oft sehr feudale Leute, die über Kapital ver- fügen, die die originellen Ideen aushecken, der Zollbehörde dauernd Schnippchen schlagen, die sich nie mit Kleinigkeiten abgeben, die die betreffenden Staaten um Millionen schädigen, die Leute, die man. selbst in Käfige gesperrt, noch heimlich bewundert. Wie so vieles andere ist Schmuggel eine Konjunkturangelegenheit. Werte, die gestern noch hoch im Kurse standen, sielen über nacht. Wie an der Börse muß der Engros-Schmuggler mit Hausse und Baisse rechnen. In den Bereinigten Staaten von Nordamerika blüht der Alkoholschmuggel, mit dem Tag« der Aufhebung des Wkohol- verböte? in diesen Staaten, ist der Alkoholschmuggel erledigt. Durch den zwischen Deutschland und Polen bestehenden Zollkrieg ist säst die gesamte reguläre Ein- und Ausfuhr verboten, daß sich dos Poscherttun diesen Zustand ausgiebig zunutze macht, ist erklärlich, mit der Beendigung des Zollkrieges entfällt natürlich ein Großteil dieses..Geschäfts'. Es ist noch gor nicht allzu lange her, daß die Jnflationsfuri« Europa durchraste, daß die von ihr heimgesuchten Länder sich durch Deoisenausfuhrverbote zu schützen versuchten— die Devisenschmuggler verdienten in dieser Zeit Unsummen. Wie lange? Wochen, Monate,— dann war es aus. Baisse! Der Schmuggler stellt sich um. Der sogenannte Grenzschmuggel spielt heut«, trotzdem sich Hunderttausende an ihm beteiligen, gegenüber dem Monopol- und Steuerhinterziehungsschmuggel«ine verhältnismäßig unbedeutende Nolle, er ist aber„romantischer", ist nicht wie der Millionenschmuggel aus fast Slprozentiger Sicherheit ausgebaut, er bedient sich wohl neuer Mittel, geht aber noch all« Weg«, da ist z. B. noch immer die Frau, die einige hundert Zigaretten an ihrem Busen verbirgt, da werden Salvarsan und andere Chemikalien noch immer auf dem bloßen Körper verborgen. Wenden wir uns jedoch lieber dem technisch vollendeten Schmuggel zu. Bor einiger Zeit bcschästigte sich die polnisch« Polizei mit der Frage, auf welche Weis« immer wieder die modernsten Seidenstoffe in Warschauer und Graudenzer Geschäften zu Preisen verkauft werden können, die es kaum glaublich erscheinen lassen, daß die Waren auf normalem Wege die deutsch-polnische Zollgrenze passiert haben. Indessen konnten die Kausleute stets Einfuhrscheine vor- legen, die in prima Fälschungen„so gut wie echt" für einig« Zlotys zu haben sind. Grund zum Einschreiten war somit nicht vorhanden, ober das Mißtrauen blieb. Bis es eines Tages der Polizei auffiel, daß in regelmäßigen ganz kurzen Abständen auf den Warschauer und Graudenzer Bahnhöfen Särge mit im Ausland« verstorbenen Polen eintrafen, die gewünscht hatten, im ruhmreich befreiten Bater- land zur letzten Ruhe geleitet zu werden. Die Polizei wahrt« die Pietät und ließ die Särge unerössnet abholen, eines Tages jedoch, als ein Mann sich laut Frachtbrief zwei Särge ausliefern ließ, folgte sie ihm heimlich und siehe da, die Leichenwagen fuhren nicht nach dem Kirchhof, sondern nach einer absells der Stadt gelegenen Scheune. Di« Polizei, die im ersten Moment meinte, es mit Leichenschändern zu tun zu haben, grisj zu, und fand in den geöffneten Särgen, statt verstorbener polnischer Patrioten, Seide, nichts als Seid«.— Infolge Gewichtsdifferenz hielt man zufällig einen von Oppeln nach Kallowitz laufenden Woggen Zementblocks an, zerschlug einen und stellte als Inhalt— Sacharin fest. 3000 Kilo Sacharin hatte man in die Zementblocks hineingebacken.— Daß auch Leibesvisitation und Paß versagen können, bewies vor nicht allzu langer Zeit ein«„Dame", die sich in angetrunkenem Zustande in einem Beuthener Lokal als Mann entpuppte. Unbehelligt war„Er" oder auch„Sie" auf dem Paß einer Dame über die Grenze gekommen. Trotz eingehender Leibesvisitation! Ein unglücklicher Zufall, sein« Trunkenheit, die ein Einschreiten der Polizei notwendig machte, überliefert« ihn den Gerichten. Sehr beliebt ist der Autoschmuggel. Polen hat ein Tabakmonopol und recht mäßig schmeckende Tabakwaren, um nun den polnischen Rauchern entgegenzukommen, bauten sich einige beut- sche Chausseure, ohne Wissen ihrer Herren, in ihre Wagen einen doppelten Boden ein, aus dem sie einig« Mille Zigaretten verstauten. Pferde und Lotterielose, Menschen und Kukirol, Chemikalien und Spiritus— alles wird geschmuggelt. Christian Morgensterns Worte: „Weil nicht fein kann, was nicht fein darf", ist längst unbeachtet. Heute kann man alles, selbst die geriebensten Zollbeamten an der Nase herumführen. eine lächerliche Komödie wären. Die Reichspartei der National- sozialisten, in deren Austrag und Namen das Angebot gemacht wor- den ist, liesert durch ihre Gewalttaten gegen die sozialistische Arbeiterschaft täglich den Beweis dafür, wie wenig sie den Grundsatz der Meinungsfreiheit und Gleich berechtigung selbst achtet. Die sozialdemokratische Frak- tion erblickt in dem nationalsozialistischen Angebot ein parte!» taktisches Manöver, um die Rolle der nationalsozialistischen Fraktion im Sächsischen Landtag als Unterstützungstrupp einer real- tionären Regierung zu maskieren." Aichi unmittelbar beieiligi! Wenn man in öffentlicher Gerichtssitzung beleidigt wird. Der ehemalige Amtsgerichtsrat B e i n e r t aus Wernigerode. mit dessen schriftstellerischen Exzessen wir uns mehrfach beschäftigen mußten, hatte als Kläger in einem Privatbeleidigungsprozeß gegen Genossen Molkenbuhr-Habberstadt ganz unmotiviert an Gerichts- stell« erklärt, daß der Landtagsabgeordnetc Äuttuer ein„gewerbs- mäßiger Verleumder der Offiziersehre' sei. Auf Antrag des Ge- Nossen Molkenbuhr wurde diese Aeußerung zu Protokoll gc- nommen. Nachdem Kuttner hiervon Kenntnis erlangt hatte, er- suchte er das Landgericht Halberstodt um Erteilung einer be- glaubigten Abschrist dieser Protokollstelle, da er vor Einleitung weiterer Schritt« gegen Beinert zunächst einmal den genauen Wortlaut der beleidigenden Aeußerung erfahren wollte. Aus sein Ersuchen bekam er folgend« Antwort des Vorsitzenden der Kleinen Slrafkamnter: „Ihrer Bitte um Erteilung einer beglaubigten Abschrift der Sie betreffenden Stell« aus dem Protokoll der Haupt- Verhandlung in Sachen Beinert gegen Molkenbuhr, vom 24. Mai 1920, kann ich nicht stattgeben. Nach dem Gesetze können Ab» ichristen nur den unmittelbar Beteiligten ausge- fertigt werden.", Wer in öffentlicher Gerichtsoerhandlung beleidigt wird, ist an der, wie der Bescheid selbst betont,„ihn betreffenden Stelle' des Protokolls nicht unmittelbar beteiligt! Juristen- logik... Heeresminister und Heimwehr. Die abgeleugnete Zusammenarbeit nachgewiesen. Wien, 5. Juli. lEiaeubericht.) Tie heutige„Arbeiterzeitung" setzt ihre Enthüllungen über die Heimwehr mit Veröffentlichung von Heimwehr- Dokumenten fort, aus denen die Verbindung zwischen den Faschisten und dem Heeresmini st er Vaugoin be- wiesen wird. Anläßlich des Provokationsaufmarsches der Heimwchr in Wiener Neustadt am 7. Oktober des vorigen Jahres haben die Heimwehrführer brieflich mitgeteilt, daß der Heeresminister selbst und einige Generäle mit ihnen Rücksprache pflegen wollten. Dieses Dokument ist deshalb von Wichtigkeit, weil der Heeresminister be- stritten hat, mit den Heimwehren in irgendwelcher Ver- bindung z« stehen. Wie Amerika feiert! Beim LlnabhängigleitsfestTote und Hunderte von Verletzten ?l e w V o r k. 5. Zull. Durch dos leichtferkige Umgehen mit Feuerwerk während der llaabhängigkeiisfeicr sind viele Menschen zu Schoden gekommen und große Verluste an Sachwertea entstanden. Zu New York wurden zwei Personen gelötet und SV verletz l; ia Milwaukee belrägl die Anzahl der Ver- Utzlen 46. Auch aus anderen Städten werden ähnliche Zahlen ge- meldet; außerdem siad zahlreiche Brände verursacht worden. Tn Nervo rk(New Jersey) wurde durch ein mit Dynamik gefülltes Rohr, da» zwei Knaben zur Explosion brachten, das pslasicr eine strecke weil aufgerissen. Der Luftdruck war ß, stark, daß vorüber- gehende zu Bode« geworfen wurden. Oer Leibniz-Tag der Akademie. In jedem Jahre feiert die Akademie der Wissenschaften in einer össentlichen Sitzung das Andenken ihres Begründers und ersten Präsidenten Gottfried Wilhelm Leibniz. Die Gedächtnisrede auf Leibniz hielt gestern der ständige Sekretär der Akademie, Pros. Lüders. Er gedachte der großen Friedensliebe und des tiefen Rechtsgefühls des Staatsmannes Leibniz, der durch die brutale Gewaltspolitik Frankreichs unter Ludwig XIV. auf das Aeußerstc erregt wurde. Dann hielt das jüngste Mitglied der Akademie, Pros. Erwin Schrödinger. der Nachfolger Plancks auf dem Berliner Lehr- stuhl für theoretische Physik, seine Antrittsrede. Er ging auf die heute im Vordergrunde des Interesses stehend« Frage ein, ob in der Physik an der strengen Kausalität festgehalten werden könne. Das heißt an der ursächlichen Verkirüpstheit alles Geschehens, wie es die klassische Mechanik mit der Forderung der ollgemeinen Gel- tung von Naturgesetzen tut. Praktisch ist es unmöglich, dos ursäch- lichc Geschehen in den Bewegungen aller einzelnen Atome bei dem Gewirr von Billionen und Trillionen von Atomen in dem engen Raum auch nur eines Kubikzentimeters zu verfolgen. Aber auch prinzipiell soll nach den Anschauungen jüngerer Physiker bei den Bewegungen der Atome der durch die statistischen Gesetze der Wahr- scheinlichkeitsrechnung zu erfassende Zufall gelten. Der Sekretär der mathematisch- naturwissenschaftlichen Klasse Planck beglückwünschte die Akademie zu dem Gewinn, den sie an der jugcndfrischen Kraft Schrödingers erworben habe, fühlte sich dann aber doch bewogen, selbst auf die Gefahr hi". wie er sagte, bei den Jüngeren für einen Erzreaktionär zu gellen, seiner An- schouung von der Notwendigkeit des Festhaltens an der Forderung der unverbrüchlichen Kausalität darzulegen, des strengen ursäch» lichen Geschehens als sichere Grundlage für jeden Versuch, das Ge» schehen in der Natur zu begreifen. Er betoute die mit dieser An» schauung gerade auch in der Ouantenmechanik erzielten Ersvlge, wobei er auf die eigenen Arbellen Schrödingers über das unbedingt determinierte Geschehen auch eines einzelnen atomaren Gebildes durch die fruchtbare Einführung der Moteriewellen hinweisen konnte. Nach Gedächtnisreden auf die in diesem Jahre verstorbenen Mitglieder der Akademie verkündete Prof. Lüders, daß die aftro- nomische Preisaufgabe kein« Bearbeitung gesunden habe und daß die Akademie den ausgesetzten Preis von 5000 M. dem Astronomen Cuno Hoffmeister in Sonneberg sür seine planmäßig« Durchsor- schung von Feldern der Milchstraß« als Ehrengabe überreichen werde. Dann fand die Berleihung der Leibniz-Medaill« stall, und zwar erhielt die golden« der Rundsunkkommissor Haas Bredow für seine wissenschaftlichen Arbeite» auf dem Gebiete de« Funkwesens. Fekn�eh-Theater in Amerika. Während in Deutschland die Bild Übertragung noch in den ersten primitiven Anfängen steckt, denkt man in Amerika berells an den Bau von Fernseh-Theatern. Die Radio-Torporotion of America beabsichtigt, in Gemeinschaft mit der Poromount mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar mehrer« Theater bauen zu lassen, deren Programme von einer gemeinsamen Station gesendet werden sollen. Diese Theater werden die ersten- sein, die sich der Erfindung de» Fernsehens und der Bildübertragung bedienen. Wie das so üblich ist. Wer Zeit hat, wird den Pariser„Temps" mit Genuß lesen. Ungeachtet seines Namens scheint die Zeit an ihm spurlos vorüber- gegangen zu fein. Es ist immer noch dieselbe ausgeplusterte, wichtig- tuerische Langstiligkeit von ehemals, dieselbe salbungsvoll« Jesuiterei, die unter dem Schein sachlicher Information die Tatsachen aus den Kopf stellt. Der„Temps" ist immer noch das Blatt der eingebildeten und besitzenden Klasse Frankreichs, das unter dem Mantel eines Buchstabenrepublikanertums reaktionär bis auf die Knochen ist. Da mir der Arzt ein« Kur auferlegt hat, habe ich Zeit genug, um zu, meiner Erheiterung den„Temps" zu lesen. Dos best« Witz- blatt kann ihm nicht das Wasser reichen. So wird in der Nummer von« 19. Juni eine Doktorarbeit einer Engländerin über Eugen Eue besprochen. Der Schreiber des„Temps" sagt u. o. von Sue: „Dieser Sozialist war mst einer Jahresrente von 80 000 Franken versehen: Wiedas s o üblich i st." Die Leser des„Temps" können aus dieser Feststellung die beruhigende Gewißheit schöpfen, daß 1. die Sozialisten in Frank- reich nicht sehr zahlreich sein können und daher 2 kein« Gefahr besteht, daß die im Schlveihe des Angesichts der anderen erarbeiteten Bennögen Opfer der Sozialisierung werden. Kopfschüttelnd und mißbilligend erzählt dann der Schreiber des„Temps", daß Eugen Eue die Amnestie Napoleons III. ver- schmäht hat, freiwillig ins Exil ging, wo er auch starb,.»das Kunststück vollbringend, schon vergessen zu sein und gleichzeitig noch gelesen zu«verde«." Es ka«m natürlich nicht jeder schon vergessen sein bevor er noch geboren wird. Eugen Sue hatte zwar mehr Talent als der vchreiber des„Temps", aber er ließ sich nicht lausen. Er wor überdies ein Sozialist. Eigenschaften, die man ihm im„Temps" auch 78 Jahr« nach seinem Tod« nicht vergibt. Wie das so üblich ist. Eine 4Ser-Ausstellung in Mannheim. Im Schloß-Mufeum in Mannheim wird im August eine Aus, stellung unter dem Titel„Die politische Bewegung der Jahre 1848 bis 1849" gezeigt werden. Sie umfaßt politisch« Dokumente dieser Zeit sowie bildlich« Darstellungen. Eine berühmte Demosther»es-Stet, ihre ganze Sorgfalt auf den Verkauf von Staubsaugern zu richten und jede weitere Tätigkeit war ihnen daneben untersagt. Sie mußten aus dem Vertragsverhäitnis aus- scheiden und wurden teils fristlos entlassen. Denn ein anderer Paragraph ihres Anstellungsvertrags besagt:„Sofern die mit Ihnen abzuschließende K a u t i o n Z o e r s i ch e r u n g für die Ihnen zu Vorführungszwecken überlasse»«» Apparate aus irgend welchen Gründen nicht getätigt werden kann, ist der Vertrag a u f g e l ö st." Zwei weitere Kläger, bei denen die Kautionsversscherung be- reits abgeschlossen war, forderten ebenfalls Gehalt. In allen Fällen war das Einkommen der Kläger ganz unerheblich. Einer hatte nach zwei Monaten gar nichts verdient, die anderen erzielten nur ganz geringe Beträge. Trotzdem ihnen beim Ausscheiden aus ihrem Vertragsverhältnis das Zeugnis ausgestellt wurde, daß sie fleißig und ehrlich und bemüht waren, die Zufrieden- heit ihrer Austraggeber zu erreichen. Die Firma erklärte die Ansprüche als unberechtigt, da die Kläger nach ihrem Anstellungsvertrag„auf striktester Pro« visionsbasis" ohne irgendwelche feste Beträge angestellt waren, demnach nur das zu beanspruchen hätten, was ihnen auf Grund ihres Provisionsverhältnisses zu zahlen sei. Der Klageoertreter führt« aus, die Einordnung und die Unter- ordnung in diesen Betrieben sei derart geregelt, daß die Tätigkeit eines Provisionsvertreters wie die eines Angestellten zu bewerten sei. Unter Hinweis auf eine Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts (268/28) führte er aus, daß es nicht darauf ankomme, wie sich ein solcher Angestellter bezeichnet oder wie er bezeichnet wird, sondern lediglich darauf, welche Tätigkeit er ausübt. Das Gericht hatte durch einen Beweisbeschluß geprüft, ob die Kläger ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt haben und dabei eine Durchschnittsbemühung als Norm angenommen. Nach allen Erwä- gungen wurde den Klageanträgen auf Zahlung des tarif- mäßigen Einkommens eines Reisenden im Kredit gebenden Einzelhandel stattgegeben. Die Kammer wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, daß das Maß der Selbständigkeit bei dieser Art der Tätigkeit erheblich eingeschränkt ist. Die Angestellten sind den Anordnungen der Firma unterworfen und ihre Einordnung in den Betrieb ist mithin der von Angestellten gleichzustellen. Jede Arbeit, die ordnungsmäßig geleistet wird, muß auch be- zahlt werden. Auch dann, wenn der Erfolg einer Tätigkeit un- befriedigend ist. Der Provisionsvertreter ist seiner Firma derart untergeordnet, daß sie ihn nicht als freien Gewerbetreibenden ab- stempeln kann. Wer Werber für sich ausschickt, muß auch dafür sorgen, daß sie leben können. Tschechisch-madjarischer Konflikt. Grenzsperre wegen Spionenverhastung. Vom tschechischen„Korridor", der das Staatsgebiet bis an die Donau verlängern und also das deutjch-madjarische Preßburg mit- einbeziehen müßte, bis zur tfchechisch-rumänischen Grenze da oben in Karpathorutzland, sind eine ganze Menge Bahnen und Straßen durch die Grenze von 1919 geteilt worden, was ebenso viel Zoll- und Paßkontrollswtionen und entsprechend« Gelegenheiten zur Plackerei geschaffen hat. Tschechoslowakei und Ungarn leben in intimer Feindschaft— die Schuldsrage untersuchen, hieße die ganze Friedens- pfuscherei von 1919 wieder einmal aufrollen— und nicht selten werden Ungarn, die mit Paß und Sichtvermerk in die ehemals ungarische Slowakei reisen, dort oerhastet und eingesperrt, weil man sie als Organe der ungarischen Irredenta erkennt oder auch nur verdächtigt. Nun haben die Ungarn den tschechischen Eisenbahnkassierer P e ch a in der Grenzstation Hidasnemett wegen Spionage verhastet und dies nicht einmal den tschechischen Behörden mitgeteilt Darauf haben die Tschechen diese Grenz st ation gesperrt, ihr« Be- amten zurückgerufen, in Budapest protestiert und«ine sie nicht be- friedigende Antwort erhalten. Durch diese Sperre wird die direkte Fahrt Budapest— Hohe Tatra unmöglich gemacht und auf Umwege gezwungen. Achtung, Sindersreunde! In unseren heutigen Notizen im lokalen Teil und unter„Parteinachrichten" sind bezüglich der Abfahrtzeiten verschieden« Fehler enthalten. Wir fahren nach wie vor Sonnabend, 6. Juli, früh um 8 31 Uhr ab Schlesischen Bahnhof.(Nicht 20.34 Uhr.)— Treffpunkt: früh 7.30 Uhr in der Straße am Schlesischen Bahnhof, kreisweis« geordnet antreten.— Kreis Mitte. Trcfspunkle der Zeltlugerteilnehmer nach Namedy. Gruppen Arkona platz, Pappelplatz und Ernst Toller um 6.4S Uhr früh vor dem Heim, Zehdenicker Straße 22. — Gruppe Karl Liebknecht 7 Uhr früh Büschingplotz. Gruppe Fritz W i l k e: 7.15 Uhr früh vor dem Gewerkschaftshaus.— Nachzügler fahren zum Schlesischen Bahnhof.(Also früh morgens Abfahrt, nickst erst abends.) Für Berlin: Vorwiegend heiter, warm, westliche Winde. Für Deutschland: Im Nordosten noch vereinzelt Niederschläge, sonst be- ständiges Sommerwetter. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der üindersreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Lerantwortlich ftlr die Redaktion: Franz kUSd», Berlin: Anzeigen: Th. Slocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S3B 68, Lindinstrage Z. Kierzu 1 Beilage. ( (> (> Theater, Lichtspiele usw. JT, 8 lUr» Zenir. 2819» Raadien Grefte Tariete-Sdiaa Sonnabend und Sonntag Ja 3 Vorstellungen Z« und 8 Uhr. 3 30 kleine Preise. 8 Uhr Barb. 9256 van Horn& Jnez, Barbette usw. Sonnabend n. Sonntag Je 2 Vorstellungen 330 u. 8 Uhr. 330 errntBIgta Preise I Tägl. S II. 81S Sonnt. 2, So 8 15 Alex. 8066 Internat: varietE Berliner lllk-TrlO Neukölln. W lahnilr. 74/78 1 VolKsbiltine Mir aniBülowjiatl 8'/, Uhr Berlin, wie es weint u. lacht Stnntsoper am Platt der HonnbliR 71/2 Uhr Don Giovanni Theater am hiilhauerdamm Norden 1141 u. 281 81/« Uhr ir uppe funger Scfaaasp icler Revolte Im Erzlehnngshaos (Urauiiülminos- nesettiing) Deatsüies Tbeater Norden 12 310 Ende gegen 11 Regie: Max Reinhardt lusik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Die Komödie JI Bismck.2414/7516 81/«, Ende geg. lO'&U. Reporter Regie: fleinz Hilpert. Thea), d. Westens Täglich S'/t Uhr Sonntag 3'/t u. 8'U Franz Lcharo Welterfolg! Friederike Ilse Muth, Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Metropol-Th. Tägl.«3/4 Uhr Sonntags 3>/a u. 8V1 Blaubart Operette von Offenbach Kammersänger Leo Slezai Bamowsky- Bohnen Theater in der KSniggrätzer Straße Bergmann 2110 •Täglich 81/« Uhr Riva I en Komödienhaus Norden 6304 Täglich 8I/2 Uhr Hodizeilsreise Sommerpreise! rneai.am Kottii.ror m Kottb.Str.6 „T Tägl. 8 Uhr Ii» eilte. fflv sanger Neues 91V Programm! lU Ab 17.-31. 7. Gastspiel der 9 Original leipziger FiHz-weber-sanger Luslspielhaus Täglich S'h Uhr Revolution bei Stern's Rundfunkhörer halbe Preise. Plane tarlmn — am Zoo— Vorliog. JoadriDulholsr Stroit B. 5 Barbarossa 5578. 163/4 Uhr Sternbliaer OH Sommers 18'/. Uhr Der Qlutball dar Sonne 203/. U. von Pol zu Pol am Sternenhimmel Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder 50 PI Mittw.: Erwachsene 50 Pf-, Kinder 25 Pf. iSose- Theater, Gro�eFrankfnricrSlr.132, Garfenböhnc 5,30 Uhr: Konzen u. 9 Varieiänommern 8.15 Uhr: DIB geschiedene Frau vom 8. bis II. Juli OroOes RooenUes« I n n e n i b e a t e r: Täglich 8.15 Uhr: „OEAF" Reichshallen-Theater Abende[T] Uhr Slellincr Sänger mit dem sdiSnen lull-Pro- . oramm(nur noch bis 15.7.) r Ab 16. 7.: Gastspiel der Dresdner Victorla-Sängcr 4 (Sil Dönhoff- Brettl: •(Saal und Garten) Varleft: Tanz: Orth. Ad. Becker Hei- Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! Schöneberg, Hauptstraße l6l» Gegründet 1892 HDNZEQT-hPFFFF'TAN7-PAIAST'KARADFn'RAD STEINMEIER FDIEDQICHSTQASSE%' AM BAHNHOF- Spezlal- Behandi. nur Iflr iihvereFlUeiiesettlai worden. Hellettolge. BestBlfgnng und irzuieb empfohlen. Invalide »-11, 1— in Hüllen, Besag nnd Hein, wenn arzil.lsstgesielii In 13 Tagen sind worden. Unaniastdare mg und Referenzen. InvaildenstraBe Ida. Sonniaa 10— lt. lacohv, Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 Basisplei Gnitel Beer. Gieiei Lilien ZarewUscta Operette von Franz Lehär Dazu der gro$e Variel6teü. Anfang Konzert 4.30. Burleske u Variete 0 III». Operetle 8.30. leden Donnersiag großer VolRstan. jed. Mittw. K.ndertesi n. Verlosung eeeeeeeeee— ♦»»»— ee Sommer-WDhnungen mit und ohne Küche ilodiwald-Granäsjüdi „Waldesfrieden" bei Fredersdorf (Ostbahn) Vorortzug bis Petershagen J5 Min. zu Fuß „ Fredersdorf 40„„„ Züge 12» u 16» ab Schles Bhf haben in Fredersdorf Poslauio- Abschluß bis ..Lustige Sieben"(20 Pf.) 9 Minuten bis Grundstück Kolonie Neu- Vorelsdorl. Schillerstraße und Memeler Straße Ecke Adolph Hoffmaua. zur Miete WSO.Ansbacherstr.I Quittnngs-.Rabatt- u. Reklamemarken Segen Nachahmung gesetzl. tfesch. fertigt seit 45 Jahr als Spezlalitfit.. Conrad KQUer Leipzig• Scbkeuditzl öbei-Noite« Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Einzel-Möbel, Küchen, Sofas, Ruhebetten ggeh gegen 24 Monatsraten SctidRhaiiser Allee 141 a (Hocbbahn Dauzlber Straffe) Verlangen SieVertreterbesuch. ... wirksam sind die KLEINEN JlV ANZEIGEN in der Gesamtauflage jll) des„Vorwärt*-1 und trotzdem rar Sommer und Reise bringe Ich ein ao�crgewdhnÜdR preiswertes Angebot in tertife- Harren-, Knaben- und Sport- B® K l£ B in nur anerkannten Qualitätswaren ui.d e.eganter Paßform. Ganz besonders empfehle meine a t e i i u sä wHJ geschmackvollste unter Leitung IJ1U1 rter Zuschneider hervorbringt nea aateenommen t 8 m 1 1 1 di e Herren- Arllkel. J.BAER, Berlin, (ßeilage Freitag, 5. Juli 1929 SsvÄbpnd �p'Jsyitiqsj/Za xtai tburarA Streik in Elisabethton USA., Kapitel: Lohnpolitik/ Von Margaret Bowen In Clisabethion, in dem amerikanischen Südstaate Tcnnessze, liegen die amerikanischen Tochterfabriken des deut-schen Glanz st osfkonzerns, die American Glanzstoff und die American Lemberg Company. Die internationalen Kunstseiden- konzerne sind Hochburgen des Profits, sie haben in dem letzten Jahr- zehnt mit dem Siegeszug der Kunstseide Riesengewinne von Mil- lionen und Millionen eingeheimst. Das Kunstseidenkapital ist i nte r- national, und international ist auch der Lohndruck gegen- über der Arbeiterschaft. In Amerika wandert die Kunstseidenindustrie, dem Zuge der Textilindustrie folgend, nach den Südstaaten, dem Reservoir der billigen Arbeitskraft. Im Land der„hohen Löhne" werden so in diesen Bezirken die weißen wie die schwarzen Arbeitskräfte aufs schamloseste ausgebeutet, und die deutschen Unternehmun- gen bilden hierbei keine Ausnahme. Die Belegschaft der amerikanischen Glanzstofswerke ist wegen der unerträglichen Arbeitsbedingungen Mitte März dieses Jahres in Streik getreten. Die Streikenden wurden mit den brutalsten Mitteln bekämpft. Durch unermüdliche Organisierungsarbeit, durch die tatkräftige Unterstützung der American Federation of »ref ArbeHerinnen aus den amerikanischen glanx siofftverken mit ihrem TVochenlohn: 22, 31 und 35 Ulk. für 50 Arbeilsslunden Labor und durch das Eingreifen des amerikanischen Arbeitsmini- steriums haben die amerikanischen Glanzstofforbeiter nach mehr als zweimonatigem Streik ihr Recht erkämpft: Eine Lohnerhöhung von 8 bis 12 Pf. pro Stunde wurde zugebilligt, die Gewerkschaft an- erkannt und eine Betriebsverlretung zugelassen. Der Streik von Elisabethton ist ein gutes Beispiel für die Macht gewerkschaftlichen Zusammenschlusses. Bevor sich die Arbeiter von Elisabethton gesammelt hatten, waren sie ein Ob- jekt in den Händen der Betriebsleitung und nichts mehr. Sobald sie sich im Streik zusammengefunden hatten, stellten sie eine Machr da, über die die Betriebsleitung nicht mehr hinwegschreiten konnte. Aber erst durch den Anschluß an die Gcwerkschafts- beweg ung rissen sie den Sieg an sich. Allerdings: dieser Sieg war nur ein vorläufiger. Der Kampf Zwischen Betriebsleitung und Arbeiterbewegung ging weiter, auch als der L o h n f r i e d e geschlossen war. Es war jener Guerilla- trieg, jener Krieg im Dunkeln, den man überall in der kapitalistischen Welt beobachten kann Hatte die Betriebsleitung klein beigeben müssen, so versuchte sie sich durch Schikanen und Maßregelungen kleinlichster Natur sür ihre Niederlage zu rächen. Menschlichkeit ist es nie gewesen, von der sich das Kapital hat leiten lassen, obwohl es sür und mit Menschen arbeitet! Di« Leiterin der neugebild«ten Textilarbeitergewerkschaft in Elisabethton,.Margaret Bowen, gab auf dem Kongreß der amerikanischen Textilarbeitcrinnengewerkschaft den folgenden fesseln- den Bericht über die Ereignisse: „Ich wurde am 31. Oktober 1928 in Elisabethton in der Waren- schlußkontrollabteilung eingestellt. Ich rechnete damit, 16 Dollar in der Woche zu verdienen. Mein erster Lohn betrug freilich nur 10,08 Dollar. Zwei Wochen wurde ich angelernt, und dann kam ich als Aufseherin in die Sortierabteilung, wo S2 Mädchen unter mir arbeiteten. Mit meinem Verdienst war ich zunächst ganz zufrieden, denn ich dachte, daß man mir wahrscheinlich in zwei bis drei Wochen eine Zulage geben würde. So arbeitete ich denn in der Sortierabteilung für 10,08 Dollar weiter. Erst bei der ersten Februarauszahlung erhielt ich«ine Zulage und stieg auf ganze 10.64 Dollar die Woche, meine Mädchen verdienten noch bedeutend weniger. Ich wurde wiederholt um eine Zulage für meine Mädchen v o r st e l l i g und wurde ober iminer abgewiesen. Am Freitag, dem 12. März, vor Beginn des Streiks, bat ich meinen Vorgesetzten erneut, mich aufzubessern! auch das wurde abgeschlagen. Darauf verlangte ich nochmals eine Zulage für mein« Mädchen und wurde wieder abgewiesen. Ich arbeitete in der Abteilung, in der die beste Seide fabriziert wurde. Wir sortierten diese Seide und erledigten dann die Austräge sür Deutschland und Amerika. Als ich um die Lohnerhöhung bat. fragt« mich mein Vorgesetzter. Herr B u r n e t t: „Wozu brauchen Sie eigentlich einen höheren Lohn? Sie ver- dienen ja genug." „Herr Burnett," entgegnete ich,„ich war trank, ich habe zwei Arztrechnungcn zu bezahlen: außerdem 5 Dollar Kostgeld die Woche, 1 Dollar Wäsche, 1 Dollar Fahrgeld. Jetzt können Sie sich aus- rechnen, was mir bleibt. Ich kann mir kein Kleid kaufen, und man verlangt doch von uns. daß wir jeden Morgen adrett und in einem sauberen, netten Kleid erscheinen. Bei diesem Lohn können wir uns nichts anschaffen." Am Dienstag, dem 12. März, am Morgen des Streikbeginns, unterhielten sich Fräülein Brown, die die Oberaufsicht innehatte, und Mr. B u r n e t t in meiner Nähe, so daß ich Brocken des Ge- sprächs ausfing. B u r n e t t:„Was halten Sie von Fräulein Chambers?" Fräulem Brown:„Dieses Mädchen arbeitet hier in der Fabrik am längsten." B u r n e t t:„Wie steht es mit Fräulein Soundso?" Fräulein Brown:„Alles gut." Und so sprachen sie über fast alle Mädchen meiner Abteilung und gingen weiter. Ich dachte, sie wollten meinen Mädchen doch noch die Zulage geben, die ich verlangt hatte. Auf einmal kommt Fräulein Brown herüber und ruft: „Packt eure Seide zusammen!" Ich glaubte, mein« Abteilung käme in einen anderen Fabrik- räum, da ich darum gebeten hatte. Die Mädchen wurden mit der Seid« in einen anderen Saal gebracht, und ich blieb allein zurück. Ich fragte:„Was hat dies zu bedeuten, Fräulein Brown?" Fräulein Brown:„Sie sollten darauf stolz sein, daß Sie eine Abteilung unter sich haben." I ch:„Haben Sie mir meine Abteilung weggenommen?" Fräulein Brown:„Oh, Sie bekommen eine Abteilung." Nach kaum fünf Minuten erzählte mir eines meiner Mädchen, daß der Lohn der Sortiererinnen auf 11,20 Dollar und der der neuen Abteilungsleiterin auf 12,32 Dollar erhöht worden war, und ich stand da mit meinen 10,64 Dollar. Natürlich war ich darüber wütend. Die Mädchen, die mir neu geschickt wurden, schlugen vor: „Margaret, wir wollen die Arbeit niederlegen." Ich lehnte ab. Meine alten Mädchen ließen mir sagen:„Lege die Arbeit nieder, Margaret. Wir halten mit dir und wir werden auch unsere Auf- ficht dazu zwingen." Doch ich überlegte: Unsere 2 Abteilungen können gegen 14 nichts ausrichten. Wenn genügend Mädchen die Arbeit niederlegen, bin ich einverstanden. Auch die stellvertretende Oberaufsicht drängte auf Arbeitsnieder- legung: sie wollte mit uns gehen. Acht Abteilungen schlössen sich mir noch an, so daß wir im ganzen neun waren. Wir wollten am Dienstag, dem 12. März, um 1 Uhr die Arbeit niederlegen. Um 11.30 Uhr haben wir unsere Frühstückspause, in der wir über unsere Forderungen beraten wollten. Das Mädchen, das meiner früheren Abteilung als Aufsicht zu- geteilt worden war, wollte nicht mitmachen, sie verdiente 12,32 Dollar die Woche. Die Mädchen meinten:„Gut, Bessie Mae, du kannst ja drin bleiben, du wit:st bald aber herauskommen." Während des Frühstücks bekam die Oberaufsicht Wind von dem Streik und lief zum Betriebsleiter Mr. Gill. Er versammelte alle Abteilungs- leiterinnen und sagte: „Ich gebe euch 20 Cent die Stunde, wenn ihr den Streik erstickt!" Er erwähnte jedoch nicht von den Anstiftern des Streiks über- Haupt. Ich war wütend über diesen Bestechungsversuch und erzählte meinen Mädchen nichts davon. Es war 12.20 Uhr, als er mit mir sprach, und ich ging zu meiner Abteilung zurück und schimpfte unauf- hörlich. Die Mädchen fragten mich:„Was zu Teujcl hat er dir gesagt?" Doch ich schwieg und ging in den Waschraum. Ich wurde den ganzen Morgen beobachtet, da man mich sür die Sommerliche Stadt. Von Bruno Schönlank. Einen freien Tag trägt die Woche im Schoß... O, rvie ist die Sehnsucht nach dem Sonntag so groß, Wenn der Sommerwind durch die Straßen geht, Und gleißende Sonne über dem Häusermeer steht Und sie hämmern müssen und hobeln und Schreibmaschine tippen Und doch träumen möchten von Wiesen, Wäldern und Meeresklippen. Jeden Bahnhof umflattert Sehnsucht heiß:, Hinauszufahren auf blankem Gleis In die sommerlich blühende, die reifende Weif, Die allen die goldene Schale hält. Doch der Werktag kreischt in die Phantasien Und läßt die Berge und Meere entfliehen. Einen freien Tag hat die Woche allein: Ach, mär es ein Sonntag mit schimmerndem Sonnenschein, Mit Lerchenjubel über wogender Felder Glast, Mit Quellenrauschen unter blühender Sträucher Rast. Ein Tag mit jubelndem, buntem Menschenmogen, Die an das Herz ihrer Mutter, der Erde, geflogen! - r-— �n�rri�r-�riTi�TTr�Tir— Ein armer Narr! Von Heinrich Hemmer „Kaufen Sie Land?" „Ich? In dieser Wüste?" Armer Narr! dachte ich und ließ den Makler stehen, der mich auf der Präriestrahe angehalten hatte, wo schon ein paar geschmacklose Häuser und ein Grand Central (-Hotel) aus der Oede ragten. „Kaufen Sie Land?" fragte der Wirt vom Grand Central Hotel, nachdem ich mich so weit gestärkt hatte, daß ich ohne Uebelkeit zu verspüren in die trostlose Gegend hinausblicken konnte. Armer Narr! dachte ich und ging auf mein Zimmer. Morgens sechs:„Kaufen Sie Land?" fragte der Arzt des Ortes, mich weckend.„Ich bin ein Landsmann von Ihnen." Ein Narr! dachte ich, mich im Bette umwendend. Als ich neulich in die Tasche griff, um mit meinen letzten paar Groschen den Kellner vom„Romanischen Cafe" zu bezahlen, siel mein Blick auf eine amerikanische Zeitung, die ein Fremder hatte liegen lassen. Ich las den Namen der nun volkreichen kanadischen Präriestadt, die ich vor zwanzig Jahren voll Mißtrauen besucht halte:— hinter den Ziffern einer Rekord-Weizenernte. Das Blatt entfiel meinen Händen und ich starrte auf mein eigenes Gesicht in Spiegel. Jhmet Narrst" dachte ich. Anführerin hielt. Auf dem Weg zum Waschraum kam gerade die Haspelabteilung zur Frühstückspause heraus. Jemand schrie: „Die Sortierabteilung streikt!" Draußen fand ich die ganze Belegschaft— 550 Leute. Nur 17 waren dringeblieben, mit ihnen auch die stellvertretende Ober- aufsicht. Als ich aus dem Tor trat, holte mich der Betriebsleiter Mr. Gill ein:„Margaret, Ihre Mädchen dürfen die Arbeit nicht verlassen." Ich darauf:„Wissen Sie, was heute früh geschehen ist?" Er:„Nein". „Nun, man nahm mir meine Abteilung, erhöhte den Lohn der Sortiererinnen und den der neuen Leiterin. Ich hör« auf zu arbeiten und bleibe mit den übrigen Mädchen fort." „Bitte schön, hier ist die Tür!" „Danke sehr," sagte ich und ging. Ich war im Komitee, das mit der Lestung verhandeln sollte. Wir ließen ihr mitteilen, daß wir jetzt hierzu bereit wären. Aber die Leitung lehnte ab, und wir warteten den ganzen Nach» 3)ie Strelklellung mittag bis ö'/b' Uhr abends. Es ging«in Gerücht um, daß wir mit Wasserschläuchen vertrieben werden sollten, aber nichts derartiges geschah. So standen wir jeden Nachmittag in der Fabrik und warteten. Die 3- Uhr- Schi cht, die am Nachmittag ging, lieh uns sagen:„Wenn ihr kein Angebot bekommt, schließen wir uns morgen an!" Am nächsten Morgen waren wir schon vor 6 Uhr vor der Fabrik. Die Lumpen gingen hinein— es waren 17 Auf- scherinnen. Natürlich konnten wir sie nicht zurückholen, aber wir nahmen sie uns nachher vor. Die Belegschaft aus den beiden Haspelabteilungen teilte uns mit? „Wenn ihr bis 9 Uhr keinen Bescheid habt, machen wir mit." Die Männer sandten«inen Vertreter:„Wenn bis 12 Uhr kein Angebot vorliegt, geht der Kampf los." Wir baten nochmals die Fabrikleitung um Verhandlungen, und wieder wurden wir abgewiesen. Es war ein regnerischer Tag, und wir standen herum. Die 3-Uhr-Schicht und die Spinner gesellten sich zu uns. Wir hatten jetzt die Masse, die wir brauchten, hinter uns. Da niemand von der Direktion zu uns kam, ösfneten wir 10 Minuten vor 9 Uhr die Tore und gingen hinein. Die Türen waren verrämmt. Wir kamen in den Spinnraum und nahmen alle Leute mit. die dort arbeiteten: dann schleppten wir die Arbeiter aus dem Haspelraum. Ein P o l i z i st schlug ein Mädchen mit seinem Gummiknüppel, als wir wieder heraus kamen. Nun begann eine Schlägerei. Ich verließ die Fabrik um 11 Uhr, ging zum Gewerkschaftshous und trat in die Gewerkschaft ein. Wir hatten zu dieser Zeit von organisierter Arbeit und ihrer Bedeutung noch keine Ahnung. Nun fingen wir erst an, uns zu organisieren und gingen dann überhaupt nicht mehr vor die Fabrik. Am Montag trat die Beleg- schaft von Bemberg in Sympaihiestreik ein, sie streikten nicht um Erhöhung der Löhne, die sie vielmehr im Gegensatz zu uns schon früher durchgedrückt hatten. Wir setzten die Organisations- arbeit fort, jeder kleine Zwischenfall brachte uns neue Mitglieder. Wir haben jetzt 4613 Mitglieder von insgesamt 5 5 00 beschäftigten Arbeitern. Am 22. März kam eine Verständigung zustande Es wurde zu- gesichert, daß gegenüber den organisierten Arbeitern keinerlei Maß- regelungen getrosfen werden sollten. Trotzdem fanden in weniger als zwei Wochen 390 Maßregelungen statt. Ich nahm meine Arbeit erst gar nicht wieder auf, da ich von vornherein annahm, daß man mich heraussetzen würde. Die Fabrikleitung nahm Eick- lassungen wegen der nichtigsten Vorfälle vor. Eine Arbeiterin wurde entlassen, weil ihr während der Arbeit schlecht wurde, eine andere, weil sie sich die Nase puderte. Einige Mädchen bekamen die ver- sprochenen Lohnerhöhungen, andere wieder nicht, einige wurden sogar willkürlich im Lohn herabgesetzt. Als nun eines Montags 90 Mann auf einmal entlassen wurden, brach ein zweiter allgemeiner Streik aus. Jetzt siiÄ die Straßen der Stadt voll von'gegen uns herbei- geholten Truppen, und Maschinengewehre stehen vor den Fabriken, damit die organisierten Arbeiter die Streikbrecher nicht an der Arbeit hindern können. Bei uns Streikenden ist indessen große Not eingetreten, denn niemand von uns konnte sich bei dem geringen Lohn irgendwelche Ersparnisse zurücklegen. Viele Arbeiterinnen sind schon in Schulden geraten, und einige von ihnen— darunter zwei löjährig« Mädchen— wurden, als sie ihr K o st g e l d nicht zahlen konnten, verklagt und zu Gefängnis verurteilt Zn der Fabrik befchösligt man jetzt als Ersah zehnjährige Kinder. Alan gibt ihnen, nur um sie zu halten, denselben Lohn von 8.96 bis bis 10.80 Dollar, den unsere erwachsenen Dollarbeiterinnen erhalten haben. Seit Beginn des ersten Streiks arbeite ich nun schon zwei Monate lang Tag und Nacht in der Gewerkschaft. Möge der Kampf auch dauern, solange er will, wir werden nicht nachgeben, bis wir zu unserem Recht gekommen sind." tAtaföt au» bm Amerikanischen von 3c n s« 32 c b 6• I f o i«0 Copyright by Orell FDßli, Zürich (12. Fortsetzung.) Marguerite nxrr allein und sie horchte: ein Tosen stieg aus dem Dorfe auf. obwohl es schon spät war. Niemand schien an diesem Abend Lust nach Schlaf zu haben. Es war wie eine Art sektsamer Weihnachten, wie eine falsche heilige Nacht. Es schlug Mitternacht. Marguerite wartet« immer noch. Leute gingen und kamen an ihrem Haus vorüber. Man hörte in den Nachbarhäusern sprechen. Und jedesmal richtete die Greisin inühsam ihren Kopf in die Höhe(sie satz vor dem Ofen in ihrem allen, dunklen, schmucklosen Leibchen und dem dicken Rock mit den vielen Falten), wenn sich ein Geräusch von Schritten oder eine Stimme hören ließ. Und sie fragte sich jedesmal: .Öst er es?" Aber er kam nicht. Und allmählich versank alles im Schweigen, weil es ein Uhr geschlagen hatte und weil es nun zwei Uhr schlug. Sie betrat ihr Zimmer und begann sich zu entkleiden. Und dann schien es ihr, als taste eine Hand am Schlüsselloch herum. Sie neigte ihr Ohr lauschend hin: es suchte wirklich jemand mit einem Schlüssel zu öffnen. Es war ein sehr alles verzwicktes Schloß mit einer ge- Heimen Klinke, und der Schlüssel dazu wog nahezu ein Pfund. Zu- letzt gab es doch dieses Knorren, das die Greisin erwartete. Da zögerte sie nicht mehr. Zur Hälfte entkleidet lief sie in die Küche. Und just im Augenblicke, wie sie dort ankam, öffnete sich langsam die Türe(und sie schrie keineswegs m den Angeln, die Türe) und sie sah ihren Sohn eintreten. Er hob die Hand und machte ihr Zeichen, zu schweigen. Mit derselben Vorsicht, mit der er die Türe aufgeton hatte, schloß er sie wieder. Er näherte sich ihr, und bevor sie Zeit gehabt hatte, ihren Mund zu öffnen: „Mutter(er sprach sehr leise und sehr schnell), rüste mir Brot, Käse, trockenes Fleisch und eine Flasche Wein. Und gib mir auch Decken, und von den wärmsten. Die aus meinem Bett.. Sie gab nur acht auf seinen letzten Satz. Sie sagte: „Und du?"... Aber schon fuhr er fort:„Mutter, ich bitte dich, oergeud' die Zeit nicht. Es ist schon spät, und bald wird die Nacht vorbei sein..." Und wie sie sich immer noch nicht rührte, da ging er selber und öffnete den Küchenschrank und nahm daraus die Vorräte, die auf Tellern weggestellt waren,.. „Andreas," rief sie. Er wandte sich.„Andreas, du bist mein Sohn� sag mir alles.. Er fragte:„Was soll ich dir sagen?" Und sie:„Du sollst mir sagen, für wen..." Da gab er zur Antwort:„Wirklich, Mutter, du hast noch nicht begriffen?" Er hatte sich aufgerichtet. Sie sah seine schöner� großen, schwarzen Augen im Schein der Kerzen glänzten. Sie sah: dies war ihr Sohn, und er war groß und schön. Sie sah, wie sein« Kleider naß waren und Tropfen aus seinem Bart herab flössen. Sie lief zu ihm hin, sie faßte ihn um den Hals:„Andreas, vergiß nicht, wir haben immer zusammen gelebt: es ist fall draußen, du kannst krank werden. Andreas, bleibe hier. Man wird nichts erfahren..." Sie begann wieder:„Er wird nichts oernehmen..." Und sie fuhr fort:„Sie erzählen, daß er ein böser Mensch sei." Ab«r er wies sie heftig zurecht, mit lauter Stimme:„Mutter, Haft du vergessen? Als sie dich auf diesen Tisch gelegt hotten, er- innere dich, und sie sagten:.Sie ist verloren/ Das ist nicht sehr lange her, Mutter... und ich Hobe es nicht vergessen..." Sie hatte ihre Amte gesenkt. Sie sagte kein Wort mehr. Und er wiederholte:„Rasch! Vorwärts!" Mit Müh« konnte sie sich anstecht halten. Er hotte einen Trag- korb ergriffen. Da hinein legte er alles, was er an Vorräten be- nötigte: Brot, Fleisch, Käse und darüber die Decken. Währenddessen machte sie sich, nutzlos, da und dort zu schaffen. Ihre Hände waren furchtsam: sie stand ihm nur im Wege. Und schon war er fertig. Er wandte sich nach der Tür. Und, im Hinausgehen, sagte er:„Die nächste Nacht werde ich wieder kommen. Sieh zu, daß ich dann nicht matten muß." Er war schon weit, wie sie inne wurde, daß er sie zum Abschied nicht geküßt hatte. Und er kam wieder, wie er gesagt hatte. Drei Nächte gingen so vorüber. In der vietten Nacht herrscht« eine grimmige Kälte, heftiger als je, und ein starker Husten knirschte in seiner Brust. Da hielt sie nicht mehr an sich und sagte sich: „Nur jenes Fremden wegen hat er diesen Husten. Vielleicht wird er noch seinetwegen sterben. Es ist wahr, dieser Mensch hat mich gesund gemacht. Aber wenn es so kommen müßte, wäre es besser, er hätte mich sterben lassen." Nach und nach stand«in Haß in ihr auf. Man teill sein Herz nicht wie einen Apfel in zwei Stücke. Sie merkte, daß sie es ganz geben mußte. Und so geschah es, daß sie in der vierten Nacht ihrem Sohne nochschlich und auf diese Weise den Unterschlupf erfuhr: ganz behutsam war sie ihm im Monden- schein nachgefolgt. Wie sie heimkam, brauchte sie nur Communier aufzusuchen. Sie sagte zu ihm:„Nur unter der Bedingung, daß meinem Sohne, der mit ihm ging, nichts geschieht. Denn er hatte niemals böse Absichten, dieser Mensch hat ihn verführt..." Eommunier gab seine Zusicherung. Sie waren schon unterwegs, als es Tag wurde. Sie hatten sich in zwei Schoren geteilt, um auf diese Weise den Ort zu um- zingeln. wohin sich der Fremde geflüchtet hatte. Noch der Erzählung der alten Marguerite war es in einer dichten Hecke oben an einer Wiese, die man Moilles nannte. Ein wenig unterhalb begann ein felsiger Abhang, der senkrecht ins Tal f-el. Wie der Tag vorrückte, sahen sie immer besser, wie dick der Nebel war. Um so besser. Mit Mühe vermochten sie von einem Glied zum anderen zu sehen, und wer an der Spitze schritt, schien den Nachfolgenden sein eigener Schatten zu sein, der ihm voraushuschte. Ihre einzige Sorge war, sich dem Fremden nähern zu können, ohne daß sie darüber ertappt wurden. Und dieser starte Nebel, so un- bequem cr auch war, um sich zurecht zu finden, begünstigte sie in ihrem Vorhaben mehr als der schönste Sonnenschein. Sic achteten peinlich darauf, kein Geräusch zu machen. Es war ein Glück, daß Schnee log: man geht in ihm wie auf Tuch: man ist von Watte, von Flaum eingehüllt. Und bis zwischen die Felsen war es still unter ihnen und um sie herum, wie wenn man auf die Rebhuhnjagd geht. Sie trugen ihre Stöcke. Gabeln und Gabelstiel«. Und jenen, die Feuerwaffen trugen, hatte Communier eingeschärft:„Selbswer- ständlich... sobald er sich flüchten will, brennt ihr ihm eins auf." Unterdessen hatten sie die Anhöhe behutsam von der Seite her erreicht. Bald hier, bald da hatte der Schnee nicht mehr gehalten oder war weggerollt, so daß sie auf der gestorenen Erde schtttten. Vorsicht war geboten, der abschüssigen Stellen wegen. Aber sie hatten Berglerfüße, und dann war es nicht dos erstemal, daß sie während des Winters Hänge durchquerten: man muß ins Holz gehen, viele von ihnen waren Jäger. Und nachdem sie unterhalb der Stelle angekommen waren, an der sich, dem Bericht zufolge, der Fremde versteckt halten mußte(an der besagten Wiese Moilles, die sie noch nicht erblickten, weil der Kamm sie ihnen verbarg), da begannen sie regelrecht zu klettern. In diesem Augenblick erhob sich der Wind. Er grub Löcher in den Nebel. Wie ein Bau, der aus einem einzigen Stück gemacht zu sein scheint, und an dem man plötzlich die Steine unterscheidet, weil sie sich von der Stelle be- wegen, so fühlte man rund um sich herum die Massen eine noch der anderen sich regen und schweigend einstürzen. Nichts konnte ihnen unzweckmäßiger fein, wie sie bemettten. Eile tat not. Aus inncrem Antriebe duckten sie sich nieder, und so geduckt legten sie die letzten Schtttte zurück. Plötzlich traf sie von der Seite her ein mächttger Strahl der Sonne. Sie reckten die Hälse und spähten. Sie waren gar nicht über- rascht, zu sehen, wie sich ihnen die Wiese Moilles ganz offen dar» bot, und auch die Waldung dahinten, wo einzig noch hier und dott verloren weiße Nebelkissen schwammen. Denn sie hielten ihre Blicke vorwiegend auf die Hecke ihnen gerade gegenüber gerichtet, eine hohe Dornenhecke, die sich quer durch das Feld hinzog. Sie lehnte sich an einen Hügel. Das war eben die Höhe, welche sie zum Schein so hoch machte. Der Schnee, mit dem die Hecke bedeckt war, hatte das Astwett niedergebogen, so daß es sie nach Att eines Daches überwölbte: darin gab es sonderbare Höhlungen. Vor einer war der Schnee zusammengestampft. Sogleich wußten sie, was dies bedeuttte. Sie begannen zu laufen und teilten sich in einen mächtigen Halbkreis, während die andere Schar am Waldsaum auftauchte. Nichts rührte sich in der Hecke: sie konnten sich nähern. Und da, in der Hecke, deren ver» flochtene Zweige an dos Maschenwerk eines Korbes denken liehen, gab es einen Raum wie ein Zimmer, und darin war Dranchu, und Branchu schlief. Sie bettachteten ihn beinahe mit Neid, st» wohl war er ge- borgen. Er lag in viele Decken gerollt da. Eine weitere Decke, vier- fach gefaltet, diente ihm als Kopfkissen. Eine dicke Matratze aus dllrrein Laub war unter ihn geschoben. Und man bemettte, auf Handlänge von ihm entfernt, und mit einem sehr weißen Tuche zu- gedeckt, einen Korb, und daraus empor ragte das goidgebräunte Ende eines Brotes und der Hals einer Flasche. Freilich, Lhot« war nicht anwesend, wie sie gemutmaßt hatten. Der Fremde war allein, und cr schlief. Man konnte sich nichts Fried- licheres denken, man hätte sagen können: ein kleines Kind. Der Fremde hielt den Kopf zur Seite geneigt, die Hände über der Brust gekreuzt. Aus seinem offenen Munde stieg ein leichtes Schnarchen empor. Die Gelegenheit war zu günstig. Sie sagten sich m der Eile: „Man wird ihm seine Rechnung später machen. Für den Augenblick ist es-genug, wenn wir ihn an der Flucht hindern." Drei der Beherztesten warfen sich auf ihn. Der eine würgte ihn cnn Hals, der zweit« packte ihn an den Armen, der dritte bei den Beinen. Man reicht« ihnen Stricke, ein Wirrwarr entstand: schon war Branchu aus seinem Versteck herausgezerrt. Und während einer der Männer ihn unter den Knien faßte, banden ihm die anderen Hände und Füße. Er schien übrigens gar nicht an Flucht und auch nicht an Verteidigung zu denken. Er hatte sich nicht einmal gesträubt. Und jetzt, auf dem Rücken liegend, die Hände an den Leib gefesselt, blickte er in die Runde und lächelte. Die ihn festhielten, kehrten sich gar nicht darnach. Mochte er lachen oder nicht, mochte er dieses oder ein arrderes Gesicht schneiden, was mochte dos aus? Die Hauptsache war, man hatte ihn. Eine mächtige Fröhlichkeit kam über sie. Sie drängten sich um den Fremden, sie verspotteten ihn lärmend. Sie riefen:„Das muß schön werden. Wir veranstalten ihm zu Ehren einen Festzug. Com- immier, du bist nicht mehr die Hauptperson: die ist jetzt er." Und schon ordneten sie sich zu zweien auf dem Wege. In der Mitte der Kolonne blieb ein Zwischenraum: da hinein fügte man Branchu: da war cr trefflich am Platze. Denn diejenigen, die an der Spitze gingen, kündeten ihn an, und die anderen, die hinter ihm schritten, gaben ihm das Geleite wie einem König. Fürst des Unheils, du bist in unserer Gewall! Man faßte ihn an, brach in schallendes Gelächter aus: man erblickte ein hoch- gehobenes Bündel, wie es an den Armen gepackt und fortgeschasft wurde. Zwei der Stärksten hatten ihn auf die Schultern gehoben. Er plante hoch oben wie auf einem Thron. Der Thron aber ist der Sitz des Fürsten. Dann ging es weiter in feierlichem Auf- zug. Sie schritten zu Zweien auf einem kaum gebahnten Fußpfad. Aber mühelos, infolge ihrer Zahl, schufen sie sich den Durchgang. Ueber ihre Köpfe hinaus ragten die Stecken und die Gewehrläufe. Geschrei und Lachen stieg aus der Kolonne. Witzworte blitzten auf, glitten von Reihe zu Reihe, und neue wurden zurückgeschickt. Und rings um sie her in der Unendlichkeit glitzerte in mächtigem Wider- schein das unermeßliche Weiß des Schnees, überfließend von goldener Sonne. Sogar die Sonne nimmt teil an der Feier, und unser König ist unter uns! Man trägt ihn, weil Könige immer getragen werden. Die König« verlassen nie den Thron. Man wird ihm eine Krone flechten, wird ihm ein Zepter in die Hand geben. All« sprachen immerwährend und viel: kamen aber gleichwohl rasch vorwärts. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Der Kanaltunnel. Das auf Beschluß des englischen Parlaments eingesetzte Komitee für die Kanaltunnelfrage hat nunmehr sein« Arbeiten beendigt und ist zurzeit mit der Redaktion seines Berichtes beschäftigt, der noch vor den Parlamentsferien dem Ministerpräsidenten Macdonald über- reicht werden soll. Von 63 Handelskammern hat sich nur eine, und zwar aus leicht erklärlichen Gründen die von Dover, gegen das Projekt ausgesprochen. Da im Fall« einer baldigen Inangriffnahme des Tunnels die englische Arbeitslosigkeit vermindert werden würde, dürfte sich das Kabinett bald aufs eingehendste mit dem Projekt be- fassen. Die Mehrzahl der Minister ist, wie aus privaten Aeußerun- gen hervorgeht, sehr für das Projekt, so daß mit dessen baldiger Aus- führung ernstlich gerechnet werden darf. Der rasende Tod. Die letzte Statistik der amerikanischen Automobilvereinigung be- richtet, daß im Jahre 1928 nicht weniger als 27 288 Personen von Automobilisten getötet wurden. Die Gesamtoerluste in den letzten zehn Jahren betrugen 184 534 Personen. Die Herren„Lehrte" und„Bahnhof" Der„Frankfurter Zeitung" wird geschrieben:„Die in Kairo in englischer Sprache erscheinende„Egyptian Mail" berichtet über die Reise des Königs Fuad nach Deutschland folgendes: König Fuad passierte die Grenze Deutschlands und wurde in der großen Stadt Singen von einem General und mehreren höheren Beamten empfangen. Er setzte seine Reise nach Berlin fort und hier erwarteten ihn die Herren Lehrte und Bahnhof." Freitag, 5. Juli. Berlin. 16.00 Prof. Otto Baschin: Die in der Erde schlummernden Kräfte, 16.30 Dr. Bruno Birnbaum: Wohlstand und VcrmSten. 17.00 Unterhaltungsmusik. Anschließend; Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.40 L. Lehmann: Autostraßenbau in Deutschland. 19.05 Dt. Th. Tichauer: Internationale geistige Zusammenarbeit. 19.30 E. R. Uderstädt; Fahrt in die Uckermark. 20.00 Von Stuttgart Rundfunkmnsik 6. Lübecker Totentanz. Rundfunk- komposilionen von Hermann Rentier. 20.30 Abendunterhaltung. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. Känigswusterhausen. 16.00 Gartenschulleitet Höhne: Die unterrichtliche Aufgabe der Oarten- arbeitsschule. 16.30 Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung fn Sonate und Sinfonie. 17.00 Uebertragung von Leipzig. 18,00 Dr. Wilhelm Grotkopp: Erobert Amerika mit seinen Fertigwaren den Wellmarkt? 18.30 P. Menge. Wernigerode: Wanderungen durch den Harz. 18.55 Prof. Dr. Kurt Krause: Blumen und Insekten. 19.30 Wassenschatllicher Vortras für Aerztc. Frische Luft im Unterhaus! Es ist in früheren Iahren häufiger vorgelommen. daß das englische Unterhaus sich mitten im Sommer vertagen mußt«, weil die Luft im Sitzungssaal so schlecht war. daß es nicht darin aus- zuhalten war. Nunmehr find große Belüftungsanlagen angelegt worden, die für erträgliche Luft sorgen. Gegenüber der Themse sind 35 Stellen durch die Mauer gebrochen worden, die für den Zustrom bzw. Abzug der Luft sorgen. Lord Revelstokes Erbe. Das Testament des während der Pariser Sachverständigen- konserenz so jäh aus dem Leben geschiedenen Lord Reoelstoke ist soeben eröffnet worden. Reoelstoke hinterläßt seinen Erben ein Vermögen von rund 79 Millionen Mark, von denen der englische Fiskus 20 Millionen als Erbschaftssteuer einstreicht. An Legaten für Wohltätigkeitseinrichtungen sind 1« Millionen Mark ausgesetzt. Di« wertvollen Kunsffammlungen gehen an das Britische Museum über. Jeder Angestellte des Londoner Bankhauses Baring. dessen Inhaber der Tote war, erhält ein Iahresgehalt. Photographie im Dienste der Stadtwerbung. Der Magistrat der Stadt Chemnitz erläßt ein Preisausschreiben für das schönste Photo aus dem Stadtbild, das für Werbezwecke vom Verkehrsbureau verwandt werden kann. Es sind dafür mehrere Press« im Gesamtbetrag« von 1000 M. vorgesehen. Kunstverkauf in der U-Bahn. Sehr großes Aussehen erregt ein Pariser Maler, der auf sehr eigenartige Weise seine Gemälde verkauft. Sobald er ein Bild fertig. gestellt hat, setzt er sich auf einen Zug der„Metro", der Pariser Untergrundbahn, nimmt den rückwärtigen Klappsitz herunter und stellt das Bild auf feine Knie. Ohne Pause fährt er hin und her, bis sich ein Interessent für das Bild gefunden hat. Bisher soll cr auf diese Weise sehr gute Verkaufserlöse erzielt haben. In Amerika herrscht große Aufregung über ein Urteil, das der Richter Marren B. Burrows von Neu-England gegen die bekannte Schriftstellerin Mary Ware Dennett gefällt hat. Die in Fachliteraturkreisen sehr bekannte Autorin hatte ein Buch über die Entstchung des Menschen veröffentlicht und wurde dafür mit fünf Jahren Gefängnis bestraft. Der Richter fand es nicht für nötig, einen Sachverständigen zu hören. Amerika... Anzeig« im„New Aork Sun":„Hiermit erfüll« ich die traurige Pflicht, allen Bekannten mitzuteilen, daß mir der Tod gestern meine innigstgeliebte Gattin geraubt hat, als sie mir«inen Sohn schenkte. für den ich eine Pflegerin für die Zeit such«, bis ich eine neue Lebens- gefährttn gefunden Hab«, die hübsch und im Besitze von 20 000 Dollar sein muß, weil ich mein renommiertes Wäschegeschäft nach billigstem Ausverkauf aller Restbestände in meinem Neubau Nr. 174 der 12. Avenue überführen will, wo prachwolle Wohnungen von 500 Dollar an zu vermieten sind." Uh&fJünoloJ/zik/. Die Finnen in Nürnberg. Aus Finnland wird uns geschrieben:„Nun können wir das Versprechen einlösen, daß der Arbeitersportbund(TllL.) auf dem 2. Bundesfest des deutschen Bruderocrbandes in Nürnberg vertreten fein wird. Am 13. Juli geht die Fahrt von Helsingfors los. Infolge eines Schwächeanfalls bewilligte der finnische Staats- rat für die TUL.-Bundesmannschaft nur 6500 deutsche Reichsmark. Der TUL. muß noch einige Tausender beifügen, um folgende Ver- trctung senden zu können: 7 Leichtathleten,(5 Ringer, 3 Turner, 2 Schwimmer, 2 Sportlerinnen. Die 6 Ringer sind all« TUL.-Bundesmeister von 1929. Es kommen nach Nürnberg: P. Paukkonen(Fliegengewicht), E. Nuütinen (Federgewicht), V. Lempinen(Leichtgewicht), Lammi(Mittelgewicht), T. Gerdt(Halbschwergewicht), Mäkelä(Schwergewicht). Die Turner fenöen ihre drei besten Leute und mehrmaligen TUL.- Meister: Onni Mäki, Kalle Lehtincn(ist gleichzeitig zweitbester TUL.-Turmspringer) und Kalervo Karasti. Die Schwimmer sind durch A. Kaivola und Irja Henrikson vertreten, beide gehören mit zu den besten Kräften des TUL. Die Leichtathleten werden in Nürnberg den TUL. in bekannter Weise vertreten. Diesmal find außer der, alten Kämpen: Niilo Bothas, Hj. Etholen, Lauri Vir- tanen, Vilho Takkinen und Ball, neue Gesichter: Salojärvi und der Deutschfinne Fritz Lehmann. Bothas wird 5000 Meter laufen. Er ist zurzeit gut in Form, und man glaubt, daß er diese Strecke unter 15 Minuten bewältigen wird. Beim 1500-Meter-Lauf dürfte er nicht viel über 4 Minuten gebrauchen. Virtancn wird 5000 Meter und vermutlich auch 3000 Meter laufen und dabei sicher mit Leichtig- kcit die 3000 Meter unter 9 Minuten und 5000 Meter in knapp 15 Minuten zurücklegen. Voll, TUL.-Zehnkampfmeister und Einzel- kämpfer, ist ein ausgezeichneter 400-Meter-Läufer und ist in Kugel- stoßen, Diskuswerfen, Hürdenlaufen sowie 100-Meter-Lauf nicht leicht zu nehmen. Totkinnen, unser bester Speerwerfer und Weit- springer, der ebenso im Diskuswerfen feinen Mann stellt wie beim Dreisprung, wird bestimmt große Anteilnahme bei den Freunden des Speerwerfens erwecken. Auch ist Taktinnen TUL.-Fünfkampf- mcister. Taktinnens Speerwurf von 63,73 Meter(in Deutschland erreicht) läßt aushorchen. Etholen, ein Bekannter vom Olympia in Frankfurt 1925, fehlt in keiner TUL.-Auslandvertretung. 100 Meter und 200 Meter sowie Hoch- und Weitsprung sind sein Element. Etholens eigenartiger Hochsprungstil wird wieder viele Bewunderer finden. Salojärvi ist das erstemal als TUL.-Vertreter mit im Ausland. Er hält den Bundesrekord von 500 Meter in 1 Minute 07,1 Sekunden und ist auf den Strecken 800 Meter und 1000 Meter wieder der beste Mann im TUL. Lehmann, der Deutschfinne(er ist ein Dresdener Kind) ist unter den 10 000-Met«r-Läufern zu finden und hofft, in diesem Wettbewerb in Nürnberg nicht das Schlußlicht zu machen. Die Sportlerinnen senden ebenfalls zwei ihrer Besten. Tyyne Miinalainen läuft 100 Meter in 13 Sekunden und beherrscht sehr gut Hoch, und Weitsprung, Kugel und Speer. Ob die„Frau" Miinalainen noch die Frankfurter Olympiatämpserin„Tyyne Vir- tanen" ist, wird sie in Nürnberg beweisen müssen. Rauha Lank- kanen bestreitet dieselben Sportarten und wird bemüht sein, d:e in sie gesetzten Hoffnungen auf ihrer ersten Auslandreise zu erfüllen. Leiter der TUL.-Mannschaft ist der im TUL. sehr bekannt« Techniker Daino Koivula, der gleichzeitig Schriftleiter der TUL.-Zeitung ist. Ihm zur Seit« wird als Dolmetscher Lehmann stehen. Di« TUL.-Mannschaft sieht in ihrer Teilnahm« am 2. Bundes- fest nicht die Aufgabe, finnischen Sport zu zeigen, sondern sie kommt nach Nürnberg, um das Band der Soziali st ischen Arbeiter.Sportinternationalc fester zu knüpfen. Die Festtage in Nürnberg sollen uns neue Kraft und Ansporn geben für die Durchsetzung des Volkssportgedankens in unserem Lande. Wir kommen nach Nürnberg als bescheiden« Mitkämpfer im Dienste der Sozialistischen Arbeiter-Sportinternationale, sie zu festigen, auszubauen, damit das 2. Olympia ein unvergeßliches leben- diges Bekenntnis für den internationalen Sozialismus werde. Die Festtage in Nürnberg sollen auch gleichzeitig ein energisches Nein gegen Krieg und Völkerverhetzung sein. Dir. Nürn- berg, gilt unser herzlichster Bundesgruh aus dem Lande der tausend Seen." Erwerbslose und 2. Bundesfest. Erwerbslose Teilnehmer am 2. Bundessest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes vom 18. bis 21. Juli in Nürnberg wollen sich beim Nachsuchen auf den Arbeitsämtern um Befreiung von der St emp elpslicht für Fest- und Fahrttage auf nachstehendes Schreiben des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung an den Arbeiter-Turn- und Sportbund beziehen: Der Präsident Berlin� NW. 40, 26. 6. 29. der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung Scharnhorststr. 35. und Arbettslosenversicherung. Geschästzzeichen: III 4557/29. An den' Arbeiter-Turn- und Sportbund, Leipzig S. 3. Auf das Schreiben vom 22. Juni 1929: Ich habe die Herren Präsidenten der Landesarbeitsämter angewiesen. mit Rücksicht auf den v o l k s g e s u n d h e i tl i ch«n Wert der Turn- und Sportbewegung den � 114 AVAVG. in Einzelfällen wohlwollend zu handhaben, so. fern die Verhältnisse nicht eine andere Beurteilung erfordern und insbesondere die Arbeitsvermittlung nicht beeinträchtigt wird. � (Stempel.) gez. Dr. Syrup. Beglaubigt: Unterschrift. Ein eigenes Posiamt. Während des Bundesfestes wird auf dem Feftplotz im Nürn- berger Stadion eine Postanstalt eingerichtet. Gewöhnliche Briefsendungen, die bei dieser Postanstalt abgeholt werden sollen, müssen die Ausschrift„Postlagernd Nürnberg Stadion" tragen. Postlagernde eingeschrieben« Briefsendungen, Postanweisungen und Pakete können nur bei den Postämtern Nürnberg 2 und Nürn- berg 3 am Hauptbahnhof gegen Vorzeigung vollgültiger Ausweis- Papiere(Postausweiskarte, Paß usw.) abgeholt werden. Di« Tele- gramm« an die Festteilnehmer werden in den einzelnen Unter. künften zugestellt. Es ist daher notwendig, daß die Absender von Telegrammen in der Anschrift den Kreis, Verein usw. angeben. Die Kreisleitung für Handballspiele teilt mit, daß die für Sonnabend angesetzten Spiel« der Nürnberg-Mannschaften technischer Schwierigkeiten wegen ausfallen. RacUFfcistercchaLtsnnwarter. Teilnehmer der Benifsmeisterschafien. Die Bewerberliste für die Deutschen Radmeisterschasten der B c- r u f s f a h r e r. die am 12. und 14. Juli auf der Bahn des S t a- d i o n s im Grunewald zur Entscheidung kommen, ist jetzt ge- schlössen. Insgesamt haben sich 72 Meisterschaftskandidaten ein- schreiben lassen, und zwar 49 Flieger und 23 Dauerfahrer. Die Meisterschaft über die kurze Strecke hat der Kölner Mathias Engel zu verteidigen, der Titel der Dauerfahrer wurde im vergangenen Jahre bekanntlich nicht vergeben. Im einzelnen zeigt die Melde- liste folgendes Bild: Dauer fahrer: Sawall, Möller, Krcwer, Saldow, Lc- wanow, Rosellen, Bauer, Ehristmann, Dederichs, Damerow, Tho- mas, Corpus, Meer(Hannover), A. Schmidt(Dresden). Schindler. Wißbröcker, Hille, Schäfer, Jürgens, Hauke, Ax(Aachen), Olböter (Stettin), Neumann(Chemnitz). Flieger: M. Engel, Beinert, Benninghoff, Buschenhagen, Dorn, Einsiedel, Froch, Frankenstein, Fricke, Funda, Goebel, Gott- fried, M. Hahn, Hürtgen, Joksch, Junge, Graue, Kirbach, Knappe, Krollmann. Krüger. Kroll, Kühl, Lorenz, Maczinsky. Oszmclla, Rieger, Rütt, Seiferth, F. Schamberg, P. Schamberg, Stesses, I. Steger, Steinbach, Wette. Bernhard. Vieweger, Kedzierski, Schwemmler, Lahne(Halle), Michaelis. Stübbeke, Behrendt. Kan- torowicz. Nickel. Mühlbach, Völtz, Kuhn. Valke.' Berliner Meisterschaft im Ringen. Auch der zweite Tag des R i n g e r w e t tst re i t s um den Berliner Meister im Wilmersdorfer„Viktoriagarten" gefiel durch schnelle Entscheidungen. Der Berliner Moebus fiel durch den Estländer Nestroem in der 7. Minute durch einen Ausheber. Nur 5 Minuten benötigte der Rheinländer Hansen-Efch zu seinem Sieg über den Estländer Renter. Der erste Start des bekannten Holländers van den Born stand unter einem ungünstigen Stern. Der leichtere Brückner-Breslau überrumpelte den Holländer im Angriff so glänzend, daß dieser selbst auf die Schultern kam. Mit einiger Spannung wurde dem ersten Start des jüngsten Mitgliedes des JRB., Marunke, entgegengesehen. M., der seit seinem Heraus- forderungskampf mit dem Finnen Huthanen dessen gelehrigster Schüler wurde, rang in seinem ersten Debüt mit dem schweren Kölner Kochhansti ein verdientes Unentschieden. Mitwoch abend: Das zeitweise etwas amüsante Treffen zwischen Voigt-Glatz und Nestroem endet« mit dem Sieg des Nordländers, der seinen Gegner in der 14. Minute durch Ueberstürzer abfing. Renter-Estland und Moebus-Berlin gingen ohne«in Resultat über die Distanz. Das Ringen Kochhanjki-Köln gegen den groben Holländer van den Born oerlief äußerst bewegt und endete unentschieden. Der Holländer mußte wegen unsportlichen Verhaltens«ine Verwarnung hinnehmen. Das erste Entscheidungstreffen Brückner-Breslau— Poczeba war der interessanteste Kampf des Abends. Ein finnischer Ausreißer in der 47. Minute macht« diesem Treffen zugunsten des letzteren«in Ende. Gestern fielen in allen Kämpfen Entscheidungen. Schachschneider- Berlin siegte über Brückner-Breslau nach 20 Minuten und Nestroem- Skandinavien über den Holländer van den Born in der 20. Minute. Voigt-Glatz erlag dem schweren Oberschlesier Poczeba durch einen Ueberstürzer: Ringzeit 15 Minuten. Im Entscheidungskampf der zwei vorzüglichen Techniker Kochhanfki-Köln und Marunke-Sachsen glitt der Kölner in der 51. Minute auf der durch den plötzlichen Regen glatt gewordenen Matte aus und wurde dann von dem Sachsen festgehalten. Kochhansti legte gegen diesen Sieg seines Gegners Protest ein. Heut« ringen: Marunke— Nestroem, Poczeba— Hansen-Esch, Voigt gegen Schachschneider und bis zur Entscheidung Renter— Moebus. Jubiläum des ständigen Boxringes. Gestern abend konnte der„Ständige Boxring" im Garten der Bockbrauerei seinen 50. Abend vor sehr gut besuchtem Hause ver- anstalten. Das Jubiläumsprogramm brachte auf deik ganzen Linie guten und harten Sport. Im einleitenden Federgewichtskampf siegte der Hannoveraner T h r i e n e über Baumgartner- Ungarn nach Punkten. Im Weltergewichtskampf zwischen Helmuth Schulz- Königsberg und Enfel-Köln gab es ein Unentschieden. Ensel hatte zwar zuerst durch saubere Arbeit knappe Vorteile, war aber später wegen einer Verletzung an der rechten Hand stark benachteiligt. Der Berliner Mittelgewichtler Hermann H e r s e(140) konnte gegen den guten Belgier Walter Liberi(143) nur ein glückliches Unent- schieden erreichen. Einen guten Eindruck hinterließ auch der belgische Bantamgewichtler Joseph B i e s e m a n s(102), der gegen den deutschen Fliegengewichtsmeister Karl Schulze-Magdeburg(108) antrat. Der Magdeburger mußte alle Register aufziehen, um die schweren Schläge seines Gegners zu vermeiden. Zum Schluß war Schulze knapp überlegen, was aber an dem Resultat nichts mehr ni ändern vermochte. ■Arbeiter-i-focike�. Nü rnbergmannf cha ft gegen ASC. und Ostring kombiniert. Ein weiteres Uebungsfpiel der Berliner Kreismannschaft findet Sonn- abend 6. Juli, 18?� Uhr, auf dem Sportplatz im Friedrichshain statt. Die Kreismannschaft spielt in der gleichen Aufstellung wie bisher und wenn auch der Gegner diesmal aus zwei Vereinen kombiniert, wesentlich verstärkt antritt, dürfte doch mit einem Sieg der Kreismannschast zu rechnen sein. Nürnbergmannschaft: schwarze Hose: Gegner: ganz weiß. Schiedsrichter: Nordring. Altersricgenlurner und Sportler des 1. Kreises. In den letzten Jahren sind die Altersriegen im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes dazu übergegangen, neben den Turnabenden und Wanderungen im Sommer noch gemeinsame Spiel- und Bade- abende abzuhalten. Auf dem schönen Badeplatz der Ortsgruppe Neukölln der„Freien Schwimmer Groß-Berlin", an der Grenz- alleebrücke, werden sich daher Sonnabend, 6. Juli, die Altersriegen- turner und-fportler beim fröhlichen Spiel zusammenfinden. Männer und Frauen werden Ballspiele und Freiübungen veranstalten, wer- den schwimmen und springen, daß inan ihnen ihr Alter kaum an- merken wird. Sie schöpfen hier neue Kraft für ihren Kampf um die Existenz. Nach einer kurzen Besprechung, in der das Bundes- fest in Nürnberg sowie die Herbstwanderung nach Luckenwalde de- handelt werden, wird nach eingetretener Dunkelheit von den„Freien Schwimmern Groß-Berlin" ein Fackclreigen geschwonimen werden. Bundesmitgliedsbuch ist beim Betreten des Bades vorzuzeigen. Eintritt und Baden ist frei. Kartell s. Arbeitersport u. Körperpsleiic, Be,. Tiergarten. Moiila«, 8. Juli, 20 Uhr, Kartellsitzung bei Liebsch, Wilhelmshavcncr Strohe tfi. Vereine des Arbeiter-Anglerbundes entsenden auch Vertreter. FTSB. Bezirk Friedenau. Trott der unvorheraefchencn 3u>isckicnfälle findet das Sommerfest bestimmt statt in Schillinos Fcstsalcn, Dahlem-Dorf, ftBrnflin-Suifc-Stcoftf, U-Bahn bis Dahlem-Dorf, Strahcnbahn 48. Safte aus Parteikreisen besonders willkommen. Freie Schwimmer Sroh-Berlin. Gruppe Oberspre«. Leute 20 Uhr, Mit- gliederversammlung im Elscncck, Kiefholz- Ecke Elsenstrabc. FTGB. Süden. Während der Schulferien Montags und Donnerstags Ueben auf dem Urbanplat,. Montag, 21 Uhr, bei Vogt, Voppstr. R, Ver- fammlung der Männerabteilung. Donnerstag, Uhr, alles antreten auf dem Urbanplatt zum Kartellwerbefest. Sonnabend, 18. Juli, 20 Uhr. Bezirks- Versammlung, u. a. Antrag auf Beitragserhähung. Freie Wasserfahrrr Köpenick E. V. Fahrten im Juli: Am 7. Pflichtfahrt zum Spiel- und Eportsonntag am Crossin-Scc. Am 18. Biricnschlag. Am 20. Seddin-Ecke. Am 27. Kl. Miggel. Ferienfahrtteilnehmer sahren am 20. 7. zum Hölzernen See— Dubrow. Vorstandosihunq am 17. 7. bei Kohl- mann. Danziger Straße 83. Nächste Mitgliederversammlung 2. August, 20 Uhr. bei Heine. Anschrift: R. Krüger, Köpenick, Bahnhokstr. 10. Nuder-Vereia-ckollegia, e. V., Eharlottcnbnrg. Leute, 5. Juli, beschlui,- fasscnd« Sißung bei Thunack, Charlottcnburg, Wiclandstr. 4. Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbund.Solidarität", Gau«, Bezirk 1, 2 und 21. Start und tziel ist für sämtliche Rad- und Motorfahrcr Sonnabend, 0. und Sonntag, 7. Juli, zu den Bundesmcisterschaftcn. Für die Straßen- Wettbewerbe werden eine ganze Anzahl Motorräder mit und ohne Beiwagen gebraucht. Es ist deshalb Pflicht eines jeden Motorfahrers, soweit er nicht von den Motorradwcttbcwerhcn in Anspruch genommen wird, sich zur Ver- fügung zu stellen. Treffen Sonntag, 7. Juli. 4 Uhr, in Groß-Jiethen bei Genossen Meinert. Aber auch die Beseßung der Kontrollen muß rechtzeitig geschehen und werden dieselben in Gemeinschaft mit den Rennfahrern per Auto zur Stelle gebracht. Keiner darf fehlen. Motorfahrcr, Abt. Lichtenberg, treffen sich am 7. Juli, 2l4 Uhr, bei Willi Friste, Iungstr. 20, zur Fahrt nach Groß-Jicthcn. Erscheinen ist Pslrcht. Die Ouartiergästc sind Freitagabend vom Gcwerksclioftshaus und Sonnabend den ganzen Tag von der„Zleuen Welt", Hasenhcide, in Empfang zu nehme». .Tennis-Rot", Abteilung Spandau. Sistungen finden icstt regelmäßig jeden Montag nach dem Monatsersten statt. Nächste Jusommenkunft Montag, 8. Juli, nach dem Spiel 2»Vi Uhr. im Spandauer Jugendheim. Linden- ufer 1. Tagesordnung u. a.: Berichte aus Kartell- und Funktionärvcrsamm- lungen. Neue Verteilung der Spielstunden und Regelung der Plastmiete». Obmann: Dr. Hans Krieg, Spandau, Radelandstr. 58. Morgen Radmeisterschaften. Am Sonnabendnachmittag, punkt 16 Uhr, beginnen in der „Neuen Welt" die Weittämpfe um die deutschen Radsport- m c i st e r s ch a s t« n des Arbeiterrad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität". Das Programm dieser größten Radsportschau sieht neben den eigentlichen sportlichen Wettbewerben im Saalsport, in Straßen- und Bahnrennen auch noch zahlreiche andere V«ranstal- tungen vor. Am Eröffnungstage wird, während die Vorwettbewerb« im Saalsport beginnen, im Garten der„Neuen Welt" ein großes Kon- zert veranstaltet.' Auch in den Sälen find zwei Kapellen tätig. Den DEUTSCHLANDS größte und schönste RADSPORTSCHAU 900 WettkMmpferinnen und Wettkämpfer aus ganz Deutschland FOLGE DER VERANSTALTUNGEN Sonnabend, den 6. Juli 1929 16 Uhr ,NeueWelt'QroßerSaaI-NeuerSaal Saalsportwettkäm pfe 20 Uhr.Neue Welt Im Garten, in den Sälen Begrüßungsfeier Sonntag, den 7. Juli 1929 4.30 bis 7.45 Uhr Start und Ziele bei Groß-Ziethen Stra ße n wettkäm pfe 8 Uhr.NeueWelt'QroßerSaal-NeuerSaal Saalsportwettkämpfe 15 Uhr Rütt-Arena Bahnwettkämpfe-1 4 Rennen 18 Uhr.NeueWelt'GroßerSaal-NeuerSaal » Schaufahren der Radsportmeister vod Deutschland Abschluß des Sonnabends bildet ein Begrllßungsabend, an dem der Bezirk Neukölln der FTGB., die Arbeiterathleten und die Kunstfahrerfamilie Schieritz-Dresden mitwirken werden. Abends 20,30 Uhr werden sämtliche Saalmannschaften von der Rütt-?lrcna zur„Neuen Welt" umziehen und sich im Anschluß daran zu einem Aufmarsch in beiden Sälen gruppieren. Am Sonntagnachmittag werden während der Durchführung der Wettbewerbe im Garten der „Neuen Welt" Konzerte,- Vorführungen der FTGB., der Athleten und des Berliner Ulk-Trio stattfinden. Auch für die zahlreichen auswärtigen Gäste von„Solidarität" ist gesorgt. Am Sonntag werden Rundfahrten unter der Leitung Theo Marets ver- anstaltet, der einen U«berblick über das Berlin der Gegensätze geben wird. Während der Bahnwcttbcwerbe auf der Rütt-Arena werden Flugzeuge des„Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen, Schausliegen veranstalten und Rnndflüge(zu ermäßigten Preisen) vornehmen. Ein Flugzeug des„Sturmvogel" wird am Sonntag, nach Schluß der Vorführungen auf der Rütt-Arena, einen Bericht üb«r die Veranstaltung über dem„V o r w ä r t s"? H a u s e abwerfen. Den Abschluß der Gesamtveranstaltungen bildet ein Dampferausflug am Montag, der die Festteilnehmer in die Umgebung Berlins führt. Die Radsportschau wird in allen Teilen gefilmt werden. lZz soll nicht nur ein großer Werbefilm entstehen,„Solidarität" plank auch, die Vorführungen auch dieser Veranstaltungen zur Herstellung von Lehr- und Zeitlupenfilmen zu benutzen. Die Filme werden durch die„D«ka"-Filmgefcllschaft hergestellt. Während des Festes wird das Fahrradhaus„Frischauf", das Bundesgeschäft d«s Ar- beiterrad- und Kraftfahrerbundes, mit einer großen Ausstellung in der„Neuen Welt" für feine Erzeugnisse(Fahrräder, Motorräder usw.) werben. Am Sonntag nachmittag um 13'/- Uhr findet endlich ein Blumenkorso sämtlicher Motorfahrer statt, der vom Ge- werkschastshaus ausgehend durch die Stadt zur„Neuen Welt" gc- führt wird. Zahlreiche Möglichkeiten bieten sich also am Sonnabend und am Sonntag den Freunden des Arbeiterradsports: Festprogramm und sportliche Wettbewerbe in den Ehlen und im Freien werden mit- �einander wetteifern, allen Besuchern der Radsportschau das Beste zu bieten. >. Achtung, Falschgeld im Llmlauf! Wer sind die Münzverbrecher? Wohl jeder hat schon in seinem Leben ein falsches Geldstück in der Hand gehabt. Ein Zehnpsennig-, Aünfzigpfennig- oder INarkstück. Mancher wurde auch schon härter gelrossen, indem er eine gröhere Banknote in Empfang nahm, die sich später als gefälscht herausstellte. In den meisten Fällen befand man sich im Besitz einer falschen Münze, ohne es überhaupt zu wissen, und gab sie auch wieder aus. Denn wer nimmt sich heute die Mühe, das kleine Geld, das er vom Schaffner, Kellner, Verkäufer empfängt, auf feine Echtheit hin zu prüfen? Und entdeckt man rein zufälligerweise, daß man ein Fasifikat in Händen hat, nun, so versucht man, es wieder l o s zu werden, ohne daran zu denken, daß man sich st r a f b a r macht. Denn unter den Begriff Münz betrug fällt jede Ver- ausgabung von Münzen, die man zwar als echt angenommen, aber nachträglich als unecht erkannt hat. Man braucht also nicht gerade ein Falschmünzer oder mit ihm im Bund« zu sein, um mit den Strafgesetzen in Konflikt zu kommen. Woran erfenni man Falsifikate? Meistens bedarf es wohl keiner allzu großen Sachkenntnis, falsches Geld von echtem zu unterscheiden. Metallgeld- f a s i f i k a t e sind häufig so schlecht gearbeitet, daß etwas Aufmerk- fanikeit genügt, sich vor Schaden zu bewahren. Man hat ja ver- schiedene Prüfungsmethoden, die man in Zweifelsfällen anwenden kann. Die meisten Menschen werden die Echtheit einer Edelmetall- münze nach dem Klang beurteilen. Aber dieses Mittel ist nicht immer zuverläjsig. Oftmals hat ein echtes Edelmetallstück einen dumpfen Klang, weil es bei der Herstellung mißlungen ist. Biel sicherer ist die F a r b e n p r ü f u n g, wenn es sich um Falsifikate von Nickelmllnzen handelt. Die falschen Stücke, die aus einer Mischung von Blei und Zinn hergestellt werden, klingen fast wie Bickelmünzen, zeigen aber eine graue Färbung, die hauptsächlich vom Blei herrührt. Ganz schlechte Falsifikate kann man sogar als Blei- frifterfatz benutzen. Auch der Magnet ist ein beliebtes Prüfung?- mittel. Die echte Nickelmünze wird stets von ihm angezogen werden. Augenblicklich befinden sich keine Goldstück« im Bcrkehr, so daß also die Fälschung von„Füchsen' hinfällig geworden ist. Silber- geldfalsifikate sind gewöhnlich leichter als echte Stücke; außerdem fühlen sie sich, wenn sie aus Zinnmischungen bestehen. fettig an. Hat der Fälscher sie versilbert, sind sie außerordentlich glatt. Etwas schwieriger ist es schon falsche Banknoten zu erkennen. Hierbei spielt die mangelhaste Beobachtungsgabe eines jeden einzelnen eine große Rolle. Wir sehen nämlich nichts. Ber- suchen Sie einmal, aus dem Stegreif die Farbe, das Aussehen eines Fünf-, Zehn- oder Zwanzigmarkscheines zu beschreiben. Der Kassierer, der Verkäufer wird es natürlich wissen, aber derjenige, der nicht täglich mit diesen Banknoten zu tun hat. wird versagen. Daher kommt es auch, daß oftmals falsche Geldscheine in Umlauf sind, deren Bild dem der echten durchaus nicht ähneln. Namentlich während der Inflationszeit machten viele ihre eigene Banknoten- fabrik aus und produzierten bunte Scheine. Kein Mensch konnte ja damals die verschiedenen Sorten von Papiergeld, die auf uns nieder- regneten, auseinander halten. Da wurden höher« Werte auf die Scheine gedruckt, mit Hilfe eines Federhalters verwandelte man eine Million in eine Milliarde usw. Niemand achtete auf die Papierf«tzen, deren Wert meistens sehr gering war. Und auch heute erleichtert die- Unkenntnis über das Aussehen der Bank- noten den Falschmünzern die Arbeit. Aber da Geldscheine einen höheren Wert repräsentieren, können sich die meisten Menschen immerhin noch entsinnen, w o sie eine falsche Banknote erhalten haben. Und das erleichtert nun wieder der Polizei die Arbeit. Der tüchtige Falschmünzer wird natürlich versuchen, seine Falsifikat« den echten Scheinen so ähnlichwie möglich zu machen. Aber die Schwierigkeiten sind zu groß. Die Herstellungsart der echten Banknoten ist so kompliziert, daß selbst gerissene Fälscher immer nur Stümperwerk fabrizieren können. Ihnen fehlt das Papier, sie können die Guillochierung nicht herstellen, und auch das Wasserzeichen kann nur nachträglich erzeugt werden. Eben- falls kann der Fälscher die bunten Fasern, die jede echte Banknote aufweist, nur schlecht nachahmen. Oftmals klebt er sie auf. Aber auch das ist leicht festzustellen. Wie wird Falschgeld hergestellt? Am besten wird sich der gegen Falsifikate schützen können, der mit den Herstellungsarten des falschen Geldes vertraut ist. Wir haben Betrüger, die sich mit einem verhältnismäßig geringen Nutzen begnügen, und wir haben Falschmünzer, die sich auf den Großbetrieb geworfen haben. Zur ersten Sorte gehören die Fälscher, di« zum Beispiel eine Edelmctallmünze beschneiden oder abseilen, sie also in ihrem Werte verringern und wieder in den Verkehr bringen. Dieses Versahren, das auch„Kippen und Wippen' genannt wird, ist natürlich in Deutschland, wo keine Goldmünzen in Umlauf sind, nicht ertragreich. Früher wurden auch Goldstücke mit«inem Hohlbohrer ausgehöhlt und mit einem minderwertigen Metall gefüllt. Auch Säuren oder galvani- sche Aetzungen waren ein beliebtes Mittel, Werte aus einer Gold- münze zu erzeugen. Die meisten Metallgeldfalsifikate werden g e- gössen. Diese Herstellungsart hat zwar ihre großen Nachteile, ist aber billig und verhältnismäßig einfach. Der Falschmünzer braucht keinen großen Apparat. Einige Gußrahmen und Metalle genügen zur Eröffnung«iner kleinen Nebenmünze. Nun gibt es aber auch falsches Geld, das geprägt wird. Aber da diese Her- stellungsart mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, kommt sie verhältnismäßig selten vor. Die bedeutendste Rolle bei der Er- zeugung von Falschgeld kommt der G a l v a n o p l a st i k zu, deren sich geübte Fälscher meisterhaft bedienen. Auch die Banknotenfälscher stellen alle technischen Fortschritte in ihren Dienst. So waren seiner- zeit auf der Berliner Polizeiausstellung sehr gut ge- lung«ne Fälschungen zu sehen, die mittels der Farbenphotographi« hergestellt waren.» Die Erzeugung salscher Geldscheine setzt ein hohes Waß an technischem können voraus. Infolgedessen besteht das Gros der Münzoerbrecher aus sehr intelligenten Menschen. Vornehmlich unter den Herstellern der Papier- falsifikate trifft man wiederholt ganz hervorragende Köpfe, Er- finder und Gelehrt«, die zuerst ein rein wissenschaftliches Interesse am Fälschungsoerfahren hatten, aber später doch der Ver- s u ch u n g, das falsche Geld in den Verkehr zu bringen, erlagen. Die erfolgreichsten Falschmünzer waren früher Chemiker, Zeichner, Photographen, Feinmechaniker, Schriftsetzer und Lithographen ge- wesen, hatten also Berufe ausgeübt, in denen sie die für ihr neues Metier erforderlichen Erfahrungen gesammelt hatten. Wird ein Falschmünzer bei der Verausgabung eines falschen Scheines ver- hastet, so wird man selten noch andere Falsifikate in seinen Taschen finden. Sie hat entweder ein auf der Straße stehender Komplice in Verwahrung, oder sie befinden sich an einem anderen sicheren Ort. Die Münzverbrecher geben der Polizei manche harte Nuß zu knacken. Haben sie ihre Strafe, die verhältnismäßig hoch ist, ab- gesessen, nehmen sie in den meisten Fällen ihr Falschmllnzermetier wieder auf. Aber an der Art, wie die Falsifikate gearbeitet sind, erkennt die Polizei ihre alten Kunden wieder und legt ihnen sehr bald das Handwerk. Auflösung der polnischen Freidenkervereine. Das Innenmini- sterium chat die Zentrale des polnischen Freidentervereins in War- schau und sämtliche Ortsgruppen dieses Vereins in allen anderen Städten Polens aufgelöst und die Einstellung des in Warschau erscheinenden Organs des Freidcnkertums„Mysl"(Der Gedanke) verfügt. In Königshütte kam es von neuem in Lichtspieltheatern zu Krawallen, die durch Mitglieder des polnischen Westmarkenvereins und polnische Schüler wegen der in deutscher Sprache abgefaßten Begleittexte, hervorgerufen wurden. Infolgedessen hat ein Kino die deutschen Filmtexte wieder entfernt. Im Kerker verschwunden. In den Fingern der Faschistenjustiz. Am 20. April wurde in Mailand beim Verlassen des Zuges der schweizerische Bahnangestellte Peretti von der italienischen faschistischen Polizei verhaftet und eingesperrt. Sein Verschwinden beunruhigte zuerst seine Arbeitsgenossen und schließlich, als es sich zeigte, daß es unmöglich ist, das Geringste über sein Verbleiben zu erfahren, auch weiter« Kreise der T e s s i n e r Bergbeoölkerung. Die italienischen Polizeibehörden antworteten auf Anfragen, daß ihnen nichts bekannt sei. Auch der Schweizer Konsul in Mailand konnte zunächst nichts über die Angelegenheit in Erfahrung bringen. Als sich die Beunruhigung steigerte, richtete das Schweizer Politische Departement eine telegraphifche Anfrage nach Mailand und Rom, worauf schließlich an die Schweizer Gesandtschaft die Mitteilung er- folgt«, Peretti sei wegen schuldhafter Beziehungen zu anarchistischen Kreisen verhastek worden und befinde sich im Gefängnis der politischen Polizei. Peretti war stets als ein ft i l l e r Mann bekannt: er lebte sehr zurückgezogen, nahm nie an irgendwelchen Versammlungen teil und seine nächsten Kameraden sind überrascht, daß man ihn in Italien als Anarchisten betrachtet. Nun soll er von einem gehässigen Spezialgericht zum Schutze des Staates abgeurteilt werden, welches gewohnheits- mäßig für die geringfügigsten Vergehen Jahrzehnte von Ge- föngnisstrafen oder Verbannung auf die Inseln mit mörderischem Klima austeilt. Die Aufregung und Sorge um Perertis Schicksal steigerte sich aber außerordentlich, als bekannt wurde, daß weder der Advokat, der von der Schweizer Gesandtschaft mit dieser Angelegen- heit betraut wurde, noch der von der Tessiner Regierung nach Mailand entsandte Polizeibeamte die Erlaubnis bekommen konnke. Peretti zu besuchen. Das Verbot, Peretti zu sehen, hat natürlicherweise Veranlassung zur Verbreitung verschiedener Gerüchte— daß Peretti von den Faschisten bös« zugerichtet worden ist, oder tot sei— gegeben. In der Sitzung des Nationalrates vom 18. Juni 192S kam der Fall Peretti zur Verhandlung. Der sozialdemokratische Nationalrat B o r e l l a sprach zur Begründung der am 13. Juni eingereichten und außer von den Sozialdemokraten auch von den Tessiner Radikalen unter- zeichneten Interpellation in der Angelegenheit Peretti. In der Be- antwortung der Interpellation berichtete Bundesrat M o t t a über die Bemühungen der schweizerischen Behörden, Auskunft über das Schicksal Perettis zu bekommen und daß es nun gelungen sei, einen Besuch bei Peretti zu erwirken. Bundesrat Malta verlos dann den Bericht über den. Besuch, den der schweizerische Konsul Nllni am IS. Juni im Gefängnis machen konnte. Der Besuch wurde unter der Bedingung gestattet, daß die Unterhaltung italienisch stattfinde, daß keine Fragen gestellt würden, die mit der Verhaftung zusammen- hingen. Der Konsul konnte daher nur fragen, wie es Pereiti geh« und ob er etwas wünsche. Dieser gab die Antwort, er könne sich nicht beklagen und äußerte verschiedene kleine Wünsche. In einigen weiteren Be- merkungen, die Borella zum Fall Peretti machte, machte er unter großer Spannung der Anwesenden daraus aufmerksam, daß man schließlich trotz allem nicht wissen kann, ob Peretti lebt— denn der schweizer Konsul konnte Peretti nicht persönlich, so daß es nicht sicher sei, ob Peretti wirNich vor dem Konsul stand. Eine furcht- bare, in bezug auf einen demokratisch verwalteten Staat mit ge- ordnetem Justizversahren schier unausdenkbar« Vermutung—, scheint weniger phantastisch und zugleich bezeichnend, wenn es sich um das faschistische Regime Mussolinis handelt. 803 Konkurse und 448 Vergleiche. Das Statistische Reichsamt teilt mit, daß im Juni 803 neue Konturse und 448 er- öffnete Vergleichsverfahren zu verzeichnen waren. Die wegen Masscmangels �abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung sind in dieser Statistik nicht enthalten. Die Bodenreform in Böhmen. Der Großgrundbesitz Pürglitz wurde auf Grund des Bodenreformgesetzes vom Staate enteignet. Der Grundbesitz, der 29 000 Hektar umfaßt, gehörte dem Fürsten zu Fürstenberg. fDr die Zeit vom 5. bis 8. Juli K I M O-T A F Ell' ROGRAM M für die Zeit vom 5. bis 8. Juli ©oo Potsdamer Strafe 35 Simba, der Könid der Tiere William Fairbanks als Sdmtzmann a. D. Jugendliche haben Zutritt Rlieinstratje 14 Abentener mit Charlie Chaplin Kehre wieder Afrika(6 Akte) Jugendliche haben Zutritt OdeODj PotsdamerSlr.75 (Das Heldentum zweier Völker) Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Verlängert: Verdun (Das Heidentum zweier Völker) Jugendliche haben Zutritt Turmstratje 12 Wenn dweihe Fit ederwieder blüht William Fairbankt als Schutzmann a. D. Jugendliche haben Zutritt a Schönebera ck Alhambra Be*M&r u- Schöneberg, Hauptstr. 30 Simba, der König der Tiere Moana, Sohn der Südtee Bühnenschan Jugendliche haben Zutritt Titania(uta slhönehcrg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Simba, der König der Tiere Die Buddenbrooks Nordwesten Welt-Kino Alt-Moabit 99 Abenteuer mit Charly Chaplin Erlebniste d. kl. Marion Larouge mit Lya Mara Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 4 U. Geld, Geld, Geld!(nach Zola) mit Brigitte Helm« Abel Dat gute Beiprogramm ■ StegHt«■ Titania-Palast Steglitz, SchtoBstr.5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Sfindig and*08 Auf der Bühne: Gastspiel Engen Rex Uehterfelde-West> Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 U. Stg, 3U.J.-V. Hindenburgdamm 58a Der Präsident mit Iwan Mosfukin Palais de Dansc Beiprogramm BOhnensdtaa Hi-Li Südwesten Film-Palasi Kammersäle Teltower Str. 1— 4 Beginn 6 U. Die Regimenlslocfaler mit Betty Baiionr Die Jagd nadi der Erbschaft Nf ja T i Mariendorfer lld-L-l Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Wenn der welke Flieder wieder blObt Schutzmann a.D. mit W. Fairbanks BOhucn« chau G Süden 1 Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Das indische Grabmal I. u. II. Teil mit Mia May, Erna Morcna, Olaf Föns Filmeck Be*,nn=w-£Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der Graf von Monte Christo mit LH Dagover Gute Bühnenschan Jugendliche haben Zutritt Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Blaue Jungs— blonde M&dels Die Vierte von Rechts 3 Bühnen-Attraktionen B Neukölln j Primus-Palast Hermannplatz Der Graf von Monte Christo(I) mit LU Dagover, Jean Angelo Auf der Bühne; Selbo, komischer Jongleur, 4 Lions. amerikanische Akrobaten Jugendliche haben Zutritt Elysium(nÄU) Hasselwerderstraße 17 (Das Heldentum zweier Völker) Revueparodie: Wir reisen um die Well WeiOeiuee Schloßpark Film- BQhne Berliner Allee 205— 210 Verden (Das Heldentum zweier Vöflcer) Ausstattungs-Revue; Mab Kfacokt sich Roten ■ 0»t«"■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentg. ab 7 Un Sonntag ab 5 U. Der Mitternachiswalxcr nach der gleichnamigen Operette Gutes Beiprogramm Ausgezeichnete Bühnenschan Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. ir Verdun (Das Heldentum zweier Völker) Revue: Schmückt die Frauen Concordia-Palast Andreasstraße 64 Simba, der König der Tiere Dos Weib des Gardisten (Russenfilm) Bühnenschan Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Der Spion von Odessa Was kostet Liebe? Bühnenschan > FriedrlchsfRlSr�� Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Dornenweg einer Fürstin mit Wiad, Gaidarow, M.Kid Der Schlauberger Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Pamir Der Zigeunerprimas Böhne: 7 wandernde Studenten. «Deutschet Volkslied" ■ Norden V Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Das Geheimnis des Zirkus Barre mit Harry Piel Die Siegerin mit O.Tscfaechowa Collosseum Film- und Bühnenschan Schönhauser Allee 123 Erotik Auf der Bühne: Internationale Radrennen um den Collosscum-Preis Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Abenteuer mit Charlie Chaplin Beiprogramm Bühnenschan Fortuna-Tageskino Müllerstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Das Weib des Gardisten(7 Akte) Ja. Ja, die Fran'n sind meine schwache Seite Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 U. Jugend v. Erotik Abentener mit Charlie Chaplin „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die keusche Kokotte Palais de Dansc Bühnenschan W RRlnKkRtHlorf'Ost"� Bürgergarten-Licfatsp. Hauptstraße 51 Der Graf von Monte Christo(1. T.) Schrecken der Prärie Bflhaenschao Jugendliche haben Zutritt W oesundbrunn#»» „Alhambra" Badstraße 58 Die Launen einer schönen Frau Sperlinge Gottes mit M. Pickford Grobe Bühnenschau Balls ehmieder- Liditsp. Badstraße 16 Wenn d. wci$e Flieder wieder blüht Sklavin einer Ehe mit Dolores dcl Rio Grofjc Bühnenschan Humboldt-Theater Badstraße 16 Konfetti Beiprogramm Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die gro�e Leidenschaft mit LH Dagover Bühne. Gr. Revue: Kaviar fürs Volk Palast-Theater Breite Straße 21 a Durchs Brandenburger Tor (So lang noch unter'n Linden) Beiprogramm Tivoli* Pankow Berliner Straße 27 Verdun (Das Heldentum zweier Völker) Beiprogramm Grolje Bühnenschan Niederichönhacr �i%\ Film-Palast Blankenburger Straße 4 Der Graf von Monte Christo fl.Tü Der Zigeunerprimas m. E. Vcrcb«,